Nr. ?80 Erstes Matt 187. Jahrgang Mittwoch, I.VezemberlyZr Lrlchernr tüyllch. autzei Sonntags und Feiertags Beilagen; Dre Illustrierte (Biegenei Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monatr-Vezugspretr: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . t.80 Zustellgebühr „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernfprechanfchlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Stehen Postscheckkonto: firontfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen Druck und Verlag: vrühlsche Univerfitatsdruckerei R. Lange irt Sietzen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8' /,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von 70 mm Breite 50 Rpf..Platzvorschrift nach vorh Dereinbg.2L".„ mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Nie angelsächsischen Wiktschastsverhandlungen. Vr n Or. Garl WeNthor. Die dem amerikanischen Präsidenten Roosevelt vor drei Jahren erteilte Ermächtigung zu Wirtschaftsoerhandlungen sieht vor, daß die Ankündigung von Verhandlungen das Stichwort für die Interessenten sein soll, sich mit ihren Wünschen und Bedenken zum Wort zu melden. Diese öffentliche Anhörung (public Hearing) hat natürlich nur dann Zweck, wenn in Vorverhandlungen über Gang und Ziel der Verhandlungen allgemeines Einverständnis erzielt worden ist. Die öffentliche Anhörung dürfte den Rest des laufenden Jahres ausfüllen, so daß die eigentlichen Verhandlungen, die in Washington geführt werden sollen, bald nach Neujahr, spätestens aber Mitte Januar, beginnen dürften. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben bisher mit 16 fremden Ländern auf der neuen Grundlage Handelsvereinbarungen getroffen. Gegenüber Deutschland besteht seit zwei Jahren vertragsloser Zu st and. Auch zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien gibt es nur die beiderseitige Meistbegünstigung, aber keinen Wirtschaftsvertrag. Der Warenaustausch zwischen den beiden angelsächsischen Ländern ist gegenüber dem letzten Hochkonjunkturjahr (1929) stärker gesunken als im Gesamtdurchschnitt. Großbritannien, das im Jahr 1929 für nicht weniger als 4001 Millionen Mark amerikanische Waren ab- aenommen hatte, kaufte in der Union im Jahre 1936 nur noch für 1157 Millionen Mark. Da die beiden Länder in der Zwischenzeit (Großbritannien im Jahre 1931 und die amerikanische Union im Jahre 1933) ihre Währung etwa im gleichen Maß abgewertet haben, sind die Zahlen ohne Einschränkung vergleichbar. In den Jahren von 1929 bis 1932 zeigte der gesamte internationale Warenaustausch eine scharf rückläufige Bewegung. Wenn aber an der Erholung des Außenhandels feit 1933 der britischnordamerikanische Warenverkehr nicht beteiligt ist, so erklärt sich das ganz überwiegend aus jenem Vertrag, den Großbritannien und seine wichtigsten Gliedstaaten im Jahre 1932 über einen stärkeren Warenverkehr innerhalb des britischen Weltreiches zu Ottawa abgeschlossen hatten. Wenn jetzt Großbritannien sich um einen lebhafteren Handelsverkehr mit den Vereinigten Staaten bemüht, so ist das ein besonders wichtiger Abschnitt in jener Politik, die das britische Mutterland wirtschaftlich von feinen Gliedstaaten — den Dominien —, und größeren Kolonien wegführt. Dies Bestreben war bereits auf der Weltreich-Konferenz Mitte 1937 (im Anschluß an die Krönung Georg VI.) erkennbar. Sie hat ihren Grund in der Sorge, in der Versorgung mit Lebensrnitteln und wichtigen Rohstoffen allzusehr auf die Zufuhr aus solchen Ländern angewiesen zu sein, die weit entfernt liegen, und zu denen die Zufahrtlinien unter gewissen politischen Konstellationen gesperrt oder doch bedroht werden könnten. Unter den führenden Männern des britischen Weltreichs hat besonders der kanadische Ministerpräsident Mackenzie King, der vor einigen Monaten auch Deutschland besucht hat und vorn Führer und Reichskanzler empfangen worden ist, 2ie Neuausrichtung der britischen Wirtschafts- und 'Dersorgungspolitik zu fördern gesucht. Kanada hat :mit den Vereinigten Staaten kürzlich einen Vertrag »abgeschlossen, der deshalb so schwierig war, weil 'Kanada nur ein einziges wichtiges Ausfuhr- imtereffe hat: landwirtschaftliche Erzeug- misse und die Vereinigten Staaten selber an Algrarprodukten einen Produktionsüberschuß haben. »Es scheint, daß der Besuch, den der amerikanische Staatssekretär Hüll am 20. und 21. Oktober dem kritischen Generalgouverneur und dem kanadischen Premierminister in Ottawa abgestattet hat, wesentlich zum jetzigen Beschluß beigetragen hat, mit Wirt- ffchaftsverhandlungen zu beginnen. Oer japanische Vormarsch auf Nanking. Keine Sicherheitszone in der Hauptstadt. Schanghai, 30. Nov. (DNB.) (Dftafienbienft des DNB.) Bei ihrem Vorstoß nach Nordwesten haben die Japaner am Dienstag die westlich vom Tai-See an der Straße nach Wuhu gelegene Stadt K w a n g t e h eingenommen.Es scheint beabsichtigt zu sein, den Vormarsch auf Nanking auf vier großen Haupt st raßen durchzuführen, die in den südlichen Außenbezirken der chinesischen Haupt- Die Pfeile auf unserer Karte bezeichnen den japanischen Vormarsch auf Nanking. — (Scherl-M.) Wuhu TAI-SEE Kwching 25____SO Jan stadt Zusammentreffen. Aus Hangtschau kommend, sollen weitere japanische Reserven nach Norden vor- stoßen. Ein Teil schiebt sich längs der Hangtschau — Schanghai-Bahn in nordöstlicher Richtung vor, während die andere Kolonne scharf nördlich zum Tai-See vordringt. Bedeutungsvoll ist die Tatsache, daß es den Japanern am Dienstag gelang, nach der bereits gemeldeten Einnahme der Kiangyin-Forts eine Durchfahrtslücke durch die in der Nähe errichtete chinesische Schiffssperre im Dangtse zu erzwingen. Die Chinesen versuchen jetzt, eine neue von Tschingkiang über Tanyang in nord südlicher Richtung nach hintan verlaufende Stellung zu halten. Auch eine neue Flußsperre wird bei Tschingkiang vorbereitet, um nach Möglichkeit das Vordringen japanischer Kriegsschiffe nach Nanking zu verhindern. Die elf noch in Nanking verbliebenen deutschen Staatsangehörigen sind an Bord eines auf dem Pangtse liegenden Schiffes untergebracht. - — Ein englisches Kanonenboot hat am Dienstagmittag Hankau verlassen, um sich nach Nanking zu begeben. Die Verhandlungen, Hangtschau aus dem Kriegsgebiet herauszuschneiden und eine Sicherheitszone innerhalb Nankings zu errichten, sind bisher ohne Erfolg geblieben. OerjapanffcheStaaishaushaft 45 v.H. Militärausgaben. China-Krieg geht auf Sonderkonto. Tokio, 30. Nov. (DNB.) Das japanische Kabinett billigte den Staatshaushalt für 1938, der mit 2 868 299 000 Jen abschließt, also eine Erhöhung um 55 Millionen Jen gegenüber dem Etat von 1937 aufweist. Der lausende Militäretat mit insgesamt 1,24 Milliarden Jen macht etwa 4 5 v. H. des Gesamtetats aus; jedoch sind darin dieAusgaben für d e n Eh i n a - K o n f l i k t nicht enthalten, die auf Sonderrechnung gehen. — Neu im Haushalt vorgesehen ist ; die Einrichtung eines „Büros für Gesundheit und l Wohlfahrt" als Vorläufer eines Sozialministeriums mit einem Etat von 85 Millionen; ferner besondere Mittel für Jugenderziehung in nationalem Geiste, i für Erhöhung der Produktionskapazität, Verstärkung der Kontrolle der Kriegswirtschaft, Entwicklung der Flugzeugindustrie und Förderung der Pilotenausbildung. Haussuchung der GM. in der Warschauer Sowjetbotschast. Familien der Gowjetdiplomaten werden als Geiseln in Moskau zurückbehalten Warschau, 30. Nov. (DNB.) In der Warschauer Sowjetbotschast wurde von einer sechsköpfigen Sonderkommission der GPU. eine Haussuchung durchgeführt, die bis in die späten Abendstunden andauerte. Besondere Aufmerksamkeit wurde den privaten Räumen des bisherigen Sowjetbotschaters D a w t j a n und dem Arbeitszimmer seines ebenfalls in Moskau verhafteten Pressechefs zugewendet. Einzelne Sessel aus dem Zimmer Dawtjans wurden auseinandergenommen, Papiere und Privatbriefe beschlagnahmt und nach Moskau transportiert. Die Kontrollkommission habe selbst die Kellerräume nicht ausgelassen und in den Wohnräumen Dawtjans d i e Tapeten und das Parkett aufgerissen. Warschauer Blätter stellen fest, daß die Haussuchung auf alle Beamten der Sowjetbotschaft einen niederschmetternden Eindruck gemacht hat. Ein großer Teil befürchte, daß man ihn demnächst nach dem Beispiel Dawtjans und seiner engster Mitarbeiter nach Moskau a b b e r u f e n und dort verhaften werde. In den letzten sechs Monaten hätten 72 Sowjetbeamte sich geweigert, ihrer Rück- bcrufung in das Sowjetparadies Folge zu leisten Angesichts dieser Erfahrungen sei in Moskau beschlossen worden, künftighin nur noch Personen, die Familie haben, ins Ausland zu schicken, und zwar ohne ihre Angehörigen, um eine Gewähr dafür zu erhalten, daß sie, wenn sie abberufen werden, auch nach Sowjetrußland zurückkehren. Selbst die nächsten Angehörigen des Sowjetbotschafters D a w t j a n wüßten nicht, was ihm geworden sei. Alexandrow, der Presseattache Dawtjans, soll erschossen worden sein. Neun Militärattaches der Sowjets „abberufen". Paris, 1. Dez. (DNB. Funkspvuch.) Der „Ma- tin" will berichten können, daß unter dem Verdacht der „Spionage zugun st en faschi- st i s ch e r Mächte" und des „Attentatsplanes gegen Stalin" zahlreiche sowjetrussische Militärattaches unter verschiedenen Vorwänden nach Moskau zurückberufen worden feien, wo sie vor ein Militärgericht gestellt werden sollen. Als „abberufen" nennt der „Matin" den Militärattache der Sowjetbotschaft in Paris, General Semenoff, sowie die. Militärattaches in Tokio, Nanking, Teheran, Kabul, Rom, Valencia, Athen und in Ankara. Der Verlauf der Dinge wird folgender sein: die Verhandlungen dürften sich bis in das Frühjahr 11938 hinziehen. Dann müßten die britischen Unterhändler wegen des vorläufigen Ergebnisses mit den Vertretern der Dominien in Verbindung treten und srst bann besteht Aussicht auf Abschluß eines Verlages. Eine Verzögerung über den Sommer hinaus liegt weber im Interesse Großbritanniens, das auf Abschluß eines Vertrages mit der amerikani- chen Union drängt, noch auch im Interesse der Regierung Roosevelt, die sehr gern einen Erfolg in diesen Verhandlungen in die Waagschale der K o n- g r e ß w a h l e n vom November 1938 werfen würde. Ueberall wird zugegeben, daß die Auseinander- ltzungen schwierig und langwierig werden dürften. Washington scheint darauf verzichtet zu haben, vor Beginn der Verhandlungen eine grundsätzliche Erklärung der britischen Regierung in der Schuldenrage zu fordern. Aber bestehen bleibt die sogenannte Johnson-Akte, die jede Kreditgewährung an solche Länder verbietet, die ihre alten schulden nicht anerkannt haben und in ihren Rückzahlungsverpflichtungen säumig geworden sind. Auch mit Rücksicht auf Frankreich, das gleich Lngland den amerikanischen Gläubigern die laufenden Zins- und Tilgungszahlungen aufgekündigt hat, i»ätte die Londoner Regierung einem solchen An- Lichen der Regierung Roosevelt nicht entsprechen ’iönnen. Por zehn Jahren waren die Vereinigten Staaten bevorzugte Lieferanten Großbritanniens nicht -,ur für wichtige Rohstoffe (Erdöl, Häute, Baumwolle und gewisse südamerikanische Transitwaren), sondern auch für einige hochwertige I n - dustriewaren, wie Kraftwagen, Buchhaltungsund Werkzeugmaschinen. Weiter erzeugt Amerika Nahrungsmittel, an denen in England starker Bedarf besteht, z. B. Speck und Schweineschmalz. Die neue amerikanische Neutralität s- praxis, die von ausländischen Kriegführenden Bezahlung im Verschiffungshafen und Verfrachtung auf nichtamerikanischen Schiffen verlangt, bedeutet für Großbritannien mit seinen reichen Gold- und Devisenreserven und seiner leistungsfähigen Handelsflotte keinerlei Erschwerung der Versorgung im Fall von internationalen Komplikationen. Für Amerika hätte die Gewinnung eines zahlungsfähigen, unbedingt zuverlässigen Großabnehmers zweifellos einen starken Reiz. Der Warenverkehr mit Großbritannien ist für die amerikanische Union stets hochgradig aktiv gewesen. Großbritannien würde es nicht wie andere Länder nötig haben, auf einen Aktivsaldo im Warenaustausch mit den Vereinigten Staaten zu bringen; es würbe aus ben großen Beteiligungsgewinnen, bie es überall in ber Welt erzielt, auch einen sehr beträchtlichen Aktiv- | falbo ber Amerikaner im Warenverkehr glatt abgelten können. Zwischen D e u t s ch l a n b unb ber amerikanischen Union besteht gleichfalls ein v e r t r a g s l o s e r Zustanb. Zwischen Deutschland unb Großbritannien gibt es neben bem Handelsvertrag ein Zahlungsabkommen, bas sich im allgemeinen bewährt hat, inbem es Deutschlanb einen Devisenüberschuß läßt unb ben britischen Inhabern beutscher Schuld- titel bis zu einem gewissen Grabe Deckung verschafft. Deutschlanb hat mit Kanabaunb Süd- a f ri k a Wirtschaftsabmachungen getroffen und konnte vor wenigen Monaten sogar mit dem bisher sehr zurückhaltenden Dominium Neuseeland ein Abkommen treffen. Schließlich scheint auch der Abschluß -eines deutsch -australischen Wirtschaftsvertrages in erreichbare Nähe gerückt zu fein. Offenbar hat die fortschreitende wirtschaftliche Abkehr des britischen Mutterlandes von seinen Dominien und Kolonien auf die Ausgestaltung der deutschen Wirtschaftsbeziehungen zu den Gliedern des britischen Weltreiches anregend gewirkt. Deutschland hat auf dem Gebiete der engeren Politik, aber auch auf dem der Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Völkern den Grundsatz vertreten, daß Abmachungenzu zweien wirksamer seien als Abmachungen zu vielen, bei denen sich niemand recht als verantwortlich fühlt. Bereits bei der Erkun- dungsfahrt des belgischen Ministerpräsidenten van Z e e l a n d nach Amerika und nach einigen wichtigen europäischen Ländern hat eine argwöhnische internationale Kritik die Behauptung ausgestellt, Deutschland blicke mit Unbehagen auf Versuche, eine Vielheit von Staaten auf ein gemeinsames Ziel — das wirksamerer Krisenbekämpfung. — hinzulenken. Deutschland hat der Dreimächteerklärung vom September 1936 über eine internationale Währungsordnung ohne Vertrauen zugesehen, aber es würde es aufrichtig begrüßen, wenn zwischen den beiden angelsächsischen Ländern — die doch nun einmal auf dem Geld- und Kapitalmarkt der Erde führend sind —, eine Festlegung d e s Verhältnisses Pfund — Dollar erfolgte, deren späterer Erfolg eine internationale Währungsstabili- f i e r u n g sein könnte. Erinnerungen eines freimütigen Soldaten. Es ist wohl eine Laune des Zufalls, daß fast gleichzeitig mit der Biographie des Oberbefehlshabers der britischen Truppen im Weltkrieg, Sir Douglas H a i g, aus der Feder Duff Coopers, die hier kürzlich angezeigt wurde, auch ein anderes Buch in deutscher Übersetzung vorgelegt wird, das eine selbst für englische Verhältnisse überaus offenherzige Kritik an der Kriegführung Lord Haigs im besonderen wie an den Verhältnissen in Kriegsministerium, Generalstab und Truppenführung des britischen Heeres im allgemeinen übt. Es sind die „Erinnerungen eines freimütigen Soldaten" von Generalmajor I. F. C. Fuller, dem Stabschef des britischen Tankkorps im Weltkrieg und, man darf auch sagen, dem glühendsten Propagandisten der Panzerwaffe in der militärischen Literatur der Gegenwart. Die deutsche Uebersetzung ist im Verlag von Ernst Rowohlt in Berlin, gebunden zum Preise von 9,50 Mark — (385) —, erschienen. Eine Bemerkung im voraus: Fast mehr noch, als die schonungslose KriUk an der britischen Obersten Kriegführung überrascht den deutschen Leser der sich selbst und andere ironisierende Ton des Verfassers, ein Sarkasmus, der in krassem Gegen- satz steht zu dem sachlichen Ernst, mit dem deutsche Offiziere gewohnt find, militärische Probleme zu behandeln. Aber die zahlreichen Zitate aus Denkschriften des Verfassers, mögen sie auch bezeugen, daß der Papierkrieg anscheinend auch auf der anderen Seite in hoher Blüte gestanden, hat, sind doch auch ein Beweis dafür, daß seine Kritik nicht zu der billigen Weisheit gehört, die gewöhnlich erst denen dämmert, die vom Rathause kommen. Fuller, der erst verhältnismäßig spät als Gene- ralstabsoffizier an die flandrische Front kommt, hat sehr offenen Sinnes bald die Gefahr erkannt, die für die Moral der Truppe wie für die geistige Beweglichkeit der Führung aus dem Steckenbleiben im Stellungskrieg erwachsen mußte, und er tyat aus dieser Einsicht heraus schon sehr früh in zahlreichen Denkschriften und Dienstvorschriften daraus hingearbeitet, diese Erstarrung zu lösen. Dazu schien ihm die eben in ihren Anfängen stehende Tankwasfe das geeignetste Kriegsinstrument zu sein. Freilich ihr Einsatz in dem zähen Schlamm von Paschen- baele mußte ihre Fürsprecher bereits desavouieren, bevor mit ihr ernsthafte Versuche gemacht worden waren. Fuller forderte den Einsatz von Flugzeugen gegen die feindliche Artillerie, um zu vermeiden, daß eine langanhaltende Artillerie-Vorbereitung das Dorge- länbe für die angreifende Infanterie und die nachstoßenden Tanks unpassierbar machte, von Kavallerie ganz zu schweigen, deren Einsatz der Oberbefehlshaber bei britischen Offensiven stets vvrsah. Fuller beklagt sich, daß das Tankkorps im Obersten Hauptquartier keinerlei Verständnis für feine taktischen Pläne gefunden habe. Er sagt von Sir Douglas H a i g, daß er ein großer Gentleman, ein Wann von Ehre und lauterem Wesen gewesen sei, aber auch ein Mann, der so wenig Phantasie besäße, daß er in Wirklichkeit niemals den Krieg sah, wie er tatsächlich mar. „Stattdessen", so schreibt Fuller, „sah Haig Phantome vergangener Kriege, und aus diesen geisterhaften Schattengebilden entstanden jene mythologischen Schlachten, die ihm so real und infolgedessen so notwendig erschienen." Die Schlacht von Cambrai am 20. November 1917 sah zum erstenmal große Massen englischer Tanks im Angriff. Aber trotz erheblicher Erfolge sah nach den Worten Fullers die Oberste Heeresleitung nur das Steckenbleiben, das durch die mangelnde Bereitstellung von Infanterie- und Kavalleriereserven verursacht worden war. Fuller meint, daß das Große Hauptquartier die Kampfwaffe nur deshalb reduzieren wollte, weil es den taktischen Anforderungen, die diese neue Waffe an die Führung stellte, sich nicht gewachsen fühlte. In Churchill und Lloyd George fand der Generalstab des Tankkorps verständnisvolle und willige Helfer im Kampf gegen die angeblichen Doktrinäre des Großen Hauptquartiers. Auch die französischen Generale Fach und Petain zeigten großes Interesse für die Tankwaffe, ebenso französische Frontoffiziere, die in großer Zahl für den Kampf mit Panzerwagen ausgebildet wurden und sich nach dem Urteil Fullers hierfür sehr geeignet zeigten. Die große Märzoffen sive 1918 brachte die britische Führung in völlige Verwirrung. Das Große Hauptquartier hotte keine Verbindung mehr mit der Front und die Korpskommandeure verloren die Truppen aus der Hand. Fuller beklagt es bitter, daß es in der britischen Armee von „Blindgängern" wimmele, die in der Armee geduldet würden, weil dort Kameradschaftlichkeit über der Tüchtigkeit stehe. Fuller beklagt weiter das völlige Fehlen der Truppenkameradschaft, da die Leute von einer Truppe zur anderen geworfen werden und die jetzt an- langenden Rekruten aus den Schichten stammen, die sich solange dem Kriege fernhielten, wie sie nur konnten. Auf das entschiedene Wort Churchills: „Wir werden, wenn nötig, an der Meeresküste kämpfen!" antwortete Fuller damals dem Minister: „Unsere Generale werden uns schon an die Seeküste bringen, verlassen Sie sich darauf!" Während das Große Hauptguartier noch für den Herbst dieses Jahres mit der Beendigung des Krieges rechnete, glaubte Fuller nicht daran und arbeitete für das Jahr 1919 einen Plan für einen wahrhaft gigantischen Tankangrift aus, der die Vernichtung der deutschen höheren Stöbe und damit die Ausschaltung de? deutschen Führung zum Hauptziel haben sollte. Der Man zeugt von einer außerordentlichen Phantasie, die ja das Vorrecht jeder großen soldatischen Begabung ist, aber damals das britische Große Hauptquartier begreiflicherweise verblüfft haben mag. Der 8. 