nr.257 Erstes Blatt 18?. Jahrgang Montag, ll Oktober 1937 krlchemi täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblatter Heimat m BUd Die Scholle Monals-Vezugspreir: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernfprechanfchluffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach- richtens Anzeiger Sietzen Postscheckkonto: grantfurt am Main 11086 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche Univerfitätrdruckerei «.Lange in Siehe». Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm 7,öhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70 mm Breite 50Npf.,Platzvorschrift nach vorh.Vereinbg.25"/„ mehr. Lrmützigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts-u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Nationalsozialistische Volksführung. Reichsminister Dr. Goebbels weiht die Nordmark-Feierstatte in Bad Segeberg. Bad Segeberg, 10. Oktober. (DNB.) Reichsminister Dr. Goebbels weihte am Sonntagmittag in Bad Segeberg in Anwesenheit von mehr als 20 000 Nordmärkern die in dreijähriger Arbeit erstandene Nordmarkfeier st ätte. Mitten aus dem schleswig-holsteinischen Flachland ragt der Berg empor, auf dessen zerklüfteten und wildaufgetürmten Felsmassen einst im 12. Jahrhundert Kaiser Lothar die inzwischen längst wieder verfallene Siegesburg als Schutz und Schirm gegen das Vordringen slawischer Völkerschaften errichten ließ. Die eigenartige Felsenlandschaft bot den gleichsam von der Natur geschaffenen Rahmen für die Schöpfung einer der schönsten Feierstätten des neuen Deutschland. Schon seit Tagen steht die ganze Nordmark im Zeichen des Weihetages ihrer Feierstätte. Ueberall sind umfangreiche Vorbereitungen getroffen, um die vielen Tausende, die diesen Ehrentag ihres Gaues miterleben werden, schnell und reibungslos nach Bad Segeberg zu befördern. Das kleine holsteinische Städtchen selbst ist nach Jahrhunderten der Ruhe und Vergessenheit heute wieder in den Blickpunkt ganz Norddeutschlands gerückt. Schon Stunden vor Beginn der Feierlichkeiten sind die Ränge der Feierstätte dicht gefüllt mit einer erwartungsvollen Menge. Im Vorraum des Spiel- runds haben die Arbeitsmänner der Abteilung 9/73 des Reichsarbeitsdienstes, Gau V11 (Arbeitslager Schafhaus), die in dreijähriger Arbeit das Werk errichtet haben, Aufstellung genommen. Auch die am Bau der Feierstätte beteiligten Facharbeiter sind erschienen und haben in den vordersten Sitzreihen mit Platz genommen. Rings um den höchsten Ringwall wehen Fahnen. Auf dem mittleren von drei mächtigen Masten grüßt das Hoheitszeichen, umgeben von den Landeswappen Schleswig-Holsteins und dem Stadtsymbol Segebergs. Schmetternde Marschmusik setzt ein, die Ehrenabteilungen aller Gliederungen der Bewegung ziehen in die Feierstätte ein. Dann hört man von weitem ein Brausen, das von Minute zu Minute zunimmt. Dr. Goebbels ist in Bad Segeberg eingetroffen. Am Eingang der Feierstätte wird er von Gauleiter Oberpräsident Lohse herzlich willkommen geheißen. Der Minister schreitet dann unter klingendem Spiel die Fronten der Ehrenformationen ab. der Leitung von Oberstfeldmeister Brinkmann der Leitung von Oberfeldmeister Brinkmann vom Arbeitsgau VII stehende ch o r i s ch e Spiel „Die Straße in das Reich" ein. Die Wirkung des Spieles in dem monumentalen Rahmen der Nordmarkfeierstätte ist eindrucksvoll und erhebend. Sie wird erhöht durch den straffen Einsatz der mitwirkenden Arbeitsmänner. Mit dem Ruse: Deutschland! und einem leisen, vom Chor gesungenen Einsatz steigert sich das letzte Bild zu einem" erhebenden Abschluß des Spieles. Die Dichtung von Thilo Scheller, von Steinbecker musikalisch untermalt, stellt symbolisch die Straße als Mittlerin zwischen Stadt und Land, von Mensch zu Mensch dar. Brausender Beifall belohnt die Männer des Arbeitsdienstes für die Darbietung. Als nun Reichsminister Dr. Goebbels ans Mikrophon tritt, erhebt sich ein erneuter Jubelsturm. Erst nach Minuten kann Dr. Goebbels das Wort ergreifen. Mr predigen die Ideale, durch die wir groß geworden sind. In seiner Rede ging Dr. Goebbels von der Tatsache aus, daß von allen großen Willens- bemonftrationen der Bewegung in den Jahren des Kampfes und des Sieges die am festesten tn der Erinnerung haften geblieben find, die mit großen Mühen, Strapazen oder Sorgen verbunden waren. Und im Hinblick auf den strömenden Regen fuhr er fort: „Wenn wir zu dieser Feierstunde der Nordmark ohne Mühe und Strapaze zusammengekommen wären, dann würde die Erinnerung vielleicht schon in Wochen oder Monaten verblaßt sein. Da aber jeder stundenlang in strömendem Regen zu dieser Feierstunde fahren oder marschieren mußte und dann wieder Stunde um Stunde freudig ausharrte, wird die Erinnerung an diesen Tag unvergeßlich fein, weil sie mit Strapazen, Mühen und Sorgen verknüpft war." Dr. Goebbels rechnete dann mit überzeugenden Argumenten mit denen ab, die da meinen, die nationalsozialistische Bewegung und nationalsozialistische Kundgebungen feien heute nach der Erringung des Sieges völlig überflüssig, es wisse ja doch jeder im Volk, was der Nationalsozialismus wolle, und auf den Kundgebungen würden im wesentlichen doch immer dieselben Gedankengänge gepredigt. „Die Kirchen", so betonte Dr. Goebbels diesem Einwand gegenüber, „predigen auch heute noch dasselbe, was ihr Lehrmeister vor 2000 Jahren gesagt hat. Wir handeln nach denselben Grundsätzen, nach denen sich große weltanschauliche Gebilde in der Geschichte durchgeseht haben. Darum versammeln wir immer wieder das Volk um uns, predigen wir immer wieder die Ideale, durch die wir groß geworden sind, damit nicht nur unsere Generation nationalsozialistisch bleibt, sondern a ll e G e n e- rationen nach uns auf Jahrhunderte hinaus nationalsozialistisch werden. Es kommt nicht nur darauf an“, so stellte er fest, „ob jemand nationalsozialistisch denkt, sondern auch darauf, daß er d e m g e m ä h handelt! Dieses handeln muß gelernt und geübt werden, und das besorgen wir in den dazu geschaffenen Organisationen.“ (Stürmische Zustimmung.) Dr. Goebbels streifte in diesem Zusammenhang, immer wieder von Beifall unterbrochen, auch das Verhältnis des neuen Staates zur Kirche: „Wir tun den Kirchen nichts zuleide, im Gegenteil, wir nehmen ihnen noch Arbeit ab, die sie eigentlich selbst besorgen müßten. Wenn die Kirchen sich darüber beklagen, daß sie kein richtiges Verhältnis mehr zum V o l k e f i n- d e n und uns vielleicht zum Sündenbock hierfür stempeln möchten, so ist hierauf zu entgegnen: Sie finden kein richtiges Verhältnis mehr zum Volke, weil sie nicht mehr in der richtigen Weife das Volk anzusprechen verstehen. Ein Volk, das vier Jahre Krieg und 15 Jahre Marxismus durchgemacht hat, bringt kein Verständnis mehr für theologische Haarspaltereien auf. Es will ein Christentum der T a t sehen und sieht es lebendiger verkörpert etwa im Winterhilfswerk als in einer theologischen Auseinandersetzung der sogenannten Bekenntnisfront." (Langanhaltender Beifall unterbricht diese Feststellung des Ministers.) Reichsmiuisier Dr. Goebbels ging bann auf die Tatenlosigkeit bet Regierungen von einft ein, bie sich nach breimona- liger Regierungszeit meistens im Volke gar nicht mehr hätten blicken lassen bürfen, unb stellte bemgegenüber bie innere Verbun- benheit von Führung unb Volk im nationalsozialistischen Staate. Unter begeisterter Zustimmung ber vielen Tausende stellte er fest. „Wir sind keine bürokratische, über dem Volke stehende Regierung. Wir fühlen uns als Volksführung. Das Volk kann man aber nur führen, wenn man es kennt. Wrm kennt es nur, wenn man täglich mit ihm umgeht!" Immer wieder unterbrach stürmischer Beifall den Minister, als er in prägnanten Formulierungen die unbestreitbare Tatsache hervorhob, daß alles, was die nationalsozialistische Regierung tue, nicht für die Interessen irgendwelcher einzelnen Klassen oder Stände geschehe, sondern stets nur für das gesamte Volk. „Aus diesem Grunde allein konnte auch der Führer Werke von der monumentalen Größe schaffen, wie wir ihnen heute überall in Deutschland begegnen." Auf die außenpolitische Lage Deutschlands übergehend, wies Dr. Goebbels darauf hin, daß das Ausland in den 15 Jahren der Systemzeit sich daran gewöhnt habe, sich in alle inneren Angelegenheiten Deutschlands einzumischen, dauernd uns gegenüber die Gouvernante zu spielen und an Deutschland unerbetene Kritik zu üben. Weil Deutschland heute für dieses tantenhafte Gouvernantentum nicht mehr empfänglich sei, sich vielmehr dagegen wehre, sei man in gewissen Kreisen des Auslandes empört. Deutschland wolle gewiß mit allen Völkern in Eintracht und Frieden leben. Dafür sei jedoch die erste Voraussetzung, daß die anderen Völker sich in erster Linie um ihre eigenen Angele genhei- ten kümmerten und es dem deutschen Volke überließen, seine inneren Dinge s e l b st zu ordnen. In diesem Zusammenhang behandelte Dr. Goebbels auch die ausländische Kritik am Vierjähre s p l a n , der in Wirklichkeit das Ziel verfolge, ein Volk, dem man feine Kolonien genommen habe, in feiner Ernährung und Wirtschaft möglichst unabhängig zu machen. Denn ein Volk von 68 Millionen könne man mit Brot, aber nicht mit Genfer Dölkerbundsphrasen satt machen. Dr. Goebbels stellte dann unter lebhafter Zustimmung der Zehntausende fest, daß die nationalsozialistische Volksführung sich vor dem Angesicht des Volkes nicht zu schämen brauche. „Wir brauchen nichts zu verheimlichen", so erklärte er, „das Volk soll an unseren Sorgen und an unseren Verantwortlichkeiten teilhaben. Es soll unser guter Freund sein, mit dem wir Freud und Leid zu teilen versuchen." Wenn Einzelne lediglich die Methoden der nationalsozialistischen Staatsführung kritisieren wollten, dann müsse man