Nr. 255 Erstes Matt 187. Jahrgang Freitag, 8. Oktober 1057 krichetnl täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Liehen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Druck und Verlag: vrühlsche UniverfitStsdruckerei 8. Lange in Sietzen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70 m m Breite 50Npf.,Plahvorschrift nach vorh. tßereinbg.25°/0 mehr. Ermähigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B China und Gowjetrußland Großabnehmer amerikanischer Waffen. Cine iniereffanie Kundenliste der amerikanischen Rüstungsindustrie. Theorie und Praxis. Washington, 8.DEL (DJIB. Funkspruch.) Am Donnerstagabend wurden in Washington die G e - samtziffern der beträchtlichen amerif ani- schen Rüstungsausfuhr während der letzten zwei Jahre bekanntgegeben. Danach gewährte das Staatsdepartement insgesamt 8612 Ausfuhrlizenzen für Kriegsmaterialien im Gesamtwerte von 81 829 000 Dollar. Ls kauften Kriegsmaterial für 13 605 000 China als der g r ö h t e Kunde (meist Militärflugzeuge): 12 195 000 Soro- jetrutzland; 2 343 000 Japan; 7 462 000 Argentinien, als größter südamerikanischer Käufer; 7 4 0 6 0 0 0 Spanien, als größter europäischer Käufer. Präsident Roosevelt hat in Chikago eine Rede gehalten, in der sich die geistige und seelische Verfassung der Nordamerikaner mit der geschäftlich bedingten Erwägung reiner Nützlichkeit mischt. Wir kennen diesen Tonfall gut aus der Zeit, in der Wilson vom höchsten Richterstuhl Werturteile über den Krieg in Europa fällte, die sowohl in der Voraussetzung wie in der Schlußfolgerung inzwischen durch Forschungen und Erkenntnisse in den Vereinigten Staaten selbst widerlegt worden sind. Wenn wir uns noch daran erinnern, mit welcher sittlicher Ueberheblichkeit Wilson den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu den Mittelmächten begründete, um dann später erfahren zu müssen, daß einer der tätigsten Einpeitscher für den Kriegseintritt der Herrscher Wallstreets, I. P. Morgan war, so können wir heute ruhig sagen, daß unser Gleichmut gegenüber solchen Dingen nicht mehr zu erschüttern ist. So stellen wir denn auch fest, daß es im Sinne des Präsidenten Roosevelt gewiß sehr schön, sehr edel und sehr menschlich ist, gegen Anarchie und Krieg Zu kämpfen, daß es auch nützlich ist, dem gewissenlosen Angreifer schon die Hölle auf Erden anzukündigen, daß es aber nicht gut ist, daß sich das eine wie das andere in W i d e r s p r ü ch e n auflöst. Wenn nämlich der Präsident der Vereinigten Staaten ernst und feierlich mit der sittlichen Gewalt einer starken Persönlichkeit gegen Krieg und Kriegstreiber, gegen Hetzer und Brunnenvergifter auftritt, so schadet es diesem Auftritt, wenn gleichzeitig bekannt wird, daß industrielle Werke der Vereinigten Staaten dem gefährlich st en Hetzer und Br-unnenvergifter, dem Bolschewismus, Waffen liefern. Auf den Präsidenten Roosevelt ist doch wohl in der Hauptsache das Gesetz zurückzuführen, daß den Vereinigten Staaten in künftigen Kriegen unbedingte Zurückhaltung auferlegt. Ob dies Gesetz schon damit zu begründen war, daß die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten sich schon seit Jahren davon durchdrungen fühlt, daß durch die Teilnahme am Großen Kriege nichts im Sinne einer wirklichen Befriedung und einer aufrichtigen Völkergemeinschaft erzielt wurde, tut nichts zur Sache. Aber es ist klar, daß es für Kriegstreiber und Kriegshetzer einen Dämvfer bedeutet, daß die Vereiniaten Staaten entschlossen sind, in einem künftigen Kriege sich nicht wieder so zu verhalten wie 1914 bis 1918. Nun wissen wir weiter, daß die öffentliche Meinung in den"Vereinigten Staaten das bolschewistische Untermenschentum sehr lange abgelehnt hat. Als vor wenigen Jahren die diplomatischen Beziehungen zwischen Washington und Moskau wieder ausgenommen wurden, mußten sich die roten Machthaber im Kreml verpflichten, auf jede kommunistische Werbetätigkeit in den Staaten zu verzichten. Sehr herzlich sind die Beziehungen zwischen Washington und Moskau nie geworden, insbesondere in der Zeit, als die Komintern mittelbar oder unmittelbar die Streikwelle in Gang gebracht hatten Gewiß ist auch in Wafhington beobachtet worden, daß die diplomatische Tätigkeit Moskaus nicht dazu beige- traqen hat, die Welt zu befrieden, ganz abgesehen davon, daß es ja im Wesen des Bolschewismus liegt, alle Völker zu unterwühlen, die noch nicht kommunistisch verseucht sind. Jedes Mittel dazu ist -er Komintern recht. _ .. _.. , Stalin hat bei der Verkündung des zweiten Funsjahresplanes wörtlich erklärt, der erste Funßahres- p'lan sei dazu bestimmt gewesen, für Raterußland Krieqswerkstätten zu schaffen, die mit Arbeit zu versehen, die Ausgabe des zweiten Funf- jahresplans sein werde. Offenbar ist diese Aufgabe nur unvollkommen gelöst worden, denn Moskau hat immer wieder versucht, hier oder dort Auftrage auf Herstellung von Waffen aller Art unterzubringen. So ist das auch wiederholt m Den Vereinigten Staaten geschehen, zunächst ohne Erfolg, nun ist jedoch das Ziel erreicht, das nicht nur ge- ährlich ist für den Frieden und für die Gestttunu der Völker, sondern sich auch gar nicht mit dem deckt, was Präsident Roosevelt als Sinn und Wesen seiner Politik in Cbikago gedeutet hat. Moskau hat den industriellen Werken der Vereinigten Staaten nicht belanglose Dinge in Auftrag gegeben, nicht Kugelbüchsen oder Trommelrevolver, sondern für Millionen Dollars alles erhalten, um Schlachtschiffe von größtem Ausmaß und von beisvielloser Bestückung zu bauen. Wenn Moskau sich m dieser Weise aufrüsten kann, so wird seine Politik dazu übergehen, andere Völker durch Worte und Taten herauszufordern. Hatte Präsident Roosevelt etwa diese Politik Moskaus aufs Korn genommen, als er in Chikago Mahnungen und Warnungen formte, ohne ein Land oder eine Regierung zu nennen? D.S. Amerika und der Fernostkonflikt. Scharfe Sprache gegen Japan, Washington, 7. Okt. (DNB.) Amtlich wird mitgeteilt: „Im Lichte der sich ausbreitenden Entwicklungen im Fernen Osten ist die Regierung der Vereinigten Staaten zur Schlußfolgerung gezwungen worden, daß die Aktion Japans in China u n - vereinbar ist mit den Grundsätzen, die die Beziehungen zwischen den Nationen beherrschen sollten, und daß sie ferner den Bestimmungen des Neunmächtevertrages vom 6. Februar 1922 sowie denjenigen des Kellog-Briand-Paktes vom 27. August 1928 widerspricht. Daher befinden sich die Schlußfolgerungen der amerikanischen Regierung in Uebereinstimmung mit denjenigen der Völkerbundsversammlung." In der Pressekonferenz betonte Staatssekretär Hüll, daß die Bemühungen des Völkerbundes um das Zustandekommen einer Neunmächtekonferenz formal auf diejenigen Unterzeichner des Neunmächtepaktes beschränkt seien, die Völkerbundsmitglieder sind. Bisher hätten die Vereinigten Staaten keine Einladung zur Teilnahme an einer Neunmächtekonferenz erhalten. Hüll ließ jedoch keinen Zweifel darüber, daß die amerikanische Regierung annehmen werde, sobald eine Einladung eingehe. Das Echo in Tokio. Absage an den Neun-Mächte-Pakt? T o k i o , 8. Okt. (DNB. Funkspruch.) Der Sprecher des Auswärtigen Amtes kündigte eine Erklärung der japanischen Regierung zur Stellungnahme der Vereinigten Staaten zum japanisch-chinesischen Konflikt an. Im Mittelpunkt dieser japanischen Erklärung werde die Zurückweisung der amerikanischen Anschuldigung, daß Japan den Neunmächtepakt verletzt habe, stehen. Japan werde auch zu der Anregung einer Konferenz aller Unterzeichner des Neunmächtepaktes Stellung nehmen. Ein Rückzug Japans vom Neunmächtepakt wird in politischen Kreisen nicht für ausgeschlossen gehalten. Warnungen an Roosevelt. N e u y o r k, 7. Okt. Die „New Port Times" stellt fest, daß der Präsident aus der amerikanischen Neutralitätspolitik einen toten Buchstaben gemacht und einen neuen Kurs aktiver Einmischung in die internationale Politik eingeschlagen habe. Dieser neue Kurs habe im Lande zum Teil erheblichen Widerspruch hervorgerufen; so hätten sechs führende Friedensverbände gegen die Roosevelt-Rede protestiert und den Präsidenten beschuldigt, daß er das amerikanische Volk auf die Straße zurückdränge, die zum Weltkrieg geführt habe. Roosevelt habe nur dem Teil der öffentlichen Meinung stattgegeben, der für Aufgabe der Isolationspolitik sei. So verurteilt der frühere Staatssekretär S t i m - s o n in einem offenen Brief die bisherige amerikanische Neutralitätspolitik und schlägt eine gemeinsame Aktion mit England zur Unterbindung der Ausfuhr von Kriegsmaterial nach Japan vor. Auch in der Frage eines Boykotts japanischer Erzeugnisse stehen sich die Meinungen in den Vereinigten Staaten scharf gegenüber. Während der amerikanische Gewerkschaftsverband auf einer Tagung in Denver-Colorado für einen Boykott eintrat, beantwortete die amerikanische Strumpfindustrie diese Aufforderung mit einem Aufruf an die amerikanischen Frauen, in dem darauf hingewiefen wird, daß es dann keine Seiden st rümpfe mehr geben würde, da diese beinahe ausschließlich aus japanischer Seide hergestellt würden. Außerdem würde ein Boykott etwa 100 000 Arbeiter der Strumpsindustrie brotlos machen. England und die deuffche Kolonialforderung. Ein unbrauchbarer Vorschlag. London, 7. Okt. (DNB.) In einer Zuschrift an die „Times" setzen sich der diplomatische Korrespondent der „News Chronicle" Vernon Bärtle t t, der englische Wissenschaftler Gilbert Murray, Noel Buxton und der Direktor des Instituts für internationale Angelegenheiten Professor Arnold I, Toynbee mit dem deutschen Kolonialanspruch auseinander. Die Verfasser der Zuschrift behaupten, daß die Kolonialfrage nur unter Beachtung' gewisser Bedingungen zu lösen sei. Die erste Bedingung sei die, daß die Eingeborenen der sich nicht selbst regierenden Gebiete, sowohl der Mandats- wie der Nichtmandatsgebiete, „nicht für die Verbesserung der Beziehungen europäischer Mächte untereinander geopfert" werden dürften. Die zweite Bedingung sei, daß die europäischen Mächte sowohl in der Verwaltung der sich nicht selbst regierenden Gebiete wie auch in bezug aus den Zugang zu Märkten und Rohstoffquellen dieser Gebiete auf eine gleichberechtigte Stufe miteinander gestellt werden müßten. Das erfordere offensichtlich eine R e - vision des Kolonialkapitels des Versailler Vertrages. Beide Bedingungen könnten nur erfüllt werden, wenn die europäischen Mächte in drei Punkten übereinstimmten. Der erste sei, daß wenigstens einige der früheren Kolonien unter Beibehaltung des Mandatssystems an Deutschland zurück gegeben werden müßten. Gleichzeitig sollten die europäischen Mächte, die Kronkolonien besäßen, sich bereiterklären, wenigstens einen entsprechenden Teil dieser Kronkolonien demselben Mandatssystem zu unter st ellen. Dann werde Deutschland wohl nicht das Gefühl haben, die einzige Macht zu sein, von der man fordere, unter dem Mandatssystem Kolonialgebiete zu verwalten, in denen es früher uneingeschränkte Souveränitätsrechte besessen hat. Drittens sollten alle sich nicht selbstregierenden Gebiete für den Handel aller Nationen unter gleichen Bedingungen geöffnet werden, wie die Mandatsgebiete heute und die früheren britischen Kronkolonien und Protektorate einst. Der konservative Abgeordnete A m e r y , ehemals Erster Lord der Admiralität, wendet sich in einer Zuschrift an die „Times" gegen diese vermittelnde Stellungnahme Vernon Bartletts. Amery behauptet, daß die Eingeborenen sich unter britischer Herrschaft wohler fühlten. Auch die häufig genug angewandte Methode, militärische Einwände zu erheben, wird wieder hier vorgekramt, indem er eine Gefährdung des ganzen Em- pire-Derteidigunassnstems an die Wand malt. Schließlich meint Amery, vor der Illusion warnen zu sollen, daß eine Formel gefunden werden könne, durch die Englands Verantwortung gegenüber den Eingeborenen und der Freiheit des Handels Genüge getan und gleichzeitig der deutschen Forderung entsprochen werde. ♦ Wenn hier einige bekannte Persönlichkeiten in England den an sich anerkennenswerten Versuch gemacht haben, durch die Fixierung präziser Vorschläge mit positivem Inhalt eine Möglichkeit zur Lösung des Kolonialproblems aufzuzeigen, so ist nicht zu leugnen, daß ihr Vorschlag weitergehend ist als alles, was uns bisher von der anderen Seite des Kanals offeriert wurde. Wir sehen sedenfalls, daß hier einige Männer den ehrlichen Versuch machen, unseren Wünschen entgegenzukommen. Nur ist es uns leider nicht möglich, auf den Boden ihrer Anregungen zu treten, eben weil sie völlig übersehen haben, daß das Gesetz der Gleichberechtigung jede Einengung von Besitzrechten nicht verträgt. 'Wir können uns nicht auf die Bahnen einer Kompromißpolitik begeben, an deren Ende die bedingte Abtretung von kolonialen Gebieten steht. Denn was sie zugestehen wollen, ist die Uebereignung von Kolonien in Mandats- form, wodurch uns das freie Verfügungsrecht genommen wird, wohl aber eine fremde Kontrolle der Mandatsgebiete aufrechterhalten bleibt. So stellen wir uns jedenfalls eine Lösung des Kolonial- vroblems nicht vor. Eine gleiche oder ähnliche Lösung würden unzweifelhaft die Besitzenden, romn sie sich in unserer Lage befänden, auch als Zumutung empfinden und ablehnen. Auf diese Weise kommen wir also nicht vorwärts. Was von Vorschlägen ganz allgemein gilt, gilt insbesondere auch für diejenigen, die sich auf das Kolonialproblem beziehen: sie müssen so beschaffen fein, daß sie für den anderen in jeder Beziehung tragbar sind. Hier bleibt aber unausaesprochen das erhalten, was in der Kolonialschuldlüge steckt. Will man uns nur bedingt Kolonien geben, ohne uns ein Besitzrecht zuzugestehen, dann kommt damit eine gute Portion Mißtrauen zum Ausdruck, dann wird damit festgestellt, daß man Deutschland beobachten und kontrollieren müsse. Dann wird eben die in den Versailler Vertrag hineingemauerte Behauptung verewigt, wir seien unfähig, kolonisatorische Leistungen zu vollbringen. Infolgedessen müsse man uns an die Leine legen und zum ManDats- syftem greifen, um uns sobald es den anderen gefällt, wieder an die frische Lust setzen zu können. Für eine freundschaftliche Regelung. London, 7. Okt. (DNB.) Vom nationalistischen Parteikongreß von Transvaal wurde mit großer Mehrheit'eine Entschließung angenommen, in der die südafrikanische Regierung aufgefordert wird, ohne Aufschub die Aufmerksamkeit des Völkerbundes auf die Frage der europäischen Besitzungen in Afrika zu lenken, um Besprechungen mit Deutschland und Italien mit dem Ziel einer befriedigenden Lösung der Kolonialfrage herbeizuführen. Mehrere Redner erklärten, daß die Frage der früheren deutschen Kolonien eine dunkle Wolke am internationalen Horizont sei. Man müsse eine freundschaftliche Regelung finden. Zwei Redner forderten die Rückgabe von Südwestafrika an Deutschland. Ersparnisse und Vorgriffe. Ihn Dr. Carl Wellthor Reichsbankpräsident Dr. Schacht hat am 29. September in seiner Rede auf dem Essener Sparkassentag dem Spartrieb des deutschen Volkes ein recht gutes Zeugnis ausgestellt. Er rief feinen Hörern ins Gedächtnis zurück, daß er die Politik der unbedingten Währungsordnung im ausdrücklichen Einverständnis mit dem Führer und Reichskanzler begonnen habe. Er hat auch eine materielle und eine moralische Rechtfertigung hinzugefügt: Es kann ohne Sorge von allen Sparwilligen gespart werden, da das Reich denjenigen, die ihm ihre Spargroschen zur Verfügung stellen, als Gegenleistung völlige Sicherheit gewährleistet und es ablehnt, die Menge der umlaufenden Zahlungsmittel über den unmittelbaren Bedarf hinaus zu vermehren. In den acht Jahren von 1929 bis 1937 hat sich die Menge der in Deutschland umlaufenden Zahlungsmittel nur um 10 v. H. erhöht; in den Vereinigten Staaten von Amerika machte die Steigerung etwa 42 v. H. aus; in England und Frankreich lag die Vermehrung der Zahlungsmittel in der Mitte. Nimmt man den Umfang der Produktion und der Warenbewegung in den beiden Jahren als Richtschnur, so muß man feststellen, daß sich die Zahlungsmittel in langsamerem Tempo vermehrt haben als das Wirtschaftsvolumen