Nr.ZI Erstes Blatt 187. Jahrgang Samstag, b.Zebruar 1937 Er,Heim täglich, außer Sonntags und Feiertag» Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholl« Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr.. , -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernfprechanfchlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siesten Postscheckkonto: grantfurt am Main 11688 Gietzeml Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen druck und Verlag: vrühl'sche UniverfttSt; Such- und Steindruckerci R. Lange in Siegen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Dormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rps.. für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrist nach vorh. Dereinbg. 25"/„ mehr. Lrmüsttgte Grundpreise: Stellen-, Vereins., gemeinnützige Anzeigen sowie ein- spaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rps, Familienanzei- gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Krankreichs Pakipläne im Rahen Osten. Keine Verständigung ohne Verständnis. Don unseremH.Cr.-Berichterstaiter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! London, Februar 1937. Man kann wohl sagen, daß an der Themse keine Rede irgendeines europäischen Staatsmannes in den letzten Jahren mit solcher Spannung erwartet worden ist wie die des Führers. Nicht nur Außenminister Eden hat sein Wochenende geopfert und Vorsorge getroffen, daß er sofort den Inhalt der Rede übermittelt bekam, sondern auch die ganze englische Oessentlichkeit, soweit sie politisch interessiert ist, hat mit Spannung den Abendblättern entgegen« gesehen, die denn auch in großen Schlagzeilen und Zwischenüberschriften die Führerrede brachten. Man hatte in London also viel, sogar das Entscheidende aus dem Munde Hitlers für die künftige Gestaltung erwartet. Noch sind die hohen Beamten des Foreign Office, aber auch des Schatzamtes, mit dem Studium der großen Führerrede beschäftigt. Aus diesem Grunde wurden nur stimmungsmäßige Anweisungen an die Presse gegeben und zwar in der Richtung, daß die Führerrede die Dinge weder gefördert noch erschwert habe, daß die europäische Politik also auf der Stelle trete. Wir glauben nicht, daß diese offiziöse Sprachregelung die englische Auffassung richtig wiedergibt. Diese ist in weiten Kreisen sehr diel positiver und freundwilliaer und würde es auch begrüßen, wenn der Vorschlag der „Times", einen Waffenstillstand für einen öffentlichen Meinungsaustausch einzuführen, verwirklicht würde. Gemeint ist, daß durch Unter« hcmsdebatten nicht unnötiges psychologisches Porzellan zerschlagen wird. Wir bezweifeln die Durch- fürbarkeit dieses wohlgemeinten Vorschlages. Gewisse Kreise halten es heute nun einmal für notwendig, die „Freiheit" gegenüber den Diktaturen zu dokumentieren. Eden, vielleicht — was wir besonders begrüßen würden — Baldwin selbst werden im Parlament Rede und Antwort stehen müssen, Winston Churchill wird seinen alten- Verdrehungen neue ebenso unbewiesene Behauptungen hinzufügen, Lloyd George an seinen Kollegen Kritik üben. Neville Chamberlain sagen, was Herr Eden vergessen hat, Sir Herbert Samuel und Major Attlee ins „antifaschistische" Horn stoßen und am Schluß einer tagelangen Debatte werden alle Enaländer so klug sein wie zuvor. Die englischen Politiker und Parlamentarier sind gewiß nicht denkfauler als ihre Kollegen auf dem Kontinent, aber sie sind nüchterner und phantasie- ärmer. Schon die Tatsache, daß in den übrigen Ländern nicht genau so oder doch ähnlich regiert wird wie in Großbritannien ist ihnen unbequem; denn sie verlangt, daß man sich in fremde Lagen versetzt und über das tägliche Kreuzworträtsel in der „Times" hinaus noch andere Rätsel lösen soll. So liest man denn, halb ungeduldig, halb neugierig und halb verärgert über die grundsätzlichen Ausführungen Adolf Hitlers hinweg, obwohl man sich sagen müßte, daß das, was grundsätzlich richtig ist, auch im einzelnen und praktischen richtig sein muß, und wendet das Hauptaugenmerk den sogenannten „konstruktiven" Vorschlägen zu. So wertet man positiv die Ankündigung, daß die Aera der sogenannten Ueberraschungen zu Ende sei. So hat man auch Verständnis dafür, daß die Kriegsschuldlüge widerrufen, Reichsbahn und Reichsbank unter die Oberhoheit des Reiches gestellt wurden. An die Behauptung, daß Deutschland die Schuld am Weltkriege trage, hat hierzulande kein Mensch mehr ernsthaft geglaubt. An der Zerstörung dieser Lüge haben englische Historiker ehrlich mitgewirkt. In der Beurteilung der Komintern sind die Meinungen geteilt. Der Engländer kennt ja den Kommunismus nur vom Hörensagen und nicht aus praktischer Erfahrung. Eine wirkliche Sinneswand- lung in der Richtung auf eine klare Erkenntnis der ungeheuren Gefahr, der Europa durch den Sowjetpakt der Franzosen und Tschechen ausgesetzt ist, wird und kann erst dann eintreten, wenn der Kommunismus im eigenen Lande stark zunimmt, was durchaus außerhalb des Möglichen liegt, ober auf Frankreich übergreift. Das gleiche mangelnde Verständnis besteht gegenüber dem Vierjahres- p l a n. Der Engländer ist so daran gewöhnt, wirtschaftliche Schwierigkeiten durch Kreditmanivulatio- nen, wenn auch nur vorübergehend, zu beseitigen, er ist so sehr von der Güte seines Wirtschaftssystems überzeugt, daß es ihm schwer fällt, den deutschen Vierjahresplan überhaupt zu begreifen. Das gleiche gilt von der Kolonialfrage, wozu noch eine pfncho- loaifche Tatsache hinzutritt. Die Mandatsgebiete sind für den Mann auf der Straße äußerlich der einzige Gewinn, den England aus dem Weltkriege mit nach Haufe brachte. Auf ihn verzichten bedeutet für ihn soviel, wie vier Jahre lang „für die Katz" gekämpft zu haben. Aber das hindert nicht die Feststellung, daß für die überwiegende Mehrbeit des englischen Volkes die ehemaligen deutschen Kolonien kaum eine dauernde Trübung der deutsch- englischen Beziehungen wert sind. Das Echo der Rede in der Presse ist allerdings eigenartig ausgefallen. Die englischen Zeitungen bezeichneten die Rede des Führers als Enttäuschung, weil ihrer Meinung nach Hitler „zu wenig an Positivem" angeboten hätte. Dabei hätte sich die englische Presse eigentlich darüber im Klaren sein müssen, daß Deutschland Großbritannien gegenüber nicht mehr betonen konnte, als seinen herzlichen Wunsch, mit ihm zusammenzuarbei- ten. Es müßte englischen Ansprüchen eigentlich auch genügen, wenn Deutschland durch den Mund Paris, 5. Febr. (DJIB.) Perttnax im „Echo de Paris“ wie auch der außenpolitische Schriftleiter der „humanite“, Erie, der Mitglied des Auswärtigen Ausschusses der Kammer ist, wollen wissen, daß ein M i t i t ä r a b k o m m e n zwischen Frankreich und Ankara im Entstehen sei. Rach dem „Echo de Paris“ soll Frankreich bereits den Staaten der Kleinen Entente und „ohne Zweifel" auch der Türkei einen allgemeinen gegenseitigen Beistandspakt angeboten haben. Delbos soll dieses Militarabkommen als Verstärkung des gegenseitigen Beistandes zwischen Frankreich und allen seinen Freunden betrachten. Auch andere Blätter enthalten Kombinationen in dieser Richtung. Die Interessen der Türkei. Eine Unterredung mit Rüschtü Aras. Rom. 4. Febr. (DNB.) 3n einer Unterredung, die der türkische Außenminister vor seiner Abreise aus Mailand der ..Tribuna“ gewährte, betonte Rüschtü Aras, daß die Meerengen-Frage und die Sanbf d)af-5 rage heute im Mittelpunkt des politischen Interesses des türkischen Volkes stehen. Die Zusage Italiens, zu gegebener Zeit dem Meerengen-Abkommen beizutreten, bekräftige die nationalen Ansprüche der Türkei. In der Sandschak-Frage soll zwischen Frankreich und der Türkei über eine beschränkte militärische Zusammenarbeit zum Schuhe der Identität des Sandschak verhandelt werden. Außerdem sei ein pakt zwischen der Türkei, Iran, Afghanistan, dem Irak und hedschas in Vorbereitung, der in einigen Monaten unterzeichnet werden soll. Andere Verträge seien im nahen Orientnichtin Sicht. Im übrigen seien auch seiner Ansicht nach seht genügend pakte abgeschlossen worden, so daß man sagen könne, daß die ArbeitsürdieFestigungderbestehen- ben pakte wichtiger sei. als ber Abschluß neuer Vereinbarungen. Weiter begrüßte ber Außenminister den Abschluß bes jugoslawisch-bulgarischen Vertrages unb bie immer freunb- schastlicher roerbenben Beziehungen mit ben Staaten bes Valkan-Bunbes unb gab ber Ansicht Ausbruck. baß gegen Enbe Mai eine außerorbent- liche Völkerbunbsversamrnlung zur Ausnahme Aegyptens unb zur £i quibierun g ber abessinischen Frage stattfinben werbe. In Betgrab hatte ber türkische Außenminister Besprechungen mit bem jugoslawischen Minister- präsibenten Stojabinowitsch über ben Balfan- Bunb, wobei auch bie Mailänber Besprechungen den Gegenstand freundschaftlicher Mitteilungen bildeten. ♦ Wenn der türkische Außenminister Rüschtü Aras angekündigt hat, daß der sogenannte groß- mohammedanische Pakt in den nächsten Monaten unterzeichnet werden könne, so ist damit ein Ziel der panarabischen Bewegung, ntit den des Führers erklärt, daß es sich seiner Verpflichtungen bewußt ist, an der Losung der europäischen Probleme mitarbeiten zu müssen, datz es nichts weniger wünscht als Isolierung, daß eine Kriegsmöglichkeit mit Frankreich überhaupt ausscheidet, daß die besonders in London so unbe lebten „Ueberraschungen" aufhören usw. Deutschland hat also A n g e b o t e z u r G e n u g e gemacht und dennoch spricht man von einer Enttäuschung, dennoch erklärt man, daß Deutschland viel weiter hatte gehen sollen. Was erwartet man eigentlich an der Themse? Sollen wir auf vage Zusicherungen hin unseren Vierjahresplan aufgeben? Vielleicht einzig und allein aus dem Grunde, weil man in Genf die Frage der Rohstoffe bespricht? Oder sollen wir weil London auf einem anderen Standpunkt steht, versöhnt in die Arme der Sowietumon sinken? Wenn man eine europäische Verständigung will, dann ist Voraus^ebung dafür, daß man dem Partner gegenüber a'ch das notwendige Der- ft S n'b n i s aufbrinnt. ®erftant>igiina ohne SR»x« ständnis für die Lage des anderen ist Mid bietbt ein Unding. Und deshalb sollte die englische Presse sich die Mühe geben, sich einmal ch die Lage Deutschlands zu versetzen und den Versuch machen, die Probleme auch einmal von Mittel-Europa aus zu sehen und nicht nur von der gewiß glücklichen und beneidenswerten Stellung aus, die Großbritannien nun einmal einnimmt. Wenn eine Einigung Zustandekommen soll, bann müssen alle Parteien von ihren Forderungen etwas abstreichen, damit eine gemeinsame Lime gefunden wird. Und im politischen, wie auch im menschlichen Leben ist es Sache ber Reichen und Wohlhabenden als erste mit gutem Beispiel voranzugehen. England, zusammen mit Frankreich, hat sich Zwar bereiterklärt, wirtschaftliche Zugeständnis s e zu machen, beide haben aber dieses Angebot in mindestens ebenso „vage F o r m en" gekleidet, mie man das von den Angeboten des Führers hier in London behauptet. Man kann von uns nun nicht erwarten, daß wir als der Habenichts ben ersten Schritt tun. Deutschlanb ist sich darüber klar — das erkennen alle Ehrlichen in England ^uch an -, daß eine Zusammenarbeitnotwe n d i g ist unb nicht nur jetzt, sondern mehrmals hat der Führer erklärt, daß Deutschland sich an dem Auf- Türken und Jraniern und Afghanen zusammenzugehen, der Verwirklichung nahegerückt. Der Pakt würde im vorderen Orient ein Gebilde schaffen, das eine selbständige Politik gegen Sowjetrußland, aber auch gegen England betreiben würde. Die Nationalisierung der einzelnen Staaten der mohammedanischen Welt ist soweit fortgeschritten, daß jetzt auch äußerlich diese Machtentfaltung in bie Erscheinung tritt. Aber bie Pariser Politiker, in der Angstpsychose vor Deutschland, seit dem Militär- oertrag mit Moskau vom 2. Mai 1935 an ben bolschewistischen Wagen gebunden, planen darüber hinaus noch eine Ergänzung ber Paktpoli- t i f, die nach der Kriegszeit der verstorbene Direktor des Quai d'Orsay, 'B e r t h e l o t, begann und im wesentlichen trotz der Fassadenreden eines Briand und Laval für den Frieden doch zu einem Instrument der militärischen Hegemonie Frankreichs über Europa aufzubauen bemüht war. Ueberein- ftimmenb berichtet die Pariser Presse, nicht nur d j e Pakte mit ber Kleinen Entente müßten enger gefaßt werben, sonbern auch Mit der Türkei sei ein Militärbündnis erstrebenswert und nahe. Nun hat Rüschtü Aras betont gesagt, mit Frankreich fei nur über eine be- London, 6. Febr. (DNB. Funkspruch.) Bezeichnend für ben Stimmungsaufschwung inderWehr- frage in England war die in London tagende Versammlung der englischen Hochkirche. Auf dieser Tagung wurde eine Entschließung angenommen, in der der Regierung das Recht zugestanden wird, sich eine Wehrmacht zu schaffen, wie sie dem Parlament für die Durchführung der Regie- rungspolitik notwendig erscheint. Der B i s ch v f v o n London erklärte, baß eine wirkliche Gefahr für ben Weltfrieden nur die Pazifisten bedeuteten, der Erzbischof von York sagte, daß es unter Umständen Christenpflicht fein könnte, zu töten. Die pazifistische Agitation vergrößere die Kriegsgefahr. Aehnliche Aeußerungen hätte man vor noch gar nicht so langer Zeit wohl kaum aus dem Munde englischer Kirchensürsten vernommen. Jetzt aber machen sie sich zu Verfechtern des Rüstungsprogramms ber Regierung. Kriegsminister Duff Cooper erklärte in einer Rede, er freue sich, baß eine überwältigende Mehrheit der englischen Kirchenführer die Meinung der englischen Regierung in der Frage der Wehrpolitik teile. Fromme Ansichten seien zwecklos, wenn man nicht bie Gewißheit habe, daß ein st a r k e s Schwert dahinter stehe. Andere Nationen seien den Engländern militärisch zur Zeit noch voraus. Er sei aber überzeugt, daß England sie nicht nur einholen, sondern s i e überflügeln werde. Die meisten Blätter nehmen die Wehrentschließung der Kirche mit Zustimmung auf. „Daily Telegraph" erklärt, die Pazifisten seien eine Minderheit in England, im Verhältnis zur großen Masse bau eines wirklichen Friedenssystems beteiligen will. Da er das wiederum getan hat, ist die Bahn zu Verhandlungen also frei und kann beschritten werden. Man löst berartig große Probleme ja nicht am Mikrophon von Land zu Land, sondern in enger Zusammenarbeit am Verhandlungstisch. Die Tür zu Verhandlungen ist deutscherseits geöffnet worden. Es sollte daher die englische Presse auch vermeiden, diese Tür zuzuschlagen. Wenn hier von englischer Presse geredet wird, dann ist damit bie Mehrheit der Zeitungen gemeint. Es gibt glücklicherweise auch andere, die die Richtigkeit der deutschen Haltung anerkennen. So kommen wir bei der Prüfung ber Aufnahmen der Führerrede in England zu dem Ergebnis, daß bei der breiten Masse eine wirkliche Verständigungsbereitschaft besteht. Daß diese Tatsache in der Presse nicht zum Ausdruck kommt, ist fein Gegenbeweis. Aber ebenso wäre es falsch, die Stimme der Presse zu unterschätzen. Denn sie ist, wenn auch an verschiedenen Melodien reich, d i e Stimme d e r Regierung. Der Witz de^ englischen Demokratie ist ja nur der, daß sie das Volk glauben macht, es regiere sich selbst und zur Aufrechterhaltung des Glaubens zu Konzessionen an bie sehr behutfam und an langer Leine gegängelte öffentliche Meinung bereit ist. In entscheidenden Fraaen führt allein das Kabinett und niemand sonst. Wie aber im Schoße bes Kabinetts die Führerrede beurteilt wird, bas wird sich nicht heute und nicht morgen, frühestens vielleicht in vierzehn Tagen zeigen, wenn Eden von seinem Erholungsurlaub zurück ist. Daß man in offiziellen Kreisen bisher außerordentlich zurückhaltend gewesen ist, läßt vielleicht darauf schließen, daß man in White- hall in ber Führerrede sehr wohl einen Anknüpfungspunkt für eine Aussprache gegeben sieht. Allerdings scheint es so, als wollte die britische Regierung immer noch an dem Standpunkt festhalten, daß jede politische Regelung in Europa u m- fassend fein müßte, alle Staaten des Festlandes einschließen müßte, daß sie sich noch nicht zu der Ansicht bekannt hat, daß der Weg zum europäischen Frieden auch schrittweise gegangen werden kann. Das, was die Lage in Europa heute aber günstiger erscheinen läßt, ist der Umstand, daß die ausschlaggebenden Mächte von der Notwendigkeit schränkte militärische Zusammenarbeit in der Frage des Sandschaks Alexandrette verhandelt worden, nicht über weitere Paktpläne. Es ist auch nicht ersichtlich, weshalb sich die Türkei ohne weiteres an Frankreich binden soll. In Paris scheint der Wunsch ber Vater bes ©ebanfens eines Paktes militä- rischer Natur mit ber Türkei gewesen zu sein. Aber die Wirklichkeit ergibt keinerlei Anhaltspunkte für die französischen Wünsche. Und zudem ist eine engere Verknüpfung der Balkanstaaten mit Frankreichs Interesse doch kaum möglich, zumal die Balkanstaaten sich immer mehr Rom zuneigen. Die Franzosen merken jetzt, daß ihr künstlicher politischer Einfluß auf bie Balkanstaaten gerade in ber letzten Zeit durch die italienische Aktivität abge- nommen hat. Sie phantasieren daher von weiteren Paktplänen in Fortsetzung der alten Paktpolitik, die doch gerade die Ursache dafür gewesen ist, daß Europa praktisch in zwei Lager zerfiel. Die Wiederholung einer solchen Paktpolitik aber ist um so schwieriger, als allgemein der Ruf gerade nach Abbau solcher Pakte, die nur in Frankreichs Interesse liegen, erhoben worden ist. der Engländer, bie zwar gegen einen neuen Krieg seien, aber wenn sie es für nötig hielten, zum Kampf bereit seien. Der Erzbischof von York habe bie Ansicht aufrichtiger Friedensfreunde roiebergegeben, als er erklärte, daß die pazifistische Propaganda die Gefahr eines Krieges nicht ver- mindere, sondern vermehre. Der Ausbruch eines Krieges wäre in den nächsten Jahren wahrscheinlich, wenn man annehmen würde, ein pazifistisches England wolle sich seinen Verpflichtungen entziehen. Die konservattve „Morning Post" wendet sich ebenfalls gegen die pazifistische Propaganda. Jedes Land würde sich verteidigen, wenn es angegriffen würde. In dieser Hinsicht seien auch bie englischen Kirchenvertreter einig. Öer neue britische Botschafter in Berlin. London, 5. Febr. (DNB.) Der König hat ber Ernennung des b i s h e r i g en britifchenBot« schafters in Argentinien und Paraguay, Sir Neville M. Henderson, zum britischen Botschafter in Berlin zugestimmt. Sir Neville M. Henderson ist 55 Jahre alt. Er steht seit 32 Jahren im diplomatischen Dienst und ist seit 1935 Botschafter in Buenos Aires unb zugleich Gesandter bei der Republik Paraguay. Vorher war Henderson von 1925 bis 1935 Gesandter in Belgrad. Er konnte sich besonders guter Beziehungen zu dem in Marseille ermordeten König Alexander von Jugoslawien erfreuen. In feiner diplomatischen Laufbahn hat Henderson vorher in Tokio, Rom, Istanbul unb Kairo gewirkt. Er ist, wie viele ber englischen Diklomaten, in Eton erzogen worben. einer friedlichen Zusammenarbeit überzeugt find. Der einzige Störenfried, die Sowjetunion, wird diese Zusammenarbeit auch nicht aufhalten können, denn für die Staaten, bie sich ber europäischen Zivilisation verpflichtet fühlen, besteht ein einfacher Zwang zum Frieden. Polen unb die Führerrede. Warschau, 5. Febr. (DNB.) Zur Rebe bes Führers erklärt die halbamtliche „Polnische Politische Information" u. a.: Von den Polen gewidmeten Worten des Kanzlers ist zweifellos ber wichtigste Abschnitt der, ber von den Völkern unb Staaten spricht, bie heute Realität geworben finb, mit denen also bie verantwortlichen Staatsmänner rechnen müssen. In bie Reihe dieser Nationen unb Staaten hat ber Reichskanzler neben Italien unb Deutschland Polen gestellt. Wir müßten hier noch auf bie Tatsache aufmerksam machen, daß Hitler, als er von Polen als von einer Realität des gegenwärtigen Europa sprach, mit besonderem Nachdruck hervorhob, er richte diese Worte an seine eigenen Volksgenossen. Wir sehen hierin die logische und konsequente Linie des Kanzlers, der zusammen mit dem großen Marschall Polens der Schöpfer bes neuen Kurses der deutsch- polnischen Beziehungen und zugleich in feiner hohen Autorität der Fürsprecher dieser Idee unter seinem eigenen Volk geworden ist. Auf diesen Hintergründen gewinnt die Wichtigkeit der Erklärung Hitlers noch an Ausdruckskraft. Angesichts der Vergangenheit unb durch die Eintagsbeziehungen hindurch, in denen man Lösungen für die verschiedenen oft schwierigen Probleme des nachbarlichen Zusammenlebens sieht, gehören so freundschaftliche Worte des Führers des deutschen Volkes Polen gegenüber zu Erscheinungen, die ihre Spuren in der Geschichte hinterlassen. Die Erklärung des Führers über die Notwendigkeit der gegenseitigen Achtung ber Rechte ber nationalen Minber heilen ist in Polen als Garantie ber freien kulturellen Entwicklung ber polnischen Bevölkeung in Deutschland verstanden worben." Die englische Hochkirche unterstützt das Wehrprogramm der Regierung. Gaukuliurtagung Hessen-Nassau. Am 13. und 14.Februar 1937 in Wiesbaden. NSG. Die gesamte kommende Kulturarbeit des Gaues heffen-Raffau unter eine einheitliche Leitung und Zielrichtung zusammen z u f a s s e n, ist der Sinn der großen Gaukulturtagung, die am 13. und 14. Februar 1937 in Wiesbaden slatlfindet. 3m Mittelpunkt der Veranstaltung stehen die Ausführungen des Gauleiters und des Gaupropagandaleiters, die am Sonntag um 11 Ahr im Kleinen Saal des Kurhauses das Wort ergreifen werden. Die offizielle Begrüßung der Teilnehmer erfolgt bereits am Samstagmittag durch den stellvertretenden Gauleiter Staatsrat Reiner. Sämtliche Gauamtsleiter, Kreis- teiter, die kulturellen Sachbearbeiter der Gliederungen und der angeschlossenen Verbände, die Intendanten der Theater und des Reichssenders, die Landesteitcr der Reichskutturkammer, sowie zahlreiche Vertreter des Staates und der Wehrmacht nehmen an dieser großen Kulturtagung des Gaues hefsen-Rassau teil, der ihres Inhaltes wegen eine außerordentliche Bedeutung zukommt. Der Auftakt zur 5. Reichsstraßensammlung. Eine Kundgebung im Berliner Sportpalast. Berlin, 5. Febr. (DNB.) Den würdigen und verheißungsvollen Auftakt zur 5. Reichsstraßensammlung für das Winterhilfswerk, die von den Frontsoldaten des großen Krieges Schulter an Schulter mit der jungen Generation durchgeführt wird, bildete am Freitagabend eine Kundgebung im festlich geschmückten Sportpalast. Riesige Hakenkreuzfahnen grüßten von den Emporen, und Spruchbänder brachten die Parolen der kommenden Sammeltage: „Eine Gemeinschaft — ein Opferwille" oder „Das Bernsteinabzeichen — Das Schmuckstück für jeden Deutschen". Zu der Kundgebung hatten die S sammelnden Verbände, die NS.-Kriegsopfer- argung, der Reichskriegerbund Kyffhäuser, der NSDStB., der Reichsluftschuß und der DLSV. aufgerufen. Die Bedeutung der Veranstaltung wurde unterstrichen durch die Reden des stellvertretenden Gauleiters Staatsrat G ö r l i tz e r, des SA.-Obergruppenführers von Ja g o w und des Reichskriegsopferführers Oberlindober, die in aufrüttelnden Worten einen eindringlichen Appell zu weiterer Einsatz- und Opferbereitschaft an das deutsche Volk richteten. Unter den Ehrengästen sah man den Reichsstudentenführer Dr. S ch e e l, den Landesgruppenführer des Reichsluftschutzbundes Major von Loeper, Oberst v. A r n a u l t vom DLSV., Generalmajor Müller vom Reichskriegerbund, sowie den Führer der ungarischen Kriegsinvaliden, S z m a t a m a , den der Vertreter des Gauamtes Berlin der NSV., Hoßfeld, besonders herzlich willkommen hieß. Die Zeiträge zur Arbeitslosenversicherung. Im Zusammenhang mit der fa st völligen Beseitigung der Arbeitslosigkeit in Deutschland durch die Maßnahmen des Führers ist hie und da der Hoffnung Ausdruck gegeben worden, die Höhe der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung der Ziffer der Arbeitslosigkeit anzugleichen. Die Bilanz oer Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung spiegelt deutlich die kräftige Erholung wider, die der Rückgang der Erwerbslosigkeit automatisch für sie mit sich brachte. Aus dieser Bilanz ist klar ersichtlich, daß ein Betrag, der an eine halbe Milliarde heranreicht, dem Reich zur Verfügung ge st eilt werden konnte, um restlos für die großen Arbeitsbefchaf- funasmaßnahmen der Reichsregierung, d. h. also für die Neuschaffung und Sicheruna von Arbeitsplätzen Verwendung zu finden. Diese Art der Verwendung der Ueberschusse kommt restlos dem Volke selb st zugute. Außerdem darf nicht übersehen werden, daß die Reichsanstalt niemals ein reines D e r fi ch e r u n g s u n t e r n e h - men auf eigenen Füßen war. Es hat d i e Hilfe d e s R e i ch e s in den Jahren der Krise mit Riesenbeträgen in Anspruch nehmen müssen. So werden auch alle, die jetzt eine Beitragsermäßigung erwarten, bedenken müssen, ob, ganz abgesehen von der Verwendung der Ueberschüsse für die Arbeitsbeschaffung, es nicht recht und billig ist, wenn in den Zeiten der Ueberschüsse die Reichsanstalt dem Reiche ein Aequivalent für die Zuschüsse in den Zeiten der Krise zurückgibt. Verbesserter Kundenschutz im Wertvapierqeschäst. Ein neues Gesetz über die Verwahrung und Anschaffung von Wertpapieren. Berlin, 5. Febr. Die Reichsregierung hat auf Vorschlag des Reichsministers der Justiz Dr. Gürt- ner ein neues Gesetz über die Verwahrung und Anschaffung von Wertpapieren verabschiedet, das von folgenden Grundgedanken getragen ist: Den Ausgangspunkt bildet die Notwendigkeit der Sicherung, her Erhaltung und des Ausbaues eines den Bedürfnissen des nationalsozialistischen Deutschlands genügenden Kapitalmarktes. Für die Förderung eines solchen Kapitalmarktes ist nicht nur die Organisation der Bör- s e n und des börsenmäßigen Handels, sondern auch eine das Vertrauen stärkende und den Kundenschutz verbessernde Verwahrung und Anschaffung von Wertpapieren für an- d e r e wesentlich. Diese organische Ausgestaltung des Bankendepotrechts muß sich auf dem Boden der wirtschaftlichen Gegebenheiten aufbauen. Aus diesen Erkenntnissen ergeben sich zwei Notwendigkeiten: Ziel der Neuregelung muß der Schutz des Sparers fein, der seine Ersparnisse in Wertpapierform anlegt. Damit ist dem Gesetz eine Verbesserung des Kundenschutzes gegenüber dem geltenden Bankdepotrecht gewiesen. Dieses Ziel sucht das Gesetz zu verwirklichen: Einmal in der Erhaltung des Eigentums für o e n Hinterleger bei dem Verwahrungsge- fchaft, und zum anderen in der möglichst schnellen Verschaffung des Eigentums für den Bankkunden beim Anschaffungsgeschäft. Als geeignetes Mittel sieht das Gesetz die Aufstellung fester Rechtsregeln an, die nur da abdingbaren Rechtsbestimmungen Platz machen, wo dies mit den sonstigen Zielen des Gesetzes in Einklang steht und insbesondere wo die Person des beteiligten Bank- künden dies rechtfertigt. Als geeignetes'Mittel für Genecnlfelörnacfthall o. Mackensen zur 5.Heidisftrofien|ammlung öes Winterhilfsmcrkes am ü./7. Zebruar 1937 Mit dem Führer für Deutschland gegen die Not I Drauf und durch l Wir Frontsoldaten kennen es nicht anders. Waldhaus Falkenwalde, U, Z1 t/L den 4 . Januar 1937 Schafft Schwimmbäder auf dem Lande! Aktion der Hitlerjugend und des Reichsnährstandes. Berlin, 5. Febr. (DNB.) Der Reichsbauernführer Reichsminister R. D a r r 6 , Reichsminister Dr. Goebbels und der Jugendführer des Deutschen Reiches von Schirach haben nachfolgenden Aufruf erlassen: Innerhalb der allgemeinen körperlichen Ertüchtigung der deutschen Jugend ist das Schwimmen gesundheitlich, erzieherisch und sportlich eine der wichtig st en Leibesübungen. Es stärkt die Kraft und Gesundheit der in den Entwicklungsjahren stehenden Jugend, erzieht au Wagemut und Entschlossenheit und fördert durch den sportlichen Wettkampf die körperliche Leistungsfähigkeit und das Vertrauen zum eigenen Können. Darum soll in Zukunst jeder deutsche Junge und jedes deutsche Mädel schwimmen können und spätestens bis zum Ausscheiden aus der Hitler-Jugend bzw. dem Bund Deutscher Mädel das Freischwimmerzeugnis besitzen. Die Schwimmbäder aber, über die wir heute in Deutschland verfügen, reichen bei weitem nickt aus, um dieses große Ziel zu erreichen. Hunoerttausende der ländlichen Jugend können heute ttotz des guten Willens das Schwimmen nicht erlernen, weil jede Schwimmöglichkeit fehlt, und viele fallen heute noch alljährlich dem nassen Tode zum Opfer, weil sie des Schwimmens unkundig sind. Das kann und darf nicht mehr sein! Wir rufen deshalb d i e Dörfer und Gemeinden und die O r t s b a u e r n s ch a f te n und Ortsgruppen der Partei auf: Schafft Schwimmbäder für die deutsche Jugend, nutzt jeden Dach, jeden kleinen Fluß, jeden Teich aus. Schafft Stätten der Erholung und der körperlichen Ertüchtiaung und helft mit an der großen Erziehungsarbeit des Reichsnährstandes und der Hitler-Jugend. Zur Förderung des Schwimmsportes wurde e i n Propagandaausschuß gebildet, zu dessen Vorsitzenden der Jugendführer des Deutschen Reiches auf Vorschlag des Reichssportführers den Leiter des Amtes für Leibesübungen in der Reichsjugendführung, Gebietsführer Schlünder, ernannt hat. Dem Ausschuß gehören ferner die hierzu bestimmten Referenten aus den Stäben oder Aemtern der Unterzeichner des Aufrufes an. Reichssportführer von Tschammer und Osten hat einen Aufruf an die Gliederungen des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen erlassen, in dem er sie auffordert, sich mit allen Kräften an der Durchführung dieser Werbung zu beteiligen und zum endgültigen Erfolg das Ihre beizutragen. Erzielung eines verstärkten Kundenschutzes sieht das Gesetz weiterhin vor, daß alle Vereinbarungen, die die Rechtsstellung des Kunden beim Verwahrungsund Anschaffungsgeschäft beeinträchtigen, nur auf Grund ausdrücklicher und schriftlicher Erklärung des Kunden zustande kommen können. Insbesondere schränkt das Gesetz die Möglichkeit ein, daß der Verwahrer und der Kommissionär die Befugnis zu Maßnahmen, die die Rechtsstellung des Kunden verschlechtern, aus den Geschäftsbedingungen ableiten kann. Andererseits mußte aber auch berücksichttgt werden, daß die Notwendigkeit des Kundenschutzes mit der Notwendigkeit eines geordneten und beweglichen Wertpapierhandels und mit den berechttgten Belangen der Verwahrer (Bankanstitute) in Einklang zu bringen ist, da sonst die Wertpapierverwahrung und der Wertpapierhandel in volkswirtschaftlich nicht vertretbarer Weise erschwert und verhindert würden. Oie Befreiung der Reichsbank. Eine Dankadresse an den Führer. Berlin, 6. Febr. (DNB.) Am Freitagnachmittag empfing der Führer und Reichskanzler den Neichsbankpräsidenten Dr. Schacht, sowie Vertreter der Beamten, Angestellten und Arbeiter der Reichsbank. Dem Führer wurde eine Urkunde überreicht, die folgenden Wortlaut hat: „Dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler dankt die gesamte Gefolgschaft der Reichsbank in Ergebenheit und Treue für die Befreiung der deutschen Notenbank von letzten internattonalen Bindungen. Dem Auslande ist das uns in Zeiten der Not und des Niederganges abgepreßte Recht, auf die Deutsche Reichsbank als Trägerin der deutschen Währung Einfluß zu nehmen, wieder genommen worden. Das deutsche Zentralnoteninstttut ist nunmehr völlig der Hoheit des Reiches unterstellt. Das gewaltige Befreiungswerk des nationalsozialistischen Deutschlands ist damit zum Abschluß gekommen. Die Reichsbank ist sich in allen ihren Gliedern ihrer Verantwortung für Volk und Staat bewußt und hat es stets als ihre vornehmste Aufgabe angesehen, nur Deutschland zu dienen. Mit umso größerer Begeisterung begrüßen es die Beamten, Angestellten und Arbeiter der Reichsbank, daß die Verbundenheit des Noten- institutes mit dem Reich auch nach außen hin wieder uneingeschränkt in Erscheinung tritt. Unter dem Eindruck der Erklärung vom 30. Januar 1937 gelobt die Gefolgschaft der Reichsbank in einmütiger Geschlossenheit von neuem dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler rückhaltlose Einsatzbereitschaft und Pflichterfüllung im Dienste des Dritten Reiches." Oer Gauleiter sprach in Biedenkopf. NSG. Die Kreisstadt Bindenkopf im nördlichsten Zipfel Hessen-Nassaus, liegt in einem vorwiegend landwirtschaftlichen Kreis, doch geht ein großer Teil der Bevölkerung dem Broterwerb in der Industrie der Steine und Erden nach. Früher hatten diese Leute zum weitaus größten Teil landwirtschaftlichen Besitz und erwarben ihr Verdienst zusätzlich, während sie heute zu 70 v. H. reine Arbeiter sind Diese Verhältnisse günstiger zu gehalten, ist die Hauptsorge der Partei und des Staates Das kam sinnfällig durch den Besuch des Gauleiters und Reichsstatthalters Sprenger bei einer der Hinterländer Eisengießereien zum Ausdruck. Die etwa 500 Köpfe zählende Gefolgschaft dieses Werkes, das vorzugsweise Oefen und Herde herstellt, ist durch das wache Interesse des Gauleiters in der Ueberzeugung bestärkt worden, daß unser neues Deutschland die Arbeitskraft pflegen und erhalten will. Am Abend sprach der Gauleiter auf einer Kundgebung, die aus dem überfüllten größten Saal Biedenkopfs durch Lauffprecher auf drei weitere ebenfalls vollbesetzte Räumlichkeiten übertragen wurde. Wir sind von der Erkenntnis ausgegangen, so erklärte der Gauleiter u. a., daß man ein hungerndes Volk nicht durch Worte, sondern durch Taten sättigt. 2lber nicht nur Arbeit soll der Arbeiter wieder haben, er soll in erster Linie auch wieder Mensch werden, der sich vollbewußt neben den Angestellten und den Betriebsführer stellt. Dieser Wandel ist bereits vollzogen, und hätte Adolf Hitler nichts anderes vollbracht, als dies, so müßte ihn die Welt schon um dessentwillen als den genialsten Führer der Geschichte anerkennen. Und doch ist für uns alles, was bis jetzt geschaffen wurde, e r ft ein B e- ginnen. Auf dem Fundament trägt der Führer Baustein um Baustein zusammen und errichtet so den herrlichen deuffchen Dom. An den bösen Zeichen, die rings um unsere Grenzen die Völker beunruhigen, sehen wir erst recht unsere Stärke, und wir können stolz darauf sein, daß die Welt unseren Führer bereits als den genialsten Staatsmann aller Zeit en anerkennt. Jetzt ist es Pflicht eines jeden Volksgenossen, sich eng an die Führung der Partei anzulehnen, denn zu jedem weiteren Aufstieg liegt in ihr die Dynamik. Die Tradition der Schutztruppe in Deuffch-Ostasrika. Hamburg, 5. Febr. (DNB.) In Wands- beck-Jenfeld wurde auf dem Kasernenhof des J.-R. 69 die Tradition der ehemaligen Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika durch General von Lettow- D o r b e ck an das 2. Bataillon des J.-R. 69 übergeben. Aus Anlaß dieses Tages hatten die Kasernen reichen Flaggen- und Girlandenschmuck angelegt. Im großen Viereck waren die Gliederungen der Wehrmacht, der Partei und der alten soldatt- schen Verbände, unter ihnen d i e Männer des Reichskolonialkriegerbundes, in ihren alten Uniformen auf marschiert. Gcucral von Let- tow-Vorbeck schritt unter den Klängen des Präsentiermarsches in Begleitung des kommandierenden Generals des 10. Armeekorps, General der Kavallerie Knochenhauer, und des Bataillonskommandeurs Oberstleutnant Strack, die Front des 2. Bataillons und der aufmarschierten Verbände ab. Dann würdigte Wehrkreispfarrer Hunzinger die heldenmütigen Taten des Generals von Lettow-Vorbeck und feiner Getreuen. Den 750 deutschen Soldaten, die in Deutsch-Ostafrika für ihr Vaterland fielen, galt ein sttlles Gedenken. General von Lettow-Vorbeck erklärte, es erfülle ihn mit Stolz, die Tradition der Kaiserlichen Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika dem 2. Bataillon des J.