Dienstag. 9. September Ml ;u ml- imn uwad/Kingisepp l \\ schütze. Das war der Auftakt für die Sondermeldung am s Montagabend, die berichtete, daß Schnelle deutsche Divisionen die Newa ostwärts Leningrad erreicht und die Stadt Schlüsselburg am Ladoga-See im Sturm genommen haben, womit der Ring um Petersburg geschlossen und die Stadt von allen Landverbindungen abgesperrt ist, denn die Finnen hatten bereits am Vortage den Swir, den Abfluß des Onega- in den Ladoga-See, erreicht und hatten damit letzteren in weitem Bogen umfaßt, sie sind auch auf der Karelischen Landbrücke von Norden aus nahe an Petersburg herangerückt, während deutsche Truppen die Bahnlinie Moskau— Petersburg überschritten und damit die Verbindung von Süden her zerschnitten hatten. Mit der Erstürmung Schlüsselburgs ist der Ring geschlossen worden, auch die letzte noch offene Bahnlinie über Schlüsselburg nach Petrosawobsk zur Murmanbahn und nach Wologda ist in deutscher Hand. Petersburg ist eine belagerte Stadt, die von jedem Zufuhrweg von Land her abgesperrt ist. Schlüsselburg, em Städtchen von etwa 8000 Einwohnern, liegt am Ausfluß der Newa aus dem Ladoga-See. Gegenüber auf einer Insel im See liegt die berühmte Festung, die in den letzten Jahrzehnten der Zarenära als Gefängnis für Revolutionäre diente, 1917 Unter den neuen und völlig veränderten Umständen wird eine energische Umgest altu n g ber gesamten Wirtschaftslage des Landes eine nicht mehr zu umgehende Notwendigkeit werden. Gewiß werden in Zukunft die Häfen Griechenlands von größter Bedeutung bleiben, aber von noch größerer Wichtigkeit wird es sein, das f l a ch e Land feiner eigentlichen Bestimmung zuzusuh- ren. Die Programme aller vergangenen Regierungen, die lediglich auf dem Papiere standen, werben nun praktisch durchgeführt werden müssen, denn Griechenland muß danach streben, sich wemg- itens auf dem Gebiet der Ernährung 3um großen Teil selbst zu versorgen. Die Möglichkett hierzu inkshamn^Wiborg. beglichen Rohstoff für di/Mg^gind^e, und Angriff der duschen Infanterie setzten deutsche zwar habe Moskau diese Bitte damit begründet, Kampfflugzeuge unb Schlachtflieger eine Batterie bie besten östlichen Bauxitlager seien von den Fin- außer Gefecht und beschädigten zahlreiche Motor- nen besetzt worden, die Petersburger Alu - sahrzeuge. Griechenlands Rückkehr zur Scholle Von unserem Cc.-Korrespondenten. Athen, September 1941. Eine der letzten Ministerratssitzungen in Athen hat sich mit der Frage der Uebervölkerung der Haupt st a d t und darüber hinaus der Städte Griechenlands überhaupt befaßt. Daraufhin wurde eine Verordnung herausgegeben, wonach mit Ausnahme der Staatsangestellten und aller jener Beamten und Arbeiter, die einen festen Posten haben, alle diejenigen, die nach dem 1. Januar 1940 nach ber griechischen Hauptstadt zugewandert sind, wieder dorthin zurückkehren müssen, woher sie kamen. Seit vielen Jahren ist in Griechenland eine deutliche Abwanderung vom Lande in die Stadt festzustellen. Die griechischen Städte, die in den meisten Fällen Hafenstädte sind, haben die Landbevölkerung an sich gesogen; denn hier gab es leichteren Verdienst als bei der schweren Arbeit des Bauern. Diese Abwanderung vom Lande war aber auch bedingt durch die wirtschaftliche Struktur des Landes, wie sie vor dem Kriege bestanden hat — Griechenland war das ausgesprochene Einfuhrlanh. Der Export beschränkte sich auf einige wenige Standardartikel, wie Tabak, Olivenöl und Korinthen. Diese Waren gingen zum größten Teil nach Deutsch, land, zu einem nicht unerheblichen Teil nach England und Amerika. Während die Handels- und Elearingverträge mit dem Reich dem griechischen Staat für seine Exporte industrielle Ganz- und Halbfabrikate erbrachten, flössen aus England und Amerika Devisen ein. Außer den Deviseneingängen aus dem Geschäft mit den angelsächsischen Staaten kamen alljährlich große Dollarbeträge aus Amerika cm private Adresse in Griechenland an. Die vielen griechischen Auswanderer nach Ueberfee, die Dort Arbeit und Verdienst fanden, sandten an ihre Verwandten, an Stiftungen ober an Stadtgemeinden ihre Ersparnisse. Von diesen Geldern lebte der große Teil der griechischen Bevölkerung, von diesen Geldern wurde die Ausgestaltung der griechischen Städte durchgeführt. Mit den Deviseneingängen aus dem Güterverkauf nach den angelsächsischen Ländern hat Griechenland seit mehreren Jahrzehnten bereits seine Getreide-Einkäufe in Amerika, in Australien ober sonst irgendwo bezahlt, je nachdem wo die Preise gerade entsprechend niedrig waren. Berlin, 8. September. (DNB.) Im Kampfabschnitt einer im Norden der Ostfront eingesetzten Division versuchten die Bolschewisten am 7.9 ver- geblich ein von den deutschen Truppen erobertes Gelände wieder zurückzugewinnen. Die wiederhol- ten Gegenangriffe der bolschewistischen Verbände führten zu erbitterten Kämpfen, in denen ste schwere Verluste erlitten. Es wurden 400 gefallene Sowjetsoldaten gezählt, während nur 100 Gefangene gemacht wurden.! Die Sowjets verloren außerdem drei Panzerkampfwagen von 52 Tonnen Gewicht und einen weiteren Panzerkampfwagen. Im Schuß der Dunkelheit versuchte in der Nacht vom 6. zum 7. September eine sowjetische Gruppe, den eifernen Ring der deutschen Umklammerung zu durchbrechen. Der Durchbruchsversuch scheiterte unter be« sonders blutigen Verlusten für die Sowjets. Es wurden 1100' Gefangene eingebracht. Im mittleren Frontabschnitt versuchten die Bolschewisten am 5. September gegen die deutschen Truppen anzurennen. Die Sowjets warfen immer wieder neue Massen gegen die deutschen Stellungen und erlitten dabei hohe Verluste. An mehreren Stellen wurden die Vorbereitungen zum Angriff bereits von den deutschen Vorposten erkannt unb durch gut geleitetes Artilleriefeuer zerschlagen. Die schweren Verluste, die die Bolschewisten erlitten, vereitelten ihre Angriffsabsichten, noch ehe sie gegen die deutschen Linien vorgehen konnten. Deutsche Truppen arbeiteten sich im gleichen Abschnitt in tagelangem zähem Ringen und gegen harten Widerstand der Bolschewisten an einen Fluß vor. Geschütze, Munition und Nachschub wurden a u f v ö l - lig verschlammten Wegen durch nahezu unpassierbares und Grundwassergelände immer wieder nachgezogen. Durch das vorbildliche Zusammenwirken- aller Truppenteile und die uner- müdliche Energie jedes deutschen Soldaten wurden Waffen und Gerät, Munition unb Proviant so rechtzeitig herangeschafft, daß die Kampfhandlungen sich trotz größter Schwierigkeiten wie vorgesehen entwickeln und starke sowjetische Verbände unter Zurücklassung vieler Toter geworfen werben konnten. In mehreren Angriffen versuchten die Sowjets, einen deutschen Brückenkopf zurückzugewinnen. Ungeachtet des vernichtenden Feuers schickten die Bolschewisten eine Kompanie nach der anderen ms Verderben. Alle sowjetischen Angriffe wurden unter schweren blutigen Verlusten für die Bolschewisten ist durchaus gegeben, wenn die Bebauung des Landes unb die (Einbringung ber (Ernte nach mo- bernen Methoben erfolgt. Hierzu gehören, baß bie Düngemethoben bem neuen Stcmb der Wissenschaft angepaßt werden, daß ein energischer Forst- fchutz durchgeführt wird, der eine Voraussetzung für bie Wasserwirtschaft des Landes darstellt, dazu muß gehören, daß mit landwirtschaftlichen Maschinen gearbeitet und für genügende Unterbrin« gungsmöglichkeiten der (Ernte gesorgt wird. In den gleichen Komplex fällt die Notwendigkeit, durch die Ausgestaltung des Binnenverkehrs die Verteilung ber Güter sicherzustellen, so, daß auch jene Gegen- ben, in benen Spezialerzeugnisse wie etwa Tabak, Korinthen unb Oliven gepflanzt werden, bie Möglichkeit besitzen, mit Artikeln, bie der Ernährung des Tabak-, Korinthen- ober Olivenbauern bienen, versorgt zu werden. Die Braunkohlevorkommen müssen abgebaut werden, um den Treibstoff für einen erhöhten Eisenbahnverkehr zu liefern, daneben muß das alte Projekt der Nutzbarmachung ber Wasserkräfte energisch in Angriff genommen werden. Alle diese Planungen können nicht von heute auf morgen fertiggestellt werden. Es sind Projekte, bie sich auf Jahrzehnte erstrecken. Sir erfordern vor allem aber Menschen. Diese Menschen sind heute in ben Städten konzentriert unb suchen nach bem Zusammenbruch ber griechischen Wirtschaft krampfhaft nach einem Verdienst, ohne ihn hier finden zu können. Dies ergibt einen Ueberschuß an Proletariat, eine ungeheure Zahl von Arbeitslosen unb von solchen, die von ihren kleinen Verdiensten weder leben noch sterben können. Die Rückführung all dieser Unbeschäftigten auf das flache Land ist eine der wichtigsten Fragen, die in Griechenland heute zu lösen sind. (Eine solche Aktion wird sicher auf die größten Schwierigkeiten stoßen, denn 20 und mehr Jahre haben diese Menschen eine regelmäßige, schwere und verantwortungsvolle Arbeit nicht mehr geleistet. Die Jugend in den Städten ist gänzlich auf das Handelsgeschäft eingestellt. Für den Broterwerb sorgen die Väter, die Söhne warten auf Gelegenheiten. Man überläßt alles dem Zufall und sucht diesen in den Kaffeehäusern, in den Schänken oder im Laden irgendeines Bekannten. Diese Mentalität zu bekämpfen, die Jugend zu nutzbringender Arbeit für bie ganze Nation heranzuziehen, dies wird an der Spitze aller Maßnahmen stehen müssen, die Griechenland ben Weg in eine auf so- liben Grundlagen