Montag, 22. Dezember Ml Gießener Anzeiger Des deutschen Volkes Weihnachtsgeschenk an die Ostfront Or. Goebbels rüst zur Sammlung von warmen Wintersachen für unsere Soldaten aus Unvermindert harte Kämpfe an der mittleren Ostfront. beik unbeirrbar der Gröhe meines und Eures Volkes dienen, baß mein Verstand und meine Lntschluß- fraff aber nur die Vernichtung des Gegners kennen, d.h. die siegreiche Beendigung dieses Krieges. Was ich für Euch tun kann, meine Soldaten des Heeres und der IDaf- fen-ff, in der Fürsorge und in der Führung, wird geschehen. Das Ihr für mich tun könnt und tun werdet, das weih ich: mir in Treue und Gehorsam folgen bis zur endgültigen Rettung des Reiches und damit unseres deutschen Volkes. Der Herrgott aber wird den Sieg seinen tapfersten Soldaten nicht verweigern! < Führerhauptquartier, den 19. Dezember 1941. Adolf Hitler. großen Anspannung ihrer Kräfte im Arbeitsprozeß dringend bedürfen. Fast alles das fällt für unsere Soldaten an der Ostfront weg. Das kann man nicht ändern. Allein, in etwas kann die Heimat helfen: sie kann ihren Söhnen und Däterm Schutz gegen die Unbilden der Witterung geben helfen! Solange sich noch ein einziger brauchbarer Gegenstand der Winterausrüstung in der Heimat befindet, muh er an die Front. Ich weiß, daß auch in der Heimat der einzelne in vielen Fgllen nur schwer auf diese Ausrüstungsgegenstände verzichten kann. Er ist z. Z. nicht in der Lage sie zu ersetzen. Aber tausendmal dringender als er sie braucht, haben unsere Soldaten sie nötig. Es wäre zu viel gesagt, wenn ich in diesem Zusammenhang überhaupt von Opfern sprechen wollte. Was die Heimat'bisher im Kriege ertragen hat, sind nur Unbequemlichkeiten und kleine Entsagungen gegenüber dem, was unsere Front seit über zwei Jahren täglich und stündlich auf sich nimmt. Dank ihrem Einsatz erfreut sich das Reich immer noch eines gesicherten Lebens. Die Front aber muß Gesundheit und Leben einsetzen. Sie steht heute auf der Wacht fast in ganz Europa für ganz Europa — und damit vor allem auch für uns. So, wie sie im Sommer in glühender Hitze oder bei wolkenbruchartigem Regen durch Staub oder Schlamm unentwegt in übermenschlichen Marschleistungen ihren Siegeszug fortgesetzt hat, so steht sie heute an den winterlichen Vevteidi- pungs fronten in Schnee, Eis, Regen, Frost und Kälte zum Schutz der Heimat bereit. Sie hat die den vier Jahren des gewaltigen Ringens im Deflen 1914/18. Ich habe den Schrecken fast aller großen Rlaterialfchlachten als einfacher Soldat selbst miterlebt Zweimal wurde ich verwundet und drohte endlich zu erblinden. Mir ist daher nichts fremd, was auch Euch quält, belastet und bedrückt. Allein ich habe nach vier Jahren Krieg in keiner Sekunde an der Wiedererhebung meines Volkes gezweifelt und es mit feinem fanatischen Dillen als einfacher deutscher Soldat fertiggebracht, die ganze deutsche Ration nach mehr als fünfzehnjähriger Arbeit wieder zufammenzuschließen und von dem Todesurteil von Versailles zu befreien! Meine Soldaten! Ihr werdet es daher verstehen, daß mein Herz ganz Luch gehört, daß mein Wille und meine Ar- Die Kampfe im mittleren Abschnitt der Ostfront halten mit unverminderter härte an. Mehrere starke Jingriffe des Gegners wurden abgeschlagen. Im Abschnitt eines Armeekorps wurden hierbei 20 sowjetische Panzer vernichtet Auch an der Einschließungsfront von Leningrad wurden heftige von Panzern unterstützte Ausbruchsversuche unter erheblichen Verlusten für den Gegner abgeroiefen. hierbei wurden 19 feindliche Panzer abgeschossen. Die Luftwaffe bekämpfte mit starker Wirkung feindliche Truppen- und Fahrzeugkolonnen, Panzeransammlungen, Batterie- und Bunkersiellungen. 3m nördlichen und im finnischen Abschnitt der Ostfront wurden Transportbewegungen des Feindes durch Vernichtung von Rachschubmaterial, Eisenbahnzügen und -gleisanlagen erfolgreich gestört An der englischen O st k ü st e erzielte die Luftwaffe in der letzten Rächt Bombenvolltreffer in einem großen Jndustriewerk. Aufklärungsflugzeuge beschädigten im Seegebiet um England zwei feindliche Schiffe durch Bombentreffer. In Rordaf rtka dauern die Kämpfe unter heldenhaftem Einsatz aller Erd- und Luftstreitkräfte der Verbündeten an. Lin deutscher Kampffliegerverband vernichtete beim Angriff auf einen britischen Flugplatz und auf Fahrzeuganfammlungen des Feindes mehrere Flugzeuge und zahlreiche Lastkraftwagen. In der Zeit vom 13. bis 19. Dezember 1941 ver- lor die fowjetifche Luftwaffe 81 Flugzeuge, davon wurden 45 in Luftkämpfen und 30 durch Flakartillerie abgeschossen, der Rest am Boden zerstört. Während der gleichen Zeit gingen an der Ostfront 18 eigene Flugzeuge verloren. Das Ritterkreuz für Kapitänleutnant Suggenberger. Berlin, 20. Dez. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine das Ritterkreuz an den Unterseebootskommandanten Kapitänleutnant Guggenberger. Er versenkte im westlichen Mittelmeer den englischen Flugzeugträger „A r k Roya l", außerdem auf weiteren Unternehmungen fünf bewaffnete feindliche Handelsschiffe mit 31000 BRT. infolge höherer Gewalt Sernsvreckanschluk 2251 Druck und verlaa' Drahtanschrift: „Anzeiger" 29* r« , Postscheck 11686 Frankf./M. vruhischellniverfltStrdruckereiR. Lange Dtrbünbelen fein. Darüber hinaus aber werden, so wie im ver- gangcnen Winter, neue Verbände ausgestellt uib vor allem neue und bessere 2D affen ^□gegeben. Der Schuh der Front nach dem Vesten wird von Kirkenes bis zur spanische Sienze verstärkt. Die Schwierigkeiten der Organi- lalion der Verbindungen dieser Front, die heute fiten ganzen Kontinent umspannen und bis nach forbafrita reichen, sind zu überwinden. Auch dies Dieb gelingen. Die Vorbereitungen zur sofor- ligen Wiederaufnahme des offen- Iben Kampfes im Frühjahr bis )ur enb- futigen Vernichtung des Gegners im Osten müssen ' Vermittelt getroffen werden. Die Einleitung ff t s ch e i d e n d e r anderer Kriegsmaß- Uhmen stehl bevor. Diese Aufgaben erfordern daß Wehrmacht und Heimat zur höchsten Lei- jtog angespannt und zum gemeinsamen Einsatz keh rächt werden. Der hauptsächlichste Träger des ^mpfes der Wehrmacht aber ist das Heer. Ich tae mich deshalb unter diesen Umständen heute schlossen, als Oberster Befehlshaber der deutschen v hrmacht die Führung des Heeres f e l b ft zu übernehmen. Soldaten! Ich kenne den Krieg schon aus Berlin, 21.Dez. (DRB.) Als der Führer im 4. Februar 1938 die Befehlsgewalt jber die gesamte Wehrmacht persönlich übernahm, geschah dies in der Sorge vor ler schon damals drohenden militärischen Ausein- indersehung um die Freiheit des deutschen Volkes. Me Staatsräson verlangte gebieterisch die Z u s a m- Neufassung aller Kräfte in einer Hand. Jlur so konnte die Vorbereitung auf einen erfolgteichen widerstand gelingen, von dem man wußte, daß er noch weit mehr als der von den gleichen Regnern dem deutschen Volke aufgezwungenen Veltkrieg 1914 bis 1918 zu einem „totalen Gröhe der Kriegsschauplätze, die enge Verflechtung d?c operativen Landkriegführung mit den politischen mb kriegswirtschaftlichen Zielen sowie der zahlen- jiägige Umfang des Heeres im Verhältnis zu den mberen Wehrmachtteilen drängten den Führer, die i Operationen und die Rüstung des Heeres feinen । Intuitionen folgend auf das stärkste z u b e- duft uff en und sich alle wesentlichen Entschlüsse auf diesem Gebiet persönlich vorzubehal- it?n. In folgerichtiger Weiterführung feines Lnt- shlusses vom 4.2.1938 hat sich der Führer daher tun 19.12.1941 entschlossen, unter voller Würdi- ging der Verdienste des bisherigen Oberbefehls- > Libers des Heeres, Generalfeldmarschall von r r a u ch i t s ch, die Führung der Gesamtwehrmacht Der Führer übernimmt das Oberkommando des Heeres Oie Führung der Gesamtwehrmachi mit dem Oberkommando des Heeres in der Hand des Führers vereinigt. (9t. Jahrgang Nr. 303 Erscheint täglich, außer Sonntags und feiertags Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat imBild-DieScholle Bezugspreis: Monatlich.,... RM. 1.80 Zustellgebühr,.. „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern Oer Wehrmachtbericht vom Samstag DRB. Aus dem Führerhauptquartier, 20. Dezember. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Im mittleren Ab schnitt der Ostfront dauern die schweren Kämpfe an. Der Gegner erlitt neue starke Verluste. Kampf-, Sturzkampf- und Jagdfliegerverbände vernichteten feindliche Felb- und Batteriestellungen und zersprengten durch Bombenwurf und Beschuß mit Bordwaffen berittene und motorisierte Kolonnen. Weitere wirksame Luftangriffe richteten sich gegen Flugstützpunkte und Lisenbahnanlagen. Lin Frachter erhielt in der Barents-See Bombenvolltreffer schweren Kalibers. In der Barents-See kam es zu einem nächtlichen Seegefecht zwischen deutschen und sowjetischen Zerstörern. Lin feindlicher Zerstörer wurde durch Torpedotreffer versenkt, ein anderer durch Artillerietreffer beschädigt. Die deutschen Zerstörer liefen nach erfolgreichem Gefecht unbeschädigt in einen Stützpunkt ein. Im Kampf gegen die britische verforgungsschiff- fahrt versenkten Unterseeboote im Atlantik vier feindliche Schiffe mit zusammen 17 000 BRT. Außerdem wurden zwei Tanker und ein Frachter durch Torpedotreffer beschädigt. Im St.-Georgs- Kanal vernichteten Flugzeuge, die zu bewaffneter Seeaufklärung eingesetzt waren, in der vergangenen Rächt aus einem Geleitzug heraus einen Tanker von 8000 BRT. In Rordaf rika fetzten sich die deutfch-italie- nifchen Truppen nach Abwehr feindlicher Angriffe planmäßig vom Gegner ab. Deutsche Kampfflugzeuge bombardierten in der Rächt zum 20.12. mit guter Trefferlage militärifche Anlagen im Hafen von Tobruk. Oer Wehrmachtbericht vom Sonntag. DRB. Aus dem Führerhauptquartier, 21. Dezember. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Zeldz ug im Offen der Krieg Ausmaße annahm, hie alle bisherigen Vorstellungen übertrafen. Die schwer möglich ist, ihnen von einer einzigen Stelle aus alles das auf allen Gebieten zukommen zu lassen, dessen die einzelnen bedürfen. Eben deshalb aber verdiente, die Heimat keine ruhige Stunde mehr, wenn auch nur ein einziger Soldat, vor allem im lösten, im Südosten, in Norwegen oder gar im hohen Finnland ohne ausreichende Winter- ausrüstung den Unbilden der Witterung ausgesetzt bliebe. Ich weiß, daß bei der letzten Spinnstoftsamm- lung die deutsche Bevölkerung alles das hergegeben hat, worauf sie im Hinblick auf die angespannte Lage auf dem Gebiete der Textilversorgung verzichten kann. Dennoch aber befinden sich in der Heimat noch ungezählte Gegenstände der Winter- ausrüftung für die Zivilbevölkerung, die diese zwar nicht gut entbehren kann, die aber die Front gegenwärtig sicher dringender nötig hat als die Heimat. Gewiß müssen wir uns zu Hause im dritten Kriegsjahr auch großen Einschränkungen unterwerfen. Aber man würde der Front nicht gerecht werden, wenn man diese auch nur entfernt mit den Opfern vergleichen wollte, die sie vor allem in diesem Kriegswinter bringen muß Zu Hause haben alle ein Dach über dem Kopf und ein Bett, in dem sie schlafen. Die Ernährung ist, wenn auch beschränkt, so doch, gemessen an der fast aller anderen europäischen Länder, immer noch ausreichend. Die Volksgenossen in der Heimat sind außerdem in der Lage, sich durch Zeitungen, Theater, Konzerte, Filmbesuch oder Rundfunk die Entspannung zu verschaffen, deren sie bei der so außerordentlich Annahme von Anzergen für die Mittaasnummer bis 8*/e Uhr desBormittagS Anzeigen-Preife: Anzeigenteil 7 Nps. je mm bei 22 mm Zejlenbreite, Tertteil 50 Rvf. je mm bei 70 mm Zeilenbreite Nachlässe: Wiederholung Malstaffel I Abschlüsse2)^engenstaffel8 Platzvorschrift l vorherige Vereinbarung) 25"/» mehr Berlin, 20. Dez. (DNB.) Reichsminister Dr. Goebbels richtete am Samstag im großdeut- schen Rundfunk einen Aufruf an das deutsche Volk, in dem er sagte: Meine deutschen Volksgenossen und Dolksgenossinnen! Ich wende mit heute an Euch, um unseren Soldaten eine zusätzliche Hilfe auch der deutschen Heimat zu geben als Geschenk aller deutschen Volksgenossen an die Front! Unsere Soldaten haben Siege von weltgeschichtlicher Bedeutung errungen. Sie trugen ihre ruhmbedeckten Fahnen durch halb Europa. Nirgendwo konnte ihnen ein Feind auf die Dauer widerstehen. Die Vernichtungsschlachten, in denen die gegen das Reich aufmarschierenden Millionenheere des Bolschewismus zerbrachen, sind bereits als die höchsten soldatischen Ruhmestaten in das Buch der Weltgeschichte eingetragen. Nun ist der Winter ge- kommen. Er ist in diesem Jahre in den Gebieten des weiten Ostens, des Südostens, Norwegens und Finnlands frühzeitig und mit einer Stärke hereingebrochen, wie das in normalen Jahren bis- her ungewöhnlich war. Die zuständigen Stellen unserer Wehrmacht sind dabei, die letzten verfügbaren Transportmöglichkeiten einzusetzen, um die ungeheure Anzahl von Winterausrüstungsgegenständen für unsere Soldaten auch bis an die vorderste Front gelangen zu lassen. Aber trotz all' dieser mit höchstem Material- und Kraftaufwand getroffenen Vorbereitungen können unsere Soldaten für den Winter noch immer vieles gebrauchen. Unsere Wehrmacht an der Front zählt heute so viele Millionen Männer, daß es überhaupt nur sehr Oer Unterschied. Wenn der Volksgenosse in der Heimat den freiwilligen Sammlern, die ihn um eine Gabe für das Winterhilfswerk angehen, feinen Dbulus gegeben hat, wenn er gar mehrere Abzeichen erworben hat, wenn er außerdem alle Unbequemlichkeiten und Einschränkungen, die der Krieg mit sich bringt, ohne Murren erträgt und wenn er schließlich in jeder Weise feine Pflicht tut, so ist er doch noch nicht berechtigt, seine Leistung mit dem Einsatz der Soldaten an der Front zu vergleichen. Die Rechnung wird nie aufgehen, es wird immer noch ein außerordentlich großer Saldo zugunsten unserer Tapferen an der Front offen bleiben. Diese Tatsache bedeutet, daß jeder, der in der Heimat weilen darf und sich unter dem Schutze unserer Wehrmacht sicher fühlen kann, die heilige Verpflichtung hat, über all das hinaus, was er schon tut, noch mehr zu leisten upb zu geben, um den Saldo weiter zu verringern. Es genügt also nicht bloß, diese Pflicht aus dem Ueberflüssigen heraus zu erfüHen, Unsere Soldaten haben vielmehr auch Anspruch daraus, daß wir dort, wo es notwendig ist, andie Substanz gehen und uns von lieb gewordenen oder wichtigen Dingen trennen, von Dingen, deren Fehlen von uns gern und freudig hin genommen wird, auch wenn es von uns hart empfunden werden sollte. Insbesondere darm sind wir zu solchen persönlichen Einschränkungen verpflichtet, wenn wir unseren Soldaten die Härte des Krieges damit mildern ustd - erträglicher machen können. Dazu haben wir jetzt eine Gelegenheit, wenn in den nächsten Tagen die große Sammlung von warmen Wintersachen für unsere Soldaten an der Ostfront beginnt. Es muß da nicht bloß so fein, daß derjenige, der zwei ober drei Pullover hat, einen ober zwei weggibt, sondern es muß für ihn eine Selbstverständlichkeit sein, auch den letzten Pullover zu opfern, um einen Kameraden, b'er im Felde steht, nicht frieren zu lassen. Handschuhe, Schals und wollene Tücher müssen für uns hier in der gesicherten Heimat Luxusgegenstände sein, solange ein Soldat in der Eiseskälte des Ostens nicht mit allem ausgestattet ist, was er zur Abwehr des Frostes braucht. Wohl hat die Militärverwaltung alles getan, um die Soldaten so auszurüsten, daß sie vor den Unbilden der Witterung geschützt sind. Aber immer noch sind Lücken vorhanden, sie sind insbesondere dadurch veranlaßt, daß der Winter in diesem Jahre im Osten sehr viel früher und sehr viel härter gekommen ist, als man es hatte erwarten dürfen und daß auch nicht alle Schwierigkeiten des Nachschubs in der zur Verfügung stehenden Zeit hatten bewältigt werden können. Diese Lücken ygilt es nun umgehend vollends zu schließen. Vor allem kommt es auf schnell st eHilfe an. Es kann jeder, der hier sich dem Apell zur Verfügung stellt und den Entschluß gefaßt hat, lieber selbst einmal etwas weniger warm angezogen zu gehen, als seinen Kameraden im Felde frieren zu lassen, versichert sein, daß gerade dieses Mal alle Vorbereitungen und Maßnahmen getroffen sind, damit die Gegenstände, die hier zusammengetragen werden, auf dem direkten Wege an die Front und dorthin, wo man sie braucht, geschasst werden. Der Unterschied zwischen Front und Heimat ist unerhört groß und kann durch keinen Einsatz und keine Einschränkungen der Heimat ausgeglichen werden. An der Front täglich und zu jeder Minute Opfer über Opfer, in der Heimat lediglich Unbe- ouemlichkeiten und Entbehrungen, die in keinem Verhältnis zu der Größe jener Opfer stehen! Wäre es nicht eine Pflicht des Blutes, alles zu tun, um diese Unterschiede soweit nur möglich zu verkleinern, so wäre es schon eine Pflicht des Anstandes, dort selbst Entbehrungen sich aufzuerlegen, wo man dem Bruder an der Front das Opfer erleichtern kcmn. Wir haben jetzt eine Gelegenheit, zu zeigen, daß wir uns dieser Pflicht bewußt sind. Geben wir, was wir an Wollfachen besitzen, für unsere Tapferen an der Ostfront! E. 1 r i e g“ führen würde. Außerdem sprach aber noch las Bewußtsein einer inneren Berufung mb der ihm eigene Wille zur Verantwortung mit, als sich der Staatsmann Adolf Hitler Entschloß, fein eigener Feldherr zu sein. Der Verlauf dieses Krieges hat die Richtigkeit bie- tr Erkenntnis mehr unb mehr bestätigt. In vollem laße fehle sie sich aber erst burch, als mit bem bc6 Glück zuteil, in Japan eine Weltmacht als neuen Freunb unb Kampfgenossen erhalten zu Huben. Es sollte unter ben gleichen Vorwänben unb Formen abgebroffelt werden wie wir selbst. Kit der blitzschnellen Vernichtung der amerifa- tzschen Pazifik-Flotte sowie der britischen Streit- hifte in Singapur, der Besetzung zahlreicher eng- Üchamerikanischer Stützpunkte in Ostasien durch die japanische Wehrmacht tritt nun dieser Krieg in ein mueß und für uns günstiges Stadium. Damit stehen nun aber auch wir vor E n t - syeidungen von weltweiter Bebenin ng. Die Armeen im Osten müssen, nach ihren mvergänglichen unb in der Weltgeschichte noch nie ^gewesenen Siegen gegen den gefährlichsten Feind «Iler Zeiten, nunmehr unter der Einwirkung des Btzlichen Wintereinbruchs aus dem Zug der Bergung in eine S tellungsfront gebracht wrben. Ihre Aufgabe ist es, bis zum Anbruch des stühjahrs genau so fanatisch und zäh das zu Halles und zu verteidigen, was sie bisher mit einem unermeßlichen Heldenmut und unter schweren Opfern erkämpft haben. Von der neuen Ostfront wird tabei nichts anderes erwartet, als was die deuten Soldaten einst vor 25 Jahren in vier russischen Klegswintern schon geleistet hatten. Jeder deutsche Stibal muh babei bas Vorbilb für unsere treuen General-Anzeiger für Oberhessen Sietzen,^§ch«lstrahe 7-9 nif bem Oberfommanbo bes Heeres in feiner Hand zu vereinigen. Aus biefem Anlaß hat tt nachstehenben Aufruf an bie Solbaten bes Heeres unb der Waffen-^ erlassen: Soldaten des^Heeres und der Waffen-^-! Der Kampf um die Freiheit unseres Volkes zur Sicherung feiner Existenzbedingungen für die Zukunft, zur Beseitigung der TNöglichkeit, uns alle 20 ober 25 Jahre unter einem neuen Vorwanb, aber im tiefsten Grunbe stets aus ben gleichen i | jüdisch-kapitalistischen Interessen heraus, mit Krieg * | ji überziehen, geht seinem höhe- unb Wenbepunkt J| entgegen. Dem Deutschen Reich unb Italien sowie i bm bisher mit uns oerbünbäen Staaten würbe Unbilden der Witterung in feder Jahreszeit zu ertragen. während mir in der Heimat uns diesen fast vollkommen entziehen können. Schon gegen die Hitze vermag sich die Front kaum zu schützen, gegen die Kälte kann thr nur die ganze Heimat helfen. Wer zu Hause wollte sich aber dem Ruf zu dieser Gemeinschaftshilfe entziehen? Folgendes kann die Front vor allem notwendig gebrauchen, folgendes müssen wir deshalb zur Verfügung stellen: Ueberschuhe. nach Möglichkeit gefüttert oder mit Pelz ausgestattet, warme Wollfachen, Socken, Strümpfe, Vesten, Unterjacken oder Pullover und warmes, vor allem wollenes Unterzeug, Unterhemden, Unterhosen, Leibbinden, Brust- und Lungenschüher, jede Art von kopf- schühern, Ohrenschühern, Pulswärmern und Kniewärmern, Pelze im weitesten Sinne des