-R. 69 übergeben zu können. Er wisse, daß sie in gute Hände komme. Viereinhalb Jahre hätten seine Soldaten in heldenmütigem Kampfe ausgehalten und als einzigen Besitz d i e Tradition heimbringen können. „Wir übergeben Euch jungen Soldaten", schloß General von Lettow-Vorbeck, „diese heilige Ueberlieferung a l s Quelle soldatischer Kraft. Seid treue Hüter und Wahrer dieses Besitzes." Der Regimentskommandeur Oberst von Briesen sprach den Dank des Regiments für die hohe und ehrende Verpflichtung aus. Nach einem dreifachen Hurra auf General von Lettow-Vorbeck sprach General Knochenhauer die Versicherung aus, daß die Soldaten der hohen Verpflichtung, die ihnen die neue Traditton auferlege, nachkommen würden. Im Namen der Trupve gelobte er diese Verpflichtung mit einem Sieg-Heil auf Deutschland und seinen Führer. Die Offiziersvorbilduna in Oesterreich. W i e n , 5. Febr. (DNB.) Jrn Staatsrat wurde das neue Offiziersvorbildungsgesetz beraten, das insofern von grundlegender Bedeutung ist, als darin dem Gedanken des Volksheeres, wie ihn das neue Deutschland in vorbildlicher Weise heraus- gearbeUet hat, Rechnung getragen wurde. In der alten österreichisch-ungarischen Armee, deren Struktur im großen und ganzen dem Aufbau der neuen österreichischen Wehrmacht zum Vorbild dient, konnten grundsätzlich nur in höheren Schulen vorgebildete Personen Offiziere werden. In Zukunft werden besonders begabte Un- terof fixiere nach zehnjähriger Dienstzeit und zweijährigem Besuch einer Offiziersschule zu Offi- zierenernannt werden können. Der größte Teil der künftigen Offiziere des Bundesheeres wird in der Theresianifchen Militärakademie ausgebildet wer. den. Für den Truppenoffizier ist im An- schluß an den Besuch der höheren Schule ein drei- jähriger Lehrgang in der genannten Akademie vor- geschrieben. Wer in den G e n e r a l st a b aufrüden will, muß einen vierjährigen Lehrgang durchmachen und außerdem einen dreijährigen Generalstabskurs besuchen. Die Erinnerungen d esKanunerherrn vonOldenburg. In seinen Erinnerungen, die hier kürzlich besprochen worden sind, hat der frühere Kammerherr und Reichstaasabgeordneter Elard von Olden» burg-Januschau die Rede noch einmal ab- drucken lassen, die er im Oktober 1930 von der Reichstagstribüne über d i e Lage in der Reichswehr hielt. Herr von Oldenburg schickt in seinem Buche der Rede eine Erläuterung vor- aus, in der es heißt: „Zwei Offiziere, die über den Rahmen des alltäglichen Dienstes hinaus sich politische Gedanken gemacht und einige Gespräche mit Außenstehenden geführt hatten, wurden in Ulm von der Front weg verhaftet und in ein Hochverratsverfahren verwickelt. In einem anderen Fall hatte man einem Druck aus zivilen Kreisen soweit nachgegeben, daß man die Wache nicht mehr in Uniform, sondern in Z-ivil versehen ließ. Schließlich ging man sogar so weit, daß man demjenigen Soldaten eine goldene Uhr Der« sprach, der den Urheber eines politisch mißliebigen Gesprächs zur Anzeige brachte." Wegen dieser Maßnahmen und Erlasse griff Herr von Oldenburg in seiner Rede auch den damaligen Chef der Heeres- leitung persönlich an. „Generaloberst Heye, den ich persönlich hochschätze — wenn ich auch fein rnili- tärisches Tun zu begreifen nicht in der Lage bin — hat bei Besichtigungen die Soldaten aufgefordert, wenn einer sich bedrückt fühle, soll er sich an ihn persönlich wenden: seine Tür stünde jedem jederzeit offen... Nun möchte ich einmal wissen, was ge» schehen würde, wenn der vorschriftsmäßige Beschwerdeweg in der Form verlassen wird, wie der Herr Generaloberst Heye das wiederholt vorge- schlagen hat..." Im Oktober 1930 ist Generaloberst Heye von der Leitung der Reichswehr zurückgetreten. Herr von Oldenburg.Januschau sendet jetzt ber „Deutschen Allgemeinen Zeitung" eine Zuschrift, in der es heißt: „5Bie mir der Generaloberst Heye jetzt mitteilt, hat er bei seinem Scheiden aus Königsberg die Soldaten aufgefordert, sich an ihn per- sönlich zu wenden, falls sie bei der Anstel- lung im Zivildienst Schwierigkeiten hätten. Es hat sich nicht um aktive Soldaten gehandelt. Wie mir der Herr Generaloberst Heye fer« ner mitteilt, ist er auch bezüglich des von mir kritisierten Uhrenerlasses, der Verhaftung von Offizieren vor der Front durch einen Zioilrichter, des Uniformerlasses bei Aufzieben von Wachen und des Leipziger Prozesses nicht beteiligt. Diese Vorgänge waren die Ursache, daß der Chef der Heeresleitung den Generalfeldmarschall von Hindenburg um seinen Abschied b a t und von seinem Posten zurücktrat. Mit Rücksicht auf das Ansehen der Reichswehr hat er hierüber bis heute geschwiegen. Es trifft meine damalige Reichstagsrede auf den Herrn Ge- neraloberft Heye ni cht zu, was ich hiermit fefteUe." Roosevelt fordert Reform der Bundesgesetzgebung. Washington, 5. Februar. (DNB.) Präsident Roosevelt übersandte dem Bundeskongreß eine Bot- sckaft, in der er das Bundesgerichtssystem als vollkommen veraltet bezeichnet. Roosevelt sagt, daß alle drei Instanzen so überlastet seien, daß jeder Prozeß jahrelang dauere und arme Leute es sich nicht leisten könnten, zu prozessieren. Die Kammern seien mit überalterten Richtern besetzt, die nicht zwangsweise pensioniert werden könnten. Ein Teil von ihnen sei geistig schon so schwach, daß ihre Arbeit darunter leide und sie selbst nicht fühlten, daß sie abgehen müßten. Außerdem stelle das Prozessieren wegen angeblich verfassungswidriger Gesetze eine schwere Belastung für die Regierung dar. Die verschiedenen Bundesgerichte träfen verschiedene Entscheidungen in wichtigen Verfassungsfragen, manchmal dauere es Jahre, bis das Oberste Bundesgericht irgendeine Frage für das ganze Land entscheide. Inzwischen herrsche Ungleichheit, Unsicherheit und schwere Behinderung der Regierungsarbeit. Der Präsident verlangt, daß für jeden Richter, der unter 70 Jahre alt und zehn Jahre im Amt ist, aber sechs Monats nach Erreichung des 70. Lebensjahres noch nicht zurückgetreten ist, ein weiterer Richter bestellt werde. Dies würde die Zahl der Richter im Obersten Bundesgericht — worauf es Roosevelt in erster Linie ankommt — von 9 auf 15 erhöhen. Dadurch würden die alten Richter, die die Gesetze neuen Kurses für verfassungswidrig erklärten und fast jede Reformmaßnahme töteten, matt gesetzt. Kein Bundesgericht solle über die Verfassungswidrigkeit eines Gesetzes enffcheiden oder einen Einbaltebefehl erlassen können, ohne vorher den Justiz Minister benachrichtigt zu haben, damit dieser genügend Zeit hat, um das Gesetz vor Gericht verteidigen zu können. Der Eingriff des Präsidenten in die Organisation der Bundes- gcrichtsbarkeit bildet in Amerika die Sensation des Tages. Von den meisten Parlamentariern wird zu- geben, daß Roostvelt seine Forderungen gut begründet hat, und damit seinen Hauptgegnern den Wind aus den Segeln nahm. Undurchsichtige Lage im Nordweiien Chinas. Kommunistische Ausbreitungsversuche. Peiping, 5. Febr. (DNB.) Die politischen Kreise Peftüngs haben die Bemühungen der Nanking-Regierung, Verhandlungen mit dem Nordwesten solange hinzuziehen, bis der Zentralvollzugsausschuß der Kuomintang über die künftige Richtung der chinesischen Politik entschieden hat, sehr pessimistisch aufgenommen. Die Ereignisse der letzten Tage — in Sianfu wurden vier Generale, die sich für eine gemäßigte Politik einsetzten, ermordet — beweisen die zunehmende Radikalisierung der im Augenblick maßgebenden Kreise im Nord westen. Der Nordwesten fordert geschlossener denn V die Rückkehr Tschcmghsueliangs und die Gar- nisonierunq dieses Teiles Chinos ohne Einmischung der Zentralregierung. Daneben wird natürlich Anerkennung und Schutz der dort für „die nationale Verteidigung tätigen Elemente" (K o m m u n i st e n) gefordert. Allerdinos beginnen die nordchinesischen Machthaber die Unruhe zu verspüren, die das E r st a r - ken des Kommunismus für sie mitbringt, sie fürchten für ihre eioene Macht. In Tientsin wurde Material beschlagnahmt, das eindeutig das Bestehen einer sehr regsamen Kommunistengruppe beweist. Gleichzeitig beginnt auch das Bandenunwesen wieder zuzunehmen. Erst in der Nacht zum Freitag konnte ein großangelegter Ueberfall auf die Lunghai-Bahn abgeschlagen werden. Moskau torpediert den Kontrollplan. London, 6. Febr. (DNB. Funkspruch.) Von unterrichteter Seite verlautet, daß die Sowjetregierung am Freitag dem Nichteinmischungsausschuß ihre Stellung zu den Anfragen über eine internationale Kontrolle und das Freiwil- ligen-Derbot übermittelt hat. Moskau lehnt danach den Londoner Plan ab, zur Ueberwachung der spanischen Küste Zonen für die einzelnen Flottenmächte zu sckafsen. Moskau schlägt stattdessen eine „V e r e i n h e r t l i ch u n g" d e r K o n t r o l l e vor, an der sich a u ch die s o w j e t r u s s i s ch e Flotte beteiligen solle. Das bedeutet, daß Sowjetrußland, das nach dem bisherigen Kontrollplan nicht mit einer Zone bedacht werden sollte, darauf besteht, seine Kriegsschiffe als „Ueberwachungsfahrzeuge" an die spanischen Küsten zu entsenden. „Daily Telegraph" meint dazu, die sowjetrussische Note werde ein gewaltiges Hinderyis für den Nicht- einmischungsausjchuß bedeuten. Bisher haben nur England, Finnland und Ungarn die Londoner Kontrollvorschläge uneingeschränkt angenommen. Eine Reihe von Antworten anderer Regierungen steht noch aus. Sowjetrussische ll-Rootspionage in norwegischen Gewäffern. Stockholm, 5. Febr. (DNB.) Die schwedische Presse beschäftigt sich mit einer Meldung aus N a r - w i k, dem Hafen im nördlichsten Norwegen, über das Auftauchen eines U-Bootes im Ofotenfjord. Die nationale Zugehörigkeit dieses U-Bootes konnte nicht einwandfrei festgestellt werden. Nach Auffassung von „Aftonbladet" lieat die Vermutung sehr nahe, den Blick auf die sowjetrussische Eismeerflotte zu richten, die nach früheren Feststellungen in dem norwegischen Fahrwasser tätig war und während des Herbstes im Eismeer und in den angrenzenden Gewässern des Atlantischen Ozeans Uebungen abhielt. Die sowiet- russische Flotte im Eismeer besteht augenblicklich aus zehn Zerstörern und Torpedobooten, darunter einigen der neuen Größenklasse, sowie aus acht bis zehn Unterseebooten. Das Blatt bemerkt: Mit der Murmanküste als Basis könnten die Bolschewisten einen wirksamen Krieg mit Hilfe von U-Booten und Minen gegen die Handelsschiffahrt in diesen Gewässern führen. Nebel und teilweise Eisbildung seien indes Schwierigkeiten, die der Tätigkeit der U-Boote an der Murmanküste hinderlich sein könnten. Deshalb liege die Vermutung nahe, daß die Bolschewisten sich durch neue Basen in Nordnorwegen günstigere Verhältnisse für ihre etwaigen Operationen schaffen möchten. Kleine voliiiscke Nachrichten Gauleiter Staatsrat W e i n r e i ch überreichte im Kasseler Offizierskasino in der Wolfsschlucht als Ausdruck guter Zusammenarbeit zwischen Partei und Wehrmacht dem Standort Kassel ein Führergemälde. Der Gauleiter dankte dem Kommandierenden General des IX. Armeekorps, General Dollmann, für das gute Verhältnis zwischen Partei und Wehrmacht. Der General sprach dem Gauletter seinen Dank für das Geschenk aus. * Das englische Unterhaus nahm das Regentschaftsgesetz, das die Einsetzung eines Regenten für die Zeit der Unmündigkeit des Monarchen vorsieht, ohne Abstimmung in dritter Lesung an. * Nachdem vor einer Woche der mehrere Monate andauernde Seemann ft reif an der amerikanischen Atlantikküste zusammengebrochen ist, haben nun auch die Seeleute an der Westküste den Abbruch ihres Streiks beschlossen. Der Streik, der insgesamt 40 000 Mann umfaßte, dauerte 98 Tage und brachte einen Ausfall von 686 Millionen Dollar. 239 Schiffe waren während dieser Zeit stillgelegt. "".er Weli. Hinrichtung eines dreifachen Gifkmörders. In Stuttgart ist der Johann Baptist Guth hin - gerichtet worden. Er war vom Schwurgericht in Ravensburg wegen dreier Verbrechen des Mordes dreimal zum Tode sowie zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt worden. Guth hat seine Ehefrau und die zwei kleinen Kinder seiner Geliebten aus eigensüchtigen Beweggründen vergiftet. Zwei englische Flugzeuge abgestürzk. Auf der Höhe von Alexandria stießen zwei englische Flugzeuge, die von dem Flugzeugmutterschiff „Glorious" gestartet waren, zusammen. Beide Flugzeuge st ü r z t e n ab und wurden zerstört. Die Insassen der einen Maschine, ein Leutnant und ein Telegraphist, wurden getötet, während der Pilot des zweiten Flugzeu-'. aerettet werden konnte. 2000 Taxifa rer streiken in Paris. Eine große Pariser Mietskraftwagengesellschaft hatte erwogen, wegen des schlechten Geschäftsganges die Hälfte ihrer Belegschaft, etwa 1000 Kraftwagenfuhrer, zu entlassen. Daraufhin traten alle1 Fahrer der Gesellschaft, insgesamt 2000 Mann, in den Streik. Während die Vertreter der Ausständischen mit dem Arbeitsminister noch verhandeln, wirkt sich inzwischen der Streik dahin aus, daß seit Freitag 2000 Mietkraftwagen weniger als üblich in Paris den Kundendienst versahen, was wiederum für die Kraftwagenführer der anderen Gesellschaften und für die eigenen Besitzer von Mietkraftwagen ein gutes Geschäft bedeutete. Sensationelle Leichenfunde an der französischen Atlantikküste. Die Bevölkerung verschiedener Ortschaften an der französischen Atlantikküste ist in hellster Aufregung über Leichenfunde, die seit einiger Zeit fast Oie Manöver um Singapore. Eine Demonstration britischer Macht in Ostasien. London, 5. Febr. (DNB.) Die großen Luft-, Land- und Seemanöoer bei Singapore wurden am Donnerstag beendet. Nach einer Meldung des „Daily Telegraph" sollen die Manöver erwiesen haben, daß Singapore jeden feindlichen Angriff zurückschlagen könne, und damit uneinnehmbar sei. Der Versuch der „blauen" Streitkräfte, die sich als vermeintlicher Feind 1200 Meilen südöstlich von Singapore befanden, Singapore einzunehmen, schlug fehl. Die Truppen, die die „Blauen" noch am Donnerstagabend an Zwei Stellen landen konnten, wurden nach kurzem Kampfe zurückgeworfen. Englands Prestige im Fernen Osten erheischte von vornherein einen Manöverabschluß, der auf das eindringlichste die Unüberwindlichkeit Singapores unterstrich. Man hat sich den Scherz geleistet, einem Landungskommando zu gestatten, in der Nähe der Festung Fuß zu fassen. Diese Truppe ist aber durch Gegenstoß sofort wieder ins Meer geworfen worden. Unzweifelhaft hatte man diesen Akt eingeschvben, um die Bedeutung Singapores noch zu unterstreichen. Denn wie Jahre hindurch der Bau der Festung mit gesteigerter Aufmerksamkeit verfolgt wurde, so hatten interessierte Staaten in Singapore ihre Spähtrupps aufmarschieren lassen, um jede Einzelheit der Uebungen genau zu registrieren. Mit einer erhöhten Kundschaftertätigkeit für diese drei Tage hatten auch die Engländer gerechnet und deswegen erst recht für eine Massierung aller Waffen gesorgt. Die Luftwaffe war Tag und Nacht unterwegs. Man ließ die Flaks spielen, man entfesselte ein' höllisches Geschützfeuer auf die heranmarschierenden „feindlichen" Kriegsschiffe. Zerstörer und Unterseeboote wurden eingesetzt, es wurde mit Nebelschwaden gearbeitet. Was allerdings für die Verteidigung Singapores von wirklichem Wert war, spielte sich zu nächtlicher Stunde ab, einer Zeit, die die Tätigkeit der überall postierten fremden Beobachter gerade nicht günstig beeinflußte. Im Festungsraum selbst, wo auch bei Nacht mancherlei Interessantes hätte festgestellt werden können, hatte natürlich die britische Geheimpolizei dafür gesorgt, daß Unbefugte ferngehalten wurden. Jedenfalls haben die Einwohner Singapores eine Zusammenballung bestausgerüsteter Streitkräfte gesehen, was vorerst genügt. Das wollte man, sie werden schon dafür sorgen, daß bis zur Mandschurei hinauf und bis zur Südsee hinüber alle Welt Kenntnis von der Stärke Englands erhält. Der nüchern urteilende Soldat läßt sich natürlich nicht bluffen. Er weiß ganz genau, daß die Briten des Nachts nicht sämtliche Geschütze aufblitzen ließen, schon gar nicht die weittragenden Festungsgeschütze, die an verborgenen Stellen eingebaut wurden. Er weiß auch, daß Singapore für jeden eine harte Nuß ist. Man hat nicht umsonst zehn Jahre gebaut. Das beste Material ist verwandt worden und die neuzeitlichen Erfahrungen kamen beim Bau zu ihrem Recht. Außerdem liegt diese Festung, die einer großen Flotte Zuflucht geben kann und auf deren Flugplätzen imponierende Flugzeuggeschwader stehen, geographisch so günstig, daß der Angreifer schon Glück haben müßte, um Truppen und Kriegsgerät im Rücken Singapores. an Land setzen zu können. Die Festung kann jederzeit strahlenförmig Kriegsschiffe und Flugzeuge einem gemeldeten Gegner entgegenschicken. Außerdem kann von Honkong und Port Darwin aus jeder Feind in der Flanke und im Rücken gepackt werden. So einfach ist es also nicht, an Singapore heranzukommen. Es ist natürlich Unsinn, zu behaupten, daß die Festung unüberwindlich sei. Derartige Prophezeiungen kann kein Mensch aufstellen, denn niemand weiß, ob nicht eines Tages politische Kon- stellattonen eintreten, die die Lage für England im Fernen Osten von grundauf ändern, so daß auch Singapore trotz seiner überaus starken Bewaffnung die leichte Beute eines Gegners werden kann. Und niemand weiß auch, ob es nicht eines Tages Waffen geben wird, die mit noch so starken Betonwällen fertig werden. Wir dürfen nur soviel sagen, daß es gegenwärtig nicht ratsam erscheint, sich "an Singapore heranzumachen. Wer diese Festung angreift, könnte unter Umständen dabei verbluten oder völlig zerschlagen und zerschunden aus dem Unternehmen hervorgehen, ohne daß die Engländer dabei nennenswerte Schrammen davontragen würden. Singapore ist ein Eckstein des britischen Weltreiches eine Säule, die sich, so wie die Dinge heute liegen, nicht wegsprengen läßt. Der Kriegsschauplatz um Malaga. Mil dem Auto in den Schluchten der Sierra de Alliama. Eine Erinnerung. Unsere Fahrt mit dem Auto von Malaga nach Granada war wohl die letzte Ausfl-ugstour, die von Ausländern kurz vor dem Ausbruch der Revolution in Spanien noch ftattgefunden hat. Sie führte mitten durch die Kampfzonen, auf denen jetzt der Angriff der nationalen Truppen gegen Malaga vorgetragen wird. Damals bereits krachten in den Vorstädten von Malaga die Schüsse des bewaffneten Hafenmobs. Der Generalstreik der Seeleute und Hafenarbeiter hatte den Schiffsverkehr des weiträumigen Hafens völlig stillgelegt. Gruppen von fluchenden, mißtrauischen Burschen am Quai beobachteten damals das Ein- und Auslaufen des deutschen Dampfers, der zwar feine Passagiere an Land lassen durfte, den man aber an der Uehern ahme der Ladung hinderte. Malaga ist wie so viele andere Städte des Südens mit einem starken Sinn für Repräsentation angelegt worden. Eine breite Promenade mit schönen alten Bäumen und Palmen trennt den Hafen von der Altstadt. Das Auto brummt am frühen Morgen durch die Alameda und dann durch die prächtige Hauptstraße, die Calle del Abril, in die Zigeunerstadt Alcaba hinein. Heute stehen nach vielen Augenzeugenberichten kaum noch einige der prächtigen Klublokale und vornehmen Hotels in der Hauptstraße. In der Vorstadt das übliche Bild des Morgens in einer spanischen Stadt. Ziegenherden, die von den umliegenden Höhen in die Stadt allmorgendlich hereingetrieben werden, müssen vor den einzelnen Haustüren ihre Milch hergeben. Schwatzende, schmutzige Weiber vor den Gemüsehandlungen. Hie und da bereits — es ist ja Generalstreik — eine Gruppe der Guardia Civil mit ihren Lacklederhüten, den Karabiner in der Faust. Schon die letzten Vororte ziehen sich steil an den Ausläufern der Sierra del Alhama empor. Die Straße von Malaga nach Granada, eine der wichtigsten im südlichen Spanien, ist, um den jährlichen schweren Schäden durch plötzliche Regengüsse zu entgehen, nicht wie bei uns im Tal, sondern direkt auf dem Kamm gebaut worden. Sie windet sich in unaufhörlichen Kurven die Höhe hinauf. An jeder Kehre fällt der Blick auf d>e Stadt unter uns zurück, deren roeiträumige Anlage erst aus der Ferne richtig 3ur Geltung kommt. Bald liegt auch der 130 Meter hohe Zitadellenberq G i b r a I f a r o tief unter uns. Das mächtige Rund der 11 000 Personen fassenden Stierkampfarena ist deutlich sichtbar, der stolze Turm der barocken Katnedrale grüßt noch lange zu uns herauf. Elegant strecken sich die Molen des inneren und äußeren Hafenbassins in das Mittelmeer, das heute am frühen Morgen von einer seltenen Klarheit zu fein scheint. Je weiter wir hinaufkommen, desto grofcartiaer wird die Fernsicht über die verschiedenen Sierren, die von der Sierra de Ronda im äußersten Süden in einem weiten Halbkreis von 76 Kilometer das tiefe Tal von Malaga umwallen. Eine letzte Kehre, wir biegen in die Hochtäler ein. Malaga l>eat weit hinter uns. Eine grauenhaft öbe, in ihrer Art § allerdings aroßartige Gebirgslandschaft nimmt uns, auf. Aehnlich dem Monserrat in Katalonien ragen, plötzlich die zackigen Gipfel des Massivs von Ne- br'al, 2140 Meter hoch vor uns auf. Dicke Regeu- und Gewitterwolken lassen die Einsamkeit, die schroffen Abstürze der Felsen noch düsterer scheinen als sie es ohnehin schon sind. Erst 70 Kilometer hinter Granada berühren wir die erste größere Siedlung, das alte Maurennest Loja. Hier oben auf den Höhen der Gebirgszüge verbergen sich in den Tälern hie und da ein paar einsame, verfallen aus» sehende Gehöfte. Zur Not, daß hie und da ein Busch, ein paar Agaven sich über das spärliche Gestrüpp erheben, das ein paar Maulesel und Ziegen kümmerliche Weide bietet. Der Chauffeur muß haarscharf aufpassen. Die unaufhörlichen Regengüsse der letzten Zeit haben die geteerte, an sich gute Straße arg in Mitleidenschaft gezogen. Zuweilen ist an den Steilhängen der Untergrund in tiefe Löcher abgerutscht. Bachbetten ziehen sich manchmal über die Straße, auf der wir auf der 130 Kilometer langen Fahrt kaum einem Automobil und höchstens einer verwegen ausschauenden Gruppe von Landleuten hoch zu Pferd und Esel begegnen. Im Frühjahr 1936 schwebten wohl schon die Schatten des kommenden Verhängnisses über dem Land, allein niemand, selbst von den Spaniern, die uns später trauernd die ausgebrannten Kirchen Grana- das zeigten, ahnte die Kämpfe, die später einmal auf den Höhen dieser Pässe rings um Malaga entbrennen sollten. Während das weiträumige Tal von Malaga und die sogenannte Vega von Granada dicht besiedelt sind und wundervollen Fruchtgärten gleichen, kann sich auf den Hochflächen der Gebirge kaum ein Gehöft behaupten. Alles hängt von der Zuleitung von Wasser ab. Malaga und feine (Bärten, die aus den kleinen süßen Pedro Ji- menez-Trauben den schweren Malagawein liefern, empfangen ihr Wasser aus der 100 Millionen Kubikmeter umfassenden Stauanlage der Pantano del C h o r r o , der 79 Kilometer vor Malaga in einer andern Richtung liegt als der der Route Malaga- Granada. Wer sich in den Besitz einzelner Paßhöhen zu setzen vermag, kann mit wenigen Maschinengewehren weite Flächen beherrschen, die völlig kahl, im Sommer dazu noch ausgedörrt zu seinen Füßen liegen. Die Barriere der Sierren rings um Malaga trennte bis jetzt wie ein Festungswall das Gebiet der Bolschewiken von dem der nationalen Streitkräfte. Hier in unmittelbarer Nähe Afrikas pfiff noch Ende Mai ein schneidend kalter Wind um die Höhenzüge. Weit in der Ferne blitzte der Schnee der 3600 Meter hohen Sierra Nevada zu uns herüber, der das Jahr über in einem so phantastischen Kontrast zu dem tiefen (Brün der Parkanlagen der Alhambra zu seinen Füßen steht. Malaga mit seinen 180 000 Einwohnern war immer schon ein Zentrum der Unruhe und des Anarchismus im Süden, obwohl die Stadt selbst wohlhabender und reicher war als manche anderen Städte des Innern. Fünf Auto- kraßen treffen in Malaga zusammen. Der eigentliche Vorstoß der nationalen Streitkräfte geht heute mtf den beiden südlichsten Straßen, denen von R^nda und von Gibraltar an der Meeresküste entlang nach Malaga vorwärts. Ist schon die Paß-Straße von Malaga nach Granada mit ihren feilen Kehren eine romantische Gebirgsstraße, fo stellt die verwegen gebaute Straße n a.ch Ronda, die durch steile Schluchten 750 Meter hoch nach Ronda hinaufführt, ein Erlebnis bar, das man nicht so bald vergißt. Rur. wer die Einsamkeit und die Zerrissenheit dieser Gebirge kennt, vermag sich jetzt ein Bild von den Schwierigkeiten eines winterlichen Feldzuges auf diesen einsamen Paßhöhen zu machen. Dr. Vo. täglich am Strand gemacht werden. Aus Laroche sur Pon wird gemeldet, daß bisher vier Leichen angejchwemmt wurden und eine fünfte Leiche bei Prsfailles (Loire Inf.) gefunden wurde. Die Bevölkerung ist um so erregter, als die Leichen in fast unbekleidetem Zustand und mit starken Stricken aneinandergebunden waren. Eine Leiche war ohne Kopf, einer anderen fehlte ein Fuß und eine Hand. Die verschiedensten Vermutungen über die Herkunft der Leichen werden angestellt. Den meisten Glauben findet tue, daß es sich um Opfer der Bolschewisten in Spanien handelt. Ein Riesenpalast für ausländische Besucher in Paris. Die französische Regierung steht augenblicklich in Verhandlungen mit der Pariser Stadtverwaltung über den Bau eines Riesenpalastes in unmittelbarer Nähe des berühmten Bois de Bou- logne. Dieser Palast soll ausschließlich für die Aufnahme hervorragender ausländischer Persönlichkeiten dienen, die Frankreich einen Besuch abstatten oder von der Regierung bzw. der Pariser Stadt- verwaltuna eingeladen werden. Bisher wurden zu Ehren dieser Besucher zwar in den verschiedenen Ministerien Feiern veranstaltet, Wohnung mußten sie aber immer tm Hotel nehmen. Der Finanzausschuß des Pariser Stadtrates hat sich bereits für den Bau ausgesprochen, der etwa 25 Millionen Franken kosten soll. Die Arbeiten sollen unverzüglich beginnen. Der Mainzer NosenmontagSzug. LPD. Mainz, 5. Febr. Der Rosenmon« t a g s 3 u g in Mainz hat sich in den zehn Jahren seines Wiederauflebens nach dem Kriege von Jahr zu Jahr in feiner Ausgestaltung verbessert. Und so dürfen die Hunderttausende, die am Montag wieder den Weg in das Goldene Mainz nehmen werden, heute schon versichert sein, daß sie auch heuer eine Steigerung erleben werden. Allein schon die Tatsache, daß in diesem Jahr erstmalig wieder — wie vor dem Krieg — die Garnison tätigen Anteil an der Durchführung nehmen wird, bietet Gewähr dafür. Für den Rosenmontagszug lagen etwa 150 Entwürfe vor, die in lustig-bunten Skizzen und Zeichnungen politische, lokale, satirische und andere Einfälle zur Durchführung vorschlugen und gesichtet werden mußten. Davon wurden über 25 Ideen zur Ausgestaltung von Wagen ausgewählt. Im Zuge werden 2500 Fußgänger, sechs Garden und 18 Kapellen mitwirken. Die Garnison wird Gruppen und Kapellen zur Verfügung stellen, vor allem auch das erforderliche Pferdematerial. Es ist interessant, einen Blick in die Vorbereitungsarbeit zu tun, die die Zugkommission unter der Leitung von Fritz Eberhardt zu leisten hat. Nach der Sichtung der Entwürfe wird der Zug „gelegt", d. h. mit bunten Papierstückchen wird der Zug in feiner Zusammensetzung aus Fußgängergruppen, Kapellen, Wagen und Zwischengliedern mit allen Einzelheiten festgelegt. Dann geht es an die Ausführung und Gestaltung, um rechtzeitig fertig zu fein. Nur einige Ideen feien hier stichwortartig angedeutet: Behebung der Gernot, Deutsche Wäscherei, „Mein Name ist Hase", Nobelpreis, Wunschtraum 1936, Wunschtraum 1937, Diersahres- plan, Kampf dem Verderb, Marianne hat Masern, Halbverdunkelung des Zuges. G. F. Z.-Zirkus ufw. Der ganze Zug umfaßt 150 Nummern. Mit einem Wort: Der Mainzer Rosenmontags« zua, der den gleichen Weg wie im Vorjahr nehmen wird, verdient in diesem Jahr die Bezeichnung „ganz groß"! Bayerische und österreichische Zugspihbahn arbeiten zusammen. Nach Abschluß der Verkaufsverhandlungen tst die Bayerische Zugspitzbahn 21. (3. praktisch auch Besitzerin der österreichischen Zugspitzbahn geworden. Das Land Tirol bleibt weiter am Unternehmen interessiert und wird im Aufsichtsrat beider Unternehmen vertreten fein. Dieser Abschluß dient dem beiderseitigen Interesse. Durch zweckmäßige Tarifgestaltung und betriebliche Zu- fammenarbeit soll der bisherige unerfreuliche Zu- stand beiderseittg nachteiliger Konkurrenz beseitigt werden. Es ist zu hoffen, daß dadurch eine Befruchtung des gegenseitigen Fremdenverkehrs eintritt, was in Interesse der deutsch-österreichischen Wirtschaftsbeziehungen nur begrüßt werden kann. Die Ueberschwemmungeu in Amerika. Während sich die Lage im Ueberschwern- mungsgebiet im Ohiotal durch den Rückgang der Fluten erheblich gebessert hat, steigt der Mississippi hauptsächlich zwischen Memphis und New Orleans weiter. Ueber 120 000 Mann unter Leitung von Ingenieuren der Bundesarmee versehen deshalb den Wachdienst längs des rund 1000 Meilen langen Deiches am Unterlauf des Mississippi weiter. Neuerdings werden große Ueberschwem- mungen in Nordkalifornien, Oregon und im Staat Washington gemeldet, wo die Schneeschmelze Hochwasser auf allen Flüssen verursachte, das bereits erheblichen Schaden anrichtete. Im Hood-River- Distrikt sind die Landstraßen wegen des nahezu zwei Meter hohen Schnees nicht zu begehen. Auch der Bahnverkehr ist lahmgelegt. Hochwasser in USA. verursacht Gasexplosionen. In Louisville (Kentucky) wurden durch zwei Gasexplosionen und ein daraus entstandenes Feuer zwei dreistöckige Backfteingebäude im Geschäftsviertel zerstört. Sechs Menschen wurden getötet und zwanzig verletzt. Die Erplosionen sind eine Folge der Beschädigung der Gasleitung durch das Hochwasser. Baler von 24 Kindern. Ein seltenes Ereignis ist die Geburt des 2 4. Kindes der Familie W. Otto in Wilnsdorf bei Harger. Dieser jüngste Erdenbürger des Ortes erblickte an dem Tage das Licht der Welt, an dem der Führer feine letzte große Rede hielt. Der glückliche Familienvater ist jetzt zum zweitenmal verheiratet. Aus erster Ehe stammen neun Kinder, aus der zweiten gebar ihm feine Frau jetzt den fünfzehnten Sprößling. Ein Riesenschwein. Ein Riesenschwein wurde auf dem Gut Schloß Dehn (Rheinprov.) geschlachtet, das das seltene Gewicht von 365 Kilo aufwies. Wetterbericht des Reichswellerdienstes. Ausgabeort .'franffurt Durch den gleichen Wirbel, der am Freitag mit der Warmluftzufuhr die Regenneigung verstärkte, wurden auch kältere Luftmassen in Bewegung gesetzt. Ihr Eindringen in die Warmluft gab in der Nacht zum Samstag, zum Teil unter böigen Westwinden, zu Abkühlung Anlaß und vielfach zu recht ergiebigen Schauern. Im Bereiche zusammensinkender Kaltluft wird sich zunächst Beruhigung und Besserung durchsetzen, doch ist für längere Zeit beständiges Wetter kaum wahrscheinlich Aussichten für Sonntag: Häufig auf- heiternd und vereinzelt Schauer, bei auffrischenden westlichen bis nördlichen Winden weitere Abkühlung, später wieder zunehmende Unbeständigkeit. Aussichten für Montag: Voraussichtlich wieder zunehmend unbeständiges und milderes Wetter. Lufttemperaturen am 5. Februar: mittags 9,2 Grad Celsius, abends 8,8 Grad; am 6. Februar: morgens 5,5 Grad. Maximum 10,1 Grad, Minimum heute nacht 5,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 5. Februar: abends 2 Grad; am 6. Februar: morgens 2,9 Grad. — Niederschläge 5,4 mm. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. I. 37: 11 250* Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts- Buch» und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugsp: eis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Ps. mehr. Emzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstag» 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Am Zett ist Preisliste Nr^3 wunl Juni 1935 gültig die neuzeitlich ausgestaltete fccrto W» (.»V. 0<6rt01?- - P22U/36 a sch e Wolle mit beim ersten Anden' 20-22.15 820 D Preise von 0.60—3.00 RM. 19-21.00 Ausverkauf! I Claire Waldoll u.unsereMitßlieder Fabrikniederlag.: C. Seibel, F rank- furter Straße. 0. Winterhoff, Kreuzplatz 9/10. Herrn. Elges, Selters- weg 66. Grünberg: Karl Schott u. sämtliche Filialen. Ijaubach: Solms-Laubacher Drog Karl Klein, Dienstag, 9. 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Im Gegensatz ft dm nicht so sehr 1 ober Studenten, 1 genießen wollen, beiter, 1931 1 imßten die Bes f französische Arbe unangenehm rin den Kohlenbei Xbcn Hochöfen u. 1 fjfur die Mrbeiten ü Verbundenheit mii e au4fehten, also für s sind ab : Lande. M 250 : wirken und aus i in einzelnen Hwe li insgesamt hier i üin den Steinbrü imer, Spanie Mbcrgzperfen Bel ! Die Zahl der i Weg von 1921 t öer Polen Itor Spanier is'kdelt sind biefe Ii'NZgebieten. 5; K-oartement mit z.B. 28 ö.j 5*^re Fremde. 3 RSfi »Lehr ^»«Mhning a ^rl-Ludvio Lii Mr: s»sr E-S’a ?N-&? Waftsarbrit 2 t,DrhQna^rKr-n'1 ' ttlich S I'.'urn ! reuen & Leuten \ < ' Ko! *»« fc’as -W Kk-- SLNe'n.°.S» gleich $chtnie. An. un.? mit >elher:. ;n b^: 1$arbeit 1 erst ^hne|| mische lall lüf ^elbau ®H»Kreuz- 'Selters. ^Sehott Olclöber 'frtunbi den ift des Silbern " Ti«r- und 1 Waldes aus i Itbtnöigtnt non «ts STO.4Ä ucht, und wer n Sinnen die len in sich aus. genbielafeln an einstmals ns Universum tenlos rbeblStterl hhandlung! 