8reitag,23.AugustM0 140. Jahrgang Nr. 199 Oberkommando Aach dem Goethehaus nun das Mnfoleam Bismarcks £uftaufflärung am 21. August Berlin, 22.Aug. (DJIB.) Das der Wehrmacht gibt bekannt: 3m Verlaufe der bewaffneten über den britischen 3nseln wurden zahlreiche Industrie-, Hafen- und Bahnanlagen sowie 1 5 Flugplätze mit gutem Erfolg angegriffen. Bombentreffer konnten in den Industrieanlagen von Skegueh, Great Jarmouth, Ditney, Coventry, Bournemouth sowie in den Hafenanlagen von Bridlington beobachtet werden. In den Werften von Southampton wurde u. a. ein Schiff im Dock getroffen. Bei einem Angriff auf einen Geleitzug an der Ostküste Englands gelang es, ein Handelsschiff durch Bombentreffer schwer zu beschädigen. In der Rächt zum 22. August griffen unsere Kampfflieger Flugzeugwerke südostwärts von London sowie ein Rüstungswerk bei Brighton wirksam mit Bomben an. Feindliche Bombenwürfe in der Rächt zum 22. August in Rorddeutschland verursachten nur geringfügigen Schaden. Der Feind verlor gestern 7 Flugzeuge. Sechs eigene Flugzeuge werden ver- miht. Der Wehrmachisbericht vom Donnerstag. Bismarck wollte unter den Bäumen seines Sachsenwaldes begraben sein. Dort hat der englische Ministerpräsident Churchill durch ein Flugzeug Bomben abwerfen lassen: etwa 200 Meter entfernt von dem Mausoleum des Altreichskanzlers. Erst der Anschlag auf das so bescheidene Gartenhaus Goethes, dann der Anschlag auf die letzte Ruhestätte des Mannes, der über alle inneren und äußeren Schwierigkeiten hinweg nach Jahrhunderten wieder die deutsche Einheit begründete. Ganz im Sinne Bismarcks, der ein wahrer Verehrer schöner großer Bäume gewesen ist, lehnte seine Familie 1898 seine Beisetzung in der Fürstengrust des Berliner Doms ab und setzte durch, daß der letzte Wunsch des Eisernen Kanzlers respektiert wurde. Unzählige Deutsche sind zu der Stätte gepilgert, wo der treue Diener seines Herrn leum abseits von allen Verkehrs st raßen und größeren Siedlungen in dem Walde von Friedrichsruh liegt. Die näheren Umstände dieses Bombenangriffes, bei dem Bomben in einer Entfernung von 200 Bieler vom Blaufoleum ein- fchlugen, taffen erkennen, daß Churchill feiner Luftwaffe ben Auftrag gegeben hat, die Weihestätte des deutschen Volkes mit Bomben zu belegen, um sie dadurch zu vernichten. Die gesamte Kulturwelt stehl einem derartigen gemeinen Gebaren, das selbst vor Angriffen auf Denkmäler nicht zurückfchreckt, mit Abscheu und Empörung gegenüber. vmck und vertag: vrühlsche Univer stlälrd rucker ei H. Lange Italiens Kriegsziele in Afrika England erwartet den nächsten Angriff in Aegypten. Berlin, 22.Aug. (DRB.) Beim Einstug englischer Flugzeuge in reichsdeutsches Gebiet hat ein englisches Bombenflugzeug versucht, das Blaufoleum Bismarcks in Friedrichsruh mit Bomben z u belegen. Blit größter Empörung vernimmt das deutsche Volk diesen neuen Anschlag gegen ein deutsches Rational- Heiligtum. Rach dem versuchten Attentat auf das Goethehaus in Weimar sollte nunmehr das allen Deutschen heilige Blaufoleum des Eisernen Kanzlers zerstört werden. Die gemeine Absicht des Gegners wird klar, wenn man bedenkt, daß dieses Blaufo- „L* Impenetr able!“ Erfahrungen zwischen Westwall und Maginotlinie. Von unserem Sonderberichterstatter Gerhard Bohlmann. Rom, 22. Aug. (Europapreß.) Giovanni Ansaldo, der dem italienischen Außenministerium nahestehende Chefredakteur des „Telegrafo", schreibt über die „weiteren Ziele Italiens", von denen Mussolini in seinem Telegramm an den Dize- könig von Aethiopien gesprochen hatte, der Duce habe damit sagen wollen, daß die Eroberung von Britifch-Somaliland als die Voraussetzung für Operationen von weit größerer Tragweite zu betrachten sei und für einschneidende Gebietsveränderungen in Afrika. Es könne schon jetzt gesagt werden, daß sich Italien mit dem Einmarsch seiner Truppen in Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Ubr desVormittags Anzeigen-Preise: Anzeigenteil 7 Rnf. ie mm bei 22 mm Zeilenbreite, Tertteil 50 Rvf. ie mm bei 70 mm Zeilenbreite Nachlässe: Wiederholung Malstaffell Abschlüsse Mengenstaffel 8 Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25°/0 mehr 15 britische Flugplätze erfolgreich bombardiert Bombentreffer auf Industrie- und Hafenanlagen. Erscheint täglich, außer Sonntags und fteiertQflS Beilagen: Die Illustrierte GießenerFamilienblätter Heimat unBild-DieScholle Monats-Bezugsvreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr... „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Femsvreckanschluß 2251 Drahtanschrift:„Anzeige^ Postscheck 116«6 ^rankf^ M. Berbera nicht begnügen werde, sondern seine Ziele viel weiter ge st eckt habe. Es sei sein Ziel, aus Afrika jene Art Hypothek zu beseitigen, mit der dieser Erdteil von England gegen jedes Recht und gegen jede Notwendigkeit belastet worden sei. In Verbindung mit seinem Verbündeten wolle Italien England nicht nur aus Britisch-Somaliland, sondern aus ganz Afrika vertteiben. Das ganze britische Kolonialreich in Afrika sei nur durch Habgier aufgebaut worden. „London taumelt ratlos im Sturm", überschreibt „Messaggero" einen Bericht aus London. Die hinkenden Entschuldigungen, die Churchill im Unter- Ein Zahr Mckensreiheit Don General der Artillerie z. D. von Mehsch. Am 22. August jährte sich der deutsch - rus * s i s ch e Pakt. Er beendete das unrühmliche Antichambrieren der westmächtlichen Unterhändler im Kreml. Er verblüffte durch die großzügige rasche Entschlußkraft der beiden Partner. Mit ihm begann die Rückensreih eit in dem heraufziehenden Abwehrkampf gegen die anmaßliche Beeinträchtigung der deutschen Lebensnotwendigkeiten durch die Entente.- Der Vertrag knüpfte an das geschichtlich gewordene Verhältnis beider Staaten an, das ihnen beibeit jahrhundertelang zum Nutzen gewesen ist. Er vereitelte mit einem Schlage alle Kriegsausweitungspläne der plutokratischen Mächte im Osten durch die loyale und klare Bereinigung des gesamten deutsch-russischen Fragenkomplexes und schuf nicht nur im ehemals polnischen Gebiet klare Verhältnisse, sondern trug auch in größtem Ausmaß zur Stabilisierung der politischen Lage im ost- und südosteuropäischen Raum bei. Wir alten Weltkriegssoldaten sind der Meinung, daß dieser Beitrag zum Schutz vor dem Mehrfton- tenkrieg recht beachtlich ist. Wir haben vor 25 Iah* ren etwa an einem halben Dutzend Fronten gegen 26 Feindstaaten gekämpft. Alle Ostentlastung konnte erst im Laufe mehrerer Kriegsjahre unter Kämpfen und mit Blutopfern errungen werden. Als dann das zaristische Rußland erlich überwunden worden war, war einige deutsche Kampfkraft verbraucht, waren unsere Verbündeten schon rm (Er* matten, und stand das Eintreffen der ersten ame* rikanifchen Verstärkungen auf dem westlichen Kriegsschauplatz bevor. Wir hätten damals manches um die Gunst der heutigen Kriegslage gegeben, die uns immerhin etwas erleichtert, die ganze Wucht der deutschen Kriegskraft an einer Front einzusetzen, auf einen Gegner zu werfen und so in einem Feldzuge ähnlich entscheidende Vernichtungssiege zu erzielen wie in dem vergangenen Kriegs* jahr! Der Siegeszug von Polen über Norwegen, Holland und Belgien nach Frankreich wäre ohne den kühnen Wurf des deutsch-russischen Einvernehmens zwar aanz gewiß nicht unmöglich, aber doch wohl etwas schwieriger gewesen. Aber auch das Abkommen selbst wäre nicht möglich geworden, wenn nicht das gemeinsame Interesse an einer naturgemäßen geaenseitigen Ergänzung des deutschen und des russischen Raumes vorläge. Sie kommt dem industriellen Bedarf Sowjet- rußlands nicht weniger zugute als den agrarischen und rohstofflichen Bedürfnissen Großdeutschlands der Intendantur und des Sanitätsdienstes. Danach handelt es sich um acht Armeegenerale, 13 Armeekorpskommandanten, 35 Divisionsgenerale, 74 Bri- gadegenerale und bei den Kolonialtruppen um zwei Armeekorpskommandanten, fünf Divisionsgenerale und vierzehn Brigadegenerale. Frankreich gegen die britische Blockade. Genf, 23. Aug. (DNB.) Der französische Außenminister B a u d o i n antwortete im Rundfunk auf die letzte Rede Churchills, soweit diese sich auf Frankreich bezog. Der Minister ironisierte den Versuch Churchills, die englische Niederlage in Somaliland auf das Ausfallen der französischen Kolonialstreitkräfte zurückzuführen und erklärte, das Verbrechen der Männer von Vichy sei in Churchills Augen, daß sie Frankreich nicht verlassen hätten, um den Krieg in den Kolonien fortzusetzen. Wenn sich aber die Reaieruna von Vichy vor jemandem zu verantworten habe, so seien dies die französischen Frontkämpfer. Der Minister bezeichnete die englische Blockade gegenüber Frankreich als einen feindseligen Akt. Die französische Regierung werde sich der Blockade nicht beugen. Sie sei unmenschlich und in chren Weiterungen hauptsächlich gegen Frauen und Kinder gerichtet und unheilvoll für diejenigen, die sie anwendeten. Wir sind in den Weißenburger Kreis gekommen und durchqueren ein historisches Schlachtfeld. An der Straße erhebt sich der Geisberg, der 1870 von deutschen Soldaten gestürmt wurde, und drüben, gen Westen, sehen wir in der Ferne den Kahlhang, unter dem sich ein anderes Kriegswerk verbirgt, das heute ebenfalls schon historisch geworden ist: das Werk Hochwald, eine der größten Basttonen der Maginotlinie. Aber im Dorf Ingo l s h e i m entwickelt sich ein freundlicheres Bild. Dort erwarten uns einige der zurückgekehrten Bauern, die uns zur Überraschung ihre urtümlichen Volkstrachten angelegt haben, die wesentlich von zwei Farben besttmmt werden, dem Weiß der Hemden und dem Schwarz des brettrandigen Fuz- hutes, der Gilets (Weste oder Brusttuch), der langen Hosen. Sie zeigen uns, wie das Jungvolk dum Tanz geht — die Mädchen mit rotseidenen, gestickten Busentüchern, die Jünglinge im kurzen Rock und der braunen Kappe aus Iltisfell — sie bilden einen Zug der Kirchgänger und Hochzeiter, und das alles geschieht auf die freundlichste und zwangloseste 2lrt; wollen sie uns doch beweisen, daß sie zu uns, zu Deutschland, gehören und daß ihr Trachten, ebenso wie ihre Tracht, immer nach Osten gerichtet war. So entsteht mitten im Niemandsland das anmuhge Idyll eines künftigen deutschen Friedens im deutschen Lande. Wie hat die ftanzösische Soldateska in diesen schönen Dörfern gehaust! Da sieht es in einem Hause aus wie im nächsten: herausgerissen die Schubladen, die Schränke gesprengt, Kleider, Wasche Bücher, Bilder wüst über Den Boden verstreut und verunreinigt — hier haben keine.Soldaten gewohnt, hier haben Strolche gehaust. Allenthalben Verwahrlosung und Verkommenheit: weil sie wohl elektrisches Licht, aber keine Bleisicherungen hatten, haben sie Gabeln in die Fassungen gesteckt. Aus einem Bodenraum richteten sie eine Milchzentrisuge als Latrine ein und nannten diesen stinkenden urt „Au petit bördel”, wie mit Kreide an der Dur geschrieben steht. In einer Scheune war ein 7,5-cm- Geschütz ausgestellt, und diesen Geschutzstand haben sie „L’Imp£n£trable“ getauft, d. h.: der Undurchdringliche. Vielleicht wurde ihnen dieser hoch- ttabende Name durch die Nähe der Ma^notllme eingegeben, die ja das unerschütterliche Bollwerk Frankreichs sein sollte — letzt ist diese Geschützstellung nur noch eine teere Attrappe und die stolze Maginotlinie nicht viel mehr als ein abgelegtes Museumsstück. Solche Einzelheiten sagen mehr als viele Worte über den seelischen Verfall eines Volkes, dem dieser sinnlos heraufbeschworene Krieg zum Gerichtstag geworden ist. Man atmet auf, wenn man aus diesen ekelhaften, widerlichen Höhlen wieder auf die Dorfstraße tritt, wo das Licht der Sonne die abstoßenden Bilder zerstreut, als seien sie die Visionen eines unwahr- cheinlichen, phantastischen Traums. Hier draußen ist alles Arbeit, ist alles Schaffen und alles Aufbau: ein Trupp der Organisation Todt marschiert die Straße entlang, Rückwanderer kehren heimwärts und winken uns zu, auf einem Lastkraftwagen werden Bretter und Bohlen zum Brückenbau angefahren. Und bas ist (nach „L’ImpSn&rable“ und „Au petit bördel") .roie das beglückende Sinnbild eines jungen, starken Volkes, das am Werke ist, die vom Feinde geschlagenen Wunden des leidenden Landes zu heilen und es einer freudevollen und friedlichen Zukunft entgegenzuführen. Französische Generale zur Disposition gestellt. Bafel, 22. Aug. (Europapreß.) Das französische Amtsblatt veröffentlicht nunmehr die Liste der zur Disposition gestellten Generale des Armeestabes, Wenn man, von Karlsruhe aufbrechend, nach Westen fährt, gleitet der Kraftwagen Stunde um Stunde durch eine Landschaft, die wie ein einziger herrlicher und fruchtbarer Garten ist. Mais- und Tabakfelder wechseln mit Aeckern, auf Denen das Getreide gelb und reif in Garben steht, Weingärten liegen dazwischen und werden abgelöst von Obstplantagen mit Aepfelbäumen, Pflaumen und Mirabellen, deren Aeste so schwer mit Früchten beladen sind, daß sie gestützt werden müssen, und diese reiche, prangende Fruchtbarkeit setzt sich fort bis in das Gebiet unseres Westwalls hinein. Ja, diese herrliche Landschaft wird auch jenseits des Rheins, im Elsaß, die gleiche bleiben. Auch drüben werden wir die gleichen Menschen, die gleichen Häuser, die gleiche Dorfanlage, das gleiche Volkstum und Brauchtum finden, denn die Grenze, die hier so grausam in den Leib des Landes geschnitten wurde, ist in Versailles diktiert; die Natur hat sie nicht gewollt, und die Natur erhält wieder ihr Recht. Je tiefer mir in die Zone zwischen Westwall und Maginotlinie eindringen, um so sichtbarer werden die Spuren des Krieges: aufgerissene Straßen, zerschossene Höfe, gesprengte Brücken. Aber schon kehren einzelne Familien auf Kraftwagen der Wehrmacht zurück, schon sind die Arbeitsscharen der Organisation Todt dabei, die sehr genau gezielten Trichter unserer Stukabomben einzuebnen, die Häuser mit Dachziegeln zu decken, die schwachen Notbrücken durch stärkere zu ersetzen; schon sind hüben NSV. und Drüben der elsässische Hilfsdienst aufgeboten, die sich der Zurückkehrenden annehmen; hier wird inmitten eines großen Krieges eine ganz ungeheure, erstaunlich rasch und kraftvoll vorge- triebene Aufbauarbeit geleistet, deren Weite und Umfang kaum geahnt werden kann. Da wandell sich mit einem Schlage das Bild: das Vorfeld der Maginotlinie hat begonnen. Zwar find auch hier die Dörfer und Häuser die gleichen wie auf der deutschen Seite, es sind die gleichen Häuser und Höfe, deren Bauart durch den Holzfachwertbau mit schwarzen Balken und weißen Mörtelwänden bestimmt wird — aber wie verkommen und verwahrlost ist hier das Land! Nichts mehr von jener schönen, trächtigen Fruchtbarkeit in der deutschen Zone, sondern hier erstrecken sich Kilometer um Kilometer endlose Wüsteneien, mit Unkraut und Disteln bewachsen, mit Stacheldrahtverhauen durchzogen und zerrissen von eingegrabenen verrosteten Eisenbahnschwellen, die als Tanksperren dienen sollten, und je weiter der Tag vorrückt und je fteüer die Sonne vom klaren Himmel herniederbrennt, um so trostloser wirkt dieser Gegensatz zwischen dem heißen Segen des Lichts und der verlassenen Erde. In dieser tief gestaffelten Zone haben die Franzosen, so wird uns gesagt, alles Vieh hingeschlachtet, und da das Fleisch weder verwertet noch nach Frankreich geschafft werden konnte, wurden die toten Tiere an Ort und Stelle verscharrt. Später, im Hinterland, wo die Bauern noch versucht haben, die Ernte zu bergen, sieht man reihenweise schwarze Brandflecken auf kahlen Stoppelfeldern; die Franzosen haben die Garben mit Brennstoff übergossen und angezündet; und wie hier, so hat sich im ganzen Gebiet der Maginotlinie der ftanzösische Sadismus an der lebenden und toten Schöpfung ausgetobt ... haus vorgebracht habe, um zu erklären, wieso und warum die englischen