Ur. 238 (Erffes Blaff 187. Zahrgang Vienrtag, 12 Oktober 1037 Lrlchetnl täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild ■ Die Scholle Monatr-Bezugrpreir: Mtt 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Zrankfnrt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: SrShlsche Uuiverfitätrdruckerei R. Lange in Siehen. Schristleitung und Seschäftrftelle: Schulsttatze 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von 70mm Breite 50 Rpf „Plahvorschrift nach vorh.Vereinbg.25°/o mehr. 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Es ist wahrscheinlich, daß nach den notwendigen Beratungen mit den Ministern der Landesverteidigung die ins Auge gefaßten Beschlüsse in einem Ministerrat bestimmt werden, der voraussichtlich am Donnerstag zusammentreten wird, nachdem die englische Regierung am Mittwoch ihre wöchentliche Zusammenkunft ab geh alten hat. In gut unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß die Frage der Wiedereröffnung der Pyrenäen-Grenze gestellt sei. Ein etwa dahingehender Beschluß würde eine Entsendung französischer Truppen nach Spanien vollkommen ausschließen, er würde sich auf die Aufhebung des Sondervisums beschränken, das in Anwendung des Nichteinmischungsabkommens eingeführt wurde, d. h. also mit anderen Worten, er würde sich beschränken auf die Wiederherstellung des normalen Paßausstellungsverfahrens. Die Freiwilligenanwerbung würde keinen anderen Charakter als einen rein individuellen annehmen. Anderseits würde die Freiheit der Durchfuhr durch Frankreich für vom Ausland nach Spanien geschicktes Material wieder hergestellt werden. In Frankreich selbst könnten allein die privaten Fabriken in der Lage sein, ihre Erzeugnisse frei zu liefern, während die verstaatlichten Fabriken ihre Lieferungen der französischen Armee Vorbehalten müßten. Aber ein solcher Beschluß würde in seinen Anwendungsmöglichkeiten eine ganze Stufenreihe umfassen, die die Leiter der Politik Frankreichs nur in llebereinftimmung mit denen Londons festlegen würden. Der „Petit Parisien" hebt hervor, daß es nicht genüge, wenn Großbritannien gegen eine Wieder- öffnung der Grenze keinen Einspruch erhebe, oder die Grenzöffnung lediglich dulden werde. Denn damit die allgemeine politische Linie zwischen England und Frankreich restlos eingehalten werde, müßte der freie Waffenhandel nach Spanien zu jeder Zeit von England und Frankreich wieder hergestellt werden. Sonst würde die Grenzöffnung als eine von Frankreich allein ergriffene Maßnahme erscheinen, und Frankreich i n eine vorgeschobene Stellung bringen, was um jeden Preis zu vermeiden sei, damit England im Falle unvorhergesehener Folgen a n Frankreichs Seite bleiben könne London neißt M Vorsicht. London, 12. Okt. (DNB. Funkspruch.) Die Londoner Presse behandelt die Möglichkeiten, die sich nach der Ablehnung Italiens, an einer Drei-Mächte- Konferenz teilzunehmen, noch ergeben. Bor allem interessiert sie dabei die Art der Zusammenarbeit Englands und Frankr eich s. „Daily Telegraph" meint, das französische Kabinett werde erst einen Tag nach der Sitzung des englischen Kabinetts zusammentreten. Frankreich wolle sich also nicht eher zu einer Aktion entschließen, ehe es nicht der britischen Unterstützung sicher sei. England aber wünsche ebenso genau zu wissen, was Frankreich beabsichtigt. Es lägen Anzeichen dafür vor, daß Frankreich sich jetzt weniger mit dem Gedanken einer Oeffnung der Grenze nach Spanien befasse, als vielmehr mit der Bedrohung seiner M i t t e l m e e r v e r- binbungen. Das Labour-Blatt „Daily Heralb" sagt, die Möglichkeit, daß England der Oeffnung der französischen Grenze nur zustimmen wollte, wenn die Grenze ganz geöffnet werde, d.h. sowohl für Salamanca, wie für Valencia, sei niemals erörtert worden, es sei immer nur von Waffenlieferungen an die „gesetzmäßige Regierung" die Rede gewesen. Ferner sei die Idee, daß England und Frankreich eine friedliche Besetzuno der Baleareninsel Minorca in Erwägung zogen, schnell aufgegeben worden. „Daily Erpreß" glaubt, daß Chamberlain und Eden dem Kabinett eine vorsichtige Politik vorschlagen würden, um die Spannung zu vermindern. Sollte das Kabinett diese Politik gutheißen, so glaube man, daß die französische Regierung ihre Drohung der Grenzöffnung nicht wahrmachen werde. Sollte Frankreich es aber dennoch tun, dann würde England es moralisch unterstützen, aber nicht mehr. Das Blatt mahnt mit einem Hinweis auf die Truppenverschickungen Italiens nach Libyen und die Vorgänge im Fernen Osten, sich aus allen internationalen Wirren herauszuhalten. Auch „Daily Mail" und „News Chronicle" meinen, daß London eine vorsichtige Haltung ein- nehmen werde. Als letzten Ausweg werde man den Nichteinmischungsausschuß nochmals mit der Erörterung des Freiwilligen-P r-o- b l e m s befassen. Militärische Maßnahmen in Aegypten. Kairo, 11. Okt. (DNB.) Nach bisher weder bestätigten noch dementierten Meldungen soll der Chef der englischen Militärmission in Aegypten, General Cornwall, die ägyptischen Behörden ersucht haben, im Hinblick auf die „Unsicherheit der internationalen Lage „alle öffentlichen Arbeiten, soweit sie strategische Bedeutung haben, zu beschleunigen, insbesondere den Bau der im englisch - ägyptischen Vertrag vorgesehenen Straßen und Bahnen im Westen Aegyptens. England beabsichtigt nach diesen Meldungen ferner, seine Luftstreitkräfte in Aegypten zu ver- st ö r k e n, und soll daher die ägyptische Regierung ersucht haben, unter Hinweis auf Artikel 14 des Vertrages mit England alle Landungsplätze für die englischen Flugzeuge zur Verfügung zu stellen. England nicht her Polizist in aller Weit' Eine Mahnung des britischen Luftfahrtministers. London, 12. Okt. (DNB. Funkspruch.) Der englische Luftfahrtminister Lord Swinton lehnte es in einer Rede ausdrücklich ab, daß England etwa die Rolle des Polizisten in der ganze n Welt spielen sollte. Es gebe nichts verrückteres als Leute, die gegen die Rüstung stimmten, gleichzeitig aber die Regierung von Zeit zu Zeit bestimmen wollten, sich hier und dort in jeden Streit einzumischen, was England unvermeidlich in einenKrieg führen müßte. Das sei eine Verrücktheit. England sei entschlossen, stark zu bleiben, und zwar stark für den Frieden. Das Luftrüftungsprogramm, das die Luftrüstung gegenüber der früheren etwa verdreifache, sei für Friedenszeiten beispiellos, lieber die Rekrutierung äußerte sich Lord Swinton sehr optimistisch. Die Menschen kämen nicht aus England allein, sondern aus dem ganzen Empire. Die starke Luftrüstung sei die beste Friedenssicherung für England. Italienische Truppen nach Libyen. Rom, 12. Okt. (DNB.) Nach einer Meldung der Agenzia Stesani sind von Neapel aus an Bord der Dampfer „Liguria" und „Piemonte" die vier Infanterie-Regimenter Nr. 60 bis 63 nach Libyen ausgefahren. Zu den Truppentransporten nach Libyen wurde erklärt, daß diese Transporte „auch wenn die Verhältnisse Italien nötigen sollten, noch weitere Truppen zu entsenden, i n keiner Weife Aegypten alarmieren sollten." Wenn Italien seine Garnisonen in Libyen verstärke und vielleicht weiter verstärken werde, so geschehe dies aus politischen Notwendigkeiten, die mit der Position und der Politik Aegyptens nichts zu tun hätten. Bolschewistische Greuel in Asturien. Erschütterndes Schicksal der durch den nationalspanischen Dormarsch von den roten Mordbrennern befreiten Stadt Eangal de Onis. Salamanca, 11. Okt. (DNB.) Im national- spanischen Heeresbericht vom Sonntag heißt es: A ft u r i e n : An der Ostfront griffen unsere Truppen erneut mit außerordentlicher Heftigkeit an. Alle feindlichen Stellungen am oberen Teil des Sella-Flußes, die der Gegner für uneinnehmbar hielt, wurden erstürmt. Die Olicio- Berge wurden in ihrer ganzen Ausdehnung besetzt. Ferner zahlreiche Höhen und Dörfer, weiter das Sejuenco- und Larriera-Gebirge, sowie die Stadt Cangal de Onis, die von den Bolschewisten vollständig in Brand g e ft e cf t und zerstört worden ist. Alle öffentlichen Gebäude wurden in die Cuff gesprengt. Wo sie standen, klaffen tiefe Sprengtrichter. Die Altäre der Kirchen und alle Kunstgegenstände sind auf einem öffentlichen platz in nicht wiederzugebender Weise geschändet und beschmutzt worden. Die Kirchen wurden gesprengt und in Brand gesetzt. Fast die ganze Bevölkerung der Stadt ist von den Bolschewisten unter grauenvollen Umständen abgeschlachtet worden. Wan sand unter den zusammengestürzten Häusern überall die verbrannten Ceichen der Einwohner von Eangal de Onis, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. Ein Teil der Ceichen deutet darauf hin, daß die unglücklichen Bewohner der Stadt bei lebendigem Ceibe angesteckt worden sind. Die spanische Nationalregierung hat in einem Ausruf vor aller Welt gegen das unerhörte Zerstürungs- werk der Bolschewisten in Asturien p r o t e st erhoben, ein Zerstörungswerk, das allen Grundsätzen der Menschlichkeit und Humanität hohn spreche und zu dem grauenvoll st en gehöre, das jemals auf spanischem oder überhaupt aus europäischem Boden geschehen sei. Die von den nationalen Truppen am Montag durchgeführten Operationen gehörten zu den s ch w i e r i g st e n, die bisher an der Asturien- front stattgefunden haben. Die nationalen Kolonnen mußten teilweise enge, zwischen steilen Felswänden durchführende Straßen passieren, die unter feindlichem Feuer lagen. Dank der guten Unterstützung durch die Flieger und geschickte Umgehungsmärsche hatten die nationalen Truppen verhältnismäßig geringe Verluste. Die bis 2100 Meter ansteigende Bergkette Tatico im Westen des San- Justo-Bergpasses wurde von den nationalen Truppen besetzt. Don diesen Stellungen aus wird das gesamte Allertal beherrscht. Durch die Operationen am Montag ist eine einheitliche Front aller nationalen Kampfverbände hergestellt worden, die für die kommenden Kampfhandlungen von großer Bedeutung ist. Oie Berliner Zusammenkunft einWendepunkt der europäischenGeschichte Eine glücklichere Lösung, als der Genfer Völkerbund muß alle Völker zusammenführen, die guten Willens sind. Eine Ansprache des ungarlschenÄeichsverwesers Budapest, 12. Okt. (DNB. Funkspruch.) Bei einem anläßlich der Enthüllung des Marine-Ehrenmals zu Ehren der deutschen und österreichischen Marineabordnungen veranstalteten Festessen hielt der ungarische Reichsverweser Admiral von Horthy eine Ansprache, in der er etwa ausführte: Es war ein Unglück für unseren Erdball, daß die schwere, verantwortungsvolle Aufgabe, die im Jahre 1919 in Paris zu lösen war, nach Ansicht aller objektiv und gerecht denkenden Menschen schlecht g e l ö st wurde. Abgesehen von den unglücklichen Friedensbestimmungen hätte man meinem Gefühl nach je einen Völkerbund für Europa, für Amerika u n d Asien schaffen müssen, mit einem Forum für Welt- fragen für alle drei in Genf. Europa wird zu den Konferenzen der asiatischen und amerikanischen Staaten auch nicht zugelassen. Es klingt auch paradox, daß Haiti Mitglied des Völkerbundes ist, die Vereinigten Staaten dagegen nicht, sowie kleine europäische Staaten, dagegen das Deutsche Reich und praktisch genommen Italien nicht. Doch die Stunde der Mißerfolge ist die geeignetste, um daraus Lehren und praktische Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Nachdem eine große Illusion zusammengestürzt ist, muß mit logischem Verstand eine glücklichere Lösung gefunden werden. Ich bin überzeugt, daß Deutschland und Italien die große Sorge um Europa zusammengeführt hat, und hoffe mit Zuversicht, daß die ZufammenEunft in Berlin einen Wendepunkt der europäischen Geschichte bedeuten wird. Der Bolschewismus hat durch Vernichtung der Intelligenz die Welt nicht erlöst und konnte den ewig ringenden, kämpfenden und arbeitenden Menschen, der für sich und seine Familie erwerben muß, nicht besiegen. Ich glaube und hoffe, daß sich mit der Zeit alle Völker, die guten Willens sind, denen das Schicksal der Menschheit und der europäischen Kultur am Herzen liegt, zusammenfinden werde. Nie leeren Räume. London, 11. Okt. (DNB.) Auf einem Kongreß in der Guildhall, wies der konservative frühere Schatzkanzler Lord Home auf die Gefahr hin, die aus der zu schwachen Besiedlung der britischen Dominions und Kolonien entstehe. Gewisse Nationen trachteten nach anderen Gebieten, um sich ausbreiten zu können. Man könne deutlich beobachten, wie diese ihre Blicke auf das britische Weltreich richteten in dem Gedanken, was sie aus den unbebauten und ,unbevölkerten Gegenden machen würden. In der Tat sei die Auswanderung aus den übrigen Teilen des britischen Weltreiches nach dem übervölkerten England größer geworden als umgekehrt. Es sei aber eine für das britische Weltreich lebenswichtige Aufgabe, die bei weitem zu gering bevölkerten Gebiete mit englischem Blut zu besiedeln. Holland rüstet aus. Don unterem Str.-Äerichtersiatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Amsterdam„ Oktober 1937. Mit dem üblichen Zeremoniell wurde die neue Sitzungsperiode der niederländischen Generalstaaten durch die Königin eröffnet. Dieser Tag ist seit jeher ein besonderes Fest für die schaulustige Haager Bevölkerung. Die Königin begibt sich in der historischen goldenen Kutsche in feierlichem Aufzug aus ihrem Stadtschloß nach dem Rittersaal im Binnenhof, wo die Abgeordneten beider Häuser, die Minister und zahlreichen Würdenträger in Galauniform sie erwarten. Diesmal bot der feierliche Aufzug besonderes Interesse, weil die Ehrenwache von Mannschaften des Ersatzbataillons der Kolonialtruppen gestellt wurde. Zwar paßten die neu- eingeführten grünen Bambushüte der Kolonialsoldaten schlecht zum holländischem Regentage, doch ließ sich die Menge durch die Ungunst des Wetters wenig stören. Der Höhepunkt der kurzen Eröffnungsfeier war, wie immer, das Verlesen der Thronrede durch die Königin. Holland regiert heute eine Koalition der drei konfessionellen Parteien. Die prote st antischen Antirevolutionäre stellen in der Person des Ministerpräsidenten C o l i j n den Vorsitzenden des Ministerrates, und haben zwei weitere Ministersitze inne, zwei Ministerien befinden sich in Händen der ebenfalls protestantischen Christlich-Historischen Partei, während die Römisch-Katholische Staatspartei zahlenmäßig das Uebergewicht im Kabinett hat. Diese Zusammenstellung des Kabinetts, die innerlich eine Reihe von Gegensätzen birgt, war auch maßgebend für den Inhalt der Thronrede. Ein Teil der heute zum Kabinett gehörigen Minister der Römisch-Katholischen Staatspartei gehörten seinerzeit zu den glühendsten Verfechtern der Guldenabwertung. So mußte der Wirtschastsminister Steen- berghe das vorige Kabinett Colijn verlassen, weil er sich im Jahre 1935 mit allzu großer Offenheit für die Abwertung eingesetzt hatte, was damals den allgemeinen Richtlinien der Regierung widersprach. Mittlerweile haben die Abwertungsbemühungen der Kreise um Steenberghe Erfolg gehabt. Seit einem Jahre i st der Gulden abgewertet und seit Juni ist Dr. Steenberghe wieder Mitglied des Kabinetts. Wohl im Hinblick auf diese Tatsache wird in der Thronrede mit großem Optimismus von der Wiederbelebung der holländischen Wirtschaft im Zeitabschnitt seit der Abwertung gesprochen. Ob der Umfang dieses Optimismus' berechtigt ist, wird von holländischen Blättern, soweit sie nicht der R. K. Staätspartei angehören, stark in Zweifel gezogen. Die künstliche Herabsetzung des Gulden- kurses hat Holland freilich auf den internationalen Märkten manchen Vorteil gebracht und die Auswirkungen der allgemein steigenden Weltkonjunktur konnten für Holland, insbesondere was die Schifffahrt angeht, durch die Abwertung noch vertieft werden, doch hat sie keine wesentliche Erleichterung in der Arbei t s m ark11age gebracht und noch immer ist die Zahl der Arbeitslosen mit über 400 000, gemessen an der Gesamtzahl der Bevölkerung erschreckend hoch zu nennen. In der Thronrede wird denn auch zugegeben, daß die Regierung sich weiter bemühen wolle, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Auch die überaus optimistischen Ausführungen über die Lage Nie - derländisch-Jndiens werden von einem Teil der Presse skeptisch beurteilt. Man verweist auf die kürzlich aufgelegte Konversionsanleihe für Nie- derländisch-Jndien, die lange nicht be^i gewünschten Zeichnungserfolg aufzuweisen hat. Durch die Erhöhung der Preise für Kolonialprodukte ist in den letzten Monaten in Niederländisch-Jndien viel Geld verdient worden. Aber vorläufig scheinen auch dort die maßgebenden Unternehmungen an die Dauerhaftigkeit der Konjunktur nicht zu glauben, denn bisher sind noch lange nicht alle die Arbeitskräfte wieder eingestellt worden, die zur Zeit der Krise dem allgemeinen Personalabbau zum Opfer fielen. Entsprechend der Zusammenstellung der Regierung wird in der Thronrede hervorgehoben, daß p o l i - tiv christliche Grundsätze den Ausgangspunkt aller Handlungen der Staatsgewalt bilden werden. Das große Amsterdamer Blatt „De Tele- graaf" bedauert in seiner Stellungnahme zur Thronrede, daß dieser Teil des Regierungsprogrammes sich auf Worte beschränke und unterläßt es nicht, seine Leser recht unverblümt auf die Hohlheit gerade dieser Ausführungen hinzuweisen. Für den ausländischen Beobachter sind die Teile der Thronrede von besonderem Interesse, die die Aufrüstung Hollands zu Gegenstand haben. Die Notwendigkeit einer solchen Aufrüstung wird in der Rede mit der allgemeinen Weltlage begründet und nachdrücklich bargelegt. Es kann also keinem Zweifel unterliegen, daß das Kabinett Co- lifn große Anstrengungen machen wird, um die Rüstungen Hollands und Niederländisch-Jndiens in starkem Maße zu erhöhen. Die Regierung wird denn auch bereits von der holländischen Presse als Rüstungskabinett bezeichnet. Unmittelbar nach der Thronrede wurde der holländische Haushaltsplan für 1938 bekannt, der für den ordentlichen Haushalt bei einer Ausgabenhöhe von 703,2 Millionen Gulden einen sichtbaren Unterschuß von 13,2 Millionen Gulden aufweist. Der tatsächliche Unterschuß ist jedoch bedeutend höher und beträgt nach Mitteilungen des Finanzministers 84,7 Millionen Gulden. Der Haushalt des Verteidigungsministeriums sieht eine Erhöhung der militärischen Ausgaben um 46,4 Millionen Gulden gegenüber dem Jahre 1937 vor. Ja Der Herzog von Windsor besichtigt Vertins Musterbetriebe. MMM M F 1 ■ ■Jp einer Denkschrift an die Zweite Kammer legt der holländische Verteidigungsminister einen umfassenden Plan für die Modernisierung des Materialbestandes von Heer -und Flotte vor und berichtet gleichzeitig über weitgehende auf diesem Gebiete bereits erfolgte Maßnahmen. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Mitteilung, über die Anlage von zahlreichen unterirdischen Befestigungen an Flußübergängen und anderen strategisch-wichtigen Punkten, die, wie angenommen werden kann, zum größten Teil bereits vollendet ist. Besondere Aufmerksamkeit scheint die Regierung jedoch der Erhöhung der Rüstungen in Riederländisch-Jndien zu widmen. Hier handelt es sich vor allem um Verstärkung der Flotte und der Flugwaffe. Letztere spielt bei der Verteidigung des weit ausgebreiteten Archipels begreiflicherweise eine besondere Rolle. Man wird in der Annahme nicht fehlgehen, daß die jetzt durch den holländischen Verteidigungsminister aufgezeigten Rüstungspläne nur den Anfang darstellen. In der Thronrede wird denn auch darauf verwiesen, daß zur Durchführung der Regierungsabsichten auf dem Rüstungsgebiet besondere finanzpolitische Maßnahmen notwendig sein werden. Holland wird begreiflicherweise in seinen Rüstungen niemals den Stand einer Großmacht erreichen können, doch scheint der ernstliche Wille vorzuliegen, mit den gegebenen Mitteln das Größtmögliche zu erreichen. Durch die bevorstehende Verlängerung der Dienstzeit, deren Ausgaben im vorliegenden Haushaltsplan noch nicht berücksichtigt sind, wird der Umfang des stehenden Heeres bedeutend erhöht. Die Zahl der Offiziere und Unteroffiziere soll darüber hinaus eine wesentliche Vergrößerung erfahren, die zum Teil durch die Aktivierung von Reserveoffizieren und -Unteroffizieren verschiedener Altersklassen durchgeführt werden soll. Die Ereignisse im Fernen Osten lassen vom holländischen Gesichtspunkte alle diese Maßnahmen unbedingt notwendig erscheinen, daher finden die Rüstungspläne der Regierung innerhalb der Bevölkerung allgemeine Zustimmung, obgleich das holländische Volk jahrelang einer starken marxistischpazifistischen Propaganda ausgesetzt gewesen ist. Unter dem Druck der Verhältnisse haben aber selbst die holländischen Marxisten in dieser Frage ihren Grundsatz „Abrüstung um jeden Preis" über Bord geworfen. Trotzdem gibt es auch hier noch merkwürdig anmutende Erscheinungen. So hat die holländische Regierung kürzlich ein Arbeitslager für Kriegsdien st Verweigerer eingerichtet, wo diese Leute entsprechend einem Gesetz aus dem Jahre 1924 mit Forst- und Deicharbeiten beschäftigt werden, wobei die Aufsicht über diese Dienstpflichtigen nicht einmal der Militärbehörde zusteht. An dieser Regelung nimmt selbst das demokratische „Handelsblad" starken Anstoß und bezeichnet es als eine Unmöglichkeit, daß Leute, deren Besitz und Familien im Ernstfall durch andere verteidigt werden müssen, hier eine V o r - zugsstellung genießen. An diesen und manchen anderen Beispielen kann man feststellen, daß das holländische Volk gewillt ist, seine Mehrbarkeit zu erhöhen. Der Jahrestag hes Kärntner AbstimmungSsieges. Wien, 11. Okt. (DNB.> Die Wiederkehr des Tages, an dem nach der Volkserhebung der Kärntner auf Grund der Abstimmung vom 10. Oktober 1920 die von den Siegermächten ausgeklügelten Pläne auf Abtrennung Südkärntens zuschanden wurden, ist am Sonntag von der gesamten Bevölkerung des Grenzlandes festlich begangen worden. Schon am Vorabend loderten von den Höhen der Karawanken die Freudenfeuer, die Jugend veranstaltete einen Fackellauf von drei Orten' des ehemaligen Abstimmungsgebietes nach Klagenfurt, wo auf dem Hauptplatz ein riesiger Scheiterhaufen entzündet wurde. Am Sonntag, dem eigentlichen Abstimmungstag, fand in S t. I a k o b im Rosental, das seinerzeit dem Feinde Stück um Stück wieder abgerungen werden mußte, die Gedenkfeier statt, bei der Führer und Mitkämpfer des Befreiungskampfes der historischen Stätten gedachten. Zum Schluß gelobte ein Sprecher im Namen der Jugend, getreu dem Vorbild ihrer Väter und Brüder, die Freiheit der Scholle als höchstes Vermächtnis zu wahren und alle Kräfte einzusetzen für die Zukunft der deutschen Heimat. $ er!in, 11.Okt. (DNB.) Der Herzog und die Herzogin von Windsor trafen in der Reichshauptstadt ein. Auf dem Bahnsteig waren u. a. Reichsorganisationsleiter Dr. Ley, der stellvertretende Gauleiter Staatsrat G ö r l i tz e r und Hauptmann Wiedemann von der Adjutantur des Führers erschienen. Dem Herzog wurde durch die Berliner Bevölkerung ein herzlicher Empfang zuteil. Der Herzog stattete in den Mittagsstunden unter Führung von Reichsleiter Dr. Ley einem Großbetrieb in Berlin-Marienfelde einen mehrstündigen Besuch ab. Nach einer eingehenden Besichtigung der Werksanlagen, wobei sich der Herzog, wie unser Bild zeigt, mit zahlreichen Gefolgschaftsmitgliedern unterhielt, wohnte der Herzog einem Werkkonzert bei, das vom Landesorchester Gau Berlin ausgeführt wurde. Am Nachmittag leistete das Herzogspaar einer Einladung des Reichsleiters Dr. Ley zu einem Tee in dessen Berliner Wohnung Folge. An diesem nahmen Reichsminister Dr. G o e b b e l s und Gattin, Botschafter von Ribbentrop und Gattin, Hauptdienstleiter Staatsrat Schmeer, Hauptamtsleiter Selzer, der stellvertretende Gauleiter Staatsrat G ö r l i tz e r und der engere Mitarbeiterstab Dr. Leys teil. Es wurden Filme aus dem Schaffen der Deutschen Arbeitsfront und der NSG. „KdF." gezeigt, die das lebhafte Interesse des Herzogspaares fanden. — (Bild: Scherl.) Mobilisierung -er „verborgenen" Arbeiiskräste. Oie wirtschastliche Bedeutung der Bevölkerungspolitik. Ein Vortrag des Aeichsfinalizministers. Berlin, 11.Okt. (DNB.) Am Montagnachmittag wurde in der Technischen Hochschule der von der Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Gesellschaft veranstaltete erste Tag der deutschen Wirtschaftswissenschaft eröffnet. Der Präsident der Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Gesellschaft, Professor Dr. Karl Bräuer, konnte eine stattliche Anzahl führender Persönlichkeiten aus Partei, Staat und Wehrmacht und allen Zweigen der deutschen Wirtschaft begrüßen. Dann sprach Reichsfinanzminister GrafSchwerinvonKro- s i g k. Man habe in der Wirtschaftsentwicklung der vergangenen vier Jahre zwei ganz verschiedene Phasen zu unterscheiden, die erste, in der es darauf angekommen sei, durch das Mittel der Kredit- a u s w e i t u n a die in Lagervorräten und dem Heer der Arbeitslosen vorhandenen Reserven dem Kampf gegen die Arbeitslosigkeit nutzbar zu machen, und die zweite, in der es sich darum handelt, einen Ausgleich zwischen den großen nationalpolitischen Aufgaben, vor allem der W e h r - haftmachung und den verfügbaren Kräfte n zu schaffen und die der Produktionsausweitung gezogenen Grenzen zu erweitern. Soweit die erwähnten Grenzen sich in der Roh- ftoffverknappung zeigten, müsse diese Verknappung durch eine zielbewuhte Förderung des Exports, durch die energische Durchführung des V i e r j a h r e s p l a n s und bis zur Durchfchreitung des „Engpasses" durch eine Zuteilung der Rohstoffe nach e iner Dringlichkeitsliste überwunden werden. Der Minister bat bei dieser Gelegenheit, nickt auf die großartigen technischen Erfindungen, wie die Vistra oder die Buna, die falsche und irreführende Bezeichnung „Ersatzstoffe" anzuwenden. Man denke ja auch nicht mehr daran, den Rübenzucker oder das Aluminium Ersatzstoffe zu nennen. Soweit die Grenze in den verfügbaren Arbeitskräften liege, sei der richtige Arbeitseinsatz zu einem der wichtigsten und schwierigsten Probleme geworden. Es sei aber falsch, anzunehmen, daß die einzige Arbeitsreserve nur noch in der halben Million registrierter Arbeitsloser liege. Daß die Zahl der Arbeitsstellen gerade im letzten Jahre sehr viel stärker zugenommen, als die Arbeitslosenzahl abgenommen habe, beweise, daß die Mobilisierung der „verborgenen" Arbeitskräfte noch in stärkerem Umfange möglich, aber auch notwendig sei. Auf weite Zukunft gesehen, sei diese Mobilisierung allerdings im wesentlichen abhängig von dem Zuwachs junger Menschen. Die Frage der Vevölkerungszu- oder -abnahme fei mithin nicht nur unter dem großen nationalpolitischen Gesichtspunkt des Fortbestandes oder Unterganges der Ration, sondern auch unter dem rein wirtschaftspolitischen Gesichtspunkt, daß ein Volk Kinder ebenso als Arbeitsreserve wie als Motor der Wirtschaftsentwicklung brauche und unter der sozialen Last einer zunehmenden Vergreisung zusammenbrechen müsse, die große Schicksalsfrage. Der Minister erklärte hierbei, daß Geburtenpolh- tik primär in einer Einwirkung auf die Gesinnung bestehen könne, und daß die staatlichen Maßnahmen der Steuererleichterung, der Kinderbeihilfen usw., die einmal in einen Familienlastenaus- gleich einmünden müßten, nur materielle und damit sekundäre Maßnahmen seien, die aber notwendig seien, um einen Gesinnungswandel praktisch zu ermöglichen und den staatlichen Willen für einen solchen Wandel zu dokumentieren. Der Minister führte zum Schluß aus, daß Deutschland nicht etwa die A u f r ü st u n g brauche, um seine Wirtschaft in Gang zu halten. Das große Ziel, den Lebensstandard des deutschen Volkes zu heben, umfasse eine solche Fülle von Aufgaben, die jetzt zum großen Teil zurückgestellt werden müßten, daß wir vor einem Rückfall in Arbeitslosigkeit keine Sorge zu haben brauchten. Lugend und Luftfahrt. Zwei Preise für Förderung der Erziehung des Nachwuchses der Lustfahrtforschung. München, 11. Okt. (DNB.) Im Ballsaal der Münchener Residenz fand ein Empfang anläßlich der Tagung der Hauptversammlung der Lilienthal- Gesellschaft für Luftfahrtforschung statt, die der bayerische Ministerpräsident veranstaltete. Unter anderem sah man Reichsminister Rust, Staatssekretär General der Flieger Milch, Generalmajor U d e t, General der Artillerie von Reichenau, die Luftattaches auswärtiger Mächte, den Präsidenten der Lilienthal-Gesellschaft, Ministerialrat B ä u m k e r, sowie einen großen Kreis führender Persönlichkeiten der Luftfahrt, der Luftfahrtforschung, der Industrie, darunter Dr. Eckener, Geheimrat B o s ch, Dr. K r u p p von Bohlen- Halback, und als Gast der Tagung Oberst Lind- b e r g h, außerdem zahlreiche Offiziere der Luftwaffe und des Heeres. Beichserziehungsminister jRuft wies auf die große Bedeutung der Erziehung der deutschen Jugend zu Mut und Tatkraft, Tapferkeit und Einsatzbereitschaft hin In diesem Sinne sei vor allem die Bedeutung der Luftfahrt zu würdigen. In dem Bestreben, auch weiterhin durch besondere Maßnahmen ipi Bereich deutscher Wissenschaft und Erziehung die Luftfahrt- sorschung und den hierfür notwendigen Nachwuchs zu fördern, stelle er dem Präsidium der Lilienthal- Gesellschast zwei Preise zur Verfügung, die alljährlich am Todestage Lilienthals zur Verteilung kommen sollen. Durch den Lillenthalpreis in Höhe von jährlich 5000 Mark sollen demjenigen deutschen Abiturienten einer höheren Schule die materiellen Voraussetzungen für das S t u- dium der Luftfahrttechnik und -Wissenschaft geschaffen werden, die auf Grund des Entscheides eines vom Präsidium der Lilienthal-Gesellschast und mir gemeinsam zu berufenden Ausschusses am würdigsten ist, diese Förderung zu erhalten. Der Ludwig- prandtl-preis zur Förderung der F l u g- Physik in Verbindung mit dem Flugmodellbau in höhe von jährlich 3000 Mark soll an einer oder mehreren höheren deutschen Schulen verkeilt werden, die die jeweils b e st e n Jahreslei st ungen auf den ge- Oer Köter. Von Peter Benedix. In einer kleinen Stadt des nordamerikanischen Staates Pennsylvania wohnte ein Herr namens William Brown. „Herr" ist eigentlich zu viel gesagt und „wohnte" auch, denn er hatte keine Wohnung und hielt sich nur in der Stadt auf, indem er in seiner freien Zeit irgendwo unterkroch, die andern Stunden aber seinem Beruf nachging, der eigentlich auch kein Beruf war, obwohl er davon lebte. Er war nämlich Einkäufer, das heißt: er kaufte nur ein, wenn gerade niemand im Laden war, denn er mußte billig einkaufen, weil er nicht viel Gelt hatte. Zudem stand er nicht allein und mußte noch für ein Kind sorgen, das eigentlich auch kein Kind war, obwohl er es deswegen nicht weniger liebte, sondern ein Hund, eine Art Hund, wie sie manchmal entstehen, wenn ihre Herren nicht Obacht geben und sie aus den Augen verlieren, was in einem so großen Lande wie Amerika leicht Vorkommen kann. Trotzdem liebte, wie gesagt, Mister William Brown diesen Hund, vielleicht allein schon aus einem dunklen Kameradschaftsgefühl heraus, denn auch bei ihm hatte man nicht viel Obacht gegeben, als er entstand. Und aus den Augen verloren hatte man ihn auch. So fanden die zwei einander auf der Straße, und da der Mensch sein Herz, sofern er eins hat, an etwas hängen muß, William aber in diesem Punkt keine besonderen Ansprüche mehr machen konnte, denn er war schon reichlich über die erste Jugend hinaus, und was fein Einkommen betraf und seine Garderobe, nun da würden Sie doch nicht einen Augenblick den Kopf drehen, mein Fräulein, nein! Nein, da hatte auch Mister Brown keine übertriebenen Vorstellungen. Ebensowenig wie dieser Hund. Der schon froh war, daß er bei Nacht, einer kalten Nacht, jetzt einen warmen Fleck hatte und ihm eine Hand einen Brocken hinhielt oder ihm übers Fell strich, was eine entschiedene Besserung seiner Umstände bedeutete, wofür er dankbar war, dankbarer vielleicht als das im allgemeinen der Fall zu fein pflegt Denn das ist nun einmal so: der Mensch kann sich an vieles erinnern, aber für manche Dinge haben Hunde oft ein besseres Gedächtnis. Die zwei lebten also gut, so gut miteinander, wie man lebt, wenn man miteinander zufrieden ist, sich niemand um einen kümmert und niemand dritter sich einmischt. Da aber Mister Brown in seinem Beruf mehr und mehr Erfolg hatte, ging es ihm wie anderen Leuten auch: er wagte sich zu weit vor. Da mußte man doch anfangen, sich um ihn zu kümmern, und dieser Mann hieß Policeman ... Das Folgende brauche ich nicht zu erzählen. Das kann sich jeder denken. Nur vielleicht das Resultat nicht. Das lautete: Acht Monate. Vor der Tür des Gebäudes, in dem man William Brown die Mitteilung von diesem Resultat machte, wartete inzwischen jemand auf ihn, jemand den man nicht hineinließ, obwohl es fein nächster Angehöriger war. Nämlich Billy, wie ihn Brown getauft hatte. Der saß da und wartete, bis fein Herr wieder herauskam, denn für ihn war es ein Herr. Der kam aber nicht nur heraus, sondern er mußte wieder hinein. Wegen der acht Monate. Es war das zwar ein anderes Gebäude, aber für Billy war das insofern gleich, als er wieder draußen blieben mußte. Doch was hatte das zu sagen! Sein Herr würde ja bald wieder herauskommen. Er kam ja auch aus den Läden immer gleich wieder heraus. Da aber der Hund nicht wußte, was das hier für ein Laden war, denn bei ihnen hatten sie diese Einrichtung nicht, wartete er geduldig. In der Geduld hatte er ja auch früher schon eine gute Ausbildung erhalten. Er saß daher den ganzen Tag über und die darauffolgende Nacht vor der Tür dieses Hauses und wieder den Tag und wieder die Nacht und so weiter. Das heißt: er saß nicht nur, nein, denn schließlich sich hinlegen und einmal schlafen mußte er auch. Auch einmal fortgehen an den Fluß und trinken oder nach Abfällen sich umsehen. Wobei es ihm wieder zustatten kam, daß er so stütz schon auf eigenen Füßen stehen mußte. In dieser Beziehung hatte er entschieden einiges voraus vor dem fetten Mops da drüben im Fenster, der faul und schläfrig auf seinem Daunenkissen lag, um mit dem großen Kalbsschnitzel fertig zu werden, das er verdauen mußte. Der hätte sich wohl kaum zu helfen gewußt in seiner Lage. Dafür sah sich auch niemand außer seiner Herrin nach diesem Mops um, dagegen war Billy nach einem Monat schon eine Berühmtheit. Die ganze Stadt sprach von ihm, und jeder, der ihn noch nicht gesehen hatte, ging einmal an dem Gefängnis vorbei, um zu sehen, wie er dort Tag und Nacht vor der Tür saß und wartete. Sofern er gerade zu sehen war und nicht im Augenblick für seinen Unterhalt sorgen mußte. Was er aber von Monat zu Monat seltener zu kün brauchte, denn die Leute sahen sich ihn nicht nur an, sondern sie brachten ihm auch etwas mit. Diesem elenden kleinen Kerl von Hund, der nicht einmal ein richtiger Hund war, und dem etwas gelang, was bisher auch dem größten Politiker Amerikas nicht gelungen war. Und zwar ganz ohne Absicht gelang es ihm, nämlich eine ganze Stadt auf die Beine zu bringen und unter einen Hut. Selbst die schwerfälligsten Leute gerieten in Bewegung und die kühlsten entdeckten bei sich noch einen kleinen Rest von Wärme. Und als geborene Republikaner sogar ein überraschendes Bedürfnis nach einem Zeichen äußerer Anerkennung, denn es wurde beschlossen, dem Hunde einen Orden zu verleihen, einen Halsbandorden. Darauf sollte das alte, ein wenig verblaßte und aus der Mode gekommene Wort „Treue" geschrieben stehen. Im übrigen war die Stadt wie andere Städte auch und stand am Tag und zur Stunde der Entlassung vor dem Gefängnis, um zu sehen, was ein kleiner, elender Köter tun würde, wenn da jetzt ein alter zerlumpter Vagabund und Langfinger aus der Tür trat, auf den eben dieser kleine struppige Kerl vor eben dieser Tür acht Monate gewartet hatte. Kops an Kopf standen sie, um das zu sehen, was sich kaum erzählen läßt. Trotzdem brachten ein paar Neuyorker Blätter darüber einen Bericht, dem ich entnehme, daß die meisten der Anwesenden es auch nicht viel besser gesehen haben als ich, der ich nicht dabei war. Die hinteren, weil ihnen die vorderen im Weg waren, und die vorderen... ja, bei denen war es verschieden: die einen sahen ganz gut, andere weniger, weil ihnen beim Zuschauen etwas in die Augen gekommen sein soll. Denn ähnliches hatte man auch in Amerika noch nicht erlebt, und nur weil Billy in einer so guten Haut steckte, hat es chn nicht vor Freude zerrissen, als sein Herr er- schien. Viel aber fehlte nicht, denn es war eine förmliche Explosion, ein Feuerwirbel von Freude, als ob ein ganzer Schwarm von Billys um die Beine des Alten herumschwirrte und nicht bloß dieser eine kleine struppige Kerl. Zurück zum Bart. Bognor, der englische Badeort, hat den Ehrgeiz, der Mittelpunkt eines Feldzuges zu werden, der die englische Herrenwelt zu der Zeit um 1860 zurück- führt, als Bärte die große Mode waren. Schon versammelt sich eine Schar junger und alter Herren um Mr. de Jersey, den Ruser im Streit, der stolz darauf ist, daß er schon als Einundzwanzigjähriger einen Bart getragen und seitdem nie wieder auf- gegeben hat. Er ist fest überzeugt, daß ein Bart öie äußere Erscheinung eines Mannes wesentlich verbessert, und so will er die „Gesellschaft zur Verbreitung des Bartes", die es schon einmal gegeben hat, wieder ins Leben rufen. „Die Frauen sind unser großer Feind", erklärte er, „sie weigern sich hartnäckig, etwas mit Männern zu tun zu haben, die es der Natur gestatten, ihre Gesichter zu verbessern. Es ist reine Eifersucht. Sie wissen im Grunde ihres Herzens genau, daß Bärte die Männer verschönern und vornehmer aussehen lassen." C. K. Zeitschriften. — Zu den bisher wenig bekannten Wunderwel- ten, die die Kamera erst entdeckte, gehören die Farbfenster großer Kathedralen. Mit einprägsamen photographischen Ausschnitten und einer ganzseitigen Farbtafel entstand im Oktoberheft der „neuen I i n i e" (Verlag Otto Beyer, Leipzig. Preis 1 Mk.) ein Loblied auf diese „Wunder der Kathedralen". Ricarda Huch schrieb den Begleittext. — Von den reichen Möglichkeiten der Filmkamera, hinter die Geheimnisse zu kommen, gibt das deutsche Kulturfilmschaffen, dem der Aufsatz „Entschleierung der Geheimnisse" gewidmet ist, ein Abbild. — Afrika, unseren Großeltern noch ein geheimnisvoller Erdteil, stellt sich bereits als Urlaubs- und Ausflugs- land zur Verfügung. Wer im Lande bleiben will, wird auf einer Herbstfahrt zu Deutschlands Weinströmen feuchtfröhlichen Trost finden — Abzuraten ist jedoch vor jener Tragödie des Amüsements, die Friedrich Lust in einer Chronik des menschlichen Unverstandes gestaltete. — Der Modeteil gibt den Auftakt zur neuen Herbstmode. nannten Gebieten nachweisen. Die Entscheidung wird von dem gleichen Ausschuh getroffen. Durch diese Stiftungen erhofft der Minister eine wirksame Unterstützung aller Bestrebungen der deutschen Luftfahrt durch berufslenkende Unterrichtsgestaltung zu fördern und ihr die beste Auslese zuzuführen. Bereichsführer der Reichsstudentenführung. Mit Wirkuna vom 1. Oktober sind acht Dienststellen eines Bereichsführers, welche die bisherige Einrichtung der Gebietsbeauftragten ablösen, vom Reichsstudentenführer errichtet worden. (Die Gebietsbeauftragten waren bei der Amtsübernahme Dr. Scheels als persönliche Referenten des Reichsstudentenführers eingesetzt worden.) Durch die Einsetzung der Be- Erziehung und L a n d s b e r g a. W., 10. Okt. (DRB.) Reichsleiter Rosenberg, der aus einer Ostmarkenfahrt begriffen ist, sprach hier auf einer großen Kundgebung über den Führungsanspruch der NSDAP. Wir haben, so sagte er, die Pflicht, dafür zu sorgen, daß ein solcher Volks- und Landesverrat, wie er vom Zentrum und Sozialdemokratie 1917 vorbereitet und 1918 durchgeführt wurde, niemals mehr sich wiederholt. Das können wir nur, wenn wir den Anspruch erheben, die gesamte kommende Generation allein zu erziehen. Das kommende Geschlecht dürfen nur jene erziehen, die Deutschland 'einst vor dem Untergang gerettet haben. Und Deutschland wurde Nicht gerettet durch die Gebete der Zentrumsleute, sondern durch den opferbereiten Kampf der NSDAP. Rosenberg lehnte Ansprüche irgendwelcher anderer Gruppen bedingungslos ab. Denn wenn wir einmal gestorben sein werden, dann könnten sich auf diesen verschiedenen Erziehungs- und Rechtssystemen politische Gruppen zur Verteidigung ihrer Erziehungssysteme bilden, und dann könnte wieder einmal ein Tag kommen, an dem Deutschland, vor eine Schicksalsprobe gestellt, nicht so einig dastehen könnte wie heute. Dann entstehe aber auch bje Frage, ob an solchem Schicksalstage dem deutschen Volke wieder ein Mensch und Mann vom Format Adolf Hitlers geschenkt werde. Vor einer solchen Möglichkeit werde die NSDAP. Deutschland nach Menschenkräften bewahren. Wenn man es — auch hier im Grenzgebiet — erlebe, daß mancherorts relchsführer werden die bisherige Verantwortlichkeit der Gaustudentenführer für die studentische Arbeit innerhalb ihres Gaugebiets und der Umfang ihrer Befugnisse nicht berührt. Zum Aufgabengebiet der Bereichsführer gehören die Bildung, Führung und Ausrichtung der Kameradschaften und der Aufbau der NS.