Montag, 23. September 1940 Giehener Anzeiger (90. Jahrgang Nr. 225 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer biSBVtUbr desVormittags Aiuergen-Preiser Nnzetgemeil 7 Rvf. te mm bei 22 mm Zeilenbreite, TeNteil 50 Rvf. te mm bei 70 mm Zeilenbreite Nack läffe: Wtederh olung Malstaffel I Abschlüsse Mengenttaffelv Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25"/° mehr Vrühlsche Univrrsttatrdnulerei R. Lange General-Anzeiger für Oberhessen S4|ti^ie6en.9Sd)ilftra6e7-9 Erscheint täglich, auffer Sonntags und feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat tmRild-DieScholle Monats-Bezugsvreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte • 1.80 Zustellgebühr... „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsvreckanschluff 2251 Drahtanschrift: „Anzeiger" PoftscheckllOssFrankf^M. 3n zwei Ta gen 176000BAT versenkt. Eine Höchstleistung der deutschen Unterseeboote. London wieder Hauptangriffsziel der Vergeltungsangriffe. Berlin, 22. Sept (DBB.) Das OKW. gibt bekannt: Ein Unterseeboot unter Führung von Kapitänleutnant Schepke hat acht feindliche Handelsschiffe mit zusammen 61 300 BRD. versenkt. Gleichzeitig melden andere Unterseeboote die Versenkung von weiteren acht feindlichen Handelsschiffen mit zusammen 35 700 BRI. Einschließlich der gestern gemeldeten versenkten feindlichen Handelsschiffe wurden damit in zwei Tagen 176000 BR T. feindlichen Handelsschiffsraums durch Unterseeboote versenkt, eine Höchstleistung, die zum ersten Riale in diesem Kriege erreicht wurde, noch Mtu in Gebieten, in denen der Gegner über reichhaltige Mittel zur Unterseebootsbekämpfung verfugt. Die Vergeltungsangriffe a u f England nahmen auch gestern ihren Fortgang. London war wieder haupkangrlffsziel. Bei Tag und Rächt wurde im Zentrum und längs der Themse zahlreiche militärische und kriegswichtige Ziele erfolgreich mit Bomben belegt. In der Röhe des Royat-Albert- und des West - 3 ndia - Docks entstanden neue schwere Brände. 3m großen Themsebogen konnte festgestellt werden, daß noch zahlreiche alte Brände wüten. Weitere Angriffe richteten sich gegen verschiedene Flugplätze und Truppenlager, sowie gegen einige hafenplähe an der Süd- und Ostküsle Englands. Auf einem be- ders stark belegten Flugplatz in der Rähe Londons wurden Treffer in hallen und Unterkünften erzielt. Erneute Versuche feindlicher Luftstreilkräfte, in das Reichsgebiet einzudringen, scheiterten bis auf einige Einflüge an der französisch-belgischen Küste. Die hier abgeworfenen Bomben richteten keinen militärischen Schaden an. Der Feind verlor zwei Flugzeuge. Zwei deutsche Flugzeuge werden vermißt. Wieder Bomben aus Zivilbevölkerung. Berlin, 23. Sept. (DRB. Funkspruch.) Auch in der letzten Rächt unternahm die Royal Air Force wieder Bombenangriffe auf deutsches Reichsgebiet und insbesondere auf die Reichshaupt st adt mit dem Ziele, wiederum zivile Wohnviertel mit Bomben zu belegen. 3n Berlin wurde Fliegeralarm gegeben, infolge des Sperrfeuers der Flak und des Einsatzes von Rachtjägern gelang es dem Feind in Berlin nicht, größeren Schaden anzurichten. Die Zahl der Todesopfer, die das ruchlose Verbrechen der Royal Air Force in den Bodelschwingh- schen Heilanstalten in Bethel bei Bielefeld gefordert hat, hat sich auf zwölf erhöht, da mehrere Schwerverletzte ihren furchtbaren Wunden erlegen sind. Elf hilflose kranke Kinder und eine Krankenschwester, die ihr Leben der pflege dieser unglücklichen Geschöpfe gewidmet hatte, sind dem von Churchill befohlenen niederträchtigen Anschlag zum Opfer gefallen. * Das Blut dieser unschuldigen Opfer wird tausendfältig gerächt werden. Jede Sprengdon^de, die deutsches Blut und Leden zerstört, jede Brandbombe, mit der diese britischen Marodeure deutsche Heime und deutsche Kulturstätten vernichten, wird ihnen tausendfach heimgezahlt. Tag für Tag und Nacht für Nacht erlebt London schon jetzt die Vergeltung für dieses Mordbanditentum. Churchill und die britische Pluto- kratenkaste werden es noch einmal bitter bereuen, daß sie deutsche Frauen und Kinder so heimtückisch hinmorden, deutsche Kulturstätten schänden, Kranken. Häuser und Friedhöfe barbarisch zerstören ließen. Bombardement des Flughafens Micabba auf Matta. Rom, 23. Sept (DRB. Funkspruch.) 3kalienische Slurzkarnpfsliegerslaffeln belegten am Sonntag die Flughafenanlage von IHicabba auf der 3nfel Walia außerordentlich heftig mit Bomben. Die Wotoren- Reparafurroerf(tätten, unterirdische Lagerräume und eine Flugzeughalle wurden von Bomben schweren Kalibers getroffen. Es entstand eine Feuersbrunst, die noch auf 50 Kilometer Entfernung zu beobachten war. Trotz heftiger Bodenabwehr kehrten alle italienischen Flugzeuge wohlbehalten in ihre Einsahhäfen zurück. Mit dem KnegSverdienstkreuz (.Klaffe ausgezeichnet. Berlin, 22. Sept. (DRB.) Der Führer Hal dem Reichsprotektor Freiherrn v. Reurath, dem Reichsverkehrsminister Dr. Dorpmüller, dem Reichswirtschaftsminister Funk, dem Staatssekretär Körner, dem Staatssekretär K l e i n m a n n, ferner dem Reichskommisfar Reichsminister Dr. Sayß- 3 nguark, dem Reichskommissar Gauleiter Terboven und dem Oberpräsidenten Gauleiter K o ch in Anerkennung ihrer besonderen Verdienste um die Durchführung von Kriegsaufgaben das Kriegsverdienstkreuz 1. Klaffe verliehen« Ribbentrops Abschied von Rom. Rom, 22. Sept. (DRB.) Die Anwesenheit des Reichsauhenministers von Ribbentrop in der italienischen Hauptstadt brachte am Samstag keine offiziellen Besprechungen. Der Reichs- auhenminister war jedoch mit Graf Liano auf einer Fahrt in d i e Umgebung Roms zusammen, und beide Außenminister frühstückten gemeinsam in kleinstem Kreise in Tivoli. — Der Duce empfing heute vormittag im palazzo Venezia Reichsaußenminister von Ribbentrop zu einem Abschiedsbesuch. Bei der herzlichen einstündigen Unterredung, die in Gegenwart Graf Llanos stattfand, waren Botschafter vonWackensen und Botschafter A l - f i e r i anwesend. * Der diplomatische Mitarbeiter der A g e n z i a Stefani schreibt: Dem Minister des Auswärtigen des Reiches habe die Bevölkerung von Rom in diesen Tagen einen besonders herzlichen und warmen Empfang bereitet, der bezeuge, wie sehr in Italien die Verbundenheit empfunden werde, die Deutschland und Italien gegenüber dem immer mehr abfinkenden und vollkommen isolierten England vereine. Die beiden Achsenmächte marschieren Schulter an Schulter bis zum Siege und weiter über den Sieg hinaus in vollkommener Uebereinftimmung in den Direktiven und mit vollstem Verständnis für die gegenseitigen Ziele. Gegenüber dieser absoluten Solidarität erinnere man sich der ewigen Zänkereien unter den westlichen Demokratien, die besonders aus den offiziellen französischen Dokumenten hervorgingen, und deren Gipfelpunkt der tragische Zusammenstoß von Dran bildete. Die Italiener haben um so mehr die unverbrüchliche Kameradschaft des von Hitler geschaffenen Deutschlands schätzen können, als sie sich ganz genau der Rechtsbeugungen durch die demokratischen Mächte erinnern. Der Besuch Ribbentrops in Rom vollzog sich in einer geschichtlichen Stunde, die durch drei Hauptereignisse gekennzeichnet wurde: die deutsche Offensive gegen England, die italienische Offensive gegen die britischen Streitkräfte in Aegypten und die Solidaritätserklärung des neuen Spaniens mit der Achse durch den Sendboten Francos in Deutschland. Ribbentrops Abfahrt ans Rom. Herzliche Kundgebungen der römischen Bevölkerung. Rom, 23. Sept. (Europapreß.) Kurz vor 18 Uhr traf Reichsaußenminister von Ribbentrop auf dem Bahnhofsplatz der Hauptstadt ein. Von der Villa Madama bis zum Bahnhof hatte sich die Bevölkerung Roms gestaut, um den deutschen Reichsaußenminister zu begrüßen. Auf dem Bahnhofsplatz erwies eineKom- panie mit Fahne und Musik die Ehrenbezeigung. Zur Verabschiedung des Reichsaußenmnisters hatten sich auf dem Hauptbahnhof Außenminister Graf Ciano, eine große Zahl von Beamten des Außenministeriums, des Ministeriums für Volksbildung, der Präfekt, der Gouverneur von Rom, viele Generale, Funktionäre der Faschistischen Partei, Botschafter von Mackensen, Botschafter Alfieri, der spanische Botschafter, die Gesandten Ungarns und der Slowakei eingefunden. Nach herzlicher Verabschiedung von Außenminister Graf Ciano und den italienischen Persönlichkeiten, dem deutschen Botschafter und den diplomatischen Vertretern der befreundeten Länder, bestieg der Reichsaußenminister seinen Wagen im deutschen Panzerzug. Pünktlich um 18 Uhr setzte sich der von ausgewähltem italienischem Personal geführte Zug .in Bewegung. Aegypten in der Stunde der Entscheidung 6 ■■ V & ’i» Diese Ausnahme von den italienischen Aktionen in Aegypten veranschaulicht die Schwierigkeiten des Geländes. Nur dürre Büsche bedecken die wasserlose Ebene, über die sich die Truppen gegen oft stark befestigte feindliche Stellungen oorkämpfen müssen. — (Scherl-B ilderdienskM.) Rom, 22. Sept. (Europapr.) Der „Messaggero" veröffentlicht ein offenes Schreiben an König Faruk von Aegypten, in dem auf Grund historischer Beweisstücke nachgewiesen wird, wo Aegypten in dieser für das ägyptische, Volk historischen Stunde Anlehnung suchen müsse. Nur wer siegen werde, werde auch befehlen können. Italien stehe an den Toren Aegyptens, um dem ägyptischen Volk zu Helsen, sich von seinen Bedrückern zu befreien. Die Stunde der Entscheidung habe geschlagen. König Faruk müsse sich erklären und entscheiden. Der Zeiger der Weltuhr könne nicht zurückgedreht werden. „Ist das Beispiel der zahlreichen Staaten, die nun schon Opfer der englischen Politik geworden sind, nicht eine furchtbare Mahnung? Warum läßt sich Aegypten vergewaltigen und einkerkern? Warum unterstützt es ein Land, das nur seine eigenen, aber keineswegs die ägyptischen Interessen verficht? Wvr- um soll die ganze islamische Welt in eine Krisis gezogen werden, Die nur zu ihrer Schwächung führen könnte? handeln Sie und denken Sie an das Vermächtnis Ihres Vaters!" — so wird dem König zugerufen. „Italien kann euch nicht retten, wenn chr Aegypter euch nicht selbst rettet. Ein König, ein Parlament, eine Wafdpartei und ein Heer können nicht behaupten, sie seien wahrhaft begierig, die fremde Tyrannei abzustreifen, wenn sie keine konkret en Beweise ihres Willens zur Befreiung geben. Junger König, fassen Sie Mut! Das junge Italien wird Ihnen Helsen, aber geben Sie wenigstens ein Zeichen!" Die „Relazioni Jnternazionali", das Organ des Instituts für das Studium der internationalen Politik, schreibt: Italien habe Aegypten gegenüber offene Beweise der Sympathie und des Verständnisses geliefert. Die Entwicklung, die Tausende von Italienern von den Handarbeitern bis zu den Forschern Aegypten gegeben haben, sei ein positiver Beitrag zur ägyptischen Sache. Das politische Testament des Königs Fuad, des Vaters des gegenwärtigen Königs Faruk (der in seiner Jugend, von den Engländern vertrieben, lange Jahre im Exil in Neapel den Schutz Italiens genossen hat), sei ein Testament der Freundschaft und Zusammenarbeit mit Italien. Durch das Bündnis mit England habe sich Aegypten indessen verpflichtet, jener Macht die eigenen militärischen Stützpunkte für Zwecke zu überlassen, die sich heute mehr denn je als gegen Italien gerichtet erweisen. Das italienische Volk betrachte den anglo- ägypttschen Vertrag als ein Joch für ein zivilisiertes Volk. Das ägyptische Ziel sei mit dem Ziel Italiens gleichlaufend. Wenn sich die Männer der ägyptischen Regierung unter dem englischen Druck ober durch eigennützige Sympathien entschließen sollten, die Waffen gegen Italien zu erheben, bann würde dies auf keinen Fall den unwiderstehlichen und ungestümen italienischen Vormarsch auch nur um einen Meter aufhalten. Die Antwort Italiens würde aber nicht lange auf sich warten lassen: Italien hätte dann volle Handlungsfreiheit, um feine sakrosankten Interessen zu schützen. Italien werde bas Herz bes britischen Imperiums treffen und seine durch den Suezkanal dargestellte Schlagader lahmlegen. Erst dann werde die Auflösung bes britischen Imperiums beginnen. Der Krieg in Aegypten sei entscheidend. Äftertnfe in Kairo. Zunehmende antibritische Kundgebungen der Bevölkerung. San Sebastian, 22. Sept. (DNB.) Wie Reuter aus Kairo meldet, ist es in Aegypten am Samstag zu einer überraschenden Ministerkrise gekommen, die auf Meinungsverschiedenheiten wegen der Haltung gegenüber Italien zurückgehen soll. Vier Minister, die der Saadisten-Partei angehören, traten zurück und wurden auf Grund eines königlichen Erlasses durch neue Minister ersetzt. Wie Reuter zugeben muß, wünscht das umgebilbete Kabinett unter den augenbkicklichen Umständen nicht, daß man es zu überstürzten Entscheidungen drängt. Der schnelle Vormarsch der italienischen Truppen in Aegypten hat in Kairo größte Nervosität verursacht. Die anglo-ägyptischen Zeitungen bringen mit großem Widerstreben Notizen über die Kämpfe, die sich an der Westgrenze mit einer solchen Schnelligkeit abwickeln, die niemand ip Aegypten für möglich gehalten hätte. Freitagnachmittag fanden verschiedene antibritische Kundgebungen in den Kinos von Kairo statt, als die britische Wochenschau gezeigt wurde. In vielen Lichtspielhäusern zerstörten die Kundgeber die Einrichtung. Mit Rücksicht auf diese Vorfälle ist die Vorführung der englischen Wochenschau verboten worden, weil man neue Kundgebungen befürchtet. Die Zensur ist in Aegypten neuerdings noch viel st r e n g e r geworden. Man erwartet in Kürze eine Verordnung, die die Ausländskorrespondenten verpflichten wird, ihre Berichte der Zensur vorzulegen. Emir Abdallah im Solde der britischen Propaganda. Rom, 22. .Sept. (Europapreß.) „Popolo di Roma" berichtet aus Istanbul, daß die Engländer den Emir Abdallah von Transjordanien zu ihrem arabischen Hauptwortführer im Propagandafeldzug gegen Italien gemacht hätten. Die übrigen arabischen Herrscher hätten sich geweigert, an diesem englisch-jüdischen Feldzug mitzuarbeiten. Die erste theatralische Geste 'des Emirs Abdallah sei die Verlesung einer vom englischen Residenten vorbereiteten Rede vor den Truppen in Maan gewesen. Diese Geste, durch die die arabische Welt gegen Italien hätte beeinflußt werden sollen, habe