Donnerstag, 4. September Ml d Donners Gießener Anzeiger Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Vormittags Ameigen-Preiie: Anzeigenteil 7 Rvf. ie mm bei 22 mm Zeilenbreite, Tertteil 50 Rvf. ie mm bei 70 mm Zeilenbreite Nachlässe: Wiederholung Malstaffell Abschlüsse Mengenstaffel B Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25°/« mehr vrühlsche Univerfttatrdruckerei 8. Llmge General-Anzeiger für Oberhessen Wesen? Sdielftrabe 7-9 W- Jahrgang Nr. 2(0 Erscheint täglich, außer Sonntags und feiertags Beilagen: Gießener Familienblätler Heimat nnBild DieScholle Bezugspreis: Monatlich.......RM1.80 Zustellgebühr... „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt stermvrechanschluk 2251 Drahtanschrift:„Anzeiger" Postscheck 11686 s^rankf^M. erbitterte Kämpfe im mittleren Teil der Ostfront. Berlin, 3. Sept. (DNB.) Bei den mit Erbitterung fortgesetzten Kämpfen an der mittleren Ostfront wurden in engem Zusammenwirken von Infanterie und Panzern in einem Korpsabschnitt weitere 92 sowjetische Panzerkampfwagen vernichtet Damit hat sich die Zahl der vernichteten oder erbeuteten Sowjetpanzer im Kampfraum dieses Korps vom 30. August bis 1. September auf 187 erhöht. Außer den sehr schweren Verlusten an Gefallenen und Verwundeten büßten die Bolschewisten 1400 Gefangene und zahlreiches Kriegsmaterial ein. 107 Sowjetgeschütze befinden sich bereits in deutscher Hand. An anderer Stelle wurden stärkere sowjetische Kräfte zersprengt und zurückgeschlagen. Insbesondere die sowjetische Panzerwaffe hatte erneut schwere Verluste. Die deutschen Truppen vernichteten 40 sowjetische Panzerkampfwagen, darunter 11 schwerste Panzerkampfwagen und einen Amphibienpanzer von 40 Tonnen Gewicht. Außerdem wurden 2250 Gefangene eingebracht und zahlreiches Kriegsgerät erbeutet. Gegen erbitterten sowjetischen Widerstand eroberten deutsche Jnfanterie- und Panzerverbände ein Waldgebiet im mittleren Kampfabschnitt. Die Bolschewisten versuchten mit allen Mitteln, die deutschen Truppen am weiteren Vormarsch zu hindern. In gutem Zusammenwirken der Infanterie mit Panzerkampswagen wurden die Bolschewisten aus dem Waldgebiet geworfen. Die deutschen Truppen machten 2500 Gefangene und erbeuteten öder vernichteten drei sowjetische Panzerkampfwagen, neun Geschütze, 18 Maschinengewehre und 250 Fahrzeuge. Oer Vormarsch an der estnischen Küste. Berlin, 3. Sept. (DNB.) An der estnischen Küste versuchten die Bolschewisten, den weiteren deutschen Vormarsch aufzuhalten. Zur Abwehr des deutschen Angriffs setzten die Sowjets Batterien der K ü st e n a r t i l l e r i e ein. Von See aus c$rib fen sowjetische Kriegsschiffe mit ihren Schiffsgeschützen in den, Erdkampf ein. Durch einen umfassenden Angriff'wurde jedoch der sowjetische Widerstand gebrochen. Die Bolschewisten hatten schwere blutige Verluste. Der Vormarsch an der estnischen Küste wird fortgesetzt. Staudamm am Dnjepr. Am Dnjepr befanden sich einige der wichtigsten sowjetischen Industrieanlagen, die nun für die sowjetische Produktion ausgefallen sind. — Blick über einen 700 Meter langen Staudamm über den Dnjepr. — (PK.-Otto-Scherl-M.) W A Der Wehrmachtbericht. DNB. Aus dem FührerhauplquarNer, 3. Sept Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: An der gesamten Ostfront sind erfolgreiche Kampfhandlungen im Gange. Die rumänische Luftwaffe hatte an den großen Erfolgen an der Süboff front erheblichen Anteil. Sie vernichtete bis Ende August 4 3 3 sowjetische Flugzeuge und unterstützte hervorragend die Operationen des Heeres. Kampfflugzeuge bombardierten auf der britischen Insel in der vergangenen Rächt Hafenanlagen an der 0 ft f ü ff e und Flugplätze in den Midlands. 3m Kanal sowie an der niederländischen und norwegisch en Küste schossen am gestrigen Tage leichte Seeslreilkräffe sieben, Jäger und Flakartillerie vier, Marineartillerie ein britisches Flugzeug ab. 3n Rordasrika erzielten deutsche und italienische Sturzkampfflugzeuge bei einem Angriff auf Tobruk am 1. September Bombenvolltreffer schweren Kalibers in britischen Artilleriestellungen und Truppenlagern. Der Feind flog in der letzten Rächt nach Rord- und Mitteldeutschland sowie in das Rhein-Main- Gebiet ein. Der Angriff eines Bombenverbk ndes auf die Reichshauptstadl kam infolge starker Flakabwehr nicht zur vollen Wirkung. Rur wenige Flugzeuge erreichten das innere Stadtgebiet. Die Zivilbevölkerung hatte durch Bombenwürfe auf Wohnviertel geringe Verluste an Toten und Verletzten. Flakartillerie schoß sechs britische Bomber ab. Lustangriffe auf sowjetische Eisenbahnlinien. Berlin, 3. Sept. (DNB.) An der gesamten Ostfront unternahm die Luftwaffe wiederum starke Angriffe gegen sowjetische Verkehrsziele. So wurden die Eisenbahnlinie Krementschug—Lubny sowie die Eisenbahnstrecken Konotop—Lgow, Wol- chowstroi—Tischwin und Kursk—Drei an zahlreichen Stellen durch Bombentreffer unterbrochen und mehrere Eisenbahnzüge zum Entgleisen gebracht. Heftige Angriffe erfolgten auf bolschewistische Kolonnen und Flak st e l - tun gen ostwärts des Dnjepr sowie auf Truppen- und Panzeransammlungen. In den anderen Räumen wurden Batterien und Stellungen der Sowjets mit Erfolg bombardiert. Der 1000. Abschuß im Osten. Berlin, 3. Sept. (DNB.) Das Jagdgeschwader Lützow unter Führung seines Kommodore und Eichenlaubträgers Major Lützow errang am 30.8. seinen 1000. Abschuß im Osten. Insgesamt erzielte das Geschwader vom 10. Mai 1940 bis 1. September 1941 1402 Abschüsse, davon im Westen 386, im Osten 1016. Außerdem wurden 243 sowjetische Flugzeuge am Boden zerstört. Major Lützow hat selbst 56 Luftsiege. In seinem Jagdgeschwader wurden bisher neun Offiziere mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Oie Bolschewisten am Unterlauf des Onjepr abgewiesen. Berlin, 3. Sept. (DNB.) Unter Ausnutzung der Morgendämmerung versuchten die Bolschewisten am 2. September am Unterlauf des Dnjepr in Zugstärke über den Fluß zu setzen. Die Wachsamkeit der deutschen Truppen verhinderte das Vorhaben der Sowjets °durch sofortiges energisches Eingreifen. Oas Eichenlaub zum Ritterkreuz überreicht. DRB. Aus dem Führerhauptquartier, 3. Sept. Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht überreichte Mittwoch den erfolg- reichen Jagdfliegern Hauptmann Hahn, Oberleutnant Philipp und Oberleutnant Bär persönlich das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Oer Führer verleiht Kriegsverdienstkreuze. Berlin, 3. Sept. (DNB.) Der Führer hat nach Abschluß des zweiten Kriegsjahres um die Durchführung von Kriegsaufgaben verdiente Männer aus Wehrmacht, Partei, Staat, Wirtschaft und Wissenschaft durch die Verleihung des Kriegsverdienstkreuzes ausgezeichnet. Ebenso hat der Führer einer Anzahl von Frauen, die in Nüstungsbetrieben unter besonders schwierigen Verhältnissen kriegswichtige Arbeit leisten, die Kriegsmedaille verliehen. 3m Schwarzen Meer sowjetisches Lt-Boot versenkt. Berlin, 3. Sept. (DNB.) Bei bewaffneter Aufklärung im Schwarzen Meer versenkte ein deutsches Kampfflugzeug durch Bombentreffer und durch das Feuer feiner Bordwaffen ein sowjetisches U-Boot. „Etwa 130 Kilometer westlich der Krimküste beobachteten wir plötzlich ein sowjetisches U-Boot", so berichtete der deutsche Flugzeugführer nach der Rückkehr in feinen Heimathafen. „Mit mehreren Bomben und unseren Bordwaffen griffen wir die Sowjets im Tiefflug an, unsere Bomben explodierten hart an der Backbordseite des Bootes und rissen ihm die Bordwand auf. Wenige Augenblicke später legte sich das U-Boot auf die Seite und sank über Backbord ob. Auf drei weiteren Anflügen beschossen wir mit unseren Bordkanonen und Maschinengewehren den noch aus dem Wasser ragenden Turm und Bootskörper des U-Bootes. Bereits vier Minuten nach unserem ersten Angriff war das U-Boot unter der Wasseroberfläche verschwunden. Nur eine dicke quellende Oelspur kennzeichnete die Untergangsstelle." Das U-Boot gehörte zur „DeLabrist"-Klasse, die 1930 erbaut worden War und getaucht 1318 Tonnen Wasser ver> drängte. Es war mit zwei Flugabwehrgeschützen und acht Torpedorohren bestückt. Außerdem besaß das U-Boot eine Aufnahmevorrichtung für Minen. politische Zigaretten. England finanziert die „Note Hilfe" in Spanien. Madrid, 3. Sept. (Europapreß.) Seit einigen Tagen werden in Madrid und in den größten Städten der spanischen Provinz in großem Maßstab Verhaftungen von Tabak- und Zirgaretten-Schwarzhändlern vorgenommen. Dabei handelt es sich weniger um die Bekämpfung des Schleichhandels, als vielmehr um dis Aufrollung einer britisch-bolschewistischen Wühl- Organisation. Bereits früher war schon der Verdacht aufgetaucht, daß die bolschewistische „Rote Hilfe" in Spanien, die stellenweise im Geheimen ihr Leben fristet, mit britischem Geld u n • terstützt wird. Jetzt stellt sich heraus, daß diese Unterstützung in Form eines großangelegten Schmuggels mit britischen und nordamerikanischen Zigaretten vor sich geht. Die Zigaretten werden durch Fischkutter den Agenten der Roten Hilfe an der Küste zugestellt. Von dort aus werden sie ins Land verschickt und züm Schwarzhändlerpreis von durchschnittlich zehn Peseten, d. s. etwa 2,50 RM. für das Paket mit zwanzig Zigaretten, verkauft. Die spanische Polizei hat festgestellt, daß die dadurch eingenommenen Gelder dem spanischen Fonds der Roten Hilfe zufließen. Zn britischen Diensten versenkt. Lissabon, 3. Sept. (Europapreß.) 41 Ueber- lebende von drei durch deutsche U-Boote versenkten Schiffen nahm der portugiesische Dampfer „Lima" an Bord, der, von den Azoren- kommend, in den Lissaboner Hafen einlief. Die versenkten Schiffe, der holländische Dampfer „Sitoebondo" (7049 BRT.), der englische Dampfer „Shahristan" (6935 BRT.) und der kanadische Fischdampfer „Robert Max", waren im Juli in einem britischen Geleitzug von einem englischen Hafen ausgelaufen. Nach mehrtägiger Fahrt löste sich der Geleitzug im Atlantischen Ozean auf, und die einzelnen Schiffe nahmen Kurs auf ihre Bestimmungshäfen. Die drei Schisse wurden kurz daraus am 29. Juli von deutschen U- Booten versenkt, teils durch Torpedos, teils durch Geschützfeuer. Don der 60köpfigen Besatzung der „Sitoebondo" kamen 17 Mann ums Leben. Die „Shahristan", die mit einer Kriegsmaterialladung nach y r a n unterwegs war, hatte außer 73 Mann Besatzung noch 67 englische Offiziere und Soldaten, insgesamt also 140 Mann, an Bord. Davon werden 71 vermißt. Von der 20 Mann starken Besatzung der „Robert Max" kamen sechs Mann ums Leben. Die Ueberlebenden wurden, nachdem sie sieben bis zehn Tage in Rettungsbooten umher- getrieben waren, von dem spanischen Dampfer „Campero" ausgenommen und nach den Azoren gebracht. Unter den Geretteten befinden sich zahlreiche Inder und einige Chinesen. Die Festung ohne Hinterland. Der Dollarimperialismus hat einen neuen Vorwand gefunden, seine Polypenarme nach dem Fernen Osten auszustrecken. Hilfe für Moskau nennt er ihn, in Wirklichkeit verbirgt sich darunter dieselbe Erbschleicherei und Leichenfleddermoral, mit der man England zum Auskosten seines Krieges bis zur Neige ermuntert. Daß der Bolschewismus zusammenbrechen wird, weiß man in Washington nur zu gut. Aber gerade deshalb erbietet man sich so eifrig, ihm über feinen Fernofhafen Wladi- wostok angeblich Kriegsmaterial liefern zu wollen. Angeblich! Denn in Wahrheit sucht man nur eine Gelegenheit, sich auf dem ostasiatischen Festland einen Stützpunkt zu schaffen, dessen Spitze deutlich gegen Japan gerichtet ist. In Tokio hat man dagegen auch sofort eine warnende Stimme erhoben, einmal, weil es der ostasiatischen Neuordnung widerspricht, einer raumfremden Macht auf dem asiatischen Kontinent Fuß fassen zu lassen, zweitens, weil USA.