Dienstag, 23.Zuli MO 19V. Jahrgang Ur. 172 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Ubr des Vormittags Anzeigen-Preise: Anzeigenteil 7 Rps. je mm bei 22 mm Zeilenbreite, Tertteil 50 Rvf. te mm bei 70 mm Zeilenbreite Nackläfte: Wiederholung Malstaffell Abschlüsse Mengenstaffelö Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25"/o mehr Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Giehener Familienblätter Heimat imBild DieScholle Monats-Bezugsvreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr... „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsvrechanschlun 2251 Drahtanschrift:„Anzeiger" Postscheck 11686 Franks M. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Churchills Antwort: Vervielfachte britische Bombenangriffe auf offene Ortschaften. poM-erSeMemichAng. Von unserer Berliner Schristleitung. Noch hat die englische Regierung nicht offiziell auf Wolf Hitlers letztes Angebot, auf das Angebot eines Siegers, dessen Mäßigung so groß ist wie das Ausmaß seiner Siege beispiellos, geantwortet. Aber Herrn Churchills Pressebanditen haben bereits ihre Weisungen empfangen uni) versuchen immer mehr, sie je nach ihrer Fasson auszulegen und zu einer geradezu wahnwitzigen Hetze gegen Adolf Hitler und Großdeutschland zu steigern. Der Appell an die Vernunft, diese allerletzte Chance für England, der Vernichtung zu entgehen, ist durch eine diktatorische Geste von Churchills Leibgazetten in Gefahr, fruchtlos zu verhallen, denn im Lande des Schweigegebotes für die Massen lärmen allein die UnentweKen, die zuerst mit der Verantwortung gespielt unb sich dann in die Verantwortungslosigkeit hineingeflüchtet haben. Daß sie ein ganzes Volk ins Verderben stürzen nur, um nicht zugeben zu müssen, wie furchtbar ihre plutokratischen Fehlrechnungen zusammenbrachen, ist aber nicht nur ihre Angelegenheit, es ist das Versagen des Systems. Die alte und schon im Weltkrieg verrostete Propagandawalze der Briten, „Wir sind entschlossen, der Drohung des Angreifers Widerstand zu leisten und ganz Europa aus seiner Knechtschaft zu befreien", wird von „Reynords Newspapers" bis zu den „Times" wieder gedreht, nur daß jetzt niemand mehr dieser brüchigen Weise lauscht und daß die Zeit, sie verlauten zu lassen, doch viel zu ernst ist. Denn es handelt sich jetzt um England selbst, nicht darum, andere für die britischen Plutokratenideale ins Feuer zu schicken. England selbst ist bedroht, das berühmte Schwert des Damokles hängt an einem Haar über dem Haupte nicht nur Churchills, sondern über allen Bürgern Britanniens. Angesichts der Tatsache, daß des Führers Appell in der ganzen Welt außerordentlich starken Eindruck gemacht hat, hat Churchill Vorkehrungen getroffen, um auch für sich selbst ein „W e l t e ch o" zu schaffen, das er auf seine Weise zu nutzen gedenkt. Besagtes Echo besteht in Anweisungen an die Regierungen der englischen Dominien, in einem für England günstigen Sinne gegen die Rede des Führers Stellung zu nehmen, eine Aufforderung, der bezeichnenderweise als erster der völlig england- hörige Ministerpräsident von Südafrika, Smuts, nachgekommen ist. Zweck dieses ganzen Manövers ist di^ Erweckung des Anscheins, als könne England zu dem Appell des Führers gar nicht von sich allein aus Stellung nehmen, sondern müsse bie. kriegerischen Forberungen ber Dominiens berücksichtigen. Daß diese Dominiens burchaus nicht von Kriegslust im Dienste Englands überschäumen, das zeigen ja u. a. die Forderungen nach Zurückziehung der kanadischen Divisionen und die Einstellung der Rekrutierungen in Australien. Gleichgültig, ob Churchill heute selbst sprechen wird oder nicht, in jedem Fall tut er alles, um die schon von der Kriegshetzerpresse verbreitete Atmosphäre des Neinsagens noch zu verschärfen. Voran- gegangen war bereits die Behauptung, es könne nur einen Frieden geben, den England diktiere, worin sich also der alte Imperialismus Englands wieder in radikalster Form ausspricht. Jetzt behauptet man in London, England besitze ein ungeschlagenes Heer. Und diese Hauptmacht der demokratischen Staaten müsse zunächst einmal besiegt werden. Dazu läßt man auf dem Wege über die englischen Kabel unb über die Dominiens verbreiten, es wäre denkbar, daß überhaupt kein Angriff auf England stattfinden werde, weil Hitler ja, wie feine Rede zeige, Angst habe. Sehr unbequem ist den Londoner Kriegsverbrechern die Tatsache, daß man die Lage Englands in Amerika sehr viel ernster beurteilt, als man in London zu geb en will, wo man dem Volke die Illusionen vorspiegelt, als werde Amerika noch in irgendeiner Form aktiv für England eintreten. Im Endeffekt geht Churchills Bestreben dahin, baß ihm niemanb in bie Fortsetzung seines Krieges hm- einrebet. Um nun in biefer Beziehung ber im Volk sich immer stärker bemerkbar machenden Mißstimmung zu begegnen, wirb biefem eingerebet, baß nicht mehr bie Plutokraten, sonbern nur noch die —- G e - werkschaf ten bie englische Politik maßgeblich beeinflußten, so baß also es so aussehen soll, als wenn bas englische Volk selbst unb nicht bie Kriegsverbrecher regiere. In Wirklichkeit darf ber Appell bes Führers noch nicht einmal in ber Öffentlichkeit bes Parlamentes behandelt, geschweige benn darüber abgestimmt werben. Die Antwort Englanbs auf bie Rebe bes Führers besteht also in ber Einfädelung einer großen Intrige, damit bas englische Volk, bem ia ber Wortlaut ber Rebe vorenthalten ist, gar nicht erst erfährt, welche einzigartige Chance bie Regierung Churchill in ber gewissenlosesten Weise auszuschlagen sich anschickt. Wenn aber, so sagt sich bie Clique um Churchill, diese ganze Intrige einnyü bem betrogenen unb belogenen englischen Volke bekannt wirb, bann sinb bie vielfachen Kriegsverbrecher längst über alle Meere in Sicherheit. Wir bedauern nur das britische Volk, das die Folgen dieser plutokratischen Politik der Hasardeurs spüren wird, wie das französische die Phantasien feiner Presse bezahlen mußte. Churchills Heckenschützenkrieg N e u y o r k, 23. Juli. (DNB. Funkfpr.) Presse- Photos aus England, die in den Vereinigten Staaten veröffentlicht werden, zeigen deutlich, daß England sich tatsächlich auf einen Heckenschützen- krieg vorbereitet. Die Bilder zeigen in allen Variationen Zivilisten, die im Gebrauch von Schußwaffen aller Art ausgeblldet werden. Eine Aufnahme bringt Unterhausmitglieder, die im Parlamentshof in Zivilkleidern e xe r» -zieren. Ein Photo zeigt den Sacristan der Westminster-Abtei, Pfarrer Perkins, im Priest e r g e w a n b e in bem Augenblick, wo em englischer Unteroffizier ihm bie'ridjtige Gewehrhaltung beizubringen versucht. Berlin, 22. 3ult (DNB.) Eine sorgfältige Ke- giffrierung der feindlichen Einflüge in der letzten Zeit hat ergeben, daß die englische Luftwaffe ihre Angriffe auf nichtmilitärische Ziele seit Freitag, dem Tage der großen Führerrede, die dem englischen Volke noch einmal den Weg zur Vernunft wies, vervielfacht hat. Groh war die Zahl der Bombenabwürfe und unverhältnismäßig gering der militärische Schaden. Es ist deutlich zu erkennen, daß der Gegner es darauf abgesehen hat, die deutsche Zivilbevölkerung zu treffen. Zahlreiche deutsche Ortschaften, offene Städte und Dörfer sind in den letzten Tagen wiederholt angegriffen worden. So wurden in der Nacht vom 20. zum 21. in der Innenstadt von Wismar Bomben abgeworfen, ebenso in der darauffolgenden Nacht. Dabei waren fünf Tote und 20 Schwerverletzte zu beklagen. Die Stadt Bremen erlebte in einer der letzten Nächte starke Angriffe auf verschiedene Wohnviertel. Drei Tote, drei Schwerverletzte fielen dem brutalen britischen Angriff zum Opfer. Viele Badeorte auf den deutschen Nordseeinseln hatten sinnlose Bombenangriffe zu verzeichnen. Auch die Stadt Hamburg wurde in der Nacht zum 21.3uli angegriffen. Wohnviertel und dichtbesiedelte Ortsteile erhielten Bombentreffer. 3m benachbarten Pinneberg wurde das Krankenhaus beschädigt. Die Städte Paderborn, Hagen und Bochum wurden mehrfach von feindlichen Fliegern angeflogen und verzeichneten rücksichtslose Angriffe auf zivile Ziele. 3n Schwe- tin wurden vier 2H än ner, drei Frauen und drei Kinder durch englische Bomben getötet Zahlreiche Verletzte sind zu beklagen. 3n Wilhelmshaven wurden das Krematorium und eine Leichenhalle zerstört Bemerkenswert ist hier, daß die feindlichen Flieger vor ihren Bombenabwürfen zahlreiche Leuchtbomben benutzten, wodurch sie hätten eindeutig eststellen können, daß sie k e i n e m i l i t ä r i s ch e n Ziele vor Augen hatten. Die Stadt Kassel war in der Nacht zum 22. 3uti ebenfalls das Ziel feindlicher Angriffe. Auch hier arbeitete der Gegner mit einer beträchtlichen Zahl von Leuchtbomben. Trotz allem wurden sämtliche Bomben auf nichtmilitärische Ziele in Wohnvierteln und Gärten abgeworfen. 1L a. sind hier Sanitätsfahrzeuge getroffen worden. Darüber hinaus wurden der Landkreis Kassel und der benachbarte Gau Hannover- Süd von englischen Bombenangriffen heimgesucht, viele Orte, und zwar kleine Bauerndörfer, mit feindlichen Bomben beworfen. Da auch hier der Feind Leuchtbomben zur Anwendung brachte, ist seine Absicht, lediglich die Zivilbevölkerung zu treffen, Frauen und Kinder zu morden, klar und eindeutig erkennbar. * Noch in der Nacht vom Freitag zum Samstag haben die Engländer mit einer verstärkten Zahl von Einflügen auf das deutsche Reichsgebiet den großmütigen Appell des Führers zur Vernunft beantwortet. Sie haben mehr noch als bisher in verbrecherischer Weise ihre Bombenangriffe auf die Zivilbevölkerung gerichtet, ihr Ziel in offenen Städten, Bauerndörfern, Marktflecken, in Lazaretten und Schulen gesucht. Diese Absicht wird dadurch erkennbar, daß die letzten Nächte besonders klar waren und den englischen Fliegern gute Sicht boten. Außerdem haben die Engländer eine große Zahl von Leuchtbomben geworfen, die ihnen keinen Zweifel darüber lassen konnten, daß sie sich über offenen Städten, über Wohnvierteln und Dörfern befanden. Nicht ein einziges nennenswertes militärisches Ziel haben sie im Laufe der letzten nächtlichen Einflüge getroffen. Wir sind überzeugt, daß sie es n i ch t g e s u ch t haben. Die ganze Anlage und Durchführung der britischen Luftangriffe auf deutsches Reichsgebiet läßt erkennen, daß Churchill dem deutschen Volke zeigen will, wie er sich die Antwort auf des Führers Friedenstat denkt. Es ist Mord an deutschen Frauen und Kindern, Verwüstung friedlicher deutscher Städte und Dörfer. haben bereits die Höhe von 31/z Milliarden Pfund erreicht. Das ist dreimal so viel, wie der Staat durch Steuern einnimmt. Das neue Budget will das immer größer werdende Loch im Säckel ausstopfen durch rigorose Steuererhöhungen, die vor allem die kleinen Einkommen treffen. Eine Umsatzsteuer soll neu eingeführt werden, obwohl erst kürzlich ein dahingehender Vorschlag abgewiesen wurde. Don der Vermögens ft euer versprechen sich die englischen Zeitungen wenig Erfolg, denn außer den Plutokraten, die sich selbst natürlich nicht des Letzten berauben, besitzt fast niemand mehr in England Vermögen, das im nennenswerten Umfange yerangezogen werden könnte. Die meisten Blätter prophezeien drastische Maßnahmen auf verschiedenen anderen Steuergebieten. — Um die breiten Massen über die neuen Auspowerungspläne hinwegzutäuschen, ist die Einführung von Massenspeisungen ins Auge gefaßt. Mit diesem Pflästerchen glaubt man die Arbeiterschaft zum Steuerzahlen willig machen zu können. Reuter will wissen, daß die Erhöhung der Einkommensteuer zwei Schillinge auf das Pfund betragen werde. Damit würde ein Engländer für jedes Pfund Sterling (20 Schillinge), das er verdient, 91/? Schillinge zu zahlen haben. Die Steuererhöhung wird unumgänglich erforderlich werden, weil der Schatzkanzler Kingsley Wood mit feinem dritten Kriegshaushalt nicht nur täglich Kriegsausgaben von 10 Millionen Pfund Sterling decken muß, sondern auch noch ein Defizit von 800 Millionen Pfund für das laufende Finanzjahr auszugleichen hat. Gleichzeitig wird eine Erhöhung der Abgaben für Tabak, Spirituosen, Wein, Bier und Benzin angekündigt. Durch diese erhöhte Besteuerung der Luxusartikel hofft die Regierung, gleichzeitig den Verbrauch drosseln zu können, um dadurch das Defizit im Tonnageraum etwas zu vermindern. Der ohnehin durch den Wegfall der meisten europäischen Märkte stark zusammengeschrumpfte britische Eport ist im Monat Juni in einem ge» radezu katastrophalen Ausmaß zurückgegangen. Im Laufe eines einzigen Monats betrug der Rückgang mehr als 20 o. H., so daß der Export auf 36,8 Millionen Pfund gesunken ist. Noch bezeichnender ist die Tatsache, daß die englischen Einfuhre n in einem womöglich nochstärkeren Maße schrumpften. Hier beträgt der Rückgang wertmäßig nicht weniger als 14,8 Millionen Pfund. Ein bezeichnendes Licht auf die Knappheit an Tonnage, unb Lebensrnitteln in England wirft auch eine Statistik der „Times". Danach betrug im Jahre 1933 der Preis für ein neues seeklares Handelsschiff von 7 500 Tonnen rund 32 000 englische Pfunde Ende 1939, also nach vier Monaten Krieg, war der Preis auf 119 000 Pfund emporgeschnellt. Mitte dieses Jahres kostete das gleiche Schiff 139000, also mehr als das Vierfache des Preises, der im Jahre 1933 angelegt werden mußte. Inzwischen ist der Preis noch weiter gef liegen. Eine neue Blüte der Fallschirmjäger-Psychose in England zeigt folgende Meldung: Die vier großen englischen Eisenbahngesellschasten stellen zur Zeit Streckenarbeiter ein, um zu verhindern, daß Spione und Saboteure zur gegebenen Stunde den Verkehr lahmlegen. Man befürchtet, daß deutsche Fallschirmspringer, verkleidet in die Uniformen englischer Eisenbahnangestellter und Beamten, über wichtigen Strecken abspringen und dort „Unheil" anrichten. Alle Betriebsangehörigen der Bahnen werden aufgefordert, Eisenbahnangestellte und Beamte, die sie nicht kennen, zu stellen und nach dem Ausweis zu fragen, so daß der Dienst eines englischen Eisenbahners in Zukunft dem eines Detektiven und Aushorchers gleichkommen wird. An allen wichtigen Eisenbahn- knotenpunkten ist eine militärische Bewachung eingesetzt worden, weil man befürchtet, im Falle einer deutschen Invasion würden sich die feindlichen Truppen dieser Punkte zuerst zu bemächtigen suchen. Rigorose Steuererhöhungen muffen den Krieg der britischen Plutokraten finanzieren. Stockholm, 23. Juli. (Europapreß.) Es hat den Anschein, als ob nun auch der englische Außenminister Lord Halifax von den Wellen der Kritik erfaßt werden sollte, die feit Beginn der ersten großen gewerkschaftlichen Jahresversammlungen vor etwa fünf Wochen über fast alle Mitglieder des Kabinetts hereingebrochen ist. Bisher hatte die Kritik Lord Halifax fast völlig übergangen. Daß man ferner jetzt gedenkt, gilt in Kreisen ernst zu nehmender neutraler Beobachter in London als Beweis einer ich zuspitzenden Unzufriedenheit des englischen Volkes mit ber politischen Führung. Tatsache ist jeben- alls, baß seit achtundvierzig Stunben alle Londoner Morgenblätter gegen Halifax Stellung nehmen und erklären, die für diese Woche angesetzte Geheimsitzung des Oberhauses durfte recht stürmisch verlaufen. Die Spanienpoütik des Außen- ministes wird angegriffen und dre B lo ck ade Spaniens gefordert. Auch die Besanfti- gungsverfuche bekannter englischer Persönlichkeiten unb bie Anpreisung der „Vorzüge ber Presselenkung" haben den steigenden Unwillen gegen den Jnformationsminister D u ff Cooper nicht aus der Welt geschafft. In Joumalistenkreisen wird Duff Cooper Unwahrhaftigkeit vorgeworfen. „Sagens Nyheter" schreibt, seitdem der neunjährige Sohn des Ministers nach Amerika in Sicherheit gebracht worden sei, würden die Angriffe der Londoner Blätter auf Duff Cooper immer heftiger. Am Sonntag bezeichnete ein englisches Blatt den Minister als „imkompetent und hoffnungslos mangelhaft für feine Aufgabe ausgerüstet". Stellenweise wirb bie Ausbootung Duff Coopers gefordert. Was die Kriegstreiber dem englischen Volk zugedacht haben, zeigt der neue Haushalt, der am Freitag dem Parlament vorgelegt wird. Man bezeichnet ihn in London bereits als „Entbeh- rungs-Budge t". Englands Kriegsausgaben Brutale Kriegsauswettungspläne -er Westmächte. Neue Enthüllungen aus Den Geheimpapieren -es französischen Generalsiabs. Mit welcher Gewissenlosigkeit die plutokratischen Kriegsmacher der Westmächte gesonnen waren, an allen Ecken und