beruhende Zukunft eröffnen sollen. Berlin, 9. Sept. (DNB. Funkspruch.) Starke Kräfte der deutschen Luftwaffe richteten ihre Angriffe in ununterbrochenem Einsatz gegen die südlich des Laboga-Sees sich zusammendrängenden Massen ber von Süden durch die Deutschen unb von Norden durch die Finnen zurückgeworfenen S o w j e t v e r d ä n d e. Die Zahl ber zerstörten Fahrzeuge und anderen Krieasgerätes sowie die blutigen Verluste der Sowjets sind sehr erheblich. Die Bolschewisten versuchten, mit Schiffen unb Schleppkähnen Material unb Menschen auf bem Ladoga-See zu befördern unb die deutschen Truppen vom See aus zu bekämpfen. Die Luftwaffe beschädigte drei Kanonenboote unb acht Schleppkähne schwer. Bei ber Unterstützung von miniumfabrik, die zwei Drittel der gesamten Aluminiumerzeugung der Sowjets hervorbrachte, fei ,^urch öie deutsche Belagerungimmu« visiert. Hier gibt man also die Einkesselung der riesigen Petersburger Industrie durch die Deutschen unb Finnen zu, während die englische Lügenpropaganda den Anschein zu erwecken sucht, als fei ber Jndustriebezirk von Petersburg, der 18 v. H. der gesamten Rüstungswerke ber Sowjets umfaßt, noch vollkommen intakt. Kein Wunder, wenn angesichts solcher handgreiflicher Widersprüche die Londoner Zeitung „John Bull" jetzt sagt, die englische Pro- paganda bestehe aus nichts als Lügennachrichten. Lustangriffe am Ladogasee. Das gesamte Handelsgeschäft des Landes, die Ausfuhren nach Deutschland und nach Uebersee und die Einfuhren aus den gleichen Gebieten, spielte sich in den Hafenstädten ab. wo die Vertreter, die Makler, die Vermittler in immer größerer Zahl zusammenkamen. Es wurden Geschäfte gemacht mit Schiffsraum, mit Waggonladungen, mit Verladen unb (Entlaben, mit dem Anheuern von Matrosen unb bem Vermieten von Lastträgern, es wurden Wohnungen und Unterhaltungen aller Art vermittelt. Kurzum, ber Verbienstmöglichkeiten gab es unendlich viele unb ein Geschäft am Tage genügte wohl in ben meisten Fällen, um die erstaunlich geringen Ansprüche an bas Leben, bestehend aus Früchten, Käse, Brot, Kaffeehausbesuch zu befriedigen. Alles das zusammen war um wenige Drachmen erhältlich. Das Leben war abwechslungsreich unb in keiner Weife anftrengenb, jedenfalls^ viel leichter als das Dasein, das der Bauer führte. Außerdem konnte der Bauer unter den gegebenen Verhältnissen überaus schwer sein Auskommen finden, denn die landwirtschaftlichen Einfuhrwaren stellten sich in den meisten Fällen billiger, als der einheimische Bauer sie zur Verfügung stellen konnte. Daneben war auch das F i s ch e r e i g e w e r b e kein sehr einträgliches, denn es bestanden in Griechenland nicht die entsprechenden Konservenfabriken und Fischverarbeitunasindustrien. Derartige Erzeugnisse wurden aus Frankreich, Portugal ober ber Türkei nach Griechenland einaeführt. Der griechische Fischer arbeitete nur für ben Tagesbedarf der Stadt, in deren Nähe er sich befand. Dieser Bedarf war aber überaus beschränkt, denn ber Grieche zog das Fleisch hem Fisch immer vor. Alle diese Umstände brachten es mit sich, daß die griechischen Städte in den letzten 20 Jahren einen starken Bevölkerungszuwachs erfuhren, das flache Land aber verödete. Wenn man beute durch die Gebiete Nordgriechenlands fährt, bann kann man feststellen, daß bas Lanb praktisch brach liegt. Selbst die Viehzucht wurde in sträflichem Maße vernachlässigt. Etwas anders steht es im Veloponnes, der auch jene etwa 40 vH. der Ernährung Griechenlands lieferte, bie nicht singe führt werben mußten. Die Braunkohle- Vorkommen in ausreichenber Form auszubeu- ten, ftanb wohl auf bem Programm, würbe aber in der Praxis nicht burchgefübrt, denn Deutschlanb lieferte hochwertige Kohle. Mit dieser Kohle wurden nicht nur die privaten Ansprüche gebeckt, fonbern auch bie Elektrizitätswerke im ganzen Lande betrieben. Eine Ausützung der Wasserkräfte besteht in keinem Falle. Daneben läßt auch der F o r st s ch u tz alles zu wünschen übrig. Griechenland ist neben Portugal das waldarmste Gebiet ganz Europas, denn die jungen Waldbestände wurden in rascher Aufeinanderfolge in Brand gesteckt, um Holzkohle zu gewinnen. So kommt es, daß bie Hügel Altgriechenlands völlig kahl sinb. M. Jahrgang Nr. 2(4 Erscheint täglich, außer Sonntags und »Feiertags Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat unBild-DieScholle Bezugspreis: Monatlich.......RM1.80 Zustellgebühr... „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernfvrechanschluß 2251 | Dmhtanfchrift:„Anzeiger" Postscheck 11686 Frantt^M. Ein englisches Bombenflugzeug ist, wie die schwe- dischen Blätter melden, am Montag früh über Sübschweden a b gestürzt. Das Flugzeug soll sich auf bem Rückflug von Berlin befunden haben. Die Besatzung, die aus fünf Mann bestand, rettete sich mit Fallschirm und wurde interniert. -^\0lorw SKexholm^^= LAD O G A -=^ von den Bolschewisten zerstört und zu einem Revolutionsmuseum umgewandelt worden war. Zu militärischen Zwecken war Schlüsselburg feit Beginn des 19 Jahrhunderts nicht mehr verwandt worden, aber in den Kämpfen zwischen Russen und Schweden hat die Festung eine große Rolle gespielt. 1323 war sie von dem Großfürsten von Nowgorod zum Schutz gegen die Schweden erbaut worden, aber von diesen bereits 1348 erobert. Erst Peter der Große konnte sie 1702 endgültig für Rußland sichern. 6dow Lugaf j Mowgoro^ Die Wortkargheit der deutschen Wehrmachtberichte läßt unsere Gegner über bie eingeleiteten Operationen vollständig im unklaren. Sie ersetzen dieses Nichtwissen um die Tragweite der eingelöteten militärischen Operationen durch Phantasie, die voraussagt, was unser Führer und die Generale beabsichtigen, unb wie sehr sie angeblich über ben r ju—Eb 68°. I V ~— * Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Berlin ein. Starte Abwehr lieh den Angriff auf die Reichshauptstadl nicht zu voller Wirkung kommen. Die Zivilbevölkerung hatte durch Abwurf von Spreng- und Brandbomben Verluste an loten und Verletzten. Nachtjäger und Flakartillerie schossen 14, Marineartillerie 3 der angreifenden Bomber ab. An den Llfern des Gwir. Die finnische Front ist ungeheuer ausgebefjnt, aber es liegt in der Natur der Sache, daß jetzt die Aufmerksamkeit sich auf die Stellungen vereinigt, die die Finnen nördlich von Petersburg einnehmen. Hier sind zwei Frontabschnitte zu unterscheiden, die durch den Ladoga-See unterbrochen werden: Einmal die Front vom Finnischen Meerbusen bis zum Ladoga-See und dann weiter östlich vom La- doga-See vis zum Onega-See. Auf dem westlichen Frontabschnitt, der häufig auch mit dem Namen der Karelischen Landenge oder ßanfobrücffr verbunden wird, sind die Finnen nach Vernichtung sowjetischer Divisionen und Heim- bringuna reicher Beute ganz erheblich nach Süden vorgestrigen. Das 46 Kilometer südlich von Wiborg Öne Björkö (finnisch: Koivisto) Ht in ihrer Biörkö ist bekannt als Treffpunkt zwischen Kaiser Wilhelm II. und Nikolaus II. am 23. und 24. Juli 1905. Die Zusammenkunft erfolgte unter dem starken Eindruck des russisch-japanischen Krieges. Wilhelm II. gina damals mit der Idee eines politischen Zusammenichlusses von Deutschland, dem Zarenreich und Frankreich um. Der Gedanke war aber so stark improvisiert, daß die Außenminister beider Herrscher Widerspruch erhoben. Man kann anyehmen, daß die Finnen noch über Biörkö hinaus gegen ihre alte Grenze voraedrungen sind, die bis 1939 zwischen Finnland und der Sowjetunion bestanden hat. Don hier aus rückt schon Kronstadt in den militärischen Bereich. Kronstadt auf der Insel Kotlin ift eine der stärksten Seefestungen. Ein Teil der Batterien von Kronstadt ist auf Rosten erbaut, so daß sie auf dem Meer zu schwimmen scheinen. Kronstadt sperrt die unmittelbare Einfahrt in die Newa-Mündung. Auf dem östliche Teil der finnischen Front gegen Petersburg meldet der letzte finnische Wehrmadst- bericht die Einnahme des kleinen Städtchens Olonez (finnisch: Aunus). Olonez war Hauptstadt des gleichamigen Gouvernements in der Zarenzeit und zählt nicht mehr als 1600 Einwohner. Ungleich wichtiger ist Petrosawodsk am Onegasee, wo auch die vielaenannte Murmanskbahn durchgeht. Ungefähr 30 xm südlich von Olonez verlies die alte finnische Grenze bis 1939. Südlich verläuft der jetzt erreichte S w i r, der den Abfluß des Onega- in den Ladogasee darstellt. Er ist etwa 220 km lang und für Dampfer trotz einiger Schwierigkeiten infolge von Stromschnellen befahrbar. Das ganze Gebiet zwischen dem Swir und dem Wolchow, der den Jlmenlee mit dem Ladogasee verbindet, ist an sich auch sehr öde, wurde aber in den letzten Jahren durch Errichtung von Stau- und Elektrizitätswerken sowie Alumiinumhütten industrialisiert und schließt ein wichtiges Kanalsystem ein. Das Ritterkreuz für todesmutigen Einsatz. Berlin, 8. September. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen an Oberstleutnant Emia, Kommandeur einer Kampffliegergruppe. Er fand am 28.6. im Kampf gegen den Bolschewismus den Heldentod. Er führte erfolgreiche Verminungen durch und beschädigte in kühnem Sturzangriff einen sowjetischen Kreuzer. Einen Angriff auf die Schleusenanlagen des Stalin- Kanals führte er im Tiefstflug durch. Seine aus wenigen Metern Höhe abgeworfene Bombe zet- störte das Schleusentor, vernichtete jedoch zugleich das eigene Flugzeug. So setzte Oberstleutenant Emig fein Leven ein für den Erfolg dieser strategisch hochbedeutenden Ausgabe. Das Ritterkreuz für verdienten ll-Boot-Kommandanten Berlin, 8.9. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht verlieh aus Vorschlag des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Oberleutnant zur See Adalbert Schnee. Er versenkte als Kommandant eines kleinen Unterseebootes auf drei Feind führte n 4 0 0 00 BRT. feindlichen Handelsschiffraumes, darunter einen Dampfer der ,2tranto"-Klasse von 20 000 BRT. Oie britisch-sowjetische Einheitsfront. B e r l i n , 8. Sept. (DNB.) Wie Associated Preß aus London meldet, beteten am Sonntag in England anläßlich eines vom König gewünschten N a • Hon al en Gebettages Millionen von Engländern für den Siea der bolschewistischen Waffen „in den gleichen Kirchen, die in der Vergangenheit oft von Beschimpfungen gegen alles Kommunistische widerhallten". Während der Erzbischof von Canterbury und der katholische Kardinal Hinsley ohne weitere Kommentare für ihre plötzliche Sinnesänderung „ihre Häupter in Buße neigten", um für die Sowjetunion zu beten, suchte der Bischof von Portsmouth nach einer Begründung für seina Gebete für die Sowjetunion. Er sagte: „Da die Sowjetunion durch Gottes Gnade Großbritannien in der Stunde der Not willkommene Hilfe gebracht hat, wollen wir unsere Schuld Zurückgahlen, indem mir Rußland das ,Gottesoertrauen' zurückgeben." Der Bischof hat in klassischer Weise den englischen Grundsatz wiederholt, daß derjenige, der etwas gegen England tut, damit gegen den Willen Gottes verstößt und deshalb verfemt und verfolgt werden muß und derjenige, der England „willkommene Hilfe leistet", damit eine gottgefällige Tat tut. Die britischen Frauen aus allen berufstätigen Kreisen und religiösen, politischen, sozialen und sportlichen Gemeinschaften haben eine Begrüßungsbotschaft an die große Masfentagung der sowjetischen Frauen gesandt. Die Botschaft besagte: „Wir Frauen Großbritanniens begrüßen die sowjetischen Frauen als unsere Kameradinnen in dem Kampfe aller freien Völker gegen die Nazibedrohung." Auf der Massentagung der sowjetischen Frauen rief eine Rednerin „alle Frauen Europas und Amerikas zum heiligen Haß im Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland auf". „Gegen einen solchen Gegner muß mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, mit Kugel und Beil und Mistgabel gekämpft werden!" Weiter traten mit haßerfüllten, blutdürstigen und rachesüchtigen Reden eine Eisenbahndirektorin, eine Sängerin, eine Acrttin, eine Schriftstellerin, eine Ingenieurin, eine Stachanow- arbciterin, eine Sekretärin des Gewerkschastsbundes von Moskau und eine Vertreterin des Roten Kreuzes auf. Sie forderten für jedes Opfer des Faschismus zehn Fafchistenleben. Protest gegen fren britischen Gebetstag Neuyork, 8. September. (Europapreß.) Am Samstag kam es in Leicester zu einem Protest gegen den nationalen britischen (3 e b e t s t a g für den Sieg des Bolschewismus. Etwa 10 000 Personen hatten sich zu dieser Kundgebung eingefunden, die von der Polizei nicht verboten worden war, aber Polizisten und Soldaten suchten die Kundgebung zu verhindern, indem sie am Kundgebungsfeld eine Rauchsperre anlegten. Sie trugen große Mengen feuchten Holzes zusammen und setzten sie in Brand, wobei der schwere, erstickende Rauch sich über das ganze Versammlungs- gebiet legte. Der Norden und die Neuordnung Europas. Vidkun Quisling gegen schwedische Lügenagitation. Oslo, 8. September. (DNB.) Im Osloer Colosseum sprach der Führer der Nasjonal Sämling, Diokun Quisling. Norwegen habe das größte nationale und wirtschaftliche Interesse daran, an einer europäischen Ordnung teilzunehmen, die ebenso den Norden gegen den Bolschewismus schütze wie mit der ewigen „Teile- und Herrsche-Politik" Gnglanite aufräume. Der Führer habe Den bolschewistischen Dernichtungsplan jum Segen Europas und jum Nutzen für uns alle^ durchkreuzt. Wie es die innere Aufgabe des Nasjonal Sämling fei, die Neuordnung in Norwegen durchzuführen, |o sichere ste gleichzeitig Norwegens Platz im neuen Europa. Diese Aufgabe bringe es mit sich, daß das neue Norwegen eine feindliche Haltung sowohl England wie den Bolschewisten gegenüber einnehme. Den anderen Ländern gegenüber habe das neue Norwegen eine strenge Neutralität beobachtet. Das gelte in erster Linie von den nordischen Nachbarländern und nicht zuletzt vom schwedischen Brudervolk. „Wir sind aber , so fuhr Quisling fort, „mit wachsender Verstimmung Zeuge einer unwürdigen und gehässigen Agitation, die zum größten Teil in der schwedischen Presse gegen das neue Norwegen unaufhörlich betrieben wird. Unsere Verstimmung wird zu Erstaunen und Verachtung, weil wir leider feststellen müssen, daß es sich hier meidens um eine gemeine Lügenpropaganda handelt, die augenscheinlich darauf gerichtet ist, dem schwedischen Volk eine falsche Vorstellung von den Verhältnissen in Norwegen, von unserer Bewegung und von dem Auftreten der Deutschen zu geben. Es sei etwas ganz Unerhörtes, daß em Land, das täglich auf feine Neutralität poche, feiner Presse ein derartiges Auftreten gegenüber .der Staatsgewalt in einem freundlich gesinnten Nachbarvolk gestatte. „Außerdem ist es nur allzu deutlich, daß sich diese skandalöse schwedische Lügenpropaganda, wenn sie sich auch direkt an Norwegen wendet, indirekt gegen Deutschland richtet. Wir erkennen Schweden nicht als die führende Nation im Norden an. Schweden bleibt an feinem Frühstücksti sch fitzen, während das Schicksal Europas und des Nordens unter Stahlhelmen in den Wäldern des Ostens entschieden wird. Trotz seiner eingeschlossenen Lage bildet es sich ein — ebenso kurzsichtig wie die Schweiz — daß es sich außerhalb der Bewegung im ganzen europäischen Kulturkreis halten könne. .Wir erstreben für Norwegen feine Führerstellung im Norden, wir wünschen im Norden nur zusammenarbeitende, ebenbürtige' und gleichberechtigte Nationen, jede in ihrem natürlichen Lebensraum, und wir haben das Recht zu verlangen, daß Schweden feine Lügenpropaganda gegen das neue Norwegen einstellt, und daß wir Norwe-ger in Frieden unser eigenes Land frei von schwedischen Schikanen ordnen können. Sobald die Länder des Nordens von der internationalen Iu- denhetze befreit und vom Druck Englands und der USA. entlastet seien, würden sie sich zu ihrem eigenen nordischen Wesen wiederfinden, um in gemeinsamer Zusammenarbeit mit dem deutschen germanischen Brudervolk einer großen Zukunft ent- gegenzugehen. Die natürlichen Voraussetzungen der nordischen Völker eröffneten ihnen innerhalb des Rahmens eines neuen Europas die größten Möglichkeiten." Mit einem anderen Boot erhöhte er feine Versenkungsziffer auf 12 Schiffe mit 95 000 BRT. Da er in vorbildlicher Weise an Geleitzügen Fühlung hielt, hat er auch andere Boote herangeholt und dadurch zum Gesamterfolg einzelner Geleitzugunternehmungen beigetragen. 35 000 BNT vor Suez vernichtet oder beschädigt. Berlin, 9. September. (DNB. Funkspruch.) In der Nacht zum Montag erlitt die britische Versor- gungsscbiffahrt im Nahen Osten durch die deutsche ßuftmaffe abermals empfindliche Verluste. Deutsche Kampfflugzeuge vernichteten auf der Reede und im Golf von Suez durch Volltreffer vier Frachtschiffe von insgesamt etwa 25 000 BRT. Ein weiteres Handelsschiff von rund 10 000 BRT. sowie ein kleinerer Frachter von 1500 BRT. erlitten Beschädigungen, England hält Getreideschiffe für Spanien an. Valencia, 8. September. (Europapreß.) Nachdem vor einigen Tagen der Dampfer „dabo Villano" (4282 BRT.) mit einer Getreideladung aus Argentinien den hiesigen Hafen an gelaufen hatte, ist nunmehr das zweite Schiff „Monte Nuria" (5717 BRT.) ebenfalls mit einer Getreideladung hier eingetroffen. Damit find zwei -der vier von den Briten fest gehaltenen Getreideschiffe aus Gibraltar angekommen. Das Verheilten der Briten löst im spanischen Publikum umso stärkere Erregung aus, als die Bevölkerung Valencias bereits über zwei Wochen ohne Brot war, ohne daß die Briten es für nötig erachteten, diese Schiffe, deren Ladung nachweislich nicht für feindliche Staaten Großbritanniens, fon- dem tatsächlich nur für die notleidende spanische Wenn die Malven blühen. Von Hilde Fürstenberg. Der Arzt Herbert Vokkert öffnete die Fensterflügel seines Sprechzimmers und sah in den Somme rab end hinaus^ — es war noch hell draußen, über den Kiefern fern am Rande der Dorstadt hing die Mondsichel weißlich zwischen abendgrauen Wolken. Der Duft des blühenden Gartens quoll prächtig und mächtig durch das offene Fenster herein, — der Mann hob den Kopf und nahm beglückt diesen reinen Atem der Natur als eine Belohnung für (ein mühevolles Tagewerk. Zwischen den hohen Malvenstauden stand seine Frau im sommerlichen Kleid, hatte Korb und Blumenschere in den Händen und schnitt von allen Büschen und Pflanzen die verwelkten Blüten ab. Der Doktor sah ihr eine ganze Weile zu, dann setzte er sich auf die Fensterbank. „Monika", rief er, „komm einmal her zu mir. Ich muß dir etwas sagen." Sie hob das Gesicht und sah zum Hause hinüber. „Muß ich deshalb kommen?" fragte sie mit einem Lächeln. Er nickte. „Ja. Denn ich kann es nur leise sagen." Sie trat vorsichtig zwischen den Pflanzen hervor airf den Gartenweg und kam, stand vor dem Fenster und wandte das sonnengebräunte Gesicht fragend dem Manne