Nr.'35 Erstes Blatt 187. Zahrgang Montag, 14. Zum 1937 (tr|d)eiru «ügJtO), nutzer Sonntage and Feiertag» Beilagen: vte 3IIu|tricrtt (Lietzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholl» Qlonats« Bezugspreis; Uhl 4 Beilagen NM. 1.85 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr . , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernfprechanschlüfte unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach» richten Anzeiger Siesten poftschecttonto: Fronlsurt am Main 11686 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vruck und Verlag: vrühl'sche Univerftlatsvuch- und Steindruckerei R. Lange in Gietzen. Schristleitung nnd Geschäftsstelle: Schulftratze 7 Annahme oon Anzeigen für öte Mittagsnummer bis 8*/.Uhr des ‘Bormittags Grundpreise für l mm höhe für Anzeigen oon 22 mm Breite 7 Rpf., für Text» anzeigen von 70mm Breite 50 Rps.,Platzvorschrist nach vorh v.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" zu verzeichnen waren. Die schlagartige Hebung des Lebensstandards der breiten Masse unseres Volkes seit 1933 ist so gewaltig, wie sie in der Geschichte des deutschen Volkes nie zuvor beobachtet worden ist. Hinter den nüchternen Millionenzahlen, die Zeugnis von den Leistungen der NSG. „Kraft durch Freude" ablegen werden, steht die Lebens-undSchaf- fensfreude eines ganzen Volkes. „Kraft durch Fseude" ist zum Symbol des Lebensgefühls deutscher Menschen geworden. Am 5. Mai lief der erste der von uns in Auftrag gegebenen Ozeanriefen in Anwesenheit des Führers in Hamburg vom Stapel. In wenigen Monaten wird der Stapellauf des zlyeiten Schiffes folgen, das ebenfalls 25 000 Tonnen groß fein wird. Dieser Schiffsbau ist ein Symbol deuffcher Volksgemeinschaft, das in der deuffchen Geschichte einzigartig dasteht. Ebenso verhält es sich mit den riesigen Seebäderanlagen, die für „Krast- durch-Freude"-Urlauber auf Rügen gebaut werden. Die Entwicklung der „Kraft-durch-Freude"-Reisebe- roegung oon 2 Millionen Reifenden auf 3 Millionen und im letzten Jahr auf 6 Millionen zeigt die Größe der Aufgaben, die zu bewältigen sind. Wir werden schon im kommenden Winter unsere kdF.-Flotte zu großen W i 11 e l m e ersah r t e n einsehen. (Stürmischer Beifall.) Der deutsche Arbeiter wird Venedig, Neapel und Rom kennenlernen. Unter dem stürmischen Beifall aller Anwesenden teilte Reichsamtsleiter Schöne deuffche Volkstänze im Hamburger Hafen, r- (Scherl-Bilderdienst-M.) I Das Sportamt hat die Aufgabe, durch die Organisierung des Massensportes den volkshygienisch so wichtigen Gedanken der Leibesübungen auf breitester Grundlage durchzusetzen. Wir wollen möglichst alle schaffenden Volksgenossen körperlich ertüchtigen, um so ihr Lebens- und Leiftungsalter hinaufzusetzen. Daher wird auch der Ehrentitel „Nationalsozialistischer Musterbetrieb" mit von der vorbildlichen Führung des Betriebssportes abhängig gemacht werden (Beifall). Die Zahl der Teilnehmer an den Sportveranstaltungen ist von rund 5 Millionen im vergangenen Jahr auf 7,5 Millionen im letzten Jahr gestiegen. Volkstümlichkeit, Einfachheit und Billigkeit sowie beste Uebungs- 1 eiter: Das find die Prinzipien, die den Erfolg unseres Sportamts sichern. Das Amt Schulung und Volksbildung soll die Menschen in ihrer Freizeit betreuen, die in ihrem Streben nach neuen Erkenntnissen auf allen Gebieten des Wissens und der Lebenserfahrung eine sinnvolle Feierabendgestaltung erblicken. In 200 Volksbildungszentren wird vorbildliche Arbeit auf allen Gebieten geleistet. Das Amt „Schönheit der Arbeit" hat wesentlich dazu beigetragen, daß die Freude am Schaffen heute zu den stärksten und schönsten Gefühlen gehört, die der deutsche Arbeiter empfindet. Die Leistungssteigerung bei diesem Amt vollzog sich wie folgt: 1934: beanstandete Betriebe 2975, verbesserte Betriebe 2037. Die aufgewendete Summe dafür betrug 12 505 269 Mark. Im Jahre 1935 stieg diese Summe auf 99 389 398 Mark. Im Jahre 1936 waren es bereits 6185 Betriebe, die verbessert wurden. Da aber die ärgsten Mißstände bereits in den Doroergangenen Jahren beseitigt worden waren und vom Amt selbst vorbildlich Emheitsaus- rüftungen für die verschiedensten Sachgebiete entwickelt worden waren, konnten die aufgewendeten Beträge auf 79 288 498 Mark inzwischen gesenkt werden. Das Endziel des Amtes ist nicht der schöne Betrieb allein, sondern die feste und gesicherte, über alle Hindernisse hinwegschreitende Betriebsgemeinschaft. Reichsorganisationsleiter Or. Ley gab bann eine grundlegende Darstellung des weltanschaulichen Wollens der NSG. „Kraft durch Freude". „Alles, was wir in Deutschland haben und sind, sind wir allein durch Adolf Hitler!" stellte er unter jubelndem Beifall fest. „Und wenn man mich fragt, nach welchem Rezept die NSG. ,Kraft durch Freude" arbeitet, so antworte ich: Unser Rezept heißt Adolf Hitler! Wir haben kein anderes. (Stürmischer Beifall.) An der Spitze all unseres Wollens steht der Satz: Deutschland will leben! Deutschland wolle nichts weiter in der Welt als Lebensraum und Lebensmöglichkeiten und vor allem Anerkennung als gleichberechtigte Nation. Es sei eines der wichtigsten Merkmale, daß der Nationalsozialismus dem deutschen Volk d i e Lebensfreude wiedergegeben habe, die Lebensbejahung, die am klarsten in dem von jedem Deutschen vertretenen Grundsatz zum Ausdruck kommen: Wir kapitulieren niemals wieder!" Als die drei größten Quellen, aus denen der Nationalsozialismus den deutschen Menschen zu neuem Erstarken führt, kennzeichnete Dr. Ley den Willen zur Gemeinschaft, die Sorgen um den deutschen Menschen und den Willen zum Schönen. Dr. Ley schilderte dann den Einsatz des „Kraft-durch-Freude"- Werkes. Nicht weniger als 174 Millionen Mark werde die Deutsche Arbeitsfront in den nächsten beiden Jahren für den Ausbau weiterer Erholungsheime, Bäder und sonstiger Erholungseinrichtungen verwenden. Den zahlreichen Vertretern des Auslandes rief Dr. Ley zu: „Wir wissen, daß sich unsere soziale Ordnung nicht auf andere Völker übertragen läßt, und wir haben auch nicht die Absicht, uns in dieser Richtung zu bemühen. Aber wir wollen eine neue gemeinsame Grundlage finden, auf der sich die Völker verstehen und schätzen lernen, und diese Grundlage ist die Freude!" In dieses Bekenntnis Dr. Leys und in sein Sieg- Heil auf den Führer stimmten die Tausende einmütig und jubelnd ein. Nächtliche Feierstunde der HZ. am BiSmarck-Denkmal. Mit einer Feierstunde von seltener Wucht und Ausdruckskraft fand am Samstag der dritte Tag der Reichstagung „Kraft durch Freude" seinen Abschluß. Im Lichte riesiger Scheinwerfer und unzähliger Fackeln ragte das gewaltige Bismarck- Denkmal weithin über Elbe und Hafen. Die Danner der Hitlerjugend umspannten den Sockel, auf dem die Gruppen der HI., des BDM. und des Jungvolks tiefgestaffelt Aufstellung genommen hatten. Die Volkstumsgruppen von über 25 Nationen hatten in ihren Heimattrachten den großen Platz vor dem Denkmal gefüllt, und eine unüberfehbare Menschenmenge hielt die weiten Anlagen im Hafengebiet umsäumt. Wuchtig klingt dann Chorgesang in den nächtlichen Himmel, der überleitet zu dem gemeinsamen Lied aller Jungen und Mädel „Auf hebt unsere Fahnen". Reichsorganisationsleiter Dr. Ley betonte, daß alle Mühen und alles Schaffen umsonst gewesen wäre, wenn nicht die Jugend in der Zukunft das Erbe antrete. Deutschland kommt aus der Ewigkeit und wird ewig sein, so schloß Dr. Ley, weil Deutschlands Jugend Deutschlands Freiheit in ihren starken Händen hält. Der „Zestzug des deutschen Volkes". Die Reichstagung der NSG. „Kraft durch Freude" erreichte am Sonntag mit dem großen „F e ft z u g des deutschen Volkes" den Höhepunkt der festlichen Veranstaltung. Alle deutschen Gaue hatten gewetteifert, um in diesem großen deutschen Lebensbild würdig vertreten zu sein. Nicht weniger als 25 000 waren am Festzug beteiligt, lieber 200 festlich geschmückte und sinnvoll ausgestattete F e st- wagen rollten durch die festlich geschmückte Hansestadt. Lange vor Beginn des Festzuges ist auf den Tribünen kein freier Platz mehr, sind die Straßenzüge mit freudigen Menschen angefüllt. Alle Fenster sind dicht besetzt, selbst auf den Dächern stehen Taufende, um diese Stunden mitzuerleben. Man hört die Mundarten aller deutschen Stämme, hat doch die NSG. „Kraft durch Freude" dafür gesorgt, daß schaffende Deutsche aus allen Gauen diesen Tag miterleben können. Auf dem Adolf-Hitler-Platz wahnen der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß, und Reichsorganisationsleiter Dr. Ley dem Festzug bei. Unter den zahlreichen Gästen aus dem Ausland bemerkt man Abordnungen des französischen Kreuzers „Je an ne d' A r c" und des kubanischen Kanonenbootes „C u b a". Neben Dr. Ley sieht man den Leiter des italienischen Freizeitwerkes Dopolavoro, Commen- datore P u c c e t t i. Don der Alfter her schmettern Fanfarenklänge, unterbrochen von dem dumpfen Dröhnen von Hunderten von Landsknechtstrommeln. Schon schwenkt die Spitze des Festzuges auf den Adolf-Hitler-Platz ein: Mit strahlenden Augen zieht deutsches Jungvolk, Fanfarenbläser und Trommler, vor der Tribüne vorüber. Die Hitler-Jugend folgt. Dann blitzen die Spaten des Arbeitsdienstes. Dem Musikzug der S S. - S ta nd a r t e „Germania" folgen die ausländischen Volksgruppen mit den Fahnen ihrer Heimatländer. Belgien eröffnet den Reigen, Bulgarien, Dänemark, Estland und Finnland folgen. Vor der Ehrentribüne machen die einzelnen Gruppen kurzen Halt, um die Tänze und Lieder der Heimat darzubieten. Es ist eine einzige Bekundung der Freude und Lebensbejahung, die alle diese ausländischen Gäste mit den deutschen Volksgruppen und Teilnehmern und Zuschauern friedlich vereint. Stärksten Beifall ernten die französischen Tanz- und Trachtengruppen, die in erfreulich starker Zahl vertreten sind. Von Minute zu Minute wecyselt das Bild: Friesen und Holländer, Jugoslawen und Norweger ziehen jubelnd, tanzend und musizierend vorbei. Ueberaus groß ist der Jubel, der die Volksgruppen unserer österreichischen Volksgenossen empfängt. Polnische, rumänische und schwedische Natfonaltänze begeistern die Massen. Von den hohen Mauern des Rathauses schallen die Töne des Alphornes zurück, und hoch in die Luft werfen Schweizer Fahnenschwinger ihre Banner, um sie mit erstaunlicher Geschicklichkeit wieder aufzufangen. Die farbenfreudigen Trachten und lebensvollen Tänze der Tschechoslowaken lösen lebhaften Beifall aus, und zum Schluß dröhnt der Rakoczi-Marsch, von einer starken ungarischen Kapelle mit Schneid gespielt, über den Adolf-Hitler-Platz. Der Zug der deutschen Gaue wird durch den Gau Hamburg eröffnet. Die Reihe der Festwagen wird mit der Schutzgöttin Hamburgs „Ham- monia" eingeleitet. Dann folgen Wagen, die die geschichtliche Entwicklung der Hansestadt zeigen. Treffend zeigen die Darstellungen des Gaues Schleswig-Holstein die großen Landgewinnungsarbeiten an der Nordseeküste. Volks- und Tanzgruppen aus dem Harz eröffnen den Zug des Gaues Südhannover-Braunschweig, in dem besonders die Festwagen der Reichsbauernstadt Goslar auffallen. Magdeburg-Anhalt zeigt vor allem geschichtliches und Sagengut. Lebhafte Begeisterung löst auch die Schau des Gaues Halle-Merseburg aus. Unter Vorantritt einer Bergknappen-Kapelle rollen künstlerisch ausgearbeitete Darstellungen der neuen deutschen Werkstoffe vorüber: „Elektron", „Buna", „Vistra", „Treibstoff". Der Gau Berlin hat die Hauptstadt des neuen Reiches wirkungsvoll im Festzug erscheinen lassen. „700 Jahre Berlin" ist die Parole. Mit der „Faulen Grete" beginnt der Zug, bis dann die Soldaten der fridericianischen Zeit vor der Ehrentribüne vor- beiparadieren. Das Zeitalter der Befreiungskriege wird lebendig: Blücher, Gneisenau und Pork sind treffend dargestellt. Das neue Berlin ist in großzügigen Bildern versinnbildlicht. Festwagen der Industrie und des Handels zeigen die.Bedeutung Berlins als Stadt des Schaffens und der Arbeit. Der Gau Kurmark schließt sich an. Alte Feldkanonen rollen vorüber, im Paradeschritt marschieren die „langen Kerls" vorbei. Ein Modell der Garnisonkirche von Potsdam beschließt die Festfolge. Eine große historische Schau vermittelte der Gau Franken. Von der Neugeburt Nürnbergs im Dritten Reich künden Nachbildungen der Bauten auf dem Parteitagsgelände, die Bayerische Ostmark und der Gau Schwaben bieten einen aufschlußreichen Querschnitt durch Volkstum und Arbeit. Unter den zahlreichen Festwagen des Gaues Mün - chen-Oberbayern begeistert vor allem eine Nachbildung der großen Bauten des Führers auf dem Königlichen Platz. Der Gau Württemberg zeigt vor allem die großen technischen Leistungen seiner Söhne. Den ersten Daimler-Kraftwagen aus dem Jahre 1895 und das erste NSU.-Motorrad. Dann saufen die Peitschen der Markdorfer Peitschenknaller aus dem Gau Baden durch die Luft. Kurhessen, Hessen-Nassau, Westfalen-Nord und Weser-Ems zeigen die Eigenart ihres völkischen Lebens und die Spitzenleistungen ihrer Söhne. Das Tannenberg-Nationaldenkmal und ein Festwagen mit dem Bernstein erscheinen unter dem Festzug O st preußen, das den Reigen der deutschen Gaue beschließt. Nie Kulturveranstaltungen des Auslands. Die fünfte Kulturveranstaltung des Auslandes, im Rahmen der Reichstagung „Kraft durch Freude" wurde von Frankreich bestritten. Sie gestaltete sich zu einer umfassenden Schau über das franzö> fische Volkstum in Zeit- und Volksmusik. Die Vorführungen der zahlreichen Trachtengruppen bewiesen eine mannigfaltige Dolkskultur. Sie begannen mit Volksweisen der Bretonen mit Dudelsack- begleitung. In den Tänzen der Savoyarden äußerte sich die urwüchsige Lebensfreude des Gebirgsvolkes. Die Gruppe „Schönes Nizza" mit ihren reizenden Blumenmädchen tanzte eine alte Mazurka und eine graziöse Quadrille mit schwebender Anmut. Den Schluß bildeten Volkslieder einer farbenfrohen Trachtengruppe aus Menton, die den verschwenderischen Reichtum der Natur und der Riviera besangen. Sämtliche Darbietungen fanden überreichen Beifall. Als letzte der sechs Kulturveranstaltungen des Auslandes führten die österreichischen Trachtengruppen im Thalia-Theater die deutsche Volkskunst ihrer Gaue in Lied und Tanz vor. Das Lied „Heilig Vaterland", mit dem die Oesterreicher sich verabschiedeten, wurde vom ganzen Hause stehend mitgesungen. Rudolf Heß empfängt die ausländischen Ehrengäste. Hamburg, 13. Juni. (DNB.) Reichsminister Rudolf Heß empfing am Sonntagnachmittag nach Beendigung des Festzuges die zahlreichen ausländischen Ehrengäste im Festsaal des Rathauses. An dem Empfang nahmen Reichsleiter Dr. Ley, Reichsamtsleiter Dreßler-Andreß mit den Leitern der „KdF."-Aemter und der Landesgruppenleiter Frankreich der Auslandsorganisation, Schleier, teil. Unter den ausländischen Gästen bemerkte man auch Offiziersabordnungen des französischen Kreuzers „Jeanne d'Arc" und des kubanischen Kanonenbootes „Cuba". Reichsminister Heß begrüßte die ausländischen Gäste herzlich. Der Minister ließ sich die Leiter der einzelnen Länderabordnungen vorstellen und verweilte mit ihnen einige Zeit in angeregtem Gespräch. Volksfest und Feuerwerk als Ausklang. Hamburg, 14. Juni. (DNB.) Kaum war der gewaltige Festzug in den letzten Straßenzügen angekommen, da setzte schon der Zustrom der Menschenmassen zum Zoo ein, wo unter der Parole „Volk spielt fürs Volk" ein Volksfest statt- fand. Noch einmal zeigten die deutschen und ausländischen Trachtengruppen ihr Können in Musik und Tanz. Die weiten Anlagen der niederdeutschen Gartenschau konnten die etwa 100 000 Volksgenossen kaum fassen, die dieses Fest der Freude mit- erleben wollten. Am Sonntagabend leitete ein Konzert der Wehrmacht auf dem Heiligsn- geistfeld, das von zehn Kapellen des Standorts Hamburg ausgeführt wurde, zum Riesenfeuer- w e r k als Abschluß der Reichstagung über. Bald nach Beginn traf Reichsorganisationsleiter Dr. Ley ein, von den Anwesenden stürmisch begrüßt. Unter den Gästen aus dem In- und Auslande bemerkte man u. a. eine starke Abordnung des französischen Kreuzers „Jeanne d'Arc", die an den Darbietungen lebhaften Anteil nahm. Ein Riesenfeuerwerk von eindrucksvoller Wucht bildete den festlichen Ausklang der Reichstagung „Kraft durch Freude". Zusammenarbeit zwischen KdF. und AG.-Kutturgemeinde. Hamburg, 12. Juni. (DNB.) Auf der Reichs- tagung der NSG. „Kraft durch Freude" gab Dr. Ley bekannt, daß zwischen ihm und dem'Reichsleiter Alfred Rosenberg ein Uebereinfommen erzielt worden sei über ein Zusammenwirken von „Kraft durch Freude" und NS.