h len Kleinen Nummern höherer Gewalt Krrnsvrechanschluß 2251 Drahtanschrift: „Anzeiger" Postscheck 11686 FrankÜM. Ermäßigte Grundvrerse Bäoeranzeigen und behördliche Anzeigen von 22 mm Brette 6 Pf. Annahme von Anzeigen für die Mittaasnummer bis 8’/2 Uhr d es V ormittags W. Jahrgang Nr. Ny jrar* M. Mittwoch,22.Mai 1940 W Giejener Anzeiger von einzelnen Nummern GrunLvreise für 1 mm Höhe bei Anzeigen von 22 mm Breite? Pf., Tertanzeigen von 70 mm Brette 50 Pf. Wiederholung Malstaffel I AbschlüsseMengenstaffelL Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25°/omehr ««.Lr^.-^General-AnzeigersürOberhessen «iehen^chvlstratzk7-4 offen» !UK|t' «rnid)iet. Du Punki flSndes noch i, I An diesem JJJ £ift ro a f f behaupteten, ist genommen. Mzu- der Heere beider Länder nicht nur in Europa, son< um ruppen ernannt «hr, rltb 'fiel, oi^ N ' dit elii mali ottn eda- 1 W Angriffswaffe, die während des Weltkrieges von den Engländer erfunden wurde. Wenn die Offensive wirklich zum Stehen kommt, dann werden die Deutschen wahrscheinlich viel mehr gewon- „ - „ „r, -tn-M “ Siegeszuge des deutschen Heeres hat die s f e hervorragenden Anteil. Durch die völlige Beherrschung des Lustraumes, durch die 3er- |fi»-ung von Fluhübergängen und Verkehrsanlagen, d>rch ihre Angriffe auf Marsch- und Transport- K önnen hat sie die Auflösung der französischen S.Armee beschleunigt und alle bisherigen Versuche, -i Flanken unseres Durchbruches zu bedrohen, im Bann' n dort Iroßen- ? Iroßen- , wah' vieler iad)ten rächten bril, Wini Im M JCinu. iltbiu ißunc xufetn r auf, * : wit- halb- W. ßenn Baü mann nchk oß ti quartier der 9. Armee ein und geriet auf diese Weise in Gefangenschaft. Völkerrechtswidrige Verwendung von Oum-Oum-Geschossen. V e r l i n, 21. Mai. (DNB.) 3m Laufe der Kampfhandlungen des deutschen Meslheeres sind sowohl in Belgien wie auch in Frankreich bereits mehrfach Dum-Dum-Geschosse gefunden worden. Von den militärischen Stellen sind Beweise für die Verwendung von Dum-Dum-Geschossen gesammelt. Dah das Abknlpsen der Geschohspihen nicht etwa von einzelnen Soldaten vorgenommen wurde, beweist das Auffinden von 1 0 0 0 Stück dieser völkerrechtswidrigen Munition in Karton- verpackung in einem französischen Munitionslager. hieraus geht eindeutig hervor, dah diese Dum-Dum-Geschosse auftraasmähig serienweise h e r g estellt wurden. Belgisch-französische Armeen in Aordfrankreich angeschnitten Arras, Amiens und Abbeville genommen. — Die Kanalküste erreicht. - Französischer Armeeführer gefangen. — Oie Engländer auf der Flucht. zu können. In Frankreich sollten dann nur noch einige englische Luftstrettkräfte Zurückbleiben, — die Solidarität der Wesstnächte zu bezeugen. LSme erstickt. Bei der Seeaufklärung vor der französischen Küste sind ein französischer Zerstörer, der ftt nzösische Marinetanker „Niger" von 5482 Tonnen, ifT französische Frachter „Pavon" und zwei weitere Pachter schwer beschädigt worden. 3n der Nacht jtm 21.Mai wurden in der Strahe Dover — (i l a i 5 sechs Transportschiffe und Tanker mit ther Tonnage von 43 000 Tonnen durch Bomben vcrsenkt, vier weitere Schiffe mit insgesamt etwa 13000 Tonnen schwer beschädigt. Die G e s a m l v e r- ln st e d e s G e g n e r s in der Luft betrugen gestern 47 Flugzeuge. 15 deutsche Flugzeuge werden ver- mtzt. Schwere britische Flottenverluste bei Aarvtk. Berlin, 21.Mai. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Bei Narvik griffen am 20.5. Kampfver- knöe der Luftwaffe wirkungsvoll in den Lidkampf ein und entlasteten die eigenen Truppen. Der Angriff im Seegebiet von Narvik gegen die dort operierenden Teile der britischen flotte brachte grohe Erfolge. Lin Schlacht- |6iff, wahrscheinlich der „Resolution"-Klasse, er- bi,lt zwei schwere Bombentreffer in höhe des vorderen Turmes, ein schwerer kreu - )< r einen Bombentreffer schweren Kalibers zwischen Scfechtsmast und vorderem Schornstein. Starke brand- und Explosionswirkung wurde auf beiden Kriegsschiffen beobachtet. Ls ist mit zrrher Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dah zum min- delen der Schwere Kreuzer aufgegeben werden inihte. Auherdem wurden zwei weitere Kriegsschiffe ati) drei Handelsschiffe durch Bombentreffer beschä- Oer Kreuzer „Gffingljam" vernichtet. mfald einem ht, bil - allein albzei! t weiten chte ti I ©erben, s über«; ganzen e Liebe. Üde i8 banden- W fw te lauf M rn- rein iüet den irze 2 -standen- senn e*8 Der französische Generalstab „mit den Ideen im Rückstand". Oie italienische preffe zu der großen Schlacht im Westen. Oie deutschen Angriffswaffen haben die Verteidigung überwunden Ein neutrale^ Urteil zum Wandel der Wehriechnik. Der Wehrmachtsbericht vom Dienstag. Zührerhauplquartier, 21.Mai. (DNB.) Des Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Die gröhte Angriffsoperation aller Zeiten im Msten findet nach einer Reihe groher taktischer LKzelerfolge ihre erste operative Auswirkung. Die f ra n z ü s i s ch e 9. A r m e e, die an der Maas zwi- !*" Namur und Sedan die Verbindung zwischen d« starken feindlichen Operationsgruppe in Belgien ui) der Maginotlinie südlich Sedan herzustellen und zvhalten hatte, ist zerschlagen und in der Auflösung begriffen. Der Armee st ab und der bisherige Oberbefehlshaber der französischen 7. Armee, (Bmeral Giraud, der den Befehl über die g.Urmee übernommen hatte, sind gefangen. 3n dic durch den deutschen Angriffsschwung geschlagene Desche ergiehen sich unsere Divisionen. An ihrer Ssihe haben Panzerkorps und motorisierte Truppen Acras, Amiens und Abbeville genom- m^n und damit die Abdrängung aller noch nädlich der Somme befindlichen französischen, eng- lishen und belgischen Armeen gegen die Kamt k ü st e eingeleitet. 3n Belgien greifen unsere Truppen den Feind M, der sich ostwärts Gent und weiter südlich a n bi r Schelde erneut zum Kampf gestellt hat. Ver- sthe des Feindes, sich aus dem Raum Daten- cie nnes einen Ausweg nach Süden zu bahnen. dem auch im Nahen Orient stark behindert haben». Man spricht hier von einer ausgesprochenen Abneigung der oeiden genannten englischen GeneräK gegen Weygand, der als arrogant und anmaßend bezeichnet wird, Paris soll seit langem von dieses englischen Abneigung gewußt haben und die Tatsache, daß General Weygand trotzdem zum Ober» besehlshaber der französischen Ti .. worden ist, wird als Anzeichen auch von Meinungsverschiedenheiten zwischen den führenden englischen! und französischen Politikern angesehen. ES ist iw* u baf "on* S- U pW Stockholm, 21. Mai. (DNB.) Die britische ttu miralität teilt mit, daß S. M. Schiff „Effi n g - km" als Totalverlust zu buchen ist infolge der 8:schädigung, die es beim Auflaufen au einen Felsen an der norwegischen Küste er- Iit. Verluste seien nicht zu beklagen. Der leichte keuzer „Effingham", der in Fachkreisen tts ein besonders schönes Schiff bezeichnet wird, ist 1921 vom Stapel gelaufen und hat eine Wasserverdrängung von rund 10 000 Tonnen. Seine Ge- äwindigkeit beträgt 30,5 Knoten, die Besatzung Jher 700 Mann. Die Bestückung des Kreuzers setzt lic» aus neun 15,2-cm-Geschützen, vier 10,2-cm-Flak- oe chützen, vier 4,7-cm-Geschützen und acht Maschinengewehren, sowie vier Torpedorohren zusammen. Iißerdem waren zwei Flugzeuge an Bord. Mög- ic^erweise handelt es sich bei