Hr. 128 Erstes Blaff 187. Jahrgang Samstag, 5. Juni 1937 Gießener Anzeiger Annahme von Anzeige» für öie Mitfagsnummer bis8'/.Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm Höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Rpf..Platzvorschrift nach vorh Vereinbg.25"/^ mehr. (fcr|tt)eiTu täg Md), anher Sonntags and Feiertag» Beflogen: Die 3Uu|tnertr ©teRener Familienblattei Heimat im Bild Die Scholl, Monats-Bezugrprets. Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern B v ä _ ,, infolge hoher-- (BetoaU "W «rmatzlglk «runSprefle: MM General-Anzeiger für Oberhessen SroTiffurt am Main 11686 Oruck und Verlag: vrühl'sche UnwersttStrvuch- und Stcinöruderci R. Lange in Gießen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7 Mengenabschiüsi^ Aloltenschau der Kriegsmarine vor i0000„KdF."-llrlaubem meldet, folgendes Telegramm an Ehre, Freiheit, Volksgemeinschaft Alfred Bosenberg auf dem (Sautag Weser-Ems der NSDAP. den Führer gesandt: „Zehntausend Arbeiter erlebten am heutigen Tage auf acht „KdF."-Schiffen die Flottenoorführungen unserer deutschen Kriegsmarine in der Deutschen Bucht. Noch ganz unter dem starken Eindruck der Manöver, ist es uns innerstes Bedürfnis, Ihnen, mein Führer, von ganzem Herzen danken zu können, daß Sie die Möglichkeit zu einem solchen Zusammentreffen schufen. Mit Begeisterung und Stolz auf unsere Seemacht kehren wir an unsere Arbeitsplätze zurück. Dr. Lafferenz, Amtsleiter. — Auch an Dr. Ley und Generaladmiral R a e d e r wurden Begrühungs- und Danktelegramme gesandt. für die Sicherheit der Kontrollorgane an den spanischen Grenzen und in den spanischen Gewässern gefordert haben, und von deren Ausmaß sie ihre Wiederbeteiligung an der Kontrolle abhängig machen. Man weiß jetzt in Paris und London, wie schwer es bei der offen zu Tage getretenen agressi- oen Gesinnung Moskaus und der spanischen Bolschewisten ist, Sicherheiten zu schaffen, die stark genug sind, um die Bolschewiken von neuen lieber® fällen zurückzuhalten. Es ist erwogen worden, sich von beiden kriegführenden Parteien in verschiedenen Häfen genau umgrenzte Sicherheitszonen zum Ankern der Kontrollschiffe anweisen zu lassen. Ein weiterer Vorschlag geht dahin, an die Stelle der abschnittsweisen Ueberwachung durch die verschiedenen Nationen eine gemeinsame Kontrolle von Streitkräften aller vier beteiligten Mächte treten zu lassen, wodurch auch im Falle eines neuen Angriffs an Ort und Stelle Beratungen über gemeinsame Gegenmaßnahmen gepflogen werden könnten. Durch der Politik zu neuen Anschlägen auf die europäische Staatengemeinschaft verlocken könnten. Eine weitere Lehre sollten aber auch die Regierungen der westlichen Demokratien selbst aus dem Verbrechen ziehen. Namentlich England und Frankreich legten besonderen Wert daraus, in der Form, die sie der internationalen Nichteinmischungspolitik gaben, die deutsche Auffassung zu widerlegen, daß eine Zusammenarbeit mit dem Moskauer Bolschewismus für die europäische Staatengemeinschaft untragbar sei. In Paris und London wollte man den Gegenbeweis hierfür in der Teilnahme der Sowjetunion an der Nichteinmischungspolitik sehen, und man nahm diesem Argument zuliebe, mit dem man auch künftighin Deutschlands und Italiens Widerspruch gegen eine Zusammenarbeit mit dem bolschewistischen Rätestaat, sei es im Völkerbund oder in einem kollektiven Sicherheitssystem, zu entkräften gedachte, alle Mißhelligkeiten in Kauf, die aus dem Auftreten des Sowjetdelegierten im Londoner Nichtein- mifchungsausschuß sehr zum Schaden der Sache in ehr reichlichem Maße erwuchsen. Kein Wunder, daß den Sowjets bei einer so zartfühlenden Behandlung der Kamm schwoll und sie glaubten, auch Ür die schlimmsten Dreistigkeiten auf die Nachsicht ihrer wohlwollenden Gönner rechnen zu können. Es wäre ein nicht zu unterschätzender Erfolg, wenn man in Paris und London aus dem „Zwischenfall" von Ibiza, wie man den heimtückischen Angriff auf die „Deutschland" in der wohlabgewogenen Diplomatensprache überaus milde immer noch zu nennen pflegt, die Lehre ziehen würde, daß es mit dem Bolschewismus kein Paktieren geben kann und es zumindest grobe Fahrlässigkeit bedeutet, wenn man blind an der Fiktion festhält, eine Staatsform, die mit allen Mitteln auf die Vernichtung der europäischen Kultur hinarbeitet, um auf deren Trümmern ihre Alleinherrschaft zu errichten, sei ein politisches System wie jedes andere auch und dürfe also auch nicht von der internationalen Gemeinschaft ausge- chlossen werden. Solange sich die Erkenntnis nicht Bahn bricht, daß hier mit gleichem Maß messen wollen ein Verbrechen gegen das Leben Europas bedeutet, wird der Weltfrieden in Gefahr fein. Etwas davon spürt man ja jetzt offenbar in London, wo das Auswärtige Amt in Fühlung mit der ranzösifcheü Diplomatie bemüht ist, zu einem Uebereiiitommen über die Bürgschaften zu gelangen, die Deutschland, Italien und Portugal Kiel, 4. Juni. (DNB.) Auf dem Gautag Schleswig-Holstein der NSDAP, sprach Reichsleiter Alfred Rosenberg im Festsaal des Hauses der Arbeit vor dem Führerkorps der Partei und der Alten Garde. Er gab eine klare Abgrenzung der Begriffe Weltanschauung, Wissenschaft und Religion, durch deren Verquickung von den Gegnern ein Zustand zu schaffen versucht werde, der oft die Klarheit und Eindeutigkeit unseres politischen Kampfes verwischte. Der Redner wies im einzelnen die Vorwürfe zurück, die von den politisierenden Kirchen gegen den Kampf der Partei und die Gestaltung unseres politischen Daseins erhoben werden. Gegenüber den Angriffen auf die Sterilisationsgesetzgebung erklärte er, wir könnten in diesen Stunden der Entscheidung nicht danach fragen, was darüber zu anderen Zeiten gedacht worden sei, sondern wir könnten nur fragen: Stärkt diese Gesetzgebung das Dasein des deutschen Volkes oder nicht? Wir hätten die Pflicht, jene Grundsätze aufzustellen und jene Gesetze auszuführen, von denen wir zutiefst glaubten, daß sie geeignet seien, das ewige Leben unseres Volkes zu garantieren. Die gegnerischen Kräfte hätten bestimmte Ideale gepredigt, nach denen die Völker sie heute messen und über sie urteilen. Die politisierende Kirche habe das Ideal der Armut, das Ideal der Askese und Keuschheit und das Ideal der Nächsten- und Feindesliebe gepredigt. Die Tatsachen, die mir täglich erlebten, ständen im Gegensatz zu diesen Idealen. Auch die nationalsozialistische Bewegung habe be- ftimmte Werte, um die sich heute schon Millionen versammelt hätten. Drei Punkte sind es, die der Nationalsozialismus von Anfang an herausgestellt und gewahrt hat, die deutsche Ehre, die germanische Freiheit und die nationalsozialistische Volksgemeinschaft. Unter Freiheit verstehen wir — mit Fichte —nicht den Liberalismus der Französischen Revolution, sondern jene germanische Freiheit, die durch die härteste Gesetzmäßigkeit hindurchgegangen ist. Die nationalsozialistische Kameradschaft haben wir als das köstlichste Erlebnis unseres Kampfes heim- das Auftreten gemischter Schiffsverbände würde der internationale Charakter der Ueberwachungsaktion besonders hervorgehoben und jeder Uebergriff, den sich die Bolschewisten gegen ein Kontrollorgan zu schulden kommen ließen, würde noch deutlicher als bisher als ein Schlag gegen die Autorität sämtlicher im Londoner Nichteinmischungsausschuß oertretenen Nationen bloßgestellt sein, der eine internationale Ahndung fordern würde. Es sind im Augenblick die formulierten Vorschläge der englischen Regierung noch so wenig bekannt, wie die Antworten Deutschlands und Italiens. Nur so viel steht fest, daß die beiden von den Bolschewisten maßlos herausgeforderten Nationen ohne hinreichende Garantien gegen eine Wiederholung der Verbrechen von Ibiza und Palma sich nicht bereitfinden werden, an einer internationalen Aktion teilzunehmen, die keine internationale Solidarität gegen Piraten der Politik und Saboteure des Weltfriedens kennt. Fr. W. L. Von Bord des an der Flottenschau vor Helgoland teilnehmenden Dampfers „Roland" wurde, wie die NSK. ...... Auch Francos Gnadenakt nicht vor Verleumdungen sicher Richtigstellungen des Senders Salamanca. Bremerhaven, 5. Juni. (DNB.) Die Kriegsmarine veranstaltete am Freitag nahe Helgoland vor den Norwegen d ampfern der N S. - Gemeinschaft „K r a f t d u r ch Freude" und drei Seebäderdampfern aus Bremen, Hamburg und Wilhelmshaven eine Flotten schau. Vorbei war die vorzeitige Freude auf einen Tag lachender Sonne, als bei diesigem Wetter, grauschwarz verhangener Wolkendecke, leichtem Regen und steifem Südwest der Seebäderdampfer „Roland" am Morgen von der Columbuskaje in Bremerhaven mit 1000 „KdF."-Fa'hrern aus dem Gau Weser-Ems ablegte, um sich der „KdF."-Flotte in der Nähe von Helgoland zuzugesellen. Trotz des unfreundlichen Wetters herrschte bald frohe Stimmung an Bord. Lustige Weisen und Märsche klangen über das Schiff. Gegen Mittag passierte der „Roland" nacheinander die Seebäderdampfer „Glückauf" und „Cobra" sowie die fünf Norwegendampfer „Dceana", „Stuttgart", „Sierra Cordoba", „Monte Sarmiento" und „Der Deutsche". Nachdem Dampfer „Roland" die Spitze der „KdF."-Flotte übernommen hatte, setzten sich alle Schiffe in Fahrt, die dann querab von Helgoland gestoppt wurden. Alle erfaßte nun eine erwartungsvolle Spannung, die bald gelöst wurde durch die an Steuerbord der „KdF."-Flotte in Kiellinie sich nähernden ersten Einheiten der Kriegsmarine. Zuerst passierte Kreuzer „Nürnberg" mit dem Flottenchef und Befehlshaber der Aufklärungsstreitkräfte Vizeadmiral Boehm an Bord in langsamer Fuhrt die „KdF."-Schiffe. Ihm folgten Kreuzer „Karlsruhe" und Aviso „Grille". Die Besatzungen sind in Passieraufstellung an Deck angetreten. Musik klingt herüber. Es folgen eine Torpedobootseinheit aus drei Booten der „Ger- mania"-Klasie und fünf Flotten begleiter. Dann nähert sich das U-Bootmutterschiff „S a a r" an der Spitze der jungen U-Bootklasse. Hinter dem Mutterschiff „Saar" zieht die Flottille „Weddi- g e n" ihre Bahn, voran U 9, das als besonderes Kennzeichen ein Eisernes Kreuz am Turm trägt. Das Schauspiel der Vorbeifahrt, die sich kurze Zeit später an Backbord der „KdF."-Flotte in der gleichen Reihenfolge wiederholt, läßt die Herzen der „KdF."-Fahrer hoher schlagen. Jedesmal senken sich die Flaggen, und auf den „KdF."-Dampfern recken sich die Arme zum Gruß jedes vorübergleitenden Kriegsschiffes. Mittlerweile schwenken die Einheiten zur e r ft e n Gefechtsübung aus. Das Wetter hat sich aufgeklärt, und die Sonne blinzelt zeitweilig zwischen eilig ziehenden Sturmwolken hervor. Mit Interesse werden die einzelnen Gefechtsübungen verfolgt. Der Tender „Zep p" geht los: Ran an den Feind! Sofort durchbrechen Torpedoboote die Kiellinie der „KdF."-Flotte. Auch die U-Boote treten in die Gefechtsübung ein, indem einzelne in tauchendem Zustande versuchen, an den „Feind" heranzukommen. Die Kreuzer feuern aus allen Rohren. Besonderes Interesse löst der Einsatz der Marineluft st reitträfte aus. Um 17 Uhr sind die Uebungen beendet.. Die Flotte der „KdF."°Fahrer nimmt nun wieder ihre volle Fahrt auf. Die Seebäderdampfer streben ihren Heimathäfen zu, während die Norwegendampfer ihre Reife in die Fjorde mit den Urlaubern aus Berlin, Sachsen, Thüringen, Westfalen und Schlesien fortsetzen. Noch einmal herzliche Abschiedsgrüße. Besonders wird dem allen Seefahrerurlaubern bekannten Kapitän Petermüller vom „Deutschen" ein begeisterter Abschied zuteil. Im Chor rufen die „KdF."-Fahrer auf dem „Roland" immer wieder seinen Namen hinüber. Sirenengeheul kommt als Antwort. * getragen. Was in den 14 Jahren des Kämpfens für uns an Werten gesichert wurde, muß den kommenden Generationen überantwortet werden. Unsere Jugend muß diesen Werten praktisch nachleben. Das ist die harte Forderung, die wir an sie stellen müssen. Wenn jeder trotz seiner Schwächen und der verschiedenen Temperamente sich bemüht, diesen Werten zu dienen, werden wir alle am Schluß unseres Lebens mit Stolz sagen können: Mehr konnte kein Gott von uns verlangen! Reichsminister Dr. Frank auf dem mitteldeutschen Rechkswahrertag Magdeburg, 5. Juni. (DNB.) Hier begann der erste Mitteldeutsche Rechtswahrer- t a g. Nachmittags enthüllte der Gauführer den Eike-von-Repkow-Brunnen mit einer Ansprache, die sich mit der Persönlichkeit und dem Werk des „ersten Rechtswahrers seines Volkes", Eike von Repkow, und dem von ihm geschaffenen Rechtsbuch, dem Sachsenspiegel, befaßte. In der Stadthalle wies der Reichsrechtsführer, Reichsminister Dr. Frank, u. a. darauf hin, daß in all der Zeit, in der wir Deutsche in Idealismus lebten, sich andere Völker, die realistischer als wir dachten, an den materiellen Gütern der Erde bereicherten. Der Aufbruch unseres Volkes im Nationalsozialismus ist eine Revolution zum Nutzen aller anständigen Menschen der Welt. Gibt es angesichts der Leistungen, die Adolf Hitler in engster Kameradschaftsarbeit vollbrachte, in der Welt heute noch die Möglichkeit, die Anständigkeit der politischen Führung des deutschen Volkes durch Adolf Hitler anzuzweifeln? Die deutsche Lebensform von jetzt ab bis in alle Zeiten ist das Reich des Nationalsozialismus Adolf Hitlers. Die Einheit des deutschen Volkes muß auch das Fundament der Glaubensform in Deutschland sein. — Wir treten an nach dem Lebensgesetz unseres Volkes. So bauen wir uns auch unsere Wirtschaft auf auf dem unzerstörbaren Charakter unseres Volkes als eines Arbeitervolkes. Die Lehre vonZbLza. Das freche Attentat auf den Weltfrieden, als welches sich für jeden einsichtigen Menschen der Angriff bolschewistischer Bombenflieger auf das im Hafen von Ibiza vor Anker liegende, zu den Kontrollorganen des internationalen Ueberwachungs- ausschuffes gehörende Panzerschiff „Deutschland" darstellt, erfährt eine neue Beleuchtung durch die Nachricht der französischen Zeitschrift „Gringoire", die alle Einzelheiten der planmäßigen Vorbereitung des auf telegraphischen Befehl Moskaus durch sowjetrussische Flieger ausgeführten Angriffs mitzuteilen weiß. Sollte sich diese Darstellung bewahrheiten — und es ist nach allem Vor- angegangenen kaum ein Zweifel denkbar — so läge die Schuld Moskaus offen zutage, dessen intellektuelle Urheberschaft von vornherein feststand. Weil der Kreml sich in seiner Hilfsaktion für die bolschewistischen Genossen in Spanien durch die internationale Kontrolle zusehends eingeengt sah und damit die Aussicht auf einen Sieg der bolschewistischen Waffen immer geringer wird, griff er unbedenklich zur Waffe politischen Piratentums, um durch einen „Zwischenfall" einen allgemeinen Konflikt heraufzuführen und damit die gewünschte Atmosphäre für ein Weitertreiben der bolschewistischen Weltrevolution. Daß heute eine starke Front autoritärer Staaten die Welt vor dem bolschewistischen Chaos schützt, verdankt sie dem unermüdlichen Aufklärungsfeldzug des nationalsozialistischen Deutschlands. Die Bomben von Ibiza sollten diesen Damm sprengen und mit Hilfe des daraus erhofften europäischen Konflikts der roten Flut die Bahn frei machen. Der verbrecherische Anschlag des Bolschewismus auf den Weltfrieden ist einzig und allein an der überlegenen Haltung Deutschlands gescheitert, das mit ebenso großer Energie wie kluger Besonnenheit seine Gegenmaßnahmen getroffen hat. Deutschland hat von sich aus gehandelt, wie es die Ehre der Nation,- aber auch seine Verantwotung als Mitglied der europäischen Staatengemeinschaft erforderte,'und es hat damit allein den Frieden gerettet. Weder der Völkerbund, noch ein kollektiver Sicherheitspakt sind in Funktion getreten, um die Völker vor kriegerischen Verwicklungen zu bewahren. Auf die lahmen Methoden dieser „kollektiven" Politik, die auf freche Provokationen mit Untersuchungskommissionen zu antworten pflegte, hatten die bolschewistischen Brandstifter ja ihren tückischen Plan gebaut. Sie würden für weitere „Zwischenfälle" gesorgt haben, wenn Deuffchland, statt sich mit eigener Hand Genugtuung zu verschaffen, auf das Ingangsetzen der-schwerfälligen internationalen Maschinerie gewartet hätte. Die Vergeltungsaktion der deutschen Seestreitkräfte vor Almeria folgte der feigen Mordtat von Ibiza auf dem Fuße, wurde aber von vornherein begrenzt und hat deshalb wie ein reinigendes Gewitter das meiste zu einer deutlich spürbaren Entspannung beigetragen, während Verhandlungen internationaler Organe, wie beliebige Beispiele der letzten Jahrzehnte bewiesen haben, die Atmosphäre nicht hätten entgiften können, ja den Keim zu künftigen Konflikten genährt hätten. So ist durch das schnelle, unmißverständliche und in bestimmtem Rahmen erfolgte Handeln Deutschlands die bislang ernsteste Krisis aus dem spanischen Bürgerkrieg für den europäischen Frieden in Bahnen gelenkt worden, die bei ebenso besonnenem und verantwortungsbewußtem Handeln der andern an der spanischen Ueberwachung beteiligten Großmächte wohlbegründete Aussicht auf, eine Festigung der europäischen Zusammenarbeit bieten. Aber gerade wer von der gegenroärtig in London laufenden diplomatischen Aktion dies Ergebnis erhofft, kann sich nicht damit zufrieden geben, die Frage, wie es zu dieser Krisis kommen konnte, mit der Feststellung der eindeutigen Schuld Moskaus und feiner bolschewistischen Spießgesellen in Valencia zu beantworten. Wer das Echo sorgfältig beobachtet hat, das die Ereignisse in Spanien und die Einstellung der Großmächte zum spanischen Bürgerkrieg in dem weitaus größten Teil der britischen Presse sowohl wie im Parlament und in politischen Versammlungen aller Parteien gefunden haben, der wird auch nicht die indirekte Verantwortung übersehen können, die diejenigen englischen Journalisten, Parlamentarier und Politiker bei der Entstehung einer internationalen Atmosphäre auf sich geladen haben, die zu dem Versuch einer Brandstiftung, wie die Provokatton von Ibiza einer war, geradezu einlud. Nicht einmal das Neuterbüro oder Blätter wie die „Times" und der „Daily Telegraph" haben sich von dem üblen Feldzug gegen Deutschland und Italien ferngehalten, der von Verdrehung und Verdächtigung zu offener Verleumdung der beiden Staaten und ihrer Politik im Zusammenhang mit dem spanischen Bürgerkrieg schritt. Man braucht sich nur an Guernica und den brittschen Zerstörer „Hunter" zu erinnern, um zu wissen, was wir meinen. Konnte es angesichts dieses offenkundigen Uebelmollens maßgebender Kreise in England, deren Treiben das Foreign Office keineswegs als Störung der eigenen Politik empfand, wirklich überraschen, daß die Bolschewisten in Moskau und Valencia sich ermutigt fühlten, auch vor dem Aeußersten nicht zurückzuschrecken, um die so deutlich zur Schau getragenen Spannungen zu einem offenen Konflikt zu erweitern? Und hier muß auch die Wiedergutmachung ein- setzrn. Das Verbrechen von Ibiza soll roeniaftens bqs eine Gute haben, der internationalen Presse zur Lehre zu dienen, daß die Politik der Nichteinmischung, die sie zu verteidigen vorgab, wenn sie bei ihren stets als Lügen entlarvten Verdächtigungen Deutschlands mit giftigen Pfeilen auf den Weltfrieden schoß, ein erstes Gebot der Pflicht für ihre eigene Haltung sein muß, um für die Zukunft Spannungen zu vermeiden, die die roten Freibeuter Peseten. Bert Levy schrieb beim Verlassen spanischen Gebietes freiwillig und ohne Zutun dritter Personen folgenden Brief an General Franco: „Ich möchte die Gelegenheit benutzen, um Ihnen und allen, die zu unserer Freilassung beitrugen, zu danken. Ebenso danke ich für alle uns erwiesene Freundlichkeiten während unseres Aufenthaltes in Nationalspanien." Archie Williams hat nach der Freilassung an General Franco folgenden Brief gerichtet: „Ich weiß nicht, wie ich Ihnen danken soll und ich kann nickt beschreiben, wie die Nachricht meiner Freilassung mich bewegt hat. Ich weiß nicht, ob Sie das interessiert. Aber ich möchte feststellen, daß die Behandlung durch die nationale Zivilgarde in Tala- vera außerordentlich gut war. Noch heute gedenken wir untereinander oft der Freundlichkeit Des uns zugeteilten Unteroffiziers. Vom Major bis zum letzten Zivilgardisten haben wie die denkbar Salamanca, 5. Juni. (DNB. Funkspruch.) Angesichts der ungeheuerlichen Schmähungen, die sich ein großer Teil der marxistischen und kommunistischen Presse anläßlich der bedingungslosen Freilassung von 46 Gefangenen der „Internationalen Brigade" durch General Franco leistete, sieht sich der nationale Sender von Salamanca zu folgender Feststellung veranlaßt: Der Londoner „Daily H e r a I d" bedient sich für seine Tat- sachenverdrehung der angeblichen Aussage zweier durch den Gnadenakt freigelassener Gefangener, des Kanadiers Bert Levy und des Engländers Archie Williams. Beide erhielten während der Gefangenschaft neue Wäsche, neue Anzüge und je 500 Franken. Sie wohnten in Fuenterrabia in guten Hotels, hatten sogar Einzelzimmer und konnten soviel essen, wie sie mochten. Während ihres mehrmonatigen Aufenthaltes im sowjetspanischen Gebiet erhielten sie dagegen nicht mehr als je 80 WM Kampf gegen den Volkstod. beste Behandlung erfahren." — „Wieder", so schließt der Sender Salamanca, „erfuhr eine Lügenhetze ihre Abfuhr. Trotz der niederträchtigen Schmähungen hat General Franco neuerdings 15 ausländische Gefangene freige- lasfen." General Molas letzte Fahrt. Herzliche Anteilnahme des nationalen Spaniens. Burgos, 4. Juni. (DNB.) Die Trauerfeier für den tödlich verunglückten General Mola gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung. Die Särge verschwanden unter Kränzen und Blumen. Die beiden Flügeladjutanten des Generals. Offiziere der Armee und Vertreter bdr Falange und Requetes hielten die Ehrenwache. Staatschef General Franco, der die schlichte Legionäruniform und das militärische Verdienstkreuz trug, wurde überall von der Menge mit Hochrufen und erhobenem Arm begrüßt. Der in die spanischen Farben gehüllte Sarg General Molas, hinter dem sein Lelbpferd ging, wurde von vier Gespannen