m. 158 Erstes Blatt 187. Jahrgang Samstag, w. Zull 1957 (fcr)d)etm tAgltd), autza Sonntag» und Feiertag» Beilagen; Dte 3Du|tncrt» ©tefoenei Familienblätte, Heimat im Bild Die Scholl« monaU-Bcingsprets. MU 4 BeUagen NM. 1.VÖ Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. . -Lb Auch bei Nichterscheinen von einzelnem Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanfchlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahttiach- richten: Anzeiger Siesten poftschecktonto: granhurt am Main 11686 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vruL und Verlag: vrühl'sche UnwerfitStsvuch- und Steindruckerei R. Lange in Siegen. Schristieiiung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 1 Annahme von Anzeigen für Öie Mtttagsnummer bis8'/.UHrbes Vormittag- Grundpreise für l mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text« anzeigen vdn 70 mm Breite 50Rps..Platzvorschrift nach vorh Vereinbg.25"/„ mehr. 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Am Tisch des Londoner Ausschusses mit dem bekannten irreführenden Namen stehen sich zur Zeit gegenüber: erstens die deutschen und italienischen Vorschläge, die eine wirkliche Lokalisierung des Spanienkrieges und eine tatsächliche Verhinderung der direkten und indirekten Einmischung erstreben; zweitens die englischen und französischen Vorschläge, die im Endeffekt nur den äußeren Anschein jener beiden Ziele wahren und im übrigen ihr genaues Gegenteil herbeifuhren wollen; drittens die erneute Forderung Francos aus Anerkennung als kriegführende Macht sowie die kategorische Ablehnung irgendwelcher Verhandlungen mit dem landfremden Bolschewismus; viertens die, erneute Drohung Frankreichs mit der Beseitigung selbst der Reste einer (nur noch rein äußerlichen!) Landkontrolle; fünftens der gemeinsame englisch-französische Anspruch darauf, nur über solche Vorschläge verhandeln zu wollen, die sie selbst gegenüber ihren eigenen als besser anzuerkennen vielleicht geneigt wären, womit also die deutsch-italienischen Vorschläge zum zweitenmal ausdrücklich abgelehnt werden. Ganz gleich, wie auf diesem Hintergrund völlig unvereinbarer Standpunkte etwaige weitere Verhandlungen in London ausgehen mögen, ist es in diesem Zeitpunkt notwendig, sich mit einigen Schlußfolgerungen über die Lage klar zu werden, die durch die direkte oder indirekte Zusammenarbeit zwischen Sowjetrußland, Frankreich und England nunmehr für ganz Europa entstanden ist: 1. Die Versorgung des in Rotspanien kämpfenden Bolschewismus mit Kriegsmaterial aller Art erscheint als auf eine noch nichl absehbare Zeit sicher- gestellt. Nach der Haltung, die man in Paris und London seit dem Ausscheiden der beiden Ordnungsmächte Deutschland und Italien aus der Kontrolle eingenommen hat, scheint jene Versorgung ein Zweck der französisch-englischen Politik gewesen zu sein. Man darf nicht vergessen, daß das Endziel der Politik der Westmächte in Spanien darin besteht, den Sieg eines nationalen, autoritären, völlig unabhängigen Spanien zugunsten der eigenen Machtpolitik im Mittelmeer und gegenüber den Mächten der Ordnung zu verhindern. 2. Die westliche Theorie des Kollektivgedankens ein- Ichließlich des gesamten Vö(kerbundsrummels konnte keine schärfere Widerlegung erfahren, als durch die direkte und indirekte Unterstützung gerade derjenigen Macht, die in den Reden ihrer Vertreter unb in den Beschlüssen ihrer Parteikongresse immer wieder klipp und klar der gesamten Kulturwelt den Eroberungskrieg im Wege der W e l t r e v o l u - i t o n ansagt. 3. Die englische und die französische Politik geht — jede unter ganz verschiedenen Gesichtspunkten — aus rein egoistischen inachtpolitischen Gründen von dem Grundsatz aus, daß es im Mittelmeer keinen weiteren autoritären Ordnungsstaat geben darf, nachdem man schon die Erstarkung Italiens nicht hat hindern können, und nachdem man aus sehr naheliegenden Gründen in der Dardanellenkonferenz von Montreux den Sowjetrussen den Zutritt zum Mittelmeer genau wie den Zutritt nach Genf ver- Ichafft hat. 4. Daraus ergibt sich für europäische Fragen, wie etwa Westpakt, Verständigung, Abrüstung usw., die durch die imperialistische Politik Englands und Frankreichs in den Hintergrund gedrängt worden sind, u. a. die Schlußfolgerung, daß ffür die beiden Westmächte bei etwaigen späteren Verhandlungen die Befriedung Europas und darüber hinaus beispielsweise auch die Gewinnung der Vereinigten Staaten von Amerika für eine Neuinteressierung an den europäischen Geschicken solange nebensächlich sind, wie eine europäische Verständigung mit den eigentlichen Hintergründen der imperialistischen W e st - Politik nicht in Einklang zu bringen ist. Kernpunkt jener Machtpolitik des Westens aber ist und bleibt trotz aller offiziellen Reden die Frontbildung gegen Deutschland. Diese ist leit bem Abschluß des französisch-bolschewistischen Mili- kärpaktes ergänzt worden durch seine Ausweitung auf die Tschechen (Rumänien versagte sich), ferner burch die englische Zusammenarbeit mit Frankreich und Belgien im Wege der Generalstabsbesprechungen und durch die sehr intensiven englischen Werbungen um die Randstaaten, deren Erfolg zum mindesten unklar ist. Alledem steht gegenüber außer zahlreichen gewichtigen Momenten einer planmäßigen deutschen and italienischen Befriedungspolitik beispielsweise schon allein die eine Tatsache, daß bei der Schaffung der Achse Berlin — Rom ausdrücklich die Mitarbeit für jeden Staat »ffengehalten wurde, der bereit ist, die Unterordnung eigensüchtiger machtpolitischer Bestrebungen unter das höhere Ziel der endlichen Befriedung Europas nicht nur in offiziellen Phrasen im Munde tu führen, sondern auch durch die Tat zu bekras- ligen. Die lange Kette der großen deutschen ; Friedensaktionen angefangen von dem ersten Abrüstungsvorschlag Adolf H i t l e r s von 1933 bis zu den deutsch-italienischen Vorschlägen jetzt in London, sind Taten oder „Beiträge", wie man es in London und Paris so gern fordert, sind kurzum Vorleistungen, denen die West- möchte bisher etwas annähernd ebenbürtiges noch nicht gegenüberzustellen haben. Sitzung mit Hindernissen. London, 9. Juli. (DNB.) Die Vollsitzung des Nichteinmischungs-Ausschusses begann pünktlich um 11 Uhr im englischen Außenamt. Vor der Sitzung suchten der sowjetrussische Botschafter in London, Maisky, und der italienische Botschafter in London, Grandi, den Außenminister Eden und Lord Plymouth auf, um diesen noch vor der Sitzung Mitteilungen chrer Regierungen zu übermitteln. In der Sitzung verharrt en der französische und der englische Vertreter auf ihren Vorschlägen. Sie erklärten sich aber bereit, auch andere Vorschläge in Erwägung zu ziehen, wenn solche vorgebracht würden, und die sie als besser und wirksamer anerkennen könnten. Der französische Vertreter sagte, daß Frankreich in kürzester Frist die Landkontrolle aufheben würde, wenn nicht die Kontrolle an der spanisch-portugiesischen Grenze binnen kurzem wieder hergestellt würde. Ferner behauptete er, daß die Nichteinmischung in Frage gestellt sei, wenn nicht eine wirksame Seekontrolle wieder in Kraft gesetzt werde. Die Vollsitzung wurde gegen 14 Uhr nach einer Dauer von 2% Stunden für die Mittagspause unterbrochen. Nachdem in der Vormittagssitzung Botschafter v. Ribbentrop die Angriffe des Sowietbot- schafters nachdrücklich abgewiesen hatte, eröffnete Lord Plymouth die Nachmittagssitzung mit der Aufforderung an die Vertreter der übrigen Mächte, sich zu äußern. Diese stellten hierauf übereinstimmend fest, daß die vier Großmächte an der Nichteinmischung fesizuhalten wünschten, und daß diese daher einen Ausweg aus der Lage finden sollten. Die Erklärungen wurden mit einer längeren Rede von Lord Plymouth abgeschlossen, der auf die verschiedenen Reden des Vormittags antwortete und hierauf sich ausdrücklich bereit erklärte, auch neue Vorschläge gegebenenfalls zu prüfen. Die Sitzung wurde hierauf mit der Annahme des niederländischen Antrages abgeschlossen. Der Vorsitzende wird den Zeitpunkt für die nächste Sitzung im Verlauf der nächsten Woche auf Grund seiner Verhandlungen festsetzen. Das Ergebnis. Das Ergebnis der Vollsitzung des Nichteinmischungsausschusses läßt sich wie folgt zusammenfassen: 1. Der englisch-französische Plan auf alleinige Uebernahme der Seekontrolle an der spanischen Küste fand keine Annahme. 2. Der deutsch-italienische plan wurde von England, Frankreich und der Sowjetunion abgelehnt. 3. Infolgedessen wurde ein Antrag des niederländischen Vertreters angenommen, der die englische Regierung auf- forderl, einen Ausweg aus der entstandenen Lage zu suchen und zwischen den beiden Plänen zu vermitteln (wörtlich: einen Versuch zu unternehmen, die beiden Ausichlen zusammenzubringen). Zur Annahme dieses Auftrages erklärte sich der Vertreter der britischen Regierung, Lord Plymouth nach Rücksprache mit seiner Regierung b e- reit. Diese wolle, so erklärte er auftragsgemäß, Schritte unternehmen, um einen Ausweg aus der entstandenen Lage zu finden. Er verwies dabei auf die Dringlichkeit der übertragenen Aufgabe, die keinerlei Zeitverlust gestatte. Der Engländer Lord Plymouth eröffnete die Beratungen mit einem Appell an d i e Mächte, zusammenzuarbeiten, um die entstandenen Schwierigkeiten zu losen. Wenn andere Mächte den Buchstaben und den Geist des Nichteinmischungsabkommens ebenso beachtet hätten, wie Großbritannien, dann würde die Lage in Spanien heute eine andere sein. Der Flottenkontrollplan weise eine Lücke auf. Es gebe nunmehr zwei Möglichkeiten: entweder lasse man die Lücke ungefüllt, das würde zum Zusammenbruch des gesamten Systems führen, oder man müsse die Lücke ausfüllen. Die britische Regierung habe mit dem englisch-französischen Vorschlag lediglich den Kontrollplan retten wollen. Lord Plymouth erläuterte hierauf noch einmal, warum die italienisch-deutschen Vorschläge nach englischer Ansicht nicht annehmbar gewesen seien. Nach britischer Ansicht sei die Gewährung der Rechte als Krieg- führe.nde kein Ersatz für die Flottenkon- trolle. Das würde nur einer Macht unfaire Hilfe geben, die die See beherrsche. In der Frage der Freiwilligen sei Großbritannien im Gegensatz zu Italien der Ansicht, daß diese Frage von großer Bedeutung sei. Falls sie nicht gelost würde, würde die spanische Frage unlösbar werden. Die bisherigen Vorschläge erschienen ihm nicht konstruktiv. Er verweise jedoch darauf, daß die britische Regierung bereit sei, jeden praktischen Vorschlag zu erörtern, der besser als der von Großbritannien und Frankreich vorgeschlagene sei. Die Rede Ribbentrops über den deutschen Standpunkt. Deutschland und Italien taffen kein kommunistisches Spanien zu. Wunsch Frank- Die LnlwiMng der Lage nicht gam ge= unserer Arbeit Heute aber ist er zum dringenden reichs und Englands geworden. 5. Es wäre allerdings vielleicht recht, zu behaupten, daß wir in Teil muß daher der Sowjetregierung die Fähigkeit abfprechen, in Sachen des Spanien-Konfliktes unvoreingenommen und unparteiisch urteilen zu können. Ich mochte jetzt auf die Ausführungen des französischen und des englischen Vertreters eingehen. Das Wesentlichste jener Reden, wenn ich sie recht verstehe, ist zweierlei: 1. Es wird erneut die Unparteilichkeit und Fairneß des englischen und französischen Vorschlages geltend gemacht, der dahin geht, die Gesamtkontrolle über d i e spanischen Küsten den Flotten Frankreichs und Englands zu übertragen. 2. Die Kritik an dem italienisch-deutschen Vorschlag, eine Neukonsolidierung des Nichteinmischungssystems zu schaffen, und der Vorwurf der Parteilichkeit, der diesem Vorschlag aemacht wird. Angesichts dieser zumindest ungewöhnlichen Art, die Probleme zu sehen, glaube ich, daß es offenbar nicht nur angebracht, sondern unvermeidlich geworden ist, und meiner Meinung nach sogar höchste Zeit, daß die Probleme, denen wir hier in diesem Komitee gegenüberstehen und die wir zu lösen haben, von allem unausgeglichenen Gerede und von allen tendenziösen Verdrehungen zu propagandistischen Zwecken befreit und auf ihre ursprüngliche Form zurückgeführt werden. London, 9. Juli. (DNB.) Nach der Erklärung des französischen Vertreters sprach in der Vormittagssitzung des Nichteinmischungsausschusses der italienische Botschafter Grandi eingehend zur Lage, während der sowjetrussische Botschafter Maisky die Gelegenheit benutzte, um scharfe Angriffe gegen Deutschland und Italien zu richten, die von Botschafter von Ribben trop wirksam zurückgewiesen wurden. Botschafter von Ribbentrop sagte: Von den Reden, die heute morgen hier gehalten worden sind, habe ich einige mit Interesse, aber mit größter Ueberraschung angehört. Daß der S o w j e t b o t s ch a f t e r wie üblich eine jener tendenziösen Propaganda- re d e n produziert hat, die seine besondere Spezialität zu sein scheinen, daran haben wir uns hier im Ausschuß allmählich so gewöhnt, daß dieses Verhalten längst auf vernünftige Leute gerade die ent- geaenaesetzte Wirkung von dem hat, was der Sowjetbotschafter erreichen möchte. Die Beweggründe, die den Sowietbotschaster zur Anwendung einer aggressiven Methode und so seltsamer Argumentierungen treiben, wie wir sie soeben angehört haben, liegen auf der Hand: Die Sowjetregierung versucht, wo sie nur kann, Unruhe zu stiften, weil sie damit die Weltrevolution vorwärts treiben will. Ich für meinen ändern. Endlich raffte sich das nationale Spanien unter der Führung General Francos zur Verteidigung auf. 3. Es wäre dem europäischen Frieden wahrscheinlich zutäglicher gewesen, dem ehrlichen, nationalen Spanien z u helfen, die bolschewistischen Verbrecher so schnell wie möglich loszuwerden. Aber Europa beschränkte sich darauf, zu versuchen, den Spanien-Konflikt auf Spanien selbst zu beschränken, und die beste Lösung, die man finden konnte, war die einer Nichteinmischungs- potitik. Das Ergebnis war dieser Ausschuß. 4. Mehr als zehn Monate fitzen wir nun zusammen, aber mir müssen gestehen, daß wir nur zum Teil Erfolge gehabt haben. Wir haben versucht, das Gold der Bank von Spanien sicherzustellen. Wir haben es n i ch t gefunden. Wir haben versucht, andere Nationen für den Anschluß an das Nichteinmischungsabkommen zu gewinnen. — Bis jetzt ist dieser Versuch gescheitert. Wir haben beschlossen, die Waffeneinfuhr nach Spanien zu verhindern — trotzdem sind die ganze Zeit über Waffen nach Spanien gelangt. Schon im August vorigen Jahres schlugen Deut chl and und Italien ein Verbot der Anwerbung von Freiwilligen vor. Dieser Vorschlag wurde weder von England, noch von Frankreich angenommen. Später aber, als man sah, daß mehr und mehr Freiwillige auch für die n a t i o n a {e Sache kämpften, kam man auf den deutsch-italienischen Vorschlag zurück, und erst jetzt gelang es, sich auf ein Verbot der Entsendung von Freiwilligen zu einigen. Darüber hinaus schlug Deutschland schon im Februar die Auskämmung der Freiwilligen aus Spanien vor Auch dies erschien den anderen Regierungen wiederum zur Zeit, als der Vorschlag gemacht wurde, nicht opportun. überhaupt keine Erfolge gehabt haben. Denn es gelang uns schließlich, das Kontrollsystem zu errichten. In ihrem Wunsch, die Ueberwachung zu bekämpfen, griffen jedoch die Valencia-Streitkräfte bald hernach enalische, deutsche und italienische Ueberwachunasschiffe an Sechs Tote auf einem italienischen Schiff und 31 Tote und 77 Verwundete auf dem deutschen Panzerschiff „Deutschland" waren das Ergebnis dieser Angriffe. Deutschland gab die einzige Antwort. Es bombardierte die Festung Almeria. Hierin bandelte Deutschland im Interesse der ganzen U-ber- wechungsflotte. denn was der ..Deutschland" passiert war, konnte in den nächsten Tagen einem englischen, tranzös'schen oder italienischen Schiff passteren. Die Pflicht aller wäre es in diesem ernsten Augenblick gewesen, sich rückhaltlos hinter Deutschland zu stellen. Wie stand es aber mit der Solidarität des Nichteinmischunasausschusses? Wenn es nach dem Wunsch des sowjetrussischen Vertreters gegangen wäre, hätte man damals gleich ein seltenes Schauspiel der Verdrehung erleben können. Vielleicht wäre man schließlich nach sorgfältigsten Beratungen zu der Beschlußfassung gekommen, daß das Bombardement von Almeria die Schuld an dem ..Deistlch- land"-Zwischemall trüge. Der fairen Haltung des bamaüaen stellvertretenden Vorsitzenden des Unterausschusses ist es zu verdanken, daß es nicht zu einer solchen Groteske kam. 6. Um nun die Ueberwachunasflotte in Zukunft unter den Schutz der vier Mächte zu stellen. wurde das Abkommen vom 12 ^uni zwischen England, Frankreich. Italien und Deutschland getroffen. Nach diesem Abkommen sollte jeder neue Angriff auf ein Kontrollschiff als eine gemeinsame Sache der vier Mächte angesehen werden. Dieser Eingriff sollte nicht lange auf sich warten lassen. Er folgte am 15 und 18. Juni auf den deutschen Kreuzer . Leivzi a" In diesem Augenblick mußten dem Abkommen gemäß die vier Mächte zur Tat schreiten. Das deutsche Volk er- Was ist nun diese so u r s p r ü n g l i ch e F v r m? Um das klar zu machen, muß ich Ihnen einen kurzen Ueberblick über die Ereignisse geben Die zu der gegenwärtigen Lage, so wie ich sie nun sehe, geführt haben. 1. Die IH. Internationale oder Komintern in Moskau hat sich in Verfolg der von Lenin niedergelegten Gesetze die inneren spanischen Unruhen zunutze gemacht, um sich dort die Macht anzueignen in der von der Komintern fortgesetzten und offiziell verkündeten Absicht, in Spanien festen Fu ß zu fassen, um von dort aus Frankreich, Europa und schließlich dieWelt zu erobern. Hunderte von Agenten und Provokateuren wurden nach Spanien geschickt, um dieses Ziel Moskaus zu erreichen. 2. Unter der Anführung sowsetrussischer Kommunisten und Bolschewisten, verstärkt durch das Hineinströmen unruhiger und unzufriedener Elemente aus der ganzen Welt, wurden Zehntausende unschuldiger Männer, Frauen und Kinder in Spanien hingemordet. Das leichtfertige Urteil einer Handvoll ungeschulter „Beobachter" kann an diesen geschichtlichen Tatsachen nichts wartete mit Spannung, was kommen würde und hoffte, daß die vier Mächte sofort handeln mürben Nach mehrtägigen Auseinandersetzungen aber wurde der deutsche Vorschlag von England und Frankreich abgelehnt, obwohl er sich letzten Endes auf eine ernste Warnung an die Va- lencia-„Regierung" beschränkte und diese Warnung durch eine friedliche Demonstration der vier Mächte unterstrichen werden sollte. Da wurde nur klar, daß nach Lage der Dinge England und Frankreich sich auch zu der fiein- slen gemeinsamen Geste der Solidarität einfach nicht aufraffen konnten, oder wollten. Es ist höchst bedauerlich, daß das Abkommen vom 12. Juni der ersten Belastungsprobe nicht standhielt. Aber auch in Anbetracht der unablässigen aggressiven Wühlarbeit der Komintern tn Europa wäre eine symbolische Geste der vier Mächte in diesem wichtigen Augenblick von besonderer Bedeutung gewesen. Nach unseren Erfahrungen muß man die Komintern mit besonderen Methoden bekämpfen. Darum war es für uns schwierig, ein Argument zu verstehen, das man in jenen Tagen hörte, nämlich: Es habe keinen Zweck, wegen des „Leipzig"- Zwifchenfalles gegen Valencia vorzugehen, denn das Bombardement von Almeria hätte ja doch den Angriff auf die „Leipzig" nicht verhindern können. Eine derartige Einstellung würde Wasser auf die Mühle der bolschewistischen Propaganda sein. Auf das tägliche Leben übertragen, würde dies z. B. bedeuten, daß man in Zukunft einen Mordversuch n i ch t mehr be- st r a f e n würde, weil ja doch frühere Verurteilungen wegen vollzogenen Mordes diesen Versuch nicht haben verhindern können Es gab für die Reichsregierung die einzigmögliche Konsequenz, sich von dem Konlroll- syslem zurückzuziehen. Dies ist in kurzen Umrissen die Geschichte der Nichteinmischung in Spanien. Ich glaube, daß nach dem soeben Geschilderten niemand der deutschen und auch der italienischen Regierung einen Mangel an Solidaritätsgefühl vorwerfen kann. Das Versagen der Westmächle Ich komme nun zu der augenblicklichen Lage des Ausschusses: Nachdem das Mandat der vier Mächte zur Ausübung der Kontrolle durch Ausscheiden Deutschlands und Italiens e r loschen war, haben die englische und die französische Regierung den Vorschlag gemacht, diese Kontrolle in Zukunst nur durch französische und englische Schiffe auüben zu lassen und gleichzeitig neutrale Beobachter an Bord der Kontrollschiffe zu nehmen. In der Sitzung des Unterausschusses vom 29. Juni habe ich eine Erklärung abgegeben, in der mitgeteilt wird, daß die deutsche Regierung diesen Vorschlag nicht als eine befriedigende Lösung ansehen kann. Ich möchte mich heute darauf beschränken, nochmals auf zwei Punkte hinzuweisen, die allein genügen, eine einseitige Kontrolle durch England und Frankreich für Deutschland nicht annehmbar zu machen. 1. England und Frankreich erkennen die Valencia-,,Regierung" als die rechtmäßige Regierung Spaniens an, Deutschland und Italien die Salamanca-Regierung des Generals Franco. Die Ausübung der Kontrolle durch die Flotten der vier Mächte stellte ein politisches Gleichgewicht dar, wie es für eine wahre unvartei- liche Handhabung der Kontrolle unerläßlich ist. Dieses Gleichgewicht sollte durch die Aebertragung der gesamten Ueberwachung der spanischen Häfen ausschließlich an die englischen und französischen Schiffe grundlegend gestört werden. 2. Rach den Erfahrungen der Viermächtebesprechungen scheint es nach meiner Auffassung den Grundsätzen p o - litischer Realität zu widersprechen, heute das Monopol für die Seekontrolle in Spanien Mächten anzuvertrauen, die im kritischen Augenblick unserer Meinung nach nicht jenen Grad an Solidarität gezeigt haben, der in diesem Fall so vonnöten gewesen wäre. Ich kann hier nur meine Frage wiederholen, ob England und Frankreich unter ähnlichen Bedingungen willens gewesen sein würden, Deutschland und Italien ein solches Mandat zu übertragen? Auch in diesem Zusammenhang kann man, wie bereits erwähnt, das Versagen des Viermächteabkommens vom 12. Juni und die damit verbundenen Erschütterungen des Vertrauens unter den Mächten nur ernsthaft bedauern. Die Behauptung, daß das fehlende Gleichgewicht durch das Anbordnehmen von sogenannten neutralen Beobachtern auf die englischen und französischen Schiffe wiederhergestellt werden kann, ist ein Trugschluß, denn: Man muß sich fragen, wer ist in diesem Spanienkonflikt eigentlich neutral und welche Mächte außer Deutschland und Italien erkennen General Franco als rechtmäßige Regierung in Spanien an? Diese Bemerkung sollte meiner Auffassung nach genügen, um den Mitgliedern des Komitees vor Augen zu führen, daß der englisch - französische Vorschlag sowohl vorn praktischen, als auch vom politischen Gesichtspunkt aus das Gleichgewicht und Unparteilichkeit verrnis- s e n lasse. Der deuW-italiemsche Plan. D euts chland versuchte nach Fühlungnahme mit der italieniaschen Regierung, neue Wege der Verbesserung des alten Systems zu finden, und dabei gleichzeitig die Maßnahmen aufrechtzuerhalten, die sich bisher als nützlich erwiesen hatten. Das Resultat dieser Erwägungen ist der vor , einigen Tagen zugegangene und heute hier zur Diskussion stehende deutsch - italienische Vlan. Dieser Plan enthält den Vorschlag der Beibehaltung des heute bestehendenUeber- w a ch u n'g s s y st e m s , d. h. also Beibehaltung der Ueberwachung der Landgrenzen sowohl als auch der Seeüberwachung, die Belassung der Kontroll offiziere an Bard der Schiffe, die die Flagge der Nichteinmischungsstaaten führen. Ferner enthält dieser Vlan den Vorschlag, das Kontrolllnstem der Kriegsschiffe, das bisher von den vier Mächten ausgeübt wurde, durch die Gewährung der Rechte als Kriegführende an die beiden spanischen Varteien zu ersetzen. Die' Reichsregieruna glaubt, daß dieser Plan einen entschiedenen Vorteil hat, und daß es nicht leicht sein wird, einen besseren Plan zu finden. Der deutsch-italienische Vlan iff entschieden besser als der alte. Wie war die Lage bisher? Wir haben die Land- kon trolle an der spanisch-französischen und an der portugiesisch-spanischen Grenze. Wir haben das Kontrollsystem zur See, das darin besteht, daß die Schiffe der Nichteinmischungsstaaten bestimmte Kontrollhäfen anlaufen und dort Kontrollorgane an Bord nehmen, die die leaitime Seefahrt überwachen. Den Ueberwachungsschiffen stand lediglich das Recht zu, festzustellen, ob die Schiffe der Nichteinmischungsstaaten Kontrollorgane an Bord hatten. Sie waren dageaen nicht berechtigt, Schilfe anzuhalten, die die spanische Flaage oder die Flagge der nicht am Nichteinmifchungsabkornrnen beteiligten Staaten führten, fiier zeigte sich von Anfang an eine sichtbare Lücke des Systems, und diese wurde, wie zweifelsfrei erwiesen wurde, zum W a f- fenschmugael in großem Maßstab aus- genußt. Bezeichnend für die Geaenstandslosigkeit des Kontrollsystems ist es. daß bisher auch nicht ein einziger Fall vorliegt, in dem leitens der Ueber- wachungsschiffe ein Bruch des Nichteinmischungsabkommens festgestellt wurde Aber andererseits wissen wir alle, daß die spanische Handelsflotte und der Schiffsverkehr der nicht am Nichteinmischungsabkommen beteiligten Saaten einen ungeheuren Zuwachs in den letzten Monaten erfahren haben. Es fcheink mir nach dem bisherigen Tempo durchaus möglich, daß der spanische Bürgerkrieg längst vorbei sein wird, bis irgendwelche praktischen Resultate vorliegen werden. Unser Vorschlag der Gewährung der Rechte als kriegführende an die beiden spanischen Varteien hat zum Ziel, Lücken zu schließen. Wenn das Komitee den deutsch-italienischen Plan annehmen würde, würde sich folgende Situation ergeben: Die Land kontrolle an der portugiesischspanischen Grenze, sowie auch die Kontrolle der Franco-Küste würde in Kraft bleiben. Das Argument, daß diese Landkontrolle ungerecht wäre, wenn die Patrouillenfahrten der Kriegsschiffe nicht mehr stattfinden würden, ist unbegründet; denn die Seekontrolle einschließlich des Anlaufens der Häfen und der Anbordnahme von Kontrollorganen bliebe weiter bestehen. Es ist also durchaus das Gleichgewicht zwischen Land- und Seekontrolle g e - wahrt. Denn ein bewaffnetes Kontroll- und Vollzugsorgan hat es zu Land ja nie gegegeben. Der Ueberwachung der Zufuhren nach Spanien durch die Landkontrolle steht zur See die Verpflichtung der gesamten Schiffahrt, die Kontrollhäfen anzulaufen und dort Kontrolloraane an Bord zu nehmen, gegenüber. Daß die Mächte aber ein Interesse daran hätten, etwa keine Kontrollorgane an Bord zu nehmen, trifft keinesfalls zu, wie ich gleichfalls noch ausführen werde. Die legitime Schiffahrt würde mit dem Anlaufen der Kontrollhäfen und mit Kontrollofsi- zieren an Bord vor sich gehen, wie bisher, während die illegitime Schiffahrt in Zukunft sozusagen von den beiden spanischen Parteien selbst kontrolliert werden würde. Ich glaube, daß dieser neue Zustand eine doppelte Wirkung ausüben wird. Auf der einen Seite werden die Nichteinmischungsmächte sich gern an die Regelung des Kontrollsystems halten; denn der Kontrolloffzier wird in Zukunft als sicherer Lotse eine gern gesehene Persönlichkeit an Bord der regulären Schiffe 'sein, während das Anlaufen spanischer Häfen ohne einen solchen Lotsen immerhin eine bedenkliche Sache sein dürfte. Es müßte möglich sein, eine Vereinbarung mit den spanischen Parteien zu erreichen, daß allen Schiffen, die Kontrollorgane an Bord haben, ohne weiteres freie Durchfahrt gewährt wird; dies würde also zu einem gewissen Grade eine Einschränkung der Rechtslage Kriegführender für die spanischen Parteien bedeuten. Auf der anderen Seite steht es fest, daß die spanischen Parteien ihr Aeußerstes tun werden, den illegitimen Handel zu unterbinden, oder ihn wenigstens so zu erschweren, daß er das Risiko und die Kosten nicht mehr lohnt. Was die Gewährung der Rechte als krieafüh- rende Varteien an die beiden spanischen Varteien anlanat, so entspricht dies auch der Lage, wie sie sich durch die Entwicklung des Bürgerkrieges tatsächlich ergeben hat. Einerlei, ob man für die Frgnco-Regieruna ist oder nicht, kann man nicht umhin, festzustellen, daß der größere Teil Spaniens «cher in Francos Händen und unter geordneter Verwaltung ist. Der deutsch- italienische Vorschlag, ihm die Rechte als kriegführende Wacht zuzubllliaen, ist daher nicht willkürlich, sondern steht i n vollem Einklana mit internationalem Brauch. Der Vorwurf, daß der deutsch-italienische Vorschlag einer Mn^rfennung General Francos als kriegführende Wacht eine politische' Begünstigung desselben darstelle, ist unverständlich: denn Deutschland bringt mit der Gewährung der Rechte als Krieg- führender an die Valencia - „Behörden" und des Rechtes zur Untersuchung seiner Schiffe ein weit größeres Ovfer. 