der „Effingham" um Kreuzer, der nach den Beobachtungen der beut« teile erntet Der B o m b e nfl i e g e r. hat das gepanzerte Fort überwunden. Die Fliegerbomben vernichten nicht nur, was sie treffen, sondern die Erschütterungen iKr Explosionen vernichten die Instrumente und Apparate in der Nähe des Einschlages und setzen die Schußwaffen des Forts außer Gefecht. Deshalb konnte auch Lüttich so schnell fallen und deshalb ist heute kein Grund mehr, anzunehmen, daß irgend eine gepanzerte Verteidigungslinie gegen ein Heer gehalten werden kann, das über eine so moderne Bombenfliegerwaffe verfügt wie die deutsche. Hatt zweifelt daran, daß es den Westmächten gelingen könnte, den deutschen Vormarsch aufzuhalten. Die Kämpfe zwischen deutschen und französischen Panzerdivisionen deuten darauf hin, daß es der deutschen Technik gelungen ist, die Führung auch auf dem Gebiete der T a n k w a f f e zu erringen, dieser heißt, daß Churchill sich indessen in ganz entschiedener Form gegen Sie defensive Strategie Gamelins ausgesprochen habe. Er soll eine offensivere Kriegführung gefordert haben, of? fensichtlich im Hinblick auf die Bedrohung der Ka- nalküste durch die deutschen Truppen. Das Echo in der Schweiz. Gens, 22. Mai. (Europapreß.) Die schweizerische Presse erschien am Dienstagabend in Sonderausgaben, die den Verkäufern geradezu aus den Händen gerissen wurden. Das „Journal de Geneve" stellt neben den Bericht des deutschen Oberkommandos auch die aus Paris eintreffende offizielle Bestätigung der französischen Regierung vom Fall der bedeutendsten französischen Städte in der nordfranzösischen Kanalzone. Der Pariser Korrespondent der „Neuen Zürcher Zeitung" schreibt, die französischen Militärs und Politiker hätten sich wieder einmal hinsichtlich der deutschen Offensive geirrt. Die Tatsache, daß das deutsche Vorgehen mit unverminderter Heftigkeit andauere, rufe in der öffentlichen Meinung Frankreichs Enttäuschung und steigendes Fieder hervor. Die Ernennung von Weygand und Petain sei in aller Ueberstürzung erfolgt. Vekordüefstand für Vustungswerte an der Tleuyorrer Börse. N e u y o r k, 22. Mai. (Europapreß.) Die Neu- yorker Börse reagierte am Dienstag auf die Nachricht, daß die deutschen Truppen die Kanalküste erreicht haben, mit schwersten Kurseinbrüchen. Führende Werte der Stahl - und Motorenindu- ft r i e erreichten den Rekordtief st and der tety ten zwölf Monate. Festverzinsliche b r i tis ch e Pass i e r e hatten scharfe Kurseinbrüche zu verzeichnen, während deutsche Bonds erheblich anzogen. — Auch an der Produktenbörse herrschte Chaos, und die Rückgänge nahmen hier teilweise katastrophale Ausmaße an mit Ausnahme des Weizenmarktes, wo die Regierung weiterä Schwankungen durch .PreiSleft^tzMgen verhmbertä Rom, 21. Mai. (Europapreß.) Die italienischen < Morgenblätter betonen, daß es der Führung der < Westmächte trotz aller Bemühungen nicht gelungen I ei, den Deutschen die Initiative aus der Hand zu nehmen. Alle verzweifelten Gegenangriffe, die von den Truppen der Westmächte an den ver- chiedensten Stellen der ausgedehnten Kampffront unternommen worden feien, hätten verlustreich und ergebnislos geendet. Sie hätten nicht einmal den deutschen Vormarsch aufhalten oder auch nur verzögern können. So habe der deutsche Generalstab dem Gegner die Form des Krieges, einen beweglichen, entschlossenen und blitzschnellen Krieg, aufgezwungen, der zu einer für die Westmächte höchst unvorteilhaften Lage geführt habe. „Popolo di Roma" sagt, General G a m e l i n sei gestürzt worden, weil er den neuen, ihm von Deutschland aufgezwungenen Bewegungskrieg nicht verstanden habe. Selbst wenn sein Nachfolger, General Weygand, eine entgegengesetzte Taktik anwende, bleibe abzuwarten, ob die Lehren der Erfahrung nicht zu spät kämen. Im Kriege wirke es tödlich, wenn man mit den Ideen im Rückstände bleibe. In Frankreich sei die falsche Auffassung fest eingewurzelt gewesen, daß man den Krieg mit der Wirtschaftsblockade und der Aushungerung führen könne. Die Deutschen hätten aber die Franzosen gezwungen, zu den klassischen und moralischen Gesetzen des Krieges zurückzukehren, der unter Risiken und durch Kämpfe geführt werde. Die Engländer hätten allen Grund, über die Entwicklung der Ereignisse beunruhigt zu sein, denn die Bedrohung ihres Landes werde immer greifbarer und unmittelbarer. Churchill habe in feiner Rede auf diese Gefahr hingewiesen, aber er habe auch offene Kritik an der französischen Heeresleitung geübt und sie beschuldigt, einen großen Teil des französischen Bodens unverteidigt gelassen zu haben. Frankreich habe die Berechtigung dieser Kritik durch die Beseitigung des Generals Garnelin anerkannt. Dem General Weygand und dem Marschall Petain, die zusammen eineinhalb Jahrhunderte an Lebensjahren besäßen, sei nun die Kriegführung anoertraut worden, obwohl in Wirklichkeit der Oberbefehl in den Händen des Generals G e o rg e s zu liegen scheine. Aber in Frankreich deute man die Kritik Churchills als schlechtes Zeichen. Man nehme sogar an, daß England einen Vorwand suche, um seine Truppen aus Frankreich zurückzuziehen und sie zur D e r t e i - digttng iu5. eigenen Bodens verwende^ sbd gescheitert. Am Südftüget unseres Angriffes nchmen deutsche Truppen, wie schon durch Sonder- aitdung bekanntgegeben, Laon und stürmten über fei Lhemin des Dames bis an den Aisne- Li s e - k a n a t vor. Bei der Abwehr französischer Cgenangriffe wurden hier zahlreiche Panzerwagen -^nichtet. Die Stadt R e t h e l, in der sich Teile des Kopenhagen, 21. Mai. (Europapreß.) lieber die weitere Entwicklung der Kriegslage schreibt der dänische Universitätsprofessor Gudrnund Hatt in einem Aufsatz des Mittagsblattes „B. T.", obwohl die Westmächte nach ihrer Kriegserklärung an Deutschland im September reichlich Zeit gehabt hätten, sich auf einen deutschen Angriff vorzubereiten, gehe der deutsche Vormarsch doch viel rascher vor sich als 1914. Weiter müsse auffallen, daß die Front zu Beginn des Weltkrieges sehr bald erstarrte, da die modernen Waffen die Defensive stärker gemacht hätten als die Offensive. Diese Ansicht von der Ueberlegenheit der Verteidigung, die die Uneinnehmbarkeit der Maginot- Linie zu einem „Glaubens-Artikel" in Frankreich gemacht habe, hätte vor der Wirklichkeit kapitulieren müssen. „Die Ereignisse zeigen klar und deutlich, daß sich durch die technische Entwicklung das Stärkeverhältnis zwischen Defensive und Offensive geändert habe. Die A n g r if fs w a f fe hat einen Vorsprung bekommen und da es die deutsche ,, , . , Kriegstechnik ist, die diese Entwicklung durch- n e n haben als 1914. geführt hat, ist es auch Deutschland, das die Vor-! — Umklammerung. Auch der glühendste Optimist hätte es in feinen! kühnsten Träumen nicht für möglich gehalten, daß schon zehn Tage nach Beginn der deutschen Westoffensive die taktischen Einzelerfolge, die unsere von einem ungestümen Vorwärtsdrang beseelten Truppen aller Waffen auf ihrem Siegeszug durch Belgien und Nordfrankreich errungen haben, in genial geleiteten Operationen zu einem strategischen Erfolg ersten Ranges ausreifen würden. In O st f l a n d e r n hat der Feind noch einmal in der gestern hier schon skizzierten Linie ostwärts Gent und südlich davon längs der Schelde den