21 u g u ft machte Fullers Plan überflüssig. Lord Haig, bisher nach Fullers Meinung der Todfeind der Tankwaffe, wurde nun die stärkste Triebfeder der neuen Offensive, und der Tank gab ihm nach den Worten Fullers den Endsieg. „Es ist in der Tat seltsam", so schreibt Fuller, „daß dieser Mann, dessen Eigensinn in der Offensive uns beinahe in der Schlacht bei P p e r n ruiniert hätte und dessen Eigensinn in der Defensive uns beinahe in der Schlacht an der Svchme ruiniert hätte, vom August an der treibende Faktor der alliierten Armeen werden sollte... niemand kann leugnen, daß er sich in den letzten hundert Tagen des Krieges den Ereignissen anzupassen verstand wie eine Hand dem Handschuh. Doch diese Ereignisse wurden nicht von ihm oder von seinen Ideen herbeigeführt, sondern durch den Tank und in nicht geringem Maße durch meine Ideen. Das Fahr- zeug, das er nicht begreifen konnte, welches er instinktiv haßte und das er mit Freuden abgeschafft hätte, machte ihn zu einer der hervorragendsten Gestalten des Krieges." Fuller schließt, daß er Haig immer für einen der phantasielosesten und kurzsichtigsten Generale gehalten habe, der niemals eine britische Armee befehligt habe, und gegen dessen Steinzeitideen er stets mit aller Macht angekämpft habe. Wir wissen aus der Biographie Duff Coopers, wie umstritten die militärischen Fähigkeiten des britischen Oberbefehlshabers in der öffentlichen Meinung Englands sind, und wir kennen Fullers Einseitigkeit, der als leidenschaftlicher Propagandist einer neuen Idee überall auf Verständnislosigkeit und sture Ablehnung zu stoßen meinte, wo vielleicht manchmal auch ihm unbekannte Schwierigkeiten mitsprachen, die in dem Verhältnis von Sol- 1 daten und Staatsmännern Englands und in der Art des Bundesgenossenkrieges begründet sein mochten, Duft Coopers Buch gibt davon ja sehr eindringliche Zeugnisse. Jedoch Fullers „Erinnerungen eines freimütigen Soldaten" erschöpfen sich nicht in negativer Kritik, dazu ist sein Verfasser viel zu sehr ein phantasiebeaabter, mit Energien geladener Tatmensch, zwar voller Haß gegen Bürokratie und Schlamperei, wie sie ihm im Londoner Kriegsministerium entgegentraten, aber auch voller neuer Ideen und fruchtbarer Anregungen, die keine Heeresleitung unbeachtet lassen kann. So ist das verblüffend unkonventionell und eigenwillig geschriebene Buch, Mag es auch ganz auf britische Verhältnisse zugeschnitten sein, doch auch für uns ungemein fesselnd und auftchlußreil^. 84152 Betriebe imWettkampf NSG. Im ganzen Reich werden zur Zeit die im „Leistungskampf der deutschen Betriebe" stehenden Betriebe überprüft. Die Gauobmänner der Deutschen Arbeitsfront, die für die Durchführung des Leistungskampfes in den Gauen verantwortlich sind, prüfen zusammen mit den politischen Hoheitsträgern, den Treuhändern der Arbeit und den Bezirkswirtschaftskammern. Die ersten Auszeichnungen des „Leistungskampfes der deutschen Betriebe", die Leistungsabzeichen für vorbild- Tag der nationalen Solidarität Winterhilfe heißt nicht Almosen verteilen — heißt nicht nur Hunger und Kälte ausmerzen, sondern heißt im neuen Deutschlands Glaube, Hoffnung und Freude, heißt: Einer für den anderen! liche Förderung von ,Kraft durch Freude", sind bereits aus Anlaß der vierten Iahrestagung der NS.- Gemeinschaft „Kraft durch Freude" an 49 auf diesem Gebiet vorbildliche Betriebe verliehen worden. Der Beauftragte für die Gesamtdurchführung des „Leistungskampfes der deutschen Betriebe", Reichsamtsleiter Dr. Hup sauer, gibt jetzt in einer Aufstellung die Aufteilung der im Leistungskampf stehenden Betriebe nach den einzelnenWirt- schaftszweigrn bzw. Re-ichsbetriebsgemein- schaften der Deutschen Arbeitsfront bekannt. Insgesamt stehen in den einzelnen Gauen 84157 Betriebe im freiwilligen Wettkampf. Es sind alle Betriebsarten und Betriebsgrößen vertreten. Kleinbetriebe des Handwerks und des Handels haben sich ebenso wie große Industriekonzerne und Bergwerke zum „Leistuggskampf der deutschen Betriebe" gemeldet. Auch die Landwirtschaft, Behörden, Verwaltungen, Postämter und Verkehrsbetriebe stehen im Wettbewerb um die 2luszeichnungen des Leistungskampfes der deutschen Betriebe. Die 84157 im Leistungskampf stehenden Betriebe verteilen sich auf folgende Wirtschaftszweige bzw. Reichsbetriebsgemeinschaften: Nahrung und Genuß 5270, Textil 2978, Bekleidung und Leder 2563, Bau 7836, Holz 3127, Eisen und Metall 5922, Chemie 1281, Druck und Papier 3064, Verkehr und öffentliche Betriebe 2034, Bergbau 326, Banken und Versicherungen 2015, Freie Berufe 785, Landwirtschaft 4023, Stein und Erde 3061, Handel 15 877, das Deutsche Handwerk 23 996. SteigendesMrlschastsbawmeter Bom April bis Oktober 1,4 Milliarden Mk. mehr Steuern aufgekommen als im gleichen Borjahrsabschnitt. Berlin, 30. Noo. (DNB.) Nach Mitteilung des Reichsfinanzministeriuüis betrugen die E i n n a h - mendesReichesan Steuern, Zöllen und anderen Abgaben im Oktober 1 9 3 7 insgesamt 1143,5 Millionen RM. gegen 973 Millionen RM. im gleichen Dorjahrsmonat; davon erbrachten die Besitz- und Verkehrssteuern 710,3 (596,2), die Zölle und Verbrauchssteuern 433,2 (376,8) Mill. RM. In der Zeit vom 1. April bis 31. Oktober d. I. gingen insgesamt 7933,5 (im Vorjahr 6494,4) Mill. Reichsmark ein, und zwar an Besitz- und Derkehrs- steuern 5544,3 (4377,8) und an Zollen und Verbrauchssteuern 2389,2 (2116,6) Mill. RM. Im Oktober 1937 sind gegenüber Oktober 1936 an Besitz« und Derkehrssteuern 114,1 Mill. RM. und an Zöllen und Verbrauchssteuern 56,4 Mill. RM., ins» gesamt also 170,5 Mill. RM. mehr aufge - kommen. In den ersten sieben Monaten des Rechnungsjahres 1937 sind gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres mehr aufgekommen: An Oie billigste Art -er Tfchechifierung. Mit Polizei und Gendarmerie gegen die Eudetendeutfchen. Prag, 30. Nov. (DNB.) Im Abgeordnetenhause erklärte zum Staatsvoranschlag für 1938 der Abgeordnete der Sudetendeutschen Partei Dr. Rosche: Trotz der großen, auf gesetzmäßigem Wege errungenen Erfolge der Sudetendeutschen Partei sei man bemüht, die Sudetendeutschen als Jrredenti- t e n hinzustellen, weil sonst ihr Gebiet nicht m i t Staatspolizei und Gendarmerie durch- e tz t werden könnte. Dieser Zustand sei die b i l - ligste Art der T s ch e ch i s i e r u n g. Im alten Oesterreich hätten die Tschechen auch in den schweren Zeiten keine so unhumane und brutale Behandlung erfahren, wie sie heute die Sudetendeut- chen erdulden müßten. Dennoch forderten sie nur ihr Lebensrecht innerhalb der Grenzen der Tschechoslowakei auf dem Boden der Verfassung. Das Sudetendeutschtum habe sich zu allen Zeiten ohne Rücksicht auf das im Deutschen Reich herr- chende System mit dem deutschen Volke verbunden gefühlt. Auch Masaryk und Benesch hätten das als eine Selbstverständlichkeit aufgefaßt. Andererseits sei die Tatsache, daß ein Volk an dem Schicksal seiner Volksgruppen jenseits der Grenzen teilnehme, ebenso selbstverständlich. Diese Verbundenheit sei um so natürlicher, weil die Sudetendeutschen an dem unbedingten Friedenswillen des deutschen Reichskanzlers und des deutschen Volkes glaubten. Diphtherie wütet unter sudeterdeutschen Kindern. Tschechische Behörden bleiben untätig. Prag, 30. Nov. (DNB.) Vor kurzem fand i n Aussig (Tschechoslowakei) eine Tagung der s u d e- tendeutschen Aerzteschaft statt, die sich mit der Diphtheriebekämpfung beschäftigte. Die Vortragenden wiesen darauf hin, daß die mit großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten kämpfenden sudetendeutschen Gemeinden nicht in der Lage sind, die Bekämpfung der seit Jahren mit zunehmender Heftigkeit auftretenden Diphtherieseuche aus eigenen Mitteln vorzunehmen. Insbesondere wurde über die geradezu trostlosen Zu stände in den Krankenhäusern der sudetendeutschen Bezirke Klage geführt. Da die tschechoslowakischen Regierungsbehörden auf dieser Tagung trotz wiederholter Einladung nicht vertreten waren, beschloß die Aerzteschäft einstimmig von der Prager Regierung die Berett- stellung der erforderlichen Mittel für die Seuchenbekämpfung zu fordern. Oie Entdeutschung der evangelischen Kirche in Oivberschlesien. Katkow itz, 30. Nov. (DNB.) Am Montag erhielt der langjährige Leiter der evangelischen Kirchengemeinde in Kattowitz Kirchenrat S o w a d e, der seit über 20 Jahren in Ostober- schlesien tätig ist, den Ausweisungsbefehl, der auch seine Frau einschließt. Die Ausweisung dieses deuftchen Reichsangehörigen war ursprünglich auf 24 Stunden befristet, wurde aber auf Einspruch des Geistlichen hin hinausgeschoben. Pastor Sowade muß jedoch noch im Laufe dieser Woche das polnische Staatsgebiet verlassen. Die zweite Ausweisung betrifft den österreichischen Staatsangehörigen Pastor Koch, der seit zw ö l f I a h r e n die Geschicke der evangelischen Kirchengemeinde in Lublinitz leitete. Bei diesem Geistlichen verweigerten die Behörden die Abänderung des gleichfalls auf 24 Stunden lautenden Ausweisungstermins, so daß Pastor Koch am Dienstag Oberschlesien verlassen mußte. Vergeßt es nicht, das Volksdeutsche Weihnachtslicht! Deutsche Muttersprache, deutsche Kulturgüter, deutsches Volksbewußtsein, deutsche Einigkeit und deutsche Treue, das sind nicht nur Ideale, das sind die Grundpfeiler allen Auslandsdeutschtums. Große Feste und schöne Reden allein sind keine Garanten ewigen deutschen Volkstums; sie sind lediglich die äußerlichen Gewänder der vielen Häuslein deutscher Menschen, die überall in der Welt entweder als in ich geschlossene Niederlassungen oder zerstreut unter üner Ueberzahl Anderssprechender und Anders- uhlender lebend, entschlossen sind, ihre deutschen Erbgüter und Eigenarten zu erhalten. In der Charakterfestigkeit des einzelnen allein, der über die Sorgen und Freuden, die Arbeit und die Zer- treuung des Alltags hinaus sich und seiner Familie den deutschen Glauben bewahrt, liegt letzten Endes das Weiterbestehen allen Auslandsdeutschtums verankert. Das Leben außerhalb des Mutterlandes ist wohl der härteste aller Daseinskämpfe. Die heißesten Tränen bitteren Heimwehs und des Gefühls trostlosester Verlassenheit wurden wohl immer von traurigen Auswanderern geweint. Weder „der reiche Onkel aus Amerika", noch der glückliche Diamantenfinder aus Afrika sind die wahren Beispiele auslandsdeutschen Lebenskampfes. Sie sind Ausnahmen unter den Millionen deutscher Menschen, die jenseits der Grenzen des Heimatlandes als Bahnbrecher fortschreitender Zivilisation in den Steppen Asiens, den Sümpfen Afrikas, den Urwäldern Amerikas, im kalten Norden und unter der Glut der Tropensonne ihre Schaffenskraft und ihr Leben einsetzen und hingeben. Doch für all diese Menschen, gleich wie wenig sie aus Veranlagung oder unter den Mühen des Lebenskampfes die Heimat in der Erinnerung behalten, kommt ein Tag im Jahr, an dem jeder von ihnen in Liebe und Wehmut der Heimat, des Elternhauses gedenkt — Weihnachten! — Der urdeutsche Brauch des Weihnachtsfestes wird nicht nur von deutschen Menschen begangen, sondern er hat sich durch die deutschen Auswanderer auf sämtliche Kulturvölker übertragen. Weihnachten ist und bleibt das schönste deutsche Familienfest. Als Symbol der deutschen Weihnachtssttmmung enfttand die blaue Weihnachtskerze mit ihrem holzgeschnitzten Halter, hergestellt von deutschen Heimarbeitern inner- und außerhalb Deutschlands Grenzen. Das volksdeutsche Weihnachtslicht ist die blaue Kerze, die in jeder Familie von volksdeutscher Gesinnung kündet und selbst an dem fernsten Punkt, wo Deutsche leben, vom Willen zur Volksgemeinschaft zeugen soll, die eine Gemeinschaft von hundert Millionen ist. Blau ist die Farbe der Treue und der Sehnsucht. Das Licht der blauen Kerze hat mehr zu sagen als die übrigen Weihnachtslichter: bedeutungsvoll wird es bezeugen, daß immer noch und gerade in der Notzeit der helle Glanz der helfenden Liebe, der werktätigen Volksverbundenheit, fein leuchtendes Bekenntnis ablegt. daß wahres Volksbewußtsein in Stunden persönlichen Glückes auch des letzten und vielleicht ärmsten unbekannten Volksgenossen gedenkt. Die blaue Weihnachtskerze hat auch in diesem Jahr einen künstlerisch schönen und wertvollen Begleiter bekommen: einen holzg^eschnitzten Kerzenhalter in verschiedener Ausführung, Handarbeit aus deutschem Grenzland — der es ermöglicht, das blaue Licht schon in der Adventszeit aufzustellen und als Sinnbild volksdeutscher Treue, als Sinnbild der Opferbereitschaft und Opferverpflichtung schon vor Weihnachten zur Geltung zu bringen. Besitz- und Verkehrssteuern 1166,5 Mill. RM., an Zöllen und Verbrauchssteuern 272,6 Mill. RM., zusammen 1439,1 Mill. RM. Verkehrserziehung. Berlin, 30.Nov. (DNB.) Aus Anlaß des Inkrafttretens der neuen Straßenverkehrsordnung am 1. Januar 1938 sprach Korpsführer Hühnlein im Deutschlandsender zu den zum Gemeinschaftsempfang versammelten NSKK.-Männern. Er betonte, daß der Verkehrserziehungsdienst desNSKK. keine Polizei sein wolle. Die neue Straßenverkehrsordnung stellt in ihrer grundlegenden Vorschrift schon jedes Verhalten unter Strafe, durch das der Verkehr gefährdet werden könnte, im Gegensatz zur alten, die ein strafendes Eingreifen der Polizei nur dann vorgesehen habe, wenn durch Uebertretung ein anderer geschädigt, behindert oder belästigt wurde. Wer die Verkehrsvorschriften übertrete, gefährde den Verkehr und werde bestraft. Es komme also jetzt noch mehr als bisher darauf an, rechtzeitig warnend einzugreif e n. Der Verkehrsunterricht für alle, die die Vorschriften nicht beachtet haben, werde sich sicher außerordentlich erzieherisch ausroirten. Die neue Straßenverkehrsordnung bringe keine den Verkehr nur hemmende Beschränkung der Fahrgeschwindigkeit. Es solle flott gefahren werden, aber andererseits auch außerordentlich diszipliniert. Künftig müsse jeder Kraftfahrer seine Kenntnis der Derkehrsvorschriften nachweisen. Daß es gelungen fei, die kleinen Maschinen auch weiterhin von dem Zwang der Fahrschule und der Fahrprüfung zu befreien, sei zu begrüßen. Verstärkter Einsatz des Veichsarbeitsdienstes im Sommer. Berlin, 30. Noo. (DNB.) Nach einem Erlaß des Führers, und Reichskanzlers ist die Stärke des Reichsarbeitsdienstes ab 1. Oktober 1938 für die Winterquote auf zwei Fünftel, für die Sommerquote auf drei Fünftel der jährlich einberufenden Dienstpflichtigen zu bemessen. Bisher wurde ein Jahrgang zur Hälfte für den Sommer und zur Hälfte für den Winter einberufen. Nun wird der größere Teil im Sommer zum restlosen Einsatz an den Baustellen und bei der Ernte zur Verfügung stehen. Dementsprechend wird der organisatorische Rahmen des Reichsarbeitsdienstes auf ein Fassungsvermögen von drei Fünftel der Jahrgangsstärke zu erweitern sein. Die Stärke des Arbeitsdienstes für die weibliche Jugend ist bis zum 1. April 1939 auf 30 000 Arbeitsmaiden (einschließlich Stammpersonal) zu erhöhen. Der weibliche Arbeitsdienst hatte am 20. Oktober dieses Jahres 17 354 Arbeitsmaiden mit Stammpersonal umfaßt. Oer Veichsjuqendführer in Damaskus D a m a s f u s, 30. Nov. (DNB.) Der Jugendführer des Deutschen Reiches startete von Athen aus in einem Sonderflugzeug nach Damaskus. Die vorgesehene Zwischenlandung in Rhodos, wo ihn der Gouverneur d e V e c ch i, der Baldur von Schirach im Vorjahr als Unterrichtsminister in Rom be- grüßt hatte, empfangen wollte, wurde durch lieber» schwemmung des Flugplatzes unmöglich gemacht. So fand lediglich ein herzlicher Telegrammwechsel statt. Bei herrlichem Wetter landete der Reichsjugend, führer dann in Damaskus, wo er von dem franzö- fischen Kommandanten des Flughafens sowie von dem deutschen Generalkonsul begrüßt wurde. DerDonf des Prinzen Ludwig Prinz Ludwig von Hessen- und bei Rhein ver» öftentticht in der Darmstädter Presse eine Danksagung „an die Freunde im Hessenland", in der es heißt: Der unfaßbare Schicksalsschlag, der mich so unerwartet und grausam der liebsten und nächsten Menschen beraubte, hat in der ganzen Welt, vor allem aber in allen Teilen des Hessenlandes eine gewaltige Teilnahme ausgelöst, von der mir täglich ergreifende Beweise zugehen. Meine Frau und ich empfinden diese Anteilnahme besonders tief und wohltätig und danken allen, denen wir nicht brieflich oder mit einem Händedruck danken konnten, auf diese Weise. Besonders rege ist auch die Anteilnahme an dem Schicksal meiner Nichte, der Prinzeß Johanna. Alle die vielen Anfragen mitfühlender Mutterherzen kann ich nur dahin beantworten, daß für sie mit aller Liebe auf das Beste gesorgt wird. Zunächst wird sie mit ihrer Pflegerin zur Schwester der Erb- großherzogin, der Frau Markgräfin von Baden nach Salem am Bodensee übersiedeln.^ Dort findet sie in deren Kindern Gespielen und die" Freunde ihrer kleinen Brüder, die im vergangenen Sommer längere Zeit in Salem zubrachten. Die Londoner Besprechung. Die französischen Minister , nach Paris zurückgekehrt. London, 30. Nov. (DNB.) Die französisch-englischen Besprechungen fanden ihren Abschluß. Mittags begaben sich die französischen Minister zum Buckingham-Palast. An dem Bankett nahmen auch der französische Botschafter (Sorbin sowie Chamberlain, Eden und Cranbome teil. Chautemps und Delbos verließen London um 16.30 Uhr (MEZ ). Am Bahnhof hatten sich Ministerpräsident Chamberlain, Außenminister Eden, sowie der französische Botschafter (Sorbin eingefunden. Premierminister Neville Chamberlain gab im Unterhaus die vereinbarte Verlautbarung bekannt. Darin heißt es zunächst, die französischen Minister hätten von Lord Halifax persönlich eine Erklärung über seine kürzlichen Besprechungen in Deutschland gehört. Sie seien erfreut, festzustellen, daß der Besuch, obwohl er privat und inoffiziell gewesen sei und man von ihm keine sofortigen Ergebnisse erwartet habe, dazu beigetragen habe, Ursachen internationalen Mißverstehens zu beseitigen und die Atmosphäre zu verbessern. In den Londoner Besprechungen seien alle Probleme Europas und die zukünftigen Aussichten einer Befriedung und Abrüstung durchgesprochen und die K o - lonialfrage in allen ihren Aspekten einer vorläufigen Prüfung unterzogen worden. Es werde anerkannt, daß diese Frage nicht isoliert werden könne, und daß sie eine Anzahl von anderen Ländern berühren würde. Man fei übereingekommen, daß die Angelegenheit eine sehr vieleingehendere Prüfung erfordere. Die französi- scheu Minister hätten ihrerseits über den kommenden Besuch Delbos' in gewissen Ländern M i t- tel- und Osteuropas gesprochen. Die französischen und britischen Minister hätten weiter die Lage im Fernen Osten, deren Ernst sie voll anerkennten, eingehend erörtert. Im Geist gegenseitigen Vertrauens seien schließlich auch andere Seiten der internationalen Angelegenheiten von gemeinsamem Interesse beraten worden. Diese Beratungen hatten den Wunsch der beiden Regierungen bestätigt, mit allen Ländern bei der gemeinsamen Aufgabe der Förderung der internationalen Befriedung durch die Methoden freier und friedlicher Verhandlungen zusammenzuarbeiten. Das Programm des neuen belgischen Kabinetts Ausgleich zwischen Flamen und Wallonen. Brüssel, 30. Nov. (DNB.) Die Regierung Janson hat sich der Kammer und dem Senat vorgestellt. Die Regierung hat sich die Aufgabe gestellt, das Programm der Regierung van Z e e • land fortzusetzen. Insbesondere auf dem Gebiete der Sozialreform, in der Wirtschaftspolitik, in der Verwaltungs- und Verfassungsreform. Belgien werde eine Politik der Unabhängigkeit gemäß seiner europäischen Mission betreiben, jedoch auch entsprechend den im Völkerbundspakt enthaltenen Grundsätzen bereit bleiben, an allen konstruktiven Friedenswerken mitzuarbeiten. Das Militärprogramm werde vollständig durchgeführt werden. Die Regierung sei entschlossen, die Einheit des Landes aufrechtzuerhalten und den nationalen Geist zu stärken, durch die Eintracht zwischen den beiden sprachlichen Gemeinschaften. Sie werde darüber wachen, daß in der Verwaltung, namentlich in den Zentralbehörden, zwischen den Beamten der beiden Sprachgruppen eine g e - rechte Verteilung eintrete. Im Ministerium für Volksbildung sollen zwei Kulturräte geschaffen werden, um die Unterrichts- und Kulturprobleme der beiden verschiedenen Äolksteile zu prüfen. Eine Reform des Akademiewesens soll es den Gelehrten, die den beiden großen nationalen Kulturen angehören, ermöglichen, ihre Tätigkeit im autonomen Rahmen zu entfalten. Es soll ferner die Ausbildung des Soldaten künftig ausschließlich in seiner Muttersprache erfolgen. Zu diesem Zweck sollen die Soldaten in ein- sprachige Einheiten zusammengefaßt werden, die in bestimmten Fällen Divisionen sein können. Der Offizier muß eine wirkliche Kenntnis der Sprache derjenigen Einheit, für die er bestimmt ist, besitzen. Kleine politische Nachrichten. lieber das Befinden General Ludendorffs ist am Dienstag um 19.30 Uhr folgender Bericht ausgegeben worden: Das Befinden hat sich in den letzten 24 Stunden etwas gebessert. Die Nacht war ruhig, wenn auch noch gewisse Kreislaufstörungen die Lage als ernst erscheinen lassen. Der Ernst der Lage wird sehr rasch nicht schwinden können. * Der Zustand des Prinzen Bernhard der Niederlande, der einen schweren Autounfall erlitten hatte, ist befriedigend. Der Prinz befindet sich auf dem Wege der Besserung. ♦ Die Ausstellung „Entartete Kunst/ in München, die die peinlichen Machwerke eines überlebten Klüngels geiftreichelnder Sensationshascher Fernsprechteilnehmer! Wissen Sie, daß Sie Ihren Fernsprecher nur zum Teil ausnutzen? So erstaunlich es klingt eine Umfrage bei einer ganzen Anzahl von Fernsprechteilnehmern hat es tatsächlich festgestellt: Nur die allerwenigsten kannten auch nur einen Teil der vielen Möglichkeiten und Lebenserleichterungen, die der Fernsprecher neben dem alltäglichen und ursprünglichen Verwendungszweck zu bieten vermag. Eine kleine Auswahl solcher Möglichkeiten können wir hier nennen. Ihr Fern Aber auch mit dieser Aufzählung sind diese Möglichkeiten noch keinesfalls erschöpft Deshalb nehmen Sie einmal das Amtliche Fernsprechbuch zur Hand und lesen Sie die ersten Seiten durch. Es lohnt sich! Denn wohl jeder Fernsprechteilnehmer hat den Wunsch, alles in den Dienst seiner Entlastung und Bequemlichkeit zu stellen, was ihm seinFernsprecheralsunermüdlicherHelfer zu bieten