sich vergrößert hat. Dies Urteil wird durch das geringfügige Ansteigen des Großhandelsund des Lebenshaltungsindex bestätigt. Es gibt Deutsche, die es als einen Mangel empfinden, daß die Gewinne aus der Abwicklung des Vierjahresplans nicht restlos für Reich und Volk erfaßt worden find. Wären solche Uebergewinne weggesteuert worden, so hätte das Reich die Möglichkeit gehabt, sich an den Neuanlagen und den Werkserweiterungen, die im Verfolg des Vierjahresvlanes notwendig waren, maßgebend zu beteiligen. Dadurch hätte sich in der deutschen Produktion der st a a t s w i r 1 s ch a f t- liche Einschlag erheblich vergrößert. Solange aber der deutsche Nationalsozialismus der Ueber- zeugung ist, daß der private Charakter der Wirtschaft gewahrt bleiben muß, wäre es Mangel an Folgerichtigkeit gewesen, eine Steuervolitik zu treiben, die den Staat in wachsendem Maße zum stillen Teilhaber der Privatwirtschaft gemacht hätte. Aus der stillen Teilhaberschaft wäre bald eine aktive Beteiligung geworden und na* kurzem hätte sich der Charakter der Wirtschaft grundlegend gewandelt. In den Reden, die Ministerpräsident Göring und nach ihm der Führer selbst auf der Sondertagung der Deutschen Arbeitsfront während des letzten Nürnberger Parteitages gehalten haben, ergibt sich klar, daß die Frage des Wirtschaftsregimes eine reine Zweckmäßigkeitsfrage ist. Dach stehen die Dinge so, daß nach wie vor die von selbstveranfmortlichen Privatunternehmen geleitete Wirtschaft als die beste Form anerkannt ist. Werden den privatwirtschaftlichen Unternehmern jene Uebergewinne überlassen, die für den Ausbau bestehender und für die Errichtung neuer Anlagen verwendet werden' sollen, so 'ft nicht weniger Gewähr dafür geboten, daß solche Mittel iroerfnnH verwandt werden, als wenn der Staat diese Beträge für sich erfaßte. Was volkswirtschaftlich unerträglich wäre, ist die Ueberlassuna solcher Uebergewinne zum Verzehr. So erwünscht eine Besserung des Lebensstandards in unterem Volke wäre, so unmöglich ist es, den inneren Aufbau und die deutsche Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt mit solchen Produktionsverteuerungen va belasten. Der Führer hat in feiner Nürnberger Proklamation von der „verpflichteten Volkswirtschaft" gesvrochen. Daher ist ein Ausweichen der privatwirtschaftlichen Unternehmer gegenüber ihrer Pflicht zur zweckvollen Verwendung ihrer Uebergewinne ausgeschlossen. Zur Zeit als die Wirtschaft als gleichberechtigter Faktor neben dem Staat angesehen wurde — heute ist sie in die Rolle der Dienerin an Staat und Volk verwiesen —, wurde gesagt, daß Produktionserträge in den Händen der Wirtschaft besser aufgehoben seien als in denen des Staates, der diese Ertragsteile doch nur für Konfumzwecke verwende und damit volkswirtschaftlich vergeude. Heute sehen wir die Dinge wesentlich anders an, und zwar weil sich der deutsche Staat von Grund auf geändert hat. Es gibt keine Parteien und organisierten Jnter- effentengruppen mehr, die auf dem Wege über das Parlament eine Verwendung von öffentlichen Mitteln für selbstsüchtige Zwecke kleiner Gruppen durchsetzen könnten. Allerdings hat sich bei uns auch die Auffassung gewandelt, was „Verschwendung" ift und was zukunftsträchtiger ..Aufbau" In der Zeit überspitzt privatkapitalistischer Auffassung wurde vielfach nur eine solche Aufwendung als „wirtschaftlich" anerkannt, die am nächsten Jahresende Zinsen lieferte. Wo das nicht möglich war, wurde allen Ernstes erwogen, ob man nicht auf das betreffende Mirtschaftsvorhaben verzichten, das Kapital und die Betriebskosten sparen und die da- Das Aeiwilligenproblem im spanischen Krieg. Dor Italiens Antwort auf den Vorschlag einer Dreierkonferenz. iir in Aussicht genommenen Arbeitskräfte mit einer o knapp wie möglich bemessenen Rente abspeisen ollte. Erst unter Der Wirtschafts- und Sozialaufassung des neuen Deutschlands haben wir das richtige Verständnis dafür gewonnen, daß Arbeitskraft Vergeudung in mancher Hinsicht viel verderblicher ist als Kapital Vergeudung, und daß selbst eine erst nach Jahren oder Jahrzehnten zu erwartende volkswirtschaftliche Rentabilität etwas Erstrebenswertes ist. Wenn man die wirtschaftlichen Grundanschauungen der Zeit vor und nach dem Umschwung von 1933 charakterisieren will, so kann man sagen: Damals wandte man große Summen auf, um die Wirtschaft mit Halbdampf, heute um sie mit Volldampf laufen zu lassen. Der „neue Plan" der Außenhand els- k o n t r o l l e und der straffen Devisenbewirtschaftung, der am 24. September 1934, also fast genau vor drei Jahren, in Kraft gesetzt worden ist, war eine Maßnahme der Sparsamkeit auf außenwirtschaftlichem Gebiete. Bis dahin fand man sich mit der Tatsache ab, daß die Belieferung des deutschen Konsums nach Art und Größe dem Ermessen der Händler überlassen sein müsse. Wenn gesagt wurde, daß man die auf diesem Gebiet herrschende, für ein verarmtes Volk geradezu unerträgliche Anarchie bekämpfen müsse, hieß es, daß man den Unwillen des Auslandes heraufbeschwören würde und auf kredit- und schuldenpolitischem Gebiet das, was man auf rein handelspolitischem Gebiet allenfalls erreichen könne, vielfach einbüßen werde. Der Fehler dieser Denkweise liegt darin, daß man sich nicht traute, die Gesamtheit der einschlägigen Fragen aufzurollen. Die Außenhandelslenkung vom September 1934 kam, nachdem die Leitung der deutschen Wirtschafts-. Währungs- und Schuldenpolitik einige Monate zuvor in den Händen von Dr. Schacht vereinigt worden war und Deutschland den Widerwillen der ausländischen Gläubiger gegen eine Schuldenrevision mit der Verhängung eines einjährigen Teilmoratoriums für Ueberweisungen beantwortet hatte. Die Konstruktion des „neuen Planes" ist die, daß die Zentrale in großen Zügen die verfügbaren Devisen für die verschiedenen Verwendungszwecke e i n t e i l t, es dann aber den berufsständischen Organen überläßt, wie die Mittel im Einzelnen zugeteilt werden. Rach den allerstrengsten Grundsätzen der Sparsamkeit läßt sich aber selbst unter dieser Ordnung nicht verfahren, da manche entbehrliche Ware hereingenommen werden muß, weil das liefernde auswärtige Land dafür hochwertige deutsche Jndustrieerzeugnisse bezieht. Auch müssen wir uns damit abfinden, daß gewisse Länder Warenposten nur dann abnehmen, wenn wir den Erlös deutschen Vergnügungs- und Erholungsreisenden für Fahrten in das betreffende Land zur Verfügung stellen. In der Rede, die Dr. Schacht in Essen gehalten hat, wird zugegeben, daß sich die deutsche Schul- d e n l a st in den letzten Jahren durch Aufbau und Rüstung erhöht hat. Es wird aber hinzugefügt, daß die Schuldenlast in Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika auf den Kopf der Bevölkerung gerechnet wesentlich höher sei. Der nationalsozialistische Staat nimmt Vorgriffe auf künftige Wirtschaftserträge vor, indem er die Ersparnisse des Volks f ü r d e n Auf - bau in Anspruch nimmt und dafür die Verpflichtung eingeht, diese Summen später ungekürzt wieder zurückzuzahlen. Darum ist die Aufrechterhaltung der Währung, die Schacht in Essen erneut proklamiert hat, eine wichtigere Sicherung als die Angabe des Rückzahlungstermins und des Rückzahlungskurses der Anleihen. Schacht hat aber den Anlaß wieder benutzt, um vor einer Unterschätzung des uferlosen Notendrucks zu warnen. Es wäre allerdings kläglicher Selbstbetrug $u glauben, das Fehlen einer täglichen Dollarnottz, an der der Währungsschwund abgelesen werden kann, sei ein Zeichen dafür, daß Notendruck und Inflation ungefährlich geworden seien. Zum Schluß seiner Rede hat Dr. Schacht versichert, daß sich der nationalsozialistische Staat in voller Kenntnis aller Schwierigkeiten befinde, und daß er sich stark genug fühle, sie zu meistern. Erfolge der Kapiiallenkung. Em Bortrag des Reich sfinanzrninisters. Hamburg, 7. Okt. (DNB.) Der Reichsminister der Finanzen Graf Schwerin von Krosigk hielt vor der Hamburgischen Verwaltungsakademie eine Rede, in der er folgendes ausführte: Die bisher erreichten wirtschaftlichen Erfolge seien das Ergebnis einer zielbewußten staatlichen Jnve st itions Politik, die sich in ihrer ersten Phase die Beseitigung der Arbeitslosigkeit durch Arbeitsbeschaffung auf den verschiedensten Gebieten, in der zweiten Phase die großen nationalen Aufgaben der Wehrhaftmachung und des Vier Wahres planes zum Ziel gesetzt habe. Die Finanzierung sei durch Kurzkredite erfolgt, die teils durch erhöhte Etatseinnahmen abgedeckt, teils in langfristige Kredite umgewandelt wurden. Die steigenden Reichssteuereinnahmen, die 1937 mehr als das Doppelte des Jahres 1932 betragen würden, hätten es ermöglicht, einen immer größeren Prozentsatz an Ausgaben wieder auf den ordentlichen Haushalt zu übernehmen und die Abdeckung von Krediten in der vorgesehenen Weise durchzuführen. So würden 1938 die Steuergutscheine und die Arbeitswechsel der ersten Arbeitsschlacht planmäßig abgedeckt sein. Die fortschreitende Besserung der Wirtschaft, die zunehmende Steuerehrlichkeit und die Verfeinerung der Steuertechnik ließen auch für die Zukunft noch eine weitere Zunahme der Steuereinnahmen ohne Steuererhöhung erwarten, so daß der bisherige Weg fortgesetzt werden könnte, denn selbstverständlich dürfte kein Pfennig mehr an Schulden ausgenommen werden als unbedingt erforderlich sei. Und ebenso selbstverständlich sei, daß alle Dienststellen, Sparkassen, Versicherungen und einzelne Sparer, die ihr Geld dem Reich für seine Konsolidierungszwecke zur Verfügung gestellt hätten, die Sicherheit haben müßten, und unter Adolf Hitler auch haben könnten, daß ihre Spargroschen sich nicht wieder, wie in den unseligen Nachkriegsjahren, entwerten würden. Die bisherigen Erfolge in der Konsolidierung der Reichsanleihen seien ein Ergebnis der Kapitallenkung gewesen, die notwendigerweise mit einer starken Beschränkung für andere Anleihesuchende verbunden sei. Diese Arbeitsmarktpolitik sei aber nur ein Teil der Kon- zentrierungspolitik, die zur Durchführung der großen Aufgaben eine bestimmte Reichsordnung beim Ar- beits-, Rohstoff- und Geldeinsatz nötig mache. Rom, 7. Okt. (DNB.) Der englische Botschafter und der französische Geschäftsträger haben im Auftrage ihrer Regierungen um baldige Ertei- lunader italienischen Antwort auf den von Paris und London gemachten Vorschlag von Dreierbesprechungen über die spanische Frage und Zurückziehung der Freiwilligen gebeten. In Rom wird erklärt, die Antwort Italiens werde wahrscheinlich noch in der laufenden Wpche er- olgen. „Popolo d'Jtalia" betont nachmals sehr deutlich, daß es am Anfang gerade Italien war, das vorgeschlagen hatte, die Anwerbung von Freiwilligen zu unterbinden. Nicht Italien sei darum dafür verantwortlich zu machen, wenn das Einmischungsverbot nicht von Anfang an auch auf die Freiwilligen ausgedehnt worden sei. Erst durch diese Unterlassung Englands und Frankreichs sei die militärische Einmischung Moskaus und die Anwerbung der sog. internationalen roten Brigade möglich gemacht worden, worauf dann das Eintreten von Freiwilligen auch in das Lager der Nationalen erfolgte. Valencia habe im Völkerbund jede Zurückziehung oder Verabschiedung von roten Freiwilligen ür ausgeschlossen erklärt. Das System der Teil- ?rörterungen würde nur zu neuen Verwicklungen ühren. Es sei also vorauszusehen, daß Italien an Zusammenkünften, zu denen nicht auch die deutsche Regierung eingeladen sei, nicht teilnehmen werde. Die Angelegenheit könne nach allen ihren Gesichtspunkten im Londoner Ausschuß erörtert werden, der dazu die nötigen Vollmachten besitze. Englands 3ntereffe. London, 7. Okt. (DNB.) In Scarborough wurde die konservative Parteikonferenz eröffnet. Der Unterstaatssekretär Lord Plymouth, der Vorsitzende des Nichteinmischungsausschusses, meinte,daß die Entwicklung in Spanien ganz anders verlaufen wäre, wenn jede der im Nichteinmischungsausschuß vertretenen Mächte ihre Verpflichtungen dem Buchstaben und dem Geiste nach immer so eingehalten hätte wie England. Die Einladung zu der geplanten Dreierkonferenz sei ein Beweis dafür, daß England und Frankreich die Mitarbeit Italiens auch in Fragen weiterer Bedeutung wünschten. Die Spanienfrage habe einen engen Zusammenhang mit den englischitalienischen Beziehungen. Der britische Ministerpräsident habe es klargemacht, daß England den außerordentlich starken Wunsch Hube, die guten Beziehungen, die vor dem abessinischen Krieg zwischen England und Italien bestanden hätten, wieder aufzunehmen. Trotz aller Bemühungen aber seien diese guten Beziehungen noch nicht ganz wiederhergestellt, und nach seiner Ansicht sei es die spanische F r a g e, die mehr als etwas anderes sich gegen die Herbeiführung dieses Zieles auswirke. meinschaft und mit deren Autorität. Weitab von dieser nationalsozialistischen Anschauung liegt daher b i e russische Tschekamethode, in der der einzelne nur das Objekt der Willkür brutaler Machthaber werde. Für uns bestehe die Macht des Rechts nicht nur in der Autoritätsanwendung gegenüber dem Uebeltäter, sondern vor allem darin, daß das R e ch t s s i ch e r h e i t s g e f ü h l der Volksgemeinschaft in der Rechtshandhabung immer mehr gesteigert werde. Der Minister erklärte weiter, daß die Strafrechtspflege nicht im Augenblick des Urteils ende, sondern einer ihrer wesentlichsten Bestandteile sei auch die Strafvollstreckung. Dabei müsse oberster Grundsatz bleiben, daß verhängte Strafen auch vollstreckt würden. Der Minister behandelte schließlich das Gebiet des Frauen- und Jugendstrafvollzugs und stellte als Ergebnis feiner Ausführungen drei große Aufgabengebiete des Strafvollzuges heraus: Unschädlichmachung des gemeinen Verbrechers, Bestrafung des straffällig Gewordenen und Erziehung des gestrauchelten Besserungsfähigen. So sei auch der Strafvollzug des Dritten Reiches eine große Tat im Dienste der Erhaltung der Gemeinschaft. In Dortmund fand die Jahrestagung der Fachgruppe „Nahrungs- und Genuß- mittel" der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel statt, in deren Mittelpunkt die „Reichsausstellung 1937 für Nahrungs- und Genußmittel" in der Westfalenhalle stand. Bei der Losung der großen Aufgaben, die der Vierjahresplan auf dem Gebiete Der Sicherung der Volksernährung gestellt hat, und die durch die Begriffe Erzeugungsschlacht, Marktordnung, Preisstaoilität und bodenständige Ernährung gekennzeichnet werden, kommt der Tätigkeit des „M annes hinter dem Ladentische", des Lebensmittelhändlers, besondere Bedeutung zu. Auf der Kundgebung wurde einmal die Bedeutung des Lebensmitteleinzelhandels für die Sicherstellung der Versorgung der Verbraucherschaft mit den notwendigen Lebensgütern, und zum anderen die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen Bauer und Kaufmann, zwischen Erzeuger, Händler und Verbraucher betont. Dr. Merkel vom Stabsamt des Reichsbauernführers kennzeichnete die große Rolle, die der Lebensmitteleinzelhandel innerhalb der Ernährungswirtschaft spielt, und die sich daraus ergibt, daß sein Gesamtumsatz jährlich auf annähernd 20 Milliarden Mark geschätzt wird. Der Leiter der Hauptabteilung III des Reichsnährstandes, Küpper, hob hervor, daß es Pflicht und Aufgabe des Einzelhandels sei, der Hausfrau zu sagen, daß wir uns in Deutschland mit den Erzeugnissen der eigenen Scholle begnügen müßten. * Die in Münster abgehaltene Tagung des deutschen Siedlungswesens brachte in erster Linie einen bemerkenswerten Vortrag des Kommerzienrates Röchling über die Siedlungsleistung des Saargebietes, der naturgemäß unter Grenzlandgesichtspunkten besondere Bedeutung zukommt. Darüber hinaus stand die Tagung unter dem Zeichen einer einheitlichen Ausrichtung der Siedlungspolitik, die bisher von den verschiedensten staatlichen Stellen betrieben und erst kürzlich durch reichseinheitliche Vorschriften zentral zusammengefaßt ist. Nachdem die Zersplitterung Der Gesetzgebung auf dem Gebiete des Wohnungs- und Siedlungswesens auf diese Weise gemildert worden ist, sind nunmehr auch die Voraussetzungen für eine gedeihliche Arbeit der Länder und der Gemeinden