M. 5 Erstes Blatt Erscheint tügltd), außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblatter Heimat im Bild • Die Scholle Monatr-Vezugspreir: Mit 4 Beilagen RM.1.9S Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Henlsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: granlfurt am Main 11686 187. Jahrgang Donnerstag, 7. Januar 1937 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vruL und Verlag: Srühl'sche Universttätsvuch- und Steindruckerei R.Laage In Sieben. Schriftleitung und Seschästrftelle: Schulftratze 1 Annahme von Anzeige» für die Miltagsnummer bis 8^/.Uhr des Vormittags Grundpreise für l mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rps., für Text- anzeigen von 70 m m Brette 50 Rpf..Platzvorschrift nach vorh.Vereinbg.25°/a mehr. Ermähigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf, Familienanzei- gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Das neue Syrien. Von unserem ständigen fr-Berichierstaiier. (Nachdruck verboten, auch mit Quellenangabe.) Beirut, 29. Dezember 1936. Die einstimmig erfolgte Ratifizierung des franko- syrischen Vertrages durch das nach 38 Monaten der Einstellung erstmalig wieder zusammengetretene syrische Parlament in Damaskus ist programmäßig verlaufen, und die nationale Regierung Mardam hat damit ihren Anspruch auf die Macht gerechtfertigt. Somit scheint in einem unruhigen Wetterwinkel Vorderasiens für einige Zeit Ruhe und Ordnung wiederhergestellt und Frankreich wird voraussichtlich nach Ablauf der dreijährigen Uebergangsfrist dem Völkerbund — falls er bis dahin noch besteht — einen Bericht unterbreiten, wonach sein syrisches Mündel für politisch volljährig erklärt werden und für würdig erachtet wird, der Genfer Versammlung als würdiges Mitglied anzugehören. Sowohl Franzosen wie Syrer find offenbar für diese Art Auszeichnung besonders empfänglich, und ein bewegtes Kapitel der vorderasiatischen Nachkriegsgeschichte soll so seinen Abschluß finden und in eine neue Zeit eintreten. Allerdings wird diese nicht frei von den Vermächtnissen der Vergangenheit bleiben können. Die Franzosen überlassen den Syrern eine Erbschaft, die mit der Alexandrette- Frage belastet ist. Da Ankara in seinem Vertrage mit den Franzosen vom Jahre 1923 das Gebiet des Sandschaks (Kreises) Alexandrette a n Frankreich (nicht an Syrien) abgetreten hat und da die Franzosen den Türken dafür eine S o n- derstellung des Sandschaks verbürgen mußten, die politische und sprachliche Belange betrifft, so ist schwer zu ersehen, wie Frankreich ohne offensichtlichen Rechtsbruch den Sandschak Alexandrette Syrien zuweisen will. Ein gewisses Recht der Türkei besteht außer Zweifel, und die französische Verteidigung der syrischen Ansprüche auf diesem Gebiet dürfte mehr dem Gefühl der Verlegenheit als dem guten Gewissen entsprechen. Vielleicht werden die Franzosen den Türken für das Zugeständnis eines Aufschubs der Sandschak-Frage um weitere drei Jahre gewisse wirtschaftliche Konzessionen bieten, um so zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: eine lästige Frage sich abzuwimmeln, die nach Ablauf der Uebergangsfrist und erzielter Selbständigkeit der syrischen Republik allein zur Last fallen wird, und zugleich angesichts der drohenden türkischen Gefahr die „Selbständigen" Syrer sich auf Frankreichs Macht weiterhin angewiesen zu sehen, die allein das schwache Syrien gegen die Türkei zu schützen vermöchte. In diesem Zusammenhang sind die Ausführungen der angesehenen und einflußreichen englischen Zeitung „Great Britain and the East“, der englische Kolonialkreise nahestehen, bedeutsam, worin die Tendenz zum Ausdruck kömmt, ohne Brüskierung des vorläufig noch wertvollen arabischen Partners die türkischen Ansprüche auf Alexandrette von der formellen Seite zu begründen. Es ist verständlich, daß englische Kolonial- freife es ungern sehen, wenn die französische Kolonialpolitik nicht im Schlepptau der englischen geht: von ihnen wird die Lösung der syrischen Frage, wie sie jetzt eingetreten ist, als französischer Strich durch die englische Rechnung empfunden. Die großarabische Konzeption war und bleibt das Pflegekind der englischen mittelöstlichen Kolonialpolitiker, deren Alpha und Omega seit dem Weltkriege ein großarabisches Kaiserreich unter englischer Führung ist, die alte Idee des Obersten L a w r e n c e und seiner Nachfolger — ein Gedanke übrigens, der heute in London nicht mehr so beherzigt wird wie vor zehn Jahren. Diesen Leuten um die „Great Britain and the East“ herum ist jede französische Initiative im arabischen Raum auf eigene Faust ein Greuel. Viele Ereignisse im Vorderen Orient seit dem Weltkriege sind auf diese Rivalität der Interessen beider Mandatsmächte zu- rückzuführen, und noch die kürzlichen Unruhen im Libanon waren nichts als ein Versuch, in zwölfter Stunde das arabisch-französische Idyll zu stören. Daß trotz dieses Versuches die Ratifizierung des Vertrages zustande gekommen ist, lag nicht am Mangel an „gutem" Willen gewisser Drahtzieher, denen das amtliche England vielleicht nicht so nahe steht als manche annehmen. Immerhin hat der englische Ehrgeiz auf die Führung in der arabischen Welt eine Schlappe erlitten, und es sieht so aus, als ob fick) nunmehr Londoner Politiker, die sich nicht den Blick auf die großen Zusammenhänge in der Weltpolitik trüben lassen, dazu entschlossen hätten, auf eine türkische Orientierung umzustellen, wozu nicht zuletzt der Umstand beigetragen haben mag, daß angesichts der Unruhen in Syrien und Palästina der arabische Bundesgenosse in englischen Augen weniger verläßlich erscheint als der tür- kische. Der feierlich beschworene syrische Vertrag laßt eine ganze Reihe von Fragen finanzieller und wirtschaftlicher Natur offen. Bereits jetzt rüsten sich die syrischen Nationalisten, durch diese Breschen den Kern des neuen Vertrages auszuhöhlen, bevor er noch recht wirksam wird. In erster Linie handelt es sich um die Bürgschaft für das in Syrien arbeitende französische Großkapital der Banken und gemeinnützigen Unternehmungen wie Wasser- und Elektrizitätswerke, Trambahnen usw. Die Syrer haben sich vertraglich verpflichtet, nichts zu unternehmen, was den französischen Interessen zuwider läuft; aber schon jetzt benutzen die extremen Nationalisten die etwas verschwommene Fassung der betreffenden Klauseln dazu, um dagegen Sturm zu laufen, unter Hinweis auf den übrigens richtigen Umstand, daß die syrische politische Unabhängigkeit ohne eine wirtschaftliche un- Das amerikanische Ausfuhrverbot für Kriegsmaterial Roosevelts Botschaft an den Kongreß.-Oie Ergänzung zum Neutralitätsgeseh angenommen. Ein Transportschiff mit Kriegsmaterial für die spanischen Bolschewiken au^der Fahrt. Washington, 6. Jan. (DNB.) Präsident Roosevelt verlas am Mittwochmittag vor den beiden Häusern des Parlaments feine jährliche Botschaft zur Eröffnung der Parlamentstagung. Der Präsident bezeichnete als dringendste Maßnahme die Verlängerung der ihm vom Kongreß gewährten Ermächtigungen, womit er u. a. die Regelung des Goldgehalts des Dollars, die Verwaltung des Stabilifierungsfonds, den Abschluß von Handelsverttägen und das Neutralitätsgesetz meinte. Ferner verlangte er Ausdehnung der Neutralitätsbestimmungen auf den Krieg in Spanien. Roosevelt glaubte eine Überlegenheit der Demokratie gegenüber anderen Regierungsformen feststellen zu können. Allerdings mußte er zugeben, daß vieles noch unerledigt fei, insbesondere hinsichtlich besserer Wohnungen für die unbemittelte Bevölkerung in Stadt und Land, der Maßnahmen zur Behebung der Arbeitslosigkeit und der Not der Farmer. Das NJRA-Gesetz sei zwar für verfassungswidrig erklärt worden, aber die NJRA-Probleme beständen nach wie vor. Die 48 Einzelstaaten könnten diese Probleme nicht jeder für sich lösen. Auf der Interamerikanischen Friedenssicherungskonfe renz in Buenos Aires fei für 250 Millionen Menschen der westlichen Halbkugel Friede und Sicherheit geschaffen worden, er hoffe, daß dieses Beispiel eine heilsame Wirkung auf die übrige Welt haben werde. Die Notstandsentschließung, die die Ausfuhr von Kriegsmaterial nach Spanien verbietet, wurde in beiden Häusern des Kongresses gleichzeitig eingereicht. Die Entschließung hebt alle bereits gewährten Lizenzen für Waffensendungen an die spanischen Bolschewisten auf. Sie bezeichnet die Kämpfe in Spanien als einen „Krieg von ungewöhnlicher Brutalität, der sich über d i e Grenzen Spaniens hinaus auszudehnen droh t". „Die Ausfuhr von Waffen, Munition und Kriegsmaterial an eine der beiden kämpfenden Parteien ist", so heißt es in der Entschließung weiter, „gefährlich für die Sicherheit und den Frieden der Vereinigten Staaten und verstößt gegen d i e Politik der Nichteinmischung der amerikanischen Regierung in interne Angelegenheiten eines fremden Staates". Die Entschließung sieht eine Geldstrafe von 10 000 Dollar oder fünf Jahre Gefängnis für denjenigen vor, der „Waffen, Munition oder Kriegsmaterial von den Vereinigten Staaten oder deren Besitzungen nach Spanien oder irgendeinem anderen fremden Lande ausführt zwecks Weiterbeförderung nach Spanien zur Verwendung für eine der sich dort gegenüber» stehenden Parteien". Senat und Repräsentantenhaus nahmen die Entschließung an. Sie wurde darauf sofort dem Weißen Haus zur Unterzeichnung zugeleitet. Angehatten, aber wieder sreigelaffen. Die „Mare Cantabrico" außerhalb der amerikanischen Hoheitsgewässer. Fast zur selben Zeit fuhr der Frachtdampfer „Mare C a n t a b r i c o" nach Cartagena ab. An Bord befand sich zahlreiches Kriegsmaterial, das der jüdische Makler Cuse im Auftrage der spanischen Bolschewisten aufgekauft hat. Die Abfahrt erfolgte so eilig, daß keines der in Kisten verpackten acht Flugzeuge auf dem Deck ordnungsmäßig verstaut werden konnte. Im Laderaum befanden sich riesige Mengen Kriegsmaterial. Lebensrnittel und Medikamente für die spanischen Roten. Der Dampfer wurde kurz nach seiner Ausfahrt auf der Höhe von Sandy Hook noch innerhalb der Dreimeilenzone von einem Kü st enwachflug- z e u g und einem Wachtschiff angehal - t en und zur Umkehr gezwungen. Der Dampfer ist indessen wieder freigelassen worden. Das Küstenwachtschiff hat die „Mare Cantabrico" bis zur Dreimeilengrenze gebracht. Der Dampfer hat um 22.15 Uhr MEZ. nach Passieren des Ambrose- Leuchtschiffes das offene Meer erreicht und damit die Hoheitsgewässer der Vereinigten Staaten verlassen. Die Anhaltung des Dmpfers und seine schnelle Freilassung hat folgende Vorgeschichte: 15 Minuten vor der Abfahrt der „Mare Cantabrico" vom Brooklyn-Pier war ein Rechtsvertreter der amerikanischen Flieger Bertacosta und Cap- tain Gvrdonberry, die kurze Zeit für die Bolschewisten in Spanien gekämpft hatten, ersckie- nen. Der Neuyorker Bundesrichter hatte diesem Rechtsvertreter einen Beschlagnahme befehl gewährt, da beide Flieger auf je 6100 Dollar Gehalt für ihre Flugdienste in Spa- Paris, 7. Jan. (DNB. Funkspruch.) Zyromski, als Mitglied des Verwaltungsausschusses der sozialistischen Partei einer der lautesten Hetzer zum Eingreifen Frankreichs zugunsten der Roten in Spanien, fordert im „Populaire", dem Blatt des Ministerpräsidenten, eine Umschaltung der französischen Außenpolitik. Die sogenannte Nichteinmischungspolitik habe nicht die Anerkennung der spanischen Nationalregierung durch Deutschland und Italien verhindert. Die Regierung müsse ihre Handlungsfreiheit wieder gewinnen, damit sie dem „Ausnahmezustand" des Waffen- und Kriegsmaterial-Ausfuhrverbotes nach dem roten Spanien ein Ende machen und den spanisch-französischen Handelsvertrag in Anwendung bringen könne. Die „Kameradin" Simone Kahn, natürlich eine Jüdin, fei in Paris beauftragt worden, sämtliche Bemühungen zusammenzufassen, die