Montag, 50. September 1940 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer biS8'/,Ubr deöBormittagS Anzeigen-Preise r Anzeigenteil 7 Rpf. ie mm bei 22 mm Zeilenbreite, TertteU 50 Rvf. te mm bei 70 mm Zeilenbreite Nachlässe: Wiederholung Malstaffell Abschlüsse ^iengenstaffel 8 Plavvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25% mehr (90. Jahrgang Nr. 231 Erscheint täglich, außer Sonntags und feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener f^amilienblätter Heimat imNilü DieScholle \ Monats-Bezug svreis • Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte - 1.80 Zustellgebühr.. « -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt ryernsvrcchanschlub 2251 Drahtanschrift-„Anzeiger" i Pomckea llßseftranfL M. Mehener Anzeiger «»sä» General-Anzeiger für Gbechessen Wie Japan die Unterzeichnung des Dreimächtepakts erlebte. Ein Augenzeugenbericht aus Tokio. Tokio, 29. Sept. (Luropapreß.) Unser Tokioter Vertreter schildert seine Eindrücke von der Stimmung, in der die japanische Hauptstadt die Stunde der Unterzeichnung des deutsch-italienisch-japamschen Bündnisvertrages in Berlin erlebte. Die deutschen Mittagsstunden zwischen 12 und 14 Uhr entsprechen der Tokioter Zeit zwischen 19 unb 21 Uhr. Der Korrespondent schreibt: ,Zch stellte mich an eine der belebtesten Ecken der Tokioter Prachtstraße Ginza. Ich war neugierig, was sich in dem Augenblick des Bekanntwerdens der historischen Nachricht ereignen würde. Das Publikum genoß bei ruhigem Spaziergang den warmen Hevbstabend. Plötzlich raste ein junger Extrablattoerkäufer mit feuchtwarmen Zeitungsblättern durch die Straßen. Er erinnerte an den Marathonläufer, der seinem Volk die Kunde von dem höchsten Glück zu überbringen hatte. Die Blätter wurden ihm, als er endlich an einem großen Platz anhielt, buchstäblich aus den Händen gerissen. Zugleich verkündeten die Rundfunkapparate das historische Geschehen. Die Straßenpassanten blieben in Gruppen stehen; es entwickelten sich freudig erregte Gespräche. Wie gebannt starrten die Menschengruppen in die Höhe zu den Dächern der großen Zeitungsgebäude, wo in lichtgoldenen Buchstaben der elektrischen Wanderschrist lautlos die Nachricht von dem Vertragsabschluß über den samt- sch-warzen Hintergrund des Nachthimmels hinweg- alitt. In lautloser Stille wurden vor den Rund- sunk-Apparaten die Erklärungen der Minister zu dem Vertragsabschluß angehört. Während noch der größte Teil der Menschen gebannt stand von dem Eindruck des großen Augenblicks, bildeten sich allenthalben Trupps junger Leute, die, Hakenkreuzfähnchen schwingend, freudig jubelnd, singend und lachend durch die braßen zogen, von den Massen herzlich begrüßt. Berlin, 28. Sept. (DNB.) Die japanische Regierung hat aus Anlaß der Unterzeichnung des Dreimächtepaktes von Berlin folgende Erklärung an das japanische Volk gerichtet: „Die japanische Außenpolitik hat sich das Ziel gesetzt, alle Kräfte für die Beilegung des China konfliktes sinzusetzen, den Ausbau des ostasiatischen W i r t s ch a s t s r a u m e s zu betreiben und dadurch zur Herbeiführung des wahren Friedens für die ganze Welt beizutragen. Beim Ueberblicken der gegenwärtigen Weltlage wird ersichtlich, daß die wahren Absichten Japans immer noch nicht recht anerkannt werden. Die einen Staaten befinden sich in dem Irrtum befangen, daß die Aufrechterhaltung der alten Ordnung den Frieden bedeutet; andere wieder erachten die Aenderung dieser alten Ordnung für unvermeidlich, halten dabei jedoch vielfach am gegenwärtigen Zustand fest. Höchst bedauerlicherweise gibt es sogar Staaten, die den Ausbau einer neuen Ordnung in Grohostasien durch Japan mittelbar oder unmittelbar zu stören wünschen, oder noch weiter gehen und die Entwicklung mit allen Mitteln zu verhindern suchen. Die japanische Regierung ist stets bestrebt gewesen, diesen Zustand der Dinge zu verbessern, doch ist diesem Streben bisher nicht nur kein rechter Erfolg beschieden gewesen, vielmehr mancherorts der Druck gegen Japan immer offener zutage getreten,und es ist so weit gekommen, daß, wenn man diesen Zu- skand unverändert weiterbestehen ließe, die Lage sich immer verwickelter gestalten und besorgniserregend werden muß. Angesichts einer solchen Lage gibt es für Japan nur eine mögliche Haltung, nämlich nach Innen: so rasch wie möglich die Struktur der wehrhaft gemachten Nation aufzurichten, das 100-Millionenvolk in völliger Einmütigkeit und fester Entschlossenheit zusammenzuschließen, nach außen: in engste Verbindung mit den gleichgesinnten Nationen zu treten, um o in der Durchführung unserer Staatspolitik ent- chlossen vorwärts zu schreiten und gleichzeitig alle diejenigen Staaten, die uns daran zu hindern suchen, zu bewegen, ihre eigene Haltung einsichtsvoll zu bedenken. Ihrerseits ist die Regierung in bezug auf die Neuordnung im Innern bemüht, die Vollendung dieser Ordnung zu beschleunigen, andererseits im Bereich der Außenpolitik hat sie es für am besten gehallen, sich mit den beiden uns gleichgesinnten Nationen Deutschland und Italien zu verbinden und sich dann auch an solche Staaten zu wenden, die bereit sind, mit Japan zusammen zu arbeiten, um so das endgültige Ziel des Aufbaues einer neuen Weltordnung zu erreichen. Daher hat der Außenminister seit einiger Zeit mit den Vertretern der deutschen und italienischen Regierung Fühlung genommen und als Resultat ist der Dreimächtepakt zustandegekommen. Dieser Vertrag ist so aufgebaut, daß Japan, Deutschland und Italien beim Aufbau der neuen Ordnung, den die drei.Staaten in Ostasien und Europa anstreben, Zusammenwirken; falls einer dieser Staaten von einer Macht angegrif- f e n wird, die sich nicht im gegenwärtigen europäischen Krieg oder im Chinakonflikt befindet, so werden die anderen vertragschließenden Mächte chm mit allen zur Verfügung stehenden politischen, militärischen und wirtschaftlichen Mitteln zur Hilfe eilen. Er übt jedoch keinen Einfluß auf das gegenwärtig bestehende politische Verhältnis zwischen den drei Staaten Japan, Deutschland und Italien einerseits und der Sowjetunion andererseits Der Korrespondent berichtet dann weller über die persönlichen Eindrücke, die er unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Vertragsabschlusses in Gesprächen mit Japanern gewann. „Eine Gruppe von Menschen sprach zu mir wie aus einem Munde: ,Die überwältigende Mehrheit des japanischen Volkes begrüßt von ganzem Herzen den Dreibund zwischen den Achsenmächten und Japan? Das japanische Volk empfindet tiefste ehrfurchtsvolle Dankbarkeit gegenüber dem kaiserlichen Erlaß. Es folgt mit größtem Vertrauen diesem vom Kaiser gewiesenen Weg und den von der japanischen Staatsführung geschlossenen Bündnis, das uns Gewähr dafür bietet, daß Japans gerechte Forderungen bezüglich des Neuaufbaues Oftasiens mit Erfolg gekrönt werden." Zum Schluß schilderte der Korrespondent den grellen Gegensatz zwischen der japanischen Freude und Zuversicht und den Aeußerungen von E n g - ländern und Amerikanern. „Ich ging mit Engländern und Amerikanern durch den nächtlichen Blütenduft des Hibiya-Parkes, an dessen Teichen noch die tausendfachen Stimmen sommerlicher Zikaden zirpten und die abendliche Tierwelt sich tummelt Die Angelsachsen sagten zu dem jüngsten Ereignis mit einem wehmütigen Unterton: „Von all dieser Schönheit, die vielen von uns seit Jahrzehnten lieb geworden ist, werden wir w o h l b a l d Abschied nehmen müssen. Old-Englands Stern ist im Untergehen. Unsere alte Weltordnung versinkt unter den anbrausenden neuen Kräften, die wir nicht verstanden. Wir stießen Japan in verblendeter Selbstüberhebung zurück. Das heutige Datum ist für den Achsendreibund ein stolzer Tag, für England jedoch das Begräbnis britischen Herrentums in Asien." von über 2 Millionen Tonnen. An Hand einer Vergleichstabelle berichtet „New Port Journal", daß sich Japan dank seines geheimen Schtffsbaupro- grammes rapide der Parität mit den Vereinigten Staaten nähere. Japan besitze zwar ohne Hllfsfahrzeuge nur 280 Schiffe verglichen mll 350 amerikanischen, aber die zahlenmäßige Ueberlegenheit Amerikas werde dadurch mehr als ausgeglichen, daß Japans Flottenstüß- punkte in den fernöstlichen Gebieten strategisch viel günstiger lägen. Das Gchrottausfuhrverbot der USA. wirkuriasloS. Tokio, 28. Sept. (DNB.) Das japanische Han- dels- und Jndustrienrinisterium stellte zum USA.« Ausfuhrverbot für Eisenschrott und Stahlschrott nach Japan fest, daß Japan diese Maßnahme erwartet und sich entsprechend vo r b e r e i t e t habe. Es seien nicht nur große Lager angelegt, sondern auch die Eisenindustrie Mandschukuos sei bemerkenswert entwickelt, ebenso die Lieferung von Roheisen aus China und aus der Südsee ichergestellt. Die Technik der Stahlerzeugung sei so weit vorgefchrllten, daß Japan darin bereits Selbst- versorger ist. . Trotzdem werde der Eisenver- bvauch weiterhin reguliert, da die verstärkte nationale Verteidigung größere Anforderungen stelle. BerIin, 29. Sept (D^IB.) Die deutschen Kampf, verbände griffen auch im Laufe des 29. September in mehrfachen Einsätzen kriegswichtige Ziele in England an. London hatte im Laufe des Sonntags viermal Fliegeralarm. Weitere Angriffsziele waren mehrere Häfen in der Süd- und Ostküste Englands sowie die Dockanlagen an der unteren Themse. 3n den Docks von T l l - b u r y wurden neue heftige Brände ausgelöst. Bor der britischen Ostküste versprengten deutsche Kampf- flugzeuge einen stark gesicherten Geleitzug. Schließlich wurde noch mit großem Erfolg ein besonders wichtiges Rüstungswerk in den Midlands bombardiert. Bei den Luftkämp- f e n, die sich im Laufe des Tages über Südengland abwickelten, fchoffen unsere Jagdflugzeuge ohne eigene Verluste zehn britische Jäger ab. Unter den deutschen Schlagen. „Welle auf Welle hämmert auf London ein" Stockholm, 29. Sept. (DNB.) Stockholms Tidningen schildert, wie Welle auf Welle von deutschen Bombenflugzeugen über London erschien. Den ganzen Samstag über hätten deutsche Luftgeschwader auf London und feine Umgebung gehämmert. Unausgesetzt sei es den deutschen Flugzeugoerbänden gelungen, die englische Sperre zu durchdringen. Der Angriff sei bei Hellem Sonnenschein erfolgt. Die Angriffe richteten sich gegen den südlichen und gegen den nördlichen Teil Londons, wo die deutschen Flieger offenbar bestimmte Ziele suchten. Gewaltige Feuersbrünste seien entstanden. Besonders erbittert seien die Kämpfe an der Politik in Erdteilen. Der Vertrag, der am 27. September 1940 im Großen Empfangssaal der Neuen Reichskanzlei in Berlin in Anwesenheit des Führers von den bevoll- mächtigten Vertretern Deutschlands, Italiens und Japans unterzeichnet wurde, ist wohl das wichtigste Instrument weltpolitischer Planung, das in den letzten Jahren geschaffen wurde. Es zieht eine klare Trennungslinie zwischen den konstruktiv arbeitenden Mächten der Ordnung und den destruktiven Bestre- bungen solcher Mächte, die den Erdball als ihre Domäne — mit einigen Pachtvergebungen — anzusehen gewöhnt waren. Will man diesen Pakt auf die kürzeste Formel bringen, so kann man ihn einen Dreimächtevertrag über die Neueordnung der großen Weltregionen nennen, der eine ganz klare Tendenz nicht nur gegen Kriegshetzer, sondern ebenso auch gegen alle Kriegsausweiter in den demokratischen Ländern hat (wir verweisen hier vor allem auf die zweite Hälfte des Artikels 3!). Die Taktik der Kriegsausweitung ist zum erstenmal in der Völkergeschichte von England im Ausmaß des jetzigen Krieges in die Auseinandersetzung zwischen zwei Völkern hineingetragen worden. Obwohl die englischen Partner dieser Taktik ihre Beteiligung an den imperialistischen Geschäften Englands ausnahmslos mit der militärischen Vernichtung und politischen Niederwerfung haben bezahlen Themse gerpesen. Auch die Londoner Vororte hätten stark gelitten. „Nya Dagligt Allehanda" berichtet, daß die traditionelle Galavorstellung bei der Neuwahl des Londoner Bürgermeisters auch in diesem Jahre ein gehalten worden sei. Immerhin läßt der Bericht erkennen, daß die Wahlmänner in ihren pomphaften, altertümlichen Gewändern unter einem mit Sperrballonen „geschmückten" Himmel dahin- schritten, an dem sich viele deutsche Bombenflug- zeuge befanden, daß der Weg über schnell reparierte Bvmbenkrater führte, daß gerade in diesem Augenblick wider eine Kanonade begann und daß der Lordmayor unter dem Donner der Kanonen in die Guild hall einziehen mußte. Der Londoner Vertreter der Madrider Zeitung „Ya" schreibt, daß die Telephonvebbindungen in London während der letzten Tage zum größten Teil «unterbrochen waren und in einigen Bezirken nur snoch mit großen Verspätungen Zustandekommen. Als er sich um 5 Uhr morgens zwischen schlafenden Menschen und Schutthaufen einen Weg ins Freie bahnte, befanden sich noch immer deutsche Flieger über London. Dor den O-Nahnstationen stehe die Bevölkerung bereits mittags Schlange, um sich für die Nacht ein Plätzchen im Tunnel zu sichern. Der Berichterstatter beklagt sich bitter darüber, daß eine ordnungsgemäße Berichterstattung aus London durch die strenge Zensur unmöglich gemacht werde. Der Londoner Vertreter der spanischen Zeitung „ABC" schreibt, überall.beklage man sich darüber, daß die englischen Schutzmaßnahmen gegen Bombenangriffe Höch st improvisiert seien. Aus der Liste der Opfer in den einzelnen Stadtbezirken könne man ersehen, wie viel Menschen unter den Trümmern begraben werden. Japans polnische Ziele. «ine japanische Regierungserklärung zum Dreimächtepakt. aus. In dem Vertrag wird die führende Stellung Japans bei dem Aufbau der neuen Ordnung in Großostasien anerkannt, desgleichen in bezug auf den Ausbau der neuen Ordnung in Europa, um die Deutschland und Italien bestrebt sind, die führende Stellung dieser beiden Staaten. Somit wird bestimmt, daß Japan, Deutschland und Italien zusammenwirken. Anläßlich des Zustandekommens des historischen Freundschaftsverhältnisses zwischen Japan, Deutschland und Italien erübrigt es sich, des einsichtsvollen Entschlusses des überragenden Führers Adolf Hitler und des Duce Benito Mussolini besondere Erwähnung zu tun. Der Außenminister des Deutschen Reiches, Herr v. Ribbentrop, ist seit seinem Arbeitsantritt stets und mit unverändertem Eifer um das Zusammenwirken Japans und Deutschlands bemüht gewesen und hat immer danach gestrebt, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu fördern. Es ist keine Uebertreibung, wenn festgestellt wird, daß sein ebenso eifriges wie aufrichtiges Bestreben den Vertrag hat Zustandekommen lassen. Der Außenminister Italiens, Gra. Ciano, hat das Erlebnis einer dienstlichen Stellung im Fernen Osten gehabt, daraus bereits früh eine genaue Kenntnis der Stellung des japanischen Kaiserreiches im Fernen Osten aeschöpft und sich für die Förderung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Japan und Italien eingesetzt. Das heutige Ergeonis ist im weiten Maße seiner Einsicht zu verdanken. Das japanische Volk fühlt sich stark in der Erkenntnis der Tatsache, daß das deutsche und italienische Volk außer seinen stolzen Führern solche ausgezeichnete Außenminister besitzt. Das Scho in WA. Washington, 28. September. (Zum Dreimächtepakt hat Staatssekretär Hüll eine Erklärung abgegeben, in der er behauptet, daß dieses Bündnis keine wesentliche Aenderung der Lage darstelle, die bereits feit mehreren Jahren bestanden habe. Die Bekanntgabe dieser Allianz zeige öffentlich nur ein System von Beziehungen auf, das seit längerer Zeit bestanden und auf das die amerikanische Regierung bereits wiederholt hingewiesen habe. Daß ein solcher Pakt vor der Unterzeichnung stche, sei seit einiger Zeit bekannt gewesen, und dieser Tatsache sei auch von der amerikanischen Regierung bei der Festlegung ihrer Politik in vollem Maße Rechnung getragen worden Der Abschluß des Dreimächtepaktes werde nicht unmittelbar zu irgendwelchen Schritten der amerikanischen Regierung führen, man werde zunächst seine Auswirkungen abwarten. Die „New Port Sun" bemerkt, der Zweck des Dreimächtepaktes fei, die Vereinigten Staaten vor einer Einmischung in den europäischen und «en Konflikt zu warnen. „Was Japan be- ) handelt es sich um eine scharfe Antwort auf Roosevelts Schrott-Ausfuhrverbot." Zu der Klausel über Rußland meint das Blatt, die Unterzeichner hätten offenbar Wert darauf gelegt, jeden Anschein zu vermeiden, daß sich das Abkommen gegen die Sowjetunion richten könnte. Die Zustimmung der spanischen Presse aeige, daß die spanische Regierung dem Pakt sehr sympathisch gegenüber» stehe. Auf Grund amerikanischen Zahlenmaterials stellt „Associated Preß" fest, daß das Berliner Dreierbündnis sine der mächtigsten Kombinationen der Weltgeschichte darstelle. Die drei Regierungen verfügten über 20 Millionen aus» gebildete Soldaten, wahrscheinlich 35 000 Kriegsflugzeug e unb Kriegsflotten Auch in per letzten Nacht vergeblicher Anflug auf Berlin. Freilichtmuseum im Münsterland von Berlin, 30. Sept (DNB. Funkspruch.) Bei ihren Einflügen nach Deutschland in der Rächt vom 29. zum 30. 