demgegenüber- darauf Hinweisen, daß dem Volke die Methoden gleichgültig sein könnten. Es komme auf die Erfolge an; sie sprächen für sich. Wenn es darüber hinaus noch eine Reihe ungelöster Probleme gebe, so sei das nur ein Beweis dafür, welcher Anstrengungen es bedürfe, um das deutsche Volk in eine bessere Zukunft zu führen. „Niemand weiß besser als wir, welcher harten Anstrengungen es bedarf, um unser Volk satt zu machen. Niemand weiß besser als wir, daß wir Kolonien nötig haben, um den erforderlichen Lebensraum für unser Volk zu gewinnen." Niemand weiß aber auch besser als wir, daß wir im eigenen Lande alles getan haben, um die Fragen, die unter den augenblicklichen Voraussetzungen gelost werden können, endgültig einer Lösung zuzuführen." Aus diesen Gedankengängen heraus legte Dr. Goebbels abschließend auch den Sinn dieser Feierstunde dar: „Wir kommen zusammen, um uns mit dem Volk auszusprechen. Wir fühlen uns als die politischen Seelsorger des Volkes und haben die Ueberzeugung, daß es unsere Aufgabe sein muß, die Sorgen zu vermindern und zu lindern, mit denen die Seele unseres Volkes belastet ist. (Jubelnde Beifallskundgebungen.) Das sehe ich auch als die edelste Aufgabe dieser heute einzu- weihenden Fest- und Feierstätte an. Hier soll das Volk Erhebung und Erbauung suchen und finden. Diese Stätte soll eine politische Kirche sein, in der für Jahrzehnte und Jahrhunderte die Menschen zu wahren Nationalsozialisten erzogen werden!" Der Minister gab seiner besonderen Freude darüber Ausdruck, daß er als erster an ihrem Rednerpult stehen könne: „Auch in 50 ober 100 Jahren werben hier wieber Wanner stehen, bie biefelben Jbeen unb bie gleichen Jbeale in bie Herzen ber bann hier versammelten Wenfchen hineinpflanzen werben." „Wieber wirb hier ber Gebanke ber Gemeinschaft unb ber nationalen Soli b a r i l ä t geprebigt werben. Wieber werben sich hier um unsere Rebner bie Felbzeichen — vielleicht bann verwittert unb zersetzt — versammeln, unb wieber werben hinter biesen Felbzeichen junge trotzige Wärmer stehen, bie auf ihren Gesichtern bie gleiche Entschlossenheit zum Ausbruck bringen, bie Volksgemeinschaft unb bie Volkseinheit zu bewahren. Wir werben bann vergangen fein. Aber bas beutsche Volk wirb leben unb wirb an biesen steinernen Zeugen bie Gröhe unserer Zeit lesen. Unsere Stimmen werden verklungen sein. Nur unsere Namen wehen vielleicht noch in die fernen Zeiten hinüber. Aber die Steine werden dann reden, werden die große, monumentale und heroische Sprache sprechen, die wir gesprochen haben. Sie werden dann vom Werk des Führers künden! Spätere Geschlechter werden sagen, daß ein Mann in Deutschland aufftanb in der Zeit seiner tiefsten Demütigung und das Volk emporriß, um aus Dutzenden vost Parteien und Gruppen eine Gemeinschaft zu formen und ihr die Kraft zu geben, ihr Leben auch der Welt gegenüber zu verteidigen." Dr. Goebbels sprach von dem großen und erhebenden Glück, das die jetzige Generation, das besonders die Männer um den Führer empfinden können, die mit ihm Zusammenarbeiten, um seine große Verantwortung wissen und an seinen Sorgen teil- nehmen können. „Es ist deshalb unsere Pflicht", so rief Dr. Goebbels den Massen zu, „daß jeder an seinem Platze mithilft, daß jeder einen Teil der Verantwortung mitträgt und daß sich jeder einzelne zu seinem Teil als Paladin des Führers fühlt. Mr müssen unter dem Führer eine einige kämpfende Nation sein!" Unter immer wieder aufbrausenden Jubelstürmen übergab Reichsminister Dr. Goebbels dann die Nordmarkfeierstätte ihrer Bestimmung: „Wir können dieser schönen und stolzen Feierstätte, an die so viel Mühe, Schweiß und Arbeit gewandt worden ist, keinen besseren Leitspruch mit auf den Weg geben als diesen: „Wöge hier für olle Zeiten, in Jahren, Jahrzehnten unb Jahrhunberten bas Wort bes Führers immer rein unb u n- verfälscht verkünbet werben! Wöge biefe Feierstätte eine politische Kirche bes Nationalsozialismus sein! Wögen sich hier immer wahrhaft beutsche Wänner unb echte deutsche Frauen im Geiste bes Führers versammeln, sich an seinen Lehren erbauen unb sich zu seinem Werk verpflichten. In biesem Sinne übergebe ich biefe Stätte ber Öffentlichkeit, unb zum erstenmal soll hier unser alter Kampfruf erklingen: Abolf Hitler Sieg-Heil! Sieg-Heil! Sieg-Heil!“ Wie ein einmütiger Schwur erschallt das Sieg- Heil der Nordmärker auf den Führer. Erst als feierliche Festmusik aufklingt, verebben die Heilrufe der Zehntausende. Gauleiter Lohse übergibt darauf dem Bürgermeister der Stadt die Feierstätte des Gaues in feine Obhut. Nach dem feierlichen Fahnenausmarsch verdichten sich die Heilrufe noch einmal zu einem Sturm der Begeisterung, als Dr. Goebbels die Nordmarkfeierstätte verläßt. Im Sege- berger Kurhotel versammelten sich die führenden Männer der Nordmark mit Dr. Goebbels dann zu einem Eintopfessen. Am Nachmittag nahm der Minister an dem großen Landesturnier der SA.- Gruppe Nordmart teil. Um Ehre und Recht. Don Or. Hans von Malottki. Die internationale (Erörterung der kolonialen Frage ist gegenwärtig wieder sehr in Fluß gekommen, nachdem Deutschland keinen Zweifel gelassen hat, daß es nicht gesonnen sei, sich auf die Dauer mit dem durch die Friedensdiktate geschaffenen Zustand abzufinden. Wie alle früheren deutschen Forderungen nach Wiederherstellung des Rechtes, so hat auch die grundsätzliche und unmißverständliche Anmeldung dieser Forderung bei den Hauptnutznießern des früheren deutschen Kolonialbesitzes zunächst Unruhe und starkes Unbehagen ausgelöst. Krasse Besitzinstinkte regen sich, und in dem Bestreben, alle territorialen Zugeständnisse zu verweigern, greift die Presse der beiden Westmächte zu Ausflüchten und Entstellungen, die man nur als Ausfluß eines sehr schlechten Gewissens bezeichnen kann. Bezeichnenderweise bekunden die französischen Blätter für die deutsche Kolonialforde- rung schon lange außerordentliches Interesse. Das war auch bei der Rede des Führers auf dem Bückeberg wieder der Fall. Dabei wurde auch der Hintergrund dieses Interesses sichtbar: man sieht in Paris in der Kolonialfrage lediglich ein Mittel, bie deutsch-englischen Beziehungen z u ft ö r e n und arbeitet unverkennbar auf eine Verschärfung der Meinungsverschiedenheiten zwischen Berlin und London hin, indem man nach Kräften unterstreicht, daß sich der deutsche Anspruch in erster Linie gegen England richtet. Wie es in der Nachkriegszeit gegenüber deutschen Belangen so oft der Fall war, erschöpft sich auch hier die französische Politik in sturer Ablehnung und in dem Bestreben, vorhandene Gegensätze zu schüren, anstatt zu ihrer Bereinigung beizutragen. In England selbst ist man vorsichtiger und in der Form weniger schroff zu Werke gegangen. Aber daß das Gewissen der britischen Nation zutiefst beunruhigt ist, daß man doch die Unnatur des heutigen Zustandes empfindet, wenn man es nach außen hin auch nicht wahrhaben will — das ist gerade an der englischen Taktik deutlich sichtbar geworden. Dafür spricht schon der Umstand, daß diese Taktik von langer Hand sorgsam für den „Ernstfall", den man also doch wohl schon seit langem Heraufziehen sah, vorbereitet worden ist. Ihr Ursprung ist in jener Genfer Rede des damaligen englischen Außenministers Sir Samuel Hoare zu suchen, die zwar durch den abessinisch- italienischen Krieg veranlaßt wurde, zweifellos aber schon auf die deutschen Ansprüche gemünzt war. Damals — vor nunmehr zwei Jahren — wurde jener Gedankengang entwickelt, an dem England bis heute festhält und mit dem der deutschen Kolonialforderung der Boden entzogen werden soll. Er besagt, daß es im Grunde kein Kolonialproblem, sondern nur ein Rohstoffproblem gebe, das gelost werden könne, wenn den Ländern ohne Kolonien die Möglichkeit verschafft wird, Rohstoffe in fremden Besitzungen zu kaufen. Diese Vorbeugetaktik stand und steht zunächst in krassem Widerspruch zu der Behauptung, daß es das erklärte Ziel der britischen Staatskunst sei, internationale Konfliktsstoffe und Ungerechtigkeiten rechtzeitig aus der Welt zu schaffen. Sie ist darüber hinaus eine so offenbare Verfälschung und Verengung des Problems, daß man sie nur mit der völligen Ratlosigkeit und dem schlechten Gewissen der englischen Politik erklären kann. Die wirtschaftliche Seite der Kolonialfrage soll hier gar nicht weiter verfolgt werden. Es genügt die Feststellung, daß niemand heute ernsthaft die wirtschaftliche Bedeutung von Kolonialbesitz, und zwar unter dem doppelten Gesichtspunkt der R o h st o f f b e s ch a f f u n g wie des Absatzes von Jndustrieerzeugnissen, bestreiten kann und daß schon die deutschen Devisen- verhältnisse die Umwandlung des Kolonialproblems in ein bloßes kommerzielles Problem verbieten. Entscheidend ist aber die rechtliche und moralische Seite der deutschen Kolonialfrage. Daß diese Seite des Problems im Auslande und nicht zuletzt von der englischen Politik totgeschwiegen wird, ist um so unverständlicher, als das Ausland, d. h. die ehemaligen Alliierten, diesen Aspekt des deutschen Kvlonialproblems selb st geschaffen haben und dafür verantwortlich sind. Gewiß handelt es sich hier um eines der trübsten Kapitel des Versailler Diktates und daran erinnern, mag unbequem sein. Aber unter einem höheren Gesichtspunkt sollte staatsmännischer Weitblick und politische Vernunft um so eher Veranlassung nehmen, eine Angelegenheit zu bereinigen, die den damaligen Akteuren gewiß nicht zur Ehre gereicht. Denn bet der Fortnahme der deutschen Kolonien hat nicht bloß jene Machtpolitik Pate gestanden, die in Versailles das deutsche Volk bis aufs Blut auspreßte und sich aus dem deutschen Volkskörper nach Herzenslust die Beute herausschnitt. In der Kolonialfrage sank man noch tief ynter diese verblendeten, aber immerhin noch brutaloffenen Siegermethoden. Man fügte hier zur Brutalität noch die Unehrlichkeit und enthüllte damit eine um so abstoßendere Gesinnung. Auf der einen Seite scheute man angesichts der Wilsonschen Punkte, die eine „freie, weitherzige und absolut unparteiische Regelung aller kolonialen Ansprüche" verheißen hatten, die glatte und offene Annektierung. Aber innerlich hatte man diese Verpflichtung schon gebrochen, bevor sie eingeqangen wurde, indem man während des Krieges schon Geheimverträge über die Verteilung der deutschen Kolonien geschlossen hatte. Das Mittel, das man ersann, um die auch hier gähnende Kluft zwischen den von Wilson verkündeten hohen Idealen und den wirklichen Absichten der Alliierten zu überbrücken, war die Erfindung des Mandats^ vor dem Kriege im Gegensatz zu anderen Mächten B. Oie Führeriagung der HL. Darmstadt, 9. Okt. (LPD.) Die Arbeiten der HI.