Nr.56 Erstes Matt 187. Jahrgang Montag, 8.MSrz 1937 (hr|d)etra täg Md), autzer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustriert« Gießener Familienblättei Heimat im Bild Die Scholl» Monalr-Vezugspretr: Mit , 4 Beilagen ‘HUI 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. e -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11688 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: SrSHI'sche Univerfitätr Such- und Steindruckerei «.Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstraße 1 Annahme von Anzeige» für die Mittagsnummer bis M/.UHr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Rps.,Platzvorschrift nach vorh. Vereinbg.25°/„ mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen--, Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf, Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Englands eingebildete Krankheit. Von unserem tbg.-Berichierstaiter. Die Besten sotten führen. Gauleiter Sprenger eröffnet die neue Gauschulungsburg in Kronberg. *- London, März 1937. Wir wollen uns keinen falschen Dunst vormachen — die Atmosphäre zwischen Berlin und London ist leider nicht so, wie sie sein sollte und wie sie sein könnte. Mißverständnisse, gegenseitiges Uebelnehmen, Verdächtigungen — von bewußten Lügen und Verhetzungen ganz zu schweigen! — finden sich in fast jedem englischen Blatt, und wenn man auch den Einfluß der Presse auf die öffentliche Meinungsbildung in diesem Lande nicht überschätzen soll, so droht doch die Gefahr, daß der an sich gesunde, nüchterne und faire Sinn des Engländers stutzig wird angesichts der Propaganda, die gegen Deutschland von den verschiedensten Kreisen mit den verschiedensten Mitteln betrieben wird. Man braucht nur die Meldungen und Aufsätze eines einzigen Taaes zu sammeln, um zu erkennen, was den Inhalt dieser Propaganda ausmacht. So liest man in der „Morning Post", daß sich Deutschland nicht an die Bestimmungen des Flottenabkommens vom Juni 1935 hält, im „Daily Telegraph", daß Italien und Deutschland sich der Zurückziehung der Freiwilligen aus Spanien widersetzen, im „News Chronic'le", daß wir dunkle Absichten gegen die Tschechoslowakei hegten, im „Manchester Guardian", daß die Aufwerfung der Kolonialfrage nur ein Ablenkungsmanöver sei, im „Daily Heralb", daß es in Düsseldorf zu Demonstrationen gekommen wäre, im „People", daß ein Netz von Agenten Spionage triebe. Diese Blütenlese mag genügen! Nun ist es nicht so, daß alle diese Falschmeldungen Produkte des bösen Willens sind. Wäre das, der Fall, so müßte man um das deutsch-englische Verhältnis besorgt sein, ein Verhältnis zudem, von dem man immer noch mit gutem Recht hoffen kann, daß es sich in eine aufrichtige Freundschaft wandelt. Die englische Journalistik mißt mit ganz wenigen Ausnahmen mit anderen Maßstäben. Für sie gilt als oberstes Gesetz die „news“, die Nachricht. Die Ideallösung ist natürlich die richtige Nachricht, aber da eine Zeitung nicht nur von Idealen leben kann, so wird es mit der unbedingten Wahrheit nicht immer so genau genommen. Wir' wollen damit die englische Presse nicht entschuldigen, sondern lediglich eine Tatsache feststellen, die für die Beurteilung wichtig ist. Zwischen den sogenannten diplomatischen Korrespondenten herrscht eine scharfe Konkurrenz, die von interessierten Kreisen natürlich eifrig ausgenutzt wird. Wie wenig zum Beispiel die immer wieder erhobenen Verdächtigungen Deutschlands in bezug auf die Tschechoslowakei der wirklichen Volksstimmung entsprechen, dafür ist die kürzliche Rede Sir Austen Chamberlains be- zeichnend. Man mag Sir Austen mit Recht viele Vorwürfe machen. Man kann indessen nicht abstreiten, daß er ein sicheres Gefühl für die politische Stimmung in England selbst besitzt. Sir Austen erklärte: „Glaubt die Opposition etwa, daß das Land eine Politik unterschreiben würde, nach der England mit allen verfügbaren Kräften marschieren soll, falls ein Einfall in die Tschechoslowakei erfolgt oder etwas ähnliches in Danzig oder in den Baltischen Staaten geschieht?" Mit dieser Frage hat Chamberlain der weit überwiegenden Mehrheit seiner Landsleute aus dem Herzen gesprochen. Das bedeutet natürlich nicht, daß die von Lord Arnold im Oberhaus vertretene Auffassung, wonach sich England von allen europäischen Verwicklungen zurück ziehen müsse, der öffentlichen Meinung entspräche. Die Wahrheit liegt vielmehr in der Mitte. Ihr hat zuletzt Eden in seiner Rede in Leamington am klarsten Ausdruck verliehen. Was aber weder aus Zeitungsstimmen noch aus Ministerreden herauszulesen ist,' ist das Gefühl für fairneß gegenüber Deutschland, das der Mann auf der Straße hegt, die Auffassung, daß man mit Deutschland in anderer Weise verkehren müsse als auf dem Wege von Fragebögen, Mahnungen und erhobenen Zeigefingern. „Ich fordere Gerechtigkeit für Deutschland", so erklärte der Labour-Abgeordnete Bellenger im Unterhaus, „ebenso wie ich Gerechtigkeit für jedes andere Land fordere. Und Deutschland hat bisher noch nicht sein Recht erhalten." „Eden ist zu sehr geneigt", ließ sich Lord Arnold im Oberhaus vernehmen, „Deutschland als möglichen Feind zu behandeln, anstatt als einen möglichen Freund. Warum legt er den deutschen Absichten so häufig das Schlimmste unter und Frankreich immer das Beste?" * Ja, warum? Damit kehren wir zu dem Ausgangspunkt unserer' Ausführungen zurück und fragen noch einmal: warum diese Mißverständnisse, die Verdächtigungen und dieses gegenseitige Uebelnehmen? Die plausible und gewiß vieles deutende Erklärung, daß es sich hierbei um eine Ablenkungspropaganda handelt, reicht nicht aus. Gewiß, die ungeheure Aufrüstung, die durch die jetzt vorliegenden Ziffern für den Flottenhaushalt noch plastischer wirkt, soll dem Wähler mundgerecht gemacht werden. Das Argument aber, daß Großbritannien allein für die kollektive Sicherheit aufrüste, wirkt auf die breite Masse — und nicht nur auf diese — wenig überzeugend, -r- Der tiefere Grund scheint uns in dem zu liegen, was die Franzosen als „malaise“ bezeichnen, in einem allgemeinen U n - behagen, einer Art eingebildeter politischer Krankheit, deren Erreger man nicht kennt. Die letzte Rede Edens im Unterhaus war dafür bezeichnend. Eden hat die englische Außenpolitik noch einmal als'Völkerbunbsp'olitik deklariert und . gleichzeitig 7Ä NSG. In drei Jahren wurde in der bisherigen Gauschule unseres Gaues in Niederrad, die jetzt zur Kommun al politischen Schule wurde, in vielen Kursen den politischen Leitern Ausrichtung und politisches Wissen gegeben. Nun aber hat der Gau Hessen-Nassau eine neue, schönere Schule bei Kronberg geschaffen. Von weitem schon, wenn man eben die Autobahn nach Heidelberg und Bad-Nauheim hinter sich gelassen hat, sieht man hoch über Kronberg den Bau stehen, der nun inmitten eines 45 Morgen großen Parkes die neue Schule aufgenommen hat. Weit schweift der Blick oon der Schule selbst an den Hängen des Taunus über die Mainebene hin, und läßt so jedem Besucher dauernd ein Stück seines Heimatgaues frei. Die neue Gauschulungsburg kann 80 Mann aufnehmen, die in dem großen' Gebäude, dessen Kameradschafts-, Eß- und Lehr-, Bibliotheks- und Schlafräume einfach und schlicht gestaltet sind. In den Schlafräumen fällt besonders auf, daß die Betten nicht übereinander stehen und die einzelnen Räume — es sind insgesamt 16 — nur mit zwei bis höchstens 8 Mann belegt sind. In den Gängen laden gemütliche Sitzecken aus schwerem dunkel gebeiztem Holz, das wir auch in den anderen Aufenthaltsräumen wiederfinden, zur kameradschaftlichen Aussprache und zum Austausch der Erfahrungen unter den Männern ein, die hier aus allen Teilen des Gaues zusammenkommen. Der weite Park wird den Lehrgangsteilnehmern neben der Schulung und dem Dienst Gelegenheit geben, einmal auszuspannen und sich auszuruhen von den Strapazen des jahrelangen Dienstes in Dorf und Stadt. Die neue Gauschulungsburg vereinigt alles in sich, um denen, die nach dem Besuch der Schulungsabende und der Kreisschulen zur höchsten Schulungsstätte des Gaues kommen, lebendiges Wissen um Bewegung und Staat zu vermitteln und ihre Kameradschaft fest zusammenzuschließen. Oer erste Lehrgang der neuen Gauschulungsburg ist angetreten. 60 Männer, die sich schon jahrelang in der Bewegung bewährt haben, sind zu einem Anwärterlehrgang für die Ordensburg eingezogen und erwarten nun den Gauleiter, der den Befehl zur ersten Flaggenhissung geben wird. Zur Einweihung sind neben der 7. Kameradschaft der Ordensburg Vogelsang, die augenblicklich in unserem Gau weilt, die Amtsleiter der Gauleitung, viele Kreisleiter, die Führer der Gliederungen der Partei und die Vertreter der Wehrmacht und des Staates erschienen. In den Schulungsräumen begrüßt Gauschulungsleiter Ruder die Gäste Er erinnert an die alte Gauschule, in der bis jetzt 1500 Parteigenossen geschult werden konnten. Das Grundprinzip aller unserer Schulung ist die Auslese; dieser Auslese dienen die Kreisschulen und die Gauschule. Einmal haben die Schulen die Aufgabe, die Führeranwärter de r^P a r t e i auszurichten, wie es eben in dem Lehrgang für Ordensburganwärter geschieht. Zum anderen Mal hat die Gauschule die Aufgabe, den Kreisleierklärt, daß sich die Genfer Liga gegenwärtig in einem Zustand der Erholungsbedürftigkeit befinde, das heißt ein Patient sei, dem man Zeit lassen müsse, seine Stärke wiederzugewinnen. Verlangt man aber im Ernst von uns, daß wir uns mit ins Krankenbett legen, während sich England selbst distanziert und entgegen allen Bestimmungen der Völkerbundssatzung eine handfeste Aufrüstungspolitik treibt? Es ist gewiß bequem, in Deutschland den mutmaßlichen Krankheitserreger zu suchen. Politische Quacksalber wie Winston Churchill werden das gern attestieren. Es ist aber unverantwortlich, falsche Prognosen zur Grundlage einer Politik zu machen, die England selbst am allerwenigsten dient. Denn auf die Länge gesehen, vermögen wir Deutschen auch ohne den drohend erhobenen britischen Zeigefinger auszukommen. Auf welche Weise, dafür sind in der Leipziger Rede des Botschafters von Ribbentrop genügend Andeutungen zu finden. Die Leistungsschau her HL. Die Eröffnung durch Gauleiter Sprenger. Im Bachsaal der Frankfurter Festhalle erfolgte am Sonntagvormittag in Gegenwart zahlreicher geladener Gäste die Eröffnung der Leistungsschau des Gebiets Hessen-Nassau der HI. Der Gebietsführer Oberbannführer Brandt begrüßte die Gäste, insbesondere den Gauleiter und betonte, daß die HI. durch diese Leistungsschau zeigen wolle, was getan worden sei, aber auch die Ziele für die Zukunft. Man wolle vor allem eins Herausstellen: daß die HI. den ganzen Jungen und das ganze Mädel zu erfassen strebe, und zwar nicht nur während der wenigen Dienststunden, sondern für das ganze Leben und für den ganzen Menschen. Gauleiter' S p r e n g e r dankte dem Gebietsführer für das Zustandekommen der Ausstellung und führte dann etwa aus: Das Leben bedeutet ewigen Kampf, aber nur der kann den Kampf bestehen, der ihn von Jugend an gewöhnt ist. Das ist eine Hauptlehre des Nationalsozialismus. Erfreulich ist, daß die „junge" HI. mit einer so außerordentlichen Schau ihrer Leistung vor das Volk tritt. Durch diese Schau allein schon ist aller Kritik be- tern und K r e i s a m t s l e i t e r n Rüstzeug für ihre Arbeit zu geben. Dabei läuft eine Personallenkung parallel, d i e richtigen Parteigenossen für die richtige Arbeit auszuwählen. Der Gauschulungsleiter versicherte, daß in dieser Schule der Gei st der Kampfzeit herrscht und vermittelt wird. Die Gemeinschaft und der Glauben an die Idee sind die Kräfte und auch das Geheimnis unserer Führerauslese. Oer Gauleiter nahm dann das Wort, um die Schule ihrer Bestimmung zu übergeben. Er führte u. a. aus: In diesem Haus herrscht der Geist des Führers, und die Weltanschauung, aus der hier gelehrt wird, ist die nationalsozialistische Weltanschauung. Sie umspannt alles, deshalb ist sie auch die einzige Weltanschauung, die hier anerkannt wird. Unsere Weltanschauung ist unduldsam, sie duldet keine andere neben sich! Sie verlangt, daß die, die hierher kommen, sich ihr hingeben, sich aufschließen für sie und ihr folgen. Der Name Schulungsburg entspricht nicht ganz dem Zweck, denn, wenn die Schule auch Kenntnisse vermitteln soll, so soll in ihr doch vor allem eine Auslese getroffen werden. Diese neue Form NSG. (Schwarz.) der Auslese ist nur ein Behelfsmittel gegenüber der Kampfzeit, die eine natürliche Auslese traf. Sie aber, die diese Burg betreten, sollen den Nationalsozialismus in sich verlebendigen und ihn Vorleben. Damit wollen wir der Auslese nahekommen, die ehedem der Kampf brachte. An einem der letzten Parteitage hat der Führer das Ziel aufgezeigt: alle Deutschen sollen Nationalsozialisten werden, die b e ft e n Nationalsozialisten Parteigenossen und die besten Parteigenossen sollen führen. Diese Auslese zu schaffen, ist unsere Pflicht, und wie uns bisher alles gelungen ist, gelingt uns auch das! Die Führung, die die Partei dem Volk gibt, ist einmalig und erstmalig auf dieser Grundlage. Das ganze Volk steht zur Verfügung. Die Besten müssen immer Führer sein, hinter die die Gefolgschaft gerne tritt, so wird das ganze Volk freudig hinter den Führer treten! Das wird in der Schule und draußen so sein, zwischen den Führern, dem Volk und Adolf Hitler, damit schließt sich der Kreis! Diesem Geist weihte der Gauleiter die Schulungsburg Kronberg und mit dem Flaggenspruch: Wer auf Adolf Hitler schwört, hat nichts, was ihm selbst gehört, stieg unter den Klängen des Horst-Wessel-Liedes die Fahne zum ersten Male am Maste hoch. gegnet, die manche glaubten, an der HI. üben zu müssen. Zugleich aber ist die Ausstellung auch e i n Mahnruf an alle Eltern, ihre Kinder in die Hitlerjugend zu geben. Die, die fernstehen, schließen sich aus von dem Wettkampf, der in der frühesten Jugend beginnt, und sie stehen abseits der Volksgemeinschaft in ihrem ganzen Leben. Der Gauleiter forderte die Jungen und Mädel auf, weiter zu bauen an dem großen Werk, das ihnen der Führer anvertraut hat, und ihre Leistungen zu steigern, damit sie in jedem Jahr zeigen können, was sie zu leisten vermögen. Der einzige Wille unserer Arbeit ist, es dem Führer nachzutun. Dies ist der Geist der Jugend und der Geist des ganzen Volkes. Im Blick auf den Führer und dem Gelöbnis, immer nach seinem Willen und unter seiner Führung den Weg zu gehen, eröffnete der Gauleiter die Ausstellung. Nach der Eröffnung besichtigten der Gauleiter und die vielen Gäste eingehend die Ausstellung, die ein überaus einprägsames und lebenbiaes Bild von der Arbeit der HI. auf ihren vielen Arbeitsgebieten gibt. Das Rheinland feiert den 7. März. Große Befreinngskundgebung in Mainz. LPD. Mainz, 7. März. Aus Anlaß des Jahrestages des Wiedereinmarsches deutscher Truppen in das linksrheinische Gebiet veranstaltete am Samstagabend die Kreisleitung Mainz der NSDAP, in der Stadthalle eine Kundgebung, an der auch Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger teilnahm. Außer den Vertretern der Partei und der Behörden waren zahlreiche Angehörige der Wehrmacht anwesend, darunter die Generale Leeb und Lindemann. Kreisleiter Dr. Barth dankte dem Gauleiter für sein Einverständnis, daß zum Jahrestag der Befreiung des Rheinlandes die Kundgebung des Gaues in Mainz durchgeführt wurde. Der Kreisleiter begrüßte dann die Vertreter der neuerstandenen deutschen Wehrmacht und unter ihnen besonders die Männer, die vor Jahresfrist in die alte Soldatenstadt Mainz miteinmarschiert sind. Sein besonderer Dank galt den alten Kämpfern der Bewegung, die hier am Rhein unter besonders schwierigen Verhältnissen frühzeitig den Gedanken des Nationalsozialismus erkannt und durchgesetzt und damit politisch einen Brückenkopf für den anmarsch i e r e n d e n Nationalsozialismus und die Befreiungstat des Führers geschaffen haben. Für den durch Heiserkeit am Sprechen verhinderten Gauleiter erinnerte Gaupropagandaleiter Müller- Scheid an die ungeheuren Opfer des Weltkrieges. Man hätte annehmen können, daß nach dem Krieg eine Sehnsucht und ein Gefühl für Ordnung wach werden würden, die in Zukunft ein so sinnloses Wüten und eine so sinnlose Vernichtung verhindern würden. Aber das Gegenteil trat ein. Blinder Haß Zwang dem deutschen Volk benVersaillerVer- t r a g auf, der zur Folae hatte, daß e i n Z u st a n d desZerfallsundderDemoralisierung in Deutschland eintrat. In dieser Not stand e i n Mann auf, der erklärte: „Ichdulde n i ch t, daß in Deutschland die Entwicklung den jetzt begonnenen Verlauf nimmt." Der Redner schilderte bann bas Ringen Aböls Hitlers um bie Seele des deutschen Volkes. Alles, was der Führer tat, war wie von einer höheren Vorsehung bestimmt. Der zwischen Frankreich und den Sowjets geschlossene Pakt führte bann am 7. März 1936 zur Wiederbesetzung der ehemals entmilitarisierten Zone durch deutsche Truppen. Beim Wiebereinzug biefer Truppen in beutsches Gebiet stand die Welt nicht mehr einem zerfallenen Volk, sondern einer Nation gegenüber, die von unten herauf einen Erneuerungsprozeß durchgemacht hatte. Unsere wiebererstan- bene Wehrmacht habe bie Aufgabe, bas beutsche Volk mitzuerziehen und mitzuhelfen, baß ber Deutsche mieber bie Eigenschaften erhält, die ihn immer in der Geschichte groß gemacht haben. Im einzelnen behandelte der Redner bann bie Friedenspolitik des Führers. „Noch nie, feit deutsche Geschichte geschrieben wurde, ist Deutschland so groß befohlen und so groß gehorcht worden wie unter Adolf Hitler." — Das Sieg-Heil auf den Führer und die Nationalhymnen schlossen die eindrucksvolle Kundgebung. Die nationalpolitische Ausgabe des deutschen Erziehers. Haus-Schemm -Weihestunde in Bayreuth. Bayreuth, 6. März. (DNB.) Die Veranstaltungen aus Anlaß des dritten Todestages des ersten Gauleiters der Bayerischen Ostmark, Hans Sch e mm, brachten eine Rundfunkansprache des stellvertretenden Gauleiters R u ck d e s ch e l, der Erinnerungen an Hans Schemm aus der Kampfzeit wieder ausleben ließ. Am Abend folgte i m Haus der deutschen Erziehung eine Weihestunde. Am Vormittag hatte im Konferenzsaal eine Arbeitstagung des NSLB. begonnen, dessen Gauwalter zur Teilnahme an der Weihestunde vom Reichswalter des NSLB. geladen worden waren. Der Leiter der Hauptabteilung Schulung, Wvlf, legte die Aufgaben der Schulungsarbeit dar, die den Erzieher zu den Quellen seines ureigensten Wesens zurückführen sollen. Eine besondere Bedeutung innerhalb der Schulungsarbeit komme der A u s t a u s ch s ch u l u n g zu, die es dem Erzieher ermögliche, Land und Leute in allen Gauen, besonders aber in den Grenzgebieten, kennenzulernen. Es wurde weiter die Frage der Unterbringung der Studienassessoren behandelt. Reichswalter Gauleiter W a e ch t l e r stellte fest, daß die Erziehung in der Schule den Mittelpunkt des völkischen Erziehungsgedankens überhaupt darstelle. Der Erzieher habe die Aufgabe, das nationalsozialistische Gedankengut in die Jugend hineinzutragen. Die alte Schule und der „Pauker" von gestern seien im Dritten Reich verschwunden, der Erzieher von heute habe die neuen Wege in seiner Schulstube gefunden und in den letzten Jahren wertvolle Vorarbeit geleistet. Der Reichswalter zeichnete das Bild Hans Schemms als des Idealisten, der sich im Kampf gegen die Schwierigkeiten, die sich seinen gewaltigen