gezogen. Unter dem Trauergeleit befanden sich außer General Franco, der allein unmittelbar hinter dem Sarg herschritt, der deutsche Botschafter, General F a u p e l, eine Vertretung der italienischen Botschaft, der Chef des diplomatischen Kabinetts S a n g r o n i z, die Gouverneure mehrerer Provinzen, der Bürgermeister von Burgos sowie zwölf spanische Generale, darunter S a l i q u e t, der Nachfolger Molas, D a - vila,Cabanellas, Orgas, der Alkazar- Verteidiger Moscardo, ferner der E r z b i f ch o f von Burgos und der Erzbischof von Toledo Kardinal Goma. Der Trauerzug ging bis zur Kirche Vierva de Maria, wo General Franco den Vorbeimarsch der Ehrenkompanien des Heeres und der Freiwilligenverbände abnahm. Die riesige Anteilnahme der Bevölkerung, die Hochrufe auf Mola, die Arbeiter, die vor den Fabriken den Lei- chcnzug mit erhobenen Händen grüßten, waren Beweise für die yohe Wertschätzung, die der Verschiedene überall genoß. Die Ueberführung der Leiche n ach Pamplona führte durch flaggengeschmückte Dörfer und Städte, In Briviesca, in der Nähe des Unglücksortes, und in Vitoria, wo der $U0 am Nachmittag eintraf, fanden kurze Trauerfeiern am Sarge statt. In den späten Abendstunden fand in Pamplona die Beerdigung statt. Dichte Menschenmengen füllten die Straßen, tiefes Schweigen begleitete den Trauerzug. Alle Fahnen waren auf Halbmast gesetzt, die Häuser zeigten Flaggenschmuck. Der tote General wurde begleitet von den ältesten Generalen der spanischen Armee, vom Kardinalprimas und sämtlichen Behörden. Die Trauerrede hielt der Gründer der spanischen Fremdenlegion, General Millan A st r a y. Das Beileid des Führers. Berlin, 4. Juni. (DNB.) Der Führer und R e i ch s k a n z l e r hat an den Chef der spanischen Nationalregierung General Franco folgendes Beileidstelegramm gerichtet: An dem schweren Verlust, der das nationale Spanien durch den Tod des Generals Mola bettoffen hat, nimmt das deutsche Volk schmerzlichen Anteil. Ich bitte Sie, den Ausdruck meines aufrichtigen Beileids ent- gegenzunehmen. In der Geschichte des Befreiungskampfes Spaniens wird der Name des Generals Mola in Ehren weiterleben. Adolf Hitler, deutscher Reichskanzler. Oer Heichskriegsminister beim italienischen Heer. Interessante Gefechtsvorführungen. Besuch in der Reitschule. Rom, 5. Juni. (DNB.) Reichskriegsminister Generalfeldmarschall von Blomberg hat am Freitag- vormittaa in der Umgebung von Civita Vecchia einer Inständigen Gefechtsvorführuny mit scharfer Munition beigewohnt, zu der vier Bataillone Infanterie, vier leichte und vier schwere Artillerieabteilungen, ein Bataillon Schwarzhemden und ein Bataillon leichte Kampfwagen eingesetzt worden waren. Die Gefechtsoorführung, bei der die modernsten Waffen des italienischen Heeres Verwendung fanden, hat bei den deutschen Gästen weaen der Genauigkeit des Scharfschießens und wegen der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Waffen, die in allen Abschnitten der bewegten Kampf- Handlung überall zu beobachten war, den stärksten Eindruck gemacht. Der Generalfeldmarschall ließ sich während der einzelnen Gefechtsabschnitte mit lebhaftestem Interesse über die Entwicklung der Kampfhandlung und den Einsatz der verschiedenen Waffen berichten und besichtigte anschließend unter Führung von Unterstaatssekretär General Pari a n i, der die Gefechtsvorführung geleitet hatte, die neuen Geschütze, Maschinengewehre und Kampfwagen sowie das Telephon-, Radio- und Brücken- gerat, wie sie heute in der italienischen Armee gebräuchlich sind. Auch bei dieser Gelegenheit brachte der Reichskriegsminister seine lebhafte Anerkennung zum Ausdruck. Bei der Rückfahrt wurde Generalfeldmarschall von Blomberg überall aufs herzlichste begrüßt, so besonders i n C i v i t a V e c ch i a, wo die Spitzen der Partei und der Behörden den deutschen Ehrengast erwarteten, und wo eine nach Tausenden zählende, spalierbildende Menschenmenge dem General- feldmarschall eine überaus herzliche Begrüßung bereitet hatte. Nach der Besichtigung nahm Generalfeldmarschall von Blomberg in Begleitung von Es ist eine unbestrittene Tatsache, daß die Geburtenziffern des Jahres 1936 noch 15 Prozent unter jener Zahl liegen, die als Mindestzahl er- orderlich ist, um den heutigen B e st and des deutschen Volkes aufrechterhalten zu können. Das muß sich jeder vor Augen halten, der sich mit den Problemen der Bevölkerungspolitik auseinander- etzen will. Die unbestreitbar großen Erfolge der nationalsozialistischen Maßnahmen auf dem Gebiete der Bevölkerungspolitik haben also noch nicht dazu geführt, auch nur den Bestand unseres Volkes zu sichern. Darum muß der Kampf gegen den Volkstod mit aller Energie w e i t e r g e f u h r t werden, weil er letzten Endes der Existenzkampf unseres Volkes schlechthin ist. Damit sich ein Volk erhalten kann, müssen auf 1000 Einwohner jährlich etwa 20 Gebur- t e n kommen Während Deutschland diese Zahl nicht erreicht, liegen in Rußland, Polen und Bulgarien die entsprechenden Zahlen bei 33 und mehr. Das ind die am stärksten wachsenden Völker Europas. Über auch Italien, Spanien und Holland mit nicht ganz so hohen Zahlen sind wachsende Völker, denen außer Deutschland noch die nordischen Völker, Frankreich, Belgien und England gegenüberstehen, die ich auf absteigender Linie bewegen, also vom Volks- od bedroht sind. Der Anteil der Slawen an der Bevölkerung Europas betrug im Jahre 1810 34 vom Hundert, stieg bis 1930 auf 44 v. H. und wird im laufenden Jahre auf über 50 v. H. angestiegen sein. — Wird hier nicht im Schoß der Mütter ein Schick- salskampf ausgefochten, der in viel stärkerem Maße die Zukunft Europas gestaltet, als sie je durch kriegerische Auseinandersetzungen geformt werden könnte? Der Kampf gegen den Volkstod, gegen den Geburtenrückgang ist der Daseinskampf unseres Volkes, in dem es nur Sieg oder Untergang gibt. Welche gewaltige Aufgabe uns aber hier gestellt worden ist, möge die Tatsache erleuchten daß noch nie ein Volk, das vom Geburtenrückgang erfaßt worden war, wieder aufgestiegen ist. Den alten Völkern, die untergegangen ind, haben die rassen- und bevölkerungspolitischen Erkenntnisse gefehlt, die uns heute die Größe der Gefahr des Dolkstodes erst aufzeigen. Die Erkenntnis der Gefahr genügt aber nicht, um sie zu überwinden. Alle Maßnahmen des Staates auf bevölkerungspolitischem Gebiet müssen auf die Dauer nutzlos sein, wenn sich nicht die seelische Grundhaltung des Volkes vollkommen ändert wenn nicht der Wille zum Kinde, ja zu v i e- len Kindern die Ehe heiligt und segnet, so wie sie früher in der Kinderzahl gesegnet war. In dem Bekenntnis des Reichsbundes der Kinderreichen 1936 zu Nürnberg heißt es: „Wir rufen das Gewissen unseres Volkes für feine größte Not wach. Bevölkerungspolitik ist Angelegenheit aller Deutschen. Der Geburtenrückgang kann nicht durch Wohlfahrtsflege und Fürsorgemaßnahmen überwunden werden. Die Erhaltung der Art ist das Herzstück der nationalsozialistischen Staatspolitik und muß zur Gewisiensfrage für jeden Volksgenossen werden." Wenn der Reichsbund der Kinderreichen, der im vorigen Jahr in Köln seine erste Reichstagung abgehalten hat, in diesem Jahre in Frankfurt am Main in einer Großkundgebung vor das gesamte deutsche Volk tritt, will er in jedem Volksgenossen das Verständnis für die Ziele des Reichsbundes roecfep, will aufzeigen, daß Kinderreichtum der größte Reichtum eines Volkes überhaupt ist — wohlgemerkt nur der Reichtum an erbgefun- den, rassereinen Kindern — und wo die Kinderreichen Forderungen zu stellen haben, werMarschall Badoglio, Marschall de Bono und Marschall C a v i g l i a sowie zahlreicher hoher Offiziere, an der Spitze Unterstaatssekretär General P a r i a n i in Santa Marinella im Park des Ca- tello O d e s c a l ch i ein Frühstück ein. Nachmittags begab sich der Generalfeldmarschall auf das Gelände der berühmten italienischen Militärreitschule Tor di Quint o, wo interessante Vorführungen der italienischen Kavallerie und motorisierter Truppeneinheiten sowie eine farbenfrohe Schauvorführuna der libyschen Reiterei den hohen Stand der italienischen Reitkunst und die technische Ausbildung der motorisierten Truppen das besondere Interesse des Reichskriegsministers er- weckte, der die Besichtigung in Begleitung Mus- o l i n i s und der gesamten Generalität vorgenommen hat. Der Generalfeldmarschall, der sich am Samstag nach Neapel begibt, um den historischen Reiterfestspielen beizuwohnen, verbrachte den Freitagabend als Ehrengast des Offizierskorps im Garnisonkasino in Rom. Deutsch-italienische Kultur- beziehunaen Eine Unterredung mit Dr. Goebbels. Rom, 4. Juni. (DNB.) Die „Tribuna" veröffent- licht eine Unterredung des Reichspropaganda- Ministers Dr. Goebbels mit ihrem Vertreter. Dr. Goebbels erklärte u. a.: „Man kann wohl sagen, daß es kein kulturelles Gebiet gibt, auf dem nicht seit Jahrhunderten ein ständiger Austausch zwischen Deutschland und Italien stattgefunden hat; und nicht nur auf dem Gebiet her Baukunst, der Malerei, der Musik können wir diese Beziehungey durch die Namen der größten europäischen Künstler beweisen, sondern auch in der Literatur ist fast kein Jahrzehnt, in dem sich nicht klar offenbart, wie innig dies Band zwischen den beiden Völkern gewesen ist. Es ist also ohne weiteres klar, daß in einer Zeit, in der die politische Einstellung der beiden Völker wesensverwandte Züge aufweist, auch ihre geistigen und kulturellen Beziehungen sich notwendigerweise erweitern und vertiefen müssen. Sowohl die deutsche als auch die italienische Kunst wurzelt in der Volksseele und in der völkischen Tradition und stellt so eine Kraft im Kampf zur Otieberroerfung des Bolschewismus dar, des Bolschewismus, der zuvorderst auf seine Fahne schreibt, jede eigene Tradition eines Volkes zu vernichten. Wir Deutsche sind glücklich, aus den kulturellen und künstlerischen Werken des faschistischen Italiens die urwüchsigen Kräfte des italienischen Volkes schöpfen zu können und sind davon überzeugt, daß auch das italienische Volk aus den schöpferischen Werken des nationalsozialistischen Deutschland eine immer tiefere Erkenntnis der Kräfte, die unser Leben bestimmen, gewinnen kann. Deshalb hoffen wir, daß diese kulturelle Zusammenarbeit jedes der beiden Völker für ein immer innigeres Verständnis des anderen befreundeten Volkes, und zwar auch den diese Forderungen allein um des ewigen Lebens der Nation willen erhoben. Es gibt wohl keinen Deutschen, der zum Schutz des Vaterlandes und zur Sicherung unterer Freiheit und Unabhängigkeit, nicht zu jedem Opfer bereit wäre. Wäre es denn nicht ein Widerspruch in sich, wenn wir in der unerbittlichen Auseinandersetzung, dem Ge- burtentrieg, nicht gleichermaßen opferfähig sein wollten? Wir wollen wieder ein wachsendes Volk werden. Wir wollen nicht „vergreisen". Es gibt keine Zukunft ohne Jugend! Daß der Kinderreichtum in seinen letzten Auswirkungen auch Reichtum auf wirtschaftlichem Gebiet bedeutet, geht sehr deutlich aus einem Aufsatz des Leiters des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP., Dr. Walter Groß, in der Zeitschrift „Der Dierjahresplan" hervor, in dem er erklärt: „Die wirtschaftliche und soziale Bedeutung des Kindes für die Volkswirtschaft ist in den letzten Jahren zunehmend erkannt worden. Sie besteht darin, daß hier ein Personenkreis von vielen Millionen konsumiert, ohne gleichzeitig eine eigene Produktion absetzen zu müssen. Die Gruppe der Kinder stellt also einen sehr wesentlichen Faktor für die Größe des Absatzmarktes und damit für die Produktionsmöglichkeit der Gefamtwirtschaft dar. Wer sich diesen Zusammenhang einmal klar- gemacht hat, der versteht die ernsthafte Behauptung der Statistiker, die in der europäischen Arbeitslosigkeit zum guten Teil die direkte Folge des ununterbrochenen Geburtenrückganges erblickt haben." Es bedarf wohl keines weiteren Be- weises mehr, daß es keine Politik auf lange Sicht geben kann, deren Hauptaufgabe nicht zugleich der Kampf gegen den Dolkstod tft. G. B. Empfang der Ehrengäste des Veichsbnndes der Kinderreichen. Dom 5. bis 7. Juni findet in F r a n k f u r t a. M. das Reichstreffen des Reichsbundes der Kinderreichen statt, das feinen Höhepunkt findet in einer Kundgebung am Sonntagnachmittag mit einer Rede des Schirmherrn der Veranstaltung, Reichsmmister Dr. Goebbels. Den Auftakt bildete am Freitag ein Empfang der Ehrengäste des RDK., der Bundesleitung und der La-ndesleiter durch den Oberbürgermeister Staatsrat Dr. Krebs im Römer. Die Familie, so betonte er, sei heute wieder in den Mittelpunkt der Bettachtung gerückt. Die Pflege der erbgefunben und sittlich einwandfreien §antifie sei eine staatspolitische Aufgabe, der sich der nationalsozialistische Staat mit aller Kraft zugewandt habe. Reichsbundesleiter Stüwe dankte für den freundlichen Empfang. In Frankfiirt a. M. fei nach dem Weltkriege die erste Vereinigung der Kinderreichen gegründet worden. Von hier aus habe der Reichsbund feine Ausbreitung gefunden. Im Gegensatz zu früher gehe es jetzt nicht um die Sorge für den Einzelnen, sondern um d i e Sorge für das ganze Volk. Danach habe sich die Arbeit des Reichsbundes der Kinderreichen eingerichtet. Für die Ligue internationale pour la vie et la famille dankte General Lemercier (Belgien) für die herzliche Aufnahme in Frankfurt und teilte mit, daß die 10. Konferenz der Liga im August dieses Jahres in Paris und die 11. Konferenz in B e r - l i n stattfinden werde. Als weitere Vertreter der Internationalen Liga waren bei dem Empfang anwesend aus Italien Professor B r u g n i e r und Georgia Smogino, aus Oesterreich Dr. Hans V o l l h o f e r , aus England Ferd. M c Cann, aus Frankreich der Generalsekretär der Jnternatio- 1 nalen Liga Vieulle, aus Belgien Mr. Ballet. auf dem Gebiet des polttifchen Denkens und Handelns geistig oorbereite." Harte Strafe im Tarnowitzer Oeutschtumsprozeß. Kattowitz, 4.Juni. (DNB.) Das Tarnowitzer Bezirksgericht verkündete am Freitagnachmittag im Prozeß gegen d i e 26 j ugendlichen Deutschen aus Kattowitz, Tarnowitz und Umgegend, die unter der Anklage der Geheimbündelei standen, das Urteil. Wie im ersten Tarnowitzer Deutschtumsprozeß ' gegen zahlreiche Jugendliche im November vorigen Jahres, fällte auch diesmal das Gericht Überaus harte Strafen. Von den 26 Angeklagten wurde ein einziger freigefpro- chen, während alle übrigen, darunter 15 minderjährige Knaben und Mädchen, für schuldig befunden wurden. Sechs Angeklagte erhielten je ein Jahr Gefängnis, acht weitere Angeklagte Gefängnisstrafen von zwei Monaten bis zu einem halben Jahre, elf Angeklagte, die das 17. Lebensjahr noch nicht überschritten haben, wurden zur Unterbringung in eine Erziehungsan st alt verurteilt. Sieben Jungen und Mädchen wurde auf diese Strafen eine dreijährige Bewährungsfrist zugebilligt. Während dieser Zeit sollen sie jedoch unter Vormundschaft gestellt werden. Nur zwei zu Gefängnissen verurteilte Angeklagte erhielten eine vierjährige Bewährungsfrist. In der Urteilsbegründung führte das Gericht aus, daß die Schuld der Angeklagten durch Zeugenaussagen und schrifiliches Beweismaterial einwandfrei festgestellt worden sei. Zwar haften die Beschuldigten behördlich anerkannten deutschen Wandervereinen angehört, nie Gliederung der beiden in Frage kommenden Vereine in Gruppen und Untergruppen, die sich au mehrere Kreise erstreckt habe, sei jedoch vor den Behörden geheimgehalten worden. Ebenso stehe fest, so heißt es in der Urteilsbegründung weiter, daß in den Vereinen politische Erziehungsarbeit geleistet wurde, was man den polnischen Behörden gleichfalls verschwiegen habe. Das Gericht vertrat ferner den Standpunkt, daß sich alle Angeklagten dieser Tatsache bewußt gewesen seien, so daß ihre Bestrafung erfolgen mußte. Die Strafbemessung sei unter Berücksichtigung des Alters und der Tätigkeit des einzelnen Angeklagten innerhalb der Vereine erfolgt. Zum Schluß stellte der Staatsanwalt den Antrag au sofortige Verhaftung der sechs zu je einem Jahr Gefängnis verurteilten Angeklagten. Dieser Antrag lehnte das Gericht jedoch ab. Die Deutschen Südwestafnkas wollen gehört werden. Kapstadt, 4. Juni. (DNB.) In Südwestafrika herrscht unter der deutschen Bevölkerung große Beunruhigung darüber, daß sich die Mandatskommission des Völkerbundes auf ihrer Junitagung mit dem B e richt der Mandats« regierung über Südwestafrika befassen wird, ohne in den Besitz einer Eingabe gelangt zu sein, die namens der deutschen Bevölkerung der Unionsregierung zur Weiterleitung an die Mandatskommission eingereicht wurde. In deutschen Kreisen glaubt man ein selbstverständliches Recht darauf zu haben, von der Mandatskommission gehört zu werden. Wenn aus formalen Gründen die Unionsregierung die Eingabe nicht rechtzeitig nach Genf weitergeleitet hat, so glaubt man in Südwestafrika, daß es wenigstens ihre Pflicht wäre, der Mandatskommission davon Kenntnis zu geben, daß eine solche Eingabe v o r l i e g t. Hier irrt Leon Blum Frankreich jubiliert, will sagen, es jubiliert nicht in dem eigentlichen Sinne, sondern es feiert nur ein Jubiläum, und zwar ein sehr kurzfristiges Jubiläum. Am 4. Juni war es ein Jahr, daß die Volksfront und mit ihr die Regierung L6on Blum zur Macht kam. Wir erinnern nur kurz und im Vorbeigehen daran, daß die Idee der Volksfront eine Erfindung Dimitrows auf dem 7. kommunistischen Weltkongreß in Moskau gewesen ist. Das Ziel ist: Kommunisten, Sozialdemokraten, freisinnige Bürgerliche, die sich in Frankreich Radi- kalfozialisten nennen und noch sehr stark sind, und möglichst auch Katholiken zu einer politischen Kampfgemeinschaft Husammenzubringen — mit dem Hintergedanken, daß in einem solchen Verbände d i e kommuni st ische Partei mit ihrem Radikalismus und ihrer Geschlossenheit und ihrer starken Berücksichtigung der außerparlamentarischen Machtfaktoren die Führung an sich reiht. Diese Volksfront feiert also jetzt in Frankreich ihr Jubiläum des einjährigen Bestandes. L6on Blum hat dazu wenig Positives zu sagen gewußt und das Positive, das er erwähnte, waren Uebertreibungen, die einem philosophischen Geist, wie ihn L6on Blum außerhalb des Ministerpräsidiums repräsentieren will, nicht wohl anstehen. Er hat die sozialen Fortschritte feirtes Regimes gelobt und behauptet, daß außer Amerika kein Land etwas Aehnliches aufzuweisen habe. Hier irrt L6on Blum! Frankreich hat in jähen Sprüngen und sehr gewaltsam den sozialen Vorsprung einzuholen versucht, den Deutschland seit der Bismarckschen Sozialpolitik bereits gewonnen hatte. Tarifverträge sind in Deutschland eine Alltagsangelegen- hrit, in Frankreich waren sie eine kühne Neuerung. Auch unter dem Regime Blum bat Frankreich der deutschen Sozialversicherung einschließlich der Ar- beitslosen-Versicherung kein Gegenstück entgegen- zusetzen. Solche Dinge wie eine Sozialversicherung lassen sich eben nicht mit Sitzstreiks und Massen- demonstrationen organisieren. Der französische Ministerpräsident hat sich ferner entschuldigt mit der Erbschaft, die er übernehmen mußte und sich damit gleichzeitig nach dem Sprichwort angeklagt, weil nicht alle Blütenträume reiften. Frankreich hat au dem Aufschwung der Weltwirtschaft keinen Anteil und dafür hat es gegen die Versprechungen der Volksfrontregierung eine scharfe Währungsabwertung hinter sich und erhebliche Zoll- erhöhungen vor sich. D. Erweiterter Aufbau her RG -Gtudentenkampfbilse Berlin, 4. Juni. (DNB.) Reichsstudentenführer Dr. Scheel rief die führenden Männer der waffen st udentischen Altherrenzusam- m e n s ch l ü s s e nach Berlin, um mit ihnen die praktischen Folgerungen der Einigung der deutschen Altakademiker in der NS.-Stuoentenkampf- Hilfe zu besprechen. In der Sitzung vertraten u. a. Studienrat Dr. Dolle den Verband Alter Burschenschaftler, Oberbürgermeister i. R. Dr. Klinge den Verband „Die Alte Burschenschaft", Dr. Lindemann den Verband Alter Landsmannschafter, Landesbauernrat i. R. Blumenthal den Weinheimer Altherrenoerband, Studienrat Dr. Pfeifer den Verband Alter Tumerschafter und Dr. Hofmann den Alteherrenbund des ATB. Nachdem der Reichsstudentenführer die hochschulpolitische Entwicklung der letzten Wochen behandelt hatte, sprach Reichsamtsleiter Hederich über den Aufbau der NS.-Studentenkampfhilfe, der auf Grund der letzten Ereignisse noch erweitert werden muß. Dem Leiter der Studentenkampfhilfe soll in Zukunft ein aus zehn Männern bestehender Führungskreis unmittelbar unterstellt werden. Weiter werden fünf Arbeitskreise gebildet, und zwar -für Finanzfragen, für Leibesertüchtigung, für Geschichte, Brauchtum und Tradition, für Außenarbeit und für Pressewesen. In diese Ausschüsse sollen auf Vorschlag der Altherrenoerbände Persönlichkeiten berufen werden, die sich auf den betreffenden Gebieten innerhalb ihrer Verbände früher verdient gemacht haben. Ferner machte Reichsamtsleiter Hederich nähere Angaben über Ehren- und Disziplinarordnung der NS.-Studentenkampshilfe, für die bisher nur der Grundsatz der unbedingten Genugtuung als selbstverständliche Voraussetzung feststand. Obgleich die studentische Ehrenordnung das Pistolenduell nicht kennt, soll den in der Stüdentenkampfhilfe zusammengeschlossenen Alt- akodemikern aus näherliegenden Gründen die Möglichkeit zum Austrag einer Ehrenangelegenheit m i t der Schußwaffe gegeben werden. Neben dem Ehrenrat des NSD.-Studentenbundes wird ein Ehrenrat der NS. -Studentenkampf- Hilfe errichtet werden, die beide der letzten Instanz eines Obersten Ehrenrates des deutschen Aka- demikertums unterstehen sollen. Im Verlaus der Sitzung gaben sämtliche anwesenden Vertreter der waffenstudentischen Altherrenverbände einmütig die Erklärung ab, daß sie n u n- mehr alle Diskussionen über das Waffen- ftubententum als erledigt betrachten. Geschloffen bekannten sich die Vertreter der waffenstudentischen Verbände zu einer engen Zusammenarbeit der einzelnen Verbände mit der Studentenkampf- bilfe und der Reichsstudentenführung und sprachen Dr. Scheel und feinen Mitarbeitern ihr festes Vertrauen aus. Sie erklärten ausdrücklich ihre Zustimmung zu dem Aufbau und dem Arbeitsplan der NS.