Wortes, Pelzjacken und'Pelzwesten, Pelzstiefel jeder Art und jeder Größe, Decken, vor allem Woll- und Pelzdecken, dicke warme Handschuhe, hier vor allem pelzgefütterte Lederhandschuhe oder Strickhandschuhe und Wollsäustlinge. Ueberhaupt alles aus Pelz wird an der Front dringend gebraucht und ist deshalb doppelt willkommen. Gewünscht werden ferner gesteppte oder gefütterte Unterwesten, wollene Schals und Halstücher, überhaupt alles, was dazu dient, den Kampf gegen die in diesem Jahr so früh eingebrochene Winterkälte erfolgreich zu führen^ Die Partei mit all ihren Beben- und Unterorganisationen ist angewiesen, sich im Lause der angesehten Zeit zur Sammlung alt dieser an der Front dringend benötigten Wintersachen bereitzustellen. Die Sammlung beginnt am 27. Dezember 1941 und endet am Abend des 4. Januar 1942 und wird seitens der Partei von Haus zu Haus und von Wohnung zu Wohnung durchgeführt. Jeder Volksgenosse erleichtert den Sammlern wesentlich ihre Arbeit und hilft zur beschleunigten Durchführung dieser Sammlung in hervorragendem Maße mit, wenn er die von ihm zu spendenden Winkersachen persönlich an den näher bezeichneten Sammelstellen, die in den örtlichen Zeitungen bekanntgemacht werden, abliefert. Mit den zuständigen Organen der Wehrmacht und unseres Transportwesens ist Vorsorge getroffen, daß die gesammelten Gegenstände in kürzester Frist zum Abtransport gelangen und bis a n d i e vorder st e Front gebracht werden. Das Fest, das in iyr ganzen Welt als das deutscheste bekannt ist, steht vor der Tür. Zum drittenmal in diesem Kriege bleibt unseren Soldaten zu Weihnachten die Rückkehr in die Heimat, ja sogar ein in größerem Umfang durchgeführter Urlaub nach Hause, versagt. Was liegt nun näher, als daß die Heimat über bloße Worte des Dankes hinaus der Frpnt in einer nationalsozialistischen Gemeinschaftshilfe großzügigster Art ihre Verbundenheit bekundet und dabei unseren Soldaten bewegten Herzens dankt? Ich möchte deshalb die Sammlung das Weihnachtsgeschenk des deutschen Volkes an die Ostfront nennen. Es gibt gewiß im ganzen Lande niemanden, der sich von diesem Weihnachtsgeschenk für unsere Soldaten ausschließt. Ich habe vor einigen Wochen zu einer Schallplattensammlung für unsere Soldaten aufge- rusen. Dieser Aufruf hat im deutschen Volke einen Widerhall gefunden, der alle Erwartungen auch der kühnsten Optimisten weit in den Schatten stellte. Ich bin daher auch diesmal davon überzeugt, daß jeder zu Hause.bei der Sammlung von Wintersachen für unsere Front alles hergeben wird, nicht nur was er entbehren kann, sondern auch was er selbst zwar noch nötig braucht, worauf unsere Soldaten aber mehr Anspruch erheben. können als er selbst. Das deutsche Volk ist durch den Nationalsozialismus zum Gemeinschaftsgedanken erzogen worden. Wo aber wäre dieses Gemeinschaftsdenken mehr angebracht als im Verhältnis der Heimat zur Front? Die Heimat selbst können wir unseren Soldaten noch nicht wiedergeben. Das wird erst der Fall sein, wenn wir durch den Sieg den Frieden in Händen haben. Dann sollen unsere Soldaten -in eine Heimat zurückkehren, an der sie auf Schritt und.Tritt feststellen können, wie sie zu ihnen gehört und wie sie ihr Opfer und Heldentum zu wür- tilgen weiß. Ein Stück Heimat aber können wir unseren Soldaten auch heute schon wieder neu zum Bewußtsein bringen. Mit Worten aber ist das nicht möglich einer Front gegenüber, die nur in ihren Taten lebt. So laßt uns ihr denn auch mit Zoten antworten! Gerade die Weihnachtszeit ist dazu am besten geeignet. Wenn also in der Woche nach Weihnachten die Sammler an Eure Türen klopfen, so haltet die Gegenstände für die Winterausrüstung für unsere Soldaten schon bereit. Begegnet den Sammlern freundlich und zuvorkommend, denn sie sind Sendboten unserer kämpfenden Soldaten. Gebt ihnen, was Ihr überhaupt entbehren könnt! Ihr helft damit der Front, den Sieg zu erkämpfen. Das Geleitwort -es Führers. Der Führer selbst hat dieser Sammlung ein Geleitwort mit auf den Weg gegeben, dar der Heimat zeigen soll, mit welchen hohen Erwartungen er ihrem Ergebnis entgegensieht. Wir wollen ihm zeigen, welchen Widerhall fein Appell in den Herzen aller Deutschen findet. Der Führer sagt Euch: „Deutsches Volk! Während — abgesehen von Luftangriffen — die deutsche Heimat vom • Feinde unbedroht ist, stehen Millionen unserer Soldaten nach einem Jahr schwerster Kämpfe gegen einen zahlen- und auch materialmäßig weit überlegenen Feind an der Front. Siege, riot. Druck und Verlag: Brühlfche Universitätsdruckeret R. Lange K. G. Verkagsletter: Dr.°Ing. Erich Hamann; Slmeigenleiter: HanS Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen:Theooor Kümmel. Pl.Nr.6. genoß bald eine ungeheure Volkstümlichkeit weit über die Grenzen Palästinas hinaus. Die arabische Fugend schenkt ihm besondere Sympathien, die seinen draufgängerischen Aktivismus aus jener Zeit, da König Feisal noch in Damaskus war und von den Briten im Stich gelassen wurde, nicht vergessen hat. Das Märtyrertum, das der Mufti, der bald von den Briten auf das rücksichtsloseste verfolgt wurde, auf sich genommen hat, ist bekannt. Emin Husseini entging einer Verhaftung und Aburteilung nur durch die Flucht in die unantastbare Omar-Moschee. Als es dann englische Soldaten wagten, das Heilig- tum zu entweihen und mit GewaU in die Moschee eindrangen, konnte der Muftt sich noch im letzten Augenblick über die syrische Grenze retten. Und als sein Aufenthalt auch dort gefährdet schien, begab er sich nach Bagdad, wo er mit offenen Armen ausgenommen wurde und während der irakischen Erhebung gegen die britische Tyrannei unter Raschid ei Kailani eine bedeutende Rolle spielte. Die Niederknüppelung der irakischen Freiheitsbewegung durch die britisch-indische Truppenüber- macht zwang auch den Mufti, zusammen mit den irakischen Patrioten, ein Asyl in Teheran zu suchen. Das Eindringen der Sowjets und der Engländer in Iran und die Absetzung des Schah zwangen den Muftt abermals zur Flucht. Obwohl die Briten einen hohen Preis auf feinen Kopf gesetzt hatten, fand sich in seinen Reihen kein einziger Verräter. Der Mufti von Jerusalem ist kürzlich wohlbehalten in Italien eingetroffen und sein Besuch wird in der deutschen Reichshauptstadt erwartet. Der offene Aufruhr in Palästina gegen die Herrschaft der Briten begann seinerzeit mit der Ermordung des Cheik Kasam. Der Cheik wurde von britischen Soldaten mit ber Waffe in der Hand angetroffen. Aufgefordert sich zu ergeben, antwortete Kasam, daß sich ein rechtgläubiger Araber einem fremden Eindringling nicht ergebe! Em Soldat schoß ihm darauf eine Kugel in den Mund. Kasam gilt seitdem als ein Märtyrer des arabischen Widerstandes. Aus seinen Anhängern bildete sich das sogenannte „Komitee des Koran , das einen heiligen Krieg gegen die britischen Unter- ]i< w et "4 irfo? Manb hatte nun geglaubt, die Husseini-Familie k>Elchen und für sich gewinnen zu können. Der ertt britische Oberkommissar von Palästina, der ßillbe Sir Herbert Samuel, übertrug Emin el wl'ifimi die hohe Würde eines Mufti von Jerusa- leibt. 55 mar eine Fehlspekulation, denn der Mufti 5 ist ch Mensch und arabischer Patriot unbestechlich, kli jit sich nie den britischen Interessen gebeugt bid tat sein Amt immer als das aufgefaßt, was ta esi ist nämlich als Vertreter der arabischen Jnter- Wim und Verwalter der Wafd, d. h. der reichen rjti dckhmmedanischen Kirchengüter. Emin el Husseini FsMen anschlossen, denen es weniger auf natio- rdt arabische Ideale, als auf ein bequemes und (ota Leben ankam. Vom politischen Standpunkt ans zesehen bestand ihre Aufgabe darin, die ara- bi ck-alästinensische Partei, deren Präsident Djemel ™ jMm ein Detter des Großmuftt ist, auf Schritt trritt zu bekämpfen. Zusammen mit dem ober- ' ft'lin Noslemischen Rat bildet nämlich die arabisch- F pMnensische Partei die Machtbasis der Husseini- Ih von den deutschen und schwedischen Regie- r.n^ausschüssen geführten Verhandlungen haben • t.< einer Einigung über den deutsch-schwedischen «Mnverkehr im Jahre 1942 geführt. Der Waren- ; vcn Mailand für ihre Unterstützung seinen Dank im Jahre 1941 erreichen. Die Regierungsausschüsse hibfli sich auch Über Maßnahmen geeinigt, daß auch W rorübergehenden Anspannungen des Verrech. NlMpoerkehrs die Abwicklung der Zahlungen sich riiibiiagslos gestaltet. Wfljichdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Adana, Dezember 1941. In Anbetracht des Deutschland-Besuches des Großmufti, der vor kurzem vom Führer empfangen wurde, dürfte der nachstehende Beitrag Interesse finden. tri bey Nashashibi, der sich in der ge- 1 arabischen Welt als Agent der britischen :ssen und als Gegner des Großmufti'von Fe- , Emin el Husseini, verhaßt gemacht wurde im November in den Straßen von i ermordet. Zwischen den Familien der i und der Nashashibi, die beide zum altein- ellinen Adel in Jerusalem gehören, haben stets liigesätze bestanden. Der Vater Nashashibis war ein inierter Beamter aus der Türkenzeit. Er tfihrte nach dem Zusammenbruch des Osmani- cien Reiches mit den Engländern und hoffte mit twiren Hilfe seinen Reichtum und seinen Einfluß zu ^jkmhren. Fakri Nashashibi wurde 23ürgermeifter r tn Jerusalem und Begründer der sogenannten Albeiisfront, der sich einige andere wohlhabende islftht. Die Ansage wird b deutscher und japanl- j Sprache erfolgen. Hr USA.-Filme sind seit Kriegsausbruch völlig japanischen Markt verschwunden. Die Licht- ftidtüuler zeigen das lebhafteste Interesse für die sulche Produktion. Der größte Importeur für ; xiuthe Filme in Japan wurde mit Aufträgen über- . s glimmt und verkaufte bereits den gesamten . ^ig<7bestand. Dtf Ausbruch des Konfliktes im Pazifik hat die f^-ösische Regierung veranlaßt, sämtliche fran- j »,(i Yen Besitzungen im Fernen Osten, im Indischen £'ie i, im Pazifik und in Ozeanien dem General- ; gpw’cneur von Jndochina, Admiral Decour als , iommiffar im Pazifik zu unterstellen. * $! Panamerican Airways hat ihren gesamten ' M verkehr im Pazifik eingestellt. [5537] SdlMtlElKr |Verachledenes| |£$|S iMjMip. S»Ä« MIM' Sfiy-'ä v JIllildobllBII gesucht. 