gebessert. Die Länder haben die Aufgabe, die einheitliche Siedlungspolitik durchzusetzen und durchzuführen. Bei der Hergabe der Siedlungsträger des Bauplatzes, Der Überwachung Der Kostengestaltung hat Die Arbeit Der Gemeinden zu beginnen. Die Abgrenzung Der ZustänDigkeit von Reich, Ländern und Gemeinden, wie sie auf der Tagung von Mini- fterialrat Dr. Schmitt bargelegt wurde, wird sich vor allem zugunsten des Siedlers auswirken, der im stärksten Maße an einer Vereinheitlichung feines Siedlungsplanes interessiert ist. * In der Textilindustrie hat es 1934 bis 1936 gelegentlich Kurzarbeit gegeben. Die eingeschränkte Versorgung mit Spinnstoffen aus Dem Auslande war besonders empfindlich. Inzwischen hat die Textilindustrie aber stark aufgeholt, wenn diese Verbesserung auch nicht völlig gleichmäßig ist. Wo für Den Export gearbeitet werden kann, bezahlt die Ausfuhr die Einfuhr und gerade in den Industriezweigen, wo die Umstellung am schwierigsten war, ist der Drang zur Ausfuhr am lebhaftesten. Aber das wesentliche ist doch, daß der Anteil ausländischer Spinnstoffe im Monatsdurchschnitt des ersten Halbjahres 1934 noch 56,3; im Sommer 1937 aber nur noch 33,6 Millionen Kilogramm betrug. Dagegen haben im Monatsdurchschnitt derselben Dergleichszeiten die heimischen Spinnstoffe 8,5 bzw. 23,4 Millionen Kilogramm beigetragen. Die Eigenversorgung von Flachs und Wolle einheimischer Herkunft ist von 0,8 auf 3,2, der Zellwolle von 0,6 auf 8, der Kunstseide von 3,6 auf 5,2 und der Reichsspinnstoffe von 3,5 auf 7 Millionen Kilogramm im Monatsdurchschnitt gestiegen! Wir Stehen also vor einem Erfolg, wobei allerdings'zu beachten bleibt, daß wir uns in einer Uebergangs- zeit befinden, die dadurch charakterisiert wird, daß Die verbesserte Versorgung Der verschiebenen Zweige Der Textilindustrie nicht gleichmäßig ist. * Die Deutsche Reichsbahn, die mit ihren Beförderungszahlen zu den besten Wirtschaftsbarometern zählt, hatte auch im August eine weitere Steigerung des Verkehrs in beiden Perkehrssparten. aufzuweisen. Im Personenverkehr erreichte der Urlaubs- und Ferienoerkehr im Fernverkehr seinen Höhepunkt. In Der zweiten Monatshälfte ebbte Der Fernverkehr mit Dem Nachlassen Des Rückreise- Verkehrs aus BäDern unD Sommerfrischen etwas ab. Wenn dabei die Einnahmen aus dem Urlaubs- und Ferienverkehr stärker zurückgingen, als dies nach dem Umfang des Verkehrs anzunehmen war, so ist dies darauf zurückzuführen, daß sich der Rück- reiseverkehr in der Hauptsache auf Urlaubs- karten vollzog, die zur Hin- und Rückfahrt bereits im Vormonat gelost waren. Der Berufsverkehr war ebenfalls unvermindert stark. Die Nachfrage nach Netz- und Bezirkskarten sowie Arbeiterwochenkarten stieg zum Teil weiter an; im Zusammenhang mit Der Steigerung Des Berufsverkehrs machte sich auch ein zunehmender Muster- kofferverkehr bemerkbar. Der außerordentlich hohe Beschäftigungsgrad in fast allen Groß- und Kleinbetrieben infolge umfangreicher Behordm- aufträge, des wachsenden Bedarfs an Derbrauchsgütern aller Art und des steigenden Auslandsabsatzes machte sich trotz des da und dort bestehenden Rohstoffmangels und der Bindung vieler Arbeitskräfte durch Die Erntearbeiten in einem, wenn auch nur geringen weiteren Anstieg Des Güterverkehrs bemerkbar. Die steigenden Anforderungen an den Wagenpark führten bei verschiedenen Wagengattungen zu gewissen Verknappungen und erforderten bereits verschiedenerlei Maßnahmen zur Beschleunigung des Wagenumlaufs, zumal auch Den AnforDerungen Der Heeresverwaltung für Manooertransporte Rechnung getragen roerDen mußte. Im einzelnen waren Die Betriebsleistungen im PersonenzugDienst 5,7 v. H., im GüterzugDienst um 0,27 o. H. stärker als im August Des vorigen Jahres Die Deutsche Bank und Diskonto-Ge- s e l l s ch a f t ist durch Generalversammlungsbeschluß wieder zu ihrem alten und einzigen Namen „Deutsche Bank" zurückgekehrt, was sich Daraus schon logisch ergab, Daß Das Diskontgeschäft nur einen Bruchteil Der übrigen Bankgeschäfte ausmacht. Am 4. Oktober hat nun die DresDener Bank, Die zweite Der Großbankengruppen, in einer Aufsichtsratssitzung festgestellt, Daß sie völlig reprivatisiert sei unD daß sich, nachdem Die letzten 30 Millionen Aktten aus Dem Besitz Der Golddiskontbank in private Hände übergegangen waren, fein Anteil mehr in der öffentlichen Hand befindet. Die Reprivatisierung der Commerz» und Privatbank war bekanntlich schon vor längerer Zeit vollzogen worden. Als infolge Der Zurückziehung Der Auslandskredite 1931 die Banken in Schwierigkeiten gerieten, mußte Der Staat eingreifen, um Schlimmeres, d. h. Den Zusammenbruch Der mit BankengelDern arbeitenDen JnDustrie, zu verhüten. Selbstverständlich hat Die staatliche Beteiligung bei Den Banken auch zu einer sehr komplizierten Kontrollierung geführt. Ferner wurden spezielle Vorschriften in Der Verwertung Der Geschäftsgewinne, z. B. in Der DiviDendenpolitik, gemacht. Zum erstenmal konnte Die DresDener Bank roieDer eine Dividende von 4 v. H. im Jahre 1935 verteilen. Die Belebung Der Wirtschaft f)at Das Vertrauen in Die Bankenpolitik gesteigert unD so gingen allmählich in kleinen Paketen rund 120 Millionen Mark Aktien Der Bank aus Der öffentlichen in Die private HanD über. Die Goldverluste Der Bank von Frankreich seit Dem Jahre 1935 roerDen jetzt, obgleich noch keine einmanDfreie Statistik vorliegt, auf nicht weniger als 55,4 Milliarden Auriol-Franken angegeben; nach Der jetzigen Parität also auf rund 85 MilliarDen Franken. Nunmehr haben Leonard Rist unD Philippe Schwob für 1936 versucht, Die Kapitalflucht einzuschätzen, Die merfroürbiger« weise in Den französischen Statistiken niemals angegeben rourbe. Für 1935 schätzen sie Die Kapitalflucht auf 16 Milliarden Poincare-Franken, für 1936 auf 25,6 Milliarden Auriol-Franken. In diesen beiden Jahren ist also ein Betrag von 48 Milliarden gemäß einem Pfupdkurs von 105 aus Frankreich geflüchtet. 1937 sind mindestens 12 Milliarden Franken weiter Den Weg ins Ausland gegangen, so daß also rund 60 Milliarden Franken bei einem Pfundkurs von 105 zu berechnen wären. Nach dem jetzigen Franken-Wert, der bei 150 liegt, entspricht Das einer Summe von 90 Milliarden Franken. Es hat sich also gezeigt, daß alle behördlichen halben Maßnahmen, Die geflüchteten Franken wieder zur Rückkehr zu bewegen, vergeblich gewesen sind. Hinzu kommt aber noch, daß der Fehlbetrag Der Zahlungsbilanz zugenommen hat, und zwar von 70 Millionen Poincare-Franken im Jahre 1935 auf 4 Milliarden Auriol-Franken im Jahre 1936, und voraussichtlich wird in diesem Jahr das Defizit 5 Milliarden Bonnet-Franken ausmachen. Jüdisch-kommunistische Volksfrontbestrebungen in Lettland. Riga, 8. Okt. (DNB. Funkspruch.) Vor dem Rigaer Bezirksgericht fand wiederum ein Prozeß gegen eine geheime kommuni st isch-mar- xistische Organisation statt, wobei sämtliche 10 Angeklagten Juden sind. Neben Der geheimen Kommunistischen Partei LettlanDs arbeiten noch zahlreiche kommunistische unD marxistische Organisationen, die sich sechs Monate nach Der Einführung Der autoritären Staatsführung in LettlanD, von Der alle kommunistischen unD marxistischen Organisationen verboten wurden, zu einer „Volksfront" zusammenschlossen. Die Juden bildeten eine eigene Gruppe innerhalb Def marxistischen Organisation, wobei sie in den in jüdischer Sprache verfaßten Flugblättern „die jüdischen Volksmassen aufrufen, als Pioniere der lettt- scheu Volksftont tätig zu sein"» Strafe und Strafvollzug Rechtsmaßnahmen der Gemeinschaft. München, 8. Okt. (DNB.) Die Deutsche Gesellschaft für Gefängniskunbe hielt eine Arbeitstagung ab, in Der ihr Ehrenpräsident, Reichsminister Dr. Frank, über die Probleme der Strafrechtspflege und des Sttafvollzugs sprach. Dr. Frank führte aus: „Wir gehen als National- ozialisten an die Fragen des Strafvollzugs als Wahrer des Rechts und damit im letzten Hinblick auch als Wahrer Der Voiksdelange heran. Als ein Ergebnis Der Erfahrungen Der letzten vier Jahre möchte ich als ersten Grundsatz Herausstellen: Die Strafe kennt Der nationalsozialistische Staat nur als Folge Des Richterspruches. Wir treten Damit Der Meinung Des AuslanDes schärf - tens entgegen, Daß Das Dritte Reich außerhalb >er richterlichen ZustänDigkeit Strafvollmachten erteilt hätte an nicht unmittelbar Der Rechtswelt angehörende Faktoren. Weiter stellte Dr. Frank heraus, daß Die Strafe eine Rechtsmaßnahme Der Gemeinschaft Darstelle, Die nur in einem rechtlich georDneten Berühren bewirkt roerDen könne. Freiheit, Ehre, Beruf und Leben seien höchste Güter Der Gemein- chaft, und niemand Dürfe sie verlieren, es sei Denn in einem rechtlichen Verfahren im Namen Der Ge- Wie sieht es in der - 'U: irtschast aus. Wie alljährlich gibt Die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung unD Arbeitslosenversicherung einen Rechenschaftsbericht heraus, Der einen aufschlußreichen Ueberblick über Die Entwicklung auf Dem Arbeitsmarkt vermittelt. Dieser Bericht, Der gleichsam Den Schlußstrich unter einen vierjährigen Kampf Des Nationalsozialismus gegen Das Massenelend Der Arbeitslosigkeit Darstellt, behandelt Die Zeit vom 1. April 1936 bis zum 31. März 1937. Als am Beginn Des nationalsozialistischen Aufbauwerkes Der Führer Die Losung von Der Vor- Dringlichkeit Der Beseitigung Der Arbeitslosigkeit ausgab, waren bei Den Arbeitsämtern mehr als 6 Millionen Volksgenossen arbeitslos gemeldet. Seitdem sind mehr als vier Jahre vergangen. Das letzte Jahr hat mit einem Erfolg geendet, Der in Anbetracht Der Zusammensetzung Der Schicht Der nach Drei Jahren eines stürmischen wirtschaftlichen Aufschwunges noch arbeitslos gebliebenen Volksgenossen mindestens ebenso hoch zu bewerten ist wie Die am Ende Des ersten Jahres erreichte besonders große Abnahme Der Arbeitslosigkeit. Die Abnahme Der Zahl Der Arbeitslosen war im Berichtsjahr nicht nur absolut (minus 691 782), sondern auch anteilmäßig mit 35,7 v. H. roieDerum größer als im Vorjahr (minus 464 769 ober 19,4 v. H.). Diese Erscheinung ist umso bemerkenswerter, als Die im Laufe eines wirtschaftlichen Aufschwunges noch zurückbleibenDen Arbeitslosen sich immer aus solchen Personen zusammensetzen, Deren Unterbringung auf Schwierigkeiten sozialer und beruflicher Art stößt, mit anDeren Worten, Daß Der Anteil Der nur schwer in Arbeit vermittelbaren Arbeitskräfte an Der Gesamtzahl Der Arbeitslosen bei sinkender Arbeitslosenziffer steigt. Daneben machte sich schon 1935/36 und noch stärker im Berichtsjahr in einer steigenden Zahl von Berufen ein Mangel an Facharbeitern bemerkbar. Auf Dem Wege über Den zwischenbezirk- lichen Ausgleich und die beruflichen Bildungsmaßnahmen (Umlernung in Lehrgängen, betriebnahe Einzelausbildung) konnten zahlreiche Volksgenossen aerobe Den ausgesprochenen Mangelberufen zugeführt werben. Ueber bie Bebeutuna Der Facharbeiterfrage sprach kürzlich Der Präsibent Der Reichsanstalt für Arbeitslosenoermittlung unb Arbeitslosenversicherung Dr. S y r u p. Ein planvoller Arbeitseinsatz sei Die wichtigste Voraussetzung für bas Gelingen des Dierjahresplanes. Auch die Nachwuchsfrage sei stark zu beachten. In der Metallindustrie müßten besonders viele Lehrlinge ausgebildet werden, Da diese Industrie viele Nachwuchskräfte später an andere Berufsgruppen abgebe. Das gelte auch für die O p t i k u n d Feinmechanik. Mit Massenartikeln könne Deutschland auf dem Weltmarkt keine Rolle spielen, lediglich mit Spezialerzeugnissen. Die Ausbildung Der Lehrlinge müsse mit größter Sorgfalt geschehen. Damit diese Nachwuchskräfte bann bie Qualitätsarbeit liefern konnten, die noch immer auf bem Weltmarkt gefragt sei. Hinsichtlich ber Bauwirtschaft betonte Dr. Syrup, daß ber Bau von Wohnungen für Landarbeiter vorbringlichste Aufgabe sei. Er schloß seine bemerkenswerten Ausführungen mit ber Feststellung, baß der Staat eine gut beschäftigte, von großen Schwankungen freie und innerlich gesunde Wirtschaft wolle. Schuloereins, Dr. Mayer, ging hervor, daß der innere Aufbau der Organisation durch die Gründung neuer Kreisleitungen in Eisenstadt und in Bregenz vervollständigt worden sei. — Im slowenischen Gebiet Oesterreichs konnten drei neue Schulgebäude und ein deutsches Hehnathaus errichtet werden. Desgleichen wurden zur Erhaltung deutschen Bauernbesitzes im slowenischen Grenzgebiet bedeutende Mittel zur Verfügung gestellt. Dr. Steinacher wandte sich mit Schärfe gegen die immer wiederkehrenden Versuche, dem Streben der deutschen Schutzarbeit andere Beweggründe zu unterschieben, als sie fremde Völker ihrer Schutzarbeit zugrunde legen. Das deutsche Volk achte jedes anderen Volkes Würde, beanspruche aber auch A ch - tung seines Volkstums in fremden Staaten. Seit 1918 sei in dem langen Ringen des deutschen Volkstums int Ausland trotz der heftigen Angriffe nicht in einem einzigen Gebiet dem Gegner der Durchbruch gelungen. Das gebe das Recht, aber auch die Pflicht zum Glauben an die Kräfte des deutschen Volkstums. Dr. Steinacher schloß seine Ausführungen mit einem Wort aus der ersten Schrift über den Heldenkampf der Tiroler Der Hausarzt als Cheberater. Ein Kursus des Hauptamts für Volksgesundheit auf der Ordensburg Vogelsang. Durchführung des Ehegesundheits - Gesetzes. Oer Bischof von Aachen f. Aachen, 7. Okt. (DNB.) Im Krankenhaus von Monschau starb der Bischof von Aachen, Dr. Vogt, im Alter von 72 Jahren. Bischof Dr. Vogt war schon seit längerer Zeit kränklich. Als ein geborener Grenzlanddeutscher hat er sich bei verschiedenen Gelegenheiten als aufrechter deutscher Mann erwiesen. In der Zeit des Weimarer Systems hat er als damaliger Generalvikar der Erzdiözese Köln die Aechtung der nationalsozialistischen Freiheitskämpfer nicht mitgemacht. Er sorgte dafür, daß der im Dezember 1930 von Kommunisten ermordete junge Nationalsozialist Claus Clemens trotz des allgemeinen Bannstrahls, den die Kirche gegen Nationalsozialisten ergehen ließ, und trotz der Weigerung des örtlich zuständigen Pfarrers eine kirchliche Beerdigung erhielt. Bischof Dr. Vogt hat die Wiedererhebung des deutschen Volkes unter Adolf Hitler von Herzen begrüßt und die Leistungen der nationalsozialistischen Staatsführung im Gegensatz zu manchen anderen hohen Geistlichen immer anerkannt. Er war stets bemüht, ein auch vom nationalsozialistischen Staat gewolltes gutes Einvernehmen zwischen Staat und Kirche herbeizuführen. Seine schwerste Sorge sah er darin, die Stimme seines Blutes und das Interesse seines Volkes mit der Gehorsamspflicht gegenüber der römischen Kirche in Einklang zu bringen. Schon der Ton feiner Hirtenschreiben hob sich oft durch seine Mäßigung von Veröffentlichungen so mancher seiner Amtskollegen ab. Sein Tod ist ein schwerer Verlust für die Grenzbevölkerung der Diözese Aachen. * Der Führer und Reichskanzler hat dem Domkapitel in Aachen zum Ableben des Bischofs Dr. Joseph Vogt telegraphisch seine herzliche Teilnahme ausgesprochen. An den Bruder des Verstorbenen richtete Gauleiter Grohs folgendes Telegramm: „Empfangen Sie mein aufrichtiges Beileid zum Hinscheiden Ihres Herrn Bruders, Seiner Exzellenz des Bischofs von Aachen, Dr. Joseph Vogt, welchen ich ils nationalen Mann und einsichtigen und gerechten Priester schätzen gelernt habe. Möchten doch viele Priester sich an seiner oft bewiesenen Treue zum deutschen Volk ein Beispiel nehmen." Frankreichs Aufrüstung zur See. Der „Figaro" kündigt ein Ban^rogramm von 2,930 Milliarden aü. Paris, 8. Okt. (DNB. Funkspruch.) Im Haushaltsplan 1938 ist, wie der „Figaro" meldet, eine Flottenbautranche von insgesamt 55 000 Tonnen im Gesamtwerte von ungefähr 2,930 Milliarden Franken enthalten. Doch sollen im nächsten Jahre nur 39 Millionen für eine erste Tranche vorgesehen fein. Geplant sind: 2 Flugzeugträger, ein Kreuzer, 3 Torpedoboote, 3 leichte Torpedoboote, 5 U-Boote und 2 Motorschiffe. Nach dem Londoner Flottenvertrag von 1936 dürfen Flugzeugträger nicht mehr als23000 Tonnen Wasserverdrängung haben, wahrscheinlich werden die beiden zu bauenden neuen französischen Flugzeugträger nicht ganz diese Tonnage haben. Der Kreuzer „de