zy«. Jahrgang Kr.98 A^schemi täglich, außer Sonntags und feiertags Beilagen;-Die Illustrierte Gießener y-amilienblötter HeimatimBild DieScholle Monats-B ezugsvreis: Mtt 4 Beilagen.RM.1.98 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsv r ech anschluß 2251 Drabtanschrlft: ^Anzeige? Pofti check 11686 Frankf^M. Gießener Anzeiger vrühlsche UniverfitatrhrnckereiL. Lange General-Anzeiger für Oberhessen Zrettag, 26. April i9^0 Annahme von Anzeige« für die Mittagsnummer bis 8'/^ Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm Höhe bei Anzeigen von 22 m* Breite? Pf., Tertanzeigen von 70 mm Brette 50 Pf. Wiederholung Malftaffell Abschlüsse Mengenftaffelö Platzvorschrist (vorherige Vereinbarung) 25 mehr Ermäßigte Grundvreise Baoeranzeigen und behördliche Anzeigen von 22 mm Breite 6 Pf. Llnaushalisamer deutscher Vormarsch in Norwegen. Stockholm. 26. April. (Luropapreß.) Aus I Namsos liegt „Allehanda" ein Eigenbericht vor. in dem festgestellt wird, daß deutsche Infanterie nördlich von Steinkjer weiter vorgerückt ist und norwegische Truppen im Rückzug seien. Die von den Deutschen eingeleitete Offensive nehme mit iedem Tag größere Ausmaße an. weiter heißt es. daß in den Vormittagsstunden des Donnerstag die norwegische Ortschaft IN y r v i k. nordöstlich von Ramsos gelegen, einem Luftangriff ausgesetzt war. Italienische Berichte. Rom, 26. April. (Europapreß.) Der Stockholmer Korrespondent des „Piccolo" berichtet, daß tatsächlich in Norwegen Operationen in großem ®an9e Eine starke motorisierte deutsche Kolonne stoße nördlich von Elverum im Oester- dal vor, um sich mit den deutschen Streitkräften im Gebiet von Trondheim zu vereinigen. Im Lause des Mittwoch habe der Vorstoß vom Süduser des Storajeven-Sees bis zur Stadt Tynset neunzig Kilometer ausgemacht. Tynset liege nur 45 Kilometer von Röros entfernt, das den wichtigsten strategischen Punkt in diesem Gebiet darstelle. Auch „Tribuna" sagt in einem Bericht aus Oslo, es sei nicht unwahrscheinlich, daß schon am Donnerstag der Einmarsch der deutschen Truppen in Rö - r o s erfolgen werde. Den von Dembas vor- stoßenden feindlichen Kräften sei es nicht gelungen, den in der Richtung von Röros vorgehenden deutschen Truppen den Weg zu verlegen. Nach ausreichender Sicherung dieser strategisch wichtigen Stellung könnte dann die motorisierte Kolonne den Vormarsch nach Trondheim und die Vereinigung mit den dort liegenden deutschen Streitkräften ungehindert durchführen. Alles sei dazu angetan, voraussehen'zu lassen, daß der deutsche Vorstoß sich voll entfalten werde. Schweizer Stimmen zur Lage in Norwegen. Genf, 25. April. (Europapreß.) Zur Lage tn Norwegen schreibt der „Berner Bund" am Donnerstagmorgen, der hauptsächlichste Landungshafen der Westmächte sei wohl immer noch Nam- f o 5, das ungefähr in der Mitte der norwegischen Westküste liege. Eine der ersten Aufgaben der deutschen Besatzungstruppen werde es nun sein, den Abtransport oder den Abmarsch der Truppen der Westmächte aus Namsos unmöglich zu machen oder doch zu stören. Diesem Ziel hätten die Aktionen vom 22. und 23. April gegolten, die offenbar b e - trächtliche Erfolge gehabt hätten. Der Sonderberichterstatter der „Neuen Zürcher Zei° t u n g" schreibt am Donnerstagmorgen: „Das erste größere Gefecht in der Gegend von Trondheim hat mit einem Erfolg der deutfchett Truppen geendet. Sie konnten das etwa 90 Kilometer nördlich von Trondheim gelegene Städtchen Steinkjer und die dortigen feindlichen Stellungen erobern, was ungeachtet des anhaltenden Schneesturms vor allem auf die deutschen Bombenflugzeuge und die auch im Trondheim- Fjord befindlichen deutschen Kriegsschiffe zurückzuführen ist." Der Wehrmachtsbericht vom Donnerstag. B e r l i n, 25. April. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: 30 Kilometer nordostwärts Narvik find Kämpfe unserer Sicherungen mit stärkeren feindlichen Kräften im Gange. Narvik selbst wurde von englischen Seestreltkräften erneut heftig beschossen. Nördlich Trondheim haben deutsche Truppen nach der Einnahme von Steinkjer gegen geringen feindlichen Widerstand weitere wichtige llebergänge und Engen beseht. Der Raum von Trondheim und die von dort nach der schwedischen Grenze führende Bahn ist damit gegen Norden gesichert. Der schnelle Vormarsch i m Raum von Oslo nach Norden und Nordwesten hält an. Unterstützt von der Luftwaffe brachen die deutschen Truppen jeden Versuch des Gegners, sich erneut zu sehen und zwangen ihn zu teilweise regellosem Rückzug. Bei der U-Bootsjagd im Skagerrak wurden zwei feindliche U-Boote vernichtet. Line Vorpostenslollille sicherte bei diesigem Wetter am Westausgang des Skagerrak eine Gruppe großer französischer Zerstörer auf nahe Entfernung. Trotz erheblicher Ueberlegenheit der feindlichen Streitkräfte griffen die Vorpostenboote sofort an. Nach kurzem Gefecht lief der Feind mit höchster Fahrt ab und kam mit westlichem Kurs außer Sicht. Zwei moderne norwegische Z e r st ö r e r wurden mit deutschen Besatzungen i n Dienst gestellt. Die Luftwaffe klärte am 24. 4. über der mittleren und nördlichen Nordsee bis in hohe der Shetland-Inseln und über Wittelnorwegen aus. Kampffliegerverbände unterbrachen die Verbindungen des Gegners im Raume norv- Nch Lillehammer-Trondheim—Bergen und be- kämpften, zum Teil im Tiefangriff, seindche Marfchkolonnen, Truppenanfammlungen und viuy- punkte. Vor der norwegischen Susle wurden durch die custwosse feindliche ^eestreitkros'- ang eg rissen. Ein brilischer Jlakkrcuzer erhielt dabei einen schweren Treffer und stellte unter Feuererscheinung seine Kampstätigkeit ein. Ueber der Nordsee wurden drei britische Flugzeuge vom Wüster Lockhead-hudson und ein britisches Flugzeug vom Wüster hampton-herford, bei Aalborg ein weiteres Flugzeug abgeschossen. Zwei eigene Flugzeuge werden vermißt. Bei dem bereits gemeldeten Einflug britischer Flugzeuge auf die Insel Sylt wurde der Badeort W e n n i n g st e d t mit Bomben belegt und mehrere Häuser beschädigt. Auch am Rande der kleinen Stadt Heide in Schleswig- Holstein warfen feindliche Flugzeuge in der Nacht zum 24. 4. mehrere Bomben ab, obwohl sich weder in Heide noch in seiner weiteren Umgebung irgend welche militärischen Ziele befinden. Der Feind hat damit den Luftkrieg gegen unverteidigte Orte ohne militärische Bedeutung eröffnet 3m westen keine besonderen Ereignisse. Zwei französische Flugzeuge wurden an der Grenze durch Flak abgeschossen. Lin eigenes Flugzeug kehrte vom Feindflug nicht zurück. Die Beschießung von Äarvik. Berlin, 25. April. (DNB.) An. der erneuten Beschießung von Stadt und Hafen waren zwei Schlachtschiffe, mehrere Kreuzer und Zerstörer beteiligt. Die Beschießung hat wiederum längere Zeit gedauert und in der Stadt beträchtlichen Schaden anaerichtet. Die deutschen Truppen wurden in ihrer Verteidigungskraft nicht beeinttächtigt, da sie in der Zwischenzeit genügend Zeit hatten, geeignete Stellun- q e n auszusuchcn und auszubauen. Trotzdem nun bereits an mehreren Tagen englische Seestreitkräfte Narvik unter Feuer hielten, tst ein Landungs- versuch seitens der Engländer bisher noch nicht gewagt worden. Die deutschen Erfolge nördlich Trondheim. Berlin, 25. April. (DNB.) Die Erfolge der deutschen Truppen nördlich Trondheim sind für die weitere Kriegführung in Norwegen von größter Bedeutung. Durch die Besetzung wichtiger Engen und Geländepunkte in der Gegend von Steinkjer istderRaumvon Trondheim gegen jede Bedrohung von Norden her gesichert. Der Kampfwert der den deutschen Truppen gegenüberstehenden Verbände wird nach den bisherigen Eindrücken als gering bezeichnet. So konnte z. B. eine gut ausgebaute und sehr wichtige Stellung, die mit sechs Maschinengewehren besetzt war, von einer kleinen deutschen Abteilung ohne eigene Verluste genommen werden. Auch Saumfoerren halten unseren Vormarsch nicht aus. Aus einer Vormarschstraße der deutschen Truppen in Norwegen, die hier durch gebirgiges Gelände führt, hatten die Norweger eine Straßensperre aus Bäumen aufgebaut, die aber von unseren Panzerkampfwagen überwunden wurde. — (PK.-Lanzinger-Scherl-M.) Das Gulbrandsdal - das Hauptkampsgebiet in Norwegen. Die norwegische Landschaft, in der sich zur Zeit die Hauptkämpfe abspielen, ist das Gulbrandsdal. Es schließt sich an die Landschaft von Oslo in nordwestlicher Richtung an und zieht sich in Richtung auf den kleinen norwegischen Hafen A n d a l s - nes am Molde-Fjord hin. Dieses Tal gilt als das landwirtschaftlich reichste Gebiet Norwegens mit zahlreichen großen Höfen. Sie liegen meist an den hängen, während die Talsohle entweder durch ein seenartig erweitertes Gewässer oder von Erlen- und Kiefernwald eingenommen wird. Das im Vergleich mit anderen norwegischen Tälern verhältnismäßig breite Tal wird durch Felsriegel in e i n z e l n e A b s ch n i 11 e g e t e i l t. In einer höhe von etwa 1000 Meter zieht sich eine breite, wald- freie Zone hin, die mit Renntierflechten und Zwergbirken besetzt ist. Ueber diese Hochflächen erheben sich einzelne noch höhere und alpin geformte Gebirgsgruppen. Da auf den höhen feste Straßen fehlen, wird der Verkehr ins Tal gedrängt. Bemerkenswert für das Gulbrandsdal ist eine große Zahl von Erholungsheimen, die meist 600 bis 800 Meter über dem Tal gelegen sind. Am südlichen Eingang des Gulbrandsdals breitet sich der größte See Norwegens, d e r M j ö s e n , aus. hier liegt das von deutschen Truppen genommene Städtchen Lillehammer, im Frieden ein Fremdenverkehrs- und Kurort. An größeren Orten ist sonst noch der Eisenbahnknotenpunkt Dembas zu nennen. Der Einsatz der Luftwaffe. Berlin, 25. April. (DNB.) Die deutsche Luftwaffe hat in wirksamer Unterstützung der Operationen im Raum zwischen Trondheim, Andaktznes und im Kampfgebiet im Ndrden von Oslo Verbindungswege und feindliche Truppenansammlungen ange- griffen. Die E i s e n b a h n l i n i e n Andalsnes- Dombas, hjerkin—Dombas und Alvdal—Ätna wurden durch «Bombentreffer an verschiedenen Stellen unterbrochen. Auch Bahnhöfe wurden zer- stört, ein Transportzug vernichtet und an verschiedenen Stellen Straßen getroffen. Mar- schierende Kolonnen wurden angegriffen und erlitten schwere Verluste. Im Raum von Bergen wurde die Eisenbahngabel ostwärts Voß zerstört. Ueberall ist es im wirkungsvollen Einsatz gelungen, die Bewegungen feindlicher Verbände zu stören und wichttge Derkehrsmöglichkeiten auszu- schalten. Als in Röros gemeldet wurde, daß die deutschen Truppen sich von Süden näherten, wurde versucht, eine Abteilung von 160 Mann norwegischer Soldaten mit Truppentransportzug vorzuwerfen. Der Zug wurde jedoch während der Fahrt von deutschen Fliegern bombardiert und völlig vernichtet. Nur die Lokomotive und der Tender sind übriggeblieben. Der Angriff auf Sylt. ......,25. April. (PK.) In der Nacht vom 23. zum 24. April versuchten feindliche Flugzeuge erneut einen Bombenangriff aus die Nordseeinsel Sylt. Schon beim ersten feindlichen Flugzeug, das sich der Insel näherte, entwickelte sich ein bewunderungswürdiges Zusammenspiel unserer Scheinwerfer und Geschütze. Die Flugzeuge waren meist schon nach kurzer Zeit von den Scheinwerfern eingefangen. Befand sich aber mal ein Flugzeug in dem blauweißen Strahlenbündel, dann kam es auch nicht mehrheraus. Da hals kein Kurven, fein herunterdrücken oder Hochziehen der Maschine. Die Scheinwerfer hielten sie als deutlich sichtbares Ziel für die Geschütze, und dann ergoß sich jedesmal ein wahrer Feuerregen über das Flugzeug. Die bunten Leuchtspuren der leichten Flakgeschosse umtanzten es in wildem Reigen, und ringsum betonierten in zuckenden Lichtern die Granaten der schwären Flak. So manche Feuergarbe saß in der Kanzel oder in den Tragflächen eines Flugzeuges. Immer wieder wurde beobachtet, wie sich ein Flugzeug in höchster Bedrängnis seiner Bombenlast durch Notwurf entledigte, um mehr Bewegungsfreiheit zu bekommen. Doch auch das nützte nichts. Ein Flugzeug stürzte mit zerschossenem Motor ins Wasser, ein anderes kurvte steil über die linke Tragfläche ab, ein drittes brannte anscheinend auf dem Wasser aus. Andere Flugzeuge jedoch wagten sich erst gar nicht an die Küste heran. Sie warfen ihre Bomben ins Wasser und drehten ab, ehe sie in den Bereich der Scheinwerfer gelangten. Die wenigen Bomben aber, die doch auf Land fielen, waren schlecht gezielt geworfen und richteten nur geringen Sachschaden an. Hans E. Seidat. Gefährliche Initiative. Don unserer Berliner Schristleitung. „Der Feind hat damit den Luftkrieg gegen unverteidigte Orte ohne militärische Bedeutung eröffnet." So heißt es kurz und nüchtern in dem Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht vom 25. April über die Bombardierung des Badeortes W e n n i n g ft e bt auf Sylt und des Städtchens Heide in Schleswig-Holstein durch feindliche Flieger. Heide ist ein Eisenbahnknotenpunkt, der etwa 100 Kilometer südlich der dänischen Grenze, schon nahe der Elbmündung liegt. Ein Irrtum der angreifenden Flieger muß demnach als ausgeschlossen gelten. Schon einmal hat vor einiger Zeit ein britisches Flugzeug Bomben auf einen kleinen Bahnhof in Schleswig-Holstein ab- geworfen. Damals wurde von deutscher Seite nach- bücklich festgestellt, daß eine Wiederholung, welche die Planmäßigkeit solcher Bombenabwürfe erkennen ließe, eine neue Lage in der Führung des Luftkrieges gegen England schaffen würde. In London hat man zwar seinerzeit den Bombenabwurf dementiert, aber die deutsche Warnung unbeachtet gelassen. Ja, man hat sogar dafür gesorgt, baß seit- bem in ber englischen Öffentlichkeit und Presse immer lauter unddrängender die Forderung nach Bombenangriffen auf reichsdeutsches Gebiet erhoben wurde. Lord David Cecil beispielsweise sprach sich in diesem Sinne aus, und in der maßgebenden „Times" schrieb Oberstleutnant a. D. Edwards, daß England bereits Flughäfen in Norwegen bombardiere, wobei man zwangsläufig das Risiko laufe, daß freundlich gesinnte Norweger getroffen werden könnten. «Barum tue man Gleiches nicht im Innern des feindlichen Deutschland? Und wenn man schon Flugplätze angreife, warum dann nicht auch Rüstungssabriken und Militäranlagen aller Art? Schon der Krach derartiger Bombardierungen würde den Irrglauben der Unverletzlichkeit deutschen Bodens zerstören, der für die Führer Deutschlands ein so großes Plus sei. Allerdings müsse England, ehe es sich auf Derartiges einlasse, die Ueberlegenheit in der Luft besitzen ... Kaum waren diese provokatorischen Sätze gedruckt, als auch schon die englischen Fliegerbomben auf deutschem Boden zerbarsten. Aber die beiden Voraussetzungen, die der ehemalige Britenoffizier in der ,/Eimes" an das Unternehmen knüpfte, sind nicht vorhanden. Denn weder besitzt England die Ueberlegenheit in der Luft, noch vermag der Krach von explodierenden Bomben den Siegesglauben des deutschen Volkes zu erschüttern. Es ist also eine sehr gefährliche Initiative, die das geltungsbedürftige England da entfaltet hat. Noch hat die deutsche Fliegertruppe den strikten Befehl, offene feindliche Städte ohne militärische Bedeutung nicht anzugreifen. Sollten aber die Engländer mit ihren Angriffen auf nichtmilitärische Ziele fortfahren, so wird es eines Tages für sie eiy böses Erwachen geben und dann Bombe mit Bombe vergolten werden. H. Ev. Oie deutschen Kriegsberichte in italienischer Beleuchtung. Rom, 26. April. (Europapreß.) In der faschistischen Kammer schilderte der Minister für Volksbildung Paoolini die Aufgaben seines Ministeriums. Der Minister befaßte sich mit den Maßnahmen, die das Hotelgewerbe über die verkehrsarme Kriegszeit hinwegbrinaen sollen. Er