-Studentenkampfhilfe. Sie haben die Verbindung zwischen dem Reichsstudentenführer als oberstem Einheitsführer und den übrigen Mannschaftsführern herzustellen, und innerhalb ihres Dienstbereichs die Durchführung der Anordnungen und Befehle des Reichsstudentenführers auf allen ihnen übertragenen Arbeitsgebieten zu gewährleisten. Die neuen Bereiche entsprechen im allgemeinen den früheren Bezirken der Gebietsbeauftragten. So umfaßt Bereich Rhein die Gaue Hessen- Nassau, Koblenz-Trier, Kurhessen. Zum kommissarischen Bereichsführer wurde SA.-Sturmführer Herbert Groß ernannt. Menschen-Führung erklärt werde, „wenn Ihr der NSDAP, beitretet, so wördet Ihr bestimmt in die Hölle kommen!" (allgemeine Heiterkeit), so glaube er demgegenüber, daß das aufrechte Menschentum des Grenzlandes sich durch derartige Dinge nicht einschüchtern lassen werde. Wir sind vielmehr, so rief Rosenberg unter erneutem stürmischen Beifall aus, der tiefen lieber« zeugung, daß, wenn es einen Himmel gibt, einer, der ehrlich und tapfer für Deutschland kämpft, eher dorthin gelangen wird als einer, der mit dem Gebet auf dem Munde einen Volksverrat begeht. Rosenberg bekundete sein Verständnis für alle diejenigen, die, gebunden durch Tradition und Familie, sich noch nicht ganz innerlich in das neue Leben einfügen konnten; das Jahr 1933 aber sei ein notwendiger geschichtlicher Einschnitt im Leben der deutschen Nation gewesen, und der Nationalsozialismus sei heute Schicksal nicht nur der Partei, sondern des ganzen Deutschen Reiches geworden. Wenn seitens des Nationalsozialismus eine religiöse Toleranz verkündet werde, müsse man auch die Anerkennung der Lebensgesetze unserer Zeit fordern Man müsse erwarten, daß die Reinerhaltung der deutschen Ehre als Plattform für alle Deutsche gelte, daß der Schutz des gesunden Blutes ein Grundsatz für alle und die Erziehung der deutschen Nation dem Nationalsozialismus von seinen Gegnern auch innerlich zugesprochen werde. Von diesen drei grundsätzlichen Forderungen könne heute und niemals auch nur das Geringste abgelassen werden. liegen allein bei der NSDAP. Eine Rede Alfred Rosenbergs. Japanische Truppen rücken in die innere Mongolei ein. Konzentrischer Angriff auf die Hauptstadt der Provinz Suiyuan. Tokio, 12. Oktober. (DRV. Funkspruch.) Die Kwantung-Armee meldet vom innermongolischen Frontabschnitt, daß die japanischen Truppen beschleunigt auf k w e i s u i, die Hauptstadt der innermongolischen Suiyuan-Provinz, vormarschierten. Der Angriff auf die huptstadt erfolge aus nördlicher Rechtung von dem bereits besetzten Wuchuan, einer bedeutsamen Handelsstadt am Rande des lnnermongolischen Steppengebietes aus, von Westen her entlang der Eisenbahn kalgan — Suiyuan und vom Süden her von der Schansi-Grenze, von dem von den Japanern besetzten Orte Huy aus. Damit stehe der Fall dieses bedeutungsvollen chinesischen Zent- trums in der inneren Mongolei und des Ausgangspunktes wichtiger Verkehrswege nach Norden in die äußere Mongolei und nach Westen in Richtung Ringhsia und die nordwestchinesischen Provinzen bevor. Japanischer Vormarsch auf Gchansi. Die japanischen Truppen nahmen an der Eisenbahnlinie Peiping —Hankau den Eisenbahnknotenpunkt Tschischiawang ein, wo die Strecke nach Taiyuanfu, der Hauptstadt der Provinz Schansi, abzweiat. Die japanischen Kolonnen teilten sich dann in eine Abteilung, die ihren Vormarsch nach Süden und in eine Abteilung, die den Vormarsch nach Westen fortsetzte. Die nach Süden operierenden Truppen erreichten 5) u - anschi, 35 Kilometer südlich von Tschischiawang. Die nächste Aufgabe der Truppen ist die Einnahme der starken chinesischen Stellungen bei Schuntö, 360 Kilometer südlich von Peiping an der nach Hankau führenden Eisenbahnlinie. Die nach Westen verstoßenden japanischen Streitkräfte eroberten die Stadt Tsing-Hsing, womit der Vormarsch auf die Schansi-Hauptstadt nun auch von Westen ein- geleitet ist. Hochwasser besroht Tientsin. Das Oberkommando der japanischen Nordchina- Armee gibt bekannt, daß sich im Hinblick auf eine drohende Ueberschwemmungskatastrophe die Durchstechung des Eisenbahndammes der Tientsin-Pukau-Linie nicht vermeiden lasse, obwohl damit die einzige Nachschublinie zum Zentrum des linken Flügels der japanischen Armee unterbrochen werde. Bis jetzt steht ein Gebiet von 7000 Quadratkilometer unter Wasser. Die Katastrophe wurde teils durch die Zerstörung der Dämme des Kaiferkanals beim Rückzug chinesischer Truppen, teils durch die im Herbst üblichen Wolkenbrüche und schließlich durch die mangelnde Beaufsichtigung der Flußufer und Deiche hervorgerufen. Mit Der Durchstechung des eingleisigen Bahndammes hofft die japanische Heeresleitung ein Abströmen des Wassers in Richtung zum Meer zu erreichen. Damit soll eine Ueberflutung Tientsins verhindert werden, wo die Munitions- und Verpflegungsoorräte etwa der Hälfte der gesamten japanischen Truppen in Nordchina gelagert werden. In Tientsin wird fieberhaft an der Aufrichtung von Notdämmen und Sandsack-Barrikaden gearbeitet. Tausende von Soldaten und chinesischen Kulis führen längs des Peiho Notdämme auf, während die Zivilbevölkerung bereits die tiefergelegenen Wohnungen räumt und die Kellerfenster der Wohnungen in den unmittelbar gefährdeten Stadtteilen vermauert. Der Wasserspiegel des Peiho steigt immer weiter. Ein Durchfahren der Brücken ist bereits unmöglich geworden. Heftige Gefechte um Schanghai. Jrn Abschnitt Nordbahnhof — Kiang- man wurde in heftigen Kämpfen ein chinesischer Angriff zum Stehen gebracht; die Chinesen mußten in ihre Ausgangsstellungen zurückgehen, als die Japaner Tanks einsetzten. Im Abschnitt Liu- hang - Lotien nahmen die Japaner die Offensive wieder auf und drängten die Chinesen um mehrere hundert Meter zurück. Japanische Flugzeuge bombardierten die rückwärtigen Stellungen der Chinesen und deren Anmarschwege. Die chinesischen Batterien in Putung eröffneten wieder ihr Feuer auf die japanischen Kriegsschiffe auf dem Huangpu; mehrere Lagerschuppen der chinesischen Schiffahrtsgesellschaft wurden dabei in Brand geschossen. Meine politische Nachrichten. Die Leitung des in Berlin stattfindenden Festes der deutschen Kirchenmusik hat an den Führer und Reichskanzler folgendes Telegramm gerichtet: „Die in Berlin zum ersten Fest der deutschen Kirchenmusik versammelten evangelischen Kirchenmufiker aus allen Teilen Deutschlands grüßen ehrfürchtig den Führer und Schöpfer des Dritten Reiches und geloben treue Gefolgschaft beim Neuaufbau der deutschen Kultur." Der Führer und Reichskanzler dankte für diese Grüße mit folgendem Telegramm: „Den in Berlin zum Fest der deutschen Kirchenmusik versammelten Kirchenmusikern danke ich für die mir telegraphisch übermittelten Grüße, die ich freundlichst erwidere/' In München fand unter Leitung des Reichs- arbeitsminifteriums eine Tagung der Reichstreuhänder der Arbeit statt, um alle bedeutsamen Fragen der Sozialpolitik, die insbesondere das Aufgabengebiet der Reichstreuhänder der Arbeit berühren, zu erörtern und die Wahrung einer einheitlichen Linie ficherzuftellen. * Staatssekretär Funk wurde vom Reichsverweser Admiral von Horthy in persönlicher Audienz empfangen, die über eine Stunde dauerte Der Reichsverweser zeichnete den Staatssekretär mit dem Ungarischen Verdienstkreuz Erster Klasse aus. Am Abend gab der stellvertretende Außenminister Baron Apor zu Ehren des deutschen Gastes ein Essen, an das sich ein Empfang maßgebender Persönlichkeiten aus Kunst, Wissenschaft und Presse anschloß. * Wilhelmshaven stand im Zeichen der Ausreise der drei Schulschiffe der Kriegsmarine, „Emden", „Schlesien" und „Schleswig- Holstein". Die Reise der „Emden" geht nach Ostindien, der „Schlesien" nach Südamerika und die „Schleswig-Holstein macht eine Fahrt rund um Afrika. * Der Generalsekretär der Faschistischen Partei, Minister Starace, hat eine Abordnung der 4 5 0 KdF. -Urlauber im Palazzo del Littorio empfangen. Gauwart der NSG. „Kraft durch Freude", Adam, überbrachte die besten Grüße von Reichsorganisationsleiter Dr. Ley. Der Abordnung, die vom Generaldirektor des Dopolavoro Dr. Pure 11 i begleitet wurde, gehörten auch Arbeitsdienstmänner und -maiden an, die als Gäste die Jtalienreise mitmachen. ♦ Präsident Roosevelt empfing den Sohn des Duce Vittorio Mussolini im Weißen Haus zum Tee. ♦ Admiral Sir Charles F o r b e s als Nachfolger von Admiral Sir Roger R. C. B a ck h o u f e ist zum Kommandierenden der britischen Heimatflotte ernannt worden. Admiral Fordes hat bisher ein Schlachtschiffgeschwader geführt. Während des Krieges hat er an der Skagerrak- Schlacht und an den Kämpfen um die Dardanellen teilgenommen. Der diplomatische Vertreter des Vatikans, Anton iu sc i, überreichte dem spanischen Staatschef General Franco sein Beglaubigungsschreiben und hatte mit General Franco eine freundschaftliche Unterhaltung. Aus aller Wett. Oer Schwager Hermann Görings in den Bergen tödlich abgestürzt. Bad R-ich-nhall, 11. Okt. (DNB.) Durch einen bedauernswerten Unfall Hal der Schwager des Ministerpräsidenten Generaloberst G ö - ring, der Rechtsanwalt und Notar Dr. R i g e l e, infolge eines Absturzes in den Bergen bei einer Hebung als Landweyroffizier im Gebirgsregiment Nr. 100 sein Leben gelassen. Dr Rigele, der gebürtiger Oesterreicher ist und als Reserveoffizier sich in den Kämpfen am Ortler auszeichnete, hat nach dem Kriege die deutsche Staatsangehörigkeit erworben und trotz seiner 60 Jahre als Landwehroffizier seine reichen Erfahrungen als Bergsteiger in den Dienst der jungen Hochgebirgstruppe unserer Wehrmacht gestellt. Wegen seiner besonderen Fähigkeiten hatte der Leiter des Heeres-Bergsührer-Lehr- ganges der Gebirgsbrigade, der Kommandeur des Gebirgsregiments Nr. 100 Oberst Schlemmer, ihn als Hilfslehrer für einen Bergführerlehrgang ein- berufen. Beim Aufstieg nach der Blaueishütte im Gebirge des Hochkalterer ist Dr. Rigele in der Gegend der Schärtenalm, als er einer zu Tal gehenden Kolonne von Tragtieren ausweichen wollte, nur wenige Meter tief abgestürzt. Eine Operation hat fein Leben nicht mehr retten können. Dr. Rigele hinterläßt neben der Witwe, der Schwester des Ministerpräsidenten, zwei Söhne. Oie 7. ZKA. eröffnet. NSG. Am 9. Oktober eröffnete Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger im Bachsaal zu Frankfurt die 7. Internationale Kochkunstausstellung. Nach Worten des Oberbürgermeisters Dr. Krebs gab Direktor Dr. Schnorr einen lieber« blick über den Aufbau der Ausstellung, die in besonderen Abteilungen eine Diät- und Krankenhausküche, eine Fischküche und eine Großküche für die Gemeinschaftsverpflegung zeigt. Er ging des weiteren auf die großen Sonderschauen der Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe, die Sonderschau des Reichsnährstandes, die die Fragen der Verbrauchslenkung und Der Verhinderung des Verderbes behandelt und die Sonderschau der Deutschen Arbeitsfront über die Berufserziehung ein. Der Leiter der Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe, Fritz Dressen, Bad Godesberg, stellte klar, daß wir in Deutschland wohl eine Vereinfachung Der Küche in Den letzten Jahren erlebt haben. Die aber eine Qualitätssteigerung Der Küche beDeute. Der Leiter des deutschen Handels in der DAF., Hans Feit, stellte die bedeutende Rolle des Gaststättengewerbes heraus, die es durch Verbrauchslenkung in der Ernährung und durch Gesundheitsführung des Volkes spiele. Die Berufserziehungsarbeit habe allein im Jahre 1936 in 440 Berufserziehungs- und Schulungswochen über 13 000 Berufstätige des Gast- stätten- und Beherbergungsgewerbes erfaßt. Im „Sommerhof" in Frankfurt wird zu Beginn des kommenden Jahres die neue Reichskoch -- und Sprachenschule der DAF. eröffnet werden, so daß der Gau Hessen-Nassau durch diese Einrichtung eine weitere Bereicherung erhält. Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger, Der Schirmherr der 7. Internationalen Kochkunstausstellung, erklärte die 7. JKA. dann für eröffnet.— An Die Eröffnung schloß sich eine Besichtigung der 7. JKA. an, Die in sechs Hallen aufgebaut ist, in denen acht ausländische und 14 inländische Kochmannschaften ihren Wettbewerb austragen und über 500 Aussteller vertreten sind. SPATLESE SPATLESE Erschreckt hielt das Mädchen die Hand vor das Gesicht, zog den obachten und zu zeichnen. In einem Graben sitzend, ungesehen von den Leuten auf dem Felde, begann unser Zeichner sein Bild. Mit erstaunlicher Schnelle und Geschicklichkeit wird in schritt- < Resigniert zog ich meinen Bleistift und schrieb unter das obige Bild als Resume meiner Erfahrungen mit Frauen im Orient die obige Unterschrift. »Die Frauen sind zwar schon, sehr schon sogar--aber unnahbar.' Schleier über den Kopf und lief Als kleines Beispiel dafür die - davon.--- 5« Orient- SPATLESE -Bericht unseres Sonderberichterstatterst Frauen? Hast du nicht irgendein weisem Vorwärtsgehen zwischen nettes Erlebnis gehabt mit einer ben'langen Reihen der Pflanzen entzückenden Türkin ober Grie-' BlattfürBlattgebrochenunbüber- einanbergelegt. Immer näher kam unserem Stanbort ein Mäbchen. Als sie ganz nahe herangekommen war, ftanb ich auf und winkte ihr lachend zu. chin?" Dann werde ich der Wahrheit gemäß (Sie brauchen nicht zweifelnd ein Auge zuzukneifen!) antworten: obige Szene. Mit dem ersten Sonnenstrahl waren wir hinausgefahren aufs Feld, um ben letzten Teil ber Ernte,— die Spätlese*) — zu be- Wenn ich später im Kreise meiner Freunbe von meinen Erlebnissen erzähle, wirb es nicht lange dauern, bis mich einer fragt: ,Unb wie war es mit ben *) Tabak wird in mehreren Etappen geerntet. Zuerst die unteren Blätter, „untere Händeu genannt, dann die „mittleren Hände“ und zuletzt — am spätesten — die aromareichen, wertvollsten „oberen Händeu: Die Spätlese. Gaulagung des Volksbundes deutsche Knegsgräber- fürsorge. Der Gau Westfalen-Ruhrgebiet und Hessen- Nassau im Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge versammelte seine Amtsträger zu einer Arbeitstagung in Wiesbaden. Der Gauführer Stadtbaurat Arendt (Essen) wies auf die Gleichgültigkeit hin, mit der man sogar in Kreisen von Front- und Kriegskameraden der Frage der Pflege und Erhaltung der im Auslande gelegenen deutschen Solüatengräber gegenüberstehe, während in der Heimat so viel geschehe, um das Andenken der toten Kameraden wachzuhalten. Die unsichtbare und unerreichbare Lage dieser Stätten im Auslande, die dem deutschen Volk heilig sein sollten, sei keine ausreichende Erklärung, vielmehr bestehe wohl allgemein die Ansicht, daß es eine Selbstverständlichkeit sei, daß diese Gräber von amtlicher Stelle betreut würden. Warum hier in den meisten Fällen nichts geschehen kann, wies der Vortragende, ausgehend von den Bestimmungen des Versailler Vertrages, nach. Die rückhaltlose Anerkennung, die der Führer wie auch der Oberbefehlshaber der Wehrmacht der Arbeit des Volksbundes ausgesprochen haben, bewiesen dagegen, daß die nationalsozialistische Regierung die Uebernahme dieser Ehrenpflicht des deutschen Volkes durch eine Privatorganisation billige und wünsche. Wie das soziale Winterhilfswerk des deutschen Volkes, so diene auch die Fürsorge für die toten Kameraden der Erziehung zur Volksgemeinschaft. Ein Alter Kämpfer an den Folgen einer kommunistischen Untat verschieden. Magdeburg, 11. Okt. (DRV.) Arn Samstag, 9. Oktober, verschied in Magdeburg der SA.-Ober- sturmführer Martin Rosenburg an einer Verletzung, die ihm imJahre 19 3 0 ein kommunistischer Untermensch beigebracht hatte. Damals wurde Rosenburg auf dem Nachhauseweg vom SA.