Aufgaben entgegenstellten, als der große Erzieher erwiesen habe. Schule und Lustfahrt. Die Luftfahrt braucht eine Auslese bester Facharbeiter. Hannover, 6. März. (DNB.) Reichsminister R u st eröffnete in den Ausstellungshallen die erste Pädagogische Reichsausstellung „Schule und Luftfahrt". Es fei erforderlich, daß das Interesse und Verständnis für die Luftfahrt schon bei der Jugend geweckt und gefördert werde. Es gebe kein Schulfach, das nicht zu seinem Teile mitwirken könnte, den Luftfahrtgedanken der Jugend nahezu- bringen. Ich bin der deutschen Erzieherschast dankbar, fuhr der Minister fort, daß sie die Größe der ihr gestellten Aufgabe erkannt und die notwendigen Folgerungen daraus gezogen hat. Mit begeistertem Einsatzwillen und großem Eifer hat sie sich an die Lösung der ihr mit dem Erlaß gestellten Aufgaben begeben. Das deutsche Schul- und Erziehungswesen arbeitet, angefangen vom Modellbau als Pflichtfach im Werkunterricht der Schulen, über die Flugphysik, die Luftfahrtlehrgänge, den Segelflugbetrieb, an den Hochschulinstituten für Leibesübungen daran, daß unsere gesamte deutsche Jugend für die Luftfahrt begeistert wird und durch freiwilligen Eintritt zum Dienst bei ihr ihrer Begeisterung Ausdruck verleiht. Zwei Tatsachen müßten immer wieder zur Weiterarbeit und zu neuem Ansatz anspornen. Einmal die Pflicht, das in der Luftfahrtforschung, die seit 1918 vom Staat vollkommen vernachlässigt worden sei, Versäumte nachzuholen. Dabei hätte die Schule in allen ihren Arten und die Wissenschaft selbstverständlich Hilfe zu leisten. — Zum anderen würden sich in den nächsten Jahrzehnten die Auswirkungen des Geburtenrückganges während und nach dem Kriege zwangsläufig bemerkbar machen. Durch den zweiten Vierjahresplan und die Aufrüstung sei nun für Deutschland an die Stelle des Erwerbslosenproblems die Frage getreten, wie die nötige Anzahl von Facharbeitern zu beschaffen sei. In dieser Zeit gelte es für alle Dienst- Zwei gg der Luftfahrt, den Flieger, das Bodenpersonal, den Konstrukteur in der Fabrik oder den qualifizierten Facharbeiter, eine Auslese zu treffen, weil die Luftfahrt nur Menschen gebrauchen könne mit starken Herzen und großer Seele, mit Begeisterung und Phantasie. Ich will daher erreichen, erklärte der Minister, daß die Schule der Luftfahrt immer die genügende Anzahl Freiwilliger in der erforderlichen Auslese zur Verfügung stellen kann. Eine Schau deutschen Kunsthandwerks in Lyon. Auf der Lyoner Messe wurde die von der deutsch-französischen Gesellschaft veranstaltete Schau deutschen Kunsthandwerkes eröffnet. Der französische Minister für öffentliche Arbeiten, B o d o u c e, begrüßte die Ausstellung als wertvollen Beitrag zu einer besseren deutsch-französischen Verständigung. Die beiden Völker müßten sich dort kennenlernen, wo sie sich am schnellsten und am gründlichsten achten würden: in der Arbeit an der Kun st. Aus der Achtung vor der gegenseitigen fieiftung erwachse die wahre Verständigung und, der aufrichtige Wille zum Frieden zwischen den Nationen. Professor Grimm dankte dem Minister. Die Ausstellung schaffe Bande der Freundschaft zwischen Deutschland und der so wichtigen Metropole des französchen Südwestens, die sich auch über die Tage der Ausstellung hinaus als wirksam erweisen würden. Ausgehend von den Werken Rudolf Kochs und seines Kreises zeigt die Ausstellung in mustergültiger Aufmachung Leistungen des deutschen Handwerks in der Bearbeitung von Erde, Fasern, Holz und Metallen. Sie findet in der Presse, im Rundfunk und bei den zahlreichen Besuchern große Beachtung. Belgien wünscht einen neuen' estpakt. Furcht vor dem französischen Bündnissystem. - Starker Eindruck des Garantieangebots des Führers. London, 7. März. (DNB.) „Times" schreibt, die belgische Regierung habe die Regierungen Englands und Frankreichs von ihrem Wunsche unterrichtet, daß die Vorbereitungen für eine neue We st Paktkonferenz mit allen Mitteln betrieben würden. Gleichzeitig seien beide Negierungen daran erinnert worden, daß Belgien die gegenwärtige Regelung nicht als für die Dauer ansehen'könne, da die Verpflichtungen Belgiens danach solcher Art seien, daß sie auf lange Sicht für die belgische Oeffentlichkeit u n e r t r ä g - l i ch werden würden. Was Belgien wünsche, sei in erster Linie, die Stellung eines „nicht verbündeten Staates" einzunehmen auf der gleichen Grundlage wie die Niederlande und die skandinavischen Länder. Man glaubt, daß auf König Leopolds Rede hin Verhandlungen mit den Niederlanden als dem nächsten Vertreter der -kleineren Mächte begonnen haben mit dem Ziel, sich dessen zu versichern, bei der neutralen Mächtegruppe gut ausgenommen zu werden. Belgien wünsche nicht, mit dem französischen Bündnis- system in Zusammenhang gebracht zu werden. Es sei entschlossen, eine Außenpolitik u n - abhängig von den bestehenden ideologischen Mächtegruppierungen 'zu treiben. Die Gefahr seiner gegenwärtigen Verpflichtungen liege darin, daß es die französische territoriale Unversehrtheit garantieren müsse, wodurch Belgien bei einem deutsch- französischen Kriege, dessen Ursprung in Mitteloder Osteuropa liegen könnte, wieder zum Schlachtfeld würde. Während Belgien alle Vorteile der Zugehörigkeit zur neutralen Gruppe wünsche, wolle es zur gleichen Zeit Garantien von England, Frankreich und Deutschland. Zweifellos habe Hitlers Garantieangebot für eine belgische und holländische territoriale Unversehrtheit einen tiefen Eindruck auf die belgische Oeffentlichkeit gemacht. Die belgische Auffassung scheine dahin zu gehen, daß das deutsche Angebot überprüft werden müsse, um festzustellen, ob Deutschland seine Haltung zum Westpakt so weit geformt habe, daß es bereit sei, einen neuen Vertrag innerhalb des Rahmens der Völkerbundsbestimmungen zu schließen. Man glaube in Belgien, daß eine deutsche, englische und französische Garantie es unabhängig und seine neutrale Stellung unantastbar machen würde. Einige Belgier gingen in ihrer Furcht vor dem französischen Bündnissystem so weit, daß sie es vorziehen würden, auf die französische Garantie zu verzichten und sich mit der britischen zu begnügen, falls eine deutsche nicht erreichbar erscheine. polens „Lager der nationalen Einigung" Oie deutschen Volksgruppen warten ab. Warschau, 6. März. (DNB.) Die Generalaussprache über den Staatshaushalt im polnischen Senat gab der deutschen Volksgruppe in Polen Gelegenheit, sich zum Aufruf des Obersten Koc zur Bildung des „Lagers der nationalen Einigung" zu äußern. Senator Wiesner erklärte, daß die deutsche Volksgruppe die von Oberst Koc aufgestellten Grundsätze hinsichtlich der Einstellung des polnischen Volkes zu den nationalen Minderheiten ebenso wie die sonstigen Programmpunkte des Obersten Koc billige. Die deutsche Volksgruppe verlange keine Privilegien, sondern stütze sich auf die Verfassung und erstrebe deren volle Verwirklichung. Nach Auffassung der deutschen Volksgruppe kündige die Erklärung des Obersten Koc eine neue Aera im Leben des polnischen Staates und Volkes wie auch der deutschen Volksgruppe an. Grundsätzliche Bedingung für dieses neue Leben sei jedoch, daß man verdeutschen Volksgruppe ihre Entwicklungsmöglichkeiten sichere. Die deutsche Volksgruppe stelle ein unteilbares Ganzes dar, und man könne sie nicht in Abhängigkeit davon behandeln, in welchen Gebietsteilen Polens sie wohne. Die Versuche, sie zu entnationalifieren, seien schädlich für den polnischen Staat. Die deutsche Volksgruppe fei der Ansicht, daß die Zeit zur Verständigung gekommen sei, sie sei von der Berechtigung ihrer Forde- rungen tief überzeugt und glaube an deren Verwirklichung. Sie reiche allen denen die Hand, die den gleichen Willen hätten. Senator H a s b a ch führte aus, daß die deutsche Volksgruppe in Erkenntnis der schwierigen Lage, in der sie in letzter Zeit sich befinde, auf die ihr feierlich gesicherten Rechte der polnischen Verfassung Hinweise^und an der Durchsetzung dieser Rechte mit allen gesetzlich erlaubten Mitteln arbeiten werde. Die deutsche Volksgruppe berufe sich dabei auf das historische Heimatrecht, das sich seit Jahrhunderten auf die Arbeit und Leistung deutscher Geschlechter im polnischen Lande gründe. Zu der programmatischen Verkündung des „Lagers der nationalen Einigung" bleibe die deutsche Stellungnahme solange offen, als keine Klarheit über d i e Tendenz des neuen nationalpolnischen Lagers gegenüber d e n Deutschen in Polen bestehe. Das Deutschtum in Polen erwarte jedoch zuversichtlich, daß das „Lager der nationalen Einigung", das sich in seinem Programm bewußt auf die S t a a t s v e r s a s s u n g stützt, den Verfassungsschutz ^auch der deutschen Volksgruppe in Polen verwirklichen wird. Der Rat der Deutschen stütze diese Erwartung nicht zuletzt auf die Bekräftigung dieses Verfassungsschutzes durch führende Mitglieder der Negierung, so vor allem auf die Erklärung des Ministerpräsidenten Sklad- kowski, daß kein Bürger in Polen Unrecht leiden dürfe, und auf die feierliche Proklamation des Außenministers Beck, daß jeder international garantierte Minderheitenschutz überflüssig sei, weil Die Republik selbst dje Rechte ihrer nichtpolnischen Bürger zu wahren wisse. Aus die Reden der deutschen Senatoren ging Senator Siudowski ein, der sich in Verdächtigungen der deutschen Minderheit erging und vor dem „Einfluß des Deutschtums" warnen zu müssen glaubte. Er erklärte unter starkem Beifall, man sei weit davon entfernt, die verfassungsmäßigen Garantien für die"deutsche Minderheit zu verletzen, und man wolle ihre nationale Eigenart achten. Man nehme die Erklärung des Senators Wiesmer mit Befriedigung zur Kenntnis, werde aber, wie der polnische Senator betonen zu müssen glaubte, ,,aller Illoyalität und allem schädlichen Eindringen des deutschen Elements entgegentreten". Japans AuPenpoMik. Der Staatshaushalt vom Unterhaus verabschiedet. T o k i o , 8. März. (DNB. Funkspruch.) Das Unterhaus verabschiedete mit großer Mehrheit den Staatshaushalt für 1937, der mit rund 2,815 Milliarden Yen abschließt, nachdem die ursprüngliche Vorlage auf Vorschlag des Finanzministers um rund 223 Millionen Y e n gekürzt worden ist. Der Wehrhaushalt mit rund 1,409 Milliarden Den ist unverändert geblieben. Die übrigen Gesetze, wie die Verstaatlichung der Elektrizitätswirtschaft, die ReformderVerwaltung und das Wahlgesetz zum Reichstag werden Ausschüssen überwiesen. Damit ist der gesamte Reformplan des früheren Kabinetts H i r o t a zunächst aufgegeben. Im Oberhaus betonte Der neue Außenminister Sato, er erwarte bessere Beziehungen zu Sow- jetrußland nur dann, wenn die Moskauer Regierung eindeutig die Beziehungen zur Komintern löse oder die Komintern beseitigt würde. Das japanische Volk wünsche gute Beziehungen zu England. Wirtschaftliche Gegensätze und ernste Spannungen in China erschwerten hier die Lage. Notwendig sei eine Zusammenarbeit Japans mit allen in China interessierten Mächten. Die japanische Außenpolitik dürfe keine Mißdeutungen der Beziehungen Japans zu China aufkommen lassen. Eine Verständigung sei möglich, falls Japan Chinas Oberhoheit und Gleichberechtigung anerkenne und Verhandlungen in diesem Sinne eingeleitet würden. Das Gesicht der sowjeirujsischen Diplomatie Bon 28 Auslandsvertretungen ~ 24 in jüdischen Händen. Berlin, 6. März. (DNB.) Der „Nachrichtendienst der Anti-Komintern" setzt seine Veröffentlichungen über die Verjudung der sowjetischen Politik mit folgender Liste der jüdischen diplomatischen Auslandvertreter der UdSSR, fort: England: Botschafter Maiski (Steinmann); Italien: Botschafter Stein; USA.: Botschafter Trojanowski, wahrscheinlich Jude, mit einer Jüdin verheiratet; Japan : Botschafter Jureneff (Gansmann); Spanien (Valencia): Botschafter Gaikis, Lew Jakowlewitsch; Rumänien: Gesandter Ostrowski; Tschechoslowakei: Gesandter Alexandrowski, Russe, mit einer Jüdin verheiratet; Griechenland: Gesandter Kobetzki; Lettland: Gesandter Brodowski; Litauen: Gesandter Karski; Norwegen: Gesandter Jakubowitsch; Belgien: Gesandter Rubinin; Afghanistan: Botschafter Skwirski. Unter den 28 diplomatischen Auslandvertretungen der Sowjetunion gibt es nur vier, in denen nicht Juden an leitender Stelle st e - h en. Das aber sind bezeichnenderweise lauter kleine Staaten: Estland, Bulgarien, Dänemark und Nedschd. Die übrigen 24 werden mehr oder weniger von Juden beherrscht. In 13 diplomatischen Vertretungen der Sowjetunion haben Juden die ersten Stellen (Botschafter oder Gesandter) inne, Darunter bei sämtlichen Großmächten außer Frankreich, wo der Renommierrusse Potemkin von einem zahlreichen jüdischen Stabe umgeben ist. Das ist das Gesicht der russischen Diplomatie! Das erlösende Wort. Die Rede, die Reichsminister Dr. Goebbels als Führer und Schirmherr des gesamten kulturellen Lebens und Schaffens in Deutschland und also auch Der deutschen Filmindustrie und Filmproduktion auf der Jahrestagung der Reichsfilmkammer gehalten hat, — es wurde in der Samstagsnummer ausführlich darüber berichtet — enthielt eine Reihe wegweisender Leitsätze und faßte gewissermaßen von höchster Warte aus überblickend, ordnend und die allgemeine Richtung der kommenden Entwicklung aufzeigend zusammen, was in den Dorausgegangenen Referaten von maßgebenden Sprechern der verschiedenen Funktionsbereiche und Arbeitskreise der deutschen Filmproduktion zur Sprache gebracht worden war. Die Ausführungen des Ministers enthielten sozusagen Das erlösende Wort für alle deutschen Filmschaffenden, das an einem so bedeutungsvollen Abschnitt unseres filmkünstlerischen Schaffens, wie es die Jahrestagung der Reichsfilmkammer darstellt, weithin vernehmbar, erwartet werden durfte. Die Rede von Dr. Goebbels bedeutete die endgültige Klärung aller auf diesem Gebiete unserer kulturellen Arbeit schwebenden Fragen. Es wird insbesondere von allen mittelbar und unmittelbar, attm und aufnehmend am deutschen Filmschaffen Beteiligten und Teilnehmenden mit Befriedigung begrübt worden sein, daß zunächst mit wünschenswerter Klarheit Die Grenzen zwischen Den Aufgaben- und Arbeitsbereichen Der künstlerischen unD Der wirtschaftlichen Kräfte innerhalb Der nationalen Produktion gegeneinander abgegrenzt wurden. Worauf es für uns grundsätzlich ankommt, ist ein gerechter, verständnisvoller, vorausblickender und dem Ganzen — das heißt also dem Filmkunstwerk und damit dem Volke — dienender Ausgleich zwischen den künstlerischen und geschäftlichen Funktionen innerhalb des riesigen Arbeitsgebietes, den man landläufig unter dem Begriff „Filmindustrie" zusammenfassen mag. Der deutsche Film kann auf die Dauer unmöglich gedeihen, er kann nicht die Höchstleistungen hervor- bnngen, die wir von ihm erwarten, und die seine internationale Vormachtstellung allein begründet haben und für die Zukunft' behaupten werden wenn nicht ein harmonischer und abgewogener Ausgleich zwischen den künstlerischen Kräften' und den wirtschaftlichen Mächten besteht, die das gewaltige Gebäude tragen. Der Filmproduzent soll durchaus — so legte der Minister dar — auf seine Kosten kommen; käme er nicht auf seine Kosten, so würde auf die Dauer auch keine gedeihliche Produktion durchzuführen sein. Das Unternehmen muß im innersten Kern gesund und tragfähig sein. Aber dazu gehört auch, daß Geschäft und Künstlertum Hand in Hand — nicht etwa rivalisierend oder mißtrauisch gegeneinander — arbeiten. Die Berufung hervorragender deutscher Filmkünstler wie Forst, Gründgens und Hannings in den Aufsichtsrat der führenden Produktion (worüber kürzlich berichtet wurde) darf als ein bedeutsamer Schritt auf dem Wege zu engster Zusammenarbeit und gemeinsam getragener Verantwortung innerhalb der Produktion angesehen werden. Was die künstlerische Seite unseres Filmschaffens angeht, so stehen wir heute — wie der Minister ausfuhrte — ungefähr Da, wo das deutsche Theater stand, als Lessing seine Hamburgische Dramaturgie schrieb. „Uns ist in Lessing", so sagte Dr. Goebbels wörtlich, „einmal das große theaterkritische Genie entstanden. Ich habe die feste Uebergeugung, daß irgendwo und irgendwann in Deutschland einmal Der Mann auftreten wird, der nun auch dem Film seine ehernen und unabänderlichen Gesetze ver- Das scheint uns einer der wesentlichsten Punkte in dieser Rede zu sein. Wer Gelegenheit hatte, aus innerer Anteilnahme und Liebe zur Sache, den Weg der deutschen Filmproduktion in den letzten fahren zu verfolgen, wird nicht haben übersehen- können, daß in den Filmen, Die Das Gesicht unD Niveau Der Produktion bestimmen, immer schärfer und plastischer Die innere Form und Die eigene Gesetzlichkeit Der noch jungen Kunst dieses Jahrhunderts sich herausgearbeitet haben; es wird auch niemand übersehen wollen, wie in anderen Werken solche in sich ruhende und ihrer selbst sichere Form, der eigentlich filmische Stil noch nicht oder nur unzureichend erarbeitet war. Wer sich Darüber Gedanken macht, und wem an einem organischen und vor allem selbständioen Wachstum des Films als einer von eigenen Möglichkeiten bestimmten, nach eigenen Gesetzen regierten Kunstgattung am Herzen liegt, der muß wünschen, daß ber neue Lessing unseres Jahrhunderts, von dem m der Rede gesprochen wurde, uns geschenkt meröe und eine Neubabelsberger Dramaturgie da- zu; sie mag nun heißen, wie sie will, aber sie soll einmal — mit gleicher Klarheit, mit gleicher Gültig- te,t aus Der gleichen Leidenschaft und Liebe zur Sache — die Gesetzestafeln errichten, „die wieder oas Vorbild für eine jahrhundertelange Entwicklung m der ganzen Welt bedeuten." Damit würde dem Film ein Katechismus von unermeßlichem Wert und fast unabsehbarer Bedeutung geschaffen; in ihm märe in einer arundsätzlichen Gestalt und Formulierung auch enthalten, was als eine der gegenwärtigsten Aufgaben ebenfalls in der Rede von Dr. Goebbels berührt wurde, die Schaffung des Filmstils, der sowohl national als auch spezifisch filmisch jedem Werk sein eigenes Gesicht verleiht; Die Frage des filmkünftlerischen Nachwuchses und das Problem des Filmstoffes würden von hier aus nicht minder grundsätzlich berührt und geformt als Die Fragen der wirtschaftlichen Sicherung und der technischen Entwicklung, von denen keine für sich allein behandelt werden kann, die alle miteinander Zusammenhängen und alle dem einen Ziele dienen — „der Kunst als Der großen Mutter unserer Freude". hth. Goeihe-Bund. Josefa Berens-Totenohl. Der vierte Der vom Goethe-Bund gemeinsam mit dem Kaufmännischen Verein veranstalteten Dichter- Abende war dem Werk der Dichterin Josefa Berens-Totenohl gewidmet, die nach längerer Berufstätigkeit und dem Studium der Malerei in Düsseldorf zum Schrifttum fand. Im heimatlichen Umkreis des Sauerlandes entstanden die Romane „Der Femhof" und „Frau Magdlene", die 1936 mit dem westfälischen Literaturpreis ausgezeichnet wurden; später erschien ein Gedichtband „Das schlafende Brot". Der Vortragsabend in Der Neuen Aula wurde eingeleitet mit einem vpn der Musikschar Des BDM.