Nr. 50 Erstes Blatt Montag, I.März |957 187. Zahrgang Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8* /.Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rps., für Textanzeigen von 70 m m Breite 50Npf.,Platzvorschrist nach vorh Vereinbg.25"/„ mehr. Lrmähtgte Grundpretse: Stellen-, Vereins», gemein« nutzige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzei- Erscherm auße» Sonntags and Feiertags Beilagen; Die Illustriert. Gießener Familien blätter Heimat im Bild Die Scholl« Monatr-vezugspreir: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. # -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernfprechanfchlüsse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Siesten Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen s Postscheckkonto: VW I I II gen, Bäder-, Unterrichts- u. 8r°nttuki am Main II68S druck und Verlag: vrühl'sche UniverfitätsBuch- unö Sleindruckerei K.Lange in Sietzen. Schristleiiung und GeschäflrsteNe: Schuiftrahe 1 M-ng-nab,chwn-s"°ff^8 Wille zum Welthandel. Noch steht die Internationale Automobil- und Motorrad-Ausstellung im Vordergrund des wirtschaftlichen Interesses, da öffnen sich auch die Pforten der Leipziger Frühjahrsmesse. Äst die Schau der Motoren ein Kind der neuen Zeit, so ist die Leipziger Messe der traditionelle Treffpunkt aller wirtschaftlichen Zweige; stellt die Auto-Ausstellung ein beherrschendes Zentrum der Derkehrsfragen und ihrer Wirtschaft dar, so treten in Leipzig die weltwirtschaftlichen Probleme deutlich hervor. In jedem Fall aber ist die Voraussetzung des Erfolges in dem hohen Stande der deutschen Leistung auf Grund anerkannter Wertarbeit zu suchen. Die Leipziger Messe, zu der aus der ganzen Welt die Besucher strömen, wird wieder durch eine große Kundgebung der Kommission für Wirtschaftspolitik der NSDAP, eingeleitet. Ihre Bedeutung ergibt sich schon daraus, daß als Redner hierbei neben dem Leiter der Kommission Bernhard Köhler der sächsische Staatsminister Lenk und der deutsche Botschafter in London von Ribbentrop angekündigt waren. Diese Kundgebung bedeutet nicht mehr und nicht weniger als den Ausdruck des deutschen Willens zum Welthandel. Die deutsche Wirtschaft, als das Ergebnis der Schaffenskraft eines Volkes von fast 70 Millionen, läßt sich nicht ausschalten! Alle Versuche, durch Boykott oder Hetze das deutsche Erzeugnis im Welthandel zu verdrängen, finden eine entschlossene Abwehr. Tatsächlich sind die Feinde des Deutschtums und seiner Geltung draußen weitgehend zum Schweigen gebracht worden, womit aber nicht gesagt ist, daß sie ihr unterirdisches Treiben einstellen. Gerade das letzte Wirtschaftsjahr hat durch die Zunahme des deutschen Außenhandels gezeigt, daß Deutschland als Abnehmer wie als Lieferant eine starke Kraft auf dem Weltmarkt darstellt, daß der deutsche Handel sich den Verhältnissen anzupassen weiß, um den Verlust alter Absatzfelder durch die Gewinnung neuer Gebiete auszugleichen. Es ist ferner dargetan, daß durch unsere — vom Auslande verschuldete — Devisenknappheit die starken Bande, die uns mit der Welt verbinden, nicht zerrissen werden konnten. Im Gegenteil: der Grundsatz, daß man nicht mehr kaufen soll als man bezahlen kann, hak einen festen und klaren Zustand geschaffen, mit dem auch andere Länder rechnen können. Im übrigen ist die öffentliche Devisenbewirtschaftung in so vielen Staaten der Welt eingeführt, daß wir uns in zahlreicher Gesellschaft befinden. Deutschland erblickt aber, oft genug wurde es gesagt, in der gegenwärtigen Lage der Weltwirtschaft keinen Idealzustand. Die Möglichkeiten zu einem gesunden Warenaustausch liegen freilich nicht in unserer Hand. Wir haben aber durch die Gesundung der eigenen Wirtschaft einen wichtigen Beitrag geliefert, der andere Länder zur Nachahmung anregen sollte. Immer wird sich die deutsche Wirtschaft, die kein kapitalistisches „Ding an sich" ist, sondern Lebensausdruck einer neu gekräftigten Nation, verpflichtet fühlen, der Weltdas Beste zu bieten, was Erfindungskunft und Wertarbeit zu leisten vermögen. Von gesundem Volkswirtschaften aus muß sich die Neuerstarkung der Weltwirtschaft leichter durchführen lassen. Man hat uns von dem großen Felde der kolonialen Betätigung alles Recht verdrängt und zeigt noch immer keine Neigung, dieses Unrecht wieder gutzumachen. Trotzdem wird jetzt in Leipzig eine kolonial- unö trope nie chnisch e A usftellung eröffnet, die der Welt zeigen wird, welche Aufgaben Wissenschaft und Technik bei der Erschließung fremder Erdteile besitzen. Daß die deutsche Wirtschaft trotz aller Ungunst der internationalen Verhältnisse zu solcher kulturellen Leistung aus freier Initiative heraus fähig war, spricht für sich selbst. Wer Weltwirtschaft treiben will, muß dem Strukturwandel Rechnung tragen, der überall und nicht nur im alten Europa vor sich ging. Die Zeiten sind vorbei, wo es darauf ankam, möglichst viele und billige Waren zu exportieren. Verkehr, Sport, Mode, Verbrauch und Arbeitsmethoden haben überall andere Wege eingeschlagen, als sie einst üblich waren. Die deutsche Erzeugung ist stets bereit gewesen, sich diesem Wandel anzupassen. Ein Lana wie das Deutsche Reich kann sich nach allen Opfern und Verlusten des Krieges und her Nachkriegszeit wirtschaftlich nur dann behaupten, wenn im eigenen Lande die Voraussetzungen neuen Aufstiegs geschaffen wurden. Ein Land, in dem der Bolschewismus droht, wäre für die Weltwirtschaft ein schlechter Partner. Ein Staat unter starker Führung aber überwindet auch die Schwierigkeiten der Umstellung auf den Weltmärkten, weil er keinen Dilettantismus und keine Jntereffenwirt- schaft in der Wirtschaftspolitik duldet. Es denkt niemand daran, anderen Ländern die deutschen Rezepte der Wirtschaftslenkung aufzudrängen. Wir sind zufrieden, wenn man sich auch heute vom Auslande her in Leipzig davon überzeugt, daß die deutsche Arbeit eine Leistungsschau geliefert hat, die dem eigenen Lande Ehre macht und anderen Rationen vieles zu bieten vermag. So wird die Leipziger Messe ein Bekenntnis der deutschen Wirt- 'chaft zum Welthandel sein, dem Deutschland auch ferner dienen will, im friedlichen Wettstreit der Völker! Eine Kolonial- und Tropeniechmsche Besse. Leipzig, 28. Febr. (DNB) Am Sonntag ist ;um erstenmal im Rahmen der Leipziger Messe eine geschlossene Kolonial- und t r o p e n t e ch - mische Messe eröffnet worden, die gemeinsam ’om Kolonialpolitischen Amt der NSDAP, und Oie Eröffnung der Leipziger Frühjahrsmesse. Or. Ley legi den Grundstein zum „Haus der Deutschen Arbeitsfront". .Leipzig, 28. Febr. (DNB.) In einer Feier, die zugleich die Eröffnungsfeier der Leipziger Frühjahrsmesse bildete, vollzog der Reichsorganisationsleiter und Leiter der DAF:, Dr. Ley, am Morgen des ersten Messesonntags die Grundsteinlegung zum Haus der Deutschen Arbeitsfront auf der Leipziger Messe, das im Mittelpunkt der Technischen Messe errichtet wird. Dr. Ley stellte fest, daß wir Deutsche, wie kaum eine andere Nation, auf unserem Raum beengt seien. Wir haben aber eines, das uns frei und glücklich macht, wir haben ein herrliches Volk, das hoch begabt ist. Wir können mit Stolz bekennen: Dieses Volk hat der Erde mindestens ebensoviel gegeben, wie die Erde diesem Volk gegeben hat. Das deutsche Volk ist unser Kapital, mit dem wir wirtschaften wollen und wirtschaften müssen. Der Ausdruck dieses Gedankens ist diese herrliche Schau deutscher Arbeit auf der Leipziger Messe. Seit mehr als 800 Jahren kommen hier die Menschen aus dem deutschen Raum zusammen. Es muß schon etwas Ungeheures sein, was so lange Jahrhunderte überdauert hat. Das ist mehr als der wirtschaftliche Wert, der in all dem liegt, das ist h ö ch st e Weltanschauung, deutsche Arbeit, deutsches Können und deutsche Leistung. So nimmt es nicht wunder, daß das neue Deutschland nun die wirtschaftliche Messe mit dem Geistigen der Arbeit paaren will, und daß wir in den Mittelpunkt dieses gewaltigen Messegeländes ein Denkmal, einen Tempel der Arbeit, der deutschen sozialen Ordnung und des neuen Deutschland überhaupt setzen. Die Arbeit in Deutschland ist nicht mehr eine Fron, nicht mehr eine Angelegenheit des Lohnes, sondern die Arbeit ist in Deutschland der Ausdruck höchster deutscher Ehre und deutscher Leistung und des deutschen Volkes überhaupt. Dr. Ley pries den deutschen Arbeiter, der auch in früheren Jahrzehnten niemals, wie man ihm vorredete, um materieller Vorteile willen gekämpft habe, sondern um feine Ehre, feine Achtung, seine Heimat und sein Vaterland, in dem er ein vollwertiger Bürger fein wollte. Adolf Hitler habe dem deutschen Arbeiter sein Vaterland und damit feine Ehre zurück- gegeben. So weihe er den Grundstein und damit den Baubeginn des neuen Hauses der Arbeitsehre und des Arbeitsstolzes, dem Geiste der Toten, die im Laufe der Jahrtausende für Deutschland gefallen sind. Der erste Hammerschlag des Reichsorganisationsleiters galt den Toten des Weltkrieges, der zweite den Toten der Bewegung und der dritte den Toten der Arbeit. Das Haus der „Deutschen Arbeitsfront" wird mit der M e f s e h a l l e 7, der größten freitragenden Halle Deutschlands organisch verbunden. Die Freifläche vor dieser Halle, auf der der Bau errichtet wird, hat eine Breite von 120 Meter und eine Tiefe von 40 Meter. Die Plangestaltung und die oberste Bauleitung liegt beim Architekten des Führers, Speer, dem der Preisträger im Wettbewerb zur Umgestaltung des Messegeländes, Architekt S ch ü m i s ch e n (Leipzig), zur Seite steht. Das neue Haus wird in feinem Mittelteil eine Ehrenhalle des deutschen schaffenden Menschen enthalten. Zu beiden Seiten der Ehrenhalle werden kleinere Hallen die Leistungen der weltanschaulichen Arbeit der Deutschen Arbeitsfront und des „Kr a f t-durch-Fr e ud e"- Werks zeigen. Die Höchstleistungen des Jahres finden hier alljährlich erstmalig ihren eindrucksvollen Niederschlag. Die Ausstellung soll das ganze Jahr über geöffnet bleiben. Die Halle 7, die während der Messe die große Maschinenschau beherbergt, wird außerhalb der Messe zu einer „KbF.