zu. „Nun", sagte sie, „was gibt es denn?" Er zögerte. „Du bist schon wieder so schon geworden", sagte er. Sie war überrascht, denn sie hatte irgendeine Mitteilung aus der Praris erwartet, aber nicht dies. „Nun", entgegnete sie leise abwehrend", es ift ja auch schon eine ganze Zeit her, daß unser Kind geboren ist." „Nach jedem Kinde wirst du schöner, Monika." Nun wurde sie rot und senkte den Kopf. „Du sagst mir so viel Angenehmes, Herbert, — das tust du doch sonst nicht —* Er seufzte tief, als werde fein Herz jählings von einem glücklichen Erinnern heimgesucht. „Weißt du, als ich dich eben zwischen den Malvenstauden sah, mußte ich daran, denken, daß dies die Jahreszeit ist, ba wir uns gefunden. Denkst du nie daran?" „O doch." Sie nickte lebhaft. „Es war ja so schön. Obgleich —" Sie fuhr sacht mit der Hand über seine Hand, die auf dem Fenstersims lag. „Obgleich Doch deine Zuneigung zuerst nicht mir, sondern meiner Namensschwester galt." Nun wurde er ein wenig rot, Monika lächelte schalkhaft. „Ja", sagte er, „du schriebst ja damals schon Geschichten, und immer, wenn ich deine Erzählungen las, dachte ich, ob die Schreiberin wohl das kleine Mädchen sei, dem ich einmal in meinen Primanerjahren Nachhilfestunde gegeben habe. Ich las im Erinnern an diese kleine Monika jede Zeile von dir, und als du dann in meine Sprechstunde kamst und ich dich sah und meinen Irrtum erkannte —■* „— da warst du enttäuscht." „Enttäuscht — ach nein. Ich — ich war nur so verwirrt. Ich hatte doch die Schreiberin so lieb gewonnen. Es war alles so fraulich und weich, ohne sentimental zu fein, was du schriebst, es war so viel zärtliches Empfinden für Blume, Baum und Tier, für Kinder und die geheimnisvollen Dinge des Lebens. Und nun war es für mich so seltsam, daß ich plötzlich sah, ich hatte in all der Zeit eine Fremde geliebt —" Monika lächelte, und es kam etwas rührend Mädchenhaftes in ihr reifes und ernstes Gesicht. .,Ia^, sagte sie leise, „bu wurdest rot wie ein 3unge, versuchtest dich zu verstecken und sagtest, eine Freundin sei es nicht gewesen, nur eine Schülerin —" Der Mann lachte leise, aber übermütig. „Das roar auch so, Monika. Im andern Falle wäre ich dir doch sonst sicher nicht so schnell ins Netz gegangen." „3ns Netz gegangen? Nein, Herbert, das ist frech —" Er lachte wieder. „Nun, hattest du nicht immer in deinem Garten zu tun, gerade um die Stunde, da ich vorbeikarn?" „Ich konnte dach nicht wissen, daß du vorbei- kommst." «Mehl, ich muß fogen, ich wunderte mich auch. Aber ich freute mich doch, daß du jedesmal ein anderes Kleid anzogst, um mir zu gefallen, unb daß du so verschwenderisch mit Lächeln und Blicken und freundlichen Worten warst. Und du wußtest wohl gut, wie prächtig dir das Blühen deines Gartens stand, wie du dich ja auch jetzt gerne zwischen Rittersporn und Malvenstauden zeigst —" „Ach du —" Sie wollte ein wenig schmollend vom Fenster zurücktreten, aber er legte den Arm um ihre Schultern und zog sie nah zu sich heran. „Aber es ist alles recht so, Monika", sagte er. „Ich denke gern an die Zeit, und niemals möchte ich einen Garten ohne Malven haben, weil ich dich gefunden habe, als sie blühten. Wenn ich dir fol- d>es sage, nach sieben Ehejahren, bann bist bu doch wohl zufrieden —" Sie nickte und schmiegte zögernd den Kops an seinen Arm. Oie älteste Heiratszeitung. Kaum war jemand auf den Gedanken gekommen, auf dem heute „nicht mehr ungewöhnlichen Wege" einer Anzeige in den Zeitungen eine Frau zu suchen, als ein anderer hier ein ergiebiges Feld für einen guten Gewinn zu entdecken glaubte und eine richtige Heiratszeitung gründete, die sich in erster Linie diesem Zweck widmete. Es war eine Wochenschrift, die den schönen Titel „Allgemeine Heiratsschule für beiderlei Geschlechter" führte, und die em gewisser Theophilus Friedrich Lorenz in Mim- d)en im Jahre 1799 ins Leben rief. Als das Blatt Zuerst erschien, hatte es acht Oktavseiten, aber bald stieg die Abonnentenzahl, und es wurde weiter ausgebaut. Es enthielt nun nicht mehr nur Heiratsanzeigen, sondern auch anderen unterhaltenden Stoff, so daß guch „nicht Ehewillige" als Leser in Betracht kamen. Der Herausgeber betonte, daß er seine Aufgabe sehr ernst nehme: er wollte durch feine Heiratszeitung den Familiensinn wecken, allen Heiratslustigen zu einer passenden Verbindung ver- helfen und auf diese Weise der „immer weiter um sich greifenden Sittenverderbnis" steuern. Sehr beredt trat Lorenz für „Liebesheiraten" ein, aber er hielt dabei doch eine kleine ober große „mitgiftliche Oie Todesopfer feindlicher Bombenangriffe. Berlin, 8.September. (DNB.) Die Zahl der durch feindliche Bombenangriffe auf deutsches Reichs- gebiet heroorgerufenen Todesopfer betrug J e it Kriegsausbruch bis zuin 2. A u g. 1941, also zu einem Datum, bis zu dem die amtlichen Unterlagen vorliegen, 3853. Diese beklagenswerten Opfer des englischen Krieges sind in der Hauptsache von wenigen otäbten und Gauen gebracht wordem Diese wurden damit zu Blutzeugen für den Lebenswillen des deutsd)en Volkes, der sich in diesem, Kriege an der Front und in der Heimat bewährt. Von englischer Seite werden die durch die deutschen Bergeltungsangriffe auf Rüstungsanla- ?en und wehrwirtschaftliche Betriebe entstandenen Todesopfer mit 41 900 amtlich bekanntgegeben. Die wahre Zahl dürfte wesentlich höher liegen. Aber die Zahl non 41 900 ist mehr als das zehnfache der Opfer, die die zum Zweck der Unterhöhlung der Widerstandskraft der bcutfd)en Heimatfront durchgeführten engtifdyen Bombenangriffe in Deutschland zu erzielen vermochten. Zum Vergleich mag in diesem Zusammenhang interessieren, daß die Zahl der Todesopfer durch Verkehrsunfälle im deut« fchen Reichsgebiet im Jahre 1938 sich auf 7354 belief. Bevölkerung bestimmt war, freizugeben. Zur Zeit liegen also noch die restlichen beiden für Spanien bestimmten Schiffe mit argentinischer Getreideladung in Gibraltar fest. Das britisch-sowjetische Vor- rücken in Iran. S10 ck h 0 1 m , 8. September. (Europapreß.) entgegen bet vor einigen Tagen amtlich veröffentlichten Meldung, daß der Vormarsch der englischen und sowjetischen Truppen im Iran abgeschlossen worden sei, wird am Montagnachmittag in London mitgeteilt, daß die sowjetischen Streitkräfte auf der Linie Täbris — Teheran weiter vorgerückt seien. Eine neue Fühlungnahme zwischen britischen und sowjetischen Truppen sei hergestellt worden. Indische Truppen hätten im Oelgebiet die Besatzungszone bis Sultanabad ausgedehnt. Eine englisch-sowjetische Einigung über den Verlauf der Demarkationslinie ist hiernach noch nicht erzielt worden. Auf der anderen Seite verschärft sich die Haltung der beiden Besatzungsmächte gegenüber der iranischen Regierung. Reuter meldet, daß die neuen Forderungen der englischen und der sowje- ttschen Regierung, die der iranischen Regierung während des Wochenendes überreid)t wurden, in einem bestimmten Tone gehalten seien, und daß England und die Sowjetunion „Ausflüchte ober einen Aufschub der geforderten Maßnahmen nicht dulden werden". Bolschewistisches Blutregiment in Täbris. Ankara, 8. September. (Europapreß.) Flüchtlinge aus Iran, die über Bagdad hier eingetroffen sind, berichten von dem blutigen Vorgehen der Sowjets gegen die iranische Bevölkerung. So sind allein in Täbris 6 7 Personen erschossen und viele Hunderte verhaftet worden. Zum Teil werden die Verhafteten als Geiseln in der Stadt und in anderen von den Bolschewisten besetzten Orten festgehalten, zum Teil sind sie nad) dem Inneren Der Sowjetunion verschleppt worden, lieber ihr Schicksal ist nichts bekannt. Wie aus Kabul gerne!-' bet wird, ist auch der afghanische Konsul in Täbris während eines Zusammenstoßes zwischen Sowjettruppen und der Bevölkerung bei der Besetzung der Stadt ums Leben gekommen. Wachsende Zahl der britischen Heh- agenten in USA. N e u y o r k, 8. September. (DNB.) „New Port Times" schreibt, daß der Stab der englischen diplomatischen Beamten, Techniker und Propagandisten in den Vereinigten Staaten 4626 Personen erreicht habe. Bei Kriegsausbruch betrug diese Zahl nur 219. Dies habe bereits im Kongreß von den Isolationisten zu der Forderung einer Untersuchung des Personalbestandes der englischen Missionen geführt. Man habe erklärt, daß England auf diese Weiss 15 0 Millionen ausgebe, um die Vereinigten Staaten in denKrieg hineinzuzerren. Die wichttgste britische Organisation sei der Supp« l Y Eouncil mit 3700 bezahlten Angestellten. Der Propagandadienst zähle jetzt 189 An- Beigabe" von feiten der Frau nicht für unerwünscht. Scharf griff er die Heiratsvermittler an, die nur auf Vorschüsse bedacht seien. Sollte jemand Schwierigkeiten in der Abfassung einer Heiratsanzeige haben, so bot er ihm feinen fachmännischen Rat an, berechnete dafür allerdings extra zwölf Kreuzer. Viele der Heiratsanzeigen, die hier erschienen, waren sehr umfangreich und erstreckten sich über zwei Oktavseiten von je 31 Zeilen. Wie solche Heiratsanzeigen aussahen, dafür fei folgendes oezeich- nenöe Beispiel wiedergegeben: „3d) trete mutig als Ehestandskandidat vor Ihnen auf. Siebenthalb Schuh lang, messe ich im Durchschnitt ein Schuh, fünf Zoll und im Umfang noch feine bayrische Elle. 3m Alter von 27 Jahren stehend, bin ich ein muskulöser Mann und vollkommen gesund. Von braven, aber durch meine Studia unbemittelten