darauf abzielten, „Spanien in seinen Rechten und Pflichten wieder herzustellen". Zyromski schließt: Unser Kamerad Leon Blum hat wiederholt in Reden, die feine Treue zu den Grundsätzen der kollektiven Sicherheit und der Unteilbarkeit des Friedens wiederspiegelten, versichert, daß er mit Kraft die Anhänglichkeit des demokratischen Frankreichs an die Grundsätze des Völkerbundes proklamiere. Die Verletzung des Dölkerbundspaktes würde im Falle Spanien noch viel folgenschwerer fein, als im Falle Abessinien oder der Mandschurei; denn zu . jenen Zeiten hatte man in Frankreich noch nicht eine Regierung der Volksfront! Auf Kosten der französischen Steuerzahler. Paris, 7. Jan. (DNB. Funkspruch.) Die französische Rechtspresse beklagt sich erneut über die kostspielige Gastfreundschaft, die die Volksfront- Regierung auf Kosten der Steuerzahler den aus Spanien nach Frankreich geflüchteten Roten angedeihen läßt. Ein neuer Kredit in Höhe von 750 000 Franks ist für die Versorgung und Unterbringung der Roten aus Spanien bereit» n i en klagten. Die Gerichtsbeamten trafen jedoch am Brooklyn-Pier erst nach Abfahrt der „Mars Cantabrico" ein, da der Beschlagnahmebefehl jedoch gegen d i e Schiffsladung anstatt gegen das Schiff selbst gerichtet war, hob Kommandant Baylis den Befehl, den Dampfer an den Pier zurückzubringen, wieder auf. $ür über 26,5 Millionen Dollar Kriegsmaterial aus USA. ausgeführt. Washington, 7. Jan. (DNB. Funspruch.) Der gewalttge Umfang der Kriegsmaterialausfuhr aus den Vereinigten Staaten von Amerika geht aus einem Bericht hervor, den die Bundesbehörde für Munitionskontrolle dem Kongreß zugehen ließ. Danach betrifft der Wert des in der Zeit vom 6. November 1935 bis zum 3 0. November 1 93 6 aus den Vereinigten Staaten ausgeführten Kriegsmaterials 26 569 000 Dollar. Insgesamt wurden in dieser Zeit 4205 Ausfuhrgenehmigungen an 149 Einzelpersonen und Firmen erteilt. gestellt. Die Blätter erklären, bezeichnenderweise seien von den vielen Roten, die während der Kämpfe um Jrun Spanien verlassen hätten, nicht weniger als 4000 als „Arbeitslose" in Frankreich geblieben und lägen nun den französischen Steuerzahlern auf der Tasche. „Was England wirklich über Spanien denkt." Ein Brief an die DAZ. Berlin, 6. Jan. (DNB.) Der englische Oberstleutnant a. D. Butler, der im Weltkriege in Flandern gefochten und der englischen Besatzungsarmee im Rheinlande angehört hat, Verfasser einer Reihe von Kriegsbüchern, hat an den Hauptschriftleiter der „DAZ." folgenden Brief gerichtet: Sehr geehrter Herr! Darf ich mir erlauben, Sie zu den Worten zu beglückwünschen, die Sie zur Kennzeichnung der verbrecherischen sog. „R e - gierung" des bolschewistischen Spaniens gefunden haben, wie aus dem heutigen Bericht der „Times" hervorgeht? Wenn Sie von Caballeros Helfershelfern als „Untcrmenfd>en" und „Mordbanditen" sprechen, so haben sie damit einen Ausdruck gewählt, der ausgezeichnet auf sie paßt und dem außerdem viele Hunderttausend anständige Leute in England seit langem auf jie angewendet haben. Es ist praktisch unmöglich, ein en Brief in die englische Presse zu bringen, der General Franco und seinen nationalen Armeen gerecht wird, und zwar trotz der Tatsache, daß fast überall in England sowohl bei den aktiven Soldaten wie bei aufrechten Zivilisten die Sympathie auf ihrer Seite ist. Aus manchen Gründen will außerdem kaum eine Zeitung erwähnen, was die Leute überall sagen, nämlich daß die Unter ft üfcung, die F r an k- reich fortwährend den spanischen Roten gewährt, seine Worte über das Thema Nichteinmischung zu einem Witz macht, der von abscheulich schlechtem Geschmack zeugt. Vorwärts Franco! Französischer Sozialiffensiihrer fordert offenes Eingreifen für die Roten in Spanien. haltbar sei. So gesehen, kann der neue franfo» syrische Vertrag kaum anders als ein neues Provisorium gewertet werden, das den Zweck verfolgt, dem Blick' der Oeffentlichkeit die Tatsache vorzuenthalten, daß ein neuer wesentlicher Pfeiler des Gebäudes von Versailles, St. Germain, Trianon und Lausanne morsch geworden ist und umfällt. TiirWe Mmsterkonserenz in Südanatoben. Besorgnisse in Paris. Istanbul, 6. Jan. (DNB.) Der türkische Staatspräsident ist im Sonderzug nach der in Südanatolien liegenden Stadt Konya gefahren. Kemal Atatürk'traf in Eskischehir mit dem Ministerpräsidenten, dem Chef des Großen Generalstabes, dem Mini st er des Aeußern und dem Innenminister zusammen und hatte mit ihnen eine vierstündige Unterredung. Der Staatspräsident setzte darauf feine Reise fort, während die Minister nach Ankara zurückkehrten. In französischen Kreisen bemüht man sich, eine gewisse Erregung zu beschwichtigen, über Gerüchte, die die Reise Kemal Atatürks mit der Frage von Alexandrette in Zusammenhang bringen wollen. Man betont in Paris, daß der Ton der türkischen Zeitungen nicht mit der Atmosphäre übereinstimme, die bei den Verhandlungen zwischen Paris und Ankara vorgeherrscht haben. Im Gegenteil hätten die türkischen Vertreter ihren Willen betont, zu einer Uebereinftimmung zu gelangen. Man will daher nicht glauben, daß in diesem Augenblick Verwicklungen hervorgerufen werden könnten. Volkszählung zu propagandazwecken. Was in der Sowjetunion bewiesen werden soll. Moskau, 6. Jan. (DNB.) Am 6. Januar wird im gesamten Gebiet der Sowjetunion eine Volkszählung durchgeführt. Aus Anordnung der kommunistischen Partei ist diese Zählung von Presse, Rundfunk und anderen Propagandamitteln in wochenlanger Agitationsarbeit vorbereitet worden. Die Zählung soll nach den Wünschen der Moskauer Machchaber den Beweis für die „gewalttge Entwicklung" in Sowjetrußland unter dem kommunistischen Regime erbringen. Daher werden bei der Zählung auch Erhebungen über Muttersprache, Religion und Kenntnisse im Lesen und Schreiben angestellt. Schon jetzt wird deuttich, mit welchen Ergebnissen die Sowjetbehörden rechnen wollen, nämlich mit einer starken Z u - nähme der st äd tischen Bevölkerung auf Kosten der ländlichen, mit weiterem Rückgang der Zahl der Einzelbauern, die nur noch wenige Prozente der gesamten Bauernschaft ausmachen und schließlich mit einem sensationellen Rückgang der Anhäng er christlicherBe- kenntnisse. So verrät die „Prawda" bereits vor der Durchführung der Zählung, daß die Anzahl der Anhänger eines religiösen Bekenntnisses „sehr unbeträchtlich" sein werde. Dadurch werde erwiesen, daß eines der stärksten Ueberbleibsel des Kapitalismus im Bewußtsein der Menschen in Sowjetrußland ausgerottet sei. Wie wenig dies mit den Tatsachen übereinstimmt, zeige das heute in Moskau begangene orthodoxe W e i h n a ch t s f e st. Diejenigen noch nicht zerstörten oder geschlossenen Kirchen Moskaus waren in geradezu unvorstellbarer Weise überfüllt. Schon Stunden vor dem Beginn des Gottesdienstes stand die Menge in den Kirchen Kopf an Kopf. Hunderte standen vor den Kirchen im Schnee und Frost, um zu versuchen, noch in das Innere zu gelangen. Es gab in Moskau vor der Revolution über 800 Kirchen, während jetzt für die 3% Millionen zählende Bevölkerung nur noch ungefähr 30 Kirchen für Gottesdienstzwecke freigegeben sind. Der gewaltige Andrang in die letzten übriggebliebenen Gotteshäuser steht in bemerkenswertem Gegensatz zu den Behauptungen der Sowjetpresse und der Gottlosenpropaganda. Moskau baut eine Ausfallstraße nach Westen. Warschau, 6. Jan. (DNB.) Nach einer Tief- düng der Maly Dziennik aus Moskau soll die große strategisch äußerst wichtige Ausfallstraße von Moskau an die westliche Grenze 6tf Sowjetunion im Jahre 1937 beendet werden. Die Straße wird von politischen Gefangenen gebaut. Auf ihr sollen mehrere Kolonnen nebeneinander fahren können. Eine Abzweigung dieser Autostraße führt nach der lettischen Grenze in Richtung auf Dünaburg, eine andere Abzweigung zur polnischen. Im letzten Jahr seien 250 Kilometer der Straße fertiggestevt worden. ©er Bolschewismus an den Grenzen Lndiens. Sowjetrussische Agenten in Chinesisch- Turkestan. London, 7. Jan. (DNB. Funkspruch.) lieber die Umwandlung von Chinesisch-Turke st an in eine sowjetrussische Provinz berichtet die „Daily Mail", daß im März von Moskau aus 6 0 sowjetrussische Agenten zur Unterstützung der turkestanischen Kommunisten bei der Errichtung eines Sowjetregimes und der Aufstellung einer roten Armee entsandt worden sind. In der Richtung auf die indische Grenze zu, würde ein ganzes Straßennetz angelegt und auch der Transportdienst gehe immer mehr in sowjetrussische Hände über. Die indische Nordostgrenze ist ein ständiger Unruheherd, der immer wieder neue Opfer an Blut und Geld erfordert. Es ist daher verständlich, daß die „Geschäftigkeit" der Bolschewisten in Chinesisch-Turkestan bei den Engländern starkes Unbehagen auszulösen beginnt. MedieTsOekamSarcelonawittet Paris, 7. Jan. (WB. Funkspruch.) Das „Echo de Paris" berichtet, j^.s in dem früheren Kloster San Gevasio in "Barcelona, in dem die katalanische Tscheka ihr Hauptquartier ausgeschlagen hat, täglich geaen 100 Gefangene ermor.- det merben.xUtn jede Spur von den beispiellosen Verbrechen zu verwischen, wurden die Leichname in den Oefen eines Zementwerkes verbrannt. Der Chef der katalanischen Tscheka, Aiera, ist nicht weniger als 93mal verurteilt worden. Unter seinen letzten Opfern befindet sich der bekannte Professor der Philosophie an der Universität Barcelona, Thomas Carrera Artau. Am Tage, an dem bekannt wurde, daß der Anführer der Anarchisten, Durruti, in Madrid ermordet worden sei, hat die Tscheka ein grauenhaftes Blutbad unter den Gefangenen angerichtet. Don 189 Geiseln sind 165 erschossen worden. In Barcelona höre man weiter, daß die Anarchisten den Kampf mit den anderen Parteien in schärfster Form ausgenommen haben. So werden jetzt die Mitglieder der sog. „Katalanischen Staatspartei" (Estad Catala), d. h. die Freunde des Präsidenten Companys, verhaftet und hin- gerichtet. Kunstschähe des Prado werden nach Gowietruß'a nd verschoben. Salamanca, 6. Jan. (DNB.) Nach Mitteilung eines nationalen Senders sind im Hafen von Valencia die vor einigen Wochen auf Anordnung des Bolschewistenhäuptlings Largo Caballero geraubten und nach der Levante-Küste verschleppten Gemälde aus dem Madrider Prado- Museum mit einem sowjetrussischen Dampfer nach Odessa verladen worden. Unter den Gemälden befinden sich weltberühmte Werke von Rubens, Goya und Murillo. AmVortage der Prinzenhochzeit im Haag Die Residenz im HochzeitSschmuck Orange die Farbe des Tages. Haag, 6. Jan. (DNB.) Am Dprtage des von ganz Holland fieberhaft erwarteten festlichen Ereignisses hat der Zustrom der Massen trotz des regnerischen Wetters schon einen gewissen Höhepunkt erreicht. In der Innenstadt sind besondere Verkehrsmaßnahmen ergriffen worden, um die unaufhörliche Flut der Besucher zu leiten. Der Weg, den der Brautzug am morgigen Tage nehmen wird, ist aller Ziel. In ununterbrochenem Strom ziehen über die ganze Straßenbreite Tausende und aber T a u se n d e, um den Haag im hochzeitlichen Festkleid zu bewundern. Die bei aller Verschiedenheit der Ausschmückung doch einheitliche künstlerische Gestaltung beweist überzeugend, wie eng das Haus Ora- nlen-Nassau mit dem Volke verbunden ist. Die Farbe des Hauses Oranien ist es auch, die stark überwiegt. Denn das Fest ist in erster Linie ein Familienfest des Hauses Oranien-Nassau, ein Fest allerdings, an dem die ganze holländische Volksfamilie beteiligt ist. Wenn auch die Farben des Landes und der Provinzen neben denen der beteiligten Geschlechter und der Gäste des königlichen Hauses sowie die Landesfahnen der Botschaften, Gesandtschaften und Konsulate im Straßenbilde sichtbar werden, ist die Farbe des Tages orange, man kann von einem wahren Orangerausch sprechen. Der königliche Palast Noordeinde hebt sich durch die Schlichtheit seines in Tannengrün und Silber gehaltenen Schmuckes heraus. Aber schon die erste Straße, die in das Herz der Stadt, am Hofweiher und dem Außenhof vorbei zum Rathaus und der großen St.