-Flugzeuge in Wladiwostok eine ständige Bedrohung Japans darstellen würden, drittens auch, weil nordamerikanische Kriegsmaterialtransporte nach diesem Hafen durch ein Gebiet führen, daß deutlich auf allen Landkarten als Japanisches Meer bezeichnet ist, und viertens, weil juristisch gesehen, ein derartiges Vorgehen der Vereinigten Staaten einen Vorstoß gegen den Geist des von Matsuoka abgeschlossenen Neutralitätspaktes bedeutete. Gerade die USA. haben auf der Panamakonferenz eine Sicherheitszone deklariert, die viele hundert Seemeilen ins offene Meer, also weit über die völkerrechtliche Dreimeilenzone hinausragt. Was dem einen recht ist, ist dem andern billig, um so mehr, als es sich bei dem Japanischen Meer um ein geschlossenes Gebiet handelt, das, wie jeder sich auf der Landkarte überzeugen kann — für Japan lebenswichtig ist. Wladiwostok nun ist an sich schon von sowjetischer Seite aus wie ein Dorn im japanischen Körper. Einst war es ein harmloses Küstendorf, dessen erste Siedlungen 1860 entstanden. Das im- perialistisstche Streben des zaristischen Rußland, das eine Einmischung in das fernöstliche Kräftespiel verlockend machte, führte dazu, daß Wladiwostok mit ungewöhnlichem Tempo zur Stadt und 1885 zum Kriegshafen ausgebaut wurde, wobei seine Bedeutung noch durch den Bau der Transsibirischen und Ostchinesischen Eisenbahn wuchs. Fast schien es, daß Rußland damals durch den Krieg mit Japan für immer feine fernöstliche Position verlieren würde, aber nach dem im Jahre 1905 geschlossenen Frieden von Portsmouth verblieb Wladiwostok den Russen als Stützpunkt. So ist es inzwischen auf fast 250 000 Einwohner angewachsen. Als „Hauptstadt der fernöstlichen Sowjetrepublik" stellt es einen Handels- und Jn- dustriemittelpunkt von nicht zu unterschätzender Bedeutung dar. Vor allem sein Schiffsbau ist zu nennen, dazu seine Eignung als Handelshafen und Ankerplatz für größte Schiffe und feine Beherbergung der sowjetischen Walfangflotte. Durch die pariser Erinnerungen. Von unserem Ste.-Berichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Paris, September 1941. „Sie haben den Krieg durch die Passivität einer Mehrheit und die parteiische Verrücktheit einer Minderheit hervorgerufen und seitdem nichts gelernt; aus der Niederlage Frankreichs haben sie nur ihre persönliche privilegierte Stellung retten wollen." Dieses Motto, einer geläuterten Pariser Zeitung entnommen, kann man einem Rückblick voranstellen, der die wechselseitige.Aktion der Regierung Daladier und des Parlamente s in den Tagen des Ausbruchs dieses Krieges unter die Lupe nimmt. Nach einem verlorenen Krieg behaupten die Verantwortlichen natürlich, ihn n i ch t g e w o l l t zu haben. Ohne auf diese Entschuldigung einzugehen, die gerade diejenigen französischen Kreise gern geltend machen, die mit Freuden einen Krieg gegen Deutschland gewonnen hätten, kann man feststellen, daß die Kriegserklärung Frankreichs an Deutschland von einer Vertuschungsatmosphäre umgeben wurde, die an der Tatsache selbst nichts ändert und das französische Volk nicht entlastet, das sich die Vertreter gegeben hat, die es wollte. Aber diese Vertuschungsatmosphäre wirft ein bezeichnendes Streiflicht auf die parlamentarischen Sitten, die in Paris herrschten. Als die französische Regierung, also Daladier, der sich auf England festgelegt hatte, Ende August 1939 hinsichtlich Polens kein zweites München aufkommen lassen wollte, kam es propagandistisch darauf an, in der Bevölkerung auch nicht den geringsten Zweifel baran bestehen zu lassen, daß etwa noch eine friedliche Lösung möglich wäre. Es kam darauf an, den Krieg und die Kriegserklärung als unvermeidlich hinzustellen: durch aktive Propaganda und durch Verschweigen etwa vorhandener Friedensmöglichkeiten. Das Totschweigen mußte sich, vom Standpunkt der kriegslustigen Franzosen/ besonders auf den Vermittlungsoorschlag beziehen, den Italien in letzter Stunde noch einbrachte. Schon am-28. August hatte aber die französische Regierung die Zensur eingeführt und durch sie ließ sie den italienischen Vorschlag, der sonst am Abend des 31. August 1939 öffentlich hätte bekanntgegeben werden können, geheimhalten. Erst nachdem die deutschen Kampfhandlungen gegen Polen am 1. September begonnen hatten, sickerten ein paar Andeutungen über den Vorschlag im „Petit Parisien" durch, aus denen man sich aber auch fein rechtes Bild machen konnte. Die Meldung über den italienischen Vorschlag selbst wurde von der französischen Zensur erst am 3. September freigegeben, als die Kriegserklärungen Englands und Frankreichs au Deutschland heraus War'er^ Aber nicht nur die breite Öffentlichkeit wurde in Unkenntnis der wahren Lage gehalten, sondern auch die Mitglieder von Kammer und Senat, die sich sonst etwas darauf einbildeten, die Bestunterrichteten zu sein. Am 2. September sand eine Kammersitzung statt, in deren Verlauf ein paar Abgeordnete, die von einem italienischen Konferenzvorschlag etwas läuten gehört hatten, von der Regierung Aufschluß erhalten wollten, was eigentlich daran sei. Der Ministerpräsident Daladier war entschlossen, den Mund nicht aufzutun, denn die Wahrheit hätte ihm die Abwicklung feiner Kriegspolitik erschwert; aber das Parlament als solches tat sich auf feine Redefreiheit etwas zugute, und um die Neugier abzulenken, mußte der Sprecher des Parlaments, .Kammerpräsident Herrio t, der eigentlich die berufliche Wißbegier der Abgeordneten in eigener Sache hätte unterstützen müssen, der Regierung zur Hilfe kommen. Das geschah auch, denn Herriot, der Mann nicht der Tat, sondern der Rede, erwies sich auch als der Mann der Diskretion, die sich mit dem Parlamentarierberuf an sich nicht verträgt. Er tat alles, um peinliche Fragen nach dem Inhalt italienischer Vermittlungsvorschläge durch die Geschäftsordnung vom Präsi- dentensefsel herunter zu unterdrücken und stützte die Regierung bei ihrer Irreführung* daß die Kammer durch Verabschiedung der neu beantragten Militärkredite damit nicht etwa auch für eine französische Kriegserklärung stimme. In einem Sitzungsprotokoll soll ausdrücklich vermerkt gewesen sein, daß Daladier vor der Abstimmung beteuert hatte, daß die Regierung aus der Bewilligung der Militärkredite für sich nicht das Recht ableiten würde, nun eine Blankovollmacht zur Kriegserklärung zu haben. Dieses Sitzungs- protokol? existiert aber nicht mehr, man sagt, daß Daladier selbst die erste Fassung des Berichtes abgeändert und den für fein Gewissen belastenden Passus gestrichen habe. Es kann sein, daß er das getan hat, aber seine Spur läßt sich in der Geschichte nicht verwischen. Daladier und Herriot haben nicht nur Frankreich in die Niederlage geführt, sondern auch enthüllt, daß das parlamentarische Regime in Frankreich, wo es sich als vorbildlich zu gebärden pflegte, genau so verfault war wie in den anderen Ländern, die unter feiner beglückenden Herrschaft lebten. Und beide Männer haben ihre Namen als Regierungsmänner wie als Parlamentarier — denn man wechselte von einem zum andern und hatte oft beide Eigenschaften zugleich — in den Sturz der Einrichtungen hinunter- geriffen, die sie vertraten. Einen solchen Krieg, mit aktiver und passiver Lüge gestartet, konnten weder Frankreich noch die parlamentarische Demokratie gewinnen. japanische Konkurrenz ist der Handelshafenverkehr zwar erheblich behindert worden, aber die entscheidende Bedeutung Wladiwostoks liegt auf strategischem Gebiet. Hier stellt der Kriegshafen mit seinen schützenden militärischen Anlagen eine gewaltige Festung dar, die zugleich auch eine wichtige Luftbasis ist. Tokio liegt nur 1000 Kilometer von Wladiwostok entfernt, wie sich überhaupt alle vier Hauptinseln Japans mit ihren Riesenstädten und ihrer Kriegsindustrie sowie die Industriezentren Südrncmdschukuos in der Reichweite der Wladiwostoker Flugplätze befinden. Einen großen Nachteil hat Wladiwostok allerdings bei all seiner hervorragenden strategischen Bedeutung insofern, als es eine Festung ohne Hinterland darstellt. Es ist auf sich ganz allein * angewiesen. Auf diese Tatsache ist ja auch die Anlage dieser Festung und ihre militärische Ausrüstung aufgebaut worden^Doch ist es fraglich, ob Moskau heute nach den schweren Niederlagen im Westen, noch in der Lage wäre, Wladiwostok im Falle eines Konfliktes lange zu halten. In dieser Situation meldet sich der Dollarimperialismus mit der feinen Witterung eines Erbschleichers und Leichenfledderers. Er will angeblich Kriegsmaterial für den Bolschewismus nach Wladiwostok schaffen, in Wirklichkeit aber dort nur festen Fuß fassen, um nie wieder von dort wegzugehen. Vielleicht redet man den Bolschewisten „freundschaftlich" zu, ihr eigenes Riesenarsenal in Wladiwostok auszuräumen und nach dem Westen zu verfrachten, während Washington sich „gern" bereit erklären wird, inzwischen den militärischen „Schutz" der fernöstlichen Interessen der Bolschewisten wahrzunehmen, der — wie in Tokio richtig erkannt worden ist — sich in der Praxis gegen Japan auswirken soll. Von japanischer Seite ist vor nordamerikanischen Kriegsmateriallieferungen nach Wladiwostok gewarnt worden. Japan betrachtet das Japanische Meer als seine lebenswichtige Einflußzone, deren Zugänge die Straße von La Perouse, die Tsugar- Straße und die durch die Vernichtung der Zarenflotte 1905 berühmt gewordene Tsuschima-Straße von Japan wohl gesperrt werden könnten. Neuordnung des Ltnterrichts in Frankreich. Vichy, 3. Sept. (Europapreß.) Der Staatssekretär für den Unterricht, Carcopino, erläuterte im Rundfunk die Grundzüge der Unterrichtsreform in Frankreich. Mit dieser Reform werden vor allem wesentliche Vereinfachungen angestrebt. In den Höheren Schulen wird man künftig der sportlichen Erziehung mehr Zeit einräumen. Bei der Mädchenerziehung soll vor allem der Musikpflege und dem hauswirtschaftlichen Unterricht mehr Zeit als bisher eingeräumt werden. Die Unentgeltlichkeit des Unterrichts wird für die Höhere Schule abgeschafft. Während den klassischen Höheren Schulen, in