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Auf dem Lande und iniben Steinbrüchen sind es vorwiegend Jtalie- r, Spanier und Belgier, in den Kohlenbergwerken Belgier und Polen. Die Zahl der in Frankreich lebenden Jta l iener ftiig von 1921 bis 1931 von 451000 auf 808 000, ii( der Polen von 46 000 auf 508 000 und die i?i Spanier von 255 000 auf 352 000» Ange- fici-elt sind diese Fremdarbeiter vorwiegend in den Grnzgebieten. In dem an Italien angrenzenden M-Jartement mit Nizza als der wichtigsten Stadt fin) z. D. 28 v. H. der Bewohner Italiener und cn'ere Fremde. In den Departements des frühe- K-L. Lindt md Karl Viergardt: „Lehrling gesucht!" vmufführung am Gretzener Stadttheater. : ^arl-Ludwig Lindt, geschätztes Mitglied unse- rre Schauspiel-Ensembles, ist uns auch als Schwank- 2u:or nicht mehr unbekannt: bereits 1934 erlebten v: die erfolgreiche Premiere seines heiteren Drei« clli-rs „Parole: Heiraten!" Diesmal war es sogar tm* Uraufführung, noch dazu die alleinige, und mdi t bloß ein Schwank, sondern eine Schwank-Ope- ttiee, also halb und halb, eine Kreuzung, ein Mischling, ein Schwank mit Musik, von beibetn gerade si »iel, wie zu einem runden Publikumserfolg ge- bioucht wird. Wenn man bedenkt, baß Herr Lindt ai: Autor auch noch selber mitspielte (und nicht ein« M bie kleinste Rolle, hat er ganz recht) — bann i|i das alles zusammen ein bißchen viel für den Qirjelnen. Also tat man sich zu einer Gernein- schcsftsarbeit zusammen: Karl D i e r g a r b t, ein junger Darmstäbter Komponist, schrieb die Musik; Altendorf stiftete die Gesangstexte. Wenn der Vorhang aufgeht, fängt das eigentliche Eiirf noch gar nicht an, sondern vor dem Zwischen- »orjang erscheint erst, ziemlich leicht bekleidet, der Rmmerfänger Meyer, der mit der ganzen Ge- Ichhte überhaupt nichts zu tun hat, aber er singt zleich einen stürmischen Gesang, der alsbald alle virUich Mitwirkenden vor den Vorhang holt, und bom legen sie alle zusammen los, und das gefällt bm Leuten, der Kapellmeister kann gleich richtig einigen, und Komponist und Autor haben mit bi^r improvisatorischen Theatergeste einen hüb- Auftakt und die nötige Stimmung für alles, 02$ noch kommt. Herr Wendeborn, Besitzer der Einhorn-Drogerie n einer kleinen Stadt, sucht einen neuen Lehrling, dir Schauspielerin Vera Brückner vom Casino- tieiter möchte die Stelle für einen hoffnungsvollen fielen, der leider nicht rechtzeitig von auswärts lin.fle troff en ist. Wendeborn will nicht warten und jätijt (statt eine Annonce aufzugeben!) ein Schild )cr bie Tür: Lehrling gesucht! Die Brückner ge- uncht eine List und beschwatzt eine Freunbin, bie i' auch von auswärts, also unbekannt) besucht, in Männerkleider zu stürzen, sich engagieren M roieber hinauswerfen zu lassen, wenn der , 'Qiimige Neffe erscheint. Da sich anderseits Herrn Rmöeborns Neffe, Kurt Lieske, sozusagen Prokurist Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Samstag, b.Zebruar 1957 ren Deutsch - Lothringen und des französischen Lothringen machen die Fremden 19 bzw. 16 v. H. aus, in dem Bezirk um Marseille 15 v. H., in den spanischen Grenzbezirken um Perpignan 12 bis 13 d. H. und anderseits in Groß-Paris fast 10 v. H. In einigen Orten der Kohlen- und Metallindustrie ist die Zahl^ der Fremdarbeiter fast ebenso groß ober noch größer als die der französischen. Diese Zunahme der Zahl der Fremdarbeiter ist in wirtschaftlicher, politischer und soziologischer Hinsicht von weittragender Bedeutung für das Schicksal Frankreichs. Einst glaubten die Franzosen, daß diese Fremdarbeiter keinen größeren Ehrgeiz hätten, als sich naturalisieren zu lassen, und daß es für die französische Rasse ein leichtes sei, diese Fremden zu assimilieren. Manche Beobachtung sprach für diese Ansicht. Groß war z. B. in der Vorkriegszeit die Zahl derer, die sich naturalisieren ließen, und erheblich ist heute noch die Zahl derer, die als Kinder von Fremden in Frankreich geboren werden und von der mit dem jus soll gegebenen Möglichkeit des Erwerbs ber französischen Staatsangehörigkeit Gebrauch machen. Während über diesen Prozeß der Assimilierung genauere Zahlen nicht vorliegen, ist es auffallend, daß neuerdings die Zahl der Naturalisierung im Vergleich zu ber der Fremdarbeiter gering ist. Unter den Beschäftigten Frankreichs machen nämlich die Fremdarbeiter 7,4 v. H. aus, die Naturalisierten aber nicht einmal 1 v. H. Die Gegenkräfte der Heimatländer machen sich hier stark bemerkbar. Vor allem tun die Italiener und die Polen alles, damit ihre in Frankreich tätigen Landsleute ihre Nationalität nicht einbüßen, dem Heimatland erhalten bleiben. Deswegen stößt die Assimilierung neuerdings auf erhebliche Schwierigkeiten, somit erlangt das Problem der Fremdarbeiter eine wachsende Bedeutung. Immer häufiger wird aus Grenzgebieten über Schwierigkeiten im Verkehr mit den Fremdarbeitern berichtet, wobei vorwiegend nationalpolitische und soziale Momente im Vordergrund stehen. Die Streikbewegung des letzten Jahres ist z. B. zu einem erheblichen Teil auf die soziale Unzufriedenheit der Fremdarbeiter zurückzuführen, bie ja die am wenigsten angesehenen Arbeiten verrichten müssen und selbstverständlich die damit gegebene soziale Degradierung nicht ohne weiteres hinnehmen. Was diese Entwicklung politisch bedeutet, hat sich in den letzten Wochen am krassesten in Perpignan an der französisch- spanischen Grenze gezeigt. Bei einer Würdigung ber bärtigen Ereignisse kommt nämlich auch dem Moment eine große Bedeutung zu, daß das tägliche Leben in den Grenzgebieten schon weitgehend von den Fremden bestimmt wird und somit diese auch auf die Behörden und auf die politischen Instanzen einen erheblichen Einfluß ausüben können. Was sich in Perpignan abfpielte, kann sich zu jeder Zeit in anderen Grenzgebieten wiederholen, wenn Frankreich in den politischen Kamps des Nachbarlandes hineingezogen wird. In weiten Grenzbezirken ist Frankreich nämlich heute schon ein Raum ohne französisches Volk. Handwerk hat goldenen Boden. Die große wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung des Handwerks ist vom Nationalsozialismus im Gegensatz zu früheren Epochen voll und ganz erkannt worden. So erfährt heute das deutsche Handwerk auch die staatliche Förderung, die es schon allein als die große Schule solider Arbeit verdient. In zwanglos sich folgenden Aufsätzen wird nun der Gießener Anzeiger feinen Lesern ohne Anspruch auf Vollständigkeit eine Reihe der wichtigeren Handwerkszweige in ihrer geschichtlichen Entwicklung und ihrer gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage vorstellen. Der einleitende Aufsatz „Handwerk und Volkstum" zeigt die kulturellen Grundlagen auf, die allen deutschen Handwerken gemeinsam ist. I. Handwerk und Volkstum. Die im Dritten Reiche mit Nachdruck geforderte und mit Hingabe geforderte Wiedererstarkung des deutschen Handwerkes wirkt sich nicht nur sichtbar nach ber wirtschaftlichen Seite unseres volklichen Zusammenlebens aus. Auch bie kulturelle Befruchtung unseres Volkstums burch die Wiederbelebung ehrwürdiger Sitten und bewährter Bräuche, die dem alten Zunftwesen zu eigen waren und nun neue Blüten tragen, ist offensichtlich. Und ganz gewiß kann die wirtschaftliche Sicherung des Handwerks als des sozialpolitischen Mittelpunktes des deutschen Bürgertums um so fester und dauerhafter begründet werden, je mehr weite Volkskreise mit freudiger Anteilnahme erkennen, wie reich an kulturellen Gedanken das Schaffensgebiet unserer deutschen Handwerker ist. Ist doch das Handwerk — wie auch der Bauernstand — nicht nur zur Erzeugung von Werten berufen, sondern zum Hüter deutschen Geisteslebens bestellt! Schon die Entwicklung des Handwerkertums aus dem dörflichen Gemeinschaftsleben zeigt uns ja, wie innig diese Zweige deutscher Volkheit miteinander verwachsen sind.' Der älteste Stand bleibt unbezweifelbar der bäuerliche Stand. Er erzeugte ehedem den gesamten Bedarf an Geräten, Bauwerk und Kleidung neben der Erfüllung seiner eigentlichen Aufgabe, der Gewinnung ber Nahrungsmittel, selbst. Dann aber wurde die Hausarbeit „spezialisiert" und einzelne Anfertigungen besonders Geschickten übertragen, die dann auch für ben Nachbarn und schließlich auf Vorrat zwecks Veräußerung Gebrauchsgegenstänbe anfertigten. So erwuchs der Handwerker, der Facharbeiter. Man hat gewiß nicht recht, wenn man diese Umschichtung erst in die letzten IV2 bis 2 Jahrtausende verlegt. Zeigt uns doch die uralte Sage bereits den Handwerker, z. B. Wieland den Schmied und die werkelnden Zwerge verschiedener Sagenkreise. Und diese mythischen Wurzeln können wir gar nicht weit genug zurückoerlegen. Nicht nur die Eisenzeit, die bereits frühzeitig — um beim Beispiel des Schmiedes zu bleiben — es verstand, kunstvolle Schwerte „im Gesenke" zu schmieden, muß zweifellos Facharbeiter zu dieser Kunst ausgebildet haben; auch die hervorragenden Erzeugnisse der Bronzezeit tragen den Stempel künstlerischer Vertiefung; und selbst die Mengenfunde von Steingeräten der nach ihnen benannten Steinzeit deuten auf „Serienfabrikation" hin, zumal auch nicht selten Funde von Haufen aus Splittertrümmern, Abfälle der Geräteherstellung, darauf hinzeigen, daß hier und dort regelrechte Werkstätten bestanden haben. Und setzt nicht das Vorkommen jener wunderlich kleinen, zur Landarbeit ungeiqneten Bronzesicheln, die man als Tauschobjekte, also als ein frühestes gemünztes „Geld" gedeutet hat, voraus, daß diese genormten Wertgegenstände aus einer oder einigen einheitlich herstellenden Werkstätten stammen? Ganz sicher ist also das Handwerk — althochdeutsch „hant- werah", angelsächsisch „handvoerc" und alemannisch „hamberch" — sehr alt. Das zeigt uns auch diese sprachliche Sonderbarkeit, daß bereits im Alt- alemannischen das Wort „hamberch" doch schon deutliche Zeichen der „Zersprechung", der „Abgeschliffenheit" aufweift. Wie weit ein gildenmäßiger Zusammenschluß einiger Handwerker in frühgeschichtlicher Zeit statt- qefunben haben könnte, kann man nur mit einiger Kühnbeit vermuten ober mit Vorsicht bezweifeln. Die Dölkerwanberung hat ja viele Spuren uralter Seßhaftigkeit verwischt. Aber ist eine Annahme früh beginnender Zünftebildung so ganz ausgeschlossen, wo wir doch hören, daß der älteste Zeuge solchen Brauchtums, bie Bauhütte, als zunftähnliche Organisation bereits im 7. Jahrhundert bei den Langobarden auftritt? Kann man nicht vielleicht sagen „wieder auftritt"? Und wenn auch vielleicht die Erstellung riesiger Kirchenbauten einen verstärkten Anreiz dazu gegeben haben mag, daß die Stein-1 nutzen mit den anderen Facharbeitern in Standes« gerneinschast zusammentraten, die sie z. B. zur Geheimhaltung technischer Kunstgriffe gegenüber den Nichthandwerkern verpflichteten, so dürften ähnliche Bedürfnisse der Exklusivität (Ausschließlichkeit in Hanbwerkserlernung), Warenerzeugung und Absatz ber Erzeugnisse boch auch bei anderen Facharbeitern Vorgelegen haben, z. B. beim Waffenhanbwerk! Stellt doch bereits die Sage manche Schmiede eben deshalb in ben Mittelpunkt ihrer Erzählung, weil sie es besonders gut verstanden, Eisen oder Stahl zu Härten und zu wirksamster Form zu gestalten. Auch hier tritt oft die Neigung zutage, diese Kunstgriffe zu verheimlichen ober aber nur an Erwählte weiterzugeben. Ein anderes Zeichen des Alters unseres Gildewesens ist darin zu sehen, daß es eben die Hand» werkszünste waren, die jenen von Tacitus überlieferten Schwertertanz bis in unsere Gegenwart erhielten. Konnte bas ber Fall sein, wenn bie Zünfte erst im Mittelalter entstanden wären und nicht mehr unmittelbar mit frühgeschichtlichem Brauchtum verknüpft gewesen wären? Keineswegs ist annehmbar, daß dieser alte kultische Tanz willkürlich von den Zünften nachgeahmt und übernommen wurde, zumal er sich noch bis ins vorige Jahrhundert in Dithmarschen, Steiermark, Westfalen — also in ganz weit voneinander getrennten Gauen — erhalten hat, während er heute fast allein noch in Ueberüngen am Bodensee von den Rebbauern betrieben wirb, bie aber hier nicht als Landleute, sondern als Ackerbürger — und zwar vorwiegend a l s städtische Handwerker — zu betrachten sind. Auch die Jünglingsweihe unserer altgermanischen Voreltern ist im Handwerkerstände unvergessen. Das „Freisprechen" der Lehrlinge und ihr Uebertritt in die Gesellenschaft ist die neuere Form für ben uralten Brauch. Allerdings ist hier auch die Ritterschaft Brauchtumsträger. Der„Ritter- schlug" ist gebanklich bas gleiche wie die letzte Ohrfeige, die der Lehrling bei der Freisprechung als letzte Handhabung des meisterlichen Züchtigungsrechtes empfing: Eine Parallele ist das „Fuchsen- turn" der akademischen Verbände. Hier ist der Leibbursch an derselben Stelle wie der Altgeselle, der den Junggesellen in die Sitten der Innung, in die Fertigkeiten des Meisters und in geheime Bräuche einzuführen hat. Bemerkenswert ist es auch, daß neben dem Ritter- turne und Soldatenstande sowie der Studentenschaft es in ganz hervorragender Weise der Handwerkerstand war, ber das Volkslied, diesen wichtigen Kulturzeugen, gehegt, gepflegt und vermehrt hat. War der roanbernbe Hanbwerker doch ganz besonders dazu befähigt, diese Schätze unseres Volkstums zu verbreiten. Machte er diese Lieber weit bekannt, so hütete er aber pflichtgemäß den „Handwerksgruß", den er nur dem Meister und Gesellen seiner Zunft gegenüber aussprach, sich damit zugleich als Gilde- genoffen auspeifenb. Wert legte man mit Recht stets darauf, daß ein Handwerker fein Fach voll beherrschte und sich nicht an Nachbargebiete verzettelte. Sebastian Brant sagt 1494 im „Narrenschiff": „Gar offt verdürbt ein Hantwerksmann, ber vil Gewerb unb Hantwerk kann", unb Johann Agricola sagt in seinem Buche „Dreyhundert gemeyner Sprichwörter" (1529): „Wer vil Hanbtwercke zugleich lernet, der lernete selten eynes wol." Also — alt ist die Weisheit: „Schuster bleib bei deinem Leisten!" Für den, ber sich in ber Beschränkung als Meister zeigt, gilt bann das Wort des altniederdeutschen Vvlksmundes: „Een Handwerk is een Graafschap". Und Goethe äußert sich im „Wilhelm Meister" allgemeingültig: „Allem Leben, allem Tun, aller Kunst muß das Handwerk vorausgehen, welches nur in ber Beschränkung erworben wird." Noch vor ihm, ber selbst ein Sproß Urquell im „Einhorn", mittlerweile für die fremde junge Dame interessiert hat, sieht man bald, wie der Hase läuft; nach berühmtem Muster: „meine Schwester und ich", „mein Bruder und ich", wir alle beide, aber in einer Person, gewissermaßen siamesischer Zwilling, abwechselnd Claus und Lotte Conradi. * Cläuschen wird engagiert, Kurt hat sich in Lotte verliebt und verabredet mit ihr einen Spaziergang im Bergwerkswalb, dafür geht er mit Claus Kräuter sammeln, gerät in ein Gewitter unb muß mit ihm in einem ländlichen Gasthof übernachten. Nur ein Bett vorhanden, man kennt das schon, unb jetzt, im zweiten Akt, kommt der Schwank erst auf Touren. Nur Kurt merkt nicht, daß Claus eigentlich Lotte in Männerkleidern ist. Lotte will nicht in das gejneinfame Bett, sucht Schutz bei einem weiblichen Logiergast, selbst bei der Wirtin, was naturgemäß Befremden erregt. Aber dieser Gast ist die Brückner, die sich hier heimlich mit ihrem Mann trifft, weil bas Theaterpublikum sie für unverheiratet halten soll. Man kann sich denken, wie es zugeht. Am Ende fliehen die beiden Freundinnen, während der inzwischen eingetroffene Gatte Veras Claus des Ehebruchs bezichtigt und selbst der Wirt, der helfend eingreifen will, von seiner Ehehälfte schnöde verdächtigt wird. Im dritten Akt kommt alles ins Reine. Aber es dauert eine ganze Weile, bis sich der verliebte Kurt von der Identität von Claus und Lotte überzeugt hat. Ein kleiner Claus kommt wohl noch später, der kann bann als Lehrling eintreten. Veras Neffe hat sich's mittlerweile anders überlegt unb ist Flieger geworden. Nun steht der Verlobung nichts mehr im Wege, unb wie zu Anfang erscheint (aber diesmal ohne Herrn Meyer) das ganze Ensemble wieder an der Rampe und verabschiedet sich mit gemeinsamem Gesang. — * Herr Lindt hat den Einfall mit richtigem Theaterinstinkt auszuschöpfen verstanden, behält die Fäden übersichtlich in der Hand, weiß, was zu einem richtigen Schwank dazugehört, und versteht es, eine Situation auf den Höhepunkt der Verwirrung zu treiben. Hans Aliend 0 rf hat eine Reihe von leicht fangbaren Schlagertexten beigefteuert, die besten im ersten Akt; das Lied vom Eintopf, ganz aktuell, zündete sofort und mußte alsbald wiederholt werden. Karl Diergardts Vertonung erwies sich als eine leichte, anfpruchslos-heitere, gefällig intonierte unb rhythmisch saubere Begleitung, die sich dem Text ungezwungen einfügt; der hübscheste Einfall: das melodiös gefetzte kleine Liebesduett im zweiten Akt. — Die Spielleitung hatte Herr Kühne, ber für ein munteres Tempo sorgte und die Hauptszenen drastisch herausarbeitete. Herr Hampel als Kapellmeister betreute die kleine Partitur und hielt das Orchester mit den Vorgängen auf der Bühne sauber im Einklang. Herr Löffler hatte das „Einhorn" in einen altfränkisch-gemütlichen Kleinstadtwinkel gestellt und für den zweiten Akt ein prächtig zweischläfriges Bauernbett aufgefahren. Es wurde auf der ganzen Linie mit Hingabe und guter Laune gespielt: alle setzten sichtlich ihren Ehrgeiz darein, dem Kollegen Lindt nach besten Kräften zum Siege zu verhelfen. Er seinerseits hat es ihnen so leicht wie möglich gemacht; es gibt recht dankbare Schwankrvllen in diesem Stück, und insbesondere Frl. Prinz als Claus und Lotte, als siamesischer Zwilling, darf sich beim Autor und Partner bedanken; ihr machte die Verwandlung und Verdoppelung ihres Ich augenscheinlich selber Spaß, sie war (auch bei Gesang und Tanz) in ausgelassener Stimmung bei der Sache. Herr Lindt hatte sich den Neffen Kurt ausgesucht und offenbar genau gewußt, was ihm bekommt und was ihm steht — bis auf das obligatorische Negligö im zweiten Akt. Der leichte, glatte, aufs Stichwort klappende Dialog war stets seine Domäne. Herr V 01 ck als bas knotterige „alte Einhorn" und Frau Schubert-Jüngling, die Haushälterin Sophie (ein Mundwerk wie ein Reibeisen), ergänzten sich vortrefflich. Eine hübsch ausgetüftelte Figur brachte Herr F r i ck h 0 e f f e r als der hamburgische Handlungsreisende. Mit schwäbischer Ruhe und Gemütlichkeit machten Herr Geiger und Frl. Gerhardt die biederen Wirtsleute. Ilse Las- k u s (Vera) und Herr Bley (Kammersänger Meyer) erfüllten das Kleinstadt-Milieu mit komödiantischem Temperament — Die Uraufführung fand eine sehr herzliche Aufnahme. Anhaltender Beifall rief auch den Autor, den Komponisten, Spielleiter und Kapellmeister auf die Bühne, wo zuguterletzt eine richtige Bescherung stattfand. Hans Thyriot. 6od)frf>ufno(b richten Der ordentliche Professor für allgemeine klinische Röntgenkunde Dr. Hans Hälfe ld er an der Universität Frankfurt ist zum Ehrenmitglied der Argentinischen Ra-diologen-Gesellschaft in Buenos Aires ernannt worden. Die La France-Hofe ausdemFranzosengrab in den Vogesen. Von Rothau oder Schirmeck aus steigt man aus dem Breusch-Tal auf waldigem Höhenweg steil empor nach dem Struthof mit herrlichem Ausblick ins weite Land. Dort oben waltete in den Kriegsjahren Madame Jdoux, und wer bei ihr Zuflucht und Erholung suchte, war prächtig aufgehoben. Es gab immer noch einen reinen, starken Kaffee mit dicker Sahne, und in der fchwarzverräucherten Küche briet sie die saftigsten Hähnchen und goldene Eierspeisen. Wir hatten ringsherum ein großes Jagdgelände gepachtet, und wenn mein Mann uns mal gebrauchen konnte, durfte die Familie über Sonntag mit nach dem Struthof. Es war ein eigenes Gefühl in der großen Stille der Berge dem Krieg doch fo nahe zu fein, von der 12 bis 15 Kilometer entfernten Front herüber rollte der Geschützdonner, und nie wußte man genau, — zog es näher? Während die Herren ihrer Jagd nachgingen, streifte ich in der Nähe umher, und ich vergesse nie, wie ich unversehens auf einer lichten, stillen Matte vor einem einsamen, umgitterten Grab stand. Das Grabkreuz blickte gerade nach dem Donon hinüber, und in der sinkenden Sonne leuchtete mir ein voll- blühender, in den Kelchen tiefrötlicher Rosenstock voller großer, wunderschöner Ta-france-Rosen entgegen. In der ganzen Umgegend nickten nur Ginster und zarte Wiesenblumen im Winde, — wie kam der edle Rosenstrauch auf das Grab? Name und Datum auf dem Kreuz bedeuteten einen schon im August 1914 hier gefallenen Franzosen. Als ob das Herzblut des Toten die Blüten gefärbt habe, brannten sie mir entgegen/ unvergeßlich ist mir das stille Grab auf der Waldwiese mit dem Blick nach Frankreich, im Schutze der deutschen Wälder, des goldenen Ginsters, gepflegt und versorgt und still behütet von den Nachbarn, ehrfürchtig verfchont von Kinderhänden, — ein Fleckchen stiller Andacht für die Vorübergehenden. In der Dämmerung des Sommerabends sah ich einmal eine stille Frauengestalt in der elsässischen Schlupfhaube am Grabe verweilen, ein paar Blüten niederlegen. War es die Braut, die den Rosenstock gepflanzt? Wer wollte fragen, — es bleibt ein Geheimnis in den Vogefenhöhen, wie ja auch bas Elsaß für uns jetzt ein verlorener Besitz und eine märchenumwobene Erinnerung geworden ist. A. M. deutschen Handwerkerstandes ist, sagt der alte Zedier vor 200 Jahren: „Hand-Werck ist eigentlich eine Wissenschaft, so man mit Fleiße erlernet hat, aus einer gewissen Materie allerlei) im menschlichen Leben nöthige und nützliche Dinge durch die Hand M verfertigen. Von solcher Wissenschafft saget man im gemeinen und wahren Sprichworte: Ein Handtwerck hat einen goldenenBoden, das ist: einem Handtwercksrnann kann es nicht am Drode fehlen." Halten wir neben dieses 1735 geschriebene Wort eine Mahnung des Wirtschaftsgeschichtlers W. Stieda für unsere Zeit. Er sagt zutreffend: „Die meisten außerhalb des Handwerkes Stehenden machen sich nicht klar, daß zur gedeihlichen Ausübung eines Handwerkes viel Nachdenken und geistige Ueberlegung, räumliche Vorftellungs- fähigkeit, plastisches Schauen, feiner künstlerischer Geschmack und Kompositionsgefühl nötig sind." Solche Worte sind geeignet, eine Generation, die geneigt ist, die „Uebertechnik" zu verherrlichen, auf die stille Grundlage alles Werkschaffens hinzuweisen — auf das Handwerk. Rechte Achtung vor der uralten Werkkunst ist die Grundlage auch weiteren technischen Aufstiegs. Denn, wie überall auf den Gefilden menschlicher Arbeit unsere Altvordern uns das Handwerkszeug und Gedankengut zu weiterem Aufbau vererbten, so ist auch unser weiterer Aufstieg um so sicherer und verheißender, je bewußter wir an die Elemente jener vieltausendjährigen Vorarbeit anknüpfen und uns das zu eigen machen, was Deutschlands Namen in der Welt klingend macht: Treue selbst im Kleinen, Ausblick ins Weite und Selbstbewußtsein ohne Ueberhebung. Anfang 1936 erhielt die Agrarpolitik Roosevelts, die eine Abkehr von den bisherigen Methoden bedeutete, durch eine Entscheidung des Obersten Bundesgerichts einen schweren Schlag. Das grundlegende Agrargesetz wurde für ungültig erklärt, weil die Bundesregierung die ihr von der Verfassung des Jahres 1789 gezogenen Grenzen über- schritten hatte. Das schon einige Wochen später beschlossene Bodenerhaltungsgesetz, das jetzt die Grundlage der Agrarpolitik bildet, sucht ähnliche Ziele unter Anpassung an die durch die Der» fassungsrechtliche Lage gegebenen Umstände zu erreichen. Die neuen agrarpolitischen Maßnahmen werden von dem Gedanken der Bodenerhaltung be- herrscht. Die Staubstürme, Ueberschwemmungen und Bodenwegwaschungen haben den Gedanken von der Notwendigkeit einer anderen Bodenpolitik gestärkt. Das Hauptziel ist neuerdings eine auf Dauer eingestellte Bodennutzung, an die man noch vor wenigen Jahren nicht dachte. Damit verbindet sich das Ziel einer Lenkung der Erzeugung im Sinne des volkswirtschaftlichen Bedarfs. Wir erkennen in diesen beiden Zielen, deren Verwirklichung sich wahrscheinlich große Schwierigkeiten entgegenstellen, eine Wandlung der geistigen Grundlagen der amerikanischen Agrarpolittk. Das Hochwasser in Lonisville. Hat Amerika wieder Hoffnung? Von Or. Friedrich Sohn. XII. Wandel der Agrarpolitik. Auf unserem Weg durch 14 amerikanische Staaten und eine kanadische Provinz lernten wir viele Fragen kennen, die in der Agrarpolitik eine Rolle spielen müssen. Meine Tagebuchaufzeichnungen aus den Jahren 1930/32, als ich dieses Land der Widerspräche eingehend kennenzulernen suchte, und die Erinnerung an meine damaligen Erlebnisse geben mir die Möglichkeit, immer wieder Vergleiche anzustellen. Vollzieht sich in der amerikanischen Agrarpolitik ein innerer Wandel, indem man an die Lösung großer und grundsätzlicher Probleme herangeht? Auf diese Frage wollen wir im folgenden eine Antwort suchen. Die Agrarpolitik der Vereinigten Staaten hat sich in der Vergangenheit im wesentlichen damit begnügt, das Land z u verteilen. Bei dieser Lanooerteilung, die seit 1862 auf Grund des Heimstättengesetzes erfolgte, war die Gründung von F a • milienwirtschaften das Ziel. Die weitere Entwicklung überließ man dem Schicksal und den Kräften, die sich aus der freien Konkurrenzwirtschaft ergaben. Bei der Fülle des verfügbaren Landes und den gewaltigen, unausgenutz^en Erzeugungsmöglichkeiten wäre es absurd gewesen, sich über das Schicksal der Enkel den Kopf zu zerbrechen. Der uneingeschränkte Konkurrenzkampf zwang dazu, an die Gegenwart zu denken. Man strebte danach und war auch durch das ganze Wirtschaftssystem dazu gezwungen, so billig wie möglich zu erzeugen. In vielen Fällen ließen es die durch den Wettbewerb herabaedrückten Preise nicht einmal zu, die für die Aufrechterhaltung der Erzeugungsfähigkeit notwendigen Aufwendungen zu machen. Solange noch genügend jungfräulicher Boden zur Verfügung stand, war es möglich, die Grundsätze einer ordentlichen Wirtschaft zu vernachlässigen. Die landwirtschaftliche Erschließung Nordamerikas, die heute im großen und ganzen beendet ist, war eine Epoche, in der man von den Reichtümern der Natur zehrte, ohne an einen Wiederaufbau zu denken. Die gewaltige Arbeit, die im Pionierzettalter geleistet wurde, galt der Erschließung der Quellen. In kommenden Jahrzehnten und Jahrhunderten wird man dafür sorgen müssen, daß diese Quellen weiterfließen. Kein Abschnitt der amerikanischen Agrargeschichte zeigt den Wandel in der Agrarpolitik so deutlich wie die Amtszeit Hoovers und Roosevelts. Unter der Präsidentschaft Hoovers erreichte d i e Weltagrarkrise einen Höhepunkt. Die Wirtschaftslage, die von 1925 bis 1929 vorübergehend einigermaßen zufriedenstellend war, verschlechterte sich von Monat zu Monat und endete am Schluß der Hoover-Periode mit einem Starrkrampf. In der Landwirtschaft herrschte völlige Verzweiflung, die Banken waren geschlossen, ganze Landschaften hätten damals bares Geld draufzahlen müssen, wenn sie ihre Erzeugnisse weiterhin an den Märkten hätten absetzen wollen. Für die entfernten Erzeugergebiete wurden durch die Erlöse die Absatzkosten nicht mehr gedeckt. Die Mittel, mit denen Hoover die Wirtschafts- und Agrarkrise zu bekämpfen suchte, entsprachen einer Auffassung, die heute auch in USA. als überwunden ober doch wenigstens teilweise überwunden gelten darf. Die Agrarpolitik Hoovers suchte einen Ausweg aus der immer schwierigeren Lage durch Maßnahmen zur Preis st abilisierung. Mit staatlichen Geldern wurden große Mengen von Nahrungsmitteln aus dem Markt genommen, deren preisdrückender Einfluß dadurch aber keineswegs beseitigt wurde. Die notwendige Anpassung der Erzeugung an den Bedarf wurde dadurch sogar erschwert. Man glaubte, durch eine Förderung der Absatzgenossenschaft die Lage der Landwirtschaft erleichtern zu können. Die Möglichkeiten, auf Öwern Weg weiterzukommen, waren aber nur be- chränkt, da man nur einen Teil der Erzeuger er- afjte und die Außenseiter immer wieder störend wirkten. Die Unterstützung der Genossenschaften mit Staatsgeldern brachte die Gefahr einer ungesunden Aufblähung dieser Selbsthilfeorganisationen mit sich, sie führte außerdem dazu, daß sich der Privathandel immer mehr als ein Störungsfaktor einschaltete. Hoovers Nachfolger Roosevelt beschritt neue Wege. Ein Hauptziel seiner Agrarpolitik war die Anpassung der Erzeugung an den Bedarf. Man hatte inzwischen eingesehen, daß ohne Erzeugungslenkung ausreichende Preise für die Landwirtschaft nicht erreicht werden konnten. Durch das freie Spiel der Kräfte ließ sich aber die Anpassung nicht erreichen. Die Farmer konkurrierten sich gegenseitig nieder und schädigten in ihrem Streben nach Kostensenkung durch die rücksichtslose Ausplünderung des Bodens das nationale Vermögen. Die Ordnung der Erzeugung sollte daher die Voraussetzung für eine Gesundung der Mächte bilden. Innere Marktreformen, wie wir sie in Deutschland durchführen, hatten bei dem ausgesprochenen Liberalismus der amerikanischen Wirtschaftler nur wenig Aussicht auf Erfolg. Die Lenkung der Erzeugung geschah durch den Abschluß von Verträgen einer neugeschaffenen Agrarverwaltung und den einzelnen Erzeugern über Ankauf lächenbeschränkung und andere innerbetriebliche Maßnahmen. Die Farmer wurden für ihre Mitarbeit durch Prämien belohnt, für die man die Mittel durch eine Besteuerung der im Inland verbrauchten Agrarerzeugnisse aufbrachte. Durch diese Maßnahmen sind im Jahr 1935 allein 12 Millionen Hektar Land anderen Verwendungszwecken zugeführt worden. In der Zeit von 1933 bis 1935 wurden Prämien im Werte von 1,2 Milliarden Dollar an die Landwirtschaft aus» gezahlt. Verschiedene ergänzende Gesetze führten für Baumwolle, Kartoffeln und Tabak den Gedanken der Anbauflächenbeschränkung noch weiter. Marktablieferungen, die ein bestimmtes Kontingent überschritten, wurden z. B. bei der Baumwolle mit einer besonderen Steuer belegt. Die Maßnahmen Roosevelts trugen dazu bei, die Erzeugung in der Richtung des volkswirtschaftlichen Bedarfs zu lenken. Man darf aber nicht übersehen, daß die ^Beseitigung der preisdrückenden Ueberfchüsse in der Hauptsache durch die Natur hervorgerufen wurde und daß die erhebliche Besserung der Sage der Landwirtschaft auch noch auf Gründe zurückgeht, die nichts mit der Agrarpolitik zu tun haben. Das Haus des W erf tb ür o s an der Uferstraße nach Cineinnati stand vier Meter unter Wasser. — (Associated-Preß-M.) . ■ - T" - M ; ■ M. | Oie Bodenspekulation schachmatt gesetzt. Von p. Oramburg. V. A. Als im Oktober 1933 das Reichserb- hofgefetz verkündet wurde, war ein entscheidender Schlag gegen die Bodenspekulation geführt, denn die nationalsozialistische Forderung nach Beseitigung spekulativer Ausbeute des Bodens und Aufrichtung eines deutschen Bodenrechtes war damit für den Teil des Bodens zur Verwirklichung gekommen, der sich in der Hand des Bauerntums befindet. Indem man den bäuerlichen Grund und Boden dem Kapitalismus entzog und feine Unverkäuflichkeit für alle Zukunft festlegte, machte man ihn frei für feine eigentliche Aufgabe, das tägliche Brot des deutschen Volkes hervorzubringen. Sein kapitalistischer Wert und die vielfachen Möglichkeiten für dessen Veränderung mit Hilfe der kapitalistischen Spielregeln waren von nun an völlig nebensächlich. Aus einem Objekt profitgierigen Schachers war die unantastbare Grundlage für die Sicherung der Ernährung des deutschen Volkes geworden. Aber nur der Teil des deutschen Bodens, der in der Hand des Bauerntums lag, wurde der kapitalistischen Nutzung völlig entzogen, der andere Teil — er umfaßt weit über die Hälfte der land- und forstwirtschaftlichen Nutzflächen des Reiches — lag nach wie vor dem freien Grund stück- verkeyr offen. Dabei wirkte die Tatsache, daß der Grundstücksmarkt durch das Reichserbhofgesetz stark eingeschränkt worden war, sofort auf die Bodenpreise zurück; denn die Spekulation versuchte, mit steigenden Bodenpreisen durch erhöhte Profit- gewinne die Einengung ihres Geschäftes nachhaltigst auszugleichen. Diese Erscheinung machte sich vor allem bei den Preisforderungen für einzelne Landstücke und Parzellen bemerkbar. Die Käufer solcher Ländstücke sind zum größten Teil kleine und kleinste landwirtschaftliche Betriebs- inhaber, die durch den Zukauf von Land ihren Betrieb leistungsfähiger und wirtschaftlich unab- hängig zu machen suchen. Diese Zwangslage nutzte die Bodenspekulation, um Preise zu verlangen und meist auch zu erhalten, deren Höhe zu dem Wert des Bodens kein Verhältnis hatte. Diese Tatsache aneben anderen Fällen von grobem Tti-y h landwirtschaftlicher Grundstücke, daß noch immer ein Teil des deutschen Bodens nach r n kapitalistischen Grundsätzen ausgenutzt wurde, unö daß seine Inhaber sich der Aufgabe in keiner Weise bewußt waren, die sie mit dem Besitz von landwirtschaftlichem Grundeigentum dem deutschen Volk zu erfüllen haben. Bereits im März 1918 wurde durch eine Bundesratsverordnung eine Beschränkung d e s freien Grundstücksverkehrs vorgenommen. Aber diese Verordnung war nur zu sehr ein Spiegelbild der Halbheit und völligen Haltlosigkeit der damaligen Regierung; sie war nämlich nur anwendbar auf die übelsten Spekulantenkniffe, an dem Grundsatz des freien Grundstücksverkehrs aber wagte sie nicht zu rütteln. Mit dem neuen ® e • Zwischen Himmel und Hölle. Von Wilhelm von Scholz. Haben manche Menschen einen guten Stern? Einen Schutzengel? Sicherlich! Aber es ist oft bitter schmerzhaft, wenn der gute Stern oder der Schutzengel helfen müssen. Das kleine Landstädtchen, das für den Umkreis der Flecken und Dörfer Markt und Geschäftsmitte ist, in dem die Nebenbahn endet und der alte Gasthof steht — in dem so gut die gelegentlich anwesenden Vertreter höherer Behörden wie die Geschäftsreisenden abfteigen — verdämmert eben im trüben kalten Winterabend. Die Straßen, auf welche schon erhellte Schaufenster und sonst ein paar Fenster Lichtstreifen werfen, sind leer. Ein Bauer, der Dung auf seine Aecker hinausgefahren hat, wendet in eine dunkle Nebenstraße ein. Ein Waldarbeiter mit Rucksack und Pfeife geht quer über den Marktplatz, ein Junge läuft mit Pantinen um ein Hauseck. Dann kommt auch der Apotheker Mertens durch eine der Straßen, die von Wald und Feld in die zum Städtchen gesammelte abendliche Heimlichkeit hereinführen, mit seinem schweren Schritt auf den Marktplatz gestapft und geht auf seine Apotheke zu. Er hat heute Nachtdienst, deshalb sich am Nachmittag durch seinen Gehilfen vertreten lassen können, und hat einen weiten Spaziergang durch das winterliche Land gemacht. Er ist traurig und herabgestimmt. Seine Zwillingsschwester — sein einziges noch lebendes Geschwister — ist seit Wochen schwerkrank. Er war zu ihr gereift, konnte aber bei der Langwierigkeit der Krankheit nicht bleiben und ließ seine Frau zur Hilfe bei der Erkrankten. Einen Tag um den anderen erhielt er Nachrichtell; sie verschlechterten sich und waren bedrückend, weil sich keine Spur einer Besserung zeigen wollte. Er litt tief darunter, miet) seinen Stammtisch, grübelte und grübelte, so daß er oft nicht mehr wußte, wo er war, was er zu tun hatte. Selbst auf Spaziergängen, zu denen ihn fein Gehilfe besorgt anhielt, versank er ganz aus der Wirklichkeit. Als der nach Hause gegangen war, wollte Mertens die späten Abend- und elften Nachtstunden aufbleiben und lesen. Aber Seelenkummer macht müde und spannt die Nerven ab. Es mochte kaum einhalb eti Uhr sein, als er doch das Buch zuklappte unö, zum^l noch keiner die Nachtglocke gezogen hatte, zu Bett ging. Er wußte nicht, wieviel Uhr es war, als es schellte; aber er wußte erwachend, daß es schon mehrmals in seinen Schlaf geschellt haben mußte. Er öffnete das Fensterchen in der Tür und nahm ein Rezept entgegen. Eine Morphiumlösung war verlangt, in einer der üblichen Dosierungen. Er las nicht einmal die Unterschrift des Arztes, die ihm mit ihrem verworrenen Schriftzugbild oertraut war, aber nicht in fein Bewußtsein trat. Am Giftschrank füllte er ein Medizinfläschchen, wickelte das Rezept darum und gab dann beides dem wartenden Manne, dessen mattbrennende Radlaterne er jetzt erst bemerkte. Der Radfahrer schien es eilig zu haben. Noch ehe Mertens das Fensterchen geschlossen hatte, fuhr sein zitternder Lichtschein am Boden schon drüben beim Rathaus. Mertens tappte zurück, sah, als er die Treppe in den Oberstock hinaufsteigen wollte, daß er den Giftschrank noch nicht zugemacht, an dem sein Schlüsselbund hing. Während er ihn abzog, träumte er schon wieder, ward aber durch das Glas gewahr: die Flaschen standen in anderer Reihenfolge als gewöhnlich. Was war bas? Es überlief ihn heiß und kalt. Er öffnete die Tür — die Flaschen standen anders als sonst. Die unverdünnte Losung stand an der Stelle, wo er stets die übliche Gebrauchsmischung aufzubewahren pflegte. Ums Himmelswillen! Hatte er nicht dem Radfahrer von der unverdünnten Lösung gegeben? Den Tod mitgegeben für den Kranken? Eine Gabe — wie der Patient Drei nehmen sollte — genügte, ihn zu töten. Ums Himmelswillen! Was nur tun? So sehr sich der Apotheker den Kopf zersann, er wußte nicht den Ort, aus dem der Mann war, noch den Arzt, dessen Unterschrift er eben in der Hand gehalten hatte. Was nur tun? Fliegenden Herzschlags überdachte er alle Möglichkeiten: Wagen des