-Dienst in der Magdeburger Altstadt überfallen und niedergeschlagen. Er erhielt einige schwere Tritte gegen den Leib, die ein schweres Magenleiden zur Folge hatten, von dem er sich nicht mehr erholen konnte. Die Tagung der Luther-Akademie in Sondershausen. Der Züricher Literarhistoriker Professor Dr. E r - matinger sprach auf der Tagung des Apologetischen Seminars der Luther-Akademie über „Goethes Religionsbekenntnis im .Wilhelm Meister'." Dann hielt der Physiker Geheimrat Professor Max Planck über das Thema „Religion und Naturwissenschaft" einen Vortrag. Gestohlenes Cranach-Gemälde auf dem Bahnhof wiedergefunden. In Leipzig wurde im Stadtgeschichtlichen Museum des alten Rathauses ein sehr kostbares Gemälde von Lucas Cranach, das Moses in Halbfigur mit den zehn Gesetzestafeln zeigt, gestohlen. Das Kunstwerk, 33 Zentimeter hoch und 21 Zentimeter breit, auf Birkenholz gemalt, ist wahrscheinlich ein Ausschnitt aus einem größeren Gemälde. Am nächsten Tage wurde das gestohlene Gemälde, verpackt, aber ohne Aufschrift, in einem Korb für abzugebende Päckchen im Schalterraum des Postamtes auf dem Hauptbahnhof wiedergefunden. Der Täter ist noch nicht bekannt. Mcdersehensfeier der Feldeisenbahner. Im Rahmen des Reichstreffens des „Reichs- verbandes der Kriegsteilnehmer 1914 b is 1918 der Deutschen Reichsbahn" fanden sich 1200 Feldeisenbahner aus dem ganzen Reich mit ihren Angehörigen zu einer großen Wiedersehensfeier in Berlin - Pankow zusammen. Darbietungen des Musikzuges des Reichsbahnschutzes Berlin leiteten über zu der Ansprache des Verbandsführers Hermsdorf (Dresden). Der Präsident der Reichsbahndirektion Dresden Dr. Schmidt, der namens des Schirmherrn des Reichsoerbandes, des Staatssekretärs Klein- mann, sprach, rief die Erinnerung an die schwere Zeit der Kameradschaft deutscher Eisenbahner im Felde wach und stellte sie als Vorbild für die Arbeit in der Nation und auch in den eigenen Reihen hin. Dem Führer wurde ein Grußtelegramm gesandt. Das Augusleum-Orchester konzertiert vor „KdF." Bernardino Molinari und das Augusteum- Orchester aus Rom gaben in der Berliner Philharmonie ein zweites Konzert mit neuer Dor- tragsfolge aus leichteren Werken deutscher und italienischer Meister. Die Hörerschaft bestand aus Mitgliedern der NSG. „KdF.", die den italienischen Künsllern mit immer erneuten Beifallsstürmen dankten. Lastwagen-Anhänger rast in eine Kindergruppe. Ein schwerer Verkehrsunfall ereignete sich in Köln, lieber 150 Jungen und Mädchen aus einem Kölner Vorort unternahmen zu Fuß einen Ausflug. Von einem in derselben Richtung mitfahrenden Lastzug brach plötzlich ein Verbindungsstück zwischen Triebwagen und Anhänger. Der Anhänger geriet ins Schleudern und raste seitwärts in eine Mädchengruppe. Ein lljähriges Mädchen aus Köln wurde auf der Stelle getötet, vier Mädchen im Alter von 11 bis 16 Jahren erlitten schwere, zwei weitere leichtere Verletzungen. Die Schwerverletzten wurden einem Krankenhause zugeführt. Eine Million gefüllte Maßkrüge! !lnd andere Riesenzahlen vom Münchener Oktoberfest. Von unserem -ur-Mitarbeiter. München, im Oktober. Das ewig-alte, ewig-junge Münchener Okto berfe st auf der Theresienwiese hat wieder für 16 kurze Tage seine Pforten geöffnet. Für 16 kurze Tage ist „auf der Wies'n" eine regelrechte Budenstadt entstanden, die ein schönes Stück Dolksver- rnögen repräsentiert. Die Zahlen aber, die uns hier aus dem Soll und Haben auf der Wiese in die Augen springen, sind so unvorstellbar hoch, daß sie uns fast den Atem verschlagen. Es ist selbstverständlich, daß man bei allen angeführten Zahlen nur geschätzte Werte geben kann, allerdings von Leuten geschätzt, die schon seit Jahren hinter die Kulisse des Oktoberfestes sehen können. Sechzehn Tage dauert die Wiesenherrlichkeit. Darunter zählen sechs Haupttage, nämlich drei Samstage und drei Sonntage, und zehn Wochentage. An den Haupttagen werden täglich bis zu 1 0 0 0 0 0 Besucher und mehr gezählt, an den Wochentagen sind es immerhin noch zwischen 40 000 bis 80 000 täglich. Setzt man diese Ziffern als Durchschnitte für die 16 Tage ein, so kommt man aus einen Gesamtbesuch, der eine Million beträchtlich übersteigt und bei günstiger Witterung bis nahe an 1,5 Millionen Besucher heranreichen dürfte. Der größte Teil dieser Massen kommt natürlich aus München und aus dem unmittelbaren Hinterland. Ein nicht geringer Prozentsatz wird indes mit Sonder- z ü g e n herangebracht, deren, insgesamt 123 in diesem Jahr fahren und die sogar von Dresden, Wiesbaden, Salzburg, Eger (Tschechoslowakei), Stuttgart, Bamberg, Nürnberg und Lindau am Bodensee ihren Ausgang nehmen. Was nun wird dieser gewaltigen Völkerwanderung auf der Wies'n von den 1128 Fe st beziehe r n von Ständen, Buden und Bierhallen und deren nahezu 3 0 0 0 Ange st eilten geboten? Da sind allen voran die sechs gewaltigen Bierpa l ä st e der größten Münchener Brauereien, dessen größter über 4000 Personen faßt. Es folgt eine im In- und Ausland gleich bekannte Ochsenbraterei, die täglich mehrere ganze Ochsen am Spieß brät, die Weinburg, 11 große Hühnerbratereien, die zusammen mehrere hundert Brathühner täglich ausgeben, 13 Wurst- und Spanferkelbratereien, 9 Fischbratereien, einschließlich den Heringsbratereien, 5 Kaffeebuden, 6 kleinere Ausschankstellen von Most, Heidelbeerwein, Limonade, Coca Cola ufro., 62 Verkaufsbuden und Kioske mit Lebens- und Genußmitteln sowie den unentbehrlichen Oktoberfest-Postkarten. An Lustbarkeitsbetrieben sind vorhanden: 76 Fahrgeschäfte aller Art, 47 Schaugeschäfte, 20 Geschicklichkeitsspiele, 4 Kasperletheater, 3 Photobuden und ein Glückshafen. Dazu kommt noch eine große Anzahl von Kleinhändlern und Hausierern, und zwar in 239 stadteigenen Ständen und Buden, auf 102 Plätzen an Beleuchtungsmasten, 14 mit Schlagmaschinen von der Art des beliebten „Haut den Luka s", und mehrere mit Personenwaagen. Vor den Bierpalästen sind auf den Straßen ferner nicht weniger als 120 Straßenhausierer verteilt mit den unvermeidlichen Salzstangerln, Brezen, römischen Weckerln, „Maurerloaberln", und 70 Hausierer, die die zur Wies'n-Maß gehörigen Radis und Radieserln, neue „Nüssen" (Nüsse) und Schokoladenherzen verkaufen. Dies Heer der „Brotzeit"- Feilbieter wird in den Festhallen noch vermehrt durch 280 Wirtsbudenhausierer, die dort die gleichen Genüsse feilbieten. Welch ungeheure Werte in den großen Schaustellerunternehmen, die ja alle der Fachgruppe „Ambulantes Gewerbe" angehören, investiert sind, mag allein die Tatsache beweisen, daß die auf der Oktoberwiese ausgestellten Fahrgeschäfte, Schaubuden, Verkaufsstände und fliegenden Händler ein Kapital im Werte von insgesamt 5 Millionen Mark darstellen. Noch immer wird der Bierausschank auf über 10 000 Hektoliter geschätzt, das aber sind eine Million vollgesühlte Maßkrüge! Eine „Wies'n-Maß" kostet 90 Pfennig; ein schönes Geschäft also, wird man sagen. Und doch präsentieren die Wirte eine Rechnung, die meist noch mit einem Verlustgeschäft abschließt. Denn: der Aufbau einer der großen Bierpaläste dauert rund zwei Monate, der Abbruch sechs Wochen und kostet einschließlich Platzgeld rund 80 000 Mark. Noch^viel hoher sind die Betriebskosten, so daß die Gesamtsumme der Aufwendungen für einen einzigen Bierpalast —' ohne Anschaffung der Halle, für die nochmals 60 000 bis 100 000 Mark eingesetzt werden — mit 200 000 Mark und sogar noch etwas darüber nicht zu hoch gegriffen erscheint. Don den etwa 10 000 Maß- grügen, die in einer Bierhalle gebraucht werden, gehen jedes Jahr auf der Wiesm zwischen zwei- und dreitausend durch Bruch in Verlust oder wer- den als „Erinnerungsstück" mitgenommen. Aehn- lich ist es bei den Schaubuden und Vergnügungsstätten, bei denen Platzmiete, Auf- und Abbau sowie Unterhaltung Riefensummen verschlingen, die durch Pfennigbeträge erst wieder hereingeholt werden müssen, ehe ein Reingewinn entsteht. Aber auch hier sind die Zeiten längst vorbei, wo ein Schausteller von dem Verdienst eines Oktoberfestes ein ganzes Jahr lang leben konnte. Zum Schluß seien auch die städtischen Gas- und Elektrizitätswerke nicht vergessen. Zwei unter« irdische Transformationshäuser versorgen allein die Wiese mit Licht und elektrischer Kraft zum Antrieb von über 200 Motoren in den- verschiedensten Größen. Neben den zahlreichen far- - bigen Leuchtröhren hüllen weit über 60 000 Glühlampen verschiedenster Stärke die Wiesenstadt während der Dunkelheit in ein funkelndes Lichterkleid. Der tägliche Strom bedarf der Oktoberfestwiese ist so groß, daß er ausreichen würde, um den durchschnittlichen täglichen Strombedarf einer nordbayerischen Industriestadt von 44 000 Einwohnern zu decken. Und beim Gas rechnet man mit einem Verbrauch von rund 50 000 Kubikmeter. Wetterbericht des Reichswellerdienstes, Ausgabeort Frankfurt. Deutschland liegt noch immer zwischen dem Hochdruckgebiet und der über Skandinavien südostwärts führenden Wirbeltätigkeit. Mit der herrschenden West- bis Nordströmung wird teils kalte, teils mildere Meeresluft zu uns verfrachtet, die trotz zeitweiliger Aufheiterung keine volle Beständigkeit aufkommen läßt. Die vergangene Nacht brachte vor allem in den südlicheren Teilen des Reiches starke Abkühlung, die vereinzelt bis zu leichtem Frost führte. Aussichten für Mittwoch: Morgens vielfach dunstig, sonst bewölkt bis aufheiternd, aber immer noch einzelne Regenfälle, im ganzen etwas milder, Winde meist um Nord. Aussichten für Donnerstag: Zeitweise aufheiternd, aber nicht durchaus beständig. Lufttemperaturen am 11. Oktober: mittags 12,9 Grad Celsius, abends 6 Grad; am 12. Oktober: morgens 6,9 Grad. Maximum 13 Grad, Minimum heute nacht 5,3 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 11. Oktober: abends 9,8 Grad; am 12. Oktober: morgens 8,6 Grad. — Niederschläge 0,2 mm. — Sonnenscheindauer 4,9 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr.W. Lange; für Feuilleton: Dr.Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IX. 37: 9248. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugs- preis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufs- preis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. 05045 IvN Am 6. Oktober ist mein unvergeßlicher Gatte, unser fürsorglicher Vater, Bruder, Schwager und Onkel Ludwig Daniel Philipps Pb.-Zugführer L R. infolge seines als Polizeiwachtmeister in Deutsch-Südwestafrika zugezogenen, viele Jahre mit grober Geduld ertragenen Leidens für immer von uns gegangen. Es lag im Sinne des Verstorbenen, dab die Beisetzung in aller Stille stattfand. — Für die herzliche Anteilnahme und Kranzspenden sagen wir auf diesem Wege unseren innigsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Betty Philipps und Kinder. Gieben, den 11. Oktober 1937. aller billig en Dr. Mehl verreist bis 18. Oktober Vertreter die Herren Dr. Geyer Dr. Klein Dr. Malech Dr. Nohl _______________________________6663D SiUtoe6eefitoe Schellfische i. Ausschnitt, 500 g 50 4 Met ............500 g von 50 an Arune Beringe....... 500g224 Grüne Hertnge o. Kopf und ausgenommen.. 500 g 30 4 empfiehlt 6664a A. rftod) Nachfolger Mäusburg 15 Ruf 3612 | Mietgesuche | Wolmung mögl.m.Badgeb Schr.Angeb.unt. 05052 a.d.G.A. JungeMhevaar (Angestellt.)sucht zum 1. Novemb. möb.Zim.u. Küche Sehr. Angeb. mit Preisangab.unt. 05060 a.d.Gieß. Anzeiger erbet. Junges ruhiges Ehepaar sucht 2 Zimmer u. Küche in Gießen oder nächst. Umgebg. Schr.Angeb.unt. 05053 a.d.G.A. Möbliertes Zimmer mit 2 Betten und Kochgelegenheit gesucht. Schriftliche Angebote u. 05049 an den Gießener Anzeiger erbet. Ml-WM zum 1. Novemb. oder später zu vermieten. Schr. Angebote unter 05050 a. d. Gieß. Anzeiger erbet. Zentral gelegene Wohnung 1. Stock, grobe Wohnküche und gr. Schlafzimm. per 1. 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In den Nächten kommt die Kühle herbei, und oft genug verdichten sich die Nebelschwaden am frühen Morgen zu Wolken, die schwer und bleiern den Tag verhüllen. Ungemütlich ist es an solchen Tagen, die voller Eintönigkeit sind und Gedanken wachrufen, die jenen Krähen gleichen, welche am Rande der Stadt mit düsterem Geschrei von einem Baum- wivfel zum andern flattern. Aber dann behauptet mit einem Male die Sonne wieder das Feld. Am zeitigen Morgen zerteilt sie die Nebelschleier mit feurigen Blitzen, so daß sie in rosigem Schein erglühen und schließlich ganz verschwinden. Und nun zeigt der Himmel ein lichtes Blau, das mit zunehmendem Tage an Leuchtkraft gewinnt und in den Mittagsstunden so strahlend erscheint, daß es fast südlichen Charakter gewinnt. Sie sind verführerisch schön, diese letzten Sonnentage, und es ist, als wollten sie zu guter Letzt noch einmal alles an Schönheit und Farbe verschwenden, was ihnen zu Gebote steht, ehe die dunklen Tage endgültig ihr Regiment führen und mit allem aufräumen, was an sommerliche Daseinslust erinnert. In diesen letzten Sommertagen bekommt die Stadt noch einmal ein frohes, nahezu festliches Aussehen. Der Glanz der Helligkeit liegt auf allen Straßen. Der Bummel in den Straßen reizt wieder mit einem Male, und so man die Nachmittagsstunden zu einem Spaziergange nutzen kann, tut man es gern und freudig. Weshalb es in den Anlagen so belebt ist wie sonst nur an schönen Frühlingstagen, wenn der Lenz seine ersten Grüße schickt. Mit dem Frühling hat der Herbst überhaupt mancherlei Verwandtes. Es sind gleichgeartete Jahreszeiten, allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Doch gerade darin liegt der Unterschied, und wenn der Frühling ein Schrittmacher des Optimismus ist, so hält es der eHrbst mit der Wehmut und der melancholischen Einkehr. An den letzten schönen Sonnentagen jauchzt noch einmal die Lebensfreude in voller Lust, und deshalb sind sie uns zum Abschied willkommen als gesegnete Himmelsgabe, die wir dankbar genießen. Sch. Bornotizen. Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: 20 bis 22.15 Uhr „Im Rebeloch rumorts". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Walpurgisnacht". — Lichtspielhaus: „Der Scheidungsgrund". Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Infolge anhaltender Erkrankungen im Personal findet heute Abend die Aufführung des Lustspiels „Im Reb^sch rumorts" von Vomhof statt, das bei seiner Erstaufführung am Erntedankfest einen großen Erfolg errang. Die Spielleitung führt Dr. Erich Schumacher. Die Vorstellung findet als dritte Vorstellung der Dienstag-Miete statt. Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr. HMvnWMUOml ASG. „Kraft durch Zreude", Kreis Gießen. Theatervorstellung „Große KdF.-Miete" Gruppe I, 2. Vorstellung. Samstag, den 16. Oktober, 20 Uhr: „Die Dorothee", Operette. Preise 1,20 und 1,— R2N. Karten durch die Vetriebswarte und Kreisdienskstelle, Schanzenstraße 18. 6656D Oer Maler und Graphiker Melchior Lechter 1*. In dem Dörfchen Raron im schweizerischen Kanton Wallis, wo Rainer Maria Rilke seine letzte Ruhestätte gefunden hat, ist der Maler, Graphiker und Buchkünstler Melchior L e ch t e r wenige Tage nach der Vollendung seines 72. Lebensjahres g e - st o r b e n. Gebürtiger Westfale (er kam am 2. Oktober 1865 in Münster zur Welt), hat Lechter gewiß der alten Kirchenbaukunst seiner engeren Heimat frühe, die Richtung und Haltung seiner schöpferischen Persönlichkeit mitbestimmende Eindrücke zu verdanken: hier liegen wohl die tiefsten Wurzeln einer Kunst, die bewußt zu den deutschen Gotikern zurückkehrte, von hier aus eine erneuernde Entwicklung zeitgenössischen Schaffens erhoffte und jedenfalls für seine Person und in dem ihm gemäßen Stil auch durchsetzte. Wir wissen nur vom Hörensagen von jener für Lechters Werdeaang bedeutungsvollen Ausstellung seines Werkes bei Gur- litt in Berlin im Jahre 1896, aber wir können uns auch heute noch vorstellen, wie sie auf den Beschauer gewirkt haben muß in einer Zeit, als Impressionismus und Naturalismus nach neuen Wegen, Formen und Zielen suchten. Lechters Kunst war dem sehr entgegengesetzt, eine strengem Maß unterworfene, reine, wirklich- kcitsserne Welt des Traumes und der Phantasie, ihrem innersten Wesen nach nicht dazu angetan, Sensation zu machen oder auch nur volkstümlich zu werden. Neben dem deutschen Mittelalter sind später auch andere geistige Strömungen in Lechters Kunstübung wirksam geworden: der Katholizismus seiner westfälischen Heimat, die Kunst der Nazarener und auch der Buddhismus sind nicht ohne Einfluß auf seine Entwicklung geblieben. Bei alledem war er als Persönlichkeit stark, eigenwillig und ausdrucksmächtig genug, einen ganz eigenen und ohne Manier nicht nachzuempfindenden Stil herauszubilden. Dieser Stil begegnet uns auf allen Gemälden, Glasmalereien, zeichnerischen und graphischen Arbeiten Lechters. Von seinen Hauptwerken seien genannt die Glasgemälde in der Simeonskirche in Berlin, im Pallenberg-Saal des Kunstgewerbe- Museums in Köln und im Landesmuseum seiner Heimatstadt Münster: ferner die großen Tafelbilder „Der heilige See", „Schattenland", „Orpheus", „Der Garten der Ehe", „Die Weihe am mystischen Quell" und „Panis Angelorum". Was an diesen Gemälden, besonders den Glasmalereien — von allem Stofflichen, Figürlichen und persönlichen Stilcharak- Die Einführung -es neuen Kreisleiters. Alle Volksgenossen sind zu der Feier in der Volkshalle eingeladen. Am nächsten Freitag, 15. Oktober, um 19 Uhr, wird in der Dolkshalle zu Gießen die Feier der Verabschiedung des bisherigen Kreisleiters Dr. Hildebrandt und der Einführung des neuen Kreisleiters Backhaus stattfinden. Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger wird persönlich die Verabschiedung bzw. die Diensteinführung vorneh- men. Zu der Feier werden neben den Ehrengästen von der Wehrmacht, den Behörden usw. alle Parteigenossen und Volksgenossen erwartet, die sämtlich herzlich eingeladen sind. Eine Ehrenformation her Politischen Leiter mit den Fahnen, die von den vier Gießener Ortsgruppen gestellt wird, marschiert gegen 18 Uhr in Stärke von etwa 60 Mann vom Hause der Kreisleitung in der Lonystraße zur Volkshalle. Die Kreiskapelle unter Leitung des Kapellmeisters Schleuse stellt die Marschmusik. Der Marsch geht durch die Bleichstraße, Hindenburgwall, Seltersweg, Sonnen- straße, Neuen Bäue, Gartenstraße, Ludwigsplatz, Kaiserallee zur Dolkshalle. Die Feierstunde beginnt um 19 Uhr mit dem Einmarsch der Fahnen und dem Eintreffen des Gauleiters, der zunächst vor der Volkshalle die Front der Ehrenformationen abschreiten wird. Um 19.05 Uhr wird der seitherige Kreisleiter Dr. Hildebrandt die Feier eröffnen. Um 19.15 Uhr wird Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger zu der Versammlung sprechen, dabei den seitherigen Kreisleiter Dr. Hildebrandt aus seiner bisherigen Dienststellung im Kreis Wetterau verabschieden und den neuen Kreisleiter B a ckhaus in fein Amt als Kreisleiter des Kreises Wetterau einführen. Kreisleiter Backhaus wird das Schlußwort sprechen und den Gruß an den Führer ausbringen. Mit dem Deutschlandlied, dem Horst-Wessel-Lieb, dem Ausmarsch der Fahnen und des Gauleiters und der Ehrengäste wird die Feierstunde ihren Abschluß finden. Die festlich geschmückte Volkshalle wird gut geheizt, so daß allen Besuchern der Aufenthalt bei dieser denkwürdigen Feier angenehm sein wird. Die Ansprachen werden durch Lautsprecher übertragen. Die musikalische Umrahmung der Ansprachen erfolgt durch die Kreiskapelle unter Leitung von Kapellmeister Schleuse. NSV., Ortsgruppe Gießen-Ost. Befr.: Whw.-Pfundspenden. Die Sammlung wird Mittwoch, 13., und Donnerstag, 14. d. M., von der NS.-Frauenschaft durchgeführt. Diejenigen Volksgenossen, die sich im Laufe des Sommers nicht an dem Lebensmittel-Opferring beteiligt haben, werden gebeten, sich nicht auszu- schließen, da die Pfundspende restlos dem WHW. zugeführt wird. Der Inhalt der Päckchen ist außen sichtbar anzugeben. Befr.: whW.Anfräge. Bedürftige Volksgenossen, die seither noch keinen WHW.-Antrag auf WHW.-Unterstützung gestellt haben, werden gebeten, während der Dienststunden, die täglich von 15 bis 18 Uhr festgelegt sind, auf unserer Geschäftsstelle, Kaiserallee 52, vorzusprechen. Unterlagen, die Auskunft über die wirtschaftliche Lage geben, sind vorzulegen. BOM- u.ZM.-ilntergau 116, Gießen. Diensfbesehf. Am Donnerstag, 14. Oktober, veranstaltet der Volksbund für das Deutschtum im Ausland um 20.15 Uhr in her Aula her Universität eine Kunh- gebung, bei her Bundesrehner hes VhA. Alfred Rieger! aus Graz über „Das Dritte Reich und das Auslanddeutschtum" sprechen wird. Alle M.- und IM.-Gruppen des Standortes Gießen können diesen Abend besuchen. Für hie Führerinnen ist der Besuch dieser Veranstaltung besonders empfohlen. Zur Einführung des neuen Kreisleiters am 15. Oktober treten, wie schon einmal durchgegeben, alle M.- und JM.