-Halle" ausgestaltet. Sie wird zu einer Art überdachten Sportplatz. Dadurch wird die Halle künftig 40 000 statt bisher 20 000 Menschen fassen können. Hier sollen nun Veranstaltungen von „KdF." sportlicher Art und Feierabendoeranstaltungen durchgeführt werden. Es ist sogar an die Errichtung einer Sommer-Eisbahn gedacht. Die SchlWlflellmig des Kaufmanns in her Bolkswirlschast. Leipzig, 1. März. (DNB.) Auf dem Presseabend der Messe hielt der Leiter der Reichsgruppe Handel, Professor Dr. Lüer, einen Vortrag über das Lebensrecht des Handels und seiner Träger, der Kaufleute. Das Fehlurteil über das Wesen des Handels beruhe auf einer unorganischen Vorstellung dessen, was wir als volkswirtschaftlich produktiv anzusprechen haben. Produktiv sein heiße nichts anderes als nützlich fein. Die Güterschaffung sei mit der Herstellung eines Gutes wirtschaftlich nicht abgeschlossen. Die den Dingen innewohnende Nützlichkeit sei an den Stätten der Erzeugung noch in ihnen gebunden. Der Handel entfessele gleichsam die Nützlichkeit der Güter durch das Verbringen in den Raum des Verbrauches in richtiger Menge und Qualität zur Zeit des Bedarfes. Erzeugung und Verbrauch bedingten sich wechselseitig, sie strebten einander zu. Der Handel schließe als verbindendes Mittelding die Kette. So gesehen stehe der Handel im Mittelpunkt des Wirtschaftsablaufs. Er habe eine Schlüsselstellung inne, die ihn ermächtige, Erzeugung und Verbrauch in ihrer Gestaltung wesentlich zu beeinflussen. Die Bezeichnung „Verteiler" treffe das Wesen des Handels in keiner Weife und gehe an der produktiven und werlefchaffenden Tätigkeit vorbei. Wäre der handel wirklich nur ein mechanischer Verteiler, so könnke diese Funktion von anderen Einrichtungen in gleicher Weise ausgeführl werden. Der praktische Versuch einer solchen mechanischen verbeamteten Wirtschastsaussassung Hal in der bürokratischen Sozialisierung des bolschewistischen Handels seine verheerenden Folgen für die Volkswirtschaft erwiesen. Die Funktionen des Handels als solche seien unentbehrlich und könnten nur von seinem selb st än- digen Träger erfüllt werden: dem wirklichen Kaufmann. Von besonderer Bedeutung sei der Kaufmann im Außenhandel. Bei der Erschließung neuer Wirtschaftsgebiete fei er der Pionier, dessen Wagemut und Ausdauer für die Intensität der wirtschaftlichen Beziehungen entscheidend seien. Unsere Kolonialgeschichte beginne mit den Taten deutscher Kaufleute. Infolge des Zusammenbruches der Weltwirtschaft in ihrer alten Form sei allerdings heute der Kaufmann in den Entfaltungsmöglichkeiten feiner Leistungen stark eingeengt. Während dieser uns auferlegten Zwangslage des Außenhandels dürfe aber das in unserer Kaufmannschaft investierte Kapital, die Erkenntnisse und Erfahrungen, nicht verkümmern, denn es werde die Zeit kommen, wo es eingesetzt werden müsse. Durch jede nur mögliche Einschaltung bewährter Firmen könne dieses zur Zeit brachliegende Kapital vor der langsamen Aufzehrung bewahrt werden. Auch unser Binnenhandel, stehe unter einem Ausnahmegesetz, dadurch bedingt, daß sich die Wirtschaft in einem Uebergangsstabium befinde. Wie im einzelnen die künftige Entwicklung unserer Wirtschaft sein werde, ob ihre Gestaltung einen Strukturwechsel bringen werde, darüber könne noch nichts gesagt werden. Das Instrument, durch das die Wirtschaftsführung eine gleichmäßige harmonische und organische Weiterentwicklung aller wirtschaftlichen Funktionen und ihrer Träger ermöglichen könne, sei eine sinnvoll gestaltete Marktordnung. Die Marktordnung verhindere nicht die Auswirkungsmöglichkeit persönlicher Tüchtigkeit im Wettbewerb. Sie sehe nur die Regeln des Kampfes fest nach den Grundsätzen der kaufmännischen Anständigkeit und der sozialen Verbundenheit. Darüber hinaus aber erhalte die Marktordnung ein großes wirtschaftspolitisches Gewicht, wenn ihre Handhabung bewußt geübt werde unter dem Gesichtspunkt des nationalsozialistischen Zieles der Erhaltung einer gesunden wirtschaftlich selbständigen Mittelschicht. Der Handel gehe in die Zukunft in dem festen Glauben, daß die Fesseln, je mehr sich der weltpolitische Horizont aushelle, gelockert werden können; denn das Ziel der deutschen Wirtschaftspolitik fei nicht die Verminderung des internationalen Güteraustausches. Das fordauernde Ansteigen der Mengen der Austauschgüter im Außenhandel spreche überzeugend gegen das Schlagwort einer von Deutschland angeblich betriebenen Jsolierungspolitik. vom Leipziger Messeamt geschaffen ist. Eine eigene Ausstellungshalle von 4000 Quadratmeter Fläche ist auf dem Gelände der Technischen Messe für diese technisch, wirtschaftlich und wissenschaftlich gleich bedeutsame Sondermesse bereitgestellt. Diese Messe will neben einer Sammlung der bereits vorhandenen kolonialwirtschaftlichen Kräfte die Privatinitiative in der deutschen Wirtschaft auf die kolonialen Fragen lenken und die For - schungs- und Erfindertätigkeit auf t r o p e n t e ch n i s ch e m und hygienischem Gebiet fordern. Lehrschauen deutscher wissenschaftlicher Institute vereinigen sich mit den Ausstellungen der bedeutendsten Herstellerfirmen für koloniale Bedarfsartikel und besonders tropengeeignete Waren zu einem eindrucksvollen Bild der Kultur- und Pionierarbeit, die von Deutschen in den Kolonien und den Tropen bisher geleistet worden ist und auch ferner geleistet wird. Die deutsche Ausfuhrindustrie und der deutsche Außenhandel zeigen auf dieser wirtschaftlichen Kolonialschau ihre absolute Konkurrenzfähigkeit, ihre Anpassung an Märkte in nicht eigenstaatlichen Wirtschaftsräumen und ihren Willen zur Mitarbeit im großen Gefüge der Weltwirtschaft. Der Rundgang beginnt mit einer kolonial- forstlichen Schau, die das Institut für ausländische und koloniale Forstwirtschaft an der For st hoch schule Tharandt zusammengestellt hat. Hier wird zunächst Deutschlands Holzverbrauch und Einfuhrbedarf dargestellt und gezeigt, daß das Holzoersorgungsproblem für Deutschland nur mit der Kolonialfrage gelost werden kann. Schon aus Gründen der Gleichberechtigung wird der Anfpruch Deutschlands auf eigene Kolonialwirtschaft deutlich gemacht. Die Deutschland genommenen Kolonien weisen eine Bewaldung auf, die das Dreifache der deutschen Waldfläche beträgt und Deutschland reichlichste mit Hölzern verschiedener Verwendungsart, vom Luxusholz bis zum Papierholz, und darüber hinaus mit Nebenerzeugnissen, wie Palmöl, Kautschuk, Gerbstoffen, Faserstoffen usw. versorgen könnte. Schließlich werden die kolonialforstlichen Vorarbeiten gezeigt, die bereits in Deutschland und von Deutschen geleistet worden sind, namentlich durch botanische, technologische, chemische und bodenkundliche Forschungen. Das Institut für Schiffs- und Tropenkrankheiten, das in vorbildlicher Weise den Kampf gegen die Tropenkrankheiten fuhrt, hat eine jehr lehrreiche Wanderausstellung über Verbreitung, Ursache und wirkungsvolle Bekämpfung der wichtigsten Tropenkrankheiten beigesteuert. Ergänzt wird diese Schau durch Darstellungen der auf dem Gebiet der Tropenmedizin führenden deutschen Arzneimittelindustrie. Besonders umfangreich ist die Bergakademie Freiberg, die älteste technische Hochschule der Welt für das Berg- und Hüttenfach, beteiligt. Das Geologische Institut zeigt eine übersichtliche Sammlung der wichtigsten Mineralvorkommen der Welt. In den Firmenschauen wird nahezu alles gezeigt, was der Kolonifator und der Eingeborene an Artikeln gebrauchen. Das Sudetendeutschtum fordert Selbstverwaltung. Konrad Henlein auf einer Kundgebung der Sudetendeutschen Partei. Aussig, 28. Febr. (DNB.) Die Sudetendeutsche Partei hielt in Aussig eine große Tagung ab. Von den Wänden des großen Versammlungsraumes grüßten die Fahnen der Bewegung und die Staatsfahne, als unter brausenden Zurufen Konrad Henlein und Dr. K r e i ß l - Bodenbach zeigten, wie im Gegensatz zum alten Oesterreich die Entwicklung in der Tschechoslowakei gegen d i e Selbstverwaltung in den Gemeinden gerichtet war. Er verlangte daher die Wiederherstellung der ursprünglichen Freiheit der Gemeinden unö vor allem Gemeinbewahlen, öamit öer Wille öes Volkes auch hier zum Durchbruch komme. AbgeorÖneter Frank gab einen Rückblick über öie bisherigen „Etappen fuöetenöeutscher Politik". Die in St. Germain übernommenen Verpflichtungen her tschechischen Regierung, aus öer Tschechoslowakei eine 21 r t „höherer Schweiz" zu machen, seien ebenso wenig eingehalten moröen, wie öie Minber- heitenschutzbestimmungen. Trotz öes Eintritts su- öetenöeutscher Parteien in öie Prager Regierung fei ein weiteres Abgleiten öes Rechts unö öes Besitzstands öes Suöetenöeutschtums eingetreten. Auch nach öem suöetenöeutschen Wahlsieg vom Mai 1935 habe man öie angebotene Hand zum Frieben aus- geschlagen. Nun versuche man, mit öeutschen Splitterparteien zu einer Art Ausgleich zu gelangen. In Wirklichkeit mürben aber nur alten Versprechungen neue hinzu gefügt. Die deutsch - tschechische Frage könne nur mit b e r Mehrheit bes Subetenbeutschtums burch gesetzliche Vereinbarungen gelöst werben. Konrad Henlein erklärte, trotz aller Schicksalsschläge seien bie Su- betenbeutschen seelisch unb biologisch ungebrochen; es sei ein Irrtum gewesen, zu glauben, sie würben burch bie wirtschaftliche Verelenbung Bereuten ober man könne bie kulturelle Verbunben- heit ber Subetenbeutschen mit ihrem großen Mut- tervolk unterbinben. Nur mit Anwenbung brutalster Gewalt könne ein tschechischer Nationalstaat verwirklicht werben. Die Subetenbeutschen können nicht zulassen, baß bie ihnen verbürgte freie Entwicklung in eine Babyloni - s ch e Gefangenschaft umgeroanbelt werbe. Jeber Subetenbeutsche sei ehrlich bavon überzeugt, baß ber Friebe in ber Tschechoslowakei nur burch Anerkennung ber Volkspersönlichkeit unb ber Volkstumsgrenze hergestellt werben könne. Die Grunbsatze für bie gerechte Lösung ber Nationa- litätenfrage seien bie E inführungberSelbst- Verwaltung, bie bie Einheitlichkeit unb bie Größe bes Staates nicht verletze, weiter auf (9runb von nationalen Katastern die Zusammenfassung der Bürger gleicher Volkszugehörigkeit in gleiche Körperschaften öffentlichen Rechtes, die die Eigenbestimmung auf dem Boden ihres Gebietes und die Mitbestimmung in allen Staatseinrichtungen zu erhalten hätten. Alles das müsse durch Gesetze sichergestellt werden. Die Sudetendeutsche Partei werde dem Prager Parlament die nötigen Gesetzesvorlagen unterbreiten, damit nochmals eine Probe darauf gemacht werden könnte, ob die Tschechen ehrlich eine Versöhnung wollen. Die sudetendeutschen Forderungen seien: Schutz der Heimat, Sicherung der Volkstumsgrenzen, völkische Selbstverwaltung und Wiedergutmachung des den Sudetendeutschen seit 1918 zugefügten Unrechts. Unter großer Begeiste- Berlin, 27. Febr. (DNB.) Der Leiter der Auslandsorganisation der NSDAP., Gauleiter Bohle, richtet einen Aufruf an das Auslandsdeutschtum, in dem es heißt: Der Erlaß des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler vom 30. Januar 1937 über die Einsetzung eines Chefs der Auslandsorganisation im Auswärtigen Amt stellt eine Tat dar, die von historischer Bedeutung für das Deutschtum im Auslande sein wird. Niemals zuvor hat eine Regierung des Deutschen Reiches in dieser klaren Weise ihrer Verbundenheit mit den Reichsbürgern im Auslande Ausdruck verliehen. In vier Jahren harter und entschlossener Arbeit haben der Führer und seine Bewegung ein neues Deutschland der Kraft, der Ehre und des Stolzes geschaffen. Ich glaube, daß gerade die Deutschen im Auslande am tiefsten die ungeheure Wandlung ermessen können, die das deutsche Vaterland in dieser kurzen Zeit erfahren hat. Wir kennen das bittere Gefühl, das jeden von uns, die wir Deutsche geblieben waren, erfaßte, wenn fremde Völker mit Spott und Verachtung von Deutschland sprachen. Wir haben nicht vergessen, was es hieß, An- gehörig^ eines Staates zu sein, der als der Paria unter den Völkern angesehen wurde, und dessen Regierungen durch fortgesetzte Würdelosigkeiten dem Ansehen