-Jakobs-Kirche — den Stätten der bürgerlichen und kirchlichen Trauung — führt, ist in eine Allee blühender Orangebäume verwandelt. Im Jnnenhof, wo die Regierungsgebäude, die Zweite Kammer des Parlaments und die Ministerien liegen, sind die Wappen der Staaten und der überseeischen Besitzungen in ganzer Höhe der Balkone ausgerichtet, Kerzenkandelaber leuchten aus dem dunklen Grün, Fahnenaufbauten umrahmen das schöne Standbild des Prinzen von Oranien. Die Zugänge des Rathauses und der großen Kirche find zu Triumphpforten umgewandelt. Der ganze Fahrdamm ist mit starken Stricken abgesperrt. die Hauseigentümer haben sicherheitshalber alle tief gelegenen Fenster durch Holzverschalungen gesichert. Die Ehrenwachen ziehen an den für sie bestimmten Plätzen bereits zur Probe auf Die ersten großen Tribünen steigen auf der Straße, die zum ganz schmucklos gebliebenen Friedenspalast führt, himmelan. Die Mehrzahl der Besucher aber findet auf den Aufbauten Platz, die sich kilometerlang zur Linken und Rechten des Alexanderplatzes, des Paradeplatzes der Residenz, entlang ziehen, und den Eingang zur Alexander-Kaserne der roten Husaren fast völlig verdecken. Kräftig ist auch die .Ausschmückung des Platzes von 1813, der an sich schon eine Zierde dieser an schönen Plätzen so reichen Stadt ist. Die japanische Gesandtschaft, die am Wege des Brautzuges liegt, hat ihr Haus völlig in ihre Nationalflaggen gehüllt. Der ganze Zauber dieser in ein Schmuckkästchen verwandelten Stadt aber entfaltet sich erst mit dem Einbruch der Dunkelheit, wenn Millionen Lichter an den Häuserfronten ausglühen oder sich in weitem Bogen über die Straßen spannen, um die Feststadt in der Pracht ihrer bunten Tücher, ihrer Blumen und Girlanden in ein Märchen aus Tausend und einer Nacht zu verwandeln, und diese „Derlichting" ist denn auch seit ihrem Beginn das tägliche Ziel vieler Zehntausender geworden. Der Auftakt. Ein Ehrenabend der Künste. Die offiziellen Veranstaltungen nahmen am Dienstagabend mit einem glanzvollen Ehren- abend im Hause der Künste und Wissenschaften ihren Anfang. Dem Festabend wohnten die Königin, das prinzliche Brautpaar sowie die ausländischen Gäste des Königshauses, unter ihnen der Herzog von Kent als Vertreter des englischen Königshauses bei. Auch die Regierung mit Ministerpräsident Colijn, die Generalität, die Diplomatie sowie die ausländischen Missionen waren vertreten. Der bis auf den letzten Platz gefüllten Saal bot mit den goldbestickten Röcken der Diplomaten, dem bunten Tuch der Uniformen und Nationaltrachten und der verschwenderischen Eleganz der Damen ein reizvolles Bild. Königin und Brautpaar wurden mit der holländischen und mit den deutschen Nationalhymnen begrüßt, die von den Anwesenden stehend angehört wurden. Den Ehrenabend eröffnete ein Willkommensgruß an das Brautpaar, dem sich der Brautchor aus „Lohengrin", in deutscher Sprache von dem Chor der Gesellschaft zur Förderung der Tonkunst gesungen, anschloß. Holländische und deutsche Volkslieder aus verschiedenen Jahrhunderten leiteten über zu einem Ballett der Tanzgruppe Dar ja Collin. In der Pause hielten die Königin und das prinzliche Brautpaar Cercle. Den zweiten Teil nahm die Aufführung eines musikalischen Einakters und die Apotheose „Huldigung der Niederlande und seiner überseeischen Gebiete" an das prinzliche Brautpaar ein. Nach den Vorführungen kam es zu lebhaften Huldigungen für das Brautpaar, die Königin und die Mutter des Prinzen Bernhard. So war denn der Ehrenabend ein stimmungsvoller Auftakt der Festlichkeiten, an denen das ganze Holland begeistert Anteil nimmt. 9er Glückwunsch des Führers. Berlin, 7. Jan. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat Ihrer Majestät der Königin der Niederlande zur Vermählung ihrer königlichen Hoheiten der Kronprinzessin Juliana und des Prinzen Bernhard telegraphisch seine Glückwünsche übermittelt. Reise durch dieZmiere Mongolei. Dr. Lippert Oberbürgermeister der Reichshauptstadt. Dr. Julius Lippert. — (Scherl-Bllderdienst-M.) Berlin, 6. Dan. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat durch Erlaß vom 5. Januar 1937 den bisherigen S 1 a a t s f o m m i f- far Br. Julius Lippert zum Oberbür- gertneiffer und Stadtpräsidenten der Reichshauptstadt Berlin ernannt * Dr. Lippert wurde am 9. Juli 1895 in Basel geboren. Er besuchte die Deutsche Schule in G e - n u a, bis er nach Wiesbaden auf das Gymnasium kam. Bei Beginn des Weltkrieges meldete er sich als Kriegsfreiwilliger und wurde bei der Tankschlacht bei Cambrai als Jnfanterieführer eines Geschützzuges schwer verwundet. Bereits 1921 schloß er sich der deutsch-völkischen Freiheitsbewegung an und arbeitete zunächst als Handelsredakteur und später als politischer Redakteur im „Deutschen Tageblatt". Zwei Jahre später trat er in die Reihe der Nationalen Freiheitsbewegung ein und nach ihrer Neugründung in die NSDAP. 1927 wurde er vom Gauleiter Dr. Goebbels in die Schrift- kitung des „Angriff" berufen und im Jahre 1929 in das Berliner Stadtparlament gewählt. Da er als langjähriger Führer der nationalsozialistischen Stadtverordnetenfraktion mit den Verhältnissen und der Verwaltung Berlins bestens vertraut war, wurde er im März 1933 zum Staatskommis- s a r beim Oberbürgermeister der Stadt Berlin und später zum Staatskommissar (Oberpräsident) der Stadt Berlin ernannt. In dieser Stellung hat er die Stadtverwaltung neu aufgebaut und maßgeblich an der Sanierung der Berliner Verhältnisse mitge- wirkt. Die Neugestaltung des Stadtbildes, das unter seiner Führung durch zahlreiche große Neubauten ein städtebaulich einwandfreies Bild bekommen hat, brachte ihm viel Anerkennung ein. Dr. Lippert ist es zu verdanken, daß die Arbeitslosenziffern in Berlin bis auf ein Minimum zurückgegangen und der Haushaltsplan des neuen Jahres ebenso wie der alte vollkommen ausgeglichen ist. Don unserem se.-Mitarbeiier. Dieser Bericht aus Kalgan schildert die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse eines Gebiets, das durch Die Kämpfe zwischen Mongolen und Chinesen und die Gefangenschaft Tschiangkaischeks in Sianfu das Interesse auf sich gezogen hat. Hier liegt eine der gefährlichsten Reibungsflächen zwischen Japan und Sowjetrußland. Eine Reise in die Innere Mongolei ist mit zahllosen Schwierigkeiten verknüpft. Es gehört schon eine gewisse Entschlußkraft dazu, bis zu den Weideplätzen und Jurten der Jnnermongolen vorzudringen. (Eine neue Entdeckung war ferner, daß wir nicht einmal die alte berühmte Karawanenstraße von Kalgan nach Urga, die quer durch Chahar führt, benutzen konnten. Der Weg über Sowjetrußland und die Aeußere Mongolei ist gesperrt. Auch durch Mandschukuo, von Hailar oder Jehol aus, wird jeder Zutritt in die Provinz Chahar der Inneren Mongolei von japanischer Seite unterbunden. Noch vor einem Jahre soll es durchaus möglich gewesen sein. Heute aber sperren Posten einer unter japanischer Anleitung entstehenden „Jnnermongolischen Armee" jeden unerwünschten Besucher gleich nördlich Kalgan aus. Eine politisch bezeichnende Entwicklung. Wir mußten also nach Westen auf der ausschließlich von Chinesen gebauten Eisenbahnlinie Peiping—Suiyuan—Paotao Weiterreisen. Denn die Innere Mongolei besteht nicht nur aus der Provinz C h a h a r, die im Osten an Mandschukuo angrenzt, sondern noch aus den westlichen Provinzen <5 u i = Yuan und Ninghsia, die ebenfalls staatsrechtlich zu China gehören. In K w a i s u i, der Provinzialhauptstadt von Suiyuan, Ausgangspunkt des großen Karawanenweges nach Tibet und Turkestan, hinderte uns niemand, ins Innere der Mongolei zu reifen. Die chinesischen Militärposten begnügten sich mit unseren Visitenkarten und ließen unseren uralten klappernden Fordwagen ungehindert und ohne Untersuchung passieren. Doch andere Schwierigkeiten stellten sich ein, die es uns nicht ganz so leicht machten, zu den Mongolen selbst zu kommen. Vergeblich hatten wir in Kwaisui, der Provinzialhauptstadt, nach den Mongolen und mongolischen Charakterzügen der Stadt ausgeschaut. Die Stadt ist rein chinesisch, wie alle nordchinesischen Zentren. Doch auch das Land blieb chinesisch, selbst als wir mit großer Mühe den hohen Paß erklommen hatten, der im Norden von Kwaisui zu den unendlichen Hochebenen führt. (Die mongolischen Steppen liegen über 1000 Meter hoch.) Meilen um Meilen fuhren wir durch die Hirse- und Kauliangfelder der chinesischen Siedler. Immer wieder tauchten chinesische Dorfsiedlungen mit ihren Lehmhütten und Lehmmauern auf; von den Mongolen und ihren gurten war nichts zu sehen. Der chinesische Bauer erobert die Innere Mongolei. Jahr um Jahr dringt er mit einer Million neuer Siedler weiter nach Norden vor, bricht die Steppe, die seit Tausenden von Jahren noch keine Hacke oder Pflug gekannt hat, um, macht aus ihr wogende Kornfelder oder intensiv bearbeitete Gemüsebeete; auf ganz breiter Front, vom Ostzipfel der Inneren Mongolei in Chahar angefangen, bis herunter an das Wüftengebiet der Provinz Ningh- fia: lautlos, unbemerkt, mit dem zähen Fleiß des chinesischen Bauern. Nach unseren Karten zu urteilen, mußten wir uns schon längst mitten im Herzen der Inneren Mongolei befinden, als endlich die Getreidefelder der Chinesen unregelmäßig wurden, der Weg mehr und mehr im Gras der Steppe verschwand. Niemandsland begann. Dann tauchten ganz fern der erste Lamatempel auf und die ersten drei Filzyurten der Mongolen. Eine winzige kleine Menschensiedlung mitten in unendlich weiten Steppenräumen. Um diese menschenleeren Steppenräume wird heute in aller Stille gekämpft. Von Norden her haben sich Sowjet-Einflüsse bis an die innermongolische Grenze vorgeschoben. Von Osten her beginnt jetzt der japanische Einfluß sich geltend zu machen. Die Japaner versuchen durch überwiegend militärisch-politische Maßnahmen entscheidenden Einfluß auf die Innere Mongolei zu gewinnen. Träger dieser Bestrebungen ist die in Mandschukuo eine so hervorragende Rolle spielende j a - panische Kwantungarmee. Schrittweise hat diese Armee ihre Stützpunkte über die Mandschukuv- Grenze nach Chahar vorgeschoben. An manchen wichtigen Stellen, wie z. B. nördlich von Kalgan und westlich davon, an der Grenze der Suiyuan- Provinz, sind diese Stützpunkte zu militärisch- politischen Zentren ausgebaut worden mit Militärschulen für junge Mongolen. Freilich soll dieser Einfluß in der Bildung eines von China unabhängigen „Jnnermongolischen Rates" der innermongolischen Bannerführer ausgewertet werden. Dieser Rat soll zukünf- ttg der Sammelpunkt für alle Selbständigkeitsbestrebungen der Mongolen werden, dem sich auch eines Tages die heute noch unter Sowjet-Einflüssen stehende Aeußere Mongolei anschließen könnte. Te Wang, der energischste und gebildetste der innermongolischen Fürsten, scheint als Kandidat für die Führung eines solchen Rates vorgesehen zu sein, besonders, da Te Wang auch in der Provinz Suiyuan Besitz und Einfluß hat. Ansätze zu dieser Entwicklung sind in der japanischen Beeinflussung des von China als aufgelöft erklärten „Jnnermongolischen Rates" inPailmgmiau in Suiyuan, dicht an der Chahar-Grenze, zu sehen. Diese militärische Durchdringung, die mit der Bildung einer „Jnnermongolischen A r - m e e" verbunden worden ist, ist erfolgreicher als die politische Gewinnung der Chahar-Mongolen. Soweit unter diesen überhaupt politisches Interesse vorhanden ist, hat dieses sich noch nicht eindeutig den Japanern zugewandt. Auch heute noch ist die Haltung des schon erwähnten Fürsten Te Wang schwankend und sein Einfluß bei den anderen Fürsten nicht