-Führertagung des Gebietes Hessen-Nassau begannen am Samstagvormittag mit einem Vortrag des Reichsamtsleiters Dr. Groß, der den systematischen Aufbau des deutschen Volkes in den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellte. Landesbauernführer Dr. Wagner behandelte die nationalsozialistische Agrarpolitik. Gauschulungsleiter Pg. R u - der behandelte die weltanschauliche Schulung der HJ.-Führer. Das ganze Volk solle das große Zeitgeschehen verständnisvoll beobachten, nicht nur die äußeren Erscheinungen sehen, sondern die treibenden Kräfte erkennen. Drei große Aufgaben erwachsen der Führerschaft: Die politische Erziehungsarbeit, die weltanschauliche Aufklärung und die Hinführung zu einer neuen Lebenshaltung. Kleists „Hermannsschlacht" im Hessischen ^andestheater machte sichtlichen Eindruck auf die Zuhörerschaft. Stolz müsse jeder Volksgenosse darin sehen, Sozial! st der Tat und damit S o z i a l i st Adolf Hitlers zu sein. Der Beauftragte des Winterhilfswerkes für den Gau, Parteigenosse Haug, schloß die Kundgebung mit dem Gelöbnis, daß die Helfer alle Kräfte zum Gelingen des Werkes in unserem Gau einsetzen. Wir wissen, so rief er aus, daß wir dadurch nicht nur unserm Volk dienen, sondern damit auch das beste Bekenntnis zu unserem Herrgott ablegen. Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger hat am gestrigen Sonntag das Winterhilfswerk 1 9 3 7/38 im Gau Hessen - Nassau eröffnet. Eine großartige Kundgebung im Schu- manntheater in Frankfurt a. M. war der Rahmen für den Rückblick und den Appell des Gauleiters an alle Volksgenossen im Gau. Aus allen Teilen des Gaugebiets waren die Mitarbeiter des WHW., führende Männer der Partei, des Staates, der Wehrmacht, der Wirtschaft und des übrigen öffentlichen Lebens, u. a. auch Vertreter der Kirche, gekommen, und sie alle hatten den großen Raum des Schumann- theaters bis zum letzten Platz besetzt. Dor diesen Tausenden von Männern und Frauen entrollte der Gauleiter in seiner Eröffnungsansprache zunächst ein außerordentlich eindrucksvolles Bild von dem bisherigen Wirken der NSV. und des WHW. seit 1933. Es waren Ergebnisse von großer Bedeutung, auf die er mit berechtigtem Stolz Hinweisen konnte, und die erfreulicherweise unfern Gau mit an die Spitze aller WHW.-Leistungen im ganzen Reiche stellen. Angesichts dieser erfreulichen Opferleistungen in unserem Gaugebiet ist es für alle Mithelfer an diesem großen Werke des Führers, die Spender und Sammler in Stadt und Land, ein schöner Lohn, daß der Gauleiter ihnen seine große Anerkennung und seinen herzlichen Dank für diese vorbildlichen Leistungen aussprach. Dank und Anerkennung galten insbesondere auch dem Gaubeauftragten des WHW. Pg. Haug und seinen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen in allen Orten des Gaugebietes, die sich in anerkennenswerter, rastloser Arbeit werktags und sonntags für die Erfüllung der großen Aufgaben der NSV. und in deren Rahmen des WHW. eingesetzt haben. Mit packenden Worten betonte der Gauleiter dann die dringende Notwendigkeit, daß unser Gau bei den bisherigen Leistungen des Kampfes gegen Hunger und Kälte und bei der Erfüllung der vielfältigen Verpflichtungen der NSV. nicht stehenbleiben darf, sondern alle Anstrengungen machen muß, um die bisher erreichte Spitze der Opferleistungen noch zu übertreffen. Mit Recht konnte der Gauleiter allen Hörern seiner aufrüttelnden Ansprache die Tatsache vor Augen stellen, daß d i e Aufgaben der NSV. und in ihrem Rahmen auch des WHW. trotz des erfolgreichen Kampfes gültig einverleibt. Rechtsgefühl und politische Vernunft fordern hier vielmehr eine Evolution im Sinne der Wiedergutmachung, d. h. die R ü ck g a b e der Gebiete an ihren rechtmäßigen Besitzer. Das ist die so gern übersehene rechtliche Seite. Daneben aber stehen die Forderungen der nationalen Ehre, die durch die längst widerlegte Kolonialschuldlüge angetastet wurde. Die Verleumdung, Deutschland sei unwürdig, Kolonien zu verwalten, wird zwar heute auch auf englischer Seite nicht mehr ernsthaft vertreten. Wiedergutgemacht werden kann sie gleichwohl nur mit der Rückgabe der Kolonien. Rechtliche und moralische Realitäten stützen so den deutschen Anspruch und stempeln ihn zu alles anderem als zu einer unbilligen oder gar gefährlichen Forderung. Diese Realitäten verlieren auch nichts von ihrem Gewicht, wenn man sie übergeht oder sie von Grund auf absichtlich verfälscht. Dies gilt vor allem gegenüber der neuen Ausflucht, mit der man in England operiert, daß nämlich eine Rückgabe der deutschen Kolonien gleichbedeutend wäre mit der Gefährdung britischer Weltreichsinteressen, weil Deutschland seine Kolonien z u Flottenstützpunkten und gegen England gerichteten militärischen Ausfallstellungen ausbauen würde. Das ist eine grobe Unwahrheit, die sich angesichts der friedlichen Zielsetzung der deutschen Kolonialpolitik von selbst richtet. Sie ist um so Am Geburtstage Horst Wessels. Reichsminister Dr. Goebbels spricht in der Feierstunde der Berliner SA. Der Appell des Gauleiters. Alle Volksgenossen in unserem Gau Sozialisten der Tat. und zugleich anfeuernden Worten den Tausenden aus dem Herzen gesprochen, wie tief sein eindringlicher Appell alle Zuhörer gepackt, und wie stark er damit dem Werke der NSV. und des WHW. Förderung hatte zuteil werden lassen, das alles kam in dem gewaltigen Beifallssturm zum Ausdruck, mit dem die große Versammlung ihm dankte und sich zugleich zu seinen Gedanken und seinen beherzigenswerten Forderungen bekannte. systems. Die Greuellüge von der Unwürdigkeit und Unfähigkeit Deutschlands zur Verwaltung seiner Kolonien mußte herhalten, um die Abtretung der deutschen Kolonien und ihre Unterstellung unter den Völkerbund mit einem Schein des Rechtes zu verkleiden. Eine verschleierte Annektion und ein Rechtsbruch ohnegleichen wurde so am Ende nach außen hin noch als ein Akt der Vernunft und eines selbstlosen Verantwortungsgefühls hingestellt. Heuchelei und Begehrlichkeit hatten ein würdiges Bündnis geschlossen. Aber das Mandatssystem ist nicht nur bemerkenswert wegen der Unmoral seines Ausgangspunktes. Es ist auch für die Behandlung der ganzen Kolonialfrage insofern wichtig, als es durch sich selbst die jetzt auftauchenden Behauptungen widerlegt, Deutschland habe die Kolonien verloren, weil es zuvor den Krieg verloren habe. Davon findet sich im Versailler Diktat keine Spur, und wenn Deutschland heute die „W iederaufnahme des Verfahrens" betreibt, um in den Besitz seines Eigentums zu gelangen, so geschieht dies mit um so mehr Berechtigung, als das Mandatssystem kein Eigentums-, sondern lediglich ein Treuhänderverhältnis begründet. Zugleich liegt es im Begriff des Mandates, daß dieses Treuhänderoerhält- nis nichts Endgültiges ist. Das beweist auch die herrschende Mandatspraxis, denn es wurden bereits in mehr als einem Fall Veränderungen und Wandlungen vollzogen. Es gibt also hier durchaus die so beliebten „Präzedenzfälle". Im Falle der deutschen Kolonien kann eine solche Mit großen Strichen zeichnete Dr. Goebbels das leuchtende Charakterbild Horst Wessels, die mannhafte Persönlichkeit des Kämpfers, der nicht befangen in Vorurteilen zum Volk ging, weil er zu ihm gehörte und der somit zum Typ des politischen Soldaten der Bewegung wurde. Viel zu lange sei unser Volk ein Volk der Dichter und Denker gewesen, dem die Einsicht in die politischen Voraussetzungen, auf denen sich unser nationales Schicksal aufbaut, und in die Schwierigkeiten, mit denen wir in einer Welt der Gegensätze zu kämpsen hatten, gefehlt habe. Allzu lange hätten wir als romantische Idealisten auf die Einsicht und die Verständnisbereitschaft der Welt verttaut, ein Irrwahn, der uns teuer zu stehen gekommen sei. Erst die nationalsozialistische .Bewegung habe dem deutschen Erbübel der Zersplitterung ein Ende gemacht. Sie habe dem deutschen Arbeiter die Augen geöffnet für die deutschen Lebensnotwendigkeiten. „Unsere Bewegung", erklärte der Minister, „hat die Nation gelehrt, das Leben real zu sehen, sie hat ihr die Erkenntnis vermittelt, daß Schwert und Hammer, Stirn und Faust, Armee und politische Bewegung Hand in Hand gehen müssen, soll sich das deutsche Volk in der Well behaupten. So erstand der politische Soldat, der, die Waffe des Geistes führend, als Erkennender der Nation voranschreitet. Das Reich wird uns bleiben, wenn wir es mit denselben Tugenden verleidi- gen, mit denen wir es ein st geschaffen haben! Diese Tugenden zu bewahren und ihre Reinheit zu überwachen, das ist die Aufgabe unserer Bewegung und ihrer Kampfformationen, vor allem aber derjenigen Truppe, mit der wir einstmals unsere Versammlungs- und Straßenschlachten geschlagen haben, der S2L 3n ihr muh der alte. Kampfgeist, den wir auf die ganze Nation übertragen wollen, lebendig bleiben! Ohne ihn wäre der Nationalsozialismus nicht lebensfähig und nicht vollständig." Nach der Ansprache des Gauleiters marschierten die Brigaden an dem Führer der SA.