3u- sammenfastend ist zu sagen, daß die Gewährung der Rechte als Kriegführende an die beiden spanischen Varteien zweifellos eine erhebliche Verstärkung des Richtetn- mischungsprinzips bedeuten wird, denn alle Staaten würden außer ihren Vervflichtun- gen als Unterzeichner des Richtelnmifchungsab- kommens auch noch die Reutralitäksverpflich- tung zu übernehmen haben. Wenn man nun ba unb dort in ben letzten Tagen Argumente hörte, baß der deutsch-italienische Plan praktisch zugunsten Francos wirken würde unb man eine Neutralitätserklärung nicht abgeben könne, so muß ich die Frage stellen: Ist es unsere Aufgabe, in diesem Komitee die Kriegschancen im spanischen Bürgerkrieg je nach Sympathie und Antipathie nach der einen oder anderen Seite zu variieren, oder ist es unsere Aufgabe, wirklich und ehrlich die Nichteinmischung zu betreiben, unb weiter: Ist die Neutralitätserklärung der euro- päischen Staaten nicht die beste Form der Nichtein- mischung? — Ich bin in der Tat der Ansicht, daß schon ein Zögern, eine Neutralitätserklärung gegenüber ben spanischen Parteien abzugeben, ein Verstoß gegen ben Geist ber Nichteinmischung sein mürbe. Wir wollen kein kommunistisches Svonien. Roch ein Wort über die spanische Lage: Deutschland und Italien wollen kein kommunistisches Spanien. Wenn ich mich an diesem Tisch umsehe, glaube ich auch nicht, daß viele Wächte ein solches wünschen. Gleichzeitig müssen wir uns aber bewußt sein, daß die Komintern dauernd arbeitet. Sie will überall da, wo es möglich ist, Unruhe stiften, denn sie lebt von dieser Unruhe. Ich habe kürzlich Rachrichlen aus Valencia bekommen — besonders seit General Francos Truppen in Spanien mehr und mehr vorrücken —, daß Valencia von den Komintern den Befehl erhalten hätte, um jeden preis Unruhe zu stiften und zu versuchen, internationale Komplikationen zu verursachen. Die neueste Propaganda ist die Behauptung, daß Italien und D e u t s ch l a n d in Spanien territoriale Ansprüche stellten. Der italienische Botschafter hat heute klar aus- geführt, was für Zusicherungen gegenteiligen Inhalts von Deutschland und Italien gegeben worden sind. Darum kann es nur tief bedauert werden, daß solche Behauptungen, deren propagandistischer Charakter nur zu offensichtlich ist in der Presse auch nur die geringste Beachtung finden. Ich jedenfalls kann nicht zugeben, daß solche erstaunlichen Kombinationen — wir alle wissen das, daß das Spanien General Francos nichts anderes fein wird und sein kann, als ein nationales Spanien — unsere ernsten Beratungen für die Richteinmischung in diesem Komitee in geringsten beeinflussen. Lassen wir uns doch durch solche Methoden der Kommunisten nicht beeinflussen, sondern wollen wir uns auf das konzentrieren, womit wir allein befaßt sind, nämlich die Nichteinmischung. Zusammenfassend möchte ich sagen, daß D e u t s ch- land nachwie vor dieNichteinmischung in Spanien wünscht, und ich würde es darum begrüßen, wenn meine Ausführungen zu einem besseren Verständnis des deutsch-italienischen Planes beitragen würden. Der italienische Botschaster Gras Grandi erklärte, eine englisch-französische Flottenüberwachung ohne Deutschland unb Italien würbe zweifellos ber wesentlichen Unparteilichkeit entbehren, bie unerläßlich für jeben Kontrollplan sei. Zur Frage ber vorgeschlagenen neutralen Beobachter an Borb der Ueber- wachungskriegsschiffe meinte Grandi, der neutrale Beobachter würde weder bie Berechtigung, noch bie Möglichkeit, noch bie Autorität haben, um sich ben Anweisungen gegebenenfalls zu widersetzen, bie ber Kommanbant eines Ueberwachungsschiffes für möglich erachte. Das Ueberwachungssystem sollte Zwischenfälle vorbeugen, bie ihre Auswirkungen auf ganz Europa gehabt hätten. Was aber für ein Vier-Flotten-Ueberwachungssystem gelte, habe gleiche Geltung für eine Ueberwachung durch Frankreich und England. Die ganze Flottenüberwachung habe sich als nutzlos herausgestellt. Grandi wies bann auf den regen Handelsschiffverkehr nach Bilbao während der Belagerung durch die Rationalen hin und meinte, die britische Ueberwachungsflotte habe nicht verhindern können, daß die Belagerten mit Waffen, Wunition und Lebensmitteln beliefert worden feien. Als die Rationalen Bilbao einnahmen, hätten sie eine hungernde Bevölkerung vorgefunden. Das beweise, daß die vielen Tonnen von Lebensmitteln nicht den Frauen und Kindern von Bilbao zugute kamen, sondern den gegen Franco kämpfenden bolschewistischen Wilizleuten. Deutschland unb Italien hätten ihren konstruktiven Vorschlag vorgebracht, um ben Grunbsatz ber Nichteinmischung aufrechtzuerhalten. Man habe erklärt, baß Deutschland unb Italien sich zugunsten Francos aus ber Seekontrolle zurückgezogen hatten. Dagegen brauche er nur auf bie kürzlichen Unterhaus- Erklärungen Ebens hinzuweisen, wonach bie augenblickliche Lage sich zugunsten ber Vale n c i a - „B e h ö r d e n" auswirke. Zur Frage der Zugestehung ber Rechte als Kriegführende an bie spanischen Parteien erklärte Grandi, es hanbele sich lediglich barum, einen bereits bestehenben Kriegszustand anzuerkennen, ber allein vom juristischen Stanbpunkt aus bisher ignoriert worben sei. Zur Frage ber ausländischen Freiwilligen übergehenb erinnerte ber italienische Vertreter baran, bas bereits im August v. I. Deutschlanb, Italien unb Portugal einen biesbezüglichen Antrag gestellt haben. Im N i ch t e i n m i s ch u n g s- aus schuß habe man jeboch erklärt, baß biese Angelegenheit nicht eilig sei. Erst nachbem Gerüchte über bie Ankunft deutscher unb italienischer Freiwilliger auf Seiten Francos umliefen, habe ber Nichteinmischungsausschuß auf Anregung gewisser Mächte bamit angefangen, sich mit biefer Frage zu befassen. Wie aber wolle man alle die englischen, fowjet- rufsischen und französischen Freiwilligen der roten internationalen Brigade zurückrufen? Das gleiche gelte für die Freiwilligen nationalspa- nischer Seite. Denn seit dem Tage, an dem sie in Spanien lebten, ständen sie lediglich und allein unter dem Befehl von General Franco. Was aber werbe aus ber Frage ber finanziellen Beihilfe unb ber Ausfuhr des (Selbes ber Bank von Spanien, was aus ber Frage ber politischen Agitatoren? Granbi betonte bann, baß Italien keine politischen unb territorialen Absichten in Spanien oerfolat, sondern lediglich ein Ziel, nämlich die ch r i st 1 i ch e Z i o i - lifation Westeuropas vor der bolschewistischen Gefahr zu schützen. Abschließend erklärte Grandi, er wolle nicht daran glauben, daß die Nichteinmischung wegen einer technischen Frage scheitere, denn von der Nichteinmischung hänge ber Frieden unb bie Eintracht in Europa ab. „Ein Gebäude von Verhandlungen und Täuschungen zum Einsturz gebracht." Mailand, 10. Juli. (DND. Funkspruch. Die novbitalienische Presse hebt bie Ausführungen Grandis und von Ribbentrops vor dem Nichteinmischungsausschuß in große. Aufmachung hervor unb erklärt, baß bie Anklagereben des italienischen und des deutschen Vertreters bte Verletzungen der Nichteinmischung klar aufgezeigt haben. Nach dem Mailänder „Corriere della Sera" ist das ganze Gebäude der Verleumdungen und 'Täuschungen, das während eines Jahres diplomatischer Polemiken errichtet worden war, dadurch zum- E i n st u r z gebracht worden. Es sei außerordentlich zweckmäßig und notwendig gewesen, daß Grandi den Schleier von der heuchlerischen und lügnerischen Haltung gewisser Regierungen weggerissen habe Auch Lord Plymouth und der französische Botschafter C o r b i n hätten zugegeben, daß man eine andere Form ber Ueberwachung finben müsse, wenn sie wirksamer sein sollte. Die Turiner „S t a m p a" bezeichnet die Ausführungen Grandis als eine gewaltige Ankia g ered e gegen ben Feind aller Zivilisation, Sowj etrußland. Der sowjetrussische Vertreter sei wütend gewesen, aber die traurigste Erscheinung habe ber Botschafter Frankreichs als eine Marionette eines Volksfrontkabinetts gemacht, beren Fäden von Moskau aus gezogen werden Wenn Frankreich offiziell — praktisch sei es immer der Fall gewesen — bie Landgrenze nach Spanien für Lieferungen an bie Bolschewisten öffnen werbe, bann übernehme Frankreich bie volle Verantwortung für bas Scheitern der Nichteinmischung, und Italien würde ebenfalls seine Handlungsfreiheit wieder nehmen. Keine großen Hoffnungen in London London, 10. Juli. (DNB. Funkspruch.) Die Londoner Morgenzeitungen berichten ausführlich über ben Verlauf ber Sitzung des Nichteinmischungsausschusses. In ihren Berichten und Überschriften stellen sie namentlich die Tatsache in den Vordergrund, daß ihnen die Aufgabe übertragen worden ist, einen V e r m i 111 u n g s v o r s ch l a g auszuarbeiten. In ben Aeußerungen der diplomatischen Korrespondenten, noch mehr aber in den redaktionellen Kommentaren, die auf einen bemerkenswert pessimistischen Ton abgestimmt sind, unterstreichen die Blätter die Schwierigkeiten der Ausgabe, die England damit übernommen habe. Zum Teil gehen die Mütter dabei soweit, zu befürchten, daß die Aufgabe so schwer sein könne, daß eine Lösung beinahe als unmöglich erscheine. Englischer Labonr-Abgeordneler bei Mussolini Rom, 9. Juli. (DNB.) Der frühere Führer der englischen Labour Party Lansbury ist am Freitag in Rom eingetroffen unb sofort von Mussolini im Palazzo Venezia empfangen worden. Die Unterredung bauerte im Beisein bes Außenministers Grafen Ciano breioiertel Stunden. Beim Verlassen des Palazzo Venezia erklärte Lansbury ben Journalisten, bas Gespräch werde am nächsten Montag fortgesetzt werben. Die Selvrechunaen auf dem OberfaWa. Keine außenpolitischen Sensationen. Obersalzberg, 9. Juli. (DNB.) Zu ben Mel- bungen einiger auslänbischer Zeitungen, wonach zur Zeit auf bem Obersalzberg ein Ministerrat unter Vorsitz des Führers stattfinde, gab Reichspressechef Dr. Dietrich auf Befragen einem Vertreter bes Deutschen Nachrichtenbüros folgenbe Auskunft: Immer aufs neue tauchen in ber internationalen Presse Tendenz nachrichten über Kabinetts- lihungen und Ministerrate auf, bie angeblich beim Führer auf bem Obersalzberg bei Berchtesgaden abgehalten werden und von denen wichtige politische Entscheidungen zu erwarten seien. Diese Meldungen dienen offenbar dem Zweck, den Eindruck einer latenten politischen Spannung hervorzurufen, um das internationale politische Leben in ständiger Unruhe zu halten. Hierzu ist ein für allemal festzustellen, daß ber Führer, wenn er sich in seinem Hause auf bem Obersalzberg aukhält, sich selbstverstänbsich nicht bem Nichtstun hingibt, fonbern bort bie Führung ber laufenben politischen Geschäfte genau s o in ber Hand behält, w i e in Berlin. Er würde sich sicherlich auch gern in der Ferienzeit ab und zu für einige Wochen von der Tagesarbeit zurückziehen unb ausruhen, wenn nicht bie unaufhörliche Betriebsamkeit ber internationalen Diplomatie seine Zeit laufend in so starkem Maße in Anspruch nehmen würbe Infolgedessen ist es eine Selb st Verständlichkeit und für ben Führer unerläßlich, von Zeit zu Zeit B e - i MW UL G ' -SV' Richtfest auf Berlins größtem Gebäude. spre chungen mit seinen leitenden Mitarbeitern auf dem Obersalzberg abzuhalten. Daran ständig außenpolitische Sensationen wittern zu wollen, ist ebenso abwegig wie geeignet, die internationale Atmosphäre zu beunruhigen. Heue Lügen gegen Deutschland. Die internationalen Giftmischer Hetzen wieder. Paris, 9. Juli. (DNB.) Die Pariser Zeitung „O e u v r e" verbreitet wieder einmal eine jener üblen Lügennachrichten, die immer wieder von einer internationalen Clique zum Zwecke der Hetze gegen Deutschland fabriziert werden. Die sattsam bekannte Außenpolitikerin des Blattes behauptet, daß der Führer in Verbindung mit der spanischen Nichteinmischungspolitik beabsichtige, die gesamte österreichische Frage wieder aufzurollen. An drei verschiedenen Stellen der österreichischen Grenze werde SS. zusammengezogen, und zwar nördlich von Innsbruck, südlich von Berchtesgaden und bei Passau. Gleich nach der Sitzung des Londoner Ausschusses werde der Führer in Berchtesgaden eine Diesbezügliche Besprechung mit Neurath, Göring, Goebbels, Blomberg und Papen abhalten. Dieses P h a n t a f i e p r o d u k t, das die internationalen Beziehungen zu vergiften bestimmt ist, trägt so sehr den Stempel der Lüge auf der Stirn, daß es sich erübrigt, auf seine Einzelheiten einzugehen. Es ist in allen Teilen frei erfunden. Pacelli in Paris. Paris, 9. Juli. (DNB.) Kardinalstaatssekretär P a c e l l i traf Freitag vormittag in Paris ein. Er wurde vom französischen Außenminister, vom französischen Botschafter beim Vatikan, Charles- Roux, und von zahlreichen Persönlichkeiten empfangen. Der Präsident der Republik war durch den Militärattache seines Kabinetts, Oberst Marceau, vertreten. Ferner waren der Erzbischof von Paris, Kardinal Verdier und der Apostolische Nuntius Msgr. Valeri zugegen. Dem Staatssekretär werden während seines Aufenthaltes Ehren erwiesen, die sonst nur Staatsoberhäuptern vorbehalten sind. Der Bahnsteig war mit den Fahnen des Kirchenstaates und Frankreichs geschmückt. Eine Abteilung der Republikanischen Äarde erwies die militärischen Ehrenbezeugungen. Nach einer kurzen Begrüßung schritt der päpstliche Legat, der den Kardinalshut und den roten Kardinalsmantel trug, die Front der Garde ob, während die Musik die päpstliche Hymne und die Marseillaise spielte. Dann bestieg Pacelli mit Kardinal Verdier ein Auto und fuhr zu seiner Wohnung. Außenminister D e l b o s empfing am Freitagnachmittag Kardinalstaatssekretär P a c e l l i. Zu dem Besuch des Kardinalstaatssekretärs Pacelli in Paris bringt „I n t r a n s i g e a n t" einen Leitartikel, der sich auch mit der Person Papst Pius XI. befaßt Der Papst, schreibt das französische Blatt, habe für Frankreich eine ganz besondere Vorliebe. Die politische Meinung des Papstes fei absolut. Er habe zwar das Konkordat mit Mussolini unterzeichnet, kämpfe aber gegen den Faschismus, wenn dieser der Kirche „die Bildung der Kinderseelen rauben" wollte. Nach seiner Ankunft in Paris gab Kardinal P a c e l l i dem „Jntransigeant" eine kurze Erklärung ab, in der er u. a. zum Ausdruck brachte, wie sehr' er geehrt sei von dem Empfang, den ihm die französischen Behörden bereitet hätten. Werbeff erlicher aeWcherHetzer AcktMonatcGefängnisfürKanzelmitzbrauch Frankenthal, 8. Juli. (DNB.) Das Sondergericht in Frankenthal verurteilte den Kaplan Dr. Karl Klinkhammer wegen fortgesetzten Kanzelmißbrauchs in Tateinheit mit fortgesetztem Vergehen gegen das Heimtückegesetz zu acht Monaten Gefängnis und nahm den Hetzer wegen Fluchtverdachts sofort in Haft. Kaplan Dr. Klinkhammer predigte aus verschiedenen kirchlichen Anlässen in Nordendorf bei Donauwörth, Hohenecken in der Pfalz und in Köln. Zu diesen Predigten wurde er verpflichtet, weil ihm der Ruf eines bedeutenden Kanzelredners vorausging. Tatsächlich macht der Kaplan auch den Eindruck eines hochbegabten und durchgeistigten Fanatikers, der es allerdings nicht lassen konnte, sich als Streiter Gottes auch in die Belange des Staates und seiner Führung einzumischen. In Nordendorf behauptete er in seiner Predigt u. a. wahrheitswidrig: Diele seiner Amtsbrüder seien eingesperrt, weil sie gepredigt hätten. Auch er hätte schon im Gefängnis gesessen. Aber er verschwieg infamerweise, daß nur d i e Amtsbrüder zur Rechenschaft gezogen wurden, die, wie der Verurteilte, die Kanzel für ihre staatsfeindliche Betätigung mißbraucht haben. In Hohenecken war zwar Rochusfest. Kaplan Dr. Klinkhammer beschäftigte sich aber mit allen möglichen anderen Dingen, so auch mit dem Reichsjugendführer, dessen kurz vorher gehaltene Reden er als „Gotteslästerung" bezeichnete. Auch verstieg er sich zu der niederträchtigen Verleumdung, die Nächstenliebe gehe heute nur so weit, als es sich um Mitglieder der nationalsozialistischen Bewegung handele. Er stellte in der Verhandlung der NSV. und dem WHW. die katholische Charitas gegenüber, wobei er wiederholt von den Klöstern als den „Instituten katholischer Liebestätigkeit" und den „katholischen Liebesinstituten" sprach. Gemeint waren damit aber nicht Waldbreitbach oder Montabaur. Die Predigten des Angeklagten gingen weit über eine Auseinandersetzung mit den relgiösen Strömun- aen der Pfalz hinaus Ihr gehässiger und hetzerischer Charakter wurde durch eine zweitägige Verhandlung mit zahlreichen Zeugen klar bewiesen. Der Verurteilte war bereits im Jahre 1933 in Essen wegen hetzerischer Kanzelreden zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Die Verbüßung der damaligen Strafe wurde durch eine allgemeine Amnestie erlassen. Und doch hat der Angeklagte aus diesem Gnadenerweis nichts gelernt, sondern sich weiter als Hetzprediger betätigt. Diesen unverbesserlichen Charakter des Angeklagten mußte das Gericht bei dem Strafausmaß als erschwerend berücksichtigen. Der Emir von Transjordanien für Palästina-Teilung. London, 10. Juli. (DNB. Funkspruch.) Der Emir Abdullah von Transjordanien hat Pressevertretern gegenüber erklärt, daß nach seiner Ansicht der Bericht der Palästina-Kommission die beste Lösung für die gegenwärtige Lage in Palästina darstelle. Berlin, 9. Juli. (DNB.) Aus Anlaß desRicht- estes des Reichsbankneubaues richtete Reichsbankpräsident Dr. Schacht an den Führer und Reichskanzler folgendes Telegramm: „Reichsbank und Baugefolgschaft gedenken anläßlich des Richt- eftes des Reichsbankneubaues, zu dessen Grund- teinlegung Sie, mein Führer, die Weihe gaben, des großen Baumeisters des Dritten Reiches, dem wir alle in Hingabe und Treue Gefolgschaft leisten." Der Führer und Reichskanzler antwortete darauf aus Berchtesgaden: „Der Reichsbank und der Baugefolgschaft danke ich für die mir vom Richtfest des Reichsbankneubaues telegraphisch übermittelten Grüße. Ich erwidere sie herzlich mit meinen b e st e n Wünschen für die glückliche Vollendung des Baues." — Am Donnerstagnachmittag fand in Anwesenheit von Reichsbankpräsident Dr. S ch a ch t, Reichsbankbaudirektor Wolff und 1500 Männern vom Bau und von der Reichsbank das Richtfest für den Erweiterungsbau der Reichshauptbank Berlin statt. Auf unserem Bilde links sieht man, wie die Richtkrone langsam emporgezogen wird. Rechts: Der Reichsbankpräsident und ein Zimmermann stoßen mit ihren Gläsern an. — (Scherl-Bilder- dienst-M.) Oie Gteuersturmflui in Frankreich. Oie breite Maste als Leidtragender der Volksfront-Mißwirtschaft. Der französische Finanzminister Bonnet hat das Steuererhöhungsprogramm bekanntgegeben, das in Frankreich allgemeine Be- türzung ausgelöst hat. Denn der kleine Franzose muß jetzt die Sünden der Regierung Blum bezahlen; er muß seinen Schmachtriemen enger schnallen und für eine Politik der Irreführung bezahlen, die den Massen goldene Berge, weniger Arbeit, höhere Löhne, kurzum alles das oorgaukelte, was Blum unter seiner „Kaufkraft-Theorie" verstand. Diese Kaufkraft- Theorie ist in Wirklichkeit ein Attentat auf die Lebenshaltung des Volkes, denn wo die Produktion nicht gesteigert, der Massenkonsum nicht stärker be- riedigt wird, ist das Ende einer Erhöhung der Preise und Löhne und bei gleichzeitiger Abwertung der Währung eine Verelendung des Volkes. Jetzt pürt der Franzose, was die Volksfront - Regierung angerichtet hat. Jetzt ist das angebliche Paradies, das Blum aus Frankreich machen wollte, voll Heulen und Zähneklappen. Und die Marxisten und Kommunisten? Sie haben mit Blum geschrien: Keine Steuerhöhungen, keine Tariferhöhungen, keine Verteuerung der Lebenshaltung der breiten Massen. Dafür sollten hie 200 Familien stärker herangezogen werden, die Frankreich angeblich in kapitalistischer Weise regieren. Nun wohl: die 200 Familien werden scharf angefaßt. Aber es ist eine demagogische L^ige erster Ordnung, zu behaupten, daß im demokratisch regierten Frankreich 200 Besitzende so viel Vermögen hätten, um die vielen Millionen Erwerbstätiger von Steuererhöhungen zu befreien. Wenn die französische Presse, und zumal das „Oeuvre", ein Blatt, das mit Blum durch Dick und Dünn ging, sagt: „Eine schöne Bescherung ... Man verlangt Opfer ... Die Zukunft Frankreichs kann noch gerettet werden", dann geht daraus der Katzenjammer deutlich hervor, den bis jetzt die marxistischen Machthaber dem Volk wegsuggerieren wollten. Alles wird erhöht. Die Gas- und Elektvi- zitätstarife, die Post- und Telegraphengebühren, der Fernsprecher, und zwar um 30 v. H. Der Tabak, in Frankreich seit altersher Monopol, weshalb die Zigarren und Zigaretten viermal so teuer als in Deutschland sind und keinen Vergleich mit den deutschen Erzeugnissen aushalten, steigt um ein Fünftel. Die Eisenbahntarife werden erhöht, und zwar sofort. Da in Frankreich gerade jetzt die Ferien beginnen, werden Ausnahmen für Reisende nur gemacht wenn sie ihre Ferienreisekarte sich schon besorgt haben oder kinderreich sind. Weiter werden erhöht die sogenannte Erzeugungssteuer die Stempelsteuer, die Plakatsteuer, die Steuer für Entschädigung von Geschäftsführern von Gesellschaften. Ferner wird der Spekulationsgewinn für die Zeit vom 10. bis 30. Juni gänzlich weggesteuert und die Abgaben auf Wertpapiere werden erhöht. Damit glaubt man der Spekulation einen Riegel vorschieben zu können. Besonders schmerzlich für den kleinen Franzosen ist aber die Erhöhung der Einkommensteuer um 20 v. H., und zwar schon für Einkommen, die nach deutschem (Selbe etwa 1800 bis 2000 Mark jährlich betragen. Bei der bisherigen Steigerung der Lebensmittelpreise, die nicht durch die Lohnerhöhungen wettgemacht werden konnte bei den übrigen Abgaben, die das Budget gerade des kleinen Mannes belasten, ist diese Einkommensteuererhöhung ganz besonders hart. Man kann auch nicht sagen, daß der Staat nichts tue um Steuerhinterziehungen — endlich! — zu bestrafen. In Frankreich ist es so, daß Steuerhinterziehungen" bisher an der Tagesordnung waren und kein Mensch das Kriminelle eines solchen Verfahrens beachtete. Der Franzose hatte sich viele Jahrhunderte hindurch mit den privaten Steuererhebern herumgeschlagen, die dem Staate Baroorschüsse leisteten und nachher die Steuern mit den entsprechenden Zuschlägen rigoros eintrieben. Das berüchtigte System der Steuerpachter ist auch von dem ersten Napoleon nicht gebrochen worden. Frankreich lebte durchweg als Staat von indirekten Steuern, und erst in den achtziger Jahren wurde sehr zögernd eine Einkommensteuer auf große Einkommen eingeführt, während die kleinen verschont blieben. Die indirekten Steuern mußte man wohl oder übel zahlen, bei den direkten Steuern drückte man sich, und je finanzkräftiger ein Steuerzahler war, um so größer waren die Möglichkeiten der Umgehung der Steuerparagraphen. Jetzt plötzlich sollen Steuerhinterziehungen so angefaßt werden, daß mindestens 650 Millionen Franks dabei herauskommen, während bisher alle Anträge auf schärfere Erfassung der Steuerhinterzieher im Parlament ein Begräbnis erster Klasse sanden. Aber ob eine gehobene Steuermoral an Stelle einer durch Jahrhunderte den Franzosen ins Blut übergegangene Steuerunmoral sich von heute auf morgen setzen läßt, muß doch abgewartet werden. Die Gesamtsumme der Steuererhöhungen usw. wird von Bonnet auf 10,5 Milliarden Franken geschätzt; das sind 2,5 Milliarden Franken mehr als selbst Schwarzseher annehmen zu können glaubten. Durch diese harte, an dem vorsolonischen Athener Drakon gemahnende Maßnahme wird unzweifelhaft die große Schicht der Wähler der Volksfront in die äußerste Bedrängnis geraten. Sie haben die 40-Stun- d e n w o ch e, sie haben durch S i tz st r e i k s usw. das wirtschaftliche Leben Frankreichs so beeinflußt, daß es mit dem ruhigen Gang der Vor-Blum-Zeit gar nicht zu vergleichen ist. Sie glaubten, andere würden dafür zahlen. Und die Regierung ihrer eigenen Parteien schreibt ihnen jetzt Entbehrungen vor. Starke Erhöhung der Derkehrstarife. Paris, 9. Juli. (DNB.) Wie der Minister für öffentliche Arbeiten mitteilt, hat der Oberste Eisenbahnrat am Freitagvormittag die Erhöhung der Verkehrstarife im Sinne der Beschlüsse der Regierung durchgeführt. Die Erhöhung der Personenfahrpreise beträgt 5 Centimes für den Kilometer in der 3. Klasse, 6 Centimes in der 2. Klasse und 7 Centimes in der 1. Klasse. Die Preiserhöhung tritt am 20. Juli in Kraft. Die Erhöhung der Gütertarife wird bereits am Dienstag, 13. Juli, in Kraft treten und sieht eine Steigerung der Beförderungskosten um rund 18 o. H. vor. Für Lebensrnittel sind jedoch keine Tarifsteigerungen vorgesehen. Sofortige Erhöhung der Posttarife. Zölle um 13 v.H. erhöht. Paris, 10. Juli. (DNB. Funkspruch.) Das Finanzgesundungsgesetzwerk Chautemps- Bonnet nimmt im amtlichen Gesetzblatt nicht weniger als 76 Spalten Raum in Anspruch. Die Bestimmungen decken sich mit der vor 24 Stunden gegebenen ausführlichen Uebersicht. Nachzutragen sind nur noch zwei Einzelheiten. Die Erhöhung der Zollsätze auf Roherzeugnisse, Halb- und Fertigfabrikate beträgt 13 v.H., ausgenommen davon sind Kolonialwaren und Mineralöle. Die Abgaben auf Einfuhrgenehmigungen werden um 25 v. H. erhöht. Ausgenommen davon bleiben Birnen, Aepfel und Kohl. Außer der Erhöhung der Jnlands- posttarife werden auch die Po st gebühren nach dem Ausland allgemein der Frankenabwertung angeglichen und beispielsweise das Porto für einen Ausländsbrief von bisher 1,50 Franken auf 1,75 Franken heraufgesetzt. Die neuen Posttarife werden am Montag in Kraft treten, die neuen Eisenbahntarife dagegen am 20. Juli. Generalstreik im pariser Gaststätten-Getverbe Paris, 10. Juli. (DNB. Funkspruch.) Am Freitagabend haben die Vertreter der Arbeitnehmer des gesamten G a st st ä t t e n g e w e r b e s, also der Hotels, Speisewirtschaften und Kaffeehäuser, nach einer letzten Besprechung bei der Ministerpräsidentschaft den Generalstreik für Paris und Umgebung beschlossen. Aus aller Welt. Zahlreiche Opfer einer Explosionskatastrophe im Hafen von Helsinki. DNS. h e l s i n k l, g. 3»li. Auf der zur Iestung Soeaborg gehörigen Insel Daüifaari, welche mitten im Hafen von Helsinki gelegen ist, erfolgte eine chwere Explosion. Eine große Stichflamme, höher als der Kirchturm von Soeaborg, schoß zum Himmel. Es folgten zahlreiche weitere Explosionen. Die erste Explosion war in einem militärischen Laboratorium erfolgt. An ein Löschen des Brandes war zunächst wegen der Fortdauer der Explo- tonen nicht zu denken. Eine sofort alarmierte Kompanie Küstenartillerie muhte sich darauf beschränken, die zahlreichen Verunglückten abzutrans- portieren. Extrablätter geben deren Zahl bisher mit fünf Toten und 30 Verletzten an. Motor-, chnellboote bringen immer neue Opfer der Explo- ionskatastrophe in rasender Fahrt ans Land. Man hofft, daß das Feuer, welches außer dem in die Luft geflogenen Laboratorium zwei weitere Holzmagazine vernichtet hat, nicht auf die großen milf- tärifchen Materiallager der Festung übergreift. Unbefristet verboten. Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda hat die Zeitschrift „Der B l i tz" unbefri» tet verboten. Das Blatt, das sich „Kampfblatt Der Deutschen Aktion" nennt, ist nicht Träger einer ernsten religiösen Bewegung, sondern ein Sensa- tions- und Konjunkturunternehmen. Trotz wiederholter Verwarnungen hat das Blatt immer wieder zu schweren Beanstandungen Anlaß gegeben, so daß die scharfe Maßnahme eines Verbotes unumgänglich wurde. Grauenhafte Mordtat in der Eifel. In dem Eifelort Waldesch (Kreis Mayen) hat der Einwohner Johann Michel seine Frau und vier Kinder ermordet, indem er ihnen den Hals durchschnitt. Der in den 40er Jahren stehende Mörder ist flüchtig. Der Vorfall erregte im Ort und .„en (peumanns unterstützt und regelt Die klrbeilskiHl Ohres Herzens. Heumanns tzerz.hilfe ist unschädlich und aus rein pflanzlichen Heilstossen zu. sammengeseht.-Zu Haden in denklpotheken für R2K. 2.50 die Packung. Sie reicht ca. 1 Monat. ___________ in der ganzen Umgebung größtes Entsetzen. Nach der grauenhaften Tat trank der Unhold noch Kaffee, füttert das Vieh, und schrieb zwei Briefe, in denen er mitteilt, daß er „unglücklich geboren wurde und die Bluttat hätte geschehen müssen". Der Täter besitzt in dem Ort ein Haus und betreibt Land- wirtschaft. Was ihn zu der Tat veranlaßt hat, ist unbekannt. Schlepper im Hamburger Hafen gesunken. Ein schwerer Schiffsunfall ereignete sich im Hamburger Hafen. Beim Einschleppen eines Tankdampfers nach Harburg-Wilhelmsburg kenterte aus noch nicht geklärter Ursache der Schleppdampfer „W. Th. Stratmann" und sank Ein Mann der Besatzung wird vermißt. Die übrigen Besatzungsmitglieder konnten gerettet werden. Der gesunkene Schlepper liegt mitten im Fahrwasser. Umfangreiche Bergungsarbeiten wurden sofort in Angriff genommen. Eine Untersuchung zur Klärung des Unfalles ist eingeleitet Hebet 100 Todesopfer der Hitzewelle in Amerika. Die ungewöhnliche Hitzewelle in den Ost- ftaaten und in dem mittleren Teil der Vereinigten Staaten hat nun auch nach dem Westen übergegriffen und bereits Über 10 0 Todesopfer gefordert. Zahlreiche Fabriken der heimgesuchten Gebiete stellten ihre Betriebe ein. In Neuyork wurden viele Geschäfte der Hitze wegen geschlossen. kaum noch Hoffnung auf eine Rettung Amelia Earharts. Die Hoffnung, die Weltfliegerin Amelia Earhart noch lebend zu finden ist jetzt so gut wie aufgegeben worden. Schiffe und Flugzeuge suchten am Freitag wieder das große Gebiet südlich der Howland-Jnseln ab, jedoch abermals ohne Erfolg. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt Die neue atlantische Störung ist rasch bis zur Nordsee vorgedrungen. Sie brachte bereits in der Nacht zum Samstag aufkommende Unbeständigkeit und anschließend mit einbrechender kälterer Meeresluft vielerorts Gewitter mit teilweise heftigen Niederschlägen. Auch diesmal wird sich wieder ein Zwischenhoch aufbauen und voraussichtlich Besserung bringen. Aussichten für Sonntag: Häufig aufhei- ternd und nur vereinzelt auftretende Schauer, bei lebhafen westlichen bis nordwestlichen Winden für die Jahreszeit zu kühl. Aussichten für Montag: Zunächst weitere Besserung und tagsüber wieder warm, späterhin voraussichtlich wieder zunehmende Unbeständigkeit. Lufttemperaturen am 9. Juli: mittags 23 Grad Celsius, abends 15,9 Grad; am 10. Juli: morgens 14,5 Grad. Maximum 24,8 Grad, Minimum heute nacht 12 Grad. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange (beurlaubt), Vertreter: Ernst Blumschein; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck Verantwortlich für den Inhalt Der Anzeigen: i. D. Hans Thein D. A. VI. 37: 9104. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R Lange. KG., sämtlich in Gießen Monat-Bezugspreis RM 2,05 einschließlich 25 Pf Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr Einzelverkausspreis 10 Ps und Samstags 15 Pf, mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zett ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. T- elektro-/. Leuchteny Radio / ^4 Gavteuevde und Narrsound z. Auffüllen kosten!, abzug. 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Allgemein ist man im Einzelhandel der Ansicht, daß diese Forderung der Einzelhandelsvertretungen durchgeführt werden muß, weil der Einzelhandel mit dem Einsatz aller -seiner Kräfte die Arbeit des Winterhilfswerks und der NS.