denen Latein als Pflichtfach bleibt, der Name Lyzeum vorbehalten wird, erhalten die auf einer modernen und technischen Grundlage arbeitenden Höheren Schulen den Namen Kolleg. In diesen wird neben der sportlichen Ausbildung das Studium der lebenden Sprachen verstärkt werden. Auf den Volksschulen soll im Vordergrund des Unterrichts insbesondere der nationale Gedanke wie der völkische Gedanke der Familie stehen. Die Lektüre der großen französischen Schriftsteller sowie der Botschaften des Marschalls Pötain soll hierzu beitragen. Die bisherigen Normalschulen, in in denen der Lehrernachwuchs herangebildet wurde, werden durch besondere pädagogische Berufsschulen ersetzt werden. Die Volksschullehrer müssen außerdem künftighin einen besonderen landwirtschaftlichen und technischen Unterricht sowie sportliche Kurse durchlaufen. Vereitelter kommunistischer Anschlag in Bulgarien. Sofia, 3. Sept. (Europapreß.) Am zweiten Jahrestage des Kriegsausbruches versuchten die Kommunisten in Bulgarien eine größere Aktion zu unternehmen. Sie soll von der Sowjetge- sand'tschaft in Sofia mit englischen Geldern unter st ützt worden sein. Die Aktion kam jedoch der bulgarischen Polizei rechzeitig zur Kenntnis. Vön der Polizeidirektion wurde folgende Erklärung herausgegeben: „Am Montagabend waren Organe der staatlichen Polizei in Sofia im Begriff, eine Person zu verhaften, die in eine Derschwöreraktion verwickelt war. Diese Person brachte eine Bombe zur Explosion und beging darauf Selb st mord, indem sie sich aus ihrem im fünften Stockwerk gelegenen Zimmer stürzte. Durch die Explosion der Bombe wurde ein Polizist leicht verletzt, während im Hause Schäden entstanden sind. Ein Helfershelfer suchte zu entkommen, wurde aber bei der Verfolgung schwer verletzt." Weitere LlSA.-Ingenieure und Techniker in Nordirland. Stockholm, 3. Sept. (Europapreß.) Ein neues Kontingent von Ingenieuren und Technikern ist aus den Vereinigten Staaten in Nordirland einaetroffen. Genau wie die schon in Nordirland befindlichen früheren Gruppen, die bereits viele hundert Personen umfassen, wird auch das neue Kontingent formell von der britischen Regierung angestellt und bezahlt. Die Bezahlung erfolgt im Rahmen des Leih- und Pachtgesetzes. Man kann daraus entnehmen, daß die Vereinigten» Staaten den Betrag zurückerstatten. Wieder Ruhe und Ordnung in Teheran I st a n b u l, 4. Sept. (DNV.-Funkspruch.) Aus einer Meldung des Radio Teheran geht hervor, daß in der iranischen Landeshauptstadt beim Vormarsch der Sowjets eine Panikstimmung ausgebrochen ist. Zahlreiche Leute haben die Stadt verlassen, Kaufleute und Handwerker ihre Läden geschlossen. Tagelang war es schwer, Brot und andere lebenswichtige Mittel auszutreiben. Durch entsprechende Maßnahmen soll jedoch das Vertrauen wiederhergestellt worden sein, die Läden feien wieder geöffnet und der Verkehr lebenswichtiger Mittel, wie Brot usw., sei wieder* sicher gestellt. Die in Iran vom Süden her bis nach Kazoin vorgerückten britischen Truppen haben sich, nachdem sie dort auf sowjetische Verbände gestoßen waren, in Richtung Hamadan wieder zurückgezogen, wie aus Awe, etwa 100 km südwestlich von Kazoin, berichtet wurde. 19000 Tote bei den Lustangriffen gegen England. Neuyork, 1. Sept. (DNB.) Die amerikanische Lebensoersicherungsgesellschaft Metropolitan Life Insurance Company stellt fest, daß im ertzen Halbjahr 19 41 in England 19 000 Personen durch Luftangriffe das Leben verloren. In diesen Zahlen seien nur die Menschenverluste in London und anderen britischen Großstädten eingeschlossen. Taipale wieder in finnischer Hand. Kopenhagen, 2. Sept. (Europapreß.) Aus Helsinki wird mitgeteilt, daß Taipale, am West-- ufer des Ladogasees, in der Nacht zum Dienstag von den finnischen Truppen erobert worden ist. Der finnische Vormarsch schreite in östlicher Richtung sicher weiter. Taipale spielte im Winterfeldzug gegen die Sowjets eine große Rolle, als es starken sowjetischen Abteilungen trotz wiederholter Versuche niemals gelang, diesen Ort zu erobern. Erst durch den Friedensschluß fiel Taipale an die Sowjetunion. Erstes Luftgefecht der Italiener an der Ostfront. Rom, 4. Sept. (DNB.-Funkspruch.) Bei den ersten Lustkämpfen an der Ukraine-Front zwischen italienischen und sowjetischen Luftstreitkräften wurden von italienischen Jägern insgesamt elf sowjetische Flugzeuge abgeschossen, während die italienischen Flugzeuge keine Verluste erlitten. Eine italienische Flakbatterie erzielte mit dem vollkommenen Abschuß eines sowjetischen Verbandes von fünf Bombenflugzeugen, die die italienischen Stellungen zu überfliegen versuchten, einen großen Erfolg. Reichsminister Or.Todt 60Jahre alt. Berlin, 4. Sept. (DNB.) Reichsminister Dr. Todt, der am heutigen Donnerstag seinen 50. Geburtstag feiert, trat schon 1922 der NSDAP, bei. Kurz nach der Machtübernahme wurde er vom Führer zum „Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen" ernannt und mit dem Bau der R eich s a u t o b a h n e n betraut. Dieses Werk war die erste nationalsozialistische Tat, die die Arbeitslosigkeit in Deutschland beseitigte und als technische Großleistung die Bewunderung der ganzen Welt erweckte. Noch während des Baues der Reichsautobahnen erhielt Dr. Todt vom Führer den Auftrag zum Westwallbau. Mit der von ihm geschaffenen Organisation Todt" vollendete er termingerecht das große Werk. Aus den Westwallarbeitern wurden unter seiner Führung die Frontarbeiter der „OT.", die als treue Helfer des Frontsoldaten heute an allen Fronten einen entscheidenden Beitrag zum Siege leisten. Im Dezember 1938 wurde er zum „Generalbevollmächtigten für die Regelung der B a u w ir ts ch ä ft" ernannt. Seine Hauptaufgabe bestand darin, den Gesamtbauwillen mit dem Gesamtbauoermögen, in Übereinstimmung zu bringen. Als Leiter des Hauptamtes für Technik hatte er bereits innerhalb der Partei alle technischen Sektoren in seiner Hand vereinigt. Um eine straffe Durchführung der technischen Arbeiten auch im staatlichen Sektor zu gewährleisten, ernannte ihn der Führer am 23. Februar 1940 zum „Generalinspektor für die Sonderausgaben im Dierjahresplan" und kurz darauf am 17. März zum „R e ich s m i n i ste r für Bewaffnung und Munitio n". Er wurde damit zum Waffenschmied des Deutschen Reiches, denn es obliegt ihm die Aufgabe, die deutsche Rüstung auf ein Höchstmaß von Leistung zu bringen. Am 29. Juli 1941 ernannte ihn der Führer zum „Generalinspektor für Was- s e r und Energie". Damit vereinigt Reichsminister Dr. Todt oie wichtigsten technischen Teilgebiete in seiner Hand. Zu seinem 50. Geburtstag sprach der Führer dem Reichsminister Dr. Todt am Vorabend des Geburtstages im Führerhauptquartier seine Glückwünsche aus. Das „Haus der Technik" in Frankfurt. NSG. Im Adolf-Hitler-Haus fand die Gründung eines „Hauses der Technik" in Frankfurt statt. Der Gauwalker des NS.-Bundes deutscher Technik, Gauamtsleiter Dr. Kränzlein betonte, daß die Gründung als Geschenk des Gaues Hessen-Nassau anläßlich des 50. Geburtstages von Reichsminister Dr. Todt am 4. September vorgesehen ist. Dem „Haus der Technik" soll auch die Begabtenförde- rung der chemisch-technischen Berufe am Herzen liegen. Aus diesem Grunde wird das „Haus der Technik" mit feiner Einrichtung auch eine Chemotechnikerschule vereinen. 14 000 Techniker und Ingenieure, darunter viele Chemiker und Chemotechniker, leben allein im Gau Hessen-Nassau. Noch längst nicht alle sind dabei durch den „NS.- Bund deutscher Technik" erfaßt. Sie jedoch alle beruflich zu führen und wissenschaftlich zu betreuen, wird eine der wesentlichsten Aufgaben des Dauses der Technik" sein. Vom Hauptamt für Technik sprach Direktor Kunze und betonte vor allem, daß Be- deutuna und Auswirkung der Technik noch niemals einen solch sichtbaren Ntedersckstag gefunden haben wie im gegenwärtigen Kriege. Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger dankte Dr. Kränzlein für sein tatkräftiges Arbeiten, ferner dem Hauptamt für Technik für die Unterstützung, der Stadt Frankfurt für ihre Hilfe und nahm dann das ,^)ous der Technik" unter seine Obhut. Technik und Wirtschaft. Von Gauamtsleiter W.Avienh, Sonderbeauftragter für Wirtschaftsführung und Wirtschaftseinsatz im Gau Hessen-Nassau. NSG. Anläßlich des 50. Geburtstages von Reichsminister Dr.-Jng. Todt am 4. September und der Uebergabe des neu gegründeten „Hauses der Technik" in Frankfurt a. M. haben wir in Generaldirektor W. Avieny einen führenden Mann der Wirtschaft unseres Gaues gebeten, zu dem Thema „Wirtschaft und Technik" Ausführungen zu machen. Die moderne Wirtschaft ist gegenüber den früheren Wirtschaftssystemen durch eine weitgehende Anwendung der wissenschaftlichen Technik gekennzeichnet. Die Verbindung von Technik und Wirtschaft hat für die Steigerung der Lebenshaltung der Völker Außerordentliches bedeutet. Als Beispiel könne man Zahlen aus allen Lebensbereichen nennen. Es sei an dieser Stelle nur an die ungeheure Steigerung des Einsatzes maschineller Energie erinnert. Diese bedeutete, daß die Basis der menschlichen Arbeitskraft durch die Nutzbarmachung der Naturkräfte vervielfacht werden konnte. Während in anderen Wirtschaftsformen die Arbeitskraft der Menschen fast ganz für die Deckung des primitiven Nahrungsmittelbedarfes in Anspruch genommen wird, kann auf diese Weise bei gewaltig gestiegener Bevölkerung und weit verbesserter Ernährung immer mehr Arbeitskraft für die Befriedigung der gehobenen kulturellen Bedürfnisse verwandt werden. Zumal in Deutschland hat die Technik dadurch eine besondere Aufgabe, daß sie in Ueberroinbung des Mangels an vielen natürlichen Rohstoffen dem deutschen Volke einen hohen Lebensstandard sichern und überlegene kriegerische Machtmittel zur Verfügung stellen muß. Obschon im nationalsozialistischen Staat politische Notwendigkeiten die Produktionsziele bestimmen, und die Technik die Mittel zur Erreichung dieser Ziele aufzeigt, bleiben auch der Wirtschaft nach der weitgehenden Lenkung durch den Staat noch entscheidende Führungsprobleme außerhalb der technischen Fragen: Einordnung in die wirtschaftspolitische Linie, Organisaton des Menscheneinsatzes, Rohstoff- und Energiebeschaffung, Finanzierung, Verteilung, — ganz abgesehen von den Aufgaben des Betriebsführers auf sozialem Gebiet, auf die ich hier nicht.einzugehen brauche. Die enge Verknüpfung von Technik und Wirtschaft kommt in dem Typ des WirtschaftsfShrers zum Ausdruck, der sich herausgebildet hat. Der Wirtschaftsführer ist heute entweder Kaufmann mit ausgesprochen technischem Verständnis und Gefühl für den Einsatz der Techniker — ober aber Techniker mit besonderem Gefühl für die wirtschaftlichen Zusammenhänge und für die wirtschaftlichen Oraanisations- und Führungsaufgaben. In, dieser Verbindung liegt auch die Antwort auf die oft geführten und nicht immer nützlichen Erörterungen, ob