9. stießen einige Flugzeuge der britischen Luftwaffe bis in die Mark Brandenburg vor. Solange eine unmittelbare Gefährdung der Reichshauptstadl bestand, wurde Fliegeralarm gegeben. Die nacheinander einfliegeuden britischen Flugzeuge dreht en jedoch vor Erreichen des Weichbildes von Berlin ab. Ein britisches Flugzeug wurde bereits auf dem Anflug abgeschossen. Typisch für die Methode der englischen Flieger, ihre Bomben entweder wahllos abzuaverfen oder, wenn sie schon zielen, Wohngegenden, Krankenhäuser, Kirchen ober Friedhöfe heim suchen, ist der An- griff auf Köln. Wieder einmal landeten britische Spreng- und Brandbomben in dicht besiedelten Stadtteilen und suchten ihre Opfer unter der Zivilbevölkerung, so daß die vier Toten, die hier m beklagen sind, den Morden, die- Churchill und seine Trabanten bisher schon auf dem Gewissen haben, hinzuzurechnen sind. Auffallend viel Bomben trafen Hinterhäuser, auch Gärten zwischen den Häuserreihen und Plätze der Stadt, also alles andere als militärische Ziele. Auch Dörfer unb einzelne ländliche Siedlungen im Umkreis der Stabt blieben von dem nächtlichen Heb er fall nicht verschont. So fielen auf ein Gut im rheinisch-bergischen Kreis nicht weniger als elf Spreng- unb, 80 Brandbomben, glücklicherweise ohne Schäben anzurichten. In der Nacht zum Sonntag versuchten die fliegenden Brandstifter der RAF. wie allnächtlich, den Gau Weser-Ems heimzusuchen und streuten erneut ihre Brandplättchen über Dörfer, Felder und Wälder, glücklicherweise ohne irgendeinen Schaden anzurichten. Zahlreiche Brandplattchen fielen auf das Museumsborf in Kloppenburg, eine Anlage, bie mit ihren 20 Gebäuben, mit ihren beiden über 100jährigen Bauernhäusern, mit ihrem Herrenhaus aus dem Jahre 1680, mit Mühle und Dorfteich auch aus der Lust deutlich zu erkennen ist. britischen Brandstiftern heimgesucht. Sie stellt mit ihren Bauten und kostbaren Sammlungen bäuerlicher Handwerkskunst ein einzigartiges unersetzliches Heimatmuseum des Münfterlandes und eines der schönsten Kulturdenkmäler deutschen Bauerntums bar. Es ist nur dem glücklichen Umstand, daß keines der Brandplättchen auf eines der Dächer fiel unb dem sofortigen Einsatz von Such- kommandos zu danken, wenn hier nicht nie wieder gutzumachender Schaden entstanden ist. Auch diese Schandtaten sollen den Briten nicht vergessen werden. Lustangriff im Raume Frankfurt. Britischer Bomber brennend abgeschossen. Frankfurt a. 2H., 29. September. (3t$(0.) Britische Flugzeuge versuchten inderRachtzum 2 9. September wiederholt, im Raume von Frankfurt a. 21L einzufliegen. Rechtzeitiges und wirkungsvolles F l a k f e u e r mit schweren und leichten Waffen zwang die Engländer, von dem Borhaben eines Angriffs auf die Stadt abzusehen. Wieder warfen die feindlichen Flieger ihre Bomben nur auf nichtmilitärische Ziele ab. Ein Bauernge- höft i m kreise Hanau wurde getroffen, wobei eine Scheune niederbrannte. Dagegen gelang es den Abwehrbatlerien, einen britischen Bomber, eine Bristol-Blenheim abzuschießen. Bon der Besatzung, die mit Fallschirm absprang, wurden fünf Wann gefangen genommen. Die Waschine stürzte brennend ab. Der Angriff in der letzten Rocht war ein erneuter Beweis, wie sehr die britischen Flieger darauf bedacht sind, die von Lhurchill und dem britischen Lustmarschall gegebenen Weisungen, Deutschland in seiner Zivilbevölkerung zu treffen, zu befolgen. Auch diese Tat erfährt ihre harte Sühne in der rollenden Bergettungsaktion der deutschen Lustwafse gegen die englischen Kriegsverbrecher. Am Sonntag viermal Fliegeralarm in London. müssen, ist heute noch nicht zu übersehen, weicye an« strengungen England in seiner verzweifelten Lage machen wird, um vielleicht doch noch diesen oder jenen weiteren Katastrophenpartner zu finden — und sei es unter Investierung noch größerer politischer Kapitalien, als England schon bisher in einer gewissen Richtung aufgewandt hat. Gegenüber dieser Tendenz der Kriegsausweitung stellt der Dreimächtepakt von Berlin die Basis dar, von der aus die jungen, nach Weltordnung und Weltbefriedung strebenden Mächte ihre große völkerverbindende Friedensmissiyn durchzusühren gedenken. Wir betonen, daß es sich bei dem Dreimächtepakt keinesfalls um ein diplomatisches Papier, sondern um ein Instrument sehr wohlüberlegter weltpolitischer Aktivität handelt. Wer die vertragschließenden Ordnungsmächte auch nur flüchtig kennt, weiß, daß dieser Vertrag eine aggressive Spitze gegen irgendeine andere Macht so wenig hat wie ihre übrigen Abmachungen; im Gegenteil, der zweite Teil der kurzen Präambel unterstreicht ausdrücklich den Wunsch der drei Vertragspartner, den Pakt auf Nationen gleicher Bestrebungen und gleicher Gesinnung auszudehnen. Anderseits darf keinesfalls verkannt werden, daß der Dreimächteblock jeden Stö- rungsversuch seiner großen Ordnungs- und Befriedungspolitik kompromißlos abzuwehren wissen wird. Darauf verweist ja auch die Verpflichtung zu gegenseitiger Unterstützung im Fall des Eingreifens dritter, an den gegenwärtigen Konflikten nicht beteiligter Mächte. Der Pakt tut ein Übriges, indem et jenen Bestrebungen, die etwa daraus Kapital nach der russischen Seite hin zu schlagen versuchen, durch den Artikel 5 von vornherein den Wind aus den Segeln nimmt: die Beziehungen zwischen den Vertragspartnern und Sowjetrußland werden durch den Dreimächtepakt von Berlin in keiner Weise berührt. Im übrigen tritt der Pakt, wie wir es an den Abmachungen der Achsenmächte von jeher gewöhnt sind, mit sofortiger Wirkung in Kraft. Dadurch wird der Apparat der praktischen Arbeit unverzüglich in Gang gebracht. Der Dreimächtepakt greift über das geographische Gebiet von Europa weit hinaus. Das liegt in der Natur der Tatsache, daß es sich vor allem bei Deutschland und Italien um Mächte handelt, deren Arbeits- und Einflußgebiet sich über große Weltteile erstrecken. Trotzdem bedeutet der Pakt von Berlin nicht etwa eine „Teilung der Erde" im Sinne einer Verteilung von Landkomplexen oder dergleichen; denn nicht der Länderräuber und Völkerunterdrücker England schloß diesen Vertrag, sondern die Mächte, die in ihrer Außenpolitik den Leitsatz der ausgleichenden Gerechtigkeit auf ihre Fahne schrieben. Nicht Ausbeutung und Unterwerfung fremder Nationen steht hier auf der Tagesordnung, sondern Befriedung, Ordnung, Aufbau, Völkerversöhnung und weltwirtschaftliche Belebung. Es geht eben, wie die Präambel besagt, um den dauerhaften Frieden — nur ein Dauerfriede kann die Voraussetzung dafür schaffen, „daß jede Nation der Welt den ihr gebührenden Raum erhält". Wir verweisen ausdrücklich auf die inhaltsschwere Bedeutung gerade dieser Formulierung für Deutschland. Auch dieser Dreimächtepakt zeigt wiederum deutlich, in welchem Ausmaß heute schor^ England in feiner Weltstellung zurückgedrängt ift.iDiefer Vorgang hat bisher die (Stationen Polen, Norwegen, Holland, Belgien, Frankreich, Mittelmeer, Nord- und Ostafrika, Fernost. Die peinliche Schlappe von Dakar, die sich England ausgerechnet in diesem weltgeschichtlich so bedeutsamen Augenblick holte, ist nur ein Kennzeichen von vielen dafür, auf wievielen Illusionen, Trugschlüssen und fassadenhaften Machtmomenten die Weltstellung Englands beruht hat. Der Dreimächtepakt von Berlin, dessen weltweite Bedeutung auch die Ansprachen der Außenminister Deutschlands und Italiens unterstreichen, abgeschlossen zur Zeit der fortschreitenden Zertrümmerung der militärischen Macht Englands in Europa und Afrika, setzt den Schlußpunkt hinter die bisherige Geschichte dieses Krieges und die aus ihr sich ergebenden Entwicklungen. Insofern schafft er eine weit über unsere Zeit hinausreichende Vorarbeit für einen späteren Frieden, dessen konstruktive Richtlinien einmal in dem neuen Vertragswert werden wurzeln können. Vis dahick ist noch ein gutes Stück Arbeit zu leisten, deren Hauptgewicht im wesentlichen auf Deutschland und Italien liegt. Das neue Vertragswert aber schafft für die Durchführung dieser Arbeit Voraussetzungen von solcher Tragweite, daß sie heute noch nicht annähernd bis in die Einzelheiten hinein zu übersehen sind. Wenn irgendwo, dann spiegelt sich gerade in diesem Dreimächtepakt ganz besonders klar jenes staatsmännische Genie Adolf Hitlers, das über die Zeit von Menschenleben hinaus in Jahrhunderten zu denken gewohnt ist. Be. „Dreibund der Zungen." Die römische Presse im Zeichen des Berliner Vertrages. Rom, 29. Sept. (Europapreß.) Der Abschluß des „Dreibundes der Jungen", wie „Giornale d'Jtalia" das deutsch-italienisch-japapische Bündnis nennt, füllt auch weiter die Spalten der römischen Presse. Die diplomatische Offensive der Achse, schreibt „Giornale d'Jtalia", sei nicht minder kräftig als die militärische. Auf welche Weise hoffe England weniastens seine Dominien im Stillen und im Indischen Ozean 3U retten? Offensichtlick durch den Versuch, andere Völker in Den Konflikt hineinzuzerren. Berlin, Rom und Tokio antworteten auf diesen Versuch durch Abgrenzung des Kriegsraumes und Beschleunigung des Kriegsverlaufes. Gegenüber den enalischen Versuchen, Die Bedeutung des Berliner Bündnisses abzuschwächen, betont „Giornale d'Jtalia" nachdrücklich, es sei jetzt au der rein ideologischen Uebereinftinunung zwischen den Achsenmächten und Japan einpräziserMe- ch a n i s m u s getreten. Bei genauer Würdigung der Stärke der Stellungen müßten England und seine Freunde zu der Ueberzeugung kommen, daß der neue Pakt ein gefährliches Werkzeug gegen alle die sei, die den Vertragspartnern, in welchem Teile der Welt auch immer, provozierend gegenübertreten wollten. Die englischen Versuche, im Zusammenhang mit dem Dreierpakt von militärischen Mißerfolgen der Achsenmächte zu sprechen, tut das Blatt mit dem Hinweis auf die Tatsache ab und fügt hin^u,-fhan könne Proben noch härterer Schläge der Achsenmächte haben. Durch den Dreierpakt sei das Bild der Weltlage geklärt. Gegen England, so schreibt „Tribuna", das einer Schlange gleiche, die die ganze Welt umschlinge und würge, würden sich früher ober später alle kultivierten Völker — Amerika nicht ausgeschlossen — auflehnen müssen. Denn diese Entwicklung folge der Logik in der Geschichte. „Lavoro Fascista" schreibt, von welchem Gesichtspunkt aus man diesen Vertrag immer betrachte, seine Bedeutung sei so groß, daß durch ihn dem Leben der gesamten Welt neue Horizonte eröffnet würden. Europa suche die Einigkeit und die Kontinente wollten eine eigene Deutsche Jugend im Kriege. Haltung, Charakter, Gehorsam und Disziplin. Wirtschaft aufbauen. Das bedeute das Ende des merkantilen englischen Imperiums. England werde nichts anderes übrigbleiben als sich entweder mit der vollzogenen Tatsache abzufinden oder zu verschwinden. Das Ringen Englands fei ungleich geworden, und feine Verurteilung fei universell. peinliche Empfindungen in London. Stockholm, 29. Sept. (Europapreß.) Die ersten engliscken Kommentare zum Abschluß des Dreierpaktes lassen bereits erkennen, wie stark die Wirkung in den plutokratischen Kreisen Londons gewesen ist, und wie stark die Niederlage empfunden wird, die ihnen auch diesmal wieder auf diplomatischem Gebiet bereitet worden ist. Aus den Ausführungen des britischen Nachrichtendienstes und aus einer offiziösen Erklärung spricht deutlich Verlegenheit, die sich in zahlreichen Widersprächen widerspiegelt. Beide Auslassungen sind auf einen Ton abgestimmt: Einerseits wird versucht, das Bündnis dadurch zu bagatellisieren, daß man es als einen Propagandazug speziell der deutschen und italienischen Diplomatie bezeichnet, anderseits aber — und somit durchaus dazu im Widerspruch stehend — hält man es für richtig, die Vereinigten Staaten auf Gefahren aufmerksam zu machen, die ihnen aus der neuen Entwicklung der Lage erwachsen würden. Deutschland, Italien und Japan, so heißt es in der Auslassung des britischen Nachrichtendienstes, hätten auch bisher in ihren Einstellungen zu der Gestaltung des europäischen und asiatischen Raumes eine festumrissene Linie gehabt, doch sei Japan nun einen Schritt weitergegangen, indem es Deutschland und Italien bas unbebingte Recht ber Neugestaltung Europas eingeräumt habe. Die Neuordnung im Osten sei rein akademisch, benn Japan habe sie ja bereits verfolgt unb werbe sie natürlich auch weiter verfolgen. Nach- bem man schließlich noch den Paktabschluß als eine Improvisation ber beutschen unb italienischen Diplomatie hinzllstellen unternimmt, beeilt man sich zugleich, hinzuzufügen, baß bie vorausschauenbe britische Diplomatie naturgemäß eine solche Entwicklung längst erwartet habe. Telegramme an den Führer Berlin, 28. Sept. (DNB.) Der Kaiser von Japan hat an ben Führer bas solgenbe Telegramm gerichtet: „Es ist mir sehr angenehm. Eurer Exzellenz meine Genugtuung über ben Abschluß eines bauerhasten, von Japan, Deutschland unb Italien unterzeichneten Paktes zum Aus- bruck zu bringen, dessen Anstrengungen dahin gehen, eine neue Ordnung auf gerechter Gru n"d- l a g e herzustellen. Es liegt mir daran, bei dieser Gelegenheit zu versickern, baß wir keine Mühe zur Errichtung des Weltfriedens scheuen werden. Hiro- Der König von Italien und Kaiser von Aethiopien hat an den Führer bas nachstehende