-Volkswohlfahrt unterstützen will und weil kein besonderes öffentliches Interesse an der Spendengewährung für private Vereine besteht. In der Praxis ergeben sich aber hieraus für den einzelnen Kaufmann besondere Schwierigkeiten, die geschäftliche Rückschläge zur Folge haben können. Es ist sicherlich so, daß der Kunde eines bestimmten Ernzel- handelsgeschästes, der für seinen privaten Verein eine Spende erbittet, bei einer Ablehnung dieser Bitte nicht immer die genügende Einsicht aufbrin- gen wird und deshalb zornentbrannt seine Einkäufe wo anders tätigt, zunächst ohne Rücksicht darauf, ob er dort Tombolaspenden erhält oder nicht. Unter diesen Umständen hat man in verschiedenen Einzelhandelszweigen — so besonders beim Textileinzel- handel — vorgeschlagen, ein generelles Verbot der Gewährung von Spenden solcher Art zu erlassen. Jetzt liegt eine Meldung aus Oberhausen vor, wonach die dortige Fachgruppe des Textileinzelhandels ein solches Spendenverbot für Oberhausen durchsetzen will. Keller bietet. Dabei handelt es sich nicht nur um die sorgfältige Aufbewahrung des zur Verarbeitung gelangenden Rohgutes, sondern vor allem auch der fertigen Speisen, der noch auszunutzenden Speisereste usw. Hierzu verpflichtet ja der Vierjahresplan noch ganz besonders. Die jetzigen jährlichen Verluste durch Verderb erreichen noch beinahe den Wert unserer gesamten deutschen Kohlenförderung. Gebieterisch tritt daher gerade an den Gaststättenbetrieb in diesem Zusammenhang die Forderung auf bestmögliche Kühlung des Nahrungsgutes heran. Gerade in kleineren Betrieben fehlen in vielen Fällen derartige Einrichtungen überhaupt! Welche außerordentliche Rolle der Kühlhaltung im Rahmen der Vorratswirtschaft zukommt, geht z. B. aus den Berichten über die Obst- und Gsmusekuh- lung hervor. Bisher konnten schon während der Wintermonate mehrere Millionen Kilogramm Obst und Gemüse in den Kühlhäusern gelagert werden, insbesondere Aepfel, Birnen, Kohl und Zwiebeln. Heute ist man durch kühlwirtschaftliche Forschungs- arbeit — das Reichsernährungsministerium wendet gerade dieser Arbeit, wie auch aus der wesentlichen Erweiterung des kältetechnischen Instituts in Karlsruhe hervorgeht, außerordentliche Aufmerksamkeit zu — sogar 'so weit, daß man durch geeignete Stapelung, durch Regelung der Temperaturen und der Luftfeuchtigkeit in den Kühlhäusern manche Früchte während der Lagerzeit geschmacklich sogar wesentlich verfeinert! Fleisch kann man nach den neuesten Erfahrungen doppelt so lange lagern, wenn man es nach einer möglichst raschen und vollständigen Durch- kühlunq auf 0 bis 0,5 Grad und 85 v. H. relativer Feuchtigkeit aufbewahrt. Die Haltbarkeit von Butter konnte um 100 v. H. verbessert werden, indem man den im Rahm gelösten Sauerstoff vor der Verbutterung durch Stickstoff ersetzte. Auch für Obst unh Gemüse wurden neue Küblnersabren gefunden, nach denen es heute z. B. möglich ist, in Konditoreien Pflaumenkuchen anzubieten, dessen Pflaumen Bäuerlicher und landwirtschaftlicher Kleinbetrieb in der Grundsteuer. ZdR. Aus der soeben erschienenen ersten Durchführungsverordnung zum Grunüsteuergesetz ist für die Landwirtschaft von besonderer Bedeutung tue Staffelung der Steuermeßzahl für land- und forstwirtschaftliche Betriebe. Im Gesetz ist die Steuermeßzahl allgemein auf 10 v. T. festgesetzt worden. Gleichzeitig hat der Reichsfinanzminister die Ermächtigung erhalten, im Einvernehmen mit den beteiligten Ministerien für einzelne Gruppen von Besteuerungsgegenständen die Meßzahl anders festzusetzen. Steuermeßzahl ist der Tausendsatz, der, auf den Einheitswert angewendet, den Steuermeßbetrag ergibt, den die Gemeinde dann der Besteuerung zugrundelegt. Die vorliegende Durchführungsverordnung bestimmt nun als Meßzahl für die ersten 10 000 Reichsmark des Einheitswertes land- und forstwirtschaftlicher Betriebe an Stelle der Meßzahl 10 v. T. die Meßzahl 8 v. T. (Zur Land- und Forstwirtschaft rechnen auch Weinbau, Gärtnerei usw., kurz alles, was nach dem Reichsbewertungsgesetz zur Landwirtschaft gehört.) Eine Ermäßigung war hier notwendig geworden wegen der Verschärfung der sogenannten Mindestbewertung im Reichsbewertungsgesetz 1935 gegenüber dem früheren Rechtszustand. Die Landwirtschaft wird nach dem ihr einzig und allein angemessenen Ertragswert bewertet. Im Ertragswert find die Gebäude ohne weiteres mit einbegriffen, sie werden nicht gesondert bewertet. Eine Ausnahme von diesem Grundsatz macht jedoch die Mindestbewertung, die überall da eintritt, wo der Wert des Gebäudes, nach den Vorschriften über die Bewertung bebauter Grundstücke ermittelt, zuzüglich des Ertragswertes von Grund und Boden einen höheren Betrag ergibt, als die normale Ertragsbewertung (Fläche mal Hektarwert). Die Verschärfung des Gesetzes von 1935 besteht darin, daß zu dem Hauswert noch der Ertragswert des Grund und Bodens gesondert bewertet und hinzugezählt werden muß, was früher nicht der Fall war. Die Folge dieser Verschärfung ist eine durchgängig höhere Bewertung der kleineren bäuerlichen und landwirtschaftlichen Betriebe. Da der Einheitswert aber vom Jahre 1938 ab einheitlich im ganzen Reiche auch der neuen Reichsgrundsteuer zugrundegelegt wird, würde sich diese Höherbewertung der kleineren Betriebe bei gleichbleibendem Steueraufkommen in einer stärkeren steuerlichen Belastung, umgekehrt in einer steuerlichen Entlastung der größeren Betriebe auswirken. Im Wege statistischer Erhebungen ist ermittelt worden, daß die Grenze, bis zu der einheitlich in allen deutschen Ländern eine mehr oder weniger starke zusätzliche Steuerbelastung eintreten würde, im Reichsdurchschnitt bei 10 000 Reichsmark Einheitswert liegt. Betrieben bis zu dieser Wertgröße mußte daher im Wege der Senkung der Meßzahl geholfen werden. Die ermäßigte Meßzahl ist jedoch aus verwaltungstechnischen Gründen ohne Begrenzung auf gewisse Betriebsgrößen stets auf die ersten 10 000 Reichsmark eines jeden land- und forstwirtschaftlichen Betriebes anzuwenden, was zur Folge hat, daß auch die mittleren Betriebe mit einem Wert von Die Miete ist in jedem Arbeiter- und Angestelltenetat einer der wichtigsten Posten und ist bei der Knappheit der Neubauwohnungen gerade für junge Ehepaare, aber auch für die in wichtig gewordene Industriestädte zuziehenden Facharbeiter, vor kurzem noch ein Gegenstand erheblicher Sorge gewesen, weil die Mietpreise wegzulaufen schienen. Durch den 29. Deutschen Mietertag ist nun die Frage der Mietpreisbildung erneut in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt worden. Der Reichskommissar für die Preisbildung hat durch seine Mietpreisstopverordnung vom 26. November 1936 grundsätzlich jede Mieterhöhung verboten und die Miethöhe auf den Stand vom 18. Oktober 1936 festgelegt. Was nun darüber hinaus den Mietertag besonders interessiert, war die Frage, wie sich die Preisstopverordnung für die gesamte Wohnungswirtschaft in Zukunft auswirken wird. Es gibt zwei Möglichkeiten der Auswirkung: Entweder, man sieht in der Preisstopverordnung eine vorübergehende Maßnahme, die einem augenblicklichen Notstand abhelfen soll. Ist dieser Notstand behoben, dann entfiele die Verordnung. Wie die Mietpreisbildung danach vor sich ginge, wäre dann eine Angelegenheit, die man abwarten müßte. Man kann die Verordnung aber auch anders sehen, und der „Bund Deutscher Mietervereine" sieht sie als eine grundsätzliche Stellungnahme des Staates zu der zukünftigen Mietpreisbildung überhaupt. Da nämlich die 'Preisstopverordnung nicht nur für die Mietpreisbildung, sondern auch für die Verkaufspreise der Häuser erlassen wurde, ist damit der Häuserspekulation und der Spekulation auf die Bodenrente — hier einmal im wahren Sinne des Wortes — der Boden entzogen worden. Diese Maßnahme ist für die Mietpreisbildung vom Grundsätzlichen her gesehen, noch von viel weittragenderer Wirkung, als die Festlegung der bisherigen Mieten auf den Stichtag des 18. Oktober 1936. Es ist nämlich unzweifelhaft, daß in dem kommenden neuen Mietrecht die Frage der Mietzinsbildung von entscheidender Bedeutung sein wird und daß entgegen dem früheren bürgerlichen Recht, das Lleberstunden aus Furcht vor Entlassung. Ein infolge Krankheit berufsunfähig gewordener Gefolgsmann hatte feinen ehemaligen Betriebsführer auf Zahlung von rund 675 Mark für 436 Ueberftunden verklagt. Aus Furcht vor der Entlassung hat der Gefolgsmann die vorgeschriebene Anmeldung der Überstunden bei der Betriebsleitung unterlassen. Der Führer des Betriebes wendete nun ein, der Gefolgsmann hätte die Ueberstunden spätestens bei Eintritt seiner Erkrankung und nicht erst ein Jahr später geltend machen müssen. . Das Reichsarbeitsgericht hat in seiner Entscheidung es abgelehnt, in diesem Falle eine Verwirkung der Ansprüche auf Bezahlung der Ueber- stundenzuschläge anzuerkennen. Für die Zeit nach Ablauf des Arbeitsverhältnisses hat das Reichsarbeitsgericht die Annahme einer Verwirkung überhaupt für unzulässig gehalten und auf die allgemeinen Bestimmungen über die Verjährung verwiesen. Weiter betonte das Reichsarbeitsgericht in seiner Entscheidung, daß der Führer des Betriebes die Pflicht hat, für das Wohl feiner Gefolgschaftsangehörigen zu sorgen und deshalb eine dauernde Überanstrengung und Ueberlaftung nicht verlangen kann. (RAG. 188/34; sw. Nr. 66/30 8. 35.) lanhändlers empfindlich eingreist, wenn er auf die hier getätigte Art Porzellan vertreibt. Man darf nach dieser Entscheidung wohl annehmen, daß solche unkaufmännischen Kopplungsverkäufe in Zukunft unterbleiben. H. D. . * , Kopplungsverkäufe sind häufig an die Stelle der verbotenen reinen Zugabegeschäfte getreten. Das Einigungsamt für Wettbewerbsstreitigkeiten in Hagen hat nun in einer Streitsache entschieden, daß der Kopplungsverkauf von Kaffee und Porzellan gegen den § 1 des Unlauteren-Wettbewerbs-Gesetzes verstößt. In diesem Fall waren von einer Arm^die Kaffeehandel betreibt, zusammen mit dieser Ware Bier- und Wassergläser im Kopplungskauf angeboten. Dabei waren den Vorschriften des Zugabeverbotsgesetzes auf der Packung Zettel aufgebebt, auf denen die Worte standen: „Die gekoppelten Waren kann der Käufer auch einzeln kaufen." In der Entscheidung heißt es u. a.: Wirtschaftlich betrachtet, ift nicht von der Hand zu weisen, daß es sich mer um einen Versuch handelt, das, was durch die Zugabeverordnung hat vereitelt werden sollen, aus dem Wege des offenen Kopplungsoerkaufs wieder einzuführen. Der Gesetzgeber hat mit dem Zuqabe- verbot der Verordnung vom 9.3.1932 öte Wirtschaft von dem Grundübel der Zugabe, die m vergangenen Epochen große Verheerungen angerichtet haben, befreien wollen. Die Zugabeoerordnung hat dem Zustand, daß der Lebensmitteleinzelhandler Porzellan, der Porzellanhändler Kaffee vertreibt, ein Ende setzen wollen. Die Zweckmäßigkeit und Ueblichkeit der Warenzusammenstellung und der Schutz des selbständigen Gewerbes, aus dem der sogenannte Mitgehartikel stammt, find die Kriterien, nach denen zu beurteilen ist, ob der Verkoppelungs- oerkauf nach guten kaufmännischen Sitten und Gebräuchen, die den Einzelhandel beherrschen sollen, gestattet oder verboten ist. Es kann nicht Zweifel- haft fein, daß der Verkauf "an Kaffee und Par- zellan weder zweckmäßig noch üblich ist und daß der Kaffeehändler in den Gewerbezweig des Porzel- nicht eingekocht werden, sondern ihren Frischge» schmack durch Einkühlung behalten haben. Wesentliche Erkenntnisse sind auch bei der Verwendung von Trockeneis gemacht worden. Trockeneis ist deswegen eine interessante Kältequelle, weil es im Gegensatz zu Wassereis, das einen Schmelzpunkt von 0 Grad hat, bei 80 Grad verdampft, ohne Rückstände zu hinterlassen, und bei gleichem Gewicht eine doppelt so große Kälteleistung als Wassereis hat. Allerdings ist das Trockeneis heute noch teurer als Wassereis. lieber die Kosten der Kühlhaltung in gewerblichen Betrieben kann keine allgemeingültige Berechnung angestellt werden. Die Kosten für die Neuanlage von neuzeitlichen elektrischen oder Gas-Kühlanlagen oder für die Eisschränke sind so unterschiedlich, wie die einzelnen Betriebe und die von ihnen gestellten Anforderungen. Auf jeden Fall aber ergibt eine vernünftige Kühleinrichtung stets ein besseres Wirtschaften. Neben der Kühlhaltung der Lebensrnittel kommt, worauf im übrigen ergänzend hingewiesen sei, auch der Kühlung der Getränke eine unter keinen Umständen zu unterschätzende Bedeutung zu. Im Gaststättenbettieb kommen die Lebensmittel oft in die warme Küche, dann wieder in den kalten Kühlraum. Bei zu großen Temperaturunterschieden schrecken sie zu sehr ab, beschlagen und leiden geschmacklich. Es ist also nicht die Tiefe der Temperatur, sondern die Gleichmäßigkeit, die bei der Kühlung von Fleisch und Lebensrnitteln erstrebt werden muß. Für die gewerblichen Betriebe kommen drei Arten der Kühlung in Frage: Kunsteis, gas- und strombeheizter Kühlschrank. Bei sachgemäßer Anlage wird die Kunsteiskühlung unbedingt die Anforderungen erfüllen, die an die Kühlung gestellt werden: gleichmäßige Einhaltung der Temperaturen, der Feuchtigkeit und der natürlichen Bewegung der Luft. So widersinnig es im ersten Augenblick erscheint, die maschinellen &älteeinrid)tungen, wie der gas- und der strombeheizte Kühlschrank, erzeugen zunächst einmal Wärme, mit der dann das Kältemittel aus der Kühlflüssigkeit (meistens Schwefeldioxyd oder Ammoniak) ausgetrieben wird. Es entweicht in Gasform, kühlt sich stark ab, verdichtet sich dadurch wieder zur Flüssigkeit und entzieht dabei seiner Umgebung Wärme, erzeugt also Kälte. So benutzt man die Heizwirkung, um Kälte zu erzeugen. Der technische Vorgang im einzelnen ist selbstverständlich nicht so einfach, wie diese kurze Beschreibung. Eine zweite Gruppe der elektrischen Kühlschränke arbeitet mit einem Verdichter, der von einem Elektromotor angetrieben wird. Der Verdichter saugt das gasförmige Kältemittel an und drückt es zusammen. Durch die plötzliche Entspannung, die dann stattfindet, verwandelt es sich wieder in Flüstigkeit. Bei der Verflüssigung wird wiederum Wärme verbraucht, also Kälte erzeugt. Die Wirtschaftlichkeit beider Systeme wird im einzelnen Falle durch die Tarifgestaltung bestimmt. So gibt es Großstädte, in denen für die Motorschränke verbilligter Kochstrom zur Verfügung gestellt wird, während für eine bestimmte Art von Absorptionsschränken der noch wesentlich billigere Nachtstrom benutzt werden kann. den könnte, sobald er von dem nach der Jahresrohmiete berechneten Wert abweicht. Nur für die Fälle, in denen die Bewertung nach der Jahresrohmiete Schwierigkeiten macht und daher keine Vereinfachung bedeutet, ist die Bewertung mit dem gemeinen Wert zugelassen. Es ist also nicht gerechtfertigt, die Ausnahmevorschrift über den Wortlaut und ihren Zweck hinaus auf den Fall auszudehnen, in dem der nach der Jahresrohmiete berechnete Wert vom gemeinen Wert abweicht. der Willkür der Parteien keinerlei Schranken fetzte, die Grundsätze einer volkswirtschaftlich angemessenen Mietpreisbildung festgelegt werden. Man verwechsele das nicht mit der Festsetzung bestimmter Miethöhen, denn bei der Unberechenbarkeit des technischen Fortschritts, späterer Materialpreise, Lohnhöhen usw. wäre das ein Unding. Aber es genügt ja die Festlegung der Grundsätze. Und hierfür ist nun — das folgerte der Vorsitzende des Bundes Deutscher Mietervereine in seinem Vortrage wohl nicht mit Unrecht — die Preisstopverordnung als Vorbereitung von entscheidender Bedeutung. Um der spekulativen Entwicklung der Häuser- und Bodenpreise mit endgültigen Maßnahmen entgegenzuwirken, schlug er dann seinerseits vor, durch Einführung einer Belastungssperre und Belastungsgrenze unter gleichzeitiger Einführung des Tilgungszwanges für vorhandene Grundstücksbelaftungen der Ueberschuldung des Grundbesitzes entgegenzuwirken. Anders gesagt: dem Grundbesitz soll in Zukunft jede Möglichkeit genommen werden, auf den Wertzuwachs zu spekulieren und diesen durch erhöhte Verkaufspreise oder durch Aufnahme neuer Hypotheken zu Geld zu machen. Anderseits soll er gesetzlich gezwungen sein, die vorhandenen Schulden zu tilgen, d. h. er soll die Baukosten in einem angemessenen Zeitraum abschreiben, damit die Häuser beim Baufälligwerden auch wirklich abgerissen werden können, während die jetzige Verschuldung der Grundstücke eine Altstadtsanierung weitgehend verhindert, wenn nicht der Staat für den Schuldenrest abkauft und abreißt. Es leuchtet ohne weiteres ein. wie sich eine derartige Gestaltung der Grundstücksbelastung und -ent- lastung nicht nur auf die Mietpreisbildung, sondern auch auf die Bauwirtschaft und die fortlaufende Modernisierung des deutschen Bauwesens und Baustils und damit auf den Wohnstil des deutschen Menschen auswirken müßte. Es ist auch klar, daß dann der Grund dafür entfiele, nachträglich gegen Auswüchse Stellung nehmen zu müssen, um ihnen durch Stopoerordnungen die schlimmsten Folgen zu nehmen. Mehrerzeugung volkswirtschaftlich wertvoller Guter, insbesondere von Nahrungsmitteln, ist nicht die einzige Aufgabe unserer Zeit, um das deutsche Volk mit all dem ausreichend zu versorgen, was es zur Lebenshaltung braucht. Schaltung des einmal Erzeugten, also der Kampf gegen jeghd)en Verderb, ist eine ebenso wichtige Ausgabe. Werte im Umfang von Millionen und aber Millionen Mark sind bisher Jahr für Jahr dem nutzlosen Verderb anheimgesal- Ein sehr wichtiges Teilgebiet der Werterhaltung umfaßt die Ernährungswirtschaft, also die Maßnahmen, durch die Nahrungsmittel vor der nutzlosen Vernichtung bewahrt werden. Da ist es ins- besondere die Kiihlwirtfchaft, die auf diesem Gebiet bisher schon große Erfolge für sich buchen konnte und di- nach den bisher gemachten Erfahrungen noch viel starker ausgebaut werden muß. Zwar können wir heute schon in zahlreichen gewerblichen Betrieben Kühlschränke der verschiedenen Systeme feststellen. Doch muffen diese vielleicht wertvollsten E-Mittel zur längeren Aufbewahrung von Nahrungsmitteln noch sehr viel stärker Eingang sinden. Groß und stark ist das Heer der Femde das wir bekämpfen müssen. Billionen von Kkeinftleb-- mefen, wie Luftheere, Schimmelpilze, Faulmsbak- terien usw. zerstören unsere Lebens- und Genußmittel In feuchter Wärme wachsen, blühen und ge- deihen st-, zum Schaden unserer Gesundheit und vor allem unseres Geldbeutels. Entziehen wir diesen Schädlingen die Wärme, so verkümmern sw. Daher fordert die Wissenschaft: „Frischhaltung durch Kalte. Di- ununterbrochene Kühlkette" darf auch im gewerblichen Kleinbetrieb nicht unterbrochen werden. Erfolgreiche Betriebssührer des Gaststattengewer- bes und ähnlicher Einrichtungen wisfen, daß die äustere Ausmachung des Betriebes allem nicht zum wirtschaftlichen Erfolg führen kann Der fiauptmert ist vielmehr auf vorzügliche Behandlung undPslege alles dessen zu legen, was man aus Küche und Die Bewertung von Mielwohngrundstücken. Von Or. jur. et rer. pol. St Wuth. Mietwohngrund stücke, wie auch agernischt- genutzte Grundstücke, die teils Wohnzwecken, teils unmittelbar eigenen oder fremden gewerblichen bzw. öffentlichen Zwecken dienen, werden bei der Einheitsbewertung mit einem Vielfachen der Jahresmiete bewertet. Möglich ist, daß dieser nach den Richtlinien der Oberfinanzpräsidenten sestgestellte Wert wesentlich hinter dem gemeinen (Verkaufs-) Wert des Grundstücks zurückbleibt. Gesetzlich ist aber eine Bewertung von Mietwohn- und gemischtgenutzten Grundstücken mit dem gemeinen Wert nur ausnahmsweise zulässig, wenn sich die Rohmiete für ein Grundstück nur schwer ermitteln oder schätzen läßt. Die Bewertung mit dem gemeinen Wert ist dagegen in anderen Fällen auch dann unzulässig, wenn die Bewertung mit einem Vielfachen der Jahresrohmiete außer Verhältnis zum wirklichen gemeinen Wert des Grundstücks steht. Wie der Reichsfinanzhof, der diese Rechtsauffas- fung in einer Entscheidung vom 9.4.37 (IIIA 30/37 RStBl. S. 634) bestätigt hat, ausführt, stellt auch die in erster Linie vorgeschriebene Bewertung mit dem Vielfachen der Jahresrohmiete nicht anderes, als die Bewertung mit dem gemeinen Wert dar. Sie soll das Bewertungsverfahren vereinfachen und vermeiden, daß in jedem einzelnen Fall der gemeine Wert besonders ermittelt werden muß. Dieser Zweck würde nahezu vollständig vereitelt werden, wenn doch wieder der gemeine Wert angesetzt wer- Umschau im Einzelhandel. Jrn Monat Mai sind vier Jahre feit dem Erlaß des Einzelhandelsschutzgesetzes vergangen. Der unmittelbare Zweck, nämlich dem deutschen Einzelhandel eine gesunde Entwicklungsgrundlage zu geben sowie überflüssige Neugründungen auszuschließen, ist in vollem Umfange erreicht worden. Durch das Schutzgesetz konnte vor allen Dingen erreicht werden, daß die wirklich kaufmännischen Kreise, die im Einzelhandel in der Zeit des Hochliberalismus zurückgedrängt waren, wieder stärker zur Geltung gekommen sind. Der deutsche Einzelhandel hat dadurch an Ansehen in der Verbraucherschaft gewonnen. Heute ist man einig darüber, daß die Errungenschaften, die das Schutzgesetz gebracht hat, nicht wieder aufs Spiel gesetzt werden dürfen. Man verlangt allgemein eine Weiterentwicklung des Gesetzes, so daß man allmählich einem Berufsgesetz nahekommen wird. Die fachkundliche Prüfung wird, ohne daß man Uebertreibungen zu huldigen braucht, unter allen Umständen beibehalten werden müssen. Ungeklärt ist noch die Frage der Branchenerweiterung. Hier wird die praktische Entwicklung sehr stark auf den Begriff der Ortsüblichkeit Rücksicht nehmen müssen, weil man verhindern muß, daß die Entwicklung eines Geschäftes gehemmt wird. Nach alledem ist anzunehmen, daß die gesetzliche Weiterentwicklung des Einzelhandelsschutzgesetzes in enger Anlehnung an praktische Erfahrungen vor sich gehen wird. Durch die Neuregelung der Jnventuroerkäufe und die weitgehende Abschaffung der Sonderveranstal- tungen haben sich im Einzelhandel — wie sich aus einer Untersuchung des Instituts für Konjunkturforschung ergibt — erhebliche Veränderungen bei den Einkaufsterminen ergeben. Bemerkenswert ist vor allen Dingen, daß durch die Verlegung der Winterschlußverkäufe sich eine Verlagerung des Geschäfts im Wintervierteljahr herausgebildet hat. Während sich in früheren Jahren das Weihnachtsgeschäft zu Gunsten des Jnventurverkaufs Anfang Januar im steigendenUmfange rückläufig entwickelte, ist in den letzten beiden Jahren eine entgegengesetzte Tendenz zu beobachten. Das Weihnachtsgeschäft nimmt zu und die Umsätze im Winterschluß, der auf Ende Januar bis Anfang Februar verlegt ift, nehmen ab. Die Sommerschlußverkäufe, für die zeitlich nur geringfügige Terminoeränderungen eingetreten sind, haben dagegen ihre Bedeutung behalten. Durch die Abschaffung und Einschränkung der Sonderveranstaltungen ist das reguläre Geschäft gestärkt worden. Eine Kenntnis der Einkaufstermine ist in betriebswirtschaftlicher Hinsicht für den Einzelhändler von Bedeutung, weil er dadurch in die Lage versetzt wird, rechtzeitig geeignete Werbemaßnahmen zu ergreifen, für den Einsatz der nötigen Arbeitskräfte und für die Festsetzung der Liefertermine zu sorgen. Auch preispolitisch spielen die Saisonschwankungen eine Rolle. mehr als 10 000 Reichsmark nach In gewissem Umfang am Vorteil der gesenkten Meßzahl teilhaben. Der Vorteil mindert sich mit zunehmender Betriebsgröße, bei landwirtschaftlichen Großbetrieben ist er praktisch bedeuklmgslos Die Durchführungsverordnung bestimmt weiterhin. daß bei Bauland in jedem Falle die Meßzahl 1 0 v. T. gilt. Gehört also zu einem etwa an der Stadtgrenze gelegenen Bauernhof eine Bau- landparzelle, so ist auf den Wert dieser Parzelle nicht die ermäßigte, sondern die regelmäßige Meßzahl anzuwenden. Beispiel: Zu einem Bauernhof an der Stadtgrenze mit einem Einheitswert von 12 000 RM. gehört eine mit dem gemeinen Wert von 3000 RM. gesondert bewertete Baulandparzelle. Folgende Meßzahlen sind daun anzuwenden: 1. Auf die Bauparzelle, Einheitswert 3000 RM., die Meßzahl 10 o. T. = Meßbetrag..........30 RM. 2. Auf den Bauernhof, Einheitswert 12 000 RM., sind anzuwenden: auf die ersten 10 000 RM. Meßzahl 8 o.T...........80 RM. auf die verbleibenden 2000 RM. Meßzahl 10 v. T........20 RM. Für die Bauparzelle erhält der Bauer also einen Steuermeßbescheid über 30 RM. Meßbetrag, für den Bauerhof einen solchen über 100 RM. Meßbetrag. Bon diesen Meßbeträgen erhebt die Gemeinde die von ihr im Rahmen der gesetzlichen Be- arenzungen benötigten Hebesätze, die unterschiedlich hoch sein können. Erhebt die Gemeinde beispielsweise für die Landwirtschaft einen Satz von 120 d. 5). und für Bauland einen solchen von 150 v. H., so zahlt unser Bauer für die Parzelle (150 v. H. mal 30 RM.) 45 RM. Grundsteuer und für den Hof (120 o. H. mal 100 RM.) 120 RM. Grundsteuer im Jahr. H. F. Oie Slowaken. Don unserem ac.-Äerichierstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Budapest, Juni 1937 In seinem Buche „Die Weltrevolution" schreibt der frühere tschechoslowakische Staatspräsident Thomas G. M a s a r y k zu der sogenannten Pittsburger Deklaration vom 30. Juni 1918, durch die der Zusammenschluß des slowakischen Volkes mit den Tschechen grundsätzlich festgelegt wurde, offenherzig: „Ich unterzeichnete das Abkommen (das tschechoslowakische Abkommen, nicht Vertrag!) zwischen Slowaken und amerikanischen Tschechen. Dieses Abkommen wurde zur Beruhigung einer kleinen slowakischen Fraktion geschlossen, die von einer weiß Gott was für einer Selbständigkeit der Slowaken träumte. Ich unterschrieb ohne Zögern, weil es eine lokale Abmachung der amerikanischen Tschechen und Slowaken war." Hatte man tschechischerseits von Anfang an den Slowaken vorgegaukelt, daß sie in völliger Gleichberechtigung zusammen mit den Tschechen einen gemeinsamen Staat bilden sollten, so hatte, wie diese Worte Masaryks zeigen, der erste tschechoslowakische Staatspräsident von Anfang an nur die Absicht, dieses „Abkommen", das er selber nicht Vertrag nennen will, nur als ein Papier anzusehen, das für die Tschechen keine wei- teren Verbindlichkeiten bedeute. Schon damals begann im Grunde der Konflikt zwischen Tschechen und Slowaken, der bis zum heutigen Tage den tschechoslowakischen Staat bedroht und der besonders in der letzten Zeit immer schärfer und für die Staatseinheit immer gefährlicher wird. Bereits damals, unmittelbar nach Bekanntwerden jener Pittsburger Deklaration, die als der eigentliche Ausgangspunkt für die Entstehung des tschechoslowakischen Staates anzusehen ist, legte das slowakische Volk schärfste Verwahrung ein gegen diese Vergewaltigung, gegen die drohende Hegemonie der Tschechen. Bereits im Frühjahr 1919 fand die unter dem slowakischen Volke herrschende Empörung ihren Ausdruck in einem Memorandum der Slowaken an die alliierten Regierungen, die noch die Diktatverträge vorbereiteten. In diesem Memorandum heißt es bezeichnenderweise: „Noch niemals hat sich ein Volk in seinen Hoffnungen so grausam getäuscht, wie die slowakische Nation Statt die uns versprochene Freiheit zu erlangen, sind wir neuer Knechtschaft zum Opfer gefallen. An Stelle der slowakischen Autonomie erhielten wir die tschechische Herrschaft .. Die Slowakei ist jetzt eine Kolonie der Tschechen und wird als solche behandelt. Der größte Teil der Tschechen kommt in die Slowakei wie in ein erobertes Land. Auf Kosten der Slowaken trachtet der Tscheche möglichst großen Nutzen zu ziehen. Nun steht die Absicht klar vor uns: man will uns tschechi- fieren. Wir verlangen politische Autonomie und ein slowakisches Nationalparlament. Wir bitten, uns als eine von den Tschechen verschiedene Minderheit zu betrachten." Und an anderer Stelle in diesem Memorandum heißt es: „Die Tschechen und Slowaken sind .Brüder', die sich niemals gesehen haben. Charakter und Gesinnungsart dieser beiden Nationen sind grundverschieden. Eine tschechoslowakische Nation gibt es nicht. Wir sind Slowaken und wollen es auch immer bleiben. Die Identifizierung der Slowaken mit den Tschechen ist ein Mystifikation. Es liegt im Interesse der Erhaltung des europäischen Friedens, die Slowaken von der Hegemonie der Tschechen zu befreien." Obwohl dieses Memorandum Wort für Wort die wahre Stimmung des slowakischen Volkes widerspiegelte, fanden doch die slowakischen Proteste bei den Friedensverhandlungen kein Gehör, und der tschechoslowakische Staat wurde in seiner heutigen Form endgültig konstituiert. Wie in vielen anderen Fragen, so erwies sich aber sehr bald auch hier die Politik der Siegermächte als gefährlich kurzsichtig und als verhängnisvoll. War doch mit dieser Ver- aewaltigung der Slowaken der Keim des Unfriedens und der Unzufriedenheit in dieses neue Staatsgebilde gelegt. Und tatsächlich ist ja die junge Geschichte des tschechoslowakischen Staates eine einzige Kette von gegenseitigen Anfeindungen, von Kämpfen und Protesten der Slowaken und von brutalen Unterdrückungsmaßnahmen der Tschechen. So sah man sich denn auch sehr bald getäuscht, wenn man angenommen hatte, daß vielleicht doch mit der Zeit die tschechischen Machthaber ein Einsehen haben würden. Statt dessen wurden die slowakischen Politiker, die für die slowakische Autonomie eintraten, verfolgt und eingekerkert oder sie wurden gezwungen, außer Landes zu aehen Dadurch aber konnte Der slowakische Selbständigkeitswille und konnte das slowakische Nationalbewußtsein nicht zerstört werden. Im Gegenteil, je härter der Druck von den Tschechen wurde, um so stärker wurde bei den Slowaken Der Wille zum Widerstand. Und besonders in der letzten Zeit, seit von Prag her die Tschechoslowakei dem Bolschewismus als Versuchsfeld überlassen wird, verschärft sich der Widerstand des in seinem Kern gesunden slowakischen Volkes gegen die tschechischen Bedrücker. Besonders bezeichnend für diese Kampfstimmung gegenüber Prag ist Die jüngste Auslassung eines Der führenDen slowakischen Politiker, Der natürlich aus naheliegenden Gründen nicht genannt sein will, gegenüber dem Mitarbeiter des Budapester nationalen Blattes ..Dirradat". Sie ähnelt in auffallender Weise jenem Memorandum des slowakischen Volkes an die Pariser Botschafterkonferenz und zeigt klar und deutlich, daß der Widerstands- qeist der Slowaken Prag gegenüber unvermindert fortlebt, ja, daß sogar von neuem ganz konkrete politische Forderungen nach weitgehender staatlicher Selbständigkeit offen ausgesprochen werden. An die Spitze seiner Ausführungen stellt Der slowakische Politiker Die Feststellung: „Wir Slowaken find keine Nationalität, f o n D e r n ein Volk. Wir finD in Der tschechoslowakischen Republik ein um seine nationale Selbständigkeit kämp- fenbes slawisches Volk Es ist eine nicht zu leugnenDe Tatsache, daß das Slowakentum auf Grund Der Erfahrungen Der jüngsten Vergangenheit und auf Grund Der .brüderlichen Umarmung' Der Tschechen zu seinem Nationalbewußtsem erwacht ist" Interessant ist Die Feststellung, Daß vor allem Der allgemeine n a t i o na I e G e i st, Der jetzt Die Welt überflutet, zweifellos Den Sieg Des slowakischen NationalgeDankens näherbringe. UnD Dann folgen heftige Anklagen gegen Die Tschechen: „Unser Schicksal ist heute Das schlimmste unter allen europäischen Nationen. Das slowakische Volk ist ein unterschlagenes Volk. Wir wissen, Daß fünf Millionen Slowaken auf Der ErDe leben, Die Hälfte Davon in Der Slowakei, Die anDeren in Der ganzen Welt verstreut. Die Theorie Der sogenannten tschechoslowakischen Nation läßt Den wirklichen Zustand der Slowakei nicht deutlich in Erscheinung treten." Und Dann werden Töne angeschlagen, die nicht nach Verzweiflung und Resignation klingen, wenn es in den Aeußerungen Des erwähnten slowakischen Politikers heißt: „Bei Den nächsten großen AenDerungen roirD Die slowakische Frage als bedeutsame europäische Frage auftauchen. Sind wir doch eine wirkliche K o- lonie des tschechischen Imperialismus, und zwar in jeder Beziehung unseres Staatslebens. Aber unsere Auferstehung wird Dann kommen, wenn Die heterogenen Kräfte in tschechoslowakischen Staate Diesen zersprengen werDen Die Zeit arbeitet für uns. Schon heute sehen wir: Die Tschechoslowakei ist als Ganzes nicht mehr zu retten. Aber Der Schlüssel liegt in unserer HanD. UnD wenn Die Tschechen einmal in Die Lage kommen sollten, ihren Imperialismus schützen zu müssen, Dann roirD es um sie geschehen sein." Zum Schluß aber kommt Dann Die ganz konkrete Forderung: „Der slowakische Nationalismus kämpft für Den freien felbflän» D i g e n Staat und er ist auch bereit, Dafür Opfer zu bringen. Das ist Das eigentliche revolutionäre Programm Des nationalen Slowakentums Nur wenige haben Dies bisher klar und offen ausgesprochen. Viele aber Denken so. Wie wir aber verfahren müssen, Das haben wir ja von Den Tschechen selber gelernt, Die uns gezeigt haben, wie man ein solchesNationalitätengebilDe zerschlägt." In seinen Schlußsätzen skizziert Dann Der slowakische Politiker Das Verhältnis einer felbftänDigen Slowakei zu Ungarn und zum Donauraum unD stellt Dabei fest, Daß ein selbständiger slowakischer Staat selbstverständlich gerne an der friedlichen Aufbauarbeit im Donauraume teilnehmen wolle und daß er besonders mit Ungarn in gutem nachbarlichem Verhältnis leben-wolle. • Soweit die Auslassung jenes ungenannt sein wollenden slowakischen Politikers. Man sieht eine auffallende Aehnlichkeit mit Den Auffassungen, wie sie schon vor nun fast zwanzig Jahren Die Sprecher Des slowakischen Volkes zum AusDruck brachten. Aus Dieser Aehnlichkeit aber ergibt sich Die Tatsache, daß es Die Prager Machthaber nicht verstanden haben, in Diesen zwei Jahrzehnten Die Gegensätze von damals zu überbrüden