-Untergaues 116 gespielten Pastorale von Händel. Die Singschar Des Untergaues brachte Dann Die „Mütter-Kantate" von Hans 'B aumann zum Vortrag; in Gesang, Sprechchor und wechselnden Einzelstimmen erklang das Lob der Mutter und der ewigen Mütterlichkeit. Anknüpfend an diese Kantate begann Josefa Berens-Totenohl ihre Vorlesung, mit den Mutter-Versen „Mein Denken an dich ist ein Stürzen in ewige Brunnen ..." Die darauf folgende Erzählung führte ein in die harte und strenge bäuerliche Welt des „Femhofes" im heimischen Sauerland. Die Handlung begibt sich um die Mitte Des 14. Jahrhunderts. Der Stil Der Erzählung ist einfach; in ruhigem epischen Fluß reihen sich die kurzen, meist beigeordneten Sätze aneinander. Es klingt, als ob aus einer alten westfälischen Bauern- chronik vorgelesen würde. Die Menschen, welche Die Handlung tragen, scheinen alle in überlebensgroße Maße hineinzuwachsen, Deren Konturen, ins Male- risch-Flächenhafte überfragen, einem großlinigen Freskostil mit wenigen, dunklen und gehaltenen Farben entsprechen würden. Hier lebt jeder in einer uralten Bindung an den heimatlichen Boden, an den angestammten Hof, an das ererbte und unumstößliche Gesetz Des Blutes und Der Sippe. Dies sind die Kräfte, welche Denken und Tun der Gestalten regieren, aus Denen sich Die Konflikte ergeben, welche Die HanDlung dramatisch steigern. Die Wulfstochter kämpft um ihr starkes und unbeirrbares Liebesgefühl gegen Den Sippen- und Bauernstolz Des Vaters, Der ihren Geliebten, Ulrich, mit eigener Hand erschlug. Die Tochter hütet Das Grab, dem Der unversöhnliche Haß Den FrieDen nicht gönnt, und Das Andenken an Den toten Geliebten, dessen KinD unter ihrem Herzen dem Leben zudrängt. Aber Feindschaft, Schmerz und Einsamkeit werden übertönt von dem warmen und tröstlichen Gefühl sorgender Mütterlichkeit, die das neue, werdende Leben still, behutsam und liebend in sich birgt und seiner Erdenstunde entgegenträgt. Mit dem Erscheinen Der Mutter Ute, Die im rechten Augenblick auf Dem Wulfshofe einkehrt, greift Der ruhig vorwärtsführenDe Gang Der Erzählung einmal rekapitulieret zurück, bann ist Das epische Gleichmaß wieDer berqefteUt: in der Geburts- und Totenkammer des Wulkshofes sieht Maadlene von Mutter Ute betreut, ihrer schweren Stunde entgegen. Die nächtliche Szene mit der Geburt des Sohnes, mit dem Erscheinen des Wulfsbauern in der Kammer und jenes unheimliche Zwischenspiel nut dem erschlagenen Hengst im Stall waren wohl die Höhepunkte der Erzählung. Die drei Worte, ge- svrochen über der Wiege des Kindes, rundeten Den OünDrurf unD lenkten' sinnvoll zum Beginn des Abends zurück. Die Vorlesung vermochte, zeitlich bemessen, naturgemäß nur einen Ausschnitt aus der romanhaften Breite Des Handlungsraumes zu geben, vermittelte aber mit großer Eindringlichkeit eine Vorstellung von der in sich gefügten, volkbaften Welt, Der Ge- ftanung und Gestalten in den Romanen von Josefa Berens-Totenohl entstammen. Blumen und herzlicher Beifall dankten Der Dichterin. Die Musik- fchar des Untergaues ließ Den Abend mit einem Adagio von Corelli stimmungsvoll ausklingen. Hans Thyriot Ausklang -er Lahrestagung -er Reichsfilmkammer. Oie Tagung der Fachgruppen. —Kilmball 1937. W ’ G'B 'M ■ WWAMMS a<° MM f. V, D Am Freitagabend hielt Reichsminister Dr. Goebbels bei der Kundgebung der Reichsfilmkammer im Sitzungssaal des Reichstages eine Rede, über die schon ausführlich berichtet wurde. Das Bild zeigt einen Teil der anwesenden Filmschauspieler. Von links nach rechts: Will Dohm, Hanna Waag, Maria And er gast. (Dahinter in der zweiten Reihe): Hansi Knoteck, Willy Fritsch und Lilian Harvey. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Der zweite Tag der Iah^estagung der Reichsfilmkammer war den Tagungen der Fachgruppen vorbehalten. Bei allen Gruppen nahm der Präsident der Reichsfilmkammer Staatsminister a. D. Prof. Dr. L e h n i ch das Wort. Bei der Fachgruppe Filmtheater wurde einstimmig die Auflösung des Reichsverbandes Deutscher Filmtheater beschlossen. Der Leiter der Fachgruppe Filmtheater Dr. Q u a d t stellte fest, daß die deutschen Filmtheaterbesitzer mit einer Zahl von 5321 Theatern und 1 953 634 Sitzplätzen am 1. März 1937 nach Amerika an der zweiten Stelle in der Welt marschierten. Vom September 1934 bis zum März 1937 seien in Deutschland insgesamt 461 Filmtheater neu bzw. wieder eröffnet worden. lieber technische Fragen referierte Diplom-Ingenieur W a r n ck e , während Fritz Fuhrmann die organisatorischen Fragen behandelte. Reichskul- turwalter Hinkel führte u. a. aus, der Nationalsozialismus habe das deutsche Kunst- und Kulturleben in einer mühevollen Arbeit von den Vertretern einer artfremden Rasse und ihnen wesensver- waydten Menschen gesäubert, damit ihre Plätze von Leuten gleichen Geistes besetzt würden. In weiteren Tagungen wurden Fragen des inländischen Filrn- vertriebes, der Filmproduktion, der Kultur-, Werbefilm- und Lichtspielstellen, der Film- und Kinotechnik, sowie der filmtechnischen Forschung' behandelt. Nach ernster Beratung und zielstrebiger Arbeit schloß die Reichsfilmkammer ihren ersten Jahrestag mit einem festlichen Ereignis ab, dem Filmball 19 3 7, der Künstler, Wirtschaftler, Techniker, Verleiher und Theaterbesitzer vereinte, und dem auch Reichsminister Dr. Goebbels beiwohnte. Der Präsident der Reichsfilmkammer, Staatsminister a.D. Professor Dr. L e h n i ch , und sein Stellvertreter, Hans Weidemann, konnten als Ehrengäste u. a. Reichsminister Dr. Goebbels, Reichsleiter Aierl, den Pressechef der Reichsregierung, Staatssekretär Funk, den Reichssportführer von Tschammer und O st e n , die Reichskulturwalter Hinkel und M o r a l l e r und viele Kultursenatoren begrüßen. In den überfüllten Sälen spielten die besten Berliner Kapellen. Ein hübsch zusammengestelltes Programm, an dem zahlreiche namhafte Filmkünstler teilhatten, sorgte dafür, daß der Filmball 1937 zu einem schönen und beschwingten Fest wurde. Oer Führer an die deutschen Filmschaffenden. Der Führer und Reichskanzler hat in folgen- 6em Telegramm an den Präsidenten der Reichsfilmkammer für da^ Grußtelegramm der deutschen Filmschaffenden gedankt: „Den zur 1. Jahrestagung der Reichssilmkammer Versammelten danke ich herzlich für die Grüße, die ich mit aufrichtigsten Wünschen für weitere erfolgreiche Arbeit der deutschen Filmschaffende^ bestens erwidere. gez.: Adolf Hitler." Reichsminister Dr. Goebbels dankte mit nachstehenden Worten: „Für die Grüße von der Jahrestagung der Reichsfilmkammen danke ich Ihnen bestens. Ich grüße alle anläßlich der 1. Jahrestagung der Reichsfilmkammer versammelten deutschen Filmschaffenden aufs herzlichste und wünsche, daß diese Zusammenkunft für den deutschen Film wertvolle und fruchtbare Ergebnisse zeitigen möge. Heil Hitler! Reichsminister Dr. G o e b b e l s." Oer Filmvolkstag in der Reichshauptstadt. Der im Jahre 1935 ins Leben gerufene F i l m - volkstag wurde in diefem Jahre aus Anlaß der Tagung der Reichsfilmkammer in weit größerem Umfange wiederholt. Waren es vor zwei Jahren rund 400, so hatten sich diesmal bereits mehr als 2000 deutsche Lichtspieltheater mit einer Freivor- stellung für diesen Tag zur Verfügung gestellt. In der Reichshauptstadt strömten am Sonntagmittag Tausende Volksgenossen den Lichtspielhäusern zu. Wohl sämtliche Berliner Kinos waren bis auf den letzten Platz besetzt. Begegnung mit dem Grafen Zeppelin. Zur Erinnerung an seinen 20. Todestag am 8. März. In jener Zeit vor der Jahrhundertwende, als die Eisenbahnknotenpunkte wegen des Umsteigens noch eine große Rolle im Reiseverkehr spielten, machte ein geflügeltes Scherzwort immer wieder die Runde: Seh'n wir uns nicht in dieser Welt, Dann seh'n wir uns in Bitterfeld! Ein fröhlich aufgelegtes Schicksal wollte es, daß meine einzige Begegnung,die ich mit dem Gr afe n Zeppelin „in dieser Welt" gehabt habe, in Bitterfeld stattfand. Daß Bitterse.ld ein Eisenbahnknotenpunkt von großen Ausmaßen sein mußte, sah ich sofort ein, als mit mir tausende und aber tausende Schaulustige und Begeisterte aus allen Wind- und Schienenrichtungen auf dem Bahnhofsvorplatz in Bitterfeld zusammenströmten. Man schrieb an diesem Tage den 28. August 1909. Wer von uns hatte damals bereits ein Luftschiff gesehen? Kaum einer!\Das Unheil von Echter- dingen, wo das erste auf einer Fernfahrt begriffene Zeppelin-Luftschiff im Sturm auseinandergebrochen war, lag nur wenige Jahre zurück. Damals brachte das deutsche Volk in kurzer Frist eine Nationalspende von sechs Millionen Mark auf, die dem „närrischen Grafen" endlich genügende Mittel für den Bau seines Starrluftschiffes in die Hand gaben. Um so erregtet und erwartungsvoller war ganz Deutschland an diesem Tage, den ersten Fernslug des inzwischen erbauten neuen Luftschiffes nach der Reichshauptstadt zu erleben. Die Kunde, daß Gras Zeppelin in Bitterfeld die Ankunft seines Luftschiffes erwartete, um es dann selbst nach Berlin zu führen, hatte sich 'blitzschnell herumgesprochen. Daher also schon zur Mittagszeit der überfüllte Bahnhofsvorplatz. Rechtzeitig hatte ich mich von Halle auf den Weg gemacht. Und so gelang es mir noch, die Menschenmauer vor dem Bahnhofshotel, in dessen ersten Stock sich Gras Zeppelin mit seinem Stabe aufhielt, zu durchbrechen. Ich stand nun in der ersten (Scherl-Bilderdienst-M.) Reihe und konnte hoffen, den Grafen beim Verlassen des Gasthofes aus nächster Nähe zu sehen. Wir vertrieben uns die Wartezeit, indem wir uns in immer größere Begeisterung hineinerzählten. Was uns allen die größte Hochachtung vor diesem Manne einflöhte, war, daß er sich an seine kaum übersehbare Lebensaufgabe herangemacht hatte, als schon ein langes, tatenreiches und verdienstvolles Leben hinter ihm lag. Als 32jähriger Offizier hatte er im Kriege von 1870/71 mitgefochten und sich durch Tapferkeit ausgezeichnet. Von 1887 bis 1890 war er württem- bergischer Gesandter in Berlin gewesen und 1901 als General in den Ruhestand getreten. Diesen „Ruhestand" benutzte er nun dazu, um sich dem Bau seiner Luftschiffe zu widmen. Wahrlich ein kühnes Wagnis für einen 63jährigen. Doch was Lebenskampf heißt, das sollte Graf Zeppelin so recht erst jetzt erfahren! Nichts ist ihm an Zweifel, Hohn und Mißtrauen erspart geblieben, die man ihm anfänglich in reichstem Maße ent- gegenbrachte. Graf Zeppelin hat den Leidenskelch eines Erfinders erst ganz bis zur Neige leeren müssen, bevor er auf den Gipfel des Ruhmes hin- aufsteigen konnte. Das aber war das zweite, was wir an diesem Manne bewunderten, daß es für ihn auf seinem Lebenswege niemals ein „Es geht nicht!" gab. Deutschland war damals bitterarm an solchen Männern! * Indessen: Die Wartezeit vor dem Gasthof wollte kein Ende nehmen. Ich beschloß näher zum Grafen vorzudringen. Es glückte mir, in den Gasthof hinein- und die Treppe zum ersten Stock hinaufzukommen. Ungehindert gelangte ich bis vor die Tür des Eckzimmers, in dem Graf Zeppelin mit feiner Umgebung zu Mittag aß. Es war ein fortwährendes Kommen und Gehen auf dem schmalen Flur. Ich machte mich als Türöffner nützlich, und hatte so vortreffliche Gelegenheit, ständig einen Blick in das Zimmer des Grafen Zeppelin zu tun. Aber es kam noch besser! In den frühen Nachmittagsstunden trafen die ersten Drahtmeldungen vom Herannahen des Luftschiffes ein. Sie wurden von einem der nächsten Mitarbeiter des Grafen unten vor dem Gasthof an einem Fahnenmast am geheftet. Schnell sprang ich als eifriger „Gehilfe" hinzu und mußte jetzt auch ab und zu das Zimmer betreten, in dem Graf Zeppelin, nunmehr Kaffee trinkend, in aller Ruhe Meldung auf Meldung entgegennahm. Als Zeppelin einmal aufstand und im Zimmer auf und ab ging, sah er mich und stellte mir in freundlichstem Ton die Frage: „Sind Sie hier im Hause angefteUt?" „Nein, Euer Exzellenz! Ich bin Student!" antwortete ich schnell. Leider kam in diesem Augenblick eine neue Meldung, so daß ich um ein erhofftes längeres Gespräch kam. Die Meldung war die letzte vor der Ankunft des Luftschiffes. "So nahm ich schleunigst „Reißaus", um den weit außerhalb der Stadt gelegenen Landeplatz des Luftschiffes noch vor feiner Ankunft zu erreichen. Ich hatte abermals Glück. Unmittelbar an der Absperrkette stand ich, als die Gondeln des Luftschiffes langsam auf den Boden setzten. Unbeschreiblich der Jubel der Zehntausende! Unbeschreiblich die Begeisterung für den Grafen Zeppelin! Unbeschreiblich die grenzenlose,, stumme Bewunderung, als das Luftschiff im Flug nach Berlin den Blicken der Zurückgebliebenen entschwand! * Im Jahre 1934 führte mich ein Vortrag zum zweiten Male in meinem Leben nach Bitterfeld. Man kann sich meine Gefühle vorstellen, als ich diesmal dem Bahnhofshotel zuschritt. Ich stteg dieselbe knarrende Treppe zum ersten Stock empor, ging an der Tür des „historischen" Eckzimmers vorüber, und habe an dem Abend noch lange wach gelegen. Ein Vierteljahrhundert deutscher Geschichte zog im Geist an mir vorüber. Ich brauche hier nichts von den Erfolgen der Zeppeline im Frieden und nichts von den Heldentaten im Kriege zu berichten. Sie sind mit ehernem Griffel in das Buch der Geschichte eingetragen. Dem Grafen Zeppelin war es vergönnt, diese Taten noch zu erleben, bis ex im dritten Kriegsjahr, am 8. März 1917, als ein großer Deutscher in Walhall einzog. Zwanzig Jahre sind seitdem vergangen. Sie waren abermals erfüllt von immer neuen Siegen der Zeppeline. Immer größer, immer schneller, immer mächtiger wurden sie. Sie trugen den Namen des Grafen Zeppelin rund um den Erdball. Kein Volk der Erde brachte einen Mann seinesgleichen hervor. r. B. Naiionalspanischer Geesieg Zwei bolschewistische Kriegsschiffe versenkt. Paris, 7. März. (DNB.) An der Küste der Gascogne (Südwestfrankreich) kam es zu einem Gefecht zwischen dem nattonalspanischen Kreuzer „Canarias" und dem nationalen Torpedoboot „23 e l a 5 c o" mit drei bolschewistischen Schiffen. Zwei bolschewisttsche Einheiten wurden völlig zusammengeschossen und gingen unter, das Torpedoboot „Joss Luis Diez" wurde schwer beschädigt und mußte sich in die französischen Gewässer flüchten. Der Kreuzer „Canarias" konnte noch den bolschewistischen Handelsdampfer „Ga Id am es" aus Bilbao abfangen, auf dem sich der katalanische Abgeordnete Carrasco Formiguera befand, der als Vertreter der Bolschewisten von Barcelona bei den baskischen Separatisten in Bilbao weilte, sowie mehrere marxistische Stadträte von Jrun, die sich vor Einnahme der Stadt durch die Nationalen nach Bilbao geflüchtet hatten. — Es ist dies der erste größere See- fieg der nationalen spanischen Flotte über die Bolschewisten seit Beginn des Krieges. Bisher hatte es die bolschewistischen Schiff» J^ts vermieden, sich zu offenem Kampf auf dem Meer zu stellen. Der Führer wieder auf der Auioschau. GrotzeAuslandsabschlüssederAuwindustrie Berlin, 7. März. (DNB.) Der Führer besuchte am Samstagabend erneut die Internationale A u - tomobil - und Motorradaus st ellung, um sich noch einmal in aller Ruhe an Ort und Stelle von den zahlreichen technischen Verbesserungen zu überzeugen, die deutsche Konstrukteure, deutsche Chemiker und deutsche Arbeiter im letzten Jahre geschaffen haben. Der Führer war begleitet von Direktor Merlin und Oberingenieur Schirz, die ihm auch von dem außerordentlichen Erfolg der Ausstellung Bericht erstatten konnten: In 15 Taget? hatte die Autoschau über 650 000 Besucher, d. h. gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung der Besucherziffer um über 10 v. H. Aus dem Aus- lande besichtigten die Ausstellung über 6000 Kraft- fahrzeughändler, d. h. um über 35 v. H. mehr als im Jahre 193 6. Hinzu kommen die Kommissionen von Straßenbahn-, Omnibus- und Eisenbahnverwaltungen aus Belgien, Ungarn, der Tschechoslowakei, Rumänien, Bulgarien, Dänemark und Schweden, Abordnungen von Fachingenieuren aus fast allen europäischen Ländern usw. Dementsprechend ist auch der wirtschaftliche Erfolg. Fast alle Aussteller berichten übereinstimmend, daß die auf der Ausstellung getätigten Abschlü s s e ihre Produktion über Monate hinaus, ja teilweise sogar für das ganze Jahr 1 937 sicherstellen. Besonders fallen dabei auch die Auslandverkäufe ins Gewicht, die sich gegenüber dem Vorjahre bei einigen Firmen m e h r als verdoppel n konnten. Ganz neue Absatzmärkte, die von uns bisher kaum beliefert wurden, sind neu erschlossen worden, so z. B. die nordischen Staaten und Finnland. Unter den Personenwagen erfreuten sich die mittleren Wagenklafsen der regsten Nachfrage. Aus aller Welt. Auf dem Wege zum moforifieden FD-Jug. In der Verwaltungsakademie Breslau gab Reichsbahndirektor Stroebe einen Ueberblick über die Entwicklung der 23erbrennungstriebroagen bei der Reichsbahn. Die ©efamtfilometerleiftung der Triebwagen der Reichsbahn konnte im vergangenen Jahre um über 30 v. H. auf rund 40 Millionen Kilometer gesteigert werden. Die Reichsbahn ist auf dem besten Wege zu dem motorisierten FD-Zug, der wahrscheinlich noch in diesem Jahre auf die Schienen kommen wird. Es handelt sich um einen vierteiligen Triebwagentyp, der einen langsam laufenden 1350 PS starken Dieselmotor in einem besonderen Maschinenwagen enthält, der neben der Kraftzentrale auch noch je ein Post- und Gepäckabteil aufweist, während der 2., 3. und 4. Wagenteil den Reisenden zur Verfügung stehen. Der 4. Wagenteil enthält einen Speiseraum mit Anrichte und Küche. Dieser „motorisierte Fv-Zug" enthält keine dritte Wagenklasse mehr, wie die Reichsbahn überhaupt in den künftigen Schnelltriebwagen nur noch die zweite Wagenklasse führen wird. Grohfeuer in der Berliner Friedrichstadt. In der Nähe des Bahnhofes Friedrichstraße, unweit der Stelle, wo vor einigen Wochen ein Großfeuer tobte, bei dem ein Feuerwehrmann ums Leben kam, brach in der Nacht zum Montag ein verheerendes Schadenfeuer aus. In einem Hause befindet sich in dem ersten Stock die Gaststätte „R h e i n t e r r a s s e n". Kurz vor 5 Uhr wurde bas Feuer bemerkt, als es bereits im Innern des Hauses die ober st en drei Stockwerke ergriffen hatte. Die Feuerwehr ging mit stärkstem Kaliber gegen den Brandherd vor. Fünf mechanische Leitern wurden aufgerichtet. Das Feuer hatte sich bei Eintreffen der Wehr bereits auf die ganze Vorderfront des Hauses ausgedehnt. Die Feuerwehr brach die im Erdgeschoß liegenden Ladengeschäfte auf, um zu verhindern, daß auch bis hier hin der Brand durchgriff. Bombe explodiert im französischen Schnellzug. In einem Wagen des Schnellzuges Marseille — Port Bou (spanische Grenze in Richtung Barcelona) explodierte in Cerbere eine Bombe. Sämtliche Reisende hatten den Zug bereits verlassen, um sich der üblichen Paß- und Gepäckkontrolle zu unterziehen. Der Eisenbahnwagen stand im Nu in hellen Flammen. Die Feuerwehr konnte ein Ueber- gretfen auf die anderen Wagen verhindern. Die Polizei vermutet einen politischen Anschlag im Zusammenhang mit den Ereignissen in Spanien. Sie verhaftete einen Franzosen, der sich schon seit einigen Tagen in der Grenzgegend verdächtig gemacht hatte. Im Garten des spanischen Konsulats in Perpignan sand man eine Höllenmaschine und an anderer Stelle einen zu einer Höllenmaschine umgebauten Benzinkanister. Matrosen des Kreuzers „Emden" retten 15 Frauen und Kinder. „Daily Mail" berichtet aus Bombay über eine mutige Rettungstat von Matrosen des deutschen Kreuzers „Emden". Als im Hafen von Bombay ein vollbesetztes Fährdoot gekentert war, feien Mitglieder der Besatzung des deutschen Kreuzers sofort ins Wasser gesprungen und hätten fünfzehn Frauen und Kinder gerettet. Wetterbericht des Relchswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Ueber Deutschland erstreckt sich noch immer eine Tiefdruckrinne, auf die von Norden her kältere, von Süden her mildere Luftmasfen einströmen. Demgemäß liegen im Norden des Reiches die Temperaturen meist unter, im Süden über dem Gefrierpunkt. Das Gegeneinander der verschiedenartigen Luftmassen bedingt mehr unbeständiges und zu Niederschlägen geneigtes Wetter. Aussichten für Dienstag: Wolkig bis bedeckt und weitere Niederschläge, teils Schnee, teils Regen, im Norden des Bezirks bei östlichen Winden Temperaturen um 0, im Süden etwas milder, teils südliche bis westliche Winde. Aussichten für Mittwoch: Fortdauer Oer sehr unbeständigen und zu Niederschlägen geneigten Witterung. Lufttemperaturen am 7. März: mittags 2,8 Grad Celsius, am 7. März: abends 1,6 Grad, am 8. März: morgens 2,2 Grad, Maximum 3 Grad, Minimum heute nacht 1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 7. März: abends 1,1 Grad, am 8. März: morgens 1 Grad, Niederschläge 8,7 Millimeter. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen- leiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. 21. II 37: 10 933. Druck- und Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Emzelverkaufspreis 10 Pf und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Ps. mehr Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Morgens und abends Chlorodont die Qualitäts-Zahnpaste! Oberheffen. Schöner Heimatabend in Hausen. I Hausen, 7. März. Der Evangelische Frauenchor Hausen veranstaltete in der Wirtschaft Dörr seinen alljährlichen Familienabend. Der Saal faßte eine Fülle von Menschen, wie sie hier wohl noch nie dagewesen ist. Der Abend galt zugleich als Heimatabend der Ortsgruppe Hausen der Heimatvereinigung Schiffenberg. So konnte Pfarrer Steiner, Hausen, in seiner Begrüßungsansprache den 1. Vorsitzenden der Heimatvereinigung Schiffenberg, Oberforstmeister Nicolaus, Gießen, begrüßen, der seine Jugend in Hausen verlebte, und dem so der Abend Heimatklänge vermitteln wollte. Begrüßt wurde ferner der zweite Vorsitzende der Heimatoereinigung, Rektor i. R. Müller, der nun seinen Wohnort in Hausen hat. Ferner waren erschienen der Ortsringleiter des Landschaftsbundes von Volkstum und Heimat, Dr. Michel, Gießen, der 2. Vorsitzende des Gleiberg- vereins, Lehrer Praß, Krofdorf, und Lehrer Zöller, der über 30 Jahre in Hausen tätig war und nach seiner Pensionierung im vorigen Jahr in Gießen wohnt. Der Abend war umrahmt von Musikstücken, Klavier, Violine, Trompete und Xylophon. Die Lieder des Ehores waren alle heimatlich abgestimmt; der Dirigent, Finanzsekretär Sommer, konnte wieder sein feines, musikalisches Einfühlen in die Lieder hineinlegen, so daß sie verdienten Beifall fanden. Zum Vortrag kamen noch einige Heimatge- dichte, von Frau Steiner, Hausen, verfaßt. Im ersten Teil des Abends wurden Lichtbilder gezeigt, die Ausschnitte aus den letzten 60 Jahren des Dorfes brachten. Die Anregung hierzu gab ein kleines Zeichenheft, das der Kunstmaler Hofmann aus Frankfurt im Anfang der 70er Jahre gelegentlich feiner öfteren Besuche bei seinen Verwandten im Pfarhaus zu Hausen angefertigt hatte. Das Zeichenbuch befindet sich im Besitze der noch lebenden 86jährigen Tochter des Malers, die bei ihren Verwandten, Familie Wahl in Hausen, lebt. Diese Zeichnungen sind für Hausen von größtem kulturgeschichtlichem Wert, well sie em getreues Dorsbild von damals geben. Hausen, damals das kleine Haufendorf, das mit dem Aufkommen der industriellen Entwicklung nach dem Kriege 1870 als Vorort einer Stadt sich mehr und mehr erweiterte, indem in den folgenden Jahren sämtliche fünf Zugangswege nach Hausen bebaut wurden, so daß man Hausen jetzt ein Strahlendorf nennen könnte. Die Zeichnungen des Malers Hofmann gaben also die Anregung, sie der Gemeinde zugänglich zu machen, überhaupt Bilder zu sammeln, die die Entwicklung der letzten 60 Jahre veranschaulichten. So wurde denn von Haus zu Haus vorhandenes Bildmaterial gesammelt und unter folgenden Gesichtspunkten gezeigt: Wandel des äußeren Dorfbildes, Wechsel in Tracht und Kleidung, Blicke ins dörfliche Leben im Wandel der Zeit, das neue Deutschland im Spiegelbild des Dorfes, ferner Bürgermeister, Lehrer und Pfarrer der vergangenen 60 Jahre. Ungefähr 90 Bilder zogen an den Augen der Zuschauer vorbei, davon die älteste im Dorf befindliche Photographie aus dem Jahre 1866. Mit größtem Interesse verfolgten die Zuschauer den Ablauf der Bilder, da und dort ein bekanntes und vertraues Gesicht entdeckend, und die Jüngeren sahen im Bild, was die Eltern und Großeltern wohl schon manchmal über die Entwicklung des Dorfes erzählt hatten. Im zweiten Teil des Abends wurde ein drei- aktisches Heimatspiel aufgeführt: „Die Heimat ruft", verfaßt von Pfarrer Steiner und Frau. Es brachte in schlichter Weise zum, Ausdruck, welche Kräfte die Heimat einem Menschen vermitteln und wie stark der Ruf der Heimat sein kann. Die Darsteller hatten sich gut in ihre Rollen hineingelebt und so das Heimatspiel lebenswahr und eindrucksvoll zur Darstellung gebracht. So war die ganze Veranstaltung ein Heimatabend im besten Sinne des Wortes, und sie dürfte bei den Zuhörern einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben. Verein „Kinderfreund und Krankenpflege" Daubringen. ■y Daubringen, 6. März. Dieser Tage fand bei Gastwirt Weimer die gut besuchte Generalversammlung des hiesigen Vereins Kinderfreund und Krankenpflege statt Der seitherige Vorsitzende und Gründer des Vereins, als der Träger des sozialen Werkes, Dekan i. R. G u ß - mann (Gießen) eröffnete die Versammlung und erstattete den Jahresbericht für 1936. Dem Bericht war zu entnehmen, daß der Verein jetzt 323 Mitglieder zählt (die ganze Gemeinde beteiligt sich erfreulicherweise an ihm) und daß fünf Mitglieder durch den Tod ausgeschieden sind. Ihrer wurde ehrend gedacht. — Der Berichterstatter verbreitete sich sodann über die Aufgaben und Pflichten einer Kinderschwester, deren Tätigkeit nicht so bekannt ist, weil sie sich abseits der Oeffentlichkeit abzuspielen pflegt, und die doch so wichtig ist. Die Pflegearbeit der Krankenschwester vollzieht sich mehr in der Oeffentlichkeit. Die Krankenschwester machte im vergangenen Jahr 5 8 8 3 Pflegebesuche und hatte daneben 15 Nachtwachen. In diesen Zahlen kommt viel Liebe zum Ausdruck. Beiden Schwestern wurde für ihre selbstlose Hingabe und opferwillige Tätigkeit der gebührende Dank der Versammlung ausgesprochen. Auch der Gaben wurde dankend gedacht, mit denen die Anstalt im Berichtsjahre unterstützt worden war. Genannt wurde: die Gemeinde Daubringen, die Bu- derusschen Eisenwerke, die Firma Rinn & Cloos, die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M., die evangelisch-kirchliche Frauenhilfe Daubringen, der Landesverband für innere Mission in Hessen, die Milch- genossenschaft Daubringen, der Spar- und Vorschußverein Daubringen, die Schwestern für erspartes Wirtschaftsgeld, die Amerikanerin Mildred Allach (Chikago) und ein weqgezogener Daubringer Bürger für je eine Spende. Rühmend hervorqehoben wurden auch die vielen, unbekannten Spender von Naturalien an die zwei Schwestern. Sie bedeuten indirekt eine Entlastung der Vereinskasse. So könne man, wenn Einigkeit und Opferwilligkeit in der Gemeinde, wie seither bestehen bleibe, ohne Sorge, ja mit Hoffnung in die Zukunft schauen. Die Rechnungsablage über Einnahmen und Ausgaben erstattete der Rechner des Vereins, Kassenrechner Braun. Sie war vorgeprüft und für richtig befunden worden. Die Einnahme betrug 3371,72 RM., die Ausgabe 3077,98 RM., so daß 'der Verein mit einem Kassenbestand von 293,74 RM. in das neue Rechnungsjahr hinübergeht. — Im Anschluß an die Entlastung dankte der Vorsitzende dem Rechner für feine selbstlose, freudige Mitarbeit. Die Wahl des Vereinsführers fand mit der Wiederwahl von Dekan i. R. Gußmann ihre Erledigung. Gängerkreis Ohm-Lumdatal. 'S? Geilshausen, 7. März. In der Wirtschaft von Hofmann fand eine Sitzung des Vorstands des Sängerk^eises Ohm-Lumda- t a l statt, zu dem auch der Vorstand des Gesangvereins „Germania" Nieder-Ohmen und des Gesangvereins „Jugendmut" Geilshausen erschienen waren. In der Versammlung wurde die Gestaltung der beiden Wertungs singen des Kreises in Verbindung mit den Veranstaltungen der beiden Vereine festgelegt. Das Wertungssingen in Geilshausen soll am 30. Mai statt sind en. Es sollen dabei mehrere Chöre zum Vortrag kommen. Jeder Verein wird einen freigewählten und einen Pflichtchor fingen. Das Wertungssingen in Nieder- Ohmen soll am 6. Juni in der gleichen Weise durchgeführt werden. In Geilshausen werden voraussichtlich 16, in Nieder-Ohmen 18 Vereine beteiligt sein. Wertungsrichter ist Dr. Rudolf Werner (Frankfurt a. M.). Am Nachmittag des Festtages wird der Gesangverein „Jugendmut" Geilshausen auf dem Waldfestplatz die Feier seines 75- jährigen Bestehens begehen. Innerhalb des Fest- zuges ist auch eine Kreiskunügebung vorgesehen. Hierbei wird die neue Standarte ihre Weihe erfahren. Landkreis Gießen. = Annerod, 6. März. Am Freitagabend hielt die hiesige Evangelische Frauenhilfe ihren Winterschlußabend ab, zu dem auch die Mitglieder der NS.-Frauenschaft eingeladen waren. Pfarrer Bönning wies in feiner Eröffnungsansprache auf die Zwecke und Ziele der evangelischen Frauenhilfe hin. Der Abend wurde verschönt durch eine Reihe humorvoller Gedichtoor- träge und einige Theaterstücke. Eine Kaffeetafel vereinigte die Teilnehmerinnen des Abends in kameradschaftlicher Unterhaltung. Dabei wurde des Winterhilfswerkes gedacht, dem der Betrag von 12,50 Mark überwiesen werden konnten. Mit dem Gedenken an den Führer fand die Veranstaltung ihren Abschluß. T Allendorf a. d. Lda., 6. März. Der zum Kreisoerband Gießen gehörende, dem Reichsbund für Leibesübungen abgeschlossene Kleinkaliberschützenverein nahm an einem von der Kriegerkameradschaft Weßmar veranstalteten Freundschaftsschießen teil. Jeder Verein schoß mit zwölf Schützen. Jeder Schütze gab 15 Schüsse ab, davon je fünf stehend freihändig, kniend und liegend. Das Ergebnis war folgendes: Schützenverein Allendorf zusammen 1405 Ringe, Kriegerkameradschaft Wißmar zusammen 1164 Ringe. Bester Schütze des Tages war L. W. F o r m h a l s, Allendorf a d. Lda. mit 153 Ringen. Wenn auch Allendorf mit feinen Leistungen an der Svitze stand, so befriedigte doch das Ergebnis der Schützen selbst keinesfalls, umsomehr, als die seitherigen Resultate des wenn auch noch jungen Vereins ganz bedeutend besser waren. Es mag dies zum Teil an den ungüstigen Witterungsverhältnissen gelegen haben. Die Hauptursache des unbefriedigenden Ergebnisses dürfte aber wohl darin zu suchen sein, daß der Verein seit längerer Zeit wenige oder fast gar keine Schießübungen abgehalten hat. Es ist dem sonst immer strebsamen Verein zu wünschen, daß er seine frühere eifrige Tätigkeit auf feinem idyllisch gelegenen Waldschießstand baldigst wieder aufnimmt und das Versäumte nach- holt, damit er in seinen Leistungen die früher inne- gehabte Stufe wieder erreicht. (D Allendorf a. d. Lda., 6. März. Der Jungzug III, Fähnlein 22/116 des Jungvolkes veranstaltete im überfüllten Saale des Ferd. Horn einen schön verlaufenen Volksgemeinschaftsabend. Die Pimpfe hatten es sich angelegen fein lassen, den Abend reichhaltig zu gestalten. Fanfarenklänge leiteten den Abend ein. Stammführer Schmulbach erläuterte kurz das Wesen und den Sinn der Veranstaltung und gab dann einen Rückblick auf den Werdegang der Jungvolkbewegung bis zum heutigen Tage, der durch eine Anzahl Lichtbilder veranschaulicht wurde. Redner betonte auch, daß andere Staaten, wie Italien und England, ebenfalls derartige Organisationen aufzuweisen hätten, doch bestehe insofern ein Unterschied, als diese durch den Staat in's Leben gerufen worden, während unsere Jungvolkbewegung aus sich selbst, aus dem Volk, für den Staat entstanden fei. Ein Theaterstückchen, in dem die brutale Gewaltherrschaft der Feindbundmächte nach dem Weltkrieg bis zur Rheinlandbefreiung zutage trat, wurde von den Jungen gespielt und fand Beifall. Sodann wurden von den Jungen einige gut einge- schulte Lieder der Bewegung zu Gehör gebracht. Im weiteren Verlaufe des Abends zeigten die Pimpfe in bunter Folge luftige Szenen, die mit humoristischen Gesangsvorträgen abwechselten. Das Sieg-Heil auf den Führer beschloß den Abend. ch Lauter, 6. März. Wie in anderen Dörfern, so ist auch in unserem Dorfe das Kasinohalten ein fester Brauch. Gegen Ende des Winters, ehe die Landfrau durch die Gartenarbeit in Anspruch genommen ist, lädt sie die Verwandten und Freunde zu Gast. Die auswärts wohnenden Gäste kommen am Tage, die heimischen am Abend. Da gibt es zu einer guten Tasse Kaffee allerlei Gebäck. Auch das nötige Gesprächsthema ist bald gefunden. Alles geht ganz gemütlich zu, wenn nicht diese Gemütlichkeit plötzlich durch Lärmen gestört würde. Die jungen Burschen haben nämlich bald herausgefunden, in welchem Haus ein Kasino stattfindet. Dann suchen sie im ganzen Dorf zerbrochene Topfe und alte Blechwaren zusammen, um „Deppe" zu werfen. Nachdem sie genügend altes Gerümpel zusammen haben, schleichen sie vor das Haus, in dem das Kasino stattfindet, und werfen das Gerümpel dort ab. Auch unter der jungen Generation ist dieser Brauch schon heimisch. Denn an den schulfreien Nachmittagen laden die Schulmädchen ihre Schul» kameraden und Schulfreundinnen zum Stricken ein. Hier sind es dann die Schulbuben, die das „Deppe"» werfen besorgen. Die Mädchen laufen dann den Buben nach und versuchen, sie zu ergreifen, um sie mit der Wichsbürste schwarz zu machen. Groß ist ihre Freude, wenn sie einen ergriffen haben, aber in den meisten Fällen gelingt es ihnen nicht. Dadurch, daß die junge Generation diesen Brauch schon übt, ist die Gewähr geboten, daß dieser Brauch nicht ausstirbt. <> L i ch, 7. März. In unserer Gemarkung soll in Zukunft, entsprechend einer behördlichen Anordnung, eine systematische Schädlingsbekämpfung im Ob ft bau durchgeführt werden. An allen Obstbäumen, die bis zum 20. März nicht behandelt sind, werden die notwendigen Arbeiten auf Kosten des Baumbesitzers von der Stadt vor» genommen. — Der Reichsmütterdienst veranstaltete in unserer Stadt einen Kochkursus. Die Zahl der Teilnehmerinnen ist erfreulich groß. Der Kursus findet deshalb in zwei Abteilungen statt. Kirche und Schule. Landkreis Gießen. 6 Dorf-Gill, 6. März. In unserer Kirche wurde von einem Barmer Missionar der China- Film „Wlan" vorgeführt. Der Besuch war sehr gut. lieber 84 Mark konnten der Rheinischen Mission überwiesen werden. Der Film machte auf alle Besucher einen tiefen Eindruck. — Am Sonntag fand in unserer Kirche die Ordination unseres Ortspfarrers Goethe statt. Das Gotteshaus war bis auf den letzten Platz besetzt. Die feierliche Handlung nahm Pfarrer Eitel von Wolfersheim in Gegenwart von Pfarrer Strack, Münster, und Pfarrer C r u l l, Trais-Horloff, vor. „„Wie Neu“j Ihren Anzug n alleHe'Zl und Damen • Kleidnngs- Stücke tu bügeln, dämpfen u. auffrischen » per Anzug Reichsmark 1.80 E. Reparaturen billigst. Abholen g und Zusenden kostenl. Tel.2503 • „Wie Neu“ Bügelanstalt fließen, Wolkeng. 23, Inh.: L. Pitz, Schneider Für Starke! 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Diesem starken Schwung der Herzen und der Freude an deutschem Soldatentum kann auch durch ein so schlechtes Wetter, wie mir es am gestrigen Sonntag mit dem anhaltenden, nassen Schneefall und dem anschließenden schnellen Tauwetter erlebten, kein Abbruch getan werden. Die frohe, kameradschaftliche Stimmung ist eben doch stärker, und sie ließ auch den gestrigen Tag des Treffens der alten Artilleristen aus allen Teilen Oberhestcns und der angrenzenden preußischen Kreise mit den jungen Kameraden der aktiven Artillerie in Gießen zu einem wunderbaren, unvergeßlichen Erlebnis werden. Wer Gelegenheit hatte, die alten Soldaten über ihre Eindrücke bei dem Besuch in unserer Artillerie- Kaserne zu hören, der wird bestätigen können, daß diese Stunden ihnen zu einem außerordentlich wertvollen Erlebnis geworden sind. Ebenso freudig werden aber auch alle Teilnehmer an den Auftakt des Artilleristen-Treffens zurückdenken, den unsere Gießener Artillerie-Abteilung am Samstagabend vollkommen mit eigenen Kräften bestritt. Kameradschastsabend alsAustatt. Unsere 111. Abteilung Artillerie-Regiment 9 hatte zur Einleitung des Artilleristen- Treffens auf Samstagabend zu einem Kameradschaftsabend in der Volkshalle eingeladen. Mehrere tausend Männer und Frauen, hauptsächlich aus Gießen, zum Teil aber auch schon aus der Provinz, füllten den Saalraum und die Empore der Dolkshalle. Unsere Artilleristen hatten für schönen Schmuck der Halle mit frischem Grün, Wappenschildern und Schildern mit den Regimentsnummern unserer einstigen hessischen und benachbarten preußischen Artillerie-Regimenter gesorgt. Vor der Volkshalle bereitete eine Gruppe von fackeltragen-, den Soldaten den Besuchern bereits einen freund-1 lichen Empfang. Das Trompeterkorps des Artillerie-Regiments aus Fulda, zu dem unsere Abteilung gehört, leitete den Abend mit schneidiger Musik ein und sorgte an seinem Teile auch im weiteren Verlaufe der Veranstaltung dafür, daß sie in prächtiger Weise ausgestaltet und ein voller Erfolg wurde. Der Kommandeur unserer III. Abt. Art. - Regt. 9, Oberstleutnant Döring, eröffnete die kameradschaftliche Feier mit herzlichen Grußworten an die Tausende von Volksgenossen, insbesondere an den anwesenden Standortältesten, Generalleutnant Oß- wald, den Kommandeur unseres Jns.-Regts. 