-Kulturgemeinde im Gesamtrahmen des kulturellen Veranstaltungswe- sens der NSG. „Kraft durch Freude" unter Auswertung der weltanschaulichen und kulturellen Leitgedanken des Amtes des Reichsleiters Alfred Rosenberg, in dessen Aufgabenbereich das Amt für Kun st pflege tätig fein wird. Oie Neichsauiobahnstrecke Königsberg-Elbing freigegeben. Königsberg, 12. Juni. (DNB.) Die rund 100 Kilometer lange Reicksautobahnstrecke Königsberg—Elbing wurde mit einer schlichten Feier d e m Verkehr übergeben. Auf einem festlich geschmückten Rastplatz an einer Brücke über einer schönen Waldschlucht gab Baudirektor Lüttmann einen Ueberblick über die großartigen Arbeits- Volle Einigung in London Gemeinsame Garantieforderung der vier Mächte London, 12. Juni. (DNB.) Wie wir erfahren, haben die Besprechungen des englischen Außenministers Eden mit den Botschaftern Deutschlands, Italiens und Frankreichs am Samstag zu einer vollen Einigung über die Boraussehungen der Bereinigung der durch den Bombenabwurf auf die „Deutschland" geschaffenen Lage geführt. Diese Einigung umfaßt den Wortlaut einer an die beiden Parteien in Spanien durch den englischen Außenminister im Auftrage der vier Wachte zu richtenden Note, in der bestimmte Garantien gegen die Wiederholung derartiger Zwischenfälle für die Zukunft verlangt werden. Die Einigung ist noch am Samstag durch den Vorsitzenden des Nichteinmischungsausschusses sämtlichen Witgliedern des Nichtein- mischungsausschufses zur Kenntnisnahme zugeleitet worden. Wie wir hören, wird die britische Regierung die Note am Wontag an die beiden Parteien in Spanien abgehen lassen. * Der Pariser „Temp s" schreibt: Diese Einigung stelle einen unzweideutigen Beweis für die Möglichkeiten einer internationalen Z u - fammenarbeit dar, falls sie im G e i ft e g e - genseitiger Verständigung gehandhabt werde. Wenn eine derartige Politik nach dem Zwischenfall von Ibiza und Almeria habe durchgeführt werden können, so müsse man sagen, daß für die Aufrechterhaltung und Festigung des Friedens in Europa überhaupt d i e Aussichten wieder günstiger geroorben feien. Die traurigen Ereignisse in Spanien hätten mindestens eine erste Gelegenheit für eine Zusammenarbeit der vier Großmächte dargestellt, um den Frieden zu wahren. Es komme nun darauf an, diese Zusammenarbeit zwi- in Valencia und Salamanca. schen England, Frankreich, Deutschland und Italien zunächst im spanischen Raum, später auf dem gesamten europäischen Raum weiterzuentwickeln. Diese Zusammenarbeit habe sowohl zu Lande wie zu Wasser viel Zweck und könne zum Wohle Europas und zu einer dauerhaften Regelung sämtlicher europäischen Probleme beitragen. — Der „I o u r" weist in diesem Zusammenhang besonders daraus hin, daß Sowjetrußland ausgeschaltet worden sei und also nichts mehr an dem Abkommen ändern könne. — Der „Petit Parisien" betont, daß die Kontrolle nunmehr viel schärfer und daher wirkungsvoller fein werde. — Die „Action Fran^aise" muß zugeftehen, daß Deutschland einen neuen diplomatischen E r - folg erzielt habe. Es kehre nun als Sieger, begleitet von Italien, in den Londoner Ausschuß zurück. Die Verbindung mit Rom noch enger zu gestalten und dabei gleichzeitig die Fühlung mit England aufrechtzuerhalten — das sei das große Ziel Deutschlands. Man müsse zugestehen, daß Deutschland seine Partie gut gespielt habe. Als besonders erfreulich bezeichnet „Voce d'Italia" das bemerkenswerte Verständnis, das die englische Regierung für die Gründe Deutschlands und Italiens gezeigt habe, und daß sie das Problem in seiner Gesamtheit anpackte und eine Kompromißlösung vermied, die eine Verständigung der vier Mächte in Frage gestellt hätte. Ein ebenso erfreuliches Zeichen sieht das Blatt auch darin, daß die sowjetrussischen Manöver, die mit Hilfe einiger Kreise neue Gegensätze schaffen sollten, von englischer Seite ohne Zögern unschädlich gemacht worden seien. Diese klare Stellungnahme der englischen Regierung und ihre volle Uebereinftimmung mit der klaren und entschlossenen Haltung Deutschlands und Italiens habe ohne Zweifel die Verständigungswünsche beschleunigt und sie inhaltlich lebendiger gestaltet. Die Höhen um Siegreiches Fortschreiten San Sebastian, 14. Juni. (DNB. Funkspruch.) Der nationale Heeresbericht vom Sonntag lautet: Der Angriff unserer Truppep auf Bilbao ist siegreich weiter fortgeschritten. Unsere Truppen haben sämtlichen Widerstand, den der Feind uns entgegengesetzt hat, gebrochen. Eine unserer Abteilungen hat die Höhen 430, 421 und 385 im Südwesten von Larrabezua besetzt. Eine andere Abteilung hat Tampolucita und Nunezorri in Besitz genommen. Ferner fielen andere Höhenzüge, im Westen der Bergrücken von Lemona, in unsere Hand. Die anderen Streitkräfte haben den Ort Santa Marina besetzt und gingen darüber hinaus in Richtung auf Santo Domingo und auf den Höhenzug Arch'ando. Im Nordwesten von Uresti wurden die Höhenzüge von Barriega, Unca und Jtarramendi erobert. Um 17 Uhr befanden sich diese Abteilungen in Marsch nach Ayarza und auf andere Stellungen. Nach den bis jetzt vorliegenden Meldungen hat der Gegner mehrere Hunderte von Toten verloren uni) über tausend Gefangene, außerdem eine vollständige sowjetrussische Batterie von - Geschützen des Kalibers 12,40. Außerdem fielen zahlreiche andere Waffen in unsere Hand. In Lezama konnten wir einen Zug in unsere Hand bringen, der aus 15 Wagen bestand, die völlig mit Munition und Kriegsmaterial ungestillt waren. Allein die Abteilungen. Bilbao besetzt. des nationalen Angriffs. die Lezama, Zamudio und Santa Marina besetzt haben, konnten über 300 Gefangene machen. Darunter befand sich der „G e n e r a l st a b s ch e f" des Befestigungsgürtels von Bilbao sowie zwei „Reserveoffiziere". Auch ein Munitionsdepot mit Mengen von Gewehrpatronen und Minenwerfer-Munition konnte erbeutet werden. Der Feind flieht auf die Hauptstadt Bilbao. Andere Gruppen des Gegners haben den Rückzug nach Santander angetreten. Panzerschiff „Deutschland" in Gibraltar. London, 12.Juni. (DNB.) Das Panzerschiff „Deutschland" traf am Freitag, von Ibiza kommend, in Gibraltar ein, um die Särge der 27 in Gibraltar beigesetzten Opfer des verbrecherischen bolschewistischen Bombenangriffs an Bord zu nehmen. Außerdem soll die „Deutschland" 20 von den 53 verwundeten Matrosen an Bord nehm^m Die jetzt noch in Gibraltar im Hospital liegen. Als die „Deutschland" in den Hafen von Gibraltar einlief, setzten die Schiffe im Hafen die Flagge auf Halbmast. Im Hospital von Gibraltar verstarb am Freitag ein weiteres Mitglied der Besatzung des Panzerschiffes „Deutschland", der Obermatrose Georg Wille. leistungen an dieser Strecke. U. a. wurden sieben große stählerne Talbrücken, vier große Beton-Fluß- brücken und fünf Reichsbahnkreuzungen gebaut. Zusammen mit den Fahrgästen fuhren die Reichsautobahnarbeiter aus den Lagern über die Bahn und beendeten die Fahrt an einem der schönsten Ausflugsorte des 700jährigen Elbing, wo ein kameradschaftliches Zusammensein diesen für die Geschichte Ostpreußens großen Tag beschloß. Neurath in Budapest. Vertrauensvolle deutsch-ungarische Zusammenarbeit. Budapest, 12. Juni. (DNB.) Reichsaußenminister v. Neurath legte Samstagvormittag a m ungarischen Heldendenkmal und am Grabe des verstorbenen Ministerpräsidenten G ö rn- bös je einen Kranz nieder und besichtigte das neue Gebäude der deutschen Gesandtschaft auf der Burg, das vom Reich kürzlich erworben wurde, um der Vertretung Deutschlands in Ungarn einen neuen würdigen Rahmen zu geben. Der Minister stattete sodann dem ungarischen Außenminister v. K a n y a und dem Ministerpräsidenten D a r a n y i Besuche ab und überreichte ihnen das vom Führer verliehene Großkreuz des Verdienstordens vom Deutschen Adler. Am Sonntag stattete er in Begleitung des Vortragenden Legationsrates v. Kotze dem Reichsverweser, Admiral v. H o r t h y , auf dessen Landsitz Kendere einen Besuch ab. An dem Frühstück zu Ehren des Reichsaußenministers nahmen ferner der ungarische Außenminister, von Kanya, oer Gesandte von Erdmannsdorff und der Berliner ungarische Gesandte Sztojay, teil Abends veranstaltete Ministerpräsident D a - r a n i) i ein Abendessen. Minister v. Kanya sagte dabei in einem Trinkspruch u. a.: Seit mehr als zehn Jahrhunderten haben Dichter und Bauer, Geistliche und Gelehrte deutsche Art und deutsches Wesen uns vertraut gemacht. Die Erinne- rung an glorreiche Kämpfe gegen g e - m e t n f a m e Gegner bleibt lebendig in unserem Herzen. Und auch im gegenwärtigen Ringen für eine freie und friedliche Entwicklung stehen wir i n Freundschaft und Vertrauen zueinander. Gestützt auf die Zusammenarbeit mit unseren gemeinsamen Freunden Italien und Oesterreich werden wir für die friedliche Entwicklung Mitteleuropas und unserer beiden Länder weiter wirken. Darauf antwortete Reichsaußenminister v. Neurath u. a.: Auch heute noch bilden ein wertvolles Element für die Festigkeit der deutsch-ungarischen Verbundenheit Ihre deutsch st blumigen Staatsangehörigen, Herr Minister. Sie sind als getreue ungarische Staatsangehörige wie ihre Vorfahren, die einst die ungarische Nation mit deutscher Kultur vertraut gemacht haben, die lebendigen Mittler deutschen Wesens. Seien Sie, Herr Minister, versichert, daß das deutsche Volk und seine Regierung die befreundete ungarische Nation in ihrem Ringen und Streben mit voller Sympathie begleitet. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen uns und unseren Freunden bietet die Gewähr für die Entfaltung aller gesunden Möglichkeiten im mitteleuropäischen Raum im Sinne einer friedlichen Fortentwicklung mit dem Ziel seiner endgültigen Befreiung. 95,1 v. H. für die Gemeinschaftsschule in München-Oberbayern. München, 13. Juni. (DNB.) In den letzten Tagen wurde die Elternschaft des Gaues München - Oberbayern von der Gauleitung ersucht, von sich aus Stellung zu nehmen zu der Frage der S ch u l f o r m. Die Partei hatte ursprünglich nicht die Absicht, sich in diese Frage einzuschalten, mußte aber aus ihrer Zurückhaltung heraustreten, nachdem von kirchlicher Seite versucht worden war, Unruhe in die Bevölkerung hineinzutragen durch die fälschliche Behauptung, daß aus den Schulen der Religionsunterricht und aus den Schulzimmern die Kruzifixe entfernt, und daß eine neue Religion eingeführt und die Gebete abgeschafft werden sollten. Partei und Staat haben nun die Entscheidung über die Schulform in d i e Hand der Erziehungsberechtigten gelegt. Durch eine Elternbefragung und durch die Abgabe einer freien Willenserklä- rng der Elternschaft wurde diese Entscheidung herbeigeführt. Einmütig ist dieses Bekenntnis der Elternschaft ausgefallen: Die Bevölkerung des Gaues will die deutsche Volksschule, die Schule der deutschen Volksgemeinschaft. Unter Berücksichtigung der im Januar 1937 in München durchgeführten Elternbefragung und der kürzlichen Abstimmung in Mühldorf haben sich bis zum heu» tigen Tage 95,1 v. H. aller Eltern, nämlich 123 997 Erziehungsberechtigte für die Schule der Volksgemeinschaft entschieden. 1200 BaUlla-Zungen und -Mädchen in Berlin. Berlin, 13. Juni (DNB.) 1200 Mitglieder der Opera Nazionale Balilla trafen in zwei Sonderzügen am Sonntagabend aus Rom kommend in Berlin ein. Zu ihrer Begrüßung hatten sich der italienische Botschafter A 11 o l i c o mit Herren der Botschaft, der Leiter der italienischen Jugendbewegung, Unterstaatssekretär Ricci, der italienische Landesgruppenleiter della Morte, der Stellvertreter des Reichsjugendführers, Lauterbacher, eingefunden. Außerdem sah man fast den gesamten Berliner Faszio und die Berliner Balilla sowie Ehrenformationen der Hitler-Juaend und des Jungvolks. Beim Einlaufen der Sonderzüge intonierte ein HI.-Musikzug die Giovinezza. Die jungen italienischen Gäste werden acht Tage in einem italienischen Jugendlager im Grünewald verbringen. Am 16. Juni soll in der Deutschlandhalle ein großes S p o r t f e st der italienischen Jungen und Mädel stattfinden. Moskau zittert nach -er Hinrichtung Tuchatschewffis Em Rechtfertigungsversuch Woroschuows. Moska«, 12. Juni. (DJIB.) Amtlich wird bestätigt, daß alle acht vom Sondermilitärgericht des obersten Gerichtshofes zum Tode verurteilten Sowjetgenerate heute, am 12. Juni, hingerichtet worden find. Einige Stunden nach der amtlichen Bestätigung der Urteilsvollstreckung wurde ein Armeebefehl des Kriegskommissars Woroschilow veröffentlicht. Woroschilow gibt darin bekannt daß vom 1. bis 4. Juni ein Oberster Kriegsrat im Beisein der Regierungsmitglieder getagt habe. In der Sitzung wurde, so sagte Woroschilow „mein Dortrag angehört und einer Erwägung un terzogen über die durch das Jnnnenkommissariat (die GPU.) erfolgte Aufdeckung einer oer räterischen, konterreoolutionärenmi- litärischen Organisation, die — in streng konspirativer Form — eine lange Zeit bestanden und eine feige destruktive Schädlingsund Spionagetätigke i t in der Roten Armee durchgesührt hat." Jetzt, nachdem die „Verräter" erschossen seien, könne die Rote Armee, so heißt es in dem Armeebefehl weiter, wieder „erleichtert aufatmen". Im weiteren will Woroschilow die Hingerichteten Generale zu den bereits früher durch den „schonungslosen Urteilsspruch des proletarischen Gerichts erschossenen Schuften aus der Bande Sinowjew-Kamenew-Trotzki" zählen. „Das Endziel dieser Bande war", so heißt es in dem Armeebefehl, „um jeden Preis, und mit allen Mitteln das Sowjetregime in unserem Lande zu liquidieren, die Sowjetmacht zu vernichten und in der Sowjetunion das Joch der Gutsbesitzer und Fabrikanten wiederherzustellen." Die Erschossenen hätten die „Ermordung der Leiter der bolschewistischen Partei und der Sowjetregierung" vorbereitet. Sie hätten ferner „alle nur mögliche abscheuliche Schädlingsarbeit in Wirtschaft und Landesverteidigung getrieben", sie hätten „die Macht der Roten Armee zu untergraben und deren Niederlage im künftigen Krieg vorzubereiten versucht; ferner hätten die Verurteilten „den Feinden der Sowjetunion" militärische Geheimnisse verkauft und überhaupt alles getan, „um den Ueberfall des äußeren Feindes auf die Sowjetunion zu beschleunigen". Für den Kriegsfall hätten sie geplant, „durch direkten Verrat und durch Sabotage der technischen und materiellen Versorgung der Front die Niederlage der Sowjetunion zu erreichen und die Sowjetunion zu stürzen". Das Sü icksal der deulschen Kommumstenhauptlmge. Warschau, 13. Juni. (DNB.) lieber bas Schicksal der früheren kommunistischen „Führer", die seinerzeit aus-Deutschland nach Sowj et- rußland emigrierten, werden jetzt aus Moskau im Zusammenhang mit den bolschewistischen Massenschlächtereien nähere Einzelheiten bekannt, die mit Sicherheit darauf schließen lassen, daß sie allerdings in aller Stille fast ausnahmslos das gleiche Schicksal ereilt hat wie alle jene, die bisher vom sowjetrussischen Moloch verschlungen wurden. Max Hölz z. B., von dem ursprünglich angenommen wurde, er sei „ertrunken", hat ebenso wie Heinz Neumann durch den üblichen Revolverschuß ins Genick in den Kellergewölben des GPU.-Palastes am Moskauer Lubljanka-Platz geendet. Elf weitere ehemalige Reichstagsabgeordnete werden seit langem „vermißt" Es kann heute mit Sicherheit angenommen werden, daß sie das gleiche Schicksal erlitten haben. Sie sind „eingegangen ins Sowjetparadies" — aber anders als sie es sich vorgestellt und einst dem deutschen Arbeiter vorgegaukelt haben. „Organisierter Volkszorn." Unsicherheit und Entsetzen die wahre Bolksmeinung. Das bei solchen Anlässen hierzulande übliche Trommelfeuer der Propaganda hat bereits eingesetzt, das den blutigen Urteilsfpruch bei den Massen zu popularisieren hat. In allen Fabriken und Aemtern, in allen Betrieben und Regimentern der Roten Armee wurden in aller Eile „M assen- versammlungen" einberufen, wo die Versammelten für den Tod de rAnge klagten, die noch vor wenigen Wochen ihre Führer waren, zu stimmen hatten. Dieses grauenhafte Spiel geht soweit, daß der so organisierte „Volkszorn" nicht nur die „Vertilgung der faschistischen Schlangen", den „Hundetod der Hunde", die „schonungslose Vernichtung der Verräter und Spione" zu fordern hat, sondern auch noch die „Dankbarkeit" gegenüber dem „erhabenen Vater Stalin" und „dem herrlichen Jeschow" zum Ausdruck bringen muß (!!). „Wir fordern die restlose Vernichtung der toll gewordenen Köter", „Vertilgt die Schlange des Faschismus und die übrigen von der Sowjeterde", „Erschießt die Spione und Hochverräter" — dies sind die Ueber- schriften der Resolutionen der Massen, die heute zu hunderten in den Blättern erscheinen. Die Soldaten der Militärbezirke und Garnisonen, die noch vor einem Monat der Befehlsgewalt der jetzt zum Tode Verurteilten unterstanden, haben jetzt in Massenversammlungen für die Erschießung ihrer bisherigen Führer zu stimmen. So „fordern" z. B. die Schüler der Moskauer Militärakademie die „schonungslose Vernichtung der faschistischen Spio- nenbanbe". Die Moskauer „Division" fordert den „Hundetod" für die Verräter, eine' Moskauer Fliegerformation feiert in ihrer „Resolution" die „herrliche GPU." und „fordert" die „psychologische Vernichtung ber Landesverräter". Auch nach der Urteilsvollstreckung geht ber von oben befohlene Feldzug zur Organisierung des Volks- z o r n e s gegen die „niederträchtigen Verräter" weiter. - Es zeugt dafür, wie sehr die zentralen Stellen bemüht sind, sich ein Alibi für d e n zynischen Urteilsspruch gegen die acht Generäle zu beschaffen, daß Arbeiter und Bauern, Armeeangehörige und Beamte, ja selbst Wissenschaftler und Künstler überall immer wieder zusammengetrommelt werden, um ihre Ergebenheitstelegramme an die Regierung und an Stalin persönlich zu „beschließen". Es versteht sich von selbst, daß diese unter besonderer Kontrolle von Vertrauensleuten abgefaßten Telegramme einerseits von Liebe zur Partei und zu Stalin, „unserem geliebten Vaterland und dem weisen Führer der Menschheit" geradezu triefen, wie sie sich andererseits in ber Anhäufung von aum wiederzugebenden Verbalinjurien gegenseitig ;u überbieten trachten. Verräter und Betrüger, aschistische Kettenhunde, neunmal verfluchte Schweine- unbe, verächtliche Kriechtiere — das sind noch die jahmsten Ausdrücke, mit denen man die gestern noch allgewaltigen Führer der Roten Armee heute oelegt. Das Echo, das das Urteil im Auslande auslöste, hat bei amtlichen Moskauer Stellen großen Eindruck gemacht. Einen Beweis dafür bildet der Leitartikel ber „Prawda", bie feststellt, baß bie Auslandspresse sich einhellig gegen diese menschenfressenden Methoden des revolutionären Despotismus Stalins ausgesprochen hat. Trotz aller dieser fieberhaften Bemühungen, das Bluturteil als „V o l k s w i l l e n" auszugeben, ist ber Eindruck dieses Prozesses in allen Schichten der Bevölkerung geradezu vernichtend. Die allgemeine Unsicherheit hat durch die plötzliche Vernichtung der gefeierten militärischen Führer von gestern ihren Höhepunkt erreicht. Niemand ist imstande, die Hintergründe dieser blutigen Tragödie zu deuten. Verblüffung und Entsetzen steht auf den Gesichtern der Moskauer Bevölkerung geschrieben. Dämmernde Erkenntnis in Paris. Wachsende Zweifel an der Bündnisfähigkeit der Roten Armee. Paris, 13. Juni. (DNB.) Die Exekution des Marschalls Tuchatschewski und der rnitoerurteilten hohen Generäle der Roten Armee füllen bie Spalien ber Pariser Sonntagspresse. Für bie französische Öffentlichkeit ist bie Erschießung bes Marschalls Tuchatschewski, ber noch vor kurzem in offizieller Mission in Paris weilte, und bem vom französischen Oberkommando die tiefsten Militärgeheimnisse mitgeteilt wurden, besonders peinlich, vor allem im Hinblick auf den französisch-russischen Pakt. Unter dem Eindruck des Todesurteils gegen den Mann, den man mit Vorliebe als den „roten Napoleon" bezeichnete, hat eine lebhafte Diskussion über den Wert des französisch-sowjetrussischen Bündnisses eingesetzt. Selbstverständlich ist, daß die Antisowjet- blätter noch energischer als bisher gegen diesen gefährlichen Pakt Sturm laufen. Noch bezeichnender ist jedoch die Tatsache, daß sogar das radikale „O e u v r e", das bisher zu den eifrigsten Verfechtern des Bündnisses mit Sowjetrußland gehörte, ernsthaft die Frage aufwirft, was unter diesen Umständen ein solches Bündnis überhaupt noch für einen Wert habe. Das Blatt stellt fest, daß die neuen Hinrichtungen das internationale Prestige Sowjetrußlands kompromittierten. Der offiziellen Moskauer Lesart zufolge sei bie Rote Armee, bie bisher als gefunb unb bem Regime völlig ergeben erschien, von bem Bazillus bes Verrats verseucht. Wenn es wahr sei, baß alle biefe hohen Generäle Verräter gewesen seien, was müsse man bann von ber Kampffähigkeit unb ber Wider st andskrast ber Roten Armee im Falle eines europäischen Konfliktes halten? Moskau müsse wissen, baß bie letzten Ereignisse in politischen und militärischen Kreisen Frankreichs große Bestürzung hervorgerufen haben. General U b o r e w i t s ch habe im September 1936 bie großen Manöver in Weißrußland unb General Iakir bie Manöver in ber Ukraine geleitet. Bei diesen Manövern seien die französischen Generäle Schweißguth und Villemin zugegen gewesen. Hätten sie damals annehmen können, baß sie ihre Hanb in bie Hände von „Verrätern" legten? Frankreich habe einen gegenseitigen B e i st a n b s p a k t mit Sowjetrußland unterzeichnet. Was sei dieser Beistandspakt noch wert? Auch bie Tschechoslowakei werde sich fragen müssen, was. nun dies diplomatische Schriftstück wert sei. Das „Oeuvre" sagt weiter, man wisse in Moskau, baß diese Pakte ernsthafte Gegner hätten. Diese würden durch bie neuen Hinrichtungen berechtigt, ihren Feldzug zu verschärfen. Auf jeden Fall hätten bie Ereignisse von Moskau, bie eine starke innere Krise enthüllten, bem internationalen Ansehen Sowjetrußlands einen schwerwiegenben Schlag versetzt... Soweit das „Oeuvre"! In dem neugegrünbeten rechtsstehenden Blatt „Epoqu