und die Slowaken zu positiver Mitarbeit am Staate heranzuziehen. Besonders bemerkenswert aber scheint es, daß gerade jetzt in diesen Tagen, in denen so viel über eine Befriedung des Donauraumes und über eine Neuordnung in Mitteleuropa gesprochen wird, jene nationalen slowakischen Kreise so eindringlich ihre Stimme erheben. Skizzen ans Frankreich. Don Dr. Paul Rohrbach. II. Die pariser Weltausstellung. Die Ausstellung heißt offiziell „K u n ft und Technik im Leben der Gegenwart". Sie nimmt einen Flächenraum von ungefähr hundert Hektaren ein, und wenn man sie ihrer größten Ausdehnung nach in Die Länge unD Breite Durchmessen will, so hat man in Der einen Richtung fünf, in Der anDeren zwei Kilometer zu gehen. Zroeiundvierzig fremde Nationen und einunddrel- ßig französische Sondergebiete haben ihre Gebäude errichtet. Dazu kommen die großen Bauten, die, wie der Eiffelturm und das sogenannte Grand-Palais, schon früher zum Bestanb des monumentalen Paris gehörten, oder, wie die „Museen der modernen Kunst", zwar im Hinblick auf ine Ausstellung, aber zur dauernden Erhaltung errichtet sind. Es ist viel Darüber gereDet unD geschrieben worben, Daß Die Ausstellung nicht zum offiziellen (Eröffnungstermin fertig war. Fertig ist sie auch heute Die Besucher Der Pariser Weltausstellung können sich mit Diesen Rollstühlen Durch die weitläufigen Anlagen fahren lassen. — (Scherl-BilDerdienst-M.) i MK. HW W Aus Dem Reiche memerArbeit. Don Hermann Stehr. Wir Menschen werDen alle von Dem gleichen Rhythmus getragen unD bewegt, Der in Der Natur pulst, Den wir in Den physikalischen Gesetzen er- kenntnismäßia Deuten unD Der in Den Sonnen und Sternen herrscht. Er bringt Geburt unD ToD unD ist selbst nicht beherrschbar. Seine Wirkungen reichen bis in Das unendlich anDers moDulierte Gebiet Des individuellen Lebensablaufs und Bewußtseins, und nur Diejenigen werDen recht leben unD sich entwickeln, Die sich in allem nach feinen geheimnisvoll göttlichen Nötigungen richten, wenngleich Das Recht und Die Rechte Des einen nicht mit Denen Des anDern gleichartig finD. In jeDem Kinde, Jüngling, Mann und Greis finD feine Formgebungen anders, trotzdem ihr Inhalt immer derselbe ist. Immer hat mich diese innere Gebundenheit, Die Die göttliche Freiheit unD Souveränität ist, getragen unD im letzten bestimmt. „Sollen, müssen, Dürfen, wollen" laufen Dann nicht gegen-, sonDern ineinander, sind nicht verschieden, sondern eins. Erfolg macht bann nicht übermütig, Enttäuschung nicht mutlos. In Den frühen Jahren meines Dichterischen Schaffens, sie schließen mit Dem 36. Lebensjahr ab, war ich ein Nachtarbeiter. Wenn ich es mir heute Deute, so brauchte ich Damals wegen Der Lebensüberlastung Die Parteilichkeit, Vergiftung, Den tausenDsälttgen Wirbel Des Tages, Die LeiDenschaft Des Verteidigers feiner Existenz zur gewaltsamen, oft gewalttätigen Sammlung. Ich habe neben meiner ernst erfüllten Berufspflicht als Lehrer jahrelang meist bis gegen vier Uhr morgens gearbeitet in Der Ueberzeugung, Daß ich mich unweigerlich töten müsse, wenn mir Das Werk nicht gelinge. Das mich eben unentrinnbar gefangen genommen hatte. Dann, ich will es kurz so ausbrücfen, änDerte sich Der Pendelschwung meines Wesens, unD ich floh Das enge Licht Der Lampe, Deren Helle mich in Die Nacht sperrte. Der Schlaf entfesselt, Der Morgen ist freier, Das allhinreichenDe Licht Des Tages ist Der tiefe, gelassene, sieghafte Sinn seiner selbst. Ich wurde zum Tagaroeiter nach der Nötigung des inneren Formwandels meines Wesens und bin es geblieben bis auf den heutigen Tag, dergestalt, Daß meine Schaffenszeit nunmehr nur in Den Vor- mittagsstunden liegt. An ein Leistungsprogramm binde ich mich nicht, sondern arbeite, solange meine Spannung reicht, solange ich noch deutlich und scharf alles sehe, höre mit) erlebe, was ich schreibe. Am Nachmittag mach ich stundenlange, einsame Waldspaziergänge. Kom- posi.'ionssch'vierigkeiten löse ich gleichsam mit Den Beinen Immer ist Die Arbeit in mir lebenDig, Doch vermeide ich strikt, an sie zu Denken. Aber unversehens ist Die Entwirrung Da. Neue Menschen nützen mir nichts. Rauschmittel stören mich. Dann und wann eine Zigarette bei Der Arbeit, einmal mehr, Das anDere Mal weniger, kann ich kaum entbehren. Ohne tiefen, ausreichen- Den Schlaf, mit Dem ich gesegnet bin, wäre es mit meiner Arbeit überhaupt vorbei. Lange bevor ich von meinem Werk irgenD etwas sehe ober weiß, merke ich an einer großen Unruhe unD Reizbarkeit, Dem gesteigerten Bebürfnis nach Einsamkeit oDer tollen Extravaganzen unD anderem, daß ein Neues sich in mir vorbereitet. Es kommt mir immer näher, steht in mir, aber roie hinter einer Wand oder einem Schleier; ich höre reden und verstehe nicht, merke sein Leben und sehe es nicht; eine peinigende Unruhe, so trage ich es lange umher. Es ist mir, als wüßte die Welt der Menschen und Natur das Geheimnisvolle, Das ich ihr aber nicht abjagen kann. Plötzlich, Durch Die Gestalt einer Person, Das Wort eines zufällig Vor- übergehenDen, Den Ton eines LieDes, Durch irgenD etwas Nebensächliches, zerreißt Der Schleier, unD mich überfällt Das Werk in seiner markantesten Szene, meist in seinem Endereignis. Das sieht mein Auge ganz Deutlich, mit allen Einzelheiten, ich sehe, höre alles ganz körperlich. Nach und nach steigen Da unD Dort, wie Spitzen eines nebelzerstückelten Bergzuges, aus Dem Zusammenhang gerissene Szenen auf, ebenso Deutlich unD merklich wie Die erste; unD Durch ein Bewußtsein, Das hinter oDer unter Gewöhnlichem schläft, ahne ich Den Zusammenhang, von Dem mir jeboch nichts sicher ist als sein gewisses Vorhandensein. Las sind Die StunDen Der Empfängnis, Denen kein Glück auf ErDen zu vergleichen ist. Aber immer schwebt noch alles jenseits Der ErDe, unD ich kann Den Zugang nicht finden, bis sich mir einmal Das Tor von selbst öffnet. Dann Dringe ich vor, im Rücken wissenDe Augen, Die mir über Die Schulter sehen, ich Dringe vor an einer unsichtbaren, sicheren Hand. Es ist, als ließe sich jene Welt nieder auf diese Erde, bekannte Häuser, Menschen, Aether, alles in ein noch nie gesehenes Licht tauchend, das ein mir bis dahin Verborgenes an jedem offenbart. Alles Leben in meinen Werken spielt sich, während ich schreibe, wirklich um mich ab. Die Männer gehen ourch die Stube, daß es dröhnt, rufen, daß ich erschrecke, die Leute meinen 3um Erbarmen, lachen, daß mir das Herz aufgeht. Oft stehe ich so im Bann einer Person, daß ihr Wesen das meinige auf einige Zeit unterjocht. Dann bin ich verwandelt und habe zur Verwunderung meiner Umgebung ganz neue Manieren, Redeweisen unb Anschauungen. Mein Wort redet und spielt in mir oft mitten in der Gesellschaft, Dann kann nie- manD mehr etwas mit mir anfangen; ich bin abwesend. Jedes Wort bringt seine Idee mit sich, und ich erkenne, wie sie mir fortschreitend alles offenbart So entsteht mein Werk; so entstehen Die Menschen meines Werkes. Brauibriefe nach 33 Jahren. Erinnerung an Andrees polflug 1897. Am 11. Juli vor vierzig Jahren begann eine Der furchtbarsten Forichertragöbien Des 19. Jahrhunderts. Der fchweoische Ingenieur Andree versuchte als erster, Den Nordpol auf Dem Luftwege zu erreichen. Obwohl man Damals noch nichts von Flugzeugen oder lenkbaren Luftschiffen wußte, war sein Unternehmen doch kein leichtfertiges Abenteuer. Andree hatte einen Ballon konstruiert mit Segeln und langen Schleppseilen, Die als Steuerung Dienen sollten. Nach vielen Proben gab er am Morgen Des 11. Juli 1897 das kurze Kommando: „Alles kappen!" Die Haltetaue mürben Durchschnitten, Der Ballon „ADler" stieg aus Dem hohen Holzschuppen in der Bai auf Spitzbergen auf, um AnDr 6 e unD seine beiDen Gefährten Niels StrinDberg unD E. Fränkel zum Pol zu bringen. Doch Der Flug währte nur Drei Tage. Schon am 14. Juli ging Der Ballon auf Das Treibeis nieDer: von Den ausgesanb- ten Brieftauben kehrten einige roieDer zurück. Da Der Polarwinter heranrückte, unterbrachen Die Drei Forscher ihre ToDeswanDerung nach Franz-Josephs- Lanb, Das sie niemals erreichten, unD errichteten in Der weißen Weite eine Eishütte. Am 5. Oktober zerstörte eine Eispressung Das Winterquartier, sie flüchteten auf Das Gletscherufer Der Insel Vitö, wo sie noch zwei Wochen Dem Hunger unD Den Schneestürmen trotzten. Nach 33 Jahren fanD eine norwegische Expedition unter Führung von Dr. Gunnar Horn die Drei Gefährten bei Den Ueberreften ihres Lagers. Neben Den Drei Toten lag Die Kamera AnDrees, Die BilDer ließen sich noch entwickeln unD ergänzten Die letzten Aufzeichnungen Der Forscher, Deren wichtigste leiDer nicht mehr zu entziffern waren. Doch noch etwas fanD man in einer wasserDichten Kiste verpackt: Die Briese Des Niels StrinDberg an seine Braut. Wie Diese noch gut erhaltenen Briefe nach 33 Jahren Die Frau, an Die sie gerichtet finD, erreichen, Das klingt beinahe wie eine alte romantische Sage, Die kaum glaubhaft erscheint, unD dennoch wahr ist. Anna Charlier, so hieß die Braut Strinbbergs, war 1897 mit ihrem Bräutigam nach Gotenburg gefahren, wo die letzten Vorbereitungen getroffen wurden. Hier nahm sie schweren Herzens Abschied von ihm und sah ihn wenige Tage später nach Spitzbergen hinausfahren, wo der Polflug begann, vielleicht zu großen Ehren und Weltruhm, vielleicht aber auch ... Sie hatten sich erst ein Jahr zuvor kennengelernt auf einem alten schwedischen Gutshofe, wo er Hauslehrer gewesen war. Die Zeit ging hin, die Verlobte wartete. Von Spitzbergen kam noch ein Brief und eine Aufnahme von den Aufbruchsarbeiten. Dann startete der „Adler" in die „schweigende uferlose weiße Weite". Die Braut wartete, hörte nicht auf die düsteren Ahnungen der Anderen und erhielt nach Wochen einen Brief von Niels; eine Brieftaube hatte vom „Adler" Den Weg gefunden über Das Polarmeer, über Das (Eisgebirge Des skanbinavischen NorDlanDs unD über Die Dunklen schweDischen WälDer. Dieser Gruß blieb Der letzte. Anna Charlier wartete Wochen, Monate, Jahre, ein Jahrzehnt — unD folgte Dann einem Lehrer, Der mit ihr in einer kleinen amerikanischen Stabt ein stilles, bescheibenes Heim grünDete. Sie bewahrte alle Erinnerungen an Niels auf, Die letzten Briefe, Das BilD, Den allerletzten Gruß unD Die Taube, Die sie liebevoll pflegte unD später, als das Tier starb, ausftopfen ließ. Jahrzehnte gingen hin. Plötzlich, im Herbst 1930, überkam sie eine große Sehnsucht nach Europa, sie wußte nicht, warum. Etwas Unbestimmtes rief sie nach ihrer Heimat, nach Schweben. Fast wiDer Willen äußerte sie ihren Reiseplan unD fuhr nach Stockholm, um hier als erstes zu erfahren, Daß man soeben Durch Zufall Die Reste Der Andr6 e - schen Polarexpebition gefunDen habe unD bei Niels StrinDberg mehrere Briefe und Tagebuchblätter an sie. Bald hielt Frau Anna Charlier-Hawtree diese in der Hand und las mit feuchten Augen, was vor einem Menschenalter an sie gerichtet worden war: 22. Juli 1897 — Mitternacht. „Andr6e und Fränkel sind auf die andere Seite Der Eisscholle gegangen, wo Der Schlitten ins Wasser geraten war. Es ist gelungen, ihn herauszuziehen, aber mein Rucksack ist naß geroorben — und Dort hatte ich alle BilDer unD Deine Briefe. Es wird mein teuerster Schatz im kommenDen Winter sein." Viel muß er nachDenken Darüber, was seine Braut roohl Denken roirD, roenn sie im Winter so gar nichts von ihm hört. Am 24. Juli schreibt er, sie hatten Rast gemacht auf Dem Eise, nachbem sie Die Schlitten zehn Stunden mühevoll, geschleppt und gezogen hätten. Er sei sehr müde, müsse jedoch noch schnell ein paar Worte mit ihr reden; er denke an ihren fom- menden Geburtstag, es sei eigentlich ja kaum etwas zu befürchten, denn langsam müßten sie ja wieder Heimkommen. Die allerletzten Briefzeilen sind nicht mehr lesbar. Was mag er ihr noch haben sagen wollen? Hat er selbst an eine Heimkehr geglaubt, wollte er sie nur trösten? Wer kann es wissen! Und welche Gedanken mögen die Frau beroegt haben, Die in einem fremden Erdteil ihre neue Heimat gefunden hatte und die es gerade in diesem Jahre nach Europa, nach Schweden zog, um die Briefe zu erhalten, Die ihr einstiger Verlobter, vor 33 Jahren, auf Dem 83 GraD nörDlicher Breite auf einer schwanken Eisscholle bei Kerzenlicht geschrieben hatte. Sie mag an Das alte nordische Runenroort gedacht haben: „Der Menschen Wege sind oft hart und ungewiß!" Hans Sturm. noch nicht, und zwar sind es am allerwenigsten die sogenannten „Pavillons" der französischen Aussteller, einschließlich des Staats. Von den ausländischen Bauten sind bis jetzt, Ende Juni, nur wenige noch uneröffnet. Von den wichtigeren Staaten fehlt keiner. Die große Verspätung geht aber nur zum Teil auf die Konflikte mit den zwanzigtausend Arbeitern zurück, die für den Aufbau des Ganzen am Werk waren und es vielfach noch sind. Man sagt den Arbeitern nach, daß sie nicht nur besonders hohe Löhne erzwingen wollten, sondern auch das Werk absichtlich langsam voran gebracht haben, um möglichst lange den erhöhten Lohn zu genießen. Es wäre aber für die Regierung in der Tat schwer gewesen, einen schnelleren Fortschritt zu forcieren, da es im Zeichen des Volksfrontsystems dann wohl au Unruhen gekommen wäre. Mehr Schuld als die Arbeiter haben die vielen verspäteten Anmeldungen aus dem Ausland, die unausgesetzt wachsende Raumbeanspruchung und die damit verbundenen Umlegungen und Erweiterungen gegenüber dem ursprünglichen Plan. Mancher Fremde sieht diese Dinge auch mit anderen Augen an, als der Franzose, der an eine gewisse behagliche Bummelei gewöhnt ist und ganz genau weiß, daß zum Schluß doch alles höchst effektvoll dastehen wird. Es wird gut sein, wenn wir zunächst Programm und Wirklichkeit vergleichen. Im Programm heißt es: „Die Ausstellung steht im Zeichen einer gewaltigen Bekundung der Eintracht und des Friedens. Die Wunder der Wissenschaft und die kühnsten Erfindungen der Technik werden vor Augen geführt. Zum ersten Male in der Geschichte der Ausstellungen vereini- nigen sich 42 Nationen zu einer solchen Verherr- lichung des Schaffens und des Denkens und geben in eigenen Ausstellungsräumen ein Bild der von ihnen erreichten Leistung. Die Weltausstellung von 1937 gibt einen Ueberblick über die gesamte Zivilisation der gegenwärtigen Welt. Jeder Fortschritt auf dem Gebiet des Geisteslebens und der Wissenschaft ist vertreten. Auf dem Gebiet der Kunst und der Technik wird besonders die enge Zusammenarbeit zwischen Künstler und Handwerker, Ingenieur und Arbeiter zu Ehren gebracht ... Allen Neigungen und Richtungen des Geschmacks und aller Wißbegier wird Genüge getan: in höchster Steigerung des Farbenreichtums wird lebendig, was die Welt in ihren Völkern und Ländern an Interessantem bietet; Feste und Lustbarkeiten lösen sich ab. So bringt diese Ausstellung nach vielen Jahren der Leiden und Sorgen etwas, was die junge Generation nicht mehr kennt und die Völker eit langem entbehren: die große Freude des Meuchen, die Freude der Brüderlichkeit." Man muß diese Sätze so lesen, wie man jede Probe der bekannten und glänzenden französischen Rhetorik zu lesen hat. Die Dinge sind dramatisiert, «ober die Fundamente für die Dramatisierung fftehen da, und sie sind durchaus nicht unsolide. Für den deutschen Besucher liegt natürlich die kFrage nahe, ob denn z. B. die Olympischen Spiele won 1936 in Berlin nicht gerade der jungen Gene- iration die „Freude der Brüderlichkeit" auch schon -gebracht haben? An so etwas zu denken, wäre »aber nicht französisch. Gleichviel: der Gedanke war Hn der Tat großartig, und die Ausführung, man nnag sagen, was man will, ist imposant. Wenn lman den Begriff der Zivilisation auf die beiden »Gebiete der Kunst und Technik einschränkt, so ist ges nicht einmal zu viel gesagt, wenn von einem Kleberblick Über die Welt-Zivilisation geredet wird. Man kann die Ausstellungsbauten der einzelnen Nationen nach gewisfen Typen einteilen. Gleich beim Eintritt, wenn man zwischen den beiden mächtigen Flügeln des höchst eindruckvoll umgebauten Trocadero-Palais die Musen hinabsteigt und den mmer noch imposanten Eiffelturm vor sich hat, flehen zur Rechten und zur Linken zwei solche Ty- □en vollkommen gegensätzlicher Art: der deutsche und der russische Bau. Sie sind beide langgestreckt und verhältnismäßig schmal, was an der Eigentümlichkeit des hier in der besten Lage innerhalb der Ausstellung zur Verfügung gestellten Platzes liegt, und sie haben beide einen hohen Lurmaufbau in der Front. Aber welch ein Gegen- atz zwischen beiden! Der deutsche Turm strebt monumental und gradlinig 54 Meter in die Höhe, in strenger Gliederung durch den Wechsel von steinernen Pfeilern und stählernen Zwischenwänden, und jt gekrönt durch den Adler mit dem Hakenkreuz. Fast alle Besucher sind sich darüber einig, daß er nicht nur das am meisten in die Augenfallende, sondern auch das vornehmste Architekturwerk der zanzen Ausstellung ist. An baulicher Bedeutung möchte ich ihm die außerhalb des eigentlichen Aus- ßellungsgebiet gelegene, sehr vornehm und unfran- lösisch traditionslos gehaltenen Museen der schönen Künste an die Seite stellen. Auch der Anhalt der an den Turm anschließenden, 140 Meter langen und über 20 Meter breiten und hohen deutschen Halle ist mustergültig ausgewählt und aufge- taut. Er hält sich streng an das Programm „Kunst ii nb Technik" und verkörpert in besonders begrüßenswerter Art das Zusammenarbeiten von Künstler und Handwerker. Jeder Schein einer aufdringlichen Propaganda ist vermieden, aber jedes einzelne Stück repräsentiert die Vereinigung von Stoff und Form in modernem Geschmack und in vollendeter Qualität. Das gilt hinab bis zu den einfachen und billigen Gegenständen des Haushalts, wie Eß- geschirr und Gläser. Die Besucherzahl ist außer- ordentlich groß, und man sieht es den Leuten an, wie sie dies Stück deutscher Arbeitsleistung bewundern. Ein originelles Wort eines französischen Besuchers sei angeführt: Im deutschen Pavillon steht nichts, wovon wir fürchteten, daß es da sein würde, und gerade das ist da, wovon wir fürchteten, es würde nicht zu sehen sein! Auf dem flachen Dach befindet sich ein sehr feines und sehr kostspieliges Restaurant. Es wird Stil in Paris, hier gespeist zu haben. Vom R u s s e n b a u will ich, was das Innere angeht, an einer anderen Stelle sprechen. Sein Aeußeres ist vor allem darauf berechnet, wie die offizielle russische Erklärung es ausdrückt, „die dynamische Entwicklung des Sowjetlandes und seine kraftvolle Jugend" daraustellen. Zu dem Zweck sind auf einen 33 Meter hohen Turm als Unterbau zwei 24 Meter hoch aufragende Kolossalfiguren gestellt, die einen jungen Arbeiter und eine junge Bäuerin, jener den Hammer, diese die Sichel schwingend, dar- stellen — beide in stürmischem Voranschreiten, mit fliegenden Kleidern und wehendem Haar. Der Eindruck ist stark, trotz der störenden Uebertreibung und der nicht glücklich gewählten Proportion zwischen Unterbau und Figuren. Der Turm müßte höher und namentlich in der Vorderansicht mächtiger sein. Die beiden Gestalten sind übrigens das Werk einer Frau. Was die Künstlerin bei ihrem starken Temperament und bedeutendem Können sich gedacht hat, ist klar: die voran stürmende Weltrevolution! In einer Ausstellung, die einen Ueberblick über die Weltzivilisation geben soll, ist das freilich eine Disharmonie — aber es braucht ja nicht jeder auf den Gedanken zu kommen, und Rußland ist der große Verbündete! Neben Deutschland und Rußland gehört eine der bedeutendsten Ausstellungen den Italienern. Sie ist nicht so brutal propagandistisch wie die sowjetrussische, aber doch recht stark politisch durchtränkt. Besonders kräftig ist die Tendenz, das neue I m - perium in Afrika dem Besucher vor Augen zu führen. Italien wird flankiert von Belgien und der Schweiz. Die belgischen Leistungen sind bedeutend. Das große Publikum interessiert sich, wie begreiflich, am meisten für die funkelnden Erzeugnisse der Antwerpener Diamantschleifereien, die scharf bewacht und nur zu bestimmten Stunden in ihre Vitrinen gebracht werden. Es ist unmöglich, alle einzelnen Pavillons zu schildern oder auch nur zu erwähnen. Oe st erreich glänzt durch sein Kunstgewerbe und eine großartige Photomontage: die Großglockner-Straße, die die ganze Front des Gebäudes einnimmt und lebendiger als jede Schilderung das Verlangen erweckt, dies mächtige Stück Natur in Wirklichkeit zu genießen. Ungarn ist patriotisch und farbenfreudig: N o r w e g e n hat den seltsamen Einfall gehabt, zwischen zwei senkrechten Kolossalwänden die Imitation eines Wasserfalls flüssig und schleierförmig f)erabrie|ein zu lassen, worüber schlechte Witze mit Bezug auf gewisse sanitäre Anlagen gemacht werden. Polen zeichnet sich durch gute Bilder aus, wie man sagt, die besten, die es auf der Ausstellung gibt. Sogar der Vatikan-Staat ist mit einem Rundbau vertreten, der nach seiner Vollendung im Innern kirchliche Kunst enthalten soll. Je ein Mosaikbild in der Halle ist von Deutschland und von Oesterreich gestiftet. Aegypten bietet als Paradestück elegant frisierte Archäologie; außerdem ist gerade der junge König von Aegypten in Person da — wie es heißt, mit dem schönsten Automobil von Paris. Frankreich hat in den letzten Junitagen die Bauten, die seine Kolonien repräsentieren sollen (auf der langen schmalen Schwaneninsel in der Seine) gerade so weit fertiggestellt, daß sie offiziell eröffnet werden konnten; dann wurde es gleich wieder geschlossen, um die fehlenden Objekte hineinzustellen. Geöffnet für das Publikum waren nur die Pavillons der beiden westindischen Inseln Guadeloupe und Martinique. Ein hübscher junger Mulatte war der Führer für Martinique. Ich fragte ihn, ob auch ein Bild seiner berühmten Landsmännin da sei, der Kaiserin Jo- fefine. Das Bild ist da, sagte der junge Mann, „aber Josefine war eine Kreolin", d. h. eine Weiße. Damit war die Verwandtschaft höchst sebstbewußt abgelehnt. Auch ein Zeichen für den Geist französischer Kolonialpolitik! Die pompöseste, im wahrsten Sinne des Worts fulminante Erinnerung an die Ausstellung knüpft sich für mich an das großartige Feuerwerk, die Beleuchtung der Bauten, des Eiffelturms und der Seine durch eine geradezu wundervolle, raffinierte Technik weißer und farbiger Lichtwirkungen, verbunden mit Wasserkünsten, leuchtenden Staubschleiern und Scheinwerferwirkungen. Das Dach des Deutschen Hauses war die beste Tribüne, die man sich für diesen Genuß denken konnte, der seinen Abschluß noch durch die liebenswürdige Gesellschaft unseres Generalkommissars Ministerialdirektor R u p - p e I und seines Mitarbeiters Dr. M a i w a l d mit ihren Damen erhielt. Durch den Streik der Angestellten im Kaffeehausgewerbe, der am Mittwoch in Paris zur Schließung sämtlicher Kaffeehäuser führte, bieten die großen Straßen und Boulevards einen eigenartigen Anblick. Die Tische und Stühle sind zusammengeruckt, und Polizei muß die leeren Lokale schützen. — (Scherl-Bilderdienst-M.) 3m H3-Sommmelilager am Aordseeffrand. A ■ ? WH / MMWckWMM In den Dünen von Norderney, in der Nähe des Leuchtturms, ist das HI.-Sachsenlager (Gau Sachsen) aufgeschlagen, das mit seinen etwa 500 Zelten und 20 Feldküchen eines der größten HJ.-Sornrnerzeltlager ist. Für viele, die noch nicht an der See waren, bedeutet es ein großes Erlebnis, für alle Jungen aber eine Zeit der Erholung und Ferienfreude. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Grenzland im iederansban. Um die Erhaltung des Deutschtums. — Auf altem germanischen Kulturboden. Schlesien meistert die Zukunst. Von unfeiem M.-Sonderberichterstatier. IV*. Breslau, im Juni. Unsere Grenzlandfahrt führte in die Kreise Beuten und Ratibor. Das sind, darüber geben wir uns keinem Zweifel hin, nur Teile Oberschlesiens als Grenzland und geringe Splitter im Grenzgebiet des Ostens. Aber hier treten die durch d i e Grenzziehung entstandenen Probleme so augenfällig in Erscheinung, wie in keinem anderen Gebiet. Versailles sollte neue Ordnung schaffen, die als Grundlage das Selbstbestim- mungsrecht der Völker hatte. In Wirklichkeit wurde dieses Recht gröblichst mißachtet. Die Festsetzung der Grenzen geschah nach politischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten und immer geleitet von dem Willen, den neuen Staaten Vorteile zu verschaffen und Deutschland in jeder Richtung zu schwächen. Für diesen Willen legen die Kreise Beuthen und Ratibor anklagend Zeugnis ab; und für etwas anderes: daß der Lebenswille des deutschen Volkes nicht abgewürgt werden kann, daß fein Lebensdrang alle Schwierigkeiten überwindet, sofern ihm nur rechte Führer entstehen. Wo könnte man bessere Beispiele dafür finden als in Oberschlesien. Als in jener unseligen Abstimmungszeit die Heimat bedroht war, folgte der Oberschlesier den beherzten Führern und verteidigte seine Heimat mit der Waffe. Seit vier Jahren steht er geschlossen hinter Adolf Hitler, um seine Heimat und damit Deutschland durch friedliche und wert- schaffende Arbeit zu stärken und zu sichern Kündet der A n n a b e r g, der in der Morgensonne wie ein Granitblock vor der Oder zwischen Cosel und Oppeln liegt, von den Blutopfern für Oberschlesien, so sprechen die rauchenden Schlote der Gruben und Werke im Kreise Beuthen und die gewaltigen Arbeiten im Kreise Ratibor von der Arbeit und dem zielbewußten Willen. Man unterschätze die schweren Aufgaben in Oberschlesien nicht; denn hier hat der deutsche Mensch nicht nur die Pflichten, die allen Deutschen im Dritten Reich gestellt sind, er steht auch im stillen Kampf um bie Erhaltung des Deutscsttums. Man muß das Geschick und die Methode des Gegners und feine Taktik kennen, um zu wissen, daß dieser Kampf den ganzen Menschen und seine restlose Hingabe an das Vaterland verlangt. Die Grenzlandfahrt galt der Gegenwart und nicht der Vergangenheit. Und doch sah das aufnahme- bereite Auge und die suchenden Sinne eine reiche deutsche Vergangenheit. Das Land kündet uns mit feinen schönen alten Städten und sauberen Dörfern, mit den Stätten der Arbeit und dem Rhythmus seines regsamen Lebens: Hier ist ein Land alter deutscher Kultur, lebenerfüllt mit deutscher Gegenwart. Kaum ein Gau ist so reich an vorgeschichtlichen Funden wie Schlesien. Sie * Vgl. die Artikel in Nr. 140, 146 und 152. sagen uns, sinnfällig aufgestellt in der vorgeschichtlichen Abteilung des städtischen Museums in Ratibor, anderen Heimatmuseen und dem großen Museum der Landeshauptstadt Breslau, daß wir auf uraltem germanischen Kulturboden stehen, der einst ein tausendjähriges Germanenreich trug. Und die Dörfer und Städte sind in ihrer planvollen Anlage die heute noch lebendigen Zeugen der großen deutschen Wiederbesiedlung im Mittelalter. In Oberschlesien, wie überhaupt in Schlesien, verbindet sich selten harmonisch die unberührte Natur mit den großen Werken einer alten deutschen Baukunst und den Stätten deutscher Arbeit. Diese Zeugen hat der Oberschlesier immer vor Augen und sie unterstützen ihn in der Abwehr fremder theoretischer Klitterungen und gefühlsbetonter Argumente. Aber hier wissen die Menschen auch, daß jenseits der heutigen Grenzen Land und Dörfer, Städte und Sttinliägcr. Urquell Stätten von der gleichen Vergangenheit künden. Grenzen können das Antlitz des Landes nicht wandeln, selbst dann nicht, wenn sie wie bei Oderberg und im Hultschiner Ländchen mit deutlich sichtbaren Befestigungen gespickt und die Grenzwege mit Betonklötzen blockiert sind. Als letzten Gruß sehen wir den Grenzlandturm von Ratibor, jenen überwältigenden Hochbau, der in den letzten Jahren als Künder des Geltungswillens der Deutschen im Ratiborer Kreis erstanden ist. In Cosel verlassen Schleppzüge den großen Hafen und ziehen, beloben mit Erzen und Kohlen, zu Tal; hier beginnt die Aufgabe der Oder. In den Morgenstunden überrascht das rege Leben in dem reizvollen Oppeln mit seinem alten Piastenschloß. Das verträumte und doch so lebendige B r i e g liegt an der Straße. Wälder wechseln mit weiten Feldern; die Fürsorge Friedrichs des Großen hat auch diesem Teil Schlesiens sein Antlitz geprägt. Wirtschaftlicher, kultureller und gesellschaftlicher Mittelpunkt Schlesiens ist heute noch Breslau, und vielleicht wird es in nicht allzu ferner Zeit seine Bedeutung als Mittelpunkt des gesamten deutschen Ostraumes, ja eines großen Teiles des südöstlichen Europa wiedererringen. Die neue Ordnung in Europa und vor allem die Grenzziehungen im Osten haben den Einfluß dieser in allen Zügen deutschen Stadt erheblich schmälern können, Breslau blieb in der Nachkriegszeit vom Schicksal Oberschlesiens nicht verschont, als verlorenes Land betrachtet zu werden. Ist es nicht Symptom, daß eine sture Systemzeit den schönsten gotischen Profanbau des deutschen Ostens, das Bres- Eröffnung der Reichesegelflugschule. Vor den Toren Hamburgs wurde am Donnerstag in der Hamburger Rhön, der Fischbecker Heide, eine neue und zugleich modernste Reichs-Segelflugschule durch den Korpsführer Generalmajor Christiansen feierlich eingeweiht, — (Scherl-Bilderdienst-M.) jk Ä lauer Rathaus, dadurch entweihen konnte, daß man die südliche -alle mit ihren herrlichen Bögen und Schlußsteinen durch Gipswände von den übrigen Hallen abtrennte und als Büroräume verwendete! Hier haben die neuen Männer ihre Achtung vor dem alten deutschen Kulturgut dadurch bewiesen, daß sie diese Halle wieder ihrer ursprünglichen Bedeutung zuführten und gleichzeitig den ganzen Bau liebevoll erneuerten. Nein, Breslau will die Zukunft meistern. Dafür ein anderes Symbol. Im Norden der Stadt wurde aus Anlaß der Jahrhundertfeier vor fast 25 Jahren die Jahrhunderthalle errichtet — aber nicht vollendet. Die Schöpfer dieses großen Monumentalbaues, nationales Denkmal für den Osten und Gedächtnis- mal der Freiheitskriege, wurden in der kühnen Gestaltung von ihren Zeitgenossen nicht verstanden. Heute legt man letzte Hand an diese mächtige Halle mit der riesigen Kuppel. Breslaus große Zeiten werden von den Bauten jeder Epoche der Nachwelt verkündet. Für das Dritte Reich sprechen die Monumentalbauten des Landesfinanzamtes, des Polizeipräsidiums und des Postscheckamtes, aber auch die Sanierung der Altstadt und die großzügigen Vorstadtsiedlungen, dazu das Stadion, das durch seinen jetzt erfolgten Ausbau zur größten und schönsten Sportanlage Ostdeutschlands geworden ist. Breslau hat seine Sendung als Eckpfeiler deutscher Kultur wieder übernommen. Fleisch und Fett in -er Volkswirtschaft. Die Bewegungen auf dem Fleisch - undFett- markt finden heute in hohem Maße das Interesse der Oeffentlichkeit, so daß Veranstaltungen wie die Reichsnährstandsschau in München oder der Verbandstag des Fleischergewerbes in Königsberg genug Anlaß bieten, um einen Ueberblick über diesen volkswirtschaftlichen Sektor zu geben. Die große Tierschau in München — es waren 2000 ausgewählte Exemplare in einer besonderen Lehrschau zusammengekommen — hat bei allen Besuchern den Eindruck hinterlassen, daß im letzten Jahr die Leistungsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft einen weiteren Schritt nach vorwärts getan hat. Auch auf dem Gebiete der Fleisch dauerwaren sind beachtliche Fortschritte erzielt worden. Man sah die Dauerwaren, die an der P rü f u n g sr e i se „Rund um Afrika" in den Monaten Januar bis April teilgenommen haben, in einem vorzüglichen Zustand. Hervorzuheben sind auch die Erzeugnisse der Reichsfachschule der Fleischer in Berlin. Daß auf dem Gebiete der Fleisch- und Fettwirtschaft immer noch Ersparnisse gemacht werden können, geht daraus hervor, daß heute immer noch in Deutschland jährlich für 110 Millionen Mark Fleisch und Fleischwaren verderben. Der Kampf geaen den Verderb muß also gerade auf dem Gebiete des Fleisches und der Fette von allen beteiligten Wirtschaftskreisen, nicht zuletzt von den Haushaltungen, unermüdlich weitergeführt werden. Nicht oft genug kann darauf hingewiesen werden, daß die am 1. Januar 1937 eingeführte Kundenliste für Schmalz, Speck, Talg und Butter den Zweck hat, die gerechte Verteilung der vorhandenen Mengen zu gewährleisten, so daß jeder Volksgenosse zu seinem Anteil kommt. Die Kundenliste erfüllt also für die Fettversorgung denselben Zweck wie die Marktordnung in der Viehwirtschaft. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, daß die Gesamtmenge an Schlachttierfetten, die in Deutschland zur Verfügung steht. heute keineswegs wesentlich geringer ist als im letzten Vorkriegsjahr 1913 oder 1927/28. Stark zurückgegangen ist lediglich der Einfuhrüberschuß: dagegen weisen die Inlands-Schlachtungen 1936 erheblich höhere Mengen aus als etwa 1913 oder 1929. Es wurden in Doppelzentnern an Schlachttierfetten gewonnen 1913 rund 6,8 Millionen, 1929 rund 5,7 Milionen, 1935 = 6,2 und 1936 = 6,6 Millionen. Aber 1913 hat der Einfuhrüberschuß 1,8 Millionen und 1929 mehr als 1,2 Millionen ausgemacht. Dagegen 1935 nur noch 450 000 und 1936 rund 516 000 Doppelzentner. Aus diesen Ziffern geht hervor, daß der Anfall an Schlachttierfetten aus Jnlandsfchlachtungen mit rund 6,1 Millionen Doppelzentner 1936 eine bemerkenswerte Höhe erreicht hat. Jedenfalls werden die Ergebnisse der Vor- und Nachkriegsjahre bei weitem übertroffen. Das letzte Jahr hat auf dem Gebiete der Fleischwirtschaft durch die Errichtung des Forschung s- instituts für Fleischverarbeitung eine dringend notwendige Bereicherung erfahren. Beider hohen Bedeutung des Fleisches für die Volksernährung ist es notwendig, daß eine wissenschaftliche Bearbeitung aller derjenigen Fragen einsetzt, die mit der Versorgung Zusammenhängen. Deutschland hat es im Weltkriege schwer gebüßt, daß in früheren Jahrzehnten der Ernährungspolitik und insbesondere auch der Fleischversorgung nicht genügend Beachtung geschenkt worden ist. Heute hat sich mehr und mehr die Notwendigkeit herausgestellt, das Wirtschaftsprodukt „Fleisch" nach jeder möglichen Richtung hin ouszunutzen. Der jährliche Umsatz an Fleischwaren macht ungefähr 5 Milliarden Mark aus, dazu kommt noch die Verwertung des Blutes, der Knochen und der anderen Nebenprodukte. Die Forschung für Fleischoerwertung hat also in ständiger Fühlungnahme mit der Praxis eine vielseitige Arbeit zu leisten, insbesondere auch auf dem Gebiete „Kampf dem Verderb". Dazu kommt die wissenschaftliche Bearbeitung der A b- fälle und Nebenprodukte und die Unter- 3m Lumpenkeller. Wir hatten Besuch bekommen — einen Besuch, auf den wir nicht gefaßt waren: einen reizenden blauen Wellensittich, der uns zugeflogen war. Aber selbst so ein kleiner Besuch erfordert Ausgaben; wir hatten kein Vogelbauer, und es war unangenehm nahe am Monatsende — die vier Mark für ein hübsches, neues Bauer waren einfach nicht übrig. „Geh doch mal in den Lumpenkeller!" riet mein Sohn; „da habe ich neulich ein Vogelbauer gesehen, das kriegst du sicher billig!" Der Rat war praktisch, aber es forderte doch einige Selbstüberwindung, die steile Treppe hinunterzuklettern. Ein Lumpenkeller ist kein Luxusgeschäft, nach Veilchen roch es unten bestimmt nicht; und was würde man da unten für Leute treffen? Nun, es gab eine Ueberrafchung. Wie gesagt, es roch zwar nicht gut da unten — aber es herrschte Ordnung! Zwar waren die Nebenräume bis auf schmale Gänge mit Lumpen und Papier vollgestopft, aber sorgfältig war das glatte Papier gebündelt, und in der Lumpenabteilung stand ein Mann vor einem Sortiertisch. „Kommen Sie rein, junge Frau! Ja, da gucken Sie nun ... Sie haben wohl auch gedacht, Lumpen ist Lumpen? Noch lange nicht! Sehen Sie, hier wird jeder Lumpen noch mal in der Hand umgedreht ... was 'n Putzlappen werden kann, kommt noch lange nicht in die Papiermühle, und die Wolle fassen wir sozusagen mit Hochachtung an, daraus kann noch mal neuer Kleiderstoff werden! Ihre kunstfeidenen Strümpfe haben hier auch vieleicht schon einmal Station gemacht, die „bunten Beene" werden alle noch mal geräufelt und versponnen!" Erstaunt steht man vor dem Sortiertisch und hört ein Kolleg darüber, daß jeder Flicken hier eine Ware für sich ist und jeder noch mal seine Verwendung findet. Der Mann am Sortiertisch ist ein Philosoph: „Wenn alle zweibeinigen Lumpen noch mal so gut zu brauchen wären, wie unsere Ware hier!" lächelt er verschmitzt. Für fünfzig Pfennig handelt man dann das Vogelbauer ein; und während man die droschen auf das schmale Pult zählt, sieht man bewundernd den Hausspruch an der Wand: „Zu Unrecht wird der Lumpenmann verachtet! Denn vom sozialen Standpunkt aus betrachtet Ist er ein Mensch genau wie du Und führt der Wirtschaft Werte zu!" Wahrhaftig, man schämt sich gehörig seines Vorurteils gegen die Lumpenhändler ... und man hat bei diesem kurzen Besuch mehr über Volkswirtschaft gelernt als in manchem schwierigen Vortrag! suchung der Arbeitsmethoden und Arbeitsverfahren wie z. B. der Räucherung und Trocknung, der Pökelung und der Vervollkommnung der Kühltechnik. Schließlich wird eine Weiterbildung der Schüler der Reichsfachschule des Fleifcherhandwerks durchgeführt werden. Durch das neue Fleischbeschaugesetz, das am 1. Oktober 1937 in Kraft tritt, werden auch die Hausschlachtungen der Schlachtvieh- und Fleischbeschau unterworfen. Der Trichinenschau sind auch Wildschweine, Füchse, Dachse und andere fleischfressende Tiere unterworfen. Durch diese Erweiterung des Fleischbeschaffungsgesetzes hat man eine Lücke geschlossen, was besonders vom Fleischerhandwerk begrüßt wird. In Königsberg ist mit Stolz darauf hingewiesen worden, daß das Fleischerhandwerk heute auf Qualitätsarbeit ausgerichtet ist und die meisterlichen Fertigkeiten gegenüber den Massenerzeugnissen im Vordergrund stehen. Besondere Sorgfalt wird in Zukunft auf die Ausbildung der Gewerbegehilfinnen gelegt, insbesondere auch der Meisterfrauen, die meistens die Kundenbedienung durchzuführen haben. H. D. iRunOfunrprogramm. Sonntag, 11. 3uli: 6 Uhr: Hafenkonzert. 8.10: Gymnastik. 8.30: Deutsche Scholle. 8.45: Orgelmusik. 9: Christliche Morgenfeier. 9.45: Lob der kleinen deutschen Stadt. 10: Die Treue ist das Mark der Ehre. Oeffentliche Morgenfeier der Hitler-Jugend aus dem historischen Wartburgsaal in Saarbrücken. 10.30: Chorgesang. 11.15: „Die Lied der SA." Eine Funkfolge. Zusammengestellt von Dr. Heinz Wolfgang Müller. 12: Musik am Mittag. 14: Für unsere Kinder. „Kasperle schlägt sich durch". Ein lustiges Spiel für groß und klein, von Josef Stander. 14.30: „Ja, das sind Sächelchen!" 15.15: Deutsche Scholle. 16: Nachmittagskonzert. 18: Wasser, Wind und Liebe. Ein heiterer Melodienstrom umkreist das tändelnde Spiel. 19.45: Sportspiegel des Sonntags. 20: Romantische Opernmusik. 22: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 22.15: Sportbericht. 22.20: Deutsche Staffelmeisterschaften in Frankfurt. Montag, 12. 3uli: 6 Uhr: Choral. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Musik zur Frühstückspause. 9.30: Hausfrau, hör zu! 11.45: Deutsche Scholle. 12: Schloßkonzert. 13: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 13.15: Schloßkonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Dem Opernfreund. 15: Für unsere Kinder. 15.15: Volk und Wirtschaft. Nachrichten. 16: Nachmittagskonzert. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Stuttgart spielt auf. 21: Nachrichten. 21.15: „Menschen am Wasser". Eine erfrischende Funkfolge für die heißen Tage. Ihre Verlobung geben bekannt Gertrud Böhringer Paul Langer, cand.theol. Gießen, den 11. Juli 1937 Goethestraße 22 Ederstraße 21 03425 Bernhard Dahl Marie Dahl, geb. Heyne Vermählte Hückeswagen (Rhld.) Gießen (Aquarium) den 10. Fuli 1937 03429 Karl Ludwig Lindt Luise Decker Vermählte Gießen, Bückingstraße 1 Bad-Nauheim, Eleonorenring 32 10. Iull 1937 ______________________________________________________03383 Ihre Vermählung geben bekannt Walter Fullmann und Frau Maria Fullmann, geb. Enders Gießen, den io. Juli 1937 — ■ ______________03447 Ihre Vermählung geben bekannt Dipl.-Fng. Otto Reif Margrit Reif, geb. Borst Gießen (Iohannesstraße 11), den io. Juli 1937 4598 D Erholungsuchende finden angenehmen Aufenthalt in Londorf (Rabenau) ringsum Wald u. Wies., sch. Fernsicht, 4 gute u.reich!.Mahsz. zu 3.50 Tel. 11 » Eich. Metzgerei ««iaD Kurhaus Bad Selters am Vogelsberg Beste Erholung für Nerven, Herz, Rheuma. Pension ab Mk. 4.25. 3Wochen Pauschalkur ab 127.20 Mk. Prospekte durch 4652d Badeverwaltnng u. Verkehrsbüro Kurhaus Vogelsberg Schotten in Hessen (früheres Lehrerheim). In wundervoll. Lage, direkt am Wald, neuzeitlich umgebaut und vergrößert. Herrlicher Aufenthalt für Erholungsuchende. Telephon Nr. 190 4314V Waißhaos Rainmühle "ld Idyll. Fischsport, gute Küche, 4 Mahlz. hl. 3. K. Nebenk Prospekte a. a. Sch. 6. A. | 3571d Waldrestaurant n. Pension Rnfp Miihlp3/4 st-von Bad Sode" llUlU IVB Uli IG (grün. Wegezeich.) 20 Min. ab Bahnstation Hornau, (Bahnstr. 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Juli in Alten-Buseck bei Hans Oppermann und Ludwig Döpp 4664V Für Speisen und Getränke ist bestens gesorgt. Es laden freundlichst ein die Wirte und die Burschen Landesverband der Rinderzüchter in Hessen-Nassau (Gruppe Rotvieh) 4040V 95. Ausstellung und Zuchtviehversteigerung f.mitteldeutsches rotes Höhenvieh am Freitag, d. 16. Juli 1937, vorm. 11 Uhr,inWetzlar/Lahn (Markthalle am Taubenstein), verbunden mit Sonderkörung. Auftrieb: 78 Bullen und 1 Rind aus d.Notviehzuchtgebieten: Lahn/Dill, Lahn/ Taunus,Oberhessen,Starkenburg,Westfalen u. Kurhessen.Anschließend kommen voraussichtlich noch 5 eingetr.Rotviehkühe z.Vermuf.Beginn d. Sonderkörung 8 Uhr,Beginn d.Bersteig. 11 Uhr. Damit verbünd. ist eine Eberversteig. d .Landesverbandes d.Schweinezüchter.Aufsämtl.Tiere, die i.Waggonverlad.werd.,gew.d.Reichsbahn eine 20'cägeFrachtermätz.Ausk.u.Verz.durch d. Tierzuchtamt i.Biedenkopf Lahn,Fernruf 362. Und zum Einmadien... auch in diesem Jahr wieder den guten Quambusdis Essig der in 5- und 10-Ltr -Korbflaschen in allen Geschäften zu haben ist Original - Fabrikabfüllung der Essigfabrik QUAMBUSCH- Giefeen. 4625 D Führer zu echtem Naturerleben Belauschtes Leben Kleine Kreatur in Wasser, Dusch und Holm von K. O. D a r t e l s. Mit einem Geleitwort von Professor Dr. Dee gen er, Uni» versität Berlin. 62 Seiten Text und 164 Naturaufnahmen aus dem Leben der niederen Tierwelt mit erläuternden Bildunter» schriften und Namensangoben. Preis des Werkes in Ganzleinenband 4,80 Reichsmark. Nicht eines der vielen allzuvielen, willkürlich zusammengestellten Dildbücher, sondern ein gründliches Werk langer, liebevoller Forscherarbeit Ein Buch, das uns die tiefsten Blicke in die Natur tun läßt. Ein Buch, das zur Ehrfurcht erzieht.* Will Vesper. Waldweben Die Lebensgemeinschaft des deutschen Waldes in Bildern von fi. Gerhard und G. Wolff. 32 Seiten Text und 150 Naturaufnahmen aus dem Tier- und Pflanzenleben des heimatlichen Waldes auf 128 Kupfertiefdrucktafeln. Preis des Werkes in Ganzleinenband 4,80 Reichsmark. .Es lebt und webt in diesem Buch, und wer es versteht, mit empfänglichen Sinnen die bildgewordenen Naturschönheiten in sich aufzunehmen, dem singen und klingen die Tafeln tau- send (Erinnerungen wach an einstmals leibhaft Erschautes. Reclams Universum. Bitte verlangen Sie kostenlos unsere bebilderten WerbeblStter Die Bücher sind durch jede Buchhandlung zu beziehen Hugo Vermühler Verlag, Bln.-Lichterfelde Stück 18 Pfg.' • großes Stück 28 Pfg. Warta-Seife verjüngt As w Sinnes nach Großen-Linden im „Rebstock" Es laden ein: 46110 der Wirt die Burschen Kühlsthränhe Verkauf / Vorführung / Ratenzahlung Ruhl & Fetzer, Giefeen Schanzenstrahe 3 / Telephon 2534 _________________ 4476D Zur KIRMES inGroßen-Linden am 11. und 12. Juli 1937 bei 4632d Gastwirt Schaum Musik: Infanterie-Regiment 116 Nr.158 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, IV.Zuli 1937 Oie Gießener Hitler-Jugend vor großer Fahrt Am gestrigen Freitagvormittag sammelte sich die zeigen (links) das angetretene Jungvolk auf dem Beratung. — Im Bilde rechts sieht man den Leiter wegschnappt. Schwerfällig lassen sie sich ins Wasser rutschen. Erst hier wachen sie richtig auf. Aber nur einer der vier Schnäbel hat oas Glück, den Am Samstag, 17. 7. 37, startet ein Omnibus nach Düsseldorf zur großen Reichsausstellung „Schaffen- Trafo-Station Alter Medhos im Rohbau fertig P.B. Sommerfrische. uralten, traumstil tzen drängen sich i»hnn mtf ht>r hii Leben wirkt, wissen nichts von ihnen. ewiges öodjfcbulnacbncbten die Billroth-Medaille verliehen worden. bereitet hat. vertreten. Brocken zu schlucken. Schweigsam sind Fasanen, obschon sie links und rechts auch zwei von einem Dem an der nen zu schlafen. Darum werfen die Kinder ihre Brosamen ins Wasser. Und da rappeln sich die Enten auf, weil doch gern jeder dem andern etwas p; Vie deutlcke Arbeitsfront K h.9.=ößmeinfdiaft „firaftöunh frciidc' gen nimmt die Kreisdienststelle entgegen. Omnibusfahrt zur Reichsausstellung „Schaffendes Dolf“ in Düsseldorf. Arn gestrigen Freitag im Laufe des Vormittags versammelten sich die Beamten und Angestellten des Landgerichts zu einer schlichten Ehrung ihres Berufskameraden, bei der Landgerichtspräsident T h ü r e dem Jubilar die besten Wünsche des Oberlandesgerichtspräsidenten und der Berufskameraden des Landgerichts darbrachte und ihm mit ehrenden Worten das Anerkennungsschreiben des Führers überreichte. In seiner Ansprache würdigte er die Verdienste und die Persönlichkeit des Jubilars als eines Mannes von ausgezeichneten juristischen Omnibusfahrt zum Autorennen um den „Großen Preis von Deutschland“ am 25. Juli 1937 auf dem Nürburgring. Arn Sonntag, 25. 7. 37, führen wir nebenstehende Tagesfahrt durch. Der Teilnehmerpreis einschließlich trennenden Gitter nebeneinander hin- und herlaufen, als sei einer das Spiegelbild des andern. Ihre beharrliche Ausdauer, die komisch wirkt, wird von den Kleinen fröhlich belacht. Eine Frau dagegen meint, das mache einen nervös und rauscht davon. Aber da ist noch etwas Spaßiges: Ein Buchfink hat eine lange Fasanenfeder am Boden aufgelesen und jagt mit ihr im Schnabel wie mit einer riesigen Siegestrophäe um den Baum herum. Andere seinesgleichen jagen pfeifend hinter ihm her. Es wirbelt wie ein Karussell, bis die Feder dem Schnabel entfällt. Klein und Groß vergißt in dieser frohen ländlichen Abgeschiedenheit, die für Leib und Seele Erquickung bietet, daß draußen die Sonne glüht, und lebt beglückt den Traum einer stundenkurzen eingebaut. Ferner sind in dem Gebäude auch noch Bedürfnisanstalten untergebracht worden, — die den Wellblechbau an der Ecke Kaiserallee—Licher Straße ersetzen werden. Sobald der Neubau seiner Bestimmung übergeben werden kann, wird eine Bereinigung der Ecke Kaiserallee—Licher Straße erfolgen, so daß auch dort eine Verschönerung des Gesamtstraßenbildes erreicht werden wird. Unser Bild zeigt die neue Transformatorenstation im Rohbau vollendet. — (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.) Frankreichs Suppentöpfe. Die französische Küche ist weltberühmt, und wer in diesem Jahr die Weltausstellung in Paris besucht, wird ihre Kostbarkeiten nicht minder bewundern als die Großtaten moderner Technik. Aber man würde sich irren, wollte man meinen, daß man am besten nur in Paris ißt. Die landschaftlichen Reize und Unterschiede, von denen der Fremde nur wenig merkt, spielen auch in Frankreich eine große Rolle, und wer sich das Vergnügen machen will, die französische Küche zu studieren, wird immer wieder auf besondere Köstlichkeiten stoßen, die ihre Heimat nicht in Paris, sondern irgendwo draußen im Lande haben. Das trifft auch auf die Suppen zu, die in der französischen Küche weit wichtiger sind und weit höher geschätzt werden als in der deutschen. Wir lesen darüber in einem Aufsatz, den Maria von Treskow im Juliheft von Beltz a g e n & Klasings Monatsheften veröffentlicht: Die Zwiebelsuppe, der Pot-au-Feu, die unvergleichliche Kartoffelsuppe mit dem Lauch und die Kohlsuppe, das sind die vier Großen der Provinzküchen. Nur Bearn konnte die „Garbure" hervorbringen. In dieser landesüblichen Brotsuppe mit dem kraftvollen Inhalt aus Kohl und Speck, in ihrer Abwandlung je nach der Jahreszeit, macht sich etwas von der unbedingten Freude, frei und stark zu sein, bemerkbar, die die Eigenart des Bearners ausmacht. Aber nicht nur in der Art ihrer Zubereitung, auch in der Art die „Garbure" zu genießen, findet dies Ausdruck. Hier ißt man sie, indem man die Brotstücke in die Terrine schneidet und die köstliche Suppe daraufgießt, dort gibt man die Brotstücke, die vorher in einer Kasserolle eingeweicht und mit der Brühe langsam zu einer festen, aber nicht harten Masse verkocht wurden, als „soupe bouille“ daneben. Auch die Normandie kennt so ein erdgebundenes Suppengericht, die „Soupe ä la graisse“, eine Fettsuppe, deren Besonderheit nur aus der eigenartigen Zusammensetzung des Rinder- und Schweinefettes, das ihren Hauptbestandteil ausmacht, zu erklären ist. So ein behäbiger blau- glasierter Fettopf, der selbstverständliche Besitz jeder normannischen Hausfrau, verrät mehr von dem Wesen dieser Menschen als manche Reisebeschreibung. Der Triumph von Marseille, die Bouillabaisse, enthält Fische wie die Rascasse, Roucaou und St. Pierre, die ihr das Gesicht geben. Gerade durch ihre Zusammensetzung aus allem, was das Meer und der Boden nur hier zu bieten haben, ist diese berühmte Suppe nicht für Reiche bestimmt. Sie ist gleich schmackhaft, ob sie der Küchenchef im großen Hotel oder die Fischerfrau in ihrer einfachen Küche Licht eine schmale, schlechtgepflasterte Straße empor, die über den Hügel führt, der ein einziger Friedhof ist. Von seiner Höhe aus genießt das Auge eines der reizvollsten Erdenbilder. Tief unten, wie ein blaues, langes Schild das „Goldene Horn", zur Rechten das riesige, hügelige Stambul, gegliedert durch viele große und berühmte Moscheen, zur Linken die braune Stadt der Zigeuner, die elenden griechischen Viertel mit ihren zahllosen Bewohnern, dann Galata mit der großen Brücke, eine der aufregendsten und interessantesten Passagen der Welt, hinter ihr die blaue Straße des Bosporus, die sich mit dem „Goldenen Horn" vereinigt, jenseits die dunkle Küste Kleinasiens mit den fremden Meerstädten und der ferne Himmel Anatoliens. Die Stille lodert auf den wahllos durcheinander- liegenden Gräbern und niedergewälzten keilförmigen Totensteinen, den Stelen. Goldbemalte fremde Schriftzüge nennen den Namen des Verstorbenen. Die weißen Steine bedecken den Hügelabhang wie eine riesige steinerne Herde, deren Hirte entwichen ist. Ich setze mich auf einen der niedergestürzten, zerschlagenen Steine, unter Zypressen und Lorbeerbüschen, trinke Sonne, atme meergewürzte Luft und sanfte landduftende Winde. Langsam und dunkel wie Schatten steigen mohammedanische Frauen die gepflasterte Straße empor. Eine levantinische Reiterin reitet über den Hügelkamm. Aus der Tiefe blitzt das pfauenblaue Gewässer, tönt die Kantate des singenden Muezzins, der die kleine Steinkanzel des Turmes umwandelt. Seine Suren fallen ins Licht, in die Bläue, in die Blüten und in die Träume der jungen Witwen. Aber die melancholischen Toten, über die das Gras wächst und die Zypresse ihr lotternden und zwitschernden Bewohner eines großen Vogelhauses im Gartenhintergrund. Auch sie üttern eifrig durch das engmaschige Drahtgitter hindurch. Es' sind vor allem Finken, Buch-, Bergend Grünfinken, die sich um ein Baumgerippe und auf ihm herumtummeln. Wie träge sind dagegen ^wei Entenpärchen, die im Vordergründe neben inem kleinen Wasserbecken im Grünen ruhen. Sie haben die Schnäbel ins Gefieder gesteckt und schei- Die im Zuge der Umwandlungen im Stromnetz unserer Stadt notwendige Erstellung einer Transformatorenstation, für den östlichen Teil unserer Stadt, hat gute Fortschritte gemacht. Die Transformatorenstation, die an der Ecke Licher Straße und Nahrungsberg, unmittelbar am Alten Friedhof erstellt wird, ist im Rohbau fertig. Der Bauzaun ist gefallen. Das neue Gebäude ist, wie es von vornherein beabsichtigt war, in die Friedhofsmauer eingefügt worden, wurde in den wesentlichen Teilen der Außenmauern aus dem Steinmaterial eines Stückes der Friedhofsmauer aufgerichtet und fügt sich dadurch glücklich in die unmittelbare Umgebung ein. Für die Errichtung des Gebäudes war die Schaffung einer unbedingt notwendigen Transformatorenstation das Bestimmende. Das Städtische Hoch- und Tiefbauamt hat es sich aber in der Planung angelegen sein lassen, das Haus mannigfacheren Zwecken dienstbar zu machen. Für die Fahrgäste der Straßenbahn wurdtz für die Tage schlechten Wetters eine Unter ft ellhalle geschaffen, die sicherlich allgemein begrüßt werden wird. Gleichzeitig wurde auch ein Derkaufshäuschen halbrund Der Reichs- und Preußische Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat dem Dr. phil. nat. habil. Hermann Schäfer eine Dozentur für das Fach Physik und physikalische Grundlagen der Medizin an der Universität Frankfurt verliehen. Der Reichs- und Preußische Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat den Dozenten Dr. phil. nat. habil. Wilhelm Magnus beauftragt, an der Universität Frankfurt die Höhere Algebra in Vorlesungen und Uebungen zu Eintritt zum Rennen beträgt 8,— R2N. Anmeldun- ... ~ ... ~ 4637D SlilleSlunseamGoidenenHorn Von Friedrich Schnack. des Volk". Samstagabend und den ganzen Sonntag haben die Teilnehmer Gelegenheit, die Ausstellung | Fähigkeiten, vorbildlicher Pflichttreue, lauterstem ordentlichen Professor der inneren Medizin ... Universität Frankfurt, Dr. med. Franz Volhard ist von der Aerztegesellschast in Wien Dornotizen. Tageskalender für Samstag: Gloria-Palast, Seltersweg: „Meiseken". — 1880/ 1930: 20 Uhr, Abmarsch Walltor nach der Wellersburg. — Reichsfachgruppe Imker, Ortsfachgruppe iGeßen: 19 bis 21 Uhr, Lehroersammlung, Hopfeld. Tageskalender für Sonntag. Gloria-Palast, Seltersweg: „Meiseken". — Reichsbahndirektion: Sonderzug nach Bad Ems. — Ehemalige 87er und Nebenformationen: 15 Uhr, „Schipkapaß", kameradschaftliche Zusammenkunft. steinerner Lilien spießen durch das volle Laub. In dem breit ausladenden Geäst der Platanen, die den Vorhof der Moschee überwölben und mit Schatten versorgen, lärmen die südlichen Vögel. Langgehalste griechische Kraniche mit scharfem Trompetenschrei, blaue Tauben, Möven vom nahen Meere. Hoch im Licht kreisen die unermüdlichen Falken. Inmitten des geplatteten Hofes plätschert ein Marmorbrunnen, an dem sich die Gläubigen nach der Vorschrift des Gesetzes die Hände waschen, ehe sie unter die Kuppel der Moschee treten. Vor dem Eintritt ins Innere ziehen sie ihre Schuhe aus. Den Hof erfüllt der leise Lärm des Volkes. Der Futteroerkäufer hält für die Tauben Körner feil. Beim Prasseln des Weizens aus dem Holznapf rauschen sie aus den Bäumen, von den Steinzieraten und aus den Nischen der Moschee und werfen sich klatschend herab. Ihr Gewimmel stürmt um die Füße des melancholisch lächelnden Futterverkäufers. Im Schatten der größten Platane hat ein Händler seinen flachen Verkaufstisch aufgeschlossen, auf dem er nach asiatischer Sitte Platz genommen hat. Er verkauft Spezereien, scharf duftende Oele, die gut heilen sollen bei Schuß und Stich, in kleinen geschliffenen Fläschchen, Perlschnüre von farbigem Glas, aus Bernstein und Perlmutter, bunte Seiden- quaften für die Gebetsketten. Er schüttet aus einem Lederbeutel allerlei Schmucksteine auf das grüne, fleckige Tuch zwischen die Salbentöpfe, die den jungen Frauen zugedacht sind. Rauchgraue, gelbe, traubenrote, malachitgrüne, rosenfarbene Mekkasteine blitzen auf, dazwischen kollern falsche Rubine, Topase, Bernsteinstücke, Siegellack- und Hartgummibrocken, Harztropfen und Münzen. Er waltet m einer Wolke merkwürdig balsamischer Gerüche und feilscht mit den Käufern, listig und lächelnd wie der Scheich in den Erzählungen der Scheherasade, die den Grausamen in ihre kunstvollen Netze verstrickte. Ich trete durch ein Spitzbogentor in einen inneren Hof, in dem sich das Grab des Fahnenttägers befindet. Es ist ummauert, vergittert, von einer Platane durchwurzelt Blau schimmert zur Linken eine Fayence-Wand. Hinter ihr liegt die Türbe, das Ehrengrabmal. Durch ein Messinggitter, das nach arabischen Schriftzügen geschnitten ist, fallt der Blick in das phantastische Innere des Gewölbes. Ein Strudel von Tiefseeblau und Azurfarbe sprüht aus der Kuppel. Die inneren Wände sind mit prächtig schönen Fayencen bekleidet, in die stilisierte Pflanzenmotive eingebrannt sind. Die Kraniche durchschneiden in schlanken Flügen die zarten Lüfte. Die Vögel trompeten und werfen sich in den Nachmittag. Langsam verlasse ich den schattigen Hof der Moschee und wandere im grellen zu besuchen. Der Teilnehmerpreis beträgt einschließ, lieh Fahrt, Uebernachtung mit Frühstück, Eintrittskarte zur Ausstellung für Samstagabend und Tageskarte zur Ausstellung für den ganzen Sonntag 13,50 RIN. Anmeldungen müssen umgehend auf der Kreisdienststelle erfolgen. Abfahrt: Samstaq, 17.7. 37, um 14 Uhr am Haus der Deutschen Arbeitsfront. Rückkunft: Sonntag, 18. 7. 37, gegen 24 Uhr. Oienstjubiläum in her Heichsjustizverwaltung. Glückwunsch des Führers. Der Pressedezernent beim Landgericht Gießen teilt uns folgendes mit: Der Landgerichtsrat bei dem Landgericht in Gießen Adolf irümpert blickte am 8 Juli 1937 auf eine vierzigjährige Dienstzeit zurück. Aus diesem Anlaß hat ihm der Führer und Reichskanzler seine besten Wünsche ausgesprochen und damit seinen Dank und seine Anerkennung für die dem Reiche geleisteten treuen Dienste verbunden. Das \ \ Sdiönfieitsr^epf’ Aus her Stadt Gießen. Ländlicher Wirtsgarten. Das Haus steht einsam in der Landschaft. Es wurzelt im Grün einer Wiese wie die Bäume, die ihm fast über das Dach gewachsen sind. Der Garten ist von einem alten, stellenweise windschie- sen Lattenzaun umgeben, den aber eine üppige Hecke hundertfach umschlingt und wie in starken Armen hält. Die breite Gartentür ist ausgehängt und nebenhin gestellt, denn ein Wirtshaus muß sich schon als solches zeigen und mit seinen Tischen und Stühlen zur Rast laden, wenn es Gäste haben will. Nach kurzer Wanderung auf kaum beschattetem Weg zu ihm hin weht einem die Kühle des Garten erquickend entgegen und überflutet wohltuend Den sonnenheißen Körper. Man atmet auf wie in einem dunklen Waldgrund, so dicht haben die Kronen der Bäume sich ineinander verästelt und wie mit einem einzigen Schirme den Garten überspannt. 3s riecht nach Erde, Laub und Gras. Auf bielem ruhen die Füße besser wie auf einem Teppich, denn man spürt seine Frische durch das Schuhwerk bis zu den Beinen herauf. Die Gläser auf den Tischen Ipnb beschlagen und verraten, daß die Getränke »isgekühlt wurden. Ein kleines Mädchen, das in eine längliche Schnitte dunklen Bauernbrotes beißt, vergißt nicht, ab und zu zu den Hühnern einen Brocken zuzuwerfen, die hinter ihm her sind. Es gibt jedesmal eine kleine Balgerei, bis sie die zcr- »röselnde Krume einander abgejagt haben. Da be= ' nimmt sich der Hahn, der bei seinen übrigen Frauen , wischen den Tischen herumstolziert, ritterlicher: er les östlichen Himmels lodern. Ejub ist die kleine Stadt der zahllosen Toten, die lier ihren letzten Schlummer tun. Ich schlendere urch die holprig gepflasterte, orientalisch schmale Ztraße der Grabmale, über deren Kuppeln das !aub glänzt. Ich lehne mich gegen die alten Eisen- itter der Grabstätten und blicke in die dämmeigen Gewölbe, in denen der steinerne Katafalk steht nit dem Turbanschmuck der Stelen, Überhängen von erschlissenen und ausgebleichten Seidentüchern, mit Ubernen und goldenen Fransen geziert und religiös» ymbolischen Schriftzeichen bestickt. Große Stille glüht in den alten, abgeschiedenen Gräberftrafjen, die von den kleinen Mausoleen ein- । egürtet und von Platanen, Kirschlorbeer- und Mi- lofenbäumen gesäumt werden. Die Sonne liegt vor len ausgetretenen Marmorstufen wie ein funkelnder Wächter. Ein aufgescheuchter Vogel flitzt durch das Gitterwerk. Niemand ist da; nur ich, der Vogel, die Sonne und der zarte Geist der Toten. Ich träume mich in die Jenseitswelt hinüber, und die Abgeschiedenen träumen sich in das seltsame, wunderliche Leben herein. Hier, in Ejub, ist ihr sonderbares Traumreich, ihre verschollene und überblühte Stadt, in der sie in unfaßbarer Hoheit und Lollendung herrschen. Ejub ist für den Bekenner des Islam ein hehrer, geheiligter Ort. Jeder mochte irn Tode unter den ewigen Platanen und Zypressen liegen. Heber seinen Rasen sprang heldisches Blut. Der sagenhafte Fahnenträger des Propheten, Ehub Cansara, sank hier bei der ersten Eroberung der wild umkämpften Byzanzstadt zu Boden. Sein Tod besiegelte den Sieg des Krummschwerts. An dieser Stelle wurde später eine kleine Moschee errichtet, in der sich die einstigen Sultane zum Zeichen ihrer Thronbesteigung mit dem Schwert gürteten und, prächtig angetan, auf einem Zelter durch die Utenge galoppierten. Für den Fremden ist es ein Ort von unausdeutbarem Zauber. Die große bläuliche Kuppel der Moschee schwimmt in Grün der riesigen, dichten Platanen. Ihre beiden Leihen Türme, schlank und dünn wie die Stengel Ejub ist ein kleiner, schlafender Ort am „Goldenen -Horn", das mit feiner Gewässerzunge tn das anmutige grüne Tal von Kiathane hineinblaut, wo Sie türkischen Frauen an den „süßen Wassern von Europa" ihre Frühlingsfeste feiern. Die braunen, uralten, traumftillen mohammedanischen Holzhäus- _z... stch gegen eine sanfte, liebliche Berg- ehne, auf der die dunklen Zypressen in das Blau Gießener Hitler-Jugend, um zu einer großen Wan- Kanzleiberg in der Erwartung des Abmarsches zum der Wanderfahrt Bannführer Rohrbach inmitten Herfahrt nach dem Spessart aufzubrechen. (Wir be- Bahnhof. Die einzelnen Fahrtenführer in der Mitte der Fahrlenführer der Hitler-Jugend. (Aufnahmen richteten gestern bereits darüber.) Unsere Bilder stecken noch einmal die Kopfe zusammen zu letzter [2]: Neuher, Gießener Anzeiger.) Irfjnappt selten etwas fort, sondern überläßt es mit gurgelnden Lockrufen, Verbeugungen und Kratz- üßen den Herbeistürzenden. Andere Kinder bewundern mit ihren Müttern die SßdP Charakter und einem stets gütigen, liebenswürdigen Wesen. Landgerichtsrat Trümpert dankte für die ihm gewordene Anerkennung und Ehrung und versprach, auch weiterhin seine ganze Arbeitskraft in den Dienst der Allgemeinheit ^u stellen. Mit einem Gedenken des Führers schloß der Landgerichtspräsident die kurze und schlichte, aber eindrucksvolle Feier. Landgerichtsrat Trümpert ist durch seine langjährige berufliche Tätigkeit in Gießen mit unserer Stadt und ihrer Bevölkerung aufs engste verbunden. Nach mehrjähriger Verwendung als Amtsanwalt, Hilfsarbeiter bei der Staatsanwaltschaft und Hilfsrichter in Gießen, Bingen, Mainz und Butzbach wurde er am 1. 