Eichener Anzeiger ZUM Das von vor. befinden sich auch Panzerkraftwagen, die schon Abtransport verladen waren. 3m Rhone 1 a 1 drangen unsere Truppen Lyon und ostwärts in südlicher Richtung wtiter Die Schlacht in Elsaß-Lothringen hat. wie durch Sondermeldung schon bekanntgegeben, mit der Kapitulation der eingeschlossenen französischen Armeen am 22. Juni ihr Ende gefunden. Wieder ist damit nach schweren Kämpfen durch die Tapferkeit unserer Truppen und die kühne und entschlossene Führung ein Sieg größten Ausmaßes errungen, durch welchen die letzte noch voll kampfkräftige Gruppe des franzöfifchen Heeres niedergerungen ist. Heber 5 0 0 0 0 0 Gefangene, darunter die Oberbefehlshaber der 3.» 5. und 8. Armee und eine Anzahl anderer Generale und eine gewaltige noch nicht übersehbare Deute an Waffen und Kriegsmaterial aller Art fielen in unsere Hand. Das stärkste Werk der Befestigungen von Straßburg, die Feste Müßig am Ostrand der Vogesen wurde gestern genommen. Widerstand leisten nur noch einzelne Abschnitte der Waginot-Linie im Hn- terelsaß und in Lothringen und versprengte Abteilungen in den Vogesen. Er wird in kürzester Zeit gebrochen sein. 3m Küstenbereich des Atlantischen Ozeans stießen bewegliche Abteilungen bis in höhe La Rochelle vor. Der sranzüsifche Kriegshafen Saint-Ra- zaire wurde genommen. Bei der riesigen Beute Sie erzwangen an den Ausgängen der Savoyischen Alpen südwestlich Genf den Hebergang über die Rhone. 3m Zuge der bewaffneten Luftaufklärung vor der französischen Atlantikküste zwischen Saint-Razaire und der Gironde wurden insgesamt fünf Handelsschiffe zwischen 3000 und 10 000 Tonnen durch Bombentreffer stark beschädigt, ein Transporter von 10 000 Tonnen und ein weiterer von 4000 Tonnen versenkt. Angriffe von Kampf- und Sturzkampfverbänden richteten sich im Laufe des 22. 3uni in der Hauptsache gegen belegte feindliche Flugplätze im Raume nördlich von Bordeaux, hierbei wurden auf dem Flugplatz Rochefort zehn Flugzeuge in Brand geworfen, 20 Flugzeuge bei mehrmaligen Tiefangriffen durch Beschuß zerstört, eine Halle durch Bombentreffer vernichtet. Die Verluste des Feindes betrugen am 22. 3uni insgesamt 49 Flugzeuge, davon sechs im Luftkampf ab- gefchossen, der Rest am Boden zerstört. Vier eigene Flugzeuge werden vermißt. Ein Hnterfeeboot versenkte aus einem Geleitzug heraus einen feindlichen Tanker von 16 000 BRT. 3n der Rächt zum 23.3uni flogen keine feindlichen Flugzeuge in deutsches Reichsgebiet ein. 3n den Kämpfen der letzten Zeit haben sich durch ihr vorbildliches Verhallen in kühnem, persönlichem Einsatz ausgezeichnet: Der Oberleutnant und Ordonanzoffizier einer Division, Möller, der Leutnant Glas in einem 3nfanlerie-Regimenl und der Leutnant Berndt von Buggenhagen in einer Beobachtungsabteilung. ... 23. Juni. (PK.) Eine Nacht ist über dem Wald von Compiegne dahingegangen, in der es um den braunen Salonwagen 2419 d fast einsam war. Nur die deutschen Posten machten ihre Runde um den Platz. Bis in die beginnende Dämmerung des gestrigen Tages hatten die Verhandlungen gedauert. Erst in später Stunde verabschiedete sich der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Generaloberst Keitel, als deutscher Verhandlungsführer von den Franzosen, die zurückblieben und mit ihrer Regierung telephonisch in Verbindung traten. Das großzügige deutsche Entgegenkommen, das Gegenteil dessen, wie man unsere Vertreter am 11. November 1918 behandelte, hat die Möglichkeit dazu geschaffen. Es war ein langes Gespräch, das General Huntziger mit Bordeaux hatte. Zum ersten Male konnte er dabei Bedingungen und Ort der Verhandlungen bekannt- qeben. Als die französischen Bevollmächtigten in der Frühe des gestrigen Tages bei Tours die Grenze der von unseren Truppen besetzten Zone überschritten haben, mögen sie an Berlin oder Paris, an jeden anderen Ort gedacht haben, nur nicht an den Wald von Compiegne, den ihr Generalissimus Weygand, der Gehilfe des Marschalls Fach, so gut kennt. heute, Punkt 10 Uhr, kamen die Wagen der Franzosen dann wieder am Rondell vorgefahren. Für die Nacht war ihnen in Paris eine Etage in einem großen Hotel eingeräumt und selbstverständlich jede Bewegungsfreiheit gelassen worden. 30 Meter entfernt von der Granitplatte mit dem Namen Marschall Fach, über die der Salonwagen zu den Verhandlungen gefahren ist, steht zwischen den Bäumen ein blau-weißes Zelt, das den technischen Hilfskräften der französischen Militärbevollmächttgten als Arbeits- und Aufenthaltsraum zur Verfügung Rom, 23. 3uni. (DRV.) Die italienischen Waffenstillstandsbedingungen find am Sonntagabend den französischen Bevollmächtigten übergeben worden. Folgendes amtliche Kommunique wurde ausgegeben: „3n einer Ortschaft in der Umgebung von Rom haben Sonntag, 19.30 Uhr, die italienischen Bevollmächtigten den französischen Bevollmächtigten die Waffenstill st andsbedingungen übergeben. Anwesend waren für 3talien Außenminister Graf L i a n o, ferner der General- stabschef der gesamten italienischen Wehrmacht, Marschall Badogtio, der Lhef des Admiralstabes, Admiral Lavagnari, der Lhef des Generalstabes der Luftwaffe, General pricolo, und der Staatsminister Farinacci ist zum Heeres- dienst einberufen worden. Er hat im abessinischen Feldzug den rechten Arm verloren. Mit der Leitung seiner Zeitung „Regime Fascista" hat er seinen langjährigen Mitarbeiter Sommi Picenardi betraut. Die italienischen affenstillstandsbedingnngen überreicht Stellvertrelende Generalstabschef des Heeres, General Roatta. Für Frankreich waren neben General h u n h i g e r, Botschafter Roel, General A r 1 f o t, Vizeadmiral L e 1 u c und Brigadegeneral der Luftwaffe B er g et et erschienen." ♦ Die französischen Bevollmächtigten haben in drei verschiedenen in der Via Lassia gelegenen Villen Wohnung genommen, darunter der Villa Manzoni. Die Hebergabe der Waffenstillstandsbedingungen erfolgte in einer Ortschaft etwa 20 km von Rom entfernt. Die heutige Zufammenkunft beschränkte sich auf die Hebergabe der Waffenstillstandsbedingungen. beit und des Friedens wird er von allen Deutschen empfunden. Deutschland vergißt diesen Anschlag auf eine ihm teure Stätte nicht. Der Wehrmachtsbericht vom Sonntag. Führerhauptquartier, 23. 3uni. OKW. gibt bekannt Wie die Maginoilinie kapitulierte Das Heer der Geschlagenen wälzt sich zum Rhein. Von Kriegsberichter Oetig. ?2S1 Druck und Verlag: Drabtanfchrlft: „Anzeiger" immc*«im—7 PoMckeckllöss^rankf^M. oruhlscheHnioerMatZdruckereiLLmge steht. Um einen großen, braun polierten ovalen Tisch stehen genügend bequeme Sessel. Schreibmaschinen und Fernsprechanschlüsse sind für die I Stenotypistin und die Sekretärin vorhanden. Wäh- Denkwürdige Stunden im Wald von Compiegne Schwierige Verhandlungen. — Die Unterzeichnung. Von Kriegsberichter Adolf Schmid. Montag, 1940 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/2Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm Höhe bei Anzeigen von 22 mm Breite? Pf.,Tertanzeigen von 70 mm Brette 50 Pf. Wiederholung Malstaft'el I Abschlüße MengenstaffelV Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25 "/»mehr Ermäßigte Grundpreise Bäderanzeigen und behördliche Anzeigen von 22 mm Breite 6 Pf. 190. Zahrgang Nr. HZ Erscheint täglich, außer Sonntags und feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter j HeimatimBlld DieScholle Monats-Bezugsvreis: Mit4Beilagen.RM.1.95 Ohne Illustrierte * 1.80 Zustellgebühr... „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt renb General huntziger und die übrigen Delegierten sofort den Salonwagen nach ihrer Ankunft besteigen, halten sich die begleitenden Offiziere, die Dolmetscher und die Ordonnanzen im Zelt auf, wo ihnen auch aus einer deutschen Feldküche ein Mittagessen verabreicht wird. Unter freiem Himmel, in einer Nische des Tannenbestandes neben dem blau-weißen Zelt, rattern die Schreibmaschinen der Deutschen. Vor einem kleinen Zelttisch, der mit einer Karte und Arbeits- mappen belegt ist, sitzt Generaloberst Keitel. Der Feldwebel an der Maschine klappert den Text eines Protokolls herunter. Die Offiziere besprechen Einzelheiten der technischen Ausführung des Waffenstill- ftandsoertrages. Im Wagen 2419 d taucht ab und zu die Gestalt des Vizeadmirals L e l u c auf. Ein französischer Dolmetscher mit Goldstreifen an der Kakhibluse hat den Ellenbogen aufgesetzt und hält sorgenvoll das Kinn in der Hand. Was werden die nächsten Stunden bringen? Wird der Waffenstillstand unterzeichnet? Auf 11.30 Uhr ist die Fortführung der Verhandlungen angesetzt. Fünf Minuten später besteigt Generaloberst Keitel den Wagen und nimmt mit seinen Herren Platz. Die Franzosen sitzen in derselben Reihenfolge wie gestern: Vizeadmiral Leluc, General Huntziger, Botschafter Noel und General der Luftwaffe Bergeret. Lebhafte Handbewegungen des Generals Huntziger sind zu sehen. Dann eilt Vizeadmiral Leluc barhäuptig und eilig über den Platz zum blau-weißen Zelt, von wo Dolmetscher und Stenotypistin zum Wagen befohlen werden. Als deutscher Stenograph hat der Feldwebel seine Maschine verlassen und an einem kleinen Seitentischchen im Verhandlungsraum Platz genommen. Der Kampf um die Auslegung der einzelnen Punkte beginnt wieder. Erläuterungen werden gewünscht und gegeben. Nur halblaute Gespräche werden von den wenigen geführt, die Zeugen der Vorgänge sind. Protokolle werden von Hand zu 'Hand gegeben. Man sicht, wie der lebhafte H a n n o v e r, 23. Juni. (DNB.) Mitten im deutschen Land, fernab vom Lärm der Industrie, fern den Werkstätten, in denen Deutschland die Waften für seinen Lebenskampf schmiedet, liegt Der Bucke- berg, die jedem Deutschen heilige Weihestatte, auf die in der Nacht zum 22. Juni britische Bomben fielen. Eine Bombe richtete geringen Schaden an Der Haupttribüne an, eine Reihe von Brandbomben fiel in die Weser, und lediglich ein kleines Ardetter- wohnhaus in Hagenohsen wurde leicht beschädigt..^ , - Als brutaler Anschlag gegen das Symbol der Ar- Stenotypistin und Bild. Man hat hier noch vor wenigen Tagen Truppen und Material ausgeladen, um die flüchtende Maginot-Linie zu stützen. Da stehen aus einem Bahnsteig vom Jahre 1916 her Kraftwagen mit Karbidlampen und Vollreifen. Da finden wir neben modernsten Waffen Geschütze noch viel älteren Datums, die einem Museum zur Zierde gereichen würden. Man hat bei dieser Vernichtungsschlacht auf französischer Seite auch starke Gendarmerieeinheiten eingesetzt, die sich mit am längsten und erbittersten gewehrt haben, daneben aber auch Neger, die große, weithin leuchtende Feze tragen. Nicht wenig erstaunt waren unsere Infanteristen über den gewaltigen Troß, den sie selbst bei der kleinsten Einheit vorfanden. Auf requirierten Wagen führten die Franzosen große Weinfässer mit sich, aus denen der Wein in die Feldflaschen abgefüllt wurde. Sehr viel Sekt, Konserven und Zigaretten. Viele hatten offenbar fleißig in den geräumten Dörfern geplündert, und wie nach der Schlacht bei Roßbach im Siebenjährigen Krieg gab es auch hier bei den Franzosen Koffer mit Damenwäsche, Damenstrümpfen und Pelzen. Die Pferde, die noch zu Hunderten herrenlos herumlaufen, finden sich allmählich von selbst bei unseren Truppen ein, wo sie Hafer wittern. Ihr Massenaufgebot hat den Dogesenspatzen herrliche Tage beschert. Fett und oollgefressen sitzen sie auf den Zaunlatten und geben aufgeplustert ihre Meinung kund, daß sie mit dem Verlauf der Dinge voll und ganz zufrieden sind. Die Truppen vom Oberrhein, die sich mft den von Süden kommenden Panzern und der von der Saar vorbrechenden Armee zur Vernichtung des eingeschlossenen Gegners getroffen haben, stehen im wesentlichen nach acht Tagen Offensive bereits für neue Aufgaben zurVerfügung. Der Ablauf der Kämpfe, vermochte nur ihre Erfahrung zu bereichern, ihr Können und ihren Mut zu bestätigen und ihren Tatendrang zu stärken. Wieder wurde blitzartig ein gewaltiger Sieg errungen, ber, wie Die großen Entscheidungen zuvor, als bie reifenbe Frucht einer genialen Strategie angesprochen werben muß. Englische Bomben auf den Bückebera kleine General Huntziger sich mehrmals vorbeugt, nach beiden Seiten spricht. Ihm gegenüber sitzt Generaloberst Keitel in völliger Ruhe, ab unb zu den Schnurrbart streichenb. Mit geschärften Ohren hören bie Stenographen, gehen mit dem Stift über ihre Bogen. Punkt für Punkt der Be° bingungen wird verlesen, durchgesprochen, verlesen, besprochen, erläutert ... Das geht schon mehr als eine Stunde, und noch kein Zeichen der endgültigen Übereinstimmung ist festzuftellen. Die nervösen Bewegungen des Vizeadmirals Leluc fallen auf. Er fährt sich bereits mit beiden Händen über das Gesicht. Blaß und düster sitzt Botschafter Noel auf feinem Platz. Es ist eine gespannte Unruhe bei den Franzosen zu beobachten. Man sieht, wie sie sich an einzelnen Bestimmungen festklammern, sie zu ändern versuchen. Die Beratungen sind schon über die ursprünglich angesetzte Zeit hinausgegangen. Da erheben sich die Herren. Ist es soweit? Nein, nur eine Pause. Die Vormittagssitzung hat bis 13.40 Uhr gedauert. Einige Fragen sind noch durch telephonische Rückfragen zu klären. In zwei Stunden gehen die Verhandlungen weiter. Aus den zwei Stunden wurden mehralsdop» P e 11 f o viel. Immer wieder versucht der im Salonwagen befindliche Leiter des französischen Nachrichtenbetriebes die Verbindung herzuftellrn, und immer wieder reißt sie ab, immer wieder werden Störungen zwischen Tours unb Borbeaux gemelbet. Die