5146D abhaud.getomm. verloren. PWettBefu«4. BrüfilftheBrnaerel IseloBno »,S9eben ct ner üh- tio« in hgute nötiger^-. WM w i w I I B I l'.'" iiifn iüVi lau V lilil ! III'I br? ‘). L •; g t'. beschränkt nur' 1 iefe 1. 0ar , d^ch. nach ZiGA R E T T E die für sich selbst . S p r i cb t WOW ^‘Pnp-ewagen billig zu verkauf. Wo? sagt d. Ge- schäftsst. d.G.A. Was koche ich . .. ? Städtisches Voiksbad/Gie^en Am Mittwoch, dem 24. Dezember 1941 wird das Bad um 15 Uhr geschlossen! Kassenschluß x/i Stunde vorher. Vom 25. Dezember 1941 (1. Feiertag) bis einschließlich Donnerstag, den 1. Januar 1942, ist das Bad aus techn. Gründen geschlossen. Ab Freitag, den 2. Januar 1942, zu den bekannten Badezeiten durchgehend offen. 5193 D Ketr.: Dienststunden in der Zeit vom 24. Dezember 1941 bis 4. Januar 1942. Bekanntmachung. Auf höhere Anordnung bleiben die städtischen Dienststellen zum Zwecke der Kohlenersparnis in der Zeit vom 24. Dezember 1941 bis 4. Januar 1942 geschloffen. Die Erledigung unaufschiebbarer Angelegenheiten ist während dieser Zeit an einzelnen Tagen und zu gewissen Stunden möglich. Erforderlichenfalls können notwendige Auskünfte unter Fernsprech-Nr. 2851 erfragt werden. 5200C Gießen, den 20. Dezember 1941. Der Oberbürgermeister: Ritter. Wer schenken will, der kann auch schenken! 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Mrtarbertssr Dr. Erroin Lihotzky, 54 Jahre, Wetzlar, Schroarmüler- gasse. 4. 12.: Gisela Zingraff, 10 Jahre, Wetzlar, Hermannstr. 29. 5. 12.: Katharina Schneider, geb. Lotz, 84 Jahre, (Sieben, Am Riegelpfad 104; Elise Bolz, geb. Hahn, 81 Jahre, Giehen, Asterroeg 59. 6. 12.: Emilie Rhein, geb. Hinckel, 78 Jahre, Wetzlar, Brüblsbachstr. 28; Elektrikerlehrlmg Errch Schroeitzer, 16 Jahre, Werdorf, Kr. Wetzlar. 8.12.: Johanna Mylius, geb. Busch, 82 Jahre, Greben, Johannesstr. 7. 9. 12.: Susanna Blödorn, geb. Sroder, 31 Jahre, Gieben, Hillebrandstr. 1.10.12.: Landroirt Johann Krombach, 82 Jahre, Krofdorf, Kr. Wetzlar, Hauptstr. 57. 12. 12.: Sparkassen- Inspektor a. D. Heinrich Siebert, 72 Jahre, Gieben, frankfurter Str. 31. 13. 12.: Generaldirektor, Kommerzienrat Dr.-Jng. Adolf Koehler, 69 Jahre, Wetzlar, Otto-von-Zengen-Str. 1.14.12.: Lina Krug, geb. Bittorf, 26 Jahre, Greben, Schillerstr. 5. 15. 12.: Bulkanisiermerster Peter Mono, 43 Jahre, Gieben, Hindenburgroall 22; Reichsbahn-Lokomotivführer a. D. Paul Liebau, 69 Jahre, Gieben, Steinstr. 88. Gebrauchter MMMll zuverkaufen,und ein gut erhalten. Merspoftwagen dringend zu kaufen gesucht. Gg.Obl, Gieben Sonnenstr. 3 III Geburtsanzeigen mi Brühl. Gießen --- Tief erschüttert erhielten wir die un- ! faßbare schmerzliche Nachricht, daß I unser lieber, braver, hoffnungsvoller --- Sohn, mein lieber Bruder, Enkel, Pate und Neffe Wilhelm Heinrich Lieh Schütze in einem Infanterie-Regiment bei den schweren Kämpfen im Osten am 5. Oktober 1941 den Heldentod fürs Vaterland im blühenden Alt^r von 21 Jahren erlitten hat. Der Heimat fern, dem Herzen ewig nah. In tiefem Schmerz: Friedrich Lieh II. und Frau Katharine, geb. Hasselbach Karl Lieh, zur Zeit im Felde Wilh. Heinr. Hasselbach und Frau Marg., geb. Honig tind Elisabethe Lieh (Großeltern) nebst allen Verwandten u.Angehörigen. Londorf, Gießen, Frankfurt a. M. Allen denen, die uns bei unserem schmerzhaft schweren Verluste ihre Teilnahme zeigten,sagen wir auf,diesem Wege unseren tiefinnigen Dank. ___________________5199 D Danksagung. Für die überaus vielen Beweise herz- lieber Anteilnahme zum Fliegertod unseres'einzigen geliebten Sohnes,. Gefreiter Herbert Behrendt, sagen wir hiermit unseren besten Dank. M. Behrendt und Frau Erna, geb.Klinnert. Gießen, Dezember 1941. QatonlcC/- konstfvierltierite'1^ IMMER GLEICH BLEI BEND GUT-WEIL AUS DEN SIDOL-WERKEN Montag, 22. Dezember 194! Nr. 503 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Aus der Stadt Gießen. Wie alt ist der Wechnachtsbvum? „Wie gern doch seh ich glänzen mit z* den reichen Kränzen den grünen Weihnachtsbaum", singt Robert Reinick, und er ist nicht der einzige Dichter, der von dem Zauber des Weihnachtsbaumes sagt und singt^ gehört doch für uns Heutige der strahlende Lichterbaum selbstverständlich zum Aber noch nicht lange ist das so, denn ein für die Gegend des Oberrheins fürs Jahr 1551 bezeugter Christbaum blieb wohl einzig in seiner Art. Zuerst bürgerte .sich die Sitte des geschmückten Christbaums in Straßburg ein. Von dort besitzen wir eine Nachricht aus dem Jahr 1605, die also lautet: „Aufs weihenachten richtet man dannen- bäume zu Straßburg in den stuben auff, daran hencket man rosen aus vielfarbigem papier geschnitten, äpfel, Oblaten, zischgold, zucker etc." Wieder von einer diesmal mit Lichtern geschmückten — Tanne hören wir im Jahr 1611 aus Schlesien. Dort Verdunkelungszeit: 22.12. von 17.08 bis 9.29 Uhr. bescherte die Herzogin Dorothea Sibylla von Brieg den armen Kindern zu .Silvester unter dem Licyler- baum. Ganz allgemein üblich war der Christoaurn ums Jahr 1642 in Straßburg, wo er zunächst seltsamerweise von der Kirche heftig bekämpft wurde. Vielfach waren die damaligen Christbaume unseren heutigen recht unähnlich, denn es waren keine Tannen. So berichtet. 1708 Lieselotte von der Pfalz von ihren Kindertagen in Hannover, wo man zum „Christkindel" Tische wie Altäre hergerichtet habe mit den Gaben für die Kinder.Auf die Tische stellte man Buchsbäume und befestigte an jedem Zweig ein Kerzlein. Und offenbar ist nicht nur in Hannover der Christbaum früher ein Buchsbaum gewesen, sondern auch in der Pfalz, wo er noch heute in manchen Gegenden „Boßbaum" heißt. In anderen Teilen der Pfalz hieß der Weihnachtsbaum um 1780 „Zuckerbaum", wie wir aus einem Gedicht des Malers Müller erfahren. Der pfälzische Christbaum wurde nicht am Heiligen Abend, sondern erst am Christmorgen angezündet; sein Schmuck bestand früher aus Zimtwaffeln, Aepfeln, Nüssen, „Zuckerbackes", „Zuckerdings" und gusgeblafenen Eierschalen. Als Lichter Dienfen Nußschalen mit Rüböl und Docht. Was nun sind die Vorläufer des Weihnachtsbaums? Zunächst wohl die Tannen- oder Busch- zweige, mit denen man am 24. Dezember die Bilder der Heiligen schmückte. Erst allmählich dachte man daran, auch die Tische zu zieren. Es entstanden nun die „Weihnachtspyramiden", die, sich drehend, von der Decke herabhingen oder ausgestellt wurden und die der Erzgebirgler noch heute schnitzt. Oder man schmückte auf dem Lande den großen „Weihnachtsapfel", der auf .vier Stäbchen stand und mit buntem Papier usw. geziert war, das „Weihnachtsszepter", die Lichterpyramide auf einem, Holz- gefteUt, ober man baute den „Weihnachtsberg" auf. Vielfach hieß die buntbemalte Weihnachtspyramide auch „Paradiesbaum" und war bann reichlich mit Buchs besteckt. Im Sudetenland wurde zu Weihnachten ursprünglich nur die Krippe aufgebaut und erst allmählich durch den Christbaum zurückgedrängt, der hier womöglich eine Edeltanne sein soll. Ihr Plätzchen unter dem Weihnachtsbaum findet die Krippe aber sowohl hier wie auch im Saarland immer noch ganz regelmäßig. Seinen eigentlichen Siegeszug trat der Weihnachtsbaum erst im 19. Jahrhundert an, aber auch jetzt war er keineswegs immer eine Tanne: ein Stich von 1820 zeigt eine Schmuck und Geschenke tragende Stechpalme, die von der Decke.herabhängt. Daß sich der Christbaum aber jedenfalls im 19. Jahrhundert in der Schweiz fand, bezeugt uns Gottfried Keller, der schreibt: „Der erste Tannenbaum, den ich gesehn, das war ein Weihnachtsbaum im Kerzenschimmer." In Danzig kennt man den Christbaum seit 1815, im Sudetenland ist er seit 1820 heimisch. In wald- armen Gegenden behalf man sich jedoch auch noch im 19. Jahrhundert ohne Baurn und legte z. B. in Mitteldeutschland „Weihnachtsgärtlein" an aus Moos und allerlei Wintergrün. Eingerahmt wurde das jIärtlein von zwei Reihen brennender Wachskerzen, zur Rechten und zur Linken lagen die Geschenke. In Dänemark hing man neben dem Schmuck auch die Geschenke an den Baum und ließ ihn schon am heiligen Abend plündern, was in Deutschland erst sehr viel später, in manchen Gegenden erst am Dreikönigstag geschieht. Gern weist man dem Weihnachtsbaum den Platz so an, daß man fein Widerspiel im Spiegel sieht. So schildert uns Theodor Storm in der von Weihnachtsduft durchzogenen Novelle „Unter dem Weihnachtsbaum" den Christbaum seiner Kindheit: „Vor uns, zurückgestrahlt von dem großen Wandspiegel, steht der brennende Baum mit seinen Flittergoldfähnchen, seinen weißen Netzen und goldenen Eiern, die wie Kinderträume in den goldenen Zweigen hängen." L. B. Weihnachtsfeier im Etandortlazarett. Der Chefarzt des Reserve-Lazaretts I (Heeres- Standortlazarett) hatte für gestern nachmittag zu einer von der NSDAP., Kreisleitung Wetterau, ausgerichteten Weihnachtsfeier für die Verwundeten und Kriegskranken eingeladen, um damit der inneren Verbundenheit von Wehrmacht, Partei und Heimat Ausdruck zu geben. Verwundete, Aerzte, Schwestern und Gäste hatten sich im weihnachtlich geschmückten Gemeinschaftsraum unter dem brennenden Tannenbaum zusammengefunden. Mitglieder der NS.