Antworttelegramm gesandt: „Ich danke Ihnen sehr für bie so freunblichen Worte, bie Sie bie Liebens- würbigkeit hatten, an mich in bem Augenblick zu richten, als Deutschland, Japan unb Italien ihre unauslöschliche Verbundenheit durch den Dreierpakt erneut beftätigen. Alle Italiener vereinigen sich mit mir, um mit gleicher Herzlichkeit Euer Exzellenz und bem tapferen beutschen Freundesvolke bie wärmsten Wünsche zu übermitteln. Dittorio Emanuele." Das Antworttelegramm bes Duce an ben Führer hat folgenben Wortlaut: „Führer! Ich banke Ihnen für das Telegramm, baß Sie mir anläßlich der Unterzeichnung bes Dreimächtepaktes ge« fanbt haben. Das italienische Volk begrüßt das Ereignis als einen wesentlichen Faktor in bem Kampf, ber uns aufgezwüngen würbe und ben wir gemeinsam mit äußerster Entschlossenheit bis zum Siege führen werben. Nehmen Sie meinen tarne- rabschaftlichen Gruß entgegen! Mussolini." Gtahlqürtel um England." Rio de Janeiro, 29. Sept. (Europapreß.) Die ungeheure Bedeutung des Dreimächtepaktes wird in der brasilianischen Presse in chrer ganzen Reichweite erkannt. „Gazeta de Noticias" nennt Berlin, 29. Sevt. (DNB.) Reichsminister Dr. Goebbels eröffnete die Jugendfilmstunden 1940/41 mit einer Ansprache, in der er auch zur Haltung der Jugend im Krieg Stellung nahm. Der Krieg, so sagte er, stellt seine harten Anforderungen an bie gesamte Nation, unb auch bie Jugenb bleibt bavon nicht verschont. Sie muß deshalb burch besonbere Haltung unb stärksten ausgeprägten Persönlichkeitscharakter versuchen, den Erziehungsberechtigten unb -verpflichteten zu helfen, bie hier auf» tauchenben Probleme zu meistern. Oft steht ber Vater im Felde. Die Mutter ist dann mit Arbeit und Sorgen belastet, manchmal ist sie sogar in ber Kriegsarbeit selbst tätig. Da geht die Jugenderziehung nicht immer so ihren ruhigen unb sicheren Gang wie in normalen Zeiten. Und gerade hier hat bie HI. und ber BDM. die dovpelte Verpflichtung, bem Elternhaus nach Möglichkeit Lasten abzunehmen, bie es nach Lage ber Dinge nur schwer ober gar nicht tragen kann. Zwar ist auch bie Erziehungs- und Ausrichtungsarbeit ber HI. unb des BDM. gerabe in Kriegszeiten burch tausend Schwierigkeiten behindert, die man im Frieden kaum kennt. Einmal fehlt es an ben notwendigen Sälen, um bie Jugenb regelmäßig zu versammeln. Zu zweit verbietet es sich burch bie Verbunkelung, ben Abenb voll in Anspruch zu nehmen. In einer Reihe von Gebieten des Reiches herrscht Luftgefahr. Um so größer sind demgemäß aber auch die Aufgaben, bie HI. unb BDM. zu erfüllen haben, unb bie Verantwortlichkeiten, die sie damit dem Führer und dem Volke aber auch dem Elternhaus gegenüber übernehmen. Die, Jugenderziehung kann im Kriege überhaupt nur im engsten Zusammenwirken mit der Jugend selbst erfolgreich durchgeführt werden. Die Jugend muß durch ihre Haltung und durch ihre Lebensweise einen großen Teil der Er^iehunas- arbeit überflüssig machen, die im Frieden Durch die dazu bestimmten Organe geleistet wird. Der Krieg ist nicht nur ein großer Gleichmacher, er ist auch ein großer Erzieher. Er macht alle Phrasen und Schlagworte hinfällig. Vor feinem harten Gesetz hat auf die Dauer nur die reale Wirklichkeit Bestand. Er ist der große Urnwerter aller Werte. Was uns hn Frieden wesentlich erscheint, darauf verzichten wir im Kriege gern und dienen damit der gemeinsamen Sache. Der Krieg erfaßt heute nicht, wie in früheren Zeiten, nur einen kleinen Teilausschnitt des Volkes, er ist die heroischste Gemeinschaftsleistung einer Nation. Da er von unseren Feinden auch und gerade gegen die Kinder geführt wird, muß er ebenso auch von den Kindern pariert werden. Die Zahlen der gefallenen und verwundeten Mitglieder, vor allem aber ber Führer der HI. in diesem Kriege stellen einen beredten Beweis dar für die Tatsache, daß die Jugend diesen Krieg im weitesten Umfang zu ihrer Sache gemacht hat. Die Heranwachsende Jugend muß den Krieg in der Heimat mit führen, aber sie ift deshalb nicht etwa unbeteiligt daran. Sie muß ihm mit starkem Charakter und mit aufrechter Haltung entgegentreten. Wenn eine ganze Hatton um ihr Leben kämpft unb schließlich doch in ber Hauptsache um bie Zukunft ihrer ttinber, bann muh gerabe bie 3ugenb biefen Kampf mit tragen unb nach besten Kräften unterstützen. Sie hat sich burch Disziplin, burch Orbnung, Fleiß unb Haltung ber Zeit, bie sie durchlebt, unb ber Männer, bie für sie ihr Leben einsehen, roürbig zu erweisen. Da wirkt Besserwisserei unb gerne- grofjes Schwabronieren nur ousreizenb unb bumm. Gerabe im Kriege, in bem Millionen Männer ihr Leben vor bas ber Hatton stellen, muß bie Jugenb roieber lernen, Achtung vor ber opferbereiten Männlichkeit zu haben unb in ber Frau unb Mutter bie weibliche Kämpferin für ben ewigen Fort- beffanb bes Volkes z u ehren unb z u roürbig e n. Sie selbst aber soll sich in Gehorsam unb Bescheibenheit über unb bamit vor allem bie Pflichten erfüllen, bie ber Krieg an sie stellt. So viele Männer verbringen heute als Soldaten ihr Leben ausschließlich im Gehorsam und Pflicht. Sie haben sich gern und freudig chrer eigenen freien Willenbestimmung begeben, um in der Gemeinschaft der Wehrmacht dem Vaterlande zu dienen. Wie viel eher kann das vor allem jetzt im Kriege von einem deutschen Jungen und einem deutschen Mädel verlangt werden! Sie sollen ja ein- diesen Pakt „das wichtigste Ereignis in der Jetztzeit". Es hilft London nichts, wenn es versucht, die weltweite Bedeutung des Paktes, der in London katasttophaler explodiert sein dürfte, als alle dort bisher von den Stukas ab geworfenen Bomben, zu verringern. „Der Vertrag ist ein Stahl gürte! um England, das sich von Tag zu Tag weiter von feinen Besitzungen entfernt sieht." Güners Berliner Besuch. Vollständige Klärung in freundschaftlichem Gedankenaustausch. Berlin, 28. Sept (DHB.) Der Besuch bes spanischen Ministers bes Innern, Herrn Serrano Sun er, in Deutschlanb hat Gelegenheit zu einem eingehenben unb erschöpf enben G e- bankenaustausch mit ber Reichsregierung geboten, an bem in ben letzten Tagen auch ber in Berlin anroefenbe italienische Minister bes Meuteren Graf Eiano teilgenommen hat Die Besprechungen, bie ftänbig von bem Geiste ber zwischen ben brei Mächten besiehenben engen Freunb- schaft getragen waren, haben zu einer v o 11 ff ä n - bigen Klärung alter bie gemeinsamen Interessen berührenden Fragen geführt. * Der spanische Innenminister Serrano S u n e r hat sich mit mehreren Herren seiner Begleitung im Sonderzug zu einem kurzen Besuch nach München begeben. In Vertretung des abwesenden Reichsministers des Auswärtigen hatte sich der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, von Weizsäckers zur Verabschiedung eingefunden. Von München aus wird sich der spanische Innenminister n a ch R o m begeben. Auch die übrigen Mitglieder der spanischen Delegation haben Berlin kurz nach der Abfahrt des spanischen Innenministers verlassen, um über Paris nach Spanien zurückzukehren. „Spanien will nicht mehr abseits bleiben." Madrid, 20. Sept. (Europapreß.) Zu den Berliner Besprechungen Serrano Suners bemerkt die spanische Zeitung „Pa" u. a., Spanien fei f e ft eingebaut in bie Politik der jungen autoritären Staaten und wolle nicht mehr abseits der großen Ereignisse der Weltpolitik -bfeiben. Es fei zugegen und behaupte seinen Platz in der internationalen Politik. Der Berichterstatter des parteiamtlichen Organs „Arriba" erklärt: „Wenn es wahr ist, daß Spanien, um einen Rang unter den Völkern einzunehmen, die die Neuordnung gestalten, hat Blut vergießen müssen, so ist dies alles durch das gerechtfertigt, was in dem deutschen Schlußkommu- ntqu6 über die Bemühungen Serrano Suners in Berlin ausgedrückt wird. Alle die Gründe, die für eine Beteiligung Spaniens an der Neugestaltung Europas sprechen, konnten durch den außerordentlichen Botschafter des Caudillo bargelegt werden. Das traditionelle Interesse der Deutschen für das Schicksal Spaniens und die ehrliche Freundschaft, die man den Spaniern in Berlin entgegenbringt, hat die Arbeit Serrano Suners erleichtert." % Piraterie in der westlichen Hemisphäre Deutscher Dampfer innerhalb der amerikanischen Sicherheitszone gekapert. Berlin, 28. Sept. (DNB.) Die amerikanische Presse meldet die Aufbringung des deutschen Schiffes „Weser" durch den kanadischen Dampfer „P r i n c e Robert" auf der Höhe von Manzanillo. Die Meldungen bezeichnen das kanadische Schiff als „Hilfskreuzer". Der in den amerikanischen Meldungen angegebene Ort liegt innerhalb Der Sicherheitszone, die auf der Panamakonferenz unter Führung von USA. durch sämtliche amerikanischen Staaten proklamiert worden ist. Die Kaperung eines friedlichen deutschen Handelsschiffes stellt einen ausgesprochenenKriegsattdar mal erwachsene und reife Menschen unseres großen und stolzen Volkes werden, und Diele von ihnen sind dazu berufen, in ihrem späteren Leben zu beseh l e n. Gerade deshalb müssen sie jetzt gehorchen lernen. Das gilt vor allem für eine Zeit, in der von der Pflichterfüllung und vom Gehorsam alles abhänat. Die HI. und der BDM. sind also dazu da, zusätzliche Erziehungsarbeit auch für das Elternhaus, das diese heute vielfach in nur unvoll, fommener Weise durchführen kann, mit zu übernehmen. Jeder Vater im Felde und jede Mutter zu Hause ober im Beruf muß ihr Kind, das ja schließlich ihr Liebstes ist, bei der HI. ober beim BDM. wohl aufgehoben wissen. Sie muß davon überzeugt sein können, daß Jungen und Mädel hier im Laufe der Jahre zu aufrechten Männern und Frauen erzogen werden. Wir lehren unsere deutsche Jugend nicht wie die englischen Plutokraten chre Kinder, in jungen Jahren Frack und Zylinder zu tragen. Wer das später im Leben nötig hat, der kann es auch später noch lernen. Wir lehren unsere Jugend etwas, was sie im späteren Leben nur sehr schwer noch nachholen kann, nämlich Haltung unb Charakter. Dazu müssen bie ersten keime bereits in jungen Jahren gelegt werben. Dir hulbigen bamit in unserer Jugenberziehung einem neuen Jbeal, so wie ber Führer es uns lehrte. Hach ihm hat bie Hiller-Jugenb ihren Hamen erhalten. Sie ist bie einzige Organisation im Reich, die sich nach bem Führer nennen barf. Das auferlegt ihr eine große Verantwortung: Das vor allem auch gibt ihr bie Verpflichtung, bem Manne nachzuleben unb nachzu- streben, nach bem sie ihren Hamen führt. Der Führer ift bas leuchtenbste Beispiel für bie beutsche Jugenb. Cr verlangt von ihr in ber harten Zeit bes Krieges Haltung, Charakter, Gehorsam unb Disziplin. In feinem Sinne unb nach feinem Gebot muß beshalb bie beutsche Jugenb leben, schaffen unb arbeiten. und ist daher eine grobe Mißachtung der amerikanischen Sicherheitszone durch das Schiff eines Landes, das selbst zur westlichen Hemisphäre gehört. Es steht nicht einmal fest, ob das aufbringende Schiff ein reguläres Kriegsschiff oder nicht vielmehr ein bewaffnets Handelsschiff war, das mit der Kaperung eine reine Piraterie be- aangen haben würde. Es wird interessant sein, zu beobachten, ob und wie die amerikanischen Staaten auf diese neue Verletzung der von ihnen proklamierten Sicherheitszone durch die Briten reagieren werden, die im Vertrauen auf die englandfreundliche Haltung eines großen Teils dieser Staaten und auf die geheime und offene Unterstützung durch die Vereinigten Staaten gar nicht daran denken, irgendwelche Rücksichten auf die von den amerikanischen Staaten proklamierten Grundsätze zu nehmen. Ernste Schaden an Londoner Docks. Der Wehrmachtsbericht vom Sonntag. Berlin, 29. September. (DHB.) Das Oberkommando ber Wehrmacht gibt bekannt: Die Vergeltungsangriffe unserer Luftwaffe richteten sich am 28. 9. unb in ber Hacht zum 29. 9. mit Schwerpunkt gegen Conbon unb außerbem gegen Liverpool unb anbere Hafenziele im Süben Englanbs. Ernste Schäben würben in Conbon an ben Silverton-Docks, in Gravesenb, bei ben Tittmry-Docks sowie im Themsebogen unb bei ben Ostinbia-Docks verursacht. Vor ber schottischen Ostküste gelang es, durch Angriffe aus der Cuft aus einem stark gesicherten Gele i k z u g zwei Handelsschiffe von je etwa 6000 Brt durch Volltreffer zu versenken. In Verlause der Tagesangriffe entwickelten sich über Conbon an einigen Stellen heftige, für uns sehr erfolgreiche Cnfttämpfe. Die britische Cufftvaffe führte Hadj(angriffe vor allem gegen bas west- unb sübwestliche Grenzgebiet. Einige britische Bomber, bie bis bicht vor Berlin vorstießen, würben burch bas Abwehrfeuer ber Flakartillerie gezwungen, abzudrehen, ohne das Weichbild der Reichshauptstadt erreicht zu habend In West- und Südwestdeutschland warf der Gegner mehrfach Bomben, ohne nennenswerten Sachschaden anzurichten. In einer westdeutschen Stadt wurden abermals D ohnviertel angegriffen und mehrere Personen, die sich nicht in Schuhräumen befanden, getötet oder verletzt. Der Feind verlor gestern insgesamt 2 8 F l u g - zeuge, davon drei durch Flakartillerie. Hur ein deutsches Flugzeug wird vermißt. Oie Wucht der deutschen Angriffe verschärft. Kopenhageen, 29. Sept. (Europapreß.) Der Berliner Vertreter von „Berlingske Tidende" teilt feinem Blatt am Sonntag mit, daß während der letzten 36 Stunden nicht weniger als eine Million Kilogramm deutsche Bomben über London abgeworfen worden seien, so daß von einer wesentlichen Verschärfung der Angriffe im Verhältnis zu den vorhergehenden Tagen gesprochen werden müsse. Weiterhin zeichne sich die deutsche Englandoffensive am Ende ihrer dritten Woche durch eine größere Anzahl eingesetzter Maschinen, größere Häufigkeit der Angriffe und größere Bombenkaliber aus. Kampfflugzeuge versenkten 12 000 BAT. Berlin, 29. Sept. (DNB.) Unter Führung des Majors Harlinghausen konnte eine Kette von Kampfflugzeugen am 28. 9. vor der Ostküste Nordschottlands beim Angriff auf einen stark gesicherten Geleit zu g trotz heftiger Flakabwehr zwei Handelsschiffe mit einem Gesamtinhalt von rund 12 000 BRT. versenken. Die Kette hat damit mehr als 100 000 BRT. feindlichen Handelsschlffsraumes vernichtet. Die Eröffnung der Gauausffellung für bildende Künste. Der Wehrmachtsbericht vom Samstag. 1Ü1 britische Flugzeuge abgeschossen. Berlin, 28. September. (DJIB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Die gestern wieder mit starken Kräften geführten Angriffe der Luftwaffe richteten sich in der Hauptsache gegen Hafenanlagen, Docks, Fabriken, Grohkraft- und Gaswerke in London und Südengtand sowie gegen Truppenlager. Bitt besonderem Flachdruck wurden die Häfen in London und Bristol bombardiert. Weit ausgedehnte Brände und Explosionen ließen den Erfolg überall erkennen. 3n Wittelengland gelang es, ein Rüstungswerk durch. Bomben schwersten Kalibers vernichtend zu treffen. Fernkampfbatterien nahmen Dover erneut unter Feuer und beschädigten drei im Hafen liegende bewaffnete Handelsschiffe schwer. Rach späteren Beobachtungen sind zwei Schiffe gesungen. 3m Seegebiet nördlich 3 rland griffen Kampfflieger einen stark gesicherten Geleitzug an und versenkten durch Volltreffer ein Handelsschiff von 5000 Brt. Einige wenige feindliche Flugzeuge warfen bei Rächt planlos Bomben in westdeutschem Grenzgebiet auf freies Feld. Schaden wurde nicht angerichtet. Starke nächtliche Bergeitungsangriffe trafen kriegswichtige Ziele in London und Liverpool. 