französischen Bevollmächtigten werben sichtlich nervös. Mit unenblicher Gebulb wartet Generaloberst Keitel, ber Führer ber beutschen Abordnung, in einer kleinen Nische am Wald» ranb bie Dinge ab. Es wirb 16 Uhr, es wirb 17 Uhr! Den Franzosen wirb nahegelegt, eine Funk - verbinbung aufzunehmen, um bie Lage zu klären. Da scheint bie Telephonverbinbung enblich zu klappen. Um ben Fernsprecher im Wagen scharen sich bie Mitglieber ber Delegation. General Hunt - Ziger ergreift ben Hörer. Er spricht mit Borbeaux ....., 24. Juni. (PK.) Wer heute an diesem klaren Sommertag einen Blick auf die V o - gesenstraße zu werfen vermag, dem bietet sich ein Schauspiel, bas er niemals wieber vergessen wird. Menschenschlangen von 50, 80, 100 unb mehr Kilometer bewegen sich aus ber Ebene über bie Vorberge unb über die Pässe der Vogesen n a ch Ost e n ins Elsaß unb über den Rhein. Nicht, wie man sich dies einst so phantasievoll ausgedacht hatte, um nach den Worten des englischen Schlagers in der Sieg- ftiedstellung bie Wäsche aufzuhängen, sondern um in bie Gefangenenlager des Reiches einzurücken. Seit 30 Stunden marschiert bie geschlagene Armee aus dem unentrinnbaren Kessel, in dem sie durch den konzentrierten Angriff unserer Truppen zur Kapitulation gezwungen wurde. Die Spitze des traurigen Zuges hat längst Colmar und die Rheinebene erreicht, aber drüben, mitten in Frankreich bei Epinal, St. Dis, Anould und Gerardmer schieben sich immer neue Kolonnen in die endlose Armee ber Geschlagenen ein. In 200 Meter Höhe beginnt der Marsch in den westlichen Vorbergen des Wasgenwaldes, über zahlreiche Kehren bewegen sich bie Wanderer bis auf 1100 Meter, um Drüben wieder 900 Meter tiefer die Ebene zu erreichen. Wir haben den Endkampf der Einge- kesselten miterlebt, und wir konnten beobachten, wie ungeheuer verschieden der Kampfwert Der einzelnen Truppenteile war. Aktive Truppen ftanDen neben letztem Aufgebot, Mut des einzelnen begegnete uns neben Versagen im großen. Seit Die Höhenstellungen nicht mehr gehalten werDen konnten, griffen Kopflosigkeit und Panikstimmung um sich, aber bis dahin gab es für unsere Soldaten harte Arbeit und selbst am Samstagabend wurde in abgelegenen Tälern teilweise noch erbitterter Wider st and geleistet. Er ist völlig sinnlos, nachdem sich die Generale mit ihren Offizieren und ganze Korps mit ihren Divisionen längst ergeben haben. Ein geniales strategisches Konzept fand hier seine letzte Auswirkung in Gestalt Der Vernichtung eines großen Teiles der von allen Seiten eingeschlossenen Truppen Der Maginot-Linie. Es liegt nahe, einen Vergleich mit der Kapitulation in Flandern zu ziehen. Freilich war hier der Gegner schon mehr zermürbt und schloß nicht so viele Elitetruppen in sich. Dafür stand ihm hier aber zunächst ein für die Verteidigung ganz hervorragend geeignetes Gelände zur Verfügung. Es Dürfte noch Tage Dauern, bis die letzten Franzosen aus den Bergwäldern und von den Höhen Dieses weiten Gebirges geholt finD, wo sie ihre letzte Zuflucht zu finDen glaubten. Motorisierte Einheiten bewegen sich nach Abgabe von Waffen unD Munition mit eigener Kraft unD mit alten Lenkern. Auf Den Lastwagen sitzen oft 20 bis 30 Mann, Die zu Fuß nicht mehr weiter können. Dazwischen sieht man ganze Kolonnen in Zivil. Es finD das Die zu allerletzt Eingezogenen, Die bei Dem raschen Fortgang Der Katastrophe nicht mehr eingefleiDet werden konnten. Große Bahnhöfe bieten ein chaotisches Das Echo in Rom Mailand, 23. Juni. (Europapreß.) Die Unterzeichnung Des Deutsch-französischen Waffenstillstandsvertrages wird in Italien mit lebhafter Genugtuung begrüßt und der baldige Abschluß des Waffensttllstandes zwischen Italien und Frankreich erwartet. „Gazzetta Del Popolo" schreibt, hervorzuheben sei vor allem Der neue Beweis Der Solidari- tät unD Freundschaft Deutschlands für Italien Durch die Bedingung, Die Feindseligkeiten erst sechs Stunden nach Annahme Der italienischen Waffenstill- ftanbsbebingungen durch Frankreich einzustellen. Die „Stampa" sagt angesichts der tragischen Wirklichkeit der Lage sei jeder Erpressungsversuch Englands und seiner Trabanten gescheitert. Die Achse habe sich in ihrer vollkommenen Solidarität sowohl in Der Stunde des Kampfes als auch in der des Sieges bewährt. Das Zusammentreffen der beiden Führer in München und die nunmehrigen Waffenstillstandsbedingungen hätten dies bewiesen. In der „Voce d'Jtalia" weist Gayda darauf hin, daß das erste Kapitel mit der tragischen und vollständigen Ausschaltung eines Der beiden Imperien, Die diesen Krieg gewollt hätten, zu Ende gegangen sei. Italien begrüße mit kameradschaftlichem Herzen Den großen Festtag des verbündeten Deutschlands. Deutschland und Italien bereiteten sich unverzüglich auf Den neuen Abschnitt des Krieges vor, der sie und zugleich ganz Europa von Der Last einer anmafjenDen und unerträglichen Hegemonie befreien werde. „Meffaggero" erklärt, Das Ehrgefühl, Der Geist der Loyalität und strengen Gerechtigkeit, die Deutschland gegenüber der nach tapferer Gegenwehr unterlegenen Nation bekundet habe, errängen sich Die Anerkennung und Die Bewunderung der Welt ebenso sehr wie die Stärke des deutschen Schwertes, das Die gigantische Schlacht entschieDen habe. In einer Ansprache an Das italienische Heer sagte der Dem Außenministerium nahestehende Herausgeber des „Telegraso", A n s a l d o , Adolf Hitler habe in Compiegne berechtigten Stolz Darüber empfinden Dürfen, daß er eine feiner Lebensaufgaben vollendet und eine glänzende Wiedergut- m a ch u n b Des feinem Vaterland zugefügten Unrechts erreicht habe. Die ehrenhafte Behandlung, Die Hitler Den Vertretern Des nach tapferem Kampfe besiegten französischen Heeres zuteil werden ließ, zeige die ganze moralische Größe Des Führers. Mit Der Ausschaltung Frankreichs beginne Der zweite Abschnitt Des Krieges, Die Vernichtung Der Macht Englands. Alle Gewalttätigkeiten, mit Denen England sich Das größte Reich Der Welt zusammengeraubt habe, alle Die Tränen, Die Durch Englands Schuld in allen (Erbteilen0vergoren worden seien, bildeten ein Konto, Das jetzt reif zur Begleichung sei. England spüre bereits, daß Der Todesstoß nahe sei unD suche ihm durch Anwendung völkerrechtswidriger Mittel zu entgehen. Englische Flieger hätten Die sizilianische StaDt Trapani mit Bomben beworfen, wobei zahlreiche Opfer unter Der Zivilbevölkerung zu verzeichnen gewesen seien. Diese Schandtaten könnten nur noch Das Schuldkonto vergrößern, Das England bezahlen müsse und bezahlen werde. General-Anzeiger für Oberhessen «ietzrn^ch-lftratz« 7-9 Seine Gesichtszüge sind nicht zu erkennen, er wendet uns den Rücken zu. Aber er redet lebhaft. Dann scheint er Unterstützung zu benötigen. Er übergibt den Hörer Botschafter Noel ... Plötzlich ist die Verbindung wieder gestört ... Wieder Unruhe. Bewegung. Um 18 Uhr wird Gesandter Schmitt, der Vertreter des Auswärtigen Amtes, in den Wagen gebeten, wo ihm General Huntziger eine Mitteilung macht. Fünf Stunden sind seit dem Ende der Aussprache verflossen. Die Franzosen wünschen erneut eine Frist. Generaloberst Keitel setzt in einer in deutscher Sprache gehaltenen schriftlichen Mitteilung eine solche bis spätestens 19.30 Uhr. Um 18.30 Uhr wird diese Mitteilung durch den Gesandten Schmitt im Salonwagen dem General Huntziger überreicht. Vizeadmiral Leluc, der im Sessel sitzend eine Zigarette raucht, erhebt sich und ruft eilig den Dolmetscher herbei. Die Franzosen umdrängen den Uebersetzer, während der Gesandte den Wagen verläßt und dem Generalobersten den Vollzug meldet. Am Ende einer kurzen Beratung der Franzosen in einem Nebengemach des Wagens werden die Deutschen in den Hauptraum gebeten. Generaloberst Keitel betritt ihn als Erster, ihm folgen die anderen Herren. Gleichzeitig erscheinen von rechts auch die französischen Delegationsmitglieder. Eine kurze Aussprache findet noch statt. Dann erklären sich die Franzosen bereit zu unterzeichnen. Bevor man zur Unterzeichnung schritt, gab General H u n tz i g e r eine Erklärung ab. Er stellte zunächst fest, daß die französische Regierung beschlossen habe, den Waffenstillstandsvertrag zu unterzeichnen. Unter dem Zwang des Waffengeschicks habe Frankreich den Kampf aufgeben müssen. Es glaube das Recht zu haben, erwarten zu dürfen, daß bei der Ausführung des Vertrags ein Geist walte, der zwei großen benachbarten Völkern die Möglichkeit gebe, in Frieden zu leben und zu arbeiten. Zu Generaloberst Keitel gewandt, schloß General Huntziger, der deutsche Beauftrage werde verstehen, welche schwere Stunde jetzt ihm, General Huntziger, bevorstehe: er appelliere an das Gefühl des Soldaten, daß in der Folge die französischen Soldaten nicht den Weg zu bereuen haben möchten, den sie jetzt gingen. Nachdem der Dolmetscher, Gesandter Schmitt, die mit deutlich spürbarer Ergriffenheit vorgetragene französische Erklärung des Generals Huntziger übersetzt hatte, erklärte Generaloberst Keitel, er bestätige die soeben übermittelte Erklärung der französischen Bereitschaft zur Vertragsunterzeichnung; zu den Worten des Generals Huntziger habe er zu antworten, daß es für einen Sieger ehrenvoll sei, den Besiegten zu ehren. Nachdem der Dolmetscher auch diese Worte übertragen hatte, wird um 18.50 Uhr der Waffenstillstandsvertrag zwischen Deuatschland und Frankreich unterzeichnet. Stehend werden die Unterschriften geleistet.Die Franzosen beginnen damit. Vizeadmiral Leluc kann seine Bewegung nicht verbergen. Nach der Unterzeichnung bittet Generaloberst Keitel die anwesenden Mitglieder der deutschen und der französischen Waffenstillstandskommission, ber bet. beseitigen Gefallenen ehrend z u gedenken, die ihre Treue zum Vaterland mit dem Tode besiegelten. Eine Minute des Schweigens folgt. Dann verlassen die Franzosen den Verhandlungs- wagen, um sich n a ch Ä t a l i e n zu begeben, wo die Verhandlungen ebenfalls sofort ausgenommen werden sollen. Um 19.06 Uhr meldet Generaloberst Keitel dem Führer, daß ber Waffenstillstanbsver- trag unterzeichnet ist. Englands wetterzukärnvfen. Anschließend ließ Churchill im Rundfunk eine Erklärung verbreiten, in ber es heißt: „Die Regierung 6. Majestät erklärt, daß sie die Regierung von Bordeaux jetzt nicht mehr als die Regierung eines unabhängigen Landes betrachten kann. Die Regierung S. Majestät nimmt den Vorschlag zur Kenntnis, ein provisorisches ronzösisches Nationalkomitee zu bilden, in dem die zum Kampf entschlossenen französischen Elemente unter Einheiten der internationalen Verpflichtungen Frankreich voll und ganz vertreten sind. Die freche Einmischung Churchills in Entscheidungen, die ausschließlich bei Frankreich und feinen verantwortlichen Staatsmännern lagen, ist nicht ohne Antwort aus Bordeaux geblieben. Der ranzösische Ministerpräsident Marschall P 6 t a i n, den seine militärische Vergangenheit vor so unoer- chämten Anwürfen, wie sie Churchill und die dri- tische Presse jetzt gegen den ehemaligen Verbündeten chleudern, geschützt haben sollte, erklärte in einer Rundfunkansprache, daß Regierung und Volk Frank, reichs Churchills Worte mit merklicher Der- blüffung gehört hätten. Sie verständen die Angst, die sie diktiert hätten. Churchill fürchte für sein Land die gleichen Leiden, die im letzten Monat über Frankreich hereingebrochen seien. Aber ber französische Ministerpräsident sagt klipp und klar, daß Churchill sich von den Interessen seines Landes leiten lasse, nicht aber von den Interessen Frankreichs, das in dieser Stunde gegen die Beleh- rungen eines ausländischen Ministers protestieren müsse. Und in aller Eindeutigkeit stellt bann der Mar« schall fest, daß Frankreichs Fahnen ohne Flecken geblieben seien. Die französische Armee habe sich tapfer und treu geschlagen. Die Einstellung des Kampfes, so versichere er hiermit ausdrücklich, sei in Unabhängigkeit und Würde geschehen. Und dann folgt noch eine scharfe Absage an den Aushetzungsversuch Churchills: Niemandem werde es gelingen, so erklärt Petain, die Franzosen in dem Augenblick, wo ihr Land leide, zu entzweien. Frankreich habe das Bewußtsein, die Achtung der Welt verdient zu haben und von ihr auch erwartete es erst seine Rettung. Das Vaterland zeige mehr Größe, wenn es eine Niederlage eingestehe, als wenn es ihre vergebliche Pläne und illusorische Pro- jette entgegenstelle. Damit hat Churchill von seinem ehemaligen Verbündeten, der sein tragisches Schicksal zu einem guten Teil englischer Unfähigkeit und Perfidie zu verdanken hat, die eindeutige Abfuhr erhalten, die er verdient. Sine Botschaft petains. Frankreich zieht die Folgen ans der verlorenen Schlacht. Rom, 24. Juni. (DRV.) Rach einer Stefan!- Meldung aus Genf hat die Regierung von Bordeaux am Sonntagmorgen durch Radio bekanntgegeben, daß der Waffenstillstand mit Deutschland unterzeichnet wurde und daß die Verhandlungen mit Italien ausgenommen werden. Die Bekanntmachung enthält keine Klauseln des Waffenstillstandes, verschweigt jedoch nicht, daß diese hart sind. Sie betont insbesondere, daß die Regierung Petain fern von Drohungen und irgendwelchem Druck des Gegners sich in voller Freiheit ausgesprochen hat und nur der höheren Besorgnis um die Ehre und die Interessen des Vaterlandes gehorchte. Die Botschaft unterstreicht sodann die verheerende militärische Lage, deretwegen Marschall Petain die Bedingungen des Waffenstillstandes annehmen mußte. Abschließend fordert die Botschaft alle Franzosen auf, sich um die Regierung zu scharen. „Es gilt jetzt, die Folgen und die Lehren der verlorenen Schlacht zu ziehen. Roch vordringender als die wirtschaftliche und finanzielle Gesundung ist die moralische Gesundung. Frankreich muh trotz der harten Bedingungen, die ihm auferlegt sein werden, mit unermüdlicher Arbeit wieder aufgebaut roerben.