der Kaufmann ober der Techniker in einem Unternehmen führend fein soll, wobei je nach der Eigenart des betreffenden Unternehmens der Akzent auf dem einen oder anderen liegen kann. Dabei ist eine selbstverständliche Voraussetzung für den Wirt- schafsführer nationalsozialistische Haltung, da diese allein den Einsatz für die sachlichen Ziele sowie für die besonders im Kriege entscheidenden Aufgaben der Menschenführung bietet. Die Leistungen der Zusammenarbeit von Technik und Wirtschaft z. B. auf dem Rohstoffgebiet — wie die Erzeugung synthetischer Treibstoffe, künstlicher Textilfasern, künstlichen Kautschuks, daneben vieler anderer Austauschwerkstoffe — schlagen eine Bresche in die von England gegenüber dem Kontinent versuchte Blockade. Zu der Erweiterung der Rohstoffbasis kommt die überlegene Güte der deutschen Maschinen, Skiffen Usw, Die Bedeutung alles dessen, nicht nur für die Wehrwirtschaft, sondern auch für die Sicherung der deutschen Lebenshaltung, ist in das Bewußtsein des ganzen Volkes eingedrungen. Was man sich aber im allgemeinen nicht vergegenwärtigt, ist das Ausmaß von Forschungs- und Entwicklungsarbeiten auf technischem Gebiet, sind die Organisations- und Planungsarbeiten auf wirtschaftlichem Gebiet. Nur die enge Zusammenarbeit dieser beiden Bereiche konnte dabei den Erfolg gewährleisten. Diese Leistungen hatten das System der Wirtschaftsführung und -Wirtschaftsplanung zur Voraussetzung, wie es der Nationalsozialismus in Deutschland aufgebaut hat. Während man vorher die Wirtschaft als das Jneinandergreifen freiwirkender Kräfte sah, die sich der Beeinflussung und der Planung durch den Staat infolge der in ihnen wirksamen Gesetzmäßigkeit entzogen, erfolgt jetzt eine Lenkung im Rahmen der staatspolitiscben Zielsetzungen. Der Ablauf und die Richtung des Wirtschafts lebens find für den Staat in weitgehendem Maße eine Frage der zweckmäßigsten Organisation geworden. Organisationsprobleme sind aber den technischen Problemen in gewissem Sinne verwandt. Auch auf dem Gebiete der Technik setzte eine klare Zielsetzung und Lenkung durch den Staat ein, welche den Rahmen für die schöpferische Initiative der einzelnen Menschen abgab. Diese erstreckte sich einmal auf die behandelten Probleme, den Kräfteeinsatz usw., zum anderen auf die -Erfassung der Menschen. Dabei ist eines bemerkenswert, worauf ich an anderer Stelle schon hingewiesen habe. Während man früher gewohnt war, private Initiative und staatlichen Konservatismus als feststehende Be- grifspaare einander gegenüberzustellen, haben sich nach 1933 die Verhältnisse in mancher Beziehung umgekehrt. Wir sahen oft einen Konservatismus der Privatwirtschaft bezüglich neuer wirtschaftlicher Aufgabenstellungen, neuer technischer Verfahren, der erst durch die vorantreibenbe Kraft des Staates überwunden werden mußte. Das ist zu einem großen Teil ein Verdienst der Partei, die in sich die Bewegung und Dynamik des völkischen Lebens verkörpert. Es zeigt sich, daß die geistige Haltung der Staatsverwaltung" und der „Aemter" überhaupt eine Frage des Menschentyps und der Weltanschauung ist. Ebenso ist auf der anderen Seite anzuerkennen, daß die Wirtschaft bann die ihr gestellten Probleme aufgegriffen hat und, nachdem die weltanschauliche Wandlung einmal vollzogen war, heute von sich aus ihre ganze Kraft und ihre ganzen Leistungen für Die neuen Aufgaben und Fragestellungen einsetzt und für Forschungs-- und Entwicklungsarbeiten usw., die Verbesserung und Erweiterung der Produktionsstätten große Mittel aufwendet, ganz abgesehen von den besonderen Anstrengungen, die man für die Bereitstellung des Nachwuchses auf technischem Gebiet macht. Die Sicherung dieser Mitarbeit auch in allen neu auftauchenden Fragen und die restlose Einschaltung von Technik und Wirtschaft und ihrer Zusammenarbeit für die Erfordernisse des völkischen Lebens macht die weltanschauliche Durchdringung der in diesen Bereichen führend tätigen Männer zu einer Aufgabe, der auch weiterhin besonderer Nachdruck zu widmen ist. Ferner müssen aus der engen Verbindung, in der sich die technischen und wirtschaftlichen Probleme stellen, und die den bereits eingangs kurz geschilderten Typ des Wirtschaftsführers bestimmt hat, Folgerungen bei der so entscheidenden Heranbildung des Nachwuchses gezogen werden. Das darf nicht in dem Sinn geschehen, etwa beim Kaufmann eine nur schädliche und Ansprüche stellende Halbbildung auf technischem Gebiet heranzuzüchten. Vielmehr muß Verständnis M die grundsätzlichen Eigenarten Md Fragestellun- Kleine politische Nachrichten» An der Front von Tobruk unternahmen britische Spähtrupps Vorstöße gegen die deutschen und italienischen Stellungen. Die Spähtrupps mußten sich unter Verlusten zurückziehen. Es entwickelte sich eine beiderseitige Artillerietätigkeit. Deutsche und italienische Sturzkampfflugzeuge unternahmen unter Begleitung von Jägern einen Angriff a u f Tobruk und belegten in aufeinanderfolgenden Wellen Befestigungsanlagen, Treibstoff- und Munitionslager mit Bomben schwersten, schweren und mittleren Kalibers. Trotz der heftigen Bodenabwehr wurden alle Ziele getroffen und zahlreiche Explosionen beobachtet. Alle Flugzeuge kehrten unversehrt zurück. In Ostafrika halten italienische Truppen den Gegner weiterhin in Schachend fügen ihm empfindliche Verluste zu. Ein vom Stützpunkt (Tolga aus operierendes Bataillon unternahm einen Vorstoß tief in die feindlichen Linien. Im Gefecht rour^e ein großer feindlicher Verband zersprengt. * Kampfflugzeuge griffen im Finnischen Meerbusen sowjetische Handelsschiffe mit Bomben aller Kaliber an. Drei Handelsschiffe mit zusammen 11000 BRT. wurden schwer beschädigt, ein weiteres von 1000 BRT. durch Volltreffer versenkt. Ferner versenkten Kampfflugzeuge ein sowjetisches Kanonenboot und zwei Schlepp-Kähne auf der Newa. * Auf der Fischerhalbinsel an der Murman-Küste bombardierten deutsche Kampfflugzeuge mit gutem Erfolg sowjetische Flak- und Artilleriestellungen und erzielten zahlreiche Volltreffer in einem sowjetischen Truppenlager. Feldmarschall Mannerheim richtete an den Führer ein Telegramm, in dem er sich für die Ehre bedankt, die ihm und dem finnischen Heer durch die Verleihung der hohen Kriegsauszeichnung widerfahren fei. Er sehe in der Auszeichnung eine Anerkennung des Anteils der finnischen Armee in dem gemeinsamen Kampf zur Vernichtung des Bolschewismus. * König Michael I. zeichnete den General Ritter von Schobert für die Verdienste um die Befreiung Bessarabiens und der Nordbukowina sowie General Haussen für die Art, in der er ein deutsches Armeekorps bei der Besetzung von Ki- schinew geführt hatte, mit dem Orden „Michael der Tapfere" aus. * Der Führer f)at dem Marschall von Kroatien, Minister K v a t e r n i t, anläßlich des Ablebens feiner Frau fein Beileid übermittelt. * Die kroatische Postverwaltung hat sechs Briefmarken der ersten Serie der neuen kroatischen Postwertzeichen in Umlauf gebracht, die an Stelle der bisherigen jugoslawischen Marken mit dem Bildnis Peter II. jetzt das kroatische Wappen tragen werden. Außer sechs kommunfftisch orientierten Abgeordneten des finnischen Reichstages ist unter dem Verdacht von Hoch- und Landesverrat der Leiter der gen der Technik und der Arbeit des Technikers geschaffen werden. Dasselbe gilt mit anderen Vorzeichen für die Techniker. Ich sehe den Nutzen einer solchen Erziehung vor allem in den menschlichen Voraussetzungen, die dadurch für die Zusammenarbeit und die gegenseitige Ergänzung und Befruchtung gelegt werden. Besondere Aufgaben für die Heranziehung des Nachwuchses stellt die Betätigung auf internationalem Gebiet, die nach Beendigung des Krieges wieder verstärkt einsetzen muß, und bei welcher nicht zuletzt der hohe Stand der deutschen Technik den Platz der deutschen Wirtschaft in der kommenden Großraum- und Weltwirtschaft mitbestimmen wird. Der Austausch zwischen den einzelnen Volkswirtschaften verlangt besondere Kenntnisse. Vieles, was innerhalb des deutschenWirtschaftsraumes durch staatliche Regelungen gewährleistet ist, muß hier frei verantwortlich und in einem in feinen Formen anders gearteten Wettbewerb erreicht werden. Die Schulung des Nachwuchses muß so erfolgen, daß er auch diesen anders gearteten Anforderungen gewachsen. ist. Nur so kann er dazu beitragen, der deutschen Wirtschaft und Technik die Stellung zu sichern, die sie nach ihrer Leistung und den Aufgaben Deutschlands beanspruchen muß. Zusammen mit der Erfüllung der kriegswirtschaftlichen Erfordernisse und den Zielen, die der Führer für die Nachkriegszeit vor allem auf sozialem Gebiet ge- stellt bat, sind das die großen Ausgaben, welche Technik und Wirtschaft in enger Zusammenarbeit rm nationalsozialistischen Staat zu bewältigen haben. Gauaussteilung für bildende Künste. NSG. Die auf Anordnung des Gauleiters vom 6. 9. bis 5. 10. 1941 im Städelfchen Kunstinstitut zu Frankfurt veranstaltete Gauausstellung für bildende Künste darf mit einem starken allgemeinen Interesse rechnen. Schon jetzt hat der Gauleiter namhafte Ankäufe in Aussicht gestellt. Seinem Bei- spiel sind zunächst vor allem die Städte und öffent- üchen Körperschaften gefolgt. Darüber hinaus wendet sich ein Aufruf des Gauleiters an alle kunstinteressierten Kreise, ihn jn feinem Bestreben, die Kunst der Heimat zu fördern, tathyftig zu unterstützen. Durch Ausfüllung eines bei der Kunstaus- stellungsleitung erhältlichen Vorauszeichnungsschei- nes ist die Möglichkeit gegeben, sich schon jetzt ein Kunstwerk zu sichern. Die günstige Aufnahme die- fer Vorauszeichnungsscheine läßt die Erwartung zu, daß die diesjährige Ausstellung den Erfolg des Vorjahres noch übertreffen wird. Eröffnung der Reichsuniversität Giraßburg. Wie der Reichserziehungsminister mittet«, nimmt die Universität Straßburg zum bevorstehenden Wintersemester 1941/42 ihren Lehrbetrieb auf. — Von diesetp Zeitpunkt ab kann an der Universität Straßburg das Studium in allen Fächern der philosophischen Fakultät, das rechts- und wirtschaftswissenschaftliche Studium sowie der klinische Teil des medizinischen Studiums durchgeführt werden. Auch ist in begrenztem Um- ange für Studierende in höheren Semestern die Fortsetzung des Studiums in der naturwissenschaftlichen Fakultät sowie die Promotion in naturwissenschaftlichen Fachgebieten möglich. Es emp- iehlt sich jedoch, Rückfrage bei dem Rektorat der Inioerfität zu halten. Eine besondere Emreisegv« nehmigung ist für Studierende nicht erforderlich. Die Regie hatte Herr W. M. Mund: er übersah alle Wirkungsmöglichkeiten des Stückes und brachte I und der cht angegeben. 