116, Oberst Herrlein, die zahlreichen Offiziere, die Vertreter der Partei, der Behörden usw., mit besonderer Freude aber auch an die vielen alten Artilleristen aus Gießen und Oberhessen. Als Zweck und Ziel des Abends bezeichnete er das Bemühen, zu zeigen, daß unsere Artillerie-Abteilung nicht nur eisern und stramm ihren militärischen Dienst versieht, sondern-bie Männer in ihren freien Stunden auch noch Zeit hätten zum Einüben schöner, geselliger Darbietungen, mit denen sie den Besuchern eine Freude machen und dadurch die enge Verbundenheit zwischen der Wehrmacht und der Bevölkerung noch vertiefen wollen. Rach dem Dank des Kommandeurs an alle für den Abend tätigen Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften lenkte er die Aufmerksamkeit vor allem auf die Wiederkehr des Tages, an dem vor einem Jahr, am 7. März 1936, der Führer und Reichskanzler durch die Wiederherstellung unserer vollen Souveränität im Rheinland unser Land und Volk wieder freigemacht und ihm seine Ehre wiedergegeben hat. Den Dank und den tiefen Glauben an den Führer und das vorbehaltlose Vertrauen zu seiner Staats- und Volksführung brachten die versammelten Volksgenossen mit begeistertem Sieg- Heil-Ruf auf den Führer und dem Gesang der beiden Verse der Nationallieder zum Ausdruck. Links: Die Fahnengruppe der alten Soldaten auf dem Kasernenhof. — Rechts oben: Oberstleutnant Döring (im Vordergrund links) begrüßt die alten Artilleristen. — Rechts unten: Vorbeimarsch der 8. Batterie. — (Aufnahmen [3]: Neuner, Gießener Anzeiger.) Die geselligen Darbietungen folgten nunmehr Schlag auf Schlag. Sie wurden in allen Teilen ausschließlich von den Männern unserer Artillerie- Abteiluna bestritten. Und vorweg sei festgestellt: Was unsere aktiven Artilleristen hier zeigten, war in jeder Hinsicht eine glänzende, vollkommene Leistung, die mit Recht das einhellige starke Lob verdiente, das man von allen Besuchern hören konnte. Außerordentlich wirkungsvoll leiteten die Unteroffiziere der 9. Batterie mit einem historischen Prolog den geselligen Teil ein. In einer mit feinem Empfinden ausgestalteten Fahnengruppe wurde den Besuchern ein Blick ermöglicht auf unvergängliche Höhepunkte unserer deutschen Geschichte: die Zeit Friedrichs des Widerstand leisten! Appetitlosigkeit, Blutarmut, Schwäche und Müdigkeit lähmen die Widerstandskraft und machen empfänglich für Krankheiten. Schaffen Sie sich Spannkraft und frisches Aussehen durch das blutbildende Kräftigungsmittel B i o f e r r i n. Erhältlich in jeder Apotheke und Drogerie. Bioferrin leistet besonders Kindern vorzügliche Dienste. ZbX < A > BAYER V E ) XJLZ Großen wurde lebendig, die Erinnerung an 1870 stieg auf, das deutsche Heer vor dem Ausbruch des Weltkrieges trat in den Vordergrund, der Feldsoldat von 1914 bis 1918 in seiner unsterblichen Verbundenheit mit unserem Marschall Hindenburg wurde verkörpert, der Dolchstoß der Marxisten und Kommunisten in den Rücken der kämpfenden Front 1918 wurde in Erinnerung gebracht, der Geist der Brigade Ehrhardt wurde lebendig, der Kampf Adolf Hitlers und seiner SA. und SS. um die Wiedererrichtung eines starken und gesunden neuen Deutschlands trat vor die Herzen und Seelen der Zuhörer, als Schlußbild stand die durch den Führer wiedererstandene junge, starke deutsche Wehrmacht als Gipfelpunkt der bildhaften Gesamtdarbietung vor den Besuchern: alle Soldaten und Kämpfer dieser lebenden Bilder trugen die ihrer Zeit entsprechende Uniform, dazu die Fahnen jener geschichtlichen Epochen: das Ganze war von einheitlichem, künstlerischem Zug durchdrungen und in der Darstellung von hohem Schwung der Herzen und Gedanken beseelt. Kein Wunder, daß die Zuschauer vor Begeisterung nicht endenwollenden Beifall spendeten. In der Tat wird dieses Bild noch lange in den Herzen aller derer haften bleiben, die die Freude hatten, es zu schauen. Soldatenchöre der 7. Batterie unter Leitung des Musikmeisters Lindemann bildeten die schöne Üeber- leitung zu den nachfolgenden, auf den heiteren Ton gestimmten Überraschungen des Abends. Ein „Fräulein Nummer", nett dargestellt von einem Unteroffizier, kündigte jeweils die Programmpunkte an. Oberwachtmeister D z i a tz k o erwies sich als ein sehr gewandter und mit nahezu unerschöpflichem Stoff geladener humoristischer Erzähler, bei dessen Erzählung vom „Onkel" die Zwerchfelle der Zuhörer gewaltig in Erschütterung gerieten. Einen schneidigen Ansager stellte für die folgenden Darbietungen der Gefreite K e ß dar, bei dem ebenfalls Witz und Geschick zur ausgezeichneten Erfüllung einer Aufgabe forderlich waren. Man sah nunmehr eine Mannschaft beim Reckturnen und erlebte in diesem Zusammenhang eine geradezu zwerchfellerschütternde Groteske, bei der ein Kanonier als „99 Jahre altes Fräulein" sich an einem Langtau reischwebend von der Empore zur Bühne herabließ und dort beim Reckturnen allerlei Glanzleistungen zeigte. Im weiteren Verlaufe wurde durch einen unsichtbaren Sprecher am Mikrophon, in Verbindung mit der Schilderung eines soldatischen Erlebnisses, der Gemeinschaftspflicht aller deutschen Menschen zum Besten hilfsbedürftiger Volksgenossen gedacht und in diesem Zusammenhänge von etwa 30 Soldaten mit Sammelbüchsen eine ansehnliche Beisteuer für das Winterhilfswerk gesammelt. Nach den schönen Darbietungen der 3 Gebr. Dick bot ein Boxkampf zwischen dem Boxmeister „Jumbo" und einem Manne aus dem Publikum (natürlich ein Artillerist) gleichfalls reiche Belustigung, zumal der Manager (Oberwachtmeister D z i a tz k o) mit seiner phantasiebeschwingten Ansprache den richtigen wirksamen Ton traf. Fünf lustige Sänger vom „Kölner Rundfunk", alle fünf natürlich ebenfalls aus unserer Artillerie-Kaserne, bereiteten mit ihren frohgestimmten, schmissigen Liedern sehr viel Spaß, der noch erhöht wurde durch die feine Art der grotesken Bildgestaltung. Als sehr wirkungsvollen Abschluß der Darbietungsfolge kündete nunmehr der Ansager (Gefreiter Keß) in seiner launigen Art ein „großes Ballett" an, das „Ballett von der Staatsoper Berlin". Es war in der Tat ein sehr seltenes und in seiner Wirkung einzigartiges Ballett, das den Zuschauern außerordentlich viel Freude bereitete. Dieses Ballett entpuppte sich nämlich bei einem gemeinsamen Schlußgesang durch die tiefen Singstimmen als ein Ballett von „Wehrmädchen", nämlich — was nur wenige Eingeweihte schon vorher wußten — als ein Ballett aus lauter Artilleristen unserer Abteilung, die unter der Leitung der Ballettmeisterin unseres Stadttheaters Irmgard Zenner mehrere Tanzdarbietungen so prächtig eingeübt hatten, daß sie mit dieser Unterhaltungsdarbietung einen der stärksten Wirkungspunkte des Abends erzielten. Fräulein Zenner als Lehrmeisterin dieses „Balletts" und alle diese „Ballett- Wehrmädchen" können sehr zufrieden sein mit dem glänzenden Erfolg ihrer gemeinsamen Arbeit, denn das Publikum raste geradezu vor Vergnügen und erzwang sich eine teilweise Wiederholung der Balletttänze. Mit diesem Knalleffekt fand das sehr schöne und außerordentlich genußreiche Programm seinen Abschluß. Daß der Abend mit seinen prächtigen, gehaltvollen Darbietungen alle Besucher in vollstem Ausmaß befriedigte und zu einem sehr starken Erfolg wurde, ist neben den Darstellern zu einem erheblichen Teile auch den Männern zuzuschreiben, die in unermüdlicher Vorarbeit, aber auch in eifrigstem , Bemühen am Abend selbst hinter den Kulissen wirkend, dem Ganzen zum vollen Erfolg verhalfen: nämlich Hauptmann Brandts als Leiter, Leutnant Lenne, Wachtmeister N i e d e n t h a l und Wachtmeister Herchenröder als Mitarbeiter bei der Ausgestaltung und Organisation des Festverlaufs. Ferner fei des Trompeterkorps unter der Leitung von Musikmeister Lindemann mit bestem Lab gedacht. Nach den Unterhaltungsdarbietungen hatten die Besucher an drei verschiedenen Stellen der Volkshalle Gelegenheit zum Tanz, bei dem das in drei Gruppen geteilte Trompeterkorps unermüdlich aufspielte. 3n der Artillerie-Kaserne. Am Sonntagvormittag versammelten sich viele alte Artilleristen aus Gießen, aus Oberhessen und aus den preußischen Nachbarorten zusammen mit einer Reihe von Vertretern der Gießener alten Soldaten anderer Waffengattungen auf Oswalds- garten, um sich von dort aus in gemeinsamem Konzert des Bauerschen Gesangvereins Ein Chor, der, so wie der Bauersche Gesangverein, nun schon für Generationen ein Hort der Musikpflege geworden ist, wird in jedem Wandel der Zeiten seine Bedeutung nicht verlieren: denn das einigende Band, das er um feine Mitglieder geschlossen hat, hat diese durch das Schicksalserleben des Einzelnen und der Gesamtheit zusammengeschweißte Gemeinschaft immer fester, unlöslicher werden lassen. Der Wille zu gemeinsamem Schaffen wird unveränderlich bleiben (es müßte sich dann schon die Grundgesinnung lockern), wohl aber werden sich die Ziele, dem Wirken der Zeit entsprechend, wandeln und ausrichten müssen. Die ursprüngliche Aufgabe der Männerchöre war das gemeinsame Lied als Sammelpunkt gemeinsamen Fühlens. Die musikalische Entwicklung hatte diesem Streben eine ihren Zielen gemäße Literatur geschenkt. In der Wechselwirkung zwischen dem Können des Chores und den Anforderungen der Kompositionen war so ein ganz individuell geprägter Klangkörper im Laufe der Zeit geworden; fast ein Instrument, das in seiner Gefügtheit auf diese besondere Kunstgattung hin besonders abge- sttmmt war. Dieses so gewachsene musikalische Ausdrucksmittel war gegründet auf geistige Ideale des Mannes, auf das Band zur Heimat und zum Dolksganzen hin, als Lebens- und Kampfgemeinschaft, offen und aufgeschlossen für alles Große und Erhabene und sinniges Erleben menschlicher In- und Umwelt. Dem entsprach auch die Vortragsfolge des diesmaligen Konzertes, indem sie solche Werke ausgestellt hatte, die der traditionellen Entwicklung der technischen Durchbildung gemäß waren. Durch diesen Gesichtspunkt hat sich der neue Leiter des Vereins, Musiklehrer Heinrich Blaß, leiten lassen. Dirigentenwechsel bedeutet immer einen besonderen Einschnitt für die Chorarbeit durch die Anpassung an ein anders gerichtetes Wollen und, wenn es sich um einen erfahrenen Fachmann handelt, wie im vorliegenden Falle, um Beseitigung von Unregelmäßigkeiten in der Technik. Hier hat Heinrich Blaß zweifellos recht beachtliche Ansätze aufbauender Tätigkeit bezeugt. Eins ist ihm sicherlich gelungen, die Textaussprache von dialektischen Färbungen völlig zu befreien, und wenn diesmal auf dem gedruckten Programm die Texte fehlten, man vermißte sie nicht; denn die Textbehandlung war Überaus deutlich, plastisch und damit für die Deklamation reif. Des Dirigenten unauffällige, aber doch bestimmte Zeichengebung wird in der kommenden Zeiten den einzelnen noch weiterhin zu selbsttätigem Mitschaffen erregen und ihn jo zur freiwilligen Entfaltung und voller Einsatzbereitschaft seiner Kräfte bringen. Ein guter Anfang dafür ließ sich schon diesmal beobachten. Der weitere Fort- jchritt seiner Arbeit wird es ihm dann auch ermöglichen, den Chor an dem Schaffen der neuen werdenden Musikgesinnung teilhaben zu lassen. Eingeleitet wurde das Konzert durch Schuberts „Gott meine Zuversicht", dem Studienrat Krauß am Flügel gründliche Stütze gab. Hier wie auch bei all den andern Chören erwies sich die Ausgeglichenheit im Zusammenklang und ein organisches Erwachsen der dynamischen Steigerungen. Diese treffliche Modulationsfähigkeit der Stärkegrade ermöglichte ein differenziertes Ausarbeiten namentlich bei den strophischen Gesängen, sowohl in musikalischer Hinsicht wie in sinngemäßer kontrastierender Ausdeutung des Textes. Dabei ließen sich Schwierigkeiten in der Komposition, wie im Pilgerchor von Richard Wagner, selbstverständlich überwinden, und der tenorale Glanz der Forte- stellen leuchtete ebenso wie der Abklang dieses Chores ein schönes Dekrefcendo hören ließ. Der stimmungsgemäße Gegensatz in Konradin Kreutzers „Kapelle" und die feinen Durchstufungen in dem „Nachtwächterlied" von Heinrich N e e b zeugten von Wollen und Gelingen. Wilhelm Volk- m a n n s „Abendlied" ließ die eindringliche Pianokultur bemerkbar werden, und Wilhelm Rinkens „Nachtwandler" war namentlich in der letzte Strophe gut pointiert. Zwischen den einzelnen Chören sang Jakob Sa- b e I (Tenor) vom Preußischen Staatstheater in Kassel Lieder von Schubert, Hugo Wolf und Johannes Brahms. Der Sänger weiß die schönen Mittel einer glücklichen Naturanlage dem verinnerlichten Liedstil willig dienstbar zu machen, obwohl ihn sein eigentlicher Tätigkeitsbereich auf die Bühne verweist. Im Piano spricht seine charakteristisch timbrierte Stimme überaus leicht mit weichtragendem Ton an, der sich ebenso aber auch zu strahlenden Forteklängen zu erheben vermag mit leuchtender Schallkraft. Es spricht für ihn als Liedgestalter, daß er jeden der drei Meister mit dem ihm stilgemäß Zukommenden bedachte und jedesmal das Lyrische zum tiefen Ausdruck einer szenischen Schau werden ließ. Da war ihm Kapellmeister Dr. Rudolf Michl von der gleichen Wirkungsstätte ein wertvoller Mitschaffender am Flügel, und beiden gab sich der Dank der Hörenden in reichem Beifall zu erkennen. Zu ungewöhnlichem Ausmaß aber wuchs dieser an, als Jakob Sabel „O wie so trügerisch" aus Verdis „Rig'o- letto" zugab. Dr. Hermann Hering. Gießener Staditheater. XL Morgenfeier: Klassische Kammermusik. Gelegentlich des an einflußreichen Eindrücken für Mozart so bedeutenden Aufenthaltes in Mannheim, das ihn auf feiner großen Kunstreise, die ihn mit seiner Mutter nach Paris führen sollte, länger festhielt, ist auch das Flöten-Quartett in D - d u r (Köchel N. 285) entstanden. Seine Fertigstellung ist gegen Ende des Jahres 1777 anzusetzen. Noch hatte Mozart nicht den letzten Ausdruck in der Durchbildung der Quartettform erreicht; wohl aber zeigen die Werke der Mannheimer Zeit, wie beispielsweise die Violinsonaten, den ebenmäßigen Ausgleich zwischen Inhalt und Formgebung, und aus der Musizierfreude heraus geschaffen, wird dieses Quartett stets innerlich beglücken. Das bestätigte auch seine Aufführung im Stadtheater. Die Flöte ist hier der dominierende Führer, namentlich aber im Adagio wird ihr gegenüber dem Pizzicato der Streicher eine Sonderstellung eingeräumt, andrerseits hat Mozart die Verwebung der Klangfarben mit ganz besonderen Reizen bedacht, im Kopfsatze ebenso wie in den thematischen Zwischenteilen des Rondos. Diese Schönheiten ins rechte Licht zu stellen und nahezubringen war das Ziel bei den vier Aus- führenden: Flöte: Rudolf Meyer, Violine: Franz K e r z i s n i k, Bratsche: Georg Scheuermann, Cello: Ernst Schneider, die die melodische Gliederung, die sich ständig mit neu variierenden Feinheiten zeigt, mit feinem Empfinden belebten und fo den klaren Aufbau des Ganzen volles Recht zukommen ließen. Die einzelnen Instrumente gestalteten, dem empfindsamen Stil entsprechend, ihre thematischen Ausgaben mit feinem Nachgeben und klanglicher Differenzierung. Mochte beispielsweise das Adagio der Flöte mit ihrer ausdrucksvollen Kantilene, getragen von innerer Gefühlsbeseeltheit, den Vorrang gewähren, so stützten gerade hier die Streicher mit einem klangvollen Pizzicato, das dynamisch ausdrucksstark mit der Flöte mitging. Im Rahmen des Gesamtaufbaues war gerade den Einhaltepunkten und den Uebergängen besondere Sorgfalt zuteil geworden. Besonders hervorgehoben seien die farbigen Lichter im Rondo und die inhaltliche Schwere zu Beginn der Durchführung im ersten Satze. Beethovens Septett in Es-dur op. 20 ist der Abschluß einer Reihe von kammermusikalischen Werken mit Bläsern, die mehr oder weniger für den sich entwickelnden Symphoniker den Zweck hatten, sich mit den Verwendungsmöglichkeiten der Blasinstrumente vertraut zu machen. Auf der einen Seite reift so die erste Symphonie heran, auf der andern Seite wird nun das Streichquartett Mittel persönlicher Äußerung. Das Septett, das am 2. April 1800 im ersten eigenen Konzert Beethovens im Hoftheater zu Wien gleichzeitig mit der ersten Symphonie und dem C-dur-Klavierkonzert zur Uraufführung gelangte, hat unter den Zeitgenossen wohl fast von allen Werken des Meisters mit den stärksten Beifall gefunden. Das liegt nicht zum mindesten in der harmonischen Ausgeglichenheit zwischen den klanglichen Mitteln und der inhaltlichen Durchgestaltung. So wurde auch diesmal das Septett zum bejahenden Ausdruck heiterer Lebensfreude. k Stellt man den gestrigen Eindruck dem der vorjährigen Aufführung von Schuberts Oktett gegenüber, so kann man erfreulicherweise einen ganz hervorragenden Fortschritt feststellen. Das Nebeneinander der Instrumente von damals ist jetzt zu einem organischen Miteinander geworden, sowohl in der klanglichen Abrundung wie im gegenseitigen Eingehen aufeinander unter der Berücksichtigung des jeweiligen Anteils am Thematischen. So wurde es stellenweise zu einem fast idealen kammermusikalischen Musizieren in trefflicher Ausgeglichenheit. Innere Spannung erfüllte die Adagio-Einleitung. Die Ranke der Klarinette wurde der Auftakt zum Ausbruch kraftvollen Lebensbewußtseins im Allegro, das namentlich in der feinen Behandlung des zweiten Themas und den Akzenten zu Beginn der Durchführung fesselte. Verinnerlicht, zumal in der wundervoll weich geblasenen Klarinettenkantilene, wie der gesanglichen ersten Geige, auch der sorgfältig und klangschön ausgeführten Themen von Fagott und Horn, gab sich das Adagio mit besonderem Ausgleich der Gesamtwirkung. Das Menuett war innerlich beschwingt, im Trio gewürzt durch das sichere Gelingen der Hornpassagen. Das Thema mit Variationen war in der Abfolge der Veränderungen für die einzelnen Instrumente, Streicher sowie Bläser, Gelegenheit, Musikalität und technisches Können ins Licht zu stellen; von besonderer Auswirkung war die vierte Variation mit dem getragenen Hornsolo und der dramatischen Akzentuierung. Das Scherzo entfaltete seine rhythmische Kraft mit dem Cellosolo im Trio. In dem Finale setzten alle Kräfte noch einmal vollstes Können ein bei Entwicklung großatmiger Steigerungen in der Durchführung wie in der Kadenz der ersten Geige, die allerdings im Gesamtverlauf der Veranstaltung verschiedentlich mehr hätte aus der auferlegten Zurückhaltung herausgehen können. Das Haus dankte den Mitwirkenden herzlich: Violine: Franz Kerzisnik, Bratsche: Georg Scheuermann, Horn: Albert Ries, Klarinette: Heinrich Grau, Fagott: Fritz Wilhelmi, Baß: Georg Thomas, Cello: Ernst Schneider. Dr. Hermann Hering. Marsch zur Artilleriekaserne zu begeben. Leider wurde dieser Teil des Artilleristen-Treffens, wie auch der weitere Verlauf des Tages durch das anhaltende starke, nasse Schneegestöber beeinträchtigt, jedoch hielten die alten Soldaten bis zum Schluß wacker durch. Mit dem Trompeterkorps der Artillerie und einer Ehrenabordnung unserer Artillerie-Abteilung an der Spitze marschierten die alten Soldaten von Oswaldsgarten aus durch die Neustadt, Bahnhofstraße, Horst-Wessel-Wall, Seltersweg, Kreuzplatz, Sonnenstraße, Neuen Baue, Gartenstraße, Lud- wigsplatz, Kaiserallee zur Artilleriekaserne, wo sie bei ihrem Einmarsch in die Kaserne mit Salutschüssen empfangen wurden und zugleich die Ehre hatten, an dem Kommandeur unserer Artillerie- Abteilung, Oberstleutnant Döring, strammen Schrittes vorbeimarschieren zu können. Auf dem großen Kasernenhof marschierten die alten Soldaten im offenen Viereck auf. Nach der Meldung durch den Kameradschaftsführer der Artilleristen - Kameradschaft 1895 Gießen, Johann Müller, an den Abteilungs-Kommandeur Oberstleutnant Döring, hieß dieser die alten Soldaten in der Kaserne herzlich willkommen. Er begrüßte sie insbesondere als die einstigen Kämpfer des großen Krieges und als die Träger der Tradition unserer alten Artillerie-Regimenter. Weiter lieh er in den Kameraden die stolze Erinnerung an ihre Dienstzeit und an ihr Soldatentum in Friedensund Kriegszeiten lebendig werden, dabei zugleich auf die hohen Tugenden des deutschen Soldatentums hinweisend: nämlich freudige Unterordnung unter den höheren Willen des Gemeinschaftsinteresses, strengste Pflichterfüllung, Opferfreudigkeit bis zum Allerletzten, auch zur Hergabe des eigenen Lebens für Volk und Vaterland. Mit packenden Worten wies der Kommandeur dann auf das große Werk des Führers hin und stellte dabei ganz besonders die Wiedererrichtung unserer starken deutschen Wehr durch den Führer in den Vordergrund. Alle Liebe, Treue und das volle Vertrauen zum Führer brachten die jungen und die alten Soldaten zum Ausdruck in dem begeisterten Gruß an den Führer. Kameradschaftsführer Müller von der Artille- rlsten-Kameradschaft 1895 Gießen gab dem Kommandeur die Versicherung, daß die alten Soldaten gerne zu den aktiven Artilleristen gekommen seien, mit denen sie sich in herzlicher Kameradschaft verbunden wissen. Zugleich dankte er dem Kommandeur für den freundlichen Empfang in der Kaserne. Er erinnerte sodann an den alten, guten Geist der Frontkameradschaft, an die hehre Tugend des Soldaten, die ihren stärksten Ausdruck findet in dem schlichten Worte „Dienen", erinnerte ferner an die glänzenden Waffentaten der deutschen Heere an allen Fronten und an die blanke Waffenehre, mit der das deutsche Heer nach dem Kriege in die Heimat zurückkehrte. Weiter wies er auf die Einsatzbereitschaft aller alten Soldaten für unser Volk und Vaterland hin, die auch im Aufbau durch die Arbeit des Alltags im Dienste der Nation geleistet wird. Zum Schluß hob er hervor, daß, wie einst die alten Soldaten im Kriege die Probe aufs Exempel gut bestanden haben, auch die neue deutsche Wehrmacht voll und ganz ihre soldatische Pflicht und Schuldigkeit zum Wohle der Volksgemeinschaft erfüllen und stets ein schlagkräftiges, einsatzbereites Instrument des Fv^rers für den Frieden und die Ehre des deutschen Volkes sein werde. Nach altem militärischem Brauch schloß der Redner Mit dreimaligem Hurra auf unsere Wehrmacht. EhrungdesAbteilungs-KommandeurS. Sodann überreichte Kameradschaftsführer Müller dem Kommandeur unserer III. Abt. Art.