-Gruppen Berlin-Brandenburg, Obergruppenführer von I a - g o w, vorbei. Schweigend zogen die braunen Sturmbataillone an dem Hause Große Frankfurter Straße 62 vorüber, in dem Horst Wessel den Kugeln der kommunistischen Meuchelmörder zum Opfer fiel. Ein Vorbeimarsch der Brigade 29 am Nikolaifriedhof, der letzten Ruhestätte des Freiheits- Helden, bildete den Abschluß der Gedenkfeier. Oer erste Eintopfsonntag. Berlin, 10. Okt. (DNB.) In Berlin opferten wieder viele unbekannte Männer und Frauen, annähernd 70 000 Block- und Hauswalter und ihre freiwilligen Helfer, ein Tageswerk im Liebesdienst für die Allgemeinheit. An zwanzig verschiedenen Stellen der Stadt wurden öffentliche Spei» NSG. Nach einem Musikstück und einem Liedoor- trag der Singschar der Hitler-Jugend begrüßte der Gaubeauftragte für das WHW., Haug, die Gäste. Er erklärte dann mit Lieser Kundgebung die Gau- arbeitsgemeinschaft für das WHW. für gebildet. Dem Gauleiter meldete er 22 000 Helfer, die bereit ständen, das große Werk der sozialistischen Tat zu beginnen. Hierauf ergriff Gauleiter und Reichsstatthatter Sprenger das Wort. In feiner Ansprache führte er u. a. aus, daß das WHW. des Gaues Hessen-Nassau in seinen Leistungen mit an der Spitze aller Gaue im Reich stehe. Wie im Reich so seien in unserem Gau die Leistungen seit 1933 ungeheuer gestiegen. An Hand von Zahlen bewies er die Opferwilligkeit der Bevölkerung. An Geldspenden wurden im.WhW. 1933/1934 fast fünf Millionen aufgebracht. Der Betrag stieg im WHW. 1934/1935 auf nahezu sieben Millionen, 1935/36 auf über sieben Millionen RM. und 1936/1937 auf 8 013 000 RM. An Eintopfspenden wurden bisher 6 504 000 RM. gesammelt. Der Wert der Sachspenden war in den vier Jahren über 24 Millionen RM. Die Strahensammlungen ergaben 1933/1934 328 000 RM., 1934/1935 416 000 RM., 1935/1936 919 000 RM. und 1936/1937 1 210 000 RM. Die Steigerung der Beträge von Jahr zu Jahr müsse auch im Winterhilfswerk 1937/1938 anhalten. Alle Helfer müßten sich für das Gelingen einsetzen. Die Steigerung sei notwendig, da die Aufgaben, die dem WHW. und der NSV. gestellt seien, grö- ßer geworden seien. Früher mußten sieben Millionen Arbeitslose betreut werden. Diese seien heute fast restlos in Arbeit und Brot gebracht. Es gelte nun, die Volksgenossen, die zwar ein Einkommen haben, bei denen aber noch Not herrsche, zu unterstützen, um ihnen das Leben angenehmer zu gestalten. Im vorigen Jahr hätten die Mittel nicht restlos zur Unterstützung eingesetzt zu werden brauchen. Große Beträge hätten für neue Aufneue Atmosphäre der Zusammenarbeit der Völker auf der Basis der gegenseitigen Achtung und Anerkennung der nationalen Verschiedenheiten anstrebe. — Die Führertagung schloß mit dem Schlußappell und einem Vorbeimarsch der HJ.-Formatio- nen, wobei Gebietsführer Brandt Worte des Abschiedes an die versammelte HJ.-Führerschast und die HI. des Standorts Darmstadt richtete. Oas Baujahr derHiilerjugend Weihe von 58 neuen Jugendherbergen. । Berlin , 9. Okt. (DNB.) Am Sonntag, 17. Oktober d. I., wird der Jugendführer des Deutschen ; Reiches im Rahmen einer Feier, die vom deutschen Rundfunk übertragen wird, die Einweihung der neuen Jugendherberge auf dem Annaberg (Oberschlesien) vornehmen. Zur gleichen Stunde werden weitere 57 Jugendherbergen eingeweiht, bei 19 Jugendherbergen das Richtfest gefeiert und zu 19 Jugendherbergen der Grundstein gelegt. Die Gemeinschaftsweihe von 58 neuen Jugendherbergen sowie die Richtfeste und Grundsteinlegungen bedeuten für das deutsche Jugendherbergswerk, welches seit der Machtübernahme von dem ^Beauftragten des Jugendführers des Deutschen Reiches, Obergebietsführer Rodatz, geleitet wird, einen großen Erfolg in dem Bestreben, über das ganze Reich ein dichtes Netz von Jugendherbergen für die wandernde deutsche Jugend zu errichten. Das deutsche Jugendherbergswerk tritt damit seit 1933 zum dritten Male an die Öffentlichkeit und stellt die Leistungen des Jahres 1937 unter Beweis. Konnten im Jahre 1935 26 neue Jugendherbergen und im Jahre 1936 49 Jugendherbergen in Dienst gestellt werden, so hat sich in diesem Jahr die Zahl erfreulicherweise weiterhin auf 57 erhöht. sogar die Militarisierung der Eingeborenen a b - lehnte. Im übrigen sollte allein ein Tatbestand wie der deutsch-englische Flottenvertrag mit seiner freimütigen Anerkennung der englischen Weltreichsinteressen es verbieten, mit imperialistischen Verdächtigungen gegen den deutschen Anspruch zu Felde zu ziehen. Ausdruck britischer Staatskunst ist es früher immer gewesen, Entwicklungen rechtzeitig Rechnung zu tragen, deren Unvermeidlichkeit einmal erkannt war. Wenn man die deutsche Kolonialforderung im Lichte der geschichtlichen Wahrheit und in all ihren Aspekten betrachtet, würde man auch erkennen, daß dieses Problem, seiner ganzen Entstehung und inneren Natur nach, nicht zur Ruhe kommen kann, bis die Forderungen des Rechtes und der Ehre erfüllt sind. Vielleicht macht man sich im übrigen in London auch einmal klar, wie verhängnisvoll es die ganze Nachkriegszeit hindurch gewesen ist, eine Vogel-Strauß-Politik zu treiben und Beschwerden und Krankheitskeime künstlich am Leben zu erhalten, die ganz zwangsläufig den zwischenstaatlichen Gesundungsprozeß aufhalten und immer wieder Rückschläge Hervorrufen müssen. In jedem Falle wird der deutsche Kolonialanspruch der Maßstab sein und bleiben, an dem die Ehrlichkeit mancher Beteuerungen und Absichten gemessen werden muß. Berlin, 9. Okt. (DNB.) Der ehemalige rote Osten Berlins, wo Horst Wessel einst seinen SA.-Sturm 5 zu einer stahlharten Kampfgemeinschaft zusammenschmiedete und diese Hochburg des Marxismus ins Wanken brachte, war am Samstagabend der Schauplatz eines gewaltigen Aufmarsches der Berliner SA. Die 30. Wiederkehr seines Geburtstages war der Anlaß, um dem Vorkämpfer des Dritten Reiches eine würdige Ehrung zu erweisen. Vor Beginn der Veranstaltung legte der Berliner Gauleiter Reichsminister Dr. Goebbels einen Kranz in dem zu einer Gedenkstätte ausgestalteten Sterbezimmer im Horst- -Wessel-Krankenhaus nieder. Unter den Klängen des Signalhorn-Marsches traf der Gauleiter sodann auf dem Küstriner Platz ein, der im weiten Rund von Hunderten von lodernden Fackeln umsäumt war. Nach dem Gesang des alten Kampfliedes „Durch Groß-Berlin marschieren wir" ergriff Obergruppenführer von Jagow das Wort. Er erklärte u. a.: „Wir wollen uns nicht erschöpfen im bloßen Gedenken, sondern wir wollen darüber hinaus handeln im Geiste des unvergeßlichen Sturmführers. Deswegen marschieren wir von hier durch die Straßen seines Kampfes, wo sie einst das Volk aufriefen für unseren Führer und für Deutschland. Die Berliner SA. steht heute bereit, die Parole ihres Gauleiters Dr. Goebbels entgegenzunehmen zu neuem Vormarsch. 40 SA.-Männer starben im Kampf aus den Reihen der Gruppe Berlin-Brandenburg. Ihrer gedenken wir in dieser Abendstunde, indem wir schweigend den Sturmführer Horst Wessel ehren." Nach einer Minute stillen Gedenkens ertönte das Horst-Wesiel-Lied, von^ der Schalmeienkapelle des Horst-Wessel-Sturmes gespielt. Dann hielt Reichsminister Dr. Goebbels die Gedenkrede. Er wies daraufhin, daß dieser Tag ein Ehrentag für die Berliner SA. wie auch für die SA. des ganzen Reiches fei. Denn es fei einer aus ihren Reihen gewesen, der ein großes Leben gelebt habe und in die Unsterblichkeit eingegangen sei. „Nur wenige Deutsche", fuhr der Gauleiter fort, „kannten das Lied dieses Freiheitskämpfers, als er starb, dieses Lied, von dem ich schon damals sagen konnte, daß der Tag kommen wird, an dem ein ganzes Volk es fingen wird. Welch ein reiches und erfülltes Leben hat er gelebt! Wenn auf einen, bann paffen auf ihn die Worte: ,Wen die Götter lieben, den lassen sie jung sterbend Strahlend ging er in der Blüte seiner Jugend von uns, seinen Glauben, sein Ideal und sein Lied hinterließ er uns als Vermächtnis. So stieg er zum Heros der nationalsozialistischen Bewegung empor. Das, was wir wollten und wofür wir kämpften, konnte keiner symbolhafter leben und betätigen als er. Zwar konnte er das Reich, das er mit uns erftritt, nicht mehr erleben. Aber mit prophetischem Auge hat er es doch geschaut. Sein Lied haben wir gesungen, verbittert und haßerfüllt nach Niederlagen, aber erhobenen Hauptes und in Jubel und Freude nach unseren Siegen. Es war das Lied unserer Niederlage, und es war das Lied unserer Siegel" gaben verwendet werden können. Sie seien *ber NSV. zur vorsorglichen Betreuung zur Verfügung gestellt worden. Der Gauleiter sprach dann über die Erholungseinrichtungen im Gau, die dazu dienen, Mutter und Kind und die Jugend gesund zu erhalten. Alle diese Einrichtungen sollen weiter ausgebaut werden. Diese Arbeit stände erst im Anfang. Ferner seien der NSV. im Partei- und Volksleben unerhört große Aufgaben gestellt worden. Die Wege, die eingeschlagen wurden, sind vorwärts gerichtet und werden ausgebaut. Die Helfer forderte der Gauleiter dann auf, dafür zu sorgen, daß wirkliche Opfer gebracht werden. Die Arbeit, die sie im Dienste der herrlichen Aufgaben erfüllen, sei eine Symphonie des Sozialismus geworden. Der Gauleiter geißelte hierauf das Verhalten der Inneren Mission, deren Vertreter zu der Feierstunde abgesagt hatte, weil diese in die Zeit des Gottesdienstes falle, während die Kirche bei dieser Kundgebung vertreten sei. Alle Schichten der Bevölkerung hätten sich oersainmelt, so rief er aus, um den Sozialismus in die Tat umzusetzen, nur diese Einrichtung gehe einen anderen Weg. Dieses Verhalten richte sich selbst. Nach der Rede, die der Führer an das ganze