3m Laufe des 27. 9. kam es zu zahlreichen heftigen Luftkämpfen, in deren Verlauf 101 britische Flugzeuge abge- schossen wurden. 38 eigene Flugzeuge kehrten nicht zurück. Winensuchboote griffen ein britisches Un- f e r f e e b o o f mit Wasserbomben an. Seine Vernichtung ist wahrscheinlich. Beim Angriff auf Wittelengland zeichnete sich eine Flugzeugbesahung unter Führung von Oberleutnant Leonhardi besonders aus. Sie stieß in schneidigem Tiefangriff trotz starker Abwehr auf ein Rüstungswerk hernieder und setzte ihre Bomben aus niedrigster höhe mitten ins Ziel. 0er italienische Bericht vom Sonntag. Rom, 29. Sept (DRB.) Der italienische Wehr- Machtsbericht vom Sonntag hat folgenden Wortlaut: 3n Rordasrika ist bei den üblichen Erkundungsflügen ein Pilot eines der im Dehrmachts- bericht vom Samstag als abgefchoffen erwähnten Flugzeuge aufgefunden und gefangen genommen worden, per Feind hat feine Luftangriffe auf Barbia, Derna sowie auf die Zonen von Sollum und (Biarabub erfolglos erneuert Die Verluste beliefen sich auf einen Verwundeten und einen beschädigten Kraftwagen. 3n Oftafrila haben einige patrouillenzufam- menstöße an der Grenze von Kenia (bei Gherilli) östlich von Waijr und bei Tedignac im Gebiet des Rudolfsees einen für uns günstigen Ausgang genommen. Der Feind ist überall in die Flucht geschlagen worden und hat insgesamt sechs Tote, darunter einen Unteroffizier, und zahlreiche Verwundete, auf dem Feld zurückgelassen. Unserseits wurden vier Kolonialsoldaten verwundet. Unsere Luftwaffe hat die Radiosiation von Uadi 3ufuf (nordwestlich von (Ballabat) bombardiert sowie eine Autokolonne und Luftabwehrabteilungen mit Maschinengewehren aus geringer höhe beschossen und versprengt und ist sodann zu ihren Stützpunkten zurückgekehrt. Die feindliche Luftwaffe hat Assad, Dessie und Lombolcia, ohne Schaden anzurichten, bombardiert (ein Schwarzhemdler wurde verletzt). Ferner wurde Uesca Ueca (südlich von Wagi), ohne Verluste oder nennenswerten Schaden anzurichten, bombardiert. Malta erneut bombardiert. Der italienische Bericht vom Samstag. Rom, 28. SepL (DRB.) Der italienische Wehr- Machtsbericht vom Samstag hat folgenden Wortlaut: Zwei unserer Luftformationen haben in Begleitung von 3ägern im Angriff auf die Insel Walia wiederholt und die Flughasen von Wicabba und Hal Far bombardiert. Rachdem die Formationen ungestört ihre Aktion durchgeführt hatten, wurden sie von feindlichen 3ägcrn angegriffen. Zwei feindliche Flugzeuge wurden schwer beschädigt und sind wahrscheinlich abgefchoffen worden. Alle untere Flugzeuge sind zurückgekehrt. 3n Rordafrika gingen die Säuberung^- und Aufklärungsaktionen weiter. Die feindliche Luftwaffe hat Angriffe auf (Barn Ul Grein und" Gia- 3um 5. Male feit der Machtübernahme findet die Gauausstellung für bildende Künste in Frankfurt statt. Die Ausstellung ist in den Räumen des Städtischen Kunstinstituts vom 28. September bis 27. Oktober 1940 geöffnet. Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger eröffnete sie in einer Feierstunde, der die Vertreter der Partei und der Behörden sowie der Wehrmacht und des Kunstschaffens beiwohnten. Der Landesleiter für die bildenden Künste, Professor Dr.-Jng. Lieser, betonte, daß die Ausstellung naturgemäß vom Krieg beeinflußt worden fei. Die entscheidende Frage, ob der Künstler auch während des Krieges die Kraft aufbrinae, Gutes zu leisten, sei zu bejahen, denn dafür gäben die ausgestellten Werke beredtes Zeugnis. Die durch den Krieg erzwungene Beschränkung auf Werke der Malerei, Bildhauerei und Graphik habe der Ausstellung nur zum Vorteil gereicht. Das Gesamtbild fei dadurch einheitlicher und geschlossener geworden. Die ausgestellten Werke ließen die gemeinsame Sprache des Blutes und der Landschaft erkennen, ohne daß der einzelne Künstler auf die ihm eigene Art «rzichtet habe. Don weit über 700 eingereichten Arbeiten würden diesmal über 300 Werke gezeigt. Gerade in Kriegszeiten gehe es für den Künstler darum, nur Gutes und Großes zu schäften und dafür feine Arbeitskraft einzufetzen. Für Dilettantismus fei kein Platz. Mancher schlechte Dilettant in der Kunst würde besser als guter Arbeiter auf anderen Gebieten wirken. Diese Forderung müsse im Interesse der Kunst und der Allgemeinheit gestellt werden. Der Pflege, Förderung und Erziehung der lebendigen Kunst, einem Ideal, das dem Stifter des Städelfchen Instituts vorschwebte, sei auch die diesjährige Ausstellung gerecht geworden, deren Sinn es auch fei, aufzuzeigen, wie der Gau Hessen-Nassau auf dem Gebiet der bildenden Kunst im Vergleich zu anderen Gauen stehe. Es fei erfteulich, daß gerade bei der diesjährigen Großen Kunstausstellung in München der Gau rabub durchgeführt, wobei zwei Libyer getötet und ünf 3taliener verletzt wurden. Unsere 3äger, die ofort eingriffen, haben zwei feindliche Flugzeuge abgefchoffen, drei weitere find wahrscheinlich abge- chossen worden. 3m Ostafrika haben englische Truppenabteilungen zwei Einfalle mit Kraftwagen in das Gebiet von Eafalla versucht. Rach Zusammenstößen mit unseren Spähtruppen zogen sie sich unter Verlusten zurück. Unsere Luftwaffe hat feindliche Verteidigungsanlagen im mittleren Sudan bombardiert Ein feindlicher Luftangriff auf Affab hat weder Opfer noch Schäden verursacht Esu englisches Flugzeug ist bei Cam- pedüsa gelandet und ging dabei zu Bruch. Die Besatzung, bestehend aus einem Offizier und zwei Unteroffizieren, wurde gefangengenommen. Luxemburgs deutsche Zukunst. Luxemburg, 29. September. (DRB.) Am Samstag hielt der Chef der Zivilverwaltung Gauleiter Staatsrat Simon einen Appell ab, der die Volksdeutschen Luxemburgs mit der Parteigenossenschaft aus den benachbarten Gebieten des Altreiches zusammenführte. Gauleiter Simon erklärte, auch hier in Luxemburg hat eine neue Ordnung der Dinge begonnen. Anlaß dazu gab die Tatsache, daß Regentin und Regierung nach Beginn der deutschen Offensive die Flucht ergriffen. Ich stelle ausdrücklich noch einmal fest, diese Flucht war unbegründet. Wenn aber eine Regierung ihre Treuepflicht bricht, dann ist die Bevölkerung von der für sie bestehenden Pflicht gleichfalls entbunden. Die deutsche Verwaltung hat als oberste Richftchnur den Satz ausersehen, „Luxemburg ist ein deutsches Land". Um Luxemburg in seiner deutschen Art zu erhalten, war eine Reihe von Maßnahmen notwendig. Wobei nicht die Absicht bestand, Luxemburg umzumodeln, sondern es vielmehr von willkürlichen Ummodelungen der Vergangenheit zu befreien. Hierzu gehörte zuerst einmal die Befrei- ungvomFirnis einer fremderSprache, der französischen. Das Parteienverbot ist deshalb gerechtfertigt, weil die Parteien Luxemburg zu einem Spielball ihres Systems gemacht und eine üble Hetze gegen das Deutsche Reich entfaltet haben. Die Verordnung über Gehälter, Löhne, Steuern, Abgaben soll ermöglichen, daß der reichsdeutsche Lebensstandard auch zum Lebensstandard des Luxemburgers wird. Gauleiter Slmon schloß: „Meine Volksgenossen! Sie werden Ihre Heimat nicht verlieren, Sie werden Ähre Heimat behalten und werden nach dem vollzogenen Umbau des Hauses feststellen, daß sie schöner und lebenswerter geworden ist. Sie werden dann ebenso stolz sein auf das Hessen-Nassau so gut abgeschnittetn habe. Zu diesem Erfolg hätten die bisherigen Ausstellungen im Gau wesentlich beigetragen. Dank der Schaftenskraft der Künstler sei eine Ausstellung von beachtlicher Höhe zustande gekommen und dank der Beschränkung auf Werke der Malerei, Graphit und Plastik sei eine Geschlossenheit der Ausstellung erreicht worden, wie sie früher nicht vorhanden war. Möge deshalb auch diese Ausstellung, die im Zeichen des Krieges stehe, den deutschen Menschen Freude und Anregung und den Künstlern den verdienten Erfolg geben. Uraufführung im Frankfurter Schauspielhaus. _ Friedrich Bethges neues Werk „Anke von Skoepen" wurde in Anwesenheit des Autors im Frankfurter Schauspielhaus uraufgeführt. Die Ira- gödie ist inhaltlich eine Fortsetzung der „Rebellion um Preußen" und führt das mit der ersten Tragödie aufgeworfene dramatische Schicksal des deutschen Ordens zu Ende. Der Ordensmarschall Michael Küchmeister hat Heinrich von Plauen, den Retter der Marienburg, gestürzt und gefangengesetzt. Zwischen Zweifel und Zögern vergehen die Jahre Küchmeisters. Derweilen die Polen, entgegen dem Thorner Frieden, brennend, plündernd und schändend ins Land einfallen, erläßt Küchmeister, verblendet vom Wahn eines ewigen Friedens ein Kampfverbot. Als die Polen bei Skoepen wie Wölfe in das wehrlose Land einbrechen, reißt eines Mädchens mutiges Wort Männer und Frauen zur Gegenwehr. Anke von Skoepen führt sie an und sie werfen die Polen in die Weichsel. Küchmeisters Richterspruch verwirft Ankes heldenmütige Tat und verurteilt sie zum Tode. Sein eigener Sohn aber opfert sich, Anke wird gerettet und Küchmeister muß abdanken. So siegt die Liebe zu Land und Volk über die landfremde Satzung. Die Uraufführung in der Inszenierung des Generalintendanten Hans Meißner gestaltete sich zu einem großen Erfolg. Großdeutsche Reich und seinen herrlichen Führer Adolf Hitler." Kleine politische Nachrichten. Der Führer empfing Samstagmittag in der neuen Reichskanzlei den italienischen Außenminftter Graf Ciano in Gegenwart des Reichsministers des Aeußeren v. Ribbentrop zu einer längeren Aussprache. Der italienische Außenminister Graf C i a n o hat sich wieder nach Rom begeben. In Vertretung des abwesenden Reichsministers des Auswärtigen geleitete der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes o. Weizsäcker den italienischen Außenminister zum Bahnhof. In Hannover wohnte der italienische Staatsminister Farinacci der Eröffnung einer Kunstausstellung bei, die 69 ausgewählte Gemälde der Ausstellung „Premio Cremona" enthält. Die Technische Hochschule verlieh dem italienischen Gast die Würde eines Dr. ing. h. c. in einer Feier, bei der der Rektor der Technischen Hochschule Prof. Dr. ing. habil. Matting die hohen Verdienste des Ministers würdigte und der Dekan der Fakultät Mr Allgemeine Wissenschaften Prof. Dr. Müller die Verdienste Fari- naccis bei der wissenschaftlichen und baulichen Neugestaltung feiner Heimatstadt Cremona schilderte. ♦ Zur Erinnerung an die Unterzeichnung des Dreimächtepaktes hat der Kaiser von Japan dem Reichsminister des Auswärtigen v. Ribbentrop den Orden Paulownia übersandt. Reichsminister Dr. Ley traf am Samstag zu Besprechungen mit Reichskommissar Terboven in Oslo ein. * In der ersten diesseits der deutsch-russischen Interesse ngrenze gelegenen Eisenbahnstation N o v y Za- g o r z traf am Freitagabend der erste Transport Reichs- und Volksdeutscher aus dem Buchenlande ein. Es sind 260 Reichsdeutsche und 740 Volksdeutsche aus der Stadt Tschernowitz. Insgesamt werden bis zum 6. November aus dem Buchenlande 36 000 Deutsche auf dem Schienenwege in Sanok erwartet. * Die bulgarischen Truppen haben die dritte Zone der Süd-Dobrudscha ohne Zwischenfall besetzt. Sie wurden von der Bevölkerung herzlich empfangen. Der Metropolit der Orthodoxen Kirche im Gene- raj-GouverneMent, Dionysius, wurde in Anwesenheit von Vertretern der ukrainischen Volksgruppe auf der Burg zu Krakau vom General-Gouverneur Dr. Frank feierlich als Oberhaupt der Orthodoxen Kirche im General-Gouvernement be* (tätigt. Der Kirchenfürst sagte eine kanonische Glie- derung der Kirche in drei Diözesen mit eigenen Bischöfen ukrainischer Nationalität an. Als erster Ukrainer wird Professor Dr. Ohijenko zum Bischof von Chelm geweiht. Aus aller Welt. HI.-Sänger auf Gastspielen in Holland. Belgien und Frankreich. Der seit 1930 bestehende, aus der HI. der Kampfzeit hervorgegangene Mechtaler Singekreis, der zugleich die HI.-Sing- und Spielschar des Bannes 156 Beuthen ist, wird eine Gastspielreise durch Holland, Belgien und Frankreich veranstalten. Der Mechtaler Singekreis hat im Rundfunk weit über 100 Sendungen dargeboten. Die Leitung hat Hauptgefolgschaftsführer Georg M a g i e r a, der erst kürzlich einen Erzählerpreis des NS.-Lehrerbundes erhielt und sowohl als Tonkünstler wie als Schöpfer zahlreicher Märchenspiele einen bekannten Namen in der nationalsozialistischen Jugendarbeit hat. Wegen Widerstandes erschossen. Der Reichsführer jf und Chef der Deuftchen Polizei teilt mit: „Am 27. September 1940 wurde wegen Widerstandes der 33 Jahre alte Berufsverbrecher Gerhard Trampel und der 21 Jahre alte Gewaltverbrecher Werner Obst erschossen." Landesverräter hingerichtet. Der vom .Volksgerichtshof wegen Landesverrats zum Tode und zu dauerndem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilte 50jährige Franz Bauer aus Settenz bei Teplitz-Schönau ist hingerichtet worden. Der Verurteilte hat im Ausland« im Herbst 1937 bis Juli 1938 aus Gewinnsucht Agenten für einen feindlichen Nachrichtendienst zu werben versucht, Ausspähunasaufträge erteilt und deren Ergebnisse seinem Auftraggeber übermittelt. Gewaltverbrecher hingerichtet. Am 28. September sind Wilhelm Schwabe, 20 Jahre alt, aus Heven, Paul Bugla, 30 Jahre alt, aus Herten und Walter Jenner, 41 Jahre alt, aus Dresden, die vom Sondergericht Dortmund als Dolksschädlinge wegen Meuterei zum Tode verurteilt worden waren, hingerichtet worden. Schwabe, Bugla und Jenner, drei häufig vorbestrafte Schwerverbrecher, die im Zuchthaus in Münster untergebracht waren, hatten unter Ausnutzung von Kriegsumständen, insbesondere des Lärms eines Fliegerangriffs, gemeinschaftlich einen gewaltsamen Ausbruchsversuch unternommen. — Am 28. September, ist auch der 18 Jahre alte Postarbeiter Heinrich M u ck e 1 aus Düsseldorf hingerichtet worden, der vom Sondergericht in Düsseldorf als Gewaltverbrecher wegen Mordes zum Tode verurteilt worden war. Muckel, der feine Arbeitsstelle nach Begehung von Unterschlagungen verlassen und sich umhergettieben hatte, hat am 16. Juli in Düsseldorf einen Ob st gärtner ermordet und danach feiner Barschaft und seiner Uhr beraubt. — Ferner ist die 1915 in Kargendoift, Kreis Anklam, geborene Anna Drywa hingerichtet worden, die vom Sondergericht in Stettin wegen Mordes in zwei Fällen zum Tode verurteilt worden ist. Die Drywa hat nacheinander zwei alte kränkliche Frauen, deren Pflege sie übernommen hatte, in sadistischer Freude an den Qualen ihrer Opfer heimtückisch vergiftet. Danach bereicherte sie sich am Nachlaß der Ermordeten. Sleinzeilgrolle in der Dordogne entdeckt. Eine mit Tierzeichnungen aus der Steinzeit fast vollständig bedeckte Grotte wurde dieser Tage von vier Schuljungen bei dem Dorfe Montignay s u r Vizere in der Dordogne (Südwestfrankreich) entdeckt. Die Jungen hatten sich Eingang in eine Höhle verschafft, deren fast senkrechter Eingang bisher als Müllgrube benutzt worden war. Im Innern der riesig großen und verzweigten Höhle machten sie die Entdeckung, daß die gesamte Decke mit Tierzeichnungen über und über bedeckt war. Sie brachen einige dieser verzierten Steine los und zeigten sie ihrem Lehrer, der bekannte Archäologen von der Entdeckung verständigte. Professor Abbe B r e u i 1, der mit einigen anderen Gelehrten die Grotte besichttgte, bezichnetesie in ihrer Art als einzigartig. Das Alter der sehr gut erhaltenen Zeichnungen, die vorwiegend Büffel und Renntiere dar. stellen, wird auf 2Ö 000 bis 30 000 Jahre geschätzt. Reue Explofionskalastrophe In USA.