e" schreibt Henry be Kerillis u. a.: Stalin erhalte sich nur durch Terror. Wie lange aber noch? Es sei offensichtlich die Furcht, gepaart mit Irrsinn, bie ihn zum Verbrechen treibe. Aber alles habe ein Enbe. Es fei nicht baran zu zweifeln, baß bie Stunbe herannahe, in ber auch biefer rote Götze zusammenbrechen werbe. Pierre Dominique überschreibt seinen Artikel in ber „R e - publique": „Stalin hat einen hoppelten Streich geführt; inbem er feine Genossen tötete, hat er auch das Militärabkommen tot gemacht (!)". Jetzt sei also bie prosowjetrussische Richtung in Frankreich von den Kommunisten rabikal geschlagen worden und zwar sei es Stalin selber, ber sie geschlagen habe. Im übrigen habe der französische General st ab bereits einen Stellungswechsel vorgenommen. Denn seitdem gerade der General, dem man alles gezeigt unb alles anoertraut habe, Tuchatschewski, nun von Stalin als Verräter angeklagt worben sei, wolle man, baß bas Militärabkommen mit dem Nachfolger Tuchatschew- skis unterzeichnet würbe, ber vielleicht übermorgen auch wegen „Verrats" an die Wand gestellt würde? — „Journal" sagt, die Ereignisse in Sowjetrußland bewiesen, daß das Regime, bas den Franzosen immer als ein „Mo- bell bes bemokratischen Fortschritts" hingestellt worben sei, in Jndustriesabotage, politischer Unorb- nung unb wildem Kampfe rioalifierenber Klüngel bestehe. Zum andern sei bewiesen, daß die vielgerühmte Rote Armee, die man sogar zur „wesentlichen Stütze der französischen Sicherheit" machen wollte, zumindest recht angekränkelt sei. Der Beweis sei erbracht, daß die kommunistische Diktatur in einem Zu st and tatsächlicher Anarchie enbe. Die Gebrechlichkeit bes sowjetrussischen Militärorganismus werbe in biesem Prozeß offensichtlich, besten klarstes Ergebnis gewesen sei, bie Chefs ber Roten Armee auszuschalten. Schließlich habe man noch nicht ben letzten Hinrichtungskarren fahren sehen. „Die Tragödie beginnt erst." Die britische Presse meldet Unruhen und Ncvolten. L o n b o n, 13. Juni. (DNB.) „Der Glaube, daß Revolution und Bürgerkrieg in Sowjet- rußlanb brohen", so schreibt ber „P e o p l e", „wirb burch Geheimberichte bestätigt, bie soeben in Großbritannien von verläßlichen Agenten in Moskau eingegangen finb. Diese Berichte melden daß bie Sowjetunion sich vor bem A u s b r u ch einer Krise befinbet, bie so schwer ist wie biejenige, bie zum Sturze bes zaristischen Regimes von 1917 geführt hat, und baß Stalins Tage als Diktator gezählt find." „Sunbay Chronicle" melbet aus Warschau, baß nach ber Verurteilung ber acht russischen Generäle Hinrichtungen in ganz Sowjet r u ß l a n b ftattgefunben hätten. Hunderte von Soldaten, Anhänger der zum Tode verurteilten Generäle, seien ab geschlachtet worden. Stalin krank, furchterfüllt unb einsam in seinem schwer- bewachten Quartier im Kreml, entledige sich schon seiner Feinde, bevor sie sich seiner entledigen. Rußland stehe heute der größten Krise seit ber Revolution von 1917 gegenüber. Tuchatschewski unb seine Kameraben hätten geplant, bas gegenwärtige tyrannische System zu stürzen, Stalin zu ermorben unb selbst bie Macht zu ergreifen. Jeschow, ber neue Jnnenkommissar habe jeboch einen Geheimakt ent- beckt, ber Beweismaterial über ein großzügiges Komplott enthalten habe. Tausenbe von Beamten unb Armeeoffizieren seien verhaftet worben. Sie seien auf ber Stelle erschossen worben. „Sunbay Expreß" berichtet, baß Sowjetruß- l a n b zittere. In ber Ukraine hätten 3 Regimenter revoltiert, bie aufgelöst unb nach Sibirien verschickt worben seien. 900 Solbaten seien in Kiew unb 300 weitere in Charkow verhaftet worben. „Sunbay Pictorial" berichtet über Warschau, baß bereits an vier Stellen in ber Sowjetunion U n - ruhen ausgebrochen seien. In ber Westukraine hätten sich 3000 Solbaten in Priluki empört. Schwere Zusammenstöße hätten sich weiter in Pe- tropawlowsk ereignet, wo sich Solbaten unb Bauern gegen Stalin verbünbet hätten. In Moskau sei bie Lage ä u ß e r st gespannt. Die Arme werbe zweifellos Stalin bie Hinrichtungen niemals vergessen. Die Tragöbie in Sowjetrußlanb beginne e r st. Das' Blatt weiß weiter zu berichten, baß man es nicht gewagt habe, bie Generäle von einem Exekutivkommando erschießen zu lassen, sonbern daß ein Henker sie einzeln erschossen habe. Aus aller Well. Beisetzung der Opfer der Katastrophe bei Edesheim. In Anwesenheit des Reichsjugendführers von Schirach wurden die zehn Jungmädel des BDM., die Opfer der Naturkatastrophe bei Edesheim, unter Teilnahme Tausender von Volksgenossen in Rhodt und Rietburg b e i g e s e tz 1. Sämtliche Dienststellen der HI. und der SS. hatten im ganzen Reiche die Flaggen auf Halbmast gesetzt. Nach ber Grabrede des evangelischen Geistlichen ergriff der Jugendführer des Deutschen Reiches von Schirach im persönlichen Auftrage des Führers und Reichskanzlers das Wort und führte u. a. aus: „Wenn es bei solchen Unglücken überhaupt etwas Tröstliches gibt, so das Bewußtsein, daß eure Kinder unter der Fahne der Hitler- Jugend und des Reiches ruhen und heute ber Führer, Partei und Volk mit euch an diesem offenen Grabe stehen, mit euch fühlen unb mit euch wirklich ergriffen finb. Das Schicksal hat nicht nur bie Familien, sonbern bas ganze beutsche Volk betroffen." Schirach ehrte bie toten Jungmäbel burch ben Kranz bes Führers, ber, wie er sagte, ber letzte Gruß Deutschlands fei. Oeutsch-sranzösische Zusammenarbeit nn Ozean-Luffverkehr Berlin, 12. Juni. (DNB.) Bereits seit Jahren besteht bezüglich bes beutschen und französischen Luftpost dien st es nach Südamerika zwischen ber Air France unb ber Deutschen Lufthansa eine kameradschaftliche und erfolgreiche Z u - fammenarbeit. Die beiden Luftverkehrsgesellschaften haben auch die Frage der Tarife, ber gegenseitigen Po st Zuführung und der Unterstützung, insbesonbere bei Zwischenfällen, in vorbilblicher Weise geregelt. Diese Zusammenarbeit soll in Zukunft noch weiter ausgebaut werben. Sie soll sich vornehmlich auch auf bie Sicherung und auf eine gemeinsame Werbung erstrecken. Auf dem Nordatlantik, der jetzt dem Luftpostverkehr erschlaffen werden soll, wird eine ähnliche Übereinkunft erstrebt. Für einen Vertragsentwurf, der zur Zeit der französischen Gesellschaft vorliegt, soll das Einverständnis des deutschen unb bes französischen Luftfahrtministeriums eingehvlt werben. Betriebsausflug des Iieichspropagandaministeriums. Berlin, 12. Juni. Die Beamten, Angestellten unb Arbeiter bes Reichsministeriums für Volksauf- tlärung unb Prvpaganba waren äm Samstag im Rahmen eines Betriebsausfluges Gast von Reichsmini ft er Dr. Goebbels An ber Straßenseebrücke ging zusammen mit bem Minister unb seinem Staatssekretär Funk bie Gefolgschaft an Borb ber geschmückten Motorschiffe „Kurmark" und Zehlenborf". Nach einer genußreichen Fahrt über bie Havel würbe in einer Gaststätte am Luftschisf- hasen in Pvtsbam ber Nachmittagskaffee eingenommen. Daran schloß sich gegen Abenb eine fröhliche Wasserfahrt auf den Seen unb Kanälen rings um Potsbam, bie sich bis nach Werber erstreckte und bei Musik unb Gesang ber Gefolgschaft Stunben wohl oerbienter Erholung und Entspannung brachte. Von Tisch zu Tisch gehenb, nahmen der Minister unb sein Staatsekretär Gelegenheit, auch außer- bienstlich mit ben Betriebsangehörigen einen Abend zu verleben. Erst gegen Mitternacht fanb die Fahrt ihr Enbe. Sie war nach einem Jahre hingebungsvoller und verantwortungsbewußter Arbeit ein Aus- bruck ber vorbilblichen Kamerabschaft, bie bas Reichsministerium für Volksaufklärung und Propa- ganba feit je in besonderem Maße auszeichnet. Feuersbrünste überall. In den Staatswaldungen des Unterwesterwalb- kreises brach ein Walbbrand aus, ber große Tannenbestände vernichtete. Arbeitsdienst, Feuerwehren und Zivilbevölkerung hatten mehrere Stuic- ben Arbeit, ehe es gelang, ben Branb einzudämmen. Bei den Aufräumungsarbeiten wurde bie vollständig verbrannte Leiche eines Mannes gefunden, der eine Tonpfeife neben sich liegen hatte. Offenbar ist der Brand auf den verbrecherischen Leichtsinn dieses Mannes zurückzuführen, > ber feinem eigenen Vernichtungswerk zum Opfer gefallen ist. Ein warnenbes Beispiel! * In den Fortbeständen des Fürstlich Solmschen Besitzes bei Klitschdorf (Kreis Bunzlau) brach ein Waldbrand aus, der infolge der großen Hitze und Trockenheit mit rasender Geschwindigkeit um sich griff, und wertvolle hundertjährige Althozbe- stände erfaßte. Den Flammen fielen schätzungsweise 300 Morgen Wald, hauptsächlich Kiefernbestände, auch Laub- und Fichtenwaldungen zum Opfer. * Die feit Tagen in Polen andauernde Hitze hat mit 36 Grad Celsius im Schatten am Sonntag ihren bisherigen Höhepunkt erreicht. Aus allen Teilen des Landes laufen Meldungen über Schadenfeuer in Ortschaften und Wäldern ein. Bei Kielce brannten in einem Dorf 23 Wohnhäuser und 50 Scheunen nieder. In einem anderen Dors kam bei einem Brande ein Kind ums Leben. Der Wasserstand ber Weichsel sinkt täglich um rund 4 Zentimeter. Die Schiffahrt von Warschau aus weichselaufwärts ist nicht mehr aufrechtzuerhalten. Schwere Unwetter im tippet Lande. lieber weite Teile bes Lipper ßanbes ging ein schweres Unwetter nieder. Ein orkanartiger Sturm entwurzelte viele Bäume, richtete an ben Gebäuben und auf ben Felbern großen Schaben an. Durch Blitzschlag würben in Mosebeck ein großer Bauernhof, in Barntrup ein Haus eines Maurers und in Gehrenberg Wohnhaus und Stallungen eines Händlers eingeäschert. In Stemmen brachte der Blitz ein Haus zum Einsturz. Die Stadt H a - mein unb eine Anzahl Nachbarorte wurden unter Wasser gesetzt, Gärten unb Felber schwer verwüstet. Die Exter würbe zu einem reißenden Strom, der große Steinbrücken hinwegriß. Die Exter-Bahn mußte ihren Verkehr einstellen. Vieh und Vorräte konnten nur mit Mühe gerettet werden. Ein schweres Unwetter suchte auch bie Ortschaften an ber Porta Westfalika, insbesondere die -Stadt Hausbergen am Fuße des Jakobsberges, heim. Von den Weserbergen ergossen sich Sturzbäche durch die Ortschaften. Schwere Bluttat in Köln. In einem Hause der Kölner Altstadt kam es zu einer furchtbaren Bluttat. Ein 47jähriger Mann brachte seinem 15jährigen einzigen Sohn mit einem Brotmesser eine schwere Schnittwunde an der rechten Hals feite bei, an deren Folgen der Junge auf bem Wege ins Krankenhaus verstarb. Der Mörder flüchtete, konnte aber balb gestellt und ber Polizei übergeben werben. Es handelt sich um einen Mann, ber in sehr schlechtem Ruse steht und als notorischer Säufer bekannt ist. Noch am Tag zuvor hatte er wieder bie Löhnung bes Jungen, dem allgemein das beste Zeugnis ausgestellt wirb, vertrunken. Die Mutter befindet sich zur Zeit im Krankenhaus. Die näheren Umstände ber furchtbaren Tat sind noch Gegenstand eingehender Untersuchung. Giftmörderin zum Tode verurteilt. Vor dem Nürnberger Schwurgericht stand die Katharina Leupvld von Fürth, bie beschuldigt ist, ihren Mann, mit bem sie seit 1923 in unglücklicher Ehe verheiratet war, vergiftet zu haben. Obgleich bie Angeklagte in ber Voruntersuchung mehrmals bie Tat eingestanben hatte, leugnete sie vor bem Schwurgericht hartnäckig. Das Schwurgericht sprach die Leupolb schulbig bes Verbrechens bes Mordes und verurteilte sie zum Tode und lebenslänglichem Ehrverlust. Vollstreckung eines Todesurteils. Am 12. Juni ist ber Mathias Schirra aus Als- borf hin gerichtet worden, der von bem Schwurgericht in Aachen wegen Mo r bes zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt worden war. — Schirra, ber wegen zahlreicher Rohheitsdelikte, unter anderem wegen Totschlags, vorbestraft ist hat am 2. September 1936 seine Vermieterin, die feine Annähe- ungsversuche abgelehnt hatte, aus Rachsucht ermordet. Tödliches Segelstugzeugungtück. lieber dem Flugplatz Johannisthal stürzte der Abteilungsleiter der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt in Berlin-Adlershof, Diplomingenieur Küpper, bet einem Erprobungsflug mit einem Scgelilugzeug aus bisher nicht geklärten Gründen ab. Das Flugzeug wurde zerstört, der Flugzeug- sührer erlag im Krankenhaus feinen schweren Verletzungen. Schweres Unglück bei einem Drachenbootrennen auf dem JJanglfe. Ein aus Anlaß des am Sonntag in ganz China feierlich begangenen „Drachenboot-Festes" auf dem Yangtse in der Nähe von Nanking veranstaltete Drachenbootsrennen fand ein tragisches Ende. Eine von zahlreichen Zuschauern besetzte Gerade zehn Jahre sind in diesen lagen verstossen, seit Lindbergh mit seinem „Spirit of St. Louis" von Neuyork nach Paris flog und für diese schneidige Leistung von der ganzen Welt begeistert gefeiert wurde. Ein noch kürzerer Zeitraum trennt uns von den Pioniertaten, die Köhl, H ü h n e f e l d und Gronau vollbrachten. Damals, als die Atlantiküberquerung einzelner kühner Piloten die Gemüter erregten, knüpfte man große Erwartungen an einen, so meinte man, nun handgreiflich nahe gerückten Luftverkehr über die Weltmeere und war sehr bald enttäuscht, als sich diese Hoffnungen nicht so rasch verwirklichen ließen, wie man geglaubt hatte. Aber von der Einzelleistung, für die selbstverständlich die in jeder Hinsicht günstigsten Voraussetzungen abgewartet werden können, bis zum planmäßigen Luftverkehr ist es ein weiter und oft recht schwieriger Wea. Trotzdem kann der deutsche Luftverkehr in diesen Tagen ein Jubiläum begehen, das nicht nur einzig in feiner Art ist, sondern zugleich auch Zeugnis ablegt von der Leistungsfähigkeit unserer Handelsluftfahrt, vom heldenmütigen Einsatz unserer fliegenden Besatzungen und der Güte unserer Flugzeuge und Motoren: am 12. Juni wurde auf dem Flughafen Frankfurt a. M. der 2 5 0. Postflug d e s Transatlantikdienstes Deutschland — Südamerika der Deutschen Lufthansa beendet. Durch den stürmischen Rhythmus unserer Zeit und die sprunghaften Fortschritte gerade auf dem Gebiet des Verkehrs find wir verwöhnt und nehmen Zahlen und Rekorde hin, ohne uns oft klar zu machen, was sie bedeuten. Wenn wir einen Brief in unseren Händen halten, der aus Santiago de Chile an der Küste des Stillen Ozeans oder aus Rio de Janeiro im fernen Brasilien kommt und der nur dreieinhalb oder zwei Tage brauchte, che er uns erreichte, bann denken wir kaum daran, daß dieser unscheinbare Bries von deutschen Flugbooten über den Südatlantik getragen wurde, daß er über Afrika, Spanien und Frankreich an Bord der Brücke brach plötzlich auseinander. Mehrere hundert Menschen st ü r z t e n ins Wasser. Die Zahl der Opfer ist noch nicht ermittelt. Bisher wurden sechs Leichen geborgen. Zwei italienische Emigranten in Frankreich ermordet. Zwei italienische Emigranten, die Brüder Carlo und Ello R o s s e l l i, sind in Bagnoles de L'Orne (Nordfrankreich) ermordet aufgefunden worden. Die Italiener, die sich in Frankreich schriftstellerisch betätigten, gehörten einer jüdischen Familie an, die in Florenz ansässig war. Schnellpostflugzeuge hinwegraste ... Tag und Nacht, ohne jede Pause. Wir sollen auch darüber nicht Nachdenken, denn die Männer des Luftpostdienstes Deutschland—Südamerika, die einmal wöchentlich von Deutschland nach Chile und wieder zurück fliegen, betrachten ihre große und schwere Ausgabe als selbstverständliche Pflichterfüllung. Dennoch scheint es angebracht, in diesen Tagen dieses einzigartigen Jubiläums einmal von der Größe und der Bedeutung dieser Leistung für Deutschland und für die ganze Welt zu sprechen. Die 15 300 Kilometer lange Strecke zwischen Frankfurt am Main und der chilenischen Hauptstadt Santiago ist wohl eine der schwierigsten Luftverkehrsverbindungen überhaupt. Daß sie zugleich auch der schnellste aller bestehenden Großluftverkehrswege der Welt ist, wie die ausländische Presse anerkennend feststellte, darf uns mit Stolz und Genugtuung erfüllen, muß man doch immer berücksichtigen, daß sich der deutsche Luftverkehr nicht auf koloniale Besitzungen zu stützen vermag, sondern in fernen Erdteilen ganz auf sich allein angewiesen ist. Trotzdem sind Regelmäßigkeit und Pünktlichkeit des am 2. Februar 1934 eröffneten Dienstes so groß, daß er sich in kürzester Frist das restlose Vertrauen aller südamerikanischen und europäischen Länder errang, die ihm ihre eilige Post zur Beförderung übergeben. Auf 250 Postflügen sind bisher insgesamt rund 13 Millionen Luftpo st - b r i e f e befördert worden, eine Zahl, die neben der wirtschaftlichen auch die politische Bedeutung der Strecke dokumentiert. Denn durch diesen Dienst sind zwei Erdteile einander näher gerückt worden, wurden menschliche, politische und wirtschaftliche Fäden gesponnen, wurde im besten Sinne des Wortes eine Brücke von der Alten Welt zum lateinamerikanischen Kontinent geschlagen. Deutschland konnte als erste Nation einen planmäßigen Transozeanluftverkehr eröffnen. Bald folgte Frankreich, das schon vorher einen kombinierten Schiffs- und Flugzeugdienst nach Südamerika unterhielt. Die verständnisvolle Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Lufthansa und £er französischen Luftverkehrsgesellschaft Air France, die dahin übereinkamen, sich nicht zu bekämpfen, sondern vielmehr durch eine Abstimmung der Flugpläne die zweimal wöchentliche Lustpost- verbindung zwischen Europa und Südamerika zu schaffen, zeigte durch ihren Erfolg, wie stark die Beziehungen zwischen den beiden Erdteilen sind. Das alte Wort „Verkehr schafft Verkehr" erwies wieder einmal feine Richtigkeit: durch den zweimal wöchentlich in beiden Richtungen durckgeführten Dienst fliegen die Postmengen beider Gesellschaften beträchtlich an, und man darf ohne Uebertreibung feststellen, daß der Lustpostverkehr über den Süd- atlantik zu einem wirtschaftlichen Faktor geworden ist, den weder die europäische noch die südameri- kanische Wirtschaft missen können. Zweihundertundfünfzig Ozeanflüge! Dor wenigen Jahren noch wurde jeder einzelne gefeiert. Heute gib es Flugkapitäne, Flugmaschinisten und Funker, deren Namen wir kaum kennen und die doch viele Male über den Atlantik flogen. Da ist — um nur einige zu nennen — der Flugkapitän Blankenburg, der 45mal über den Südatlantik flog, da ist Kapitän A l i s ch , der auf 39 Flüge zurückblickt, da sind der Oberflugmaschinist G r u s ch w i tz mit 37, sein Kamerad Wtenke mit 32 und die Funker D e i ck e und Günther mit je 27 Flügen. Dabei muß man noch berücksichtigen, daß viele dieser Männer auch an den Nordatlantik-Erkundungs- slügen beteiligt waren, so daß Flugkapitän Blankenburg zum Beispiel fast 90 Ozeanflüge hinter sich hat. Es ist unmöglich, die Namen aller derjenigen zu nennen, die ihr Können und ihr Leben eingesetzt haben für den Fortschritt des Luftverkehrs, ihnen jedoch zu danken, muß an diesem Ehrentage unsere Pflicht sein. Allwöchentlich werden in der Nacht zum Donnerstag in Frankfurt die aus Deutschland und Europa zusammenströmenden Luftpostsendungen gesammelt, und im Morgengrauen startet die Heinkel He 111 zum Fluge nach Marseille, wo die französische Post hinzukommt. Dann geht es weiter nach Lissabon, nach Las Palmas und längs der westafrikamschen Küste nach Bathurst an der Mündung des Gambia- Flusses. Hier ist der schwimmende Flugstütz- punkt „O st m a r f" stationiert, die Post wird im Dornier 10-Tonnen-Wal oder jetzt auch im Flugboot Dornier Do 18 verladen, das startbereit auf der Flugzeugschleuder steht, um für den Ozeanabschnitt bis nach Natal in Brasilien ab geschossen zu werden. Sechzehn bis siebzehn Stunden dauert der Flug über die weite Wasserwüste des Atlantik. In Natal übernehmen die Junkers-Flugzeuge des der Lufthansa eng verbundenen brasilianischen Condor-Syn- dikats die Post, um sie ins Innere Brasiliens oder entlang der Küste über Rio de Janeiro nach Buenos Aires zu bringen. Von hier geht es dann über Mendoza und über die mehr als 7000 Meter hohen Anden bis nach Santiago. Auf dem Wege nach Europa erfolgt der Start zum eigentlichen Ozeanflug von Bord des Flugstützpunktes „W e ft - falen", der bei der Insel Fernando Noronha vor der brasilianischen Küste seine Position hat. Tag und Nacht, im Sommer und hn Winker, donnern die Motoren unserer Flugzeuge und Flugboote über Länder und Gebirge, über Wüsten und Küstengebiete und über das Weltmeer als Mittler friedlichen Verkehrs, als Helfer der Wirtschaft aller Nationen. Wir haben das Recht, auf die 250 Transozeanluftpostflüge stolz zu sein, die zugleich aber auch eine Verpflichtung für die Zukunft sind. Noch besser und noch schneller soll und wird der Dienst werden, der ein überzeugender Beweis für Öen Willen des neuen Deutschland ist, mitzuarbctten an der friedlichen Annäherung der Volker untereinander und mitzuschaffen an dem großen Werk des völkerverbindenden Luftverkehrs. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Der gestrige Sonntag brachte bei kräftiger Sonneneinstrahlung neue Wärmezunahme, so daß Örtlich wieder 30 Grad im Schatten überschritten wurden, und schuf die Vorbedingung für einen Einbruch frischerer Meeresluft. Dieser ließ es in der Nacht zum Montag von Westen nach Osten zu gewittriger Tätigkeit kommen, die sich aber nur vereinzelt in stärkeren Regenfällen auswirkte. Die Feuchtezunahme bedingt jedoch allgemein erhebliche Schwüle, so daß am Montag, begünstigt durch zeitweilige Sonneneinstrahlung, weitere gewittrige Störungen zur Entwicklung kommen werden. Die Großwetterlage läßt jedoch anschließend bei westlicher Luftzufuhr etwas frischeres und unbeständigeres, aber keineswegs unfreundliches Wetter erwarten. Aussichten für Dienstag: Wolkig bis aufheiternd und auch Auftreten vereinzelter teilweise gewittriger Schauer. Nicht mehr ganz so warm, westliche Winde. Aussichten für Mittw o ch : Vielfach heiter, doch nicht störungsfrei. Lufttemperaturen am 13. Juni: mittags 27,3 Grad Celsius, abends 21,6 Grad; am 14. Juni: morgens 18,5 Grad. Maximum 29,2 Grad, Minimum heute nacht 17,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 13. Juni: abends 27 Grad; am 14. Juni: morgens 22,3 Grad. — Sonnenscheindauer 9,6 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptfchriftleiters: Dr. Hans Thyriot. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein (beurlaubt). Vertreter: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. V. 37: 9326. Druck und Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Ozeanflüge am laufenden Band. 13 Millionen Lustsportbriefe. - Ein Jubiläum des Transatlantikdienstes Deutschland - Südamerika. Don Kurt A. St. Ientkiewicz. Frau Friederike Bonarius, geb. Müller itn 79. Lebensjahre zu sich in die Ewigkeit heimgeholt Großen-Buseck, den 13. Juni 1937 4114 D Unsere heißgeliebte sucht. 411?D In tiefer Trauer: Heuchelheim, den 12. Juni 1937 (Messisto Kuoslmein 4113 D vom 13. bis 27. Juni 1937. Besuchszeiten: sagen wir hierdurch unseren herzlichsten Dank 4116 D Sonntags von 11 bis 1 Uhr, Werktags von 17 bis 19 Uhr. „HessischerHof" Frankfurt. Str. 7 Skagerrak-Kanstausstellung im GeselMatlsliaiis, Sonnenslraße llllllllllllllllllllllllllllll AaAläffevonzdt» 20 v. S. erhalten Sie bet wteberhollen Aufnahmen einer Ametso iiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiii Gott der Allmächtige hat meine liebe Mutter, Schwiegermutter und Schwester, unsere Großmutter und Urgroßmutter Ernst Benner und Frau Erna, geb. Reuschling Herbert und Irmgard Benner Familie Karl Benner Familie Friedr. Ludw. Reuschling Für die liebevolle Anteilnahme an unserem Schmerz, sowie die Ehrung unseres lieben, unvergeßlichen Entschlafenen Eintritt für Mitglieder frei Eintritt 'ür Nichtmitfilieder 0.30 RM. Eintritt für geschlossene Formationen 0.10 RM. 4110 p werbungSichreiben bei» legen i — Lichtbilder undBewerbungsunter» lagen müssen zur 8er» Meldung oon Verlusten aus der Rückseite -Romen und Anfchrist des Bewerbers tragen! Die Beerdigung Ander am Dienstag, dem 15. Juni, nachmittags 2 Uhr vom Trauerhause, Kaiserstraße 26, aus statt Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Wilhelm Rühl und Familie. Die Beerdigung findet am Montag, den 14. Juni, nachmittags 4 Uhr vom Trauerhause, Marktstraße 24, aus statt Zirka 3800 qm Semras la Futter, zu verkaufen. 4hsD Näher. Ludwtg- straße 45 p. 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Jahresfeier der Universität Das Sportfest der Studenten Das prächtige Wetter gab dem Sportfest der Universität auf dem schönen Universitäts-Sportplatz das Gepräge Der Rektor Prof. Dr. Baader konnte neben dem Ministerialrat Ringshausen auch den früheren Leiter des Institutes für Leibesübungen. Dr. M ö ck e l m a n n, der jetzt in Königsberg i. Pr. ist, begrüßen. Die Garnison war durch den Standortoffizier, Major Lange, die SA. durch Brigadeführer Schmidt und Obersturmbannführer M ü n k e r vertreten. Unter den Klängen einer Musikkapelle rückten die Studenten ein und eröffneten mit Vorführungen der Körperschule der Grundausbildung die Veranstaltung. Gleichzeitig begann an mehreren Plätzen zugleich die Austragung der einzelnen Wettbewerbe. Neben den verschiedenen Läufen, die gute Zeiten brachten, fand das Keulenweitwerfen besondere Beachtung und auch der Hochsprung erregte durch den Wettkampf der Gießener mit den ausgezeichneten Marburger Studenten großes Interesse. Im Hochsprung wartete Pitzen, der vielseitig in mehreren Wettbewerben führend wurde, mit der beachtlichen Höhe von 1,67 Meter auf. Denker, Marburg, konnte sich nicht, wie erwartet, placieren. Beim Keulenweitwerfen erzielte Dr. Jakob vor dem Marburger P l u m, der 67,65 Meter erreichte, eine sehr gute Weite mit 67,95 Meter. Im Kugelstoßen wartete der bekannte Gießener Sportler L u h mit einer Leistung von 13,28 Meter, vor Plum, Marburg, mit 12,42 Meter auf. Auch die Studentinnen traten durch gute Leistungen hervor. Neben dem praktischen Uebungsspiel „Ball über die Schnur", bei dem die Dozentenschaft sich den Flächenausstattung der übrigen Perioden dagegen betrachtet er als unverbindlich, die die Betriebsführung der Zukunft in keiner Weise binden sollte. Aus den Vorschlägen von K l i p st e i n erwuchsen dann die modernen Altersklassenmethoden. Man wollte das wirkliche Altersklassenverhältnis dem idealen annähern, wobei die gesamtwirtschaftlichen Umstände, also Erwägungen volkswirtschaftlicher und privatwirtschaftlicher Natur, ferner der Waldzustand und die Betriebstechnik zur Entscheidung herangezogen wurden. Der Forstwirt, der dem deutschen Volke verantwortlich dafür ist, daß die deutsche Nationalwirtschaft fortlaufend mit gleichhohen Holzmassen versorgt wird, muß den Wald mit den kritischen Maßstäben des Verstandes messen. Mit dem Herz allein fönen wir den Bestand der Forstwirtschaft nicht sicherstellen. Zum Schluß möchte ich nicht verfehlen darauf hinzuweisen, welchen bedeutenden Anteil die Universität Gießen und das Land Hessen an dem Aufbau und der Fortbildung der modernen Forstwissenschaft überhaupt besitzen. Don den drei Begründern der modernen Forstwissenschaft gehören zwei der hessischen Heimat an, Georg Ludwig H a r - t i g und Johann Christian Hundeshagen. Das kleine Hessen hat im Jahre 1825 mit der Eingliederung des forstlichen Unterrichts in die Universität Gießen einen Schritt von ungeheurer Bedeutung gemacht. Das Gießener Forstinstitut st das älteste Forstinstitut der Welt und seine Gründung wurde Vorbild für die anderen, die diesen Schritt zum Teil aber erst Jahrzehnte später vollzogen. Bis zum Jahre 1880 war Gießen auf vielen Gebieten unseres Faches geradezu führend. In der Folgezeit wurde der geistige Wettbewerb schärfer, weil an Stelle der bis dahin herrschenden mathematischen Richtung die naturwissenschaftliche Arbeitsweise trat, die naturgemäß wesentlich höhere Geldaufwendungen erfordert. Mancherlei Wünsche nach dieser Richtung hin tragen wir im Herzen. Ich schließe meinen Vortrag mit dem Wunsch, daß das junge Reis der Forstwissenschaft am alten Baum der Ludoviciana auch in fernen Zeiten noch grünen, blühen und fruchten möge. ehemaligen Turnstudenten gleich stark zeigte, fand auch das Faustballspiel zwischen Dozenten- und Studentenschaft besondere Beachtung. Die geübteren Studenten errangen hierbei den verdienten Sieg mit einem guten Vorsprung von sechs Punkten. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand das erste Baskettball-Spiel zwischen der Universität Gießen und der Höheren Privatschule. Die Prioatschüler verstanden sich besser auf ein überlegtes Zusammenspiel und warfen auch geschickter und zielsicherer nach dem Ballnetz. Trotz ihrer steten Vorstöße war ihnen das Glück aber doch nicht hold, denn es gelang ihnen, das Spiel zwar überlegen zu gestalten, doch die zählbaren Erfolge blieben aus. So wurden sie nur mit einem knappen Vorsprung Sieger über die sich tapfer wehrende Universitätsmannschaft. Das Handballspiel zwischen den Mannschaften der Universitäten Marburg und Gießen beendete das Sportfest. Die flinkere und routiniertere Marburger Mannschaft trug einen knappen Sieg davon. Am Abend vereinte ein Unioersitätsfest im Studentenheim Studenten und Dozenten mit ihren Angehörigen. Hierbei nahm der Rektor die Siegerehrung vor. Die Ergebnisse folgen. Rektor, Dozenten- und Studentenschaft der Universität hatten für Samstagvormittag zur 3 3 0. Jahresfeier in die Neue Aula eingeladen. Der Raum war mit Fahnen und Blumen festlich geschmückt. Unter den Ehrengästen befanden sich zahlreiche Vertreter der Partei, der Wehrmacht und der sonstigen Behörden. Nach dem Einmarsch des Senats und des Lehrkörpers und dem Einmarsch der Fahnen brachte der Akademische Gesangverein C. M. von Webers „Hymne" kraftvoll und klangschön zu Gehör. Darauf ergriff Se. Magnifizenz der Rektor profeffer Or. Baader das Wort zu feiner Festrede über das Thema „Die räumliche und zeitliche Ordnung im Walde". Er führte u. a. aus: Hochgeehrte Gäste, meine Damen und Herren! Die Gründung der Universität Gießen als eine Voll-Universität mit vier Fakultäten am 9. bzw. am 19. Mai 1607 nach langen Verhandlungen von Kaiser Rudolf dem II. genehmigt. Die feierliche Eröffnung fand am 7. Oktober 1607 statt, aber nach altem Herkommen begehen wir den Geburtstag der Ludoviciana im Sommer, zu einer Zeit, zu der die Tage lang sind und die deutschen Fluren ihr schönstes Kleid angelegt haben. Der Bannt, der vor nunmehr 330 Jahren gepflanzt wurde, hat allen Stürmen der Zeit getrotzt. Wenn man alle Männer, die in nahezu dreieinhalb Jahrhunderten an ihm gewirkt haben, heute im Geiste unter seinem Schirm versammeln könnte, so wäre das wohl die interessanteste Gesellschaft der Welt. Den 330. Geburtstag der alten, jungen Ludoviciana begehen wir mit besonderer Freude. Dieser Tag fällt in die Zeit eines neuerstarkten und geeinten Deutschlands. Nachdem seine Magnifizenz der Rektor unserer Universität die zahlreichen Teilnehmer der Feier die Vertreter der Partei, der Wehrmacht, der Landesregierung, der Behörden und die vielen Freunde der Universität auf das Herzlichste begrüßt hatte, fuhr er fort: Nach altem Brauch spricht der Rektor an diesem Festtag über ein Thema aus seinem Fachgebiet, und ich gebe mir daher die Ehre, vor Ihnen über „Die räumliche und zeitliche Ordnung im Walde" zu sprechen. Der Gegenstand der Forstwissenschaft ist, so führte 'er u. a. aus, die Forstwirtschaft. Objekt der Forstwirtschaft aber ist der Wirtschaftswald. Die grund- lage der Forstwissenschaft sind somit die Wirtschaftswissenschaften und die Naturwissenschaften. Wenn hier von einer nachhaltigen Forstwirtschaft die Rede ist, so sei zunächst erklärt, was unter Nachhaltigkeit zu verstehen ist. Die Nachhaltigkeit begreift das Streben nach der Dauer, der Stetigkeit und dem Gleichmaß der Nutzungen. Das ist ein Wirtschaftsprinzip von hoher sittlicher Bedeutung. Die Forstwirtschaft ist nicht abgestellt auf Konjunktur. Die Nachhaltigkeit ist vielmehr der Ausdruck für das unbedingte Primat der Bedarfsdeckung, das vor der Rentabilität steht. Der Erste, der die Forderung der Nackchaltigkeit in» klare Worte formulierte und der zugleich einer der drei Begründer der modernen Forstwissenschaft ist, war Georg Ludwig H a r t i g. In seiner „Anweisung zur Taxation und Beschreibung der Forste" sagt er, „daß jede weise Forstdirektion die Waldungen des Staates zwar so hoch als möglich, doch so zu benutzen suche, daß die Nachkommenschaft wenigstens ebensoviel Vorteil daraus ziehen kann, als sich die jetzt lebende Generation zueignet". Die Nachhaltigkeit wurde aber außerdem zum Ausgangspunkt der gesamten Forstwissenschaft, denn von dieser Forderung aus hat man über bie Voraussetzungen nachgedacht, die erfüllt werden müssen, wenn man einen forstlichen Betrieb nachhaltig bewirtschaften will. So entstand die Theorie vom Normalwald, der nichts anderes ist, als ein idealer Wirtschaftswald, der alle Voraussetzungen dauer ist auch die zeitliche Ordnung in der Idee gegeben. Wenn beispielsweise die Umtriebszeit 140 Jahre beträgt, dann müssen im idealen Fall 140 Altersstufei vom ersten bis 140. Jahr vertreten sein. Die Aufgabe der zeitlichen Ordnung besteht deshalb darin, die wirkliche Altersgliederung des Waldes der idealen anzupassen. Die (Ertragsregelung ordnet das Altersklassenverhältnis und die zeitliche Ordnung. Es gibt zahlose Methoden, nach denen die Ertragsregelung durchgeführt werden kann. Die ältesten Methoden der Ertragsregelung sind einfache Verteilungsmethoden, bei denen die zeitliche und räumliche Ordnung in einem Akt gelöst wurden. Die einzelnen Abteilungen wurden auf die verschiedenen Perioden der Umtriebszeit derart verteilt, daß jede Periode entweder mit gleichen Flächen ober mit gleichen Maßen, ober mit gleichen Flächen unb Maßen ausgestattet war. Dementspre- d)cnb unterschieb man ein Flächenfachwerk, ein Massenfachwerk unb ein kompiniertes Fachwerk. Das Fachwerk hat ein ganzes Jahrhundert (eine Herrschaft über den deutschen Wald ausgeübt und die heutige zeitliche und räumliche Gliederung des Waldes ist im wesentlichen ein Ergebnis dieser Ertragsregelungsmethode. Das Fachwerk dachte und plante in Jahrhunderten. Es wurden Wirtschaftspläne aufgestellt, für eine Zeitdauer bis zu 200 Jahren, ein Beginnen, das in jeder anderen Wirtschaft als utopisch bezeichnet würde. Den Forstmann aber befreite dieses Denken von dem Egoismus des Tages, er stellte sein ganzes Denken und Tun zwischen die Geschlechter und das stolze Wort von Schiller, das dieser einmal den Forstleuten seiner Zeit widmete, wird auch noch von der Gegenwart als ein hohes Lob empfunden. Es ist selbstverständlich, daß eine Wirtschaftsplanung auf so lange Sicht mit schweren Mängeln behaftet war. Und es war wieder ein hessischer Forstmann, der spätere Oberforstdirektor K l i p st e i n , der zwar den ^Grundgedanken des Fachwerks beibehielt, der aber die Ertragsregelung nur für die nächste 20jährige Periode festlegen wollte. Die 3n den Familienblättern beginnt heute der neue Roman von Kart Hans Strobl: „Goya und das Löwengesicht" erfüllt, um die Dauer, das Gleichmaß und die Stetigkeit der Nutzungen sicherzustellen. Auch hier gebührt der Universität Gießen der hohe Ruhm daß die Theorie des Normalwaldes von den ersten beiden Lehrern unseres Forstinstituts ausgebaut wurde, eine Lehre, die inzwischen ihren Siegeslauf um den ganzen Erdball angetreten hat und überall dort Gültigkeit besitzt, wo man eine nachhaltige Forstwirtschaft zu treiben bemüht ist. Johann Christian Hundeshagen (er verstarb 1834 als 51jähriger in Gießen) und Karl Heyer (er wirkte von 1826 bis 1856 hier als Lehrer der Forstwissenschaft) haben die Lehre vom Normalwald ausgebaut und begründet. Ich bespreche zunächst die räumliche Ordnung im Wald. Was ist darunter zu verstehen? Die räumliche Ordnung stand früher ausschließlich unter dem Gesichtspunkt des Sturmschutzes. Ein Baum des Freilandes ist immer sturmfest. Bei einem isolierten kleinen Wald ist das Bild schon ein anderes. Die äußeren Randbäume sind infolge der Traufbildung und durch die Gewöhnung sturmfest. Die Bäume im Bestandesinneren dagegen erhalten ihre Standfestigkeit lediglich durch die Vergesellschaftung mit anderen. Was für das isolierte Feldgehölz gilt, gilt auch für den Großwald mit seinem Bestandsverband. Sv wie im isolierten Feldgehölz ein Baum den anderen deckt, so deckt im Bestandsverband ein Bestand den anderen. Wenn daher auf dem Wege der Nutzung ein Bestand entfernt wird, der einen ostwärts gelagerten deckungsbedürftigen Bestand schützt — deckungsbedürftig ist der Bestand vom 40. Jahre an — dann geht mit der Ernte der Deckungsschutz verloren. Aus diesem Grunde müssen die Bestände im Wald so gelagert sein, daß den deckungsbedürftigen Beständen nach der sturmzugewandten Seite immer ein jüngerer Bestand vorgelagert ist. Aus diese Weise erhält man eine ganz bestimmte räumliche Ordnung im Wald, bei der ursprünglich das Deckungsprinzip im Vordergründe stand. Ein neuer Wegbereiter der räumlichen Ordnung erstand der Forstwirtschaft vor nunmehr 35 Jahren in Christoph Wagner, der zu den bedeutendsten Köpfen unseres Faches zählt. Christoph Wagner machte die räumliche Ordnung im Wald zum Ausgangspunkt der gesamten Betriebstechnik, sie war für ihn Voraussetzung für den biologischen und den wirtschaftlichen Erfolg. Die räumliche Ordnung mußte deshalb nicht nur den Anforderungen des Sturmschutzes genügen, sondern sie sollte auch die Windwirkung und die Untersonnung aufheben, sie sollte beste Bedingungen schaffen für die Holzernte und die Holzbringung und zugleich die biologischen Voraussetzungen liefern für die Naturverjüngung. Von dieser Forderung ausgehend, lehnte Wagner grundsätzlich die Großfläche ab, zu der er auch den Bestand zählte. Die Entwicklung der räumlichen Ordnung geht somit seit 150 Jahren dahin, von immer größeren Flächen auf kleinere Flächen zurückzukehren. Je kleiner aber die Einheit, um so kleiner werden die Hiebszüge und die Schlagreihen. Die räumliche Ordnung im Walde ist eine rein technische Frage. Es sei aber darauf verwiesen, daß der Wald in Deutschland mehr ist als eine Stätte der Hvlzerzeugung, er ist ein Ort der Erholung und seelischen Entspannung für Millionen deutscher Volksgenossen. Der Forstmann muß deshalb darauf achten, daß eine solche Form des Waldaufbaues gewählt wird, die auch vom Standpunkt der Aefthe- tik aus befriedigt. Ich möchte weiter darauf verweisen, daß der Waldaufbau auch für die Frage der Landesverteidigung nicht ohne Bedeutung ist. Ich kann damit die Frage der räumlichen Ordnung verlassen und werde jetzt sprechen über die zeitliche Ordnung im