in den arabischen Staaten keinen Widerhall gefunden. Alle Bemühungen des im Solde der Engländer stehenden Emirs würden erfolglos bleiben. Außer bei einigen bestochenen arabischen Stämmen genieße der Emir Abdallah, der Sohn des einst von Ibn Saud aus Mekka vertriebenen Scherifen Hussein, der im Weltkrieg schon Parteigänger her Briten war, in der ganzen arabischen Welt kein Ansehen. Er werde verachtet und führe den entehrenden Beinamen „Sohn eines Hundes". Ein unversöhnlicher Feind des Emirs sei und bleibe Ibn Saud, der König der Wahabiten. Suezkanal-Gesettschost stellt Dividendenzahlung ein. Rom, 22. Sept. (Europapreß.) Obwohl der Verkehr durch den Suezkanal vollkommen zum Stillstand gekommen ist, hatte die Suezkanalgesellschaft die Zahlung der fetten Dividenden noch fortgesetzt. Gleichzeitig aber wurden die Arbeiter dieser Gesellschaft entlassen. Nun scheinen aber doch die Reserven der Gesellschaft erschöpft zu sein; denn deren Leiter haben sich jetzt zu dem Entschluß aufgerafft,, die Dividendenzahlung e i n z u st e 11 e n. „Popolo di Roma" sieht darin den Beweis dafür, daß der von Italien im Mittelmeer, im Roten Meer und in Ostafrika geführte Krieg das englische maritime System des Seeweges nach Indien bereits vollkommen zerrüttet und zerstört hat. Die englische Flotte sei, wie sich erwiesen habe, nicht mehr in der Lage, die freie Verfügbarkeit über diesen Seeweg zu sichern. Man könne voraussagen, daß bald der Tag kommen werde, da der Kanal für immer aus den Krallen der Autokraten befreit und endlich eine Durchfahrtsstraße für den freien Warenaustausch der Völker werde. Europas Arbeiisraum. Europa den Europäern, Amerika den Amerikanern, Asien den Asiaten! In dieser Aufzählung, die eine gerechte Auslegung der berühmten Monroedoktrin bedeuten könnte, wenn man sie so wörtlich nehmen wollte, wie sie vor kurzem aus Washington gemeldet wurde, ist von zwei Kontinenten nicht die Rede. Es ist nicht die Rede von dem kleinsten der Erdteile, von Austtalien, das weit abseits am Rand des Pazifischen Beckens liegt, aber auch nicht von dem mächtigen Afrika, von dieser gewaltigen, durch ihre geringe Gliederung um so klobiger wirkenden Lanomasse vor den Toren der europäischen Welt. Natürlich nicht. Denn unmöglich wäre es, Australien mit seinem bescheidenen Siedlungsraum und der noch bescheideneren Zahl von Menschen, die als. Söhne, Enkel und Urenkel Europas dort heimisch geworden sind, als eine Welt für sich zu klassifizieren. Noch unmöglicher aber müßte es scheinen, Afrika als Einheit anzusehen oder hier Eigentumsoorrechte einer afrikanischen Menschheit proklamieren zu wollen, die es in diesem Sinn überhaupt nicht gibt. Jeder Blick auf eine Weltkarte charakterisiert vielmehr diesen Erdteil als zu Europa gehörig und eine Art von Einheit mit Europa bildend. Europa, Vorderasien und Afrika ergeben eine „W e 11", die erst durch ihre Umgrenzung auch dem Mittelmeer seinen wahren Charakter als Meer der Mitte verleiht. Die Kolonialgeschichte aber hat diese Beobachtung bestätigt. Anders als Asien mit seinen alten Kulturen, die in großen Volksräumen und Völkern bis heute ihre Fortsetzung fanden, anders als Amerika, das sich als Tochter Europas von Europa emanzipiert hat, ist Afrika die eigentliche „Kolonie" geworden und geblieben. Auch die Ausnahme bestätigt die Richtigkeit. Aegypten, das in gleicher Weife historisch eine Besonderheit ist, hat sich allein unter allen afrikanischen Gebieten eine relative Unabhängigkeit gesichert. Es gehört aber in dieser wie in mancher anderen Beziehung mehr zur vorderasiatischen Staatenregion, mit der es die islamitische Glaubenszugehörigkeit seiner Bewohner verbindet. Was wir S ü d o st e n nennen, setzt sich als Gesamtwohnbereich von Kleinvölkern über das (Aegciische) Meer im Orient gleichartig bis nach Aegypten fort. Im Schatten Großdeutschlands und Italiens lebt hier eine Menschheit von etwa 48 Millionen europäischen und 45 Millionen asiatischen und aftikanischen Blutes. Sie alle sind zur Lebensgemeinschaft mit dem nördlich und westlich anschließenden Mitteleuropa prädestiniert. Mitteleuropa ist für sie der nächste und beste Lieferant von Fertigwaren, während sie ihn mit Rohstoffen beliefern, die nirgends anders hin so direkt und so günstig abgesetzt werden können. Auch hier hat das politische Dazwischentreten Englands eine naturgeschaffene Wirtschaftsgemeinschaft vergeblich zu verwischen ober zu unter- binden gesucht. Sie besteht. Man denke nur an das ältere deutsch-türkische Verhältnis oder an die Lage des Mossulöles zur europäischen Mitte. Rumänische und Mossulölfelder sind die von der Geographie Binneneuropa zugedachten Oelquellen. Man denke aber auch an die ägyptische Baumwolle, für die das gleiche gilt. Der ganze afrikanische Kontinent von Marokko und Aegypten an ist auf Europa a u s- gerichtet. Sein nördliches Drittel setzt sozusagen die europäischen Staatsgebiete Spaniens, Frankreichs, Italiens über das (relativ) schmale Mittelmeer hinaus fort Hier bestehen schon heute reiche Möglichkeiten und Aussichten zusätzlicher Nah- rungsmittelversorgung zur Ausfüllung europäischer Lücken. In der Mitte ist das von Deutschland aufgebaute Kamerun vielversprechendes tropisches Pflanzungsland. Der Reichtum des angrenzenden Kongo st aat erwies sich in einem halben Menschenalter als die beste und ergiebigste Quelle des Reichtums der Belgier, zu denen er politisch gehörte. Am oberen Nil, im Sudan und in Uganda, wo die Engländer die Herren spielen, bestehen wie in Deutsch-Ostafrika große wirtschaftliche Möglichkeiten. Im Süden haben sich vor allem die Holländer, aber auch Deutsche nicht weniger als Engländer um die Gebiete der heutigen Südafrikanischen Union, die politisch und wirtschaftlich entgegen den Interessen ihrer Bewohner von London dirigiert wird, verdient gemacht. Der Gedanke gemeinsamer Aufbauarbeit im afrikanischen Gebiet ist da wie dort oft erörtert, und es sind auch manche Versuche unternommen worden, chn in die Wirklichkeit überzuführen. Europa wird sich gewiß nie weigern, wenn die Rohstoffländer des Westens, etwa der sudamerikanische Kontinent, oder die des Ostens, etwa Indien, sich ihm wirtschaftlich nähern. Aber hier ist sein eigentlicher, ihm geographisch gemäßer und nach st er Arbeitsraum. Hier besteht eine Einheit, die um so mehr empfunden werden wird, je mehr das engere Europa, das europäische Festland, dazu gelangt, sich selbst in sich zu organisieren. Der WehrmachisberW vom Samstag. Berlin, 21. Sept (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Die Luftwaffe fetzte ihre Angriffe auf England fort Vergeltungs- angriffe waren in erster Linie gegen London gerichtet Besonders im Zentrum der Stadt, dicht westlich des großen Themsebogens, wurden verschiedene kriegswichtige Anlagen schwer beschädigt Heber Südostengland kam es hierbei zu einigen für uns erfolgreichen Luftgefechten. Nachl- angriffe galten vor allem den Londoner Hafenanlagen. 21.0. konnten in den Royal-Alberl- D o ck s zahlreiche Treffer erzielt werden. Ferner griffen kleinere Verbände im Laufe der Nacht kriegswichtige Berforgungsbetriebe im Süden und Osten Londons sowie Flugplätze und andere kriegswichtige Ziele in Süd- und Wittelengland an. Zu den alten feit Tagen schwelenden Brandherden traten neue Brände hinzu. Bei nächtlichen Angriffen einzelner britischer Flugzeuge auf w e st d e u t s ch e Städte wurden mehrere Wohngebäude zerstört, eine Kirche und ein Friedhof getroffen. Die Berluffe der Zivilbevölkerung betragen 13 Tote pnd zahlreiche Berlehte. 1 4 britische Flugzeuge wurden gestern durch Jagdflieger und Flakartillerie abgeschossen. Ein eigenes Flugzeug ist nicht zurückgekehrt Das unter Führung von Kapitänleutnant Bleichrodt stehende Unterseeboot hat neun Dampfer mit insgesamt 51 862 BRT. versenkt, ein weiteres Unterseeboot versenkte drei feindliche Dampfer mit 15000 BRT^ ein drittes zwei Dampfer mit 12 000 BRT. Ör. Ley im Hauptquartier des Oberkommandos des Heeres. Paris, 22. September (DNB.) Auf Einladung des Oberkommandos des Heeres besuchte der Reichs- organisationsleiter der NSDAP. Dr. Ley, der am Samstag einem großen von „Äraft durch Freude" veranstalteten, von Hans Knappertsbusch dirigierten Konzert der Berliner Philharmoniker in Paris beigewohnt hatte, das Hauptquartier des Oberkommandos des Heeres. Generalleutnant von Dippels- tirch hieß den Reichsorganisationsleiter im Hauptquartier herzlich willkommen. Die enge Zusammenarbeit zwischen dem Heer und der Deutschen Arbeitsfront im allgemeinen und den Einsatzstellen von „Kraft durch Freude" im besonderen habe sich für das Heer außerordentlich segensreich ausgewirkt. Der Oberbefehlshaber des Heeres dankte für die großzügige Unterstützung durch den aufopfernden Einsatz von „Kraft durch Freude". „Kraft durch Freude" habe in einem in der Welt noch nicht erlebten Ausmaß für die geistige Entspannung und geistige Betreuung der Truppe, besonders während der Wintermonate am Westwall, gesorgt. Mit dem Dank an Dr. Ley verband Generalleutnant von Dippelskirch den Dank an alle Mitarbeiter und an die große Schar der von „Äraft durch Freude" eingesetzten Künstler. Dr. Ley erwiderte, daß er glücklich sei, als alter Soldat etwas mitgeholfen'zu haben, den schweren Dienst der Truppe zu erleichtern. Das sei ihm besonders deshalb leicht gefallen, weil er sich immer dem Soldatentum innerlich verbunden fühle. Der dercksche Soldat und der deutsche Arbeiter seien die besten Kameraden. Im deutschen Soldaten sehe der deutsche Arbeiter sein Vorbild. Ilniverfitätsprofess oren im Kampfgebiet des Westens. In Brüssel traf eine Abordnung von 36 Rektoren und Professoren verschiedener deutscher Universitäten ein, die auf Einladung des Oberbefehlshabers des Heeres eine Fahrt über die Schlachtfelder des westlichen Kriegsschauplatzes unternehmen. Unter den Besuchern befinden sich General Herzog von Coburg und Generalmajor F r i e s n e r, der Inspekteur des Erziehungs- und Bildungswesens des Heeres, der Sinn und Zweck der Fahrt darlegte. Die Reise wurde geplant in dem Gedanken der engen Verbundenheit zwischen Hochschule und Wehrmacht und zum Nutzen der akademischen Jugend. Sie soll der Heranbildung des Führernachwuchses zu einem hohen Kenntnis- und Bildungsstand dienen und der weiteren Vertiefung der wehrgeistigen Einstellung der akademischen Jugend, die in künftigen Führerstellen einen hervorragenden Beitrag zur totalen Landesverteidigung zu leisten hat. Generalmajor Friesner gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Fahrtteilnehmer eine vertiefte Kenntnis von den Gründen gewinnen, die zu unserem Siege sowie der schweren Niederlage des Gegners geführt haben, so daß sie aus dieser Kenntnis heraus der akademischen Jugend ihre Eindrücke lebendig vermitteln können. Die Fahrtteilnehmer besichtigten das Fort B a 11 i c e bei Lüttich, sowie das Fort Eben Emael. Sie wurden in Brüssel vom Militärbefehlshaber in Belgien und Nordf^ankreich, General v. Falken Hausen, empfangen. Die weitere Reise führt sie zu den wichtigsten Kampfgebieten in Frankreich und schließt mit einer Besichtigung der Ptaginotlinie und Straßburgs. Oer Chef der Zivilverwaltung für Lothringen übernimmt sein Amt. Metz, 22. Sept. (DNB.) Gauleiter B ü r ck e l, der Chef der Zivilverwaltung für Lothringen, führte sich nach feierlichem Empfang durch die Staat Metz im Rathaus auf einer Kundgebung in der Halle des Elektrizitätswerkes mit einer Rede an die lothringer Bevölkerung'ein. Der letzte deutsche Bürgermeister der Stadt Metz, Foret, übergab Gauleiter Bürckel die Schlüssel der Stadt. Bor dem Rathaus waren die Amtswalter der Deutschen Volksgemeinschaft, der Organisation der deutschen Lothringer, angetreten. Im Rathaussaal sah man Vertreter der Wehrmacht, der Behörden, der Partei sowie der alten Metzer Familien aus Stadt und Land. Stadtkommissar Jmbt begrüßte Gauleiter Bürckel. In der Volkskundgebung gab der Gauleiter den Nachweis für das in Sprache und Kultur erhaltene, nur zeitweise zurückgedrängte deutsche Volkstum Lothringens. Der Gauleiter wies auf die sofort begonnene deutsche Wiederaufbauarbeit hin, die unter der Hergabe der nötigen Mittel durch das Reich und der nötigen Kräfte durch seine Organisation und die deutschen Soldaten durchgeführt werde. Heute fei Deutschland ein anderes Vaterland geworden, ein Deutschland, in dem zuerst die deutschen Menschen den Begriff „Vaterland" ausmachen. Das deutsche Wunder habe sich vollzogen, das deutsche Volk habe sich von all dem Fremden losgesagt, und aus der ihm eigenen Weltanschauung die unbesiegbare, unzertrennliche Gemeinschaft geschaffen. Wiederaufbau in Nordfrankreich. L i 11 e, 22. Sept. (DNB.) Für das Gebiet Lille, Roubaix und Tourcoing ist von den deutschen Behörden in Zusammenarbeit mit den französischen Stellen ein großzügiges Arbeitsbeschaffung s - und W i ederaufbauprogramm ausgestellt worden. Projekte, die zunächst auf vier Millionen Arbeitstage veranschlagt sind, ermöglichen den sofortigen Einsatz der Arbeitslosen auf längere Zeit. Die Pläne umfassen die Schleifung der veralteten Befestigungen um Lille und Die Anlegung eines Grünviertels mit Spielplätzen rings um die Stadt. Die Zitadelle wird erhalten bleiben. Daneben gehen Aufräumungs- und Wiederaufbauarbeiten, Erweiterungen im Kanalnetz und die Wafferregulie- rung. Neue Erfolge der italienischen Lustwaffe Rom, 22. Sept. (DNB.) Der italienische Wehrmachtsbericht hat folgenden Wortlaut: Die von unserer Luftwaffe durchgeführte Bombardierung der militärischen Ziele von Warsa Bla- truk hat durch die Zielsicherheit und das Ausmaß des Feuers imposante Ergebnisse gehabt. Die zahlreich beobachteten Feuersbrünste der trotz heftiger Luftabwehr getroffenen und vernichteten Ziele, die Abwesenheit der feindlichen Jagdflieger, die es nicht gewagt haben, unsere Verbände anzugreifen, zeugen von dem vollkommenen Gelingen der Aktion und von der Panik des Gegners. Unsere Flugzeugverbände haben östlich von Warsa Watruk die Flugplätze von Blauten Bugush und von El Baba, den Bahnhof und Barackenlager im letztgenannten Ort bombardiert. Die feindliche Luftwaffe hat während der Nacht auf