10. 1909 als Staatsanwalt in Gießen angestellt. Seit dieser Zeit ist er ununterbrochen in Gießen tätig, und zwar seit 1915 als Amtsgerichtsrat beim Amtsgericht und seit 1920 als Landgerichtsrat beim Landgericht Gießen. Lange Zeit hindurch ist er Vorsitzender der Kammer für Handelssachen gewesen und hat 12 Jahre lang dem Mieteinigungsamt der Stadt Gießen vorgestanden. Auch im öffentlichen Leben, vor allem im Vereinsleben der Stadt, hat Landgerichtsrat Trümpert in uneigennützigster Weise sein Können und seine Arbeitskraft zum Einsatz gebracht. Bereits seit 1898 ist er im Kyffhäuserbund, meist an führender Stelle, tätig gewesen und war längere Jahre hindurch Mitglied des Präsidiums der Hassia. Die Verdienste, die er sich insbesondere um das Aufblühen des Kriegervereins (jetzt Kriegerkameradschaft 1874) Gießen, dessen Vorsitzender er rund 24 Jahre lang war, erworben hat, werden in der Geschichte des Vereins und in den Reihen seiner Kameraden unvergessen bleiben. Mit gleicher Umsicht und Erfolg führte er 10 Jahre lang die Kreisgruppe Gießen des „Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge" und den 1919 von ihm mitgegründeten „Offizierverein Gießen 1914". Während des Weltkrieges stand Landgerichtsrat Trümpert von 1914 bis 1918 als Hauptmann und Batterieführer beim Reserve-Feldartillerie-Re- giment Nr. 25 in der Front und wurde mehrfach, u. a. mit dem E. K. I und II, ausgezeichnet. Während des Rückzuges von der Marne wurde er schwer verwundet. Als Major der Reserve wurde er bei Kriegsende verabschiedet. Gießener BOM.-Iührerinnen unterwegs nach Rügen. Für eine stattliche Anzahl der Führerinnen des hiesigen BDM.-Untergaues begann mit dem gestrigen Tage ein großes Ferienerlebnis. 58 Mädchen, 15- bis 18jährige Führerinnen, die sich durch Pflicht- und Diensteifer im Laufe der vergangenen Jahre ausgezeichnet hatten, durften gestern zusammen mit tausend anderen BDM.-Führerinnen aus dem Obergau Hessen-Nassau die große Reise nach Rügen antreten. Schwerbepackt mit Tornister, mit Decken und allem, was zu einem zünftigen Lageraufenthalt unter Zelten gehört, marschierten sie singend zum Bahnhof, wo sich inzwischen schon mehrere Mäüelgruppen aus anderen Untergauen eingefunden hatten. In bester Stimmung traten die Mädchen die Reise an, verstauten ihr Gepäck in den Wagen des Sonderzuges, der von Frankfurt kam und sie in langer Nachtfahrt heute morgen nach Stralsund brachte. Häuslich richteten sich die Mädchen für die Fahrt ein. Nach ihrer Ankunft in Stralsund werden auch unsere Gießener Mädel die Stadt an der Ostsee und ihre Sehenswürdigkeiten besichtigen und am Nachmittag dann die Fahrt nach Rügen fortsetzen. Am Abend des heutigen Tages werden sie dann in der Nähe von Glowe auf Rügen in den Zelten Einkehr halten und dort zehn Tage einen echten Ferienaufenthalt verbringen. Die Gießener Mädel, die dabei sein dürfen, freuten sich — das war gestern abend aus aller Augen zu lesen — sehr auf diese Ferientage, die sie hinausführen über die engere Heimat und sie andere deutsche Gaue kennenlernen lassen. Für viele der Teilnehmerinnen wird die See ein besonderes Erlebnis bedeuten. Gießener Vochenmarktpreife. * Gießen, 10. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42, Matte 20 bis 25, Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 11, Klasse A 10%, Klasse B 10, Klasse C 9%, ungezeichnete 8, Wirsing, % kg 18 bis 22, Weißkraut 12 bis 15, gelbe Rüben 15 bis 20, das Bündel 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 25, Römischkohl 10 bis 12, Bohnen, grün 20 bis 35, gelb 30 bis 35, Erbsen 20 bis 30, Tomaten 30 bis 40, Rhabarber 10 bis 12, Pilze 45 bis 50, Kartoffeln, alte, % kg 4 Pf., 5 kg 46 Pf., 50 kg 3,95 Mark, neue, kg 8 bis 9 Pf., Pfirsiche 40 bis 50, Himbeeren 30 bis 45, Birnen 28 bis 40, Kirschen 35 bis 50, Heidelbeeren 30, Stachelbeeren 15 bis 35, Johannisbeeren 15 bis 20, Erdbeeren 45 bis 55 Pf., Hähne 1 bis 1,20 Mark, Suppenhühner 90 Pf., Tauben, das Stück 50 bis 70, Blumenkohl 10 bis 60, Salat 10 bis 20, Salatgurken 10 bis 35, Einmachgurken 3 bis 8, Ober- kohlrabi 5 bis 15, Rettich 5 bis 20, Rotkraut, % kg 22 bis 25 Pf. ♦ * * In den Ruhestand getreten. Provin- ziailstraßenwärter Christoph Pfeiffer aus Gro- ßen-Buseck tritt nach fast 37jähriger Tättgkeit in den Ruhestand. In den Jahren 1900 bis 1912 war er als Obstbaumwart für den Kreis Gießen tätig. Von 1912 bis 1927 als Kreisstraßenwart und bis 15. Juni 1937 erfüllte er treu seine Pflicht als Provinzialstraßenwart. Schon vor der Machtübernahme stellte er sich in den Dienst der Partei, und so wurde er auch 1933 durch den Kreisleiter zum Betriebsobmann für das Sttaßenwesen in Oberhessen ernannt. Durch sein Ausscheiden verlieren die Straßenwärter einen treuen Arüeitskameraden. Lpd. Briefsendungen nach dem Aus. land richtig frankieren! Es ist schon oft darauf hingewiesen worden, daß aus der Absendung unzureichend freigemachter Briefsendungen nach dem Auslande sowohl dem Versender, als auch dem Empfänger beträchtliche Nachteile erwachsen können, und daß die ungenügende Freimachung die rasche Abwicklung des Briefverkehrs zum Schaden der ordnungsmäßigen Sendungen stört. Trotzdem werden immer noch zahlreiche unzureichend freigemachte Briefsendungen nach dem Ausland oufgelie- fert. Bei richtiger Freimachung erspart der Absender dem Empfänger die Bezahlung von Nachgebühren, die in doppelter Höhe des Fehlbetrages bei der Aushändigung der Sendung erhoben werden; außerdem läuft der Absender nicht Gefahr, daß die Annahme der Sendung vom Empfänger wegen der Belastung mit Nachgebühren verweigert wird und daß die Nachgebühren dann von ihm eingezogen werden, vor allem aber der ganze Zweck der Briefsendung verfehlt ist. Es liegt daher im allseittgen Interesse, Briefsendungen nach dem Ausland stets richtig freizumachen, Oer Haushalt des Kreises Gießen für 4937. Nach ministerieller Genehmigung und nach Beratung mit dem Kreisausschuß hat Der Kreisdirektor des Kreises Gießen den Haushaltsplan der Kreisverwaltung für das Rechnungsjahr 1 9 3 7 mit 980 721 Mark in Einnahme und Ausgabe festgesetzt. Der Haushallsplan für 1936 schloß in Einnahme und Ausgabe mit 791 050 Mk. ab. Die Erhöhung des neuen Haushaltsplans gegenüber dem Vorjahre um 189 671 Mark ist vor allem darauf zurückzuführen, daß nach der Auflösung der Provinz Oberhessen die Unterhaltung der Landstraßen zweiter Ordnung im Bereiche des Kreises Gießen wieder auf den Kreis übergegangen ist und allein dadurch eine Mehraufwendung von rund 143 00 Mark im Haushaltsplan für 1937 erforderlich wurde. Der übrige Teil der Mehrausgaben verteilt sich auf die verschiedensten Kapitel des Haushaltsplans. U. a. wurden auch Mittel für die Unterstützung der zeitweilig zum Heeresdienst einberufenen Volksgenossen vorgesehen. Trotz der Mehraufwendungen hat die Kreisverwaltung, in dem Bestreben, die Geschäfte des Kreises Gießen so billig und vorteilhaft wie nur möglich zu führen, die Erhebung der vorjährigen Aufchlagsätze vorgesehen. Auf die Betriebsrechnung des Haushalts 1937 entfallen in Einnahme und Ausgabe 785 605 Mark, die sich auf die einzelnen Kapitel wie folgt verteilen: Allgemeine Verwaltung: Einnahme 5163 Mark, Ausgabe 45 931 Mark. — Polizeiwefen: Einnahme 60 799 Mark, Ausgabe 63 089 Mark. — Schulwesen: keine Einnahmen, Ausgaben 4100 Mark. — Kunst und Wissenschaft: keine Einnahmen, Ausgaben 4100 Mark. — Bauwesen: Einnahmen 4468 Mark, Ausgaben 153 564 Mark. — Allgemeine Förderung der Wirtschaft: keine Einnahmen, Ausgaben 5495 Mark. — Wohlfahrtswesen und Gesundheitspflege: Einnahmen 182 512 Mark, Ausgaben 388 929 Mark. — Anstalten und Einrichtungen: Einnahmen 4470 Mark, Ausgaben 16 094 Mark. — Finanz- und Sieuerwesen: Einnahmen 527 833 Mark, Ausgaben 104181 Mark. — Grundstücksverwaltung: Einnahmen 3 Mark, Ausgaben 15 Mark. — Kapitalvermögen und Kapitalschulden.- Einnahmen 357 Mark, Ausgaben 107 Mark. — Besonders bemerkenswert und ein überzeugender Beweis für die gute Aufwärtsentwicklung der Finanzen des Kreises Gießen ist die Tatsache, daß die Einnahmen in Finanz- und Steuerwesen, die im neuen Haushaltsplan mit 527 833 Mark veranschlagt sind, den vorjährigen Stand (400 462 Mark) um rund 127 000 Mark überragen. Die Vermögensrechnung für 1937 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 195 116 Mark ab. Davon entfallen auf den Reste- und Ausgleichsstock in Einnahme und Ausgabe je 182 362 Mark, auf den Kapitalien- und Erneuerungsfonds je 12 754 Mark. Der Sondervoranschlag der Bezirk s- fürsorae stelle und des Jugendamts schließt ab in Ausgabe mit 374 616 Mark, in Einnahme mit 178 125 Mark, so daß aus allgemeinen Kreismitteln 196 491 Mark zu decken sind. Aus dem Haushaltsplan sind von den zahlreichen Positionen für die verschiedensten Zwecke folgende besonders bemerkenswert: Für die Zwecke der Hitler-Jugend sind 7100 Mark vorgesehen, davon allein für die Heimbeschaffung 1500 Mark. Für weltanschauliche Schulung und für kulturelle Zwecke ist ein Betrag von 1200 Mark veranschlagt. Für die Förderung der bäuerlichen Werkschulen im Kreise Gießen, für die Gießener Gewerbeschule und für den Verein Alice-Schicke in Gießen sind 3400 Mark in den Voranschlag eingestellt. Das Volksbüchereiwesen soll eine Förderung mit 200 Mark erfahren. Für die Unterhaltung der Kreisdienststellen sind 300 Mark in Ansatz gebracht. Das Gießener Stadttheater wird wiederum, wie in den Vorjahren, einen Zuschuß von 3000 Mark erhalten. Für Zuwendungen an Museen, wissenschaftliche und künstlerische Vereinigungen finden wir 1100 Mark veranschlagt. Für Die Zwecke des Natur- und Heimatschutzes sind 300 Mark ausgeworfen. Aus den allgemeinen Mitteln des Kreishaushalts werden als Zuschuß für das Kapitel Wohlfahrtspflege, Gesundheitswesen und Wohnungsfürforge 196 491 Mark aufgebracht. Die Reichssteueranteile des Kreises belaufen sich auf 56160 Mark, die Kreis-, steuern in den selbständigen Gemarkungen sind mit 37 635 Mark veranschlagt, die Kreisumlagen auf die Gemeinden des Kreises mit 170 000 Mark. In der Vermögensrechnung ist der Reste- und Ausgleichsstock nach dem Abschluß der Rechnung mit einem Barvorrat von 182 362 Mark ausgewiesen. Davon werden als Betriebsmittel an die Betriebsrechnung 58 000 Mark zur Verfügung gestellt, zur Senkung des Umlagebedarfs sind 52 000 Mark vorgesehen. Zur Verwendung in späteren Jahren verbleiben in dem Reste- und Ausgleichsstock 72 362 Mark. Das Vermögen des Kreises Gießen nach dem Stand am 1. Januar 1937 beziffert sich auf 302 360,30 Mark. Demgegenüber steht nach dem gleichen Zeitpunkt eine Schuldenlast in Höhe von 30 000 Mark. Verkehrserziehungswoche - ein voller Erfolg! Verkehrsdifziplin als Forderung der Gegenwart und der Zukunst. Mit dem heutigen Tage findet in unserer Stadt die Lärmbekämpfungs- und Verkehrserziehungswoche, also die Woche der freundlichen Ermahnungen zur Verkehrsdisziplin, ihren offiziellen Abschluß. Die Woche hat in ihrem ganzen Verlauf gezeigt, daß es möglich ist, auch in unserer Stadt den Lärm und den Unfall zu vermeiden. Während der ganzen Woche ereignete sich kein ernster Zusammenstoß, weil eben jedermann Rücksicht nahm. Tatsache ist es auch, daß sehr selten gehupt wurde. Durch die vorsichtige Fahrweise aller Kraftfahrer, der Straßen- bahn, der Fuhrwerkslenker und der Radfahrer, wie auch durch das aufmerksame Verhalten der Fußgänger vor der lleberquerung von Straßen und Plätzen, wickelte sich der Verkehr — selbst an den stark beanspruchten Straßen und Plätzen — völlig reibungslos ab. Von einigen Ausnahmen abgesehen, herrschte fast ein edler Wettstreit aller Verkehrsteilnehmer im Bemühen um diszipliniertes Verhalten. 3n einer Zusammenkunft, die gestern im poli- zeiamt stattfand, sprach der Polizeidirektor, Polizeimajor koch, davon, daß die Verkehrserziehungswoche als ein großer Erfolg bezeich- net werden darf. Er wies jedoch gleichzeitig darauf hin, daß die während der vergangenen Woche in unserer Stadt herrschende Verkehrsdisziplin eine Einrichtung und ein Zustand von Dauer werden muh. Polizeimajor koch ließ fernerhin wissen, daß die Polizeiorgane angewiesen sind, Verkehrssünder in Zukunft weniger nachsichtlich zu behandeln, als es in dieser Woche geschah. Es muß von all denen, die glauben, die Straße willkürlich und ohne Rücksicht auf die Verkehrsregeln benützen zu können, mit Anzeigen, d. h. also mit Geldstrafe, gerechnet werden. Die Lärmbekämpfungs- und Verkehrserziehungswoche hat eindeutig bewiesen, daß es auch in Gießen möglich ist, ohne viel Geräusch und ohne die Heraufbeschwörung von Gefahren den selbst zu manchen Stunden stark gesteigerten Verkehr aufrechtzuerhalten. Der gute Wille aller Volksgenosfen, den man voraussetzen können sollte, muß den Erfolg der Verkehrserziehungswoche auch für die Zukunft bestätigen. Jedermann muß sich vor Augen halten, daß Verkehrsdisziplin nicht um der Polizei willen, sondern um seiner selbst willen, um der eigenen Gesundheit und des eigenen Lebens willen gehalten werden muß. Wer sich verantwortlich fühlt für die Erhaltung seiner eigenen Schaffenskraft und gleichzeitig aus hohem ethischen Pflichtgefühl Leben und Gesundheit seiner Mitmenschen achtet, wird die Forderungen der Verkehrsdisziplin als selbstverst ä n d l i ch erfüllen. Der „Leistungsweitkamps der deutschen Betriebe" beginnt! NSG. Von Anbeginn ihrer staatspolitischen Tätigkeit ist die nationalsozialistische Bewegung bei der Gestaltung und Regelung des Arbeitslebens der Nation ganz neue, bisher unbekannte Wege gegangen. Keines der überlieferten Systeme, die angeblich zur Regelung des Arbeitslebens und zur Wahrung des Arb ei ts friede ns dienen sollten, hat sie übernommen und keine der Einrichtungen der Vergangenheit auf diesem wichtigen Gebiete bestehen lassen. Die Vertretungen der „naturgegebenen" Gegensätze, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, wurden ebenso beteiligt, wie die Einrichtungen der Schlichter und das Betriebsrätegesetz. Als entscheidendste Meilensteine auf dem neuen Wege der neuen deutschen Arbeitspolitik sind unzweifel- haft die Schaffung der Deutschen Arbeitsfront und Des Gesetzes zur Ordnung der Nationalen Arbeit zu bezeichnen. Durch die Schaffung der DAF. wurden erstmalig die „Klassenfeinde' , Arbeitgeber und Arbeitnehmer, in einer Front zusammengefaßt und gezwungen, einander kennenzulernen. Die Gegensätze lm Betrieb wurden beseitigt und die Betriebsgemeinschaft proklamiert. Der Unternehmer wurde zum Betriebsführer und die übrigen Schaffenden des Betriebes zur Gefolgschaft. An Stelle des Jnteressenorganes Betriebsrat wurde das Gemeinschaftsorgan Vertrauensrat gesetzt. Durch diese entscheidenden Schritte wurde die Regelung des Arbeitslebens der Natton in ganz neue Bahnen gelenkt. Während bisher zwei Gegner versuchten, sich gegenteilig mit allen Mitteln, auch wenn sie das gesamte Wirtschaftsleben schwer erschütterten und gefährdeten, Vorteile abzuringen, und der Staat nur eine mehr oder weniger klägliche Schlichterrolle spielte, wurden jetzt durch eine revolutionäre Tat diese ehemaligen Gegner in einer Front zusammengefaßt und ihre Kampforgane zerschlagen. Der Unternehmer wurde zum Betriebsführer und erhielt damit die Verantwortung nicht nur für die technische Vollkommenheit seines Betriebes und für dessen Wirtschaftlichkeit, sondern jetzt auch, und das ist das Entscheidende in der neuen Arbeitspolitik, für die im Betriebe schaffenden Menschen übertragen. Der Gefolgschaft wurde Treue zu ihrem Betriebsführer, zu ihrem Betriebe zur Pflicht gemacht. Im Verttauensrat wurde der runde Tisch für Verhandlungen und Beratungen zwischen Betriebsführer und Gefolgschaft geschaffen. In strikter Verfolgung des neuen Weges wurde die Betriebs- aemeinschaft immer mehr in den Mittelpunkt der Arbeitspolitik gestellt und immer mehr Wert auf die Ausgestaltung der betrieblichen Sozialpolitik gelegt. Von dem Gedanken der sozialen Verantwortung, der ja das Endziel des neuen Weges der Arbeits- politik ist, ausgehend, wird nun immer mehr darauf verzichtet, mit Gesetzen und Verordnungen zu befehlen, und immer mehr dazu übergegangen, Len Menschen zu erziehen und auf die großen Ziele des Nationalsozialismus auszurichten. Auf diesem neuen Wege ist die Schaffung der Auszeichnung „Nationalsozialistischer Wusler- belrieb" und der „Leistungswettkampf der deutschen Betriebe" ein außerordentlich wichtiger Schritt. Aufgabe des Leistungswettkampfes der deutschen Betriebe ist es, alle Bctriobsgerneir schäften zu aktivieren. Betriebsführer und Gefolgschaft soll er ein Ansporn fein, ihre Betriebsgemeinschaft, ihren Betrieb in gemeinsamer Arbeit besonders vorbildlich zu gestalten. Die Besten aus diesem Leistungswettkampf werden in feierlichster Form in den Gauen durch die Gauleiter der NSDAP, und im Reich durch den Führer selbst ausgezeichnet werden. Diese Auszeichnungen werden, wie im sportlichen Wettkampf, die Betriebsgemeinschaften anspornen, zu schaffen und zu wirken, damit auch ihre Bettiebs- gemeinschaft als vorbildlich bezeichnet werden kann. Am „Leistungswettkampf der deutschen Betriebe" ist jeder arische Betrieb teilnahmeberechtigt. Die Größe spielt keine Rolle. Der „Leistungswettkampf" beginnt mit dem Antrag des Betriebsführers beim zuständigen Gauobmann der DAF. Dem Antrag ist ein eingehende Begründung beizufügen, aus der hervorgeht, inwieweit in dem Betrieb der Gedanke der nattonasozialistischen Betriebsgemeinschaft verwirklicht ist und auf Grund welcher Leistungen und Tatsachen — evtl. Leistungsabzeichen — der Betrieb würdig erscheint, ausgezeichnet zu werden. Der Antrag, der bis zum 1. August 1937 beim zuständigen Gauobmann der DAF. einzureichen ist, muß vom Betriebsführer und Betriebsobmann unterzeichnet werden. Auf Grund seines Antrages erhält der Betriebsführer Des teilnehmenden Betriebes vom Gauob- mann einen Fragebogen. Der Fragebogen ist genauestens auszufüllen und vom Betriebsführer und Betriebsobmann unterzeichnet dem Gauobmann zurückzureichen. Die Ueberprüfung durch den Gauobmann erfolgt unter Mitwirkung des fachlichen Mitarbeiters der Gauwaltung, insbesondere der Gaubetriebsgemeinschaftswalter, des fachlich zuständigen Vertreters der gewerblichen Wirtschaft bzw. des Reichsnährstandes, des zuständigen Treuhänders der Arbeit, des gebietlich zuständigen Hoheitsträgers der NSDAP. Der teilnehmende Betrieb wird in wirtschaftspolitischer wie sozialpolitischer Hinsicht geprüft. Ausschlaggebende Bedeutung wird bei der Prüfung immer der im Betrieb herrschende Gemeinschaftsgeist haben. Die geeigneten Betriebe werden vom Gauobmann dem Gauleiter der NSDAP. zur Auszeichnung vorgeschlagen. Der Gauleiter der NSDAP, prüft die vorn Gau- obrnann der DAF. vorgeschlagenen Betriebe und verleiht den würdigsten in feierlicher Form Das „GauDiplom für hervorragenDe L e i- stungen". Die Auszeichnung erfolgt am 1. Mai, Dem Feiertag Des Deutschen Volkes, tn feierlicher Form vor Den Gauarbeitskammern. Alle von Den Gauleitern Der NSDAP, ausgezeichneten Betriebe werden von den Gauobmännern dem mit Der Gesamtleitung des „Leistungswettkampfes der deutschen Betriebe" Beauftragten gemeldet, der nach eingehender Prüfung dem Reichsorganisationsleiter die Betriebe zum Vorschlag zur Auszeichnung als „Nationalsozialistischer Musterbetrieb" bringt, in Denen Der Gedanke Der Be» RUHL Sehersweg Nr. 67 ■ adiO Telephon Nr. 3170 I eparaturen • l897D [ triebsgemeinschaft vom Führer Des Betriebes unD feiner Gefolgschaft auf Das Vollkommenste verwirklicht ist, unD Die in wirtschaftlicher und sozialpolitischer Hinsicht pionierhaft gearbeitet haben und vorbildliche Leistungen aufweisen. Die würdigsten dieser Betriebe werden am 1. Mai auf einer Sitzung Der Reichsarbeitskammer vom Führer ausgezeichnet unD ihnen Das Recht verliehen, sich „Nation also- zialistischer Musterbetrieb" zu nennen unD Die DAF.-Fahne mit goIDenem RaDe unD goldenen Fransen zu führen. Kleine Strafkammer Gießen. Gestern wurde die Berufung des K. G. aus Gießen gegen das Urteil des Amtsgerichts Gießen, Das auf 10 Tage Gefängnis wegen fahrlässiger Körperverletzung lautete, vor der Kleinen Strafkammer verhandelt. Der Angeklagte, Der Berufsfahrer ist, kam mit seinem Personenwagen am 17. 11. 1936 von einer Geschäftsreise zurück. Als er sich zwischen Lang-Göns und Kirch-Göns befand, kam ihm ein Lastzug entgegen, Der erst verhältnismäßig spät ab« blendete. Der Angeklagte, Der noch einige Zeit unter Der Blendwirkung stand, bemerkte Da auf einmal, daß er einen Passanten mit Dem rechten Kotflügel angefahren hatte. Er brachte Den Wagen sofort zum Stehen, kümmerte sich auch gleich um Den Verletzten und stellte sich selbst zur Blutprobe, wobei sestgestellt wurde, daß er 1,9 v. H. Alkohol im Blut hatte. Das Amtsgericht hatte in der Tatsache, daß er trotz der Blendwirkung sein Fahrzeug nicht sofort zum Stehen brachte, eine Fahrlässigkeit des Angeklagten erblickt und diesen infolge des genossenen Alkohols für vermindert reaktionsfähig gehalten. Die gestrige Hauptverhandlung ergab in tatsächlicher Hinsicht im wesentlichen das- selbe Bild. Die Kammer teilte jedoch nicht die Ansicht des Vorderrichters, daß der Angeklagte unter dem Einfluß von Alkohol vermindert reaktionsfähig gewesen sei, erblickte jedoch ebenfalls in Der Tatsache Des Nichthaltens eine Fahrlässigkeit. Das Urteil lautete unter Aufhebung Des erstinstanzlichen Urteils auf 150 Mark Geldstrafe. Ohne Erfolg blieb die Berufung Des H. P. aus Beuern, der durch amtsgerichtes Urteil wegen Verstoßes gegen das Jmpfgesetz in drei Fällen je zwei Tage Haft erhalten hatte. Der Angeklagte, der ein hartnäckiger Jmpfgegner ist, hatte seine drei Kinder nicht impfen lassen, obwohl er des öfteren von der Gesundheitsbehörde hierzu aufgefordert worden war. Dies trug ihm bann schließlich ein Strafverfahren ein. Der Angeklagte gab Den Sachverhalt ohne weiteres zu, vertrat jedoch den Standpunkt, daß er gesetzlich nicht zur Impfung verpflichtet sei, da die in Frage kommenden Bestimmungen nur Sollbestimmungen seien. Diese Auffassung des Angeklagten ist jedoch rechtsirrig. Die Kammer mußte daher zu einer Verwerfung der Berufung kommen. Frankfurter Eier- und Vutter-Grohmarkt. Frankfurt a. M., 9. Juli. Die Versorgung mit Eiern ist weiterhin unbefriedigend, da die Zufuhren in unser Gebiet stark zurückgegangen sind und aus dem eigenen Gebiet und aus Kurhessen nur geringe Mengen auf den Markt kommen. Die Zuschüsse stammen hauptsächlich aus Hannover, auch kommen kleine Posten aus dem Auslande. Es no- t-erten in Rpf. je Stück: Deutsche Markeneier S 10, A 9,5 B 9, C 8,5, D 8. Ausländische Eier 8 9,5, A 9, B 8,5, C 8. Die Bu11er - Erzeugung hat nach vorüber- gehender Zunahme wieder abgenommen. Die Zu- teilungen erfolgten mit Hilfe der Zuschüsse aus Kurhessen in dem üblichen Rahmen von 80 v H. Das Geschäft ist rege, besonders der Bedarf der Gaststatten ist während der Ferien- und Reisezeit großer geworden. Es notierten in RM. je 50 Kilo- gramm: Deutsche Markenbutter 148, Feine Deutsche ^SIFlre£ut*crr 145, Deutsche Molkereibutter 140 bis 142, Holländische Butter 148. Sprechstunden der Redaktion 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 dis 17 Uhr. Sarnstaanach* mittag geschlossen. Aus -er engeren Heimat Neues für den Büchertifch Erfolgreicher Zchlenmarkt in Meder-Weilel Kirchliche Nachrichten BRMHSEH Autohilfe: Rufnummer 04 beim Postamt Gießen. 2*50 032 o 2AB OOO VU 16: Jungfrauenstunde; 20.30: Evangelisattonsvor- trag. — Mittwoch, den 14. Juli. 20.30: Bibelstunde. — Donnerstag, den 15. Juli. 20.30: Jungfrauenstunde. Gemeinschaft innerhalb der Kirche (Landeskirchliche Gemeinschaft), Gutenbergstraße 9. Sonntag, den 11. Juli. 8.30 Uhr: Evangelisationsstunde. — Mittwoch, den 14. Juli. 8.30: Bibelstunde. — Donnerstag, den 15. Juli. 8.30: Jugendbundstunde. Christliche Gemeinde, Zu den Mühlen 2. Sonntag, den 11. Juli. 9.45 Uhr: Erbauungsstunde: 11: Sonntagsschule: 20.30: Evangelisation. — Dienstag, den 13. Juli. 20.30: Bibel- und Gebetstunde. TleuapostaUsche Gemeinden, Händelstraße 1, Eder- straße 13. Sonntag, den 11. Juli. 9.30 Uhr: Gottesdienst: 16: Gottesdienst. — Mittwoch, den 14. Juli. 20.30: Gottesdienst. Katholische Gemeinden. Samstag, den 10. Juli. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichtgelegenheit. Sonntag, den 11. Juli. 8. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichtgelebenheit; 7: hl. Messe mit gemeinschaftlicher Kommunion der Jungfrauen und Hausangestellten: 8: Spendung der hl. Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 10.15: Militärgottesdienst; 11.15: hl. Messe mit Predigt; 14.30 Andacht. — Grünberg. 9.45: Hochamt mit Predigt. — Lollar. 9.30: hl. Messe mit Predigt. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt: 20: Christenlehre und Andacht. — Hungen. 9.30: Hochamt mit Predigt und Christenlehre. — Nidda. 8.15: Hochamt mit Predigt. — Gießen. An den Werktagen sind von nun an, solange die Sommerferien dauern, die hl. Messen in Gießen um 6 und 7.15 Uhr. Montag, den 12. Juli. Laubach. 7.30 Uhr: hl. Messe. Mittwoch, den 14. Juli. Hungen. 6.15 Uhr: hl. Messe. veffentlicher Sonnlagsdienfi. Polizei: Telefon 2751, nur tu dringenden Notfällen Telefon 01. Feuerwache: Telefon 2244/45, Notruf Telefon 02. Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr. Stadtpostamt: Für Schließfachabholer 1 bis 13 Uhr. Sanitätskolonne: Telefon 2500. Falls behandelnder Arzt nicht zu erreichen: Arzt: Frau Dr. Marx. Zahnarzt: Dr. Hinrichs. Apotheke: Hirsch-Apotheke. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 11. Juli. Gießen. Sladkkirche. 8 Uhr: Pfr. Schmidt; zugleich Christenlehre für die Neukonsirmierten der Mat- thäusgemeinde; 9.30: Pfr. Becker; 11: Kinderkirche für die Markusgemeinde. — Iohanneskirche. 8: Pfr. Bechtolsheimer; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Lukasgemeinde; 9.30: Pfr. i. R. Kalbhenn; 11: Militärgottesdienst; Pfr. i. R. Kalb- Henn- 20: Bibelbesprechstunde im Johannessaal; Pfarrassistent Paetow. — Kapelle des Allen Fried- Hoss. 9.30: Pfarrassistent Schmidt-, 11: Kinderkirche für die Lutheraemeinde; Pfarrassistent Schmidt. — Pelruskapelle (Wetzlarer Weg 59). 9.30: Pfr. Trapp; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Petrusgemeinde; 10.45: Kinderkirche für die Vetrus- oemeinde. — Gemeindesaal (Liebigstraße 56 H.). 14: Taubstummengottesdienst; Pfr. Bechtolsheimer. — wiefeck. 9.30: Gottesdienst; 10.45: Christenlehre; 15.30: Bibelstunde. — Allen-Vuieck. 10: Gottesdienst. — Trohe. 13: Gottesdienst. — Grohen-Vuseck. 9.30: Gottesdienst; 11.30: Gottesdienst. — Oppenrod. 14: Missionsfest (Kirchenchor Oppenrod und Posaunenchor Klein-Linden): 16: Nachteier. — Albach. 8: Gottesdienst; Pfr. Müller. — Sleinbach. 9: Gottesdienst; Pfr. Steiner. — Heuchelheim. 10: Haupt- qottesdienst; Bosaunenchor Worms: 11: Christenlehre — kirchbera. 10: Gottesdienst; 11: Christenlehre für die weibliche Jugend: 13.30: Kindergottes- dienst. — Lollor. 9: Kindergottesdienst. — Daubrin- aen. 10: Gottesdienst; 11: Kinderqottesdienst. — Klein-Linden. 9: Gottesdienst: Christenlehre für die männliche Jugend; 10.15: Kindergottesdienft. — Watzenborn-Steinberg. 10: Hauptaottesdienft: Christenlehre für die männliche Jugend: 11.15: Kinder- aott-sdienft. — Garbenleich. 13: Gottesdienst. — Hausen, in 15: Gottesdienst; anschließend Christenlehre — Lich. 9.30: Stiftsdechant Kabn: Christenlehre für die weibliche Jugend; 12.45: Kindergottes, dienst; 14: Sttstspfarrer Naumann. — Weder-Del- singen. 9.30: Stiftspfarrer Naumann. — Lanasdorl. 11: Hauptgottesdienst; 13.30: Kindergottesdientt: 21: Monatsversammlunq der Frauentzilte. — Nellen- tzausen. 8.45: Jugendgottesdienst: 9.30: Hauptgottesdienst. — Manzenberg, n.30: Christenlehre; 10.30: Gottesdienst. — Trais-Münzenbera. 8.30: Gottesdienst. — Hungen. 10: Gottesdienst; 11: Christenlehre. Mittwoch, den 14. Juli. Gießen. Sladlklrche. 20 Uhr: Abendandacht. Donnerstag, den 15. Juli. Gießen. Zohannesfaal. 20 Uhr: Bibelstunde — Kirchberg. 10: Helferkreis des Kindergottesdienstes. Evangelische Stadlmission (Christliche Gemeinschaft innerhalb der Landeskirche), Löberstraße 14. Sonntag, den 11. Juli. 8.30 Uhr: Morgenandacht; WEISS- =- PEUCHEN = Z0510 L = Nieder-Weisel, 9. Juli. Gestern wurde der alljährlich stattfindende Fohlenmarkt abgehalten und brachte einen großen Erfolg für die Züchter Oberhefsens. Aus allen Kreisen der Provinz war der Markt beschickt. Nach einem lieber» einkommen des Reichsnährstandes wird die Fohlen- -auktton für die Folgezeit abwechselnd in Reichelsheim (Wetterau) und hier stattsinden. Zur Prä- -miierung waren 130 Fohlen aufgetrieben. Land- -stallmeister Dr. Denker war der Leiter der Kom- -mission. Der größte Teil der Fohlen wurde ver- ckauft. Den höchsten Verkaufspreis erhielt der Züchter Karl Rühl aus Eberstadt, Kreis Gießen, für -ein Warmblutfohlen mit 760 Mark. Der Züchter Karl Pfarrer aus Weckesheim konnte für ein halbjähriges Kaltblutfohlen 730 Mark lösen. Ebenso »schnitten gut die Züchter Heinrich Eiser (Eber- ftadt) und Heinrich Bellinger (Rockenberg) mit je 500 Mark für je ein Tier ab. In der Nachfeier fprachen der Leiter des Nieder-Weiseler Pferdezucht- wereins sowie Landesfachmann Bauer Walter ^Reichelsheim) und Landesstallmeister Dr. Denker Mer die Aufgaben der Pferdezucht. Letzterer gab an eitere Anweisungen zur Hebung der Pferdezucht, Die vor allem in der Aufzucht der Fohlen hege. Die Prämiierungs-Ergebnisse: Rotkreuz-Schwester durch den Führer ausgezeichnet. * Großen-Buseck, 10. Juli. Der hiesigen Schwester i. R. Bertha B ü ch s l e r wurde dieser Tage vom Führer und Reichskanzler in Anerkennung ihrer Verdienste um die Gemeindepflege die Ehrenmedaille des Deutschen Roten Kreuzes verliehen. KommunalerAufbau in Allendorf/Lda. § Allendorf a. d. L d a., 9. Juli. Seit der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus ist unsere Stadt, dank der umsichtigen und gewissenhaften Verwaltung, in stetiger Aufwärtsentwicklung begriffen. Eine gesunde Finanzwirtschaft hat Platz gegriffen. Weiter war es möglich, einige wichtige Projekte zur Ausführung zu bringen. Don diesen seien hier nur genannt: die Erbauung der neuen Försterwohnung, Erweiterung und bzw. Umbau der Wasserleitung, Ausrüstung der freiwilligen Feuerwehr mit den modernsten Geräten. Die Stadthalle, die schon lange ein Bedürfnis war und an deren Innenausbau jetzt eifrig gearbeitet wird, geht ihrer Vollendung entgegen und soll bis zum kommenden Herbst, wenn einigermaßen möglich, fertiggestellt sein. Immerhin stehen der Stadt für die nächsten Jahre noch größere Aufbaben bevor, die zum Teil dringlich und alle mit großen finanziellen Aufwendungen verknüpft sind. Als erste dieser Aufgaben sei die Kanalisierung genannt. Eine Anzahl von Straßen bzw. Straßenteile, die seither der Kanalisation noch entbehrten, soll noch im Laufe dieses Jahres kanalisiert werden. Eine weitere, nicht minder wichtige Aufgabe, deren Lösung aber wegen des Kostenpunktes noch einige Jahre verschoben werden muß, ist in der Erbauung eines Schulhauses für mindestens drei Klassen zu erblicken. Zur Zeit wird an fünf verschiedenen Orten Schule gehalten. Zwei Schulsäle sind im Rathaus untergebracht, die sich durch die fortwährende Steigerung der Kinderzahl als zu klein erweisen, so daß es schwierig ist, die Kinder ordnungsmäßig unterzubringen. Diese vorläufige Regelung, die den Unterricht ungemein erschwert, ist aus die Dauer unhaltbar, und man will dadurch Abhilfe schassen, daß man die nötigen Schulsäle durch einen Zwischenbau zwischen den beiden Häusern Nordecker Straße- Schulstraße, in denen heute schon Schule gehalten wird, herstellt. Die der HI. und dem BDM. in dem alten Schulhaufe auf dem Rost überlassenen Räume haben sich als zu klein erwiesen. Die erforderlichen Räume sollen baldmöglichst durch einen entsprechenden Anbau geschaffen, später soll dann das ganze Schulhaus 'für diese Zwecke entsprechend umgebaut werden. Das Schwimmbad an der Lumda bedarf einer Vergrößerung; ein weiterer Ausbau und Verbesserungen der Einrichtung find notwendig. Bevor jedoch eine Lumdaregulierung stattge- funben hat, versprechen diese Arbeiten keinen rechten Erfolg. Man plant deshalb, die großen Kurven des Baches in der hiesigen Gemarkung demnächst zu beseitigen und Den Lauf geradezulegen, und, nach- Welt, die Sven Hedin nicht nur als kühler Beobachter, sondern mit den Augen der Liebe von innen heraus erlebt und schildert. Die Zeichnungen steigern die Wirkung dieses Buches. — Fritz Helke: Die Kietzmühle. Eine Erzählung. 