Wald. Diese ist aufs engste- verbunden mit 'der Ertragsregelung, d. h. mit der Bemessung d/s nachhaltig beziehbaren Hiebssatzes. Die Wurzel der zeitlichen Ordnung liegt auf wirtschaftswissenschkftlichem Gebiet. Mit der Umtriebszeit und der Bemessung der ProduktionsCharlotte Wolter. Zum 40. Todestage der großen Tragödin. Heute sind es nicht mehr allzu viele, die die Wolter noch auf der Bühne der Wiener „Burg gesehen haben, die sie in der zweiten Halste des vorigen Jahrhunderts ein Menschenleben lang beherrschte, ja, mit der sie fast zu einem Begn f verschmolzen war. Mit Recht hat Heinrich Laube ihr in seiner Geschichte des Burgtheaters einen ausführlichen Abschnitt gewidmet, und ein Zeitgenosse hat gesagt: „Ein ganzes Kapitel des deutschen Theaters müßte Charlotte Wolter überschrieben sein". In der Wolter wirkte jene so seltene Elementarkraft der geborenen Tragödin, die den Menschen zwingt, sich selbst in immer neue Gestalten zu verwandeln, die eigene Individualität aufzugeben im dionysischen Rausch des Einströmens in fremde Masken und Bilder, zugleich aber diese fremden Bilder aus der eigensten Persönlichkeit heraus apollinisch klar zu formen — der doppelte Trieb, sich selbst ganz aufzugeben, um sich selber erst ganz zu finden. Nichts hat diese Kraft mit kluger Berechnung der eigenen Mittel und ihrer Wirkungen zu tun, nichts auch mit „Anpassung' im üblichen Sinne, nicht einmal mit verstandesmäßiger (Erarbeitung der Rolle. Im Gegenteil, der Mangel an intellektuellen Hilfsmitteln drohte der Wolter im Anfang ihrer Laufbahn verhängnisvoll zu werden. Ein unbezähmbarer Instinkt hatte die Tochter des armen Kölner Schneiders schon als halbwüchsiges Mädchen auf die Bretter getrieben, aber jahrelang mußte sie sich durch das graueste Schmieren- elend kleiner Wandertruppen durchschlagen und endlich froh sein, in Wien im Karltheater eine Anstellung mit einer Monatsgage von 50 Gulden zu finden, wo sie fast ausschließlich in Stubenmädchenrollen und ähnlichen beschäftigt wurde, zu denen ihre ganze Erscheinung und ihr Wesen in so groteskem Gegensatz standen, daß sie als die verkörperte Talentlosigkeit galt. Als später freilich aus dem verlachten Aschenputtel die Königin wurde, wollte jeder es „schon immer gewußt" haben, und ein halbes Dutzend Leute stritten sich um die Ehre, als ihr eigentlicher Entdecker zu gelten. Laube erzählt in seinem „Burgtheater" über den ersten Eindruck, den er von ihr empfing: „Eines Abends war ich im Karltheater, um ein kleines Stück zu sehen, das ich nicht kannte. Da tritt em Mädchen im grauen Seidenkleide auf die Bühne und frappiert mich. Wer ist sie? ,Das scheint mir recht gleichgültig', sagt meine Nachbarin, ,denn sie spielt ja schlecht.' Ja, sag ich und stehe unwillkürlich auf in der Loge, als ob ich sie so besser sehen wollte und könnte — aber das Mädchen hat ein Etwas, flüsterte ich vor mich hin. Ich hatte den Eindruck vornehmer Schönheit von dem Mädchen, und daß hinter dem, was sich da zeige, eine Kraft liegen könne, irgendeine seltene Kraft. Sie sprach abscheulich mit einem fast verborgen bleibenden guten Organ. Die Töne sonderten sich nicht klar zu den Worten. Aber der griechische Kopf sprach für mich. Sie war steif; aber ihre geringen Bewegungen waren edel — ich blieb dabei: dahinter liegt eine Kraft." Es vergingen aber nach jenem Abend noch Jahre, und die Wolter hatte bereits ihre ersten Triumphe in Berlin und Hamburg geerntet, bis sie am 12. Juni 1862 in der Rolle der Iphigenie in der Wiener Burg einzog, an der sie von da an bis zu ihrem letzten Auftreten am 23. Juni 1896 ununterbrochen als hellster Stern erglänzen sollte. Die künstlerische Entwicklung der Achtundzwanzigjährigen aber war damit noch lange nicht auf ihrem Höhepunkt. Noch durch viele Jahre hindurch hatte sie gegen allzu gewaltsame Bewegungen, gegen Leidenschaftsausbrüche von unkünstlerischer Heftigkeit und gegen das bereits von Laube erwähnte „abscheuliche Sprechen", bei dem auch ihr schwer zu verleugnender rheinischer Dialekt störte, zu kämpfen. Dabei besaß sie ein Organ von wunderbarer Ausdrucksfähigkeit und Klangfülle, dem sie besonders auf der Hohe der Leidenschaft ergreifende Naturlaute zu entlocken vermochte — der „Wolter- schrei" wurde zu einer sprichwörtlichen Berühmtheit —, und in langsamer Schulung gelang es ihr, sich zu so unerreichter Meisterschaft der Sprachbeherrschung zu erziehen, daß in ihrer Deklamation auch noch die verborgensten Schönheiten klassischer Verse erschlossen wurden. Wie edler Wein, der nach heftiger Gärung in der Jugend mit jedem Jahr firner und reiner wird, so läuterte sich ihr vulkanisches Temperament im Dienste der Kunst zu immer vollkommenerer und schlackenloserer Reise, ohne dabei an elementarer Kraft zu verlieren. „Sie ist Natur, sie wurde Kunst", sagte ein zeitgenössischer Kritiker von ihr. Ihre höchste Stärke blieben die tragischen Charakterrollen, sie war die geborene Interpretin für Shakespeare, Goethe, Grillparzer, Hebbel, wobei ihr eine unglaublich reiche Skala von Tönen zur Verfügung stand, von der himmlischen Milde der Hermione im „Wintermärchen" bis zur dämonischen Zauberkraft der Lady Macbeth, von der zärtlichen Weiblichkeit des Klärchen bis zum königlichen Priestertum der Iphigenie. Was ihr ganz fehlte, war der leichte Humor, wogegen sie die der Tragik verwandte Satire vollkommen beherrschte. In ihrer menschlichen und künstlerischen Entwicklung wurde sie entscheidend gefördert durch ihren Gemahl, den belgischen Diplomaten Grafen O ' Sullivan, dessen feinsinnige Natur die ihre harmonisch ergänzte. Nach seinem Tode zog sie sich in immer größere Einsamkeit zurück, inmitten fürstlicher Pracht lebte sie fast weltabgeschieden, aus der Titanin der Leidenschaft wurde mehr und mehr die Hohepriesterin der Kunst. Als sie ein knappes Jahr nach ihrem Abschied von der Bühne auch aus dem Leben schied, da erfüllte man ihren letzten Wunsch, indem man ihren entseelten Leib in ihre Jphigeniengewänder hüllte und ihn so der Erde übergab. C. K. Der Elefant und das kleine Mädchen. Japino ist ein Elefant, der eine erfolgreiche Laufbahn als Star in dem größten Zirkus von Neuyork hinter sich hat. Er war stets der vergnügteste und lenkbarste Elefant aus dem ganzen Tierpark, der Tausende von Kindern entzückt und ganze Büsche von ihm dargereichten Erdnüssen vertilgt hat. Sein Wärter behauptet, er sei 75 Jahre alt. Er hatte wohl kaum Widerstand von einem Elefanten in diesem gesetzten Alter erwartet, als der große Lastwagen vor Japinos Käfig hielt, um ihn in seine neue Behausung zu fahren. (Eine Laufplanke wurde für Japino von seinem Käfig zu dem Lastwagen gelegt, aber ach, als Japino den ersten Fuß darauf setzte, krachte sie durch. Das Geräusch des Krachens war Japino allem Anschein nach unangenehm, denn er setzte sich auf seine Hinterkeulen und war nicht zu bewegen, wieder aufzustehen. Der Wärter riß an den Oesen in seinen Ohren, fünfzig Männer zerrten an der Kette, die um seine Vorderbeine geschlungen war; sie versuchten sogar, Japino in den Lastwagen zu schieben, aber alles war vergeblich. Endlich bemerkte der Wärter, daß das Auge des Elefanten aufmerksam auf einem kleinen blondhaarigen sechsjährigen Mädchen in der ersten Reihe der Zuschauer ruhte, und er schlug vor, daß das Kind dies ausnützen und ihn mit Rüben verführen sollte. Gierig verschlang Japino die erste Rübe, für die zweite mußte er sich ein wenig vorstrecken, für die dritte erhob er sich ein klein wenig von seinem Sitz, und als die letzte Rübe verbraucht war, stand Japino auf einmal in dem Lastwagen. Die Tür fiel hinter ihm zu, das kleine Mädchen aber ging sehr zufrieden mit ihrer Leistung heim. Gießener Gtadttheater. Tanz-Gastspiel Manuela del Rio. Die spanische Tänzerin Manuela del Rio, aus Grado in Asturien gebürtig, gab im Stadttheater ein Tanzgastspiel. Die Eindrücke, weiche dieser Tanzabend hinterließ, waren in erster Linie von dem ausgesprochen volksmäßig-nationalspanischen Charakter ihrer Darbietungen bestimmt; die mit großem Geschmack zusammengestellten Kostüme, Schleier, hoher Kamm und Kastagnetten gehören, wie uns scheint, als wesentliche Bestandteile zu dem klanglichen und visuellen Gesamtbilde ihrer Tänze. Manuela del Rio verfügt über einen wundervoll durchgearbeiteten, geschulten, jeder tänzerischen Eingebung unmittelbar und exakt nachgebenden Körper; alles, was sie tanzt, ist rhythmisch außerordentlich genau und scharf akzentuiert. Sie ist technisch sehr sicher und übrigens auch der Wirkung dessen, was sie oorführt, in jedem Schritt bewußt: die meisten ihrer Tanzfiguren teilen sich dem Beschauer ganz spontan mit. Außerdem verfügt diese Tänzerin über einen mit einfachen Mitteln sich äußernden Humor und eine mimisch gefärbte Gabe parodistischer Charakterisierung. So gewinnt sie die persönlichsten Wirkungen etwa in dem toledanischen Bauerntanz ßagarteranas (Guerrero), in dem sie ein naives Naturkind vom Lande darstellt, oder in der Stierkampf-Parodie „Vaya por Ub" (Romero), die sie ebenso witzig wie temperamentvoll absolviert. Vielleicht die eigenartigste Tanzkomposition war die „Danza Mora" von Serrano, die von der Gitarre begleitet wird und überdies neben den Kastagnetten auch das Tamburin und die „Chinchines" (Glöckchen) für die rhythmische Akzentuierung einbezieht. Charakteristisch ist in der Mehrzahl der Tänze auch der „coup de talon", das ftaccatierenbe Auftreten mit bem Stöckel, bas wie eine nationalspanische Variation bes amerikanischen Stepschritts wirkt, sehr ausgeprägt beispielsweise in ben an „Carmen" erin- nernben „Seguibillas" von Albeniz. Als klassischspanischer Tanz hat bie einleitenbe Serenata zu gelten, während bie „Goyescas", Zwischenspiel der gleichnamigen Oper von Granados, „von dessen Romantik unb Melancholie" inspiriert wurden. — Als Begleiter wirkten der Pianist Javier A l f o n s o am Flügel und Joaquin R o c a (Gitarre). Beide begleiteten mit vollkommener, schmiegsamer Anpassung unb in völliger Uebereinftimmung mit ben verschiebenen Phasen bes Tanzbilbes; beibe musizierten auch solistisch, um die notwendigen Umkleidepausen zu füllen, mit virtuoser Geläufigkeit. — Sehr freundlicher Beifall. Hans Thyriot Noch der mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Festrede und nach einem Zwischenspiel des Collegium musicum hielt der Studentenführer Krank eine Ansprache, in der er etwa Folgendes fagt£t Magnifizenz, Professoren, werte Gäste, Kameraden! Wenn heute unsere Hochschule auf ein dreihundertdreißigjähriges Bestehen zurückblicken kann, so interessiert ihre geschichtliche Vergangenheit, die ich in kurzen Zugen darstellen will: Unsere Universität verdankt ihre Entstehung jenem Marburger Erbfolgestreit, der im Oktober 1604 aus- brach. Die Landgrafen von Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt zankten sich damals um das Erbe des im Jahre 1604 kinderlos verstorbenen Landgrafen von Marburg. Ein besonderer Zankapfel ist die schon 1527 von Philipp dem Großmütigen gegründete Marburger Universität. Im lutherischen Marburg kommt es zu größeren Unruhen und Tumulten, als Moritz von Kassel entgegen der Erb- folgebestimmung das reformierte Bekenntnis ein- führt. Aus diesem Anlaß verlassen viele Marburger Professoren die Stadt und finden in Hessen- Darmstadt Aufnahme. Der hessische Landgraf Ludwig der Fünfte hat schon längst den Gedanken zur Gründung einer eigenen Universität gehegt. Schon 1605 macht man ihm den Vorschlag, eine Hochschule mit 4 Fakultäten zu gründen. Als die vertriebenen Marburger Professoren in Gießen eintreffen, wird die Gründung unserer Alma mater beschlossen. An Studenten haben wir im Anfang durchschnittlich 320, so daß es damals nur 6 deutsche Universitäten gab, die mehr Besucher aufzuweisen haben. Doch auch Störungen können nicht ausbleiben. 1622 erhalten die Studenten eine grün-gelbe Fahne mit der Aufschrift: „Litteris et armis ad utrumque parali“. Zur Zeit der Aufklärung macht Gießen Fortschritte auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Forschung, vor allem die Naturwissenschaften treten in frischer Blüte hervor. Jedoch erst mit den Tagen eines Justus von Liebig gewinnt Gießens Hochschule auch über die Grenzen des Landes hinaus ihren großen Ruf. Dem berühmten Vater der deutschen Chemie standen zur Seite Männer wie der Physiker Konrad Röntgen, die Juristen L i ß t und Jhering. Mit Macht treten die Naturwissenschaften nun hervor, die zahlreichen Institute, die unsere Hochschule besitzt, legen lebendiges Zeugnis davon ab. Schon 1785 rühmt der Päd- dagog Campe den guten geselligen Ton, der in Gießen bei Studenten und Professoren herrscht. Wir, die wir heute das 330jährige Bestehen unserer Alma mater feiern und uns zü ihren treuen Anhängern zählen, können hierfür und für viele andere Vorzüge unserer Hochschule wohl Gründe angeben. Nicht nur die kameradschaftliche, sondern auch die wissenschaftliche Arbeit wird hier in persönlicher Verbindung auch zwischen Lehrenden und Lernenden in einer Weise ergiebig, wie dies an Hochschulen mit großen und größten Zahlen wohl kaum der Fall sein kann. Wir sind eine kleine Universität. Jawohl! Gerade darin aber können wir heute einen Vorzug erblicken. Wenn heute immer wieder auf das Land als Erneuerungsauell alles völkischen Lebens hingewiesen wird, so ist klar, daß gerade Gießen diese Nähe und Verbundenheit gewiß ist. Heute, nach der Wandlung, die der Führer in unserer aller Denken und Fühlen bewirkt hat, sehen wir in dieser Verbindung mit der landschaftlichen Heimat, die uns umgibt, einen Aufgabenbereich, der auch an den Studenten weitgehende Anforderungen stellt. Ich erinnere hier nur an die Erntehilfe, den Landdienst, den Fabrikdienst usw. Wenn mir uns aber auf unsere eigentliche Bestimmung besinnen, so wird uns klar, daß mir in erster Linie zu studieren haben. Studium das heißt für uns, Einsatz der ganzen Persönlichkeit. Da zum ganzen Menschen nicht nur die Erfüllung wissenschaftlicher Pflichten und Aufgaben gehört, da mir aus der Geschichte gelernt haben: jede nur kulturelle, nur bildungsmäßige oder nur private Tätigkeit führt zum Ruin des Ganzen — deshalb sehen mir Studenten von heute ein Ideal des Lernenden, das uv5 mit ganzer Kraft auch der politischen Wirksamkeit zuführt. Student sein, das heißt Wissen; jede Spezialleistung ist zum Mißerfolg verurteilt, wenn sie als solche ein Eigenrecht und Eigendasein beansprucht. Jede fachwissenschaftliche Bildung ist grundlegend notmenbig. Aber sie wird erst wahrhaft von Bedeutung und letztlich von Erfolg sein, wenn der, der sie vollbringt, ihre innerste Notwendigkeit allein darin begründet, daß sie dem Ganzen des Volkes dient. Aus dieser Erkenntnis heraus, die nicht nur mir, sondern uns allen mehr oder weniger deutlich ist, richte ich an diesem denkwürdigen Tage an Sie meine Kamerade den Appell: Setzen öie sich restlos ein, und auf allen Gebieten, an die Sie Ihr persönliches Geschick heranführt. Wir wollen an diesem Tage der frohen Rückschau nicht vergessen, daß unser Wirken, wie es sich in unseren Organisationen vollzieht, die Grundlage werden soll für die studentische Lebensform im ewigen Reich des Führers. Professor Dr. Hildebrandt nahm anschließend Die Preisverteilung vor: Für die Bearbeitung der von der Osann-Beul- witz-Stiftung ausgeschriebenen Preisaufgaben erhielten die ausgesetzten vollen Preise: 1. Preisaufgaben für Studierende: 1. Aus dem Gebiet der Theologischen Fakultät: „Die Bilder vom Kampf in den Briefen des Paulus und ihre Bedeutung für die sittlich-reli- giöse Haltung des Christen" Verfasser: stud. theol. Hermann Seibel aus Darmstadt. 2. Aus dem Gebiet der Medizinischen Fakultät: „In welcher Weise äußert sich eine Allergose am Auge?" Verfasser: Med.-Prakt. Max Arp aus Kiel. 3. Aus dem Gebiet der Medizinischen F a • kultät: „Häufigkeit, Art, Ursache und Dauer der in der Medizinischen Universitätsklinik Gießen von 1931 bis 1935 beobachteten Herzerkrankungen". Verfasser: Med.-Prakt. Fritz Jüngst. 4. Aus dem Gebiet der Philosophischen Fakultät: „Welche Gesichtspunkte der Moliöre- Kritik lassen sich an Hand des Misanthrope durchführen?" Verfasser: cand. phil. Josef Vock, Gießen. 5. Aus dem Gebiet der Philosophischen Fakultät: „Die Stellungstypen des Verbums im Urgermanischen, unterschieden nach Haupt- und Nebensatz". Verfasser: Studienreferendar Karl Schneider, Gießen. 6. Aus dem Gebiet der Philosophischen Fakultät: „Die bisherigen polarisationsoptischen Erkenntnisse über den Feinbau der Sehzellen sollen auf die Ontogenese und auf Formen aller Wirbeltierklassen ausgedehnt werden". Verfasser: cand. rer. nat. Walter Neurath. 2. Preisaufgaben für andere wissenschaftlich gebildete Bewerber: 1. Aus dem Gebiet der I u r i st i s ch e n Fakultät: „Die Stellung der juristischen Person im internationalen Privatrecht". Verfasser: Dr. Günther B e i tz k e, Gießen. 2. Aus dem Gebiet der Philosophischen Fakultät: „Das Bauernhaus des westlichen Mitteldeutschlands". Verfasser Dr. W. M e y e r - Barkhausen, Dozent für Kunstgeschichte an der Universität Gießen. Zum Schluß sprach Prof. Hildebrandt allen Preisträgern die herzlichen Glückwünsche der Universität aus. Hierauf erhob sich der Rektor Prof. Baader und brachte ein dreifaches „Sieg-Heil!" auf den Führer aus. Mit dem Gesang der beiden Nationalhymnen, mit dem Fahnenausmarsch und dem Ausmarsch des Senats und der Lehrer wurde die Jahresfeier in hergebrachter Form beschlossen. Aus der Giadi Gießen. Schützt unseren deutschen Wald! Unsere Waldungen gehören zu den schönsten Gütern des deutschen Volkes. Die volkswirtschaftlichen Werte, die in unseren Forsten ruhen, sind unabschätzbar. Kaum ein Land in der Welt hat eine so weitsichtige Gesetzgebung zum Schutz und zur Nutzung seiner Waldungen wie Deutschland. Die Schönheit des Sommers bringt leider für den Waldbestand eine Zeit der Gefahren. Einmal sind es die Schädlinge, die sich besonders auf die Fichten- und Kiefernbestände werfen und alljährlich Verheerungen durch Raupenfraß anrichten. Die Forleule und die Nonne sind die gefährlichsten dieser Schädlinge, die ganze Waldbestände kahlgefressen haben und zu ihrer vorzeitigen Niederlegung durch Kahlschlag verurteilten. Da allein die Kiefer 46 o. H. des deutschen Waldes darstellt, so sind ihre Bestände in besonderer Gefahr, aber auch die Fichten und andere Arten des Nadelwaldes werden mitbetroffen. In neuerer Zeit ist man dazu über» gegangen, solche Bestände/ die vom Raupenfraß bedroht sind, mit chemischen Stoffen zu verteidigen, die durch Flugzeuge ausgestreut werden. Die Che- mikalien vernichten die jungen Raupen. Die neue Richtung unserer Forstwirtschaft geht darauf hinaus, auf die großen Flächen des reinen Nadelwaldes zu verzichten und zu dem Mischwald zurückzukehren. Mindestens wird erstrebt, daß die Kiefernwälder durch Streifen von Laubwald durchbrochen werden. An solchen Streifen des Laubwaldes wird der Vernichtungszug der Kiefernschädlinge aufgehalten. Die andere große Gefahr in diesen Monaten stnd die Waldbrände. Es sind deren in letzter Zeit eine ganze Reihe vorgekommen. Der wirtschaftliche Schaden ist sehr hoch anzuschlagen. Vielfach werden Wälder von einem Alter von 40 bis 60 Jahren vernichtet, weil ein leichtsinniger Mensch ein Streichholz unbedacht wegwarf. Das bedeutet, daß die Arbeit und die Hoffnung eines ganzen Menschen- lebens in wenigen Stunden vernichtet ist. Gewiß sind manche Waldbesitzer in Waldbrandversicherungen, aber damit wird der nationalwirtschaftliche Schaden nicht wieder gutgemacht. Man vergesse nicht, daß die Forsten ein wichtiger Faktor in unserem Dierjahresplan sind, daß auch sie mithelfen sollen, Devisen ju sparen und zur Gewinnung neuer deutscher Rohstoffe zu dienen. Ganz besondere Vorsicht ist stets beim Umgang mit Feuer in der Nähe eines Waldes zu beobachten. Die Behörden haben hier mit Recht sehr strenge Vorschriften erlassen, und die Polizei hat mit verstärkten Kräften den Streifendienst erweitert. Die Hauptsache ist aber die Selbsterzie- hung des einzelnen Menschen; so viel Vernunft muß man von jedem verlangen, daß er im Sommer im Walde das Rauchen unterläßt und daß das Anmachen von Lagerfeuern unterbleiben muß. Dornotizen. Tageskalender für Montag. Ortsgruppe Gießen-Nord der NSDAP.: 20.30 Uhr „Frankfurter Hof" für Zelle 1, 2, 3, 4, 5 und Aquarium für Zelle 6, 7, 8, 9, 10. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Peter im Schnee". — Oberhessischer Kunstverein: im großen Saal des Klubhauses Skagerrak-Ausstellung. NSDAP., Sießen-Nord. Hilfskassenbeiträge für Männer der SA., Reiter- SA., Marine-SA., SS., NSKK., die im Orts- gruppenbereich wohnen, werden am Mittwoch, 16. Juni und Donnerstag, 17. Juni, im Cafö Leib geza )lt und zwar für Juli, August, September 1937. Es gehört sich für einen jeden Angehörigen einer Parteigliederung, daß er pünktlich seiner Beitragspflicht nachkommt. Wer verhindert ist und niemand schicken kann, dem ist am 21. Juni auf der Geschäftsstelle, Marburger Straße 20, letztmals Gelegenheit geboten, Zahlung nachzuholen. -Ox, Die deutsche Rrbcitofront v’/J tL5.=6cmeinRhaft „firaft durch freuöc" Sonntag, 20. Juni, 20.30 Uhr: Großer Heiterer Abend in der Volkshalle mit „Nazi - Eisele" und s e i n er Truppe. Preise 40, 60, 80 Rps. und 1,— RM. Sammerlbestellungen der Betriebswarte bis Donnerstag, 17. Juni. Kartenvorverkauf: Musikhaus Challier, Schokö- ladenhaus Huntemann, Oberhessische Tageszeitung, Kreisdienststelle. Sonntag, 20. Juni, 16 llhr: Gr. Sommer f e ft in Kloster Arnsburg. Eintritt 40 Rpf. Sametag/Sonntag, 26 /27. Juni: Wochenendfahrt nach Düsseldorf zur großen Reichsausstellung Schaf fendes Volk. Abfahrt: Samstag, 14 Uhr, Rückkunft: Sonntag, 24 Uhr. Teilnehmerpreis: enthaltend Fahrt, lieber» nachtung, Frühstück, eine Abend- und eine Tageskarte 9,20 K2U. 4111D Mittwoch, 30. Juni, gegen 16 Uhr: Billiger Sonderzug nach Marburg zu dem Freilicht-Festspiel „Scharnhor st". Preis für Fahrt und guten Mittelplatz 1,70 RM. Karten zu den Fahrten durch die Betriebswarte und die Kreisdienststelle Schanzenstraße 18. Die Gießener Reichsparreitag- teilnehmer 1937 üben. Auf dem Trieb fand gestern Vormittag die erste Exerzierübung (Vorbeimarsch in Zwölferreihen) statt, an der auch der Spielmanns- und Musikzug 116 teilnahmen. Unter der Oberaufsicht von Stan- dartenführer Lutter versahen die Teilnehmer bei der schwülen Witterung ihren nicht gerade leichten Dienst. Durch diese Vorarbeiten wird auch in diesem Jahre wieder die Gewähr dafür geboten sein, daß die „Hessen", ebenso wie in den Vorjahren, vor dem Führer bestehen können. Die Irühkartoffel-Absatzregelung in Heffen-Aafsau. Eine Anordnung Nr. 19 des Kartoffelwirt- schastsverbandes Hessen-Nassau besaßt sich mit der Frühkartoffel-Absatzrxgelung im Jahre 1937. In der Anordnung wird bestimmt, daß sich die Absatzregelung auf Speise-Frühkartoffeln und Kartoffeln jeder Art der Ernte 1937, die vor dem 31. August 1937 in den Verkehr gebracht werden, erstreckt. Zur Durchführung der Absatzregelung werden innerhalb der Landesbauernschaft Hessen- Nassau die Hauptanbaugebiete für Frühkartoffeln zu geschlossenen Anbaugebieten erklärt. Die Gemeinden, die zu den geschlossenen Anbaugebieten Main-Taunus, Oberhessen, Rheinhessen und Starkenburg gehören, werden in der Anordnung im einzelnen äufgeführt. Ferner enchält sie die Bestimmungen, die für die Bewirtschaftung von Frühkartoffeln im geschlossenen und offenen Anbaugebiet gelten. Die genannte Anordnung ist mit bem 10. Juni 1937 in Kraft getreten. * ** Erfolgreich bestandene DLR.- Lehrscheinprüfung. Nach erfolgreich abgelegter Prüfung konnte dem Heinrich Eberhard, Gießen, Stephanstraße und Adolf Burkhard, Gießen, Goetheftraße, die Urkunde für den Lehrschein der Deutschen Lebens-Rettungsgesellschaft mit goldener Nadel überreicht werden. Rundfunkprogramm Dienstag, 15. Juni: 6 Uhr: Choral. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 8.10: Gymnastik. 8.30: Musik am Morgen. 10: Schulfunk. Oberschlesien singt und tanzt. Hörfolge von Alfons Haybuk. 10.30: Hausfrau, hör' zu! 11.30: Sportfunk für die Jugend. 11.45: Deutsche Scholle. Sport — nicht für den Bauern? 12: Werkskonzert. 13: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. Offene Stellen. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Dem Opernfreund. 15.15: „Neckarstädtchen". Plauderei von Wilhelm von Scholz. 15.30: Volk und Wirtschaft. 16: Unterhaltungskonzert. 18: Sozialdienst. 18.30: „Gückauf!". Aus dem Leben des deutschen Bergmanns. 19: Kammermusik. 19.45: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 20.10: Dardanellen — Gallipoli. Ein Ruhmesblatt aus der Geschichte der alten Kriegsmarine. 21: „Unsere blauen Jungs". 22: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 22.30: Unterhaltung und Tanz. 24 bis 2: Nachtkonzert. Die Industrie, und Handelskammer Gießen aibt Auskunft: 43 1: Neue Zusammenfassung und Abänderung der bisherigen bulgarischen Devisenbestimmungen — Wortlaut der neuen „Allgemeinen Verordnung über Ein- und Ausfuhr". — 4 3 2: Umsatzsteuerumrechnungskurse für die nicht in Berlin notierten ausländischen Zahlungsmittel. — 4 3 3: Güter in Behältern Deutschland-Polen. — 4 3 4: Frachtermäßigungen für den Ein- und Ausfuhroerkehr. — 4 35: Exportoaluta-Erklärun- gen bei Paketen nach Mandschukuo. WaWflWI Boman von Walther Kloepffer Copyright 1936 by August Scherl G. m. b. H., Berlin. 20 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Etwas später gingen auch Frau Enaasser und der Verwalter Tutschek die Stiege hinauf. Viktoria war von ihm um einen Tanz gebeten morden und wollte ihres Mannes wegen nicht unhöflich fein. Der Professor saß unten in der Gaststube beim Pfarrer und Lehrer und beackerte sein Lieblingsthema. Das Ehepaar Engasser war überhaupt nur deshalb anwesend, weil der Gastwirt Körn so dringend gebeten hatte, ihm die Ehre ihres Besuches au schenken. Aber viel Freude hatte Viktoria an dieser Begleitung nicht. Tutschek kam gerade zu einem Walzer recht. Es ließ sich nicht abstreiten, daß er ein blendender Tänzer war; aber er drückte feine Partnerin zu eng an sich und war ihr auch sonst unangenehm. Als der Tanz zu Ende war, sagte Viktoria: „Ich möchte jetzt wieder hinunter, es ist so schwül hier." Mitten aus der Treppe, die zufällig leer war, riß Tutschek Viktoria an sich und versuchte sie zu küssen. Sie bog ihr Gesicht zur Seite und klatschte ihm ihre Hand aus die Wange. Dann eilte sie davon. Der Verwalter zischte vor sich hin: „Das zahle ich dir heim, du hochnäsiges Frauenzimmer." Dann schritt er langsam wieder empor in den Saal. Er stellte sich an die Schenke und trank mehrere Gläser Kognak, um seine Niederlage hinunterzuspülen. Don hier aus bemerkte er Anna. Diese war von einem Arm zum andern gewandert. Denn jeder der jungen Burschen wollte mit ihr Uiy^n. Der Marti saß einsilbig und eifersüchtig am Tisch, schlückelte (tin Bier, und der c»anze Abend war ihm verdorben, weil die Anna ga. nicht mehr zu ihm zurückfa«,d. Die allgemeine Ausgelassenheit hatte jetzt ihren Höhepunkt erreicht. Die Burschen sangen Spottoerse aufeinander, und da auch welche aus den umliegenden Dörfern gekommen waren, war dies keineswegs harmlos. Dem FenA fein Aeltester fchieve mißgünstig zu zwei Buchlkamern hinüber, die sich mit einem Schellenberger Mädchen unterhielten. Dann fing er mit überkippender Stimme herausfordernd zu krähen an: ,,D' Büchlkamer warnd a Leut' — Wenn f a Geld harn, gehn f a weit; Wenn j’ koans harn, gehn f langsam.^ Wißts was, ihr könnts uns allzamm!" Einer von den Büchlkamem schrie nicht faul dawider: „Hennerl, bi bi, Hennerl, bo bo, Wennst mir koa Da net legst, Stich i bi o." — was gegen die Schellenberger ging, die rundum als Notnickel verschrien waren. Der Wirt Kem suchte Ruhe zu stiften. Er gab den Musikanten einen Wink, einen flotten, lauten Landler aufzuspielen. Tutschek drängte sich zu Anna durch, die mit roten Backen an einer Säule lehnte. Der Kognak hatte ihn aufgepulvert und aufs neue unternehmungslustig gemacht. War's die Enaasierin nicht, würde es eben die Anna sein. Dieses Schäfchen von der Wasserkante kam ihm gerade recht. War ja viel zu schade für diese Schellenberger Muhagl und Tölpel. Er begann gewandt: „Ach, Fräulein Anna, wie nett! Auch da? Eben sehe ich Sie. Darf ich um den nächsten Tanz bitten?" „Ich möchte eine Zeitlang aussetzen, Herr Tutschek. Bißchen schwindlig, verstehen Sie. Die Burschen hier sind sv wild." „Dann rate ich Ihnen, ein wenig an die frische Luft zu gehen. Ich begleite Sie, wenn Sie gestatten. Ucbrigens herrscht ziemlich dicke Luft hier; wenn mich nicht alles täuscht, wird es heute noch eine Rauferei geben, und dem möchte ich Sie nicht aussetzen." „Wirklich?" meinte die Anna erschrocken. „Ja, leider. Die Leute können ja nicht Maß halten." Er sagte „Bitte!" und ging ihr voran die Treppe hinunter. „Wie das guttut! Droben war es so heiß. Ich glaube, ich bin auch ein bißchen betrunken. Sie gaben ja keine Ruhe gegeben. Wenn einer ein volles Glas hatte, mußt' ich ihm Bescheid tun .. ", lachte die Anna und fächelte sich die erhitzte Stirn. „Wenn ich mir ein offenes Wort erlauben darf, Fräulein Anna — aber, bitte, nicht Übelnehmen! —, ist das überhaupt keine Gesellschaft für Sie. Die Herren droben in Ehren, aber schließlich ist das doch nicht das, was Sie suchen. Hinter dem Haus ist ein Obstgarten mit einer Bank. Darf ich Sie hinführen?" Anna hatte gegen den Obstgarten nichts einzuwenden. Tutschek gab sich sichtlich Mühe, nett zu fein und ihr Vertrauen zu erringen. Er plauderte interessant von allem möglichen und gefiel Anna immer besser. Da verschiedene andere Paare sich gegen den Obstgarten zubewegten und gleichzeitig im Saal droben ein heftiges Geschrei losging, machte der Verwalter den Vorschlag, noch ein bißchen spazierenzugehen oder eine Tasse Tee bei ihm zu trinken, weil es zum Heimgehen noch zu früh wäre. Anna dachte an ihren Kummer und an das ihr verleidete Doktor- Haus und nickte. Dann schritten sie durch schlafende Felder dem Schloß zu, und Tutschek redete unbefangen, obwohl alles in ihm nach bem Mädchen schrie. Dor dem Derwalterhaus hatte Anna leise Bedenken, aber Tutschek gelang es, diese zu zerstreuen. Die Nacht war frisch, aber nicht kalt, und senkrecht über dem Schloß stand ein einzelner großer Stern. „Bitte, einzutreten!" sagte Tutschek und drehte das Elektrische im Hausflur auf. Anna war noch ein wenig wirbelig im Kopf, aber im großen ganzen war ihr Zustand nicht unangenehm. Tut- scheks kleine Junggesellenwohnung versetzte sie in Helles Entzücken. „Ach", sagte sie nur und strich mit den Fingern scheu über die Damastbespannung eines Sessels. Dieses Wohnzimmer, zartblau und mit honiggelben Biedermeiermöbeln ausgestattet, war ja noch viel schöner als jenes im Alsterhotel, bas sie durch Tränen verbunkelt gesehen hatte. Wer in einem solchen Zimmer wohnte, konnte kein böser Mensch sein... „Nichts Besonberes, aber gemütlich", meinte Tut- schek beiläufig unb war um einen Platz für sie besorgt. „Sessel? Ja? Halt, Sie müssen auf bas Sofa; bann haben Sie bas ganze Zimmer im Blickselb. Hier sind die Teesachen. Ich fände es reizend, wenn Sie sich ihrer annehmen würden." Das war der Tee, und das war bas Zimmer. Anna fand, baß sie es schon lange nicht mehr so nett gehabt hatte. Sie taute auf unb erzählte von Hamelskoog, von sich, von ihrer Arbeit. Nur über Fogg schwieg sie hartnäckig. Später stieg Tutschek in ben Keller unb brachte eine verstaubte Flasche Wein. „Oh, Wein? Heute nicht mehr, danke!" „Ein ausgesprochener Damenwein, Fräulein Anna. । ,Wein auf Bier, bas rat’ ich dir/ Nicht? Geh, Sie werben mir boch keinen Korb geben? Ich will Ihnen verraten, daß bie Fürstin diese Sorte beson- bers bevorzugt", lächelte Tutschek. Anna ließ ihren Widerspruch fallen. Sie versuchte einen Schluck. „Fein, wunderbar! Ich habe noch nie etwas sv Schönes getrunken!" „Das freut mich", sagte Tutschek, hob gegen Anna das Glas und zwang sie, mitzutrinken. Später stammelte Anna: „Mir ist jetzt ganz komisch. So leicht, so schwebend. Aber müde bin ich, Herrgott! Gleich schlafe ich Ihnen ein." Tutschek lachte. „Darf ich mich ein bißchen zu Ihnen setzen? Was für kleine Hände Sie haben! Und diese kleinen Patscherl müssen so schwere Arbeit tun? Sie passen nicht nach Schellenberg, Anna. Man müßte Ihnen ein Schloß bauen an der Moldau oder ein Feen- häuschen an der ligurischen Küste..." „Was bauen?" murmelte Anna schläfrig. „Irgend etwas Wunderschönes, das nur Ihnen gehört! Merken Sie denn nicht, was mit mir los ist...? Ich bin ja so verliebt in Sie...! Willst du mir nicht einen Kuß geben, Anna?" „Doch! Gerne." ♦ „Der Postbote ist draußen." „Er soll nur hereinkommen", erwiderte Fogg, her gerade an feiner Stummelpfeife herumkratzte. Es fiel ihm auf, daß die Anna seit heute morgen anders war als sonst. Traumverloren, unsicher, knapp. Auch geheult schien sie zu haben. Er schob dem ge* ftrigen Vorfall im Wohnzimmer bie Schulb zu und urteilte: Das find so Launen, bas gibt sich schon „Kannst ihm einen Kirsch einschenken. Den mag er. „Na, Ameiser, altes Haus, was bringst bu?" „Ein Telegramm hätte ich unb außerdem eine portopflichtige Dienstsache." „Zeig mal her!" Fogg riß zuerst bas Telegramm auf. „Ankomme heute mittag 12.35 Uhr. Bitte abholen, Dolschi' Famos bachte Fogg. Nun kam wenigstens bas mit ber Kuhleiten in Schwung. Lange genug hatte er sich nicht blicken lassen, ber Herr Ingenieur. Der Brief hingegen war aus Hamburg unb von ber Polizei. Die Buchstaben wackelten ein bißchen vor Foggs Augen. Der Inhalt besagte in bürren Worten, baß man ben Einbrecher, ein vielfach vorbestraftes Subjekt, nunmehr bingfest gemacht habe. Den größeren Teil bes gestohlenen Gelbes habe man sichergestellt. Wohin Dr. Fogg ben Betrag von RM. 8194,— überwiesen haben wolle? Fortsetzung folgt. Die entwichenen Zuchthäusler wieder emgefangen Große Razzia im Walde bei Lich. — SA., Polizei und Arbeitsdienst gehen gemeinsam vor. Die Kriminalpolizei Gießen teilt mit: Wie bereits berichtet wurde, sind am 9. Juni 1937 aus dem Zuchthaus Marienschloß die Strafgefangenen Heinrich H u n st o ck , Jakob K a f f i tz und Otto Nagel entwichen. Als geistiger Urheber und Organisator der Flucht darf zweifellos Hunstock angesehen werden, der noch über 15 Jahre Zuchthaus wegen schweren Raubs zu verbüßen hat. Schon in der ersten Nacht nach der Entweichung wurden Einbruchsdiebstähle in Lich und Birklar gemeldet, di- man, wenn auch unter Vorbehalt, auf das Konto der Ausreißer schreiben konnte. Als aber in der Nacht vom 10. auf den 11. Juni wieder Wohnungseinbrüche in Mufchenheim gemeldet wurden und der Verdacht der Täterschaft auf die ausgerückten Verbrecher fiel, wurde die Kriminalabteilung Gießen von der Staatsanwaltschaft Gießen mit den Ermittelungen beauftragt. Am Freitagabend konnte als erstes Ermittelungsergebnis festgestellt werden, daß die drei Verbrecher an diesem Tage, in aller Frühe von Mufchenheim kommend, in Richtung Wald—Kloster Arnsburg— Lich marschiert sind. Mit dem Sturmbannführer der Licher SA. wurde noch am Freitagabend die Vereinbarung getroffen, in den frühen Morgenstunden des Sonntags eine gemeinsame Razzia mit Angehörigen der Stürme 23 und 26/116 Lich und Gendarmerie- und Kriminalbeamten in den Waldstücken zwischen Lich und Kloster Arnsburg durchzuführen, da bestimmt anzunehmen war, daß sich die Verbrecher dort verborgen hielten. Diese Annahme wurde auch bestätigt, denn in der Nacht zum Samstag wurden in Lich wieder einige Wohnungseinbrüche verübt, wobei den Tätern außer einer größeren Menge Wurst und Räucherwaren eine große Anzahl Flaschen mit Wein in die Hände fielen. Als noch im Laufe des Sonntagvormittags festgestellt worden war, daß einer der vermutlichen Täter in der Wirtschaft des Klosters Arnsburg Rauchwaren ankaufte, wurde die für Sonntag festgelegte Razzia im Einvernehmen und im Auftrage des Herrn Oberstaatsanwalts auf Samstag nachmittag unter Hinzuziehung eines größeren Aufgebots von Angehörigen der Reichsarbeitsdienstabteilung 223 Gießen oorverlegt. Die Kriminalabteilung, die mit der Leitung der Aktion von der Staatsanwaltschaft beauftragt worden war, legte als Versammlungspunkt den Park- und Wagenplatz der Brauerei Jhring-Melchior in Lich fest. Don dort wurde der größte Teil der Polizei-, Gendarmerie- und Kriminalbeamten mit dem Reichsarbeitsdienst nach dem in allernächster Nähe des Klosters Arnsburg gelegenen Waldstück, das sehr schwierig wegen des dichten Unterholzes zu durchstöbern war, abgeordnet, da zu vermuten war, daß sich die Verbrecher gerade hier verborgen hielten. Den SA.-Stürmen wurde der Auftrag zuteil, mit einigen Gendarmeriebeamten das Waldstück von der Brauerei nach dem Kloster Arnsburg durchzukämmen. Roch ehe das Waldstück bei Arnsburg völlig abgesucht war, kam die Meldung von der S2L- Abteilung, daß die Täter auf dem Hardtberg ergriffen worden seien. Diese Mitteilung fand alsbald ihre Bestätigung. Ein Teil der SA.-Leute fand die Verbrecher in einem Waldstück liegend vor, die auf Anruf sofort aufsprangen. Während zwei davon flüchtig zu gehen suchten, die aber alsbald von berittenen Gendarmeriebeamten eingeholt und gestellt werden konnten, ging der dritte , und zwar H u n st o ck, mit einem schweren Prügel bewaffnet auf seine Verfolger los und v e r l e tz t ss den SA.-Mann Wirth aus Birklar, der furchtlos auf den Verbrecher zuging, nicht unerheblich am Kopfe. Durch das mutige Verhalten des Sturmbannadjutanten Wahl aus Lich und des Bürgermeisters Müller von Birklar, konnte Hunstock nach kurzem Kampfe unschädlich gemacht werden. An der Verfolgung der Verbrecher nahmen außer den Angehörigen der vorerwähnten Verbände, der Direktor des Zuchthauses Marienschloß mit einigen seiner Beamten und eine große Anzahl Einwohner von den umliegenden Ortschaften teil, die sichtlich über die Festnahme der Verbrecher erfreut waren, die in den letzten Tagen viel Unruhe und Aufregungen über die Ortschaften gebracht hatten. Die Verbrecher wurden zunächst nach dem Kloster Arnsburg verbracht. Nachdem dort eine gründliche Durchsuchung der Wiederergriffenen vorgenommen und Hunstock, der bei der Festnahme eine kleine Verletzung am Kopfe erhielt, verbunden worden war, erfolgte ihre Ueberführung unter starker Bewachung in das Zuchthaus Marienschloß. An dem Lagerplatz der Ausreißer konnte ein großer Teil der in Lich in der Nacht zum Samstag gestohlenen Wurstwaren und Flaschenweine oorge- funden werden. Die Vernehmungen der Verbrecher über die einzelnen Einbruchsdiebstähle usw. erfolgen in der kommenden Woche. Rockenberger Zuchthäusler an der holländischen Grenze festgenommen. LPD. Butzbach, 12. Juni. In der Nacht zum Donnerstag hielten motorisierte Zollbeamte einen Motorradfahrer an, der ein Mädchen auf dem Sozius mitführte, um den Inhalt von drei Koffern zu untersuchen. Der Motorradfahrer, der unter Bedeckung nach Borken fuhr, riß aber plötzlich aus und suchte in Richtung Gemen die holländische Grenze zu erreichen. Die Beamten gaben mehrere Schüsse auf ihn ab, die aber nur die Koffer trafen. In Gemen verfehlte der Flüchtling die Richtung, verfuhr sich, so daß es gelang ihn fest zunehmen. Die Polizei stellte fest, daß der Mann im April dieses Jahres aus dem Zuchthaus Marienschloß bei Rockenberg entwichen war. Aus der engeren Heimat. 