Kampf ausgenommen, wobei Belgier und Franzosen noch hartnäckigen Widerstand leisten, während die Briten nach der Parole „Zu Schiff nach England!" mit aller Kraft den Kanalhäfen zuzustreben scheinen. Es ist also wieder einmal so, daß die englische Kriegführung ihre Verbündeten bis zum letzten Augenblick rücksichtslos einsetzt, um die Flucht der eigenen Truppen zu decken. Zur gleichen Stunde gab es vor dem Ansturm der durch die Bresche zwischen Sarnbre und Maas mit der Stoßrichtung nach Nordwesten in gewaltigem Schwung vorwärtsdrängenden deutschen Armeen kein Halten mehr. Erneute feindliche Ausbruchsversuche am Drehpunkt der großen deutschen Nordwestbewegung im Raume von Valencien- n e 5 konnten auch diesmal zurückgeschlagen werden. Die hier kämpfenden französisch-belgischen Truppen stecken zersplittert in den umliegenden Wägern, und in einem atemberaubenden Tempo konnten die deutschen Heeresverbände mit Panzerkorps und Schnellen Truppen an der Spieße, ohne die Gefahr einer Bedrohung der rechten Flanke, aus der am Vortage erreichten Linie Eambrai—Peronne vor- ftürmen und den stählernen Gürtel der Umklammerung um die jetzt in den Nordzipfel Frankreichs, die Departements Pas de Calais und Nord, zurückgedrängten französischen, englischen und belgischen Armeen immer enger schließen. Ein Durch- bruchsversuch nach Süden ist für sie eitel Hoffnung, denn schon haben deutsche Panzertruppen entlang der Somme über Amiens die Kanalküste bet Abbeville erreicht, und rund 60 Kilometer nordöstlich befindet sich auch Arras schon in deutscher Hand, so daß auch Entlastungsvorstöße aus Mittelfrankreich an dem Schicksal der hier eingekesselten eindlichen Armeen nichts mehr zu ändern vermöchten. Daß es eine zahlenmäßig bedeutende feindliche Heeresgruppe ist, die hier in eiserner Umklammerung gehalten wird, geht schon aus dem nicht geringen Widerstand hervor, der dem deutschen Angriff gerade an dieser Front entgegengestellt wird. Aber gewisse Anordnungen, die die feindliche Heeresleitung anscheinend für notwendig gehalten hat, deuten doch andererseits auch wieder darauf hin, daß der innere Zusammenhalt zwischen französischen und belgischen Truppen sich zu lockern beginnt. Der Siegeszug der deutschen Panzerverbände Sing mit seinem nordöstlichen Flügel in erbittertem !ampf mit der feindlichen Panzerwaffe über das Schlachtfeld der hier gestern schon erwähnten Tank- schlacht bei Eambrai — ein seltsames Spiel der Kriegsgeschichte, das der modernen deutschen Panzerwaffe Gelegenheit gab, zu zeigen, daß sie den damals für uns recht empfindlichen Vorsprung der schen Luftwaffe mit schwerer Schlagsette auf einer Klippe bei Bodoe lag und gekentert ist. Wie General Girand gefangen genommen wurde. Berlin, 21. Mai. (DNB.) Bei den letzten Kämpfen hatten die deutschen Truppen das Stabsquartier der 9. französischen Armee im schnellen Zugriff besetzt und den ganzen Stab gefangen genommen. Zu ihrer Ueberraschung war jedoch der Oberbefehlshaber nicht anwesend. Es stellte sich heraus, daß dieser auf Grund einer Anordnung des gerade neu ernannten Oberbefehlshabers der alliierten Truppen, General Weygand, a b ge f e tz t worden war und sich bereits auf dem Wege nach Paris befand. Kurz darauf traf jedoch der neue Oberbefehlshaber, der bis dahin die 7. französische Armee kommandiert hatte, General G i r a u d , im Stabs- Gamelms Operattonsplan durchkreuzt. Kopenhagen, 21. Mai. (Europapreß.) „Politiken" sagt zu der Lage in Belgien, man habe den Eindruck, daß die ganze belgische Küste von den Engländern aufgegeben worden sei und alle englischen Truppen im Eiltempo bei Nacht und Nebel m Richtung Ostende und Calais zurückgezogen würden. „Es sieht so aus", schreibt das Blatt, „als ob man das britische Expeditionsheer teilweise oder sogar zum größten Teil aus Frankreich abtransportiere, um einem deutschen Angriff auf das Jnfelreich zu begegnen, wo sich zur Zett keinerlei ausgebildete Truppen befinden. Zwischen Laon und Valenciennes habe die an- greifenbe Front eine solche Breite erreicht, daß nicht länger von einem Keil gesprochen werden könne, eher von einem massiven Block, der sich in westlicher Richtung zwischen die ftanzosischen und belgischen Heere presse. Die Pläne der Westmächte, das vordringende deutsche Heer in einer Zange zu fassen, seien durchkreuzt worden. „Die Zange hat nicht funktioniert ... General Gamelins erster Versuch, durch doppelte Flankenangriffe mit Unterstützung schwerer Panzerwaffen die deutsche Offensive zu brechen, ist mißlungen, und dieser Versuch ist Gamelins letzter gewesen." Ieinungsverschieoenhellen im Lager der Westmächte. Kopenhagen, 21. Mai. (Europapreß.) Meldungen über die Hintergründe der Aufhebung des gemeinsamen englisch-französischen Oberbefehls über die Kriegsoperationen in Frankreich besagen, sie sei in erster Linie zurückzuführen auf grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten zwischen den englischen und französischen Generälen. Es sei kein Geheimnis, daß große persönliche Gegensätze zwischen General W e y g a n d und Lord Gort bzw. General I r o n s i d e , dem Chef des englischen Generalstabes, seit langem bestanden chatten. Diese Gegensätze sollen die Aktionsfähigkeit Engländer aufgeholt hat und nun auch den stärksten Gegner vor sich hertreibt. 35 Kilometer weiter nordwestlich wurde Arras erreicht, die Hauptstadt des Artois an der Scarpe, einem Nebenfluß der Schelde, an deren Ufer im Weltkrieg oft und heftig gekämpft worden ist, besonders während der Märzoffensive 1918 und in den schweren Abwehrschlachten tm Spätsommer des gleichen Jahres. Arras selbst, ein Städtchen von 30 000 Einwohnern, mit mittelalterlichen Befestigungen und Stadttoren, war ebenso, wie Amiens, nur vorübergehend nach dem Vormarsch 1914 in deutscher Hand. Mit Amiens, in der Luftlinie rund 50 Kilometer von P^ronne die Somme aufwärts am Einflüsse der Aore und Ancre, ist den deutschen Truppen der wichtigste Bahnknotenpunkt Nordfrankreichs in die Hand gefallen. Amiens ist die Hauptstadt der Picardie mit 90 000 Einwohnern, ihre Kathedrale, ein Meisterwerk der späten Gotik, ist weltberühmt. Im Frühjahr 1918 war Amiens das Ziel der großen deutschen Offensive, es konnte jedoch nicht erreicht werden. Diesmal gelang es den deutschen Truppen bereits, am Südufer der Somme einen Brückenkopf zu bilden, der der Flankensicherung gegen etwa voy Süden her unternommene Entlastungs- Versuche dient. Noch 45 Kilometer weiter flußabwärts an der versandeten Mündung der Somme wurde Abbeville, ein Fabrikstädtchen von 20 000 Einwohnern errreicht und damit bis zur Kanalküste vorgestoßen. Nun wird also die Straße Dover —Calais unmittelbar in die Operationen einbezogen. Die Versenkung von sechs Transportschiffen und Tankern mit der beträchtliche Tonnage von 43 000 Tonnen durch deutsche Bomber in oer Nacht zum 21. Mai und die lebhafte Seeaufklärung vor der französischen Küste deuten ja schon an, was sich hier tut. Ein besonderes Ruhmesblatt bei dieser so gewaltigen Ausweitung des Durchbruchs zwischen Sam- bre und Maas ist die Zerschlagung der französischen 9. Armee, die an der Maas zwischen Sedan und Namur die Verbindung zwischen Maginot-Linie und der in Mittelbelaien kämpfenden feindlichen Heeresgruppe halten sollte. Daß