vermag. Sprecher kann mehr, als Sie vielleicht glauben! Wer keinen Femspredumechluß besitzt, kann durch einen Boten achnellstens aufgefordert werden, Sie anzzirufen. Die Postkarte gilt für ihn als Ausweis zur kostenlosen Führung des Geaprä dbes von der darauf vermerkten öffentlichen Fernsprech- atelle aus. XP-Gespräche im Ort und nach andern Orten sind beim Fernamt anzumelden. Auftragsdienst Nachricht en-Annahme u. - Weitergabe Während Ihrer Abwesenheit vermerkt der Auftragsdienst auf Wunsch jeden Anruf, gibt Auskunft und nimmt Mitteilungen für Sie entgegen. Ferngespräche legt er auf einen anderen Anschluß im selben Ort um. Die eingegangenen Nachrichten können Sie jederzeit erfragen (unter einem Kennwort auch vom Münzfernsprecher oder von einem anderen Teilnehmeranschluß aus.) Eine Nachricht, die Sie an mehrere andere Fernsprechteilnehmer übermitteln wollen, gibt der Auftragsdienst für Sie durch. Verbilligte Ferngespräche M' In den Abend- und Nachtstunden (19 bis 8 Uhr) werden für Ferngespräche nur ’/b der Gebühren für gleich lange Gespräche am Tage erhoben. Wieviel läßt sich dadurch sparen — wieviel läßt sich für wenig Geld persönlicher und besser ausdrücken, als es in Briefen möglich ist« Zeitansage - Weckruf - Wetterdienst Dir Fernsprecher sagt Ihnen auf Wunsch die genaue Zeit an. - Der Auftrags dienst weckt Sie gegen eine geringe Gebühr pünktlich und zuverlässig zu der von Ihnen gewünschten Stunde. Auch die amtliche Wettervorhersage gibt Ihnen der Auftrags- dienst bekannt. I Der Fernsprecher ist der vollkommene Mittler unserer Zeit zum Nachrichten- und Gedankenaustausch von Mensch zu Mensch. So wird er auch zum viel- zeitigen Helfer und Freund für jeden, der seine Möglichkeiten zu nutzen weiß. anprangert, ist seit ihrer (Eröffnung einschließlich den 28. November von 2 009 800 Personen besichtigt worden. Der ungarische Reichsoerweser Admiral Hort Hy empfing den Ministerpräsidenten Daranyi zu einer Unterredung, bei der Daranyi -eiingehenden Bericht über die von ihm und dem Außenminister von Kanya in Berlin geführten Besprechungen erstattete. Der nationalspanische Heeresbericht vom Dienstag lautet: Nichts Neues an den Fronten. In zwei Luftkämpfen wurden insgesamt sieben feindliche Flugzeuge abgeschossen. Englands Bevölkern« gspotttik Die englische Regierung hat nur mit einer verhältnismäßig geringen Mehrheit einen Gesetzentwurf durchgebracht, der eine statistische U e b e r = sicht über d i e Geburtenzahl geben soll, um an Hand der Ergebnisse Maßnahmen treffen zu können. Vielleicht hat die Tatsache mitgespielt, daß unter den 615 Abgeordneten des Unterhauses ein gutes Drittel hartgesottene Junggesellen sind. Den Vorwand nach außen hin aber mußte die Befürchtung ahgeben, daß die Beamten, denen die Durchführung der Statistik obliegt, in Familiengeheimnisse einbringen würden, was dem Persönlichkeitsgedanken des Engländers zuwiderlaufe. So sah sich 8ie Regierung genötigt, Berücksichtigung einiger Einwendungen zur Sicherung der Wahrung privater Interessen zu versprechen. Die bisherigen Zahlen der englischen Bevölkerungsstatistik wirken überaus kraß. Nach der Volkszählung von 1931 haben Groß-Britannien und Nordirland 46,2 Millionen Einwohner. Bleibt e s bei dem jetzigen Geburten- und Sterbesatz, so wird England 1970 nur 37 Millionen Menschen zählen. Im Jahre 2000 werden es 28 und 2035 gar nur 20 Millionen sein. Wenn aber die Fruchtbarkeit weiter im bisherigen Maße abnimmt, so wird die Bevölkerung Englands bis 2035 auf 4 bis 5 Millionen finken! Rückwirkungen: Vergreifung der Nation, was bedeutet, daß i m - mer weniger arbeitsfähige Menschen für die Renten und Einkommen der noch nicht bzw. der nicht mehr arbeitsfähigen Bevölkerung zu sorgen haben; Schwächung Der Rekrutierungsziffern und schließlich Versagen der englischen Auswanderung, die heute schon stille steht, ja sogar zu einer Rückwanderung geworden ist, während die Geburtenziffern in den großen und überwiegend überhaupt noch nicht erschlossenen Kolonialgebieten ebenfalls schnell sinken. Berlins neue Hochschulstad^. Em Architettenwettbewerv des Seneralbauinspektors der Ileichshaupistadt. Berlin, 30. Noo. (DNB.) Der Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt, Architekt Pros. Speer, hat einen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für den Neubau einer Hoch- sch ulstadt in Berlin ausgeschrieben, Die Hochschulen Berlins, die ihrem Umfange und ihrer wissenschaftlichen Bedeutung nach zu den größten des Reiches gehören, liegen heute verstreut in der Stadt. Die jetzigen Gebäude, vor allem der Universität, sind zu klein geworden,, und da sie in dichtbesiedelter Altstadt liegen, ist die immer notwendiger werdende Erweiterung fa-um möglich. Es wird daher im Rahmen der Neuplanung der gesamten Reichshauptstadt eine neue Hochschul ° stadt errichtet werden. In dieser sind folgende Hauptgruppen vorgesehen: der lzoisteswissenschast- liche und der naturwissenschaftlick)«- Teil der Universität, die Kliniken, die Technische Hochschule und die Militärärztliche Akademie. Das Gelände für die Neubauten liegt am Westende der fast 12 Kilometer langen Ost-West- Straße. Etwa an der Stelle b9?4 a «K Seltersweg 44 Ruf 2464 Q Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen innigstgeliebten Mann, unseren stets treusorgenden Vater. Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel Konrad Steber Schuhmachermeister am Montag, dem 29. November 1937, im Alter von 54 Jahren plötzlich und unerwartet in die Ewigkeit abzurufen. In tiefer Trauer - Johanna Steber Katharina Steber und alle Angehörigen Kurt Steber und Frau | Empfehlungen Nr. 780 Zweites Blati (Siebener Anzeiger sAeneral-Anzeiqer für Mberheffen) Mittwoch. I. Dezember (OST Volkswirtschaftliche Zeiiftagen. Leichtere Arbk it durch Sletti izität 43oii Oipl.'Zng. von Unechter. ZdR. Noch vor wenigen Jahren lautete die Frage nicht: Welche Aufgaben hat die Elektrizität in der Landwirtschaft?, sondern: Welche Möglichkeiten bieten sich der Elektrizität in der Landwirtschaft? Diese kurzen Säge umreisten klar den Umbruch, der sich auf diesem Gebiet vollzogen hat. Damals ein tastendes Suchen nach neuen Absatzmöglichkeiten, hervorgerufen durch die schlechte Ausnutzung der teuren Heberlandnetze und durch die damit verbundenen hohen Strompreise, um durch Erschließung neuer Abnahmequellen zu größerer Wirtschaftlichkeit der Netze und damit zu günstigeren Strompreisen zu kommen; heute die Forderung, Strom zu wirtschaftlich tragbaren Preisen in umfangreichem Maße einzusetzen, um den Erfolg der Erzeugungsschlacht so groß wie möglich zu gestalten. Die Elektrizität hat heute drei große Aufgabengebiete in der bäuerlichen Wirtschaft: 1. Als Kraftquelle unmittelbar fördernd in den Erzeugungsprozeß einzugreifen durch den Antrieb neu aufzustellender Maschinen zur Feldberegnung, zur Erntebergung, Saatgutreinigung und' anderen Zwecken; 2. als Kraft- und Wärmequelle zur Erleichterung der schweren Arbeit in Haus, Hof und Stall, die bisher zum größten Teil durch menschliche Arbeitskraft bewältigt wurde, wie zum Beispiel der Antrieb von Wasseroersorgungsanlagen, Geräten zum Fulterschneiden, von Melkmaschinen, Holzsägen, Waschmaschinen und das Beheizen der Wärmegeräte in der Haushalts- und Futterküche; 3. kann die elektrische Energie vielfach noch Arbeiten übernehmen, die bisher durch die tierische Energie ausgeführt wurden, und dadurch dazu beitragen, daß Ackerflächen zur menschlichen Ernährung freiwerden, die bisher zur Erzeugung von tierischer Energie erforderlich waren. Die beiden ersten Aufgabengebiete überschneiden sich vielfach, denn häufig wird dort, wo durch Einsatz technischer Hilfsmittel und Kraftquellen eine wesentliche Ersparnis an Arbeitszeit und menschlicher Arbeitskraft erreicht wird, wie zum Beispiel bei der Hauswasserversorgung, bei der Anwendung -her Elektrowärmegeräte und anderen indirekt auch eine Steigerung der Erzeugung erreicht werden können, weil die freigewordene Zeit und Kraft an anderer Stelle im Betriebe erzeugungsfördernd angewendet werden kann. j / Besonderes Interesse verdient die Elektrowärme, . Lei der sich in den letzten Jahren eine rasche Ent- iwicklung vollzogen hat. Das Reichskuratorium für Technik in der Landwirtschaft hat seit längerer Zeit Versuche hierüber eingeleitet, indem es für die Dauer eines Jahres in einer großen Anzahl bäuerlicher Betriebe der verschiedensten Größe und Wirt- ischaftsform Elektroherde, Heißwasserspeicher und Futterdämpfer versuchsweise aufgestellt hat. Erst mach Ablauf eines ganzen Jahres hatten sich die Bauern zu entscheiden, ob sie die aufgestellten Geräte käuflich erwerben wollten. Die in den ersten Versuchen erzielten Ergebnisse waren so günstig, daß die Untersuchungen im Laufe der Zeit auf 23 Dörfer in allen Teilen Deutschlands ausgedehnt wer- : Öen konnten. Von der Praxis wurden insbesondere 'olgende Vorzüge gelobt: große Sauberkeit und Ein- lfachheit der Bedienung, ständige Betriebsbereit- chaft, Unabhängigkeit vom Schornstein und damit Öie Möglichkeit, die Geräte dort aufzustellen, wo die günstigsten Arbeitsbedingungen vorhanden sind, z. B. Den Herd am Fenster, den Dämpfer nahe öerit Kar- rioffelkeller oder im Stall. Ferner wird im Sommer die kühle Küche angenehm empfunden und beim Dämpfen die Tatsache, daß das Futter, mit ßtachtstrom gedämpft, morgens fertig zur Verfügung lteht. Diese und eine Reihe weiterer Gesichtspunkte iind in Geld kaum ausdrückbar. Um so wichtiger ft die Entscheidung der Praxis, die nach einjähri- wer Betriebszeit in voller Kenntnis der entstehenden Jetriebskosten sich fast durchweg zur Uebernahme i- er Geräte entschlossen hat. Don den Herden ist nach Abschluß der Versuche kaum einer zurückgegeben worden. Strompreise von 8 bis höch- tt e n 5 10 Pfennigen je kwh wurd en : urchweg a l s txagbar bezeichnet. Die Futterdämpfer haben sich besonders in den Betrie- sn durchgesetzt, in denen der Bäuerin oder dem Zauern die Stallarbeit selbst obliegt, also in Betrieben, die einen Dämpfer von 5Ö bis 100 Liter Anhalt besitzen. Auch die Dämpfer wurden zum weitaus größten Teil übernommen. Hier wurde .vn Nachtstrompreis von 4 Pfennigen je kwh als och tragbar bezeichnet. Gewisse Schwierigkeiten irgaben sich bei den Heißwasserspeichern in denjenigen Betrieben, die sehr große Warmwassermen- pen täglich verbrauchen, zum Beispiel in Betrieben, n denen noch viel Heißwasser zur Viehoerfütterung cLbraucht wird. Auch hier gilt ein Nachtstrompreis non 4 Pfennigen je kwh als obere Grenze bzw. < n Pauschalpreis, der einem ähnlichen Kilowatt- fiundenpreis gleichkommt. Auf dieser Basis werden iäe Heißwasserspeicher in einigen Dörfern sogar end) im Winter, wenn andere Feuerstellen zur Qarmwasserbereitung herangezogen werden kön- isen, benutzt. Die Versuche haben bei aller Würdigung, die die (lektrogeräte erfuhren, ferner nach ergeben, daß für die kalte Jahreszeit eine ausreichend große Feuerftelle für feste Brennstoffe vorhanden sein muß. Die bäuerliche Küche ist fast überall in Deutschland gleichzeitig Wohnraum und Aufent- kiltsraum für die Kinder. Die Arbeit im Freien ,kingt es außerdem mit sich, daß in den Ueber- ovngsjahreszeiten häufig nasse Kleidungsstücke ge- tiocfnet werden müssen, und da ist es naturge- r äst am sparsamsten, wenn diese notwendige Feuer- fslle zum Heizen gleichzeitig als Kochstelle benutzt werden kann. Die wirtschaftliche Auswirkung dieser Geräte auf d»e allgemeine ländliche Stromversorgung ist außer- o dentiich groß. Es konnte festgestellt werden, daß durch ihre Verwendung der Stromverbrauch auf d:is Vier- bis Zehnfache des bisherigen gesteigert oaerben konnte. Dadurch wurde es möglich, den g samten Strom für die Betriebe, die in nennenswertem Umfange Wärme verbrauchten, zu einem Durchschnittspreis abzugeben, der in den NListen Fällen unter 10 Pfennigen je kwh einschließlich aller Grundgebühr, Zählermiete usw lag. einer ganzen Anzahl von Fällen wurde durch he Verwendung der Elektrowärmegeräte überhaupt erst der elektrische Anschluß möglich, so zum Beispiel in abgelegenen Höfen in Brandenburg, Schleswig-Hvlstein und anderen Orten. Von großer Bedeutung ist ferner die Aus dehnung der Verwendung von Klein kraft. Wir haben in Deutschland schätzungsweise noch eine Million Betriebe über 2 Hektar, die zwar elektrisches Licht haben, über Kraft aber noch nicht verfügen. Welche Bedeutung z. B. eine Wasserversorgung haben kann, zeigt, daß ein Betrieb von 25 Hektar etwa 10 bis 15 Zentner Wasser täglich an die verschiedensten Derbrauchsstellen transportieren muß. Auch die Melkmaschine gewinnt in letzter Zeit wegen des empfindlichen Mangels an Arbeitskräften Bedeutung. Bei sauberer Pflege ist die Melkmaschine in der Lage, eine der schwersten Arbeiten des Bauernbetriebes zwar nicht wesentlich zu verkürzen, aber so zu erleichtern, daß die Heranwachsenden Kinder der Mutter diese täglich viele Stunden in Anspruch nehmende Arbeit zum größten Teil abnehmen können. Bedenken wegen Eutererkrankungen, die früher vielfach geäußert wurden, bestehen heute bei sachgemäßer Behandlung nicht mehr. Auch bei der Feldberegnung erwachsen der Elektrizität neue Aufgaben von großem Umfang, die sie besonders deshalb verhältnismäßig leicht zu lösen vermag, weil die Feldberegung dann durchgeführt wird, wenn die Netze durch andere Abnehmer nicht voll ausgenutzt sind, im Sommer und zum Teil auch in den Nachtstunden. Die Zahl der Beispiele könnte noch beliebig vergrößert werden. Sie alle zeigen, wie wichtig der Einsatz der Elektrizität zur Förderung der Produktion und zur Entlastung der ohnehin mit Arbeit äußerst belasteten bäuerlichen Familien und ihrer Hilfskräfte ist. Die Wehrsteuer. Die Wehrsteuer ist am 1. 9.1937 in Kraft getreten. Ihr Zweck ist die Schaffung eines sozialen Ausgleich: bei Personen, die nur zu einer kurzfristigen militärischen Ausbildung oder überhaupt nicht zum Wehrdienst herangezogen werden, gegenüber denjenigen Volksgenossen, die zur Ableistung einer zweijährigen aktiven Dienstpflicht verpflichtet sind. Vielfach herrscht in diesen am meisten interessierten Kreisen eine gewisse Unkenntnis in der Beurteilung der Frage: „Wer ist wehrsteuerpflichtig und wer nicht?" Im Rahmen des begrenzten Raumes sollen diese Zeilen dazu beitragen, Klarheit in den grundlegenden Bestimmungen des Wehrsteuergesetzes der Oes- sentlichkeit zu übermitteln. Allgemein sei gesagt: Wehrsteuerpflichtig ist jeder deutsche Staatsangehörige, der nach dem 31.12.1913 geboren ist, seinen Wohnsitz oder seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Inland hat und nicht zur Erfüllung der zweijährigen aktiven Dienstzeit einberufen wird. Die Feststellung der Geburt wird im allgemeinen keine Schwierigkeiten machen. Ausschlaggebend ist, daß die Geburt nach Ablauf der Mitternachtsstunde (24 Uhr) erfolgt ist. ■ Die Wehrsteuer erstreckt sich erstmalig auf die Angehörigen der Geburtsjahrgänge 1914, 1915 und 1916 und für das Jahr 1938 auch noch auf den Jahrgang 1917. Sie beginnt am Anfang des Kalenderjahres, das auf den Zeitpunkt der Einberufung des Geburtenjahrgangs folgt, dem der Steuerpflichtige angehört, aber nicht vor Anfang des Kalenderjahres, das auf die endgültige Entscheidung über die Nichteinberufung des Steuerpflichtigen folgt, und endet am Schluffe des Kalenderjahres, in dem der Steuerpflichtige das 45. Lebensjahr vollendet hat. Befreit von der Wehrsteuer sind alle Personen, die vor dem 31. 12.1913 geboren sind und diejenigen, die zur Ableistung einer zweijährigen aktiven Dienstzeit einberufen werden. Eine Befreiung tritt aber auch ein für Personen, die bei Ausübung der Arbeitsdienstpflicht oder des zweijährigen aktiven Dienstes infolge einer Verletzung ober eines Leidens (Dienstbeschädigung) für den Wehrdienst untauglich geworden sind- Maßgebend für das. Darliegen einer Dienstbeschädigung ist die Entscheidung der Versorgungsbehörden. Bei der Ableistung von militärischen Hebungen, die länger als 14 Tage dauern, tritt ein Ruhen der Wehrsteuerpflicht ein, und zwar für die Gesamtzeit. Das gilt auch dann, wenn ein- oder mehrtägige Hebungen abgeleiftet werden, die zusammen in einem Kalenderjahr mehr als 14 Tage ergeben. Von der Erhebung der Wehrsteuer wird ganz abgesehen, trotzdem die Voraussetzungen gegeben sind, wenn bei veranlagten Personen das jährliche Einkommen 224 NM. und bei nichtselbständigen Arbeitnehmern (Lohn- steuerpflichtigen) der monatliche Arbeitslohn von 52 RM. nicht überschritten wird. Unter der endgültigen Entscheidung über die Nichteinberufung zur zweijährigen aktiven Dienstpflicht sind 3U verstehen die Heberweisung zur Ersatzreserve I im Falle der bedingten Tauglichkeit, die Heberwei- zung zur Ersatzreserve II und IIF, der Ausschluß von der Erfüllung der Wehrpflicht wegen dauernder Wehrunwürdigkeit ober bie Ausmusterung wegen völliger Hntauglichkeit sowie bie Heranziehung zur kurzfristigen Ausbilbung. Von grunbsätzlicher Bebeutung für bie Wehrfteuer- pflicht ist ber Besitz ber beutschen Staatsangehörigkeit. Auslänber, bie bie beutsche Staatsangehörigkeit nicht besitzen, können bieserhalb auch nicht zur Wehrsteuer herangezogen werben. Dahingegen ist ber Nichtbesitz ber Reichsbürgerschaft bei ber Beurteilung ber Frage, ob Wehrsteuerpflicht gegeben ist ober nicht, ohne jeben Einfluß. Demgemäß unterliegen Nichtariern, insbefonbere Juben, bie bie beutsche Staatsangehörigkeit, aber nicht bie Reichsbürgerschaft besitzen, ber Wehrsteuer. Neu ist bie Befreiung ber Volksgenossen von ber Wehrsteuerpflicht, bie zwei Jahre bei ber ^-Ver- fügungstruppe gebient haben. Diese Zeit ist als bie Erfüllung ber zweijährigen aktiven Dienstzeit anzusehen. Das gilt auch für Personen, bie freiwillig vor bem Inkrafttreten ber allgemeinen Wehrpflicht, also vor bem 16.3.1935, bei ber Wehrmacht eingestellt würben unb minbeftens 9 Monate hier aktiven Wehrbienst geleistet haben. Die gleiche Vergünstigung haben außerbem Personen, bie nach kurzfristiger oiermonatiger Ausbilbung als Reserveoffizieranwär- ter ein weiteres Jahr bei ber aktiven Truppe abgeleistet haben. Die Befreiung tritt ein mit Beginn bes Kalenbermonats, ber auf ben Ablauf ber aktiven Dienstzeit folgt. Von befonberer Bebeutung dürfte ferner bie Beurteilung ber Wehrsteuerpflicht bei vorzeitiger Entlassung aus bem aktiven Wehrbienst sein. Aus Bil- ligkeitsgrünben wirb allen Personen, bie aus irgenb- einem Grunbe, ohne baß Dienftbeschäbigung vorlag, vorzeitig aus bem aktiven Heeresbienst ausscheiben, bie abgeleistete Dienstzeit auf bie beiben ersten Jahre der Wehrsteuerpflicht, in denen die erhöhte Wehr- fteuer erhoben wird, angerechnet. Für diese beiden ersten Jahre beträgt bie Wehrsteuer, bie vom Arbeitseinkommen (bei Lohnsteuerpflichtigen) zu erheben ist, 50 v. H. ber Lohnsteuer, minbestens jeboch 4 v. H. bes Arbeitseinkommens. In ben folgenben Jahren 6 v. H. ber Lohnsteuer, minbestens aber 5 v. T. bes Arbeitseinkommens. Hanbelt es sich ba- gcgen um Personen, beren Einkommen burch bie Veranlagung erfaßt wirb, so finb für bie beiben ersten Jahre 5 v. H. bes Einkommens, für bie folgenben Jahre 6 v. T. bes Berechnung zugrunbe zu legen. Eine vorzeitige Entlassung würbe sich, wie aus folgenbem Beispiel ersichtlich, auswirken: Ein Wehrpflichtiger wirb am 1.10.1937 zum aktiven Wehrbienst eingezogen. Er wirb aber wegen Verlust ber Wehrwürbigkeit am 5. 3. 1939 aus bem aktiven Wehrbienst entlassen. Die Wehrsteuerpflicht beginnt in biesem Falle am 1.1.1940, ba ber Stichtag ber Persvnenstanbsaufnahme ber 10.10.1939 ist. Es finb nun auf bie beiben ersten Jahre (1940 unb 1941 = 24 Monate) 18 Monate ber abgeleisteten Dienstzeit anzurechnen, so baß nur noch für 6 Monate, also ab 1. 