zeigte ferner den erstaunlichen Ausstieg im Theater- und Filmwesen. Weiter teilte er mit, daß für die Weltausstellung 1942 bereits 135 internationale Kongresse in Rom angekündigt seien. Der Minister betonte dann das unvermeidliche Streben der italienischen Presse, im Gegensatz zu der von Lügen durchwobenen Presse der Demokratien in der eigenen Schilderung der Ereignisse und der Entwicklungen auf allen Gebieten sich größter Objektivität und Wahrheitsliebe zu befleißigen. Dies gelte auch für die Haltung des italienischen Rundfunks im gegenwärtigen „Rundfunkkrieg", an dem sich Kriegführende und Neutrale beteiligten. Die Erfahrungen hätten die Ualienische Presse und den italienischen Rundfunk über den Wert gewisser Informationsquellen reichlich aufgeklärt. Bei dieser Gelegenheit wies der Minister auf die Genauigkeit der deutschen Kriegsberichte besonders hin. Ihnen seien die unglaublichsten Lügenmeldungen aus der Zeit des polnischen Krieges und der gegenwärtigen englisch-französischen Propaganda gegenüberzustellen. Aber diese Erfahrungen seien nicht erst im gegenwärtigen Zeitpunkt gesammelt worden, sondern reichten weit zurück bis auf die Besetzung Albaniens, auf den spanischen Bürgerkrieg und auf die Eroberung des abessinischen Imperiums. Trotzdem wage die Gegenseite noch immer die Zumutung zu stellen: ihre Nachrichten in Bausch und Bogen zu übernehmen. Wie die il-8oote im Skagerrak vernichtet wurden. Berlin, 25. April. (DNB.) Zu der Versenkung von zwei feindlichen U-Booten durch deutsche U-Boot- Jäger wird bekannt, daß ein U-Boot mitWasserbomben angegriffen wurde. Es kam kurz darauf an die Oberfläche und kenterte. Langsam versank es wieder, um nach wenigen Minuten wieder aufzutauchen. Es war dabei deutlich festzustellen, daß das Boot manövrierunfähig war und nicht mehr dem Steuer und der eigenen Maschinenkraft gehorchte. Kurz darauf o e r s a n k es endgültig. — Bei dem anderen U-Boot, das ebenfalls mitWaf - ferbomben angegriffen wurde, wurde beobachtet, daß es nach dem Angriff feine Fahrt nicht fortsetzen konnte, sondern langsam emporstieg, bis der Turm des Bootes dicht unter der Wasseroberfläche lag. Das nochmalige Werfen von Wasserbomben führte bann zur völligenVernichtung des U-Bootes. Frankreichs Wirtschaft in M Auch das liberale Frankreich mußte zu der ihm verhaßten staatlichen Wirtschaftslenkung übergehen. Der langen Kette amtlicher Verfügungen folgte soeben ein französischer Regierungserlaß, der die Ausfuhr Frankreichs und seiner Kolonien unter Aufsicht stellt. Damit ist die Frage aufgeworfen: wie steht es überhaupt mit Frankreichs Außenhandel und insbesondere mit seiner wirtschaftlichen Unabhängigkeit vom Ausland? In der Einfuhr Frankreichs nahmen im Jahre 1938 die Rohstoffe 60 v. H, die Fertigwaren 15 v. S). und die Nahrungs- und Genußmittel 25 v. H. ein. Der verhältnismäßig geringe Hundertsatz der Einfuhr von Nahrungs - und Genußmitteln ist eine Folge der natürlichen Fruchtbarkeit des französischen Bodens. In Frankreich sind daher heute noch 26 v. 5). der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig, gegenüber 30 o. H. in Deutschland und nur 7 v. H. (!) in England. Erstaunlich ist dabei, daß das Weinland Frankreich, das 1938 rund 61 Mill. Hektoliter Wein erzeugte, noch 16 Mill. Hektoliter Wein aus seinen Kolonien einführte; ein Zeichen dafür, wie sehr der Wein das tägliche Getränk der Franzosen ist. Auch Spirituosen und Rum wurden noch eingeführt. Dazu kam eine Einfuhr von Getreide, Reis, Mais sowie von Fleisch, Obst und Kaffee. Sehr viel ernster steht es, wie schon der Hundertsatz beweist, um Frankreichs Versorgung mit R oh- stoffen. Zwar besitzt Frankreich reiche Vorräte an Eisenerz und ist über den Inlandsbedarf hinaus der bedeutendste Eisenexporteur der Welt. Alle anderen Erze aber, mit Ausnahme von Bauxit, mangeln Frankreich fast völlig. So muß Frankreich u.a. für seine rege Industrie Kupfer aus Belgien, Chlle und USA., Zinn aus Brttisch- Malaya und den Niederlanden e i n f ü h r e n , zumal die französischen Kolonien Bleierze und Blei, sonst aber gar keine Erze liefern. Einen großen Posten im französischen Einfuhrhandel nehmen die Mineralöle ein. So wurden 1938 aus dem Irak 3,1 Millionen Tonnen, aus USA. 2,3 Millionen Tonnen und aus Südamerika 1,6 Millionen Tonnen Rohöl eingeführt. Auch hinter der französischen Kohlenversorgung steht ein großes Fragezeichen. Frankreich besitzt kaum Braunkohlen und förderte selbst im Jahre 1938 nur 50 Millionen Tonnen, so daß es noch 23 Millionen Tonnen Kohlen und Koks aus dem Auslande beziehen mußte, und war vornehmlich aus England und Deutschland. Am bedenklichsten sind aber die Forderungen, die die französische Textilindustrie an die Einfuhr stellt. Frankreich führte 1938 für 6,5 Milliarden Franks Textilrohstoffe, vorzüglich lich Wolle und Baumwolle ein, so daß die Textilrohstoffe ein Viertel der gesamten Rohstoffeinfuhr ausmachen. Auch Oelfrüchte und Oelsaaten werden zum Teil aus Uebersee, aus Argentinien, eingeführt. Und da Frankreich nur zu 20 v. H. mit Wald bedeckt ist, bedarf es einer starken H o l z - ein fuhr aus den nordischen Ländern. Frankreich ist mithin bezüglich der von chm als Industrieland dringend gebrauchten Rohstoffe sehr stark vom Auslande abhängig. Die französischen Kolonien, die 75 v. H. der benötigten Nahrungs. und Genußmittel decken, können die Nachfrage nach Industrie-Rohstoffen nur zu 10 v. H. befriedigen. Die 15 v. H. der Einfuhr, die auf Fertigwaren entfallen, setzen sich aus Maschinenliefe- rungen und aus der Lieferung chemischer Erzeugnisse zusammen. In beiden Fällen ist Frankreich von England und Deutschland abhängig. Schon diese kurze Uebersicht beweist, wie groß die Wirtschaftsnot Frankreichs jetzt im Kriege geworden fein muß, sie nimmt naturgemäß ständig zu, zumal der französische Handel nach Uebersee bereits im Frieden stark pasfiv war. Zwar ist Frankreich einer Blockade weniger stark ausgesetzt als England, da die Zufahrtswege günstiger gelegen sind; sehr viel Kopfschmerzen bereitet aber die Bezahlung der Einfuhren, wofern sie nicht überhaupt wie aus Deutschland und neuerdings aus Norwegen (Holzeinfuhr) völlig ausfallen. Noch hot Frankreich Auslandsguthaben. Sie beginnen aber dahinzuschmelzen, weshalb auch Frankreich sehr zu seinem Verdruß zur Devisenbewirtschaftung und zum Verrechnungssystem übergehen mußte. Da aber auch die Auslandsguthaben Frankreichs keineswegs unerschöpflich sind, so droht auch in Frankreich das Gespenst des wirtschaftlichen Niedergangs. Ständig treffen neue Kampfwagen in Norwegen ein. Die Versorgung unserer in Norwegen stehenden Truppen mit jeglichem Kriegsmaterial und Nachschub vollzieht sich reibungslos. Unser Bild zeigt deutsche Panzerkampfwagen kurz nach der Ausschiffung im Hafen von Oslo. — (PK.-Scherl-Bilderdienst-M.) MM M. ■'< . 'M *" Flug nach Oslo. Don Hauptmann Freiherr von Siegler. P. K. Kopenhagen, die Hauptstadt Dänemarks bleibt unter uns zurück. Unsere Maschine zieht über das Strandbad der Kopenhagener, Klampen- b o r g und über das Schloß Hamlets, H e l s i n g ö r hinweg längs der schwedischen Küste, die wir am Horizont leuchten sehen, gegen Norden, gegen Oslo. Auf halbem Wege sehen wir die Dunstschicht über Göteborg. Nach einer halben Stunde tritt von links, von Westen her, Land an uns heran. Wir nähern uns dem Eingang des Christiania- Fjords, der sich in einer Länge von 50 Kilometer nach Norden in das Land hinein erstreckt und an dessen Nordende die Hauptstadt Oslo liegt. Die schwedische Küste bleibt hinter uns. Auf halber Länge ist der Fjord nur wenige hundert Meter breit, an einer Stelle ist er durch eine Insel in zwei schmale Rinnen geteilt. Auf der Insel liegt die norwegische Hauptbefestigung Oskars- borg. Hier haben Luftwaffe und Kriegsmarine zusammengewirkt, um den feindlichen Widerstand zu brechen. Die wehende Hakenkreuzfahne und zwei einsame Posten mit aufgepflanztem Bajonett zeigen den Erfolg. Weiter geht es nach Norden, wo sich der Fjord wieder verbreitert zum Hafen von Oslo. Im Westen der Stadt, auf einer Halbinsel liegt der Flugplatz F o r e b u. Wir landen auf dem kleinen Platz und benutzen zur Fahrt in die Stadt eins der Taxi, die in die Dienste der deutschen Wehrmacht genommen wurden. Sie pendeln im allgemeinen zwischen dem Flugplatz und der 8 Kilometer entfernten Stadt hin und her. Die Taxameteruhr zeigt keinen Preis. Das Benzin ist bereits deutschen Ursprungs. Der Fahrer wird aus der Feldküche mit verpflegt. Willig *unb dankbar wird der deutsche Schutz anerkannt. Im Vergleich zu Kopenhagen ist Oslo landschaftlich unvergleichlich schöner gelegen, doch ist die Stadt selbst mit der dänischen Hauptstadt nicht zu veraleichen. Sie zählt nur ein Drittel der Einwohner, etwas über 300 000 und hat außer dem Schloß nur wenige bemerkenswerte Bauten. Das Leben ist völlig unverändert, wie wir es aus Friedenszeiten kennen. Die besonders schönen Straßenbahnwagen und Autobusse verkehren, nur die Bahn nach dem weltberühmten Schiplatz Holmenkollen ist eingestellt. Die norwegische Polizei, unterstützt durch Hilfspolizisten mit einer blauen Armbinde und der Aufschrift POLIT, versehen ihren Dienst ohne Waffe. An Soldaten sieht man deutsche und norwegische. Die Verdunkelung der Stadt wurde durchgeführt. war jedoch nicht so gut vorbereitet, wie in Kopenhagen. Geht man zu Fuß in deutscher Uniform durch die Straßen, ist es nicht anders als in Deutschland. Die Geschäfte sind ärmer als in Dänemark, das Übliche internationale Hafenbild herrscht in Oslo viel stärker vor als in Kopenhagen. Die Gerüchte, die der geflüchtete Storthing-Präsident (Reichstagspräsident) H a m b r o in Stockholm über die englischen Erfolge gegen Norwegen in die Welt sendet, branaen auch nach Oslo. Sie konnten hier kaum gute Aufnahme finden, da die Osloer mit eigenen Augen und Ohren das Nichtvorhandensein einer englischen Flotte vor der Stadt feststellen konnten. Sonderbar berührte es uns, als wir in der deutschen Rundfunksendung vom 14. April mittags hörten, daß man feststellen müsse, daß in Oslo alles ruhig sei. Wenn man selbst dort war, kann man sich gar nicht erklären, wozu man dies im Rundfunk erst erklären muß, so s e l b st v erst ä n d l i ch erscheint es einem. Geschlossene deutsche Heeresabteilungen ziehen immer wieder durch die Stadt, um im Norden den unsinnigen Widerstand einzelner norwegischer Truppen zu brechen dder gegen Osten, Westen und Süden die Befriedigung weiter auszudehnen. Die Bevölkerung verhält sich völlig gleichgültig, doch müßte man lügen, wenn man behaupten wollte, daß sie den Eindruck der Feindseligkeit macht. Der private Kraftwagenverkehr, die Warmwasserversorgung war auch hier bereits dank der britischen Freundschaft eingeschränkt, Kolonialwaren waren ebenso wie in Kopenhagen nur mehr gegen Marken erhältlich. Während der ersten drei Tage Besetzung durch die deutschen Truppen zeigten sich drei oder vier englische Flugzeuge in einsamer Höhe über bdr Stabt, wobei bas größte, bas viermotorige Sunder- lanb-Flugboot von zwei beutschen Messerschmitt- Maschinen angenommen unb in Sichtweite ber Einwohner abgeschossen wurde. Die deutschen Jäger machten zunächst je einen Angriff, der die Riesenmaschine halb lahm schlug, bann tauchte biese in eine Wolke, kam roieber heraus unb ber britte beutsche Angriff traf es mit ber konzentrierten. Feuerkraft bes beutschen Jägers berart, baß bas Boot buchstäblich in ber Mitte auseinanberbrach. Die Bevölkerung von Oslo hat biese Lehre zur Kenntnis genommen. Die Ueberlegenhett ber beutschen Luftwaffe währenb ber Besetzung ber Stabt, bie burch keinen Englänber verhinbert würbe, ist während der folgenden Tage so deutlich demonstriert waren, daß jedes Kind seine Schlüsse ziehen, Warum Bevölkerungspolitik auch im Kriege? NSG. Die Frage ist heute, ob durch den Krieg und seine veränderten Verhältnisse eine bewußte Bevölkerungspolitik noch angebracht fei, oder ob man diese Frage nicht besser „für später" zurückstellen solle. Grundsätzlich ist hierzu zu sagen, daß ein Krieg, der um die Erhaltung des Volkes nach außen geführt wird, sinnlos wäre, wenn nicht gleichzeitig der Bestand des Volkes überhaupt, d.h. feine Erhaltung und Vermehrung im Innern, gesichert würde! Wir wissen, daß die höheren Geburtenziffern in den letzten Jahren noch nicht ausreichend waren, um unsere Volkszahl von 80 Millionen für die Zukunft sicherzustellen. Ein Nachlassen der Geburtenhäufigkeit würde also nur dazu führen, die jetzt noch nicht ganz ausgefüllten Lücken von neuem zu vergrößern und uns dadurch von der auf- steigenden Linie wieder zurückzureißen. Können wir uns das leisten und liegt überhaupt Veranlassung zu einer solchen Entwicklung vor? Diese Frage ist in jeder Hinsicht zu verneinen! Der Weltkrieg hatte gewaltige Opfer von unserem Volke gefordert. Aber er fiel in eine Zeit hinein, in der die Geburtenzahl noch fast doppelt so hoch war wie in der Zeit vor 1933. Sc» wurden die Verluste wenigstens zahlenmäßig, wieder ausgeglichen. Aber dann kam die Wandlung: mit dem Jahre 1915 fetzte ein gewaltiger Rückgang der Geburtenhäufigkeit ein, und diese Entwicklung hielt mit geringen Schwankungen bis 1933 an. In diesen knappen 20 Jahren wurden nun rund fünfzehn Millionen Kinder weniger geboren, als nach der früheren Geburtenzahl zu erwarten gewesen wären. Es ist aber eine bekannte Erfahrungssache: Verluste, die durch den Tod von Menschen entstehen, werden beachtet, Verluste,,die durch geringere Kinderzahlen entstehen, beachtet man nicht! Und doch muß ein Volk, das politisch, also auch bevölkerungspolitisch denken und handeln will, seine Gesamtlage stets so sehen, wie sie tatsächlich ist, und nicht, wie sie einseitig erscheint, wenn dabei wichtige Gesichtspunkte außer acht gelassen werden. Wie ist die Lage nun heute? Wir hoffen und glauben, daß ähnlich starke Verluste in diesem Krieg nicht wieder eintreten werden. Aber sollen' wir unsere Verluste nun dadurch vergrößern, daß wir den Nachwuchs, wenn auch nur vorübergehend, einschränken, wo doch die Mindestzahl zur Erhaltung unseres Volkes selbst in den letzten günstigen Jay- ren noch nicht erreicht werden konnte? Nein! Der Bereitschaft des Mannes, sein Leben für die Allgemeinheit zu opfern, muß eine gleiche Bereitschaft der Frau zur Seite stehen, auch unter erschwerten Verhälftiissen neues Leben erstehen zu lassen! Denn eins hat die Geschichte der Völker gelehrt: Ein Volk kann einen Krieg mit den Waffen gewinnen, ihn dabei aber gleichzeitig biplogisch verlieren, ebenso wie es Beispiele gibt, wo Völker den Krieg mit den Waffen verloren, durch ihr starkes Wachstum aber die Voraussetzung schufen, um sich später gegen ihre Unterdrücker von neuem zu erheben. Das Ziel eines großen, zukunstsbewußten Volkes wie des deutschen muß aber sein, mußte. Welcher Gegensatz zwischen diesen traurigen Besuchen der Briten in größten Höhen unb den anbrausenden deutschen Geschwadern! Der Umschwung in der öffentlichen Meinung kann für Deutschland nur erfreulich sein. Der dänische Lebensmittelexpott. Kopenhagen, 25. April. (Europapreß.) Der Bericht des dänischen Landwirtschaftsrates über die deutsch-dänischen Wirtschaftsverhandlungen hat in Kreisen der dänischen Landwirtschaft und der dänischen Exporteure Befriedigung ausgelöst. Eine Erweiterung des dänischen Exports an Lebensrnitteln, wie sie in Dänemark vor allen Seiten angeftrebt wird, darf als bevorstehend angesehen werden. Der Landwirtschaftsrat teilt mit, daß mit der deutschen Handelsdelegation Verabredung getroffen worden ist, die in den dänischen