ihres Landes unermeßlichen Schaden zufügten. Es ist ein großes Ruhmesblatt in der Geschichte des Auslandsdeutschtums, daß unsere Volksgenossen jenseits der Reichsgrenzen trotz allem zum größten Teil ihrem Deutschtum, ihrer deutschen Art und dem schwerbedrängten Vaterland die Treue hielten. Ganz wenige sind es gewesen, die das heute zur stolzen Reichsflagge gewordene Hakenkreuzbanner draußen in der Welt aufpflanzten. Diese wenigen B e r l i n, 28. Febr. (DNB.) Der Reichstreubund ehemaliger Berufssoldaten e. V. hielt am 27. und 28. Februar seine diesjährige Bundesführertagung in Berlin ab. Neben rund 300 Bezirksverbandsführern und Standortleitern des Bundes konnte der Bundesführer Gauleiter und Oberpräsident Schwede- Koburg (Stettin) Vertreter des Reichskriegsministeriums, der drei Wehrmachtsteile, des Soldatenbundes, des Nationalsozialistischen Marinebundes, die Wehrkreisfürsorgeleiter des Reichskriegministeriums, Vertreter aller übrigen Ministerien, der Partei und des Reichsbundes der deutschen Beamten begrüßen. Die Tagung war der Klärung organisatorischer und wichtiger standes- politischer Angelegenheiten gewidmet. Der Vertreter des Reichskriegsministeriums stellte fest, daß die Organisation der Soldaten der neuen Wehrmacht nach der nunmehr einjährigen Entwicklung sowohl in ihrem Witglieder- als auch in ihrem Aufgabenkreis eindeutig fest steht. Das Sammelbecken aller ehemaligen Soldaten der neuen Wehrmacht seien d i e Bünde der drei Wehrmachtsteile: Für das Heer der S o l d a t e n b u n d, für die Kriegsmarine der Nationalsozialistische Warin e b u n d und für die Luftwaffe die in der Bildung begriffene Organisation dieses dritten Wehrmachtsteiles. Neben rung forderte Henlein die sofortigen Neuwahlen zum Prager Parlament, damit die Regierung den Beweis erhalte, daß diese von ihm aufgestellten Forderungen wirklich von allen Sudetendeutschen gebilligt werden. „Abermals", so schloß Konrad Henlein unter dem stürmischen Jubel der Sudetendeutschen, „strecke ich die Hand zum Frieden aus. Es ist möglich, daß sie nochmals ausgeschlagen wird. Da Recht und Wahrheit meine Helfer sind, werde ich mit euch, meine Kameraden, weiterkämpfen. Wir wollen fest an unsere Mission glauben, die für ganz Europa Ruhe und Frieden bringen wird. Wir werden unablässig um die Erfüllung ringen, komme was kommen mag!" schufen das Fundament für die Auslandsor- g a n i s a t i o n der nationalsozialistischen Bewegung, die nach der Machtergreifung des Führers in zäher und entsagungsvoller Arbeit die Reichsdeutschen im Auslande zusammenfaßte und sie an das gewaltige Geschehen in der Heimat heranbrachte. Durch bahnbrechendes Wirken auf dem Gebiet des sozialen Ausgleichs ist heute das einstmals nationale Auslandsdeutschtum eine nationalsozialistische Volksgemeinschaft im Sinne Adolf Hitlers, lieber die Parteigenossen hinaus gedenke ich in Dankbarkeit der vielen hunderttausend Volksgenossen und Volksgenossinnen, die als aufrechte Nationalsozialisten an dem Aufbau einer wahren Volksgemeinschaft im Auslandsdeutschtum mitgeschafft haben, ohne der Bewegung als Mitglieder anzugehören. Wenn ich daher meine neuen Aufgaben als Chef der Auslandsorganisation im Auswärtigen Amt in Angriff nehme, so bin ich glücklich, zu wissen, daß meine Parteigenossen und Parteigenossinnen mir auch hierbei treu zur Seite stehen werden. Mein Ruf zur freudigen Mitarbeit an diesen Aufgaben, die ausschließlich dem Werk des Führers dienen werden, ergeht aber an alle Volksgenossen überall in der weiten Welt, die ihrem Reich verbunden und ihrem Führer treu sind. Sowie das Auslandsdeutschtum im tiefsten Herzen stolz ist auf das große Vaterland, das Adolf Hitler ihm wieder- gab, so ist auch das neue Reich der Deutschen stolz auf die Haltung seiner Bürger im Ausland und auf das Ansehen, das sie bei ihren Gastvölkern genießen. Mögen wir alle, die wir zur weiteren Mitarbeit an einem großen Werk berufen sind, eingedenk sein der ewigen Verpflichtung, immer nur zu dienen Adolf Hitler und Deutschland! diesen Bünden müsse aber der Reichstreu- b u n d bestehen bleiben, um seine besonderen Aufgaben zu erfüllen, nämlich die Vertretung der sich aus der langjährigen Dienstzeit ergebenden besonderen Interessen der Gesamtheit aller ehemaligen Berufssoldaten der alten und der neuen Wehrmacht und die Betreuung jedes einzelnen Berufssoldaten in Angelegenheiten der Aivilversorgung und Aürsorgefragen nach dem Wehr- machtsversorgungsgeseh. Die Mitglieder der drei Soldatenbünde, die ehemalige Berufssoldaten waren, müßten also außerdem dem Reichstreubund angehören. Auf der anderen Seite fei der Reichstreubund aus der Entwicklung heraus und zur Unterstreichung der engsten Verbundenheit und kameradschaftlichen Zusamenarbeit korporatives Mitglied des Soldatenbundes des Heeres und sein Bundesführer gleichzeitig Stellvertreter des Bundesführers des Soldatenbundes als des zahlenmäßig größten Bundes der ehemaligen Soldaten der neuen Wehrmacht. Der Bundesführer des Reichstreubundes stellte mit Freude fest, daß nunmehr völlige Klarheit über den Mitgliederkreis, die Organisationsbereiche und Aufgaben bestünde. Alle Soldatenorganisationen würden wetteifern in der Arbeit zur Stärkung deutschen Soldatentums. Am Sonntagvormittag fand eine große Kund- lgebung im Theater des Volkes statt, an der neben mehreren tausend Bundesmitgliedern zahlreiche Offiziere des alten Heeres und der Marine sowie der neuen Wehrmacht teilnanmen. Nach dem Fahneneinmarsch gedachte der Bundesführer Gauleiter und Oberpräsident Schwede- Koburg aller Kameraden, die zu allen Zeiten für Deutschlands Freiheit, Ruhm und Ehre ihr Leben gelassen haben, der zwei Millionen Toten des Weltkrieges, der 400 Ermordeten aus der Kampfzeit der nationalsozialistischen Bewegung und der 600 im Kampf gegen die bolschewistische Weltpest in Deutschland gefallenen Kameraden der Polizei. Der Bundesführer des Soldatenbundes, General der Infanterie a. D. Freiherr Seutter von Loetzen, sprach noch einmal über die Aufgaben der verschiedenen Soldatenorganisationen und betonte, daß Deutschland nichts anderes wolle als einen ehrenvollen Frieden. Neben der aktiven Truppe sei der Reservist der Träger der Kampfkraft. Er erinnerte an die Worte des Reichskriegsministers am Heldengedenktage, daß die deutsche Wehrmacht zusammen mit der Partei, der sie sich unlösbar verbunden fühle, das Rückgrat und das Fundament des neuen Reiches bilde. Oberst Engelbracht überbrachte die Grüße des Reichskriegsministers Generalfeldmarschall von Blomberg und des Oberfehlshabers des Heeres, Generaloberst Frhr. von Fritsch. „Können ist Pflicht!" Staatsrat Johst zur Fachbuchwerbung 1937. Zur Eröffnung der Fachbuchwerbung 1937 sprachen der Präsident der Reichsschristtumskammer Staatsrat Hanns Jo Hst und der Vizepräsident der Reichsschrifttumskammer Ministerialrat Dr. Wis- m a n, über den Deutschlandsender. Staatsrat I o h st schilderte Wesen und die Bedeutung des Buches. Jedes Buch ist zuerst das Erlebnis eines einzelnen, aber erst, wenn es das Erlebnis vieler geworden ist, erhält fein Dasein seinen eigentlichen Sinn. Zu den Büchern, die der Gemeinschaft und ihrem Leben dienen, gehören vor allem auch die Fachbücher. „An Bücher erinnere ich jetzt, die ohne jeden anderen Ehrgeiz sind, als jedem unter euch lautlos und eindringlich zu dienen, jeden von euch reicher an Wissen, geschickter, erfahrener im Können zu machen. Die ganze Vielgestaltigkeit des Fachbuches blättert sich dem geistigen Äuge des Suchenden auf. Und wohin ihn seine Sehnsucht nach Vervollkommnung immer auch treiben mag, er findet in jedem Falle das Buch, das gerade für ihn und feinen Bedarf geschrieben wurde, und das sich restlos auf ihn einstellt und alles fagt, was er erfahren möchte. Das Buch und gerade das Fach- Buch ist immer noch das billigte, was es zu kaufen gibt." Anschließend sprach der Vizepräsident der Reichs- schrifttumskammer Ministerialrat Dr. W i s m a n, der den Einsatz der öffentlichen Buchwerbung für das deutsche Fachschrifttum als nationalsozialistische Schrifttumsförderung schilderte. Der Nationalsozialismus sieht es als seine Pflicht an, jedem Schaffenden zu dem geistigen Rüstzeug zu verhelfen, dessen er bedarf, um seine Kräfte zu entwickeln, seine Leistungen zu steigern und damit seine Pflicht zu erfüllen. In einer jährlichen großen Werbeaktion stellt er allen werktägigen Volksgenossen den ganzen Reichtum des deutschen Fachschrifttums vor Augen und führt durch die in Millionen von Exemplaren verbreiteten Listen eine praktische Beratung größten Stiles durch. „Wir sind sicher, daß auch die nunmehr beginnende große Werbeaktion dieses Jahres ein voller Erfolg werden wird. Unser Ziel ist freilich erst dann erreicht, wenn wir jeden werktätigen Volksgenossen im Besitz aller der von uns ausgegebenen Beratungslisten wissen... Möge jeder schaffende Volksgenosse an seinem Platz mithelfen, daß dieses Ziel erreicht wikd. Es geht ja nicht um uns. Es geht ja um dich und deine Zukunft, deutscher Arbeiter!" Oer Nundfunkprozeß vor dem Reichsgericht. Bestätigung des Urteils in den wesentlichen Punkten. .Leipzig, 27. Febr. (DNB.) Nach sechsmonatiger Verhandlung wurde vom Landgericht Berlin am 13. Juni 1935 der Rundfunkprozeß abgeschlossen, an dem acht Angekl agte beteiligt waren, und der mit der Verurteilung von fünf Angeklagten geendet hatte. Das Verfahren gegen die ehemaligen Direktoren des DasneueReichiststolzausseineVörgerimAusland! Aufruf des Sauleiters Bohle an das Auslandsdeutschtum. Dundesführertagung des Neichstreubundes ehemaliger Berufssoldaten. Mitteldeutschen Rundfunks und der Schlesischen Funkstunde Dr. Kohl und Emil Z o r e k ist inzwischen rechtskräftig abgeschlossen worden. Der frühere Reichsrundfunkkommissar, Staatssekretär a. D. Dr. Bredow, war zu sechs Monaten Gefängnis und 5000 Mark Geldstrafe, der ehemalige Geschäftsführer Dr. Magnus zu fünf Monaten Gefängnis und 4000 Mark Geldstrafe und der frühere Rundfunkintendant Dr. Flesch zu einem Jahr Gefängnis und 11000 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Die Verurteilung erfolgte wegen aktienrechtlicher Untreue in verschiedenen Fällen, bei Dr. Bredow und Dr. Flesch außerdem wegen Beihilfe zum Parteiverrat. Auf die Revisionen dieser drei Angeklagten hat das Reichsgericht dahin erkannt: „Das angefochtene Urteil wird, soweit die drei Be- schwerdeführer im Falle Trennungsvergütung Dr. Flesch, ferner soweit Dr. Bredow und Dr. Flesch im Falle Parteioerrats des Rechtsanwaltes Dr. Frey und soweit Dr. Flesch im Falle der ihm gewährten Vorschüsse und Darlehen verurteilt sind, sowie hinsichtlich der Gesamtstrafe und der Anrechnung der Untersuchungshaft aufgehoben. Die Sache wird in diesem Umfang z u neuer Verhandlung und Entscheidung an die Dorinstanz zurückoerwiesen. Im übrigen werden die Revisionen der drei Ängeklagten auf ihre Kosten verworfen." Damit hat das Reichsgericht das angegriffene Urteil in den entscheidenden Punkten rechtskräftig b e st ä t i g t. Die