Ur. 126 Erstes Blatt 18 7. Jahrgang Donnerstag, 3. Juni 1937 (fcr|d)tim tügIlch, autza Sonntage and Feiertag» Beilagen Die JUu|tnerte Giesienei Jamilienblättei Heimat im Bild Die Scholl, Monair vezugspretr: Mir 4 ‘Beilagen RN7 LtiB Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. e -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt tfernfprechanschlüste unter Sammelnummer 2251 Anjchnfl für Drahtnach« richten Anzeiger Gieße» Postscheckkonto: firanffurt am Main 11686 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Brutto und Verlag: vrühl'sche UntverfilSts Buch- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7 Annahme von Anzeige» für Ote Mittagsnummer bis8'/.UHr des Vormittags Grundpreise für 1 mm Höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text» anzeigen von 70mm Breite 50Nps.,PIatzoorjchrift nach vorh Vereinbg.250/„ mehr. Ermäßigte Grundpretfe: Stellen--, Vereins», gemein» nütz,ge Anzeigen sowie ein» spaltige Gelegenheitsanzei» gen 5 Rpf, Familienanzei» gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Polen und die Jagellonische Idee. Von unfeiem Dr. K.-Berichterstatter. (Nachdruck verboten.) Warschau, Ende Mai 1937. 3n jedem phantasiebegabten polnischen Politiker — und welcher Pole verfügte nicht über ein gerüttelt Maß politischer Phantasie? — steckt die 500 Lahre alte Vorstellung eines Reiches von der Ostsee zum Schwarzen Meere, wie es jener Litauerherzog I a g i e l l o zu verwirklichen vermochte, als er 1386 die Polenkömgin Hedwig geheiratet und damit Polens Krone gewonnen hatte. Was seit Jahrhunderten nicht mehr Wirklichkeit ist, blieb dennoch lebendiger Wunschtraum von Generalen und Dichtern, von Ministern und Gelehrten. Wieoiele polnische Heeressäulen sind zur Erfüllung dieses Gedankens den Dnjefter, den Bug und den Dnjeper abwärts Marschiert! Auch das wiedererstandene PolSn schickte sofort seinen Blick in diese Richtung, und das Kiew- Abenteuer wäre ihm fast teuer zu stehen gekommen, hätte nicht das Feldherrntalent des Marschalls Pilfudski den Gegenstoß der Roten Armee an den Toren Warschaus aufgehalten. Der nationale Expansionsdrang in dieser Richtung hat seitdem nachgelassen, das Idol einer Machtverbindung von Meer zu Meer ist aber geblieben. Als vor noch nicht einem Monat der polnische Außenminister Beck seine Reise nach Bukarest antrat, hatte er, der so realpolitisch zu denken und zu handeln vermag, etwas von der alten Iagellonischen Romantik in Bereitschaft, nur daß sie unter seinen Händen gleich beachtliche Nützlichkeitswerte erhielt, und wenn jetzt von dem Staatsbesuch des polnischen Staatspräsidenten M o s c i ck i nach Bukarest die Rede ist, bann wird ihm das Werben um die rumänische Freundschaft ein Stückchen Wirklichkeit im Reich des Traumes fein. Freundschaft ist in diesem Falle etwas anderes als Vertrag, es ist Beseitigung einer letzten Scheu Rumäniens, sich auf eine mit Polen gleichgerichtete politische Linie zu stellen und so die Kette, die Polen an die Ostsee bindet, zum Schwarzen Meer hin zu verlängern. Ist hier der Faden angeknüpft, dann werden auch die baltischen Staaten eher geneigt sein, sich der großen polnischen Idee einer Sperrmauer zwischen Oft und W e ft anzuschließen. Soweit ist es heute noch nicht. Käme es allein auf Verträge an, dann wäre der Kreis bereits geschloffen. Seit dem 3. März 1921 befindet sich Polen mit Rumänien in einem Bündnisverhält- nis. Der Vertrag ist mehrfach verlängert und gilt noch bis zum Jahre 1941. Er richtet sich eindeutig und einseitig gegen d i e Sowjetunion und vereinbart die gegenseitige Hilfeleistung der Vertragschließenden im Falle eines nichtprovozierten Angriffes auf die Ostgrenze eines von ihnen. Aber Polen hat v i e l e r l e i Verträge, die, wenn sie etwa alle gleichzeitig in Wirksamkeit treten und von Polen aktiv betätigt werden sollten, Polen in die widerspruchvollste außenpolitische Lage bringen und geradezu Sprengwirkung ausüben müßten. Da ist das alte Militärbündnis mit Frankreich, ein Instrument, das Oberst Beck bis in die letzte Zeit hinein so meisterhaft zu spielen vermochte, daß es ihm eine Rüstungsanleihe von Frankreich einbrachte, ohne daß er sich bereit gefunden hatte, die von Paris gewünschte Aussöhnung mit Prag herbeizuführen. Da ist der Nichtangrif f s pa ft mit Moskau, der nicht aufgegeben wird, obwohl Polen im eigenen Lande jede kornmunistiiche Regung mit Stumpf und Stiel vernichtet. Und da ist der Freundfchaftsvertrag mit Deutschland. Also wie man sieht, ein ganzes Arsenal von Pakten, deren Fülle nur dann nicht widersinnig erscheint, wenn man den ihnen von Polen zugedachten Zweck als den erkennt^ der er ist, nämlich als das Aufwerf en v o n n ch utz - wällen im Osten und im Westen, um dazwischen die Verbindung zwischen Gdingen und Constanza ungestört auszubauen, eine Verbindung, die zugleich eine Handelsader und eme strate- aische Sehne darstellt. Hier offenbart sich .ine Politik der Selbständigkeit, die gleichzeitig mit dem Streben nach Gleichgewicht auf der nord-südlichen Cime verbunden ist, indem es sich von jeder Abhängigkeit von irgendeiner Großmacht löst, möchte durch Angliederung weiterer mittlerer und kleiner Staaten ?u einem Machtzuwachs gelangen, der es ihm gestattet sich den anerkannten Großmächten als gleichwertiger Partner gegenüberzustellen. Daß Polen heute schon sich so offen der roten Drohung von Osten her zu stellen wagt, kennzeichne die Kühnheit des ganzen diplomatischen Unter» "^Noch^befindet es sich im Anfangsstadium, noch ist die Stellung der angegangenen Partner niO frört unh es fragt sich, ob diese überhaupt schon wünschen daß es sich Höre, daß die Bedungen ge* 3 S *: Ä".Ä?Ä ffÄS» ft r a a e liegt wie ein Alpdruck über WA StoÄ toer.M" nichk°Lch.°N°n den polnischen Pionen Oer Reichskriegsminister in Rom. Rom, 2. Juni. (DNB.) Reichskriegsminister,Ge- neralfeldmarfchall v. Blomberg ist am Mittwoch kurz nach 13 Uhr auf dem römischen Flughafen Littorio eingetroffen, wo ihn Mussolini als Minister der italienischen Wehrmacht begrüßte, zusammen mit Außenminister Graf C i a n o , den Unterftaatsfefretären General Pariani, Admiral Cavagnari und General Valle, Marschall B a d o g l i o und Marschall de Bono, Parteisekretär S t a r a c e, General Russo, Chef der Miliz, und General S i c i l a n i. Außerdem hatten sich Botschafter v. Hassel mit den drei Wehrmachtsattaches, Landesgruppenleiter Ettel sowie HI. und BDM. von Rom eingefunden. Nach der Vorstellung schritt der Reichskriegsminister in Begleitung Mussolinis unter den Klängen des Deutschland- und des Horst-Wessel-Liedes die Front der Ehrenkompanie ab. Unter lebhaftem Beifall der faschistischen Verbände geleitete Mussolini den Generalfeldmarschall zum Kraftwagen. Die Begleitung zum Hotel übernahm Graf Ciano. Auf der Fahrt kam es zu herzlichen Kundgebungen. Generalfeldmarschall v. Blomberg hat am Nachmittag an den beiden Königsgräbern im Patheon, ferner am Grabe des Unbekannten Soldaten sowie am Ehrenmal der für die Revolution gefallenen Faschisten mit dem Hakenkreuz geschmückte Lorbeerkränze niedergelegt. Der König und Kaiser hat um 17 Uhr Generalfeldmarschall v. Blomberg in Privataudienz empfangen. Anschließend begab sich der Generalfeldmarschall in den Palazzo Venezia, wo er mit Mussolini im Beisein des Außenministers Graf Ciano eine ein» stündige, herzlich gehaltene Unterredung hatte. Abends gab die deutsche Botschaft zu Ehren des Generalfeldmarschalls einen großen Empfang, zu dem 300 Gäste geladen waren. * Giornale d'Jtalia würdigt den deutschen Gast als den Träger der großen militärischen Tradition Deutschlands und betont zugleich, daß der Generalfeldmarschall als Soldat nach Italien gekommen sei, und daß seine Besprechungen vor allem militärischen Charakter haben würden. Der Aufenthalt Blombergs diene der folgerichtigen unmittelbaren Fühlungnahme zwischen der Wehrmacht der beiden befreundeten und in der Achse Ro m—B e r - l i n vereinigten Großmächte. Im Hinblick auf die vielen gemeinsamen Aufgaben der beiden Nationen und auf die bewegte Situation der europäischen Politik, in der sich diese Aufgaben abspielten, sei eine Erweiterung und Vertiefung der Fühlungnahme beider Nattonen notwendig. Diese Begegnung solle trotzdem keine kriege- ' Herr von Ungern - Sternberg, Baron Jürgen von reiner Schmierstoff! Geschichten aus aller Welt. Feuersbrunst zu bewahren. Insgesamt wurden 80 Quadratkilometer Land mit reichem Waldbestande von den Flammen erfaßt. Ein schwarzer Tag für die britische Luftfahrt. Der britische Reichslufttag, der am Samstag durch Flugvorführungen auf allen englischen Flugplätzen begangen wurde, ist zu einem schwarzen Tag für die englische Luftfahrt geworden. Im Laufe des Tages stürzten sieben Militär- und Prioatflugzeuge ab. Insgesamt kamen sieben Personen ums Leben. Das erste Unglück ereignete sich, als ein an dem Luftrennen London—Insel Man beteiligtes Sportflugzeug kurz nach dem Start abstürzte, wobei ein Haus in Brand geriet. Die beiden Insassen wurden getötet und drei Hausbewohner schwer verletzt. Auf dem Flugplatz von Farnborough stürzte vor über 1000 Zuschauern ein Militärflugzeug ab und ging in Flammen auf; auch hier wurden beide Insassen getötet. Bei zwei weiteren Abstürzen von Militärflugzeugen wurden ein Geschwaderführer, der einen Looping durchführte, und ein Fliegerleutnant getötet. Im Laufe des Nachmittags stürzte ein anderes Kriegsflugzeug ab, wobei ein Fliegerunteroffizier ums Leben kam. Bald kam die Nachricht, daß zwei Spo.rtflugzeuge, das eine bei Wicklow und das andere bei Laleham, abgestürzt find. In diesen beiden Fällen kamen die Insassen mit Verletzungen davon. Verhängnisvolles Spiel mit Streichhölzern. In einer Siedlung in Bad Kreuznach war ein unbeaufsichtigtes zweijähriges Kind in die Waschküche gegangen und hatte dort mit Streichhölzern gespielt. Dabei gerieten die Kleider des Kindes in Brand, das schwere Brandwunden erlitt. Im Krankenhaus ist das Kind nach qualvollen Leiden gestorben. Generaloberst Göring Ehrenpate. Der preußische Ministerpräsident Generaloberst Göring übernahm bei dem zehnten Kind des Einwohners Anton B a m s aus Niederbreitbach (Kreis Neuwied) die Patenschaft. Landrat Dr. R e p p e r t konnte den Eltern des Kindes in diesen Tagen mit der Urkunde ein namhaftes Geldgeschenk überreichen. Deutscher Frachtdampfer in Flammen. Nach einem in Neuyork eingetroffenen Funkspruch ist der deutsche Frachtdampfer „Oliva" 150 Meilen nordwestlich von Manila (Philippinen) in Brand geraten. Die Mannschaft soll Rettungsboote ausgesetzt haben. Ein TNörder zum Tode verurteilt. Dor dem Schwurgericht Schwerin hatte sich der Emil Suhrbeer aus Güstow bei Gadebusch wegen Mordes, Brandstiftung und Sittllchkeits- verbrechens zu verantworten. Der Angeklagte hatte am 19. Februar d. I. das alte Schulhaus in Güstow in Brand gesteckt In den Flammen war die 62- jährige geistesschwache Angestellte Luise Kl äsen umgekommen. Der Angeklagte hatte kurz vorher an der Klasen ein Sittlichkeitsverbrechen versucht. Er wußte zur Zeit der Brandstiftung, daß sich die Geistesschwache in dem Hause befand. Das Urteil lautete auf T o d e s st r a f e. Wegen Sittlichkeitsverbrechens wurde auf 3 Jahre Zuchthaus erkannt. Die Ehrenrechte wurden dem Mörder auf Lebenszeit abgesprochen. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Eine ungewöhnliche Freisprechung. C.K Osaka. Das Berufungsgericht von Osaka hat ein sehr merkwürdiges Urteil fällen müssen. Ein Mann, der zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden war, weil er seinen Bruder getötet hatte, der berauscht war und seinen Onkel angegriffen hatte, erschien, da er Berufung eingelegt hatte, vor neuem vor dem Richter. Aber der Richter hatte das Aktenstück bei seiner Fahrt in der Straßenbahn verloren. Es blieb dem Gericht schließlich nichts 'anderes übrig, da die Akten fehlten, den Angeklagten wegen dieses Mangels freizusprechen, und dieser konnte seines Weges ziehen und sich zu der Zerstreutheit seines Richters beglückwünschen. Die gutbezahlten Tränen der Rührung. C. K. Neuyork. Das „Roxy", das größte Kinotheater in Neuyork, hat jetzt unter seinen Angestellten eine Frau, die weint. Sie heißt Florence Harding Pipper. Sie hatte in dem berühmten Film „My little boy" eine sehr rührende Rolle, und sie hat es verstanden, in dieser Rolle auf eine so herzbrechende und ansteckende Art zu meinen, daß auch das Publikum gerührt in Tränen ausbrach. Der Theaterdirektor hatte darauf den geistreichen Gedanken, aus dieser bewunderungswürdigen Fähigkeit der Schauspielerin, ihre eigenen Tränendrüsen nach Belieben in Tätigkeit zu setzen und nachhaltig auch auf die der anderen zu wirken, für die Reklame auszunutzen, und so stellte er sie mit einem Gehalt von 400 Dollar in der Woche an. Ihre Aufgabe besteht nun darin, allen Vorstellungen beizuwohnen und bei den rührendsten Szenen in lautes Schluchzen auszubrechen. Die Schauspielerin enttedigt sich ihres Auftrags als Tränenerzeugerin mit wunderbarer Wirkung, und das Publikum, das augenscheinlich keine Ahnung von diesem Zusammenhang hat, schließt sich ihr immer in höchster Ergriffenheit an. Der Erfolg des Films ist außerordentlich, und er stellt sich immer noch erheblich billiger, als die Claque der früheren Zeiten. Das Wettspringen der Frösche. C. K San Franzisko. Im Beisein einer Menge von 25 000 Personen, die in Angel's Camp in Kalifornien zusammenkam, vollbrachte der Frosch Emmet Dalton, der auf einem Landgut in Oklahoma gezüchtet und trainiert worden war, feinen Riesensprung von 4,02 Meter und gewann damit auf dem 9. jährlichen Wettspringen für Frösche in Calaveras den ersten Preis. Er stellte zugleich einen Weltrekord auf, da er den besten Springer von 1932, den Frosch Budweiser, um 2% Zentimeter schlug. Der zweite Preis wurde von Kilowatt, einem Wettspringer aus der Umgegend, gewonnen; den dritten trug Combustan aus Buffalo, Neuyork, davon. Dieser Wettkampf, der jährlich zum Gedächtnis an das von Mark Twain in feiner Geschichte „Der gefeierte springende Frosch von Calaveras" beschriebene Ereignis stattfindet, rief dieses Mal 500 Weitspringer aus den verschiedensten Gegenden der Vereinigten Staaten auf den Plan. Das Springen fand in der Hauptstraße von Angel's Camp statt. Die Wettkämpfer wurden in vier Gruppen eingeteilt, jede hat ihre Schiedsrichter und Zeitnehmer. Jedem Frosch waren drei Hopser erlaubt, und diese zusammengerechnet ergaben einen Sprung. Die Briefmarken Georgs V (—) London. In letzter Zeit wurde das Schicksal der Briefmarkensammlung König Georgs V. mehrfach erörtert. Es war nämlich fraglich, ob die Marken dem Herzog von Windsor oder König Georg VI. zufielen. Offerten über 25 000 Pfund Sterling und noch höher wurden aus Amerika und vom europäischen Festland her gemacht. In diesen Tagen ist nun endgültig entschieden worden, daß König Georg VI. die Sammlung in seinen persönlichen Schutz nimmt. Es handelt sich um die vollständigste englische Markensammlung, die überhaupt vorhanden ist. Sie fängt an mit der berühmten „Penny-Black“ aus dem Jahre 1840. Einmal geniest — zwei Rippen gebrochen. (—) Southampton. 74 Jahre alt wurde Alfred Woodham als Großwildjäger, als Goldsucher und Polizeibeamter in vier Erdteilen. Nie stieß ihm auch nur das Geringste zu. Als er jetzt in Southampton in der Shakespeare-Avenue bei Freunden zu Besuch weilte, saß er in einem bequemen Lehnstuhl und empfand plötzlich einen heftigen Niesreiz. Er nieste so, daß das Haus dröhnte. Doch als er sich in seinem Lehnstuhl zurücksetzen wollte, stellten sich heftige Schmerzen an seiner rechten Seite ein. Ein Arzt untersuchte ihn und fand, daß Woodham beim Niesen durch zu harte Berührung mit dem Sessel zwei Rippen gebrochen habe. Der Glücksstein. (rt) Glasgow. In den entlegenen Hochländern vonRoß-Shire liegt ein dicker, runder Stein, um den sich mancherlei Sagen gesponnen haben. Vor einiger Zeit begann sich das Jnverneß-Museum in Glasgow für diesen Stein zu interessieren. Man wollte ihn abholen und ihm einen Ehrenplatz im Hof des Museums einräumen. Aber mit Windeseile verbreitete sich in ganz Roß-Shire das Gerücht, daß die Entfernung jenes Steins Krankheiten, Mißernten und mancherlei anderes Unglück nach sich ziehen werde. Die Reaktion gegen die Absicht wurde so stark, daß sich die Museumsbehörden jetzt entschlossen haben, auf den Abtransport des Riesensteins endgültig zu verzichten. Eine beachtliche Hochzeit. (es) Belgrad. In dem heute zu Jugoslawien gehörenden Dorfe Nikinz bei Subotica hatte der schwäbische Bauer Albert Kung seine Tochter an einen jungen Bauern desselben Dorfes verheiratet. Zur Hochzeit hatte er sage und schreibe 800 Gäste eingeladen, und zwar Verwandte und Bekannte aus dem Banat, aus der Batschka und aus der Baranya. Die Festlichkeiten duerten fast drei Wochen, bis schließlich die meisten der eingeladenen Gäste streikten. Verzehrt wurden insgesamt 3 Kühe, 13 Kälber, 200 Spanferkel, 400 Hühner, 100 Gänse, 50 Puten. Außerdem wurden 1500 Liter Milch getrunken und 3600 Eier, sowie 12 Doppelzentner Mehl verbraucht und 1800 Kilo- gramm Butter. An Wein wurden 50 Hektoliter vergeht. Vier Musikkapellen spielten Tag und Nacht zum Tanze auf. Von den Gästen konnte ein jeder kommen und gehen, wann er wollte, er konnte sich auch irgendwo schlafenlegen, um sich auszuruhen und für neue Taten zu stärken. Die anwesenden Gäste stellten fest, daß man seit Generationen eine solche üppige Hochzeit nicht mehr erlebt habe. Der Krach in den „Zwei Eseln". C. K. Paris. Die Pariser Gerichte werden sich demnächst mit einer großen Skandalszene in dem Lokal ,Zwei Esel" zu beschäftigen haben; sie werden entscheiden müssen, ob wirklich eine halbe Million Franks Schadenersatz gezahlt werden muß, wenn von einer Schauspielerin behauptet wird, daß sie „zu dick" geworden sei. Die „Zwei Esel" sind eine Vergnügungsstätte in Montmartre, ein Theatersaal, in dem vor allem die Chansonniers das Publikum mit ihren oft recht gepfefferten Scherzen zu unterhalten suchen. Sd hatte sich an einem der letzten Abende Jean Marsac eine Schauspielerin der Comedie Fran^aise, Ionia Naoar, zur Zielscheibe seines Witzes genommen, und nachdem er verschiedenes über ihr Temperament gesagt hatte, ihre äußere Erscheinung krittsiert und dabei von den „allzu reichlich schwindenden Reizen" gesprochen. Ein wütender Aufschrei folgte diesen Worten und eine wilde Schimpfrede: Ionia Naoar, die selbst im Zuschauerraum saß, rief alle Anwesenden zu Zeugen auf, daß sie vielleicht ein wenig rundlich, aber noch durchaus proportioniert und daß keinerlei Reiz im Schwinden sei. Der kleine Iheatersaal war in einem Augenblick in zwei feindliche Lager gespalten, und es herrschte ein unbeschreiblicher Lärm, indem die Gegner aufeinander losschrieen. Zum Schluß erklärte die schöne Ionia drohend: „Ich erwarte dich draußen", worauf der tapfere Marsac fein Wort erwiderte, sondern möglichst unbemerkt und von Freunden geleitet, den Ausgang zu gewinnen suchte. Da die Herausforderung nicht angenommen war, wußte Ionia Naoar keinen anderen Ausweg, als vors Gericht zu gehen und Mar- fac auf einen Schadenersatz von einer halben Million Franks zu verklagen, die aber für wohltätige Zwecke verwendet werden sollten. Das Gericht erklärte sie, solle die Grenze festsetzen, die die freie Kritik von der Beleidigung trennt. Marsac habe seine geschmacklosen Witze mit verleumderischen Behauptungen gemischt. Sie verlange eine Entscheidung, daß die Chansonniers nicht, wie es manche beliebten, das Recht hätten, Künstler niederzumachen. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr Hans Thyriot; für den übrigen leih Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Iheodor Kümmel. D. A. IV. 37: 9657. Druck und Verlag: Brühl'sche Univerfitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Gestern nachmittag verstarb im Alter von 59 Jahren unser lieber guter Bruder, Schwager und Onkel Herr Oskar Wiechard Intendantur'Insp i. R ; Hauptmann d. R. i. I R. 118 In Namen der trauernden Angehörigen: J. Dickler Gießen (Großer Steinweg 18), den 3. Juni 1937 Die Trauerfeier findet am Freitag, nachmittags 2 Uhr, in der Kapelle des Neuen Friedhofes statt _________________________________________________________________________________________________________02798 Vermietungen Hiniißnburgwall 13 Erdgeschoß: 5 Zimmer, große Diele, Küche, m. sonstigen Neben- raumen, Zentr.- Heizung, eventl. auch gr. Garage, zum l.Iuli d.J. zu vermiet. [3862D Näh. zu ersr. daselbst im 2.Stock. Schöne 5-Zimm.-Wohng. (einschließl. 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Die Zeit, die für die Vorbereitung zur Verfügung stand, war knapp — denn unmittelbar vor dem Umzug war das Königspaar zu Gast bei dem britischen Ministerpräsidenten, ein Ereignis, das nur jeweils nach der Krönung eines Monarchen stattfindet. So sind also mit fieberhafter Hast Packer und Werkleute beschäftigt gewesen, darunter besondere Sachverständige, die das kostbare, berühmte Sövres- Service der Familie Baldwin kunstgerecht zu verpacken hatten. Eine Buchhandlung hatte ihr geschultes Personal gesandt, um die Lieblinge des Ministerpräsidenten, seine Bücher, wohlbehalten und sicher in seine neue Bibliothek zu bringen. Sein Kammerdiener aber war mit einer ganz besonders verantwortungsvollen Aufgabe betraut, die Pfeifensammlung seines Herrn — die Pfeife gehört bekanntlich zum ständigen Begleiter Baldwins — vollzählig nach Eaton-Squares zu befördern. Es befinden sich einige sehr wertvolle Stücke darunter. Aber Baldwin bevorzugt nach wie vor seinen ganz gewöhnlichen „Holzkloben". Der Einzug des Nachfolgers in „Nr. 10" vollzog sich gewissermaßen „hinten herum" — durch die Gartenpforten und eine Hintertür, denn Nr. 11, die Schatzkanzlei, die den Nachfolger Baldwins bisher schon beherbergt hat, ist das Nachbarhaus von Nr. 10, das seit 200 Jahren das traditionelle Heim des britischen Ministerpräsidenten ist. Weite Gärten, die ineinander überlaufen, dehnen sich hinter beiden Häusern und schaffen die natürliche Verbindung. Mrs. C h a m b e r l a im hat mo.'Mitarbeiier. die Räume, in denen sie künftig walten soll, einer eingehenden Inspektion unterzogen und die Tapeten entsprechend der Farbe ihrer Möbel ausgesucht. Sie hatte im übrigen wenig Beanstandungen zu machen oder Wünsche zu äußern. Nr. 10 war im Jahre 1929, als Macdonald dort einzog, gründlich umgebaut und erneuert worden. Seine Tochter Isabel, die Hausfrauenstelle bei ihrem Vater einnahm, erklärte, daß das alte Haus so düster und unkomfortabel sei, daß man niemanden zumuten könne, dort zu wohnen und Gäste zu empfangen. Nr. 10 Downingstreet war um die Jahrhundertmitte durch einen Umbau vor dem Einsturz bewahrt worden. Aber es war alles andere als eine repräsentative Residenz des höchsten Staatsbeamten Englands geworden, so daß viele Ministerpräsidenten im Laufe der letzten Generation es vorzoaen, sich Privachäuser zu mieten, oder, wie Sonar Law, im Hotel zu wohnen. Man baute nun auf Isabels energische Forderung Zentralheizung ein und vergrößerte die Räume durch den Anbau, der genügend Platz für Empfänge und Gastlichkeit bot. Nur die düstere Fassade von Nr. 10, die winzige Pforte, die sein Eingangsportal darstellt, sind unverändert erhalten geblieben, desgleichen der berühmte Kabinettsraum, in dem die Ministersitzungen stattfinden. Nur die Banketthalle hat durch den Anbau die dringend nötige Vergrößerung erfahren. Nr. 10 Downingstreet ist immer wieder als so etwas wie ein Weltwunder bestaunt worden. Einer der mächtigsten Männer der Welt, dessen Wort für ein Fünftel der Menschheit von maßgebender Bedeutung ist, wohnt in einem schmucklosen, grauschmutzigen und unscheinbaren Haus, dessen Aeuße- res nichts von seiner Bedeutung wie auch von seiner geschmackvollen Inneneinrichtung verrät. Isabel Macdonald und das Ehepaar Baldwin haben es verstanden, Downingstreet etwas von der Würde und feierlichen Vornehmheit zu geben, die man eigentlich dort vermuten sollte, hinter der Außenseite aber nicht erwartet. Downingstreet Nr. 10, das Haus des Ministerpräsidenten, und Nr. 11, die Schatzkanzlei, sind sichtbarste Kennzeichen für die Bedeutung, die der Engländer der alten Ueberlieferung beimißt. Neues für den Büchertisch. — David Lloyd George: Mein Anteil am Weltkrieg, Kriegsm moiren Band III. (Band V und VI der englischen Ausgabe.) Verlag S. Fischer, Berlin. Preis in Leinen gebunden 16,— RM. — (71) — Die internationale Debatte über den Weltkrieg rückt mehr und mehr das Problem des Verhältnisses zwischen Politik und Kriegführung in den Vordergrund. Wir erinnern uns an bas vor kurzem erschienene Buch Schwertfegers „Das Weltkriegsende", in dem dies Problem sine ira et Studio auf deutscher Seite untersucht wird. Daß auch die Alliierten keine ideale Lösung für das Verhältnis von Politik und Kriegführung gefunden hatten, bezeugen die Memoiren Lloyd Georges aufs neue. Wenn auch der englische Staatsmann viel zu temperamentvoll und voreingenommen ist, um überhaupt ein sachliches, auch die Einwände der Mltt- tärs vorurteilslos würdigendes Bild der tatsächlichen Verhältnisse wenigstens im englischen Lager neben zu können, so sind seine Darlegungen doch ein schlagender Beweis dafür, daß zumindest bis zu der von ihm gegen die englischen sowohl wie die französischen Generale durchgedruckten Ernennung Fachs zum Generalissimus der Alliierten auch auf Seiten der Entente das Problem der einheitlichen Kriegführung so wenig gelöst war wie zwischen Berlin und Wien und Staatsmänner und Militärs nicht minder hoffnungslos nebeneinander herliefen, wenn nicht gar gegeneinander regierten wie auf deutscher Seite. Und doch einen kaum zu überschätzenden Vorteil hatte die Entente. Während bei den Mittelmächten in dem Verhältnis zwischen Politik und Kriegführung niemals auch nur von einem Gleichgewicht zwischen Staatsmännern und Militärs gesprochen werden konnte, ja Reichskanzler und Auswärtiges Amt sich schon in den kritischen Juli-Augusttagen 1914 aus strategischen Gründen zy Handlungen veranlaßt sahen, die' von der Politik her gesehen hätten vermieden werden müssen, und seitdem besonders nach dem Sturz Bethmanns auf eine politische Leitung oder gar eine Unterordnung der Kriegführung unter die Politik ganz verzichtet wurde, hatte die Entente das Glück, nach schweren militärischen Mißerfolgen in Lloyd George und Cle- menceau zwei Staatsmänner von Format an die Spitze stellen zu können, von denen der eine durch feinen sprudelnden Ideenreichtum, dessen Dilettantismus von den militärischen Fachleuten oft bespöttelt worden ist, doch ungeheuer anregend und befruchtend auf die alliierte Kriegführung gewirkt hat. der andere durch seine eiserne Energie, die nur ein I Ziel kannte und alles brutal zu Boden stieß, was nicht die völlige Vernichtung des Feindes wollte, den Endfiea der Alliierten gesichert hat. Was Lloyd George über Clemenceau sagt, gehört zu den interessantesten Kapiteln seines Buches. Sein vernichtendes Urteil über die englischen Generale, denen er mit einem kaum zu überbietenden Sarkasmus Ideenlosigkeit, bürokratische Beschränktheit und Unbeweglichkeit vorwirft, sind aus den früheren Bänden seiner Erinnerungen zu bekannt, um durch die heftigen Wiederholungen an Ueberzeugungskraft zu gewinnen. Vor allem ging der Streit zwischen Lloyd George und den britschen Militärs um die Frage, ob die Kriegsentscheidung auf dem französischen Hauptkriegsschauplatz allein fallen könne und daher alle verfügbaren Kräfte hier zusammenzufassen seien zu immer wiederholten Schlägen gegen die deutsche Westfront, wie die britischen Generale es behaupteten, oder ob man die Entscheidung auf einem Nebenkriegsschauplatz suchen müsse, etwa von Saloniki aus, wie es Lloyd Georges Ansicht war, und wo denn ja auch tatsächlich durch den Zusammenbruch Bulgariens im Herbst 1918 die Katastrophe der Mittelmächte zuerst offenbar wurde. Das Buch Lloyd Georges enthält noch viele interessante Einzelheiten auch zur diplomatischen Geschichte des Weltkrieges, so z. B. den Bericht des südafrikanischen Generals Smuts über feine Begegnung mit dem Vertrauensmann der österreichischen Regierung, dem Grafen Meusdorf, auf neutralem Boden u. a. Trotz der breiten Anlage des Werkes sorgt das Temperament des Verfassers dafür, daß man auch über die stellenweisen Längen des Buches schnell hinwegkommt'. Das nun in deutscher Sprache vollständig vorliegende Werk ist eine der wertvollsten Quellen für die Erkenntnis, wie die andere Seite Politik und Kriegführung zu gestalten gewußt hat. Fr. W. Lang e. — Paul Rohrbach: Der Gottesgedanke in der Welt, eine Antwort auf die Frage: Ist die Menschheit lebensfähig? Verlag Hans Bott, Berlin-Tempelhof. Preis kart. 4,80 RM., in Ganzleinen 6,— RM. — (79) — Paul Rohrbach gehört zu der bei uns so seltenen Gattung der „politischen Menschen". Er ist den meisten unserer Leser sicher nur bekannt als Verfasser vieler glänzend geschriebener, auf umfassender Bildung fußender Bücher und Aufsätze kulturgeschichtlichen und politischen Inhalts. Aber Rohrbach ist von Hause aus Theologe, und seine ersten Bücher behandelten religionsvergleichende und religivnsgeschichtliche Probleme, aber auch die späteren Werke ließen immer seine besondere Liebe und die Vertrautheit mit diesem Thema anklingen. Die religiöse Erneuerung unseres Volkes, die lebhafte und fruchtbare Erörterung von Problemen, die feit Jahrzehnten verschüttet zu fein schienen, hat Paul Rohrbach diesmal die Feder in die Hand gedrückt. Er führt uns ganz unvoreingenommen und doch von einem festen eignen Standpunkt aus zu einer religionsgeschichtlichen Betrachtung des Problemkreises, der sich dreht um die göttliche Offenbarung, um die Stellung zum Alten Testament, dessen einzelne Teile er nach Entstehungsgeschichte und Inhalt verschieden bewertet, um das Verhältnis zum Neuen Testament, um das Leben Jesu und seine Heilsbotschaft. Rohrbach zeigt dann die Wendung vom Evangelium zur Kirche, er weist besonders hin auf die bis heute fortdauernde Einwirkung antiker Weltanschauung auf Dogmenbildung und -lehre. Daraus entsteht für Rohrbach die Frage nach dem Verhältnis von Religion und Volkstum. Vorurteilsfrei, aber mit dem geschärften nüchternen Blick des historischen Forschers untersucht er die Grundlagen der germanischen Religion an den überlieferten literarischen Zeugnissen und die Berührung des Christentums mit den Germanen, die einen eigenen Typ deutscher Religiosität aber im Mittelalter unter dem Einfluß des Neuplatonismus nicht zu entwickeln vermocht haben, bis endlich Luther dem deutschen Geist in der Religion zum Aufbruch verhalf. Der Verfasser betrachtet dann die Kirche im Wandel der Zeit von der Amike bis zum Hochkapitalismus unserer Tage. Er deutet auf den kritischen Augenblick, wo die Kirche ihr Verhältnis zur Geschichte hätte finden müssen, wo sie auf Grund der neuen historischen Methode eine neue Stellung zu den im kirchlichen Schriftenkanon niedergelegten Dogmen hätte einnehmen mü|jen, damit üoer das Evangelium von Jesus wieder auf das Evangelium Jesu selbst hätte zurückgehen und in den Mittelpunkt der Religion das persönliche Verhalten jedes einzelnen Christen zu Jesu Predigt von der Gottesherrschaft stellen müssen. In einem besonders fesselnden Kapitel untersucht Rohrbach dann das Thema „Völkischer und christlicher Glaube" und setzt sich hier besonders ausführlich mit Ekkehards Gotteslehre auseinander. Seine Darlegungen find in diesem Kapitel wie in allem Vorangegangenen und in dem noch einmal öap Problem unserer Zeit in der Tiefe anpackenden Schlußwort ohne Schärfe, ohne Anklage, aber von jener packenden Klarheit und jenem männlichen Ernst, die uns ein Buch lieb machen, auch wenn den theologischen Laien mancher Gedanke darin überraschen mag. Die Vielen, die nach einem Wegweiser durch die religiösen Probleme unserer Zeit ausschauen, werden bei Rohrbach tausendfältig Anregung zu eigenem Nachdenken finden. Fr. W. Lang e. — Im Verlag Rütten und ßoening, Potsdam, sind zwei neue Ausgaben der Gedichte von Rudolf G. B i n d i n g erschienen: „Stolz und Trauer", die Sammlung der Kriegsgedichte, ungekürzt, 72 Seiten, geb. 1,80 RM. — (116) — und eine Auswahl der besten unter dem Titel „SiegdesHerzen s", 92 Seiten, geb. 1,80 RM. — (117) — Was die Sammlung „Stolz und Trauer" angeht, so gibt es wohl, wenn man von Stefan George und Eberhard Wolfgang Möller absieht, nicht sehr viele Gedichte in deutscher Sprache, in denen das Kriegserlebnis in so reiner, strenger und gültiger Form sich bewahrt hat und zu dauern verspricht: hier ist jeder Vers gewogen, jede Zeile und jedes Wort aus dem großen, glühenden Erlebnis geboren und künstlerisch umgeschmolzen. Es ist eine ernste und männliche Sprache, die da gesprochen wird, es sind hier Gedichte eines Menschen, der den Krieg als ein wahrhaft apokalyptisches Elementarwesen an sich erfahren hat. Der Stolz auf die äußerste Bewährung vor einem völkischen Schicksal von unerhörter Furchtbarkeit, der Schmerz um das unwiderruflich Verlorene, die aus Leidenschaft und zuchtvoller Beherrschung gleichermaßen hervorgegangene Haltung machen den schmalen Band zu einem dichterischen Dokument, angesichts dessen mancher aus der Kriegsgeneration wird bekennen mögen: mit solchen Worten, wenn sie ihm verliehen.wären, hätte auch er das Unaussprechliche jener vier Schicksalsjahre zu umschreiben und zu deuten versucht. Wir können uns nicht Dorfteilen, daß es eine gültigere Bewährung und Bestätigung für eine Sammlung von Kriegslyrik gäbe. — Die in dem Bändchen „Sieg des Herzens" vereinigten Gedichte, „aus verschiedenen Jahren stammend, sind nicht fo sehr eine Auswahl als vielmehr ein Zusammenhang oder Zu- sammenführungen von Gedichten unter einem bestimmten inneren Gesichtspunkt. Man wird sich daher nicht wundern, eine Anzahl Gedichte wiederzufinden, die auch in anderen Sammlungen zu lesen ind". Die Form, wenn man das Ganze überschaut, cheint in dieser Sammlung noch strenger und aus» chließlicher nach sprachlicher Zucht, nach äußerster Verdichtung des Erlebten, des Gefühls in der knappsten Form des umschreibenden, vielfach reimlosen Verswortes zu drängen. Liebe und Tod — zwei ewige, nicht ausgesungene Gegenstände aller Dichtung — bilden in diesem Buche die innerste Mitte, um die Bindings Gedicht kreist, von der es ausstrahlt. Krönung und Herzstück des Bandes bildet — für unser Empfinden — die Gedichtfolge der „Nordischen Kalypso". Als letztes lieft man den „Gesang olympischer Kämpfer". Hans Thyriot. Gießener Gtadttheater. Abschied von Heinrich Hub. Heinrich Hub, der sieben Jahre lang das Fach des ersten Komikers an unserem Stadttheater mne- hatte, verabschiedete sich gestern abend, um sein neues Engagement in Mainz anzutreten. Ihm semer etts wurde ein Abschied zuteil, der ihm das Scheiden aus seinem hiesigen Wirkungskreise nicht ganz leicht gemacht haben wird, der aber auch von der persönlichen Verbundenheit zwischen Schauipieler und Theatergemeinde das schönste Zeugnis ablegte Sieben Jahre sind eine lange Zett, und Herr Hub hat in diesen Jahren, das darf man wohl sagen, allezeit in der vordersten Front des Theaters gestanden. Wenn man die Spielplcme und die Be richte aus der Zeit seines hiesigen Wirkens durchs blättert, kommt einem der ganze Umfang semes darstellerischen Repertoires das sich keineswegs nur mit dem an sich schon reich besetzten und gestuften Rollenfach eines Komikers deckt, recht zum Bewußtsein. Es ist eine bunte und imposante Fülle der Gestalten, die Heinrich H u b vor uns hat le dem big werden lassen, und es sind manche darunter, die uns noch heute unvergessen gegenwärtig smd. Welch eine nuancenreiche Spanne des komischen Registers, der heiteren Menschendarstellung von Charleys Tante und dem sächsischen Theaterdirektor ©triefe bis hin zum Dorfrichter Adam bei Kleist und zum Mohren Muley Hassan in oöiesco , vom Darmstädter Datterich und vom Wirt zum Hasmarschall °°n Kalb m „Kab°l° unb Liebe"; wir gedenken der lehgen l-r" wie der lustigen Vagabunden> und Bertram", wir greifen aus der Operette zwei ] verschiedene Rollen gratis tote bin Dl ÄÄ ^aSfpUuVifc^n^^rfeAs abzustecken; 11n5 neftattet noch einige andere hmzuzu Dbriften Kottwitz im „Homburg . . NUN Herr Hub 77 tztzkn Manaus ,7LnkÄust Schulze, 1 stand natürlich im Mittelpunkt der Szene, er konnte hier noch einmal das ganze Feuerwerk seines Witzes, seine Beredsamkeit, seine temperamentvolle Beweglichkeit entfalten. Der Schwank ist gewiß nicht die Krone der dramatischen Kunst — weder dieser im Besonderen, noch die Gattung im allgemeinen —, aber die Schwankrolle gibt dem Komiker vom Geblüt eine Fülle von Aktion und komödiantischen Impulsen, die im ernsthafteren Lustspiel und in der Komodie selten sind: hier kann einer aus sich herausgehen und ungehemmt Theater spielen über die ganze Breite und Tiefe der Bühne hin. Herr Hub hat sich von dieser letzten großen Chance seines Gießener Engagements nichts entgehen lassen, — m der Verkörperung des kleinen Mannes, der es zu etwas gebracht hat, der ein Schloß kauft und die einzige Tochter eines verschuldeten Grafen heiratet, der die Sippe hinauswirft, weil sie ihn ärgert, und sich alsbald in einen wüsten Wirbel verwandtschaftlicher Beziehungen verstrickt sieht. Es kommt hier und heute nicht darauf an, wie das im einzelnen zugeht. Unter der Spielleitung von Günter Winkel steigerte sich die Schwankhandlung zu immer tollerer Verwechslung und Verwirrung. Das Ensemble umgab den abschiednehmenden Kollegen in ausgelassener Opielfreuöigfeit. die Damen Prinz, Krause, Gerhardt und S t i r l; die Herren v. G s ch m e i d l e r, V o l ck, S ch o r n und S e i tz. Inmitten Herr H u b, noch einmal lachend und lächelnd, verliebt und bekümmert, gutmütig lärmend, ingrimmig knirschend, angftoerftört, von Sinnestäuschungen verfolgt, von Verzweiflung gepackt — welch eine Rolle zum Abschied, welch eine Skala von Gemütsbewegungen aus der Schwankperspektive. Als der Vorhang sich zum letzten Male gesenkt hatte und der immer wieder stürmisch anschwellende Beifall verebbt war, stand Herr Hub umgeben von reicher Gabenfülle - die Stadtverwaltung hatte einen prächtigen Lvrbeerkranz geschickt - aus der Bühne allein; er trat an die Rampe und richtete einige heitere Worte an seine heben Gießener Freunde: er sei auf allerlei gefaßt gewesen aber er habe nicht erwartet, daß die Stadtverwaltung, um seinen Abschied geziemend anzukundigen, neue Litfaß-Säulen errichten werde. Wenn er sich aucy nicht ins goldene Buch von Gießen eintragen dürfe, fo habe er seinen Namen doch auf dem Standesamt dreifach verewigt. Im Ernst aber: lebermann möae mithelfen am Neuaufbau des deutschen Na- tionaltbeaters und dem Gießener Stadttheater, das ihm dem Scheidenden, in den sieben Jahren feines Wirkens zur zweiten Heimat geworden sei, die Treue bewahren, auf daß es wachse, blühe und gedeihe. - Hans Thynot Umgang mit Steckenpferden. Von Julius Kreis. Da steht nun unser gutes Arbeitspferd. Bei dem einen rund und schwer, bei dem andern knochig und mager, da schlankbeinig und trainiert, dort behäbig und ein bißchen rassengemischt. Wir füttern es, wir putzen es, spannen es ein und aus, aber fast immer mit leisem Seufzer, mit gewohntem, mehr ober minder gleichgültigem Handgriff, manchmal kriegt es einen freundlichen Klaps auf die Kruppe und manchmal an widerspenstigen Tagen ein erleichterndes Flüchlein Nebenai in einem kleinen Verschlag von blitzendem Komfort aber steht unser Steckenpferd. Was die Sprache an zärtlichen Worten hat, wird ihm zuteil. Immer wieder stehlen wir unserem braven Arbeitsgaul eine Handvoll Hafer, wir putzen das Steckenpferd dreimal so lang und beim geringsten Anzeichen von Verstimmung holen wir den Tierarzt. Was unser Steckenpferd auch fallen läßt, es sind qolbene Aepfel für uns. Wir tummeln das muntere Tierlein nach Feierabend und am Sonntag in der Manege und haben eine helle Freude, es unseren Freunden und Bekannten vorzuführen. Der Herr Oberlandesgerichtsrat stellt feine Zinnsoldaten auf, der Geheime Medizinalrat bastelt an feiner Uhrensammlung, der Buchhalter malt Pfirsiche mit dem graufamt nen Reif, den keiner so hineinbringt, der Prokurist dichtet Schnadahüpfl, der Dichter hat Kummer, daß in feiner Briefmarkensammlung der Rote Zehner von Schleswig-Holstein fehlt, und der Maler will in diesem Jahr noch den einarmigen Handstand fertig bringen. Niemand ist ohne Steckenpferd. Es ist das noble Luxusgeschöpf der großen und kleinen Leute und unser aller Lieblingstier. Es ist — mehr noch als der Magen — der Weg, durch den alle Liebe geht. Streichelt das Steckenpferd! — Da ist der finstere Generaldirektor, dessen Höhle durch zehn Sekretäre bewacht und verteidigt wird. Bringen Sie ihm ein Millionenvbjekt, die Zusammenfassung aller europäischen Wasserkräfte, die Entdeckung von Radiumlagern oder die Geheimakten des Konkurrenz-Trusts — der Herr Generaldirektor ist leider durch eine Sitzung in Anspruch genommen. Aber schreiben Sie ihm einen Brief, wie außerordentlich interessant Sie seinen Beitrag über „Eßbare Knollenpilze" im „Schwammerlfreund" gefunden haben, und ob Sie sich darüber nicht nähere Aufklärung holen dürften — gleich springen alle Türen auf. Lassen Sie sich nicht einschüchtern, daß die gefeierte Sängerin von einem Wall prominenter Verehrer umgeben ist. Sie haben den Schlüssel zu ihrem Herzen: einen kleinen chinesischen Porzellanpudel von der Sorte, die sie leidenschaftlich sammelt. Und wenn Sie erst dem großen Philosophen mitteilen, daß er eigentlich noch viel mehr der geborene große Laubsägekünstler ist, dann haben Sie für ewig in der Philosophie einen Stein im Brett. Unsere eigenen Steckenpferde verlangen schon viel Zucker. Aber nicht genug Zucker kann man den Steckenpferden der anderen geben Das Wort am rechten Ort: An Ihnen ist ein großer......(Passendes einsetzen) verloren gegangen, wird stets wie eine edle Auster geschluckt. Denn an jedem von uns ist irgendein großer.......(Passendes einzusetzen) verloren gegangen. Es ist der Grund, warum so viel in der Welt vermurxt wird. Niemals aber sage man zum Nächsten: Haben Sie, Verehrtester, noch nicht bemerkt, daß Ihr Steckenpferd aus Holz ist?" Oie Welsen». Das Ende der Philippine Welfer ist, wie anderes in ihrem Leben, von der Sage umsponnen worden. Sie berichtet, daß ihre glückliche Ehe mit Erzherzog Ferdinand fürchterlich abgeschlossen habe; unbekannte Mörder hätten sie in der Badestube ihres Schlosses Ambras überrascht und ihr die Adern geöffnet, so daß sie verblutete, und viele Besucher der herrlichen Burg haben in dem kleinen Zimmer gestanden und mit Schaudern die schreckliche Kunde vernommen. In Wirklichkeit ist sie am 24. April 1580 eines natürlichen Todes gestorben. Sie stand im 53. Lebensjahre und war zwei Jahre älter als ihr Gatte, der sie innig liebte und dessen kaiserlicher Vater nicht entfernt daran dachte, ihr ein Schicksal ähnlich dem der Agnes Bernauer zu bereiten. Sie litt vermutlich an der Galle und hatte Ferdinand zweimal auf einer Badereise nach Karlsbad begleitet. Aber man war weder im Winter zu Innsbruck, noch im Sommer auf Ambras für eine vernünftige Diät, und wenn Philippine für die Gesundheit ihres Mannes sorgte und aus ihrer reich ausgerüsteten Hausapotheke vielen Kranken aus allen Ständen zu helfen suchte, so kam sie einfach vor lauter Arbeit nicht dazu, sich ernst genug um sich selber zu bekümmern. Sie war, so erzählt Dr. Georg R olle n h a g e n in einem farbig illustrierten Aufsatz des Juniheftes von Velhagen & Klafings Monatsheften, eine ausgezeichnete Hausfrau. Ihr selbstgeschriebenes Kochbuch von 136 Blättern ist höchst verständig abgefafet und mit kritischen Bemerkungen versehen. Sie war eine Künstlerin im Nähen und Sticken, und sie hatte jene frauliche Güte, die ihr nicht nur das Herz ihres Mannes gewann. Fortschritte der Chromosomentheorie der Vererbung. Die Naturwissenschaftliche Abteilung der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde hielt zusammen mit der Ortsgruppe Gießen des Deutschen Biologenverbandes im Zoologischen Institut der Universität eine gemeinsame Sitzung ab, in der Prof. Dr. A n k e l berichtete über „Fortschritte der Chromosomentheorie der Vererbung". Die Lehre von der Vererbung stellt heute ein einheitliches Gebäude dar, erwachsen aus der innigen Synthese zwischen der Kreuzungsforschung einerseits und der Zellforschung andererseits. Die auf Grund von Kreuzungsoersuchen gewonnene Anschauung, daß bestimmten Teilen des Eigenschasten- bildes eines Organismus bestimmte, in sich geschlossene Einheiten der Erbmasse zuzuordnen seien, wurde durch die Chromosomenforschung bestätigt und unterbaut. Sie zeigte, daß das Verhalten der Chromosomen bei der Geschlechtszellendildung und Befruchtung die Grundlage darstellt für die zuerst von Mendel erkannten Gesetzmäßigkeiten. Die Einheiten der Erbmasse, Gene genannt, sind nicht den Chromosomen gleichzusetzen, wenn auch zu erwarten ist, daß ein Gen ein materielles Teilchen von bestimmten Eigenschaften darstellt; vielmehr enthält ein Chromosom eine ganze Reihe von Genen. Es ist gleichsam die „Verpackung" für eine bestimmte Anzahl von Genen. Große Chromosomen enchalten meist viele, kleine dagegen nur wenige Gene. Durch planvolle Zusammenarbeit ist es möglich gewesen, die Lage eines bestimmten Genes, dessen Wirkungen aus dem Kreuzungsversuch bekannt waren, innerhalb eines bestimmten Chromosoms festzulegen, so daß sein Platz im Chromosom genau angegeben werden kann. Die „Verpackung^ der Gene ist anscheinend nicht immer dauerhaft, denn es ließ sich öfters ein Austausch von Genen beobachten, der durch Aenderungen im Erscheinungsbild des Organismus zum Ausdruck kam. Dieser Austausch aber ist nur denkbar, wenn die Gene im Chromosom „linear", d. h. einreihig in der Längsrichtung des Chromosoms, angeoronet sind. Bei diesem Austausch zu bemerkende Gesetzmäßigkeiten führten zu der Anschauung, daß jedes Gen innerhalb dieser Reihe seinen ganz bestimmten Platz hat, der sich rechnerisch festlegen läßt. Allerdings fehlte zunächst der Beweis für die Realität einer linearen Genanordnung, da die Kleinheit der Chromosomen experimentelles Zerbrechen und Vertauschen der Bruchstücke unmöglich machte. Dagegen lieferte das mühevolle Studium natürlicher Brüche eine elegante Rechtfertigung und Bestätiming der Annahme. Seit man weiß, daß sich solche Brüche durch Röntgenbestrahlung der Versuchstiere (Taufliegen) künstlich Hervorrufen lassen, ist die Anschauung von der Genanordnung durch zahllose Beweise gesichert. Schwierigkeiten bot bei diesen Untersuchungen die Kleinheit der Chromosomen. Nun enthalten, wie neuerdings erkannt wurde, die Speicheldrüsenzellen gewisser Mückenlarven sehr große Kerne mit riesigen Chromosomen, 100- bis 200mal größer als die Chromosomen der sonstigen Zellen. An diesem Material lassen sich die mühevoll erworbenen Anschauungen nachprüfen und erweitern, denn die aus den Kreuzungsversuchen zu erschließenden Verhältnisse in der Anordnung und Lage der Gene können mikroskopisch bestätigt werden. Am Schlüsse des klaren und eindrucksvollen Vortrages, der durch zahlreiche Lichtbilder veranschaulicht wurde, gab der Redner einen Ausblick, in welcher Richtung die Forschung den Angriff weiter vorzutragen hat: Nähere Kenntnis von der stofflichen Natur der Gene und Einblick in ihre Wirkungsweise sind das Ziel, das in planvoller Zusammenarbeit erreichbar ist. Eine angeregte Aussprache, in der Prof. Schmidt hochinteressante Aufschlüsse über den submikroskopischen Bau der Chromosome gab, sowie eine Demonstration von mikroskopischen Präparaten beschlossen die Sitzung. t. K. Wirtschaft. * Auskunftspflicht in der Landwirtschaft. Um die Durchführung der dem Reichsnährstand im Rahmen der Erzeugungsschlacht gestellten Aufgaben sicherzustellen, hat der Reichs- und Preußische Minister für Ernährung und Landwirtschaft gemäß § 1 der Verordnung über Auskunftspflicht vom 13. Juli 1923 den Reichsbauernführer und die Landesbauernführer als Stellen bestimmt, die berechtigt sind, innerhalb des landwirtschaftlichen Aufgabengebiets jederzeit Auskunft über wirtschaftliche Verhältnisse, insbesondere über Preise und Vorräte, sowie Leistungen und Leistungsfähigkeit von Unternehmungen oder Betrieben zu verlangen. Rhein-Mainische Börse. Mittagsbörse fest. Frankfurt a. M., 2. Juni. Auf Grund des etwas größeren Auftragseinganges setzten sich am Aktienmarkt die Kurserholungen fort. Bei teilweise lebhaften Umsätzen lagen die Durchschnittserhöhungen bei 1 v. H. In den Vordergrund rückten Montanpapiere, wo Rheinstahl auf 158,13 (155,50), Hoesch auf 127,25 (125,25), Klöckner auf 137,25 bis 137,75 (136,50), Verein. Stahl auf 121,65 bis 121,90 (121) und Mannesmann auf 125,25 (124,50) anzogen. Unter kleinen Schwankungen lebhaft waren ferner Deutsche Erdöl mit 160,75 bis 160,40 (160), IG. Fahrben bei größeren Umsätzen 166 bis 167 (165,50), Rütgerswerke 157 (155,50). Der Elektromarkt brachte bei kleineren Umsätzen durchweg Erhöhungen von 0,25 bis 0,50 v. H., etwas lebhafter RWE. mit 128,65 bis 129 (128,13). Sehr fest lagen erneut Kunstseide Bemberg mit 130,25 (128,50), guch Zellstoffaktien, Reichsbank und AG. für Verkehrswesen verbuchten Gewinne bis zu 1,50 v. H. Maschinenaktien von dem günstigen Lagebericht beeindruckt und überwiegend 0,50 bis 1 v. 5). fester, nur Moenus mit 120 (120,50) und Daimler mit 140,65 (141) nicht ganz behauptet. Nach den ersten Notierungen ließ oas Geschäft nach und die Kurse unterlagen kleinen Schwankungen, wobei einzelne Werte zu den höchsten Kursen leicht angeboten wurden. Der Rentenmarkt war ebenfalls recht fest, das Geschäft erreichte jedoch keinen größeren Umfang. Altbesitzanleihe 127,50 (127), Kommunal-Um- schuldung 94,20 (94,10), Reichsbahn-Vorzugsaktien unv. 125, ebenso Rheinische Städte-Altbesitz mit 130 und Süddeutsche mit 131. Aufwertungs-Genußrechte waren gefragt und etwas höher. Mit Beginn der zweiten Börsenstunde wurde das Geschäft am Aktienmarkt wieder lebhafter und die feste Haltung verstärkte sich. Unter mäßigen Schwankungen zeigten die Kurse am Aktienmarkt vorwiegend um 0,50 bis 1,50 v. H. nach oben. Von den später notierten Werten erhöhten sich Scheideanstalt, BMW. und MAN. um je 1,50 v.H. Der variable Rentenmarkt blieb im Verlaufe ruhig. Die Ziehungschance für Reichsaltbesitz wurde mit 1 o. H. bewertet. Von zertif. Dollar- Bonds 6 d. juni. Es notierten in Mark (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm): Weizen W 13 211, W 16 214, W 19 218, W 20 220; Roggen R12 174, R15 177, R18 181, R19 183, Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete. Futtergerste —, Futterhafer —. Weizenmehl Type 812 W 13 29,90, W 16 30,00, W19 30,00, W 20 30,35; Roggenmehl Type 1150 R 12 22,45, R15 22,80, R 18 23,30, R 19 23,50 plus 0,50 Mark Frachtausgleich. Weizenfuttermehl 13,60. Weizenkleie W13 10,75, W 16 10,90, W 19' 11,10, W 20 11,20; Roggenkleie R 12 9,95, R 15 10,15, R 18 10,40, R19 10,50, Mühlenfestpreise ab Müh len- station. Sojafchrot —, Palmkuchen —, Erdnußkuchen —, Treber 14,00, Höchstpreis ab Erzeugerstation, Trockenschnitzel —, Heu 5,50, do. drahtgepreßt 5,90, Weizen- und Roggenstroh drahtgepreht —, gebündelt —. Tendenz: ruhig. Rundfunkproqramm. Freitag, 4. Juni. 6 Uhr: Choral. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause (7): Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau, hör zu! 10.45: Mutter turnt und spielt mit dem Kind. 11.45: Deutsche Scholle. Hörberichte von der 4. Reichsnährstandsschau in München. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Dem Opernfreund. 15.15: Deine Haut, ein Spiegel der Gesundheit, lieber die Bedeutung der Hautpflege. 15.30: Volk und Wirtschaft. Salz und Erdöl — Nachbarn im norddeutschen Boden. 16: Unterhaltungskonzert. 17.30: Theater im Freien. Süd- westdeutsche Freilichtbühnen. 17.45: Heitere Balladen. 18: Musik aus Dresden. 19: Gorch Fock — ein Bericht vom Schulschiff und vom Dienst an Bord. 19.45: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 20.10: Der gutgelaunte Zufall. Heitere Begebenheiten von Paul Schaaf. 21: Orchesterkonzert. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 22.30: Tanzmusik. 24 bis 2: Nachtkonzert. Samstag, 5. Juni. 6 Uhr: Choral. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause (7): Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau, hör zu! 11.40: Gaunachrichten. 11.50: Deutsche Scholle. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Wenn der Sommer vor der Tür steht ... Klingende Wochenend-Prospekte. 15.15: Volk und Wirtschaft. Allerlei Neuigkeiten. 15.30: Fort mit den Grillen — fort mit den Sorgen! Lustige Verse und Lieder. 16: Bunte Melodien. 18: Sport rings um Deutschland: Finnland. 18.15: Sportschau. 18.30: Blasmusik. 19.30: Der Zeitfunk bringt die Wochenschau mit Berichten vom Reichstreffen des Reichsbundes der Kinderreichen. 20: Nachrichten. 20.10: Junizeit — Rosenzeit. Ein duftiger, bunter Abend im Frühsommer. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 22.30: Ausschnitte aus der Weihestunde Ewiges Volk. 23: Musik zum späten Abend. 24 bis 2: Nachtmusik. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. Reichsbankdiskont 4 o H.. Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankfurt a. M. Berlin Schluß- kurs Schlußk. Abendbörse Schluß- fürs Schlußk Mittag börse Saturn 1.6. 2-6. 16. 2.6. 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 101,75 101.9 101,9 101,75 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 99,4 99,5 99,4 99,5 6%% Doung-Anleihe von 1930 .. 105,5 105 104,5 104,9 4y2% Hessische Volksstaat von 1929 4Yz% Deutsche Reichspostschatz von 99,75 99,75 — — 1934 I...................... 4y2% Deutsche Reichsbahnschatz 100,6 100,6 100,7 101 von 1936 I.................. 99,13 99,13 99,13 99,13 Reichsanleihe-Wtbesitz.......... Oberhessen Provinz-Anlethe mit 127 127,4 127,75 127,5 Auslos.-Rechten.............. 4y2% Hess. Landesbk. Darmstadt — — — — Goldpse. R. 12.............. &y2% Hess. Landes-Hyp.-Bank 99,25 99,25 — — Liqu. Goldpse............... 4y2% Preuß. Landespsdbr.-Ansi. 101 101 — — Goldpse. R. 19.............. 99 99 99 99 4x/2% Preuß. Gold-Komm. R. 20 4y2% Darmstädter Komm.-Lan- 98 — 98 98 desbank R. 6................ Deutsche Komm.-Saminel-Anleihe 97,9 97,9 — — Auslos.-Rechte I.............. 131,9 132,4 132,13 132,25 4yz% Franks. Hyp. Goldpse. R. 15 4y2% Franks. Hyp. Gold-Komm. 99,5 99,5 99,5 99,25 Obl. 2 3.................... 5y2% Franks. Hyp. Liquidation 98,25 98,25 — — Goldpse..................... 5y2% Rheinische Hyp. Liquidation 100,75 100,75 — — Goldpse..................... 100,9 100,9 100,75 100,9 Steuergütschein- Verrechnungskurs 110,8 110,8 110,9 — 5% Goldmexikaner von 1899 .... — — — — 4% Oesterreichische Goldrente.... — — — — 4,2% Oesterreichische Stlberrente. — — — — 4y2 Ungarn Staats von 1913 .... — — — —— 4% Ungarische Goldrente....... — —— —— — 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 — — — — 5% Rumänen von 1903......... — — — — 4’/2% Rumänen Gold von 1913.. — —— — —— 4% Einheits-Rumänen......... —— — — — 4% Türken Bagdad I........... — —- — — 4% Türken Bagdad 11.......... —— —— — — 2 y4% I. Anatolier.............. — — — — A.G. für Verkehrswesen ...... 6 125,25 127 125,25 126,65 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 — — 46 46 Hamburg-Amerika Paket......0 18,4 18,5 18,4 18,25 Norddeutscher Lloyd......... 0 18,65 18,75 18,75 18,75 Deutsche Reichsbahn Vorz.-Akt. 7 125 125 125 125,13 Reichsbanl................. 12 213,75 215,5 214 216,25 Berliner Handelsgesellschaft ... 6 — — 130 130,75 Commerz- und Privat-Bank... 4 113 113,13 113 113,13 Deutsche Diskonto............4 118 118,5 118 118,25 Dresdner Bank..............4 105 105 105 105 Frankfurt a. M. Berlin Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Schlub- kurs Schlußk. Mittag» börse Datum 1.6. 26. 1.6. 2.6. Accumulatoren-Fabrik...... 12 233 233 233,5 233 AKU=Sunftfeibe........... .. 0 —— — — Aschaffenburg Zellstoff...... .. 3 140,5 142,5 141 143,75 Bemberg................. .. 0 128,5 129,75 127,25 130,4 Bekula................... .. 8 165,5 165,25 165,5 165,5 Buderus Eisen............. .. 4 127.5 129,25 127,4 129,25 Cement Heidelberg......... .. 7 159 158,5 — — Cement Karlstadt .......... .. 6 171 170 — — —— — —— — Conti Gummi............. 11 187,5 188 187,25 189,5 Daimler Motoren.......... .. 5 141 140,75 140,65 140,25 Dessauer Gas............. .. 4 —— —— 117,5 117,5 Deutsche Erdöl............ .. 5 160 160,25 160,5 160,25 Deutsche Gold- und Silber .. .. 9 261,5 264 —— — Deutsche Linoleum......... 10 177,75 170,5 177,75 170,75 Elektrische Lieferungen...... .. 6 135,9 135,5 135,75 135,25 Elektrische Licht und Kraft... .. 7 154,5 155 154.5 155,25 I. K. Farben-Jndustrie..... .. 7 165,5 168 165,75 167,65 Felten & Guilleaume....... .. 6 136,75 157,75 137 137,25 137,75 Gesfürel.................. .. 6 159,5 157,9 159 Th. Goldschmidt........... .. 5 137,75 138,5 138,25 138 Gritzner Maschinen......... .. 0 47,9 — 48,25 51 Harpener................. 2'/, — 167,75 166,25 167,75 Hoesch Eisen............... 3-/7 125,25 129 125,65 128,5 Philipp Holzmann......... .. 