-Studentenhilfe sowie zu den Grundsätzen, die das Leben der studentischen Kameradschaften bestimmen. Aehnliche Erklärungen hgtte der Reichsstudentenführer bereits von Präsident Dr. Schlange für den Verband Alter Corpsstudenten und von Justizrat Brauns für den Sondershäuser Verband entgegennehmen können, und ebenso vorher non Dr Wotschke für den Kyffhäuf"r-Derband der Vereine Deutscher Studenten und M. Voigt für den Ehrenbreitsteiner Vertteterkonoent. hsumannsLZIZLW -•«SSSi öet3tlopV>n 30n khÄ-**y wstgEelt Ln auf veranstalten, wie bereits gemeldet, zum 300. Ge- kann. Das Schiff ist noch recht neu; es ist erst im burtstage des großen Lübecker Oraanisten Dietrick »?»m Stapel gelaufen und führt acht S uxtkh ule <34. 6 'staSTÄrfbat Deutsche Buxtehude-Fe st. Sie ehren damit das Andenken eines bedeutenden Musikers des norddeutschen Barocks. Buxtehude wurde als Sohn einer Dänin und eines deutschen Organisten, dessen Ahnen aus dem bei Hamburg gelegenen Städtchen Buxtehude stammen, 1637 in der damals dänischen Stadt Hälsingborg geboren. Seine deutsche Wesensseite konnte sich entfalten, als er mit 23 Jahren als Organist an der deutschen Kirche in Helsingör in Beziehung zum Deutschtum trat. 1668 erwarb er das Lübecker Bürgerrecht und wurde Organist an der Marienkirche. Als Organist und als Komponist fand er Anerkennung und Bewunderung seiner Zeitgenossen und wurde zum Begründer des kirchenmusikalischen Ruhmes der Hansestadt. 1707 starb er 70jährig in Lübeck. Wie die Reichsmusikkammer im Bach-Händel-Schütz-Jahr 1935 sich für die Werke dieser drei großen Meister einsetzte, so nimmt sie in diesem Jubiläumsjahr Gelegenheit, gemeinsam mit Lübeck die deutsche Oeffentlichkeit auf das Werk Buxtehudes hinzuweisen. 15,5 cm-Geschütze, vier 7,5 cm= und sechs 3,7 cm» Geschütze — die letzteren beiden Kategorien zur Aus aller Welt. Starker Auslandsbefuch der Reichsausstellung „Schaffendes Volk". Bauerntechnik — Bauernarbeit Ein Kernpunkt der Münchener Reichsnährstandsschau. Don unserem Sonderberichterstatter Zrithjos Melzer. Flugabwehr — sowie zwei Torpedorohre, Einrichtungen für Bordflugzeuge und eine Anzahl Ma- chinengewehre mit sich. Die „Jeanne d'Arc" erdichte bei ihrer Probefahrt mit 39 000 Pferdekräften eine Geschwindigkeit von 27,8 Seemeilen eine Seemeile — 1,85 km), während die schnellten kleinen Kreuzer Frankreichs ihre Maschinen- eistung fast um das Dreifache steigern mußten, um ünf bis sechs Seemeilen mehr heraus^uholen und eine Geschwindigkeit von 33 bis 34 Seemeilen zu erreichen! Der britische Schulkreuzer „Frobisher" ist erst päter Kadettenschiff geworden und gehört in die Kategorie der 10 000-To.-Kreuzer, also der sogen, chweren Kreuzer. Auch hier ist eine marinegeschichtliche Erinnerung recht interessant. Der Kreuzer „Frobisher" gehört eigentlich zum Typ der „Haw- kins"-Klasse, die aber ursprünglich nur 19 cm-Ge- schütze führte, während der „Frobisher" 20,3 cm- (peumanns (p2r3=4pilfe unterstützt und regelt die klrdeitskrast Ohres Herzens. Hsumonns Herz.Hilfe ist unschädlich und aus rein pflanzlichen Heilstossen zusammengesetzt. »Zu Haden in den Apotheken für R2R. 2.50 die Packung. Sie reicht cq. 1 Monat. Es gibt kein Gebiet aus dem weiten Bereich des Landlebens, das auf der Reichsnährstands-Ausstellung in München nicht berücksichtigt wäre. Wie der Reichsnährstand alles betreut, was zum täglichen Leben und zu den Feierstunden des Landvolks gehört, so spiegelt sich alles auch auf dieser Ausstellung wider. Doch die besondere Betonung liegt auf der wirtschaftlichen Seite, liegt in der Bereitstellung des Handwerkszeugs für die Pflichterfüllung im Bierjahresplan. Dabei stehen Pflanzenzucht und Tierzucht, Organisationsfragen und Technik nebeneinander. Doch die größte Bedeutung hat in diesem Augenblick zweifellos die Bauerntechnik und im engen Zusammenhang damit die zweckmäßige Gestaltung Der Bauernarbeit. Hätten wir ein unerschöpfliches Menschenreservoir, so wäre die Erzeugungssteigerung kein so schwieriges Problem. Wir müssen aber die Aufgabe bewältigen, die Mehrerzeugung ohne wesentliche Vermehrung des menschlichen Arbeitsaufwandes zu schaffen. Dabei ist auch der Tatsache Rechnung zu tragen, daß die größten Leistungsreserven bei den mittleren und kleineren Bauernbetrieben liegen, die bisher der technischen Erschließung aus verschiedenen Gründen bis zu einem gewissen Grade unzugänglich waren. Nach dem Eindruck der Münchener Ausstellung kann der deutschen Industrie und der Wissenschaft das Zeugnis ausgestellt werden, daß sie es erfolgreich verstanden haben, ganz allgemein arbeitsparende Maschinen und Geräte zu entwickeln und vor allem Landmaschinen, die auch in kleinen Verhältnissen sich bewähren. Eine besondere Betonung findet eine Form der Arbeitsteilung, wie sie bisher im bäuerlichen Rahmen bei uns kaum üblich gewesen ist. Hatte man sich früher schon darum bemüht, einzelne Maschinen genossenschaftlich zu nutzen, gab es auch Lohnunternehmungen, die sich etwa in der Moorkultur bewährt haben, so wird jetzt die gemeinschaftliche Maschinennutzung und die Uebernahme bestimmter neuzeitlicher' Arbeitsvorgänge durch Fachbetriebe systematisch gefördert. Damit erwächst auf dem Lande ein neuer Mittelstand, der den Bauernwirtschaften Arbeiten abnimmt, die sich für den einzelnen nicht lohnen würden, und die volkswirtschaftlich zur zweckmäßigen Verwertung örtlicher Ueberschüsse besonders nützlich sind. Ein Beispiel dafür ist die Grünfuttertrocknung. Solche Anlagen könnte sich nur ein Großbetrieb leisten. Was an Grünfutter nicht alsbald verwertet werden kann, läßt sich für den eigenen Wirtschaftsbedarf in Silos konservieren. Aber die Silomasse ist eben nur in dem eigenen Betrieb verwendbar; niemand wird sich also mehr hinlegen, als er mit Nutzen für fein Vieh braucht. Das ist ein wesentlicher Grund für den heutigen Zustand, wo außerordentlich große Werte, vor allem bei den Rübenblättern, verloren gehen, weil es für diesen Ueberschuß keinen Absatz gibt. Ein Lohn- unternehmen, das für einen größeren Bereich die Verwertung übernimmt, kann mit der Trocknung ein wertvolles Kraftfutter Herstellen, das beliebig Geschütze führt. Dieser Unterschied bedeutet aber im Geschoß-Gewicht eine Zunahme von 90 auf 100 Kilogramm! „Frobisher", der als ein wohlgelungener Bau anzusprechen ist, wird nur bis zum Sommer 1937 als Schulschiff Dienst tun und dann durch ein Schwesterschiff ersetzt werden. D. Kunst und Wissenschaft. Hauptversammlung der Kaiser-Dilhelm-Gesellschafl. Die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften wird auf Einladung der Stadt Köln dort ihre diesjährige Hauptversammlung am 21. und 22. Juni abhalten. Die Gesellschaft, die im vorigen Jahre ihr 25jähriges Jubiläum feiern konnte, unterhält zur Zeit 32 Forschungsinstitute im In- und Ausland. Auf der Tagesordnung steht u. a. der Jahresbericht des Präsidenten Professor Dr. H. Spatz wird über „Wege der Hirnforschung im Wandel der Zeiten" und Prof. Dr. A. Kühn über „Die Auswirkung von Erbanlagen" sprechen. Feierliche Aufstellung einer Vruckuer-Vüsie in der Walhalla. Am kommenden Sonntag erfolgt auf Veranlassung des Führers im Rahmen eines feierlichen Staatsaktes in der Walhalla bei Regensburg die Aufstellung der Büste Anton Bruckners. Die Walhalla wurde von König Ludwig I. von Bayern 1830 bis 1841 erbaut. Nach dem Willen ihres Schöpfers soll sie zur Aufnahme der Büsten hervorragender deutscher Männer dienen. Zu dem Staatsakt werden führende Männer aus Partei und Staat, Wehrmacht und Behörden sowie zahlreiche Mitglieder der Internationalen Bruckner-Gesellschaft erwartet. Eine Reihe von Festkonzerten wird die Feier umrahmen, bei denen die unsterblichen Werke Anton Bruckners erklingen werden. Am Montag hält die Internationale Bruckner-Gesellschaft eine Festsitzung ab, bei der der Präsident der Reichsmusikkammer, Dr. Peter Raabe und der Präsident der Internationalen Bruckner-Gesellschaft, Prof. Max Auer- Wien sprechen werden. Deutsches Vuxlehude-Fesi in Lübeck. Die Reichsmusikkammer und die Stadt Lübeck müssen auch wissen, wann die Reparatur nicht mehr behelfsmäßig auf dem Hof vorgenommen werden kann. Damit sind wir wieder bei der dörflichen Arbeitsteilung angelangt. Ist von dem Einsatz der Technik der Erfolg der Erzeugungsschlacht und die Sicheruna der Nahrungsfreiheih abhängig, so muß auf dem Lande auch ein bodenständi - g e 5 Handwerk Aur Verfügung stehen, das den Bauern die Instandhaltung und rechtzeitige Ueber- holung der Maschinen gewährleistet. Wir befinden uns also in einem Abschnitt der Agrargeschichte, in dem die Vorteile der Arbeitsteilung und die Ausnutzung der technischen Möglichkeiten, die für die Industrie seit Jahrzehnten selbstverständlich sind, auch ihren stürmischen Einzug auf dem Lande halten. Es ist freilich nicht daran zu denken, industrielle Erfahrungen schematisch auf das Land zu übertragen. Die natürlichen Voraussetzungen des Wachstums von Pflanze und Tier lassen stch nur bis zu einem gewissen Grade beeinflussen. Landtechnik hat also in der Praxis ein ganz anderes Gesicht als Jndustrietechnik und doch kommt es darauf an, nun auch in der landwirtschaftlichen Erzeugung den Schritt aus dem 19. in das 20. Jahrhundert zu hin, in das Zeitalter der Technik. Es ist nicht die Schuld der breiten Bauernmassen, daß die deutsche Landwirtschaft in ihrem Leistungstempo den Gleichschritt mit der Industrie verloren hatte. Erst eine in volkswirtschaftlicher Verantwortung gebundene Agrarpolitik hat den Weg zur vollen Ausnutzung der Technik frei gemacht. Das Ziel dieser Befreiung von Bauerntechnik und Bauernarbeit hat der Reichsbauernführer bei der Eröffnung der Ausstellung gekennzeichnet: Deutschland wird in wenigen Jahren über die modernsten mittel- und kleinbäuerlichen Betriebe der Welt verfügen. schen Besucher fanden die neuen Werkstoffe in ihrer vielfältigen Anwendungsform und der gediegenen Schönheit der Ausführung; vor allem die neuen Textilstoffe fanden allgemeine Bewunderung. Besonderrs die Inderinnen interessierten sich für die bunten Stoffe der Textilschau und erkundigten sich lebhaft, wo diese neuartigen Stoffe zu kaufen feien. Zu dem starken Eindruck trugen nicht wenig die ge- walttge Gartenschau im Schmucke der Millionen Blumen und die abendlichen Lichtwunder am Rhein bei. Cin Hochverräter und ein Landesverräter hingerichtet. Der wegen Verbrechens auf Grund des § 83 StGB. Mm Tode Verurteilte Helmuth Hirsch ist hin- gerichtet worden. Hirsch ist hn Auftrage hochverräterischer Kreise des Auslandes nach Deutschland eingereist, um hier Sprengstoffverbrechen durchzuführen. Die beiden im Auslande hergestellten Höl- lenmaschinen, die er benutzten wollte, konnten sicher- gestellt werden. — Ferner ist der vom Volksgerichtshof wegen Landesverrates zum Tode und dauerndem Ehrverlust verurteilte 20jährige Oskar Denner aus Villingen hingerichtet worden. Dampfer „Oliva" in Manila. Der auf hoher See in Brand geratene deutsche Frachtdampfer „Oliva" liegt jetzt in Manila vor Anker. Die Hafenfeuerwehr ist an Bord, sie glaubt jedoch, daß das Feuer in sich selbst ausbrennen müsse. Kapitän M e i n h o l d berichtete über den Heldenmut des wachthabenden Seemannes Genth e r, der infolge seiner Brandwunden auf hoher See ftarb. Genther habe ungeachtet des sicheren Flammentodes feine Kameraden alarmiert und dadurch größere Verluste an Menschenleben verhütet. Rlodellschiff-Flotte auf dem Rhein. Seit einigen Tagen hat die kleinste Flotte Deutschlands auf ihrer Westmarkreise auch den Rhein erreicht. Es handelt sich bei dieser Flotte um naturgetreue und maßstabgerechte Nachbildungen unserer bekanntesten Kriegs- und Handelsschiffe, die geeignet sind, besonders unserer Heranwachsenden Jugend in anschaulicher Weise ein Bild der großen Schiffe, die die Weltmeere befahren und Deutschlands Ansehen im Auslande sichern, zu vermitteln. Die Flotte wird vom Oberrhein kommend in Bingerbrück landen und dann in Oberwesel, in St. Goar, in Koblenz, in Neuwied und in Remagen zu besichtigen sein. Der dänische Minister des Aeußern, Munch, traf, von Genf kommend, in Berlin ein. Zu feiner Begrüßung hatten sich der Chef des Protokolls, Gesandter v. Bülow-Schwante, und der dänische Gesandte Zahle auf dem Bahnhof eingefunden. Aus sicherer Quelle wird gemeldet, daß Marschall Tuchatschewski vor fünf Tagen verhaftet worden sei. Die Verhaftung wird in Moskau geheimgehalten. Auf dem englischen Goldmarkt kam es am Freitag zu einem Rekordangebot an Gold in Höhe von 4,2 Millionen Pfund. In Börsenkreisen vermutet man, daß ein großer Teil dieses Goldes noch s p a n i f ch e s Gold ist, das über Sowjetrußland auf den Markt geworfen wird. Der Preis des Goldes sank dabei um vier Pence je Unze auf 140 sh 5 d. Der Hauptkäufer war der englische Währungsausgleichsfonds. * Prinzessin Mafalda von Hessen, die Gattin des Oberpräsidenten von Hessen-Nassau, ist in Rom von einem Sohn entbunden worden. Prinzessin Mafalda von Hessen ist die zweite Tochter des italienischen Königspaares. Aus ihrer 1925 geschlossenen Ehe mit dem Prinzen Philipp sind bisher zwei Söhne, die Prinzen Moritz und Heinrich hervorgegangen. Das Programm der Relchskhealerfestwoche. Das endgültige Programm der Reichstheaterfestwoche (13. bis 20. Juni 1937) sieht u. a. folgende Veranstaltungen vor: In Köln Eröffnung der Theaterausstellung im Theaterwissenschaftlichen Institut der Universität. Ansprache des Präsidenten der Reichstheaterkammer, Ministerialrat Dr. Schlösser. In Düsseldorf große Kundgebung der Reichstheaterkammer; Ansprache des Präsidenten der Reichskulturkammer, Reichsminister Dr. G o e b- b e I 5. In beiden Städten finden Festvorstellungen statt, desgleichen in Bochum, Duisburg, Essen und Worms („Die Nibelungen" von Hebbel). Wetterbericht des Retchswetkerdiensles. Ausgabeort Frankfurt Während sich in den nördlichen und östlichen Teilen des Reiches noch die letzten Auswirkungen der Störungsfront mit starker Bewölkung und teilweise auch leichtem Regen bemerkbar machen, konnte sich im Westen und Süden rasch wieder der Schönwettercharakter Herstellen. Er wird vorerst auch ohne nennenswerte Störungen erhalten bleiben und mit neuer Wärmezunahme verbunden sein. Aussichten für Sonntag: Heiter bis wolkig, trocken, tagsüber leichte Wärme, schwache Luftbewegung. Aussichten für Montag: Im wesentlichen Fortdauer der Wärme und vielfach heiteres Wetter. Lufttemperaturen am 4. Juni: mittags 23 Grad Celsius, abends 16,7 Grad; am 5. Juni: morgens 16 Grad. Maximum 23 Grad, Minimum heute nacht 10,5 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 4. Juni: abends 21,5 Grad; am 5. Juni: morgens 17,5 Grad. Sonnenscheindauer 4,6 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum- schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen- leiter: Hans Beck Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. V. 37: 9326. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr Emzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. handelsfähig ist und in jenen Gebieten willkommen fein wird, wo die eigene Grünfuttererzeugung nicht ausreickt. Das ist nur ein Beispiel für die notwendigen Auswirkungen der neuen Agrarpolitik, das mit dem Zwischenfruchtbau besondere Bedeutung hat. Nicht minder wichtig sind die vielen Neuerungen für den praktischen Gebrauch in jedem einzelnen Bauernbetrieb. Doch der technische Einsatz setzt voraus, daß der Bauer auch mit dem Gerät Umzug e h e n versteht, daß auch der Landarbeiter den vielseitigen Anforderungen der modernen Technik gewachsen ist. Die Landarbeit ist heute als gelernte Arbeit anerkannt. Der Reicksnähr- stand hat eine geregelte Lehre ein geführt, der sich künftig jeder Jungbauer und jeder Landarbeiter unterziehen wird, der nicht hinter dem Durchschnitt Zurückbleiben will. An diefe allgemeine Landarbeitslehre schließen sich dann noch besondere Ausbildungen für Spezialarbeiter an, während für die Arbeiten in den Spezialkulturen ein besonderer Ausbildungsgang vorgesehen ist. Gerade im Zusammenhang mit der Technik ist die Landarbeitsaus- bivdung wichttg. Die Pflege und Wartung der Landmaschinen setzt umfangreiche Kenntnisse des Materials voraus. Nur bei sorgfältiger Behandlung wird die Maschine jederzeit arbeitsfähig sein und die normale Lebensdauer haben, bei der sich das Gerät erst bezahlt macht. Der Bauer und der Landarbeiter Ab 12. Juni werden die Reststrecken der 100 Kilometer langen Reicksautobahn Königsberg — Elbing für den öffentlichen Verkehr freigegeben. Die Vollendung dieses Werkes wird eine größere Beschleunigung des Fernverkehrs zwischen Ostpreußen und dem übrigen Reichsgebiet ermöglichen. ♦ Nach einem Telegramm aus Sydney sind unter den Deutschen durch den Vulkanausbruch auf einer zum früheren Bismarck-Archipel ge- Jiörenben Insel keine Opfer zu beklagen. Alle Deut- chen sind wohlauf und — soweit sie ihre gefährdeten Wohnstätten verlassen mußten — durch die amtlichen Hilfsmaßnahmen mitversorgt. ZweineueGiitlichkeitsprozeffe in Koblenz. Koblenz, 4. Juni. (DNB.) Vor der III. Großen Strafkammer des Landgerichts Koblenz hatten sich am Freitag der 34 Jahre alte ehemalige Franzis- fanerbrüt)er Böcken, genannt Bruder Arcadius, und der 31jährige Barmherzige Bruder Ernst Endres, genannt Bruder Kajetan, wegen widernatürlicher Unzucht zu verantworten. Der eine, der als unbescholtener, streng religiös erzogener Junge ins Kloster eintrat und sich auch nach seiner Klosterzeit einwandfrei geführt hatte, legte ein aufrichtiges Geständnis ab und zeigte den ernsten Willen zur Besserung, den er auch durch sein Ausscheiden aus dem Kloster bekundet hatte. Der zweite dagegen leugnete hartnäckig und gab schließlich nur das zu, was ihm schlagend und unwiderleglich bewiesen werden konnte. Besonders erschütternd rft die Erklärung des Angeklagten Bruders Arcadius, er fyabe seine Oberen wiederholt gebeten, ihn von den Kranken wegzunehmen. Schriftlich und mündlich habe er die wahren Gründe für feine Bitte angegeben, jedoch lediglich die Antwort erhalten, er solle zufehen , w i e er fertig werde (!). Jeder würde ja von Versuchern geplagt. Daß durch diese unverantwortliche Auffassung der Klosteroberen die Seuche der sittlichen Verbrechen immer weiter um sich greifen konnte, ist unter diesen Umständen allerdings fein Wunder. Nachdem Bruder Arcadius unermeßliches Unheil angerichtet hatte, bekam der Angeklagte zu Weihnachten 1931 aus Waldbreitbach dann schließlich die Mitteilung, daß er zu den Ewigen Ge- lüvden nicht zugelassen werden könne und trat aus dem Kloster aus. In feinem Plädoyer betonte der Staatsan- rv a l t, der Angeklagte habe sich vollständig den im Kloster herrschenden Gepflogenheiten angepaßt. Bemerkenswert sei nur der Werdegang des Angeklagten, der sich vor seiner Klosterzeit anständig geführt und auch nach seinem Austritt aus dem Kloster einwandfrei gelebt habe, also ausschließ- li ch während seines Klosteraufent- b alte s die Dinge begangen habe, die ihn nun ins Zuchthaus brächten. Darin liege die Tragik feines Lebens. Die Genossenschaft der Franziskaner tn Waldbreitbach biete das Bild einer allgemeinen Die Zahl der ausländischen G ä st e der großen Reichsausstellung „Schaffendes Volk" in Düsseldorf wird von Tag zu Tag größer. Immer mehr spricht es sich auch im Auslande herum, welche einzigartigen Ausstellungsgegenstände diese große Vierjahresplanschau am Rhein aufzuweisen hat. So wurde die Ausstellung von einer ausländischen Reisegesellschaft besucht, unter der sich auch mehrere Inder, Japaner, Chinesen und Mexikaner befanden. Alle zollten der im Aufbau, Gliederung und Reichhaltigkeit so eindrucksvollen Schau begeisterte Anerkennung. Das besondere Interesse der ausländi- Studentenführertagung in Frankfurt. NSG. Am Donnerstag, dem 3. Juni, fand im Stammhaus „Langemarck" in Frankfurt eine Arbeitstagung der Studentensührer des Gaues Hessen-Nassau und der Mitarbeiter der Gaustudentenführung statt. Der Gaustudenten- ' führer Conrad betonte, daß die gegenwärtige Arbeit entscheidend sei für die gesamte zukünftige Entwicklung des deutschen Studententums. Es gehe heute darum, in den Kameradschaften die dauerhafter nationalsozialistische Lebens- form des deutschen Studenten zu prägen. Diese Lebensform müsse eine fruchtbare Verbindung darstellen zwischen den Erziehungsgrundsätzen der Bewegung und den Forderungen der nationalsozialistischen Weltanschauung auf der einen Seite und den gesunden Werten' einer guten Tradition au der anderen Seite. Dabei könne die g e i ft i g e Hilfe, Rat und Erfahrungen des Altherrentums nicht entbehrt werden. Es fei nun unerläßlich, die organisatorischen Vorarbeiten in der Studentenkampfhilfe, dem Alt- herrenbund der Deutschen Studenten, zu beschleunigen und die Alten Herren allmählich in persönliche Bindung zu den Kameradschaften zu bringen. — Auf der Tagung sprach auch der Gauverbandsleiter der NS.-Studenten- kampfhilfe Gaupersonalamtsleiter Pg. H e y s e über die Aufbauarbeit der NS.