dabei der Armeestab und der im Wechsel des Oberbefehls gerade in seinem Stabsquartier anlangende General Giraud, ein wegen seiner besonderen Befähigungen gerühmter und deshalb auch wohl 'an den von der Katastrophe bedrohten Abschnitt entsandter Offizier, gefangen genommen wurde, ist ein besonderer Treppenwitz, den sich die Kriegsgeschichte hier erlaubt hat. So wenig, wie an dem rechten Flügel die genial eingeleitete und überlegen durchgeführte große deutsche Durchbruchs- und Umklammerungsoperation durch feindliche Gegenstöße beeinträchtigt werden konnte, ebenso sicher ist die linke deutsche Flanke durch starke deutsche Kräfte gestützt. Wir haben hier gestern schon den in diesem Sinne erfolgten Vorstoß von Laon über den berühmten Chemin des Dames hinaus an den Aisne- Oise-Kanal gewürdigt: weiter östlich konnte die Stadt R e t h e l an dem nach Norden sich aus- buchtenden Aisnebogen ganz in unsere Hand gebracht werden, sodaß hier eine Flankenbedrohung durch von Mittelfrankreich herangeführte neue Kräfte ebenfalls ausgeschaltet worden ist. Ein deutscher Sieg von noch nicht übersehbarer Gröhe und Folgewirkung zeichnet sich in seinen er- sten deutlichen Konturen ab. Der geniale Opera- tivnsplan, der, wie Generalfeldmarschall Göring am Montag in so beredten Worten überzeugend dargetan hat, des Führers eigen st es Werk ist, hat durch die überlegene Truppenführung ebenso, wie durch die beispiellose Tapferkeit und Zähigkeit, den Angriffsgeist und Schneid der deutschen Truppen in glänzend eingespieltem Zusammenwirken aller Waffen, eine Verwirklichung .gefunden, die das beste Unterpfand für unseren Sieg im Großdeut- fchen Freiheitskampf darstellt. Des deutschen Volkes heißer Dank gilt dem Führer und seinen Soldaten, unser aller opferwilliges Vertrauen ist mit ihnen in jeder Stunde ihres Kampfes für Deutschlands Zukunft. Dr. Fr. W. Lange. Das Ritterkreuz für tapfere Pioniere. Führerhauptquartier, 21. Mai. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber überreichte heute im Führerhauptquartier dem Kommandeur eines Pionierbataillons Oberstleutnant M i 1 o f ch und dem Oberfeldwebel im gleichen Bataillon Portsteffen das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz. Oberstleutnant M i k o s ch hat unerschrocken und kühn sein Bataillon durch befestigte und schwerverteidigte Stellungen gegen das Fort Eben E m a e l xum Entsatz der tapferen Eroberer geführt. Dieser Tat ist es zu danken, daß das Fort endgültig gehalten werden konnte. Oberfeldwebel Portsteffen führte im Rahmen dieses Angriffes einen Stoßtrupv in stärkstem feindlichen Feuer über unzählige Wasser- und sonstige Hindernisse, drang in das Fort ein und konnte als erster den Kameraden der Luftwaffe die Hand reichen. Damit ist zugleich der deutschen Pionier- Ito a f f e eine Auszeichnung zuteil geworden, in der die hohe Anerkennung des mutigen Einsatzes und der hervorragenden Leistungen der Pionierwasfe ihren beredten Ausdruck findet. Erst unlängst verzeichnete der Heeresbericht des OKW. rühmend die Tat des Pionieroberleutnants Germer, der sich bei der Niederringung des Panzerwerkes 505 besonders ausgezeichnet hatte. Diese Anerkennungen lenken die Blicke auf den starken Anteil, den gerade die Pionierwaffe, deren gewaltige Leistungen als kämpfende Truppe auch aus dem Weltkrieg noch in aller Erinnerung find, auch im heutigen modernen Krieg mit dem Einsatz neuartiger Angriffswaffen an den Erfolgen der deutschen Wehrmacht, insbesondere bei der Einnahme moderner feindlicher Befestigungswerke, hat. Oberfeldwebel Portsteffen ist der erste Unteroffizier des Heeres, der bisher die hohe Auszeichnung des Ritterkreuzes erhalten hat. Das Ritterkreuz für Kliegeroffiziere und Fallschirmjäger. Berlin, 21. Mai. (DNB^) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht verlieh au Vorschlag des Generalfeldmarschalls Göring dem Major Petter, dem Oberleutnant Kuntze und Feldwebel Arpke das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz.'Die beiden Offiziere sind Angehörige eines Kampfgeschwaders, das in zahlreichen kühnen Einsätzen gegen englische Seestreitkräfte in der Nordsee und dem Küstengebiet Norwegens der englischen Flotte schweren Schaden zugefügt hat. Feldwebel Arpke ist Angehöriger eines Fallschirmjägerregimentes, das im Einsatz gegen Westen am Gelingen des raschen Vormarsches der deutschen Truppen hervorragenden Anteil hatte. Zerschossene Häuser in Bouillon. Straßenzeile in dem belgischen Städtchen Bouillon/nahe der französischen Grenze, bei Sedan. Die Brücken wurden vom Feind gesprengt, jedoch konnten unsere Pioniere in vorbildlicher Arbeit schnell neue Brückenübergänge schaffen. — (PK.-Kindermann-Scherl-M.) Ä - q | 4 M Wv Panikstimmung in Frankreich. Genf, 21. Mai. (Europapreß.) Der französische Ministerrat trat am späten Nachmittag des Montag zusammen. R e y n a u d hielt in Gegenwart des stellvertretenden Ministerpräsidenten Marschall P 6 t a i n ein militärisches Expos6, zu dem letzterer Angaben vom Standpunkt des Militärs machte. Der Ministerrat beschloß ein Dekret über die innere und äußere Sicherheit des Staates. Der neue Innenminister, der Jude Mandel, führte längere Besprechungen polittscher Art. Mandel hat den Präfekten des Aisne-Departements a b g e f e tz t und durch den Generaldirektor der Staatspolizei, Bus- i e r e, ersetzt. Zum Generaldirektor der Staatspolizei wurde der Generalinspektor der Verwaltungsdienste, Winter, berufen, der diesen Posten chon im letzten Kriege unter Clemenceau versehen hat. Mit Gewehren bewaffnete Polizei kontrolliert jetzt die Hauptstraßen von Paris und prüft die Ausweise aller verdächttgen Personen. Kaum 48 Stunden sind seit seiner Ernennung vergangen, und schon lassen sich an den ersten von dem neuen Herrn im Innenministerium getroffenen drakonischen Maßnahmen die G r ü n o e seiner Berufung erkennen. Mtt der allgemein wachsenden Panikstimmung in Frankreich und vor allem in Paris waren außerordentliche Maßnahmen notwendig geworden, um der inneren Aushöhlung der ranzösifchen Moral entgegenzutreten. Die ersten Verordnungen sind nun zum Teil in ihren Einzelheiten bekannt. Evakuierungen dürfen nur noch auf Weisung der Militärbehörden vorgenommen werden. In den gefährdeten Industriestädten des Nordens beschäftigte Arbeiter, die chre Arbeitsplätze verlassen, haben schwerste ©träfe zu erwarten. Sie werden fast wie Hochverräter behandelt. In Pariser Kreisen werden die Maßnahmen gegen die Evakuierung der Zivilbevölkerung auf die im Norden herrschende, zum Teil gefährliche Desorganisation zurückgeführt. So sind nicht nur viele Eisenbahnlinien, sondern auch die meisten nach Norden führenden Sttaßen so rettungslos v e r - topft, daß selbst die notwendigen Militärtransporte auf Schwierigkeiten stoßen. Dazu kommt weiter, daß die deutsche Luftwaffe wichtige Eisenbahn- und Straßenknotenpunkte zerstört hat, die bisher kaum notdürftig wieder hergerichtet werden konnten. Weiter mangelt es, wie das Beispiel der Pariser Autobusse zeigt, die zur Evakuierung und zum Transport belgischer Flüchtlinge aus dem Pariser Verkehr gezogen werden mußten, an aeeig- neten Verkehrsmitteln, an rollendem Eisenbahnmaterial als auch an Kraftwagen. Reisende, die soeben aus Paris eintreffen, stehen noch