Gasthofs ja aber wohin damit fahren? Jede Meile in falscher Richtung brachte ihn nur weiter fort von dem Unglück, das er wahrscheinlich anaerichtet, bei dem der Arzt möglicherweise seine Hilfe brauchen würde. Durste er überhaupt die Apotheke allem lassen? Wenn eilig etwas benötigt wurde! Die Fernsprechstellen auf den Dörfern aber, um etwa herumzufragen, hatten jetzt keinen Dienst. Sinnlos, aussichtslos alles! Der Apotheker läßt die Hände in den Schoß sinken und starrt vor sich hin. Nun ist es aus. Schande, Gefängnis, ewige Selbstvorwürfe, wirtschaftlicher Untergang. Wie soll den seine Frau tragen! Da läutet das Telephon. Schon, denkt Mertens, schon! So schnell. Und wie haben die Leute auf dem Dorfe denn nachts die Verbindung bekommen? Er roaat es kaum — aber bann nimmt er entschlossen oen Hörer ab und meldet sich. Da vernimmt er die Stimme seiner Frau: Er solle nicht böse sein, daß sie nachts anrufe, aber sie müsse ihn sprechen — Er erschrickt wieder, obwohl die Stimme seiner Frau eigentlich nicht traurig klingt, hört — daß eine Krisis eingetreten sei am späten Abend, daß sie den Arzt noch hätten rufen lassen, und daß der festgestellt, es fei zum erstenmal eine unzweifelhafte Besserung zu erkennen, das Herz arbeite zum erstenmal wieder ruhia und gleichmäßig; es würde jetzt bergauf gehen, Der Heilung entgegen. Das hätte sie ihm gleich sagen müssen. „Schön, schön!" antwortet Mertens, „das ist schön. Ich danke dir, daß du angerufen hast!" Und er denkt: Entsetzlich! Daß ich nun in dies Glück mit meinem Unglück kommen und alles wieder zerstören muß! Er hat abgehängt. Er weiß nicht mehr, was er noch gesagt hat, aber er ist nun viel verzweifelter als vorher. Jetzt, bas fühlt er, muß er ein Ende machen, er erträgt es nicht. Er geht an den Gist- schrank, öffnet und muß wieder denken: Aus welcher Flasche hast du genommen? Gleich darauf: Das ist nun nicht mehr zu klären, zu ändern; es kommt darauf an, aus welcher ich jetzt nehme. Er faßt die Flasche mit der ungemischten Lösung — und im Augenblick des Berührens, als habe er damit einen elektrischen Kontakt geschlossen, schellt die Nachtglocke. Auch der Mensch, der sich den Revolver schon an die Stirn gesetzt hat, würde sein letztes Tun unterbrechen, wenn das Telephon anschlüge, den Hörer abnehmen und sich melden, als wäre er noch richtig auf der Erde — So Mertens. Er geht an die Tür, öffnet die Klappe, fragt, was man will und hört eine Stimme, die ihm bekannt vorkommt, sieht hinaus, erkennt den Mann, der das Morphium geholt hat, erwartet das Furchtbare zu vernehmen — und vernimmt Entschuldigungen, daß er nochmals stören müsse. Er sei mit dem Rad auf einen Wagen aufgefahren, der unbeleuchtet auf der Straße gestanden, gefallen und habe das Fläschchen in der Tasche zerbrochen. Ob der Herr Apotheker so gut sein wolle, das Rezept nochmals anzufertigen, obgleich er kein zweites Geld da habe? Es brauchte lange,, bis Mertens antworten und rufen konnte: „Gern, gern, lieber Mann! Den Unfall sollen Sie nicht entgelten!" Als er nach der Genesung seiner Schwester seiner heimgekehrten Frau den Vorfall erzählte, schloß er: „Es sind nur ein paar Nachtstunden gewesen. Aber sie haben genügt, mich in Hölle und Himmel zu führen." Eichelhäher über Ostpreußen. Ein eigenartiges Naturereignis, ein Tiaffenein- fall von Eichelhähern aus dem Nordosten, wurde im letzten Herbst in Ostpreußen beobachtet. In den ersten Septembertagen zogen einzelne Häher über die Nehrung dahin, bis Mitte September verdichtete sich der Zug immer größeren Schwärmen, und von Mitte September ab konnte man in wenigen Minuten Hunderte von Eichelhähern südwärts ziehen sehen. Tausende und aber Tausende dieser auffallenden Vögel haben seitdem die Nehrung überquert. Die Frage, wie solche Massendurchzüge zu erklären sind, sucht die Leipziger „Jllustrirte Zeitung" zu beantworten. Man hat die Witterungs» Verhältnisse für das Einsetzen solcher MasseneinMe verantwortlich machen wollen, aber nach den Beobachtungen, die auf der Vogelwarte in Rossitten gemacht wurden, scheinen diese doch von geringem Einfluß zu sein. Ferner zieht man die Ernahrungs- verhältnisse zur Erkläung heran. Mqn weiß, daß das Eindringen der Rauhfußbussarde in großer Zahl meist nach Sommern einsetzt, in denen die Lemminge, eine kleine Nagetierart, die die Hauptnahrung der Bussarde darstellen, sich stark vermehrt haben. Dadurch haben auch die Raubvogel größere Gelege hochgebracht, und die Verknappung der Nahrung infolge dieser Vermehrung nötigt die Raubvogel zum Verlassen ihrer Heimat. Beim Eichel' Häher läßt sich jedoch eine solche Erklärung nicht geben; ihre Lieblingsnahrung sind Eicheln, und außerdem ist ihr Speisezettel so vielseitig, daß sie kaum in große Not geraten können. Man nimmt daher an, daß ihre Massenzüge irgendwie physiolo' gisch bedingt sind, aber über die Umwelteinflüsse, die diese Wanderreize auslösen, wissen wir noch nicht Bescheid, und die Vogelwarte Rossitten hat die deutsche Jägerwett und alle Naturfreunde ge' beten, Beobachtungen über Öen Zug öer Eichelhäher mitzuteilen. C K Zeitschriften. — Daß es auch in Japan vorzügliche Skigebiete und seit einigen Jahren auch eine „Wintersport- bemegung" gibt, beweist ein Beitrag mit anschaulichen Bildern im neuesten Heft der „Jllustrir- t e n Zeitung Leipzig" (Verlag I-I .Weber, Leipzig). Prächtige Aufnahmen zeigen altstänkische Bauerntrachten die zu den schönsten Trachte» Deutschlands zählen und wenig bekannt sind. Aus Anlaß des 350. Jahrestages Der Hinrichtung der Königin Maria Stuart schildert Dr. Kurt Pfister an Hand neuer Aktenveröffentlichungen die Tragö« die oer Schottenkönigin. setz vom 26. Januar über ble Aenderuna der Ver- ordnung über den Verkehr mit landwirtschaftlichen Grundstücken vom März 1918 wird dieser Zustand grundlegend geändert. Das neue Bodengesetz u n - terwirft den gesamten Verkehr mit landwirtschaftlichen Grundstücken im Umfang von 2 Hektar aufwärts grundsätzlich der Genehmigungspflicht. Gleichzeitig aber kann der Ernährungsminister den landschaftlichen Verschiedenheiten entsprechend die Grenze von zwei Hektar noch weiter heruntersetzen. Damit ist eine scharfe Kontrolle gerade des Verkehrs mit kleinen und kleinsten landwirtschaftlichen Grundstücken geschaffen, die jede ungerechtfertigte Preissteigerung und sonstige Uebervorteilung von vornherein ausschließt. , Außerdem aber ist noch eine weitergehende Siche- rung eingeschaltet worden, die die Genehmigung zum Erwerb landwirtschaftlichen Grundbesitzes überall da versagt, wo ein erhebliches öffentliches Interesse entgegensteht; das kann insbesondere der Fall sein, wenn der Käufer nicht als Landwirt im Hauptberuf anzusehen ist, oder wenn der Gegenwert in einem groben Mißverhältnis zum Wert des Grund st ücks steht. Mit dieser Einschaltung einer Generalklausel sind alle Voraussetzungen gegeben, um unerwünschten Elementen den Ankauf deutschen Bodens unmöglich zu machen. Die Tatsache, daß vor der Erteilung oder Versagung der Genehmigung der zuständige Kreisbauernführer gehört werden muß, bildet eine weitere Sicherung dafür, daß nur der Grund und Boden erwerben kann, der die Gewähr dafür bietet, daß er seinen Besitz so nutzt, wie es im Interesse der Lebenssicherheit unseres Volkes gefordert werden muß. Da außerdem die Genehmigungspflicht auch auf die Veräußerung von Grund und Boden im Wege der Zwangsversteigerung ausgedehnt wor- den ist, ist eine weitere Lücke der alten Bundesratsverordnung geschlossen, die nur zu oft zu groben Mißstände geführt hatte. War nämlich der Käufer eines Grundstückes zu der Gewißheit gekommen, daß er infolge der strengeren Handhabung der alten Bundesratsoerordnung eine Genehmigung für den Erwerb eines Grundstückes nicht erhalten würde, suchte er ein anderes Grundstück oder gar dasselbe sich auf dem Wege der Zwangsversteigerung in die Hände zu spielen. Dabei lag es diesen Käufern in zahlreichen Fällen gar nicht Daran, den Betrieb ordnungsgemäß zu bewirtschaften und ihn in den Dienst Der Ernäyrungssicherung des deutschen Volkes zu stellen. Das neue Gesetz wird mit solchen Zuständen ein Ende machen. Mit ihm ist der kapitalistischen und spekulativen Ausbeute des deutschen Bodens ein fester Riegel vorgeschoben worden. Der deutsche Boden dient für die Zukunft nur noch den Lebensnotwendigkeiten des deutschen Volkes. Mit dem neuen Gesetz ist aber gleichzeitig der Weg geebnet für eine der nationalsozialistischen Bodenordnung entsprechende Besitzverteilung, die die Lebenskräfte unseres Volkes zu höchster Entfaltung bringen wird. Geschichten ans aller Welt. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Schmerzhaftes Jagdglück. (ma) Sidney. Mister John Sheather in Wagga in Australien tft alles andere als ein „Sonntagsjäger" und im edlen Weidwerk fei Jahren hervorragend bewandert. Was ihm jüngst jedoch widerfahren ist, steht allerdings sehr nach einem sonntagsjägerlichen Abenteuer aus. Mister Sheather war auf Der Kaninchenjagd, und als er wieder einen dieser schädlichen, in richtiger Zubereitung recht schmackhaften Nager zur Strecke brachte, schrie er selbst im selben Augenblick auf, als das Karnickel den Purzelbaum des Todes schoß. Er hatte nämlich mit der Kugel das Tier und sich selbst getroffen. Die Kugel fuhr durch den Körper des Kaninchen hindurch, prallte an einem Wegstein ab und sauste als Querschläger Herrn Sheather in den Fuß. Er wollte es ihr beweisen. (th) Neuyort. Mr. Ende konnte keine offenen Fenster leiden. Auf dem Dorf, woher er stammte, hatten sie im Erdgeschoß gewohnt und da waren einmaf Einbrecher eingestiegen. Auch jetzt, als sie in Neuyork im fünften Stock hausten, machte er mit seiner Gattin einen Heidenlärm, wenn sie die Schlafzimmerfenster aufließ. Nach einer solchen Auseinandersetzung wollte er ihr nachweisen, daß es für einen Dieb eine Kleinigkeit sei, von jenem Fenster aus an einem Dachfirst entlang bis zur Feuerleiter zu klettern. Im Eifer seiner Beweisführung schwang er sich auf die Fensterbank und kletterte hinaus. Zwei Meter weit kam er. Dann verlor er das Gleichgwicht und stürzte in die Tiefe, wobei er das Glück hatte, unterwegs auf ein Drahtnetz zu fallen und im Hof auf Baumwollballen zu landen. Er wird aber vermutlich nie mehr in feinem Leben feiner Gattin nachzuweisen versuchen, auf welchem Wege die Einbrecher ausgerechnet seine stille Wohnung im fünften Stock über die Feuerleiter erreichen können. Der Meteor im Bett. (th) Charles City (USA.). Im Staate Iowa wirb man ein Bett aus dem Hause des Dr. E. Salsbury als ein Kuriosum noch nach hundert Jahren ausstellen. Iowa zeichnet sich nämlich dadurch aus, daß hier besonders viele Meteore niedergehen. Eine solche Feuerkugel aus dem Himmel schlug nicht nur durch das Dach und die verschiedenen Decken des Hauses, sondern auch durch die Matrazen des Bettes, in dem die jüngste Tochter des Dr. Salsbuy schlief. Die Matratze zeigt einen schönen runden Durchschuß. Der Tochter aber geschah nichts. Die Pfeiferinnen von Lindfield (—) Birmingham. In Lindfield hat sich eine seltsame Einrichtung ausgeprägt: 20 Frauen verschiedener Altersklassen haben sich zusammengefunden und ein Pfeiferkorps gegründet, das nun sogar dazu übergeht, Wettkämpfe im Kunstpfeifen auszutragen. Die Absicht und der Geist des Wettbewerbs ist zweifelsohne zu loben. Nur sind die Männer von Lindfield mit den Geräuschen keineswegs einverstanden. Die Folge ist, daß die Frauen jetzt zum Training in den nahegelegenen Wald ziehen und dort ihre Uebungsftun- den abhalten. Die älteste Kunstpfeiferin ist 70 Jahre, die jüngste 8 Jahre alt. Die Eskimos wollen richtiges Pfund-Gewicht. (rk) Kopenhagen. Da hat man nun den Eskimos alle Vorteile der Zivilisation — soweit diese für die Eskimos nützlich find — zur Verfügung gestellt. Nun muß man auch die Folgerungen ziehen. Irgendein belesener Eskimo hat nämlich in Erfahrung gebracht, daß auf Grund der Schwerkraftverteilung auf der Erde ein Pfund am abgeplatteten Pol bedeutend leichter ist als am Aequator. Er hat nun bei der Regierung beantragt, daß in Zukunft das Pfund unter Berücksichtigung jener Polarschwankungen für die Eskimos berichtigt werde, da man auf die Dauer derartige Verlustgeschäfte nicht in Kauf nehmen könne. Die erste Fallschirmspringerin. (W.s.) Brüssel. Ob die sowjetrussischen Fallschirmspringerinnen wohl wissen, daß die erste Frau, die an einem „Rettungsring der Flieger^ hing, eine kleine belgische Verkäuferin war, von der vor ihren Absprüngen niemand etwas wußte und an die sich schon ganz kurze Zeit nach ihrem letzten tödlich verlaufenen Absprung niemand mehr erinnerte, weil bereits die Geschütze in Europa donnerten? ßucienne hieß dieses Mädel, das tagsüber Kunden bediente, abends aber am Arme ihres Freundes, eines französischen Malers hing, der es sich in den Kopf gesetzt hatte, der damals noch sehr jungen Fliegerei einen besonders sicheren Fallschirm zu schenken. Ein von ihm konstruiertes Gerät lag in seiner Wohnung, aber nie» t V' WM L ■ k ■ : f Hier sieht man einige Ausschnitte aus der Ausstellung. Links ein Bild in der Abteilung „Kampf dem Verderb": Alle Schädlinge gehören auf die Müllschippe. — Rechts: Erne neuartige B a u m f ä l l ma s ch i ne in Halle I, mit der ein Baum von etwa einem halben Meter Durchmesser in vier Minuten gefällt werden kann. — (Scherl-Bilderdienst-M.) mand wollte es erproben. Es gab mancherlei an diesem Schirm, was den Männern vom Fach keine Freude machte. Selbst wollte der Maler nicht abspringen, weil er fürchtete, wegen eines Herzleidens unten nicht lebend anzukommen, ßucienne, die mit ihrem Geliebten gern von etwas anderem gesprochen hätte als von diesem Fallschirm, erbot sich eines Tages, den Absprung zu wagen. Aber kaum war das Angebot ihrem Munde entschlüpft, da bereute sie es schon bitter. Denn auch sie hatte Zweifel über Zweifel. Und überhaupt war sie nur eine kleine liebende Frau, die ihr Glück still genießen wollte. Der Maler ließ nicht mehr locker, er sprach von einer herrlichen Zukunft für beide, wenn es gelinge, die Fachwelt von der Richtigkeit seiner Konstruktion zu überzeugen. Und einwandfrei sei der Fallschirm, darauf könne sich ßucienne verlassen. Ein Pilot war bald gefunden, der fein Flugzeug für den Absprung zur Verfügung stellte. Und die Oeffentlichkeit erfuhr auch rechtzeitig davon, daß ein junges Mädchen die Absicht habe, aus mehreren hundert Meter abzuspringen. Welche Sensation! Ihr Bild war bei jedem Postkartenverkäufer zu haben. Mehr tot als lebend fam ßucienne unten an, mehr tot als lebend hatte sie sich in das Flugzeug hineinheben lassen. Sie glaube nicht an ein Gelingen des Absprungs. Und Die Fachwelt glaubte nach Dem ersten Sprung noch längst nicht an die Richtigkeit der Konstruktion. ßucienne mußte noch viermal hinauf und herunter, so sehr sie sich auch wehrte. Schließlich siegte immer wieder die Ueber- redungskunst ihres Geliebten. Während schon überall die Reservisten zu den Waffen griffen, bestieg sie noch einmal das Flugzeug, totenblaß. Als ob sie ihr Schicksal ahnte. Diesmal öffnete sich der Fallschirm nicht, zerschmettert blieb sie auf einer blumenübersäten Wiese liegen. Eine Stunde später trugen die Postkarten mit ihrem Bild bereits den Ausdruck „Zur Erinnerung an die große ßuft- heldin!" In der gleichen Stunde machten in allen Hauptstädten Extrablätter auf die drohende Kriegsgefahr aufmerksam. Das unreine Schwein. Dr. Ho./Bro. Venedig. Man erinnert sich wohl noch aus dem bekannten Film „Bengali" an die eindrucksvolle Szene, in der der englische Militärkommandant aufsässige indische Eingeborene mit der Drohung zum Sprechen bringt, sie in Schweinshäute einnähen zu lassen. Nun gestehen die verstockten Burschen, da sie auf die ewigen Freuden des mohammedanischen Paradieses verzichten zu müssen glauben, wenn sie vor ihrer Hinrichtung durch Berührung mit einem vom Schwein stammenden Gegenstand selbst „unrein" geworden sind. An diese einprägsame Filmfabel erinnert ein Vorfall, der sich dieser Tage in Venedig abspielte: Der Maharadscha von Alwar wollte den Schnellzug von der ßagunenstadt nach Triest benutzen, aber er entdeckte zu feinem maßlosen Schrecken, daß das Abteil mit Schweinsleder ae- polstert war. Er verlangte die Entfernung dieser Polsterung und setzte schließlich auch seinen Willen durch, nachdem der Zug bereits eine halbe Stunde Versvätung hatte. Die kahl gewordenen Bänke ließ der Maharadscha mit seinen schönen Orientteppichen (vorläufig) bedecken. Wer gab den ersten Schutz ab? (ie) Belgrad. In Belgrad starb kürzlich ein serbischer Offizier namens Miloykovitsch. Sein Tod hatte eine Streitfrage erneut aufgeworfen, mit der sich die internationale Oeffentlichkeit wiederholt beschäftigt hat, wer nämlich 1914 den ersten Schuß abgegeben habe. Der Verstorbene behauptete von sich, er sei es gewesen. Er sei bei einer Streife an der Save am 28. Juli 1914 auf eine österreichische Patrouille gestoßen, auf die er sofort geschossen habe. Dasselbe hat aber auch der österreichische Korporal Petranaye ocm 68. Infanterie-Regiment von sich behauptet. Er habe mit seinen Kameraden die Kleine Zigeuner- Insel in der Save besetzt und von hier aus ein vor- beifahrendes serbisches Patrouillenboot beschossen. Der Streit wird wohl niemals geschlichtet werden. Denn die Zeitungen von damals konnten bereits unter dem 26. Juli von einem Feuergefecht berichten, das sich bei Kubin abgespielt habe. Hier sei ein österreichischer Truppentransporter auf der Donau von der serbischer Seite heftig beschossen worden. Die es ganz genau nehmen, lassen aber diese Schüsse nicht gelten. Sie verweisen darauf, daß Oesterreich erst am 28. Juli, vormittags um 11 Uhr, den Krieg an Serbien erklärte, daß also nur der erste Schuß nach diesem Termin berücksichtigt werden könne. Mag man sich streiten; die ersten Schüsse, soviel ist sicher, fielen am 28. Juni in Serajewo. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstagnach. mittag geschloßen. Oie Tragödie Maria Ginarts. Don Malier Schwerdiseger. „Den Menfchen adelt, den tiefitgesunkenen, das letzte Schicksal." Schiller, „Maria Stuart". lieber ihre historische Bedeutung hinaus ist Maria Stuart unvergessen. Die ©enealogica des Hauses Tudor, auf Grund deren sie einst Elisabeth von England die Krone streitig machte, interessieren uns nicht mehr. Die Flammen des Fanatismus sind erloschen, deren ßobern Der Mitwelt ihr Bild verklärte und verzerrte. Wir sehen sie wieder, wie der Silberstift Francois C l o u e t s sie als Dauphine von Frankreich gezeichnet hat: eine Frau, die Das Verhängnis in ein Drama Der Politik und ßeiden» schaft gestellt hat, aus Dem es keinen Ausweg gab als Den erschütternden Des Todes. „Der Teufel fei mit ihm!" hatte Jakob von Schottland geflucht, als man ihm Die Botschaft brachte, Daß Das erwartete Kind ein Mädchen fei. Und niemals ist Der Schatten von ihrem ßeben gewichen. Als Maria nach Dem Tode Franz II. nach Schottland zurückkehrt, liegt, im August, tiefbrauner Nebel über dem Hafen. „Das Gesicht Des Himmels verrät, was mit ihr ins Land gekommen ist: Sorge, Schmerz und Dunkelheit." Anfangs allerdings führt Die neunzehnjährige Witwe ein ßeben voller „joyusitie“ mit Musik und Tanz in Schloß Holyrood. Mit der Heirat des jungen ßord Darnley beginnt der Umschwung. Nach wenigen Monaten ist das Verhältnis so unerträglich daß der Staatsrat D a r n l e y s Verhaftung und Hinrichtung in Erwägung zieht, und Der englische Gesandte „aus Anstand und um Der Ehre Der Königin willen" Marias Äußerungen über ihn verschweigt. Da taucht Der Earl of Bothwell in ihrem ßeben auf, „ein wagemutiger, tollkühner Mann". Furchtbar wie in einer Tragödie Des Aischylos brechen Schuld und Sühne über Maria Stuart zusammen. Sie wird seine Geliebte. Als Darnley in diesen Tagen erkrankt, siedelt sie zu ihm in Das einsame ßandhaus Kirk-o Field vor Den Toren von Edinburgh über. In Der Karneoalszeit will sie ein Maskenfest in Holyrood besuchen. Don Fackelttägem begleitet, verläßt sie spät abends Das Haus. In Der Nacht schreckt Das Dröhnen einer Explosion Die StaDt aus Dem Schlaf. Kirk-o'Field ist eine schwe- IcnDe Ruine. In einem nahen Anger findet man Darnley und feinen Pagen erdrosselt; Dabei einen Samtschuh von Bothwells ßeuten. Vier aus Both- wells Gefolge, die auf Der Folter gestanden haben, werden hingerichtet. An den Häusern findet man Spottzeichnungen auf Bothwell und Die Königin. Auf Darnleys Pferd reitet der Mörder vor Die Bank Der Richter. Kein Ankläger, kein Belastungszeuge hat sich in Die StaDt gewagt, Die Bothwell in ein Heerlager ihm ergebener Söldner verwandelt hat. Im Haufe eines der Verschworenen hat man eine silberne Kassette entdeckt. Die Briefe Marias (Scherl-Bilderdienst-M.) enthält, Entwürfe zu einem Helratsvertrag und einige Sonette, „Die ihre ausschweifende ßeiDen- schaft für Bothwell bewiesen". Alle Warnungen sind vergeblich. Und wenn sie England, Frankreich und ihr eignes ßanD verlieren müßte, sie wurde dem Geliebten folgen bis ans Ende der Welt! soll Maria gesagt haben. Im Mai heiratete sieihn. Nun bricht der Aufitand los. „Verbrennt siel schreit das Volk. Bothwell flieht und stirbt im Wahnsinn. Maria wird auf einem Inselschloß im ßoch Leven ringefperrt. Es gelingt ihr zu enttommen , Sber das fteer ihrer Betreuen wird in die Flucht ge- tcMagen. In einem Fijcherkahn rettet sie sich über den Soiway Firth nach England. Saum mehr bringt sie mit als das nackte Leben. Elisabeth schickt ihr ein Stück Samt und zwei alte Röcke. „Der vor Dem Sperber fliehende Vogel hat sich in ihrem Netz gefangen." Der Kampf der Königinnen beginnt, der über neunzehn Jahre geht. Bedenkenlos spinnt Maria ein Netz diplomatischer Intrigen zum Sturz Elisabeths. Im katholischen Norden erheben die Rebellen das alte Banner mit Den fünf Wunden Christi. Fanatiker und Abenteurer scharen sich um Maria, die Der Pol der katholischen Fronde roirD. Dabei schickt sie der Königin Stickereien unD küßt ihre Briefe. Elisabeth ist in einer Zwangslage: Ihr Souveränitätsgefühl erlaubt ihr nicht, Maria Den Schotten zur Verurteilung auszuliefern;, Burghley aber bekämpft entschieden ihre Absicht, sie wieder- einzusetzen: „Legt man Die Axt nicht an Die Wurzel, so werden Die Zweige, Die gebrochen scheinen, wieder knospen." Schritt für Schritt muß Elisabeth ihr politisches Credo verleugnen. Sie bietet Dem Regenten, Der ein Halbbruder Marias ist, an, sie auszuliefern, wenn er sich Dafür verbürge, Maria in Den ersten vier Stunden nach ihrer Ankunft zu ermorden. Schottlands Reformator, Der „Diener Gottes" John Knox, billigt diesen Vorschlag; doch die Verhandlungen zerschlagen sich. Da faßt ein schwärmerischer Jesuitenzögling, Anthony Babington, Der Mortimer Des Schillerdramas, Den Plan, Elisabeth in ihrer Sänfte zu erdolchen. Er bittet in einem Brief Maria um Rat für Die „tragische Hinrichtung". Maria antwortet in einem langen Chiffre-Schreiben. In einem Der Fässer Des Brauers, Der Das Schloß mit Bier beliefert, wird er befördert. Der Brauer ist jedoch nur eine Marionette Des Staatssekretärs Walsingham, Der selber Den verschlungenen Weg angelegt hat, um Marias geheime Post Überwachen zu können. Ehe ihn Babington erhält, liegt Der Brief entziffert Elisabeth vor, und sie liest Die Ratschläge, Die ihre Cousine Maria Stuart für das geplante Attentat erteilt. Schicksalsergeben und staatsklug greift Maria jetzt nach Der Märtyrerkrone und betet, Gott möge sie für feinen Streit sterben lassen. Im Oktober 1568 versammeln sich Peers, Staatsräte und Richter in Der Halle von Schloß Fothe- ringhay, um Marias Mitschuld an Babingtons Mordanschlag zu untersuchen. Das Urteil wird in Der Sternkammer in London gesprochen. Man wendet die Schneide des Richtbeils gegen die leere Bank der Angeklagten. Sir Amyas Pa ul et, der strenge Puritaner, der zum Wächter Maria Stuarts bestellt ist, läßt den Baldachin von ihrem Sitz entfernen und ein Kreuz dafür anbringen, da sie nach dem Gesetz bereits tot sei. Liber die Königin zögert Die Unterzeichnung des Todesurteils hinaus. Das Parlament Drängt; Der haushälterische Paulet gibt zu bedenken, daß man doch die 52 Pfund einsparen könnte, die Marias Unterhalt wöchentlich verschlingt, wenn man „die Ursache wegräumt". Am 1. Februar malt Die Königin schließlich in steifen Majuskeln ihr ELIZABEtH R. unter Das Urteil. Aber da sie Das Odium Der Hinrichtung vermeiden will, läßt sie Paulet einen Wink geben, „Das Leben Marias zu verkürzen". „Gott verhüte", antwortet dieser, „daß ich mein Gewissen so grauenvoll belaste." Am Morgen Des 8. Februar 1587 wird Maria von Hellebardieren in Die Halle von Fotheringhay geleitet. Eine burleske Szene beginnt, als Der anglikanische Dechant Die lateinischen Psalmen Marias übertönen will. Im Hintergrund beten calvinistische ßorDs. So ringt man nach drei Ritualen um Das Seelenheil Maria Stuarts. In einem Unterkleid aus Purpursamt kniet sie vor Dem Block: in Der Gefangenschaft früh gealtert, „eine dicke Person mit flachem Gesicht". Zweimal schlägt der aufgeregte Henker zu. Mit Dem Batistschleier fällt Die kastanienbraune Perrücke. Spärlich und grau ist Das Haar Darunter, Das einst Ronsard besungen hatte: „Bei seinem Anblick fallen Den Kriegern ihre Schwerter aus Den Händen..." Steil hebt Der Henker Den blaffen Kopf in Die Halle von Fotheringhay: „Gott schütze Die Königin!" Wie man auf Neuguinea Fußball spieli. Um die Eingeborenen von Neuguinea von ihrer verhängnisvollen Leidenschaft, von Stamm zu Stamm Krieg zu führen, endlich zu heilen, hat man sich viel Müye damit gegeben, ihnen Das Fußballspiel beizubringen. Es gelang auch scheinbar sehr gut, Die Schwarzen hatten bald Das größte Vergnügen am Fußballspiel und widmeten sich ihm mit einem Eifer, Der bald übertrieben schien. Wenn die Mannschaft nach Der Vorschrift zu Beginn Des Spiels auf beiden Seiten elf Kopfe zählte, konnte man sicher fein, daß nach kaum einer halben Stunde ein wüstes Durcheinander von je dreißig Mann auf Dem Platz war, während mindestens ein Dutzend gefechtsunfähig gemacht war und recht schwer verwundet am Rande des Feldes lag. Dis Polizei mußte eingreifen und dem Kampf ein Ends machen. Als sie näher zusah, entdeckte sie in den Händen der „Spieler" eine ganze Anzahl Messer, Rasierapparate, Flaschen uno andere Dinge, Die eigentlich nicht zum Zubehör Des Fußballs gehörem Doppelte Feylverbindung. (cs) Rom. Das neue Groß-Hamburg. Eine höchst merkwürdige Geschichte beschäftigt gegenwärtig die römische Gesellschaft. Es handelt sich um einen Prozeß, den ein junger Mann gegen eine Dame auf Rückgabe zahlreicher kostbarer Verlobungsgeschenke nach Auflösung des Verlöbnisses anaestrengt hat. Ungewöhnlich ist die Vorgeschichte dieses Prozesses. Satz da eine junge elegante Witwe, die nach dem Tode ihres Mannes ein zurückgezogenes Leben führte, eines Morgens in ihrem Zimmer, als der Fernsprecher klingelte. Die Dame nahm den Hörer ab und hörte, wie eine Männerstimme, eine schöne, klangvolle Männerstimme nach einem Herrn I. fragte. Wie sich herausstellte, handelte es sich um eine Fehlverbindung. Höflich entschuldigte sich der Unbekannte, wobei ein Wort das andere gab, bis schließlich die junge Witwe merkte, daß sie bereits §ehn Minuten lang sich mit einem ihr völlig unbekannten Herrn unterhielt. Als am nächsten Morgen der Unbekannte sich wiederum meldete, diesmal nicht auf Grund einer Fehlverbindung, ertappte sich die junge Frau dabei, daß sie auf diesen Anruf eigentlich schon gewartet hatte. Tage hindurch wiederholten sich diese Anrufe. Immer werbender wurde die Stimme des Unbekannten, der die junge Witwe um ein Stelldichein bat. Schließlich gab die junge Frau nach. So ging es denn am nächsten Abend zur verabredeten Stunde in das vereinbarte Restaurant. Dort aber erlebte sie eine furchtbare Enttäuschung: der Besitzer jener anmutigen Stimme war ein kleines buckliges Männchen. Aus Zartgefühl oder aus Mitleid kämpfte die junge Frau ihre Enttäuschung nieder und hielt auch jetzt noch die Verbindung mit ihrem neuen Bekannten aufrecht. Dieser, ein sehr vermögender Mann, überhäufte die Dame mitAufmerksamkeiten und Geschenken, die immer kostbarer wurden. Roch immer konnte sich die junge Witwe nicht dazu entschließen, den Mißgestalteten von sich zu weisen. Ja, sie willigte schließlich sogar in eine Verlobung ein. Als aber Woche um Woche verging, ohne daß die junge Dame ihre Einwilligung zur Trauung gab, kam es schließlich zwischen Beiden zu einer Auseinandersetzung, ~ in deren Verlauf die junge Frau erklärte, sie könne es nicht über sich bringen, ihn zu heiraten, wenn sie auch anfangs von seiner Stimme betört gewesen sei. Run wandelte sich in der Enttäuschung die Liebe des Buckligen in wilden Haß. Er verfolgte seine bisherige Braut nicht nur mit Vorwürfen, sondern verklagte sie nunmehr auch vor Gericht auf Rückgabe der vielen kostbaren Geschenke, die er ihr aus Anlaß der Verlobung gemacht hatte. Der Ausgang dieses Prozesses kann nicht zweifelhaft sein. Jedenfalls wird die junge Witwe, um eine bittere Erfahrung reicher, in Zukunft bei Fehlverbindungen am Fernsprecher sicher vorsichtiger und zurückhaltender sein. Der Mathematiker aus Leidenschaft. (rt) Budapest. In einem Vorort von Budapest kam Kun Kuti als Sohn armer Leute zur Welt. Er würde Maurer, fühlte aber den Drang in sich, sich in den Frei- stunden mit sehr exakten Wissenschaften zu beschäftigen. In der städtischen Bibliothek von Budapest war er jener bemerkenswerte junge Mann, der als erster die seit Jahren dort kaum benutzten Bücher über Mathematik zu lesen wünschte. Eines Tages wurde ein Journalist auf den Maurer aufmerksam, der in seiner Kaffeepause Algebra betrieb. Professor M. R. Barabas van der Universität Budapest wurde von dem Journalisten auf jenen Mann hingewiesen. Der Professor prüfte den Maurer und stellte eine ungewöhnliche mathematische Begabung fest. Bei einer Gesellschaft, die der Professor einige Tage später gab, fanden sich 35 Personen, die „Aktien" auf jenen Maurergesellen kauften. Heute ist er einer der hoffnungsvollsten Studenten der Universität Budapest. Holm 'Schene feld Wedel STADTGEBIET Wvdtoi EHer- ''Abe* Q> Q) co TD bergl ” \ / Hoopte I Wen-X^ forf / v Gebiet. Hamburg übergehendes preußisches Gebiet. Preußen übergehendes bisheriges hamburgisches Gebiet. •8/IR Xxw^ stadtgeb: <£ ..xS.v." ?• 'O.-.jrun - *.U -eM. T und Flurbereinigung in Norddeutschland. — (Scherl-Bilderdienst-M.) R'unff und Wissenschaft Die städtebauliche Neugestaltung Bagdads. Geheimrat Prof. Dr.-Jng. e. h. Joseph Brix von der Technischen Hochschule Berlin, hat im Auftrage der irakischen Regierung ein Gutachten erstattet über die Neugestaltung von Bagdad. Es handelte sich um die Aufstellung eines Generalbebau- ungs- und Verkehrsplanes, der die innenstädtischen Verkehrsverhältnisse durch Ausführung von Durchbruchstraßen regelt und für die zukünftige Entwicklung Straßen, Eisenbahnen, Wasserstraßen, Grünflächen und die verschiedenen Bauzonen festlegt. Bei der besonders schwierigen Aufgabe der Vorschläge für die Abwässerbeseitigung und -Verwertung kamen Geheimrat Brix seine Erfahrungen auf diesem Gebiete zugute. Von besonderem Wert ist auch die photographische Ausbeute, da Geheimrat Brix über tausend Aufnahmen, zum großen Teil aus dem Flugzeug, gemacht hat. Die Durchführung dieser Aufgabe unter beschwerlichen Klima- und Verkehrs- verhältnissen ist um so höher zu würdigen, als Geheimrat Brix im 78. Lebensjahr steht. Reichslagung der deutschen Musikerzieher. Zum erstenmal waren in diesen Tagen Musikerzieher aus allen deutschen Gauen zu einer Re i ch s- musikerzieher-Tagung gekommen, die im Auftrage des Reichserziehungsministeriums von der Hochschule für Musikerziehung, Berlin-Charlottenburg, durchgeführt wurde. An der Tagung nahmen u. a. zahlreiche Fachberater der höheren Schulen, Musikdozenten der Lehrerhochschulen, Gausachbearbeiter des NS.-Lehrerbundes und Kulturreferen- ten der Hitler-Jugend teil. Die in den ersten vier Jahren nationalsozialistischer Aufbauarbeit gewonnenen Arbeitserfahrungen mürben ausgetauscht und die wichtigsten Fragen einer planmäßigen Musikerziehung der Jugend erörtert. Die Tagung hat dazu beigetragen, den Aufbau einer von einheitlichen Grundideen bestimmten nationalsozialistischen Jugendmusikerziehung im ganzen Reich vorzube- reiten. 