Truppen S o m a l i l a n D räumen mußten, schienen sowohl das Unterhaus als auch die breite englische Volksmasse weder befriedigt noch überzeugt zu haben. Auf Antrag der Regierung hätte die Londoner Presse am Mittwoch einheitlich das Thema abgewandelt, „daß die Räumung Somalilands im Grunde genommen ein geschicktes Manöver gewesen sei, Denn in Zukunft seien die italienischen Truppen in Berbern und in Zeila mehr denn je Den vernichtenden Angriffen der Royal Air Force ausgesetzt." Dazu führe „Daily Mail" einen weiteren Grund an, weshalb die englische Flucht aus Somali land das englische Volk nicht beunruhigen solle. „Den wahren Kampf mit Italien in Afrika", schreibt dieses Blatt, „müssen wir wahrscheinlich i n Aegypten aussechten. Deshalb wäre es ein gro* her Fehler gewesen, zur Unterstützung der in Somaliland operierenden Truppen Verstärkungen aus Aegypten und dem Sudan abzuziehen." Britische Offensiv-Vhantasien. Rom, 22.Aug. (Europapreß.) Trotz Der kritischen Lage Englands, so schreibt „Popolo Di Roma", werde in Den leitenden englischen Kreisen weiter hartnäckig über die Notwendigkeit einer e n g 1 i * scheu Offensive a u f dem Fe st lande phantasiert. Tag für Taa seien Churchill, Eden und Anderson bemüht, diese Offensive als möglich hinzu- stellen. Sie hätten noch immer nicht erkannt, daß die gegenwärtige Lage nur sehr oberflächlich jener in der napoleonischen Zeit ähnele. In früheren Zetten habe England wohl der europäischen Koali* tion Herr werden können, dank seiner unterirdischen Bündnisse und den auf dem Festlande herrschenden trennenden Gegensätzen. Doch heute sei dieser traditionellen englischen Politik der Weg verlegt. Das europäische Festland habe in feiner ©e* samth eit Front gegen die englische! Insel gemacht. Unter dem Tttel „Wenn England in Europa einzieht" bringt „Jllusttated" folgende erheiternde Sätze: „Der Premierminister und andere verantwortungsvolle Männer haben genügend klargelegt, daß Britannien, wenn die Zeit gekommen ist, zur Offensive gegen Die Achsenmächte schreiten wird. Mit Hilfe unserer Flotte, einer riesigen Luftflotte und des Heeres werden wir mit der größten Erfolgsmöglichkeit i n Hitlers Europa einfallen. Deutschland ist plötzlich eine Insel geworden, genau wie Großbritannien. Noch nie war ein Feind Englands so verwundbar. Bevor Europa in Britannien einfällt, wird Britannien in Europa einfallen. Wir werden ein großes Heer zur Landung an vielen Punkten Europas haben. Wir können Italien angreifen und feine Industrie zerstören. Neapel und Genua sind nicht uneinnehmbar. Rom kann von Ostia her besetzt werden. Die größte Möglichkeit aber haben wir, Deutschland vom Nahen Osten anzugreifen. Britische Kolonnen werden eines Tages b i e Do« nau herauf a u f Wien marschieren, an» bere Kolonnen werden durch das Rhein- und wahrscheinlich auch durch Das Rhonetal nach den Städten an der Ruhr und nach München marschieren." Auf einem von einem Mr. Gil- kinson gemalten Bild fieht man bann englische Tanks in den Straßen Wiens. Den letzten Schlaf schläft. Der Sach- senwald rourDe Bismarck 1871 als „Dotation" verliehen. Das Dort gelegene Schloß FrieDrichsruh hat sich Bismarck selbst gekauft. Hier verbrachte er nach seiner Verabschiedung 1890 seine letzten Jahre, die getrübt wurden Dun, Den Tod seiner geliebten Johanna. Damals trat Der nchsruh. „Eiserne Kanzler" als Der „Alte vom Sachsenwald" am 18. März erst so ganz in das Gefühl der deutschen Nation. — ch Unser Archiv-Bild zeigt das Mausoleum in Frieder richsruh. — (Scherl-Bilderdienst-M.) SietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Gberhessen E W -I ft'id Ed M d<| DU ,-*<1 > Vf ?/f > d/r ■ •:5b, Churchill besichligl Jesestigungsanlagen in Süd-England Unser Bild zeigt den britischen Ministerpräsidenten beim Verlassen eines Bunkers in der englischen Befestigungslinie, die jetzt an der britischen Südküste errichtet wird. ,— (Associated-Preß-M.) Das Attentat aus Trotzki. Mexiko-City, 22. Aug. (Curopapreß.) Die genauen Einzelheiten des Ueberfalles auf Trotzki schilderte der Prioatsekretär Trotzkis, Jose Hansen. „Trotzki", so erklärte Hansen, „kannte den Mörder Frank Jackson seit etwa einem halben Jahr. Jackson genoß das Vertrauen Trotzkis, weil er zur Trotzki-Bewegung in Frankreich und in den Vereinigten Staaten Verbindungen hatte. Trotzki hatte niemals einen Grund gehabt, gegen Jackson Verdacht zu hegen. Als dieser am Dienstagnachmittag das Grundstück Trotzkis betrat, tra er ihn in der Nähe des Hühnerstalles, wo er Trotzki erzählte, daß er einen Artikel geschrieben habe und ihn dieserhalb um seinen Rat bitte. Trotzki war dazu natürlich bereit und ging mit ihm in das Eßzimmer, wo sie beide Frau Trotzki trafen. Jackson bat um ein Glas Wasser, da, wie er sagte, seine Kehle sehr trocken sei. Nachdem Jackson ein Glas Wasser getrunken hatte, führte Trotzki Jackson in sein Arbeitszimmer, ohne vorher seine Sekretäre zu benachrichtigen. Plötzlich hörte man fürchterliche Schreie aus dem Arbeitszimmer Trotzkis. Die Sekretäre dachten zunächst an einen Unfall. Sie eilten ins Eßzimmer, das neben dem Arbeitszimmer liegt. Dort begegneten sie Trotzki, der blutüberströmt im Gesicht aus dem Arbeitszimmer herausstürzte. Ein Sekretär ergriff sofort den Mörder, der mit der Pistole in der Hand dastand. Der andere half Trotzki beim Niederleaen. Trotzki ist durch den Schlag mit dem Bergpickel nicht bewußt- los geworden, wie der Mörder offensichtlich beabsichtigt hatte, sondern kämpfte mit dem Mörder. Im Eßzimmer am Boden liegend erklärte er seiner Frau und mir: „Jackson schoß Pistole auf mich, bin schwer verwundet, fühle, diesmal ist's zu Ende." Der bei seiner Festnahme durch die Leibgarde Trotzkis verletzte Attentäter befindet sich außerhalb einer Gefahr. Er wird streng bewacht. Italienischer WehrmachtSbericht. Rom, 22.Aug. (DRV.) Der italienische wehr- Machtsbericht vom Donnerstag hat folgenden Wortlaut: (Eine unserer Luftformationen hat die militärischen Ziele von Gibraltar bombardiert. Ein Flugzeug ist nicht zurückgekehrt. Im östlichen Rtttlelmeer hat eines unserer Torpedoboote ein U-Voot versenkt und eines unserer U-Boote einen Torpedosäger torpediert. (Eine feindliche, aus Kreuzern bestehende Flotten- formation ist von unseren Luftskreitkräften erreicht und einer heftigen Vombardierung unterzogen worden. 2 Kreuzer wurden wiederholt von Vom- Sen Flugzeugführer über London gewechselt. Ein Oberfeldwebel rettete seine Do IT beim ersten Tiefangriff auf England. Von Kriegsberichter Georg Hinze. völkerungsteil albanisch sei und somit z u U n • recht z u Griechenland gehöre. Die Verfolgungen dieses Bevölkerungsteils feien eine Bestätigung dafür, daß Albanien — und für Albanien Italien — Grund habe, im Namen des Völkerrechts und im Namen der europäischen Ordnung, die auch auf dem Balkan geschaffen werden müsse, zu fordern, daß die Stellungen endgültig geklärt würden. Nicht nur die Zukunft der Provinz T s ch a m u r i a , sondern die aller Gebiete, in denen die Albaner in der Mehrheit seien, wie z. B. in einem Teil des Gebietes von I a n n i n a , bildeten den Kern des nationalen und politischen Problems, das zwischen Italien und Griechenland aufgeworfen sei und das in dieser oder jener Weise endgültig gelöst werden müsse Griechenland — so fährt Gayda fort — baue noch immer auf die „unwiderstehliche" Macht Englands, lasse sich aber anscheinend auch von provokatorischen Strömungen im eigenen Lande leiten. Die Fabel von einer Erhebung der Albaner gegen Italien solle offensichtlich der von England immer gestützten griechischen Politik ein Alibi schaffen. Unzweifelhaft hätten Albanien und Italien mit einem derartigen griechisch-englischen Offensivplan zu rechnen. Darauf werde mit einer Politik geantwortet werden, die zwar keine Abenteuer suche, die aber bereit sei zur Verteidigung der nationalen Rechte Albaniens und einer auf Gerechtigkeit begründeten Ordnung auf dem Balkan. ben getroffen. Alle unsere Flugzeuge sind zu den Ausgangsbasen zurückgekehrt. In O st a f r i k a wurde ein englisches Flugzeug von unseren Dubat bei Eocacia (Kenia) obge- chossen. Vorstädte Londons gelangt. Durch das rechteckige große Loch am Boden unserer Kabine schauten die Häuser und Stadtviertel herauf. „Fertigmachen zum Absprung!", hatte Oberfeldwebel I. wohl kommandiert. Aber auf ein nachfolgendes Kom^nando warteten wir vergebens. Unterstützt vom Bordwart hatte der tüchttge Beobachter inzwischen den sterbenden Flugzeugführer aus seinem Sitz gehoben und auch die Füße von den Pedalen gelöst. In dem engen beschränkten Raum der Kanzel, in dem neben dem Verwundeten nun auch noch der Bordwart stand, quetschte er sich selbst mühsam auf den Pilotensitz. Tolle Kabriolen schoß unser Vogel in den wenigen Sekunden. Bald hing er an einem Flügel, bald schwankte er unruhig wie ein Blatt im Winde. Dann konnte Oberfeld- roe.be! I. endlich ungehindert den Steuerknüppel und die Pedale bedienen. Er trat vorsichtig den linken und rechten Hebel, zog und drückte den Steuerknüppel und schwenkte ihn sachte nach den Seiten. Zum ersten Male spürte er — es war mitten über London — daß die Maschine dem Druck seiner Hände gehorchte. Er versuchte zu fliegen. Und er, der fünf Jahre lang als Beobachter neben dem Flugzeugführer in der Kanzel gekauert hatte, eine Hand am Bombenknopf, die andere am MG., merkte plötzlich: Es geht, er konnte fliegen. Der Oberleutnant war zu Boden geglitten. Neben dem Pilotensitz lag er ausgestreckt am Boden der Kanzel. Der Bordwart ergriff das Gummiband, das ich ihm aus der Verbanotasche reichte, wickelte es um den Oberarm des Verwundeten. Aber schon jetzt merkte er, der Schuß hatte nicht nur den linken Armknochen zertrümmert, sondern war weiter in die linke Brustseite gedrungen. Schon färbte sich die Kombination des Oberleutnants rot. Und da war auch schon die Hölle über uns hereingebrochen. Aus allen Rohren feuerte die Flak von den Stadttän- dern Londons auf das einsame deutsche Flugzeug, das weit von seinem Verbände getrennt, 400 Meter über der englischen Hauptstadt steht. Don Feldwebel H. unterstützt, bemühte sich der Oberfeldwebel schon, den Sperren der Flak auszuweichen und das Einschießen der Geschütze zu verhindern. Aber er konnte nichts daran ändern, daß die Flakgeschosse wie bunte Pfeile dicht am Flugzeugrumpf vorbeischossen. Durch den geöffneten Boden hörte man deutlich den Lärm der heranheulenden Granaten. Und dann kamen auch die Jäger. Der einsame Vogel, der die Themse abwärts flog, nur wenige hundert Meter über den unzähligen Schiffen im Strom, schien ihnen eine leichte Beute. Sie mußten wohl auch gemerkt haben, daß mit uns irgendetwas nicht in Ordnung war. Aber sie hatten nicht mit der Kampfkraft einer Do 17 gerechnet. Der Bordfunker, der bisher von seinem Funksitz aus die Bemühungen seiner Kameraden in der Kanzel verfolgt hatte, bewies jetzt, daß auch er in den entscheidenden Minuten seine Nerven nicht verlor. Aus den Maschinengewehren schoß der Feuersttahl den von hinten anAreifenden Spitfires entgegen. Wenn Unteroffizier S. die Trommel am Maschinengewehr zur Rechten verschossen hatte, dann ratterte mein Maschinengewehr zur Linken auf. Plötzlich fiel das mittelste Maschinengewehr aus. Ladehemmung! Fast schulmäßig flogen die Spitfires von der Längsachse aus an. Wir schienen verloren. Doch da nahte von hinten hoch über uns ein größerer Verband mit Ju 88. Sie hatten ihre Bomben ge- und erweitert dadurch sowohl die Tiefe der nach Westen gerichteten deutschen Front als auch die Handlungsfreiheit Rußlands in allen seinen Grenzen. Im Weltkriege hatte diese Tiefe an unserer damaligen Ostfront ihr Ende. Heute reicht sie bis zum Stillen Ozean. Vereinzelt sogar über diesen hinweg in die Vereinigten Staaten hinein. Jedenfalls ist der Vertrag mit Rußland einer der Blockadebrecher, an denen die uns von England zugedachte Hungerblockade zuschanden geworden ist. Anderseits weiß sich die Sowjetunion ihrerseits durch die Zusammenarbeit mit Deutschland vor dem Zusammenprall geschützt, auf den England noch immer hofft. Daran ist am besten zu erkennen, daß die deutschrussische Entspannung im Interesse des deutschen Kampfes gegen England liegt. Daran werden aber auch alle Bedenken gegen das Abkommen oder alle Hoffnungen auf seinen Bruch, die der Führer im Reichstage als kindlich bezeichnet hat, zerstreut. Der Vertrag beruht nicht auf örtlichen oder befristeten Interessen, sondern auf Gesichtspunkten mit langer Sicht. Besonders auch auf dem russischen Eigeninteresse, daß Rußland nicht wieder bereit sein will, noch einmal ein ähnliches Werkzeug der Westmächte zu werden, wie es das kaiserliche Rußland des Weltkrieges war. Und zwar so weitgehend war, daß die ganze zaristische Kriegführung mehr den Wünschen der Entente als den eigenen russischen Notwendigkeiten entsprach. Der Außenkommissar Molotow hat denn auch die Ablehnung dieser Helfershelferrolle eindeutig ausgesprochen und damit Englands zahlreiche Kriegsenttäufchun« gen um eine weitere vermehrt. Gegen England heißt aber heute für Deutschland sein. Gegen Deutschland sein, würde für Rußland bedeuten, wiederum für England die Kastanien aus dem Feuer zu holem Das hat das Zarenreich während des Weltkrieges in geradezu selbstmörderischer Weise getan. Nicht dem Deutschen Reiche, sondern sich selbst zuliebe wird sich Sowjetrußland wohl hüten, den schweren Fehler zu wiederholen. Also wird sich im Kampfe gegen England auch der Zweifrontenkrieg erlebten Gepräges nicht wiederholen. Wir stehen zwar in des Weltkriegs zweitem Akt, aber Deutschland durchkämpft ihn ohne die Schwächen des ersten. Damals war gegen Ende des ersten Kriegsjahres noch keine der Feindmächte geschlagen, und die Verluste betrugen ein Vielfaches der heutigen. Die Feindzahl wuchs. Die eigene Kriegskraft konnte nur im Wege der Improvisation gesteigert, mancher kriegsorganisatorische Mangel an planmäßiger Vorbereitung nur unzulänglich wettgemacht werden. Don dem damaligen Mangel an polittscher Geschlossenheit und Führung zu schweigen. Heute ist die deutsche Kriegführung ein Fazit unerhörter wehrpolitischer Friedensenergie im Rahmen einer außenpolitischen Lage, wie sie so günsttg — wenn auch keineswegs nur des deutsch-russischen Paktes wegen — zu keiner Zeit des Weltkrieges war. Deutschland hat zur Zeit keinen Anlaß, sich vor neuen Fronten zu sorgen. Es kann seine ganze Kriegsenergie auf den Feind Nummer eins konzentrieren, der England heißt. Die deutsche Kriegskraft ist aber, teilweise dank unserer Rückenfreiheit, heute gewaltiger, als sie es vor Jahresftist war, und sie ist groß genug, um an den Sieg auch dann zu glauben, wenn der Krieg neue Aufgaben stellen sollte. Der Russenpakt Hat also nichts gefährdet, wohl aber manches zugunsten der deutschen Kriegführung gebessert. Er hat der Sowjetunion manchen Dorteil gebracht und tut es noch, ohne Deutschland kriegsnachteilig zu belasten. Schließlich hat er dem Reiche zu gewissen Führungsmöglichkeiten verhalfen, ohne Rußland in Kriegsgefahr zu bringen. Der 22. August 1939 kann daher als der Ausgangspunkt einer Außenpolitik bezeichnet werden, in welcher der Staatsmann dem Feldherrn die Lösung der militärischen- Aufgabe so zu erleichtern verstand, wie das nach Bismarck keinem seiner Nachfolger wieder gelungen war. Das am Mittwochnachmittag von italienischen Bombern in aufeinanderfolaenden Wellen im östlichen Mittelmeer angegriffene englische Flottengeschwader setzte sich, wie man in zuständigen italienischen Kreisen ergänzend mitteilt, aus 2 Kreuzern von je 10 000 Tonnen sowie aus 4 Kreuzern zu je 5000 Tonnen und 2 Torpedobooten zusammen. Albanien Die ungelöste Frage zwischen Italien und Griechenland. Rom, 23. Aug. (Curopapreß.) Auf