unter der Wirkung der unbeschreiblichen Panikstimmung, die in der französischen Hauptstadt seit Durchsickern der militärischen Erfolge der deutschen Truppen an der nordfranzösischen Front ausgebrochen ist. Die Bevölkerung von Paris ist in eine regelrechte Nervenkrise verfallen, die noch durch die Flut von Hiobsnachrichten verschärft wird, die allstündlich von den nach und durch Paris strömenden Flüchtlingsscharen aus Nordfrankreich mitgebrackt werden. Die Behörden ergreifen schärfste Maßnahmen, um jeden Kontakt zwischen der Zivilbevölkerung und den Flüchtlingen zu unterbinden. Die Panik versucht man durch die brutalsten Strafen gegen angebliche „Verbreiter falscher Nachrichten" zu bekämpfen. Noch ist in Paris die wirkliche Tragweite des deutschen Vorstoßes bis an die Küste des Aermelkanals nicht offiziell bekanntgegeben worden, doch diese Schreckensbotschaft fließt von Mund au Mund. Die Folge ist, daß Hunderte und Tausende von Parisern fluchtartig die Hauptstadt verlassen. Mit Kraftwagen, Pferdefuhrwerken und soweit noch möglich mit der Eisenbahn fliehen die Pariser nach SÜD- und Westfrankreich. Reynaud hofft aus ein Wunder. Rom, 22. Mai. (Europapreß.) Der französische Senat hielt am Dienstagnachmittag, wie die italienischen Blätter berichten, eine etwa 30 Minuten dauernde Sitzung ab. Die Atmosphäre der Senatssitzung war, obwohl man ihr absichtlich einen gefaßten Cha- ratter aufzudrücken versuchte, sehr nieder- drückend. Reynaud machte kurze Ausführungen über den Kommandowechsel in der französischen Armee. An der Maas lagen nur wenige französische Divisionen, die den Fluß unter Korap verteidigten. Die besten Truppen seien nach Belgien entsandt worden. Infolge von' unglaublichen Fehlern, für die die Verantwortlichen noch zur Rechenschaft gezogen würden, sei es nicht gelungen, die Brücken über die Maas zu sprengen. Durch diese Bresche drangen die motorisierten deutschen Truppen weiter vor. Seit 48 Stunden gehe der deutsche Vormarsch weiter, und feit heute morgen seien Arras und Amiens besetzt. Man müsse Entscheidungen treffen. Reynaud gebrauchte die bezeichnenden Worte: „D i e Nation ist in G efahr!" und sprach von einem Wunder, das geschehen müsse. Die italienische Presse berichtet, der Senat habe mit tiefer Erschütterung von der Tatsache Kenntnis genommen, daß die deutschen Truppen weit in Nordfrankreich vorgedrungen sind. Der „Petit Parisien" bezeichnet die Lage an der Somme als ä u ß e r st e r n ft. Es herrsche ein tolles Schlachtgetümmel, das mit der Hölle von Verdun vergleichbar sei. Die Stellungen der beiden Gegner ließen sich nicht mehr genau feftfteüen. Zehn Tage hätten dem Feinde genügt, um den totalen Krieg nach dem Norden und Nordwesten Frankreichs zu tragen und ihn mit unerbittlicher Hartnäckigkeit fortzusetzen. Nach dem Verlust von Sedan, das von Napoleon als eine Schlüsselstellung betrachtet worden sei, sei die Invasion unvermeidlich gewesen. Erst später werde man die Gründe des deutschen Erfolges beim Angriff auf die wichtigste Befestigungslinie der Maas ermitteln können. Madrid und die: efimächte. Don unserem Ba.-Korrespondenien. Madrid, Mitte Mai 1940. Seit einigen Tagen wird in Madrid gegen die Westmächte eine besonders scharfe Sprache geführt. Sämtliche spanischen Blätter beschäftigen sich in Leitarttkeln mit einer Abfuhr für Paris und London, auf die besondere Betonung gelegt wird. Eine solche Haltung Madrids muß in der yeutigen Zett als besonders bedeutsam angesehen werden. Schon haben die diplomatischen Vertreter der Westmächte hier seltsame Vorsprachen geführt und merkwürdige Fragen gestellt, die alle auf die Möglichkeiten von Verwicklungen im Mittelmeer Bezug hatten. Tatsache ist, daß die Politiker von Paris und London den Spaniern reichlich Gelegenheit gegeben haben zu derartigen Stellungnahmen in der Presse. Mit einer Naivität, die weit über das normale Maß. hinausgeht, haben die heute in Paris und London maßgeblichen Männer Versuche einer A n - Näherung an Spanien unternommen. Wenn nun die spanische Führung sich entscheidet, den Ungeschicklichkeiten und Torheiten der demokratischen Seite zu begegnen, so hat das in dieser Stunde einen politischen und auch einen strategischen Sinn. Der französische Ministerpräsident Reynaud hatte den Anfang gemacht. Don der Tribüne der französischen Kammer aus hatte er Worte geprägt, die die Notwendigkeit, mit Spanien in Freundschaft zu leben, betrafen. So nebenbei sagte er dabei allerdings auch, es gäbe zwar eine polltische Distanz zwischen der Regierungsform von Madrid und der von Paris, aber das mache weiter nichts aus. Reynaud wurde darauf eine Entgegnung zuteil, die, wie wir erfahren haben, sogar den alten Marschall P 6 t a i n ; den Botschafter der dritten Republik in Madrid, in Bewegung brachte und zu düsteren Bemerkungen über die spanisch-französischen Beziehungen veranlaßte. Die Spanier ließen nämlich Reynaud wissen, es aäbe leider in der Haltung Frankreichs einen Unterschied zwischen den Worten und den Tatsachen. Während man von Freundschaft zu Spanien daherrede, liehe man auf der anderen Seite die Rotspanier sich in Frankreich betätigen und Propaganda machen, und es sei zu beobachten gewesen, daß die verschiedenen rotspanischen Organisationen in Paris gerade erst seit dem Regierungsantritt Paul Reynauds das Höchstmaß ihrer Geschäftigkeit zeigten. Reynaud auf dem Fuße folgten einige ©entfernen im britischen Unterhaus. Man darf ruhig diese Herren mit Gentlemen bezeichnen, denn es ist ganz offensichtlich geworden, daß dieser Begriff eine Wandlung erfahren hat und sich den neuen Bedürfnissen der britischen Interessen in einer erstaunlichen Weise angepaßt hat. Im Unterhaus hatte man sich lobend über Spanien ausgelassen. Es waren Mitglieder der verschiedensten politischen Parteien an diesem Lobgesang beteiligt. Konservative, Liberale und selbst Mitglieder der Labour Party sprachen. Ein Redner der Labour Party ver- stieg sich sogar so weit zu erklären, man müsse die Vergangenheit vergessen und in Betracht ziehen, daß auch ein mächtiges Spanien england- freundlich fein könne. „So etwas", meint Don Manuel Aznar, der meist offiziös für die spanische Regierung spricht, „haben wir seitdreihundertJahren nicht mehr gehört, und mit einem gewissen Schmunzeln werden diese Erklärungen in Madrid zur Kenntnis genommen, denn schließlich deutet es ja daraus hin, daß Spanien für Großbritannien an Bedeutung zugenommen fjat, und zwar so stark, daß man heute Spanien gegenüber Worte prägt, die vor 300 Jahren, das war, als Philipp II. hier lebte, zum letzten Mal möglich waren." Aber auch im britischen Unterhaus ist ein unglückliches Wort gefallen. Man hat dort von der fünften Vergangenheit gesprochen und hat darüber gesagt, es wäre am besten, diese Ge- Ichehnisje aus der Geschichte auszuradieren. Führer und Feldherr. Don unserer Berliner Schristleiiung. Die Abhalfterung des französischen Generalissimus Gamelin und seine Ersetzung durch Weygand ist nur ein Beispiel für die Verwirrung^ welche die blitz, artigen Schläge der deutschen Wehrmacht in der gegnerischen Kriegsleitung angenchtet haben. Man zerbricht sich seit zehn Tagen im Feindlager ver- geblich die Köpfe darüber, wie es möglich war, daß die deutsche Offensive in