Grasse" von 8000 Tonnen erhält eine Hauptbestückung von 9 Geschützen zu 15,2 Zentimeter in drei Türmen. Mit der Fertigstellung dieses Kreuzers wird die Zahl der Einheiten dieses Typs auf acht erhöht. Die drei Geschwader- Torpedoboote werden je 1770 Tonnen verdrängen und sollen vor allem als Kreuzer-Begleitschiffe zur Verhinderung von U-Boot- a n g r i f f e n dienen. Die leichten Torpedoboote von je 1000 Tonnen gehören zu einem neuen Typ, von dem bereits drei in diesem Jahre bestellt worden sind. Don den fünf geplanten U-Booten wird eines ungefähr 1500 Tonnen haben, die übrigen vier werden eine Tonnage der zweiten Klasse besitzen. Die Boote sollen ältere im Jahre 1922 auf Kiel gelegte Uboote ersetzen. Oie Labour-Partei billigt die Aufrüstungspolitik. ' London, 8. Okt. (DNB.) Nach einer erregten Aussprache wurde von der Labour-Konferenz in Bournemouth die englische Aufrüstungspolitik m i t großer Mehrheit gebilligt. Für die Aufrüstung wurden 2169 000 Stimmen, dagegen nur 262 000 Stimmen abgegeben. Die Minderheit wurde Aka. 550 Aerzte der Gauämter und Verwaltungsstellen des Hauptamtes für Volksgesundheit waren in einem soeben beendeten Kursus auf der Ordensburg Vogelfang zusammengezogen worden, um in die wichtigste Aufgabe der künftigen Volksgesundheitsführung eingeführt zu werden: Positive Be- oölkerungspolitik durch Eheberatung. — Es soll diese Arbeit vornehmlich dem Hausarzt zufallen, der die Familie und ihre Gesundheitsgeschichte kennt und der, ausgerüstet mit den notwendigen erbbiologischen Kenntnissen die künftigen Ehepartner beraten wird, Es ist zur Erreichung dieses Ziels notwendig, daß einmal der Hausarzt, der in der vergangenen Epoche fast schon ausgestorben schien, wieder zum Leben erweckt wird und daß noch vor dem Inkrafttreten des Ehege- sundheitsgesetzes die Aerzte auf ihre Pflichten vorbereitet werden. Der aus Burg Vogelsang erstmalig durchgeführte Kursus soll deshalb mehrfach wiederholt werden. In seiner Eröffnungsansprache ging der Kursus- leiter Prof. Dr. P a ck h e i f e r auf die geschichtlichen und weltanschaulichen Grundlagen des nationalsozialistischen Rassegedankens ein. Eine besonders wichtige Rolle unter den Maßnahmen der Gesundheitsführung des deutschen Volkes wird in Zukunft zweifellos das Ehegesundheitsge- setz spielen, über dessen Durchführung Dr. Brunk sprach. Es soll einerseits durch rassenhygienische Eheberatung erzieherisch wirken und andererseits die Fortpflanzung Minderwertiger hemmen helfen. Es ist in erster Linie der Hausarzt im besten Sinne, der die Familien, die er betreut, zu rasse- hygienischem Denken und Handeln hinleiten muß. Er muß schon vor der Verlobung die jungen Menschen, deren Erbgut er ja kennt, beraten. Ferner soll der Hausarzt die \ künftigen jungen Eheleute auf ihre Ehetauglichkeit Untersuchen und dem Amtsarzt das Ergebnis einreichen, der daraufhin das Ehetaualichkeitszeugnis ausstellt oder verweigert. Die gesetzlichen Voraussetzungen des Eheverbotes gehen über die Bestimmungen des Sterilisationsgesetzes weit hinaus. Gegen die Versagung der Ehe gibt es das Rechtsmittel der zweimaligen Beschwerde an das Erbgesundheitsgericht sowie das Erbgesundheitsobergericht. Außerdem können die Verlobten an den Reichsminister des Innern oder die von diesem beauftragte Verwaltungsbehörde ein Gesuch um Befreiung vom Ehehindernis richten. Ein Ehegesundheitszeugnis verliert nach sechs Monaten seine Gültigkeit. Wird eine Eheerlaubnis versagt, so kann sie nach sechs Monaten neu beantragt werden. Für Ehen zwischen Deutschen und Ausländern gilt das Ehegesundheitsgesetz nur, wenn der männliche Partner Deutscher Reichsangehöriger ist. Eine wichtige Zukunftsrolle in der Erbbiologie wie in der Eheberatung wird die Sippenforschung spielen, über deren gegenwärtigen Stand der Leiter des Amtes für Sippenforschung der NSDAP, und der Reichsstelle für Sippenforschung im Reichsinnenministerium Dr. Mayer berichtete. Die Reichsstelle für Sippenforschung hat die Aufgabe, die ihr eingereichten Abstammungstafeln zu prüfen und Abstammungsbescheide zu erteilen. Die Grundlage ihrer Arbeit bilden die Urkunden. In allen zweifelhaften Fällen werden wissenschaftliche Institute, insbesondere das Kaiser-Wilhelm-Jnstitut für Anthropologie in Berlin-Dahlem, zur Begutachtung herangezogen. Eine besonders umfangreiche und für die Zukunft wertvolle Arbeit ist die photographische Aufnahme der Kirchenbücher. Schon jetzt ist bereits der 60 Teil des deutschen Volkes in den Archiven erfaßt. Die sippen- kundliche Forschung muß in die Betriebe vor- stoßen und den Arbeiter zu gewinnen suchen. Ein vorbildliches Beispiel hat hier die Familie Krupp gegeben, die seit Jahrzeynten die Familienbilder aller Werkangehörigen gesammelt hat und heute wertvollste Unterlagen für die Sippen ihrer Arbeiterfamilien besitzt. Der Schulungslehrgang brachte Einzelfragen der Vererbung krankhafter Anlagen und ihrer Bewertung für die Eheberatung. Eine große Rolle in der überlieferten Dolksmeinung spielen unter dem Erbkrankheiten die körperlichen Mißbildungen. Hier hat die Forschung gezeigt, daß die Verhältnisse anders liegen. Wie Prof. Kreuz mitteilte, haben 80 v. H. aller Körperbehinderten ihr Leiden nach der Geburt erworben und müssen als erbgesund geltest, soweit sie aus erbgefunben Familien stammen. Nur 20 v. H. solcher Leiden sind angeboren und von diesem wiederum hat die Hälfte im Mutterleib den Schaden erworben. Also dürfen nur 10 v. H. der Körperbehinderten als erbkrank gelten. Es ist also außerordentlich ungerecht, Körperbehinderte ohne weiteres als rassisch minderwertig anzusehen. Am schwierigsten ist die Beurteilung von Erbfragen bei inneren Krankheiten. Prof. Bremer vertrat die Ansicht, daß bei fast allen Infektionskrankheiten die erbliche Gesamterscheinung, der Genotyp, eine große Rolle spielen. Diel und Verschuer haben das an Zwillingen für die Tuberkulose sehr eindeutig nachweisen können. Auch Herz- und Gefäßkrankheiten sind stark in der Erbmasse begründet. Es ist aber meist nicht die Krankheit selbst, sondern eine bestimmte Art des Reagierens der Gefäße auf alle möglichen Reize, die sich vererbt. Bei Magen- und Darm- krankheiten läßt sich der Nachweis der Erblichkeit um so leichter führen, wenn die Krankheit schon in jüngeren Jahren einfetzt. „Magensäure", jener Zustand der Ueberfäuerung des Magensaftes, kann so- viele verschiedene Ursachen haben, daß sehr schwer ihre Erbbedingtheit nachgewiesen werden kann. — In den letzten Jahren ist es gelungen, bei einer ganzen Reihe von Blutkrankheiten den Erbfaktor zu finden, so daß der alte Volksglaube, daß das Blut der Träger der Vererbung ist, eine eigenartige Bestätigung gefunden hat. Bei der perniziösen Anämie, der bösartigen Blutarmut, ist der Erbanteil so groß, daß man die alte Theorie, die Ursache dieser Krankheit liege in körpereigenen Giften, nicht mehr voll gelten lassen kann. Die Tatsache, daß sich die bösartige Blutarmut mit Leber- diät heilen kann, spricht nicht gegen die Auffassung der Erbgebundenheit. — So dürfen bei der Eheberatung auch die Erbanlagen zu inneren Krankheiten nicht übersehen werden. von Lansbury geführt, der erklärte, daß seine Gruppe gegen alle Voranschläge für die englische Wehrmacht stimmen werde. Der Gewerkschaftsführer Clynes erklärte dagegen, daß „Pazifismus als Politik" der Todesstoß für die Labour-Partei fein werde. Die Ausrüstung sei im Interesse der Arbeiterklasse und der Nation. S a l t e r erklärte, je mehr England aufrüste, um so entschlossener werde Deutschland fein, die ihm zustehenden Rechte durchzufetzen. Es wäre besser, wenn man Deutschland die Hand der Freundschaft entgegenstrecke, gleichfalls abrüsten und versprechen würde, die deutschen Beschwerdegründe freundschaftlich zu erwägen. DeutscheVolkstumSarbeit imSüdosten Wien, 5. Oft. (DNB.) Der Deutsche Schulverein Südmark hielt im Beisein des Bundesministers Glaise - Horstenau, des Attaches von Haften in Vertretung des deutschen Botschafters und des Präsidenten des VDA., Dr. Steinacher, seine Generalversammlung ab. I Aus dem Referat des Obmannes des Deutschen 1809: „Die stärksten Heere sind nicht unbesiegbar, unbesiegbar aber ist die Kraft des deutschen Nationalgefühls". Meine politische Nachrichten. In dem gestrigen Leitaufsatz „Opfernde Na- t: o n" muß es ungefähr in der Mitte des vorletzten Absatzes natürlich lauten, daß uns kein Opfer z u groß sein kann, das Winterhilfswerk als Born nationaler Energien unversiegbar zu machen. * Der Reichsminister des Innern hat die Verwaltung der Stelle des Regierungsdirektors der Abteilung für höheres Schulwesen bei dem Oberpräsidium der Provinz Hessen- Nassau in Kassel ab 1. Oktober 1937, zunächst auftragsweise, dem Oberschulrat Kölling in Breslau übertragen. Aus aller Welt. Schweres Unwetter in Mittelilalien. Das Unwetter in der Nacht auf Donnerstag hat in ganz Mittelitalien schweren Schaden angerichtet. Die direkte Eisenbahnlinie Rom—Florenz ist in der Gegend des Trasimenischen Sees infolge großer Ueberschwemmungen unterbrochen worden. Ebenso ist die telephonische und telegraphische Verbindung der italienischen Hauptstadt nicht nur mit den zentraleuropäischen Hauptstädten, sondern auch mit Paris und London unterbrochen gewesen. Rom wurde in den Morgenstunden des Donnerstag von einem mit Wolkenbrüchen verbundenen Unwetter heimgesucht, das an verschiedenen Stellen der Stadt zur Unterbrechung des Straßenverkehrs führte und auch beträchtlichen Sachschaden anrichtete. Teilhaber und Sparer um eine Million Zloty geschädigt. In der polnischen Oeffentlichkeit erregt ein raffinierter Bankbetrug des Juden Szaja M ende l s o h n in Lodz großes Aufsehen. Mendelsohn hatte sein Bankunternehmen vor einiger Zeit gegründet und die Spareinlagen dadurch zu steigern versucht, daß er Zinssätze bis zu 24 v. H. jährlich (!) zu zahlen versprach. Jetzt mußte die Bank ihre Zahlungen einstellen, nachdem die Kassierer fest- gestellt hatten, daß nicht nur die Reservekassen leer waren, sondern auch die Konten bei anderen Banken abgehoben waren. Mendelsohn selbst ist mit dem von ihm unterschlagenen Geld spurlos verschwunden. Die Verluste, die die Teilhaber und Sparer durch den Betrug des Juden erleiden, sollen sich auf eine Million Zloty belaufen. Elf Tote bei einem Autounglück in Niederländisch- Indien. Bei Semarang (Nioderländisch-Jndien) alitt ein Lastkraftwagen durch Versagen der Bremse einen Abhang hinab. Hierbei raste er in zwei Häuser und zerstörte sie völlig. Elf Personen wurden g e ■ tötet. Wetterbericht des Reichswetlerdiensles, Ausgabeort Frankfurt. Mit dem fortgesetzten Lustdruckfall konnte sich über dem europäischen Festland eine Tiesdruckrinne entwickeln, die auch uns neue Witterungsverschlech- terung gebracht hat. Stärkere Niederschläge sind am Nordrande gefallen, die in den höheren Lagen meist aus Schnee bestanden. Wenn auch bereits Luftdruckanstieg im Gange ist und wir mehr und mehr an die Südseite kommen, so ist doch eine rasche und durchgreifende Besserung noch nicht zu erwarten. Aussichten für Samstag: Meist dunstig und bewölktes Wetter mit Neigung zu leichten Regenfällen, Temperaturen wenig geändert, schwache Luftbewegung. Aussichten für Sonntag: Zeitweise aufheiternd, doch keine durchgreifende Besserung und noch immer unbeständig. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr.W. Lange; für Feuilleton: Dr.Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IX. 37: 9248. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugs- preis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufs- preis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit dec Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. - ,* - ■■ „Ist die Ernte so gut geraten, daß du dir von ihrem Erlös den Brunnen bauen lassen kannst?" „So ist es, Herr; doch komm, überzeuge dich selbst." Im Schein der Lampe stehen wir dann vor der Hauswand, an der die langen Schnüre mit den aufgereihten Tabakblättern hängen. „Sieh, Herr, die „oberen Hände"/) bei euch „Spätlese" genannt, wie prächtig sie geraten sind," und voll Stolz fährt er fort: „Unser Dorf ist berühmt in der ganzen Welt ob seines Tabakes, und mein Maxoul (Ernte) ist dieses Jahr das beste unseres Dorfes." Fragend blicke ich meinen Dolmetscher an. „Es stimmt, es ist aus diesem berühmten Dorf das beste Maxoul, das nach Bremen gehen wird,bestimmt für die Mischung der .SPÄTLESE o/M .' Als ich DermendJUer erreiche, ist es NachL Auf einem Hof flackert gespenstisch ein Licht und beleuchtet zwei Männer an einem Gerüst. Nach welchem Schatz wird hier gegraben? Nach einem der kostbarsten Schätze hier unten: nach Wasser. Einen Augenblick später sitze Ich als Gast des Bauern in seinem Hause, trinke den dicken, süßen, türkischen Mokka und esse dazu eingemachte Rosenblätter. „Wann wirst du das erste Wasser deines neuen Brunnens trinken können?", frage Ich meinen Gastgeber. „Nicht ich, Herr, werde das erste Wasser trinken, sondern die junge Saat im nächsten Frühjahr; denn der Ernte meiner Felder verdanke ich diesen Brunnen und ihnen gebührt der erste Trunk." um öJ.Jpori Wer das erstemal die Seinestadt besucht, sollte es so einrichten, daß er nachmittags ankommt, sich ins Hotel begibt und erst nach Einbruch der Dunkel- heü wieder auf die Straße hmausgeht. Der große Betrieb an den Seine-Kais ist stiller geworden. Dunkel liegt die lange Seitenfront des Louvre. Quer über den äußeren Hof des Gebäudekomplexes, vorbei an dem von der Herrschaft des Jugendstils zeugenden Denkmal für Gambetta, geht noch ein leichter Abendverkehr. Davor breitet sich in mattem Licht, das gespenstisch die vielen Figuren und Basen auf den Blumenrabatten beleuchtet, der zier- : liche Louvre-Garten, an den sich dann nach dem Triumphbogen Napoleons, der einst für die Viktoria vom Brandenburger Tor in Berlin be- - stimmt war, im heimlichen Halbdunkel die T u i l e - rien-Gärten anschließen. Es ist ein geschlossener Hain, in dem nach den Regeln der französischen Gartenkunst die Bäume wie am Schnürchen ausgerichtet sind, nur eine breite Allee in der Mitte freilassend, die durch breite Wasserbecken unterbrochen und abgeschlossen wird, in denen Tag und Nacht der Springbrunnen plätschert. Der Pariser erholt sich am Rand der Becken von der Hitze des Tages oder ergeht sich im raschelnden Laub dieses frühen Herbstes auf dem Kies unter den Bäumen; ein paar Kinder lassen noch ihre Schiffchen schwimmen. Doch wenige Schritte aus dieser Abendidylle heraus führen uns mitten in das Pariser Leben hinein, in den mit faszinierendem Tempo pulsierenden Weltstadtverkehr, dessen Herz die Place de la Concorde ist. Bei diesem Gegensatz von Schwarz und Weiß begreift man im Nu, daß Paris tatsächlich eine L i ch t st a d t ist. Einst waren mit dieser Bezeichnung die hellen Fronten der Kalksandstein-Architektur geweint, die inzwischen düster geworden sind. Dafür strahlt der gewaltige Platz, der in Europa nicht seinesgleichen hat, von einer fast unvorstellbaren Lichtfülle. Er hat seine heutige Gestalt schon 1854 durch den Kölner Baumeister Hittors erhalten. Der hellerleuchtende Rosengranit des Obelisken von Luksor ist flankiert von schäumenden Springbrunnen, deren gläserne Fassungen von innen erleuchtet sind. Die breiten Fronten der klassizistischen Monumentalbauten des Kriegsmarineministeriums sind ebenso angestrahlt wie dahinter am Ende der wahrhaft königlichen Rue Royale die Säulenfassade der Kirche La Madeleine und seitlich die Galerie der Tuilerien. Vom anderen Seine-Ufer, gegenüber der Madeleine, leuchtet im Strahl der Scheinwerfer die Abgeordneten-Kammer herüber; und nach Westen dehnt sich die breite Prunkstraße der Champs Elysees bis herauf zu dem Triumphbogen am E t o i l e, der, mit einem Kranz von Lichtbändern umgeben, vor dem schwarzen Nachthimmel steht. Auf dieser ganzen großen Fläche und die Allee entlang die mehr als zwei Kilometer bis zum Triumphbogen flimmert es von glitzerndem Licht. Erst allmählich kann man dieses funkelnde Spiel des Lichtermeeres begreifen. Heber die Concorde, herauf in die Königliche Straße zur Madeleine und über die weite Strecke der Champs Elysees flutet und stürmt und tobt wie ein reißender Strom eine Flut von Autos. Vier, sechs Wagen nebeneinander in beiden Richtungen wenigstens einmal im Leben in Ruhe und ohne jede Knickrigkeit Paris zu erleben. Licht- und Wasserkünste, wuchtige Gebäude, weite Repräsentationsplätze und lang gedehnte Alleen bilden das leuchtende Gesicht von Paris. Es gehört doch schon ein Ruck dazu, bis man es wagt, sich in diesen Trubel zu stürzen. Hat man sich aber erst einmal ein Herz gefaßt, so merkt man schnell, wie geregelt und gefahrlos es in dem scheinbaren Chaos des Pariser Verkehrs zugeht. Die Schutzleute an der Bordschwelle oder inmitten der Straße beschleunigen noch mit wirbelnder Bewegung des an der Hand hängenden weißen Gummiknüppels das Tempo; aber sie heben nur kurz die Zeigefinger, die Wagen stehen und die Straße ist frei. Doch auch.Lhne diese Hilfe kommt man kreuz und quer über Straßen und Plätze, weil jeder Autofahrer auch bei seinem rasenden Tempo das Recht des Fußgängers auf die Straße anerkennt und mit selbstverständlicher Höflichkeit bestimmt jeder Dame ausweichen wird, wobei man freilich die Nerven dazu haben muß, daß haarscharf vor und hinter einem die Wagen vorbeirasen, während man sich gemächlich über den Fahrdamm schlängelt. Es gibt freilich auch noch ein anderes Pa- r j s. Man kann das ahnen, wenn man eben den Beamten mit der Laterne in der Hand unter der Seine-Brücke im Dunkel der niederen Uferstraße Fußball der SA.