3mmermann-£iferafurpreis der Stadt Düsseldorf. Die Stadt Düsseldorf hat 1935 die Stiftung eines jährlichen Literaturpreises verkündet. In Erinnerung der großen Verdienste, die sich vor einem Jahrhundert Karl Jmmermann um Düsseldorf erworben hat, soll der Preis den Namen „Jmmer- mann-Litsraturpreis der Stadt Düsseldorf" tragen. Der Literaturpreis beträgt 1000 Mark und wird für ein arteigenes und würdiges Werk des Schrifttums verliehen, das im rheinischen Volkstum wurzelt ober von dem Leben der Westmark kündet. An dem Wettbewerb können sich alle deutschen arischen Schriftsteller und Dichter beteiligen. Schlußtermin der ersten Einsendung ist der 15. April 1937. Die Einsendungen sind zu richten an den Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf, Amt für kulturelle Angelegenheiten, Düsseldorf, Rathaus. Berufungen in das Reichsinstitut für Geschichte des neuen Deutschland« Der Präsident des Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschlands, Professor Walter Frank, Hot den Präsidenten der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt, Professor Dr. Johannes Stark, in die Forschungsabteilung Judenfrage des Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschlands berufen. Präsident Professor Stark wird dort zusammen mit Geheimrat Prof. Philipp Lenard das Referat „Naturwissenschaft und Judentum" leiten. Ferner hat der Präsident des Reichsinstituts den kommissarischen Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Professor Dr. Rudolf Mentzel in die Forschungsabteilung Judenftags berufen. In den Sachoerständigenbeirat des Reichs, instituts wurde der kommissarische Leiter des Reichs, inftituts für ältere deutsche Geschichtskunde, Pro« fessor Wilhelm Engel berufen. Die Dirmstein-Handschriften in Frankfurt. Es ist jetzt endlich gelungen, für die Frankfurter Stadtbibliothek die berühmten Dirmstein, Handschriften zu erwerben und sie für Frank, furt und zugleich für Deutschland zu retten. Jahre, lang bestand die Gefahr, daß dieses kostbare rein deutsche Kulturwerk nach dem Ausland verkauft wurde. Die zwei Bände der Handschriften enthalten drei Gedichte in deutscher Mundart, welche die Legende der sieben weisen Meister, den Helden Morolf und Morolf den ungeschlachten Tölpel be, handeln. Nach einer Nachschrift in den Gedichten sind sie von dem Frankfurter Goldschmied Hans Dirmstein geschrieben, mit Bildern versehen und gebunden worden. Dirmstein entstammt einer Frankfurter Goldschmiedsfamilie, lebte in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und ist kunst, geschichtlich vor allem bekannt geworden durch bis Reliquienbüste bes Petrus in ber Stistkirche in Aschaffenburg. Während 24 Wochen hat er auch Arbeiten am Römer in Frankfurt ausgeführt. Die Dirmstein-Handschriften waren über 100 Jahre verschollen und sind 1929 plötzlich wieder aufgetaucht: erst jetzt war es möglich, sie für die Frankfurter Stadtbibliothek zu erwerben. Deutsches INusikfesk in Wiesbaden. Wiesbaden veranstaltet fein Deutsches Mu. sikfeft vom 23. bis 29. April. Drei Festkonzerte bringen Werke der vier großen „B", Bach, Beethoven, Brahms und Bruckner. Die Leitung -es Musikfestes hat Generalmusikdirektor Carl Schu- richt. Im ersten Festkonzert kommt Beethovens Neunte Symphonie mit dem Schlußchor zur Auf. führung; Solisten dieses Abends sind: Ria Gin, st e r, Julie d e S t u e r s, Josef Witt und Josef- Maria H a u s ch i l d. Der zweite Konzertabend bringt Bruckners Siebente Symphonie und Brahms Violinkonzert: Solist ist Professor Georg Ku len- k a m p f f. Für das Bach-Konzert sind verpflichtet: Ria Ginster, Luise Richartz, Heinz Marten, Alexander N o s a l e w i c z und Justus Ringel- berg. Frühjahrsneuerscheinungen der Deutschen Verlags-Ansiatt. Die Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart-Berlin kündigt folgende neuen Werke an: Tania Bli- x e n, „Die Sintflut von Norderney", u. a. seltsame Geschichten, aus dem Englischen übersetzt von W. E. Süskind und Martin Lang; Jochen Klepper, „Der Vater", der Roman des Soldatenkönigs: H. R. Bruce Lockhart, „Wieder in Malaya":' Ernst Otto Marti, „Der Bergführer Jöri Madji" Roman aus der Schweiz; Lord Mottiftone, „Auf der Suche nach der Wahrheit"; Georg R e n d l, „Die Tiere in den sieben Nächten". — Ferner wird unter dem Titel „Das dichterische Werk Heinrich Lerschs" eine einbändige billige Ausgabe erscheinen, die die früheren Bände „Mensch im Eisen" und „Mit brii» derlicher Stimme" vereinigt. — Klassiker der Kunst: „Palma Vecchio", herausgegeben von György Gombosi; Georg Frieberici, „Der Charakter ber Entbeckuno unb (Eroberung Amerikas burch bie Europäer"; Albrecht Stolberg-Wernige- robe, „Bismarck-Lexikon". „Textillexikon", heraus- gegeben von Hugo G l a f e y. — Innerhalb ber Veröffentlichungen bes Petrarca-Hauses in Köln find in Vorbereitung: Oskar Walzel, „Florenz in beutscher Dichtung"; Thea von Seuffert, „De- nebig im Erlebnis deutscher Dichter"; Herbert Frenzel, „Alfredo Oriani"; Ulrich Hassell, „Deutschlands und Italiens europäische Sendung". Die Brille nach M nß! Brillen Beller Lieferant aller Krankenkassen 6O38A A. 835 D Postkarten bei Brühl C. AUTO UNION Londorf, den 4. Februar 1937. Forstamt Rabenau. Gießen, den 6. Februar 1937. Der Oberbürgermeister: Ritter. Montag, den 8. Februar 1937,9% Uhr beginnend, aus der Abteilung 91a des Stadtwaldes, Försterei Hochwart, 158,- rm Buchenscheiter, Am Bahnhof Gießen Gewissenhafte Anpassung durch erfahrene Fachoptiker! Illlllllllllllllllllllllllllll jwed^efätnpTurigon Schwarzarbeit können Arbeits-Ange bote von Handwerkern nur mit Tiomensnen nung u. unter Vorlage desGcwerbenachweijes ausgenommen werden Lerloa teeOit&encrQüu eigen Hlllllllllllllllllllllllilll Am Montag, dem 8. Februar, trifft ein großer Transport oftvveutz. Vkevde schweren und leichten Schlags, in Herborn ein. Sie stehen in den Stallungen des Gasthauses Lehr zum Verkauf und Tausch. 848 D 8orl üenmann. vletz a. 0. Mohn Telephon Herborn Nr. 260 Brennholzversteigerungen der Stadt Gießen. Aus den Waldungen der Stadt Gießen sollen versteigert werden: Zusammenkunft am Jagdhaus. Das mit OO ge- ichlagene Holz wird nicht versteigert. Nähere Auskunft erteilt Hilfsförster Sattler, Londorf. *" Holzversteigerung. Dienstag, den 9. Februar 1937, vorm. 10 Uhr, werden aus den Forstorten Ammenhäuserhecke, Neu- geheg und Eichwald des Schutzforstes Rabenau versteigert: 3 fm Eiche-Wagnerholz, 85 Eiche-Derbstangen (Deichseln), 50 rm Eiche-Gartenpfosten, 2 m lang. Brennholz: Scheiter, rm: Buche 160, Birke 2 und Fichte 4; Knüppel, rm: Buche 420, Eiche 210, Erle 4, Kiefern 7, Fichte 24, Lärche 16; Knüppel- reisig, rm: Eiche 120; Stammreisig, rm: Buche 420; Astreisig, rm: Buche 150. Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme bei dem Heimgange unseres lieben Entschlafenen, sowie für die zahlreichen Kranz- und Blumenspenden, die trostreichen Worte des Herrn Dekan Sattler und den schönen Gesang der Sängervereinigung Wieseck sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Karl Becker und Frau Familie Gustav Seibert II. Familie Otto Stroh. Wieseck, Wißmar, den 6. Februar 1937. 99,3 „ Buchenknüppel, 7,4 „ Eichen-, Eschen- und Fichtenknüppel, 2830 Wellen Buchenreiser III. Kl., 34,5 rm Buchenstöcke. Zusammenkunft: Kreuzung 13. Schneise—Reh. schneise. B. Mittwoch, den 10. Februar 1937, 9% Uhr beginnend, aus den Abteilungen 86 u. 89 des Stadtwaldes, Försterei Hochwart, 73,2 rm Buchenscheiter, Frankffurt/M., Frankenallee 81 Fernruf: 73254. 818d Bekanntmachung. Nach einer Verordnung des Herrn Reichsstatt. Halters m Hessen — Landesregierung — Abteilung VI (ßaHbinirtfÄaf1) Nr. VI A 2339 vom 27. Januar 1937 haben die Besitzer alle nach dem 1. September 1936 neu eingestellten Privatvatertiere (Hengste, Bullen, n T; .rui}b Ziegenböcke) bei der zuständigen Körstelle, das ist das Tierzuchtamt Gießen der Landes- banernschast Hessen-Nassau in Gießen, Friedrichstraße Nr. 6, anzumelden. Den Meldungen an die Körstelle müssen die Origmalabstammungsnachweise der anzu- körenden Vatertiere angefügt werden. Vatertiere ohne Abstammungsnachweis können auch für Privatbesitzer nicht mehr gekört werden. Die vor dem Inkrafttreten dieser Verordnung bereits zur Zucht verwendeten Privatvatertiere sind von dieser Verordnung zunächst ausgenommen, sofern sie nur zur Zucht im eigenen Betrieb benutzt werden. f832C Der Oberbürgermeister: Ritter. Die im Januar 1937 stattgefundenen Brennholz. Versteigerungen (Nr. 1—6) wurden genehmigt. Die rQ1 ■ Abfuhrscheine sind bis spätestens 10. Februar 1937 L816D in Empfang zu nehmen. [821C 49,8 „ Eichenscheiter, 3,- „ Hainbuchen- und Erlenscheiter, 140,2 „ Buchen- und Hainbuchenknüppel, 69,8 „ Eichenknüppel, 13,5 „ Eschen-, Fichten- und Erlenknüppel, 2830 Wellen Buchenreiser III. Kl., 34,- rm Buchen- und Eichenstöcke. Zusammenkunft: Kreuzung 12. Schneise—Mittel- schneise. Freitag, den 12.Februarl937,9Z/2Uhrbeginncnd, aus den Abteilungen 86 u. 89 des Stadtwaldes, Försterei Hochwart, 59,4 rm Buchen- und Hainbuchenscheiter, 74,8 „ Eichenscheiter, 76,- „ Buchen- und Hainbuchenknüppel, 73,- „ Eichenknüppel, 4,- „ Fichtenknüppel, 2670 Wellen Buchenreiser II. und III. Kl., 1100 „ Hainbuchenreiser II. und III. Kl., 48,6 rm Buchen- und Eichenstöcke. Zusammenkunft: Kreuzung 13. Schneise—Mittelschneise. Heute nacht 12 Uhr verschied nach langem, schwerem Leiden unsere liebe Mutter. Schwiegermutter, Grob- mutter, Urgroßmutter, Schwägerin und Tante Frau Dorothea Rock Wwe. geb. Kolb im 90. Lebensjahre Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Johannes Rock Margarete Weller Wwe., geb. Rock Wieseck, den 6. Februar 1937 Die Beerdigung findet Montag, 8. Februar, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Rabenauer Straße 42, aus statt ----- --836 D Stadtschulamt Gießen. Bekanntmachung. Die Anmeldung der mit Beginn des neuen Schul» sahres (8. April 1937) schulpflichtig werdenden Kinder hat zu erfolgen: 1. für alle Knaben: Montag, den 15. Februar 1937, 9—11 Uhr, in der AltenPestalozzischule, Wer» nerwall 18; 2. für alle Mädchen: Mittwoch, den 17. Februar 1937, 9—11 Uhr, in der Schillerschule, Schillerstr. 8. Bei der Anmeldung ist der Impfschein unb bei auswärts geborenen Kindern auch der Geburtsschein mitzubringen. Die Schulpflicht besteht für alle Kinder, die bis zum 1. Mai 1937 das 6. Lebensjahr vollendet haben. Es können jedoch zu derselben Zeit auch solche Kinder angemeldet werden, die bis zum 30. September 1937 das 6. Lebensjahr vollenden, und die geistig und leiblich als schulreif erkannt werden. Ein weiterer Termin für die Schulaufnahme findet nicht statt. (7990 Gießen, den 3. Februar 1937. ________Stadtschulamt. I. V.: Nebeling.___ Holzversteigerungen der Fürstlichen Oberförsterei Lich. Montag, 8. Februar, werden im Pfaffen-Höhler versteigert: rm Scheitholz Buche 120, Eiche 15, Fichte 18; Knüppel Buche 100, Eiche 80, Fichte 4; Stockholz Buche 28, Knüppelreiser Eiche 20; Wellen Reisholz Buche 4500, Eiche 300, dabei gute Stammreiser; rm Gartenpfosten Eiche 8, dann einige Eichen- und Buchen-Schnittstämme (3. u. 4. Kl.), ca. 100 St. Fichten-Derb- und Reisstangen unb 500 St. Bohnenstangen. Zusammenkunft: 9.30 Uhr, Straße Lich— Garbenteich (Eberstädter Schneise). Das Holz ist in sehr guter Abfuhrlage, an unb in der Nähe von Waldstraßen. Die Straße Lich—Garbenteich ist zur Holzabfuhr frei, Notweg über die Reichsautobahn. Am 1. Juli ist die Brücke fertig. Der Holzabfuhrtermin ist bis 1. Oktober verlängert. > Dienstag, 9. Februar werden in der Mcilbach versteigert: rm Scheitholz Buche 180, Eiche 12; Knüppel Buche 130, Eiche 55; Stockholz Eiche 4; Wellen Reisholz Buche 4000, Eiche 2000, zumeist gute Forstwellen; rm Gartenpfosten Eiche 12; fm Schnittholz Eiche (4. bis 7. Kl.) 10, Wagnerholz Eiche 2; Stück Fichte Derbstangen (1. bis 3. Kl.) 130, Reisstangen 120, Bohnenstangen 400. Zusammenkunft: 10 Uhr am Straßenkreuz Lich— Hattenrod, Burkhardsfelden—Nieder-Bessingen. Forst wellen kommen am Anfang. 591D Gebrauchte Qualitäts-Fahrzeuge Ständig wechselnd Lager u. a. Audi, Horch, Wanderer, Opel, Mercedes, Adler, Ford usw. Auch gegen Teilzahlung. | Einspaltige ~| werden zum ermäßigten |/| • • Grundpreis von 5 Pf. für die Neinanzeigen MHIImeterzelle veröffentlicht! Nr.Zl Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Samstag, 6. zebruar M7 unferm Lebensgesetz und Werden beten» Erreichen und dem den Völkern! Einst Spengler in seinem dem nordischen Gedanken als zustrebend, uns zum Wachsen nen, und uns nicht mit dem Sein beanügen. Das Gleiche gilt auch von nahm man, wie auch Oswald geschrieben: Am Sonntag, 7. Februar, wird das Programm der letzten Karnevalstage mit einer lustigen Morgenfeier „Eine Stunde Schmunzeln" eröffnet. Der Intendant Hermann Schultze-Griesheim hat für die zehnte Morgenveranstaltung das neue Spiel von Heinz S t e g u w e i t „Diogenes" oder: „Das Urteil nach dem Augenschein" zur Uraufführung erworben. Die Spielleitung führt Günter Winkel. In Anbetracht der Bedeutung des Tages wurden die Eintrittspreise um ein Geringes erhöht. Für unsere Platzmieter ist der Eintritt frei. Anfang der Morgenveranstaltung pünktlich 11.30 Uhr, Ende 12.30 Uhr. — Am Abend findet ein „Großer lustiger Abend" statt. Claire W a l d o f f parodiert, singt, lacht und unsere Mitglieder machen mit. Paul Nieren, der die Gesamtleitung hat, hat sich ferner die Mitarbeit sämtlicher Kapellmeister, Negisseure, technischer Vorstände, einige Mitglieder der Oper, Operette, des Schauspiels, aller Orchester- Betr.: Iugendfilmstunde. Zu der am Sonntag im Lichtspielhaus 11 Uhr morgens stattfindenden Jugendfilmstunde, in der Stadtheater Gießen. Heute abend findet eine Wiederholung des Schauspiels „Wasser für Canitoga" von Georg Turner statt. Die Spielleitung führt Anton Neuhaus. Die Vorstellung findet als 8. Vorstellung für den Theaterring der N^.-Kulturgemeinde statt. Anfang der Vorstellung 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr. Der Stadtheater-Spielplan vom 7. bis 14. Februar. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns folgendes Die Theaterkasse bittet, die vorbestellten Karten beizeiten abzuholen. — Anfang des lustigen Abends 19 Uhr, Ende 21 Uhr. — . Dienstag, 9. Februar, Anfang 20.11 Uhr, Ende 22.30 Uhr großer bunter Faschingsabend „Kampf dem Verdruß". Musikalische Leitung: Ernst Bräuer. Gesamtleitung: Paul Nieren. — Außer Miete. — Mittwoch, 10. Februar, Anfang 19.30 Uhr, Ende 2145 Uhr „Wasser für Canitoga" Schauspiel von G. Turner. Spielleitung: Anton Neuhaus. Mitt- woch-Miete. 19. Vorstellung. Freitag, 12. Februar, Anfang 20 Uhr, Ende 23 Uhr. Zum letzten Male „Prinzessin Nofretete" Operette von Nico Dostal. Musikalische Leitung: Hans H. Hampel. Spielleitung: Paul W r e d e. Freitag-Miete. 20. Vorstellung. Samstag, 13. Feberuar, Vorstellung für NSG. „Kraft durch Freude" „Wasser für Canitoga" Schauspiel von G. Turner. Spielleitung: Anton Neuhaus. — r„ Samstag, 13. Februar, Vorstellung für N^>G. 22.15 Uhr „Carmen" Oper von G. Bizet. Musikalische Leitung: Paul Walter. Spielleitung: Der Intendant. Außer Miete. — Hitler-Zugend Bann 116 Gießen. Dr. Alland stand — eine unbewegliche weiße Gestalt — noch immer neben dem Jnstrumententisch, als ginge ihn das alles nichts an. Er schien plötzlich selbst bedrückt, beinahe abwesend. Der Ausdruck seines Gesichts hatte etwas grüblerisch Horchendes. Die Schwestern warfen einander heimlich erstaunte Blicke zu. Was heute nur los war! Erst dieser komische Patient, und jetzt war der Doktor selber so sonderbar. Der alte Portier hatte die drei Herren nicht aufhalten können, die eben aus dem Auto gesprungen und dann gleich in großer Eile an ihm vorbei die Treppe zum ersten Stock hinaufgestürmt waren. Aergerlich lief der Alte hinter den dreien her: „Aber das geht doch nicht! Wo wollen Sie denn hin, die Herren .. Er keuchte vor Aufregung und mußte auf dem ersten Treppenabsatz stehenbleiben, um zu Atem zu kommen. Die drei merkwürdigen Herren schienen gut Bescheid zu wissen, zielbewußt eilten sie den Gang entlang, der zum Operationssaal führte. Einer Schwester, die ihnen erstaunt entgegentrat, warf einer von ihnen die Frage hin: „Dr. Alland schon im Operationssaal?" „Ja, aber da darf doch jetzt auf keinen Fall gestört werden!" Die Stimme der Schwester schnappte vor Ent- rüstung über. Man hatte sie einfach beiseitegeschoben, ohne auf ihren Einspruch zu achten. Da — unglaublich —, rissen sie wahrhaftig einfach die Tür zum Operationssaal auf ...! Na, das würde einen schönen Krach geben! Wenn der Herr Doktor es mit der Wut bekam ... Aber der Herr Doktor drehte sich merkwürdigerweise nicht einmal um bei dem scharrenden Geräusch der Tür. Er scheint noch immer auf etwas zu hör- chen, aber es ist jetzt deutlich, daß er mehr nach innen lauscht als auf irgendein Geräusch der Außenwelt. Als sich eine Hand plötzlich auf feinen Arm legt, weicht er rasch mit einer unwillkürlichen Be- roegung zurück und ist sofort wieder bei der Sache. Aergerlich braust er auf: „Wie können Sie mich ohne Handschuhe anrüh- ren? Sie sehen doch, ich bin schon steril!" Aber wie er ausblikt, sieht er in unbekanntes Gesicht. Was wollen diese Leute hier ...? (Fortsetzung folgt!) Einstichen der Jnjektionsnadeln. Das Gewebe wird an diesen Stellen zunächst mit Chloräthyl vereist und bann ..." , Aber Herr Kühlmann hörte gar nicht mehr zu. Die genaue Schilderung schien ihn erst recht ängstlich zu machen. „Und — und —stammelte er, glauben Sie, daß es lange dauert — ich meine, daß viel zu schneiden sein wird ...?" Herr Kühlmann begann immer unruhiger von einem Fuß auf den andern zu treten, und in feinen etwas hervorquellenden blauen Augen stand unverhohlene Todesangst. Alland hätte beinahe Lust gehabt, über diesen Feigling zu lachen, aber er mußte ja erst recht ernst bleiben, um seinen Zweck zu erreichen. Und so fuhr er fort, scheinbar geduldig, aber mit grausamer Genauigkeit dem Patienten die einzelnen Phasen der Operation zu schildern. „Vor allem werde ich die Nase m Angriff nehmen, deren Knorpel mit dem Skalpell neu geformt und etwa um die Hälfte reduziert wird..." Herr Kühlmann wurde langsam grün, aber er schien sich noch immer nicht zu dem Entschluß durchgerungen zu haben, die Operation einfach aufzugeben. Er murmelte nur etwas von „einen Moment Luft schöpfen" und trat zum Fenster, dessen untere Hälfte aus Milchglasscheiben bestand. Ehe man ihm noch sein seltsames Gehaben verweisen konnte, hatte er schon einen Flügel geöffnet und steckte den Kopf hinaus. _ . Von drunten klang eben das Geräusch eines vor der Anfahrt haltenden Autos herauf. Man hörte ein kurzes Quietschen der Bremsen. Dann schloß Herr Kühlmann wieder das Fenster. Die frische Luft hatte ihm offenbar wirklich gut getan. Er war auf einmal überraschend ruhig, und zwar nicht, weil er auf die Operation verzichtete, wie Alland einen Augenblick gehofft hatte — im Gegenteil. Der Patient schien jetzt völlig entschlossen. Also gut", sagte er, indem er Rock und Weste auszog und den weißen Kittel überstreifte, „den ihm die Schwester reichte. ..Dann also los ...!" . Ganz von selber legte er sich auf den Operationstisch wo ihn die Schwester, sichtlich erleichtert, mit ein paar raschen, geübten Griffen festschnallte: erst die Beine — rechter Arm, linker Arm. Dann alles sauber mit sterilen Tüchern abgedeckt und das Gesicht mit alkoholgetränkten Wattebäuschen abgerieben. bis die Haut wie poliert glänzte WA- mHgtieber, Öerrian3gruppe uni) bes gesamten Sljor- Ser «Um „Der Reiter von Deutsch-Ostafrika" läuft, Personals gesichert. Der ganze Abend ist auf Froh- sind noch einige Karten Ur die Sondereinheiten sinn, Heiterkeit und Fasching eingestellt. Paul N i e- vor Beginn der Jugendfilmstunde im Kmo zu ren'sagt an. Der Abend ist bereits ausverkauft! haben. 5. ReichsstraßensaniiWiig des MW. 1936/37 Zeder trägt am 6. und 1. Februar das Bernsteinabzeichen! stark auf den Operationstisch aufprallten und den ganzen Raum mit beinahe unwirklicher Helle erfüllten. Die Operationsschwester, die es sogar in dem weißen Operationsanzug noch irgendwie fertigbrachte, hübsch auszusehen, hantierte mit anmutigen Bewegungen an dem Jnstrumententischchen wie eine junge Hausfrau, die ihr gesamtes Silber nachzählt. Nur daß es sich hier um eine unendliche Auswahl von merkwürdig geformten Häkchen, Zängchen, Pinzetten, Klammern, Skalpellen handelte. Herr Kühlmann schien bei dem Gedanken daß man alle diese Instrumente an seinem Gesicht in Tätigkeit setzen wollte, von einer Art stummer Panik ergriffen. Er stand — der einzig störende dunkle Fleck in dieser Symphonie oon[ ®eifern Seinen und poliertem Metall — offensichtlich ratlos noch immer neben dem Operationstisch, auf dem er programmgemäß längst reglos hatte liegen sollen. Allands unheimliche Erscheinung brachte ihn offenbar noch um den letzten Rest ferner Selbst- beherrfchung. Er wurde ganz weiß um die Nase herum, und fein Gesicht lief feucht an wie eine -be. schlagene Fensterscheibe. Ungeschickt suchte er nach seinem Taschentuch, um sich die Stirn zu wischen. Alland ließ ihn ruhig gewahren musterte ihn dabei aber streng und erstaunt, so daß der Patient vor Verlegenheit erst recht zu schwitzen begann Schließlich brach der Arzt das Schweigen und sagte in spöttisch-vorwurfsvollem Ton: „Gestern schien Ihnen |o viel an der Operation zu liegen, und heute — sieht es mir beinahe so aus, als hätten Sie ihren Entschluß geändert wie? Warum stehen Sie hier noch herum achtatt sich auf den Operationstisch zu legen, wie die Schwester Sie angewiesen hat? Herr Kühlmann wurde rot bis hinter die Ohren und stotterte wie ein ertappter Schuljunge: „Durchaus nicht, Herr Doktor, durchaus mch . Ich habe meinen Entschluß durchaus nicht geändert, nur — ich möchte noch vorher em paar Kleinigkeiten mit Ihnen besprechen Zum Beispiel — Sie machen das Ganze doch in Narkose ...? Narkose . ? Wie stellen Sie sich das vor? Denken Sie,' man kann eine Gesichtsoperation machen und dabei dem Patienten die Chloroform- maske auf Mund und Nase lassen? Nein, kommt natürlich nur Lokalanästhesie in Frage, örtliche Betäubung mit Hilfe von Einspritzungen. Sie werden kaum etwas davon spüren, nicht einmal von den Aus der Provinzialhauptstadt. Aon der Zugend. Jugend ist eine Haltung, mit der man geboren wird und mit der man stirbt. Baldur von Schirach. Fast scheint es unabänderlich zu sein, daß zwischen der Jugend und dem Alter ein Gegensatz bestehen muß. Immer wieder können wir beobachten, wie zwischen beiden Lebenszeiten bald ein stiller, bald ein lauter Kampf geführt wird. Das Alter schilt die Jugend „unerfahren" und „naseweis"; während die Jugend dem Alter vorwirst, daß es „stehen geblieben" und „verkalkt" sei. Müssen wir diesen beobachteten Gegensatz als Naturgesetz hinnehmen? Wir sind heute in unserem Urteil, ob diese oder jene Erscheinung im menschlichen Leben „naturgesetzlich bedingt" ist, vorsichtiger geworden. Zu dieser Vorsicht treibt uns die neue (ober auch: wiedererweckte) Erkenntnis vom Wesen des Blutes und der Rasse. Aus dieser Erkenntnis heraus sehen wir manche „Tatsache" wanken. So wird uns auch immer deutlicher, daß die Frage, ob jemand jung oder alt ist, nicht von der Zahl der zurückgelegten Lebensjahre abhängt, sondern vom Blut, das wir in uns tragen. Wir wissen auch: es gibt sowohl greisenhafte Jünglinge wie auch jugendliche Greise. Manch einer ist noch Jüngling im schneeweißen Haar. Wir beobachten demnach neben dem Gegensatz zwischen Alter und Jugend auch ein einträchtibes Zusammengehen von alt ung jung, dann nämlich, wenn Alter und Jugend in Übereinstimmung den großen Zielen des Lebens zustreben. Unsere Stellung zu den großen Zielen und Gedanken des Lebens hängt von der inneren Haltung ab, die wir zu ihnen einnehmen. Diese innere, aus gleichem Blut erwachsene Haltung hebt, wenn wir es nur wollen, den angeblich naturbedingten Gegensatz zwischen Alter und Jugend auf. Auch wir selbst altern nicht, wenn wir unserer inneren Haltung treu bleiben, das heißt: wenn mir, Vas fremde GeW. Roman von Garen. 36 Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) „Lassen Sie den Mann ruhig in Frieden, wenn Sie nicht fertig mit ihm werden, Schwester. Vielleicht hat er es sich im letzten Moment anders überlegt. Ich komme gleich." Damit beugte er sich wieder über das Waschbecken, als gäbe es im Augenblick überhaupt nichts anderes auf der Welt als diese endlose Reinigungs- prozedur, die zur Einleitung jeder Operation gehört. Mein Gott — wenn der Kerl vielleicht wirklich Angst vor dem Messer bekommen hätte! Das wäre ein Glücksfall sondergleichen. Männer sind ja in der Beziehung manchmal feiger als jedes Weib... Ich werde ihm die Sache nicht gerade erleichtern... Nachdenklich schrubbte der Arzt weiter auf seinen Händen und Armen herum, die unter dem dicken Seifenschaum fast verschwanden, während eine Wolke heißen, scharfriechenden Wasserdampfs sein Gesicht in Nebel hüllte. Als die Schwester ihm in den Operationsmantel half und mit der Pinzette die sterilen Gummihandschuhe reichte, lächelte Alland geistesabwesend vor sich hin. Vielleicht — vielleicht, daß diese unverhoffte Wendung ihn doch noch von der erzwungenen und verhaßten Aufgabe befreien würde...! Endlich war er fertig. Die weiße Operations- masfe, die von dem ganzen Kopf nur Augen und Nase freiließ, gaben ihm ein etwas gespenstisches Aussehen: „Halb wie ein Beduinenscheik, halb wie ein mittelalterlicher Femrichter" ging es ihm durch den Sinn, als er zufällig einen Blick in den Spiegel warf. Noch nie hatte er daran gedacht, wie eindrucksvoll diese Vermummung eigentlich war, und wie geeignet, schreckhaften Patienten Angst einzu- jagen. Ein flüchtiges Lächeln der Befriedigung erhellte seinen Blick, als er, die Hände sorgfältig vom Körper abgespreizt, um nur ja die Sterilität der rötlichen Gummihandschuhe nicht zu beeinttächtigen, aus dem Nebenraum in den Operationssaal trat. Es war wie immer alles tadellos vorbereitet. Weißer Lack, weiße Tücher, Glas und Nickel, alles spiegelte und blitzte in dem überstarken Licht der elektrischen Lampen, deren Sttahlen fast körperhaft „Untergang des Abendlandes", als Naturgesetz hin, daß jedes' Volk früher ober später sterben muß. Heute haben wir aus der Erkenntnis vom Wesen der Rasse erfahren: Unser deutsches Volk bleibt jung, wenn es seiner inneren Haltung treu bleibt, indem es fein Blut und feine Rasse rein erhält. Diese Erkenntnis, daß das deutsche Volk jung bleiben kann, wenn es will, schenkt uns die Gewißheit vom Ewigen Deutschland! Bornoiüen. Tageskalender für Samstag. Stadttheater: 20 bis 22.15 Uhr „Wasser für Canitoga". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Der Jäger von Fall". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Spiel an Bord". — Platzkonzerte für das WHW.: 14 bis 15 Uhr auf dem Kreuzplatz durch die Regi- nvmtsEapeUe des Jnf.-Rgt. 116: 16.30 bis 17.30 Uhr nm Selterstor durch den Musikzug der SA.- Standarte 116. — Bauerscher Gesangverein: 20.11 Uhr Maskenball in den Räumen des Gesellschaftsvereins. — Turnverein von 1846: 20.01 Uhr Turner-Maskenball in der Turnhalle, Steinstraße. — Deutsche Stenographenschaft, Ortsgruppe Gießen: 20.11 Uhr Maskenball im Cafe Leib. Tageskalender für Sonntag. Hitler-Jugend, Bann 116: 11 Uhr Jugendfilmstunde im Lichtspielhaus: „Der Reiter von Deutsch- Ostafrika". — Stadttheater: 11.30 bis 12.30 Uhr 10. Morgenfeier „Diogenes, das Urteil nach dem Augenschein"; 19 bis 21 Uhr „Lustiger Abend mit Claire Waldoff". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Der Jäger von Fall". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: (Spiel an Bord". — Vortrag über Nahrung und Ernährung von Prof. Dr. Bürker: 11.30 Uhr im Physiologischen Institut. Kreisfeuerwehrtag in Gießen. Am Sonntag, 14. Februar, findet in Gießen der diesjährige amtliche Kreisfeuerwehrtag statt. Nach dem Fußexerzieren am Vormittag von 10 bis 12 Uhr wird am Nachmittag von 14 Uhr ab die Tagung im Katholischen Vereinshaus folgen, an die sich weiterhin die Tagung des Kreisoerbandes Gießen der Freiwilligen Feuerwehren anschließen wird. Achtung, Eigentümer von Kraftfahrzeugen! Der (Eigentümer eines Kraftfahrzeugs muß der Zulassungsstelle Anzeige erstatten, wenn er seine Wohnung wechselt, das Fahrzeug veräußert, es umbaut ober außer Betrieb setzt. Zieht er mit dem Fahrzeug in ben Bezirk einer anberen Zulassungs- stelle, so hat er sich bei ber einen abzumelden und bei ber anderen anzumelden. Wechselt er seine Woh- nung im Bezirk der gleichen Zulassungsstelle, so sind die Angaben über die Wohnung im Kraftfahrzeugbrief und -schein und in den amtlichen Karteien zu berichtigen. Es ist auch der Zulassungsstelle zu melden, wenn technische Aenderungen am Fahrzeug vorgenommen werden, z. B. der Motor ausgewechselt, der Ausbau geändert, zu einem Kraftrad ein Beiwagen beschafft wird. Dabei ist immer ber Kraftfahrzeugbrief vorzulegen. Wird das Fahrzeug — nicht nur vorübergehend — außer Betrieb gesetzt, so sind Kraftfahrzeugbrief und -schein abzuliefern. Ohne pünktliche Erfüllung dieser Verpflichtungen durch die Eigentümer der Kraftfahrzeuge ist die richtige Führung der Kraftfahrzeugkartei bei den Behörden nicht möglich. Nachlässigkeit der Kraftfahrzeughalter bei diesen Obliegenheiten wird daher mit Geldstrafe bis zu 150 RM., ober mit Haft bis zu sechs Wochen bestraft. Jeber deutsche Eigentümer eines Kraftfahrzeugs sollte aber aus eigenem Antrieb diese Verpflichtungen gegenüber dem Staat, der den Kraftverkehr vielfältig fördert, erfüllen. Gießener Wochenmarktpreise. * Gießen, 6. Febr. Auf dem heutigen Wachenmarkt kosteten: D. f. Molkereibutter, % kg 1,57 Mk., f. Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 14, Klasses 13, Klasse 812, Klasse C 11^, Klasse D 10)4, ungezeichnete 10, Wirsing, % kg 10 bis 15, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben 8 bis 12, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 30, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat, Vio kg T ' ;s 12, kg 80 Pf. bis 1 Mk., Tomaten 60 Pf., ebeln 8 bis 10, Meerrettich 30 bis 60, Schnn. urzeln 25 bis 35, Kartoffeln, )4 kg 5 Pf., 5 kg 44 Pf., 50 kg 3,50 bis 3,70 Mk., Aepfel, J4 kg 15 bis 20 Pf., Tafeläpfel 25 bis 40, Birnen 15 bis 25 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mk., Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Tauben, das Stück 50, Blumenkohl 30 bis 60, Endivien 10 bis 25, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 40, Rettich 5 bis 15 Pf. * ** ABC-Schützen anmeld en ! Das Stadt- schulamt Gießen gibt in einer Bekanntmachung in unserem heutigen Blatte die Termine für die Anmeldung der mit Beginn des neuen Schuljahres schulpflichtig werdenden Kinder bekannt. Die inter- esiierte Elternschaft sei auf diese Bekanntmachung besonders hingewiesen. ** D i e Anmeldung von Schülern für die höheren Schulen betrifft ein Bekanntmachung der Schulleitungen der höheren Lehranstalten in Gießen. Interessenten seien auf die Bekanntmachung besonders hingewiesen. ** Rehleins Ende. Am Donnerstagabend sprang im Walde zwischen Gießen und der Ganseburg, in der Gemarkung Annerod, ein Reh plötzlich vor das Auto eines Kraftfahrers aus Frankfurt am Main. Bei dem heftigen Anprall fand das Reh Kriegsblinde rufen auf zum Opfer! 3000 deutsche Kriegsblinde, die im Kampf und Not ihr Bestes, ihr Augenlicht, für das Vaterland und damit auch für dich, deutscher Volksgenosse, opferten, Helsen bei der 5. Reichsstraßensammlung am 6. und 7. Februar dem Führer im Kamps gegen Hunger und Kälte. Sie rufen dir zu: Laß deine Spende zum Winterhilfswerk an diesen Tagen nicht Almosen, sondern Opfer fein, dann wird kein deutscher Volksgenosse mehr Not leiden! Martens, Leiter der NSKOV., e. 23., Fachabteilung Bund erblindeter Krieger e. 23. Oer Reichslustschutzbund einsahhereii! Der Landesgruppenführer der Landesgruppe Hessen-Rheinland-Süd und des Reichsluftschutzbundes erläßt zur 5. Reichsstraßen- sammlung des WHW. folgenden Aufruf: NSG. Die im Reichsluftschutzbund tätigen Männer und Frauen arbeiten nicht nur an der Vorbereitung des Selbstschutzes der Bevölkerung, sondern sie dienen auch mit ganzer Hingabe dem vom Führer gewollten Winterhilfswerk. Die fünfte Reicks- straßensammlung des WHW. sindet den Reichsluftschutzbund erneut zum Einsatz für Volk und Reich bereit. . Polizeioberst a. D. Oldenburg. Fremde Münzen für die Sammelbüchse. Die Nationalozialistische Kriegsopferversorgung, Gaudienststelle Hessen-Nassau, macht zur 5. Reichsstraßensammlung des WHW. alle Frontsoldaten auf folgendes aufmerksam: NSG. In vielen Haushalten werden bestimmt noch alte, längst vergessene, ausländische Münzen aus dem Kriege vorhanden sein, die für den einzelnen wertlos, aber in der Gesamtheit einen beachtlichen Wert darstellen. Frontsoldaten! Bei der Straßensammlung am 6 und 7. Februar ist Gelegenheit gegeben, diese Münzen in die Sammelbüchsen eurer Kameraden zu legen! Es ist der Stolz jeder großen Organisation oder Gliederung, einmal im Laufe des Winters auch aktiv als Sammler für das Winlerhilfswerk des deutschen Volkes aufgerufen zu werden. Das $e- bruar-Bernfleinabzeichen sehen am heutigen Samstag und morgen Sonntag die Männer des Weltkrieges ab: die Männer der Nationalsozialistischen kriegsopferversorgung, die Männer des Deutschen Reichskriegerbundes (kyffhäuser), die Männer des Reichsluftschuhbundes und da, wo vertreten, der NS.-Studentenbund und der Reichsluftfporlverband. Auch sie sehen in dieser übertragenen Ausgabe die ehrenvolle Verpflichtung, diese Tage zu einem großen Erfolg für das WHW.» das große Werk deutscher Volksgemeinschaft, zu gestalten. Die Kreisführung Wetterau des WHW. kann mit Genugtuung feflftellen, daß die Volksgenossen unseres Gebietes den Führer verstanden haben, als er im Oktober 1936 zur Eröffnung des WHW. sagte: „Ich erwarte von jedem Deutschen, der Anstand und Lharakter hat, daß er mitmarschiert!" Darum trage jeder das Bernstein-Abzeichen als erneuten Beweis, daß er mitkämpft gegen hunger und Kälte. Ihr ward bisher opferbereit! Ihr werdet es auch heute und morgen — Ihr werdet es für alle Zukunft fein. Kreisführung Wetterau des WHW. Für Deutschland! — Denkt daran! Der Gauamtsleiter des Kriegsopferamtes erläßt für die Reichsftraßensammlung den nachstehenden Ausruf: NSG. Auch in diesem Jahr sammeln wieder die kriegsbeschädiaten Frontsoldaten und die Hinterbliebenen unserer gefallenen Kameraden für das Winterhilfswerk des deutschen Volkes. Einsatzbereit marschieren sie am 6. und 7. Februar auf zum Kampf gegen Hunger und Kälte. Sie haben ein Recht, Geldopfer zu fordern, diese Männer, die im großen Weltringen auf den Schlachtfeldern bluteten, und diese Frauen, die ihre Männer und Söhne opjerten: Für Deutschland! Volksgenossen! — Denkt daran! Ziegler, Gauamtsleiter. gl6er-Treffen 1937 in Gießen. lekder den Tod airf der Stelle. Der 5kraftfahrer lle- ferte das Wild beim zuständigen Jagdpächter ab. ** Holzoer st eigerungen werden durch Bekanntmachungen in unserem heutigen Blatte angekündigt. Interessenten mögen die Bekanntmachung beachten. **'& örungvonPrivatvatertieren. Die Anmeldung aller nach dem 1. September 1936 neu eingestellten Privatvatertiere zur Körung bei der zuständigen Dienststelle (Tierzuchtamt Gießen) betrifft eine Anmeldung der Stadtverwaltung in unserem heutigen Anzeigenteil, auf die besonders hingewiesen sei. Amtsgericht Gießen. Bor dem Amtsgericht Gießen fand gestern die Verhandlung gegen ein Ehepaar aus Gießen wegen Kindesmißhandlung statt. In der Hauptver- yandlung hat sich herausgestellt, daß die Ehefrau chr Kind gröblich mißhandelt hatte, weil es in der Schule sein Frühstücksbrot fortgeworfen und im Papierkorb nach anderen Brotresten aesucht hatte. Der Ehemann glaubte, berechtigt zu sein, sein Kind zu mißhandeln, weil es zu ftaufe nicht richtig gegessen habe. Die Angeklagten versuchten ihr Verhalten als harmlos hinzustellen. Das Gericht stellte fest, daß die Handlungsweise der Angeklagten sich als eine Roheit darstellt. Es ging daher über die gesetzlich angedrohte Mindeststrafe hinaus und verurteilte die Ehesrau zu einer Gefängnis st rase von sechs Monaten und den Ehemann zu einer Gefängnisstrafe von vier Mona- t e n. Den Angeklagten würben die Kosten des Verfahrens auferlegt. Schöffengericht Gießen. Der 23jährige S). F. aus Alsfeld wurde wegen schwerer Urkundenfälschung in Tateinheit mit Betrug unter Annahme mildernder Umstände zu drei Wochen Gefängnis und zur Kostentragung verurteilt. Der Angeklagte war geständig, unter Mißbrauch des Namens seines Bruders eine Quittung gefälscht und dadurch erreicht zu haben, daß ihm die Sparkasse in Lauterbach einen seinem Bruder zustehenden Betrag von 10,64 RM. auszahlte, den der Angeklagte für sich verbraucht hat. Von der Anklage der fahrlässigen Tötung nach § 222 StGB, wurde der 27jährige Gustav D i l - lenburger aus Södel f r e i g e s p r o ch e n. Die Kosten hat die Reichskasse zu tragen. Der Angeklagte befuhr mit seinem Personenkraftwagen, in dem noch zwei weitere Personen saßen, am 9.12. 