-Regt. 9 Oberstleutnant Döring als Zeichen der Verbundenheit zwischen den alten und den aktiven Artilleristen und zugleich als äußeres Merkmal der kameradschaftlichen Wertschätzung die silberne Ehrennadel der Artilleri st en-Kameradschaft 18 9 5 Gießen, durch die der Kommandeur in die engste Gemeinschaft der alten Gießener Artilleristen eingetreten ist. Oberstleutnant Döring nahm die Ehrung mit herzlichem Danke an. Militärische Vorführungen. Vom Kasernenhof aus begaben sich die Besucher nunmehr zu dem Kasernengclände, das an den Hinteren Trieb in der Richtung nach dem Eulenkopf zu angrenzt. Von hier aus konnten sie die Vorführungen der 8. Batterie unter dem Befehl ihres Chefs, Hauptmann Brech tel, beobachten. Die Batterie zeigte alle Einzelheiten des Instellunggehens einer Batterie, von der Wahl des Standorts für den Richtkreis durch den Batteriechef, über die Besetzung der Beobachtungsstelle, das Einfahren der Batterie in Feuerstellung, das Abprotzen und Richten der Geschütze, währenddessen die Protzen in Deckung zurückfahren, ferner die Bereitstellung der Geschütze zum Feuern und schließlich das Feuer selbst. Es war ein außerordentlich fesselndes Bild, das die 8. Batterie durch diese Hebung den Zuschauern darbot. Im Anschluß daran erfolgte unter den Klängen des Trompeterkorps ein Vorbeimarsch der Batterie vor dem Kommandeur und den zahlreichen Zuschauern, der wiederum ein prächtiges Bild zeigte. Anschließend hatte man in einer Reithalle Gelegenheit, interessante Reit-Vorführungen von Artilleristen unter dem Kommando von Major N o a ck bei der I. Reit-Abteilung und von Hauptmann Brandts bei der Voltigier-Abteilung zu beobachten. Viele Zuschauer konnten sich auch hierbei in hohem Maße erfreuen an den prächtigen Darbietungen der jungen Reiter. Oer Ausklang in der Kaserne. Sodann setzten sich die alten Soldaten in Gemeinschaft mit den Offizieren der Abteilung in der Reithalle zum gemeinsamen Mittagessen zusammen. Es gab aus den Feldküchen ein kräftiges, prächtig schmeckendes Eintopfessen (Erbsensuppe mit Fleisch), Warum die Weidenkätzchen geschützt werden müssen! Das silberne Leuchten der Weidenkätzchen verleitet auch heute noch immer Blumenfreunde zum Pflücken von Sträußchen, obwohl durch das Reichsnatur- chutzgesetz die Weidenkätzchen geschützt sind. Gewiß weiß man, daß der Blütenstaub der Weidenkätzchen der Brut der Bienen als Nahrung dient, „aber schließlich kann es doch auf ein paar Zweige nicht ankommen", so meint vielleicht der Blütenfreund und bricht trotz der drohenden Geldstrafe die Zweiglein. Vermutlich würde er es nicht tun, wenn er wüßte, welche Mengen Blütenstaub selbst ein kleiner Blütenstand für die Aufzucht der jungen Bienen benötigt. Es mag deshalb hier kurz einmal der Bedarf an Blütenstaub eines Bienenstandes errechnet werden. Zur Fütterung einer einzigen Larve benötigt das Bienenvolk 0,15 Gramm Pollen. Das macht, da die Larve nur sechs Tage gefüttert zu werden braucht, auf den Tag umgerechnet, also 0,025 Gramm Blütenstaub. Sicher ist das sehr wenig; berücksichtigt man aber, daß die Königin eines Bienenvolkes täglich im Durchschnitt etwa tausend Eier legt, in sechs Tagen also 6000, so daß also unterbrochen 6000 Larven zu ernähren sind, so macht das täglich 150 Gramm Pollen, bei einem kleinen Stand von zehn Völkern also 1,5 Kilo täglich. Drei Pfund Blutenstaub von den Kätzchen der Weiden — denn andere Blüten, die nennenswerte Mengen Blütenstaub liefern stürmten, gibt es jetzt noch nicht, — täglich heranzuschaffen, dazu bedarf es einer erheblichen Arbeitsleistung, und manche Biene fällt auf diesen Sammelflügen, bei denen sie jedesmal nur 0,01 Gramm Blütenstaub holt, der Kälte oder der Nässe zum Opfer. Würden die Weiden im Hochsommer dem von allen Speisenden mit großem Appetit so reichlich zugesprochen wurde, daß die Feldküchen ihren gesamten Vorrat an Essen loswurden. Einige Zeit des kameradschaftlichen Beisammenseins in den Räumen des Unteroffizierskasinos und in der Kantine bildete den Abschluß des Besuchs in der Kaserne. Sodann wurde der Rückmarsch der alten Artilleristen mit den Fahnen der alten Gießener Soldaten angetreten. Kameradschastsadend. Die Nachmittags- und die Abendstunden waren mit einem Kameradschaftsabend im Caf6 Leib aus- gefüllt, der so zahlreich besucht war, daß man den großen Saal in allen Teilen bis zum letzten Platze besetzt sah. Das Trompeterkorps der Artilleristen unter Leitung von Musikmeister Lindemann erfreute die Kameraden durch ein ausgezeichnetes Konzert, das hochstehende künstlerische Leistungen der Kapelle offenbarte und in allen Teilen den begeisterten Beifall der Zuhörer fand. Kameradschaftsführer Müller von der Artil- leristen-Kameradschaft 1895 Gießen erinnerte die Kameraden in einer kurzen Ansprache an die Größe ihres schicksalsvollen Lebensweges, der sie zu Trägern schwerer Aufgaben in Krieg und Frieden im Dienste der Nation machte, zugleich lenkte er auch die Aufmerksamkeit auf die tapfere und opferfreudige Haltung der Frauen hin, die während der Kriegsjahre ihre Männer oder Söhne vor dem Feinde wußten und daheim in aller Opferbereitschaft und Liebe zum Volke ihre Aufgabe an der jungen deutschen Generation und damit am Aufbau des neuen deutschen Volkes erfüllten. Die weiteren Stunden des Beisammenseins waren der frohen Geselligkeit gewidmet, die den schönen Ausklang der unvergeßlichen Stunden des 2. Artilleristen-Treffens und des Beifammensfeins mit unseren aktiven Gießener Artilleristen bildeten. blühen, wenn die Natur überall Pollen in Hülle und Fülle spendet, dann käme es auf ein paar Weidenkätzchen wahrlich nicht an. Jetzt aber sind die Weiden die einzigen Pflanzen, die den Bienen die Nahrung für die junge Brut liefern, und deshalb ist es notwendig, die Kätzchen zu schonen und den fleißigen Bienen die Arbeit zu erleichtern. Domotizen. Tageskalender für Montag. Stadttheater: 20 Uhr „Carmen" (NSG. „Kraft durch Freude"). Gloria-Palast, Seltersweg: Mil- lionen-Erbfchaft. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Henker, Frauen und Soldaten". — Stadtkirche: 20 Uhr Vortrag von Dr. R. von Thadden-Trieglaff, Berlin. Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Am Freitag, 12. März, findet die Erstaufführung der Operette „Der Opernball" von Heuberger im Stadttheater Gießen statt. Die Spielleitung führt Karl-Ludwig Lindt, der sich bereits in der Spielzeit 1934/35 mit der Inszenierung seines Schwankes „Parole: Heiraten" als Spielleiter eingeführt hat und dessen neue Schwank-Operette „Lehrling gesucht" vor kurzem mit großem Erfolg am Stadttheater uraufgeführt wurde. Die musikalische Leitung hat Kapellmeister Hans H. Hampel. AG.-Lehrerbund, Gießen. Abteilung höhere Schule. Fachschaft „Neuere Sprachen"'. Die nächste Sitzung der Arbeitsgemeinschaft findet amfDienstag, 9. März, 16 Uhr, in der Oberrealschule Gauleiter Sprenger in Gießen. von der Vannpressestelle des Vannes 116 wird uns mitgeleill: Der Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger wird am Dienstag, 16. März, zur Hitlerjugend Gießens in der Volkshalle sprechen. Die Öcutfdie Arbeitsfront ^7 7 n.9.=ßemcinf(haft „firaft durch Freude'' Amt Feierabend. „Car me n"- Dorstellung am 8. März. Diese Vorstellung im Gießener Stadttheater beginnt um 2 0 Uhr. Die Theaterzütze fahren nicht. Einzelne Karten zu 60 Pfennig sind noch an der Abendkasse erhältlich. Vorstellung „Die vier Gesellen" am 13 März. Zu dieser Vorstellung im Gießener Stadttheater können Bestellungen umgehend erfolgen. Die Eintrittspreise sind 70 und 90 Pfennig. Beginn: 20 Uhr. Das Iröbelseminar zeigt seine Jahresarbeit. In einer liebevoll aufgebauten Ausstellung gab am Samstag und Sonntag das Fröbelseminar in seinem Hause an der Gartenstraße wieder einmal Rechenschaft über ein Jahr der Arbeit im Dienste der Ausbildung von Kindergärtnerinnen, sowie von Kinderpflegerinnen und Hausgehilfinnen. Die Schau brachte wie in allen Jahren vorher wieder eine Fülle schöner Dinge, denen Aufmerksamkeit zu schenken sich wohl lohnte. In der Abteilung, die von den Kindergärtnerinnen ausgestellt war, sah man hohe Ansprüche erfüllt. In der Ausrichtung auf wichtige praktische Arbeit gab es viele Stücke selbstgefertigter Kinderkleidung zu sehen, die nicht nur eine beachtenswerte handwerkliche Fertigkeit, sondern auch eine gute geschmackliche Schulung erkennen ließen. Kleider und Kleidchen, Röcke, Mieder, Knabenhemden, Kindermäntel und viele andere Kleidungsstücke fanden gerechtfertigte Bewunderung. Sehr anregend war die Abteilung der Spielzeuge, die sich wiederum in einer großen Reichhaltigkeit darbot. Entsprechend den Grundsätzen des Fröbelseminars war fast alles aus den einfachsten Materialien hergestellt und meist durch etwas Farbe zu schöner Wirkung gebracht worden. Ganze Bauernhöfe und Gespanne, Tiere in klaren und künstlerisch erarbeiteten Formen, Tiere aus Holz und Stoff, Eisenbahnen und Flugzeuge für Knaben, Puppenwagen und Küchen für Mädchen, Schränke und Tischchen, Pappearbeiten aller Art, Bucheinbände und Legespiele und noch vieles andere, entstand unter geschickten Mädchenhänden und unter der Anleitung verantwortungsbewußter Lehrkräfte. Das gleiche galt auch für den Teil der Ausstellung, der von den zukünftigen Kinderpflegerinnen und Hausgehilfinnen bestritten wurde. Wenn in dieser Abteilung auch nicht so hohe Anforderungen gestellt wurden, so konnte man doch bemerken, daß dort die Mädchen mit nicht weniger Geschick und Eifer bei der Arbeit waren. Die Ausstellung in ihrer Gesamtheit ließ erkennen, in welch wertvoll aufbauender Arbeit im Fröbelseminar Mädchen herangebildet werden, die einerseits der Hausfrau und Mutter Stütze fein können, zum anderen aber auch als Leiterinnen v»n Kindergärten sich in den Dienst der Allgemeinheit stellen können. . Oie Mädchenberufsschule feiert ihr isjähriges Bestehen. Zu einem festlichen Abend hatte die Mädchen- berufsschule die Eltern und die Lehrfrauen in das Cafe Leib geladen. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Ein Trio von Haydn, in gutem Zusammenspiel gebracht, leitete den Abend ein. Nach einem VorAus der proviuzialhaupistadi. Das Mädchen mit dem Gilberhaar. Vornan von Anny von panhuys. 22. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) An einem Tisch in ihrer Nähe saß eine schmale zierliche Dame in leuchtend rotem Tuchkleid mit breitem Astrachanbesatz und übermodernem roten Hütchen. Sie lachte mehrmals etwas zu laut, und ein älterer Herr mit weißem Spitzbart sah neben ihr, schien ebenfalls sehr vergnügt. Berthold Radix wechselte seinen Platz am Tisch, drehte nun dem Paar den Rücken zu und erklärte seiner Frau sichtlich amüsiert: „Der Herr mit dem weißen Spitzbart, der neben der ein bißchen zu rot gekleideten Dame sitzt, ist Graf Rethel, unser Generalvertreter. Er soll mich nicht sehen, weil ich ja offiziell noch nicht hier bin; ich melde mich erst bei ihm nach einigen Tagen; denn wenn er mich hier erkennt, ift’s aus. Dann kommt er mit einer Fülle von Vorschlägen, wie wir uns hier in seiner Gesellschaft amüsieren sollen. Weiß der Teufel, wen der alte Schwerenöter da bei sich hat." Franziska blickte nach dem Tisch hinüber und meinte: „Er sieht famos aus, der alte Herr, und repräsentiert die Radio-Radix äußerlich sehr vorteilhaft. Die Dame gefällt mir weniger." „Mir gar nicht", gab ihr Mann zurück, „aber dem alten Windhund scheint sie um so besser zu gefallen. Na, sein Privatleben geht mich ja nichts an." Franziska sah noch, wie der alte Herr der Dame die Hand küßte und verschwand, also konnte ihr Mann wieder seinen vorigen Platz, ihr gegenüber, einnehmen. Ein wenig später erhob sich auch die Dame. Als Berthold dann mit seiner Frau nach kurzem Ausruhen in ihren Räumen wieder die Straße betrat, sahen beide die Dame gerade in ein dunkelrotes Auto steigen. Aber dann vergaßen sie den Generalvertreter über anderem. Berthold kaufte seiner Frau ein wunderschönes schwarzes Abendkleid aus stumpfer Seide mit vielen kleinen Fältchen und Rüschen aus Tüll und allerlei kleine Toilettensachen. Franziska schalt ihn: „Verschwender!" Er aber lachte glücklich: „Du bist die blondeste und schönste Frau der Welt, und wenn ich ein Maharadscha märe, ließe ich dir die Kleider mit Edelsteinen besticken." Er fuhr abends mit ihr nach dem Montmartre hinauf, und sie bestaunte das bunte nächtliche Treiben zwischen dem Place de Clichy und der Rue de Martyrs; am nächsten Tage gingen sie durch den Louvre, und Franziska war sehr begeistert. Sie bat: „Hier müssen wir mindestens drei- oder viermal hergehen, sonst kann ich das alles gar nicht fassen." Der Dame im roten Kleid begegneten sie im Laufe der nächsten acht Tage mehrmals oben auf dem Gang, auf dem auch ihre zwei Zimmer lagen. Sie stellten fest, daß sie unerhörten Kleiderluxus trieb, denn stets, wenn sie ihr begegneten, erschien sie in anderer Aufmachung. Ein Zimmermädchen, das Franziska manchmal freiwillig ein wenig beim Umkleiden half, erzählte ihr, die Dame fei eine Amerikanerin, heiße Miß Janson und besitze schrecklich viel Geld. Man munkle, sie stände vor der Verlobung mit einem jungen französischen Grasen. Franziska erzählte ihrem Mann, was sie gehört. Der meinte: „Wenn das Mädel nicht von einem jungen Grafen gesprochen hätte, würde ich glauben, der alte Graf Rethel wäre der Freier, weil wir ihn zusammen mit der Amerikanerin im Speisesaal des Hotels gesehen. Im übrigen werde ich dem Grafen morgen vormittag Mitteilung von unserem Hiersein machen." 17. Berthold hatte mit Franziska gefrühstückt und nahm nun den Hörer vom Telephon, stellte die Verbindung mit dem Büro der Vertretung her. Ein paarmal war er schon mit Franziska an dem Hause, dessen erste Etage die Radio-Rahix innehatte, vorbeigekommen; Franziska wußte also, wie sie von außen aussah, freute sich aber darauf, sie nun auch bald von innen kennenzulernen. Ihr Mann fragte am Apparat nach dem Grasen. Eine leicht knarrende Stimme antwortete: „Hier Graf Rethel, selbst am Apparat." Dann lachte der Graf ins Telephon: „O, Herr Direktor, Sie sind es, wirklich Sie? Ich freue mich sehr! Wann sind Sie denn angekommen? Und die gnädige Frau ist natürlich auch da? Wann darf ich meine Aufwartung machen? Sofort, nicht wahr? Ich bitte jedenfalls um die Erlaubnis dazu. Im Continental wohnen Sie? Ah, da wohnt zur Zeit auch eine scharmante Dame meiner Bekanntschaft, Miß Jonson. Darüber erzähle ich Ihnen persönlich allerlei, Herr Direktor. Erlauben Sie mir jetzt vor allem, sofort zu kommen." Berthold, der auf die vielen Fragen gar nicht so schnell antworten konnte, gab zurück: „Meine Frau und ich erwarten Sie und bleiben bis dahin im Hotel." Der Graf erzählte den Herren im Büro: „Der Chef aus Deutschland ist angekommen. Falls nicht alles ganz tipptopp bei uns fein sollte, bitte ich, es in Ordnung zu bringen. Monsieur Radix wird wahrscheinlich schon im Laufe des heutigen Tages hierherkommen." Darauf begab er sich in einen Blumenladen, kaufte wundervolle langstielige Rosen und ließ sich dann nach dem Continental-Hotel fahren. Er wurde sofort Berthold Radix geführt, der ihm mit ausgestreckten Händen entgegenkam. Der Graf stellte wieder ein halbes Dutzend Fragen, wartete kaum die Antwort ab, lächelte: „Welch Zufall, daß Sie auf demselben Gang wohnen wie Miß Jonson! Unter uns: die Dame ist nämlich meine zukünftige Schwiegertochter. Sie wundern sich darüber, weil ich doch keinen Sohn habe, nicht wahr? Aber ich stehe im Begriff, einen Herrn, mit dem ich sehr sympathisiere, zu adoptieren. Ich möchte vor allem nicht, daß mein alter Name mit mir ausstirbt und möchte auch nicht auf meine alten Tage ganz allein bleiben. Nun ja, also mein Sohn, dieser Adoptivsohn, der in Kürze mit allen Rechten meinen Namen tragen wird, ist schon heimlich verlobt mit Miß Jonson. Veröffentlicht wird die Verlobung, nachdem er meinen Namen führen darf." Er blickte sich um. „Ich habe mir erlaubt, ein paar Blumen mit- zubringen." Berthold Radix rief: „Fränze!" Gleich darauf öffnete sich die Tür vom Nebenzimmer, und in den Salon trat eine schlanke mädchenhafte Gestalt in Trauerkleidung. Der Graf sah ein helles, weiches Gesicht mit festem, energischem Kinn, mit großen Grauaugen und silberblondem Haar über der geraden Stirn. Was er erblickte, schien Jean Louis de Rethel wie ein Spukbild, vor dem er, so schön es auch war, doch am liebsten weit geflohen wäre, gleichviel wohin. Nur nicht mehr vor Augen haben, was er jetzt sah, nur nicht länger die Marter auf ihn zustürmender Gedanken ertragen müssen! War er denn verrückt, war die Vergangenheit wieder lebendig geworden oder zeigte sich ihm ein Wahnbild? Unsinn, beruhigte er sich. Das, was ihn jetzt wie ein Alpdruck quälte, war nichts als eine zufällige Ähnlichkeit. Mehr als einundzwanzig Jahre war es her, daß eine mit so silberblondem Haar, mit so großen grauen Augen vor ihm gestanden und ihn angeklagt, er sei an allem Unheil schuld. Franziska war erstaunt, daß der Graf sie so erschrocken ansah. Ihr Mann aber lächelte stolz. Er wunderte sich gar nicht darüber. Der alte Herr war einfach verblüfft über Fränzes zarte Schönheit. Das machte ihm Spaß. Er stellte vor, und der Graf bot der jungen Frau die Rosen. Etwas hatte er seine Fassung nun doch zurückerlangt, und er brachte sogar ein Lächeln auf, küßte Franziskas Hand und sagte galant: „Ich habe sehr viel von dem guten Geschmack des Herrn Direktors erwartet, aber ich glaube, er hat sich Deutschlands schönste Frau ausgesucht." Er war dann sehr gesprächig, und man verabredete sich nachmittags in den Geschäftsräumen, für den Abend in einem vornehmen Restaurant. Der Graf verließ das Hotel wie im Traume. Er schickte sein Auto fort, denn er fühlte sich jetzt außerstande, in dem kleinen geschlossenen Raum zu sitzen. Er ging in den Tuilerien-Garten hinüber. Der Rasen war noch dicht und grün, Herbstblumen blühten auf den Beeten. Aber er sah nichts von dem schönen Park. Wie ein Schlafwandler ging er an den Standbildern, an alten Bäumen und Terrassen vorbei. Uebermütig rennende Kinder stießen ihn an, er merkte es nicht einmal, ein Hund sprang spielerisch an ihm hoch und bellte laut, er hörte es nicht. Er sah nur die schöne Frau vor sich, die einer anderen glich, die er vor mehr als zwei Jahrzehnten gekannt. Karsten! Er erinnerte sich erneut des Namens, den er auf der Verlobungsanzeige gelesen, der ihn stutzig gemacht, den er bald wieder vergessen hatte, weil er sich eingeredet, daß eine Namensgleichheit noch gar nichts besage. Jetzt aber gewann dieser Name eine Wichtigkeit, die