-Blunitionsfabrif. Knapp 2 Wochen nach der Explosionskatastrophe von Kenvil, bei der 50 Arbeiter ihr Leben ein- büßten, ereignete sich in der nicht weit davon gelegenen Heeres-Munitionsfabrik von Picatinny (New Jersey) ein neues Explosionsunglück, bei dem zwei Zivilisten getötet und elf verwundet wurden. Die Arbeiter waren mit der Entleerung von Weltkriegsbomben beschäftigt, die mit frischem Explosivstoff gefüllt werden sollten Wegen der Gefährlichkeit des Arbeitsprozesses befanden sich nur wenige Personen in der Nähe des Fabrikgrundstückes, wodurch sich die verhältnismäßig geringe Opferzahl erklärt. / Die grüne ECKSTEIN-Packung Ist zum Sinnbild einer beliebten Zigarette geworden. Diese Beliebtheit verdankt die ECKSTEIN Nr.5 Ihrer hohen Tabak-Qualität. Um diese Qualität bieten zu können, wurde auf eine kostspielige Verpackung verzichtet. EsMato Neues für den Büchertisch auch Likör. „Ich habe bis jetzt aus diesem Lager", so berichtet der Leiter, ein Oberzahlmeister, „46 Waggons mit Rum an die Truppe verteilt, jeder Waggon mit 700 Kisten, jede Kiste mit zwei Steinkruken von je fünf Liter Inhalt, macht 323 000 Liter! Und Sie sehen ja selber, was noch dasteht!" Der noch vorhandene Stapel der Rumkisten hat das Format eines gediegenen Zweifamilienhauses. Winston hat ja wiederholt vom „ruhmreichen" Rückzug seiner Briten gesprochen, jetzt wissen wir, daß es auch ein rumreicher Rückzug war ... Seit Monaten werden die deutschen Truppen in Frankreich aus diesen Beutelagern zusätzlich versorgt, unsere eigenen deutschen Bestände sind dadurch wesentlich ent- — Zu dem gewaltigen Komplex der Länderkunde, die der Erdkunde den unvergleichlichen Glanz und Schimmer gibt, bildet die Allgemeine Geographie die notwendige systematische und methodische Ergänzung. Hier geht es um die Grundbegriffe, auf der die Länderkunde dann ihren vielgestaltigen Bau aufrichtet. Und doch hat auch diese „Allgemeine Geographie", von,der das „Handbuch der geographischen Wissenschaft" (Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion, Potsdam) jetzt den I. Teil in einem 556 Seiten starken Bande vorlegt, ihre Reize. Die Geschichte einer Pionierwissenschaft kennen — denn das ist die Geographie — vermittelt uns Konrad Kretschmer in fesselnden Ausführungen. In ihr Wesen und ihre Methoden führt uns Hermann Lautensach ein. Die Erde als Ganzes — als Weltkörper, die Orientierung auf der Erde, den Erdkörper und die Erdoberfläche — behandelt Max Hannemann mit seltener Anschaulichkeit. Dann folgen die Abschnitte: „Allgemeine Klimatologie" von Wilhelm Meinar- dus, „Allgemeine Meereskunde" von Bruno Schulz, „Das Wasser des Festlandes" von Fritz Nußbaum und die „Morphologie der Erdoberfläche" von Walter Behrmann. Wieder überrascht die Fülle der Bilder, wieder sind sie vorbildlich mit dem Text verwoben und bestätigen erneut, daß in dem „Handbuch der geographischen Wissenschaft", dessen verdienstvoller Herausgeber unser Gießener Geograph Professor Dr. Fritz Klute ist, ein Werk von allgemeinster und umfassendster Bedeutung seiner Vollendung entgegengeht. PK. Die Engländer hatten sich in Frankreich für einen langen, für einen sehr langen Krieg einge- "'' ' ' ’ Westfrankreich Dutzende große — Welches Tier i st das? Tabellen zum Bestimmen wildlebender Säugetiere, Kriechtiere und Lurche Großdeutschlands. Mit einer kleinen Zusammenstellung von Fachausdrücken aus der Weidmannsprache. Von Dr. Georg Stehl i. Mit 260 Abbildungen auf 4 Farbtafeln, 32 Kunstürucktafeln und im Text. Kartoniert 3 RM. Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart. Dieser Naturfuhrer umfaßt vom Hirsch bis zur Spitzmaus, vom Luchs bis zum Wiesel, vom Salamander bis zur Kreuzotter und von der Sumpfschildkröte bis zum Laubfrosch die wildlebenden Säugetiere Deutschlands, das Groß- und Raubwild, die Nagetiere und Fledermäuse, Eidechsen, Schlangen, Molche, Frösche und Kröten unserer Heimat, die wir auf Spaziergängen, Wanderungen oder Pirschgängen in Wald und Feld und am Wasser antreffen und beobachten können. Größe, Aussehen, Farbe und Form, Vorkommen und bezeichnende Lebensgewohnheiten sind übersichtlich angeordnet. Durch geschickte Bildtafeln augenfälliger Merkmale, wie Fährten und Spuren, Fraßbilder, Lasungen und Bauten, Geweih-, Kopf- und Schwanzformen und durch viele Photos und Farbbilder, die die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zeigen, ist es besonders leicht gemacht, die Tiere zu erkennen, sich Aussehen und Namen einzuprägen. — „M ünchner L e s e b o g e n" Nr. 1 bis 24 (Verlag Carl Gerber, München) je 20 Pf., 12 verschiedene Lesebogen in Geschenkkassette RM. 2,40. — (144)— Zwei hübsche farbige Küssetten enthalten je 12 kleine Büchlein, die alle verschieden sind, Tommys Erbe in Klein-Kamerun Besuch in einem englischen Beutelager. vernichtet!" Und der total betrunkene Führer des Zerstörungskommandos schrieb seinen Namen unter diese Mesdung, diese Meldung wurde der englischen Armee übermittelt und die 20 blau angelaufenen Briten wurden mit der Eisenbahn abgeschoben. Unterdessen war die französische Bevölkerung vön nah und fern herbeigeströmt, um ihre Speicher und Keller aus den Vorräten des Lagers zu füllen. Mit allen erdenklichen Beförderungsmitteln sind tagelang große Mengen geplünderten Gutes aus diesem Lager weggeschafft worden, im ganzen aber war es doch nur ein verschwindend geringer Bruchteil der riesigen Bestände, die völlig unversehrt in deutsche Hände fielen. Zum Schluß hat dieser eine Mann mit einer Pistole das Lager verteidigt. Er legre sich hinter eine Hecke, schoß Löcher in die Luft und rief immer wieder nur den einen Satz: Die Deutschen kommen! Am nächsten Vormittag waren sie wirklich da. Seit fast zwei Monaten werden nun mehrere deutsche Divisionen aus diesem Lager verpflegt. Die Bestände sind noch nicht zu Ende gegangen, es ist immer noch genug da, und es wird noch ein paar Wochen dauern, eye der Inhalt der letzten britischen Beutekisten in deutschen Feldküchen gelandet sein wird. Kriegsberichter Oswald Zenkner. richtet. Sie haben in Westfrankreich Dutzende große und teilweise riesige Lager errichtet, in denen Vorräte aller Art aufgestapelt wurden, die nach dem Urteil fachkundiger Männer ausgereicht hätten, die nicht allzu große britische Expeditionsarmee jahrelang zu versorgen. Der schnelle, aber „siegreiche" Rückzug verhinderte die Tommys daran, alle diese schönen Sachen im Werte von Hunderten und aber Hunderten Millionen Reichsmark wieder nach England zurückzutransportieren. Sie kamen in den meisten Fällen nicht einmal dazu, diese Lager zu zerstören, sie fielen den vorwärtsstürmenden deutschen Truppen als Beute in die Hand. Irgendwo in Frankreich liegt „Klein-Kamerun". Dieser Ort, mitten in verwilderten seit Jahren unbebauten Feldern, kilometerweit vom nächsten Dorf entfernt, heißt nicht so, unsere Soldaten haben ihn nur so getauft. Klein-Kamerun ist eines dec größten englischen Beutelager in Frankreich. Es wurde 1917, während des Weltkrieges, erbaut und war damals als Auffüllungslager bestimmt. 1939 haben es die Engländer übernommen, die hier, auf 50 000 Quadratmeter Fläche, U n - mengen von Lebensmitteln aller Art auf- gsstapelt hatten. Die Gesamtmenge der Vorräte, die hier erbeutet worden sind, ist auch nicht annähernd geschätzt worden. Die Zahl der Kisten, die zu vier Meter hohen Stapeln aufgetürmt waren, geht in die Hunderttausende. In diesen Kisten aber war alles verpackt, was auch das Herz und den Magen deutscher Soldaten erfreut: Beste Konserven aller Art, Fleisch- und Gemüseportionen in wahrhaft rauhen Mengen, Mischkonserven mit Fleisch, Kartoffeln und Bohnen, Butter und Margarine, ganze Eijen- bahnzüge mit gekochten Kartoffeln in Dosen, die besten eingelegten Früchte, ungezählte Tausende Zentner Kaffee, Tee, Kakao, Mehl, eine Milliarde Zigaretten, Tabak, Fußpuder und Insektenpulver, Spirituskocher und Klosettpapier, Fischkonserven und Zündhölzer, Schmalz und Zwieback in Kanistern, und Alkohol, Alkohol... Die Tommys müssen viele Sorgen gehabt haben, wer Sorgen hat, hat lastet worden. Der Speisezettel der Soldaten wurde noch abwechselungsreicher, denn die erbeuteten Bestände sind durchweg von erstklassiger Qualität. Der Tommy hatte sich, wie gesagt, für einen langen Krieg vorbereitet, er hat die meisten seiner Konserven sogar in tropenfeste, doppelwandige Ueber- seepackungen verstaut, in denen die Lebensmittel jahrelang vor dem Verderb geschützt sind. Die Engländer hatten nach ihrem Rückzug ein 20 Mann starkes Vernichtungskommando zurückgelassen, das den Auftrag hatte, das riesige Lager zu zerstören, abzubrennen und ganz zu demolieren. Aber da war ein Mann, der sich der Tommys liebevoll und gastfreundlich annahm. .Er sorgte dafür, daß die 20 Tommys drei Tage lang nicht mehr nüchtern wurden, er setzte sie so unter Spiritus, daß sie am dritten Tage nur noch Flammen und rauchenden Dunst vor ihren trüben Augen sahen. Er schrieb die Meldung an das Oberkommando der britischen Expeditionsarmee: „Lager Klein-Kamerun auftragsgemäß vollständig nach Farbe, Schrift, Anordnung wie auch der Inhalt verschieden ist: Dichtung, Erzählung, Lebensweistum und Fröhliches aus Vergangenheit und Gegenwart. Es sind nur auserwählt schöne und wertvolle Beiträge. Wir nennen nur: Goethe: Die Natur, Worte von Fr. Nietzsche, Adalbert Stifter, Matthias Claudius, Angelus Silesius, Gottfried August Bürger: „Frühling! Frühling!" (Kleine lyrische Lese), I. Kant: „Du kannst, denn Du sollst" (Dom Ethos der Pflicht), L. van Beethoven: „An die unsterbliche Geliebte", Gottfried Keller: Das Tanzlegendchen, Edgar Dacque: Der Mensch im unendlichen All, Hans Brandenburg: Von deutscher Lebenskunst, Robert Schumann: Musikalische Haus- und Lebensregeln, Sedan, Briefberichte Bismarcks, Moltkes, Roons. Es ist ein hübscher Gedanke, diese Blätter als Angebinde in Briefe zu legen, vor allem an solche, die an unsere Lieben ins Feld gehen. — „Zeugnisse der Deutschen." Zusam> mengestellt von Erika Semmler. Herausgegeben von der Reichsfrauenführung. Leinen 2,80 RM. Ludwig Vogaenreiter Verlag, Potsdam. — (162) — Der deutsche Mensch hat die glückliche Anlage, in Zeiten des äußersten Einsatzes unseres gesamten Daseins in besonderer Weise zu den Quellen und dem Erfahrungsschatz unserer großen Dichter und Denker zu finden. Die hier zusammengestellten Zeugnisse sind uns allen — vor allem aber der deutschen Frau — zugedacht, und ihr Herauswachsen aus einem tätig gelebten Leben verbürgt, daß sie von sich aus neues Leben zeugen werden. Das Buch, das allen heute in der Erziehungs- und Feiergestaltungsarbeit Stehenden in die Hand gegeben werden soll, ist auch äußerlich würdig gestaltet und gleichzeitig preiswert. — Deutschlands U-Boote — der Schrecken Englands. Den Wunsch nach Unterrichtung und vor allem Anschauung Über unsere U-Boot-Waffe erfüllt das soeben erschienene Bildwerk „Deutschlands U-Boote — der Schrecken Englands" im Flotten-Kalender-Derlag Wilhelm Köhler, herausgegeben von Otto F. Schütte. Preis 2 RM. — (68) — Hundert der schönsten und interessantesten Bilder vom Leben und vom Dienst auf unseren U-Booten sind in diesem Buche in bester Druckwiedergabe auf Kunstdrucktafeln zusammengestellt und geben einen eindrucksvollen Einblick in die Arbeit unserer tapferen U-Bootsmänner. Der einleitende Aufsatz von Korvettenkapitän (Jng.) Kiel gibt eine umfassende Darstellung der Unterseeboote in ihrer Entwicklung, ihrer technischen Wirkungsweise, ihren Einsatzmöglichkeiten und ihren Aufgaben im heutigen Kriege. Als willkommene Beilage ist dem Buche eine vollständige Liste aller Schiffe der englischen Kriegsmarine ' mit genauen Einzelheiten beigegebe«. Ein wertvolles und aktuelles Buch! Hauptfchriflleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter bei Hauptichriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik, Feuilleton und Bilder: Dr. Fr. W. Lange: für Stadt Gießen, Provinz, Wirtschaft und Sport: Ernst Blumschein. Dnick und Verlag: Brühlsche Universttätsdruckerei R. Lange K. G. Berlagsleiter: Dr.-Ing. Erich Hamann: Sliqeigenlettei: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Pl.Nr.6. 03305 Dr. med. EUsabeth Scheck Übe während des Krieges meine ärztliche Tätigkeit ab 1. Oktober in der Praxis des Herrn Dr. med. Croon aus. Wir haben unseren lieben Entschlafenen Steuerassistent Josef Görres in aller Stille beigepetzt Für die liebevolle Anteilnahme danken wir hiermit herzlich. Besonders danken wir den Herren des Finanzamts, sowie den Alterskameraden und der NS -Kriegsopferversorgung für das letzte Geleit und die schönen Kranzspenden. Für die trauernden Hinterbliebenen: Lina Görres und Kind. Gießen, den 30. September 1940. |Stellenangebote| Minta für Botengänge und Lagerarbeiten stellt sof. ein Papierhaus Lachlüste von 3«, 20 v. 6. erhalten Sie bet wiederholten Auf- nahmen einer Anreigo | Vermietungen"] Sonniges Zimmer prakt. 