Kr.255 Erstes Blatt 187. Jahrgang Wontag, 1. November 1937 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Druck und Verlag: vrühlsche llniverfitätrdruckerei R. Lange in Gießen. Schristlettung nnd Geschäftsstelle: Schukstrahe 1 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/, Uhr des Dormittags Grundpreife für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh.Dereinbg.25°/a mehr. Ermäßigte Grundpreife: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. 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Die Zwietracht der anderen gab ihnen neue Hoffnung und damit neue Kraft. Die alten Individualisten erwärmten ihr erkaltendes politisches Dasein an dem neuentflammten Individualismus und Egoismus der Pil- sudskisten, die im Begriff stehen, das starke und unzerstörbare Rutenbündel des toten Marschalls m feine Bestandteile aufzulösen. Jeder Kopf seine eigene Gruppe, das ist das gegenwärtige Bild im Regierungslager. Da versucht es einmal die Opposition mit Einigung, und Männer setzen sich an einen Tisch, von denen eine alte Chronik zu berichten weiß, daß sie nicht immer am gleichen Strange zogen. Noch tröstet sich eine erschreckte Gegenwart mit der Feststellung, daß sie im einzelnen nicht mehr viel hinter sich hatten, so könne die Summe von mehreren kleinen Zahlen nicht gleich ein beachtlicher Faktor werden. Aber es ist eben alles im Umbruch, da gibt zunächst nicht die Zahl den Ausschlag, sondern die zugkräftige Losung. Grauköpfe sind es, die sich in der sogenannten „A r b e i t s p a r t e i" zu neuer politischer Arbeit zusammengefunden haben, nichts spricht dafür, daß die Jugend sie verstehen wird, die jetzt mächtig zur politischen Macht herandrängt, aber in der Gründungsversammlung war die katholische Geistlichkeit stark vertreten, das heißt einerseits, daß der politische Katholizismus nach neuem Absprung ins politische Leben sucht, andererseits, daß er, dem doch sonst noch das Instrument der nationalen Opposition, die Nationaldemokratie, zur Verfügung steht, nicht abgeneigt scheint, auch nach l i n k s die Fühlung zu behalten und auf der Volksfrontflöte zu blasen, wofür die letzten Beschlüsse der Moskauer Komintern bereits die Noten geschrieben haben. Selbst eifrigen Katholiken, wie es General Haller, der Präsident des neuen „Zentrums" ist, wird nachgesagt, daß sie enge Beziehungen zur internationalen Freimaurerei hätten. Wofür wollen die Grauköpfe kämpfen? Um ein christliches und rechtlich geordnetes Polen aus freien Bürgern und Menschen der Arbeit. Der „arbeitenden Masse" soll der Vorzug gegeben werden, wobei die Formulierung den Verdacht entstehen läßt, daß das Programm von einem fremden Konzept abgelesen wurde. Sie wollen sich ein Muster an den „großen Demokratien des Westens" nehmen, so wurde auf der Einigungsversammlung der Christlichen Demokraten und der Nationalen Arbeiterpartei verkündet, und man darf wähl annehmen, daß in erster Linie an die „Demokratien" der französischen Volksfront und der Valencia-Bolschewisten dabei gedacht wurde. So fiel auch bezeichnenderweise trotz der häufigen Betonung des christlichen Standpunktes kein allzu stark ablehnendes Wort gegen den Bolschewismus, dagegen zog man heftig gegen Bestrebungen einer „Herrschaft der Elite" zu Felde, womit eindeutig jedes autoritäre Re- g j m e, in erster Linie also das Lager der nationalen Einigung des Obersten Koc ab gelehnt wurde. Wenn zunächst scheinbar kein Wert auf die Zusammenarbeit mit denMarxisten gelegt wird, unter der Begründung, sie seien zu stark kommunistische durchsetzt, dann darf man darin nicht mel mehr erblicken als das Bestreben, zunächst aus taktischen Gründen das Gesicht einer Mittel- Partei zu wahren. Was die Männer von gestern jetzt zustandege- dracht haben, könnte man ebenso gut einen „Klub der Zurückgezogenen" nennen, denn keiner ist darunter, der nicht schon einmal den Rock des politischen Soldaten, teils freiwillig, teils unfreiwillig an den Nagel gehängt hätte. Da' ist zunächst Paderewski, nicht nur großer Pianist und Komponist, sondern auch jahrzehntelang Vorkämpfer für Polens Unabhängigkeit in den Vereinigten Staaten, wo man den Künstler verehrte und deshalb geneigt war, dem Politiker Gehör zu schenken. Er hat seinen Wohnsitz heute m der Schweiz in Morges, von woher er mit feinen Freunden m Polen brieflich verkehr^ Deshalb hat man das neue Gebilde auch die „Front von Morges genannt. Seine aktive Laufbahn als Staatsmann war allerdings nur kurz. Am 16. Januar 1919 wurde er nach einer nicht ganz leichten