Volk gerichtet hat, fuhr der Gauleiter dann weiter fort, muß jeder Volksgenosse in unserem Gau wissen, was er zu tun hat. Jeder, der das Werk sabotiere, werde von der Partei zur Rechenschaft gezogen. Er dankte hieraus allen Helfern, die zu dem großen Erfolg der bisherigen Winterhilfswerke mitgewirkt haben, und vor allem den Beauftragten des Winterhilfswerkes, Parteigenossen Haug, der stets seine Tatkraft für das Gelingen des Werkes ein- gefetzt hat. An die Spendengeber richtete der Gauleiter zum Schluß den Appell, spürbare Opfer für das große soziale Werk zu bringen. Die Opfer sollen nicht abgewogen werden nach dem Reingewinn der Bilanz und auch nicht prozentual gemessen werden. Jeder solle so geben, daß feine Spende ein Opfer bedeutet, das er fühlt. Solange niemand etwas missen müsse, solange opfere er nicht. Seinen gegen die Arbeitslosigkeit nicht etwa geringer oder weniger dringlich geworden sind, sondern daß sie im Gegenteil an Umfang und an Bedeutung noch 3U genommen haben, insbesondere in der Richtung der vorsorglichen Betreuung, namentlich auch der Jugend und der kinderreichen Mütter, da ja Vorbeugen immer besser ist als Hilfe bei bereits eingetretenen Krankheiten. Wer sich die große Bedeutung dieses zutreffenden Gesichtspunktes nach jeder Richtung hin klar vor Augen hält, der wird dem Gauleiter in vollem Umfange zustimmen bei seiner Forderung, auch um dieser vorbeugenden Sozialarbeit willen im Dienste des Aufbaues eines gefunden deutschen Volkes m i t den Ostfer spenden nicht zu erlahmen. Man wird ferner der Forderung des Gauleiters überall willig Gehör schenken müssen, um dieser großen Gesichtspunkte willen auch in Zukunft nicht etwa nur zu geben, sondern im wahrsten Sinne des Wortes zu opfern, wenn die NSV. und in ihrem Bereich das WHW. eine „Organisation der Betreuung in deutscher Kameradschaft" fein soll, so wie der Gauleiter es bei der gestrigen Kundgebung als seinen Wunsch aussprach, daß alle diese Opferleistungen angesehen werden sollen als eine „gewaltige Sinfonie des Sozialismus. 1 Dazu unter Anspannung aller Kräfte unermüdlich mitzuwirken, rief der Gauleiter alle Volksgenossen in seinem Gau eindringlich auf, und mit Recht gab er allen in Stadt und Land die Ermahnung, bei den Opferfpenden für dieses großartige Werk der nationalsozialistischen Volkswohlfahrt rasch zu geben, weil damit zugleich doppelt gegeben wird. Stolz kann dann — so betonte der Gauleiter — jeder Spender und Helfer von sich sagen, daß er ein S o - zialistderTat, ein Sozialistim Gei st e unseres Führers Adolf Hitler ist. Wie sehr der Gauleiter mit seinen anerkennenden Als Abschluß der Führertagung sprach am Sonn« tag Stabsführer Hartmann Lauterbacher. Der Stabsführer stellte in den Mittelpunkt feiner Ausführungen das Problem der Erziehung zur Menschenführung in der HI. und damit das Problem der Auslese und Heranbildung einer Führerschaft selbst. Der zukünftige HJ.-Führer müsse vor allem die Fähigkeit besitzen, seiner Gefolgschaft die Grundsätze, die er ihnen einprägen will, lebendig vorzuleben. Erweise sich ein Junge zur Führung befähigt, so werde er in fortwährender Schulung weiter gefördert bis zu feiner endgültigen Berufung in einen Führerposten, wo er an dem großen Werk fortwirken kann, das ganze deutsche Volk mit nationalsozialistischem Geist zu durchdringen. Mit dem Problem der richtigen Führerauslese sei eine ganze Reihe anderer Probleme bereits gelöst. Gerade das Führerkorps der Hitler-Jugend müsse sich durch besonders hervorragende Eigenschaften auszeichnen, denn in feine Hand sei die Erziehung der zukünftigen Generationen gegeben. Der Dienst müsse dem Jungen eist wirkliches Erlebnis werden, zu dem sie mit Freuden kommen, und durch das sie aufgeschlossen werden für das Gedankengut des Nationalsozialismus. Eines der wichtigsten Mittel auf diesem Wege seien die Fahrten, weil sie alle andere Erziehungsarbeit der HI. in sich einschließen. Der einzelne könne hierbei seine Gewandtheit, seinen Mut, seine Ausdauer und seine Einsatzbereitschaft beweisen, und die sportliche Leistung könne sich mit der Kulturarbeit verbinden. Gerade auf der Fahrt erlebe der Junge die schönste Form der Kameradschaft. Anschließend b-handelte der Stabsführer die A u s l a n d s a r v e i t der HI., die eine Wandlung aber nicht in der Richtung erfolgen, daß I grotesker, als es gerade Deutschland war, das schon man die Deutschland unter falschen Begründungen nnr hpm @rionp im tRpnpninh w rmhprpn m?n*fpn und Voraussetzungen entzogenen Gebiete sich end- Betreuung in deutscher Kameradschaft Oer Gauleiter eröffnet das WHW. im Gau Hessen-Nassau. (Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.) fangen durchgeführt. Die Leibstandarte Adolf Hitler richtete in ihrer Kaserne in Lichterfelde auf dem weiten Exerzierplatz die Tische, und die Wehrmacht ließ es sich nicht nehmen, mit mehreren Feldküchen aufzufahren. * In der Hauptstadt der Bewegung vereinigten sich Männer der Partei und ihrer Gliederungen, der Behörden, der Wehrmacht usw. mit tausend von der NSV. und der NS.-Frauenschaft Betreuten zur Eröffnungsfeier des Winterhilfswerkes im Saal des Bürgerbräukellers. Die Veranstaltung erhielt eine besondere Note durch die Anwesenheit des Stellvertreters des Führers. Der Gauamtsleiter der NSV. Dr. Jaeger wies darauf hin, daß der Traditionsgau schon seit Jahren als erster deutscher Gau regelmäßig das Eintopfessen mit Betreuten und Spendern gemeinsam durchführe, um in diesem geschichtlichen Raum symbolisch für alle die Not- und Brotgemeinschaft des deutschen Volkes zum Ausdruck zu bringen. <5ir Oswald Mosley schwer verletzt. London, 10. Oktober. (DNB.) Während einer Straßenversammlung in Liverpool, auf der Sir Oswald M o s l e y , der Führer der britischen Faschisten, sprechen sollte, wurde dieser in dem Augenblick, als er einen Lautsprecherwagen bestieg, um zu der Versammlung zu sprechen, von einem Stein am Kopf so schwer verletzt, daß er in ein Krankenhaus übergeführt werden mußte. Nach einem Bericht des behandelnden Arztes hat Mosley eine Gehirnerschütterung und eine offene Kopfwunde davongetragen, doch gebe sein Zustand im Augenblick zu Besorgnissen keinen Anlaß. Kleine politische Nachrichten. Dyr deutsche Aviso „Grille", an dessen Bord sich Reichskriegsminifter Generalfeldmarschall von Blomberg befindet, ist am Samstag vor Madeira angekommen. Der Reichsstatthalter von Bayern, General Ritte r v o n Epp, ist zu einem mehrtägigen Aufenthalt in Schweden eingetroffen. Der Reichsstatthalter ist Jagdgast beim Grafen Stenbock auf der^fnsel Ornoe in den südlichen Schären von Stockholm und bei B a r o n Beckfrisis auf Harg. Am 21. Oktober wird General von Epp einen Vortrag in der schwedisch-deutschen Vereinigung über die Kolonialfrage halten. Es ist auch ein Empfang beim König vorgesehen. Der bisherige Kommandeur der 1. Panzer-Division, General d. Kav. Frhr. von Weichs, ist mit dem 12. Oktober zum Kommandierenden General des XIII. Armeekorps in Nürnberg ernannt worden ♦ Die Relchsbewegung deutscher Chri - st en hat zum Mittwoch, 13. Oktober 1937, ihre Pfarrer zu einer Tagung nach Berlin zusammengerufen, auf der Pfarrer v. Petersmann (Breslau) und Pfarrer Schmidt (Neubabelsberg) sprechen werden * In Prag ist der Architekt Rutha, der in der SudetendeutschenPartei eine Rolle spielte, verhaftet worden. Nach einer Erklärung der tschechoslowakischen Behörden soll es sich nicht um politische Vergehen handeln. Im Zusammenhang damit ist eine große Reihe weiterer Verhaftungen erfolgt, die durchweg unpolitische Persönlichkeiten oder Gegner der Sudetendeutschen Partei betreffen. * Der Staatssekretär der Luftfahrt, General der Flieger Milch und der Chef des Generalstaües der Luftwaffe, Generalleutnant Stump ff, werden Mitte Oktober einer Einladung des Königlich Britischen Luftministeriums folgend, der Königlich Britischen Luftwaffe einen Besuch abstatten. In ihrer Begleitung befinden sich der Chef des Technischen Amtes Generalmajor Übet, Oberstleutnant Polte, Major des Generalstabs Nielsen und Major des Generalstabes K r e i p e. An dem Flug nach London nimmt der Königlich Britische Luftattache in Berlin, Oberst Don, teil. Gießener Gtadttheater. Paul Berhoeven und Toni Impekoven: „Das kleine Hofkonzert." Die biedermeierlich-kleinstädtische, etwas romantische, leise humorige und ein wenig verschrobene Welt, die wir aus den Szenen und Gestalten des Malers Carl Spitzweg kennen, gab die Stimmung und den Grundton für ein Stück, das etwa auf der Mitte zwischen Lustspiel und Operette liegt; die Verfasser, die beiden Frankfurter Schauspieler Toni Impekoven und Paul Verhoeoen, haben es ein Lustspiel mit Musik genannt und die drei Akte in zehn Bilder aufgeteilt, welche in der Tat mehr bildhaft als szenisch wirken, mehr aus der Stimmung als aus einer dramatischen Aktion. * Die Handlung ist klein, ein flüchtiger Einfall, eine Episode, ein Intermezzo, musikalisch verbrämt. Eine junge Sängerin von der Münchener Oper kommt auf der Postkutschenreise in eine winzige Residenz; sie befindet sich zwar nicht, wie jener Doktor Ebener bei Paul Fechter, auf der zeitgemäßen Fahrt nach der Ahnfrau, aber pikanterweise auf der Suche nach ihrem Vater, den sie nicht gekannt hat, und sie ist auf der richtigen Spur, denn ihre Mutter hat seinerzeit zu dem Serenissimus, der hier regiert, in zärtlichen Beziehungen gestanden — allerdings unter einem Künstlernamen, was die Situation kompliziert und die Lösung verzögert: die Tochter wird zunächst recht ungnädig ausgenommen, da die Moral der kleinen Stadt gegen sie rebelliert, und sogar, obwohl sich der Leutnant von der Stadtwache stürmisch und ritterlich für sie engagiert, des Landes verwiesen. Da aber in