Sidi Barani, Tobruk und Derna Bomben abgeworfen, die einige Verwundete, aber keinen nennenswerten Schaden verursachten. Ein feindliches Flugzeug ist vermutlich von der Flak abgeschossen worden. Der Flugstützpunkt von Alexandria ist von unseren Flugzeugverbänden heftig bombardiert worden. Ein Schiff erhielt durch eine Bombe schwersten Kalibers einen Volltreffer. Ein weiterer Luftverband hat die Anlagen des Petroleumzentrums von Haifa angegriffen, wobei ein Brennstofflager und die neue Ölraffinerie getroffen und schwere Brände verursacht wurden. Alle an diesen Operationen beteiligten Flugzeuge sind zu ihren Stützpunkten zurückgekehrt. Im Roten Bleer ist ein von Kreuzern und Zerstörern geschützter G e t e i t z u g von unserer Luftwaffe angegriffen worden. Zwei Transportschiffe find getroffen und schwer beschädigt worden. Alle Flugzeuge sind zurückgekehrt. Eine unserer Luftpatrouillen hat einen Angriff auf Jsiolo (Kenya) durchgeführt. Nach einem Kampf mit der feindlichen Luftwaffe ist die Staffel unversehrt zu ihrem Stützpunkt zurückgekehrt, nachdem sie ein feindliches Flugzeug getroffen hatte. Der Feind hat verschiedene Einflüge über Somali land unternommen, wobei er wiederholt das Dorf von Burgaoo (südwestlich von Ehisi- maio) bombardierte, wo es zwei Verwundete gab, und auch Bomben auf ein Rollfeld südwestlich von Ehisirnaio und südwestlich von Berbern abgeworfen. In Biasfaua hat ein Luftangriff weder Schaden noch Opfer verursacht. Ein feindliches Fleugzeug ist von der Flak abgeschossen worden, die Besatzung wurde gefangengenqmmen. Ein weiteres Flugzeug ist voraussichtlich abgefchossen worden. Lustangriffe auf Mrsa Mlruk. Der italienische Bericht vom Samstag. Rom, 21. Sept. (DNB.) Der italienische Wehrmachtsbericht vom Samstag hat folgenden Wortlaut: Der Feind, der In den letzten Tagen die Krankenhäuser von Barbia, Tobruk unb Derna mit Bomben belegt hatte, hat in der vergangenen Nacht eine heftige Bombardierung von Bengasi durchgeführt, ohne irgend ein Ziel von militärischem Interesse zu treffen. Dagegen hat er beträchtlichen Schaden an Wohnhäusern, besonders in den von Bluselmanen bewohnten Stadtvierteln, verursacht. Drei Tote und 27 Verletzte sind zu beklagen. Als sofortige Vergeltungsmaßnahme hat eine große italienische Fliegerformation während des Tages und in der Nacht die Eisenbahnanlagen, Lagerhäuser und sonstige Einrichtungen von Bl a r s a W a t r u k mit deutlichem Erfolg heftig mit Bomben belegt. Es wurden große Zerstörungen und Brände verursacht. Alle unsere Flugzeuge sind zurückgekehrt. In O st a f r i k a hat der Feind während eines für uns günstig verlaufenden Zusammenstoßes im Tal des Flusses Akobo (Grenze des oberen Suez) dreißig lote auf dem Felde zurückgelassen. Bnsererseits drei Verwundete. Unsere Flugzeuge haben den Flugplatz von Aden und zwei von Kriegsschiffen geschützte G e l e i t z ü g e bombardiert, die sich auf der Fahrt nach der Straße von Bab el BTanbeb befanden. Der Feind hat die üblichen Luftangriffe auf Assad, Tessenei, Gura, Harrar und Diredaua durchgeführt, ohne Opfer zu »verursachen. Der Materialschaden ist gering. Londons dritter Sonntag unterdenSchlägenderdeutschenLustwaffe Stockholm, 22. Sept. (Europapreß.) Die Hoffnung der Londoner Millionenbevölkerung nach einem ruhigen Wochenende ist nicht in Erfüllung gegangen. Ebenso wie am Samstag mußte die Bevölkerung auch am Sonntag in die Luftschutzkeller. Der erste Luftalarm wurde 'kurz nach Mittag gegeben und dauerte verhältnismäßig kurze Zeit. Man konnte jedoch vom Herzen der Stadt aus das Maschinengewehrfeuer kämpfender Flugzeuge und die Detonationen der Bodenabwehr vernehmen. Kurze Zeit später setzten neue Maschinen zu einem Angriff gegen die englische Hauptstadt an. Der heutige Sonntag ist Der dritte Sonntag, seitdem die deutsche Luftwaffe ihre großen Aktionen gegen England eingeleitet hat. Der 15. Nachtangriff in der Nacht zum Sonntag soll nach einer Meldung des englischen Nachrichtendienstes „wiederum sehr heftig" gewesen sein. Die Aktionen der Luftwaffe erstreckten sich fast gleichmäßig auf alle Stunden der Nacht, noch kurz vor Morgengrauen wurden in London drei Brände verursacht, die in den Vormittagsstunden des Sonntags noch ebenso ungelöscht waren, wie die zahlreichen anderen Feuer, von denen der Nachrichtendienst bereits vor Mitternacht gesprochen hatte. Man kann nicht weit gehen, ohne auf Bombenschäden zu stoßen. Ueberall stößt man auf Krater, Ruinen oder Zeitbomben. Die Untergrundbahnstrecke Hol- born—Aldwych ist in der Nacht zum Sonntag erstmalig für den Luftschutz freigegeben worden. Taufende von Menschen warteten bereits mehr als eine Stunde vor der Freigybe mit Decken und Matratzen bewaffnet auf den Einlaß. Heber die trostlosen Zustände in London sowie über die unzureichenden Maßnahmen der zuständigen Behörden zum Schutze der Zivilbevölkerung vor Luftangriffen schreibt ein neutraler Journalist, daß sich große Teile der Bevölkerung b e r e i tzs um 15 Uhr auf d i e Wanderung begeben, um sich für die Nacht einen g e s ch ü tz t e n S ch l a f- platz zu suchen. Die Untergrundbahnstationen seien überfüllt mit Menschen, so daß das Personal große Schwierigkeiten habe, einen freien Gang für die Fahrgäste offenzuhalten. Tausende von Personen sind gezwungen, von Station zu Stadion zu fahren, um sich für einige Stunden eine Nuhestelle für die Nacht zu suchen, dies um so mehr, weil ein allgemeines Mißtrauen gegenüber den über der Erde gebauten Unterständen, insbesondere gegen den sog. Andevjon-Schutzpaum, herrscht. Am Sonntag Wurde, vorn britischen Nachrichtendienst wieder festgestellt, daß mehrere Personen in solch einem Anderson- Unterstand auf der Stelle getötet wurden, da der Unterstand nicht genügend Schutz gegen Bombeneinwirkung bot. Der militärische Mitarbeiter der englischen Wochenblattes „S p e c t a t o r", Strategicus, beschäftigt sich am Sonntag mit den Wirkungen der deutschen Luftangriffe und schreibt u. a.: „Es ist sehr unklug, die Wirkung der Angriffe zu unterschätzen. In dem Londoner Gebiet lebt ein fünftel der englischen Bevölkerung, und es müßte als ein kolossales Ergebnis angesehen werden, wenn man einen solch großen Teil des Volkes vollständig desorganisieren kann. Wenn die Sirenen ertönen, setzen einige Autobusse ihre Fahrt fort, während andere anhalten und die Fahrgäste aussteigen lassen. Aber alle müssen lernen, in dieser gefährlichen Atmosphäre zu leben und sich an den Gedanken zu gewöhnen, daß das Leben überall in seinen Funktionen weitergehen muß bis zu dem Augenblick, da die Gefahr unmittelbar droht. Dies ist das Gesetz der Feuerlinie. Sonst braucht Deutschland uns nicht weiter zu schlagen, denn Dann schlagen mir uns selbst." Den Korrespondentenberichten der spanischen Presse, die immer dürftiger werden, merkt man öie Schwierigkeit einer objektiven Berichterstattung an. Der „Ya"-Korrefpondent kabelt seinem Blatt den Schrei der britischen Oeffentlichkeit nach brauchbaren Luftschutzräumen und Wohnungen für die obdachlos gewordene Bevölkerung. Der Versuch, unvermietete Wohnungen oder Wohnhäuser zu requirieren, sei mangels Organisation und Unfähigkeit oder nicht genügender Machtbefugnisse der städtischen Verwaltungsbchörden gescheitert. Die Warnungen der Londoner Behörden an die Bevölkerung, nicht die Untergrundbahnanlagen als Luftschutzräume zu benutzen, sei auf taube Ohren gestoßen. Der „ABC"-Korrefpoydent Luis Calvo spricht von den hellerleuchteten Nächten der britischen Metropole, wenn die deutschen Leuchtbomben London silhouettenhaft aufgeistern lassen. Die Flammen der in Brand stehenden Industrieanlagen vermitteln einen gespenstischen Eindruck, der durch den ohrenbetäubenden Lärm der Bombeneinschläge und Explosionen noch ins Gröteske gesteigert werde. In den kurzen Unterbrechungen der Bombardements sei man jetzt eifrig bemüht, wenigstens die schlimm- sten Trümmerhaufen. Glasscherben unb Verkehrs, Hindernisse zu beseitigen, um den grauenhaftesten Eindruck vorerst auszulöfchen. Aber die Zeit reiche nicht aus, weil immer wieder Alarm ertöne und sich alles in die Tiefe rette. Da« bei bestehe in der Londoner Oeffentlichkeit die feste Ueberzeugung und das erschütternde Bewußtsein, daß die härtesten Schläge des Feindes erst noch kämen. Kost 90 Millionen Reichsbevölkernng. Das Statistische Reichsamt veröffentlicht in „Wirtschaft und Statistik" Die endgültigen Zahlen über die Wohnbevölkerung nach der Volkszählung vom 17. Mai 1939. In dem Reichsgebiet (ohne Memel- land) lebte damals eine Bevölkerung von 79 375 281 Einwohnern. Für den Gebietsstand'des Reiches zur Zeit der Machtübernahme errechnet sich eine Bevölkerungszahl von 68 474 000. Durch die Wiedervereinigung der Ostmark und des Sudetenlandes mit dem Reich, die Zunahme der Bevölkerungszahl während der vergangenen sieben Jahre, die Wiedereingliederung Danzigs, der neuen Ostgebiete und Schnellkur bei Erkältung, Grippegesahr: Kurz vor dem Zubettgehen oder im Bett möglichst heiß 1-2 Eßlöffel Klosterfrau-Melissengeist und 1-2 gestrichene Eßlöffel Zucker mit etwa der doppelten Menge kochenden Wassers gut verrührt trinken und dann schwitzen! Zur Nachkur, und um Rückfällen entgegenzuwirken, nehme man noch einige Tage, und zwar2-3mal täglich, einenTeelöffel Klosterfrau-Melissengeist in einer Tasse Pfefferminzoder schwarzem Tee. Wer dieses ausgezeichnete Mittel einmal erprobte, wird es bei Erkältungserfcheinungen gern immer wieder anwenden. Machen auch Sie einmal einen Versuch. Der bekannte Klosterfrau-Melissengeist in der blauen Packung mit den drei Nonnen ist erhältlich bei Ihrem Apotheker oder Drogisten in Flaschen zu RM. 2.80,1.65 und 0.90 (Inhalt: 100, 50 und 25ccm). Vergessen Sie ihn nicht bei Ihrem nächsten Einkauf! Die Wirkung von Klosterfrau- Melissengeist wird Sie gewiß befriedigen. 4125V EugenMalrnedys ergibt sich für das Deutsche Reich eine Einwohnerzahl von rund 89 634 OOO. Mit dem Protektorat, das rund 7 Millionen Einwohner hat, beträgt die Bevölkerung fast 97 Millionen. Das Deutsche Reich ist nach der Sowjetunion (rund 150 Millionen Einwohner im europäischen Teil) der volkreich st e Staat Europas. Erst in weitern Abstand folgen Großbritannien mit Nordirland (rund 47,5 Millionen), Italien (44,4 Millionen), Frankreich (42,0 Millionen) und Spanien (25,0 Millionen). Ein Fünftel der etwa 530 Millionen Menschen umfassenden Bevölkerung Gesamteuropas und fast ein Drittel der Bevölkerung Europas ohne die Sowjetunion und Großbritannien liegt im unmittelbaren Machtbereich des Großdeutfchen Reiches, zu dem ^auch das Generalgouvernement mit feinen 10,6 Millionen Menschen zu rechnen ist. Bolle Preisdifziplin im Reich. Im ersten Kriegsjahr haben sich die Preise in Deutschland erheblich weniger als in irgend einem anderen europäischen Lande und besonders auch weniger als im ersten Jahre des Weltkrieges erhöht. Damals stiegen, wie das Statistische Reichsamt im neuen Heft von „Wirtschaft und Statistik" ausführt, die Großhandelspreise der Agrarstoffe um 57 v. H., die der Jn- buftrieftoffe um 41 v. H. und die Einzelhandelspreise der Nahrungsmittel um 52 v. H. Einer Erhöhung um rund 50 v. H. steht letzt nur eine solche um 3,9 v. H. gegenüber. Die Aufwärtsbewegung war damals also mehr als zwölf- mal so ftar f w i e jetzt. Gleichzeitig war aber auch die Streuung Der Preissteigerung 1914/15 erheblich stärker, das heißt, das Preisgefüge wurde durch die verschiedenartige Erhöhung der einzelnen Preise in gefährlicher Weise zerrissen. Heute wird dies durch die totale Preislenkung, die vom Reichskommissar für die Preisbildung ausgeübt wird, verhindert. Wo Preiserhöhungen eingetreten sind, ergeben sie sich entweder aus Steigerungen der Weltmarktpreise oder aus kriegswirtschaftlich, notwendigen Umschichtungen im Verbrauch. Sowohl die Versorgung^- lage als auch die geltenden Preisvorschristen bieten eine Gewähr dafür, daß in absehbarer Zeit keine Er- schütterungen des deutschen Preisgebäudes eintreten. Reichsleiter von Echirach an den BDM. Wien, 22. Sept. (DNB.) Der Reichsleiter für die Jugenderziehung der NSDAP, sprach zu den Führerinnen des BDM. des Obergaus Wien über die Winter arbeit des BDM. Es sei das höchste er- zieherische Ideal, die weibliche Jugend zum Stolz zu erziehen. Jedes Mädel repräsentiere in sich die Würde des Reiches: „Wenn unsere Nation die tapfersten Soldaten der ganzen Welt hervorgebracht hat, dann kann es für unsere Mädel kein größeres Glück geben, als einmal dieser tapfersten Männer würdig zu sein. Ich meine nicht Selbstüberschätzung und Ueb erheb lichkeit, wenn ich von Stolz spreche, sondern Euren erzieherischen Auftrag, in jedem Mädel das Gefühl zu wecken für die Würde der Nation und für feinen eigenen Wert. Die Kraft und den Wert eines Volkes mißt man nicht zuletzt an dem Stolz feiner Frauen, an ihrer Unnahbarkeit und Würde. Es ist nicht damit getan, daß es ein Rsichsleiter ausspricht, ondem jedes Mädel im Großdeutfchen Reich muß ich das zu eigen machen. Es ist das schwerste, s i ch elbst zu führen und in der Hand zu behalten." Kleine politische Nachrichten. Reichsjugendführer Axmann hatte in Krakau mit Generalgouverneur Dr. Frank eine Unterredung über Fragen der Jugendarbeit im Generalgouvernement. Der Reichsjugendführer führte Den Gebietsführer Blum in sein Amt als Beauftragter des Jugendführers des Deutschen Reiches im Generalgouvernement ein. * Der Führer hat dem Schriftsteller Gustav Leu- te lt in Gablonz a. N. aus Anlaß der Vollendung seines 80. Lebensjahres in Würdigung feiner Verdienste um das sudetendeutsche Schrifttum die Goethemedaille für Kunst und Wissenschaft verliehen. * Auf Einladung des italienischen Ministers für nationale Erziehung, Bottai, begab sich Reichs- mmifter Rust nach Florenz. In feiner Begleitung befanden sich Die Chefs Der Aemter Wissenschaft und Erziehung im Reichserzichungsminijteüum, Mink sterialdirektoren Professor Mentzel und Professor Holfelder, und ein Vertreter des Auswärtigen Amtes. *‘ Wie der „Deutsche Volksbote", das Wochenblatt der Volksdeutschen in Ungarn, meldet, hat das ungarische Ministerpräsidium dem Volksbund der Deutschen in Ungarn die Genehmigung zur Herausgabe einer deutschsprachigen Tageszeitung erteilt. Sie wird „Deutsche Volkszeitung" heißen und soll im Oktober erscheinen. Eine Abordnung von deutschen Eisenbahn- sachverständigen unter Leitung des Staatssekretärs Kleinmann ist in Stockholm eingetroffen. Die aus Anlaß der Eingliederung des Protektorats Böhmen und Mähren in das deutsche Zollgebiet geführten deutsch-schweizerischen Verhandlungen sind abgeschlossen worden. Gleichzeitig ist vereinbart worden, daß der Zahlungsverkehr zwischen der Schweiz, Belgien, Holland und Norwegen durch Vermittlung der Deutschen Verrechnungskasse in Berlin abgewickelt wird. * Norsk Telegramburaa erfährt, daß die Freimaurerlogen in Norwegen aufgelöst worden sind. In Rio de Janeiro fand im engsten Familienkreis die Trauung des Sohnes des brasilianischen Präsidenten Dr. Luthero Vargas mit der deutschen Studentin Jngeborg T e n h a e f f statt. Dr. Vargas lernte seine Frau, die vor einigen Tagen in Rio de Janeiro eingetroffen war, während seines langen Studienaufenthaltes in Deutschland an der Berliner Universität kennen. * Die Bevölkerungszahl der Vereinigten Staaten bezifferte sich am 1. April 1940, dem Stichtag der alle zehn Jahre stattfindenden Volkszählung, auf insgesamt 131 409881. Der Zuwach s seit 1930 beläuft sich auf 7 v. H. Zwischen der Volkszählung von 1910 bis 1920 betrug der Zuwachs 14,9, von 1920 bis 1930 16,1 v. H. Oer Führer überreicht Major Mölders das Eichenlaub zum Ritterkreuz. Berlin, 21. Sept (DRV.