-Kampfgemeinschast. SA.Kampfgemeinschaff I — Lollar IL SA. II — 1900 Gießen III. Zum zweiten Verbandsspiel tritt die SA. am Sonntagnachmittag in folgender Aufstellung an: Lotz; Sauer, Weller; Steinei, Heilmann, Glitsch; Weihrauch I., Weihrauch IL, Kreiling, Schmitz, Schneider. Der Ausgang des Spieles ist als offen zu bezeichnen. Ein knapper Sieg der SA.-Mann- schaft ist jedoch zu erwarten. Das Spiel findet auf dem Unioerfitätssportplatz statt. Nach dem guten Abschneiden gegen VfB.-Reichs- bahn III ist auch gegen 1900 III mit einem Sieg der zweiten SA.-Mannschaft auf dem Sportplatz 1900 ju rechnen. Spiele derKreisklaffen om 10. Off 06er. 1. Kreisklasse. Rüddingshansen I — VfB.R. Gießen I. * VfB.-R. Gießen konnte in den beiden vorhergehenden Spielen auf eigenem Platze hoch gewinnen. Auch das Spiel gegen Rüddingshausen wird VfB.R. für sich entscheiden können. verschwinden sieht oder sich gar aus der nachtdunklen 6ite, der Altstadt, in das Viertel bei der Bastille oder auch bei Tage in den geschäftigen Wirbel des» unangenehmen Straßenschmutzes um den Nordbahnhof begibt. Doch auch das kann den Eindruck nicht verwischen, daß die Menschen in Paris ohne Sorgen zu sein scheinen, daß sie von all dem politischen Trubel und dem offensichtlichen Niedergang der Wirtschaft noch zu wenig berührt sind, zu ahnen, daß mit den marxistischen Methoden der Gegenwart doch auch der Reichtum des Landes, der dieses Paris nährt, gefährdet werden könnte. Frithjof Melzer. Nächtlicher Bummel durch Paris Stadt des Lichts. - Erste Eindrücke. SA.-Kampfgemeinschaft Gießen I — Lollar IL Aus diesem Spiel wird die SA. als Sieger hervorgehen. Heuchelheim I — Allen-Vuseck I. Hier stoßen zwei gleichwertige Gegner aufeinander. Der Ausgang -dieses Spieles ist nicht vorher- zusagen. Großen-Vuseck I — Wieseck I. Die Mannschaft von Wieseck hat bisher noch nichts gezeigt und wird wohl in Großen-Bufeck die Punkte lassen müssen. Garbenleich I — 1900 Gießen II. Die Garbenteich er werden dieses Spiel auf eigenem Platze wohl gewinnen. VfB.-R. Gießen II — Lich I. Lich konnte am vorigen Sonntag gegen Hungen einen hohen Sieg herausholen, trotzdem dürste die 2. des VfB.-R. das Spiel gewinnen können. Hungen I — Sfeinbad) I. Die technisch bessere Mannschaft von Steinbach könnte das 'Spiel überlegen gestalten und die Punkte erringen. und auf dem Platz querdurcheinander ihren verschiedenen Zielen zustrebend mit diesem rasenden Tempo, das in Paris gefahren wird, Privatwagen und Taxen in den in Paris so beliebten leuchtend bunten Farben und die niedrigen Omnibusse, die wohl altertümlich aussehen und doch schnell und sicher das Tempo mithalten, ja erst bestimmen. Es gibt keine großen Bogenlampen oder weithin sichtbare Lichtquellen. Alles scheint aus sich heraus zu leuchten. Aber eine Fülle von Gaslampen steht auf dem Platz und entlang den Prunkstraßen. Man möchte das für rückständig halten; vielleicht verdanken diese Lampen ihr Dasein auch tatsächlich nur der konservativen französischen Sparsamkeit, die jedwedes Dina bis zur letzten Möglichkeit aufbraucht. Aber dieses Gaslicht flimmert viel stärker als die falte elektrische Lampe, es gibt einen silbrigen Glanz, der das glitzernde Spiel erst recht vervollkommnet. Gerade das bewirkt, daß man aus nächster Nähe erst beim Ueberqueren des Platzes bemerkt, daß, gedeckt durch Balustraden und am Rande durch Bäume, sicher an 1000 Autos noch hier parken, ohne eigentlich recht sichtbar zu sein. Jetzt zur W e l t a u s st e l l u n g , die sich von hier im Herzen der französischen Hauptstadt an beiden Seine-Ufern nad) Westen bis zur Schwaneninsel in den Parks und Anlagen um Den Eiffel-Turm erstreckt, kommt noch der bunt leuchtende Glanz Der Pavillons und der Leuchtfontänen in der Seine hinzu; vielleicht spielen auch gerade Scheinwerfer zur Vervollständigung des Feuerwerks hoch herunter vom Eiffel-Turm. Hat der Fremde diesen ersten Eindruck von Paris, so ist ihm damit eine Ahnung dafür aufgegangen, warum es die Sehnsucht jedes Franzosen ist, Steinberg II — Großen-Lmden T. Bei diesem Spiel werden die Leute von Großen« Linden gewinnen. 2. Kreisklasse. Klein-Linden II — Oppenrod. Die 2. von Klein-Linden hat bewiesen, daß sie kämpfen kann, und wird den Oppenrödern das Nachsehen geben. Göbelnrod — Flensungen. Zwei gleichwertige Mannschaften. Das Ergebnis aus diesem Spiel sollte erst beim Schlußpfiff feststehen. Lehnheim — Geilshausen. Geilshausen wird gegen den Neuling Lehnheim siegreich bestehen können. Muschenheim — Treis. Das Spiel gegen Treis werden die Muschenheimer, zumal auf eigenem Platze, für sich entscheiden können. 1900 Gießen III — SA.-Kampfgem. Gießen II. Da die beiden Gegner noch nicht zusammengespielt haben, ist eine Vorhersage nicht zu treffen. VfB.-R. Gießen III — Gröningen. Bei diesem Spiel wird die 3. des VfB.-R. gegen Grüningen siegreich bestehen können. Heuchelheim II — Launsbach. Launsbach wird sich auf dem Platze in Heuchelheim behaupten können. Staufenberg — Daubringen. Die Leute von Daubringen werden den Staufenbergern das Nachsehen geben. Oie Jugend im Kampf um die Punkte. Die Spiele am kommenden Sonntag. Butzbach—Steinbach. VfB. I — Spvgg. 1900 I (Philipp, Gießen). Muschenheim — Lich (Decker, Garbenteich). Staufenberg — Wieseck II (Scharf, Wißmar). Heuchelheim — Krofdorf (Rinn, Rodheim). Rodheim—Watzenborn-Steinberg (Arnold, Heuchelheim). Großen-Linden — Hungen (Offenbacher, Gießen). Garbenteich — Ettingshausen (Laux, Leihgestern). Großen-Vuseck — Wieseck (Rohn, Gießen). Lollar — Alten-Buseck (Pieh, Londorf). Klein-Linden — VfB.-R. III (Wlodarek, Wieseck). In Steinbach tritt Butzbach zum ersten Male auf den Plan; man ist auf die Spielstärke Der Mannschaft gespannt Im Gießener Lokalderby geht es um die Tabellenführung Der Gruppe I. Ob sich Die Blauweißen gegen Die Leute vorn Waldsportplatz durchsetzen können wird Das Spiel am Sonntag zeigen. In Muschenheim wirD Der Plaßbesitzer die Punkte behalten. Wieseck macht einen schweren Gang nach Staufenberg; ein Unentschieden wäre für Die Gäste ein Erfolg. In Heuchelheim sollte wohl Krofdorf Das bessere Ende für sich behalten. In Rodheim ift Das Spiel offen. Der Tabellenführer Großen-Linden wirD sich wohl auf eigenem Platz Die Punkte nicht nehmen lassen. Garbenteich gegen Ettingshausen sieht Die Platzbesitzer im Vorteil. Ein spannendes Spiel kommt in Großen-Bufeck zustande, das den Besseren als Sieger zeigt. In Lollar werden sich Die Platzbesitzer die Punkte nicht nehmen lassen. In Klein-Linden werden die Gießener wohl nicht siegen können. II ÄÄe WM WGiWMWWS 6561 A probieren Sie einmal Auf 3612 A. -Korb riachf. Mäusburg,15 5970 V Niederlagen-. Tt WißmarLVeg33 unt. 04963 a. den Telefon 3659 Gießen. Anzeig. I ^eleTon tersweg 17 bei. 6551D Stadttheater KAISERS Bezugsquelle fü/t, Lebensmittel Marke Kaffeekanne 60 Pf. Kaffeekanne extra 70 pl Preise von RM. 0.60 bis 3.- Versuchen Sie: Beliebte Sorte KAFFEE GESCHÄFT Sen» mNbeS SchumtzkSse« erspart scharfes Wasche«! 15 Jahre an, sofort gesucht. 04677 Blockstraße 12 im Laden. 125g 50 Pf. V9 Liter 0,50 0,50 0,50 0,40 1 Liter 0,85 0,85 0,85 0,60 Gießen: Carl Burhenne, < »nauthstrabe 5. Ruf 3169; Grünberg: Walter Horst, Londorfer Straße 58. 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Wieviel Wälder hatten wir mit glühender Begeisterung und spähenden Augen durchstreift! Sommerferien — das hieß auch jedesmal Pilze stanze farbige Pilztafel hatten wir im Die Filmschauspielerin "stenaie Mülleri-. Die bekannte Filmschauspielerin Renate Mül- 1 e r ist am Donnerstag früh in einem Berliner Sanatorium g e st o r b e n. bekannt und populär wurde sie erst durch den Film. Hier war ihr erster großer Erfolg „Die Privatsekretärin": mit der Titelrolle hatte Renate Müller einen neuen, schnell volkstümlich gewordenen Typus geschaffen, der in ganz Deutschland gefiel: unzählige junge Mädchen fanden sich hier mit Entzücken auf der Leinwand wieder, ein Wunschtraum schien in Abstieg in einen tätigen Vulkan. Versehen mit ganz besonderer Gebirgsausrüftung, mit Gasmasken, Kopf- und Augenschützern gegen glühenden Aschenflug und mit Seilen ausgestattet, die gegen Versengen imprägniert waren, machten drei Studenten vom Alpenklub der Universität Catania einen kühnen und erfolgreichen Abstieg in den tätigen mittleren Krater des Aetna. Von einem Beamten des Observatoriums auf dem Aetna begleitet, führten die drei jungen Männer die erste Hälfte ihres Hinuntersteigens in die 240 Meter große Hauptöffnung mit Hilfe von befestigten Seilen aus. Als sie den ersten Absatz erreicht hatten, mußten ste fckion ihre Gasmasken anlegen, da ganz unerwartet Wind aufkam. der ihnen Schwaden von giftiaem Schwefelftoff entgegenblies. Die folgenden Stationen zum Kratergrund wurden mit den gewöhnlichen Methoden genommen, die Bergsteiger beim Herabklettern an Felsen anwenden Im Lauf ihrer Entdeckungsfahrt fanden sie zahl- reiche Kanäle und Höhlen, von deren Vorhandensein niemand etwas ahnte. Einige davon waren frei von geschmolzener Lava und boten mit ihren vielfarbigen Stalaktiten und Stalagmiten einen seltsamen Anblick Die Ervedition hatte keineswegs nur Sportcharakter. Wissenschaftliche Instrumente wurden mitgeführt, 18 thermobaroqraphische Beobachtungen und magnetische Prüfungen wurden aus« geführt und viele Spalten voll Rauch, Schwefel« Wasserstoff, Schwefelsäure und Dampf wurden topographisch festgeleqt. Wertvolle Erfahrungen zur praktischen Unterstützung künftiger Entdecker wurden gesammelt. Der berühmte 3000 Meter hohe Vulkan ist zur Zeit nicht im Ausbruch, doch ist das Innere immer in Siedehitze wollend und aus vielen anderen Gründen gefahrdrohend. .......v direktors war für das Kreisamt Gießen Regierungsrat Weber anwesend Rach Erledigung der Formalien erstattete Direktor Dr H o p s e n m ü l l e r den Bericht für das Geschäftsjahr 1936. Wir entnehmen dem Bericht folgendes: Auch das Jahr 1936 brachte der Sparkasse weiteren Aufstieg, der sich in einer Erhöhung der Einlagen und einer Steigerung des Am- sahes ausprägte. Der Zugang an Spareinlagen stellt sich auf 830 222,— R2N., dabei muhte die Sparkasse erhebliche Betrage an Spareinlagen zur Verwendung im Eigenheimbau zurückzahlen. Der Bestand der Spareinlagen stellte sich Ende 1936 auf R2N. 21 375 473, und hat damit den Vorkriegsstand von Ende 1913 überschritten. Mittlerweile haben bis zum 1. Oktober 1937 die Spareinlagen den Betrag von 22 Millionen RM. überschritten Die Zunahme der Spareinlagen seit 1933 betragt 5,5 Millionen Reichsmark. Das Kleinsparwesen wurde in seinen verschiedensten Erscheinungsformen sorgfältig gepflegt, dabei nahm das S ch u l s p a r w e s e n die erste Stelle ein Es wird zur Zeit in 162 Schulklassen gespart, und der Zugang an Schulsparemlagen hat sich durch den systematischen Ausbau des Schulsparens gegenüber dem Vorjahr stark erhöht. Der Vortragende wies daraus hin, daß die Schulspararbeit keine Derdienstsache für die Sparkasse sei und sein könne, daß sie vielmehr reine Erziehungsarbeit an der Jugend sei, die dank der verständnisvollen Mitarbeit der Lehrerschaft schöne Ergebnisse gezeitigt habe. Der Spar-Giro- und Kontokorrentverkehr ergab bei geringen Bestandsveränderungen starke Umsatzsteigerung: so erfuhr der Kontokorrentverkehr eine Umsatzsteigerung von 20 v. Sy, der Bankumsatz eine solche von 13 v. Sy Es waren dies Veränderungen, die an den Betrieb der Kasse starke Anforderungen stellten. Der Bestand an Kontokorrent- Einlagen hatte sich zu Ende 1936 auf über RM. 3 005 672 erhöht, er ist mittlerweile zum 1. Oktober 1937 auf 3 580 000 RM, also um über eine halbe Million Reichsmark gestiegen An der Finanzierung der starken Vaukätig- feir des Jahres 1936 in Gießen und Umgebung nahm die Sparkasse durch Gewährung von Hypothekendarlehen lebhaften Anteil. Es wurden Hypothekdarlehen im Betrage von 1 377 488 RM. neu ausgeliehen, die fast ausschließlich für den Hausbau Verwendung fanden. Der hypothekenbesian d erreichte nahezu den Betrag von 9 0 0 0 0 0 0 R M, er hat im Jahre 1937 bis heute eine Erhöhung um eine weitere Million Reichsmark erfahren. Damit hat die Sparkasse in nachhaltiger Weife die Wirtschaft unseres Heimatbezirks belebt, und sie hatte dabei die Genugtuung, manchen jahrelangen treuen Sparer durch die Hingabe eines billigen Dar- Mit Renate Müller verliert der deutsche Film eine sehr begabte und sympathische Darstellerin, in deren Rollen stets der Ehrgeiz des jungen Menschen und eine künstlerisch bewußte Persönlichkeit zu spüren waren. Renate Müller wurde am 24. April 1906 als Tochter des damaligen Hauptschriftleiters der „Münchener Neuesten Nachrichten", Dr. Karl Eugen Müller, geboren; ihre Kindheit verlebte sie in Danzig, wo sie bis kurz vor dem Abitur die Schule durchlief. Gegen den Willen der Eltern begann sie schon mit 15 Jahren Gesangsstunden und später auch Schausvielunterricht (bei Lothar Müthel) zu nehmen. Als Helena im ..Sommernachtstraum" debütierte sie auf dem Harzer Bergtheater, dann kam sie nach Berlin und begann sich auf der Bühne durchzusetzen; Über Berlin hinaus wieder einen Vater bekommt, sogar einen jungen, sehr netten und verständnisvollen (Willy Fritsch! Es liegt in der Natur der Sache, daß sich die Anteilnahme des Beschauers immer mehr auf die beiden Buben und ihr Abenteuer konzentriert: sie heißen Eberhard I tz e n p l i tz und Claus Detlev S i e r ck (wohl ein Sohn des Regisseurs) und spielen unter der leicht und sicher, mit Takt und Verständnis führenden Hand von W a f ch n e ck so in- telliaent und so natürlich unbefangen aus ihrer kindlichen Sphäre heraus, daß man sich fast wundern möchte Die Dagover gibt die nicht besonders sympathische Frau Leontine gepflegt und elegant als eine große, verwöhnte und oberflächliche Dame, die im Leerlauf eines rein gesellschaftlichen Daseins die Nerven verliert und sich und andere in Gefühlsverwirrung bringt. Fein und verhalten wirkt Maria von Tasnady als Jos zärtliche Pflegemutter. Ein paar gelungene Episoden: S t a h l - N a ch b a u r als Direktor der Frauenklinik, Ernst W a l d o w , Erwins pedantischer Erzieher, Walter I aV s s e n (Arzt), Eva Tinsch- mann, die gute dicke Köchin Anna, und Elisabeth Flickenschildt, das Mädchen in der Hafenschänke. — (Ufa.) * Im Vorprogramm: Fox-Wochenschau, und ein aufschlußreicher Kulturfilm „Adern der Wissenschaft", der von den Ferngasstraßen des Dritten Reiches handelt. Hans Thyriot. Das Pilzgericht. „Es gibt Pilze heute", sagte meine Schwester, bei