-Gruppen, Schar- und Schaftsführerinnen und her Gruppen 17, 18, 19/116, außerdem die Gruppenführerinnen her Lanbstanb- orte um 18.30 Uhr an her Volkshalle pünktlich an. Bett.: Fahrt nach Düsseldorf. Die JM.-Führerinnen, hie an her Fahrt nach Düsseldorf teilnehmen, treten am Donnerstag, 14. Oktober, um 10 Uhr pünktlich am Bahnhof an. Mitgliedsausweise nicht vergessen! Befr.: HI.-Theaferring. Am Donnerstag, 14. Oktober, können zwischen 15 und 17 Uhr durch die Gruppenführerinnen die Mitgliedsausweise des „HJ.-Theaterrings" und hie Karten für die 1. Vorstellung am 18. Oktober auf her Dienststelle abgeholt werben. Volle Namensnennung bei Fahrerflucht! DNB. Der Reichsführer SS. und Ches her deutschen Polizei hat angeorbnet, baß die Polizeibehörden von nun an auch her Tagespresse den vollen Dor- und Zunamen, sowie die Wohnung der Kraftfahrzeugführer anzugeben haben, die sich nach einem Unfall der Fahrerflucht schuldig gemacht haben und deswegen rechtskräftig gerichtlich bestraft find. Ausgenommen bleiben lediglich Fälle, bei denen besonders gelagerte Umstände eine Ausnahme notwendig machen. Oie erste Zusammenkunst der Zugendgruppen des Kreises Welterau. Zu einer Gründungsfeier hatte die Leiterin her Jugendgruppen unseres Kreises, Fräulein S ch we n g - b e r, die Leiterinnen der Ortsfrauenschasten und die neuernannten Führerinnen der Jugendgruppen eingeladen. Es fand sich im „Burghof" eine stattliche Zahl ein, außerdem waren die Mitglieber der Gießener Jugenbgruppen zahlreich gekommen unb boten in ihrer frischen Jugenb, in ben weißen, kleidsamen Blusen ein hübsches Bild. Nach einem einleitenden Spruch und Chorgesang der Gießener Mädel sprach Fräulein S ch w e n g - her in längeren Ausführungen über den Zweck und das Ziel her Jugendgruppen, die den Nachwuchs der Frauenschaft zusammenfassen wollen. Sie betonte die Erziehungsarbeit, die hier geleistet werden muß, indem in unserer weiblichen Jugend, die bis jetzt noch abseits stand, die Verantwortung zur Mitarbeit geweckt werden soll. In gegenseitiger Kameradschaft verbunden, wird die Jugendgruppe die Helferinnen her Frauenschaft entlasten unb in die Pflichtabende burch Gesang unb Volkstanz Freube unb Frohsinn bringen. Gemeinsame Wan- berungen sollen Abwechslung unb Entspannung in bas anftrengenbe Berufsleben fo mancher Karne- rabin tragen, wobei ihnen bie Vergünstigungen in ben Jugendherbergen zugute kommen. Aber das Mitglied der Jugendgruppe übernimmt auch Pflichten. So erklärte Fräulein Schwengber die Aufgaben, bie ben Teilnehmerinnen gestellt finb. Ein Samariterkurs beim Roten Kreuz muß geleistet werben, unb bie Beteiligung an der Mütterschulung in Haushalt, Säuglingspflege unb Heimgestaltung ist notwendig. Durch die Arbeit in einem kinderreichen Haushalt, beim Bauern ober Siebter ober als Helferin bei her NSV. erwirbt sich bann bas Mitglieb her Jugenbgruppe ben Beweis ter abgesehen — auf ben ersten Blick besticht, ist die ungemeine Leuchtkraft der Farben, bie in her Tat an jene mittelalterlichen Vorbilder erinnert, von denen Lechters Entwicklung ihren Ausgang nahm. Die Themen feiner Bilder kann man romantisch nennen, unwirklich, phantastisch ober weltabgewandt: — das wird vom Auge und geistigen Standort des Bettachters abhängen; aus jeden Fall finb sie der Ausdruck eines strengen und ganz persönlichen Stils, der sich seine eigenen Gesetze und seine eigene Vorstellungswelt schuf; Kompositionen, Figuren unb Landschaften eines Mannes, dem es nicht ha rauf ankam, Schule zu machen oder in die Breite zu wirken: eine sehr in sich ruhende Kunstübung, bei unausWeichlicher und kompromißloser Befolgung einmal erkannter Gesetze über Stil und Maß der Malerei; eine esoterische Haltung, die um der Kunst willen am Werke war. Eine solche Haltung war hie innere Voraussetzung für die entscheidende Begegnung in Lechters Leben. Schon unter ben ©tubienblättern zur „Weihe am mystischen Quell" (1900) begegnet die Zeichnung mit ben verklärten und ganz entrückten Zügen Stefan Georges. In ihm fand Lechter die seinen eigenen künstterischen Tendenzen entsprechende, ins Großartige gehobene, mit gleicher Feierlichkeit, Ausschließlichkeit und Gesetzessttenge sich äußernde dichterische Form und Haltung. George seinerseits, dessen „Teppich des Lebens" „Dem erlauchten Namen" des Malers zugeeignet ist, fand in Lechter vielleicht den einzigen, der feinem dichterischen Werke auch äußerlich — in der Schrift, im Buchschmuck, in der Ausgestaltung des Einbandes — die Form zu geben vermochte, dessen es bedurfte. In dieser, auf inneren Gemeinsamkeiten beruhenden Werkverbindung mag man am ehesten etwas von der sonst vermißten Wirkung über den aller engsten Kreis hinaus in Lechters Schaffen auf spüren, — soweit von dergleichen im Zusammenhang mit Georges Dichtung überhaupt die Rede sein kann. Wer aber jemals auch nur ein einziges Buch Georges in Händen gehalten hat, dem muß dessen völlig einmalige äußere Gestalt, her Einband, die Druckschrift, die Satzanordnung, die rahmende Ornamentik unvergeßlich und zeitlebens unverwechselbar sein. Das geht, wie wir glauben möchten, so weit, daß man sich ein Gedicht Georges nicht einmal vorstellen kann, ohne zugleich bas ihm zugehörige, charakteristische Schriftbilb Lechters vor Augen zu haben, das aus der persönlichen Handschrift des Dichters, wie mir sie aus seinen frühesten Gedichtbänden kennen, entwickelt zu sein scheint. Daß diese Schrift, wie überhaupt die ganze äußere Form von Georges Büchern, keineswegs geeignet ist, den ohnehin nicht bequemen Zugang zu feinen dichterischen Bezirken zu erleichtern, entspricht vollkommen der esoterischen Haltung, ben künstlerischen Grunbanschauungen Georges und des um ihn versammelt gewesenen Kreises. Wie sehr George in Lechters Stil den seiner Kunstweise gemäßen Ausdruck erkannte, mag man aus den Worten seines Gedichtes „An Melchior Lechter" ablesen, dessen Seele „hoch überm träum- land regiert und her weit jahr um jahr neue wunder gebiert!" hth. Gloria-Palast: „Walpurgisnacht". Dies ist ein schwedischer Film der Märkischen- Panorama-Schneider in deutscher Sprache, der sich in Form einer Spielhandlung mit dem Problem der kinderlosen Ehe befaßt unb für uns aus mehreren Grünben aufschlußreich ist: zunächst um des- willen, weil wir hier die verhältnismäßig seltene Gelegenheit haben, eine auslänbische Produktion als solche auf uns wirken zu lassen unb mit unserer eigenen zu vergleichen, was immer lehrreich ist. Ferner, weil man sehen kann, wie anberroärts ein Problem zur Diskussion gestellt wirb, das bei uns gar kein Problem mehr ist unb jebenfalls auf an- bere Weise gelöst wirb. Die Tendenz — gegen Kinderlosigkeit in der Ehe, gegen bie Trägheit des Herzens, gegen Geburtenoerweigerung und Unterbrechung der Schwangerschaft — ist an sich begrüßenswert, aber es ist eine Tendenz, mit der man heute bei uns offene Türen einrennt. Interessant ist, wie die Schweden — Oscar Rydquist schrieb bas Drehbuch — bas Thema auffassen unb filmisch anlegen: als eine Mischung nämlich aus Diskussionsstück unb Aufklärungsfilm, aus Gesell- fd)aftsbrama, Liebesgeschichte unb Kriminalfall. Der hitzige Meinungsstreit in her Rebaktion eines Boule- varbblattes bildet bie Vorbereitung für eine Spiel- hanblung, in welcher bargefteüt wirb, wie eine Ehe burch bie Weigerung her oberflächlichen unb vergnügungssüchtigen Frau, Kinber zu bekommen, in eine katastrophale Zerrüttung gestürzt wirb. Der Zusammenbruch scheint so enbgültig unb bie Verstrickung her baüon Betroffenen fo hoffnungslos, baß man fast nicht mehr auf einen guten Ausgang zu hoffen wagt, wie ihn her Film bann — mit der Bereinigung der Liebenden in einer kindergesegneten Ehe — am Ende doch noch zeigt. Die Tendenz ist im ganzen Ablauf des Geschehens zweifellos wirksam, allerdings kann man sich des Eindrucks nicht recht erwehren, daß die negativen Seiten des Falles (Konzession an den Beschauer, der auch hier eine dramatisch spannende Handlung erwartet?) überbetont finb, während das, was pofttiv zu der Frage Träger des silbernen GA- Gporiabzeichens! Mit Wirkung vom 1. Oktober 1937 ist das weitere Tragen des silbernen SA.-Sportabzeichens verboten! Unter Vorlage des Besitzzeugnisses unb bes F-Schemes können auf her Dienststelle her Stan- ha rte 116, Gießen, Senckerbergsttaße 1, täglich von 10 bis 13 Uhr, Umtauschanträge auf broncene SA.-Sportabzeichen gestellt werben. Letzter Termin 15. Oktober 1937. Angehörige her SA., SS., NSKK., HI., Wehrmacht unb Polizei reichen ihre silbernen SA.-Spart- abzeichen bei ihrer vorgesetzten Dienststelle ein. Der Führer her Stanbarte 116: Gez.: Lutter, Stanbartenführer. ihrer Einsatzbereitschaft: bas Leistungsbuch bes beutfchen Frauenwerks. Eine lebhafte Aussprache brachte Klärung über manche Frage. Fräulein Schwengber schloß die Tagung mit einem Aufruf an bie Frauen, mit frischen Kräften an biese neue Arbeit zu gehen, aufklärend unb roerbenb, bamit alle erfaßt und gewonnen werden zur freudigen Mitarbeit. F. K. Sondcrzüge zum Gallusmarkt in Grünberg. Arn morgigen Mittwoch, 13. Oktober, fährt ein Sonderzug von Gießen nach Grünberg ab Gießen 9.20 Uhr, Rödgen 9.29, Großen-Buseck 9.35, Reis- kirchen 9.42, Saasen 9.48, Göbelnrod 9.53, an Grünberg 9.58 Uhr. Außerdem verkehrt am gleichen Tage noch ein Svnderzug von Burg-Gemünden nach Grünberg, ab Burg-Gemünden 10.45, an Grünberg 11.12 Uhr. Vortragsabend über Oeutsch-Güdwestafrika. Der Ortsoerein Gießen des Reichskolonialbundes veranstaltete am Samstag im „Burghof" einen Vortragsabend. Die Veranstaltung war sehr gut besucht. Der Leiter des Ortsvereins, Schneider, dem die Fortschritte des Kolonialgedankens in unserer Stadt insbesondere zu danken sind, hieß die Mitglieder und Gäste aus befreundeten Organisationen herzlich willkommen. Dann sprach Student Blümers aus Lüderitz- bucht über „Deutsch-Südwestafrika". Er schilderte das Leben der deutschen Farmer, die dort Pionierarbeit für ihr Volk leisten, führte die Größe des Landes vor Augen und sprach über das Klima, das, von Malariagefahr abgesehen, gesund sei. Der Redner verstand es ferner, die karge Schönheit der Steppe und des vorgelagerten Dünenlandes, die reiche Vegetation und die vielfälttge Fauna zu schildern. Er gab dann einen geschichtlichen Ueber- blick und umriß die Entwicklung des Landes insbesondere seit der Zeit, da im Jahre 1882 her Bremer Kaufmann Lüderitz ansässig wurde. Er erinnerte an bie heroischen Kämpfe her kleinen beut- schen Schutztruppe gegen bie englische Uebermacht während des Weltkriegs, den Uebergang bes Landes in englische Mandatsherrschaft, dann an die Treue der Schwarzen, die die Erinnerungen an die Deutschen herzlich bewahren. Schließlich gab der Vortragende noch einen Ueberblick über die wirtschaftliche Bedeutung Deutsch-Südwestafrikas, erinnerte an den Diamantenabbau, die Persianerzucht, beigebracht werden konnte, im Vergleich dazu ein wenig nebenbei behandelt wurde. Im übrigen ist natürlich auch ein Aufklärungsfilm kein Zeitungsartikel ober eine bevölkerungspolitische Broschüre: man kann also billigerweise nicht verlangen, baß anbere, mit biesem Fragenkreis eng zusammen- hängenbe Probleme anbers einbezogen wurden als eben mit einem Hinweis darauf im einleitenden Gespräch. Bemerkenswert für ben beutfchen Betrachter ist enblich auch her Spielftil her schwedischen Darsteller; wir wissen nicht, wann dieser Film gedreht wurde, aber er wirkt darstellerisch auf uns, als ob der Tonfilm dort drüben eine noch jüngere Erfindung wäre als bei uns. Die Darsteller agieren unb sprechen mit einem Pathos, das uns altmodisch vorkommt und jedenfalls die Schlagkraft ihrer Argumente nicht verstärkt. Es mag fein, daß die Schauspieler den Sprechstil des Theaters auf den Film übertragen; wir würden dergleichen viel fachlicher und viel weniger theatralisch vorbringen. Allerdings muß man gerechterweise die unvermeidliche Umwandlung durch die Synchronisierung berücksichtigen, bie den ursprünglichen Eindruck nur vermuten läßt. Die Spielleitung hatte Gustav E d g r e n. Von den Darstellern interessieren in erster Linie die geschickt kontrastierten weiblichen Gegentypen: Ingrid Bergmann, das jugendlich frische, saubere unb charaktervolle Mädchen, unb (Tarin Carlson, bas oberflächliche, reizbare unb unsympathische Luxusgeschöpf. Lars Hansen unb Viktor Sjöftröm finb bie männlichen Gegenspieler. — * Dom Beiprogramm ist außer zwei Kulturfilmen vor allem her ausführliche Bilbbericht her Ufa vom Besuch Mussolinis in Essen, bei ben Manövern in Mecklenburg unb endlich in der Reichshauptstadt hervorzuheben. Die vollständige Wiedergabe der Reden der beiden Staatsmänner während der Völkerkundgebung in Berlin bildet ben Höhepunkt der äußerst eindrucksvollen Reportage. Hans Thyriot. Hochschulnacbncbken. Dr. Heinz Otto Burger, Dozent für deutsche Philosophie an der Universität Tübingen, rouibe mit her Vertretung her Professur für beutsche Sprache unb Literatur an her Technischen Hochschule Danzig beauftragt. Dem Bezirksgeologen Professor Dr. Walter Schriet ist unter Ernennung zum Drbinarius her Lehrstuhl für Geologie an her Universität Göttin« gen übertragen worben« 2S Jahre Lichtspielhaus in Gießen. den Gefrierfleischexport und die umfangreiche Butter, wirtschaft. Mit großer Freude hörten die Zuhörer von den nach wie vor bestehenden deutschen kultu. retten Einrichtungen, der deutschen Vollschule in Windhuk usw. Der Redner schloß seine Ausführungen mit dem Wunsche, daß England und die Welt einsehen möchten, daß die Forderung nach Kolonien für Deutschland gerecht, vernünftig und weitschauend für Europa und nicht zuletzt für die Welt ist. Lichtbilder ergänzten den Vortrag in schöner Weise. Ortsvereinsoorsitzender Schneider beschloß den Abend mit Hinweisen auf eine größere koloniale Veranstaltung in der nächsten Zeit. WHW.-Abzeichen aus der Odenwälder Elfenbeinschnitzerei. Lpd. Auch in diesem Jahre ist die Odenwälder Elfenbeinschnitzerei wieder sehr maßgeblich an der Herstellung der schönen Winterhilfsabzeichen betei- ligt. Die Odenwälder Elfenbeinschnitzerei, die ein Saisongeschäft ist, konnte auf diese Weise auch für die Wintermonate, die sonst beschäftigungslos sind, alle Arbeitskräfte in Arbeit halten, ja es müssen sogar, um die Aufträge erfüllen zu können, noch zusätzliche Arbeitskräfte eingestellt werden. In allen Werkstätten in Erbach und Ober-Ramstadt sitzen die Dein Opfer für Ooe flilferoech „Mutter und fiinö* wird lebendig In bet Zukunft des deutschen Volkes. fleißigen Schnitzer und bearbeiten die kleinen zierlichen Rosen, Veilchen, Schneeglöckchen, Stiefmütterchen, Apfelblüte, Vergißmeinnicht und Kleeblatt. Jedes einzelne Abzeichen muß oft in die Hand genommen werden, bis es endlich fertig ist. Insgesamt werden 15 Millionen dieser Abzeichen herge- ftellt. Davon entfallen allein 12 Millionen auf die Odenwälder Elfenbeinschnitzerei. Wenn wir also im Laufe des Winters die schönen geschnitzten Veilchen oder Rosen an den Rockkragen stecken, dann haben wir doppelt geholfen, einmal den notleidenden Volksgenossen, und weiter der Odenwälder Elfenbeinschnitzerei. Gietzener lvochenmarktprette * Gießen, 12. Okt. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 12%, Klasse A 11%, Klasse B 11, Wirsing, % kg 9 bis 12 Pf., 50 kg 7 bis 8 Mark, Weißkraut, % kg 6 Pf., 50 kg 4 bis 5 Mark, Rotkraut, % kg 9 bis 12 Pf., 50 kg 7 bis 9 Mark, gelbe Rüben, % kg 8 bis 9 Pf., Karotten 8 bis 12, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 15 bis 25, Unterkohlrabi 6 bis 8, Erbsen 25 bis 35, Grünkohl 15, Rosenkohl 15 bis 25, Feldsalat, Vio 10, Tomaten, % kg 12 bis 17, Zwiebeln 6 bis7, Meerrettich 30 bis 80, Schwarzwurzeln 25 bis 40, Kürbis 5 bis 6, Pilze 40 bis 45, Kartoffeln, % kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 1. Sorte 3,45 Mark, 2. Sorte 3,25 Mark, 3. Sorte 3 Mark, Aepfel, % kg 10 bis 18 Pf., Ausleseobst 18 bis 25 Pf., 50 kg 10 bis 25 Mark, Falläpfel, % kg 5 bis 6 Pf., Birnen 5 bis 25, Preiselbeeren 35, Zwetschen 15 bis 16, Nüsse 30 bis 40 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mark Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Gänse 90 Pf. bis 1 Mark, Blumenkohl, das Stück 10 bis 40 Pf., Salat 9 bis 12, Endivien 9 bis 12, Oberkohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 10, Radieschen, bas Bündel 8 bis 10 Pf. * ** Di e städtischen Tennisplätze werden am nächsten Freitag geschlossen. ** Schülerkonzert bei Frau Cläre Schlesier-Altmann. Durch ein Versehen wurde leider bei der Besprechung in Nr. 233 des „Gieß. Anz." die lobenswerte Stiftung von Inge (Biester nicht erwähnt, die den 1. Satz von Beet-1 Ein Dierteljahrhundert ist im Leben eines Menschen schon ein bedeutsamer Abschnitt, in der Entwicklung eines wirtschaftlichen Unternehmens aber noch in erheblicherem Maße. Dies trifft auch auf das Lichtspielhaus Bahnhof st raße in Gießen zu. Dieses Unternehmen kann in diesen Tagen auf fein 25jähriges Bestehen zurückblicken. Wer von den älteren Gießener Einwohnern sich jenes Anfangs des Lichtspielhauses erinnert und ihm den heutigen Stand gegenüberstellt, der wird die Feststellung machen müssen, daß sich in diesem Dierteljahrhundert Lichtspielhaus ein an Ereignissen und persönlichen Leistungen reicher Abschnitt der Gießener Lokalgeschichte offenbart. Die älteren Gießener werden sich noch der kleinen Filmtheater erinnern, die vor 25 Jahren das Interesse am Film zu befriedigen suchten. Wir denken hier an die kleinen und engen Räume der Kinos in der Blockstraße, im Seltersweg und in den ungemütlichen, kalten Räumen des einstigen „Einhorn". Gewiß freute man sich unter den damaligen Verhältnissen über diese Dorführungsstätten des Films, aber ein der Bedeutung der Universitäts- und Garnisonstadt Gießen entsprechendes Heim hatte der Film in jenen Jahren nicht. Die Wendung zum Besseren bahnte sich im Oktober 1912 an, als in der Bahnhofstraße ein Neubau für das Lichtspielhaus geschaffen wurde, der damals in seiner Art einzig in Hessen-Nassau dastand und mit seinen 400 Sitzplätzen einen außerordentlichen Schritt auf Kino-Neuland bedeutete. Der kühne Wurf war von Erfolg gekrönt. Das neu- geschaffene Lichtspielhaus Bahnhofstraße mit seiner modernen Platzanordnung, u. a. auch Logen und Balkone, bildete die Kino-Sensation nicht nur in Gießen, sondern auch für andere Städte in Hessen und Hessen-Nassau. Der Pionier auf diesem Wege war Herr 21. Henrich, der im Jahre 1911 schon in Frankfurt ein Kinotheater gegründet hatte und dabei feine vielfachen Erfahrungen in der Welt — er war von seinem 17. bis zum 30. Lebensjahre in San Franzisko und in Kapstadt tätig gewesen, hatte auch den Burenkrieg mitgemacht — für fein neues Unternehmen verwerten konnte. Das neue Lichtspielhaus Bahnhofstraße entwickelte sich in verheißungsvoller Weife. Es brachte an jedem Tage in drei Vorführungen bereits die nach dem damaligen Stande der Filmproduktion guten und bestes Filme, bot gute Unterhaltungsmusik und unterhielt feine Besucher auch durch gelegentliche artistische Vorführungen auf der für diesen Zweck eingerichteten Dorführungsbühne. Durch diese Leistungen war das junge Unternehmen bald zu einer beliebten Unterhaltungsstätte der Gießener und vieler Besucher aus der Umgebung geworden. Der Krieg ging natürlich auch an dem Lichtspielhaus nicht spurlos