eine Anfrage wurde in der Pressekonferenz in Rom vom Mittwoch geantwortet, seit der Aussprache des italieni- chen Gesandten mit dem griechischen Ministerpräsidenten Metaxas in der albanischen Frage habe sich keine weitere Entwicklung ergeben; naturgemäß müsse aber auch diese Frage einer Lösung zugeführt werden. Die von der albanischen Presse erbrachten Nachweise, so schreibt Gayda im „Giornale d'Jtalia", zeigten klar, daß der in Griechenland verfolgte Be- DNB........22. Aug. (PK.) Die Tat des Ober- eldwebels I. und seiner gleich tapferen Kameraden, Feldwebel H. und Unteroffizier S., habe ich miterlebt, Rücken an Rücken mit ihnen stand ich in der chmalen Kabine unserer Do 17, als sie im tollsten Tanz englischer Jäger, umsprüht von dem Geschoß- regen der Flak, nur wenige Meter über dem Häusermeer von London ihren tödlich verwundeten Flugzeugführer, Oberleutnant M., aus seinem Sitz lösten und ihm den zu entgleiten drohenden Steuerknüppel aus den erstarrten Händen nahmen Den Sterbenden im Arm schaute ich dem Oberfeldwebel über die Schulter, wie er nach einem Flug durch die Hölle seine von hundert Treffern durchsiebte Maschine an der französischen Küste landete. Er tat es so sicher, wie ein alter ,^Hase". Nichts ließ ahnen, daß I. sein tapferes Herz mitten über den massierten Flakstellungen der Themsemündung zum ersten Male zu einem Flugversuch gezwungen hatte. Es war die neunte Staffel, mit der wir flogen. Die Staffel der meisten Tiefeinsätze. Zum ersten Male griffen wir heute England imTiefflug an. Zehn Meter, fünf Meter, zwei Meter hoch stürmten wir über den Kanal. Englands Steilküste mußten wir mit einem Satz anspringen. Ost nur zentimeterhart hetzten wir über die Hügelkämme der südenglischen Landschaft hin. Greifbar nahe unter uns lagen die Tankfallen und Schutzgitter des Küstenstreifens. Zu Tode erschreckt stürzten in allen Ortschaften die Menschen mit riesigen Sätzen zu den Türen ihrer Häuser und den Eingängen der Luftschutzgräben. Radfahrer rollten wie Igel zusammengekugelt in einen Straßengraben hinein. Da waren unsere Do.s schon Über ihnen und längst ein Stück weiter nach England hineingerast. Grün mit grauem Saum von Steingebäuden sprang uns unser Ziel entgegen: e i n Flugplatz. Schon hatten die beiden Ketten vor uns ganze Arbeit geleistet. Da fielen auch unsere Bomben. Grauweiß standen über allen Hallen die Explosionswolken der Bombeneinschläge. Ein Bild restloser Zerstörung. Noch hingen unsere Augen an dem eindrucksvollen Bild unseres Einsatzes in der Tiefe. Da sackte der Flugzeugführer plötzlich leicht nach vorn über. „Nach Hause!", sagte er noch. Da fiel ihm schon die linke Hand, aus der rot ein Blutfleck quoll, kraftlos vom Steuerknüppel. Der Kopf sank nach vorn. Hätte nicht der Beobachte r im letzten Augenblick zugepackt und den Steuerknüppel in seine Hand genommen, dann hätte sich das Flugzeug wie ein Pfeil in den Boden gebohrt. Aber Oberfeldwebel I. überschaute in Sekunden die Situation. Heber seinen zusammengesunkenen Oberleutnant gebeugt, hielt er den Steuerknüppel nun in seinen Fäusten. Und gab Gas so viel er konnte. Langsam löste sich die Maschine aus Bodennähe, kletterte stetig in die Höhe. Wir waren wohl 100 Meter hoch, da gab der Oberfeldwebel ein Kommando an uns: „Fertigmachen zum A b - Sprung!" Noch waren die Füße des tödlich verwundeten Flugzeugführers an den Pedalen feftgeSchnallt. Der OberfeDwebel hatte so keine Möglichkeit, den Kurs zu ändern. Und als der Bordwart, Feldwebel H., Die letzten Vorbereitungen zum gemeinschaftlichen FallSchirmabSprung traf und dabei auch den Boden unfern Kabine löste, der Schnell in die Tiefe glitt, merkten wir es erst: Wir waren weit über die Britische Bomben auf eine historische deutsche Kirche. sh-vv-v . M d Bei einem Einflug nach Deutschland warfen englische Flieger Bomben auf die unter Denkmalschutz stehende Kirche bei Derichsweiler im Rheinland. Die Kirche wurde vollständig verwüstet. Auch der Friedhof der Kirche bietet ein Bild der Zerstörung. — (Scherl-Bilderdienst-Radermacher-M.) worfen und zogen nun heimwärts. Die englischen Jäger, durch die herandröhnenden Ketten irritiert, ließen bis auf einen von uns ab und wandten sich dem neuen Gegner zu. Noch einmal flog die letzte Spitfire von hinten an. Aber int Abschwenken nach rechts erwischte sie Unteroffizier S. mit einer langen MG.-Garbe in die Breitseite. Mit verschossener Munition, sicher von manchem Treffer durchlöchert, lieh der Jäger von uns ab. Nur die Flak bedrohte uns noch, die nuferen Weg bis zum Kanal begleitete. Ueber dem Kanal nahmen uns deutsche Jäger in Empfang. Während der Beobachter und der Bordwart sich in die ungewohnte Arbeit des Fliegens und Franzens teilten, hielt ich den Sterbenden. So flogen wir nach Frankreich hinein, bis wir einen Flugplatz an der Küste fanden. Dreimal zog der Beobachter seine Kreise um die weite grüne Fläche. Immer tiefer und tiefer schob er sich an den Platz heran, dann wagte er die Landung. Don über 100 Treffern war unfer Flugzeug wie ein Sieb zerfetzt — wir zählten die Einschläge nach der Landung — und doch fetzte Oberfeldwebel I. die Maschine behutsam hin. Unser Oberleutnant und Flugzeugführer starb auf dem Transport ins Lazarett. Aber unsere Do 17 war gerettet. MdemMerkreuzousaereillMi Berlin, 22. Aug. (DNB.) Der Führer und Oberfte Befehlshaber der Wehrmacht verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Reichsmarschall Göring, das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz: Major Ludwig Schulz, Kommandeur einer Kampfgruppe und Feldwebel Otto E i ch l o f f in einem Kampsgeschwader. Die Kampfgruppe des Majors Schulz hat in Belgien und Frankreich Erfolge von hervorragender Bedeutung zu erringen vermocht. Die Zerstörung der Flugplätze Hirjon und Siffonne, der Bahnanlagen südlich Sissonne und die vernichtenden Angrifte auf den Hafen und die Schiffe in Dünkirchen bilden Ruhmesblätter in dör Geschichte des Geschwaders. Der Gruppenkommandeur hat durch seinen Angriffsgeist und Wagemut, verbunden mit einem hohen taktischen Verständnis seine Gruppe immer wieder von neuem mit sick fortgerissen. Sein Beispiel bei der Durchführung Der Tiefangriffe brachte die bedeutsamen Erfolge bei dem Angriff gegen Kolonnen und Flugplätze. Bei einem Tiefangriff bei Paris wurde Major Schulz an der Spitze seiner Gruppe verwundet. Trotzdem gab er ein Beispiel vorbildlicher Tapferkeit und wahrhaft kameradschaftlichen Verhaltens; als er trotz schwerer eigener Verwundung die Führung der Maschine für den tödlich getroffenen Flugzeugführer übernahm, glatt landete und damit der Besatzung das Leben rettete. — Feldwebel Eichloff ist einer der besten Flugzeugführer in seinem Geschwader, der in zahlreichen Feindflügen durch feine Tapferkeit und sein Draufgängertum große Erfolge erzielt hat. Er hat durch einen Treffer schweren Kalibers einen britischen Kreuzer an der Westküste Norwegens Schwer de- St und einen Kreuzer der Pork-Klasse kurz im gleichen Seegebiet versenkt. Im Molde- Fjord konnte er einen 4000-Tonnen-Dampfer versenken und einen Transporter in der Maasmündung durch Treffer schweren Kalibers in Brand fetzen. In Holland vernichtete er die Kafernen und Barackenlager bei Gravenhage. Die deutsche Bodenabwehr. BritischeFliegererfahrungeninDeutschland Stockholm, 22. Aug. (Curopapreß.) Ein englischer Fliegermajor, der an vielen Flügen über Deutschland teilgenommen hat, sprach in London vor Auslandsjournalisten. Major Philipp B e a r e bestätigte, daß Die deutsche Bo de nab wehr den englischen Fliegern viel zu schaffen mache. Insbesondere im Ruhrgebiet habe man die Wirksamkeit der deutschen Flakgefchosse zu merken bekommen. Weiter gab der britische Major feinen ausländischen Hörern einen kleinen Begriff von der Organisationsfähigkeit und der schnellen Arbeits- leistuna in Deutschland. Schäden, die durch Bombenabwürfe verursacht wären, seien, wie die englischen Flieger wiederholt hätten feftstellen können, bereits in Der nächsten Nacht wieder ausgebessert gewesen. Die Beunruhigung unter Der englischen Bevölkerung über die lügenhafte Berichterstattung der eng- lifchen Regierung hinsichtlich der tatsächlichen Zahl der Opfer bei den deutschen Fliegerangriffen ift sehr beträchtlich. Nicht einmal in Den betroffenen Ortschaften Selbst Dürfen Ziffern über die an Ort und Stelle Getöteten bekanntgegeben werden. „Neros Chronicle" protestiert hiergegen. Das Blatt Schreibt: „Kürzlich kündigte Mr. Churchill an, daß Einzelheiten über Luftangriffs« Verluste örtlich angefchlagen werden würden, Sobald sie bekannt feien. Trotzdem wartet Croydon, das am letzten Donnerstag angegriffen wurde, noch im« mer «ruf die Namen und Zahlen seiner Verluste. Sn der Zwischenzeit haben Gerüchte eifrig die Todesfälle und Derwundunge« multipliziert? Englandfahrt - Todesfahrt. Seeleute gegen die unverantwortliche Handlungsweise „neutraler" Reedereien. Berlin, 22. Aug. (DNB.) Die deutsche Kriegsmarine greift unablässig englische Handelsschiffe trotz ihrer Bewaffnung mit steigendem Erfolg an und richtet ihre Tätigkeit besonders gegen britische Geleitzüge. Wenn in diesen trotz aller Warnungen immer weiter sogenannte Neutrale angetroffen werden, so setzen die betreffenden Reedereien, vom Tonnageoerlust abgesehen, damit vor allem das Leben ihrer Seeleute in unverantwortlicher Weise aufs Spiel. Dor wenigen Tagen wurden wiederum im Kanal die schwedische» H a n d e l s d a m p fe r „Can ton" und „Varia" mit zusammen mehr als 7000 BRT. aus einem englischen G e - leitzug heraus versenkt. „Nur ein Teil der Besatzung konnte gerettet werden", lautet auch hier wieder die lakonische Meldung vom Untergang braver Seeleute. Deutschland hat wiederholt die Reedereien der neutralen Linder vor der Annahme eines englischen Geleitbriefes gewarnt und ausdrücklich erklärt, daß es hierin eine unzulässige Unter st üt- zungdesFeindes sehen müsse. Mit Recht kann man erwarten, daß sich seemännische Berufsverbände in den beteiligten Ländern gegen die Stellungnahme ihrer Reedereien in dieser Frage wenden werden. Erst in den letzten Tagen, nachdem weitere „neutrale" Handelsdampfer durch die deutsche Kriegsmarine oder Luftwaffe daran gehindert wurden, ihren englischen Bestimmungshafen zu erreichen, mehren sich nun Nachrichten, daß in Erkenntnis der damit verbundenen Gefahren allerorts Seeleute sich weigern, weiterhin in englischen Oeteib zügen zu fahren. Die jetzige Erklärung der totalen Blockade wird noch das ihrige dazu beitragen. ÜSA.-Ein- und Ausfuhrbank soll Ausfuhrüberschüsse Südamerikas übernehmen. N e u y o r k, 22. August. (Europapreß.) Das Repräsentantenhaus hat einen Vorschlag Roosevelts angenommen, der der Ein- und Ausfuhrbank einen Zuschuß von 500 Millionen Dollar bewilligt, um die Ausfuhrüberschüsse der südamerikanischen Staaten zu übernehmen und sie gegen jeden wirtschaftlichen Druck von außen zu schützen, eine Maßnahme, die praktisch zu den gl-ei- chen Ergebnissen kommt wie das geplante Export- kartell. Zugleich wurde eine Milliarde Dollar bewilligt zur Finanzierung der Handelsexpansion und für die Entwicklung der Kriegsindustrie. Der iederaufbau in Belgien. Noch immer Flüchtlinge und Verschleppte in Südfrankreich zurückgehalten. Brüssel, 22.Aug. (Europapreß.) Die Wiedereröffnung der Börse in Brüssel, die auf eine Anregung der deutschen Militärbehörden zurückgeht, hat in belgischen Wirtschaftskreisen große Genugtuung ausgelöst. Man erwartet, daß durch diese Maßnahme die schwarze Börse, die bisher heimlich in CafSs abgehalten wurde, von selbst verschwinden wird. Die Tatsache, daß nur fe st verzinsliche Werte zur 3U)tierung zugelassen werden und daß Termingeschäfte verboten sind, ist die beste Gewähr dafür, daß Spekulationen ausgeschlossen sind. Bei der Neueröffnung wurden übrigens auch in personeller Hinsicht Aen- derungen getroffen. Die Wechselagenten mußten, bevor ihre Zulassung erneuert wurde, nachweisen, daß sie nicht jüdischer Abkunft sind und kein jüdisches Personal in ihren Betrieben beschäftigen. Obwohl der Waffenstillstand zwischen Deutschland und Frankreich seit bald zwei Monaten unterzeichnet ist, werden nach wie vor eine große Zahl von Deutschen sowohl wie Belgiern gegen ihreck Willen mit Gewalt oder unter Anwendung sonstiger Druckmittel in Südfrankreich zurückgehalten und daran gehindert, in die von den deutschen Truppen besetzten Gebiete zurückzukehren. Erst vor wenigen Tagen ist der Brüsseler Korrespondent des „Westdeutschen Beobachters" aus Südfrankreich zurückgekehrt, wohin er am 10. Mai nach seiner Verhaftung in Brüssel von Gefängnis zu Gefängnis geschleppt wurde. Der Korrespondent der „Kölnischen Zeitung in Brüssel befindet sich allem Anschein nach auch jetzt noch im Gefängnis von Pau. Immer wieder müssen deutsche Stellen den schärfsten Druck ausüben, wenn sie erreichen wollen, daß diese Zivilgefangenen, die fast alle unter kaum erträglichen Lebensbedingungen ihr Leben fristen, in die Heimat zurückgelassen werden. Die belgischen Zeitungen berichten über die Methoden, die die Mitglieder der ehemaligen belgischen Regierung in Poitiers auch jetzt noch anzuwenden versuchen, um die Angehörigen der belgischen Armee an der Heimkehr zu verhindern. So wird ein Erlaß veröffentlicht, den der ehemalige belgische Verteidigungsminister, General Denis, noch am 24. Juli in Villeneus-sur- Lot herausgegeben hat. Darin heißt es, alle Offiziere und Soldaten, die sich ohne ^Erlaubnis aus dem nichtbesetzten Frankreich begäben, würden aller militärischen Grade und Rechte sowie ihrer finanziellen Ansprüche, verlustig gehen. Wie die Stimmung unter den ehemaligen belgischen Soldaten in Frankreich ist, dafür ist kennzeichnend ein Bericht aus Caroassonne, wo täglich Kundgebungen vor dem Hause des dortigen belgischen Kommandanten stattfinden, bei denen die Menge in Sprechchören ruft: „Demobilisiert uns, demobilisiert uns!" Besonders schlecht geht es denjenigen, die sich nach dem 27. Mai zu König Leopold bekannten. Diese Soldaten und Offiziere befinden sich in dem berüchtigten Lager von St. Cyprien, nahe bei Perpignan, wohin auch ein großer Teil der in Brüssel lebenden Reichsdeutschen nach dem 10. Mai verschleppt wurde und wo jetzt schwere Epidemien herrschen. Zur Behebung der Arbeitslosigkeit sowie der Einordnung der zurückkehrenden Flüchtlinge und Soldaten in ein gesundes Gemeinschaftswesen ist ein freiwilliger flämischer Arbeitsdienst ins Leden gerufen worden. Die ersten Trupps von je 100 Mann haben bereits ihren Dienst ausgenommen. In den verschiedensten Gegenden Belgiens sollen in nächster Zeit Arbeitsdienstlager für Personen im Alter von 17 bis 25 Jahren eröffnet werden. Wie die flämischen Blätter melden, hat die Einrichtung eines Arbeitsdienstes bei der flämischen Jugend eine begeisterte Ausnahme gefunden. Blick auf die Dobrudscha. Das umstrittene Land zwischen Donau und Schwarzem Meer. Don dem so vielgestaltigen Balkan tritt im Augenblick nach Bessarabien und der Bukowina die Dobrudscha wieder stark in den Vordergrund des politischen Interesses. Wie alle balkanischen Gebiete ist auch die Dobrudscha seit langem das Ziel landwirtschaftlicher deutscher Siedler gewesen. Hier konnten sie schon deswegen nicht als Fremdlinge empfunden werden, well so ziemlich alles, was in der Dobrudscha lebt, mit Ausnahme der Bulgaren, Fremdling ist. Russen, Griechen, Tataren, Tscherkessen, Türken, > Sohn ...... , cMa ritT. .. ^qRIECHENL;/ RUMÄNIEN Bukarest _ ^BULGARIEN $iWm Wallachen bilden hier neben Bulgaren und Rumänen ein Bevölkerungsgemisch, das durch zahlreiche Zigeuner und Juden noch bunter wird. Und doch macht das Land geographisch und geopolitisch den Eindruck, als sei es wie vorher be° timmt für die Entwicklung eines nationalen