Aeltern erzeugt, besitze ich noch ein paar 1000 fL Vermögen, welches mich em geistlicher Vetter erben liefe. Gelernt habe ich auf Akademien so viel, dafe id), wenn Talente belohnt würden, id) einer Frau mit — 30 Kindern Brot und Kleider schaffen konnte. Noch bin ich ohne Dienst, aber doch Adjunkt meines Vaters, Amtsverweferey. Ein Frauenzimmer mit 10 000 fl. konnte meinen Talenten einen derartigen Schwung geben, mich vielleicht zum Gerichtsdirek- tor erheben, der wegen weitsichtiger Gerichtspflege eigene Equipage halten muß. Ohne Geld werde ich höchstens Amtsverwefer, wie mein Vater, der gleich im Anfang meiner akademischen Laufbahn zu mir sagte: „Sohn, lernst was, wirst em Advokat. Lernst nichts, wirst ein gemeiner Rat." — Da ich munteren und sanften Gemüts für das Glück eines Frauenzimmers mich reif fühle, will ich mit mög- lichster Geduld erwarten, ob eine Schöne sich bereit findet, der lüstern nach mir, meine Eigenschaften behagen. Besitzt sie das Mahre, was meiner Gattin eigen fein muß, ein sanftes und doch heiteres Wesen, das den Mißmut verdrängen' und den Schweife überhäufter Geschäfte trocknen hilft, wird sie den Mut haben, ihre Qualitäten und Quantitäten gleichfalls durch diesen offenen Weg mir bekannt zu machen, so wird sie mir schon im voraus doppelt schätzbar fein, weil sie fld) über Vorurteile hinaus zu setzen wußte." QK. gestellte. Don diesen seien 99 beim britischen Preß Service in Neuyork und Washington beschäftigt, 16 als Vertreter des Propagandaleiters Sir Gerald Campbell in Neuyork und Washington, 74 seien bei der britischen Jnformationsbibliothek in Neuyork tätig. Das Botschaftspersonal sei von 54 auf 288 und die Konsulatsangestellten von 150 auf 449 gestiegen. Duff Cooper in Manila. Schanghai, 8. Sept. (Europapreß.) Duff Cooper, der Vertreter des britischen Kabinetts im Fernen Osten, traf mit dem Clipperflugzeug in Manila ein. Er hatte eine Besprechung mit dem nordamerikanischen Kommissar für die Philippinen, Francis B. Sayre. Mit dem gleichen Flugzeug, das Duff Cooper benutzte, traf in Manila der neue nordamerikanische Gesandte für Thailand, Willys Peck, ein. Peck geht nach Bangkok, um den bisherigen 08^.-Gesandten Hugh Grant abzulösen, der nach ben USA zurückgerusen wurde. Die britische Luftwaffe im Fernen Osten ist durch eine weitere große Anzahl von Bristol-Blenheim- Bombern des neuesten Types verstärkt worden. Duff Cooper wird am Dienstag in Singapur ein- tressen. Alle 1940 in Riga zurückgebliebenen Skandinavier von den Bolschewisten ermordet. Stockholm, 9. September. (DNB.-Funkspruch.) „Aftonbladet" berichtet, alle Skandinavier, die n a ch der Einverleibung Lettlands in die Sowjetunion im Sommer 1940 in Riga blieben, seien von den Bolschewisten ums Leben gebracht worden. Außer dem früheren Vorsitzenden der Nordischen Vereinigung in Riga, Steen Giebel- Hausen, und dem norwegischen Gutsbesitzer Syve Karstensen seien mehrere Norweger, die auf den i,Silberfuchsfarmen gearbeitet hätten, hingerichtet worden. Auch die Schwägerin des finnischen Erzbischofs Ines von Kolpakow und ihre beiden Söhne Andree und Borris seien hingerichtet worden. Meine politische Nachrichten. In den Mittagsstunden des 8. September flogen drei britische viermotorige Flugzeuge i n d a s n o r - wegische Küstengebiet ein und warfen aus großer Höhe einige Sprengbomben ab, durch die zwei Norweger getötet wurden. Deutsche Jäger schossen über See zwei Bomber ab. Nur einer Maschine gelang es, im Schutz von Wolken zu entkommen. * Kampfflugzeuge versenkten im Finnischen Meerbusen zwei Handelsschiffe der Sowjets von zusammen 6000 BRT. und zwei bolschewistische Schnellboote in der Nähe der Insel Oesel. Em Transporter wurde beschädigt. In Nordafrika herrschte am 7. September im Südabschnitt der Tobruk-Front lebhafte Spähtrupptätigkeit. Ein Vorstoß von sieben britischen Panzern mürbe* abgewtesen. In der vergangenen Nacht griffen feindliche Flugzeuge in aufeinanderfolgenden Wallen Palermo in. 16 Tote und 25 Verwundete unter der Zwibbe- oölkerung, unerhebliche Sachschäden. Ein feindliches Flugzeug stürzte brennend ins Meer. In Ostafrika Lombardierte die englische Luftwaffe das Hauptlazarett von G o n d a r, das aus cinem abseits liegenden Komplex von Gebäuden besteht, die sichtbar mit dem Zeichen des Roten .Kreuzes versehen sind. * Die Luftwaffe setzte ihre Angriffe auf die eingeschlossenen Truppen in Odessa fort. Truppen- cnsammlungen, Marschkolonnen und Fahrzeuge in ter Stadt wurden mit Bomben beworfen. Im Hafen wuren. Lagerhäuser und aufgestapeltes Kriegsmaterial in Brand'gesetzt. Der frühere Oberbürgermeister von Köln, Max Wallrafs, ist im Alter von 82 Jahren ge° 'torben. Er gehörte lange Jahre zu den Führern her Deutschnationalen Volkspartei und war auch Präsident des Reichstages. 1930 zog sich Wallraff non der Politik zurück. Er war 1922 von den Franzosen ausgewiesen worden. Die Mutter des Präsidenten Roosevelt, Frau Sara Delano Roosevelt, ist am Sonntagvormittag im Alter von 86 Jahren gestorben. Gauausstellung für bildende Künste 1941. Zm Gtädelschen Kunstinstitut in Frankfurt am Main. Was die Große Deutsche Kunstausstellung in München für das gesamte Reichsgebiet, das bedeuten die alljährlich wiederkehrenden Gauaus- ftellungen für den landschaftlich fest umgrenzten Bezirk unseres rhein-mainiscken Raumes. Es ist ein schönes Zeichen innerer Gesundheit, kultureller Aufgeschlossenheit und künstlerischen Schöpferwillens, daß die Gauausstellung auch jetzt mitten im Kriege wieder eröffnet worden ist und sich einer überaus reichhaltigen Beschickung und eines, lebendige Anteilnahme bezeugenden Besuches zu erfreuen hat. Ihre Aufgabe, Rechenschaftsbericht und Leistungsschau im Umkreise der bildenden Künste zu sein, erfüllt die Ausstellung mit einer sorgfältig gesichteten Sammlung von Werken zeitgenössischer Plastik, Malerei und Graphik; der Katalog verzeichnet insgesamt 313 Arbeiten; das ist ungefähr ein Drittel der Einsendungen. * • Der Eingangssaal ist ziemlich ausschließlich der Plastik gewidmet. Gleich hier begegnen wir den beiden Gipsreliefs des Gießener Kulturpreisträgers Carl Bourcarde. „Der Krieger", Profil nach rechts, nimmt das ewige Thema streng und groß, in der sparsamen Linienführung ganz auf das Wesentliche des Ausdrucks gerichtet; einen eigenartigen Kontrast dazu bildet das entgegengewendete Relief „Meine Tochter Lore": sehr zart und persönlich-liebevoll empfunden und geformt das Bildnis des hingegeben musizierenden Kindes. Man sieht in diesem Saale ferner die repräsentative Führerbüste von Hub, die gewaltig hochgereckte „Künderin des Sieges" von Kipp, eine scköne, verhalten geformte „Daphne" von Schwarzbeck, die edel gebildete „Krugträgerin" von R. M. Werner und höchst eigenartige Negativ-Schnitzereien von Harold Winter („Ahn und Enkelin") in Eiche und Nußbaum. Die überlebensgroße „Viktoria" von Garbe verdient schon um des originell behandelten Motivs willen Beachtung. * Was die Malerei angeht, so hat hier der Krieg diesmal unmittelbar-thematisch minder starke Spuren hinterlassen, als mancher vielleicht erwarten mag; er spiegelt sich beispielsweise in der heftigen Augenblicksdramatik eines „Meldereitergeplänkels" von Weber-Brauns, in den „Soldaten vor einer zerstörten Stadt" von P r e s b e r oder, etwas übersetzt, in den sehr dekorativ wirkenden Porträts hoher Fliegeroffiziere von Oberhoffer. Auffallender im Gesamtbilde — bei der Fülle des Stoffes und dem Mangel an Raum kann man nur Ueberblick und Andeutung geben — scheint uns ein neu sich formendes Gefühl für die Landschaft zu sein. Wir nennen hier etwa das koloristisch und- räumlich fein aufgebaute „Dreieichenhain" von Antlitz, den von flutendem Licht überströmten „Frühlingsmorgen an der Lahn" von B e h r e (Limburg), die in angemessener Entfernung fast zu architektonischen Gruppen zusammenschießende „Rhönlandschaft" von Dauber, Dörrbeckers großartig ansteigende Komposition „Kronberg" und die starke, lebendig getönte „Oberhessische Landschaft" von Walter Kröll (Gießen), ber auch mit einem „Wasserfall bei Schotten" unb einer in klassischer Szenerie tragisch bewegten Figurengruppe „Hero unb Leanber" vertreten ist. Eines ber erstaunlichsten Silber ber Ausstellung ist für unser Emp- finben bie enorm weiträumig unb licht in zarten Romantikerfarben gemalte „Westerwalblanbschaft" bes Frankfurter Erich Sauter. Eine koloristisch ähnliche Stimmung geht von ber in intimerem Rahmen gemachten Lanbschaft „Der Regenbogen" von Rolf Winter aus. * Ein Selbstporträt von Bernhard Wichert besticht durch eine angesichts der Pastelltechnik Überraschende Dichtigkeit unb Plastik der Bildwirkung. Ein feines, stilles, in gewissem Sinne zeitloses Bild ist die „Hessische Bäuerin" von R u n z e. Karola Pierson - Dietor (unsere „Heimat im Bild) brachte vor einiger Zeit Scherenschnitte von ihrer Hand) zeigt eine Folge zarter, liebevoll durchgebildeter Blumenstücke. Georg Poppe, früher mit dem Gaukulturpreise ausgezeichnet, stellt diesmal das repräsentative, große Bildnis einer jungen Mainzerin aus. Kraftvoll gesunde, bodenständige Malerei sind bie „Vier Pferde norm Wagen" und der „Bauernkopf" von Lu ck h a rd t und die Voaels- berger Landschaft des hessischen, jetzt in Frankfurt ansäsiigen Malers Ernst Eimer. Margit Manz bringt das ganz oergeiftigte