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Die Steinfurter Sänger ließen ihm einen Rosenstrauß überreichen. , An das Singen schloß sich eine Heldengedenkfeier an, die allseitig tiefen Eindruck hinterließ. Außer dem „Union-Club" Wetzlar unter Leitung seines Dirigenten Hugo Lotz, der auch die ganze Feier gestaltet hatte, wirkten noch mit: Wetterauer Sänger, das Wetzlarer Streichquartett, ein Knabe und Mädchen als eindrucksvolle Sprecher, beide ebenfalls aus Wetzlar. Die Feier wird in ihrer vorbildlichen Art gewiß überall Nachahmung finden. Die Besprechung der Leistungen fand am Nachmittag statt. An sie schlossen sich verschiedene Ehrungen. So wurde von dem stellv. Sängergauführer Schulrat Born (Darmstadt) besonders begrüßt und geehrt der 80jährige Sänger des Giehener „Liederkranz", Kam. Albrecht, der über 60 Jahre der Sängersache bis auf den heutigen Tag treu geblieben ist. Der Gießener „Liederkranz" selbst erhielt für seine mehr als 100jährige Arbeit am deutschen Lied die von Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels ausgegebene Zelterplakette in Gold überreicht. In seiner Ansprache betonte Schulrat Born, daß solche Verleihungen nicht nur ehren, sondern auch verpflichten, er er» warte, daß nach dem Kriege der gute Sängergeist der oberhessischen Sänger sich weiter bewähre zum Segen des deutschen Liedes. Mit dem Treugelöbnis an den Führer schloß das Gauleistungssingen. zusammen. Eine städtische Dame, Sommerfrischlerin, kommt den Weg vom Wald herunter, schwitzend, mürrisch. Immerhin tut ihr die offenbare Armut der beiden Jungen leid. Sie holt ein Stück Kuchen aus ihrem Täschchen und ruft die Buben heran. । Sie kommen sogleich, Kuchen hat es noch nicht oft gegeben in ihrem Dasein, städtischen noch nie. Aber es dauert ein bißchen, bis sie den steilen Berg hinauf sind. So lange kann die dicke Dame nicht warten. Ungeduldig und verdrießlich wirft sie das Stück Kuchen den Buben an die Erde und ruft: „Da! Hebt's euch auf!" Aber meine Tiroler Buben? Mir stand das Herz still vor Furcht, was sie tun mürben. Aber sie standen so still wie mein Herz, sahen noch einen Augenblick nach dem goldenen, leuch enden Stück Kuchen im Gras hin, kehrten dann um, zu ihren kleinen Holzbündeln. Ohne ein Wort, ohne sich auch nur durch einen Blick untereinander zu verständigen. Sie ließen sich nichts hinwerfen. Sie hoben nichts von der Erde auf. Das find meine fünf Tiroler Buben. Sie gehören mir, ich trage ihr Bild in mir, wohin ich gehe. Sie stärken mich wie Schutzheilige für allen eigenen Kampf des Lebens. Elf Gesangvereine hatten sich am gestrigen Sonntag in der oberhessischen Badestadt den Begutachtern Professor Dr. N o a ck (Mannheim), Professor Dr. Temesvary (Gießen) und Kreischorleiter Grim (Darmstadt) zur Kritik gestellt. Die zu lösende Aufgabe bestand aus einem modernen Chor und einem Soldatenlied. Das Ergebnis der Wertung wurde in Noten 1—4 festgelegt. Die meisten der teilnehmenden Vereine standen von einer schweren Aufgabe, denn die Sangerzahl war durch Einberufungen zur Wehrmacht oft zusammengeschmolzen. Trotzdem waren die Leistungen zum Teil recht beachtlich. Erfreulich ist, daß die beiden Vereine aus unserem Kreis („Arion" Klein-Linden und „C ä c i l i a" L i ch) durch gutes Singen auffielen und mit in vorderster Linie standen. Die beste Leistung erzielte der „Union-Club" Wetzlar. Dem Singen, das im dichtbesetzten Kursbaussaal stattfand, wohnte als Vertreter der Partei der Ho- Skürme der SA. GtreMeifer Backbaus Am gestrigen Sonntagnachmittag fand im Rahmen einer eindrucksvollen Feierstunde die Ueberweisung von über 800 Hitlerjungen im Kreise Wetterau in die SA. statt. Die Feier, die diesmal auf dem großen Platze an der Curtmannstraße stattfand, vereinigte nicht nur die Angehörigen der Partei und ihrer Gliederungen, sondern auch eine große Zahl von Volksgenossen, die den Platz umsäumten, zu einem starken Bekenntnis für den Führer und sein Werk. Um 15.45 Uhr erfolgte vom Standartengebäude in der Senckenbergstraße aus der Abmarsch der Politischen Leiter, der Stürme der SA. und der Formationen der Hitler-Jugend und des Jungvolks unter Vorantritt des Spielmannszuges und des Musikzuges der SA.-Standarte 116 über den Hitlerwall durch die Schottstratze, Steinstraße, Neustadt, Bahnhofstraße, Horst-Wessel-Wall, Seltersweg, Neuenweg, Neuen Bäue, Gartenstraße, Ludwigsplatz, Kaiserallee zur Curtmannstraße. Der Platz und die umliegenden Häuser trugen festlichen Flaggenschmuck. Der Aufmarschleiter, SA.-Sturmhauptführer Walter, konnte hier dem Kreisleiter B a ck h a st s die zum Appell angetretenen Formationen melden. Unter den Klängen des Musikzuges schritt Kreisleiter Backhaus in Begleitung des SA.-Brigadefuhrers Schwarz und des Bannführers T a e s l e r die Front der in einem großen Viereck aufmarschierten Einheiten ab. Danach leitete ein Fanfarenmarsch der Pimpfe über zur Ansprache des Bannsübrers Taesler, durch die Kraft der nationalsozialistischen Idee auch auf die rückhaltlose Mitarbeit jedes einzelnen Deutschen ankomme, schloß der Kreisleiter seine packenden Worte an die Jugend. Nach einem Vorspruch, von einem SA.-Führer gesprochen, erfolgte die Aufnahme der Hitlerjungen in die Stürme der SA. durch den Brigadeführei- Schwarz. der in feiner Ansprache die jungen Kameraden ermahnte, allezeit ihres geleisteten Eides für den Führer eingedenk zu sein. Gerade das hinter uns liegende erste Kriegsjahr habe gezeigt, daß das deutsche Volk den Ausspruch wahrgemacht habe, daß die größte Zahl an Freiwilligen zug'tich die Größe eines Volkes kennzeichne. Wie die Führer der Partei und der SA. an der Front bewiesen hätten, daß sie stets und überall freiwillig für Führer und Volk sich bis zum letzten einsetzen, so müsse auch der in die SA. eintretende Hitlerjunge sich immer diesem Dienst für Führer und Volk verschreiben. Das erste Kriegsjahr sei zugleich ein Jahr der Bewährung für die Kämpfer aus den Reihen der SA. gewesen, denen die jungen Kameraden immer nacheifern müßten. Der Brigadeführer rief dann die jungen Kameraden zu restlosem Einsatz in den Reihen der SA. auf, damit sie ebenso wie die älteren Kayieraden ihre Pflicht beim Kamps um die Neugestaltung Deutschlands erfüllen. Die Kundgebung fand mit dem Treugelöbnis für den Führer, in dem sich die SA.-Kameraden, die Jugend und alle Volksgenossen vereinigten, ihren Abschluß. Anschließend sand in der unteren Kaiserallee ein Vorbeimarsch der Formationen vor Kreisleiter Backhaus statt, in dessen Begleitung man SA.» Brigadeführer Schwarz, Bannführer T a e s l e r, als Vertreter der Wehrmacht Major Graf Münster, ferner Landrat Dr. Lotz und Major der 1 Schutzpolizei Hellwege Emden bemerkte. betonte in seiner eindrucksvollen Ansprache „ die Notwendigkeit, daß unsere Jugend schon in früheren Jahren durch die HI. und anschließend durch die Gliederungen der Partei gehe, um dort ihre politische Erziehung zu erhalten. Er erinnerte sodann an die Jugend in der Kampfzeit, die sich damals der Bewegung des Führers angeschlossen habe, weil sie Verständnis und Empfinden für die straffe Erziehung durch die Partei hatte. In diesem der nach dem Gruß an den Hoheitsträger, Kreis- leiter Backhaus, die große Bedeutung dieses Tages ür die aus der Hitler-Jugend in die Gliederungen der Partei übertretenden jungen Kameraden betonte. Er wies dabei besonders darauf hin, daß dieser Jahrgang der HI. die Jungen umfasse, die ich noch freiwillig zum Dienst in der HI. einge- unden hätten. In diesem Zusammenhang erinnerte er an den Totalitätsanspruch der Partei auf unsere heutige Jugend, von der in Zukunft kein Junge mehr der HI. fernbleiben werde. Im weiteren Verlaufe feiner Ansprache machte der Bannführer mit berechtigtem Stolz darauf aufmerksam, daß im jetzigen Kriege von der Führerschaft der HI. rund 95 v. H. im Felde mit der Waffe für Führer und Volk gegen die Feinde des Deutschtums eintrete, viele dieser Kameraden in den Kämpfen an allen Fronten ihr Leben für Führer und Volk hingegeben hätten. Wie draußen im Felde, so erfülle aber auch die deutsche Jugend in der Heimat treu ihre Pflicht, stehe in fester Gemeinschaft zusammen und marschierte >nut großem idealistischem Schwung nach den Weisungen ihres größten Vorbildes, unseres Führers, in die deutsche Zukunft hinein. Diese Jugend werde es sich zur besonderen Aufgabe machen, das große Vermächtnis, das durch die Siege an der Front erkämpft und vom Führer für unser deutsches Volk gestaltet wurde, für alle Zeiten zu erhalten und dafür zu sorgen, daß in unserem Volke der Geist des Nationalsozialismus ewig lebendig bleibe. Mit , dieser Versicherung entließ der Dannführer die Kameraden der Hitler-Jugend, tund 800, Stadt Gießen und im Kreis Wetterau In Friedenszeiten ist es üblich, die gesangliche Arbeit in den Gesangvereinen alljährlich in Wer- tungs- und Leistungssingen durch Fachleute einer Kritik unterziehen zu lassen. Daß aber der Gau XII (Hessen-Darmstadt) als einziger im Deutschen Sängerbund seine Vereine auch im Kriege zu r"*** solchen Veranstaltung aufgerufen hat, zeugt von besonderen Leben und Streben, das gerade herrscht. Es hatten sich ungefähr 40 Vereine den Landschaften Rheinhessen, Starkenburg Oberhessen gemeldet. Die drei Singen fanden in Darmstadt, Mainz und Bad-Nauheim. Meine fünf Tiroler Buben. Don Wilhelm Schmidtbonn Dem ersten begegnete ich im Walsertal. Ich kam aus einer Schlucht herab, mit einer Menge Steinstücke zugleich unter den Nagelschuhen, rechts Felswand, links ein tosender Fluß: die anbrechende Nacht hatte schon Fels, Fluß, Tannen zu einem grauen Nichts zusammengeschüttet. Da kommt vom Eingang der Schlucht, die wie eine offene Tür in den noch dämmernden Talkessel hinausführt, ein Bub herauf Nicht höher als ein Stiefel, wie sie die Hariflößer tragen, wenn sie im Wasser stehen. Neben ihm eilt Bernhardinerhund, fast ebenso hoch wie der Bub. Gleichwohl hielt das Bürschchen den knurrenden Riesen fest am Halsriemen, um ihn von mir abzuhalten. Ich sah ihn mir an: Verwirrtes Haar unter spitzem Hut, die Jacke über die linke Schulter gehängt wie ein Baumfäller, nackte Füße in Schuhen, die um das Doppelte zu groß waren, wahrscheinlich von einem älteren Bruder vererbt. In der freien Hand hielt er, so sehr noch Kind, ein goldenes Heiligenbild. Ich frage den fünfjährigen Kerl: „Wohin noch so spät?" Er nannte den Namen eines Gehöfts, aus dessen Brunnen ich vor vollen zwei Stunden getrunken hatte und über dem schon nah die letzten Wetter- tannen und das nackte Gebirge stehen. Ich erschrak, obwohl ich Tiroler Jungen viel zutraue. „Du? Allein? So spät? In einer halben Stunde ist Nacht." Er sieht mich mit keinem Blick mehr an, schiebt feinen Hund von der Stelle, sagt im Weitergehen nur noch: „Do wer'n wir bald oben fein." Und kletterte mit Hund und Bild weiter den Steig hinauf, der ins schwarze Nichts führte. Den zweiten Jungen erlebte ich in Kitzbühel. Seine Mutter, schon Witwe, war eben gestorben. Sechs Kinder, elternlos, scheu und verwirrt, saßen in der Nebenkammer ayf einerriBettfteüe und hörten die Nachbarn beten. Den nächsten Tag wird es regnen. Die Nachbarn kommen überein, das wenige Gras der Witwe in aller Früh unter Dach zu bringen, damit es nicht verkommt. ~ Als die Männer in der Früh auf die Wiese treten, um schnelles Werk zu tun — sehen sie den ältesten Knaben der Witwe, zehnjährig, mit einer anßen Sense und wuchtigem Schritt schon bei der Arbeit. „Hast a Schneid?" riefen sie in gutmütigem Spott. „Schneid gnu", antwortete er stolz und ernst, wie einer ihresgleichen. Es hat schon fast die ganze Wiese hinter sich gebracht. „Schafft's jetzt.ihr 's Gras z'samm! Ich geh derweil den Kindern ihre Suppen kochen." Furchtlos, ein neuer Hausherr, hatte er sein Amt angetreten, das nicht lang dauerte. Denn wenige Tage darauf mar das Haus versteigert und die Kinder nach allen Himmelsrichtungen an der Hand fremder Mütter hinausgeholt. Der dritte Bub war der einzige Sohn einer Witwe und wohnte mit feiner Mutter in einem verlassenen Häuschen bei Fieberbrunn, aus sogenannter christlicher Barmherzigkeit. In Wirklichkeit hatte die Mutter genug Arbeit im Feld dafür zu leisten. Das Bürschlein war bleich und feingliebrig, durfte nichts anrühren, ging sauber und unzerrissen gekleidet, das war der Mutter Stolz und einzige Erinnerung an frühere bessere Zeit. Aus dem Ort entwickelte sich schnell eine Sommerfrische, und aus dem entlegenen, regendurchlässigen Häuschen wurde gleichwohl eine Wohnstätte für Fremde gemacht. Mutter und Junge sollten in hen leeren Ziegenstall ziehen, der weiß aus- getündjt wurde. Sie saß, ohne zu meinen, auf ihrem Holzkoffer vor dem Stall und sagte nur, roenn einer ihr zuredete: „In den Stall geh ich nit mit meinem Jungen. Wir sind Menschen, kein Vieh." Als die Sommerfrischler ahnungslos ankamen, mit Kindern, Gepäck, Hund, Kanarienvogel und Grammophon, trat das elfjährige Bürschchen mit einer verrosteten Flinte hinter der Hausecke hervor. „Niemand kommt da herein", rief er noch bleicher als sonst und keuchend. Vor seinem erregten Gesicht und noch mehr vor der Flinte standen die Sommerfrischler so entsetzt, daß sie nicht einmal davonzulaufen magten. Ein Nachbar nahm dem Jungen das Gemehr ab. „Geladen a na", sagte er und schoß das Gemehr in die Lust ab. . „Glaubst du, Bauer, ich schieß ungelad n? sagte der Bub. „Aber 's macht nix. Wann du mi nit schießen läßt, zünd i ’s Häusl an in der Nacht." Die Sommerstischler räumten Mutter und Sohn ein Zimmer der Wohnung ein, so große Furcht hatten sie vor dem Buben. „Jetzt ist ’s recht", sagte er, „nur in den Stall gehen mir nit." Die beiden letzten Jungen mären zwei Bruder m St. Anton, 1300 Meter hoch, außer Fels nur ein bißchen Gras und Tannen. Arm, zerrissen, ohne .Hut, die Haare ungeschmtten bis auf die Schullern« Zusammenhänge gedachte der Kreisleiter mit ehrenden Worten der zahlreichen Hitlerjungen, die für den Führer und seine Idee ihr junges Leben Hingaben und damit eine starke Verpflichtung für die ganze deutsche Jugend schufen. Mit stolzer Genugtuung mies er dann auf den Ausbau der HI. und ihr bisheriges Wirken hin, die auch jetzt im Kriege mährend von ihrer Führerschaft der meitaus größte Teil im Felde stehe, immer wieder ihre Aufgabe erfüllt und neue Kräfte heroorgebracht habe, die zur Führung der HJ.-Einheiten befähigt feien. Die Jugend solle auch künftighin von der Jugend geführt merden, die Partei und die SA. würben ihr bei biefer Arbeit stets gerne förbeirnb zur Seite stehen. Zu ben aus ber HI. in die SA. übertretenden Hitlerjungen gewandt, betonte der Kreisleiter deren Verpflichtung, in ihrem Eifer für den Dienst in der Gliederung nie nachzulassen. Für unser ewiges Deutschland müsse gerade die Jugend, wie auch alle übrigen Volksgenossen, jederzeit für den Dienst bereit sein. Die von den jungen Kameraden dem Führer geschworene Treue gelte nicht mit einer zeitlichen Begrenzung, sondern sie binde allezeit an den Führer und sein Werk. In diesem Zusammenhänge wies Krersleiter Backhaus auf die großen Ereignisse des verflossenen ersten Kriegsjahres hin, die sich mit einer Schnelligkeit und Größe entwickelten, wie sie von keinem Deutschen je geahnt worben mären. An bem Zusammenbruch Frankreichs machte er über- zeugend beutlich, mohin ein Volk kommt, roenn es den Glauben an sich selbst verloren hat. Aus diesem Vorgang, aber auch aus unserer eigenen Geschichte am Schlüsse des Weltkrieges 1914/18, ergebe sich für alle Deutschen die Erkenntnis, daß der neue Geist in unserem Volke einen November 1918 niemals wieder möglich machen werde. Mit der Ermahnung an die jungen Kameraden, sich allezeit der hohen Verpflichtung gegenüber dem Führer und der deutschen Volksgemeinschaft bewußt zu sein und danach zu handeln, weil es bei dem großen Werk der künftigen Neuordnung in der Welt Hitlerjungen werben in bie Gliederungen übergeführt Eine eindrucksvolle Feierstunde in Gießen. „Ich bemühte mich nun", so berichtet Kerner, „dieses wahrhaft zum fliegenden Blatt gewordene Lied viele Stunden lang, selbst in Begleitung eines charfsehenden Jägers, in Wäldern und Feldern auf« zusuchen, aber vergebens. Der Verlust war mir um so empfindlicher, als die Sammlung schon zum Druck gegangen und eine schnelle Nachsendung des Eichendorst-Liedes notwendig war. — Am andern Tag kam ein mit Maultrommeln, Armbändern und Fingerring handelnder Tiroler zu mir, und siehe da, ich erblickte da- Blatt um einen Fingerring ge- wickelt. Er erzählte, daß er das Papier bei Kaisersbach, eine Stunde von Welzheim, auf einem blühenden Flachsfelde gefunden und diesen Ring darein gewickelt habe. Daß ich ihm, sehr vergnügt das Papier behaltend, ein Dutzend seiner Maultrommeln entnommen, ist wohl begreiflich ..." So wurde das Lied vom zerbrochnen Ringlein vor dem Untergang gerettet, und ein seltsames Spiel des Zufalls wollte es, daß es, um einen Ring gewickelt, zurückkehrte. Sieben Jahre später, an einem regnerischen