1935, morgens gegen 4 Uhr, die Straße Friedberg—Bad-Nauhetm. Tags zuvor war geringer Schneefall eingetreten, die Straße war durch das Befahren und erngetretenen Frost erheblich glatt. Der Angeklagte wollte einen in gleicher Richtung fahrenden Radfahrer überholen und mußte nach links ausweichen. Als er wieder nach rechts steuerte, kam der Wagen ins Rutschen, stteß mit einem Kotflügel gegen einen Baum, drehte sich dann und fuhr in rückwärtiger Fahrtrichtung gegen einen fast 10 Meter entfernt stehenden Baum. Hierbei wurde der 26 Jahre alte R. O. so schwer verletzt, daß er bald darauf im Krankenhaus verstarb. Das Gericht hat als nicht nachgewiesen angesehen, daß der Angeklagte den Unfall verschuldet hat, da er im zweiten Gang gefahren ist und somit eine Geschwindigkeit von zirka 20 bis 30 Kilometer anzunehmen sei. Nach Ansicht des Gerichts ist der Unfall auf unglückliches Zusammenwirken verschiedener Umstände zurückzuführen, für die der Angeklagte die Schuld nicht trage. Es mußte daher Freisprechung erofqen. Kleine Strafkammer Gießen. In der Berufungssache gegen den L. I. aus Büdingen wegen Uebertretung und Vergehen war der Angeklagte bei Aufruf der Sache nicht erschienen. Die Berufung des Angeklagten wurde baher unter Kostenbelastung verworfen. Auch der Angeklagte W. aus Büdingen, der wegen Körperverletzung angeklagt war, war weder erschienen, noch hat er sich durch einen Anwalt vertreten lassen. Auf Antrag wurde die Berufung ebenfalls auf Kosten des Angeklagten verworfen. Sodann beschäfttgte sich die Kleine Strafkammer mit der Berufungssache des K. Sch. aus Gießen. Der Angeklagte war vom Amtsgericht Gießen wegen Körperverletzung zu einer Gefängnisstrafe von fünf Monaten verurteilt worden. Die Berufungsverhandlung ergab zwar, daß der Angeklagte an der Schlägerei in der Nacht vom 17. auf 18. Mai 1935 in der Nähe des Selterswegs beteiligt war, doch konnte ihm nicht einwandfrei nach- gewiesen werden, daß er derjenige war, der dem Verletzten die Fußtritte ins Gesicht versetzt hatte, also der Haupttäter war. Das Gericht hob daher das erstinstanzliche Urteil auf und stellte das Verfahren auf Grund des Straffreiheitsgesetzes vom 23. April 1936 ein, da die auszusprechende Strafe einen Monat Gefängnis nicht übersteigen würde. Der L. B. aus Gambach war vom Amtsgericht Butzbach wegen Beleidigung und übler Nachrede zu einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten und zwei Wochen verurteilt worden. Gegen dieses Urteil hatte der Angeklagte Berufung eingelegt. Auf Grund der Beweisaufnahme kam das Berufungsgericht zu dem gleichen tatsächlichen Ergebnis wie in erster Instanz. Der Angeklagte hatte dem Flurschützen B., der ihn wegen eines Flurschadens zur Rede stellen wollte, unberechtiater- weise beleidigende Aeußerungen zugerufen. Auch den Gerichtsvollzieher K., der bei ihm in dienstlicher Eigenschaft erschienen war, überschüttete er mit Aeußerungen, die eine Beleidigung des Gerichtsvollziehers darstellen. Auch das Berufungsgericht erblickte in dem durch nichts gerechtfertigten Verhalten des Angeklagten eine üble Nachrede im Sinne des § 186 und in Tateinheit damit einer Beleidigung im Sinne des § 185 StGB, des Flur- schützen sowie des Gerichtsvollziehers. Auch die in erster Instanz verhängte Strafe erschien dem Gericht durchaus angemessen, zumal das Verhalten des Angeklagten die Art feiner Einstellung Behörden gegenüber kennzeichnet. Die Berufung des Angeklagten wurde daher auf seine Kosten zurückgewiesen. ♦ Weiter hatte sich das Gericht mit der nunmehr 21jährigen Erna Berghäuser aus Weidenau (Kreis Siegen) zu befassen. Wegen mehrerer schwerer und leichter Diebstähle hatte das Amtsgericht Gießen sie am 27. November 1936 zu einer G e - samtgefängnisstrafe von sechs Monaten und zur Tragung der Kosten des Verfahrens verurteilt. Gegen dieses Urteil hatte die Staatsanwaltschaft wegen der Strafhöhe Berufung ein- gelegt. In der Zeit von Januar bis Ende Mai 1936 mißbrauchte die Angeklagte das Vertrauen ihrer Der vorbereitende Ausschuß für das Treffen der ehemaligen und der aktiven 116er in Gießen hat für diese kameradschaftliche Begegnung den 2 9. und 3 0. Mai vorgesehen. Die Wiedersehensfeier Der einstigen Angehörigen des ehemaligen Gießener Infanterie-Regiments Nr. 116 und seiner Kriegsformationen, die im Rahmen der Gesamtoeranstaltung stattfinden wird, soll ihr besonderes Gepräge durch die Vereinigung aller ehemaligen Regimentskameraden an diesem Tage und durch die Vertiefung der kameradschaftlichen Gemeinschaft mit den jungen Soldaten des wiedererstandenen Infanterie-Regiments Nr. 116 erhalten. Es wird als selbstverständlich angesehen, daß kein ehemaliger 116er und kein Kamerad der Kriegsformationen des alten, ruhmreichen Regiments es versäumen werden, die Tage und Stunden dieses Beisammenseins mit den jungen Kameraden des aktiven Regiments zu verleben und dabei zu sehen, was die junge Mannschaft in der feldgrauen Uniform zu leisten vermag. Die Vorbereitungen zu den verschiedenen Veranstaltungen werden durch die Gießener Kameradschaften im Einvernehmen mit dem Regiment ge- Gestern nad)mittag wurde Geheimrat Prosessor Dr. Robert Sommer auf dem Neuen Friedhof zu Grabe getragen. Eine stattliche Trauergemeinde hatte sich eingefunden, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Mit dem Largo von Händel fand die Trauerfeier ihren Auftakt. Pfarrer Bechtolsheimer hielt die Gedenkrede und gab dabei einen umfassenden Ueberblick über das Leben des verstorbenen Gelehrten. Er würdigte seine bedeutungsvollen wissenschaftlichen Forschungen, sprach von seinen Vorfahren, denen er sich immer eng verbunden fühlte, wie er auch seiner schlesischen Heimat immer die Treue bewahrt habe. Pfarrer Bechtolsheimer bezeichnete den Dahingeschiedenen als ein brennendes und leuchtendes Licht, dem viele Glück und Segen zu verdanken hatten, schilderte ihn als einen Menschen, der gleichweise von Fernweh und Heimweh erfüllt gewesen sei und bis kurz vor seinem Ende noch weite Reisen unternahm, um seinen Forschungen nachzugehen. An Leib und Seele sei er ein Jüngling gewesen bis in seine letzten Tage; und viele Plane habe er noch mit ins Grab nehmen müssen. Nachdem Pfarrer Bechtolsheimer noch manchen wertvollen menschlichen Zug des Wesens des Verstorbenen in die Erinnerung zurückgerufen hatte, insbesondere aber sein aufopferndes Bemühen um die kranke Gatttn geschildert hatte (die ihm um eineinhalb Jahre vorausgegangen war), schloß er mit Gebet und Segen. Ein feines Erlebnis war der Trauergemeinde dann beschieden mit einem alten schlesischen Volkslied („Vom Lebensbrünnlein"), das Herr Greif (Stadttheater) fang und das in innigster Beziehung zum Verstorbenen zu verstehen war. Nach der geistlichen Einsegnung traten viele Männer unserer Stadt an den Sarg, um dem Verstorbenen ehrende Nachrufe zu widmen und als äußere Zeichen der Wertschätzung Kränze niederzulegen. Oberbürgermeister Ritter bezeichnete den Verstorbenen als einen Freund und Helfer aller, der den Ruf unserer Stadt weit in das Reich getragen habe. Aus ursprünglicher lebendiger Kraft habe er gegeben und uns zu dauernder Dankbarkeit ver- pflichtet. Seine Magnifizenz, der Rektor der Universität, Professor Dr. Pfähler, stellte den Dahingeschiedenen in die Reihe jener Generation, die den Ruf der Universität weit hinausgetragen habe, in die Reihe mit König, Hirt und Behaghel, die ihm vorausgegangen waren. Er erinnerte daran, wie der 31jährige junge Gelehrte nach Gießen kam, der damals schon mit vielen wissenschaftlichen Arbeiten hervorgetreten war und sich bedeutenden Ruf erworben hatte. Rückblickend müsse gesagt werden, daß all das, was er in den Jahren von 1895 bis 1937 geschaffen habe, in Vollendung und Weite vor Dienstherrschaft und stahl aus offenen oder mittels eines angefertigten Nachschlüssels aus verschlossenen Behältnissen Geldbeträge in Höhe von 600 bis 700 Mark. Ferner entwendete sie mehrere wertvolle Schmuckstücke. Selbst nach ihrer Entlassung von dieser Dienstherrschaft behielt die Angeklagte die sich selbst verschafften Wohnungsschlüssel und benutzte ihre genaue Sach- und Ortskenntnis dazu, nachts oder sogar in einem Falle bei Tage Besuche bei ihrer früheren Dienstherrschaft zu machen, um bei dieser Gelegenheit immer ansehnliche Geldbeträge mitzunehmen. Die auf diese Art entwendeten Gelder machen einen Betrag von über 1000 Mark aus. Die Angeklagte trieb ihren Vertrauensbruch negenübpr ihrer alten Dienstherrschaft soweit, daß sie, nachdem teilweise ihre Verfehlungen herausge- foramcn mären und sie versprochen hatte, die Beträge zurückzuerstatten, neue Einbrüche verübte, um dann am nächsten Tage einen Teil des neu gestohlenen Geldes dazu zu benutzen, es dem Pe- stoblenen als Abschlagszahlung für die früheren Diebstähle anzubieten. Aber auch in ihrer neuen Stellung besorgte sie sich Nachschlüssel und erleichterte damit die Kasse ihres neuen Dienstherrn um ansehnliche Beträge. Du 5 Berufungsgericht war in der gestrigen Hauptoerhandlung nicht in der Lage, bei der Vielzahl der Fälle und der Art und Weise, wie sie begangen waren, dem Vorderrichter hinsichtlich der Bemessung der Strafe zu folgen. Es hob daher das erstinstanzliche Urteil auf und verurteilte die Angeklagte zu einer Gesamtgefängnisstrafe von zehn Monaten und zur Tragung der gesamten Kosten des Verfahrens. Da die Angeklagte geständig war, wurde ihr die Untersuchungshaft von sieben Wochen auf die ernannte Strafe angerechnet. Der Vorsitzende hob in seiner Urteilsbegründung hervor, daß, du die Angeklagte noch sehr jung und bisher noch unvorbestraft sei, ihr auch mit Rücksicht auf ihr Geständnis mildernde Umstände zuzubilligen seien, daß dies aber nicht soweit gehen dürfe, daß von einer gerechten Sühne nicht mehr gesprochen werden könne. Die Allgemeinheit habe für eine zu gelinde Behandlung und Beurteilung der Tuten fein Verständnis, um so mehr, uls die Art und Weise und die Dauer des Vorgehens auf eine Hartnäckigkeit des verbrecherischen Willens schließen lassen. Hinzu kommt noch, daß troffen. Dis jetzt sind folgende Veranstaltungen vorgemerkt: Am Samstag, 2 9. Mai, nachmittags Gefallenen-Ehrung, abends Begrüßung tn der Dolkshalle, wobei die Regimentsmusik und die einzelnen Kompanien des neuen Regiments die Unterhaltung bestreiten und sich in ihren Leistungen zu übertreffen suchen werden. Am Sonntag, 3 0. Mai, vormittags, Besichtigung der Kasernen, anschließend auf dem vorderen Trieb bei Konzert gemeinschaftliche Verpflegung aus der Feldküche. Die Nachmittagsstunden des Sonntags werden auf dem Trieb ein großes Sportfest der Truppe mit mancherlei interessanten Vorführungen bringen. Die Festlegung und gründliche Vorarbeit für die Durchführung aller Einzelheiten wird von den erforderlichen Sonderausschüssen in Kürze in Angriff genommen werden. Schon aus diesen kurzen Angaben über die vorläufig geplanten Veranstaltungen ist ersichtlich, daß das 116er-Treffen 1937 in Gießen nicht nur den beteiligten alten und jungen Soldaten, sondern darüber hinaus der gesamten Bevölkerung von Stadt und Land viel Interessantes und Sehenswertes bringen wird. uns stehe. Jede Fakultät habe ihm wertvolle Anregungen zu verdanken. Er fei Hochschullehrer gewesen, nicht nur von der Wissenschaft, sondern auch vom Menschen her. Im Aufttag der Universität, wie auch gleichzeitig der Landesregierung, ferner für die Deutsche Gesellschaft für Psychologie legte der Rektor Kränze nieder. Der stellvertretende Dekan der Medizinischen Fakultät, Professor Dr. Herzog, kennzeichnete den Verstorbenen als eine Persönlichkeit. Er erinnerte an seine Forschungen um die Vorfahren Goethes, seine Arbeit um die Erhaltung des Nachlasses Justus von Liebigs, an feine Forschungen um die Edda, um den Limes und die großen deutschen Heerstraßen. Er kennzeichnete ferner feine Arbeit in wissenschaftlichen Gesellschaften und seine Bemühungen um die Erhaltung von Kulturdenkmälern oer Heimat. Sodann sprach der Leiter der Unioersitäts-Nerven- klinik, Professor Dr. Sonina, zunächst ausführlich über die vielfältige wissenschaftliche Arbeit, die Robert Sommer leistete, sprach von feiner Arbeit als klinischer Direktor, in der er allen väterlicher Freund gewesen sei und schilderte in schöner Sinn- deutung, wie heute, in schweigender Trauerversammlung, die große Zahl feiner Pattenten an feiner Bahre stehe. Mit aufschlußreichen persönlichen Erinnerungen rundete Professor Dr. Böning das Bild, das er in kurzen Worten gezeichnet hatte. Nachdem die Betriebsgemeinschaft der Universitäts-Kliniken, insbesondere auch die Gefolgschaft der Universitäts-Nervenklinik, Kränze gewidmet hatte, sprach der Führer der Gießener Studentenschaft, Frank, der dankbar davon sprach, daß Professor Sommer ihr „alter Kamerad" gewesen sei. Ein Kamerad aus dem Kreise des NSDStB. sprach für die Medizinische Fachschaft ebenfalls Worte eines herzlichen Nachrufs. Für die Philosophische Fakultät sprach Professor Dr. Wei tz. Er hob hervor, daß sich Professor Sommer mit der Schaffung des Liebig-Museums ein unvergängliches Denkmal gefetzt habe. Im Namen der Nachkommen Justus von Liebig's fand Amtgerichtsrat I ö ck e l herzliche Worte des Dankes und für die Heimatvereinigung Schiffenberg rühmte Oberforstmeister Nicolaus den ernsten Sinn und die schöne Bemühung des Verstorbenen um die heimatliche Landschaft. Auch Bürgermeister Schäfer von Watzenborn-Steinberg widmete dem Dahingeschiedenen herzliche Worte des Dankes und der Ehrfurcht für fein Wirken im Dienste der Heimat. Nach einem Choral fand die Feier in der Grabkapelle ihren Abschluß. In feierlichem Zuge wurde der Sarg bann von den Kameraden des NSDStB. zur Grabstätte gebracht, wo unter letztem Gebet der Verstorbene neben feiner Gattin zur Ruhe gebracht wurde. die Angeklagte nicht etwa aus Not gehandelt, sondern das Geld mit Freundinnen und Freunden verpraßt hat. Wenn die (Straffammer noch unter der von der Staatsanwaltschaft beantragten Höhe der Strafe blieb, so nur deshalb, weil sie der Heber* zeugung ist, daß die Angeklagte doch noch nicht so schlecht ist, daß die ausgesprochene Strafe nicht ausreicht, um sie auf den rechten Weg zurückzuführen. (km Horst-Wesiel-Mal in Mainz. Lpd. Mainz, 5. Febr. Durch den Neubau des Reichsbahngebäudes am Südende der Kaiserstraße muß der Horst-Wessel-Platz eine Neugestaltung erfahren, mit der bereits begonnen wurde. Die Neuanlage ist so gedacht, daß große Rasenflächen mit Staudenbeeten, Ruhebänken und Wasserbecken geschaffen werden. Inmitten dieser Anlagen wird sich ein Hör st-Wessel-Mal erheben. Man hofft, die Arbeiten am Horst-Wessel- Platz gleichzeitig mit der Vollendung des Reichsbahn-Neubaues zum Abschluß bringen zu können. Durch die Umgestaltung soll einem durchaus unwürdigen Zustand ein Ende bereitet und eine wirksamere Grünlage als bisher geschaffen werden Ausdehnung des Ernöhrunoshil^werks. LPD. Darmstadt, 4. Febr. Wir haben kürzlich davon berichtet, daß in Darmstadt der erste Versuch im Gau Hessen-Nassau gemacht wurde, im Rahmen des Ernährung s Hilfswerks die Haushaltsabfälle zu sammeln, um damit zusätzliche Schweinemästung durchzuführen. Die bisher gemachten guten Erfahrungen haben dazu geführt, daß nunmehr mehrere Darmstädter Ortsgruppen neu eingeschaltet werden konnten. In diesen Tagen wird auch in G r i e s h e i m , der großen landwirtschaftlichen Erzeugergemeinde, mit der Abfallfamm- fung begonnen, und man errechnet, daß aus den heimischen und einem Teil der Darmstädter Abfälle 150 Schweine in Mast genommen werden können. Die NSV. hat in Griesheim einige große Stallungen gepachtet, die von betreuten Volksgenossen freiwillig instand gesetzt wurden und nun ihre vierbeinige Belegschaft aufnehmen sollen — ein weiterer erfolg- racher Schritt im Rahmen der Erzeugungsschlacht. Oberhessen. >Aus der Lügenwelt zur Wahrheit! „(Eine begeisterte Anhängerin unseres Führers geworden.- CO Harbach (Kreis Gießen), 5. Febr. Gegenwärtig weilt bei einem hiesigen Landwirt eine Dame aus England zu Besuch. Sie kann sich nicht genug über die geordneten Zustände in ihrem Mutterlande wundern. Nach englischen Presseberichten und den dortigen Gerüchten hatte sie sich das nationalsozialistische Deutschland ganz anders vorgestellt. Ihre Befürchtungen waren so groß, daß sie beinahe dem Ratschlag ihres Gatten, von der Reise Abstand zu nehmen, gefolgt wäre. Nun kann sie sich mit eigenen Augen überzeugen, daß es tatsächlich bei uns keine Brotkarten gibt. Dieses Märchen ist nämlich, wie die Dame u. a. erzählte, überall im Jnselreich im Umlauf. Ferner kann sie sich überzeugen, daß es in unseren Bäckerläden tagtäglich frisches Brot zu kaufen gibt. In England hatte man chr mit Bestimmtheit erklärt, im neuen Deutschland würde nur altes, hartes Brot verkauft, damit man es in den Haushaltungen nicht so schnell verbrauchen könne. Wie glück- nch wird ihr Gatte fztn, Daß sie — ohne unter- wegs verhaftet worden zu fein — ihr Reiseziel erreicht hat; denn dieses Schreckgespenst hatte man der Bedauernswerten in grellen Farben ausge» malt. Kurzum: die Dame ist sprachlos vor Verwunderung und in der kurzen Zeit eine b e g e i. fierte Anhängerin unseres Führers geworden. Nach ihrer Rückkehr wird sie jede Gelegenheit benutzen, um ihren Freunden und Bekannten ein wahres Bild vom neuen Deutschland zu geben. Als Geschäftsfrau — sie betreibt mit ihrem Gatten eine Teestube — wich es ihr daran nicht mangeln. Mr wünschen ihr noch schone, erlebnisreiche Ferientage und eine glückliche Heimreise! Oer Kreis Schotten tagt. * Schotten, 6. Febr. Zu der Meldung des NS.-Gaudienstes über die große Tagung des Kreises Schotten in der Kreisschule der Deutschen Arbeitsfront wird dem Schottener Kreisblatt mitgeteilt, daß diese Tagung nicht für den 7. Februar, sondern für Sonntag, den 7. März 1937 vorgesehen ist. Mit Rücksicht auf das ungünstige Wetter, Schnee und Glatteis der vergangenen Tage, ist die Tagung in den Anfang März verlegt worden. Landkreis Gießen. > Staufenberg, 4. Febr. Mit Beginn die- ses Monats hat der neue Pächter Heinrich Koob aus Lollar den Wirtschaftsbe trieb auf der hiesigen Burg übernommen. nsf. Daubringen, 5. Febr. Nach dem 15. Fe- bruar setzte in unserer Frauenschaft wieder eine rege Tätigkeit ein. Vor 14 Tagen wurde unfern Mitgliedern ein schöner Lichtbildervortrag von einer Teilnehmerin einer KdF.-Reise an die Nordsee ge- boten. Die Bilder lleßen die Frauen einen Einblick gewinnen in das Leben und Treiben der Inselbewohner. Nicht nur die Schönheit der Landschaft, auch ihre Gefahren bei Sturm und Seenot waren aus den Bildern zu erschen. Am Montag schilderte ein Mitglied unserer Ortsgruppe ihre Erlebnisse auf dem Reichsparteitag, ebenfalls mit Lichtbildern. Außerdem hörten die Frauen von den Nöten der Ausländsdeutschen. die in der Fremde unter seelischen und wirtschaftlichen Entbehrungen doch ihrem Vaterlande die Treue halten roolipn. Alle Frauen folgten den Ausführungen mit fielfter Anteilnahme und mit dem Wunsche, mithelfen zu können. * A l l e n d o r f a. d. L d a., 5. Febr. Aus der Landstraße Beuern—Allendors a. d. Lda. hielt heute Vormittag an einer schmalen Stelle ein Personenkraftwagen, den ein Lastwagen aus Grünberg auf seiner Fahrt überholen wollte. Dabei verlor der Lenker des ßa ft mögens die Herrschaft über sein Fahrzeug; er fuhr mit dem Wagen in den Straßengraben, sofort wieder aus dem Graben heraus und gleich noch einmal in den Graben hinein. Bei dem aufregenden Vorfall hatte der Fahrer viel Glück, denn es entstand nur Sachschaden; Personen wurden nicht verletzt. £ Leihgestern, 6. Febr. Am heuttgen Samstag, 6. Februar, können der Landwirt Joh. Georg Häuser II. und seine Ehefrau Christine, geb. Wagner, Hindenburgstraße 34 dahier, ihre goldene Hochzeit in guter Rüstigkeit begehen. 4= Watzenborn-Steinberg, 5. Febr. Infolge der Schneeschmelze und des Regens in den letzten Tagen ist der L ü ck e n b a ch über seine Ufer getreten und hat den Wiesengrund unterhalb unseres Dorfes überschwemmt. Auch im Talgrund nach Leihgestern zu sind weite Strecken des Wiesengeländes bis nahe an den Vergwald heran unter Wasser gefetzt. O Allendors (Lah n), 5. Febr. Der hiesige Kirchengesangverein hielt am Donnerstag im Saale von Henkelmann einen Familienabend ab. Die Zehnjahresfeier der Gründung wurde damit verbunden. Eine Anzahl von geistlichen Liedern und Volksliedern wechselten mi* Gedichten und einem kleinen Sviel: „Befiehl du deine Wege". Zur allgemeinen Freude waren neben dem Orts- geifttichen, Pfarrer Germer von Großen-Linden, noch Dekan Sattler von Wieseck und der Dekanatsvertreter der Kirchenchöre, Pfarrer Weisel von Heuchelbeim erschienen, die sämtlich die Bedeutung der .K'rchengesangvereine hervorhoben. Die rpfHnfe Bet"stiaunq der Mitglied"r mit ihren Angehörigen, die den großen Saal füllten, beweist das kirchliche Interesse in unserer Gemeinde, Am Schluffe fand eine Sammlung für das WHW. statt, die den Betrag von 12,10 RM. ergab. < Holzheim, 6. Febr. Der Landwirt Heinrich Ernst S ch m a n d t feiert am morgigen Sonn- taa, 7. Februar, in völlig körperttcher und geistiger Frisch" im Kreise feiner Angehörigen leimn 8 0. Geburtstag. — Der vor einiger Zeit ver- mißte Gg. L a u x ist bis heute noch nicht nach Hause zurückgekehrt. Laux batte das Fahrrad mit sich geführt, trug einen Mantel, Mütze und hat einen starken Bartwuchs. Da er schon einige Zeit an einem Nervenzusammenbruch leidet, wird allgemein angenommen, daß er sich ein Leid angetan hat. nsf. Inheiden, 5. Febr. Ein Kurzl - br - gang vereinigte unsere Frauen an einem Abend, bei dem Fräulein Hechler mit der Vertrauensfrau der Abteilung Volkswirtschaft - Hauswirtschast über die Verwendungsmöglichketten des Seefisches sprach. Die abwechslungsreiche Zubereitung zeiate den Frauen, wie febr die Gerichte von Fisch. Z. B. auch H-ring, den Mittagsttsch bereichern können. Durch Kostvroben wurden alle von der Schmack- Abschied von Geheimrat Sommer. Prospekte kostenlos durch: Drogerie Winterhoff, Kreuzplatz 10. kombinierte Haars tlrkungswasser Entrupal; W» ■ ■■ ■ ■ — a gibt den Haaren die ehemalige Farbe wieder. M W» I I ■ I Fthlfarbtn a u tg t < c M o t a e n / ti 1^1 I I V Segen graue Maare stärkt auch den Haarwuchs, betelthrt f Kopfschuppen und Haarausfall. «PL 4»ß0 AL — tn Fachgeschäften. Hastigkeit dsr Speisen überzeugt. Hoffentlich wird das Gelernte überall ausgiebig angewendet. A Saasen, 4. Febr. Am Dienstag fand hier im Schulhof der O b e r k l a s s e eine schlichte Feier statt. Nachdem alle Schüler im Jungvolk bzw. im Bund Deutscher Jungmädel sind, tonnte feierlich die HI. - Fahne gehißt werden. Nach dem einleitenden Lied „Auf hebt unsere Fahne" sprach Jungbannführer T a e ß l e r. Während dann die Fahne gehißt wurde, trugen die Schüler einige Gedichte vor. Durch Händedruck gelobte Lehrer B l e - s e r, die Fahne stets treu zu bewahren. Mit dem Gesang des Jugendliedes „Vorwärt, vorwärts" fand die Feier ihr Ende. § Queckborn, 3. Febr. Gestern abend fand in der vollbesetzten Kirche ein Filmvortrag der Inneren Mission über „Segensspuren der Liebe" statt. Diakon Hagebölling von der Inneren Mission Nassau-Hessen führte den Film vor und gab nähere Ausführungen dazu. Man sah die Anfangsstätten der Inneren Mission in Oberhessen, Arnsburg mit seinem Erziehungsheim, die Anstalten in Nieder-Ramstadt mit Krüppellehrlingsheim und Epileptischen-Anstalt, weiterhin die Heilanstalt Scheuern bei Nassau, das Mädchenheim auf der Glauburg, die Lehranstalt auf dem Geisberg bei Wiesbaden. Hierauf sahen wir die Stätten, wo die Schwestern der Inneren Mission (Diakonissen) ausgebildet werden: das Elisabethenstift in Darmstadt und das Paulinenstift in Wiesbaden. In der zweistündigen Vorführung wurde der Gemeinde so ein Einblick gegeben in die großen Aufgabengebiete der Inneren Mission. Es wurde klar, daß die Aufgabe der Kirche nicht begrenzt ist mit der Kirchenmauer, sondern daß sie hineinwirken muß ins Leben, besonders in das Leben, das wir sonst gerne nicht sehen wollen, an dem wir lieber vorübergehen, weil es die menschliche Unzulänglichkeit ungeheuer deutlich vor Augen stellt. Möchte dieser Abend vielen eine Aufklärung über diese Arbeit gegeben haben, eine Arbeit, die die evangelische Christenheit nie aufgeben darf, weil sie dazu verpflichtet ist durch das Wort der Schrift. Kreis Schollen. # Groß-Eichen, 5. Febr. Am Montagabend hielt der Ob st- und Gartenbauverein seine gut besuchte Jahreshauptversammlung ab. Gärtner Wilhelm Bork erstattete einen ausführlichen Bericht über die im vergangenen Jahre geleistete Arbeit. Der Verein zeigt eine gesunde Aufwärtsentwicklung. Drei Mitglieder sind dem Verein neu beigetreten, so daß sich jetzt die Zahl der Mitglieder auf 40 beläuft. Ferner wies der Vorsitzende auf die Wichtigkeit der Obstbaumpflege und der Schädlingsbekämpfung hin. Es wurde beschlossen, auch in diesem Jahre die Winterspritzung mit Obstbaumkarbolineum und die Sommerspritzungen durchzuführen. # Großen-Eichen, 5. Febr. Heute fand hier ein Hofrundgang statt. Es wurden verschiedene Hofreiten besichtigt und besprochen, auch wurde der neuerbaute Ochsenstall einer eingehenden Besichtigung unterzogen und als gut befunden. Besonders gut gefiel das Vieh. Dr. D i e n st von der bäuerlichen Werkschule Grünberg leitete den Rund gang. Kreis Alsfeld. —.— Homberg, 5. Febr. In der Stadthalle veranstalteten dieser Tage die hiesigen Pimpfe des Fähnleins 22 einen Gemeinschaftsabend, zu dem besonders die Eltern eingeladen waren. Mit einem Liede leitete die Jugend ihren Abend ein. Fähnleinführer Reinhard (Deckenbach) begrüßte die zahlreichen Gäste und sprach dann über die Ziele der Hitler-Jugend, von der geistigen und körperlichen Schulung in der Hitler-Jugend und der Kameradschaftspflege. Im Verlauf des Abends war dann Gelegenheit geboten, über die prächtigen humorvollen Vorführungen der Pimpfe herzlich zu lachen. Die Jungen ernteten viel Beifall. Nachdem der stellvertretende Ortsgruppenleiter Ihm die Eltern ermahnt hatte, ihre Kinder der Hitler-Jugend einzugliedern, und die HI. bei ihrer Arbeit zu unterstützen, fand der Abend mit dem Gruß an den Führer, sowie dem Gesang des Liedes der HI., des Deutschland- und des Horst-Wessel-Liedes seinen Abschluß. *!* Ruppertenrod, 5. Febr. Die hiesige Gefolgschaft der Hitler-Jugend hielt im Saale von Schmidt einen Dorfgemeinschaftsabend ab. Gefolgschaftsführer K. S t i e h l e r prach zu den Eltern und den übrigen Besuchern iber die Aufgaben und Ziele der HI. Einige Jungen trugen Gedichte vor, zwischen denen Lieder der HI. ertönten. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg. *!* Aus d e m Ohmtal, 5. Febr. Bereits vor zwei Jahren mußten unsere Jäger die Beobachtung machen, daß einzelne Füchse an Räude erkrankt waren. Die Krankheit hat immer mehr um sich gegriffen, so daß in manchen Revieren bis zu drei Viertel aller Füchse an Räude erkrankt sind. # Ober-Ohmen, 5. Febr. Der hiesige G e - sangoerein „Germania" brachte dieser Tage dem bejahrten Sangesbruder Konr. Stritt er III., der seit 50 Jahren dem Verein angehört, ein Ständchen. Mehrere Chöre gelangten zum Vortrag. Viele Volksgenossen hörten zu und dankten auch ihrerseits den Sängern mit lebhaftem Beifall. fkL Kirtorf, 5. Febr. Am 7. Februar begeht der Arbeiter Konrad Dörr dahier seinen 73. Geburtstag. Seine Frau starb im Jahre 1921, er lebt seit dieser Zeit als Witwer. Seinen Lebensabend verbringt er bei seiner ältesten Tochter. Er ist jetzt schon dreizehn Jahre Austräger des Gießener Anzeigers. — Die Holzhauerarbeiten im hiesigen Stadtwald gehen ihrem Ende entgegen. Sie brachten vielen Arbeitern für längere Zeit Arbeit und Verdienst. Es wurden etwa 4000 Festmeter Holz geschlagen. — Diese Woche wurde eine Jagd im Fortstamtsbezirk Kirtorf durchgeführt. Es beteiligten sich hierbei alle Forstbeamten des Forstamtsbezirks und der angrenzenden Bezirke. Zwei Wildschweine konnten erlegt werden. Kastnochtsumzug in Marburg. * Marburg, 6. Febr. Am 9. Februar, Fastnachtdienstag, wird in Marburg viel Leben und Treiben sein, denn ganz Marburg feiert — F a st n a ch t. Die Marburger Fastnacht will aber durchaus nicht den rheinischen Karneval nachmachen, sondern sie will bewußt die Marburger Eigenart Herausstellen. Marburger Ereignisse in Verbindung mit größeren Zeitgeschehnissen bilden die Grundlage für den großen karnevalistischen Umzug, der sich am Fastnachtsdienstag ab 14.30 Uhr durch die Hauptstraßen von Marburg bewegen wird. Mit Rücksicht auf das 10jährige Jubiläum der Marburger Festspiele werden auch einzelne besonders ansprechende Szenen aus dem Spielplan in dem Umzug zur Darstellung kommen. Diese Gruppen bilden zusammen mit dem Wagen des „Großen Rates" die Prunkstücke des etwa fünfzig Gruppen zählenden Umzuges. Vollstreckung eines Todesurteils in Mainz. LPD. Mainz, 5. Febr. Am 5. Februar 1937 ist die 42jährige Frieda Vogler, geborene Zorn, aus Mainz-Kostheim hinYerichtet worden. Sie war vom Schwurgericht m Mainz wegen Giftmordes an ihrem Ehemann, dem Gastwirt Georg Vogler, und an dem Friseur Ludwig Seitz zweimal zum Tode und wegen Mordversuchs an ihrem Stiefsohn Georg Vogler und dem Installateur Kaim zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Christl Cranz schneller als die Männer. Akademische Welt-Winterspiele in Zell am See. ■, w i DD M.M - '. Am vierten Tage der Akademischen Welt-Winterspiele in Zell am See stand als wichtigster Wettbewerb der Torlauf für Männer und Frauen auf dem Programm. Unsere Olympiasiegerin Christl Cranz befand sich in ausgezeichneter Verfassung und stellte mit ihrer Leistung sämtliche männliche Teilnehmer in den Schatten. Mit 55 Sekunden im ersten Lauf und 114,9 Sekunden für beide Läufe fuhr sie die absolute Tagesbestzeit heraus. Nach ihrem Sieg im Abfahrtslauf errang die Freiburgerin damit auch den Sieg in der Kombination und damit den Titel einer akademischen Weltmeisterin 193 7. Von den weiteren deutschen Teilnehmerinnen schied Ruth Z e n - neck durch Sturz aus, während unsere Läuferinnen S v e i d l e r und H ü t t e n h e i m den fünften und sechsten Platz belegten. Bei den Männern erzielte der neue österreichische Meister Krallinger im ersten Durchgang mit 55,5 die beste Zeit, er schied aber schon im zweiten Lauf durch Sturz aus. So kam der Oesterreicher Dr. Egert, der beide Durchgänge in genau 58,5 Sek. schaffte, mit 117 Sekunden auf den ersten Platz. Hinter ihm belegte Geri Lantschner (Deutschland) mit nur 0,7 Sekunden Rückstand den zweiten Platz, während Beutter diesmal auf den achten Platz kam. Am Start waren 108 Teilnehmer, darunter 17 Fronen. Die 600 Meter lange Strecke bewältigte einen Höhenunterschied von 150 Meter und wies 24 Tore auf. Es herrschte wunderbares Wetter. Die Kälte hatte aber die Bahn hart gemacht, so daß es bei den ersten Durchfahrten zahlreiche Sturze gab. * Der Führer gratuliert Christl Cranz. Große Begeisterung weckte in den Abendstunden des Donnerstag in Zell am See die Bekanntgabe eines Telegramms des Führers on die Siegerin im Abfahrtslauf, Christl C r a n z, mit folgendem Wortlaut: . „Zu Ihrem neuen Erfolg herzliche Glückwünsche. Adolf Hitler. Krastfahrzeug-Winterprüfung 1937. Die Zuverlässigkeitsfahrt. Bet klarem Wetter wurden am Freitagmorgen die noch im Rennen liegenden 261 Teilnehmer der Krastfahrzeug-Winterprüfung nach der Startprüfung von Garmisch aus auf die erste Etappe der Zuoerlässigkeitsfahrt geschickt. Die Personenkraftwagen fuhren in östlicher Richtung in das Voralpengebiet, die Lastwagen hatten mit geringen Abkürzungen den gleichen Weg zurückzulegen und die Krafträder wurden in westlicher Richtung bis fast ins Allgäu hinein geschickt. Beide Strecken führten etwa 250 Kilometer über Gelände oder normale Landstraßen. Obwohl die Fahrtleitung in Anbetracht des geringen Schnees die Durchschnittszeiten auf 30 bis 60 Kilometer angesetzt hatte, rechneten die Fahrer bei der sehr günstigen Witterung mit einem leichten Tag. Sie mußten aber manche unangenehme Ueberraschung erleben. Die Krafträder hatten am Oberjoch einen völlig verschneiten und vereisten Hohlweg zu passieren, der schwerste Anforderungen an Fahr- und Steuerkraft stellte. Die Personenwagen kamen bei einer Steilabfahrt bei Feilnbach, die 1 Kilometer lang war und ein Gefälle von 15 v. H. aufwies, sämtlich ins Rutschen. Diele Wogen landeten im Walde. Drahtseile, Flaschenzüge und Winden muß- Geschicklichkeits- Wettbewerb beim LerlinerAeitturmer Das Jagdspringen der Klasse S a um den Geschicklichkeitspreis gewann Oberleutnant Brinck- mann, der auf „Baron" ritt und von den neun Fehlerlosen die schnellste Zeit erzielte. Hier beglückwünscht Rittmeister M o m m (rechts), der Leiter des Springstalles der Kavallerieschule Hannover, den erfolgreichen Sieger. (Schirner-M.) V - M y M ■ j jäh ■ 1 ÄWAWLÄÄ ^Verl. Sie die Hluetr. Druck». M3 m. Preisen Karl Egner, medizinisch. Fachgeschäft Hieben, Frankfurter Strafte 9, Telefon 4191 Sehnsucht nach Sonne gebrannten. Zelt fehlt. Ssää bräunt gestärkt und belebt Höhensonri Original Hanau ^_bij IM 17600 Eigenheime Schon 246 Millionen RM. haben wir hierfür bereitgestellt Wir beraten Sie gern unverbindlich und kosten os und zeigen, wie Sie ein unkündbares günstiges Til- gungsdarlehen z. Hausau oder Kauf erhalten. AufWunsch übersenden wir Ihnen unsere ausführliche Druckschrift Nr. Al.Deutschlands größte Bausparkasse Gemeinschaft der Freunde Wüstenrot ui v in Ludwigsburg-Württ. HANDELSMARKE DEUTSCHE MÖBEL Unsere große Sonder-Abteilung für Deutsche WK~Möbel ist eine Sehenswürdigkeit für affe Freunde zeitgemäßer Wohngestaltung. 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Diese Form des Veitstanzes geht nach einigen Wochen (6 bis 8) wieder zurück, besonders, wenn die Kinder richtig behandelt werden (man befrage den Arzt), und hinterläßt keine Folgen, außer unter Umständen genau wie der Rheumatismus eine Herzerkrankung. Daneben gibt es noch eine zweite Form, die sog. Huntingtonsche Chorea, die erst im späteren Leben auftritt, mit Verblödung einhergeht und erblich ist. Diele schwere Form ist aber doch sehr selten. Velours, franz., kurzgeschorenes Gewebe aus Samt oder Seidensamt, das zu Decken und Teppichen verwendet wird. Velvet, engl. Bezeichnung für kurzgeschorene Samtgewebe. Venen oder Blutadern, die Gefäße, in welchen das sauerstoffarme Blut von den Körperorganen zur Lunge und von da nun aber als sauerstoffreiches Blut infolge des Gasaustausches in der Lunge zum Herzen zurückgelangt. Ventilation Venenentzündung ist eine mit Schmerzen, Rötung und einem Gefühl der Schwere einhergehende Entzündung der Venen besonders des Unterschenkels. Geneigt zu Venenentzündungen sind besonders Leute mit Krampfadern. Auch Frauen neigen während der Schwangerschaft und irr. Wochenbett oft zu V. Die Venenentzündung ist eine überaus ernste, bei Vernachlässigung unter Umständen zum Tode führende Erkrankung, darum größte Vorsicht und schon bei den ersten Anzeichen ärztliche Behandlung, die übrigens oft im Anschluß an eine Infektionskrankheit auftritt, bilden sich an der Wand der Venen Entzündungen, es wächst ein Blutpfropfen, der durch den geringsten Anlaß von der Gefäßwand abgelöst werden kann und dann als Embolus in das Herz oder in die Lungen gelangt und auf diese Weise die mit Recht so gefürchtete Embolie hervorruft. Bettruhe, Hochlagerung des Beines, keinerlei Massage, keine Bewegungen des Beines find unerläßliche Vorsichtsmaßregeln bei Venenentzündung. Venezianische Seife, Marseiller Seife, aus Olivenöl bereitete, sehr milde Seife, die Gewebe und Farben nicht angreift. Sie wird auch als Fleckenentfernungsmittel bei Fettflecken und Schweißflecken verwendet. Ventilation, lat., Bedeutung — Lüfung. Die natürliche Lüftung der Wohnung durch undichte Türen und Fenster genügt auch im Winter nicht. Die Fenster müs- 589 Denn der Sommer heiß ist ... dann denken Sie an einen Tisch-Ventilator. Er sorgt für eine angenehme Kühlung. Tisch-Ventilatoren können on jede Steckdose angeschlossen werden. Lassen Sie sich diese kleinen Tisch-Ventilatoren vorführen bei J. B. Häuser, Gießen, am Oswaldsgarten, Fernsprecher 2145/2146. Hier abschneiden! ten in Tätigkeit treten und schließlich wurde die Strecke durch einen neutralen Fahrtbeobachter neutralisiert. Die Abfahrt bewies, daß eine Winterfahrt auch ohne Schnee bis an die Grenze des Möglichen gehen kann, nachdem man bereits mit einer „Kaffee-Fahrt" gerechnet hatte. Am Samstag, dem letzten Tag der Zuoerlässigkeitsfahrt, werden die Motorräder, die am Freitag von den Wagen befahrene Strecke, die Wagen den Weg der Räder vom Freitag zurücklegen. Kämpfe der Berufsboxer in Frankfurt a. M. Die zweiten Berufsboxkämpfe dieses Winters in der Frankfurter Festhalle mögen den Veranstalter vielleicht nicht befriedigt haben, denn mit rund 5000 Zuschauern blieb der Besuch sicher hinter den Erwartungen zurück. Die Besucher bekamen vier ausgezeichnete Kämpfe zu sehen. Adolf Heuser, der bei seinem ersten Kampf in Frankfurt durch seinen k. o.