-Studentenkampfhilfe im Gau Hessen-Nassau und über die Frage der Führerauslese im deutschen Studententum. Pg. Heyse machte ferner aufschlußreiche Ausführungen über den Kampf des nationalsozialistischen Studententums um die deutsche Hochschule, den er selbst als Mitbegründer der nationalsozialistischen Hochschulgruppe an der Frankfurter Universität unmittelbar mit- eriebt hat. Kleine politische Nachrichten. Die deutsch • englischen Flottenverhandlungen über den Abschluß eines qualitativen Flottenvertrages als Ergänzung des deutsch-englischen Flottenabkommens vom 18. Juni 1935 sind am Freitag wieder ausgenommen worden und haben einen befriedigenden Verlauf genommen. Verseuchung. Der Verteidiger bat um mildernde Umstände, da die richtig Schuldigen diejenigen seien, die solche Zustände in den Klöstern geduldet hätten. Die verlogene und scheinheilige Moralauffassung der Klöster sitze in Wahrheit auf der Anklagebank. Das Urteil lautete auf drei Jahre Zuchthaus und drei Jahre Ehrverlust. Der Barmherzige Bruder Kajetan trat im Alter von 23 Jahren in die Genossenschaft der Barmherzigen Brüder in Montabaur ein. Ende 1931 kam er dann in das aus zahlreichen Prozessen bekannte Herz-Jesu-Heim zu Fulda, wo er seine unter Anklage stehenden Straftaten verübte. Mit tiefer Erschütterung hörten die Anwesenden den Brief des Vaters eines im Herz-Jesu-Heim untergebrachten Zöglings an den „ehrwürdigen Herrn Brudervor- steher". Der Vater gibt seiner großen Freude darüber Ausdruck, daß sein Sohn im Herz-Jesu-Heim Aufnahme gefunden habe und versichert mit rührenden Worten das unbegrenzte Vertrauen zu diesen frommen Männern und feine unauslöschliche Dankbarkeit. Er spricht von den „treuen und unverdorbenen Augen seines Jungen", den er mit frohem Herzen der Fürsorge der Barmherzigen Brüder übergebe. Wie sehr dieses rückhaltlose Vertrauen mißbraucht wurde und wie schändlich dieser unglückliche Vater hintergangen wurde, ging mit er- chreckender Deutlichkeit aus den Aussagen der als Zeugen vernommenen früheren Pfleglinge der An- talt hervor. Das Urteil lautete auf Aweiein - ) alb Jahre Zuchthaus und drei Jahre Ehrverlust. Geekadeften besuchen Deutschland. Dor wenigen Tagen waren ein japanischer Kreuzer und zwei argentinische Schlachtschiffe Gäste in unseren Häfen. Am 8. Juni trifft der ranzösische Schulkreuzer „Jeanne d ' A r c" in Kiel und am 9. Juni der englische Schulkreuzer „F r o b i s h e r" in dem Standort der Marine- chule, Mürwik bei Flensburg zu einem mehrtägigen Besuche ein. Der französische Schulkreuzer „Jeanne d'Arc", der 6500 Tonnen hat, ist als Schul- chiff gebaut worden, das 160 Kadetten aufnehmen auf en. [3932D k Gießen 6as-6emeinschaft Kaufgesuche Mietgesuche | |Stellenangebote| Alte [ 1743 kurs: | Vermietungen | 3-4-ZilDID.-Wohöy. Hindenburg- . 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Elektro-Handbolir- oiasdiinen für jeden Ber- wendungszweck, vreisw. ab Werk durch Vertreter (n? beQr ^ar Qn । KrJ28 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Samstag, 5. Zum 1952 Mehrlieferung. -bon X. A Dietrich In einer Zeit, in der die Zeitung uns die Ereignisse der Welt gedruckt mitteilt, in d?r das Gedächtnis der Menschheit in riesigen staatlichen Archiven und Bibliotheken in .,geprägter Form" aufbewahrt wird, in der durch Karteien unser ganzes Wissen geordnet ist — in einer solchen Zeit erscheint unwahrscheinlich, daß es einmal eine Ueberlieferung gegeben hat, die von Mund zu Mund weitergetragen wurde. Unwahrscheinlich weil ungewohnt ist uns solch überpersönliches „Gedächtnis" in unserer Zeit, in der schon allein die geistige Verkehrsregelung, die Ordnung und Verwaltung des Wissensgutes der letzten Jahrhunderte einen riesigen Schriftapparat verlangt. Und doch bildet jene Ueberlieferung durch den Gedanken und durch das Wort, die von Mund zu Mund vermittelt, von Generation zu Generation vererbt wurde, zum großen Teil das geistige Nationalfundament der Völker; wurde doch all das, was an Sage und urtümlichem Wissen auf uns kam — und viel später erst niedergeschrieben, gesammelt, noch später gedruckt worden ist — zunächst nur durch die Ueberlieferung mittels des gesprochenen Wortes erhalten. Nicht nur der Buchdruck, auch die Schrift ist ja eine verhältnismäßig späte und keineswegs gleich allgemein zugängliche Erfindung der Menschheit gewesen. Die Schrift ging — wie Runen und Hieroglyphen beweisen — erst aus den Bildern, die zumeist Sinnbilder, Symbole waren, hervor. Die Schriftzeichen waren zudem großenteils (so zum Beispiel die altmexikanischen Steinbildschriften des Quetzalcoatlmythos) Priestergut. Dennoch lebten die Völker, die „nicht lesen und schreiben" konnten, ihre Geschichte aus dem nationalen Gedächtnis heraus weiter, wurden Sitte und Brauchtum — die Auswirkungen der forterzählten Ueberlieferung — heroischen Vorbildern nachgelebt. In Sippen und Familien war dieses nationale Gedächtnis Bestand des All- und Feiertäglichen. Darüber hinaus gab es noch einzelne: Skalden, Sänger, Märchen- und Sagenerzähler, es gab wissende Frauen, „Nornen", „Walas"; es gab Homere, von denen uns der eine bekannt wurde, der späte Sammler der alten Sagen um Troja, der sie schriftliche niederzulegen vermochte, ähnlich dem Weisen Saermund auf dem Pfarrhof Ob bi, ber die alten Lieber unb Sagas ber Ebba, bie auf Islanb von Munb zu Munb wanberten, sammelte; ähnlich den Evangelisten, von denen wir nur eben noch die Namen (oder Symbole) Matthäus, Markus, Lucas unb Johannes behielten; ähnlich ben anonymen Nieberschreibern ber Beben unb Upanishaben, ber inbischen Weistumswerke. Es wäre eine Aufgabe für sich, zu untersuchen, wie unser gegenwärtiges Weltbild sich dadurch charakterlich oeränbert hat, baß an Stelle ber münb- lichen Ueberlieferung eine schriftliche unb später eine druckschriftliche, eine „Literatur" getreten ist. Vielleicht hat unsere späte Geistesentwicklung oft allzuscharf ben Trennungsstrich zwischen einer „Sa- gen"zeit (als ber Zeit ber münblichen Ueberlieferung) unb einer geschichtlichen (bokumentarisch erwiesenen, literarisch niebergelegten) Zeit gemacht. Aus bieser scharfen Trennung erwuchs bann auch die Auffassung, baß jene münbliche Ueberlieferung unzuverlässiger gewesen sei, als unsere schriftliche. Dennoch mußte man schon baburch stutzig werben, daß bie alte Ueberlieferung etwa Indiens oder der russischen Frühzeit (Olegs, Ruriks und der andern von Schweden eingewanderten ersten russischen Volksfürsten) durch spätere wissenschaftliche Entdeckung bestätigt wurde. Ganz ausfallende Zeugnisse von der Zuverlässigkeit jahrhundertelanger mündlicher Ueberlieferung haben wir an verschiedenen Stellen unserer deutschen und nordischen Vorvergangenheit gefunden. Man hat für das Wort „mündliche Ueberlieferung" in den Zeiten, da man sie mehr und mehr für freie Märchenerfindung hielt, gern das Wort ,V o l k s g l a u b e" verwandt. das beinah etwa wie „Aberglaube" klingen sollte. Solcher „Volksglaube" hatte z. B. in der Nähe von Seddin in der Mark Brandenburg Jahrhunderte hindurch einen elf Meter hohen Erdhügel, der „Hinzberg" genannt wurde, für ein germanisches Königsgrab erklärt — bis durch einen Zufall, als die Anhöhe von einem Unternehmer als Steinbruch für den Straßenbau ausgebeutet wurde, im Jahre 1889 Arbeiter im Inneren auf eine mächtige Steinkammer stießen, in der neben Leichenbrandresten in Urnen Halsringe, Ketten aus schwerer Bronce und ein Schwert zu Tage kamen, die die Tatsächlichkeit eines Königsgrabes erwiesen, das seither zu einem unserer bedeutendsten Nationaldenkmäler wurde. Ganz ähnlich liegt ein Fall, der sich bei Ausgrabungen in der Nähe von Schleswig ergab. In ununterbrochener Kette der Generationen war hier von Mund zu Mund die „Sage" weitergegeben worden, daß in einem Grabhügel, „Dronninghoi" (deutsch: Königinhöhe) genannt, ein Mann begraben liege, dem eine Königin im Zweikampf den Kopf abgeschlagen habe. In der Tat fand man jetzt in diesem Hügel ein Skelett, dessen Kopf abgetrennt zwischen den Schenkeln lag. Solcher Beispiele ließe sich eine ganze Anzahl allein aus unserer deutschen Umwelt finden. Ganze Kulturreiche, die inzwischen versunken sind, haben in dieser mündlichen Ueberlieferung gelebt, unb spätere Entdeckungen bewiesen uns, daß „Sage" doch eben nicht nur Erfindung oder unzuverlässige Vermischung von Stoffgebieten aus früheren vorgeschichtlichen Ereignissen ist und daß der Unterschied zwischen Sage und (dokumentarisch nachgewiesener) Geschichte nicht so wesentlich ist. Mag dem Buchstaben nach die schriftliche und druckschriftliche Ueberlieferung genauer fein, dem Geiste nach war die mündliche gewiß ebenso zuverlässig, solange sie die einzige Trägerin der Geschichte war. Und es mag fein, daß dermaleinst der große Krieg, in' dem die Welt gegen Deutschland stand, als „Sage", „Sagung", in mündlicher Ueberlieferung noch fortleben wird, wenn unsere ganze Kultur und Literatur längst untergegangen oder gleich den Hieroglyphen nur noch für einige Fachgelehrte lesbar ist. Moskau... acht Stunden Ausenthalt. Von unserem H.T.-Serichterstatier im Femen Osten. - 1 ■K-wA I i ■' Generalmajor Stumpff, Amtschef im Reichsluftfahrtministerium, wurde zum Chef des General- stades der Luftwaffe ernannt. — (Scherl-M.) I. Ankunft und Hotel. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Moskau, im Juni 1937. Der „Jnturift-Mann", der zur Bequemlichkeit des p. t. reifenden Publikums jeden „Sibirien-Expreß" auf seiner 8000 Kilometer langen Fahrt von der mandschurischen Grenze bis Moskau begleitet, wandert wieder mal wie so oft in den vergangenen Tagen durch den langen Zug, besucht die einzelnen Abteile, erkundigt sich nach Sonderwünschen und gibt bekannt, daß in einer halben Stunde endlich Moskau erreicht sei. „Wünscht einer der Herrschaften vielleicht eine Stadtbesichtigung zu machen? Preis richtet sich nach der Anzahl ber Teilnehmer!" — Selbstverstänblich wünscht jeher ber „Herrschaften" Moskau — unb wenn auch nur auf einer Runbreise mit einem „Kaefe-Autobus" — zu besichtigen, also werben bie Bestellungen verbucht, ber jeweilige Einzelanteil mit 3 Rubel 50 berechnet unb einkassiert. 3 Rubel 50 sinb nach offiziellem sowjetrussischem Wechselkurs 1,75 Mark, allbieroeil in ben Wechselstuben an ber Grenze ein Zwangs- kurs von 5 Rubeln für ben USA.Dollar festgesetzt ist. Gewitzte Leute können biesen Rubel allerdings auch außerhalb Rußlanbs — z. B. an ber schwarzen Börse von Charbin — für 10 Pfennige das Stück erstehen, so baß sie in diesem Sonber- falle für bie Moskauer Kaese-Rundfahrt nur 35 Pfennige zu zahlen hätten, — aber! Aber! Die Devisenbestimmungen in Rußlanb sinb sehr scharf, unb niemanb setzt sich gern ber Gefahr aus, schon an ber Grenzstation wegen „staatsfeindlicher Handlung" — sprich Einschmuggelung billiger Rubel — festgenommen zu werben. Also werben bie geforderten hohen Preise seufzenb vom p. t. Publikum gezahlt, das sich in biesem Sonberfalle zusammensetzt aus: ein paar amerikanischen Missionaren, einem chinesischen Eierhändler engros „nebst" Sohn, einer englischen Krankenpflegerin, bie eine leicht verrückte Dame betreut, einem jungen Belgier, ein paar beut= scheu Kaufleuten unb allerlei anberen Europa-Urlaubern. Alles in allem etwa 24 Personen, bie jetzt im Gang bie Fenster belagern unb mit wachsenber Spannung auf bie oorbeifiiegenben geheimnisvollen unb boch so nüchtern grauen Häuser starren, bie sich Moskau nennen. Pünklich läuft ber Zug im Kopfbahnhof — Anfangs- unb Enbstation ber transsibirischen Strecke — ein. Das Gepäck bleibt im Zuge, bie Abteile werben verschlossen, unb im Gänsemarsch geht es hinter bem Jnturist-Mann burch die Sperre ins Freie. Unsicherheit und Unbehaglichkeit — bas ist bas vorherrschenbe Gefühl, wenn man nach siebentägiger Eisenbahnfahrt zum ersten Male ben Boben Moskaus betritt. Auf Schritt unb Tritt erwartet man unwillkürlich irgenbeine phantastische, noch nie erlebte Ueberraschung, aber — biese lieber» raschungen bleiben aus! Kaum, baß bie Menschen von ber Touristenschlange Kenntnis nehmen. Dienstmänner in weißen Schürzen, Taxis, Polizisten, Verkaufsstänbe, hastende Reisenbe — alles sehr nüchtern unb sachlich. Beinahe grau in grau. Eigenartig freublos ... Ein paar Schritte weiter, unb bie kleine Gesellschaft steht vor bem ersten Moskauer „Wunber", bem Untergrunbbahnhof! lieber biese Un- tergrunbbahn ist viel gerebet, geschrieben unb gewitzelt worben ... bie Moskauer sinb sehr stolz auf sie, unb bei Licht betrachtet ist es eine Unter- grunbbahn w i e j e b e anbere auch. Allerbings mit einem Unterschieb: wenn man zu den Zügen gelangen will, muß man erst auf Rolltreppen an die 45 Meter in die Tiefe rutschen, so daß man diese Untergrundbahn wohl als ausgezeichneten Flieger- Schutz-Keller bezeichnen kann. Maßgebend war dieser Gesichtspunkt bei Bau jedoch nicht, vielmehr haben die Grundwasser der Moskwa diese tiefen und sehr kostspieligen Ausschachtungsarbeiten erforderlich gemacht. Und ansonsten? Verkaufsbuffets jeder 2T 1 Zeitungskioske, Reklameplakate, bei denen die politischen Riesenwandgemälde überwiegen ... auch in dieser Hinsicht nichts Besonderes ober Außergewöhnliches! — Im Strome ber Menschen rollt man bie Treppe herunter, brängt sich auf irgenbeiner Station zusammen, die irgendeinen Namen irgendeiner russischen Landschaft trägt und in berem „Stil" gehalten ist. Donnernb saust ber „Einklassenzug" ln bie Halle, Türen öffnen sich ... Alles einfteigen! Türen zu! ... Ab mit Gebraust. — Das Publikum? Offiziere in Uniform, Arbeiter, Bäuerinnen, berufstätige Mäbchen unb Typen, bie man als „kleine Bürger" bezeichnen könnte. Sie starren die „Fremden" mit jenem Gemisch von ablehnender Neugier und mitleidiger Herablassung an, mit der man sonst den großen Schimpansen im Zoo zu betrachten pflegt. Sehr merkwürdig ... Die Wagen sind überfüllt. Irgendwo steht der „Jnturist-Mann" und gibt ein Zeichen: „Weitersagen! Weitersagen! Auf der nächsten Station alles aussteigen!" Zwei Minuten später: Rums! Der Zug hält. Die Reisegesellschaft kämpft sich ins Freie, und als letzter versucht der Eierhändler engros junior auszusteigen. Bums! ... knallt die automatische Tür vor seiner platten Chinesennase zusammen. Man sieht durch die Scheiben noch die verzweifelt gen Himmel gereckten Arme des jungen Mannes und schon ist der Zug mit Geheul davon und im Dunkel des Tunnels verschwunden. Der arme Vater in seinem mondänen Tailor-made-Anzug, ein Mann aus Schanghai, der wohl zum ersten Male eine Untergrundbahn erlebt, macht auf dem Bahnsteig einen Luftfprung, stößt einen Schrei, gemischt aus Wut, Verzweiflung und höchster väterlicher Angst aus und springt dann dem verblüfften Jnturist- Mann regelrecht an die Gurgel. Denn der Filius hat kein Geld, keinen Paß, keine Papiere ober anbere Dokumente bei sich, spricht kein Wort russisch unb saust nun nach Ansicht bes gebrochenen Vaters wohl geraberoegs wenn nicht in bie Hölle, so boch in bie Arme berufsmäßiger „Kibnapper". Aufgeregte Chinesen habe ich genug gesehen — bas Toben biefes verzweifelten Vaters, ber sich anscheinenb ein» bildete, sein Sohn reife nun unterirbisch bis ans Enbe ber Welt, hatte etwas grotesk Ergreifendes an sich. Aber bie geistesgegenwärtigen Missionare zeigen sich ber Lage voll gewachsen, sie ziehen alle Trostregister, unb auch der arme Jnturist-Mann versucht in einem Kauderwelsch von elf Sprachen, dem armen Eierhändler die Gefahrlosigkeit der Lage klarzumachen. Wie ein schwerkrankes Kind wird ber seelisch vollkommen Gebrochene hinausgeleitet und in dem vor dem Bahnhof haltenden Kaese-Auto- bus verfrachtet. „Meine Herrschaften", erklärt der Jnturist-Mann, „wir fahren jetzt zunächst ins Metro polhotel. Bestes Haus am Platze. Dort können die Herrschaften ftühstücken und etwas Toilette machen. Anschließend von 11 bis V22 Uhr Rundfahrt durch Moskau. Den Nachmittag können Sie nach Belieben in Moskau verbringen. Um 5 Uhr wird der Autobus Sie wieder zum Europäischen Bahnhof bringen, von wo Sie im gleichen Zuge und im gleichen Abteil bann an bie russisch-polnische Grenze Weiterreisen werben. Hat einer ber Herrschaften noch eine Frage?" ... Nein! Keiner hat eine Frage mehr, nicht einmal der chinesische Eierhänbler, ber »Urquell Das Wunder. Von Heinrich Hauser. Es war bald nach dem Ende, der Inflation. Mein erstes Buch war erschienen, klein, unscheinbar unb, wie mir schien, eigentlich unter Ausschluß ber Öffentlichkeit. Als ich es zum ersten Male sah, erinnerte es mich in seinem packpapierähnlichen Umschlag lebhaft an das Nottzbuch eines bestimmten Polizisten, ber mich oft darin aufgeschrieben hatte wegen „Radfahrens auf verbotenen Wegen". Es rounbert mich nicht, baß das Buch kein Erfolg war. Es wunderte mich vielmehr, daß es überhaupt erschienen war, unb baß es Besprechungen bekam, von ber Sorte: „Sie brauchen barum noch nicht alle Hoffnung aufzugeben, junger Mann, es kann noch immer etwas aus Ihnen werben — aber viel- leicyt boch wohl besser auf einem anderen Gebiet." Als ber Verlag bann seinen Bankrott erklärte, fühlte ich mich noch schuldiger als zuvor: natürlich, was blieb benn auch einem Verleger anbers übrig, der es gewagt hatte, mein Buch zu drucken. Seine hoffnungsvolle Ankündigung, sein Verlag werde unter anderem Namen wie ein Phönix wieder aus ber Asche auferstehen, erreichte mich gleichzeitig mit der Aufforderung, einen Beitrag zu den Druck- toften zu leisten. Dem zu entsprechen, fuhr ich wieder zur See; diesmal nach Mexiko. Als ich zurückkam, hatte ich den Anlauf zur Literatur schon beinahe vergessen. Nur ganz nebenbei hatte ich einige Reiseberichte geschrieben und an die einzige Zeitung in Deutschland geschickt, an deren Namen und Adresse ich mich erinnern konnte. Was aus diesen Berichten geworben sein mochte, bas ahnte ich nicht. Jetzt wohnte ich, wie stets zwischen zcvei Reisen, im Seemannsheim ber Frau Wiether. Wir waren eine große, international gemischte Gesellschaft bort. Wir hausten mit unseren mitgebrachten Affen, Waschbären unb Papageien burcheinander, mit einem verkrachten ungarischen Opernsänger, ber unsere Zimmer säuberte unb uns abends trunkene Konzerte gab. Es war eine tolle Wirtschaft, ein Rest alter Seefahrerromantik, der heute natürlich längst gestorben ist. Oft gab es Schlägerei, oft floß auch Blut, ehe Mutter Wiether mit ihrem Krückstock dazwischenfahren konnte, der uns geheiligt wie das Zepter eines Königs war. Eines Nachts waren zwei Finnen mit ben Messern aufeinander losgegangen. Nichts Ernsthaftes, nichts wenigstens, was mir als ernsthaft betrachtet hätten; aber auf dem Flur lag eine Blutlache. Am Morgen kam ein Kriminalbeamter. Auch das kam öfters vor. Das Besondere war nur, daß der Beamte zu mir wollte, der ich an der Sache ganz unbeteiligt war: „Sie sollen mit mir aufs Rathaus kommen." „Warum?" „Das kann ich Ihnen nicht sagen." Der Mann war mißtrauisch und ärgerlich; er war auf der Blutlache ausgeglitten und hatte sich ben Anzug schmutzig gemacht Auch ich war mißtrauisch unb voll trüber Ahnung. Was hatte ich wohl angestellt? Mutter Wiether unb bie andern sahen mir mit dem eigentümlichen Blick nach, ber sagt: „Der kommt nicht wieber — armer Kerl." Wir kamen aufs Rathaus. Wir gingen durch lange Gänge mit dunkelgetäfelten Wänden, von Milchglas-Kandelabern trübe erhellt. In einem Vorzimmer machte der Beamte Meldung, daß er mich eingeliefert habe. Ein mächtig schwere Tür ging auf, man bedeutete mir hindurchzugehen; mir klopfte bas Herz. In einem riesengroßen Arbeitszimmer saß hinter einem riesengroßen Schreibtisch ein kleiner, runber Herr. Er winkte mich heran, unheimlich lautlos war mit einem Mal mein Schritt auf bickem Teppich. „Nehmen Sie Platz", sagte er. Das war unerwartet. Ganz höflich, sanft unb leise hatte bie Stimme geklungen. Das Gesicht des kleinen Herrn war gütig, und seine blauen Augen schauten mich freundlich an. Ich saß und starrte verwundert über bie Schreibtischplatte. Es war ganz still. Enblvs lange, wie mir schien; ber kleine Herr schad bie Finger seiner Hände in- unb auseinanber. als wüßte er nicht, wie er beginnen solle. „Ich habe Sie burch einen Beamten zu mir laben lassen", kam bie leise, wohlgebildete Stimme wieder, „weil ich fürchtete, Sie würden sonst vielleicht nicht kommen. Brauchen Sie vielleicht tausend Mark?" Ich war wie vom Donner gerührt. Was war das? War er wahnsinnig, der kleine feine Herr, war ich wahnsinnig, hatte ich mich verhört? „Nein, nein, danke", war alles, was ich stammeln konnte. „Ich bin Ihnen wohl eine Erklärung schuldig: ich bin Staatsrat X, ich verwalte die Kulturauf- ■ gaben dieser Hansestadt. Wir haben gewisse Fonds zur Verfügung, unb ich würde mich freuen, wenn wir einen jungen Dichter von würdiger Begabung unterstützen könnten. Wir sind auf Sie aufmerksam geworden, durch Ihr Buch und jetzt durch Ihre Amerika-Berichte " Ich saß blutübergoffen. Man nannte mich einen Dichter, man bot mir eine Summe an, wie ich sie noch nie im Leben besessen hatte. Es mar ein Wunder Ich war stolz und, wie ich heute weiß, auch klug genug, geldliche Unterstützung abzulehnen. Die Freundschaft des Staatsrats X und bie hilfreiche Hand, die ber Senat ber Freien Hansestadt zu neuen Reifen unb Arbeiten bot, sie haben mir viel mehr als Gelb bedeutet. Ich weiß, daß diese Geschichte wie ein Märchen klingt, aber sie ist vollkommen wahr. Einer aus der Kompanie. Von Hans JRotf Sprengel. Februar 1916. — Feuchtkalter Rieseldunst braute im Walde von Haute-Bois, einem der zahlreichen Vormarschgelände der deutschen Truppen vor Verdun. Eng aneinander gepreßt und frierend hockten die Männer der Kompanie Feldhans im lehmgelben Schmutzwasser ihres Not-Schützengrabens. Mit einem Male regte sich etwas in der Masse der grauen stummen Gestalten. Wütend knurrte eine rauhe Baßstimme: „Verdammter Idiot, paß doch auf mit deinem blöden Ellenbogen." Die Stimme gehörte zu einem großen, schwarzbärtigen Landser, einem wahren Athleten. Der Angegriffene, ein schmalschultriges bleiches Kerlchen, rückte ohne Antwort ängstlich zur Seite. Neben ihm der Riese, in der Kompanie allgemein der „starke Emil" genannt, gab sich aber noch nicht zufrieden: „Du Mustersoldat, du!" rollte es droyend weiter. Unter dem letzten höhnischen Wort kroch der Kleine noch mehr in sich zusammen. Es war nicht zu leugnen: Er, Anteck Kallumeit, der arme Schneidergeselle aus dem Masurischen, war sicher ein ganz unmöglicher Soldat, „der schlechteste Mann seiner Kompanie". So sagten alle, Hauptmann, Leutnant und die Kameraden. Denn ttotz der langen Schule der