vorüber. Zwar fanden die Filmdarbietungen und die übrigen Unterhaltungsveranstaltungen bei den in jenen Jahren hier weilenden Soldaten und bei der Bevölkerung starkes Interesse, auch für die Kriegsgefangenen wurden gelegentlich Filmvorführungen mit Heimat- und Landschaftsfilmen geboten, dennoch drückte aber das Leid des Krieges auch diesem Unternehmen seinen Stempel auf. Die ersten Nachkriegsjahre brachten in dieser Hinsicht ebenfalls wenig Erfreuliches, zumal die Filmproduktion jener Jahre vielerlei Hoffnungen und Hovens Sonate G-dur, op. 49,2 zum Vortrag brachte. Es fei noch nachträglich ausdrücklich anerkannt, daß sie in gediegenem und flüssigem Spiel gutes musikalisches Verständnis offenbarte und viel ernstes Streben und Sorgfalt erkennen ließ. ** 91. Stiftungsfest d e s Großfchen Männerchors. Am Samstag vereinigte der Großsche Männerchor (gegründet 1846) seine Mitglieder und Freunde zum 91. Stiftungfest in der Restauration „Karlsruhe". Nach einigen Musikstücken und Lieddarbietungen des Chores des fest- gebenden Vereins hielt Sangesbruder A. Neu- r ath die Begrüßungs- und Festansprache. Sangesberechtigte Ansprüche nicht erfüllte. Durch diese Hemmungen ließen sich Herr Henrich als Besitzer und — im weiteren Verlaufe der Jahre — auch seine Geschäftsführer Ludwig und Karl Hof, seit etwa zehn Jahren sein jetziger Direktor Geyer, nicht beirren in dem anerkennenswerten Bestreben, das Lichtspielhaus Bahnhofstraße zu einer guten Filmbühne zu machen, deren Darbietungen nicht nur die zeitgemäß besten Leistungen, sondern auch in technischer Hinsicht vollendete Vorführungen bringen sollte. Mit der durchgreifenden Wandlung in der Film- produktion und dem Uebergang zum Großfilm, insbesondere auch zu dem vor etwa zehn Jahren noch verhältnismäßig seltenen, dann aber immer mehr in den Vordergrund tretenden Film von hohen künstlerischen Qualitäten begann für das Lichtspielhaus Bahnhofstraße eine neue Zeit des Aufschwungs. Herr Henrich und seine Mitarbeiter in der Geschäftsleitung paßten sich allen neuzeitlichen technischen Errungenschaften auf dem Filmvorführungsgebiet an, machten sich die Modernisierungen für den Ausbau des Lichtspielhauses zunutze, waren auf eine den Zeitverhältnissen entsprechende gute künstlerische Besetzung der Vorführungsfolgen bedacht und hatten dadurch den Erfolg zu verzeichnen, daß bas Lichtspielhaus in seiner damaligen Gestaltung dem ständig steigenden Besuch nicht mehr genügte und im Jahre 1927 erheblich erweitert werden mußte. Weitere rund 500 Plätze wurden geschaffen, der Kinosaal modern gestaltet und bald auch der Tonfilm eingeführt. So kam es denn, daß schon nach kurzer Zeit das Lichtspielhaus Bahnhofstraße dank feiner vortrefflichen Leistungen zum alleinigen Lichtspieltheater in Gießen wurde und seine Leitung sich noch stärker als vorher verpflichtet fühlte, stets für eine gute Kinounterhaltung Sorge zu tragen. Es fand denn auch weithin in der Umgegend, ja sogar in den benachbarten Städten, viele Interessenten und treue Freunde, die sich den Besuch dieses modernen Lichtspieltheaters angelegen sein ließen. Die Herren Henrich und Geyer kannten in ihrem Streben nach weiterem Ausbau dieses Unternehmens der Filmbranche keine Rast, sie machten das Lichtspielhaus Bahnhofstraße immer mehr Zum Mittelpunkt der guten Filmvorführungen im Gießener Bezirk, und ihre unermüdliche Tätigkeit konnte denn auch den schönen Erfolg verbuchen, daß das Lichtspielhaus Bahnhofstraße durch die Neuschaffung des Gloria-Palastes im Seltersweg als zweite Gießener Filmstätte im Besitze des Herrn Henrich ergänzt werden mußte. So kann denn nun das Lichtspielhaus Bahnhofstraße mit feinem Besitzer Henrich und feinem geschäftsführenden Direktor Geyer an der Spitze auf ein erfolgreiches und für die Gießener Lokalgefchichte bedeutsames Vierteljahrhundert des Wirkens auf dem Gebiete des Films zurückblicken. Anläßlich dieses Jubiläums wird vom 18. bis 24. Oktober eine Festwoche im Lichtspielhaus eröffnet, die mit einem Festabend am 18. Oktober ihren Anfang nehmen wird. Oberbürgermeister Ritter als Vertreter der Stadt Gießen und ein Vertreter des Reichs- verbandes der Filmtheaterbesitzer werden aus diesem Anlaß zu den Besuchern sprechen. Dann wird em erlesenes Programm die Stunden des Abends und auch die folgenden Tage festlich gestalten. bruder Kleinhaus nahm sodann die Ehrung derjenigen Mitglieder vor, die 25 Jahre lang dem Verein aktiv bzw. passiv die Treue hielten. Den Sangern Franz Adam, Adam Neurath, Heinrich W i l h e lm i, Karl Poppen heier, August R ö h m i g und dem passiven Mitglied Karl Dor - seld wurden Diplome überreicht. Im weiteren Verlaufe der Feier wurden vom Chor unter großem Beifall noch einige Lieder zum Vortrag gebracht. Für humoristische Unterhaltung sorgte Sangesdru- der Hederich aus Niedergirmes. In kameradschaftlicher Weise blieb man dann noch geraume Zeit beisammen. Große Strafkammer Gießen. Gestern hatte sich der O. M. aus Rupvertsburg wegen Verleitung zum Meineid und falscher Anschuldigung vor der Großen Strafkammer zu verantworten. Der Anklage lag folgender Sachverhalt zugrunde: Gegen den Ängstigten war im Jahre 1936 ein Verfahren wegen Sittlichkeitsverbrechens anhängig. Die Anklage wurde damals in dieser Form fallen gelassen und nur noch auf den Tatbestand der Verführung beschränkt. Da dieses Delikt nur auf Antrag verfolgt werden kann, drehte es sich nunmehr um die Frage, ob die Antragsfrist von drei Monaten gewahrt war, oder nicht. Die Einlassung des Angeklagten ging damals dahin, daß die Mutter des Mädchens von dem Verhältnis schon im Jahre 1934 erfahren habe, so daß die Antraas- frist verstrichen sei. Demgegenüber beschwor die Mutter, daß'sie erst kurz vor dem Termin von diesen Dingen Kenntnis erhalten habe. Diese Aussaga hatte die Verurteilung des Angeklagten zur Folge. Darauf erstattete dieser gegen die Mutter Strafanzeige wegen Meineids und suchte gleichzeittg eine andere Zeugin in einem Briefe zu veranlassen, eine für ihn günstige Aussage zu machen, die er jedoch als dem wahren Sachverhalt entsprechend ansah. Diese Handlungen bildeten den Gegenstand des gestrigen Verfahrens. Die Beweisaufnahme gestaltete sich recht schwierig, da eine Reche von Zeugen ein recht merkwürdiges Benehmen an den Tag legte. Sa behauptete ein Zeuge, infolge einer Nervenkrankheit nichts mehr zu wissen, während ein anderer fein Gedächtnis verlor haben will. Trotzdem hielt der Vertreter der Anklagebehörde den Angeklagten für überführt und beantragte eine Zuchthausstrafe von 1 Jahr und 2 Monaten. Demgegenüber vertrat das Gericht die Auffassung, daß die Hauptv-erhandlung trotz gewisser Verdachtsmomente den völligen Nachweis der Schuld nicht habe erbringen können und sprach den Angeklagten frei. Aus der engeren Heimat. Oer neue Kreiskeiter für den Kreis Alsfeld-Lauterbach. NSG. In der Turnhalle zu Lauterbach hat- ten sich am Sonntag die Politischen Leiter, sowie Abordnungen aller Gliederungen, Ehrengäste der Wehrmacht, des Arbeitsdienstes und der Behörden der Kreise Alsfeld und Lauterbach eingefunden, um der Vereinigung der beiden Kreise zu dem Groß- kreis Alsfeld-Lauterbach durch den Stellvertretenden (Bauleiter Linder beizuwohnen. Der Stellvertretende (Bauleiter ging in feiner Ansprache auf die Notwendigkeit der Zusammenlegung der Kreise ein und dankte dem Kreisleiter Kirchner, Alsfeld, für feine aufopfernde Tätigkeit. Anschließend verabschiedete sich Parteigenosse Kirchner als Kreisleiter. Kreisleiter Z ü r tz übernahm mit den Worten „Ich bin als Soldat gewohnt, jeden Befehl auszuführen, so auch den des (Bauleiters, den Großkreis als Kreisleiter zu übernehmen". Er versprach, daß er, sowie alle Gliederungen ihre Pflicht tun würden im Sinne Adolf Hitlers, um mitzuhelfen am Ausbau des Vaterlandes. Auftakt zum Grünberger Gal usmarkt. + Grünberg, 10. Okt. Auch dieses Jahr fand als Einleitung zum Gallusmarkt ein gut besuchter Heimatabend in der Turnhalle statt. Begrüßungsworte des ersten Beigeordneten Alba ch und Geleitworte des Ortswartes für ,^Kraft durch Freude", Spenglermeister Schröder, leiteten den Abend ein, der unter dem Leitgedanken „Unser Stadtwald" stand. Er brachte zwei Licht- bildervorttäge, wovon der erste von Forstmeister S u ß n e r einen Einblick in die Geschichte und wirtschaftliche Bedeutung unseres Waldes vermittelte, während der zweite von Reallehrer Müller- A h l h e i m an der Hand von Aufnahmen die schönsten Partien im Stadtwalde vor Augen führte. In Form einer Rundfunkreportage braute bann Lehramts-Assessor Dr. Trapp mit Förster Ritter und der Holzhauerrotte Frank ein getreues Bild MWWMGU! Roman von Bernhard Lonzer. Urheberrechtsschutz: Arthur Moewig, Romanvertrieb, Berlin SW 68. 39 Fort'etzung (Nachdruck verboten.) „Ich komme wieder", sagte Stefan. „Wenn ich eine Maske tragen würde, könnte ich gewichtig sagen: bas Schicksal läßt heute bie Würfel rollen, 3um Spiel um bich unb mich. Aber für einen Menschen ohne Maske klingt bas zu geschraubt. Darum sage ich nur: überlege bir inzwischen, ob es wirklich richtig ist, biete Stunde ungenützt vor- übergehen zu lassen. Bedenke, daß sie nicht wieder- kommt, wenn sie einmal vorbei ist." Eine knappe Verbeugung, bann war er Der« schwunben. Annelore spürte eine jähe Schwäche in den Knien. Eine ungenützte Stunde ...! Eine Stunde des Spiels, morgen wieder vergessen ober boch verwelkt wie ein Strauß blasser Rosen ... Ach, Stefan ...! Suse und Vollrath kamen zurück. Nichts verriet, daß sie von Stefans Anwesenheit in ber Nische wußten. Auch Annelore erwähnte nichts bavon, Scham und schmerzliche Enttäuschung verschlossen ihr den Mund. Suse plauderte lebhaft, aber Annelore gab nur halbe Antworten unb erbat sich ein Glas Sekt. Vollrath tanzte den nächsten Tanz mit wr, unb sie hatte Mühe, ein unbekanntes Schwindelgefühl zu überwinden. Und dann kam ber gefürchtete Augenblick. (Befürchtet und boch herbeigesehnt, weil er volle Klarheit unb Entscheibung bringen mußte. Entscheibung? Sie war schon gefallen — der Stefan v. Achenbach, ber nur eine flüchtige Stunde suchte, war in weite Fernen entrückt ... Suse unb Vollrath waren wieder zum Tanz auf- gestanden. Wenige Augenblicke daraus trat Stefan rmefcer in die Nische. Langsam erhob sich Annelore. Schweigend standen sie einen Augenblick gegenüber. Zwei Herzen schlugen — drängend das eine, schmerzhaft brennend das andere. „Hat sich die Rokododame besonnen?" begann Stefan. „Es gibt kein Besinnen. Ich denke nicht daran, die Stunde zu nützen, die Ihnen gefällt." Stefan trat einen Schritt näher. Ein fremdes Licht war in feinen Augen. Fremd klang auch seine Stimme. „Nimm die Maske ab unb sage mir bas noch1 einmal, Auge in Auge, Mensch zu Mensch, — wenn I du es kannü " | Vor Annelores Augen wogte alles. Das — nein, das würde sie nicht können...! Trotz allem nicht! Das ging über ihre Kraft! Ihre Stimme klang wie splitterndes Glas: „Es wäre überflüssig. Was ich Ihnen sagte, muß Ihnen auch so genügen." . „Es genügt mir nicht. Ich will wissen, ob mir diese Stunde gehört. Sie könnte ein Anfang fein..." Unwirklich war das zauberhafte Licht in der Grotte. Wie aus weiter Feme klang bas selig- füße Schluchzen der (Beigen herein. Und hier, einen knappen Schritt von der schönen Maske entfernt, stand Stefan von Achenbach. Aber das war nicht der Stefan, dessen Bild man im Herzen getragen batte. Das war nicht einmal mehr ber Kamerab. Es war ein frember, gleichgültiger Mann, ben es Zum Spiel mit einer Maske lockte, die ihm aus irgendeinem Grunbe gefiel. „Ich will keinen Anfang", entgegnete Annelore mit halb erstickter Stimme. „Diese Stunbe gehört Ihnen nicht, wie Ihnen auch bie Rokokodame nicht gehören wird." Noch einen halben Schritt weiter trat Stefan Zu ihr heran. Seine Augen suchten forschend unb brängenb in ben ihren. „Äch bitte nochmals: nimm die Maske ab und sage mir das ins Gesicht. Dann erst will ich glauben, daß ich umsonst gehofft habe." Wieder war Annelore versucht, die Maske herabzureißen und ihn sehen zu lassen, wer sich dahinter verbarg. Aber sie war nicht fähig, ein Glied zu rühren. „Die Zeit vergeht", drängte Stefan. „Noch sind wir allein. Niemand sieht uns, nicht einmal ein Stern." „Nein, nicht einmal ein Stern. Nehmen Sie das als Symbol. Uns beiden leuchtet fein Stern, Herr von Achenbach." $„Sie^fennen mich also — und trotzdem sagen „Ich kenne den Frauenhasser Stefan von Achenbach. Und ich sehe ihn beute zu meinem Erstaunen in einem neuen Licht." „Weil Sie nicht wissen, was in ihm vorgeht." „Es ist besser, es nicht zu wissen. Aber vielleicht weiß ich es nur zu gut ..." „Unb trotzbem —?" „Nicht trotzbem, fonbern gerabe deshalb ...!" Stefans Blick schien zurückzusinken. Er wurde plötzlich blaß. Hart und schmal lagen seine Lippen ( einen Augenblick aufeinander. Dann trat er stumm Zurück. Ohne Annelore noch einen Blick zu schenken, verließ er die Nische. 2Us Suse und Vollrath vom Tanz zurücktamen, sanden sie Annelore ohne Maske vor. Ihre Augen glühten feberhaft. Zwei kreisrunde Flecke hoben sich von ihrem Gesicht ab. .. „Äa — was ist denn das...?" forschte Suse überrascht. „Schon vorzeitig demaskiert?" Annelore lächelte hilflos. „Die Maske hat ihren Zweck erfüllt. Ich brauche sie nicht mehr. Es ist nun alles klar. Es ist mir nun auch klar geworden, daß die Menschen ohne Maske im Grunde boch auch eine Maske tragen Eine unsichtbare zwar, aber einmal sieht man boch dahinter. Unb bas ist geschehen. Ich habe Gelegenheit gehabt, hinter eine solche unsichtbare Maske zu sehen. Es wäre nicht möglich gewesen, wenn ich nicht selber eine Maske getragen hätte. Unb darum werbe ich mir biefe entzückenbe schwarze Setbenmasfe für alle Zeiten aufheben. Als Erinnerung. Ober besser: als Mahnung unb Warnung. 2ßenn ich es auch nicht mehr nötig haben werbe, mich mahnen und warnen zu lassen." Mit unsicheren Händen löste auch Suse bie Maske von ihrem Gesicht. „Ader, Annelore, was ist benn nur mit dir? Was hat es benn gegeben? Stefan war doch wieder hier —?" „Dein Vetter war wieder hier, ja ..." „Nun, und?" Annelore sah mit wirrem Mick an ihr vorüber. „Unb? Ich sagte ja schon ... bie Maskerade ist vorbei. Das ist alles. Aber es ist fein Grund, euch das Vergnügen zu verderben. Seid luftig. Die Stunde kommt nicht wieder, wie ich horte. Es wird so sein." Mit einer eigenartig ‘ flatternden Bewegung wandte sie sich zu Vollrath um. „Geben Sie mir ein Glas Sekt, schwarzer Domino! Aber nehmen Sie die Maske ab, unb sagen Sie mir ins Gesicht, baß bie Stunde schön genug ist, um ein Herz zerspringen zu lassen." Suse war ganz verstört. Aber sie brana nicht roeiter in Annelore. Sie wußte, baß ihre Stunde noch kommen würde. 14. Witterung war plötzlich Umschlägen. Re- gengupe stürzten auf bie spärlichen Schneereste herab und verwandelten sie in schmutziges (Brau. Dom Sturm zerfetzte Nebelschleier hingen über dem Walde und ließen das alte Schloß noch düsterer erscheinen. Am zweiten Tage zerteilten sich die Wolken, für kurze Zeit wagte sich die Sonne hervor. Gegen Abend jagten wieder kalte Regenschauer um das Schloß. Es roch nach Moder unb feuchtem Rauch. Trüb b’ nften bie Lichter durch die sturmgepeitschte Feuchte. Auch bie Stimmung tuf Schloß Achenbach war fühlbar umgeschlagen. Stefan war hart unb verschlossen wie in ben letzten Jahren. Er hatte das Fest sofort verlassen, ohne auch Suse noch einmal zu sprechen. Lange noch war er in jener Nacht auf- gewesen unb hatte sich Rechenschaft über fein Tun unb feine aussichtslosen Hoffnungen abgelegt unb die Rechnung abgeschlossen. Es war nicht die erste Rechnung, bie er auf diese Weise abzuschließen hatte, aber sie war schwerer als die erste. Zu denken gab es dabei nicht viel, die Sache war ja klar genug. Annelore hatte ihn mit vollem Bewußtsein und mit voller Absicht in nicht mißzuver- stehender Weise abgewiesen. Der Grund dafür konnte nur der fein, daß ihr Herz nicht mehr frei war ober baß sie nichts für ihn empfand. Beides kam auf dasselbe heraus. Die Tatsache an sich war ihr nicht übel zu nehmen. Sie war so wenig für ihre Empfindungen verantwortlich zu machen, wie man für fein eigenes Herz verantwortlich war. Aber daß sie nicht bie schützende Maske abgenom- men unb ihm Auge in Auge gesagt hatte: Es tut mir leib, aber ich empfinbe nichts für Sie! War man eine Aussprache von Mensch zu Mensch nicht wert? Ober hatte sie bas bem „Chef" nicht sagen wollen, weil sie für ihre Stellung fürchtete? Er hatte sich oorgenommen, ihr am nächsten Morgen zu sagen: ich habe gewußt, daß Sie die Ro- kokodame waren. Und ich verlange als Mensch, der Anspruch darauf hat, jetzt in aller Form von Ihnen zu hären, daß Sie meine Werbung nicht annehmen können. Aber er hatte es doch unterlassen. Es war zwecklos, das Thema noch einmal anzuschneiden. Und es wäre auch gegen fein Ehrgefühl gegangen. Auch Annelore war erst beim Morgengrauen in einen kurzen, unruhigen Schlaf gesunken, von quälenden Traumbildern immer wieder aufgeschreckt. Mit Bangen hatte sie der ersten Begegnung ent- gegengesehen. Beruhigend war nur der Gedanke, daß Stefan ja nicht wissen konnte, wer fein Verlangen nach einer spielerischen Stunde zurückgewie- sen hatte. Aber war es benn wirklich richtig gewesen, ihn adzuweisen? Hätte man nicht boch auf bas Spiel emgehen sollen? Vollraths waren ja mit ba, unb Uebergriffe hätte Stefan sich ohnehin nicht erlaubt. Sei ber Demaskierung hätte man bann ja lächelnd jagen können: Ein kleiner Irrtum, Herr von Achenbach! Wie Sie sehen, ist die Rokokodame Ihre Assistentin! Er würde sich wahrscheinlich schnell gefaßt und gesagt haben: Das habe ich natürlich ge- wußt, Fräulein Hildach. Es war eben ein Scherz, ein Maskenscherz. Unb es war boch sehr nett, nicht wahr? Fortjetzung folgt vom Leben und Beruf des Holzhauers. Mufikvor. träge des Musikvereins, Chöre des Männerchors, Gedichtvorträge und einige gemeinsame Lieder ver. vollständigten das Programm des Abends, der allseitig Beifall gefunden hat. Landkreis Gießen. A Großen-Linden, 11. DEL Eine Sammlung, die die Schüler der vier obersten Jahrgänge für den D o l k s b u n d für bas Deutsch- t u m im Ausland durchführten, ergab den stattlichen Betrag von 72 Mark. * Lich, 12. Oft. Ein Radfahrer von hier fuhr gestern Abend auf ein K a r t o f f e l - F u h r - werk auf und erlitt dabei Verletzungen an der Nase und an der Hüfte. Er kam zur Gendarmerie und erstattete Anzeige mit dem Bemerken, das Fuhrwerk sei unbeleuchtet gewesen. Die sofortigen Ermittlungen ergaben jedoch, daß das Fuhrwerk beleuchtet war und der Radler, bei dem man eine Bekänntschaft mit Alkohol feststellen konnte, in seiner „Illumination" das Licht an dem Wagen nicht bemerkt hatte. Mit seiner Anzeige hatte er also kein Glück. ch Lich, 11. DEL Am Samstagabend versammelten sich im Parkhotel die im Jahre 1867 geborenen, jetzt 70jährigen Schulkameraden und - k a - meradinnen mit ihren Ehegatten zu einer schlichten Feier. Kaufmann Heinrich Schmidt, der mit dem Kirchenvorsteher Heinrich Uhrhan die Vorbereitungen getroffen hatte, eröffnete die Feier mit herzlichen Begrüßungsworten. Vor allem gedachte er der verstorbenen Schulkameraden, deren Gedenken in üblicher Weise geehrt wurde. Dann folgte gemeinsames Essen. Alte Erinnerungen aus der Jugendzeit wurden wach, fröhliche Lieder ge- sungen, und man