Serenissimi kleinem Hofkonzert die Sängerin plötzlich erkrankt und absagt, holt man die Fremde zurück, die nun nicht nur dem Landesvater Bescheid sagt, sondern auch einen Vater kriegt: erst einen erfundenen, den armen Poeten in der Dachstube, dem sie zum Glück verhilft, dann den richtigen, der ja nun nichts Besseres tun kann, als seinem Leutnant den Heiratskonsens zu erteilen, um den der schon nicht mehr zu bitten wagte. * Edmund N i ck hat eine Musik dazu geschrieben, die dem Charakter des Stückes entspricht und dem Zeitstil und Kostüm nicht übel angepaßt ist: biedermeierhast, miniaturhast und spielerisch, eine sanfte, manchmal ein wenig gefühlvolle Begleitung zur höfischen Begebenheit. Das „Heidenröslein" und die kleine Arie in der Dachstube, die später in der Er- Italien lehnt Oreierbesprechnngen ab. Oie italienische Antwort auf die Note Englands und Frankreichs zur Freiwillioen-^aqe. London, 9. Ott. (DNB.) Der Wortlaut der letzten englisch-französischen Note an die italienische Regierung wird nun veröffentlicht. In der Note heißt cs: Die Regierungen Frankreichs und Großbritannienschaben mit Freuden festgestellt, daß als Ergebnis der Besprechungen, die in Paris zwischen den Flottensachverständigen stattgefunden haben, es nunmehr möglich war, die Abänderung des in Nyon unterzeichneten Abkommens dahin zu erwägen, daß die Teilnahme Italiens bei der Durchführung des Abkommens gesichert werden kann. Die beiden Regierungen haben darüber hinaus mit Befriedigung die Versicherungen zur Kenntnis genommen, die Graf (£iano dem britischen Geschäftsträger in Rom gegeben hat und demzufolge gegenwärtig nicht die Absicht bestände, die Entsendung weiterer Freiwilliger nach Spanien zu gestatten. Sie haben ebenso Kenntnis genommen von der Erklärung, die der italienische Vertreter in Genf Mr. Delbos gegeben hat, wonach Italien nichtdie Absicht hat, auch nur die gering ft e Aenderung am territorialen Status von Spanien vorzunehmen; daß es keine Absichten auf die Balearischen Inseln hat und daß die Integrität des kontinentalen Gebietes und des Jnsel- gebietes Spaniens auf das strikteste geachtet werden müsse. Ihrerseits erneuern die beiden Regierungen gern die gleichen Zusicherungen gegenüber der italienischen Regierung. Sie wünschen weitere zu erklären, daß sie sich verpflichtet fühlen, die politische Unabhängigkeit Spaniens zu respektieren. Die Regierungen Frankreichs und des Vereinigten Königreiches wünschen ernstlich, daß der Bürgerkrieg in Spanien aufhören soll, eine Ursache internationaler Beunruhigung und Verdächtigung zu sein und daß in diesem Teil Europas sich Zustände entwickeln sollen, welche es gestatten, anderswo Fortschritte der allgemeinen Befriedung zu machen. Aber sie sind überzeugt, daß keine beträchtliche Verbesserung in der Lage zu erzielen ist, solange nicht weitere Maßnahmen ourch- geführt werden, um die Politik der Nichteinmischung durch die Zurückziehung der nichtspanischen Kampfteilnehmer wirksam zu gestalten. Solange eine große Anzahl von Ausländern auf beiden Seite Hilfsdienste leistet, ist die Gefahr schwerer internationaler Störungen vorhanden und wird unvermeidlich die Tendenz aufweisen, sich zu verstärken, wenn nicht zwingend eine wesentliche Anzahl zurückgezogen wird. Der Londoner Ausschuß hat sich selbstverständlich mit diesem Programm bereits befaßt. Aber die Schwierigkeiten, auf die er gestoßen ist, haben praktisch seine Aktion gelähmt, und es scheint, daß ein oorausgehendes lieber- einEommen zwischen den drei Mächten notwendig ist, um die Schwierigkeiten zu überwinden. Die Ansicht der beiden Regierungen besteht darin, daß die Ausarbeitung eines solchen Abkommens ein wesentliches Element der freien und freundschaftlichen Besprechungen bilden sollte, zu welchem sie die italienische Regierung einlaben. So sehr auch die französische und die englische Regierung es wünschen, die Verpflichtungen aufrechterzuerhalten, die sie im Ergebnis der internationalen Uebereinfommen über die Versorgung mit Waffen und Mannschaften Spaniens eingegangen sind, können sie sich doch Gesunde Kinder mit gutem Appetit und frischem Aussehen sind der Stolz der Mutter. Bei Müdigkeit und Schwäche geben Sie Ihrem Kinde zur Stärkung und zur Förderung von Wachstum und Entwicklung das blutbildende Kräftigungsmittel B io f er rin, welches in jeder Apotheke zu haben ist. ZbX ( A ) BAYER < E ) \r7 nicht die Schwierigkeiten verhehlen, diese Bedingungen aufrechtzuerhalten, wenn nicht Schritte ergriffen werden, die die Politik der Nichteinmischung tatsächlich effektiv gestalteten. Indem sie dieses Ziel ins Auge fassen, geben sich die französische Regierung und die Regierung Großbritanniens die Ehre, die italienische Regierung einzuladen, sich mit ihnen zu Besprechungen zu vereinigen, mit dem Ziel, wenn tnöglich, ein Uebereinfommen über Maßnahmen zu erzielen, welche diese Politik in die Tat umsetz e n sollen. Ihrer Ansicht nach würde ein solches Uebereinfommen nicht nur ein wichtiger Beitrag für die Besserung der politischen Lage sein, sondern, sobald einmal die Zurückziehung der Ausländer durchgeführt worden ist, würde die Frage der Zugestehung gewisser bedingter Rechte als Kriegführende an die beiden Parteien in Spanien lösbar werden Die beiden Regierungen geben sich der ernsten Hoffnung hin, daß diese Besprechungen, auf die sie den größten Wert legen, sobald wie möglich ftattfinben sollten. Ohne Deutschland keine Verhandlungen. Oie italienische Regierung hält den Londoner Aichteinm schungsauöschuß für die geeignete Instanz zu weiteren Beratungen. Rom, 9. Oft. (DNB.) Am Samstagabend wurde hier die italienische Antwort auf die englisch-französische Note in der Spanienfrage veröffentlicht. In der Note heißt es: Die faschistische Regierung nimmt gern von den Zusicherungen der französischen und der englischen Regierung' betreffend die politische Unabhängigfeit Spaniens Kenntnis. Soweit sie selbst in Betracht fommt, braucht sie nicht an die auch in feierlicher Form und zu wiederholten Malen abgegebenen Erklärungen über die politische Unabhängigkeit und folglich über die territoriale Unversehrtheit des kontinentalen, des insularen und kolonialen Spaniens zu erinnern. Die faschistische Regierung teilt völlig den Wunsch der französischen und der englischen Regierungen, daß die inneren Kämpfe Spaniens aushoren mögen, Gegen st and von Verdächtigungen und Reibungen zwischen den anderen Nationen zu fein und wünschte, daß die Lage eine Entwicklung erfahre, die auch auf anderen Gebieten eine allgemeine Entspannung und Fortschritte zu erzielen gestattet. Wie sie das immer in der Vergangenheit gemacht hat, ist sie auch jetzt bereit, mit dem denkbar besten Willen alle Mit- tel z u prüfen, die für geeignet erachtet werden, die Nichteinmifchungspolitik wirksam zu gestalten. Die französische und die englische Regierung gibt unter den Faktoren dieser Politik der Frage der Freiwilligen und ihrer Zurückziehung besondere Bedeutung. Zur Präzisierung der einzelnen politischen Positionen und der entsprechenden Verantwortlichkeiten, nicht aber aus unzeitgemäßen Gründen der Polemik ist es opportun, daran zu erinnern, daß gerade Italien zusammen mit Deutschland zuerst darauf gedrängt haben, daß die Entsendung von Freiwilligen verboten und später, daß ihre Zurück- ziehnna angeordnet werde. Die italienische Regierung nimmt für sich und die deutsche Regierung die Initiative in Anspruch, daß diese Frage als eine der unerläßlichen Faktoren jeglicher Richteinmischungspolitik in Erwägung gezogen werden sollte. Die faschistische Regierung hat die Ehre, zu bestätigen, daß sie in der ganzen Richteinmischungsfrage an den gleichen Gedanken festhält. Die französische und die englische Regierung schlägt in ihrer Verbalnote vorn 2. Oktober vor, daß zwischen den drei Regierungen Frankreichs, Englands und Italiens Besprechungen beginnen, um zu einem Uebereinfommen über die Maßnahmen zu gelangen, die eine Durchführung der Nichteinmischungspolitik gewährleisten fönnen. Die französische und die englische Regierung schlagen dieses Verfahren in der Absicht vor, die im Londoner Nichteinmischungsausschuß zutage getretenen Schwierigfeiten zu umgehen. Die faschistische Regierung anerfennt den richtigen Wert des französischen und des englischen Vorschlages, bezweifelt jedoch, daß die Schwierigkeiten, um die es sich handelt, auf dem Wege von Vereinbarungen oder durch die gegebenen Möglichkeiten der Prozedur und vor allem durch den gemachten Vorschlag überwunden werden können. Sie lenkt die Aufmerksamkeit der französischen und englischen Regierung auf die Tatsache, daß die zur Verhandlung stehenden Fragen nicht nur einige Staaten angel) t, sondern im Gegenteil andere Staaten außer Frankreich, England und Italien unmittelbar betrifft Außerdem dürfe man die Tatsache nicht übersehen, daß ohne die Zustimmung von Burgos und von Valencia keine Entscheidung zu praktischen Ergebnissen führen konnte. Das um so mehr, wenn man die Haltung des Vertreters von Valencia berücksichtigt, der mit einem verfänglichen Vorwand in feiner Rede in Genf jede Möglichkeit der Entfernung der Freiwilligen ausgeschlossen hat, die in die Streitkräfte seiner Regierung einge- reiht worden sind. 3n Abwesenheit der anderen Staaten würden der vorgeschlagenen Erörterung unentbehrliche Faktoren für die Erzielung einer Vereinbarung j fehlen. Es ist die Ueberzeugung der faschistischen Regierung, däh die Annahme von auch nur präliminar anzuwendenden Verfahren außerhalb des Londoner Ausschusses und seiner Organe bei der gegenwärtigen Lage nicht dazu beitrag en könnte, die Möglichkeit von Mißverständnissen und Komplikationen zu vermindern, sondern im Gegenteil zu vermehren und zu einer