1936 sei zu eins. Peter, die Hausschuhe! find ich Wahr- Schüht den Bauern, schützt das Land, schützt das Volk vor Lrntebrand! Carl Bruno Schmidt, Jugendlicher Liebhabe^. Das ist die Geschichte von einem jungen Mann, der aus Versehen und ziemlich unschuldig in den Verdacht kommt, ein Casanova zu sein. Er ist gar keiner, er gefällt allen Mädchen gut, macht aber nur sparsam Gebrauch davon. Er begegnet zufällig einer Jugendfreundin, die inzwischen die Braut seines Chefs geworden ist. Ein Kollege hat die Begegnung beobachtet, dessen Frau schreibt einen anonymen Brief, schon kommt der Stein ins Rollen. Er rollt drei Akte lang ganz munter. Zuletzt geht die Verlobung in die Brüche, dafür bekommt der Casanova, der keiner ist, die Jugendfreundin. Es ist die große Liebe. Das Ganze ist so unwirklich, wie die Lustspiele heute meistens sind, aber es machte den Zuschauern unbestritten großen Spaß. Die Junggesellenwohnung mit dem ewig klingelnden Telephon und den drei Türen, hinter denen man unerwünschte Besucherinnen verschwinden lassen kann, gehört ebenso zur Ausstattung des Schwanks wie. die Situationskette im zweiten Akt, wo der unselige junge Mann seinen schlimmen Ruf dadurch bestätigt, daß er jedesmal mit einer anderen Dame in durchaus kompromittierendem Beieinander betroffen wird. Merkwürdigerweise hat das Stück übrigens eine Rebenfigur, aus der man eine echte Komödienrolle hätte machen können; dem Autor war es indessen mehr um eine ulkige Karikatur zu tun. — Verdunkelungszeit 4. September von 20.03 bis 6.34 Uhr. Gießener Wochenmarktprelfe. z\ Nachstehende Preise sind Händlerpreise und verstehen sich für A-Ware. Für 8-Ware oder abfallende Ware sowie für Selbsterzeuger liegen die Preise niedriger. * Gießen, 4. Sept. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 8 bis 9, Kartoffeln, 5 kg 60, Wirsing, % kg 8, Weißkraut 6 bis 9, Rotkraut 10, gelbe Rüben 9 bis 12, rote Ruben 9, Römischkohl 8, Bohnen, grün, 25 bis 30, Mischgemüse 8 bis 9, Tomaten 30 bis 40, Frühäpfel 40, Birnen 40 bis 45, Salatgurten 30, Einmachgurken 20, Endivien, das Stück 12 bis 15 Rpf. Ab 1. Oktober 1941 neue Lohnsteuertabelle. Beseitigung von Härten und weitere Vereinfachung des Lohnabzuges. Aus der Stadt Gießen. Oer Ernst des Lebens. Abcschühen kommen in die Schule. Man brauchte gestern nur über die Straße zu gehen, um zu erkennen, daß dieser Vormittag ein besonderer Vormittag war. Dd kommt ein kleines Mädel daher, sechs Jahre alt, an der Hand der Mutti, sehr ernsthaft, sehr schön gekämmt, eine prächtige bunte Schleife im Schopf und eine große jpüje Zuckertüte im Arm, zärtlich an die Brust gepreßt ... Dann kommt wieder eins, und noch eins, und noch eins, und sie haben alle den gleichen Weg, den ersten Weg in die Schule, in den Ernst des Lebens, wie man so sagt. Dann kommt ein kleiner Bub mit seiner Mutter, die will ihn auch an die Hand nehmen, aber er bohrt beide Fäuste entschlossen in die Hosentaschen und marschiert ohne jedes Geleit auf sein Ziel los. Immer neue Gruppen, Mädchen und Buben und Muttis. Die Mütter sind natürlich, was die ältere Generation betrifft, weitaus in der Ueberzahl, aber manchmal In der Turnhalle der Goethe-Schule Pestalozzi-Schule herrscht ein beträchtliches Gewimmel, und immer noch kommen Nachzügler zur Tür herein, Eltern und Kinder, Hand in Hand. Die Großen sind ja vielleicht nicht ganz so aufgeregt wie die Kleinen, aber manche von ihnen werden sich an diesem Vorznittag doch auch an die Zeit erinnern, wo sie an der Hand der Mutter den ersten Schritt über die Schwelle taten, den ersten^kleinen, großen Schritt in die Schule, aus dem Kinderland ins Theater der Universitätsstadt Gießen Otto Bielen: »Ich bin kein Casanova". 3. Die Steuerbeträge sind bei Lohnzahlungszeiträumen von mindestens sechs Arbeitstagen, aber nicht mehr als 23 Arbeitstagen auf den nächsten durch fünf teilbaren Reichspfennigbetrag nach unten, bei größeren Lohnzahlungszeiträumen auf den nächsten durch zehn teilbaren Reichspfennigbetrag nach unten abgerundet. Diese Abrundung stellt eine erhebliche Vereinfachung bei der Berechnung und bei der Auszahlung dar. Das Ablesen der Lohnsteuertabellen wirkt auf den Lohnbuchhalter nicht mehr fo" ermüdend. 4. Es ist eine Lohnsteuertabelle für tägliche Lohnzahlung geschaffen worden. Von dieser wird auf die anderen Lohnzahlungszeiträume abgeleitet. Wie „New York Daily News" berichtet, gewann >i den Ersatzwahlen in fünf Grafschaften des nord- nerikanischen Staates Wisconsin der Republikaner irorence Smith einen Abgeordnetensitz im Bundes- ngreß gegen den Rvofevelt-Anhänger und Derno- atcn Thomas Amlie. Der Vorsprung betrug fast Ab 1. Oktober 1941 wird eine neue Lohnsteuer- tabelle gelten. Diese ist durch den Reichsminister der Finanzen soeben im Reichssteuerblatt Nr. 69 veröffentlicht worden. Die wichtigsten Neuerungen sind folgende: 1. Die Lohnstufen sind erheblich verengt worden. Dadurch verschwinden die Härten, die sich bisher in den Fällen ergeben haben, in denen eine Lohnstufe nur geringfügig überschritten wurde. Es kann bei der Leistung von Mehrarbeit nicht mehr vorkommen, daß ein übermäßig großer Teil des sie treffsicher zur Geltung. Es klappte alles wie am Schnürchen, und man sah das Schnürchen kaum. Die Darsteller waren sehr angeregt bei der Sache, und es ergab sich in fließender Konversation ein hübsches, sauberes Zusammenspiel. — Herr Löffler hatte aparte und zweckdienliche Jnnenräume geschaffen. Herr Carl Bruno Schmidt spielte den angeblichen Casanova; er machte es nett und sah so unschuldig und so ehrlich bekümmert aus in feinen vielen Abenteuern, daß jedermann aufrichtig mit ihm fühlte. Anja Rau spielte die Stefanie in einer geschickten Mischung aus Salondame und Liebhaberin angenehm und ohne Uebertreibung. Editha Thomae war die Viktoria: mit einem guten Mundwerk, immer geradezu, ziemlich frech und nicht ohne Sinn für Humor. Käte Jaenicke war die Franzi, ein wild verliebtes enfant terrible mit drolligen Temperamentsausbrüchen. Eine sehr gute Figur machte Herr Gerd Fritz Ludwig als Axel: elegante Erscheinung, klare, sympathische Stimme, ruhiges, gepflegtes Spiel. Herr Bosny erzielte mit der zerknitterten Gestalt eines subalternen Angestellten einen Heiterkeitserfolg. Herr Roux (Reithofer) scheint eine Luftspielbegabung von trockner Komik zu sein; man müßte ihn in einer ergiebigeren Rolle sehen. In kleineren Aufgaben machten sich die Damen H e n z k y und Kneip und Herr V o l ck verdient. — Es gab vielen Beifall und schöne Blumen. Hans Thyriot. __ stürzte ich mich nach zweijährigem Schauspielstudium mit freudiger Theaterbesessenheitjn mein erstes Engagement. Das geschah in der altmärkischen Stadt Stendal. Vom Harzer Bergtheater Thale wurde ich nach zweijähriger Weiterentwicklung an das Stadttheater Greifswald verpflichtet. Mit Greifswald habe ich ein dreijähriges Arbeitsfeld aufgegeben, wo ich vielen und schweren Aufgaben im Fach des jugendlichen Helden, Liebhabers nn'i) Bonivants gerecht werden mußte und schöne Er- olge erzielen konnte. Mit derselben Kraft will ich nun auch* dem Gießener Theater dienen. Leben hinein. Welch ein Stimmengewirr ringsum, man versteht kaum das einzelne Wort, es ist ein großer, all- gemeiner, fröhlicher und erwartungsvoller Lärm. Man schaut in die Gesichter der Kleinen, in ernsthafte, lächelnde, ängstliche und noch ganz träumerische. Man kann sich nicht sattsehen: das ist das Gesicht unserer jüngsten Generation, auf ihr ruht die Zukunft des Vaterlandes. Wie viele Gedanken, Sorgen, Hoffnungen, Erinnerungen,' Erwartungen mögen die Herzen derer bewegen, die hier versammelt sind ... Die Gedanken der Kleinen sind vorläufig noch auf die näheren Dinge gerichtet, die ie eben verlassen haben, und die sie nun erwarten. Manchmal tastet eins mit der kleinen Kinderhand, beklommen von so viel neuen Erscheinungen, nach der großen, warmen, mütterlichen Hand, die auch jetzt ganz nah und greifbar und tröstlich bereit ist, und manchmal fährt auch so eine große Hand rote unbewußt und von ungefähr über den blonden Schopf nebenan ..» Einige Buben beginnen unternehmungslustig zu werden. Schon hängt einer begeistert kopfunter an der Reckstange; ein paar krabbeln unverdrossen und elbstvergessen die Kletterstangen hinauf. Aber dann ichtet sich das Chaos, Ruhe tritt ein, und der Herr des Hauses erscheint mit einer langen Liste, auf denen die Namen der Abc-Schützen verzeichnet sind. Es erweist sich, daß für den oder jenen der Weg in die Schule mit einem Umweg beginnt: es war gar nicht die richtige Schule, und wir müssen ein Haus weiter gehen. Die Lehrer verschaffen sich Gehör und heißen Eltern und Kinder willkommen. Es sind gute, klare, einfache Worte, die da gesagt werden; sie handeln von Zuversicht und gegenseitigem Vertrauen, sie sind eingegeben von Verständnis, Erfahrung und Liebe zur Jugend. Es wird der Bedeutung dieses Tages gedacht, der einen wichtigen Abschnitt und Einschnitt bildet. Es wird auch bos Krieges gedacht und der kämpfenden Front, die draußen die Heimat sichert. Es ist die Rede von der Erziehungsund Bildungsaufgabe, die hier bevorsteht, und von der engen Verbundenheit von Elternhaus und Schule ... auch Schwierigkeiten, die durch den Krieg bedingt sind, werden nicht verschwiegen, ein weiter Schulweg etwa, ungleichmäßiger Beginn des Unterrichts, die Klassenstärke ... „Lehrer sind auch Menschen", heißt es einmal, ein ausgezeichnetes Wort; mit Verständnis und Vertrauen, mit Aufgeschlossenheit und gutem Willen geht alles leichter... * Dann sind wir so weit, und. es beginnt die eigentliche Aufnahme der Kleinen in ihre neue Welt die Einteilung in die Klassen (für Buben, für Mädel und „gemischte Klassen"), und nun kann es nicht mehr sehr lange dauern, bis das erste Lied gesungen und der erste Strich auf die nagelneue Schiefertafel gekratzt wird. —Y— Tageskalender für Donnerstag. Gloria-Palast, Seltersweg: „Frau Luna". — . Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Entführung'. IMraWhaft Staff ton Reiiöt Ab 5. September jeden Freitag von 16 bis 17 Uhr ' in der Schillerschule, Gießen, kinderlurnen. 36910 Mehrarbeitslohnes durch die Lohnsteuer beansprucht wird. Die Lohnsteuer einschließlich des Kriegszuschlages - ist infolge der Verengung der Lohnstufen in den meisten Fällen niedriger als bisher. 