-Sieg über Stanley Beifallsstürme entfesselt hatte, enttäuschte die Frankfurter auch diemal nicht und beendete seinen Kampf mit dem französischen Armeemeister Marcel B a z i n schon vor der Distanz. Auch Jupp B e s s e l m a n n errang über den Italiener L a u r e n t i s einen überlegenen Sieg. Einer der schönsten Kämpfe des Abends war das Treffen zwischen dem in Berlin ansässigen Jugoslawen H l e b e r und dem Sinaener Maier, wobei das Unentschieden Hiebers Leistung nicht ganz gerecht wurde. Esser (Köln) landete einen haushohen Punktsieg über den Mannheimer Schmitt, und nur der Einleitungskampf zwischen dem Frankfurter I o st und dem Mannheimer Metzger enttäuschte. Einen deutschen Sieg gab es bei den englischen Polizei-Boxmeisterschaften. Im Leichtgewicht wurde der Berliner Mietschke Meister, während Campe und Tralst weniger glücklich kämpften und ausschieden. Kurze Gportnotizen. Berühmte Springpferde unterzogen sich am Freitagnachmittag beim internationalen Berliner Reitturnier einer Dressurprüfung, wobei Roß und Reiter zeigten, daß sie auch solche Anforderungen nicht zu scheuen brauchen. Baron unter Oberleutnant Brinckmann siegte vor Bingo unter Oberleutnant v. Wangenheim und Fridolin unter Rittmeister K. Hasse. * Das Olympia-Ehrenzeichen wurde an Oberregierungsrat Professor Dr. I ä ck, den Leiter des Marburger Universitäts-Instituts für Leibesübungen, der während der Olympischen Spiele in Berlin Leiter des internationalen Sportstudenten- Lagers war, verliehen. Fußball der heimischen Mnnschasten. Der Fußballkampf Hessen - Niedersachsen. In Kassel stehen sich am Sonntag die Fußballmannschaften der Gaue Hessen und Niedersachsen in einem Freundschaftsspiele gegenüber. Für den Kampf sind folgende Mannschaften genannt: Gau Niedersachsen: Vlotho (VfL. Osnabrück); Schade (Eintracht Braunschweig), Hund (Werder Bremen); Tibulski (Werder Bremen), Schulz (Arminia Hannover), Karl (Eintracht Braunschweig); Malecki (Hannover 96), Billen (VfL. Osnabrück), Lachner (Eintracht Braunschweig), Kivar (VfB. Peine), Ender (Eintr. Braunschweig). Gau Hessen: Sonnrein (Hanau 93; Pape (Spielv. Kassel), Engelhardt (Kassel 03); Reinhardt (Hanau 93), Eisenreich (VfB. Friedberg), Strasser (Bor. Fulda); Bonard (Hessen Hersfeld), Brüssel, Jstel, Beyer (alle Spielv. Kassel), Kleirn (Kassel 03). Die Bezirksklasie am Sonntag. Lollar — Burg. Bissenberg — Wetzlar. Frohnhausen — VfB.-R. Gießen. Naunheim — Sinn. 1900 Gießen — Dillenburg. Noch ihren großen Leistungen am vergangenen Sonntag ist den Lollarern zumindestens ein Unentschieden über Burg zuzutrauen — Wenn auch nach schwerem Kampfe, so sollten die Wetzlarer doch aus Bissenberg die Punkte mitbringen. — Die VlBer haben in Frohnhausen keine Chancen auf Spielgewinn. — Die Naunheimer werden die Sinner schlagen. — Wenn auch die Dillenburger 3ur Zeit in guter Form sind, so werden sie sich doch in Gießen kaum behaupten können. Spielvereinigung 1900 Gießen. D'e Blauweißen empfangen am Sonntag den Reichsbahnsportverein Dillenburg zum Rückspiel Seit dem Vorspiel in Dillenburg, das einen unentschiedenen Ausgang nahm, hat sich die Lage in der Bezirksklasse, besonders für die am Schlüsse der Tabelle stehenden Vereine äußerst zugespitzt. Eine gesicherte Position haben neben dem Sportverein Wetzlar, der der Meisterschaft am nächsten steht, die Vereine um Burg, Frohnhausen und Naunheim zu verzeichnen. Die restlichen Vereine sind mehr oder weniger vom Abstieg bedroht. Daher sind die Spiele, in denen vom Abstieg bedrohte Vereine aufeinander treffen, von besonderem Interesse. Hierzu gehört auch die morgige Begegnung der Blauweißen mit Dillenburg, denn die Dillenburger waren es, die in letzter Zeit am meisten für lieber« raschungen sorgten. Nach Siegen gegen Bissenberg und Lollar kam der unverhofte Erfolg in Frohn- hcrusen. Ja selbst der veraussichtliche Meister hatte alle Mühe, mit 3:2 das bessere Ende für sich zu bebalten. Die Blauweißen können daraus ersehen, welche Aufgabe ihnen am Sonntag bevorsteht. Mit der Mannschaft Rahn; Zeiler, Lippert; Erhard, Mank, Lehrmund; Ranft, Heilmann, Löbsack, Sack, Heuser ist die zur Zeit stärkste Besetzung vertreten. Es sollte nicht ausgeschlossen sein, daß eine weitere Verbesserung in der Tabelle möglich ist. 1900 1. Jugend — Klein-Linden 1. Jugend. Nach dem Spiel der Liga gegen Dillenburg findet das drittletzte Verbandsspiel der 1. Jugend von 1900 gegen die gleiche von Klein-Linden statt. Daß Klein-Linden seine Krise nunmehr überstanden hat, zeigte sich deutlich in dem Spiel gegen den Lokalgegner. Zu berücksichtigen ist, daß immer noch Aussichten auf den Gruppensieger bestehen. Durch diese Tatsache gestärkt, wird sich die 1. Jugend der Blauweißen den Sieg kaum entgehen lassen. — Die 2. Jugend weilt zu einem Freundschaftsspiel in Saasen. — Die 3. Jugend hot sich ebenfalls nach auswärts zu begeben. Sie ist zum fälligen Verbandsspiel gegen Staufenberg angesetzt. BfB.-RejA6bh Berge von Flachs harren in Stockheim der Aufbereitung. In solchen Ballen verpackt kommt die Flachsfaser in die Spinnereien. ?r nötigen eblieben sind. von weiteren Aufbereitung zu- billigen. Denn gerade in Ein Blick in das Leinsamen-Lager der Flachsröste Stockheim^ Aus der Saatgutreinigungsmaschine gleitet der Leinsamen in Säcka, ingfr lang uh* hot 1. htenbach. Unser Glaube ist unsere Kraft, unser Wille gibt uns den Sieg. Am 6. und 7. Februar steht Deutschland wieder im Zeichen des WHW.-Abzeichens. Wir wollen abermals eine Schlacht gewinnens Ein Wort zur Landarbeit. Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, Dr. Syrup, hat in diesen Tagen in einem Vortrag über den Arbeitseinsatz ausgeführt, die größte Sorge bereite die Befriedigung des Kräftebedarfs in der Landwirtschaft. Dr. Syrup hat damit auf eine Frage hingewiesen, die um der Sicherung unserer Volksernährung willen unbedingt gelöst werden muß. Die Erzeugungsschlacht stellt an den deutschen Bauern höchste Anforderungen. Es ist Vorsorge ge- tresfen sind, in keiner Weise durch die Tatsachen begründet, sondern nur der Rest eines traurigen Erbteils aus der liberalistischen Zeit sind, da der Bauer unterschätzt und das Stadtleben maßlos überschätzt wurden. Daß es sich teils um falsche Vorstellungen handelt, die nur ausgerottet werden müssen, um die Schwierigkeiten beim ländlichen Arbeitseinsatz zu beheben, geht auch aus dem Bericht der Reichsanstalt selbst hervor. Denn in ihm wird dann gesagt, daß die jungen Mädels nach etwa acht Wochen landwirtschaftlichem Umschulungslager zur Vorbereitung auf den neuen Arbeitsplatz mit gutem Erfolg in freie bäuerliche Arbeitsstellen vermittelt werden konnten und dann auch in der Stelle Das aber ist doch der Beweis dafür, daß das Land« Zwischen Brecher- und Schwingturbine werden Holz und Faser getrennt. (Aufnahmen [6]: Neuner, Gießener Anzeiger.) e sah feine klagte nor lang. Dm , die Unlni eizubring^ ?r beim? er (*! unten M 'Ulettjobt ihren vor Persvnal- qantz 1933 der Kläger Mderrch- jd)e Angabe Kläger frift« troffen, daß auch im Falle des Erbhofbesitzes vom Reichsnährstand eingegriffen werden kann, wenn ein Bauer leistungrmäßig versagt. Jeder wird das der gegenwärtigen Lage r herbei lil «fte 66 # get loltl !"• jtfäute öhllilll ihr oH lüngcri hot oiphorliotl Die himmelblau blühenden Felder des Flachses waren in den vergangenen beiden Jahrzehnten in unserer heimischen Landschaft kaum mehr anzu- «effen. Die leuchtende Farbe des blühenden Flachses wurde von den Alten vermißt, und so manches Lind aus der Stadt hat noch nie die Pracht eines Mühenden Flachsfeldes gesehen. Erst unsere jüngste Iergangenheit hat wieder zu dieser wertvollen und gegenwärtig für uns doppelt wichtigen Faserpflanze wrüdgefunoen. In der Zukunft unseres Volkes wer- iien wir sicherlich der sonst so unscheinbaren und :ur während der Zeit der Blüte so prächtigen Aflanze öfter begegnen. Im vergangenen Jahre wurden im Gebiet unserer Landesbauernschaft Hessen-Nassau etwa 1000 Hektar Land mit Flachs !»ebaut; für das Jahr 1937 sollen 1200 Hektar Land !omit bestellt werden. 1936 wurden etwa 90 000 Rentner Flachs geerntet und im Jahre 1937 sollte !fie Ernte entsprechend höher sein. Der Flachs aus !»em Jahre 1936 war zwar nur unter großen Schwierigkeiten einzubringen, da der anhaltende Stegen die Erntearbeiten erheblich verzögerte und !iis zu einem gewissen Grade auch die Qualität be° ilinträchtigt hatte. In einer besonderen Entriffelmaschine werden die Samenkapseln ausgedroschen. K Nen £ benheimj» °mmen ift ebeniaiis ®r9ebni[je ^nem bra. ?°fen fom. fielen ge. ei vollkom- werden, daß sich Holz und Faser trennen, die durch eine Leimschicht, durch eine Pektinschicht, verbunden sind. Es muß sich beim Rösten ein Fäulnisprozeß entwickeln, der diese verbindende Schicht zersetzt und damit, zunächst vom Organischen her. Die Faser frei wird. Man unterscheidet die natürliche und die künstliche Röstung. Bei dem natürlichen Prozeß, der „T a u r ö st e , bei der der Flachs auf Wiesen ausgebreitet und dem Tau, wie auch der Sonnenbestrahlung ausgesetzt wird, entwickelt sich der gewünschte Fäulnisvorgang. Das dauert aber etwa drei Wochen lang! Sehr viel rascher ist die Zersetzung der Pektinschicht durch die künstliche Röste, durch die „W a r m w a s s e r - R ö st e" zu erreichen, bei der sich der erwünschte Vorgang bereits innerhalb von drei Tagen vollendet. Diese Warmwasser- Röste vollzieht sich in Stockheim in einer riesigen Halle, in der 20 große Bottiche stehen, deren jeder etwa 60 Zentner Flachsstroh aufzunehmen vermag. Das Flachsstroh liegt dabei völlig im Wasser, das auf einer gleichmäßigen Temperatur von etwa 35 Grad gehalten wird. Nach dieser Behandlung wird der Flachs zu kurzem Trocknen im Freien Die ganze Flachsernte des vergangenen Jahres, i bmeit sie im Gebiet der Landesbauernschaft erfaßt Durbe, kam nach Stockheim. Wenn man mit der bisenbahn von Gießen über Lich und Nidda nach Bübingen fährt, werben ben Reisenden vielleicht He riesigen Stapel auffallen, die unweit des Betriebes stehen. Ursprünglich diente diese Fabrikanlage L her Zuckerindustrie, während des Weltkrieges wurde | ! ort Munition hergestellt, nach dem Kriege ent- t Landen in den großen Hallen allerlei Maschinen and nun wurde vor kaum einem Jahre die Flachs- \ '.oste in den ausgedehnten Gebäuden eingerichtet. Bn der Zeit von wenigen Monaten war die Ein- ichtung der Flachsröste soweit gefördert worden, | )>aß bald mit der Aufbereitung des inzwischen an- ;ieüeferten Flachses begonnen werden konnte. Der Betrieb ist im Gange. 120 Volksgenossen haben 'jiurd) dieses neue Werk Arbeit und Brot gefunden. Zs ist damit zu rechnen, daß die Belegschaft in absehbarer Zeit sogar noch erhöht werden kann. Eigentümer des Werkes ist die Bäuerliche Hauptgenossenschaft, die die Flachsröste auf Anregung der Landesbauernschaft Hessen-Nassau | erstellt hat. Der Flachs, der in Stockheim im Laufe der Spätsommer- und der Herbstmonate angeliefert wurde, roar gemeindeweise zusammengetragen, dann in Bezirkslagern erfaßt und meist auf dem Schienenwege an den Aufbereitungsort gebracht worden. Durch riesige Leinendecken und Zeltplane wird »er aufgestapelte Flachs vor den unmittelbarsten Witterungseinflüssen geschützt, bis er schließlich »er Verarbeitung zugeführt werden kann. Für die nächste Zeit ist die Errichtung einiger großer Scheunen vorgesehen, wenngleich aus verschiedenen Gründen die Stapelung im Freien kaum ganz auf- neqeben werden kann. Der weitaus meiste Flachs wurde in Stockheim im übrigen mitsamt dem Samen, nlfo nicht entriffelt, angeliefert. Der Derarbeitungsgang, die Aufbereitung, wie der Fachmann sagt, dem der Flachs allein idion in der Röste Stockheim unterworfen wird, Ift (ganz abgesehen von der Bearbeitung der Fa- •»r mm spinnfähigen Material in der Spinnerei) •ehr vielfältig. Es sei hier versucht, den Arbeits- wong einmal ganz kurz zu schildern. Zunächst wird das Flachsstroh (das aus „Holz" unh Faser besteht) entriffelt, d. h. von den Samenkapseln befreit. Dies geschieht in Maschinen, die nud) sofort die Samenkapseln aufbrechen. Der aus- •Mlenbe Leinsamen wird anschließend einer gründlichen maschinellen Reinigung unterzogen, während leas Flachsstroh nach Farbe und Stengelstärke sortiert und dann für den eigentlichen Rösteprozeß ge- vündelt wird. Durch das sog. Rösten muß erreicht (frage. H’fl. ■ Von der >9 war ein beim Au°. !che An« & <, n leben und die Landarbeit mit anderen Augen angeschaut und anders beurteilt werden, sobald nur erst durch eigene Erfahrung die falsche Vorstellungswelt ausgeräumt ist. Früher galt Landarbeit in erster Linie als Saisonarbeit. Diese Meinung ist auch Ipute noch sehr weitgehend verbreitet. Gewiß wird in ben Monaten ber Bestellung unb Ernte die Landwirtschaft immer einen Spitzenbebarf an Arbeitskräften haben, wie er übrigens in fast allen Zweigen der gewerblichen Wirtschaft ebenfalls zu bestimmten Jahreszeiten aufzutreten pflegt. Aber ganz zielklar hat der Reichsnährstand Maßnahmen ergriffen und durchgeführt, die den Anteil der ft ä n • big, das ganze Jahr hindurch beschäfttgten und mit dem Boden verwurzelten Landarbeiter an der Gesamtzahl der Landarbeiterschaft immer größer werden lassen. Durch die Aus- bildungsordnuna für den männlichen Landarbeiternachwuchs wird die Landarbeiterschaft auf die soziale Stufe eines gelernten Arbeiterstandes gehoben. Durch die Förderung des Heuer- lingswefens wird die Zahl der Beschäfttgten auf dem Lande immer größer, die nicht nur Arbeiter bei ihrem Bauern oder Landwirt, sondern auch selbständiger Pächter ihres Heuerlings- landes sind. An den Ziffern der Arbeitslosigkeit unter ben Landarbeitern in den Wintermonaten läßt sich ablesen, daß mindestens 25 000 noch 1935 nur saisonmäßig beschäftigte Landarbeiter inzwischen in eine bobenftänbige Dauerbeschäftigung gekommen sind. Dadurch aber gerade der Landarbeiter zu den Arbeitern zählt, deren Existenz gesichert ist und die nicht befürchten müssen, bei Konjunkturrückschlägen durch Arbeitslosigkeit alles wieder zu verlieren, was sie für sich und ihre Familie durch jahrelange harte Arbeit aufgebaut haben. Landarbeit von heute ift nicht mehr die kurz- frifHge, saisonmäßige Landarbeit von gestern. Erst vor wenigen Wochen hat die HI. deutsche Jugend zum Landdienst gerufen. Es ist deshalb schon so, daß durch den Einsatz zum Landdienft unserer Jugend eine neue Möglichkeit der Berufswahl gegeben wurde. Wer von unseren deutschen Jungen und Mädel sie ergreift, dient der Nation, aber auch sich selbst. Dr. E. S. Deutschlands ist die volle Nutzung des deutschen Bodens für die Nahrungsgewinnung ein unbedingtes Erfordernis. Aber auch der tüchtigste Bauer kann nicht das Höchstmögliche herausholen, wenn es an den erforderlichen Arbeitskräften fehlt. Worauf sind die Schwierigkeiten beim Arbeitseinsatz in der Landwirtschaft zurückzuführen? Fehlt es an der notwendigen Organisation des Arbeitseinsatzes? Nein, sie ist vorhanden. Der Hauptgrund der Schwierigkeiten muß deshalb in den falschen Anschauungen gesehen werden, die über Landleben und Landarbeit selbst unter der jungen Generation teilweise anzutreffen sind. Der letzte Jahresbericht der Reichsanstalt mußte in längeren Ausführungen auf diese bestehenden Vorurteile Hinweisen. Bei den Versuchen, vom Lande ursprünglich stammende Arbeitslose in die Landarbeit zurückzuführen, seien große Hemmnisse aufgetreten. Solche Arbeitslosen suchten oft, wie es in dem Bericht wörtlich heißt, „unter Vor- bringung aller möglichen Gründe die Ausnahme von Landarbeit zu umgehen; sie wollten lieber arbeitslos bleiben oder als Notstandsarbeiter unter- gebracht werden" An anderer Stelle wird dann in Dem Bericht gesagt: „Es bereitete oft nicht geringe Schwierigkeiten, die durch den Arbeitsdienst oder die Wehrmacht gegangenen ehemaligen Landarbeiter ober Bauernsöhne davon zu überzeugen, daß es ihre Pflicht fei, bei der Durchführung der Erzeugungsschlacht mitzuhelfen ..." lieber die Land- Hilfe heißt es an einer Stelle: „Die Abneigung der weiblichen Jugend gegenüber der Aufnahme von Landarbeit prägte sich noch stärker als bei der männlichen Jugend aus" Wir haben diese Zitate aus dem Bericht der Reichsanstalt mit Absicht so ausführlich gebracht. Denn nichts wäre verkehrter, als hier einen Tatbestand beschönigen zu wollen. Das aber trifft gerade deshalb zu, weil die Vorurteile gegen Landarbeit und Landleben, die heute noch immer anzu- die nächste Ernte kommt, fo wird man in Stockheim gerüstet fein. Es erübrigt sich, auf die Bedeutung dieses Betriebes für unsere Heimat, wie auch für unser Vaterland besonders hinzuweisen. Immer wieder aber ist es begeisternd, zu sehen, wie deutsche Techniker, Ingenieure und Fachleute in einer verhältnismäßig kurzen Zeit Werke schaffen, die wesentliche Bestandteile unseres deutschen Aufbauwerkes darstellen. N. edelungsmaschinen und wird damit ebenfalls zu einer spinnfähigen Faser hergerichtet. Das gewonnene Rohmaterial, die Lang- wie auch die Kurzfaser, wird zu festen Ballen gepreßt (selbstverständlich getrennt) und tritt dann in Waggon- ladungen den Weg in die Spinnereien an. Mit dieser Versendung des Rohmaterials ist die Aufgabe der Röste Stockheim erfüllt. Allerdings: So einfach der Arbeitsgang aus dieser gedrängten Schilderung erscheinen mag, so sehr hat doch der verantwortliche Fachmann sein ganzes Wissen, seine praktische Erfahrung und vor allem — sein Fingerspitzengefühl einzufetzen, da ja das aus vielen Hunderten von bäuerlichen Betrieben angelieferte Material nach Farbe, Feuchtigkeitsgehalt und nach Stengelstärke sehr verschieden ist. Die notwendige künstliche Trocknung des Flachses nach der Warmwasser-Röste war innerhalb des Aufbereitungsganges ein besonders schwieriges Problem, das aber kurz vor seiner endgültigen Lösung steht. Noch harren in Stockheim große Berge des Flachses der Verarbeitung. Die vorbildlichen Einrichtungen der Flachsröste Stockheim werden aber die Aufbereitung der großen Mengen des Flachses gestatten, und wenn nicht ausreichend wäre. Mit einem ganz bestimmten Feuchtigkeitsgehalt geht der Flachs in die Brecher- und Schwinaturbine, in jene Maschinen, in denen nun die Fasern auf mechanischem Wege vom Holz getrennt werden. Zu diesem Zweck wird nun zwischen festen Stahlwalzen der Stengel vielfach geknickt, so daß das Holz des Stengels in viele kleine Teile bricht, während die elastische Faser völlig unbeschädigt bleibt. Unter der anschließend zu passierenden Schwingturbine werden die Hvlzteilchen von der Langfaser abgestreift und durch eine Exhaustor-Anlage sofort entführt. Diese Holzteile gelangen durch den Ex- haustor in das Kesselhaus und werden dort in einer speziellen Feuerungsanlage restlos verbrannt. Mit diesem Material wird der Heißwasserbedarf für die Warmwasser-Röste erzeugt. Die naturgemäß anfallende K u r z f a s e r fällt unter der Maschine aus, und zwar sofort auf ein Transportband, das diese kurze Faser einer anderen Maschine zuführt, in der die noch anhaftenden Holzteile abgeschüttelt werden. Die Kurzfaser geht noch über sogenannte Ver- n- die sich 1 bekennen d auch bas erben. Lei- Gelegenheit, m so mehr ’annt ausgestellt und dann der geführt. Für die wirtschaftliche Gewinnung der Flachsfaser ist die Warmwasser-Röste Voraussetzung, weil für die Tauröste beim Anfall großer Mengen die zur Verfügung stehende Zeit bei weitem M WH Jugend und Hochschule. Das Vildersehen der Kinder. Don Professor Or H. Wohlbold. Wenn wir ein farbiges Bild kurz fixieren und dann auf eine Helle Fläche blicken, so sehen wir dort ein sogenanntes Nachbild in der entgegenge. setzten, komplementären Farbe. Ein grüner Fleck erscheint also zum Beispiel im Nachbild rot, eine schwarze Zeichnung sehen wir weiß auf dunklem Grund. Solche Nachbilder sind starr, wir können sie nicht durch unseren Willen beeinflussen und nach kurzer Zeit verschwinden sie. 9m Gegensatz zu ihnen sind die in unserer Erinnerung auftauchenden Bilder, die „Vorstellungsbilder , durch den Willen leicht zu verändern. Wir können das, was wir untertags gesehen haben, mehr oder weniger deutlich an unserer Erinnerung vor- überziehen lassen, die Bilder wechseln, wie wir es haben wollen. Eine Landschaft, durch die wir gegangen sind, taucht als Vorstellungsbild wieder auf. Wir können uns oorftellen, wie der klare Himmel sich mit Wolken überzieht, wie ein Zug durch den Wald fährt. Manchen Menschen erscheinen solche Erinnerungsvorstellungen ganz spontan, besonders, wenn sie ermüdet sind. So berichtet ein Zoologe, der den ganzen Tag über am Mikroskop saß und Präparate studierte, daß ihm am Abend auf dem Sofa plötzlich Bild um Bild, wie er sie gesehen hatte, wieder vor die Augen trat. Ein anderer Gewährsmann hörte noch einmal alles, was andere Menschen zu ihm gesagt hatten, so deutlich, als wenn sie wieder zu ihm sprächen. In der Mitte zwischen den starren Nachbildern und den beweglichen Vorstellungsbildern stehen die sogenannten „Anschauungsbilder", auf die erst die neuere Psychologie aufmerksam geworden ist. Sie kommen fast nur bei Kindern vor, die man bann „Eidetiker" nennt. Eidos heißt griechisch das Bild. Erwachsende sind selten Eidetiker, wenigstens bei den Kulturvölkern. Unter primitiven Rassen sind die Eidetiker sehr häufig. Läßt man ein Kind, bas diese Fähigkeit besitzt, zum Beispiel kurze Zeit ein Gemälde oder eine Ansichtskarte ansehen und entfernt diese dann, so verschwindet der Eindruck nicht, sondern das Kind sieht das Bild noch immer vor sich. Es kann dem Urbild gleich gefärbt sein, bisweilen sind die Farben viel glänzender und leuchtender als auf diesem, bisweilen sind sie komplementär. Gute Eidetiker sehen alle Einzelheiten haarscharf — unter Umständen kann das Kind nicht unterscheiden, ob es noch das Urbild selbst oder das Anschauungsbild sieht. Als Anschauungsbild erkennt es dasselbe nur daran, daß es sich bewegt, — wenn es die Augen seitwärts wendet, geht das Bild mit. Manche Eidetiker, die eine Zeichnung kurz betrachtet haben und dann auf ein leeres Blatt Papier sehen, erblicken sie dort nun so deutlich, daß sie diese nachzeichnen können. Sie brauchen dazu keinerlei zeichnerische Begabung. Wohin auch das Kind den Blick richtet, das Anschauungsbild geht immer mit. Der Eidetiker sieht es auf — oft auch scheinbar vor oder hinter der Wand. Es dauert viel länger an als ein Nachbild und kann nach dem Verschwinden, oft mit allen Einzelheiten, wiederkehren. Bisweilen erscheint es schon bei der Betrachtung der Vorlage und liegt dann wie ein Schleier darüber. Meist allerdings wird es erst gesehen, wenn das Urbild entfernt wurde. Es gibt Kinder, die ein einmal gelesenes Gedicht oder ein Prosastück sofort wieder aufsagen können. Früher glaubte man, sie hätten ein ausnehmend gutes Gedächtnis. Das ist aber gar nicht der Fall. Das Kind sieht die bedruckte Seite als Anschauungsbild vor sich und lieft den Tert ab. Das Bildersehen der Kinder, das im allgemeinen zwischen dem 10. und 18. Lebensjahr auftritt, ist durchaus nichts Krankhaftes ober auch nur Anormales. Bei der Prüfung ganzer Schulklassen auf eidetische Fähigkeiten zeigte es sich, daß in manchen Fällen bis zu 50 v. H. der Knaben und bis zu 75 v. H. der Mädchen Eidetiker waren. Merkwürdigerweise ist der Prozentsatz in den einzelnen Städten verschieden groß. In Wien, Regensburg und Breslau waren über 30 v. H aller untersuchten Kinder Eidetiker. Viel seltener kommt ein Wiederhören von Tönen oder Melodien vor. Auf zehn Kinder, die Bilder sehen, kommt eines, das Töne hört und seltener werden Empfindungen — zum Beispiel Schmerzen — nachgefühlt, wenn sie bereits vergangen sind. Besonders merfroürbig ist die Tatsache, daß es Zwei verschiedene Arten des Bildersehens gibt, so daß man an der Art der eidettschen Fähigkeiten geradezu die besondere Veranlagung eines Kindes erkennen kann. Die Anschauungsbilder haben näm- lich entweder gewisse Eigenschaften der Nachbilder oder aber der Erinnerungsbilder. Im ersteren Fall sind sie nicht plastisch sondern mehr flächenhaft, dazu starr und unbeweglich und nicht selten ist ihre Farbe der des Urbildes komplementär. Anschauungsbilder dieser Art treten im allgemeinen mit dem Charakter von Zwangsvorstellungen auf, die Kinder fühlen sich von ihnen förmlich verfolgt, so daß sie diese als lästig und unangenehm empfinden. Kinder mit dieser Art von Anfchauungsbildern werden meist einmal nüchterne Menschen, deren Begabung und Interesse nur auf bas praktische Leben gerichtet sind. Es sind das „trockene" Naturen, ohne Phantasie und ohne jede künstlerische Fähigkeiten. Ihr Seelenleben ist starr und wenig beweglich, ihr Standpunkt kühl und sachlich. Die Anschauungsbilder anderer Eidetiker sind dagegen plasttsch, das Bild hat die Farben des Urbildes, und oft sind sie viel leuchtender. Vor allem aber sind diese Bilder lebendig und beweglich. Sie nähern sich dadurch mehr den Erinnerungsbildern, die ja nach Belieben verändert werden können. Bisweilen verändern sich diese Anschauungsbilder von selbst. Sie ziehen sich zusammen oder sie dehnen sich aus. Die Gegenstände rücken einander näher ober sie entfernen sich von einanber. Ein Rabfahrer sitzt plötzlich verkehrt auf bem Rab unb blickt nach hinten. Der Eibetiker kann bie Silber auch oon sich aus beliebig verändern unb bewegen. Man legte vor ein Kind einen Apfel und einen Stock mit gekrümmtem Griff. Das Kind sah die Gegenstände noch vor sich, als sie entfernt worden waren — im allgemeinen genügt für bie Hervorrufung der Anschau- ungsbilber eine Betrachtung von 15 Sekunben — und nun konnte es in dem geschauten Bild den Stock nach dem Apfel hinbewegen, bis der Grif den Apfel erfaßte und ihn heranzog. Die zweifache Art der eidettschen Fähigkeiten weisen also hin auf die ursprünglichen zwei Menschentypen, denen wir im Leben immer wieder begeg. , nen. Es kann für den Erzieher wichtig sein, die - Kinder auf ihre eidettschen Fähigkeiten hin zu prüfen und aus der Art, wie sie auftreten, Schlüsse auf ihre Veranlagung zu ziehen. Demgemäß sind ie in der Erziehung zu führen. Die beiden Men- chentypen sind notwendig. Sie ergänzen sich gegen« eitig. Schwierigkeiten können sich im Leben nur Kinn ergeben, wenn die eine aber bie anbere Veranlagung ins Extrem ausarten. Dann kann der praktisch nüchterne Mensch zum Pedanten, der phantasiebegabte zum Phantasten oder zum leicht- sinnigen Springinsfeld werden. Die Erziehung kann, wenn die Veranlagung richtig erkannt wird, bem dadurch vorbeugen, daß sie für die ertreme Entwick- lung nach der einen oder anderen Seite hin rechtzeitig ein gesundes Gegengewicht schafft. Die SWerbücherei Was kostet mein Studium? Wichtige Zahlen für Abiturienten und ihre Väter. Die Parole, die Reichserziehungsminister R u st dem jungen Hochschulnachwuchs am Beginn des Vierjahresplanes für die nächste Zukunft mitgegeben hat, hieß: „Wissenschaft". Mehr als je zuvor wird tüchttger geiftiger Nachwuchs auf zahlreichen Gebieten der Wissenschaft, dieser Zwillingsschwester der Praxis, gebraucht. Die guten Aussichten, die sich dem jungen Wissenschaftler heute vielfach bieten, sind ein starker Anreiz geworden. Je näher das Osterfest heranrückt, das in diesem Jahr besonders früh liegt, desto dringlicher wird für die angehenden Hochschüler (und ihre Väter!) die Notwendigkeit, sich für bas rechte Studium zu entscheiden und zu überlegen, welche Bedingungen finanzieller Art mit bem gewählten Fach verbunden find. Wer einmal um diese Zett das akademische Auskunftsamt in Berlin besucht, der wird an bem eifrigen Kommen unb Gehen, an den vielen Ratsuchenden die Nähe des neuen Semesters am deutlichsten spüren. Und wer sich nicht einfinden kann, der läßt sich den „Wegweiser durch bie Lehrgebiete der Deutschen Hochschulen" (Verlag des Deutschen Instituts für Ausländer, Berlin) kommen, aus dem alle Einzelheiten über Semestergebühren, Nebenausgaben, Prüfungskosten, Materialaufwand usw. zu ersehen sind. Daneben gibt dieser Wegweiser einen Ueberblick über bie an den deutschen wisfenschaftlichen Hochschulen und an der Technischen Hochschule zu Danzig vertretenen Lehrgebiete, der dadurch noch verdienst- licher ist, daß er, nach Lehrgebieten geordnet, für jedes Gebiet die Hochschulen nennt, an denen es vertreten ist, ihre Lehr- und Forschungseinvichtun- gen und Die Prüfungsmöglichkeiten für bas betreffende Fach angibt und endlich die Mindest- bauer Des jeweiligen Studiums sowie die Be- ttmmungenüber praktische Tätigkeit nennt. Dabei fallen auch einige Studienfächer ins Auge, die nicht allgemein bekannt sind. So kann man in Königsberg Bernsteinkunde als Wissen- (haft betreiben, sieben andere deutsche Hochschulen ühren Bienenkunde als Studienfach. In Berlin und Frankfurt a. M. gibt es Lehrstühle für Edelstein- und Perlenkunde. Mit bem ganz modernen Problem der Lustfahrtmedi- zin beschästtgen sich zwanzig Hochschulen, auch der Luftschutz rückt mehr und mehr in den Bereich der wissenschaftlichen Bettachtung, hier sind am meisten bie Chemiker und auch die Bautechniker interessiert. Wie sicht es nun mit den Kosten, die ein junger Student heute für den Besuch der Hochschule veranschlagen muß? Da sind zuerst einmal die Semestergebühren. Sie sind in ihrer Ge- amtsumme praktisch an allen deutschen Hochschulen die gleichen, wenn sie auch in der Zusammensetzung hier und da voneinander abweichen. Sie bestehen aus: 1. einer „Allgemeinen Gebühr" (für Kranken-, Unfall-Versicherung, auch für Benutzung der Universitätsbibliothek usw.) von etwa 30 Mark. 2. der sogenannten „S tud i e n ge b ü h r", an den meisten Hochschulen in Höhe von 80 Mark. 3. den K o l l e g g e I b e r n für bie besuchten Vorlesungen unb Hebungen. Hier beträgt bie Semesterwochenstunde zur Zeit 2,50 Mark. Belegt man eine Vorlesung, bie wöchentlich zweimal gehalten wird, also vier Semesterwochenstunden umfaßt, so bezahlt man hierfür 4 mal 2,50 = 10 Mark. 4. dem sogenannten „Ersatzgeld" bei naturwissenschaftlichen, medizinischen und technischen Studien (für Aufwendungen der Hochschule für Experimente usw.) in Höhe von etwa 35 Mark. Für die in einem Semester insgesamt zu zahlenden Hochschulbettäge kann nur eine Durchschnittssumme geschätzt werden, da der Aufwand weitgehend von der Zahl der belegten Dorle ungen und Hebungen abhängt. Diese Durchschnitts umme beträgt bei normaler Anlage des Studiums ür die einzelnen Lehrfächer etwa: Mark Geisteswissenschaften (Theologie, Jura, Volkswirtschaft, philosophiscy^historische Wissenschaften) Mathematik, Geographie Biologie, Chemie, Physik, Pharmazie, Geologie, Mineralogie Medizin, Zahnheilkunde, Tierheilkunde: vorklinisches Studium klinisches Studium Architektur, Bauingenieurwesen, Maschinenbau, Elekttotechnik, Bergbau, Hüttenwesen usw Landwirtschaftslehre 160—180 160—180 200—230 210—230 230—250 180—220 180—200 Zu diesen reinen Hochschulgebühren kommen nun in jedem Semester noch die Nebenkosten für Bücher, Instrumente und Material. Man sollte den Bettag, um Enttäuschungen zu vermeiden, nicht zu niedrig veranschlagen, obgleich sich manche Bucher- anschaffung, insbesondere während ber ersten Studiensemester, durch die zweckmäßige Ausnutzung der Universitätsbibliothek und der Seminarbiblio- theken vermeiden läßt. Immerhin tut man gut, für derartige Anschaffungen im Semester 30 bis 60 Mark bereitzustellen, bei medizinischen Studien wird sich der Satz auf 70 Mark erhöhen. Erhebliche Kosten für Materialien und Instrumente erwachsen dem Zahn Mediziner, der hierfür während der vorklinischen Zeit ungefähr 150, während ber klinischen etwa 360 Mark braucht. Mediziner und Tiermediziner hingegen brauchen zunächst kaum mchr als 20 Mark hierfür. In den naturwissenschaftlichen Praktika werden für Chemikalien und Glas suchen etwa 60 bis 150 Mark im Semester verbraucht werden, der Pharmakologe benötigt für Material etwa 25 bis 40 Mark. Anschaffung von Zeichenmaterial für die technischen Fächer erfordert etwa 50 Mark für Erstanschaffungen, bie Ergänzungen in den weiteren Semestern kommen auf etwa 15 Mark. Nicht unerheblich sind auch die Kosten für die Prüfungen. Die einheitliche Gebühr für bie Doktorprüfung beträgt 200 Mark. Die Drucklegung der Do Etor arbeit macht je nach Länge noch besondere Kosten. Diplomprüfungen kosten je nach Fach 60 bis 100 Mark, wo Vorprüfungen abgehalten werden, kosten diese 20 bis 40 Mark. Bei Staatsprüfungen gibt es keine einheitlichen Sätze. Alles in allem ist ein Studium nicht billig, denn die Lebenshaltungskosten kommen zu den oben geschilderten Semestergebühren ja noch hinzu. Dr. Buresch. Lebendiger Geschichtsunterricht. Jede Arbeit, insbesondere auch die auf bem Ge« biet der Geschichte — unb ber Geschichtsunterricht ist eine ernsthafte Arbeit und sollte nie als etwas anderes aufgefaßt werden — bedarf einer gewissen Grundlage in wichtigen Quellen unb anderen geschichtliche Fragen behandelnden Werken. Es ist daher wesentlich, daß die Schulbüchereien diesen Ge« sichtspunkten Rechnung tragen. Das bedeutet teilweise eine grundsätzliche Hmstel« lung in der geistigen Struktur der „Schülerbiblio- theken", die also in erster Linie für die Bedürfnisse des Schülers an Lesestoff geschaffen wurden, aber zu einem nicht gerade geringfügigen Teil in billiger Unterhaltungslektüre sich erschöpften oder aber Werke enthielten, die als für den Schüler unbrauchbar unb unproduktiv abgewiesen werden müssen. Es ist, um bei einem Beispiel zu verweilen, unerttäglich, wenn zur deutschen Kolonialgeschichte als einziges Buch Weules Schrift über Deutsch« Ost vorhanden ist, nicht nur deshalb, weil ein einziges Werk selten einen umfassenden Heberblick über eine Materie gewährleistet, sondern auch, weil alsdann bie Zuverlässigkeit des Schriftstellers unb sein persönliches Erleben von entscheidender Be« beutung werden. Weule aber ist tendenziös, unb seine Tendenzen sind versteckt und für den jungen Menschen nicht schlechtweg erkennbar. Das tendenziöse Moment aber muß gerade bei der Geschichtsschreibung vermieden werden. Tendenz und Weltanschauung liefern sich hier oft erbitterte Kämpfe, in bie Den Schüler, ber erst zur Formung eines Bilbes gelangen will, hineinzuziehen in jedem Falle vom Hebel ist. Trotz alledem wird es sich jedoch nie erreichen lassen, daß die Schulbücherei den Begriff einer bibliothekarischen Vollkommenheit erreicht. Schon der zur Verfügung stehenden Mittel wegen unb weiter auch deswegen, weil ja die Bibliothek nicht allein unter dem