Enden Europas bie kleinen Mächte, bie sich hinter ihrer Neutralität der Bewahrung des Friedens sicher fühlten, in ihre Kriegsplane em- zufpannen, um ähnlich wie einst im D^eltkriege einem von allen Seiten eingeschlossenen Deutschland den Lebensatem abzupressen, das geht mit größter Eindeutigkeit aus den von deutschen Soldaten beim Vormarsch in Frankreich aufgefundenen G e - Heimakten des französischen General- st a b e s hervor. Eine neue Veröffentlichung aus bem demnächst erscheinenden, vom Auswärtigen Amt herausgegebenen sechsten Weißbuch, enthüllt noch einmal die ganze Brutalität dieser Kriegsausweitungspolitik um jeden Preis. So bringt das Dokument Nr. 30 einen Bericht des Sonderbeauftragten ber französischen Regierung, ber in gerabezu schamloser Weise ein in allen Einzelheiten ausgearbeitetes Programm für die Zersto - rung ber rumänischen ®rbö11nbuftrie entwickelt Dabei ist besonbers interessant, baß biefer Agent unb seine Helfershelfer mit ben offiziellen diplomatischen Vertretungen ber Westmächte m Bukarest auf vertrautestem Fuße ftanb unb englische unb französische Ingenieure mit Offlzrersrang in bie rumänischen Erbölbetriebe eingeschmuggelt würben ausschließlich zu bem Zweck, in großzügigster Welse bie Sabotage unb schließlich bie völlige Zerstörung von Bohranlagen unb Raffinerien vorzubereiten, wobei man sich über ben bleibenben Schaben, ben man bamit Rumänien selbst zufügte, durchaus im klaren war. So sahen in Wahrheit bie Freundschafts- bienfte aus, bie bie Westmächte ben von ihnen in ihrer Freiheit unb Sicherheit angeblich bebrohten kleinen Nationen durch ihre bereitwillig gespendeten Garantien zu leisten gedachten. Das folgende Dokument, in bem ber französische Botschafter in Bukarest eine Sperrung ber Donau vorschlägt, um bamit Deutschlanb bie Zufuhr von rumänischem Erböl unb (Betreibe zu sperren, unterstreicht nur bie wahren Absichten biefer plutokratischen Einmischungspolitik auf dem Balkan. In Konkurrenz mit diesen Kriegsausweitung^ plänen ftanb bie Absicht durch den Einmarsch in Belgien bie rechte Flanke bes deutschen West- Heeres zu überflügeln. Dieser Plan war Gegenstand von Besprechungen bes französischen Kriegsausschus- ses in bem sich General G a m e l i n für das Einrücken in Belgien erklärte, obwohl Ministerpräsident Reynaud 'ihn auf die starke Ueberlegenheit der deutschen Luftwaffe aufmerksam machte. Gegenüber diesen Plänen mußte das von General Weygand vorbereitete Saloniki-Unternehmen zeitweilig zurücktreten, wie aus dem Dokument Nr. 33 hervorgeht. Aber immerhin sollen jetzt schon Transportschiffe dem Oberkommandierenden der Levante- Armee zur Verfügung gestellt werden, um eine erste Abteilung seiner Streitkräfte nach Mazedonien zu bringen, ein klarer Beweis dafür, daß die Alliierten mehrere Eisen im Feuer hatten, um, wenn ihnen die Kriegsausweitung im Norden nicht gelingen sollte, dann im Südosten den Brand anlegen zu können. Höchst aufschlußreich für das Verhalten Englands gegenüber feinem französischen Bundesgenossen ist nun das Dokument Nr. 36, das nichts anderes dar- stellt als einen verzweifelten Hilferuf Reynaud s an Churchill, dessen Generale mit größter Rücksichtslosigkeit entgegeh dem Befehle Weygands über 40 Kilometer die Flucht zu den Kanalhäfen angetreten haben, wobei es ihnen völlig gleichgültig war, daß durch ihren Rückzug eine Lücke Fn der Front entstand, die zu schließen We ygand nicht mehr in der Lage war. So zeigen auch diese Dokumente bei aller Verschiedenheit im einzelnen doch eines ganz kraß, wer auf Englands Freundschaft baut, ist verraten und verkauft. Dr. Fr. W. L. Die neuen Dokumente. Dokument Ar. 30. Bericht des Sonderbeauftragten der französischen Regierung Leon Wenger über die Zerstörung der rumänischen Erdölindustrie vom 1. Oktober 1939. (Auszug.) I. Allgemeine Erwägungen. Gegenstand des Sonderauftrages, mit dem Herr Wenger vom Minister für öffentliche Arbeiten unter der Oberleitung des Herrn Französischen Botschafter betraut worben ist, ist die Aufstellung eines Programme s für die eventuelle Zerstörung der Bohrplätze, Raffinerien, Vorräte und Transporte sowie gegebenenfalls die Or- ganifationz der Mittel und Wege zur Ausführung dieses Auftrages. Dieses Unternehmen hat ebenso wie das von ben Alliierten im Jahre 1916 geforderte den Zweck, Deutschland um den größeren Teil derOelbestände zu bringen, die es aus Rumänien beziehen könnte, und zwar auf möglichst lange Zett. Es ist zu beachten, daß die jährliche Produktton Rumäniens sechs Millionen Tonnen beträgt, b.& ungefähr das Dreifache des Jahres 1916. Der heimische Verbrauch beträgt ungefähr ein Viertel der Produktion, also 1500 000 Tonnen. Es wäre also eine Ausfuhr von 4 500 000 Tonnen möglich, wenn die Transportmittel dazu vorhanden wären. Aber es muß noch mehr zerstört werden, denn der rumänische Verbrauch könnte unter der deutschen Herrschaft um die Hälfte verringert werden, und der Zerstörungsplan muß, so weit möglich, vollständig sein. II. Personal und Organis a.t i o n. Herr Wenger ist am Samstag, dem ia. September, in Bukarest eingetroffen, begleitet von Hauptmann Pierre A n g o t, der ihm beigegeben worden ist, Er hat sich noch am gleichen Tage mit dem Herrn Französischen Botschafter, mit dem Botschaftsrat Herrn S p i t m u l l e r, mit Kommerzienrat S a r r e t und dem Militärattache General Del- Homme in Verbindung gesetzt. Don der ersten Besprechung an hat es sich wegen des Umfanges des Auftrages und wegen der Notwendigkeit, die Methoden zu benutzen, die das Material und die Verteilung der Industrie erfordern, als nötig erwiesen, daß Herr Wenger die Herren Eoulon, de Montlebert, de Panafieu, Maratier, Cauchois, Bouvier und Delage hinzuzog. Außerdem hat der Französische Kriegsminister Herrn Wenger die Herren Boncenne und Chapelet zur Verfügung gestellt, die nachträglich eingetroffen sind. Diese Mitarbeiter sind sämtlich Franzosen, und zwar Ingenieure der Oelgesellschaften; sie sind mit Offtziersrang angestellt. Jeder der Jnge- neure ist Spezialist auf einem Teilgebiet der Del» gern Innung und steht an der Spitze der Organisation seines Teilgebietes. Bereits am 18. September hat der Botschafter Thierry Herrn Wenger dem Britischen Gesandten, Sir Reginald Hoare, vorgestellt und die Fühlungnahme ging um so glatter vonstatten, als sich unter dem Gesandtschaftspersonal und unter den englischen Ingenieuren mehrer Personen befanden, die vor 20 Jahren bei der Abschätzung der befohlenen Zerstörungen mit Herrn Wenger zusammengearbeitet haben. Herr Wenger hat mit Herrn Cubbens, Major Watson und Herrn Masterson Fühlung genommen und diese Herren mit den Herren Angot und Eoulon in Verbindung gebracht. Das eingeschlagene Arbeitsverfahren bestand in der Aufstellung eines Programms oder vielmehr, wie weiter unten ersichtlich werden wird, zweier Programme durch die Franzosen und in der Prüfung und eventuellen Kritik durch die Engländer. IV. Briefwechsel und Methoden. Um wirksam zu sein, muß eine Zerstörung der Erdölindustrie sich, so weit möglich, auf alle Teile der Industrie erstrecken: Produktion, Transportwesen, Vorräte und Raffinade. Der Bericht von Norton Griffith vom 21. Januar 1917, der deutsche Bericht über die Zerstörung vom Jahre 1916 und die Feststellungen der englisch-französischen Kommission von 1919—1921 zeigen, daß eine improvisierte Zerstörung nicht voll wirksam sein kann. Im übrigen gibt der übliche Ausdruck „die Erdölquellen verbrennen" nur einen geringen Teil des Programms, gewissermaßen nur eine letzte Vollendung des Unternehmens, wieder. Was zerstört werden muß, das sind die Anlagen zum Bohren, zur Produktion, zum Transport und zur Raffinade. Feuer würde für sich allein nur scheinbare Ergebnisse erzielen. Die Deutschen Könnten in einem Jahr eine bedeutende Produktion erzielen, indem sie mit dem nicht zerstörten Material eine Reihe von Raffinerie- und Bohranlagen vervollständigten. Man darf nicht vergessen, daß sich ein Bohrloch in drei Monaten bohren läßt, daß es aber zwölf Monate dauert, eine Raffinerie zu bauen, selbst wenn das erforderliche Material an Ort und Stelle verfügbar ist. Schließlich kann eine Feuersbrunst oft zur Zerstörung der Lagerstätten führen, d. h. also zu ungeheuren bleibenden V e r l u st e n für das Land, und eine solche Gefahr muß man auf sich nehmen, wenn die Zeit drängt. Es sind Vorarbeiten geleistet worden mit dem Ziel, daß die systematische Zerstörung überall die gleichen Stücke trifft, damit vermieden wird, daß man durch Zusammensetzung der Teile verschiedener hauptzerstörter Anlagen eine vollständige Anlage 40000Sri. aus einem Geleitzug versenkt Neue Lustangriffe auf England. Der Wehrniachlsbericht vom Montag. Berlin, 22. Juli. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Deutsche Kampfflugzeuge griffen erneut Flugplätze, Hafen-, Tank- und Fabrikanlagen in England an. Explosionen und starke Brände sind beobachtet worden. Bei Angriffen gegen einen Geleitzug im Kanal gelang es, einen Tanker und vier Handelsschiffe mit einem Gesamtfassungsvermögen von etwa 40000 BRT. durch Bombentreffer zu versenken. Feindliche Einflüge in der Nacht zum 22. Juli in Nord- und Westdeutschland, sowie in die besetzten Gebiete richteten durch Bombenabwurf nut Sachschaden an. Lin Flugzeug ist durch Flakartillerie der Kriegsmarine, ein weiteres Flugzeug durch Nachtjäger abgeschossen worden. Die Gesamtverluste des Feindes betrugen gestern acht Flugzeuge, darunter ein Sunderland-Flugboot durch Abschuß bei Drontheim. Bier eigene Flugzeuge kehrten nicht zurück, darunter ein Seenot- Flugzeug, das über der Nordsee durch die Engländer abgeschossen wurde. Italienischer Wehrmachtsbericht Rom, 22.Juli. (DNB.) Der italienische Wehr- machtsbericht Hal folgenden Wortlaut: Aus sicheren Informationen ergibt sich, daß bei den See- und Luftkämpfen zwischen dem S. und 13. Juli außer einem Flugzeugträger und dem Schlachtschiff „hood" auch ein Schlachtschiff von der „warspite"-Klasse (31 000 Tonnen) und die Kreuzer „Gloucester" (10 000 Tonnen) und „211 e - thusa" (5200 Tonnen) schwere Schäden erlitten haben. Ferner haben die feindlichen Schiffsbafen empfindliche Berluste erlitten. Ein feindliches Flugzeug, das bei den Retlungsoperalionen eines unserer Flugzeuge, das wegen Motorschadens wassern mußte, den Bersuch gemacht hatte, die Besatzung unter WG.-Feuer zu nehmen, ist von unseren Jagdfliegern brennend a b- geschoffen worden. Ein Offizier der Besatzung, der mit Fallschirm abgesprungen war, wurde gerettet und von einem unserer Wasserflugzeuge gefangen genommen. In Nordafrika sind die feindlichen Stützpunkte Sidi Barrani und IHarfa Ma lruh stark und wirkungsvoll mit Bomben belegt worden. In O st a f r i k a sind bei den Stützpunkten Buna und Wasir, wo ein englisches Jagdflugzeug abgeschossen worden ist, englische Flugzeuge und englische Truppen mit Bomben und Maschinengewehr- feuer angegriffen worden. Alle unsere Flugzeuge sind zurückgekehrt. Feindliche Luftangriffe auf 21 s m a r a haben weder Opfer noch Schaden hervorgerufen. Oer italienische Angriff ans Malta. Rom, 23.Juli. (Europapreß.) Zu dem italienischen Angriff aus die Torpedofabrik von Marfa Sirocco auf Malta, bei dem die Fabrik in Brand geschossen wurde, sind noch folgende Einzelheiten mitgeteilt worden: Der Angriff sei von drei Flugzeugstaffeln ausgesührt worden, die bei dem Bombenabwurf bis auf 500 Meter herab gegangen feien. Es feien 50 und auch 100 Kilogramm schwere Bomben sowie auch Brandbomben abgeworfen worden. Der dadurch hervorgerufene Brand in der Torpedofabrik sei noch aus großer Entfernung wahrzunehmen gewesen. Herstellen kann. Auf Grund dieser Erwägungen haben wir ein doppeltes Programm ausgestellt: 1. Ein Programm für schnelle Zerstörung, das sich in 24 Stunden durchführen läßt (bei täglich zehn Stunden Arbeitszeit), und zwar mit den an Ort und Stelle verfügbaren Mitteln. Er erstreckt sich nur auf die wichtigsten Bohrplätze (80 v. H. der Produktion), auf sämtliche Raffinerien, auf die Pumpstationen und die Vorräte. Zu dem Programm gehört auch die eventuelle Zerstörung gewisser Lagerstätten, aber es bietet Aussicht darauf, daß die Erdölindustrie mindestens sechs Monate lang in einem Umfang bis zu 75 v. H. der gegenwärtigen Produktion unbenutzbar fein wird. ' 2. Ein systematisches Programm bedarf zu seiner Durchführung einer Frist von zehn Tagen bis zu einem Monat. Man kann damit 90 v. H. der Produktion treffen, die wichtigsten Lagerstätten schonen und eine bessere Zerstörung der Transportmittel bewirken. Zu diesem Programm gehört auch die Verwendung von Sprengstoffen. Zu feiner Vorbereitung sind bereits einige Maßnahmen getroffen worden, um ein Netz von Schlammflüsfen anzulegen, durch die die Bohrlöcher „getötet" werden können, bevor man sie zerstört. Zu beiden Methoden gehört vor allem anderen die Zerstörung des Materials. Ein Brand ist nur die Ergänzung und Vollendung des Zerstörungswerkes. Dokument Ur. 31. Telegramm des Französischen Botschafters in Bukarest an das Französische Außenministerium vom 28. September 1939. Sehr geheim! Meiner Ansicht nach hätten wir ein entschiedenes Interesse daran, ohne Verzug eine Sperrung der Donau zu bewirken, so daß der Binnen - wasserweg zwischen Rumänien und Deutschland vollständig unterbrochen würde. Es hat den Anschein, daß nach einer Periode des Verkphrsrück- ganges, die mit den durch den Krieg hervorgerufenen Veränderungen zusammenhing, der Verkehr drauf und dran ist, sich stärker zu entwickeln, als das bisher jemals der Fall mar. Ich erfahre insbesondere, daß die Deutschen beabsichtigen sollen, einen Teil ihrer Rheinflotte zur Donau zu entsenden, um damit dem Mangel an Schiffen abzuhelfen, der gegenwärtig auf dem rumänischen Abschnitt festzustellen ist. In diesem Fall würde die Lage, die ich in meinem Telegramm Nr. 1077 dar gelegt habe, eine wesentliche Veränderung erfahren. Es ist nicht zu leugnen, daß die Unterbrechung des Verkehrs auf der Donau für uns einen Vorteil bedeutet, der einer Zerstörung de r Del« quellen praktisch gleichkommt, denn er würde gleichzeitig den Transport des Erdöls und des Getreides paralysieren. Dieser Transport umfaßt mehr als 80 v. H. der rumänischen Aus- fuhr dieser Produkte ins Reich. Die Operation ließe sich auf ziemlich einfachem Wege durchführen, und ich bin in der Lage, alle Handlungen, die zu ihrer Durchführung dienen, zu veranlassen. Ich werde dem Ministerium einen Bericht über diese Frage mit nächstem Kurier vorlegen. Thierry. Dokument Ar. 32. Bericht über eine Sitzung des französischen kriegs- ausschusses vom 9. April 1940. Streng vertraulich. Der Kriegsausschuß ist am 9. April im Elysee unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik Albert Lebrun zusammengetreten. Zugegen waren: Paul Reynaud, Ministerpräsident, Minister des Aeußern; Edouard Daladier, ßan« Zweideutig und unzeitgemäß. Die Pariser Presse im unbesetzten Gebiet hat ihrer Verwunderung darüber Auskunft gegeben, daß man in Deutschland den angeblichen Umschwung in Frankreich mit solcher Skepsis aufnimmt. Wie berechtigt aber diese Skepsis ist, das zeigen ja nicht nur solche Tatsachen wie die, daß in Vichy die Männer des alten Regimes am Ruder sind, daß Frankreichs Kriegsverbrecher und Dolksverräter völlig ungestraft dort agieren dürfen und daß die Presse schon wieder in einem sehr rückfälligen Ton zu schreiben beginnt. Es kommen beispielsweise noch solch merkwürdige Momente hinzu, daß die französische Vertretung in London trotz des offiziellen Abbruches der Beziehungen noch immer n i ch t a b g e r e i st ist, ja, daß auch nach ihrer Abreise ein französischer „Agent", also eine Art inoffizieller Geschäftsträger, zurückbleiben wird, und zwar auf Wunsch der englischen Regierung! Ein ausgesprochener Engländerfreund, der Schriftsteller Morand, soll die Verbindung zwischen Vichy und London aufreckterhalten. Angesichts dieses Tatbestandes erhält der von Frankreich offiziell getätigte „Abbruch der Beziehungen" zu England einen höchst merkwürdigen Beigeschmack. Nicht anders ist es mit durchaus unzeitgemäßen Forderungen der französischen Presse. So hält die französische Zeitung „Jour-Echo de Paris" schon dis Zeit für gekommen, die Auslieferung der französischen Kriegsgefangenen zu verlangen. Wir glauben gern, daß die Franzosen ihr Verhalten im Weltkrieg vergessen machen möchten, sie haben auch allen Grund dazu; denn damals vergingen nicht Wochen, sondern Jahre, ehe sie sich endlich dazu bequemten, langsam mit den ersten Entlassungen zu beginnen. Erst nach dem Inkrafttreten des Versailler Diktats sollte, wie es im Artikel 214 bestimmt wurde, die Heimschaffung der Kriegsgefangenen so bald wie möglich durchgeführt werden. Und da das am 28. Juni 1919 unterzeichnete Diktat erst am 10. Januar 1920 in Kraft trat, wurden die deutschen Kriegsgefangenen erst nach diesem Datum so langsam wie möglich aus ihrer qualvollen Gefangenschaft erlöst. Nicht einmal die Verwundeten wurden vorher freigegeben! An dieses niederträchtige Verhalten sollten sich die Franzosen erinnern, ehe sie derartige Forderungen, und noch dazu mitten im Kriege, zu stellen beginnen desverteidigungs- und Kriegsminister; (Sam- pinchi, Minister der Kriegsmarine; Laurent- E y n a c, Luftfahrtminister; Mandel Kolonialminister; General Gamelin, General Vuil- l e m i n, General Georges. Der Ministerpäsident gab die letzten Informationen über die Lage. Er ist der Ansicht, daß i m Raume von Narvik sofort gehandelt werden müßte, da das Eisenerz für den Ausgang des Krieges kapitale Bedeutung habe. Er verlangte die Beschleunigung der Entsendung der Division Audet nach Brest und die sofortige Einschiffung der Waffen. Er macht den Ausschuß darauf aufmerksam, daß nunmchr ein Wettlauf zwischen Deutschland und den Alliierten eingesetzt habe. Admiral Darlan beantragt: 1. In Belgien einzurücken; 2. Flußtreibminen einzusetzen; 3. örtliche Angriffe auf der Nordostfront durchzuführen. Der Ministerpräsident ersucht General Gamelin um eine Aeußerung zu diesem Anträge. General Gamelin erklärt sich für das Einrücken in Belgien. Der Ministerpräsident machte den General darauf aufmerksam, daß der Feind mit feiner Luftwaffe und seinen Effektiven eine doppelte lieber- legenheit über uns besitze. General Gamelin verbleibt ausdrücklich bei seiner zustimmenden Antwort, und General Georges schließt sich ihr an. Der Landesverteidigungs- und Kriegsminister gibt ein Gutachten ab, das sich völlig für die Operation ausspricht. Es ergeht folgender einstimmiger Beschluß: 1. Die Regierung wird versuchen, die Zustimmung der belgischen Regierung für die Operation in Belgien zu erlangen; 2. wird die Zustimmung erlangt, so findet die Operation statt. 