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat dem Wajor Wölders anläßlich feines 40. Luftsieges das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen und hat an Wajor Wälders das folgende Telegramm gerichtet: „In dankbarer Würdigung Ihres heldenhaften Einsatzes im Kampf für die Zukunft unseres Volkes verleihe ich Ihnen zu Ihrem 40. Luftsieg als zweitem Offizier der deutschen Wehrmacht das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. / Adolf Hitler." Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat Hta)or Wölders das Eichenlaub zum Ritterkreuz in der Reichskanzlei persönlich überreicht. * * Major Werner Mölders wurde 1913 zu Gelsenkirchen als Sohn eines Studienrates, der als Reserveoffizier 1915 im Weltkriege gefallen ist, geboren. Er besuchte bis zur Erlangung des Reifezeugnisses das Realgymnasium in Brandenburg und trat im Jahre 1931 in das Infanterieregiment 2 ein. 1934 wurde er zum Leutnant befördert. 1935 trat er zur Luftwaffe über. 1938 war er Angehöriger der Legion Condor in Spanien, wo er 14 Gegner abschoß. Er war der erfolgreichste Jagdflieger der Legion und kehrte, ausgezeichnet mit dem Spanienkreuz in Gold mit Brillanten sowie mit der Medalla de la Campana und der Medalla Militär in die Heimat zurück. Wegen hervorragender Leistungen als Jagdflieger erfolgte seine Beförderung zum Hauptmann außer der Reihe. Im März 1939 wurde er Kommandeur einer Jagdgruppe. Zwei hervorragende FliegeroW'ere mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Berlin, 21. September. (DRV.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes: Oberstleutnant Grabmann und Hauptmann Pingel. Oberstleutnant Grabmann war als, Kommodore eines Zerstörergeschwaders am 18. Mai in einem Luftkampf westlich Douai abgeschossen worden und nach Fallschirmabsprung in französische Gefangenschaft geraten, aus der er 6 Tage später durch deutsche Panzerkräfte befreit wurde. Er übernahm sofort wieder die Führung seines Geschwaders, das in zahlreichen, vor allem zum Schutz von Kampfoerbänden durchgeführten Einsätzen gegen England über 500 Luftsiege und Zerstörungen erringen konnte. — Hauptmann Pingel hat als vorbildlicher, tapferer Kommandeur einer Jagdgruppe 1 5 Luftsiege trotz heftiger Gegenwehr im Luftkampf errungen. * Oberstleutnant Grabmann ist am 20. September 1905 in Bad Reichenhall als Sohn eines Verwaltungsoberinspektors geboren. Er besuchte die Gymnasien in Memmingen, Traunstein und München und trat 1924 bei der Landespolizei Nürnberg- Fürst) als Polizei-Offiziersanwärter ein. 1931 wurde er zur Flugüberwachung Bayern-Nord versetzt. 1935 wurde er als Hauptmann in der Luftwaffe angestellt. Er fand Verwendung als Navigations- und Funkoffizier beim Stabe einer Gruppe und wurde 1936 Geschwaderadjutant des Horst-Wessel-Geschwa- ders. 1937 wurde er als Freiwilliger der Legion Conüor Kommandeur einer Jagdgruppe, kehrte ausgezeichnet mit dem Spanienkreuz in Gold, der Medalla Militär und der Medalla de la Campana zurück und wurde wegen hervorragender Leistungen zum Major befördert. Er wurde dann Kommandeur einer Zerstörergruppe, April 1940 Kommodore eines Zevstörergeschwaders und außer der Reihe zum Oberstleutnant befördert. Hauptmann Pingel wurde 1913 in Kiel als Sohn eines Hotelbesitzers geboren. 1933 trat er bei der Ordnungspolizei Hamburg ein, und 1935 zum Infanterieregiment 10 in Hamburg versetzt, dann in die Fliegertruppe übernommen zur Ausbildung als Flugzeugführer. Als Freiwilliger der Legion Conoor ging er nach Spanien, kehrte ausgezeichnet mit dem Spanienkreuz in Gold, der Medalla de la Campana und der Medalla Militär in die Heimat zurück, wurde wegen hervorragender Leistungen als Jagdflieger zum Oberleutnant befördert, 1938 Staffelkapitän einer Jagdstaffel und am 1. April 1940 zum Hauptmann befördert. Marksteine eines Flregerlebens. Von Kriegsberichter Eugen preß. (PK.)......,21. Sept. (DNB.) Ihr seid richtige Quälgeister! Was soll ich denn noch alles erzählen? Ich weiß nichts mehr!" Das ist Major Mölders, der erfolgreichste deutsche Jagdflieger, den wir soeben in seinem Gefechtsstand aus einem Feldflughafen an der Küste besuchen. „Also, was wollt Ihr wissen? Ich habe nicht lange Zeit, und sonst wißt Ihr ja alles!" Wir gehen aufs Ganze: „Wir bitten Herrn Major um Schilderung des 1., 25. und '40. Abschusses!" Also der erste! Das war in Spanien! Da war ein Pulk von etwa 45 Curtiß! Ich kam mit meiner Staffel Me angewackelt, hatte soviel Vögel noch nie gesehen! Nur ran, dachte ich, und hinein in den Feind ging es. Ich griff an und suchte mir einen von den Burschen heraus. Es war mein er ft er Luftkampf, ich war sehr aufgeregt und schoß zu früh. Schon im Abstand von einem Kilometer gingen meine MGs. los. Dann hatte der Kerl aber schon etwas gemerkt, kippte ab und, oh Schreck! auf einmal kommt er von unten und beschießt mich. Schnell ziehe ich hoch und plötzlich sind wir mitten unter den 45 feindlichen Maschinen. Schon mache ich mir Gewissensbisse, denn ein riesiger Luft- kampf geht los, sind wir doch nur zu sechs. Aber da sehe ich schon einen Fallschirm, eine Curtiß geht nach unten. Hurra!!! Unser erster Abschuß! Eine große Kurbelei ist im Gange. Ruhig setze ich micht jetzt darüber. Da geht gerade die zweite Curtiß von einer Me. abgeschossen herunter. Das war Hauptmann O., jetzt Gruppenkommandeur in mei- einem Geschwader, der gerade in diesen Tagen nach seinem 20. Abschuß im Westen das Ritterkreuz erhalten hat. Zwei Curtiß wollen sich heimlich aus der „Versammlung" entfernen! Ich sause hinterher! Die eine hat etwas gemerkt und kippt ab, aber die andere fliegt unbekümmert weiter. Da bin ich schon hinter dem Feinde. Zwei Feuerstöße, und brennend stürzt er ab. Das war mein erster Abschuß. Zum ersten Male in meinem Leben kam ich heftig wackelnd nach Hause!" „Und der 25., Herr Major?" „Das war eine Hurricane bei Charleville, mein elfter Abschuß im Westen! Ueberhaupt, das war eine kornische Kiste! Die trug nämlich b el=: gische Farben. Ganz allein krebste die Maschine herum und versuchte gerade einen deutschen Kampfverband anzugreifen. Der Gegner hat mich nicht gesehen vor Jagdeifer, so saß ich dann plötzlich hinter ihm. Nach einem Feuerstoß fliegen das Leitwerk und sonstige Brocken in der Gegend umher. Der Kahn fängt an zu brennen! Im letzten Augenblick steigt der Flugzeugführer aus. Senkrecht stürzt die Hurricane ab. Ich sehe sie in einem Walde, einige Kilometer von Charlevilje, aufschlagen, und einige Zeit später geht der Pilot mit seinem Fallschirm daneben herunter! Dieser Abschuß war einer der leichtesten, denn es hat sich offensichtlich um em Häschen gehandelt!" ,Das kann man von Ihrem 26. im Westen, also Von Ihrem 4 0. Gesamtab schuß, nicht behaupten, Herr Major!" „Nein, wirklich nicht! Mit meinem Adjutanten fliege ich mutterseelenallein nördlich Dover und will mir mal England angucken. Da sehen wir Me., beobachten Lustkämpfe und sehen uns das zunächst mit Ruhe an. Nachdem alle Jagdgruppen heimgeflogen sind, pintschern wir nochmals um Dover herum. Plötzlich sehe ich drei englische Jäger und dahinter noch einen Haufen Spitfire. Ich denke mir, die kannst du auch nicht ungerupft nach Hause fliegen lassen. Ich nehme also die drei an. Als ich herankomme, gehen die beiden äußeren Maschinen in die Kurve, der mittlere fliegt stur weiter. Ich setze' mich ihm hinter den Schwanz und schieße aus 60 Meter Entfernung! Die rechte Fläche brennt sofort, dicker Qualm und Flammen schlagen aus der Maschine, die nach unten weggeht! Im Augenblick, als ich hochziehen will, sehe ich einen Haufen von sechs bis zehn Spitfire von rückwärts auf mich stoßen. Ich bekomme einen Riesenschreck, weiß aber gleich: Hier kann nur eines helfen, mitten durch den Haufen Engländer durchzustoßen! Gedacht, getan. Ich fege durch. Die vorderen können mich nicht mehr erreichen. Doch hinten hat einer sehr gut aufgepaßt. Der schießt aus allen Feuerspritzen. Es klackert ganz ordentlich in meiner Mühle, und ich merke sofort Treffer in der Kühlleitung, in der Fläche und in den Kühl- tanks. Nun aber los, nur schnell noch über den Bach nach Frankreich! Ich haue mit T-Sachen ab, daß sich die Balken biegen. Der ganze Haufen Spitfire ist hinter mir und meiner nachziehenden Rauchfahne her, aber sie können mich nicht erreichen. Gott sei Dank ist der Motor noch in Ordnung! Im Drücken können sie mich nicht einholen. Da kommt mir mein Staffelkapitän, Oberleutnant L., zu Hilfe. Er schnappt sich den Burschen, der mich beschossen hatte. Nach wenigen Sekunden stürzt der, in eine Qualmwolke gehüllt, nach unten ab. Bald darau erreiche ich die Küste. Das Fahrwerk geht nicht mehr heraus. Ich baue eine Bauchlandung! Als ich aus meiner sonst kaum beschädigten Mühle steige, merke ich, daß ich durch Splitter verletzt bin. Leider mußte ich dadurch 14 Tage auf der faulen Haut liegen!" USA.-2lrmeeflu(peug im Sumpfgebiet abgesiürzt. Ein amerikanisches Armeeflugzeug mit Brigade- general Honeycutt und zwei weiteren Offizieren an Bord ist verschollen. Es wird befürchtet, daß das Flugzeug in den Sümpfen zwischen Savannah (Georgia) und seinem Flugendziel Jacksonville (Florida) notlandete oder abstürzte. Wenn es ab- stürzte, ist es wahrscheinlich, daß Maschine und Besatzung spurlos verschwunden bleiben. Hauptschristletter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter btl Hauptschriftleiters: Ernst Blumschetn. Verantwortlich für Politck, Feuilleton und Bilder: Dr. Fr. W. Lange: für Stadt Gießen, Provinz, Wirtschaft und Sport: Ernst Blumschein. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange K. G. Berlagsletter: Dr.-Ing. Erich Hamann; Anzeigenlerter: Hans Beck, «erantwortlich für den Jnhaft der Anzeigen: Theodor Kümmel. Pl.Nr.S, 'TilaeederuAcke Skizzen Wenn -ie Sirenen heulen. Oie Vorarbeiten der Warnzentrale.- Verantwortungsbewußte Entschließungen Im äußersten Westen. Wer drückt den Knopf, der alle Warnsirenen bei drohender Luftgefahr heulen läßt? Die Sirenenleute haben einen großen Teil ihrer Arbeit schon getan, wenn die Sirenen erst das Signal für das breite Publikum geben. Vorangegangen find Meldungen an die Abwehrformationen. Der Sirenen-Stoßklang ist erst „das letzte Wort" der Warnaktion. In einer Warnzentrale darf es eines am allerwenigsten geben: Aufregung. Wir durchschreiten einen Bereitschaftsraum für den Sicherheits- und Hilfsdienst (SHD.). Dann kommt eine Art amerikanischen Büros, das — wie der Leser weiß — einen großen Raum bildet und nicht in Einzelkabinen zerfällt. In diesem ist der Vorderteil dem „Bürochef" und seinen nächsten Mitarbeitern vorbehalten. Hier werden die Meldungen von auswärts ausgenommen; hier hängen die großen Karten und Pläne, auf denen die Meldungen „ausgewertet", d. h. nach einer sinnvollen Wahrscheinlichkeitsrechnung auf Grund der Einzelmeldungen gedeutet werden; hier werden auch feindliche Aktionen außerhalb des eigenen Warngebietes verzeichnet, um ein Gesamtbild zu gewinnen. In dieser Chefabteilung der Warnzentrale befindet sich endlich der bewußte, ominöse Hebel, der die Sirenen auf Kommando ertönen läßt; aber auch der andere Hebel, der „Entwarnung" ankündigt. Die Apparatur ist ganz klein, etwa wie ein Kofferempfänger. Aber es ist noch lange nicht so weit, daß dieses Hebelwerkchen bedient werden könnte. Nach den ersten Meldungen wird ein Vor bericht auch an Wirtschaftskreise gegeben. Lebenswichtige Betriebe können gelegentliche Lichtwirkungen manchmal nicht vermeiden, z. B. Kokereien, Stahlwerke, vielleicht auch vordringliche Bauarbeiten. Der Vorbericht soll eine rechtzeitige Drosselung oder umgekehrt eine Beschleunigung der Arbeit gestatten. Dann kommt noch eine Spezialmeldung, die aus Grund neuer Einzelergebnisse eingehendere Nachrichten über Anflugrichtung und vermutliche Ankunftszeit enthält. Die einzelnen Betriebsleiter find bereits entsprechend „eingeschustert", um auf Grund dieser Tropfenmeldungen ihre Entschließung unter eigener Verantwortung fassen zu können. Und hier ist auch der Augenblick gegeben, wo der zweite Teil des „amerikanischen Büros" unserer Warenzentrale in Tätigkeit tritt. Hinter einer Schranke sitzt ein Dutzend weiblicher Hilfskräfte, die sich mit Handarbeiten die Zeit vertreiben. Da^ertönt der Anruf des „Bürochefs", und nun sinken im Nu Nadeln und Strickzeug auf die Tischplatte und im nächsten Augenblick sprechen die 12 Damen an ihren Apparaten die jeweiligen Warnmeldungen an den angeschlossenen Kreis von Sonderinteressenten durch. Wort für Wort wiederholen sie die kurzen Warn- melbungen des Leiters, der ganz langsam und sehr deutlich Wort für Wort spricht. Trotzdem dauert die Durchgabe einer Warnmeldung nur