ihm unheimlich war, trotzdem er die Zusammenhänge nicht verstand. Er durchlief alle möglichen Wege, grübelte und zerbrach sich den Kopf über Dinge, die weit zurück- lagen, jetzt aber mit einem Male wieder mitten in die Gegenwart und mitten in fein Leben gerückt waren. Es schien ihm, als seien dichte Vorhänge auseinandergerauscht, und auf einer Bühne zeigten sich ihm schattenhafte Gebilde, die er vergeblich zu erkennen suchte. Er lief kreuz und quer; dabei war es ihm, als gingen zwei schlanke Frauen von gleichem Wuchs und gleicher Größe leichtfüßig vor ihm her. Sie wandten manchmal den Kopf und sahen ihn an mit denselben grauen Augen — silberblondes Haargelock flimmerte in der Herbstsonne. Er machte schroff kehrt, als könne er dadurch die Wahngebilde verscheuchen. Aber wieder schritten die beiden Gestalten vor ihm her, wandten den Kopf, schauten ihn an mit großen Augen. Jean Louis Graf de Rethel lachte kürz auf. Er war doch nicht betrunken, daß er zu sehen glaubte, was es gar nicht gab! Wurde er noch zum phantastischen Narren, weil er vorhin eine junge Frau kennengelernt, deren Aehnlichkeit mit einer anderen ihn erschreckt? Aehnlichkeit mit einer, die spurlos verschwand, von der er nie wieder eroas gehört und auch nicht hatte hören wollen! Er rief ein Auto an, nannte als Ziel der Fahrt das Palais Rethel in der Rue de Grenelle. „Du kommst spät, Papa", empfing ihn Günther Grevenstein. „Die Köchin hat schon fragen lassen, ob du zurück wärest." Der Graf lächelte und hatte dabei das Gefühl, sein Gesicht müsse ganz fahl aussehen. „Die Köchin hat berechtigte Angst um ihren Braten gehabt, aber nun können wir natürlich sofort essen." Er faßte den Jüngeren unter, und sie gingen in das Zimmer hinüber, in dem das Bild der Urgroßmutter aus der Zeit des ersten Napoleons hing. Günther hatte sich schnell daran gewöhnt, das Diadem, dessen Original sich in seinem Besitz befand, täglich auf den Bildern zu sehen, ohne dabei noch die geringste Beklemmung zu empfinden. (Fortsetzung folgt!) spruch schilderte die Leiterin der Schule, Frau Rektorin Weitzel, in längerer Ausführung die Entwicklung der Mädchenberufsschule. Welche äußere und innere Schwierigkeiten zu überwinden waren, bis der Gedanke, die Mädchen nach achtjähriger Schulzeit noch in allgemeinen Kenntnissen und in fraulichen Fertigkeiten zu unterweisen, Verständnis fand, war interessant zu hören. Frau Weitzel schloß ihre Ausführungen mit einer ernsten Mahnung an die Eltern und die Lehrherrn und Lehrfrauen, sich um die Fortschritte der Mädchen zu kümmern, nachzuprüfen, was sie lernen, ob sie mit Aufmerksamkeit dem Unterricht folgen und die Zeit nutzen, in der ihnen nicht nur wissenswerte All- gememkenntnisse geboten, sondern auch die fraulichen Geschicklichkeiten gezeigt werden, die für jedes weibliche Wesen notwendig sind. Nach lebhaftem Beifall begannen die Aufführungen, die ein junger „Herr" in Rokokokleidung m lustigen Versen ansagte. Sie zeigten in unterhaltender Weise, was die Schule und ihre Schülerinnen leisten. Ein lustiges Schattenspiel mit Musikbegleitung stellte den Frühsport dar. Hübsche Volkstänze einer Anzahl Mädchen in selbstaefertigten Dirndlkleidern boten ein buntes, abwechselungsreiches Bild jugendlicher Fröhlichkeit und klappten sehr gut bei ländlicher Musik. Es folgten dann Hebungen am Hochbarren, die beachtliches Können bewiesen; jede Leistung wurde durch dankbaren Beifall belohnt. Nun begann die Modenschau. Einen wahren Jubel löste zuerst die Schau der Nachtgewänder aus. Im Schlafanzug, im weißen und farbigen Nachtkittel hüpfte und tanzte die Jugend über die Bühne und zeigte, was sie geschneidert und genäht hatte. Eine bunte Schau von Kleidern, Blusen und Röcken folgte, Kinderkleider und Schürzen, neues aus altem, das alles bewies die Schneiderkunst der Schülerinnen. Zwischendurch erfreute der gut eingeübte Singkreis mit Liedern und machte auch den Schluß mit seinem Abschiedslied „Gute Nacht". Rur ungern trennte man sich, und der lebhafte Beifall am Schluß zeigte allen Teilnehmerinnen, wie gut dieser Elternabend in aller Erinnerung bleiben wird. F. K. * ** Kameradschaft ehemaliger 390er Gießen und Umgebung. Man berichtet uns: Als Ausklang der Wiedersehensfeier des ehemaligen Jnf.-Reg. 390 im vergangenen Jahre wurde die Kameradschaft Gießen und Umgebung gegründet. Jrn Jahre 1916 entstand das Regiment, zu dem die 9/Jnf.-Reg. 116 geschlossen abgegeben wurde. Es kämpfte zwei Jahre an der Westfront bis zu seiner Auflösung im August 1918. Kameradschaftsführer der hiesigen Kameradschaft wurde Studienrat Schad, Gießen. ' ZumWochenendeimDienstedesWiniechllsswerks NEKK., GA., GS. und Kinderreiche beim Sammelwerk. Der vergangene Samstag und der gestrige Sonntag brachten wieder einmal eine Schlacht für das Winterhilfswerk. In den Nachmittagsstunden des Samstags machten sich viele Sammler von der Büchsenausgabestelle aus auf den Weg in die Stadt, und bald sah man sie in allen Straßen auftauchen und jedermann anhalten, der noch nicht das Opfer für das Winterhilfswerk gebracht hatte. Es dauerte nicht lange, da war jedermann mit der kleinen weißen Blume geschmückt, die es für diesen Sammeltag gab. Das hübsche Abzeichen wurde gerne gekauft und das so lustig aufgemalte Maikäfer- chen viel bewundert. Den Sammlern am Samstag kam das günstige Wetter zustatten, denn viele Einwohner unserer Stadt waren unterwegs, und kaum jemand entzog sich dem kleinen Opfer, das von ihm erwartet wurde. Es bedarf kaum der besonderen Betonung, daß die Sammler wieder mit allem Eifer der edlen Sache dienten und so zu ihrem Teil den Erfolg sicherten. Eine tatkräftige Unterstützung erfuhren die Sammler am Samstagnachmittag durch ein Platzkonzert des Musikzuges der SA.-Marine- Standarte 34, der an der Ecke Friedrichstraße und Wetzlarer Weg mit ausgezeichneter Musik auf- wartete. Ein zweites Konzert fand am Sonntag- oormittag in der Bahnhofshalle statt. Dort spielte der MusikzuH der SA.-Standarte 116 beim Einlaufen der Züge und machte dadurch die Reisenden auf die Sammelaktton aufmerksam. Das Konzert war des schlechten Wetters wegen in die Halle verlegt worden. Der Sturm 1/M 147 stellte einen Lautsprecherwagen in den Dienst der Sache und unterhielt über Schallplatten mit Musik. War den Sammlern am Samstag das Wetter sehr günstig (viele Volksgenossen waren zu Einkäufen unterwegs), so hatten die Kameraden, die am Sonntagoormittag und am Nachmittag die Büchse in die Hand zu nehmen hatten, weniger Glück. Der anhaltende Schneefall am Vormittag und der Regen des Nachmittags hielt die meisten Volksgenossen im Haufe fest und die Sammler mußten sich entschließen, treppauf, treppab zu wandern, wenn sie nicht mit leeren Büchsen zurückkehren wollten. Aber keiner der Sammler ließ sich die Mühsal verdrießen und ihnen war es zu danken, daß der Sammlung doch ein erfreuliches Ergebnis befchieden war. Alles für die Ideale des Drillen Reichs? Mitgliederversammlung der DAF., Ortsgruppe Gießen-Süd. In dem mit den Symbolen des Dritten Reiches und der DAF. geschmückten Saal des Katholischen Vereinshauses hielt die Ortsgruppenwaltung Gie- ßen-Süd der DAF. eine Mitgliederversammlung ab, in der nach dem Fahneneinmarsch Ortsgruppen; Walter Iost nach kurzer Begrüßung Kreisobmann pg. Wagner das Wort erteilte. In eingehenden Ausführungen sprach dieser über Ziel und Wege der durch 'die nationalsozialistischen Idee erstrebten Umformung des deutschen Volkes. Einleitend würdigte der Redner die Einheit von Führung und Volk und hob die ungeheuren Ausmaße der Kleinarbeit hervor, die unzählige Helfer selbstlos im Dienste dieser großen Idee verrichten. Die Idee wirkt bei dieser Arbeit wie ein Magnet, der die Besten anzieht, die innerlich spüren, daß sie wie in den Jahren des Kampfes, in der Schicksalsstunde des Volkes diesem zur Seite stehen wollen. Millionen empfinden, daß sie in diesem Kampfe des Lichtes mit dem Dunkeln auf der Seite des Guten stehen müssen. In ausgezeichneten Darlegungen machte der Redner seinen aufmerksamen Zuhörern verständlich, wie früher jeder Mensch einen anderen Glauben und andere Interessen hatte und darüber das große Ziel vergaß: Deutschland, und wie jetzt alle die 100 Millionen Deutschen diesseits und jenseits der Grenzen von einer einzigen Bewegung erfaßt und von einer einzigen Idee beseelt sind. Der Sinn unserer Revolution ist, das Volk auf ein besseres, schöneres Ideal auszurichten. All die Äußerlichkeiten, die Fahne, die Uniform, die Or- ganifattonen, sollen nichts anderem dienen, als der inneren Umwandlung des Menschen. Die große Aufgabe besteht darum darin, die Revolutionierung unseres Innern durchzuführen, damit wir vor den Augen des Führers bestehen können. Die Bewegung will den ganzen Menschen erfassen, seine Seele erringen und ihm ein besseres und schöneres Ideal geben. Zu diesem Zwecke mußten alle Menschen zu einer großen Gemeinschaft zusammengeführt werden. Das ist die DAF., deren Name bewußt gewählt wurde, weil sie alle Menschen, ganz gleich welche Arbeit sie tun, umfassen will. Menschen, die bei der Arbeit, in den Betrieben und wo es auch sei, zufammenstehen, sind in der Front aller schaffenden Deutschen. Da es nach dem Ausspruch des Führers nur Beauftragte der Arbeit gibt, sind in ihr Betriebsführer und Gefolgschaft in eine Linie gebracht, weil alle Arbeit dem Volke dient und nur das eine Ziel kennt: Deutschland! Arbeitgeber ist nur das Volk und der größte Auf- traggeber ist der Führer, der erst wieder die Möglichkeit zur Arbeit geschaffen hat. Deshalb kann und muß auch verlangt werden, daß die Arbeit nach den Grundsätzen des Nationalsozialismus ausgerichtet wird. Der größte Teil der führenden Männer im Dritten Reich kommen aus dem Volke und auch jetzt wird den Besten die Möglichkeit geboten, Führer des Volkes zu werden. Der Führer hat dem schaffenden Volke die soziale Ehre geschenkt und diese muß Gemeingut aller ehrlich strebenden Volksgenossen werden. Aus solcher Gemeinsamkeit wird dem Volke Kraft und Wille erwachsen, eine neue beseelte Kultur zu schaffen, die der Ausdruck des zukünftigen Deutschlands sein wird. Wirtschaft. Rhein-Mainische Börse. Ruhig. Frankfurt a. M., 6. März. Die amtliche Mitteilung über den Anleihestock hat auf die Börse stark ernüchternd gewirkt, zumal darin vor einer Hausse in den Stockwerten gewarnt wird. Die Aktienmärkte lagen daher überaus ruhig und die Kurse bröckelten anfangs überwiegend ab. Reichsbank-Anteile gingen bei lebhaften Umsätzen auf 201 (207) zurück und unterlagen später zwischen 200 und 202 starken Schwankungen. Später wurde die Haltung widerstandsfähiger, wobei der sehr günstige Abschluß der Verein. Stahlwerke und auch der lebhafte Fortgang der Zeichnungen auf die Reichsanleihe etwas anregten. Von Montanwerten verloren Verein. Stahl auf größere Glattstellungen 1 v. H. auf 121,50, Klöckner und Hoesch blieben voll behauptet. Am Chemiemarkt setzten JG.-Farben und Rütgerswerke je 0,75 v. H. niedriger ein. Von Elektroaktien kamen zunächst AEG. und Licht und Kraft unverändert, Siemens 0,50 v. H. höher zur Notiz. Etwas fester notierten Gement Heidelberg mit 161,75 (160,50), anderseits büßten AG. für Verkehr 1,50 v. H., BMW. und Zellstoff Waldhof je 0,50 und Deutscher Eisenhandel 0,75 v. H. ein. Der Rentenmarkt lag weiter still. Etwas erholt waren Altbesitzanleihe mit 120,65 (120,45), Städte-Altbesitz blieben mit 122,50 bis 123 behauptet, ebenso Kommunal-Umschuldung mit 91,55 bis 91,60 und Reichsbahn-VA. mit 125. Im weiteren Verlaufe blieb die Börse sehr still, es zeigte sich allgemein Zurückhaltung, da man die Einzelbestimmungen zum Anleihestockgesetz abwarten möchte. Die Kurse erfuhren am Aktienmarkt gegen den Anfang so gut wie keine Veränderungen. Verhältnismäßig lebhaft Hieben Reichsbank, die auf 202 anzogen nach 200. Von anderen Stockwerten kamen Rhein. Braunkohlen mit 230,25 (gestern abend 238, mittags 232), Akkumulatoren mit 209,50 (210) zur Notiz. Im übrigen zeigten die später notierten Werte bei uneinheitlicher Entwicklung nur kleine Veränderungen. Je 1 v. H. verloren Zellstoff Aschaffenburg, Goldschmidt und Kali Aschersleben, weiter erhöht Moenus Maschinen mit 108 (107,50). Von Hypothekenbankaktien Frankfurter Hyp. 133,40 (115,25). Der Rentenmarkt lag auch im Verlaufe sehr ruhig. Auch Pfandbriefe hatten bei unveränderten Kursen nur kleines Geschäft. Stadtanleihen blieben etwas gefragt und notierten teilweise noch etwas höher. Im Freiverkehr Neue Wayß & Freytag weiter fest mit 146 bis 148 (145 bis 147), ferner Ufa Film erholt auf 75,50 (74,50), Adlerwerke Kleyer mit 108 bis 110 (109,50) nicht ganz behauptet. Tagesgeld ermäßigte sich auf 2,50 v. H. (nach 2,75 v. H.). Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 8. März. (Dovbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Es kosteten Ochsen 35 bis 45, Bullen 34 bis 43, Kühe 20 bis 43, Färsen 35 bis 44, Kälber 45 bis 65, Lämmer und Hümmel 40 bis 48, Schafe 30 bis 40, Schweine 48,5 bis 52,5. Mark. — Marktverlauf: Rinder und Schweine wurden zugeteilt; Kälber ruhig, Hämmel und Schafe mittelmäßig. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnachmittag geschloffen. i Wintersport noch immer aktuell. Bald schon ist — kalendermäßig wenigstens — der Winter zu Ende, und noch immer zeigt der Skisport keine Anzeichen von Müdigkeit. So war auch das Programm des ersten Märzsonntags wieder groß genug. Das 10. Kandahar-Rennen. Die Ueberraschung des 10-Kilometer-Rennens in Mürren war die Niederlage der beiden Weltmeister Emile A l l a i s (Frankreich) und Christi Cranz. Bei den Männern siegte der Österreicher Walch in 3:56,4 vor E. Allais (3:57,0), bei den Frauen war die Schweizerin Erna Steuri mit 3:05,8 um 8/io Sekunden schneller als Christi Cranz, die durch einen Sturz kostbare Zeit und einen Stock verlor. R. Wörndle und Hans Pfnür waren nicht am Start. Rudi Cranz kam nur auf den 8. Platz. Skirennen auf dem Brocken. Die 240 Teilnehmer bei dem Skirennen auf dem Brocken fanden ausgezeichnete Schneeverhältnisse vor. Der 18-Kilometer-Lauf wurde eine Beute von Scherger (Bremen). Scherger siegte in 1:18:13,5 vor R. Kuert (Braunlage) 1:18:16) und Cramer jSS.j 1:20:17). Die Frauen bestritten einen 2,8 Kilometer langen Abfahrtslauf. Die Bestzeit erzielte U. Tebbe (Klaustal) in 7:48. Else Krieger (BraUn- lage) belegte mit 18 Sekunden Rückstand den zweiten Platz. Kehraus auf der Olympiaschanze. Der Skiklub Partenkirchen beschloß die Reihe feiner diesjährigen Großveranstaltungen mit einem Springen auf der großen Olympiaschanze. In der Doraufgegangenen Nacht war ein starker Frost eingetreten, der den Schnee recht hart und den Schanzentisch zimlich glatt machte, so daß es zahlreiche Stürze gab, die jedoch glimpflich verliefen. Sieger wurde diesmal Hans Marr (Wehrmacht, Reichenhall) vor dem Norweger Randmond Sörensen. Bei den Jungmannen erzielte Toni Neu (Oberammergau) mit 68 Meter die größte Weite. In der Allgemeinen Klasse kam Marr im zweiten Durchgang an die 70-Meter-Marke. Schwarzwald-Skimeisierschaften. Die Schwarzwald-Skimeisterschaften auf dem Feldberg wurden am Sonntag mit der alpinen Kombination abgeschlossen. 130 Teilnehmer bewiesen das große Interesse, das gerade dieser Konkurrenz entgegengebracht wurde. Erwartungsgemäß entpickelte sich die Kombination zu einem scharfen Kampf zwischen dem in Klasse I startenden Harro Cranz (SC. Freiburg) und dem in Klasse II laufenden Bruno Koch (Skizunft Feldberg). Dabei erwies sich Bruno Koch sowohl in der Abfahrt wie auch im Torlauf als der Bessere und belegte somit in der Gesamtwertung den ersten Platz. — Auch bei den Frauen gab es hervorragende Leistungen. Besonders die Siegerin, H. Gärtner (SC. Freiburg) lief in der Abfahrt und im Torlauf sehr gute Zeiten heraus. Klage gegen Braddock wegen Kontraktbruch. James I. Braddock will unter allen Umständen versuchen, vor seinem Kampf gegen Max Schmeling mit dem Negerboxer Joe Louis zusammenzutreffen. Schmeling muß sein Recht nun auf Umwegen über die amerikanischen Gerichte suchen und wird dabei sowohl durch die Neuyorker Boxkommission als auch durch die Neuyorker Madison-Square-Garden- Gesellschaft unterstützt. Die Klage, die durch den Vorsitzenden des Garden, Oberst Kilpattick, eingereicht wird, geht direkt an das Bundesgericht. Ausscheidlliigskamps der Turner in Fulda. Gau Hessen schickt zwei Turner nach Stuttgart. Das Ausscheidungsturnen der Gaugruppe III (Gaue Hessen, Württemberg, Bayern und Westfalen) zur Deutschen Geräte-Meisterschaft fand am Sonntag in Fulda statt. Es gab durchweg interessante und spannende Kämpfe' und die Spannung hielt bis zu den letzten Hebungen im Kürturnen an. Recht erfolgreich schnitten die bayerischen Turner ab, obwohl sie auf ihre drei Olympiasieger Schwarzmann, Stangl und Volz verzichten mußten, die an der Teilnahme verhindert waren. Sie stellten in Schmelcher (München), der schon nach der „Pflicht" in Führung gelegen hatte, den Sieger der Ausscheidungskämpfe und belegten außerdem noch den dritten, sechsten, siebten, zehnten und elften Platz. In den Pflichtübungen schaffte sich der Münchener Schmelcher nach der ersten Hebung vom siebten auf den vierten und im weiteren Verlauf schließlich auf den ersten Platz vor. Hinter Schmelcher hatte der Westfale Stutte (Eichen) vor dem Münchener Kindermann und Westfalen Frisch (Stendenbach) den zweiten Platz in den Pflichtübungen belegt und an dieser Reihenfolge wurde auch in der „Kür" am Nachmittag nichts geändert. Das Kürturnen war von 1000 Zuschauern besucht, die ganz überragende Leistungen zu sehen bekamen, als die 15 Besten aus den Pflichtübungen des Vormittags turnten. Bayer (Kassel) und Schmidt (Nürnberg), die als Vierzehnter und Fünfzehnter des Pfiltchturnens am Nachmittag zum Kürturnen antraten, konnten diesen Platz nicht behalten und mußten ihren Rang an Trostheim (Dortmund) und Wedekind (Kassel) abtreten, die ihre Kür schon am Vormittag geturnt und dabei eine Punktzahl erreicht hatten, die von Beyer und Schmidt am Nachmittag nicht übertroffen werden konnte. Pech hatte auch Hessens Gerätemeister Fink (Kassel), der, durch eine Krankheit behindert, mit vier Punkten Abstand hinter Wedekind nur den 16. Platz belegen konnte. Der Endstand: 1. Schmelcher (München) 230,1 P.; 2. Stutte (Eichen) 225,6 P.; 3. Kindermann (München) 222,9 P.; 4. Frisch (Stendenbach) 219,9 P.; 5. Weischedel (Stuttgart) 218,4 P.; 6. Münder (Göggingen) 217,9 P.; 7. Geistbeck (München) 217,3 P.; 8. Gög- gel (Stuttgart) 217,2 P.; 9. Kammerhauer (Kuchen) 216,2 P.; Schmeißing (Kassel) 216,2 P.; 11. Cer- mer (München) 215,9 P.; 12. Rabenstein (München) 210,6 P.; 13. Hollfelder (Dortmund) 209,8 P.; 14. Trostheim (Dortmund) 209,0 P.; 15. Wedekind (Kassel) 208,0 Punkte. Am erfolgreichsten war also Bayern, das sechs Mann mit durchbrachte Westfalen stellt vier Teilnehmer für Stuttgart, der Gau Württemberg konnte von seinen sieben Teilnehmern drei durchbringen und der Gau Hessen schickt mit Schmeißing und Wedekind zwei Turner nach Stuttgart. Olympiasieger Frey siegt in Mainz. In der Mainzer Stadthalle kamen am Sonntag die Ausscheidungskämpfe der Gaugruppe 4 (Gaue Südwest, Baden, Mittelrhein, Niederrhein) zur Stearinöl 489 Steinfußboden Stearinöl. gelbbraunes öl, das sehr gut zum Putzen von Metallen zu verwenden ist. Stechpalme, s. Ilex. Stechseide, Bezeichnung für gezwirnte Seide. Steckbecken oder Unterschieber, Vettschüssel, ein flaches Gefäß, das unter das Gesäß bettlägeriger Kranker geschoben wird zur Aufnahme von Stuhl. Steckdose. Die Steckdosen sind nach den neuesten Vorschriften in der Wand eingelassen, wie auch alle Leitungen unter Putz gelegt sind. Steckdosen bestehen in der Hauptsache aus Hartgummi. Den Stecker ziehe man nie an der Schnur heraus, weil sie sich sonst lockert und Wackelkontakte entstehen, die zu Kurzschluß führen können. Wenn Strom zu mehreren Anschlüsien aus einer Steckdose entnommen werden muß, verwende man einen Abzweigstek- ker. Schäden an Steckdose und Stecker behebe man nicht selbst, sondern lasse sie vom Fachmann reparieren. Steckenbleiben eines Fremdkörpers im Halse siehe Erstickung, Verschlucken. Stecklinge sind abqelöste Pflanzentriebe, die, in sandiges, torfmullhaltiges Erdreich gesteckt, manchmal auch in Master gestellt, Wurzeln bilden. Viele Pflanzen werden so vermehrt. Geeignete Triebe werden unter einem Vlattknoten mit scharfem Mester abgetrennt, große Blätter gegen zu starke Verdunstung eingekürzt Wärme und Feuchtigkeit sind notwendig. Stegreif, eigentliche Bedeutung Steigbügel beim Pferd. Aus dem Stegreif sprechen bedeutet unvorbereitet sprechen. Stehlen, siehe Diebstahl. Steinbock, Ziegenart mit langem, starkem Gehörn, ferner Sternbild und Tierkreiszeichen. Steinbrech (Saxifraga), Gewächs, das vor allem in der Nachbarschaft von Steinen gut wirkt. In Steingarten und hinter Weg- einfaffungen gern angepflanzt. Es gibt rofettenartige und moosbildende St.