Kühlhäusern auf- gestapelten Vorräte nach Deutschland auszuführen. Die Bezahlung dieser Waren wird durch Clearing erfolgen. Die vereinbarten Preise müssen als günstig angesprochen werden. Weiterhin ist den Exporteuren die Möglichkeit gegeben, die gesamte Menge ihres Ausfuhrkontingents für das ganze Quartal auf einmal zum Versand zu bringen. Buschwindröschen. Von Hans JRiefrou. „So geht es nicht weiter", sagte Herr Enke, Professor am Basler Gymnasium, als er in der Deutsch- ftunbe die Aufsätze zurückgab. „Ich habe Ihnen das Thema ,Der Gartenbau' gestellt. Aber Sie haben aus dem Garten ein .Gärtchen' gemacht, aus feinen Blumen ,Blümchen', und aus den Bäumen .Bäumchen'. Was fällt Ihnen denn nur ein? Wie kommen ausgerechnet Unterprimaner dazu, die Dinge des Lebens durch die Silbe ,chen' zu verniedlichen? Warum müssen es Radieschen fein, die Sie säen und nicht Radiese? Warum sagen Sie Buschwindröschen statt Buschwindrose?" ' Herwondt, der Primus, meldete sich. „Es heißt aber nun einmal so", sagte er, „man spricht doch von Radieschen--" „Nein", rief Herr Enke, „das ist eine dumme Angewohnheit. Die deutsche Sprache wird, das bitte ich mir aus, schlicht und einfach gesprochen. Unter erwachsenen Menschen sagt man nicht Hühnchen, sondern Kücken, nicht Blümchen, sondern kleine Blumen, nicht Hündchen, sondern junge ober winzige ober zwergenhafte Hunbe. Die beutsche Sprache kennt im Grunbe überhaupt keine Verkleinerungssilbe. Und damit Sie es lernen, schreiben Sie jetzt in zehn Minuten einen Schnellaufsatz. Thema etwa: .Kleines Erlebnis im Garten'. Aber ohne jedes ,chen' und ,lein', verstanden?" Die Schüler hatten verstanden. Sie saßen da und knabberten an den Federhaltern. Nur Herwondt, ber Primus, war über fein Heft gebeugt unb schrieb, baß es nur so eine Art hatte. Nach acht Mnuten schon war er fertig unb übergab Herrn Enke bas Heft. Der nahm es, schlug es auf und las: Seltsames Erlebnis im Garten. — Mein Großvater saß in ber Laube unb erzählte ben kleinen Müden Mären von Grimm. Lies aber hörte nicht zu. Sie zog in Gebanken ihr Leib aus und warf es auf bie zahmen Kanine. Die sprangen auf ben Stall: ber kippte um, unb nunmehr liefen bie Meerschweine unb die Fretts weg. Eine Rotkehle flog auf unb flüchtete, ihren Glühwurm im Stich lassend, in bas Veil-Beet unb bann weiter in bie Maiglocken. Die Rotkehle fühlte sich offenbar verfolgt, benn sie war ein Weib. Mein Großvater aber war ärgerlich geworden. ,Zhr Mäden", sagte er. und nahm einen Schluck (Erbener Treppe, „ich rebe mir meinen Zapfen heiser; aber ihr kennt bie Mären von Schneewttt unb Dornrös wohl schon?" „Jawohl", sagte Lies, ber Nesthaken, „ich gucke lieber zu, wie bie Eichhörner da oben die dicken Weidenkatzen auf die verwelkten Stiefmütter werfen." — Herr Enke klappte das Heft zu. „Es ist genug", rief er unb schlug, zornrot im Gesicht, laut unb heftig mit ber Faust auf bas Katheber. „Sie brauchen nicht mehr weiter zu schreiben. Wir fahren in ber Tafso-Lektüre fort. Wo waren mir stehen geblieben?" Wieber erhob sich Herwondt, der Primus. „Auf Seite 23", sagte er, ,Leile zwölf: Durch Heftigkeit ersetzt ber Irrende Was ihm an Wahrheit und Kräften fehlt." Hüh, in Gottsnamen! Von Peter Dörfler. Die Zeit der Feldbestellung war endlich wieder gekommen. Unser Tal dampfte leise unter ber Früh- sonne, der Wind wehte kühl von den westlichen Waldhöhen herab, aber wo er aufgehalten war, strahlte bie Würze gebrochener Schollen in wohliger Wärme vom Boden auf. An solchen Tagen leuchtet die ferne Alpenkette wie ein Festtag auf unser dunkles Bauernland nieder, sie ist naher als sonst und wie eine breite Treppe zum lichten Himmelsgewölbe aufgerichtet. n wanderte dahin, dieses lichtblaue Geschmeide ugen, und war versucht, alles zu vergessen — all die Sorgen und Bedrückung — so sehr atmete das weite Tal Schönheit und Friede. Hier und da zog ein Pflug über die fette Erde, hier und da schritt ein Bursche hinter einer Egge, und die schlanken roten Kirchtürme am Höhenrain schauten den säend hin und wieder schreitenden Frauen wie Schutzgeister zu. Da auf einmal hörte ich eine hohe heisere Stimme, eine müde, ausgetrocknete Stimme, näher und näher kommen: ,Huh, in Gottsnamen!" Unb immer wieder in Pausen: „Hüh, in Gottsnamen!" Mich begannen Schauder zu überrieseln. Denn ich hatte alsbald den Ackersmann, der sein Zwiege- fpann, den Ochsen und das Roß, so antrieb, erkannt. Es war der alte Widdembauer. Vor drei Jahren hatte er sein Höflein übergeben, ausge- schunden und steif in allen Knochen, krumm von einem schweren Unfall im Walde. Und nun steht ber Sohn am Westwall und der Austrägler mußte wieder ins Geschirr, den besten Mann in der Wirtschaft machen wie bie'alte Mähre das beste Zugtier. ,Hüh, in Gottsnamen!" Man muß schon schwäbisch ins Herz hinein verstehen, nicht nur Klang und Laut, um zu spüren, was alles in biefem Sätzlein liegt. Bevor der alte Widdembauer sich beugte, um es so zu sagen, wie es jetzt klang, hat er getrotzt unb gehabert, ist vom Zom in Klage unb von ber Klage in ben Zorn verfallen und hat auch von ben vielen kräftigen Schimpfwörtern seines Vorrats Gebrauch gemacht. Nein, er möge nun einmal nicht mehr, er könne nicht mehr! Der Teufel solle die ganze Welt holen, sie gehöre ohnehin sein! Ehrenwort. Peters Vater ist Staatsanwalt. Eines Tages — es ist Frühling, unb bie Kinder haben den Garten aufgeräumt — muß er zu einer außerdienstlichen Vernehmung schreiten. „Peter", fragt er unb läßt bih Zeitung sinken, „fyaft du bie Konservendosen in ben Nachbargarten geworfen?" Peter schüttelt ben Kopf. „Ich frage noch einmal", hebt der Vater bie Stimme, „hast du bie Dosen in den Garten geworfen?" Peter runzelt bie Stirn. „Nein", sagt er, „ich habe es nicht getan. Ehrenwort!" Der Vater horcht auf. Ehrenwort? Nun, bann ist es gut. Niemals würbe sein Sohn — unb wenn er auch erst elf Jahre alt ist — es wagen, das Ehrenwort zu mißbrauchen. Aber bie Vernehmung ist noch nicht zu Enbe. „Weißt bu vielleicht", fährt ber Vater fort, „wer bie Dosen in ben Garten geworfen hat?" Peter überlegt einen Augenblick. „Ig", nickt er bann, „aber ich hab' mein Ehrenwort gegeben, es nicht zu verraten." Der Vater nickt bedächtig. „Sehr gut", sagt er unb lächelt, wie nur ein Staatsanwalt lächeln kann, „ein Ehrenwort barf man nicht brechen. Ich nehme an, baß bu es Detlev gegeben hast?" „Nein", schüttelt Peter den Kopf, „Karl-Heinz!" R. Aber wie er so sein Recht, sich tüchtig auszu- giften, genossen hatte, ringsum auf ben Höfen das Ackergerät zugerichtet wurde unb der Kemptener Kalender die Aussaat gebot, da vergaß er sein Reißen unb seine Steifheit unb Krümme, unb — in Gottsnamen, ergab er sich in das Auf erlegte unb hinkte gen Acker. Unb wie er's einmal auf sich genommen hatte, da kam es wie eine Weihe über ihn. Ein Friede unb eine tiefe Befriedigung mitten im Aufbieten ber letzten Kraft erfüllte ihn. Es ist so bestimmt, von oben gesetzt, unb eine Lumperei wäre es, bie Seinigen unb bies Felb unb Gottes Auftrag im Stiche zu lassen. Ich blieb stehen. Ja, so klang es: Heiser, mübe, aus trockener Kehle, aber tapfer unb zäh, zufrieden und sogar ein wenig stolz, weil er noch einmal aus dem alten Eisen geholt worden war. Vom nahen Dorfe her kreiste eine Schar Tauben. Wem; bie Sonne ihre Flügel von unten traf, glänzten sie wie Silber. Hinter dem Pflug in ber Furche schritten wichtig wie kleine Knechte die Stare und schnappten bie" bösen Engerlinge weg. Die Alpen gaben all deyi Nahen und Niedlichen Wucht unb Größe. Ich /aber mußte jetzt nur auf ben weißhaarigen hinkenben Greis am Pfluge schauen. Bon ben anderen Ackersleuten her kam kein Ruf Mehr. Es schien, als stünden sie alle in feinem Bann unb als hätten sie sich seine Parole zu eigen gemacht: „Hüh, in Gottsnamen!" Ich kenne bie Geschichte meines Tales weit hinauf bis in die graue Vorzeit. Ich weiß, daß es oft unb oft nicht nur so gewesen ist, daß die Söhne fernhin an bie Grenzen zu Wehr und Kampf ziehen mußten, sondern daß einer ber drei Retter ober gleich die drei furchtbaren Retter Pest, Hunger unb Krieg zusammen burch das Tal zogen, vor ihnen blühendes Land, hinter ihnen alles geknickt, zertreten unb eine Wüstenei. Aber nie hat ber Bauer fein Tal verlassen, immer wieder holte er ben Pflug hervor unb ,Hüh, in Gottsnamen!" In dieser Kraft hat er das verderbte Land aufs neue zum Blühen gebracht. Eine Lerche stieg zum Himmel auf, so als fei sie vom PfluD des alten Widdembauer aufgeflogen und von ihm ausgesandt worden. Sie fang ein glückseliges Lied, hoch und kaum noch sichtbar Lockte sie nicht ben siebenfarbenen Bogen, daß er fein erhabenes Zeichen spanne über den alten Bauern unb seine fromme Tapferkeit? weiter die Bemühungen um eine Herabsetzung der Säuglingssterblichkeit fortgesetzt, die jetzt bei sechs schaftlich niemals zu kapitulieren, denn der Kampf geht letzten Endes um die Zukunft unseres Volkes. Die Zukunft des Volkes aber find unsere Kinder von heute! Es darf daher auch bevölkerungspolitisch kein Kapitulieren geben, sondern auch hier nur den eisernen Willen zur Selbstbehauptung, und dieser Wille ist der Wille zum Kind! Erfreuliche Gkbuttenbiianzl939 Reichsgesundheitsführer Staatssekretär 2)r. (Sonii gab der Presse die Gesamtzahl der Geburten im Jahre 1939 mit 1 640 000 Kindern bekannt. Im Jahre 1933 wurden im Altreich nur 971000 Kinder geboren, im Jahre 1936 waren es 1278 000, im Jahre 1938 schon 1346 000 und im Jahre 1939 schließlich 1420 000, einschließlich der Ostmark und des Sudetenlandes 1640 000. Da in Frankreich im Jahre nur etwas über 600 000 Kinder geboren werden, liegt die deutsche Zahl um eine Million darüber. Auf 1000 deutsche arbeits- und wehrfähige Männer kommen in Frankreich nur 471 und in Großbritannien nur 598; England und Frankreich zusammen erreichen damit erft die deutsche Zahl. Es wird erwartet, daß der Krieg unsere Geburtenzahl nicht so herunterdrücken wird, wie es im Weltkrieg war. Im Gegensatz zum Weltkrieg ist der Wunsch nach dem Kind in Deutschland trotz des Krieges erhalten geblieben. Auch die Eheschließungswelle hat ununterbrochen angehalten. Ausreichende Kinderzahlen sind von ausschlaggebender Bedeutung für die Erfüllung der großen Aufgaben, die dem deutschen Volke nach dem Kriege gestellt sind, insbesondere auch für die Lösung der Ostfragen. Es ist erfreu- lich, daß gleichzeitig die mütterliche Sterblichkeit und die Totgeburten seit 1933 um ein Fünftel zurück, gegangen sind. In verstärktem Maße werden ^'c9 b e id e n Gebieten, dem militärischen unb,bem biologischen, siegreich zu beenden! Alle Bestrebungen aus Kleinhaltung ber'gamilie M für ein große- Volk das Unvernünftigste und Unsinnigste was man fid> denken kann. Die Sicher- fctt und die Leben-Möglichkeiten des einzestcen llegen eben allem m der Stärke der gesamten Na- heihmmt6 9l'?tion wiederum wird befhmmt durch die Zahl und die Tüchtigkeit der x.n^nen Menschem Las gilt aber nicht allein für bte Sicherheit des Volkes nach außen, sondern eben- so auch stir die Lebens- und Entfaltungsmöglichkeiten nach innen: Wo viel Nachwuchs vorhanden -ft, gibt es auch genügend Arbeitskräfte und Der- braucher; bann rauchen die Schornsteine, und das Leben stießt Wo aber der Nachwuchs fehlt, muß auch das Leben versiegen. So wendet sich unsere Zeit grundsätzlich von den Vorstellungen der letzten Jahrzehnte ab. Wir wissen heute genau: Alles ist Kampf, und aus dem Kampf geht immer nut der Stärkste als Sieger hervor. So will es die Natur, die das Leben bejaht und es am liebsten nur dem gewährt, der am schwersten -darum ringt. Und diese natürlichen Lebensgesetze sehen wir heute als Grundlage für all unser Tun und Handeln an: Wir Deutschen haben als Volk die größten militärischen und organisatorischen Fähigkeiten. Ein Verbrechen wäre es daher, diese uns von der Natur gegebenen Vorteile ungenutzt und verkommen zu lassen. Ebenso wissen wir aber, daß unser Volk seit Jahrtausenden auch ein kinderreiches Volk gewesen ist, wenn wir auch stets den Hang besaßen, einen großen Teil unserer Kräfte in alle Welt hinaus zu verschleudern. Unsere heutige Aufgabe muß daher sein, die beiden starken Tragpfeiler unseres völkischen Lebens zu sammenzu fassen, um so die Gewähr für eine gesicherte Zukunft zu finden, die organisatorisch- militärische Stärke muß verbunden sein mit einer gesunden biologischen Kraft. Wir haben in diesem I Prozent"liegt. Krieg den eisernen Willen, militärisch und wirt- • Angriff auf norwegische Nückzugsstraße nant, einem Panzer hängt eine Menschentraube, die vor dem jeden Augenblick einsetzenden Feuer Schutz sucht. So wollen wir uns f) er an arbeiten an die Häuser und mit Handgranaten die norwegischen Schützen aus- Unteroffizier und fünfzehn Mann ns an die Panzer an, oie ein Stück •euer. Der eine Panzer nimmt sie nm |tma Kanone unter Feuer, unsere schweren Granatwerfer setzen ein paar ©nippen Die trockenen Holzbauten gehen bald Flammen auf. Ein Halbzug, der über das Eis geschickt wurde, soll Nachsuche halten. Bis an den Leib sinken die Männer in den tiefen Schnee em. Sie kommen langsam vorwärts und finden das MG. - Nes leer. Ein zurückgelassenes MG. und an die Zausend leerer Hülsen sind die einzige Ausbeute. Heber drei Stunden haben wir festgelegen, ehe mir wieder vorrücken können. In dem Dors vo uns vermuten mir stärkeren Widerstand und schicken daher zrnei Züge über die Bergrücken vor Don der Seite her sollen fie da- Dorf 1-iubern. Mit nachdenklichen Blicken schauen wir den Mannen nach, wie fie einzeln im hohen «ergwald verschwinden. Lebhaftes Gewehrfeuer kennzeichnet den Weg der beiden Züge. Es verliert sich nach rückwärts, der Feind ist schon im Weichen. „Spitze Maaarfchl Abstände vergrößern!" — Zusammen mit einem Leut. gelingt, dann muß der Widerstand im Raume nördlich von Hönefoß gebrochen sein. In dem unwegsamen Hochgebirgsland geht der Kampf nur um die Straßen. Wer die Straße besitzt, beherrscht das Land. Von Hönefoß her, hieß es für die Soldaten, marschieren, marschieren und nochmals marschieren. Der Gegner versuchte zurückweichend, die Brücken hinter sich zu sprengen und Baumsperren anzulegen, die aber meist recht einfach sind und schnell beseitigt werden können. Wo Pioniere nicht zur Verfügung stehen, baut die Infanterie die zerstörten Brücken selber wieder aus. Und siehe da, es geht auch. Denn da sich der Gegner aus requirierten Lastwagen zurückzieht und sich unserem Zugriff schnell entziehen kann, müssen mir ebenso schnell sein. Zwar haben die drüben „nur" Maschinengewehr, Maschinenpistolen und Karabiner zur Verfügung, aber sie haben sich eine raffinierte Taktik ausgeklügelt, an schmalen Felsstraßen Baumsperren anzulegen, die flankierend beschossen werden können. Aus diesen Sperren liegt ein unerhörtes Feuer der gegnerischen MG.s. Die beiden Panzer, die uns begleiten, tun gute Dienste. Die Infanterie trägt die Hauptlast. Vor sich den Gegner, feuernd, am jenseitigen Talhang flankierend im Walde versteckt, ebenfalls, zur Rechten den schneebedeckten und zugefrorenen Elf, und zur Linken die glatte und nässetriefende Fels- wand. An ihr werden alle Geschosse zu Querschlägern. Für jeden Soldaten das Unangenehmste, was es an Beschuß gibt. Heber Nacht haben mir in Ruhe gelegen, bei strahlendem Himmel geht es. morgen weiter. 