3. Wird die Operation durchgeführt, so werden Flußminen Das unpassende Aller. k Don Mars Stahl. „Michael", rief die Tante aus dem Hause, ,Mür- dest du nicht so gut fein, mir diesen Korb tragen zu helfen?^ Sie stand klein, zierlich und zwanzigjährig in der Tür und sah Michael entgegen. Michael ließ seine Spielkameraden im Stich und rannte auf die Tante Beate zu. „Laß nur, ich trage ihn allein", sagte er. „Er ist zu schwer", antwortete die Tonte. „Für dich ist mir nichts zu schwer!" entgegnete Michael und schwang den Korb auf die Schulter. Der Dreizehnjährige brach fast zu- fammen unter der Last. Beate folgte ihm besorgt. Sie ging sehr vorsichtig, um nicht zu stolpern, es hieß, sie sei in letzter Zeit nicht ganz gesund und müsse geschont werden, darum war ja auch Michael bei ihr, um zu helfen, denn der Onkel war verreist. „Schrecklich", stöhnte Michael, als er am Abend über den Schularbeiten saß und bohrte seine Fäuste in den dicken blonden Haarschopf. „Was ist schrecklich? Die Schularbeiten?" fragte Beate. „Nein, daß es den Dnkel Theodor gibt, nun kann ich dich doch nicht heiraten." — „Ja", lächelte Beate, „das ist allerdings schlimm." „Ach, vielleicht stirbt Onkel einmal", tröstete sich Michael. „Pfui", rief Beate entsetzt, „was redest du da, Michael. Ich liebe doch Onkel Theodor." Michael wurde rot. „So, du liebst ihn", sagte er langsam, „und zu mir hast du gesagt, daß du mich liebst." Die Tante schüttelte den Kopf in ärgerlicher Verwirrung. „Das ist doch ganz etwas anderes, Michael. Ich habe dich sozüsaaen aufgezogen, als Kind schon gewiegt, du bist mir so lieb, als wärst du mein eigener Sohn. Außerdem bist du doch zu jung für mich." — „Dann wird also nie etwas aus unserer Heirat werden?" — „Ich glaube nicht, Michael." — „Na, und ist das nicht schrecklich?" fragte Michael wie zu Anfang und bohrte seine Fäuste noch tiefer in den blonden Schopf. Aber dann kam Onkel Theodor zurück, und Michael fuhr wieder nach Hause. Als er im Frühling Tante Beate wieder besuchte, sagte sie, sie wolle ihm oben ein neueingerichtetes Zimmer zeigen. Er ging etwas mißtrauisch mit ihr hinauf, weil sie so sonderbar lächelte. Es war ein ganz reizendes Zimmer, ganz in Weiß, ein Fries bunter Kinderbilder lief rund um die Wand. Beate trat zu einem kleinen weißen Himmelbett und schlug die Gardinen zurück. Michael schaute verdutzt auf das winzige Wesen, das mit an das Gesicht gepreßten Fäifttchen darin lag und schlief. „Das ist Beatrix", flüsterte Tante Beate. Michael wandte sich um, rannte die Treppe hinab imb warf sich hinten ins Gras. Er war ganz außer sich. Er kam sich verraten, betrogen, beiseite geschoben vor. Tante Beate fand ihn und holte ihn zum Mittagessen. Er schien einen Entschluß gefaßt zu haben. „Vielleicht kann ich Beatrix einmal heiraten", sagte er, „vielleicht ..." lächelte die Tante. Michael war wirklich um seine zukünftige Frau bemüht. Er fuhr sie im Wagen spazieren, pflückte ihr Blumen, ließ sie an seinem dicken Haarschopf zausen, ohne eine Mene zu verziehen. Er brachte ihr Murmel und Kreiselspiel bet und suchte ihre verlorenen Bälle. Als sie vier Jahre alt war, fischte er sie aus dem Gartenteich, wo sie, nach Entenflott angelnd, hineingefallen war. Damals war er aber schon auf der Oberprima und hatte andere Plätte, als die kleine winzige Beatrix zu heiraten. Er verlor sie dann auch jahrelang aus den Augen, als er auf die Universität ging und bann feine Assistentenposten an verschiedenen Krankenhäusern absolvierte. Als er Beatrix wiedersah, war sie Ungefähr so alt wie er damals, als er Tante Beatrix feine Liebeserklärungen machte. Sie war wirklich reizend, und sie kokettierte sogar etwas mit ihm. Er war damals schon siebenundzwanzig Jahre alt. Dann gründete Michael sich eine Praxis, und er hatte hart zu kämpfen, bis er wieder so einigermaßen zu dem kam, was man ein Privatleben nennt. So vergingen beinahe sechs Jahre, ehe er Beatrix wiedersah. Sie verbrachte die Semesterferien zu Hause: „Donnerwetter!" sagte Michael und schüttelte den Kopf. „Donnerwetter!" sagte er nochmals und nickte dann dazu, aber er meinte beide Male dasselbe. Ein ganzer Schwarm von männlichen Freunden und Verehrern füllte das Haus. Tante Beate und Michael standen am Fenster und sahen in den Garten, wo Beatrix mit ihnen Tennis spielte. Er blickte seine Tante an, sie sah immer nach aus, wie ein junges Mädchen. Sie war ja auch noch jung, erft Ende der Dreißig. „Nun, sagte er lächelnd, „da ja Onkel Theodor immer noch lebt, werde ich mich wohl an Beatrix halten müssen, wie? Glaubst du, daß es Zweck hat, sie zu fragen." „Versuche es doch", bat die Tante, „es würde mich so sehr freuen, — wirklich, Michael, es ist ein alter Traum von mir. ..." „Von mir erst recht ..." seufzte Michael und machte sich fertig, in den Garten zu gehen, denn die Verehrer verabschiedeten sich soeben. Beate sah ihm nach, wie er zu Beatrix trat und wie sie beide anfingen, zwischen den Buchsbaumbeeten auf« und abzugehen. Dann wurde sie ab gerufen und konnte nichts mehr beobachten. Nach einer Weile hörte sie, wie Beattix ins Haus kam, sie ging sofort auf ihr Zimmer hinauf. Ein kleiner heftiger Schmerz saß ihr im Herzen, als sie in den Garten tief, um Mi- I chael zu suchen. Er lag wie damals, ganz hinten bei den Gemüsebeeten im Gras. Als er Beate nahen hörte, stand er auf und klopfte umständlich Laub und Gras von seinem Anzug. „Pech —" sagte er und widmete sich ganz seiner Arbeit, „sie will mich nicht, schätzt mich aber — und so weiter ... ich bin ihr zu alt, was sagst du nun?" Tante Beate sagte nichts, sie seufzte nur. „Pech ..." sagte er nochmals und rieb nachdenklich einen grünen Fleck auf feinem Beinkleid, was ihn nur noch grüner machte, „— dir war ich zu jung, ihr bin ich zu alt. Stets bin ich im unpassenden Alter." Er hielt einen Augenblick im Reiben inne und sah sie an. ,Hch werde mich also Nach einer anderen Frau umsehen!" Er lächelte, es kam etwas schief heraus. „Sie will ja auch heiraten in diesem Jahr, wie sie es mir eben sagte. Wenn wir dann beide Kinder haben sollten, vielleicht wird aus denen endlich ein Paar. Man muß nur nicht die Geduld verlieren. Diese Kinder werden dann ja wohl endlich das passende Alter haben." Er seufzte noch einmal, drückte Tante Beate die Hand und ging eilig ins Haus. „Oer Eündenbock/' Es darf nicht erwartet werden, daß der Film immer mit Wirklichkeiten identisch ist. Die Filmschaffenden haben sich eine eigene Welt nach eigenen Gesetzen geschaffen und der neue Tobis-Film im Lichtspielhaus ist ein Kind dieser Welt. Er schildert das Schicksal eines 12jährigen Jungen, der, von einem kleinstädtischen Gasthofbesitzer adoptiert, nach dessen Tod der Erbe des Gasthofes werden soll. Durch das Testament aber wird der Junge hinausgeführt in eine Umgebung, die nicht die feine ist, er gerät zu alten Tanten, die ihn erziehen sollen, dann zu einem hypermodernen Ehepaar in die Reichshauptstadt, schließlich zu einem Künstler nach München, aber nirgends sind die Umstände günstig genug, ihm eine gute Erziehung zu sichern. So kehrt er immer wieder zurück in das heimatliche Land- ftädtchen, wo sich seiner der Vormund und Freund und eine brave Wirtschafterin liebevoll annehmen. So endet alles in Güte, uttd da sich im Lauf der Geschichte auch noch zwei Liebespaare finden, löst sich alles in Wohlgefallen. Die Regie unter Hans Deppe brachte die bewegte Handlung in ein unterhaltsames Wechselspiel von Ernst und Humor. In der Reihe der Darsteller muß der jugendliche Norbert Rohringör zuerst genannt werden, der die Hauptrolle spielt, sich sehr gut vor der Kamera zu bewegen weiß, obwohl ihm die freizügige Kindlichkeit nicht mehr zu eigen zu fein scheint. Seinem Vormund und väterlichen Freund stellt Karl Hell- m e r in einer sehr bescheidenen und sympathischen Form dar. Das gleiche gilt für die Wirtschafterin (Irmgard Hoffmann), die sich mütterlich um den hin- und hergeworfenen Jungen bemüht. In den übrigen Rollen begegnet man Darstellern, die weltstädtische Vornehmheit dem bescheidenen Kleinstadtmilieu entgegenzusetzen haben: Fritz Ode mar, Grete R e i n w a l d, Ellen Bang, Ernst Sattler, Herma R e I i n u. a. ♦ Im Beiprogramm beansprucht die Wochenschau wieder das stärkste Interesse. Mit großer Freude sieht man Bilder von der Rückkehr der Narvikkämpfer nach Deutschland. Das Ausmaß des deutschen Sieges spiegelt sich in Bildern aus den riesigen Beutelagern. Groß ist die Freude über dis Aufnahmen von der Rückkehr des Kapitäns Prien mit der Rekord-Tonnenzahl, — ergreifend die Bilder vom Besuch des Führers bet Verwundeten. Einige charakteristische Silber aus England lassen ,chie andere Seite" und dabei die ganze Ahnungslosigkeit der englischen Kriegsvorbereitungen erkennen, die man einem deutschen Angrift entgegensetzen will. So ist auch diese neue Wochenschau „zwischen den Schlachten" reichhaltig und nicht weniger sehenswert, als die Wochenschauen der jüngsten Vergangenheit. In einem weiteren Film ist die Arbeit des Deutschen Roten Kreuzes im Dienst an den Verwundeten Umrissen und damit eine eindringliche Aufforderung zur Opferbereitschaft verbunden. H. L. Neuner. Irren ist menschlich. Dor einigen Jahren wurde in einer australftchen Stadt eine Irrenanstalt einaerichtet. Der Bürgermeister besichtigte die Anstalt. „Alles sehr nett!" sagte er. „Aber sagen Sie mal kommt bei Ihnen niemals ein Irrtum vor? Ich meine: Ist es möglich, daß Sie versehentlich einen geistig Gesunden in Ihre Anstatt auf nehmen?' „Ausgeschlossen!" sagte der leitende Arzt. „Wir legen dem Kranken gewöhnlich eine Reihe von Fragen vor, aus deren Beantwortung deutlich hervor geht, ob er geistig normal ist." „Sehr schönt fagte der Besucher. „Was sind denn das für Fraaen?" „Nun, zum Beispiel diese: Hannibal unternahm drei Kriegszüge. Auf einem derselben starb er. Auf welchem Zug geschah dies?" Der Bürgermeister nickte freundlich. „Sehr geschickt!" sprach er. „Aber sagen Sie — ich bin in Geschichte nicht sehr bewandert — auf welchem | Zug starb Hannibal nun eigentlich^ Hi. jeder fremde Flugzeuge über Gibraltar Generalnähern sich die deutschen Jäger, geben Vollgas und Britten. Die deutschen Jäger kümmern sich ^ett Ein sch^rzer Frei ax am diesen Segen — der Gruppenkommandeur chlll und die britische Luftwaffe. 48 Ku, Dokument Ak. 36 Notiz! Geheim! Decknamen. 27. Mai 1940. Nr. 1219/3 F. T. zusetzen. CHLOR gehen dran. t , ... .. Angriff! Dem deutschen Jagdschwarm spritzen die Granaten der englischen Maschinenkanonen entgegen Zwölf Maschinen mit je vier Kanonen gleich ® ~ ' am . s. ...m..... fi'immorn ftm und holte sich noch beiDovereine Spitfire und zwei Hurricanes und beschloß so diesen Freitag mit insgesamt 15 Abschüssen. Ein einziger deutscher Flugzeugführer wurde verwundet und zwei Maschinen hatten Treffer. Der verletzte Flugzeugführer befindet sich schon längst in einem Lazarett. Ein schwarzer Freitag war es für Chur- Ein sauberer Mensch kann ebensowenig auf Zahnpaste wie auf Seife verzichten? schießt.^Der' erste kurze Feuerstoß liegt zu hoch, stabschef der Landesverteidigung, an den kommandierenden der französischen Streitkräfte im Ostmit- telmeergebiet General W e y g a n d. 10. Mai 1940. Dank an die Feldeisenbahner Der Reichsverkehrsminister spricht auf dem Pariser Ostbahnhof. Lon Kriegsberichter Günther Weber. letzt worden. (gez.) für den Generalmajor: Koeltz. Dokument Ar. 35. Der französische Generalstab an Deygand am 27. 2Hai 1940. UNS uen . korps vorstelle, wobei der gegenwärtigen Lage unD I/uuvte ------ der Mittel, über die Sie verfügen, Rechnung ge- IihlLn ^er Maschinenwaffen. In einer großen Kurve tragen ist. Ich wäre Ihnen dankbar wenn Sie mir' H"h Ihre Ansichten hierüber bekanntgeben wolltem Ich habe bei der Regierung beantragt, daß Ihnen auf dem Balkan das Oberkommando über die gesamten alliierten Streitkräfte übertragen wird. Ich Hobe gleichfalls beantragt, daß das Ostmittel- meer zum Behelfsbereich des Oberkommandierenden der französischen Seestreitkräfte geschlagen wird. Ich weiß, daß Ihre Aufgabe überaus schwierig und heikel ist. Ich bin gewiß, daß Sie diese Aufgabe wie schwer sie auch immer sei, zu einem guten Ende nachmittag' nach London begeben. Dokument Ar. 33. Der Oberkommandlerende Gamelln, Arcole an Albatros. Antwort auf Ihr Telegramm Nr. 53/31W vom 26. Mai. Entsendung einer 7,5-cm-Flakgruppe und Gegen-! wert drei Batterien 2,5-Flak, wie durch General Buillemin mit Telegramm 579/3 E. M. G. vom 14. Mai vorgesehen, ist eine Landung Honduras Vorhut gebunden entsprechend meinem Telegramm 860/3 F. T. vom 6. Mai und meinem Bries Nr. 911/3 F. T. vom 10. Mai. — Stop. Da Operation als Folge gegenwärtiger Umstände wieder m Frage gestellt, kann ich im Augenblick Bitte Flakverstärkung, die an mich gerichtet, nicht entsprechen. — Ende. (Stempel) für den Oberkommandierenden der Landstreitkraste der Generalmajor (gez.) Doumong. Um Indiskretionen "über die für den Fall von Operationen im Aegäischen Meer vorgesehenen Maßnahmen vorzubeugen, ist vereinbart worden daß von jetzt ab im Brief- und Telegrammwechsel in dieser Angelegenheit folgende Derfnoen verwendet werden sollen: für Saloniki Honduras, für Kreta Guatemala, für Milo Argenttne, für Salamina Chile, für Navarin Colornbie, für 2U- Dolive, für Griechen Equateur, für Türken General Weygand, französische Delegation beim Interalliierten Ausschuß für militärische Studien, i - u die Admiralität und das Oberkommando der Lust- . waffe sind von dieser Maßnahme in Kenntnis ger Graf Ciano an^eichöaußenministervon Ribbentrop Rom 22.Juli. (DNB.) Der italienische Minister des Aeußeren, Graf Cian o, sandte nach seinem Berliner Besuch anläßlich der Sitzung des Deutschen Reichstages folgendes Telegramm an den Reichs- minister des Auswärtigen: -.Lieber Ribbentrop. Beim Verlassen des deutschen Reichsgebietes ent- biete ich Ihnen einen herzlichen Gruß und erneuere meinen aufrichtigen Dank für die mir erwiesene herzliche Gastfreundschaft. Wollen Sie bitte dem Führer zusammen mit meinen ergebenen Ge- siihlen auch meine tiefe Befriedigung darüber aus- drücken, daß ich der Reichstagssitzung vorn 19 Juli beiwohnen konnte, welche durch die Rede Ihres großen Chefs und Heerführers die neuesten Siege der glorreichen deutschen Wehrmacht historisch abgeschlossen hat und die unlösbaren engsten Bande bestätigt, die das nationalsozialistische Deutschland mit dem faschistischen Italien verbinden; sie war Ein schwarzer Freitag für die britische Lustwaffe. Wie eine deutscheIagdgruppe ohne eigeneVerluste zwölf-Oefiants'cherunterholte liens in den Krieg hat der Verkehr völlig aufgehört. Für die Geschäftsleute in Gibraltar be«. deuteten diese englischen Kontrollmaßnahmen, die für viele Schiffe oft einen Zeitverlust von Tagen und Wochen ausmachten, einen guten Verdienst, im dem sie nicht nur alle Lebensrnittel, sondern auch alle sonstigen Waren, ja sogar Frischwasser zu stark erhöhten Preisen verkauften. Bei dem ersten Rau- mungsbefehl der englischen Behörden wurden alle Restbestände zu Schleuderpreisen losgeschlagen. Durch die Rückkehr der Flüchtlinge aus Französisch-Marokko entstand ein großer Mangel an lebenswichtigen Produkten. Nach der zweiten Evakuierungsanordnung, die bis zum 1. August durchgeführt sein muß, versuchen nunmehr die Geschäftsleute durch Zeitungsanzeigen krampfhaft ihre Außenstände hereinzubekommen. Dies ist um so schwieriger, da sich der Bevölkerung eine Panikstimmung bemächtigt hat und die Schuldner mangels Vertrauens in den englischen Endsieg es vorziehen, alle ihre verfügbaren Barmittel selbst mitzunehmen, ohne auf Angebote mit verlockenden Rabattsätzen der Gläubiger einzugehen. Alle Kolonialwarengeschäfte Gibraltars sind seit Dienstag wegen Warenmangel geschlossen. führen werden. Der Oberkommandierende der Landstreitkraste: (gez.) Gamelin. Dokument Ar. 34. Der Oberbefehlshaber des Landheeres. 