7.1940 bie erhöhte Wehrsteuer zu entrichten ist, währenb ab 1.1.1941 bereits bie einfache in Kraft tritt. Die neue Grundsteuer. Am 1. Dezember 1936 ist das neue Grunbsteuer- gesetz erlassen worben, wonach bie Grunbsteuer ab 1. April 1938 erhoben wirb. Am 1. Dezember 1937 wirb eine wichtige Stufe erreicht, benn bis zu biesem Tage müssen bie Finanzämter ben Gemeinben ben Steuermeßbetrag mitteilen. Voraufgegangen ist bie Ermittlung bes Steuermeßbetrages nach ben Einheitswerten. Bis zum 1. April erfolgt bann noch bie Festsetzung ber Hebesätze, wobei zu beachten ist, baß ber Hebesatz regelmäßig aus einem Hunbert- satz bes Meßbetrages bestehen wirb. Das neue Grundsteuergesetz schafft einheitliches Reichsrecht auf diesem Gebiet. Früher galt in ben beutschen ßänbern ein sehr von ein- anber abweichenbes Grunbsteuerrecht. Die Grunbsteuer ist in Zukunft eine reine Gemeinbe- st e u e r. Steuergegenjtanb ist ber in einer Ge- meinbe befindliche jeweilige Grundbesitz. Zum Grunbbesitz, ber von ber Grunbsteuer erfaßt wirb, gehören bas lanb- unb forstwirtschaftliche Vermögen, bie Grunbstücke unb bas Betriebsvermögen, soweit es sich um Betriebsgrunbstücke hanbelt. Die Be- triebsgrunbstücke werben also nur als Teil bes Betriebsvermögens zur Grunbsteuer herangezogen, was bebeutet, baß bie übrigen Teile bes Betriebsvermögens natürlich nicht von ber Grundsteuer erfaßt werden. Um Klarheit über die Berechnung ber Grunbsteuer zu erlangen, ist es notroenbig, bie Begriffe bes Einheitswertes, bes Steuermeßbetrages unb bes Hebesatzes zu erläutern. Der Einheitswert bes Grundstückes bildet bie Besteuerungsgrunblage. Die Einheitswerte sinb neu festgesetzt worben, so baß bei ber Hauptveranlagung ber 'Steuermeßbeträge bie Einheitswerte zugrunbe zu legen sinb, bie zuletzt vor bem 1. April 1938 festgeste'llt würben. Die letzte Hauptfeststellung hat am i. Januar 1935 ftattgefunben, währenb in einzelnen Fällen seitbem jeweilig am Jahresanfang Nachfeststellungen vorgenommen worben finb. Der Steuermeß betrag ist. jeweils ein Tausendsatz vom Einheitswert. Die Höhe ber Steuermeßbeträge weift für bie einzelnen Gruppen Unterschiebe auf. Für unbebaute Grunbstücke beträgt bie Steuermeßzahl 10 v. T. des Einheitswertes. Bei lanb- unb forstwirtschaftlichen Betrieben werden für die ersten 10 000 RM. bes Einheitswertes 8 v. T. unb für ben Rest 10 v. T. zugrunbe gelegt. Komplizierter ist bas Verfahren für bebaute Grunbstücke. Hier richtet sich bie Steuermeßzahl nach ber Größe ber Stabte unb ber Art bes Grundbesitzes, wobei vier Gruppen gebildet werben, unb zwar Altbauten; Altbauten, bie ben Charakter als Einfamilienhäuser haben, bis zu einem Einheitswert von 30 000 RM.; Neubauten, unb zwar soweit es sich um Einfamilienhäuser hanbelt, für ben Teil bes Einheitswertes, ber 30 000 RM. übersteigt; Einfamilienhäuser-Neu- bauten für bie ersten angefangenen ober vollen 30 000 RM. bes Einheitswertes. Für bie erste Gruppe (Altbauten) beträgt ber Steuermeßbetrag für alle brei Größengruppen, nämlich für Orte bis zu 25 000 Einwohner, für Orte von 25 000 bis 1 Million Einwohner unb für Gemeinben über 1 MiPon Einwohner, einheitlich 10 v. T. In ber zweiten Gruppe beträgt in berfelben Reihenfolge ber Steuermeßbetrag 10 v. T., 8 v. T. unb 6 v. T.; in ber britten Gruppe (Neubauten) 8, 7 unb 6 v. T. unb in ber vierten Gruppe 8, 6 unb 5 v. T. Bei der (Eingruppierung find die Einfamilienhäuser - Neubauten am vorteilhaftesten weggekommen. Die Steuermeßbeträge werden vom Finanzamt festgestellt und den Gemeinden durch den sogenannten Steuermeßbescheid mitgeteilt, bie bann für jebes Jahr gesonbert ben Hebefatz feftfteüen unb damit bie eigentliche Grundsteuer berechnen. Der Hebesatz ist roieberum ein Dom-Hunbertsatz ber Steuermeßbeträge. Die Hebesätze sinb in einer Gemeinbe einheitlich festzustellen. Nur für die beiden Gruppen, das land- unb forstwirtschaftliche Vermögen unb bas eigentliche Grunbvermögen, können jeweils Der» schiebene Hebesätze ermittelt werben. Wenn z. B. in ber Gruppe 4, bie Einfamilienhäuser-Neubauten umfaßt, ber Einheitswert eines Grunbstückes 20 000 Reichsmark beträgt unb bie Steuermeßzahl 6 v. T., fo ergibt bas 6 X 20 — 120 RM. Nimmt man an, baß ber Hebesatz babei 250 o. T. beträgt, so muß also eine Grunbsteuer von 120 RM. X 2,5 = 300 Reichsmark jährlich errichtet werden. Die Gemeinben stellen ben Grund steuerbescheid zu, gegen ben Einspruch erhoben werben kann, unb zwar: soweit ber Einspruch sich auf ben Steuermeßbescheid bezieht, beim Finanzamt, unb soweit er sich gegen ben Grundsteuerbescheid bezieht, bei ber Gemeinbe. Die Einsprüche müssen bis einen Monat nach ber Zustellung erfolgen. Die Grunbsteuer ist monatlich am 15. zu entrichten, so baß ber Steuerpflichtige bei unserem Beispiel monatlich ben 12. Teil von 300 RM., also 25 RM. zu zahlen hätte. Lediglich für lanb- unb forstwirtschaftliche Betriebe, wozu auch bie Gärtnereien gehören, finben bie Zahlungen am 15. Februar, 15. Mai, 15. August unb 15. November, also vierteljährlich, statt. Wenn bie Grundsteuer weniger als 20 Mark ausmacht, können auch andere Zahltage festgesetzt werden. Steuerschuldner ist der (Eigentümer des Grundstücks; wenn es sich um eine Erbengemeinschaft handelt, so find die (Erben Gesamtschuldner. In dem Gesetz gibt es Bestimmungen über Dauerbefreiungen, wozu das (Eigentum der öffentlich- rechtlichen Körperschaften gehört und der NSDAP., soweit die Grundstücke für deren Aufgaben unmittelbar genutzt werden. Weiter find dauernd befreit der Grundbesitz von mildtätigen Anstalten, der öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaften, ber anerkannten Sportvereine, unter bestimmten Voraussetzungen auch ber Krankenanstalten unb bann solcher Grunbbesitz, ber ber Erziehung, Kunst unb Wissenschaft bient. Neben der Dauerbefreiung gibt es eine vorübergehende Befreiung für Siedlerstellen und für den Neuhausbesitz. Für die Gruppe Neuhausbesitz wird eine Unterscheidung zwischen älteren, mittleren unb neuesten Neuhausbesitz getroffen. H. D. VuchsühriWskurse für Handwerker. Nach einer Slnorbnung des Reichsstandes des deutschen Handwerks vom 20. Oktober 1937 wird mit Wirkung vom 1. April n. I. auch für die handwerklichen Betriebe die Buchführungspflicht eingeführt. Die Anordnung ist mit der Genehmigung des Reichs- und preußischen Wirtschaftsministeriums und im Einverständnis mit dem Reichskom- miffar für die Preisbildung erfolgt. Damit die Buchführungspflicht am 1. April in Kraft treten kann, hat der Reichsftand des deutschen Handwerks bereits mit ber planmäßigen Buchführungsschulung begonnen. Die Schulungslehrgänge werben in ben Innungen burchgeführt. Alle Jn- nungsmitglieber sinb zur Teilnahme verpflichtet. Auch Familienangehörige können an ben Lehrgängen teilnehmen. Der Lehrstoff soll nicht in Form von Vorträgen an bie Teilnehmer herangebracht, fonbern burch praktische Hebungen grünblich erarbeitet werben. In der Vorkriegszeit spielte die Buchführung im Vergleich zu heute eine weniger wichtige Rolle. Für bie meisten Geschäfte reichte bamals eine einfache Aufzeichnung ber Ausgaben unb Einnahmen aus, um am Abenb ober am Ende des Jahres bie „Bilanz" des wirtschaftlichen Erfolges zu ziehen. Als jeboch die Folgen des Diktates von Versailles für Deutschland unb die Welt immer fühlbarer wurden, ergab sich immer mehr der Zwang zu einer genauen Kalkulation, die ohne eine gewissenhafte Buchführung nicht möglich^ ist. Auch bie steuerlichen Anforderungen bedingen zum Nachweis des Hmfatzes, des Einkommens und des Vermögens die genaue (Ermittlung und Festlegung der geschäftlichen Vorfälle, nicht nur zum Vorteil der Staatskasse, sondern auch zum Nutzen der Steuerzahler selbst. Immer schärfer wurde auch der Wettbewerb innerhalb der einzelnen Berufsstände. Nur wer auf Grund einer planmäßigen Buchführung einen klaren Heberblick über die Gestehungskosten seines Betriebes hat, kann feststellen, wo noch Er- sparnismöglichkeiten winken, um die eigene Wettbewerbslage unb damit den wirtschaftlichen Erfolg zu verbessern. Gerade auch das Handwerk hat unter dem Einfluß der nationalsozialistischen Wirtschaftsführung mehr und mehr erkannt, daß es die Mittel anwen- ben muß, bie z. B. auch in ber Jnbustrie zu einer Leistungssteigerung geführt haben, selbstverständlich in den Grenzen, bie ber Eigenart bes Handwerks entsprechen. Das Handwerk hat in den letzten Jahren große Anstrengungen gemacht, seine wirtschaftliche Lage ständig zu verbessern. Nun soll die Buchführungspflicht einen weiteren Baustein in dem Gesundungswerk des deutschen Handwerks bilden! Eine ordentliche Buchführung bedeutet keineswegs eine unnötige Mehrbelastung mit schriftlichen Arbeiten, für die der Handwerker nur schwer die erforderliche Zeit aufbringen kann. Zunächst mag wohl die ungewohnte Beschäftigung einigen Verdruß bereiten. Die besonderen Buchführungslehrgänge werden jedoch dafür sorgen, daß bie Einarbeitung ohne große Schwierigkeiten unb ohne großen Zeitverlust erfolgen kann, unb gar balb wirb jeber Hanbwerksmeister verspüren, wie segensreich sich diese Neuerung auch für seinen Betrieb unb damit für das Wohl feiner Familie auswirken wird. Im übrigen wird manche Handwerkerfrau und mehr noch manche..Handwerkertochter das neue Aufgabengebiet freudig anpacken und damit auch ihrerseits einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit unserer Nationalwirtschaft liefern. Was heißt MbmuchMklW? ZdR. Die Bedeutung der Derbrauchslenkung gerade jetzt im Winter ist unverkennbar. Die Fragestellung, ob eine Derbrauchslenkung notwendig ist, dürfte nach unseren mehrjährigen Erfahrungen überflüssig geworden sein. Es werden auch heute noch in beschränktem Umfange gewisse Lebensmittel eingeführt. Aber gerade diese Einfuhrspanne läßt uns täglich bie Schwankungen auf bem Weltmarkt erkennen. Diese Marktunsicherheit hat uns in Verbindung mit anberen Grünben einst bazu bestimmt, bie beutsche Landwirtschaft unabhängig unb stark zu machen unb bie Ernährung aus bem' eigenen Grund unb Boben sicherzustellen. Der Vierjahresplan rief zur Erzeugungsschlacht auf. Die beutsche Lanbwirtschaft arbeitet mit vollem Einsatz baran, bie Voraussetzungen einer boben- ftänbigen Ernährung zu erfüllen. Neuland wurde gewonnen, die (Erträge fliegen, die landwirtschaftlichen Betriebe , wurden immer mehr auf wirt« SJL-'Sport Tore 67:6 16:21 20:16 19:17 16:20 7:36 6:6 4:33 auf den Punkte 18:0 10:2 8:8 7:11 6:8 4:12 3:5 2:12 Großen-Linden Hungen Garbenteich Ettingshausen Muschenheim Steinbach Butzbach Spiele 9 6 8 9 7 8 4 7 sicher. Steinbach I — Watzenborn-Steinberg II 2:2. Die 2. Mannschaft von „Teutonia" W.-Steinberg weilte zum Verbandsspiel bei der 1. Mannschaft von F.-Sp.-Verein 1926 Steinbach. Beide Mannschaften lieferten sich einen ausgeglichenen Kampf, der mit dem gerechten Ergebnis von 2:2 Toren endete. Steinbach hatte zu diesem Spiel seine Mannschaft nicht komplett zur Stelle. Dadurch haperte es wieder stark im Angriff. Lediglich die Hintermannschaft konnte befriedigen. Die Gäste stellten eine flotte Elf, bei der auch die Hintermannschaft der beste Mannschaftsteil war. Steinbachs Jugend weilte in Garbenteich und mußte sich mit 5:1 Toren dem besseren Gegner beugen. schaftseigenes Futter umgestellt, um nur einige Beispiele zu nennen. Diese Maßnahmen führten in Verbindung mit der Marktordnung zu den besten Erfolgen. So konnte z. B. die deutsche Getreideeinfuhr bis 1936 um die Hälfte der früheren Einfuhr gedrosselt werden. Vom ernährungspolitischen Standpunkt aus aber wäre es sinnlos und unverständlich, den vorübergehend auf Teilgebieten der Lebensmittelversorgung auftauchenden und oft naturbedingten Knappheiten nachzugeben und Nahrungsgüter einzuführen, während andere bei uns in ausreichendem Maße oder gar in Ueberfülle vorhanden sind. Vielmehr muß der Verbraucher lernen, zu den Lebensmitteln zu greifen, die die deutsche Scholle in vollem Umfang bietet. Damit ergibt sich von selbst die Folgerung, den Verbrauch der Nahrungsgüter einzuschränken, die in geringerem Maße oder überhaupt nicht angebaut werden können. Eine geeignete Derbrauchslenkung muß daher Sorge tragen, die jeweilig auftauchenden Fragen der Ernährung zu lösen. Wenn der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft R. Walther D a'r r6 in seiner großen Rede auf dem Bückeberg der deutschen Familie z. B. besonders das warme Abendbrot empfahl, so ging er hierbei von der Tatsache aus, daß uns in diesem Jahre eine Rekord- kartosfelernte zur Verfügung steht. Kein Nahrungs- aut ist so vielseitig zu verwerten wie gerade die Kartoffel. Mit der größeren Verwendung der Kartoffel kann auch eine gesteigerte Verwertung der Wirtschaftsäpfel verbunden werden. Dieser Herbst hat uns auch eine reiche Apfelernte gebracht, die die Erträge der letzten Jahre bei weitem übertrifft. Es wäre nun unverantwortlich, in einer Zeit Nahrungsgüter verderben zu lassen, in der die Staatsführung und das deutsche Landvolk mit letzter Energie daran arbeiten, die Ernährung des deutschen Volkes aus eigener Scholle zu sichern. Die Verbrauchslenkung muß deshalb die deutsche Hausfrau darauf aufmerksam machen, was zur Zeit besonders empfehlenswert für die Küche ist, was sie reichlich verbrauchen kann und m was sie sich besonders einschränken muß. In diesem Zusammenhang ist der Brotverbrauch zu erwähnen. Die diesjährige Brotgetreideernte war infolge der anfänglich wenig günstigen Wetterlage nicht so hoch, wie man sie erwartet hatte. Was ist natürlicher, als daß die Hausfrau den Verbrauch des Brotes einschränkt. Und vor allem muß dem Brot die Hochachtung entgegengebracht werden, deren es unbedingt bedarf. Die Aufgaben der Hausfrau liegen darin, daß sie für diese Hinweise ein offenes Ohr hat und ihren Küchenzettel so einrichtet, wie es die eigene Vernunft und das Wohl des Volkes gebieten. Der Schwimmweitkampf Marburg-Gießen. Der Schwimmwettkampf, der am vergangenen Sonntag im Marburger Luifa-Bad ausgetragen wurde und die Gießener Mannschaft (wir berichteten bereits darüber) mit 20:16 Punkten auch in diesem Rückkampf siegreich sah, brachte verschiedene interessante Rennen, deren Verlauf kurz wieder- gegeben sei. Doppelte Männer-Lagen staffel (100, 200, 100 Meter): Amend führte vom Start und gab Mewes einen kleinen Vorsprung mit. Albold konnte dann den von Mewes gehaltenen Vorsprung noch erweitern. Dann kam der unverwüstliche Schaum und schwamm seine 100 Meter Rücken in der wohl besten Rückenzeit des Tages heraus. Ortwein vergrößerte den Vorsprung, den Herbert auf 20 Meter erweiterte. 4X100-Meter-Bru st staffel für Männer: Wider Erwarten büßt Mewes gegen den Marburger Hain 3 Meter ein, und Sbresny fetzte noch 2 Meter dazu. Da war es an Ortwein, den Vorsprung auf 1 Meter zu verkürzen. Pascoe ging dann mit" einer halben Bahn Vorsprung ins Ziel. Die Zeiten von Pascoe und Ortwein: 1:23 Min. 8X50-Meter-Kraul für Männer (Meier, Werner, Köhlinger, Hechler, Hoffmann, Albold, Döpfer, Herbert): Meier führt von Anfang an, und den Vorsprung vergrößern seine Kameraden mit jeder Bahn. Ein überlegener Sieg. 4X50 - M e ter-Kraul für Frauen (Plank, Köhlinger, Hauk, Schüler): Wie erwartet, konnten sich die Gießener Damen gegen die besseren Marburgerinnen nicht durchsetzen. Bru st schwell st affel für Frauen (50, 100, 150, 100, 50 Meter): Die junge Ilse Runk schwamm sehr 'schön und Übergab ihrer Kameradin Plank einen kleinen Vorsprung, den diese auch halten konnte. E. Schüler vergrößerte den Vorsprung, aber gegen Frl. Spörhase konnte Frl. Köhlinger den Vorsprung nicht halten. Auch Frl. Trude Plank - mußte noch wenige Meter abgeben. Zum Schluß fand das Wasserballspiel statt, bei dem nicht mit einer 7er-Mannschaft, sondern mit einer 5er-Mannschaft gespielt wurde. Die Gießener gingen durch Köhlinger in Führung. Doch diese Freude währte nicht lange. Die Marburger glichen aus und gingen bis zu 1:3 in Führung. Doch war dem Torwart Schüler fein Vorwurf zu machen. Nach der Halbzeit waren sich unsere Spieler des Ernstes bewußt geworden und haben durch Tore von Mewes und Köhlinger dann das Spiel doch noch mit 6:3 verdient gewonnen. , Sreßener KdI.-Boxlehrer trainiert die deutsche Läridermannschast Der Leiter des Sportamtes der GSG. „Kraft durch Freude" in Gießen, Sportlehrer Karl Feld- h u s, wurde mit dem Vorbereitungstraining der deutschen Amateurboxmannschaft für zwei Länderkämpfe in der Zeit vom 6. bis 13. Dezember 1937 in Hamburg beauftragt. Die Deutsche Mannschaft boxt am 10. Dezember in der Hanseatenhalle zu Hamburg gegen Irland und am 16. Dezember in der Londoner Alberthall gegen England. Die Wichtigkeit dieser Länderspiele, geht es doch das erste Mal gegen eine Boxmannschaft aus dem Mutterlande des Boxsports, fordert von den Männern die größte Hingabe. Es ist erfreulich, daß es unser Gießener Feldhus ist, der die Mannschaft trainiert. Feldhus hat auch die deutsche Mannschaft für die Olympischen Spiele in Berlin so vorbereitet, daß sie einen vollen Erfolg erringen konnte. Es sei darauf hingewiesen, daß Sportlehrer Feldhus in Gießen Boxsportunterricht im Rahmen der KdF.-Sportkurse gibt. „Rund um Schollen" nicht mehr Meisterschostslauf für Seitenwagen. Korpsführer Hühnlein sprach dieser Tage vor Kraftfahrtfachschriftleitern im Haus der ONS. in Berlin in großen Zügen üßer die Richtlinien für den deutschen Kraftfahrsport im Jahre 1938. Im Rahmen seiner Ausführungen gab Korpsführer Hühnlein bekannt, daß die Seitenwagenläufe aus dem deutschen Rennsport g e st r i ch e n werden. Der Grund für diese Maßnahme liege, so führte er u. a. aus, nicht etwa in der zur vielfach angefeindeten Akrobatik gewordenen Fahrtechnik. Das Wesen des Gespanns verlange sie eben durch die ständig erforderliche Gewichtsverlagerung. Die Ueberlegungen, aus denen heraus er sich schweren Herzens zur Abschaffung des Seitenwagen-Rennsports entschlossen habe, fußen auf der Erkenntnis, daß die Basis der Besetzung doch sehr klein ist, daß die Sicherheit, besonders auf den schmalen Strecken mehr in den Vordergrund gerückt werden müsse, und daß das Gespann in dem Gelände weit mehr auszunützen sei, als in reinen Geschwindigkeitsprüfungen. Nicht zuletzt gebe aber auch ein Blick auf die nicht kleine Verlustliste den Ausschlag. Diese Maßnahme des Korpsführers Hühnlein bedeutet, daß „Rund um Schotten" nicht mehr als Meisterschaftslauf für Seitenwagen gelten kann. Diese Maßnahme ist für das Rennen unserer oberhessischen Heimat von ausschlaggebender Bedeutung. Inwiefern „Rund um Schotten" für diesen Ausfall entschädigt werden kann, steht noch nicht fest. Iußball-Ergebniffe der Zugendgruppe Gießen. Die Spiele des vergangenen Sonntags sind nicht ohne Ueberraschungen ausgetragen worden. Nachstehend die Ergebnisse: Lich — Butzbach 0:4; Hungen — Muschenheim 3:2; VfB.-Reichsbahn II — Staufenberg 4:1; 1900 Gießen — Krofdorf 2:3; Heuchelheim — VfB.- Reichsbahn I 1:2; Grohen-Buseck — Grünberg 1:1; Watzenborn-Steinberg — Leihgestern 0:5; Garbenteich — Steinbach 5:1; Alten-Buseck — Wieseck 0:0; Lollar — Saasen 0:2. Butzbach konnte in Lich verdient gewinnen. Hungen hatte schwer zu kämpfen, bis es zum Sieg reichte. Im Kampf um die Tabellenführung unterlag Staufenberg den Gießener Grünweißen. VfB.-Reichsbahn hatte "in Heuchelheim schwer zu kämpfen, bis der Sieg feststand. Die Jungens von 1900 mußten sich auf eigenem Gelände eine Niederlage gefallen lassen. In Großen-Buseck teilten sich zwei gleichwertige Mannschaften die Punkte. Das Lokalderby in Steinberg sah die Gäste als Sieger. Ettingshausen zog es vor, ein Freundschaftsspiel abzuschließen und schenkte Großen-Linden Sieg und Punkte. Garbenteich konnte den Lokalkampf sicher für sich entscheiden. Die Ueberraschung des Tages war das Unentschieden der Wiesecker in Alten-Buseck. Saasen konnte in Lollar sicher gewinnen. Nach diesem Spielsonntag zeigt die Tabelle der Gruppe II folgendes Aussehen: Lich Großen-Linden hat die besten Aussichten Gruppensieg. Hungen ist der zweite Tabellenplatz Nus der engeren Heimat. Landkreis Gießen. 00 Klein-Linden, 30.Nov. In einer sehr gut besuchten Kundgebung der Ortsgruppe Klein-Linden der NSDAP., die im Saale des Gasthauses „Zur deutschen Eiche" ftattfani», sprach Kreisleiter Haus (Wetzlar) über die Weltanschauung des Nationalsozialismus und über den Nationalsozialismus als Gestalter unseres nationalen und völkischen Lebens. Mit großer Aufmerksamkeit lauschte die große Versammlung den Ausführungen des Redners, der am Schluß feiner Rede auch noch auf die außenpolitische Lage unseres deutschen Vaterlandes zu sprechen kam. ! Großen-Linden, 30. Nov. Der Zweigverein „Hüttenberg" vom V H C. unternahm dieser Tage eine Wanderung, die bei gutem Wetter von Großen-Linden bzw. Lang-Göns nach Hörnsheim, von da nach Groß-Rechtenbach führte. Der Rückweg ging dann über Klein-Rechtenbach, durch das schöne Schwingbachtal, über Hochelheim nach Großen-Linden und Lang-Göns. _!_ Großen-Linden, 1. Dez. Am Freitag, den 3. d. M., feiert Konrad Mehl, Bahnhofstraße, bei guter Gesundheit seinen 8 5. Geburtstag. Es ist dies, in diesem Jahr, der dritte männliche Einwohner, der das 85. Lebensjahr zurücklegt. Zwei Frauen haben in diesem Jahr das 87. Lebensjahr überschritten, und beide arbeiten noch im Haushalt ihrer Angehörigen. s. Lang-Göns, 28. Nov. In der letzten Hauptversammlung des Geflügelzuchtvereins wurde mitgeteilt, daß die Jubiläumsschau, die am 11. und 12. Dezember ftattfinben sollte (aus Anlaß des 25jährigen Bestehens des Vereins) wegen der Maul- und Klauenseuche a u s f a 11 e n muß. Doch sollen die Gründer und Mitglieder, die jetzt 25 Jahre dem Vereine angehören, an einem Familienabend, der am 11. Dezember statt- sinden soll, besonders geehrt werden. An diesem Abend wird von dem Gauvorsitzenden Ackermann ein Vortrag gehalten werden. Die Geflügelschau soll im nächsten Jahre nachgeholt werden. X Wieseck, 30. Nov. Im Saal Braun fand eine gutebesuchte Versammlung der Parteiorganisationen statt, die Ortsgruppenleiter Euler mit .Kriegszeppeline im Großkampf übejr London". Der Pitt verstand es, in spannender Weise die Luftangriffe zu schildern, die er selbst miterlebt-hatte. u- Lollar, 30. Nov. Dieser Tage fand hier für Hitler-Jugend und BDM. eine Vorführung des Filmes „Unternehmen Michael" statt. — Ein im Rahmen der M ü t t e r s ch u l u n g durchgeführter Nähkursus fand am Samstag mit einem Kameradschaftsabend im Gasthaus „Zum Schwanen" feinen Abschluß. <£ Leihgestern, 30. Nov. Ihre silberne Hochzeit können am Mittwoch, 1. Dezember, > der Weißbinder- und Malermeister Georg Brück und Ehefrau Marie, geb. Wehrum, Bahnhofstraße dahier, begehen. Kreis Schotten. LJ Laubach, 30. Nov. Die im Rahmen der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" gegründete Feierabendgemeinfchaft trat am Mittwochabend im Gasthaus „zur Traube" mit der zweiten Veranstaltung, einem Lichtbildervortrag, an die Öffentlichkeit. Es sprach bei sehr gutem Besuche Pg. Klein aus Sulzbach (im Taunus) über Rundfunkprogramm Donnerstag, 2. Dezember. 