Verzögerung statt zu einer Beschleunigung des Abschlusses einer allgemeinen Vereinbarung führen würde, einer Vereinbarung, die die faschistische Regierung im höchsten Grade für notwendig erachtet. Die faschistische Regierung ist daher der Ansicht, daß es angezeigt ist, die Frage der Nichteinmischung im Londoner Ausschuß weiter zu behandeln. Die faschistische Regierung hat schließlich die Ehre mitzuteilen, daß sie auf keinen Fall an Besprechungen, Zusammenkünften oder Konferenzen teilnehmen wird, zu denen nicht auch die Reichsregierung formell eingeladen ist und bei denen sie sich nicht unter den Teilnehmern befindet. kennungsszene wiederholt wird, sind die gelungensten Stücke der Partitur. * Die Regie — Spielleitung: Herr Lindt — hatte sich sichtlich von der Spitzweg-Welt anregen lassen. Herr Löffler hatte eine winklige Residenz aufgebaut und Zwischenakt-Szenerien im gleichen Stne auf den Schleiervorhang projiziert; so wirkten einzelne Szenen wie Ausschnitte oder lebende Bilder nach Motiven des Münchener Meisters: die Stadtwache, der arme Poet in der Dachstube, der Junggeselle, der Bücherwurm, der Liebesbrief. Tonlage und Stimmung des Spieles hielten sich, diesem Rahmen entsprechend, auf der milden Mitte zwischen kauzigem Idyll und romantischer Gefühlsschwärmerei. Der neue Kapellmeister der .Operette, Joachim P o pelka, scheint mit dem Orchester, das unter seiner Leitung sauber musizierte und die intimen Reize der Partitur vor allem in der die Umbauten überbrückenden Zwischenaktmusik zur Geltung brachte, bereits einen erfreulichen Kontakt gefunden zu haben. ♦ Die neuverpflichtete erste Operettensängerin Elfriede Grell stellte sich als Christine Holm in der einzigen musikalisch ergiebigen Rolle des Lustspiels vor. Sie sah im anmutigen Spitzweg-Kostüm scharmant aus und spielte mit frischem Temperament, gesanglich angenehm gepflegt und sicher, mit einer warmen und besonders in der mittleren Lage fülligen Stimme. Das Heidenröschen-Duett im Schloß war eine ihrer hübschesten Szenen. Erich Weiland fand sich aus der Sphäre des jungen Helden mit Geschick in die friedlicheren Bezirke des musikalischen Lustspiels und gab den Leutnant mit ritterlichem Feuer und guter Haltung. Herr von Gschmeidler spielte die alte Durchlaucht, und zwar reizend, nicht als einfältigen Witzblatt - Serenissimus, sondern mit einer gewissen, freundlich-ironischen Ueberlegenbeit, stellenweise fast herzlich. Die Figur des armen Poeten in der Dachstube unter dem grünen Regenschirm gab Herrn Geiger Gelegenheit zu einer darstellerischen Miniaturmalerei, die sich beim späteren Auftritt im Schloß zu einer liebevoll ausgeführten Solo-Pan- tomime und einer Derwandlungsszene von fast romantischer Ironie ausweitete. * In dem ansehnlichen Aufgebot an Personal wirkten eine Reihe von Figuren, meist episodischen Charakters, wie aus dem großen Bilderbuche derSpitz- weg-Welt herausgeschnitten; so etwa der grotesk singende Kapellmeister des Herrn Lindt, Herr V o l ck als der alte Bibliothekar auf der Leiter, Herr Frickhoeffer, der devot-vertrottelte Hofmarschall, Hans Paschen, der raunzende Kommissionsrat aus der Postkutsche, Ernst Dittmar, der Oberst, Fritz Bohlig, der grobe Wirt „Zum silbernen Mond". Eine hübsche, bewegte Szene hatten als obligates zweites Paar Anneliese Garbe und Karl-Heinz S e d l a k a. G. — * Die Neuigkeit wurde mit Heiterkeit und freundlichem Beifall entgegengenommen. Hans Thyriot. Kinder. Don Hedwig Forstreuter. Im Garten des Kurarztes spielen die Enkelkinder. Blond be-ibe, mit gekraustem Haar und durchscheinender Haut das Mädchen, der Junge pausbäckig, dunkle Augen unter der runden Stirn. Eine Linde hängt ihr Gezweig um den Winkel. Die Kleinen achten der Vorübergehenden am Zaune nicht, leben nur in ihrem kindlichen Tun. Zuerst wird die Puppe in eine Fußbank gebettet. Sie hat Sole gebadet und muß nun schlafen gehen, wie es Großvater feinen Patienten vorschreibt. Das kleine blonde Mädchen gibt sich ganz als sorgliche Mutter. Sie befiehlt mit feinem Sümmchen und trifft immer das rechte Wort für den kindlichen Untertan. Wille strahlt aus ihren blauen Augen. Jede Bewegung zeigt Zartheit und Umsicht. Sie deckt die Puppe mit Lindenblättern zu und wendet sich dann zu dem Bruder. Der kennt die Welt um zwei Jahre weniger als sie, steht muh auf recht zagen runden Beinen. Zutraulich unb ungeschickt läßt er alles mit sich beginnen, gleich einem jungen Tiere. Steigt in eine eingebildete Wonne, sitzt niedergeduckt unter den festen Händen der Kleinen und darf sich endlich höchst energisch abreiben lassen. Aber dann scheint seine Geduld erschöpft, er beginnt zu klettern, allen Ermahnungen zum Trotz, und stiehlt endlich von der weißen Bank das Ledertäschchen der Schwester. Sie will es ihm entwinden, er läuft fort. Ein paar Klapse trafen ihn. Aber der Weisung, nun brav zu sein, setzt er entschlossene Verneinung entgegen. Wieder Klapse und ein gelinder Stoß an seine rundliche Seite. Er fällt, meint, müht sich wie ein krabbelnder Käfer, aufzustehen. Sie hilft ihm nicht. Mit unnachsichtlicher Strenge fragt sie nocheinmal, ob er lieb sein will. Und wendet sich bei dem Nein zürnend ab. Da schmilzt sein Trotz, er schluchzt Zustimmung. Nun wird sie ganz Verzeihung. Mit einem Ruck hilft sie ihm empor, faßt seine Hand und neigt sich mütterlich: „Gib mir ’n Kuß!" Willig kommt ihr das runde verweinte Bubengesicht entgegen. Damit ist alles abgetan, und sie spielen weiter, fröhlich, ohne eine Erinnerung an ihren Streit. Liegt nicht alles Geheimnis des Weibtums schon in dieser Kinderknospe verschlossen? In dem heißen Zürnen und Strafen, das beim Eingeständnis sofort der tröstenden Liebe weicht? Dies mütterlichgütige Wort, das den Kuß forderte, das liebevolle Vergessen! — Vermögen wir Großen das so schnell zu gewähren? Und all unsere Zwiste und Note wiegen doch vor den Augen eines Höheren nicht mehr als so ein Kinderstreit im Spielwinkel, durch den Zaun gesehen. Warum nur fällt das so schwer, zu werden wie sie, die Jesus an sein Herz schloß? Indianer als Künstler. „Man darf die Indianer nicht von unserem Standpunkt aus beurteilen — man muß versuchen, sie von ihrem eigenen Standpunkt zu sehen. Sie sind künstlerisch hochveranlagte Menschen, die Männer wie auch die Frauen; wir können es an ihren Kostümen, Gebräuchen, Tänzen, Geräten und vor allem an ihrer poetischen Sprache beobachten. Oft erhalten sie von einem Besucher de? Reservation Hüte und Kleidungsstücke. Mit unglaublichem 23er- ständnis verzieren sie diese meist häßlichen und farblosen Dinge in so geschickter Weise, daß man sie kaum wiedererkennt. Alles muß farbig sein. Die Lust für Farbigkeit ist wie bei allen Naturvölkern bei den Indianern auffallend ausgeprägt. Die künstlerische Begabung zeigt sich auch in dem köstlichen Erzählertalent, das jedem Indianer eigen ist. Da keine Schriftsprache besteht, ist alles auf mündliche Überlieferung gebaut. Man staunt über die Gedächtnisschärfe und das klare Erinnerungsvermögen in den Erzählungen der älteren Indianer. Als Redner sind sie unübertrefflich und zeigen einen erfrischenden Sinn für Humor" So plaudert der Maler Pros. Winold Reiß, Neuyork, im Oktoberheft von Delhagen & Klasings Monatsheften im Aufsatz „Bei den Schwarzfußindianern"« zu dem er köstliche vielfarbige Bilder geliefert hat. Hochschulnacbncdten Professor Dr. Karl Willy Wagner, DrfHnarius für Schwingungslehre an der Technischen Hochschule Berlin, ist auf Grund des Paragraphen 6 des Berufsbeamtengesetzes in den Rude lt and versetzt worden. Oie Kantonalwahlen in Frankreich Oer erste Eindruck: Keine so große Verschiebungen wie erwartet. Paris, 11. DEL (DNB. Funkspruch.) In den ersten Morgenstunden des Montags gab das französische Innenministerium eine bereits verhältnis- mäßig vollständige Uebersicht über das Ergebnis des er st en Wahlganges der Kantonalwahlen aus. Von 1525 zu vergebenden Sitzen liegen bei Abschluß die Ergebnisse in 1459 Fällen vor. Sie brachten im ersten Wahlgang in 1022 Fällen die Entscheidung, während in 437 Fällen die Stichwahl am nächsten Sonntag entscheiden muß. Der erste Eindruck ist, daß die Wahlen, wie man jedenfalls in Paris empfindet, nicht die großen Veränderungen gebracht haben, die man während der Zeit des Wahlfeldzuges ankündigte. Es wird zunächst festgestellt, daß mit Ausnahme von Marseille die Wahlen, soweit bisher her bekannt, ohne große Zwischenfälle verlaufen sind. Die Zahl der Stichwahlen von bisher rund 437 ist etwa doppelt so hoch wie die der unentschiedenen Ergebnisse im ersten Wahlgang bei den vorigen Kantonalwahlen. Selbst wenn man diese verhältnismäßig hohe Zahl der Stichwahlen in Rechnung setzt, glaubt man in Paris bereits heute^ erleichtert feststellen zu können, daß d i e kommuni st ische Partei trotz allem nicht die großen Wahlerfolge davongetragen habe, mit denen sie rechnen zu können glaubte und für die sie eine große Werbeanstrengung ge=( macht hatte. Zuwachs haben die Kommunisten jedoch vor allem im Pariser Vorortsgürtel im Departement Seine et Loire zu verzeichnen. Die Sozialdemokraten scheinen sich besser behauptet zu haben, als sie selbst zu hoffen wagten. In den nordfranzösischen Departements haben sie hier und da sogar Stimtnenzuwachs zu verzeichnen, während sie an anderen Plätzen allerdings an die Kommunisten Wähler abgegeben haben. Die radikalsoziale Partei, der gewisse Propheten geweissagt hatten, sie würde bei den Kantonalwahlen sehr starke Verluste erleiden, hat im ersten Wahlaang zwar verloren, wird aber einen Teil chrer Gesamtverluste vielleicht im Stichwahlgang wieder aufholen können. Bei den bürgerlichen Parteien der Rechten haben sich nur innere Verschiebungen vollzogen, die durch das Auftreten