3m Bergwerk verschüttet. Alsfeld, 13. Juni. (LPD.) Auf der Gewerkschaft „Luise" in Mücke wurde bei Ausschachtungsarbeiten ein Bergmann verschüttet und getötet. Bei der Ausschachtung eines neuen Stollens waren große Erdmassen in Bewegung geraten und hatten die dort arbeitenden Bergleute verschüttet. Zwei der Verunglückten konnten sich selbst retten, während der Bergmann Karl Feldmann aus Nieder-Ohmen vollständig von den Erdmassen begraben wurde. Man machte sich sofort an seine Rettung und konnte ihn nach einiger Zeit lebend teilweise fteibekommen. Es lösten sich aber neue Erdmassen, die den Unglücklichen wieder verschütteten. Nach großen Anstrengungen konnte der Mann nur als Leiche geborgen werden. Landkreis Gießen. < Heuchelheim, 14. Juni. Die jüngste Wanderung des VH C. - Zweigvereins Heuchelheim ging morgens früh von hier aus nach Krofdorf, wo einige Teilnehmer in dem schönen Krof- borfer Schwimmbad ein erfrischendes Bad nahmen. Don hier aus war das Wandern eine Lust, denn der Weg ging fast ununterbrochen bis zur RückKurszettel der Berliner und Frankfurter Börfe. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. Reichsbankdiskoni 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankfurt a. M. Berlin Schlußkurs Schluß!. Abend- börse Schluß» fürs Schluß! Mittag börse Datum 11.6. 126 11.6 12.6. 6% Deutsche Retchsanleihe v. 1927 101,65 101,75 — 101,65 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 99 99 4V>% Deutsche Reichsschatzanwei- 4%% Deutsche Reichsschatzanwei- jungen von 1935, II. Folge ... — 99,13 4y2% Deutsche Reichsschatzanwei- jungen von 1936, III. Folge .. — 99 E»’/2% Doung Anleihe von 1930 .. 105 104,75 — 4Vi% Hessische Volksstaat von 1929 99,75 99,75 — 4/2% Deutsche Reichspostschatz von 1934 I...................... 100,75 100,85 101,1 101 4yz% Deutsche Reichsbahnschatz von 1936 I.................. 99.13 99,13 99,13 99,13 Reichsanleihe-Altbesih.......... 126,25 126,25 126,3 126.3 Lberhesjen Provinz-Anleihe mü Ohiilnf «^Rechten............ 135 136 — — 134 4yt% Hess. Lan desbk. Darmstadl Goldpfe. R. 12.............. 99.25 99,25 99,25 — 5y2% Hess. Landes-Hyp.-Banl Pfau (MolbDfe............... 101 101 > 1 — 4y2% Preus,. Landesvfdbr.-Anst. (Mpibnfc R. 19 ............. 99 99 ■ — 4y.% Preuß. Gold-Komm. R. 20 98 98 98 98 4>/2% Darmstädter Komm.-Lan. 97,9 97,9 — Deutsche Komm.-Sammel-Anleihe 133,4 133,13 133,25 41 .% Franst. Hyp. Goldpfe. R. 15 99,5 99,5 99,5 99,5 4'2°;. Franks. Hyv. Kolb-Komin 98,25 98,25 — —— 5y°„ 'ranlf. Hyp. Liquidation Goldpfe.................... 100,9 100,75 — — 5' Rheinische Hyp. Liquidation Goldpfe..................... 101,13 101,25 101 101,13 S' lieraulichein'Verrechnnngäkiir 110.9 110,7 110,8 — 9l.Oj. jiir •-!yt 126 125,75 126 | 126,25 Hamburg-Südam. Dampsschifi 0 — — 46,25 45,75 He.mvurg-Amerika Palet...... 0 18 18 18 ! 18,25 Norddeutscher Lloyd.......... 0 18,9 18,65 18,9 18,9 Deutsche Reichsbahn Vorz.-Akt. 7 125,4 125.5 125,4 1 125,4 RenN: baut...........1- I 213,75 — 213 212 B rimer Handelsgesellschaft . 6% — 131,5 130,25 131 Commerz- und Prioat-Bank ... 5 113,25 113,25 113,25 113,25 Deutsche Diskonto............ 5 118,75 118.75 118,75 118,75 Dresdner Bank.............. 4 I 105 105 105 105 Frankfurt a. M. Berlin Schluß- kurs Schlutzk. Abendbörse Schluß- kurs Schlutzk. Mittag, börse Damm 11 6. 12-6. 11.6. 12-6 Accumulatoren-Fabrik...... 14 — 234 235 234 Aschaffenburg Zellstoff...... . 6 140 139 139,25 139 Bemberg................. . 0 132,75 132 132,5 132,25 Bekula................... . 8 165 165,5 165,75 165,75 Buderus Eisen............. . 5 128 128 128,75 128,5 Gement Heidelberg......... Gement Karlstadt .......... . 7 . 6 157,5 156,5 Conti Kummt............. 12 187,5 189,5 188 189,25 Daimler Motoren.......... 6'/r 137,5 137,5 137,65 137,5 Dessauer Gas ............. . 4 — — 119,75 119 Deutsche Erdöl ............ .. 5 156 156,5 156 156,5 Deutsche Gold- und Silber .. .. 9 263 262 — — Deutsche Linoleum......... 10 164 163,5 164 163,75 Elektrische Lieferungen...... .. 6 135.5 135,5 135,25 135,5 Elektrische Licht und Kraft... .. 7 154,4 154 154,75 154 I. K. Färben-Industrie..... .. 7 163 5 164,75 163,5 165 Felten & Guilleaume....... .. 6 138 137,5 138,5 137,25 Gessürel.................. .. 7 154,5 153,75 154,65 154,5 Th. Goldschmidt........... .. 6 140,5 141 140,65 141,5 Gritzner Maschinen......... .. O 61,65 63 62 62,65 Harpener................. 3'A. 171,5 —— 171,75 173,65 Hoesch Eisen............... 3y, 126 126 126,25 126 Philipp Holz mann......... .. 8 149 149,25 149 149,25 Ilse Bergbau.............. .. 6 — — 175 — Ilse Genüsse.............. .. 6 141,5 141 142,13 141,25 Kali Aschersleben.......... .. 4 115,25 115,25 115 115 Klöcknerwerke ............. 4'/- 137,75 137 137,75 136,5 Kokswerke und Ehemische Fabru 7 — —— 156 156 Lahmeyer ................ .. 6 125 124,5 125 124,25 Mainlraft................. .. 4 98,25 99 — — Mannesmann............. 4'/r 123,75 126,5 123,9 123,5 Mansfelder Bergbau....... .. 7 — 156,5 158 157 Metallgesellschaft........... .. 6 — 153 154,25 152,5 L renstein & Koppel........ .. O — — 108,65 107.65 Rheinische Braunkohle...... . 12 — — 232 231 Rheinische Elektro.......... .. 6 136 — 136 135,5 Nheinstahlwerke............ .. 6 157,5 157,5 158 157,75 Rheinisch-Westfälische Elektro .. 6 132 75 131,5 132 131 Rutgerswerke ............. .. 7 148 147 146,5 146,75 Salzdetfurth Kali.......... .. 6 154 154 153,75 154 Schuckert & Go............. 7 170,5 169,65 170,9 170,25 Schultheis Patzenhofer...... .. 4 — — 102,5 102,75 Siemens & Halske......... .. 9 217 — 217.5 2 i 7 Süddeutsche Zucker......... . 10 1 203,5 203 203,75 203,5 Vereinigte Stahlwerke...... 4‘/2 122 122 121,75 121,75 Westdeutsche Kaufhof....... .. O 62 61,5 62 61,25 Westeregeln Alkali.......... .. 4 115,25 115 115,5 116 Zellstoff Woldhof.......... .. b 161 161 160,75 160,5 Ltavi Minen.............. . O,b 31.65 1 - 31,5 31,5 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. 11.Jun 12. Juni Amtliche Notierung Amtliche Notierung Gelt Btte> Gelt Stiei 0,761 0,765 0,762 0,766 iQr'iiiei................... 42,12 42,20 42,13 42,21 Rio oe Janeiro............ 0,165 0,167 0,165 0,167 47,10 47,20 47,10 47,20 54,98 55,10 55,00 55,12 47,10 47,20 47,10 47,20 12,315 12,345 12,32 12,35 5,445 5,454 5,45 5,46 11,105 11,125 11,11 11,13 137,26 137,54 137,29 137,57 13,09 13,11 13,09 13,11 11 • Juni 12. Juni Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brie Geld Briet Japan.................... 0,717 0,719 0,717 0,719 Jugoslawien .............. 5,694 5,706 5,694 5,706 Oslo ................... 61.89 62,01 61,91 62,02 Wien..................... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon.................. 11,185 11,205 11,19 11,21 Stockholm .. ............. 63,50 63,62 63,52 63,64 Schweiz.................. 57,08 57,20 57.14 57,26 16,98 17,02 16,98 17,02 Prag..................... 8,671 8.689 8,671 8,689 Budapest................. - - — —— Neuyorl.................. 2,497 2,501 2,498 2,502 kehr am Abend durch Wald. Man ging das schöne Fohnbachtal aufwärts, um dann die Richtung nach Krumbach einzuschlagen. Die erste Rast erfolgte am Fuße des Dünsberges. Diesen südlich umgehend, gelangten die Ausflügler zur Obermühle im Biebertale. Nach einer ausgedehnten Rast erfolgte der Heimweg über Hof Haina und dem Himberg in bester Stimmung. — Um die weitere Umgegend kennenzulernen, unternimmt der Zweigverein demnächst eine Autobusfahrt nach Gladenbach, Laasphe, Lahnquelle, Herborn, Wetzlar. Kreis Alsfeld. <£ Deckenbach , 13. Juni. In unserem Orte sind, hauptsächlich unter den Schulkindern, die Masern stark aufgetreten, so daß der Lehrer den Schulunterricht auf einige Tage ausgesetzt hat. Zum ersten Male Weidig-Bergfest. Auf dem Schrenzer bei Butzbach. * Butzbach, 14. Juni. Butzbach, die alte hessische Turnerstadt, in der der neue Reichsbundgedanke in freudigem Zusammenschluß von Turnen und Sport schon vor einigen Jahren seine Verwirklichung fand, trägt festlichen Schmuck und zeigt frohe Menschen. Führende Männer in der deutschen Leibesübung haben in der alten wehrhaften hessischen Garnisonstadt gewirkt und immer die Jugend begeistert und begeisternd hingeführt zu Turnen, Sport und Spiel als einem nie versiegenden Quell wahrer Freude. Allen voran ist Fr. L. Weidig zu nennen, der Zeit- und Gesinnungsgenosse Jahns und Arndts, der als ein Streiter für deutsche Einheit und Freiheit vor 100 Jahren einen tragischen Tod fand. Leibesübung war ihm ein wichtiges völkisches Erziehungsmittel, und so führte er schon 1814 bei seinen Butzbacher Schülern das Turnen ein und schuf auf dem nahen Schrenzer einen der ersten deutschen Turnplätze. M. Kuhl, ein Schüler Weidigs, gründete 1846 die Turngemeinde Butzbach (heute T. u. Spv. Butzbach). Später trat der Butzbacher Vereinsführer Prof. Albert Wämser über die Grenzen der engeren Heimat im Mittelrheinkreis hervor. Butzbach-Stadt und DRL.-Ortsgruppe — wissen, was sie diesen Pionieren deutscher Leibesübung zu danken haben. Fr. L. Weidig zu Ehren wurde vom Gau XII Hessen ein neues hessisches Bergfest geschaffen, und in den Wanderpreisen dieses Festes leben auch die Namen Kuhl und Wämser weiter. Von der Stadt steigt man langsam an zum Schrenzer, diesem nordöstlichsten Ausläufer des Taunus, empor. Weithin schweift von „diesen frohen Höhen" der Blick auf ein schönes und gesegnetes Stück deutscher Heimaterde. Der Berg selbst ist wie geschaffen für ein deutsches Bergfest. In Stufen ab» gesetzt bietet er in kleineren Hochflächen geeignete Kampfstätten für volkstümliche Wettkämpfe. Boden- denkmäler aus frühgermanischer Kampfzeit machen die Höhe zu einem einzigartigen Freilichtmuseum. Ein schöner, erfolgversprechender Anfang wurde mit dem 1. Weidig-Bergfest auf dem Schrenzer gemacht. Jahn hat einmal gesagt, daß man am Vorabend von Volksfesten auf den Höhen frohe Feuer abbrennen und damit anknüpfen solle an heiliges Brauchtum unserer Altvordern. So fand auch das Weidig-Bergfest Samstag abend mit einem Deutschen Bergabend einen würdigen, eindrucksvollen Auftakt. Unvergeßlich wird allen Besuchern die nächtliche Feierstunde auf dem Schrenzer bleiben. Das Weihespiel, das in seiner Entstehung und in seiner Darbietung eine beachtliche Gemelnschaftsleistung darstellt, läßt drei Wirtschaft. Erste Auslosung der 414 Prozentigen steuerfreien Heichsbahnanleihe 1931. Am 9. Juli 1931 wird erstmalig ein Fünftel des Gesamtnennbetrages der 4,5prozentigen Schuldverschreibungen der Deutschen Reichsbahn von 1931 (steuerfreie Reichsbahnanleihe) ausgelost. Die Auslosung geschieht nach dem Endnummernverfahren, und zwar werden zwei Endziffern gezogen. Als ausgelost gelten demnach alle Schuldverschreibungen jeden Wertabschnitts, deren Drummern in der letzten (Einer-) Stelle eine der gezogenen Ziffern Haden. Die ausgelosten Stücke werden vom 1. Oktober 1937 an zum Nennwert zurückgezahlt. Im Umlauf sind 262,7 Millionen Goldmark, wovon erstmalig ein Fünftel, d. h. 52,5 Millionen Goldmark aus- gelost werden. Ein Rücklauf von Schuldverschreibungen durch die Reichsbahn hat nicht stattgefunden. Rhein-Mainische Börse. Tendenz: still. Frankfurt a. M., 12. Juni. Wie nicht anders erwartet, laa die Börse zum Wochenschluß überaus ruhig. Kundschaft und Kulisse hielten sich weitgehend zurück. Am Aktienmarkt war die Tendenz nicht unfreundlich, die Kursentwicklung aber weiterhin ungleichmäßig bei im ganzen nur sehr kleinen Veränderungen. Die Befestigung der Farben-Aktie auf 164,40 (163,50) gab eine gewisse Anregung. Von Montanwerten notierten Klöckner mit 137 (137,75), Verein. Stahlwerke unverändert 122 und von Kaliaktien Salzdetfurth unverändert 154. Am Elektromarkt erhöhten sich Bekula auf 165,50 (165), Mainkraftwerke auf 99 (98,25), dagegen Felten 137,50 (138). Maschinen- und Motorenwerte lagen behauptet, Daimler 137,50, Moenus 118. Schwächer lagen Reichsbank mit 212,25 (213,75), Rhein- metall-Borsig mit 149,50 (151), Bemderg mit 132 (132,75) und Westdeutsche Kaufhof mit 61,50 (62). Etwas fester Hanfwerke Füssen mit 117 (116,50). Im Freiverkehr blieben einige Werte gesucht, so Beck & Henkel mit 74,50 (73), Rastatter Waggon mit 42,50 (41,50), Adlerwerke Kleyer schwankten zwischen 115,25 bis 115,75. Der Rentenmarkt lag ruhig. Reichsaltbesitz unverändert 126,25, dagegen Kvmmunal-Umschul- dung 94,10 (94,15). Auch im Verlaufe blieb das Geschäft klein und die Kursveränderungen waren unbedeutend. Weitere Nachfrage fanden jedoch IG. Farben mit 164,75 nach 164,40, ebenso Hanfwerke Füssen bei einigen Umsätzen 118 nach 117. Die erst später notierten Papiere bröckelten größtenteils etwas ab, etwas mehr Zement Heidelberg auf 156,50 (157,50), RWE. auf 131,50 (132,75) und Mansfelder auf 156,50 (157,50), dagegen Conti Gummi 189,50 (187,50). Am Einheitsmarkt waren Rhenser Mineralbrunnen auf den Dioidendenausfall (i. V. 4 v. H.) stark an» geboten und ohne Taxe (l. K. 89,50), dagegen erhöhte sich die Schätzung für Kalter Brauerei auf 57 bis 58 nach 55 und einem letzten Kurs von 49. Am Kassarentenmarkt bröckelten Liquidations- Pfandbriefe der Gemeinschaftsgruppe 0,13 v. H. ab, Rheinische 0,13 v. H. höher mit 101,25. Goldpfand- briefe, Kommunal-Obligationen und Stadtanleihen unverändert. Don Provinzanleihen Oberhessen 136 (135), Dekosama I nach Pause 133,40 (132,40). — Tagesgeld unverändert 3 o. H. Hier abschneiden! Namenehe 331 Kindern seiner Frau, deren ! Vater er nicht ist, durch in öffent- i lich beglaubigter Form abgegebene Erklärung vor dem Standesbeamten, der die Geburt des Kindes beurkundet hat, feinen । Namen geben (s. auch Ehelich- > keitserklärung). Mutter und ' Kind müssen einverstanden sein und die Einwilligungserklärung ; ebenfalls in öffentlich beglaubigter Form dem Standesamt vorlegen. — Adoptivkinder bekommen den Familiennamen der Adoptiveltern, können aber ihren Familiennamen an den Adoptivnamen anhängen. Ist die Adoptierende eine Krau, so erhält das Kind den Mädchennamen derselben (s. Kinder). — Wer sich einer Behörde gegenüber eines falschen ; Namens bedient, wird bestraft. Wegen Änderung des Namens kVor- oder Familienname) erkundige man sich bei der Polizei , oder beim Standesamt. Namenehe. Eine Ehe, die ausschließlich oder hauptsächlich zu oem Zweck geschloßen Sird, der Frau die Führung des Familiennamens des Mannes zu ermöglichen, ohne daß die eheliche Lebensgemeinschaft (Zusammenleben) begründet werden soll, kann als nichtig angesehen werden. Haben aoer Die Ehegatten nack der Eheschließung fünf Jahre lang oder falls ein Ehegatte früher stirbt, bis zu dessen Tod jedoch mindestens drei Jahre als Ehegatten zusammengelebt, so ist die Ehe trotzdem gültig, außer wenn im Augenblick des Todes die Nichtigkeitsklage bereits erhoben ist. Narkose Namenstag, der Kalendertag des Namenspatrons, d. h. des Heiligen, dessen Namen man als Vornamen führt, wird bei Katholiken statt des Geburtstages gefeiert. Napfkuchen, ein in geriefter Kuchenform. die innen eine Art Zylinder besitzt, gebackener Kuchen, der je nach der Gegend verschiedene Namen trägt, wie Aschkuchen, Topfkuchen, Bund usw. Naphtalin, aus Steinkohlenteer gewonnener Kohlenwasserstoff mit eigentümlichem kampferartigem Geruch, in kleinen weißlichen Blättchen und Kugeln gehandelt, wird als Vorbeugungsmittel gegen Motten benutzt. Narben sind diejenigen Gewebe, die aus dem derb und glänzend gewordenen Granulationsgewebe (s. d.) der geheilten Wunde entstanden sind.' Nach schweren Verbrennungen bleiben meist sehr entstellende Narben zurück. Die Haut über dem Narbengewebe ist sehr empfindlich da sie nicht genügend ernährt ist, muß daher vor Verletzungen besonders geschützt werden. Narde, laoendelartiger, pflanzlicher Rohstoff, der bei der Parfümherstellung verwendet wird. Narkose. Man versteht darunter einen Zustand allgemeiner Empfindungslosigkeit, verbunden mit Bewußt- und Bewegungslosigkeit, der erreicht wird durch Einatmung gewißer Gase (Luft mit Äther, Chloroform usw. vermischt). Die N. dient bei Operationen und erleichtert dem Backen Sie Napfkuchen? Dann brauchen Sie auch eine Napfkuchenform. Bei Hauser gibt es gute, schwere Formen, die bei richtiger Behandlung ein ganzes Leben lang halten. Lassen Sie sich auch die mehrteilige Springform zeigen. Sie hat drei auswechselbare Böden. 3« B. Häuser, Gießen, am Oswaldsgarlen, Fernsprecher 2145/2146. fport Bernd Rosemeyers großer Sieg Dier deutsche Wagen in $ront aufgeben. In auf am Sporttag 1037 des VM.-Llntergau 116 DQ Nasenspülung Narzisse 332 Kampsballmeister der SA.-Slandarte 116 Großen-Buseck stellt die Siegermannschaft. Schluß die Worte der Rosemeyer Caracciola die treue Ob- die erhebende zum Führer sch e l übernahm den Gedenkstein in Hut der Stadt Butzbach und ließ Weihestunde in ein Treuegelöbnis ausklingen. die Festgemeinde mit erhobenem Arm die Weihestätte grüßte, sprach Prof. Werner den Weihespruch. Bürgermeister und Ortsgruppenleiter Dr. M ö r - Lang von Delius Kautz Ruesch Carraroli wanderführer Prof. Dr. Werner, in seiner hessischen Heimat lebhaft begrüßt, hielt die Weihe- rede, die in ihren Gedankengängen die Zusammenhänge der Welt eines Arndt, Jahn und Weidig mit dem tiefen Inhalt des Deutschlands Adolf Hitlers herausstellte. Redner feierte Fr. L. Weidig als einen Vorläufer unserer großen Zeit. Während Die 300 000 Zuschauer, die gestern den Nürburgring umlagerten, erlebten im Hauptwettbewerb des Tages als Höhepunkt das dritte große Autorinnen des Jahres und den dritten deutschen Sieg. Vier deutsche Wagen, je zwei von der Auto-Union und Mercedes-Benz, lagen vor Nuoolaris Alfa-Romeo. Bernd Rosemeyer entschädigte sich in einer glanzvollen und meisterhaften Fahrt für die Plätze in den vorausgegangenen Prüfungen. Caracciola und Manfred von Brauchitsch fuhren beide ein nicht weniger großes Rennen, kamen aber mit dem Auto-Union des Siegers nicht mit. Bernd Rosemeyer fuhr ein feines Rennen und siegte in 1:42:11,1 Stunden. Er erreichte damit einen Durch- Hartmann Seaman Soffietti muß bereits wegen Motorschadens die vierte Runde geht bereits Rosemeyer als Erster, folge eines geschickt vorgetragenen Angriffs das erste Tor. Mit erneutem Eifer wurde gekämpft. Zwei Minuten später lautete das Ergebnis 2:0 für 15/116. Mit diesem Ergebnis wurde der Sturm 15/116 Kampfballmeister' der SA.