45 Kilometer müssen heute geschafft werden. Dann haben wir eine der Rückzugsstraßen abgeschnllten. Zunächst wird marschiert. Der lange Wurm der Marschgruppe tastet sich vorsichtig durch die Wm- dungen des Tales. Ein paar verstreute Häuser deuten ein Dorf an, hie und da eine Baumsperre, die uns nicht lange hindert, das ist das Ergebnis des Vormittags. Dom Feinde nichts zu spüren. PK. Unaufhaltsam stößt unsere Marschkolonne,! wenn auch unter leichten und schweren Gefechten, hängen mir uns an die Panzer an, nach Norden vor. Unfer Ziel ist, den rechts von weiter vorn stehen geblieben waren. Hinter jedem uns kämpfenden norwegischen Abteilungen die Zu-1 fuhr- und Rückzugsstraße abzuschneiden. Wenn das räuchern. Taghell leuchtet der Mond, sein Schein liegt silbern auf den Schneehängen, als mir in die Dorfstraße einbiegen. Nichts rührt sich. Weiter, die nachfolgenden Züge müssen die Häuser durchsuchen. Wieder Baumsperren, eine nach der anderen. Die Dorfftrahe ist völlig oerfperrt Zwei der Sperren waren wahrscheinlim zu früh gefallen. Die hatten die Norweger durchsäA und beiseite geräumt, wohl um ihre Fahrzeuge nachziehen zu können. Die Panzer bleiben zurück. Nur mit mehrmaligem Anlauf können sie jede Sperre einzeln nehmen und so viele, wie hier, hat man uns noch nie gelegt. Noch immer nichts vom Feind. Die über die Berge vorausgesandten Züge, auf die wir stoßen, haben auch nichts feststellen können. Der Norweger ist also wie bisher im Schutze der Dunkelheit verschwunden. Irgend etwas gefällt uns daran nicht. Der Norweger kann uns doch nicht feine Zufuhrsttaße kampflos übergeben! Laut Befehl sollen wir den jenseitigen Dorfausgang sichern. Also weiter. Kein Wort fällt, das Dorf liegt wie ausgestorben, verloren bellt im Wald ein Hund. Ruhe. Dunkel liegt wieder eine Baumsperre auf der Straße, zwei Sicherer arbeiten sich hindurch, mir folgen zu zweit mit zehn Schritt Abstand. Die Auspustgase des Motors hüllen uns ein, mir müssen husten und merken es kaum. Angespannt blickt jeder nach rechts und links. Noch ein paar Häuser, davor eine Baumsperre, zwanzig Schritt weiter dasselbe. Das Dorf nimmt kein Ende. Die Spitze zieht sich immer mehr auseinander, die Verbindung droht abzureißen. Vor uns erhebt sich ein großes Gebäude, eine Holzsägerei. Bis auf 20 Meter sind wir herangekommen, denken schon an den erfüllten Auftrag, da knallen giftig keckernd Schüsse gerade vor uns und von rechts her los. Die aufichlagenden Geschosse zerspritzen feuersprühend auf dem Pflaster. Instinktmäßig lasse ich mich nach links hinter eine niedrige Steinmauer fallen, über die eine Geschoß- garbe hinwegfegt und, wenn sie zu tief liegt, Dreck und Splitter aus mich schleudert. Der Leutnant kam nicht mehr so weit. Er liegt im Schmelzwasser des Straßengrabens und darf sich nicht rühren. Sofort lenkt er das Feuer auf sich. Abwechselnd feuern die Maschinengewehre des Gegners, Sie streuen die Straße in ihrer Länge ab, dort, wo die nachfolgenden Männer liegen müssen. Durch Ruse nehmen wir Verbindung nach hinten auf, was mit wütendem Feuer von vorn erwidert wird. Was aus den beiden Sicherem geworden ist, kann ich nicht feststellen. Auf Rufe antworten sie nicht und die Deckung darf ich nicht Der« la^r liegen restlos fest, die Panzer müssen kommen und uns heraushauen. Doch sind sie weit zurück, liegen vor den Sperren fest. Wohl höre ich, wenn ich rufe „Panzer nach vorn", .wie dies weitergegeben wird und weit hinten langsam verklingt. Die Panzer kommen nicht. Das geht eine Stunde so. Der Leutnant hat den Schutz einer Wolke, die sich vor den Mond schob, benutzt und ist zu mir hergekrochen. Er zittert am ganzen Leibe vor Kälte, wahrscheinlich macht ihm auch der leichte Streifschuß, den er am Nachmittag erhielt, zu schaffen und der ihn nicht am Weiterkämpfen hindern konnte. Unsere Lage hier weit vorn beginnt gefährlich zu werden. Wir laufen Gefahr, von den Norwegern abgefangen zu werden. Unter ein paar Schuppen, die auf Pf ah len ruhen, kriechen wir weg, müssen dabei allerlei Gerumpel beseitigen. Ein Sprung über eine mondbeschienene Fläche zum nächsten Haus veranlaßt neues MG.- Feuer. — Wir beide verschnaufen, beruhigen durch tiefe Atemzüge die Lunge. Der 45 Kilometermarfch macht sich bemerkbar. Zwei Sprünge, MG.-Feuer, das zu tief liegt, dann hat der Wald uns angenommen. Gleitend und stürzend klettern wir über Felsblöcke, schieben uns durch sperriges Gestrüpp, immer in zwei- bis dreihundert Meter Abstand von der Straße, die noch unter Feuer liegt.— Fünfhundert Meter sind wir zuruck- gekommen, als wir auf die erste geschlossene Gruppe stoßen, die drei Verwundete hat. Alle drei wurden Opfer der Baumsperren, die unter besonders schwerem Feuer lagen. „, , . , Ich qehe alleine weiter zuruck, nehme in langen Sprüngen die Straße, bis uf) zum Arzt komme, der sofort nach vorn geht. Es geht auf drei Uhr morgens zu, als mir das zweite Bataillon unserer Marschgruppe entgegenkommt, das im Nachgefecht den Ortsausgang säubern will. Da gehe ich noch- Wir kennen das schon. Irgendwo hat er eine seiner bekannten Überraschungen bereitgestellt. — Das Tal verengt sich und macht nach links hin eine Kurve, frei ist auf lange Strecke die Straße einzusehen. Hier liegen die Baumsperren dicht aufgeschlossen bis zu zehn Meter. Mühsam arbeiten sich die Panzer, die an der Spitze fahren, hindurch, die Infanteristen folgen. Die Spitzengruppe des ersten Zuges ist gerade bei der letzten Sperre angelangt, da setzt von vorn und von rechts das Ma sch i n e nge wehrseu er ein. Hinter Steinen, in Felsnischen, im metertiefen, seuchtnassen Schnee des Straßengrabens sucht alles Deckung. Kleckernd zerbersten die Geschosse an der Felswand, heulen die Querschläger über die Straße hinweg, so daß alles unwillkürlich die Köpfe einzieht. Dum-Dum-Ge- schosse müssen auch dabei sein. Ein paar dieser Geschosse haben wir unter weggeworfener Munition gefunden, wir hörten oft diesen eigentümlich summenden Ton. ~ fl . Wie lange dauert dieser Feuerstoß. Der Norweger feuert und feuert und hat keine Ladehemmung. Nur die Panzer antworten, haben aber kein rechtes Ziel, da aus Dachluken und Kellerlöchern vom jenseitigen Hang geschossen wird. Mundungs- feuer ist nicht zu sehen. Ein paar Verwundete haben mir schon, fast alles Querschläger. Hinter einem riesengroßen Findlingsblock hat der Arzt einen not- dürftigen Verbandsplatz eingerichtet, doch auch dorr- hin verirrt sich hin und wieder eine Kugel. Wir beobachten, pressen die Augen an das Glas, rufen uns die Beobachtungen zu. Zwei Hausergruppen sind so ausgemacht worden, von dort tz-r kommt das F< f,e mit feiner 2-cm-Ki Erregung in der arabischen Welt. Scharfe Proteste gegen die Verurteilung syrischer Nationalisten. Rom, 25. April. (Europapreß.) Wie die Blätter aus Kairo melden, kommen aus der ganzen arabischen Welt entrüstete Proteste gegen die Verurteilung zahlreicher syri-scher Natio- nalistenführer zum Tode und lebenslänglichem Zuchthaus. Die Urteile werden als ein Beweis der hinterlistigen Politik Frankreichs in Syrien angesehen. Das Komitee der mohammedanischen Jugend hat den französischen Oberkommissar von Syrien telegraphisch ersucht, von der Vollziehung der Urteile abzusehen, um zu vermeiden, daß sie Rückwirkungen auf die Beziehungen der arabischen Staaten zu den Westmächten habe. Verschiedene syrische Persönlichkeiten haben auch die Regierungen von Irak und Saudi-Arabien um ihre Intervention zugunsten der Verurteilten ersucht. Die Zeitung „Wafd Misri" schreibt, die arabische Welt bilde eine einzige N a - t i o n, deren Freundschaft die Westmächte zu dem einzigen Zwecke pflegten, um ihre militari« chen Interessen im Nahen Orient zu sichern. Wenn diese Todesurteile vollzogen würden, komme es in der arabischen Welt zu einer tiefen Gärung. Das römische Blatt „Teuere" schreibt, die französische Politik der schweren Faust in Syrien wecke erbitterte Reaktion in den arabischen Staaten. Der Islam wende sich gegen die Demokratten. Zahlreiche syrische Persönlichkeiten hätten sich gegen das Vorgehen Frankreichs in Syrien gewandt. Die Zeitung „Wafd al Misri" spreche die Drohung aus, wenn die Urteile vollzogen würden, werde in der arabischen Welt eine derart drückende Atmosphäre entstehen, daß es der ägyptischen Regierung äußerst schwer fallen werde, ihre den Demokratien gegenüber übernommenen Verpflichtungen zu erfüllen. Auf Grund einer Initiative ägyptischer Abgeordneter ist die ägyptische Regierung auch bereits bei den Regierungen Englands und Frankreichs wegen einer Abänderung des Todesurteils gegen die syrischen und palästinensischen Nationalisten vorstellig geworden. mals mit vor, um die erste Kompanie anweisen zu können und lasse dann das lange, lange Bataillon an mir vorüberziehen. Mann hinter Mann tauchen die dunklen Silhouetten auf, Maschinengewehre, Granatwerfer, Gewehrschüßen. Weiter vorn lodert das Feuer wieder auf, der Norweger wird niedergekämpft und als die Sonne aufgeht, haben wir die Anmarschstraße zum norwegischen Nach- chud in unserer Hand. Enno Eimers. Reichskommiffar Terboven. Der Führer ernannte, wie wir schon gemeldet haben, den Oberpräsidenten Terboven zum Reichskommissar für die besetzten norwegischen Gebiete. Reichskommissär Terboven ist in dieser feiner Eigenschaft dem Führer unmittelbar unterstellt. Josef Terboven vollendet am 23. Mai fein 42. Lebensjahr. Er hat fchon im Weltkriege trotz feiner Jugend — er war zu Beginn des Krieges damals erst 16 Jahre alt — mit hoher Auszeichnung gekämpft. Nach Kriegsende widmete er sich dem Studium in Freiburg und München und wurde später Bankbeamter in Essen. Terboven, der seit 1930 Mitglied des Reichstages ist, leitet seit fünf Jahren als Oberpräsident die Rheinprovinz. (Scherl-Bilderdienst-M.) Italien und der Krieg. Das Mittelmeer-Problem mutz gelöst werden. Rom, 25. April. (DNB.) Die Faschistische und Korporative Kammer genehmigte nach einer kurzen Rede von Nationalrat G i u n t a den Voranschlag des Außenministeriums. Dieser betonte, die Haltung Italiens im derzeitigen Konflkit gebe zu feiner- lei Zweifeln Anlaß. „Bei Beginn des Krieges hat in Frankreich die übliche Kampagne gegen Italien stattgefunden; aber nachdem es zur „Nichtkriegführung" kam, fingen einige an, von einer Wiederholung der Lage von 1914 zu träumen. Man darf nie vergessen, daß Frankreich uns stets seit den fernsten Zeiten und bis in die Gegenwart hinein feindlich gesinnt war, wie dies zahllose Episoden beweisen. Was England anbelangt, dessen Macht bereits zu Zweifeln Anlaß gibt, ist seine „traditionelle Freundschaft" für Italien nichts anderes als ein Gemeinplatz, der durch die Geschichte und die Tatsachen Lügen gestraft wird. Warum sollte übrigens Italien nicht das Problem seiner Sicherheit im Mittelmeer lösen, die durch das Verbleiben der englischen Flotte in diesem Meer bedroht ist? Diese Notwendigkeit hat Italien sogar mit anderen Ländern ge- m e in." Nationalrat Giunta sprach in diesem Zusammenhang die Ueberzeugung aus, daß der Konflikt sich ausweiten und damit zu einem Krieg der Völker gegen d i e Be- sitzenden werde. Abschließend betonte er, daß die Italiener heute mehr denn je die Parole des Duce „Glauben, gehorchen, kämpfen!" in ihren Herzen bewahren müßten. Oie Ehe Paris-London. Französische Berbrüdernngsvorschlage. Brüssel, 25. April. (DNB.) Der Außenpoli- tiker der „Epoque" weist auf die dringende Not- wendigkeit einer ständigen und organisatorischen Zusammenarbeit zwischen Frankreich und England hin und führt einige Punkte auf, deren Verwirk- lichung diesem Zweck in wirksamer Weise dienen könnte. Allem voran steht „aus erzieherischen und symbolischen Gründen" die Notwendigkeit, eine gemeinsame englisch • französische Briefmarke zu schaffen. Auch der Plan eines Kanaltunnels wird zu diesem Zwecke wieder einmal aus der Mottenkiste hervorgeholt. Die englische Sprache und Literatur in Frankreich ebenso wie die französische Sprache und Literatur in England mühten durch alle Mittel gefördert werden. Ferner müßten an den verschiedensten Punkten der Erde gemeinsame Flottenstützpunkte errichtet werden. Die Z o 11 s ch r a n- ten könnten zwar zwischen den beiden Ländern nicht aufgehoben werden, weil die französische Industrie sonst auf dem eigenen Markt nicht gegen die englische Konkurrenz ankämpfen könne, aber ständige wirtschaftliche Bande müßten zwischen den beiden Ländern geknüpft werden. Schließlich müsse man einen englisch-französischen parlamentarischen Ausschuß bilden, der gemeinsame Gesetzesvorlagen ausarbeite, die dann von den Parlamenten der beiden Länder angenommen würden. Ist ein Konflikt im Pazifik unvermeidlich? Japanisches Echo der Erklärungen TaussigS. R o m, 25. April. (Europapreß.) Nach Meldungen aus Tokio haben die Erklärungen des amerikanischen Admirals T a u f s i g über die Unvermeidlichkeit des Krieges zwischen den Vereinigten Staaten und Japan dort großes Aufseh en erregt, obwohl Taussig von Staatssekretär Hüll desavouiert worden ist. Das Blatt .Kokumin" schreibt, die Erklärungen des Admirals reihten sich den zahlreichen japanfeindlichen Kundgebungen in den Vereinigten Staaten an und bestätigten den Eindruck, daß, falls diefer Zustand anhalte, eine Lage geschaffen werde, deren weitere Entwicklung unmöglich vorauszusehen sei. „Hochi" unterstreicht die neuen Maßnahmen der amerikanischen Behörden in Manila gegen die Einwanderung nach den Philippinen. Es handelt sich auch in diesem Falle um einen absichtlichen Affront gegenüber Japan. Kabinettskrisis in Belgien. Brüssel, 26. April. (Europapreß.) Am Donnerstagabend gab Ministerpräsident Pierlot die Erklärung vom (yefamtrü cf tritt der Regierung in der Kammer ab, nachdem über den Haushalt des Unterrichtsministeriums abaeftimmt worden war. Die Abstimmung hatte 120 Ja-, 45 Nein-Stimmen und 15 Stimmenthaltunaen ergeben. Die Meinungsverschiedenheiten über den Haushalt des Unterrichtsministeriums hatten bereits am Mittwoch und Donnerstag eine gewisse innerpoli- tische Spannung hervorgerufen. Den Anlaß dazu gab das sogenannte „Projekt S o u d a n", das den Namen des sozialistischen Unterrichtsministers trug und die Durchführung der seit langer Zeit von den Flamen geforderten Zweiteilung des Unterrichtsministeriums in eine flämische und eine wallonische Abteilung für das kommende Jahr vorsah. Nach diesem Plan sollten unter dem Unter- richtsmimster in Zukunft nicht ein, sondern zwei Generalsekretäre stehen, von denen der eine die, flämische, der andere die französisch-sprachige Abteilung leiten sollte. Jedem dieser beiden Generalsekretäre sollte dann noch eine zweite Amtsperson beigegeben werden, die für den flämischen General« efretdr wallonischer und für den französisch- prachigen Generalsekretär flämischer Herkunft sein ollte. Katholiken und Sozialisten hatten diesem Vor- schlag zugestimmt, nicht ober die Liberalen. Nachdem nun am Mittwoch Ministerpräsident Pierlot erklärt hatte, die Regierung werde an die Abstimmung über den Haushalt des Unterricbtsministe- riums die 93ertrauensfraae knüpfen, hatte der (Streitfall eine erhöhte politische Bedeutung bekommen. Am Donnerstag erklärten die Liberalen, sie wünschten, daß das Projekt der Zweiteilung des Unterrichtsministeriums besonders behandelt werde. Das Kabinett sprach sich dagegen aus. Daraufhin erklärten die Liberalen, sie würden gegen den Haushalt stimmen, jedoch sei damit von ihrer Seite kein Mißtrauensvotum abgegeben für die Regierung, der auch zwei Liberale angehörten. Bei der Abstimmung sprachen sich dann die Liberalen gegen den Anttag aus. Acht liberale Abgeordnete flämischer Herkunft enthielten sich der Stimme, während der liberale Gesundheitsminister Jaspar zusammen mit einem anderen liberalen Abgeordneten für den Haushalt des Unterrichtsministeriums stimmte. Dieses genügte jedoch dem Ministerpräsidenten Pierlot trotz der allgemeinen Mehrheit, die der Haushalt für bas Unterrichtsministerium in der Kammer gefunden hatte, nicht, er trat vielmehr zusammen mit der Regierung zurück. Oie Sondermarke zum 1. Mai. $ '4 ■ Die Reichspost gibt zum Nationalen Feiertag des deutschen Volkes dieses Sonderpostwertzeichen zu 6 Rpf. + 4 Rpf. Zuschlag heraus, der dem Kulturfonds des Führers zufließt. Das Markenbild, das von dem Kunstmaler A. Grögerchen (Frankfurt am M a in) entworfen wurde, zeigt als Sinnbild der Wehrmacht einen Ritter, unter dessen Schutz die Arbeit in Stadt und Land ungestört weitergeht. Die Runen weisen auf den Sieg und die Fruchtbarkeit hin. Vom 30. 