Porträt eines Geigers (Kohlezeichnung), Hans Happ, Frankfurt, dessen Bilder auf ber Großen Münchner sehr beachtet würben, ein nobles, überaus sicher durchgearbeitetes Mädchenbilbnis. Der Hanauer Ewald ist mit einer in delikaten Farben gegebenen Figurenkomposition zu nennen, Wilhelm Fahrenbruch, Götzenhain, mit einer Pferbestubie von schöner Naturnähe, etwa in Fritz Boehles Sinne. Helene von Beckerath bringt einen sehr unkonventionell behandelten weiblichen Akt („Das blaue Kanapee", Tempera) unb bie ganz persönlich gefaßte „Porträtbüste K. K.", D i e l m a n n bas Bilbnis eines gefallenen Kameraden, E n b e r s bie geschmackvoll getönte Zeichnung „Krummau an ber Molbau", unb ber Darmstäbter Richard Hoelscher ein ernsthaftes und lebendiges Selbstbildnis. — Damit seien bie notgedrungen knappen Aufzeichnungen von einem Rundaang beschlossen, die dazu anregen mögen, sich persönlich in die Fülle und Vielschichtigkeit künstlerischer Erscheinungen in den Räumen des Frankfurter Städel zu vertiefen. Hans Thyriot. Aus ber Gtabi Gießen. Eberesche zu Zier und Nutzen. Ob sie im Schmuck ihrer weißen Blütenschleier prangt oder über und über behängt ist mit den leuchtendroten Doldentrauben, immer ist die Eberesche ein Baum, ber ben Platz verschönt, auf bem er steht, im Garten so gut wie im Wald unb auf ber Lanbstraße. Aber bie Eberesche ist nicht nur ein Zierbaum, fonbern vor allem auch ein Baum, von bem sich allerhanb Nutzen gewinnen läßt. Schon seine hochroten Kugelfrüchte sehen ver- lockenb aus, nur schmecken sie, frisch vom Baum gepflückt, leiber nicht verlockenb. Für manche Vögel, befonbers Drosseln, finb sie bagegen ein wahrer Leckerbissen, weshalb sie auch Vogel- aber Drosselbeeren heißen; boch auch von Hühnern wie überhaupt von Hausgeflügel werben sie gern verzehrt. Unb wer sich jetzt schon einen Vorrat von getrocknetem Winterfutter für bie Vögel anlegt, was je- bem Vogelfreunb zu empfehlen ist, soll auch Vogelbeeren barunter mischen, sie aber vor bem Verfüttern in Wasser mieber etwas aufquellen lassen. Als Vogelfutter allein kommen bie Beeren der Eberesche aber durchaus nicht in Betracht. Packt man es richtig an, so läßt sich mancherlei Gutes aus ihiien machen. Pflücken soll man sie nicht zu früh, sie gewinnen sogar sehr an Geschmack, wenn sie erst leicht durchgefrostet sind. Nur zur Saftberei- tung nimmt man sie ab, solange sie noch möglichst viel Saft enthalten, also frischrot und noch nicht zu weich. Sollen die Beeren zu Mus verwendet werden, so treibt man sie zuerst durch ein feines Sieb, fügt Zucker dazu und kocht die Masse dann nicht zu dick ein. Der Geschmack wird sehr verfeinert, wenn man bas Mus zu etwa einem Drittel mit Aepfeln ober Birnen vermischt, wozu sich aüerbings nur süße Sorten eignen. Zum Gelee wirb der Saft ber Beeren genommen, ben man erhält, wenn man sie mit wenig Wasser weichkocht unb ben Saft hernach langsam burch ein Tuch laufen läßt, ihn bann mit klargekochtem unb gut abgeschäumten Zucker süßt unb noch eine Viertelstunbe weiterkocht. Fein unb aromatisch schmeckt ferner eine Paste aus Vogelbeeren, bie man in etwas Wasser, unb zwar solange, bis bas Wasser verbunstet ist, weichkocht, bann bie Fruchtmasse durch ein Sied streicht und nun gleichschwer mit Zucker bis zum Dickwerben weiterkocht, wobei inbes fleißig umgerührt werben muß. Ist bie Masse so bick, baß sie sich schwer klumpig vom Löffel löst, streicht man sie — noch heiß — auf Teller, in Gläser ober Blechformen, bie vorher in warmes Wasser getaucht würben, unb stellt sie zum Trocknen an einen warmen Platz, ©obalb die Oberfläche trocken ist, löst man die Paste aus ben Formen, schneibet sie, wenn nötig, in geeignete Stücke unb kann auch biese noch einmal trocknen lassen. Mit 9lt örti WmngMÜtt Vornan von Horst Vlcrnoth 13. Fortsetzung. (Nachbruck verboten.) „Darf ich fragen, woran Sie augenblicklich arbeiten?" „Das Buch soll .Lorbeer für frembe Fahnen heißen." „Ein schöner Titel!" „So? Gefällt er Ihnen? — Nun ja, ich fmbe ihn auch recht gelungen. Ein glücklicher Einfall einer guten Stunde. Buchtitel erfinden ist sonst richt meine starke Seite. In dieser Hinsicht hat mein Freund Dollerthun im allgemeinen eine fllücklichere Hand als ich." „Und wovon handelt Ihr Werk?" „Können Sie mit dem Namen von Friedrich Steuben etwas anfangen? Verbinden Sie bannt einen Begriff?" „Ich weiß nur, daß er im Unabhängigkeitskrieg eine bebeutenbe Rolle spielte, und baß sich bie deutschen Norbamerikas in einen Steuben-Bunb zusammengeschlossen haben." „Trösten Sie sich, es gibt wahrscheinlich Leute, iie noch weniger antworten konnten", sagte er heiter unb bemerkte jetzt erst, baß sie noch immer ror dem Bücherregal standen; „aber bitte, setzen Sie sich doch! Das heißt natürlich, falls Sie nichts Wichtigeres zu tun haben, als mit mir über den fluten Steuben zu plaudern." „Oh, es interessiert mich sehr, etwas über Ihre Arbeit zu hören ..." . ,, Als Kathi gegen elf Uhr von ber Andechfer lirta heimkehrte und zu ihrem Zimmer hmauf- fchlich — die Schuhe in der Hand unb am Busen ein gewaltiges Schokolabenherz in flammenb rotem Stanniol mit der mahnenden Aufschrift: Bleib nur 3, 4 und 4 — hörte sie im Arbeitszimmer Stimmen. War Besuch gekommen? Sie hatte an der Garderobe doch keinen fremden Mantel oder Hut ' gesehen ... Sie blieb sekundenlang auf bem Treppenabsatz stehen, um zu lauschen. Es waren boch zwei öttm- men! Sie täuschte sich boch nicht! Hellwangs Stimme unb — die Stimme der Neuen! Das war nun allerdings eine Ueberraschung, die es in sich hatte. Pfüeti Gott! — Das Herz blieb ihr stehen und schlug dann plötzlich laut bis zum Hals hinauf. Die Neue im Arbeitszimmer! Um elf Uhr in ber Nacht! Unb sie hörte, wie Hellwang auf unb ab ging unb sprach, in bemfelben Ton sprach, wie er früher zu ber seligen Frau gesprochen hatte. Eine heiße Welle von Zorn unb Empörung flutete in Kathis Gesicht. Sie hatte ja von Anfang an gewußt, daß bie Neue es nicht aufs Brot allein abgesehen hatte, als sie in bas Haus kam. Aber baß sie es so eilig haben würbe, sich an ben Doktor heranzumachen — Sakrament noch einmal, so ein heimtückisches Suber, so ein heimtückisches! Dafür war also bie Pigmentcreme unb ber Lippenstift, ben sie in ber Kommobenschublabe verwahrte, ganz hinten in einer harmlosen Seifenschachtel, aber eben doch nicht gut genug versteckt für einen, ber seine Untersuchung grünblich vor- nimmt! Kathi kicherte grimmig in bie Dunkelheit hinein. Dafür also hatte sie sich bie hellen, kurzärmligen Blusen angeschafft, unb bas Blvnbier- wasser für bie Haare! Kathi ballte bie Fäuste. Das könnte ber so passen, sich ins fertige, warme Nest zu setzen ... Na warte! Vorläufig, ist ja noch je- manb ba, der bas zu verhinbern wissen wirb! Kathi schlich bie Treppe geräuschlos wieber hinab. Auf ber untersten Stufe setzte sie sich nieber unb zog bie Haferlschuhe wieber an. Unb bann stapfte sie bie Treppenstufen hinauf, recht laut unb vernehmlich, unb bazu summte sie ben Tiroler Lan- besschützenmarsck. Die sollte es nur Horen, bie Neue, baß sie da war, jawohl, das sollte sie nur merken! Hellwang riß die Tür auf: „Hallo, Kathi!" rief er ziemlich erstaunt, „sind Sie verrückt geworden, mitten in der Nacht solch einen Lärm zu machen? „Verrückt? Nicht daß ich wüßte!" antwortete Kathi in zierlichem Schriftdeutsch; sie beugte sich vor und ließ das Schokoladenherz frei in der Luft baumeln, „lustig bin ich halt, mir macht das Leben Freude. Gute Nacht wünsch ich und gute Unterhaltung!" Sie hob grüßend die Hand und verschwand in ihrem Zimmer. Hellwang schloß kopfschüttelnd und etwas bestürzt die Tür. „Es scheint in der Nähe eine Kirchweih stattgefunden zu haben", bemerkte er wie zur Entschuldigung von Kathis fideler Heimkehr; „nun, gönnen wir ihr das Vergnügen ..." Er seufzte ein wenig. Fräulein Zögling warf ihm unter gesenkten Lidern einen raschen Blick zu. „Sie lassen Kathi recht viele Freiheiten", bemerkte sie; es kam aus ihren Worten nicht deutlich heraus, ob sie es beifällig ober tabelnb meinte. „Nun ja, was soll man machen?" fraate er mit einer verzagten Hanbbewegung, bie auf eine komische Wirkung abgesehen war, „an Kathi werben wir nichts änbern, bie ist wie Granit. Ich bin nur von Herzen froh", fuhr er arglos fort, „bafj Sie mit ihr so gut auskommen. Dffengeftanben habe ich damals, als ich mit Ihnen zum erstenmal über Kathi sprach, sehr große Besorgnisse gehabt, „Sie würben sich mit ihr nicht verstehen können ..." Fräulein Zögling schob bie Lippe empor, ein schmaler weißer Zahnstreifen würbe frei, in bem ungewissen Licht sah es aus, als lächle sie: „Nun, es geht ... obwohl ich gestehen muß, baß ich mir bie Schwierigkeiten nach Ihren Worten nicht ganz so groß vorgestellt hatte. Manchmal erfordert es schon eine recht große Gebulb, um Kathis Eigenheiten zu ertragen." „Das kann ich mir vorstellen ..." „Aber sie ist ja recht tüchtig — wenn audj ein wenig unmethobisch —" Fräulein Zögling befeuchtete sich bie schmalen Sippen, ihre Stimme bekam einen tastenden Klang, „unb ich möchte es unter allen Umftänben vermeiden, baß ich mich jemals nach einem Ersatz für Kathi umseh/n müßte." Hellwang gab einen Laut von sich, als hätte er sich verbrannt, er wiegte ben Kopf unbehaglich zwischen ben Schultern: „Ach wissen Sie", murmelte er, „bas wäre mir boch äußerst unangenehm — Kathi ist nun schon so lange im Hause — Britta war gerabe auf bie Welt gekommen ... „Unb mit einem Versuch, bas unbequeme Thema ins Scherzhafte umzubiegen und zu verlassen, fügte er hinzu: „Unb außerbem, mir fehlte, ehrlich gesagt, ber Mut bazu. Ich berounbere tatsächlich Ihre Kühnheit, baß Sie auch nur mit bem Gebauten zu spielen wagen, Sie könnten diesem gewaltigen Weingeist unb klargekochtem Zucker geben bie Vogelbeeren auch einen guten Likör, ber jeboch ziemlich lange lagern muß, Dafür aber bann umso kräftiger schmeckt. Der reiche Gehalt ber Ebereschenbeeren an Vitamin C — ber ben der Tomaten weit übertrifft — ist freilich nur in ber Frischfrucht unb ihrem Saft enthalten, ber benn auch, entsprechen!) behandelt, auf kaltem Wege gekeltert, außerordentlich bekömmlich wirkt, namentlich bei körperlicher unb geistiger Ermübung infolge ungenügender Zufuhr von Vitamin C. Sogar auf die Blätter erstreckt sich ber Nutzen ber Eberesche. Als Jungblätter geben sie eine gute Beigabe zum selbstgepflückten unb getrockneten „Haustee", ausgewachsen leisten sie als Vieh- und Wilbfutter gute Dienste. Der deutsche Volksglaube hat ber Eberesche schon in alter Zeit geheimnisvolle Kräfte zugeschrieben. Man weihte sie bem Gott Donar unb fertigte aus ihrem Holz gewisse Teile von Schiffen an, weil es vor Schiffbruch schützen sollte. Aber im Nutzwert ber Eberesche liegt alles eher als Zauberkraft. Es sind dieselben pflanzlichen Kräfte, wie sie die Natur fast auf Schritt und Tritt spendet, nur muß man ver- stehen, sie auszunützen. Und nützt man aus, was die Eberesche bietet, so ist es immerhin nicht wenig. Dornotizen. Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: 19.30 Uhr bis 22 Uhr „Wie du mich wünschst". — Gloria-Palast, Settersweg: „Mutter". — Lichtspielhaus, Bahnhvfstrahe: ,Zch verweigere die Aussage". Theater der Universitätsstadt Gießen. Das heute im Theater ber Universitätsstadt zur Erstausführung gelangende Lustspi.l „Wie bu mich wünschst" von Philipp von Zeska ist eine Komödie um eine Ehe. Der Autor ist Staatsschauspieler am Wiener Burgtheater, unb das bürste bem Stück ein befonberes Interesse verleihen. Die Mitwirken» ben ber Erstaufführung sind die Damen Freihen, Kneip, Rau, sowie bie Herren Funke, Köchling, Lubwig, Seitz. Die Spielleitung hat Gerb Fritz Ludwig, bie Bühnenbilber schuf Karl Löffler. Verdunkelungszeit 9. September von 19.52 bis 6.43 Uhr. Für unsere Verwundeten. Vor den Verwundeten in den Gießener Lazaretten hielt Oberstudienbirektor Philipps aus Friedberg im Auftrag bes Lanbesfremdenoerkehrs- oerbanbes Rhein-Main einen Vortrag mit farbigen Lichtbildern über den Vogelsberg unb Oberhessen. Der größte Teil ber Derwunbeten bekam babei in anschaulicher Form einen Einblick in Lanb, Leute und bie Tätigkeit in unserer engeren Heimat. — In einem Lazarett spielten die „Meistersolisten im grauen Rock" in der bekannten, frischen Form ben Verwundeten bie schönsten Musikstücke vor. Die Soubrette Eva Pegoretti-Schäfer verschönte bie Vortragsfolge mit einigen schönen Liebern. Herr Döhnna-Georgi sagte in Versform die einzelnen Stücke an und erzielte durch seine Blitz» dichtungen große Freude. Das Lazarett sprach seinen Dank aus für die schönen Darbietungen. — Am Sonntag war ein erstklassiges Programm durch KbF. Unter dem Titel „Lachen unb Staunen" zeigten die Mitwirkenden Hans van Beek als Humorist, Daisy von B r i 111 als brillante Tänzerin, Fritzar als humoristischer Zauberkünstler, Polbi Hennes als Operettensängerin und Herr Eitra als Virtuose auf Violine unb Konzertina nebst Jongleurkünsten bas Beste ihrer Kunst. Hans Esser als Pianist begleitete in feiner^ Form bie Darbietungen mit viel Fleiß. Das schöne, unterhaltende Programm bereitete den Verwundeten ben mit lebhaftem Beifall ausgenommen. — Die Ortsfrauenschaften von Bettenhausen, Birklar unb Muschenheim spendeten eine große Anzahl guter Kuchen für die Lazarette. Dle Pflege der Milchzähne ist genau so wichtig wie die der bleibenden. Ch lorodont weist den Weg zur richtigen Zahnpflege Weibsbild vor bem Herrn jemals die Freunbfchaft auffünbigen ..." „Nun", meinte Fräulein Zögling mit einem kühlen Lächeln, „es scheint eben Dinge zu geben, in benen wir Frauen mutiger finb als die tapferen Herren ber Schöpfung. Aber natürlich hoffe ich genau so wie Sie, baß mit Kathi alles in bester Drbnung weitergehen wirb." * Hellwangs Arbeit gedieh, und bas Manuskript wuchs zu ansehnlicher Stärke auf, aber mit ber Fortsetzung bes Werkes erscholl auch immer häufiger ber Ruf nach Fräulein Zögling burch bas Haus. Das Fräulein legte beiseite, was sie gerabe zur Hanb hatte, banb bie Schürze mit fliegender Hast ab, fuhr sich mit den Händen übers Haar, zog bie Nackenrolle mit funbigen Fingern fest unb stürzte bie Treppe empor. Es war nicht Luisas Platz, auf ben sie sich setzen burfte. „Ach nein, bitte, nehmen Sie boch ben roten Sessel mit ben Armstützen", hatte er einmal gebeten, als sie sich auf bem großen, braunen Sessel nieberlassen wollte, der Luisas Schatten vorbehalten blieb. Später lagen immer ein paar Bücher bort. Unb Fräulein Zögling ahnte nicht, weshalb sie bort hingelegt waren unb weshalb sie ben Platz auf Hellwangs Wunsch gewechselt hatte. Wenn sein Ruf nach Fräulein Zögling burch bas Haus scholl, ließ auch Kathi ben Teller, ben sie gerabe abtrocknete, aber bas Staubtuch, mit bem sie gerabe über bie Politur eines Tisches fuhr, sinken. Befand sie sich mit Fräulein Zögling im gleichen Zimmer, so tat sie, als bemerke sie beren eiligen unb stets mit einem triumphierenden Blick begleitenden Abgang nicht, einem Blick, ber ihr beutlid) zu verstehen gab: Ja, meine liebe Kathi, wir finb zwar noch nicht elf Jahre in diesem Hause, aber wir haben uns in ben Monaten, bie wir nun hier finb, immerhin wichtig unb unentbehrlich gemacht, was man von anberen Leuten vielleicht nicht ganz so sicher sagen kann! War Kathi allein, bann machte sie ihrem Herzen Lust, lauschte bem Geklapper von Fräulein Zöglings Absätzen unb begleitete jebe Treppenstufe, bie jene nahm, mit einem kernigen Wort aus ber Sphäre ihres Vaters, der beim Baugewerbe tätig war. (Fortsetzung folgt.) | DasWinlelprogramm desGießenerkonzertrings ISOjähriges Jubiläum des Gießener Konzertvereins. „Aus der Blütezeit deutscher Orgelmusik." innige „O Jesulein süß" von I. S. Bach. Sehr zustatten kam dem Dortrag die klare deutliche Sprache. Vortrefflich war die Orgelbegleitung der Gesänge, wobei die für den Textinhalt treffende Registrierung besonders heroorzuheben ist. Ebenso stilvoll war der von Dr. Schmidt-Marlissa gearbei- tete Satz. In den Orgelstücken zeigte sich Dr. Schmidt als Meister seines Instrumentes. Die gegebenen Möglichkeiten der modernen Orgel voll ausnutzend, erschloß er durch sein Spiel die oft verschlungenen Wege der einzelnen Themengruppen zu größter Deutlichkeit. Die Registrierung war wohl oft eigenartig, aber immer stilvoll in den Dienst des einzelnen Werkes gestellt. Sein großes Können offenbarte sich besonders in dem grandiosen Bachschen Stück, das klug und mächtig gesteigert, einen sehr würdigen Abschluß des Abends bedeutete. Heinrich Blaß. direktor Zwisler , Prof. Dr. Temesvary und Otto S ö l l n e r, den musikalischen Oberleiter und 1. Kapellmeister unseres Theaters, sehen. Der Kvnzertoerein wird sein ISOjähriges Jubiläum innerhalb der Kunstwoche der Stadt Gießen begehen, die vom 22. bis 29. März 1942 in Aussicht genommen ist und diesmal unter dem Motto „Deutsche Musik" stehen wird. In dieser Woche werden das Hauptjubiläumskonzert und ein Orchesterkonzert stattfinden. In der Sitzung wurde noch über den „Tag der deutschen Hausmusik" und andere das Musikleben in unserer Stadt betreffende Fragen gesprochen. Im Namen des Konzertvereins dankte Prof. Dr. Eger für die verständnisvolle Unterstützung des Oberbürgermeisters und aller an dem Musikleben unserer Stadt interessierten Stellen. ** Vom Deutschen Frauenwerk. Der Nähkurs des Mütterbienstes im Deutschen Frauenwerk beginnt Donnerstag, 11. September, 20 Uhr im Handarbeitssaal des Fröbelseminars in der Gartenstraße. Anmeldungen können dort noch entgegengenommen werden. ** 94 Jahre a l t. Am heutigen Dienstag, 9. September, kann Frl. Emmy Mettenheimer, Hofmannstraße 8 wohnhaft, in guter geistiger und körperlicher Frische ihren 94. Geburtstag begehen. Der Jubilarin unseren herzlichen Glückwunsch. Tödlicher Sturz vom Grummetwagen. * Gröningen (Kreis Gießen), 8. September. Hier ereignete sich am Sonntagnachmittag ein schwerer Unglücksfall. Der 75 Jahre alte Landwirt Christian August Jsheim, der beim Grummei- einfahren auf dem hochbeladenen Wagen saß, wollte vor dem Hoftor seines Grundstücks über eine Leiter von dem Wagen herabsteigen. Dabei rutschte die Leiter, so daß die Pferde erschrocken einen Sprung nach vorwärts machten. Die an den Grummetwagen gelehnte Leiter fiel um und mit ihr stürzte der hochbetagte Mann so unglücklich, daß er mit einem schweren Schädelbruch nach Gießen in ein Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Dort ist er an seinen schweren Verletzungen gestorben. Schweinemarkt in Vuhbach. * Butzbach, 9. September. Auf dem heutigen Schweinemarkt waren 436 Ferkel zum Verkauf aufgetrieben. Es kosteten 6 Wochen alte Tiere 12 bis 14 RM., 6 bis 8 Wochen alte 14 bis 18 RM., 8 bis 10 Wochen alte 18 bis 20 RM., über 10 Wochen alte 22 bis 26 RM. pro Stück. Marktver- lauf: Handel schleppend, es verblieb Ueberstand. In einer Sitzung des Musikausschusses der Stadt Gießen, die am Freitag im Stadthaus auf Einladung des städtischen Musikbeauftragten Karl C h r i st stattfand, wurde das Winterprogramm des Gießener Konzertrings feftgelegt. Veranstalter ist wiederum der Gießener Konzertring, der aus der NSG. „Kraft durch Freude", dem Gießener Konzertverein und dem Stadttheater und dem Städtischen Orchester besteht. Insgesamt sind Zwölf Konzerte vorgesehen, und zwar fünf Solisten- und sieben Orchesterkonzerte. An Solisten sind bereits gewonnen: Prof. Elly Ney (Klavier), Wilh. Backhaus (Klavier) und Gertrud P i tz i n g e r (Gesang). Die Orchesterkonzerte werden von dem Städtischen Orchester und von dem Rhein-Mainischen Landesorchester ausgeführt, und zwar werden wir als Dirigenten Prof. Abendroth, Generalmusik- G. A.