Herbstnachmittag, saß dex Lehrer und Tondichter Friedrich Silcher in seinem Stübchen in Tübingen. Schwermut und Trauer hat ihn ergriffen, die Post hatte ihm einen trüben Brief gebracht: die Nachricht vom Tode eines teuren, Jugendfreundes. Der Sturm heulte, in großen Tropfen schlug ber Regen durch das offene Fenster in die Stube hinein. Silcher stöstelte, er ging zum Fenster, um es zu schließen. In diesem Augenblick wehte ber Wind ein vom Regen durchnäßtes Blatt Papier herein. Silcher hob es auf — es war ein vergilbtes Blatt, bas aus einem alten Buch herausgerissen worben war. Er sah die halbverwischten Zeilen eines Gedichtes, über dem die Überschrift „Kriegs- lieb" staub. Silcher las: ,^ch halt' einen Kameraben, einen bessern findst du nit ..." Ganz unten stand der Name des Dichters: Ludwig Uhland. Seltsam gerührt von diesem Gedicht, dessen Worte seiner eignen Stimmung so schlicht ergreifenden Ausdruck gaben, vertonte Silcher noch am gleichen Abend das Lied vom guten Kameraden. Es wanderte rasch durch das Land und wurde ein echtes Volkslied. Die Soldaten fangen es schon in den Kriegen von 1864, 66 und 70 — es erklang seitdem an allen Gräbern gefallener deutscher Soldaten. Ohne Wind besäßen wir es kaum — zumindest nicht als sangbares Lied. Denn das Buch, in dem es schon 1809 erschienen war, war bereits ausver- kauft und nicht neu aufgelegt worben, als Silcher das. Gedicht las. Aus der Stadt Gießen. Höflichkeit tut not. Viele behaupten, daß die Erziehung zur Höflichkeit der Charakterbildung unzuträglich sei, da sich aus ihr leicht Unaufrichtigkeit und Heuchelei bilden könnten. Um also ganz aufrichtige Menschen heran- i zuziehen, glauben daher manche Eltern, die Frage , der Höflichkeit bei der Erziehung der Jugend ängst- ( lich vermeiden zu müssen. Jedoch handelt es sich da- , bei um die verkannte Höflichkeit, die nur zu oft mit , Kriecherei verwechselt wird. Zu letzterer hat Theodor Storm einmal ein recht passendes Wort geprägt: „Doch erftischend sind zu Zeiten goldne Rücksichtslosigkeiten". Wohlgemerkt handelt es sich hier nur um ein „Zuviel", um ein kriecherisches Lobhudeln und Süßholzraspeln. Das allerdings hat mit wahrer Höflichkeit gar nichts zu tun. Man soll aufmerksam und höflich gegen andere sein, ohne dabei selbst zum Duckmäuser herabzusinken. Gerade für die Bildung einer festen Charakters ist das von großer Wichtigkeit. Man wird zur Selbstzucht und Beherrschung erzogen, was für uns in körperlicher wie geistiger Beziehung unbedingt notwendig ist. Es fällt oft schwer, höflich zu sein, wo das Herz anders spricht. Jedoch wie förderlich für den Charakter, wenn man sich dann selbst überwindet und — um Unannehmlichkeiten zu vermeiden — beherrscht und mit kühler Höflichkeit auch denen gegenübertritt, die eine solche Behandlung nach unserer Meinung nicht verdienen. Keine Falschheit ist damit verbunden, sondern wir beweisen nur wohlerzogene Beherrschtheit, durch die sich höherstrebende Menschen von der zügellosen Masse unterscheiden. Dor allem aber umgeben wir uns damit mit einem wirksamen Schutzpanzer. Fallen wir nämlich aus der Rolle, so entstehen durch unbedachte Aussprüche und Taten leicht Schwierigkeiten, die von uns später bitter bereut werden. Meist ist es aber dann zu spät, denn weder ein gesprochenes Wort noch eine begangene Tat lassen sich rückgängig machen. Es ergeben sich Reibereien, Beleidigungen, und nicht selten verhandelt das Gericht Affekthandlungen, die das Leben eines Menschen völlig zerstören. Mangel an Höflichkeit ist ein „Sich-gehen-lassen", eine Rücksichtslosigkeit gegen andere. Also Eigenschaften, die weder dazu beitragen, sich glücklich zu fühlen oder gar die Sympathie der Mitmenschen zu erregen. Es ist überdies reichlich selbstsüchtig, an anderen die eigenen Stimmungen — sagen wir lieber Launen — auszulassen. Gerade die im schwierigen Augenblick angewandte Höflichkeit mahnt uns daran, daß wir nicht allein auf der Welt sind, daß andere ebensoviel Recht auf Höflichkeit und Rücksichtnahme haben, wie wir sie mit großer Selbstverständlichkeit erwarten. Darum sollen Eltern darauf bedacht sein, ihre Kinder zu gerader, wahrer Höflichkeit zu erziehen, nicht aber zu übertriebener Schmeichelei. Unendlich viel Aerger und Aufregung wird durch beherrschtes Verhalten vermieden, und der höflich erzogene Mensch stellt seine Beherrschtheit durch Höflichkeit und Rücksichtnahme unter Beweis. Aufrecht und stolz können sie durch das Leben gehen und werden die Bewunderung und Anerkennung anderer erregen. Gerade das ist für das spätere Leben oft von Bedeutung, denn Menschen, die beliebt sind, kommen leichter vorwärts. Man kann auch hier mit Recht behaupten: Eine Hand wäscht die andere: kommst du mir höflich und rücksichtsvoll entgegen, so bin ich gern bereit, für dich an wichtiger Stelle ein gutes Wort einzulsgen! H. v. L. Ifornotuen. Tageskalender für IHontag. Universität: 20.30 Uhr im Hörsaal des Kunstwissenschaftlichen Instituts, Ludwigstraße 34, Pco. Dr. Vollrath öffentliche Vorlesung über „Houston Stewart Chamberlain, der Künder deutschen Wesens". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Achtung! Feind hört mit!" — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Menschen, Tiere, Sensationen".____________________ „Der Wind hat mir ein Lied erzählt.. /' Don Oskar G Ioerster. In Silchers Volksliedern erschien 1825 ein Lied, ganz voll deutschem Empfinden und rührender Volksinnigkeit, das Lied vom zerbrochenen Ring- lein: „3n einem kühlen Grunde 1812 sandte Joseph von Eichendorff dies Gedicht dem Freund in Schwaben Justinus Kerner für eine Gedichtsammlung „Der deutsche Dichterwald". Kerner wohnte damals in dem Walddorf Welzheim. Es war ein herrlicher Tag, Kerner las Eichendorffs Gedicht am offnen Fenster, die leise Wehmut der schlichten schönen Verse drang ihm tief ins Herz, er legte bas Blatt vor sich auf den Schreibtisch und ließ das zarte Lied enttäuschter Liebessehnsucht in sich nachklingen. Plötzlich kam ein Windstoß und wehte das dünne Blättchen vom Tisch durchs Fenster hoch in die Lust, über Bäume und Häuser dahig |U OjlXfpOTt VfB.-ReickSbahn Gießen. VfB.-Relchsbahn — VfL. 1860 Marburg 2:4 (1:1). Das Spiel auf dem Waldsportplatz hielt nicht das, was man sich von ihn versprochen hatte, denn die Grün-Weißen lieferten eine ausgesprochen schwache Partie. Erstmalig spielte Wunderlich wieder im Tor, der allerdings noch nicht ganz aus der Höhe roar; zwei Tore hätte er unbedingt verhindern müssen. Die Verteidigung spielte aufopfernd und hat an der Niederlage keine Schuld. In der Läuferreihe fielen die beiden Außenläufer aus. Der Sturm konnte sich fast nie zu einer einheitlichen Aktion zusammenraffen. Fröhlich hatte einen schwarzen Tag. Die Marburger'kamen mit einer Mannschaft, die besser war und verdient siegte. Die gesamte Hintermannschaft war stabil, die Läuferreihe hatte großen Anteil am Siege. Besonders ragte der Mittelläufer Rueff bervor, der seinen Sturm mit Bällen nur so fütterte. Inst Sturm konnte Adorf als rechter Flügelstürmer besonders gefallen. Sofort vom Anstoß der Grün-Weißen ergab sich eine gute Torgelegenheit, die aber Fröhlich versiebte. Im Gegenangriff hatten die Gäste sich schön durchgespielt, der scharfe Schuß ging jedoch vom Torpfosten ins Aus. Sehr schnell wurde das Spiel, Fröhlich flankte zu Ziegler, doch dieser schoß frei vor dem Tore stehend darüber. Die Grün-Weißen hatten etwas mehr vom Spiel, doch sah man keine Torschüsse. Ein scharfer Schuß von Ehmann, der immer gefährliche Situationen heroorrief, konnte gerade noch vom Verteidiger auf der Torlinie gestoppt werden., Beide Hintermannschaften hatten reichlich Arbeit, die Angriffe abzuwchren, nach einer Ecke für die Grün-Weißen wurde Koch, der für Marburg spielte, gelegt, und der Freistoß ergab nach 30 Minuten das Führungstor für die Gäste. Sofort vom, Anstoß weg wurde eine weitere Ecke erzielt, die jedoch nichts einbrachte. Rohm nahm eine Vorlage auf und schoß kurz darauf das Ausgleichstor. Bis zur Pause sah man verteiltes Spiel, außer einer Ecke für die Grün-Weißen wurde Zählbares nicht erreicht. Sofort nach der Pause merkte man den Gästen an, daß sie sich etwas vorgenommen hatten. Adorf, der wieselflinke Rechtsaußen, wurde gut bedient und schon mußte sich Wunderlich zum zweitenmal geschlagen bekennen. Die Grün- Weißen versuchten auszugleichen, aber hier war der Pfosten der Retter in der Not. Ziegler traf den Pfosten, Fröhlich gab zu Funk, der den Ball kurz vor dem Tore hoch in die Luft trat. Die Marburger wurden in der Folge überlegen und mancher Angriff mußte von der wachsamen Hintermannschaft der Grün-Weißen gestoppt werden. Im Sturm der Grün-Weißen fehlte Funk, der hinten aushelfen mußte, die wenigen Bälle konnten die Stürmer nicht verwerten, sodaß die Gäste mehr und mehr aufkamen. Der Mittelstürmer der Gäste brachte seine Mannschaft durch scharfen Schuß nochmals in Front, doch konnte Rohm kurz darauf aus Flanke von rechts den zweiten Gegentreffer erzielen. Schon nach Anstoß' ging Adorf durch und setzte den Ball wiederum in die Maschen. Alle Versuche der Grün- Weißen, das Ergebnis zu verbessern, scheiterten an der guten Hintermannschaft der Gäste. Schiedsrichter Nesseldreher (Heuchelheim) leitete das anständig durchgeführte Spiel einwandfrei. ViV.-Reicksbalm Jugend — Rödgen Jugend 1:1. Obwohl sich die kleinen Gießener Spieler mit den körperlich weit stärkeren Gästen nicht messen konnten, brachten sie es fertig, ein Unentschieden herauszuholen. Trotz großer Ueberlegenheit der Gäste konnten diese bis zur Halbzeit keinen Erfolg erzielen. Nach dem Wechsel gingen sie in Führung, doch der Ausgleich fiel kurz darauf durch Strafstoß. Üom Hnhbali. III. Tschammer-Pokal- Schlußrunde. Eintracht Frankfurt — Fortuna Düsseldorf 2:3 (1:1); Stuttgarter Kickers — Rapid Wien 1:5 (0:3); Spvg. Fürth — Schalke 04 2:1 (1:0); Union-Oberschöneweide — 1. FC. Nürberg 0:1 (0:0); Dresdner SC. — Rot-Weiß Frankfurt 6:0 (2:0); Schwarz- Weiß Essen — SG. Eschweiler 5:2 (2:1); Wacker Wien — Wiener Svortklub 5:6 (3:1) n. 23.; VfB. Königsberg — BuEV. Danzig 5:1 (1:0). Süddeutsche Meisterschaftsspiele. S ü d w e st. Wormatia Worms — Germania 94 Frankfurt 5:3; SV. Wiesbaden — Union Niederrad 3:3; FK. 03 Pirmasens — 1. FC. Kaiserslautern 4:1; TSG. Bürbach — TSG. 61 Ludwigshafen 0:3; Spvg. Mundenheim — FV. Saarbrücken 1:0; DfR. Frankenthal — FSV. Frankfurt (Ges. Sp.) 2:3. Hessen. TSV. 1860 Hanau — Spvg. Langenselbold 2:1; VfB. Groß-Auheim — Dunlop Hanau 6:2; Borussia Fulda — Hanau 93 3:1; Spv. Kassel — SC. 03 Kassel 1:1; Kurhessen Kassel — BC. Sport Kassel 0:2. Der Start der Handball-Meisterschaften. Wenn es cmch keine Ueberraschungen gab, so konnte man doch feststellen, daß die Mannschaften schon bei dell ersten Spielen voll und ganz bei der Sache waren. Es gab scannende, interessante Kämpfe auf der ganzen Linie, und kaum ein ausgesprochener Versager war festzustellen. Aber auch rein spielerisch gesehen kann man zufrieden sein. Die Einheiten haben durch ihren dauernden Einsatz viel gelernt und sind heute soweit, sich mit ihrem ganzen Können gegenüberzustellen. Es würde im Interesse aller Teile liegen, wenn es sich dabei nicht um eine Anfangserscheinung handeln würde, sondern man diese Feststellung auch für die Folge treffen könnte. Es standen sich gegenüber: Ber ei ch slla ss e: Tv. Hörnsheim — Dv. Garbenheim 9:6 (6:3) Tv. Hochelheim — Tv. Lützellinden 11:3 (4:3) Tv. Kirch-Göns — Tv. Dornholzhausen 13:12 (6:7). Zwei vollkommen gleichwertige Gegner stießen in Hörnsheim auseinander. Es gab in spielerischer Hinsicht keinen Unterschied. Wenn Hörnsheim trotzdem gewinnen konnte, dann ist das nicht zuletzt dem Vorteil des eigenen Platzes Zuzuschreiben. Lützellinden hatte seine bekannte junge Mannschaft zur Stelle, die sich aber nur eine Halbzeit halten konnte, zumal die Platzbesitzer sich wieder einmal mehr von ihrer besten Seite zeigten. Das Spiel in Kirch-Göns erinnerte an frühere Zeiten. Hier standen sich zwei Gegner gegenüber, die sich unter der umsichtigen Leitung eines guten Schiris einen interessanten und jederzeit anständigen Kampf lieferten. Kirch-Göns gewann im Endspurt knapp, aber nicht ganz unverdient. l .Klasse: Tv. Krofbotf — Dv. Wetzlar 11:7 (6:4) Tv. Grüningen — To. Holzheim (kfl. f. Grüningen). Die neu zusammengestellte Wetzlarer Mannschaft schlug sich in Krofdorf ausgezeichnet. Sie konnte sogar gleich nach Beginn die Führung übernehmen, mußte sich aber dann doch dem überlegenen Spiel Krofdorf beugen. 2 . K l a s s e: Tv. Atzbach — Tv. Nauborn 13:11 (4:4) Tv. Großen-Linden — Garbenheim II 5:2 (0:0) To. Beuern — Tv. Lich 14:10 (9:6) Garbenteich — Klein-Linden (kfl. für Garbenteich). Die Nauborner Mannschaft leistete Atzbach starken Widerstand, konnte auch das Spiel vollkommen offen halten. Erst im Endspurt gelang es den Platzbesitzern, einen knappen Sieg sicherzustellen. Eine sehr schöne Leistung zeigte Großen-Linden, wenn es vielleicht auch an dem nötigen technischen Verständnis fehlte. Lich war stärker, als man ursprünglich angenommen hatte. Beuern hatte jedenfalls große Mühe und nur knapp endete der scharfe Kampf. Grüningen spielte zu Hause mit zwei Jugend - Mannschaften gegen Watzenborn-Steinberg bzw. Holzheim und gewann beide Treffen überlegen 13:1 bzw. 23:4. Die Leichtathletik- Dereinsmeisterschastskämpfe. Mit einem Versuch um die Kriegsvereinsmeisterschaft 1940 fand die diesjährige Leichtathletik-Saison ihren Abschluß. Noch einmal hatte das Fachamt Leitathletik die Vereine zum Einsatz aufgefordert. Wie schon in der Vorschau berichtet, waren diesem Aufruf die Vereine gefolgt, die sich in der Leichtathletik beteiligen. Am Sonntag vormittag traten auf dem Universitätssportplatz 6 Mannschaften, davon 3? Frauenmannschaften, zum Wettkampf an. Lediglich der VfL. Lollar konnte seine abgegebene Meldung infolge Verhinderung einiger Wettkämpfer nicht erfüllen. Aehnlich erging es dem VfB.- Reichsbahn Gießen, der wohl den Versuch auf- üHemehW M Kraft öurdi Jrenöe Die neue Folge des KdF.-Monatsheftes ist erschienen. Das reichhaltige Heft ist für nur 10 Rpf. bei den KdF.-Dienft- stellen erhältlich. ' 4366D Gute Musik in den Lazaretten. Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" bereitete dieser Tage den Verwundeten wieder einige unterhaltsame Stunden. In einem Reseroelazarett spielte die Kreiskapelle des Kreises Wetterau unter Leitung von Musikzugführer Schleuse. Zum Vortrag kamen Konzertstücke und Marschkompositionen, die von den Soldaten mit großem Beifall aufgenommen wurden. In einem anderen Reservelazarett boten Solisten mit Unterstützung eines Salonorchesters ein „Musikalisches Allerlei". Darbietungen am Klavier und Cello wechselten mit SologeIjngen in bunter Folge ab. An dem Erfolg waren Georg Frigge (Baß), E. Jeschka (Bariton) und Fritz K u l l m a n n (Klavier) beteiligt. Die Soldaten spendeten reichen Beifall. Lustschutz-Gonder-Lehrgänge für Bürgermeister. Auf Veranlassung des Reichsstatthalters wurden, wie im ganzen Lande Hessen, auch in Gießen und in Hungen Luftschutzlehrgänge für die Landbürgermeister des Kreises Gießen durchgeführt. In diesen Lehrgängen, die unter Leitung von Haupt-LS.