152 Seiten. Leinen 2,80 Mk. Gerhard Stalling Verlag, Oldenburg i. O./Berlin. — (122) — Der Dichter führt uns in die Zeit vor der Jahrhundertwende, in die verschlafene Entlegenheit einer kleinen märkischen Stadt. Der nächtliche Brand einer' halbzerfallenen Mühle schreckt die Bürger aus der behaglichen Ruhe der Silvesterfeierstunden auf. Die Stadt gerät in einen Wirbel von Aufregung. Aus dem Hin und Her der Meinungen hebt sich der Schatten einer alten Schuld, und es scheint, als wolle sich noch einmal anspinnen, was verjährt und überdies gesühnt ist. In diesem spannenden und nicht minder beschaulichen Buch haben wir wieder das Werk eines jungen Dichters vor uns, der sich bereits durch seinen Roman „Der Prinz aus Frankreich" einen Namen gemacht hat. — Du und Deine Volksgenossen. Ein Wegweiser zu neuzeitlichen Umgangsformen. Don Heinz Leder. (Wilh. Köhler Verlag, Minden i. W.) Gebunden 3,85 RM. — 576 — Ein treffliches Buch, das in feiner beherzigenswerten Darstellung der Umgangsformen, des Benehmens und Verhaltens gegenüber den Mitmenschen von unserer nationalsozialistischen Weltanschauung ausgeht. Es bricht bewußt mit so mancherlei Formen und Verhaltungsmaßregeln einer vergangenen Zeit, die man heute als krampfhaft und überlebt empfindet und daher ablehnt. Ein Buch von deutscher Lebensart, wie wir sie heute als die richtige auffaffen. — Handbuch der Deutschen Volkskunde. Herausgegeben von Dr. Wilhelm Peßler, Direktor des Vaterländischen Museums Hannover. Preis pro Lieferung 1,80 Mark. Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion m. b. H. Potsdam. Lfa. 23 bis 25. Sprache, Namen und Brauchtum, diese drei für die Volkskunde grundlegend wichtigen Begriffe find die Themen der neuen Beiträge. Prof. Dr. Friedrich Maurer- Erlangen, früher in Gießen, schreibt über Sprachgeographie, zeichnet die einzelnen deutschen Kulturräume, behandelt die Frage nach den raumbildenden Kräften und legt die entscheidende Rolle des Verkehrs für die sprachliche Entwicklung dar. Dr. Wilhelm Will zeigt die Unterschiede zwischen Hochsprache und Volkssprache, die sprachliche Vielgestalt der ersteren, die Bildhaftigkeit und Anschaulichkeit, die Ichbezogenheit, Phantasie und Gesühlsbetontheit der letzteren, ihren Reichtum und ihre Schöpferkraft. Prof. Dr. Adolf Bach-Bonn gibt alles Wesentliche zur Frage der deutschen Namensgebung. Pros. Ad. Spanier end- lich schildert Sitte und Brauch im Ablauf der Jahreszeiten. So rundet sich das „Handbuch der deutschen Volkskunde" immer mehr zu der Darstellung wie wir sie heute brauchen, als Buch der Praxis, das in Schule und Haus, in die Hand eines jeden gehört. Der reichhaltige, schöne und vielseitige Bilderteil tut das feine, um überall dem geschriebenen Wort eine erhöhte Anschaulichkeit zu ver- leihen. — Oesterreich, deutsches Schicksals- l a n b. Von Dr. Dr. Friedrich Lange. (Verlag von Phil. Reclam jun., Leipzig. Preis 75 Pf.) — (554) — Der bekannte volksdeutsche Vorkämpfer schildert in diesem Bändchen aus gründlicher Kenntnis Oesterreich, wie es wurde und wie es ist. Man findet in diesem Büchlein nicht trockene Gelehrsamkeit, sondern eine packende Schilderung des Landes und feiner Menschen. Er läßt das Bild des deutschen Landes Oesterreich in lebensvollen Farben vor dem geistigen Auge des Lehrers erstehen, und er will damit dem gesamtdeutschen Gedanken förderlich sein. Kaltblut-Stutfohlen: la-Preis Hch. Bill, Mieder-Weisel; Id-Preis W. Ohly, Nieder-Weisel; 'lc-Preis K. Pfarrer, Weckesheim; 2a-Preis Gg. Weckler, Rockenberg; 2b-Preis K. Häuser, Nieder- Weisel; 2c-Preis W. Metzger, Gambach; 2ck-PrelS I. Marks, Nieder-Weise!; 3a-Preis E. Stein, Stumpertenrod; 3b-Preis W. Alt, Gambach; 3c-Preis 0g. Rühl, Langsdorf, K. Wallbott, Hattenrod; 3e- Preis O. Hofmann, Dorn-Assenheim; 3l-Preis K. Ohly, Gambach; 3§-Preis F. Langftrof, Oppershofen. Anerkennung: O. Schäfer, Utphe; E. Huber, Münster; H. Becker, Muschenheim. Kaltblut-Hengstfohlen: la-Preis I. Krausgrill Nieder-Weisel; lb-Preis L. Klein, Wohnbach- lc-Preis Hch. Hildebrandt, Nieder-Weisel; K. Heinz, Nieder-Weisel; 2b-Preis Hch. Würz, Dorn-Assenheim; 2c-Preis K. Möll, Utphe; 2e-Preis W. Eimer, Reichelsheim; O. Reichhardt, Bingenheim; 3b-Preis Th. Keller, Gettenau; 3c-Prels W. stein, Beienheim; 3e-Preis R. Kröll, Berstadt; 3Ic-Preis I. Kißler, Nieder-Weisel; 3m-Prels Ehr. Wolf, Wohnbach; 3n-Preis K. Nohl, Blofeld; 3o- Pr. K. Köhler, Langsdorf; 3p-Preis K. Kleinkurt, Langsdorf. Anerkennung: A. Beier, Langsdorf; O.Beltzer, Utphe; W. Schmidt, Oftheim; P. Hauser, Nieder-Weisel; K. Weisel, Gambach; W. Doll Ulfa; 21. Hofmann, Langsdorf; O. Wolf Wohnbach; W. Vohlink, Bingenheim; L. Bach, Kirch-Gons; K. Rau, Berstadt; Hch. Huth, Langenhain. . Warmblut - Stutfohlen: la-Preis Hch. Eifer, Eberstadt; lb-Preis Hch. Bellinger, Rockenberg; lc-Preis Fr. Steul, Bettenhausen; R. Diel- mann, Leidhecken; K. Rühl, Eberstadt; Gg. Langsdorf, Rockenberg; 2a-Preis K. Sarnes, Queckborn; 3s-Preis R. Metzger, Nieder-Rosbach; 3b-Preis I. Krämer, Rockenberg; 3c-Preis O. Metzger, Munzen- ierg; 3ck-Preis W. Sames, Dorf-Gill; 3e-Preis A. Müller, Ostheim. . „ . ~ Warmblut-Hengstfohlen: i ®fl. Hildebrand, Nieder-Weisel; lb-Preis A Wolf Wobnbach; lc-Preis P. Buß Gambach; 2a-Preis Küfer, Bloleld; 2b-Preis Hch. Fenchel, Gnedel, Lc-Preis Hch. Bellinger, Rockenberg; 2ck-Preis Wilh. Wetz, Griedel; 3a-Preis O. Crifpens, Birklar; 3v- Preis W. Ostheim, Echzell; 3c-Preis K. Winter, Nieder-Weisel; 3ck-Preis W. Düringer, Bettenhausen; 3e-Preis Karl Becker V., Muschenheim; 3k-Preis Hch. Schneider, Birklar; 3§-Preis Ph. Rack III., Dorn-Assenheim; 3K-Preis Alb Tröster, Griedel; 3i-Preis Hch. Seipp, Trais-Münzenberg. Anerkennung: W. Wagner III., Beienheim; Aua. Müller, Wohnbach; W. Eifer, Muschenheim; K. WElSSFISütf ->7 251V) rC 24445 — Sturm im Argonnerwald. Erzählung aus dem Weltkrieg von'Max Barthel. (Verlag von Philipp Reclam jun., Leipzig. Geb. 1,— Mk.) — (551) — Barthel führt uns in diesem fesselnden Buche mit einem Mannschaftsersatz aus der Heimat hinaus in das Kampfgelände in den Argonnen. Aus gewaltigem Erleben gibt er dem Leser tiefe Einblicke in die besonders schwierigen Kampfverhältnisse die- es Frontabschnittes; er zeigt den Waldkrieg in einen ruhigen, aber auch in seinen schlimmen Er- cheinungsformen und offenbart das große seelische und soldatische Erleben der feldgrauen Kämpfer von den jüngsten bis zu den älteren Frontjahrgängen. Vor allem läßt er den Leser geistig miterlebend auch teilhaben an der wunderbaren Frontkameradschaft, die alle diejenigen richtig erfühlt und unverlierbar in sich^ ausgenommen haben, diK mit echter soldatischer Gesinnung und offenem Herzen für die Kameradschaft einst in dieser Gemeinsamkeit der.Front- oldaten lebten und mitkämpften. Den alten Feld- oldaten, insbesondere aber den Argonnenkämpfern, wird dieses Buch die Herzen warm machen. Heinrich L e r s ch (t) hat der Erzählung ein Nachwort über „Max Barthels Jugend" beigesteuert, während Otto Paust über „Max Barthel — der Frontsoldat" chreibt. — Dr. R. Koch, Nidda: Lustige Dialekt- geschichterche aus Owerhesse, Gäisse is aachnettveraesse. 38 Seiten. Preis 75 Pf. Druck und Verlag: Buchdruckerei H. Jung, Nidda. — Der Verfasser war in fast 50jähriger Praxis als Arzt auf dem Lande tätig, hat während dieser Zeit allerhand erlebt und kann etwas erzählen. So weit diese Erlebnisse heiterer Natur waren, findet man in dem vorliegenden Bändchen eine Reihe handfester Pröbchen in oberhessischer Mundart; z. B. „Ds schlaue Hannesi", „Doas Spoargelesse ean Friwig", „Doppelsehen vom grüße Aeppelweidorscht", „Der besoffene Tausendfüßler", „Rare aber mabre Historien aus der lieben Universitätsstadt Gießen" ober „Die Schnuht". Das Bändchen wird den Freunden der einheimischen Mundartdichtung eine vergnügte Stunde bereiten und enthält auch manches, was zum Vorlesen in angeregtem Kreise geeignet erscheint. — Humoristische Erzählungen. Von Rudolf Huch. (Verlag Bernhard Sporn, Zeulenroda. Gbd. 2,80 Mark). — (363) — Zwei in sich abgeschlossene Erzählungen, die man mit Vergnügen liest. Die eine Geschichte ist „Ein Menschenfreund" betitelt, die andere liest man unter der Überschrift „Der Herr Kammerrat und seine Söhne." Die Handelnden sind niedersächsische Landwirte um das Jahr 1890, der sog. goldenen Zuckerrübenzeit. Man lernt in den Erzählungen Menschentypen kennen, die es um die Zeit der Jahrhundertwende entschieden mehr gab als heutzutage, die aber auch heute noch in mancherlei Abwandlungen anzutreffen sind. Im ganzen betrachtet: ein hübsches Stück „Annodazumal" mit biederem Humor, — Sven Hedin: Wildes, heiliges Tibet. Mit zahlreichen Zeichnungen vom Verfasser. Aus dem Schwedischen übertragen von Dr. Theodor Flade. (Kartoniert 35 Pi., gebunden 75 Pf. Philipp Reclam jun., Verlag, Leipzig.) — (552) — Der große Forscher läßt hier seine Erlebnisse in dem „wilden, heiligen Tibet" vor uns erstehen, wie er als erster Europäer ins geheimnisvolle Land vordrang und seine Weiten und seine Wunder erschloß. Er erzählt von dem Zug seiner kleinen Karawane in das einsame Hochgebirgsmassiv, von wochenlangen mühseligen Streifzügen fern von menschlichen Siedlungen, von Ueberfällen mongolischer Räuber, von Festen in der Tempelstadt Taschi-lunpo, von der Aufnahme beim Taschi-Lama, von seltsamen Klöstern in der Einöde des Hochlandes und dem Leben der Mystiker, die sich der himmlischen Läuterung geweiht haben. Großartig, düster und farbig ist diese dem dies geschehen, an die Herstellung des Schwimmbades heranzutreten. Alle diese Maßnahmen geben Zeugnis davon, daß unsere Stadt, deren Beoölkerungsmhl hauptsächlich durch den Zuzug auswärtiger Personen in den letzten Jahren bedeutend gestiegen ist, auch in dem allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung Schritt gehalten hat und sich würdig an die Seite anderer Gemeinden stellen kann. Landkreis Gießen. § Queckborn, 9. Juli. In unserem Dorfe ist eben eine große Bautätigkeit. Die ßanb» wirte nutzen die verhältnismäßig ruhige Zeit vor der Ernte zu Bauarbeiten aus. Die in den vergangenen Jahren angelegten Grünfu11er -- und Kartoffelsilos haben sich als wertvoll erwiesen, darum legen nun viele andere Betriebe gleichfalls Silos an. Daneben werden Dickwurzkeller in den Scheunen angelegt, andere bauen Dunggruben und Maschinenschuppen. Zudem wurden verschiedene Neubauten angefangen, ein Wohnhaus und eine Scheune. Ein Wohnhaus wurde unterfangen und erhielt jo ein neues Erdgeschoß, eine Scheune wurde durch einen Vorbau vergrößert. Die Maurer sind sehr gesucht. Andauernd fahren Wagen mit ausgegrabener Erde, Lastautos kommen mit Sand und Splitt; Dem -ganzen Dorf merkt man an, es ist Bauzeit für den Bauern. — Das Ortsnetz unserer Kraft st romleitung wird auch einer gründlichen Erneuerung und Umlegung unterzogen. Es stand ungefähr 20 Jahre, und im Laufe dieser Zeit haben sich einige Aenderungen und Erneuerungen als nötig erwiesen. Die Dachständer werden abgenommen, von Rost gereinigt und wieder neu gestrichen. Andere werden auch durch neue ersetzt. — Am Mittwoch, 14. Juli, feiern Heinrich 0 ö r n e r t VII., Maurer, dahier, und seine Ehefrau Elisabeth, geborene Röder, das Fest der silbernen Hochzeit. Don dieser Familie wird schon lange Jahre der „Gießener Anzeiger" ausgetragen. Kreis Büdingen. K Nidda, 9. Juli. Ein 16jähriger Realschüler brachte infolge fahrlässiger Handhabe eines alten Revolvers, der geladen war, seine Mutter in große Lebensgefahr. Bei der Reinigung ging die Waffe los, das Geschoß durchschlug die Kleider und drang in die Weichteile an den Hüften ein. Glücklicherweise gelang es dem Arzte, das Geschoß kurz danach zu entfernen. Man hofft, daß ernstliche Folgen daraus nicht entstehen. Kreis Wehlar. I Waldgirmes, 9. Juli. Der Segen der Erd- und Himbeeren in unseren großen Gemeindekiefernwaldungen nimmt dieses Jahr kaum ein Ende. Durch die ab und zu fallenden Regen kommen auch die letzten Blüten zur Entwicklung und liefern täglich unzählige Eimer und Kannen voll der köstlichen Früchte. Nicht unser Dorf, sondern auch viele Einwohner der umliegenden Orte, ja sogar aus der Stadt Wetzlar, machen sich den großen Segen zum Nutzen. 250000 Schmidt, Münzenberg; W. Lung, Berstadt; W. Möbs, Echzell; I. Winter, Nieder-Weisel; Albert Schäfer, Reichelsheim; Hch. Weisel, Birklar. Die Versteigerung. Bei der anschließenden Versteigerung wurden die Spitzenpreise des Vorjahres überboten und auch die Durchschnittspreise von etwa 500 bis 600 Mark für bessere und 400 bis 500 Mark für mittlere Kaltblut-Stutfohlen und 400 bis 500 Mark für Kaltblut-Hengstfohlen überlegen die des Vorjahres. Für Warmblut-Stub- und -Henastfohlen wurden 400 bis 500 Mark bezahlt. Die Angebote für die Spitzenttere waren sehr flott, während die an sich fluten Angebote für mittlere Tiere unbeachtet blieben so daß die Händler aus Brandenburg und Bayern ihren Bedarf nicht eindecken konnten. Dennoch wurden etwa 20 Fohlen nach Brandenburg, einige nach Bayern, nach Rheinhessen und besonders nach Starkenburg verkauft. Zuchtviehversteigerung in Wetzlar. * Wetzlar, 10. Juli. Der Landesverband der Rinderzüchter in Hessen-Nassau veranstaltet am Freitag, 16. Juli, in Wetzlar, in der Markthalle am Taubenstein die 95. Ausstellung und Zucht- viehoersteigerung, mit der auch eine Sonderkorung verbunden ist. Gleichzeitig findet auch eine Eberoersteigerung des Landesverbandes der Schweinezüchter statt. MAU- FELCHEN Dorsche I HECHTE Gießener Geschäfte von Ruf und Klang werben um Ihr Vertrauen größten Leistung verpflichten zur GLAS Kreuzplatz 5 PORZELLAN Fernruf 3874 BLEIKRISTALL Gegr. 1873 AUSSTELLUNG BAHNHOFSTRASSE 2-4 Drei Punkte entscheiden G Auswahl • Qualität O Preis Darum beim Möbelkauf zum MARKTSTRASSE NUMMER 29 MoteUiaubföuhL Fachgeschäft für Schirme und Handschuhe Schirm-Steil Kreuzplaiz 6 Kreuzplatz 6 Dieses Fachgeschäft führt seit - M si M -< ■> • f »M 67 Jahren nur Qualitätsware in Gold Silber Uhren Bestecken CARL BRÜCK Juwelier Kreuzplatz 8 Uhrmacher Seit 1830 das Haus für Kinderspielwaren und modeme Handarbeiten J.H.FUHR Sonnenstraße Schreibtisch-Garnituren • Feinpapiere Sohreibmappen • Goldfüllhalter Bürobedarf • Geschenkartikel aller Art Otto Georg vonn. H.Kühn Seitenweg 36 • Gegründet 1844 • Fernruf 3037 Korsettartikel - Schuhe - Nährmittel G. Schlumberger - Seitenweg 52 I Das Spezialgeschäft für gute Herren- und Knaben-Kleidung Größte Maßschneiderei am Platz für Zivil und Uniformen Vertrags - Schneiderei des Standortes Gießen HERREN-BEKLEIDUNGSHAUS Gießen ADOLF MÜHL K.-G. Marktplatz Das Haus für Qualitätsware Marktplatz 7 W ■Ä SPEZIALHAUS für Herren - Modeartikel Damen - Handschuhe Strümpfe, Unterzeuge SeUer.wegtoWILH.WIRSIG W Das Fachgeschäft für Damen-u. Mädchen- Kleidung GEBR. JMHEUSER Am Markt Samstag, 10. Zull 1037 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesien) Nr. 158 viertes Blatt ' W WT W < M s<, ; - .M- V v. ! !> WM I O- £ 9 ME--- I ;O- ■ ■ ' V ' E- y " -< - , E^MÄA »MMWW8ilW!W% - 'M . -■ : - MMW «rWSL?WW DasLHW.imDieMl Die EHW.-Schweine im Heibertshäuser Hof gedeihen prächtig. Fünf Kameraden im Gießener Ernährungs-Hilfswerk. Im Sammelwerk unterwegs.— (Aufn. [4|: Neuner, Gießener Anzeiger.) Kinder bringen gern die Abfälle an die Tür. die (Nachdruck verboten.) 42 Fortietzung. Aber sonst war die Wiederherstellung jenes Schützen- grabenmorgens von Pinsk ziemlich gelungen. Ein nebeloerhangenes Vorgelände war da, vier feldgraue Männer und ein mäßiger Abklatsch des Kosakenmädchens Donka. Der Schlachtenlärm war vorbereitet und würde hoffentlich klappen. Sehr förderlich war dem Ganzen das unsichere, eben erst aufkommende Licht, das Personen und Gegenstände erkennen ließ, ohne sie überdeutlich zu machen. „Paßt schon", urteilte Kern und blies die flackernde Nachttischkerze aus, die nicht mehr vonnöten war. „Meinst?" fragte Fogg zweifelnd. Er stak in seiner vom Speicher geholten mottenzernagten Reiteruniform, Stahlhelm auf, Gasmaske um. „Leut', mir ist so gspaßig zumute", lächelte der Gsodmair und griff sich in die Halsbinde. Dann schnupfte er rasch und aufgeregt. Fogg fand allerlei zu bekritteln und mehr als einen Regiemangel an seinem Werk. Die viel zu kurze und wegen des Bauches vorn klaffende Hose des Kern bot einen höchst unmilitärischen Anblick. Daß Fenzl eine Zivilhose zum Waffenrock trug, mochte noch hingehen. Daß der Gsodmair an Equipierung aber nur einen zu engen Jnfanteriemantel hatte auftreiben können, war stilwidrig. Auch das, was Donka Stransky vorstellen sollte, bereitete ihm Sorge. Denn die Anna bedurfte der allergrößten Phantasie und Nachsicht. Ihre Beine schlotterten in Kanonenstiefeln, die sich nach oben in jene eng anliegende Seemannshose fortsetzten. Die Stelle des verschnürten Waffenrockes vertrat ein in aller Eile umgefärbter Pullover, und statt der hohen Kosakenmütze hatte sie die Krimmerpudelhaube von Kerns Vater auf. Kritisch betrachtet, sah dies alles mehr nach Fast- nacht als nach Schützengraben aus, aber man mußte halt den guten Willen für das Werk neh- men und sich denken, der Ameiser werde es schon nicht merken. Sie alle empfanden ähnlich wie der Bürgermeister, aber nur er hatte diesem Gefühl ein Tor gelassen. „Wir fangen jetzt an, Manner; es wird langsam Zeit" flüsterte Fogg und trat ans Fußende von Amei'sers Bett. „Geht an euren Platz, und dann gibst deinen Buben draußen das Zeichen, Fenzl. Und du, Anna, hast nichts zu tun als das Maschinengewehr zu bedienen und dich ans Fenster zu stellen. Los jetztl" Martl zu erforschen. Aber so viel Verstellung gab's denn dann doch nicht. Der Bursche sah besorgt und Die Wagen des Ernährungshllfswerkes der NSV. sind im Gießener Stadtbild bereits zu einer vertrauten Erscheinung geworden. Und die Hausfrauen haben auch schon das richtige Ohr für das aufrufende Klingelzeichen, jene rasch verständliche Aufforderung, Kuchen-Abfälle an die Haustür zu bringen. Ja, es ist schon so, daß sie dieses Glockenzeichen häufig genug geradezu erwarten, um die Gemüseabfälle, die Kartoffelschalen usw. aus dem Hause sein gedämpft, und dann können in täglich zwei großen Mahlzeiten die Schweine darüber herfallen. Hundert Schweine fallen denn auch darüber her, werden dick und fett dabei. Und darauf kommt es an! Das ist der ein- und nehmen die Schüssel oder den Eimer gleich wieder mit. Die Frage liegt nahe: Wieviel Zentner Abfälle werden wohl täglich gesammelt? Antwort: rund 30 Zentner! In der Zeit vom 19. Mai (dem Tag, da mit der Sammlung überhaupt begonnen wurdet bis zum 26. Juni (dem Tag der jüngsten Erhebung des Aufkommens) wurden insgesamt 52 000 Kilogramm Küchenabfälle gesammelt. Eine ganz respektable Menge, die bisher in den Mülleimer zu wandern pflegte und völlig unausgenutzt blieb! Die bisher gesammelten Mengen wurden nun verfüttert und auf einem recht natürlichen Wege in Fleisch und Fett umgesetzt, da sie ja einer systematisch betriebenen Schweinemast dienstbar gemacht werden. Die großen volkswirtschaftlichen Vorteile liegen auf der Hand! Diese Abfallverwertung stellt, das wird sich mehr und mehr beweisen, einen wichtigen Beitrag für unsere Volksernährung dar! Hier also dient jede Hausfrau einer hochwichtigen Sache, welche die kleine Mühe der Sammlung der Ge- müseabfäll" rechtfertigt. Auch die kleine Mühe der Unterscheidung von „brauchbar" und „unbrauch- zirk. Auf einer solchen Tagesfahrt werden durchschnittlich je 40 Straßen (ohne Nebenstraßen) passiert. Um 7.30 Uhr geht es los, und bei einer Mittagspause von einer Stunde wird bis 17 Uhr gearbeitet. Gemächlich fahren die Wagen durch die Straßen, gemächlich müssen sie fahren, damit den Hausfrauen genügend Zeit bleibt, ihre Gefäße mit den Abfällen vor die Tür zu stellen oder an den Wagen zu bringen. Aufmerksamen Auges sehen sich natürlich die Sammler nach den (sehr verschiedenartigen) Behältnissen um, und sie haben es auch längst spitz, wo die Frauen die Abfälle bereitzustellen pflegen. Oft kommen natürlich auch Kinder damit gesprungen treuherzig drein. . , ,r , „Dann hat mich Ihr Vater eben ein bißchen verkohlt; er hat das hingestellt, als ob der Pfarrer bloß noch Amen zu sagen bräuchte. Na, dann werden wir uns halt wieder vertragen", sagte die sassung der Kuchenabfälle m unserer Stadt zu werfen. Das Stadtgebiet ist für diesen Zweck in zwei Bezirke geteilt. Mit zwei Wagen wird das ganze Sammelwerk bestritten. Jedem Wagen ist also em Bezirk zugeteilt. Zu jedem Wagen gehören drei Sammler und em Kutscher. Die Sammler haben sich ihren Bezirk wiederum geteilt, sie fahren die eine Hälfte heute ab die andere morgen. So kommen sie im Laufe einer Woche dreimal durch ihren ganzen De- Kotzdonner, dieser Ameiser, dieser gute Bursche, machte ihm ehrliche Sorge. Lag teilnahmslos im Bett, aß nichts, rührte sich nicht und dämmerte nut halboffenen Augen einfach vor sich bin. Wenn das nur gut ging. Der Prozeß auf der Lunge war fast abgeklungen, Fieber keines mehr, komischer Fall. Es machte den Eindruck, als hätten sich Geist und Seele auf die Wanderschaft begeben und strolchten in einem Zwischenreich herum, das nicht mehr diesseits und noch nicht jenseits war; als hätten sie es satt, sich mit all diesem Erdenkram herumzubalgen, mit keifenden Ehefrauen, mit Entzündungen und anderen Geschichten. Wenn ich nur einen Schimmer hatte, was man da noch unternehmen kann? seufzte Fogg bekümmert. Habe doch schon alles versucht, Hautreize, Einspritzungen, belebende Mittel. Irgend etwas Starkes müßte es sein, meinetwegen eine Roßkur, die ihn aufrüttelt und um die Ecke reiht. Und zugleich ein Stimulans, das ihn seelisch in die Zange nimmt und nicht mehr losläßt. Fogg schob, wie es seine Art war, Hande in Den Taschen, umwölkt und mißvergnügt durchs Zimmer. Tür, Fenster, Fenster, Tür, viele Male. Plötzlich geriet, weiß Gott durch welche Ideenverbindung, jener indianische Medizinmann in seine Gedankenbahn, der drüben mit allerlei Mumpitz einen Knaben wieder flottgemacht hatte, der in einen totenschlas- ähnlichen Zustand gefallen war. Wenn man Aehn- liches, abgewandelt und mutatis mutandis selbstverständlich, bei Ameiser versuchen würde? Wissenschaftlich war das Verfahren ja nicht gerade, möglicherweise auch nicht ganz gefahrlos, und medizinische Kanonen würden todsicher den Kopf schütteln. Aber helfe, was helfen mag, und besser als nichts, besser als dieses ratlose Zuwarten war es vielleicht doch. Nach langer Ueberlegung kam er mit sich >ns reine. Wohlan, er wird es wagen! Es gab kern anderes oder besseres Mittel. Zuvor aber mird er seinen Plan mit dem ganzen „Beritt durchbesprechen. Auch die Anna, der eine wichtige Rolle zufiel, mußte eingeweiht werden. „Also, Jost, ich bin so weit; komme gut ohne mich aus, und wenn du mich brauchst, schickst du ganz einfach", sagte das Mädchen, durch den Turspalt hereinlugend. Anna trug ein Körbchen am Arm und sah appetitlich aus wie stets. „Ja, ja", erwiderte Fogg gedankenversunken, und nahm seinen Marsch durchs Zimmer wieder auf. Es war eine hervorragende Tugend des anderen Geschlechts, immer im falschen Augenblick herem- zuplatzen. , , Um nach dem Postbotenhäuschen zu gelangen, mußte Anna durch das ganze, langgestreckte Dorf und noch ein gutes Stück drüber hinaus. Vor dem Kaufladen der Oberhimmer stieß ste auf den Martl, der sich eine Peitschenschnur gekauft hatte. „Gruß Gott, Fräulein Anna! Auch em wenig iPa,Iad)"? sagte die Anna kurz und schnellte ihre etwas zu klein geratene Nase nach oben was Ab- wehr und Hochmut ausdrucken sollte. Sie schritt einfach an dem Marti vorbei und lieh ihn stehen. Aber der ließ sich nicht so nur nichts, dir nichts °b- speisen und stieg ihr mit seinen angen Bemen nach^ hoppla, warum so pressant? hab ich Ihnen was getan? haben Sie leicht etwas gegen mich? fragte er erstaunt und konnte sich das Gebaren der ^Mese" «widerte^,pitzig: „Wenn ich Ihnen raten dars Herr Gsodmair, sind Sie vorsichtig unb geben Ei, sich nicht so viel mit anderen >ungen Mädchen ab mit mit zum Beispiel. Ihre Braut konnte das verflucht übelnehrnen." Welche Braut?" . 'Die Moosrainer-Theres, natürlich. Die mit den 9000 Markeln, die Stattliche, Große, Saubere , er- iOjffiie kommen S' denn auf die? Das ist doch Blech, mit Verlaub. Der will ich doch gar nichts. Ay jetzt weiß ich, woher der Wind weht. Mein Vater hat Ihnen diesen Floh ins Ohr gesetzt Erst heut früh haben wir deswegen wieder einen Krach mitsammen gehabt. Er will durchaus, daß 'ch d.e Theres nimm, und ich mag nicht. Die Anna hob flink den Kopf, um die Miene des bar" lohnt! Die Hausfrau braucht sich nur die Frage vorzulegens „Kann ich einem Schwein zumuten, dieses und jenes zu fressen? Zur Ehre unserer Gießener Hausfrauen sei es gesagt, daß die Entscheidung über aut und böse richtig getroffen wird. Täglich zweimal leeren die Sammler ihre Wagen: mittags und abends! Die Abfälle werden zunächst in eine Scheune an der Rodheirner Straße gebracht und dann, sobald die genügende Menge vorhanden ist, mit einem Lastkraftwagen zum Hofgut Heibertshausen bei Daubringen gefahren. Dort wird in großen Kes- zige und tiefe Sinn der Sache! Eine Million Schweine soll, so will es die Reichsleitung der NSV., im ganzen Reiche auf die geschilderte Weise gemästet werden. Für unsere Ernährungslage bedeutet dieses Vorhaben fast em „Ei des Columbus". Zum mindesten aber einen ganz gehörigen und wertvollen Beitrag. Die Wagen, in denen die Abfälle in unserer Stadt gesammelt werden, dürften den Gießenern trotz ihres fast neuen Aussehens gute alte Bekannte sein. In ihnen wurde früher der Müll gesammelt. Sie wurden lediglich überholt und neu eingestrichen. Die Stadt stellte sie der guten Sache zur Verfügung. Die Sammler wurden mit zweckmäßiger Kleidung, dem Lageranzug der NSV., ausgerüstet Sie haben in der Zeit ihrer bisherigen Tätigkeit schon manche Erfahrung gesammelt. Die Sammler wissen, daß da, wo Kaninchen oder gar Ziegen im Hose bzw. im Stalle stehen, wenig zu holen ist — auch in den unmittelbar benachbarten Häusern nicht. Das liegt in der Natur der Sache. In der inneren Stadt gibt es dafür um fo mehr zusammenzutragen. Trotzdem gegenwärtig der Anfall an Kartoffelschalen gering ist, zeigt das Aufkommen doch eme st e t i g e Steigerung. Ein sicheres Zeichen dafür, daß der Sinn der Sache verstanden wird. Ein Besuch im Hofgut Heibertshausen läßt einen weiteren tiefen Einblick in die Aktion des Ernah- runqshilfswerkes gewinnen. 100 Schweine find dort in vorbildlichen Boxen für das EHW. untergebracht. Sie kamen vor einigen Wochen dort an, und zwar aus oldenburgischen, schleswig-holsteinischen und aus hannoverschen Zuchten. Sie kamen im Gewicht von 40 bis 60 Kilogramm an, also so, daß sie sofort zur Mast ausgestellt werden konnten. Der bisher erzielte Erfolg ist bereits offensichtlich. In wenigen Wochen hat eine Anzahl Tiere schon bis zu einem Gewicht von 90 Kilogramm zugenommen. Die Mast wird als S ch n e l l m a st durchgeführt und soll in vier Monaten, also zu Anfang Oktober, abgeschlossen sein. Man hofft, bis dahin die Tiere auf ein Gewicht bis zu 140 Kilogramm zu bringen. Für die Schnellmast wird in erster Linie der Küchenabsall verwandt, unter geringem Zusatz von Kraftfutter. Die Molkerei Grieb (Gießen) liefert außerdem kostenlos tag» lich viele Liter der stärkehaltigen Molke. Die Schweine, die in den Boxen des Heibertshäuser Hofes für das EHW. zu Gast find, gehören der Raffe nach dem „Deutschen Edelschwein" und dem „Veredelten Landschwein" an. Selbstverständlich stehen die Tiere unter ständiger tierärztlicher Kontrolle, die ehrenamtlich Dr.Buding übernommen hat. Die Unterbringung der Tiere im Heibertshäuser Hof stellt übrigens eine vorläufige Lösung dar. Die Schweine werden Anfang Oktober ihren Boxen verlassen, um ihrer Bestimmung entgegengeführt zu werden. Für die zweite Mastreihe ist an eine anderweitige Unterbringung gedacht, da ja auch die Ställe im Heibertshäuser Hof wieder dem gutseigenen Betrieb dienen sollen. Es ist nämlich beabsichtigt, unweit unserer Stadt, am unteren Hardthof, eine große Stallanlage zu schaffen. Diese neuen Stallungen sollen zum 1. Oktober belegfertig sein und insgesamt 180—200 Tiere aufnehmen können. Die Ernährung ist schon jetzt für 150 Schweine so gut wie sichergestellt. Mit der Errichtung einer größeren Stallanlage bei Gießen werden natürlich mancherlei Vorteile, insbesondere hinsichtlich des Abfalltransportes, verbunden sein. Für die Zukunft ist ferner vorgesehen, in der Abfallsammlung eine Vereinheitlichung vor- zunehmen insofern, als zu einem tragbaren Preis einheitliche Holzeimer ausgegeben werden, die in Haus oder Hof zur Aufstellung gelangen und allen Hausbewohnern zur Unterbringung der jur die Schweinefütterung verwertbaren Küchenabfälle zugänglich fein sollen. Diese Lösung wird der Sache von der ästhetischen Seite her dienen, so daß also die Haus- ober Hofeingänge nicht mehr durch die verschiedenartigsten Gefäße verunziert werden. * Insgesamt läßt sich sagen, daß das Ernährungs- Hilfswerk in unserer Stadt marschiert — Dank der Mithilfe der Gießener Hausfrauen; dank aber auch des Einsatzes derer, die an der Sache unmittelbar mitzuarbeiten berufen sind. . Am 15. Juli werden die 100 Schweine im Heibertshäuser Hof einer genauen Gewichtsübervrü- fung unterworfen. Der Erfolg der bisherigen Arbeit wird dann in klaren, unmißverständlichen Zahlen auszudrücken sein. Und das Ergebnis soll dann auch jeder Hausfrau (soweit sie bisher dem EHW. abseits stand) Anlaß und Ansporn sein, ebenfalls mitzuhelfen an einer großen Ausgabe, die eine Sache unserer ganzen Volksgemeinschaft ist! Anna versöhnt. n „Bloß vertragen, Fräulein Anna? Das ist nur schier ein bissel zuwenig", grinste der Marti. „3a?" j t „Ich krieg' den Vater schon noch herum. , Und überhaupt, hören Sie, was soll ich auf so einem Hof? Den ganzen Tag Mist breiten und Kartoffeln hauen mag ich fein nicht", wendete sie trotzig ein. , . Der Vater, das ist einer! Hat er Ihnen das auch weisgemacht? Dafür haben wir doch das Gesinde, und ich werde doch nicht zugeben, daß meine Frau lauter Dreckarbeit tut", sagte der Marti entrüstet Warum bleiben Sie denn stehen? Sie müssen wohl zum Ameiser? Ach so. Also wie haben wir's dann miteinander, Annerl?" fragte er kühn. „Wenn Sie Ihren Vater so weit haben, können Sie ja mal wieder nachfragen", lachte die Anna und huschte durch das Türchen in den Ameiser- Garten . .,, . Der Marti stieß ein Juchzer aus und schleuderte sein Hüt! in die Höhe. * Im Morgengrauen des nächsten Tages begaben sich im Arneiser-Häuschen seltsame Dinge. In der Schlafkammer des Postboten, die nach rückwärts und zu ebener Erde lag, machten sich fünf uniformierte Gestalten zu schassen indem sie den Kleiderkasten verrückten, die Fensterflügel aus- hänqten und das Bett mitsamt dem Pattenten so stellten, daß des Kranken erster Blick beim Erwachen durch die Fensteröffnung ins Freie fiel. Bor dem Fenster lag eine gegen den Weißelbach zu sanft abfallende Wiese, über der dichter Frühnebel hing. Da und dort ragte em Weidenstrunk ober der dunkle Ast eines Obstbaumes aus dem ziehenden verwölkten Dunst. Da auch die Vorhänge, die Bilder und die Blumenstöcke aus der Kammer entfernt waren, blieb lediglich ein Stuck hellgrau getünchter Mauer rechts und links vom Fenster- durchbruch übrig, das illusionsstörend wirken konnte. 