etliche Sekunden. Und nun erst kommt der Augenblick, in dem der Leiter der Warnzentrale nach einem letzten prüfenden Blick auf Karten und Pläne den Hebel herunterdrückt: jetzt heulen die Sirenen. Es ist bis zum l e tz te n Augenblick gewartet worden. Der Leiter der Warnzentrale entscheidet nach eigenem Ermessen, nach eigenem Fingerspitzengefühl und selbstverständlich auch nach den Tatsachenberichten. Er hat jede Warnungzu verantworten, er muß ein Mann des klaren Kopfes und der ruhigen Hand fein. Aber gerade hier, im äußersten Westen, merken wir, wie gut es ist, daß das Vorgelände der deutschen Warnzentrale h i n a u s g e r ü ck t ist. Wir find an der Gegenküste Englands. Der Engländer ist auf seine eigenen Küsten zurückgeworfen. Wir beobachten länger, wir beobachten auch intensiver den feindlichen Anflug. Die berühmten Generalstabsbesprechungen, die für England Horchposten in Belgien und den Niederlanden vorsahen, sind durch die Ereignisse überholt. Oie Aufrüstung der LtGA N e u y o r k, 22. Sept. (Europapreß.) Das Mitglied des nationalen Verteidigungsrates der Vereinigten Staaten, William Knudsen, das von Roosevelt mit der Führung der industriellen Aufrüstung betraut worden ist, nannte auf einer gemeinsamen Tagung nordamerikanischer und kanadischer Bürgermeister die Aufrüstung der Vereinigten Staaten das größte Verteidigungsprogramm, das seit dem Weltkrieg aufgestellt worden sei. Obwohl die Mittel zur Verwirklichung bereitstünden, werde dje Ausführung in dem gewünschten Zeitraum dadurch behindert, daß Werkzeuge und Facharbeiter nicht in genügener Zahl vorhanden seien. Flugzeugmotorenwerke brauchten 9 bis 14 Monate vom Baubeginn bis zur Inbetriebnahme. Das amerikanische Volk müsse deshalb bei der Beurteilung der Ergebnisse der Aufrüstung Geduld zeigen. Das Mitglied des Senatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten, Clark, beschäftigte sich mit der Abgabe von 4 0 0 Tanks an Kanada. Er erklärte, daß, wenn diese Tanks für Kanada brauchbar seien, sie auch für die Vereinigten Staaten brauchbar sein müßten. Clark teilte auch die Absicht Roosevelts mit, die sogenannten Fliegenden Festungen — besonders stark bewaffnete und geschützte Kampfflugzeuge — England zu überlassen. Auch gegen diese Absicht hat sich Clark gewandt und die Fliegenden Festungen als das wertvollste Verteidigungsmittel der westlichen Hemisphäre bezeichnet. Der Plan der Errichtung eines neuen Stützpunktes für halbstarre Luftschiffe in Florida wurde vom Marinedepartement angekündigt. Ein Ausschuß soll das geeignete Gelände aussuchen. Der Kongreß hat den Bau von 48 halbstarren Luftschiffen genehmigt. Bulgarien - besetzt die Güddobrudscha. Sofia, 21. September. (Europapreß.) Die bulgarische III. Armee hat am Samstag um 9 Uhr die bisherige bulgarisch-rumänische Grenze der Do- brudscha an zahlreichen Punkten überschritten, um die erste Zone mit den Städten Balcic und Tutracan zu besetzen. Im Augenblick des Einmarsches läuteten die Glocken in ganz Bulgarien. Vor dem Einmarsch wurde von den Truppenkommandeuren ein Armeebefehl des Königs verlesen, in dem es heißt: „Die Dobrudscha kehrt zum Mutterland auf Grund des Vertrages von Craiova zurück, der im Namen der Gerechtigkeit, des Friedens und der Zukunft freiwillig zwischen Rumänien und Bulgarien abgeschlossen worden ist. Euch fiel das Glück zu, durch die Schlachtfelder Eurer Väter und Großväter zu marschieren, die die bulgarische Fahne mit unsterblichem Ruhm bedeckten. Unser Recht auf die Dobrudscha gründet sich nicht nur auf die Tatsache, daß sie uns entrissen wurde, sondern auch auf das dort vergossene bulgarische Blut." Am Grenzstein fand eine Begegnung zwischen dem Kriegsstlinister General Daskaloff und dem rumänischen Obersten Canttnescu von Tutracan statt. Der Kriegsminister erklärte: „Es handelt sich um einen Akt der Gerechtigkeit, der die guten Beziehungen zu Rumänien wieder Herstellen wird." — Das S o - b r a n j e hat in einer Festsitzung den Vertrag von Craiova einstimmig angenommen. Ministerpräsident Filoff erklärte, die revisionistische Haltung der bulgarischen Regierung habe seinerzeit ihren Ausdruck darin gefunden, daß sie den Beittitt zum Balkanbund ablehnte. Sje habe auch nach dem Ausbruch des gegenwärttgen Krieges ihre Hand- lungsfreiheit behalten und an der Politik des Friedens und der Neutralität feftgehalten. Diese Politik war nicht ohne Risiko; doch das Volk habe sie überstanden und dafür Opfer gebracht. Ihr Ergebnis liege heute vor. Die günstige Lösung verdanke Bulgarien der freundschaftlichen Unterstützung durch die Führer des Deutschen und italienischen Volkes. Das Werk von Craiova fei ein Teil der Politik der Achsenmächte zur Bewahrung des Friedens auf dem Balkan und ein Ausdruck der Bemühungen zur Neuordnung des Kontinents auf der Basis der Gerechtigkeit und der Lebensinteressen der Völker. Die Verhandlungen in Craiova seien im Zeichen der "Verständigung geführt worden. Sie hätten die Möglichkeit geboten zur Erneuerung der traditto- nellen Freundschaft zwischen beiden Nachbarn, die bis 1919 von keinem Schatten getrübt worden sei. Die Wiederherstellung dieser Beziehungen fei eiye Garantie für den Frieden auf dem Balkan. Aus aller Welt. Erste S2L-6unbgebung in Straßburg. In Straßburg wurde jetzt die erste Kundgebung der SA. veranstaltet, auf der der Führer der SA.- Gruppe Südwest, SA.-Obergruppenführer Lud in, zu über 2000 Männern der alten deutschen Stadt sprach. Zum größten Teil waren die Männer ehemalige Soldaten der alten deutschen Armee des Weltkrieges, die vor Jahresfrist gezwungen wurden, für art- und volksfremde Interessen zu kämpfen und gegen ihre eigenen Brüder anzutreten. Neunzehn Tote bei einem Fährunglück auf der Rhone. Ein schweres Fährunglück hat sich auf der hoch- gehenden Rhone bei Momtelimar ereignet. Mindestens neunzehn Personen fanden den Tod in den reißenden Fluten. Es handelt sich hauptsächlich um Schüler im Alter von acht bis vierzehn; Jahren, die auf dem Heimweg von der Schule begriffen waren. 23 Personen konnten gerettet werden, von denen nur fünf des Schwimmens kundig waren. Nach Augenzeugenberichten hat sich das Unglück bei herrlichem Sonnenschein abgespielt. Es sei nach 11 Uhr am Vormittag gewesen, als sich die Fähre zu ihrer Unglücksfahrt in Bewegung setzte. Als sich ein Seil der Fähre verwickelt habe, sei dies von stiemand tragisch genommen worden. Plötzlich aber sei die Fähre in die Höhe gerissen worden. Sämtliche Insassen seien ins Wasser gestürzt. Bei der Unglücksfähre handelte es sich um ein provisorisch hergerichtetes Fahrzeug, das aus einem über zwei Boote gelegten Floß gebildet worden war. Die Fähre hatte ständig einen großen Verkehr zwischen Montelimar und le Teil zu bewältigen, weil die große Rhonebrücke kurz vor dem Waffenstillstand von fliehenden französischen Truppen vernichtet worden war. Kindesraub in Kalifornien. In Hillsborough (Kalifornien) entführten zwei bewaffnete Räuber einen drei Jahre alten Jungen, als er in der Nähe der elterlichen Wohnung von seinem Kindermädchen ausgeführt wurde. Es handelt sich um den Sohn des französischen Grafen Marc de Tristan. Von den bewaffneten Räubern fehlt bisher jede Spur., Jedoch cfefjt aus einer in der Presse von San Franzisko erschienenen Anzeige hervor, daß die Familie des entführten Kindes bereit ist, den brieflichen Forderungen des Verbrechers zu entsprechen und die Auslösungssumme von 1 0 0 00 0 Dollar zu zahlen. Wie in allen derartigen Fällen, stellt die U§^.-Polizei vorläufig die Verfolgung des Verbrechens ein, bis die Auslieferung des Kindes erfolgt ist. Indessen weilt jedoch der Leiter der bundesstaattichen Geheimpolizei, Edgar Hoover, bereits in San Franzisko. 4244A Geschmackvoll Druckerei. Schulstraöe 7. Anruf 2251 im Alter von 81 Jahren. Gießen (Ludwigstraße 45), Darmstadt Leipzig, Freiburg i. B. 03202 Nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden entschlief sanft am 21. September 1940 unsere liebe Mutter, Schwester, Schwiegermutter und Großmutter Vornehm Persönlich BrühPsche Die Einäscherung findet statt am Dienstag, dem 24. September, 14 Uhr, in der KapeUe des Neuen Friedhofs. Eva Faber, geb. Bostroem Prof. Dr. August Bostroem Agnes Bostroem Prof. Dr. Karl Hegar Oberstudiendirektor Dr. Georg Faber Gerda Bostroem, geb. Huisken und 6 Enkelkinder. Außerdem 3 Lehrlinge für den Verkauf. 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Altersvereinigung 1888-1938. ____ _____ _______ 4242 D Zhre Verlobung geben bekannt Annerose Zodel Werner Schenck Gießen, den 23. September 1940 Asterweg 65 Frankfurter Straße 144 ----- ----------------03199 | Verschiedenes] Auf dem Wege Gießen-Wieseck Armband verloren. Kennzeich.Reiter Abzug, geg. Bel. Wieseck, Alicenstraße 33. Von. Wieseck, Schulstr.-Philo- sovbenstraße bis Philosophenwalü KiDdemäDtelchen verloren. Abzugeben geg. Belohnung 03205 Polizeirevier Gießen -Wieseck. Gescnansdnjcksacnen Rechnungen Brlefblfltter Briefumschläge Postkarten Geschäfts karten bei Brühl. Schulstr.7 w 1 -M \ V" .) Gustav Fröhlich Camilla Horn m MARSOr mit Ellen Frank, Tibor vorkHalmay, Willi Schur Ein packender Stoff, die einfallsreiche Regie und die beschwingte mitreißende Musik zeichnen diesen Film aus. , Ab heute Montag Jugend hat Zutritt. LICHTSPIELHAUS Täglich 3.30, 5.30 und 7.45 Uhr. 4240 A Ur. 225 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Montag, 23. September 1940 Fliegen, hot man sich in den' sft gesagt und gekauft, was do war, obgleich man lieber seine alte Marke gehabt hätte. Das ist durch die Nachfüllpodtungen Erdal jetzt besser geworden. Es muß nicht eine Erdal« Blechdose sein; in der Nochfüllpackung_ ist^die gleiche Menge und die gleiche Qualität. Man setzt sie einfad» in die leere Erdal-Blechdose ein ÄSSErdal Aus der (Stahl Gießen. Wie halte ich die Zimmer warm? Wir wollen zwar nicht hoffen, daß der kommende Winter wieder so bitterkalt wird wie der letzte. Aber vorsorgen wollen wir trotzdem, daß wir unsere Räume möglichst warm haben auch wenn wir nicht beliebig viel Heizmaterial verfeuern können. Was kann eine vorsorgliche Hausfrau alles tun, um die Zimmer möglichst warm zu halten? Es handelt sich vor allem darum, ein unnützes Eindringen der Kälte von außen möglichst zu verhindern. Schon mit einfachen Mitteln läßt es sich erreichen. Am wirksamsten sind dicke Vorhänge, die man vor die unteren Teile der Fenster hängt, auch vor die Balkontüren, durch die es mit Vorliebe hindurchzieht. Besitzt man keine Vorhänge, und ist der richtige Stoff jetzt nicht leicht zu beschaffen, so findet man gewiß noch eine alte „Portiere" oder eine Decke, die sonst nicht regelmäßig gebraucht wird. Selbst ein kleiner Teppich ist verwendbar, wenn man ihn mit Ringen zum Aufhängen versieht. Es zieht durch die Fensterritzen! Das läßt sich vermeiden durch das Abdichten mit Filzstreifen oder schmalen Resten von festem Stoff, die man dazwischen klemmt. Ein gutes Mittel sind auch kleine Kissen oder Polster auf die Fensterbretter gelegt und dicht unter die Ritzen geschoben oder zwischen den Doppelfenstern befestigt. Hier finden geschickte Hausfrauen sicher manche Möglichkeit, aus hübschen bunten Stoffresten diese Polster herzustellen; innen füllt man sie mit Holzwolle, oder mit Flicken, mit Resten aus asten Kissen, oder auch mit Zeitungspapier. Auch die einfache Holzwolle, ja selbst trockenes Moos zwischen die Doppelfenster gelegt, tut gute Dienste, um Wind und Kälte abzuhalten. Auf Balkontüren, diese „Kälteeinfallstore", sollte man besonderes Augenmerk haben, daß sie gut und dicht schließen; sonst muß man sie besonders abdichten. Auch die Verdunkelung muß richtig angebracht sein. Die Jnnenfenster dürfen deswegen nicht offengelassen werden. Dadurch entweicht zu viel Wärme. Hier ist die Möglichkeit das Verdunkelungspapier nur oben zu befestigen, es dann hockzurollen und die Rolle mit einer Schnur festzubinoen, die beste Lösung. So lassen sich die Fenster richtig schließen. Am bequemsten ist es freilich, sich aus festem Papier ein Rouleau machen zu lassen; es ist allerdings etwas eurer, dafür aber leichter zu handhaben. Wie ist es mit dem Fußboden? Das Zimmer ist so fußkalt. Auch dann kann man Abhilfe schaffen, indem man unter den Teppich ein oder mehrere Lagen Zeitungspapier legt. Unbeachtet bleiben auch oft Bodenluken und Flurfenster. Wenn man nicht dafür sorgt, daß sie dicht schließen, vor allem auch wirklich fest geschlossen sind und nicht aus „Versehen" stundenlang offenstehen, sind sie geradezu heimtückische Wärmezerstörer. Manche Leute vermeiden im Winter ängstlich das Lüsten und wundern sich, wenn sie in der verbrauchten Zimmerluft trotzdem dauernd frostig sind. Dabei ist richtiges und gründliches Lüften auch in der kalten Jahreszeit eine Selbstverständlichkeit, durchaus eine Voraussetzung für gute Zimmerwärme. Es nutzt gar nichts, wenn eine frostige Seele denkt „nur das Fenster nicht weit ausmachen, die kostbare Wärme geht fort!"; denn wenn man das Fenster nur einen Spalt weit aufmacht, wird es auch nicht viel besser. Natürlich ist auch das Gegenteil falsch: das Fenster stundenlang offenstehen lassen! Dann kühlt natürlich das ganze Zimmer aus. Lüften muß man also nach einer rationellen Technik: dazu gehört nichts als Mut. Einmal — oder mehrere Male in entsprechenden Abständen, je nach der Beanspruchung des Zimmers — werden die Fenster weit geöffnet und evtl, etwas Durchzug gemacht, etwa 5 bis 10 Minuten lang, und dann werden sie wieder sachgemäß verschlossen, damit sich die Luft wieder erwärmen kann._________J- J Die Sportler sammelten für das Kriegs-WHW. Dotter und erfolgreicher Einsatz in Stadt und Land. •» Am Samstag und am gestrigen Sonntag standen die Stadt Gießen und zahlreiche Orte des Kreises Wetterau, ebenso wie überall im Reiche, im Zeichen des Sports und des Kriegs-Winterhilfswerks 19 40/41. Die erste Reichsstraßensammlung für das 2. Kriegs-WHW., bei der schöne Büchlein unter dem Gesamttitel „Des Führers Kampf im Osten" zum Verkauf gelangten, war bekanntlich dem NS.