“ Marschall Petain hat in dieser Botschaft im Hinblick auf die militärischen Verantwortungen für die Annahme des Waffenstillstandes wiederholen lassen, daß die englische Hilfe sich in den günstigsten Augenblicken auf zehn Divisionen beschränkte und daß außerdem das gesamte englische Expeditionskorps am Samstag nach England zurückgeschafft wurde. ♦ Die in Bordeaux erscheinenden Blätter heben hervor, daß keine der von Deutschland gestellten Bedingungen für Frankreich schmachvoll sei. Frankreichs Ehre sei unversehrt. Der Einleitunasakt im Walde von Cornpiögne habe nicht nur Anklagen gegen Frankreich gebracht, sondern auch die Anerkennung der Tapferkeit des besiegten Gegners. Frankreich habe nur noch den von Marschall Petain beschrittenen Ausweg zur Verfügung gehabt. lieber die der Veröffentlichung des Kommuniques vorangehenden Beratungen wurde amtlich aus Bordeaux berichtet^ daß der französische Mi- n i st e r r a t in der Nacht zum Samstag um 1 Uhr zu einer Sitzung unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik Lebrun zusammengetreten sei, um den Wortlaut der deutschen Waffenstillstandsbedingungen zu prüfen. Diese Sitzung habe bis 3 Uhr morgens gedauert. Sie sei um 6 Uhr früh wieder aufgnommen worden und habe den größten Teil des Vormittags in Anspruch genommen. Unterbrechungen der Beratungen waren notwendig, damit man mit den französischen Bevollmächtigten einen telephond schen Meinungsaustausch pflegen konnte. Die in Bordeaux anwesenden Ab geordneten und Senatoren traten am Samstagabend, um 18 Uhr, zu einer Sondersitzung zusammen, an der etwa hundert Parlamentarier teilnahmen. Sie stimmten einer Entschließung zu, in der Marschall P 6tai n unter den obwaltenden Umständen v o l l - st es Vertrauen, der Ausdruck der Anhang- lichkett und der Dank der Nation ausgesprochen wird. Die bei der französischen Regierung in Bordeaux akkreditierten ausländischen Diplomaten hielten unter dem Vorsitz des päsllichen Nuntius eine Konferenz ab. Großer (Eindruck in ilSA. Neuyork, 24.Juni. (DNB. Funkspruch.) Die Neuyorker Sonntagspresse berichtet ausführlich über das historische Ereignis im Wald von Compiögns. In den Artikeln der Augenzeugen wird vor allem das ritterliche Verhalten der deutschen Unterhändler und das Fehlen jeder von Haß diktierten Einstellung hervorgehoben. Besonderen Eindruck hat ferner die Ehrung der deutschen und französischen Gefallenen durch Generaloberst Keitel anläßlich der Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrages gemacht. Diese Totenehrung wertet man in USA, als bedeut »ir EM »MH ..'v ■ , ;■ Ein deutscher Offizier führt die französischen Unterhändler vorbei an der Gewehr bei Fuß stehenden Ehrenkompanie über den runden Platz zum Verhandlungswagen. An der Spitze erkennt man General H untzi g er. Links: Vizeadmiral Le Lu c und General der Luftwaffe B er ger et; Botschafter Noel in der Mitte der Gruppe ist halb verdeckt. — (PK.-Scherl-Bilderdienst-M.) Oes Führers Ankunst in Compiegne. DH E >• W / 1M . Die Ankunft des Führers an dem Denkmalsplatz im Walde von Compiegne zur Uebergabe der Waffenstlllstandsbedingungen an die französische Abordnung. Unser Bild zeigt den F ü h r e r beim Abschreiten der Front der Ehrenkompanie, rechts von ihm Generalfeldmarschall ©örina links von ihm Großadmiral Or. b. c. R a eb er, Generaloberst vonBrauchitschund Generaloberst Keitel. ö' (PK.-Dörfler-Scherl-M.) Beginnende Besinnung in Paris. Eindrücke eines dänischen Pressevertreters. Kopenhagen, 24. Juni. (Europapreß.) Von einer Pariser Reise ausländischer Pressevertreter drahtet der Berliner Redakteur von „National- tidende", Kronika, seinem Blatt seine Eindrücke; er stellte an den Kopf der Schilderungen das Erlebnis, den Führer im Walde von Compiegne gesehen zu haben auf dem Wege zum Treffen mit den Unterhändlern Frankreichs — in einer Stunde, ba für einen jeden der Versailler Vertrag endgültig in Fetzen gerissen wurde. Aus Paris'schreibt der Berichterstatter weiter: „In die Vorstädte beginnen die Flüchtlinge in großer Zahl zurückzukehren. Die Untergrundbahn fährt wieder. Die großen Warenhäuser sind wieder geöffnet. Von Gebäuden und Monumenten werden die Sandsackverkleidungen entfernt." Auffallend war dem Schreiber, keinerlei Anzeichen einer auflehnenden Haltung den deutschen Truppen gegenüber feststellen zu können. „Im Gegenteil", so betonte er, „es hat den Anschein, als stellten sich viele Franzosen bereits auf eine durchgreifende Revision ihrer Lebensformen und ihrer Auffassungen ein. Was vorüber ist, so wird nüchtern erklärt, muß nun für immer vorüber fein. Die politische Konkursmasse wird von den Parisern ausgenommen, und hierbei hört man sie oft mit außerordentlicher Härte die leitenden Männer verurteilen. Man kann sagen, Paris ist auf der Jagd nach den Schuldigen. Ein Schlußstrich soll unter die Vergangenheit gezogen werden. Man ruft nach einem neuen Staat. Der Krieg, der nicht hielt, was man dem französischen Volk versprochen hat, soll so schnell und gründlich wie möglich abgetan und vergessen werden." Laval und Marquet Staatsminister im Kabinett pätain. Genf, 23. Juni. (DRV.) Der frühere Ministerpräsident Pierre Laval und der Bürgermeister von Bordeaux Marquet sind zu Staatsministern im Kabinett des Marschalls Petain ernannt worden. Marquet gehörte der parlamentarischen Gruppe der Reo-Sozialisten an. Beide kamen schon bei der Demission des Kabinetts Reynaud als neue Minister in Frage, und zwar Marquet als Minister des Innern und Laval als Justizminlster. Sie haben aber damals die Annahme der Portefeuilles abgelehnt. General de Gaulle abgeseht. Rom, 23.Juni. (DNB.) Nach einer amtlichen französischen Mitteilung hat die Regierung Pätain den General de G a u l l e , der von London aus im Rundfunk von London wiederholt das französische Volk zur Fortsetzung des aussichtslosen Kampfes und zum Ungehorsam gegen feine Regierung aufzu- wiegeln gesucht hatte, a b g e s e tz t. Die Absetzung schließe weitere Maßnahmen gegen diesen ehemaliges General nicht aus. Eine offizielle Erklärung bet französischen Regierung protestiert auf das nachdrücklichste gegen bie Erklärungen von Churchill, in denen dieser zur Unterzeichnung des Waffenstillstandes Stellung nimmt. In dem französischen Protest wird betont, daß die französische Stockholm, 23. Juni. (Europapreß.) Aus London wird gemeldet, daß dort wie noch nie zuvor in der Geschichte am Sonntag die Regierung Petain angegriffen und Frankreich selber verantwortlich gemacht werde für den Zusammenbruch der letzten. Tage. Was in den letzten Tagen nur andeutungsweise gesagt worden sei, werde heute in fast schonungsloser Weise erörtert. Dabei erkläre man, die französische Niederlage sei zurückzuführen auf die Klassenkämpfe und Standesgegensätze, die bie Schlagkraft Frankreichs gelähmt hätten. Die „Sunday Times" sagt, Gamelin uni) Dalabier, diese beiden Optimisten, die nicht gewillt gewesen seien, der Warnung von Reynaud und General de Gaulle wegen der veralteten Struktur der Armee Gehör zu schenken, trügen als Exponenten der radikalsozialen Politik eine furchtbare Verantwortung für den Gang der Ereignisse. Regierung und das französische Volk einig gewesen seien hinsichtlich ber Entscheidungen, bie gefällt worden sind. Es hätte keine andere Lösung gegeben. Churchill hat einen Aufruf zur „Organisierung des französischen Widerstandes" erlassen. Die britische Regierung habe „mit Erstaunen und Trauer" davon Kenntnis genommen, daß die Waffenstillstandsbedingungen von der französischen Regierung angenommen worden seien. Die englische Regierung rufe jedoch alle Franzosen auf, die außerhalb ber von den Deutschen beherrschten Gebieten lebten, sich ben englischen Streitkräften anzuschließen. Der französische Emigrantengeneral De Gaulle behauptete im Londoner Rundfunk: Es bestehe in Frankreich keine unabhängige Regierung mehr. „Daher wird im Einvernehmen mit der britischen Regierung ein französisches Nationalkomi- t e e gebildet werden, das die Interessen des Vaterlandes und der Bürger verttitt und die von Frankreich eingegangenen Verpflichtungen übernimmt." Dieses Nationalkomitee fei entschlossen, an ber Sette Die französische Delegation beim Betreten des Salonwagens. In der Mitte General Huntziger. M.-Dörster-Scherl-M^ vVÜ H M'l petain weist Churchills Hetze zurück. !«nes Symbol für Die künftigen Beziehungen »riM Ken Deutschland und Frankreich. In Komm?nL Dirb betont, daß die Wahl des Verhandlungsortes licht etwa auf Rache zurückzuführen fei, sondern auf ten Willen zur Wiedergutmachung der Gemein- leiten von 1918. Der italienische Heeresbericht. Rom, 23. Juni. (DRV.) Der italienische Wehr- nachtsberichl vom Sonntag hat folgenden Wortlaut: Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Unsere Luftwaffe setzte ihre Operationen in allen Abschnitten des Mittelmeeres fort. Trotz heftiger Luftabwehr und trotz des langen Ueberfeefluges ist chne jeden Verlust in der Rächt des 22. Juni die Zlotte nbasis von Alexandria (Aegypten), wohin die englische Flotte geflüchtet ist, mit ener überaus glänzenden Aktion wirksam mit komben belegt worden. Ebenso wurde die Zlottenbasis von Bizerla mit Bomben belegt. Irotz des schlechten Wetters find ferner feindliche Schiffe auf der Fahrt im westlichen VM- tclmeer, das von den ununterbrochenen und weitreichenden Erkundungsflügen im ganzen Vlitlel- veerbecken überwacht wird, erreicht und bombardiert worden. Lines unserer Flugzeuge ist nicht «rückgekehrl. ' / In Rordafrika sind die Aktionen zu unseren Lvnsten entschieden worden. Lebhafte Tätigkeit unsrer Luftwaffe gegen Panzerwagen und feindliche Formationen. Lin großes feindliches viermotoriges Zlugzeug wurde abgeschossen. In 0 st a f r i k a haben unsere Dubai (Eingebore- veutruppen) ein englisches Flugzeug in Flammen «hgeschossen. Der Feind Hal die Stadt Trapani (Sizilien) eil Bomben belegt und dabei ausschließlich private Vohnhäuser getroffen. 20 Tote und 38 Verwundete eurben gezählt, darunter Frauen und Kinder und lur drei Militärpersonen. Unsere Jagdflieger haben iie feindlichen Flugzeuge angegriffen und zwei da- em abgeschossen. Aegypten. Rom, 22. Juni. (Europapreß.) Im ägyptischen i arlament erklärte Ministerpräsident Ali Mäher ascha, die Regierung sei entschlossen, die Nachteile, :e sich aus der gegenwärtigen Lage ergäben, auf ich zu nehmen, damit das Land von der Geißel ks Krieges verschont bleibe. Die Notwehr sei ein ilbstverständliches Recht. Das Heer habe jedoch längste Anweisung erhalten, nicht anzugrei- > n. Verschiedene Grenztruppen seien um einige ilvmeter zurückgenommen worden, um Aegypten rcht in einen Kriegszustand hineinzuziehen, bevor te Regierung und das Parlament Gelegenheit geerbt hätten, über die beste Art der Wahrung der Septischen Interessen Beschluß zu fassen. In Rom wird zu der eigenartigen Lage, in der sch Aegypten nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Italien und Deutschland befindet, b?merkt, daß Italien für die Schwierigkeit der Lage Aegyptens Verständnis habe. Der Bündnisvertrag verpflichte Aegypten zur Hilfeleistung an England, zur Ueberlassung seiner militärischen Stützpunkte und zur Unterstützung an den Grenzen regyptens. Allerdings sei dieser Vertrag Aegypten durch den Druck der Macht Englands mehr oder weniger aufgezwungen worden. Den Krieg habe Aegypten weder an Deutschland noch an Italic erklärt. Das Verständnis Italiens für die fon- dirbare Lage Aegyptens in der gegenwärtigen Zeit werbe aber selbstverständlich von der weiteren Entwicklung und den Ereignissen abhängig bleiben. MwegensVerhüttniszumReich Stockholm, 23. Juni. (Europapreß.) „Immer wehr Stimmen erheben sich in Norwegen für eine feiwillige Klärung des Verhältnisses zu ! e u t s ch l a n d. Durch eine solche Klärung soll eine dauerhafte R e ai erungsf o rm mit ganz ^stimmten Beziehungen zu Deutschland schaffen werden." Mit diesen Worten kündigt sagens Nyheter".eine innerpolitische Neuordnung i’ Norwegen an. Das Blatt steht dabei nicht allein; Md) „Svenska Dagbladet" macht ähnliche Andeu- brutungen. In Kürze soll eine Wahl stattfinden, eine Storthingsttzung in Oslo soll das Verhältnis zu -leutschland grundsätzlich klären. König Haakon Md die Regierung Rygaardsvold wer- bm dabei, wie es in den Blättern heißt, fallen as l a f f e n werden. Angeblich soll ein Derwal- imgsrat die Regierung übernehmen. Nach Ansicht btr schwedischen Blätter wird diese Neuordnung orrhältnismäßigi schnell vollzogen werden, womit bie Schaffung normaler und friedlicher Zustande ehe weitere Förderung erfahren würde. Oie deutsch-russischen Beziehungen unverändert. M o s k a u, 23. Juni. (DNB.) In Moskau wurde Agende amtliche Verlautbarung verbreitet: „In letzter Zeit wurden im Zusammenhang nut bim Einmarsch sowjetischer Truppen i n Ibis Gebiet d e r baltischen Staaten in virstärktem Maße Gerüchte verbreitet, daß an der litauisch-deutschen Grenze 100 oder 150 lawjetische Divisionen konzentriert seien, daß öte|e nzentration der sowjetischen Truppen heroor- iirufen sei durch die Unzufriedenheit der Sowjet- urion mit den Erfolgen Deutschlands im Westen, bcfe sie die Verschlechterung der