der ich zum Mittagessen eingeladen war Ich nickte nur zerstreut und stülpte meinen Hut über den nächsten Garderobenhaken. Es drehte sich noch mancherlei Geschäftliches in meinem Kopf, und ich beschloß, mich ein wenig in die Küche zu setzen und bei den Kochvorbereitungen zuzusehen, um in die rechte, friedliche Mahlzeitstimmung zu kommen. Meine Schwester saß am Küchentisch vor einer Schüssel mit Steinpilzen, ein kleines Messer in der Hand, und putzte flink die grauen Stiele und braunen Hüte säuberlich ab Ich setzte mich auf die Tischkante und blickte nachdenklich auf die Pilze nieder, von denen ein feiner, würziger Duft aufstieg, ein Dust nach Wäldern, nach regenfeuchter Erde und herbstlicher Natureinsamkeit. Es mag vielleicht ein bißchen pathetisch klingen, aber es war tatsächlich so: dieser herbe, köstliche Geruch der Steinpilze verzauberte mich. Er brachte mit magischer Gewalt ferne Kindheitserinnerungen zu mir zurück, die ich fast vergessen geglaubt hatte: ich faß und starrte auf die Pilze, an deren Schirmen noch mulmige Blattreste und an deren Füßen noch sandige Erde haftete. Mit einemmal war ich wieder ein kleiner Junge in einem großen, grüngoldenen Wald, ein bastgeflochtenes Körbchen am Arm. Don fernher drang helles Rufen durch den Eichenbestand, das war meine Schwester die da im kurzen Kleid und Wadenstrümpfen emsig hin und her lief ein schmaler, heller Fleck vor den dunklen Stämmen. Eine ruhige Stimme gab Antwort, das war meine Mutter Wir suchten alle drei nach Steinpilzen, und es war ein edler, eifrig geführter Wettstreit, die größte und beste Ausbeute des Tages zu haben. „Weißt du noch, wie ich damals den Riesenpilz fand?" fragte meine Schwester in mein nachdenkliches Schweigen. Auch für sie waren also aus der Pilzschüssel Kindheitserinyerungen gestiegen? „Und ob ich es noch weiß! Zur Sommerfrische in dem kleinen Taunus-Ort — gab das eine Aufregung, als wir den mächtigen Steinpilz aus der Erde zogen! Er wog fast zwei Pfund, ein ganzes Mittagessen hatten wir von einem einzigen Pilz, und nicht eine Made war darin. Wir waren die Pilz- Helden des Tages, selbst der Oberförster gratulierte uns!" „Streit um den Knaben Zo." Gloria-Palast. Der Spielleiter Erich W a s ch n e ck hat seinerzeit in dem Film „Das Mädchen Irene" gezeigt, daß er über die ausgesprochene Begabung verfügt, einen Konflikt zwischen Kindern und Erwachsenen zu behandeln: das kommt auch diesem Film zugute, der nach einem Roman von Hedda Westenberger gemacht wurde und einen ähnlichen Fall entwickelt. (Das Drehbuch schrieben Wolf Neumeister und Ilse Maria Spath.) Allerdings handelt es sich hier um einen Sonderfall, der praktisch nur selten vorkommen dürfte, und der auch psychologisch non einer der Hauptbeteiligten aus nicht gerade glücklich vorbelastet ist. Irgend etwas sträubt sich im Zuschauer. der da miterlebt, wie eine Mutter, durch eine gewiß verblüffende und auch begründete Aehn- lichkeit, der sie zufällig auf der Straße begegnet, an ihrem Kinde und an ihrem mütterlichen Gefühl irre wird und auf die fixe Idee verfallen kann, der fremde Junge, den sie da zum ersten Male gesehen hat, iei in Wahrheit ihr eigenes Kind, das man vor dreizehn Jahren in der Klinik mit dem, das sie als ihren Sohn aufgezogen hat, vertauscht habe: der Fall kompliziert sich sogleich, da sich bei Nachforschungen in der Klinik herausstellt, daß die Möglichkeit einer solchen Verwechselung immerhin nicht von der Hand zu weisen ist: der andere Knabe, namens Jo, ist in der gleichen Klinik um die gleiche Zeit zur Welt gekommen. Nun beginnt der Streit zwischen den Müttern um den Knaben, der die Erwachsenen wie die Kinder in schwere Konflikte stürzt. Jo erfährt, daß er nur eine Pflegemutter hat, keine „richtige", der andere. Erwin, glaubt sich von seiner echten Mutter verraten und betrogen, und beide beschließen, gemeinsam davonzulaufen in ihrem Kummer und ihrer Enttäuschung. Jetzt bekommen es die Großen erst recht mit der Angst und es ist auch die höchste Zeit, daß die verzweifelte Jagd hinter den beiden Buben her, die zum Glück nicht weit gekommen sind, sich aus Trotz und gekränktem Ehrgefühl versteckt halten und ihren Verfolgern auf jede Weise zu entkommen trachten, endlich zum Ziele führt denn Erwin hat sich mittler- v^ile bei dem Abenteuer eine böse Lungenentzündung geholt, die Jo in rührender Kameradschaft, aber mit völlig unzulänglichen Mitteln zu bekämpfen versucht. Sie werden also gefunden, und nun löst sich, sehr zur Erleichterung des teilnehmenden Zuschauers, alles in Wohlgefallen- der an sich törichte und unbegründete Streit führt sogar, ganz im Sinne einer Romanhandlung, dazu, daß Jo endlich 1 lehens zu unterstützen. Gegen Ende des Jahres 1936 ist die Sparkasse dazu übergegangen, auch den Altbejih wieder zu beleihen, wenn es sich um Ablösung bestehender Hypotheken, oder um die Befriedigung von herauszahlungs- oder Auseinanderjehungs- ansprüchen handelte. Die Kasse ist in dieser Richtung besonders stark im Jahre 1937 beansprucht worden, nachdem sie ihren hypo- thekenzinssah mit Wirkung vom 1. Januar 1 9 3 7 ab auf 4,5 v. h. ermäßigt hatte. Darlehen an öffentlich-rechtliche Körperschaften wurden wegen des bestehenden gesetzlichen Verbots nicht gewährt. Der Zinsendienst hat eine nachhaltige Besserung erfahren Waren für das Jahr 1935 noch 300 293,— Reichsmark als fällige Zinsforderungen ausgewie- sen, so ermäßigte sich diese Position auf 186 704 Reichsmark: dabei ist der größte Teil der wirklichen Zinsrückstände durch Zwangsverwaltungs- oder Entschuldungsoerfahren gebunden Der Wertpapierbestand hat sich von 4,6 Millionen RM. auf über 6 Millionen RM erhöht. Die schon erwähnte Senkung des Hypotheken- Zinssatzes für Reu-Hypotheken wie auch für Aufwertungs-Hypotheken stellt den Abschluß der in den letzten Jahren von der Sparkasse planmäßig durchgeführten Zinssenkung dar. Dabei verdient besondere Hervorhebung, daß bei Begebung des Hypothekendarlehns Vollaus Zahlung des Ka- p i t a l s erfolgt und irgendwelche Verwaltungsgebühren nicht erhoben werden. Den Schuldnern der Sparkasse konnte damit in vielen Fällen eine wesentliche Erleichterung geschaffen roerben. Bedingt durch das starke Anwachsen des Geschäftsbetriebs hat die Sparkasse durch einen neuerlichen Umbau ihrer Hauptstelle und Errichtung der Zweigstelle Kaiserallee ihre dem Betrieb dienenden Räumlichkeiten endgültig ausgestaltet. Der Grundbesitz der Kasse, zu dem neben den beiden Dienstgebäuden noch vier Wohngrundstücke gehören, ist durch Vornahme einer Abschreibung von 54 560 Reichsmark mit 1200 000 RM. zur Ausweisung gelangt. Der Reingewinn erscheint mit 56890 RM. gegenüber dem Vorjahr nur gering verändert. Mit Mitteilungen über die Gefolgschaft und den Geschäftsbetrieb selbst war der eigentliche Geschäftsbericht abgeschlossen. Direktor Dr. Hopfen- m ü l l e r schloß seinen Vortrag mit einer Betrachtung über die Grundlagen der erfolgreichen Sparkassenarbeit: Der Sparer weiß, daß hinter der öffentlichen Sparkasse die unbeschränkte Haftung der Städte und Dörfer ihres Bezirks steht, daß dabei hinsichtlich der Sicherheit des Instituts keine Wünsche offen bleiben, und schließlich gründet sich das Vertrauen der sparenden Bevölkerung zu ihrer Sparkasse auf das Vertrauen zur Wirtschaftspolitik d-'s Reiches überhaupt, die den Gedanken an eine Wiederholung des Jahres 1923 nicht aufkommen läßt. So hat es gerade auf dem Sparkaffentag in Essen Reichsminister Dr. Schacht ausgesprochen, daß die nakionalsozialistifche Staatsführung sich sehr wohl der Verpflichtung bewußt fei, dem Sparer Nenate Müller als Liselotte von der Pfalz. (Scherl-Bilderdienst-M.) Erfüllung zu gehen, und der Schlager „Ich bin ja heut so glücklich" wurde allenthalben gesungen und gespielt. Mit dieser Rolle hatte die junge Renate Müller Karriere gemacht. Aehnliche, im Grunde heitere Figuren gab sie in „Viktor und Viktoria", in der „Englischen Heirat" (die hier kürzlich zur Erinnerung an Adele Sandrock wieder aufgeführt wurde), in den Filmen „Walzerkrieg", „Kleiner Seitensprung", „Wie sag ich's meinem Mann?", „Liebling der Götter", in „Allotria" und „Wenn die Liebe Mode macht". Historische Rollen gab sie im „Flötenkonzert von Sanssouci" und in „Liselotte von der Pfalz": eine historische Gestalt, die sie zu spielen sich gewünscht hat, ist ihr verjagt geblieben:-das war die große Katharina von Ruß« land. Daß sie auch ernsthaften Aufgaben gewachsen war, zeigte sie in „Eskapade" und vor allem mit Gustav Fröhlich zusammen, in den ..Liebesleuten": wes war vielleicht die stärkste und reifste Leistung, die sie in ihrer kurzen, an Erfolgen reichen Laufbahn gegeben hat: hier konnte sie ganz unverstellt und hingegeben ein großes und tapferes Herz zeigen, ohne Geschichten und Sentiments, knapp und verhalten in allen Aeußerungen, aber in jedem Wort voll natürlicher Anmut und menschlicher Warme. Wir werden diese Dorothea nicht veraefsen. Im Frühling dieses Jahres sahen wir sie noch einmal, zum letzten Male, mit Wieman und Hartmann zusammen, als die Reporterin Lux in dem Zeitungsfilm „Togger". ' hth. Alsdann ergriff Regierungsrat ______ ___ Wort. Reben feiner Stellungnahme zu einigen besonderen Problemen gab er seiner Freude darüber Ausdruck, daß der im deutschen Volk nun einmal Die Bezirkssparkasse Gießen hielt am Dienstag im kleinen Saal des Universitäts-Cafes ihre diesjährige Ordentliche Mitgliederversammlung ab Die Versammlung war von den Vertretern der Haftungsgemeinden gut besucht, der Hessische Sparkassen- und Giroverband war durch seinen Vorsitzenden Oberbürgermeister i. R Rahn (Darmstadt) vertreten, ebenso die Landeskommunalbank- Girozentrale für Hessen durch Direktor Henkel (Darmstadt). Als Vertreter des verhinderten Kreis- Er schloß mit den besten Wünschen für die weitere Zukunft der Kasse. Der Verbandsoorsteher, Oberbürgermeister i. R. Rahn, sprach dann noch in längeren Ausführungen zu der Versammlung. Er beleuchtete die Frage der Zinsgestaltung bei den öffentlichen Sparkassen, die gerade im Lande Hessen eine besonders günstige Entwicklung aufzuweisen hatte, und sprach über die bestehende enge Verbundenheit der Sparkassen mit ihren Gewährsgemeinden. Er hob hervor, daß die öffentlichen Sparkassen in uneigennützigem Dienst an der Allgemeinheit stets in erster Linie stehen werden. Nach Erledigung des zweiten formellen Punktes der Tagesordnung ergriff der stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrates Beigeordneter Vogt das Wort. Er übermittelte der Versammlung die Grüße des dienstlich verhinderten Oberbürgermeisters Ritter. Er gab der Versammlung einen Einblick in die Arbeit des Verwaltungsrates und sprach der Leitung, wie auch der Gefolgschaft der Sparkasse seine Anerkennung für die erfolgreiche Arbeit des Jahre 1936 aus. Alsdann wurde die sehr angeregt verlaufene Versammlung geschlossen. NeichslagerderlZeichsstudentenführung auf Burg Gleiberg. Wie in unserer gestrigen Ausgabe schon kurz be« richtet, ist das Schulungslager auf Burg Gleiberg Zur Zeit wieder mit Studenten belegt. Am gestrigen Abend trafen die Lagerteilnehmer am Bahnhof Gießen ein, von wo sie unter Führung des Lagerleiters Pg. Salon von der Reichsstudentenführung nach dem Gleiberg marschierten. Zur Begrüßung der auswärtigen Studenten hatte sich auch der Gießener Studentenführer Pg. Frank und verschiedene Amtsleiter der Gießener Studentenführung am Bahnhof eingefunden. Auf Burg Gleiberg angekommen, wurde das Lager mit einer kurzen feierlichen Flaggenhissung eröffnet und dann die bereiteten Quartiere bezogen. Wieder einmal steht für einige Zeit der alte Gleiberg mit seiner studentischen Tradition im Mittelpunkt der Studentengeschichte, denn in ernster Zusammenarbeit werden in dem Lager die neuen Kameradschaftsgesetze und die neue Erziehungsform besprochen werden. Vortrefflicher Sparsmn im Gießener Bezirk. Die Bezirkssparkasse Gießen stellt fest: Der Stand der Spareinlagen von Ende 1913 überschritten! — Abbau der Hypothekenzinsen auf 4,5 Prozent. vorhandene Sparwille in der Bezirkssparkasse Gie-i Sommerfer ßen so eine erfolgreiche Pfleaestätte gefunden habe I suchen Die Kopf, die zusammengeklappt in Mutters Körbchen stets mitgeführt wurde. „Weißt du noch" und ,Es war einmal" hatten sich nun in der Küche eingefunden und ließen uns die Gegenwart vergessen. „Weißt du noch, wie du dich im Tannenwald verirrt hattest?" Richtig, auf dem Pirschgang nach Pfifferlingen war ich auf versteckte Jagdgründe gestoßen, weiter und weiter drang ich durch das dichte Geäst vor, längst waren der Korb und die große Kitteltasche mit Pilzen vollgestopft — und auf einmal stand ich entsetzt still und wußte: du hast dich verirrt! Ich brach verzweifelt durch das Gestrüpp, ich zerkratzte mir Hände und Gesicht an den scharfen Nadeln. Bitterlich weinend hockte ich schließlich unter einer alten Fichte nieder Erst am Abend hat man mich gefunden, man kam mit Hunden und Laternen, die Aeste knackten unter den Schritten der suchenden Männer... Wir saßen und erzählten, und der Zauber sonnenwarmer Wälder und taufeuchter Lichtungen füllte die kleine Küche mit seinem leuchtenden Glanz. Spät wurde das Pilzgericht fertig, eine Mahlzeit der fröhlichen Wehmut im Abglanz seliger Kinder- Zeit. H. B. v. M. Dornoiizen. Tageskalender für Freitag. Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr: „Mein Sohn, der Herr Minister". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Streit um den Knaben Jo". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Wenn du eine Schwiegermutter Sladtthealer Gießen. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend Wiederholung des Lustspiels von Andrö Birabeau „Mein Sohn, der Herr Minister". Die Spielleitung hat Dr. Erich Schumacher. Die Vorstellung findet als 3. Vorstellung der Freitag-Miete statt. Anfang 20 Uhr, Ende '22.30 Uhr. Groß'scher INännerchor Gießen. Morgen, Samstag, 9. Oktober, auf der „Karls- ruhe" 91. Stiftungsfest.