-Frauenschaft und ihrer Jugendgruppe hatten die Ausgestaltung des Programms mit instrumentalmusikalischen, gesanglichen und rezitatorischen Vorträgen übernommen. Nach einem Vorspiel der Geigen (Adagio von Mozart, Walzer von Brahms) richtete Oberfeldarzt Dr. T s ch a m e r als Chefarzt und Hausherr herzliche Worte der Begrüßung an die Kameraden des Lazaretts und die geladenen Gäste, insbesondere die Vertreter der Wehrmacht, der Partei, des Deutschen Roten Kreuzes und der Presse. Sein Dank galt den Dienststellen und allen Männern und Frauen, die die Feier so liebevoll ausgestaltet haben. Inmitten weltgeschichtlicher Entscheidungen, so führte der Chefarzt aus, begehen wir die dritte Kriegsweihnacht als das Fest des deutschen Zukunftsglaubens; eine Brücke innigen Gedenkens verbinde heute Heimat und Front. So feiere das deutsche Volk wie eine einzige große Familie, geschart um den Führer, das Fest unseres Siegesglaubens in einmütiger Geschlossenheit. Mit herzlichen Wünschen an die Verwundeten und Kriegskranken, die in dieser Feier Liebe und Dankbarkeit des ganzen Volkes empfinden sollten, schloß Chefarzt Dr. T s ch a m e r feine Begrüßung. Im Mittelpunkt der Feier stand die Ansprache von Kreisleiter Backhaus, der u. a. betonterbie Partei schätze sich glücklich, zur Ausgestaltung dieser Lazarettfeier der dritten Kriegsweihnacht beitragen zu können. Aus allen Teilen des Reiches seien hier Verwundete und Kriegskranke versammelt: viele von ihnen könnten heute nicht auf Urlaub nach Hause fahren, aber diese Feier im Kreise der Kameraden werde ihnen stets eine schöne Erinnerung bleiben. Der Kreisleiter wies ferner auf den vorchristlichen Ursprung des Weihnachtsfestes hin, das unsere Vorfahren als Fest des steigenden Lichtes und des neuen Lebens begangen haben. So wollen wir auch in diesem Jahre Weihnachten festlich begehen, auch wenn uns der Tisch nicht so reichlich gedeckt ist wie sonst, als ein Fest der Liede und e'n rechtes Familienfest. Wir gedenken heute der Kameraden an der Front, die auch an den Festtagen keine Ruhe haben werden. Der Dank der Heimat aber gelte den Verwundeten, die ihr Leben für Deutschland eingesetzt haben. Unter dem Weihnachtsbaum erneuern wir das Gelöbnis unserer Einigkeit. Mit guten Wünschen für ein frohes Fest gab der Kreisleiter dem Glauben Ausdruck, daß das kommende Licht den Sieg über Europa und die Welt davontragen werde. Gemeinsame Lieder, Gesangs- und Gedichtvorträge und Geigenspiel, von Mitgliedern der Frauenschaft und der Jugendgruppe vortrefflich zu Gehör gebracht, umrahmten die Ansprachen und ließen die Feierstunde ausklingen, der sich die reichhaltige Weihnachtsbescherung für die Verwundeten und Kranken anschloß. — Die Geologie im Raum um Gießen. Von Professor Dr. K. Hummel, Direktor des Geologischen und Paläontologischen Instituts der Ludwigs-Universität Gießen. (Schluß.) Eine zweite Erscheinung, die fast noch mehr als der Vulkanismus eine Besonderheit des Raumes um Gießen darstellt, sind die vorzeitlichen Verwitterungsbildungen. Die Eigenart der erdgeschichtlichen Entwicklung hat es mit sich gebracht, daß am Rande des Schiefergebirges gegen die Hessische Senke mehr als sonst irgendwo in Deutschland Reste alter Landoberflächen mit ihren eigentümlichen Verwitterungserscheinungen erhalten geblieben sind, und die vulkanischen Gesteine des Gebietes sowie fonftige Umstände haben zur Folge gehabt, daß die Verwitterungsvorgänge hier mehr als anderwärts zur Anreicherung nutzbarer Stoffe (Bafalteifenftein, Eisen- und Manganerz, ferner Baurit und der technisch wichtige „Zement- auarzit") geführt haben, so daß auch e:n praktisches Interesse an der Untersuchung dieser Erscheinungen vorhanden ist und vom Bergbau gute Aufschlüsse geschaffen wurden. Außerdem bedingte der geologische Unterricht für Land- und Forstwirte, daß auch im Lehrbetrieb der Boden- und Verwitterungskunde besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Dies alles wirkte sich dahin aus, daß in Gießen schon feit vielen Jahrzehnten die Untersuchung der Verwitterungsvorgänge und die Kenntnis der Verwitterungslager st alten ganz besonders gevflegt wurden und zahlreiche Arbeiten über diese Fragen veröffentlicht wurden, die teilweise auch allgemeine, weit über den örtlichen Rahmen hinausreichende Bedeutung gewonnen haben. Da die vorzeitlichen Verwitterungserscheinungen unter klimatischen Bedingungen entstanden sinh, die vom heutigen Klima stark abweichen, und da vergleichbare Erscheinungen heute nur in tropischen und subtropischen Klimagebieten entstehen, so führte die Erforschung dieser vorzeitlchen Verwitterungserscheinungen notwendigerweise zur Beschäftigung mit der tropischen Verwitterungs- und Bodenkunde. Darauf ist es zurückzuführen, daß im Geologischen Institut der Universität Gießen eine in Deutschland ziemlich einzigartige Sammlung tropischer (insbesondere afrikanischer) Verwitterungs- und Badenprofile vorhanden ist. In diesem Zusammenhang ist nicht ganz unwichtig, daß Gießener Geologen auch sonst in der K o - loni al-Geologie (insbesondere in der Geologie Deutsch-Südwest-Afrikas) seit über drei Jahrzehnten eine hervorragende Rolle gespielt haben. Dies beruht allerdings in erster Linie auf persönlichen Beziehungen der in Gießen tätigen Forscher, das Interesse an der tropischem Verwitterungs kunde hat dabei nur eine nebensächliche Rolle gespielt; jedoch wurden die verwitterungskundlichen Forschungen in Gießen dadurch mittelbar erheblich gefördert. Als letzte und minder hervorragende Besonderheit der geologischen Forschung im Raum um Gießen kann das Interesse an der Landschafts- farmung, der Talgeschichte und T e r r ässe n b i l d u n g erwähnt werden. Es sind dies allerdings Fragen, die auch anderwärts ziemlich viel und in ähnlicher Weise behandelt werden, so daß dabei nicht in gleichem Maße wie bei den zuerst genannten Forschungsaedieten von einer Sonderstellung der Gießener Forschung gesprochen werden kann. Immerhin sind einige Sonderumstände zu nennen, welche die tal- und landschaftsgeschichtlichey Untersuchungen besonders angeregt haben, so der eigenartige Lauf der Lahn, die aus dem Schiefer- gebirge kommt und wieder in dasselbe zurückkehrt, ferner das in Deutschland fast einzigartige, radial angelegte Talnetz des Dogelsderges und dessen Störungen in der Wetterau. Das Interesse an der Talgeschichte hat dazu geführt, daß in früheren Jahren, von Gießen aus auch die Talgeschichte weiter Geriete des Rheinischen Schiefergebirges einschließlich des Rhein- und Moseltales erforscht worden sind. Die bis in die neueste Zeit hinein fortgesetzten tal- und landschaftsgeschichtlichen Forschungen im Raume um Gießen (Die nicht nur vom Geologischen, sondern z. T. auch vom Geographischen Institut durchgeführt wurden), haben teilweise auch allgemeine über den engeren Landschaftsraum hinausreichende Bedeutung gewonnen, da manche Erscheinungen (z. B. eiszeitliche Bodenbewegungen, oder das Alter der übergreifenden Vererbung) im Raume von Gießen besser als anderwärts erkannt und zeitlich eingegliedert werden können. Mit den angeführten Aufgabenkreisen sind die geologischen Arbeitsmöglichkeiten im Räume um Gießen selbstverständlich keineswegs erschöpft: auch die in der Vergangenheit durchgeführten Arbeiten beschränken sich keineswegs auf die erörterten Fragen. Es könnte hier noch manches Forschungsergebnis angeführt werden, das allgemeinere Bedeutung gewonnen hat, und das ebenfalls dem Raum um Gießen entsprungen ist. Insbesondere bin ich hier gar nicht näher eingegangen auf die Ausgaben der „speziellen regionalen Geologie", also die Untersuchungen der Schichtenfolge, Die tektonischen Verhältnisse usw., die ebenfalls u. U allgemeinere Bedeutung gewinnen können- auch auf diesen Gebieten ist in der Vergangenheit manches geleistet worden und wird in Zukunft noch vieles zu leisten sein. Möglich ist ferner, daß manche Sonderaufgaben, die sich aus Verhältnissen des Raumes um Gießen ergeben, bisher noch nicht erkannt wurden, weil die bisher hier tätigen Geologen nicht darauf eingestellt waren: denn diese Einstellung ist immer abhängig erstens von der persönlichen Veranlagung, zweitens vom Ausbildungsgang und den anderwärts gesammelten Erfahrungen, drittens aber auch von den vorherrschenden Zeitströmungen. Eine zukünftige Veränderung dieser Bedingungen mag also noch diese oder jene Sonderaufgabe erschließen, die bisher unbeachtet blieb. Die oben näher erörterten Sondergebiete jedoch, also insbesondere der Vulkanismus und die Verwitterungskunde, werden für Gießen immer eine besonders hervorragende Bedeutung behalten. Mit neuen Erfahrungen, neuen Arbeitsmethoden und mit der veränderten Fragestellung, die jede neue Generation mit sich zu bringen pflegt, wird die geologische Forschung im Raume um Gießen gerade auf diesen Gebieten in Zukunft noch manche hervorragende Leistung erwarten lallen Dürfen. Bei der Gestaltung der zukünftigen Arbeitsmöglichkeiten, in der Ausstattung des Instituts und in der Auswahl der Arbeitskräfte ist daher auf diese Umstände besonders Rücksicht zu nehmen. Bunte Kreisel - sebr gefragt. Das Straßenbild unserer Stadt war am vergangenen Samstag und Sonntag schon von den frühen Morgenstunden an von jugendlichen Sammlern beherrscht. Pimpfe und Jungmädel, BDM. und HI. schwangen eifrig auf allen Straßen und Plätzen die Sammelbüchsen zu der letzten Reichsstraßen- sammllung dieses Jahres und boten die hübschen kleinen Holzfiguren an, die allenthalben reißenden Absatz fanden, so daß schon am Samstag um die Mittagszeit nur noch mit Mühe und Not ein Dreh- dobfch zu erhalten war. Die bunten Figürchen, in allen Farben luftig bemalt, sind aber auch ein außerordentlich reizvoller Schmuck nicht allein für den Mantelaufschlag, sondern auch für den Weihnachtsbaum, der in diesen Tagen vom Balkon oder vom Hof hereingeholt und geschmückt wird. Außerdem hatten jung und alt ihre Freude daran, Die verschiedenen Püppchen auf der blanken Tischplatte ein bißchen tanzen zu lassen, bevor ste ihrer letzten WK$l®!ier Versöhnung mit den Tieren. Von Paul Eipper. Ich sehe irgendwo einen Hund und spreche ihn an. Aber statt, daß er freudig aufhorcht, die Ohren spitzt und mit Der Rute wacrelt. knurrt er, fletscht die Zähne und drückt sich scheu davon. Ja, das' erlebe auch ich zuweilen mit einem Hund. Man soll nun nicht sagen: „Unfreundliche, falsche Bestie!", sondern man denke darüber nach, ob dieses Benehmen des Hundes nicht durch uns Menschen verursacht worden ist. Sehr wahrscheinlich, denn die Hunde haben in sich Das Bedürfnis der „Anlehnung"; sie sind ja Herdentiere. Wenn es sich also nicht um einest dressierten Hund handelt, der zur Ablehnung alles Fremden erzogen wurde er würde Dann auch kaum auskneifen —, Dann hat der unter Knurren und Zähnefletschen scheu Zurückweichende ganz gewiß schlechte Erfahrungen mit uns Menschen gemacht; er weiß um Stockschlage, Drohworte und Fußtritte. Gibt es nun etwas Schöneres, als ein solchermaßen enttäuschtes Tier Mrd) Geduld und Gute mit der Menschheit wieder zu versöhnen? Ich w^tz, es ist möglich, und