'Großes Hauptquartier. SeneralftatL drittes ®üro. Nr. 1028/3 F. T. 15 Ma, 1940. müssen. Man darf auch nicht außer Acht lassen, daß die Süd- und Mittelamerikaner Völker romanischer Kultur und Sprache sind. Bolivar, der den Kampf gegen die spanischen Vize-Könige siegreich durch- führte, war ein Sohn der französischen Revolution, deren geistiges Erbe er adoptierte. Nordamerikanische Sitten und Ueberlieferungen sind den Südamerikanern wesensfremd, sie erscheinen ihnen nicht nachahmungswert. Es bleibt demnach als gemeinsames Band nur der kontinentale Raum, und es bleibt der überwiegende Einfluß des Dollar, denn das so oft angeführte gemeinsame demokratische Ideal ist mehr als fragwürdig. Demokratie in den Vereinigten Staaten und Demokratie in Jbero- Amerika sind richt verschiedene Dinge, zudem sind bereits einige der südamerikanischen Staaten zum autoritären Regime übergegangen. Der Verlauf der panamerikanischen Ministerkonferenz in Havanna wird zeigen, inwieweit sich diese auseinandergehen- den Interessen unter einen Hut bringen^lallen. Oie Außenministerkonferenz in Havanna eröffnet. Havanna, 22.Juli. (DNB.) Die Sitzung der Außenminister aller amerikanischen Länder eröffnete am Sonntag der kubanische Präsident Laredo B r u mit einer Ansprache, in der er sich als der gelehrige Schüler seines Herrn präsentierte. Er stellte den Wert gesetzlichen Erwerbs den „brüchi- aen Eroberungen durch Macht und Gewalt" gegen- Die Konferenz von Havanna. Die Zahl der panamerikanischen Kongresse und Konferenzen ist ständig im Wachsen begriffen. Sie verfolgen alle mehr oder weniger dasselbe Ziel, einen gemeinsamen Nenner für die politischen, wirt» chaftlichen und kulturellen Interessen des Kontinents zu finden, wobei aber die Vorherrschaft der • Vereinigten Staaten gewahrt bleiben soll. Mit andern Worten: es gilt die Anerkennung der Monroe-Doktrin in diese Konferenzen Hineinzu- chmuggeln. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die großen und kleinen ibero-amerikanischen Staaten die Monroe-Doktrin als solche ablehnen und in ihrer Aufrechterhaltung einen Angriff auf ihre staatliche Würde sehen. Gewiß haben sich die Zeiten seit 1823, als Präsident Monroe seine Doktrin ver- kündete, umchie amerikanischen Staaten vor einem Zugriff der großen europäischen Kolonialmächte zu schützen, grundlegend geändert. Die' meisten dieser Staaten sind flügge geworden und wollen nichts mehr von der nordamerikanischen Bevormundung schenken. Die Konferenz in Havanna hat als Hintergrund den europäischen Krieg. Die Einberufung der Konferenz erfolgte noch vor dem britischen Verbrechen in Oran, ehe noch jemand an einen möglichen Bruch zwischen London und Paris denken konnte. Es folgten die allen Vorstellungen von politischem Anstand in den internationalen Beziehungen spottenden Piratenstücke Churchills vor Martinique und Guadeloupe, durch die der Krieg direkt in die amerikanischen Gewässer getragen wurde, die nach einer oft betonten und wiederholten Erklärung Roosevelts einer besonderen amerikanischen Weltordnung unterstehen, und die als Sicherheitszone für die Schiffahrt erklärt worden sind. Es heißt, daß Frankreich eine Milliarde Golddollar aus sei- nenv Staatsschatz nach Martinique verbracht hätte. Das ist eine Summe, die die Briten zu einem See» räuberstreich verlocken könnte, so wie ihre Vorfahren einst auf die spanischen Gold- und Silberflotten von einigen hundert Jahren in den gleichen Gewässern Jagd machten. Sollten nun die Amerikaner, die sich in Havanna in naher Nachbarschaft von Martinique versammeln, diesem Piratenkrieg und der Blockade in ihren Gewässern tatenlos zusehen, so würde das Prinzip der Monroe-Doktrin dadurch umgestoßen werden. Jedenfalls werden gewisse Kreise Nordamerikas vor einen argen Konflikt gestellt, sie werden zwischen den panamerikanischen Idealen und ihrer Englanvfreundlichkeit wählen DNB 20. Juli. (PK.) In der großen Halle des Pariser Ostbahnhofes sind an tausend Feldeisenbahner angetreten, Männer der Transportkommandantur und der Wehrmachts-Verkehrs- direktion, die genau wie ihre Kameraden im feldgrauen Rock ihren Teil zu dem herrlichen Siege beitragen durften. Die große Bahnhofshalle tragt einen schlichten Schmuck. Zu beiden Setten der Maschine — einer Jubilarin aus dem vergangenen Jahrhundert, die jahrzehntelang zwischen Paris und Straßburg verkehrte — befinden sich zwei große Hakenkreuzfahnen, lieber der Maschine leuchtet von der Wand der Bahnhofshalle ein Monumentalgemälde, das den Abschied französischer Soldaten bei Kriegsausbruch 1914 auf einem Pariser Bahnhof zeigt. Kurze Kommandos. Reichsverkehrsminister Dr Dorpmüller schreitet die Front ab. Dann .steht er auf der Maschine und spricht. Anknüpfend an die traurigen Verhältnisse nach dem Schanddiktat von Versailles, die auch auf die Reichsbahn ihre Schatten geworfen hatten, rief der Reichsverkehrsminister aus: „Die Zeit von damals ist vorbei. Sie darf und wird niemals wiederkommen. 25 000 Tote hat die Deutsche Reichsbahn im Weltkrieg opfern müssen. Einsatz und Opfer waren auch in diesem uns aufgezwungenen Krieg nicht gering. Dafür steht unsere Wehrmacht heute aber auch als Sieger in Frankreichs Hauptstadt. Die deutschen Feldeisenbahner und die Angehörigen der Wasser- straßenoerwaltung haben ihren Teil zu diesem herr- lichenSiege beigetragen. Ich bin der festen lieber« zeuaung, daß wir auch die großen Aufgaben die uns die Zukunft stellt, in treuer Pflichterfüllung bewältigen werden." Die große Halle der Gare de l’Est hallte wider von dem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer. Herzlich verabschiedete sich der Reichsverkehrsminister von den Eisenbahnern, um seine Besichtigungsfahrt im besetzten Gebiet fort« können. , ., . Für Sie erhebt sich nunmehr die Frage des Dodekanes. Ein Interesse zur Entsendung einer Division als Verstärkung in den Orient besteht nur, wenn die Türkei die Stationierung dieser Division in Thrazien schon jetzt zuläßt. ' I Wenn ich Ihnen in der gegenwärtigen Lage die verlangten Verstärkungen nicht schicken kann, so ergreife ich doch schon jetzt Maßnahmen, die erfordernd) sind für: , v a) Beschleunigung der Entsendung der zur Ergänzung Ihres Expeditionskorps bestimmten Kräfte, deren Transport bereits in die Wege geleitet ist; b) zur Ermöglichung möglichst rascher Entsendung einer mit statten Luftabwehrmitteln ausgerüsteten Vorhut aus Frankreich nach Saloniki. Die Admiralität hat alle Maßnahmen ergriffen, um drei Transportschiffe an die Levante zu entsenden. Diese werden Ihnen gestatten, eine erste Abteilung Ihrer Streitkräfte nach Mazedonien zu ent- nuu, vul senden. Ich bin mir darüber im klaren, daß diese Engländer die deutschen Maschinen kaum erkennen Maßnahmen Ihnen nicht die Mittel an biß fönnen. Zunächst einmal muß festgestellt werden, geben, auf die Sie mit Fug rechnen dürfen. Ich um roa5 für Flugzeuge es sich handelt. Spitfire halte es daher für zweckmäßig, Ihnen in der an- Reicht — ausgeschlossen. Hurricanes? Auch gefügten Aufzeichnung aufs neue darzulegen, wie Aha, nun sieht man es, es handett sich tat- ich mir, zum mindesten zeitlich gesehen, Jh^^ Aktton um die neuen ,~ ro . u zi-. r i s.... Xnc (S-rnorvirinn‘i= I , < <. rr. . ____rc La Linea, 23. Juli. (DNB. Funkspr.) Gibraltar wurde Montag um 11.10 Uhr und 14.30 Uhr von fremde n Flugzeugen überflogen, gegen die die englische Flak ein heftiges Feuer eröffnete. Bomben wurden nicht abgeworfen. Montag früh wurde aus Richtung Mittelmeer in der Höhe von Gibraltar leichter Kairo nendon- ner vernommen. Die britische Besatzung von Gibraltar wurde auf 10 0 0 0 Mann verstärkt. Allein am 18. Juli wurden 2000 Mann ausgeschifft. Auch starke Munitions- und Lebensmitteltransporte kamen in den letzten Tagen in Gibraltar an. Die Seefestung rich- [tet sich auf weitere Luftangriffe und Belagerung ein. Der größte Teil der Bevölkerung hat die Seefestung verlassen und fährt auf britischen Schiffen einem unbekannten Schicksal entgegen. Die Zurückgebliebenen verbringen die Nächte auf freiem Feld. Alle Geschäfte und Läden sind geschlossen. Militär- und Polizeistreifen durchziehen unaufhörlich die Stadt, vor allem in den nördlichen Vierteln. Der Schiffsverkehr von Gibraltar erhielt bei Kriegsausbruch einen ungeheuren Aufschwung. Es gab tage, an denen bis zu 180 Schifte, die sich einer britischen Kontrolle unterziehen mußten, auf der Reede gezählt wurden. Nach dem Eintritt Jta- Mitteilung Reynauds an Churchill vom 24. Mai 1940. Geheim, , 24. Mm 1940. An Sir Ronald H. Campbell (von Hand zu Hand gegeben durch Hauptmann de Margerie am 24. Mai 1940 um Al Uhr). Wortlaut einer heute von Herrn Paul Reynauo an Herrn Winston Churchill gerichteten Mtteilung. Sie haben mir heute vormittag telegraphiert, daß Sie den General Gort angewiesen haben, l weiterhin den Plan W ey g and auszufuhren Mit einem Telegramm des Generals Blancharo teilt mir nun General Weygand mit, daß die en bische Armee, entgegen dem heute uh durch General Weygand betätigten formellen Befehl, e - hen Rückzug über 40 Kilometer in Richtung auf bie fiäfen betoloffen uni) durch-Mhrt hat, wahrend unser- von der Südstont kommenden Truppen nach Norden zu in Richtung auf die alliierten I Nordarmeen Gelände gewannen. Dieser Rückzug hat natürlich den General Weygand gezwungen, seinen g a n z e n A u f m a r s ch ?u ändern Er sieht sich nunmehr gezwungen. ' auf eine Schließung der Lücke und die Bildung ei- ' ner förtlauftnden Front zu verzichten. Es braucht nicht betont zu werden, wie schwerwiegend die Folgen sind, die sich hieraus ergeben können. einen Engländer abgeschossen. Zweiter Anflug: Die übrige Gruppe war heran und belegte die acht anderen „Defiants" mit einem Hagel wohlgezielter Geschosse. Der Hauptmann verspürte einen Schlag in seiner Maschine. Die Fläche links zeigte ein paar Löcher und plötzlich ließ auch die Tourenzahl des Motors nach, die Oeltemperatur stieg ungeheuer schnell an, also war es für diesmal Zeit, und nichts wie nach Hause. „Ganz langsam , mit 300 bis 400 Stundenkilometer Geschwindigkeit quälte man sich über den „Bach" zurück zur französischen Küste. Auch die Maschine des Adjutanten hatte einige Treffer abbekommen. Während man sich dicht an der französischen Küste einen Platz aussuchte, hörte der Kommandeur im Kopfhörer durch Funkspruch, wie sich seine Kameraden über dem Kanal noch mit ben letzten „Defiants" herumschossen und jedesmal, wenn sich die Männer einige Kilometer weiter zuriefen: „Mensch, da ist noch einer! Hurra, es hat gebumst — „Abschuß" — „Gratuliere herzlich" — „Pulver, auf gehts" und was dgl. schöne Reden im Funksprechverkehr deutscher Jäger noch mehr sind, dann freute sich der Kommandeur. Sie waren kurz darauf wieder zu Hause und der Kommandeur konnte den stolzen Erfolg an das Ge- ‘ »r weitermelden: eigene Verluste: !. Und weil der Tag so schön und es ja Frei- Sehr geheim! Durch die Telegramme Nr. 1429—1432 vom 29. April haben Sie die Notwendigkeit betont, den Abwehrwillen der Balkanmächte burd) einen möglichst kräftigen und sofortigen Beittag unsererseits zu stärken. Sie haben bei biefer Gelegenheit die Ditte ausgesprochen, ben Zeitpunkt auszunutzen, in bem bas Mittelmeer noch frei ist, und Ihnen sofort nachfolgende Verstärkungen zu senden: 2 Gruppen Jagdflugzeuge (mindestens), 4 Gruppen Bombenflugzeuge, 2. Division Kolo» nialinfanterie, 2 Bataillone Kampfwagen D. Ich beehre mich, Ihnen mitzuteilen, daß das Kriegskabinett, bem diese Frage vorgelegt worden ist, in seiner Sitzung vom 6. Mai beschlossen hat, die angegebenen Einheiten gegenwärtig nicht an die Levante zu senden. Der Beschluß war begründet wie folgt: 1. Es besteht Veranlassung zu der Annahme, baß Italien, wenn es die Feindseligkeiten gegen die Alliierten beginnt, im voraus die Zusicherung desl deutschen Beistandes erhalten hat. Die Schlacht wird I sich infolgedessen vermutlich sehr rasch auf der Nordostfront ausbreiten und gegebenenfalls auch auf die Südostfront. Unter diesen Umständen müssen wir die Schlacht in Frankreich gewinnen, für die unser Material überwiegend eingesetzt werben muß. 2. Die vorherige Verstärkung der Levante erscheint nicht als absolut notwendig, denn in bem er-1 wähnten Fall von Feindseligkeiten gegen Italien ist es fast ebenso schwierig, Transporte von der Levante nach Saloniki zu jchoftett wie Transporte aus 'Frankreich oder aus Nordafrika dahin, und zwar einmal wegen der geringen Umschlagsmögttch- feiten des Hafens von Beirut, andererseits weil wir Gefahr laufen, von Anfang an nicht mehr die freie Verbindung im Mittelmeer und den Schutz der Geleitzüge gegen Luftangriffe garantieren zu verwendet werden. 