2. Der Kriegszuschlag zur Lohnsteuer betragt, der Kriegswirtschaftsverordnung vom 4. September 1939 gemäß, 50 v. H. der' Lohnsteuer. Die Kriegszuschlagspflicht beginnt danach erst, wenn der Ar- beislohn 234 Reichsmark monatlich, 54 Reichsmark wöchentlich ober 9 Reichsmark täglich übersteigt. Die neue Lohnfteuertabelle enthält bei allen Steuergruppen eine geräumige Anlaufzone für den Kriegszuschlag zur Lohnsteuer. Darin steigt der Kriegszuschlag allmählich an, um erst bei Arbeitslöhnen von mehr als 370,50 RM monatlich, 85,50 RM. wöchentlich und 14,25 RM. täglich die in der Kriegswirtschaftsverordnung vorgesehenen 50 v. H. zu erreichen. Der Anlauf des Kriegszuschlages verteilt sich auf 103 Lohnstufen. Dadurch werden die Härten beseitigt, die sich bisher ergeben haben, wenn der Arbeitslohn die für die Kriegszuschlagspflicht maßgebende Grenze nur unbdeutend überschritt. Die neuen Mitglieder unseres Stadttheaters Sie berichten über ihr bisheriges Wirken. Heins Roux, Bariton. Geboren bin ich in Wuppertal. Solange ich denken kann, wollte ich zum Theater gehen. Nach Ablegung meiner Reifeprüfung versuchte ich, diesen Entschluß meinen Eltern klarzumachen. Es war vergebens. Dann entschloß ich mich, Zahnmedizin zu studieren. So bereitete ich drei Jahre lang meinen Mitmenschen Schmerzen. In meiner Freizeit hatte ich fleißig Gesangstudien getrieben. Nach Ablegung meiner Reifeprüfung für die Bühne in Köln gab ich meinen Beruf auf und sand in Gel- Dmanzangelegenheiten der Stadt Helsinki, Dr. Jo- jin Heio, verhaftet worden. Er hat durch seine Interviews in den kommunistischen Blättern Schweins von sich reden gemacht. Diese Interviews wur- in vom Moskauer Rundfunk als Grundlage für be Hetze gegen Finnland* benutzt. Der dänische Folketing nahm einen vom Justiz- । inifter gestellten Antrag, die drei kommunistischen Ibgeorbneten in Sicherheitsverwahrung zu neh- en, mit allen Stimmen der anwesenden 86 Abge- rbneten an. * Der Gesundheitszustand Lavals bessert sich weiterhin. Der Patient ist fieberfrei und konnte die -sie Nahrung zu sich nehmen. Marcel D6at ist jfjer Gefahr. * Dem Geschäftsträger von Guatemala ist mit- -teill worden, daß die deutsche Regierung sich ge- jtigt gesehen hat, den Konsuln von Guatemala das Exequatur zu entziehen. * v Der gegenwärtig in Istanbul im Exil lebende lemalige irakische Ministerpräsident Raschid e 1 ailani rounie von dem in Bagdad von den riten eingesetzten Sondergericht in Abwesenheit um Tode verurteilt. Ferner wurden der lemalige irakische Wirtschaftsminister Yunis S a- a u i, Finanzminister Schsich Machmoud nb vier Obersten der irakischen Armee zum Tode >rurteilt. * * Wie der englische Nachrichtendienst meldet, hat e britische Luftwaffe fh den letzten Tagen.wieder nen ihrer bekanntesten Flieger verloren. Es han- 9t sich um den Wing-Kommandeur G i 11 o n , uhaber mehrerer Geschwindigkeitsrekorde, der ermißt wird. * Wie die „New York Times" meldet, ist Vize- imiral Parker im aktiven Dienst umgekommen, arter leitete das britische Geleitzugwesen. Der ame des Schiffes, mit dem er unterging, wurde senkirchen mein erstes Engagement. Nun komme ich nach Gießen mit viel Hoffnungen und einer unbändigen Arbeitslust. Editha Thomas, Jugendliche Sentimentale und muntere Liebhaberin. Ich ging vorschriftsmäßig meine zehn Jahre zur Schule, drückte mich erfolgreich um das Abitur und machte dann heimlich die Prüfungen, die notwendig sind, um mit einer Schauspielausbildung zu beginnen. Erstaunen zuerst, bann Entsetzen, als es herauskam, schließlich doch Einigung. So hielt ich meinen Einzug in die Ausbildungsanftalt für Büh- nennachwuchs in Berlin. Rollen mit besonders großen Verwandlungen, wie u. a. „Eliza" aus „Pygmalion" und „Marguerite" aus „Marguerite: 3" hatten stets meine besondere Vorliebe. Von den großen klassischen Sachen ganz zu schweigen, die ja wohl jeder junge Mensch glühenb liebt. Von der Schauspielschule wurde ich hierher verpflichtet. Die ersten zwei Gastmonate als jugendliche Salondame und jugendliche Liebhaberin, und dann, nachdem ich hier die Dorothea aus „Großer Herr auf kleiner Insel" und die „Pernille" aus „Maskerade" spielte, als jugendliche Sentimentale und muntere Liebhaberin für das kommende Jahr. Der Zufall führt mich wieder in die Gegend, in der ich geboren bin! Ob er mir Glück bringt? Endlich Ruhe für die geplagten Füße! Wenn nur das Hühnerauge nicht... Aber bitte, das ist doch ganz einfach: Elastocorn mit dem Pilzring drauflegen, dann ist er bald sein Hühnerauge los! Ein Unfruchtbarmachungsgesetz wurde dem ^wedischen Justizminister von der Strafrechts- mmission vorgeschlagen. Das neue Gesetz, das am Juli 1942 in Kraft treten soll, sieht die bisher f Schweden nicht bestehenden Strafmaßnahmen ;r Kastration für gewisse Fälle unheilbarer Sitt- lihkeitsverbrechen vor. Der italienische Finanzminister Graf Thaon i Revel ist zu einem Besuch des Reichsfinanz- irinifters in Berlin eingetroffen. * In diesem Jahr findet zum erstenmal eine )eichswoche für den deutschen Kul- tirfilm statt. Sie wird vom 21. bis 28. September in München durchgeführt. Dem Farbfilm ij ein besonderer Tag gewidmet. Aus aller Welt. Eine Löns-Stiftung der Stadt Celle. Anläßlich des 75. Geburtstages von Hermann I Ans hat die Stadt Celle, die mit dem Leben des Achters besonders verbunden roar/eine ßöns^tip it;ig errichtet zur Förderung der wisfenschaftlichen urb künstlerischen Erforschung von Lmibschaft und Mstum Niedersachsens. Träger der Stiftung smb dir Stabt- und Landkreis Celle unter Einschaltung Dl- Landesuniversität Göttingen Diese ; t?rben jährlich 2000 RM. zur Verfügung stellen, z.nächst auf die Dauer von 20 Jahren. Schwerer Unwetterschaden in der hohen Tatra. - In der Hohen Tatra tobte ein Orkan, der schwere 'tirfjeerungen anrichtete. Das Gebiet der Tatra- iirorte wurde schwer heimgesucht. Telephon- und -6:romleitungen wurden zerstört, die elektrische Ta- krabahn an einigen Stellen unterbrochen stnd Tauende von Bäumen wurden entwurzelt. Ebenso wurde auch die internationale Sprungschanze beim lirmfee zerstört. Der Sachschaden beträgt etwa biet Millionen Kö. Flugzeugabsturz bei TNarsellle. ' Beim Absturz des Verkehrsflugzeuges der Linie Marseiile—Toulouse—Vichy sind 13 Personen ums 2'ben gekommen und drei verletzt worden. Die Malwine war glatt gestartet; jedoch setzte kurz darauf eh Motor aus. Der Pilot versuchte umzukehren, dich stürzte das Flugzeug beim Wenden ab. Fünf Todesopfer einer Schwarzfahrt. Im schlesischen Kreis Ohlau hatte ein bei einem V ehhändler tätiger 17jähriger Kraftwagenfuhrer zusammen mit fünf Bekannten nach einem mehr als reichlichen Festgelage mit einem kleinen Kraftwagen tritt Anhänger eine nächtliche Schwarzfahrt unternommen, die nach Peisterwitz führte. Als in einer fertigen Gaststätte den Gästen nichts mehr verabfolgt wurde, machten sie sich auf den Heimweg. Dali i fuhr der Kraftwagen gegen das Geländer euer Brücke. Das Geländer wurde durchbro- Mädel, Kl. II, Dretkampf: 1. Waltraud Clös 39 P.; 2. Elli Velten 38 P. Der Nachmittag stand im Zeichen des Fußballs. Zuerst trat die Schülermannschaft gegen die Schüler von Rödgen an. Nach schönem Spiel blieben die kleinen Leihgesterner mit 4:0 (1:0) Sieger. Anschließend hatte die zweite Jugend die erste Jugend von Annerod zum Gegner. Nach überlegen geführtem Kampf blieben auch hier die Einheimischen mit 6:0 (3:0) Sieger. Die erste Jugend der Spielv. 1926 Leihgestern erlebte dann eine Enttäuschung, denn ihr Gegner, die erste Jugend von Nieder-Florstadt, ließ ohne Grund auf sich warten. Den Abschluß bildete die Siegerehrung. Nachdem der Vereinsführer des Turnvereins 1893 Leihgestern, Pg. W. Will, allen Wettkämpfern und Helfern im Namen des NSRL. für das gute Gelingen des Orts-Turn-und Sporttages gedankt hatte, nahm Ortsgruppenleiter Pg. Groß die Siegerehrung vor. Die 1. Sieger der einzelnen Gruppen schielten neben der Urkunde noch ein Geschenk der Gemeinde Leihgestern, die Sieger im Fußball erhielten Diplome und je einen Pokal. Die Namen der an dem Ortssporttag beteiligten Kämpfer und Kämpferinnen sollen im Dorfbuch eingetragen werden. Verloren Wartesaal I.u.II. Klasse [ 369oD Dam.-Scbinn, Knirps abhand.gekomm. Abzugeben geg. Belohnung BahnhofsfiaslstältBn. 21 eiteret Mann vom Lande möchte mit einer Witwe bekannt werden zwecks Heirat. Zuschr.u. 3687D an d. Gieß. Anz. Vermählungsanzeigen bei Brühl. Schulstr. 7 | Kaufgesuche"] Gut erhaltener gelW.Mzug (Größe 50) zu kaufen gesucht Schr.Angeb.unt. 02930 and.G.A. Verschiedenes | SA.-Stiefel, M. 41,Spcmnroeite4 (fast neu) gegen gleichwert. Nr.42 Lvannro.5-6, o. Schube zu tausch, gesucht. Schriftl. Angeb. u. 02931 ajt o. Gieß. Anz. | Vermietungen 2 leere Zimmer mit Küche an jung. Ehepaar sofort [ 02933 zu vermieten. Klinikstrasie 241 | Mietgesuche""| Wohnung 2-3-3irn.-Wohn. mit Küche und Bad, ob. 2 leere Zimmer von beruf tstätig.,ruhig. Dame für l.Okt. oder später zu mieten gesucht. Nähe d. Kliniken oder mit Fahrgelegenheit durch Obus bzw. Straßenbahn erwünscht. Schriftl. Angebote unter 3684D a.d.Gieß. Anzeiger erbet. Landkreis Gießen. ch L i ch, 3. Sept. Der weit über seine Heimatstadt hinaus bekannte Bauunternehmer C h r i st i a n Fey wurde am Dienstagnachmittag unter starker Beteiligung aus nah und fern zu Grabe getragen. Noch der Jahrhundertwende gründete er, der auch in Gießen viele Jahre im Baugeschäft Winn gearbeitet hatte, mit seinem verstorbenen Bruder Karl Fey das hiesige Baugeschäft, das unter seiner Leitung einen großen Aufstieg erlebte. Fast alle ■ städtischen Bauunternehmen der letzten 30 Jahre, ferner ungezählte private Bauvorhaben wurden von seiner Firma erledigt. Darüber hinaus war der Verstorbene nahezu 20 Jahre in unserer Stadtverwaltung beratend tätig, seinen Weitblick und seine große Erfahrung stellte er gern in den Dienst seiner Heimatstadt. Auch beim hiesigen Ortsgericht war er viele Jahre lang tätig. Der Sängervereim- gung „Cacilia" war er 40 Jahre ein treues aktives Mitglied, so daß er zum Ehrenmitglied ernannt wurde, außerdem gehörte er jahrzehntelang dem Vorstand an. Bürgermeister Geil würdigte unter Niederlegung eines Kranzes die Verdienste des Entschlafenen um das Wohl unserer Stadt, wäh-. rend Beigeordneter Wahl für ' die Ratsherren sprach. Die „Cacilia" sang ihrem treuen Mitglied letzte Grüße am Grab, Vereinsführer Lotz nahm mit herzlichen Worten des Dankes Abschied von dem Sangesbruder. Ferner widmeten noch Nachrufe die einstigen Schulkameraden, Lehrer Därmer für die Kameradschaft Lich des NS.-Reichskrieger- bundes und Maurermeister Fritz S t e n g l e r für die Baugewerbeinnung.