4. ab werden diese Marken in allen Postämtern herausgegeben. ^Scherl-Bilderdienst^ Rotes Kreuz im weißen Felde. Von Dr. Hermann Oreyhaus. Schon während der Befreiungskriege, besonders nach der Schlacht bei Leipzig, machten sich Bestrebungen geltend, das Los der in d'er Schlacht Verwundeten und Erkrankten zu lindern. Doch bedurfte es abermals eines nicht minder blutigen Erlebnisses, der S ch l a ch t b e i S o l f e r i n o in dem österreichisch-französisch-italienischen Kriege 1859, solche Bestrebungen zu Ergebnissen zu führen. Dies geschah durch den Schriftsteller ch e n r i D u n a n t aus Genf, der unter den Eindrücken auf dem Schlachtfelde es sich zur Lebensaufgabe setzte, den Leiden des Krieges entgegenzutreten. Er fand Unterstützung bei der „Gemeinnützigen Gesellschaft" seiner Heimatstadt und der Schweizer Bundesregierung. Den vereinten Kräften gelang es unter feiner Führung nach fünfjähriger Ausklärungsarbeit, am 22. August 1864 die sogenannte Genfer Konvention zuslandezubringen, in der sich zunächst acht, später fast alle Kulturstaaten verpflichteten, unter dem Zeichen des roten Kreuzes im weißen Felde ein international anerkanntes Recht für die Verwundeten und Kranken der Kriege und das Pflege- und ärztliche Personal aufzustellen. Es ist eine merkwürdige Fügung, daß das fünfzigjährige Bestehendes Roten Kreuzes i n d e n er st en Monat des Weltkrieges fiel, während das fünfundsiebzigjährige Be- st e h e n kaum beachtet wurde, da es von dem Vorabend eines neuen Krieges überschattet wurde. Natürlich ist das gewaltige Werk von heute nicht auf einmal dagewesen. Sein Ausgangspunkt ist die freiwillige Krankenpflege. Darin liegt eine hohe sittliche Anerkennung, aber organisatorisch gesehen auch ein Mangel. Hier setzte, besonders nach den Kriegen von 1866 und 1870/71, die Weiterentwicklung ein. Es wurde zwar der Grundsatz der Freiwilligkeit beibehalten, aber die Organisation als solche wurde den staatlichen Einrichtungen auf dem Gebiet der Verwundeten- und Krankenpflege angegliedert, so daß sich eine einheitliche Ausrichtung des Unternehmens ergab, deren Durchführung einem Staatskommissar oblag. Die freiwillige Tätigkeit wurde im Frieden schon so vorbereitet, daß ihr Rückgrat feste Krankenhauseinrichtungen und Schwesternhäuser bildeten, an die sich im Kriegsfall Lazarette, Aerzte und Hilfsschwestern angliederten. Es wurden so neben fyte kämpfenden Truppen gewissermaßen helfende und heilende gestellt. Diese Entwicklung führte dazu, daß die in der Genfer Konvention aufgestellten Grundsätze zu einer großen internationalen Gesetzgebung heranwuchsen. Das Rote Kreuz im weißen Felde wurde in allen Kulturstaaten unter gesetzlichen Schutz gestellt. Damit wurde es zu einem wirklichen Neutralitätszeichen. Dies hat dazu geführt, daß die Rote-Kreuz-Verbände der einzelnen Länder nicht nur in Tätigkeit traten, wenn das eigene Volk in einen Kriög verwickelt war, sie halfen auch überall da, wo es'die Not erforderte; so nahmen Abordnungen des Deutschen Roten Kreuzes 1877 am Russisch-Türkischen Krieg teil, 1899/1900 an dem opferreichen Burenkrieg in Südafrika und 1904/05 an dem gewaltigen Ringen zwischen Japan und Rußland. Auch bei großen Naturkatastrophen im Reiche oder außerhalb sprang das Rote Kreuz helfend und rettend ein. Wenn nicht vordringliche Not Forderungen erhob, dann wirkte es an der Vervollkommnung der persönlichen Fertigkeiten und der technischen Einrichtungen, um in jedem vorkommenden Falle einsatzbereit zu sein. Den Beweis für eine solche Einstellung haben die Rote-Kreuz-Verbände aller Nationen während des Weltkrieges gegeben; nicht nur die der kriegführenden Völker, sondern ebenso die der Neutralen, besonders wenn ihr Land mitten zwischen d^n seindlichen Stellungen lag. Bei der langen Dauer des Weltkrieges erweiterte sich der Auf- gabenkreis des Roten Kreuzes ins Ungemessene. Im Vordergrund stand natürlich die Betreuung der Verwundeten und Kranken. Darüber hinaus vermittelten die Rote-Kreuz-Einrich- tungen den Austausch der nicht mehr kriegs- verwenduugsfähigen Gefangenen, wobei es nicht selten geschah, daß diese in den neutralen Ländern mit ihren besseren Lebensbedingungen Genesung und Erholung sanden. Viel Dank erwarb sich das Rote Kreuz durch sein Forschen nach Vermißten. Wenn es nicht unmittelbar helfen konnte, vermittelte es wenigstens einen Brieswechsel, so daß die verlorenen Verbindungen wieder angeknüpft werden konnten. Probleme der Raumordnung im Osten. Die Reichsarbeitsgemeinschaft für Raumforschung hält in Berlin eine Reichsarbeitstagung ab, die sich in der Hauptsache mit dem Neuaufbau im deutschen Osten beschäftigt. Die durch den siegreichen Polenfeldzug gewonnenen neuen Gebiete sollen zum festen Bestandteil des deutschen Äolksbodens werden, zugleich ergibt sich aus diesem Gewinn ober eine weitere Aufgabe. Wenn wir bisher ein Volk ohne Raum waren, so sind wir heute ein Volk mit mehr Raum geworden. Jetzt muß nicht mehr jeder Quadratmeter Boden im Altreich der dringendsten Brotfruchtbestellung reserviert werden, wir können schlechtes Gebiet aufforsten, weil wir besseres Gebiet im neugewonnenen Land haben. Die Raumordnung in diesem Sinne muß schon während des Krieges geprüft werden, damit am Ende des Krieges alles zum Aufbau fertig ist. Nicht ein reines Agrargebiet soll im Osten entstehen, das industriellen Ballungsgebieten gegenübersteht, sonderst es muß eine gut abgewogene Struktur erstrebt werden, die auf einem gesunden Verhältnis zwischen gewerblicher und bäuerlicher Entwicklung beruht. Nur eine solche Struktur bietet die Voraussetzungen für gesicherte völkische Entwicklung. Auch für den Osten ist daher eine breite und gesunde bäuerliche Grundlage die entscheidende Voraussetzung, zugleich aber müf= en die gewerblichen Möglichkeiten, die Energiequellen und die verkehrspolitischen Voraussetzungen ausgebaut werden. Dazu kommen die großen Aufgaben auf dem Gebiet der Wasserwirtschaft, die sowohl, die Landeskultur, den 1 Dieser Geist ist im Roten Kreuz nicht erloschen. Wieder ist es zu großem Einsatz auf-geboten. Es steht überall bereit. Es wird den Beweis erbringen, daß nach 75 Jahren seines Bestehens kein anderer Gedanke seine Mitglieder beherrscht, als getreu der großen Ueberlieferung alle Kraft einzusetzen für diejenigen, die der Hilfe bedürfen. Daß das Deutsche Rote Kreuz auch materiell in die Lage versetzt wird, allen Anforderungen gerecht zu werden, dazu kann das ganze deutsche Volk durch seine Spenden mitwirken, zu denen es im Hilfswerk für das Deutsche Rote Kreuz vom Führer aufge- ruftn ist. Verkehr wie die E n e r g i e e r z e u g u n g angehen. Endlich müssen städtebauliche" Auf- gaben gelöst werden, um eine dauerhafte deutsche Kulturgrundlage in Dorf und Stadt zu schaffen und ihr die zentralen Mittelpunkte zu geben. Eine besondere Rolle spielt für den Neuaufbau die Gewinnung geeigneter Siedler, die den Boden dem Deutschtum gewinnen und ihn als Besitzer neuer Bauernhöfe bearbeiten oder als Handwerker und Arbeiter am Aufbau mitwirken sollen. Dadurch gibt die Neubesiedlung des Ostens die Chance, vor allem Bauernfamilien und nachgeborene Bauernsöhne, die in der zu eng gewordenen Heimat keinen eigenen oder keinen ausreichend großen Hof erwerben könnten, die Möglichkeit zu geben, im neuen Lande Bauern und Träger neuer starker Geschlechter zu werden. Nie Heeresverwaltung. Die Arbeit der Heeresverwaltung in Front und Heimat wird von Oberregierungsrat Dr. Kayser vorn Oberkommando des Heeres in der „Zeitschrift für die Heeresverwaltung" erläutert. In der Heeresverwaltung lebe die älteste Tradition preußischer Staatsverwaltung -fort. Mit der Errichtung des Großdeutschen Reiches feien ihr auch die wertvollen Erfahrungen der alten österreichischen Heeresverwaltung zugeführt worden. Mit der Entlastung, die durch die Tätigkeit des Verwaltungsdienstes von den Zahlmeistereien über die Heeresstandortverwal- tung, Verpflegungsämter, Bauämter, Bekleidungs-' ämter, Forstämter, Lazarettoerwaltungen und Re- monteämter bis zu den Wehrkreisverwaltungen und bis zum Heeresverwaltungsamt den militärischen Kommandobehörden zuteil wird, gewinnen diese eine größere Beweglichkeit in der Ausbildung und Füh« rung der Truppe. Unter den Bedingungen des totalen Wirtschaftskrieges ist die Heeresverwaltung zum Träger wichtiger Aufgaben in der Kriegswirtschaft geworden, da ihr die Sorge für rechtzeitigen Nachschub sowie ausreichende Bevorratung von Le» bensmitteln und Futtermitteln, Bekleidung und Ausrüstung, Verbrauch'sgütern und Unterkunftsgerät obliegt. Damit ist die Heeresverwaltung aber auch das Bindeglied zwischen Wehrmacht und Volkswirtschaft. Der Beamte der Heeresverwaltung bedarf also umfassender Fachkenntnisie. Durch die Schilderung ihres Wirkens sichere sich die Heeresverwaltung den erforderlichen Nachwuchs, zumal die Pflichtenkreise des gehobenen und höheren Dienstes sogar in der Wehrmacht selbst kaum bekannt seien. Kleine politische Nachrichten. Der holländische Passagierdampfer „Johann van O l d e n b a rn e v e l d", der zwischen niederländisch-indischen Häfen unterwegs war, ist durch einen englischen Kreuzer angehalten worden. Ein Kommando des Kreuzers prüfte die Schiffspapiere und fahndete nach deutschen Fahr- g ä st e n. Die Untersuchung erfolgte vier Meilen von der Nordküste Javas entfernt. * Das britisch^ Handelsschiff „L o l w o r t h" (1969 BRT.) ist an der Südküste Englands infolge einer Explosion gesunken. Zwei Mann der Besatzung wurden getötet und acht verletzt. * Reichsminifter Dr. Frick stattete mit Reichs- arbeitsführer Hier! der Reichsschule des Reichsarbeitsdienstes für die weib° licheJugen d in Finowfurt einen Besuch ab. Er besichtigte die Einrichtungen der Schule und nahm mit Interesse den Bericht dey Leiterin über die durch den Krieg notwendig gewordene Ausbildung zu Führerinnen des weiblichen Arbeitsdienstes entgegen. x * Reichsminister Dr. Goebbels empfing aus Anlaß des Abschlusses der deutsch-spanischen Filmverhandlungen den Leiter der Filmabteilung des spanischen Innenministeriums Augusto Manuel Garcia Dinolas und den Leiter der Filmabteilung des spanischen Handelsministeriums Santos Bernardo Bollar-Layda. * Der Generalgouverneur für die besetzten polnischen Gebiete, Reichsminifter Dr. Frank, übernahm im Lager Birkental bei Oppeln das ihm vom Generalfeldmarschall Göring zur Verfügung gestellte Forst- schutzkommando. Es ist aus deutschen Waldarbeitern zusammengestellt und hat neben der Bekämpfung der Forsträubereien den Auftrag, eine vernünftige Forstwirtschaft im Bereich des Generalgouvernements aufzubauen. * Der deutsche Gesandte in Belgrad, von Heeren, teilte dem Außenminister Cincar Markowitsch mit, daß die Reichsregierung Bau- und anderes Sachmaterial im Werte von 100 000 Reichsmark der jugoslawischen Regierung zur Unterstützung der Hochwassergeschädigten zur Verfügung stelle. * , In Uebereinstimmung mit dem im letzten italienischen Ministerrat gefaßten Beschluß, den Ministerrat in den ersten Tagen jedes Monats einzuberufen, wird am 1. Mai eine Kabinettssitzung unter dem Vorsitz des Duce im Palazzo Viminale stattfinden. Auf der Tagesordnung stehen zahlreiche wichtige Fragen. * Der litauische Staatspräsident Smetona hat den zurückgetretenen litauischen Armeeoberkommandanten, General R a s ch t i k i s , mit dem Rang eines Divisionsgenerals in den Stand der Reserve versetzt. Hcmptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschrfftleiters: Ernst Blumschein. Verantworllich für Politik, Feuilleton und Silber: Dr. Fr. W. Lange; für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner^ Druck und Verlag: Brühlsche Universitütsdruckeret R. Lange K. G. Verlagsleiter: Dr.-Ing. Erich Hamann; Anzetgenleiter: Harrs Beck. Verantworllich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Pl.Nr.8. ■ M*;- ■ ' >46*.'*K^****‘*y*>-v.< Hier ist auf einem Flughafen in der Nähe von Oslo ein deutsches Rote-Kreuz-Flugzeug gelandet. Behutsam werden die Verwundeten von Bord des Luftransporters in die bereitstehenden Kraftwagen übernommen. — (PK.-Hausmann — Scherl-M.) Aus dem Reich. Statt Karten. Wir danken herzlichst für die uns bei dem Heimgang unseres lieben Entschlafenen erwiesene Teilnahme. Emilie Wettläufer, geb. Merkel Helmi Pohl, geb. Wettläufer Richard Pohl. Gießen, den 25. April 1940. ______________________________________________________________2087 D Größeres Industrie - Unternehmen sucht eine Hilfskraft für Bearbeitung von Sozial- und Arbeiterangelegenheiten« Schriftliche Angebote unter 2093 D an den Gießener Anzeiger erbeten, Gesucht zum baldigsten Eintritt: Lager-Arbeiter- Hilfsfahrmann sowie Büro-Hilfe Gehn Kahl, Kohlenhandlung Frankfurter Straße 159 2045 D Suche baldmöglichst Gärtnergehilfen Gartenarbeiter oder Mädchen Ueno Schab, Garleobaobelrieb Lieber Straße 57 [06166 Gärtnerei Alter Steinbacher Weg. Dr. Schleifers Lebens-Elixir Ruf 2135 Fachdragcrie-Bahnhofstr.ir vermehrt und verbessert durch seinen Eisengehalt das Blut Stärkt und beruhigt durch seinen Lecithingehalt die Nerven Verlobungs-Anzeigen liefert Brühl'sche Druckerei IlÜthlüfiC von z bi» 20 v. S. erhalten Sie bei wiederholten Auf- nahmen einer Ameigß | Mietgesuche~| 31/2-4-3im.' Muuno zum 15. Mai oder 1. Juni zu mieten gesucht. Schriftl. Angeb. m. Preisangabe u.01551 an d. Gieß. Anz. 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Ausführende: WANDA SORGI, Sopran, von der Oper San Carlo, Neapel ALDO TAMAGNI, Heldentenor der Mailänder Oper DOMENICO MARABOTTINI, Bariton der Oper in Rom Am Flügel: HEINRICH GÖLDNER, Berlin Arien, Duette, Terzette aus italienischen Opern Die Presse schreibt: Mit Begeisterung lauschte man der blühenden Pracht dieser Stimmen, drei glanzvolle Vertreter des italienischen Gesanges waren zu Gast und gaben ein Bild von dem hohen Stand ihrer Kunst. — Der Zusammenklang der Stimmen in Duetten u.Terzetten war vollendeter Genuß... Selten hat unser Kursaal (Bad Kreuznach) solche Begeisterung gesehen Freitag, den 26. April 1940, 20 Uhr 20890 Außer Miete! - Preise: RM. 0.80, 1.25, 1.55, 2.05, 2.55, 8.10 - Außer Miete! Dienstag, 30. April 20.30 Uhr unter. Bootshaus Milglieder- versammlnnO Betr. Ergänzung zur 2092D Einheits Satzung. Anschließend: Kameradschaltsabend DerVereinsftthrer Werbe-Drucksachen bei Brühl, Schulstr. 7 Gießener Radfahr* Vereinigung e. V. Gießten Samstag, d. 27.4. 20.30 Uhr Jahres- T Hauptversammlung iw Burghof. DerVereiostührer iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifn Mit offenen Außen Drei Jungen und ein Mädel entdecken ihre Waldheimat. Von Werner Siebold 135 Seiten Text und 8 Kunstdrucktafeln Leinen RM. 2,85 Hugo Bermühler Verlag Berlin-Lichterfelde lllllllllinillllllliiiiniuj Bekanntmachung. Am 26. April drei Eier. Auf die gültige Reichseierkarte werden auf den Abschnitt c in der Zeit vom 26. April bis 5. Mai drei Eier ausgegeben.