groß. Außerdem hat gerade die kürzlich erfolgte Aufdeckung der Verbindung eines hohen, als japanfreundlich angesehenen Mongolenführers, im Nordweften Mansdchukuos mit den Sowjets die Unzuverlässigkeit mancher aktiven Mongolen zum Ausdruck gebracht. Die standrechtliche Erschießung dieses Führers zusammen mit seinen Helfern hat die freundschaftlichen Gefühle der Mongolen für Japan kaum erhöht. Die Hauptziele des japanischen Verbringens in die unendlichen mongolischen Räume sind strate- g i s ch e r Natur. Japan will um Mandschukuo und Nordchina ein einigermaßen gesichertes Varge l ä n d e gegen Sowjetrußland schaffen. Sicherlich dürften auch Gedanken an die Flau- kenstellung gegen das asiatische Rußland eine erhebliche Rolle spielen. Theoretisch ist das Bild dieser Flanke, die von Wladiwostok bis an den Baikalsee reicht, natürlich sehr verlockend. Praktischen Wert aber dürften solche Vorstellungen heute und in absehbarer Zukunft noch nicht haben; besonders nicht für den, Der diese unendlichen, leeren Steppenräume gesehen hat. Ebenso theoretisch sind auch die wirtschaftlichen Beweggründe, die dem japanischen Eindringen in die Mongolei zugrundeliegen sollen. Selbst der so dringend gewordene Wollbedarf Japans hat heute noch zu keinen nennenswerten praktischen wirtschaftlichen Maßnahmen in dieser Richtung in dem von Japan kontrollierten Teile der Inneren Mongolei geführt. Doch die Provinz Chahar ist nur ein Teil der Inneren Mongolei. Die Provinz Suiyuan, die wir in allen Richtungen hin bereiften, ist noch fest in den Händen der chinesischen Prvvinzial-Re- gieung. Und diese scheint fest entschlossen zu sein, nicht kampflos ihre Position zu räumen, wie die jetzigen Kämpfe zeigen. Im Zusammenhang mit der allgemein versteiften Haltung Nord- und Zentral- Chinas Japan gegenüber entfalten gerade die Sui- yuan-Chinesen eine erhebliche Aktivität. Die kleinen Ortschaften im chinesischen Siedlungsgebiet werden zu kleinen Festungen ausgebaut. Die seit Jahrhunderten zerfallenen altchinesischen Grenzmauern und Grenztürme werden erneuert und mit Posten versehen. Das chinesische Siedlungsland gleicht einem militärischem Vorgelände. Dementsprechend ist die Stimmung der chinesischen Soldaten. Sie haben aufgehört, „Arbeitslose in Uniform" zu sein. Ein plötzlich hereinbrechendes gewaltiges Steppengewitter zwang uns in der nächstliegenden Mongvlenyurte Zuflucht zu nehmen. Ohne viel asiatische Zeremonien krochen wir durch die kaum einen Meter hohe buntbemalte Holztür der spurte, die wohlhabendere Mongolen den früher üblichen, aber nie dicht schließenden Filzvorhängen vorziehen. Ehe wir uns viel umschauen und unsere Verbeugungen machen konnten, waren wir schon vom Hausherrn auf die Ehrenplätze dicht beim Hausaltar gedrängt worden und bekamen eine dampfende Schale des für den Europäer nahezu ungenießbaren „mongolischen Tees" in die kalt gewordenen Hände gedrückt. Gespannt hörten Hausherr und Hausfrau dem Berichte unseres mongolisch sprechenden Reisebegleiters über uns zu. Die Gesichter der Mongolen sind trotz der ungewöhnlich breiten Backenknochen in ihren großen Linien klar und stark, bei den Frauen teilweise sogar von klarer Schönheit. Am meisten Freude an den seltenen Gästen hatte die kleine Tochter Hongor, das einzige Kind des Ehepaares. Mit unbezähmbarer Neugierde tastete sie an unseren Photoapparaten und sonstigen ihr völlig unverständlichen Ausrüstungsgegenständen herum. Die Yurte, das mongolische Wohnzelt, wie alle anderen, in denen wir von nun ab übernachteten, rasteten oder vor Ungewitter flüchteten, ist aus dickem Filz gemacht. Mühselig wird dieser Filz aus gepreßter und dann gerollter Schafwolle hergestellt und an ein leichtes Holzgestänge, das der Hurte die Form gibt, gehängt und gebunden. Auch auf den Fußboden, der einen Durchmesser von ungefähr vier Metern hat, wird der dicke Filz gelegt. Kreisrund ist der Bau, an den Wänden nur meterhoch. Das Filzdach wölbt sich in der Mitte bis über Manneshöhe. An der höchsten Stelle, über dem Mittelpunkte der Hurte, bleibt ein Loch in der Decke für den Rauchavzug frei, das aber bei starkem Regen zugezogen werden kann; dann allerdings ist die Purte in wenigen Minuten von dem stechenden Rauch des mit getrocknetem Kuh- und Kamelmist unterhaltenen Feuers erfüllt. Der Feuerplatz, ein lamaistischer Hausaltar, verschiedene Truhen und Gestelle für Geräte und Vorräte machen die Behausung der Mongolen vollständig. Die Hurtensieblungen bestehen meistens aus zwei ober drei solchen Purten, selten aus mehr als fünf. Denn immer wohnt nur eine Familie im engeren Sinne zusammen ober eine burch einige Derwanbtschaftsgrabe erweiterte Großfamilie, -selten beansprucht biese bei ber auffoüenben Kinber- armut mehr als fünf Wohnyurten. Der Unterschied zwischen armen und reichen Mongolen ist nur bei scharfer Überprüfung ber Trinkbecher, des Altars unb bes silbernen Kopfschmuckes der Frauen zu erkennen. Die Viehherben, ber einzige wirkliche Reichtum ber Mongolen, sinb ausnahmsweise in ber Nähe ber Purten zu sehen. Sie grasen wett- oerftreut in der Steppe. Dort trifft man ab unb zu scheinbar milbe ungepflegte Schaf-, Kuh-, Pferbe- unb Kamelherben. Nur bie gefährlichen, jeben Frem- ben angehenden Mongolenhunde treiben um bie Durten ihr Unwesen. Prioatbesitz an Grund unb Bob en kennt ber Mongole nicht. Das Land gehört ber Stammesorganisation, ber „Liga" ober dem „Banner", was heute in der- Praxis zu einem sehr weitgehenden Verfügungsrecht der Bannerfürsten über den Grund unb Boden geführt hat. Der Unterschied im Herdenreichtum ist allerdings sehr beträchtlich. Unsere erste Nachtruhe fanden wir in einer Hurte bei einer Mongolenfamilie, bereu Herdenbesitz sie nicht mehr bas ganze Jahr über ernähren konnte. Im Sommer lebt ber Mongole fast ausschließlich vom M i l ch e r t r a g seiner Herben, bie wegen der geringen Milchergiebigkeit erheblich größer fein müssen als bei anderen Herdenwirtschaften. Im Winter aber muß er sich wegen der furchtbaren Kälte — trotzdem der Mongole Lama ist, also Buddhist ist — von Hammelfleisch nähren. Nebenverdienst ist eine weitverbreitete Notwendigkeit für viele Mongolen geworden. Als Karawanenbegleiter, als Viehtreiber der reicheren Mongolen oder bei chinesischen Siedlern und Handelsniederlassungen im chinesischen Siedlungsgebiet versucht er seine Existenz im Winter zu sichern. Der „General" dagegen, wie der reiche Mongole, bei dem wir einmal übernachten mußten, scherzhasterweise genannt wurde, weil er früher einmal eine berüchtigte Banditenschar befehligte, war ein ausgesprochener „Herdenkapitalist". lieber 800 Pferde nannte er fein eigen; viele Hunderte von wertvollen Kamelen waren fein Hauptstolz, und zahllose Schaf- und Kuhherden machten ihn zu einem, bei Chinesen unb Bannerfürsten angeseyenen Mongolen. Seiner wirtschaftlichen Stärke entsprach sein politischer unb abminiftratioer Einfluß in ber Suiyuan-Provinz. Natürlich war er aufs engste mit ben chinesischen Hanbels- und Bankkreisen verbunden und auch mit der chinesischen Provinzial» Verwaltung. Sv haben bie Mongolen schon aufgehört, ein einheitliches Hirtenvolk mit ungefähr gleichem Sehens- ftanbarb zu sein, aus bem nur die Bannerfürsten durch Reichtum und Macht hervorstachen. Diese innere Auflockerung des Herdenvolkes wird heute aber nicht etwa durch die alte Rolle der Stammes- fürften ausgeglichen ober aufgehalten. Früher war ber Fürst Organisator der zahllosen Streifzüge ber Mongolen gegeneinanber ober gegen andere Völker; Streifzüge, die ben Mongolen jahrhunbertelang Tribute unb zusätzliche Konsumgüter lieferten, bie bie extensive Weibewirtschaft niemals hervvr» bringen konnte und auch heute nicht erzeugen kann. Heute ist diese Rolle der Fürsten längst vorüber. Sie sind Mongolen, deren Hauptinteresse darin liegt, ihre Herden zu vergrößern und für diese die heften Weideplätze zu bekommen. Außerdem aber smd es gerade die Fürsten, die aus ihrem Ver. fügungsrecht über das Weideland am wirksamsten die Eroberung der Mongolei durch die chinesischen Siedler unterstützen. Aus der Ueberlassung der Steppe an die Chinesen zieht heute der Inner- mongolische Fürst den größten Teil seiner Einnahmen. Dieser Wandel ist auch äußerlich schon erkennbar. Der Fürst der Dachan-Bail-Mongolen, den wir aufsuchten, wohnt wie die meisten anderen in chinesischem Stil, nicht mehr in den Yurten seiner Vorväter. Chinesischer Luxus, chinesische Kunst, ja, zum Teil auch chinesische Nahrung sind ihm heute lieber als mongolischer Tee oder salzlos gekochtes Hammelfleisch. Manche von ihnen ziehen es daher vor, in größeren Städten wie Kwaisui oder sogar Peiping längere Zeit zu wohnen und in Packardwagen herumzufahren. Leicht kann dieser Wandel auch in einer sehr gründlichen Veränderung in der Beziehung der einfachen Hirtenmongolen zu seinem Fürsten Umschlägen. So sehr auch gerade in der Mongolei die Tradition wirksam ist, auf die Dauer können aus dieser veränderten Rolle der Fürsten politische Folgen kaum ausbleiben. Noch weniger optimistisch kann man in bezug auf die andere politische und kulturelle Macht in der Inneren Mongolei, den Lamaismus und die lamaistische Priesterschaft, sein. Ueber die Stellung des Lamaismus in den verschiedenen Religionssystemen und Glaubensbekenntnissen der Welt läßt sich streiten. Nicht aber über seine Rolle in dem physischen und nationalen Niedergangsprozeß der Mongolen. Es besteht ein ungeschriebenes Gesetz, daß ein bis zwei Söhne jeder Familie, wenn Söhne überhaupt vorhanden sind, Lama-Priester werden müssen und somit selbst keine Familie gründen dürfen. So sind 50 bis 60 v. H. aller männlichen Mongolen Lama-Priester. Damit ist schon allein die Stagnation im Bevölkerungszuwachs der Mongolen erklärt. (Die Innere Mvn- aolei hat höchstens 600 000 Einwohner.) Darüber hinaus ist ein großer Prozentsatz der männlichen Bevölkerung der so extensiv betriebenen Weidewirtschaft der Mongolen entzogen, was eine starke Verminderung der Produktivität der Wirtschaft bedeutet. Und diese wenig ertragreiche Wirtschaft ist nun gezwungen, das Heer der Lamas zu ernähren. Der Reichtum aber der Klöster und Tempel, das sorgenlose Dasein der Priester gibt eine ungefähre Vorstellung von dem bedeutenden Anteil, den die Religion an dem Ertrage der mongolischen Wirtschaft bekommt, auf Kosten der Lebenshaltung der übrigen Bewohner. Versuche christlicher Bekenntnisse, in der Inneren Mongolei Fuß zu fassen und die Vorherrschaft des Lamaismus zu brechen, sind gescheitert. Ebenso dürften die japanischen Absichten, durch shintoistische und japanisch-budohistische Beeinflussung den Lamaismus zu reformieren, wenig Aussicht auf Erfolg haben. So sind es nicht nur außenpolitische Kräfte, die an dem Untergang des Mongolenoolkes arbeiten. Von innen heraus unterstützen eigene zersetzende Einflüsse diesen Auflösungsprozeß. Doch Die Mongolen haben in früherer Geschichte zu viel Stvß- und Spannkraft gezeigt, haben viel zu bedeutende Führer hervorgebracht, als daß man das Schicksal der Mongolen heute schon als besiegelt ansehen dürste. Weshalb rüstet England? ,Zn keine automatischen Verpflichtungen verwickelt." London, 6. Jan. (DNB.) Die Frage, ob England bei der Rekrutierung für seine Armee sich auf das F r e i w i l l i g e n s y st e m verlassen kann oder ob es stattdessen eines Tages zur allgemeinen Wehrpflicht übergehen muß, beschäftigt die englische Öffentlichkeit. Es ist bekannt, daß der Kriegsminister Duff Cooper für die Einführung einer allgemeinen Wehrpflicht wirbt. Der Minister für die Verteidigung, Sir Thomas I n s k i p, erklärte jedoch in einer Rede in Glasgow, daß England „sehr eng mit dem Freiwilligen - System verheiratet" sei. Er hoffe, Großbritannien werde der