derart gewaltigem Ansturm alle Widerstände und Hindernisse überrennen konnte, wie es möglich war, daß alle Gegenmittel und Gegenangriffe der technisch hoch gerüsteten West, möchte völlig versagten. Auch bei uns in Deutsch, land hat mancher Volksgenosse nur den Kopf schütteln können, hat sich immer wieder gefragt, wie vom ersten Tage der Maioffensive an eine solche, jedem historischen Vergleich hohnsprechende lieber* legenheit der deutschen Waffen nur erreicht werden konnte. Wir dürfen es ruhig zugeben, daß wir über die Einmaligkeit und Blitzartigkeit der deutschen Aktionen im Westen Überrascht sind. Sorgen, Wünsche und Fragen sind in unserer Mitte laut geworden und sind auch an die Oberste Führung gelangt. So hat denn ©eneralfeldmarschall Göring, als er am 20. Mai in Berlin zu tun hatte, eine halbe Stunde geopfert und deutscke Schriftleiter' empfangen, um die unser Volk bewegenden Fragen zu beantworten. Diese halbe Stunde wird jedem, der dabei gewesen ist, unvergeßlich bleiben. Denn was wir alle schon geahnt und heimlich im Herzen ge, hofft haben, das wurde hier offenbar: Es ist der Führer selbst, der diesen genialen Feldzugs- plan entworfen hat, der die Operationen in allen Einzelheiten leitet und der dafür sorgt, daß die deutschen Siege mit einem Mindestmaß an Verlusten erkämpft werden. Sein Feldherrnaenie, das in der deutschen Geschichte seit Friedrich Dem Großen keine Parallele ftndet, hat alles vorausgesehen und vorausberechnet, es hat die strategischen Grundsätze, die früher und in anderen Ländern noch heute als heilig gelten, mit kühnem Schwung durchbrochen, es bringt Operationen und Bewegungen hervor, die oft in direktem Gegensatz zu den vis- herigen Lehren und Anschauungen stehen. Aber diese geniale Führung ist auch nur möglich, weil sie, wie man fachtechnisch sagt, die Armeen „am kurzen Züge l" hält, das heißt, weil der Feldherr — ohne Behinderung durch einen großen „Kriegsrat" — je nach der Lage und den Veränderungen auf dem Kriegsschauplatz blitzschnell neue Entschlüsse saßt und sie unmittelbar an die kämpfenden Divisionen weitergibt, weil er Befehle erteilt, die der jeweiligen Situation angemessen sind und daher nicht nur kühn, sondern auch logisch sind. Diese Logik der Befehlsgebung, die ein Fundament des Vertrauens zwischen Führung und Wehrmacht ist, aber entspringt einer anderen Eigenschaft des Feldherrn Adolf Hitler: seinem ungeheuren Wissen auf militärischem und technischem Gebiet. Er kennt die Waffen unserer Feinde und ihre Wirkungsweise ganz genau. Er kennt aber auch hie Sorgen des einfachen Mannes an der Front, weil er ja selber vier Jahre lang als Infanterist im Dreck und Feuer der Weltkriegs- schlachten standgehalten hat. Der Landser vorn kann sich darauf verlassen, daß mit seinem Mut und Blut kein Schindluder getrieben wird, er weiß, daß fein Leben durch bessere und stärkere Waffen geschützt wird, als der Feind sie besitzt. Dies ist der dritte Punkt, der das Feldherrngenie des Führers kennzeichnet. Die Tatsache aber, daß der größte Staatsmann unserer Zeit zugleich ihr größter Feldherr ist, erklärt und verbürgt unseren Sieg im groß- deutschen Freiheitskampf Heinrich Evers. Das entspricht aber keineswegs der spanischen Auffassung. Don Manuel Aznar meint im Gegenteil, man könne den britischen Anbiederungsversuch heute nur begreifen, wenn man einen genauen Blick auf die jüngste Vergangenheit werfen. Aznar schildert dann die britische Haltung bei Beginn des spanischen Bürgerkrieges und das, was er darüber sagt, ist geeignet, die Herzen aller nationalgesinnten Madrider in eine Erregung zu versetzen, die für Sympathien für Großbritannien keinen Raum mehr läßt. Es habe, so meint Aznar ironisch, in der Geschichte einen britischen Beitrag gegeben und den habe man gemeinhin den britischen Gentleman genannt. Aber die wunderbaren Qualitäten dieses britischen Gentleman seien zu Beginn des spanischen Bürgerkrieges dem national gesinnten Spanien gegenüber in feiner Weise mehr wirksam geworden. Wie die britische Botschaft sich zu Beginn des spanischen Bürgerkrieges hilfesuchenden Spaniern gegenüber verhalten habe, das sei in keiner Weise gentlemanlike gewesen, und die Tatsache, daß es eine von der brittschen Regierung vorgeschriebene Haltung war und keineswegs der menschliche oder politische Irrtum eines einzelnen Engländers, das sei geeignet gewesen, die spanischen Gefühle für Großbritannien einer tiefen und endgültigen Revision zu unter« ziehen. Die Leitartikel der spanischen Presse an die Adresse Paul Reynauds, die Erklärungen Manuel Aznars an die Adresse der britischen Politiker, dies alles ist über die spanischen Rundfunksender verbreitet worden. Man zögert in Madrid nicht, den Westdemokratien die Meinung zu sagen. Man bemerkt in diesen politischen Kundgebungen zwar die eigentlichen spanischen Beweggründe, aber es klingt dabei auch eine gewisse Angleichung an ähnliche Kundgebungen, die in Italien stattfinden, durch. Wie die Engländer in Belgien hausten. Berlin, 21. Mai. (DNB.) In den von den deutschen Truppen besetzten Teilen Belgiens, insbesondere dort, wo die Engländer auf ihrem fluchtartigen Rückzug durchmarschiert sind, sind Verwüstungen in größtem Ausmaß angerichtet worden. Die flämischen Landesteile Belgiens hatten darunter besonders zu leiden. Es ist vorgekommen, daß die Briten bei ihrem Abzug Brücken sprengten, ohne die Bevölkerung zu warnen, so daß ote umliegenden Häuser mit allen Einwohnern v erni chte t wurden. In Brüssel wie auch in Antwerpen wurden umfangreiche Warenlager angesteckt und Lebensmittelvorräte vernichtet. In Löwen, aber auch in den Dörfern Flanderns, haben die englischen Soldaten regelrecht geplündert, so daß die Erbitterung der verratenen und geschädigten Bevölkerung in schärftten Worten Ausdruck findet. Batterie geht in Feuerstellung Ml Panzerspähtrupps zwischen Aisne und Oise Deutsche Kampsflieger greisen englischen Geleitzug an Auf einem Feld in Belgien geht hier Artillerie in Stellung, um feindliche Widerstandsnester unter wirksames Feuer zu nehmen. Während die Geschütze bereitgemacht werden, ist ein Kanonier dabei, Deckungsgräben gegen feindliche Feuerüberfälle anzulegen. — (PK.