3WWikin NSW Mil Vornan von Walther Kloepffer Copyright 1936 by August Scherl G. m. b. H., Berlin. zu bekommen. Lebhaftes Bedauern bann, wenn bas Klingelzeichen überhört wirb! Notfalls kommt es den Frauen auf einige rasche Schritte nicht an, um den Wagen einzuholen, der vielleicht gerade um die nächste Ecke biegt. Jede rechte Hausfrau ist sich dessen bewußt, daß man Küchenabfälle kaum auf eine schönere, sinnvollere und zweckmäßigere Art aus dem Hause bekommen kann. Zudem kann man sich noch von dem Bewußtsein tragen lassen, ohne sonderlichen Aufwand und ohne Unkosten ein gutes Werk zu tun! Nur etwas guter Wille ist nötig! Unsere Gießener Hausfrauen haben bisher schon bewiesen, daß es ihnen daran nicht mangelt. Dank ihrer Unterstützung läßt sich behaupten, daß das Ernährungshilfswerk schon ein Erfolg geworden ist und ein noch größerer zu^werden verspricht. Das EHW. hat sich in seiner organisatorischen Durchführung infolge des tatkräftigen Einsatzes des Beauftragten für das Ernährungs-Hilfswerk (mit dem für unsere Stadt die Kreiswaltung Wetterau der NSV. betraut ist) rasch und gut entwickelt. Es lohnt sich, einen Blick auf die Systematik der Er- SJzfpori Lieber 1400 Meldungen für Dillenburg. Für das heute und morgen in Dillenburg statt- sindende 1. Reichsbundkreisfest des Kreises 8: Gießen im DRL. sind über 1400 Meldungen abgegeben worden, die sich in runden Zahlen wie folgt verteilen: 600 Leichtathletik-Dreikampf, 400 Geräteturnen, 200 Schwimmen, 50 Schwerathletik, 30 Fechten, 40 Radfahren, 150 Schützen. Mit dieser starken ^Beteiligung aller Fachgebiete wird das Fest zu einem wirklichen Fest der Leibesübungen. Das Wetterauer Reichsbundkreisfest. Der Kreis 11: Friedberg (politische Kreise Friedberg, Büdingen, Schotten, Usingen, Obertaunus) fand mit seinem ersten Kreisfest in dem 1300 Einwohner zählenden Wetterauorte Büdesheim eine überaus gastliche Aufnahme. Ortsgruppe und Gemeinde Büdesheim, der Turnverein, der mit dem Kreisfest die Feier seines 50jährigen Bestehens beging, und nicht zuletzt der einfachste und schlichteste Bewohner der in seltener Einmütigkeit zusammenstehenden Dorfgemeinschaft wetteiferten in der herzlich-kameradschaftlichen Betreuung der Festgäste aus Taunus, Vogelsberg und Wetterau und feierten mit ihnen ein Fest bester Volksgemeinschaft. Wenn die Durchführung einer Großveranstaltung mit 1100 Wettkämpfern und zahlreichen Festbesuchern in technischer und organisatorischer Hinsicht auch Anforderungen stellte, die eigentlich über die Kräfte einer kleinen Landgemeinde gehen, so gelang es der Kreisführung und der örtlichen Leitung doch, das von bestem Wetter begünstigte Reichsbundkreisfest zu einem Abschluß zu führen, der Teilnehmer und Veranstalter restlos befriedigte. Die 1100 Wettkämpfer verteilten sich zu je etwa 50 v. H. auf die Fachgebiete Leichtathletik (volkstümliches Turnen) und Gerätturnen. An den Kämpfen waren auch die Vereine Büdingen und Schotten mit schönen Erfolgen beteiligt. So wurde 1. Kreisfestsieger (Zwölfkampf-Turneroberstufe) R. Kraft von der Turnerschaft Büdingen. Auch der Turn- und Gesangverein Schotten, die Tgm. L a u b a ch und eine Reihe kleinerer Vogelsbergvereine errangen schöne Siege. Deutschland führt im Oavispokal-Europa (Schlußspiel. Eine 2:0-Führung holten unsere Tennisspieler Henner Henkel und Gottfried von C r am m am ersten Tage des Davispokal-Eurova-Schlußspie- les gegen die Tschechoslowakei in Berlin heraus. Henkel siegte über Hecht in drei Sätzen 6:1, 7:5, 7:5, während Gottfried v. (Tramm zwei Stunden brauchte, um Roderich Menzel 3:6, 4:6, 6:4, 6:3, 6:2 zu schlagen. Doch ein Boxkampf Louis-Harr? Don einer zuverlässigen Reuyorker Stelle verlautet, daß der englische Schwergewichtsmeister Tommy Farr sich tatsächlich durch das höhere Angebot des Managers von Louis hat verleiten lassen, entgegen seinen in London eingegangenen Verpflichtungen einen Vertrag mit Louis abzuschließen. Der Boxkampf soll am 26. August in Amerika stattfinden. Eine gerichtliche Verfügung gegen Farr. Der bekannte englische Boxmanager Sydney H u l l s hat jetzt gerichtliche Schritte unternommen, um den englischen Schwergewichtsmeister Tommy Farr an einem Bruch seines Vertrages mit Schme- ling zu verhindern. Vor dem Obergericht in London beantragte Hulls gestern eine Verfügung gegen Farr, um diesen daran zu verhindern, ohne die Zustimmung von Hulls vor dem vorgesehenen Kampf zwischen Farr und Schmelina in der Öffentlichkeit zu boxen. Das Gericht genehmigte die Entscheidung des Antrages auf eine gerichtliche Verfügung für den nächsten Dienstag. Trotz der Geschäftigkeit seines Managers hat sich Farr bisher noch nicht geäußert, ob er seinen Vertrag mit Schmeling einhalten will oder ob er sich seiner vertraglichen Bindungen in ähnlicher Weise wie Braddock entziehen wird. Es ist anzunehmen, daß er in den nächsten Tagen schon gezwungen sein wird, eine Erklärung über seine Haltung abzugeben. * Max Schmeling traf am Freitag auf dem Flugplatz Croydon ein, wo er von dem englischen Boxmanager Sydney Hulls empfangen wurde. Schmeling erklärte, daß er nach England gekommen sei, um die Dinge hinsichtlich seines geplanten Kampfes mit Farr in Ordnung zu bringen. Der Preis des Führers für das schwere Jagdspringen. ! M Den Höhepunkt des Internationalen Reitturniers bildet das schwere Jagdspringen, das am Sonntag, 19. Juli, im Olympia-Stadion in Berlin ausgetragen wird. 18 ausländische Pferde werden mit der Elite deutscher Springpferde den Kampf um diese Trophäe aufnehmen. — (Schirner-M.) Kurze Sportnotizen. 4 9 Unterschriften hat der mit 21 000 Mark ausgestattete Große Preis von Karlshorst erhalten, der am 3. Oktober gelaufen wird. Die deutsche Steepler-Klasse trifft hier auf ausgezeichnete französische Pferde. ♦ D r. Bischoff, der deutsche Segel-Europameister der Starboot-Klasse, der zur Zeit an der französischen Meisterschaft in Paris teilnimmt und am erften Tage Dritter geworden war, gewann die Wettfahrt des zweiten Tages. Die Gerüchte, daß auch der Olympiasieger im Stabhochsprung, Earl Meaoows, sich dem Film verschrieben habe und somit dem Amateursport verlorengehen werde, dürften sich bewahrheiten. Mea- dows, der zusammen mit Bill Sefton den Weltrekord im Stabhochsprung hält, wird voraussichtlich im Herbst in Hollywood vor den Jupiterlampen stehen. Großartige Leistungen deutscher Segelstieger. 15 Lkeberlandflüge bei der Internationalen JUjön. Der 6. Wettbewerbstag auf der Wasserkuppe zeitigte durch eine glänzende Streckenflug-Witterung eine große segelflugsportliche Ausbeute, die alle voraufgegangenen Tage mit Abstand übertrifft und an der alle am internationalen Wettbewerb beteiligten Rationen ihren Anteil haben. Ein gleichmäßiger Westwind konnte zu mehr als 15 großen lleberland-Segelflügen ausgenutzt werden, die sich meistens in nordöstlicher Richtung belegten. Bereits um 9 Uhr morgens erfolgte der erste Start. Es erwies sich aber als sehr schwer, bereits über den Rhön-Bergen besondere Höhen zu erreichen, so daß alle Teilnehmer in geringer Höhe abfliegen mußten. Die großartigen Leistungen dieses Tages unterstteichen erneut das glänzende segel- ff-ortliche Können der europäischen Segelflieger- Die fünf polnischen Wettbewerbs-Teilnehmer starteten am Freitag zuerst und erreichten folgende Strecken: Zabski — Suhl (Thüringen) 44 Kilometer, Mynarski — Rotterode 50 Kilometer, Major Pete- rek — Flughafen Gotha 77 Kilometer, Baranowski — Bad Tennstedt 97 Kilometer, Brzezina — Nähe von Erfurt 102 Kilometer. Der Schweizer Baur kam bis Madelungen (66 Kilometer), sein Landsmann Godinat bis Flughafen Kölleda (120 Kilometer) und der Engländer Mills erreichte bei Sondershausen ebenfalls 120 Kilometer. Eine Flugstrecke von 145 Kilometer legte der Schweizer Sandmeier zurück, der zwischen Erfurt und Sondershausen niederging. Ueberboten wurden diese Leistungen durch den Deutschen Ludwig Hofmann mit einem Strecken- stug von 174 Kilometer, der ihn bis nach Heyersdorf führte. Flugkapitän Hanna Reit sch brachte es sogar auf 210 Kilometer mit einem Fluge bis Auerbach. Noch weiter flog der Deutsche Schmidt; nach seiner Landung im Kreise Torgau wurde eine Luftlinie von 227 Kilometer bis zum Startplatz festgestellt. Aber auch mit dieser Leistung war der Höhepunkt am Freitag noch nicht erreicht; von Heini Dittmar lief eine Landemeldung aus Oschatz ein, das 238 Kilometer von der Wasserkuppe entfernt liegt. Spüle flog 283 Kilometer. Aus den weiteren Ergebnissen der Freitags-Flüge ist ein Flug des Engländers Watt mit 125 Kilometer nach dem Flughafen Jena heroorzuheben. Die beste Leistung des Tages vollbrachte aber der deutsche Teilnehmer Späte mit einer Flugstrecke von 283 Kilometer nach Kolinetz in der Tschechoslowakei. In der Gesamtwertung führt nach den Ergebnissen vom Donnerstag der Deutsche Heini Dittmar mit 551 Punkten vor Sandmeier (Schweiz) mit 383,3 Punkten und den beiden Deutschen Späte und Hanna Reitsch. An fünfter Stelle liegt der Pole Mynarski. In den Nachmittagsstunden landete auf der Wasserkuppe nach einem geglückten Zielfern-Segelflug von Darmstadt aus die Darmstädter Ursel Piel- sticker. * Neuer Segelflug-Weltrekord für Frauen. Von Sylt aus hat die deutsche Segelfliegerin Feodora Schmidt, die bereits zweimal Dauerflüge mit beachtlichen Leistungen durchführte, eine neue Weltbestleistung für Frauen mit einem Fluge von 23 Stunden und 42 Minuten erzielt. Mit einem „Baby II" war sie am Donnerstag um 14.35 Uhr gestartet und landete nach ununterbrochenem Fluge längs der Küste von Sylt am Freitag um 14.17 Uhr. Damit wurde der bisherige Weltrekord für Frauen, der auch in deutschen Händen war, um ungefähr fünf Stunden Überboten. Peter Riedel weiter erfolgreich. Einer der besten deutschen Segelflieger, der Darmstädter Peter Riedel, der nach einer Vorführungsreise durch die Vereinigten Staaten nun auch an den amerikanischen Segelflug-Meisterschaften in Elmira im Staate Neuyork teilnimmt, wartete am Donnerstag mit einer neuen großen Leistung auf. Nachdem er am Dienstag mit 212,5 Kilometer die bis dahin absolut beste Leistung im Streckenflug vollbracht hatte, war er am Donnerstag mit 204 Kilometer in fünf Stunden wiederum Tagesbester. Der Deutsche liegt damit in der Meisterschaft mit 186 Punkten in Führung. Internationaler Gternflng nach Frankfurt a. M. 200 Flieger aus zehn Nationen. Vom 9. bis 12. Juli wird auf Einladung des Aero-Clubs von Deutschland und des Oberbürgermeisters der Stadt Frankfurt ein Internationaler Sternflug nach Frankfurt a. M. durchgeführt. Es ist das erste internationale Fliegertreffen in großem Stile, das auf dem neuen Flug- und Luftfchiffhafen Rhein-Main ftattfinbet und an dem insgesamt zehn Nationen teilnehmen. Es handelt sich bei diesem Sternflug nicht um einen Wettbewerb, sondern um eine kameradschaftliche Zusammenkunft, zu der 81 Maschinen mit 200 Teilnehmern gemeldet sind. Die Flieger kommen aus England, Frankreich — aus diesen beiden Ländern in erfreulich großer Zahl — Belgien. Holland, Luxemburg, Oesterreich, Polen, der Schweiz und der" Tschechoslowakei. Die Teilnehmer an dem Sternflug landeten im Laufe des Freitagnachmittags auf dem Flughafen Rhein-Main und wurden von dem Vertreter des Gauleiters Sprenger begrüßt. 70 internatiqyale Flugzeuge neben dem „Graf Zeppelin". Die Deutsche Zeppelinreederei teilt mit. Für alle Besucher des Luftschiffs „Graf Zeppelin" bietet sich am kommenden Sonntag in der Luftschiffhalle Rhein-Main ein besonders interessantes Bild. Don den zum Sternflug nach Frankfurt eingetroffenen internationalen Flugzeugen find 70 Maschinen in der Luftschiffhalle neben dem Luftschiff „Graf Zeppelin" untergebracht worden. In Reih und Glied stehen die schnellen und wendigen Maschinen neben diesem Luftriesen und vermitteln hierdurch einen besonders eindrucksvollen Maßstab von der Größe eines Zeppelin-Luftschiffes. Die Luftschiffhalle und das Luftschiff „Graf Zeppelin" sind Samstag und Sonntag von 9 bis 18 Uhr durchgehend zur Besichtigung geöffnet. Belgier führen bei der „Tour." Bei der Tour de France ist der deutsche Straßenmeister Erich B a u tz, der bei der von dem Franzosen Lapebie in 7:27:43 Stunden gewonnenen 220 Kilometer langen 9. Etappe Brian^on—Digne in 7:56:42 den 20. Platz belegte, in der Gesamtwertung vom zweiten auf den 9. Platz zurückgefallen. Das „gelbe Trikot" hat jetzt der Vorjahrssieger der Tour, der Belgier S. Maes; die Belgier führen auch in der Länderwertung. ' H O W e ck e r l i n g (Deutschland), Sieger der 8. Etappe. Wirtschaft. Mein-Mainische Börse. Alittagsbörfe ruhiger. Frankfurt a. M., 9. Juli. Die Börse lag etwas ruhiger. Die letzttägigen Kurssteigerungen haben verschiedentlich etwas Neigung zu Glattstellungen veranlaßt, doch waren solche vom Publikum kaum zu bemerken, andererseits waren auch die Kaufaufträge erheblich geringer. Allgemein zeigte sich etwas Zurückhaltung. Am Aktienmarkt war die Kursentwicklung uneinheitlich, die Veränderungen bewegten sich nach beiden Seiten zwischen 0,25 bis 0,75 v. H. Stärker abweichend Jul. Berger mit 138,50 (140) und Reichsbank mit 212 (213). Montanwerte bröckelten überwiegend etwas ab, Verein. Stahl 122,50 bis 122,25 (122,65). Fester dagegen Laurahütte mit 21,65 (21). Bei Maschinenaktien waren Besserungen bis zu 1 v. H. in der Mehrzahl, lebhafter Junghans mit 139,25 (138,25). In der chemischen Gruppe hielten sich die Veränderungen in engen Grenzen. Elektrowerte sehr ruhig, je 0,50 v. H. höher lagen AEG. und Gesfürel. Interesse bestand für Bemberg mit 146,65 (145,75), auch Zellstoff Aschaffenburg um 0,75 v. H. befestigt, dagegen Westdeutsche Kaufhof 0,25 v. H. leichter. Am Rentenmarkt blieb die Tendenz freundlich, das Geschäft war auch hier nicht sehr lebhaft, wenngleich die Nachfrage unvermindert anhielt. Kommunal-Umschuldung 94,20, Reichsaltbesitz ebenfalls uno. 126,25. Weiteres Interesse bestand nach auf Schweizer Franken lautende zertif. Bonds, 6 v. H. Schluchsee wurden mit 86 und 6 v. H. Lah- meyer mit 83,50 gesucht. Im Verlaufe war das Geschäft am Aktienmarkt eher noch stiller als zu Börsenanfang, doch konnten sich die Kurse überwiegend behaupten. Zweitnotierungen kamen kaum zustande. Von später notierten Werten erhöhten sich Schuckert um 0,75 o. H., dagegen Scheideanstalt 1 vH. schwächer. Pfandbriefe lagen unverändert, teilweise wegen Materialmangels wieder gestrichen. Liquidationspfandbriefe zogen zumeist 0,13 v. H. an. Stadtanleihen ruhig und kaum verändert. Im Freiverkehr wurden u. a.: Adlerwerke Kleyer 115,25, Wayß & Freytag 150,50, DDM. 170,50, Pokorny 136, Ufa Aktien 74,50 (75,25). — Tagesgeld uno. 2,25 v. H. Abendbörfe fest. Die Abendbörse nahm nach dem lebhaften Mit- tagsschlußverkehr einen ruhigen Verlauf bei jedoch durchaus fester Grundstimmung. Die Kurse kamen oft um Bruchteile eines Prozentes über Mittagsschluß zur Notierung. Interesse zeigte sich für Ma- schinenaktten; MAN. konnten sich um 0,50 v. H., Junghans um ebenfalls 0,50 d. Sy, Eßlinger Maschinen um 0,25 d. H. erhöhen, auch Rheinmetall mit 153,75 (153,40) etwas fester. Der Montanmarkt lag voll behauptet. Von sonstigen Werten waren Bemberg mit 149,13 wenig verändert, Farbenindustrie lagen 0,25 v. H. höher mit 166,25, Gesfürel 155,25 (154,90), Schuckert 179,50 (179). Der Rentenmarkt war ruhig und wenig verändert. 5 v. H. AEG.-Obligationen notierten 102, 4,50 v. H Reichspostschätze von 1934 mit 101. Farbenbonds zu 133 angeboten, Dekosama Neubesitz weiter rückläufig mit ca. 40 nach 42,50 in Berlin. Kommunal-Umschuldung bewegten sich bei uno. 94,20. Frankfurter Obst- und Gemüfemarkt. Frankfurt a. M., 9. Juli. Am Gemüsemarkt herrschte sehr starkes Angebot für Bohnen, Gurken und Kopfsalat, im übrigen war das Angebot ausreichend am Markt. Lediglich in Tomaten blieben die Zufuhren weiterhin knapp. Das Geschäft nahm meist einen schleppenden Verlauf, in Bohnen, Gurken und Kopfsalat verblieb Ueberstand. Tomaten fanden flotten Absatz. Die Preise gaben überwiegend etwas nach. Der Obstmarkt hatte gute Zufuhren von Johannisbeeren, Heidelbeeren, Himbeeren und Stachelbeeren. Kirschen, Sommeräpfel, Birnen und Pfirsiche wurden genügend angeboten. Geringe Zufuhren hatten Aprikosen, Erdbeeren. Pflaumen und Frühzwetschen kamen erstmals in kleinen Mengen auf den Markt. Bei befriedigendem, teils lebhaftem Geschäft blieben die Preise fest, nur Johannisbeeren weiter ermäßigt auf 14 bis 18 (16 bis 18) RM. je 50 Kilogramm. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt veschloffenen Dividende an. Reichsbankdiskont 4 v. Sy, Lombardzinsfuß 5 v. Sy Frankfurt a. M. Berlin Frankfurt a. M. Berlin Schluß» kurs Schlußk. Abend- börse Schlußkurs Schlußk Mittag börse Schlub- kurs Schlußk. Abend börse Schluß- kürs Schluß!. Mittag» börse Datum 8.7. 9.7 8.7 9.7 Datum 8-7. 97. 8.7 9-7 5% Deutsche Retchsanlethe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 4Vt% Deutsche Reichsschatzanweisungen von 1935 . .......... 101,75 99 99,75 99 100 100,6 99,5 126,25 135 99,5 101 99,25 98 133,75 99,5 98,25 101,25 101,75 110,76 127,25 19 20,4 127 213 131 114 120 105 101,75 99,13 99,9 99 100 99,65 126,25 134,5 99,5 99.25 98 133,75 99,5 98,25 101,3 110,75 127 19 20,4 127,65 213,75 131 114 120,5 105 101,7 99 99,75 99 105,25 100,6 99,65 126,25 98,25 133,75 99,5 101,65 110,9 127,4 46,5 19,13 20,5 127,25 213 131,13 113,9 120 105 101,65 99 99,9 99 100,75 99,65 126,3 99,5 133,75 99,5 101,25 110,9 127,4 46,75 19,4 20,5 127,4 212,5 131,25 114 120,5 105 Accumulatoren-Fabrik.......14 Aschaffenburg Zellstoff........6 Bemberg...................0 Bekula.....................8 Buderus Eisen............... 5 Cement Heidelberg...........7 Cement Karlstadt............ 6 Conti Gummi.............. 12 Daimler Motoren.......... 6% Dessauer Gas............... 4 Deutsche Erdöl..............5 Deutsche Gold- und Silber.... 9 Deutsche Linoleum.......... 10 Elektrische Lieferungen........ 6 Elektrische Licht und Kraft.....7 I. G. Farben-Jndustrie.......7 Felten & Guilleaume......... 6 Gesfürel.................... 7 Th. Goldschmidt...... 6 Grihner Maschinen........... 0 Harpener................. 8’/2 Hoesch Eisen............... sy2 Philipp Holzmann........... 8 Ilse Bergbau................6 Ilse Genüsse................ 6 Kalt Aschersleben............ 4 Klöcknerwerke ......... ... 4’/2 Kokswerke und Chemische Fabrik 7 Lahmeyer.................. 6 Mainkraft................... 4 Mannesmann............. ; L Lymphe, 1. die aus den Geweben nach Austausch der Stoffe abfließende Gewebsflüssigkeit (also außer dem Blut noch eine Körperflüssigkeit), die für unfern Körperhaushalt große Bedeutung hat. Sie füllt als schwach-gelbliche Flüssigkeit alle Lücken und Spalten zwischen den Bellen sämtlicher Körpergewebe. Von den Spalten gelangt sie in eigene Lymphgefäße, die auch in unseren Armen und Beinen sind u. durch deren Bewegungen zum Herzen hingetrieben werden. Auch in der Bauchhöhle ist ein starker Stamm des Lymphaefäß- spstems, der die verflüssigten Nahrungsstoffe aus dem Darm dem Blut zuleitet; 2. Impfstoffe, im bes. Sinne die den Impfftoff enthaltende Flüssigkeit der Kuh- pockenpusteln. Lnloform, Desinfektionsmittel, Lösung von Formaldehyd. Lysol, giftiges Desinfektionsmittel, das Kresol enthält und daher nur sehr vorsichtig in schwachen Losungen verwendet werden darf Lysolvergiftung. Anzeichen: Krämpfe, Atembeschwerden, Erbrechen und andere Z. Sofort warmes Waster mit doppeltkohlensaurem Natron geben, stark abführen, viel trinken lasten und Arzt rufen! Lyzeum, höhere Mädchenschule. Lupine, Eartenblume, blüht Mai—Juni blau, weiß, rosa, gelb und in blauweiß gemischten Farben. Staude wird leicht aus Samen gezogen eignet sich vorzüglich als wirkungsvolle Masten- pflanzung für Böschungen und Bahndämme. Ausschneiden der ausgeblühten Blumen bewirkt zweite Blüte im Herbst. Feldlupinen werden als Futter- und Gründüngungspflanze angebaut. Deutschen Forschungen ist es gelungen. eine Lupine ohne Brtter- st-off zu züchten Lupus (siehe Hauttuberkulofe). Lüster, leichter Baumwollstoff mit eigenartigem Glanz, der zu Herrensommerjacken verarbeitet wird. Lüster, andere Bezeichnung für Kronleuchter. Lnt'cher, Eummipfropfen, der K'ndern zur Beruhigung in den Mund gegeben wird aber entbehrlich ist und vielfach unhygienisch behandelt wird. Wird ein Lutscher verwendet so muß er peinlich sauber gehalten werden. Luxus, lat. übermäßiger Aufwand, der meist die tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältniste übersteigt. Lumphdrüsen find Saftdrüsen, die in die Bahn der Lymphgefäße eingeschaltet sind und ge- wistermaßen als Filter für die Lymphe dienen. Hier ablchneiden! 4 M Machandelbaum, andere Vezeich- Madeirawein, von der poriugie- nung für Wacholderbeerbaum. sischen Insel Madeira stammen- Made, s. Obstmade. der Südwein, vielfach auch Mus- Kohlen von Fischer Gießen, Alicenstraße 42—44, Telefon 3172 und 3176 In tiefer Trauer: Wieseck, den 10. Juli 1937. 4672 A 4655 D SWslS'MSW! Nachdruck verboten Ohne Gewähr 9. Juli 1937 Vormittagsziehung wurden gezogen 1OOOO RM. In tiefer Trauer: eowtwiei \V/ 1 2139 5646 Heuchelheim, den 10. Juli 1937. 4663 D In der heutigen Nachmittagsziehung wurden gezogen 66246 146722 50 Gewinne zu 106523 115255 InlAMS MkkSMSM Gießen Kleinanzeigen Maden 286 März Zu allen Krankenkassen zugelassen laintar aufs Land! 6ebt der NSv Zreiplätzel 4634 V 'M Grundpreis von 5 Pf. für die Millimeterzeile veröffentlicht! 5000 RM. 2000 RM. 1000 RM. 232493 800 RM. 209067 500 RM 139019 196257 291173 369408 119152 257257 69278 26411 101804 162622 228771 302409 184664 238005 334150 105081 147243 166102 173258 197109 248144 277194 300750 322786 353332 364331 129069 172972 249154 353744 187047 286895 345858 124155 151773 166376 183565 198184 249495 277904 305005 335549 355194 377340 124274 141771 182249 231497 258970 272277 335817 392895 263865 500 RM. 127623 192145 293738 366893 124159 152691 167749 188819 209437 250429 283959 310440 337993 357242 387995 43048 265179 13840 129882 196289 297827 396553 128325 157631 168039 190250 211928 262397 288534 315410 340804 359508 391655 144905 207693 293286 396995 129859 157933 194746 241690 266423 311982 342690 398293 29245 141698 216963 302327 243483 140587 80824 291058 38185 151736 222902 326434 116768 131590 169754 221054 247119 266727 331972 346541 399615 101904 146542 164925 172696 196830 229118 270205 300584 319723 352351 362208 143263 101043 44137 127435 153541 223727 336696 Eine Wohltat für schwache and kranke Beine: 132258 174935 221061 249877 267662 333935 376915 119149 139372 174962 223946 250057 270562 334065 381431 138891 185271 273336 372793 128501 155117 192804 233141 259828 302943 339803 396265 Uücbläffc von z bk 20 v. s. erhalten Ste bei wiederholten Auf« nahmen einer Ameia» Kl eine Ain eigen im Gießener Anzeiger werden von Lautenden beachtet und geleiea. Familie Ferdinand Rinn Otto Rinn und Frau Luise Rinn Emma Rinn. Philipp Döringer Familie Adolf Bellof nebst allen Angehörigen. 100983 130070 161571 172312 191122 219787 269382 297340 318821 342959 361105 257761 66386 239591 18610 Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange unserer lieben Mutter, sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Weisel am Grabe und die vielen Kranzspenden sagen wir allen auf diesem Wege unseren innigsten Dank. Nach kurzer schwerer Krankheit verschied plötzlich und unerwartet meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Grohmuter, Schwestter, Schwägerin und Tante FRANKFURT/MAIN, Am OPERNPLATZ Möbel —Teppiche — Stoffe—Kunstgewerbe Bitte besuchen Sie uns oder schreiben Sie uns. Katalog RM. 1.50, Prospekt H 2 frei. Die Beerdigung findet Sonntag, den 11. Juli, nachmittags 2 Uhr in Wieseck vom Trauerhause Ludwigstraße 33 aus statt Wetzlarer Weg 80 __________________ 03411 254546 235940 138165 175028 280389 129110 302771 342471 8912 22412 35287 85776 4444?-' WWMM 25508 27003 53311 53768 71742 80063 64760 54927 61000 67225 68013 85573 86825 89577 94480 96866 Wagenfett und andere Fette Paul Läufer Gießen, Wageugasse Jiarl £gne r Medizinisches Fachgeschäft Frankfurter Straße 9, Tel. 4191 Vie lang ist das? Das Metermaß, auch Zollstock genannt, sollte immer griffbereit liegen Wer öfters etwas zu messen hat, der trage ein Metermaß bei sich Es gibt solche mit und ohne Feder, kleine und große, das praktische Rollbandmaß — alle sind sie aber billig bei 3. B. Häuser, Gießen, am Oswaldsgarlen, Fernsprecher 2145/2146. Volkstümliche Naturwissenschaft in reichbebilderten, leichtverständlich geschriebenen Werken und in verschiedenen Preislagen bieten unsere Verlas s- erzeugnisse. Sie vermitteln einen tiefen Einblick in die Geheimnisse des Naturgeschehens und damit durch erweitertes Wissen erhöhte Freude an den vielfältigen Schönheiten der Natur. - Verlangen Sie Prospekte und auch Probehefte der Zeitschrift „Der Naturforscher“ Hugo Bermühler Verlag • Berlin-Lichterfelde F abrikniederlacr.: C. Seibel, Frankfurter Straße. O.Winterhoit, Kreuzplatz 9/10. Herrn. Elges, Selters- weg 66. Grünberg: Karl Schott u. sämtliche Filialen. Laubach: Solms-Laubacher Drog.Karl Klein. In Gießen habe ich ein Geschäft für Terrazzo- Kunststein- Steinholz- Zement- u. Asphaltarbeiten OrÖfffiGt Gewinnauszug 4. Klasse 49. Preußisch-Süddeutsche (275. Preuß.) Klassen-Lotterie Mein Geschäft befindet sich ab Montag, den 12. Juli 1937 Alieenstratze 35 kateller genannt, der stark alkoholisch ist. Nicht jeder als Madeira bezeichneter Wein kann Anspruch auf Echtheit erheben. Maden, fußlose Larven von Fliegen und anderen Insekten, deren Vorhandensein Fletsch, auch dann, wenn es geräuchert ist, ungenießbar macht. Schinken hängt man in einen Leinenbeutel, damit Fliegen nicht an ihn herankommen. Madenwürmer sind kleine Rundwürmer, drei bis vier Millimeter lang, deren Eier sich im Magen rasch zu geschlechtlichen Formen entwickeln, dann in den Darm gelangen, sich dort begatten und als Würmer allmählig bis zum Mastdarm hinunterwandern. Die Weibchen verlassen, sobald sie geschlechtsreif geworden sind, den Mastdarm und legen ihre vielen Eier außerhalb des Darmes ab. Dadurch entsteht ein Juckreiz. Die Kinder kratzen sich in dieser Gegend (After) und begünstigen den Kreislauf der Eier zum Magen. Darum peinlichste Sauberkeit, die Aftergegend abwaschen, das Jucken mit Einreibungen bekämpfen. Gegen das Kratzen eine geschloffene Hose (Badehose). Wurmabtreibungsmittel verordnet der Arzt. Mängel, von gekauften Sachen, s- Fehler. Die gleichen Grundsätze gelten für Mängel eines Werkes, z. B. Anfertigung eines Kleides, Herstellung eines Bauwerkes. Ist das Werk mit einem Mangel behaftet (z. B. das Kleid 2 Gewinne zu 50000 RM. 2 Gewinne zu 10000 RM. 2 Gewinne zu 5000 RM. 4 Gewinne zu 3000 RM. 6 Gewinne zu 2000 RM. 12 Gewinne zu 1000 RM. i 148424 37360l E. Althoff, Auto-Elektrik 4666 D e.G.m.b.H., Münster i.W., Windthorststr. 20, Ruf 26644-45 Ständige Vermittlung von Vieh aller Arft (Fett- und Weidevieh z Ferkel z Läufer z Pferde usw I 1. Ziehungstag In der heutigen 2 Gewinne zu 2 Gewinne zu 4 Gewinne zu 14 Gewinne zu 213805 216220 16 Gewinne zu 147519 178968 RÖMPLER GUMMISTRÜMP Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lofe gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II sitzt nicht richtig) oder $at das Werk nicht die zugesicherten Eigenschaften, kann der Besteller die Beseitigung des Mangels verlangen. Weigert sich der Hersteller, so kann der Besteller den Mangel von einem anderen beseitigen lassen und die dadurch entstandenen Kosten verlangen oder aber dem Unternehmer eine angemessene Frist zur Beseitigung des Mangels stellen und nach deren fruchtlosem Ablauf die Sache zurückgeben oder Herabsetzung des Preises verlangen. Nimmt der Besteller eine mangelhafte Sache ab, so hat er die erwähnten Rechte nur, wenn er sie sich ausdrücklich vorbehält. Die Rechte verjähren in sechs Monaten, wenn nicht der Hersteller den Mangel arglistig verschwiegen hat. Siehe Abnahme. Bei Arbeiten an einem Grundstück beträgt die Verjährungsfrist ein Jahr, bei Bauwerken (Haus) fünf Jahre vom Zeitpunkt der Abnahme des Werkes an. Die Verjährungsfrist kann durch Vertrag verlängert werden. Den Mangel zeigt man zweckmäßig sofort nach der Entdeckung dem Hersteller an. Märchen sind auch heute noch nicht veraltet, wenn sie der kindlichen Vorstellungswelt entsprechen. Das tun aber die alten Volksmärchen, die außerdem wertvolles halbvergessenes Kulturgut vermitteln. März hat seinen Namen von dem römischen Kriegsgott Mars, dem dieser Monat, der erste im €in Grabmal mit Glasschiebetüren Es gibt noch Leute, denen nichts protzig genug sein kann. Für sie sind die Möbel nicht dazu da, um darin behaglich zu wohnen, sondern um vor anderen damit zu prahlen. Solche Kunden und Möbel haben wir nicht. Menschen mit eigener Meinung undeinem gebildeten Geschmack wissen, daß sie bei uns alles finden, was zu einer beglückenden Wohnform gehört. Vollkommen in künstlerischer Gestaltung und Qualität und dabei preiswert, das sind die bekannten Erzeugnisse der Einfamilienhaus in angenehmer, ruhiger Lage Bad-Nauheims (4 Zimmer, Küche, Keller, Waschküche), mit Heizung und Garten, ist zum 1. August d. I. preiswert zu verkaufen. Angebote unter B. N.9 (4636D) sind alsbald an die Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers zu richten. 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