Welt zeigen, daß dieses System so funktionieren könne, wie es den Bedürfnissen der britischen Armee entspreche. Es sei sehr zu hoffen, daß die jungen Männer der Nation ihre Pflicht erkennen und der Heimatarmee beitreten. Er werde oft gefragt, wofür denndiese Lüftungen benötigt würden. Sie würden nicht für einen Angriff gebraucht werden. Großbritannien rüste aber auf, weil es d i e R o l l e einesFrie - denswahrers zu spielen habe. Großbritannien sei in keine automatischen militärischen Verpflichtungen verwickelt. Die britischen Verpflichtungen seien lediglich eingegangen worden, damit Englands Lebensinteressen geschützt werden. Niemand brauche zu befürchten, daß Großbritannien dort Abenteuer suchen werde, wo seine lebenswichtigen Interessen nicht berührt werden. Darüber hinaus könne man sicher sein, daß die britische Armee zu keinem Unternehmen verwandt werden würde, daß nicht mit den Grundsätzen des Völkerbundes übereinstimme. Kleine politische Nachrichten. Die Zahl der Rundfunkteilnehmer im Deutschen Reich hat am Jahresende 1936 d i e achte Million überschritten. Im Dezember ist eine Zunahme von 230 050 Teilnehmern (2,9 o.H.) eingetreten. Unter der Gesamtzahl am 1. Januar befanden sich 572 498 gebührenfreie Anlagen. ♦ Zur Erinnerung an die historischen Januar- wählen 1 933 in Lippe-Detmold findet in der Zeit vom 16. bis 19. Januar dort ein Erinnerungstreffen statt. Dabei werden Reichsminister Dr. Frick, Reichsleiter Rosenberg und Reichsminister R u st sprechen. * Generaloberst Göring hat die Schirmherrschaft über die vom 25 März bis zum 3 April in den Ausstellungshallen am Berliner Funkturm stattfindende Reichsausstellung der Deutschen Textil- und B e k l e i d u n g s w i r t s ch a f t übernommen. * Ihre Königliche und Kaiserliche Majestät die Königin von Italien, Die über einen Monat in Kassel weilte und ihre erkrankte Tochter, die Prinzessin Mafalda von Hessen, pflegte, ist am Mittwoch wieder nach Rom abgereift, nachdem in dem Befinden der Pnn- zessin eine erfreuliche Besserung eingetreten ist. * Danzig und Polen sind übereingefommen, bei der Beurteilung der Ausnutzung des Danziger Hafens von dem Umschlagwert des durchgehenden Güterverkehrs auszugehen, und auf die Aufrechterhaltung der Struktur des Hafens Rücksicht zu nehmen. Die Zusammenarbeit Der Häfen von Gdingen und Danzig wird sichergestellt. Polen wird Ein- Die deutsche Schäferei im Rohstoffkampf. V A Der Ausbau der deutschen Schäferei und x .^ourch mögliche Besserung der Versorgung der putschen Textilindustrie mit den wichtigen heimi- Kpen Wollen ist ein sehr beachtlicher Punkt im Rahmen der heimischen Rohstoffrage, denn Deutschland hat auf Dem Gebiete Der inländischen Woll- erzeugung noch nicht Den hervorragenden Platz roieüer erhalten, Den anDere Staaten einnehmen. Obgleich Die gesamte Deutsche Textil- mDuftrie nach Der Betriebszählung vom Juni 1933 über 67 000 Betriebe mit über 856 000 Arbeitern umfaßt, sind darin für die Wollindustrie nur rund 4500 Betriebe mit 165 000 beschäftigten Personen enthalten. Wie wesentlich und wirtschaftlich bedeutsam Der Ersatz Des Deutschen EinfuhrdeDarfs in Wolle Durch inlänDische Erzeugung ist, ergibt sich Daraus, Daß in Den letzten oeiDen Jahren über 300 Millionen R M. aufgeroenDet werden mußten, um Die Zufuhr zu Decken. Trotz einer während der Tätigkeit Des Dritten Reiches gesteigerten größeren Schafhaltung ist es im Jahre 1935 nur gelungen, zirka 12 v. H. Des gesamten Bedarfes an Wolle aus heimi- schen Bestänben zu Decken. Wenngleich Die Möglichkeiten Der Schafhaltung im Rahmen Der deutschen Landwirtschaft nicht unbegrenzt sind, da andere ebenso wichtige Erzeugungsnotwenbigkeiten nebenherlaufen, so geht doch das Ziel der zuständigen Stellen dahin, zunächst etwa ein Drittel des normalen Bedarfs an Wolle von rund 170 000 Tonnen (zu je 1000 kg) selbst zu erzeugen. Dazu wäre das Vorhandensein von etwa 11 bis 12 Millionen Schafen notwendig. Zur Zeit haben wir aber erst wieder einen Bestand von etwa 5 Millionen erreicht und streben als nächstes Ziel dis Ende Des kommenden Jahres einen Bestand von 6 Millionen Schafen an. Das Schaf ist ja nicht dadurch allein wichtig, daß es die Wolle liefert, Die mit durchschnittlich je Schaf und Jahr bei etwa 41/? kg Wolle anzunehmen ist, sondern es liefert uns auch noch Milch, Käse und Fleisch. Im Jahre 1873 hatten wir noch 25 Millionen Schafe und 1892 besaßen wir immer noch 14 Millionen, also diejenige Zahl, die jetzt als notwendig bezeichnet wird, um Die Derzeitige Bevölkerung zu ein Drittel Des gesamten Bedarfs mit heimischer Wolle zu versorgen. Die Steigerung der deutschen Schafzucht hat aber allmählich einen Mangel an fachkundigen Schäfern hervortreten lassen. Um die vielfachen Arten von Schafen richtig zu betreuen, ist eine eingehende Kenntnis der Lebensbedürfnisse Der Schafe und Der Sicherungsmethoden gegen Krankheiten erforderlich. Zur Heranbildung eines geeigneten kenntnisreichen und brauchbaren Schäfernachwuchses ist die Gründung einer Reichsschäferschule geplant. Alljährlich sollen 80 tüchtige Schäfer in ihr ausgebildet werden. Die deutsche Schäferei ist in Den letzten Jahren besonders in Sachsen gut vorangekommen, wo sich wertvolle umfangreiche Stammschäfereien und Zuchtunternehmungen befinden. Um Der Deutschen Wolle, Da sie nur einen Bruchteil Des heimischen WollbeDarfs ausmacht, überall Absatz zu verschaffen, ist Durch Die VerorDnung vom 2. 8. 1934 im erweiterten Maße ein Beimischungszwang von Deutscher Wolle, insbesonDere für Behördentuche, ungeordnet und durch eine weitere Verordnung vom Dezember 1935 auf alle öffentlichen Aufträge an Wollstoffen ausgedehnt. Das Spinnstoffgesetz vom 5.12.1935 hat also für die Hebung des Absatzes der deutschen Wolle besondere Bedeutung. Das Ziel, etwa 30 v. H. des Wall- bedarfs aus heimischer Erzeugung decken zu können, hofft man bis 1939 erreicht zu haben. Als Einfuhr- ersatz für Die Dann oerbleibenben Teile Des deutschen Wollbedarfs wird man in Zukunft die Pflanzenfaser und Die Zellwolle in verstärktem Maße heranziehen. Daneben wirb man auch Die Wiedergewinnung verarbeitungsfähiger Spinnfaser aus Altstoffen in gesteigertem Maße beachten. Diese Altfaser rourbe früher als Kunstwolle bezeichnet, obgleich sie eine natürliche Wvll- saser aus gewachsener tierischer Wolle barstellt, die bie wertvolle natürliche Eigenschaft ber tierischen Spinnfaser hat, nämlich: starke Wiberstanbs- fähigkeit gegen Wasser bzw. starke Abscheibung von Wasser unb bamit erhöhte Wärmehaltung, außerdem eine sehr große Rißfestigkeit und große Dauer- Hastigkeit. Man schätzt die vorrätigen Bestände an Altstoffabgängen, die wieder verwertet werden können, und die eine nationale Rohstoffreserve darstellen, auf etwa 240 Millionen kg, von denen die Hälfte höchstwahrscheinlich gesammelt und verwertet werden kann. Im Rahmen der erweiterten Rohstoffschlacht wird man auch diesem Teil der Textil- stoffteserven erhöhte Bedeutung zuweisen. Durch geeignete Einrichtungen ist dafür gesorgt, daß ein allgemeiner Nutzen auch für die Erzeugung durch Richtpreise festgelegt ist. Es sind Maßnahmen getroffen, um das deutsche Wollgefälle und die Schaf- rassen zu vereinheitlichen und mit der Steigerung und Verbesserung der heimischen Erzeugung auch bas beutsche Wollangebot über Wollsammelstellen zusammenzufassen. So finb 3 große Wollverwertungsstellen in Berlin, Ulm unb Königsberg eingerichtet, bie allein bie heimische Erzeugung in ben Verkehr bringen bürfen. Es wirb angestrebt, ben Erzeugerfestpreis bis 1939 im Interesse' ber Hebung der Schafzucht stabil zu erhalten. Auch für die weiterverarbeitenden Stellen wurden geeignete Maßnahmen getroffen, um die aus Preisunterschieden zwischen ausländischer Wolle und heimischem Erzeugnis entstehenden Differenzen in wirtschaftlich geeigneter Weise auszugleichen. Die Darlegungen zeigen, daß auch auf diesem Teilgebiete der deutschen Wirtschaft alles geschieht, um Freiheit und Unabhängigkeit von ausländischen Rohstoffen nach Möglichkeit systemvoll nach unb nach herbeizuführen. von Brennholz zu bezahlen. Jeber anständige Bergsteiger muß dabei mithelfen, daß es solchen Nutznießern unmöglich wirb, bie gemeinnützigen Einrichtungen bes D. u. De. A. - 23. zu mißbrauchen. In bewirtschafteten Alpenoereinshütten ist aber Vorsorge getroffen, baß bie Bergsteiger ohne jebe Zurücksetzung in ber Aufnahme unb Behanblung ihre eigenen Vorräte ohne Zuschläge verzehren bürfen. Im Falle ber Zubereitung ist nur eine mäßige Gebühr für bie Feuerung zu erstatten, gleich ob bies in einem befonberen Selbstversorger- raum ober unter Mitbenützung ber vorhanbenen Kochgelegenheit geschieht. Die Hüttenpächter müssen zwar ben reichsbeutschen Besuchern gegenüber ein Opfer bringen, bas als Lohn für bie bem Alpen- verein burch bie Mitgliebfchaft gehaltene Treue zu werten ist. Die reichsbeutschen Besucher werben aber in vielen Fällen aus ber Not eine Tugenb machen unb ber Alpenverein wirb sein befonberes Augenmerk barauf richten, baß auch ber Mittellose, in biesem Falle beoifenarme Bergsteiger, auf allen Alpenvereinshütten jenes Heim finbet, bas er im eigenen Hause erwarten barf. Wieviel Hugenotten gibt es7 23or einiger Zeit waren 250 Jahre vergangen, seit Der Große Kurfürst französischen Protestanten, bie um ihres Glaubens willen Frankreich verlassen mußten, in seinem Lanbe eine neue Heimat bot. Insgesamt soll es sich bamals um etwa 25 000 Flüchtlinge gehanbelt haben, bie nach Brandenburg- Preußen kamen. Um die gleiche Zeit hatte Berlin etwa 22 000 Einwohner, darunter nicht weniger als 4300 Hugenotten, jeder fünfte Berliner war also französischer Abstammung. Daraus erklärt sich ein beträchtlicher Einfluß, ber von ben Hugenotten auf bas gesamte geistige unb wirtschaftliche Leben im bamaligen Branbenburg-Preu- ßen ausgegangen ist. — Es wäre wichtig festzustellen, ob Die Zahl Der Hugenotten mit Der allgemeinen Bevölkerungszunahme Deutschlanbs Schritt gehalten hat oDer ob im Laufe ber Jahre ein Rückgang eingetreten ist. Don ben seiner Zeit gegründeten 200 Hugenottenkolonien bestehen heute nicht mehr viele als selbstänbige Gemeinden. Wer sich zu ihnen rechnet, sende seine Anschrift an ben Bibliothekar bes beutschen Hugenvttenvereins Richard 5 o u q u e t, Berlin-Friedenau, Rubensstraße 45. Erwünscht sind Angaben darüber, wo die Vorfahren in Deutschland ihre erste Niederlassung hatten. fuhrgenehmigungen künftig unter ber Klausel „über bie Seehäfen bes polnischen Zollgebietes" erteilen, ohne daß vorher ber Einfuhrhafen angegeben werben muß. Polnische Unternehmungen in Danzig werben in gleicher Weise wie bie Danziger Unternehmungen behanbelt werben unb volle Freiheit bei Der Ausübung ihrer geschäftlichen Tätigkeit genießen. In Kwanggtschauwan, einem Hafen süb- westlich von Kanton, rourbe ein britischerZoll- beamtet namens Paget burch Schmuggler e r - m o r b e t. * Die amerikanische Staatsschuld betrug am 30. September 1936 34 407 864 000 Dollar. Sie hat bamit ihren bisherigen Höchststanb im Juni 1936 noch um 37 Millionen Dollar überschritten. Aus aller Wett. Kapitän z. 5. von Egiby f. Im Alter von 66 Jahren starb Kapitän zur See a. D. von E g i b y auf Hof Langfelb bei Kappeln a. b. Schlei. Moritz von Egiby rourbe am 27. Juli 1877 in Pirna in Sachsen geboren. Er entstammt einer alten Dffiziersfamilie. Im Weltkrieg übernahm Kapitän zur See von Egiby bas Kommando bes Schlachtkreuzers „S e y d l i tz", besten Einsatz währenb ber Skagerrakschlacht von entscheidenber Bebeutunq war. Im letzten Kriegssahr rourbe er zum Kommanbanten ber Marineschule Mürwik ernannt. 