____________________ 20990 Unsere Kriegsmarine Eine Morgenveranstaltung im Gloria-Palast Sonntag, 28. April 1940, vormittags 10.30 Uhr Tonfilme des Oberkommandos d. Kriegsmarine: „Stander „Z“ vor“-„Unter der Kriegsflagge“ - „Stapellauf des Tirpitz“ Vortrag von Korvettenkapitän Chorus umrahmt von der Marine-HJ. Gießen Erwachsene 20 Pf., Jugendliche unter 16 Jahren 10 Pf. Angehörige der HJ. und des BDM. bei Teilnahme mit ihren Formationen Eintritt frei. __2096D _ Hr.98 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefsen) Zreitag, 26. April 1940 Gießener Anlagen im Frühlingsschmuck wollen.' fccm — ein Wiedersehen, unvorhergesehen und darum besonders schön, sozusagen vor den Augen der, wenn auch wohlmeinenden, so doch neugierigen Oeffentlichkeit? Nein, das tot er auf keinen Fall, schon um Inges willen nicht, chatte er so lange gewartet und waren die Überraschungen sowieso ganz anders ausgefallen, als er sich gedacht hatte, kam es auf eine Stunde mehr oder weniger auch nicht mehr an. Mit raschen Schritten ging Eberhard durch die inzwischen dunkel gewordenen Straßen, über denen ein zwar mondloser, aber sternenübersäter Himmel stand. Ein vergnügtes, jungenhaftes Lächeln fpielte um seinen Mund und er hatte es sehr eilig, nach chause zu kommen, sich die Schlüssel von Frau chan- sen zu holen und in die kleine Wohnung zu gelangen, die Inge und er sich vor einem Jahr, kurz vor ihrer Hochzeit, eingerichtet hatten. Drinnen, nachdem er abgelegt hatte, begann er ein Hetzelmännchen-Spiel und war gerade^ fertig, als seiner Meinung nach Inge kommen mußte. Er ging zur Dorsaaltür, öffnete sie einen Spalt breit und lauschte. Ob er lange gewartet hatte oder nur wenige Minuten — er merkte es nicht. Und dann vernahm er plötzlich den bekannten, leichten Schritt, sah sie förmlich die Treppen hinaufeilen, horte, wie sie auf einer der letzten Stufen Halt machte, in ihrer Handtasche kramte und den Schlussel herausnahm. In diesem Augenblick knipste er das Flurlicht an und öffnete die Tür. , Fassungslos starrte Inge chn an, doch dann brach ein Jubelschrei aus ihr heraus und sie flog ihm Gegenwärtig wird in unseren städtischen Anlagen an mehreren Stellen wieder eifrig gearbeitet, um ihnen zu einem guten Aussehen zu verhelfen. Un- ere Grünanlagen mit ihrem mannigfachen Dlumen- chrvuck, der mehrmals im Laufe des Sommerhalbjahres gewechselt wird, sollen auch in der Gegenwart sich so präsentieren, wie es für das Ansehen unserer Stadt notwendig ist. Dor dem Stadttheater und vor der Universität werden also ckuch in diesem Jahre wieder die großen Zierblumenbeete angelegt, die wir aus den vergangenen Jahren in Erinnerung haben. Der Ludwigsplatz, der durch die Moderni- ierung des Verkehrs in unserer Stadt in seiner gärtnerischen Anlage keine Veränderung erfährt, wird ebenfalls wieder mit Blumen geschmückt. Die Rasenflächen, wie auch die Blumenbeete sind bereits umgegraben worden, und es wird nicht lange dauern, dann wird sich der Ludwigsplatz wieder in chöner Farbenfreudigkeit darbieten. Für diesen Platz ist außerdem eine Ergänzung des gärtneri- chen Schmuckes vorgesehen. Nachdem es nicht möglich ist, die vor einiger Zeit beschafften Kugellampen erstrahlen zu lassen, sollen jetzt die für die Lampen erstellten Sockel dazu benützt werden, entweder große Blumenschalen aus Ton, oder schmucke Blumenkästen zu tragen, die mit Geranien und Hängegeranien gefüllt werden. Die Blumen für alle diese gärtnerischen Anlagen wurden zum Teil in der Stadtgärtnerei herangezogen, zu einem Teil werden sie auch in den hiesigen Erwerbsgärtnereien gekauft. Allerdings war es bisher nicht leicht, die notwendigen Mengen an Blumen pflanzen zu beschaffen, da selbstverständlich der Winter auch in den Gärtnereien Nicht spurlos an den Pflanzenbeständen vorübergegangen ist. Einige Anlagenstücke, insbesondere am Lutherberg, wie auch am Hindenburgwall, bedürfen einer gründlichen Ueberholung. Zum Teil muß der Rasen neu angesät werden, da während der langen Winterwochen überall da die Kinder rodelten, wo sich nur eine Neigung des Geländes dazu ausnützen ließ. Es werden also noch verschiedene Rasenstücke umgegraben und neu eingesät werden müssen. Vorgesehen ist, daß auch in der Anlage am Hitlerwall die Grünflächen mit der Steineinfassung versehen werden, wie sie bis jetzt am Hindenburgwall verlegt worden ist. Allein in der Anlage am Hindenburgwall wurden 2000 laufende Meter dieser Steineinfassung verlegt, die sich im Gesamtbild der Anlagen ausgezeichnet ausnimmt und viel sympathischer wirkt als die Draht- oder Eisenbandeinfassung, die wir gegenwärtig noch in Nie Lteberraschung. Don Marianne Weidenbach. Bevor der Soldat Eberhard Becker die Treppen hinaufstieg, blieb er emige Sekunden im Hausflur stehen, um mit einer schon zur Gewohnheit gewo - denen Bewegung das Koppel gerade zu rucken, d e Mütze abzunehmen und ste nach emem Grlft Mlt gespreizten Fingern durch sein dunkles Haar wieder aufzusttzen und mit Schwung aufs rechte Ohr h er - unterzuziehen. Dann sprang er, klopfenden Herzens und zuletzt ein wenig atemlos, die Treppe hinaus bis zum zweiten Stockwerk. . n. An her Wohnungstür. von der ihm em Metall schiw mit feinem Namen entgegenbhntte, lautete er. Dreimal, wie es bei ihnen üblich man Aber nichts rührte sich. Für alle Falle wiederholte das Klingelzeichen — wiederum vergeblich. Während er noch überlegte, wo I-'ne Frau fein könnte und fchon wieder weggehen w°llte um b Freunden nachzufragen, öffnete sich das Fenster der gegenüberliegenden Wohnungstur. nw«?" MM, Sie — wollen Sie zu Frau Becker^ vernahm Eberhard die ihm wohlvertraute Stimme °°ÄÄt. Frau Hänfen trat zur Dir hinaus. Und mit einem Male erkannte ste Eb ^,Wo kommen Sie denn her?-' fragte erregt und erstaunt und fuhr fort: "Weiß denn Ihre Fr davon? Sie hat mir doch gar nichts gesagt^ Ich habe Urlaub, Frau Hansen ist das nicht fein? Das hat sich so schnell entschieden, d ß denn den Brief nicht ^.Welchen" Brief?", fragte Gerhard Verständnis- los. „Was meinen Sie denn. daß atb"itert"®arum denn? Davon weitz ich ja gar entgegen. . , x. Uebermütig geworden', weil ihm nun doch die Ueberraschung geglückt war, nahm Eberhard sie aus beide Arme hoch, drückte mit dem Rücken die Korridortür zu und trug sie — mit Mantel und Hut, Tasche und Handschuhe in der Hand — ms Zimmer. Kleine, tapfere Postbeamtin, du! , flüsterte er zwischen Küssen und setzte sie dann behutsam auf ^Woher weißt du es denn, das mit der Post? Haft du meinen Brief schon bekommen? , fragte ste und sprang wieder auf. . „ ... ... Nein, den Brief habe ich noch nicht; vielleicht ist er"iötzt gerade am Westwall angekommen Aber Frau Hansen hat mir alles gesagt. Ich> bm auch schon auf der Post gewesen und habe dich an Scha er neunzehn sitzen sehen bzw. du wußtest, daß ich Ur- ^Du ^Eberhard, du bist mir doch nicht böse, well ich" arbeite? Du mußt das verstehen: jetzt habe ich einen Pflichtenkreis und kann da heften wo öle Männer in der Heimat fehlen. Und bei der Urbeit vermisse ich dich nicht so, als wenn ich zu Hause -- ) habt dir erst vor em paar manchem Anlagenteil sehen. Steinmaterial für weitere 2000 Meter Einfassung liegt im Hofe der Bürgermeisterei an der Gartenstraße bereit. Das Material dürfte ausreichen, um die Anlagen am Hitlerwall damit auszustatten. Bei einem Gang rund um unsere Gießener Anlagen ist zu sehen, daß zwar schon manches zur Verbesserung geschehen ist, daß es aber für die nächsten Wochen noch viel zu tun geben wird. Immerhin: der Anfang ist gemacht. Am Stadttheater (gegenüber der Dresdner Bank) ist ein Rasenstück umgegraben und ein langes Blumenbeet angelegt und bepflanzt worden. Dor dem Eingang des Stadttheaters sind schmale Beete angepflanzt. Das große Rundbeet ist bearbeitet und harrt der Bepflanzung. An der Johannesstraße wird umgegraben. Vor dem Schwesternhaus nehmen sich gegenwärtig blühende gelbe Narzissen und Schlüsselblumen sehr gut aus. Das Beet rings um das Lie- bigdenkmal (Hitlerwall) ist auch bereits bepflanzt. Im Goldfischteich gegenüber dem Landgericht herrscht reges Leben. Die Fische befinden sich anscheinend bereits in der Paarung und jagen sich im Wasser hin und her. Sie sind gut durch den Winter gekommen. Während der kalten Jahreszeit wurden Löcher in das Eis geschlagen, Strohwische eingesteckt, so daß die Fische immer genug Luft hatten. Leider und erstaunlich früh macht sich bereits eine Wasserlinsenart auf dem Teich breit und jeden Morgen ist ein Mann damit beschäftigt, die Linsen abzufischen, damit der Teich nicht allzu rasch unter einer grünen Schicht verschwindet. In Rundbeeten hinter der Schillerschule (Werner- wall) blühen in kraftvollem Rot die Tausendschönchen. Der Heyer-Gedenkstein an der Mädchen-Oberschule (Wernerwall) ist von weißen Tausendschönchen umgeben. In der langgestreckten Anlage am Horste Wessel-Wall, entlang der Main-Weser-Bahn, wurden Beete mit Nelken und Mahn angepflanzt. Ueberall in den Anlagen wurden zum Teil neue oder neugestrichene Papierkörbe an den Bäumen befestigt — eine stille Mahnung an die Spaziergänger. Die vielbegangene Anlage zwischen Johanneskirche und Stadttheater beweist die Notwendigkeit dieser Papierkörbe sehr eindringlich. Für dieses Jahr war ursprünglich vorgesehen, eine Reihe von Bäumen und Büschen mit Namensschildern auszustatten, da in unseren Anlagen sehr viele Bäume und Büsche stehen, die als Seltenheiten zu betrachten sind. Durch verschiedene Umstände mußte diese Maßnahme, die sicherlich begrüßt worden wäre, aber zurückgestellt werden. N. Tagen davon geschrieben, weil ich die Probezeit abwarten wollte, um dich zu überraschen. Und denke nur: sie behalten mich und ich verdiene hundert-« fünfzig Mark monatlich!" Inge strahlte voll Stolz. Eberhard nahm sie wort« los um die Schulter und drückte sie fest an sich, bis sie sich mit einem Male ftei machte, da ihr einfiel, daß sie sich um das Abendessen kümmern müßte. Nun aber zeigte sich der Erfolg des Heinzelmännchen-Spieles: die Fenster waren alle verdunkelt, der Ofen brannte hell, der Tisch war mit allem, was Eberhard hatte finden können, gedeckt und auf dem Herd summte das Wasser im Kessel. So glücklich waren diese Menschen, daß die Freude kaum durch die Tatsache getrübt wurde, daß der Urlaub nur drei Tage dauerte. M kann aber leider nicht frei bekommen, meinte Inge nun in selbstverständlich-ernstem Ton. „Es gibt jetzt viel zu tun und es fehlen immer noch Arbeitskräfte." • In diesem Augenblick wuchs Eberhards Achtung vor seiner Frau, welche die Pflicht über das persönliche Wünschen stellte. Und er empfand — jung, wie er noch war — zum erstenmal in seinem Leben mit Bewußtsein und tiefer Dankbarkeit, wie sehr eine Frau, wenn es notwendig ist, über sich hinauswächst und bei aller Weiblichkeit das war, was unter Männern als ,/ganzer Kerl" bezeichnet wurde. Der Landesvater und die Lotterie. Die erste Klassenlotterie in Preußen fand im Jahre 1703 statt. Damals wurden bte Lotterien von Privatleuten veranstaltet, die die Genehmigung des Landesherrn einholen mußten. Warum die Klassenlotterien von Friedrich L, dem ersten König Preußens, genehmigt wurden, zeigt die Begründung seiner Erlaubnis einer Lotterie im Jahre 1711 800 Taler von den Lotterieeinnahmen sollten der Parochial-Kirche zufließen. Außer diesem wohltätigen Zweck waren es aber noch folgende Grunde, die den König zur Genehmigung bewogen: „1. So wird dadurch von fremden Oertern geldt m all- hiesiges Land gezogen, 2. kann Mancher, Der fon. ften nicht viel hat, dadurch, wann ihm daß Gluck woll will, Baldt vermögend und Reich werden, 3. genießet die Post die Zeit daß solche Lotterie währet mehr denn 300 Thaler an Porto vor Brieffe und Packete, 4. genießen auch einige Handwerker was davon und wttd unterschiedliches con- sumiert." Mit anderen Worten: Die Lottenever- i anstaltung sollte nicht eigennützigen, sondern allge- : meinen Interessen dienen. Dieses Kel ist zur Tra- t dition geworden, die die lange Geschichte der Preu- ! ßischen und der Preußisch-Süddeutschen bis zu um, : serer Reichslotterie begleitet hat, bau der von Tieren stammenden Nahrungsmittel", im Veterinär-Anatomischen Institut, Frankfurter Straße 94. — Stadttheater: 20 Uhr „Italienischer Opernabend". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Frau nach Maß". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Wir alle geh'n zum Polterabend." — Oberhessischer Kunstverein: Ausstellung Walter Kröll (Gießen) von 17 bis 18 Uhr im Turmhaus am Brand. Filme von unserer Kriegsmarine. Am kommenden Sonntagvormittag werden im Rahmen einer Morgenveranstaltung im Gloria» Palast Tonfilme des Oberkommandos der Kriegsmarine vorgeführt werden. Dazu wird Korvettenkapitän Corus einen Vortrag halten. Die Marine-HI. Gießen wird die Darbietungen entsprechend umrahmen. Italienischer Opernabend im Stadttheater. Am heutigen Freitag findet im Deutsch-Italienischen Kulturaustausch ein Italienischer Opernabend im Gießener Stadttheater statt. Bei diesem Opernabend wirken mit: Wanda Sorgi, Sopran von der Oper San Carlo in Neapel; Aldo Tamagni, Heldentenor von der Mailänder Oper; Domenico Ma- rabottini, der Inhaber des italienischen Staatspreises 1937, Bariton von der Oper in Rom. Am Flü- Noch immer war Eberhard wie benommen von i dieser Neuigkeit. Er hatte - marum, wußte er sich ■ selbst nicht zu erklären — fest damit gerechnet daß j Inge daheim wäre und ihm, dem überraschend Heimgekommenen, schon an der Tur um den Hals fallen würde. Nun war sie nicht nur nicht zu Hause, fandern sie arbeitete irgendwo Frau Hansen, die eine gewisse Unentschlossenheit in seinem Gesicht sah, machte den Dorsch ag, fie wollte ihm den zweiten Wohnungsschlüssel, den Inge ihr ausgehändigt hatte geben. Doch er winkte ab Nur eines wollte er wissen: wo arbeitete seine Frau? Und als er erfuhr, daß sie an einem der Schalter des Hauptpostamtes saß, Der.ab^l^befcte sich schnell und rannte die Treppe f)mab, daß die Gasmaske auf seinem Rücken auf und ab sprang. Unterwegs überdachte er noch einmal alles was er von Frau Hansen erfahren hatte. Eigentlich sehr tapfer öon Inge, fand er, und -in warmes, zart- licbes Gefühl für feine kleine und durchaus nicht kräftige Frau durchpulste ihn. Was hatte d,e Nach- barin doch von der Arbeitszeit gesagt? Um sechs Uhr nachmittags war Dienstschluß. Die Dämmerung hatte schon eingesetzt und 'M Vorubergehen sah er an einer Normaluhr, wie spat es war und rechnete sich aus, daß Inge in etwa anderthalb dz^d"r'großen, Men Schalterhalle der Hauptpost fiel ihm die Menschenmenge auf, bis er daran dockte ' daß heute, am letzten Tag des Monats, immer besonders starker Verkehr auf der Post war. Ob wohl Ina- an einem der Schalter arbeitete, oor dem eine MenfchenMange stand? Er begann inftematHd) mit der nuche rechts vorn Eingang. Aber fi- faß weder bei den Einschreibbriefen, noch bei den Rundfunk- und Telephongebuhren, den Nacknahme- und Postlagernden Sendungen und auch nick? an den Briefmarkenfchaltern. Schließlich kam er zu der Einzahlungsabteilung, vor der di- melften Menschen warteten. Hier sah er. die erst n Postbeamtinnen: ,unge und altere grauen in netten blauen Arbettsmanteln, die mit staunens MVssÄüSSs S Geld .in längliches Holzbrell, schob es nut dem ÄÄ® h°nmUe.