6 150,25 151,75 150,5 151,75 Ilse Bergbau.............. .. 6 — 175 175 —— Ilse Genüsse.............. .. 6 143 143,25 143,25 143,25 Kall Aschersleben.......... .. 5 117,5 118,13 118 118 Klöcknerwerke............. 4'/2 136,5 139 136,5 139 Kokswerke und Chemische Fabrik 6 — — 156,4 157,25 Lahmeyer................ .. 6 — 125,5 —— 125,5 Matnkraft................. .. 4 98 98,25 — Mannesmann............. .. 3 124,5 126 124,4 125,25 Mansfelder Bergbau....... ey. 158 158,50 Metallgefellschaft........... .. 5 153,5 155 152,5 154,501 Orenstein & Koppel........ .. 0 — —— 106,5 108.75 Rheinische Braunkohle...... 12 — 232,25 233,75 232,5 Rheinische Elektro.......... . 6 _ — Rheinstahlwerke............ . 6 155,5 159 155,5 158,75 Rbeinisch-Westfälische Elektro . 6 128,13 129,5 128 129,25 Rütgerswerke............. . 6 155,5 157 155,5 157,5 Salzdetfurth Kali.......... ?y2 153 153 153,5 155.9 Schükkert & (So............. . 6 176 176 175,65 176 Schultheis Patzenhofer...... . 4 — 97 97 Siemens & Halske......... . 8 220 220 220,5 220,25 Süddeutsche Zucker......... 10 200 200 201 202,75 Vereinigte Stahlwerke...... 3 yf 121 122,5 121 122,25 Westdeutsche Kaufhof....... .. O 61,75 62,75 61,9 62,75 Westeregeln Alkali.......... .. 5 116,5 118 118,5 118 Zellstoff Waldhof.......... .. 6 162 165,5 161,5 166,25 Otavi Minen.............. 0,6 31,13 31,50 31 31,5 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. ZIL Buenos Aires Brüssel................... Rio de Janeiro Polen.................... Kopenhagen Danzig................... London HelsingforS Paris.................... Holland .... Italien 1. Juni 2. Juni 1. Juni 2-Juni Amtliche Notierung Amtliche Notierung Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld örter Geld Bnes Geld Brie, Geld ®rie| 0,762 0,766 0,762 0,766 Japan.................... 0,716 0,718 0,716 0,718 42,06 42,14 42,09 42,17 Jugoslawien.............. 5,694 5,706 5,694 5,706 0,162 0,164 0,163 0,165 Oslo.................... 61,79 61,91 61,84 61,96 47,10 54,90 47,20 55,00 47,10 47,20 Wien..................... 48,95 49,05 48,95 49,05 54,95 55,05 Lissabon.................. 11,165 11,185 11,175 11,195 47,10 47,20 47,10 47,20 Stockholm................ 63,39 63,51 63,44 63,56 12,295 12,325 12,305 12,335 Schweiz.................. 56,88 57,00 56,99 57,11 5,44 5,45 5,44 5,45 Spanien.................. 16,98 17,02 16,98 17,02 11,115 11,135 11,125 11,145 Prag..................... 8,666 8,684 8,676 8,694 137,11 137,39 137,22 137,50 Budapest................. — — 13,09 13,11 13,09 13.11 Neuyork.................. 2,495 2,499 2,495 2,499 Klanggewordene Backsteingotik. Zum 300. Geburtstage Dietrich Buxtehudes. Vom 4. bis zum 6. Juni veranstaltet die Reichsmusikkammer mit der Stadt Lübeck ein Erinnerungsfest anläßlich des 300. Geburtstages von Dietrich Buxtehude. Lübeck und Kopenhagen bereiten größere Musik- feste vor, um des Jahres 1637 zu gedenken, in dem — man weiß nicht, an welchem Tag und in welchem Monat — ein Tonmeister das Licht der Welt erblickt hat, den man den größten des germanischen Kulturbereichs zwischen Schütz und Bach nennen darf: Dietrich Buxtehude. Wie der Familienname besagt, stammt der bedeutende Musiker, Abkömmling eines Organistengeschlechts, offenbar aus dem aleichnamigen Städtchen des Niederelbegebietes. Geboren wurde er in Helsingborg, das zwar an der Südwestküste Schwedens liegt, damals aber politisch wie kulturell zu Dänemark gehörte — Dänemark sah auch allein die Frühentwicklung des Künstlers. Dann aber, einunddreißig- jährig, ehelichte der junge Meister die Tochter des angesehenen und liebenswerten Tonsetzers in Lübeck Franz T und er und erbte nach damaligem Zunftgebrauch dessen Amt als führender Musiker an der dortigen Marienkirche. Mit siebzig Jahren sank Meister Dietrich in die Gruft, und fein Name als fast alleiniger Bewahrer und Mehrer ehrwürdiger Kunstüberlieferungen war so groß, daß noch anderthalb Jahrzehnte später der hundertjährige berühmte Hamburger Organist Johann Reinken sich neben Buxtehude begraben ließ, um in so würdiger Nachbarschaft den jüngsten Tag zu erwarten. Wesentlich zwei Schüler haben Buxtehudes Ansehen noch erhöht: einmal in Husum der genialisch veranlagte Nikolaus Bruhns, dessen feurige Tonwerke in diesen Tagen eine Erstausgabe erleben, laut deren er gewiß nur durch den frühen Tod verhindert worden ist, sich zu einem der Führendenden im weiten Musikbarock zu entfalten; der andere aber ist wirklich das größte Genie dieser und wohl aller Zeiten deutscher Musik geworden: Johann Sebastian Bach. Wenn auch der nachmalige Leipziger Thomaskantor geistig bei vielen Meistern der Generation vor ihm in die Schule gegangen ist, bei Pachelbel und Böhm, bei Frober - ger und Reinken, so ist doch Buxtehude unter ihnen der einzige gewesen, der persönlich — wohl vor allem als genialer Drgelftegreiffpieler — den jungen Riesen aufs stärkste gefesselt hat. Anders wäre es nicht zu erklären, daß der damalige Arnstadter Organist Sebastian seinen Reifeurlaub nach Lübeck um Monate überschritten und sich so beinahe um sein erstes Amt gebracht hat. In der Tat ist das reich in Handschriften erhaltene und erstmals durch den Bachbiographen Ph. Spitta veröffentlichte Orgelschaffen Buxtehudes höchst erstaunlich zu nennen. Nordisch-mystische Phantastik ist ihr stärkstes Merkmal, eine kühne Freiheit des Ausdrucks und der Gestaltung, ein oft schier fesselloser „Sturm und Drang" schon mehr denn hundert Jahre vor der eigentlichen Romantik; die Drachenornamentik des alten Nordens, die Zierfreude des Osebergschiffs scheint hier ebenso wiedergeboren zu sein wie die erhabene Strenge der Riesenwände an den Backsteinkirchen zu Lübeck, Wismar und Rostock, aber auch das heimelige Helldunkel barocker Kirchgestühle und Ratsstüblein in den gleichen Gotteshäusern. Eine süße Herbigkeit, ein kühnes Vordringen auf bislang unerprobte Klanggebiete, die übermütige Freude an eigener Spielvirtuosität erfüllen diese Abschnittsfugen mit ihren rauschenden Präludien, welche problematische Artistik und doch auch vollendete Volksnähe in höchst eigenartiger Weise zu verbinden wissen — die großen „Präludien und Fugen" Bachs sowohl in der Weimarer wie in der Leipziger Epoche bedeuten letzte Steigerung und Erfüllung des von Buxtehude prophetisch Erschauten und Ersehnten. Doch Buxtehude hat sich nicht auf Orgelwerke beschränkt, wobei auch herrliche Toccaten und Choralbearbeitungen, Passacaglien und Phantasien zu rühmen wären, hat nicht nur feine Kammertrios für Geige, Gambe und Cembalo daneben gestellt, die heute wieder von Verehrern alter Musik in Klang umgesetzt werden, sondern ist vor allem auch ein Meister des kirchlichen Chorsatzes mit Orchester gewesen. In der Geschichte der evangelischen Kantate steht er groß um 1700 da als eindringlicher Tonprediger des „Worts". Gewiß nicht so lodernd und rüttelnd wie sein großes Vorbild Heinrich Schütz, und auch nicht so ins Jenseitige hinüber- aewachsen wie sein vergeistigter Nachfahre Bach, sondern erdnäher, volkstümlicher, zeitgebundener als beide — aber doch auch hier mit jener gelegentlichen Tiefenschau begabt, seherhaft in die Weiten nordischer Gottesbewußtheit entrückt, wie es plötzlich mystische Adagiostellen in seinen Kantaten vielfach erleben lassen. Man nennt Buxtehudes Kantaten gern „Abendmusiken" — das Wort bedeutet aber eigentlich ein Dreifaches. Erstlich die Veranstaltung musikalischer Vespern irgendwelcher Art an der Lübecker Marienkirche, wo der auch als Orgelkomponist ausgezeichnete Tunder und dann sein Schwiegersohn die großen Handelsherren auf dem Weg von oder zur Börse auf ein halbes Stündchen der Andacht und künstlerischen Erbauung festzuhalten vermocht harten. Zweitens ist „Abendmusik" eben die — wotz nicht wie anderswo im Hauptgottesdienst, sondern in der Abendandacht aufgeführte — Kirchenkantate; so hat Max S e i f f e r t in den „Denkmälern deutscher Tonkunst" und in seiner Sammlung „Organum" eine ganze Reihe derartiger Einzelwerke über das Sonntagsevangelium oder über Bibelsprüche neugedruckt, die Buxtehude auf dem Weg von Schützens „geistlichem Konzert" zu dem Typ der durch Bach, Telemann, Graupner, Friedrich Fasch berühmt gewordenen „Kantate" des geistlichen Dichters Erdmann Neumeister zeigen. Drittens und vor allem aber bedeutet „Abendmusik" einen Zyklus von fünf oder sechs Kantaten über das gemeinsame allegorische Grundthema einer ganzen kirchlichen Jahreszeit hinweg — dieser Buxtehudische von dramatischem Geist getragene Gedanke hat u. a. in seiner (verschollenen) „Hochzeit des Lamms" oder einer (vor wenigen Jahren in Upsala neu entdeckten) oratorienhaften Gestaltung des jüngsten Gerichts" seinen Niederschlag gefunden und zu Buxtehudes Zeit lebhafte Bewunderung geweckt — wieder aber ist ein Bachsches Werk zum vollendeten Wahrzeichen solchen Buxte- hudischen Wollens geworden: das „Weihnachtsoratorium", das eine Kantatenkette für die sechs Festtage vor Weihnachten bis Epiphanias darstellt. Von diesem herrlichen Kunstwerk zurückschauend, erkennt man am ehesten die Bedeutsamkeit des Lübecker Gedankens einer zyklischen Abendmusik und gedenkt voll verehrenden Dankes des Meisters Buxtehude, der ihn erstmals ausgesormt und verwirklicht hat. Heute sind — durch Neuausgaben auch des Bä» renreiteroerlages und der Ugrinogefellschaft — rund ein halbes hundert Buxtehudischer Solo- und Chorkantaten wieder zugänglich und erweisen ihre starke Kraft an den kirchlichen wie künstlerischen Gemeinden. Luthersche Rechtgläubigkeit und Gefühlsinbrunst des jungen Pietismus treffen sich hier mit regem Mufikantentum und einer wahrhaft tondichterischen Gabe des vertiefenden Neugestaltens, die Buxtehude — obendrein einen Könner von beherrschender Kunsttechnik — zur stärksten Potenz seiner so reichtalentierten Zeitgenossenschaft machen; seine Musik bedeutet einen Gipfel hansischer Kunst, sie ist klanggewordene nordische Marienkirche, tönende Backsteingotik schlechthin. Zeitschriften. — „Die Kun ft", Monatshefte für M a - lerei, Plastik und Wohnkultur (Verlag Bruckmann, München) machen uns in ihrem Junt- Heft mit charakteristischen Arbeiten des Staatspreisträgers 1936/37 Josef Pieper bekannt. Griebitzsch würdigt Pieper als Vertreter der vorwärtsweisen- den Richtung, der durch Fleiß und künstlerische Eigenart diese Anerkennung des Reiches verdient hat. Die Arbeiten von Peter Otto Heim behandelt Georg von der Dring an Hand von Abbildungen einiger Werke des Künstlers. Nemitz betont in feinem Aufsatz „Bildhauer-Nachwuchs", daß in der Bewertung der jungen Künstler von Begabung und handwerklichem Können ausgegangen werden muh. Ulrich Christoffel beschließt seine Arbeit „Jüngere Münchener Maler" mit gut ausgewählten Meistern. Im zweiten Teil des Heftes bringt Dr.-Ing. Gut neue Land- und Stadtkirchen. Landhäuser und Beiträge über Innenarchitektur zeigen uns die schlechthin ideale Erfassung der Wvhnbedürfnisse. Fritz Junghans gibt mit seinem Aufsatz „Unser Eßgerät — und wie es wurde" einen ausgezeichneten Beitrag zu diesem vielseitigen Heft. Im Nachrichtenteil wird über die Frühjahrsausstellung der Preußischen Akademie der bildenden Künste referiert ■ '"1 Sb "N 'M., 20: ■ .Mer» elkt!on. tlf- 6.30; 7- 8.10; nf‘ 10.30; m U-50: Urich. Mittags, Sommer 'end-Pro. Neu-a. knit ben unte Ne. ijinnfanb, Meit. Hen uom lerreicf)en. [Seit. Ein ■?: Nach. 30: Aus. 23: Musik rfe. >e an. Beüm 3 tiuy, Wtlag. 2.6. 233 143.75 130,4 165,5 129,25 141 25 5,5 7,4 2. Juni Monenmz id ! Brie^ 16 >94 84 95 75 44 99 98 176 95 0,718 5,706 61,96 49,05 11,195 63,56 57,11 17,02 8,694 2,499 Meisters und oer« i des Bä« t - rund jnö ihre starke , Gemein« Gefühls' ) hierE ft tondich iltens, m W", e«31-w fjen; K nft, I" £ tönend #5 s« *«* ür Nka' r (33erM em aatspZ Griebs rlslve'L 'LZ bell«* bi*8 bun«2 l'rt w Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Schule und Vierjahresplan. Kreisversammlung des NSLB.-Kreis Wetterau. In der neuen Pestalozzischule fand am gestrigen Mittwochnachmittag eine Kreisversammlung des NSLB. statt, der Kreisschulrat Nebeling einige geschäftliche Mitteilungen vorausschickte. Schulrat Nebeling gab dann der tiefen Trauer für die Opfer des Panzerschiffes „Deutschland" Ausdruck. Er schilderte die Empörung, die wegen dieser Schandtat durch unser Volk geht, und betonte, daß es für Deutschland keine andere Entscheidung als für den Nationalsozialismus und gegen den Bolschewismus gibt. Seine Worte: „Mit Verbrechern verhandelt man nicht, denen zeigt man die Faust!" fanden stärksten Anklang. Das Andenken der Gefallenen fand die gebührende Ehrung. Mit dem gemeinsam gesungenen Lied „Heilig Vaterland" folgte die Ueberleitung zu einer Würdigung I. G. Fichtes anläßlich seines 175. Geburtstages am 19. Mai. Dr. Kraft feierte in Fichte den geistreichen Redner und den Erzieher des deutschen Volkes. Aus einigen seiner Aussprüche, die zum Vortrag gelangten, sprach der unbändige Lebenswille dieses Mannes, von dem auch die Worte stammen: „Wenn der Mensch sagt, ich kann nicht, so will er nicht". In tiefgründiger Weise unterstrich Schulrat N e - beling die Bedeutung dieses Mannes für-unser Volk, dem er auch heute noch sehr viel zu sagen hat. Ein Ausspruch des Führers leitete über zu der Aufzeigung der Ziele, die der Führer uns gesteckt hat. Mit dem vom Fanfarenzug des JV. vorgetragenen Lied der deutschen Jugend wurde der erste Teil der Versammlung beschlossen. Nach der Pause sprach Gauredner Jordan über das Thema „Schule und Dierjahrespla n". In eingehenden Darlegungen begründete der Vortragende die willensmäßige Voraussetzung für das Gelingen des großen Planes, der die Folgerung aus dem vom Führer angegebenen Ziele einer guten Zukunst für unser Volk und eines gesicherten Lebens für unsere Jugend darstellt. Aus der Erkenntnis, daß nur starke Nationen Europa befrieden können, ist die nationale Behauptung unseres Volkes erforderlich geworden. Für diese alle unsere Kräfte einzusetzen und zu steigern, ist das ganze Volk, und in erster Linie der Erzieher der deutschen Jugend, aufgerufen. Neben den Aufgaben technischer und wirtschaftlicher Art stehen solche der Erziehung. Hierbei erwachsen dem Lehrer Pflichten und Verantwortung. Indem er die Jugend mit den Erfordernissen aus dem Dierjahresplan verttaut macht, muß er zugleich auf deren Eltern einzuwirken versuchen. Wie sehr dies möglich sein kann, wie schon die Kleinen zu volkswirtschaftlichem Denken angehalten, wie sie durch richtiges Zeitunglesen aufgeschlossen werden können für die Tagesereignisse und auf solche Art auch ihre Angehörigen veranlassen, sich mit den Gedanken auseinanderzusetzen, die durch den Dierjahresplan angeregt sind, das zeigte der Redner in ausführlicher Weise. Er gab praktische Winke für die Einstellung des Unterrichtes auf alle diese Gedanken und regte verständnisvoll an, wie der Lehrer schon durch einfache Hinweise auch auf die Erhaltung des vorhandenen Materials, z. B. der Fahrräder, einwirken und dadurch zugleich der Verkehrserziehung und Unfallverhütung dienen kann. Seine Ausführungen gipfelten in der Forderung, daß der Erzieher Vorbild fein muß in seiner Haltung und Arbeit und in der praktischen Betätigung auf allen Gebieten in seiner Ortschaft, für die auch die Bewegung feine Mithilfe in Anspruch nehmen muß. Die Kreisversammlung wurde mit einem Schlußwort von Schulrat Nebeling und dem Treuebekenntnis zum Führer geschlossen. Lugend im Lustschutzdienst. Vorführungen zum Lugendlustschutztag in Gießen. Aus der Einsicht heraus, daß eine erkannte Gefahr nur noch einen halben Schreck bedeutet, wird die Jugend frühzeitig durch Hebungen mit Aufgaben verttaut gemacht, die im Ernstfall der Selbsterhaltungstrieb von ihr fordert. Dazu gehören auch die Handhabung der Gasmaske und die Brandbekämpfung. Die Marine-HI. hat sich als bisher erste und einzige Gießener Gefolgschaft einer Lust- fchutzausbildung an der Luftschutzschule der Orts- (Kreis-)Gruppe Gießen unterzogen. Gleichzeitig wurden die Jungoolkführer ausgebildet. Am gestrigen Mittwochabend' wiesen nun beide Gruppen ihre Kenntnisse unter Führung des Ausbildungsleiters der Orts-(Kreis-)Gruppe Gießen, Dr. Diehl, vor. Die Marine-HI. zeigte als erste den vielen Zuschauern ihre Fertigkeiten in der Handhabung der Gasmaske. Mit den Voraussetzungen des Auf- und Abfetzens der Gasmaske im Schritt und im Lauf begann sie ihre Vorführungen, um dann auch zu den Freiübungen, zum Gesang und der Befehls- ausgabe unter der Gasmaske überzugehen, die an die jungen Menschen keine leichten Anforderungen stellen. Die vielseitige Betätigung, zu der noch die schwierigere Ausführung des Radfahrens hinzukam, das die Jungens einmal als Melder gebrauchen könnten, bewies, mit welchem Eifer und welch großer Ausdauer die Marine-HI. geübt hat. Viel Spaß machte den Jungen die angenommene Bergung von Verunglückten, die bei den starken körperlichen Banfpruchungen des Tragens und der erschwerten Atmung sehr viel Uebung erforderte. In erstaunlich kurzer Zeit gelang die Brandbekämpfung mit der Kübelspritze. Aber auch die Jungvolkführer standen mit ihren Fertigkeiten und Erfahrungen der Marine-HI. nicht nach. Für die in jedem Notfälle nächstliegende Brandgefahr zeigten sie ihre Geschicklichkeit in der Handhabung des Hydranten und der Schlauchspritze. Schließlich handhabten sie auch die Eimerkette, das schnelle Heranreichen von Wasser an die Brandstätte, das viel Gewandtheit erfordert, wenn der Eimer noch mit Wasser bis an das Ziel herangebracht werden soll. Es war sehr erfreulich zu sehen, mit welcher Hingabe und Freude an der Sache sich die Gießener Jugend für diese Aufgaben vorbereitet, bei denen sie einmal ein brauchbarer Mithelfer für die Gemeinschaft fein kann. HrJ26 Drittes Blatt Aus der Stadt Gießen. Blumen auf Gräbern. In früheren Jahrzehnten gab es auf den Friedhöfen fast gar keine Farben. Man sah nur das düstere Grün von Tannen und Zypressen und hier -und da auch einige weiße Blüten auf den Gräbern. Heute ist es anders geworden. Die Gräber gleichen mehr kleinen Gärtchen, auf denen die Lieblingsblumen der Entschlafenen in vollem Schmucke stehen. Es gibt jetzt auf den Friedhöfen nicht nur dunkle Efeuhügel, die eine immerwährende Novemberstim- mung erzeugen und die Leidtragenden nur noch trauriger stimmen, sondern die Blumen und Farben wechseln mit den Jahreszeiten. Efeu und Immergrün, die früher fast ausschließlich verwendet wurden, haben allmählich auch anderen Pflanzen Platz machen müssen. Sie lassen sich bei der Hügel- xslanzung wohl schwer verdrängen, doch sollte man den strengen Ernst durch blühende Blumen mildern. Auch ein nur lchmaler Streifen auf dem Hügel kann gerügend Blumen aufnehmen, um zu allen Jahreszeiten einen freundlichen Eindruck zu vermitteln. Blühen im Frühjahr die Stiefmütterchen und Tulpen auf den Gräbern, so folgen im Sommer Geranien und Begonien mit einer passenden Einfassungsblume. Mehr und mehr geht man auch dazu über, winterharte Stauden zu pflanzen. Eine sehr schöne Randeinfassung gibt das Polster des Sternmooses, das sich im Sommer mit weißen Blütchen schmückt. Es sieht aus wie ein famtner Teppich. Die Anpflanzung des Sternmoofes empfiehlt sich auch schon aus dem Grunde, weil dadurch die häßlichen Zementrahmen, die besonders auf den dörflichen Friedhöfen die Gräber emfaffen, überdeckt werden. Innerhalb des Sternmooses können dann alle möglichen Arten von Blumen blühen. Von dem frischen Grün geht immer wohltuende Ruhe aus. Wird diese Ruhe ergänzt durch eine passende Farbenzusammenftellung der inneren Blumen, so wird der gesamte Eindruck immer ein guter sein. Steinbrech, Ehrenpreis, Blau- kissen u. a. eignen sich ebenfalls zur Einfassung. Sehr beliebt und sehr wirksam sind auch alle Begonienarten. Es gibt eine solche Menge von Begoniensorten, daß man sie gar nicht alle aufzählen kann. Den Grabstein selber können Rankrosen um- roinden, auch (Efeu. Es kommt ja immer nur darauf an, daß die Bepflanzung üppig und geschlossen aussieht und in Form und Farbe zueinander und 3ur Umgebung im Einklang steht. Dann wirken selbst die einfachsten Wiesenblumen, wenn man nur die Liebe und Sorgfalt spürt, die auf die Ausschmückung der Gräber verwendet wurden. Daß bei trockenem Wetter gegossen werden muß und daß kein Unkraut auf den Gräbern aufkommen darf, fei nur nebenbei erwähnt. Dorrwtizen. Tageskalender für Donnerstag. Gloria-Palast, Seltersweg: „Die göttliche Jette". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Grenzpolizei Texas. : Vs. Die öcutfdie Rrbeitefront z ItVOemeinfchaft „Kraft durch freuöc" Omnibusfahrt zu dem Nürburgring. Sonntag, 13. Juni, findet eine Omnibusfahrt zu dem Internationalen Eifelrennen statt. Fahrpreis einfchl. Eintritt 8,55 RIN. Anmeldungen zu dieser Fahrt auf der Kreisdienststelle. 3861D Sonderzug nach Berlin. Für den Sonderzug am 11. Juni zur Ausstellung „Gebt mir vier Fahre Zeit" in Berlin, Fahrpreis 17,50 RM., können noch Anmeldungen entgegengenommen werden. NSDAP. Ortsgruppe Gießen-Süd. hilfskaffe. Alle Angehörigen der SA., SS., Marine-SA., Reiter-SA. und des NSKK., die im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Süd wohnen und nicht der Partei angehören, zahlen ihren Beitrag zur Hilfs- kaffe für die Monate Juli, August und September 1937 am Dienstag, 1. Juni, Mittwoch, 2. Juni, und Donnerstag, 3. Juni, jeweils in der Zeit von 20 bis 22 Uhr auf der Geschäftsstelle der Ortsgruppe, Frankfurter Straße 29 H. Wer feinen Beitrag nicht rechtzeitig entrichtet, wird bei der Hilfskaffe in München abgemeldet und hat sich daraus entstehende Folgen selbst zuzuschreiben. Die Lahresfeier der Universität. Am Samstag, 12. Juni, 11 Uhr findet in der Neuen Aula die 330. Jahresfeier der Ludwigs-Universität Gießen statt. Nach einem Chvrgefang des Akademischen Gesangvereins wird Se. Magnifizenz der Rektor Prof. Dr. Baader die Festrede über das Thema „Die räumliche und zeitliche Ordnung im Walde" halten. Nach einem Zwischenspiel des Collegium musicum folgt die Ansprache des Studentenführers. Ferner wird bei dieser Feier die Preisverteilung stattfinden. Um 15 Uhr schließt sich das Sportfest auf dem Universitätssportplatz an, abends folgt im Studentenheim das Univerfitätsfest mit Tanz. Holzwolle und Schweinemast. Die Kreisamtsleitung der NSV., Abteilung Ernährungshilfswerk des deutschen Volkes, bittet uns um Aufnahme folgender Zeilen: Ganz allgemein darf auch heute wieder fest- gestellt werden, daß das Verständnis für das Er- MWMWWMil Noman von Walther Kloepffer Copyright 1936 by August Scherl G. m. b. H., Berlin. (Nachdruck verboten.) 11. Fortsetzung. „Blech! Martt, schau dich mal in der Kuchl um, was noch da ist! Das sind meine drei Buben. Groß- mächtige Lacki, gel? Der Marti, der Lenz und der Hansel. Und jetzt setzt euch nieder! Das Fräulein soll sich auf den Stuhl setzen, und du wirst aus die Ofenbank wollen?" „Akkurat so, Stefan." „Redst noch hübsch waldlerisch." „Bin ja net aus der Hebung kommen. Von der ganzen Kolonie soll ich übrigens schöne Gruße ausrichten. Was sonst los ist, erzähl' ich dir spater einmal." , , Dann saßen sie um den großen Tisch herum, der schräge Beine und eine Fußleiste hatte. Das „Ur- fahrner Tagblatt", ein Laib Brot und ein landwirtschaftliches Lehrbuch, in dem der Marti gelesen hatte, lagen aus der blankgescheuerten Platte. Es gab Geselchtes und Bärenwurzschnaps und für die Anna ein Glas Milch. Fogg berichtete fein Pech mit dem Einbruch. Der Gsodmair und ferne drei Buben horchten zu. „Was es für Bazi gibt!" sagte der Gsodmair staunend. Der Marti schickte zuweilen einen andächtigen Blick zu dem Fräulein hinüber, das gesittet aß und das bemalte Glas mit zierlichen Fingern zum Munde führte. Wenn ihr Schnäuzchen daraus auftauchte, hatte es einen weißen Schnurrbart ringsum von dem Rahm. Der Marti war ein sauberer, starker Bursch über die Zwanzig und vor kurzem erst aus Passau zuruck- gekommen wo er die Landwirtschaftliche Winterschule besucht hatte. Anna deuchte ihn so schon wie die geschnitzte Heilige im Passauer Dom, die er immer bewundert hatte. Anna hingegen fand es wunderbar in dieser blitzsauberen, anheimelnden Stube zu sitzen und zu schmausen. Schmalhüftig, biegsam und mit wachen Augen trank sie die ganze Umwelt in sich hinein, als wollte sie sich ein für allemal ein Bild von dem neuen Wohnort schaffen. Ein grasgrüner Kachelofen war da mit ein bißchen Wäsche auf den Trockenstangen, eine schnurrende Katze, baumlange, klotzige Mannsbilder; fromme Bilder und verblaßte Photographien blickten von den Wänden, und steif- weiße Vorhängelchen und blühende Blumenstöcke schmückten die Fenster. „Das ist schon ein Saupech, ein miserables!" stimmte der-Gsodmair dem Fogg bei. „Stiehlt dir der Kerl einfach das ganze Gerstl! Ich sag's ja — die Stadt. Was tust denn jetzt nachher?" „Was werd' ich tun? Nix. Abwarten, ob ich mein Geld Wiederkrieg'. Wird halt der Wald daran glauben müssen , knurrte Fogg grimmig. „Ich brauche doch Geld für den Anfang. Mit nichts kannst du so eine Praxis nicht aufmachen." „Um den Wald wär's ewig schad'. Hast vielleicht schon einen Käufer?" „Keine Spur. Deswegen möcht' ich dich ja fragen." „Ja mei, da fchaut's bös aus. Hat keiner ein Geld. Höchstens ein Holzhändler zum Schlagen." „Der Wald muß bleiben, Gsodmair. Wär' ja eine Sünd'." „Dann kommt nur das Schloß in Bettacht. Sonst weiß ich dir keinen Rat. Die droben haben jetzt einen neuen Verwalter, den Tutschek.„ Der ist scharf auf guten Boden und schönen Wald." „Gut, ich will's bei ihm probieren." „Wenn der hört, daß du verkaufen mußt, zieht er dir das Fell über die Ohren. Das muß man anders anpacken. Hinten herum. Ich mach so unter der Hand bekannt, daß du als Arzt mit deinem Wald nichts Rechtes anfangen kannst und ihn vielleicht hergibst, wenn ein rechtschaffenes Angebot kommt. Selber muß der Tutschek kommen, verstehst? Du kriegst auch so noch wenig genug; wir haben ja schamlose Holzpreise/ „Und jetzt erzähle mir vom Vater, bitte! Der ist rasch gestorben. Schier ein bißchen zu schnell. Der Doktor von Urfahrn sagt, es sei Gehirnschlag gewesen. Deine Stiefmutter hat em halbes Jahr vor dem Vater eingehefert; auch ganz plötzlich. Das mit der Leich' hab' ich besorgt, wie es recht war. Die Rechnungen liegen in meinem Pult. An Bargeld ist nichts übriggeblieben, kein Pfennig. Morgen früh schaust du dir dein Anwesen an. Es gibt manches zum Herrichten. Ich gehe dir gern an die Hand, wenn du ein Fuhrwerk brauchst oder sonst eine Hilfe." „Dank' schön, Gsodmair! Ist unser ,Beritt^ noch vollzählig?" „Es leben noch alle. Der Kern hat die Wirtschaft von seinem Vater übernommen, der Schuster Ameiser ist jetzt Postbote, und der Fenz! hat einen Haufen Kinder und ist der alte Hallodri." „Das freut mich aber, daß sie noch alle da sind", sagte Fogg versonnen. Die letzten Minuten der Donka Sttansky fielen ihm ein, er hielt aber den Mund. „3cf) mein', wir gehen jetzt schlafen. Das Fräulein wird müd sein von der langen Reise. Ihr bleibt die erste Nacht natürlich bei mir. Oder willst du vielleicht bei dir daheim auf dem Fußboden schlafen? Ist ja nichts gerichtet. Also mach keine Geschichten, Josef!" Der Bürgermeister zündete eine Kerze an und geleitete Fogg in eine Schlafstube. Der Marti führte bie Anna in eine andere. Der Gsvdmairhof war neben dem des Gastwirtes Kern der größte im Ort. Der Marti nahm feinen ganzen städtischen Schliff zusammen, ging voran und leuchtete. Unter der Tür besann sich das Mädchen einen Augenblick. „Aber unser Gepäck steht noch vor der Schmiede." „Dem tut keiner was, Fräulein. Hier sind sie nicht so gefährlich wie in Hamburg. Ich wünsche angenehme Ruhe, und träumen Sie recht schön!" Als er auf den Zehenspitzen^ die Stiege hinabging, murmelte er: „Teifl, Teifl, das ist eine Feine! Die könnt' einem schon gesallen!" * In aller Herrgottsfrühe wanderte Fogg mit Anna hinüber in fein Haus. Zarter Reif lag auf den Dächern, und um die Bergkuppen wölkten spinn- webdünne Nebelschleier. „Euer Dorfschulze hat einen mächtigen Hof", plauderte das Mädchen. „Es find nette Leute, nöch? Und das Essen schmeckte schön. Die Butter war ganz gelb." „Ja, beim Bürgermeister haben sie, was sie brauchen. Aber mache dir nur keine falschen Vorstellungen von Schellenberg. Es gibt hier viel Armut. Du wirst das schon noch herausbekommen." In der Schmiede, die Fogg zuerst betrat, lagen die Hämmer und Werkzeuge kunterbunt durchein- Donnerstag, Z.Zuni (957 nährungshilfswerk des deutschen Volkes und dis damit verbundene Sammlung von Küchenabfällen dauernd im Wachsen begriffen ist. Es muß aber nochmals darauf hingewiefen wer« den, daß es ein Unding und eine erhebliche Be« laftung für die Sammler und Sortierer der Abfälle ist, wenn eine Reihe von Hausfrauen glaubt, dem Ernährungshilfswerk außer den begehrten Küchenabfällen auch Abfälle anderer Art, wie Papier, Asche, Zigarren- und Zigarettenstummel, Holzwolle usw. mitgeben zu müssen. Für die Abfuhr dieser Sachen sorgt bekanntlich die städtische Müllabfuhr. Die Kreisamtsleitung bringt zum Ausdruck, daß es hoffentlich nur dieses wiederholten Hinweises bedarf, um nunmehr diese Beanstandungen in Fortfall zu bringen. Es gilt auch für diese Sammlung von Küchenabfällen das Wort: „Was du tust, das tue richtig!" Militärische Trauerfeier. Am gestrigen Mittwoch fand die militärische Trauerfeier für den in der Medizinischen Klinik verstorbenen Unteroffizier Eckhardt vom Infanterie-Regiment Nr. 116 statt. Der Regimentskommandeur, Oberst H e r r l e i n , und der Kommandeur des I. Bataillons, Major Wiese, waren mit ihren Adjutanten zu der Abschiedsfeier an der Aufbahrungsstätte des Entschlafenen in der Medizinischen Klinik erschienen. Die 1. Kompanie unter Führung ihres Chefs, Hauptmann Osann, war als Ehrenkompanie angetreten, die 2. Kompanie unter dem Befehl ihres Chefs, Hauptmann Bei- gang, der der Verstorbene angehört hatte, war als engster leidtragender Kameradenkreis zugegen. Von den Unteroffizieren der übrigen Kompanien waren Abordnungen anwesend. Zahlreiche Kränze schmückten den Sarg des Heimgegangenen. Nach der Ansprache des Militärgeistlichen, Pfarrer A u s f e l d , wurde der Sarg auf einen Kraftwagen gehoben und in militärischer Trauerparade durch die Stadt bis an die Stadtgrenze in Richtung Grünberg gebracht. Voraus schritt die Regimentsmusik, dann folgte die 1. Kompanie als Ehrenkompanie, hierauf der Militärgeistliche vor dem Sarge. Hinter den trauernden Familienangehörigen schritt die 2. Kompanie mit Zeichen der Trauer für ihren plötzlich abberufenen Kameraden. An der Stadtgrenze nahmen die Soldaten in militärischer Art feierlichen Abschied von dem Toten, der mit Kraftwagen nach feinem Heimatorte Aßbach bei Hersfeld überführt wurde. Dort fand gestern nachmittag die feierliche Beisetzung statt, bei der eine Abordnung der 2. Kompanie dem Entschlafenen das letzte Geleit gab. Gießener Wochenmcrrkkpreife. * Gießen, 3. Juni. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42, Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 11, Klasse A 10^, Klasse B 10, Klasse C 9%, Klasse D 9, ungezeichnete 8, Enteneier 10 bis 11, Wirsing, neuer, % kg 12 bis 15, Weißkraut, altes, 15, Rotkraut 18 bis 20, gelbe Rüben, neue, das Bündel 15 bis 20, rote Rüben, alte 12, Spinat 18 bis 25, Römischkohl 12 bis 15, grüne Bohnen, neue, 30 bis 40, Spargel, 1. Sorte 41 bis 49, 2. Sorte 33 bis 40, 3. Sorte 25 bis 34, 4. Sorte 14 bis 17, Erbsen, neue, 30 bis 35, Tomaten 50 bis 90, Zwiebeln, neue, 15, Rhabarber 10 bis 12, Kartoffeln, alte, % kg 5 Pf., 5 kg 46 Pf., 50 kg 3,85 bis 3,95 Mark, neue, % kg 13 bis 18 Pf., Birnen 40 bis 80, Kirschen 50 bis 60 Pf., Erdbeeren 1,20 Mark, Zwetfchenhonig 45 Pf., Blumenkohl, das Stück 30 bis 70, Salat 5 bis 10, Salatgurken 20 bis 60, Oberkohlrabi 15 bis 18, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 10 Pf. * 4 ** Sitzung des Bezirksverwaltungsgerichts Gießen. Am Samstag, 5.Juni, vor- ioca' üßöl wie (oll ein Madel heute aussehen? Schlank, sportlich und — natürlich braungebrannt! Das ist zeitgemäß und ein Zeichen gesunder Lebensweise. Und wer schön bräunen will, benutzt Nivea- Creme oder Nivea-Öl. Es wirkt schützend und bräunt zugleich! C62 ander, und der Boden war voller Holzspäne. Es tat not, daß hier aufgeräumt wurde. Aus den Zimmern schlug ihnen dumpfe Luft entgegen. Anna riß sogleich sämtliche Fenster auf. Dann schritt Fogg mit Anna von einem Möbelstück zum anderen, sperrte Kästen auf, zog Laden heraus. Diel Wertvolles war nicht im Haus. Die letzten Jahre waren auch für den Schmied schwer gewesen, weil jeder nur das Dringendste ausbessern ließ und viele mit dem Bezahlen nicht nachkamen. Im Wohnzimmer stellte sich Fogg auf das eingebeulte Sofa und zvg den Regulator auf, der mit melodischem Bimbam acht Monate übersprang. So! Jetzt war wenigstens wieder etwas Leben in dem toten Haus. Dann besprach er sich mit Anna, wie er die Zimmer einteilen und die Möbel umstellen wollte. Anna blies die Backen auf. „Wilde Geschichte wird das, Josi! Aber keine Bange, ich schaffe es schon. Nur bei den Möbeln mußt du mir helfen." Fogg sah das zierliche Persönchen zweifelnd an. „Du glaubst wohl, ich habe keine Muskeln? Da greif her! Ich fehe nur von außen so mickrig aus. Erst müssen mal die Betten an die Lust. Sonne gibt's hier wohl überhaupt nicht? Weißt du zufällig, wo sich Besen, Bürste und Eimer herum- tteiben? Natürlich nicht! Gorch Pitter hätte man auch eher totschlagen können." „Ich glaube, in der Küche", erwiderte Fogg kleinlaut. Sie ging hinaus und erschien nach einer Weile mit sämtlichen Reinemachgeräten. Auch umgezogen hatte sie sich und trug jetzt die blaue Seemannshose, die unten zu weit und um die Hüften unanständig eng war. Sie hatte die Aermel hochgekrempt und sah aus wie jemand, der zum Aeußersten entschlossen ist. Als sie Foggs verdutztem Blick begegnete, erklärte sie: „Solche Hosen sind praktisch. Man muß sich nur daran gewöhnen. Mittag mußt du auswärts essen, Josi. Und jetzt wäre es reizend von dir, wenn du verschwändest. Herren sind hier unerwünscht." Das ließ sich Fogg nicht zweimal sagen. Er flüchtete vor Wirrwarr und Putzwasser ins Freie. Die Bäume bekamen schon die ersten Blättchen. Später schlenderte er ins Dorf. Fortsetzung folgt. mittags 8.30 Uhr, findet im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes Gießen, Landgraf-Philipp- Platz 3, eine öffentliche Sitzung des Bezirksoerwal- tungsgerichts Gießen statt mit folgender Tagesordnung: 1. Klage des Siegmund Lindenbaum in Gießen gegen den Bescheid des Kreisamts Gießen vom 30. Dezember 1936 wegen Versagung des Wandergewerbescheins für das Kj. 1937; 2. Klage des Isidor Gutsmuth in Wieseck gegen den Bescheid des Kreisamts Gießen vom 3. März 1937 wegen Versagung der Legittmationskarte für das Kj. 1937; 3. Dienststrafverfahren gegen den Heinrich Weisel in Butzbach. ** Sterbefälle in Gießen. Es verstarb en vom 16. bis 31. Mai in Gießen: 16. Mai: Emil Kallenbach, Oberzugführer i. R., 66 Jahre alt, Lie- bigstraße 75; 17.: Heinrich Schmidt, Optiker, 83 I. alt, Bahnhofsttaße 39; 20.: Joh. Hch. Wellstein, Oberingenieur, 50 I. alt, Sonnenstraße 20; 21.: Ludwig Pieh, Schlosser, 56 I. alt, Teufelslustgärtchen 22; 22.: Johannes Becker, Reichsbahn-Oberschaffner, 63 I. alt, Anneröder Weg 28; 24.: Lina Dörr, geb. Rühl, Ww., 72 I. alt, Seltersweg 75; 26:. Ludwig Weiß, Postamtmann i. R., Rechnungsrat, 67 I. alt, Wernerwall 46; 27.: Marie Borschel, geb. Gerhard, 68 I. alt, Lindenplatz 1; Katharina Rupp, geb. Peter, Wwe., 66 I. alt, Rodheimer Straße 49; 28.: Margarete Böhmer, Ordensschwester, 31 I. alt, Liebigstraße 24; 29.: August Roll II., Kaufmann, 80 I. alt, Bahnhofstraße 53; 30.: Jakob Johann Eckhardt, Unteroffizier, 24 I. alt. ** Das Juni-Monatsheft der NSG. „Kraft durch Freude", Gau Hessen-Nassau, mit einer Reihe von interessanten Fahrtankündigungen, liegt jetzt vor. Es ist eine Freude, in diesem Hefte sehen zu können, welch' reichhaltige Reisefolge „KdF." auch hier wieder den Arbeitskameraden bietet. ** Sonderzug-Wochenendfahrt der d F." nach Düsseldorf. Man schreibt uns: Auf viele Anfragen wird mitgeteilt, daß die NSG. »Kraft durch Freude" zu der Ausstellung „Schaffendes Volk" in Düsseldorf einen Sonderzug fährt. Diese Fahrt wird als Wochenendfahrt, voraussichtlich am 26. und 27. Juni, durchgeführt. Die Abfahrt ist Samstagsmittags, so daß die Teilnehmer Gelegenheit haben, Samstags abends die Stadt Düsseldorf und den Vergnügungsbetrieb in der Ausstellung zu besuchen, während der ganze Sonntag für die Besichtigung der Ausstellung zur Verfügung steht. Die Quartiere werden ebenfalls von „KdF. besorgt. Nähere Einzelheiten werden in Kürze bekannt gegeben. ** Einbrecher am Werk. In der Nacht zum Mittwoch drang ein Einbrecher, nachdem er eine Fensterscheibe eingeschlagen und das Fenster von innen aufgeriegelt hatte, in das städtische Hoch- und Tiefbauamt ein. In den Büroräumen erbrach der Täter eine Anzahl Schreibtische, jedoch mußte er ohne Beute abziehen, da er in den erbrochenen Behältern nichts vorfand. Weiter wurde in der Nacht zum Mittwoch in dem Büro der Rechtsanwälte Engisch in der Bahnhofstraße eingebrochen, wobei der Täter von außen eine Leiter anstellte und von da aus durch ein geöffnetes Oberlichtfenster den Hauptflügel des Fensters öffnete und in die Räume eindrang. In den Büroräumen brach der Täter alle Behältnisse auf, jedoch fand er nicht das von ihm vermutete Bargeld vor, so daß er sich mit Postwertzeichen im Betrage von 6 bis 8 Mark zufrieden geben mußte. Eine Reiseschreibmaschine hatte er sich offenbar bereitgestellt, er mußte sie aber zurück- lassen, da er anscheinend infolge Störung beschleunigt abrücken mutzte. * * Abschlußprüfung der Fachgruppe der Blumenbinderei. In diesen Tagen erschienen vor dem Prüfungsausschuß des Prüfungsbezirkes II Gießen der Fachgruppe der Blumenbinderei die Prüflinge aus Wetzlar. Prüfungsobmann G. W i 11 m a n n jun. begrüßte die Prüflinge im Namen des Ausschusses und überreichte ihnen sofort die schriftlichen Arbeiten. Ausschußmitglied R. Schneider nahm die mündliche Prüfung und der Vertreter der Deutschen Arbeitsfront die Prüfung im Weltanschaulichen vor. Als Prüsundsbin- oeri'n amtierte Fräulein Nelly Sieger. Nach der Ablegung der Prüfung konnte festgestellt werden, daß durchweg recht gute und geschmackvolle Arbeit geleistet worden war und Prüfungsobmann Witt- mann konnte erfreulicherweise mitteilen, daß die Prüflinge durchweg bestanden haben. Jrn Laufe des Monats September dieses Jahres wird in Wiesbaden die erste Meisterprüfung des Bezirks 9 (Hessen) der Fachgruppe Dlumenbinderei stattfinden, an der sich aus Gießen sechs und aus Wetzlar drei Berufskameraden beteiligen werden. * * Unfälle. Der 22 Jahre alte Hermann K ö - ft er von hier wurde in der Licher Straße überfahren und erlitt erhebliche Brustquetschungen. Auf seiner Arbeitsstätte stürzte der Weißbinder Karl V o l k m a n n aus Hartenrod (Kreis Biedenkopf) so unglücklich ab, daß er einen Schädelbruch davon- txug. In der Bahnhofstraße wurde der etwa 60 Jahre alte Ludwig Kühne, Rodheimer Straße 50 wohnhaft, mit einer schweren Schädelverletzung aufgefunden. Bei einer Rauferei mit einem Kameraden trug der 23 Jahre alte Jakob Kaufmann, Licher Straße, einen Bruch des Unterkiefers davon. Ein 17jähriges Mädchen aus der Buddestraße erlitt bei einem Sturz mit dem Fahrrad eine Gehirnerschütterung. Bei einem Unfall zog sich der Karl Schmidt aus Allendorf einen Unterschenkelbruch und Fleischwunden am linken Bein zu. Sämtliche Verunglückten mußten der Chirurgischen Klinik zugeführt werden. gfs. Lehrgang für Säuglingspflege. In der Aliceschule kam der Lehrgang in Säuglingspflege vom Reichsmütterdienst zum Abschluß. 