-Standarte 116. Sturm 1/116 war es nicht vergönnt, auch nur das Ehrentor für sich buchen zu können, trotzdem einige Male gute Gelegenheiten hierzu geboten gewesen wären. Immer wieder verloren sie den Ball und damit auch die Torchance. Der Sieg des Sturmes 15/116 war wohl verdient durch bessere Ballbehandlung und schnellere Abgabe. Standartenführer Lutter dankte in herzlichen Worten am Spielende beiden Mannschaften für ihr ritterliches Kampfspiel und beglückwünschte den „Meister", der zum ersten Male mit diesem Siege dem Sturmbann 11/116 diesen Meistertitel brachte. Obersturmführer Vogt (Brigade 147), der das Spiel leitete, war beiden Mannschaften ein durchaus gerechter und umsichtiger Schiedsrichter, der seiner nicht gerade leichten Aufgabe in vorbildlicher Weise Vorstand. Am gestrigen Sonntag fand auf dem Waldsportplatz das Kampfballspiel der Stürme 15/116 (Gro- ßen-Buseck) und 1/116 (Allendorf a. d. Lda.) um die Meisterschaft der SA.-Standarte 116 statt. Beide Mannschaften, deren Leistungen fast gleichwertig sind, betraten zur festgesetzten Zeit das Spielfeld. Nach der Platzwahl setzte sofort ein flottes bewegliches Spiel ein. Es war schwer vorauszusagen, wer in diesem Spiele unterliegen werde. Zäher Kampfeswille erfüllte beide Mannschaften. Dies trug auch dazu bei, daß in der ersten Halbzeit keinerlei Erfolge erzielt werden konnten. Nach Anbruch der zweiten Halbzeit machte sich deutlich eine Veränderung zu Gunsten des Sturmes 15/116 bemerkbar. Das Spiel wurde noch offener und beweglicher wie bisher, die Ballbehandlung sicherer und die Ballabgabe schneller. Das führte aber auch dazu, daß sich die zweite Halbzeit hauptsächlich in der Spielhälfte des Sturmes 1/116 abspielte. Nur ab und zu trug 1/116 einen Angriff oor, der aber meist schon im Beginn erstickt wurde. In der 10. Minute der zweiten Halbzeit fiel in- Start. Die Spannung der Zuschauer ist auf dem Höhepunkt angelangt. Das Wetter kann für ein Rennen nicht besser sein, es ist fast windstill, kaum Sonne, die .Strecke in bester Verfassung. Punkt 13.30 Uhr erfolgt der Start. Caracciola geht sofort in Führung, hinter ihm das Rudel der anderen Wagen. Caracciola kommt mit der Bombenzeit von 10:13 Minuten für die Startrunde und einem Mittel von 133,4 km/st mit 250 Meter Vorsprung gegen Rosemeyer, Brauchitsch und weiter zurück Lang aus der ersten Runde. Diese vier bilden die Kopfgruppe, weiter zurück folgen Delius, Seaman, Hasse und Nuvolari. Kampf Rosemeyer-Caracciola. In der zweiten Runde bereits erbitterter Kampf zwischen Rosemeyer und Caracciola. Rosemeyer geht an „Carratsch" vorbei, doch auf der langen Geraden geht der Altmeister des Nürburgringes wieder vorbei. Mit 100 Meter Vorsprung vor Rosemeyer geht Caracciola in die dritte Runde. Seaman Mandirola Ballestrero Festitics In dieser Reihenfolge erscheinen die Wagen Kranken den Eingriff. (S. Betäubung.) Narzisse, Zwiebel wird im Oktober an nicht zu schattiger Stelle in lockeren Gartenboden gelegt. Blüte im April, daher auch „Osterblurne" genannt. Wenn nach längerer Zeit der Blüten- flor nachläßt, Zwiebeln herausnehmen und wieder vereinzeln. Weiße N. heißt auch Dichter-N. 2m Topf getriebene Narzißen zur Herbstzeit in den Galten pflanzen. Nase ist der Anfangsteil der Luftwege, hat die Aufgabe, die inneren Teile der Luftwege vor den Einflüssen der Außenwelt zu bewahren. In der Nase wird die Atemluft gereinigt, ange- feuchlet und vorgewärmt. Ferner befindet sich in der Nase das Organ für Eeruchsempfindung. Die Nase mit ihren Nebenhöhlen bat auch die Aufgabe eines Resonanzbodens bei der Stimmbildung. Nasenbluten. Ist bei Kindern im allgemeinen eine harmlose Erscheinung Kommt bei Bleicb- süchtigen gerne oor, dann bei älteren Leuten mit höherem Blutdruck, auch bei Grippekranken. Bedrohlich ist das Nasenbluten bei Blutern. Behandlung: Kalte Umschläge aus den Nacken und auf die Brust, ruhiges Verhalten, Kops tief lagern, mit einem feuchten Tuch beide Nasenlöcher zudrücken. Kein Wasser aufschnauben! Sehr häufiges Nasenbluten weist auf" eine ernstere Ursache hin, man begebe sich in ärztliche Behandlung. schnitt von 133,5 km/st und fuhr die bisher dem Nürburgring erreichte schnellste Zeit. Die Rennwagen kommen .... Caracciola Brauchitsch Rosemeyer Hasse Farina Nuvolari Müller 300 Meter vor Caracciola und gar 300 Meter weiter Brauchitsch. Mit großem Abstand folgt Lang, noch weiter zurück Hasse. Nuvolari hat sich an die sechste Stelle geschoben. In die fünfte Runde gehts in unveränderter Reihenfolge. In die sechste Runde rast Rosemeyer mit großem Vorsprung, Caracciola kommt mit zerfetzten Hinterradreifen an die Box, gleich daraus hielt auch Brauchitsch. Fieberhaft arbeiten die Monteure bei Mercedes, in kaum 25 Sekunden fahren beide wieder ab. Weit ist das Feld auseinandergezogen. Rosemeyer, „Carratsch" und Brauchitsch beherrschen eindeutig das Feld. Als die Fahrer in die siebte Runde gehen, wartet man bei Auto-Union gespannt auf Rosemeyer, der an die Box fährt, um die Reifen zu wechseln. Rosemeyer stellt den Motor nicht ab, nur 25 Sekunden Aufenthalt und er jagt weiter unter dem Jubel der Massen. Caracciola hat den Vorsprung Rosemeyers nicht aufholen können. Brauchitsch kommt etwas dichter an Caracciola, aber die verwegene Fahrt Rosemeyers können beide nicht mitmachen. Rosemeyer kann verhalten in die achte Runde gehen, er ist seiner Sache sicher und schont seinen Wagen. Caracciola fährt auf Leben und Tod, holt einige Sekunden auf, doch trennen ihn immer noch 45 Sekunden von Rosemeyer. „Carratsch" läßt nicht locker. Mit großer Spannung erwarteten die Zuschauer die Fahrer zur letzten Runde. Wird Caracciola es noch schaffen? Doch Rosemeyer hat seinen Vorsprung behauptet und rund 45 Sekunden liegt Caracciola noch zurück. Verbissen geht er in die letzte Runde, dem Europameister, der seinen Vorsprung hält, ist nicht beizukommen. Wenige Sekunden vor dem Schluß richten sich die Augen der Zuschauer am Start und Ziel auf den Anzeiger vom Karussell. Da erscheint die Nummer 1 — Rosemeyer. Er hat es also geschafft, und als er auftaucht, setzt ein Jubel ein, wie man ihn selten er- Der weitere Verlauf der Vorführungen des Sportfestes brachte einen Mannschaftskampf des BDM., der von den Teilnehmerinnen eine 10 X 50-Meter-Staffel, einen Weitsprung und einen Schlagballweitwurf verlangte. Der Mann- schaftskampf wurde von je zwanzig Teilnehmerinnen jeder Gruppe bestritten, deren zehn am Lauf, fünf am Weitsprung und fünf am Weitwurf beteiligt waren. Die siegreiche Mannschaft stellte hier die Gruppe 4/116, Gießen-Ost mit insgesamt 19 Punkten. An zweiter Stelle qualifizierte sich die Gruppe 1/116, Gießen-Süd mit 17 Punkten und den dritten Platz errang die Gruppe 3/116 (Mitte) mit 14 Punkten. Auch die Jungmädel trugen einen Mannschaftskampf aus, der aber ganz anderer Natur war. Er handelte sich aber dabei nicht um einen sportlichen Wettkampf, sondern um einen Ge - sangswettstreit, bei dem wunderschöne deutsche Volkslieder gesungen wurden, gleichermaßen reizvoll in der Melodienführung und im Text. Die Gruppe G i e ß e n - O st tat sich hier mit ihren Darbietungen hervor. Ein Handballspiel endete Unentschieden 2:2 nachdem es selbst in einer Verlängerung keiner der beiden Parteien gelingen konnte, das siegbringende Tor zu erzielen. Die Mädchen erwiesen sich als sehr geschickt in diesem Spiel, sie kämpften sehr fair und warben sicherlich dadurch für ihr Kampfspiel. Auf beiden Seiten standen sehr gute Torhüterinnen, die manchen Erfolg vereitelten und gleichen Anteil daran hatten, daß auch die Verlängerung des Spieles keinen Wechsel des Ergebnisses brachte. Das Unentschieden entsprach im übrigen dem Kampfverlauf. Ein schönes Bild bot sich den vielen Zuschauern, als eine stattliche Gruppe von Mädchen in freundlicher sommerlicher Kleidung, in weiten weißen Röcken zu einem Volkstanz antrat und nach den Weisen dreier Harmonikaspielerinnen einen einfachen schönen Tanz zeigten. Recht dramatisch vollzog sich der Kampf im T a u- ziehen. Die Mädchen boten ihre ganze Kraft um den Sieg auf. Zum Schluß des Wettkampfes standen sich in der Vertretung der Gruppen von Gießen-Süd und Gießen-Ost zwei völlig gleichwertige Mannschaften gegenüber, denen der Sieg zu gleichen Teilen zugesprochen werden mußte. Die Untergauführerin nahm zum Schluß der Veranstaltung die Siegerehrung vor und verlas neben den schon erwähnten Einheiten auch die Einzelsiegerinnen aus dem HJ.-Reichssportwett- kampf. Als Beste des Untergaues im BDM. wurde Hermine Buß (Gießen-Mitte) und als Beste bei den Jungmädeln Marianne Keller (Gießen-Nord) genannt. Die Gruppen, die die Siegerinnen des Tages stellten, wurden mit schönen Preisen bedacht. Neben einer Stoppuhr wurden viele Bälle, Bandmaße und andere Sportgeräte vergeben, die, von der Gemeinschaft errungen, immer wieder der Gemeinschaft zugute kommen. Mit dem dreifachen „Sieg-Heil!" auf den Führer Adolf Hitler, mit dem Liede der Jugend und mit der Einholung der Fahnen fand der schön verlaufene Sporttag seinen Abschluß. Mit Gesang marschierten die Mädchen vom Plgtz, den sie in ebenso vorbildlicher Ordnung verließen, wie sie ihn betreten hatten. Das Opferschiehen des Schützenvereins Der Gießener Schützenverein hatte sich in den Dienst des Opfertages des deutschen Sports gestellt und die Vorbereitung und Durchführung des Opferschießens für Gießen übernommen. Es war Gelegenheit geboten, sich an dem Wehrmaun-Schie- ßen und am Kleinkaliberschießen zu beteiligen. In erster Linie wäre eine rege Beteiligung an den automatischen Scheibenständen zu erwarten gewesen. Leider war die Beteiligung am Vormittag sehr schwach, in erster Linie schossen die alten Soldaten und nur am Nachmittag belebte sich die Beteiligung. Das zugleich mit dem Opferschießen ausgetragene Vereins - Meisterschaftsschießen wies regere Teilnahme auf. Eine Entscheidung konnte noch nicht herbeigeführt werden. Beim Opferschießen wurden für mehr als dreißig Ringe bei den vorgesehenen drei Schuß, Treffernadeln an die guten Schützen ausgegeben. Zwölf solcher Treffernadeln konnten verteilt werden. Davispokalsieg gegen Belgien. Deutschlands Davispokalspieler beendeten den Kampf gegen Belgien in Berlin mit einem Siege von 4:1. Henner Henkel schraubte zunächst den Stand durch ein 6:3, 6:2, 6:2 gegen Mayaert auf 4:0, dann spielte Deitmer anstelle von (Tramm gegen Lacroix, der 6:4, 3:6, 6:2, 8:6 gewann. Glanzleistung bei der 6. Etappe der Deutschlandfahrt. Mit einer Glanzleistung wartete der Berliner Herbert Sieronski auf der sechsten Etappe der Deutschland-Rundfahrt auf. Sofort nach dem Start in München jagte Sieronski davon und kam mit über fünf Minuten Vorsprung am 269 Kilometer entfernten Etappenziel in der Stuttgarter Adolf- Hitler-Kampfbahn an. Sieronski siegte in 8:35:10 Stunden vor Wengler, Bielefeld (8:40:30), de Caluwe, Masarati Kijewski, Piubellini, FalckHer- manfen, Lachat und Schultenjohann. Weitere 24 Fahrer, darunter alle Fahrer des Spitzenfeldes, wurden gemeinsam auf den 10. Rang gesetzt: Im Gesamtklassement führt weiterhin W e ck e r l i n g (49:58:07) vor Diederichs (50:02:33) und Bruno Roth (50:06:20). lebte. Zum zweiten Male hat Bernd das Eifelrennen gewonnen, aber auch wird spontan gefeiert Korpsführer Hühnlein nahm zum Siegerehrung vor, bei der er herzliche _____ ... Anerkennung für die großartige Rekordleistung Rosemeyers fand. Nasenbohren bei Kindern meist schlechte Angewohnheit infolge mangelnder Erziehung, kann aber auch ein Anzeichen für Wurmkrankheit sein. Durch die Nägel kann die Nase leicht verletzt und damit eine Eingangspforte für Entzündungen geschaffen werden. Fremdkörper in die Nase zu schieben, wie es kleine Kinder gern tun, ist sehr gefährlich. Entfernen darf sie nur der Arzt. Bei größeren Kindern und Erwachsenen das Nasenbohren durch freundlichen Zuruf abgewöhnen, bes. auf die Unhygienik Hinweisen. Nasenkatarrh, s. Schnupfen. Nasenröte, hervorgerufen durch eine Erweiterung der feinsten Blutgefäße der Nase infolge von Witterungseinflüssen (Erfrierung, starker Wind, Wärme, Licht), durch ungeeignete „Schönheitsmittel" (scharfe Seife, Ee- sichtsspirltus), auch durch allgemeine Störungen (Magen- und Darmerkrankungen, Blut- und Kreislaufstörungen) und durch übermäßigen Alkoholgenuß. Behandlung des Grundleidens durch den Arzt. Örtlich eine nichtreizende Salbe auftragen. Seife vermeiden. Nasenspülung kann mit der Hellerischen Nasendusche, einem bimförmigen Kautschukballon mit spitz zulaufender Aussluß- öffnung, oder mit Nasenschiffchen aus Glas oder Zelluloid ausgeführt werden. Wird bei ständigem chron. Katarrh, nicht bei akuten Entzündungen angewandt. Verwendet wird lauwarmes Salzwasier. Künder der großen deutschen Volksgemeinschaft zu Wort kommen: Jahn, Arndt, Weidig, die neben der körperlichen Ertüchtigung der Jugend deren geistige und seelische Wehrhaftmachung anstrebten. „Was Jahn, Arndt und Weidig geschaut — das einige Deutschland — hat der Führer gebaut! Das Deutschland der Freiheit und Ehr, das Deutschland des Rechts und der Wehr!" Den Höhepunkt des von dem hessischen Heimatdichter W. K. Philipps in Gemeinschaft mit Bürgermeister und Ortsgruppenleiter Dr. Mörschel (Butzbach), Kreisdietwart Schwickert und Abschnittsdietwart Dietz gestalteten Weihespiels bildete der Aufmarsch der Gliederungen der Bewegung, die die von einzelnen DRL.-Vereinen gestellten Jahn-, Arndt- und Weidia-Gruppen sinnbildhaft umrahmten und damit die Vollendung dessen zum sichtbaren Ausdruck brachten, was die großen Künder der deutschen Einheit und Freiheit oor mehr denn 100 Jahren geistig schauten. In den Flammen des lodernden Holzstoßes schlugen unter den Sternen die Herzen der zahlreichen Berggemeinde in einer einzigen großen Begeisterung zusammen: Deutschland! Froher Kampf auf sonniger Höhe. Herrlicher Sonnenschein eines wundervollen Hochsommertages lagert über den Taunushängen. Auf dem idealen Feierplatz des Schrenzers versammelt sich zu früher Morgenstunde eine festlich gestimmte Turn- und Sportgemeinde zu einer von Kreisdietwart Schwickert geleiteten Morgenfeier. Lied und Spruch leiteten zu der Ansprache des Gaudietwarts Mäder (Kassel) über, der seine Ausführungen unter den Leitspruch stellte: „Wer leben will, der kämpfe also, denn wer nicht streiten will in dieser Zeit des Kampfes, verdient das Leben nicht." Die Flaggen stiegen an den Masten hoch und wehten einen Sonnentag über dem Berg und seinen Getreuen. Dann marschierten die rund 6 0 0 Wettkämpfer, Jugend und Alter in treuer Kameradschaft, zu den Wettkämpfen auf, die sich unter der erfahrenen Leitung von Kamerad August Langsdorf (Bad-Nauheim) reibungslos abwickelten. Man darf schon sagen: Die Organisation war gut, und es klappte alles. Auf dem zum Teil schwierigen Gelände wurden durchweg gute Leistungen in den volkstümlichen Mehrkämpfen erzielt. Besonders im Hochsprung konnten in der Oberstufe der Männer und Frauen ausgezeichnete Ergebnisse festgestellt werden. Fein fügte sich die völkische Aussprache in den Wettkampfbetrieb. Wenn man sah, wie sich die einzelnen Riegen im Schatten des Weidig-Hains freudig um die Dietwarte sammelten und regen Anteil an den Fragen völkischen Lebens nahmen, die behandelt wurden, da kam man zu der Ueberzeugung, daß die Dietarbeit ein ganz wesentliches Stück unserer völkischen Erziehungsarbeit im DRL. ist. Weihe des Weidig-Sedenksteins. Der Nachmittag führte wieder zahlreiche Besucher auf die Höhe. Eine erhebende Feierstunde galt dem Gedenken an Fr. L. Weidig. Vor dem 1849 angepflanzten Weidig-Hain ist aus heimischem Taunusgestein dem „hessischen Turnvater" Fr. L. Weidig ein Gedenkstein vor dem Weidig- Hain auf der turngeschichtlich bedeutsamen Stätte des Schrenzers errichtet worden. Eine andächtige Festaemeinüe erlebte in festlicher Stunde nun die Weihe des unvergänglichen Erinnerungsmals, das späteren Geschlechtern künden wird, daß die heutige Generation die Vorkämpfer deutscher Einheit nicht vergessen hat. Die musikalisch umrahmte Feierstunde wurde von DRL.-Kreisführer Obersturmführer Otter dein (Friedberg) mit Grußworten eingeleitet, die vor allem dem Ehrenbürger der Stadt Butzbach, Reichswanderführer Ministerpräsident a. D. Prof. Dr. Werner, galten. In zündenden inhaltvollen Ausführungen sprach der Redner von den hohen Aufgaben deutscher Leibeserziehung im nationalsozialistischen Staate. Reichswarm war, so wußte man sich dagegen zu helfen. Für die jungen Sportlerinnen gab es, als es notwendig zu werden schien, ein Sprühbad aus dem langen Wasserschlauch, der sonst für die Sprengung des Rasens Verwendung findet. Recht eindrucksvoll gestaltete sich der Aufmarsch der Mädchen, der sich in einer ausgezeichneten Disziplin vollzog. Der Spielmannszug der Marine- Hitler-Jugend sorgte für den notwendigen Marschrhythmus. Als die Mädchen alle oor der Tribüne aufmarschiert waren, boten sie in ihrer Geschlossenheit des Auftritts eine schöne Verkörperung des Geistes der Disziplin, der in ihren Reihen herrscht. Klare Kommandos dirigierten die Mädchen reibungslos. Mit kurzen Worten über den Sinn der sportlichen Betätigung im BDM. eröffnete die Führerin des Untergaues 116, Mädelringsführerin Käthe Pfef- f e r das Sportfest. Sie betonte, daß der Sport im BDM. nicht als eine Spielerei aufgefaßt werde, vielmehr werde der Sport mit allem Ernst betrieben, denn die Haltung des deutschen Mädels von heute, werde die Haltung des deutschen Volkes von morgen fein. Sodann gab sie das Kommando zur Flaggenhissung. Die Fahnen wurden in Erinnerung an die Unwetterkatastrophe bei Landau, bei der zehn Mädchen des BDM. ums Leben kamen, auf Halbmast gesetzt. Den Auftakt der Vorführungen bildete dann die Körperschule des BD M., die von einer stattlichen Anzahl Mädchen gezeigt und musterhaft ausgeführt wurde. Die Mädchen fanden sich in der harmonischen und rhythmischen Bewegung zu einer schönen Einheit und ließen erkennen, daß sie sehr bei der Sache waren. Die Vorführung fand dankbaren Beifall. Wieder anderer Art erwies sich dann die folgende „Spielwiese" der Jungmädchen. Einige originelle Gemeinschaftsspiele lösten große Freude aus. Die Spiele forderten die Mädchen besonders zu raschem Handeln und zur Geistesgegenwart heraus, ohne daß der unterhaltende Charakter zu kurz gekommen wäre. Die Spiele entsprachen ganz dem Wesen der Mädchen, und sie wurden deshalb auch mit allem Eifer ausgeführt. Der schon lange angekündigte und eifrig vorbereitete Sporttag des Untergaues 116 Gießen im BDM. nahm am gestrigen Sonntag den erwarteten Verlauf. Der Universitäts-Sportplatz war die ideale Stätte für diese große Veranstaltung, an der sich viele Hunderte von Mädchen des Untergaues 116 Gießen, alle im schmucken Sportdreß, beteiligten. Auch eine stattliche Anzahl von Zuschauern hatte sich eingefunden und bildete für das Sportfest den farbenfrohen Rahmen. Das heitere Sommerwetter trug wesentlich zum Gelingen der Veranstaltung bei und wenn es auch etwas reichlich Kohlen von Fischer ' Gießen, Alicenstraße 42—44, Telefon 3172 und 3176 d 1 il e S o j SEi tzZ- E.5C E & li 5: £ 4) tTi- c E^ § E Q *2