Frontzeit benahm sich Anteck noch immer wie ein Rekrut. Immer machte er irgend etwas verkehrt. Einmal brachte er seinen Affen nicht mehr zu, dann verlor er Patronen oder hielt beim Esfenholen plötzlich ein fremdes Eßgeschirr in der Hand. Kein Wunder, daß die Kameraden ihn neckten und sich häufig luftig über ihn machten. Der schlimmste aber war ber starke Emil. Wo Anteck dem in den Weg lief, bekam er seinen Spott. Anteck seufzte unhörbar in sich hinein, während seine trüben Gedanken nach und nach in ein unklares Halbdämmer verschwommen. Stundenlang war es wieder ganz still im Graben. Dann kam erneut Bewegung in die Leute. Die helle Kommandostimme ihres Hauptmanns fuhr ihnen plötzlich in die steifen Glieder: „Acht Mann für Patrouille melden! Führer: Leutnant Berghoff!" Die acht Mann waren rasch zur Stelle. Man war froh, einmal aus dem nassen Lehmloch herauszukommen, um sich die Beine zu vertreten, wie der schwarze Emil befriedigt bemerite. Er war ein vorzüglicher Aufklärer, ein noch besserer Soldat und fast bei jedem Patrouillengang dabei. — Der Hauptmann musterte kurz die acht Leute. Da, erstaunt blieb sein Blick an einem Mann hängen. Neben dem Gefreiten Schmidt stand eine kleine scheue Gestalt: Anteck, der Unglücksrabe der Kompanie. — „Nein, Anteck, das geht doch nicht!" — Anteck sah ihn flehentlich an: „Bitte, Herr Hauptmann, lassen Sie mich doch mit!" Der seltsam bittende Ausdruck in den Augen des Feldgrauen erschütterte den Vorgesetzten: „Na, gut denn, in Gottes Namen, nehmen Sie ihn mit Berghoff! Aber passen Sie etwas auf ihn auf!" Nach knappem Gruß schwangen sich der Leutnant und seine Männer über den Grabenwall und verschwanden im Nebel. Es war ein verteufelter Weg. lieber gefallene Baumstämme, tiefe Lehmkuhlen und wasfergefüllte Granattrichter tastete sich die Patrouille vorsichtig durch das Gelände. Der Nebel war so dicht, daß man kaum einige Meter weit sehen konnte. Plötzlich, sie waren etwa eine gute Stunde vorwärts gedrungen, erhob sich unerwartet ber Erdwall eines Grabens aus dem Dunst: die Franzosen! Zugleich fingen mehrere Maschinengewehre an, wild auf sie loszubellen. Die Patrouille mußte unverzüglich zurück. Ihre Aufgabe, den Standort des Feindes feftzustellen, war gelöst, wenn auch reichlich überraschend. „Rasch mir folgen!" gellte Berghoffs Stimme erregt. Sofort machten die acht kehrt und hasteten in langen Sprüngen zurück, während ihnen das feindliche Feuer um die Ohren pfiff. Plötzlich schrie einer auf und schlug in eine der zahlreichen Wasserlachen hin. Im Laufen wandte sich der Leutnant um: Gerade den besten Mann, den Emil, hatte es gepackt! Aber es war keine Zeit zu verlieren, wollte man nicht noch mehr Männer einbüßen. So ging die wilde Jagd weiter durch den Nebel zurück! Eine Stunde später stand Berghoff mit seinen Leuten wieder vor dem Hauptmann. Von den acht Mann waren nur fünf zurückgekommen. Der starke Emil, noch ein anderer Mann und ... Anteck fehlten. Da es inzwischen pechdunkle Nacht geworden, war an einer Bergung der Gefallenen nicht zu denken. Erst am andern Tage machten sich drei Mann auf die Suche. Sie brauchten nicht lange zu gehen. Etwa nach einer Viertelstunde schon stießen sie auf zwei leblose Körper: Emil und Anteck. Emil atmete noch schwach. Ein Geschoß hatte ihm den rechten Oberschenkel zerfetzt. Neben ihm Anteck, war tot. Er hatte den schwerverwundeten Kameraden so lange nach hinten geschleppt, bis ihn der tödliche Kopfschuß traf. — wie das sein Beruf wohl so mit sich bringt — brütend des verlorenen Sohnes gedenkt. Kurz darauf hält der Autobus vor einem, im bombastisch-schauerlichen Stil der Jahrhundertwende erbauten, riesigen Kasten, dem „Hotel Metro- p o r, wo alle „Fremden von Distinction" abzusteigen pflegen. Drehtür. Große Halle. Schwere Teppiche. Kostbare Porzellane, die anscheinend aus herrenlos gewordenen Schlössern und Palästen stammen. Gleich rechts ein Buchladen, wo kommunistische Moskauer Zeitungen in deutscher, englischer und französischer Sprache ausliegen, wo die deutsche Emigranten-Literatur einen breiten Raum einnimmt. Ein paar bekümmert aussehende Portiers nehmen die Mäntel ab. „Bitte, hier, meine Herrschaften! Das Frühstückszimmer" — Einrichtung wie in jedem Hotel, eine besondere Note geben dem Raum jedoch die hübschen Kellnerinnen. Braune Einheitstracht mit weißen Häubchen, weißen Schürzchen und weißen Stirnbändern .. die augenscheinlich die phantastischen Preise schmackhaft machen sollen, die hier erhoben werden. Eine Tasse Tee und zwei Stück Torte 10 Rubel oder 5 Reichsmark. Ein reichliches Mittagessen in diesem Lokal würde den Wochenlohn eines deutschen Arbeiters verschlingen ... Einer der Missionare versucht heimlich, so eine Speisekarte in seiner Brusttasche verschwinden zu lassen, wahrscheinlich, um sie daheim als „Beweismaterial" vorzuzeigen. Ein scharfäugiger Ober verhindert mit sicherem Griff diese Untat, und eine etwas unbehagliche Stimmung greift Platz. Man kommt sich „beobachte t" vor und die „Basser- mannschen Gestalten", die im ganzen Saale verteilt, träge an ihren Tischchen hocken und durch halbgeschlossene Lider scheinbar gleichgültig die „fremden Etrangers von auswärts^ mustern, erinnern an Riesenschlangen vor dem „Sprung". Wie fremd und unbehaglich das ganze, trotz der guten äußeren Aufmachung! Wie eine Erlösung wirkt daher der Jubelschrei, den plötzlich der chinesische Eierhändler ausstößt! In der Tür steht wie hingezaudert und strahlend wie die „Venus Anadyomene" Herr Wang jun., und in den Armen liegen sich beide. Das Publikum klatscht begeistert Beifall. Auch der Jnturist-Mann taucht auf, gibt dem Wiedergefundenen seinen Segen und meldet das Rundfahrtauto zur Stelle. Neuguinea als Giedlungsproblem. Von unserem Gtr.-Äerichterstatter. Amsterdam, Juni 1937. Don dem niederländischen Besitz in Ostindien, der im ganzen die gewaltige Oberfläche von 1,9 Millionen Geoiertkilorneter aufweist, ist, wenn man vorn Inneren Borneos absieht, der in holländischem Besitz befindliche westliche Teil N e u g u i n eas bisher am wenigsten erschlossen, der nordöstliche, das ehemalige deutsche Kaiser-Wilhelm-Land ist mit dem Bismarck-Archipel australisches Mandat, der südöstliche, die ehemals britische Kronkolome Neuguinea ist australisches Territorium (Papua). Seit geraumer Zeit sind in Holland Stimmen laut geworden, in verstärktem Maße an die Erschließung Neuguineas heranzugehen, dessen holländischer Teil nur 403 000 Seelen auf einer Fläche von 390 000 Quadratkilometer beheroergt, davon so gut wie keine Weiße. Es ist vor allem die NSB. (Mussert- bewegung), die diese Forderung immer wieder stellt. Von der holländischen Regierung besteht wenig Neigung, diesen Wünschen Gehör zu geben. Der holländische Ministerpräsident C o l i j n hat wiederholt die Ansicht vertreten, daß Neuguinea für die Ansiedlung Weißer aus klimatischen Gründen nicht in Frage komme. Von der NSB. wird dem widersprochen und darauf hingewiesen, daß die Hochebenen des Berglandes sehr wohl weißen Siedlern Lebensmöglichkeiten geben könnten. Der NSB. kommt es neben der wirtschaftlichen Erschließung gerade auf die Siedlungsfrage an, denn iese Bewegung bekämpft die massenweise Auswanderung von holländischen Bauern nach Südafrika und Frankreich und vertritt die Auffassung, daß Holland bei seinem riesigen Kolonialbesitz doch die Möglichkeit finden sollte, sein wertvolles Menschenmaterial auf eigenem Hoheitsgebiet zu verwenden. Als zur Zeit der sehr niedrigen RoMoffpreise die hochkultivierten Teile Niederländisch-Jndiens durch die Krise erschüttert wurden und als vor allem unzählige Europäer dort ihr Brot verloren und gleichzeitig in Gefahr gerieten, in den Kam- pougs (Eingeborenensiedlung) zu verschwinden, weil fie den Lebensstandard, der nun einmal vom Weißen in den Kolonien verlangt wird, nicht aufrechterhalten konnten, lag der Gedanke der Besiedlung Neuguineas mit erwerbslos gewordenen Europäern aus Java und Sumatra besonders nahe. Es wurde damals darauf verwiesen, daß gerade diese Pflanzungsangestellten, die oft jahrelange Erfahrung bei großen Unternehmungen hatten, über die notwendiges Voraussetzungen verfügten, um als Einzelfarmer auf Neuguinea eingesetzt zu werden. Zur Durchführung dieser Pläne hätte jedoch sehr viel Geld gehört, das von der Regierung hätte vorgestreckt werden müssen, da die arbeitslosen Europäer in den übrigen Teilen Niederländisch-Jndiens natürlich nicht über genügend Mittel verfügten, um aus eigenen Kräften den Anfang zu machen. Diesem Plan ist denn auch die Regierung gar nicht nähergetreten und die Meinungsverschiedenheit über die Zukunft Neuguineas schien für ewige Zeiten zu einem rein theoretischen Diskussionsobjekt der Zeitungsspalten zu werden. Im Frühjahr dieses Jahres änderte sich jedoch die Sachlage insofern, als im japanischen Reichstag der Minseito - Abgeordnete Hioaoro Sakurai bei der Regierung anregte, Japan solle mit Holland einen Nichtangriffspakt abschließen und gleichzeitig einen Vertrag eingehen, der es ihm ermöglichen sollte, das dünnbesiedelte und wettausgedehnte Gebiet Niederländisch- Neuguineas wirtschaftlich zu erschließen und dort japanische Siedlungen anzulegen. Obgleich von japanischer Seite bald nach Bekanntwerden dieser Parlamentsrede darauf hingewiesen wurde, daß es sich hier um die Privatmeinung eines Abgeordneten handele, die keineswegs die Auffassung der japanischen Regierung in dieser Sache wiedergäbe, löste die Rede Sakurais in Holland doch erhebliche Unruhe aus, und die Zeitungen sprachen davon, Japan wolle einen moraliscyen Druck auf Holland ausüben, um so eine Verpachtung Neuguineas zu erzwingen. Die holländische Regierung legte dieser Reichs- tagsrede keine allzu große Bedeutung bei. Sie erklärte, Holland verfolge in feinen Kolonien die Politik der offenen Tür, von Der auch Japan Gebrauch machen könne, und bisher bereits Gebrauch gemacht habe. Trotz dieser abwartenden Haltung beider Regierungen ist die Neroosttät in Holland Laut-Denkmal reichsdeutscher Stämme. : P > - v i Zu seinem 48. Geburtstag hatte die Deutsche Beamtenschaft dem Führer ein „Laut-Denkmal reichsdeutscher Mundarten zur Zeit Adolf Hitlers" zum Geschenk gemacht, das jetzt fertiggestellt und im Juni überreicht werden soll. In einem kunstvoll gearbeiteten Schrank aus Nußbaum (Entwurf Professor E. S ch e n f e n b e r g), dessen Türen auf der Innenseite eine in Intarsia ausgeführte Karte der deutschen Mundarten (von Professor Orlewski) zeigen, befinden sich 300 Schallplatten mit Aufnahmen von sämtlichen Mundarten der deutschen Stämme. — (Scherl-Bilderdienst-M.) nicht völlig gewichen und hier ist eine Stellungnahme bezeichnend, die der frühere Vizepräsident des Rates von Indien Dr. I. W. Meyer Rannest in der Zeitschrift „Nieuw-Guinea" veröffentlicht hat. Meyer Rannest ist der Auffassung, daß Neuguinea im Augenblick kein Gebiet sei, wo man sein Geld gewinnbringend anlegen könne, es habe aber vielleicht eine wirtschaftliche Zukunft. Neuguinea habe nichts von dem, was Java und Sumatra zu Musterkolonien machte und passe wenig in den Rahmen der erprobten holländischen Kolonialpolitik. Vielleicht aus dem Grunde, weil dieses Gebiet dünn besiedelt und unerschlossen ist, habe es die Aufmerksamkeit der, und hier spricht sich die bedauerliche Einseitigkeit des Angehörigen eines mit Kolonien übersättigten Volkes aus, „Habenichts- Mächte" auf sich gezogen, die in dieses Gebiet Menschen und Geld stecken wollten. Meyer Rannest zielt augenscheinlich hierbei aus Japan und fügt hinzu, daß solche Bestrebungen für Holland etwas Neues und Unangenehmes bedeuten, das viele Holländer bedenklich stimme. In dem Artikel wird nicht verhehlt, daß Holland, wie wenig angenehm dieses auch für den Verfasser erscheint, gezwungen sein werde, seine Kolonialpolitik in Neuguinea grundlegend zu ändern. Hierzu müßten zielbewußt große Mittel zur Verfügung gestellt werden, die eine Erschließung Neuguineas ermöglichen. Hierbei könne internationales Kapital herangezogen werden, doch müsse jedenfalls die Vormachtstellung Hollands gewährleistet werden. Gleichzeittg setzt sich Meyer Rannest für B e - siedlung durch Europäer und I a o a n e n, soweit dies die Umstände gestatten, ein und fordert zur Verwirklichung dieser Pläne weitgehende finanzielle Unterstützung vom holländischen Mutterlande, da Mederländisch-Jndien nicht in Der Lage sei, die genügenden Mittel aufzubringen. Es handele sich hier um eine Frage, die vielen fern liege, meint Meyer Rannest, aber die nun einmal nicht gelöst werde, indem man sie einfach übersehe. Die Entwicklung des Pazifik nehme ihren Fortgang. Man spürt deutlich aus den Darlegungen dieses erfahrenen holländischen Kolonialmannes die große Be- soranis um diesen Teil holländischen Besitzes, der bisher zu den gewaltigen Gebieten holländischer Kolonialreserve gezählt wird. Der Verfasser vertritt die Meinung, daß nur die wirkliche Ausnutzung dieses Gebietes ihm das Odium nehmen kann, es sei wrtschaftlich gesprochen Niemandsland. Die holländische Presse hat den Arttkel Meyer Rannests aufgegriffen. So meint das „Handelsblad", das Interesse für Neuguinea sei im Wachsen, zwei große Konzerne hätten dort Bergwerke. Es wäre nach Petroleum und Gold gesucht, aber das sei nicht genug. Es müsse zielbewußt in der Entwicklung dieses Riesengebietes fortgeschritten werden. — Ein großer Teil des holländischen Kolonialbesitzes liege noch brach, und wenn Holland nicht in der Lage sei, die Aufgaben, die es in diesem Teil seiner Kolonien erwarten,- zu erfüllen, werde das eine Schwächung seiner Stellung am Stillen Ozean bedeuten. Man sieht hieraus, daß in bezug auf Neuguinea auch in oen Kreisen, die bisher die Beharrungspolitik der holländischen Regierung unterstützten, eine Neuausrichtuna erfolgt ist. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß auf Holland dort eine große Aufgabe wartet, will es nicht auf eigenem Gebiet vor Freuten im Hintertreffen bleiben. Die fleißigen und zielbewußten Japaner sind dort gewaltig am Werk. Erft kürzlich erregte die Nachricht in Holland großes Aufsehen, daß es einer japanischen Konzessionsgesellschaft auf Niederländisch-Neuguinea nach jahrelangen Versuchen gelungen sei, dort Baumwolle anzupflanzen und daß diese Anpflanzungen ge- roaltig ausgedehnt werden sollen. So finden die Japaner auf Neuguinea Möglichkeiten, an die man in Holland bisher noch nicht gedacht bat Nicht Unkraut — sondern Heilkraut! ZdR. Manche Pflanze, die unbeachtet auf einer Wiese, am Wegrande oder gar auf dem Acker wächst, und als Unkraut betrachtet und behandelt wird, hat einen Wert, der nur zu vielen unbekannt ist. Wir alle wissen zwar aus alten Erzählungen, daß in Feld und Wald heilkräftige Pflanzen gesammelt wurden, die manche Krankheiten befeitigten. Heute aber wachsen diese Pflanzen zumeist unbeachtet, während wir 40 bis 50 Millionen Mark jährlich für ihre Einfuhr ausgeben müssen. Der Verbrauch an solchen Pflanzen ist nicht gering. Wir verbrauchen z. B. jährlich 50 000 kg Arnikablüten, 136 000 kg Schafgarbenblüten, 430 000 kg Lindenblüten, 250 000 kg Huflattich - Blätter, 80 000 kg Tausendgüldenkraut, 400 000 kg Schachtelhalm, 150 000 kg Vogelknöterich und 100 000 kg Veilchenblätter. In kleinem Umfange werden allerdings heute auch bei uns schon Heilkräuter angebaut, u. a. Pfefferminze, Fenchel, Baldrian, Kamille, Eibisch und Salbei. Die Anbaufläche ist in den letzten Jahren zwar von 820 Hektar auf 1200 bis 1300 Hektar gestiegen, eine weitere Ausdehnung ist aber unbedingt notwendig. Gerade die Heilpflanzen eignen sich zum Anbau auf kleinsten Flächen und sollten darum besonders in Kleinbetrieben bevorzugt werden. Voraussetzung für gute Erträge ist allerdings auch hier die Verwendung von gutem Saatgut, während die Pflanzen an den Boden zumeist keine besonders hohen Anforderungen stellen. Bi : •• • .> W W Im engsten Rahmen fand auf Schloß Cand6 bei Tours die Hochzeit des ehemaligen Königs von England, des Herzogs von Windsor, mit Frau Wallis Warfield-Simpson statt. Unser Bild zeigt das Brautpaar nach der Trauung. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Die EmMwngsbeweglliig in Der Schweiz. Von unserem Or. S -Berichterstatter Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboteirr Zürich, Mai 1937. Seit der Gründung eines „ewigen eidgenössischen Bundes" durch» die drei Urfantone Uri, Schwyz und Unterwalden im Jahre 1291 im Abwehrkampf gegen die Fremdherrschaft der Habsburger war die alte Schweiz eine Hochburg des staatsschöpferischen Gemeinschafts- und Freiheitsgedankens. Der Rütli-Schwur in der schweizerischen Befreiungssage enthält bereits ausgeprägt v olkssozialistische Bestandteile: Wehrhafte Verteidigung der Lebensrechte des Volkes, aufopfernder Einsatz des einzelnen Volksgenossen für die Volksgemeinschaft und äußere Freiheit des Bundes. Immer mehr erstarkte die eidgenössische Bauerndemokratie nach dem endgültigen Siege über die Habsburger, sie bekannte sich ttotz des Beitritts bedeutsamer Städte zum bäuerlichen Urgrund alles völkisch-politischen Lebens. Spätere Tagsatzungen und andere Beschlüsse beweisen, daß schon die alte Eidgenossenschaft die volksfeindliche Macht des Judentums zürückweisen mußte. Wurde das Schicksal des Bundes auch überwiegend vom deutschen Volksstamm der Alemannen bestimmt, so war es letzthin deutscher Duldsamkeit und Ritterlichkeit zuzuschreiben, daß der Grundsatz der Achtung vor fremdem Volkstum in den neu hinzukommenden welschen Gebieten stets anerkannt wurde. Hieraus erklärt sich auch die Aufrechterhaltung des <5 ß,r a d) f r i e • dens in der Schweiz und die Tatsache, daß es in diesem Lande eine Minderheitenfrage nicht gibt. Der alte Bund wurde erst beseitigt, als französische Truppen Ende des 18. Jahrhunderts weite Landesteile besetzten und die „Helvetische Republik" austichteten, deren Verfassung das *HRufter des 'üt alle 5a>ate! Cütco-vZn. dLac SxveÄzA- u.Euvmadt-EAAlg (iut fyeMunda iutd. Kranke . französischen Einheitsstaates nachahmte. Die Lehren der französischen Revolutton fanden Aufnahme, Parlamentarismus, Demokratte westlerischer Prägung und Liberalismus lösten die alte Ordnung auf. Der Bundesoertrag von 1815 stellte zwar die alten Rechtsverhältnisse auf vielen Gebieten (föderalistischer Staatsaufbau) wieder her, aber Politik, Kultur und Wirtschaft standen nun ganz unter dem Einfluß einer volksfremden, aus dem Westen importierten Weltanschauung. Dieser kurze geschichtliche Rückblick führt zum besseren Verstehen der nationalen Erneuerungsbewegung „Nationale Fron t", die in der deutschsprachigen Schweiz unter der Führung von Dr. Rolf Henne steht und in dem bekannten Schweizerdichter Jakob Schaffner, Mitglied der Deutschen Dichterakademie, einen sehr aktiven Vorkämpfer besitzt. Erst vor kurzem wurde das Züricher Organ der „Nationalen Front", die „Front" mit dem in Schaffhausen erscheinenden Grenz- boten vereinigt, der nunmehr den Untertitel „Na-, tionales Kampfblatt der Schweiz" trägt. Die Fahne der Bewegung ist das langschenklige weiße Kreuz auf rotem Grund und damit kommt die Fahne des alten Schweizerbundes wieder zu Ehren. Im Februar 1937 wurde in Bern zwischen dem Landesführer der „Nationalen Front", Dr. Henne und dem Führer der westschweizerischen „Union N a - tionale", Georges Oltramare, ein Abkommen abgeschlossen, das eine enge Zusammenarbeit der beiden Bewegungen herbeiführt. Das gegenseitige Tätigkeitsgebiet wurde in der Werse abgegrenzt, daß die Nationale Front die deutsch-sprechenden, die Union Nationale die französisch-sprechenden Gebiete der Schweiz bearbeitet. Wie Dr. Rolf Henne in der „Front" mitteilt, ist es notwendig, daß die wirklich nationalen Kräfte sich finden und zu gemeinsamer Arbeit zusammentun, da die Gefahr eines endgültigen Abgleitens nach links, die dem Lande droht, immer offenkundiger wird. „Bestimmend für den Abschluß der Vereinbarung war der Umstand, daß Nationale Front und Union Nationale programmatisch a u f dem gleichen Boden stehen, gleichzeitig aber auch die einzigen Erneuerungsbewegungen in der Schweiz sind, welche einen politischen Machtfaktor darstellen. Deutsch und Welsch wird von jetzt an in kameradschaftlicher Verbundenheit kämpfen gegen d i e Flut des Bolschewismus, gleichzeitig aber auch für die Befreiung unseres Volkes von den un° erträglichen Fesseln eines bankrotten Systems." Aus einer Mitte März von den beiden Bewegungen in Gens veranstalteten Kundgebung wurde der nicht sozialdenkenden „Bourgoisie" bedingungsloser Kampf angesagt und angekündigt, daß man sich in Zukunft insbesondere der Gewinnung der Arbeiterschaft widmen werde. Die „L e g a Nazionale Tici - n e f e" im Kanton Tessin ist vor wenigen Wochen dem erwähnten Abkommen beigetreten, so daß die nationale Erneuerungsbewegung in der gesamten Schweiz Fuß gefaßt hat. Die „Nationale Front", die uns hier näher beschäftigt, bekennt sich zum nationalen Sozialismus, der in feinen „Grundgedanken völlig dem entspricht, was das Wesen des wahren Eidgenossentums ausmacht." (Rolf Henne.) Jakob Schaffner, der in zahlreichen Kundgebungen der Erneuerungsbewegung spricht — wir hatten kürzlich Gelegenheit, einer solchen eindrucksvollen Versammlung beizuwohnen — wählt u. a. als Vortragsthema die Gegenüberstellung „Fremdwesen — Eigenwese n", um damit darzutun, daß der Kampf um den neuen Staat zur Besinnung auf die weltanschaulichen und politischen Grundsätze der alten Eidgenossenschaft aufruft, die von fremdländischem, mit Hilfe französischer Bajonette eingeführtem Gewächs des Parlamentarismus und Liberalismus verdrängt wurden. Der eidgenössische Sozialismus werde hie kommende Form der unmittelbaren Selbstregierung des Arbeitsvolkes sein. Der nationale Sozialismus der eidgenössischen Gemeinsamkeit wolle Unmittelbarkeit der Dolksherrschaft: der politisch mündig gewordene Arbeitsmann stehe heute im Vordergrund und nehme sein Schicksal selber in die Hand. Notwendig seien allüberall Bewußtwerden der nationalen Würde, verantwortungsbewußte Führung durch eine Gruppe freier Männer und Bereitschaft zum persönlichen Einsatz als der höchsten sittlichen Leistung, die der Mann geben kann. Der Appell zur Sammlung der nationalen Kräfte wendet sich in erster Linie an die eidgenössische Ju- Umxugsjbrgen leidht gemacht! Reisen, Bäder und Sommerfrischen B Stü(krath&Bender fiSalstückrathLBende GIESSEN GIESSEN ge- tal, dieser federnden, hüpfenden Stadt au der Sonnenstraße 31 Telephon 3214 ö Wohnungsanzeigen: Gießener Anzeiger MO BEL-TRAN SPORT Alle Mittel für die Möbel und W Adolph Lyncker Bahnamtliche Spedition \/c:DDAri/HMA I A IM/« VERPACKUNG • LAGERUNG GIESSEN - ERLENGASSE 7. FERNRUF 3947 PHÖNIX UfEDDE DRUCKSACHEN WERDE Brühl, Gießen . .und zum Bauen Die Donau rollt und schäumend. Und breit und und geschmeidig den Kirchen, an Wie groß sind die neuen Fenster? Welche Vorhänge müssen Fußboden- Pflege. 