1919 nahm Kapitän von Egiby seinen Abschied. Gefängnis wegen Tierquälerei. Ein mehrfach vorbestrafter Mann aus Trier ist vom Amtsgericht Trier wegen Tierquälerei zu drei Monaten Gefängnis oerurteilt worden. Er hatte auf der Straße feinen Hund derart mit einem Stock mißhandelt, daß das arme Tier nachher kaum noch laufen konnte. Seine Erklärung, er habe den Hund abrichten wollen, wurde nicht ernst genommen. Zwei französische Arbeiter durch Starkstrom getötet. In Pissy Poville bei Rouen kamen bei der Aufstellung von Masten für eine Hochspannungsleitung vier Arbeiter mit der Starkstromleitung in Berührung. Während zwei Arbeiter sofort tot waren, konnten die beiden anderen nach längeren Wiederbelebungsversuchen gerettet werden. Schiffszusammenstoß bei Gijon. Aus Gijon am Golf von Vizcaya wird gemeldet, daß ein englischer Dampfer mit dem spanischen Schiff „Jost Maria" auf der Höhe von Riba zu- sammenge stoßen sei. Der Spanier sei in wenigen Minuten gesunken, wobei bie 20köpfige Besatzung ben Tob in ben Wellen gefunben habe. Auch kleine Verletzungen müssen rechtzeitig behanbelt werben. Ein ßanbroirt von Dberliebersbacb (Bergstraße) zog sich an ber Hand eine geringfügige Verletzung zu, die er weiter nicht beachtete, bis bie Hand am schwoll. Er rourbe in bie Klinik nach Heibelberg gebracht, roo ihm bie Hand abgenommen rourbe. Da Starrkrampf hinzutrat, ist ber bebauerns- werte Mann, Vater von sieben Kinbern, geworben. 3n Japan blühen bie Pflaumenbäume. Japan steht unter bem Einfluß von starken warmen Luftströmungen aus bem süblichen Pazifik, bie ein für biese Jahreszeit ganz ungewöhnliches sommerliches Wetter brachten. Die Temperatur ist um 15 Grab höher als normal unb bie Thermometer stiegen bis auf 20 Grab. In den Vororten von Tokio blühen bie Pflaumenbäume. Alle Einwohner Der Hauptstabt haben bie Fenster weit aufgeriffen unb die Heizung abgestellt. Nach ben Vororten hat eine wahre Völkerwanberung eingesetzt. Jeber will bie blühenben Bäume sehen. Die Meteorologen erwarten allerbings einen Wetterumschwung unb eine Kältewelle. Kanonenkugeln aus dem Siebenjährigen Kriege. Zwischen Schönborn unb dem Stadtwald Ziegenhain (Bez. Kassel) fanden Arbeiter bei Drainage« arbeiten zwei Kanonenkugeln. Die Kugeln stammen aus dem Siebenjährigen Krieg, in dem auch hier gekämpft wurde. Heißwasserquelle auf der Rheininsel Grafenwerth erschlossen. Die Gemeinde Honnef hat vor mehreren Monaten größere Bohrungen auf der Rheininsel Grafenwerth begonnen, die nunmehr zum Erfolg geführt haben. Es wurde eine alkalische Duelle freigelegt, die eine Wärme von etwa 25 Grad Celsius aufweist. Die jetzt erbohrte Duelle liegt in einer Tiefe von 330 Meter. Die Alkalität des Säuerlings ist außergewöhnlich hoch. Man nimmt nach den bisher gemachten Erfahrungen über die Zusammensetzung des Bodens an, daß man in einer größeren Tiefe hinsichtlich Alkalgehalt und Wärme noch ergiebigere Duellgebiete erschließen wird und hat sich daher entschlossen, die Bohrungen weiter fortzusetzen. Schon jetzt besteht die Hoffnung, daß der Bohr- erfolg auf der Insel Grafenwerth die Grundlage abgeben wird, auf der sich der Rheinort Honnef als Heil- und Kurort in der Zukunft günstig entwickeln wird. Millionenbetrug mit gefälschten Goldbarren. In Lyon ist die /Kriminalpolizei einem Millionenbetrug mit gefälschten Goldbarren auf die Spur gekommen. Bereits seit geraumer Zeit hatte sie einiae Goldbarrenhändler von Lyon im Verdacht, gefälschte Goldbarren in Umlauf zu setzen. Auf Grund der bisherigen Ermittlungen wurde jetzt ein Goldbarrenhändler verhaftet. Der Verhaftete gab zu, daß er mehrere Barren, die aus einer schwach vergoldeten Metall-Legierung bestanden, als Goldbarren an Privatleute verkauft hat. Da der Wert eines einzigen Goldbarrens fast 300 000 Franken beträgt, find bie Käufer biefer gefälschten Barren um Millionen betrogen worben. Man rechnet bamit, baß noch weitere Verhaftungen in biefer Sache vorgenommen werben müssen. Alpenvereinshütten unb Selbstversorger. Nur noch wenige Wochen trennen bas Heer der Schiläufer von ber Erfüllung lang ersehnter Hoffnungen unb bie Aufhebung ber Ausreisesperre nach Oesterreich wirb die Einkehr in die der Schituristik günstigen und daher schon früher stark besuchten Hochtäler zur Folge haben. Eine verstärkte Belegung ber Schutzhütten bes Deutschen unb Oesterei- chischen Alpenvereins ist sicher zu erwarten, aber bie Devisenknappheit wirb viele Mitglie- ber zwingen, einen schweren Rucksack zu packen, bie Vorräte mitzubringen unb von bem Recht ber Selbstversorgung Gebrauch zu machen. Aus den unbewirtschafteten, mit Alpenoereinsschlüsseln zugänglichen Hütten finden die Besucher mindestens einen heizbaren, mit Koch- unb Uebernach- tungsgelegenheit eingerichteten Winterraum, auch Holzoörräte haben bie hüttenbesitzenben Sektionen bereitstellen müssen. Die Aufwendungen ber Sektionen bafür, ihre Schutzhütten für ben Winterbetrieb herzurichten, finb nicht gering, ba boch ein großes Schutzhaus mit allen Einrichtungen gewissermaßen zu treuen Hänben ben Winterbesüchem ohne Aufsicht überlassen wird. Schon die Verbringung des nötigen Brennholzes auf die Hütte kostet viel Geld. Leider gibt es unter ben Schibergsteigern immer noch Elemente, bie nicht nur bas oorhan- bene Inventar ohne Schonung behanbeln, verschmutzt unb unaufgeräumt zurückwerfen, sonbern die es nicht einmal für notroenbig finben, bie meist geringen Gebühren für Nächtigung und Verbrauch Wie tief sind die deutschen Seen. Das beutsche Reich zählt mehr als 5 0 S e e n , bie je über 15 qkm groß finb unb bie über alle Gebiete verstreut finb. Mit ihren meist beroalbeten Ufern, mit ihren Schilfdestänben, in denen bie Wasservögel nisten, mit ihren Fischen aller Art, finb sie ein wertvoller Bestaubtest unb eine Zierbe ber beutschen Lanbschaft. Der Tiefe nach finb biese Seen ganz verschieben. Nach bem neuen Statistischen Jahrbuch für bas Deutsche Reich ist ber größte und ber tiefste See ber Bobensee. Er weist eine Gesamtfläche von 538,5 qkm auf. Davon kommen auf ben beutschen Anteil 305 qkm. Seine mittlere Tiefe beträgt 90 Meter. Seine tiefste Stelle liegt bei 252 Meter. Dann kommen ber Walchensee in Bayern besten tiefste Stelle bei 192 liegt, der Königsee in Bayern mit 188 größter Tiefe, der Starnberger See mit 123, ber Dratzigsee (Pomm.) mit 83, Der Ammersee (Bay.) mit 82,5, Das Pulver- Maar (Eifel) mit 74, Der Chiemsee mit 73, Der Schaalsee (Schlesw.-Holst.) mit 71,5, ber T e - gernfee mit 71, ber Kochelsee mit 65, ber Gr. Stechlinsee (Branbenburg) mit 64, der Große Plöner See (Schlesw.-Holstein) mit 60, ber Schweriner See (Mecklenburg) mit 54, ber Werbellinsee (Branbenburg) mit 50 Meter usw. Von bekannteren Seen seien noch erwähnt ber Titisee in Baben, ber eine größte Tiefe von 40 Meter hat, ber Scharmützelsee (Branbenburg) mit 28, ber Wannsee bei Berlin mit 9, der Müggelsee bei Berlin mit 8 und bas Stein- Huber Meer (Hannover) mit 3 Meter. Das finb bie Höchsttiefen, währenb bie mittleren Tiefen wesentlich geringer finb. Die brei Haffe weisen keine sehr bedeutenden Tiefen auf. Beim Kurischen Haff beträgt Die Höchsttiefe 10 Meter, beim Pommerschen Haff 9 und beim Frischen Haff 5 Meter. Kunst und Wissenschaft. Großer Staatspreis für Maler und Bildhauer 1936. Der Wettbewerb um den Großen Staats- preis der Akademie der Künste für Maler und Bildhauer ist jetzt entschieden worden. Der Große Staatspreis für Maler wurde Josef Pieper (Düsseldorf) und der für Bildhauer Fritz Krämer (Berlin) verliehen. Die Wettbewerbsarbeiten sind in der Akademie der Künste in Berlin zur öffentlichen Besichtigung ausgestellt. Erste Aufführung der Bayerischen Staatsoper unter Clemens Krauß. Der neue Bayerische Staatsoperndirektor, Generalmusikdirektor Clemens Krauß, der am 1.Januar die künstlerische Leitung der Bayerischen Staatsoper übernommen hat, trat in dieser Eigenschaft in einer Festvorstellung der „W a l f ü r e" zum ersten Male an das traditionsreiche Dirigentenpult der Bayerischen Staatsoper. Das Haus war bis auf den letzten Platz gefüllt. In der Ehrenloge saß der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß mit Staatsminister Wagner. Begeistert war der Beifall des Hauses, das am Schluß Den Dirigenten unb bie barftellenben Künstler immer roieber vor ben Vorhang rief. Staatsminister Wag - ner begrüßte beim anschließenden Empfang im Regina-Palasthotel feine Gäste auf das herzlichste, vor allem die Künstlerschaft unb befonbers ben neuen Opernbirektor Clemens Krauß. Der Minister sprach bie Hoffnung aus, daß sich bald und noch häufiger Gelegenheit zu einem solchen geselligen Beisammensein ber Künstler mit ben anberen Volkskreisen ergebe. 200-3abrfeier der Universität Göttingen. NSG. Die Universität Göttingen wird vom 25. bis 30. Juni 1937 ihre 200-Jahrfeier begehen. Sie will damit ihre Forschungs- und Erziehungsarbeit von der nationalsozialistischen Gemeinschaft aus neu begründen. Im Zusammenhang mit dieser Feier, die eine Feier der Arbeit werden soll, liegt ber Göttinger Universität daran, die ehemaligen Göttinger Studenten mit sich zu verbinden. Sie bittet alle früheren Studenten ber Georgia Augusta, bie über bie Unioerfitätsfeier unterrichtet sein wollen, ihre Anschrift möglichst umgehend an das Rekorat ber Universität (Aula, Wilhelms- platz 1) mitzuteilen. Es wirb zugleich um kurze Angaben über bie Stubienfächer unb ben Zeitpunkt bes Stubiums gebeten. Neues für den Büchertisch Stadttheater Gießen GLORIri 20—22.30 Uhr: Heute Preise verlangen 101A Gloria-Palast PORTARDfUR der einzige, / der in diesem Jahre erscheint! Jugendliche haben Zutritt! 91 A Heute Freitag 20.-22.30 ■ Feinste Fischfilets */» kg von 45 Pf. an Zum leisten Hal Towarisch Marktstr. 23 10ule bis z, 61 und da E ouire eia« 7 b«d,n ° @,g h6 »m u, iu ^Hannes wurde, g ^Iben W»c r mein § 5 Bitte, 'in?05* Ri eme 5 Sin S( ä ber *> -'"'Und 9 ,n der «r r« übet bet* 3U ; ADOLF WOHLBRUCK als russischer Oberleutnant, Kommandant des Forts II von Port Arthur, dessen japanische Frau von ihrem Bruder gezwungen wird, das Land ihres Gatten zu verraten KARIN HARDT die Frau zwischen zwei Völkern — das tragische Opfer ihrer Liebe zum Feinde ihres Vaterlandes PAUL HARTMANN Chef der russischen Spionage - Abwehr RENE DELTGEN Leiter der japanischen Spionage in der belagerten russischen Festung Ein Tobis-Europa-Film von internationalem Format Im Vorprogramm: Hamburg und Altona und Fox-Ton-Woche! Täglich 4, 6, 8.30 Uhr — Sonntag 3, 5.30, 8.30 Uhr Kartenvorbestellungen unter Nr. 4077 erbeten. 93 a Selbstoersiäud S Mederg L- e? äs Leider 8>W gelb, das f“ mit «en ° trügen und s Bestrafung ar Verlust, den stückes erleide ilehnrungen 0 tonnen ihre Mer führe einbringen. Unbedingt nalien aller lung geben umgehend' Ionen soll« eines Pali dann, wer Lrweri Ob die 21 die sofort e hingen erge Weste hat, nahmen ein Wer aber d erscheint bes sich die Pol' die Gewöhn Käuser ein weil er bei er das Fo Dieses Der und begün höchsten M Jliemanb fdjutbig, 1 golgenbe im Umlauf: 1. 50-P Sie bestehen ein bläuliche- fen auf Mai sie dumpf. 21 ihnen schreit nicht angezoi 2. 3 ® e i r Fälschungen glanzlosem 2 Aufwerfen f- schreiben. Si eine schlechte Tüchtig, zuverl. Hausmädchen mit gut. Zeugn. zum baldigen Eintritt gesucht. Frau Emmy Noll, Moltkestr. 14.089 Familiendrucksachen Verlobungsanzelgen Vermählungsanzelgen Geburtsanzeigen bei Brühl. Schulstr. 