sowie- ujjch-deutschenBezi-ehungen widerspiegele utib das Ziel verfolge, einen Druck auf D e u t schic n d auszuüben. Die verschiedensten Variationen Dieser Gerüchte werden in der letzten Zeit fast täglich der amerikanischen, japanischen, englischen, sran- 'oischen, türkischen und schwedischen Presse wieder- brdt. Taß ist zu der Erklärung ermächtigt, daß a l l e bicfe Gerüchte, deren Torheit sowieso ofsen- Ii tätlich ist, inkeinerWeisedenTa t s a. ch e n er t s p r e ch e n. In den baltischen Staaten befinden it* in Wirklichkeit nicht 100 und nicht 150 sowjetische dioisionen, sondern im ganzen nicht wehr als 18bis20Divisio nen. Diese Divisionen sind nicht .r der litauisch-deutschen Grenze konzentriert, son- irn in verschiedenen Gebieten der drei baltischen publiken und haben keinen „Druck auf Deutschmd zum Ziel, sondern die Schaffung von Garan- ^nfürdieDurchführungde r B elstands- -k t e der Sowjetunion mit diesen Landern. ! In maßgeblichen sowjetischen Kreisen ist man der il^sicht, daß die Verbreiter dieser törichten Gerüchte !t*. spezielles Ziel verfolgen, nämlich auf die sow- eüsch-deutschen Beziehungen einen Schatten Oer Eröffnungsakt im Verhandlungswagen. £ 7 'N' Generaloberst Keitel (ganz links) verliest die Präambel zu den Waffenstillstandsbedingungen. Im Vordergrund links Generalfeldmarschall Göring, im Hintergrund Generaloberst von Brauchitsch und der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß. Im Vordergrund (mit dem Rücken zur Kamera) Großadmiral Dr. h. c. Raeder und Reichsaußenminister vonRibbentrop. Rechts am Tisch der Leiter der französischen Delegation General Hun tz i ger (halbverdeckt), neben ihm Vizeadmiral Le Luc und General der Luftwaffe B er g eret. (Presse-Hoffmann.) zu werfen. Jedoch diese Herren geben ihre eigenen geheimen Wünsche als Wirklichkeit aus. Sie sind offenbar nicht fähig, die augenfällige Tatsache zu begreifen, daß die freundnachbarlichen Beziehungen, die sich zwischen der Sowjetunion und Deutschland im Ergebnis des Abschlusses des Nichtangriffspaktes entwickelt haben, durch keinerlei Gerüchte und minderwertige Propaganda gekört werden können. Denn diese Beziehungen sind nicht auf vorübergehende Motive von Konjunkturcharakter begründet, sondern auf die wesentlichen Staatsinteressen der Sowjetunion und Deutschlands." Knox und Gtimson aus der Republikanischen Partei ausgeschlossen Washington, 22. Juni. (Europapreß.) Der erzwunaene Rücktritt des Kriegsministers Woodring hat in den Vereinigte» Staaten lebhaften Eindruck gemacht. Die Leitung der Republikanischen Partei gab bekannt, daß jte ihre in die Reaierung eingetretenen Mitglieder Knox und Stimson ausgeschlossen habe. Der Vorsitzende der Republikanischen Partei, Hamilton, erklärte, nach ihrem Eintritt in die Regierung Roosevelt hätten Knox und Sttrn- son nicht mehr das Recht, im Namen der Republikanischen Partei zu sprechen. Der zuständige Senatsausschuß hat auf republikanischen Druck hin seine Beschlußfassung über die Ernennung Stim- sons zum Kriegsminister auf Anfang Juli vertagt. Der republikanische Senator Dandenberg fordert eine Untersuchung darüber, ob die Entlassung des Kriegsministers Woordring auf dessen Weigerung zurückzuftihren sei, Kriegsmaterial für England fterzugeben, wie Woodring behauptet hatte. Eine „portei der Nation" in Rumänien Bukarest, 22. Juni. (Europapreß.) Soeben wird ein Gesetz über die Umwandlung der Froitt der nationalen Wiedergeburt in eine „Parteider Nation" veröffentlicht. Sie wird die einzige und totalitäre Partei unter der obersten Führung des Königs. Sie soll das moralische und materielle Leben der Nation und des rumänischen Staates lenken unb daher eine Einrichtung des öffentlichen Rechtes fein. Der oberste Führer ernennt die Parteibehörden, die ihm allein verantwortlich sind. In der Begründung zu dem Gesetz wird gesagt, daß es einen Schritt vorwärts auf dem Wege zur Zusammenfassung aller Kräfte der Nation darstelle. Es biete allen denen, die bisher abseits gestanden hätten, die letzte Möglichkeit zur Mitarbeit zum allgemeinen Besten. Kleine politische Nachrichten. Die drei Kinder des Königs Leopold von Belgien sind, ebenso wie die Regierung Merlot, in Portugal eingetrofftn. Weiter trafen auf der Flucht aus Frankreich die Exkaiserin Zita sowie ihr Sohn Otto in Portugal ein. Ministerpräsident Mackenzie King aab bekannt, daß die kanadische Regierung bereit sei, sämüiche in England internierten Ausländer in kanadischen Konzentrationslagern unterzubringen. Die Anregung, so fügte der Mim- sterpräsident hinzu, ginge von der britischen Regierung aus, die für den Fall größerer Bombardements Englands „Schwierigkeiten" in englischen Konzen- trationslagern befürchte. Wie Reuter meldet, wurde der brittsche bewaffnete Handelskreuzer „A n d a n i a" (13 950 BRT.) von einem U-Boot torpediert und sank. Der Trawler „I u n i p e r" muß als verloren angesehen werden. Wie „Corriere della Sera" aus Oakland melbet, hat der Ministerpräsident von Neuseeland im Par- lament mitgeteilt, im Tasrnanischen M e er zwischen Neuseeland und Australien sei ein Minenfeld entdeckt worden, nachdem der Passagierdampfer „Niagara" (14 000 BRT.) untergegangen war. * Frankreich nahm Japans Forderung auf Einstellung der Kriegsmaterial-Transporte für Tschungking durch Französisch-Indochina und auf Entsendung von japanischen Beamten zur Untersuchung der Transportbedingungen in Französisch- Jndochina an. Die japanische Nachrichtenagentur Domei teilt mit, daß die in der Nähe der brittschen Kronkolonie Hongkong liegende» japanischen Truppen mm« mehr die Stadt Sumtsjou besetzt haben. ♦ Der Präsident des japanischen Geheimen Staats- rates Fürst Konoye überreichte dem Minister- Präsidenten Ponai fein Rücktrittsgesuch. ♦ In Mexiko ist die allgemeine Dienstpflicht eingeführt worden. * In Sofia unterzeichneten der bulgarische Ministerpräsident Filoff und der deutsche Gesandte von Richthofen sowie die Führer der Delegationen, Minister Saratow und Generalkonsul Noeldeke, das Kultur- und Lehrabkommen zwischen dem Reich urnd Bulgarien. Dem Minster« Präsidenten und Unterrichtsminister Prof. Filoff hat der Führer das Großkreuz des Ordens vom Deutschen Mler verliehen. * In Riga hat sich eine neue lettische Regierung gebildet. Ministerpräsident und vorläufiger Außennnmster ist Professor Dr. Augusts Kirchen- st e i n s, Kriegsminister: General Roberts Dam- bitis, Innenminister: der Schriftsteller Vilkis Lacis, Zum Armeekommandeur wurde General Roberts Klavins ernannt. Der neue Ministerpräsident war zuletzt Professor für Mikrobiologie an der lettischen Universität und ist bisher politisch nicht hervorgetreten. Gutenberg-ZubiläumSfeier in Leipzig. Leipzig, 23. Juni. (DNB.) Leipzig als Stadt des Buches und des Druckes veranstaltete aus Anlaß der 500jährigen Wiederkehr der Erfindung der Buchdruckerkunst im Gewandhaus eine Jubiläumsfeier, die durch eine Rede von R^ichsleiter Rosen- bera besondere Bedeutung erhielt. Oberbürgermeister Freyberg gab bekannt, daß die Stadt als Dankeszeichen für hervorragende Verdienste um den Buchdruck, um die Schriftgießerei sowie um die Buchbinderei, einen alten Brauch wieder aufleben lassend, den Gutenberg-Ring gestiftet habe. Der Ring soll von zehn zu zehn Jahren jeweils am Johannistag, dem 24. Juni, an Reichsbürger, die die genannten Vorausse^ungen erfüllen, verliehen werden. Als erste Ringträger verkündete er die Meister Karl Ernst P o e s ch e l, Leipzig (Buchdruck), Dr. e. h. Earl Klingspor, Offenbach (Schriftgießerei) und Prof. Otto Dorfner, Direktor der Staatsschuke für Handwerk und angewandte Kunst in Weimar (Buchbinderei). Vertretung für einberufene Anwälte und Notare. Die Berufslage bei den Rechtswahrern steht schon seit längerer Zeit im Zeichen eines immer stärker weiden en Mangels an Bewerbern. Von etwa 550 seit Jahresbeginn gemeldeten neuen Stellen konnten, wie die Abteilung Berufsbetreuung des NS.-Rechtswahrerbundes mitteilt, 103 nicht mit Bewerbern besetzt werden. Im Augenblick ist besonders die Frage der Vertretung von den zum Wehrdienst einberufenen Anwälten und Notaren akut. Es ist das Bestreben, alle Kräfte, die zur Anwalt- und Notarvertretung in Frage kommen, zu erfassen. Außer den schon im Ruhestand beftndlichen Volljuristen können auch verheiratete Assessor i n n e n berücksichtigt werden. Verbesserungen für Dienstverpflichtete Der Reichsarbeitsminister hat die Unterstützung für Dienstverpflichtete den inzwischen hervorgetre- tenen Bedürfnissen angepaßt, wobei weitere Verbesserungen erfolgt sind. Der Trennungszuschlag wird unter den bisherigen Voraussetzungen und in der bisherigen Höhe bis zu 19 RM. wöchentlich weiter gewährt. Es werden aber auf den Trennungszuschlag künftig nur noch angerechnet die tariflichen Trennungsentschädigungen und ein Drittel des Mehreinkommens, das der Dienstverpflichtete oder Gleichgestellte an feinem jetzigen Arbeitsplatz gegenüber feinem früheren Arbeitsplatz erzielt. Gewährt der Unternehmer freie Unterkunft oder freie Verpflegung, so sind auch diese Leistungen auf den Teuerungszuschlag nicht mehr anzurechnen. Für die Dienstverpflichteten außerdem zu gewährende Sonderunterstützung sind wie bisher alle gesetzlichen und vertraglichen Verpflichtungen des Dienstverpflichteten oder Gleich, gestellten entsprechend zu berücksichtigen, insbesondere die Miete. Den Bettag, bis zu dem die Mietverpflichtung bei Bemessung der Sonderunterstützung berücksichtigt werden darf, erweitert der Minister bis zu 150 RM. Auch bet Bemessung der Sonderunterstützung sind bis zu zwei Drittel des Mehreinkommens außer Bettacht zu lassen. Im übrigen unterstreicht der Minister, daß die Arbeitsämter bei Bemessung der Dienstpflichtunterstützung im Rahmen der erlaßenen Vorschriften ohne Engherzigkeit zu verfahren haben. MsmzöWmMerhSiidlekzichmMMrSemWzuM Für die französische Abordnung war ein großes Zelt mit allen notwendigen Einrichtungsgegenständen errichtet worden. Unser Bild zeigt die Delegation, als sie sich nach der Verhandlung in dem Salonwagen zur Beratung in das Zelt zurückzog: Links General Huntziger, hinter ihm Botschafter Noel, Vizeadmiral Le Luc und General der Luftwaffe Sergeret *- (PK.-Dietrich-Scherl-M.) der ersten Floßsäcke selbst über den Fluß und ließ das Bataillon nachkommen. Er hat sich auch bei der Eroberung der Festung Boulogne durch rücksichtslosen Einsatz seiner Person hervorragend ausgezeichnet. Oberleutnant S ch u l z hat sich bei den bisherigen Kämpfen im Vorfeld der Maginotlinie wiederholt durch besondere Tapferkeit und rücksichtslosen Einsatz seiner Person rühmlich hervorgetan, so daß er im Wehrmachtsbericht erwähnt wurde. Beim Einbruch in die Maginotlinie erledigte er nacheinander die Kampfstände, die das Vorwärtskommen seines Regiments verhinderten. Unter persönlichem Gebrauch der Nahkampfwaffe zwang er die Besatzungen zur Uebergabe. Einen besonders starken Betonbunker erledigte er durch Einsatz von Pak., MG. und geballten Ladungen. Unter den von ihm gemachten Gefangenen wurde einem Offizier ein aufschlußreicher, für die weitere Kampfführung der Armee wichtiger Befehl abgenommen. Unteroffizier Ritter von Ingram, Führer eines MG-Zuges. hat sich schon beim Durchbruch durch die Fortlinie von Antwerpen und beim Uebergang über den Gent-Kanal durch hervorragenden Schneid und mitreißendes Draufgängertum ausgezeichnet. Nach dem Angriff über die Lys arbeitete er sich trotz heftigster feindlicher Gegenwirkung mit seinen Männern bis zu den feuernden gegnerischen Batteriestellungen vor und eroberte mit stürmender Hand zwei schwere Batterien. Dem tapferen Verhalten des Unteroffiziers von Ingram war es zu verdanken, daß dem für den Angriff an- gefetzten Infanterie-Regiment der Durchbruch durch die gesamte feindliche Artilleriestellung gelang. 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Hugo Bermühler Verlag/Berlin-Lichterfelde | Kaufgesuche | Eine junge Ziege 1- bis 3jährig, zu kaufen ges. 29390 Heinr. Schmidt Krofdorf Gießen. Str. 299 Oberslleutnant Nickel auf dem völlig freien Nordflügel einer Division. Er entriß dem Gegner in überraschendem Angriff wichtige Geländeteile und hielt sie gegen mehrere Gegenangriffe von Infanterie und Panzern. Im Gefecht an der Lys nahm Oberstleutnant Nickel im Sturm mehrere gegnerische Stellungen und eroberte persönlich drei Batterien, die sich bis zuletzt mit Geschütz und Karabinern verteidigten. Das kühne Handeln des Oberstleutnants Nickel hat wesentlich dazu beigetragen, das Vordringen eines Armeekorps über 10 starke Flußlinien des nördlichen Belgiens so zu beschleunigen, daß den verbündeten Feindkräften das Festsetzen in einer geordneten Verteidigungsfront nicht mehr möglich war. * Major Zürn, Kommandeur eines Infanterie- Bataillons, befand sich während der Kämpfe um die Festung Holland an der Spitze einer kleinen Kräftegruppe tief im Rücken des Gegners. Er sicherte durch kühne persönliche Initiative den von ihm besetzten wichtigen Stützpunkt, so daß noch am gleichen Tage ein in den Rücken seiner isolierten Kräftegruppe aufgesetzter feindlicher Angriff unter starken Verlusten für den Gegner abgewiesen werden konnte. Durch seinen persönlichen Mut und geschickte Führung trug er wesentlich dazu bei, daß der Auftrag seiner unter allerschwierigsten Verhältnissen eingesetzten Gruppe planmäßig durchgeführt werden konnte. * Major Jürgen, Kommandeur eines Schützenbataillons, erzwang am 13. Mai trotz ungünstigster Geländebeschaffenheit und schwerster Gegenwirkung der feindlichen Artillerie mit heldenmütigem Einsatz den Uebergang über die Maas. Während ein erster Versuch im konzentrischen feindlichen Artilleriefeuer stecken blieb, glückte die zweite Anstrengung, die Ueberquerung und die Bildung eines Brückenkopfes, der zum Bau einer Kriegsbrücke notwendig war, wurden unbeirrt durchgeführt. Major Jürgen ging bei der zweiten Ueberfetzung in einem PQLQST Giessen! Belauschtes Leben kleine Kreatur in Wasser, Busch und Halm DonK.O.Dartels. - 164 Naturaufnahmen aus dem Leben der niederen Tierwelt mit erläuternden Bildunterschriften, Namensangaben und 62 Seiten Text. 