fühlte sich im trauten Freundeskreise trotz des vorgeschrittenen Alters wieder jung. Der als Familienglied anwesende Altbürgermeister Heinrich Fuhr sprach in launiger Weise über die zurückgelegten 70 Jahre mit ihren vielen Geschehnissen auf allen Gebieten. Am Sonntagvormittag trafen sich die Jubilare zum gemeinsamen Kirchgang in die Marienstiftskirche, wo sie vor 56 Jahren zur Konfirmation gegangen waren. Nach dem Gottesdienst besuchte man die auf dem Friedhof ruhenden einstigen Schulkameraden, um noch einmal Erinnerungen an sie zurückzurufen. Mit einem letzten Treffen am Nachmittag im Parkhotel nahmen die alten Kameraden und Kameradinnen Abschied voneinander. Lich, 11. DEL Die Reichsrundfunttammer hatte die hiesige Einwohnerschaft in Steins Saalbau zu einem sehr gut besuchten Runds unE- werbeabend eingeladen. Ein Vertreter der Reichsrundfunttammer sprach über die kulturellen, erzieherischen und politischen Aufgaben des Rundfunks. In zwei Filmen wurde dann den Besuchern die Arbeit des Rundfunks geschildert. Ern weiterer Film „Unsichtbare Brücken" veranschaulichte die elektrischen Wellen und lüftete das Geheimnis einer Radioüoertragung. In den Pausen war Gelegenheit, die ausgestellten Rundfunkapparate der Händler aus unserer Stadt und einer Nachbaraemeinde in Augenschein zu nehmen. An einer Verlosung eines Volksempfängers und dreier Monatsabonnements einiger Rundfunkzeitschriften konnte sich jeder Besucher des Abends beteiligen. Der Abend fand mit dem Sieg-Heil auf den Führer und dem Gesang der nationalen Lieder einen würdigen Abschluß. gfs. Lich, 11. Oft. Don der Abteilung Volks- mirtschaft-Hauswirtschaft wurde in der Frauen- schaft ein Vortragsabend veranstaltet, bei dem Frau Schäfer aus Gießen über die Aufgaben der Frau zur Erhaltung und Pflege des Ernteguts sprach. Die Freuen folgten den wichtigen Ausführungen mit großer Aufmerksamkeit und spendeten der Rednerin lebhaften Beifall. § Hungen, 11. Okt. Am gestrigen Sonntag fand die Inspektion der Freiwilligen und der Pflichtfeuerwehr Hungen durch Kreis- seuerwehrführer Bouffier (Gießen) statt. Nach einem einleitenden Vortrag über die Bedeutung und Pflichten der Feuerwehren im neuen Staat wurde zunächst eine Hebung an den Geräten, so- dann ein ausgedehntes Fußexerzieren oorgenom- men, an das sich ein Brandangriff anschloß, wobei sich die erfreuliche Tatsache ergab, daß für die erforderlichen Löschgeräte nicht nur gesorgt ist, sondern daß diese auch tadellos funktionierten. Besonders verdient die städtische Motorspritze volle Anerkennung. Die Kritik würdigte dies auch in vollem Umfange, so daß sich der Kreisfeuerwehr- führer sehr befriedigt über die Hebung aussprechen und die Note 1 erteilen konnte. Zu wünschen wäre allerdings, daß der Nachwuchs an Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr ein stärkerer fein würde; hoffen mir, daß der Appell des Kreisfeuerwehrinspektors auf fruchtbaren Boden gefallen ist. In Verbindung mit der Hebung war auch die Freiwillige S a n i t ä t s k o l o n n e vom Roten Kreuz mit den Helferinnen angetreten, die sich der ihr gestellten Aufgabe in glänzender Weise zu entledigen verstand, so daß auch ihr volles Lob gespendet werden konnte. — Nachdem die Obsternte beendet, ist man hier gegenwärtig mit der Ernte der Kartoffeln beschäftigt, die dank des guten Wetters einen guten Fortgang nimmt und die Bauern und Landwirte wegen des reichen Ertrags sehr befriedigt. — Auf den herannahenden Winter deuten jetzt schon die Züge der Schneegänse hin. Dor einigen Tagen konnte eine große Schar dieser Zugvögel beobachtet werden, welche, von Norden kommend, dem Süden zustrebten. gfs. Allendorf a. d. L d a., 11. Okt. Unsere Frauenschaft gelangte jetzt in den Besitz eines Entsaftungsapparates, der leicht und bequem zu handhaben ist. Er wird der Reihe nach an einzelne Frauen verliehen und hilft so, das Df'rt ratlos auszunutzen. Oer neue Bürgermeister von Grünöerg Kreisobersekretar Krämer aus Bensheim. + Grünberg, 12. DEL In der vorigen Woche hatte Kreisleiter Backhaus Besprechungen mit den politischen Leitern sowie mit den Ratsherren über die Besetzung des hiesigen Bürgermeister- p o st e n s. Don den auf die Ausschreibung eingegangenen 14 Bewerbungen — nicht 70, wie fälschlich gemeldet wurde — war als aussichtsreichster Bewerber Kreis-Dbersekretär Krämer (Bensheim) in Borschlag gebracht worden. Zur endgültigen Entscheidung war für den gestrigen Montag abend eine Sitzung d e r Ratsherr e n anberaumt, zu der Pg. Krämer bestellt war. Kreisleiter Backhaus, der mit Pg. Dr. Hopfenmüller erschienen war, auch der neuernannte Drtsgruppenleiter Pg. Schütz war anwesend, ließ zunächst in nichtöffentlicher Sitzung Pg. Krämer Ausführungen über seinen Lebenslauf und insbesondere über seine seitherige berufliche Tätigkeit machen, worauf nach kurzer Besprechung mit den Ratsherren Pg. Krämer als Bürgermeister für ©rünberg bestimmt wurde. In der folgenden öffentlichen Sitzung gab Kreisleiter Backhaus diese Entscheidung bekannt und begründete sie folgendermaßen: die Ratsherren hätten auf dem Standpunkt gestanden, den Bürgermeisterposten einem älteren Parteigenossen zu übertragen, der als Derwaltungsfachmann anzusprechen, der aber auch die nötige Tatkraft aufbringe und nicht durch verwandtschaftliche Beziehungen gebunden sei. Er beglückwünschte alsdann Pg. Krämer zu feinem neuen Amte, und dieser versprach treue Pflichterfüllung. Der Kreisleiter gab noch dem Wunsche Ausdruck, daß zwischen dem Bürgermeister und dem neuen Ortsgruppenleiter Schütz ein fruchtbares Zusammenarbeiten sein und Pg. Krämer den Bürgermeifterposten als Dauerstellung und nicht als Hebergangsstelle für einen andern Posten ansehen möge, was dieser auch zusagte. Damit schloß die bedeutungsvolle Sitzung. Der neue Bürgermeister wird wahrscheinlich am 1. November sein Amt antreten. Bürgermeister Jakob Krämer wurde am 23. Juni 1889 in Lorsch als dritter Sohn des Schneidermeisters Phil. Krämer aus Pfaffenbeerfurth im Odenwald geboren. Nach Besuch der Volksschule war er einige Jahre auf der Gerichtsschreiberei des Amtsgerichts Lorsch bzw. bei einem dortigen Rechtsanwalt, kam im September 1909 als Schreibgehilfe an das Kreisamt Bensheim und war hier in den verschiedenen Zweigen der Verwaltung tätig. Am 1. April 1920 wurde er als Beamter angestellt, am 7. Dezember 1934 wurde er zum DberfeEretär befördert. Besonders tätig war er in der Kreiswohlfahrtspflege und in der Kreisamtsfürsorgestelle für Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene. Als ungedienter Landsturmmann trat er am 6. -Februar 1915 freiwillig ins Heer, machte den Krieg in der Maschinengewehrkompanie des Reseroe-Jnfanterie- Regiments 222 und seit Juli 1917 bei der Starkstrom-Abteilung 269 mit und wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Mitglied der NSDAP, ist er seit 1. November 1932, in der Partei bekleidete er verschiedene Aemter. Er ;ft verheiratet und hat drei Kinder. Wirtschaft. Rhein-Mainische Börse. rNittagsbörse schwächer. Frankfurt a. M., 11. DEL Während man in den Vormittagsstunden vorwiegend etwas festere Kurse nannte, zeigte der amtliche Beginn zum Anfang der neuen Woche eine weitere Abschwächung des Aktienmarktes. Es lagen kleine Verkäufe vor, wie man annimmt aus dem Auslande, während Kaufaufträge nur wenig eingetroffen waren. Die Zurückhaltung hat sich wieder verstärkt und die Aufnahmebereitschaft war gering. Infolgedessen zeigten die Kurse zumeist Rückgänge von 0,50 bis 1 v. H., vereinzelt ergaben sich auch kleine Erhöhungen. Von Montanwerten ermäßigten sich Mannesmann auf 119 (119,65), Verein. Stahl auf 115,75 (116,25), Hoesch auf 123,90 (124,25) und Harpener auf 174 (176,50), Rheinstahl mit 150,65 lagen behauptet. Ferner eröffneten Reichsbank mit 202 (203), Nordd. Lloyd mit 83 (84) Zellstoff Waldhof mit 151,75 (153,50), IG. Farben mit 161,50 (162,13), RWE. mit 132 (132,25), Elektr. Lieferun- gen mit 130,75 (131). Etwas höher lagen Deutsche Linoleum mit 163,50 (162,50), Daimler mit 138,40 (138), Rheinmetall mit 148 (147,50) und Gement Heidelberg mit 170,65 (170,40). Der Rentenmarkt konnte sich weiterhin behaupten, nennenswerte Käufe lagen aber nicht vor. Reichsbahn-Vorzugsaktien bröckelten 0,13 v. H. ab auf 128,50. Kommunal-Hmschuldung verblieben bei 94,80, Städte-Altbesitzanleihen wurden zu 133,50 bis 133,75 gefragt. Reichsanleihe-Altbesitz waren 0,13 v. H. niedriger gefragt zu 128,50. Am Pfandbriefmarkt bestand kleine Nachfrage zu unveränderten Kursen, Liquidationspfandbriefe bröckelten z. T. leicht ab. Stadt- und Staatsanleihen notierten unverändert. Etwas lebhafteres Geschäft war wieder in unnotierten Jndustrie-Dbligationen. Auch im Verlaufe war die Haltung eher schwächer, später ergaben sich vereinzelt geringe Besserungen. Das Geschäft blieb überall sehr klein. Weiter ermäßigt waren IG. Farben auf 161 nach 161,50, Daimler auf 137,50 nach 138,40, Hoesch auf 123,50 nach 123,90, Verein. Stahl auf 115,65 nach 115,75. Die erst später notierten Werte lagen überwiegend niedriger. Heber den Durchschnitt von 0,50 bis 1 v. H. hinaus gaben nach: Bemberg 142 bis 141,75 (143), Ilse Genuß 135,40 (137), Aschaffenburger Zellstoff 139,50 (141,40), Schuckert 165,25 (167), Kali Aschersleben 115 (116,25) und Hapag 82,75 (83,90). Etwas hoher waren u. a. Goldschmidt mit 144 (142), Demag mit 148,65 (148), Felten mit 133,75 (132,75) und Adlerwerke mit 114,50 (114). Am Einheitsmarkt gaben Kahlgrund Eisenbahn auf 27 (30) nach. Abendbörse zurückhaltend. Die weiter rückläufige Kursbewegung an den Auslandplätzen wirkte an der Abendbörse geschäftshemmend und hat die an sich bestehende Zurückhaltung noch verstärkt. Verschiedentlich erfolgten kleine Abgaben, so daß die Aktienkurse größtenteils leicht abbröckelten. Stärker abgeschwächt waren Bemberg mit 140,50 (141,75, Berlin 142,75) und Adlerwerke Kleyer mit 113,25 (114,50), ferner verloren Holzmann 1 v. H. auf 152,50. Von Montan- roerten notierten Vereinigte Stahl mit 115,75 bis 115,50 (115,75), Buderus mit. 122,50 (123), Mannesmann und Harpener mit unverändert 119 bzw. 174. Gut behauptet lagen IG.-Farben mit 161 (160,75), während Scheideanstalt auf 261,50 (262) und Th. Goldschmidt auf 143,50 (144) nachließen. Etwas höher lagen Deutscher Eisenhandel mit 146,75 (146) und Elektr. Lieferungen mit 131,40 (130,75). Am Einheitsmarkt gingen Kahlgrund Eisenbahn weiter etwas zurück auf 26,25 (27). Bankaktien notierten unverändert, Adca 102,25, Deutsche Bank 125, Commerzbank 120, Dresdner Bank 114,75. Der Rentenmarkt war ohne Geschäft und unverändert, 6proz. IG.-Farben 130,40, 4Lproz. Krupp 99,13, Schutzgebietezertifikate 11,60, Kommunal-Hmschuldung 94,80 Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 11. DEL Die Anlieferungen von Weizen und Roggen sind infolge der Hackfruchternte immer noch klein, doch ist die Versorgung noch befriedigend. Auf dem Mehlmartt haben sich keine Aenderungen ergeben. Während die helleren Typen des Weizenmehls gut verkauft werden, hat Type 1050 noch schleppenden Absatz. Auch Roggenmehl wird langsam verkauft. Auf dem Futtermittelmarkt sind die Verladungen von Del- kuchen, Mais und Kartoffelflocken noch im Gange, ebenso von Kleie, die im gleichen Umfange wie im Vormonat zur Verfügung steht. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in Mark: Weizen W 13 204, W 16 207, W19 211, W 20 213; Roggen R 12 189, R 15 192, R18 196, R19 198, Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete. Futtergerste —, Futterhafer —. Weizenmehl Type 812 W 13 29,00, W 16 29,10, W 19 29,10, W 20 29,45; Roggenmehl Type 1150 R 12 22,45, R15 22,80, R 18 23,30, R 19 23,50 plus 0,50 Mark Frachtausgleich. Weizenfuttermehl 13,60. Weizenkleie W13 10,75, W16 10,90, W19 11,10, W20 11,20; Roggenkleie R 12 9,95, R15 10,15, R18 10,40, R19 10,50, Mühlenfestpreise ab Mühlenstation. Sojaschrot —, Palmkuchen —, Erdnußkuchen —, Treber 14,00, Höchstpreis ab Erzeugerstation, Trockenschnitzel —, Heu —, Weizen- und Roggenstroh drahtgepreßt 3,00 bis 3,30, gebündelt 2,70 bis 3,00. Frankfurter Schlochtviehmorkt. Frankfurt a. M., 12. DEL (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 747 Kälber, 225 Schafe, 131 Hümmel, 3215 Schweine. Es kosteten: Kälber 35 bis 65 Mark, Hümmel 30 bis 51, Schafe 20 bis 45, Schweine 51 bis 55 Mark. Marktverlaus: Kälber und Schweine zugeteilt, Hümmel und Schafe mittelmäßig. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börfe. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt oeschlosienen Dividende an. Reichsbankdiskont 4 v H., Lombardzinsfuß 5 o H Frankfurt a. M. Berlin Frankfurt a. M Berlin Schluß- kurs Schlußk. Abend, börse Schluß- kurs Schluß! Mittag börse Schluß- kurs Schluß*. Abend börse Schlußkurs Schlußk Mittagbörse Datum 9.10. 11.10. 9-10- 11.10 Saturn 9.10. 11.10. 9.10 11.10. 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 101,7 101,7 101,7 101,6 Accum ulatoren-Fabrik...... . 14 224,5 224 225 225 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 98,9 99 98,9 99 Aschaffenburg Zellstoff...... .. 6 141,4 139,5 141,25 139,75 iV»% Deutsche Reichsschatzanwei- Bemberg ................ .. O 143 140,5 143,25 142,75 sungen von 1935 . — — —- — Betula................... .. 8 166,75 166,65 167,25 167,25 Deutsche Retchsschatzanwei- 99,4 99,4 99,4 99,4 Buderus Eiien............. .. 5 123,5 122,5 123 122,5 sungen von 1935, I I. g-olge .. Deutsche Reichsichatzanwei- Gement Heidelberg......... .. 7 170,4 170,65 — — 99 99 99 Cement Karlstadt .......... .. 6 —- —— —— — sungen von 1936, III. Holge .. 99 Conti (Mummt............. . 12 185,5 185,5 185.5 185 by2% Poung Anleihe von 1930 .. — 105,5 105,5 105 Daimler Motoren.......... ßy2 138 137.5 138,75 138 *Vi% Hessische BolkSstaat von 1929 100,25 100,25 —— —— Dessauer Gas ............. .. 4 — — 120,5 120,65 4%% Deutsche Reichspostschatz von Deutsche Erdöl ............ .. 6 148,5 147,5 149,4 148,25 1934 I...................... <%% Deutsche Reichsbahnschatz 100,4 100,4 — 100,5 Deutsche Gold- und Silber .. Deutsche Linoleum ....... .. 9 . 10 263 162,5 261,5 163,5 162,25 163,5 von 1936 I................. 99,65 99,65 99,65 99,65 Elektrische Lieferungen...... .. 6 131 131,4 131,9 131,5 Netchsanleihe-Altbesitz.......... Oberhessen Provinz.Anleihe mit 128,65 128.5 128,5 128,75 Elektrische Licht und Kraft... I. G. Farben-Industrie..... .. 7 .. 7 153,25 162,13 152 161 153,5 162 152,5 161 Au^los.-Rechten............. —— —— —- —— Felten & Guilleaume....... .. 6 132,75 133,75 132,65 134,5 Hess. LandeSbk. Darmstadl 99,5 99,5 Gessürel.................. .. 7 150,5 150 150.75 150,5 Goldpfe. R. 13 ............. 99,5 — Tb. Goldschmidt........... .. 6 142 143,5 141,5 144,25 6 y2% Hess. Landes-Hyp.-Bank £iqu. Goldpfe.............. 4%% Preuß. Landespfdbr.-Anst. Goldpfe. R. 19.......... 101,5 101,5 99,5 1 I Gritzner Maschinen......... Harpener ................. Hoesch Eisen............... Philipp Holz mann......... .. O S'/r SVt .. 8 176,5 124,4 153,5 174 123,5 152,5 51,13 175 124,4 154,25 51 175 124 152,5 V/2% Preuß. Gold-Komm. R. 20 — 98,75 98,75 98,75 Ille Bergbau.............. .. 6 — 164 164,75 4y2% Darmstädter Komm.-Lan- 98,25 98,25 Ilse Genüsse.............. .. 6 137 135,4 137,5 135,9 desbankR. 6 .............. —— — Kali Aschersleben.......... .. 4 116,25 115 116.13 114,75 Deutschs Kymm.-Sammel-Anleihe Auslos.-Rechte I............. 4y2% Franks. Hyp. Goldpfe. R. 15 *y2% Franks. Hyp. Gold-Komm. £61. 2 3................ 135,13 99,75 98,5 135 99,75 98.5 135,13 99,75 135,4 99,75 Klöcknerwerke ............. V/t Kokswerke und Chemische Fabrik 7 Lahmeyer .................. 6 Mainkrasl................... 4 Mannesmann.............VA 130 127 95,5 119,65 128.5 127,4 95,5 119 129,75 157,25 126,5 119,13 128,75 158.25 126,5 118,9 6%% Franks. Hyp. Liquidation Goldpfe.................... 101,75 101,7 — — Mansfelder Bergbau....... Melallgesellschaft........... .. 7 .. 6 152 150 152 150 152.25 150 152,75 150 ty2% Rheinische Hyp. Ltautdation Goldpfe..................... 101,75 101,6 101,65 101,65 Ctcmtein & Koppel........ Rheinische Braunkohle...... .. O 12 230 230,25 110,75 230,25 110,4 230.25 Steuergutichein-Berrechnungskur? SG. für Berkehrsweien .... 6 ft Hamburg-Südain. Dampfschiff. o Hamburg-Amerika Paket...... 0 111,13 127,65 83,9 111,13 127,5 82,5 127,5 46,13 83,5 111,25 127,25 46 83 Rheinische Elektro ........ Rheinstahlwerke............ Rbeinisch-Wsstfalische Elektro Rütgerswerke ............. Salzdetfurth Kali.......... Schuckert L Co............ .. 6 .. 6 .. 6 .. 7 .. 6 .. 7 150,5 132,25 147,5 167 126,25 150,65 132 165 150,75 132,65 147 164 166,75 126.25 150 132,7 146.4 165 5 Norddeutscher Lloyd.......... o Deutsche Reichsbahn Borz.-Mt. 7 Reichs bank................ iz Berliner Handelsgesellschaft . 6% Commerz, und Prtvat-Bank ... 6 84 128,65 203 120 83 128,5 202 120 128,5 202,25 135,25 120 128,5 202 135,25 120 Schultheis Patzenhofer...... Siemens & Halske ........ Süddeutsche Zucker......... Bereinigte Stahlwerke...... Westdeutsche Kaufhof....... Westeregeln Alkali.......... Zellstoff Waldhof .......... Otavi Minen ........... .. 4 .. e 10 4'/, .. O .. 4 211,5 202 116,25 58,5 115,25 211,5 200,5 115,5 58,25 114,75 94,65 213.5 202 116 58,65 114,5 95 213 115,75 58,25 114,75 Deutsche Diskonto............ 6 125 125 125 125 .. 6 153,5 151,75 152,25 152 Dresdner Bank..............4 114,75 114,75 114,75 114,75 0,6 31,25 31,5 31,13 31,65 Deoilenmarft Berlin — Frankfurt a 2Ü 9. Oktober 11 .Oktober g. Oktober 11 .Oktober Wintl'dK Wunerüut Amu ch Rotierun, Amtliche'Aöueruno Amuiche ‘Jtuiietun (Mei. Br-- M -i< Brie 'fSi'ir Brie, tfi- । | Brie Buenos Aires............. 0,747 0,751 0,747 0,751 Japan.................... 0,718 0,720 0,718 0,720 Brüssel................... 41,98 42,06 41,97 42,05 Jugoslawien ............. 5,694 5,706 5,694 5,706 Rio ve Janeiro............ 0,149 0,151 0,149 0,151 Oslo ................... 62,00 62,12 62,00 62,12 Polen.................... 47,00 47,10 47,00 47,10 Wien..................... 48,95 49,05 48,95 49,05 Kopenhagen............... 55,07 55,19 55,07 55,19 Lissabon.................. 11,205 11,225 11,205 11,225 Danzig. ............. ... 47,00 47,10 47,00 47,10 Stockholm............... 63,60 63,72 63,60 63,72 London ............. .... 12,335 12,365 12,335 12,365 Schweiz.................. 57,28 57,40 57,27 57,40 helsingforS................ 5,455 5,465 5,455 5,465 Spanien.................. 16,98 17,02 16.98 17,02 3arls.................... 8,222 8,238 8,262 8,278 Prag..................... 8,701 8,719 9.701 8.719 wlland.................. 137,69 137,97 137.67 137,95 Budapest................. —— — — —- 'tollen................... 13,09 13,11 13,09 13,11 Neuyork.................. 