Aufhebung des Urteils in den genannten Punkten erfolgte, weil die Benachteiligung der Rundfunkgesellschaften bisher nicht einwandfrei und widerspruchslos nachgewiesen ist. Hinsichtlich der Beihilfe zum Parteioerrat hat die Vorinstanz den Sachverhalt u. a. nicht unter dem Gesichtspunkt geprüft, ob eine notwendige Teilnahme der Angeklagten vorliegt. Doch selbst, wenn in den vom Reichsgericht beanstandeten Fällen in der neuerlichen Verhandlung durch das Berliner Landgericht Freisprechung erfolgen würde, käme das Straffreiheitsgesetz vom Juli 1934 nicht zur Anwendung, da unter allen Umständen bei Dr. Magnus und Dr. Bredow Geldstrafen von je über 1000 Mark bestehen bleiben und auch bei Dr. Flesch die Amnestiegrenze von sechs Monaten Gefängnis in jedem Falle überschritten werden wird. Pimpfenmuflerung. NSG. Im Adolf-Hitler-Haus zu Wiesbaden, der Dienststelle der Gebietsführung Hessen-Nassau der Hitler-Jugend, kamen am Sonntag die Jungbannärzte zu einer Besprechung über die ärztliche Untersuchung des Jahr, aanges 1927 zusammen. Nachdem der Jungvolk- fportreferent, Fähnleinführer Balser, 'einen Ueberblitf über den technischen Ablauf der Aktion gegeben hatte und die große Bedeutung heraus- gestellt hatte, die die Fühung des Jungvolkes der gesundheitlichen Betreuung zumißt, erläuterte der Gebietsarzt, Unterbannführer Feser, die Durchführung der ärztlichen Voruntersuchungen, die in Anlehnung an die von der Reichsjugendführung gegebenen Anweisungen in Form von Appel- len in allen Standorten verläuft. Ihr Befund zusammen mit der Entscheidung des örtlichen Jungoolkführers entscheidet über die Tauglichkeit des neuen Pimpfen. Für diese Worunter* suchungen stehen sämtliche Aerzte des Amtes für Volksgesundheit zur Verfügung, die die Tausende von Jungen und Mädel, die am 20. April in das Deutsche Jungvolk aufgenommen werden, untersuchen helfen. Zum Schluß entwickelte Stabsleiter Oberbannführer Lindenburger die Aufgaben, die sich Hitler-Jugend und Jungvolk des Gebietes im Jahr 1937 gestellt haben, und die den vollen Einsatz der HI.-Aerzte erfordern. Die unbedingte Zusammenarbeit zwischen ihnen und der politischen Führung gibt die Gewähr für einen vor- bildlichen und ohne nachteilige Weiterungen verlaufenden Dienst. Radikalsozialistische Warnungen an Blum. Paris, 1. März. (DNB. Funkspruch.) Auf dem Prooinzial-Kongreß des radikalsvzialistischen Lan- desverbandes Südweft-Frankreich erklärte der Präsident des Bezirksverbandes der Dvrdvgne, daß die radikalsozialistische Partei wohl der Volksfront treu bleiben wolle, aber nur unter der Bedingung daß die Fahne der Rad'.kalsozialisten nicht die Taten der Marxisten zu decken hätte. Senator Odin erklärt, man dürfe nicht den Abschluß Oas „Strafgericht". Von Wolf Neumeister. Irren ist menschlich, und selbst ein Generalstäbler kann bei Schneetreiben und diesigem Wetter auf einer frisch verschneiten Heide eine Wegegabel verfehlen. Mit unserem Osfizierslehraang war ein neuer Kursusleiter nach dem belgischen Schießplatz gekommen, auf dem uns Fronthengsten die feineren artilleristischen Weisheiten beigebracht werden sollten. Dieser Major war ein hervorragender Artillerist, ein interessanter Lehrer, und hatte den sarkastischen Humor des deutschen Generalstäblers, der nie ^impfte, sondern einen mit einem einzigen Wort fo abdeckelte, daß man sich nach einem besseren Hranattrichter sehnte, in dem man verschwinden könnte. Wenn z. B. bei der überraschend gestellten Ausgabe: „Von rechts anreitende Kavallerie, angedeutet durch den Kraftwagen auf der Landstraße!" der augenblickliche „Batterieführer" ein falsches Feuerkommando gab und mit feinen Manöverkartuschen recht blöd in die Gegend ballerte, ließ ihn der Major ruhig gewähren. Nach einer Weile sagte er nur trocken: „Nehmen wir also an, eine andere Batterie hätte diese Kavallerie er- lebigt, — nun gehen Sie bitte auf Ihr altes Ziel zurück!" — Peng! — Oder als ein langer Badenser beim Pistolenschießen mit feiner „Parabellum" dauernd in den Dreck schoß und dann auch noch eine Ladehemmung hatte, nahm ihm der Major mit ruhiger Verwunderung die Pistole aus der Hand, betrachtete sie und sagte: „Parabellum? — Das scheint mir denn doch mehr ,si vis pacem* Zu fein!" (Ein alter lateinischer Lehrsatz: si vis pacem — wenn du den Frieden willst — para bellum — rüste zum Kriege!) S o einer war also der Major, aber trotzdem ver- fehlte er an jenem elenden Februarmorgen den Weg, als wir zum Scharfschießen auf den riesigen Heide-Schießplatz ausrückten. Wir waren auch alle neu im Gelände, und die alten Fahrer der Lehrbatterie hatten die Nasen tief in ihren Mantel- tragen stecken. Die belgische Militärverwaltung hatte aufmert« samerweise schon im Frieden drei Ortschaften als „Zieldörfer" in den Schießplatz einbezogen, und eines dieser Dörfer wollte der Major heute von unseren Haubitzen beschießen lassen. Geduldig zogen die dampfenden Gäule die schweren Geschütze durch Schnee und Sand, und die Spitze, die mit Karten führte, fluchte, daß dieses komische Dorf noch immer nicht kommen wollte. Aber endlich tauchte es auf, ganz unklar im Nebel, weit links am Horizont: Ein Dorf mit Kirche, Häusern, Bäumen. Genaueres war auch mit dem Glas nicht zu erkennen, so diesig war es noch immer. Der Major ließ in Stellung gehen, und ich hatte die Ehre, das Feuer auf angenommene „Erdwerke am Nordoftrande" zu eröffnen. Wie es kam, weiß ich nicht, hatten Richtkreis und Entfernungsmesser so gut gearbeitet, oder war ich plötzlich ein Genie, — jedenfalls lag ich mit dem ersten Schuß im Ziel, ein Dusel, der mir nur noch ein einziges Mal, später in Rußland, passiert ist. „Gut so!" knurrte der Major anerkennend, und ich kommandierte stolz: „Ganze Batterie, Bogenschuß, Granaten mit Verzögerung (und so weiter) ... Eine Gruppe!" Heulend rauschten die Geschosse über uns weg und schlugen rums — rums — rums--rums! ziemlich präzise im Ziel ein. Hohe Erdfontänen sprangen hoch, ein Treffer saß in einer kleinen Kapelle am Wege, aus einer Scheune drang ein merkwürdiger gelblicher Qualm. Ich wunderte mich, daß in so einem alten verlassenen Zieldorf noch etwas brennen sollte, und dachte, daß ich das Feuer doch etwas mehr hätte verteilen sollen, da fragte der Major den biereifrigen dicken U-: „Bitte Kritik! War die Feuerverteilung richtig?" — Der Dicke trat ans Scherenfernrohr des Kommandos,— „Zu Befehl, die Feueroerteilung ..." plötzlich fuhr er hoch: „Herr Major, da drüben brennt es!" — „3a, das sehen wir." — „Aber da sind Leute 1 Der Dicke stotterte es ganz aufge- Ttit einem Sprung war der Major an seinem Fernrohr, ich an dem meinen — weiß der Kuckuck, da drüben rannten Menschen aufgeregt aus dem Dorf, Männer und Weiber! Ein paar winkten mit weißen Tüchern, und aus der Scheune schlugen die dicken Qualmwolken eines typischen Strohbrandes. „Die Pferde!" brüllte der Major. „Feuerpause!" brüllte ich, und im nächsten Augenblick rasten Stab und Batterietrupp, an die zwanzig Reiter, in wildem Galopp über die Schneeheide. In wenigen Minuten hatten wir die drei Kilometer geschafft, vor uns das brennende Dorf, in dem scheußlichen Gefühl, daß uns da eine ganz fatale Schweinerei passiert sei. Aus dem Dorfe rannten jammernde Menschen mit allerlei Hausgerät, einige trieben Vieh ins Freie, andere standen in heulenden Gruppen. Dicht vor den Leuten parierten wir die keuchenden Gäule, bereit, diesen armen „paysans“ alles Gute und Liebe zu tun. Aber ehe wir noch Zeit zu einer Frage gefunden hatten, warfen sich die Leute jammernd in die Knie und — baten um Gnade! „Pas faire cTmal, messieurs! — Pas faire d‘mal!" Wir verstanden Wvrtfetzen: es solle n i e wieder vorkommen! .. .Es sei ihnen schon immer nicht recht gewesen ... wir sollten ihnen doch um der heiligen Jungfrau willen verzeihen und sie verschonen ... — Kein Wort des Vorwurfes, nur demütiges Bitten bedrohter Missetäter. Ich habe selten so viele dämliche Gesichter auf einem Haufen beisammen gesehen, wie die unseren, ehe jedoch bei uns der Groschen gefallen war, war unser Major schon wieder Herr der Lage. Er hob drohend den Reitstock: „Also gut, — dann soll es diesmal noch so hingehen", sagte er kaltblütig, „aber lassen Sie es sich eine Warnung fein!" Und dann deutete er auf eine Gruppe von acht bis zehn jungen Belgiern, die wie die begossenen Pudel zusammenstanden. „Was sind das für Burschen?" — Der Maire, ein alter Gauner in Bluse und weiten Nankmghosen, erklärte zerknirscht: „Das sind sie, mon general! Das sind die Rekruten; aber es wird nie mehr vorkommen, ich schwöre es ..." 3efjt wurde uns plötzlich der Zusammenhang klar, und dem Major auch: Das Dorf lag hart an Der holländischen Grenze, und die Herren „Pisangs" betrieben von dort aus den beliebten Menschenschmuggel, durch den der feindlichen Armee Rekruten aus den besetzten belgischen Gebieten zugeführt wurden. Und die Herrschaften hatten meine vier Granaten als die erste Serie eines verdienten Strafgerichtes angesehen, das nun den sündigen Ort vom Erdboden tilgen sollte. Und mit raschem Blick auf die Karte stellten wir fest, daß wir heute morgen anscheinend eine ver- schneite Wegegabel übersehen hatten und uns in friedlich bewohnten Gegenden befanden. Das konnte ja eine große Geschichte werden, wenn irgendeine höhere Dienststelle davon erfuhr! „Ist jemand verletzt?" fragte der Adjutant rasch. „Bisher noch nicht, mein Herr!" wimmerte der alte Gauner weinerlich. So ein Dusel! Na und die alte Scheune voll Stroh, die brannte? — „Löschen!" befahl der Major, und die Pisangs rannten mit w"dern Freudengeheul davon. Einer meiner schönen Volltreffer war in eine Erdmiete mit Futterrüben gefahren, und unsere Pferdehalter fütterten bereits beruhigt die Gäule mit dieser willkommenen Beute. Der Schaden war lächerlich gering, und den Herren Schmugglern hier saß so ein heilsamer schreck im Gebein, daß s i e über die Angelegenheit bestimmt nicht weiter zu sprechen wünschten. So protzten wir ganz still und leise unsere Hau- bitzen wieder auf und schlängelten uns aus dieser fatalen Gegend. Unsere acht verhinderten „Rekruten" nahmen wir als Gefangene mit, um sie als „unter* roegs aufgegriffen" einer entfernten Kornmandan- zn übergeben, und beschlossen, der geheimen Feldpouzei den zarten Wink zu besonderer Aufmerksamkeit auf unser „Zieldorf" zukommen zu lassen. Aber auf dem Marsch dachten wir doch mit einigem Gruseln, was aus dieser dummen Geschichte hatte werden können. — Der Major ritt schweigend neben mir. Nach einer Weile sagte er plötz- t'ch ^fen Der Reichs- und Preußische Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat den Dozenten für Betriebswirtschaftslehre und Genossenschaftswesen, Dr. rer. pol. habil. Reinhold Henz - ler in Frankfurt beauftragt, die durch das Ausscheiden des Professors Hellauer in der Wirtschasts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Frankfurt zum 1. April d. I. frei werdende Professur für Betriebswirtschaftslehre vertretungsweise zu übernehmen. Dr. meck. Wilhelm König wurde beauftragt, an ber Tierärztlichen Hochschule Hannover die spezielle Chirurgie in Vorlesungen unb Hebungen zu vertreten. weiter zu steigern versuchen. Diese Arbeit muß mit guter fachlicher Ausbildung, viel Liebe zu den Ticken und mit Gründlichkeit in der Arbeit geleistet werden. Echäfermeister Wirth, Wetterfeld, forderte die Schäfer zu größerem Berufsstolz und zu festem Zusammenhalten auf. Von den Gemeinden verlangte er mehr Verständnis und Förderung für die Schafzucht. Anstelle einer übersetzten Rindviehzucht empfahl er die wirtschaftlichere Schafhaltung. Ortsgruppenleiter Kirchhöfer, Hungen, rühmte in einem kurzen Schlußwort den ideellen Gehalt des Schäferberufs und insbesondere auch die Derliebe eines guten Schäfers. Er betonte, daß auch der Schäfer mitarbeite für das Werk des Führers und damit für Deutschland. Mit dem Gruß an den Führer wurde dann die Arbeitstagung geschlossen. Schä'serumzug und Schäferkömgspaar. Am Nachmittag marschierte ein interessanter Festzug durch die fahnengeschmückten Straßen der Stadt. Voran SA.