Stam- nes, in einem nicht sehr großen, aber in sich ge- chlossenen Raum. Die natürlichen Grenzen bilden Schwarzes Meer und Donau. Auch der Süden ist nur anscheinend offen. Das Hügel- und Steppenland Dobrudscha wird hier von einem Gebiet abgeschlossen, für das man auf manchen Landkarten die türkische Bezeichnung Deli Orman findet. Das heißt Wilder Wald. Wenn er auch durch die wenig rühmliche türkische Waldwirtschaft verwüstet sein mag, so suchte Rumänien hier im Friedensvertrag 1913, der die Folge der Balkankriege abschloß, eine ausgesprochen strategische Grenze gegen Bulgarien, als es ihm die biefem gehörigen südlichen Teil der Dobrudscha entriß. Es bedurfte schon eines überlegenen Künstlers der Strategie wie Mackensen, um sich im Weltkriege Eingang in die Dobrudscha zu erzwingen. Das geschah in einer Schlachtenfolge, die bei Tutra- kan an der Donau begann, von Mackensen mit seiner deutsch-bulgarisch-türkischen Armee gegen die 4. rumänische Armee bis an die Linie Tsckernawoda— Konstantza herangetragen wurde und für die Einnahme von Bukarest mit entscheidend gewesen ist. Die genannte Linie ist geschichtlich besonders bemerkenswert. Es ist eine Talsenke von der Donau bis an die Küste. Kennzeichnend für die ganze Dobrudscha ist ihre Wasserarmut. Der Gedanke, sie mit Wasser zu füllen, einen Kanal bis zu dem Schwarzmeerhafen Konstantza zu ziehen, hat wiederholt vor der Verwirklichung gestanden und scheiterte bisher an der Notwendigkeit der Ueberwindung eines nur 50 Meter hohen Hindernisses. Die Nutzung der Talsenke als Verteidigungsstellung ist noch weit früher erkannt worden. Vis hierher reichte das Römische Reich in der Zeit (einer weitesten Ausdehnung überhaupt. Das war unter dem Kaiser Trajan, dem die Schöpfung des Trajanswalles jugefchrieben wird, einer bedeutenden künstlichen Schöpfung zur Verstärkung dieser natürlichen Festungslinie. Noch eher als die Römer schufen aber Völker, die sich von ihnen a n - gegriffen fühlten, einen heute hier ebenfalls noch nachweisbaren Wall mit der Front nach Süden. Konstantin der Große, war der dritte, der hier eine Befestigungsanlage einrichtete. Der Trajanswall in der Dobrudscha ist oft genug von Angreifern überwunden worden. Die Goten, Alanen, Hunnen stürmten darüber hinweg. Als hier im Krieg der Westmächte gegen die Türkei von 1854 die Russen aufmarschierten, fühlte sich jedoch Omer Pascha in einer bis dahin für stark gehaltenen Stellung mit türkischen Streitkräften mattgesetzt. Daran konnte auch eine französische Division nichts ändern, die hier unter dem General Espinasse auftrat und durch Hitze, Wassermangel und Cholera fast völlig aufgerieben wurde. Wassermangel ist der größte Nachteil der Dobrudscha. Daraus ergibt sich der steppenartige Gesamtcharakter. Und doch ist sie als landwirtschaftliches Nuhungsland in hohem Grade begehrenswert, weil sie mit einer Schicht des fruchtbaren Lößbodens bedeckt ist, der seinen Bedauern reiche Erträge verspricht. Die landwirtschaftlichen Vortrupps aller der eingangs erwähnten Völker haben das erfaßt und die Muhen der Wasserbeschaffung durch Paternosterwerke aus unwahrscheinlichen Tiefen nicht gescheut. Aus der wachsenden Ausnahme der Dobrudscha als lohnendes Sied- lungsland erklärt sich eine rasche Zunahme der Bevölkerung. Sie betrug im Weltkriege auf einem Bereich, der ziemlich genau dem Umfang der Rheinprovinz ohne Saarland entspricht, schon rund 700000 und wird heute der Million nicht mehr fern sein. Die Dobrudscha ist also Zukunftsland. Sie verfügt mit Sicherheit auch über Bodenschätze und zwar reichlich über Kupfer und mindestens nen- nensroert über Kohlen, wenn ihr Abbau auch noch in den allerersten Anfängen steckt. Die Ansprüche Bulgariens sind geschichtlich stark untermauert. Die Dobrudscha trägt ihren Namen nach dem bulgarischen Fürsten Dobroti- t i ch , der sie als erster planmäßig organisierte, nachdem sie um 1200 in den Besitz des ersten bulgarischen Kaiserreiches gekommen war. Seit 1400 wurde sie von den Türken beherrscht. Rund ein halbes Jahrtausend,blieb dieser Zustand, bis sie Austauschobjekt zwischen der Türkei, Rußland und Rumänien geworden ist. Die Russen erhielten sie 1878 von den Türken und übermittelten sie den Rumänen gegen Rückgabe Bessarabiens. Im Weltkrieg erhielten die Bulgaren in Verbindung mit Deutschland zunächst die südliche, bald danach die ganze Dobrudscha, niußten sie aber im Frieden von Neu- illy, noch um den südlichsten Teil mit dem Wilden Wald beraubt, wieder an Rumänien herausgeben. Der wichtigste Hafenplatz der Dobrudscha, Konstantza, hat gleichzeitig für den Weg von Bukarest in die Welt höchste Bedeutung. Bis zu diesem Hafen führt auch eine Oelleitung von den rumänischen Del- feldern ans Meer. Es wird einer hohen staatsmännischen Kunst bedürfen, die Vesitzverhältnisse der Dobrudscha so zu gestalten, daß sie keinen Konflikts- stvff mehr bietet. Lff. Aenderungen im Reichsbahngüterlarif. Tarifentfernungen werden verkürzt. - Neue Staffelung des Negelgütertarifs. Nebenklaffe für fünf Tonnen. Berlin, 22. Aug. (DNB.) Im September wer- den einige Aenderungen des Reichsbahngütertarifs durchgeführt werden, die den geographischen Veränderungen des Reichsgebietes infolge Rückgliederung der Ostmark, des Sudetenlandes und der deutschen Ostgebiete sowie der Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren Rechnung tragen. Die Aenderungen betreffen sowohl den Regel- gütertarif als auch das Ausnahmetarifsystem der Reichsbayn. Für alle Gütertarife der Reichsbahn werden künftig die Tarifentfernungen im Verkehr zwischen und mit den genannten neuen deutschen Reichs gebieten über die kürzesten Wege berechnet. Hierdurch werden die Tarifentfernungen in den in Betracht kommenden Derkehrsbeziehungen, beispielsweise zwischen Bayern und Schlesien, Ostpreußen und Schlesien und Schlesien und der Ostmark verkürzt, und zwar im Einzelfalle bis zu 200 Kilometer. Die neue Entfernungsberechnung wirkt sich u. a. so aus, daß sogar noch die Tarifentfernungen von Bremen nach Wien und von allen östlich dieser Linie gelegenen Verbindungen nach der Ostmark verkürzt werden. Eine weitere Steigerung betrifft die Staffel des Regelgütertarifs der Reichsbahn. Der Gütertarif ist nach Entfernungen gestaffelt, so daß die Fracht für große Entfernungen verhältnismäßig niedriger ist als für kleinere Entfernungen. Während bisher bei Entfernungen ab 900 Tanf- kilometer der A n st o ß f a tz für die über 900 Kilometer hinausgehende Entfernung ein Zehntel des kilometrischen Anfangssatzes Der Staffel betrug, wird dieser Anstoßsatz künftig zweiZehntel des Anfangssatzes betragen. Diese Aenderung bedeutet für die Wirtschaft keine neue Belastung, da sie weniger als den zehnten Teil dessen ausmachtz was die oben erwähnte Aenderung in der Berechnung der Tarifentfernungen der Wirtschaft an Frachtersparnis einbringt. Eine weitere Verbilligung im Regeltarif wird auch den Gebieten zugutekommen, Die durch die neue Entfernungsberechnung im Reichsbahnguter- verkehr nicht begünstigt werden. Künftig wird nämlich für Die billigsten Massengüte r der niedrigsten Tarifklasse G eine Nebenklasse f u r fünf Tonnen eingeführt, während bisher für diese kleinen Transporte die Sätze der höheren Tarifklasse gezahlt werden mußten. Alle diese Aenderungen im Regeltarif für Den Reichsbahngüterverkehr haben ebenso wie zahlreiche andere Aenderungen in Den Reichsbahnausnahmetarifen den Zweck, Die durch Die besonderen Aufgaben stark beanspruchte Reichsbahn von einem Teil des Verkehrs zu entlasten und diesen Verkehr auf Die Wasserstraßen abzu- lenken. Gerade auf Die weiten Entfernungen läßt sich Die Güterbeförderung sehr häufig auf die Wasserstraßen umlegen, wobei die Eisenbahn Dann nur auf verhältnismäßig kurze Entfernungen im Zulauf zu Den Häfen und für die Abfuhr aus Den Häfen in Anspruch genommen zu werden braucht. Solche Teilbeförderunaen auf Der Eisenbahn und Den Wasserstraßen können sowohl im deutschen Fluß- und Kanalverkehr als auch vor allem im Donau- und im deutschen Ostseeküstenverkehr erreicht werden. Kartoffelkraut liefert Papier und Textilstoffe. Das neue Heft der Zeitschrift „V i e r j a h t e s - plan" ist zu 100 v. H. aus einem Stoff hergestellt, der bisher nahem zu nichts anderem nütze war, als im Herbst auf dem Acker verbrannt zu werden, nämlich aus Kartoffelkraut. Wie Gauleiter Fritz Sauckel an der Spitze Der Zeitschrift ausführt, verdanken mir diesen neuen Rohstoff einer genialen Idee Des Führers. Auf seine Initiative wurden in Thüringen Die ersten Versuche gemacht, Kartoffelkraut für Die Herstellung von Zellstoff zu verwenden. Für den Erfolg spricht nicht nur die Zeitschrift, sondern Dafür sprechen auch Anzüge und Damenkleidung, Die schon zum Teil zwei Jahre lang die Probe in Der Praxis bestanden haben. Der neue Rohstoff wird wesentlich dazu beitragen, daß am Wald kein Raubbau getrieben zu werden braucht. Wenn man Daran denkt, daß Groß- deutschland Die größte Kartoffelanbaufläche Der Welt besitzt, Dann ist man sicher, Daß auch aus dieser Idee des Führers dem Volke und seiner Wirtschaft gewaltiger Segen erwachsen muß. Auch wirtschaftlich werden wir trotz des hohen Preises, Den Der Bauer für das noch vor zwei Jahren völlig wertlose Kartoffelkraut bekommen soll, die jetzigen Verfahren der Papiererzeugung einholen. Inzwischen formen Planung und Betriebsversuche weiter an der allgemeinen' Verwendung des Kartoffelkrautes in Der Zelluloseindustrie. Es ist heute schön möglich, Zellulose mit höchster Reinheit aus Kartoffelkraut und anderen Abfallprodukte» zu entwickeln. Jetzt gilt es, für die Landwirtschaft die Möglichkeit zu finden, das Kartoffelkraut zu sammeln und der Wirtschaft zuzuführen. Bei richtiger Organisation können Drei Millionen Tonnen Kartoffelkraut in Deutschland erfaßt werden. Bei nur 30prozentiger Ausbeute wäre eine Entlastung der Waldwirtschaft um etwa 675 000 Tonnen Zellulose möglich. Oie neue Neichsseifenkarte. Mit Dem Monat September läuft Die geltende Reichsseifenkarte ab. Der Reichswirtschaftsminister hat Bestimmungen für die neue, vom 1. Oktober an geltende Reichsseifenkarte erlassen. An den monatlichen Zuteilungen wird nichts geändert; sie betragen nach wie vor ein Stück Einheitsseife und 250 Gramm Waschpulver, und für vier Monate zusammen ein Stück Rasierssife. Die neue Reichsseifenkarte gilt nur für vier Monate. Mit Rücksicht auf Die gewerblichen Wäschereien, Die mit Den großen Abschnitten häufig Schwierigkeiten hatten, ist auf der neuen Reichsseifenkarte Die monatliche Zuteilung von 250 Gramm Waschpulver in fünf Einzelabschnitte je 50 Gramm auf gegliedert. Tagung des Führerkorps der NSDAP. NSG. Am Donnerstag versammelten sich Die Gauamtsleiter und Kreisleiter des Gaues Hessen-Nassau in der Gauhauptstadt Frankfurt a. M., im Adolf-Hitler-Haus, zu einer Arbeitstagung. Gauleiter Sprenger gab ihnen hierbei Einsatzanweisungen für die zukünftige Arbeit. Neben der einheitlichen Ausrichtung Der Führerschaft Der Partei durch Den Gauleiter wurde zu den aktuellen Fragen, die den Kriegseinsatz Der Partei auf Den verschiedensten Arbeitsgebiet ten betrafen, Stellung genommen. Einzelne Gau- amtsleiter haben des weiteren über besonders wichtige Maßnahmen und Aufgaben aus ihrer Arbeit berichtet. Kleine politische Nachrichten. Der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Generalfeldmarschall Keitel, hat Dem Marschall Badoglio zum Siege der italienischen Massen in Ostafrika seine herzlicyen Glückwünsche ausgesprochen. Auf Einladung des Oberbefehlshabers des Heeres führt eine Abordnung von Offizieren Der königlich schwedischen Armee unter Führung Des Generalmajors Grafen Douglas zur Zeit eine Reife zur Besichtigung der Kampfgebiete in Nord- oftfrankreich und Belgien aus. * Reichsorganisationsleiter Dr. Ley traf in Begleitung des Geschäftsführers Der Deutschen Arbeitsfront, Oberbefehlsleiter Marrenbach, in Brüssel ein. Dr. Ley befand sich auf Der Durchreise, da er im besetzten französischen Gebiet zahlreiche Truppen und Frontarbeiter in ihren Lagern und auf ihren Arbeitsplätzen aufsuchte. Dabei hatte Dr. Ley auch Gelegenheit, mit Reichsminister Dr. Todt Fragen der Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Arbeitsfront und Der Organisation Todt zu besprechen. * Der Reichsarbeitsführer hat mit Dem 10. August 1940 den Oberstarbeitsführer Bruer, bisher Chef des Amtes für Ersatz- und Meldewesen, zum Inspekteur für Ersatz, und Meldewesen ernannt. Nach einer Meldung des „Giornale d'Jtalia" hat Das englische Oberste Kriegsgericht in Kairo seit Beginn Des Krieges 5 7 5 8 Äegypter wegen Zuwiderhandlungen gegen die Verfügungen Der Militärbehörden verurteilt. * Der bulgarische Ministerrat hat beschlossen, daß sich Handelsminister S a g o r o f f Ende Des Monats für einige Tage nach Deutschland begibt, um die Leipziger und Wiener Messe zu besuchen. Bulgarien wird, wie bisher, beide Messen mit eigenen Ausstellern beschicken. Auf Einladung Der slowakischen Arbeiterschaft trafen am Sonntag, aus Wien kommend, rund tausend deutsche Arbeiter in Preßburg ein. Die deutschen Arbeiter wurden überall «begrüßt. Sie begaben sich nach Besichtigung . luprftadt Preßburg nach Weinern, wo sie Gäste der slowakischen Arbeiter waren. * Wie in einer offiziellen Rundfunkmeldung bekanntgegeben wird, hat der argentinische Staatspräsident Dr. Roberto M. Ortiz seinen Rücktritt erklärt. Nach der Verfassung müssen erst Kammer und Senat Stellung nehmen. Der Entscheidung des Präsidenten ist eine mehrstündige Beratung mit Den Ministern und anderen politischen Persönlichketten vorausgegangen. Ans aller Welt. 50 Jahre J. F. Lehmanns Verlag München. Am 1. September 1890 begründete Julius Friedrich Lehmann in München feinen Verlag. Er begann ihn zunächst von Der Medizin her und schuf ihm durch Die medizinischen Atlanten und den Ausbau Der Münchener medizinischen Wochenschrift, zum Weltblatt mit Der größten Auflage, einen angesehenen Namen. Seit 1895 baute er mit leidenschaftlichem Idealismus feinen völkischen Kampfverlag auf. 1917 gründete er die Zeitschrift „Deutschlands Erneuerung". Don Den heute in 400 000 Stück verbreiteten Schriften Professor Günchers ging der Siegeszug des Rassengedankens in Deutschland aus. R. W. Darr4, E. Baur, E. Fischer, F. Len§, L. F. Clauß, A. Ploetz, W. Schemann, P. Schultze-Naumburg, gehören zu Den Autoren des Verlags auf diesem Gebiet. Der militärische Derlagszweig wurde gepflegt, durch Die Reihe ,Zm Felbe unbesiegt", durch „Weyers Taschenbuch der Kriegsflotten", durch das „Handbuch der Luftfahrt" und „Lehmanns Wehrmachtsbücherei". Besonders bekannt wurde der Verlag in den letzten Jahren auch durch die Bucher Der Münchener Aerztin Dr. Johanna Haarer, deren Säuglingspflegebuch „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind" in wenigen Jahren eine Auflage von 300 tDO Stück erreichte. I. F. Lehmann wurde noch kurz vor feinem Tode vom Führer durch die Verleihung des Adlerschildes des Deutschen Reiches und das Goldene Ehrenzeichen der Partei ausgezeichnet. Der 40. Todestag Giuseppe Verdis. Der Duce hat angeordnet, daß Persönlichkeit und das Werk des berühmten italienischen Komponisten Giuseppe Verdi anläßlich Des 40. Jahrestages feines Todes am 27. Januar 1941 in würdiger Weise gefeiert werden sollen. Das Ministerium für Volkskultur hat bereits Vorkehrungen getroffen, um im Rahmen dieser Feiern im Oktober dieses Jahres -m Königlichen Opernhaus in Rom eine Reihe von Verdi-Opern volkstümlichen Charakters zur Aufführung bringen zu lasten. Am 27. Januar nächsten Jahres werden bann in allen lyrischen Theatern Italiens Verdi-Gedächtnis-Feiern ftatt- finben. Die großen italienischen Konzertgesellschaften werben Konzerte unter Mitwirkung ber hervorragendsten Sänger und Sängerinnen Italiens veranstalten, Schließlich werdet; in allen Großstädten W W' 4 • <■ zur ewigen Ruh in Gott dem Herrn heimgegangen. Die Trauerfeier findet in der Stille statt 02805 Lieh, den 22. August 1940. 