-Sport. Leichtathletischer Gtädtewettkampf Gießen-Kassel. Zum ersten Male werden am kommenden Sonntag auf dem Unioersitätssportplatz in Gießen die besten Leichtathleten des Hessengaues zu einem Städtevergleichskampf aufeinander treffen. Zum ersten Male tritt die Stadtmannschaft Gießen in Erscheinung, die in dem Olympiateilnehmer Becker (früher K. T. V.-Wittenberg), Dr. Luh, Oblt. Waglcr, Hptwm. Weiler u. a. ihre Hauptstützen hat. Es werden folgende Wettbewerbe ausgetragen: 100 m, 200 m, 800 m, 1500 m, 5000 m, 4X100 m-Staffel, Weitsprung, Hochsprung, Dreisprung, Kugel, Diskus, Speer. Da die Besten des Gaues am Start sein werden, sind fabelhafte Leistungen zu erwarten. Eine ganz besondere Delikatesse für alle Sportfreunde wird das Kugelstoßen sein, sind doch außer unserem Deutschen Hochschulmeister Dr. Luh die beiden besten deutschen Kugelstoßer Trippe (Polizei Berlin), der mit seinen 2 m Größe den Gießenern bestimmt imponieren wird, und Jupp Bongen (ff Berlin), der jüngste deutsche Kugelstoßer, im Kampf. Zwischen diesen drei wird ein Ringen um Zentimeter entbrennen, das mit Weiten 'über 15 Meter gewonnen wird. Die Aufstellung der Die Entwicklung der Orgelmusik ist mit den Fortschritten im Orgelbau eng verbunden. Je mehr sich die Spielbarkeit des Instrumentes hob, um so mehr entstandeniene unvergleichlichen Werke großer und kleinerer Meister, die bis auf den heutigen Tag wenig oder nichts von ihrer Bedeutung verloren haben. In erstaunlicher und fast ununterbrochener Folge entsprangen dem scheinbar unerschöpflichen Schoß des deutschen Volkes eine Reihe von Talenten und Genies, die dann in dem Leipziger Thomaskantor Joh. Seb. Bach ihren überragenden Gipfel erreichten. Sie alle schrieben für die Orgel, ja einige von ihnen widmeten dieser „Königin der Instrumente" fast ausschließlich ihre Kunst. Die Zeit von 1500 bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts ist deshalb in der Tat eine Blütezeit deutscher Orgelkunst. Erst Max Reger (1870 bis 1916) hat in seinem Orgelschaffen wieder an jene große Zeit angeknüpft. Der von Dr. Fried Schmidt-Marlissa veranstaltete Orgelabend am gestrigen Montag in der Johanneskirche bot in chronologischer Reihe einen Ausschnitt aus jener Großzeit musikalischen Geschehens. Beginnend mit der „Canzona cromatica" von Hasse, einem der bedeutendsten Orgelwerke des ^rüh verstorbenen genialen Nürnberger Meisters, waren noch Stücke vorbachscher Meister: Sam. Scheidt, D. Strungk, Joh. Pachelbel und Dietrich Buxtehude, vertreten. Aus ihrem Schaffen hat Joh. Seb. Bach für sich den größten Nutzen gezogen. Die von jenen Meistern geschaffene Form behielt er fast immer bei, füllte sie aber mit der Größe seiner eigenen Ideen. Das kam dann auch am gestrigen Abend eindeutig zum Ausdruck. So bedeutete die gewaltige Fantasie und Fuge in~ a-moll des Leipziger Meisters den krönenden Höhepunkt des Abends. Zwischen den Orgelstücken standen, dem Gesamtgeschehen sich gut und stilvoll einfügend, Lieder aus derselben Zeit. Ebenso natürlich sich einordnend wirkte das gemeinsame Lied: „Laß mich dein sein" nach dem vorhergehenden Ehoralvorspiel von Strungk über diesen Choral. Gisela Collatz-Werner sang die Lieder. Sie verstand es vor allem, sie in ihrer ergreifenden Schlichtheit erstehen zu lassen. Die gut gebildete Stimme ist tragend und besonders dynamisch recht spannfähig. So kamen die einzelnen Stücke plastisch zum Klingen. Hervorgehoben seien besonders: „Der am Abend Dankende" von Serattner und das VHC. Gießen. Jn^einen Teil der „Rabenau" führte am Sonntag die Septemberwanderung des VHC. Gießen. 50 Teilnehmer hatten beim Marsch durch die reizvolle Landschaft einen großen Genuß. Vom Ausgangspunkt Großen-Buseck führte die Wanderung auf der aussichtsreichen Landstraße über einen Höhenrücken nach dem anmutig in einem Talkessel liegenden Beuern, das durchschritten wurde. Bald hinter dem Ort nahm prächtiger Hochwald die Wanderer auf, und am munter plätschernden Krebsbach entlang ging es nach dem hochliegenden Allertshausen, wo bei der Mittagsrast eine stärkende Suppe verabreicht wurde. Der Weitermarsch führte über das ebenfalls hochgelegene Climbach mit unterwegs prächtigen Blicken in das obere Lumdatal mit Nord- eck und Winnen zur Treifer Heide. Hier erschloß sich eine entzückende Aussicht auf das zu Füßen liegende Treis mit dem Totenberg im Hintergründe, auf unsere Nachbarburgen, auf den Dünsberg, den Staufenberg, die Gladenbacher Berge und die fernen Alberge. Nach genügender Augenweide ging es abwärts nach Treis, von wo nach einem Schlußtrank die Heimfahrt erfolgte. Gießener Vochenmarkkpreife. Gießen, 9. Sept. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 8 bis 9 , Kartoffeln 5 kg 55, Wirsing, grün, 8 bis 11, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 7 bis 9, Spinat 19 bis 20, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen, grün, 20 bis 30, Unterkohlrabi 7, Erbsen 8 bis 10, Tomaten 25 bis 30, Salat, das Stück 10 bis 12, Salatgurken, % kg 20 bis 30, Einmachgurken das Stück 2 bis 5, Oberkohlrabi 10 bis 12, Rettich 6 bis 10, Radieschen, Bd. 10 bis 12 Rpf. Stadtmannschaft erfolgt nach einer gründlichen Auslese, die am Mittwochabend in Form eines Abendsportfestes auf dem Universitätssportplatz stattfindet. BfB.-Reichsbahn-Leichtathletik. Dr. Luh slößl in Braunschweig 14,91 m. Dr. Luh war einer Einladung nach Braunschweig gefolgt, wo sich die gesamten Spitzenkönner Großdeutschlands ein Stelldichein gaben. Es gab wiederum einen Zweikampf Dr. Luh-Bongen, den Bongen nach erbittertem Ringen mit wechselnder Führung mit 3 cm Vorsprung glücklich für sich entscheiden konnte. 1. Bongen 14,94 m, 2. Dr. Luh 14,91 m, 3. Hein (Hamburg) 13,89 m. Es sei hier daran erinnert, daß Dr. Luh und Bongen im vorigen Jahr die Farben Großdeutschlands gegen Italien trugen und Dr. Luh mit 14,98 m den Sieger stellte. Bei einem Versuch um die deutsche Vereinsmeisterschaft der Kriegsklasse II erreichten die Athleten des VfB.-R. die hervorragende Punktzahl von 6193,4 Punkten; sie dürften damit an der Spitze im Reich stehen. Diese Leistung ist jedoch noch bedeutend verbesserungsfähig. Die Ergebnisse: 200 m: 1. Waneck 24,8 Sek., 2. Dr. Luh 25,0 Sek. 1500 m: 1. Becker 4,09 Min., 2. Grasmann 4,25 Minuten 4X100 m: 1. Mannschaft -7 Sek. Weitsprung: 1. Waneck 6,28 m, 2. Dr. Luh 6,10 m, 3. Weiler 6,09 m. Kugel: 1. Dr. Luh 14,35 m, 2. Waneck 11,10 m. Ergebnis: 6193,4 Punkte. Vom Fußball. Mendorf (Lahn) 1. Jgd. — Steinbach 1. Jgd. 1:2. Die 1. Jugendmannschaft von Steinbach trat in der Aufstellung an, mit der die kommenden Rundenspiele bestritten werden sollen. Allendorf war den Gästen körperlich stark überlegen und konnte auch in der zweiten Halbzeit, mit dem Wind spielend, das Spielgeschehen diktieren. Trotzdem gelang es Steinbach, einen knappen Sieg zu erringen. Allendorf (Lahn) 2. Jgd. — Steinbach 2. Jgd. 0:2. Vorher trafen sich die 2. Jugendmannschaften. Steinbach war überlegen und konnte als Sieger den Platz verlassen. Daubringen 1. Jgd. — Heuchelheim 1. Jgd. 4:2 (3:1). Am Sonntag empfing die 1. Jgd. des Sport- Clubs 1921 Daubringen die gleiche von Heuchelheim zu einem Freundschaftsspiel. Heuchelheim hatte eine starke Mannschaft zur Stelle, und auch Daubringen trat in stärkster Aufstellung an. Man sah ein spannendes und ziemlich gleichwertiges Spiel, bei dem Daubringen nur durch restlosen Einsatz den Sieg sicherstellen konnte. Sepso-Tinktur gehört in Ihre Haus-Apotheke! Warum? Weil Sie immer ein zuverlässiges und rasch wirtendes Desinfektionsmittel zur Hand haben muffen. Denn kleine -Verletzungen, wie sie durch Schnitte, Stiche, Risse, Bisse und dergleichen verursacht werden, kommen ja im täglichen Leben so oft vor! Und alle, auch kleine offene Wunden sind der Gefahr der Infektion durch Bakterien ausgesetzt. Deshalb soll man auch geringfügig erscheinende Verletzungen nicht unbeachtet- lassen, sondern sie rechtzeitig inst Sepso-Tinktur desinfizieren. Sepso-Tinktur, die in allen Apotheken und Drogerien in Flaschen zu fünfundfünfzig Pfennigen und in handlichen Tupfröhrchen zu neunundvierzig Pfennigen erhältlich ist, wirkt genau so desinfizierend wie Zod-Tinktur und ruft keine unerwünschten Nebenerscheinungen hervor. Sie hat weiterhin die angenehme Eigenschaft, keine Flecken in der Wäsche zu hinterlassen. Auch kann sie von der Haut leicht abgewaschen werden. s«*oo6/