Äh :• 5rauen eingestellt, und, ich kann Ihr- Um eine solche Kraft zu entfalten, bedürf es selbstverständlich kraftspendender Stoffe, denn von nichts kommt bekanntlich nichts. Und diese Kraft erwirbt sich der Maikäfer in seinem Dasein als Engerling. In diesem Lebensalter als kleinfingerlange und bleistiftstarke Larve ist er genau so ein Nimmersatt wie als Käser. Und genau so, wie ihm als Käfer nur die zartesten Triebe unserer Waldbäume munden, betätigt er sich als Engerling drei Jahre lang als Feinschmecker von besonderer Art, dem nur die kräftigste Wurzelkost behagt. - Die Gefräßigkeit des Maikäfers ist bekannt; die in manchen Jahren kahlgefressenen Wälder legen ein erschütterndes Zeugnis dafür ab. Dabei sind es nur knappe vier Wochen; was aber verzehrt nun erst ein Engerling in den drei Jahren, bis er sich verpuppt? Ein Wissenschaftler hat das einmal berechnet: es find etwa 1 Kilogramm Pflanzenstoffe, die er benötigt, um sich zu mästen. Nun muffen wir einmal rechnen: im letzten Maikäferjahr wurden durch amtliche Stellen mit Hilfe der Schulen und des Arbeitsdienstes allein in einem Gau über 30 000 Zentner Maikäfer gesammelt und getötet. Ein Maikäfer wiegt selten mehr als 1 Gramm das find auf 1 Kilogramm 1000 Maikäfer, auf 30 000 Zentner oder 1500 000 Kilogramm demnach 1500 Millionen Maikäfer. Ist es noch schwer zu errechnen, welchen Wert an Futtermitteln und anderen ernährungswichtigen Pflanzenstoffen diese Mulio- nen Maikäfer in der Zeit ihres Engerling-Daseins vernichtet haben? 1500 Millionen Engerlinge haben 1500 Millionen Kilogramm oder 1 5(X) 000 Tonnen Pflanzenstoffe gefressen! Daß sich diese Sch^lings- arbett auf den Gesamtertrag auswirken mußte, bedarf wohl keines weiteren Beweises. Bei dieser Be- Aus der Stadt Gießen. Maikäfer flieg . .. In diesen Tagen werden unsere Kinder wieder , kiefes alte Lied aus dem Dreißigjährigen Kriege : fingen, und wir Erwachsenen hören es gern, denn mit dem Maikäfer ist die lieblichste Zeit des Jahres angebrochen. Die Kleinen unterhalten in diesen Wochen einen schwunghaften Handel mit ihren Schätzen, die sie in durchlöcherten Zigarrenkisten oder mit porösem Papier bedeckten Einmacheqläsern verwahren. Genau wie wir einst. Denn der Maikäfer ist nicht nur deshalb ein beliebter Käfer, weil feine Lebensbahn nur einen Monat umfaßt, er zeichnet sich auch durch (ein unterschiedliches Kleid aus, weswegen die Kinder ihm hohe Würden oder die Mitgliedschaft zu besonderen Handwerkszünften zusprechen. Da ist der sehr begehrte „Kaiser", dessen Halsschild metallisch blauschwarz schillert, dann kommt, allen Würden zum Trotz, der „Müller", dessen Halsschild weißlich behaart ist, weswegen er, .besonders begehrt, meist nur gegen mehrere „Könige" getauscht wird, denn dieser trägt zwar einen roten Halsschild, kommt aber zu häufig vor. Als „gemeiner Mann" gilt der „Schornsteinfeger", dessen Halsschild schwarz und der im ganzen dunkler gefärbt ist. Er hat nur Reiz für solche Kinder, die noch keinen Maikäfer besitzen, sonst gilt er nicht als Tauschobjekt. Wie kommt es, daß wir alle den Maikäfer so gern haben? Denn wir wissen doch, daß er von der Luft allein nicht lebt, sondern daß er in unseren Wäldern oft ganz erheblichen Schaden anrichtet? Vielleicht, weil er uns durch seine Kraft imponiert? Und in der Tat, er kann als Kraftathlet unter seinesgleichen gelten. Man nehme einmal einen Maikäfer in die geschlossene Hand und beobachte, wie schnell er sich aus seinem Gefängnis herauszuzwängen weiß. Ein Wissenschaftler hat einmal ausgerechnet, daß der Maikäfer mühelos das 18fache seines Eigengewichtes hochzudrücken vermag. Wollten ipir es ihm gleichtun, müßten wir schon' eine Last von wenigstens 25 Zentner auf uns nehmen. Das ist erstaunlich, und öarilm werden wir verstehen können, wie es dem Maikäfer möglich ist, die meter- starke, oft sehr zähe Erdschicht zu durchstoßen, dis» ihn von seinem Maien- und Hochzeitsleben trennt. rechnung aus einem einzigen Gau haben wir nur jene Engerlinge berücksichtigt, aus denen sich der Maikäfer entwickelte. Und nun noch die vielen, vielen anderen Engerlinge, denen die so nützlichen Tiere wie Maulwurf, Spitzmaus, Dachs und all die andern schon vorzeitig den Garaus machten. Und das ist eine erkleckliche Zahl, denn ein Maikäfer- weidchen legt durchschnittlich 30 Eier. So hübsch und niedlich der Maikäfer also auch ist — es hilft nichts: er ist ein Feind unserer Ernal)- rungswirtschaft, dem wir alle, vom Kleingärtner bis zum Großbauern, den Dernichtungskampf ansagen müssen. Die Werte, die er und seine Brut vernichten, sind nicht einmal annähernd zu schätzen, so groß 'sind sie. Darum muß es auch in diesem Jahre, und erst recht in diesem Kriegsjahre, heißen: Maikäfer sammeln und im kochenden Wasser töten! Soweit sie nicht als Futtermittel verwertet werden können, ergeben sie einen ausgezeichneten Dünger, weil sie sich als Engerling so „fett" gefressen haben. Vornotizen. Tageskalender für Freilag. Volkstümliche Vorträge und Vorlesungen der Ludwigs-Universität Gießen: 20.15 Uhr Vortrag von Professor Schauder über „Bau und Fem- gel: Heinrich Göldner (Berlin). Es werden Arien, Duette, Terzette aus italienischen Opern zum Dor. trag kommen, darunter aus dem „Barbier von Sevilla" (Rossini), „Mädchen aus dem goldenen Westen" (Puccini), „Maskenball", „Macht des Schicksals" und „Rigoletto" (Verdi). Außer Miete! Treudienst-Ehrenzeichen für Angehörige der Universität. Der Führer hat den nachverzeichneten Angehöri- gen der Ludwigs-Universität Gießen das Treudienst- Ehrenzeichen für 25jährige Dienstzeit verliehen. Der Rektor überreichte den Beliehenen die Auszeichnung und sprach ihnen gleichzeitig Dank und Anerkennung der Ludwigs-Universität aus: Verwaltungs-Sekretär Wilhelin Gilbert, Verwaltungs-Sekretär Karl Her- genröther, Professor Dr. Keller, Maschinist Anton Koch, Bibliotheks-Inspektorin Elisabeth Melior, Verwaltungs-Sekretär Heinrich Müller, Verwaltungs- Sekretär Karl Rau, Professor Dr. Reinwein, Pro- fessor Dr. Riehm, Präparator August Rück, Landw. Techniker Gustav Schlosser, Saatzuchtleiter Adolf Stoll, Laborant Karl Strauch, Verwaltungs-Sekre- tär Adam Uhrhan, Pförtner Adolf Weber. Oie Verdunkelung der Treppenhäuser. Der Reichsluftfahrtminister und Oberbefehlshaber der Luftwaffe hat in einem Erlaß zur Verdunkelung der Treppenhäuser Stellung genommen. Treppenhäuser können durch Abblenden der Lichtaus, trittsöffnungen, ober durch Abblenden der Lichtquelle verdunkelt werden. Da das Abblendest der Lichtaustrittsöffnungen der Treppenhäuser mit großen Fensterflächen häufig schwierig ist, sind die Treppenhäuser im allgemeinen durch Abblenden der Lichtquellen verdunkelt worden. Das Ansteigen der Zahl der Unfälle in Treppenhäusern läßt erkennen, daß diese Verdunkelung oft nicht sachgemäß durchgeführt worden ist. Es wird darauf hingewiesen, daß die Treppenhäuser mit einer zum Zurecht- finden genügenden Helligkeit beleuchtet sein müssen. Die Lichtquellen sind so abzuschirmen, daß kein direktes Licht die Fenster trifft und daß bei Dunkelheit und klarer Sicht aus 500 Meter Höhe für ein normales Auge Lichterscheinungen nicht wahr, zunehmen sind. In vielen Fällen wird die Aus- nutzung der Wirkung von Komplementärfarben für Zwecke der Verdunkelung Anwendung finden können, wobei sich Grün und Orange besonders bewährt haben. Oie Dersorgungslage im Hhein-Main-Gebiet. lieber die Versorgungslage im Bereich des Lain deserncchrungsamtes Hessen wird u. a. berichtet: An Sen Vieh mär kten sind besonders die Auftriebe von Schweinen reichlich, auch Kälber sind genügend am Markt. Die Milch erzeugung steigt weiter an, so daß auch hier, wie bei allen Fett arten, die Versorgung glatt von statten geht. Mitunter auftretende Minderungen der Butterqualität sind für die aus den Kühlhäusern ausgelagerte Ware bei Witterungswechsel nicht zu vermeiden. Bei Eiern erfolgt zu den bisher ausgegebenen ’ vier Stück eine weitere Zuteilung von drei Eiern, die voraussichtlich noch in der kommenden Woche erhöht werden kann. In der K a r t o f f e l Versorgung steht ab 1. Mgi eine gewisse Verbesserung bevor, da dann die vom Reich durch Verträge mit den Erzeugern eingemieteten Bestände teilweise herausgenommen werden. Auch die Bauern können nach dem Legen der Saat- ! fartoffeln ihre hierzu nicht gebrauchten Bestände , an den Markt bringen. : Bei Gemüse» sind jetzt die ersten Lieferungen - von deutschen Spargeln erfolgt, die bald eine fühl- : bare Bereicherung des Küchenzettels ermöglichen - werden. Aus den Nachbargebieten des Rheinlandes - und der Saarpfalz werden nun auch größere Men- gen von Salat und Spinat herankommen, und auch die Treibhauserzeugnisse gewinnen durch die Preisherabsetzung für eine Reihe von Erzeugnissen immer mehr an Bedeutung. Ergänzt werden die Lieferungen durch italienischen Blumenkohl und durch holländische Gurken und Schwarzwurzeln. * ** Beförderungen Befördert wurden mit Wirkung vom 1. April der Sanitäts-Unteroffizier Karl Burger zum Sanitäts-Feldwebel, die Sanitäts-Gefreiten Willi chexamer und Hans Steinbach zu Sanitäts-Unteroffizieren. ** Verkehrssünder. Die Polizei schritt in der Woche vom 12. bis 18. April wieder gegen eine Anzahl Verkehrssünder ein. Vier Kraftfahrzeug- sichrer wurden zur Anzeige gebracht, in 6 Fällen erfolgte gebührenpflichtige Verwarnung. Sonstige Fahrzeugführer wurden 11 zur Anzeige gebracht und 18 gebührenpflichtig verwarnt. Besonders hoch ist die Zahl der in der genannten Woche gebührenpflichtig verwarnten Radfahrer, deren 41 den Geldbeutel zücken mußten; 3 Radfahrer wurden zur Anzeige gebracht. Auch 6 Fußgänger wurden gebührenpflichtig verwarnt. Aus -er engeren Heimat. Leichenfund im Walde. * Lich, 25. April. Im Walde in der Nähe des Albacher Hofes fand man am heutigen Donnerstagmorgen die Leiche eines Mannes an einem Baume hängend auf. Die Ermittlungen ergaben, daß es sich bei dem Toten um einen Mann handelt, der schon seit Mitte Februar vermißt wurde. Vor einigen Wochen hatte man einige hundert Meter von dem jetzigen Fundort entfernt ein herrenloses Fahrrad im Walde aufgefunden, sich damals den Sachverhalt aber nicht erklären und auch den vermißten Mann nicht finden können. Es handelt sich, wie die Untersuchung ergab, um einen Selbstmord. Landkreis Gießen. * Großen-Linden, 26. April. Die Gesellenprüfung im Frieseurhandwerk bestand Ernst Günther. Obermeister W. L o tz (Lich), überreichte ihm ein Ehrengeschenk der Friseur-Innung Gießen für die beste Leistung bei der diesjährigen Prüfung. Günther hat bei dem Herren- und Damenfriseurmeister Ludwig Krauskopf in Großen-Linden gelernt. Kreis Friedberg. = Münzenberg, 25.April. Viel später als in früheren Jahren ist jetzt ein S t o r ch e n p a a r bei uns angekommen und hat auf dem Turm der ehemaligen Stadtmauer das Nest bezogen. Schon kurz nach dem Eintreffen ging Freund Adebar daran, die notwendigen Ausbesserungen am Horst vorzunehmen, und man konnte beim Beobachten nur den Fleiß bewundern, den die Tiere dabei an den Tag legten. Sie finden genügend Nahrung bei ihren Ausflügen in den nahen Wiesengründen des Wettertales. In früheren Jahren befanden sich hier und in dem unweit gelegenen Trais-Münzenberg noch drei bewohnte Storchenhorste. Leider ist nur noch das eine Nest auf dem Turm der alten Stadtmauer seit einigen Jahren besiedelt. Fernsehortsverkehr für Frankfurt. Lpd. Frankfurt a. M., 25. April. Nach Berlin, Leipzig und Hamburg wird nunmehr auch in Frankfurt a. M. der Fernsehortsverkehr eingeführt werden. Unabhängig von den später zu errichtenden Fernsehstuben für den Fernsehbetrieb, wird jetzt schon der Fernsehsprechverkehr innerhalb des Frankfurter Stadtbezirks eingeführt. An zwei zentral gelegenen Punkten der Stadt, auf dem Hindenburg-Platz in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs und in der Schillerstraße bei der Hauptwache, hat die Reichspost bereits die Räume gemietet, in denen die Fernsehsprechstellen einge- gerichtet werden. In jeder der beiden Zellen ist ein Fernsprechapparat und darüber in Augenhöhe des Sprechenden ein Rahmen angebracht, in dem das bewegliche Bild dessen erscheint, der in der anderen Zelle spricht. Der Sprecher, der z. B. an der Hauptwache mit seinem Partner am Hauptbahnhof spricht, wird während des Sprechens unter starker Beleuchtung ausgenommen und dieses laufend aufgenom- mene Bild erscheint im Sehrahmen der Zelle am Hauptbahnhof, während er in dem Sehrahmen der Zelle an der Hauptwache das Bild seines mit ihm sprechenden Partners sieht. Beide können sich also gleichzeitig sehen und sprechen. Die Apparaturen sind bereits fertig. Zur Zeit werden noch die Räume für die neuen Zwecke baulich umaestaltet. Dann werden die Apparaturen eingebaut, so daß noch im Laufe des Sommers mit der Inbetriebnahme zu rechnen ist. Todessturz aus dem Fenster. Lpd. Frankfurt a. M., 25. April. Im Stadtteil Sachsenhausen stürzte Donnerstag morgen eine Frau beim Hantieren am Fenster, wobei sie auf die Fensterbank steigen mußte, auf die Straße. Die erlittenen Verletzungen waren so schwer, daß der Tod alsbald einttat. SJLtfport Hauptversammlung des Turnvereins Grünberg. Am Mittwochabend hielt der Turnverein seine Hauptversammlung im Hotel „Hirsch" ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde das Andenken des verstorbenen langjährigen Vorstandsmitgliedes Earl Schmidt geehrt. Vereinsführer Wenzel begrüßte Ortsgruppenleiter Schütz und gab dann einen Jahresbericht, der durch die Berichte der einzelnen Fachwarte ergänzt würde. Der Turn- und Spielbetrieb erfuhr durch den Krieg eine Unterbrechung. Bis jetzt konnten nur vereinzelte Turnstunden abgehalten werden. Die Jugenomannfchaft hat wieder mit dem Spielbetrieb begonnen; sie erledigte im Jahre 1939 11 Spiele: 6 gewonnen, 1 unentschieden und 4 verloren mit einem Torverhältnis 36:27. Von der aktiven Mannschaft sind die meisten Spieler eingezogen. Einen guten Verlauf nahm das am 19. und 20. August 1939 hier abgehaltene 1. Bundesfest des NSRL. — Kreises 8 (Gießen). Auf den Turnverein entfielen dabei 16 Siege, darunter 2 erste im Schwimmen und ein erster in der Leichtathlettk der Frauen. Die von Kassenwart Ehr. S ch m a d e l vorgettagene Jahresrechnung zeigte eine Einnahme von 4627,72 RM. und eine Ausgabe von 4383,02 RM., sodaß ein Kassevorrat von 244,70 RM. verblieb. Der Stand der Schulden verringerte sich in 1939 von 33 325 RM. auf 32 824 RM. Die Prüfung der Rechnung ergab keine Beanstandung, sodaß dem Kassenwart Entlastung erteilt wurde. Ms Kassenprüfer für 1940 und 1941 wurden Otto Matthies sen. und Heinrich Robert bestimmt. Der Vereinsführer verlas dann die neue Einheitssatzung des NSRL. und gab Erläuterungen hierzu. Die Satzung wurde in der vorliegenden Form angenommen. Die Versammlung faßte dabei auf Vorschlag des Vereinsführers den Beschluß, den Namen „Turnverein Grünberg" umzuändern in den Namen „Turn- und Sportverein G r ü n b e r g". Es soll damit zum Ausdruck gebracht werden, daß außer dem ursprünglich betriebenen Turnen auch die übrigen Sportarten im Verein gepflegt werden sollen. Bezüglich der Bestellung des Vereinsführers wurde von der Versammlung der seitherige Vereinsführer in Vorschlag gebracht. Ortsgruppenleiter Schütz gab seine Bestätigung hierzu. Der Vorschlag geht zur weiteren Bestätigung an die Führung des NSRL. Der Vereinsführer gab noch bekannt, daß der Verein über V2 Zentner (alte Bleirohre u. a.) zur Metallspende abgeliefert habe. Am Himmelfahrtstage soll ein Turngang stattfinden. Mit dem Gruß an den Führer wurde die Versammlung geschlossen. Handball-Entscheidungsspiel Hochelheim — Anspach. Das Hauptinteresse im Handball konzentriert sich auf das am Sonntag in Butzbach zur Durchführung gelangende Entscheidungsspiel zwischen den beiden Mannschaften von Hochelheim und Anspach/Ts. Dieses Spiel wird endgültig darüber befinden, wer nun eigentlich Sieger und damit Teilnehmer an den Endkämpfen um die Bereichsmeisterschaft werden wird. — Die bereits abgewickelten Spiele sind ausgewertet. Danach müßten eigentlich irgendwelche Rückschlüsse möglich sein. Wie fehl am Platze das aber ist, beweist mehr als deutlich das Ergebnis des Rückkampfes am vergangenen Sonntag. Es mag die Feststellung genügen, daß wir einen Kampf sehen wollen, in dem sich das wirkliche Können beider Gegner widerspiegelt. Die Spiele um den Lahnpokal werden weitergeführt. Es ist auch diesmal wieder mit ineressanten Ergebnissen zu rechnen. Es sind angesetzt: Spvgg. 