4. Die Regierung wird der nor- wemschen Regierung Mitteilen, daß sie auf die Unterstützung Frankreichs zählen kann. 5. Der Mini- fterpräfibent, der Lanbesverteibigungs- und Kriegsminister und Admiral Darlan werden sich heute wissen. Die letzten panamerikanischen Kongresse in Montevideo, Buenos Aires und in Lima haben das klar bewiesen. Washington mußte auf die Politik des „big stick" verzichten, kaum daß es noch den Anspruch eines „primus inter pares", eines „Ersten unter Gleichen" erheben darf. Das bedeutet nun nicht, daß Präsident Roosevelt die Monroe-Doktrin als solche hat fallen lassen. Ihre Anwendung wird nur anders und ein wenig rücksichtsvoller gehandhabt, es gibt keine offenen Drohungen, Flottendemonstrationen und Landungen von Marinesoldaten mehr, aber es gibt auch andere Druckmöglichkeiten, um die Jbero-Amerikaner bei der Stange zu halten. Die Konferenz aller amerikanischen Außenminister, die soeben in Havanna zusammengetteten ist, gehört zu dieser letzteren Methode. Die Konferenz soll sich vornehmlich mit wirtschaftlichen Fragen befassen, denn nachdem die Versuche Roosevelts, die ibero-amerikanischen Staaten eindeutig auf die von Washington verfolgte außenpolitische Linie festzulegen, nicht den gewünschten Erfolg hatte, will man jetzt auf bem Umwege über die Wirtschaft dasselbe Ziel erreichen. Roosevett hat den Plan gefaßt, eine panamerikanische Monopolgesellschaft zu gründen, bei der die Ausfuhr aller amerikanischen R o h st o f f e und Lebensmittel zenttalisiert werden soll. Sollten sich nun die in Havanna versammelten Außenminister mit der Gründung dieser Monopolgesellschaft einverstanden erklären, so müßten sie dabei auf eine selbständige Handelspolitik ihrer Lander verzichten und Washington eine ungeheure Vormachtstellung einräumen, die mehr bedeuten würde, als die strenMe politische Auslegung der Monroe-Doktrin. Die Südamerikaner sind sich dieser Tatsache bewußt. So soll z. B. die brasilianische Delegation sehr genaue Instruktionen erhalten haben, sich nicht mit vagen Versprechungen ver- trösten zu lassen, sie soll die Interessen des eigenen Landes nicht etwa rein nordamerikanischen Interessen opfern, sie soll vor allem nicht den anglo- philen Neigungen Roosevelts ohne weiteres Gehör zeuge doch nicht vorgestellt. So haben es sich wohl weder die Konstrukteure noch die Ingenieure und am allerwenigsten die englischen Flugzeugbesatzungen ausgemalt, die auf ihre „Defiants" so mächtig stolz waren, denn wenn deutsche Jäger einer einzigen Jagdgruppe von 12 Maschinen dieses neuen Flugzeugtypes in ein paar Minuten alle zwölf hintereinander abschießen, dann ist das kein überzeugender Beweis für die Tüchtigkeit der britischen Luftwafte, auf jeden Fall aber ein Beweis für den Angriffsgeist unserer deuftchen Jäger und die Güte unseres Materials. Es war an einem Freitag. Ein Unglückstag. Auch, wenn man sich eine neue Jagdmaschine gebaut hat, die eine zweite Kanzel hat, aus der man nach hinten wie aus einer Gießkanne mit vier zusammengekoppelten Maschinenwaffen gleichzeitig schießen kann. Fliegt dann eine neue „Defianl"-Gesellschaft schon eng geschlossen zusammen, dann hat man nach hinten eine ganz schöne Abwehr und allerlei Feuerkraft, theoretisch wenigstens, m ber Praxis kann das allerdings auch anders aussehen. Freitagmtttag war es also. Eine deutsche Jagdgruppe unter Führung von Hauptmann T brummte los. Strahlend blauer Himmel wölbt sich über dem Kanal. Man sieht deutlich die weiß leuchtende englische Steilküste, und siehe da, tief unten schrauben sich einige schwarze Pünktchen langsam hoch. Man zählt drei — sechs —..neun — zwölf Maschinen. Die deutschen Jager klet- Itern noch ein bißchen, sind schon so hoch, daß die für die Welt eine feierliche Voranzeige des sicheren Triumphes unserer gemeinsamen Waffe. In herzlicher Kameradschaft. Ciano." Defiants" Ganz dicht schwader weitermelden: eigene Verluste: P.K. (DNB.) So, Mr. Churchill, haben Sie etwas tiefer, die Maschine geneigt, zweiter Feuer- sich'den ersten Einsatz Ihrer mit viel Wichtigtuerei stoß — haargenau sitzen die deutsche" umgebenen.neuen -nglischen S<-Mlug.° ®»‘ und schon fliegen Teile der getroffenen Maschine durch die Luft, rasen am nachfolgenden deutschen Jäger vorbei. Eine Rauchwolke, ein Feuerschein — der erste brennt und stürzt ab. Der Hauptmann chiebt seine Me 109 herum und sieht gerade, wie ein Adjutant neben ihm sich d i e zweite ,,2) e - iant" vorgenommen hat, auch Nr. 2 löst sich in ihre Bestandteile auf und siehe da, auch die beiden anderen Me 109 vom ersten Schwarm haben je Lehrreiche Erfahrungen bei Luftangriffen Front und Heimat CAFIEW11EM Gießen, den 22. Juli 1940. Mkim 02500 Mäusb»rgi7. gtflftfflOrer 3333 D MW 1-2 Schachtmeisler |Verschiedenes| Stellenangebote ersonen.) 3338° Didier-Werke A.-G., Mainzlar Beinricb Keil, Oaugescbäil 3335 D Krem hilft bestimmt Dose RM. 2.10 3339C Dentist Hans Nuhn 3336 D Für mein Spezialgeschäft wirklich tüchtige, selbständige den 31. d. 21L, wieder eröffnet Gießen, den 23. Juli 1940. Gießen (Sleichstraße 44), z. Z. Kath. Schwesternhaus Mühlhausen i. Thür. (Thomas-Münzer-Straße 2), 21. Juli 1940 suchtStellung. Schriftk. Ang. u. 3340D a.d.G.A. £lse &ittma r Gießen, Seltersweg 52 3331 D y Kleine Anzeigen richten sich an die Bevölkerung der engeren Heimat! Darum: Kleinanzeigen in die Heimatzeitung, den BießenerAnxeiger Wohnungstausch. 5 Zimmer, Bad, Küche, Balkon, 2 Bodenkamm./ Keller,geg.3-bis 4-Zim.-Wohng. zu lauschen ges. Schr. Ang. unt. 02501 a.d.G.A. Der Oberbürgermeister der Stadt Gießen, bitter. Das Organ der niederländischen Marine „Onze Vloot" veröffentlicht die holländischen Schiffsverluste während der fünf Kriegstage. Danach sind ein Torpedojäger, ein Minenleger, zwei Minenräumboote, vier Kanonenboote, ein Torpedoboot, zwei Bewachungsschiffe und ein Ausbildungsschiff verloren. Wände und Schränke und noch die gegenüberliegende Wand bei einer Einschlagsentfernung von 10 Meter vom Hause zerschlugen. Daraufhin sollte man sich die Splittersicherung vor den eigenen Luftschutzraumfen st ern ansehen. In einem Falle wird als Ursache des Luftangriffs ein Trecker angesehen, der im Scheinwerferlicht ohne Abdunklung pflügte. Bezeichnend ist sodann der Fall eines Mannes, der das Aufsuchen des Luftschutz- raumes als feige bezeichnet hatte; er wurde durch Bombensplitter auf der Stelle getötet. Wer das Schicksal herausfordert, beweist keinen Mut, sondern nur Dummheit und Verantwortungslosigkeit. Durch Einschlag einer Bombe drei Meter von einem Hause entfernt, wurde das Haus innen und außen vollständig zerstört. Nur der Keller blieb erhalten, die Insassen wurden nicht verletzt. Personen in einzelnen Häusern wurden verletzt, weil sie nicht den Luftschutzraum aufgesucht hatten. Immer wieder war die gleiche Erfahrung zu machen: wer im Luftschutzraum sitzt, ist geschützt, auch wenn das ganze Haus zerstört wird; wer in der Wohnung bleibt, spielt mit dem Leben. Ein junger Mann stand während des Bombenangriffs am Fenster, um dem „Schauspiel" eines Luftangriffs zuzusehen. Der Mann wurde durch Splitter einer einschlagenden Bombe sofort getötet. Das Ritterkreuz für Generalleutnant Coeler. Berlin, 22. Juli. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Reichsmarschall Göring, dem Generalleutnant Coeler für die hervorragende Führung seines Verbandes und in Anerkennung der ausgezeichneten Leistungen feiner Truppe das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Seine Fliegerdivision hat durch ihre unaufhörlichen Angriffe gegen die britische Flotte und ihre Häfen Operationen durchgeführt, die für den Verlauf des Krieges vo« wesentlicher Bedeutung sind. 475 Jahre Reichsbank. Die Reichsbank feierte am 20. Juli ihren 175. Geburtstag; sie rechnet in dieses Alter auch ihre „Rechtsvorgängerinnen" ein. Denn die Reichsbank ist unter diesem Namen erst eine Schöpfung des Bismarckreiches aus dem Jahre 1875. Aber die Notenbank, die in diesem Jahr als Reichsbank zu wirken begann, übernahm die Preußische Bank, und die Preußische Bank geht wiederum zurück auf die Kgl. Giro- und Lehnbank, die von Friedrich dem Großen am 20. Juli 1765 gegründet worden war. Und so ergibt sich der eigenartige Tatbestand, daß die Reichsbank ihren Geburtstag nach dem Siebenjährigen Kriege hat. Und das ist kein Zufall: denn der Siebenjährige Krieg hatte zu einer merklichen Verarmung des an sich nicht reichen Preußens geführt Das Datum des 20. Juli ist eine Erinnerung, daß die Reichsbank eine lange und große Ueberlieferung hat und die gewaltigen Wandlungen vom Aufstiege Preußens über das Bismarckreich bis zum Großdeutschen Reich in sehr unmittelbarer Weise mitgemacht hat. Die große Aufgabe der Reichsbank als Notenbank ist: Zahlungen, die (wie z. B. Wechsel) erst in einer gewissen Zeit fällig werden, dadurch sofort flüssig zu machen, daß sie die Zahlungsanweisungen (Wechsel) aufkäuft und dafür Noten als allgemein anerkanntes Zahlungsmittel ausgibt. Wenn man ihre Aufgabe also in ganz großen Umrissen skizzieren will, so besteht sie darin, daß sie geschäftliche Zahlungsanweisungen in sofort greifbares „Kleingeld" umwandelt. Und baraws ergibt sich unschwer die Bedeutung, die die Reichsbank als heute einziges Noteninstitut für die Volks- und Privatwirtschaft des Großdeutschen Reiches hat. Freundl. möbl. SWWlM eventl. mit gut möbl. Wohnzim. in ruhig. Hause zu vermiet. amD M. Gröninger Wwe Steinstrabe 59. 2 neue Büfetts (Eiche) 1,60 und 1,80 m breit, mit nubbaum Einlage, Aufsatz mit Schiebegläsern und Kredenz zu verkaufen. 3337D Heinr. Schmidt, Möbelschreinerei Langsdorf, Oberhessen. Meine Praxis ist bis 2. September geschlossen Keine Ursprungs» Zeugnisse, 'andern nur Zeugnisabschriften dem 93t werbungsjchrrtben beilegen! — Lichtbilder un dB ew erbungsun ter> lagen müffen zur Ber- meidung von Verlusten auf der Rückfeite Namen und Anschrift bei Bewerbers kragen! | Mietgesuche | 2'Zimmerwohnung mit Küche, wenn mögl. mit Bad und Garage, für sofort od. später z.miet.ges.Stadt- rand bevorzugt. Schr. Ang. unt. 02498 a.d.G.A. Heute Dienstag: Musikalisches Rätselraten mit anschließender Preis Verteilung 3341 A Bekanntmachung. Die städtische Leihbücherei wird nach ihrer Verlegung nach dem Hause Lonystraße 4 ab Mittwoch, gesucht. ' 02504 Aus dem Beobachtungsmaterial des Reichsluftschutzbundes über die bisherigen englischen Luftangriffe aus das zivile Leben in Deutschland ergibt sich, daß im Umkreis von etwa 500 Meter um die Einschlagstelle die Scheiben der Fenster, die entgegen der Vorschrift geschlossen waren, zertrümmert wurden. Kein Mittel zum Schutz der Fensterscheiben verspricht mehr Erfolg, als wenn man sie bei Luftangriffen geöffnet und Roll- oder Klappläden geschlossen hält. Der Streukegel der Splitterbomben war außerordentlich flach, so daß bei den Einschlägen auf das Straßenpflaster noch in etwa 20 Meter Entfernung von der Einschlagstelle Splitterbeschädigungen an-den Häusern 5 Zentimeter über dem Boden zu beobachten waren. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, auch die nur wenig über die Erdgleiche ragenden Fenster von Luftschutzräumen ausreichend zu sichern, weil sonst Splitter in den Luftschutzraum eindringen können. Ferner wurde im Augenblick des Fliegeralarms mitunter das elektrische Licht eingeschaltet, obwohl die Fenster nicht verdunkelt oder geöffnet waren. Es liegt auf der Hand, daß in keinem Augenblick die Verdunkelung wichtiger ist, als wenn die feindlichen Flugzeuge im Anflug sind. Durch einige verantwortungslose Volksgenossen kann der ganze Erfolg der Verdunkelung in Frage gestellt werden. Es wurde sodann beobachtet, daß die Sprengstücke Eisenträger, Gebrauchter Kühlschrank preiswert abzugeben. 3332V Adolf Plack Neuen Baue 17 Fleißiges WA» ver bald oder später gesucht Diltmat 5eltersroeg52 für Tief- und Straßenbau sofort gesucht Hauptfchrtftleiter: Dr. Friedrich Wttbelm Lange. Stellvertreter des Hanptfchristteiterö: Heinrich Ludwig Neuner. Verantwortlich für PolttÜ, Feuilleton und Bilder: Dr. Fr. W. Lange: für Stadt Gießen. Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschetn (beurlaubt); i. D.: Heinrich Ludwig Neuner: für Sport: Hetnricki Ludwig Neuner. Druck und Verlag: Brühlsche Univerfttätsdruckerei R. Lange K. V. Verlagsletter: Dr.-Jng. Erich Hamann: Ameigenleiter: Hanö Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel Pl.Nr.s. heißen Stunden, die dieser Feldzug mit sich brachte, erinnern wir uns, wieviel es bedeutet, daß uns jede Nachricht von zu Hause mit Siegesbewußtfein und Mut erfüllte, daß keine Zeile der Sorge, sondern nur die Stimme tapferer Lebensmeisterung zu uns und zu unseren Kameraden sprach. Unsere Fahrt geht noch durch Dörfer, deren Bewohner nun fast vor Jahresfrist Haus und Hof verlassen mußten, um im Innern des Reiches gesichert leben zu können. Wir haben die unbeschreibliche Not der französischen Flüchtlinge erlebt, und wir denken mit stolzer Befriedigung daran, wie so ganz anders dieses Problem bei uns durch die Partei gelöst worden ist. Wir werden dabei aber immer an die großen Opfer erinnert, die die Heimat schweigend und freudig gebracht, an die Opfer, die wir auch draußen nicht vergessen haben, obwohl uns die Heimat nie daran erinnert hat. Ja, wir fühlen jetzt in diesem Augenblick der Heimkehr mit heißer Ueberzeugung, was vielleicht eines der stärksten Kennzeichen dieses Krieges war: wie im Jahre 1918 der Zwiespalt von Heimat und Front zum Anfang des Zusammenbruches wurde, so ist heute die Gemeinschaft von Front und Heimat, die Uebereinstimmung in Haltung und Opfer eines der Geheimnisse unser.es Sieges! Wir wissen, daß das nicht von ungefähr so gekommen ist Es ist d i e Lehre Adolf Hitlers, die in diesen Wochen ihren Triumph gefeiert hat, es ist die Schule des Nationalsozialismus, die ihre Früchte trug. Die nationalsozialistischen Soldaten an der Front und das nationalsozialistische Volk zu Hause habeü im Glauben an die große Zukunft unseres Reiches sich gegenseitig Kraft gegeben und damit den Feind geschlagen und Europa befreit. Die Stärke des Glaubens hat sich über die Entbehrungen zu Haufe und über die Anstrengungen und Gefahren draußen erhaben gezeigt! Diese Kraft hat uns tief nach Frankreich hinein begleitet, wie sie der Heimat half, die innere Front stark und stolz zu machen. Der Nationalsozialismus war das wahrhaft neue Element des Krieges, das Element, das Heimat und Front zusammenhielt, wie es einst die Klüfte im Volke verschwinden ließ. Die Idee, mit der einst der Führer das Reich eroberte, war auch der Wegbereiter der Armee, die jetzt nach dem Westen zog und dem Reich die Zukunft erftritt, die die nationalsozialistische Revolution einst der Nation verheißen hat und die heute offen vor ihr liegt. Der Wagen hält. Wir sind am Ziel unserer Fahrt. Unsere Gedanken werden unterbrochen, aber unsere Augen sehen im Dämmerschein des anbrechenden Tages die F ah n e n b e $ Sieges auf den Straßen des schlafenden Städtchens. Es ist die gleiche Fahne, auf die wir einst geschworen haben, als der Don der an der südchinesischen Küste operierenden japanischen Flotte soll eine starke Flottenabteilung San Tu a 0 überraschend angegriffen und auf der achtzig Kilometer von Futschau entfernten Insel San tu eine Abteilung Marineinfanterie ausgesetzt haben. Kunst und Wissenschaft. 168 Preise für Deutschland auf der Triennale in Mailand. Das Preisgericht der Internationalen Ausstellung für Architektur und dekorative moderne Künste in Mailand (7. Triennale 1940) hat in diesen Tagen die Preisverteilung für die Ausstellung vorgenom- men. Die deutsche Abteilung erhielt 168 Preise, und zwar 16 Große Preise, 25 Ehrendiplome, 65 Goldene Medaillen, 49 Silberne Medaillen und 13 Bronzene Medaillen. Bei der Beurteilung der preisgekrönten deutschen Arbeiten wurde immer wieder die Qualität und Schönheit der einzelnen Stücke hervorgehoben. Ebenfalls wurde auf das übersichtliche und klare Gesamtbild der deutschen Ausstellung hingewiesen. Gedanken in der Stunde des Wiedersehens. Von Helmut Sündermann. Danksagung. Da es mir unmöglich ist, jedem einzelnen zu danken, möchte ich es auf diesem Wege tun. Allen denen, die mir bei dem schweren Verlust meines lieben, unvergeßlichen Mannes Trost spendeten, spreche ich meinen innigsten Dank aus. Sophie Gurenköff und Kinder. über. Er meinte, Amerika, das er den „letzten Schirmherrn einer verratenen Zivilisation" nannte könne seinen Frieden leider nicht länger in Ruhe genießen. Amerika müsse sich fertig machen für den Schutz seiner Rechte sowie für seinen Anspruch auf „ungestörten Genuß seiner eigenen Zufriedenheit". Deutsches Lokal in Buenos Aires demoliert. Buenos Aires, 22. Juli. (DNB.) In Buenos Aires wurde ein deutsches Lokal durch eine Bande von 20 jungen Burschen nahezu vollständig zerstört. Die Zeugenvernehmung durch die Polizei ergab, daß der Tumult als Ausdruck einer deutschfeindlichen Haltung vorsätzlich organisiert war. Nachdem die Gruppe ihr Essen eingenommen und sich Mut angetrunken hatte, begann sie auf ein verabredetes Zeichen einen völlig unmotivierten ohrenbetäubenden Tumult und demolierte die Einrichtung unter Verwendung allen erreichbaren Geschirrs, Flaschen und Stühlen als Wurfgeschosse, so daß die übrigen Gäste panikartig auf die Straße und in den Keller flüchteten. Der Vorfall wurde vom größten Teil der Presse gänzlich verschwiegen, in wenigen Zeitungen nur versteckt verzeichnet. Der Ausbau der brasilianischen Kriegsmarine. Rio de Janeiro, 21. Juli. (DNB.) Auf der Werft der brasilianischen Kriegsmarine in Rio de Janeiro lief der erste in Brasilien erbaute Zerstörer vom Stapel. Er wurde von der Gatttn des Präsidenten Vargas auf den Namen des brasilianischen Seehelden Marcidio Dias getauft. Gleichzeitig erfolgte die Kiellegung zweier weiterer Zer- ft ö r e r. Im ganzen wird die brasilianische Marine sechs Zerstörer als erstes Programm fertigstellen, deren Bau eingeleitet wurde, nachdem England bei Kriegsausbruch die Lieferung der bestellten Zerstörerserie verweigert hatte. Die Tatsache, daß Brasilien aus eigener Kraft eine Kriegsmarine aufbaut, wird von der brasilianischen