3759 D Im Namen der Hinterbliebenem Professor Dr. Josef Collin. Nach langem Leid und schwerem Leiden ist am 20. August 1940 meine liebe Frau, unsere liebe Schwägerin und Tante Fürst zu Solms-Lich’sche Gutsverwaltung. Mayer. ist am 21. August 1940 nach kurzer, schwerer Krankheit in der Klinik zu Gießen verstorben. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Unser langjähriges, treues Gefolgschaftsmitglied Fritz Böhm L I IE Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübung / Bereich XII (Hessen). Bezirk 8 Gießen Sonntag, ab 17 Uhr, Siegerehrung 3755 D Samstag, ab 16 Uhr, Tenniswettbewerbe (Städt Tennisplätze) Sonntag, ab 7 Uhr, Radrennen (Schützenhaus) Sonntag, ab 9 Uhr, turnerische und leichtathlet. Mehrkämpfe, Schwerathletik, Tennis- u. Radwettbewerbe (Universitäts- Sportplatz) / Schwimmen (Militär-Schwimmbad) Sonntag, ab 13.30 Uhr. leichtathletische Bezirksmeisterschaften Handball- und Fußballspiele, Geräte - Kür - Turnen und Kinder-Turnen Bezirks-Turn- und Sporttag in Betten am 24. und 25. August 1940 geben ihre Vermählung bekannt 3750 V Die Deutsche jrbeiislronl HSG. Krall durch Freude Kreisdienststelle etter au Beginn 16 Uhr. mit ungekürztem Programm voraus. Eintrittskarten zum Preise von RM. 1.-und 1.50 sind in der Kartenverkaufsstelle Seltersweg 60 erhältlich. 3754D bei BrUhl ILSE WERNER Ohne Gewähr Nachdruck verboten 21. August 1940 11. Ziehungstag In der Nachmittagsziehung wurden gezogen T85T1 36 Gewinne zu 2000 RM. 6247 12. Ziehungstag 22. August 1940 In der Vormittagsziehung wurden gezogen 101492 143215 271812 363575 74072 182214 257390 370995 185407 265689 397572 115597 162713 284232 200962 212104 228877 234572 246720 256823 266335 288643 298727 334774 340037 350637 187113 110480 161646 8245 134796 139825 139887 221813 228842 270606 313757 330778 359820 163115 129553 311303 111730 160256 274247 399655 219462 249946 39439 296194 267365 150694 391185 23595 92835 Zaire, ire, 311296 386596 32394 86400 155952 3209 4552 36565 52281 120472 128380 173304 213946 285031 311438 131034 233013 242598 248954 259756 263968 296729 344475 361380 365770 387423 testen, Horst-Wessel-Wall31;Christel Luh,3 testen-Klein-Linden, Schulstraße 33; Friedrich eioel, Verw.-Sekretar, 40 Jahre, Lollar, Kreis geb. Bertram, 0. B., 84 Jahre, Gießen, sstraste 9; Katharina Vetter, 0. B., 79 I Gewinnauszug 5. Klasse 3. Deutsche Neichslotterie Achtung! Theaterabonnenten! Die 4. Veranstaltung unseres Theatersommerrings am Samstag, dem 24. August, beginnt nicht um 20.15 Uhr, 3753d sondern bereits um 19.30 Uhrl 3 Gewinne zu 10000 RM. 3 Gewinne zu 5000 RM. 21 Gewinne zu 3000 RM. 202328 233846 317634 51 Gewinne zu 2000 RM. Dr. jur. Ludwig Eellan'us Intendanturrat und Frau Greiel, geb. Strube 3 Gewinne zu 50000 RM. 275797 12 Gewinne zu 5000 RM. 73762 6 Gewinne zu 4000 RM. 13183 21 Gewinne zu 3000 RM. 18571 296108 298484 300906 93 Gewinne zu 1000 RM 9077 9914 13600 20744 45441 75866 78563 131897 138814 141045 144000 155871 276149 304372 318783 322170 324385 328032 355019 117 Gewinne zu 1000 RM. 10409 16600 22946 33359 53381 57404 61932 70333 80821 91254 91984 Bekanntmachung. Mit Zustimmung des Herrn Reichsministers für rnährung und Landwirtschaft werden auf den vom ). 7. bis 25.8.1940 gültigen Bestellschein der Reichs- erkarte als 3. Rate 3 Eier ir jeden Versorgungsberechtigten ausgegeben, und nar auf den Abschnitt c in der Zeit vom 22. 8. bis 5. 8.1940. 3757L Gießen, den 22. August 1940. * Der Oberbürgermeister der Stadt Gießen. worden. Hunderte von Wohnungen und Häusern wurden zerstört. Es find zahlreiche Opfer an Menschenleben zu beklagen. In vielen Gegenden ist die vor der Reife stehende Ernte vernichtet worden. Zwanzig Bauernhäuser in Nordilalieu eingeäscherl. In der Ortschaft T u e n n 0 im Rons-Tal bei Trient brach durch Selbstentzündung von H e u in einem Bauernhaus ein Brand aus, der sich mit Windeseile auf die umgebenden Häuser ausdehnte, da die Flammen an den aufgestapelten Heuvorräten eine leicht entzündbare Nahrung fanden. Obwohl aus der Umgebung zehn Feuerwehren herbeieilten, gelang es nicht, den Brand einzudämmen, so daß innerhalb weniger Stunden 20 Bauernhäuser mit sämtlichen Möbeln und allen landwirtschafllichen Geräten und Vorräten ein Raub der Flammen wurden. Etwa 100 Personen sind obdachlos geworden. Elf Todesopfer eines Flugzeugunglücks in Jugoslawien. Das fahrplanmäßige Verkehrsflugzeug der Linie A g r am — S p l i t, eine zweimotorige Lockhead- Maschins, ist bei stürmischem Regenwetter am Donnerstagvormittag bei Knin im Karstgebirge abgestürzt. Sämtliche neun Passagiere und zwei Mann der Besatzung sind tot. Große Ueberschwemmungen in Afghanistan. Infolge heftiger Regengüsse sind in einer Reihe von Gebieten Afghanistans große Ueberschwemmun- gen eingetreten. Im Bezirke des Flusses Alingar (Provinz Dschelalabad) sind durch die Ueberschwem- mungen 14 Personen umgekommen und 10 verletzt worden. Einige Häuser wurden von den Fluten weggeschwemmt. In Chosta sind sechs Personen im Hochwasser ertrunken. TNalthias-Llaudius-kirche in Reinfeld. Im Einverständnis mit dem Reichsminister für die kirchlichen Angelegenheiten hat das Landes- kirchenamt Kiel der Kirche in Reinfeld, dem G e - burtsort von Matthias Claudius, dem „Wandsbecker Booten", den Namen Matthias-Clau- Dem Gastspiel mit Ludwig Schmitz am 27. August im GLORIA-PALAST, Gießen geht auf vielseitigen Wunsch wiederum eine Nachmittags-Veranstaltung und in den italienischen Kulturinstituten im Ausland Vorträge über Leben und Werk des großen italienischen Komponisten gehallen werden. Die Südwand des THont Blanc bezwungen. Den beiden jungen italienischen Offizieren Ger- v a s u t t i und B 0 l l i n i ist es in Begleitung von zwei Führern in schwieriger Kletterarbeit gelungen, die bisher noch unbezwungene Südwand des Mom Blanc zwischen dem Jnnominata- und dem Peuteret- Grat zu erklimmen. In 16 Stunden bezwangen sie die 800 Meter hohe Wand, um dann beim Schein des Vollmondes bis zur Dallot-Hülle unter dem Gipfel des höchsten Berges Europas vorzudringen. — Ein weiterer neuer Anstieg gelang den Mailändern Rivetti und Gilberti über den Emilio- Rey-Kamin, die Luigi-Amadeus-Spitze und den Brouillard. Sowjeleisbrecher „Sedow" wieder auf Arklisfahrl. Der sowjetrussische Eisbrecher „Sedow" ist am 20. August erneut zu einer ArktiserpedllioN von Archangelsk ausgelaufen. An Bord des Eisbrechers befindet sich eine hydrographische Expedition. — Der Eisbrecher „Sedow" war erst im letzten Jahr von mehreren russischen Eisbrechern und Hilfsfahrzeugen gerettet worden, nachdem er nicht weniger als zwei Fahre im arkttfchen Packeis getrieben hatte. Lin rNammulskelell in Westsibirien entdeckt. Unweit des Dorfes Waschruschewka des Bezirkes Kotfchenewo wurde ein Mammutskelett entdeckt; der Fund ist bereits freigelegt worden. Die Knochen haben sich sehr gut erhalten. Selbst die Knorpel zwischen den Wirbeln sind erhalten geblieben. Es tst das erste Mammutskelett, das in Westsibirien entdeckt wurde. In der nächsten Zell wird das Skelett unter der Aufsicht von Sachverständigen in das Gebietsmuseum nach Novosibirsk gebracht. Die Insel Luzon von einem Zyklon heimgesucht. Wie aus Manila gemeldet wird, ist am Mittwoch Luzon, die größte Insel der Philippinengruppe, von einem schweren Zyklon heimgesucht Auf ied, gezogene Nummer find drei gleich hohe Gcwinae gefallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer __________iu den drei Abteilungen I, 11 und III__________ Herr Wilh. Metzger, Melker, Maxhof b. Mittelbuch, Kreis Biberach/Ritz, HWMESMH schreibt a. 16.6.40: batte immer U Wä über sehr unangenehme und heftige W* 3 Kopf-Schmerzen ÄH zu klagen. Nachdem ich einige Wochen täglich drei Trtneral-Ovaltabletten ' A genommen habe, bin ich meine äSSW heftigen Kopfschmerzen losgeworden,' Esmch""a°^-Nerven-Schmerzen Herr Fritz Langhals, Bergmann, Dortmund, Hayönstr.6«, schreibt am 12. 5. 40: ,Zch war mit meinen Nerven ganz heruntergekommen und zu keiner Arbeit fähig. Heute jedoch, nach Gebrauch der Trineral-Ovaltabletten, kann ich meinem Beruf wieder voll und ganz nachgehen." Bei Kopf- n. Nervenschmerzen, Rheuma, Gicht, Ischias, Hereuschub.Erkältuugskraukheiten.Grivve Helsen die hoch, wirks. Trineral-Ovaltabletten. Sie werden auch v. Magen- u. Darmempfinöltchen best. vertragen. Mach. Sie sof. ein. Versuch! Origpckg. 20 Tabl. nur 79 Pfg. In all. Avoth. erhält!. 0. Trtneral GmbH., München B 27/547. Verl.Sie kosten!.Brosch.„Lebensfreudedurch Gesundheit!" dius-Kirche verlleheR. Im Anschluß an den Fest- gottesdienst, der aus diesem Anlaß stattfand, wurde von der Kirchengemeinde der Stadtverwaltung ein Matthias - Claudius - Gedenkplatz übergeben. Der Platz, auf dem der Dichter als Kind gespielt hat, ist im Zuge der Vorarbeiten zur Errichtung eines Denkmals mitten im Kriege fertiggestellt worden. Paracelsus- und Rlozart-Gedenkstätten reftauriert Aus.Anlaß der im September 1941 ftattfindenden Gedenkfeier zum 400. Todestage von Paracel - s u s wird das weltbekannte Grabdenkmal an Der Sebaftianskirche in Salzbura wiederhergestellt. Fehlende und geborstene Teile des Grabdenkmals werden ersetzt und die ganze Kapelle in einen würdigen Zustand gebracht. Ferner wird die Wiederherstellung und Reinigung einzelner Gruftarkaden des Sebasttansfriedhofs durchgeführt. Auch die Wiederherstellung einiger Grüfte von mit der Familie Mozart befreundeten Geschlechtern ist beabsichtigt. Dabei soll auch die nächste Umgebung des Grabes der Familie Mozart selbst eine würdige neue Form erhalten. Soziale Tat einer bulgarischen (Erbin. Eine riesige Schenkung wurde dem bulgarischen Staat durch die Erbin des kürzlich verstorbenen reichsten Bulgaren, des verdienten Freiheitskämpfers K a l t f ch e f f, zuteil. .Seine Tochter Teophana gab dieser Tage dem Innenminister Gabrowski ihren Entschluß bekannt, die Hälfte der Erbschaft oder 500 Millionen Lewa (16 Millionen RM.) dem Staate zur Hebung der Volksgesundheit zu schenken. Der Staat beabsichtigt, diese Summe teilweise zum Bau von Krankenhäusern für Tuberkulöse zu verwenden, deren es in Bulgarien 80 000 gibt, während für den Rest Spitäler und Irrenanstalten errichtet werden sollen. U-Bootfahrer Gäste der Stadt Wiesbaden. Als Gäste der Stadt Wiesbaden hat die Stadtverwaltung drei verdiente, von langer, erfolgreicher Feindfahrt zurückgekehrte U-Bootfahrer eingeladen, einen achttägigen Erholungsurlaub hier zu ver- Sterbefälle. Am 1. 8. 40 Wilma Metzger, 3 Monate, Langs- □rf, Kr. Gießen: Joseph Hugo Hubert Henkel, eichsangestellter, 56Jahre, Gießen, Wolkengasse23; , 8. Wilhelmine Horst, geb. Müller, 73 Jahre, ließen, Neustadt 37; 5. 8. Katharine Boller, geb. Zeil, 43 Jahre, Lang-Götts, Kr. Gießen; Elisabetha Hitler, geb. Hahn, 55 Jahre, Gießen-Klein-Linden; ath. Svies, geb. Frey, 0. B., 75 Jahre, Lang-Göns, r. Gießen; 6.8. Wilhelmine Georgine von Mün- Sleiu- SAmniMlne gut erhalten, zu verkaufen. Preis RM. 50.-. Sehr. Angeb. u. 02809 an 0. Gieß. Anz. Gebrauchtes Fahrrad mitDynamo-Be- leuchtung zuverkaufen. 02811 Mäusburg 12 I Die Deutsche Arbeitsfront NSG. Krall durch Freude KreisdienststeUe Wette rau Berlin W 62 Gießen Kurfürstenstraße 82 Posener Straße 17 24. August 1940 eßen; 8. 8. Johannes Leun, Bürgermeister a. D., Jahre, Gießen, Cranachstr. 3; 9. 8. Emilie Luise iroline Johanna Frenzel, geb. Gail, 75 Jahre, eßen, Schottstr. 13; Marie Henriette Emse, geb. agner, 66 Jahre, Gießen, Wolfstraße 14; 13. 8. iDlf Göbel, 2 Jahre, Gießen, Tannenweg 1; 14.8. ;org Hambach, Justiz-Oberwachtmeister a. D., Jahre, Gießen, Ederstraße 5; 16. 8. Wilhelm ehl, Reg.-Medizinalrat, Doktor der Medizin, 51 ihre, Gießen, Bergstraße 1. Ihr erstes Ein Ufa-Film nach dem Roman: „Tochter aus gutem Hause.“ Mit innerer Leidenschaft und überzeug Klarheit zeichnet Ilse Werner ein junges, zum erstenmal schwärmerisch verliebtes Mädchen, das mit der Unbekümmertheit der Jugend für etwas kämpfen zu müssen glaubt, was es für die Liebe seines Lebens hält TO BIS-WO CH ENS CH AU Ab heute Freitag Lichtspielhaus Täglich 3.30, 5.30,7.45, Sonntag 3,5.15,7.45 leben. Im Rathaus trugen sie sich in das Gästebuch der Stadt Wiesbaden ein. Zuchthaus wegen verbotenen Umgangs mit Kriegsgefangenen. Das Berliner Sondergericht verurteilte die 25jäh. rige Anna Höft aus Ernstfelde (Kreis Soldin) wegen verbotenen Umgangs mit Kriegsgefangenen in einem besondes schweren Fall zu drei Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust. Das schamlose Frauenzimmer hatte sich mit einem polnischen Kriegsgefangenen eingelassen, der aus feinem Lager entwichen und in ihre Kammer durch das von chr verabredungsgemäß offengelassene Fenster eingestiegen war. Als der Gefangene die Angeklagte in der nächsten Nacht wieder aufsuchen wollte, wurden beide festgenommen. — Ebenfalls zu drei Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust wurde die 32jährige Hedwig Grünewald aus Lübsee (Kreis Arns- walde) verurteilt, die sich in gleicher schamloser Weise mit einem polnischen Kriegsgefangenen eingelassen hatte, obwohl sie ebenso wie die Angeklagte Host genau gewußt hatte, daß das verboten ist. — 2er Vorsitzende des Berliner Sondergerichts geißelte das Verhalten der Angeklagten in scharfen Worten und erinnerte daran, baß gerade Angehörige des polnischen Volkes es waren, die unmenschliche Taten an volksdeutschen Männern und Frauen verübt hatten. Wegen Widerstandes erschossen. Der Reichsführer ff und Ches her Deutschen Polizei teilt mit: Am 21. August 1940 wurden wegen Widerstandes die wiederholt vorbestraften Gewohnheitsverbrecher Konrad Höpfl, Johann Zauner und Franz Xaver Straß- b ur g er erschossen. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertretor d^ Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politil, Feuilleton und Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Stadt Gießen, Provinz, Wirtschaft und Sport: Ernst Blumschein. Druck und «erlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange K. G. Berlagsleiter: Dr.°Ing. Erich Hamann; Anzeigenletter: Hcms Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Pl.Rr.6. Für sofort oder später in angenehme Dauerstellung gesucht: 1 Verkäuferin 1 Volontärin PARFÜMERIE DOLL Gießen, Marktstraße 28. 3760 A Heimatvereinigung ScMMerg Sonntag,25.1.M. nachmittags 4 Uhr auf dem Schiffenberg: Jalires- hauptauiDüng Anschließend: Familien- 1 ZnsamnienM. Fleißiges, faub. u. zuverlässig. Mädchen nach Mainz gesucht. Ausführliche Angebote evtl, mit Bild unter K 1972 an An- zeigenfrenz Mainz. S768V | Verkäufe | Großer, starker Hand- leiterwagen zu verkauf. 02812 Mäusburg 121. Nachlässe von s bis 20 v. h. »a halten Sie bei wiederholten Ver- öffentllchungen einer Anzeige/ Nr. 199 Zweites Blatt geheuer Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Freitag. 