-Reiter, dann schneidige SA.- Musik. Hierauf, mit der Schäferfahne an der Spitze, unter Führung des Schäfermeisters Wirth (Wetterfeld) die große Gemeinschaft der Schäfer in ihrer Berufstracht mit der Schäferschippe. Wetterharte, prächtige, erdverbundene Männer neben den kräftigen, berufsstolzen Söhnen, aber auch manchmal noch in Begleitung von Enkeln, so daß Großvater, Vater und Sohn in einer Berufsgemeinschaft marschierten. Dazu einige junge Schäferinnen, zum Teil ganz in Wolle der eigenen Schafzucht gekleidet, eine schöne und ansprechende Werbung für die Schäferei. Dann folgte eine Anzahl Festwaaen, voran der bisherige Schäferkönig mit der Schäferkönigin, dann je ein Wagen mit der Schafschur, mit der Wolloer- arbeitung, dem Schafpferch mit Schafen, zwei Spinnstuben, Leibesübungen treibender Landjugend; dann marschierend Jungvolk, zum Schluß eine Abteilung SS. Auf der Festwiese vor der Stadt sprach zunächst Kreisbauernführer Ott zu den Schäfern und den übrigen Volksgenossen. Er betonte dabei besonders den hohen ideellen Gehalt des Schäferberufs und sprach den Schäfern Dank und Anerkennung für ihre bisherige Mitarbeit am Werke des Führers aus. Als Vertreter des verhinderten Landesbauernführers sprach Landesobmann Seipel (Friede berg). Er wies dabei insbesondere auf die realen und idealen Fundamente der Schäferarbeit hin und betonte, daß die Wiederbelebung und Förderung der einheimischen Schafzucht eine reale und ideelle Notwendigkeit darstellt. Die Sorge, die heute dem Schäferberuf von feiten des Reichsnährstandes zu- gewandt wird, entspricht der Bedeutung der Schafhaltung für unser gesamtes Wirtschaftsleben. Der Landesobmann ging weiter auf einige allgemein politische Fragen ein und wies besonders darauf hin, daß der nationalsozialistische Staatsgedanke für jeden Stand bindende Verpflichtungen enthält und aus dieser gegenseitigen Verpflichtung seine Lebensund Leistungsrechte empfängt. Nunmehr folgte der traditionelle Schäferlauf, an dem 5 Burschen und 5 Mädchen bis zu 25 Jahren teilnahmen. Sämtliche Wettbewerber für diesen Lauf müssen unverheiratet sein. Aus dem zweimaligen Wettlauf über zwei Hindernisse gingen Schäfer Wilhelm Blum aus Ober-Widdersheim als Schäferkönig und Elisabeth Vondcrheid aus Villingen (diese schon viermal hintereinander) als Schäferkönigin als Siegerpaar hervor. Mit Musik ging es nun zur Stadt zurück, wo bei Musik und Tanz im „Darmstädter Hof" der diesjährige Oberhesfische Schäfertag seinen Abschluß fand. Aus der Provinzialhauptstadt. Offene Augen bringen Glück! Wer freut sich nicht, wenn ihm ein Marienkäfer- chen zufliegt? Verheißend doch diese kleinen roten, schwarzbepunkteten Käferchen eitel Glück, weshalb man sie auch Glückskäfer nennt. Nun, nicht mehr lange wird's dauern, und Millionen dieser kleinen, rotleuchtenden Glückskäferchen werden in ganz Deutschland summen und brummen. Manche werden fragen: jetzt im März schon Marienkäfer? Nicht nur das! Auch die Margeriten werden schon im März blühen! Denn auf diesen Margeritenblüten sitzen die roten Glückskäfer, die uns allen, die ganz Deutschland Glück bringen werden. Diese Margeritenblüten mit dem Glückskäfer sind das Abzeichen des deutschen Winterhilfswerks für die bevorstehende Straßensammlung im Monat März. Just ein Jahr ist es her, als uns die zierlichen, elfenbeinfarbenen Narzissen des Winterhilfswerks erfreuten, mit denen sich heute noch mancher schmückt. Damals konnte es nicht genug Narzissen geben. Mit den Margeritenblüten und Glückskäferchen wird's diesmal ähnlich gehen: ehe wir uns umsehen, werden alle verkauft sein. Aber wer hat sich nur diese blühende Margerite mit dem Glückskäferchen ausgedacht? Irgendeinem muß dach der Gedanke, dieses Sinnbild des Frühlings und des Glücks zu schaffen, zu allererst gekommen fein! Gewiß war es ein großer Maler oder ein großer Dichter, der es sich in seinen Künstlerträumen ersonnen hat? Weit gefehlt diesmal! Weder ein großer Maler, noch ein großer Dichter, auch nicht etwa ein Kunstgewerbler war es, sondern ein bescheidener, einfacher Kammacher aus Ober-Ramstadt bei Darmstadt. Dort in Ober-Ramstadt sitzen viele Kammmacher, deren geschickte Hände weitberühmte Schildpattkämme und Schildpatthaarschmuck herstellten, bis die Bubikopimode ihnen das Brot nahm. Und einer dieser stillen Arbeiter hat sich die Margeritenblüte mit dem roten Glückskäferchen aus- gedacht. Man hat ihn gefragt, wie es zugegängen ist, daß ihm ein so gescheiter Gedanke kam? „Jo", hat er lachend in unverfälschtem Hessisch geantwortet, „wenn man halt mit offene Aaache (Augen) dorch die Welt geht, do sieht ma schon, wie die klane Käwerche uf de Blume herumkrawele". Meinen wir nicht alle, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen? Aber dennoch haben wir nicht ,chas Käwerche uf de Blume krawele" sehen. Der Oder-Ramstädter Kammacher, der allein hat's gesehen! Worauf es aber dem Kammacher in feinem Herzen ankam, war vor allem, daß seine Ober-Ram- städter wieder Arbeit hätten. Seine „offene Aache" haben's geschafft! Viel Arbeit und viel Glück kam nach Ober-Ramstadt, nach Erbach (im Odenwald), nach Geislingen a. d. Steige (Württemberg), aber auch noch nach etlichen Betrieben in Baden und Oberbayern, kurz überall dorthin, wo geschickte Hände deutscher Elfenbeinschnitzer und Drechsler hatten feiern müssen. Es ist schon was dran an dem Wart, daß offene Augen Glück bringen! Wie groß aber das Glück sein wird, das werden am besten alle die deutschen Volksgenossen erfahren, denen durch die geopferten Spenden wieder ein großes Stück weiter geholfen wird. Und weil's so sein wird, wird zuletzt das Maraeritenblümlein mit dem Glückskäfer ganz Deutschland Glück bringen, denn das größte Glück der Deutschen ist die Volksgemeinschaft! Dornoiizen. Tageskalender für Montag. NSDAP., Kreis Wetterau, Amt für Beamte: 20 Uhr im Caf6 Leid Gemeinschaftsabend für die Kreisabschnitte Mendorf a. d. Lda., Gießen, Grünberg, Hungen und Lollar. — NSG. „Kraft durch Freude": 20 bis 23.15 Uhr: „Carmen". — GloriaI Palast, Seltersweg: „Ich lebe mein Leben". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Variete". — Ober- hessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz: 117 bis 18 Uhr Ausstellung „Forscher als Künstler". — Evangelische Gesamtgemeinde, Evangelischer Bund: 20 Uhr in der Johanneskirche Volksmissions- abend. NEDAp., Kreis Wetterau. Amt für Beamte. Arn Montag, 1. März, 20 Uhr, findet im Cafe Leib, Gießen, für die Kreisabschnitte des RDB. Allendorf a. d. Lda., Gießen, Grünberg, Hungen und Lollar ein Gemeinschaftsabend der Berufskameraden statt. Familienangehörige und Gäste find willkommen. Ortsgruppe (Sießen-Süd. Am Dienstag, 2. März, Mittwoch, 3. März, und Donnerstag, 4. März, findet in der Ortsgruppe Gießen-Süd durch die NS.-Frauenschaft die WHW.- Pfundsammluna statt. Es wird gebeten, die Lebensmittelspenden Osifundpakete) zur Abholung bereitzuhalten. NSDAP. Ortsgruppe Gießen-Süd. hilfskasie. Alle Angehörigen der SA., SS., Marine-SA., Reiter-SA. und des NSKK., die im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Süd wohnen, zahlen ihren Beitrag zur Hilfskasse für die Monate April, Mai und Juni am Dienstag, 2. März, Mittwoch, 3. März, und Donnerstag, 4. März, jeweils in der Zeit vom 20 bis 22 Uhr auf der Geschäftsstelle der Ortsgruppe, Frankfurter Straße 29 Hinterhaus. NSDAP. Ortsgruppe Gießen-Ost. Am Dienstag, 2. März, findet ein Schulungsabend der Ortsgruppe Gießen-Ost für sämtliche Politische Leiter, Führer und Führerinnen der Formattonen, Amtswalter und Amtswalterinnen der Gliederungen und angefchlassenen Verbände im Schützenhaus statt. Beginn pünktlich 20.30 Uhr. Das restlose Erscheinen aller oben angeführten Mitarbeiter wird erwartet. Bett.: Lebensmittel-Opferrring der Ortsgruppe Die Sammlung wird Dienstag, 2. und Mittwoch, 3. März, von der NS.-Frauenschaft durchgeführt. Die Mitglieder wallen die Pfundpäckchen bereithalten und die Mitgliedskarte zur Eintragung vorlegen. Der Inhalt der Päckchen ist außen sichtbar anzugeben. Es wird gebeten, daß sich außer den Mitgliedern auch diejenigen Volksgenossen beteiligen, die in der Lage sind, das WHW. zu fördern. Vetr.: kohlenversorgung. Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine bis zum 5. März täglich in der Zeit von 17 bis 19 Uhr auf der Geschäftsstelle, Kaiserallee 52, gegen eine Wertquittung umzutauschen. Später eingereichte Kahlengutscheine können nicht mehr in Zahlung genommen werden. Ortsgruppe Gießen-Nord, Winterhilfswerk 1936/37. Am Donnerstag, 4., und Freitag, 5. 3., wird im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Nord die Pfundsammlung durchgeführt. Die Hausfrauen werden gebeten, die Pfundpäckchen bereitzulegen. Vetr. Kohlenabrechnung. Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine (Serie E und S) bis spätestens Freitag, 5. 3., 20.30 Uhr, auf unserer Geschäftsstelle, Walltorstraße 38, einzureichen. Später eingehende Gutscheine können nicht mehr angenommen werden. Auf der Rückseite des Gutscheines ist die Art des gelieferten Brennmaterials anzugeben, gleichzeitig müssen die Gutscheine den Stempel oder Namen der Kohlenhändler und die Unterschrift, Straße und Hausnummer des Hilfsbedürftigen tragen. . Die öeutfdic Arbeitsfront WX'n.9.=0emeinfthaft „Kraftdurch freute Amt Feierabend. „C a r m e n" - V o r st e l l u n g e n im Gießener Stadttheater. Die vorbestellten Karten für die Aufführung am 4. 3. müssen bis Dienstag, 2. 3., die vorbestellten Karten für die Aufführung am 8. 3. bis Mittwoch, 3. 