Oeffentlichkeit als besonderer Erfolg des Aufbauprogramms unter Präsident Vargas gefeiert. Wir find alle etwas eingenickt und reiben uns den Schlaf aus den Augen, als aus der Finsternis einige Heilrufe unserem rasch anziehenden Lkw. nachgesandt werden. Wir sitzen zu fünf Mann hinten unter der Zeltbahn des Lastwagens und schieben nun überrascht die Plane etwas zur Seite, um zu sehen, was es gibt, und im Schatten der Nacht erkennen wir die Stelle, an der unsere Kompanie vor zwei Monaten den Boden des Reiches verlassen hat — ein Lied auf den Lippen und eine stolze Bereitschaft für kommende Taten im Herzen. Keiner von uns spricht ein Wort, und doch fühlt jeder in dieser Sekunde den Schauer der Freude, die uns in diesem Augenblick der Rückkehr auf den Heimatboden ergreift. Freilich — es ist nicht der Friede, sondern ein dienstlicher Befehl, der uns hierher gerufen hat, während die Kameraden von der Kompanie noch irgendwo in Frankreich liegen und nach beendigtem Feldzug jetzt wieder kräftig Dienst schieben. Andere freilich von denen, die damals mit uns marschierten, liegen vor Montmedy, liegen an der Aisne, liegen in jenem Dorf, in dem wir den Kampf mit den Niggern hatten ... sie sind als tapfere Soldaten gefallen und haben uns den Sieg erkämpfen helfen. Gerade jetzt, während wir in rascher Fahrt immer weiter in die Heimat fahren, stehen sie uns lebendig vor Augen. Es ist uns, als wären sie bei uns: Der „alte Fritz" — unser Kompaniechef, der uns mit Härte zu Soldaten machte, der dann mit beispiellosem Mut seiner Kompanie vorausstürmte und schließlich in der letzten Stunde des heißen Kampfes fiel, oder die Unteroffiziere, die ihren Gruppen auch im Tode Vorbild waren, oder der Sanitätsgefreite, der uneiftwegt die Verwundeten verband und schleppte, bis chn ein Kopfschuß aus der tapfersten Pflichterfüllung herausriß, und alle die andern, die im Gedanken an die Heimat, die sie nun nicht Wiedersehen, als Helden gestorben sind. Jetzt halten sie an den Stätten, die unserer Kompanie im Kampfe heilig geworden sind, eine stille Wache für ihr Volk. Die Bilder der Erlebnisse dieser ernsten und doch so glücklichen Wochen rollen vor uns ab, während wir durch die Dörfer der Eifel fahren und es immer mich nicht ganz gefaßt haben, daß wir jetzt nicht mehr im Feindesland, sondern in der Heimat sind. In der Heimat ... wie viele Gedanken haben ihr nicht gegolten; Gedanken an den Stolz, mit dem sie wohl jetzt ihre Soldaten lobt, an die Freude des Sieges, der ihre Städte und Dörfer beseelt, an das Glück, daß ihr die Ahnung des jetzt erkämpften kommenden Reiches bereitet. Dankbar denken wir alle in dieser Stunde an die Stimme der Zuversicht, die immer wieder aus allen Briefen und Grüßen der Heimat zu uns draußen drang. Jetzt, wo wir zurückblicken auf die vielen Hattenrod 3301D Hans-Zoachjm, unser Sonniagsjunge, ist angekommen 3n dankbarer Freude Erna Schober, geb. Funk Schriftleiter Otto Schober z. 3- im Felde Verkäuferin ver bald oder später gesucht perfekte Köchin gesucht für unsere Werksküche. tZu bedienen sind ettva 100 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Anteilnahme, sowie für die trostreichen Worte beim plötzlichen Verlust meines lieben Mannes Ferdinand Sack spreche ich auf diesem Wege meinen tiefsten Dank aus. Elisabeth Sack, geb. Reuschling. Heuchelheim, den 23. Juli 1940. oder Frau für Klein-Wäsche wöchentl. gesucht Blockstraße 9 v. Putzirau 0. Mädchen für täglich 2 Std. ges. Vorzustellen norm. od. abends Frau Mlbinger, Frankfurter Str. Nr.61. rechts?^» Nur erhältlich: Parfümerie Doll Marktstraße 2 8 3262a Führer noch ein Rufender war, und die heute nicht nur im Reiche weht, sondern wirklich von der Maas bis an die Memel und weit darüber hinaus! Auch an der Küste Europas gegenüber England! Mit dieser Erinnerung aber gehört die Stunde der Heimkehr wieder der Vorbereitung auf eine Stunde des Aufbruchs! Der Großdeutsche Reichstag im Kriege. In der Reichstagssitzung vom Freitag, dem 19. Juli, in der der Führer seinen Siegesbericht erstattete, waren sieben Abgeordnetensitze mit Lorbeer umkränzt. In den bisherigen Kriegshandlungen sind sieben Reichstagsabgeordnete gefallen. Im Polenfeldzug der Abgeordnete SA.- Obergruppenführer Joachim Meyer-Quade; im Westen: Stellvertretender Gauleiter Otto Nippold, Gauamtsleiter Herbert Haselwander, SA.-Brigadeführer Erich B 0 e t e l, SA.-Obersüh- rer Alfred Eckart und Kreisleiter Walter Hamster. Bei einem englischen Luftangriff auf Düsseldorf kam in Ausübung seiner Dienstfunktion als Polizeipräsident ums Üeben der Abgeordnete Obergruppenführer Fritz Weitzel. In der Reichstagssitzung vom 19. Juli waren zum ersten Male auch die heimgekehrten Ost- gebiete vertreten. Auf Grund des Gesetzes über die Vertretung der in den heimgekehrten Ostgebieten ansässigen Volksgenossen im Reichstag hatte der Führer zu Abgeordneten bestimmt: für den Reichsgau Wartheland Gauleiter und Reichsstatthalter Arthur Greiser, Gauamtsleiter Ulrich U h le, Kreisleiter und ^-Obersturmbannführer Ludwig Wolff aus Litzmannstadt sowie den Posener Rechtsanwalt Dr. Erhard Schroeder. Der Gau Danzig-We st preußen wird vertreten durch den Gauleiter und Reichsstatthalter Albert Forster, den Stellvertretenden Gauleiter Otto A n • dres und den Gauamtsleiter und LandesbauerN- führer Lothar R e t e l s k y. Auch für die Provinz O st preußen sind zwei weitere Abgeordnete bestellt worden, nämlich der Landrat Ernst Speidel (Lötzen) und der Kreisleiter und Dauer Fritz Stolz. Aus Ostoberschlesien wurden der ehemalige Senator der deutschen Volksgruppe in Polen, Rudolf Wiesner, und der Kreisbeauftragte der NSDAP, im Kreis Kattowitz, Georg I 0 s ch k e, berufen. Mit den elf für die Ostgebiete neu eingetretenen Abgeordneten zählt der Reichstag nun 873 Mitglieder. Kleine politische Nachrichten. Die Führung des Deutschen Alpenvereins hat den Helden von Narvik, General der Infanterie Dietl, zum Ehrenmitglied ernannt. Perrato- Sommersprossen allelästtg.Haare Leberflecken Pickel, Sommer- wross. usw. erttf. u. Gar. kür immer Frau B. Gulden seit 1935 Fr. W. Henkel Svrechftund.ietzl lüittwochs.Gießen Am Biegelpfad 32. 9-17 Uhr darchg, Verkante Dienstag, 23. Zuli W Gießener Anzeiger lGeneral-Anzeigrr für Oberheffen) Nr. 172 Zweites Blatt Stadtiheater Gießen mit moderner Beleuchtungsanlage Soll sie vielleicht einen Dienstmann rufen® S scheidet. Mühle, zu Fuß zurückzulegen. (Nachdruck verboten.) 7. Fortsetzung. (Fortsetzung folgt) ELASTOCORN NSG. Die großen Ferien sind angebrochen, und damit ist für viele die Urlaubszeit da, wobei es allerdings für die, die ihn überhaupt antreren können, manches gibt, was beachtet werden muß. Zu- bedeutet einen ganz großen Vorteil der neuen Anlage. Bei der alten Anlage konnte man die den Lampen zugefuhrte Spannung nur durch Vorschalten von Widerständen ändern. Hierdurch entstand ein sehr großer Stromverbrauch. Da die Widerstände außerdem für ganz bestimmte Leistungen der Lampen bemessen waren, mußten, wenn z. B. nur eine kleine Glühlampe von 25 Watt reguliert werden sollte, in einem Ballastwiderstand 20 bis 30 Glühlampen im Bühnenkeller mitbrennen, damit die Regulierung der Helligkeit der einen kleinen Lampe möglich war. Bei der neuen Anlage , Nun, ihre Hühneraugen würde* dennoch schmerzen. Also lieber etwas dagegen tun. Elostocor*| mit dem Filzring drauflegenI Dom* berertetdosGehenkeineSchmerze* mehr, und schon in ein paar To^ gen smd die Hühneraugen weg» Abb. 1: Das Stellwerk der neuen Beleuchtungsanlage. (Aufnahmen 121: Dr. Schneider-Facius, Stadttheater Gießen.) Aus der Stadt Gießen Feriengäste ohne... Illusionen. Im Nachstehenden sei — aus fachmännischer Feder — die Anlage in ihren technischen Einzelheiten geschildert. _____ Dornotizen. Tageskalender für Dienstag. Gloria-Palast (Seltersweg): „So endete eine Liebe". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Der Sündenbock". NG.-Frauenfchast/Frauenwerk. Deutsches Jrauenwerk Giehen-Mtte. Zellenabende! Für die Zellen 7, 8 und 9 am heutigen Dienstag, 23.7., um 20.15 Uhr, im Gasthof ,Lum Löwen" Neuenweg. Für die Zellen 10 11 und 12 am Donnerstag, 25.7., um 20.15 Uhr, im „U. C." Abb. 2: Die „Bordoni-Regler" gestatten rasche Helligkeitsveränderungen ohne Kraftoerluft. Die schöne Melusine Vornan bon Wagen, den er kaufen will — es handelt sich nam< lief) um einen Autoverkehr — aussehen soll. „Gefährlich." „Und ich foll um Berlin neue Touren ausixen. „Matthias Holzmann ist bei uns beschäftigt,we- $ mqstens jetzt noch. Nun hat er eine kleine Erbschaft \ gemacht und will sich selbständig machen. Natürlich t i"„Kann man verstehen", nickt Lotte, „^ater hat mich ja seinerzeit auch Apotheker lernen lassem damit ich mal später in Utrm mit dem p. p- Schwiegersohn zusammen im Eckchen .stehen und PUlen drehen kann. Kam nur ne KleiNigkeit dazwischem Also, dein Herr Holzmann will sich auf eigene Fuße stellen und hat dich gefragt, ob du m seine Firma mit rüberkommen willst?" „Woher weiht du denn das , staunt Tilde „Ist doch sonnenklar." Sie sieht sich Zuerst einmal um und stellt fest, daß ihr Mann noch beschas- tiqt ist, dann zieht sie die Freundin neben sich auf den Stuhl. „Es gibt solche und solche Manner. Entweder sind sie wie mein Fritz und wie dem Holzwurm oder wie er heißt. Bei denen geht alles nach der einen Tour. Umwege, immer wie die Kage um den heißen Brei. Da kannst du langst wissen was sie dir sagen wollen, und du kannst ihnen d e Tür sperrangelweit aufmachen,„ nen kleinen Kreis müssen sie immer noch machen." „Und die andern?" . . „Du, die sind so geradezu, daß es unseremem meist zu geradezu ist. Aber von denen ist 'M Augenblick nicht die Rede. Bleiben wir bei unserer Sorte. Gefällt dir denn dein Holzapfel?" „Könntest du dich nicht entschließen, 'hn bei seinem richtigen Namen Holzmann zu nennen. Ltso, der ist schrecklich nett. Aber von dem ist gar mcht die Rede. Und von Hellwig ist eigentlich auch nicht die Rede. Noch nicht, meine id)." „Verstehe", sagt Lotte hausfraulich weise. „Dann würde ich ihn ablaufen lassen." , Aber der Posten gefallt mir doch so gut. -da) könnte da viel selbständiger arbeiten. „Nicht leicht. Wie weit seid chr beide? Er hat mich um Rat gefragt, wie der erste neue Fräulein Rohloff." , Die kleine Firma hat den großen Chan fast aus seiner asiatischen Ruhe gebracht, noch am Bahnhof redete er davon. „Hat jeder mal klein angefanaen, der auch. Wollen doch mal sehen, wo wir in fünf man zur Mittagsrast nach Diever. -uen viuiy.muuy verbrachte die Wandergemeinschaft im Garten des । Jagdhauses eines - Wanderkameraden m froher Runde. Weit schweifte von hier aus der Mick über die Nachbarburgen Vetzberg und Gleiberg, die Hohen des Lahntales bis zum Vogelsberg Durch die Walder des Kahlenberges ging's zur Haltestelle der „Bie- werlies" nach Rodheim. Einige Unentwegte ließen es sich nicht nehmen, bei dem herrlichen Wanderwe ter auch den Heimweg nach Gießen durch die weite Flur, vorbei an der Kinzenbacher sowie der Heuchelheimer Mde^flt es zum Heulen. „Ja, und das eine will ich, und andere will ich nicht." Fritz Mewes ist mit-seinem Wagen endlich fertig geworden und kommt an. "Hat dir Tilde die Geschichte mit. dem gepumpten Groschen schon er- kann man jede beliebige Lampe von 5 bis 3000 Watt in ihrer Helligkeit ohne jeden Verlust regulieren. Die Bedienung der Anlage ist damit sehr vereinfacht. Neben den Bordoni-Reglern hat man noch Fernschalter auf einem Schutzgestelle angeordnet. Mit Druckknöpfen kann der Beleuchtungsmelster von der Beleuchterloge verschiedene Gruppen von Lampen ein- und ausschalten, er kann die ganze Bühnenbeleuchtungsanlage mit einem Schlage hell oder dunkel machen und die Beleuchtung des Zu- Aber man hat Nerven. Das Rattern des Handwagens stört. Außerdem macht Erich Anstalten, m den Moorpfad einzubiegen. ____ „Können wir nicht über den Markt gehen? fragt Tilde. ... „ „Moorpfad ist naher. Also erhält Erich den Auftrag, bei Gottlieb Kurzing zu warten, und Tilde schlendert allein weiter. Es ist sechs Uhr abends. Hier und da sitzen Leute vor den Häusern, aber im allgemeinen sind die Sttaßen leer. Nur ein paar Backfische und Pennäler stehen am Markt unter den Linden herum, genau so wie zu Tildens Schulzeit auch Backfische und Pennäler da herumgestanden sind. Damals hat man dazu gehört, hat bei Kiekebufch in der Konditorei gehockt und Pralinen mit Schlagsahne ge* uttert. Tilde schaudert bei dem Gedanken, Pralinent mit Schlagsahne kann nur ein sechzehnjähriger Magen verdauen. Von über zwanzig an pflegt er da« gegen Protest zu erheben. Ob sie mal bei Kiekebusch hereinguckt? Nein, lieber nicht. Ist keine Zeit mehr dafür. Außerdem hat man Pflichten. , ., Der große Chan hat sie noch felber bis an Dert Zug gebracht. Der große Chan ist bereits aus dem Reisebüro ausgeschieden und sein eigener Herr. Die Firma heißt Hellwig und Holzmann, nicht Hellwig & Co., da hat Tilde ihm den Rücken gestärkt. _ „Also nächsten Sonnabend fahren wir zum ersten- mal mit dem ,Sommernachtstraum'", sagt er. „Wenn es ein Schiff wäre, würde man das die Jungfernfahrt nennen. Paßt aber wohl nicht beim Autobus. „Nennen wir es Junggesellenreise, schlagt vor, findet aber keinen Beifall. Bei ihr ift die Umstellung noch nicht vollzogen, der Gewaltige hat protesttert. „So geht das nicht , hat er gefegt. ,Zch kann doch in der Hauptreisezeit । meine alten Mitarbeiter nicht alle ziehen lassen^ Wenn ich Ersatz finde, meinetwegen, aber den müssen Sie einarbeiten. Außerdem würde ich mir so > etwas mit einer kleinen Firma dreimal beschlafen. „Dann würde ich zugreifen. .... . Damit ist das Wort, das Tilde fa einzig und allein hören will, klar ausgesprochen. Sie weiß langst, daß sie fahren wird, längst, daß sie zu Hellwig und Holzmann überwechseln wird. Sie wird sich in der Ruhe von Utrin überlegen, ob und welche Folgen das für sie haben wird, für sie und den großen Chan, und für sie und Hellwig. Man hat dort ja Die Beleuchtungsanlage ist nach den Planen des 1 tädtischen Elektrizitätswerkes, des technischen x.ev- i ters der Bühne, Löffler, und des Beleuchtungs- . meisters, Konen, von den Siemens-Schuckett- Werken ausgeführt. Die Re getan läge ist das Herz der Bühnenbeleuchtung, mit der der Beleuchtungsmeister alle Lichteffekte erzielen kann, die Bühnenbilder von höchster Vollendung hervorzaubern. Das Stellwerk der Bühnenregelanlage ist das eigentliche Handwerkszeug des Beleuchtungsmeisters. Es ist in der Beleuchter-Loge ausgestellt, von der man einen Ueberblick über die Bühne hat. Drei Reihen Hebel, mit Handrädern bedienbar, find griffbereit so auf einem Gestell zusammengesatzt, daß jede Reihe für eine der drei Farben weiß, grün und rot vorgesehen ist. Mit den kleinen Hebeln laßt ich für jeden Bühnenbeleuchtungskörper die gewünschte Helligkeit einstellen, während mit den Handrädern der Uebergang beliebig vieler umgestellter Bühnenbeleuchtungskörper von bell auf dunkel oder umgekehrt bewirkt werden kann. (Siehe Abbildung 1.) Durch gleichzeitiges Drehen der Handräder können die Farben Weiß, Grün, Rot außerdem in jeder beliebigen Weife gemischt werden. Alle Stim- «mungen, wie sie beispielsweise der Uebergang vom Tag zur Nacht, der strahlende Sonnenschein, das Gewitter, die Mondlandschaft, die auf- und unter- gehende Sonne, trübes Wetter und vieles mehr, auf- weisen, kann der Beleuchtungsmeister mit dem Stellwerk erzielen. Wenn man bedenkt, daß das alte Bühnenstellwerk nur 34 Hebel hatte, während das neue 81 Hebel besitzt, so bekommt man schon eine Vorstellung von der größeren Leistungsfähigkeit der neuen Anlage. Ein weiterer fehr großer Vorteil der neuen Anlage besteht darin, daß man gleichzeitig eine Anzahl Bühnenbeleuchtungskörper von hell aut dunkel und andere der gleichen Farbe von dunkel auf hell mit dem gleichen Handrad regulieren kann, diese Möglichkeit bestand bei der alten Anlage nicht. An jedem der kleinen Einstellhebel des Stellwerks ist ein Drahtseil befestigt, das über Leit- rollen zu den im Buhnenkeller aufgestellten, sog. Bordoni-Reglern geführt wird. Die Regelschlitten dieser Bordoni-Regler sind an diesen Drahtseilen aufgehängt. Die Bordoni-Regler find Umspanner, die an beiden Seiten Kontaktbahnen haben. (Siehe Abbildung 2.) Wird nun vom Beleuchtungsmeister das Handrad des Stellwerks gedreht, dann gehen die Regelschlitten an der Kontaktbahn der Bordoni-Regler