2,491 2,495 2,491 2,495 Hier abschneiden! I Fallsucht 125 Familienunterstützung bargarten fallen, gehören nicht mehr Dem Baumeigentümer (s. auch Garten). F. sorgfältig sammeln, um Weiteroerbreitung der Obstmade zu verhindern. Fallsucht, siehe Epilepsie. Falschgeld. Wer falsches Geld als echtes eingenommen hat und es wieder als echtes ausgibt, obwohl er erkannt hat, daß es falschem Geld ist, wird mit Geldstrafe oder Gefängnis bis zu 3 Monaten bestraft. Falschgeld erkennt man bei Münzen am bumüfen Klang, bei Banknoten am Fehlen der richtigen Wasier- zeichen. Familie ist die Erundzelle des Staates in ihr hat sich zuerst das Zusammengehörigkeitsgesühl und die gegenseitige Rücksichtnahme zu erproben durch die Zank und Streit vermieden werden. Sind Auseinandersetzungen zwischen Eltern unvermeidlich, so sollen sie in Abwesenheit der Kinder vorqenommen werden, damit die Achtung vor den Eltern nicht leidet Die selbstverständlichen elterlichen Rechte dürfen nicht zur Befriedigung unangebrachter Machtaeluste dienen. So soll man Kindern nicht einfach deshalb etwas versagen um zu zeigen, daß man die Macht dazu hat. Eine harmonisch zusammenlebende Familie ist einer der schönsten Eindrücke, die Kinder mit ins Leben nehmen können. Familienforschuna ist eine Erweiterung der Ahnenforschung, da alle Mitglieder der Familie bnbei berücksichtigt und in einer Sippentafel oder Sippschaftskartei erfaßt werden. Die Familienforschung gibt wichtige Aufschlüsse über geistige und körperliche Veranlagungen sowie über erbliche Krankheiten. Durch Sammeln der wichtigsten gegenwärtigen Erinnerungen der Familie soll man die künftige F. erleichtern. Familienname. Die Ehefrau bekommt den Familiennamen des Mannes, kann aber ihren Mä> chennamen an den Familiennamen des Mannes anhängen. Das eheliche Kind bekommt den Familiennamen des Vaters, das adoptierte den des Adoptierenden. Ist eine Frau die Adoptierende, so erhält das Kind den Namen, den die Frau vor ihrer Verheiratung geführt hat. Ein adoptiertes Kind kann an den Adoptivnamen auch seinen eigenen Familiennamen anhängen. Ein uneheliches Kind bekommt den Familiennamen der Mutter. Heiratet die Mutter später den Vater, so bekommt das uneheliche Kind den Familiennamen des Vaters. Siehe Namenehe. Familienunterstützung bekommen die Angehörigen sEhefrau, schuldlos geschiedene Ehefrau, Kinder. — auch uneheliche Kinder. wenn die Vaterschaft anerkannt oder ein rechtskräftiges Urteil vorhand"n ist — Eltern, Großeltern, auch Adoptiveltern), von Wehrpflichtigen, die zum aktiven Heeres- oder Arbeitsdienst einberufen sind, wenn die Unterstützungsberechtigten den notwendigen Lebensunterhalt nicht selbst aus ihrem Vermögen oder ihrer Arbeit bestreiten und farlloos Gießen., Kirchenplatz 13, Ruf2797 ^yssta Sie: '«! eihe der Tlordmarf-Feierstätte. W In Bad Segeberg übergab Reichsminister Dr. Goebbels die in dreijähriger Arbeit erstandene große Nordmark-Feierstätte ihrer Bestimmung. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Deutsche Fußballelf gegen Norwegen. Eines der bedeutendsten Ereignisse der Fußball- Herbstspielzeit wird der Länderkampf Deutschland gegen Norwegen sein, der am 24. Oktober im Berliner Olympia-Stadion ausgetragen wird. Die deutsche Mannschaft, die am Montag vom Fachamt Fußball bekanntgegeben wurde, will versuchen, die Olympia-Niederlage wettzumachen. Die deutsche Elf hat folgendes Aussehen: Jakob (Jahn Regensburg); Janes (Fortuna Düsseldorf), Münzenberg (Alemannia Aachen); Kupfer (FC. 05 Schweinfurt), Goldbrunner (Bayern München), Kitzinger (FC. 05 Schweinfurt); Lenz (Borussia Dortmund), Gellesch (FC. Schalke 04), Siffling (SV. Waldhof), Szepan, Urban (beide FC. Schalke 04). Ergebnisse der Kreisklassenspiele. 1. Kreisklasse. Rüddingshausen I — VfB.-Reichsbahn Gießen I 1:2. Durch die energische Abwehrarbeit, die die Rüddingshäuser während des ganzen Spieles leisteten, konnten sie die Niederlage gegen die technisch besseren VfBer so niedrig gestalten. SA.-Kampfgemeinschaft Gießen I gegen Lollar II 3.2. Hier konnte die SA.-Mannschaft nur knapp gewinnen, da sie zeitweise mit nur 8 Mann spielen mußte. Heuchelheim — Alten-Buseck 5:3. Trotzdem die Alten-Busecker zu Anfang mit 1:0 in Führung gingen, mußten sie sich doch den besser spielenden Heuchelheimern beugen. Garbenteich — 19 00 Gießen II 0:4. Den Garbenteichern fehlten bei diesem Spiel vier ihrer besten Leute und so ist die Niederlage gegen 1900 II. zu verstehen. VfB.-Reichsbahn Gießen II — L i ch I 4:1. Ein allzuhartes Spiel. Steinberg II — Großen-Linden I 5:2. Die Großen-Lindener hatten in Steinberg nicht viel zu bestellen. Hungen — Steinbach 0:0. Auch ein hartes Spiel, von Hungen wurde ein Spieler vom Schiedsrichter herausgestellt. 2. Kreisklasse. Muschenheim — Treis 10:1. Die Mannschaft von Treis trat nicht vollzählig an und verlor in Muschenheim hoch. Klein-Linden II — Oppenrod 6:3. Klein-Linden II. führte das Spiel mit drei Spielern der 1. Mannschaft und konnte dadurch hoch gewinnen. Göbelnrod — Flensungen 1:4. Flensungen hatte die bessere Mannschaft zur Stelle und gewann das Spiel gegen Göbelnrod. Lehnheim — Geilshausen 2:6. Geilshausen konnte gegen den Neuling Lehnheim mit 4 Toren Unterschied gewinnen. 19 0 0 Gießen III — SA.-Kampfgemein- schaft Gießen II 4:3. Ein ziemlich ausgeglichenes Spiel. VfB.-R. Gießen HI — Grüningen. Die Mannschaft von Grüningen verzichtete auf Punkte und Spiel. Heuchelheim II — Launsbach I 1:1. Zwei gleichwertige Mannschaften lieferten sich ein faires Spiel. Staufenberg — Daubringen 1:2. Bei diesem Spiel erwiesen sich die Daubringer als die technisch besseren. Fango 126 Farbstoffs ihn auch nicht von anderer Seite erlangen können. Die Unterstützung umfaßt neben Unterkunft, Nahrung und Kleidung auch Krankenhilfe rote Hilfe für Schwangere und Wöchnerinnen, Kosten für angemessene Erziehung minderjähriger Kinder. Außerdem wird eine Mietbeihilfe gewährt. Die Familienunterstützung wird nur auf Antrag gewährt. Dieser ist beim Bürgermeister zu stellen. Die nötige Auskunft erteilen die Gemeindebehörden kostenlos. Fango, Mineralschlamm, der zu Heilbädern u. a. bei Rheumatismus benutzt wird. Farbbandslecke, vom Farbband der Schreibmaschine, werden mit Spiritus ausgewaschen. Farbecht (indanthren) sind Stoffe, die sich durch die Einwirkung von Licht oder Wasier nicht verändern. Sie sind durch ein bestimmtes Warenzeichen gekennzeichnet. Nicht farbechter schwarzer Stoss wird fahlgelb, wenn man ihn mit gelöstem Kleesalz betupft. Andere Stoffe und Tapeten kann man auf Lichtechtheil prüfen, wenn man einen Teil einige Tage der Sonne aussetzt und den anderen Teil dagegen schützt. Farbenblindheit, Herabsetzung des Farbensinns oder Aufhebung des Sinnes für eine Farbe, angeboren oder erworben, seltener für alle Farben Beim schwachen Farbensinn erkennt der Betreffende zwar lebhafte Farben, verwechselt dagegen wenig ausgeprägte, z. B. graue Farbentöne. Bei totaler Farbenblindheit unterscheidet der Betreffende überhaupt keine Farbentöne, sondern verschiedene Helligkeiten, yat also nur Empfindung von Schwarz, Weiß und Grau. Bei partieller Farbblindheit besitzt der Betreffende nur zwei von den drei normalen farbigen Erundempsin- dungen (rot, grün, violett), hierdurch wird Rotblindheit, Erün- blindheit und Violettblindheit unterschieden. Farbenblinde können nicht jeden Beruf einschla- gen? Farbenwahl ist vielfach ausschlaggebend dafür ob eine Frau ein Kleid tragen kann oder nicht. Weiß und Helle Farben, auch rot, machen stärker, dunkle Farben, besonders schwarz, schlanker. Bei allen Farben ist darauf zu achten, ob sie sich in der Zusammenstellung mit einer anderen vertragen und nicht schreiend oder geschmacklos wirken. Ferner muß man beim Stoffkauf berücksichtigen ob er bei Tage oder bei künstlichem Licht getragen werden soll Je nachdem sind Tages- oder Abend- farben zu wählen. Farbflecke in Stoffen werden mit verdünntem Wasierglas erweicht und mit einer Mischung von Spiritus, Terpentin und Salmiakgeist zu gleichen Teilen benetzt. Hierauf wird der Fleck mit Boluspaite abgerieben. Farbstoffe, Stoffe, die andere Stoffe färben Man unterscheidet Mineral- (Erd-), Pflanzen- und Tierfarbstoffe. Die meisten Mineralfarben werden aus Teer hergestellt Nach der Verwendung unterscheidet man Maler- Die Fensterdekoration. Dazu werden bann auch Fensterstangen gebraucht. Aus Holz für die Uebergardinen aus Metall für die Zuggardinen und dann die verstellbaren Fensterstangen für Scheibengardinen. Alle und natürlich auch die Haken, Schnur, Quasten, Ringe usw. gibt es preiswert bei J* D. Häuser, Gießen, am Oswaldsgarlen, Fernsprecher 2145/2146. Spkelvereinigung 1900 ließen. Spogg. 1900 Gießen III — SA.Kampfgem. II 4:3. Die Platzbesitzer, die mit zwei Mann Ersatz antreten mußten, zeigten das bessere Spiel und gewannen verdient. Die SA.-Spieler, die vor allen Dingen den Blauweißen körperlich weit überlegen waren, zeigten noch keine einheitliche Leistung. Gleich der Anfang sah die Platzbesitzer im Vorteil. In diese Ueberlegenheit fiel auch der erste Treffer für die Leute vom Trieb. Doch die Gäste glichen bald aus. Dann wurde ein Strafstoß für die Blauweißen vom Mittelstürmer schön verwandelt. Durch ein Mißverständnis der Hintermannschaft konnten die Gäste noch vor der Pause ausgleichen. Nach dem Wechsel lagen die Blauweißen wieder in Führung. Doch der Ausgleich ließ abermals nicht lange auf sich warten. In der Folge setzten sich die 1900er im Strafraum der Gäste fest und erzielten kurz vor Schluß den vierten Treffer. „FC. Teutonia" Watzenborn-Steinberg Wehlar 05 I — Watzenborn-Steinberg I 2:0. Die 1. Mannschaft der Teutonen hatte am vergangenen Sonntag einen schweren Stand, nämlich auf dem Platze des Altmeisters Wetzlar 05 anzutreten. Trotz der kompletten Elf war es den Teutonen nicht vergönnt, ein ehrbareres Resultat zu erzielen, obwohl die Gelegenheiten hierzu nicht knapp waren. Trotzdem die Teutonen das Spiel für sich vielfach leicht überlegen gestalten konnten, ließen es die Kämpfer von Wetzlar nicht zu, auch nur das Ehrentor zu erzielen Die 2. Mannschaft trat ebenfalls zum Verbandsspiel an, und zwar auf eigenem Platze gegen die 1. Mannschaft von Großen-Linden. Bis zur Halbzeit konnten nach verteiltem Spiele die Gäste mit 2:1 in Führung gehen. Nach der Halbzeit rafften sich die Einheimischen zusammen und schossen den Ausgleich, ja sogar den Führungstreffer. Es gelang noch, in den letzten zehn Minuten zwei weitere Tore zu erzielen, die den Stand auf 5:2 brachten. Der errungene Sieg war verdient. Fußball im Turnverein Großen-Linden Großen-Linden 1.3gb. — 513. Hungen 1.3gb. 12:0 (2:0). Die 1. Jugend konnte auch in ihrem jüngsteir Spiel einen überzeugenden Sieg feiern. Die Gäste, die eine schnelle Mannschaft ins Feld stellten, fetzten sich in der ersten Halbzeit kräftig zur Wehr und ließen nur zwei Tore zu, dem gegenüber die Großen-Lindener Hintermannschaft Mühe hatte, Gegentore zu vermeiden. Als aber in der zweiten Hälfte die Platzelf das Gästetor unter Druck setzte, nützte es auch nichts, daß jetzt die ganze Hungener Mannschaft ihr Tor verteidigte, denn noch zehnmal mußte ihr Torhüter den Ball aus seinem Netz holen. Deremsmeiflerschasten des M.-Reichsbahn. Am vergangenen Sonntag hielt der DfB.-Reichs- bahn seine internen Abschlußwettkämpfe ab. Die Beteiligung ließ zu wünschen übrig. Lediglich die B-Jugendlichen und die Frauen warteten nochmals mit ansprechenden Leistungen auf. Die Siegerlisten. Aktive: 800 Meter: 1. Stürmer 2.12,9 Min., 2. Götze 2.13,2 Min., 3. Pfaff, 2.13,2 Min. 3000 Meter: 1. Pfaff 10.5,7 Min., 2. Götze 10.12.8 Minuten. Weitsprung: 1. Kröck 5,31 Meter, 2. Petersen 5,25 Meter. Dreisprung: 1. Petersen, 11,10 Meter, 2. Kröck 9,83 Meter. Frauen: 100 Meter: 1. Else Ludwig 14 Sek., 2. Elfriede Schmidt 14,1, 3. Luise Weber 14,3 Sek. 200 Meter: 1. Elfriede Schmidt 29,9 Sek., 2. Else Ludwig 30, 3. Luise Weber 30 Sek. Hochsprung: 1. Elfriede Schmidt 1,32 Meter, 2. Else Ludwig 1,32, 3. Hilde Dapper 1,28 Meter. Weit- {prang: 1. Else Ludwig 4,05 Meter, 2. Luise Weber 4,03, 3. Hilde Dapper 4,02 Meter. Speerwerfen: 1. Elisabeth Sick 21,70 Meter, 2. Luise Weber 19,90, 3. E. Schmidt 18,35 Meter. Diskus: 1. Hilde Dapper 22,75 Meter, 2. Elfriede Schmidt 21,56, 3. E. Ludwig 20,53 Meter. K u - g e l st o ß e n : 1. Elfriede Schmidt 8,88 Meter, 2. Gertrud Muhl 8,80, 3. Else Ludwig 8,21 Meter. Mädchen: 10 0 Meter: 1. Gutrun Weber 15 Sek., 2. Erna Repp 15, 3. Emmi Arnold 15,3 Sek. Weitsprung: 1. Gutrun Weber 3,81 Meter, 2. Ernck Repp 3,65, 3. Emmi Arnold 3,44 Meter. Speerwerfen: 1. Erna Repp 18,03 Meter, 2. Emmi Arnold 10,85 Meter. Kugelstoßen: 1. Erna Repp 8,95, 2. Emmi Arnold 7,58 Meter. Diskus: 1. Erna Repp 14,46, 2. Emmi Arnold 13,91 Meter. , Jugend, klaffe A: Hochsprung: 1. E. Oehler 1,54, 2. A. Schmuck 1,46, 3. Schieferstein 1,46 Meter. Weit- sprung: 1. E. Oehler 5,30, 2. Schieferstein 4,86, 3. A. Schmuck 4,30 Meter. Kugelstoßen: 1. Schieferstein 10,74, 2. E. Oehler "10,68, 3. A. Schmuck 10,50 Meter. Speerwerfen: 1. E. Oehler 39,50, 2. Schieferstein 34,50 Meter. Diskuswerfen: 1. Schieferstein 32,90, 2. E. Oehler 27, 3. A. Schmuck 26.30 Meter. Jugend, Klasse B: 10 0 Meter: 1. Schwarz 12,6, 2. Gemmer 12,7, 3. Gilbert 12,9 Sek. 400 Meter: 1. Gemmer 60, 2. Schwarz 60,8, 3. Gilbert 61,5 Sek. 800 Meter: 1. Marquardt 2.24,9, 2. Cawein 2.29,6, 3. Wittelsberger 2.29,9 Minuten. Hoch- s P r u n g : 1. Schwarz 1,58, 2 Marquardt 1,54 Meter. Weitsprung: 1. Schwarz 5,42, 2. Gemmer 5,38 Meter. Kugel st oßen: 1. Schieferstein 10,57, 2. Schwarz 10,21, 3. Gemmer 9,61 Meter. Speerwerfen: 1. Gilbert 34,60, 2. Schwarz 34,60, 3. Gemmer 33,20 Meter. Diskus: 1. Schwarz 31,40, 2. Gemmer 26, 3. Schieferstein 25,40 Meter. Interessante Handball-LrßebMe. Die Kämpfe des Sonntags. Der vergangene Spielsonntag brachte eine Reihe interessanter Spiele, aber auch überraschender Ergebnisse. So interessiert zunächst die Niederlage, die 1900 in Hörnsheim bezog, der Spielverlust, den Münchholzhausen einstecken mußte usw. Daneben interessiert, daß VfB.-R. Gießen auf Grund seines neuerlichen Fernbleibens (Spiel Roth) von der weiteren Teilnahme gestrichen wurde. Dezirksklasse. Tv. Hörnsheim — Spg. 1900 Gießen 12:4 (6:2). Tv. Lützellinden — Mtv. Gießen 16:6 (6:5). Tuspo. Niedergirmes — Tv. Heuchelheim 8:8 (5:4). VfL. Marburg 1860 — Tv. Münchholzhausen 8:6. Die Gießener mußten die Reise nach Hörnsheim abermals mit reichlichem Ersatz antreten. Daß sie unter diesen Umständen nicht viel gegen die auf eigenem Platz gefährlichen Gastgeber ausrichten konnten, war klar. Trotzdem konnte die Mannschaft das Ergebnis in der ersten Hälfte noch offen halten. Nach der Pause war der Widerstand jedoch gebrochen. Hörnsheim ging auf und davon und konnte einen auch in dieser Höhe verdienten Sieg buchen. Nicht anders war es bei dem Spiel in Lützellinden. Auch der Mtv. hatte eine mit viel Ersatz durchsetzte Mannschaft zur Stelle, die sich nur eine Halbzeit halten konnte. Die Platzbesitzer, die wieder einmal mehr ihre gute Form unter Beweis stellten, waren nach dem Wechsel nicht mehr zu halten und siegten wie sie wollten. g Allgemein Überrascht das gute Abschneiden der Heuchelheimer in Niedergirmes. Wenn auch beiderseits Ersatz eingestellt werden mußte, so kam trotzdem ein spannendes Spiel zustande, das einen gerechten Ausgang nahm. Mit etwas mehr Glück hätte Heuchelheim beide Punkte mit nach Hause nehmen können. Münchholzhausen hätte das Spiel in Marburg nicht zu verlieren brauchen. Denn die heimische Elf ist entgegen allen Erwartungen nicht der Gegner, mit dem man gerechnet hatte. 1. kreisklasfe. Tv. Lang-Göns — Tv. Hausen 6:8 (3:4). MSV. Barbara — Tv. Grüningen 8:1. To. Katzenfurt — Tv. Dutenhofen 11:9 (9:4). Hausen batte eine Mannschaft zur Stelle, die in allen Teilen gleich gut besetzt war. Es ist deshalb verständlich, wenn Lang-Göns auch auf eigenem Platz verlor, zumal auch die Elf nicht mit dem Elan ins Spiel ging, der ihr sonst eigen ist. — Die Gießener Artilleristen haben auch bei ihrem neuesten Auftritt wieder bewiesen, wie stark sie sind. Grüningen war keineswegs schwach, die Mannschaft gab sich vielmehr alle Mühe, das Ergebnis zu verbessern, konnte aber die gegnerische Hintermannschaft nur ein einziges Mal schlagen — Unerwartet kommt das schlechte Abschneiden von Dutenhofen in Katzenfurt. — Dornholzhausen war dem Können von Garbenheim nicht gewachsen und mußte eine hohe Niederlage einstecken. 2. Kreisklasse. Tv. Garbenheim 2. — To. Allendorf (Lahn) 7:13 (5:3). To. Atzbach — Tv. Dutenhofen 2. 16:1 (7:0). Tv. Lich — Mtv. Gießen 2. ausgefallen. SA.-Stand. I. 33 Wetzlar — Tv Nauborn 5:3 (0:3). SA.-Sturmbann 1/116 — Tv. Wißmar 9:7. Tv. Londorf — Tv. Ruttershausen 11:6 (3:4). Allendorf, das noch in der Halbzeit infolge Un- fchlüfsigkeit seines Sturmes im Rückstand lag, kam in der zweiten Spielhälfte stark auf. Die Mannschaft war, trotzdem sie einen Spieler durch Herausstellung verlor, nicht wiederzuerkennen, der Sieg unter diesen Umständen vollauf verdient. — Auch Dutenhofen hatte gegen Atzbach nicht viel zu bestellen. — Zu einem harten Kampf, der oft die Grenzen des Erlaubten streifte, kam es in Wetzlar. — Aeußerst knapp mußte sich der Tv. Wißmar in Londorf geschlagen bekennen. Wohl hatte die Kampfspielgemeinschaft eine spielstarke Mannschaft zur Stelle, die bessere Gesamtleistung bot aber zweifellos Wißnkar. — Ruttershausen kam zum Schluß nicht mehr gegen die ausgezeichnete Leistung der Platzbesitzer, die diesmal verstärkt antraten, auf, mußte sich vielmehr nach anfänglicher Führung zum Schluß ziemlich einwandfrei geschlagen bekennen. Kirche und Schule. Jahresversammlung desHessischenLandes- Vereins für Innere Mission. )( Die Jahresversammlung des Hessischen Landesvereins für Innere Mission findet am 17 und 18. Oktober in Offenbach statt Sie wird durch einen Festgottesdienst in der Schloßkirche eingeleitet, in dem Generalsuperintendent D. Kähler (Bethel) predigen wird. Ein Festkindergottesdienst schließt sich an. Außerdem sind Festgottesdienste in der Mar- kuskapelle und in der Gustav-Adolf-Kirche in Bürgel vorgesehen. Ein Gemeindeabend im großen Saal des Ev. Vereinshauses wird die Festgaste mit den Gemeindegliedern vereinen. Generalsuperintendent D. Kähler wird in einem Vortrag „Bilder aus dem Dienst christlicher Liebe" zeigen. Am Montagmorgen schließt sich an die geschlossene Mitgliederversammlung im Ev. Vereinshaus die öffentliche Jahresversammlung an. Sie wird durch eine Andacht von Pfarrer Lic. zur Rieden (Offenbach) eingeleitet. Direktor Pfarrer Schirmacher (Berlin) spricht sodann über „der immerwährende Auftrag der Inneren Mission". Rundfunkprogramm Mittwoch, 13. Oktober. 6 Uhr: Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Werkskonzert. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau, hör zu! 11.40: Nur Frankfurt: Gaunachrichten. 11.45: Deutsche Scholle. 12: Werkskonzert aus den Leitz- werken in Wetzlar. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten., 14.10: O holde Frau Musica! 15: Volk und Wirtschaft. 16: Lieder und Balladen. 16.30: Nachmittagskonzert. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Nachrichten. 19.10: Unser singendes, klingendes Frankfurt. 21.15: Der brennende Wald, Hörspiel. Donnerstag, 14. Oktober. 6 Uhr: Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Früh- konzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Ein froher Morgengruß aus der Westmark. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau, hör zu! 11.40: Deutsche Scholle. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Tänzerische Musik. 15: Volk und Wirtschaft. 15.15: Für unsere Kinder. 16: Melodien aus dem Schwarzwald. 17.15: Musik aus alter Zeit. 18: Zeitgeschehen im Funk 19: Nachrichten. 19.10: Wer vieles bringt, wird jedem etwas bringen... 21.15: Es rauschten leis die Wälder..,