23 August 1940 Zeder zu lufischuhlnäßigem Verhalten verpflichtet. Eigenbrötler unerwünscht. Aus der Stadt Gießen. Mit dem Fahrrad unterweas In Großdeutschland fahren rund 20 Millionen Menschen Rad. Das ist ein- Viertel der Bevölkerung. Seit Kriegsbeginn hat sich diese Zahl noch bedeutend erhöht. Durch die Ablieferung von Kraftfahrzeugen an die Wehrmacht und Stillegung vieler Autos und Motorräder, soweit sie nicht lebenswichtigen Interessen dienen, sind viele Kraftfahrer zum treuen Fahrrad zurückgekehrt: manche sind auch zum erstenmal „in den Sattel gestiegen". Das Fahrrad, einst ein wenig geringschätzig das „Auto des kleinen Mannes"' genannt, hat sich zum Volksfahrzeug entwickelt. Mehr als ein Drittel aller erwerbstätigen Volksgenossen benutzt ein Fahrrad für den Weg von und zur Arbeitsstätte, oder um dem Broterwerb erfolgreicher und zeitsparend nach- aehen zu können. Und neben den Arbeitern und Angestellten fahren die Direktoren, die Aerzte uni> Rechtsanwälte und andere Angehörige der freien Berufe auf den vorbildlichen deutschen Radfahrwegen. Schauspieler von Bühne und Film haben längst ihren „fabelhaften" Mercedes mit einem schnittigen Fahrrad vertauscht, und manche sind geradezu begeisterte Radler geworden, zumal in der Erkenntnis, daß ihnen diese Art der Bewegung ausgezeichnet bekommt. Kleingewerbetreibende verwenden die praktischen Fahrrad-Anhänger, auf denen sie ihre Ware holen und ihren Kunden zustellen. Auf dem Lande gar ist das Fahrrad mangels anderer Verkehrsmittel geradezu unentbehrlich. Ausgezeichnete Dienste leistet es auch bei der Wehrmacht und beim Arbeitsdienst: ist es doch so gut wie in jedem Gelände zu fahren, in der Wartung anspruchslos und in der Unterhaltung äußerst billig. Wie das Fahrrad von den heutigen Verkehrsmitteln überhaupt das billigste ist. Ja, es stellt sich noch billiger als unser Schuhzeug, wie kluge Statistiker ausgerechnet haben. Wenn sich uns damit auf Schritt und Tritt die vielseitige Verwendungsmöglichkeit des Fahrrades und damit sein großer Wert erweist, wenn es nicht nur als unerläßliches Verkehrsmittel im Berufsleben „seinen Mann steht", sondern auch unzähligen Menschen die Möglichkeit bietet, die zahllosen Schönheiten der Natur ihrer näheren und weiteren Umgebung kennenzulernen, so erkennt man auch, wie wichtig eine ordnungsgemäße Pflege des Fahrrades ist, um es immer tadellos in Stand zu falten und ihm so eine lange Lebensdauer zu sichern. Abgesehen davon, daß heute jedes Fahrrad in seiner Ausstattung den Verkehrsvorschriften genau entsprechen muß (es muß zwei voneinander unabhängige Bremsen haben, ferner bei Dunkelheit oder Nebel Lampen mit weißem oder schwachgelbem Licht und-an beiden Seiten der Tretteile Rückstrahler von gelber Färbung und ein rotes Schlußlicht führen, sowie eine helltönende Glocke haben), sollte jeder Radfahrer grundsätzlich folgendes beachten: man wähle eine kleine Üebersetzung: zwei Drittel aller Radfahrer fahren zu hoch übersetzt, was sich insbesondere beim Radwandern nachteilig auswirken muß. Nie versäumen, den Lagern des Rades Del zu geben. Ueberlaufendes Del wischt man sorgfältig ab, denn Del und Straßenstaub geben einen Schmirgel, der die Jnnenmechanik des Rades schnell zerstört. Die Nickelteile des Rades werden bei feuchtem Wetter zweckmäßig leicht eingefettet. Die Kette reinigt man im Petroleumbad. Man nimmt sie durch Lösen der Kettenbolzenmutter und Herausschrauben des Kettenbolzens von den Zahnrädern, rollt sie zusammen und legt sie in ein flaches Gefäß mit Petroleum, läßt sie einen Tag im Bade, nimmt sie dann nach mehrfachem Ausschwenken im Bade aus dem Petroleum und legt sie in Sägemehl. Das Sägemehl zieht die Feuchtigkeit auf und läßt sich mit einer Bürste leicht entfernen. Den Gummireifen muß man vor Benzin schützen, ebenso vor Del, Fett, Trockenheit und Hitze. Benzin löst ihn auf, Del und Fett greifen ihn an, Trockenheit dörrt ihn aus und Hitze dehnt die eingepreßte Lust bis zum Zerspringen des Reifens. Fahre nie auf schwach aufgepumpten oder gar luftleeren Reifen? Die Ränder der Felgen wirken wie Messer auf Mantel und Schlauch. NSG. Es vergeht kaum ein Tag, da nicht in der Presse auf die Erfüllung der Lustschutzpflicht hin- gewiefen wird. Mit grenzenloser Geduld werden die wichtigsten Luftschutzprobleme immer wieder erörtert, und die inzwischen eingetretenen Ereignisse haben die Zweckmäßigkeit der erlassenen Anordnungen vollauf bestätigt. Wir sind daher nicht mehr aewillt, das luftschutzwidrige Verhalten einzelner Außenseiter, die vielleicht glauben, ein Sonderrecht für sich in Anspruch nehmen zu können, weiterhin zu ertragen. Im Falle der Gefahr kann und muß jeder Disziplin beweisen. Weder Wiüerspensttg- keit, noch Trotz, Gleichgültigkeit oder mangelnde Einsicht sind die Kennzeichen der Freiheit. Wer zweckmäßiges Verhalten als Zwang empfindet, wer sich außerhalb der Schicksalsgemeinschaft stellt, darf sich nicht wundern, daß die ständige Mißachtung allgemein gültiger Pflichten für ihn unangenehme Folgen zeitigt. Wenn der Appell an die Vernunft versagt, müssen eben handfestere Mittel zur Anwendung gelangen, um dem unüberlegten Eigen- brötlertum das Handwerk zu legen. Wie tief und einschneidend diese Mittel sind, beweisen die von den zuständigen Behörden bei Schadensfällen getroffenen Entscheidungen. Entschädigungen für entstandene Personenschäden werden in all den Fällen abgelehnt, in welchen die Be- 2)er Drtsverband Gießen des Sparerbundes hielt am gestrigen Donnerstagabend unter Leitung seines Vorsitzenden, Postassistent a. D. N o r t h , im „Bayerischen Hof" eine gutbesuchte Mitgliederversammlung ab. Im Mittelpunkt des Abends stand ein Vortrag des früheren Drtsverbands-Vorfitzenden Lorenz über das Thema „Unsere Aufgaben im Kriege". Der Redner schilderte einleitend die Finanzmaßnahmen des Reiches zur Durchführung des Krieges, den Kreislauf des Geldes vom Sparer über die Geldinstitute zum Reich, ferner die Bedeutung des Ausspruchs des Reichswirtschaftsmimsters und Reichsbankpräsidenten Funk, daß im heutigen Deutschland Arbeit gleichbedeutend sei mit Geld. An Hand von Beispielen veranschaulichte er dann die Steigerung der Produktionsleistung, die gegenüber der Zeit vor hundert Jahren ganz gewaltig ist, wobei natürlich auch die modernen Hilfsmittel an Maschinen usw. einen wesentlichen Teil zu dieser Produktionssteigerung beitragen. Auch das Gebiet der Steuer- und Devisenpolitik, die auf eine Basis gebracht werden müsse, die in einem Verhältnis zueinander stehe, wurde gestreift. Ausgiebig behandelte der Redner hierauf die Zinssätze und Zinssenkungen, die einen Fortschritt im gesamten Geldwesen bedeuten, und er kam dabei auf die Sicherheiten der Kapitalanlage'zu sprechen, wobei er betonte, daß gerade die Sicherheit der Geldanlage in einem Reich das Wichtigste für den Sparer sei. Drei Hauptaufgaben der Sparer-Schutzkassen stellte der Redner besonders heraus: die früher einsetzende Verzinsung der Spareinlagen, hie Vergünstigung der Spargelder bei der Berechnung der Einkommensteuer und die Errichtung eines sogenannten „Härtefonds", aus dessen Mitteln es ermöglicht werden soll, besonders bedürftigen Sparern helfend beizustehen. Eingehend wurde dann in längeren Ausführungen darauf hingewiesen, daß sich heute noch eine große Auch soll man sein Rad nie lange auf den Reifen stehen lassen. Das Gewicht des Rades drückt die Reifen zusammen und verleiht ihnen Druckstelle. Hänge das Fahrrad im Ruhestand hoch oder setze es in einen Fahrradständer. Fahre auch nie ohne Flickzeug für deine Reifen aus! Sollte der neue Sattel anfangs zu hart fein, kann man die Rückseite des Sattels mit Lederfett einreiben; dadurch wird das Leder weicher. «Vor der Fahrt nicht ver- troffenen es schuldhaft versäumt haben, die vorhandenen Schutzräume aufzusuchen. Wäre die Verpflichtung zum Aufsuchen der Luftschutzräume nicht schon eindeutig in den Bestimmungen der 10. Durchführungsverordnung zum Luftschutzgesetz verankert, so müßten allein die Entscheidungen der für Entschädigungsansprüche zuständigen Reichsbehörden die letzten Zweifel darüber zerstreuen, o*b man verpflichtet ist, den Lustschutzraum aufzusuchen oder nicht. „Ja", wird nun mancher einwenden, „wenn die Flak schießt oder wenn es schwere Brocken hagelt, werde ich selbstverständlich den Schutzraum aufsuchen, aber ..." und nun kommt eine Unzahl von Einwendungen. Auf alle Einwände, mögen sie lauten, wie sie wollen, gibt es nur eine Entgegnung: Dom Augenblick des Fliegeralarms bis zur Entwarnung bzw. bei Flakfeuer (auch wenn kein Alarm vorausgegangen jein jollte) besteht unmittelbare Gefahr und ist jedermann laut Gesetz zu luftschutzmäßigem Verhalten verpflicht et. Diese Anordnung ist so eindeutig, daß sich jegliche Diskussion erübrigt. Verdunkelung. 1.— 7. September von 20.05—6.40 Uhr 8.—14. September von 19.45—7.00 Uhr 15.—21. September von 19.30—7.05 Uhr 22.—28. September von 19.15—7.15 Uhr. Anzahl „vergessener Sparbücher" in Schränken, Truhen ujw. befänden, und daß auch heute noch die Möglichkeit bestünde, derartige in „Vergessenheit geratene^ Sparbücher, wenn sie auch noch von vor Jahren herrührten, vorzulegen und aufzuwerten. Ein Ueberbl'itf über die Entwicklung der Spartätigkeit ergab das erfreuliche Resultat, daß trotz des Kriegsjahres die Spargelder um rund 10 Millionen RM. gestiegen find. Die Deutsche Sparerschutz kasse in Berlin, zu der auch der Drtsverband Gießen zählt, habe allein einen Einlagenzuwachs von einer halben Million zu verzeichnen. Diese Einlagezunahme beweise weiterhin, daß sich Deutschland seit 1933 von den Fesseln der Plutokratie, bei der nur Geld Macht bedeute, frei gemacht habe. Der Redner zeigte in feinen weiteren Ausführungen den Zuhörern Wege, die zum Sparen führen und wies vor allem darauf hin, daß gerade die Hausfrau in ihrem Wirkungskreis berufen fei, den Sparsinn in der Familie zu fördern, sei es durch Sparen von Geld oder durch Sparen in Haushaltsdingen selbst. In diesem Kriege müsse jeder Volksgenosse, ob Mann oder Frau, darauf bedacht sein, den Lei- jtungswillen und die Leistung selbst zu steigern, denn die Notzeit erfordere Sparmaßnahmen nach allen Richtungen hin zu Gunsten der deutschen Volkswirtschaft, denn sparen sei heute auch eine nationale Pflicht. Zum Schluß gab der Redner noch bekannt, daß ein Gesetz über die Altersversorgung in Bearbeitung sei, das der großen Masse des arbeitenden Volkes einen ausreichenden und ruhigen Lebensabend sichere. Nachdem den Mitgliedern noch Gelegenheit zur Aussprache über die für sie wichtigen Fragen gegeben war, wurde die Versammlung in üblicher Weise geschlossen. gessen, nachzusehen, ob beide Bremsen funktionieren, die Glocke in Drtmung ist und der Rückstrahler bzw. die Pedalrückstrahler sauber sind. Auch die Kette muß richtig sitzen, sie darf nicht klappern, sonst nutzt beim Abspringen der beste Rücktritt nichts. Muttern und Schrauben nachsehen und gegebenenfalls die Räder nachzenttieren. Dor Rost schützt man das Rad durch leichtes Einfetten mit Vaseline. Auch soll man stets zur „Ersten Hilfe" gerüstet sein; dazu gehört die Mitnahme einer kleinen „Fahrten-Apo- theke" (also besonders fürs Radwandern gedacht), wie man sie in jeder Apotheke fertig zusammengestellt erhalten kann. U. Tageskalender für Freilag. Gloria-Palast, Seltersweg: „Die drei Codonas".— Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ihr erstes Abenteuer". Ortszeit für den 24. August. Sonnenaufgang 6.23 Uhr, Sonnenuntergang 20.31 Uhr. — Monduntergang 12.56 Uhr, Mondaufgang 23.03 Uhr. BDM.-Untergau 116 Gießen. Gruppe 2/116 Gießen-TNitte. Die Gruppe tritt Freitag abend 20 Uhr am „Hessischen Hof", Alicenstraße, zum Gruppenappell an. Beurlaubungen sind für diesen Abend aufgehoben. HHeineinW M krall öunti Stenöe Behr.: Thealerveranstattung am Samstag, dem 24. August. Für vorgenannte Veranstaltung im Stadttheater Gießen mit dem Lustspiel „Triumph des Tobias" sind noch einige Karten in unserer Verkaufsstelle, Seltersweg 60, erhältlich. 3752V Ein Wort an alle Mütter. NSG. Jede junge Mutter weiß, welche Erleichterung es bedeutet, wenn sie für das kommende Kindchen alles beisammen hat, was sie zu seiner Pflege braucht. In der heutigen Zeit will die Beschaffung von mancherlei Gegenständen nicht immer jo einfach gehen, wie man sich das wünschen würde. Schon die Säuglingswäsche muß mit Hilfe alter Vorräte ergänzt werden, und manche junge Mutter hat sich dazu beim Mütterdienst im Deutschen Frauenwerk Rat und Hilfe geholt. So sind aus alten Nachtjacken der Großmutter die schönsten Kleidchen und Jäckchen für das Kind entstanden. Nun braucht man aber noch so mancherlei andere Dinge. Eine Kinderbadewanne ist nötig, das Kind soll im Kinderwagen heraus an die frische Lust gefahren werden, und wenn es nicht mehr -im Körbchen liegen kann, bann muß auch ein Kinderbett beschafft werden. Um die Anschaffung all dieser Dinge zu erleichtern, ist das Deutsche Frauenwerk auf einen guten Gedanken gekommen. Manche Mutter hat/ Badewannen, Kinderwagen, Kinderbett und mancherlei anderes noch stehen, ohne daß ihre Kinder in dem entsprechenden Alter wären. Mancher anderen Mutter würden die Gegenstände eine große Hilfe bedeuten. Nun bittet die Abteilung Mütterdienst im Deutschen Frauenwerk alle Frauen, einmal nachzusehen, was sie an derartigen Gegenständen besitzen. Es werden Listen angelegt, in denen die genaue Anschrift der Frau verzeichnet wird, sowie die Gegenstände, die sie entweder käuflich oder leihweise abgeben will. In anderen Listen werden die Namen derjenigen ausgenommen, die einen Gegenstand benötigen. So kann ein Austausch stattfinden, der für beide Teile Nutzen bringt. Die Kinderbadewanne, die in einem Haushalt zum alten Gerümpel gezählt werden muß, weil sie niemand mehr braucht, ist für den anderen Haushalt ein wichtiger Einrichtungsgegenstand, den man nicht entbehren kann. Darum vergeßt nicht, liebe Hausfrauen, meldet dem Deutschen Frauenwerk, was ihr geben könnt und was ihr braucht. Alle Dienststellen der NS.- Frauenschaft — Deutsches Frauenwerk —, vor allem die Mütterschulen, nehmen Meldungen entgegen. ♦ ♦* Wild- und Katzenfelle sind beschlagnahmt. Aus gegebener Veranlassung wird darauf aufmerksam gemacht, daß folgende deutsche Wildfelle beschlagnahmt sind: Felle von Iltissen, Stein- und Baummardern, Bisam, Maul- würjen, Dttern, Wieseln, Eichhörnchen, Hamstern und Katzen (ausgenommen Scheckenkatzen). Diese Die Ausgaben des Sparers im Kriege. Durchfonnter Alltag. Zu Ferdinand Waldmüllers 75. Todestag am 23. August. Die deutsche Kunst zwischen den Freiheitskriegen und der Revolutionsära hat es sich gefallen lassen müssen, nach einer Witzfigur der „Fliegenden Blätter" mit dem Namen „Biedermeier" getauft zu werden. Die Bezeichnung ist, wie fast alle Sttl- etikettierungen, irreführend, mindestens nur für einen kleinen Teil der Künstler in dieser Epoche zu- treffenb. Denn gerade von der gespreizten Sentimentalität Biedermeiers hat sich das deutsche Bur- aertum des Vormärz ziemlich freigehalten. Es war selbstbescheiben und genügsam, es hatte sich unter dem Druck der innerpolitischen Reaktion von den aroßen Weltbegebenheiten in die enge Behaglichkeit des Hauses zurückgezogen, aber es war innerlich gesund und geistig regsam, ganz im Gegensatz zu dem satten und bequemen Philistertum der Gründerperiode, an das man heute denkt, wenn das Wort „Bürger" zuweilen als Kennzeichnung einer Gejinnungsweise gebraucht wird, die überwunden werden muß. r ... Man kann die positiven Werte ?u%e.rg lichen Lebensstils in der Zeit von 1815 bis 1848 nicht besser charakterisieren als mit dem Hinweis auf das Werk des Wiener Malers Ferdinand Georg Wald müll er. Mit diesem typischen Desterreicher, einem artverwandten Zeitgenosien des Dichters Adalbert Stifter, erreicht der künstlerische Realismus des „Biedermeier" seinen Höhepunkt. An Frijche der Anschauung und malerischer öinn- lichteit kommt ihm unter den deutschen Nacy- romantitem keiner gleich, auch sein .