26 Seminaristinnen erhielten ihre Bescheinigung. Schwester Elisabeth M ü 11 e r ^beginnt demnächst mit einem neuen Kurs, an dem'sich 24 Haushalts- fchülerinnen beteiligen werden. * * Freie Lehrer stellen. Erledigt sind: Eine Schulstelle für eine evangelische Lehrerin an der Volksschule in Nieder-Ofleiden, Kreis Alsfeld; eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Schotten. Die Dienstwohnung ist frei. Oie Jagd im Juni. Kaum ein Tag im Jagdjahr wird so sehr erwartet wie der l.Juni. Zwar gibt es mancherlei Wildarten in Deutschland, deren Besagen für den Jäger einen hohen Reiz besitzt und auf deren Jagd er sich schon längst freut, ehe sie freigegeben ist. Aber der l.Juni als Tag des Aufganges der Jagd auf den roten Bock nimmt doch eine ganz besondere Stellung ein, zumal in Gebieten, in denen in Ermangelung von Hochwild das Rehwild das Hochwild des Weidmannes darstellt. Die Gautrophäenschau, die im April in Gießen stattfand, dürfte auch dem jagdlichen Laien klar gemacht haben, daß einmal zahlenmäßig die Bestände an Rehwild in Oberhesfen gut sind, daß zum anderen wertmäßig recht hohe Anteile minderwertigen, unerwünschten Wildes an dem getätigten Abschuß beteiligt waren, und daß schließlich die Überwiegende Zahl der Weidmänner sich ernstlich bemüht hat, die Artverderber auszumerzen und zuchtmäßig Wertvolleres dafür leben zu taffen. Das sind aber auch die Ergebnisse, vor die sowohl die Jägerschaft, wie auch ganz besonders die Jagdbehörden gestellt sind. Denn ihnen schreibt das Reichsjagdgesetz vor, daß sie einen gesunden und mit den Erfordernissen der Forst- und Landwirtschaft vereinbaren Wildstand erhalten sollen. In einer Zeit, in der beide genannten Zweige der Landeskultur aber ihre Leistungen immer wieder steigern sollen, muß die Jagdbehörde besonders aufmerksam fein. Die Grundlage für ihre Maßnahmen bilden die W i ld z ä h l u n g e n. Es ist bekannt, daß den diesjährigen Wildzählungen besondere Aufmerksamkeit geschenkt worden ist, und daß neben den zur Zählung verpflichteten Jagdausübungsberechtigten auch das Forstpersonal eingesetzt wurde. Die dabei gewonnenen Ergebnisse mußten Die Grundlage für die Abschußentschlüsse der Jagdbehörden geben. Dabei interessierte, den oberhessischen Jagdverhältnissen entsprechend, vor allem das Rehwild. Die Schäden dieses Wildes fallen im Felde so gut wie nicht ins Gewicht; anders steht es im Waide, wo ein zu starker Rehbestand durch Verbiß und Fegen unter Umstünden beträchtlichen Schaden tun oder erhöhte Unkosten für Eingatterungen usw. bedingen. kann. Es erschien nun auf Grund der Wildstandser- mittlungen angebracht, in manchen Revieren eine nicht unerhebliche Verminderung vorzusehen, während in anderen eine derartige Maßnahme nicht ober kaum nötig war. Auf sorgfältiger Prüfung der Verhältnisse in den einzelnen Revieren gründen sich die von den Jagdbehörden auf gestellten Abschuß- pläne, die vielleicht bei manchem Jäger bei Erhalt einen kleinen Schreck hervorgerufen haben, besonders dann, wenn er bei der Wildzählung vielleicht etwas großzügig verfahren ist, um einen entsprechenden Abschuß zu bekommen. Nun hat er feine Erwartung vielleicht in einer Weise erfüllt gesehen, die seine Hoffnungen — zu feinem Leidwesen — bei weitem übertrifft. Möge er sich damit abzufinden suchen. Die Mahnung zu richtiger Zählung ist oft genug ergangen. Was jetzt angesetzt wurde, muß geschossen werden! Während normalerweise von einem zahlenmäßig richtigen Rehstand nur der jährliche Zuwachs abge- schossen wird, also die „Zinsen" genutzt werden, kommt überall da, wo eine gewisse Bestandsverminderung durchgeführt werden soll, ein Eingriff in den zur Zeit der Wildzählung vorhandenen Bestand hinzu, d. h. es wird in das .Kapital" eingegriffen. In anderen Jahren, in denen der Abschußplan sich nur auf dem Zuwachs aufbaute, wurde dem Wild, das neben dem Abschuß noch durch Krankheit ober aus anderen Ursachen fiel, keine Beachtung geschenkt. Das war unberechneter Abgang aus dem Kapital. Anders in diesem Jahre, wo eine Kapitalsverminderung durch Abschuß schon eingesetzt wurde. Würde auch jetzt das Fallwild, das zum Teil feit der Wildzählung noch überreichlich aufgetreten ist, unbeachtet bleiben, so würde in Wirklichkeit eine Verminderung eintreten, die viel höher ist als beabsichtigt, und die weder die Jagdbehörde vertreten, noch der Jäger wünschen kann. Es ist daher das Fallwild bereits im Abschußplan ab gesetzt worden, und es muß ferner alles im Laufe des Jahres eingegangene Wild in die Abschußliste aufgenommen, b. h. als geschossen gerechnet werden. Zu dieser Abschußfestsetzung auf neuer Grundlage ist aber noch etwas Neues hinzuaekommen. Während seither in den beiden hessischen Jagdgauen das Ziel, das Wild zu verbessern, unter Einhaltung etwas verschiedener Abschußrichttimen zu erreichen versucht wurde, sind in diesem Jahre durch den Landesjäaermeister neue für das ganze Land gültige Abschußrichtlinien für Rehwild erlassen worden, die jedem einzelnen Jäger zuge- gangen sind. Es wird notwendig sein, baß sich jeher hessische Jäger, sei er Jagbherr ober Jagbgast, mit ihnen vertraut macht unb sie durchdenkt. Die Richtlinien bringen bewußt eine gewisse Lockerung, bie bei einem erhöhten Abschuß nötig ist, sie bringen aber auch in der Praxis die Schonung einer gewissen Gruppe von Böcken, die als vollkommen normale Böcke mittleren Alters als „jagdbare" Böcke galten, die heute aber als der wünschenswerte Normaltyp möglichst lange leben bleiben sollen. Dafür soll der erheblich über ihrem Durchschnitt stehende Bock, der Bock, den der Jäger mindestens mit „sehr gut", wenn nicht mit „kapital" bezeichnen würde, in gewissem Grade — auch wenn er noch jung ist — dem Jäger als willkommene Trophäe frei gegeben sein. Diele Böcke dieser Art weisen unsere Reviere. leider nicht auf; so daß es sich im wesentlichen, wie in den Vorjahren, darum wird handeln müssen, in allererster Linie und nach Möglichkeit vor der Blattzeit all das Kroppzeug zu strecken, das unsere Reviere noch bevölkert. De- jortbere Vorsicht scheint bei ber Auswahl in diesem Jahre noch geboten, weil die Bocke allgemein infolge des ungünstigen Winters schlecht aufgesetzt haben. Alle diese Probleme beschäftigen verständlicherweise einen Jäger, ber es mit ber Behanblung seines Revieres ernst nimmt, sehr. Darüber darf er nicht vergessen, daß er nicht nur zum Böckeschießen im Revier ist. Das Alttier, das fein Kalb führt, die Ricke mit ihren Kitzen bedürfen seines besonderen Schutzes gegen Mensch und Tier. Hunde und Katzen zehnten seine Niederjagd, Hasen, Hühner und Fasanen. Manches Gelege wird vermäht und kann vielleicht noch gerettet werden. Alle diese Dinge aber zu überwachen, zu Helsen, wo es möglich und nötig ist, das ist Jägerpflicht und Hegerstolz. In den gegenwärtigen Wochen kann der Fuchs unter Umständen schwer zu Schaden gehen. Wenn die Fähe, auf die in Malepartus fünf und mehr hungrige Mägen warten, einmal gelernt hat, wie einfach es ist, Haushühner zu fangen, die sorglos von ihren Besitzern frei um Einzelhöfe u. ä. laufen gelassen werden, dann o weh! Eine gewisse Kurz- Haltung des Fuchses ist daher im Interesse der Niederjagd und der Geflügelhaltung vom Herrn Reichsjägermeister dem Jäger zur Pflicht gemacht worden. Graben der Jungfüchse ober Abschuß am Bau wird sich daher in baureichen Revieren nicht vermeiden lassen. Der Abschuß der Fähe selbst ist zu Monatsbeginn bekanntlich noch verboten, jedoch vom 16. Juni an gestattet. Grundsätzlich sollte jeder Fuchs geschossen werden, ber räubig ist, wann und wo er kommt. Die wirtschaftlichen Verluste durch die Fuchsräude waren so hoch, daß mit allen Mitteln versucht werden muß, diesem liebel entgegenzuarbeiten. • Hubertus. Bewerber und Bewerberinnen müssen feit mindestens acht Jahren die Prüfung abgelegt und eine Anwärterdienstzeit von mindestens fünf Jahren zurückgelegt haben. Außerdem müssen sie befähigt fein, Turnunterricht zu erteilen. Große Strafkammer Gießen. Die Angeklagten G. K. und A. K. von Ober-Ohmen, bie durch Urteil des Schöffengerichts Gießen vom 25. November 1936 wegen verschiedener Vergehen gegen das Branntwein-Monopolgesetz zu 6 Monaten 2 Wochen bzw. 7 Monaten Gefängnis verurteilt worden waren, hatten gegen dieses Urteil Berufung eingelegt unb ftanben nun vor ber Großen Strafkammer unter Anklage. Beibe hatten bem inzwischen ins Auslanb geflüchteten Läufer in fortgesetzter Begangenschaft mit Rat unb Tat gegen bie Ablieferungspflicht an bie Reichsmonopolverwaltung wissentlich, ihres Vorteils wegen, Beihilfe geleistet. In ber Berufungsverhandlung gaben sie an, von bem gefetzwibrigen Treiben des Läufer nichts gewußt zu haben. Die umfangreiche Beweisaufnahme konnte am Dienstag nicht zu Enbe geführt werben, deshalb sich die Kammer veranlaßt sah, den Termin auf Freitag, 4. Juni, zu vertagen. Amtsgericht Gießen. Der W. St. aus Lang-Gons erhielt im März von [einem Arbeitgeber den Betrag von 20 Mark, um in Lang-Gons Arzneimittel zu holen. Er benutzte das von einem landwirtschaftlichen Lehrling geliehene Fahrrad, mit dem er flüchtig ging. Durch Strafbefehl des Amtsgerichts Gießen wurde ber Angeklagte in eine Gefängnisstrafe von 2 Monaten genommen. In ber Hauptverhanblung, auf feinen Einspruch hin, stellte sich heraus, baß ber Angeklagte ben Schaben voll ersetzt hat unb wieder bei seinem früheren Arbeitgeber in Arbeit steht. Das Gericht ermäßigte die Gefängnisstrafe auf 1 M o - not, da ber Angeklagte geständig war. Der H. S. aus Bernsfeld war angeklagt, durch mehrere selbständige Handlungen 1. ohne im Besitze des Gewerbescheins zu sein, das Hausiergewerbe ausgeübt zu haben; 2. fortgesetzt gebettelt und sich der Landstreicherei schuldig gemacht zu haben; 3. falsche Personalien bezüglich einer mitgeführten Frauensperson angegeben zu haben; 4. einen Betrug begangen zu haben, indem er in Lich anläßlich des Musizierens eines körperlich behinderten Mannes Gelder einkassierte und diese für sich verwandte. Das Gericht sprach den Angeklagten wegen Bettelns frei. Im übrigen erkannte es wegen lieber» tretung der Gewerbeordnung und falscher Namensangabe auf eine Haftstraße von 20 Tagen. Wegen Urkundenfälschung wurde der Angeklagte zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte, der in vollem Umfange geständig war, nahm die Strafe an. Erntekindergärten zur Betreuung der Oorfjugend. NSG. In rund 235 Dauer- unb Erntekindergärten herrscht nun fröhliche. Treiben und Leben. Im Rahmen des Vierjahresplanes sind bis jetzt schon mehr als 150 Erntekindergärten eröffnet worden. Im Laufe des Sommers erstrebt die NSV. noch mehr Kindertagestätten in Dörfern unseres Gaugebietes zu errichten. In Bauernhäusern wurden zweckentsprechende Unterkünfte für die Erntekindergärten geschaffen. Obwohl die Einrichtungen in diesen Kindergärten oft recht einfach sind, bieten sie doch sehr beliebte Aufenthalte für 2)4- bis 6jährige Dorfbewohner. Zu den meisten Kindergärten gehört ein großer, schattiger Spielplatz, wo sich die Buben und Mädchen bei schönem Wetter nach Herzenslust, ohne in Gefahr zu geraten, tummeln können. Die Kleinen sollen jedoch nicht nur bewahrt und behütet werden, während die Eltern auf den Feldern ihrer Arbeit nachgehen, sondern auch in jeder Hinsicht gefördert werden. Frühmorgens geht es in den Kindergarten, um mit den Gespielen unter der Leitung der Kindergärtnerin einen Tag der Freude und Gemeinschaft zu verleben. Spiele werden gelernt, Lieder gesuw gen. Tänzchen und Reigen geübt, 'Sagen unb Mär« chen erzäylt. Neben diesen Unterhaltungen unb Belustigungen kommen bann auch all bie Beschäftigungen nicht zu kurz, bei benen sich bie Kinder frei unb selbständig entfalten können. Feste unb Feiern im Kinbergarten führen Eltern unb Verwanbte zu einer fröhlichen, börslichen Gemeinschaft zusammen. Aus der engeren Heimat. Arbeiterlager bei Holzheim. t Holzheim, 2. Juni. Zur Zeit werden auf unserem großen Sportplatz, der an der Dorf. Giller Straße ganz nahe an der Reichsautobahn liegt, drei große Hallen errichtet. Es sollen hier 2 0 0 bis 2 5 0 Arbeiter der Autobahn untergebracht werden, da die (Einquartierung dieser Leute während der Sommermonate bei unseren Bauern in den umliegenden Dörfern auf Schwierig- feiten stößt. Landkreis Gießen. 8 Alten-Buseck, 2.Juni. Am kommenden Sonntag wird das Jungvolk des Fähnleins 25 „Lützow" auf dem Sportplatz in Alten-Buseck seine diesjährigen Wettkämpfe austragen. Nach einer Feierstunde beginnt der Wettkampf. Anschließend zeigen die Jungen andere turnerische Darbietungen. Der Tag findet seinen Ausklang mit ber Ehrung der Sieger. <£ Beuern, 2. Juni. In unserer Gemeinde feierten die vor 50 Jahren in ber hiesigen Kirche eingesegneten Konfirmanden das Jubiläum ihrer Konfirmation. Unter Orgelspiel und unter Führung des Ortsgeistlichen zogen sie in die Kirche ein und nahmen auf der ersten Bankreihe, so wie sie vor 50 Jahren gesessen hatten, vor dem geschmückten Altar Platz. Acht Männer unb fünf Frauen nahmen teil; ad)t Kameraden bzw. Kameradinnen waren im Laufe ber Jahre in bie ewige Heimat abberufen worben. Der Kirchenchor verschonte bie Feier mit zwei Liebern. Nach bem Gottesdienst nahmen bie Jubilare gemeinsam bas heilige Abendmahl. Die Gräber der Verstorbenen wurden mit Blumen geschmückt. Der Nachmittag sah bie Konfirmanden im Saale So-mmerlab bei einer ge- meinsamen Kaffeetafel, bei der manche Jugenberm- nerung ausgetauscht wurde. # Staufenberg, 2. Juni. Am kommenden Sonntag treffen sich die Frauen der Evangelischen Frauenhilfe des Bezirks, etwa 1000, zum Bezirkstreffen auf der hiesigen Burg. — In ber Nacht zum Sonntag brach ein Fuchs in ben Hühner st all des Wilhelm Braun I. von hier ein, tötete fünf Hühner und verletzte vier. * ©rüningen, 2.Juni. Der hiesige Landwirt unb Maurer Johann Bender III. zog sich bei feiner Arbeit durch einen Sturz erhebliche innere Der- letzungest, mutmaßlich einen Beckenbruch, zu, so baß der bebauernsmerte Mann in bie Chirurgische Klinik nach Gießen überführt werben mußte. ch Dorf-Gill, 2. Juni. In einer der letzten Nächte gewahrten einige Arbeiter, die an ben Maschinen beim Reichsautobahnbau beschäftigt waren, in unserem Walde einen Brand. Eine Baubude ber Reichsautobahn staub in hellen Flammen. Sofort alarmierten sie eine Anzahl Männer, bie bas Feuer energisch bekämpften. Wertvolle Instrumente sind leider mitverbrannt. Nach ben polizeilichen Feststellungen liegt Brand st iftung vor. — Nächsten Samstag und Sonntag finben auf unsrem Sportplätze bie Reichssportkämpfe ber Hitler-Jugenb statt. Kreis Iriedberg. = Münzenberg, 2. Juni. Der Zimmermann Wilhelm Maurer, ber in einer hiesigen Käserei mit Arbeiten an ber Saalbecke beschäftigt war, stürzte infolge eines Fehltrittes ab unb brach bad ei ben rechten Fuß. Der bebauernsmerte Mann mußte in bas Johanniter-Krankenhaus nach Nieder-Weifel gebracht werden. Kreis Schotten. G Groß-Eichen, 31. Mai. Der Lanbwirt Wilhelm Wolf hatte aus ben Gräflichen Waldungen einen schweren Wagen Reiser geholt. Bevor er bas Fuhrwerk ben Berg hinan zu seiner Wohnung fuhr, wollte bie Ehefrau vom Wagen hinunter- fteigen. Als sie auf ber Mitte ber Leiter stand, zogen bie Pferde plötzlich an. Die Frau fiel mit ber Leiter um unb stürzte auf ben Kopf. Der Arzt stellte eine Gehirnerschütterung fest. * Rainrod, 2. Juni. Der Turnverein Rain rod hat in ber hiesigen Gemarkung ein Schwimmbad errichtet. Zur Füllung des Schwimmbeckens und zur Versorgung mit dauernd frischem Wasser wurde in den Mühlgraben eine Stauschleuse eingebaut, bie ben Wasserspiegel etwa 90 Zentimeter anstaut. Das Wasser wird von dem Staubecken aus wieder in ben Mühlbach abgeleitet. Kreis Wehlar. * Dutenhofen, 2. Juni. Der 18 Jahre alle Bergmann Willi Weber von hier erlitt einen schweren Unfall. Er geriet mit bem Fahrrad gegen ein ihm entgegenkommendes Auto und erlitt dabei einen Schädel- unb Kieferbruch, außerbem eine erhebliche Verletzung am rechten Unterarm. Der bebauernsmerte junge Mann mußte in bie Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht roerben. * Waldgirmes, 2. Juni. Der hiesige 62 Jahre alte Canbmirt Jdam Feiling zog sich beim Holz- fpalten durch einen Axthieb eine schmere Verletzung ber linken Hanb zu, bie feine Ueberführung in bie Chirurgische Klinik nach Gießen notwendig machte. * Groß-Alten st übten, 2. Juni. Auf dem Wege zum Futterholen st ü r z t e ber 62 Jahre alte Lanbwirt Georg Bieck von hier von feinem Wagen herab so unglücklich auf bie Straße, baß er einen Schüdelbruch erlitt und zur ärztlichen Behandlung nach Gießen in bie Chirurgische Klinik gebracht warben mußte. flldl aus dergnfin MAGGI5 WÜ RZE nadtfüllen V,MAGGI" ist nicht eine allgemeine Bezeichnung für Suppenwürze,sondern» die gesetzlich mehrfach geschützte Fabrikmarke für alle MAGGbPtsdukte glücklichen Abschluß. ■ Hilmemann chgen Käserei schäftigt mar, ib brach dabei > Mann mußte Nieder-Weise! 60 Lahre Gesangverein „Lugendmuth" in Geilshausen. Gienografentagung in Alsfeld. Tagung des Kreisgebiets Giehen der Deutschen Stenografenschast. ,'X9 ,0< tihrfo* W°,Ve Lied.» 