-Reichsbund für Leibesübungen und dem Sportamt „Kraft durch Freude" übertragen worden, die durch ihre Sportler und Sportlerinnen auf allen Straßen und Plätzen den Verkauf der Abzeichen durchführen ließen. > Schon am Freitagabend setzten zahlreiche Sportler und Sportlerinnen mit ihrer Sammeltätigkeit ein. Im Verlaufe des Samstagnachmittag war der erste Höhepunkt des tatfreudigen Sammelwerks zu verzeichnen. Ueberall konnte man den eifrigen Sammlern und Sammlerinnen mit den bekannten roten Sammelbüchsen des WHW. begegnen. Don den ältesten Semestern — wie beispielsweise dem 81jährigen Turner Dm p per, der in Begleitung des ebenfalls hochbetagten Ehren-Gauoberturnwarts Will und anderer Turner eifrig dem Verkauf der WHW.-Abzeichen oblag — über die mittleren Jahrgänge bis zu den jüngsten Sportlern und'Sportlerinnen ließ es keiner an Tatbereitschaft fehlen, um der großen Sache zum vollsten Erfolg zu verhelfen. Und wenn einem "Sammler oder einer Sammlerin die AbzeichemBüchlein ausgegangen waren, so wurde trotzdem nicht Schluß gemacht, sondern- nach früher schon oft bewährtem Muster der Sammelbetrieb weiter fortgesührt, denn durch ein freundliches, aufmunterndes Wort wurden immer wieder Groschen oder Fünfer usw. für die Sammelbüchse locker gemacht. Dem tatkräftigen Einsatz ver Sammler und Sammlerinnen entsprach in anerkennenswerter Weise wieder die Opfersreudigkeit der Volksgenossen, die gerne ihren Beitrag für die große Sache des Kriegs-WHW. leisteten. Wie am Samstag auf Straßen und Plätzen, so war auch am gestrigen Sonntag als zweitem Höhepunkt die Sammeltätigkeit auf den Sportstätten und den Platzen der Vereinsveranstaltungen eifrig im Gange, denn auch hier legten die Sportler und Sportlerinnen Wert darauf, daß neben den Eintrittsgeldern die dem WHW. zuflofsen, noch eine zusätzliche Leistung durch die Sammeltätigkeit erreicht wurde So kam es denn, daß in Stadt und Land die für den Kreis Wetterau bereitgestellten 100000 Abzeichen, von denen 36 000 Stück allein auf die Stadt Gießen entfielen, vollkommen verkauft wurden und darüber hinaus noch ein erkleckliches Mehr auf bem Wege Über die Sammelbüchsen dem Kriegs-WHW. zufloß. Unsere Sportler und Sportlerinnen, die bei dieser Gelegenheit übrigens auch für ihre sportlichen Bestrebungen werben konnten, haben allen Grund, nut ihrem Einsatz und dessen Ergebnis für das WHW. zufrieden zu fein. Filmvorführungen im Dienste der guten Esche. Der Schiklub Gießen veranstaltete zusammen mit dem Kanu-Klub am Samstagabend im „Burghof" eine Filmvorführung über die einschlägigen Sportarten. Vereinsführer Dörfner vom Schi-Klub begrüßte zunächst die Besucher und wies in seinen weiteren Ausführungen auf die Bedeutung des Kriegs-Winterhilfswerkes hin, dessen erste Straßensammlung in diesem Jahre von den Amtsträgern und Mitgliedern des deutschen Sports mit voller Hingabe zu der großen Sache zu leisten sei. Auch dieser Abend sei ein Beitrag für das Kriegs-Winter- hilfswerk. Dann rollte der erste Film vor den Augen der aufmerksamen Zuschauer ab. Er zeigte Ausnahmen aus den Dolomiten mit einem idealen Schigelände und die Leistungen von geübten Schifahrern im Hochgebirge. Bilder über die richtige Besteigung von über 2000 Meter hohen Bergen und die darauffolgenden kühnen Abfahrten wechselten miteinander ab. Die schönen Ausnahmen fanden allgemeine Bewunderung, insbesondere bei den schifahrenden Zuschauern, bei denen sicherlich Erinnerungen an ihre eigenen Schitouren wachgerufen wurden. < Als zweiter Film folgte ein Bildstreifen vom Rollschuhlauf. Die Aufnahmen wurden auf der Rollschuhbahn in Frankfurt gemacht und zeigten im ersten Teil die Grundbegriffe des Rollschuhlaufes. Alle Figuren des Rollschuhlaufes wurden dem Rollschuhläufer selber wie auch dem Laien in anschaulicher Weise gezeigt. Der zweite Teil des Films gab einen Ausschnitt vom Rollschuh-Kunstlauf. Die einzelnen Aufnahmen vermittelten einen Einblick in die Kunst des Rollschuhlaufes und in das harte Training, dem sich die Läufer und Läufe- Kleiner Rundgang ai In der Moltkestraße, im Haus Nummer 27, hämmert einer aus Leibeskräften — in der Werkstatt für Segelflugzeugbau ist die Flieger-HI. an der Arbeit. In einer geräumigen Werkstatt, mit Werkzeugen und Maschinen ausgezeichnet eingerichtet, find Tragflächen und andere Teile von Segelflugzeugen aufgebaut, daran die Hitlerjungen mit sichtlicher Freude arbeiten, gilt es doch, einen „Bruch" auszubessern. In einer leider nur kurzen Unterhaltung wird uns erklärt, daß die Flieger-HI. in vier Gruppen jeweils zwei Abendstunden hier am Segelflugzeugbau arbeitet und baut unter der Anleitung des Bauleiters, um nach Ableistung der erforderlichen Baustunden zur Segelfliegerprüfung zugelassen zu werden, die mehrmals mit gesteigerter Flugleistung abgelegt werden muß. Der blonde Junge, hoch aufgeschossen und mit unvermeidlichem Schopf, gibt auf rinnen zur Erzielung solcher Leistungen unterwerfen müssen. Dr. Pfeffer begleitete den Bildstreifen mit fachlich aufklärenden Worten, die als eine begrüßenswerte Ergänzung der Aufnahmen angesprochen werden konnten. Als dritten und letzten Film sah man Aufnahmen aus dem Kanusport. Eine Kanufahrt auf einem Wild wasser in Oberbayern in der Nähe des Ammersees zeigte alle Schönheiten, die mit einer Paddelfahrt auf einem solchen Gebirgsbach verbunden sind. Eingeschlossen in hohe Berge zieht der Wild- bach seinen Lauf, und auf dem reißenden Wasser, in seinen Stromschnellen und über seine Wehre sah man die Paddler mit ihren wendigen Booten alle mit einer solchen Fahrt verbundenen Gefahren überstehen, abgesehen von einigen kleinen an sich bedeutungslosen Aufenthalten, hervorgerufen durch das Umkippen eines Bootes und ähnliches. Glücklich und wohlbehalten gelangen sie auf den Ammersee. Damit fand die wohlgelungene Filmveranstaltung ihr Ende. n Sonniagvormiltag. alle Fragen erschöpfend Auskunft; wir aber müssen weiter und verabschieden uns mit herzlichem Dank. Auf dem kurzen Weg zum Stadttheater hören wir aus einem Lautsprecherwagen, daß ein Seemann sich durch nichts erschüttern läßt. Ebenso unerschütterlich waren die Kinder -zu ihren Vorführungen angetreten, um im Kreis zu fingen und zu tanzen „Wir haben eine Ziehharmonika". Sie fangen und tanzten noch anderes zur Freude der zahlreichen Zuschauer, unter die sich einige der kleinen Turnerinnen und Turner mit den Sammelbüchsen mischten. Faustballspiele auf Oswaldsgarten und ein Radrennen „Rund um die Anlagen", in drei Klaffen gefahren, ziehen eine erhebliche Anzahl von Zuschauern an sich, die den Leistungen der Konkurrenten nach jeder Runde lauten Beifall spenden. Auch hier klappern unentwegt die Sammelbüchsen mit gutem Erfolg. Der Einsatz des Fußballs. Man kann ruhig behaupten, daß seit dem Spiel der Stadtmannschaft gegen die Marinemannschaft der Waldsportplatz einen derartig farbigen und auf technisch hoher Stufe stehenden Kampf nicht gesehen hat. Bis zur letzten Minute stand nicht fest, wer den Platz als Sieger verlassen würde. Wenn die Flieger den Sieger stellten, so verdanken sie es in erster Linie ihrem Halblinken Lutter, der einmal mehr bewies, was eine Spielerpersönlichkeit für eine Mannschaft bedeutet. Damit sind mir schon bei der Mannschaftskritik. Die Flieger hasten einen schwachen Punkt in ihrem Tormann, der große Unsicherheit bei flachen Bällen bewies. Die übrigen Spieler zeigten reifes technisches Können und vergaßen nie, daß in der Gesamtleistung der Grund jedes Erfolges liegt. Demgegenüber zeigte die Stadtmannschaft von vornherein durch das Nichtspielen von Anton und Heeg Schwächen, die trotz allem Eifer der Ersatzleute nicht ausgeglichen werden konnten. Auch die teilweise Unsicherheit von Fischer trug zur Niederlage bei. Als auffallend schußunsicher erwies sich der Linksaußen, der mehrmals Gelegenheit hatte, dem Spiel die entscheidende Wendung zu geben. Schiedsrichter Zitzer leitete korrekt und großzügig. Entsprechend den Leistungen war auch der finanzielle Erfolg. Damit zeigte sich, daß der Aufruf an die Gebefreudigkeit der Anhänger des Fußballs seinen Zweck nicht verfehlt hatte, lag doch die Zuschauerzahl über dem Doppelten der Zahl bei anderen Spielen. Die elf Tore. Die Flieger haben Anstoß und kommen sofort auf dem linken Flügel durch, scheitern jedoch an dem rechten Verteidiger. Auch der Gegenangriff der " Stadtmannschaft bleibt ohne Erfolg. Ueberraschend füllt das erste Tor. Der Halblinke Rückkehr eines Soldaten. Von Rudolf Schneider-Gchelde. Er kommt zurück und lächelt. Das Glück leuchtet ihm aus den Augen, er tritt ein und setzt sich an den Tisch und blickt umher, um sich zu vergewissern, ob alles noch so ist, wie es war. Man sitzt ihm gegenüber und blickt auch ihn daraufhin an, ob alle- ist, wie es war. Es scheint sich nichts verändert zu haben. Er ist der gleiche gute Junge, als der er ausgezogen ist, er hat das gleiche Gesicht wie vordem, dieselben Hände, er hebt und senkt die Schultern genau so wie frsiher und hat auch noch die Grübchen in den Wangen; und schließlich — stellt sich heraus — ißt er genau so gern Pfannkuchen wie ehemals. Hat sich wirklich nichts verändert? Er war im Krieg. Er hat gekämpft. Er hat geschossen und es wurde auf ihn geschossen. Es war ein hartes und gefährliches Leben, das er führte, er hat dem Tod ins Auge geblickt — und gar nichts soll sich verändert haben? Er sitzt zwischen den anderen, als wäre nichts gewesen, und nimmt an der Unterhaltung teil, als habe er nie etwas anderes getan. Er reicht dir Feuer für deine Zigarre, er bietet dir einen Stuhl an, sagt bitte, wenn er etwas wünscht, und danke, wenn er es erhält, er schlägt nicht mit den Fausten auf den Tisch, er entwickelt nicht die Spur von einem wilden Lagerleben, und wenn du es nicht wüßtest, würdest du niemals glauben, daß er im Krieg gewesen ist, daß er Soldat ist und morgen vielleicht wieder in den Krieg zieht. Du wurdest niemals ahnen und kannst es auch jetzt nicht verstehen, daß dieser Körper im Feuer lag, daß diese Arme und Hände Maschinen bedienten, die Untergang bedeuten. Es ist derselbe Körper, der sich nun behaglich reckt, sind dieselben Augen, die jetzt harmlos und heiter leuchten, dieselben Arme und Hände, die sich schmeichelnd um eine Mädchenhüfte legen. Wie geht ^Es "geht so zu, daß mehr und Vielfältigeres im Menschen steckt, als wir in unserer üblichen Zerstreutheit annehmen. Was im Menschen als Idee schwingt oder klingt oder kreist, ist durch ihn zu verwirklichen. Je ausschließlicher die Idee ist, um so mehr schließt ihre Verwirklichung das übrige Menschliche in uns aus. Im Ruhezustand sozusagen, im Frieden, in der Behaglichkeit feines zivilen Lebens ist der Mensch mehr oder weniger, was Artung Neigung und Erziehung aus ihm machen. Daraus ergibt sich die Vielfalt unseres Lebens. Don einer Idee aufgerufen und in ihren Bann gebracht, versinkt mit der zunehmenden Annäherung an den Gehalt der Idee alles andere in ihm, es tritt in den Hintergrund, nicht um gänzlich zu verschwinden, sondern im Sinn einer Latenz. So wird gegebenenfalls der große Liebende, so wird der Held, so wird auch der Soldat. Der Soldat wird nicht dadurch allein aus dem Menschen, daß er seine zivile Kleidung mit der Uniform vertauscht. Das ist nur der erste Schritt. Der Soldat entwickelt sich allmählich durch die Unterwerfung unter den Befehl, die Ausschaltung der privaten Möglichkeiten also, durch die Gemeinsamkeit der Lebensweise, die Verneinung der individuellen Wunscherfüllungen also, durch die Einordnung in eine eherne Gesetzmäßigkeit, die Ausschaltung der subjektiven Willensbildung also. Doch erst im Einsatz, fm Kriege, kommt der Soldat wirklich zum Vorschein, und erst mit der zunehmenden Steigerung des Einsatzes tritt er immer stärker und einziger hervor, bis er zuletzt, im Einsatz des Lebens, den Menschen in sich gewissermaßen ausstoßend, ganz und gar Soldat ist, nur noch Soldat. Nur so, aber auch tatsächlich so erklären sich die übermenschlichen Leistungen deß Soldaten (in Wahrheit übermenschliche, roffl sie über dem Menschlichen liegen), die Ausdauer, die Todesverachtung, der Heldenmut, die Unbesieglichkeit. So, aber wieder tatsächlich so erklärt sich auch, daß alle, an die der Bann der Idee nicht herangetragen worden ist, die- Verwandlungen des Menschen zum Soldaten nicht verstehen und ebenso wenig die Rückverwandluna: daß der Soldat auch ist wie wir. Aber mit abnehmender Inanspruchnahme des Soldaten im Menschen regt sich naturgemäß jeweils der Mensch in ihm; es wacht all das auf, was während der Erfüllung des Begriffs Soldat untergetaucht und kaum noch vorhanden war. Es hat einen tiefen Sinn, wenn wir sagen: er starb als Soldat; denn es will heißen und heißt: er starb schmerzlos, in einer Form seiner Existenz, in der alles Menschliche wie Leib, Kummer, Angst, Qual aus ihm abwesend war. Es hat einen nicht minder tiefen Sinn, daß wir den Verwundeten vom Kriegsrecht ausnehmen: nicht nur, weil er im bloßen Sinn des Wortes kampfunfähig ist, sondern weil sein Menschliches, das durch die Verwundung aktuell Gewordene, ihn an der Verkörperung des Soldatseins verhindert. So verstehen wir, was wir nicht verstehen konnten: Das Lachen, die Freude, die Harmlosigkeit, die Liebenswürdigkeit, die Lebenslust des Soldaten, der nach Hause gekommen ist. Jener Inbegriff des Soldatentums, dem er draußen verhaftet war, verlangt hier keine Erfüllung mehr, und fein ganzes Menschliches, in dem sich vieles aufgestaut hat, meldet sich zum Leben an: Der Gatte, der Vater, der Sohn, der Freund, der Liebhaber, sie alle kommen ans Licht. In diesen menschlichen Bezirken des Daseins hat sich wirklich nichts verändert außer, daß alles wie neugeboren erscheint, verändert jedoch hat sich etwas in den übermenschlichen Bezirken: hier ist eine Ahnung zum Erlebnis und zur (Erfüllung geworben, etwas, was Möglichkeit war, wurde Wirklichkeit, und wenn wir sehr feine Augen haben, sehen wir diese Veränderung trotz der Grübchen in den Wangen, obwohl die Hände, die Augen, das Gesicht, die Gebärden und — um es noch einmal zu sagen — auch die Liebhaberei für Pfannkuchen dieselben geblieben sind. Das Wissen ums Leben hat in unserem Soldaten zugenommen, mit anderen Worten, er ist gereift. Und wenn er auf unsere direkten Fragen, wie alles da draußen