7 Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. XII. 36: 11 250. Druck und Verlag: Brühl'sche Unioersitäts- Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Psi mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. — Rudolf Utsch: Herrin und Knecht. Preis in Lsinen 2,85 Mark. Verlag C. Bertelsmann, Gütersloh. — (597) — Geduckt liegt der Waldhof im Schatten der Eichen, düsteres Verhängnis lastet über seinen Menschen, von Mord raunt es in den Winkeln. Verfemt sind Herrin und Knecht, die auf dem überkommenen Erbe nun den schweigend verbissenen Kampf um Recht und Gerechtigkeit, um Menschen und Herzen führen müssen, bis endlich durch stickigen Nebel die Sonne bricht. — Das Handbuch der geographischen Wissenschaft, herausgegeben von Universitätsprofessor Dr. Fritz Klute (Gießen) unter Mitwirkung führender Gelehrter (Preis pro Lieferung 2,40 Mark, Akademische Verlagsgesellschast m. b. H., Potsdam), behandelt in den Lieferungen 110 bis 115 die Britischen Inseln und das Europäische Rußland. H. Dörries gestaltet seine Schilderung Britanniens so fesselnd und aufschlußreich, daß England länder- und völkerkundlich ein ganz neues Gesicht gewinnt. M. Friederichsen, einer unserer namhaftesten Rußlandkenner, läßt Land und Leute dieses gewaltigen osteuropäischen Blocks lebendig werden. Die Darstellung liefert zu vielen Zeitfragen einen unantastbaren wissenschaftlichen Kommentar. Im klaren Licht der Forschung ergibt sich ein eindringliches Bild von dem erschreckenden Absinken eines großen Landes unter bolschewistischer Herrschaft.— In der Darstellung Nord- und Mittelamerikas führt Franz Termer seine Arbeit über Westindien mit einem interessanten Abschnitt über Pflanzen, Tierwelt und Bevölkerung fort, dann schlägt der Polarforscher Ernst Sorge mit der Schilderung der Arktis ein neues Kapitel der Erd- und Menschheitsgeschichte auf, das überwiegend von den germanischen Völkern geschrieben wurde und in das feit jeher die kühnsten und wagemutigsten Männer ihre Namen eingetragen haben. Auch hier ergänzen Bilder und Karten den Text, der Klarheit und Anschaulichkeit vorbildlich verbindet. — Meyers Lexikon. 8. Auflage in zwölf Bänden. In völlig neuer Bearbeitung und Bebilderung. Mit etwa 20 000 teils farbigen Abbildungen im Text und auf Beilagen, etwa 400 Haupt- und Nebenkarten, einem Atlasband, sowie einem Registerband mit über 300 000 Nachweisungen. Jeher Band in Halbfranz 15 Mark. Erster Band: A—Boll. Bibliographisches Institut AG., Leizig, 1936. — (452) — Der neue „Große Meyer" stellt einen neuen Lexikontyp dar. Der Inhalt des Werkes zeigt die Dinge möglichst im Zusammenhang. In geschlossenen Artikeln in abecelicher Folge wird ein abgerundetes Bild jedes Stoffgebietes geboten. Dies ist auf allen Gebieten durchgeführt, sei es Staaten- und Völkerkunde, Natur und Kunst, Wissenschaft und Technik, Wirtschaft und tägliches Leben usw. Eine völlig neue Art der Bebilderung gibt die lebendige Ergänzung zu dem vermittelten Wissensstoff. Entsprechend den großen Gesamtübersichten sind die einzelnen Stoffgebiete auch zu Bildfolgen zusammengestellt, die einen Zusammenhang einheitlich veranschaulichen. Im ganzen enthält das Werk 1600 zu Bilderfolgen zusammengestettte Kunstdrucktafeln. Die Abbildungen im Text folgen dem Bedürfnis klarster Anschauung. Was nur. durch bunte Farben veranschaulicht werden kann, wird erstmalig auch im Text mehrfarbig wiedergegeben. Hierin liegt das Neuartige der Bebilderung. So erscheinen Pflanzen, Tiere, Wappen, Fahnen, Maschinen, Ar- beitsoorgänge, Trachten, berühmte Persönlichkeiten u. ä. in buntem Wechsel. Ein Atlasband zeigt in mehrfarbigen Karten nicht nur das geographische Bild sämtlicher Länder der Erde, sondern auf Sonderkarten alle Lebensbereiche, die sich kartographisch Achtung! Samstag, 9. Januar, 2.15 Uhr, und Sonntag, 10. Januar, 11 Uhrvorm.: 2 Sondervorstellungen Der erste authentische Tonfilm vom abessinischen Kriegsschauplatz Italien marschiert Lichtspielhaus Gießen Heute Donnerstag die mit großer Spannung erwartete Premiere Sotierer(in) sowie 3id artens u. Wickelmacher in Dauerbeschäf- tigung sofort ges. W. Stroh, Zigarrenfabrik, Gr.-Linden. «ss Aelteres MW gesucht zur Führung einesHauZ- halts und Pflege einer Frau. Zu erfragen in der GesMftsftelle d. Gieß.Anzeig. 053 alle M'ug.Haare, Leberflecken Pickel, Sommer- ivrosi. uiw. entf. u. Gar. f. immer Frau B. Gulden lnh.8.1935Fr.W.Henkel Sorechit-Freitag Gießen, Alicen- Straße 40 p. 9—7 Uhr durchgehend. Kleine Anzeigen richten sich an die Bevölkerung der engeren Heimat! Darum: Kleinanzeigen in die Heimatzeitung, den Gießener Anzeiger | Vermietungen] 7-U-Mg. m. Bad, Balkon ü. Zubehör, Bismarckstr. 4411, v. April zu vermiet. Näh. :A. Becker, Keplerstr. 9 ImD Telefon 3804. Schöne 3-Zimmer- Wohnung mit Küche in Wiesecks.vreisw. zum 1. 2. 37 zu vermieten.Schr. Angeb. u. 110D an den Gtz.Anz. il. Zimmer mit Verpflegung für sofort bis zum 1. Avril 37 gesucht. Schrittl. Angeb. u. 083 a. den G. Anz. erb. Stellenangebote Keine Zeugnisse in Urschrift londern nur Zeugnisabschriften Dem Be- werbungsjchreiben beilegen i — Lichtbilder undBewerbungsunter- lagen müflen zur Vermeidung oon Verlusten auf der Rückseite Ra- men und Anschrift des Bewerbers tragen! 21 f ' MED /;>■ / Ai / E- Nr. 5 Zweites Blatt Donnerstag, r.Zanuar 1957 Giehener Anzeiger (Seneral-Anzetger für Oberheffen- Achtung! Falschgeld! Kampf gegen die Falschmünzer.—Jeder Volksgenosse muß mithelfen. LPD. In letzter Zeit ist viel falsches Hartgeld im Zahlungsverkehr aufgetaucht. Gewissenlose Verbrecher untergraben das Vertrauen, das die Allgemeinheit unserem Gelds entgegenbringt, immer wieder durch neue Fälschungen. Der Falschmünzer ist ein gemeingefährlicher Verbrecher, der insbesondere die ärmeren Volksgenossen, kleine Geschäftsleute usw. schädigt. Jeder anständige Volksgenosse ist deshalb verpflichtet, die Polizei im Kampf gegen die Falschmünzer zu unterstützen und ihr alle Wahrnehmungen — mögen sie auch noch so unbedeutend erscheinen — mitzuteilen. Es kommt dadurch niemand in den Verdacht, ein Denunziant zu sein, sondern er leistet der Volksgemeinschaft unter Umständen einen wertvollen Dienst. Selbstverständlich ist es, daß der Polizei nicht mit der Wiedergabe haltloser Vermutungen oder Gerüchte gedient ist. Auf Wunsch werden die Mitteilungen vertraulich behandelt. Niemand entstehen Unannehmlichkeiten, falls sich ein Verdacht als unbegründet erweisen sollte. Leider gibt es viele Volksgenossen, die das Falschgeld, das sie vereinnahmt haben, heimlich wieder ausgeben, ohne darüber nachzudenken, daß sie damit einen vielleicht ganz armen Volksgenossen betrügen und sich selbst der Gefahr einer gerichtlichen Bestrafung aussetzen. Sie sollten lieber den kleinen Verlust, den sie durch die Einziehung des Falschstückes erleiden, auf sich nehmen und ihre Wahrnehmungen der Polizei melden. Unter Umständen können ihre Angaben zur Ermittlung der Falschmünzer führen und ihnen eine namhafte Belohnung einbringen. Unbedingt erforderlich ist es, daß die Perso- nalien aller Personen, die Falschsiücke in Zahlung geben, fesigeslelll werden und die Polizei umgehend benachrichtigt wird. Unbekannte Personen sollen grundsätzlich bis zum Eintreffen eines Polizeibeamten festgehalten werden, auch dann, wenn sie glaubhafte Angaben über den Erwerb des Falschstückes machen sollten. leichter, als die echten Stücke. Gefährlicher sind Falschstücke, die aus Messing oder Kupfer geprägt sind. Bei einiger Aufmerksamkeit sind aber auch sie schnell zu erkennen. Im Klang weichen sie von den echten Stücken ab; sie klingen bedeutend Heller. Die Randriffelung ist entweder enger und feiner oder aber gröber als bei echten Stücken. Oft gibt man diesen Stücken ein älteres Aussehen, indem sie mit Ruß eingerieben werden. In diesen Fällen findet sich Ruß in der Randriffelung und in den Vertiefungen der beiden Prägeseiten. 3. Fünfmark st ücke. Auch hiervon sind zahlreiche Fälschungen im Umlauf. In erster Linie sind dies Fälschungen der neugeprägten Stücke mit der Potsdamer Garnisonkirche und dem Kopfbildnis Am Muttertag des Jahres 1934 gründete der Führer die Mütterschulung für die deutschen Frauen. Von der Großstadt angefangen bis ins kleinste Dorf wird nach einheitlichen Richtlinien durch staatlich geprüfte Kräfte in vierzehntägigen Lehrgängen eine planmäßige Schulung in allen fraulichen Aufgaben getragen. In der Stadt und auf dem Lande wird von der Frauenschaft für die Mütterschulung geworben und für die Vorbereitung der Kurse gesorgt. An jedem Lehrgang beteiligen sich ungefähr 20 bis 30 Mädchen und Frauen. Welche Freude ist es, wenn die Wanderlehrerin am Bahnhof begrüßt wird, wieviel Anregung, Austausch und gemeinsames Erleben bringt solch ein Lehrgang den Teilnehmerinnen. Welchen Zweck verfolgt nun der Reichsmütterdienst? Durch die wülterschulung soll in den Frauen und wädchen die Verantwortung der kommenden Generation gegenüber geweckt werden, sie Hindenburgs. Diese sind als Fälschungen leicht zu erkennen, da die Beschriftung auf dem Rande (Schmalseite) der Münzen entweder ganz fehlt, oder nur angedeutet ist. Die Falschstücke greifen sich fettig an, und besitzen ein glanzloses und weißliches Aussehen. Beim Aufwerfen klingen sie dumpf. Sehr gefährlich ist eine in der letzten Zeit aufgetauchte falsche Prägung von Fünfmarkstücken mit der Potsdamer Garnisonkirche. Diese Falschstücke weisen in der Regel die Jahreszahl 1934 und das Münzzeichen A auf. Da sie aus einer Silberlegierung bestehen, lassen sich Abweichungen im Klang und Glanz nicht feststellen. Die Stücke haben jedoch ein Merkmal, an dem sie sofort als Fälschung erkannt werden können: Die rechte Schwinge des Adlers auf der Vorderseite der Münze (vom Beschauer aus gesehen) zeigt einen wulstartigen Metallrückstand, der über den ganzen Flügel Halbrechts nach unten verläuft. Münzen mit diesem Merkmal sind unbedingt falsch. Verausgeber solcher Stücke müssen unbedingt der Polizei übergeben werden. soll aber auch der Frau das stolze Bewußtsein geben, daß in ihre Hände die Pflege und die Erziehung des Kindes gelegt ist. In diesen ersten Jahren, da das Kind noch ganz der Mutter gehört, wird der Grund gelegt zu den bleibenden Charaktereigenschaften. Die verschiedenen Lehrgänge umfassen die hauptsächlichsten fraulichen Aufgaben. Da wird zunächst geschult in Haushaltsführung und Kochen. Im theoretischen Teil dieses Lehrgangs werden die Frauen in die Zusammenhänge zwischen Volkswirtschaft und Hauswirtschaft eingeführt. Wichtige Fragen über die Mitarbeit der Frau im Rahmen des neuen Vierjahresplanes werden besprochen. Im praktischen Teil betätigen sich die Frauen selbst mithelfend an der Vor- und Zubereitung abwechslungsreicher Speisezettel für den Tisch der Familie. Der Säuglingspflegekurs macht den Frauen die Bedeutung der Bevölkerungspolitik, ihre Erfah- I rungen und Gesetze klar. Praktisch wird alles gezeigt und gelehrt, was mit der Pflege der Mutter vor und nach der Geburt, was mit dem Neugeborenen, feiner Pflege, Kleidung und Ernährung zusammen- hängt. Im Lehrgang über Erziehungsfragen des Kleinkindes wird gebastelt und geklebt. Eine Menge Anregung für die Beschäftigung und das Spiel des Kindes, die kindlichen Fragen und ihre Beantwortung, das Eindämmen schlechter Eigenschaften, das Wecken der guten Triebe und Anlagen, alle Wege der Erziehung werden gezeigt und diesbezügliche Fragen aufgegriffen und beantwortet. Der Lehrplan für die S ch u l u n g i n Gesundheitslehre und häuslicher Krankenpflege umfaßt allgemein wichtige Fragen über eine vernünftige Lebensweise, Ernährung, Kleidung, Wohnung, Körperpflege und Frauenhygiene. Die Pflege des Erkrankten bis zum Eintreffen des Arztes, die erste Hilfe bei Unfällen und kleinen Schäden im Haushalt wie Verbrennungen, Wunden, Insektenstiche, das alles bildet ein wissenwertes Gebiet im hausfraulichen Leben. Ein weiterer Lehrgang behandelt das Nähen und Ausbessern von Wäsche und Kleidung. Jede Frau weiß, wie wichtig es für jeden Haushalt ist, die Werte zu erhalten, die Kleidung und Wäsche der Familie darstellt. Hier kann die junge Frau, die werdende Mutter sich belehren lassen über das Verändern der Kleider, die Herstellung von Kinderwäsche und die Neuschaffung aus altem. Hier wird sowohl der Umgang mit der Nähmaschine gezeigt, wie die Geheimnisse eines Schnittmusters oder die Schwierigkeit, einen Aermel richtig einzusetzen. Der Lehrplan des letzten Kurses: Allgemeine Haushaltspflege — bringt wichtige Beratung für die künftige Hausfrau. Hier wird die Heimgestaltung und Wohnkultur besprochen, hier wird über die Aussteuer unter Berücksichtigung des Ehestands- darlehns beraten, die große Wäsche, der Hausputz und die Erhaltung der Möbel, das sind die Fragen, die in diesem Lehrgang Beantwortung finden. Dabei finden auch Aufgaben, die das tägliche Leben an die Frau stellt, wie die Buchführung im Haus- Oie Beisetzung des Erzherzogs Friedrich. Ob die Angaben auf Wahrheit beruhen, werden die sofort einsetzenden kriminalpolizeilichen Ermittlungen ergeben. Der Volksgenosse, der eine reine Weste hat, wird die Notwendigkeit dieser Maßnahmen einsehen und sich ihnen gern unterwerfen. Wer aber den Entrüsteten spielt und sich widersetzt, erscheint besonders verdächtig; für ihn interessiert sich die Polizei ganz besonders. Vielfach wird auch die Gewohnheit beobachtet, daß Geschäftsleute einem Käufer ein falsches Geldstück einfach zurückgeben, weil er den Harmlosen spielt und so tut, als habe er das Falschstück selbst unwissentlich vereinnahmt. Dieses Verfahren ist unter allen Umständen falsch und begünstigt die Tätigkeit der Falschmünzer im höchsten Maße. Niemand macht sich einer Freiheitsberaubung schuldig, wenn er einen Verdächtigen festhälk. Folgende wichtigeren Fälschungen sind zur Zeit im Umlauf: 1. 