^rbbeutsches Gegenstück Franz Krüger nicht, der sich zu Ivaio- müller verhält wie ein hochbegabter Jllusttator zu einem geborenen Maler. Waldmüller, der kleinen Verhältnissen entstammte — der Vater war Schankwirt — war eme ausgesprochene Kampsnatur. Sein leidenschaftlicher Widerspruch galt dem von der barocken Hos- unv Salonkunst überkommenen großen Hsi^Enbllde, wie es auf ber Wiener Akademie nach feststehenden Mustern gepflegt wurde, er galt vor allem „öem gänzlich seelenlosen, im bürokratischen und pedan- tischen Schulzwang geleiteten, dem Geiste wahrer Kunst gänzlich entfremdeten akademischen Unterricht", den er durch freie Meisterschulen „wo em unabhängiger, liebevoller Lehrer seine Erfahrungen an freudige Schüler verpflanzt", ersetzt wissen wollte, während er im Staate den aroßzügigen Mäzen alles dessen sah, „was der freie Unterricht an wirklichen Kunstschöpfungen in das Leben ruft". Mit dieser Parole, die er mit gewandter Feder vertrat, wollte er einer unkonventionellen, wahrhaft volkstümlichen Kunst „voll hoher deutscher Natur" den Weg weisen und einer Lehrmethode Bahn brechen, die es dem Schüler ermögliche, seinem eigenen Genius zu folgen. Nur die innigste Der- ttautheit mit der Seele der Natur und der ständige Umgang mit dem lebenden Modell könne die Kunst aus der ttaditionellen Zwangsjacke befreien — alles Forderungen, die wir heute als selbstverständlich betrachten, die es aber damals durchaus nicht waren, vielmehr auf die offiziellen Hüter der Stabilität so revolutionär wirkten, daß sie nicht eher ruhten, als bis sie den unbequemen Kollegen, der auch als Professor kein Akademiker geworden war, vor die Tür gesetzt hatten. Mit der Dienstentlassung Waldmüllers und seiner Pensionierung mit halbem Gehalt — einer Strafe, die den Unbemittelten hart traf — endete der jahrzehntelange Kampf mit einem jcheinbaren Siege der Akademie und dem Verschwitz- den des inneriich unüberwundenen Rebellen in völlige Zurückgezogenheit. Als ihm der Tod am 23. August 1865 den Pinsel aus der Hand nahm, war er schon halb vergessen. Erst das Zeitalter der Freilichtmalerei hat ihm den Kranz verliehen, den die Mitwelt ihm vorenthielt. Allerdings: ein Geschlecht, das sich willig vor den Triumphwagen eines Makart spannen ließ und damit einer Karikatur des Bürgerlichen huldigte, blieb sich nur selber treu, wenn es den Meisterwerken Waldmüllers keine Beachtung schenkte. In seinen' Bildern lebt die beste österreichische Tradition, aber mit der wienerischen Anmut und Liebenswürdigkeit verbindet sich etwas Modernes und Weltmännisches, das den Lokalcharakter fast wieder aufhebt und uns Waldmüller als eine europäische Erscheinung verstehen lehrt. Indem er seine Landschaften in das volle Sonnenlicht taucht, wird er zu einem der ersten Entdecker des Atmosphärischen, nur daß bei ihm die Konturen sich unter dem Ein- jluß von Licht und Luft nicht auflösen, sondern erhalten bleiben, ebenso wie die Farben, deren ungebrochene Buntheit noch nichts von der raffinierten Dptif der späteren französischen Impressionisten ahnen läßt. Man tut Waldmüller unrecht, wenn man ihn nur nach seinen Sittenbildern beurteilen wollte, bei denen sich zuweilen die Lust am Erzählen allzu sehr geltend macht. Das Beste neben den Landschaften, in denen die menschliche Staffage so ungezwungen mit dem sonnet)urchfluteten Freiraum verbindet, werden immer seine Bildnisse bleiben, deren jumelenfafter Schmelz zuweilen an Holbein denken lassen kann. Da gibt es keine Pose, kein Arrangement nach bewährten Rezepten. Ein jedes stellt einen einmaligen, in der jeweiligen Menschlichkeit begründeten Fall dar und läßt die Anteilnahme des Herzens erkennen, ohne welche kein Porträt vor dem Urteil bestehen könnte. Die Modelle sind meist dem Alltag entnommen, und je weniger „prominent" sie sich geben, um so schöner sind ihre Bildnisse geraten. In ihnen hat Waldmüller dem deutschen Bürgertum des Vormärz ein Denkmal gesetzt, das unvergänglich ist. Ernst von Niebelschütz. Grenzen fließen... Äon Richard Guringer. Was du rührst mit Geisterhand, alles wird dir nah verwandt. Grenzen • fließen ... Es kommt eine Zeit, da wir erkennen, daß der Führer sein Volk nur geprüft hat, ob es würdig ist der Sendung, die er ihm seherisch zuerkannt. Er hat sich einst dem Magneten verglichen, der alles, was Stahl ist, an sich zieht. Aber er zieht nicht nur Stahl an sich; er tastet — bis in die geheimsten Schichten — die deutschen Möglichkeiten ab und nimmt sie beim Wort: Die Liebe, mit der heut der deutsche Boden nach unerschlossenem Erz durchforscht wird, ist nur ein Gleichnis. Es steckt noch Metall im deutschen Volk, das noch nicht flüssig geworden ist, das noch nicht eingeschmolzen ist, das noch nicht geläutert ist, das seine gültige Form noch nicht hat. Auch die Metallspende dieses Krieges ist nur ein Gleichnis für diesen Prozeß. Wir haben schon einmal Gold geopfert, Messing und Kupfer zusammengetragen: nicht ohne romantischen Rückblick auf die Zeit der Freiheitskriege. Was jetzt geschah, ist ohne Vorbild. Der große Umschmelzungsprozeß, den wir uns so oft geweissagt, wird sichtbar in seinem eigensten ©innbifb. Was keine Antikitschkommission je vermocht hätte, geschieht: aus Zufalls-Formen wird edles Metall noch einmal erlöst. Erstarrtes fließt. Und selbst das lang gehegte Erbgut althergebrachter Erinnerungen schont sich-nicht, um neu zu dienen. Volksdeutsche, die mit dem großen Treck aus ihrer Fremde heimgefunden, lieferten Urvätergoldmünzen ab, legten sie auf den Tisch und sagten: ,La sind sie; wir wisien, der Führer braucht sie." Und sie selbst sind doch deutsches Gold, bas nun mit Zinseszins zurückrollt. Auch sie hat der Führer an sich gezogen. Da ließen sie alles, und brachen auf und zogen heim ins heilige Reich. Wem graut noch, daß die Grenzen fließen? * Wir Dichter haben es längst geahnt, daß bet Deutsche mit seinem Fernweh nicht nur einem Laster nachlief. Die Rücksiedlung der deutschen Siedler bringt dieses Lasters Tugend ans Licht. Was aus sah wie eine Heimafflucht, wird sich als roeit- schauende Weisheit der deutschen Vorsehung erweisen. Sie haben viel da draußen gelernt, die deutschen Weltläufer, auch für ihr Deutschtum. Sie wissen einiges zu lehren. Wahrscheinlich haben sie Deutschland gesucht auf ihrer Wanderung um die Welt. Vielleicht ist der Peer Gynt doch ein deutsches Symbol, und Solveyg eine deutsche Sage? Am Ende war es doch kein Zufall, daß ausgerechnet Dietrich Eckart um den nordischen Faust gekämpft hat? Am Ende findet das deutsche Wesen, das ausgestreut war über die Erde, noch in ganz anderem Sinne heim als wir wagten, es zu hoffen. Ein Conrad Ferdinand Meyer sah den Tag, an dem da wird gespannt ein einig Zelt ob allem deutschen Land. Inzwischen dämmern Möglichkeiten, die noch ein ganz anderes Licht auf Dietrich Eckarts Wahr- wort werfen: „Alle werden heimwärts finden. Du, du hast es längst getan." ♦ Der Erdball schrumpft. Er ist geschrumpft. Die Lanbkarte ist zusammengeschrumpft wie Balzacs magische Eselshaut. Wenn Zeit eine Funktion des Raums ist, so ist Raum offenbar nicht minder eine Funktion der Zeit. Die Länder sind aneinander gerückt, nicht nur aus der Vogelschau. Es werden die Nachbarländer sich anünefe Nähe gewöhnen müssen. Sie mag zunächst beklemmend sein. Und doch wiederholt auch da sich nur, was einst Sippe an Sippe schloß, Stamm an Stamm. Der Mensch wächst; die Erde wächst nicht mit. So nämlich läßt sich dies Schrumpfen auch deuten. Die Volksgemeinschaft der Völker kommt; nicht freilich die des grauen Chaos, aber die der neuen Drtmung. Sie wird Einordnung heißen müssen. Es ift vordem in der Politik nur immer von Grenzen gesprochen worden, von Grenzen, die die Völker scheiden. Nun wird die Rede davon sein, ob, was Gott vereinigt hat, Menschenwitz entzweien durfte. Was nicht mitlebt, wird sicht leben. Schick Illustrierte an die Koni! Ner Zrontsoldat wird dafür dankbar sein. snkiren der seit der Aussaat unter der Obhut der N S^-Frauen schäft stand. Die mühevolle Arbeit der Bodenbereitung, des Raufens und der Einfahrt Vezirks-Tmn- und Sportiog in Gießen Wandervorschläge für den Sonniag sich überraschende Blicke in das Dilltal, bis zur Ruine Greifenstein und östlich nach der Gießener: Aus der engeren Heimat (Nachdruck verboten.) 3. Fortsetzung. 1926/27 1928/29 1922/23 1924/25 1926/27 1928/29 Wir fahren mit dem Frühzug nach Aßlar, durchschreiten das Dorf, um an der hübschen Kirche vorüber zur Hohen Warte emporzusteigen. Hier bieten wurde allein von Mitgliedern der NS.-Frauenschaft des BDM. und der HI. vorgenommen. Eme reiche Ernte war für die opferfreudigen Helfer der schon ■ e Lohn. ___ Gießen — Wißmar — Ruttershausen — Odenhausen — Salzbödelal — Schmelz — Fronhausen. Wir beginnen unsere Wanderung bei der Bahnunterführung an der Ederstraße und gehen am Bahnkörper her, später über die Lahnbrücke nach Wißmar, das wir durchschreiten, um sodann am Lahnufer entlang, an schönen Landschaftspartien vorüber, nach Ruttershausen zu gelangen. Flußaufwärts, an einigen großen Steinbrüchen vorbei, kommen wir alsbald nach Odenhausen am Fuße des Altenbergs. Hier ist der Eingang in das Salzböde- tal, das, von bewaldeten Höhen eingeschlossen, einen überaus lieblichen Charakter hat. Dem Tale aufwärts gehend kommen wir durch Salzböden nach der reizvoll gelegenen Schmelz. Hier stoßen wir auf die aus dem Krofdorf er Forst kommende schwarze Punktmarkierung, die uns über einen bewaldeten Höhenrücken nach unserem Endziel Fronhausen führt. Dauer der Wanderung 4% Stunden. Aßlar — hohe Warle — Grohen-Allenstädler Heide — Altenberg — Bieber. Ausblicke, namentlich auf das hochgelegene Hohensolms, erschließen. Hier treffen wir auch das H des Hessischen Rennwegs und gelbe Kreuze, denen wir nunmehr nachgehe» und an den Fuß des Altenbergs kommen, den wir, der entzückenden Aussicht wegen, die sich von seinem steinernen Turm bietet, besteigen. Hierauf führen uns die gelben Kreuze, unferwegs immer prächtige Blicke genießend, schließlich über den Großen Rothenberg nach unserem Endziel Bieber. Marschzeit 4 Std. Mücke — Petershainer Hof — Seental — Laubach. Ausreißer und Hahrravdiebe. Fahrraddiebstahl auch in Gießen. * Grünberg, 23. Aug. Von der Gendarmerie wurden drei jugendliche Ausreißer fest- genommen, die sich auf ihrer mehrtägigen „Fahrt ins Blaue" auch als Fahrraddiebe unangenehm bemerkbar gemacht hatten. Die 14 Jahre alten Jungen waren ihren Pflegeeltern in Miehlen im Taunus ausgerückt, wobei einer von den Flüchtlingen ein Fahrrad mit sich führte. Für die beiden anderen Ausreißer wurden gemeinsam in N a - st ä t t e n (Taunus) die fehlenden Fahrräder gestohlen. Dann ging die Radtour über Limburg bis zu einem Walde hinter Weilburg, wo das Trio übernachtete. Hier ging am anderen Morgen ein Fahrrad kaputt, das die Bengels kurzerhand in den Straßengraben warfen. Auf zwei Fahrrädern wurde dann die Fahrt der drei bis nach Gießen fortgesetzt, wo man vor einem Ladengeschäft ein Damenfahrrad stahl. Nunmehr hatte jeder der drei Ausreißer wieder „sein" Fahrrad, mit dem die Fahrt in Richtung Grünberg fortgesetzt wurde. Unterwegs ging aber wieder ein Rad kaputt, das ebenfalls in den Straßengraben flog. Auf zwei Fahrrädern kamen die drei Ausreißer in Gründe r g an, wo sie in einem Hause, das früher ein- Turn- und Gportgemeinde Rodheim. Faustball. Zu einem Freundschaftstreffen war die Faustballmannschaft des Turnvereins Oberndorfs am vorigen Sonntag in Rodheim zu Gast. Nach Vereinbarung wurden zwei Spiele ausgetragen. Die Gäste stellten eine junge Mannschaft, während Rodheim auf einige ältere Spieler zurückgreifen mußte. Beide Mannschaften waren sich in den Leistungen wie auch im Spielaufbau ebenbürtig, so daß jeweils die glücklichere Mannschaft Sieger wurde. Das erste Smel endete knapp mit 35:36 Fehlern für Rodheim, während das zweite Spiel unentschieden blieb. Fußball in Daubringen. Daubringen 1. 3gb. — Raunheim 1. 3gb. 2:4 (2:3). Diese Jugendmannschaften lieferten sich am Sonntag vor einer stattlichen Zuschauermenge in Daubringen ein schönes Spiel. In der ersten Halbzeit waren sich beide Mannschaften gleichwertig. Nach dem Wechsel kamen die technisch besser spielenden Naunheimer mehr auf und diktierten das Spielgeschehen. Daubringen versuchte gegen Schluß noch einmal, das Resultat zu verbessern, was ihm aber versagt blieb. Das Spiel wurde sehr sportlich durchgeführt. Das Ergebnis entspricht den beiderseitigen Leistungen. Daubringen 2. 3gb. — Treis 2. 3gb. 5:1 (1:0). Vorher standen sich diese Jugendmannschaften in einem Freundschaftsspiel gegenüber. Die 2. Elf von Daubringen konnte auch hier wieder ihre gute Form unter Beweis stellen und schlug die 2. Jugend von Treis sicher mit 5:1 Toren. HIHI. DJ. DJ. BDM. BDM. IM. Heimer Mannschaft verfugt über einen recht durchschlagskräftigen und wurfgewaltigen Sturm, wahrend Hochelheim die bessere Hintermannschaft besitzt- auf der anderen Seite versteht aber auch sein Sturm zu schießen, so daß also wieder ein gewisser Ausgleich vorhanden ist. Gewinnen mut die Mannschaft, die es fertig bringt, alles auf eine Karte zu fetzen und deren Spielweise von vornherein entsprechend ausgerichtet ist. Oie Iugendweitkümpfe. An dem Bezirks-Turn- und Sporttag des NSRL. am morgigen Samstag und kommenden Sonntag nimmt selbstverständlich auch die Hitler-Jugend regen Anteil. Sie will ihren älteren Kameraden, die im Felde stehen, beweisen, daß sie bestrebt ist, genau so wie sie ihre Pflicht zu tun. Ein Blick auf die Meldeliste bestätigt dies vollauf. Rund 250 Hitlerjungen, 100 Pimpfe, 80 BDM.-M<^ del und 100 Jungmädel sind bereits gemeldet. Täglich gehen noch weitere Meldungen ein. Die Wettkämpfe werden von den einzelnen Fachämtern des NSRL. (Turnen, Schwimmen, Rad- 2Rut)ige Börse. Frankfurt a. M., 22. Aug. An den Aktienmärkten hat sich der Geschästsumfang merklich verkleinert. Verschiedentlich schritt der Verufshandel zu Gewinnmitnahmen, ohne daß die Kurse ernstlich dadurch berührt worden wären. Anderseits ist jedoch kaum Abgabeneigung zu beobachten, vielmehr bleiben die Nachfragen nach einzelnen Kategorien, wie z. B. am Einheitsmarkt für Brauereiwerte, weit über dem Angebot, so daß zahlreiche reine Geld- Notierungen entstanden. Eine Sonderbewegung m Reichsbantanteilen kam im Wochenverlauf zum Abflauen. Hier scheinen wie am Rentenmarkt Anlage- intereffen maßgebend gewesen zu sein. Der Rente n m a r k t hat an Umfang ebenfalls nachgegeben, fchutzbund in den Blocks und Luftschutzgemem- schaften Hebungen statt, die der Ausbildung der Selbstschutzkräfte galten. Es wurde besonders die Bekämpfung von Brandbomben und Bränden mit einfachsten Mitteln', mit Einstellspritze und Feuer- patsche, geübt, und es konnte auch hierbei fest- gestellt werden, daß selbst größere Brände mit diesen Mitteln wirkungsvoll bekämpft werden können. Die Hebungen standen unter Leitung des Untergruppen» führers Fenchel, Sachbearbeiterin Frau Klin- k e l und Ausbildungsleiter Zecher. Augenblicklich wird ein Lehrgang durchgeführt, an dem sich Führerinnen und Mädel des BDM. und Jungmadel beteiligen. , , ij: Li ch 19. Aug. Dieser Tage wurde die F l a ch s- ernte von einem Acker am Albacher Teich einge- wenn auch die Nachftage, z.'B. nach Pfandbriefen, unvermindert stark ist (ohne auf Material zu stoßen). Reichsschatzanweifunge» stehen nur in kleinem Umfange zur Verfügung, die letzte Tranche, die man auf 1 Milliarde RM. schätzt, ist ausverkauft, eine neue wird erwartet. Das Interesse wandte sich vermehrt den Steuergutscheinen zu, die auch im Kurse anziehen konnten. Etwas Geschäft zu meist leicht gebesserten Kursen bestand vn Stadtanleihen, doch macht auch hier sich die Marktleere bemerkbar. Don Jndustrieobligattonen sind die 4^ pro genügen stärker gesucht als die 5prozenttgen. Die Neuemissionen lassen jedoch den Umfang des Börsengeschäfts nicht allzu nennenswert werden. Von den Freiverkehrs werten haben die schon in letzter Zeit stärker bevorzugten Papiere ihre Kurse halten, z.T. leicht weiter bessern können. Tagesgeld nannte man unverändert 1% v. H. Frankfurter Schlachtviehmarkt. F r a n k f u r t a. M., 23. August. (Vorbericht.) Es kosteten: Ochsen 37,50 bis 