ich gestehe, daß derartige Erfolge für mich eine tiefe Beglückung sind. Versöhnen, dieses Wort hängt mit Sühne zusammen und hat sicher aud) eine Beziehung zu dem lateinischen „sanus“ - „gesund"; versöhnen heißt also: etwas wieder gesund machen. Und es besteht für mich fein Zweifel, daß an der Beziehung des Menschen zu den Tieren mancherlei „wieder gesund" zu machen ist. Wir haben ja in Den vergangenen Jahrhunderten und Jahrtausenden gar zu oft das Tier nur als Nutzgegenstand angesehen und behandelt. Erst die Regierung des neuen DeutschlanD machte durch die Tier- und Naturschutzgesetze Das Tier wieder zu einem Lebewesen mit nm) Empfindungen, während es bislang strafrechtlich nur eine „Sache" war. Auch die Wissenschaft hat nach einer Zeit der allzu großen Vermenschlichung des Tieres — die ebenso falsche Gegenansicht vertreten, daß nämlich die Tiere völlig ohne Beseelung seien, Reflexmaschinen gewissermaßen. Die Regungen der Mutterliebe kenne ein Tier nicht; hier wirke nur ein Dumpfer Trieb zur Erhaltung der Art. Gottlob ist unser Jahrhundert in dieser Hinsicht sehr viel gerechter: es gibt eine Reihe von großen Gelehrten, Die sachliche Forscher und zugleich warmherzige Tierfreuyde sind, die in den hochentwickelten Säugetieren durchaus den beseelten ßebensbruDer achten und lieben. Wir wissen, daß solche - Tiere ebensowenig „vom Brot allein" leben können, wie wir selbst, daß sie außer Nahrung und körperlicher Pflege aud) einen warmfühlenden Zuspruch brauchen, um glücklich zu sein und zufrieden mit ihrem Los. Gewiß, der Kulturmensch des 20. Jahrhunderts kann in den Waldungen vor den Toren seiner Städte keine wilden Raubtiere mehr dulden, er muß insbesondere im dichtbesiedelten Deutschland auch das sogenannte Hegewild, die Hirsche, Hasen, Rehe und Sauen, in notwendigen Grenzen halten: Damit Die Frucht Des FelDes nicht durch die Tiere bedroht wird; aber die Gesetzgebung und das gesunde Volksempfinden fordern gleichermaßen, daß wir uns im Rahmen des Möglichen mit Den Tieren versöhnen, Daß wir ihnen würDige Dasensmöglich- feiten gewähren unD neu schaffen. Vergessen wir nicht: Die bei uns lebenden Tiere sinD ebenso wie Die Bäume unD Pflanzen wichtige unD notwendige Bestandteile unserer lebendigen Welt. Die Vereinigung der Dreiheit Mensch. Tier uyd Pflanze schafft erst die große atmende Heimat. Wohl weiß ich, daß auch auf diesem Gebiet noch vieles getan werden muß; unser tierfreundlicher Reichsforstmeister Hermann Göring hat es ja deutlich ausgesprochen: Wichtiger als alle Tierschutzgesetze ist Die Erziehung Des deutschen Menschen zum Tierschutz. Der Tierfreund kann und darf mit froher Gläubigkeit in die Zukunft schauen: er muß nur von sich aus nach besten Kräften dazu beitragen, daß Die Tierliebe im Deutschen Volk Allgemeingut wird und Daß unsere KinDer in diesem Geist heranwachsen. Dann erreichen wir gewiß einst auch die wirkliche Versöhnung mit Den Tieren: jene Harmonie des Belebten in der Natur, die allen Geschöpfen gerecht und gütig einen Platz einräumt an der Sonne. Oie Winierlandschast. Von Augusta von Oertzen. „Welch ein Anblick war es, als die Sonne aufging ... Alle Bäume und Büsche standen im Reisschmuck da. Es sah aus, wie' ein ganzer Wald aus weißen Korallen, - alle Zweige waren gleichsam mit schimmernd weißen Blüten übersät. Es war ein so glänzend weißes Spitzengewebe, daß jeder Zweig förmlich einem weißen Glanz ausströmte. Und als Dann Die Sonne schien, nein, wie funkelte das Ganze, als fei es mit Diamantenstaub überzuckert, und auf dem Schneeteppich glitzerten Die großen Diamanten ober man konnte sich auch vorstellen, daß da unzählige winzig kleine Lichter brannten, die noch weißer waren als der Schnee." Der Poesie, blieb es Vorbehalten, die Stimmung der Schneelandschaft voll auszuschöpfen. In der Malerei gibt es zwar „Schneebilder", aber kaum eines vermag den unbeschreiblichen Zauber von Schönheit und Stille so wiederzugeben wie der Märchenerzähler Andersen. In Der deutschen Malerei begegnet man schon im 15. Jahrhundert Der ersten Schneelandschaft. Martin Schongauer, Der Colmarer Stecher und Maler, ist der erste, der die Gruppe der heiligen Familie mit den Hirten in die nordische Welt verlegt: in einer Hütte betet -Maria zu dem Jesuskinde, während man draußen Joseph mit zwei Frauen durch die abendliche Landschaft über rötlichen Schnee herankommen sieht. Auch Albrecht Altdorfer, Der große Fabulierer, hat Die Anbetung Des KinDes in eine winterliche Landschaft versetzt. 1507 malte er die Christnacht im Mondschein, Schnee und flackerndem Kerzenlicht; in ähnlicher romantischer Stimmung auch 1523: noch gespenstischer geistert Das Mondlicht, noch inbrünstiger musizieren die Engel, noch inniger betet Die Gottesmutter. Daß Hans Baldung Grien (1516) Die Enthauptung Der heiligen Dorothea mitten in den Schnee versetzte, findet seinen Grund darin, daß das Wunder: blühende Rosen im Februar, durch das ein Ungläubiger bekehrt wurde, in einer Schneelandschaft erst zur vollen Geltung kam. Später haben Holländer und Flamen Schneebilder gemalt. Pieter Brueghel ließ im 16. Jahrhundert Das Grauen Des Bethlemitischen Kinder» morDes sich auf mit Schnee bedeckter Erde abspie» Ien1 Im 17. Jahrhundert tritt mit Der Darstellung Des profanen Lebens auch das Schneebild in Den Vordergrund. Das fröhliche Spiel auf Dem Eise wird vielfach gemalt, eines Der typischen Bilder dieser Art ist d-e „Dorflandschaft im Schnee" von Lucas von Valckenbirgh. Unter den deutschen Malern sind es Die Romantiker, Die Dem Schnee Den größten Reiz abgewannen. Den weltfernen Zauber eines verfallenen Gebäudes in Der Winternacht gibt Caspar David Friedrich mit feiner „Klosterruine von Eldena im Schnee", ein Bild (bei dem Glaspalastbrande in München umgekommen) mit Dem Stille und Frieden der Schneelandschaft, symbolisiert durch einen einsam wandelnden Eremiten, wohl am tiefsten empfunden sind. Unter den Landschaften des 19. und 20. Jahrhunderts begegnet man vielfach Der Schneelandschaft. Die Großstadt im Schnee mit hastenden Menschen und erleuchteten Fenstern malte Franz S k a r- b i n a, der Illustrator von Berlin und Paris. Den Zauber einer befriedeten Stimmung, Weiß in Weiß, hat wohl am feinfühligsten der Düsseldorfer Max Clarenbach wiedergegeben. Zeitschriften. — Das Weihnachtsfest der „neuen l i n i e" (Verlag Otto Beyer, Leipzig) ist bezeichnet durch den Dreiklang: Soldaten, Weihnachten, Heimat. So veröffentlicht Die „neue linie" Soldatengedichte, die eindringlich zeigen, daß die Männer, die heute im härtesten Kampf stehen, sich tiefe Innerlichkeit des Empfindens bewahrten. — Dann eine Farbtafel, gemalt von einem Kinde zu einem von Rilkes schönsten Gedichten. Oder die hervorragenden, farbigen Reproduktionen von Kinderbildnissen aus Dem 19. Jahrhundert, begleitet von einem Aufsatz über das Zeitalter des Kindes. — Ferner die traditionelle „Geistige Ernte", in der namhafte Dichter über ihre stärksten Bucheindrücke berichten, der Berliner Theaterbericht, die Veröffentlichung über jene führenden Frauen Europas, die an dem Internationalen Frauentreffen teilnahmen und die hier in Bild und Text vorzüglich charakterisiert find. S.jf.-ifporf gesichert. an Vorjahr zeitweise aufgetretenen Lieferschwierigkei- Er- scheinung. nerlei Schwankungen gegenüber der »Vorwoche zustellen. falls, bei Kälbern mittel und bei Schafen gut. Das ge- des Rückständiger Urlaub aus dem Zahre 1941. und Papierschmuck an! Die Flamme eines Lichtes kann einen gefährlichen Brand verursachen. 4. Beginne beim Anzünden der Kerzen mit den obersten und beim Ablöschen der Kerzen umgekehrt, damit deine Kleidung nicht in Gefahr gerät, Feuer zu sangen. 5. Laßt Eure Kinder nicht unbeaufsichtigt beim brennenden Weihnachtsbaum! Verwahrt in diesen Tagen besonders sorgfältig alle Streichhölzer vor Kinderhand! , 6. Stellt in die unmittelbare Nähe des Weihnachtsbaumes stets ein mit Wasser gefülltes Gefäß zum Löschen bereit! rischastlickeMarktbeobachier Entsprechend der bereits in den Vorjahren troffenen Regelung sieht eine Anordnung Reichsarbeitsministers, die im Reichsarbeitsblatt 1941 Nr. 35/36 veröffentlicht wird, vor, daß der rückständige Urlaub aus dem Jahre 19 41 'in der privaten Wirtschaft noch bis zum 3 0. Juni 1 942 gegeben werden kann. Falls in- olge der Kriegsverhältnisse ausnahmsweise der Urlaub auch bis zu diesem Zeitpunkt nicht mehr erteilt werden kann, ist ab 1. Juli 1942 seine Abgeltung zulässig. Jugendlichen Gefolgschaftsmit- qliedern ist jedoch in jedem Falle Urlaubsfreizeit zu gewähren, ebenso sonstigen Gefolgschaftsmrtglle- dern, falls sie für das Jahr 1940 . keine Urlaubs» bischen Vorkämpfers Lagarde vor den Hörern erstehen ließ. Oberspielleiter Wilhelm Michael Mund vom Theater der Universitätsstadt Gießen brachte ausgewählte Proben aus Lagardes Werk zum Vortrage, die das in der Rede entwickelte Bild seiner Persönlichkeit eindrucksvoll beleuchteten. Das Bann- orchester unter der Führung von Pg. Braun gab der Feierstunde mit seinen Darbietungen einen würdigen musikalischen Rahmen. Kreisleiter Backhaus schloß die Veranstaltung mit dem Gruß den Führer und an unsere tapfere Wehrmacht. ten bestehen nicht mehr. Auf dem Gemüsemarkt besteht noch wie vor ein reichliches Angebot an Weißkohl. Daneben tre- ftn auch Wirsing, Grünkohl und Endivien in Er- ADOX j-einung. • In der Milchbewirtschaftung sind kei- ---- v m.......' ? sest- Schwelnecmgebot ist bemerkenswert lebhaft. DK Bedarfsdeckung der. Feiertagswoche ist überall Kußball im Reich. Erste Niederlage von Schalke 04. Aus dem kleinen Kreis der noch unbesiegten deutschen Fußballmannschaften ist am Sonntag der Westfalenmeister Schalke 04 ausgeschieden, der von der Arminia Bielefeld vor 4000 Besuchern mit 2:1 (1:1) Toren bezwungen wurde. Bei den „Knappen" war die Jugend unter sich; das Fehlen von Szepan und Kuzorra machte sich doch stark bemerkbar. Eppenhofs konnte wohl den Führungstreffer schießen, aber der energiegeladene Gastgeber glich noch vor Seitenwechsel aus und schoß später auch das Siegestor. Schalkes Spitzenstellung ist aber trotz dieser