3., abgeholt werden, andernfalls wir über die Karten anderweitig verfügen. Die „Neue Apothekerin derKaiserallee. Nach einem schwierigen Umbau des Hauses Kaiserallee 10 und nachdem der Innenausbau abgeschlossen werden konnte, wird am heutigen Montag die „Neue Apotheke" ihrer Bestimmung übergeben. Die Einrichtung dieser Apotheke wird sicherlich von der Bevölkerung des erheblich ausgebauten Ostteils unserer Stadt begrüßt werden. Es handelt sich bei dieser Apotheke um eine Neugründung, für die von der zuständigen staatlichen Behörde — nach eingehender Prüfung der örtlichen Verhältnisse und Notwendigkeiten — die Konzession erteilt wurde. Inhaber ist Herr Adolf Berger, der lange Zeit in Bad Ems tätig war. Ein Gang durch die Räumlichkeiten der Apotheke läßt erfenen, daß sie unter Zuhilfenahme der modernsten Errungenschaften geschaffen wurde. Die Apotheke besteht aus dem „Offizin", dem eigentlichen Verkaufsraum, dem unmittelbar die Rezeptur eingegliedert ist, ferner aus einem Büroraum, in dem gleichzeitig die homöopathischen Heilmittel untergebracht sind. Anschließend befindet sich ein Arbeitsraum, in dem Medikamente in größeren Mengen hergestellt, verpackt, abgefüllt usw. werden können. Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß der Inhaber der Apotheke es als feine besondere Pflicht ansah, für den Umbau und die Einrichtungen der Apotheke einheimische Handwerker zu beauftragen, sofern nicht Spezialfirmen hinzugezogen werden mußten. Landestagung hessischer Schafzüchter. Der Landesverband der Schafzüchter in Hessen- Nassau hält am 13. März tn Gießen seine Jahrcs- haupttagung ab, auf deren Tagesordnung neben der Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten als wichtigster Punkt ein Vortrag von Dr. Linnenkohl (Kassel) über „Die Schafzucht in der Erzeugungsschlacht" steht. ♦ ** Eine Fünfundsiebzigjährige. Am heutigen Tage feiert Frau Bernhardine Engelbach, Weserstraße 27, in voller Gesundheit ihren 75. Geburtstag. ** Mieterjubiläum. Am heuttgen Montag, 1. März, wohnt Frau Elisabcch Wagner seit 40 Jahren im Hause von Karl Weller, Wolkengasse 22, ein ehrendes Zeugnis für die Mieterin, wie auch für den Vermieter. ** Straßensperrung. Wegen Vornahme von Umbauarbeiten an der Bürgermeisterei ist die Straße Am Nahrungsberg zwischen Bergstraße und Gartenstraße auf die Dauer von acht Tagen für jeglichen Verkehr polizeilich gesperrt worden. Die aufgestellten Umleitungs- bzw. Sperrschilder find zu beachten. ** Schneegänse über der Stadt. Am Samstag zwischen 14.45 Uhr und 14.50 Uhr flog eine Schar Schneegänse, 25 bis 30 Stück, laut schreiend über unsere Stadt. Sie flogen anfangs ungeordnet, sammelten sich dann aber und zogen in der bekannten Keilform in der Richtung nach Nord-Nordosten weiter. Das Mädchen mit dem Silberhaar. Roman von Anny von panhnys. 16. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) 10. Die Komtesse wurde wieder in das Büro von Berthold Radix geführt. Sie hatte ihr liebenswürdigstes Lächeln aufgesetzt und tat sehr scharmant. "Nun, Herr Direktor, haben Sie der dickköpfigen Person ordentlich die Meinung gesagt und ihr erklärt, was sie mir schuldig ist?^ begann sie und ließ sich graziös in einen bequemen Klubsessel nieder. Berthold Radix war, nachdem er die Besucherin sehr kühl begrüßt, was dieser nicht einmal ausgefallen, an seinem Schreibtisch ftehengeblieben. Er antwortete ziemlich scharf: „Das' Wort ,Pcr- fon‘ klingt wenig angenehm für den Verlobten dieser Person, Komtesse. Und damit wir uns schnell Har werden: Ich habe mich gestern mit Zustimmung meiner Mutter mit Fräulein Karsten verlobt, was in Kürze bekanntgegeben werden wird." Der hochmütige Mund der Komtesse blieb im wahren Sinne des Wortes vor Verblüffung offen stehen. Schließlich stieß sie hervor: „Sie wollen sich natürlich einen Scherz mit mir machen, nicht wahr?" „Mit solchen Dingen pflege ich nicht zu scherzen, mein Fräulein. Ich liebe Fräulein Karsten, und da ich selbst — ich gestehe es offen — auf dem Maskenball im „Einhorn" der geheimnisvolle Kavalier gewesen bin, der das arme Mädchen in eine wenig angenehme Lage brachte, habe ich mich mit ihr etwas eher verlobt, als wir eigentlich beabsichtigten. Wir wollten damit nämlich noch ein halbes Jahr warten. Und falls Graf Stein und Ihre Familie Wert darauf legen, sich von meiner Braut versichern Zu lassen, daß sie die Dame mit dem silberblonden Haar auf dem Maskenball im „Einhorn" gewesen ist, wird Fräulein Karsten, wie ich schon letzthin vorschlug, gern dazu bereit fein. Aber zu mehr Entgegenkommen besteht kein Grund. Es kann wohl auch das ganze Städtchen erfahren, daß ich mit meiner heimlich Verlobten auf einem anständi- gen Maskenball getanzt, Sekt getunfen und sie geküßt habe. Im übrigen aber bitte ich mir Achtung aus vor Fräulein Karsten. Ich würde von jedem Rechenschaft fordern, der ihr dieselbe Achtung verweigert, die ich für mich verlange." Er verneigte sich. „Ich hoffe, Komtesse, Sie sind in allem meiner Ansicht" Hella Mönchsgut erhob sich mit lebhaftem Ruck. „Meine Ansicht kann Ihnen wohl ziemlich gleich sein, Herr Direktor; aber ich muß mich leider Ihrer Ansicht fügen." Sie neigte nur ein wenig den Kopf, und in ihren Augen las er Aerger und Zorn über die Abfuhr die sie erlitten. Gleich darauf war sie, höflich von ihm bis zum Flur geleitet, gegangen. Er lächelte ihr nach. Jetzt brauchte er eigentlich gar keine Verlobungsanzeigen mehr zu verschicken; die Komtesse würde diese Neuigkeit schon genügend verbreiten. Er öffnete die Tür zu einem kleinen Nebenraum, da stand Franziska Karsten, die alles mit angehört. Er selbst hatte sie in das Zimmerchen geschoben, als ihm die Komtesse gemeldet worden war. „Du bist unendlich gut, Berthe!! Ich begreife es immer noch nicht, womit ich so viel Liebe und Güte von dir verdient habe." Sie schüttelte den Kops. „Ich habe dich früher auch ganz falsch beurteilt, t)abe dich für viel oberflächlicher gehalten, weil du morgens so spät ins Büro kamst, weil du gesell- saftlich sehr in Anspruch genommen warst und so oft für ein paar Tage nach Frankfurt oder sonstwohin verschwandest. Weil du —" Sie stockte, und er vollendete: „Weil ich zu viel auf mein Aeußeres gebe und immer nach der letzten Mode herumlaufe?" Er zwinkerte neckend. „Stimmt doch alles, Mädelchen, ich hab's erraten, nicht wahr?" Sic mußte zugeben: „Ja, auch das trug dazu bei, daß ich mir van dir ein falsches Bild machte, dich für oberflächlich hielt. Ich sehe dich jetzt ganz anders." Er blickte nachdenklich ins Leere. „Weißt du, Fränze, früher hat deine Meinung über mich beinahe gestimmt. Aber die Liebe, die über mich gekommen, hat das Beste in mir mit emporgerissen." Er sah sie glücklich an, küßte sie, schab sie bann von sich, lachte: „Jetzt wollen wir arbeiten. Den Nachmittag hast du wieder frei, da fahren wir zu meiner Mutter." An diesem Tage teilte Franziska der Nähkathrin mit, daß sie sich mit Berthold Radix verlobt hätte, und die Nähkathrin schlug vor Staunen schallend die Hände zusammen. „Ich hab's gewußt, daß du noch Glück im Leben hast, Fränze. Ader, nicht wahr, wenn man nicht bas Gelb gestohlen hätte, bas beine Großmutter hinterlassen, wäre bas alles anbers gekommen! Weil bu bein Gelb von ber Fabriksparkasse für die Beerdigung haben wolltest, würbe bein Chef erst auf bich aufmerksam." „3a, er sagt bas selbst", gab Franziska zu. Sie bemerkte nicht, wie bie Alternde bei ihrer Antwort aufatmete. Franziska meinte: „Ich möchte nun ein paar Möbel verkaufen, denn etwas muß ich doch schließlich mit in die Ehe bringen. Wenigstens Wäsche unb ein paar Kleiber. Ich kann mich ja nicht ganz wie eine Lumpenprinzessin ausftatten lassen." Da würbe Nähkathrin nachbenklich, murmelte: „Schabe, baß man bas Gelb gestohlen!" Sie lächelte, unb bas Lächeln sah ein bißchen verzerrt aus. „Vielleicht ist es aber doch nicht gestohlen worben. Wer sollte benn hier hereingekommen sein? Deine Großmutter hat es wohl nur zu sicher aufbewahrt. Weißt bu, es läßt mir keine Ruhe, ich fange nochmals an, ganz gründlich zu suchen." Am Abend kam sie Franziska mit bem Ruf entgegen: „Es ist ba, es ist ba! Es hat sich hinter ben Kasten im Schreibtisch festgeklemmt, ba ist nämlich eine Spalte." Sie bewies Franziska, wo bie Scheine gewesen, unb bas junge Mäbchen nahm bie Lüge arglos hin, war froh, um nicht ganz arm in bie Ehe gehen zu müssen. So hatte Nähkathrin ben Diebstahl roieber gut- «, aber bie Angst vor einem sorgenvollen anb von neuem debrohlich vor ihr. Die Verlobungskarten würben zur Post gegeben; eine baoon flog auch nach Paris, an ben Generalvertreter ber Dortigen Rabio-Radix, den Grafen Jean Louis von Rethel. Er zeigte bie elegante Anzeige feinem zukünftigen Sohn. „Ein liebensroürbiger Herr, ber Besitzer ber Rabio-Rabix. Ich kenne ihn persönlich gut; er lebte vor bem Tob seines Vaters lange hier in Paris. Wir finb manchmal zusammen ein bißchen herum- gebummelt." Am Abenb, ehe er sich zur Ruhe begab, räumte er, wie gewöhnlich, seine Taschen aus, unb ba fiel ihm auch bie Verlobungsanzeige roieber in bie Hänbe. Er las: Berthold Rabix Franziska Karsten „Franziska Karsten!" sagte er leise, unb über seine Stirn legte sich eine nachbenkliche Falte. Er wieberholte: „Karsten!" Sah plötzlich, wie aus bem Boden aufgestiegen, eine schlanke Frauengestalt mit ganz eigenartiger Haarfarbe vor sich. Sielderdlonb konnte man bie Farbe wohl nennen. Er sah große Augen in ber Umrahmung bunfler langer Wimpern unb hörte eine erregte Stimme sagen: „Sie tragen bie Schuld an dem ganzen Unheil!" Er fuhr sich mit ber Hanb über bie Stirn, als wollte er quälenbe Gebauten wegroischen. Die Müdigkeit, bie er vorhin empfunben, war vergangen; Dinge, an bie er nur ungern bachte, waren mit einem Male roieber aufgetaucht unb blieben haften. „Sie tragen bie Schulb an bem ganzen Unheil!" klang es ihm in ben Ohren Er ging an bas Fenster, stieß bie Läben weit auf. Dort brühen, in weichen, nächtlich verschwimmen- den Linien, lag bas kleine Palais Rethel, das Ziel feiner Wünsche. Der Anblick sollte ihn beruhigen. Aber es war nicht ber Fall. Im Gegenteil, er fragte sich, ob es wirklich so wichtig war, baß er ba brüben roieber einzog. Legte er nicht zuviel Wert auf diesen Wunsch? Nein, nein! verteidigte er sich heftig. Wichtig ist alles, roas man brennend wünscht, namentlich, wenn man alt geworden und bie Zukunft begrenzt ist- Her mit frohen Gebauten! Die Slboptionsange- legenheit schritt gut vorwärts, alle Heimatspapiere des in Wien geborenen Günther Grevenstein waren in Orbnung, unb es lag, wie Nachfragen in Wien unb Prag, wo er am meisten gelebt, ergaben, nichts gegen Grevenstein vor. Er sann: Manche Annehmlichkeit hatte ihm Günther Grevenstein schon in sein Leben gebracht. Er fanb, baß die Waubuhr fast überlaut tickte! Unb tickte sie nicht rhythmisch, betont: Sie tragen die Schulb an bem ganzen Unheil!? Er stellte bie Uhr ab unb ging schlafen. Er spürte jetzt roieber Mübigkeit. Karsten! sann er. Es war wohl ein Name, der in Deutschlaub häufig vorkam, auch mehrmals in einer kleinen Stabt. Das wäre boch gar nichts Ungewöhnliches. Er lachte ein wenig, aber es klang unfroh; bann schlief er ein. 11. Tilli Bergschlag saß in ihrem eleganten Ankleidezimmer unb alles lag $um Ausgang bereit; aber sie bachte nicht baran, sich umzukleiden. Ihr Vater trat ein; er war ein untersetzter, ein wenig plumper Mann, aber sein Gesicht hatte einen Ausdruck von Gutmütigkeit. Er rief vorwurfsvoll: „Aber Tillichen, wir wol- len boch zur Mobeurevue ins Schumanntheater fahren, unb nun hockst du noch im Morgenrock hier! So läufst du morgens, mittags unb abends herum unb warst früher immer wie aus bem Ei gepellt. Ich rufe bie Marie, laß dir beim Anziehen helfen, damit wir noch zurechtkommeu. Du sollst bir bei ber Revue recht schöne Toiletten aussuchen, unb bann reifen wir nach Italien. Da ift’s jetzt schon roarm unb sonnig." Er strich über ihr mattbraunes Haar, besten unbebeutenben Farbton bie gute Pflege sticht verbessern konnte. „Sei boch vernünftig, Til- lichen! Was vorbei ist, bas ist nun mal vorbei. Finbcst balb einen anberen, ber es ehrlich mit bir meint." „Der Kerl hatte es von Anfang an bloß auf unser Gelb abgesehen, unb wir können froh sein, baß er uns nicht noch mehr 'reinqeleqt hat." Tilli schluchzte auf. "Rehe boch nicht so schlecht von ihm, Vater! Es tut mir weh. Er hatte eben Unglück mit bem Geld, vielleicht hat er spekuliert, unb für bich zählt bie Summe ja gar nicht. Aber er ist nun in Afrika, unb wenn ich baran benfe, ist es mir immer, als ob er vor mir ftänbe unb mit erhobenen Hänben um Rettung bäte. Ich kann nicht mehr schlafen, ich kann nicht mehr essen, so quält mich biefer Gedanke." (Fortsetzung folgt.) 