-Arten, die alle durch Teilung und Saat weitergepflanzt werden. Viele gedeihen auch im Schatten und dienen als eine Art Rasenersatz dort, wo kein Gras wächst. Ein Rosetten- Steinbrech ist das hübsche Porzellanblümchen. Steinbutt, bis zwei Meter langer, wohlschmeckender Schollenfisch, der meist in Stücken verkauft wird. Steindruck, Steinzeichnung sowohl wie Lithographie. Steinfrucht, Steinobst, bei dem der Kern wie bei Pflaumen, Kirschen usw. von einer fleischigen Frucht umschlossen ist. Steinfußboden mit Platten, aus Naturstein, mit Ziegeln. Fliesen belegter oder mit' Zement ausaegostener Fußboden, der sich leicht reinigen läßt, aber fußkalt ist. Steinfußböden finden sich daher meist nur in Kellern und Fluren, während auch Küchen und Badezimmer mit Linoleum ausgelegt werden. Hier abschneiden! Deutschen Gerätemeisterschaft in Stuttgart zum Austrag. 41 Turner waren hierzu erschienen, doch fehlten von den gemeldeten Bewerbern neben dem erkrankten Willi Stadel-Konstanz auch der Olympiasieger Franz Beckert-Neustadt. Die Endkämpfe fanden am Nachmittag in der Mainzer Stadthalle vor 3000 Zuschauern statt. Es gab ausgezeichnete Leistungen zu sehen. Am erfolgreichsten war der Gau Sudwest, der von seinen 14 beteiligten Turnern allein sieben unter die ersten Fünfzehn, die nach Stuttgart fahren, brachte. Die Ergebnisse der Pokalspiele. VfB.-N. Gießen — Niedergirmes 3:2. Lollar — 1900 3:9. Alsfeld — Steinberg 5:7. Dillenburg — Frohnhausen 2:3 (abgebrochen) Sinn — Dillbrecht 9:1-. Nauenheim — Nauborn 4:1. Das Spiel der Bezirksklasse. Wetzlar — Burg 1:1. In Gießen siegten die BfB.er verdient. — In Dillenburg mußte das Spiel fünf Minuten vor Schluß nach vorangegangener Tätlichkeit abgebrochen werden. — Sinn gewann in Dillbrecht nach Belieben. — Etwas knapp ist der Sieg der Nauenheimer über Nauborn. — In Alsfeld stand es noch eine Viertelstunde vor Schluß 5:4 für die Platz- besitzer, die allerdings dem Endspurt der Steinberger nicht gewachsen waren. — Bei Lollar scheint mit dem Ausscheiden von Gabriel jedes Können verschwunden. Der Sieg der 1900er war verdient. LfB.-Keicksbatm Gießen. 3:2-Sieg über Niedergirmes. Trotz der schlechten Wetterlage befand sich der Waldsportplatz in einer besseren Verfassung, als man angenommen hatte, und ermöglichte ein gutes Kombinationsspiel. Gerade diese Tatsache ist die Hauptursache für den Sieg der Platzbesitzer. Bei Beginn des Spieles waren die Aussichten der VfBer keinesfalls rosig. Spielerisch waren die VfBer den Gästen überlegen. Die Gäste spielten einen reinen Zweckfußball. Sie waren jedoch gefährlich. Dem gut amtierenden Schiedsrichter Gerhard (Steinbach) stellten sich die VfBer mit: Meißner, Fehling, Kramer, Michel, Krämer, Hauptfeld, Beiz, Bischoff, Radtke, Hoffmann, Szponik Meißner mußte beide Tore halten. In der Verteidigung überragte Kramer. In der Läuferreihe war Krämer der Beste. Der Sturm entwickelte eine selten gesehene Aktivität und schoß auch bei jeder Gelegenheit. Die linke Stunnseite und Radtke waren hier die treibenden Kräfte. Ueberraschend fanden sich die Platzbesitzer sofort und kommen durch ihre kurze Kombination immer wieder durch. In der 14. Spielminute, als Radtke die Verteidigung umspielte, schien das erste Tor fällig. Sein Schuß ging jedoch daneben. Bei einem plötzlichen Vorstoß der Niedergirmeser erzielten diese vier Ecken hintereinander, die jedoch nichts einbrachten. Als Hoffmann Szponik freispielte, kurvte dieser nach innen und erzielte das erste Tor. Bald darauf war es wieder Szponik, der aus einem Gedränge das zweite Tor für den Platzverein erzielte. Ueberraschend fiel das Gegentor für Niedergirmes. Die Flanke des Rechtsaußen fing Meißner ab, der nachsetzende Halblinke konnte jedoch den nicht richtig aufgenommenen Ball einschießen. Auch nach der Pause waren die VfBer weiter überlegen. Der Sturm verzettelte sich jedoch jetzt im Einzelspiel. Als zwanzig Minuten vor Schluß Fehling ein Absatztrick mißglückte, kam der Ball zu dem am Strafraum stehenden Mittelstürmer, der sofort aufs Tor schoß. Meißner warf sich zu spät und unter ihm ging der Ball ins Tor. Jetzt wechselten der Halbrechte und der Rechtsaußen, und schon zwei Minuten später lenkte Radtke dessen Flanke in die Ecke Damit hatten die Platzbesitzer auch ihre Kräfte Erschöpft. Die Gäste drängten jetzt bis zum Schluß, konnten jedoch die aufmerksame Hintermannschaft nicht überwinden. Die zweite Mannschaft verlor in Wieseck mit 7:3 Toren. Sprelvereinigung 1900 Gießen. Lollar — 1900 3:9 (1:5). Die Spiele der ersten Pokalzwischenrunde im Kreis Gießen hatten einige recht merkwürdige Ergebnisse. Hierzu zählt in erster Linie das Resultat, das in der Begegnung der Blauweißen gegen den Sportverein in Lollar zustande kam. Gleich zu Beginn hatten die Blauweißen mit ihren Aktionen Erfolg. Schon in der dritten Minute konnte Löbsack die Führung herausholen. Sein schnell abgegebener Schuß prallt von Hörstels Kopf ins Netz. Nach weiterhin anhaltender Ueberlegen- heit ist es Sack, der in der achten Minute einer langen Vorlage nachsetzt und zum 2:0 einsenden kann. Die Blauweißen werden jetzt etwas nachlässiger; die Platzbesitzer kommen auf. Durch einen Strafstoß kommen sie dann auch zum ersten Gegentreffer. Als dann 1900 Lehrmund durch Platzverweis verliert, hat Lollar einige recht gute Momente, die dem Spiel eine andere Wendung hätten geben können. Als jedoch innerhalb kurzer Zeit durch Löbsack, Sack und abermals Löbsack die Blauweißen auf 5:1 davonziehen, scheint der Kampf entschieden zu sein. Nach der Pause kommen die Lollarer mit umgestellter Mannschaft. Dies schien sich zum Vorteil auszuwirken, denn es dauerte nicht lange, da konnte Ziegler auf 5:2 und als Sack für einige Zeit verletzt ausschied, gar auf 5:3 verkürzen. Dem nunmehr starken Druck hielten die Blauweißen jedoch mit nur neun Mann stand. Nach dem Wiedereintritt von Sack änderte sich das Bild aber wieder und als der auf halblinks gegangene Häuser durch zwei Tore den Vorsprung wieder vergrößerte, kam wieder mehr Geschlossenheit in die Aktion der Blau- weißen. Durch Löbsack und Sack fallen in der 75. und 80. Minute noch zwei weitere Treffer, die das Endergebnis Herstellen, da es den zum Schluß nochmals 'stark angreifenden Platzbefitzern nicht mehr möglich war, sich gegen die Hintermannschaft der 1900er durchzufetzen. Bei Lollar machte sich das Fehlen von Gabriel sehr bemerkbar. Der Hintermannschaft war dadurch jede Sicherheit genommen, was sich auch auf die vorderen Reihen übertrug. Die Elf konnte diesmal nicht restlos überzeugen. Dagegen war die Gesamtleistung der Blauweißen gut. — Die Leitung hatte K a l e t s ch - Wetzlar. Fußball-Gaulioa-Kämpfe in Hessen. Im Fußballgau Hessen ist am Sonntag wieder eine Entscheidung gefallen. Die Spvg. Niederzwehren begab sich durch eine ungeheure 0:9-Niederlage (0:6) gegen den VfB. Friedberg aller Rettungsmöglichkeiten, und ist nunmehr unentrinnbar dem Abstieg verfallen. Das gleiche Schicksal steht Kurhessen Marburg bevor, das gegen den bereits feststehenden neuen Meister SV. Kassel ein unerwartet gutes Spiel lieferte und ein durchaus verdientes 4:4-Unentfchieden (4:2) erreichte. Schöpft man alle theoretischen Möglichkeiten gewissenhaft aus, dann besteht jetzt für die Marburger noch ein Hoffnungsschimmer, allerdings nur, wenn einerseits Borussia Fulda feine beiden letzten Kämpfe verliert und anderseits die Marburger bis zum Schluß siegreich sind. Dann aber wird das Torverhältnis entscheiden. — Im dritten Kampf des Tages trennten sich Kewa Wachenbuchen und Germania Fulda 1:1 (1:1) unentschieden, und der SC. 03 Kassel fertigte Hanau 93 4:2 (4:2) ab. Südwesl-Enischeidung gefallen? Von den beiden Sonntagsspielen im Gau Südwest zog das Treffen zwischen Eintracht Frankfurt und dem Gaumeister Wormatia Worms am meisten. Rund 15 000 Zuschauer waren wieder zum „Bornheimer Hang" gekommen und erlebten einen spannenden und dramatischen Kampf, der mit 1:1 endete. Damit hat Worms seinen Vorsprung vor Eintracht behauptet, und die einzige Chance der Frankfurter auf die Meisterschaft besteht noch darin, daß War« matia am nächsten Sonntag in Pirmasens verliert, vorausgesetzt, daß die Frankfurter selbst ihr Spiel in Offenbach gewinnen. Man wird sich aber bereits damit abfinden können, daß die Gaumeisterschaft im Gau Südwest entschieden ist, und zwar wiederum zugunsten des vorjährigen Meisters Wormatia. Das in Pirmasens vorgesehene Treffen zwischen dem dortigen FK. und dem SV. Wiesbaden fiel wegen schlechter Platzverhältnisse aus. Ereignisse aus dem Gau Bayern. 1860 München — 1. FC. Nürnberg 1:2; Spvg. Fürth — FC. 05 Schweinfurt 0:4; BC. Augsburg — Bayern München 3:1; VfB. Coburg — VfB.Jn- golstadt-Ringsee 3:1. Ergebnisse der Handball-Gauliga. Spv. Kassel — Kurhessen Kassel 12:6. Tv. Wetzlar — Tuspo. Bettenhausen 5:2. Turngemeinde Kassel — Tv. Kirchbauna 11:5. Niederlage unserer Hockey-Irauen. Deutschlands und Englands Hockey-Frauen trafen sich am Samstag in London in ihrem zweiten Länderspiel. Die deutsche Elf war wenig vom Glück begünstigt und unterlag den Engländerinnen, die noch niemals von einer außerbritischen Mannschaft geschlagen wurden, mit 0:5 (0:1). Bei typisch englischem Nebelwetter hatten sich im Kennington-Ovat rund 12 000 Zuschauer eingefunden. Der federnde weiche Rasenboden war von dem vielen Naß der letzten Wochen so stark durchtränkt, daß er unseren Spielerinnen große Schwierigkeiten bereitete. Dor allem war die Ballkontrolle sehr erschwert, während die an die besonderen Verhältnisse gewöhnten Engländerinnen unbekümmert loslegten. Dennoch lieferte unsre Elf ein gutes Spiel, in dem sie für die im ganzen zufriedenstellenden Leistungen wiederholt sogar von den einheimischen Zuschauern mit Beifall chedacht wurde. ©portomf „Krast durch Freuden Heute folgende Kurse: Boxen, Peftalozzischule, Eingang Kirchstraße, nur für Angehörige der HI., 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr. Fröhliche Gymnastik und Spiele, Lollar, Kantine der Firma Buderus, 20.30 bis 21.45 Uhr. Allgemeine Körperschule, Gymnasium, Bismarckstraße, nur für PL. der NSDAP. Ortsgruppe „Süd", 20.15 bis 21.45 Uhr. Gtadikirche Am Montan, bem 8. März 1937, abends 8 lllir, spricht 5t. H. n. Il)üö6?n-5tieg!Qff, Berlin Über: Die Melodei MeöerMeiM! Eintritt frei! Eintritt frei! Es laden ein: manhöuegemeinöe Lulhergemeinvk N. Damerau. isssD N. Weckerling. 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Steingut, Geschirr aus gebranntem, glasiertem Ton, das in besserer Ausführung auch als Ersatz für Porzellan verwendet wird. Steingut läßt sich leicht mit warmem Seifenwasser oder Sodawasser reinigen. Steinholzfußboden, fugenloser Fußboden aus Holzmehl und Holzzement, der wärmer ist als Steinfußboden. Steinhuhn, feldhuhnähnliches, wohlschmeckendes Berghuhn, das in den bayerischen und österreichischen Alpen lebt. Steinkohle, fossile Kohle, die bis 96 v. H. Kohlenstoff enthält und mit rußender Flamme brennt. Ihr Heizwert ist außerordentlich groß. 2m Handel gibt es verschiedene Sorten, wie Glanzkohle, Mattkohle, Fettkohle und zerkleinerte Nußkohle. Die besten Kohlensorten sind Anthrazit und gasarme Sinterkohle. Steinmasie, Mischung von Schlämmkreide und Leim, die in Formen zu Ornamenten gepreßt wird. Steinöl, Erdöl, andere Bezeichnung für Petroleum. Steinpilz, Speisepilz, der Hut trägt braune Farbe, die Lamellen sind röhrenförmig. Vor der Zubereitung (s. Pilze) werden die unterseitigen Röhren entfernt. Ist als Pilz sehr ausgiebig und eignet sich gedörrt zur Aufbewahrung. Steinrose s. Sempervivum. Steinschneidekunst, die Kunst, auf Edel- oder Halbedelsteinen erhabene Verzierungen, Kameen od. vertiefte Gemmen zu schneiden. Steinzeug, ähnlich wie Steingut gebranntes und glasiertes Tongeschirr, nur einfacherer und billigerer Art zu Einmachtöpfen, Vierkrügen usw. Man muß aber vorsichtig beim Eingießen von heißem Wasser sein, da Steingut bei plötzlichem Temperaturwechsel leicht springt. Steißgeburt, bei der Geburt geht nicht wie normal der Schädel voraus, sondern der kindliche Steiß. Dadurch ist die Geburt sehr erschwert. Ärztliche Hilfe ist nötig. Stellenangebote haben immer großen Erfolg als Kleinanzeige in der Tageszeitung. Zeugnisabschriften und Lichtbilder von Bewerbern, die nicht in Frage kommen, sollen möglichst schnell zurückgesandt werden. Stellengesuche gibt man durch Kleinanzeige in der Tageszeitung bekannt, da auf diesem Slahlgefchirr für Ihre Küche. Es ist unverwüstlich. Nach Jahren noch werden Sie mit diesem Geschirr zufrieden fein — so gut ift es. Töpfe, Pfannen, Bräter — alles können Sie bekommen. Lassen Sie sich dieses Geschirr bei Häuser zeigen; es ist preiswert. Z. B. Häuser, Gießen, cm Osroalbsgarten, Fernsprecher 2145/2146. Gewinnauszuo 5. Klaffe 48. Preußisch-Süddeutsche (274. Preuß.) Klaffen-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten 23. Ziehungstag ' 6. März 1937 8n der heutigen Vormittagsziehung wurden gezogen 327761 164289 193229 242573 296957 350164 171811 208075 261040 304514 351987 75086 168888 230590 329730 110760 289594 141379 191036 216405 283395 341963 374384 188104 214831 271658 334134 371360 161214 191313 218412 291240 349075 384547 126349 180244 214509 261491 327107 356214 2 Gewinne zu 10000 RM. 23684 6 Gewinne zu 5000 NM. 205460 247072 2 Gewinne zu 3000 NM. 46069 22 Gewinne zu 2000 NM. 1839 59828 113170 155205 221023 221080 243439 312232 374267 Auf jede gezogene Nummer sind zwei gkffch hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 56 Gewinne zu 1000 NM. 33662 57629 80965 85104 121146 128756 144387 155827 186977 187965 190407 200380 220640 232742 234990 240239 254622 311451 ______ 339613 347738 350451 351158 380163 380325 ,»L2 Gewinne zu 500 RM. 7912 14471 15121 15621 19044 24515 25537 41486 43276 51840 58827 73149 73385 93142 96731 112888 125244 ---- 133704 ------ ------ ------ - 6803 15435 25437 34211 24742 33000 49431 67607 77938 84645 98193 49960 69487 78368 89267 98339 110311 119016 125258 140167 166379 180002 187911 204298 222437 235632 254331 266937 280840 306332 317012 331452 353406 367554 377370 390263 15487 25442 34725 51696 71377 79706 89408 101800 112306 119886 128806 144766 167988 180313 193261 206682 225522 240052 258987 269255 285203 307046 317501 333430 353565 371079 380047 391837 102116 112928 120976 130597 145632 172637 180669 193852 206969 231286 241016 260194 271826 289544 309000 318882 339006 359365 372184 380552 392810 103169 116571 122152 131610 148977 179260 180754 194988 212332 231416 244873 262877 272154 294633 310906 322508 350861 360042 374067 380860 395058 22372 31128 48748 63775 75772 83793 96290 105374 118788 123995 io7423 161410 179923 186930 203880 222105 234175 253853 265614 278584 305498 311982 329977 353051 365704 376771 389276 18932 26557 42659 57769 71905 81150 90962 104957 117499 123438 133843 154038 179724 182341 200007 218056 232068 247345 265607 274249 298461 311149 329931 351097 365280 374589 382390 398091 19237 27008 43440 59588 74271 82018 93081 19445 29769 47540 60792 75631 82458 94159 836 1353 4650 12404 13283 13995 370 Gewinne zu 300 NM. 7743 8526 11484 12045 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden gezogen 2 Gewinne zu 20000 RM. 203215 2 Gewinne zu 10000 RM. 301716 4 Gewinne zu 5000 RM. 184088 246871 14 Gewinne zu 3000 RM. 21046 31598 67810 124421 176960 245634 321906 10 Gewinne zu 2000 RM. 26975 262644 271197 278090 332163 56 Gewinne zu 1000 RM. 2057 3578 30127 33921 37927 38266 106913 122646 128692 142634 162911 180585 183843 184712 185125 203936 218716 233763 242850 278572 296205 298003 303254 325664 329698 340059 348847 393886 62 Gewinne zu 500 RM. 5037 60965 85342 96918 127024 149315 162928 163005 166162 181527 189696 198727 202220 202850 213372 226368 234950 269171 276325 282378 296021 306048 311468 316158 326341 331676 333072 364246 366940 382842 397676 302 Gewinne zu 300 RM. 3013 3129 15566 15609 18256 18969 19345 19459 19514 19966 22661 25499 26082 28109 29525 31874 33306 34348 36856 37967 40141 44667 46132 46249 48221 48588 68094 62174 63785 64579 64912 66682 68966 76458 77285 85314 91630 95900 102037 103755 103796 115365 117358 125532 132813 146560 150633 169325 170155 180599 181080 189346 190389 210767 213710 222964 231126 244751 253082 267476 268673 280814 281096 292231 306570 317948 330526 335638 336009 356138 360143 372698 374056 380158 385500 393577 395014 105705 111515 119801 123436 136174 138741 154557 164509 172367 176541 182760 183441 193038 200973 214115 218188 234991 235531 258289 259626 270091 270436 284519 285695 310793 310903 330852 330964 337221 338318 364108 366168 375669 375976 385844 386745 395277 396993 113142 113469 124994 1 25175 143900 144866 165726 166583 177733 179302 184513 185282 206417 208497 218792 220173 242656 242973 259922 265577 277457 279142 286338 290428 313107 316377 333036 334390 346808 350589 368102 372122 376957 378064 392347 393089 Zm Gewinnrade verblieben: 2 Gewinne zu je 1000000, 2 zu je 50000, 4 zu je 30000, 6 zu je 20000, 24 zu je 10000, 34 zu je 5000, 64 zu je 3000, 174 zu je 2000, 566 zu je 1000, 920 zu je 500, 3832 zu je 300 M. [ Einspaltige | Kleinanzeigen werden zum ermäßigten Grundpreis von 5 Pf. für die Millimeterzeile veröffentlicht! Uraufführung für Süddentschlacd Erbschaft Ein spannendes Geschehen zwischen Neuyork und Wien, um .... | Hauptr. Friedl Czepa, Inge List, Hans Stuwe, Alfred Abel ■ | Beiprogramm und Ufa-Ton-Woche! I Lichtspielhaus Nur heute Montag, 8., und Dienstag, 9. März Neuaufführung Sr # I Ein dramatisch bewegtes Zeitbild aus dem Europa von 1918/19 mit Charlotte Susa, Jak Trevor Ernst Dumcke Beiprogramm und Fox-Ton-Woche! In beiden Theatern: Täglich 4, 6, 8.30 Uhr. 1584 A