6 Uhr: Morgenlied. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 8.10: Gymnastik. 8.30: Werkskonzert. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau, hör zu! 11.40: Deutsche Scholle. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Auf „Draht". 15: Volk und Wirtschaft. 15.15: Für unsere Kinder. 16: Nachmittagskonzert. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Nachrichten. 19.10: Kleine Stücke großer Meister. 20: Wir armen, armen Mädchen! Stoßseufzer und Musik um ein traurig-heiteres Thema. 21: Klänge der Heimat: O du schöner Westerwald. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung ) A. k.» Gießen. Eine Glühlampe von 40 Watt braucht 25 Stunden, bis eine Kilowattstunde Sttom verbraucht ist. einem Grußwort, besonders an den Redner des — ---- Abends, Pg. Rigerl, Bundesredner des VDA., Vortragende, der letzte Ueberlebende der Stamm, eröffnete. Es folgten Lieder vom Ostland, Gedichte Mannschaft des berühmten Marineluftschiffes L9 und ein Sprechchor, sowie Darbietungen der zwei- -- ™ -------m>A”A h,A — ten Schulklasse des Gruppenwalters, Lehrer Stumpf. Der Redner hielt dann einen sehr lebendigen und anschaulichen Vortrag über „Das Dritte Reich und das Auslandsdeutschtum". Wirtschaft. Rhein Maim'sche Börse. rNittagsbörfe: Zurückhaltend. Frankfurt a. M., 30. Nov. Die Börse hatte am Aktienmarkt die gleiche Haltung wie am Vortag: bei außerordentlicher Zurückhaltung und weiteren kleinen Liguidationsverkäufen für Rechnung von Auswanderern schwächten sich die Kurse weiter leicht ab. Auch heute war kaum Aufnahmeneigung festzustellen, ebenso fehlten wiederum Kaufaufträge. Die Umsätze waren daher überaus klein, auch die Rückgänge hatten nur kleines Ausmaß. Verhältnismäßig fest lagen JG.-Farben mit 156 (155,75), je 0,25 v. H. höher lagen ferner Deutsche Erdöl mit 143,25 und AG. für Verkehrswesen mit 131. Sodann blieben Kaliwerte auf die beabsichtigte Konzernvereinfachung fest, Salzdetfurth 178 (176). Montanwerte bröckelten bis 0,50 v. H. ab, Mannesmann trotz der günstigen Mitteilungen 116 (116,50), Hoefch 117,50 (117,75), Verein. Stahl 112,40 (112,50). Von Maschinenaktien waren Junghans stärker ermäßigt auf 125,13 (126,50), Daimler 134,25 (135), Demag 144 (144,50), Moenus mit 118 behauptet. Sonst kamen vorerst noch Reichsbank mit 206,50 (207), RWE. mit 127,75 (128,65) und Westdeutsche Kaufhof mit 58 bis 57,90 (58,25) zur Notiz. Im Freiverkehr lagen Ufa-Film schwach mit 70 (72,50) auf die Vorgänge bei Tobis. Der Rentenmarkt lag ruhig, behauptete aber seine feste Grundtendenz. Reichsaltbesktz unv. J31,40, Reichsbahn-VA. 0,13 v. H. leichter mit 129,65. Im Freiverkehr blieben Kommunal-Umschuldung mit 94,95 unverändert, fest lagen Wiederaufbauzuschläge mit 82,90 (82,50). Goldpfandbriefe notierten bei einiger Nachfrage behauptet, Meininger in einzelnen Sepien 99,90 .(99,75). Von Liquidationspfand- briefen stiegen Rheinische auf 102,13 (101,90) und Pfälzische auf 102,25 (102), dagegen die beiden Frankfurter je 0,13 v. H. niedriger. Stadtanleihen lagen zumeist unverändert, Wiesbaden nach Pause 99 (98,50). Don Staatsrenten stiegen 5,5proz. Poung- anleihe auf 105,90 (105). Dekosama Neubesitz weiter nachgebend auf 32 (32,50). Variable Renten lagen später still und behauptet. Im Verlaufe zeigte der Aktienmarkt verschiedentlich kleine Besserungen um Bruchteile eines Prozentes, doch war die Entwicklung schwankend und das Geschäft kaum besser. JG.-Farben 156,25 nach 156, später wieder 155,75 bis 156. Verein. Stahl 112,75 bis 112,90 nach 112,40, Rheinftahl 142,50 nack> 142,25, dagegen Bemberg 139,50 bis 139 nach 140. Die später zur Notiz gekommenen Papiere lagen zumeist 0,50 bis 1 v. H. unter gestern, nur Kaliwerte bis 1 v. H. höher. Der Freiverkehr war sehr ruhig. Weiter abgeschwächt Ufa mit 69,50 nach anfangs 70. Tages- gelb etwas erhöht auf 2,75 (2,50) v. H. Abendbörfe sehr ruhig. Die Abendbörse verlief sehr ruhig, da die Zurückhaltung förtbestand, zumal wieder keine Aufträge aus dem Publikum vorlagen. Den meisten zur Notiz gekommenen Papieren lag kein Umsatz zugrunde, ebenso hatten die Abweichungen gegen den Mittags- schluß nur geringes Ausmaß, wobei aber kleine Abbröckelungen überwogen. Mannesmann 115,75 (116,25), Verein. Stahl" 112,50 (112,75), Deutsche Erdöl 142,90 (143,25), JG.-Farben 155,75 (156), Dt. Linoleum 160,50 (161), Licht und Kraft 150,25 (150,50), Junghans 125,25 (125,50). Etwas höher lagen Elektr. Lieferungen mit 130,50 (129,50) und MAN mit 129 (128,50). Unverändert lagen u. a. Buderus mit 121, Rheinstahl mit 142,50, Bemberg mit 139, Demag mit 144, Gesfürel mit 144, Moe- nus mit 118, Schuckert mit 169,75, Hapag mit 80 und Nordd. Lloyd mit 82,13. Von Renten hatten einzelne unnotierte Industrie-Obligationen Nachfrage und etwas Geschäft, 5proz. 'Gutehoffnungs- Hütte 103,90, 5proz. Castellengo 102,90, beide — 0,75 v. H. Bonifikation. Kommunal-Umschuldung galten unv. 94,95, ebenso 6proz. JG.-Farben mit 130,25. Frankfurter Schlachtviehrnarkt. Frankfurt a. 2ft., 30. Nov. Auftrieb: Kälber 941 (gegen 877 am 23. Nov.), Hämmel und Schafe 351 (439), Schweine 4287 (3828). Notiert wurden je 50 Kilogramm Lebendgewicht in RM.: Kälber a) 62 bis 65 (63 bis 65), b) 53 bis 59 (54 bis 59), c) 45 bis 50 (46 bis 50), a) 35 bis 40 (35 bis 40). Hämmel b2) 38 bis 45 (43 bis 48), b) 30 bis 36 (38 bis 42); Schafe a) 30 bis 37 (35 bis 42), b) 20 bis 28 (25 bis 32), c) 12 bis 14 (15 bis 23). Schweine a) 54 (54), bl) 54 (54), b2) 54 (54), c) 53 (53), d) 50 (50); Sauen gl) 54 (54). Marktverlauf: Kälber und Schweine zugeteilt; Hämmel und Schafe schleppend. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe Der zuletzt beschlossenen Dividende an. Reichsbankdiskont 4 v H.. Lombardzinsfuß 5 o H. Frankfurt a. M. Berlin • Frankfurt a. M. Berlin Schluß- kurs Schluß?. Abend- börse Schluß- kurs Schluß! Mittag börse Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Schluß- kurs Schlug. Mittagbörte Damm 29-11. 30-11. 29-11. 3011 Damm 29.11. 30-11. 29.11- 30-11. 5% Deutsche Reichsanlethe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 **/2% Deutsche Relchsschatzanwei- 101,75 99,75 99,7 99 105 100,6 99,75 131,4 99,75 101,65 99 98,9 134,55 99,75 99 101,9 101,9 111,3 130,75 80 82,25 129,75 207 118,25 122,5 113,75 101,7 99,75 99,7 99 105,9 100,6 99,75 131,4 99,75 101,65 99,75 99 98,9 134,55 99,75 99 101,75 102,13 111,3 131 80 82,13 129,65 206,5 118,25 122,5 113,75 101,7 99,75 99,7 99 105,25 100,25 100,8 99,75 131,25 134,8 100 101,9 111,4 131,4 80,5 82,5 129,75 207 134,5 118,25 122,5 113,75 101,7 99,75 99,7 99 105,5 100,8 99,75 131,5 134,9 100 102,13 111,4 131,4 80,5 82,5 129,9 207 134,25 118,25 122,5 113,75 Accumulatoren-Fabrik.......14 Aschaffenburg Zellstoff........6 Bemberg............... 0 Bekula........... 8 Buderus Eisen...............6 Gement Heidelberg...........7 Gement Karlstadt...... 6 Gonti Gummi.............. 12 Daimler Motoren..........6 % Dessauer Gas...............4 Deutsche Erdöl..............5 Deutsche Wold- und Silber.... 9 Deutsche Linoleum..........10 Elektrische Lieferungen........6 Elektrische Licht und Kraft.....7 I. G. Färben-Industrie.......7 Felten & Guilleaume.........6 Gesfürel....................7 Th. Goldschmidt.............6 Grltzner Maschinen...........0 Harpener................. B'/2 Hoejch Eisen...............8yt Philipp Holzmann...........8 Ilse Bergbau................6 Ilse Genüsse................6 Kali Aschersleben ............ 4 Klvcknerwerke ............ 4y2 Kokswerke und Chemische Fabrik 7 Lahmeyer..................6 Mainkrast.............. 4 Mannesmann.............4*/z Mansselder Bergbau......... 7 Metallgesellschaft.............6 Lrenstein & Koppel..........0 Rheinische Braunkohle....... 12 Rheinische Elektro............6 Rheinstahlwerke..............6 Rheinisch-Westfälische Elektro .. 6 Rütgerswerke ...............7 Salzdetfurth Kali.......... 6 Schuckert & Go............... 7 Schultheis Patzenhofer........4 Siemens & Halske...........9 Süddeutsche Zucker.......... 10 Bereinigte Stahlwerke......V/i Westdeutsche Kaufhof.........0 Westeregeln Alkali............4 Zellstoff Waldhos............6 Olavi Minen...............0,6 143 140 168 121.75 167 185,5 135 143 255 161,5 129,5 151,25 155,75 129 145 139 47,5 175,5 117,75 151,5 134,25 117,25 121. 95,75 116,5 145,25 232,5 142,75 128,65 147 176 170 202 112,5 58,25 117,5 147,9 30,25 142 139 168 121 167 185 134,25 142,9 255 160,5 130,5 150,25 155,75 129,25 144 138,5 175.25 117,5 151,13 134,25 118,25 121 127,75 95,75 115,75 160,25 145 231,5 142,5 127,75 147,25 178 169,75 112,5 57,9 118,25 147,25 30 142,5 139,75 168,25 122 185 135,13 118,9 143 161,5 130 151,25 155,5 129,5 144,65 138,75 48,75 176 117,75 151,25 160,25 134,25 118 121 155,13 127,9 116,4 161 144,5 107,4 231,5 126,75 142,9 128,25 146,5 177 170,5 95 201,75 202 112,65 58,25 118 147 30,13 141 139 168 120,5 184,25 134 118.65 143 131 150,75 155,5 128,75 144 139 48,75 175,5 117,5 151,75 134,65 118,25 121 154,5 127,9 115,65 161,25 144,5 106 231,4 127,75 142,75 128 146,5 177,5 169,5 94,65 201,25 112,5 58 118,25 147 29,9 V/i% Deutsche Retchsschahanwei- sungen von 1935, 11. Folge... Geir Bn,-> «eit- Bk» _ Buenos Atres............. Brüssel................... Rio de Janeiro............ Polen.................... Kopenhagen............... Danzig. ................. London................... helsingforS................ Paris.................... Holland.................. 3 tollen................... 0,727 0,731 0,728 0,732 Japan.................... 0,722 0,724 0,722 0,724 42,18 0,142 42,26 0,144 42,19 0,139 42,27 0,141 Jugoslawien .............. Oslo ................... 5,694 62,25 5,706 62,37 5,694 62,67 5,706 62,39 47,00 55,29 47,10 55,41 47,00 55,31 47,10 55,43 Wien..................... Lissabon.................. 48,95 11,25 49,05 11,27 48,95 11,26 49,05 11,28 47,00 47,10 47,00 47,10 Stockholm................ 63,85 63,97 63,87 63,99 12,385 5,475 12,415 5,485 12,39 5,48 12,42 5,49 Schweiz.................. Spanien.................. 57,33 15,23 57,45 15,27 57,K 15,23 57,*| 15,27 8,422 8,438 8 427 8,443 Prag.................. 8,721 8,739 8,716 8,734 137,84 13,09 138,12 13 J | 137,90 13,09 138,18 13,11 Budapest................. 2,481 2,485 2,481 2,485 Kr.280 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (Gen'eral-Anzetyer für O)berl)effen) Mittwoch, i. Dezember |O37 Gießen in völliger Finsternis. Die gestrige Verdunkelungsübung verlief zufriedenstellend und ergab zahlreiche neue Anregungen. i ' V^A Nach etwa Jahresfrist hat unsere Stadt Gießen am gestrigen Dienstagabend wieder eine große Verdunkelungsübung erlebt. Man sagt wohl nicht zu viel, wenn man bemerkt, daß voraussichtlich noch einige im Verlaufe dieses Winters folgen werden. Wie der Verlauf der gestrigen Uebung offenbarte, daß die früheren Maßnahmen dieser Art die Bevölkerung weitgehend in den verschiedensten Maßnahmen des zivilen Luftschutzes geschult haben, so werden auch aus den Ergebnissen der gestrigen Hebungsstunden nutzbringende Schlußfolgerungen für die künftigen Hebungen zutage treten. Entgegen der vorjährigen November-Hebung, deren Zeitpunkt schon eine Reihe von Tagen vorher bekannt war, stand die gestrige Übung unter dem Gesichtspunkt der Heberrasch ung. Zwar hatte die Luftschutzleitung angekündigt, daß die Uebung Ende November stattfinden werde, aber der Tag und die Stunden waren nicht mitgeteilt worden, und in der Tat auch bis zum späten Montagabend einem weiteren Bevölkerungskreise unbekannt geblieben; wer dann auf den 30. November tippte, tat das meist in der selbstverständlichen Erkenntnis, daß ja kein anderer Tag als „Ende November" mehr übriggeblieben war; aber die Uebungszeiten waren doch bis zum Zeitpunkt der Tat nur ganz wenigen Eingeweihten bekanntgeworden. Dadurch ergab sich, daß das Ueber- rafchungsmoment mit allen Vorteilen und Nachteilen, die bei derartigen Veranstaltungen als selbstverständlich in Rechnung zu setzen sind, in erheb- .lichem Ausmaße den Erwartungen entsprach. Der Luftschutzleiter für Gießen, stellv. Polizei- iürektor Major und Kommandeur der Schutzpolizei Koch hatte es an Belehrung und Aufklärung der Bevölkerung durch die Presse in keiner Weise fehlen lassen. Wiederholt waren so eingehende, genaue Lind leicht faßliche Hinweise gegeben worden, daß von vornherein jedermann wissen konnte, was für ihn zu tun bzw. zu unterlassen war. Leider hat sich indessen beim ersten Abschnitt der Uebung gezeigt. Laß hinsichtlich des Zustandes der „eingeschränkten Beleuchtung" doch noch allerlei Mißverständnisse vorhanden sind, deren vollständige Beseitigung die nächste Aufgabe der Schulung durch die Organe des Luftschutzes sein muß. Dagegen offenbarte der zweite Abschnitt der Uebung, der Zustand der „vollständigen Verdunkelung", einen vortrefflichen Ausbildungsstand aller Bevölkerungskreise. Einige Kleinigkeiten, die in dieser Richtung noch einer Verbesserung bedürfen, traten gegenüber dem durchweg hervorragenden Ergebnis der völligen Verdunkelung stark in den Hintergrund. Dennoch darf niemand glauben, es fei nun eigentlich wohl kaum vonnöten, allzu viel in dieser Schulungsarbeit zu leisten, weil ja gestern in Gießen tatsächlich alles in vollendeter Finsternis lag. Man muß sich vielmehr den Gesichtspunkt vor Augen halten, daß gerade auf diesem Gebiete immer wieder geschult und erprobt werden muß, weil sonst eine gewisse Fahrlässigkeit ober Leichtfertigkeit leicht die Oberhand gewinnen könnte und Unterlassungssünden dann im Ernstfälle geradezu katastrophale Folgen für unsere Stadtgemeinschaft haben würden Die Uebung setzte mit Beginn der Dämmerung ein. Zunächst herrschte der Zustand der „eingeschränkten Beleuchtung" Mit dem örtlichen Luftschutzleiter, Major und Kommandeur der Schutzpolizei, Koch, und seinen Mitarbeitern fuhren zahlreiche Gäste aus den Kreisen der Partei, der Behörden, der Wehrmacht, des Reichsluftschutzbundes, auswärtiger Polizeiverwaltungen usw viele Straßen der Stadt ab, um sich unmittelbare Eindrücke über den Verlauf der Uebung zu verschaffen. Hierbei erkannte man sofort das oben angedeutete Mißverständnis zahlreicher Einwohner, insbesondere in den Kreisen der Geschäftswelt, hinsichtlich der „eingeschränkten Beleuchtung" Manche haben offenbar geglaubt, diese Maßnahme komme für sie überhaupt nicht in Betracht, und sie hatten daher gar nichts zur Verdunkelung ihrer völlig hell- erleuchteten Schaufenster getan. Ändere hatten zum Teil ihre Geschäfte anscheinend kurzerhand zugemacht in dem Glauben, damit der Sache zweckmäßig zu dienen. Nur verhältnismäßig wenige Geschäftsleute hatten ihre Schaufenster in einer Weise hergerichtet, die dem tatsächlichen Zweck entsprach: nämlich die Lichtwirkung nach außen weitgehend zu beschränken und sie doch so einzurichten, daß die Schaufensterauslagen noch deutlich sichtbar sind. Ferner konnte man aus einer Reihe von Wohnungsfenstern hellstrahlendes Licht bemerken, das natürlich weithin sichtbar war. Zur Aufklärung und zur Beachtung bei künftigen Hebungen fei folgendes betont: Der Zustand der „eingeschränkten Beleuchtung" gilt eigentlich nur für den Fährverkehr, die Straßenbeleuchtung und die Beleuchtung von Schaufenstern, nicht aber für Privatwohnungen. 3m Straßenverkehr haben bei diesem Zustand die Fahrzeuge mit eingeschränkter Beleuchtung zu fahren, Kraftwagen nur mit Standlicht, Radfahrer mit schwachem Licht. Die Straßenbeleuchtung wird bis auf Richtungslampen abgeschaltet. Schaufenster sind soweit zu verdunkeln, daß sie der vorerwähnten Sachlage entsprechen. Für Privatwohnungen dagegen gilt auch bei diesem Uebungsabschnitt schon die völlige Verdunkelung, weil im Ernstfälle ein anderer Zustand als der der völligen Dunkelheit wohl überhaupt kaum eintreten wird Man darf wohl hoffen, daß alle Beoölkerungs- kreife sich diese Hinweise genau einprägen und künftig danach handeln. Bei der Besichtigungs-Rundfahrt hatte man Gelegenheit, an manchen Stellen interessante Stichproben zu machen. Absichtlich hatte der Luftschutzleiter den ins Auge gefaßten Behörden oder Betrieben keine vorherige Mitteilung über die kommende Besichtigung zukommen lassen, so daß also auch hier das Üeber- raschuNgsmoment gegeben war, um brauchbare Erfahrungen sammeln zu können. Die Besucher machten denn auch unterschiedliche Beobachtungen. An mehreren Stellen wurde wahrgenommen, daß die Verdunkelungseinrichtungen an den Türen und Fenstern ausreichend, ja zum Teil sogar sehr gut waren, dagegen die Einrichtung von Lichtschleusen an den Haustüren entweder überhaupt nicht bestand, oder so unzureichend beschaffen war, daß beim Oeffnen der Tür zwangsläufig Lichtstrahlen nach außen fallen mußten. An mehreren Stellen konnte die erfreuliche Feststellung gemacht werden, daß die Lichtschleusen geradezu vorbildlich hergerichtet waren; allgemeine Anerkennung fanden hier, soweit wir persönlich bemerken konnten, z. B. die Maßnahmen der Firmen Winterhoff, Mettenheimer und Geisse am Kreuzplatz. Von den Betrieben, die wir selbst in Augenschein nehmen konnten, seien Oben: Auch die Firma Winterhoff hat mit Hilfe von Sperrholztüren zuverlässige Lichtschleusen geschaffen. Neben st ehend: In vielen Geschäften hat man sich mit Erfolg darum bemüht, Lichtschleusen zu schaffen, die den Ein- und Ausgang der Kunden in das Ladengeschäft gestatten, ohne daß dabei ein Lichtstrahl auf die Straße fällt. Hier sieht man eine solche vorbildliche Einrichtung bei der Firma Gustav Geisse. (Aufnahmen [2]: Neuner, Gießener Anzeiger.) i v -j neben den erwähnten Ladengeschäften das Amtsgericht, die Zigarrenfabrik Schirmer, das Kaufhaus Kerber und vor allem, als besonders mustergültig, das Stadttheater mit lobender Anerkennung heroor- gehoben. Daneben wird es zweifellos noch eine große Anzahl weiterer Betriebe sich zur Aufgabe gemacht haben, alle Verdunkelungsmaßnahmen gut zu treffen, jedoch können auf einer solchen Fahrt die Besucher naturgemäß nicht überall hinkommen Pünktlich um 18.30 Uhr ertönte dann das Sirenen» signal, das den Beginn der „völligen Verdunkelung" ankündigte Der Luftschutzleiter und seine Begleiter und Gäste beobachteten diesen Vorgang von einem der höchsten Punkte der Stadt aus. Es war wiederum, wie schon bei den früheren Hebungen, ein geradezu überwältigender Moment, als man das Sirenengeheul vernahm und im Zeitraum von etwa einer Minute an Stelle her bis dahin noch immer ziemlich erheblichen Lichtmenge ber. Stadt nun vollständige Finsternis hereinbrach. Die Besichttgungsfahrt wurde nun durch eine ganze Reihe von Straßen fortgesetzt, um weitere Beobachtungen von Einzelheiten an Ort und Stelle machen zu können. Allenthalben ergab sich, daß die Verdunkelung sehr wirksam war und jedermann sich mit großem Verständnis und mit anerkennenswerter Tatbereitschaft in den Dienst der Sache gestellt hatte. Man wandelte, wie wir beim Verlassen der Kraftwagen bemerken konnten, tatsächlich wie in einem Sack, die berühmte Hand vor den Augen konnte man wirklich nicht sehen. Also ein Dunkelheitserfolg von imponierendem Ausmaß. Allerdings ist zu sagen, daß dieser Zustand bei einem Teil unserer Jugend nicht mit dem rechten Ernst erfaßt wurde, denn diese jungen Leute konnten es sich nicht verkneifen, die Finsternis zu einer Art Faschingstrubet machen zu wollen, insbesondere auf dem Seltersweg. Für künftige Fälle mögen sich alle diejenigen, die es angeht, gesagt sein lassen, d"ß eine derartige Uebung eine sehr ernste und für jedermann verantwortungsvolle Angelegenheit ist, die den nötigen Respekt und die erforderliche Haltung verdient und vor allem niemand aus Gründen des Gaudi auf die Straße führen darf. Erfreulicherweise ging der Fußgängerverkehr trotz des erschwerten Zustandes sicher und ohne Reibung vor sich, ebenso der Fährverkehr. In den Straßen waren natürlich weitgehende Sicherungsmaßnahmen getroffen, insbesondere hinsichtlich der Regelung und Heberwachung des Verkehrs. Untere Polizeibeamten, ferner die Kameraden der SA., *1*1 und des NSKK. leisteten bei diesem Hebungsabschnitt, wie auch schon vorher und anschließend bis zum Ende der Hebung, sorasamen und vorbildlichen Dienst im Interesse der Volksae- meinschaft, für den ihnen allen mit vollem Recht der besondere Dank des Luftschutzleiters, ganz im Sinne der Bevölkerung, ausgesprochen wurde. Die Straßenbahnen und die Fahrzeuge kamen wie Ungeheuer aus der Finsternis herangeschlichen und verschwanden ebenso unheimlich in dem Stockdunkel der Nacht. Die Fußgänger mußten schon sehr krättiq die Augen aufmachen, wenn sie sich mit Sicherheit durch die Straßen bewegen wollten Dieser Zustand der völligen