6 Ji.Sport GpL. Kassel Meister im Gau Hessen. Mit dem 3:1-(1:1)-Siege des Tabellenführers in Hessen, SpV. Kassel, über den Tabellenletzten in Niederzwehren ist die Frage nach der Meisterschaft geklärt. Allerdings hätte es dieses Sieges gar nicht einmal bedurft, da der Verfolger des Spielvereins, Hessen Hersfeld, auf eigenem Platz gegen Kewa Wachenbuchen nur unentschieden spielen konnte und damit seine einzige Chance selbst vergab. In den übrigen beiden Treffen des Sonntags siegte der VfB. Friedberg auf eigenem Platze gegen Germania Fulda überlegen mit 4:1 und die in Fulda bei den Borussen zu Gast weilenden 03er aus Kassel nahmen mit einem 3:1-Siege beide Punkte nach Hause. Gau Bayern: Wacker München — Bayern München 0:0; FC. 05 Schweinfurt — 1860 München 1:0; 1. FC. Nürnberg — ASV. Nürnberg 3:0; VfB. Coburg — SpVg. Fürth 4:0. Gau Südwest: Wormatia Worms — Sportfreunde Saarbrücken 6:2; FSV. Frankfurt — Kickers Offenbach 2:1. Die Entscheidung inderKußball-DezirksklasseGießen-Oill Frohnhausen — Wetzlar 1:2. Bissenberg — Lollar 2:1. 1900 Gießen — Naunheim 6:0. Sinn — VfB.-R. Gießen ausgefallen. Burg — Dillenburg ausgefallen. Die Wetzlarer hatten in Frohnhausen bis zum Schluß zu kämpfen, um einen knappen Sieg zu erringen. — Die Lollarer verloren in Bissenberg durch das allzu harte Spiel der Platzbesitzer nicht nur die Punkte, sondern auch ihren besten Spieler Gabriel durch Schienbeinbruch. — Die 1900er waren gegen Naunheim jederzeit Herr der Lage und siegten in dieser Höhe verdient. Auf Grund dieser Ergebnisse hat die Tabelle folgen den Stand: Verein Spiele Gew. Unentsch. Verl. Pkte. SV. 05 Wetzlar 15 14 0 1 28:2 Burg 14 9 1 4 19:9 Naunheim 13 7 3 3 17:9 Frohnhausen 15 6 4 5 16:14 1900 Gießen 15 5 4 6 14:16 Bissenberg 14 6 1 7 13:15 Lollar 16 4 4 8 12:20 Sinn 14 4 3 7 11:17 Dillenburg 15 4 1 10 9:21 VfB.-R. Gießen 13 2 1 10 5:21 Spielvereinigung 1900 Gießen. 1900 — Naunheim 6:0 (2:0). Die Begegnung der Blauweißen mit dem Turn- und Sportv. Naunheim, die für die 1900.er von ausschlaggebender Bedeutung war, endete mit einem unerwartet hohen Sieg der Platzbesitzer. Dadurch ist der Verbleib in der Bezirksliga endgültig aesichert. Vor dem Spiel wurde Lippert eine besondere Ehre zuteil. Im Auftrage des Gaufachamtsleiters — Studienrat Riemann — überreichte ihm Dereinsführer R e i n i n g die Nadel des Gaues XII. für wiederholte Berufung in die Gaumannschaft. Das Spiel nahm von allem Anfang an einen wechselvollen Verlauf, obwohl beide Mannschaften nicht ihre gewohnte Form zeigten. In fast allen Aktionen lag etwas Unsicherheit. Bei den Blau- weißen war dies besonders bei Heuser festzustellen, der dadurch verschiedene gute Aussichten verdarb. Nach dem ersten Erfolg, als Sack einen Strafstoß aus wundervolle Art ins Netz jagte, besserte sich die Sache. Aber auch die Gäste wurden munterer. Selbst als Löbsack auf eine schöne Vorlage von Sack zum zweiten Tor einschießen kann, sind es die Naunheimer, die mehr vom Spiel haben. In dieser Zeit boten sich auch verschiedene Chancen, die jedoch nicht ausgewertet wurden. Nach der Pause wandelte sich das Bild sehr zugunsten der Blauweißen. Die Mannschaft kam in selten gesehene Spiellaune. Naunheim wird stark zurückgedrängt. 20 Minuten kann die Hintermannschaft der Gäste diesem Druck standhalten. Doch dann fallen die Erfolge. Ranft ist es, der den dritten Erfolg erzielt, als sich Löbsack energisch einsetzt und, am Boden liegend, noch zu ihm weiterlenken kann. Der vierte Erfolg war der Abschluß einer feinen Kombination. Sack legt weit zu Schellhaas, der nach innen läuft und flach zu Löbsack flankt, so daß dieser aus nächster Nähe einsenden kann. Den fünften und sechsten Treffer brachte Löbsack ebenfalls aus sein Konto. Beidesmal gab ihm Sack durch gute Vorarbeit und genaue Vorlagen Gelegenheit hierzu. Bei den Gästen vermißte man diesmal die große Linie. Die Mannschaft ist nicht mehr so ausgeglichen wie früher. In der Hintermannschaft war der rechte Verteidiger der beste Mann. Die Läuferreihe kam nicht richtig ins Bild und im Sturm wußte nur Hattert zu gefallen. Mit den Blauweißen, die in der Aufstellung Rahn, Zeiler, Lippert, Erhard, Mank, Lehrmund, Schellhaas, Ranft, Löbsack, Sack, Heuser, also ohne Heilmann, aufs Feld kamen' konnte man erst in der zweiten Hälfte zufrieden sein. Die Erfolge schienen der Elf erst den nötigen Rückhalt zu geben. Hintermannschaft und Läuferreihe waren allen Anforderungen gewachsen. Der Sturm spielte sich in eine seltene Form, zu der Sack durch seinen glänzenden Aufbau beigetragen hat. Schiedsrichter Gutmann war dem Spiel der gegebene Leiter. 1900 II — Naunheim II 2:1. Lange hatte ndie Blauweißen zu tun, bis sie den in der 15. Minute errungenen Führungstreffer der Gäste aufholen konnten. Um so schneller kamen sie dann zu dem Siegestreffer, der kurz nach dem Wiederanstoß unter Mitwirkung des linken Verteidigers, der den Ball ins eigene Netz schlug, zustande kam. GerätemannschastSkampf der Vereine des Kreises Gießen. Sieger: 1. Mannschaft des Tv. Großen-Linden. In der geräumigen Turnhalle des VfB.-R. trafen sich am Sonntagmorgen 14 Mannschaften aus elf Vereinen zum zweiten Mannschaftsgerätekampf der Unterstufe. Jede Mannschaft hatte an Reck, Barren, Pferd und Pferd-Sprung je eine Pflicht- und eine Kürübung, sowie eine Pflichtfreiübung zu turnen. Die Pflichtübungen wurden durchschnittlich gut, zum Teil sogar mit Vorzug geturnt. Beim Kürturnen sah man einzelne beachtliche Leistungen. Leider fehlten beim Antreten die Vereine Saubringen, Rodheim, Mto. Gießen, Heuchelheim und Odenhausen. Der Wettkampf wickelte sich reibungslos ab, und schon nach 21/z Stunden konnte der Leiter der Veranstaltung, Kreismännerturnwart Reuter, die Siegerehrung vornehmen. Die Mannschaften waren teils nur aus Jugendturnern zusammengesetzt, teils sah man in den Mannschaften auch Turner mit beachtlichem Können. Siegerliste. Großen-Linden I 624 Punkte; Mainzlar 6O2V2; Wieseck I 595’/2; Grünberg 583'/-; Wieseck II 582; Leihgestern 57772; Lollar I 574V2; Großen-Linden II 567; Londorf 563J4; Krofdorf 560, Gießen 1846 I 54672; Lollar II 54372; Gießen 1846 II 48472 Punkte. Dannnieisterfchasten der HZ. im Geländeorientierungslauf. Trotz der ungünstigen Witterung fand der für gestrigen Sonntag angesetzte Mannschaftsorientierungslauf wie vorgesehen statt. Pünktlich um 9 Uhr versammelten sich die Mannschaften an der Volkshalle und rückten zum Waldsportplatz ab, wo sich Start und Ziel der Rundstrecke befand. Um die drei festgesetzten Kontrollpunkte zu erreichen, war eine Strecke von 4 Kilometer zurückzulegen, die vom Waldsportplatz zum Flughafen, zur Wiesccker Sandgrube am Arbeitsdienstlager vorbei zum Waldsportplatz zurück führte. Durch den aufgeweichten Waldboden und die Steigung im letzten Teil der Strecke stellte der Lauf erhebliche Anforderungen an die Leistungsfähigkeit eines jeden Läufers. Die Punkte waren so gelegt, daß jeder Mannschaftsführer, wenn er seine Mannschaft auf kürzestem Weg zum Ziel bringen wollte, Über gute Kartenkenntnisse verfügen mußte. Ueber die Bedingungen des Laufs wurde im einzelnen in der Vorschau bereits berichtet. Ein Zeichen für den guten Ausbildungsgrad der Mannschaften ist es, daß alle Mannschaftsführer die Punkte ohne weiteres anliefen, obwohl die Karten jeweils erst zwei Minuten vor dem Start der betreffenden Mannschaft ausgegeben wurden. In Abständen von 2 Minuten gingen die Gefolgschaften auf die Strecke. In kürzesten Abständen trafen sie wieder ein. Besonders hervorzuheben ist die gute Haltung der Sondereinheiten, die die ersten Sieger stellten, obwohl sie über eine geringere Auswahl an Läufern verfügen. Die Ergebnisse: 1. Sieger: Motorschar 1/116 Gießen, 18:03 Min.; 2. M.-HJ.-Gefolgschaft 18:08; 3. Fliegerschar 1/116, 18:54; 4. Gef. 4/116 19:05; 5. Gef. 2/116, 19:41; 6. Gef. 17/116, 20:01 Minuten. Die besten Läufer des Bannes werden zu einer Bannmannschaft zusammengestellt, die bei der Gebietsmeisterschaft im Gelände-Orientierungslauf im März startet. Niederrhein Pokalsieger. Dor 40 000 Zuschauern trafen sich im Berliner Poststadion die Gaue Niederrhein und Sachsen im Endspiel um den Reichsbund-Pokal, den der Gau Niedersachsen zu verteidigen hatte. Nach torloser Halbzeit schoß der Essener Stermsek den Führungstreffer, Thiele schoß durch Elfmeter Sachsens Ausgleich und wieder durch Stermsek erzielte der Gau Niederrhein einen zweiten Treffer und den Sieg mit 2:1 (0:0). Sachsen war in der zweiten Halbzeit durch vorübergehendes Ausscheiden von Heimchen und May sehr geschwächt. Handball der Gauliga Hessen. Tuspo Bettenhausen — TV. Kirchbauna 8:3; 86/09 Kassel — CT. Kassel ausgefallen; Kurhessen Kassel — TV. 47 Wetzlar 6:9; SpV. Kassel — Jahn Gensungen 7:12. Weidig-Gedenkfeier in Butzbach. In Butzbach ehrten am Sonntag der Kreis Friedberg des DRL., die Ortsgruppe Butzbach der NSDAP, und die Stadtverwaltung das Andenken an den Butzbacher Rektor Dr. Friedrich Ludwig Weidig, der als ein Vorkämpfer für die deutsche Einheit und ein Bahnbrecher Jährlichen Turnens in Hessen vor hundert Jahren einen tragischen Tod fand. Die Gedenkfeier im „Hessischen Hof" nahm einen würdigen Verlauf. Hunderte von Derelnsführern des Sportkreises Friedberg (politische Kreise Friedberg, Büdingen, Schotten, Ufingen, Obertaunus), zahlreiche Butzbacher Bürger und Ehrengäste füllten den großen Saal bis zum letzten Platze, als nach dem feierlichen Fahneneinmarsch, an dem die Partei und ihre Gliederungen und der DRL. teilnahmen, der Männergesangoerein Orpheus-Eintracht mit dem unter der sicheren Stabführung von Musikdirektor Jost (Frankfurt a. M.) wirkungsvoll zu Gehör gebrachten Beethovenfchen Chor: „Die Himmel rühmen" der Stunde des Gedenkens die feierliche Einstimmung