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[2990D Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter bei Hauptschriflleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politü, Feuilleton und BUder: Dr. Fr. W. Lange; für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange K. G. Berlagsleikc: Dr.-Jng. Erich Hamann: Anzeigenlerter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Pl.Nr.6. Zwanssvevstekgevung Dienstag, den 18.Juni 1940, nachmittags 2 Uhr, sollen i.Berkauss- lokal Hartmesi, Neuenweg 28, bzw. an Ort und Stelle (Bekanntgabe in obigem Lokal) zwangsweise gegen sofortige Barzahlung versteigert werden: Haus-, Laden- und Buromobel aller Art, Schreibmaschinen, eine Hausbar, 1 Zimmerbild, Nähmaschinen, 1 Ausputzmaschine und 1 Grammophon. 2991V QphüPmann Gerichtsvollz. in Greben üCnarnidnil Wiesenstr. 2, Tel. 3108 Du warst so jung und starbst so früh, wer dich gekannt, vergißt dich nie. Am 18. Juni starb plötzlich und unerwartet durch einen tragischen Unglücksfall im Alter von 17 Jahren unser herzensguter, braver Junge Walter Ich suche Anfang Juli für mich u. meinen Sohn zwei einzelne Zimmer Nähe Wilhelm- straße, möglichst part. mit voller Verpflegung für 4 bis 6 Wochen. Frau von derlfenze Kassel p. t Schöne Aussicht Nr. 3 I. 12989V Die neuen Träger -es Ritterkreuzes. Berlin, 22. Juni. (DNB.) Generalleutnant Loch, Kommandeur einer Jnfanteriedivifon, erzwang gegenüber zähestem feindlichen Widerstand den Uebergang über die Aisne und über den Ardennen-Kanal. Er bildete unbeirrt kämpfend einen so großen Brückenkopf, daß der Brückenschlag für Panzer und das Hineinwerfen einer Panzerdivision auf das Südufer noch am ersten Schlachttage ermöglicht werden konnte. Durch außergewöhnlich großen persönlichen Einsatz und durch hervorragende Führung seiner von vorbildlichem Angriffs geist erfüllten Division hat Generalleutnant Loch entscheidenden Einfluß auf das Gelingen des operativen Durchbruchs ausgeübt. Oberst Sedan, Kommandeur eines Infanterie- Regiments, warf seine Bataillone — in vorderster Linie führend — trotz schweren feindlichen Artilleriefeuers über den Lys-Kanal und stieß am anderen Ufer mit solchem Schwung durch die gegnerischen Stellungen, daß, teils im Nahkampf,, teils durch überraschenden Zugriff, nahezu tue gesamte Feindartillerie im Divisionsabschnitt erobert wurde. Dadurch, daß er den durch seine tapfere Führung erzielten Anfangserfolg nach Erreichen des Westufers des Kanals selbständig zu einem entscheidenden Einbruch in die feindliche Front ausweitete, trug er wesentlich zum Gelingen der Gesamtoperationen bei. Oberst Landgraf durchstieß am 5. Mai unter schwierigsten Verhältnissen mit ferner verstärkten Panzerbrigade die feindliche Hauptkampflinie und erwarb so einen entscheidenden Anteil an dem tiefen Einbruch in die gegnerische Stellung, der schon am ersten Schlachttag gelang. Seine Brigade vernichtete im hartnäckigen Kampf sieben feindliche Batterien und setzte 65 gegnerische Panzer außer Gefecht, von Eröffnung Mittwodi nachmittag 3 Uhr imiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinrn _______________________2993D denen ein Teil zerstört wurde. Dieses wichtige Ergebnis wurde erzielt durch die hervorragende Führung und durch die persönliche Tapferkett des Obersten Landgraf, der feinen durch Beschuß ausgefallenen Befehlspanzer im Gefechts zweimal wechseln mußte. Oberstleutnant S i e b e r g , Kommandeur eines Panzerregiments, ist während der Verfolgung auf Montreuil an der Spitze der Division mitgefahren und hat bis um Mitternacht seine Panzerabteilung immer erneut zu Vorstößen hinter den fliehenden Feind geführt. Die Division stieß noch etwa 20 Kilometer über das Tagesziel hinaus. Mehrere taufend Gefangene, Kraftfahrzeuge aller Art, schwere Artillerie wurden als Beuteergebnisse dieses Vorstürmens eingebracht. Oberstleutnant Sieberg führte sein Panzerregiment beim Angriff über d e n La - B a s s e e - K a n a l aus eigenem Entschluß mit kühn vorgeworfenen Einheiten mehrfach bis Hazebrock vor, vernichtete dort feindliche Artillerie und ermöglichte damit den Schützen der Division die Gewinnung des befohlenen Brückenkopfes. * Oberstleutnant Grasser, der sich schon bei den Kämpfen um Laon und beim Einbruch in die Wey- gand-Linie besonders auszeichnete, war am 9. und 10. Juni als Führer einer starken Vorausabteilung am linken Flügel eines Armeekorps der Träger der Verfolgung über die Marne. Sein rücksichtsloser, persönlicher Einsatz und der Schneid, mit dem er die ihiü unterstellte Infanterie und Artillerie unaufhaltsam vorriß, hat sich bedeutsam auf die große Lage ausgewirkt. Oberslleutnant Nickel, Kommandeur eines Infanterie-Bataillons, erstürmte am 17. Mai als erster Mann seines Bataillons den von überlegenen Gegnern verteidigten Kanal Brüssel — Antwerpen. In schwerstem Feuer gelangte er über die Trümmer der Brücke und entriß dem Gegner im Häuserkampf das am anderen Ufer gelegene Dorf. In der Schlacht an der Schelde kämpfte Den Heldentod für Führer und Vaterland starb in Frankreich mein lieber unvergeßlicher Mann, der gute Vater seines Kindes, mein lieber hoffnungsvoller Sohn, Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel Fritz Fay Leutnant in einem Inf.-Regt. im blühenden Alter von 25 Jahren. In tiefem Schmerz: Mia Fay, geb. Axelsen und Klein-Mechthild Eleonore Fay, geb.Treber nebst Angehörigen. Gießen-Kl.-Linden, Lützellindener Straße 33, Langsdorf, Lieber Pforte 23. Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen. Mralznteile ausgutemHause zu kaufen gesucht. Schrift!. Angeb. unten 02212 an den Gieß. Anz. Täglich frische Eiteren kauft [2996D Konditorei-Caf 6 Amend Am Selterstor. | Empfehlungen] Wohldorf. Herz- Tee [2992D stärkt und erfrischt, beruhigt u lindert alle Störung. Schlaf- u. Nerven- Tropfen Flasche 85 Pf. wohltätig für alle Nervösen Kräuterhaus Jung Fachgeschäft für alleNatur- Heilmittel Gießen. Kleine Anzeigen richten sich an die Bevölkerung der engeren Heimat! Darnm: Kleinanzeigen in die Heimatzeitung, den GießenerAnxeigei Keine Ursprungszeugnisse, ivndern nur Zeugnisabschriften dem werbungsschretben beilegen! — Lichtbilder uudBewerbungsunte» lagen müssen zur Vermeidung von Verlusten auf der Rückseite Namen und Anschrift des Bewerbers tragen! 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Anz. 2987 V Wir verlieren in ihm einen Sangeskameraden, der sich vor allem durch peinliche Pflichterfüllung im Verein großer Wertschätzung erfreute. — Als leuchtendes Vorbild von Treue und Pflichtauffassung werden wir seiner stets ehrend gedenken. Im Namen des Gesangverein „Germania“ Watzenborn-Steinberg Jung, Vereinsführer. La Nachruf. Ipl Am 5. Juni 1940 starb für Führer, Volk und Vaterland unser lieber Sangesbruder Gefreiter Walter Andermann MAIZENA1 ») Erhältlich gegen x-Abschnitte der Reichs, brotkarte für S^nDer bis zu 6 Jahren. E rnährvngSoorschrtften Ifcgen jedem pake« 6et Aus der Stadt Gießen. Die Insel der Seligen. Wir hatten damals im Herbst 1916 hoch oben in den Karpathen als „fliegende Kompanie" viele mit Märschen und Kämpfen angefüllte Wochen hinter uns. Nun sollten wir für eine längere Zeit eine ieste Stellung beziehen. Als wir ihrer ansichtig wurden, lachte unser Herz. Die Stellung log in einem idyllischen Wald zwischen sanften Bodenwellen eingebettet und die Unterstände waren vorzüglich aus- (gebaut. Jedoch, welche frohe Ueberraschung unser harrte, ahnten wir beim Einzug in die Stellung noch nicht. Krst als ich meinen Kompanieführerunterstand betrat, trat das große Ereignis in die Erscheinung. Ich ivurde nämlich mit einem schmetternden Armee- inarsch begrüßt! Die Verwunderung hatte keine Grenzen. Hier hoch oben, stundenweit von jeder menschlichen Behausung entfernt, Marschmusik? Der Kompanieführer, den ich abzulösen hatte, schmun- elte, als er meine erstaunten Mienen sah. Dann agte er: „Ich kann Ihnen die erfreuliche Mitteilung nachen, daß ich Ihnen außer der Stellung auch noch liefen Grammonphonopparat mit 20 Schallplatten u übergeben habe. Ein Freund der Musik und zu- leich ein Freund der Soldaten hat es aus der deut- chen Heimat hierhergeschickt. Und hier ist das Programm der ,®rabenEapetIe‘, die Ihnen wie uns iele, viele Stunden der Freude und Entspannung ringen wird." Damit schob er mir einen Zettel hin, cuf dem die herrlichsten Musikstücke verzeichnet standen. Im Nu hatte es sich in der Kompanie herum- cesprochen, daß wir eine „Musikkapelle" hatten, verständlich, daß der Kompanieunterstand alsbald umlagert war. Um sechs Uhr nachmittags hatten mir Me neue Stellung bezogen. Bis tief in die Nacht hinein spielte das Grammophon. Wir wurden nicht nüde, den Klängen der Märsche, Walzer, Lieder und duvertüren zu lauschen. Welch eine tiefe Freude nach den zahlreichen Anstrengungen der letzten Wo- hen! Der Wunsch nach Schlaf, aus den wir uns in tiefer Nacht alle gefreut hatten, war verflogen. Immer wieder wurde die Nadel aufeine Platte gesetzt ind immer wieder ertönten die Weisen der Heimat. ' Am nächsten Tage wurde sofort ein „Grarnrno- xhondienst^ angeordnet. Er bestand darin, daß das Grammophon samt den 20 Schallplatten nach einem xenau errechneten Stundenplan von Unterstand zu Unterstand wanderte. Unendlich viel Glück hat dieses Grammophon, haben diese Schallplatten in unsere Wald- und Bergeinsamkeit getragen. Der Zufall wollte es, daß sich in unserer Korn- ranie auch ein Musikstudent befand. Als der erste Freudenrausch über das Geschenk aus der Heimat jorüber war und die Wiederholung der Musikstücke ten Genuß etwas abzuschwächen drohte, machte sich tiefer Musikstudent auf den Weg, ging von Unter- fland zu Unterstand und erzählte seinen Kameraden von den Komponisten der Lieder und Opernouvertüren. Und so geschah es auch, daß mitten im Kriege Ztickard Wagner eine Würdigung erfuhr, die er sich voyl nie erträumt haben wird. Wenn jetzt die „Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht" (Berlin, Kleist- . ftraße 10/12) für unsere Soldaten an der Front bchallplatten sammelt und wenn diese Schallplatten bann hinausgehen in die Stellungen und Ruhelager, Hann wird sicherlich aufs neue das Wort wahr werten, das damals 1916 ein einfacher Soldat aus- fprach: „Immer, wenn hier im Unterstand die Musik aufklingt, fühle ich mich verzaubert auf eine Insel ’ der Seligkeit." * By. Tageskalender für Montag. Volkstümliche Vorträge der Ludwigs-Universität: 20.30 Uhr im Geologischen Institut, Brau- asse 7, Professor Dr. Klüpfel über „Vulkane inst und jetzt". — Gloria-Palast (Seltersweg): Lauter Liebe"; 14.45 Uhr Wochenschau — „Sondervorstellung „Siegeszug durch Frankreich". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Zwielicht". — Gie- ener Vortragsring (Goethe-Bund, Kaufmännischer herein, Volksbildungsstätte), NSKOV., NS.-Kreis- riegemfbanb: 20 Uhr in der Neuen Aula Vortragsabend Dr. Leonhard Blaß „Der letzte Sprung es alten Löwen". Deutsche Mütter erhalten das Ehrenkreuz. In schlichter, feierlicher Form wurde am gestrigen Sonntag den kinderreichen Müttern in unserer Stadt eine schöne Ehrung zitteil. Die Ortsgruppen der Partei hatten die Mütter zu Feierstunden eingeladen, in deren Rahmen ihnen die vom Führer verliehenen Ehrenkreuze überreicht wurden. Gletzen-Aoro. Die Feier der Ortsgruppe Gießen-Nord fand am Vormittag im Saale des „Aquarium" statt. Eingeleitet wurde die Feierstunde durch Musikstücke der Kapelle K r e n g e l. Nach einem Gedicht, von einem BDM.-Mädchen vorgetragen, hielt Ortsgruppenleiter Thomas eine kurze Ansprache, in der er betonte, daß man diese Feierstunde mit besonderem Stolz begehen könne, denn wir stünden alle im Banne der großen Ereignisse der Gegenwart. Wie der Führer für die tapfersten Soldaten an der Front das Eiserne Kreuz gestiftet, habe er auch den kinderreichen Müttern das Ehrenkreuz der deutschen Mutter verliehen. Der Ortsgruppenleiter würdigte dann besonders das Opfer jener Mütter, deren Männer und Söhne für Volk und Vaterland gefallen find. Den kinderreichen Müttern gegenüber habe die Nation eine hohe Verpflichtung übernommen. Jede kinderreiche Mutter könne das Ehrenkreuz mit besonderem Stolz tragen. Abschließend erinnerte Ortsgruppenleiter Thomas an das Wort des Führers: „Mögen Männer Welten bauen — es steht und fällt das Volk mit seinen Frauen!" Der Ansprache folgten weitere Musikstücke und Gedichtvorttäge. Im weiteren Verlaufe der Feier gelachte Ortsgruppenleiter Thomas auch des Einsatzes von sieben Westwallarbeitern, die zu der Feier eingela- den waren. Er würdigte ihren Einsatz im Rahmen des großen Werkes, durch das verhindert worden sei, daß der Feind den Krieg auf deutsche Reichsgebiete habe tragen können. Für ihren Einsatz bei diesem großen Festungswerk sei ihnen das „Deutsche Schutz- wall-Ehrenzeichen" verliehen worden. Nach einer würdigen Ehrung der Toten des Weltkrieges, der Gefallenen der Bewegung und der Opfer des gegenwärtigen Krieges und, nach dem Lied vom guten Kameraden, erfolgte die Ausgabe der Ehrenkreuze. 