neuer Parteien so durch die erstmalige Kandidatur der de la Rocqueschen französischen Sozialpartei bedingt sind. Nach dem Prozentsatz haben bei den Generalräten die K o m m u n i st e n etwa 20 v. H. gewonnen, die Sozialdemokraten 15 v. H. verloren, die Radikalsozialen 10 v. S). verloren, die Linksrepublikaner 5 v. H. verloren. Die rechtsbürgerliche Republikanische Vereinigung hat rund 30 v. H. Zuwachs zu verzeichnen. Diese Berechnungen verstehen sich unter Zugrundelegung der stärkeverhältnisse der einzelnen Parteien. Koch und Kellner im deuischen Volkstum Don Werner Lenz. V. A. Das hochgeschätzte Gewerbe der Köche hat sich erst verhältnismäßig spät entwickelt. Als unsere Altoorderen noch meist als Bauern auf eigener Scholle saßen, lag die Küchenarbeit ganz in der Hand /der Frau. Nur an den Sitzen mächtiger Stammesfürsten mögen — wie uns von altangelsächsischen Edelhöfen bezeugt ist — hier und dort Köche ihres Amtes gewaltet haben. Aber erst der zunehmende Feudalismus begünstigte die Entstehung eines Gewerbes. Viel mögen die Hochadligen den Klosterbrüdern abgeguckt haben, wo ja der Bruder Koch ein angesehener Mann war, der gewiß viele seiner Kenntnisse aus Rom und aus den Werken der antiken Schriftsteller bezogen hatte. Der Klosterkoch aber war Mönch oder Laienbruder, kam also gar nicht in die Lage, sich mit Standesgemässen zu einer Zunft oder Gilde zusammenzuschließen, ebensowenig wie der fürstliche Leibkoch. Erst als die deutschen Svädte erwuchsen und als der zunehmende Handels- und Reiseverkehr Gaststätten entstehen ließ, bildete sich ein Handwerkerstand der Köche mit Zunftrechten und Zunftgebräuchen aus. Eine gewisse Bedeutung spielte der „Garkoch", der zumal auf Jahrmärkten und bei Volksfesten seine Speisen feilbot. Er stand, wo es sich um Wurstsieden oder um Spießbraten von allerlei Schlachtvieh handelte, den Metzgern nahe; scheint auch teilweise mit zu deren Gilde gehört zu haben. Das gilt dann natürlich nicht für den Pastetenbäcker, für den Feinkoch, Geflügelbräter und alle möglichen anderen Spezialisten. Sie gehörten zu einer oder mehreren kleinen Gilden oder Zunftgruppen zusammen, je nach den örtlichen Verhältnissen der Städte. Wie später die großen Gasthäuser, hatten schon früher die Fürsten meist einen ganzen Stab von Köchen. Deren Führer war der Küchenmeister, dem vom Einkauf der Speisen bis zum Tischdecken und Aufträgen die verantwortliche Haushaltsleitung anvertraut war. Manchmal stand ihm ein Meisterkoch zur Seite, der die Küchenarbeit der Unterköche einteilte, oft auch noch ein Küchenschreiber. Wurde — wie im Mittelalter üblich — getrennt nach Rana und Würden gespeist, so unterschied man den Mundkoch — den Leibkoch der Herrschaft — vorn Ritterkoch, der fürs Gefolge kochte, und vorn Unterkoch, der fürs Gesinde sorgte. Außerdem standen der Regel nach Küchenjungen, Küchenmägde — fürs Abwaschen — und Holzträger zur Verfügung, dann die Aufwärter, die Vorläufer unserer Kellner. Auch waren Leute zur Hand, die den wichtigen Küchengarten besorgten. So herrschte ein fast „hierarchisches" System in den großen Küchen unter verantwortlicher Leitung des Küchenmeisters; und das war gut so, denn „viele Köche verderben den Brei", nämlich wenn jeder nach seinem eigenen Kopfe darauflos kochen, braten, sieden und salzen will. Wie volkstümlich das Handwerk des Kochs war, zeigen uns zahlreiche alte Sprichworts: „Auch einem guten Koch brennt zuweilen die Suppe an" und „Es wird keiner Koch, ohne einige Suppen versalzen zu haben". Gewiß ist der „ein schlechter Koch, der den Löffel erst sucht, wenn der Topf schon überläuft" und „wie der Koch, so der Brei". Aber es gilt auch mit Recht dies Wort: „Der Koch ist der beste Arzt", denn eine vernünftige Ernährung verhütet oder beseitigt gar so manche Krankheit. Es stimmt auch für die Ausbildung anderer Handwerksleute, daß man sich in der Welt umtun soll, denn „man lernt am besten in fremden Küchen kochen". Für die Kostspieligkeit oder Sparsamkeit des Haushalts gibt oft in erster Linie die Küchenwirtschaft den Ausschlag. So heißt es im Volksmunde: „Die Küche darf nicht größer sein als das Haus" oder „Fette Küche macht magere Beutel". „Koch und Kellner sind die besten Gevattersleute" heißt es. Denn der Kellner, der außer für die Aufwartung bei Tisch auch für die Bereitstellung der Getränke zu sorgen hat, wird einen Koch, der ihm brav zuteilt, auch nicht am heißen Herde verdursten lassen. Sonst unterstehen aber die Kellner dem Oberkoch, und man sagt zutreffen: „Auf einen Koch gehören drei Kellner". — Der berufsständische Zusammenschluß sowie die Fachausbildung der Kellner entstammt erst dem vergangenen Jahrhundert. Mittelalterliche Zunftsitten kennt biefer neuzeitliche Stand also nicht; dasselbe gilt für Kellnerinnen und Köchinnen, die als weibliche Personen ohnehin außerhalb der Gildenbildung standen, da das Zunftwesen eine ausgesprochen männlich-staatsbürgerliche Angelegenheit war. Immerhin ist gerade die Köchin infolge ihrer wichtigen Stellung im Haushalte — von Engeln und Drachen mit der Küchenschürze melden die Mären! — recht erheblich in Beziehung zum Volksbrauch getreten. Zumal bei Familienfesten, wo die Köchin ober Kochfrau ganze Scharen von Gästen versorgt — man benke an ländliche Hochzeiten —, würbe ihre Arbeit gern geroürbigt. In manchen beutschen Gauen hatte bie Köchin drei Ehrentänze mit ber Braut ober bem Bräutigam frei. In Tirol nimmt die Köchin ber Braut ben Kranz ab. In Holstein geht bie Köchin nach bem Kinbtaufessen mit einem salzbebeckten Teller runbum und sammelt unter Scherzreimen unb Sprüchen kleine Gelbgeschenke ein. Das geht vielleicht auf bie alte Sitte zurück, nach ber ehedem Köche bei Prozessionen unb Volksfesten, bie sich aus dem „Maiumgang" entwickelt hatten, Geld mit dem Kochlöffel einforderten. — Sagt man von einer Köchin scherzhaft, sie „sei verliebt", also mit den Gedanken beim Schatze, wenn sie etwas versalzen hat, so weiß man auch ihre geschickte Behandlung und Einteilung der Speisen zu rühmen, die sie zu einer guten Mitstreiterin im Kampf für zweckmäßige Wirtschaft und gegen den Verderb machen. „Einer guten Köchin wächst das Fleisch unter den Händen", sagt der Volksmund anerkennend. Vhein-Mainische Börse. Uneinheitlich. Frankfurt a. M., 9. Okt. Nach der vorwiegend leichten Erholung an der gestrigen Abendbörse war die Kursentwicklung zum Wochenschluß wieder unregelmäßig. Da kleine Abgaben in der Mehrzahl waren unb bie Aufnahmebereitschaft weiterhin zu wünschen übrig ließ, gingen bie Kurse am Aktienmarkt meist noch etwas zurück. Besonbers in Montanwerten hielt bie Verkaufsneigung an und bie teilweise anfangs etwas erhöhten Notierungen konnten sich späterhin nicht behaupten. Verein. Stahl 116 bis 115,50 (115,75), Buderus 123,50 bis 123 (123), Rheinstahl 150,75 (151,50), Mannesmann 119,40 (119,90), Hoesch 124,40 (124,13). Maschinenaktien, Elektro- und Chemiewerte bröckelten bis 0,50 v. H. ab, etwas erholt waren Gebr. Iunghans mit 132 (131,25) und Th. Goldschmidt mit 141,25 (140,50). Mäßige Besserungen zeigten ferner Aschaffenburger Zellstoff mit 141,40 (140) und Bemberg mit 142,75 (142). Reichsbank, Schiffahrtswerte und einige Nebenwerte blieben behauptet. An den festverzinslichen Märkten war das Geschäft klein und die Kurse größtenteils unverändert. Reichsaltbesitz bröckelten 0,13 v. H. ab auf 128,65. Kvmmunal-Umschuldung bewegten sich bei 94,80 bis 94,85, Wiederaufbauzuschläge blieben zu 80,50 gesucht, ebenso Städte-Altbesitz zu 133,50 inkl. Ziehung. Der Psandbriefmarkt wies nur bei Liquidationswerten kleine Abweichungen auf. Staats- und Stadtanleihen kamen meist unverändert zur Notiz. Der Freiverkehr lag ruhig und meist etwas schwächer. Rastatter Waggon 54,50 bis 55,50 (55 bis 56), Elsass. Bad. Wolle 80 bis 81 (81,50 bis 82,50), Dingler Maschinen 88 bis 89 (89,25 bis 90,25). Unverändert lagen Wayß & Freytag mit 149 bis 151, Pokorny mit 139 bis 141, Schuh Berneis mit 74 bis 75 und Verein. Pinsel mit 75 Wetterbericht des Reichswetlerdienstes, Ausgabeort Jrankfurk. Aussichten für Dienstag: Veränderlich mit zeitweiliger Aufheiterung, aber auch einzelnen Niederschlägen, bei lebhaften Winden aus West bis Nord für die Jahreszeit zu kalt, vereinzelte leichte Nachtfröste nicht ausgeschlossen. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum« schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr W. Lange; für Feuilleton: Dr.Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IX. 37: 9248. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugs- preis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufs- preis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. | Vermietungen"! Stellenangebote! Lichtspielhaus GLORIA Ab heute Montag Heute Montag Erstaufführung gesucht. Oöttiö Au ihurRiüifttwifus Das klassische Fachbuch für Pilzfreunde und -kennet Ihre Geschäftsdrucksachen 664 eA 6644 V versteigert werden : 6647 D 6653 A PALAST Giessen i x Ein warmes Bell ..und zum Bauen Verlobungs-Anzeigen bei Brühl. Schulstr. 7 SPENDEN KARTE MeineAnzeigen im Gießener Anzeiger werden von Tmiienvev beachtet und aeleieu Paul Hörbiger Anny Ondra in Deutschland Täglich 4, 6, 8.30 Uhr Es trägt den schwersten Fahrer u. 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Art, 4 t'fen, 3 Schreibmasch., 2 Nähmaschinen, 1 Rechenmasch., 1 Registrierkasse, 1 Vervielfältigungsapparat, 1 Hobelbank, eine Mörtelmasch., 1 Fahrrad, ISvie- gel, 1 Radio, 1 Ständerlamve, ein Staubsaug., iSchauiensterausst.- Einrichtung,! Photoavvarat, ein Damenmantel, ein Herrenanzug, Anzugstone, 1 Schaubeckalbum u. 3 Auswahlbeste mit Briefmark. Bestimmt werden verst.: 1 gold. Uhr,2Ladenregale,1Schreibtisch, lAktenrollschr.,loval.Tisch