Finsternis wurde um 20.30 Uhr aufgehoben. Von da gb bis um 23 Uhr herrschte wieder die „eingeschränkte Beleuchtung". Im Anschluß un den Uebungsgbschnitt der „völligen Verdunkelung" versammelte der Luftschutzleiter, Major Koch, feine Mitarbeiter und Gäste um sich Hollywood, seltsamste Stadt Amerikas. Von Hans Wolfram, Los Angeles. T Hollywood, im Herbst 1937. Der erste Wunsch jedes Reisenden, der California besucht, ist: Hollywood zu sehen, das Zentrum der Weltfilmproduktion, die Stadt der Modekoniginnen, Der Filmstars, der Ateliers, des Hollywood Boulevard mit seinen Restaurants und Theaterpalästen. Niemand kann sagen, wo diese Stadt anfängt mnö wo sie aufhört. Der Einheimische weiß, daß Der nordwestliche Stadtteil der Millionenstadt Los Angeles, die sich vom Stillen Ozean bis zu den santa Monica Mountains hin erstreckt, die Bezeichnung Hollywood trägt. Eine Postkarte aus einem Teil der Welt mit der Adresse „Hollywood, California" kommt immer an, aber wenn der Neisende in einem Cafe am Hollywood Boulevard ine Postkarte nach Omaha, Neuyork oder Berlin ichreibt, dann muß er später feststellen, daß der Poststempel nicht „Hollywood", sondern „Los Angeles" ist. Hollywood hat ein herrliches Postamt, aber es ist nur ein Nebenamt der Postdirektion ; 3os Angeles. Diese Stadt hat ein Rathaus, aber einen Bürgermeister, eine Polizei, aber keinen Polizeipräsidenten, eine Feuerwehr, aber der „Chief" Ttzt in Los Angeles. Man kann keine Eisenbahn- «hrkarte nach Hollywood losen, weil es dorthin »eine Eisenbahn und in Hollywood keinen Bahnhof -;ibt ebensowenig hat Hollywood einen Flugplatz, noch einen Hasen. Die großen Warenhäuser, die Schulen, die Banken, alles wird von Los Angeles $ nu5 geleitet. • Wenn man am Hollywood Boulevard angelangt st, fragt der Besucher: Wo sind die Ateliers? Die * -erblüffenbe Antwort: Hollywoob hat keine Ateliers! Metro-Goldwyn-Mayer befindet sich in Culver City, »ox-Twentieth Century in Beverly Hills, Hmversal i Hnioersal City und Warner Brothers First National in Burbank, in Nachbarstädten von Los Angeles. Die Stars? Sie wohnen überall, nur nicht \ h Hollywood! Freilich, am Hollywood Boulevard i Ft noch das Haus zu sehen, wo Emil Hannings iDr Jahren hauste und trotz seiner Riesengage mit tiefer Sehnsucht nach seinem Grünewald erfüllt war. Heute wohnen hier keine Filmstars mehr Wäh- . i=nt) die Großen der Leinwand Hollywood oer- lassen und in die Villengegenden des Westens von Livs Angeles ziehen, wird Hollywood das Mekka • i?r Tausenden von Statisten, die aus aller Welt Fierber kommen, um Glück und Ruhm im Film zu jachen. In den kleinen Bungalows und Dachwohnungen ehemaliger Villen findet man sie; was sie brauchen, ist ein Bett und ein Telephon, damit sie vom Filmnachweis erreicht werden können, falls das „Central Casting Büro" am Hollywoob Boule- varb eine Rolle für sie hat. In ben Restaurants von Hollywoob sieht man bie schönsten Möbels ber Welt, von benen viele bereit sind, für ihre Anstellung als Kellnerin etwas zu zahlen, in der Hoffnung, von einem Regisseur gesehen zu werden und so in den Film zu kommen. Hollywood hat manchem unbekannten Mädel Weltruf gebracht, es ist aber auch die Stadt unzähliger zerbrochener. Existenzen, die sich von dem Zauber dieser sonderbaren Stadt nicht mehr losreißen können und ein elendes Dasein fristen. Das Grausame an Hollywood: sobald einmal der Stern im Sinken ist, geht es furchtbar schnell bergab, und im Nu ist man vergessen. Wie kam diese sonderbare Stadt zustande? Dor etwa hundertfünfzig Jahren war hier noch Wüste. An den Abhängen der heutigen Hollywoob Mountains wohnten bie Cahuenga-Jnbianer. 1887 kann als das Gründungsjahr Hollywoods bezeichnet werden, als der Farmer Wilcox seine Aprikosen- Plantage an der heutigen Ecke Hollywood Boulevard und Cahuenga Avenue aufteilte und ins Grundstücksgeschäft ging. 1903 taten sich Farmer und Viehzüchter zusammen und gründeten die Stadt Hollywood. Der Name kommt von dem rotblühenden Hollystrauch, der an den Bergen wächst. Eine der ersten Verordnungen war, daß keine Alkohol- Lizenz verabreicht wurde, um der herrschenden Trunkenheit Einhalt zu gebieten, und daß nie mehr als 2000 Schafe auf einmal durch die Straßen der Stadt getrieben werden sollten. Aber das größte Problem war die Wasserbeschaf- fung. Versuche, Wasser auf eigene Faust zu beschaffen, schlugen fehl, und so sah man sich gezwungen, sich mit dem benachbarten Los Angeles zu vereinigen, um an die dortige Wasserleitung angeschlossen zu werden. 1911 kam das erste Filmatelier hierher. Die Amerikaner William und Dave Horsley hatten von der ewigen Sonne Kaliforniens gehört. 1914 kam die Hniversal-Gefellschaft, Famous Players Lasky, Paramount und Fox folgten. Damit begann die phänomenale Entwicklung des Dörfchens. Eine noch nie dagewesene Grundstücksspekulation setzte ein, und als die Ateliers merkten, daß der Bodenwert ins Riesenhafte stieg, nützten sie die Konjunktur aus, verkauften ihre Grundstücke zu phantastischen Preisen und zogen in unentwickelte Stadtteile. Wo vor fünfzig Jahren noch Feigenplantagen standen, kostet heute ein Quadratfuß Land 5000 Dollar. Am Hollywood Boulevard erheben sich heute oielstöckige Hotels, prunkvolle Theaterpaläste, berühmte Restaurants. Auf den nahen Bergen erheben sich weiße Villen, umgeben von tropischen Gärten, in denen schlanke Palmen, üppige Oleander, Bambusstauden und vielfarbige Rosen wuchern. In den Plantagen reifen Zitronen, Apfelsinen, Feigen und Weintrauben. Die Architektur ist „mediterra- nean", d. h. spanisch, italienisch, maurisch; man sieht neben der mexikanischen Hazienda die Nachahmung eines englischen Landhauses oder eines Kolonialgebäudes. Am Hollywoob Boulevard erhebt sich ein chinesisches und ein ägyptisches Theater; berühmt sind die hawaiischen Restaurants, und am Sunset Boulevard gibt es ein Hofbräuhaus, wo deutsche Musik gespielt wird und Frankfurter Würstchen und Löwenbräu serviert werden. Das Klima kann als ideal bezeichnet werden. Die Handelskammer meldet 334 sonnige Tage im Jahr, und es versteht sich, daß es in diesem subtropischen Klima niemals Schnee gibt. In wenigen Minuten ist man amStillen Ozean, wo der Strand zu einem Bad einlabet, unb im Winter sinb es nur zwei Stunben ins Hochgebirge, wo Skiläufen, Rodeln und Eissport betrieben werden. Mehrmals versuchten die Filmmagnaten, ihre Ateliers zu verlegen, wenn die kalifornischen Steuern zu hoch zu werden drohten; Florida, Neuyork, London machten Versuche, Hollywood zu unterminieren — vergebens. Wo gibt es sonst in der Welt ein so ideales Klima, so mannigfaltige Szenerien, den Ozean, die Wüste, das Hochgebirge in einem Hmkreis von wenigen Stunden... und technisch hochentwickelte Riesenateliers, die regelrechte Städte bilden und einen Wert von hundert Millionen Dollar darstellen! Hollywood hat, so scheint es in letzter Zeit, seine glänzendsten Tage gesehen. Viele alte Villen sind „verkäuflich", die Grundstückspreise sind gefallen. Das Zentrum der Millionenstadt Los Angeles verschiebt sich nicht nach Hollywood zu, sondern nach Beverly Hills, der Villenstadt der Filmstars, und nach Westwood, nach den Pacific Palisades und verursacht dort neue Grundstücks-Haussen. Vor einigen Wochen brach unter den Geschäftsleuten des Hollywood Boulevard eine Panik aus, als die Nachbarstadt Culver City den Versuch machte, den Namen „Hollywood" für sich zu adoptieren, mit der Begründung, daß fünfzig Prozent der kalifornischen Filme in ihren Mauern gedreht würden. Man stelle sich vor, welche Situation entstanden wäre, wenn Culver City den Namen Hollywood und den Poststempel gleichen Namens erhalten hätte, während das richtige Hollywood seit langer Zeit versucht, ihn wieder zu erlangen. Hollywood, ein mit Los Angeles eng verbundener Stadtteil, wird nie ber Bedeutungslosigkeit verfallen,. aber die Tage der Hochkonjunktur sind vorüber. Um so stärker erfreut sich jedoch Groß-Los-Angeles, kurz genannt Hollywood, feiner Vormachtstellung als Filmproduktions-Zentrum der Neuen Welt! Oie Herkunft der Mehlspeise. Große Herren, inländische und fremde, gab es immer in genügender Anzahl in Wien, und sie entfalteten einen Huxus, den wir uns kaum noch vorstellen können; war doch die Stadt bis zur Mitts des 19. Jahrhunderts nach Paris die größte des europäischen Festlandes und jahrhundertelang der Sitz der deutschen Kaiser. Der Habsburgische Hof, seit seiner Verbindung mit Burgund außerordentlich auf Form bedacht, durch seine europäischen Besitzungen reich geworden und der provinziellen Enge enthoben, wurde richtunggebend für die Eßsitten auch der bürgerlichen Kreise. Die weltmännische Art, die der Wiener durch diese Umstände entwickelte, beeinflußte auch seine Kochkunst, und die Speisen „galant anzubringen" war ebenso wichtig wie deren Bereitung. Dazu kam noch, daß Wien, eine deutsche Stadt auf vorgeschobenem Posten von Anfang an, ihr deutsches Erbe gut bewahrte und verbreitete daneben aber auch allerlei starken fremden Einflüssen ausgesetzt war, von denen sie sich nahm, was ihr paßte. So hatten mehrere Babenberger Herzöge byzantinische Prinzessinen zur Ehe gehabt, die die orientalische Liebe für Süßigkeiten mitbrachten. Aus dem nahen Italien, das lange vor Frankreich das Land der Feinschmecker war, kamen die wie Halbedelsteine funkelnden Fruchtsäfte und das Marzipan, die Mandeln, Pinien und Pistazien, die schon die Römer für Kuchen verwendet hatten, die vielfach gebrauchte „Limone" und die Feigen. Wahrscheinlich aus Spanien kam über die Niederlande die genaue Kenntnis der „Composterey" oder Zucker- bäckerkunst nach Wien. Noch unter Kaiser Franz Joseph wurde in der habsburgischen Hofküche das „Pain Espagnol" nach altem Rezept gemacht: Weißer Wecken geschnitten und mit Marmelade gefüllt, außen mit Eierteig verstrichen, in Rotwein mit Gewürznelken, Zimt und Zucker getränkt, in Mehl getunkt, in heißem Fett ausgeb'acken, dann mit Karamel bezuckert." Auf diese Weise entstand, wie wir in einem sehr luftig und farbig illustrierten Aufsatz von Ann-Tizia Leitich im Dezemberheft von Vel- hagen & Klasings Monatsheften lesen, aus romanischen, aber auch aus slawischen (Dalken, Kolatschen) und alpinen Motiven (dem Schmarrn, dem ländlichen aus Schmalz herausgebackenen Erntekrapfen, den Nocken und Stritzen) und durch die Lust an der eigenen Erfindergabe die Wiener süße Mehlspeise. im Studentenheim zu einer Besprechung des Uebungsoerlaufs. Dabei äußerten sich die berufenen Vertreter des erweiterten Selbstschutzes, der Wehrmacht, der Reichsbahn, der Reichspost, Les Werkluftschutzes, der Stadtverwaltung und der städtischen Betriebe, des Reichslustschutzbundes, des Gaststättengewerbes, die Vorsteher der Polizeireviere, die örtlichen Führer der H, SA. und des NSKK., der Vertreter des Kreisleiters, der Vertreter des Kreis- aintes, ein berufener Vertreter der Abteilung gegen Kampfstoffe und schließlich der Luftschutzleiter selbst. Von den verschiedensten Gesichtspunkten aus schilderten sie ihre Eindrücke, ihre Beanstandungen oder ihre Anregungen. Es ist hier nicht der Platz, auf alle diese Einzelheiten der Besprechung, die in vielerlei Hinsicht sehr interessant und vor allem sehr bedeutsam waren, näher einzugehen, zumal die Sachoertreter, die es angeht, alle zugegen waren. Zusammenfassend kann die erfreuliche Festste!- lung gemacht werden, daß durchweg der Uebungsverlauf gerechterweise weitgehende Anerkennung fand und die Hebung als ein neuer wesentlicher Fortschritt bezeichnet wurde. Zur weiteren Steigerung aller Leistungen wurden zahlreiche Anregungen gegeben, die sicherlich zu einem großen Teil schon bei der nächsten Hebung in Erscheinung treten werden. Es wird dann eine der wichtigsten Aufgaben aller Volksgenossen sein, nicht nur in der bisherigen Weise ihre selbstverständlichen Pflichten im Dienste des Luftschutzes gegenüber der Volksgemeinschaft zu erfüllen, sondern auch an dem weiteren Ausbau der praktischen Anwendung aller Verbesserungen tatkräftig mitzuarbeiten. Gesamtergebnis: ein neuer beachtenswerter Erfolg ist aus der gestrigen Verdunkelungsübung zu verzeichnen — zu weiterer tatfreudiger Arbeit im wohlverstandenen Interesse des einzelnen wie auch zum Besten der Gesamtheit und in treuem Bekenntnis zu dem Willen des Führers ist jeder Volksgenosse wiederum aufgerufen! 6. RSG. „Kraft durch Freude", Thealervorslellung. Sonnabend, den 4. Dezember 1937, 20 Uhr, Große KdF.-Miete Gruppe I (5. Vorst.) Oper „Der Wildschütz" von Albert Lortzing. Karten zu 1,— RM. sind noch auf der Kreisdienststelle, Schanzenstraße 18, erhältlich. „kdF.-Miele" Gruppe I und II. Die 2. Rate der „kdF.-Miele" ist bis spätestens Freitag, den 3. Dezember 1937, auf der kreisdiensk- stelle, Schanzenstrahe, einzulösen. Reisen, Wandern, Urlaub. Durch das Reichsamt Reisen, Wandern, Urlaub wurde eine zusätzliche Italien-Fahrt vom 18. bis 30. Dezember 1937 unter dem Motto „Weihnachten in Italien" durchgeführt. Der Fahrpreis einschließlich Verpflegung usw. 150,— RM. Nähere Auskünfte über Teilnehmer-Bedingungen erteilt Ihnen die Kreisdienststelle. Deutsches Volksbildungswerk. Am Donnerstag, dem 2. Dezember 1937, 20 Uhr, in der Neuen Aula, Ludwigstraße, lieft der dänische Dichter 7902C Svend Fleuron. Karten zu —,40 RM. sind auf der Kreisdienststelle erhältlich. Winterreifen. Die erste Winterfahrt in die herrliche Schneewelt wird in der Zeit vom 25. Dezember 1937 bis 2 Januar 1938 nach Bad Tölz (36,50 RM.) durchgeführt. Anmeldeschluß für diese Fahrt ist der-10. Dezember 1937. Der Vortrag „Deutschlands wehrpolilische Lage" am 30. November 1937 wird auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. La^erikkluh am Heiligabend. EPNH. Für den Ladenschluß am Heiligabend bleibt es auch in diesem Jahr bei der seit einigen Jahren üblichen Regelung. Danach dürfen offene Verkaufsstellen an diesem Tage nur bis 17 Uhr, Verkaufsstellen, die ausschließlich oder überwiegend Lebensmittel, Genußmittel oder Blumen feilhalten, bis 18 Uhr geöffnet fein. Aus her Stadt Gießen. Spruch und Brauch im Dezember. Der Julmond trug früher auch den Namen „Wendemond": denn, wenn auch nach unserem Kalender der Winter erst mit der- Sonnenwende beginnt, so betrachteten unsere Urahnen die Dinge anders. Für sie gab es nicht vier, sondern nur zwei Jahreszeiten: kalte und warme Zeit. FruhlmZ und Sommer waren die eine Einheit, Herbst und Winter die andere. Also redete der Altdeutsche mit Recht von der Sonnenwende als der Mittwinterzeit und damit als der „Winterwende". Und auch klimatisch lagen die Dinge dementsprechend, denn es herrschten in früheren Jahrzehnten, und natürlich noch ausgesprochener im Laufe der verflossenen Jahrhunderte, von Ende Oktober an — oft ununterbrochen — Frost und Schnee. Damals war der Winter noch ein „rechter Mann, kernfest und auf die Dauer", und daß er es wieder werde, ist vor allem des deutschen Bauern Wunsch. Denn der Frostwinter, der die Erde ausfriert, das Baumholz härtet und die Schädlinge in Garten, Feld und Flur vertilgt, ist ihm ein trefflicher Bundesgenosse im Kampfe der alljährlichen Erzeugungsschlacht. Das besagen auch alle Wetterorakel und Bauernregel zur Genüge. „Geht der Dezember auf (d. h. ist Tauwetter), so gibt's wetterwendsche Lauf." Ist aber der Winter „wetterwendisch", so ist es schon halb um ihn geschehen, wie dieser alte Volksmund besagt: „Dezember veränderlich und lind, der ganze Winter ein Kind!" Ein fester Winter steht nach altem, wohlberechtigtem Volksglauben in Wechselwirkung mit einem warmen Reifesommer, der ihm folgt, wie auch umgekehrt auf einen heißen Sommer meist ein strenger Winter folgt. In solchem Zusammenhänge alter Wetterbeobachtung sagt der Landmann: „Wie der Dezember, so kommt der Juni" — also matt oder ausgeprägt —, und in Masuren meint man: „Trockener Dezember, ttockenes Frühjahr, ttockener Sommer". Ein ttockener Winter aber ist ein Frost- winter. Man kann auf seinen Eintritt rechnen, wenn man beobachtet, was diese Bauernregel vermerkt: „Entsteiget Rauch gefrorenen Flüssen, so ist auf lange Kälte zu schließen." Und dann wird die künftige Ernte auch reichlich sein, denn nicht ohne Grund heißt es: „Dezember kalt mit Schnee gibt Korn auf jeder Höh'." Mit Bezug auf das Wetter in den Adventwochen, die ja mehr als die ersten beiden Drittel des Dezembers ausmachen, sagt eine alemannische Bauernregel: „Wenn's im Advent viel Biecht git, so git's im nächsten Johr viel Obs". Unter „Biecht" versteht man dortzulande eine Art Rauhreif, entstanden aus gefrorenem Nebel, der aber nicht nur an den Baumzweigen sitzt, sondern wie ein glasiges Leuchten auch in der Luft zu stehen scheint. Die einzelnen Tage des Monats Dezember treten im Volkssprichwort und in der Bauernregel nicht besonders stark hervor, eher im Brauchtume, wie der Barbaratag zeigt, der der Heiligen in ihrer Eigenschaft als Schutzpatronin der Artillerie geweiht ist und für jeden deutschen Artilleristen ein Tag fröhlicher Kameradschaftsfeiern war und auch wieder ist. Zu der Beschützerin der kanonierenden Marsjünger konnte Barbara natürlich erst nach Erfindung des Schießpulvers werden: vorher galt sie lediglich als Schätzerin der Bergleute. Don der Vorstellung der explodierenden „schlagenden Wetter" kam man zur Gedankenverbindung mit den Explosionen, die der Artillerist künstlich erzeugt. Für den Tag des St. Nikolaus heißt es: „Niklas geht herum und macht die Kinder stumm!" Da werden die „rübigften" Jungen brav, wenn es die Wahl zwischen Rute oder Pfefferkuchen gilt. Begreiflicherweise steht das Weihnachtsfest im Mittelpunkt alles volkstümlichen deutschen Wesens, so auch der Wetterprophetie: „Ist gar gelind der Heilige Christ, der Winter darüber wütend ist" reimt man in der Erwartung, daß dann die scharfe Kälte nachher einsetzt. Weiterhin heißt es: „Jst's windig in den Weihnachtstagen, so werden die Bäume viel Früchte tragen." Aber — wie gesagt — man will es nicht ausgesprochen milde zu Weihnacht haben, denn „Chres- dag an de Dühr, Ostern üm et Für" oder „Grünen • Weihnachten Feld und Wiesen, wird sie zu Ostern der Frost verschlueßen". Und das ist bös für den Bauersmann; denn es ftimmt nur zu genau, wenn man sagt: „Grüner Christtag, Ostern weiß, der Regen verwüstet des Landmannes Fleiß!" Also — wenn bald knackender Frost einsetzen sollte, dann wollen wir uns freuen, er nützt nicht nur der Gesundheit, sondern auch der Wirtschaft! W. L. Vornoiizen. Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: 19.30 bis 21.45 Uhr, „Uta von Naumburg". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Mädchen für alles". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Gabriele — eins — zwei — drei". — Leistungsschau der Volksschulen des Kreises Gießen in der Turnhalle der Neuen Pestalozzi-Schule. Sladtthealer Gießen. Heute abend zum letzten Male Felix Dhünens Schauspiel „Uta von Naumburg". Spielleitung Dr. Erich Schumacher. Die Rolle der Uta spielt Else Monnard. Die Aufführung findet als 10. Vorstellung der Mittwoch-Miete statt. Beginn 19.30 Uhr, Ende 21.45 Uhr. Svend Fleuron in Gießen. Am kommenden Donnerstag wird, wie man uns schreibt, auf Einladung des Goethe-Bundes und des Kaufmännischen Vereins in Verbindung mit der Volksbildungsstätte der NSG. „Kraft durch Freude" der dänische Tierdichter Svend Fleuron über fügend-, Jagd- und andere Tollheiten" erzählen. Der Dichter, der in deutscher Sprache seinen Vortrag hält, findet überall herzliche Aufnahme und eine begeisterte Zuhörerschaft. So wird ihn auch sicherlich in unserer Stadt seine zahlreiche Leserschaft willkommen heißen. BDM.- u. ZM.-llntergau 116, Gießen Am Freitag, 3. Dezember, findet die 3. HJ.-Ar- beitsgemeinfchaft in dem Heim der M.-HI.-Gefolgschaft statt. Alle Mädel- und Jungmädelgruppenführerinnen nehmen daran teil. Beginn: 20.30 Uhr. Von jetzt ab nehmen auch die Gruppensozialwar- tinnen teil! JungmäbeL Bdr.: Freiwillige Sportdienstgruppe: natürliches Turnen. Wir beginnen am Freitag, 3. Dezember, mit den ersten Uebungsstunden in der Turnhalle des Turnvereins 1846, Oswaldsgarten. Beginn 17.15 Uhr. Im Rahmen der Leistungsschau der Volksschulen des Kreises Gießen fand gestern in der Turnhalle der Neuen Pestalozzischule eine Tagung der Volks- schullehrer des Kreises Gießen statt. Schulrat N e - b e I i n g gab zunächst, nachdem mit einem gemeinsam gelungenen Liede und mit einem Worte des Führers der Versammlung die Sinnrichtung gegeben worden war, eine Reihe von amtlichen Mitteilungen bekannt. Er machte auf einen Modellbaulehrgang aufmerksam, der demnächst von Lehrer Reinheimer durchgeführt wird, erinnerte ferner an die Versicherung von Schulen und Lehrern als soziale Pflicht, forderte die Mitteilung von Einberufungen an das Kreisschulamt, und ferner die Meldung von taubstummen Kindern, für die dann Sondermaßnahmen getroffen werden sollen. Schließlich gab Schulrat Nebeling noch bekannt, daß die Schulgemeinschaften des VDA. in Zukunft den Titel „Ko- meradschaftsopfer" führen. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß bis auf eine Schule dieses Kameradschaftsopfer in sämtlichen Schulen der Stadt und des Kreises durchgeführt werde. Im weiteren Verlauf der Versammlung berichtete Dr. R e i d t (Heuchelheim) über die Arbeit der Lichtenberger Tagung des NSLB. und gab dabei einen aufschlußreichen Ueberblick über die gegenwärtige Lage im Schulwesen. Anschließend sprach Schulrat N e b e l i n g über die Leistungsschau und verband damit herzliche Worte des Dankes an alle diejenigen, die zu dem Erfolge beigetragen haben. Er bat darum, diesen Dank auch an die Schüler weiterzugeben. In seinen weiteren Darlegungen sprach er eingehend über die Gründe, die ihn veranlaßten, diese Ausstellung zu veranstalten. Nachdrücklich wies er aber darauf hin, daß diese Ausstellung nicht irgendeinen Abschluß Bdr.: Zungmädelgruppensührerinnen-Besprechung. Zur kurzen Besprechung kommen die Jungmädel« gruppenführerinnen Freitag, 3. Dezember, vor der Arbeitsgemeinschaft auf die Dienststelle. Mädel. Bdr.: Pressemädel. Wir treffen uns am M i 11 w o ch, 1. D e z e m b e r, 19 % Uhr, auf der Dienststelle. Bdr.: Modellbau für Segelflugzeuge. Die nächste Modellbaustunde ist am Donner« tag, 2. Dezember. Bund Deutscher Mädel. Ilnlergau 116 Gießen. Bdr.: D. L. R. G.-Kurs. Mittwoch, 1.12., findet keine Abnahme des Grund- fcheins statt. Jgn., die noch nicht fertig sind, können Ruhl Sehersweg Nr. 67 ■ adiO Telephon Nr. 3170 I eparaturen I Montag, von 19 bis 20 Uhr, Leistungen ablegen. Mit der grünen Meldekarte ist Prüfungsgebühr und Bild in geschlossenem Umschlag an E. Weber oder Herrn Sauer abzuliefern. Die Untergausportwartin. ZM.-llntergau 116/ Gießen. Diensibesehl! Betr.: 3. Winterwochenendschulung. Die 3. Winterwochenendschulung der Jungmädel« führerinnen findet am 5. Dezember 1937 an folgenden Orten statt: Gießen (DJH.) für die Gruppen 1, 2, 3, 4/116; Heuchelheim für die Gruppen 17, 18, 19/116; Lollar für die Gruppen 5, 7, 8 (halb)/116; Großen-Bufeck für die Gruppen 6 und 10/116; Grünberg für die Gruppen 8 (halb) und 9/116; Hungen für die Gruppen 11 (halb) und 13/116; Lich für die Gruppen 11 (halb) und 12/116; Watzenborn-Steinberg für die Gruppen 14, 15 16/116. Die Schulungen beginnen: Gießen (DJH.) 8.30 Uhr, Heuchelheim 8.30 Uhr, Lollar 8.30 Uhr, Großen-Bufeck 8.45 Uhr, Grünberg 8.30 Uhr, Hungen 8.45 Uhr, Lich 8.45 Uhr, Watzenborn-Steinberg 8.30 Uhr. Ende gegen bzw. zwischen 17 und 18 Uhr. Die Gruppenführerinnen sorgen für Bälle und Sprungseile in den einzelnen Schulungsorten. Mitzubringen sind: Turnzeug, Schreibzeug, für darstelle, vielmehr einen Aufruf und eine Anregung zu weiterer intensiver Arbeit. Dor allem muß für die nächste Zukunft erstrebt werden, die Volksschule immer mehr zu einer Erziehungs- und Charakter« schule zu machen. Nach einer Pause gab Schulrat Nebeling noch eine Reihe von Auszeichnungen bekannt und überreichte Buchpreise und Urkunden. Buchpreise der Deutschen Arbeitsfront für Aufsätze über das Deutsche Handwerk erhielten Margrit Schulte (Neue Pestalozzischule) und Walter Riedel (Volksschule Lollar). Mit Anerkennungen für Aufsätze zum gleichen Thema wurden folgende Volksschulen ausgezeichnet: Goetheschule Gießen, Neue Pestalozzischule Gießen, Alte Pestalozzischule Gießen, sowie die Volksschulen in Wieseck, Lollar, Watzenborn-Steinberg, Großen-Linden und Garbenteich. Ferner wurden Erinnerungsurkunden an die Sonderspende Kinderlandverschickung Kesselbach an Lehrerinnen und Lehrer verteitt, die der Sache mit beträchtlichen Geldspenden dienten. Schließlich kamen auch noch die Auszeichnungen für diejenigen Schulen zur Verteilung, die in den Wettkämpfen der Sommerkampfspiele als Sieger hervorgingen. Hier wurden folgende Schulen bedacht: Unterstufe A, Knaben (Fußschlagball): Kreismeister 1937: Alte Pestalozzischule; 2. Wieseck. — Mädchen (Grenzball): Kreismeister: Lyzeum Gießen; 2. Heuchelheim. Unterstufe B, Knaben (Grenzball): Kreis- meister 1937: Grüningen; 2. Ruttershausen. — Mädchen (Grenzball): Kreismeister 1937: Allertshausen; 2.. Bellersheim. Volksschule als Erziehungs- und Eharakierschule. Vlandine setzt sich durch Vornan von Hans-Joachim Ireiherrn von Reitzenstein Copyright by Carl Ouncker 37 Fortsetzung (Nachdruck verboten.) Das Gespräch mit Frau Molny war Schrader nicht mehr aus dem Sinn gekommen. Zwei Tage später saß er abends zu Haus und überlegte wieder einmal: Wenn diese Frau, die sicher nicht weltfremd war und bestimmt Menschenkenntnis hatte, so viel von Blondine Hertel hielt, dann mußte etwas an ihr sein, ßueienne war doch eine erfahrene Person, die ließ sich doch nicht von so einem jungen Ding betrügen. Was wußte er selbst denn von Blondine und Engemann? Nichts, als daß er sie einmal abends zusammen in einem Wagen gesehen hatte. Vielleicht hatten sie Frau Molny zu einer Filmaufnahme begleitet. Es gab so viele Erklärungen. Vielleicht hatten sie zusammen einen harmlosen Besuch gemacht. Sie schien doch bei Frau Molny ganz zum Haus gehört zu haben. Er hatte sie ungehört verdammt. Und wenn er ehrlich war, doch nur deshalb, weil er selbst gern an Harry Engemanns Stelle gewesen märe. Er mußte sich einmal Gewißheit verschaffen. Denn das Mädel ging ihm so leicht nicht wieder aus dem Kopf. Aber wie sollte er zu einer Klarheit kommen? Was Frau Molny sagen konnte, hatte sie ja ausgesprochen. Er zündete sich eine Zigarette an und ging im Zimmer umher. Gewohnheitsgemäß drehte er das Radio an. Bei Musik ließ es sich besser nachdenken. Was Frau Molny gesagt hatte, das sprach eindeutig für Blondine. Wer kam sonst noch in Frage? Die Schwestern in der Klinik? Da hatte er sich ja schon umgehört. Die waren des Lobes voll. Die Musik im Radio hörte auf. Es kamen die Wetternachrlchten. Schrader wollte abstellen. Da horchte er plötzlich interessiert auf. Es kamen Berichte aus den Wintersportgebieten. Fünfundzwan- zig Zentimeter Schneehöhe im Hari. Er stellte sich die schneebeladenen Harztannen vor. Er kannte beinah jeden Berg. Von Sommer- und Winterausflügen her. Ein Sehnen zerrte und zog an ihm. Frau Molny hatte es doch auch gesagt, da hatte er einmal Zeit, ohne abgerufen zu werden, mit Blondine Hertel zu reden. Eine seltsame Unruhe packte ihn. Er war lartge nicht fort gewesen. An diesem Sonntag hotte er sowieso keinen Dienst. Es war nur eine Frage an Lombertz nötig. Kein Mensch würde sich wundern, wenn er wieder einmal ein Wochenende machte. Ein neuer Gedanke störte ihn. Wenn sie da oben flirtete und keine Zeit für ihn hatte? — Dann war sie eben nicht das Mädchen, das er suchte. Dann batte er im schlimmsten Fall mal wieder einen Skiausflug in den Harz gemacht. Das würde ihm sowieso nichts schaden. ♦ - Es war schon dunkel, als Doktor Schrader am Sonnabend in Braunlage ankam. 3n der Hotelhalle saßen die heimgekehrten Skiläufer beim Tee. Blondine war nicht darunter. Doktor Schrader erkundigte sich, ob sie auf ihrem Zimmer sei. Der Portier meinte, sie sei wahrscheinlich auf dem Eisplatz. Sie gehe nachmittags oft mit Schlittschuhen fort. Er ging hinunter zum Eisplatz und fand sie. Er brachte ihr Grüße von Frau Molny. Das gab ihrem Zusammentreffen so etwas Familiäres. Blondine Hertel machte sich von einigen Hotelbekannten los und lief mit ihm übers Eis. Sie fragte nicht, warum er gerade hierher gekommen, und sie glaubte auch nicht, daß dies ein zufälliges Zusommentteffen sei. Sie empfand es als Bestimmung. Sie sprachen überhaupt nicht viel, sondern glitten in großen, langsamen Bogen über die Eisfläche hin. Während man sich, ganz in ollen Ehren, aber fest und warm von den Armen eines Mannes halten läßt, den man liebt, fragt man nicht: Haben Sie mit meiner Freundin etwas vor? Man ist nur glücklich. Und die Welt ist ein Märchen. Und die Gegenwart ist ein Traum, aus dem man vor allen Dingen nie wieder aufwachen möchte. Als die Eisbahn sich leerte, wurden sie sich rasch darüber einig, daß sie in einem altertümlichen Gasthaus zu Abend essen wollten. Sie wurden sich später darüber einig, daß dieser Abend zum Schlafengehen noch zu schon sei, und machten einen stillen Spaziergang unter dunklen Tannen und strahlenden Sternen. Am meisten waren sie sich darin einig, daß sie am nächsten Morgen eine Skifahrt machen müßten. „Ich bin zwar nicht trainiert", sagte Schrader, „ich bin zwei Jahre nicht gelaufen." „Und ich kann selbst mit Training nichts. Denn ich habe überhaupt nur einen Winter in meinem Leben geübt, als ich hier im Harz in einem Haushaltsinstitut war." „Wir wollen uns also nicht zu viel vornehmen." „Das brauchen wir auch gar nicht. Hier ist ein Gelände für ungeschickte Leute. Ich fühle mich schrecklich wohl hier." Am nächsten Morgen brachen Blondine und Doktor Schrader bei strahlendem Sonnenschein und knirschendem Schnee zu ihrer Skitour auf. Weit hinter ihnen blieben die Stadt und der Alltag. Vergessen war der Regen, der Nebel, die endlos trüben, grauen Tage, an denen es in diesem Winter kaum hell wurde. Sie glitten leicht und lautlos über die Höhenwege, fuhren jauchzend Abhänge hinunter. Standen lachend im Tal nach der brausenden Abfahrt, mit leuchtenden Augen und windgepeitschten roten Wangen. Dann glitten sie weiter durch das verschneite Märchenland. Vor der großen Stille verstummte ihr Gespräch, schlief jeder Wunsch. Glücklich! dachte Blondine. So glücklich! Und ein leiser Schatten huschte über ihre Züge. Dies war der schönste Tag ihres Lebens. Aber danach würde der Alltag wieder kommen. Es würde wieder bergab gehen. Unfinn. Sie nahm die Mütze ab und schüttelte die Locken. Heute wollte sie glücklich fein. Jo, es war der schönste Tag ihres Lebens! Und sie wollte ihn genießen. * Der Chauffeur Franz Lüdtke hotte am Nach- nrittag der Ankunft feinen Wagen gründlich nach- gesehen und gewaschen. Dann hatte er noch ein Glas Bier getrunken. Und dann war er nach der anstrengenden Fahrt schlafen gegangen. Der nächste Tag war Sonntag. Und der gehöre ihm ganz, hatte der Doktor gesagt. Da würde er genug Zeit haben, sich den neuen Ort anzusehen. Am Sonntagabend um sechs Uhr kam Lüdtke, um ju fragen, mann Doktor Schrader am Montag lehren wollte. Er wartete, wie verabredet, im Hoteleingang auf seinen Chef. Er sah die Gäste kommen und gehen. Blondine hatte sich nach der Skttour frisch gemacht und gleich zum Abendessen umgezogen. Sie trug ein elegantes, aber raffiniert schlichtes, herbst- braunes Setttenkleid. ßueienne Molny hatte es als Herzogin bei einer einzigen Filmaufnahme getragen. Blondine sah nicht nur sehr frisch und schön aus, sondern sie wirkte auch ausgesprochen vornehm, als sie die teppichbelegte, breite Hoteltreppe hinabstieg. Schrader, gleichfalls schon zum Abend umgekleidet, erwartete sie unten in der Halle. Er ging ihr entgegen und nahm sie so selbstverständlich am Fuß der Treppe in Empfang, sie waren beide so vertraut miteinander, daß ßüdtke, der durch die Glasscheibe die Szene beobachtet hatte, nicht mehr daran zweifeln konnte, daß diese beiden zusammengehörten. Ein heilloser Schreck durchfuhr ihn. Er war Schrader sehr zugetan. Wie damals für ßueienne hatte er eine warme persönliche Sympathie für seinen Dienstherrn. Er schätzte ßambertz. Aber er war ihm noch nicht nahegekommen. Die Assistenzärzte waren ganz nett. Aber den Oberarzt, den hatte er ausgesprochen gern. Und gerade der mußte auf dieses raffinierte Weibsbild reinfallen. Auf die ausgekochteste Person, die er kannte. ßüdtke stellte sich hinter eine mächtige Säule, um von den beiden nicht gesehen zu werden. Dort überlegte er. Natürlich mußte er den Doktor auf- klären. Er konnte ihn doch nicht so reinfallen lassen. Und das mußte rasch geschehen. Denn die beiden schienen schon ziemlich weit miteinander zu fein. Einige Minuten später gab er einem Hotelpagen eine Zigarette und schickte ihn in die Halle, um Doktor Schrader herauszubitten. Er sah, wie er sich von Blondine entschuldigend verabschiedete. „Darf ich Sie ein paar Minuten auf Ihrem Zimmer sprechen, Herr Doktor?" fragte ßüdtke mit allen Anzeichen großer Erregung. „Es ist etwas Wichtiges." Und dann kramte er aus. Er sagte alles, was er wußte. Seine Rede machte genau soviel Eindruck auf Schrader, wie sie Damals auf ßange gemacht hatte. Nur er reagierte anders, Schrader war blaß geworden unter der auf der Skifahrt angeflogenen Bräune. (Fortsetzung folgte Die JM.-Untergauführerin. Deutsches Jungvolk. Stamm V/116. Am Donnerstag, 2.12., ist ab 14.30 Uhr Abnahme des Schießens für das HI.-Leiftungsabzeichen in Mainzlar. Die 3g., die von Lollar, Wiefeck und Mainzlar noch zu schießen haben, bekommen hiermit durch den Stamm die letzte Gelegenheit, ihr Leistungsabzeichen fertigzumachen. Verkausssonnlage vor Weihnachten. Einheitlich 12. und 19. Dezember. DNB. Die Zahl der Verkaufssonntage vor Weihnachten wird auch in diesem Jahr für das Reich einheitlich festgesetzt. Nach einem Runderlaß des Reichs- und Preußischen Arbeitsministers find der 12. und der 19. Dezember als Derkaufssonntag freizugeben. Dauer und Lage der Verkaufsstunden find in benachbarten Orten und Bezirken, in denen eine Abwanderung der Käufer eintreten kann, möglichst einheitlich zu regeln, um einer Verschiebung der Wettbewerbsverhältnisse vorzubeugen. Der Reichs- arbeitsminister hat Anweisung gegeben, daß für die strenge Einhaltung der Sonntagsruhe an den hiernach nicht freizugebenden Sonntagen gesorgt wird. 0i<> Einheit ist unsere Stärke... die Werkarbeit: Lineal, Schere, Klebstoff und gum-s Einrichtungen und Neuerungen ein ganz anderes miertes Glanzpapier. Außerdem Brotbeutelverpfle- Au ri) sn. Der Redner griff nur einmal die Roh- gung. . i stoVersorgung heraus und ließ an vielen Beispielen Wegen der Jahreszeit ziehen alle Führerinnen 1 nicht Kletterwesten, sondern Mäntel an. . .. rsorgung heraus und ließ an vielen Beispielen den Wert der sparsamen Bewirtschaftung, der Marktordnungen, der Altmaterialsammlungen u. a. erkennen. In sehr interessanter Weise wandte er sich dem Gebiete der neuen Werkstoffe zu. Abschließend forderte er jeden Volksgenossen, der guten Willens ist, auf, unbeirrt hinter dem Führer zu marschieren und nur das eine Ziel im Auge zu behalten: Deutschland! Diese Ausführungen fanden bei den Volksgenossen anhaltenden Beifall. Trauerfeier im Alicefrauenverein. Die Vorsitzende der Ortsgruppe Gießen des Alice- frauenvereins vom Roten Kreuz hatte am Montagabend zu einer Gedächtnisfeier für die entschlafene Vorsitzende des Landesvereins Eleonore, Großherzogin von Hessen, und die entschlafene Landesleiterin des Bereitschaftsdienstes Cecilie, Erbgroßher- zogin von Hessen, eingeladen. Die Feier wurde eingeleitet durch das Andante cantabile aus dem Streichquartett in C-dur von Mozart, gespielt von dem Schättler-Quartett. Dann gab die Vorsitzende Frau E. Giese ihrem Dank Ausdruck für die rege Teilnahme der Rotkreuz- frauen und Samariterinnen an der Feier. Ihre Ausführungen gipfelten darin, daß, wenn man sich auch durch den Tod der beiden Führerinnen verwaist fühle, man den Verstorbenen am besten danken könne, wenn man den Kopf Hochhalte und in deren Geiste an dem von ihnen bisher geführten Werk weiter arbeite. Hierauf schilderte der Provinzialkolonnenführer TNilgliederappell der Ortsgruppe Giehen-Osi. Die außerordentlich stark angewachsene Ortsgruppe Gießen-Ost hielt in der Unioersitätsaula ihren gut besuchten Mitgliederappell ab, der von Propagandaleiter B a s eingeleitet wurde. Im Mittelpunkt des Abends stand der Vortrag des Gauredners, Hauptschristleiters Werner G o e r e n d t aus Gelnhausen. In einfacher Art erläuterte der Redner den Begriff „Politik" als Schicksalsgestaltung eines Volkes. An den Beispielen der Vergangenheit machte er diese Auslegung verständlich, als er ausführlich die Ergebnisse einer schlechten und einer guten Politik aufzeigte. Die Notwendigkeit des Zusammenstehens innerhalb unserer Volksgemeinschaft machte Pg. Goe- rendt an der außenpolitischen Situation verständlich. Als markanteste Erscheinung zeigte er ferner die Wandlung in dem Ringen der Völker, auf. An vielen Ereignissen zeigte der Redner bann die Bedeutung der wiedergewonnenen Einheit unserer Nation und stellte fest, daß diese Einheit heute unsere Stärke sei. In dieser Arbeit um die nationale Selbstbehauptung und die Untermauerung unserer Freiheit und Stärke der Nation haben die vielen Professor Eger in bewegten Worten die aufopfernde Tätigkeit der verstorbenen Großherzogin in über 25 Jahren im Dienste des Roten Kreuzes. Er hob dabei besonders das stille Wirken der Verblichenen in ihrem langjährigen Dienste am Volke hervor. Ein Wirken, das ihr nicht nur die Anerkennung, sondern auch die Liebe aller derer, die mit ihr arbeiten durften, erworben habe. Aber auch der frühzeitige Tod der Erbgroßherzogin Cecilie habe eine schmerzliche Lücke in der Leitung des weiblichen Bereitschaftsdienstes hinterlassen. Nachdem das Largo aus dem Streichquartett in D-dur von Haydn verklungen war, schloß Fräulein v. Rabenau als Kreisgruppenleiterin des Bereitschaftsdienstes mit dem dem deutschen Requiem von Brahms zugrunde gelegten Text die eindrucksvolle, sehr gut besuchte Feier. gfs. * ** Eine Fünfundfiebzigjährige. Frau Albertine Rau W w e., Goethestraße 54, wird morgen Donnerstag, 2. Dezember, 75 Jahre alt. Sie lebt im Haushalt ihres Sohnes, ist körperlich und geistig noch sehr rüstig und nimmt an dem Zeitgeschehen lebhaften Anteil. Möge ihr noch ein angenehmer Lebensabend beschieden sein. ** Polizei gegen Verkehrssünder. Die Polizei schritt in der Zeit vom 19. bis 25. November ein: gegen Kraftfahrzeugführer mit 19 Anzeigen und 66 Verwarnungen und Belehrungen; gegen sonstige Fahrzeugführer mit 1 Anzeige und 4 Verwarnungen und Belehrungen; gegen Radfahrer mit 7 Anzeigen und 80 Verwarnungen und Belehrungen; gegen Fußgänger mit 2 Anzeigen und 27 Verwarnungen und Belehrungen. ** Steueranmahnung. Die Stadtkasse mahnt Ziele der Grund- und Sondergebäudesteuer, der Gewerbesteuer, der Gewerbe- und Zweigstellensteuer, den Beitrag zur Handwerkskammer und die 4. Rate der Bürgersteuer zur Zahlung an. ** Steuerkartenzustellung. Der Oberbürgermeister läßt bekanntgeben, daß eine Dorsprache einzelner Steuerpflichtiger wegen der Abholung ihrer Steuerkarten bei der Steuerkarten-Aus- gabestelle zwecklos ist, da die Steuerkarten sofort nach der Ausstellung mit der Post versandt werden. ** Elternab end der Gießener Schulen. Unserem gestrigen Bericht über den Elternabend ist berichtigend nachzutragen, daß es sich dabei nicht um einen Elternabend allein der Goethe« schule handelte, es waren vielmehr drei Schulen daran beteiligt. Es waren die Eltern der Schüle-^ rinnen der Goetheschule, der Schillerschule und bet Neuen Pestalozzischule eingeladen. Die Liedvorträge unter der Leitung von Lehrer Dietrich boten Mädchen der Goetheschule dar, die Volkstänze bestritten die Mädchen Der Schillerschule unter Leitung von Fräulein Hübner und die Gedichtvor- träge des Abends wurden von den Mädchen der Neuen Pestalozzischule wiedergegeben. *♦ Oeffentliche Bücherhalle. Im November sind 1999 Bände ausgeliehen worden. Davon kamen auf Literaturgeschichte 1, Zeitschriften 19, Gedichte und Dramen 25, Erzählende Literatur 1187, Jugendschriften 268, Länder- und Völkerkunde 128, Kulturgeschichte 2, Geschichte und Biographien 236, Kunstgeschichte 2, Naturwissenschaft und Technologie 54, Heer- und Seewesen 22, Haus- und Landwirtschaft 6, Gesundheitslehre 3, Religion und Philosophie 3, Staatswissenschaft 39, Sport 2, Fremdsprachliches 2 Bände. Nach auswärts tarnen 22 Bände. Die Jagd im Dezember. Der letzte Monat des Kalenderjahres ist gekommen. Ein Blick in den Jagdschein zeigt uns, daß auch das Jagdjahr seinen Höhepunkt bereits überschritten hat. Schon mehren sich wieder die schwarzen Felder, die „Schonzeit" bedeuten. Und doch winken noch vielerlei Weidmannsfreuden dem Jäger. Im Hochwildrevier, wo Rot - und Damwild seine Fährte zieht, steht der Kahlwildabschuß im Vordergründe, wenn auch die Hirsche noch schußbar sind. Da Pirsch und Ansitz meist nicht ausreichen, um den notwendigen Abschuß zu erfüllen, da ja das Rotwild leider mehr und mehr zu einem Nachttier geworden ist, wird die Drückjagd mit wenigen Schützen und noch weniger Treibern angewendet werden müssen. Denn es muß vor allem erreicht werden, daß die auf eine Bestandsverminderung hinzielenden Abschußzahlen erfüllt werden. Deswegen ist auch in Hessen bewußt davon Abstand genommen worden, Richtlinien für den Kahlwildabschuß zu geben, obwohl man sich vollkommen darüber klar ist, daß zu einer Ausartung einer Wildart auch ein zielbewußter Abschuß von weiblichem Wilde gehört. Wenn auch dort, wo das Schwarzwild seine Fährte zieht, das Jagen auf Sauen immer gepflegt werden sollte, weil ja die Schwarzkittel in Hessen nicht geduldet werden sollen, so wird ihnen im Dezember doch eine besondere Beachtung geschenkt werden müssen. Denn einmal ist die Rauschzeit ge kommen und bringt das Wild mehr als gewöhnlich auch tagsüber auf die Läufe. Ansitz und Pirsch versprechen darum mehr Erfolg als sonst. Zum anderen aber hoffen wir Jäger endlich wieder einmal einen Winter zu erleben, der seinen Namen verdient. Im Interesse der Gesundhaltung der Wildstände wäre dies dringend erwünscht. Und kommt dann Schnee, dann ist die Zeit für die Sau- jagden gekommen. Ueberall, wo mit Schwarzwild zu rechnen ist, muß vorher das Kreisen schon vorbereitet werden, der Meldedienst muß fertig aufgezogen sein, die Schützen müssen bekannt sein, die auf Anruf hin rasch zur Verfügung stehen. Denn die Dezembertage find kurz und zu langen Vorbereitungen ist keine Zeit. Noch vier Wochen stehen nun für den Abschuß des weiblichen Rehwildes zur Verfügung. Dazu find es kurze und nicht immer günstige Tage. Darum heißt es sich sputen, die z. T. doch recht erheb3 lichen Abschußziffern auch wirklich zu erreichen. Alle Reoierinhaber, die noch beträchtlich im Rückstände sind, werden in den nächsten Tagen bereits mit allem Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß sie den Abschuß erfüllen müssen, wenn nicht auf ihre Kosten am Ende der Schußzeit Berufsjäger eingesetzt werden sollen. Vor allem nehme man jetzt noch alles an geringen Kitzen weg, was erreichbar ist. Denn diese Stücke fallen meist doch einem strengen Ein schönes Weihnachtsgeschenk! Vlber in Deutschland Von Professor Dr. Gustav Hinze 75 Seiten mit 9 Textabbildungen und 62 Abbildungen auf Äunftbrudüafeln nach Natururkunden des deutschen Bibervaters Amtmann Behr Herausgegeben von der Reichsstelle für Naturschutz, Berlin In teilten gebunden RM. 3,00 Wie Wisent und Elch, so gehört auch der Biber zu jenen Tierarten, die einst in Deutschlands Gauen weit verbreitet waren, aber durch das unnachsichtige (E.ngreifen des Menschen mehr i nb mehr der Vernichtung anueimfielen. (Es gehört heute zu den wichtigsten Aufgaben aller Freunde unserer heimischen Tierwelt, dieser seltsame Nagetier vor dem Aussterben zu schützen und die wenigen in Deutschland noch vorhandenen Biber zu erhalten und zu hegen. (Em hervorragender Kenner gibt hier in trefflichen Schilderungen und herrlichen Natururkunden ein anschauliches Levensbild vom deutschen Biber. Hugo Vermühler Verlag,Berlin-Lichterfelde llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Oeffentliche Mahnung. Das am 25. d. M. fällig gewesene 4. Ziel Grund- unb Sondergebäubesteuer 1937 wirb hierburch zur umgehenben Zahlung gemahnt, anbernfalls ein Säumniszuschlag berechnet unb bie Beitreibung eingeleitet werben muß. 7879C Gleichzeitig wirb bie nach bem endgültigen Steuer- bescheib zu zahlenbe 3. Rate Gewerbesteuer 1937 unb, wenn ein enbgültiger Bescheib noch nicht zugestellt ist, bie 3. Vorauszahlungsrate ber Gewerbe- unb Zweigstellensteuer 1937 zur Zahlung bis spätestens 10. Dezember 1937 gemahnt. Ferner werben zur alsbalbigen Zahlung gemahnt: 2. Ziel Beitrag zur Hanbwerkstammer 1937. 