-Ulrich-Scherl-M.) Wenige Augenblicke später ist die Staffel wieder in den Wolken verschwunden. Die Flak, die beim Angriff wie wild schoß, kann ihr nichts mehr an- haben. Bis über die Wolken stoßen die deutschen Flugzeuge vor, und oben kann der Staffelkapitän zuz seiner großen Freude feststellen, daß der Angriff auf den Geleitzug von seiner Staffel, ohne eigene Verluste durchgeführt worden ist. Durch F. T. erhält er dann Meldung, daß eine andere Besatzung seiner Staffel noch einen Kreuzer ebenfalls durch einen Bombentreffer schwer beschädigt hat. Also noch einen weiteren Erfolg. Die Staffel schließt sich wieder zusammen und geht auf Heimatkurs. Eine Stunde später steht der Staffelkapitän vor seinem Kommandeur: „Melde gehorsamst: Auftrag durchgeführt, ein Transportschiff durch Bombentreffer versenkt, ein Kreuzer durch Volltreffer schwer beschädigt, keine eigenen Verluste." Heinz Mänz. über den weiteren Verlauf der SLurmphase folgendes: „Wir lagen in unseren Stellungen, als plötzlich auf der Straße und zu beiden Seiten d t e Panzer auftauchten. Ehe wir recht zur Be- innung kamen, erhielten wir Feuer. Unsere Panzerabwehr muh gleich so schwer beschossen worden sein, daß sie überhaupt nicht mehr zur Wirkung kam. Wir schossen mit Maschinengewehren, aber die Garben prallten — es war förmlich zu sehen — wirkungslos an den Panzern ab. Dagegen blitzte und krachte es um uns her in die Brüstung, in die Faschinen, in die Sandsäcke unseres Grabens. Mit einer unheimlichen Geschwindigkeit näherten sich die eisernen Ungeheuer. Unsere Gräben sollten Panzerdeckungsgräben sein. Kein Mensch aber traute den kümmerlichen Stützen angesichts der Kolosse vor uns, die immer nähe» und näher rückten, immer größer und größer vor unseren Augen wurden. Plötzlich ruft einer mit schriller Stimme: „Wir sind verloren!" Das gab den anderen den Rest. Eine Panik brach aus. Niemand dachte mehr an Abwehr. Das war alles so schön eingeübt, mit geballten Ladungen und Handgranaten vorzugehen, aber das ist eben alles besser und leichter gesagt als getan. Während sich die ersten zur Flucht wandten, standen die Panzer auch schon groß und drohend vor uns. Es war, als fühle man einen heißen Atem von ihnen ausgehen. Völlig gelähmt hoben wir die Hände. Ein oder zwei Panzer umfaßten die Stellung, dann öffneten sich die Turmluken. Der Schütze erschien. Es war wie eine Erlösung, einen Menschen über diesem erbarmungslosen Stahlkoloß zu sehen, einen Menschen, der dem zermalmenden Schritt des Panzers Einhalt gebot. Völlig niedergeschlagen und In ihre Gespräche, die sich um den Wagen, um den Poilu, um das Gelände drehen, dringt plötzlich ein Komando: „F e r t i g m a ch e n !" Raschelnd fällt hier und da noch ein Tarnzweig zur Seite. Grau und erdbraun in ihrem lehmbespritzten Stahlmantel stehen die Panzer sprungbereit an ihrem Platz. Im Quartier der Kampfwagen ordnen sich Mensch und Material zum Einsatz. Die Fahrer sind schon im Innern verschwunden, kauern — die Hand an Hebel und Steuerrad — auf ihren Sitzen. Durch das Glas des Sehschlitzes spannen zwei glänzende, kampffrohe Augen nach draußen. Ein Zeichen von vorn. Nun klettern auch die Schützen in den eisernen Leib hinein. Im offenen Turm des Kampfwagens steht der Kommandant. Der erste Panzer rollt an. Der Führerwagen. Marschziel und Kampfauftrag sind festgelegt. Jeder kennt seine Aufgabe. Die Panzer haben den schützenden Ort verlassen, rasselnd und dröhnend ziehen sie jetzt auf Spur die schütternde Straße entlang. Lauf und Rohr richten sich drohend seindwärts. Noch stehen die Männer im offenen Turm. Jetzt tritt beim ersten Wagen die schwarze silhouettenhafte Gestalt vom Hintergrund des blauen Himmels zurück, versinkt lautlos. Von der schwarzen Kappe leuchtet noch einmal der silberne Totenkopf schimmernd auf. Dann schließt sich die Luke. Mit seinem härtesten Schritt tritt der Krieg in dieser Stunde auf den Boden Frankreichs. Seinen Weg lenken aber im Innern der Panzer opferfreudige und einsatzbereite Männer, die um ihr Vaterland und ihre Freiheit kämpfenden deutschen Soldaten. Aus dem stählernen Zug weicht plötzlich einer der Wagen rechts ab, klettert von der Straße über einen Graben hinab, legt den Zaun einer Koppel um und rollt auf der rechten Flanke über eme Wiese. Helle Spuren drücken die Raupenbänder in das dunkle Gras. Ein anderer Panzer schiebt sich auf dem linken Flügel vor. Er knickt auf seinem Marsch über eine Böschung Bäume wie Strohhalme und mahlt im Wege liegende Steine zu Splittern. , r Gefangene Franzosen, denen diese Panzer im Angriff begegnet waren, erzählen später Abschnitt hinter Sedan, einen Weg, den die deutsche Luftwaffe schon vorher sichtbar markiert hatte. In V. stehen, gut mit Laubwerk getarnt, zwischen Gärten und am Waldrand deutsche Panzerkamp f w a g e n. Es ist noch früh am Morgen, doch die Sonne brennt bereits um diese Stunde so warm, daß es wieder ein heißer Tag zu werden verspricht. Fahrer und Panzerschützen sind schon an ihren Fahrzeugen. Motor, Räder, Raupenketten und vor allem die Waffen werden mit fach- und fachkundigem Blick geprüft. Ein Hammerschlag hier, ein Schraubenzug dort rücken kleine Unebenheiten zurecht. Der Fahrer läßt seinen Motor einmal aufbrummen, schaltet vor und zurück. In Ordnung! Der Tank ist voll Betriebsstoff. Fahrtechnisch kann es also losgehen. Der Schütze hat indessen die Waffen nachgesehen. Munitionsvorrat ist vorhanden. Auch in dieser Richtung ist alles klar. „Hein, ich glaube, es wird wieder einen warmen Regen geben!" — „Laß man, Fritz, unsere Kiste macht's!" Es sind verwegene Burschen, die beiden Panzermänner. Verwegen wie ihr schwarzes Tuch. lanbe des Departements Aisne. Aisne — ein berühmter Name! Millionen deut- Icher Krieger kennen den kleinen Fluß aus dem Großen Krieg. Und nicht weniger seinen Zwillings- bruber, d i e Oise. Zwischen Aisne und Oise hat sich in diesen Maitagen 1940 eines der entscheidendsten Ereignisse im bisherigen Verlauf des gegenwärtigen Krieges abgespielt. Bei Sedan durchbrach das deutsche Heer den Wall des Widerstandes der Franzosen. DeutschePanzerverbände, und in ihrem Rahmen motorisierte Truppenteile, Pionier- und Nachrichtenabteilungen bestimmten den weiteren Weg des Feldzuges in diesem widerstandslos ließen wir uns dann gefangenneh- men." Aus den von den Kampfwagen überholten oder tn der Verfolgung zusammengeschossenen Feindkolonnen fiel eine ungeheure Beute an Ausrüstung und Waffen, an Munition und Gerät in deutsche Hand, darunter unter anderem zehn bis zwölf Geschütze schwerster französischer Mörser allein auf einer kurzen Wegstrecke von höchstens zwei Kilometer. An der Oise errichteten die deutschen Truppen mehrere Brückenköpfe, und am Abend des gleichen Tages zogen Panzerspähwagen schon über sie hinaus und streiften bereits an der Somme vor den ersten Häusern von St. Quentin umher. Ebenso ging der Weg der kämpfenden Verfolgung nach Süden und Südwesten. Als die Oise, überschritten und von einzelnen Spähtrupps die Somme erreicht war, hatten andere Aufklärungspanzer sich in der Gegend von Rethel bereits bis zur Aisne herangepirscht und standen damit vor dem Nord- cingang zur Champagne, kaum mehr als vierzig Kilometer von Reims entfernt. Weit über 10 000 G e f a n ge n e wurden in diesem Raum zwischen Oise und Aisne in weniger als drei Tagen eingebracht. Endlose Züge, pilgern sie ostwärts, Soldaten Frankreichs aller Schattierungen: Pariser Regimenter und solche aus den Departements der atlantischen Küste, dann viele Kolonialtruppen: Zuaven, Algerier, Anamiten, Neger — ein buntes Gemisch. Und wieder in den Reihen der französischen Armee Menschen deutscher Zunge, Elsässer, die mit west- und südfranzösischen Regimentern an diese Front geworfen wurden. In einem unverfälschten badisch-alemannischen Dialekt sprechen sie die Feldgrauen an, froh darüber, daß sich ihr Schicksal so gewendet hat. ■ Kiekheben-Schmidt. Vitaminreiche Ernährung auch im Bewegungskrieg. Die Erfahrungen der letzten Kriege haben gezeigt, daß die ausreichende Ditaminversorgung der kämpfenden Truppe einen entscheidenden Faktor in der Kriegführung bedeutet. Seit Jahren hat das Heeresverwaltungsamt im Oberkommando des Heeres Wert darauf gelegt, auf dieser neuen Grundlage die gesamte Soldatenernährung abzuwandeln. Die hervorragenden Marsch- und Kampsleistungen