____________________________ Kleidung, die ihn „heraushebt". gsösa Schon dieser Zeitung heute beigefügte grün gedruckte Beilage zeigt jedem die Vielseitigkeit der Auswahl des Hauses Köhler. Ein genaues Bild erhält man jedoch erst, wenn man sich bei Köhler alles einzeln in Ruhe zeigen läßt. Wenn man die qualitätsvollen Stoffe, die tadellose formbehaltende Jnnenverarbei- tung, die stilvollen Formen mit Auge und Hand prüft, dann wird man bestätigt finden, was die vielen treuen Dauerkunden in Stadt und Land wissen, daß sie immer gut bedient werden bei ihren aewissenhaften Vekleidunasfachleuten Kähler. Gießen. Tveiial Eck-Hans MMWWMWM Aus den Gießener Gerichtssälen. Amtsgericht Gießen. Der achrzehnjährige E. E. aus DauLringen hatte einen Strafbefehl über 40,00 RM. wegen Körperverletzung erhalten, gegen den er Einspruch einlegte. Es lag folgender Vorfall zugrunde: Ein neunjähriger Knabe aus der Nachbarschaft hatte sich auf dem Hof der elterlichen Wohnung des Angeklagten mit dessen jüngeren Brüder geschlagen. Die Mutter des Angeklagten kam hinzu und verwies den Jungen des Hofes. Diesem Befehl kam dieser auch langsam rückwärtsgehend und sehr zö-gernd nach. Der Junge hatte eine Peitsche in der Hand und diese auch gegen die Frau erhoben. Dies sah der An- Se, lief hinzu und versetzte dem Jungen zwei ge Schläge, daß er mit dem Kopf gegen eine Mauer siel und beachtliche Schwellungen und Hautabschürfungen davontrug, sodaß er sich in ärztliche, Behandlung begeben mußte. Der Angeklagte behauptete, er habe seine Mutter schützen wollen. Diese Einlassung war nicht ernst zu nehmen, da die erst vierzigjährige Mutter des Angeklagten wahrhaftig imstande gewesen wäre, sich vor einem neunjährigen Jungen selbst zu schützen. Der Angeklagte, der im übrigen sich vor Gericht recht ungezogen aufführte, so daß ihm der Vorsitzende eine energische Rüge erteilen mußte, erhielt die im Strafbefehl bereits festgesetzte Geldstrafe von 4 0,00'RM. Ebenfalls wegen Körperverletzung wurde der Einspruch des 20 Jahre alten G. S. aus Gießen, der einen Strafbefehl über 70,00 RM. erhalten hatte, verhandelt. Der Angeklagte stand im November vorigen Jahres mit einem Mädchen abends in dem sogenannten Essiggäßchen. Ein Gießener Handwerksmeister, der des Weges kam, wurde durch die beiden plötzlich vor ihm austauchenden -jungen Leute erschreckt und gab dies durch irgendwelche Bemerkungen auch zu verstehen. Der Angeklagte rief ihm daraufhin eine ungezogene Antwort zu, die den Zeugen veranlaßte, sich den jungen Mann etwas näher anzusehen. Es ent- wickelte sich die schönste Keilerei, in der der Zeuge Verletzungen davontrug. Der Angeklagte behauptete, er habe in Notwehr gehandelt, da der Zeuge ihn zuerst angegriffen und sogar mit einem Messer gestochen habe. Richtig ist, daß der Angeklagte eine Verletzung an der einen Hand davontrug, die aber darauf zurückzuführen ist, daß er beim Zuschlägen sich an einem nebenan befindlichen eisernen Gitter verletzte. Durch die einwandfreien Bekundungen deS Zeugen wurde der Angeklagte restlos überführt. Das Gericht ermäßigte in Anbetracht der Jugendlichkeit des Angeklagten und feiner bisherigen Ihr Vorbestraftheit Die Strafe auf 3 0,00 R M. Schöffengericht Gießen. Der A. W. aus Gießen hatte sich gestern wegen Unterschlagung und Untreue vor dem hiesigen Schöffengericht zu verantworten. Der Angeklagte hatte als Obmann einer Fachschaft Beiträge in Höhe von etwa 700 RM. nicht weitergeleitet, sondern sie für sich verbraucht. Er betrieb diese Mani- pulattonen fast ein ganzes Jahr, nämlich von Mitte 1936 bis Mitte 1937. Der Angeklagte, der restlos geständig war, behauptet, aus wirtschaftlicher Not gehandelt zu haben, da er mit feinem kleinen Einkommen die notwendigen Aufwendungen für sich und seine vierköpfige Familie nicht habe aufbringen können. Das Urteil lautete wegen fortgesetzter Untreue in Tateinheit mit fortgesetzter Unterschlagung auf eine Gefängnis st rafe von zwei Monaten und 150 RM. Geld- {träfe. Weiter stand der W. M. aus Büdingen wegen Beleidigung vor dem Schöffengericht. Der Angeklagte hatte einem Bekannten gegenüber herabsetzende Aeußerunaen über eine im öffentlichen Leben stehende Persönlichkeit aus Büdingen gemacht, die er angeblich von einem Wehrmachtsangehörigen gehört haben wollte. Don der Militärbehörde war daraufhin ein Disziplinarverfahren gegen diesen eingeleitet worden, bei dem sich herausstellte, daß er eine derartige Aeußerung niemals getan hatte. Der Angeklagte wurde daraufhin als der alleinige Urheber des unwahren Gerüchtes ermittelt. In der gestrigen Hauptverhand- 4ng war der Angeklagte geständig und bedauerte, die Aeußerung getan zu haben. Das Urteil lautete wegen Verleumdung auf 10 0 R M. Geldstrafe. Die nächste Anklage gegen die M. Sch. aus Ober-Mörlen lautete auf Urkundenfälschung. Der Angeklagten, die Inhaberin eines Drefchmafchinen- unb Holzschneidewerkes ist, wurde zur Last gelegt, in den Jahren 1935 und 1936 in fünf Fällen in ihrem Postquittungsbuch Ausgabenposten, nachdem diese bereits durch den Postbeamten quittiert und mit dem Stempel versehen waren, durch Anhängung einer Null verzehnfacht zu haben. Die Angeklagte war geständig, sie behauptete zu ihrer Entschuldigung, diese Manipulationen deshalb vorgenommen zu haben, weil ihr Mann, den sie als Haustyrann bezeichnete, ständig in den Büchern berumgeschnüffelt und ihr Vorhaltungen gemacht yabe, daß sie zu wenig Geld an ihre laufenden Gläubiger bezahle. Als ein Gläubiger Zahlung verlangte, begab sich die Angeklagte mit ihrem Ehemann, da nach den Eintragungen im Postbuch der fragliche Betrag bereits beglichen sein mußte, auf das Postamt und reklamierte dort den Betrag. Daraufhin wurden von der Post Erhebungen an- gestellt, wodurch die Sache ans Licht kam. Die Angeklagte behauptete, auch diesen Schritt aus Angst vor ihrem Mann unternommen zu haben. Weiterhin hatte die Angeklagte, die mit der Zahlung der Krankengelder in Höhe von 42 RM. im Rückstand war, einen Anforderungszettel mit der Unterschrift der Ehefrau des für die Gemeinde Ober-Mörlen zuständigen Kassierers der Kasse versehen und die- sen einem Vollziehungsbeamten, der die Rückstände eintreiben sollte, als Quittung vorgelegt. Es stellte sich jedoch heraus, daß die Angeklagte mit dem örtlichen Kassierer und dessen Familie verfeindet war und in letzter Zeit alle Zahlungen unmittelbar an die Zentrale in Friedberg geleistet hatte. Die Angeklagte bestritt diese Fälschung, wurde jedoch durch die Beweisaufnahme und das ausführliche Gutachten eines Schriftsachverständigen überführt. Das Gericht hielt der Angeklagten weitgehendft ihre trostlosen Familienverhältnisse zugute, sowie auch ihre bisherige Unvorbestraftheit, und erkannte wegen fortgesetzter einfacher Urkundenfälschung, sowie einer weiteren schweren Urkundenfälschung in Tateinheit mit Betrug unter Zubilligung mildernder Umstände auf insgesamt fünf Wochen G e <- f ä n g n i s. Jl$.-(9emein|d)aft „Kraft durch Ireude". „Große KdF.-INiele", Gruppe II. (6565D Samstag, den 9. Oktober, 20 Uhr, Lustspiel „Mein Sohn, der Herr Minister". Karten für diese Vorstellung zu 90 Pf. sind auf der Kreisdienststelle Gießen, Schanzenstrahe 18, erhältlich. Wir machen noch einmal darauf aufmerksam, daß noch Meldungen zu „KdF.-Mieten" angenommen werden. HZ., Bann und Zungbann 116. Theaterring. Die Mitgliedskarten zum Theaterring, sowie die Eintrittskarten zur ersten Vorstellung am 18.d.M. sind gegen Zahlung von 0,80 RM. (0,20 RM. Eintrittsgebühr, 0,60 RM. Vorstellung) am Mittwoch, 13. Oktober nachmittags, auf der Ver- waltungsstelle des Bannes abzuholen. Es sind je- weils sämtliche Karten für jede Gefolgschaft bzw. jedes Fähnlein vom Geldverwalter zusammen abzuholen. Verwaltungsstelle. Vom 8. bis einschl. 12. d. M. ist die Verwaltungsstelle für jeden Geschäftsbetrieb geschlossen. Die Einberufungen für die Geldverwaltertagung sind von den Geldverwaltern in jeder Beziehung als verbindlich zu betrachten. Stelle KS. Am Sonntag, 10. Oktober, findet eine Abnahme im Geländesport für das HJ.-Leiftungsabzeichen statt. Antreten: 9.00 Uhr an der Dolksyalle. Teilnahmeberechtigt alle Jgg. des Bannes 116. BOM.-Unteraau 116. vetr.: VDM.-Leistungsabzeichen. Am Samstag, 9. 10., 16 Uhr, ab Ludwigsplatz wird noch einmal das Zielwandern abgenommen. Am Sonntag, 10. 10., 14 Uhr, ab Ludwigsplatz findet ein 25-km-Wandern statt, an dem alle Führerinnen, die an den beiden Schulungen in Gießen teilnehmen, sich pflichtmäßig beteiligen (auch wenn sie das LA. schon besitzen). Es ist dies letztes 25=km=9Banbern in diesem Herbst. Ein K u r z s a n i k u r s für das LA. beginnt am Dienstag, 12.10., 20 Uhr in der Goetheschule. Ein großer Sanitätskurs beginnt Ende Oktober. D i e Untergaufportmartin. Gießener Konzertverein. Der Gießener Konzertoerein erläßt jetzt seine Einladungen zum Abonnement 1937/38. Er bringt in diesem Konzertwinter vier Solistenkonzerte, vier Orchesterkonzerte und ein Chorkonzert. Im einzelnen sieht die Darbietungsfolge vor: 4. November Erstes Orchesterkonzert des städttfchen Orchesters im Stadttheater, Leitung Kapellmeister Walter; 13. November in der Neuen Aula Liederabend von Gertrude P i tz i n g e r ; 25. November Zweites Orchesterkonzert des städtischen Orchesters im Stadttheater, Leitung Prof. Temesvary; 9. Januar Klavierabend Claudia Ar rau in der Neuen Aula; 20. Januar Drittes Orchesterkonzert des städtischen Orchesters im Stadttheater, Leitung Kapellmeister Paul Walter; 6. Februar Diolin- abend in der Neuen Aula, Maria Neuß (Berlin); 27. Februar in der Neuen Aula Quartette di Roma; 13. März im Stadttheater Chorkonzert, Haydns „Die Jahreszeiten", der Akademische Gesangverein und das städtische Orchester, Leitung Prof. Temesvary; 7. April Viertes Orchesterkonzert des städtischen Orchesters im Stadttheater, Leitung Prof. Temesvary; Mai 1938 in der Neuen Aula Sonderkonzert Erna Sack. Heute wieder Neitjagd. Die nächste Reitjaad unserer Garnison findet am heutigen Freitag, 8. Okt., 14.50 Uhr beginnend, statt. Stelldichein: 300 Meter ostwärts Mtv.-Sportplatz (Anfang Nizza), Halali: Rindsmühle. NeichSmütterdieust im Deutschen Frouenwerk. In die Hand der Mutter ist die Pflege und die Erziehung des Kindes gegeben. Wie steht es aber mit der Eignung zu diesem schönsten weiblichen Beruf? Auch hier fällt kein Meister vom Himmel, auch für diese Aufgabe, die im Dritten Reich als eine der wichtigsten gilt, muß die junge Frau, ja das junge Mädchen schon, sich gründlich vorbereiten. Wir können es uns nicht leisten, das wertvollste Volksgut, unsere Kinder, ungeschulten Frauen an» auüertrauen, oder sie als Versuchsobjekte ungeschickten Händen zu überlassen. Ebenso wichtig wie die körperliche Pflege, die Ernährung und die Kleidung des Säuglings ist die Erziehung, die vom ersten Lebenslage ab mit Pünktlichkeit und gleich- bleibender Geduld durchgeführt werden muß. Das alles vermittelt der Reichsmütterdienst in seinen abwechselungsreichen Lehrgängen. Die Kurse sind ausgerichtet nach den drei großen Hauptaufgaben der Frau und Mutter: Die Haushaltsführung mit Kochen und häuslicher Näharbeit, die Ge- sunderhaltung der Familie mit Säuglingspflege und allgemeiner Gesundheits- und häuslicher Krankenpflege, und die Erziehungslehre mit Spiel und Beschäftigung des Kleinkindes und mit Dolksbrauch- tum und Heimgestaltung. Wie wertvoll und anregend die Lehrgänge sind, sehen wir aus den guten Erfolgen. Die Teilnehmerinnen, dis einen Lehrgang besuchten, freuen sich schon auf den nächsten, denn durch die kameradschaftliche, gemeinsame Arbeit werden Kräfte geweckt, Freude und Lebensmut gestärkt, die dann lebendig weiterwirken zum Wohle der Familie, sowie der weiteren Volksgemeinschaft. Hier in Gießen beginnt am 11. Oktober in der Sonnenstraße, Sanitätswache, ein Kranken- pflegekurs, an dem alle deutschen Frauen und Mädchen teilnehmen können. Der Kursus ist Montag und Donnerstag, von 20 bis 22 Uhr, und kostet 3 Reichsmark. Ende Oktober beginnt ein Näh- und Flickkurs, auch zweimal wöchentlich. Anmeldungen bei den Ortsfrauenschaftsleiterinnen und in der Geschäftsstelle der Kreisfrauenschaft, Frankfurter Straße 1. F. K. Neugestaltung von NontgenS Grabstätte. Gegenwärtig ist man auf dem Alten Friedhof damit beschäftigt, die Grabstätte des bekannten Forschers und Entdeckers der Röntgen-Sttahlen Wilhelm Conrad Röntgen einer Neugestaltung zu unterziehen. Diese bezieht sich allerdings weniger auf die Grabstätte selbst, als auf deren unmittelbare Umgebung. Man entspricht damit einem Wunsche des verstorbenen Gelehr.^n, der testamentarisch festgelegt hatte, daß seine Crabstätte für alle Zeit in der gegenwärtig bestehende i schlichten Form erhalten bleiben soll. Um so mehr wendet man sich deshalb jetzt und im Einvernehmen mit Professor Zehner (Zürich), einem der letzten Schüler des Verstorbenen, der Verschönerung der Umgebung des Grabes zu. Hinter der Grabstätte ist ein lichter Hain im Entstehen begriffen, der aus verschiedenen edlen Bäumen angepflanzt wird. Einige Taxusbäume und schön gewachsene Blautannen stehen bereits, einige Birken sollen noch hinzukommen. Ferner ist vorgesehen, unmittelbar rechts neben dem Grabe einen Platz herzurichten, der für Besucher der Grabstätte des Gelehrten eine Möglichkeit zu beschaulichem Verweilen gibt. Ein freigewordener Platz wird mit Rosen, Berberitzen und Erika bepflanzt werden. Außerdem wird eine Bank zur Aufstellung gelangen, die sich der Umgebung gut einfügt. Da die Grabstätte nicht jedem auswärtigen Besucher nach ihrer Lage im Friedhof bekannt fein kann, wird voraussichtlich vom Friedhofseingang an der Kapelle eine Markierung den Weg zur Grabstätte weisen. Aelteste Grabsteine aufgefunden. Bei den Ausschachtungsarbeiten zur Schaffung der Transformatoren-Station am Alten Friedhof wurden auch einige alte Grabsteine zu Tage ge- bracht, die als die ältesten Grabsteine im Alten Friedhof bezeichnet werden dürfen. Den Steinen, drei an der Zahl, hat der Zahn der Zeit allerdings schon stark zugesetzt. Die Steine sind etwa 60 Zenti- meter hoch und zeigen sich in der Form des Kreu- zes. Auf dem ältesten der Steinfunde ist noch die Jahreszahl 1551 zu lesen, auf einem anderen dis Jahreszahl 1566. Der Alte Friedhof wurde, wie bekannt fein dürfte, im Jahre 1533 angelegt. Abend der Werbefachleute. Am Mittwoch hielt die Reichsfachschaft Deutscher Werbefachleute ihre Monatsversammlung ab. Rach Begrüßungsworten des Orts - Fachgruppenleiters Briola sprach Herr Schuster, der Werbefachmann unserer Stadt, in einem Lichtbildervorttag über Fremdenoerkehrswerbung. Er griff das Spezialgebiet der Werbung für eine Universität heraus und zeigte, wie man Studienaufklärung durch Wort und Bild vornehmen kann. Immer wieder stellte er bei den gezeigten Bildern das Werbeargument in den Vordergrund, und gab so manchem Kollegen Aufschluß, wie eine wirklich zugkräftige Werbung aufgebaut werden muß. Nach Dankesworten an Herrn S ch u st e r kam der Ortsfachgruppenleiter auf geschäftliche ftafy schaftsanordnungen zu sprechen. Vor allem sollen berufswissenschaftliche Vorträge im Winterhalbjahr den Werbefachleuten Gelegenheit zur Weiterbildung geben. Auch wurden Vorschläge für die kommende Weihnachtswerbung besprochen. Nach reger Aussprache wurde die Versammlung in der üblichen Weise geschlossen. MWWWMU! Roman von Bernhard Lonzer. Urheberrechtsfchutz: Arthur Moewig, Romanvertrieb, Berlin SW 68. 36 Fortietzung (Nachdruck verboten.) Der Wagen bog in die Pappelallee ein. Dunkel ragte am anderen Ende das Schloß auf. Stefan sah aus dem Wagenfenster. Noch hielt der Winter alles in weißen Armen gefangen, aber nur ein paar Wochen noch, dann wckr es Frühling. Alles brauchte den Frühling, Natur und Mensch, Mensch und Herz, Herz und Liebe. Bald ist es so weit! Bald wird der Frühlingssturm auch dein Herz aufrütteln, Annelore... Werde ich es sein, den es mit feinen Blütensternen überschütten wird ...? Der Wagen hielt auf dem Schloßhof. Stefan sprang heraus. Mit raschen, federnden Schritten stieg er die Treppe hinauf. Während er Hut und Mantel ablegte, hörte er Stimmen aus dem Wohnzimmer kommen. Es ging ungewohnt lebhaft zu. Anscheinend war Besuch da. Suse vielleicht. Es war in der Tat Suse Vollrath, wie er mit Erleichterung sah. Gleichgültiger Besuch wäre ihm heute sehr unerwünscht gewesen. „Das ist ja reizend, Suse", begrüßte er die Kusine. „Sehr lobenswert von dem Herrn Gemahl, daß er dir Urlaub erteilt hat." „Keine Spur. Den Urlaub habe ich mir selber genommen. Der ,Hertt hat heute nämlich seinen Klubabend. Und da ich sowieso mit Annelore zu sprechen habe, war ich so frei —" „Recht so. Aber wenn ich dich so sehe, muß ich unwillkürlich wieder an den Frühling denken." „Das ist eine ebenso schmeichelhafte wie merkwürdige Jdeenverbindung. Aber wieso wieder? Hast du schon mal daran gedacht? Du fängst ein bißchen früh damit an, finde ich. Oder —" — ihre Augen bekamen einen eigentümlichen Glanz — „hast du etwa besondere Ursache dazu?" „Das kann ich nicht sagen. Jedenfalls habe ich unterwegs an den Frühling denken müssen. Uno jetzt muß ich es wieder. Du siehst heute tatsächlich aus wie ein richtiger kleiner Frühlingsvogel." „Na, na! Seit wann reift Stefan von Achenbach denn in Schmeicheleien?" „Seitdem er angefangen hat, Dummheiten zu machen, Kufinchen. Kann ja vorkommen, nicht wahr? Nun warte ich bloß darauf, daß du mich auch geschmacklos nennst. Das ist mir nämlich schon mal passiert." „Bitte, Herr von Achenbach, das habe ich nicht gesagt!" Die Worte waren Annelore wider Willen entschlüpft. Mit glutüberhauchtem Gesicht sah sie da. „Ach, sieh an ...!" wandte Suse sich chr zu. „Schrecklich diese Männer, nicht wahr? Man weiß nie, woran man mit ihnen ist. Meinen allerdings ausgenommen, den kenn' ich wie mich selber. Aber dieser junge Mann hier — ich bin ganz erstaunt. Was für eine Schmeichelei hat er dir denn ange- hängt?" Annelore hatte ihre Verlegenheit notdürftig wieder überwunden. „Ich weiß es nicht mehr. Es wird wohl nicht viel zu bedeuten gehabt haben. Schmeicheleien Haven nie etwas zu bedeuten. Höchstens das Gegenteil von dem, was der Schmeichler