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Wer den Offizier mit der blanken Waffe anging, den rosigen Leutnant oder den breitschultrigen Hauptmann, in Trotz und Rausch und Jähzorn, oder wen das Heimweh verführte, daß er der Ehre uttd des Eides vergaß und schmählich davonlief, der mußte hier Karren schieben, Soldat zweiter Klasse, schielend hinunter auf die goldenen Dächer. In einer kleinen Schenke, die einem frommen Stift gehört, gibt es einen würzigen Wein. Der wächst über der Grenze auf einem Weinacker, den die Braunkuttenträger betreuen. Man schenkte in der Schenke, damals, vor Jahren, als ich dort war, nur diesen einen Wein und sonst nichts und gar nichts sonst. Man saß am butterweiß gefegten Tisch, und schon stand das funkelnde Glas vor einem. Brot mußte man selbst mitbringen. In der Schenke gab es nur den gelben Wein. Mit gemauerten Seitenwänden stößt eine Insel hinaus in das viele Wasser. Mit wippender Gerte steht an der vordersten Spitze ein Angler. Der Himmel wölbt sich herab. Das viele Wasser ist wie ein See, und Himmel und Erde verrinnen in eins, und der Angler angelt nach Fischen und Sternen. Ob der alte Stecher und Holzschneider Hans Se- baldt Lautensack die Stadt Passau jemals vor seine leiblichen Augen bekam, weiß ich nicht. Sein Nachfahr Heinrich Lautensack, der Dichter, der um 1910 im Wahnsinn in München starb, und dessen Andenken heut fast verschollen ist, dessen Werke man vergeblich in einem Bücherladen zu kaufen versuchen würde (auf einem Bücherkarren vielleicht oder bei einem Antiquar kann man einmal das eine oder andere aufitöbern), der ist hier in der Nähe, in Vilshofen, geboren, und lebte jahrelang in dieser Stadt und kehrte immer wieder hierher zurück. Er war zuhause hier, in dieser krausen und schroffen und lieblichen Landschaft, wie sie auf den Abbildungen der Donaumeister, des Augustin Hirschvogel, des Wolf Huber und des großen Albrecht Altdorfer ein zaubermächtiges Leben führt, mit Kalkfelsen und Stromdurchbrüchen und wehendem Strauchwerk und einem wolkenüberflogenen Himmel. Seine Gedichte sind stark und würzig und ein wenig auch wie der Schoppenwein in der kleinen Schenke, und gelbfunkelnd und prächtig und zierat- reich wie die Arbeiten eines anderen Ahnen von ihm, des Goldschmiedes Lautensack, von dem Goethe berichtet, daß er „ein geschickter, munterer Mann war, der wie mehrere geistreiche Künstler selten das Notwendige, gewöhnlich aber das Willkürliche tat, was ihm Vergnügen machte". Und ein wenig jo war Heinrich Lautensack wohl auch, der Dichter des „Hahnenkampfs" und des „Gelübdes" und der „Pfarrhauskomödie". Von kurzem, grünem, hellgrünen Stoppelgras be- flaumt steigt die Anhöhe sSnst hinauf. Da liegt gend und cm das Arbeitsvolk. „Eihgenoß wach uff!" ist das Losungswort, das eine Jugend vorfindet, die sich in steigendem Maße von den alten politischen Parteien abwendet. Die Absplitterung von diesen Parteien und die Bildung von Gruppen, der „Jungliberalen", „Jungkonservativen", „Jungbauern" ist ein bemerkenswertes Zeichen des wachsenden Parteienzerfalls. Jugend und arbeitendes Volk suchen nach neuen Gestaltungsformen der völkischen und staatlichen Erneuerung. Mit sicherem politischen Instinkt uno psychologischen Einfühlungsvermögen greift die nationale Erneuerungsbewegung in den innerpolitischen Entwicklungsprozeß ein, mit einem klaren Aufbaugrogramm, das die neue Zeit und ihren neuen Auftrag begreift. Dabei erscheint als wesentliche Aufgabe, sich nicht mit untergeordneten Reformoorschläaen zu begnügen, sondern in die Tiefe zu gehen und den Volkskörper von Grund auf zu erneuern, indem das Volk zu den heiligen Quellen der nationalen Kraft geführt wird. EDGAR Sm» Heinrich Lautensacks Haupt. Schmerzlich grinst sein geöffneter Mund, eine bräunliche Kiesgrube. Bäume, bufckig, blätterwuschlig, stehen im Halbbogen wie Augenbrauen. Abgetrennt liegt sein Kopf vom Rumpf, wächst zusammen mit der Landschaft, und wie eine freche, stechende, stachlige Nase mit nach oben stehenden Nasenlöchern erhebt sich ein Grasbuckel in der Mitte des Hanges. So sieht um die Abendröte weinrot des Dichters Kopf über die bayrische Stadt. Ein hoher Baum, eine kahle Föhre, sonnt sich am Erdbeerhügel. Eidechsen rascheln unten, die nackte Föhre wiegt sich im Blau. Es ist nur ein schwarzer Abdruck von der bräunen Kupferplatte, aber das Blau, das über der Föhre auf dem Stadthügel bläut, das tiefe, tönende, wankende Blau ist doch deutlich zu sehen. Hinter dem Hügel beginnen die Wälder, die schattenden, dunklen böhmischen Wälder. Nur die froschnackte Föhre ist auf die Platte gesprungen, voreilig, zu früh, und brät nun allein in der hitzigen Einsamkeit ihres Vorpostens. Denn nach Passau darf sie doch nicht hinein, dieser Stadt, schwankend und tänzerisch überm Drei lüsse- bei Linker&Sohn Gießen Ludwigstraßelö 2053D ZarbenhauS Obermann Sonnenstr. 15/Ecke Schulstr. Lob einer Stadt. Von Georg Britting. Als ich noch verliebter war in diese Stadt, und vermessen in meinem Urteil, und schnell fertig mit dem Wort, da schrieb ich wohl, daß Passau die schönste deutsche Stadt sei. Heute wage ich das von ihr so wenig 3U sagen als von irgendeiner anderen deutschen Stadt im Norden und im Süden, im Osten und im Westen. Aber wenn meine Liebe heute gezügelter ist und ich vorsichtiger geworden bin und von Passau als von einer der schönsten deutschen Städte spreche, so darf mich niemand der Uebertteibung zeihen. Es gibt Holzschnitte von einem alten und treuherzigen und klaräugigen Meister, von Hans Se- baldt Lautensack, der vor vierhundert Jahren lebte und arbeitete. Auf seinen vergilbten und bräunlichen Blättern sind die Umrisse von süddeutschen Städtebildern klar in den Himmel gezogen. So ist es oft bei ihm: Ein Netz von Strichen, ein Geflecht und Gespinst, ein Kreuz und Quer von Dächerkanten, von Fenstergesimsen, von Türmen und Mauern schwankt tänzerisch und verwegen über dem Flußtal. So ist auch Passau anzusehen, die Stadt, von der ich nicht weiß, ob der alte Holzschneider und Kupferstecher Lautensack sie jemals vor Augen bekam: ein hüpfender Ball über Ebenen und Wäldern. Drei Flüsse vereinigen sich rauschend ihr zu Füßen: die Donau, der Inn und die Jlz. Spiegelndes Wasser glänzt unvermutet auf hinter jedem Häuserblock, und von der breitesten der Brücken schaut der böhmische Beichtvater Nepomuk, der bis in den Tod schweigsame, hinunter zu den silbernen Fischen. Die Straßen steigen hurtig auf und nieder, verwandeln sich in Treppen mit moosbewachsenen, feuchten Stufen, und stürzen jäh und glitschig ab — und immer steht man dann an einem Fluß. Grün und geringelt wie Wasserschlangen, die ihr Element suchen, patschen die Treppenstraßen ins Strömende. Drei Tage ist man dort, dann unterscheidet man an der Farbe des Wassers, ob es die braunen Platte des alten Lautensack. Und aus den Versen des jungen Lautensack strömt der Dust dieser Landschaft zu mir her, und den funkelnden Schoppen halt' ich hinauf, empor zum Oberhaus, hinüber ins Adalbert-Stifter-Land, uttd fchwenk' ihn und schütt' ihn hinab zu Donau und Inn und Jlz. Als ich noch verliebter war in diese Stadt, viel verliebter als heute, und vericheffener, fa, frech in meinem Urteil und überaus schnell fertig mit dem Wort, da ließ ich wohl drucken, daß Passau die schönste deutsche Stadt sei. Heute wag' ich das von ihr so wenig zu sagen als von irgendeiner anderen deutschen Stadt im Norden und im Süden, im Osten und im Westen. Aber wenn meine Liebe heute gezügelter ist und ich vorsichtiger geworden bin, vielleicht zu vorsichtig, ja, leisetreterisch, und ich von Passau als von einer der schönsten deutschen Städte spreche, wer dürfte mich da der Heber» treibung zeihen, wer? Wanderfahrten. Gedern — Großer See — Bilstein — Hoherodskopf — Schotten. Diese lohnende Vogelsbergwanderung beginnen wir in Gedern. (Sonntagskarte Gedern—Schotten zurück.) Nachdem wir das freundliche Bergstädtchen durchschritten haben, führt uns ein Fußweg in westlicher Richtung über den Galgenberg nach dem teilweise von Wald umsäumten, reizvoll gelegenen „Großen See". Hier stoßen wir auf grüne Kre.uze, denen wir nunmehr nachgehen. Wir kommen zunächst auf eine breite, mit mächtigen alten Lindenbäumen bestandene Allee, später durch schönen Buchenhochwald zum Pilstein, einer gewaltigen Basaltgruppe. Hier erfreuen wir uns an der herrlichen Fernsicht und wandern dann blauen Strichen nach über blumenreiche Triften, später durch Wald, an der Wasserleitung vorbei, zum Hoherodskopf, wo uns das bedeutend vergrößerte Klubhaus des VHC. zur Rast einladet. Zum Abstieg folgen wir grünen Ringen, die uns über Breungeshain und Michelbach nach unserem Endziel Schotten bringen. Dauer der Wanderung etwa 5% Stunden. Gießen — Hangelstein — Beuern — Großen-Buseck. Diese Wanderung beginnen wir am Justizgebäude und folgen blauen Dreiecken, die uns bis Beuern das Geleite geben. Wir gehen über die Wiesen, am Rande des Philosophenwaldes entlang, nach Wieseck, das wir durchschreiten und bei der Ludwigsburg in den Wald einbiegen. Das Zeichen führt uns über die Höhe des Hangelsteins, an verschiedenen beachtenswerten Punkten, wie den schönen Ausblick über dem Steinbruch, Felsenkanzel mit Staufenbergblick, Teufelskanzel und Unionslinde, später am Hölzernen Born vorüber zum Daubringer Paß. Hier bieten sich wiederum hübsche Blicke, zur Rechten in das Buseckertal mit einigen Dörfern, zur Linken in das Lumdatal mit Staufenberg und Totenberg. Nachdem wir ein kurzes Stück über freies Feld gegangen sind, nimmt uns wieder der Wald auf. Auf stillen, lauschigen Pfaden, eine kleine Weile mit roten Punkten gemeinsam, wandern wir weiter, bis sich uns am Waldausgang ein prächtiger Blick auf das im Tal liegende Beuern mit den umliegenden Höhen bietet. Bald ist das freundliche Dorf erreicht, wo eine Rast am Platze ist. Um zum Endziel Großen-Buseck zu gelangen, benutzen wir die aussichtsreiche Landstraße. Wanderzeit etwa 4 Stunden. Abhärtung an der See Unter vielen anderen Aufgaben hat die menschliche Haut auch die der Wärmeregulation gegenüber der wechselnden Lufttemperatur. Sie erfüllt die Aufgabe dadurch, daß sich auf Kälte- oder Wärmereize ihre Blutgefäße verengen (weniger Wärme abgeben) ober erweitern (mehr Wärme abgeben). Das Gegenspiel wird durch besondere verengende oder erweiternde Gefäßnerven geleitet. Abhärtung, Widerstandsfähigkeit gegen Wetterein- lüsse, bedeutet nichts anderes, als daß die Ge- fäßnerven in gutem Stande und in Hebung find. Keine körperliche Funktion verliert beim Stadtmenschen ihre Hebung aber so wie diese. Daher die Anfälligkeit gegen die sogenannten Erkältungen und alle möglichen Krankheiten. Das beste Training für die Gefäßnerven ist wie Professor Curschmann, Rostock, in der „Deutschen medizinischen Wochenschrift" ausführt, ein Aufenthalt an der See. „Nirgends pflegt der Mensch, auch der sonst „verpimpelte", so leicht bekleidet sich von rüh bis spät zu bewegen, nirgends — abgesehen )on der kurzen Sonnenzeit im Gebirgswinter — riert er trotz geringster Bekleidung so wenig wie am Meeresstrande. Jakob Schaffners Aufklärungsfeldzug will auch die bessere Einsicht des Schweizervolkes für die Tat Adolf Hitlers wecken und damit die Wiederauferstehung des durch den Nationalsozialismus geeinten deutschen Volkes als geschichtliche Notwendigkeit im Dienste der Erneuerung Europas und als Bollwerk gegen die bolschewistische Gefahr darstellen. „Mit glühender Liebe umfaßt er (Jakob Schajf- ner) seine Schweiz und möchte sie vor einer falschen Beurteilung des Nachbarn hüten. Er sieht die Folgen kommen, die aus Verleumdungen früher oder später sich ergeben werden Er sieht die gemeinsame Geisteskultur in Gefahr, Gottfried Kellers und C. F. Meyers Erbe, die beide in Deutschland fast noch mehr verehrt werden, als daheim, und heute, was zweifellos ist, wenn sie unter uns lebten, auf Schaffners Seite stünden, der Deutschland und die Schweiz vor einem unheilbaren Riß retten und bewahren möchte " (, Schweizerisches Protestantenblatt.") »Ai re Main wie FRANKFURT AM MAIN gegründet 1829 Das Einrichtungshaus für alle und jeden! 3560 V HANDELSMARKE Unsere große Sonder-Abteilung für Deutsche WK~Möbel ist eine Sehenswürdigkeit für alle Freunde zeitgemäßer Wohngestaltung. WK-Möbel sind mustergültig in Form und Arbeit, seit über 20 Jahren bewährt. Verkaufsstelle: nem Bannes I der Oper die Feier der in ( neue @< fodfieit, (Maut i Haus, da Ehre un Hinter d bestimme nicht leid les, aber bie groß, ber jung der Ansti dringende beit unser hielt die die ctab; Schule, g nähme di Wesenheit kennung, für die 5 Redner d stete hilf Kopf uni den. Der feine Pfl *Frie güt di berg bri Freitag von be hing- » Adolf lytech! feierlich mung 1 Neubau, von impi und eine mäßigen sich im Flaggen Schein > Sonne e Anblick, nahmen 9^, je tige W malige c nitums i dere Bedi kam dad druck, Reichsstal Rings! waren. Zu Be nen der nen und und BD' ger Reih "PPigtn (8 •’S der vl döifdjen d lieg, Wgen': ?e» iu, 8 öu® larari ha y 6h Marmora ^.vie ha toröer s" 3"Pil Ms, öer Leda B» ihrer r n Wan en. Brani 3Ü t ”us de H bet h"°Ph°, ’hitoe (FpC x?'- bat b61 K05.? 6* Nr i« ;Lrlc" A' 1 Autohilfe: Rufnummer 04 beim Postamt Gießen. tesdienst. — Lich. 9.15: Beichte; 9.30: Gottesdienst; Feier des hl. Abendmahls; Stiftspfarrer Naumann; 13: Kinderkirche; 14: Gottesdienst; Pfr. Döll, Steinbach. — Rieder-Bessingen. 13.30: Gottesdienst; Stiftspfarrer Naumann. — Langsdorf. 10: Christenlehre; 11: Hauptgottesdienst. — Bettenhausen. 13.30: Hauptgottesdienst. — INünzenberg. 10.30: Gottesdienst. — Trais-Blünzenberg. 8.30: Gottesdienst. — Hungen. 10: Gottesdienst; 11: Kindergottesdienst. — Reinhardshain. 9.30: Gottesdienst. — Beilsberg. 13: Gottesdienst. — Allen-Buseck. 10: Gottesdienst. Montag, den 7. Juni. Lollar. 20.15 Uhr: Bibelstunde. Mittwoch, den 9. Juni. Gießen. Sladtkirche. 20 Uhr: Abendandacht. Donnerstag, den 10. Juni. Gießen. Zohannessaal. 20 Uhr: Bibelstunde; Pfr. Ausfeld. — Lollar. 20.30: Helferkreis des Kindergottesdienstes. Evangelische Sladlmission (Christliche Gemeinschaft innerhalb der Kirche), Löberstraße 14. Sonntag, den 6. Juni. 8.30 Uhr: Morgenandacht; 9.45: Sonntagsschule; 16: Jugendfrauenstunde; 20.30: Evangelisationsvortrag. — Mittwoch, den 9. Juni. 20.30: Bibelstunde. Daptistengemeinde, Gartenstraße 13. Sonntag, den 6. Juni. 11 Uhr: Kindergottesdienst; 16: Predigt. -- Donnerstag, den 10. Juni. 20.15: Bibelstunde. Christliche Gemeinde, Zu den Mühlen 2. Sonntag, den 6. Juni. 9.30 Uhr: Erbauungsstunde; 11: Sonntagsschule; 20.30: Evangelisation. katholische Gemeinden. Samstag, den 5. Juni. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichtgelegenheit (auch spät abends noch). 8 bis 21 Uhr. Stadtpostamt: Für Schließfachabholer bis 13 Uhr. Sanitätskolonne: Telefon 2500. Falls behandelnder Arzt nicht zu erreichen: Arzt: Dr. Wolf. Zahnarzt: Dr. Schott. Apotheke: Neue Apotheke. * Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 6. Juni. Gießen. Sladtkirche. 8 Uhr: Pfr. Becker; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Markus- gemeinde; 9.30: Pfarrassistent Daudt; 11: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde; Pfarrassistent Daudt. — Zohanneskirche. 8: Pfr. Ausfeld; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Johannes- und Militärgemeinde; 9.30: Pfr. Bechtols- heimer; 11: Kinderkirche für die Lukasgemeinde; Pfr. Bechtolsheimer; 20: Bibelbesprechstunde im Johan- nessaal; Pfr. Bechtolsheimer. — Kapelle des Allen Friedhofs. 9.30: Pfr. Scott; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Luthergemeinde; 11: Kinderkirche für die Luthergemeinde; Pfr. Scott. — Petruskapelle (Wetzlarer Weg 59). 9.30: Studienrat Dr. Unverzagt; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Petrusgemeinde. — Saal der Neuen Krippe. 11: Kinderkirche für die Johannes- und Militärgemeinde; Pfr. Ausfeld. — Wieseck. 9.30: Gottesdienst. — Steinbach. 10: Gottesdienst und Christenlehre. — Albach. 9: Gottesdienst. — Rödgen. 10: Gottesdienst. — Annerod. 12.30: Gottesdienst. — Heuchelheim. 10: Hauptgottesdienst; 11: Kindergottesdienst (1. Abt.); 13: Kindergottesdienst (2. Abt.).— Kirchberg. 10: Gottesdienst; 11: Christenlehre für die männliche Jugend; 13.30: Festgottesdienst anläßlich des Kreisverbandstreffens der Evangelisch-kirchlichen Frauenhilfe; Propst Knodt, Gießen. — Mainzlar. 10: Gottesdienst; anschließend Kindergottesdienst. — Lollar. 9: Kindergottesdienst. — Klein-Linden. 9: Gottesdienst; Christenlehre für die weibliche Jugend; 10.15: Kindergottesdienst; 20.15: Frauenhilfe. — Garbenleich. 13: Gottesdienst. — Hausen. 10: Got- Sonntag, den 6. Juni. Fest des hl. Bonifatius und Gottbekenntnistag der katholischen deutschen Jugend. Gießen. 6 bis 6.45 Uhr: Beichtgelegenheit; 6.45 (nicht wie sonst um 7 Uhr): Gemeinschaftsmesse mit Ansprache und hl. Kommunion der Jugend; 9: Hochamt mit Predigt; 11.15: hl. Messe mit Predigt. (Die Nachmittagsandacht fällt aus.) 20: Feierstunde mit Predigt in der Kirche. — Grünberg. 9.45: Hochamt mit Predigt. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt; 20: Vortrag und Andacht. — Laubach. 10: Hochamt mit Predigt. — Nidda. 8.15: Hochamt mit Predigt. — Scholten. 10.30: Hochamt mit Predigt. Montag, den 7. Juni. Gießen. 17 Uhr: Versammlung des 3. Ordens mit Ansprache. oefsenlllcher Sonntagsdienst. Polizei: Telefon 2751, nur in dringende« Notfällen Telefon 01. Feuerwache: Telefon 2244/45, Notruf leit« fon 02. Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst Die Industrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 377: Nachtrag zur Gebührenordnung der Ueberwachungsstelle für technische Erzeugnisse. — 378: Neue Uebersicht über die Sachgebiete der Devisenbewirtschaftung und Verzeichnisse der Erlasse. — 379: Warenverkehr mit Afghanistan. — 380: Bedeutende Frachtermäßigung für Düngemittel zur Verwendung im Deutschen Reich. — 381: Weiterführung der Aski im zweiten Halbjahr. — 382: Behandlung von Dermögenserträgnissen im Verkehr mit Italien. — 383: Einfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse im zweiten Halbjahr 1937 in Italien. — 384: Zu den Handelsvertragsverhand- lungen mit Frankreich — Reiseabkommen ab 1.6. in Kraft. — 385: Der Warenverkehr über Jnlands» konten mit den Vereinigten Staaten. — 386: Gesetz zur Regelung von Kapi'talfälligkeiten gegenüber dem Ausland. — 387: Umrechnungskurse in den Güterund Tierverkehren mit dem Auslande. — 388: Frachtlisten bei Sendungen nach den Niederlanden. — 389: Beginn von deutsch-litauischen Verhandlungen über die Verlängerung des Handelsabkommens. — 390: Vorschriften für die Einfuhr in Italien im zweiten Halbjahr 1937. — 392: Umsatzsteuerumrechnungssätze für Mai. — 393: Abschluß der deutschniederländischen Regierungsausschußverhandlungen. Neues deutsch-niederländsches Transfer-Abkommen. Unterzeichnung einer Vereinbarung über den Reiseverkehr mit den Niederlanden. — 394: Verordnung über die vorläufige Anwendung einer zweiten Vereinbarung zum deutsch-italienischen Verrechnungsabkommen. — 395: Warenverkehr mit Manchukuo. — 396: Neuregelung von Kapitalverbindlichkeiten gegenüber dem Ausland. — 397: Telegrammverkehr mit Albanien. — 398: Zolloergünstigung für Wertgegenstände bei der Einfuhr zur Internationalen Ausstellung Paris 1937. Nervis - Erschöpfte Spezialkuranstalt Hofheim 3 (Taunus) bei Frankfurt am Main. Telelon 214 Mäßige Preise. S.-R. Dl M. Schulze-Kahleyss, Nervenarzt 3e0er Rheumatismus, GW-oO.Mlas- krankewäremir dankbarfalls er wie sehr viele seiner Leidens- aesährt., ebenfalls von sei- nenSchmerzen befreit würde. Meine Auskunft kostet und verpflichtet zu nichts. Max Reissner. Berlin-Halen- fee 460 a (3752V) Pharmaz. Erzeugnisse. 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Sy. Berlin 13. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) „Jetzt hab' ich's mit ihr verschüttet. Eifersüchtig ist die, nicht zum Sagen! Aber sonst, alles, was recht ist, könnt' ich mich nicht beklagen. Sie ist eine gute Haut. Nicht so bissig wie die vom Ameiser oder so geizig wie die vom Kern. Was ich noch sagen will — gel, wenn du mich brauchst oder eins von den Kindern, wir sind immer da für dich. Jetzt am Anfang wird's einen Haufen zu tun geben." „Vergelt's Gott, Fenzl. Ist schon recht. Also am Abend beim Wirt!" „Servus, Josef."