25 Mütter erhielten das Ehrenkreuz der Stufe I (in Gold), 40 das Ehrenkreuz der Stufe II (in Silber) und 89 Mütter das der Stufe III (in Bronze). Das „Deutsche Schuhwall-Ehrenzeichen erhielten: Hilfspolier August Becker, Vorarbeiter Heinrich Dietz, Hilfsarbeiter Karl Gerlach, Zimmermann Willi Hahn, Bauschreiner Karl Huhn, Hilfsarbeiter Rudolf R a u k o p f und Tiefbauarbeiter Karl Schmidt. Mit dem Gedenken des Führers und seiner siegreichen Soldaten fand die Feierstunde ihren Abschluß. Die Ortsgruppe Ost nun der deutschen Mutter die Ehre zuteil geworden, die ihr gebühre, denn sie stehe als Trägerin des Lebens zwischen Vergangenheit und Zukunft, sie sei der unerschöpfliche Born des blutsmäßigen Lebens des Volkes, ihre Kraft versiege niemals, denn sie sei voll der Liebe. Der schönste Ruhmeskranz, den Die Göttin des Lebens zu verleihen habe, gebühre daher der Mutter. Auch der Führer sei dankerfüllt gegenüber der deutschen Mutter und habe als äußeres Zeichen seines Dankes das Ehrenzeichen für die deutsche Mutter geschaffen. Anschließend wurde über 60 Müttern das Ehren- . kreuz nebst Urkunde überreicht. Außerdem konnte die Ortsgruppe noch 8 Westwall-Ehrenzeichen an Männer verleihen, die dem Rufe des Führers folgend, durch ihre Arbeit mit- halfen, die Grenzen des Reiches zu sichern. Die Feierstunde wurde in schöner Weise musikalisch umrahmt durch Darbietungen von Frau Fischer (Klavier), Frl. Zimmer (Geige) und Herrn Mürrle (Geige). Mit dem Gruß an den Schöpfer und Führer des Großdeutschen Reiches sand die eindrucksvolle Feierstunde ihren Abschluß. Oie Ortsgruppen Süd und Mitte hatten die Mütter am gestrigen Nachmittag in der Aula der Universität versammelt. Auch hier eröffnete die Jugendgruppe der Frauenschaft durch Lieder die feierliche Stunde, denen ein Musikstück, ebenfalls ausgeführt von Frau Fischer, Frl. Zimmer und Herrn Mürrle, folgte. Ortsgruppenleiter Weber (Ortsgruppe Mitte) sprach zu den Müttern der beiden Ortsgruppen. Er wies einleitend auf die Worte des Führers hin, was der Mann einsetze an Heldenmut, setze die Frau ein in ewig geduldigem Leiden und Ertragen. Jedes Kind, das sie zur Welt bringe, fei eine Schlacht, die sie bestehe für Sein oder Nichtsein ihres Volkes. Damit sei klar gekennzeichnet, so betonte der Redner, welche Wertung die deutsche Mutter durch den Nationalsozialismus erfahren habe. Die deutsche Frau als Hüterin völkischer Ewiakeit sei wieder m den Mittelunkt des natürlichen Lebens des Volkes und der Familie gestellt. In der Erfüllung ihres naturgewollten und naturbedingten Schicksals diene sie als Mutter in erhabener Weise der Nation. Niemandem schulde ein Volk größeren Dank als feinen Müttern, und nur ein Volk, das feine Mütter ehre, heilige den Quell feines Daseins. Mit der Stiftung des Ehrenkreuzes der deutschen Mutter habe der Führer für alle Zeiten der deutschen Mutter ihren hervorragenden Rang im Volke gesichert. Ein tapferes Volk brauche auch tapfere Mütter, und' nur tapfere Mütter würden ihrem Volke eine tapfere Jugend schenken, die seinen Bestand und seine Freiheit in allen Gefahren und Kämpfen zu sichern vermögen. Der Redner gedachte bann noch der Mütter, die ihre Männer für das Vaterland gaben, und die nun allein auf sich gestellt alle Sorgen und Arbeit auf sich nehmen müßten, ebenso derer, die ihre Söhne dahingegeben haben für das Lebensrecht des Volkes. . r . 186 Mütter empfingen anschließend aus der Hand ihrer Ortsgruppenleiter, unterstützt von den Frauen- schaftsleiterinnen der beiden Ortsgruppen und Jungmädeln, das Ehrenkreuz nebst Urkunde und Blumen. Während der Uebergabe der Auszeichnungen hörte man in zart-verhaltener Weise die Melodie des Deutschlandliedes. Zum Schluß beglückwünschte Ortsgruppenleiter Grahlmann (Ortsgruppe Süd) die mit dem Ehrenkreuz ausgezeichneten Mütter und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sie dieses Ehrenzeichen noch lange bei bester Gesundheit tragen möchten. Mit dem Treuegelöbnis für Führer und Reich schloß die schlichte, eindrucksvolle Feierstunde. GießenerLugend im Gemeinschafisdienst. Hitler-Jugend hilft dem Deutschen (Noten Kreuz. Die jüngste Sammlung für das Kriegshilfswerk des Deutschen Roten Kreuzes hatte neben vielen anderen Sammlern vom DRK. und der NSKOV. auch die Jugend unserer Stadt wieder einmal für eine große Sache aufgerufen. Die Jugend, phantasie- voll, wie sie ist, trat in verschiedener Form für die edle Aktion ein. Mit anhaltender Begeisterung wurden die Sammelbüchsen geschwungen, und als die schönen Kränzchen mit den sommerlichen Blumen ausverkauft und nachdem auch die blauen Kornblumen alle abgesetzt waren, wurde um Pfennig- Spenden gebeten. Noch manches Geldstück wanderte in die Büchsen. Froher Sonntagvormittag im Lazarett. Im Garten eines Reservelazaretts bereiteten am gestrigen Sonntagvormittag eine stattliche Schar Mädel vom BDM.-Werk und eine Anzahl Hiller- jungen den Verwundeten, Aerzten und dem gesamten Lazarettpersonal einige schöne Stunden. Ein Orchester von 16 Jugendlichen, Jungen und Mädchen, geleitet von Oberkameradschaftsführer I m b e s ch e i d t, eröffnete im Bund mit der etwa 70 Mädchen zählenden Singschar mit dem Lied „Und die Morgenfrühe, das ist unsere Zeit" die abwechslungsreiche Vortragsfolge. Es war eine Freude, die Jungen und Mädchen musizieren zu sehen. Sie er- hatte die Mütter am Vormittag zu einer Feierstunde in die Aula der Universität eingeladen. Die geräumige Aula war vollbesetzt. Nach dem Einbringen der Ortsgruppenfahne wurde die Feier mit zwei Gedichten „Meine Mutter" und „Die Hand des Führers" eröffnet. Sodann fang die Jugendgruppe der Frauenschaft zwei Lieder. Anschließend sprach Ortsgruppenleiter T r e f e r. Nach der Begrüßung des Kreisgeschäftsführers Weber als Vertreter des Kreisleiters betonte er in feiner Ansprache an die Mütter die große, nie versiegende Mutterliebe, die allein nur imstande sei, unermüdlich Tag für Tag über Gedeihen und Gesundheit des Heranwachsenden Lebens zu wachen. Er gedachte besonders der Mütter, die ihre Söhne im Kriege und in den Kämpfen um das Dritte Reich dem Vaterland hingegegeben haben. Sie feien über sich selbst hinausgewachsen, denn sie hätten das Leben, das sie geschaffen und mit unsagbarer Liebe reifen sahen, dem Ganzen geschenkt. Es sei das Schicksal einer Mutter, daß sie ihr Kind niemals für sich allein behalten dürfe. Wohl bleibe sie im Innern mit ihm verbunden, aber die äußeren Schicksale der Söhne und Töchter umschlössen einen eigenen Lebenskreis. Im Reiche des Führers sei Die Sondervorstellungen, die im Lichtspielhaus und im Gloria-Palast am Sonntagvormittag stattfanden und vor den aufgeschlossenen Kameraden der HI. und den Kameradinnen des BDM. die neueste Wochenschau brachten, wurden durch die Hitler- Jugend und durch die Pimpfe ausgestaltet und glücklich umrahmt. Neue Soldatenlieder wurden gesungen, ein Ziehharmonika-Orchester brachte mehrere schneidige Märsche zum Vortrag und die Fanfaren kamen auch zur vollen Wirkung. Die Amtsleiter der NSV., Biedenkopf und I ö ck e l, hielten kurze Ansprachen und rückten der Jugend die überragende Bedeutung der gegenwärtigen Ereignisse vor das geisttge Auge. Als Ertrag der beiden Sondervorstellungen konnte der Betrag von 1300 RM. dem Deutschen Roten Kreuz zur Verfügung gestellt werden. Am Sonntagnachmittag trat die Bannspielschar mit einem Platzkonzert am Stadttheater hervor, das wieder die mannigfachsten Darbietungen brachte. Anschließend wurde durch die Stadt marschiert und am Selterstor ein zweites Konzert gegeben. Selbstverständlich wurden die Zuhörer wieder lebhaft und erfolgreich mit den roten Büchsen angegangen. „Braut in Haaren." Von Hans Friedrich Blunck. Der See bläst mir feinen kühlen Wind nach, und die Bleßhühner rufen mir, während ich durch die bchilfwege zum Dorf streife, ihre kleinen ungeduldigen Schreie zu. Sie haben die ziependen Jungen gegen viele Feinde zu verteidigen, gegen den Hecht jom Seegrund, gegen die Schildkröte, die zuweilen lom Moor herüberkommt, und gegen die Raubvögel aus der Höhe. Auch ich bin nicht ihr Freund. Bin unduldsamer Schlingel, ein unfreundliches Tier it dies Wildhuhn; die prächtig gefärbten Enten heißt es mir vom See, und sogar den Hauben- iaucher, der in der Balzzeit wohl der bunteste und schönste all unserer heimischen Vögel ist, umimt diese kleine schwarze Henne an. Sie weiß auch, daß ich sie nicht mag, und ziept ungeduldig hinter mir her: „(EU dich doch, mein Mann will mit den Kindern ousgehen." Bei den Bleßhühnern haben sich Hahn und Henne h die Erziehung geteilt; Mutter führt die Kinder über den schirmenden Schilfrand "hinaus, um sie Kuchen zu lehren, und Vater durchspaht wahrend- Mfen das Rohr nach Feinden; kein anderer Vogel darf in der Nähe sein, er beißt und treibt alles aus. Nun ja, ich will eure Gesellschaft auch gar ■mdjt! Aber ich bin dennoch froh, als ich bald danach sehe, mit welcher Freundlichkeit, unter sorgendleisem Ziepen, die kleinen Küchlein aus dem Rohr heraus fcren Abendausgang tun. Ach, alle 2RrUterIuf>Feit beglückt; immer denkt ^man sE an die Süße des öchutzqefühls, das man als Kind bei den Eltern ei^fand^Mitunter, wenn man sich, im Traum in lot befindet, kommt ein helfender Ri^/' ^Vaters Jüae trägt. Oder wenn man tm Schlaf einsam eine Seite, dunkelnde Ebene durchwandert, sticht wissend moher noch wohin man eilt, leuchtet wie em Heller Lchein das Lächeln der Mutter, das irgendwo zu tröstender Wirklichkeit wird. Noch einmal, bei der ersten Kate am Weg^ver- i halt mein Schritt, das Auge folgt der flüggen Schar, der Schrei des Blesthuhns fitngt zart und weich, , nährend es gluckt und lockt und die Kuwer kleine i stufe von Freund und Feind, Laute der Freude Md des Warnens lehrt. Kaum kommt man weiter. Denn auch das Abend ; kiewölk, das in unruhig dunklen Wogen von West überm See aufschlägt, ist schon, und der Duft am : Weg hält gefangen. Alle Kütner des. Dolfs haben ihren Blumengarten, der mit Löwenmaul und Goldlack und schon verblühten Tulpen gefüllt ist. Der Hauslauch oben im Strohdach ist ebenso nötig wie die „Brennende Liebe" vorm Fenster. Wir tragen ja mit den Namen der Blumen immer zugleich das Gleichnis und die Sehnsucht nach frohem Geschick und Schelmerei in unseren Garten. So rot und farbenwild die Blüten sind, ohne ihren Namen wäre die „Brennende Liebe" doch nur halb so schön. Wie haben wir als Kinder gelauscht, wenn Mutter vom Rittersporn pflückte und dazu flink eine Geschichte erzählte, die sie eben erst erdacht hatte. Oder wenn sie „Pferdchen und Wagen" oder „Eisen- Hut" zeigte — ich sehe sie alle wieder in dem duftenden Gärtlein, das mich noch bleiben heißt. Schade, daß die Märchennamen der Blumen noch nicht gesammelt sind, und daß die Kinder heute langweilige Ausdrücke der Wissenschaft und der lateinischen Gärtner lernen, die ihnen nichts sagen. Haben wir Menschen, die wir so viel erfinden und bauen, nicht mehr die Kraft, die neuen Blumen, die zu uns kommen, mit kleinen Wundernamen zu benennen und zu umdichten? Ach, was nützen die größten Maschinen, wenn wir kein rechtes Gleichnis für neue Farben und Stauden finden, die in unfern Gärten aufspringen. Auch die „Jungfrau im Grünen sehe ich letzt, ihre blauen Augen leuchten so schelmisch, als wartete sie heimlich auf einen Bursch zum Stelldichein; halb verborgen hat sie sich, damit nur einer, der sie sucht, und nicht jeder am Weg ihrer gewahr wird, und steht gerade hinter der „Amerikanerin", das ist die üppige fremde Blume, die unsere Kätner, so sagen sie mir, aus dem Samen zogen, den Ausgewanderte ihrer Sippe heimgebracht hätten. Der Name ist gut und wirkt doch ein wenig langweilig. Auch ist mir, als hätte ich diese Blume längst gekannt und verloren, ehe ich sie hier im Garten des Holzschuhmachers wiederfand. Die mattroten, allzu offnen Blüten, die dünnen grünen Blatter, die eigentlich nur ein Gewirr von Haaren scheinen, sind mir schon früher begegnet. Da plötzlich, während ich zurückzudenken suche, fällt mir em lehrendes Lächeln meiner Mutter ein, ein wenig wehrend, weil ich weiter fragen könnte. Das ist nicht die „Amerikanerin", das ist doch die „Braut in Haaren", kommt es mir in den Sinn — ober irre ich mich? Aber jetzt glaube ich mich wirklich zu erinnern und begreife heute, nach langer, langer Zeit, auf einmal auch den doppelten Sinn des Blumennamens und das befangene Spiel in den Augen der Mutter ‘ ~ „Braut in Haaren", ach, das ist die Braut, die ohne Kranz getraut wird; es ist das üppige, das feiner Liebe allzu offne Jüngferlein. Wirklich, sieht die Blume in ihrem wilden Haar schmuck nicht danach aus? Jetzt muß ich lächeln; ein rechter Name ist's, ein guter Neckname. Nach dreißig ober vierzig Jahren — heute verstehe ich auf einmal feine Bedeutung und verstehe spät, sehr spät, das ängstlich schalkhafte Lachen, mit dem die Mutter einstmals meine Frage einhielt. Ach, daß ihr eigner Junge doch eine andere fände, ach, daß sie's ihm nie zu erklären brauchte, was die Jungfer ohne Kranz, die „Braut in Haaren" war! Ich weiß nicht mehr, wie lang ich über den Namen sinnen mußte; ich weiß nur, daß ich heute, vor des Holzschuhmachers Garten, die Antwort auf eine vergessene Frage meiner Jugend fand. Und ich nicke einem Schatten