jagt." „So ...!" richtete Suse sich auf. „Das ist ja nett von dir! Einen Frühlingsvogel hat Stefan mich genannt — das Gegenteil davon wäre so ungefähr eine Winterkrähe — danke für das Kompliment, Freundin Annelore!" Damit löste sich die Situation in Heiterkeit auf. Stefan nahm Platz. Der Großvater war erkältet und schien leichtes Fieber zu haben, aber er war doch sichtlich guter Laune. „Du bist recht zeitig wieder zurück", bemerkte er zu Stefan. „Na ja, was soll man denn da noch herumsitzen. Ich hatte keine Lust, zu bleiben, und bin gleich nach der Aussprache wieder fortgefahren." „Leider eben zu früh", sagte Suse. „Deine Anwesenheit ist heute nämlich recht wenig erwünscht." Stefan lehnte sich zurück. „Du warst immer sehr offenherzig, warum sollst du es heute nicht auch sein! Leider aber bin ich nun einmal da. Was willst du dagegen machen!" „Na, es mag nun auch fein. Im großen und Sen sind wir ja «fertig mit unseren Plänen. Es eit sich um die große Maskerade zum Presse- und Künstlerfest. Soll diesmal ganz große Sache werden." „Wollt ihr euch daran beteiligen?" „Versteht sich. Das ist — mit Rücksicht auf den guten Zweck — diesmal Ehrensache. Und wenn man schon mitmacht, dann auch richtig. Wäre nun beiläufig noch die Frage zu stellen, wie der junge Herr von Achenbach seinerseits über eine Beteiligung denkt. Er wird gebeten, sich darüber zu äußern. Oder wünscht er vierundzwanzig Stunden Bedenkzeit? Wir würden nötigenfalls darüber mit uns reden lassen." „Sehr gnädig. Aber ich werde es morgen ebenso wenig wisten wie heute, ob ich mich daran beteiligen werde. Ich finde nicht viel Geschmack daran, man hat sich von solchen Dingen eben entwöhnt." Suse strich sich eine Locke aus der Stirn. „Geschmack ober nicht! Wenn wir uns daran beteiligen, darfst du es getrost auch! Annelore wollte auch erst nicht, weil dein Großvater sich nicht wohl- fühlt. Aber er hat ihr zugeredet. Und du willst streiken? Kommt gar nicht in Frage, mein Söhnchen." „Aber als Maske erscheine ich nicht." „Ist auch nicht unbedingt notwendig. Auch der Frack ist selbstverständlich zugelassen. Da kostet es uns auch nicht so viel Mühe, dich herauszufinden. Um so mehr wirst du dich anftrengen müssen, uns ßu entdecken. Falls du Interesse daran hast. Aber ich mochte es dir empfehlen. Vielleicht entdeckst du bei dieser Gelegenheit wirklich einen Frühlingsvogel." Stefan sah zur Seite. „Wollen sehen. Aber vorläufig entdecke ich da eine Laute. Da habe ich wohl einen kleinen Musik- abend versäumt?" „Ich bin als Störenfried dazwischengeschneit. Aber du könntest schon noch auf deine Kosten kommen, wenn Annelore sich bereitfinden würde, uns noch ein paar Lieder zu fingen. Magst du, Annelore?" Annelore sträubte sich nicht lange. Es waren, dem Charakter des Instrumentes angepaht, nur einfache Lieder mit schlichten Melodien, die sie sang. Aber ihre Stimme war wieder so warm, so süß und schön wie an jenem Abend drüben im Musikzimmer am Flügel. Stefan saß, ohne sich zu rühren. Den Kopf in die Hände gestützt, ließ er den dunkel-süßen Strom dieser warmen Mädchenstimme über sich hingehen. Annelore! Du singst mir den Frühling ins Herz, Annelore ...! Als Annelore die Laute wieder zur Seite legte, erhob er sich plötzlich. Sein Gesicht war unbewegt, aber in seinen Augen stand ein fremder Glanz. „Gestatten Sie?" sagte er und griff nach der Laute. Wolfgang von Achenbach glaubte feinen Augen nicht trauen zu dürfen. Seit Jahren hatte Stefan kein Instrument mehr angerührt. Nicht den herrlichen Flügel, nicht die Laute, nicht die alte Orgel in der Kapelle, auf der er früher mit Vorliebe gespielt hatte. Auch Fräulein von Birkhammer machte große Augen. Es gingen merkwürdige Dinge vor auf Schloß Achenbach. Es war alles anders geworden. Die Zeit glitt einem unter den Händen fort. Man konnte nur staunen. Auch über sich selber. Man war selbst anders geworden in diesen kurzen Monaten, wenn man es auch nicht hatte glauben wollen und wenn man es auch nicht zeigen konnte und mochte. Irgend etwas war da in einem wach geworden, etwas Vergessenes ober nie Gekanntes. Man glaubte manchmal zu träumen, aber man sah es immer wieder: es war etwas tm Werden. Und man hatte teil daran, wenn man auch nur das Fräulein von Birkhammer war, die Hausdame, die ungeliebte einftige Erzieherin des jungen Herrn. Und das alles durch das wehmütig-sonnige Menschenkind dort: durch Annelore Hildach. Man hatte manchmal geradezu das Bedürfnis, ihr das Gesicht und das dunkelblonde Haar zu streicheln. Oder das eigene welke Gesicht in ihre blühenden, lebenswar. men Hände zu legen, in die Hände, die so gut waren wie ihre Augen. Man war nur zu alt ge- worden, um noch den Mut dazu finden zu können. Man war zu ungeschickt dazu geworden, zu scheu, zu verschämt. Aber daß man überhaupt das Be- bürfnis danach haben konnte, das war schon wundervoll genug. Stefan griff ein paar Akkorde, als ob er sich erst einfühlen müßte. Dann setzte er an. Er war nicht einmal erstaunt, daß er überhaupt noch fingen konnte, es war ja selbstverständlich, daß er jetzt fingen mußte! Er sang ein paar Balladen. Zunächst eine ernste, etwas düstere. Dann noch ein paar heitere. Auch seine Baritonsttmme hatte einen warmen, dunklen Klang. Kraft und Weichheit strömten aus seinem Vortrag. Suse hatte den Arm um Annelores Schulter gelegt. So horten sie ihm zu. Annelore saß da wie im Traum. So konnte Stefan singen! Er konnte sein Herz in seinen Gesang legen — also war sein Herz wirklich wieder wach geworden! Ihr eigenes Herz schlug dumpf. Ihre Augen brannten vor Glück. „Das war ja wundervoll", lobte Suse. „Du müßtest dabei nur unten auf dem Schloßhof stehen, den flatternden Mantel um die Schultern gelegt, das Haar im Winde wehend, dann wäre der Barde fertig. Oder als Minnesänger vor dem flackernden Kaminfeuer, während die schönste der Frauen deinem Gesang lauscht. Kannst du dir das vorstellen?" „Das könnte ich. Wenn es eine Frau gäbe, die sich von mir ins Herz singen lassen wollte" Damit legte er die Laute wieder zur Seite. I Fortsetzung folgt ** Arbeitsjubiläum. Am heutigen 8. DH. kann der Heizer Karl Klein von den städtischen Betrieben auf eine dreißigjährige Dienstzeit bei der Stadt Gießen zurückblicken. Aus diesem Anlaß wurde dem Jubilar von dem Herrn Oberbürger, meister ein persönliches Glückwunschschreiben über« reicht. ** Die Sperrzeit für Tauben während der Saatzeit erstreckt sich vom 11. Oktober bis 6. November. In dieser Zeit sind die Tauben in den Schlägen zu lassen. ** Holzgeld umgehend befahlen. Die Stadtkasse Gießen erwartet die Bezahlung der HvU- gelber für das in den städtischen Waldungen gesteigerte Holz spätestens bis zum 1. November, andernfalls Derzugsfolgen eintreten. LPD. Erste F u t t e r v e r t e i l u n g für Hühner. Die organisierten Geflügelzüchter (Reichs- verband deutscher Kleintierzüchter, Deutscher Sied- lerbund, Reichsbund der Kleingärtner und Kleinsiedler sowie Reichsgruppe Reichsbahn Kleinlandwirtschaft) erhalten jetzt Mais und Gerste für ihre Hühner. Es werden anderthalb Kilogramm pro Huhn bis Ende Oktober zur Verfügung gestellt. Die nichtorganisierten Hühnerzüchter erhalten Das Futter- aetreide anhand von Bezugsscheinen durch die Kleinverteiler (Händler). Neues 3nfonterie Schluß! Mittag börse Schirrst- für» Schlustk. Abend börse Schlust- kur« Schlustk. Mittag- börfe Saturn 6.10. 7-10- 6.10. 7.10 Dai um 6.10. 7.10. 6.10. 7-10. 6% Deutsche Reichsanlethe v. 1927 4% Deutsche ReichSanl. von 1931 Geir Brie, (fte'r Brn Buenos Aires............. 0,747 0,751 0,746 0,750 Japan......... 0,718 0,720 0,718 0,720 Brüssel................... 41,96 42,04 41.96 42,04 Jugoslawien .. 5,694 5,706 5,694 5,706 Rio de Janeiro............ 0,153 0,155 0,152 0,154 Oslo.......... 61,95 62,07 62,00 62,12 Polen.................... 47,00 47,10 47,00 47,10 Wien.......... 48,95 49,05 48,95 49,05 Kopenhagen............... 55,03 55,15 55,07 55,19 Lissabon....... 11,195 11,215 11,205 11,225 Danzig................... 47,00 47,10 47,00 47,10 Stockholm ..... 63,55 63,67 63,60 63,7? London................... 12,325 12,355 12,335 12,365 Schweiz....... 57,27 57,39 57,28 57,40 Helsingfor»................ Paris.................... 5,455 5,465 8,218 5,455 5,465 Spanien....... 16,98 17,02 16,98 17,02 8,202 8.202 8,218 Prag.......... 8,701 8,719 8,701 8,719 Holland.................. 137,62 137,90 137,66 137,94 Budapest...... spalten................... 13,09 13.11 13,09 13,11 Neuyork ...... 2,490 2,494 2,490 2,494 B&M-KLEIDUNG macht Ihnen viel Freude: Ulster, Ulster-Paletots, Straßen- und Sportanzüge, Sportstutzer, Lodenjoppen, Wettermäntel, Knaben- u.Burschen- Kleidung - alles in größter Auswahl zu bekannt niedrigen Preisen. Bitte beehren Sie uns recht bald mit Ihrem Besuch. Brückner & Mund Herren- u. Knabenkleidung, Berufskleidung GIESSEN, SELTERSWEG 31 6559 A HERZ ist fein ster Verlobungs-Anzeigen liefert BrUhl'sche Druckerei Formkultur vereint sich mit Qualitätsarbeit Inh.: Karl Baier Gießen, Marktstraße 9/11 ________________________6529A la gelbfleischige Gpeise- kartoffeln 3um Einkellern liefert jede Menge Job. Müller Franks. Str. 60 Tel. 3571. 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Unterschiede zwilchen Fichte und Tanne: Fichtenzweige nadeln, Tannenzweige . nicht, Fichtenzapfen hängen am Baum und fallen ganz ab, Tannenzapfen stehen aufrecht, Zapfen zersplittern vor dem Abfallen. Der weihnachtliche „Tannenbaum" ist in Wirklichkeit eine Fichte. Niedrige Zwergfichten für Steingärten und Gräber, s. auch Adventskranz. Fichtennadelextrakt wirkt er* frischend und nervenstärkend, er wird daher als Zusatz zu Bädern benützt. Fieber, Gesamtheit verschiedenartiger krankhafter Erscheinungen. So besonders Temperaturerhöhung über 37,1 Grad, dazu noch Abgeschlagenheit, Krankheitsgefühl, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Puls- beschleunigung. Beim Meßen des Fiebers sich überzeugen, ob der Quecksilberfaden vollständig heruntergeschleudert ist. Das Fieber ist in der Achselhöhle gemessen um % Grad niedriger als im Mund oder im After. Bei jedem Fieber den Arzt rufen, da Fieber immer der Ausdruck für eine Erkrankung irgendwo im Körper ist. men zu ersticken. Benzin, Spiritus, Petroleum und brennendes Fett können nur mit Sand und Decken erstickt werden. Ist der Brand durch elektrische Apparate entstanden, muß sofort der Strom ausgeschaltet werden. Droht ein Brand um sich zu greifen, so rufe man sofort die Feuerwehr. Sind Räume verqualmt, so krieche man zum Fenster und halte em nasses Tuch vor Mund und Nase. Feuer anzünden soll man nicht mit Papier, sondern mit dünnem, trockenem Holz. Feuer hält man die Nacht über, wenn man ein Brikett dick in Zeitungspapier einwickelt. Feuerfestes Geschirr, Gerät aus Ton oder Dorzellan, das mit einer sehr harten Glasur Überzogen ist, ebenso feuerfestes Glas. In derartigem Geschirr können die Speisen auf offener Flamme zubereitet und sofort auf den Tisch gebracht werden. Feuerlöscher, handliche Apparate mit einer chemischen Flüssigkeit, die meist durch Schaumentwicklung das Feuer erstickt. Derartige Feuerlöscher sind gebrauchsfertig käuflich. Feuersichere Behälter (Kasietten) sollten in jeder Wohnung vorhanden sein, um Wertsachen und wichtige Papiere darin aufzubewahren. Feuerversicherung. Man kann Sachen (z. B. Haus. Mobiliar) gegen Brandschaden versichern lasten. Man zahlt eine gewiße, nach dem Wert und der Brandgefahr der versicherten Sache sich richtende jährliche Prämie und Das ist keine leert Redensart, sondern Millionenwerte werden heute noch in Deutschland in den MüU geworfen. Wie aus diesen Altstoffen neue Rohstoffe entstehen, zeigt die Reichsausstellung „Schaffendes Volk“ in Düsseldorf. Man muß gesehen haben, welche Wunder deutscher Erfindergeist und deutsche Technik im Dienste des Vierjahresplanes vollbringen. Nur noch bis zum 17. Oktober* Große Reichsausstellung Schaffendes Volk DÜSSELDORF Sonntagsrückfahrkarten mit Ermäßigung im Umkreis von 250 km um Düsseldorf. Außerdem im Umkreis von 100 km Mittuxichsrückfahr karten. 6517 V_______________________________________________________ Bekanntmachung. Sperrzeit für Tauben. Die Besitzer von Tauben werden aufgefordert, ihre Tauben während der Saatzeit 65330 vom 11. Oktober 1937 bis 6. November 1937 einschließlich einzuhalten, andernfalls die Tauben- halter-zu gewärtigen haben, daß sie bestraft und die Tauben von dem Feldschutzpersonal abgeschossen werden. Gießen, den 1. Oktober 1937. Der Oberbürgermeister. I. 23.: Dog t. Bekanntmachung. Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß das Holzgeld für das in den Waldungen der Stadt Gießen gesteigerte Holz bis 1.11. 1937 bezahlt sein muß, andernfalls die in den Dersteigerungsbedin- gungen ausgegebenen Verzugsfolgen eintreten. Gießen, den 7. Oktober 1937. Stadtkasse Gießen. Kohlen Koks 6452 D Briketts Holz Torf Dungkalk H Glattes Sohn Frankfurt. Str. 19 Mühlstraße 18 Tel. 3144 3145. ToiW groß. Restposten gibt billig ab Joh. Müller Krankt. 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ÖD KZ DRUCKSACHEN K BnL K* Brühl'sche Druckerei Fiebermessen Fingerschalen Fiebermessen morgens, mittags und abends (6 Uhr), es kann unter der Achsel, unter der Zunge oder im After gemessen werden In der Achselhöhle soll es 10 Minuten, im Mund und After 5 Minuten gemessen werden. Während des Messens sollen sich der Kranke und die Umgebung möglichst ruhig verhalten. Finken, sperlingsartige Vogel- aattung, die sich bei richtiger Behandlung als Stubenvogel halten und abrichten läßt. Filet, das Lendenstück beim Nind und Wild, beim Geflügel das Bruststück, beim Fisch ein Stück ohne Gräten. Filetarbeit, frang Bedeutung: Netzarbeit, eine Art der Handarbeit, bei der in das Filetnetz mit Seiden- oder Leinengarn mit Stopfstichen Muster hineingearbeitet werden. Am besten geeignet für Gardinen, Tisch- und Bettdecken usw. Filigran, lat., Kornfaden, Eold- schmiedearbeit aus feinen Goldoder Silberfäden. Filter, Sieboorrichtung, die Flüs- sigkeiten klärt. Als Kaffeefilter dienen Metall-, Porzellan- oder Steingutsiebe, auf die Fließpapier gelegt wird. Zum Filtrieren von Obstsäften benutzt man einen Elastrichter in den Filtrierpapier eingelegt wird. Filz, dichter Stoff aus krausem Tierhaar oder Wolle. Der beste Filz, der Haarfilz, hat länger gewellte Haare und wird besonders zu Hüten verwendet. Die Güte des Filzes läßt sich leicht nach seinem Gewicht beurteilen. Filzhüte werden beim Reinigen mit Magnesia eingerieben und dann abgeklopft. Man kann auch einen Brei aus Benzin und Magnesia vorsichtig auftragen und nach dem Trocknen abtlopfen. Filzläuse, Jnsektenart. die außer am Kopf sich an allen behaarten Stellen des Körpers einnistet und nur durch Einreiben mit grauer Salbe (einer Quecksilbersalbe) oder Perubalsam vertrieben werden kann. Das Verfahren muß mehrfach wiederholt werden. Finden, s. Fund. Finger, federnder, der Finger schnappt unwillkürlich bei Bewegungen, Ursache: Verdickung der Sehnenscheide. Knötchen oder Formfehler der Eelenkflächen. Fingerabdrücke werden von hellgestrichenen Türen mit einem feuchten Lappen und Schlemmkreide entfernt, von Möbeln durch Anhauchen und Nachpolieren, von Tapete mit Brotkrume oder einem sauberen weißen Radiergummi. Fingerhut, zweijährige Vlumen- pflanze, die sich für Schattenecken im Garten eignet. Giftig! Fingerhut (roter), die Blätter werden bei Herzmuskelerkrankungen verwendet, denn sie enthalten eines unserer wichtigsten Herzmittel (Digitalis). Finger- hutveraiftunb: Das Mittel durch Erbremen (Finger in den Schlund stecken!) aus dem Magen beför- oern. Arzt rufen! Fingerschalen, flache Schalen mit lauwarmem Wasser und einer Zitronenscheibe werden zum Abspülen der Finger bei Tisch, beispielsweise nach Obst, gereicht. Was der Bauer dem deutschen Boden abringt pflegt und erhalt der - Kaufmann für die deutsche Familie. 6560 A Praktischer Zugpumps, Lasche und Schleife zierlich gelocht! Hübscher Stegspangen« schuh in der begehrten eckigen Form. 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