________________________ Eine Berufsausbildung, d. h. eine Lehrzeit, gab es früher nur im Handwerk und später auch im Kaufmannsberuf. Eine Lehrabschlußprüfung, ein Befähigungsnachweis, einen bestimmten Beruf tatsächlich erlernt zu haben, kannte bis vor einigen Jahren nur das Handwerk. So hat die Industrie während langer Jahre ihren Facharbeiterbedarf aus den Kreisen des Handwerks geholt. Nachdem man erkannt hatte, wie wertvoll und wichtig auch für die Industrie ein ordnungsgemäß ausgebildeter Nachwuchs ist, ging man dazu über, die Facharbei- terlehre in der Industrie zu schaffen unb den Facharbeiterlehrling nach Abschluß der Lehrzeit einer Prüfung zu unterziehen. Diese Maßnahmen sind dazu angetan, der Industrie den so dringend benötigten Nachwuchs zu sichern, allerdings mit der Einschränkung, daß gerade jetzt und in Den kommenden Jahren bis gegen Ende dieses Jahrzehnts die erforderlichen Nachwuchszahlen nicht erreicht werden können, weil sich hier wieder die Auswirkungen der geburtenschwachen Jahrgänge des Weltkriegs, der Nachkriegsjahre und der Krisenjahre zeigen. Wenn gerade jetzt unter allen Umständen darauf gesehen werden muß, daß der Berufsnachwuchs während des Krieges genau so gründlich und umfassend ausgebildet werden muß, wie zu normalen Zeiten, dann ist dies damit begründet, daß man auch hier aus den Erfahrungen des Wellkrieges gelernt hat. Während der Weltkriegsfahre waren zum großen Teil die Meister, Ausbilder, Facharbeiter und Gesellen eingezogen, und die Lehrlinge, die in dieser Zeit in die Lehre kamen, erhielten keine Ausbildung, sondern wurden als Arbeitskräfte an irgendeinen Arbeitsplatz gestellt und hatten hier nun in den meisten Fällen während der Lehrjahre einseitige Tätigkeiten ausgeübt. Mit gutem Willen hätten auch die Lehrlinge der Weltkriegszeit eine gute Ausbildung bekommen können, ja man hätte sich sagen müssen, daß dies um so dringender war, als durch den Krieg mit Ausfällen von Facharbeitern gerechnet und gut ausgebildeter Nachwuchs dringender denn je herangebildet werden mußte. Die Auswirkungen zeigten sich in den Nachkriegsjahren auch, denn der Krieg hatte Lücken gerissen, die durch die schlecht ober gar nicht ausgebildeten Lehrlinge nicht ausgefüllt werden konnten. Ein schlecht ausgebildeter Lehrling wird aber ein schlechter Facharbeiter und dieser wiederum ein schlechter Ausbilder, wenn ihm einmal Lehrlinge zur Ausbildung über» antwortet werden. Während der Krisenjahre und der ständig wachsenden Arbeitslosigkeit hatte man auch keine Ursache, den Berufsnachwuchs gut auszubilden, ja man betrachtete diesen nicht einmal als Berufsnachwuchs, sondern als billige Arbeitskraft, die nach Ablauf der sogenannten Lehre auf die Straße gesetzt wurde, weil der jetzt zu zahlende Facharbei- terlöhn dank der schlechten Ausbildung in keinem Verhältnis zur Leistung stand und überdies sowieso Entlassungen vorgenommen werden mußten, auf der anderen Seite jedoch wieder Lehrlinge als billige Arbeitskräfte eingestellt werden konnten. Der junge Mensch aber, der nach seiner Ausbil- bung arbeitslos wurde, nahm irgendeine andere Arbeit an, sofern er solche bekam, oder er war überhaupt arbeitslos, bis er dank der Aufbauarbeit des Nationalsozialismus nach der Machtübernahme wieder in Arbeit und Brot kam. Er war aber seinem ursprünglichen Beruf entfremdet, mußte wieder umgeschult oder neueingeschult werben und hatte trotzdem Lücken in seinen Kenntnissen und Fertigkeiten, die bei einem Facharbeiter nicht vorhanden sein dürfen. Alle die Unterlassungen unb Sünden vergangener Jahre dürfen niemals mehr wiederholt werden. Es ergeben sich hieraus und aus dem bestehenden Menschenmangel für die Betriebe und für die Gefolgschaftsmitglieder Pflichten und Notwendigkeiten, die erfüllt werden müssen, wenn ein wenigstens einigermaßen erträglicher Ausgleich zu dem 'Kräftebedarf der Betriebe geschaffen werden soll. Diese sind für die Betriebe: 1. Der Bprufsnachwuchs ist planmäßig und sinnvoll in die beruflichen Funktionen eiyzuführen. Die Ausbildung muß auf breitester Grundlage erfolgen. Eine Ausbildung zum reinen Spezialisten schon während der Lehrzeit muß unter allen Umständen Eflöfinüfle für nachmittags 2 Stunden ges. KreverlöSohn Plockstr. 7. 2«89v Unabhängige Frauen täglich von 8 bis 16 Ubr f.Küchen- hilfsarbeit ges. Bahnbols-Gaststätten Gießen. 3686D Lichtspielhaus Täglich 3.00, 5.15, 8.00, Sonnt. 3.00, 5.15, 8.00 Jugend hat keinen Zutritt! 3677 A FürFlaschensvü- len und leichte Kellerarbeiten fleißiges u. saub. Mädchen od. Frau gesucht. Ehr. Jnderthal, Gießen, Selters- weg 55. 356aP Nettes ehrliches Mädel für Haushalt u. Mithilfe im Geschäft für ganz oder halbtags gesucht. Näheres Reformhaus am Kreuzplatz 5. Mündlich können SieesnurM»uig«i sagen, sckrifüich mehreren, durch eine Kleinanzeige sagen Sie es »Hs» Verufserziehung, Verpflichtung für die Gegenwart vnd Zukunft Vom Kreisberusswalter der DAF. Müller, Gießen. | Verkäufe | Hochträcht., gute MlM zu verkaufen od. geg. gute Fahr- fub zu vertausch. 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Wir können alle Sorten, oft geschnippelt, gebrochen oder ganz, grüne oder Wachsbohnen dafür verwenden und sterilisieren immer 90 Minuten bei 100 Grad, am nächsten Tag noch einmal 45 Minuten. Auch zum E i n s ä u e r n , dem neuen Haltbarmachungsverfahren, eignen sich Bohnen. Hierfür benötigen wir einen Steintopf oder auch eins der neuen Keramikgefäße. Die Bohnen werden gut gewaschen, gebrochen oder geschnippelt und in einer Wanne mit der nötigen Salzmenge — auf 5 kg Bohnen 150 g Salz — vermischt. Daraufhin werden die Bohnen in den Steintopf eingestampft bzw. eingelegt und bekommen einen Zusatz von saurer Milch (auch entrahmte saure Frischmilch), um die für die Milchsäuregärung erforderlichen Bakterien dem Gemüse in genügender Menge zuzuführen. Für einen Zehnlitertopf benötigen wir % Liter saure Milch. Beim Einstampfen muß sich so viel Flüssigkeit bilden, daß diese über dem Einmachgut steht. Alsdann wird dieses mit einem sauberen Tuch abgedeckt, mit Holzbrett und Granitstein beschwert, drei bis vier Wochen an einen Ort mit zirka 10 bis 20 Grad Celsius zum Gären gestellt. Nach der Gärzeit wird der Topf mit dem Gemüse an einem kühlen Ort aufbewahrt. Sich etwa bildender Kahm ist jeweils abzunehmen. Brechbohnen oder ganze Bohnen fön« . nen wir jedoch nicht einstampfen, diese müssen wir dicht verpackt einlegen und geben dann eine Aufgußlösung darüber, die wir Jo gewinnen, daß wir eine kleine Menge Bohnen mit Wasser XA Stunde auskochen, durchseihen, ' die Gemüsebrühe erkalten lassen und mit dem Salz und der sauren Milch vermischt über die Bohnen geben. Die so eingemachten Bohnen sind sowohl als Frischkost wie auch gekocht im Eintopf zu verwenden. Der leicht säuerliche Ge- fcbmack kann durch eine kleine Zugabe von frischer Milch gemildert werden. Das Gemüse ist so äußerst gesund und als Frischkost im Winter sehr wertvoll, do alle in ihm vorhandenen Nährwerte voll erhalten bleiben. Auch Trocknen können wir die Bohnen, indem wir sie nach dem Abziehen, Waschen und Schnippeln kurz dämpfen — 3 bis 5 Minuten —, damit sie bei der Verwendung späfer leicht aufquellen und schneller gar werden. @ut "abgetropft Jegen wir die so vorbereiteten Bohnen auf Horden und trocknen entweder auf dem Herd oder im Backofen. Während des Trocknens wechseln wir die Horden häufiger, damit der Trocknungsprozeß möglichst gleichmäßig vor sich geht. Die Bohnen sind gut, wenn sie sich biegen lassen und beim Zerschneiden kein Saft mehr austritt. Kühl und trocken aufbewahrt, am besten in luftdurchlässigen Säckchen, halten sich die getrockneten Bohnen sehr gut. Anfangs muß man aber häufiger nachsehen, ob sie auch trocken bleiben, ziehen sie evtl. Feuchtigkeit an, müssen sie noch einmal nachgetrocknet werden. Schnippetbohnen lassen sich auch in Flaschen e i n m a ch e n. Hierfür waschen, putzen und schnippeln wir die Bohnen Und füllen sie in tadellos gereinigte Flaschen (am besten ausschwefeln). Dann gießen wir abgekochtes und wieder erkaltetes Wasser darüber, das nach 24 Stunden wieder abgegossen wird. Wir erneuern den Wasseraufguß und wiederholen diesen Vorgang noch zweimal. Nach dem letzten Wasseraufguß werden die Flaschen sofort verkorkt, mit Wachs, Flaschenlack oder Gipsbrei luftdicht verschlossen und bis zum Gebrauch kühl aufbewahrt. Ordnung in Flaschen, Büchsen und Schachteln. Flaschen sind heute knapp, und darin liegt der Grund, daß manche Hausfrau heute noch mehr sündigt als früher. Geht sie mit einer Bier-, Limonaden- ober Likörflasche zum Drogisten oder Apotheker, ijm sie mit Benzin, Salzsäure oder Spiritus füllen zu lassen, dann ist es eine Sünde, da mit diesem Gebaren die Gesundheit der Familie gefährdet wird. Eine falsche Sparsamkeit brachte schon viel Unglück in die Familien! — Säuren, Laugen usw. gehören in die dafür bestimmten Flaschen, müssen deutlich beschriftet sein und einen sicheren Platz, möglichst fern aller Genußmittel haben! Auch räume man sie sofort nach Gebrauch fort, um sie vor Kinderhänden zu bewahren. Das gleiche gilt für die Hausapotheke. Auch hier hat jedes seinen Platz zu haben. Weiße, gut beschriftete Schildchen schützen vor Verwechslungen. Gut verschlossene Flaschen und Büchsen sind Bedingung, wenn die Medikamente nicht schlecht werden sollen. Für Kinder sei die Hausapotheke unerreichbar. Da wir nun einmal beim Ordnungmachen sind, geht es auch an den Kasten oder das Schränkchen mit den Gewürzen für die Küche, wo noch manche Tüte vorhanden ist, die man immer erst wieder öffnen muß, daran riechen, um ihren Inhalt festzustellen. Die Tüten werden gegen Kästchen, Büchsen, Dosen, emgetauscht. Festverschlossen halten Gewürze, Tees usw. ihren Geruch und Geschmack, und der Perlust durch zerrissene Papiertüten fällt weg. Man beschriftet ebenfalls übersichtlich. Dann kann Salz nicht mehr mit Zucker und Fenchelkörner mit Kümmel verwechselt werden! Jede Hausfrau hat eine besondere Vorliebe für kleine Schachteln, Kästchen, Schraubgläschen, Dosen, Glasröhrchen, die Jie im Läufe der Zeit sammelte und nun sinngemäß an- wenden kann. H. v. L. Was sollen wir tragen? PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS H Phantasie oder Lüge? Jedes Kind, das ein wenig Einbildungskraft hat, verfällt gelgentlich darauf, Dinge zu erzählen, die sich anders oder überhaupt nicht abgespielt haben. Das braucht darum noch nicht eine Lüge genannt zu werden und Anlaß zu ernsten Besorgnissen über den Charakter des kleinen Schwindlers geben. Die Lüge an sich ist ja nur eine Aeußerung des Charakters, der auf andere Fehler hinweist. Man lügt aus Feigheit oder Prahlerei, oder um anderen zu schaden Diese drei Gründe der Lüge geben allerdings Anlaß zu ernsten Bedenken. Anders aber ist es mit der Phantasie, die nur flüchtig der Lüge ähnlich sieht. Das Kind mit Phantasie erzählt nicht unwahre Dinge aus Feigheit, aus Prahlerei oder um anderen zu schaden, sondern seine Berichte sind frei von diesen Gründen und werden nur vorge- bracht, weil die Erfindungskraft des Kindes sich betätigen möchte. Merken wir bei unserem Kinde etwas von dieser fast dichterischen Einstellung, dann lassen wir das Kind ruhig gewähren, geben ihm aber zu verstehen, daß wir wohl begreifen, wie diese Geschichten eben nur Geschichten sind. Das sollte freundlich und humorvoll vor sich gehen. Nachbars Hänschen erzählte mir neulich eine Geschichte von einem Drachen, den er im Garten gesehen hatte: der Drache war auf die Laube geflogen und hatte mit den Flügeln gewedelt, daß es in den Bäumen rauschte 'wie von einem großen Wind. „So", meinte ich darauf, „das war ja ein mächtig großer Drache. Aber weißt du auch Hänschen, daß er von der Laube in meine Wohnung geflogen kam?" Hänschen sperrte den Mund vor Erstaunen auf und blickte ungläubig drein. „Ja, gewiß