- Führer Schuchardt standen, wurden hauptsächlich die auf Grund der bisherigen Kriegserfahrung erfolgten Neuerungen im Luftschutz und die hierüber ergangenen zahlreichen Verfügungen eingehend besprochen. Der Referent für Luftschutz beim Landratsamt Gießen, Regierungsrat Dr. Fuhr, Ortsgruppenführer Haupt-LS.-Führer C l o tz und eine Reihe besonders bewährter Amtsträger des RLB. waren maßgebend an dem Erfolg der Veranstaltungen beteiligt. Die beide Lehrgänge abschließende ausführliche Aussprache erbrachte den Beweis, daß es gelungen war, die Luftschutzarbeit im Landkreis Gießen den derzeitigen Erfordernissen entsprechend einheitlich auszurichten. Zwei Verkehrsunfälle. Am Samstag gegen 19 Uhr fuhr ein Lastauto aus Gießen in Burkhardsfelden an einer abschüssigen Stelle der Straße in das Dorfbackhaus hinein, wobei eine Wand des Backhauses eingedrückt wurde. Das Lastauto wurde von einem Mann ae- lenkt, der nicht im Besitze eines für derartige Fahrzeuge geltenden Führerscheines war. Der als Beifahrer danebensitzende eigentliche Lenker des Autos hatte den anderen „nur einmal ans Steuer gelassen", und schon war das Unglück im Dorfe geschehen. Das Nachspiel wird nicht ausbleiben. Ebenfalls am Samstag gegen 21 Uhr fuhr auf der Landstraße Inheiden — Hungen ein Personenauto aus Grünberg, das mit drei Personen besetzt war, auf ein Langholzfuhrwerk auf, das, vorschriftsmäßig beleuchtet, sich auf der Fahrt nach Villingen befand. Die 17 Jahre alte Lenkerin des ^Personenautos blieb unverletzt, ihre mitfahrenden Eltern kamen zum Glück mit leichten Verletzungen davon. In dem Personenauto entstand einiger Sachschaden. ♦ ** N S. Frauenschaft — Deutsches Frauenwerk Gießen - Ost. Der Nachmittag der Kindergruppe muß wegen Raumm igels einige Wochen ausfallen. Näheres wird an dieser Stelle wieder bekanntgegeben. ** Eine Achtzigjährige. Am morgigen 1. Oktober kann die Witwe Luise Lind, geb. Neh- meyer, wohnhaft in Gießen, Weserstraße 4, in körperlicher und geistiger Frische ihren 80. Geburtstag feiern. Frau Lind ist vielen alten Gießenern keine Unbekannte, da ihr verstorbener Ehemann, Konditormeister Friedrich Lind, in Gießen am Kirchenplatz ein Konditoreigeschäft betrieb. Der Jubilarin bringen auch wir unseren herzlichen Glückwunsch dar. ** Die Schneegans zieht. Am gestrigen Sonntag gegen 17.30 Uhr flogen Schneegänse in der bekannten Keilform in der Richtung nach Südwesten über unsere Stadt. Es waren 32 Tiere, die sich in einer Höhe von etwa 200 Meter über die Stadt bewegten. Ortszeit für den 1. Oktober. Sonnenaufgang 7.26 Uhr, Sonnenuntergang 19.02 Uhr. — Mondaufgang 7.10 Uhr, Monduntergang 18.51 Uhr. Neumond 14.41 Uhr. Mond in Erdnähe. KtefängteinneuesLehenan Roman von Helene Kalisch Copyright 1939 by Prometheus -Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München 35 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Klaus hatte Geld zu sich gesteckt und auf einem Blatt Papier etwas ausgeschrieben — Worte stammelnder Bitte um Hilfe und Beistand für Marta. Es sei etwas Furchtbares geschehen, doch nicht er habe es begangen. Aber es sehe so aus, und darum müsse er fort — so lange bis es aufgeklärt fein würde. Denn wenn er ergriffen würde, ließen sie ihn nicht mehr los, suchten womöglich nicht erst nach dem wahren Täter. „Verlaßt Marta nicht! Ich danke es Euch bis zu meinem letzten Atemzug", schrieb er. Dann war er davongerannt, kopflos, ohne Ueberlegung, von der Zwangsvorstellung getrieben, er würde verhaftet und — da er seine Unschuld nicht beweisen konnte — eingekerkert werden. Das wäre ärger als der Tod. Er war einst, als berühmter Boxer, hart im Nehmen gewesen — heute hatte er einen Schlag gegen sein Herz erhalten wie von einer ei fernen Faust. Ein zweiter aber, der ihn traf, hatte sein Gehirn betäubt und verwirrt. Er ist die Nacht hindurchgewandert und fragt sich jetzt, am Morgen, wohin er will. Die dunkle Stimme in ihm gibt Antwort: Nach Hause! ... Einmal dorthin. Er fiebert danach. Seinem in die Ferne gerichteten Blick erscheint der im blaugrauen Dämmer oer- schwimmende Horizont als das Bild des noch so fernen Meeres. Nichts als der unwiderstehlich vorwärtsreißende Zwang ist in ihm und darunter das dunkle Gefühl, daß, wenn es für ihn ein Zurück zum Leben gibt, er es nur über diesen Umweg finden kann. 17. Kapitel. Am Morgen nach seiner Verhaftung erklärt Bergholz, seine gestrigen Aussagen ergänzen zu wollen. Er muß ziemlich lange warten. Die Tagesmitte ist bereits überschritten, als er zu dem neuen Verhör abgzholt wird. Bevor es zu Fragen und Erklärungen kommt, wird ihm ein Zeitungsblatt gereicht, in dem ein Artikel rot angsstrichen ist. Er überfliegt ihn. Das Ereignis des gestrigen Nachmittags, bei dem er selbst sehr stark beteiligt war, und das mit ferner ganzen Schwere einen Umwan dlungs pro z e ß in ihm zum letzten Ablauf brachte, wird ziemlich ausführlich geschildert. Der „Berliner Zahnarzt Dr. B. ...", der er selber ist, wird da in anderer Weise erwähnt, als er es nachts in seiner Vorstellung — in dem Erregungs- und Erschöpfungszustand nach dem langen Verhör — vorausgesehen hatte. ,^)m ... Das andere steht auf der anderen Seite", murmelt er, indem leichte Röte fein Gesicht überfliegt. Er dreht das Blatt um und reicht es mit einem raschen Blick auf die dick gedruckte lieber» schrift, die die Ermordung der bekannten Primadonna verkündet, dem Beamten wieder hin. „Da haben Sie also gestern unter Einsetzung Ihres eigenen Lebens einen Menschen vom Tode des Ertrinkens gerettet?" fragt der ihn verhörende Kriminalrat. „Was taten Sie danach?" „Nachdem die Unglückliche in der Obhut der Sanitäter fortgebracht worden war, lieh ich mir trockene Kleidung aus und fuhr nach Haufe. Bald nach meiner Rückkehr wurde ich von Frau Röhl angerufen. Sie forderte mich auf, sie zu besuchen. Ich kleidete mich um und ging nach der Meinikesttaße/ Der Kriminalrat blickt auf die Papiere vor sich auf dem Tisch. Vielleicht fällt es ihm nicht leicht die Vorstellung festzuhalten, daß ein Mensch, der in erbittertem Kampf dem Tode ein Leben abgerungen hat, in der nächsten Stunde geht, um ein anderes zu vernichten. Zwei Beamte, die mit ihm am Tisch sitzen, blicken gespannt und fragend auf Bergholz. Der beugt sich vor, stützt die Ellenbogen auf und schlingt die Finger ineinander. „Gestern abend bei dem Verhör war ich ... abgekämpft", sagt er leise. „Es dürfte wohl verständlich sein nach den Ereignissen des Tages. Ich war einfach fertig! Später, als ich wieder ruhiger denken konnte, füllten sich automatisch einige Lücken, die in meinem Gedächtnis entstanden waren, und ich kam beim erneuten Nachsinnen auf Zusammenhänge, über die ich sprechen möchte." Er schildert nun noch einmal die gestrigen Vor- I gange in der Wohnung der Künstlerin, die zu seiner Verhaftung geführt hatten, und kann nun den Namen nennen, mit dem Frau,Röhl den Eindring- lief anrief. Dann berichtet er, wo und unter welchen Umständen er diesen Mann schon einmal geseyen hatte. „Wenn ich das jetzt ausspreche, merke ich selbst, wie phantastisch es klingt; aber es verhält sich wirklich so!" sagt er erregt und sehr bestimmt, als er in den Mienen der Kriminalisten Staunen und Zweifel wahrzunehmen glaubt. „Aber ich kann für jenen Vorgang, der sich an einem Novemberabend in der Nähe der Oper abspielte, einen Zeugen angeben: den Bankier Heidenreich! ... In seiner Begleitung kam Frau Röhl vom Bühneneingang her und ging zu dem wartenden Auto, hinter dem hervor der Vagabund auftauchte und vor die beiden hinttat", setzt er hinzu. Eine Pause folgt seinen Worten, in der er ruhig überlegen kann, während kurze Telephongespräche geführt werden, Beamte eintreten, Akten bringen und wieder verschwinden. „Haben Sie noch etwa, zu berichten, Doktor Bergholz?" fragt dann der Beamte. Er bejaht und erzählt von dem Notizbuch der von ihm geretteten Lebensmüden, in dem Name und Wohnung der Frau Röhl vermerkt waren, erwähnt auch den Brief in ihrer Handtasche, der an einen Klaus Tjaden gerichtet war. Der Kriminalrat hebt ruckartig den Kopf und sieht Bergholz scharf in die Augen — sieht ihn langt an. „Frau Röhl war verheiratet, und ihre zweite Ehe ist nicht geschieden worden ... Sie wissen das?" Mit einem Kopfnicken stimmt Bergholz zu. „Sie selbst sprach einmal zu mir davon — wenn auch nicht von einer formal noch bestehenden Ehe. Sie sagte: Ich war .zweimal verheiratet." „Und wissen Sie nicht, daß sie mit ihrem bürgerlichen Namen Frau Tjaden hieß?" „Wie? ..." Bergholz beugt sich vor. „Frau Tjaden? ... Keine Ahnung! ... Das ist ja aber ... sonderbar", sagt er mit betroffener Miene. „Dieser Klaus Tjaden war doch der bekannte Boxer — Europameister im Halbschwergewicht. Sollten Sie den Namen nie gehört haben?" ,L)och, Herr Kriminalrat! Den sah ich auch mal bei einem Kampf im Sportpalast! Fabelhafter Kerl!" Wieder blicken die Augen des Kriminalisten mit nahm, aber doch nicht restlos zur Durchführung bringen konnte. Einige feiner besten Leichtathleten standen nicht zur Verfügung. Dagegen war seine Frauenmannschaft zur Stelle. Besondere Hervorhebung bei der Würdigung des Vereins-Einsatzes verdienen die Frauen vom Männer-Turnverein. Unter Führung von Fräulein Seim nahmen 2 Mannschafen an dem Kampf teil. Wenn bei diesem Vereinsmeisterschaftskampf die Teilnahme eines jeden Vereins Anerkennung findet und auch verdient, so ist das denen, die die Schwierigkeiten und die nachteiligen Umstände, die solchen Mannschaftskämpfen entgegenstehen, nur zu verständlich. Im Bezirk 8 waren somit bei Hinzurechnung des Dillenburger Meisterschaftskampfes insgesamt 10 Mannschaften am Start. Die Ergebnisse von dort liegen noch nicht vor. In Gießen wurden folgende Ergebnisse festgestellt: Bei den Männern: 1. Turnverein Heuchelheim, 5094,95 Punkte; 2. Sportgemeinde Steinbach, 3723.90; 3. VfB.-Reichsbahn Gießen, 2782,94. (VfB.-R. Gießen wird noch einen vollständigen Versuch unternehmen, er könnte bei richtiger Mannschaftsbesetzung über 6000 Punkte erreichen.) Bei den Frauen: 1. Mto. Gießen, I. Mannschaft, 349 Punkte; 2. DfB.-Reichsbahn Gießen, 304; 3. Mtv. Gießen, II. Mannschaft, 241. lieber die Ergebnisse in Dillenburg wird noch berichtet. Wirtschaft. Keine Kopplungsgeschäste beim Verkauf von Seifen und Waschmitteln. Dem Reichskommissar für die Preisbildung ist zur Kenntnis gekommen, daß Hersteller von Seifen- und Waschmitteln vielfach Rasierseife nur bei gleichzeitiger Abnahme von Einheitsfeinseifen abgeben. Eine derartige Koppelung bedeutet eine Verschlechterung der Lieferungsbedingungen und stellt deshalb einen Verstoß gegen die Verordnung über das Verbot von Preiserhöhungen vom 26. November 1936 dar. Der Reichskommissar für die Preisbildung weist in einem Erlaß darauf hin, daß er gegen derartige Verstöße schärfstens einschreiten wird. Die Versorgungslage im Rhein-Main-Sebiei. Das Landes-Emährungsamt Hessen (Frankfurt am Main) teilt mit: Die Versorgung auf dem Mehl- rn a r k t ist nach wie vor ausreichend. In leig- waren können die zur Verfügung stehenden Kontingente nicht ausgenutzt werden, so daß man auch hier Versorgungsschwierigteiten nicht zu befürchten braucht. In der Milch- und Fettversorgung ist zu erwähnen, daß Vollmilchanlieferung, Buttererzeugung, Erzeugung von Speisequark und Schichtkäse und die Erzeugung von käsereitauglichem Quark gegenüber der Vorwoche angestiegen sind, die Erzeugung von Speisequark und Schichtkäse sogar recht erheblich. Demgegenüber ist der Absatz an entrahmter Frischmilch zurückgegangen. In Milcherzeugnissen, Oclen, Fetten und Käse ist der Bedarf gedeckt. ' Das Angebot in Speisekartoffeln ist nach wie vor sehr stark, ebenso die Nachfrage. Im Gebiet der Landesbauernschaft wurde eine Flockenfabrik wieder in Betrieb genommen, wo sich bei den Ablieferungen ein erstaunlich hoher Stärkegehalt zeigte. Am Viehmarkt brachten EHW.-Schweine eine ausreichende Beschickung. Auch bei Großvieh beroeot sich die Anlieferung an allen Märkten aufwärts, so daß auch für die kommende Woche der Zuschußbedarf bedeutend geringer fein wird. Zucker ist aus dem Warthegau in unser Gebiet gekommen, da dis hiefigen Werke in letzter Zeit sehr stark beansprucht wurden. Dieser Zucker ist in der Farbe grauer, als man es gewöhnt ist, was der Hausfrau vielleicht weniger gefällt, jedoch steht der Zucker aus dem Warthegau an Qualität und Süßkraft dem aus dem Altteich nicht nach. , Briefkasten der Redaktion. L. in Gießen. Leopold Bendix, Historien- und Genremaler, geboren zu Berlin, Schüler der Düsseldorfer Akademie, wo er 1839 „Erminia auf der Zinne" (nach Tassos „Befreitem Jerusalem") malte, und von Wilh. Herbig. Er beschickte die Ausstellungen der Berliner Akademie 1834 (Selbstbildnis), 1838 (Elias in der Wüste und mehrere Bildnisse), 1840 (Abschied der Maria Stuart), 1842, 1844, 1856 und zuletzt 1870. Geburts- und Todesdatum konnten wir leider nicht ermitteln. durchdringendem Forschen in die seinen. „Der Mann, den nur Sie, Herr Doktor Bergholz, in der ' Wohnung der erschossenen Künstlerin sahen, der, wie Sie behaupten, Sie mit einem Faustschlag niederstreckte, ist nicht der Boxer Klaus Tjaden?" Bergholz schüttelt langsam den Kopf. „Der? ... An das Gesicht des Boxers kann ich mich freilich nicht mehr genau erinnern; aber mir ist, als sah der anders aus." Der Kriminalrat nimmt den Hörer ab, drückt auf einen Knopf und gibt halblaut eine Anordnung, dann wendet sich das Verhör anderen Dingen zu. Es ift'nod) immer nicht die Waffe gefunden worden, aus der die Schüsse auf die Primadonna abgegeben worden sind. Bergholz erfährt, daß in seiner Wohnung nachgesucht worden ist und die Kriminalpolizei seine von ihm getrennt lebende Frau sowie deren Angehörige vernommen hat. Seine Frau habe im Gegensatz zu seiner eigenen Angabe mit Bestimmtheit behauptet, er besitze eine Pistole, wird ihm vorgehalten. „Wenn sie etwas behauptet, dann immer mit Bestimmtheit, wenn's auch noch so unzutreffend ist", brummt er verdrossen. „Man müßte sie daran erinnern, daß sie selbst mir damit in den Ohren gelegen hat, das Ding wegzugeben, weil sie eine kindische Angst davor hatte. Als es vor einiger Zeit mit dem Waffenverbot recht streng genommen wurde, habe ich die Pistole verkauft. Die Quittung muß auch da fein. Ich kann Ihnen angeben, wo sie zu finden ist." — Bergholz kann es sich vorstellen, daß bei der Vernehmung feiner Frau und deren Eltern der Kriminalpolizei kein günstiges Bild von ihm gezeichnet wurde. Diese Gelegenheit, ihm endlich einmal heim- zohlen zu können, was er ihr — ihrer Meinung nach — angetan hat, ist Erna sicherlich hochwillkommen gewesen. Er ftdkrrt vor sich hin und beachtet es nicht, daß die Beamten in Akten blättern und verschiedene Lichtbilder betrachten. Dann wendet sich der ihm gegenübersitzende Kriminalrat wieder an ihn. „Den Mann, der Sie niederschlug, und der nach Ihrer Darstellung derselbe war, den Sie an einem Novemberabend bei der Oper sahen, würden Sie wiedererkennen, Doktor Bergholz?" „Bestimmt!" (Fortsetzung folgt.)