Niederlatze vollkommen unge* Weihnachtsfreude für unsere Verwundeten. Das Oberkommando der Wehrmacht führte in der vergangenen Woche in Verbindung mit der NSG. .Kraft durch Freude" wieder mehrere unterhaltende Veranstaltungen in den Lazaretten durch. So veranstalteten die Jungmädelgruppen des BDM. unter Leitung der Führerinnen Faber und F l o e r k e in zwei Lazaretten eine vorweihnachtliche Feier, welche den Verwundeten sichtlich Freude bereitete. In einem Lazarett brachte die NSG. „Kraft durch Freude" mit der Vortragsfolge „Vom Rhein zur Donau" einen frohen Nachmittag. Rosemarie und Ditta Dühring erfreuten mit Tänzen, Otto Tank, Paul Kielbock und Max Schilling bestritten den musikalischen Teil als Hauskapelle und zeigten ihre Kunst als Solisten. Herr Sch i l - ling sang die Schlagerlieder. Ines Decastro erfreute mit Operettenmelodien. Wiener Lieder gab zur Freude der Ostmärker ihr Landsmann Fritz Stadler mit der Schrammelkapelle zum Besten. Die rheinischen Lieder sang Lisa Faßbender, welche auch mit verbindenden Worten Humor spendete. Reicher Beifall dankte für die fröhlichen Stunden. Wichtig für K iegSbeloldungSempfänger. Ablieferung der Lohnsleuerkarten. NSG. Die Lohnsteuerkarten 1942 werden durch die Gemeindeverwaltungen, soweit dies nicht bereits geschehen ist, in den nächsten Tagen ausgestellt bzw. zugestellt. Uebersendet die Lohnsteuerkarten sofort nach Erhalt der Standortgebührnis- stelle, die euch die Kriegsbesoldung zahlt. Die Stand- ortgebührnisstellen benötigen die Lohnsteuerkarten 1942 schon jetzt, weil sie wegen der Feiertage bereits in den nächsten Tagen mit der Berechnung der Januarbezüge beginnen müssen. Soweit die Lohnsteuerkarten in den nächsten Tagen nicht von Amts wegen zugestellt werden, sind diese bei den Steuerämtern der Gemeindeverwaltungen zu beantragen. Bemüht euch unaufgefordert um die Lohnsteuerkarten 1942 für eure zum Wehrdienst einberufenen Angehörigen. Ihr erspart den Standortgebührnis- stellen viel Zeit und Arbeit und vermeidet Ueber- zahlungen von Lohn- und Bürgersteuer. Verhütet WeihnachiSbaumbrände! NSG. Die Reichsarbeitsgemeinschaft Schadenverhütung hat folgende Brandverhütungsregeln für die Weihnachtsfeiertage zusammengestellt: 1. Schraube den Baum in einen massiven Ständer fest ein, und befestige den Ständer sorgfältig, daryit der Baum nicht durch spielende Kinder um- gerissen werden kann. 2. Stelle den Baum nicht ans Fenster in die Nähe leicht entflammbarer Gardinen und Vorhänge, sondern in eine geschützte Ecke. 3. Ordne die Kerzen nicht dicht unter Zweige fährdet. Es gibt nun in der obersten deutschen Klasse nur noch fünf unbesiegte Mannschaften, und zwar: Kickers Offenbach (Hessen-Nassau) RSG. Borussia Fulda (Kurhessen) Stadt Düdelingen (Moselland) Dresdner Sport-Club (Sachsen) L S V. Pütnitz (Pommern). Der Dresdner SC. stand am Sonntag dicht am Rand einer Niederlage, aber schließlich behauptete er sich gegen den Riesaer SV., auch mit ersatzgeschwächter Elf 1:0. Eine fleine Ueberraschung gab es am Niederrhein, wo der bisherige Tabellenführer Rotweiß Essen von der Düsseldorfer Fortuna, die Kvbierski im Sturm stehen hatte, mit 2:0 besiegt wurde. Rotweiß verlor dadurch die Spitze an Hamborn 07. In Niedersachsen begannen die Endspiele, Werder Bremen wartete dabei mit einem 6:0 (2:0)-Sieg über den VfL. Osnabrück auf. Aordmark und Ostmark siegen in der Reichsbundpokal-Zwischenrunde. In den beiden restlichen Zwischenrundenspielen um den Fußball-Reichsbundpokal gab es die er« warteteg Sieger. Während aber in Hamburg die Nordmark recht eindeutig mit 6:0 (3:0) Toren gegen Köln-Aachen gewann, behauptete sieb die Ostmark in Halle nur knapp mit 3:2 (2:2) über die starke Vertretung des Bereichs Mitte. Die „letzten Vier", die am 8. Februar zur Vorschlußrunde antreten werden, sind demnach Niederrhein, Berlin-Brandenburg, Ostmark und Nordmark. Fuhball-Meisterschastsspiele. Tv. Burgsolms — LSV. Gießen 2:1; Gießen 1900 — TSV. Naunheim 1:1. 1 1900 — Naunheim 1:1 (0:1). Bei diesem Spiel hatten die Blau-Weißen die Möglichkeit, mehr als ein Unentschieden zu erzielen. Daß es nicht dazu kam, könnte man z. T. auf die Leistung der Gäste zurückführen; die Haupt- ursache lag jedoch bei den Plaßbesitzern. Erstmals mit der vorgesehenen Mannschaft antretend, lieferten die Blau-Weißen ein Spiel, das an vergangene Zeiten erinnerte, bei dem mir eins fehlte — die Erfolge. Die wollten sich nicht einstellen, obwohl genügend Möglichkeiten vorhanden waren. Bereits in der zweiten Minute führten die Gäste durch ilfren Halblinken 1:0. Beim ersten Gegenangriff hatten die Blau-Weißen die Chance zum Die Eingänge von Kartoffeln sind besser geworden. — Der Handel ist in der Lage, den Bedarf der Bevölkerung ausreichend zu decken. Auch die Lagerhaltung konnte weiter vergrößert werden. Die Bedarfsdeckung mit allen Viehgattun - gen war überall sichergestellt und konnte unter Berücksichtigung der in der Weihnachtswoche ausfallenden oder kleiner zu haltenden Märkte entsprechend verteilt werden. D>e Dualitäten waren NSG. Die Versorgungslage in Weizen- und Röggenmehl ist zufriedenstellend, ebenso in Teiawaren, Grieß und Haferflocken. Ir.-......- --- Die Zuteilung von H ü l s e n f r ü ch t e n als Son- bei Großvieh mittel bis gut, bei Schweinen eben- derzuteilung wickelt sich reibungslos ab. Die im f"_, ! :u'f "**s weihnachtlichen Bestimmung zugefuhrt wurden. — Im Rahmen der Sammlung für das Knegs-Win- terhilfswerk hatte außerdem die Sportdienstgruppe Reiten der HI. wiederum, wie schon früher, den Kindern Gelegenheit zum Reiten geboten. Es ist also zu erwarten, daß die letzte Reichsstraßensammlung dieses Jahres wiederum ein glänzendes Ergebnis bringen wird. Dem Andenken Paul de Lagardes. Am gestrigen Sonntagvormittag war eine Feierstunde der NS DA P. in der Aula der Universität dem Andenken des großen deutschen Gelehrten und völkischen Vorkämpfers Paul de Lagarde gewidmet, dessen für die Gegenwart bedeutendes Wir- ken bereits in einem längeren Beitrage in unserer Samstagausgabe gewürdigt wurde. Jrn Mittelpunkt der Feierstunde stand die Gedenkrede von Professor Dr. B o l l n o w , Gießen, der ein packen- des Bild vorn Leben und Schaffen des großen völ- Ausgleich, der Bombenschuß von Ludolph traf jedoch bU Latte. Kurz darauf war es Schuck, der von Weniger geschickt freigespielt wurde. Allein fein Schuß ging neben den Pfosten. Die Gälte blieben auch nicht untätig. Die Verteidigung der Platzbesitzer hatte ebenfalls alle Hände voll zu tun, und Wenz mußte manchen Schuß unschädlich machen. Nach dem Wechsel drückten die Blau-Weißen noch mehr auf das Tempo, mit dem Erfolg, daß die Gäste zeitweise ins Wanken gerieten. Hinsichtlich der Torerfolge blieb alles Mühen jedoch vergeblich. Die Gäste führten immer noch 1:0. Da kam endlich die Gelegenheit. Bei einem Gedränge erwischte der nach innen gewechselte Sittner das Leder und konnte es über die Linie bugsieren. Jetzt lebte der Kampf noch einmal auf; zu Erfolgen kam es jedoch nicht mehr, es blieb bei einem Unentschieden, das für die Gäste recht glücklich war. Naunheim hatte eine Elf zur Stelle, die eine ausgeglichene Leistung bot. Der Sturm, sonst für mehrere Tore gut, fand diesmal eine Verteidigung vor, die nicht so leicht zu überwinden war. 1900 in der Aufstellung Wenz, Schäfer, Goß, Carstens, Kraft Bötz, Sittner,. Schellhaas, Schuck, Weniger, Ludolph zeigte eine achtbare Leistung. Wenz im Tor holte sich für manche Leistung Sonderbeifall. Schäfer und Goß ergänzten sich mit Kraft zu einer Abwehrlinie, die nicht zu überwinden war. Carstens und Bötz mußten viel Kleinarbeit verrichten. Der Sturm litt unter einer Verletzung von Schuck und einer gerade überstandenen Krankheit Sittners. Schiri Post (Wieseck) hätte etwas beweglicher amtieren dürfen, bann wären wohl verschiedene Reklamierungen unterblieben. NSRL.-Führertaguna in Gießen. In Verbindung mit einer Großveranstaltung der Leibesübung findet am 3. und 4. Januar 1942 in Gießen eine Führertagung des NS.-Reichsbundes für Leibesübungen statt, zu der die Gauführung des neuen Sportgaues Hessen-Nassau alle Arnts- träger der NSRL.-Kreise Gießen, Friedberg, Als- fekd-Lauterbach, Wetzlar und Dillenburg-Biedenkopf einberufen hat. Mit der Vorbereitung der Tagung und den geplanten Veranstaltungen wurde von der Gauführung Sportkreisführer Handelsstudienrat Stein (Gießen) beauftragt. Sportgauführer SA.- Obersturmbannführer Rieke (Frankfurt a. M.) und feine Mitarbeiter werden auf der Tagung in wichtigen Referaten zu den Aufgaben des NSRL. und feiner Fachgebiete Stellung nehmen. Leistungsschulung der Turnerinnen. Im neuen Sportgau Hessen-Nassau ist die grauen- turnwartin des bisherigen Bereichs Hessen, Luise Schwarz (Friedberg), zur Gaufrauenturnwartin berufen worden. Als erste Aufgabe auf dem Gebiete des Frauenturnens hatte sie die Leistungsschulung der besten Nachwuchsturnerinnen (unter 22 Jahren) durchzuführen. Den Abschluß der an drei Wochenenden durchgeführten Schulung bildete der vom Reichsfachamt Turnen vorgeschriebene Gerät- Sechskampf, an dem auch die Gießener Jungturne- rin Edith Küthe teilnahm; sie wurde 14. Siegerin. Die besten hessen-nassauischen Turnerinnen werden in der Gaugruppe Südwest weitergeschult mit dem Ziel, die Teilnehmerinnen der Reichskernmannschaft i zu ermitteln. reizest erhalten konnten. Verkehrsunfall in Gießen-Klein-Linden Am Samstagabend ereignete sich in Klein-Linden in der Frankfurter Straße ein Derkehrsun - a l I. Ein in Großen-Linden beheimateter Kraftwagen fuhr in der Dunkelheit an der abschüssigsten Stelle der Straße gegen zwei Personen, bie die Straße in der Richtung Gießen passierten. Die Sanitätsbereitschaft Gießen brachte die beiden Verletzten in die Chirurgische Klinik. Die angefahrene Frau hatte eine klaffende Wunde am Hmterkopf, die vernäht werden mußte. Der angefahrene Mann hatte eine Gehirnerschütterung und Verletzungen am Körper erlitten. ** Ein 82jähriger. Herr Georg Reh, Katharinengasse 14 wohnhaft, ein alter, treuer Leser des Gießener Anzeigers, begeht heute, am 22. Dezember, seinen 82. Geburtstag in körperlicher und geistiger Frische. Wir gratulieren herzlich. ** Die städtischen Dienststellen bleiben auf höhere Anordnung zum Zwecke der Kohlen- ersparnis in der Zeit vom 24. Dezember 1941 bis zum 4. Januar 1942 geschlossen. Unaufschiebbare An- gelegenheiten können während dieser Zeit an einzelnen Tagen und zu gewissen Stunden erledigt werden. Näheres ist aus der heutigen Bekanntmachung zu ersehen. 