tat er das, so gewiß wie er auf der Laube saß", erzählte ich weiter. „Und dann nahm er sich die Keksbüchse, fraß sie rein aus, und flog davon." Hänschen schüttelte den Kopf. „Kaum zu glauben!" zitierte er eine Redensart seiner Mutter. Daraus sagte ich: „Es ist ganz gewiß so wahr wie deine Geschichte von dem Drachen!" Nun begriff Hänschen. Mit einem verständnisvollen, verschmitzten Lachen rannte er zur Keksbüchse und begann sie zu plündern. Von Kamm und Dürste. Kamm und Bürste, unerläßlich zur Haarpflege, sollten in jeder Woche einmal gewaschen werden. Dazu ist nicht einmal Seife nötig, sondern man versetzt das warme — nicht heiße — Wasser mit einem weichmachenden Mittel, Borax oder Soda, und wäscht dann den Kamm mit der Bürste. Gründliches Nachspülen nimmt die letzten Unsauberkeiten fort. Zum Trocknen legt man Kamm und Bürste nicht hin, sondern hängt sie an einen luftigen Ort. Ist das Holz der Bürste rauh geworden, so fette man es ein wenig ein und poliere mit einem weichen Lappen. Frauenhaar erfordert einen Kamm mit weiten Zinken. Stehen die Zinken bei dichtem Haar zu eng, so brechen sie leicht, und es wird zu sehr an den Haaren gezerrt. Die Bürste sollte recht harte Borsten besitzen, damit die Haare recht geschmeidig werden und die Kopfhaut durch das kräftige Bürsten gut massiert wird. Fünfzig Bürstenstriche morgens und ebenso viele abends vor dem Schlafengehen machen auf das widerspenstigste Haar einen gewissen Eindruck und geben ihm Schmiegsamkeit. Die Bürste nimmt auch Staub und Schmutz aus dem Haar. Die Bürste ist auch ein Mittel, um Haarerkrankungen rechtzeitig festzustellen. Bleiben beim einfachen Bürsten unverhältnismäßig viel Haare in der Bürste hängen, so ist etwas mit der Kopfhaut nicht in Ordnung, und ein Haarleiden bahnt sich an. Ein paar Haare gehen täglich aus, es dürfen nur nicht mehr als üblich werden Für kühle Tage zeigen *wir heute — in neuer Form — d i e kurze Jacke, und zwar links in flotter, sportlicher Form eine n a - turfarbene Wolljacke mit Schulter- passe, schrägen Taschen und weit ein- gesetztenAermelnzu einem besonders weit- geschnittenen Rücken. Die Näht^ sind breit abge ft eppt, die Knöpfe aus Kunstharz. Das Modell rechts aus weichem, pastell- zartem Wollstoff hat zu weiteingesetzte nRaglanärmeln einen eingelesenen Glockenschoß, schmale Aermelaufschläge untrem schmales Halsbündchen. Die Jacke wird vorn mit kleinen Stoffknöpfen geschlossen und mit einem schmalen Stoffgürte 1 zusammengehalten. H. 9ffPart ift geltet Za, das läßt man (ich gefallen! Z Eine gute Zahnpasta wie die Nivea für nur 40 Psg. die große Tube! Das ist preiswett und - Mörel HMangMöei Roman von Aiernath 9. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Britta und Lydia durften Fräulein Zögling beim Einrichten ihres Zimmers helfen. Es war ein hübsches Zimmerchen mit dem Blick auf die Nachbargärten, auf die mit Fruchtholz bedeckten Obstbäume, von denen Major Habedanck gerade die Leimringe entfernte, weil die Frostspannergefahr nun gottlob vorüber war, und auf die Rosenkulturen, die Direktor Beyerlein behutsam aus der Strohumhüllung schälte, um winzige, blasse Spitzen nicht zu verletzen, die bereits aus den zurückgeschnittenen Stöcken trieben. Es war ein Zimmerchen mit hochbeinigen Biedermeiermöbeln, rosa geblümten Gardinen, drei Tulpentöpfen, auf dem breiten Fensterbrett und zwei gemütlichen, kretonnebezogenen Sesseln in der Ecke, wo der Nähtisch stand. Die beiden braunen Koffer, mit denen Fräulein Zögling ihren Einzug gehalten hatte und auf deren Inhalt die Kinder so neugierig waren, enthielten neben soliden Wäsche- und Kleidungsstücken den wertvollen und zärtlich behandelten Erinnerungsschatz des Fräuleins. Es waren Dinge, die sie von Stellung zu Stellung begleiteten, wie einen Tenor seine Kränze und Wid- mungsschleifen von einem Engagement zum anbe» ren. An jedem Stück hing bic Geschichte von einem braven, ungemein fleißigen Kinde, das sich unter Fräulein Zöglings Obhut zu einem prächtigen Menschen entwickelt hatte. Da waren Porzellanfigürchen, Stickereien, Bilder, Bücher und Sammeltassen, vieles mit schönen Widmungen wie „Meinem lieben Fräulein Linda" ober „Zum Andenken an Bimbo": das Hauptstück aber, dem Fräulein Zögling den Ehrenplatz auf der Wäschekommode bestimmte, war ein vierteiliges silbernes Teeservice. Auf der Ser- viervlatte stand in zierlichen Buchstaben eingraoiert: „Fräulein Zögling in Dank und Anerkennung ihrer Perdienste um mein Haus. Idell-Idell." „Das Abschiedsqeschenk des Grafen Idell-Idell", sagte Fräulein Zögling feierlich, und es war etwas wie ein Glanz um sie, der sie erhöhte. „Waren da die Kinder auch Grafen und Gräfinnen?" fragte Britta. „Die Knaben waren Grafen, die Töchter Komtessen", antwortete Fräulein Zögling mit einer Stimme, die hoch von der Zimmerdecke zu kommen schien. „Auch die ganz kleinen Kinder?" forschte Britta unentwegt weiter, während Lydia «sich in dem Tablett spiegelte. Fräulein Zögling zog die Brauen empor: „Mein Kind, Adel ist etwas, 'was man mit der Geburt mitbekommt!" * Lydia untersuchte die Kanne, die Zuckerdose und das Sahnekännchen: „Ist dees alles auch echt, Fräulein?" „Erstens, liebe Lydia, heißt das: Fräulein Zögling, verstanden? Ein gebildeter Mensch spricht eine Dame niemals mit .Fräulein' an, sondern sagt Fräulein und nennt den Namen dazu! Fräulein allein sagt man zu Dienstmädchen und Kellnerinnen. Und diesen wollen wir auch den Dialekt überlassen: es heißt das, und nicht dees! Und nun zu deiner Frage, mein Kind, sie ist wirklich köstlich", Fräulein Zögling lächelte mild, „ein Graf Idell-Idell schenkt keinen Tand!" „Wir haben aber auch silberne Löffeln"/ sagte Lydia, „und da ist ein Stempel drauf, achthundert, und der Konni hat gesagt, alles Silber muß mit achthundert gestempelt sein, sonst ist es nicht echt. Und auf der Kanne ist keine Zahl nicht oben, sondern nur Buchstaben, und auf den anderen Sachen auch!" Fräulein Zögling griff mit einer ungeduldigen Bewegung nach dem Sahnekännchen und trat damit näher ans Fenster. Als sie sich umwandte, war ihr Gesicht dunkel und ihre Stimme klang schrill: „Der Graf hat das Service aus Afrika mitgebracht — jawohl, aus Südafrika! — und dort wird alles Silber mit Buchstaben gestempelt, verstanden?! Aber nun Schluß mit der Einräumerei! Wie steht's mit euren Schulaufgaben? Daran habt ihr natürlich noch nicht gedacht!" <-Wir haben nur ein bißchen Rechnen auf und ein paar Vokabeln", sagte Britta betroffen. Der plötzliche Stimmungsumschwung ihrer Erzieherin war ihr ein Rätsel. „Und du, Lydia, was habt ihr auf?" „Nix..." Fräulein Zögling hob ungläubig das Gesicht: „So, wirklich nichts? Das finde ich aber sehr merkwürdig. Zeig mir doch einmal dein Aufgabenheft!" „Wir haben gar kein Aufgabenheft", erklärte Lydia seelenruhig und schaute Fräulein , Zögling treu in die Augen. „Na klar haben die Aufgabenhefte!" rief Britta empört; weniger um zu petzen, als um nicht allein über den Büchern zu hocken. „Deinen Schulranzen, bitte!" befahl Fräulein Zögling. Iy dem Schulranzen fand sich das Aufgabenheft, und in dem Aufgabenheft waren verzeichnet: 1 Fers von milftu nicht das ßemlein hühten, Einmaleins mit 6 for und rückwertz, und 1 Seite vom Hafen und vom Igel lesen. „Weshalb haft du gelogen, Lydia?" fragte Fräulein Zögling vorwurfsvoll und traurig. „So etwas ist mir noch bei keinem von allen Kindern passiert, die ich je unterrichtet habe, nein, wirklich nicht!" Lydia ließ ihre Zweifel an dieser Beteuerung deutlich erkennen. „Weil ich schon alles kann", antwortete sie schließlich auf die an sie gerichtete Frage. „Soso, du kannst also schon alles", meinte Fräulein Zögling mit einem Hohnlächeln, „nun, das werden wir ja sofort feststellen können. Also bitte!" Sie sprach die erste Zeile des Liedes vor ... Und Lydia vollendete den Pers ohne Stocken. Das Einmaleins ging wie am Schnürchen, und es war zu erwarten, daß die Leseprobe genau so gut ausfallen würde. Lydia grinste triumphierend: „Ha, und nu?" „Zur Strafe dafür, daß du mich zu belügen versuchtest, wirst du den ersten Vers des Liedes zweimal in Schönschrift auf die Tafel schreiben." Britta kicherte, und Lydia ließ die Nase hängen. Fräulein Zögling schob die Kinder aus dem Zimmer, sie schloß die Tür hinter ihnen und lauschte ihnen nach, wie sie die Treppe hinuntersprangen. Minutenlang stand sie regungslos an der Tür und preßte die Stirn gegen das kühle, weißlackierte Holz. Und langsam ballten sich ihre Finger zu Fäusten. Erzieherin — Hausdame. Sie haßte ihren Beruf und haßte Kinder. Sie haßte die Unsicherheit und Abhängigkeit ihrer Stellung und den zigeunerhaften Wechsel von Haus zu Haus, von Ort zu Ort. Immer neue Gesichter, neue Menschen, neue Räume, neues Sicheinfügen. Und dazu im Herzen die nagende Furcht vor dem Alter. Wo blieb sie nach zehn, nach zwanzig Jahren, wenn sie verbraucht und mürbe war? Sie stieß sich von der Tür ab und irrte blind durch den kleinen Raum. Das Teeseroice flirrte metallen auf, als sie mit der Hüfte die Kommode streifte. Nicht einmal echt! Ihre Schultern zuckten. Sie biß in ihr Taschentuch. Am liebsten hätte sie das ganze Zeug gepackt und durchs Fenster geworfen. Die zierliche Gravierung verschwamm vor ihren Augen. Dieser Schuft! Von dem Kindermädchen war sie hinausgebissen worden, von diesem frechen, rothaarigen Luder, das nach billiger Seife roch ... Sie ließ sich in einen Sessel fallen und meinte, Tränen der Wut, Tränen der Müdigkeit, Tränen der Enttäuschung.-- Unten öffnete Lydia die Tür des Kinderzimmers spaltbreit und lauschte nach oben. Als sich nichts im Hause rührte, schlüpfte sie aus dem Zimmer hinaus und in die Küche hinüber, wo Kathi den Geschirrschrank mit neuem Papier auslegte. Beim Stangl gab es so schone Spitzen- für die Stirnseiten der Bretter, mit Sprüchen im rot aufgedruckten Kreuzstichmuster: Reiner Herd Goldes wert — oder: Im Schranke weißes Linnen, im Herzen reines Sinnen, und: Alles wohlverwahrt ist rechter Hausfrau'n Art. Mit der verstorbenen Gnädigen hatte sie sich bei jedem Schrankauslegen deswegen zerkriegt. Luisa war nicht dafür gewesen, wegen des guten Geschmacks. Weiß der Himmel, was die immer mit dem guten Geschmack hatten. Ihr gefiel's? Und jetzt hätte sie den Schrank nun nach Herzenslust Nach ihrem Geschmack schmücken können, aber jetzt gefreute cs sie nimmer. Vielleicht sah die Gnädige von oben zu und dachte: Ha, sieh einmal an, so ein Frauenzimmer! Kaum ist man aus dem Haus, da tanzen auch schon die Mäuse! Lydia spitzte in die Speisekammer. Es stand leider nichts darin, wonach sie der Gaumen kitzelte. „Du, Kathi, hast a Gutti für mi?" Kathi tat, als wäre sie plötzlich schwerhörig geworden. Lydia schnurrte ein Weilchen um sie herum und klopfte an, ob sie helfen dürfe. „Naa, i werd alloa ferti!" sagte Kathi kalt und abweisend. (Fortsetzung folgt.)