--- Mit dem Eintritt des Postboten Ameiser war der „Beritt" vollzählig. Der Postbote, ein schmächtiger, bescheidener Mensch mit einem Gesicht, das ständig nach Kummer aussah, wurde von Fenzl mit Hallo empfangen und spöttisch gefragt, ob die Afra den Hausschlüssel denn gutwillig herausgegeben habe. Der Ameiser lächelte verlegen. Ganz Schellenberg mußte, daß er unter dem Pantoffel stand und sein ältliches, zänkisches Weib eine Höllenstrafe war. Wenn es gerecht zuginq nach dem Tode, mußte der Ameiser nach dem letzten Schnaufer geradeswegs die Fahrt in den Himmel antreten. Vielleicht wäre die Ameiferm weniger hart und sauer geworden, wenn sie Kinder gehabt hätte. Andere hatten Kinder oft viel zu viel, und sie hatte keine, das war ihr Gram. Es war heute nicht leicht geworden, sie zu überzeugen, daß dieser Wirtshausbesuch eine Ehrensache war; aber Ameiser hatte ihn durchgesetzt. Fogg zuliebe wäre er sogar ohne Hausschlüssel gegangen; denn er hing an Fogg, der ihn draußen stets ein wenig unter seine Fittiche genommen hatte In seiner verhaltenen, leise besorgten Art hatte er all die Jahre her für den Abwesenden geschwärmt, und nun saß dieser leibhaftig da, hielt interessante Reden, und man durfte zuhören und Freibier trinken, soviel man wollte. Einen so guten Tag hatte der Ameiser schon lange nicht mehr gehabt. Der Wirt Kern stand von Zeit zu Zeit auf und füllte die Krüge nach. Er schaukelte eine schwarze Virginia zwischen den Zähnen, und wenn er saß, quoll sein Bauch über die Tischplatte. Er war wie die anderen um die Vierzig herum, und es tat ihm wohl, daß wieder mal ein richtiger Betrieb am Stammtisch war, während sonst nur der Steuerbote dort saß oder einet vom Amtsgericht und Papier vollkritzelte, anstatt zu trinken. Denn bei den Schellenbergern war seit Jahren das Geld rar, und sie gingen nur an hohen Festtagen in die „Sonne". Kerns magere Frau saß strickend am Nebentisch, und ihre zwei erwachsenen Töchter klaubten Erbsen in eine Schüssel. Kern war der Wohlhabendste im Ort, aber das machte der Viehhandel und nicht etwa die Wirtschaft. Fogg erzählte. Von den ausgewanderten Landsleuten, von Peru im allgemeinen und von Santa Agatha im besonderen. Er nahm schwer auszusprechende Worte wie Manoikwurzel, Kaziken und Mangroven mit einer Leichtigkeit in den Mund, als wären sie alltäglich und hinter je-dem Schellenberger Gartenzaun zu finden. Er schilderte, wie drüben der Urwald durch Brennen gerodet wird, wie billig man den besten Boden bekommt und daß die Hauptsache der Reis, das Zuckerrohr und die Farbhölzer sind. Zwischenhinein streute er spannende Anekdoten und Jagdabenteuer. „Teifl, Teifl", sagte der Fenzl ein über das andere Mal und zog aufgeregt sein Schmalzlerglasl. „Das ist ein Land, das lob ich mir! Magst vielleicht auch ein Schnüpferl, Josef?" Der Fogg nahm eine Prise und mußte heftig niesen. Na, die Anna wird ja schöne Augen machen, wenn sie das Taschentuch in die Wäsche bekommt! dachte er beklommen; aber anderseits war doch eine diebische Freude dabei wie bei allen Männern, die etwas Verbotenes tun, etwa die Stiefel auf das Sofa legen oder in vernachlässigter Kleidung im Hause herumlaufen. Der Fenzl tat einen tiefen Zug aus seinem Glas, um die Begeisterung hinunterzuschwemmen. Und dann redeten und fragten sie durcheinander, und alle auf einmal — niemand wußte, wie — waren Gommersonne über -em Hohen Vogelsberg. i* * h M IT M Wz ? 88 %1\ H W\ Das Klubhaus, vom Walde aus gesehen. Der Dor- und Erweiterungsbau mit großen Aussichtsfenstern. -r-. Ueber dem Hoherodskopf, der sich im vergangenen Winter seinen vielen Freunden so wenig gnädig zeigte, liegt jetzt strahlende Sommerfonne. Der Wind bläst stetig über die Höhen, herauf den Hang von Breungeshain, und läßt die Gräser und Blumen der Heide in ständiger vibrierender Bewegung sein. Der klarblaue Himmel spannt sich weit über Täler und Berge unserer Heimat und läßt alle Unendlichkeit des Raumes ahnen. In der klaren Luft wird Straße aus, die von Schotten (über einen Teil der Rennstrecke) nach Lauterbach führt, und in die bei Ulrichstein die die Ohmstraße einmündet, führt die Oberwald- st r a ß e zum Hoherodskopf Die Oberwaldstraße! Im Laufe des vergangenen Jahres wurde sie in neuer Gestalt ihrer Bestimmung übergeben. Wie ein weißes Band schlängelt sie sich in mancher ausholender Windung, auch in kurzen Kurven auf einer Strecke von sechs Kilometer hinauf zum Hoherodskopf. Der Kraftfahrer fühlt sich auf die Reichsautobahn versetzt, wenn er diese Straße fährt, denn sie wurde in der gleichen Technik hergestellt, wie die Reichsautobahn. Hin und wieder begegnen dem Erholung suchenden Gast die Fuhrwerke der Holzfahrer, die hier geruhsam ihren Pferden die Initiative lassen können, denn der Weg zu den Holzplätzen ist weit hinauf unmißverständlich. Zur Linken und zur Rechten des Betonbandes verliert sich der Blick in stille Schneisen, die oft wochenlang kaum eines Menschen Fuß betritt. Hin und wieder wird der Wald längs der Straße durch weite Wiefenflächen unterbrochen. Und auf diesen Wiesen wird dem Naturfreund etwas besonderes auffallen, etwas, was er nicht überall finden wird: die Wollblume! Gerade jetzt steht sie in voller Blüte und hängt ihre weißen Wollbüschel wie Fahnen in den Wind. In freundlicher Gesellschaft stehen die Blumen beisammen und bilden in den Wiesen große helle Tupfen. Wer die Heimat und ihre Erscheinungen liebt, weiß Bescheid; die Wollblume steht unter Naturschutz! Wer am Hoherodskopf weilt, wird nicht versäumen, dem Klubhaus des Vogelsberger Höhen-Clubs einen Besuch abzustatten Im Klubhaus hat sich aber einiges geändert, und wer längere Zeit nicht oben war, wird angenehm überrascht sein. Das Klubhaus hat eine Erweiterung erfahren, die in erster Linie dem Gastraum zugute gekommen ist. Durch breite Fenster fällt an sonnigen Tagen eine Ueberfüüe des Lichts in den Raum. Auf allen den sauber gedeckten Tischen stehen Blumensträuße und bieten dem einkehrenden Wanderer freundlichen Gruß. In den letzten Tagen des Mai, aus Anlaß der 56. Hauptversammlung des VHC. wurde der erweiterte Raum offiziell im Rahmen einer kleinen Feier seiner Bestimmung übergeben. Aeußer- lich zeigt sich die Klubhauserweiterung als ein Vorbau, der im Backsteinbau aufgeführt wurde, der sich gegenwärtig allerdings noch etwas hart gegen die fchindelbedecktenWand- flächen der bisherigen Gebäudeteile abhebt. Im Zusammenhang mit diesem Erweiterungsbau wurde auch der Platz unmittelbar vor dem Klubhaus durch eine Aufschüttung vergrößert und planiert, so daß für die Zukunft auch die Möglichkeit gegeben sein wird, an schönen Tagen wie auf einer Terrasse im Freien zu sitzen und einen weiten ungehinderten Rundblick zu genießen. Bei einem Spaziergang auf dem Hoherodskopf wird man nicht versäumen, sich auch einmal den Gedenkstein anzusehen, der an jener Stelle liegt, an der vor der Machtergreifung der Führer Adolf Hitler zu 40 000 Bauern unserer heimischen Landschaft sprach. Wer bei dieser Kundgebung mit dabei sein konnte, wird sich angesichts des Gedenksteins auf dieser windumwehten Höhe gern des festlichen Tages erinnern, zu dem viele Bäuerinnen und Bauern, viele Burschen und Mädchen in farbenfreudigen Trachten gekommen waren. * Unmittelbar hinter dem Waldgarten, der das jetzt ganz im Grünen versteckte idyllische Jägerhaus umgibt, sind zahlreiche Sprunggruben ausgehoben, die darauf aufmerksam machen, daß der Hoherodskopf auch die Stätte eines heimatlichen Bergfestes ist, das die Kameraden aus dem Reichsbund für Leibesübungen zu einer schönen Tradition führen wollen und sühren werden. Das diesjährige Hohe- rodskopf-Bergturnfest wird Turner und Sportler zu Ende August auf dem Berge vereinigen. Der Vogelsberger Höhen-Club wird mit feinen Mitgliedern ebenfalls zahlreiche Festteilnehmer stellen, denn am Vormittag des gleichen Tages findet am Ehrenmal der gefallenen DHCer auf der Herchenhainer Höhe wieder die Gefallenen-Gedenkfeier statt. * So wächst uns der heimische Berg, der uns burch die ständigen Verbesserungen unserer Verkehrsmittel, durch die ausgezeichneten Straßen, durch Eisenbahn und Omnibus immer näher zu kommen scheint und in kurzer Zeit erreichbar ist, auch näher an unsere Volksgemeinschaft. Die Bergeshöhe, die den Men- Hier beginnt die Oberwaldstraße, 6 km zum Hoherodskopf. (Aufnahmen [5]: Neuner, Gießener Anzeiger.) ,/v/' v . fchen immer innerlich freier zu machen vermag, als er es sonst vielleicht ist, sollte mehr und mehr aufgesucht werden, zudem ein solcher Ausflug in eine Landschaft fern der Stadt neu vertraut macht mit den Erscheinungen unserer Heimatnatur. Wer Glück hat, sieht über den Vorhöhen des Vogelsbergs den interessanten Raubvogel, den roten Milan, kreisen, hört überall, den heiseren Schrei des Bussards, wer Lust dazu verspürt, kann den urwald- haften Wald am Taufstein durchstreifen, kann zu den seltenen Hochmooren wandern, die schönen Säulenbasalte am Bilstein bewundern, seltenen Pflanzen nachforschen und sich an ihrem Blühen und Wachsen freuen. Immer wird eine Wanderung in die Berge unserer Heimat ein reicher Gewinn sein. N. das Ferne zum Nahen. Es ist einzigartig schön, sich jetzt den Hoherodskopf zu erwandern. Sage niemand: „Der Hoherodskopf ist so weit!" Sage auch niemand: „Ach, ich war ja schon einmal oben!" Muß man sich die Berge unserer Heimat denn nicht immer neu erwandern? Bieten sie sich nicht zu jeder Zeit des Jahres immer anders dar? Im übrigen: Wer einmal Umfrage halten wollte im Kreise seiner Freunde und Bekannten, würde erstaunt sein, zu hören, wie viele ihrer noch nie und wie wenige selten oben waren. Für manche liegt ein Besuch des Hoherodskopses Jahre zurück. * Und doch ist unser heimischer Vogelsberg leicht zu erreichen. Tadellose Straßen führen hinauf, fei es die O h m st r a ß e, die über Grünberg, Mücke, Ruppertenrod, Ober-Ohmen, Unter-Seibertenrod nach Ulrichstein hinaufführt, oder sei es die schöne Straße über Steinbach, Lich, Laubach und Schotten, von der aus sich allenthalben schöne Ausblicke über die sanft geschwungenen, allmählich ansteigenden Höhenzüge des Vogelsbergs gewinnen lassen. Feiner sind die Reize der Straße über Laubach—Schotten, ausfälliger aber erschließt die Ohmstraße den eigenartigen Charakter der heimischen Berge. Von der Teilansicht des erweiterten Gastraumes im Klubhaus. -U Nebenzimmer im Klubhaus in neuer Ausstattung. 9 sie mitten im Krieg drin und mitten in den Erinnerungen. Den kannten alle, und nicht zu knapp. Und sie hieben einander auf die Schulter und freuten sich, daß er sie verschont hatte, und schämten sich insgeheim ein bißchen, daß ihr Zusammenhalten und ihre Frontkameradschaft im Lauf der Jahre etwas aus dem Leim gegangen war. Und es schien, als ob diese nur auf den verflossenen Gruppenführer Fogg gewartet habe, um wieder aufzuleben. Fogg stiefelte mißmutig über seine nasse Wiese. Ueber Nacht war der Weißelbach über die Ufer getreten und hatte die angrenzenden Grundstücke überschwemmt. Ein neuer Schlag für die betroffenen Schellenberger. Der Bach, ein Nebenflüßlein der Jlz, floß in normalen Zeiten gesittet zwischen den Wiesen dahin und war ein Labsal für Mensch und Tier. Sobald aber im Frühjahr der Schnee von iben Bergen schmolz, benahm er sich unbotmäßig und war nicht wiederzuerkennen. Foggs Blicke glitten über die versaute Wiese hin, die voll Geröllbrvcken und Schlamm lag. Plötzlich stutzte er. Stand da nicht eine junge Dame, einbeinig wie ein Storch und ziemlich ratlos, in dem Gsodmair seiner Hecke und winkte? Fogg eilte hinüber. Seinen gefetteten Schuhen und Wickelgamaschen schadete ein bißchen Wasser nicht. Er hatte eine Lodenjoppe mit Hirschhornknöpfen an und sah wie ein Einheimischer aus. „Wo fehlt's denn, Fräulein?" „Ich habe mich verlaufen und finde nun nicht mehr heraus. Ich dachte, das Brücklein fei noch da, aber der Bach hat es mitgenommen. Ich bin schon ganz naß", sagte sie kläglich. „Wart, ich trag’ Sie heraus" erwiderte er gutmütig und nahm sie kurzerhand auf feine Arme Donner und Doria, dachte er dabei, das ist mal eine Hübsche! Hellbraunes Haar, blaue Augen, ein pikant geschnittenes Gesichter! und gewachsen, daß es ein wahrer Staat ist ... bei der Erschaffung von der hat der liebe Gott eine extra gute Hand gehabt! Mit starkem Genuß trug er dies Bündelchen Wärme und Frau, das zart nach einem unbekannten Parfüm duftete, ms Trockene und ertappte sich bei dem Wunsch, es noch ein wenig oben zu behalten. Aber das ging wohl nicht an. .Danke", sagte die junge Dame freundlich. „Oh, gerne geschehen! Schade um die armen netten Schützer!..." „Ich glaube, das läßt sich wieder in Ordnung bringen." „Ihre Strümpfe müssen doch ganz feucht fein? Setzen Sie sich mal auf diesen Balken, er ist ganz sauber. So, und jetzt geben Sie mal den Fuß her." Er streifte, ohne viel zu fragen, den Schlangenhautschuh ab und rieb mit seinem Taschentuch den dünnen Strumpf leidlich trocken. Als er den zweiten mit einem abschließenden Klaps aus der Behandlung entließ, riet er: „Am besten gehen Sie gleich heim und ziehen sich um." „Sie haben recht. Also vielen Dank nochmals und Grüßgott!" Sie blieb noch ein paar Sekunden unschlüssig stehen, dann schritt sie rasch davon. Fogg starrte ihr nach, auf eine durchdringend süße und beklommene Art verzaubert. Aus Schellenberg ist die meiner Lebtage nicht, überlegte er. Eher vom Schloß. Vielleicht ein Besuch. Ich bin ein Esel, daß ich mich nicht vorgestellt habe; dann wüßte ich jetzt den Namen. Herrlich aufgestöbert und durcheinandergebracht trat er den Heimweg an. Als er pfeifend die Haustür öffnete, staubte Anna gerade die Bilder ab. Eins stellte Napoleon auf St. Helena dar. Der Korfe sah wie ein betrübter kleiner Krämer aus, der mit der Steuerbilanz nicht zurechtkommt. Sie stand auf einer Leiter, und ihr kurzes Röckchen wippte vor Eifer. „Hör mal, Anna, du bist mir zu fleißig. Du mußt dich mehr schonen. Wenn du zusammenklappst, wie stehe ich bann da, du tüchtige kleine Hausfrau?" Ihr Gesichtchen glühte vor Freude. „Oh, ich bin zäh, Jofi. Und ich tue es doch gern. Heute mittag gibt es Pfannkuchen. Eigentlich wollte ich ja Eisbein mit Sauerkohl machen, aber das hat nicht geklappt. Denk mal an, die hier kennen das gar nicht!" „Kennen sie schon. Nur heißt das hier anders. Du mußt Schweinshaxe und Sauerkraut verlangen. Na, diese Mundartschwierigkeiten geben sich mit der Zeit. Vielleicht kannst du die Pfannkuchen bald machen? Ich habe einen schandbaren Hunger!" „Sofort, Josi." Sie eilte in die Küche. Fortsetzung folgt. Aus Natur und Technik. Mit demKmzwellenfender unterwegs. Neue Wege der Zunkberichterstatiung. Wer hätte sich bas vor mehr als zehn Jahren vorstellen können: In einer Marschkolonne marschiert ein Funkberichter, den Kurzwellensenber auf bem Rücken, ben Hörer über bem Kopf unb bie linke Hanb auf bas Koppel gestützt, bas bas Bedienungs- gerät für ben Reportagesender trägt. Eden gibt ber Sendeleiter, zwei Kilometer vom Ort bes Sprechers entfernt, ben Befehl „Beginnen Sie!", unb im gleichen Augenblick, in bem der Funkberichter seine Schilberungen aufnimmt, schaltet sich bas Kurzwellengerät selbsttätig burch ben Sprechwechselstrom ein. Schweigt ber Funkberichter, so ist bie Anlage automatisch für Empfang bereit, unb ber Regieleiter kann seine Anweisung zurufen: „Bitte lauter sprechen!" Von einem erhöhten Stanbort aus Überblicken wir bie Menschenmassen. Dort ragt bie Stabantenne bes Kurzwellensenders über bie Marschkolonne hinaus, unb jetzt marschiert ber Berichterstatter sprechend an uns vorüber. Aber bas Mikrophon selbst bleibt unsichtbar, denn ber Sprecher trägt es an einem angeschnallten Lederhals- banb. Es ist ein neues, kleines Berührungsmikrophon, bas nicht einmal bas Tragen einer Gasmaske behinbert unb bie Hänbe vollkommen freiläßt. Unb dort brüben entbecken wir bie Empfangsstelle mit bem Senbeleiter. Sie empfängt bie Kurzwellensendung bes marschierenden Sprechers auf genau vereinbarter Wellenlänge unb überträgt sie über Kabel auf ben Reichssender. Wie war es boch in den Anfangszeiten bes Rund- funfs? Da galt ber Funkbericht als ausgefallenes Steckenpferd einiger funfbefeffener Außenseiter, die sich mit dem weißen Marmorblock im stillen Sende- raum nicht begnügen wollten unb versuchten, bas empfindliche, wohl behütete Mikrophon in bie breite Öffentlichkeit unb in bas lebendige Geschehen bes Alltags zu zerren. Der Vorstoß ins funkische Neu- mußte aber irgenbroann einmal gewagt werben, unb gerade jene Vorkämpfer bes Funkberichtes, die vor mehr als zwölf Jahren zu den weniger beliebten Mitarbeitern ber Funkhäuser zählten, haben sich heute bie Herzen ber Millionen Rundfunkhörer erobert. Niemand mehr möchte ben Funkbericht von politischen, sportlichen und sonstigen aktuellen Ereignissen im Funkplan unserer Reichssender missen. Ein erfolgreicher Funkberichter erzählte einmal, über bie früheren Schwierigkeiten bes Funkberichtes befragt, bas Unangenehmste für ben Funkberichterstatter fei stets das hemmende Bewußtsein gewesen, über ein Kabel zu sprechen, bas irgendeinmal nicht mehr ausreichte unb meistens im allerungünstigsten Augenblick bie Bewegungsfreiheit bes Sprechers stark behinderte. Es ist oerftänblich, wie sehr diese starre Bindung bes Mikrophons an ben vorgeschriebenen Uebertragungsort bie sprecherische Leistung benachteiligen kann und, wie die Praktiker versichern, auch oft genug benachteiligt hat. Heute wird der Rundfunkhörer kaum mehr einen mißlungenen oder uninteressanten Funkbericht zu hören bekommen; denn bie technischen Mittel ber Funkberichterstattung sinb inzwischen hinreichend vollendet und verfeinert worden. Wir bewundern die Leistungen jenes berühmt geworbenen Staffelberichtes vom Avusrennen, die packenden Schilderungen von Bord des Luftschiffes „Hindenburg", bie Hervoragenden Übertragungen ber Reichsparteitagsfeierlichkeiten und nicht zuletzt bie in aller Well mit großer Begeisterung aufgenommenen Olympia- Funkberichte als großartigste Leistung des deutschen Zeitfunks. Alle diese Spitzenleistungen bes Funkberichtes wären unmöglich gewesen ohne ben Kurzwellenreportagesender, ben ben Funkberichter vom Kabel befreit und ber künstlerischen Gestaltung bes Funkberichtes keine Grenzen setzt. Früher be- förberte man Kurzwellensenber in Reportageautos. Jetzt sind die Einrichtungen schon so klein geworden, baß z. B. bie neue von Telefunken gebaute „Ein- mann-Kurzwellenstation", wie bie Bezeichnung schon sagt, vom Sprecher selbst wie ein Rucksack auf bem Rücken getragen werden kann. Gar mancher wird über dieses kleine Wunder ber Radiotechnik erstaunt den Kops schütteln, denn es ist tatsächlich ein Mi - Helium. Von Raymond Holbrook, Amarillo (Texas) (Copyright by „Kuliurbeiträge" Berlin.) Die Explosion, die den Lustriesen „Hindenburg" in wenigen Sekunden in ein verbogenes, rauchendes Skelett von Metallträgern verwandelte, hat auf zwei Erdteilen starken Widerhall ausgelöst. Auf amerikanischer Seite dadurch, daß die an der Luftfahrt interessierten Kreise unb Mitglieder des Kongresses nichtentzündbares Gas für Luftschiffe aller Nationen zu wirtschaftlichen Zwecken zur Verfügung stellen wollen. Bisher sind nur zwei Gase mit Erfolg in Luftschiffen verwandt worden, nämlich das von deutschen Luftschiffen benutzte brennbare Wasser- ft o f f g a s und das nichtbrennbare Helium, für das die Vereinigten Staaten ein regelrechtes Monopol besitzen. Hellumverschiffungen an fremde Länder wurden zuerst durch ein Kriegsgesetz im Jahre 1917 beschränkt. Sie waren gering und unbedeutend. Seit der „Hindenburg"-Ka1astrophe jedoch ist die Shep- pard-Gesetzvorlage im Senat eingebracht worden, durch die Helium der Kontrolle des Bergwerkamtes unterstellt werden soll. Gleichzeitig sieht diese Bill vor, das Gas mit dem Einverständnis des Präsidenten für „nichtmilitärische Luftschiffe anderer Nationen" freizugeben. Durch die „Hindenburg"-Katastrophe ist die Aufmerksamkeit sowohl Deutschlands, des Wegbereiters und Führers der Luftschiffahrt, wie der Vereinigten Staaten mehr denn je auf Helium gelenkt worden, auf seine Notwendigkeit für den sicheren Betrieb von Luftschiffen unb auf die einzige Anlage der Welt, die Helium auf wirtschaftlicher Grundlage herstellt, die Fabrik in der Nähe von Amarillo in Texas. Sofort nach der Explosion erklärte Dr. Hugo Eckener, der „Hindenburg" sei wahrscheinlich das letzte Luftschiff gewesen, das Wasserstoffgas verwandte, und wenn möglich würden alle deutschen Luftschiffe in Zukunft Helium als Tragkraft verwenden. Aber auch wenn Helium verfügbar gewesen sein würde, wären seine Kosten bis vor wenigen Jahren unerschwinglich gewesen. Dies hat ich geändert, denn heute hält Helium einen Ver- steich mit dem niedrigen Preis von Wasserstostgas ehr wohl aus. Es lohnt sich, einen kurzen Rückblick auf die Geschichte dieses Elementes zu werfen. Helium ist eines der letzten Elemente, die entdeckt wurden, und erhielt seinen Namen von dem griechischen Wort niatur-Rundfunksender mit allem, was dazu gehört, mit kurzer stabförmiger Sendeantenne, Mikrophon, Modulationsstufe, eingebauten Stromquellen in Form von Batterien und sogar mit einem 5-Röhren-Kurzwellensuperhet, der dem Sprecher die Befehle bes Sendeleiters übermittelt. Die Reichweite der Anlage beträgt bei Mikrophonbesprechung fünf Kilometer, bei Telegraphie zehn Kilometer, was für ben praktischen Senbebetrieb bes Rundfunks durchaus genügt. Unsere deutschen Reichsfenber setzen diese kleinen beweglichen Kurzwellen-Reportagesender jetzt sehr häufig ein. Die Entwicklung bleibt aber nicht stehen. Immer mehr gelingt es, bas Geheimnis der Ultra kurzwellen zu entschleiern, unb es wäre benfbar, baß einmal ber Reportagesender zum Ultrakurzwellensender wird. Der National Broadcasting Company in Neuyork glückte kürzlich ein spannender Bericht von einem Fallschirmabsprung, bei dem der Sprecher am Fallschirmgurt einen winzigen Ultrakurzwellensender trug. Die Abmessungen eines solchen Ultrakurzwellensenders könnten viel- teicht auf die Größe einer Zigarrenkiste verringert werden, und in technischer Hinsicht würde sich die Güte unb Störungsfrei! ber ^Übertragung nicht wesentlich bessern. Dieser Ausblick ist durchaus keine Utopie, denn es find aufschlußreiche Versuche in dieser Richtung im Gange. W. Diefenbach. Philipp Lenards Vedenlnng für die Auswertung der Sirahlensorschung. Zu seinem 75. Geburtstage am 7. Juni 1937. Von Professor Or. Ferdinand