425 Jahre Quellenforschung. = Bad-Nauheim, 21. Dez. Im Jahre 1816, also vor 125 Jahren, wurde in dem ddmals kurhessischen Salinenort Nauheim der erste Bohrversuch auf kochsalzhaltige Quellen durch den Salzamtsassistenten G. A. Wille unternommen. Das war der Anfang einer Entwicklung, die mit weiteren erfolgreichen Bohrungen zunächst zur Eröffnung der Solbadeanstalt 1835 und dann, nachdem in der stürmischen Wintersonnwendenacht 1846 der Große Sprudel aus einer aufgegebenen Bohrung unerwartet emporgestiegen war, zum Aufstieg des jungen Solbades zum Herzheilbad der Welt führte. Bemerkenswert ist, daß die mit dem Jahre 1816 einsetzende Quellenforschung in Nauheim die noch junge geologische Wissenschaft und die geologische Forschung in Oberhessen in weitgehendem Maße fruchtbringend beeinflußt hat. Vorzügliches Samm'lergebnis. --- Butzbach, , 21. Dez. Eine Spitzenleistung, die einzig dasteht im gesamten Kreis Wetterau und darüber hinaus wohl auch im Gau Hessen-Nassau, hat die 60 Schüler zählende Volksschule Fauerbach v. d. H. vollbracht. Die Schule hat 35 7 Kilo getrocknete Heilkräuter und 235 Kilo Hagebutten abgeliefert. Das sind pro Schüler fast 6 Kilo Trockengut und 4 Kilo Hagebutten, also mehr als das Zehnfache dessen, was als Mindestleistung in diesem Jahre pro Schüler gefordert wordem ist. Ein geringer Teil dieses vorbildlichen Ergebnisses wurde an zwei Wochentagen eingebracht, alles andere in der unterrichtsfreien Zeit. — Als beachtliche Einzelleistung in der diesjährigen Heilkräutersammlung ist zu vermerken, daß die Schule Gambach im Rahmen eines sehr guten Gesamtergebnisses das äußerst mühsame Sammeln von Mutterkorn auf x die erstaunliche Menge von 6,5 Kilo gebracht hat. __________________ Explosion in Raum5 Roman von H.C. Hansen Copyright by Prometheus-Verlag Dr.Eldiodcer, Gröbenzell b.MOndren 19. Fortsetzung (Nachdruck verboten.) „Dann wollen wir uns gemütlich in diese Ecke dort setzen." Sie deutete auf bequeme Sessel, die um ein kleines Tischchen standen. „Wollen Sie einen Kognak, eine Tasse Kaffee oder Tee ober ein Glas Wem, Mosel, Rhein, Portwein?" „Arn liebsten alles." Theo Karnrnin strahlte „Ich schätze alle guten Gaden, die uns der liebe Gott beschert" „Welche am höchsten?" „Das kommt auf die Gelegenheit an. Diesmal erbitte ich einen scharfen Schnaps, nur nichts Süßes, und eine Zigarre dazu." „Gewiß, mein Herr. Sie sollen sofort bedient werden." Karla -huschte davon und kam innerhalb einer halben Minute mit einer Flasche, zwei Gläsern und einer Kiste Zigarren wieder, goß ein, wartete, bis ihr Gast sich die Zigarre angezündet hatte, hob ihr Glas leicht gegen ihn und trank einen kleinen Schluck, während er bedächtig und genießerisch den ganzen Inhalt über die Zunge laufen liefe. „Herr Kriminalkommissar Karnrnin", begann Karla in völlig verändertem Ton, der die Mitte zwischen lehrhafter Ueberlegenheit und Spott hielt, „Sie haben einen ungeheuren Fehler bei Ihrer Untersuchung in Sachen Wand begangen." „Was habe ich?" Alles hatte Karnrnin erwartet, nur nicht ein erneutes Aufgreifen dieser Geschichte. „Einen riesigen Fehler begangen. Darf ich zunächst einmal fragen?" „Ja. Aber ich antworte nur, wenn ich kein Dienst- geheimnis verletze." „Einverstanden. Die Untersuchung in Sachen Wand ist eingestellt?" „Das zu sagen, liegt außerhalb meiner Besug- ^,Jch darf wohl voraussetzen, daß die richtige Antwort auf Ja lautet." „Nur bedingt, Fräulein Kobelt. Vielleicht ergeben ich neue Gesichtspunkte —" „Die haben sich schon ergeben." Karla betonte das Wort haben. „Aber erst die zweite Frage: Einen bestimmten Verdacht haben Sie nicht mehr?" „Nein!" sagte Theo Karnrnin zögernd. „Einen ganz bestimmten zur Zeit nicht." „Dann will ich Ihnen auf die Beine helfen, Herr Kriminalkommissar. Ihr Hauptverdachtsmoment gegen Herrn Kaspar ist doch die Tatsache gewesen, dafe er sich kurz vor dem Explosionsunglück in der Fabrik aufgehalten haben soll, während er in dem Prozeß aussagte, er fei schon um einhalb sechs Uhr nach Hause gegangen." „Woher wissen Sie das?" „Von Herrn Kaspar selbst. Folgende Tatsachen stehen fest: Die Ursachen der Explosion können nicht geklärt werden. Verdacht einer böswilligen Handlung von dritter Seite besteht. Herr Kaspar hat durch eine Menge Zeugen einwandfrei nachgewiesen, daß er sich von 17.45 bis um 19.30 Uhr in seiner Wohnung aufhielt. Dem steht die Eintragung des Pförtners gegenüber. Sie besagt, daß Herr Kaspar um 18 Uhr erneut das Werk betreten und erst um 18.45 Uhr wieder verlassen hat. Ich weiß die Zeiten nicht genau, aber es ist nicht so wesentlich, ob sie um einige Minuten differieren. Wie erklären Sie sich diesen Widerspruch?" „Ein Irrtum des Pförtners." Karnrnin versuchte, von dem heiklen Thema abzulenken. „Das glaube ich nicht. Irgend jemand hat Sie darüber informiert, daß sich Herr Kaspar zwischen sechs und halb sieben Uhr in ber Fabrik aufgehalten hat. Hab' ich recht?" „Hm...!" „Genügt mir auch. Also eine Person, Mann oder Frau, jedenfalls nicht der Pförtner machte Sie darauf aufmerksam. Darauf prüften Sie das Pförtnerbuch nach und sanden die Aussagen der mir nicht bekannten Person-bestätigt. Sie verhafteten 1 Herrn Kaspar auf Grund dieser Tatsachen und mußten feststellen, daß er ein einwandfreies Alibi hat. Wie erklären Sie es sich, daß nicht nur der Pförtner (ein sehr zuverlässiger Mann, der Herrn Kaspar seit vielen Jahren kennt) sich zweimal, sondern auch noch die andere Person sich einmal irrte? Das kann nicht einfach mit dem Begriff Irrtum abgetan werden." „Ich bin erstaunt, welchen Spürsinn Sie entwickeln", sagte Theo Karnrnin. „Sehr richtig, Herr Karnrnin. Ich stelle zunächst fest, daß ich meine Wette gewonnen habe, denn Sie sind zweifellos jetzt in arger Verlegenheit. Und weiter möchte ich meine Gedanken zu Ende spinnen: An zwei Stellen kann kein Mensch zu gleicher Zeit sein.' Behaupten aber glaubwürdige Zeugen, daß sie denselben Mann zur gleichen Minute an räum- lich weit auseinanderliegenden Orten gesehen haben, bann ist die einfachste Erklärung nicht etwa ein Wunder, sondern ein Doppelgänger, der in der Maske von Herrn Kaspar in bas Fabrikgelände eingedrungen ist." Karnrnin blickte Karla bewundernd an. „Fein ausgeknobelt! Woher haben Sie bas?" Das Mädchen mußte lachen. „Käppchen — Käppchen, Herr Karnrnin! Ob von Vater ober von Mutter, weiß ich nicht genau. Außerbem war es gar nicht schwer, biese Schlüsse zu ziehen. Sie geben sich geschlagen, Wettpartner?" „3a." Er zückte bie Brieftasche unb schmunzelte im Gebanken an ben vormittäglichen Felbzugsplan, den er mit Crusius geschmiebet hatte. „Hier ist bas Opfer für einen wohltätigen Zweck." Als kluger Psychologe wußte er, baß er Karlas ganze Sympathie gewinnen würbe, wenn er vor ihr kapitulierte. Unb es blieb ein (östliches Gefühl, bieses kluge Mäbchen überlistet zu haben. Also spielte er weiter ben Ueberraschten unb genoß mit vollen Zügen bie Genugtuung, daß sie ihn mit unleugbarer Sympathie betrachtete. Ihre Ueberzeugung war es, daß ein wirklicher Mann nicht nur selbstbewußt, sondern auch bereit sein muhte, ohne Wimperzucken eine Niederlage einzugestehen. „Unb was muß ich sonst noch erfüllen?" fragte er forschenb. „Das, Herr Karnrnin, wollen wir einem noch nicht angebrochenen Tag überlassen. Jetzt haben Sie Wichtigeres zu tun, als bie Launen eines unnützen Mädchens zu erfüllen." „Hm, unnütz. Ich weiß nicht." Er schmunzelte. „Wissen Sie, Fräulein Karla, ich habe in den letzten Tagen eine erstaunliche Wandlung burchgemacht unb kam schon mit ber Absicht her, Ihnen bäumt unverblümt Kunbe zu geben. Ich '—" Nun war sie an ber Reihe, verlegen zu werben. Ihre Wangen färbten sich mit leichtem Rot. „WaS wirb Herr Kriminalbirektor Doktor Ball baxu sagen, von bem ich soviel Rühmliches gehört habe?" Theo Karnrnin war unzufrieden, daß er mitten in ber schönsten Rebe unterbrochen würbe, und begann eine Absicht dahinter zu wittern. So waren bie Weiber. Erst verbrehten fie einem ehrlichen Kerl ben Kopf, lockten ihn auf recht schlüpfriges Eis, bei bem er glücklich bie Balance verlor und sich ins Abenteuer stürzte, bann schütteten sie gemütvoll und listig Asche auf bie heimtückische Flache, beobachteten vergnügt, wie ber schwankende Mann mieber festen Boben gewann, und sprachen habet von abgelegensten Dingen. Aber Ball war immerhin eine Angelegenheit, bte überlegt zu werden verdiente. Wie spät war es eigentlich? Halb zehn Uhr. Noch keine nachtsch!^ sende Zeit. Der Kriminaldirektor war sicher noch auf. Man müfete ihn anrufen. „Kann ich einmal bei Ihnen telephonieren, Fraulein Kobelt?" „Aber gewiß." Sie führte ihn zu dem Apparat, der neben ihres Vaters Schreibtisch stand. Der Korn- missar wählte die Nummer unb mußte eine Weile mallen, bis sich jemand meldete. In diesen Sekunden ging ihm eine neue Erkenntnis auf. Vor ein paar Tagen hatte er an Heiraten nicht im geringsten gedacht. Dann irrlichterte Karla Kobelt um ihn herum, machte ihn nervös, übellaunig und verdreht, und fein Empfinden wandelte sich so schnell wie bei einem Jüngling, der heute weltschmerzlich das Ewig-Weibliche verächtlich ablehnt und andern Tages verrückte Liebesgedichte schreibt. Karla Kobelt wettete mit einem Kriminalkommissar, fie werde ihn in Verlegenheit bringen, und er benutzte bie Gelegenheit zum entscheidenden Dorstofe auf ihr Herz; denn einmal gefaßte Entschlüsse liebte er sofort auszuführen. Sie lenkte geschickt ab. Jetzt stans er an einer Strippe, die ihn mit bem Vorgesetzten verband unb bireft von bem Mädchen weg in Regionen führte, die ihm augenblicklich fast lästig vor- kamen, obwohl sie bislang das A und O fernes Lebens gewesen waren. (Fortsetzung folgt.)