46,50 RM., Bullen 35,50 bis 44,50, Kühe 17 bis 44,50, Färsen 27 bis 45,50, Kälber 30 bis 59, Hämmel 30 bis 51, Schafe 10 bis 44, Schweine 52 bis 58 RM. Marktverlauf: Alles zugeteilt. Fclle dürfen von Förstern, Jägern, Züchtern und sonstigen Fellbesitzern nur an Felleinzelhändler, -sammler oder Kürschner, und von diesen nur an Rauchwarengroßhändler verkauft werden, damit sie, soweit geeignet, der Ausfuhr zugeführt werden. Alle anderen Verkäufe sind unstatthaft, ebenso, die Verwendung von Wildfellen für den eigenen Bedarf. Kartoffelbera liegen ein paar Säcke. Er hott sie sich und macht sich daraus ein Lager neben dem Holzstapel. Jetzt friert er nicht, m den Hautgefäßen kreist wieder der erwärmende Blutstrom. Mit geschlossenen Augen liegt er eine Weile. Der Apfelduft im Raum reizt seine Geruchsnerven und weckt von neuem ein grimmiges Hungergefühl. „Einschlafen! ... Fest einschlafen! ..." Es gelingt nicht. Er hat noch einen Priem in der Tasche, vielleicht kann er damit den Hunger dämpfen! Aber nein, weshalb denn? Wenn man so weit gekommen ist wie er, macht es nichts mehr aus, ob man auch noch ein paar Aepfel stiehlt. Mit solcher Erwägung beseitigt er eine letzte Hemmung, erhebt sich taumelnd, opfert noch ein Zündholz und findet das Faß mit den duftenden Früchten. Er stopft ich ein paar in die Taschen, kriecht wieder unter Die modrig riechenden Säcke und zermalmt mit einen starken Zähnen einen Apfel nach dem' an- oern. Er schläft schon halb dabei und lauscht auf das Sausen des Windes draußen, des abscheulichen naßkalten Nachtwindes, der ihm jetzt nichts mehr anhaben kann. Dann lassen die beruhigten Magen- nerven ein rasches Absinken in die Bewußtlosigkeit des Schlafes zu. Nach Stunden erwacht er von einem Kältegefühl. Seine Glieder find wie abgestorben. Ob es schon Morgen ist? ... Er liegt und horcht, überlegt, ob es besser sei, jetzt aufzustehen und sich davonzumachen. Wozu aber? ... Um wieder wie ein hungriger herrenloser Hund durch die Straßen zu irren? Noch regt sich draußen nichts. Das ßebensgetriebe, in das er sich nicht mehr einfügen kann, schläft noch. So bleibt auch er noch hier liegen. Was kann ihm geschehen, als daß man ihn fortjagt aus diesem elenden Winkel. Er versucht, wieder einzuschlafen, doch er friert und liegt schlecht auf dem harten Lager. So pendelt fein Bewußtsein eine Weile zwischen Schlaf und Wachen. Da klappert die Haspe an der Tür, und er fährt erschrocken auf, starrt in den Lichtschein, der ins Dunkel bringt. Es kommt jemand ... Er erkennt die junge Frau, die er am Tage vorher vom Holzplatz nebenan beobachtet hatte. Sie stellt eine Laterne auf ein Brett neben der Tür und kommt, einen Korb vor sich tragend, gerade auf Klaus zu, schreit auf, als sie ihn erblickt, und weicht zur Tür zurück. (Fortsetzung folgt.) mal einen der Ausreißer beherbergt hatte, übernachteten. Am anderen Morgen stahlen die Lausbuben in einer Weberei in Grünberg ein Fahrrad, das aber für den neuen Benutzer zu hoch war. Trotzdem. wurde die Weiterfahrt in den Vogelsberg angetreten, wobei die drei bis nach Ruppertenrod kamen. Hier versuchten sie ein auf der Straße stehendes Damenfahrrad gegen das in Grünberg gestohlene Fahrrad umzutauschen. Dabei wurden sie beobachtet und durch Fernsprecher dem Gendarmeriebeamten in Nieder-Ohmen als verdächtig gemeldet. In Ober-Ohmen wurde das Trio von dem Gendarmeriebeamten gesteltt. Einer der Jungen konnte sofort dingfest gemacht werden, die beiden anderen warfen aber „ihre" Räder fort und rannten davon. Sie kamen bis nach Grünberg, wo sie ebenfalls erwischt wurden und wohin der in Ober-Ohnien gefaßte „Dritte im Bunde" transportiert wurde. Alle drei wurden hier ins Gerichtsgefängnis eingeliefert und von hier aus zu ihrem Ausgangspunkt im Taunus zurückgeschafft. Das dicke Ende wird natürlich noch nachfolgen. Landkreis Gießen. $ Lollar, 21.Aug. In den letzten Tagen und Wochen fanden hier durch den Reichsluft - denen fein Leben in steiler Kurve aufwärisstieg. Der Sturz in die Tiefe und die darauffolgende Zeit, die er als schwere Last, als marternde Fessel durch sein Dasein schleppte, sie haben seinen Körper, seine Glieder wieder schwer und ungelenk gemacht, so vollkommen er sie auch zu Werkzeugen unbesieglicher Kraft und Geschicklichkeit ausgebildet hatte. Die Hände in den Taschen, den Kopf tief gesenkt, schiebt er sich vorwärts, kreuzt Helle, lärmerfüllte Sttaßen. Die Menschen weichen ihm aus. Vielleicht sind unter ihnen welche, die ihm vor Jahren in der riesigen Sporthalle zujubelten, die vor Begeisterung rasten, als er hier in dieser Stadt den Meisterschaftstitel errang. Damals galt er als der beste deutsche Boxer und konnte in Europa keinen ebenbürtigen Gegner mehr finden. Jetzt kennt ihn niemand. Er ist so einsam, als treibe er im Boot auf hohem Meer — einsamer noch,, denn dort wäre er im vertrauten Element. Die Millionenstadt aber ist ihm fremd und feindlick, er leidet an ihr. Die verkehrsreichen Gegenden bleiben hinter ihm. Müde schleppt er sich weiter, seine Füße wollen ihn kaum mehr tragen. Manchmal taumelt er; dann weichen Vorübergehende noch hasttger aus. Er kommt durch dunkle Dorstadtstraßen und bleibt an einer Kreuzung endlich stehen. Er sieht sich um und geht langsam weiter. In Dumpfheit und Erschöpftheit hat er die Richtung verfolgt, in der ein matter Wille ihn vorwärtstreibt. Er ist an Schöneberger und Friedenauer Grenzgebiet angelangt, in einer abseitigen Straße, wo zwischen den Häusern noch Gärten, Laubenland und Lagerplätze liegen. Das Regen- und Schneegestiebe hat aufgehört, durch jagende Wolken blinken Sterne. Klaus Tjaden bleibt wieder stehen, sieht sich um und erkennt mit feinem sicheren Ortssinn die Stelle, von der er sich eine Möglichkeit verspricht, für die Nacht unterzuschlüpfen. Er hat kein Obdach. Daß er heute hier eines finden könnte, hatte er vormittags ausgespäht. Er hatte den jetzt rechts von ihm liegenden Holzplatz betreten, um sich nach einer Arbeitsgelegenheit umzusehen. Dabei hatte er beobachtet, wie drüben im Nachbargrundstück eine junge Frau die Tür eines Schuppens zusperrte. „Na, die Kramme steckt aber bloß noch lose in dem morschen Holz. Die kann einer mit 'nem Ruck 'rausreißen! Das muß bald mal festgemacht werden", hatte sie dabei vor sich hin gesagt- Dieses Selbstge- spräch hat er gehört Diese abwechslungsreiche Wanderung durch einen Teil unseres heimatlichen Gebirges beginnen wir, weißen Dreiecken folgend, bei der Station Mücke. Durch das nahegelegene Flensungen geht der Weg an dem anmutig liegenden F len jung er Hof vorbei hinauf zum Wald, an dessen Rand sich hübsche 1 Ausblicke nach den Vogelsberger Höhen bieten. An den entfernter liegenden Dörfer» Weickartshain und Stockhausen vorüber gehen wir durch Klein-Eichen zum benachbarten Lardenbach. Teils auf der Straße» tells auf Feldwegen, bald durch Wald, dann wieder über blumige Wiesen geht es sodann an den Hängen des Judenkopfs her um das rings von Höhen umgebene Altenhain herum über die Alte Höhe, von der sich prachtvolle Blicke bis in die Wet- i) naaj uei vi>ietjenci j terau erschließen. Nach geraumer Zeit erreichen wir Gegend und den Höhen bei Marburg. Weiße lie- den anmuü-g in einer Senke liegenden Petershainer genbe Kreuze, zu denen sich später noch gelbe Drei- i Hof. Von hier benutzen wir blaue Dreiecke, die uns ecke gesellen, zeigen von hier den Weg. Dann j durch das liebliche Seental bis zur idyllisch gelege- nimmt uns der Wald auf, in dessen Schatten wir 1 nen Schreinersmühle bringen, von wo mir roten auf guten Pfaden längere Zeit weiter wandern, IAndreaskreuzen bis zu unserem Endziel Laubach bis wir zur großen, zu Großen-Altenstädten ge- folgen. Wanderzeit 5^ Stunden. beenden Heide gelangen, wo sich uns wieder schöne I ' Bergholz ist mit einem Satz neben ihr, und sich halb zu der fragwürdigen Gestalt wendend, herrscht er diese an: „Was wollen Sie hier?" Zugleich dreht sich auch der Begleiter der Dame um. Da entweicht Der Hnheimliche mit einer raschen Bewegung und ist verschwunden wie ein Spuk, ehe die drei den Vorgang klar erfaßt haben. Für den Bruchteil einer Sekunde hat Bergholz in ein Gesicht gesehen, das tief im Untergrunb seines Bewußtseins eine fremde, wehe Empfindung weckt. Als erster aber findet er Worte und sagt laut und entschlossen: „Man hätte den Burschen festnehmen sollen!" Dann verbeugt er sich und setzt in bedauerndem Ton hinzu: „Sie sind sehr erschrocken, gnädige Frau?" Dietmuthe Röhl lächelt und hebt leicht die Hand. „Nicht so schlimm! Freilich bin ich etwas abgespannt und daher nervöser als sonst. Aber sehe ich denn recht? Das sind Sie ja, Doktor Bergholz? ... Wie merkwürdig! Wie kommen Sie denn hierher?" Jetzt lacht sie und erwartet offenbar keine Ant- wort auf ihre Frage und erspart so Bergholz eine Verlegenheit. Sie stellt ihn chrem Begleiter vor. Er vernimmt den Namen, um ihn gleich wieder zu vergessen. Dann wird er aufgesorderi, mitzufahren, und als er mit im Wagen sitzt, folgt auch die Ein- laduna, mit den Herrschaften zum Abend zu essen. Da schnellt fein Lebensgefühl in die Höhe und ist nahe daran, sich zu überschlagen. 3. Kapitel. Der andere, der abgelumpt und unheimlich Aussehende, ist unterdessen weitergeschritten. Wie einer, dem nichts bleibt, als immer weiterzugehen, setzt er einen Fuß vor den anderen. Sein Gang ist schleppend, er wiegt sich dabei ein wenig in den Hüften. Jahre sportlichen Trainings hatten diese leicht schaukelnde Art des Gehens verändert s— Jahre, in 640 Leichtathleten beim Bezirks-Turn- und Gporttag. Im Anschluß an die Ausführungen über Sinn und Bedeutung des Turn- und Sporttages am kommenden Sonntag gibt das Fachamt Leichtathletik die nachstehenden Ergänzungen: Im Rahmen dieses bevorstehenden großen Tages nehmen naturgemäß die leichtathletischen Hebungen, ober auch volkstümlichen Hebungen genannt, den größten Raum ein. Im Mittelpunkt der Wettkämpfe steht ein Dreikampf, der für alle Altersklassen getrennt zur DurchTÜhrung kommt. 640 Teilnehmer aus allen Vereinen unseres Bezirkes haben hierzu ihre Meldung abgegeben. Er besteht aus 100-Meter- Lauf, Weitsprung und Kugelstoßen. Entsprechend der Altersklassen ist die Wertung verschieden und den möglichen Leistungen angepaßt. So hat jeder Gelegenheit, ob jung ober alt, im Wettkampf feine Leistungsfähigkeit zu überprüfen. Der Hniversitäts- portplatz mit feinen guten Anlagen steht für die Durchführung des Dreikampfes zur Verfügung. Auf mehreren Kugelstoßplätze» und Springgruben wirb am kommenden Sonntag ab 8 Hhr reges Leben herrschen. Erwähnt sei noch, daß auch die Frauen an den Wettkämpfen teilnehmen. Ab 11 Hhr beginnen bann, nachdem der Dreikampf beendet ist, die Vorkämpfe in den Einzelwettkämpfen. Die Sieger aus diesen werden die Meister des Bezirkes Gießen fein. Es ist unmöglich, aus der großen Zahl der Teilnehmer richtunggebende Hinweise auf die einzelnen Wettkämpfe zu machen. Neben diesen Einzelmeisterschaften kommen noch Staffeln zum Austrag. Die Hauptentscheidungskämpfe beginnen um I^Uhr. Endspiel um den Handball-Lahnpokal. Die vom Fachamt Handball durchgeführte Lahn- pokalrunde, die ursprünglich zu dem Zwecke ausgeschrieben war, die Mannschaften bis zum Beginn der vorjährigen Kriegsmeisterschaftsspiele zu beschäf- Hgen, hat allenthalben ein derartiges Interesse gesunden, daß sich die Spielleitung $u einem weiteren Ausbau veranlaßt sah. Die Abwicklung der einzelnen Spiele ist noch in guter Erinnerung. Was diese an sich als „Notbehelf" gedachten Spiele bekannt gemacht hat ist die Beteiligung aller Mannschaften des Bezirkes Gießen, ganz gleich, ob es sich um aktive ober um die Jugend handelte. Gerade die interessanten und oftmals überraschenden Ergebnisse, die von Sonntag zu Sonntag registriert werden konnten, sind es gewesen, die auch mehr und mehr die Oeffentlichkeit aufmerksam machten und die schließlich einen Stamm treuer Anhänger sicherten. Darüber hinaus aber — und das ist wohl das Hauptmerkmal der ganzen Aktton — haben die Spiele werbend gewirkt und ihr Teil dazu beigetragen, daß der Handball heute über so viele Mannschaften und neue Einheiten verfügt. Aus den Kämpfen haben sich nun zwei Mannschaften herausgeschält: der vorjährige Gausieger Tv. Hochelheim und die bekannte Elf des Tv. Garbenheim. Beide werden sich zur Ermittelung des Siegers der Lahnpokalrunde anläßlich des Bezirks- Turn- und Sporttages in Gießen treffen. Es ist selbstverständlich, daß man ein hochstehendes Spiel, technisch und taktisch einwandfrei, erwartet und daß daraus nur der als Sieger hervorgehen kann, der , wirklich beste Leistung zeigt. Wer Sieger wird, läßt sich mit Bestimmtheit nicht voraussagen. Beide Einheiten spielen mit den besten Handball im Bezirk und sind gut dafür, als Re- > Präsentanten des augenblicklichen Spielstandes des > Bezirkes Gießen angesehen zu werden. Die Garben- B: A: B: A: B: A: IM. „ B: Die leichtathletischen Dreikämpfe für HI., DJ., BDM. und IM. beginnen am Sonntagvormittag um 8 Hhr auf dem Waldsportplatz des VfB.-Reichsbahn. KlaHstängieinneuesLeheniiii Roman von Helene Kalisch Copyright 1939 by Prometheus -Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München Der Schuppen ist sein heuttges Ziel. Jetzt ist er ihm nahe; aber er kann auch kaum mehr weiter, sein Körper will nichts mehr vergeben. Doch es gilt noch, den Zaun zu übersteigen, um auf den Gang zu gelangen, der zwischen dem Gartengrundstück zur Linken und dem Holzplatz rechts hinführt. Links ist dann noch ein niedriger Drahtzaun und dicht dahinter der Schuppen, in den er hinein will, um für den Rest der Nacht ein Dach über dem Kopf zu haben. Er befindet sich an der Hinterseite der Grundstücke, deren Häuser weiter vorn an der Straße liegen. Lauschend steht er und hört den Hund, der den Holzplatz bewacht, vorn an der Straße bellen. Jetzt muß er flink sein und den Schuppen erreichen, solange der vierbeinige Wächter vom Anlaß seines Aergers da vorn festgehalten wird. Es gelingt Klaus Tjaden; seine erstarrten Hände finden die Kramme; es bedarf nur einer geringen Anstrengung, sie herauszuziehen. Ein Glück für ihn, daß der Schaden noch nicht ausgebessert ist. Die Tür knarrt beim Deffnen. Vorsichtig zwängt er sich ins Innere und versucht, durch den Spalt die Kramme wieder an ihren Ort zu bringen. Dabei bricht ihm der Schweiß aus, und in seinen Ohr-m beginnt es zu sausen, während er sich eine W *T» vergeblich müht. Aber endlich sitzt das Ding dvch notdürftig an seinem Platz. Er steht in dicker Finsternis. Es riecht um ihn nach Holz, nach Aepfeln und Kartoffeln, und es kommt ihm warm vor. Doch das ist Täuschung; es ist feuchtkalt in dem Raum. Nur die letzte Anstren- gung hatte ihn erhitzt; sein Herz klopft rasch. Ohne sich zu rühren, steht er, während seine angespannten Sinne wie mit Fühlfäden feine Umgebung abtasten. Dann sucht er nach einem Zündholz in seiner Tasche und reibt es an. Beim Schein der kleinen Flamme mustert er rasch seine Umgebung. Hier ist alles so, wie er es halb erspäht und halb erraten hat. Drüben an der einen Wand sind Holzstapel und Kohlen aufgeschichtet. In einem Winkel liegt ein großer Kartoffelhaufen. Kisten und Fässer stehen umher. Der Schuppen dient als Vorratsraum und gehört wahrscheinlich dem Inhaber des Obst- und Gemüse- ladens in dem weiter vorn an der Straße gelegenem Haus. Bei dem Eindringling überwiegt zunächst das Gefühl des Geborgenseins. Er ist zu müde und erschöpft, um weiter denken zu können. Auf dem fahren usw.) abgewickelt. . Die Durchführung des leichtathletischen Drei- kcnnpfes (Lauf, Weitsprung, Kugelstoßen bzw Ball- weitwerfen) hat der Standort Gießen der Hitler- Jugend übernommen. Für diesen Wettkampf gilt folgende Klasseneinteilung: Klasse A: Jahrgänge 1922/23 1924/25