war, vielleicht zögernd antworten wird: Ich weiß selbst nicht, es war — wie in einer andern Welt, so ist er doch in dieser andern Welt gewesen. Er sagt die Wahrheit, er war mehr als ein Mensch: Er war in einer anderen Welt. Randbemerkungen. Von Sigmund Graff. Sage mir, wer mit dir aus demselben Grund herzlich lachen kann, und ich will dir sagen, wer dein Freund ist. Alte Bekannte lernt man oft ganz neu kennen, wenn man nach längerer Trennung überraschend wieder mit ihnen zusammentrifft. Sie haben dann keine Zeit, Maske zu machen — wie wir keine Zeit haben, uns früherer Urteile oder Vorurteile zu erinnern. Infolgedessen erscheinen sie uns nicht selten von einer Seite, die wir — im Positiven wie im Negativen — vielleicht viele Jahre lang gewohnheitsmäßig übersehen haben. Wertbeständige Menschen sind noch begehrter als wertbeständige Papiere. * Je größer eine Gesellschaft ist, um so mehr verlagert sich ihr Niveau nach unten. Je edler ein Mensch ist, um so mehr zieht er seine Gesellschaft zu sich empor. Wer keine Schwäche hat, kann nur schwer geliebt werden. Leute, die allgemein beliebt sind, haben die Eigenart, den andern Leuten (bewußt oder unbewußt) immer wieder denselben kleinen Fehler oder dieselbe kleine Schwäche vor Augen zu fuhren — wobei es sich selbstverständlich um eine allgemein bekannte, vielen Menschen gemeinsame Schwäche handeln muß, da nur eine solche Schwäche sympathisch ist. Leute, die allgemein unbeliebt sind, sollten sich prüfen, ob sie nicht einen beliebten Fehler — mehr als den Leuten lieb ist — vor den Leuten verstecken. Alle Liebe entsteht durch die Entdeckung einer Schwäche, der man zu Hilfe kommen möchte. * Wer einem großen Mann das Kleine nimmt, das ihm anhaftet, nimmt ihm zwar nicht die Größe, aber er macht sie unsichtbar. Bilder ohne Schatten wirken nicht. Was wäre der Alte Fritz ohne die Schnupftabakdose? * i Die Popularität vieler bedeutender Männer beruht allein darauf, daß sie eine große Leistung durch eine kleine Schwäche ergänzen. Sie korrigieren dadurch gleichsam den Vorsprung, den ihnen Natur und Schicksal vor allen anderen gegeben haben. Ihre Schwäche — und wenn sie sich bloß durch einen immer verrutschten Schlips dokumentiert — ist die Treppenstufe, über die ihnen die unbevorzugte Mitwelt neidlos nahe kommen kann. Denn Erfolg ohne Einschränkung fordert den Neid, Leistung ohne Schwäche den Widerspruch heraus. Unfehlbare Menschen sind entweder uninteressant ober unheimlich. Achilles ohne seine Stärke ist nichts. Achilles ohnck seine Ferse ist noch weniger. * An geliebten Menschen gefällt uns meist nicht das Schöne, sondern das Charakteristische. Stupsnasen werden ebenso heiß geliebt wie griechische Profile. In der Kunst darf ich das, was mir nicht in den Kram paßt, getrost übersehen, denn die Pointe meiner Kunst bestimme ich selbst. Im Leben darf ich das, was mir nicht in den Kram paßt, unter keinen Umständen übersehen, denn die Pointen des Lebens bestimmt das Schicksal. * Kraft und Gefühl wohnen in einem guten Herzen ebenso dicht beisammen wie in einem schlechten Roheit und Sentimentalität. * Der Trieb zur Kunst: Sich selbst spüren wollen ..« Sich selbst genießen wollen. Der Weg zur Kunst: Sich selbst opfern. Kunst ist Steigerung. Ein Mord auf der Bühne ist viel furchtbarer als ein Mord im Leben — oder er hat nichts mit Kunst zu tun. Es gibt auch eine geniale Ordnung. Und ein leerer Schreibtisch ist nicht immer der Beweis für einen hohlen Kopf. Wahre Führernaturen erkennt man nicht selten an der „Aufgeräumtheit" ihrer Umgebung. Ihr Geheimnis besteht darin, durch blitzschnelle Erledigung alles Unwesentlichen für alles I Wesentliche eine unvorstellbare Menge Zeit zu haben. ülmIWkimM« Roman von Helene Kalisch Copyright 1939 by Prometheus -Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München 29. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Dietmuthe hat sich erhoben. Die Hand auf das »blanke schwarze Ebenholz des Flügels stützend, neigt sie den Kopf ein wenig gegen die Schulter, ein spielerischer, katzenhafter Blick gleitet über Marta, und mit dem immer gleichen eiskühlen und weltenfernen Lächeln sagt sie: „Oh, er würde sich rasch wieder daran gewöhnen, glauben Sie nicht auch? Ich bedaure sehr. Ihnen die Enttäuschung bereiten zu müssen, und verstehe auch, daß Sie für die Wohltaten, die Sie dem armen Klaus erwiesen haben, gern belohnt sein möchten. Und... daß er Ihnen gefällt, begreife ich auch. Aber Sie dürfen mir ruhig zugestehen^ daß ich klarer sehe. Was auch zwischen meinem Mann und mir steht, ich wünsche es ihm doch nicht, daß er gänzlich untersinkt, bei einem armseligen Leben verkümmert, zeitlebens in einer Niederung gebunden bleiben soll, die ihm... gar nicht gemäß ist! Dazu ist er mir doch zu schade! Sie können mich vielleicht nicht ganz verstehen, Fräulein Ellrich, dazu ist wohl Ihr Lebenskreis zu beengt. Sie können sich in so gänzlich fremde Verhältnisse schwerlich hineinversetzen. Und Sie wissen wahrscheinlich gar nicht, wer Klaus Tjaden früher war, wie er zu leben gewohnt war?" Marta krampft ihre Finger in den neuen Handschuhen, die sie sich vorhin erst gekauft hatte, fest ineinander. „Und Sie, gnädige Frau, scheinen noch immer nicht zu erkennen, um was es für Klaus und mich geht? Es geht um unser beider Leben... oder Sterben!" „Ach, nicht doch", wehrt mit sanfter Ueberlegen- heit die schöne Frau ab und wendet ihr Gesicht zur Seite, als bemühe sie sich, ein ironisches Lächeln zu verbergen; und aus dem Hintergründe des Zimmers, wo die Freundin in einem Sessel lchnt, kommt ein kurzer spöttischer Lachton. Da steht Marta auf. Sie hat die Empfindung, als drehe sich das Zimmer um sie und schwanke der Boden unter ihr. Die Kehle ist ihr wie zugeschnürt. Dietmuthe geht einige Schritte nach dem Nebenzimmer hin, wendet sich, nahe der Tür, nach Marta um, und deutlich dem Wunsche Ausdruck gebend, die Unterredung rasch zu beenden, fragt sie: „Sie erwarten ein Kind von ihm?... Ja, da glaube ich gern, daß Sie in Sorge si/ld und ihn feschalten möchten. Das kann aber für mich kein Grund sein, meinen Entschluß zu ändern. Ich kann Ihnen also nicht helfen — wenigstens nach dieser Richtung hin nicht. Aber in anderer Weise bin ich eher dazu bereit — vielleicht, falls Sie Geld brauchen?..." „Nein, danke!... Das brauche ich nicht!" stößt Marta tonlos hervor und geht rasch aus dem Zimmer und der Wohnung. Beim Hinab geh en der Treppe wird ihr Schritt unsicher, und sie lehnt sich in einem Schwächegefühl an die Wand. Die Uebelkeit, die sie jetzt so oft peinigt, kommt wieder. Mit fast übermenschlicher Anstrengung kämpft sie dagegen an, verläßt das Haus, schleppt sich durch die Straßen, durch das Derkehrs- gewühl mit zerbrochener Kraft. Schonungslos ist alles vernichtet, was sie gehofft, woran sie geglaubt, sich mit aller Kraft ihrer Seele geklammert hat. Hilflos und verstört steht sie vor einer neuen furchtbaren Erkenntnis: Das, was früher einmal war in Klaus Tjadens Leben, was sie tot und vergangen wähnte — ein Schatten nur noch, der zuweilen in das Helle, strahlende Licht ihres neugewonnenen Daseinsinhalts hineindunkelte — es lebt noch! Es war ein schwerer Fehler, es wegzulöschen aus den Gedanken, daran vorbeizuleben; es ist gegenwärtig und wirksam. Sie, die gefährliche Person, die Klaus einmal zum Verhängnis geworden ist, sie hält ihn auch jetzt noch fest Ihre zarten Hände sind wie stählerne Fesseln... Und sie war so töricht gewesen, zu glauben, er gehöre ihr, sei ihr Lebensgefährte!... So ein Glück gibt es für sie nicht in der Welt. In Not geraten war er und hatte sich dabei in eine Umwelt verirrt, die nicht die seine war. Das hatte sie ja auch gefühlt vom ersten Tage an, als sie sich begegnet waren. Aber dann Ist es so gekommen, daß sie ihn liebgewann, und nun war ein heimlicher Stolz in ihr gewachsen, der ihr die Lippen schloß, wenn der Flieger erhält den Ball, eine kurze Körperwendung, und unhaltbar landet sein Schuß im Netz. Als Ehmann zu dem freistehenden Linksaußen flankt, mußte der Ausgleich fallen. Dieser schießt jedoch aus nächster Nähe über das Tor und vergibt damit eine große Torgelegenheit. Aber kurze Zeit darauf gelingt Ziegler bei einem Gedränge der Ausgleich. Wieder ist es der Halblinke, der die Flieger durch einen überraschenden Schuß, der von Fischer abspringt, in Führung bringt. Ein von der Latte abspringender Kopfball von Ehmann, der im Nachschuß verwandelt wird, bedeutet wieder den Ausgleich. Als bei einer Steiloorlage Schlitz und der Halbrechte zur gleichen Zeit nach dem Ball starten, springt dieser ab, und die Flieger sind erneut in Führung. Eine verunglückte Fußabwehr des Tormanns der Flieger bedeutet erneut den Ausgleich. Die Stadtmannschaft ist jetzt leicht überlegen. Gerade hat der Linksaußen^ danebengeschossen, als erneut die rechte Seite durchbricht. Der Flankenball kommt nicht aus dem Strafraum, und schon heißt es 4:3 für die Stadtmannscyaft. Dann ist Halbzeit. Bei der schnellen Spielweise ist in der zweiten Halbzeit die Frage nach dem Sieger nur eine solche des größeren Stehvermögens. Als die Stadtmannschaft mit drei Ecken die zweite Halbzeit eröffnet, glaubt man bei ihr die größeren Reserven. Ein Alleingang des Linksaußen schraubt das Torverhältnis auf 5:3 für die Stadtmannschaft. Langsam gewinnen aber die Flieger durch gute Aufbauarbeit ihrer Läuferreihe eine Feldüberlegenheit. Auch Funk, der hinten aushilft, kann den Druck nicht brechen. Ein wundervolles Dribbling des Halblinken, und unhaltbar sitzt der Ball in der oberen rechten Ecke. Schon beim erneuten Angriff fällt, nachdem Fischer einen Ball unnötig ab klatscht, der Ausgleich. Nachdem die Gießener trstz zweier gutgemeinter Nachschüsse das Tor nicht finden können, ist es wieder der Halblinke, der den 6:5-Sieg der Flieger sicherstellt. Die Stadtmannschaft B wurde in Heuchelheim, nicht vollständig antretend, vernichtend geschlagen. Voller Erfolg der Handballer. lieber den Einsatz des Fachamtes Handball bei der 1. Reichsstraßensammlung für das Kriegs-WHW. 1940/41 kommen aus allen,Teilen des Bezirks günstige Ergebnismeldungen. Wenn der Ertrag günstig war, so mag das beweisen, mit welchem Einsatz man allenthalben zu Werke gegangen ist. Ob man, wie beispielsweise in Garbenheim, in einem Werbeumzug auf den Tag aufmerksam machte, oder die Sammeltätigkeit in den Rahmen von Sportveranstaltungen einbaute, überall war das Interesse rege. Besonders hervorgehoben muß werden, daß die aktiven Handballer den Zuschauern mit gutem Beispiel voran- gingen. Sie gaben vielerorts vor dem Spiel — gleichsam symbolisch — ihren Teil in klingender Münze und gingen so der Oeffentlichkeit auch in dieser Be- -ziehung mit gutem Beispiel voran. Auf dem DfB.-Platz standen sich eine Gießener Stadtmannschaft und eine Mannschaft der Wehrmacht gegenüber. Gut eingeschlagen haben auch die Kombinationen, d. h. die Gegenüberstellungen von Fuß- und Handballmannschaften. Es kamen teilweise ganz überraschende Ergebnisse zustande. So schlug Grüningen im Handball die Fußballer mit 15:5 und errang anschließend im Fußball ein ehrenvolles Unentschieden. An Spielergebnissen sind bis jetzt bekanntgeworden: Gießener Stadtmannschaft — Wehrmacht 8:7. Hörnsheim — Lang-Göns 18:14. Garbenheim — Nauborn 22:7 (12:2). Lang-Göns — Holzheim 4:2. Atzbach — Garbenheim Igd. 14:2 (7:1). Launsbach — Krofdorf Igd. 2:0 (0:0). Hochelheim A — Hochelheim B 9:9. Katzenfurt — Wehrmacht 21:1 (14:0). Dornholzhausen — Hörnsheim 18:8(!). Watzenborn-Steinberg — Hausen 6:2 (3:1). Oberkleen — Lang-Göns II 10:7. Besuch bei den Schützen. Der Schützenverein Gießen hatte seine Schießstände Den schießfreudigen Volksgenossen zur Verfügung gestellt. Schon am Sonntagmorgen waren die Freunde des Schießsports eifrig bei der Sache und leisteten auch hier ihren Beitrag für das Kriegs-Winterhilfswerk. Auch am Nachmittag fanden sich noch zahlreiche Schützen ein, die durch die Ableistung von Schießübungen ihr Scherflein für das große Opferwerk beitrugen. Den erfolgreichen Schützen wurden je nach Leistung bronzene,silberne ober goldene Nadeln überreicht. Guter Veitrag der Radfahrer. Auch b-ie Radfahrer hatten sich zu den Veranstaltungen für die erste Sammlung des WHW. 1940/41 mit ihren zur Verfügung stehenden Kräften, bereit» gestellt, um auch an ihrem Teile den Erfolg der Sammlung zu sichern. Das „Rundstreckenrennen um die Gießener Anlagen" war nicht nur ein Erfolg der Radfahrer, sondern auch der Gießener Polizei, die durch Gestellung des Lautsprecherwagens sowie sämtlicher zur Verfügung stehender Dolizeimann- schaften in altbekannter guter Weise aofperrte. In der Klasse der Geschäftsradfahrer, welche 3 Runden zu fahren hatten, siegte Hammel in der Zeit von 19,13 Minuten, zweiter wurde Glock in der Zeit von 23,45 Minuten. Klasse I von 12—14 Jahren: Hier wurden die beiden Fahrer mit Tourenrädern mit Vorgabe gestartet. Hans Werner hatte gleich beim Start Radschaden zu beheben und so einen größeren Zeitverlust aufzuholen. Am Schluß der ersten Runde hatte er schon die Spitze übernommen, um sie nicht mehr abzugeben. Im Spurt siegte er vor Meh l. Ergebnis: 1. Haps Werner, Streifengefolgschaft, 24,15 Mn. 2. Mehl, Hochelheim, 24,18 Min. 3. Brück, Fähnlein II, 27,00 Min. In der Klasse der 14—16jährigen blieben die Fahrer über die gesamte Strecke zusammen. Hier siegte Heyd, Fähnlein II, in der Zeit von 23,16 Mm. über Mehl, Hochelheim, mit 23,18 Mm In der Klasse der Aktiven konnte Becker seine in Frankfurt gezeigte Form bestätigen. Er siegte in jeder Spurtrunde. Reuschling hatte gleich in der ersten Runde Radüefekt und siel so eine Runde zurück. Die bei jeder Runde eingelegten Wertungen trugen viel zur Belebung des Rennens bei. Ergebnis: Sieger Becker in 40,46 Min. mit 40 Punkten. II. Forster in 41,47 Min. mit 24 Punkten. III. Degen in 43,00 Min. mit 8 Punkten. IV. Baumann in 43,15 Mn. mit 0 Punkten. V. Kraft in 44,55 Min. mit 2 Punkten. VI. Reuschling in 46,22 Min. mit 14 Punkten. Am Nachmittag konnten die Fahrer schon am Oswaldsgarten ihre Kunst zeigen. Bei dem Umzug durch die Stadt halfen sie viele Besucher zum Schwanenteich bringen. Dort wurde im Radballspiel