au und ab. An jedem Regelschlitten ist ein Bühnenbeleuchtungskörper angeschlossen und die Glühlampe dieses Beleuchtungskörpers bekommt nun mehr oder weniger Spannung, die von der Kontaktbahn des Bordoni-Reglers' abgenommen wird, wenn der Schlitten bewegt wird. Bei kleiner Spannung brennt die Lampe dunkel, während sie bei großer Spannung heller wird. Die Regulierung der Lampen auf die verschiedenen Helligkeitsgrade erfolgt also verlustlos. Das - Ruhe dazu. . Als sie gegangen und das Ehepaar Mewes allem ist, nimmt Lotte sich ihren Fritz noch einmal vor. „Hast du den Groschenkavalier gesehen? ,Nö, warum denn? Tilde kennt ihn doch auch nicht." , „ „Aber sie hat ihn gesehen. „Man sieht viele Leute auf der Straße. Sehen und sehen ist ein Unterschied , stellt Lotte fest. „Aber vielleicht hat sie ihn wirklich nur ge- ehen." 8. Das Züglein der Kleinbahn verläßt lanasam und wichtig den Bahnhof von Utrin. Tilde Rohloff steht neben Erich, dem Jungen, den Tante Malwine vorsorglich aus Steinbergen herübergeschickt hat, und besieht sich den kleinen Kerl. „Du kannst doch meinen Koffer nicht tragen, 3U>, sagt der, „aber fahren. Ich hab' den Handwagen mitgebracht." Während sie neben den über die Katzenkopfe ratternden Wagen hergeht, versucht sie em Gespräch „Dich kenne ich noch gar nicht, Steppke, wie heitzt du denn?" Zählt?" . s „Was ist denn das nun wieder? . „Nebensächlichkeit. Du mußt mir nachher fünfzig Pfennige pumpen, damit ich nach Hause fahren kann. Ich habe meine Tasche im Büro liegen lasten. Na, und da hat mir einer auf der Elektrischen aU5®?e sah er denn aus?" will Lotte wissen. "Ekelhaft. Hochnäsig, „eingebildet und grob. „Das sind die andern , stellt Lotte fest. "Wieso, die andern?" .. "Die Geradezuen. Aber so lange man nur nut ihnen fünf Minuten auf der Elektrischen steht, macht ^Di7 Anw-Ienh-it non Fritz stört nicht aber sie verändert doch den Gesprächsstoff. Man tut so, als hätte man einzig und allein »uberXtlbes Urlaub zu entscheiden, und man spricht sich jur ihn aus* ö Ich habe bei Gottlieb Kurzmg noch mein Boot lie'aerf' läßt Lotte so nebenbei fallen. „Gummikreuzer. Das is kein Boot, Mädchen, das is lebensgefährlich, seggt Gottlieb Kurzmg. Ist noch ganz gut beieinander, guck dir s doch mal an. "Kannst °äuch "mitsahttn. Das mar gut für Latte KMer ist aber nichts für 'ne solide Jungenmutter. Wenn wir mal wieder aufs Wasser gehen, brauchen wir n' Familienkahn. Also fahr' damit, w°hm du willst. Wasser ist ja genug da Dabei kannst du dich ausfaulenzen und Robinson spielen Fritz muß nun doch ins Bild gesetzt werden,^benn wenn man seine Meinung Horen will, geht das nicht anders. Aber Lotte tut das nur leihweise. Die menschlichen Hintergründe verschweigt sie. Die sind Fritz auch gleichgültig. „Verbesserst du ^Wahrscheinlich. Aus jeden Fall ists. interessan- ! ter." Das Gießener Stadttheater, das seit über 25 Jahren besteht, hat bis in die Gegenwart Aufführungen mit einer Veleuchtungsapparatur bestreiten müssen, die vor 25 Jahren modern war. Die Vühnen- Beleuchtungstechnik hat aber in diesen zweieinhalb < <• (o ■, . . , iJahrzehnten erhebliche Fortschritte ge- nachst einmal wird man, ba die Reichsbahn ja auch . t Wandlungen erfahren, die Anforderun- andere Aufgaben hat, ferne Erholung möglichst m rinb gewachsen, so daß mit Fug und Recht der Nähe feines Arbeitsplatzes fachen und finden. » , ' merHben tonnte- daß die Beleuchtungseinrich- Hat man sein stilles Plätzchen gesunden, dann barf tunqen unrerc5 Stadttheaters nicht mehr den An- man nicht glauben, daß das ausgewahlte Bauern- forberunaen entsprachen, die gestellt werden wußten, borf das Land ist, in dem Milch und Honig fließen. ' ä Milch, Honig und andere gute Dinge gibt es wohl auf dem Dorf, aber all bas gehört der Allgemeinheit. Sonderzuteilung für Sommergäste sind nicht vorgesehen, denn sie würden eine Benachteiligung jener bedeuten, die keinen Urlaub antreten können, | ja sie wären eine Benachteiligung der Volksgemeinschaft überhaupt, denn die Erzeugnisse des Landes fließen in ganz genau geregelte Bahnen. Man darf keine Zumutungen an Bauern stellen, die sie nicht erfüllen können und dürfen. Auch sie bekommen ihre Butter und ihr Fett und Fleisch zugewogen, und Vollmilch haben auch sie keine übrig. Die Frage: „Was gibts hier ohne?" darf erst gar nicht gesteltt werden. Wie wir bisher in der Stadt keineswegs verhungert sind und es auch später nicht werben, so wirb man auch auf dem Lande satt, wenn man sich mit feiner gerecht zugemessenen Ratton de- chauerraumes und die Außenbeleuchtung zu- unbi ab schalten. Auch die Blitzlampen werben mit der Druckknopftafel bebient. «,..«■ Eine ganz wesentliche Erhöhung der Betriebssicherheit ber ganzen Anlage, die besonders bem Zuschauerraum zugute kommt, wurde dadurch erzielt, daß die Beleuchtungsanlage für den Zu- schauerraum vom Bühnenhaus v o l l st ä n b i g ab getrennt wurde. * Bei der Besichtigung der neuen technischen Anlageni vermittelte Dr. Schneider-Facius eine interessante Ueberschau über die Möglichkeiten des Einsatzes der neuen technischen Einrichtungen für die Projektion, während Beleuchtungsmeister Konen die Apparaturen gewissermaßen in allen Gangarten vorführte und die fast grenzenlosen Möglichkeiten des Lichteinsatzes für die Bühne erläuterte. Die Besucher gewannen den Eindruck, daß sich auf der neuen Beleuchtungsanlage unter den Händen des Fachmannes ein virtuoses Spiel des Lichts entfalten läßt, daß der Eindrucks- und Stimmungskraft der Aufführungen unseres Stadttheaters dienstbar fein wird. Gießener Wochenmarklpreife. ♦ Gießen, 23. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM.< Matte 30 Rps., Käse, das Stück 6 bis 10, Wirsing, kg 10, Weißkraut 10, Rotkraut 18 bis 28, gelbe Rüben 10, rote Rüben 15, Spinat 20, Römischkohl 10, Bohnen, grün, 16 bis 18, gelb, 22, Erbsen 28 bis 30, Mischgemüse 10, Tomaten 35 bis 40, Rhabarber 10, Pilze 45 bis 50, Kartoffeln, neue, % kg 7,9 Rpf., Frühäpfel 40, Falläpfel 10, Pfirsiche 42. Himbeeren 50, Birnen 30 bis 50, Kirschen 48, Stachelbeeren 20 bis 30, Johannisbeeren 20, Pflau- „Erich." „Und wie heißt dein Vater? „Ich wohne bei Muttern." In folchen Fällen empfiehlt es sich mcht, allzu genau zu forschen. Außerdem ist es Tilde auch gleichgültig. Viel wichttger sind anbeie Dinge, zum Beispiel, ob bie Konditorei am Markt noch da ist und ob ber nachgemachte Baumkuchen immer noch im Fenster steht. Ob im Grünkram bie Papierbananen immer noch bie Dattelschachteln mit den wunderschönen Bildern, auf denen Beduinen durch die Wüste jagen, einfassen, und ob bei Vater Kust- ner immer noch die Goldschrift: Königlich p^vile- _ - gierte Apotheke^ zu lesen ist. Man ist ech beruhigt, Jahres stehen, wenn man darüber Gewißheft hals Oer neue Lelstungskampf. Hinzu kam, daß die gesamten bisherigen Deleuch- । tungsanlagen durch den natürlichen Verschleiß m । NSG. Für die Teilnahme am Leistungskamps der 25 Jahren nicht mehr so intakt waren, um < deutschen Betriebe 1940/41 gehen bei der Deutschen aUen Vorschriften im Hinblick auf Betriebs- und Arbeitsfront im Gau Hessen-Nassau zur Zett Die Feuersicherheit zu entsprechen. Oberbürgermeister Anmeldungen der Betriebsgemeinschaften ein. Ritter hat sich deshalb nach sorgfältiger Abwa- Schon heute ist d'abei festzustellen, daß die Anmel- ber Lage dazu entschlossen, für das Stadt- dnngszahlen des Vorjahres in allen Kreisen des ^eater eine heue Beleuchtungseinrichtung schaffen Rheln-Main-Gebiets überschritten werden. Aus die- 3U In|fen Die neue Anlage, an deren Installation von fer Tatsache ergibt sich, daß die Betriebe im Rhein- 15 Facharbeitern rund 2V2 Monate intensiv gearbei-- Main-Gebiet den Sinn und die große Bedeutung tet rourbC/ fit nunmehr auch in den Restarbeiten des von der Deutschen Arbeitsfront im Auftrage abgeschlossen worden. Die ganze Anlage stellt das des Führers durchgeführten Leistungskampfes er- Veste dar, was es auf diesem Gebiete gibt; hinzu kanut haben. kommt, daß sie außerordentlich wirtschaftlich (un m.z . fyuW auf den Stromverbrauch) und bettiebsslcher Mll dem Oberhesslschen ©CbirgeDCrCin arbcltet $n der neuen Beleuchtungsanlage hat au- im Biebertal. ßerdern ein grundsätzlich neues Prinzip der Beleuch- tungstechnik Anwendung gefunden, das dem Be- Frühmorgens fanden sich am vergangenen Sonn- luchter umfassende und vielfältige Möglichkeiten tag etwa 30 Teilnehmer zu der geplanten Wander- eröffnet. Im äußersten Fall wäre es möglich, unsere fahrt „ins Blaue" ein. Dem jenseitigen User der Bühne mit einer Lichtintensität von 210 000 Watt Lahn entlang führte der Weg nach Launsbach und gu überschütten. Das bedeutet etwa das Vierfache zur Höhe des Wettenberges, wo man während der bisherigen Leistung. Frühstücksrast den schönen Blick zur Stadt und das neue Beleuchtungsanlage ermöglicht es au- Lahntal genoß. Dem Gleibachtalfolaten die Wan- größerem Rahmen als bisher d 1e derer bis zum Krofdprfer Forst, überschritten die zum £ f,0 ; e f t f 0 „ in den Dienst der Gestal- Waldhaus führende Landstraße und das Fohnbach- tunq bß5 Bühnenbilds zu stellen. Dies tal und erreichten bei Fellingshausen den Fuß des £ieberum zur Folge, daß die hohen Aufwen- Dünsberges. Durch das sommerliche Land, Zwischen b n für gemalte Kulissen vermieden werden reifenden Getreide- und Hackfruchtfeldern wanderte ^nnen, anderseits aber ein rascher Szenenwechsel man zur Mittagsrast nach Bieber Den Nachmittag bamit eine Verkürzung der Pausen zwischen .0,, .. --------ronrh,n ""'den einzelnen Bildern möglich ist. Die gesamte Beleuchtungsanlage, die wir gestern Eindruck eines Wunderwerks moderner T e ch n i k. In der Art der technischen (Einfügung in den Raum des Bühnenhauses ist sie ein Zeugnis bester deutscher Werkmannsarbett. men 58, Blumenkohl, das Stück 20 bis 50, Salat 5 bis 10, Salatgurken 30 bis 50, Einmachgurken 4 bis 6, Oberkohlrabi 5 bis 15, Rettich 5 bis 12, Radieschen, das Bund 10 Rpf. * ** 341 MI ar der Arbeit. Am gestrigen Montag, 22. Juli, beging der Walzwerksarbeiter Heinrich Scheid aus Großen-Buseck das Jubiläum einer 40jährigen Tätigkeit bei den Gailschen Tonwerken. Durch die Firma, seine Arbeitskameraden und durch die Deutsche Arbeitsfront wurde der Jubilar an seinem Ehrentag entsprechend geehrt. *♦ Ein Fünfundsiebzigjähriger. Am heutigen Dienstag, 23. Juli, kann unser Mitbürger Konrad K r e u d e r, der in der Landespflegeanstalt (Licher Straße) als Pensionär wohnt, in aller geistigen und körperlichen Frische seinen 75. Geburtstag feiern. Der Jubilar, der lange Zeit als Schiffsbäcker auf Handelsschiffen fuhr, ist viel in der Welt herumgekommen und hat ein reiches Leben hinter sich. Mit aller Aufmerksamkeit verfolgt er die Ereignisse der Gegenwart. — Der Jubilar zählt zu den treuen Lesern des Gießener Anzeigers, den er auch seit langer Zeit in der Anstalt austrägt. (Wir beglückwünschen den Jubilar herzlich zu feinem Geburtstag!) *♦ Benutzung von Kraftfahrzeugen durch Rückgeführte. Der Reichsverkehrsminister hat unterm 5. Juli 1940 bestimmt: Richt- bewinkelte Kraftfahrzeuge dürfen ohne weitere Genehmigung auf der Straße zurückgeführt werden, sofern der Kraftfahrzeugführer einen von der zu- stäntngen Ortsgruppe der NSDAP, des Bergungsgaues ausgestellten gelben Heimkchrerausweis vorweisen kann, in dem er namentlich genannt wird. Dies gilt nur für eine einmalige Fahrt auf dem kürzesten Wege bis zu dem im Heimkehrerausweis angegebenen Bestimmungsort. Strafkammer Gießen. In zweitägiger Verhandlung hatte sich Maria Steul, geb. Zaier, aus Okarben, geschiedene Ehefrau des R. Steul. z. Zt. in Strafhaft, wegen vorsätzlicher Brandstiftung zu verantworten. Sie war beschuldigt, am 31. Juli 1937 in Muschenheim vorsätzlich in der Scheune des ihrem Ehemann gehörigen Anwesens Feuer angelegt zu haben, das auf die benachbarten Scheunen Übergriff. Die Scheunen, die zum Teil mit cmgebrachter Ernte gefüllt waren, brannten bis auf das Mauerwerk aus. Der Schaden beträgt etwa 15 000,— RM. Die Angeklagte, die die Brandlegung bestreitet, verbüßt z. Zt. eine Zuchthausstrafe von acht Jahren wegen Giftmordversuchs an ihrem inzwischen geschiedenen Ehemann. Der Anklagevertreter hält die Angeklagte für überführt und beantragt eine Zucht- Hausstrafe von vier Jahren "und Bildung einer Gesamtstrafe von elf Jahren Zuchthaus aus der beantragten und der bereits erkannten Zuchthausstrafe. Die Angeklagte wurde des Verbrechens der Brandstiftung schuldig erkannt und unter Einbeziehung der durch Urteil der Strafkammer des Landgerichts Berlin vom 18. September v. I. erkannten Zuchthausstrafe zu einer Gesamtzucht- hausstrafe von elf Jahren verurteilt. Bei der Anrechnung der Untersuchungshaft in Höhe von acht Monaten und der Aberkennung der bürger- lichen Ehrenrechte auf die Dauer von zehn Jahren behält es fein Bewenden. Oie Heilkräuterernte in vollem Gange. NSG. Die Schuljugend unter Führung nationalsozialistischer Erzieher und Jugendformationen der NSDAP., daneben andere Organisationen sind in allen Gauen des Reiches am Werk, die Hellkräuterernte einzubringen. Der Gauleiter hat dieser Aktion durch besondere Anordnungen stärkste Unterstützung zuteil werden lassen. Die nachfolgenden Winke der Gauabteilung Hessen-Nassau und Kurhessen der Reichsarbeitsgemeinschaft für Heilpflanzenkunde und Heilpflanzenbeschaffung e. V., RfH. mögen allen, die mithelfen, wichtige Fingerzeige geben. Vorweg genommen seien die allgemeinen Richtlinien für die Sammlung und Trocknung. Voraussetzung für jeden, der zu Erwerbszwecken Heil- und Hausteekräuter sammelt, ist die behördliche Sammelerlaubnis. Diese wird in der Regel durch die untere Naturschutz!) e- hörde für alle nichtgeschützten Pflanzen erteilt. Zuständig sind meist die Ortspolizeibehörden bzw. für die Sammlung im Walde die Forstämter. Die Sammelerlaubnis wird gewöhnlich für das Kalenderjahr erteilt gegen eine geringe Gebühr. Die im Dienste der Sammelaktion der RfH. eingesetzten Jugendverbände und Schulen sind von der Zahlung dieser Gebühr befreit. Nachfolgend genannt seien zunächst d i e f ü r b e n Gau Hessen-Nassau sammelwichtigen Arten, wobei die an erster Stelle genannten in besonders großen Mengen eingebracht werden sollen und die später genannten weniger stark benötigt werden. Brombeerblätter, Himbeerblätter, Erdbeerblätter, Birtenblätter, Kamillenblüten, Huflattichblätter, Ackerschachtelhalm, Purpurfingerhutblätter (giftig!), Brennnesselblätter, Lindenblüten, Spitzwegerichblätter, Holunderblüten, Holunderblätter, Haselnußblätter, Johanniskraut mit Blüten, Eberesckenblät- ter, Mutterkorn (giftig!), Maiblumenblätter (giftig!), Quendel oder Feldthymian, Stiefmütterchenkraut, blau, Stiefmütterchenkraut, gelb, Heidelbeerblätter, Hohlzahnkraut. Odermennigkraut, Tausendgüldenkraut, Katzenpfötchen, gelb, Ulmspierstaudenblüten, Erdrauch kraut, Klatschmohnblüten, Färberginster- fraut. Alle hier genannten Drogen werden getrocknet abgeliefert an die von den Kreissachbearbeitern RfH. festgelegten Sammelstellen. Die Anschriften der Kreissachbearbetter sind zu erfahren bei den Aemtern für Volksgesundheit, den Kreisschulämtern, den Kreiswaltungen NSLB. und selbstverständlich bei den Kreisleitungen der NSDAP. Frisch gesammelt werden in diesem Jahr wieder größte Mengen Hagebutten, über deren Ablieferung noch besondere Bestimmungen ergehen. Heber die Ernte und die zu sammelnden Pflanzenteile der verschiedenen Kräuter geben die Kreissachbearbeiter genaue Auskunft. und zur Wertberichtigung 548,220 RM. aufgeführt. Der Erneuerungsfonds beträgt nach der in der Gewinn- und Derlustrechnung nachgewiesenen Einlage von 112 112,06 RM. jetzt insgesamt 134 271,36 RM. Die Verbindlichkeiten sind mtt 283 634,83 RM. aus- gemiefen, der Staatszuschuß des hessischen Staates iieläuft sich auf 1 301216,62 RM. Der Abgrenzung dient ein Posten von 212 511,55 RM. Die Gewinn- und Verlustrechnung schließt mit Aufwendungen und Erträgen in Hohe von 569151,08 RM. Die Aufwendungen für den Bahnbetrieb sind mit 336 857,69 RM., sonstige Aufwendungen, Zinsen, Steuern usw. mit rund 103 271 RM., die Zuweisungen an die Sonderrücklage mit rund 14 884 RM., die an den Erneuerungsfonds mit rund 112112 RM., sonstige Auftvendungervmit rund 2025 RM. aufgeführt. In den Erträgen sind außer den schon erwähnten Betriebseinnahmen rund 9 519,16 RM. Einnahmen aus dem Krastwagenverkehr, rund 61334 RM. Entnahmen