1900 Gießen — Tv. Hörnsheim Tv. Dornholzhausen — Tv. Holzheim Tv. Dutenhofen — Tv. Garbenheim Tv. Münchholzhausen — Tv. Atzbach Tuspo W.-Niedergirmes — Tv. Nauborn Tv. Launsbach — Tv. Heuchelheim Mtv. Gießen — Tv. Grohen-Buseck. Die Mannschaft der Spvgg. 1900 hat am Sonntag nicht restlos überzeugen können. Sie wird auch diesmal wieder den kürzeren ziehen, wenn sie sich nicht entsprechend umstellt. Holzheim müßte eigent- lich gegen Dornholzhausen gewinnen, wenn man die letzten Ergebnisse berücksichtigt. Ein ausgeglichener Kampf ist in Dutenhofen zu erwarten, der sehr wahrscheinlich ein knappes Ergebnis zeitigcki wird. — Münchholzhausen hat sich sehr gut hercmsge- macht und wird wahrscheinlich auch Atzbach keine Chance lassen. — Wenn sich Niedergirmes nicht streckt, wird es eine weitere Niederlage auf eigenem Platz einstecken müssen. — Gespannt sein darf man auf das Zusammentreffen von Launsbach und Heuchelheim, deren Können ziemlich gleichwertig ist. — Ob sich Großen-Buseck gegen den augenblick- lich in guter Form spielenden Mtv. Giek-n behaupten können, steht dahin. Wirtschaft. Kreditgewährung und Arbeitsleistung der Banken. Die in den letzten Wochen veröffentlichten Abschlüsse und Geschäftsberichte der Banken haben wieder das Schaubild von Milliarden-Beträgen gebracht. Es nimmt sich sehr stattlich aus, wenn man erfäyrt, diese Großbank habe etwa 650 000 Kunden oder jenes Regionalinstitut weise für 100 Millionen RM. ausstehende Wirtschaftskredite nach. Denn derartige Zahlen bestätigen die große Arbeitsfähigkeit unserer Banken. Sie sagen aber noch nicht, welchen Gebrauch die Bankleitungen von den ihnen zur Verfügung stehenden wirtschaftlichen Einsatzreserven gemacht haben. Den interessantesten Nachweis über die innerhalb eines Geschäftsjahrs geleistete Arbeit geben die Angaben über die in diesem Zeitraum neu bewilligten und ausgezablten Kredite. Kreditumschlag und Kreditvolumen (also innerhalb eines Zeitraums bewilligte und am Stichtage ausstehende Kredite) brauchen sich nicht immer zu decken. Ist in einer Wirtschaft eine gewisse Erstarrung eingetreten, ist gar dieses oder jenes wichtige Wirtschaftsorgan erkrankt, dann stockt der Kreditumschlag, und das Kreditvolumen bleibt unverändert. Die am Stichtage ausgewiesenen Ausleihungen enthalten dann einen mehr oder weniger hohen Prozentsatz „eingefrorener" Kredite. Ganz, anders sieht es in einer Wirtschaft von blühender Lebenskraft, wie unserer deutschen Wirtschaft aus. Der Kreditumschlag in einer solchen Wirtschaft ist rege, denn die Schuldner lösen ihre Verpflichtung pünktlich am Fälligkeitstage ein, sie brauchen die entliehenen Summen stets nur auf bestimmte Zeit, weil sie sich selbst eines gesickerten Zahlungseingangs erfreuen. Die Banken sind andererseits in der Lage, dank des ständigen Rückflusses älterer Darlehen neue Ausleihungen vorzunehmen. Die bislang vorliegenden Bankberichte weisen nun durchweg einen Höchststand des Kreditumschlags auf. Fast bei jedem Institut decken sich die im Laufe des Geschäftsjahres bewilligten Neuausleihungen mit der Debitorensumme am Bilanzsttchtag, es wer- den also nirgends überalterte Ausleihungen aus früheren Jahren mitgeschleppt. Die ausgewiesene Dibitorensumme repräsentiert also eine tatsächliche Arbeitsleistung unserer Kreditbanken, diese „sitzen" nicht auf ihrem Ausleihungsstande, sondern arbeiten aktiv mit ihm. Bei einer Reihe von Firmen sind die im Laufe des letzten Geschäftsjahrs bewilligten Kredite sogar höher als der Debitorenstand am Bilanzstichtag, der Kreditumschlag war also so rege, daß dieselbe Summe mehrmals ausgeliehen werden konnte. Es gibt kein besseres Anzeichen dafür, daß sich die großen politischen Ereignisse ohne die geringsten Erschütterungen des Wirtschaftsgefüges abge- fipelt haben, als diese Steigerung des Kreditumschlags im ersten Kriegsjahr. Nach den Bankbilanzen des Vorjahrs gewährten die privaten Kreditbanken rund 4,5 Milliarden Ausleihungen an die Wirtschaft; die diesjährigen Bilanzen (1939), sobald sie lückenlos vorliegen, werden eine etwas höhere Ziffer ergeben. Dieser stattliche Betrag ist in beständiger Zirkulation und übt seine befruchtende Wirkung ohne Stockungsunterbrechung aus. Dieser sehr positive Stand der Arbeitsleistung unserer Banken zeigt zugleich, welche Ausleihungs- reserven für die kommenden Aufgaben zur Verfügung stehen. Wiederbefestigung am Aktienmarkt. Materialmangel in Renten. Frankfurt a. M., 25. April. Obgleich die Zu- rückhaltung an den Aktienmärkten noch nicht ganz gewichen ist, zeigte sie in der abgelaufenen Woche doch eine leichte Auflockerung. Die Abgaben, die ohnedies keinen besonderen Umfang erreichten und zudem meist aus schwachen Händen stammten, haben nahezu aufgehört. Seitens der Kundschaft und der Börse stellte sich in den letzten Tagen wieder bescheidene Kauftätigkeit ein, zumal die Geldmarktlage nach wie vor außerordentlich fluffig ist und die Knappheit am Rentenmarkt das Interesse wieder auf Aktien lenkte. Neben den fortlaufend bekanntwerdenden günstigen Abschlüssen aus . der Industrie, die vielfach mit kleinen Dividenden er- -Höhungen verbunden waren, fanden die Ausführungen von Reichsbankpräsident Funk auf der HV. der Reichsbank einen nachhaltigen Widerhall. Besonders beachtet wurden dabei die Darlegungen Über die Zinssenkung und die Tatsache, daß der Reichswirtschaftsminister die Grenze für die Kriegssteuern in der Erhaltung der Produktionskraft und der Leistung der Wirtschaft sieht, und daß er anderseits die Interessen der Sparer im Rahmen der Zinssenkung besonders gewahrt wissen will. So führten die kleinen Käufe zu einer Wiederbefestigung am Aktienmarkt, so daß bei vielen Papieren der größte Teil der letzten Rückgänge mehr als ausgeglichen wurde und auch im übrigen sich die Kurse auf leicht ansteigender Linie bewegen. Größer als nach Aktten war die Nachfrage nach Renten. Im Vordergrund blieben Pfandbriefe, die nunmehr größtenteils den Stand von 101 v. H. erreicht haben. Aber selbst auf dieser Basis kann der Bedarf nicht befriedigt werden, und es bleibt mir der Ausweg der scharfen Repartterung. Wie stark die Nachfrage dafür ist, erhellt aus der Tatsache, daß sogar zu 100 v. H. bereits gekündigte Liquidattonspfandbriefe wieder bei 102 v. H. an gelangt sind; der Ueberpreis von 2 v. H. wird bereitwillig zugestanden, nur damit der Erwerber eines solchen Papiers auf Grund des Umtauschangebots in den Besitz von 4^proz. Pfandbriefen kommen kann. Rege begehrt blieben ferner Jnduftrie-Obli- gattonen und Stadtanleihen, ebenso wiesen eine Reihe von Länderanleihen kleine Kurserhöhungen auf. Sehr stark gefragt wurden weiterhin 4proz. Schatzanweisungen mit fünfjähriger Laufzeit, die neuerdings mit 99,40 verkauft werden. In 4^proz. Reichsschatzanweisungen verblieb hingegen Angebot, wobei offenbar gewisse Tauschoperationen aus zins- mäßigen Erwägungen mitsprechen. Angeboten wurden aus unbekannter Ursache auch Reichsbahn-BA., die von 132 auf 128,25 v. H. abfielen. Steuergutscheine konnten sich voll behaupten und teilweise leicht bessern, ebenso verharrten 4proz. Kommuncll- Umschuldung bei 99 v. H., während 4proz. Renten- ban^-Ablösung 0,40 v. H. gewannen auf 98,40. Wirst du K rthafftn,ltna ? Nomon von Markina Ikckartchelm 14 Fortsetzung (Nachdruck verboten!) Der Wunsch nach schatttger Gartenkühle ist vergessen, obwohl das Blut nun doppelt heiß ins Gesicht steigt. Es ist aber gar nicht nötig, rascher zu laufen, Hermann wartet schon, biegt nicht zum Dorfe ab, wie es zuerst den Anschein hatte. Ja, er kommt ihr sogar ein Stück entgegen. „Lena? So ganz allein? Hat denn niemand Zeit für dich?" „Das macht nichts, Hermann", sagt Lena schnell. Muß ich mich nicht außerdem im Alleinsein üben? Ich werde in Ostpreußen kaum Gesellschaft finden, und mein Mann wird nicht immer Zeit haben!" Die Helligkeit in Hermann Gräfes Gesicht ist erloschen. Seine Augen schauen Lena an, als wollen sie sagen: Mußt du mich immer daran erinnern, daß du einem anderen gehörst? „Ich werde dich begleiten!" Er macht eine harte Bewegung, wie er sie immer macht, wenn es gilt, ein Hindernis aus dem Weg zu räumen. „Leider geht das nicht, Hermann, ich will auf das Schloß —" Lena lächelt ihn bittend an. „Ich möchte doch Rudolfs Braut kennenlernen. Wenn ich an euch alle zurückdenke, soll doch auch sie —" Sie kommt ins Stocken, die eigene Unwahrheit verwirrt sie. „Wenn ich an euch alle zurückdenke —", wiederholt Hermann. Er streckt feine Hände rasch und fest in feine Joppentaschen. „Nun, dann kann ich ja auch ins Dorf hinübergehen, wie ich wollte." Lässig und mit einem Achselzucken ist das gesagt. Er wendet sich dem Kirchsteig zu. „Hermann!" ruft ihn Lena zurück. Rasch wendet er sich zu ihr zurück. Sein Gesicht ist flammend rot. „Laß nur, laß!" braust er auf. „Es hat ja keinen Sinn!" „Hermann, warum wollen wir uns das Herz schwer machen? Wenn du so bleibst wie jetzt, bann muß ich ben Gräsehof sehr bald verlassen 1", Es hat aber den Anschein, als rüttele Hermann wieder einmal an unumstößlichen Tatsachen. „Daß du nach Ostpreußen gehen muht, ist Unsinn!" Lena prallt zurück. Hermanns Offenheit bringt sie um ihre Fassung. Sie ist wieder ratlos, wehrt sich verzweifelt gegen ihre Unsicherheit. Sie rettet sich schließlich in die Flucht. „Ich habe keine Lust, mit dir darüber zu sprechen!" Wenn sie Hermann nicht abweisend antwortet, verliert sie vollends die Fassung. Hermanns düstere Augen quälen sie. Söll ich ihm noch ein gutes Wort geben? Aber sie weiß, er ist keiner^ der sich mit Almosen begnügt. „Mit mir darüber sprechen, brauchst du nicht, Worte machen hat keinen Zweck!" Und damit verläßt er sie. Geht seines Weges, ohne sich noch einmal umzusehen. Und nun steht Lena wieder da und weiß nicht, was sie tun soll. Ins Gräfehaus zurückkehren? Fast ist es, als riefe ein« (Stimme sie dorthin. Aber bann hat sie auf einmal Sehnsucht nach anderen Menschen. Sie vergißt fast den Grund ihres Besuches im Schloß. Sie läuft sehr rasch den Weg über den Berg. IN Plessen-Roda ist alles anders, als sie es sich gedacht hat. Schon der schmale Weg an der Parkmauer hat etwas Anheimelndes. Waldrebe und wilder Wein fallen in dichten Büschen über das alte Gemäuer, das von einem Gartenhaus mit hohen spitzen Fenstern unterbrochen ist. Das Schloß, das mit seiner Hauptfront so mitten in die Landschaft hineinsieht, gefällt ihr sehr gut. Ueberhaupt atmet hier in dem mächtigen (Zutshof Luft, die sie braucht, di« sie wieder frei und sicher macht. Ihr« ganze Liebe zur Landwirtschaft erwacht. War sie nicht auch einmal so wie jene junge Elevin, die inmitten der quirlenden Schafherde steht? So braungebrannt mit dem sonnegebleichten Blondhaar? Am liebsten wäre sie zu ihr gegangen und hätte ihr die Hand geschüttelt. Lachend steht das Mädel vor dem großen Gatter des Schafttalles Und läßt die Herde an sich vorüberziehen. „Sie wollen sich wohl den Park ansehen?" ruft ihre frische Stimme sie nach einer Weile an. „Bitte, das Tor steht offen!" Nach der Herrschaft fragen, kann Lena jetzt nickt. Sie muß sich mit dem munteren Mädel eine Welle unterhalten. Sie weih, es wird sie beruhigen, wird ihr aus dem Geleise geratenes Gleichgewicht wieder in Ordnung bringen. Die Herde ftt im Stall, das Gatter wird verschlossen. Lena steht vor dem jungen Mädchen, sieht ein feines schmales Gesicht. Jungenhaft glatt liegt das Haar um die schöne Stirn. „Prüchttges Gut", sagt Lena, „und alles so fabelhaft in Ordnung." ,,Soltte auch der Kuckuck holen, wenn es nicht so wäre!" Vergnügtes Lachen aus beiden Seiten. „Sie sind wohl mit Leib und Seele dabei?" „Das will ich meinen!" lacht die Elevin. „Es gibt doch nichts Schöneres als so eine Landwirftchaft. Wollen Sie mal die Ställe sehen?" „Furchtbar gern! Ich bin nämlich vom Fach." „Hab' ich mir gleich gedacht! Also selbst Bäuerin?" „Noch nicht ganz, aber bald! Vorläufig bin ich noch Gutssekretärin." Die junge Elevin horcht auf und sieht Lena forschend ins Gesicht. „So, also Gutssekretärin! Alle Achtung!" „Na, na, nicht so schlimm — ich habe auch mal so wie Sje angefangen, als Elevin." „Wie ich? Ach so, ja freilich! So fängt ja eine jede an!" Das junge Mädchen bückt sich und hebt eine bunte Enten feder auf. Das feine Gesicht glänzt vor Heiterkeit. „Also, dann bitte nähertreten!" Zuerst der Kuhstall, dann die Pferde, zuletzt dfe Schweine. Natürlich müssen auch der neuartige Hühnerstall, die Milchkühe, das Leutehaus begutachtet werden — alles, alles. Lena ist begeistert. Sie vergißt alles um sich her und ist eigentlich recht enttäuscht, als ein Motorrad auf den Hof knattert und ihr Nefte Rudolf absteigt. Sie wäre gern mit dem jungen Mädel noch eine Welle zusammengewesen. Aber nun muß sie ihr doch verabschiedend die Hand schütteln. „Ich danke Ihnen sehr, es hat mich sehr gefreut, hier eine so nette junge Kollegin zu finden." „Hallo!" ruft Rudolf herüber. „Da ftt ja die Tante Lena! Das ist großartig! Und ihr zwei habt euch offenbar schon sehr gut angefreunöet?" Lena ist erstaunt über die vertrauliche Art, in der Rudolf die Elevin begrüßt. Dann macht sie ein Lachen auf deren Gesicht ganz irre. Ja. was ift, denn das: der Junge und das Mädel Hand in Hand? „Nun, wie gefällt sie dir — einverstanden, Tante Lena?" „Wie? Was? Ich verstehe nicht, ftt das — ja ftt das Jutta?" Der ganze Irrtum löst sich in eine große Heiterkeit auf. ,Sch ahnte es ja schon längst, daß du Tante Lena bist", schüttelt Jutta ihr die Hand. „Diebisch hab' ich mich gefreut. War es nicht Liebe auf den ersten Blick?" Lena wird glühend rot. „Weiß Gott, das war es!" Sie ist auf einmal schwerfällig und steif und findet sich nicht ganz zu der neuen Nichte, die sie sich ganz anders vorgestellt hatte. Das Gewissen schlägt so heftig wie noch nie in ihrem Leben. Sie hat einen völlig fremden, wehrlosen Menschen beschuldigt! Dieses gesunde prächtige Mädel sollte Rudolf zu gewagten Geldgeschichten verführt haben? Der ganze törichte Verdacht fällt in ein beschämendes Nichts zusammen. Sie sieht Jutta und Rudolf, die Arm in Arm vor ihr stehen, noch immer ungläubig an. „Glaubst du es immer noch nicht, daß sie es ftt? Wie hast du dir Jutta denn eigentlich vorgestellt?" „Offengestanden — feudaler!" lacht nun auch Lena. „Aha, in Samt und Seide, onduliertes Haar, gelackte Fingernägel!" Jutta sieht an ihrer weißen Bluse, dem schlichten braunen Rock hinab. „Und nun bist du natürlich enttäuscht!" „Natürlich, da ich selbst so eine Modedame bin!" Man muß sich alles von der Seele lachen, so ftt es recht! Zwar wird es Lena noch oft an diesem Nachmittag heiß und kalt, wenn sie an den Zweck ihres Besuches in Plessen-Roda denkt. Sie muß viel gutmachen, aber es wird ihr nicht schwerfallen bei so einem Prachtmädel. Doch nun bedrückt sie das Rätsel um das verschwundene Geld doppelt schwer, die Geschichte wird immer undurchsichttger. 'Mitten im Gespräch taucht dann auch Hermanns düsteres Gesicht auf, seine brennenden Wort« werden wieder lebendig-- Nein, Lenas Stimmung ist an diesem Nachmittag nicht so heiter, wie es den Anschein hat. (Fortsetzung folgt.)