50-Pfennig- und Einmark st ücke. Sie bestehen aus Weichmetall und besitzen meistens ein bläuliches und mattes Aussehen. Beim Aufwerfen auf Marmor oder massive Holzplatten klingen sie dumpf. Auf Marmor oder Papier läßt sich mit ihnen schreiben, und sie werden von Magneten nicht angezogen. 2. Zweimark st ücke. Hiervon gibt es mehrere Fälschungen aus Weichmetall von bläulichem und glanzlosem Aussehen. Der helle Silberklang beim Aufwerfen fehlt ihnen. Auch mit ihnen kann man schreiben. Sie greifen sich fettig an und besitzen eine schlechte Randriffelung. In der Regel sind sie ■ M X', y - ■n i M Ai •X* 41 i -/ j ' - 'M. Rw- 3? U ' ■ l D MMG • In Ungarisch-Altenburg wurden die sterblichen Ueberreste des früheren Oberkommandierenden der österreichisch - ungarischen Armee im Weltkrieg, des Feldmarschalls Erzherzogs Friedrich, feierlich beigesetzt. Reichsverweser von H o r t h y, der frühere König A l - fons von Spanien sowie zahlreiche Sonder- obordnungen ausländischer Staatsoberhäupter und Regierungen nahmen an der Trauerfeier teil. Rechts: General der Infanterie v. R u n d st e d t, der Vertreter des Führers, und der österreichische Minister Oberst Glaise - Horstenau im Trauergefolge. (Scherl-Bilderdienst-M.) ifr—jwrr-“-°iiinwniTiai hätte fraglos der Franz „angefangen". seines Glanzes und seiner Macht, und der Pfau, der Äbonnementskarte herausgeben. Sohnes vor, was ja verboten ist: dem Schaffner erzählte zweiten, Zeit zu Das Geburtstagsfest des Gro^moauls. Das Geburtstagsfest des Großmoguls ist eines Bubengeschichte. Von Georg von der Vring. Ein Vater von drei strammen Söhnen aus. Es wurde Johannes langweilig. Als er sah, daß in der Nähe Fußball gespielt wurde, stand er von seiner Bank auf und ging hinüber. Derweil umschritten die beiden Kampfhähne den langen Häuserblock. Immer noch stoßend und rempelnd kehrten sie nach einiger Zeit zu den Anlagen vor der Haltestelle zurück. Herbert merkte jetzt, daß Johannes nicht mehr auf der Bank saß. Das machte ihn stutzig. Er sagte sich, etwas voreilig: Bestimmt ist er inzwischen eingestiegen, der gemeine Kerl, und fährt nun mit meiner Büchertasche heim. Wieso gemein? Nun, in der Büchertasche befand sich die Abonnement-Karte für die Straßenbahn. Herbert würde also zu Fuß laufen müssen; Geld hatte er nicht bei sich. Er scheint seinen Gegner Franz inzwischen so weit eingeschüchtert zu haben, daß diesem nicht mehr besonders viel an einer Keilerei gelegen war, denn als Herbert jetzt drohte, ihn auf das' Pflaster zu legen, wenn er ihm nicht 20 Pfennige für die Straßenbahn gäbe, rückte Franz tatsächlich mit dem geforderten Gelde heraus — leihweife, wie er mir später sagte. Die Prügelei unterblieb somit für diesmal. Die beiden standen noch einen Augenblick zusammen an der Haltestelle. Gesprochen wurde nicht. Herbert klingelte mit dem Geld seines Gegners. Dann kam die Straßenbahn, und er stieg ein. Franz steht da und schaut dem gelben Wachen nach. Schon ärgert er sich, daß er die 20 Pstnn>ae herausgegeben hat. Er spuckt Feuer und wendet sich fort In diesem Augenblick kommt Johannes mit den beiden Büchertaschen vom Fußballplatz heruber- geschlendert. Erstens bekommt er von Franz einen Stoß vor den Bauch und weiß nicht einmal wes- entgeht es. rr „ , , , £ . Wir sind eben beim Mittagessen, Herbert hat mir gebeichtet, daß er sich zwanzig Pfennige habe leihen müssen und auch weswegen, er sagt die Wahrheit, komisch aber wäre nun, daß Johannes und die Büchertasche inzwischen nicht in dessen Hause eingetroffen wären. Ich bin im Begriff, Stellung zu nehmen, da klingelt es. Franz erscheint. Er wolle Herbert die Büchertasche bringen. Alles klärt sich aus. Franz wird zum Mittaaessen eingeladen und bekommt seinen Teller Suppe und Pfannkuchen. Er strahlt, als ich ihm die entliehenen zwanzig Pfennige in die Hand drücke: er zieht befriedigt ab, denn Herbert oder ich wir haben ihm somit Genugtuung gegeben. (Wir haben ebensowenig wie der Franz bedacht, daß die Sache ja nicht stimmte.) Franz merkt es auf der Rückfahrt. Da er die zwanzig Pfennige dem Schaffner geben muß, so ist seine Lage wie zuvor: die zwanzig Pfennige ist er los. Zum Glück komme ich noch am gleichen Tage darauf. Um zu verhüten, daß es am nächsten Morgen mit Sticheleien und Kampf seinen Fortgang nimmt und um dem Lehrer nicht einen neuen Grund zur Klage zu geben und überhaupt aus Gründen der Billigkeit händige ich Herbert noch einmal zwanzig Pfennige ein, mit der Weisung, sie Franz zu übergeben. Alsdann geht mir dies durch den Kopf: Hoffentlich kommt er morgen nicht angereist, um sich zu bedanken, denn dann wird es noch einmal vierzig Pfennige kosten. Erich H a e n e l, der Direktor des Grünen Gewölbes, schildert die Entstehung dieser „fürstlichen Puppenstube", die zur Zeit Augusts des Starken geschaffen ist. Sieben Jahre lang haben siebzehn fleißige und geübte Goldschmiede, an der Spitze Johann Melchion Dinglingei selbst mit seinen Brüdern Georg Friedrich und Georg Christoph, daran gearbeitet. Der königliche Auftraggeber hat 58 485 Taler für das Werk bezahlt, wovon rund 30 000 Taler den Preis für den Werkstoff, insbesondere für die Tausende von Edelsteinen ausmachen, die ich, der Vater, rechtes Glück gehabt hätte, als der Schaffner ihn den Franz, nicht mit der falschen Abonnements-Karte erwischte: wäre der Schaffner aufmerksam gewesen, so müßte ich die Strafe bezahlen oder gar ein paar Tage Gefängnis absitzen. Herbert hat gemeint, ihn wegen dieser Ansicht recht stark verdreschen zu müssen. Hoffentlich geht es diesmal ohne Geld oder Strafzettel ab! über diese Wunderbühne und ihre Schauspieler verstreut sind. Der Held und Mittelpunkt des Festes, das hier von den Vertretern des Reiches Hindoftan gefeiert wird, hat die Beendigung des Werkes, das Am folgenden Tage, beim Mittagessen, teilt mir einen Quadratmeter Umfang lieber neun Stufen Herbert mit, daß es — zu seinem Leidwesen — fuhrt die Anlage hinauf zu dem Thron wo, von wieder zu einer Rauferei gekommen wäre. Diesmal Zwölf schwarzen Drachen und zwei chinesischen hätte fraglos der Franz '„anqefangen". Als Her- Götzenbildern umrahmt, die Sardonyx-Platte den bert ihm das Geld übergab, hatte er geäußert, daß ! Erhabenen tragt. Sonne und Lowe, die Symbole . . . Z < < ... . Z l t AIH AA I Q fflMIAr tl nX AV* STT? A 4a T 1tHA A V ST? «All mir neulich folgendes: Diesmal handelte es sich um meinen um Herbert. Ueber Herbert höre ich von ~ Zeit von seinem Lehrer, daß er recht rauflustig ist: in der Pause pflege er meistens auf einem seiner Mitschüler zu liegen. Der Lehrer mußte ihn meh^ mals deswegen verwarnen. Nun, Sie werden sich denken, daß es mir immerhin lieber ist, er liegt oben, als daß er unten läge und Senge bezöge. Vorige Woche war wieder einmal fo eine Rauferei im Anzuge, diesmal auf dem Heimwege von der Schule, Hervorgerufen wurde sie (wie Herbert behauptet) von seinem Gegenpart. Jener^ Knabe Franz, ein Klassenkamerad, hätte „gestichelt", lieber was .gestichelt" worden ist, konnte ich weder von Herbert noch von Franz in Erfahrung bringen: ich nehme an, daß es um ein Mädchen ging, denn die Knaben sind bereits zwölf Jahre alt. Es wurde also „gestichelt", und Zwar auf dem Wege zwischen der Schule und der Haltestelle der Straßenbahn, an der mein Sohn elnstelgen muß. Der Gegner Franz wohnt in der Nahe der Schule und geht zu Fuß heim. Die Entfernung von der Schule bis zur Haltestelle betragt zweihundert Meter und da Herbert nach Schulschluß Hunger hat, so wäre eigentlich zu erwarten gewesen, daß die Auseinandersetzung beigelegt oder wenigstens verschoben worden wäre. Ein dritter Knabe, der hinter den beiden Kampfhähnen hergmg, ist von Anfang an vom Gegenteil überzeugt gewesen Er heißt Johannes. Johannes besucht dieselbe Klasse und hat, da er in unserem Viertel wohnt, die gleiche Straßenbahn zu benutzen wie Herbert. Johannes sagt also aus, daß er schon geahnt hätte, daß es nicht ohne eine Prügelei abgehen würde. Er hatte richtig vermutet, denn auf dem halben Wege zwischen Schule und Haltestelle über- ssab mein Sohn Herbert ihm seine Büchertasche mit ber Bitte er möchte sie ihm einen Augenblick halten. Das'war ein sicheres Anzeichen. Johannes setzte sich >n der Nahe der Haltestelle auf eine 2Intagen=$anL Er sah, daß die beiden Streitenden nebeneinander weitergmgen und sich mit den Schultern stießen. Dies war noch Varsineü An der Haltestelle bogen sie in eine Neb-nstraß- ein, und Johannes Iah sie dann nicht mehr. Ob es in der Nebenstraße zu Tätlichkeiten gekommen sitz konnte er mir nicht jagen. Er lmtte die Verpflichtung übernommen, mit der Biichertofche ouf Herbert zu warten. Bieter blieb dann ziemlich lange feinen Namen in die europäische Kunstgeschichte getragen hat, selbst nicht erlebt. Aureng Zeb, der ruhmreiche Herrscher des reichsten Landes der Welt, ist im Jahre 1707, achtundachtzig Jahre alt, nach einer an kriegerischen und friedlichen Erfolgen gesegneten Regierung von fast fünfzig Jahren, zu Ahmednagar gestorben. Ein großer Freund der Europäer, liebte und pflegte er Pracht und Luxus, so einfach er, als fanatischer Moslem, auch in seinen persönlichen Bedürfnissen war. Von den Festen an seinem Hofe schwärmten aufsehenerregende Reiseberichte. Kein Wunder, daß der ehrgeizige, von Herrscherträumen orientalischer Phantastik berauschte Kopf des polnisch-sächsischen Monarchen das Bild eines solchen Fürsten nicht vergessen konnte. Die Fläche des silbernen Hofes hat etwa v/lUD vvv ________ ____ der hervorragendsten Werke des an Kostbarkeiten halb: zweitens muß er Herberts Büchertasche samt sh überreichen Grünen Gewölbes in Dresden. Eine der Äbonnementskarte herausgeben. Vorstellung von dieser Herrlichkeit und insbeson- Die beiden vertragen sich dann wieder und bestei- bere auch von der Pracht seiner Farben vermittelt aen die nächste Straßenbahn. Franz, Herberts zum erstenmal das Januarheft von Velhagen Tasche im Arm, zeigt ganz kühl die Karte meines & Klasings M o n a t s h e f t e n^ Professor Dr. _ LUt(;nen w aud; der Fried? 8 HÄ ÄÄÜber Ä |id> b ÄPr B'Ä ,e®»l i»*1 Durb( "" $ l ÄÄ ete 2 "det Q, Achten' 0. 9 info9lioredlfln|( n4lÄ |r