aus gesetzlicher Rucklage und 27 646 RM. außerordentliche Zuwendungen enthalten. . , .Nach dem Bericht des Aufsichtsrates wurden Aufsichtsrat und Vorstand Entlastung erteilt. — Das turnusmäßig ausfcheidende Mitglied des Aufsichtsrates, Bürgermeister Dr. R. Moersch e l (Butzbach) wurde bis 1945 wiedergewahtt. Dem Aufsichtsrat gehören außer Direktor Dr. Stephan und Bürgermeister Dr. M o e r f ch e l die Sürgermeifter Wilhelm Han (Bad-Nauheim), zu Zeit im Felde, und Hans Geil (Lich), Oekonomierat C. Hoffmann (Hof-Güll) als stellvertr. Vorsitzender, Pfar- rer Fr. Nies (Ettingshausen) und Verkehrsdir-'k^- Rob. K a b i s ch (Berlin) an. • $.Upori Fußball im Tv. Klein-Linden 1889. Klein-Linden — Grüningen 5:3 (3:1). Die Turner von Klein-Linden machten ihre Niederlage vom Sonntag wieder gut. Der Kampfeswille und die Einsatzbereitschaft, namentlich auf der rechten Sturmseite, und die Zerstörer- und Aufbauarbeit der Hintermannschaft waren ausschlaggebend ür den verdienten Sieg. Die ersten zwanzig Minuten des Spieles waren ziemlich ausgeglichen. Grüningen spielte auf Sieg. Die zeitweilige Heb erlegen!)eit wurde an dem guten Zusammenspiel der Hintermannschaft von Klein- Linden illusorisch. Da verwandelte der Halbrechte der Gastgeber eine Vorlage zum sicheren Tor für Klein-Linden. Die Gäste konnten zehn Minuten päter ausgleichen. Aber schon kurz danach führte Klein-Linden durch den Halbrechten mit 2:1 und bald darauf durch Kopfball seines Mittelstürmers mit 3:1. In der zweiten Halbzeit bedrängte Grüningen das Tor der Gastgeber. Es gelang auch den Gästen auf 3:2 aufzuholen. Dann aber hatten die Turner von Klein-Linden für längere Zeit das Spiel ganz in der Hand, erhöhten auf 4:2, schließlich auf 5:2. Die letzte Viertelstunde stand noch einmal ganz in bem Zeichen von Grüningen, der Ausgleich wurde aber nicht mehr erreicht. , Handball. Tv. Lützellinden 3gb. — Rlalnz-Rlombach 3gb. 7:6. Die Handballer des Bezirks Gießen, vornehmlich aber des Bannes 88, dürfen stolz auf die Leistung der Jungens aus Lützellinden fein. Sie können daraus aber auch erkennen, welche Bedeutung der immer wieder zum Ausdruck gebrachten intensiven Schulungsarbeit zukommt, wie es notwendig ist, auch innerhalb der einzelnen Gemeinschaften tatkräftig und vorbildlich nach dieser Richtung hin vorzugehen. Der diesmalige Gegner war sehr stark, starker noch als alle anderen Mannschaften vorher. Er pflegte ein wunderbares Stürmerspiel, das ganz auf Erfolg eingestellt war, und es bedurfte der ganzen Kraft der aufmerksamen gegnerischen Hintermannschaft, die ungestümen Angriffe rechtzeitig zum Stoppen zu bringen. Daß das nur selten mißlang, stellt Verteidigung und Läuferreihe — selbstverständlich auch dem Tormann — das beste Zeugnis aus. Sie alle zusammen haben — besonders aber dann, wenn es brenzlich wurde — in vorbildlicher Zusammenarbeit die Gefahren gebannt und den eigenen Sturm immer wieder in den Kampf geschickt. Wenn dieser auch in der ersten Halbzeit nicht viel ausrichten konnte, wenn er auch manchmal zu eigensinnig spielte, bann wurde das am Schluß des Spieles mit einemmal besser. Dem Ausgleich folgten kurz hintereinander zwei meliere Tore, die das Treffen entschieden haben. Obwohl die Mainzer unserem Vertreter körperlich weit überlegen waren, haben sich die Jungens aus Lützellinden davon nicht beeindrucken lassen. Sie haben ihr vorgelegtes Tempo von Anfang bis zu Ende durchgehalten und vielleicht auch schon auf Grund dessen einen nicht ganz unverdienten Sieg errungen. Kurze Gportnotizen. Eine neue Jahres-Weltbestleistung im Speerwerfen erzielte Finnlands Olympiasieger Matti Järvinen bei den Finnischen Spielen in Helsinki mit 73,64 Meter. Nikkanen wurde mit 71,44 Meter Zweiter. Syrings neuer 10000-Meter-Rekord wurde bereits von der Reichssportführung (Fachamt Leichtathletik)- anerkannt. Nach Prüfung der Unterlagen hat sich ergeben, daß die Rekordzeit nicht 30:06,8 sondern sogar 30:06,6 Minuten beträgt. 24. und 25. August: VMssporttag in Gießen. Gerneinschaststag -er Leibesübungen. Aus der engeren Heimat. OSB.-Gauleistungsfingen in Bad-Nauheim. LPD. Friedberg, 22. Juli. In großer Zahl waren die Vertreter der im Kreise Taunus des DSB. zusammengeschlossenen Gesangvereine zur diesjährigen Kreistagung zusammengekommen. Der Leiter der Tagung, stellvertretender Kreisführer Hermann (Bad Vilbel), konnte darüber hinaus besonders den Beauftragten der Gauführung, Provinzführer Dr. Schmitt (Bad-Nauheim) begrüßen. Die Tagung galt in erster Linie der Ausrichtung aller Teilnehmer auf die zukünftigen Aufgaben, die nach einem Rückblick auf die Entwicklung der Sangestätigkeit innerhalb des Kreises Provinzführer Dr. Schmitt in großen Zügen umriß. Er gedachte ferner des 100jährigen Geburtstages von I. F. Schmidt, eines der verdientesten oberhessischen Sängerführer. An seinem Grabe in Friedberg legte die Gauführung einen Kranz nieder. Im Vordergrund der Arbeit wird nunmehr die Vorbereitung auf das große ©auleiftungs- singen stehen, das am 29. September in Bad- Nauheim durchgeführt wird. Landkreis Gießen. - Mainzlar, 22.Juli. Die Frau eines hiesigen Landwirts wurde dieser Tage beim Melken von einer Kuh heftig getreten. Die Verunglückte mußte mit einer erheblichen Verletzung in die Klinik nach Gießen gebracht werden. + Aller tsh aufen, 22. Juli. Diß hiesige Kriegerkameradschaft hat dieser Tage mit einer Gemeinschastsspende dem schwer verwundeten Kameraden Heinrich Hahn, der in einem Würzburger Lazarett liegt, eine besondere Freude bereitet. 4- Grün berg, 22. Juli. Lehrer Otto Reibe r t, der als Unteroffizier am Feldzug in Frankreich teilnahm und bei den Kämpfen an der Loire verwundet wurde, erhielt das Eiserne Kreuz II. Klasse. OerlandwirischafflicheMarktbeobachter Die Zufuhren von Obst haben sich gebessert und sind erstmalig durch Anlieferung von französischen Stachel- und Johannisbeeren ergänzt worden, deren Qualität allerdings merklich hinter den deutschen Erzeugnissen zurücksteht. Ferner kamen aus Italien Aprikosen und in kleineren Mengen Pfirsiche, Pflaumen und Kirschen herein. ,G e m ü f e aller Art, überwiegend Bohnen und Kohlrabi, ermöglicht eine volle Bedarfsdeckung. Auch bei Zwiebeln, die etwas knapp sind, wird sie in etwa zwei Wochen erreicht sein. Aus Italien kamen Bohnen, Tomaten, Zwiebeln, aus Holland Erbsen, Gurken und Tomaten. Die Versorgungslage bei Kartoffeln ist gut. Deutsche Frühkartoffeln einwandfreier Beschaffenheit werden jetzt überall im Gau mit guten Erträgen gerodet und sogar in andere Gebiete versandt. Ihr Preis konnte schon zweimal herabgesetzt werden. In diesem Zusammenhang sei auf das kürzlich eingetretene große Kartoffelangebot hingewiesen, das nicht etwa in Preisänderungen seinen Grund hat, sondern durch das Freiwerden der nicht mehr für den Verpflegungsnachschub der Truppen benötigten Mengen begründet war. An den Viehmärkten ist der Auftrieb von Großvieh zufriedenstellend, während bei Schweinen ein gebietsmäßiger Austausch unter den Märkten ober ein Zuschuß von geschlachteten Tieren durch die Neichsstelle mitunter nötig ist und sich hieraus zeitliche Verlagerungen ergeben können. Der Bedarf wurde nach tfen Kartensätzen überall befriedigt. Die Qualitäten waren bei Großvieh und Schweinen mittel bis gut, bei Kälbern und Schafen mittel. Die Versorgung mit Milch, Fetten und Käse läuft in jeder Weise befriedigend weiter, wobei die Freigabe von Speisequark großem Derbrauchsinteresse begegnet. Zu den im laufenden Versorgungsabschnitt ausgegebenen 6 E i e r n werden jetzt weitere 4 aufgerufen. Versammlung der Vutzbach-Ächer-Gsenbahn-AG 4- Butzbach, 22. Juli. Jrn „Hessischen Hof" hielt die Butzbach - Licher Eisenbahn AG., deren Hauptbeteiligter die.AG. für Verkehrswesen in Berlin ist und an der u. o. auch Friedrich Krupp, sowie einige oberhessische Gemeinden beteiligt sind, ihre diesjährige ordentliche Hauptversammlung ab, bei der 1527 000 RM. Aktien und 1527 Stimmen vertreten waren. Der Tagung voraus ging eine Sitzung des Aufsichtsrates und des Vorstandes. Die AG., die über eine 57 Kilometer lange Eifenbahnstrecke durch die Wetterau und über anschließende Omnibusstrecken verfügt, die die landschaftlich schönen Gebiete der Wetterau dem Verkehr erschließen, hat auch im abgelaufenen Geschäftsjahr einen günstigen Anteil an der wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung gehabt. In dem von dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates Direktor Dr. Erich Stephan (Berlin) vorgelegten Geschäftsbericht wurde das Ergebnis des Berichtsjahres als die Zuführung von 35 727,88 RM. zum Erneuerungsfonds, der damit die festgesetzte Höhe des Anlageaufwandes der Bahn mit 50 000 RM. erreicht, Zuweisung von 76 384,18 RM. zur Fortsetzung dringender Erneuerungsbauten am Oberbau an Erneuerungsfonds, festgelegt. Den Betriebseinnahmen in Höhe von 470 651,09 RM. stehen Betriebsausgaben in Höhe von 342 769,25 RM. gegenüber; der Betriebsüberschuß beträgt 127 881,84 RM. Die Betriebseinnahmen enthalten u. a. rund 62 803,— RM. für den Personen- und Gepäckverkehr und rund 376 HO,— RM. aus dem Güterverkehr. — Die Betriebsausgaben fetzen sich aus 129 821,20 RM. für persönliche Ausgaben, rund 25 400,— RM. für Wohlfahrtszwecke, 127 246,63 RM. für Unterhaltungen, Erneuerungen und Ergänzungen und rund 60 302,— RM. für verschiedene Ausgaben zusammen. Die Jahresbilanz schließt in Akttven und Passiven mit 5 339 095,18 RM. Das Anlagevermögen, das unverändert geblieben ist, wird mit 4 975 234,10 RM. beziffert, ferner ist ein Umlaufvermögen in Höhe von 324 307,47 RM. ausgewiesen. Dazu kommt ein der Rechnungsabgrenzung dienender Posten mit 39 553,61 RM. Die Passiven weisen als Grundkapital, es besteht nur eine Aktiengattung, Stimmrechtsaktien sind nicht ausgegeben, 1756 000 RM. aus. Die gesetzliche Rücklage ist mit 861 794,40 RM. auf geführt, die Sonderrücklage beträgt jetzt 50 000 RM. Als Reservefonds sind 191446,42 RM. Je gesünder und fräftiger, je elastischer und widerstandsfähiger jeder einzelne unseres Volkes, ob Mann, Frau oder Kind, in dieser Zeit ist, um o leichter und besser werden wir den Lebenskampf unserer Nation durchstehen und um so überzeugender wird unser Sieg ausfallen. Die Erkenntnis, daß nur Leibesübungen im weitesten Sinne volle Gesundheit bis ins hohe Atter gewährleisten, ist heute Allgemeingut unseres Volkes geworden. Für viele ist aber der Weg von der richtigen Erkenntnis bis zur eigenen Tat zu weit. Es kommt daher jetzt im Kriege ganz besonders darauf an, einen möglichst großen Teil des deutschen Volkes der Teilnahme an den Kraftquellen der Leibesübungen näherzubringen, und damit auch die Wetterführung des Turn- und Sportbettiebes für die kommende Generation sicherZustellen. Diese umfassende Aufgabe wird durch die Orts- Portgemeinschaften erfüllt, die mit Unter- tützung der politischen Leitung eine enge Zusammenarbeit aller tragenden Kräfte, an der Spitze die NSRL.-Gemeinschaften und die HI., erreichen soll. Der Ortssportgemeinschaft ist die Durchführung eines Turn- und Sporttages als Aufgabe gepellt, die als Arbeitsziel für den Aufbau von größter Bedeutung ist. Der Turn- und Sporttag ist von der gesamten Ortsgemeinschaft getragen und soll allen das sittlich wertvolle Erlebnis und den Anreiz des Wettkampfes vermitteln. An ihm kann und soll jeder Volksgenosse teilnehmen. Die Bezirksführung des NSRL. hat die Vorbereitung der Ortssporttage beendet, die Durchführung von Kreissporttagen in Alsfeld, Dillenburg und Wetzlar veranlaßt und steht jetzt in der Vorbereitung des Bezirkssporttages, der eine Zusammenfassung aller Wettkämpfer des gesamten Bezirks und einen Höhepunkt des sportlichen Geschehens bringen soll. Der erste Dezirkssporltag findet als rein sportliche Veranstaltung am 24. und 25. August in Ziehen statt. Wehrmannschaflen, H3.. Turner, Turnerinnen, Leichtathleten, Schwerathleten, Schwimmer, Radfahrer, Ruderer, Tennisspieler, Schützen, Hand-, Fuß- und Faustballfpieler werden zum Wettkampf antreten. Die Turner und Turnerinnen tragen gemischte Mehrkämpfe und reine Gerätwettkämpfe aus, das Fachamt Leichtathletik hat einen Dreikampf in mehreren Klassen und Einzelwettkämpfe ausgeschrieben, die Schwimmer werden um den Sieg kämpfen, die Radfahrer führen Straßen- und Kunstfahren durch, die Fachämter Tennis, Rudern, Kanu, Schwer- athlettk und die Schützen werden ebenfalls ihre Wettbewerbe in den nächsten Tagen veröffentlichen. Da ein großer Teil der aktiven Sportler zur Wehrmacht einberufen ist, wird die Jugend den größten Teil der Wettkämpfer stellen. Ersttebt wird ganz besonders die Beteiligung der Volksgenossen, die keiner Leibesübung treibenden Gemeinschaft angehören. H. Neues für den Büchertisch — Heinz Bongartz: Luftkrieg i m Westen. Flüge, Kämpfe, Siege deutscher Flieger. In Ganzleinen gebunden mit 23 Bildern 3,50 RM. Verlag Wilh. Köhler, Minden i.W. - (102) - Die Luftwaffe hat in dem Entscheidungskampf um Deutschlands Sein eine von Tag zu Tag sich steigernde Bedeutung gewonnen. So wird man ein Buch begrüßen, in dem der Verfasser des Werkes „Luftmacht Deutschland" wesentliche fliegerische Kampfhandlungen zusammengefaßt hat. Wir lesen von Aufklärungsflügen über Frankreich, England und die Nordsee, sowie von vielen Kämpfen, die die hervorragende Ausbildung und den oorbildhaften Schneid unserer Fliegertruppe zeigen. — „SigridOn4gin", herausgegeben von Dr. Fritz Pentzoldt. Verlag Karl Josef Sander, Magdeburg. Preis: Leinenband 7,80 RM. Die bekannte Altistin legt hier ein Bekenntnis zur Kunst und zum Leben ab und läßt das Werden einer künstlerischen Persönlichkeit im Kampfe mit den mannigfachen Widerständen in Beruf und Umwelt, im Rinaen um das hohe Ziel der Vollendung im Technischen wie im Geistigen, plastische Gestalt gewinnen. Der Arzt Dr. Fritz Pentzoldt, der jetzige Gatte der Künstlerin, zeichnet in den ersten Kapiteln den historischen Werdegang mit feinem Empfinden und Darstellungsvermögen; als geistreicher Plauderer und gewandter Stilist führt er uns so Sigrid OnL- gin menschlich nahe. Von sicherem Urteil und scharfer Beobachtungsgabe zeugen die eingehenden und ebenso lebendigen Schilderungen von den vielfachen Kunstreisen nach Amerika, über Land und Leute, über die Stellung dieses Erdteils zur Kunst. Heber „Kritik" und „Publikum" vermag er als Nichtfachmann mit gesundem, unbefangenem Urteil manche beachtenswerte Anregung zu geben. Im zweiten Teil führt Sigrid Onögrn, übrigens väterlicherseits eine Großnichte des „Struwwelpeter-Hoffmann", in ihre künstlerische Werkstatt; hier erstehen ihre Bühnengestalten aus Erwägung und Lebensanschauung, verdeutlicht durch eine reiche Zahl von sehr gewählten Lichtbildern. Dr. Hermann Hering. — Walter von Molo: Erkenntnis für u n s. (Aus dem Werke von Walter von Molo.) Stufen-Derlag, Leipzig C1. Des Dichters Walter von Molo und seines ebenso umfassenden wie vielseitigen Werkes ist hier aus Anlaß des 60. Geburtstages gedacht worden. Dies Buch führt au ihm hin durch eine schöne Auswahl besonders charakteristischer und eindrucksvoller Stellen aus seinen wesentlichsten Werken. — Johann Sebastian Bach, Gesammelte Briefe. Herausgegeben von Dr. Erich H. Müller (Vallonleinen 3 RM.) Verlag Gustav Bosse, Regensburg. Briefe großer Männer wirken meist stärker als eine biographische Schilderung dies jemals vermag, spricht doch aus ihnen die Persönlichkeit unmittelbar zu uns. So wird auch aus der hier erstmals vorliegenden Gesamtveröftentlichung der Briefe des großen Thomaskantors die Gestalt des Meisters wie auch das Wesen feiner Zeit trefflich sichtbar. — Es ist ein eindringliches Bild, das Wilhelm Bauer in feiner „Deutschen Kultur von 1830—1870" im „Handbuch der Kulturgeschichte" (Akademische Derlagsgesellschaft Athenaion, Potsdam) entwirft. Bauer versteht es, die Sphären des geistigen und des äußeren materiellen Lebens zu durchleuchten und in ihrem Wesenskern klar zu machen. Wie hier etwa die tiefe und umfassende Umgeftaltung des kulturellen Lebens durch das Eisenbahnwesen geschildert wird, das ist von einer zwingenden Unmittelbarkeit. Aehnlich ist es mit der Telegraphie, den Darnpsichiften, der Post: sie sind sämtlich Werkzeuge einer vertieften Nationalisierung des deutschen Volkes. Ein ausgesucht schönes und instruktives Bildmaterial gibt dem schillernden Wort auch hier erhöhten Reiz und Wert.