4. Rate Bürgersteuer 1937. Gießen, ben 29. November 1937. ___________ Slablkafse Gießen.________________ Betr.: Zustellung ber Steuerkarten für 1938. Bekanntmachung. Die Steuerkarten für bas Jahr 1938 werben ben Steuerpflichtigen sofort nach ber Fertigstellung durch die Post zugestellt. Mit ber Zusendung kann voraussichtlich vor dem 15. Dezember 1937 nicht gerechnet werden. 7880C Die Zusendung an Behörden (Reichsbahn, Reichspost ufro.) und an größere Firmen für ihre Gefolg- schastsrnitglieder erfolgt ebenfalls nicht mehr an bie zuftänbigen Kaffen, fonbern triefe Steuerkarten werben ben einzelnen Steuerpflichtigen unmittelbar burch bie Post zugesandt. Eine Vorsprache der einzelnen Steuerpflichtigen wegen der Abholung ihrer Steuerkarten bei der Steuerkarten-Ausgabestelle ist daher zwecklos. Gießen, ben 1. Dezember 1937. Der Oberbürgermeister. 3. 23.: gez. Vogt. x ■ Heute Neueröffnung »Zum Graf Zeppelin« vormals LAICH IN GER Altbekanntes Bier- und Speise-Restaurant Spezial-Ausschank der Brauerei Ihring- Melchior; Pils / Bier im Siphon / Export Gepflegte Weine / Gut bürgerlicher Mittagstisch Wer bald daran denkt — das Schönste dann schenkt! Jetzt Ist die Auswahl noch so reichhaltig, wie sie es kurz vor dem Fest nicht mehr sein kann. Wählen Sie darum Jetzt Ihre Geschenke aus der großen Zahl der schönen und preiswerten Dinge bei Ich werde bemüht sein, meine werten Gäste in jeder Weise zufriedenzustellen u. halte . . mich bestens empfohlen. FraU FMMI barbCf 05848 J. B. Häuser Gießen, a. Oswaldsgarten Fernruf Nr. 2145-2146 7882 A Frisch eingetroffen I Schwere und leichte Arbeitspferde egale Gespanne stehen zum Verkauf und Tausch Mann & Co., Pferdehandlung Albig, bei Alzey/Rheinhessen Telefon 369 Seit über 100 Jahren Pferdehandlung 7732d Wir bringen in größter Auswahl Filet-TischMeo Klöpoel-TiscMedieo für eckige und runde Tische Zierdeckchen in jeder Größe besonders preiswert Gebt Seelbach (liehen, Seltersweg 20 7906A Wirkt bei Erkältungen vorzüglich so urteilt Herr Heinrich Buss» (Bild nebenstehend), Landwirt, Holzhausen L Ch über Vechta, am 7. 5. 37 über Klosterfrau-Melissengeist. Er berichtet weiter am 21. 5. 37: „Gebrauche Klosterfrau-Melissengeist erst 1 Jahr, dock hat er mir bei Erkältungen schon gute Dienste geleistet. Ich nehme dann abends einen Eßlöffel voll mit Zucker in heißem Wasser uno ist am andern Morgen die Erkältung dann meist verschwunden." Weiter Herr Friedrick Kühnemund* o 83., Ersurt, Schlösserstr. 18: „Auch bei Grippe hat mir Klosterfrau-Melisfengeist gute Dienste getan und Erkältungserscheinungen in kurzer Zeit restlos beseitigt. Deshalb sollte jeder, der die ersten Grippeanzeichen spürt, gleich 1—2 Tassen nach Gebrauchsanweisung heiß trinken. Dann kann er in der Regel annehmen, daß die Erkältung in kurzer Zeit bet* schwindet." (It. Brief vom 28 1 37.) Vorbeugen ist bester als heilen! Nehmen Sie deshalb sosort bei den ersten Anzeichen einer Erkältung, wie Frösteln, Husten, rauhen HalS, Schnupfen, Heiserkeit, Klostersrau-Melistengeist nach folgendem Rezept: Je einen Eßlöffel Kloster- frau-Melistengeist und Zucker in eine Taste, gut umrühren, kochendes Wasser hinzugießen und zwei dieser Portionen möglichst heiß vor dem Schlafengehen trinken (Kinder halb soviel). Zur Nachkur und zur Vermeidung von Rückfällen trinke man noch einige Tage die halbe Menge. Klostersrau-Melistengeist wird aber nicht nur bei Erkältungskrankheiten und ©rippe mit Erfolg angewandt sondern auch bei Herz-, Nerven- und Magenbeschwerden, Schlaflofigkeit, Rheuma und damit zusammenhängenden Gesundheitsstörungen. Sollten Sie Klostersrau-Melistengeist deshalb noch nicht in Ihrer Hausapotheke vorrätig halten, so besorgen Sie ihn noch heute bei Ihrem Apotheker oder Drogisten. Klostersrau-Melistengeist ist nur echt in der blauen Packung mit den drei Nonnen; niemals lose. Ermäßigte Preise: RM 2.80, 1 65, 0.90. Backsteinfußboden Balata vorher „gehen", wie der Hefekuchen. Vacksteiufußböden. Fußböden mit Ziegelbelag, die sich leicht säubern lassen, aber mit der Zeit austreten. Bad, kaltes und warmes Wasser, in das man den ganzen Körper oder einzelne Teile hmeintaucht. Demnach unterscheidet man Vollbäder Sitzbäder. Fußbäder usw. Zur Körperpflege sind 1—2 Vollbäder wöchentlich erforderlich, da sie die Haut erweichen und reinigen. Vollbäder soll man nie nach dem Essen nehmen ebensowenig. wie man sie zu heiß nehmen darf. Bei hartem Wasser ist der Zusatz von Borax oder Badesalzen empfehlenswert, die erfrischend wirken. Man benutze eine milde Seife. Nach dem Bad dusche man mit kühlerem Wasier, reibe den Körper gut ab und fette die Haut wieder leicht ein. Zu heiße Bäder sind anstrengend und können zu körperlichen Schädigungen führen. — Rusiische Bäder sind Dampfbäder, römischirische Bäder solche in heißer, trockener Luft, beide Arten erzielen starke Schweißabsonderung. — Zu medizinischen^Zwecken werden Thermalbäder, Moorbäder usw. verordnet. Badeanzug. In Eemeinschafts- bädern ist für Frauen der vollständige Badeanzug vorgeschrieben, für Männer zumeist die Badehose zuläsiig, die Dreiecksbadehose dagegen verboten. Badeanzüge sollen mögt aus Wolle (Trockenwolle) sein, da andere Stoffe nach dem Vaden am Körper kleben. Man achte darauf. daß die Farben licht- und wasier- echt sind. Badesalz, entweder Extrakt aus Fichtennadeln usw. oder zu medizinischen Zwecken auf Salinen eingeoampfte Mutterlauge, in Kristallform. Badezimmer dürfen keine Zugluft haben und sollen möglichst neben dem Schlafzimmer liegen. Vadezimmerfliesen reinigt man mit Seisenwasier, dem Salmiak zugesetzt ist. Elektrische Birnen müssen im Badezimmer besonders gesichert sein, das Anbringen von Schaltern und Steckdosen ist verboten, da durch die Wasserdämpfe Kurzschluß hervorgerufen werden kann. Bänder. Verbindung der einzelnen Knoten des Skeletts. Baume, s. Abschneiden. Bakterien, kleinste pflanzliche Lebewesen, nur mikroskopisch sichtbar. einzellig. Parasiten (s. d.). Vorkommen überall in Lust, Erde, Wasier. Der Form nach zu unterscheiden in kugelförmige oder Kokken, stäbchenförmige oder Bazillen, schraubenförmige oder Spirillen. Übertriebene Bakterienfurcht ist unnötig, denn nur wenige von den unzähligen Arten erzeugen Krankheiten (siehe Infektionskrankheiten). Gegen die giftigen Stoffwechselprodukte der B. gibt es Gegengifte, die der Körper selber bilden kann. Balata, kautschukähnlicher Stoff aus dem Milchsaft eines süd- amerikanischen Baumes, der u. a. auch für Schuhsohlen verwendet wird. Groß-Einlaus von 30000 Edela-Geschästen bietet dem Verbraucher befondere Vorteile Hier abschneiden! 4- Di int An rid Hegeschau der Internationalen Jagdausstellung zu lesen. Seiner Weidmannspflicht kann aber nur der wirklich nachkommen, der rechtzeitig alle Vorbereitungen trifft. Der Praktiker weiß, wie schwer es ist, Wild dann an Futterstellen zu bekommen, wenn die Not da ist. Haben aber Hühner und Fasanen, die ja unseres besonderen Schutzes im Winter bedürfen, schon einmal die Kaffhaufen gefunden und Üurchscharrt, dann kommen sie bei Not von selbst zu ihnen zurück und können dort gefüttert werden. Und weiter wird sich der Jäger überlegen müssen, wie er seinem übrigen Wilde etwa helfen kann. Mast fehlt ja vollkommen. Drum merke er sich, wo Heidekraut steht, das er bei Schnee freilegen kann, verständige er sich mit dem Förster, wo Weichholz geschlagen werden darf, drum sichere er sich das Holz, das auf den Feldern anfällt, wenn die Obstbäume geschnitten werden. Denn solche natürliche Aesung ist besser und gesünder als andere, die, wie Heu, Grummet, Haferstroh usw., erst gereicht werden wird, wenn die Aesung des Re- vieres selbst nicht mehr ausreicht. Glücklich das Revier, in dem viele Brombeeren und Efeu wachsen. Wer dort im Winter mit offenen Augen sieht, wird vielleicht im Frühjahr bewußt dazu übergehen, alte Sandgruben, Raine und Grabenränder mit Brombeeren zu bepflanzen. Einen größeren Gefallen kann er seinem Wilde kaum tun. Das deutsche Volk spendet wieder für sein W i n- terhilfswerk. Reichs-, Gau- und Kreisjäaer- meister haben ihre Weidmänner wiederum oufge- rufen, in gleicher Weise wie seither ihre Pflicht zu hm. Vks zum 20. Dezember soll die Wildspende der deutschen Jägerschaft abgeschlossen werden, damit sie dazu beitragen kann, Weihnachtsfreude in die Häuser bedürftiger Volksgenossen zu tragen. Eine Spende der gesamten Jägerschaft soll es sein, nicht nur der Eigenjagdbesitzer und Jagdpächter. Wer drum als Jagdgast, ohne ein eigenes Revier besagen zu können, Weidmannsfreude genießt, möge es als seinen Stolz betrachten, mitzuhelfen an dem Gelingen des schönen Werkes, das die Wildspende darstellt! Schließlich seien die Jäger des Jagdkreises ©ie- ßen noch einmal darauf hingewiesen, daß durch den Kreisjägermeister eine Einrichtung geschaffen wurde, die ihre vollste Beachtung verdient. Am ersten Mittwoch jedes Monats werden sich die Jäger, ohne daß das Kommen Pflicht wäre, zusammenfinden, um gemeinsam jagdliche Fragen zu behandeln. Die Notwendigkeit dazu ergibt sich immer eindringlicher aus der Arbeit der Jagdbehörden und aus deren Erfahrungen. Die freudige Aufnahme, die die Ankündigung gefunden hat, beweist, daß auch in der Jägerschaft selbst das Bedürfnis nach solcher Aussprache empfunden wird. Es werden daher Fragen des Jagdrechtes, der Jagdausübung u. a. m., die gerade im Vordergründe stehen, von dazu berufenen Jägern behandelt werden. Möge sich im Interesse der Jagd, aber auch im wohlverstandenen Interesse der Jäger selbst der Besuch dieser Abende als Regel ein- bürgern! Hubertus. V trld Son veil Siel Heir 01 JJlit Ob" Slud von ins« weiter als die meisten Jäger wissen. Wer aber gewohnt ist, bei jeder Nellen draußen zu sein, der weiß Bescheid darum. Anstrengend ist es zwar meist, bei Schnee ein „Gelbkehlchen" „auszuneuen", aber ein schönes Jagen, besonders wenn es zum Erfolge führt. Zahlenmäßig kommt für die Strecke an Pelzträgem natürlich vielmehr der Fuchs in Frage, dessen Bejagung dazu so mannigfaltig und vielseitig ist, daß er verständlicherweise für gar manche Jäger der Liebling ist, dem sie manche Stunde bei Tag und Nacht opfern. Zum letzten Mal in diesem Jagdjahre ist im Dezember die Möglichkeit gegeben, Grimbart, den Dachs, zu jagen. Dann beginnt seine Schonzeit. Ob in (einer Bejagung überall genug geschieht, erscheint fraglich. Denn seine Zahl scheint wesentlich höher zu sein als der Niederjagd, vor allem dem Federwild, zuträglich ist. Während das Feldhuhn nun wieder den Schutz der Schonzeit genießt, ist der Fasan noch „offen". Auch Schnepfe, Ringeltaube und Bekassine sind dem Jäger freigegeben. Dazu kommen allerlei Enten, die aus dem Norden schon eingetroffen sind. Und ist es kalt, dann pflegen auch W i l d g ä n s e auf Saatäckern und Wiesen einzufallen. Vielerlei sind also die Jagdmöglichkeiten, die der Julmond dem Weidmanns bietet. Doch mit der Jagd muß die Hege Hand in Hand gehen. „Wer überm eignen Mittagessen das Wild in Winternot vergessen, dem sollt auf allgemeines Drängen, man selbst den Brotkorb höher hängen" stand in der " Dinker oder dem Frühjahr mit feinen mancherlei Krankheitserscheinungen zum Opfer. Sie bleiben dann völlig ungenutzt, während sie jetzt noch verwertet werden können. Das Fehlen strenger Winter hat ja leider das Durchkommen schwachen Wildes begünstigt. Fehlt aber die natürliche Auslese, dann muß in unseren Kulturrevieren die „Hege mit der Büchse" einsetzen. Die übrige Jagd aber ist meist ans dem Wald hinausverlegt auf die Felder. Die Zeit der großen Hasenjagden ist da. Werden diese Feldjagden auch so enttäuschen wie viele Waldjagden? Denn deren Ergebnisse waren zum großen Teil sehr mäßig, oft noch nicht 50 v. H. der vorjährigen Strecke, die doch auch nicht gut war. Grund genug, um den Abschuß mit Maß und Ziel vorzunehmen und dafür zu sorgen, daß ein Teil des Reoieres vom Jagen ganz verschont bleibt. Denn nur wo Ruhe herrscht, fühlt der Hase sich wohl und heimisch. Hier hält er sich und wird die Lücken wieder zu schließen wissen, die die Herbstjagden seinem Geschlecht gerissen haben. Das Ueberbleiben eines ausreichenden Besatzes ist aber die Voraussetzung für ein besseres Hasenjahr im kommenden Jagdjahr, ein Verstoß dagegen wird auch durch das günstigste Wetter nicht ausgeglichen. Der Balg des Raub wild es ist nun gut und vollwertig, so daß seine Jagd sich lohnt und, volkswirtschaftlich gesehen, das beste Rauchwerk liefert. Obenan stehen da unsere Edelpelzträger, die Marder, von denen der Edelmarder und der Steinmarder im Dezember bejagt werden dürfen. Ihre Zahl ist größer und ihre Verbreitung Goethe-Bund und KaufinäBmscherVerein | j in Verbindung mit der Ihre Vermählung geben bekannt Gießen Reutlingen 1. Dezember 1937 7878 D Denken Sic praktisch Giefeener Hochfchulgefellfchaft ■Schenken Sie Stoffe Militär und Schüler zu 30 Pf. 7M6D Cafe Amend 7894 D Der Vorstand STOFF-SPEZIALHAUS Bernard&Sohn 7781 D I Gießen / Plockstraße 14-16 7881 A Barbara Baldur 42 Qualitätsmarken in allen Preislagen. 7885 D Berthold Kühne Selters weg 26 Gegründet 1798 Seefische noch billiger Frisch wie aus dem Netz! 7907 A 7884 D Ab heute spielt wieder die bekannte und beliebte Kapelle AntonTippl Unsere riesengroße Auswahl und niedrigen Preise machen Ihnen das Kaufen leicht. Unsere guten Qualitäten erfreuen den Beschenkten! Wir machen auf den Vortrag wegen seiner Wichtigkeit besonders aufmerksam ! Einladung zu einem Vortrag des Herrn Prof Dr H. P. KAUFMANN, Direktor des Instituts für Pharmazie und chemische Technologie der Universität Münster i. W., über: Eintritt frei Gäste willkommen Wenn im Frühjahr die Sonne lacht... dann wird es Zeit, den Balkon zu schmücken. Mit einigen Balkonkästen und Blumen läßt sich ja soviel erreichen. Bei Häuser bekommen Sie schon für wenig Geld Balkonkästen in allen Größen. J. V. Häuser, Gießen, am Oswaldsgarten, Fernsprecher 2145/2146. Reiseartikel und Lederwaren Mehr Freude an der Natur durch Bermühler-Bücher! sind willkommene, prak- tische Weihnachtsgeschenke. Sie finden bei mir eine große Auswahl Geschenkartikel dieser Art in allen Preislagen. Ich bitte um gefl. 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Studenten- karten 30 Pf. beim Hausverwalter der Universität, afe-&iestaurant „Stftein&old* Mittwoch Rippchenessen ah ä Ge-chattsüvevnabme Ich habe das Uhren- Gold- und Silberwarengeschäft des Herrn C. Stöver, Gießen, Neuenweg 4, übernommen und bitte die Einwohnerschaft von Gießen und Umgegend, das meinem Vorgänger entgegengebrachte Vertrauen auch mir entgegenbringen zu wollen. Für fachmännische und gewissenhafte Arbeit, sowie Bedienung werde ich bemüht sein. Svitz -Kaiser Uhrmachermeister Gießen, Neuen weg 4, am Kreuzplatz. alibarbat^ notiirtidj "EDittmarj k GIESSEN 52 WWMMOWg mit Lichtbildern am Freitag. 3. Dezember, 20 Uhr, im großen Hörsaal der Universität Kabeljau in ohne Kopf.......500 g uU Kabeljau-Filet jfl ohne Gräten.....500 g Goldbarsch-Filet V) ohne Gräten.....500 g u. viele andere Sorten Balsam, aus dem Arabischen stammendes Wort für ein harziges Produkt des Balsambaumes, wird als Arzneimittel und zur Herstellung von Parfüms verwendet. Balsame. Honigartige Gemische aus Harzen und ätherischen Ölen gewisser Bäume. Balsamines, s. „Fleißiges Lieschen". Balthasar, männl. Vorname nach einem der Heiligen drei Könige. Bambus, tropische Pflanze, die Zucker liefert und deren rohrarfi- aes Holz zu mannigfaltigen Zwek- ken, u. a. sehr gern zu Spazierstöcken verwendet wird. Banane Tropenfrucht, enthält die aufoauenden Kohlenhydrate, wie Stärke und Zucker, deshalb besonders nahrhaft für Säuglinge. Aus gesundheitlichen Gründen Kindern nur entschälte Bananen geben. Bandmaß, Längenmeßapparat aus gefirnißter Leinwand oder aus Stahl mit aufgedruckten oder eingeätzten Meßzahlen. Vielfach befindet sich das Band auf- gerollt in einer runden Dose, in die es nach Gebrauch selbsttätig zurückschnellt. Keinesfalls Spielzeug für Kinder, da scharfkantig. Bandwurm. Breiter, platter, aus einzelnen Gliedern bestehender Darmparasit. Anzeichen dafür: Großes Hungergefühl, Abmagerung, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen. Bandwurmkur nur unter ärztlicher Leitung. Barbara, weibl. Vorname, aus dem Griechischen, gleichbedeutend 6omm«liger£e6lnoi kommtwiederund vertilgt Natten, Mäuse, Wanzen, Schwaben usw. Bestell, erbitte nur unter Lobinat an den Gießener Anzeiger. Ganze Gemeinden niedrige Preise. UsmV Verlobungs-Anzeigen iefert Brühl'sche Druckerei Oeffeniliche Vorträge über Physiologie Vortrag ,emD Vom Herzen am Sonntag, dem 5. Dez. 1937, um 1172 Uhr pünktlich im Physiologischen Institut, Friedrichstraße 24 Prof. Dr. Surfer Baldur, männl. Vorname nach dem altgermanischen Sonnengott, dem Söhn Odins und Friggas, der durch seinen blinden Bruder Hödur getötet wird. Balkonbepslanzung soll das ganze Jahr hindurch stattfinden. Im Frühjahr setze man Krokus, Stiefmütterchen, Vergißmeinnicht, im Sommer Pelargonien, Fuchsien, Salvien; beliebt und billig sind Einjahrsblumen wie Petunien, Lobelien. Studentenblumen. 2m Winter setze man Fichten, Mahonien, Erika. Pflege: genügend bewässern, Vorratsdünger und Torf unter die Pflanzenerde mischen, ab Juli mit Kunstdüngerwasser einmal in der Woche gießen und abgeblühte Blumen entfernen. Die Kästen sollen aus Holz sein, in wenig sonnigen Lagen kann man Tonkästen gebrauchen. Ball (von dem lat. Wort ballare, tanzen), gesellschaftliche Tanz- veranstaltung. Der Charakter des Balles ist bejtimmend dafür, welchen Anzug, oder welches Kleid man anzieht. — Ball ist außerdem das runde Spielzeug aus Holz. Stoff. Leder oder Gummi. Ballen. Polsterartige, oft sehr schmerzhafte Bildung unter der großen Zehe oder seitlich am Grundglied der großen Zehe. Meist entstanden durch sortgeietzte Reizung bei zu engem Schuhwerk. Gleichzeitig Abweichung der großen Zehe nach außen. Besserung durch entsprechendes Cchuhwerk, richtig passende^orn Ar^t verordnete Einlagen, Wechselbäder, Bäder mit Staßfurter Salz. U. U. Operation. SlaWe GieBeo Donnerstag, 2. Dezember, 20 Uhr Leipziger Soloquartett für Kirchengesang (Professor Röthig) Weihnadilslieiler Vortragsfolge 30 Pf 7390 p NORDSEE^ Telefon 2467 7900A °\ 10 H gen zen gen, ten, Ginit gM tritt, ara Mat auch .weit Mis auch deut dritte ??rl seitigk ..Koste kann ' !^U5fi $unb gehen, !em of len A Won schrill ,nen. d enju breite Staate volley üoyi -nedc >Md e Wert enthm Q(|o z ?'t fe der Z ?ts , 'hre 2 er en, fetal schep