zu, ich freue mich an der überreich blühenden „Braut in Haaren", ich freue mich der feinen Schelmerei im Bild des Namens und lächle erstaunt über mein spätes Verstehen, lächle, daß ich in einer verlorenen und wiedergewonnenen Blume meiner Mutter Sorge nach vierzig Jahren verstand. Büchertisch. — Professor Dr. Friedrich Grimm: Dom Sinn dieses Krieges. Preis 80 Rpf. Verlag Hermann Hillger KG., Berlin-Grunewald. Ideen sind es, die das Schicksal der Völker bestimmen. Sie allein zeigen den Gang der Geschichte von höherer Warte aus und bringen Klarheit in die Fülle der sich überstürzenden Ereignisse. Zeitgeschichtlich weist der bekannte Staatsrechtler die tieferen Ursachen des gewaltigen Ringens unserer Tage nach mit weitgehenden Rückblicken in die europäische Geschichte. — Paul Scheffer, Max Clauß, Julius Krauß: „USA. 1 9 4 0", Roosev e lt- Amerika im Entscheidungsjahr. Kartoniert 2,80 RM. Deutscher Verlag, Berlin. — Die Frage, wie sich die USA. im gegenwärtigen Kriege auf die Dauer verhalten werden, gehört zu den wichtigsten. Es ist vor allem ein Mann, von dem das weitere politische Verhalten der Vereinigten Staaten ab-, hängen wird: ihr Präsident Franklin D. Roosevelt. Wenn auch die (Stimmung des amerikanischen Volkes in seiner großen Mehrheit jede kriegerische Verwicklung in den europäischen Konflikt vermieden sehen öiH, jo liegen doch btf Wahren Absichten des Präsidenten selbst und seiner einflußreichen Umgebung noch im Schoße der Zukunft verborgen. Jede Schilderung des heutigen Amerika muß also notwendigerweise die Person Roosevelt, seine Pläne und Leistungen in den Mittelpunkt stellen, um von dieser erstaunlichen, wenn auch nicht leicht auf eine Formel zu bringenden Erscheinung her die innere und äußere Situation der USA. verständlich zu machen. Drei Autoren äußern sich in diesem Buch über Roosevelt-Amerika, indem sie ihm aus sehr verschiedenen Gesichtswinkeln höchst bemerkenswerte Erkenntnisse abgewinnen: zwei bekannte Journalisten, Paul Scheffer und Max Clauß, und ein Mann der Wirtschaft, Julius Krauß, der jahrzehntelang im amerikanischen Bankgewerbe an wichtiger Stelle tätig gewesen ist. — Adalbert von Soerne: Englands Flotte mit einer Karte von 16 Bildern, 12 Zeichnungen und zahlreichen Tabellen. Verlag Gerhard Stalling in Oldenburg. Preis 1,80 RM. — Auf die Frage, welche Waffen England in diesem Kriege einzusetzen hat, gibt hier der Presseleiter des Reichsbundes Deutscher Seegeltung knapp aber übersichtlich und erschöpfend Auskunft, lieber die englischen Werften und Flottenstützpunkte unterrichtet die Broschüre ebenso wie über sämtliche Kriegsschiffe mit Einzelangaben nautischer und artilleristischer Art. Das Büchlein wird als Ergänzung der Zeitungslektüre sehr erwünscht sein. L. — Kapitän zur See Reichard t: Denn mir fahren gegen Engeland. Bilder vom Einsatz der deutschen Kriegsmarine im großdeutschen Freiheitskampf. Verlag Schweiger & Pick in Celle. Preis 0,50 RM. — Welch hohe Bedeutung der Kriegsmarine in diesem Kampf zukommt, haben wir eben erst bei der deutschen Aktion in Norwegen mit Bewunderung gesehen. Es ist daher besonders zu begrüßen, daß hier ein Fachmann, an- knüpsend an Seekriegsereignisse der letzten Zeit, über die Waffen des Seekrieges und die Art ihres Einsatzes ungemein klar und doch höchst feffelnd spricht. Viele marinetechnische Begriffe, die charakteristischen Eigenschaften der einzelnen Schiftsgattun- gen und ihre Verwendung wie auch die Waffen des Seekrieges: Mine, Torpedo, Wasserbombe u. a. werden auch für den Laien durchaus verständlich erläutert und in einer Reihe von Bildern und Zeichnungen dargestellt. So ist ein Büchlein entstanden, das heute jedermann, besonders auch unserer Äugend^ hochwillkommen sein Wird. k SJ.-jpor< tungen und die ftohen Stunden herzlich. die Kriegsmeister 1939/40 VfB -Ir. verliert mH 4:1. Stein- ab. Bezirksschieds- Dies war der Auftakt für die Gäste, noch energischer zum Angriff vorzugehen. Die Platzherren beschränkten sich nur auf gelegentliche Durchbrüche. Nach der (Nachdruck verboten!) 24. Fortsetzung. sprang aus dem Bett damit er, Joachim ft eit, in erien keine Dumm» „Jawohl, die Bestätigung über den Unfall des Kunstmalers Hauck." werden am Telephon Hamburg. Voranmel- Wehrmannschastsarbeit bei der SA.-Gtandarte 116. die zu richterobmann Z i tz e r gratulierten den tapferen „Teutonen" zur errungenen ftriegsmeisterschast. . Suchen Sie mich?" „Jawohl, Herr fteit. Sie verlangt. Ferngespräch aus düng." „Ich komme." W „Lmloma" zum Besten bestellt, und die Wormser konnten einen 4:0-Sieg sichern. Vereinsführertagung des Kreises Gießen im NGNL. Bezirksführer Stein hatte für Samstag Vereinsführer der Turn- und Sportvereine „ einer Arbeitstagung in Gießen einberufen, die gut Den Teutonen ist der große Wurf gelungen. Ueberzeugend schlugen sie die Grün-Weißen. Neidlos müssen wir es den Teutonen zugestehen, sie haben verdient gewonnen, allerdings waren die Grün-Weißen durch das Fehlen von Funk, Ehmann, Benner und Hofmann stark benachteiligt. Bei der Kritik der Mannschaften schneiden die Teutonen besser ab wie der Gegner. Gleich zu Beginn des Spieles sah man Steinberg im Vorteil. Den Platzherren wollte, dagegen nichts gelingen. Die Aktionen waren zu durchsichtig. Stein- oerg dirigierte das Spielgeschehen. Zwei Ecken wurden verschossen, dann setzte Harnisch einen Bombenschuß aufs Tor, den aber Schlitz mit dem Kopfe abwehrte. Dann wurde das Spiel offener. Die Platzherren griffen zwar an, jedoch fehlte der Kontakt Keine SM von Hauck Boman von Charlotte Kaufmann. kam herein, ließ die Taschenlampe aufblitzen und suchte zwischen den Betten. „5)err Keit?" fragte er. Joachim öffnete die Augen. „Was gtbfs denn? fchen oder was sonst? Bei mir ist es jetzt zwölf Uhr. Mitternacht." „Bei mir auch", erwiderte Mjölln. Seine Sttmme klang hoch wie die eines Mädchens. Im Draht knackte es wieder. „5)ören Sie, Doktor, Sie sind nicht recht bei Trost. Das Gespräch kostet einen Haufen Geld, wenn Sie nicht bald sagen, was los ist. Wenn Sie mir das auf die Rechnung schreiben, mache ich Abzüge." Er hörte jemand lachen, als stünde ein Fremder neben Mjölln. ,^Jch merke schon, Sie halten mich für betrunken", rief Mjölln hoch oben im Norden. „Aber das stimmt nicht. Ich sitze vielmehr den ganzen Tag und denke an Sie. Wollte Ihnen schreiben. Telegraphieren. Dann dachte ich wieder, es wäre besser, zu warten, bis Sie zurück sind. In die Ferien soll man keine schlechten Nachrichten schicken." „Schlechte Nachrichten, was soll das! Kommen Sie zum Ziel." Mjölln ließ sich nicht beirren. Seine feine Sttmme plauderte weiter. Und jetzt mitten in der Nacht hat es mich weiter aus dem Bett getrieben. Ich muß es Ihnen doch sagen. Wer weiß, wie das Wetter dort ist. Die Jugend ist immer so stürmisch. Nicht, daß Sie Dummheiten machen, mein lieber fteit." „Dummheiten! Don nichts bin ich weiter entfernt als von Dummheiten", brummte fteit. „Aber neugierig bin ich jetzt, was los ist." „Die Bescheinigung aus Rapoll ist gefälscht", rief Mjölln hoch und heiser. , „Rapoll?" Für den vergangenen Samstagabend hatten Stürme 42/116 (Gießen und Heuchelheim) und 4/116 (Lang-Göns und Holzheim) einen Uebungsmarsch angesetzt, bei dem einige Aufgaben geländesportlicher Art zu lösen waren. Die Standarte konnte sich davon überzeugen, daß in diesen Stürmen die Ausbildung der Wehrmannschaften ein gutes Fortschreiten zeigt. Am gestrigen Sonntag unternahm der Führer der SA.-Standarte 116 eine Fahrt zur Besichtigung der Stürme 4/116 (Reiskirchen), 41/116 (Gießen) und 15/116 (Großen-Buseck). Auch hier konnte festgestellt werden, daß gute Arbeit in der Ausbildung der Wehrmannschaften geleistet wird. Wenn man bedenkt, daß zur Zeit die Heuernte in vollem Gange ist und die Stürme auf dem Lande trotzdem mit weit über 50 v. H. zum freiwilligen Wehrmann- schaftsdienst antreten, dann zeugt dies von einem guten Geist in den Stürmen. Die Arbeit, welche die SA.-Sttirme all die Jahre hindurch leisteten, ist nicht umsonst gewesen. Sie hat den Geist der SA., den alten Frontgeist, den Kampfeswillen und die Wehrhafterhaltung des deutschen Mannes hineingettagen in die breite Masse. Regelverstoß, aber der Elfmeterball wurde auf den Mann geschossen. Harnisch nahm den Ball geschickt auf, ging alleine durch und schon hieß es 4:1. Damit war der Sieg der Teutonen sichergestellt. Das Spiel flaute nun merklich ab. Kurz darauf pfiff Schieds- freuten dann noch öfters mit ihren beifällig aufgenommenen Musikvorträgen, wie auch die Singschar unter Leitung von Trude Stieda noch mehrmals mit Liedern, einige auch in Kanonform, aufwartete, die ebenfalls stärksten Beifall fanden. Die Darbietungen der Sportgruppen gefielen ebenfalls allgemein. Die Gruppe und ihre Leiterin Lisel F u r y ernteten mit Recht starken Beifall der dankbaren Zuschauer. Die volkstümlichen Tanzreigen der Mädels, geleitet und auf dem Instrument von Frl. Hübner begleitet, wurden vortrefflich dargeboten. Daß auch der Humor zu seinem Recht kam, bewiesen heitere Zwischensprüche, gemeinsam gesungene Scherzlieder, die „Dunklen Possen vom hellen Kaspar", und eine politische Satire" „Die Morität vom Nietenparlament". Mit dem Lied der Singschar „Es geht eine helle Flöte ..." und mit dem gemeinsam gesprochenen Wunsch auf baldige Heilung aller Verwundeten fand die Veranstaltung, die zugleich einen Einblick in die umfassende Arbeit unserer Hitler-Jugend gewährte, fünften Ecke bekam Buß wieder den Ball. Den langen Schuß ließ Wiegel passieren. Nach dem Wechsel hatten<»die Platzherren um* gestellt, aber der Sturm konnte sich nicht durchsetzen. Harnisch hatte es in der Hand, nochmals zu erhöhen, aber dessen Schuß ging aus kurzer Entfernung am leeren Tor vorbei. Bei einem Vorstoß der Platzherren legte Kraft schön vor das Tor. Nachdem aber Nikolai den Ball verpaßt hatte, lenkte Schweitzer entschlossen zum Tor ein. Zwei Minuten später nahm Buß einen Ball in klarer Abseitsstellung auf und schoß das dritte Tor. In der Aufregung des jetzt härter werdenden Kampfes beging Burger einen In dieser Nacht konnte Joachim nicht schlafen, trotz der langen Tour. Immer wieder hörte er ihr Ja, das er auch jetzt noch nicht zu deuten verstand. War es gleichgültig gewesen oder nicht? Was dachte sie? Ungeduldig warf er sich auf seinem Liegestuhlbett herum. Ich will schlafen, kommandierte er sich und drehte sich wieder auf die andere Seite. Sein Nachbar stöhnte. Die Fenster waren weit geöffnet. Der Schnee auf dem Fenstersims zerschmolz in der Wärme der Dampfheizung. Man konnte das Tropfen auf dem Fußboden deutlich hören. Ein Hoteldiener mit Mütze und grüner Schürze besucht war. Sportkreisführer Sauer gab als Versammlungsleiter einen Ueberblick über die zur Verhandlung stehenden Fragen: Frauen- und ftinberfcurnen, Sportpresse, ftriegshilfslotterie, Sportabzeichenprüfer. Sportbezirksführer Stein tft zufrieden mit der Weiterführung der Arbeit in vielen Vereinen und stellt fest, daß die Schwierigkeiten da überwunden werden, wo der Wille dazu vorhanden ift Die Gebiete, die wir ohne Einschränkung weiterführen können, sind Kinder- und Frauenturnen. Gerade im ftinberturnen wird wertvollste Arbeit geleistet. Der Turnverein 1846 Gießen ist darin vorbildlich. Im Frauenturnen haben die Frauen die Arbeit selber übernommen, Bezirkssrauenturnwarttn . ist Jdel Hauck (Gießen). Der leichte Rückgang im Uebungs- betrieb der Turnerinnen ist schon zum «roßen Teil überwunden. Längere Ausführungen machte der Bezirksführer üb er di e Ortssport gemeinfchaf- heiten mache. Oh, vielleicht hatte dieser Mjölln gar nicht so unrecht. Vielleicht hätte er beinahe etwas getan, was er nun bei dieser neuen Sachlage ja wirklich nicht tun durfte. Nur ein bißchen anders, wenn ihr Ja geklungen hätte, ein bißchen weniger still und feststellend ... er hätte sie zu sich genont* men in seine Arme. Der Kunstmaler Hauck war also nicht tot. Er lebst noch. Irgendwann konnte er wiederkommen un) sein Recht auf seine Frau gellend machen, die er verlassen hatte. Nein, er besaß kein Recht mehr auf sie. Un) Joachim ballte die Hände in den Taschen, während er in den Speise saal schlenderte und einen Cocktail bestellte. ♦ Zur selben Zeit, als Sibylle mit Joachim in Angesicht einer grauen Bergwand inmitten weiter Schneefelder stand, saß Karsten Huith auf einen mit Rips bezogenen Stuhl in einem Tanzlokal der kleinen Küstenstadt. Es war eine für Huith ziemlich ungewohnte (Situation. Das merkwürdigste an der ganzen Sache war aber, daß er nicht allein hier saß, fonbetn daß er in Begleitung war, in Begleitung eine» Mädchens. Er saß da ein wenig störrisch und unbehaglich während Gesine Wing ihre Hände auf zwei dunkel' braun gedrechselte Armlehnen stützte. (Fortsetzung folgt) Voranmeldung! Haha. Er und zog sich wieder an. Es eilte ihm gar nicht. Wer konnte das schon sein, der mitten in Oer Nacht auf „Weil ich dich sehr gern habe", wiederholte Joachim und say in ihre Augen, deren Bernsteinfarbe erloschen war zu einem dunkelbraunen Schatten. „Ja", erwiderte sie nach einer Weile. Still und selbstverständlich, als wüßte sie es längst, als wäre das, was er ihr sagte, nichts Neues für sie. „Dein Mann lebt nicht mehr. Ich glaube nicht, daß er noch lebt. Sibylle ... wir werden beieinander bleiben. Wir werden ein Leben lang ..." Er schwieg, denn sie gab ihm keine Antwort. Sie starrte auf die Wand, die vor dem Blaugrün des Himmels stand und zu wachsen schien, größer und