um die Stadtmeisterschaft in zwei Spielen gestartet. Das erste Spiel endete unentschieden 9:9 Toren. Beim zweiten Spiel siegte die Mannschaft Deibel-Don Eiff, Willi, mit 9:5 Toren über die Mannschaft Stvmmel^VonEiff, Otto, und wurde somit Stadtmeister. Die Kunstfahrer zeigten, daß sie trotz langer Ruhepause immer noch die hohe Kunst des Rades beherrschen. Ihre Vorführungen wurden vom Publikum mit lautem Beifall belohnt. scheine bis zum Ende 1940 noch möglich fein, jedoch kann mit Beginn des Jahres 1941 nicht mehr mit weiteren Zuteilungen gerechnet werden. Aus dem gleichen Grunde muß jede neue Ausgabe von Futtermittelscheinen für mchtlandwirtschaftliche Schweinehalter ab sofort unterbleiben. Die Einstellung von Ferkeln ober Läufern zur Mast soll nur vorgenom- men werden, wenn die Mast mit Futtermitteln durchgeführt werden kann, die ohne Zukauf zur Verfügung stehen. Fahren zur Nachtzeit ohne Licht ist verboten. Wiederholte Wahrnehmungen in letzter Zeit, daß nach Eintritt der Dunkelheit Fahrzeuge ohne jegliche Beleuchtung die Straßen befahren, veranlassen die zuständigen Stellen, auf § 18 der 8. Durchführungsverordnung zum Luftschutzgesetz hinzuweisen. Danach sind alle die Straßen zur Nachtzeit benutzenden Verkehrsmittel zu beleuchten und an den unbedingt verkehrsnotwendigen Lichtquellen Verdunkelungs- maßnahmen durchzuführen. Fahrzeughalter, die nach Eintritt der Dunkelheit ihr Fahrzeug auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen — ohne beleuchtet zu haben — benutzen, machen sich strafbar. Die lieber* wachungsorgane find angewiesen, solche die Sicherheit gefährdenden Verfehlungen unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen. Insbesondere müssen landwirtschaftliche Gefährte nach Einbruch der Dunkelheit beleuchtet und abgeblendet fein. Die Verwertung von Wildbeeren. Das tat sich am Schwanenteich. Da haben die Gießener gestaunt, als sich am frühen Sonntagnachmittag vom Oswaldsgarten her hinter dem Lautsprecherwagen der Polizei ein langer Zug von Fahrzeugen, die an sich nichts auf der Straße zu suchen haben, nach dem Schwanenteich bewegte. Zunächst kam hinter den Fahnen ein Schiläufer, der seine Bretter mit Rollen versehen hatte und allerhand Kapriolen ausführte, als hätte er den schönsten Pulverschnee vor sich. Ihn begleitete eine Reihe junger Rollschuhläuferinnen, denen, auf dem Hinterrad aufgebaut, die Kunstradfahrer folgten. Dann kamen die Paddler mit einer großen Anzahl von aufgebauten Booten und zum Schluß die Ruderer mit einem hochbeladenen Bootswagen. Am Schwanenteich hatte sich eine nach Tausenden zählenden Menge eingefunden, um den Darbietungen bei dieser Schauveranstaltung des NSRL. zu folgen. Unter Leitung der Bezirksfachwarte für Kanu (Dr. Schwarzmaier), Radsport (August Deibel), Rollsport und Sommerspiele (Dr. Pfeffer) und Schi- sporr (Fritz Dörfner) wickelte sich in rascher Aufeinanderfolge ein reichhaltiges Programm ab. Die Gießener Radfahrvereinigung, die mit ihren zum Teil stark bejahrten Kämpen erneut unter Beweis stellte, daß Radfahren jung erhält, brachte zwei Radballspiele und ein Diererkunstfahren. Die zahlreichen Darbietungen der Rollschuhläufer haben durch ihre Schönheit und Anmut entzückt, und bei manchem Jungen und manchem Mädel das Intex- esse für diesen alten und jetzt wieder jung werdenden Sport geweckt. Besonderen Spaß machte ein Wettlauf zwischen dem Rollschi- und einem jungen Rollschuhläufer, den zwar der letztere mit Leichtig» leit gewann, auch wenn der Rollschier nicht unter- wegs gestürzt wäre, der aber zeigte, wie doch dem Schiläufer auch auf dem trockenen Erdboden durch den neuen Rollschi vielerlei Uebungs- und Betätigungsmöglichkeiten gegeben find. Zwischendrin brachten die Turnerinnen des Mto. und des Tv. 1846 ein interessantes und spannendes Korbballspiel und zeigten vielgestaltige Sprungübungen am Kasten. Neben all diesen Vorführungen auf der Rollschuhbahn herrschte lebhaftes Treiben auf dem Schwanenteich selbst. Die Paddler führten vier Kurz- strecken-Rennen und eine Staffette durch, über die am Dienstag ausführlich berichtet wird (2. Gießener Kanu-Stadtmeisterschaften). Zwischendurch dursten die Kinder — fürs WHW. — auf dem Teich Boot fahren. Die Ruderer des Ruderklubs „Haffia" brachten verschiedene Uebungsläufe zur Schau, denen bei späterer Gelegenheit wohl auch einmal die erste Ausschreibung von Kurzstrecken-Rennen folgen werden. Ueberhaupt haben die Gießener Wassersportler jetzt endlich zum erstenmal entdeckt, daß man auch auf dem Schwanenteich, also an einer für die Gießener Bevölkerung zugänglichen Stelle, ernsthafte Veranstaltungen aufziehen kann. Man war zwar anfänglich etwas im Zweifel, was die alteingebürgerten Schwäne zu dieser „Invasion" sagen würden, aber sie haben das einzig Richtige gemacht: Als das erste Kanu-Rennen stieg, starteten sie schön in Linie ausgerichtet vorneweg, beendeten unter dem Beifall der Menge als überlegene Sieger den Lauf und hielten sich dann stolz während des ganzen Nachmittags abseits. Während dieser ganzen Vorführungen an und auf dem Schwanenteich klapperten die Büchsen in der Zuschau er menge, die gerne den Beutel zückte. Dornotizen. Tageskaleuder für Montag. Glyria-Palast, Seltersweg: „Trenck, der Pandur". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Rakoczy-Marsch". Ortszeit für den 24. September. Sonnenaufgang 7.14 Uhr, Sonnenuntergang 19.19 Uhr. — Monduntergang 14.39 Uhr, Mondaufgang 23.48 Uhr. Letztes Viertel 19.47 Uhr. Mond in Nordwende. Die Sprechstunden der DAF., Abteilung für Berufserziehung und BetriebsführunA Gießen, werden ab sofort Montags und Freitags von 17 Uhr auf 19 Uhr verlängert. Anmeldungen zu Lehrgemeinschaften können insbesondere von den Arbeitskameraden abgegeben werden, die erst nach 17 Uhr kommen können. Dauer der Sprechstundenverlängerung bis 11. Oktober 1940 einschließlich. 4183D Wer erhält Genehmigung zur Hausschlachtung? In der Hallsschlachtungszeit 1940/41 werden diejenigen nichtlandwirtschaftlichen Selbstversorger, die bereits in der Hausschlachtungszeit 1938/39 und 1939/40 Hausschlachtungen in entsprechendem Umfange vorgenommen haben, eine Hausschlachtungs- genehMigung erhalten, wenn sie die zur Schlachtung bestimmten Tiere selbst gehalten unb gefüttert haben. Wer 1938/39- und 1939/40 keine Hausschlach- tung vorgenommen hat, erhält in der Haus'schlach- tungszeit 1940/41 eine Ausnahmegenehmiaung nur dann, wenn er das zur Hausschlachtung bestimmte Tier nicht nur selbst gehalten und gefüttert hat, sondern 'hierfür auch Futtermittel verwendete, die ihm ohne Zukauf zur Verfügung standen. Das gleiche gilt für nichtlandwirtschaftliche Selbstversorger, die in der Hausschlachtungszeit 1939/40 eine Hausschlachtung auf Grund einer Ausnahmegeneh- mgung vorgenommen haben, weil sie für 1938/39 keine Hausschlachtung nachweisen konnten. Diese Beschränkungen von Hausschlachtungsgenehmigungen auf nichtlandwirtschaftliche Schweinehalter, die mit selbstgewonnenen Futtermitteln mästen, ist notwendig. Zwar wird voraussichtlich die Futtermittelzutei- lung aus die bereits ausgegebenen Futtermittel- Dis Verwertung von wildwachsenden Früchten ist leider zum großen Teil in Vergessenheit geraten. Dabei lassen sie sich wegen ihres feinen Aromas und würzigen Geschmacks vielseittg in der Küche verwenden. Wildfrüchte sind reich an Nährstoffen und Vitaminen. Das gilt vor allem für Hagebutten, die zu unseren hochwertigsten heimischen Früchten gehören, das wichtige Vitamin C bleibt selbst in den getrockneten Früchten bis in die Frühjahrsmonate erhalten. Man kann sowohl dis ganzen, als auch die halbierten Früchte trocknen, muß jedoch auf alle Fälle die Kerne und Härchen auskratzen. Eine andere Form der Haltbarmachung besteht darin, daß man die Früchte zu Kompott, Marmelade oder Mus verarbeitet. Zu Tunken, Suppen, Süßspeisen aller Art werden frische unb getrocknete und vorgeweichte Früchte verwandt. Aehnlich vielseittg lassen sich Brombeeren verwenden. Brombeersaft, der mit oder ohne Zucker eingemacht werden kann, ergibt ein erfrischendes und wohlschmeckendes Getränk, ausgezeichnet schmeckt auch Brombeermus und -gelee. Außerdem verarbeitet man die Früchte zu Kompott, Tunken und den verschiedensten Süßspeisen. Holunderbeeren, die in manchen Gegenden auch Fliederbeeren genannt werden, ergeben, mit ober ohne Zucker eingemacht, einen guten Saft für winterliche Getränke, Suppen u. bgl. Wohlschmeckend ist auch eingemachtes Holundermus, das man jedoch, ebenso wie den Saft, nicht zu lange kochen lassen darf, da es sonst leicht einen bitteren Geschmack annimmt. Außerdem können die Beeren in Gläsern sterilisiert werden. Die Früchte der süßen Eberesche (Vogelbeere) verwertet man auf ähnliche Art wie Preißelbeeren. Sie werden entweder in Gläsern sterilisiert, ober zu Mus, Gelee und Saft verarbeitet. ♦ ** Vom BD M.- Untergau 116 wird mit- geteilt: Von den Mädeln der Jahrgänge 1921/22 können doch Anträge zur Aufnahme in die Partei gestellt werden. Die Meldungen sind bis zum 1.10. 40 spätestens an den Untergau zu richten. Nachmeldungen können nicht mehr angenommen werden. — B D M.- Gruppe 2/116 (Mitt e): Mittwoch, 25.9., treten alle Mädel zum Gruppenappell um 19.45 Uhr am Uhlheim an. Erscheinen ist Pflicht. Alle Beurlaubungen fallen für diesen Abend aus. Oer Revolver in Kinderhand. * Nidda, 22. Sept. Ein folgenschwerer Unglücksfall ereignete sich am gestrigen Samstagnachmittag in dem benachbarten Unter-Widdersheim. Dort hantierten zweiJungenim Alter von etwa 12 Jahren mit einem Revolver, der ihnen in der Wohnung des einen Jungen in die Hände gefallen war. Bei einem Versuch, die gefährliche Waffe zu besichtigen, krachte plötzlich ein Schuß, wobei d i e Kugel dem einen Jungen in d i e Brust drang. Der schwerverletzte Junge mußte mit einem Steckschuß in der Brust von der Bereitschaft Gießen des Deutschen Roten Kreuzes nach Gießen in die Chirurgische Klinik übergeführt werden. ihre Angehörigen ihn schmähten, schlecht über ihn redeten. Aber in dieser Stunde ist ihr kalt und spöttisch erklärt worden, baß sie keine Ursache hat, stolz zu sein unb kein Recht auf ihn... Völlig rechtlos ist sie. Wenn sie geglaubt hat, ihn vor bÄn Untergang bewahrt zu haben, der neue Halt zum Leben, der Ansporn zum Vorwärtskommen zu sein, ach, wie anders wird das gesehen, und ist es nicht auch wirklich ganz anders? Eben ist ihr schonungslos klargemacht worden, daß es durchaus keine Selbstlosigkeit gewesen ist, o nein! Etwas ganz anderes. Sie will ihm zum Hindernis, zur Last werden, zur Fessel, die ihn auf •ßebws3eit in Dürftigkeit und Niedrigkeit bindet. Nein, das will sie nicht! Aber was bleibt ihr, wenn er ihr genommen wird?... Was danach kommt, ist nicht zu ertragen. Was sagte die Frau, die wie eine Märchenprin- Zessin aussieht — die Frau, die Klaus so geliebt hatte, daß er einem, der sie ihm nehmen wollte, ans Leben ging... Die Frau, die ihn heute noch liebt, denn sie gibt ihn ja nicht frei. Was auch zwischen ihnen stehe, sagte sie, eine lebenslängliche Gebundenheit an Armut, Niedrigkeit, an einen Menschen, der unter ihm stehe — ja, so meinte die ver- wöhnte Frau das mit ihren Reden, und das ist ihr wohl das Allerärgste, was den Mann treffen kann — bas wünsche sie ihm doch nicht. Und solche Anschauungen, wie auch die chr so ganz unbekannte Welt, ün die sie eben verstört einen Blick hineingetan hatte, die waren Klaus nicht fremd wie ihr; er war drinnen daheim gewesen. Mit lächelndem Hohn war chre Behauptung, sie gelte ihm jetzt nichts mehr, zurückgewiesen worden. Es ist schwer, zu glauben, sie kennt Klaus anders. Aber kennt sie ihn ganz? Ja, sie weiß, er ist gut und ist ihr dankbar. Er hat sie sehr lieb — sie will nicht irre an ihm werden. Aber dennoch, ihr ist, als entgleite er ihr. Es ist so schrecklich, ihr Herz krampst sich in Angst, sie möchte die Hände nach chm strecken, denn sie fühlt, sie verliert jeden Haft — aber er ist nicht da. In immer tiefere Verstörtheit verliert sich Marta Ellrich. Das keimende Leben in ihr zehrt an ihrer Nervenkraft. Nach diesem vergeblichen Bittgang fühlt sie sich viel mehr erniedrigt, als durch die Vorwürfe unb BeWmpfu^n. die sie Paheim täg-. lich über sich ergehen lassen muß, durch die hämische Neugier und den Klatsch, der sie umgibt. Sie ist ganz plötzlich am Ende ihrer Fähigkeit, das alles zu ertragen. Wach und lebendig ist wieder, was sie schon einmal durchlitten hat, als sie fast noch ein Kind mar. Aber jetzt hat sie nicht mehr die Unerfahrenheit unb Unkenntnis des Lebens, die sie damals davor bewahrte, die ganze Schwere unb Bitterkeit ihres Schicksals zu erfassen. Jetzt muß sie die Last der Verantwortung tragen, muß den bitteren Kelch bis zum Grunde leeren und fühlt, sie trinkt sich den Tod daran. Aber noch eins ist anders: Damals hat sie vor dem Sterben Angst gehabt; heute fürchtet sie sich vor dem Leben. 15. Kapitel. Der für Hans Bergholz unerträglich gewordene Zustand ist endlich überstanden: Erna ist fort. Er fühlt sich mübe und zerschlagen. Zwischen zwei Frauen hat er gestanden, und sie waren zu Gewalten für ihn geworden, die ihn zu zerreiben drohten. Dieser Gefahr ist er noch rechtzeitig entronnen — meint er. Noch bevor Erna von chm gegangen ist, hat er sich von der anderen, dem schillernden Phantom, losgesagt. Dietmuthe Röhl hat ihn so schlecht behandelt, daß ihm nichts anderes übrigblieb, als sie zu meiden. — fjrau Gehrke hat mit Hilfe des Hausmädchens ein großes Aufräumen und Einpacken in der von ihrer Tochter verlassenen Wohnung Dorgenommen. Bergholz findet nach einem Tag angestrengter Arbeit die Räume fast leer, findet sie von allem entblößt, was sie behaglich machte. Er durchschreitet die ausgeräumten Zimmer und fuhrt Selbstgespräche, verstummt, weil ihm die eigene Stimme auch beim nur halblauten Reden sonderbar fremd und hallend in der Leere klingt. Das Mädchen Lina entläßt er mit einem Geldgeschenk, das sie ein wenig über die gehabten Aufregungen der vergangenen Monate entschädigen soll. Dann nimmt er eine Frau in reiferen Jahren — die Witwe eines kleinen Beamten — zur Besorgung des sehr zusammengeschrumpften Haushalts an. (LMchyyS folgte.