'Mt M lnet hä 18 5** , r erlitt Z 1 dem Auto und „f*1" g int i-b-n 8‘6” entwickelte sich bei Gesang und Tanz beste Sängerstimmung und das Fest fand damit seinen Der ßanbmiri lichen W .holt. Dem e iner iqen fjinuntt' eifer W i fiel mitb! M** ing fef*- . •urnie"1* jemarfung »' 3 mit d°°«» Wal« * erfptegrf * mrl t»n W i ad) obgelet^ Die Ortsgruppe Alsfeld bot den bereits erschienenen vielen auswärtigen Stenographen in einem Bunten Abend im „Deutschen Haus" eine abwechslungsreiche und schöne Unterhaltung. Ortsgruppenführer Karl Bellinger begrüßte die Gäste und Kurzschriftler, insbesondere den Bürgermeister der Stadt Alsfeld, Dr. V ö l f i n g, den Vertreter der Deutschen Arbeitsfront, Herrn Höhl, den Kreisgebietsführer, Herrn Kuhl. Er gab einen kurzen Ausschnitt aus der Geschichte der Ortsgruppe Alsfeld. Kreisgebietsführer Kuhl sprach den Alsfelder Schriftfreunden und der Bevölkerung herzlichen Dank aus für die liebevolle Aufnahme der Stenographen und gedachte in dankenden Worten der Männer, die an der Spitze der Alsfelder Ortsgruppe stehen, besonders des langjährigen Leiters Karl Bellinger. Eine besondere Ehre wurde den Mitgliedern Buchdruckereibesitzer Ferdinand Ehrenklau und Kreiskassenrechner Otto Et- l i n g zuteil, indem ihnen der Kreisgebietsführer im Namen der Reichsführung der Deutschen Stenographenschaft die goldene Ehrennadel für ihre langjährigen treuen Dienste, die sie der Kurzschrift geleistet haben, überreichen konnte. Auch Handelsstudienrat Barthel aus Lauterbach erhielt die gleiche Auszeichnung mit dem Ehrenbrief. Der Ansager Fritz Lang verstand es, in humorvoller Weife die zahlreichen Gäste in Stimmung zu bringen. Den schönen Liedern des Gesangvereins „Liederkranz-Harmonie" unter Leitung von Rektor U s i n g e r, des Fräulein Elfried L o t h und Georg Klingel lauschten alle andächtig. Die wohlgelungene Kugelgymnastik einer Riege des Turnvereins und die „Sechs Lustigen" fanden großen Beifall. Das Gleiche galt von den musikalischen Dorträgen des Reichsarbeitsdienstlagers Alsfeld mit den Solovorträgen auf Xylophon und Accordeon. Mit Tanz schloß der Bunte Abend. Ein Extrazug brachte am Sonntagmorgen Hunderte von Stenographen zu dem Leistungsschreiben, das in den Räumen der Stadtschule stattfand. 268 Personen maßen sich im Leistungsschreiben in Kurzschrift und Maschinenschreiben. Der Wettschreibausschuß unter Leitung von Prokurist Siebert, Gießen, und Prokurist Balken als Obmann des Maschinenschreibens hatte alle Hände voll zu tun, um die Prüfung und Wertung der 536 Arbeiten — jeder Teilnehmer muß auch ein Richtigschrerben ab- liefern — rechtzeitig fertigzustellen. Nach dem Mittagessen fand eine Führung durch die schöne Stadt Alsfeld statt, bei der besonders das Museum großes Interesse fand. An das gemütliche Beisammensein im „Deutschen Haus" schloß sich um 7 Uhr die Verkündung der Ergebnisse der Leistungsschreiben. Den besten Schreibern konnten wertvolle Ehrenpreise zuerkannt werden," die in dankenswerter Weise vom Kreis Alsfeld, der Stadt Alsfeld, den Banken, der Industrie und Kaufmannschaft, Mitgliedern der Ortsgruppe, den Ortsgruppen selbst usw. gestiftet waren. Ueber die Ergebnisse werden mir noch berichten. . uQjnleins Darbte^ tIan9 mit J erevr ®em«J l der Hilden das & Drgelspiel °8en sie in ten Lankrch Qtten, vor "ner unb £ 'n,bzw. Am ,e rn die eW £d)emf)or iti. "ach dem @o‘, infam das V» fforbenen wm. Mittag sah fo 1 bei einer jt> y Jugenderii, m kommend» Evangelj. 5, etwa IW Burg. - L Zuchs ntba n I. von hin vier, esige Landes log sich bei le- he innere 8ti- uch, zu, so daß hirurgische Äti- nußte. ter der letzien e an den M> häftigt waren, Eine Baubude Flammen. Sa- inner, die das e Instrumente polizeilichen ng vor. - 1 auf unsrem apfe her Mlegen. Dazu gehört aber neben der sicheren Auf- rmhme der Ansage auch eine gute Allgemeinbildung r-nd Auffassungsgabe, sowie sichere Kenntnis der Rutschen Sprache, damit eine vollständig fehlerfreie bebertragung gewährleistet ist. Um tüchtige Unter» »rrchtsleiter heranzubilden, hatte das Kreisgebiet cmen Dorbereitungslehrgang im Herbst in Gießen »gehalten, der unter Leitung der staatlich geprüfte Kurzschriftlehrer Prokurist Balken, Fachleh- I rar Graf, Studienassessor Kirschbaum und Nubienrat Vetter stand. Mit sehr gutem Erfolg 1 h'.lt Handelsstudienrat Barthel, Lauterbach, die „ Prüfung in Bayreuth bestanden. i Aus dem Bericht des Rechners Graoelius -my hervor, daß die Kasienverhältnisse des Kreis- glbiets in bester Ordnung sind, und daß erfreulicher- asife alle Ortsgruppen ihre Beiträge pünktlich be- jlhlen. töeim, «n d,r »3 b tt M ‘e?8? u' ^chwii^ Sodann berichtete Pa. M e r t e s von der Gau- inltuna der Deutschen Arbeitsfront Frankfurt über Käufer der Kurzschrift", das gemeinsame llnterrichtswerk der Deutschen Arbeitsfront und der L'utschen Stenografenschaft. Seine Ausführungen ;cDen Aufklärung über manche Fragen, über die ssiLN seither noch im Zweifel sein konnte. Arbeitsamt und Stenografenschaft erteilen jetzt gemeinte Unterricht in Kurzschrift und Mcrschinenschrei- » Die Kurzsckriftlehrgänge K 1, 2, 3 und 4 und iß" Maschinenschreibunterricht M 1 und 2 werden ' uler dem Titel „Häuser der Kurzschrift" durch- ! seiuhrt. Die gemeinsamen Uebungen, in der die ximner der Kurzschrift au hohen Leistungen trainiert virden, werden unter Leitung der Deutschen Steno- P fenschaft abgehalten. | Mit dem Sieg-Heil auf den Führer wurde die! lettreterversammlung geschlossen. । Die diesjährige Tagung des Kreisgebiets Gießen der Deutschen Stenografenschaft hatte die Ortsgruppe Alsfeld übernommen. In der Vertreterversammlung am Samstag im „Deutschen Haus" erstattete Kreis- nebietsführer Kuhl Bericht über das abgelaufene Lahr. Daraus ging hervor, daß in allen Ortsgruppen rege Tätigkeit herrscht. Besonders hervorzu- jieben ist, daß das Kreisgebiet Gießen bei dem Lcistungsschreiben gelegentlich des Gautags in Gie- iten von allen Kreisgebieten des Gaues Hessen die größte Wettschreiberzahl stellte >und auch die meisten Ehrenpreise errang. Erhöhte Aufmerksamkeit muß ! em Maschinenschreiben geschenkt werden, weil Kurzschrift und Maschinenschreiben eng miteinander nerbunben sind. Deshalb werden auch in absehbarer Äeit die Uebertragungen bei den Prüfungen der Beschäftsstenografen an den Industrie- und Hcm- iLlskammern in Maschinenschrift erfolgen müssen. CHs kommt nur das 10-Finger-Blindschreiben in ^rage, denn nur diese Schreibweise ist die einzig mchtige und hat sich bei allen Wettschreiben die Siegespalme errungen. Leute, die mit 1 oder 2 Fin- -Zern „tippen", werden nie die Fertigkeiten eines Alindschreibers erreichen und ermüden auch viel s'üher. Da nach tüchtigen „Stenotypisten" immer schon starke Nachfrage geherrscht hat, auch während ter größten Arbeitslosigkeit, kann allen Kurzschrift- Irtrn dringend ans Herz gelegt werden, die Prüfungen an den Industrie- und Handelskammern ab- ; u-b-lA he« *e . gfiil yss*^ Festzug zum Ehrenmal. Dort gedachte der Kreisführer zunächst der gefallenen Helden des Weltkrieges und der Bewegung, die auch bei einem Sänger- fest nie vergessen seien. Zum Liede vom guten Kameraden senkten sich die Fahnen, und die Sänger standen in stillem Gedenken mit der zum Gruße erhobenen Hand. Am Ehrenmal wurde ein prächtiger Kranz niedergelegt. Kreis-Kundgebung. Kreisführer Dönges hielt fodann die Festrede und sprach vom deutschen Lied, wie es in Freud und Leid, im Frieden und im Kriege gesungen werde. Er sprach ferner von der hohen Bedeutung des Liedes im Dienst für das Dritte Reich und erinnerte dabei an den Werkstudenten Horst Wessel. Äm Deutschen Sängerbund sei, so führte er weiter aus, daß das Deutschtum auch in schwieriger Zeit nie vergessen gewesen und es werde nie vergessen sein. Er schloß seine Worte mit dem Wunsch, daß alle Sänger auch weiterhin in der ihnen gemäßen Art dem Vaterlands weiter dienen möchten. Sodann gelangten unter der Stabführung des Kreisführers und ehemaligen Kreischormeisters Massenchöre zum Vortrag, die durch ihre Geschlossenheit tiefen Eindruck machten. Ehrungen. Im weiteren Verlaufe der Feier nahm der Ehrenvorsitzende des Ohm-Lumdatal-Sängerbundes I. Becker- Kesselback im Auftrag des Bundes die Auszeichnung einer Anzahl verdienter Sänger vor. Er schilderte zunächst die Sängerfreude all derer, die Jahrzehnte im Dienste der deutschen Sängerbewegung stehen. Für 50jährige aktive Sangestätigkeit wurden die Sänger Eberhardt S ch i l d w ä ch - t e r, Daniel Kraus, Friedrich Firnhaber und Heinrich Kuhl vom Gesangverein „Silcherchor" Homberg (Oberhessen) geehrt. Vom gleichen Verein wurde der Chorleiter Wilhelm V i e h m a n n für 25jährige segensreiche Chorleitertätigkeit zum Ehrenchormeister ernannt. Ludwig Görnert vom Gesangverein „Jugendtreu" Queckborn erhielt die Ehrennadel für 40jährige aktive Sangestätigkeit. Ludwig A u m a n n und Heinrich Fabel vom Gesangverein „Frohsinn" Londorf sowie Valentin Hill gärtner und Wilhelm Faulst ich vom Gesangverein „Liederkranz" Kesselbach erhielten Ehrungen für 25jährige Sangestätigkett. Der Bürgermeister und Ortsgimppenleiter Seipp beendete die Kreiskundgebung mit einer eindrucksvollen Ansprache, die im Deutschlandlied und im Horst-Wessel-Lied ausklang. Sodann formierte sich der Festzug wieder und im geschlossenen Marsch ging es zum herrlich gelegenen Waldfestplatz, der sich für die Feier und bei dem heißen Wetter des vergangenen Sonntags für die frohe Feier als geradezu ideal erwies. Bald Geilshausen, 2. Juni. Der hiesige G e - fangverein „Iugendmuth" konnte am vergangenen Sonntag das Jubiläum seines 60jäh- ri gen Bestens festlich begehen. Die Feier, mit nl gleichzeitig ein Wertungssingen des Dym-Lumdatal-Sängerkreises verbunden war, wurde in der Form eines Waldfestes abgehalten, erfreute sich herrlichsten Wetters und wurde so zu einem vollen Erfolg. An der Veranstaltung nahmen die Mitglieder von 15 Vereinen des ^^.Zerkreises Ohm-Lumdatal teil, die durchweg er- beblid) zahlreicher erschienen, als man ursprünglich erwartet hatte. Darüber hinaus fanden sich aus der Umgebung zahlreiche Freunde des deutschen Liedes und der Vereine ein, um das Jubelfest des Gesangvereins „Jugendmuth" mitzufeiern. Das Wertungssingen des Ohm-Lumdatal-Sängerbundes. Die Veranstaltung begann mit dem Wertungssingen im Hofmannschen Saal, das der Sängerkreisführer Dönges (Merlau) mit kurzen einleitenden Worten eröffnete. Am Wertungssingen beteiligten sich folgende Vereine: „Jugendmuth" Geilshaiffen, „Eintracht" Saasen, „Eintracht" Lumda, „Teutonia" Nordeck, „Liederkranz" Kesselbach, „Konkordia" Rüddingshausen, „Eintracht" Deckenbach,- „Eintracht" Reinhardshain, „Germania" Harbach, „Jugendtreu" Queckborn, „Liederkranz" Lehnheim, „Silcherchor" Homberg, „Männergesangverein" Al- lendorf und „Frohsinn" Londorf. Den Vereinen war die Aufgabe gestellt worden, aus der ersten Folge des „Hessischen Liederheftes" einen Chor als Pflichtchor zu fingen. Die Wahl des Chores war den Vereinen diesmal freigestellt worden. Außerdem wurde von den Vereinen noch der Vortrag eines freigewählten Chores verlangt. Die Vereine entledigten sich der ihnen gestellten Aufgaben in bester Weise. Diese Tatsache ging auch aus der Besprechung hervor, die der Wertungsrichter Dr. R. Werner (Frankfurt a. M.) nach dem Singen im Schulsaal abhielt. Er betonte besonders, daß die Leistungen in der Gruppe I des Ohm-Lumbatal- Sängerkreises auf beachtenswerter Höhe stünden und als sehr erfreulich zu betrachten seien. Chorleiter und Sänger hätten gleichermaßen an den Chorwerken gearbeitet. Was das ausgewählte Liedgut anbetreffe, so sei festzustellen gewesen, daß das neue gute Lied mehr und mehr gepflegt werden müsse, wenngleich dabei das gute alte Lied nicht vernachlässigt werden dürfe. In feinen weiteren Darlegungen ging der Wertungsrichter auf die Leistungen der einzelnen Vereine ein, denen im "übrigen eine schristnche Bewertung noch zugeht. Er gab abschließend dem Wunsche Ausdruck, daß der Kreis Ohm-Lumdatal im Hinblick auf die Leistungen ■feiner Sänger auch weiterhin im Zeichen des Aufstieges stehen möge. Kreisführer Dönges dankte än herzlichen Worten dem Wertungsrichter für feine Arbeit. Festzug und Gefallenen-Ehrung. Am frühen Nachmittag bewegte sich durch die festlich geschmückten Straßen des Ortes ein stattlicher I 70 3d6re Alice-Frauenverein vom Roten Kreuz. LPD. Darmstadt, 31. Mai. Der Hessische Alice-Frauenverein vom Roten Kreuz beging am Sonntag die Feier seines 70iährigen B e st e h e n s und hatte aus diesem Anlaß feine Mitglieder, die Zweig- und Kreisvereine, die Schwesternschaften, Kriegspflegerinnen und Freunde zu einer Kundgebung geladen, die in der Festhalle zu Darmstadt stattfand. Das Musikkorps des Infanterie-Regiments 115 leitete die Veranstaltung mit der „Rienzi"-Ouvertüre von Richard Wagner ein. Darauf gab die Landes- vorsitzende und Präsidentin des Vereins, die ehemalige Großherzogin vonHefsen, einen umfassenden Rückblick über die vergangenen sieben Jahrzehnte der Vereinsarbeit. Im Anschluß daran wurden mehrere Glückwunschansprachen gehalten. So sprach Staatsrat Reiner im Namen des Gauleiters und Reichsstatthalters Sprenger, zugleich für den Hauptoorstand des Deutschen Roten Kreuzes und für den Hessischen Männeroerein vom Roten Kreuz. Generalleutnant Ritter von Schober als Vertreter der Wehrmacht betonte, daß sich die Soldaten eins mit den Schwestern vom Roten Kreuz fühlten. Für die Stadt Darmstadt drückte Oberbürgermeister W a m b o l d t Glückwünsche ans, für die NSV. Gauamtsleiter Haug, für das Deutsche Frauenw'erk Gaufrauenschaftsleiterin E. Wester- n a ch e r. Frau von Oerfeen überbrachte die Grüße der Reichsfrauenführerin Scholtz-Klink, Ober- gausuhrerin G. Riefe die des BDM. Nach der Festansprache, die Professor Lacroix (Heidelberg) über das Thema „Der Erziehungsgedanke des Führers" hielt, wurden zahlreiche Samariterinnen durch die Landesleiterin der weib- lichen Hilfskräfte des Deutschen Roten Kreuzes vereidigt. Die Feierstunde schloß mit dem Sieg-Heil auf den Führer und mit dem Gesang der nationalen Lieder. Im Anschluß an die Feier fand ein gemeinsames Essen aus Feldküchen statt, die die Wehrmacht zur Verfügung gestellt hatte. Am Nachmittag wurde ein Feldlazarett besichtigt, das in einigen Schulräumen errichtet worden war. Die im Jahre 1863 erfolgte Gründung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in Genf gab in ganz Deutschland den Auftakt zur Organisation und Förderung des Dienstes der freiwilligen Krankenpflege, vor allem auch im Hinblick auf die diesem zur Unterstützung des amtlichen Heeres- Sanitätsdienstes zugewiesenen Aufgaben. 1864 wurde der Hilfsoerein vom Roten Kreuz im Großherzogtum Hessen gegründet, 1867 der Frauenverein für Krankenpflege, der spätere Alice-Frauenverein, der sich die Ausbildung berufsmäßiger Krankenpflegerinnen zur Hauptaufgabe setzte. Die damalige hessische Prinzessin, spätere Großherzogin, Alice, trat an Die Spitze des Vereins. Es ist heute nur wenigen bekannt, wie sehr gerade die Ausbildung berufsmäßiger Krankenpflegerinnen im Interesse eines sachgemäßen Sanitätsdienstes der Förderung bedurfte, womit zugleich für viele Frauen eine Lebensaufgabe im Dienste edler Menschlichkeit eröffnet wurde. Im Jahre 1869 wurde die erste Gemeindekrankenpflegestation in Offenbach gegründet, 1870 der Zweigoerein Mainz. Der deutsch-französische Krieg 1870/71 bot dem Alice-Frauenverein erstmalig Gelegenheit, seine eigenste Aufgabe auf dem Gebiet der Kriegskrankenpflege zu betätigen. In enger Zusammenarbeit mit dem Männer-Hilfsoerein vom Roten Kreuz waren der Alice-Frauenverein und seine 28 Zweigvereine damals in 8 Feld-, 18 Reserve- und 10 Vereinslazaretten tätig. Im Jahre 1872 erweiterte der Hessische Alice- Frauenverein seine Friedensaufgaben durch Errichtung einer besonderen Abteilung für Ueberwachung der Waisenkinder. Später entstand die Abteilung für Pflegekinderüberwachung. Mit der 1872 erfolgten Uebernahme des Hospitals in der Mauerstraße in Darmstadt erhielt der Verein die erste eigene Ausbildungsstätte für Krankenpflegerinnen. 1883 konnte der Neubau an der Mathildenhöhe zu Darmstadt eingeweiht werden. Im gleichen Jahr übernahm die älteste Tochter des Großherzogs, Prinzessin Viktoria, den Vorsitz des Vereins. Das Jahr 1886 gab Gelegenheit zur Entsendung von Schwestern nach Sofia im serbisch-bulgarischen Krieg. Im Jahre 1900 wurde die Einrichtung besonderer, theoretisch-praktischer Lehrgänge für freiwillige Kriegspflegerinnen ins Leben gerufen. Im Jahre 1912 entsandte der Hessische Alice-Frauenverein im Balkankrieg Schwestern nach dem griechischen Kriegs- schauplatz. In diesem Jahr übernahm die derzeitige Präsidentin, ehemalige Großherzogin Eleonore von Hessen, den Vorsitz des Vereins. Der Weltkrieg brachte eine 41/2jäl)rigc Kriegsarbeit, an beiden Fronten im Westen und Osten, in der Türkei, in Lazarettzügen, in der Heimat und in der Kriegsgefangenenfürsorge in Rußland. Nach dem Weltkriege widmeten sich der Alice-Frauen- verein und seine Zweigvereine hauptsächlich sozialen Ausgaben. 1926 wurde Reichspräsident von Hindenburg Schirmherr des Deutschen Roten Kreuzes. 1934 übernahm der Führer unb Reichskanzler Adolf Hitler die Schirmherrschaft. Der Herzog von Sachsen Koburg unb Gotha wurde Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, das gleichzeitig eine neue Satzung erhielt. Im gleichen Jahre schloß sich der Verband Hessischer Wohlfahrtspflegerinnen als außerordentlicher Zweigverein dem Alice-Frauenverein an. Im Jahre 1934 wurde das Deutsche Rote Kreuz dem Deutschen Frauenwerk angeschlossen, und Frau Scholtz-Klink übernahm die Leitung als Reichs- Frauenführerin im Deutschen Roten Kreuz. Aus diesem Zusammenschluß hat sich bis zum heutigen Tage ein immer engerer Austausch zwischen der NS.-Frauenschaft und dem Alice-Frauenverein ergeben. 1934 übernahm der Hessische Alice-Frauen- verein das Eleonorenheim als Säuglings- und Kinderheim mit Säuglingspflegerinnenschule. Das Jahr 1936 erfüllte durch die Errichtung des neuen Alice-Hofpitals auf der Mathildenhöhe zu Darmstadt einen jahrelang gehegten Wunsch nach Erstellung eines allen Anforderungen entsprechenden neuzeitlichen Krankenhaus-Neubaues. Aus der Tätigkeit des Hessischen Roten Kreuzes. Darmstadt, 2. Juni. (Lpd.) Auf der Tagung des Hessischen Landesoorstandes des Roten Kreuzes und der Jahrestagung des Hessischen Landesmänner- vereins vom Roten Kreuz, die durch «Staatsrat Reiner mit einer Ansprache eröffnet wurden, trat das segensreiche Wirken der freiwilligen Helfer deutlich in die Erscheinung. In 44 Sanitätskolonnen und 8 selbständigen Sanitätszügen waren 4862 (i. 93. 4726) aktive Kolonnenmänner unb 559 inaktive (i. 93. 505) Kolonnenmänner tätig. Der Zuwachs kommt aus der Gründung kleinerer neuer Ortsgruppen. 31 Ortsvereine unb 19 Kreis- Männervereine umfassen 7114 Mitglieder, was gegenüber dem Vorjahre einen Zuwachs von rund 1500 Mitgliedern ausmacht. Die Tätigkeit der Kolonnen erstreckte sich u. a. auf 42 804 erste Hilfeleistungen, davon 10 280 bei größeren Veranstaltungen. 22 742 mal wurden die Transportmittel in Anspruch genommen. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnachmittag geschlossen. Omelelle 349 Optimismus Haaröl, Hautölen und Salben verwendet wird. Feines Speiseöl wird leicht trüb, wenn es kalt wird, verliert die Trübung aber bei Erwärmung. Echtes Olivenöl muß nach dem Schütteln eine glatte Oberfläche haben. Omelette, franz., Eierkuchen öder Pfannkuchen, vielfach mit gehacktem Fleisch, Geflügelleber oder Marmeladen gefüllt. Omnibus, lat., Bedeutung: für alle. Auto mit vielen Plätzen. Ondulation, das Wellenlegen in Haare mit warmem Brenneisen (Brennscheren). Onyx, Halbedelstein, gestreifter heller oder dunkler Achat, aus dem vielfach Gemmen geschnitten werden. Als Monatsstein wird der Onyx dem Juli zugerechnet. Opal, Edelstein. Die wertvollsten Opale, Firmamentstein, Goldopal und Flimmeropal sind wasserhell oder milchweiß und schillern eigenartig. Weniger wertvoll sind die farbigen Opale und Halbopale. Eine Abarta das „Weltauge", glänzt bei der Berührung mit Del oder Wasser in bunten Farben und wird von abergläubischen Menschen als Amulett getragen, während ihnen der Pechopal als Unglücksbringer gilt. Opakglas, nach dem lateinischen Wort opak-dunkel, nur durchscheinendes Milchglas. Opanken, Pantoffeln aus gefärbtem Ziegenleder ohne Absätze, mit buntgesticktem oder gestricktem Oberteil, die auf dem Balkan getragen werden. Opanken haben sich in geänderter Form als Sttaßenschuhe für den Sommer bei uns eingesührt, da sie sehr bequem sind. Operation. Man versteht darunter einen größeren wundärzt- Uchen Eingriff. Ist oft die ein- zige Möglichkeit, um einen kranken Menschen zu heilen. Bei der heutigen, wirklich auf hoher Stufe stehenden Operationstechnik ist den Operationen viel von ihrer früheren Gefährlichkeit genommen. Die Operation darf der Arzt regelmäßig nur- mit Ein- roilligung des Patienten ausführen, bei Minderjährigen müssen die gesetzlichen Vertreter die Einwilligung geben. Opium, Milchsaft aus unreifen Mohnkapseln, der sehr giftig ist und im Orient als nervenzerrüt- tendes Rauschmittel mißbraucht wird. Aus Opium werden viele Arzneien gewonnen, die aber nur von Aerzten verschrieben werden dürfen, wie Morphium und Codein. Opossum, australische und amerikanische Beutelratte, deren Fell als Pelzwerk verwendet wird. Optiker, griech., Handwerker, der optische Instrumente, Brillen, Ferngläser usw. herstelll und in- standsetzt. Optimismus, lat., die Eigenschaft eines Menschen „das Beste", d. h. alles durch eine rosa Brille zu Hier abschneiden! großen Gegner ein gutes Berlin 850 Opuntie Oeffeniliche Aufforderung Die am 7. Dezember 1817 zu Großen-Linden «Kreis Gießen) geborene Anna Maria Größer, geb. 3859V verkaufen. 02904 CARLNowäCH GIESSEN SEUERSWEG8I fjNHABER CARL HBNZ SCHUjTEq Zierfische Aquarien Pflanzen nsw. Kleinhenn Bahnhofstr. 61. Hohen Elgeneohaften der gediegenen Familien- Drucksache Dletet Ihnen In zahlreichen neuzeitlichen Ausführungen sowie Papieren billigst die Brühl’sche Druckerei Schulstr. 7. Ruf 2261 Gießen, den 1. Juni 1937. Amtsgericht. Rechtzeitig an den Ofen denken! Vor Beginn einer jeden Heizperiode muß Ihr Dauerbrandofen nach, gesehen werden. Ist der Rost noch gut? Sind die Ofenrohre in Ord- nung? Oder ist eine neue Osenrohrrosette nötig? Ergänzen und erneuern Sie alles rechtzeitig bei J. V. Häuser, Gießen, am Oswaldsgarten, Fernsprecher 2145/2146. alster Hamburg hat das Recht, zunächst in seiner Heimatstadt gegen die starke Elf der MTSA Leipzig anzutreten, während der badische Metster SV. Waldhof nach Barmen zur dortigen Iura muß. An der Waterkant räumt man den Hamburgern auf vertrautem Gelände einen kleinen Vorzug ein, am Ende sollten jedoch die Leipziger die Sieger sein. Richt viel Mühe sollte es dagegen den Badenmeister kosten, um in Barmen zu Sieg und Punk- ten zu kommen Spielvereinigung 1900 Gießen. Riedershausen 3gb. — 1900 1. Jgd. 1:2. Am vergangenen Sonntag war die 1. Jugend der Spielvereinigung in Niedershausen (Oberlahnkreis) zu Gast. Beide Mannschaften schienen sich völlig gleichwertig zu sein und zeigten einen ausgeglichenen und technisch sehr schönen Kampf. Allerdings blieben die Angriffe der Platzbesitzer meist schon bei der ausgezeichneten Läuferreihe der Blau-Weißen hängen. Die Gießener setzten dann zu einem großen Sturm auf das Gästetor an und vermochten auch bis zur Halbzeit mit 1:0 in Führung zu gehen. Nach der Pause gingen die Platzbesitzer heftig aus sich heraus und erzielten den Ausgleich. Wettere Erfolge blieben ihnen allerdings versagt. Schon wollten sich beide Parteien mit dem Unentschieden zufriedengeben, da gingen die Gießener plötzlich zum Endspurt über, erzielten einige Ecken, deren eine vom Rechtsaußen zum Tor verwandelt wurde. Das bedeutete den Sieg der Blau-Weißen. Der 1. Jugend der Spielvereinigung 1900 gebührt ein Gesamtlob dafür, daß es ihr gelang, den Gegner auch auf eigenem Platze zu schlagen. Die 2. Jugend der Blau-Weißen konnte auf dem Sportplatz in Grünberg keine Lorbeeren ernten. Schon in den ersten zehn Minuten hieß es 4:0 für die 1. Jugend der Platzbesitzer. Die 2. Jugend der Spvgg. 1900 konnte nur noch einen erbitterten Widerstand leisten, aber an dem Sieg der Grünberger nichts zu ändern. Anders war es bei der 3. Jugend. Die Jüngsten lieferten ihrem Gastgeber aus Oppenrod ein durch- aus gleichwertiges Spiel. Nur ein wenig Glück und sie hätte die 1. Jugend der Platzbesitzer sogar noch besiegt. Durch das Pech des Gießener Mittelläufers, der allein zwei Eigentore auf feinem Gewissen hat, mußten sich die Kleinsten der Spielvereinigunz 1900 mit 2:4 geschlagen bekennen. Wiesengrund und Kommlossy auf BMW. bzw. ■ DKW. Fußball im Turnverein Großen-Linden „Eintracht" Frankfurt a. M. 1. Jugend gegen Großen-Linden 1. Jugend 6:1 (4:0). Schönster Sonnenschein lag über dem Platz am Bornheimer Hang, als die beiden Jugendmannschaften zum Kampfe antraten. Die Elf der Eintracht kam flott ins Spiel, während sich die Gäste nicht sofort zurechtfanden. In schönen Kombinationen zog die Platzelf immer wieder vor das Großen- Lindener Tor und nur dem aufopfernden Spiel der Oeffeniliche Aufforderung. Der am 10. Mai 1815 zu Großen-Linden (Kreis Gießen) geborene, zuletzt dort wohnhafte Johann Ludwig Velten, der nach Australien ausgewandert fein soll, ist durch Ausschlußurteil des Amtsgerichts Gießen für tot erklärt worden. Als Zeitpunkt des Todes wurde der 31. Dezember 1868, 24 Uhr, fest- gestellt. Da ein Erbe des Nachlasses bisher nicht ermittelt ist, werden diejenigen, welchen Erbrechte an dem Nachlaß zustehen, aufgefordert, diese Rechte bis zum 31. Juli 1937 bei dem unterzeichneten Gericht zur Anmeldung zu bringen, widrigenfalls die Feststellung erfolgen wird, daß ein anderer Erbe als der Fiskus nicht vorhanden ist. 3860O Gießen, den 31. Mai 1937. Amtsgericht. wirklich schick, diese Blusenmode! — Ein duftiges Blüschen, ein sportlicherRock-schon sieht's gut aus und kostet gar nicht viel bei Erfolgreiche Ruderer der 02R<5. dei der Regatta in Heidelberg am vergangenen (Sonntag konnten Gießener Ruderer mit schönen Erfolgen aufwarten. Wir berichteten gestern darüber. Das nebenstehende Bild zeigt den siegreichen I. Seniorzweier der Gießener Rudergesellschaft 1877. Im Bilde links: Ernst M e i- fter, rechts: Hermann Duill. — (Aufnahme: Rübsamen.) Köln: Schalke 04 — BfB. Stuttgart. Aber auch in Köln gibt es ein überragendes Ereignis mit der Begegnung zwischen den Endspielgegnern von 1935, Schalke 04 und VfB. Stuttgart. Arn gleichen Ort schlug Schalke den Schwaben- meister in einem torreichen Kampf mit 6:4 und errang damit zum zweitenmal den Titel eines deutschen Meisters, nachdem es im Jahr zuvor in Berlin den 1. FC. Nürnberg mit 2:1 besiegt hatte. VfB. Stuttgart wird den Knappen auch diesmal viel abverlangen. Württembergs Meister hat zur richtigen Zeit — genau wie vor zwei Jahren — feine große Form wiedergefunden. Ob sie ausreicht, den großen und erfahrenen Gegenspieler damit zu bezwingen, darüber kann nur das Spiel selbst entscheiden. Vor Meisterschafts-Entscheidungen auch im Handball. Die Handballer tragen ihre Meisterschafts-Vorschlußrunde in hin- und Rückspiel aus, um alle Zufälligkeiten nach Möglichkeit auszuschalten. Ober- Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Begünstigt durch den Aufbau eines hohen Druck- gebfetes über Westeuropa fetzte am Mittwoch unter kräftigen westlich bis nordwestlichen Winden eine Zufuhr arktischer Meereskaltluft nach Deutschland ein. Sie brachte zwar in Nord- und Mitteldeutschland Schauertätigkeit, doch bei zeitweiliger Bewölkungszunahme nur kräftige Abkühlung, die durch westliche Einstrahlung noch weiter gefördert wird. Auch die nächste über England erkennbare Störung wird nur schwachen Einfluß auf unser Wetter nehmen, das überwiegend durch hohen Lustdruck bestimmt wird. Aussichten für Freitag: Zunächst viel- fach heiter, dann vorübergehend stärkere Bewölkung und besonders nach Norden hin auch Regenneigung, tagsüber etwas warm, meist westliche Winde. Aussichten für Samstag: Vielfach auf- geheitert und im wesentlichen trocken, nachts dunkel. Lufttemperaturen am 2. Juni: mittags 16,4 Grad Celsius, abends 11,8 Grad; am 3. Juni: morgens 8,3 Grad. Maximum 17,2 Grad, Minimum heute nacht 3,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 2. Juni: abends 19 Grad; am 3. Juni: morgens 14,2 Grad. — Sonnenscheindauer 9 Stunden. Mehr Freude au der Natur durch Bermühler-Bücher! IIIIIIIIIIII1IIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII1IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII1IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIUIIIII Braddock meldet sich nicht. Während Max Schmeling sein Training beendet hat und in Neuyork eingetroffen ist, um feinen Vertrag, zu erfüllen, ist Weltmeister James I. Braddock noch nicht erschienen. Schmeling, der nicht glaubt, daß sein Gegner sich noch einfinden wird, hat im Falle einer Absage des Kampfes erklätt, daß er in einer Rundfunkrede der gesamten ameri- konischen Oeffentlichkeit offen barlegen werde, was er von Braddock halte und wie er mit ihm verfahren wäre, wenn er sich zum Kampf gestellt hätte. Mannschafis-Wehrkampf beim Heldbergfest. Für FA., SS., RSKK., Arbeitsdienst, Reichs- Heer und Polizei. In Verbindung mit dem 84. Feldbergfest, das reichsoffen ist für alle dem DRL. angeschlossenen Vereine, hat der Beauftragte des Reichssportführers für den Gau XIII (Südwest), SA.-Gruppenführer Beckerle - Frankfurt a. M., wieder einen Mann- schafts-Wehrkampf für SA., SS., NSKK., Arbeitsdienst, Reichsheer und Polizei in zwei Altersklassen (A: Männer bis zu 34 Jahren, B: Männer von 35 Jahren und darüber) ausgeschrieben. Der Mannschaftskampf besteht aus: Gepäckmarsch mit 25 Pfund Gepäck, Handgranatenweitwurf und 50 Meter Schnellauf, 6 mal 10 0 - M e t e r - Pe n d e l st a f f e l mit 10-Pfund-Sandsack als Uebergabe. Jede Mannschaft besteht aus einem Führer und sechs Mann. Meldende Einheiten sind: Stürme, Arbeitslager, Kompanien, Batterien usw. Gekämpft wird in der A-Klasse um den Wanderpreis des ©au» beantragten des Reichssportführers, SA.-Gruppen- führer Beckerle (Verteidiger RDA.-Gruppe Bensheim). Die technische Gesamtleitung wurde von SA.- Gruppenführer Beckerle dem Dberturnmart des Feldbergfestes, Gaufportwart Eugen Krarnb- Köln, übertragen. Meldungen sind zu richten an Sieger hervorgingen. Und nun ist wieder der Schauplatz eines sicherlich ebenfalls dramatischen Kampfes zwischen diesen beiden alten Rivalen, von denen der HSV. nach vier Jahren erstmalig wieder im Wettbewerb um die „Deutsche" steht. H. J. Baehr Immobilien Frankfurt. Str. 43, Telef. 3398. Etwa 60 rentable Etagenhäuser sind durch mich günstig zu Dellen, verwitwete Zörb, die zuletzt in England gewohnt haben soll, ist durch Ausschlußurteil des Amtsgerichts Gießen für tot erklärt worden. Als Zeitpunkt des Todes wurde der 31. Dezember 1868, 24 Uhr, feftgefteUt. Da ein Erbe des Nachlasses bisher nicht ermittelt ist, werden diejenigen, welchen Erbrechte an dem Nachlaß zustehen, aufgefordert, diese Rechte bis zum 31. Juli 1937 bei dem unterzeichneten Gericht zur Anmeldung zu bringen, widrigenfalls die Feststellung erfolgen wird, daß ein anderer Erbe als der Fiskus nicht vorhanden ist. Wer wird Deutscher Fußballmeister? Vier Mannschaften in entscheidenden Kämpfen. Nachdem am Sonntag mit VfB. Stuttgart auch der Meister der Gruppe III ermittelt wurde, werden am 6. Juni den schweren vorletzten Gang vier Mannschaften bestreiten: Berlin: 1.FCN. — Hamburger SB. Vier Mannschaften, die im deutschen Fußball- sport einen klangvollen Namen haben, kämpfen in der Vorentscheidung um die „Viktoria", die sich im Besitz des 1. FC. Nürnberg befindet. Es wird schwer sein, dem sechsfachen deutschen Meister und ersten Pokalsieger die heiß begehrte Trophäe zu entreißen, die er im Vorjahr mit dem 2:1-Sieg über Fortuna Düsseldorf einmal mehr nach der Noris entführen konnte. Die beiden diesjährigen Dorschlußrundenspiele stellen zweifellos Höhepunkte im Kampf um die deutsche Meisterschaft dar; jedes der beiden Spiele hat seine überragende Bedeutung und ruft Erinnerungen an frühere große und dramatische Kämpfe wach. Das gilt ganz besonders von dem Berliner Kampf zwischen dem 1. FC. Nürnberg und dem Hamburger SV. Wer erinnert sich nicht mehr der Riesenschlachten zwischen diesen beiden Mannschaften vor nunmehr 15 Jahren, die in Sonnenglut in Berlin und Leipzig insgesamt fünf Stunden kämpften und doch keine Entscheidung herbeiführen konnten? Zwei Jahre später trafen „Club" und HSV. in Berlin erneut im Endspiel zusammen, aus dem die Nürnberger mit 2:0 als L. Krönung, Frankfurt a. M.-Rödelbeim, der auf Wunsch auch die ausführliche Ausschreibung und Meldebogen zustellt. Meldeschluß ist der 12. Juni. Die beteiligten Formationen sind auch teilnahmeberechtigt an den Einzel-Mehrkämpfen des Feldbergfestes, deren Ausschreibungen wir vor einigen Taaen bereits in unserer Zeitung bekanntgegeben haben. Deutsche Motorrad-Erfolge in Ungarn. Deutsche Motorrad-Erfolge gab es bei der Gelände - Prüfungsfahrt „Quer durch Ungarn". Bei den Motorrädern siegte in der Soloklasse Hecker (Nürnberg) auf Zündapp, bei den Seitenwagen gewann von Krohn auf Zündapp. Die weiteren Plätze beider Klassen belegten Ungarn auf deutschen Maschinen. Bei den Wagen siegten die Ungarn Neuer Ehrenpreis des Führers. Zur Internationalen rNotorboot-Regatta. Der Führer und Reichskanzler hat für die am 5. und 6. Juni in Grünau zum Austrag gelangende internationale Motorbootregatta als Ehrenpreis eine Porzellanvase der Staatlichen Porzellanmanufaktur gestiftet. Das mit Blumen und Gold reich verzierte Kunstwerk ist einer im Jahre 1785 von Friedrich dem Großen der Herzogin von Weimar geschenkten Vase nachgebildet. Segelflugzeuq-Modett-Weltrekord. Flugmodell flog 42 Kilometer. Bei dem Reichswettbewerb für Segelflugmodelle des NSFK. auf der Wasserkuppe zu Pfingsten erhielt der Hitlerjunge Werner Saerbeck aus Bork- horst i. W., dessen Modell nach dem dritten Handstart nach einer Flugzeit von 10 Minuten 24 Sekunden in großer Höhe über die Berge der Rhön davonsegelte, den 1. Preis. Nun kam aus dem kleinen Dorf Fambach, fünf Kilometer nördlich von Schmalkalden in Thüringen, die Nachricht, daß das Modell unversehrt aufgefunden worden sei. Die Luftlinie Wasserkuppe— Fambach beträgt 42 Kilometer. Diese Leistung, die aus dem Handstart erzielt wurde, stellt einen neuen deutschen und Weltrekord dar. Die bisherige Bestleistung wurde von A. Besser (Dresden) mit 13,5 Kilometer gehalten. Der westfälische Hitlerjunge hat die alte Marke um fast 30 Kilometer Überboten. Wichtige Neuerscheinung! 5WonManien Liieren nach der Naturschutz Verordnung vorn 18. Mar, 1936 (3KB Bl. I Seite 181) und den ergänzenden Bestimmungen, ausführlich erläutert von Professor Dr. W Weber, o. 5. Prof, der Rechte und Referent im Reichs- und Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, und Prof. Dr. Walther Schoenichen, Leiter der Reichsstelle für Naturschutz. Gebunden RM. 3,60. Bestellungen durch alle Buchhandlungen fjugo Bermühiec Verlag. verlin-LWers iliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiii Gestoch. scharfe Schrift, unverwüstliche Konstruktion, spielend leichter Anschlag, formschönes Aussehen — das ist die llertriidü mit Segmentumschaltung. Nur RM. 186- Schon f. 8.30 mtl. Niederhausen Bahnhofstraße 49 Gießen. oooA Vornehm t Geschmackvoll! Persönlich I i Ordnungsstrafe kraut, Hunds- und Sumpfwurz, Spinnen-, Hummel-, Mücken- iimb Bienenorchis. Stehen fast alle unter Naturschutz. — Zim- mer-O.: Sehr blühwillig ist der Frauenschuh; auch Odontoglos- sum Grande und Lycaste Skin- neri. — Orchideen werden in flachen Töpfen, Holzkörbchen und Baumrindenkästen gezogen. Humose Erde mit Lehmzusätzen und zerkleinertem Moos. Möglichst nur mit Regenwasier gießen. Geeigneter Standort: geheizte Veranda oder Blumenfenster bei 10 bis 12 Grad Winterwärme. Blüten erscheinen im Winter ünd sind so schön, daß die erforderliche, sorgfältige Betreuung lohnt. Gegen Schneckenfraß Wctt- teoausch als Falle an den Blütenstielen anbringen. Ausländische O. sehr teuer. Ordination, ärztliche Verordnung. Ordinieren: verordnen, Sprechstunde halten. Ordnung ist eine Erziehungsache, sie muß daher Kindern chon frühzeitig mit ihren Spiel- ächon hergebracht werden. An mangelnder Ordnung oder Unordnung leidet niemand mehr, als der Unordentliche selbst. Ordnung darf aber auch nicht in Ordnungssucht (Pedanterie) ausarten. Ordnungsstrafe. Der Richter kann gegen Personen, die den im Rahmen seiner Amtstätigkeit getroffenen Anordnungen nicht Folge leisten, zu einer Ordnungsstrafe (Geld- oder Haftstrafe) verurteilen (z. B. einen Zeugen, der trotz rechtzeitiger Ladung nicht erscheint). sehen. Der Optimist ist glücklicher daran als sein Gegenspieler, der Pesiimist. Opuntie, Feigenkaktus, unterschieden in ungefähr 250 Arten, teils stark, teils nicht bestachelt. Alle Opuntien besitzen kurze Borsten mit kleinen Häkchen, die sich leicht ablösen und in der Haut stecken bleiben. Deshalb Vorsicht, da Entzündungen entstehen können. Opuntien sind leicht zu kultivieren und wirken gut auf Fensterbank. Im Winter kühl stellen, größere Pflanzen dann am besten ins Treppenhaus. Im Sommer ins Freie bringen. (Einige Arten sind win- terhört und können gut im Steingarten verbleiben (z. B. Comanchica, Rhodantha u. a.). Orange, Mischfarbe aus gelb und rot. Orangeade, erfrischendes Getränk aus Orangensaft und Wasier oder Selterwasier. Ferner Bezeichnung für Orangenmarmelade. Orangenblütenöl, Reroliöl, aus den Blüten bitterer Orangen gepreßtes öl, das zur Herstellung von Parfüms dient. Orchester, Zusammenfasiung von Musikern mit verschiedenen Instrumenten zu einer großen Einheit. Man unterscheidet Streichorchester Blasorchester und großes Orchester. Orchideen: Freiland-O.: viele Arten in Wald und feuchten Wiesen, kommen meist auf Kalkboden vor.> Schönste ist der Frauenschuh. Andere bei uns wachsende O.: Geflecktes Knaben- Gästehinterrnannschaft war es zu danken, daß das Ergebnis, bedingt durch den Ausfall des linken Läufers, nicht noch höher ausfiel. Nach dem Wechsel und nachdem die Großen-Lindener einen anderen Läufer eingestellt hatten, lief die Mannschaft zu besseren Leistungen auf und gab nun der Hintermannschaft der Gastgeber heftig zu tun. Die Platzbesitzer waren aber nur einmal zu schlagen, wahrend sie selbst die Torausbeute auf sechs erhöhten. Trotz alledem: die Jugend von Großen-Linden hat einem Spiel geliefert.