gegeben wurde. Ortsgruppenleiter und Bürgermeister Dr. Mörschel entbot dann den Gruß der Partei und der Stadt und beglückwünschte die Kreisführung des Reichsbundkreises Friedberg zu dem Entschluß, eine Arbeitstagung mit einem Gedenken an Weidig zu verbinden. Er entbot auch den Gruß des Kreisleiters Dr. Hildebrand (Gießen) und sprach anschließend von dem tieferen Sinn solcher Gedenkstunden. Fein und überzeugend stellte Bürgermeister Dr. Mörschel die Bedeutung Weidigs für unsere Zeit heraus. Nach dem Vortrag eines Gedichtes „Weidig" von Ferdinand Werner und dem Schülerchor der Butzbacher Stadtschule, der unter Leitung von Lehrer Buß sehr frisch und ansprechend Weidigs „Deutsches Berglied" zu Gehör brachte, hielt Ad- schnittsdietwart Studienrat Dietz (Bad-Nauheim) die Festansprache, die auf Grund eingehenden Studiums der Schriften Weidigs und des umfangreichen Schrifttums über Weidig ein anschauliches Bild vom Leben und Wirken Fr. L. Weidigs vermittelte. Der Redner erinnerte an die verschiedensten Stätten und Einrichtungen, durch welche die Stadt Butzbach die Erinnerung an ihren früheren Lehrer und Bürger wachhält und begrüßt es insbesondere, daß auch der DRL. das Andenken dieses Wegbereiters Jahnschen Turnens in Hessen durch ein alljährlich wiederkehrendes „Weidig-Berg- fest" festhalten will. Das in scharfen Strichen yezeichnete Lebensbild Weidigs ließ die Persönlichkeit dieses Heimat- und vaterlandliebenden Mannes in einprägsamer Weise vor unseren Augen wiedererstehen. Der Schüler, Student, Lehrer, Pfarrer und vor allem Politiker, wie ist er doch einzig und allein nur zu begreifen und zu würdigen aus dem Zeitgeschehen, aus dem Geschicke seines Volkes und Vaterlandes heraus: Schmach und Unterwürfigkeit der Rheinbundstaaten, Haß gegen Napoleon, gegen Metternich und sein berüchtigtes „System", finsterster Rückschritt und Geheimjustiz in seiner Regierung von der Gnade fremder Machthaber auf der einen Seite, und glühende Begeisterung, entfacht durch die aufrüttelnden Stürme des „Völkerfrühlings 1813" auf der anderen! Ein Geist, im Grunde seines Herzens ähnlich Jahn, Arndt und anderen Streitern um die völkische Erneuerung und Schaffung eines großen, einheitlichen blühenden deutschen Vaterlandes, das alle Menschen deutscher Sprache umfaßt. So ließ Kamerad Dietz die Persönlichkeit Weidigs unmittelbar aus den wenigen Werken erstehen, die wir noch im Druck vor uns haben. Der Kreisführer des DRL., Sturmführer Karl 011 e r b e i n (Friedberg), richtete hierauf herzliche Begrüßungsworte an die Mitglieder der Familie Weidig, die an der erhebenden Feier als Ehrengäste teilnahmen, und verlas anschließend eine das Andenken Weidigs ehrende Kundgebung des Reichsbundkreises Friedberg. Ein aus Reichsbundmitgliedern bestehender Chor fang unter der Leitung von Kamerad Lehrer Buß Weidigs ergreifendes Lied „Vaterlandsliebe." Professor Weidig (Bad-Nauheim), ein Großneffe Fr. L. Weidigs, dankte tiefbewegt namens der Familie Weidig für die dem Großoheim dargebrachte Liebe und Verehrung. Die würdige Gedenkstunde werde ihm und seiner Familie unvergeßlich bleiben. Mit dem Ausmarsch der Fahnen war eine Feierstunde beendet, die für immer ein Markstein in der Geschichte des Reichsbundkreises Friedberg bleiben wird. Volkstümliche Naturwissenschaft in reichbebilderten, leichtverständlich geschriebenen Werken und in verschiedenen Preislagen bieten unsere Verlaes- erzeugnisse. Sie vermitteln einen tiefen Einblick In die Geheimnisse des Naturgeschehens und damitdurch erweitertes Wissen erhöhte Freude an den vielfältigen Schönheiten der Natur. - Verlangen Sie Prospekte und auch Probehefte der Zeitschrift „Der Naturforscher“ Hugo Bermühler Verlag * Berlin-Lichterfelde Gewinoauszug 5. Klosse 48. Preußisch-Süddeutsche (274. Preuß.) Klasseu-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 17. Ziehungstag 27. Februar 1937 On der heutigen Dormittagsziehung wurden gezogen 4 Gewinne ,u 10000 RM. 290729 353479 12 Gewinne zu 5000 RM. 66428 177464 209701 229937 240737 334589 6 Gewinne ,u 3000 RM. 53092 86031 326994 „ 20 Gewinne zu 2000 RM. 47021 83674 99165 118596 143469 149854 171527 237237 259309 315464 48 Gewinne zu 1000 RM. 529 26367 29393 36668 42018 49220 81393 124887 137800 154432 165897 172171 175475 190903 212476 219360 239529 280228 286676 289166 307561 352193 375995 396360 82 Gewinne zu 500 RM. 2903 3653 7869 22307 23112 27644 28818 34246 56391 57837 61219 61288 62080 62353 68555 72700 75701 83250 146375 149344 152895 161672 163170 164503 173857 179345 190512 201272 220057 221456 223915 291381 299306 299917 316601 337723 339969 361464 366098 370435 398744 380 Gewinne zu 300 RM. 1427 1576 348I 3 6831 7732 7877 8844 19452 30346 31410 33057 1 34137 34751 38173 38626 39703 40359 41421 50444 51290 51416 51782 61859 53680 56994 59441 65136 66915 67841 70472 71515 71600 72032 74188 75240 76571 83258 93432 94150 94740 95682 97504 98558 98769 102711 103206 105144 108799 109502 112282 113780 114503 117819 121229 123293 123391 126428 128040 129683 131674 132053 134400 134792 134983 137355 139341 139637 141319 142196 144083 145117 149049 151014 152418 152879 154233 154302 157461 158974 162965 163372 164508 167302 167675 168276 168670 170834 171777 171919 173291 174405 180428 180926 182484 'r«7052 189208 193965 197676 198633 184790 201455 203776 204366 204452 206694 208702 210305 210522 210933 211072 211678 213224 213815 213899 214157 218063 219302 219764 221566 230223 232264 233097 233640 233873 244434 246221 246715 249264 255309 256047 267915 268002 268696 268991 274928 275640 280297 281229 282481 286305 287361 288505 288640 290836 291029 292557 292845 293374 296372 296489 300642 304453 306301 307596 313125 317755 318528 320584 321246 325087 330021 333697 333868 334637 335791 336415 336527 336970 337148 337988 338565 339323 350304 369539 366109 366487 366574 367675 367836 372353 373687 374668 376709 379658 380962 393774 393777 394141 394796 380622 Brennholzverkauf. Forsiaml Krofdorf. Am Donnerstag, dem 4. März d. 3., von 9.30 Uhr ab, in der Gastwirtschaft Bender zu Krofdorf. Revierförsterei Krofdorf: Distr. 13, 14, 26, 27. Revierförsterei Waldhaus: Distr. 29a, 32a und 46a. Eichen: 150 rm Scheit und Knüppel. 13850 550 rm Stangen- und Astreisig. Buchen: 870 rm Scheit und Knüppel. 1400 rm Stangen- und Astreisig, darunter 200 rm unaufgearbeitet in Distr. 29a. Lärchen und and. Laubholz: 7 rm Knüppel. Aenderungen Vorbehalten. [ Einspaltige werden zum ermäßigten 1«. . . Grundpreis von 5 Pf. für die Kleinanzeigen Millimeterzeile veröffentlicht! In der heutigen Nachmittagsziehung wurden gezogen 2 Gewinne zu 75000 RM. 3545 6 Gewinne zu 5000 NM. 46217 111995 274996 14 Gewinne zu 3000 RM. 17231 92903 127142 157677 199294 224458 380883 16 Gewinne zu 2000 NM. 7372 16259 47525 127548 219464 239254 279199 302199 44 Gewinne zu 1000 RM. 10228 13978 16361 71657 78740 102863 108175 117795 123746 146580 163196 194834 214088 224053 270900 272202 300630 309882 316591 343743 368455 376194 66 Gewinne zu 500 RM. 1 7660 40660 47900 70544 72351 131850 147889 158731 162152 171928 175474 216124 224252 226169 239432 242196 245447 246597 251457 257987 272322 281961 294735 295719 302064 328740 342963 346433 354030 363737 373933 386339 398515 336 Gewinne zu 300 RM. 4623 6692 6989 9956 10427 13035 13819 17488 18977 20977 21663 24417 24815 26666 27265 27616 28844 30330 30851 32566 36465 38157 42441 43852 49145 49642 54136 54469 55769 59463 60943 63727 64842 65837 66632 67041 70536 71015 76612 76648 77720 77749 78096 80070 81930 84250 85934 86616 86698 87026 88659 89168 98775 99990 100611 101217 103653 110795 112946 116046 118173 119175 123048 128993 130594 133098 134753 135835 136151 138972 139984 143432 145205 147941 148713 151269 151438 154451 155997 161070 165257 167077 176160 177988 179507 180535 184668 185986 186803 188771 189529 196768 198294 199556 208724 210454 211357 211397 211842 213993 218949 220801 221603 225224 225669 225775 227274 234467 243956 249009 250298 251380 255563 256177 260522 261181 263581 264076 266580 269858 271643 271902 273540 275281 276179 278644 279472 282306 286960 295421 295489 297244 297275 301008 302374 303912 304337 304357 306193 310726 311697 317686 319166 323137 334360 336400 336438 337358 337401 341263 346106 346654 358956 359529 361737 364286 365520 370154 374184 374199 376555 381582 385449 390516 391419 395639 399064 399468 Im Gewinnrade verblieben: 2 Gewinne zu le 1GOOOOO, 2 zu je 800000, 4 zu je 50000, 4 zu e 30000, 8 zu je 20000, 46 zu je 10000, 78 zu e 5000, 144 zu je 3000, 362 zu je 2000, 1180 zu je 1000, 2028 zu je 500, 7898 zu je 300 M. Hier abschneiden! Süßmost 501 Tabes kaut werden, da aus dem Saft der Wurzeln Lakritzensaft her- gestellt wird. Süßmost, angenehmes, alkoholfreies Getränk aus ungegorenen frischen Obstsäften, die keimfrei gemacht und keimfrei in Flaschen verschloßen sind. Süßstoff, künstliches Süßmittel wie Sacharin, das keinen Nährwert besitzt. Sacharin darf Speisen erst unmittelbar vor dem Genuß zugesetzt werden. Sweater, engt, Bedeutung = Schwitzer, Strickweste oder Pullover mit langen Ärmeln und Rollkragen. Sylvia, weibl. Vorname lat Herkunft mit der Bedeutung „Freundin des Waldes". Symbol, griech., Sinnbild, Gleichnis, Wahrzeichen, durch das bestimmte Begriffe oder Ideen anschaulich gemacht werden. Symmetrie, griech., Ebenmaß, Gleichmaß, Eleichordnung. Sympathie, griech., Bedeutung: Mitgefühl, entbehrt. Fremdwort für Teilnahme, Neigung, Wohlgefallen. Sympathische Kuren sollen angeblich Krankheiten durch geheimnisvolle Kräfte, wie Besprechen und Gebete, beheben Symptom, griech., Anzeichen, Merkmal, Vorbote, Begleiterscheinung einer Krankheit. Synthetische Edelsteine, künstlich nachgeahmte Edelsteine. Syphilis (Lues), eine dem Menschen eigentümliche Infektionskrankheit. Man frage den Arzt. Syphon s. Siphon. Syrup s. Sirup Tabak (Nikotiana), Rachtschat- tenaewächs, Blüten und Blätter enthalten Nikotin (Gift). Pflanze in südlichen Ländern beheimatet. Bei uns in der Pfalz und auch in anderen Gegenden ange: baut („Vauerntabat") In Blumengärten werden Blütentabakpflanzen gezogen sie wirken durch ihre Große, durch die breiten Blätter und wohlduftenden Blüten. Aussaat muß März in Kästen erfolgen, im Mai auf Stau- oenbeete und als Eruppenpflan- ze zwischen Gehölzen und im Rasen anpflanzen. Brauchen zur Blütenbildung viel Nahrung. T Tabakfinger, gelbe Färbung der Fingerspitzen, durch Ziaaretlen- rauchen, sieht sehr unschön aus. Man entfernt sie durch Bimsstein. Tabakgeruch aus Zimmern vertreibt man durch gute Durchlüftung, das Auf stell en von Schüsseln mit einer Lösung von übermangansaurem Kali oder durch elektrische Rauchverzehrer. Tabatiere, franz., Bedeutung = Schnupftabaksdose. Tabes siehe Rückenmarksschwindsucht. nioiil Idmn W W M ? OK c E iC 3 o 85 3 C 'S — c O-Q‘3 E 9 E b- f«S o E *" L. ** CeU)u 3- u u A (Dos o,2 E- j2 Ct7 c £ i. m <■ Q = 0 iC 2 3£ fö.t E ®«ba .E ■£ uS.m -- 0^2 Q tto*2 c r- .E4 o E “■“0 V3$^i o q o !