Gesichtswinkel des Geschichtsunter, richts ausgerichtet werden kann, kann es eine Vollkommenheit nicht geben. Deshalb ist eine Zusammenarbeit mit den öffentlichen Bibliotheken uner« Die Zusammenarbeit wird um so intensiver fein, je größere Anforderungen an die Gemeinschaftsarbeit von Lehrer und Schüler gestellt werden können und müssen. Namentlich in den höheren Klassen wird sich die Zusammenarbeit mit den öffentlichen Bibliotheken schon deswegen besonders fruchtbar gestalten, weil damit den Schülern die erste Einführung in die wissenschaftliche Arbeit geboten werden kann. Diese Möglichkeit ist von einer grundlegenden Wichtigkeit. Nur zu häufig hat gerade bie wissenschaftliche Arbeit dazu geführt, daß das Leben ber Materie in bem Wust unb ber Trockenheit einer sogenannten wissenschaftlichen Arbeit erstickte. Gerade geschichtliche Stoffe können mit Erfolg dazu verwendet werden, jene wissenschaftliche Arbeit zu lehren, die mit ber Gründlichkeit das Leben verbindet. Keine andere wissenschaftliche Arbeit verlangt so sehr nach Lebendigkeit, nach einer Anschauung der Dinge, die richt in dem Moderduft der Pergamente erstickt, andern in den Gestalten der Vergangenheit blut- volles Leben, wahrhafte Menschen sieht. Lebendige Geschichte! Geschichte ist gelebtes Le- ben, vorgelebtes Leben. Nie kann das Leben ein Lernstoff fein. Aber es kann und soll in seiner Farbigkeit, in der Vielfältigkeit seiner Gestalten und in der Wucht seiner Ereignisse denen ein Bei- ' piel sein, die berufen sind, in der Zukunft die Geschichte unseres Volkes zu meistern. Dr. H. B. Englische Zungen. Von Or. Hans Telle. Wenn man mitten unter jungen Engländern lebt, bann ist es schwer, bas ihnen allen Gemeinsame herauszusinben. Unb boch gibt es einen ganz bestimmten englischen Junaentypus, so wie es einen .Deutschen Jungen" gibt. Das englische Volk, bas sich feit der Normanneneroberung im 11. Jahrhundert ungestört aus seinem Wesen heraus ent- wickelt Hat, ift eine wirkliche Nation mit deutlichen Eigentümlichkeiten und eigenem Lebensstil. Seine Äugend als. lebendiger Teil bes Ganzen besitzt bas national Eigentümliche als Wesenszug. Schon im Aeußerlichen, in Gestalt unb Haltung, zeigt sich ber junge Englänber. Man könnte ihn unter Jugend- licfyen anderer Völker sofort heraussinden: er ist schlank, und der Anzug der Erwachsenen, bie langen Hasen, bas Jackett und der Schlips, erweckt den Anschein, als ob er schmächtig sei. Er ist es in Wahr- beit nicht. Seine Augen blicken kühl und ruhig auf bie Welt. Seine Bewegungen finb sparsam und bedacht. Die Hänbe hat er gerne in ben Taschen. Sein Gang ist lässig unb bequem, er läßt sich Zeit und bewegt sich kaum hastig ober aufgeregt. Diese Körperhaltung ist Ausdruck seines Wesens. Im Vergleich zu deutschen Altersgefährten ist ber lange Engländer entschieden ruhiger. Er ist nicht so quicklebendig, so geladen voller Lebensübermut, wie es unsere deutschen Jungen oft sind. Schon in ber Schule zeigt sich sein stilleres Wesen. Es treibt ibn nur selten dazu, Allotria zu treiben unb Streiche auszuführen. Es muß schon ein sehr schlechter Leh- rer sein, ber in einer englischen Schule keine Zucht zu halten versteht. Beim sportlichen Wettspiel kämpft er lautlos unb gibt Freude ober Enttäu- schung kaum kunb. Sie sind bestrebt, ihre Gefühle zu b"herrschen. Sie lieben sehr die Geselligkeit und sind ft?:5 heiter, fröhlich und bei guter Laune. Un° geselliges Bmehmen, das anderen die Stimmung raubt, gilt als unmöglich und kommt kaum vor. Sie haben einen prächtigen Sinn für Humor. Heber ihre trockenen Witze lachen sie aber nicht selbst, sondern freuen sich an dem Gelächter ber anberen. Junge Englänber sind in ihrem Innern sicherlich viel einfacher und unkomplizierter als deutsche Jungen es sind. Sie sind nüchtern und haben kaum einen Sinn für bas Romantische. Es treibt sie nicht, mit Gleichaltrigen in ben Ferien auf große Fahrt Zu gehen und ferne Gegenden zu durchstreifen. Der Zauber des Lagerfeuers ist ihnen unbekannt. Für sie ist bas Leben nicht so sehr bas große Unbetannte, sie alles jo selbstverständlich und durchsichtig. Sie wachsen ohne Schwierigkeiten in das Leben ber Erwachsenen hinein. Das Bewußtsein vom Gegensatz ber Generationen ist in England nicht vorhanden. Der junge Engländer will bald erwachsen sein, er betont nicht bas Reich ber Jugend als etwas (Eigen- ftänbiges Das Verhältnis zwischen alt und jung ist ohne schwere Spannungen. Dag er gibt es in England keine Jugendbewegung wie die deutsche in ihrem Anfang, die sich gegen die Welt der Erwachsenen auflehnte. Die Führer der englischen Boyscouttrupps sind berufstätige Männer, und jedermann empfindet bas als selbstverständlich. Auch im Verhältnis des englischen Jungen zur Schule zeigt sich das Fehlen des Generationsgegensatzes. Englische Jungen sind so stolz auf ihre Schule wie ein Soldat stolz auf sein Regiment ist. Nie wird man junge Engländer etwas Schlechtes gegen ihre Lehrer sagen Horen. Sie gehen gerne zur Schule und verbringen dort ben größten Teil Des Tages. In den berühmten Alumnatsschulen ist ihr ganzes junges Leben ausgefüllt von der Schule, die mehr ist als nur eine Anstalt zur Vermittlung von Wissen, sondern auf die ganze junge Persönlichkeit Einfluß besitzt und sie gestaltet. Sie bietet viele Möglichkeiten für die Betätigung persönlicher Liebhabereien in den Mußestunden der Jungen. Vor allen Dingen sind es die Spiele, für bie bie Schule jorgt unb bie ber englische Junge über alles liebt. Er hat eine große Freude daran, seinen Körper auf dem Spielrasen in der frischen Luft zu bewegen unb mit Kameraden Crickett oder Rugby zu spielen. Ein zäher Siegeswillen erfüllt ihn. Mit großem körperlichen Mut setzt er sich für den Sieg bis zur letzten Minute ein, doch wenn er verliert, bann nimmt er eben diese Niederlage hin. Junge Deutsche unb junge Engländer sollten sich in Freundschaft miteinander verbinden, denn sie passen gut zusammen und würden sich viel gegenseitig geben können. Das erste Semester. Von Or. H. Buhl. Wer kennt ihn nicht, jenen besonders gearteten Typus des menschlichen Lebens, für den bie Sprache ber hohen Schulen feit unvordenklichen Zeiten die Bezeichnung „mulus“ erfunben hat. Der Mulus, zu deutsch — es mag sein, baß es in unserer Muttersprache etwas gröber klingt — ber Maulesel, ist jener glückliche Mensch, bem noch der Himmel voller Geigen hängt, ber, (einer jungen Weisheit voll, bie geheiligten Räume betritt, in benen bie abgeschabten unb vernarbten Bänke Zeugnis für ben Fleiß früherer Generationen ablegen. Unb so tritt er fröhlich ein, setzt sich hn stolzen Bewußtsein ber jungen Bürgerschaft der Alma mater, die ihm soeben noch in der Jmmatrikulationsurkunbe bescheinigt hat, baß er ein „vir doctissimus et pru- dentissimus“, ein höchst gelehrter Mann sei! In dieser Stimmung begrüßt er ben Lehrer, der das Podium betritt unb in bie Hunderte oon Augen und neuen Gesichtern sieht, die jetzt ber Hochschule zugeströmt sind. Aufrecht hört er zu, wie ihm die einführenden Grundbegriffe auseinandergelegt werden. Seine Augen werden groß und größer, er gerät in leichtes Staunen, wird unruhig, fühlt sich unbehaglich unb kann nur mit Mühe verhüten, daß er in Schweiß gerät, den ihm eine Redewendung des weisen Mannes auf dem Podium auspreßt, bie dieser fast mit Genuß zu wiederholen scheint. Großer Gott, wie wirb er hier eingeschätzt! Dorn Lehrstuhl herab hagelt es nur so von Komplimenten: „Wie Sie ja wissen", „wie Sie gehört haben werden", „wie Ihnen ja bekannt ist". Da sitzt er nun in feines Nichts durchbohrendem Gefühle und weiß plötzlich — daß er nichts weiß. Wie schwer ist doch das erste Semester, wie schwer wird es dadurch gemacht, baß ber „Mulus" nur bie Voraussetzungen sieht, mit denen er empfangen wird, ohne zugleich die Mittel erkennen zu können, sie zu erfüllen. Der akademische Lehrer scheint ihm unendlich fern in olympischen Höhen zu schweben, und bie älteren Semester zwinkern sich verständnisinnig an: „Ein Mulus!" Man mag vielleicht Darüber lächeln, aber es ist doch so: Gerade der Mulus, Der für Spott nicht zu sorgen braucht, bedarf einer festen Haltung und eines steifen Rückgrates. Man muß ihn unterstützen, helfen, wo man nur helfen kann. Das gilt nicht nur für Die älteren Semester, Das gilt insbesondere auch für bie Hniversitätslehrer. So sehr Die Unter» stützung Des Dozenten Dem älteren Semester gewiß ist, so wenig hat im allgemeinen Der Neuling zu erwarten. Es ist selbstverständlich, daß fortge» sch ritte ne Schüler ein größeres Interesse bieten. Größer aber als die Aufgaben, die er dem Lehrer stellt, find die, die aus den stummen Fragen des Neulings unausgesprochen dem Lehrer entgegen» strömen. Wer diese Fragen befriedigt, wer hier ben Beginn einer neuen Entwicklung mit feinen unb kluaen Händen in die richtigen Bahnen weist, hat mehr für die deutsche Wissenschaft getan als ber beste und tiefste Problematiker des Katheders. Der Mulus ist im Grunde eine Gestalt voller Tragik. Noch nicht fertig, wird er vor die Aufgabe gestellt, Erkenntnisse in sich aufzunehmen, zu verarbeiten und zu gewinnen, bie ihn bis in bie Abgründe menschlicher Unzulänglichkeit führen. (Er sieht ein Gebäude, das er sich errichtete, unter wenigen Sätzen in Trümmer sinken und besitzt doch nicht bie Fähigkeit, anderes an feine Stelle zu fetzen. Darum soll man ihn nicht nur mit Spott belächeln aber ihn überhaupt vergessen, sondern ihm vor allem eine erhöhte Aufmerksamkeit zuwenden. Die Wissenschaft ist. ein feinnerviges Instrument, und man soll bie Hönde leiten, die sich in ungeübten Versuchen mit ihm befassen. Nimmt man dem „ersten Semester" bie Meinung, baß diese Aufgaben schwerer sind als die irgendeines anderen Standes, Dann wird er wissen, daß er eines mit allen anderen Menschen gemeinsam bat: Das Hiel, feine Fähigkeiten und fein Können so weit einzufetzen und zu vervollkommnen, als dies im Bereich seiner und in der allgemeinen menschlichen Kraft möglich ist. Wirtschaft. OieSchlachiviebmärkte in dieserWoche. An den Schlachtoiehmärkten im Rhein-Main-Ge- biet erhielt sich lebhaftes Geschäft, so daß die meist etwas höheren Zutriebe, soweit sie nicht zur Verteilung kamen, glatt geräumt wurden. Die Nachfrage des Konsums in den Ladenfleischereien hat sich nach dem Monatswechsel noch gehoben, es konnte indessen allen Ansprüchen restlos genügt werden. Das zugeführte Vieh war in oieser Woche allgemein von besserer Qualität, auch für Schweine lag der Ausmästungsgrad ein wenig höher. Die Zufuhren waren bei Rindern, Kälbern und Schweinen größer, bei Schafen etwas schwächer als in der Vorwoche. Am Großviehmarkt standen insgesamt 1656 (1601) Tiere zum Verkauf, wovon auf Frankfurt 1138 (1153), auf Mainz 305 (233), auf Wiesbaden 213 (215) Stück entfielen. Im Hinblick auf den Mehrverbrauch in der Fastnachtswoche war der Zutrieb von Rindern, Schweinen und Kälbern in Mainz höher. In Frankfurt nahm die Reichsstelle 171 von 651 Kühen aus dem Markt. Die Durchschnittsbeschaffenheit der Tiere war mittel bis gut, das Großvieh wurde allgemein verteilt, wobei die letzten Preise in Geltung blieben, für Kühe zogen sie in Frankfurt mäßig an. Von den 7037 (6829) Stück Schweinen standen in Frankfurt 4410 (4293), in Mainz 1049 (959), in Wiesbaden 960 (925) und in Darmstadt 618 (652) Stück zum Verkauf. Die Tiere wurden den Metzgern zu den Festpreisen zugeteilt. Der Auftrieb an Kälbern belief sich auf 2061 (2040) Stück; er verteilte sich auf Frankfurt mit 1328 (1488), auf Mainz mit 348 (188), auf Wiesbaden mit 259 (273) und auf Darmstadt mit 126 (91) Stück. Die Qualität der Tiere war durchweg mittel bis gut. Nach lebhaftem Geschäft wurden die Märkte bei meist unveränderten Preisen geräumt. Arn Schafmarkt ist die Zufuhr etwas zurückgegangen auf 252 (318) Stück, davon entfielen auf Frankfurt 208 (263), auf Wiesbaden 36 (40) und auf Darmstadt 8 (15) Tiere. Bei lebhaftem Geschäft zogen die Preise in Frankfurt um eine Mark je 50 Kilogramm an, die Märkte wurden ausverkauft. ♦ Fwd. Fastnacht-Dienstag keine Frankfurter Abendbörse. Am 9. Februar (Fast- nacht-Dienstag) fällt die Frankfurter Abendbörse aus. Fwd. Ausschluß von der Frankfurter Wertpapierbörse. Die Bankfirma Heinrich Kahn jun., Frankfurt a. M., deren Inhaber Man- fred Kahn emigrierte, wurde nach § 9 Absatz 2 der Börsenordnung von der Frankfurter Wertpapierbörse ausgeschlossen. Ebenfalls ausgeschlossen wurde das Bankhaus Marx & Goldschmidt, Mannheim, dessen Mitinhaber Hofrat Marx dieser Tage Selbstmord verübte. Im wesentlichen durch unberechtigte große vrivate Darlehensaufnahmen und andere Machenschaften liegt nun eine hohe Ueberschuldung bei dieser Mannheimer Bankfirma vor, die eine sehr unerfreuliche Abwicklung für die Gläubiger erwarten läßt. Wie der Fwd. erfährt, könne nur mit einer bescheidenen Quote gerechnet werden. — Ausgeschieden von der Frankfurter Börse ist die Bankfirma Braun & Co., Frankfurt a. M., die Firma löst sich auf. Die Industrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 92: 17. Internationale Frühjahrsmesse in Ljubljana vom 5. bis 15. Juni 1937. — 93: Normen über Halbrund-, Linsen-, Senk- und Linsensenk-Schrauben. — 94: Aufhebung der Devisenbescheinigungspflicht und Vereinfachung des Bewilligungsverfahrens in der Tschechoslowakei. Bhein-Mainische Börse. Mittagsbörfe etwas fester, Reichsbahn-VA. schwach. Frankfurt a. M., 5. Febr. Bei kleinen Umsätzen unterlagen die Aktienkurse leichten Schwankungen. Kauforders lagen nur wenig vor, auch Abgaben erfolgten kaum. Die Unternehmungslust war gering, wobei die schwache Haltung der Reichsbahn-VA. am Rentenmarkt, die bei starkem Angebot auf 123,75 (125, gestern mittag 125,25) nachließ, etwas verstimmte. Nach den ersten Kurien vollzogen sich kleine Sonderbewegungen, so daß der freundliche Gesamtcharakter erhalten blieb. Lebhaftes Geschäft hatten am Montanmarkt Rheinstahl mit 152,75 bis 153,50 (151,50), auch Klöckner wurden in größeren Bettägen mit 127,75 (126,50) umgesetzt, die übrigen Werte notierten 0,25 bis 0,50 vH. höher. IG. Farben eröffneten mit 169,50, erreichten aber bald wieder den Dorabendstand von 170. Metallgesellschaft 0,50 v. H. höher mit 153,50, Deutsche Erdöl mit 149,25 behauptet. Am Elektro- martt überwogen Besserungen von 0,25 bis 0,50 v. H. Maschinenaktien lagen unregelmäßig, Rhein- me-tall-Borsig 153,75 (155,50), Moenus 108,50 (109), dagegen Muag etwa 144,25 (143,25). Von Motorenwerten notierten BMW. 144,50 (144,75), Daimler 128,75 (128,50). Größeres Angebot zeigte sich in Anteilen der Reichsbank, die auf 185,65 (186,75) nachließen. Von sonstigen Werten notierten Zellstoff Waldhof 156,75 (156,25), Deutsche Linoleum 168,50 (169), Westdeutsche Kaufhof unverändert 57. Am Rentenmarkt blieben Altbesitz mit 120,10 und Kommunal-Umschuldung mit 91,15 behauptet. Im Freiverkehr bestand stärkeres Angebot in der steuerfreien Reichsbahn-Anleihe. Im Verlaufe war der Aktienmarkt vorwiegend etwas fester. Das Geschäft beschränkte sich allerdings auf nur wenige Spezialwerte. Klöckner 128 nach 127,75, Rheinstahl 153,65 nach 152,75,. Verein. Stahl 120,50 nach 118,75, Mannesmann 120,25 nach 119,13, Muag 145 bis 146 nach 144,25. Die später notierten Werte lagen meist 0,50 bis 1 v. H. höher, Rhein. Braunkohlen plus 2 v. H. auf 227,50, dagegen ScheDe anstatt 267,50 (268,50). Am Kassamarkt blieben verschiedene Werte weiter gesucht und fest. Am Rentenmarkt waren Reichsbahn-VA. mäßig erholt auf 123,90 nach 123,75, Kommunal- Umschuldung schwankten zwischen 91,10 bis 91,15, Wiederaufbauzuschläge bröckelten auf 76,25 (76,50) ab. Goldpfandbriefe blieben gesucht und waren teilweise etwas höher, so Pfälzische Hyp. mit 99,50 (99,25), do. Liquidation 102 (101,65), die übrigen kaum verändert. Stadtanleihen lagen still unö meist behauptet. Von Auslandsrenten gaben Silbermexikaner nach, 5 v. H. 9,25 (9,40), 3 v. H. 9 (9,25), 5 v. H. äußere Gold wieder gestrichen. Im Freiverkehr unterlagen Adlerwerke lebhaften Schwankungen, 104,50 bis 106,50, dann 106 bis 108 und schließlich 105,25 bis 107,25 (104 bis 106). Pokorny etwas schwächer mit 130,40 bis 132,40 (132,50), fester Neue Wayß & Freytag mit 137,25 bis 139,75 (136 bis 138) und VDM. 156 bis 158. — Tagesgeld unverändert 2,50 v. H. Abendbörse freundlich. An der Abendbörse erhielt sich etwas Kaufinteresse, so daß die Tendenz freundlich blieb und die mittags eingetretenen Befestigungen voll behauptet wurden. Vereinzelt traten gegenüber dem Berliner Schluß noch Besserungen bis zu 0,25 v. H. ein, etwas mehr erhöht waren Gesfürel mit 146,75 (145,50). IG. Farben überschritten den Berliner Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschlossenen Dividende an. Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuh 5 v. H. Saturn 6% Deutsche Retchsanleihe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 6yt% Doung-Anleihe von 1930 .. 4%% Hessische Voltsstaat von 1929 4yz% Deutsche Reichspostschatz von 1934 I...................... 4yt% Deutsche Reichsbahnschatz von 1936 I.................. Reichsanleihe-Altbesitz.......... Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten.............. 4K% Hess. Landesbt. Darmstadt Goldpse. R. 12.............. 6%% Hess. Landes-Hyp.-Bank Ltqu. Goldpse............... 4y2% Preuß. Landespsdbr.-Anst. Goldpse. R. 19.............. 4y2% Preuß. Gold-Komm. R. 20 4*4% Darmstädter Komm.-Lan- desbankR. 6................ Deutsche Komm.-Sammel-Anleihe Auslos.-Rechte I.............. 4y?% Franks. Hyp. Goldpse. R. 15 4%% Franks. Hyp. Gold-Komm. Obl. 2 3.................... &y2% Franks. Hyp. Liquidation Goldpse..................... 6¥t% Rheinische Hyp. Liquidation Goldpse..................... Steuergutschein-Berrechnungskurs 5% Goldmexikaner von 1899 .... 4% Lesteneichische Goldrente.... 4,2% Oesterreichische Silberrente. 4*4 Ungarn Staats von 1913 .... 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 5% Rumänen von 1903......... 4yz% Rumänen Gold von 1913.. 4% Einheits-Rumänen......... 4% Türken Bagdad I........... 4% Türken Bagdad II.......... 2 y4% I. Anatolier.............. A.G. für Verkehrswesen......6 Hamburg-Südam. Dampfschiff. O Hamburg-Amerika Paket......o Norddeutscher Lloyd..........O Deutsche Reichsbahn Vorz.-Att. 7 Reichsbanl................. 12 Berliner Handelsgesellschaft ... 6 Commerz, und Privat-Banl... 4 Deutsche Diskonto............4 Dresdner Bank..............4 Frankfurt a. M. Berlin Schluß- tur8 Schluß!. Abend- börje Schluß- kurs Schluß! Mittag- börje 4.2. 5.2. 4.2. 5.2. 101 101,13 101,25 101 98,25 98,13 93,13 98,13 102,75 103 103 103 99,5 99,5 99,5 99,5 100,13 100,13 100,2 100,25 98,5 98,75 98,5 98,5 120,1 120,1 120 120,13 131,5 132 — 131,75 98 98 98 98 101,5 101,2 — — 98 98 98 98 96 96 96 96 95 95 — — — 127 127,25 127,25 98 98 98 98 95,75 95,75 — — 101,5 101,65 — — 102 101,9 101,75 102 110,25 110,25 110,4 110,4 — — — — — — 15,75 15,75 —— 1,3 1,3 1,3 5,3 5,4 5,2 6,3 6,3 6,2 5,1 5,1 5,1 5,1 6,25 — 6,3 6,4 9,4 9,4 9,4 9,45 5,2 5,35 5,13 5,25 —— — — — __ — —— 19,75 19,75 19,75 — 127 127,25 126,75 127,25 — —— 42,75 42,75 17,75 17,65 17,75 17,65 18 18 18 17,9 125 123,75 125,4 124 186,75 185,65 186 186 — — 130,65 130,75 114 114,25 114 114,25 117 117 117 117 106,9 106,9 106,9 106,9 Datum Accunmlatoren-Fabrik....... 12 AKU-fhmftfelbe.............O Aschaffenburg Zellstoff........3 Bemberg................... 0 Bekula..................... 8 Buderus Eisen...............4 Gement Heidelberg........... 7 Gement Karlstadt............6 Chade 9I.-G.................. 9 Gonti Gummi.............. 11 Daimler Motoren............5 Dessauer Gas...............4 Deutsche Erdöl..............5 Deutsche Gold- und Silber .... 9 Deutsche Linoleum.......... 10 Elektrische Lieferungen........6 Elektrische Licht und Kraft.....7 I. G. Farben-Industrte.......7 Felten & Guilleaume.........6 Gesfürel....................6 Th. Goldschmidt.............6 Gritzner Maschinen........... 0 Harpener................. 2% Hoesch Eisen...............8% Philipp Holz mann........... 6 Ilse Bergbau................6 Ilse Genüsse................6 Kali Aschersleben............ 5 Klocknerwerke............. 4*/2 Kokswerke und Chemische Fabrik 6 Lahmeyer.................. 6 Matnkraft................... 4 Mannesmann............... 3 Mansfelder Bergbau....... 6% Metallgesellschaft.............5 Orenstetn & Koppel..........O Rheinische Braunkohle....... 12 Rheinische Elektro............6 Rheinstahlwerke..............6 Rbeintsch.Westfältsche Elektro .. 6 Rütgerswerke............... 6 Salzdetfurth Kalt..........?y, Schuckert & Go............... 6 Schultheis Patzenhofer........ 4 Siemens & Halske........... 8 Süddeutsche Zucker.......... 10 Vereinigte Stahlwerke......3yt Westdeutsche Kaufhof.........O Westeregeln Alkali............5 Zellstoff Waldhof............ 6 Otavi Minen...............0,6 Frankfurt a. M. Berlin Schlußkurs Schluß?. Abendbörse Schlußkurs Schluß!. Mittagbörse 4.2. 5.2. 4-2- 5.2. 202 202 203 202 — .. - 137 137 137 137,9 107,75 107,5 107,25 107,5 168,25 168,5 168,75 168,9 119,5 120,5 119,5 120,65 161 160 — — —— — —— — — — — _ 173,5 172,5 173,75 172,4 128,5 129,25 128,75 128,75 — —- 119.25 119,25 149,25 149 149 148,75 268,5 267,5 — — 169 168,5 169 168,25 136,9 137 136,5 136,75 152,5 153 152,5 152,75 170 170 170,25 169,75 141 140,5 141,25 140 146 146,75 146 145,5 131 130 130,9 129,5 43,75 44.13 43,5 44,4 155,75 157 156 157 118,75 120 118,75 120 143 144 143,25 144,25 — — 180 177,25 149,5 149,25 149.5 148,5 141 142 143 142,5 126,5 128,5 127 128 — — 143,75 143 124,5 124,5 — 125 95 95 — — 119 120,5 118,75 120,5 161,5 — 161,5 162 153 153,13 153,4 153,25 — —— 90 90,25 225,5 225,5 226,4 227 138 137,25 138,5 151,5 153,5 151,65 153,5 133 133 132,25 132,4 145 144,75 145,5 144,13 183 183 183,25 183 163,25 163,5 163 163,65 — 97,75 97,9 200,75 203,5 201,65 202,5 203 203,5 203 —— 118,5 120,25 118,5 120,25 57 57,13 56,65 56,9 138,75 138,5 139,5 138,5 156,25 157,25 157 157,25 23,9 24,13 23,75 24 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. DL -.Februar 5.Februar 4. Februar 5. Februar Amtliche Notierung Amtliche Notierung Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld Brief Geld Brief Geld Brief Buenos Aires............. 0,748 0,752 0,749 0,750 Japan.................... 0,707 0,709 0,707 0,709 Brüssel................... 41,94 42,02 41,96 42,04 Jugoslawien .............. 5,694 5,706 5,694 5,706 Rio de Janeiro............ 0,151 0,153 0,151 0,153 Oslo..................... 61,21 61,33 61,13 61,25 Polen.................... 47,04 47,14 47,04 47,14 Wien..................... 48,95 49,05 48,95 49,05 Kopenhagen............... 54,39 54,49 54,32 54,42 Lissabon.................. 11,06 11,08 11,045 11,065 Danzig. ................. 47,04 47,14 47,04 47,14 Stockholm................ 62,80 62,92 62,72 62,84 London................... 12,18 12,21 12,165 12,195 Schweiz.................. 56,89 57,01 56,83 56,95 HelsingforS................ 5,375 5,385 5,37 5,38 Spanien.................. 17,48 17,52 17,48 17,52 Paris.................... 11,59 11,61 11,57 11,59 Prag..................... 8,656 8,674 8,651 8,669 Holland.................. 136,19 136,47 136,18 136,46 — — — — Italien................... 13,09 13,11 13,09 13,11 Neuyort.................. 2,488 2,492 2,488 2,492 Kurs nm 0,25 v. H. auf 170. Don Maschtnenaktien Moenus 109 (108,50), Muag 146,13 (146), MAN unverändert 117. Im Freiverkehr wurden Adler- werke Kleyer mit 107 (106,50) umgefetzt. Am Rentenmarkt lagen Reichsbahn-Dorzugsaktien mit 123,65 bis 123,75 bei kleinen Umsätzen behauptet (Berlin allerdings 124). Von Stadtanleihen Mainz von 28 96 (95,75). U. a. notierten: 6 v. H. IG. Farben 133,50, Reichsbahn - Vorzugsaktien 123,65 bis 123,75, 4Vz v. H. Krupp 96,25, 4V2 v. H. Mainz von 28 96, 4Vz v. H. Oefterr. Schatzanweisungen 21,25, Commerzbank 114,25, Buderus 120,50, Harpener 157, Hoesch 120, Mannesmann 120,50, Rheinstahl 153,50, Verein. Stahl 120,25, MAN 117, Bekula 168,50, Conti Gummi 172,50, Deutsche Erdöl 149, Scheideanstalt 267,50, Licht und Kraft 153, IG. Farben 170, Gesfürel 146,75, Goldschmidt 130, Gritzner 44,13, Holzmann 144, Muag 146,13, Metallgesell- chaft 153,13, Moenus 109, Schuckert 163,50, Schof- erhof 190, Hapag 17,65, Gebr. Fahr 135, Eich- oaum-Werger 102. Frankfurter Obst- und Gemüsemackt. Frankfurt a. M., 5. Febr. Infolge der Milderung des Wetters haben sich die Anlieferungen von Gemüsen wieder erhöht, nur in Spinat blieben die Zufuhren knapp. Für Rosenkohl, Spkuck und Wirsing gingen die Preise etwas zurück. Das Geschäft war zufriedenstellend. U. a. notiertem Blumenkohl, Steige 12 und 18 Stück, 4,10 bis 4,50 ital., Eskarol, Steige 18 bis 32 Stück, 2,50 bis 2,85 ital., Feldsalat 90 bis 100, do. unter Glas 100 bis 130, Gelbe Rüben 4 bis 6, Karotten 6 bis 10, Kohlrabi 4 bis 5, Meerrettich 30 bis 45, Rosenkohl 18 bis 22, Rotkraut 4 bis 7, Sellerie 50 Kilogramm 14 bis 15, Spinat 18 bis 20, 15 bis 17 itaL, Schwarzwurzel 15 bis 24, 20 bis 22 holl., Tomaten, Steige 10 Kilogramm netto, 10,00 bis 11,00 Kanar.» Weißkraut 3 bis 5, Wirsing 6 bis 10, Winterkohl 9 bis 12, Zwiebeln 6 bis 7. Am D b ft mar f t waren deutsche Aepfel weiter nur gering angeboten, auch ausländische Aepfel und Apfelsinen hatten schwache Zufuhren. Bei lebhaftem Geschäft lagen die Preise fest. U. a. notierten: Aepfel I 45 bis 49, II 35 bis 40, III 24 bis 28, Boskop I 45 bis 48, Roter Eifer 28 bis 32, Schass- nafe 24 bis 28, Arnerik. Aepfel (Faß), etwa 65 Kilogramm netto, 30 bis 36, Apfelsinen, blond, 16 bis 19 ital., Bananen, 12^-Kilo-Kiste netto, 6,00 bis 7,00 Kam., 7,00 Westind., 6,00 Bras., Kochbirnen 12 bis 20, Kranz-Feigen 25 Kilogramm 10,50 bis 12,00. Zitronen, Kiste 300 und 360 Stück, 11,50 dis 13,00. Rundfunkprogramm. Sonntag, 7. Februar. 6 Uhr: Hafenkonzert. 8.05: Gymnastik. 8.45: Orgelchoräle. 9: Evangelische Morgenfeier. 9.45: „Glaube und Zuversicht." Aus einem Gedichtzyklus von Leopold von Schenkendorf. 10: Konzert. Dazwischen: Deutsche Ski-Meisterschaften in Rottach- Egern. Funkbericht vom Torlauf. 12: Musik am Mittag. 14: Kinderfunk. 14.45: Das Volk erzählt. Alter Fastnachtsbrauch in Stockach und Villingen. 15: Deutsche Scholle. 16: Nachmittaaskonzert. 18: Die Freiheit ist Wahrhaftigkeit. Ein Lebensbild um Richard Wagner. 18.30: Sonntagabend — vergnügt und froh, dafür sorgt „Fidel & Co.". Eine traumhafte Angelegenheit... 19.50: Sportbericht. 20: Fremdensitzung des Mainzer Karneval-Vereins. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 22.20: Echo vom internationalen Reit- und Fahrturnier. 22.30: Sportspiegel des Sonntags. 22.45: Rhythmus in den Beinen! 24 bis 2: „Martha", Oper von F. Flotow. Montag, 8. Februar. 6.00 Uhr: „Seele, mach dich heilig auf" — Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7.00: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Musik zur Frühstückspause. 9.30: Nachrichten. 10.00: Schulfunk. 11.00: Hausfrau, hör zu! 11.30: Landfunk. 11.45: Sozialdienst. 12.00: Mittagskonzert. Als Einlage: Hörberichte vom Rosenmontagszug in Mainz. 13.00: Nachrichten, anschließend auch aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert. Als Einlage: Hörberichte vom Rosenmontagszug in Mainz. 14.00: Nachrichten. 14.10: Mittagskonzert. Als Einlage: Hörberichte vom Rosenmontagszug in Mainz. 16.00: Unterhaltungskonzert. 16.45: Heitere Ge- schichten. Von Fritz Müller-Partenkirchen. 17.00: Unterhaltungskonzert. 17.30: Unterm Narrenbaum", Alemannische Fastnachtsbräuche in der Trompeterstadt Säckingen. 18.00: Unterhaltungskonzert. 19.00: Das fröhliche Quintett. Eine heitere Bläsermusik zur Faschingszeit. 19.40: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel 20.00: Nachrichten. 20.10: Nosenmontagsball im Funkhaus. Großes Orchester, Kapelle Hauck, Solisten und Chor. 24 bis 2.00: Denn einmal nur im Jahr ist Karneval. Dienstag, 9. Februar. 6 Uhr: Largo; Morgenspruch; Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Werkskonzert. 9.30: Lustige Musik. 10: Schulfunk. „Das lachende 'Dorf!" Ein lustiges Fastnachtsspiel von Max Bialluch. Musik: Ernst Moritz Henning. 11: Nur Freiburg: Nachrichten. 11.30: Landfunk. Einflüsse auf den Fettgehalt der Milch. 11.45: So- ziavdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten (aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert II. 14: Nachrichten. 14.10: Der Hörer wieder jetzt befiehlt, und was er wünscht, das wird gefpielt! 15: Volk und Wirtschaft. Rohstoffe aus eigener Kraft: Gummi (10). 15.15: Mit leichtem Sinn und ftohem Mut. Lustige und närrische Schelmenlieder. 16: Unterhaltungskonzert. 17.30: „Wo drückt er dich?" Heimisches Brauchtum um den Schuh. Don Josef Bohn. 17.40: Falter gaukeln in der Wintersonne. Plauderei von Ewald Schild. 18: Konzert. 19.30t Kampf dem Verderb. 19.45: Deutsche Skimeister- schäften in Altenberg. Funkbericht vom 50-Kilo- meter-Dauerlauf. 20: Nachrichten. 20.10: Prinz Karneval auf Welle 251! Heiteres auf Schallplatten. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk, Sportbericht, Nachrichten der DAF. 22.30: Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen. 24 bis 2: Nachtkonzert des Landesorchesters Gau Württemberg-Hohenzollern. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 7. Februar. Gießen. Stadlkirche. 9.30 Uhr: Missionar Buse; 11: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde, Missionar Buse; 18: Pfr. Becker. — Fohanneskirche. 9.30: Pfr. Bechtolsheimer; 11: Kinderkirche für die Lukas- gemeinde; Pfr. Bechtolsheimer; 18: Pfr. Ausfeld; Beichte und hl. Abendmahl für die Lukas- und Jo- hannesgemeinde; 20: Bibelbesprechung im Johannes- faal; Pfr. Bechtolsheimer. — äapelle des Allen Friedhofs. 9.30: Pfr. Metzler (Lollar); 11: Kinderkirche für die Luthergemeinde; Pfr. Metzler; 20: Vortrag: „Fort mit dem Alten Testament", Pfr. Herr- furth (Rodenbach). — Pelruskapelle (Wetzlarer Weg Nr. 59). 9.30: Pfr. Trapp; 10.45: Kinderkirche für die Petrusgemeinde; Pfr. Trapp. — Diefeck. 10: Gottesdienst; 15: Bibelstunde. — Allen-Bufeck. 10: Gottesdienst. — Trohe. 13: Gottesdienst. — Rödgen. 10: Gottesdienst. — Annerod. 13: Gottesdienst. — Al- bach. 12.30: Gottesdienst und Christenlehre. — Steinbad). 10: Gottesdienst. — Heuchelheim. 10: Gottesdienst. — Kirchberg. 10: Gottesdienst. — Daub- ringen. 13.30: Gottesdienst. — Mainzlar. 13.30: Gottesdienst. — Klein-Linden. 9.30: Gottesdienst; hl. Abendmahl für die Jungverheirateten; 11.15: Kindergottesdienst. — Wahenborn-Sleinberg. 12.15: Kindergottesdienst; 13: Hauptgottesdienst; 16: Vortrag des Pfarrers Weidner aus Ostheim. — Lich. 9.45: Beichte; 10: Stiftspfarrer Naumann; hl. Abendmahl; 14: Stiftsdechant Kahn. — Nieder-Vessingen. 13.30: Stiftspfarrer Naumann. — Garbenleich. 13: Gottesdienst. — Hausen. 10: Gottesdienst. — Langsdorf. 11: Hauptgottesdienst; Kirchenchor; Kollekte; 19.30: Abendgottesdienst; Posaunenchor; Kollekte. — Bel- lenhausen. 13.30: Hauptgottesdienst; Kollekte. — Muschenheim. 11: Gottesdienst. — Birklar. 13.30: Gottesdienst. — Münzenberg. 11: Gottesdienst. — Trais-Münzenberg. 14: Gottesdienst. — Hungen. 10: Gottesdienst; 11: Kindergottesdienst. — Wirberg. 10: Gottesdienst. — Harbach. 14: Gottesdienst; Kollekte. — Saasen. 10: Lesegottesdienst. — Kirtorf. 13: Hauptgottesdienst; anschließend Kindergottesdienst. — Ober-Gleen. 9.15: Kindergottesdienst; 10: Hauptgot- tesbienft. Montag, den 8. Februar. Lollar. 20 Uhr: Bibelstunde. — Kirtorf. 20: Frauenabend. Dienstag, den 9. Februar. Kirtorf. 20 Uhr: Bläserchor. Mittwoch, den 10. Februar. Wieseck. 20 Uhr: Bibelkurs der Evangel. Frauenhilfe. — Daubringen. 20: Bibelstunde. — Lich. 20: Passionsandacht. — Münzenberg. 20: Frauenabend. — Kirtorf. 20: Bibelstunde. — Trais-Munzenberg. 20: Frauen- und Mädchenabend. Donnerstag, den 11. Februar. Hungen. 20.15 Uhr: Frauenabend. -— Ober-Gleen. 19.30: Bibelstunde. Freitag, den 12. Februar. Wiefeck. 20 Uhr: Bibelkurs der Evangelischen Frauenhilfe. — Münzenberg. 20: Mädchenabend. Evangelische Sladlmission (Christliche Gemeinschaft innerhalb der Landeskirche), Loberstraße 14. Sonntag, den 7. Februar. 8.30 Uhr: Morgenandacht; 13.30: Sonntagsschule; 15: Gemeinschaftsstunde für Mitglieder; 16: Soldatenbibelstunde; 20.15: Evangelisationsvortrag. — Mittwoch, den 10. Februar. 20.30: Bibelstunde. Ehrislliche Gemeinde Gießen, Zu den Mühlen 2. Sonntag, den 7. Februar. 9.30 Uhr: Erbauungs- stunde; 11: Sonntagsschule; 20.30: Evangelisation. Dienstag, den 9. Februar. 20.30: Bibel- und Gebetstunde. Gemeinschaft innerhalb der Kirche (Landeskirchliche Gemeinschaft), Gutenbergstraße 9. Sonntag, 7. Februar. 20.30 Uhr: Evangelisationsstunde. — Mittwoch, den 10. Februar. 20.30: Bibelstunde. — Donnerstag, den 11. Februar. 20.30: Jugendbundstunde. Reuapostolische Gemeinden, Händelstraße 1, Eder- straße 13. Sonntag, den 7. Februar. 9.30 Uhr: Gottesdienst; 16: Gottesdienst. — Mittwoch, 10. Februar. 20.30: Gottesdienst. Baplislengemeinde, Gartenstraße 13. Sonntag, den 7. Februar. 11 Uhr: Kindergottesdienst; 20.30: Predigt. — Mittwoch, 10. Februar. 20.15: Bibelstunde. Katholische Gemeinden. Samstag, den 6. Februar. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, den 7. Februar. Quinquagesima. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Männer; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11.15: Messe mit Predigt; 17.30: Christenlehre und Andacht. — Grünberg. 9.45: Hochamt mit Predigt. — Hungen. 17.30: Vortrag und Andacht. — Laubach. 10: Hochamt mit Predigt; 14.30: Christenlehre und Andacht. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt; 20: Vortrag und Andacht. — Nidda. 8.15: Singmesse mit Predigt. — Scholten. 10.30: Hochamt mit Predigt. Aschermittwoch, den 10. Februar. Gießen. 7, 7.45 und 17 Uhr wird die geweihte Asche ausgeteilt. Freitag, den 12. Februar. Gießen. 20 Uhr: Fastenandacht. Oeffeutllcher Sonntagsdienst. Polizei: Telefon 2751, nur In dringende» Notfällen Telefon 01. Feuerwache: Telefon 2244/45, Notruf Telefon 02. Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr. Stadtpostamt: Für Schließfachabholer 1 bis 13 Uhr. Sanitätskolonne: Telefon 2500. Aerzte : Dr. Hofmann, Dr. Malech. Z a h n a r z t: Dr. Hinrichs. Apotheke: Hirsch-Apotheke. Autohilfe: Rufnummer 04 beim Postamt Gießen. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Derbindlichkett der Schriftleitung.) 3. Schw. Auch Händler, die auf dem Gießener Wochenmarkt Butter verkaufen, müssen Kundenlisten führen. Die Listen sind beim Vertrauensmann für ambulanten Handel erhältlich. Vertrauensmann für Gießen ist Herr Schmidt, xaiferallee, Waffen« Häuschen, gegenüber der Volkshallo. und nach der Wasche sind nötig: Waschkessel Wascheslampfer, Waschbrett, ovale verzinne, Wäscheleine, ^sch- bürste,Klammern, Wäschesprenger liL^ PlaMeaPßttbrett. 15^ "WenX- .Schieferstein” 3 DR P uAutlands Patente IRE Faftn ach t-Dien stag Ihre Verlobung geben bekannt Heffifdier Hof Emilie Oechert Otto Schott wie immer Eintritt 60 Pfennig Anfang 8.15 Uhr Karten im Vorverkauf: Musikhaus Challier u. Cafe Leib Äernsfeld, den 7. Februar 1937 786 D 806 D 814 D ",D 5iastnacM im Vermählte Gießen, Iheringstr. 5 Lich lZum goldnen Engel) 6. Februar 1937 844 D Sonntag# den 7. 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