höher, mächtiger und tiefer, als wollte sie sich auf die schneeverwehten Tannen, die verwischten Menschenspuren, die Lichter des Tales stürzen. „Wir hätten doch mit der Bahn fahren sollen", sagte Joachim nach Minuten. „Der Weg ist zu weit für dich. Du bist ganz blaß." „Das ist nur das Licht der Sterne. Das täuscht. Wie weit ist es noch?" „Eine Stunde." „Nun, das werden wir noch schaffen." Sie gingen wieder weiter durch die glitzernde Winterpracht. Eine endlose Stunde lang, ohne ein Wort zu sprechen. Jeder mit seinen Gedanken allein. den Berg heraustelephonierte? Aus Hamburg. Seine Eltern? Unmöglich. Als er durch den langen Gang ging, war er überzeugt davon, daß ein Irrtum vorliegen mußte. Im Hotelbüro wartete der Nachtportier bereits auf ihn. „Ach, Herr fteit. Sie haben sicher schon geschlafen." Er reichte ihm den Hörer. „Es ist sehr dringend." Joachim legte die Muschel ans Ohr. „Hallo , rief er ärgerlich. „Wer ist dort?" Hier ist fteit." Ein Summen und Knacken war in der Leitung, es ärgerte ihn. „Hallo" wiederholte er (aut. „Wer ist denn dort?" Jetzt antwortete jemand. Weit weg. „Wer ist am Apparat?" schrie Joachim. „Zum Teufel, nun sagen Sie schon, wer Sie sind." „Ich bin’s, verstand er nun deutlich. „Ich ... Mjölln. Doktor Thomas Mjölln, Rechtsanwalt." „Sie sind verrückt, Doktor, mich mitten in der Nacht aus dem Bett zu rufen? Was tun Sie in Hamburg? An einem gesegneten Weihnachtsfeiertag?" „Ich arbeite", hörte er, „ich arbeite, mein lieber fteit." „Sieht ganz so aus", meinte fteit. Sein Aerger war jetzt verflogen. Er mußte lachen. „Sie haben wohl eine Vergnügungsreise gemacht? Eine Weinreise, wie mir scheint. Wo stecken Sie denn?" „In Hamburg, mitten drin in Hamburg." „Auf der Reeperbahn vermutlich." Mjölln lachte in der Ferne. „Aus dem Telegraphenamt bin ich. Ganz trocken und nüchtern. Sie pflegen mich zu verkennen." „5a, aber um Gottes willen, was wollen Sie denn? Wollen Sie mir frohe Weihnachten wün- „Jch verstehe nicht. Wer sagt denn das?" „Ich sage es. ,Hch, Doktor Thomas Mjölln?" „Haben Sie Nachricht aus Flensburg?" „Nein, aber aus Berlin. Den Kunstmaler Stefan Gode gibt es gar nicht mehr. Der ist gestorben. Dor vier Jahren schon. Abgestürtt in den Bergen. „Und die Bescheinigung?^ „Gott, verstehen Sie denn nicht? Wenn der Maler Stefan Gode feit vier Jahren tot ist, dann kann er doch nicht vor zwei Jahren eine Bescheinigung aus Rapoll abgeschickt haben ... hören Sie noch?" „Ja, ja, ich habe gehört. Ist das alles?" „Für den Augenblick ja. Genügt es nicht?" „Doch, doch. Machen Sie Schluß, Doktor." fen um die Gebietsmeisterschaft. Nach dem Kampf am Samstag fuhr die Mannschaft am gestrigen Sonntag noch Frankfurt, um dort gegen den Meister des Bannes 118, gegen die Jungen von Worms, anzutreten. Nach dem schweren Spiel am Samstag zeigten sich die 116er nicht mehr in der besten Form. 'In der ersten Halbzeit vermochten sie zwar noch energischen Widerstand zu leisten und ein 0:0 zu halten, nach dem Wechsel war es aber mit der Widerstandskraft nicht mehr 'sich te n. Sie sind nicht nur eine Zusammenfassung bei sporttreibenden Vereine am Ort zu gemeinsamer Arbeit am gemeinsamen Ziel, sondern sie stellen auch in dem Sportgemeinschaftsführer den Beauftragten und Derbindunasmann zur Partei, die die Bestrebungen des NSRL. weitgehend unterstützt. Die Orts turn- und Sporttage mü fen da, wo die Verhältnisse es einigermaßen gestatten, durchgeführt werden. An Stelle des Bundesfestes und der Bergfeste treten der Kreis- und der Bezirks- fporttag. Die Hebungen für diese Veranstaltungen sind gegeben, das Material stellt das Bereichsamt in Kassel zur Verfügung, eine Sonderschrift gibt genauen Aufschluß über die Durchführung, und Kreis- und Bezirksführung unterstützen die Vereine bei der Vorbereitung. Die Zusammenarbeit zwischen NSRL und HI. regeln ausführliche Richtlinien, die für die Dauer des Krieges gelten. Die freiwilligen Sportdienstgruppen des JV. und der Jungmädel werden von den Vereinen betreut. Der freiwillige Sport- dienst gilt als HJ.-Dienst. Der Leistungssport der HI. und des BDM. in den Jugendgruppen der Vereine ist wichtiger zusätzlicher HJ.-Dienst. Außerdem ist noch die Uebernahme Jugendlicher in Erwachsenenmannschaften geregelt. Anschließend sprach Sportkreisführer Sauer noch über Verbrauchsregelung für Sportartikel und die Giederung in Bereich, Bezirk, Kreis, Ring und Verein. Der Bezirksobmann für ftinbertumen erinnerte an den Reich sw erb etag für Kinderturnen, befür* wartete die Aufstellung von ftinberabteilungen und freiwilligen Sportdienstgruppen in den Vereinen und will, da der letzte Lehrgang im Kinderturnen nicht gut besucht war, bald einen weiteren durchführen. Im August sind die Bereichsmeisterschaf. t en im Geräteturnen; sie werden mit dem Alterstreffen verbunden. Der Ort liegt noch nicht fest. Bis dahin müssen die Vereine auch die Vereinsmeisterschaften, für die sie Ort und Zeit selber bestimmen können, erledigt haben. ©r. Luh erreicht 15 41 Meter. Nachdem bei den leichtathletischen Wettkämpfen am 12. Juni Dr. Luh im Kugelstoßen das hervor- ragende Ergebnis von 15,37 Meter erzielte, gelang ihm bei den gemeinschaftlichen Abendwettkämpfen am 19. Juni eine weitere Verbesserung dieser Leistung auf 15,41 Meter. Mit dieser Leistung, die seither von Luh noch nicht erreicht wurde, steht er an der Spitze der Bestenliste. Wenn zu Beginn der Gemeinschaftsarbeit der Leichtachleten das gesteckte Ziel in der Förderung der Breitenarbeit und in der Steigerung der Spitzenleistung festgelegt wurde, so kann nunmehr nach sechsmaliger Widerhalls festgestellt werden, daß die Leichtathletikarbeitsge' meinschaft erfolgreich tätig ist. Die Beteiligung der Hitler-Jugend wird immer stärker, und ebenso lassen es sich die noch nicht zum Wehrdienst eitrbe» rufenen Äichtathleten nicht nehmen, regelmäßig an den Uebungs ab enden teilzunehmen. Schöne Spende für das Note Kreuz. Die Gefolgschaftsmitglieder der Zentrale der Firma Rinn & Cloos AG., Heuchelheim, haben beschlossen, die von der Bettiebssührung anläßlich der Feier des 1. Mai in den Jahren 1939 und 1940 zur Ausgestaltung von Kameradschaftsabenden gestifteten Be- träge mit 1500 RM. restlos dem Roten Kreuz zu überweisen. Ein schöner Beweis für die Verbundenheit zwischen den werktätigen Arbeitskameraden und den tapferen Kameraden der Front. Sommerferien möglichst ohne Bahnfahrten. Zulassungskarten bei Aerienbeglnn. Wegen der starken Belastung durch Kriegsaufgaben und lebenswichtige Gütertransporte muß es die Reichsbahn sich in diesem Jahre versagen, den Wunsch weiter Kreise des Volkes, die Sommerferien in entfernt vom Wohnort liegenden Erholungsgebieten zu verleben, durch Bereitstellung ausreichender Beförderungsgelegenheiten zu erfüllen. Da Lokomotiven und Personal für Heer und Kriegswirtschaft arbeiten, können besondere Feri e nzü g e nicht gefahren werden. Der gesteigerte Reiseverkehr muß mit den vorhandenen, regelmäßig fahrenden Zügen bewältigt werden. Daraus ergeben sich Unbequemlichkeiten für die, die zur Erreichung ihres Ferienzieles die Eisenbahn benutzen wollen. Schon zu Beginn der Reise muß bei der im Verhältnis zum Großverkehr geringen Zahl der zur Verfügung stehenden Züge mit starkem Gedränge an den Schaltern, auf den Bahnsteigen und in den Zügen gerechnet werden. Um die Ordnung in den Zügen aufrechtzuerhalten und Zugüberfüllungen möglichst zu verhüten, werden die Reichsbahndirektionen je nach Bedürfnis einige Tage vor Schulschluß auf begrenzte Zeit Zulafsungs- karten für Fernzüge an den Fahrkartenschaltern und in einzelnen Reisebüros ausgeben lassen und Näheres hierüber später noch bekanntgeben. Die Zahl der Zulassungskarten wird be- chrcinkt sein. Die Zulassungskarte muß der Reisende >ei der Fahrkartenkontrolle an der Sperre und im Zuge mit vorzeigen. Dabei wird aber hervorgehoben, daß diese Zulassungskarte keine Platzkarte ist und dem Inhaber keinen Anspruch auf Beförderung bietet. Am besten wird der wählen, der feinen Ferienaufenthalt in der Nähe des Wohnortes nimmt Mißbrauch von Kraftfahrzeugen wird unnachsichtlich streng geahndet! Der Reichsverkehrsminister warnt erneut dringend vor unbefugter Benutzung von Kraftfahrzeugen. Kraftfahrzeuge dürfen nur benutzt werden, wenn ie behördlich rotbewinkelt sind. Rotbewinkelte Fahrzeuge dürfen wiederum nur gebraucht werden, wenn die Fahrt im dringenden öffentlichen Interesse liegt. Es lasse sich daher niemand verleiten, sein Kraft- ahrzeug zu unberechtigten Fahrten zu verwenden. Der Krastfahrzeugverkehr wird scharf überwacht und jeder Mißbrauch unnachffichtlich streng geahndet. ** Mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Oberleutnant Karl B e ck e r aus Gießen, Schlachthofstraße 2, der sich bei den Kämpfen im Westen auszeichnete, wurde für feine Tapferkeit vor dem Feinde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse aus» „Uebermorgen fahren Sie zurück, nicht wahr?" ,Za. „Sann kommen Sie gleich au mir." „Mal sehen. Wenn ich Zeit habe. Vermutlich werden Sie dann auch nicht mehr wissen." „Das ist noch nicht sicher. Die Sache interessiert mich jetzt." „Nun, dann wird es ja noch werden." Joachim lachte auf. Es klang höhnisch, ohne daß er es wollte. „Gut Nacht, Doktor, und viel Der« gnügen weiter in Hamburg." ,Zch arbeite doch ... ich ..." Joachim hängte ein. Er wollte nicht weiter hören, Dieser verrückte kleine Rechtsanwmr. Dieser komk' sche Kauz. Vermutlich war er doch betrunken. Ries ihn da nachts an über das ganze Reich hinweg... Oie Ergebnisse der Endrundenspiele um die Deutsche Fußball-Meisterschast. GruppelinWien: Rapid Wien gegen Union Oberfchöneweide 3:2 (1:2). Gruppe 2 i n Hamburg: Tvd. Eimsbüttel gegen Dresdner SC. 0:3 (0:0). Gruppe 4 in Nürnberg: 1. FC. Nürnberg gegen Kickers Offenbach 8:0 (3:0). Das Spiel Schalke 04 gegen Fortuna Düsseldorf wurde in letzter Minute abgesetzt. Fußball der HZ. um die Gebietsmeisterschast. Die Fußballmannschaft des Bannes 116 hatte am vergangenen Samstag in WetzMr gegen die Mannschaft des Bannes 88 (Löhnberg) anzutreten. Das Spiel wurde mit starkem Einsatz geführt und brachte einen knappen Sieg der Mannschaft des Bannes 116. Aber erst nach Verlängerung fiel die Entscheidung für die Gießener Elf mit 1:2 Toren. Der Sieg in Wetzlar bedeutete nun für die Gießener Elf des Bannes 116 die weitere Teilnahme an den Kämp- gezeichnet. ♦* Leichenländung aus der Lahn. Am , Samstag gegen Abend wurde aus der Lahn unterhalb des Elektrizitätswerks die Leiche eines Man- ; nes, der sich zuletzt in Gießen aufhielt, gelänget. Der Mann hatte sich die Halsschlagader durchschnitten und war dann in die Lahn gesprungen, wo er den Tod fand. Die Gutenberg-Festwoche in Mainz eröffnet. NSG. Im Beisein von Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger wurde am gestrigen Sonntagvormit- tag die Gutenbergfestwoche im Stadttheater in Mainz eröffnet. Nach einer Ansprache des stellver- tretenden Oberbürgermeisters der Stadt Mainz, Provinzialdirektor Dr. Wehner,^die sich mit dem besonderen Sinn der Veranstaltung befaßte, gab der Dichter Dr. Wilhelm Schäfer in einem Festvortrag eine tiefgründige Deutung der revolutionären Erfindung Gutenbergs. Anschließend wurde der Kulturpreis der Stadt Mainz verliehen. Mt ihm wurde in diesem Jahre der bekannte Typograph Professor Kleukens geehrt. Neuer Krankentransportwagen in Lich * Lich, 24.Juni. Die Rettungsstelle Lich der DR K. - Bereitschaft (m) Gießen 3 mit dem Standort in Lich hat am gestrigen Sonntag einen neuen, mit den modernsten Einrichtungen ausgestatteten DR ft. -Einheits-Krankentrans- portkraftwagen erhalten. Es handelt sich um denselben neuzeitlichen Wagentyp, mit dem vor einigen Tagen auch die Bereitschaft Gießen des Deutschen Roten Kreuzes versehen wurde. Zu den Kosten des Wagens steuerten die Stadt Lich und der Landkreis Gießen je 2000 RM. bei, von hiesigen Betrieben stifteten die Firmen Jhring 700 RM., Schiefer- ftein 500 RM., Dietz 100 RM. Die restlichen Beträge des rund 10 000 RM. kostenden Wagens bringen in anerkennenswertem und vorbildlichem Gemeinschaftssinn die Gemeinden des Landkreises Gießen gemeinsam auf. Karl Johannes Grün gestorben. LPD. Darmstadt, 23. Juni. Der Verfasser des bekannten Odenwaldliedes „Wo die alten Eichen rauschen", Karl Johannes Grün, ist in Berlin durch einen Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Der 74jährige Bensheimer, ein begeisterter Freund von Kunst und Sport, betätigte sich als Schriftsteller; aus feiner Feder stammt das unlängst heraus gekommene Buch „10 Jahre unbekannter SA.-Mann". 20000 Mark Geldstrafe wegen Lohnüberschreitungen. LPD. F r a n k f u r t a. M., 22. Juni. Der Reichstreuhänder der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Hessen hat eine Baufirma mit 20 000 RM. und deren Bauführer mit 500 RM. bestraft, weil sie entgegen der bestehenden Lohnstop Verordnung die Löhne ■ ihrer Bauarbeiter ohne Genehmigung erhöht haben - und eine Akkordregelung vereinbarten, die Stan- : denverdienste von teilweise über 2,— RM. ernrög« i lichten. ihr Ende. Die Leitung des Lazaretts und die Verwundeten dankten den Veranstaltern für ihre schonen Därbie- mit der Läuferreihe. Zwei weitere Ecken für berg konnten abgewehrt werden. Dann legte Har- flaute nun merklich ab. Kurz darauf pf nisch an Buß vor, der zum Führungstor einscboß. richter Müller (Frohnhausen) das Spiel Dies war der Auftakt für die Gäste, noch energischer Der Kreissportführer Sauer und Be