Schmidt, Heidelberg. Für ben Wiederaufstieg und ben Neuaufbau ber Industrie bes Dritten Reiches werden in den nächsten Jahren sicherlich zahlreiche ausgebildete Physiker benötigt. Diese müssen außer ihrem fachwissenschaftlichen Können auch Kenntnisse besitzen über oie wichtige Frage, wie man die Forschungsergebnisse aus dem Laboratorium zu technischer Anwendung bringen kann. In Erkenntnis dieser, bereits heute zur Tatsache gewordenen Lage, wurde schon im Jahre 1933 von Geheimrat Lenard auf eine Anregung des Reiches hin und im Einvernehmen mit dem badischen Unterrichtsministerium eine physikalisch-technische Abteilung in dem von ihm so erfolgreich geleiteten physikalischen und radiologischen Institut ber Universität Heibelberg geschaffen. Es ist bie Aufgabe ber neuen Abteilung, Männer heranzubilden, die ben Willen und die Kraft zu wissenschaftlicher und technischer Betätigung besitzen. Zur Erreichung dieses Zieles müssen zunächst Forschungsarbeiten in verschobenen Gebieten der Physik durch fortgeschrittene Studierende ausgeführt werden, denn auch der in ber Industrie beschäftigte Physiker muß als Forscher geschult sein unb, was bie Hauptsache ist, auch tätig gewesen sein, um bie Mittel und Wege zu kennen, bie zu neuen Entdeckungen und Erfindungen führen. Sodann muß im Unterricht ben jungen ftubierenben Volksgenossen gezeigt werben, auf welche Weise bisher die gutgegrünbeten Ergebnisse ber Forschung zu vielseitiger technischer Anwendung in unserer hochentwickelten Industrie gelangt sind. Gleichzeitig müssen bie Studierenden auch darüber unterrichtet werden, wie fast alle technischen Verfahren und Einrichtungen, die unser Volk besitzt, in erfolgversprechender Weise zur Verteidigung der Grenzen unseres Lande s herangezogen werden können und müssen. Zur Erfüllung der Aufgaben einer Abteilung in dem Institute, bas den Namen Philipp Lenarbs trägt, war es sellbstoerständlich, in ber Forschung hauptsächlich an seine grunblegenben Untersuchungen unb Gedankengänge in bestimmten Teilgebieten ber Physik anzuschließen unb weiterzubauen, um zu erkennen, welche von seinen zahlreichen Entdeckungen noch in technische Anwendung kommen können, unb in ber ß e b r e an vielen Beispielen zu zeigen, wie ßenarb ein wissenschaftliches Problem angefaßt, es bearbeitet unb schließlich gelöst hat, und in welcher erfolgreichen Weise eine große Zahl seiner Forschungsbefunde in unserer Industrie ausgewertet worden ist. Zwei aus- gebehnte Gebiete der Physik, mit benen sich ßenarb von Jugenb an bis in bie heutige Zeit als genialer Forscher beschäftigt hat, wurden als Grundlagen zur Weiterarbeit genommen, bie Phosphoreszenz unb bie Elektronen- strahlung. Zunächst zur Phosphoreszenz, ßenarb hat schon im Jahre 1889 durch eingehende Untersuchunaen herausgefunben, welches bie Zusammensetzung der damals schon lange bekannten Leuchtstoffe (Phosphor) ist. Es gelang ihm bann, sie im Labora- torium immer roieber mit ben gleichen Eigenschaften herzustellen unb feftumriffene Bereitungsvorschriften für bie mannigfaltigen Farben zu geben, in denen sie während und nach einer Bestrahlung mit ßicht ober Elektronen leuchten können. Damit hat ßenarb bie gesamten Vorarbeiten geleistet, auf bie heute die Industrie bei ihrer Fabrikation ber ßeuchtsubstanzen für Oszillographenröhren, Fernfehröhren, Beleuchtungsröbren ufro. zurückgreift. Ferner hat er in rastloser und unermüdlicher jahrzehntelanger Arbeit die ßichtemission und -ad- sorption ber Phosphore, bas Abklingen, bas Austreiben, das Ausleuchten unb Tilgen ber in ihnen aufgespeicherten Strahlungsenergie erforscht unb gemessen. Auch bie elektrischen Eigenschaften ber Phosphore, wie ihre Leitfähigkeit unb ihr bielektrisches Verhalten, untersuchte er. Auf Grunb ber erhaltenen Ergebnisse gelang es ihm, sich ein Bild von ben Leuchtoorgängen im Innern ber Phosphore zu machen, bas nicht nur auf biefe beschränkt blieb, sondern auch für den ßeuchtmechanismus in einem einzelnen Atom der Materie sich als richtig erwies. Viele ber Einzeltatsachen, bie er bei allen diesen Arbeiten beobachtete, haben schon bie Technik wesentlich geförbert, viele harren noch ber Auswertung und Anwendung. An seine grunblegenben Erfahrungen Unb Erkenntnisse schloß bie physikalisch-technische Abteilung ihre weiteren Untersuchungen an. In bem zweiten Hauptgebiet ber wissenschaftlichen Untersuchungen, bem ber Elektronenstrahlung, ist ßenarb unerreichter Meister ber Forschung gewesen. Hat er boch, ausgehend von der Tatsache, daß die Elektronen sehr dünne, löcher- freie Metallfolien durchsetzen können, sie aus dem Entladungsrohr durch ein Metallfenster in die freie Luft ober in ein angeschlosfenes und luftleer gemachtes zweites Rohr gelassen unb sie bort in reinen Versuchen unabhängig von ben störenden unb verwickelten Verhältnissen im Entlabungsrohr auf ihr Wefen unb ihre Eigenschaften untersucht. Entdeckungen von großer Tragweite und außerordentlicher Bedeutung für bie Vervollkommnung unseres Weltbilbes gelangen ihm auf diese Weise. Insbesondre sind zu nennen die Entdeckung ber Massenproportionalität ber Absorption der Elektronen, die Entdeckung der Diffusion oder Streuung ber Elektronen unb bie Entdeckung der sekundären Elektronen, Erscheinungen, bie auftreten, , wenn Elektronenstrahlung Materie durchsetzt. Diese Entdeckungen haben uns bie ersten gesicherten Kenntnisse vom Aufbau ber Atome unb Moleküle vermittelt, aus denen alle Körper zusammengesetzt sind. Welch umfassenbe Anwenbung haben die Forschungsergebnisse ßenarbs in dielen Gebieten bereits in der Technik gefunden! Es sei, um aus ihrer großen Zahl nur einige besonders hervorzuheben, an die Elektronenröhren der Rundfunkgeräte erinnert, die das von Lenard zuerst zur Steuerung der Geschwindigkeit der Helios, die Sonne. Am 5. November 1868 beobachtete der hervorragende englische Astrophysiker Gay Borman L o ck y e r durch sein Spektroskop die Sonne während einer an jenem Tage sich ereignenden totalen Sonnenfinsternis. Dabei entdeckte er bas Vorhandensein einer beständigen, die Atmosphäre ber Sonne umgebenden Schicht. Durch die Sonnenfinsternis trat diese atmosphärische Schicht klar heraus und gab dem Astronomen eine ideale, wenn auch sehr schnell vorübergehende Gelegenheit zu gründlicher Untersuchung. Hierbei kam er zu dem Schluß, daß ungeheure Mengen von Gasen aus dem Sonnenball herausgeschleudert werden, die wenigstens zum Teil aus Wasserstoff bestehen. In dem dem Wasserstoff eigentümlichen gelben Teil des Spektrums bemerkte er jedoch eine Linie. Nach langwierigen Versuchen, diese Spektrumlinie mit Hilfe von Wasserstoff zu erzeugen, kam Lockyer zu der Ueberzeugung, daß sie durch irgendeine Materie in der Sonne hervorgerufen wurde, die zu dieser Zeit auf der Erde unbekannt war. Er nannte bas neue Element Helium. Nach seiner Entdeckung begann eine eifrige Suche nach diesem Gas auf der (Erbe, aber es dauerte volle 27 Jahre, bevor Sir William Ramsey, Chemieprofefsor des University College in London, Helium in einem Thorium enthaltenden Mineral entdeckte und es auf chemischem Wege freimachte. Zum erstenmal wurde das Helium in den Vereinigten Staaten in Oelgasquellen bei Dexter, Kansas, entdeckte. Das war Anfang der neunziger Jahre. Zunächst waren die dortigen Einwohner hocherfreut über die Entdeckung von Gasen auf ihrem Grund und Boden. Ihre Freude schlug doch bald in große Enttäuschung um, als dieses Gas nicht brennen wollte. Sie sandten eine Probe an die Universität von Kansas, die einen niedrigen Gehalt von Helium vorfand. Obwohl die Heliumforschungen daraufhin mit erhöhtem Eifer fortgesetzt wurden, fand man lange Zeit hindurch keine praktische Verwertung für bas Gas oder eine Methode, es billig herzustellen. Während bes Weltkrieges in den Jahre 1916 unb 1917 benutzten beide Seiten eine Anzahl von Ballonen und lenkbaren ßuftschiffen zu Beobachtungszwecken unb zum Abwerfen von Bomben. Diese Luftschiffe waren jedoch mit Wasserstoffgas gefüllt unb konnten vom Feind infolge ihrer leichten Entzündbarkeit durch Brandgeschosse leicht in Brand gesetzt und vernichtet werden. Helium wäre als einzig möglicher Ersatz in Frage gekommen. Seine Herstellungskosten mit Hilfe der damals bekannten chemischen Verfahren betrugen jedoch um diese Zeit 2500 Dollars für 1000 Kubikfuß (28,3 Kubikmeter). Um die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Herstellung erschöpfend zu studieren, bewilligte der Kongreß im Jahre 1917 600 000 Dollars. Kurz danach wurde die erste Fabrik gebaut. Sie enthielt Anlagen zur Herstellung von flüssiger ßuft und Laboratorien, wo Versuche mit Helium angestellt werden konnten. Der ganze Heliumvorrat der Welt bestand damals aus 100 Kubikfuß. Um die Zeit des Waffenstillstandes hat dieses Werk bereits 147 000 Kubikfuß mit einem Aufwand von ungefähr 44 Cents für den Kubikfuß hergestellt. Ein anderes Werk wurde in Fort Worth in Texas kurz nach bem Kriege in Betrieb genommen, im Jahre 1927 jedoch infolge Erschöpfung der Gasvorkommen in jener Gegend wieder geschloffen. Die Amarillo-Fabrik wurde im Jahre 1928 mit einem Aufwand von 800 000 Dollar gebaut. Die Bundesregierung hatte ungefähr 50 000 Morgen Land in der Nähe von Amarillo gepachtet und Bohrungen vorgenommen, die auch heute noch das Gas für die Heliumfabrik liefern. Die Amarillo- Werke haben bis auf den heutigen Tag 75 Millionen Kubikfuß Heliumgas hergeftellt für einen durchschnittlichen Bruttoherstellungspreis von zwölf Dollar für 1000 Kubikfuß (28,3 Kubikmeter). Der Verkauf von rückständigen Gasen hat diesen Preis auf etwa 9 Dollar heruntergeschraubt. Dr. C. B. Siedel, der Direktor des Werkes, erklärte, dieser Preis könne noch bis auf fünf Dollar für tausend Kubikfuß heraufgefetzt werden. Das Naturgas auf den nahegelegenen Quellen enthält ungefähr 1.75 v. H. Helium. Es strömt unter Quellendruck in eine sechs Zoll im Durchmesser betragende Röhrenleitung. Das Helium wird dann durch besondere Vorrichtungen, von denen die meisten in ber Fabrik selbst gebaut werben, ausgeschieben. Eine Trennung bes Heliums von den andern Bestandteilen des Naturgases erfordert die Verfüssigung sämtlicher Bestandteile des Gases außer Helium. Während die flüssigen Gase auf den Boden abgelassen werden, wird bas darüber besinbliche Helium aufgefangen. Das Gas wird in die Fabrik unter einem Druck von ungefähr 650 Pfund auf den Quadratfuß geleitet, und zwar zuerst nach dem Kohlendioxydge- bäube, wo es in einer Lauge gereinigt wirb. Nach Ausscheidung bes Kohlendioxyds wirb bas Gas auf ungefähr 185 Grab Celsius unter Null abgekühlt, wodurch etwa 95 v. H in flüssigen Zustand versetzt werden. Hierdurch entsteht das sogenannte Rohhelium, das jetzt unter 2000 Pfund auf den Quadratzoll Druck gesetzt unb mit Hilfe von teilweise Elektronen im Innern der Röhre benutzte Gitter in einfacher Weise ober mehrfacher Weise zur Wirkung bringen, es sei an bie Oszillographen- und Fernsehröhren erinnert, in denen die von Lenard in seinen Untersuchungen so oft erprobte Veränderung der Flugrichtung der Elektronen durch elektrische und magnetische Felder zweckmäßig ausgenutzt wird. Gleichzeitig kommen in diesen Röhren alle Erfahrungen Lenards aus seinen Phosphoreszenzuntersuchungen bei ber Entwicklung unb Gestaltung ber dort notwendigen Leuchtschirme zu praktischer Anwendung. Weiter sei erinnert an die vielgestaltigen lichtelektrischen Zellen, an die Vervielfacher und an die Bild- aufnahmegeräte in den Fernsehsendern, deren Wirkungsweisen auf Erkenntnissen aus den lichtelektrischen und Sekundärstrah- lungsuntersuchungen Lenards beruhen. Auch auf diesem Geviet der Elektronenstrahlung werden Untersuchungen in der technischen Abteilung ausgeführt, die teils fertige Elektronen- und Elektronen- strahlrohren für die verschiedenartigsten Zwecke verwenden, teils aber auch gerade an solchen Röhren, insbesondere der letzten Art, weitere Verbesserungen erstreben. Hier sind zu nennen Versuche über u11rakurze elektrische Wellen, die mit fabrikmäßig hergestellten Elektronenröhren in geeigneten Schaltungen erzeugt werden, und Versuche zur Steigerung des Wirkungsgrades und der Lebensdauer von Leuchtschirmen in Elektronenstrahlröhren. Auch auf anderen als den beiden genannten Gebieten wird in der technischen Abteilung gearbeitet, so z. B. im Gebiete des Ultraschalls. Der Unterricht der Abteilung besteht in Vorlesungen über Strahlungen, über die Lenard-Phos- phore und ihre Verwendung in der Technik, über elektrische Schwingungen und über die praktischen Anwendungen der Ergebnisse der Physik in der Fernmelde- und Funktechnik, und, worauf der größte Wert gelegt wird, in praktischen Hebungen in technischer Physik Letztere werden in ähnlicher Form durchgeführt, wie früher die Uebungen unter der Leitung Philipp Lenards in feinem physikalischen Praktikum, d. h. jeder Teilnehmer behandelt für sich allein unter der Aufsicht eines Assistenten eine bestimmte Uebungsaufgabe. Die zur Lösung ber Aufgabe benötigten Geräte findet er auf dem Versuchsttsche vor zusammen mit einer schriftlichen Anleitung, welche das zu untersuchende Gebiet, dis Anordnung ber Geräte, ben Gang der Messungen und die spezielle Fragestellung in kurzer und klarer Fassung geschildert enthält. Machen wir im Geists einen Rundgang durch den Praktikumsraum und sehen zu, welche Aufgaben an ben einzelnen Arbeitsplätzen ausgeführt werden, so finden wir hier in einfachen und durchsichtigen Versuchen einen Ueberblick über das Gesamtgebiet der Hoch- ftequenzphysik. Bearbeitet werden zunächst alle Einzelelemente des Gebietes, wie Widerstand, Kondensator, Spule, Elektronenröhre, in ihren Eigenschaften. ihren Wirkungsweisen und Anwendungen in verschiedenen Schaltungen unb bie meßtechnische Verfolgung ihrer charakteristischen elektrischen Großen. Äufbauend auf ben an biefen Einzelheiten gewonnenen Erkenntnissen, werden in weiteren Versuchen sie zu Anordnuigen bestimmter Wirkung, wie Schwingungskreis, Rohrenvoltmeter, Rohrenoerstärker und Rohrensender zusammengestellt unb deren Eigenschaften messend verfolgt. Selbstverständlich gehören hierzu auch noch Uebungen, welche das Arbeiten und die vielseitigen Verwenbungsmöglichk«'!- ten der neuesten Meßmittel ber Hochsrequenzphnsik zum Gegenstand haben. Den Höhepunkt unb Abschluß dieses Praktikums bildet ein vollständiger, mehrstufiger und quarzgesteuerter Kurzwellensender mit dem dazugehörenden Kurzwellenempfänger, b. h. also eine betriebsfertige Kurzweile n st a t i o n. Mit ihr konnten bereits mehrfach drahtlose Verbindungen mit Stationen in allen Erdteilen hergestellt werden. Dieses sind die Arbeitsgebiete der physikalisch- technischen Abteilung. Der Geist ihres Gründers Philipp Lenard lebt und wirkt in ihr, ebenso wie im ganzen Institut weiter fort unb schließt alle ihre Angehörigen zu einer festgefügten Kameradschaft zusammen, für bie sein Wirken und Schaffen in Forschung und Lehre leuchtendes Vorbild ist. flüssigem Stickstoff abwechslungsweise erhitzt und abgekühlt wird. Das auf diese Weise gewonnene zu 98,2 v. H. reine Helium wird dann unter einem Druck von ungefähr 2000 Pfund auf den Quadratzoll in Behälter geleitet. Der ganze Prozeß dauert eine Minute. Eine Minute, nachdem ein Kubikfuß Naturgas in die Fabrik geleitet worden ist, ist auch schon das Helium ausgeschieden und das rückständige Gas auf dem Wege nach Amarillo, wo es von den Einwohnern als Brenngas verwandt wird. Abgesehen von seiner Eigenschaft, nicht entzündbar zu fein, weist Helium gegenüber Wasser- ftoffgas noch andere Vorteile auf. Obwohl es zwischen zwei und dreimal soviel kostet als Wasserstoffgas, das für den Preis von 2,50 Dollar für 1000 Kubikfuß hergeftellt werden kann, wird es sich auf die Dauer rentabler erweisen; denn während Wasserstoffgas benutzende Luftschiffe ihre Gaszellen fünf- bis zehnmal im Jahre auffüllen müssen, muß Heliumgas nur um das Anderthalbfache feiner ursprünglichen Menge während derselben Zeitspanne ergänzt werden. Nun hat man zwar ausgerechnet, daß 1000 Kubikfuß Wasserstoffgas 76 Pfund heben, während die gleiche Menge Helium nur 65 Pfund hebt, doch der viel größere Sicherheitsfaktor macht die niedrigere Tragfähigkeit bei weitem wett. Zum Preise von fünf Dollar für 1000 Kubikfuß hätte die „Hindenburg" mit einer Kapazität von 7 063 000 Kubikfuß für einen Gesamtaufwand von ungefähr 35 315 Dollar mit Helium gefüllt werden können. Das jetzt in Friedrichshafen im Bau befindliche Schwesternschiff „LZ 130" würde bei zehn Millionen Kubikfuß Kapazität eine Helium-Menge für die Gesamtkosten von 50 000 Dollar erfordern. Außer der Amarillo-Anlage besitzt die amerikanische Regierung zwei Gasoorkommen im Staate Utah, aus denen Helium gewonnen werden konnte. Diese Vorkommen sind jedoch nicht entwickelt worden. Abschließend seien noch kurz einige andere Verwendungsmöglichkeiten des Heliums angebeutet. Dr. R. R. Sayers, Direktor des Bundesgesundheitsamtes, bezeugt vor kurzem, daß es auch bei der Behandlung von Tuberkulose, Asthma und von neugeborenen Kindern, deren Lungen sich nach ber Geburt nicht normal ausdehnen, sehr wertvolle Dienste leisten kann. Helium wird außerdem von Tiefieetauchem und Tunnelarbeitern gebraucht, die unter großem Druck in Senkkästen arbeiten müssen Es findet auch als Kühlmittel für elektrische Maschinen und als Gas in Radioröhren und elektrischen Signalen Ver- öenbunft SJl.er» en, Jn. Für die überaus zahlreichen Beweise aufrichtiger Teilnahme sowie für die vielen Kranz- und Blumenspenden anläßlich des so plötzlichen Hinscheidens unseres unvergeßlichen Sohnes und Bruders Günther sagen wir hiermit allen unseren innigsten Dank. — Wir danken insbesondere Herrn Pfarrer 1 rautwein für seine tröstenden Worte am Grabe, dem Ortsgruppenleiter der NSDAP, und den übrigen Gliederungen der Partei, sowie den Lehrern und Schülern des Realgymnasiums zu Gießen und der Forstbeamtenschaft für die Kranzniederlegungen und Worte der Anteilnahme Desgleichen danken wir allen, die unserem geliebten Entschlafenen die letzte Ehre erwiesen haben. Familie Otto Meidling. Forsthaus Haina, den 5 Juni 1937. Hier abschneiden! Eine gute Taffe Kaffee Seltersweg 14, Huf 3268 '“ÄS Safe Hubes,Gießen Äestellungen, auch nach auswärts, werden bestens und pünktlich ausgeführt chenden Kostenoorschutz bezahlen. Zurzeit monatlich 45 RM. Ödeme, schmerzliche Ansammlung wässeriger Flüssigkeit in den Eewebsspalten der Haut und der Schleimhäute. Kommt hauptsächlich vor bei Herz- und Nierenkrankheiten (s. d.). Ofen, mit Holz, Kohlen, Eas oder Elektrizität erhitzte Vorrichtung zum Heizen oder Kochen und Backen. Zimmeröfen müssen in jedem Jahr mit Lehm ausgefugt werden, eine Arbeit, die aber zweckmäßig der Töpfer oder Ofensetzer ausführt. Auch das Kitten von Ofentüren und Herdplatten überläßt man am besten dem Fachmann. Immer ist darauf zu achten, daß Ofentüren gut schließen. Öffentliche Beglaubigung. Ist für eine rechtsverbindliche Erklärung öffentliche Beurkundung oder Beglaubigung vorgeschrieben, so mutz die Erklärung vor einem Gericht oder Notar erfolgen, der eine Urkunde darüber aufnehmen muß. Öl, Fett, das erst unter dem Gefrierpunkt erstarrte Form annimmt und aus Samen, Früchten sowie aus Tieren durch Auspressen, Auskochen und andere Verfahren gewonnen wird. Einige Ole, wie Leinöl, Nußöl, Rizinusöl, trocknen an der Luft. Als Speiseöl zu verwenden sind Olivenöl, Mandelöl, Baumöl, Buch- eckernöl usw. Mit Öl backen ist sparsamer als mit Fett backen, man muß aber das Öl vor der Verwendung gut heiß werden lasten. Zur Körperpflege sind Öle Das 1. Gießener Handball-Mtz-Turmer. EineDeranstaltung der Ortsgruppe Gießen des Reichsbundes fürLeibesübungen Die Aussichten in der Gruppe 1. Jugendeiner dieser drei Mannschaften den Sieg zuzusprechen wäre sehr gewagt. 1900 und MTV. müssen mit Ersatz antreten; inwieweit sich dieser in das Mannschaftsgesüge einpassen wird, bleibt abzuwarten. Gerade bei Blitz-Turnieren kommt es weniger auf das Einzelkönnen eines Spielers an, als auf das Mannschaftsganze. VfB.-Reichsbahn hat seine alte, gut eingespielte Elf zur Stelle; wenn sie auch in der letzten Verbandsrunde die Farben der ersten Kreisklasse vertrat, wird sie doch am Sonntag ein gewichtiges Wort mitreden. Zu nennen sind hier besonders Bandholz, der am vergangenen Sonntag in der Ländermannschaft mitwirkte und Hermann; letzterer dürste für eine Anzahl Tore gut sein. Del Mannschaft der Spieloereinigung 1900 hat ihre Stärke zweifellos im Sturm. Die Läuferreihe spielt mit Ersatz. Das Schlußdreieck hat in Enders einen guten und zuverlässigen Torhüter; Birkenstock und Hufmann werden den gegnerischen Stürmerreihen viel zu schaffen machen. In der Mannschafts des MTV. wirkt Strack neuerdings wieder mit. Bei einigermaßen Verständnis mit seinen Nebenleuten dürfte der Sturm etwas bester abschneiden, als gewöhnlich. Die Läuferreihe hat in Hugo Winter einen guten Aufbauspieler. Bei guter Deckungsarbeit der Hintermannschaft wird Scheuermann im Tor seinen Mann stehen. Die Spiele der Gruppe 2. Starker Anwärter auf den Turniersieger der Gruppe 2 ist die Mannschaft des Turnvereins 1846; aber hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die Mannschaft setzt sich teils aus aktiven, teils aus Jugendspielern zusammen. Die zweite Elf des Männerturnvereins wird alles daransetzen, um Lorbeeren zu ernten. In ihren Reihen steht eine Anzahl alter Handballkönner, die sich ungern geschlagen bekennen. Die Mannschaft des VfB.-Reichsbahn trat in letzter Zeit zu wenig auf den Plan, so daß man sich hier kein Urteil erlauben kann; auch sie wird es versuchen, die Spitze zu erreichen. In der Asbest- Platten 1,2.3,4u. 5mm, wieder am Lager. 204D CarlSchunck ent* iOr- bwohl Was' ir für ihrend Zellen , muß >r u? panne echnet, heben, Pfund nnwr hätie ß 00» gefönt öimeu- ndl'che jjlitlio1 ii- . rifan; Sta^ könnte morden- ir 6tj j, i>"6 > r Iu in»