Verständigung mit dem damaligen Staatschef Pilsudsti Minlsterprast- den und mußte am 1. Dezember desselben Jahres bereits einem Nachfolger Platz machen, weil ev di schwierige innerpolitische Lage nicht zu meis e vermochte. Er blieb zwar bis. 1921 noch Vertreter Polens im Völkerbund, schied jedoch dann endgültig aus der Politik aus. r General Haller, der Organisator emer polnischen Armee auf französischem Loden, die er n der Hauptsache aus deutsche» Kriegsgefangenen z sammenstellte und über Archangelsk nach Polen führte, hat sich fraglos große Verdienste um die Stützung des noch auf schwachen Fußen stehenden Staates erworben, er hat zwar nie einer polten Partei angehört, aber er wurde dennoch von dem Vormaisystem in Anspruch genommen und verlor Ansehen und Einfluß, als Pilsudski die Macht end- aültia übernahm. Das ging so wett, daß m diesem J°hr° Gedenkfeiern für die - Armee ohne Haller ^gehalten wurden. Gekrankter Stolz latzl Das deutsche Buch in die Hand des ganzen Volkes! Feierliche Eröffnung der Woche des Deutschen Buches in Weimar. Ein schöner Auftakt. Dr. Goebbels stellt der Schillerstiftung 200 000 Mark zur Verfügung. Weimar, 31. DEL (DNB.) Am Vorabend zur Eröffnung der Woche des deutschen Buches in Weimar hat der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. G o e b b e l s für die Schiller st iftung, die der Unterstützung und Förderung deutscher Dichter und Schriftsteller dient, 2 0 0 0 0 0 Mark zur Verfügung gestellt. Mit einem eindrucksvollen Akt wurde in Weimar die Woche des deutschen Buches eingeleitet. Im Dortragssaal des Goethe-Nationalmuseums stand die 350 Bände umfassende Jahresschau des deutschen Schrifttums, die von der Reichsschrifttumsstelle beim Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda zusammengestellt worden ist. Reichsminister Dr. Goebbels ließ sich von Hauptamtsleiter Hederich eingehend durch die Abteilungen der Jahresschau führen. Dann überreichte Reichsstatthalter S a u ck e l dem Minister eine künstlerisch wertvolle Ehrengabe, eine Sammlung mit ungewöhnlicher Naturtreue nachgebildeter Originale von Handschriften und Handzeichnungen, die in einer Mappe von Prof. D o r f n e r (Weimar) liegen und von Oskar Brand st etter (Leipzig) reproduziert wurden. Die Zusammenstellung der Handschriften Goethes, Schillers, Herders, Wielands, Hebbels und Nietzsches überraschten Dr. Goebbels aufs freudigste. Dann wohnte der Reichsminister einer Erstaufführung im Deutschen Nationaltheater bei. Geboten wurde Otto Er Belgrad und des Reichskriegsmimsters ®cn*ra‘ feldmarschall ton Blomberg in B u d a pest hat der Führer und Reichskanzler verliehen Das Sroßkreuz des Ordens vom Deutschen Adler dem ungarischen Ministerpräsidenten D ° r a n Y >, dem Minister des Aeustern ° ° n K a n Y °Itarn Staat^ fefretär Stefan Barczy, dem Gesandten -oanm 21 p o r dem Honoedminister Roeder, bem Ober- kommandanten General der InfanterieS) u 0 ° Dit 6 z Sony, dem bulgan chen MinisterprasiDen ten G K-°!I-i°°noo, dem Kneg-mm,st-r »Hermann-Göring-Heim der Hitlerjugend." Mell e 31. Okt. (DRB.) Die bei Osnabrück gelegene Stadt Melle stand im Zeichen der Einweihung Des Hauses der Jugend. Der stolze Fach- werkbau im Stile des niedersächsischen Bauernhauses wahrt alte deutsche Überlieferung und das Eigentümliche der Landschaft. Nach der Ueberrei- chvng des Schlüssels durch den Architekten D u st - mann nahm der R e i ch s j u g e n d f ü h r e r das Wort. Das deutsche Jugendherbergwerk sei in der Lage, tm neuen Baujahr für 10,5 Millionen RM neue Gebäude für die Jugend zu errichten. Diese Ergebnis des Einsatzes und der Op'^bereitschaft von Millionen von Volksgenossen & fxnb ^t.Recht stolz darauf, daß uns in allen des Reiches solche Zeichen sozialer Gesinnung entstehen, die wieder neue Generationen oerDflich- ten, im gleichen Geist zu handeln." Ich habe in diesen Tagen in Paris die Einladung an 1000 lunge Franzosen überbracht, im nächsten Jahr nach Deutschland zu kommen. Ich sehe in dieser Annäherung der deutschen und französischen Ju- gend ein großes Glück für Europa Aus diesem Sichkennenlernen bildet sich dann später e i n wirkliches Verständnis, aus E i " ftanbnis öie Achtung und aus der Achtung — bas Mfen mir — eine Freundschaft Der Reichssugendfuhrer gab diesem Haus den Namen des Mannes, dem Adolf Hitler die Aufgabe Üb7r- trug, die Frage der wirtschaftlichen Be- freiung Deutschlands zu losen: Hermann-Göring- Heim der Hitler-Jugend. H Alte Nationalsozialisten und in Ehren gedienteGoldatenbevorzugteinaestellt B°rlin. 2S Okt.