der deutschen Wehrmacht in den letzten Tagen haben den neuerlichen Beweis erbracht, daß man mit der Verabreichung von Vitamin-Konzentrat en neben der abwechslungsreichen täglichen Soldatenkost den richtigen Erfolg erzielt hat und damit nicht unwesentlich zu den Erfolgen durch Erhaltung der Kampfkraft der Truppen beigetragen hat. In diesen Tagen hat übrigens ein namhafter ausländischer Universitätsprofessor und bedeutender Ditaminforscher aus seinen Erfahrungen bestätigen können, daß die deutsche Soldatenernährung gegenüber allen anderen Armeen am vorteilhaftesten ist. Erweiterung der Arbeiten des Genfer Voten Kreuzes. Genf, 21. Mai. (Europapreß.) Der Ausschuß des Internationalen Roten Kreuzes in Genf nimmt eine Erweiterung seiner Arbeiten vor. Das Büro für den Austausch von Gefangenen und von Internierten hat nun auch eine holländische, belgische und luxemburgische Abteilung eingerichtet. Wie der Ausschuß mitteilt, sind von Berlin telegraphisch die ersten Nachrichten über belgische und holländische Gefangene eingetrofsen. Zwei Delegierte des Internationalen Roten Kreuzes befinden sich augenblicklich in Deutschland, wo sie Fühlung mit den offiziellen Stellen ausgenommen haben und Gefangenen- und Jnterniertenlager besuchen. Von Deutschland aus werden sie sich nach Polen und in das besetzte Norwegen begeben. Zur gleichen Zeit find Vertreter des Roten Kreuzes zum selben Zweck nach Frankreich abgereist. liges Ärmeegebiet. Bei Rozoy etwa haben die deutschen Truppen die Grenze zweier französischer Departements überschritten, sie verließen den Bezirk b-er Ardennen und traten ein in das flachere Ge- Eine deutsche Kampfstaffel ist unterwegs über der Nordsee. Sie hat Befehl, englische Transport- chiffe, die aus Holland zurückfahren, anzugreifen. Eng aufgeschlossen fliegt die Staffel ihren Kurs, voran die Maschine des Staffelkapitäns. Sorgfältig wird die mittlere Nordsee abgekämmt. Nichts entdeckt das scharfe Auge der Besatzungen. Fast eineinhalb Stunden schon dauert der Anflug, nichts ist auf der weiten See zu entdecken. Die Nordsee ist leer. Die Bewölkung nimmt immer mehr zu, nur hin und wieder läßt eine kleine Wolkenlücke den spähenden Blick nach unten frei. Die Staffel ist bereits bis auf 80 Kilometer an die englische Küste herangekommen. Da ruft plötzlich der Heckschütze der Führermaschine: „Unter uns ein Schiss! Schon hat der Staffelkapitän durch das berühmte „Wolkenloch vom Dienst" das von seinem Heckschützen gesichtete Schiff auch entdeckt. Aber nicht nur ein Schiff, sondern er zählt gleich dre,, vier, Herrgott, acht große Transporter, die von zwei Kreuzern und mehreren Zerstörern begleitet werden. Da haben wir ja die türmenden Engländer erwischt, denkt er und gibt seiner Staffel das Angriffszeichen. , v. • Schnell überprüft er noch einmal die Situation und entscheidet sich, mit dem Angriff noch etwa zehn Minuten zu warten. Er hofft, nach dieser Zeit eine bessere Angriffsposition zu bekommen. Die dort unten haben die deutschen Kampffliegerstassel noch nicht bemerkt, die oberhalb der Wolken ge- pannt auf den Angriff der Führermaschine wartet, immer noch hält der Stasfelkapitän die Position nicht für günstig genug, um einen erfolgreichen Angriff anzusetzen. Unten auf See laufen die Zerstörer hohe Fahrt. Lange weiße Schaumstreifen lassen sie hinter sich. Auf dem Decks der großen Transportschiffe stehen die Engländer Mann neben Mann. Ob keiner von ihnen ahnt, daß in der nächsten Minute die Hölle sich auftun wird, daß hoch über ihnen, durch die Wolken verdeckt, deutsche Kampfflieger auf den Angriff ihres Staffelkapitäns warten? Jetzt wird es soweit sein, denken die Besatzungen in den Flugzeugen. Vor ihnen haben sich die Wolken aufgetan und geben genügend Sicht nach unten frei. Das ist der Augenblick, auf den der Staffelkapitän gewartet hat. Er drückt sein Flugzeug nach unten und setzt zum Angriff auf den ersten Transporter an, die anderen Flugzeuge seiner Staffel folgen. Sekunden später sausen die schweren Bomben in die Tiefe. Haargenau hat der Staffelkapitän seinen Transporter ins Ziel genommen, und haargenau treffen feine Bomben: ein Volltreffer mit» schiffs, die zweite Bombe trifft hinten das Deck. Don der ungeheuren Wucht der Explosion scheint : sich das große Transportschiff zu ducken. Eine Se- ; künde später hebt sich das Heck nach Steuerbord, । und gleich darauf sackt es nach Backbord ab. Der Kahn wäre gewesen mit samt seinen tausend eng- : lischen Soldaten, denkt der Staffelkapitän und sieht t noch in seiner Maschine, wie mitschiffs 20 Meter hohe Stichflammen hochschießen und dann Sekun- 1 den später schwere dicke Rauchwolken überall her- ■ vorbrechen, die das ganze Schiff einhüllen. ......,20. Mai. (PK.) In Rozoy-Sur-Serre ährt vor einem Hause, das offensichtlich sein Ziel [t, ein Kradmelder vor. Er stellt sein Krad ab und oill eiligst durch die Haustür eintreten, als er — ie Klinke noch in der Hand — plötzlich stutzt. Der Slick des Soldaten haftet verwundert auf einem Schild an der Tür: e I b g e n b a r m e r i e". Hat r sich in ber Tür geirrt? Er tritt einen Schritt zu- uck und mustert die Hausfront. Nein, es muß timmen. In diesem Hause lag boch noch gestern nachmittag bie Befehlsstelle seiner Kompanie, dieses haus verließ er um 15 Uhr mit feinem Auftrag, kin Feldgendarm, der hinzutritt, klärt den Fall: Jaa, mein Lieber, Ihre Kompanie ist schon w i e- i e r weiter und nach B. verlegt!" Der Melder rkundigt sich noch kurz nach dem Weg, bankt und traust in Richtung B. ab. Flink unb gewandt schlängelt sich der Kradfahrer urch zwei auf gleicher Straße ziehende Kolonnen chwerer LKW. durch, überholt die brummenden Kolosse und ist bereits in einer halben Stunde in 3., einem kleinen Ort, in dem man sich nicht ver- rren kann. Der Melder hat bie einzige Straße innen kurzem Haus für Haus abgesucht. Aber !sine Kompanie hat er nicht gefunben. Ein Unter- iffizier einer anderen Einheit kann ihm jedoch Aus- lunft geben. Die Kompanie hat hier nur eine I u r 3 e Gastrolle von wenigen Stunden gegeben und soll sich jetzt in R. befinden. Der Melder wischt sich erst mal mit dem Hand- :ücken den Staub und Schweiß von der Stirn, setzt iid) feine Schutzbrille wieder vor die von Wind, Hitze und wenig Schlaf geröteten Augen und jagt | einer Kompanie nach R. nach. Hier hat er sie bann eingeholt. Es war genau 15 Uhr, als er dntraf, also vierunbzwanzig Stunben später, nachdem er sie verlassen hatte. Diese Begebenheit an der Westfront, die nicht das mnzige Beispiel ihrer Art ist, ist fast sinnbildlich 1 ü r das Temvo , das dort im Vormarsch ange- Ichlagen wird. In vierundzwanzig Stunden ist iweimal ber Sitz bes Befehlsstandes gewechselt üorben. Zwischen Rozoy unb R. liegen annähernb «iinfzig Kilometer. Das heißt also, daß im Verlaufe eines einzigen Tages — einschließlich einer Nacht — die deutsche Front um fünfzig Kilometer v orverlegt worden ist. Seoan, Charleville und rnbere Orte — vom südlichen Belgien ganz zu chweigen — sind heute schon sozusagen rückwär- ■ MM WM Ni Panzerspähwagen beim neuen Einsatz. Ein Bild aus dem Kampfgebiet in Belgien. Der mit.nfc $an3erfpäl)n>agen ist zum neuen Einsatz bereit — (PK.-Hmz-SHerl-M.) Französischer Raupenschlepper ging in die Falle. Ein französischer Raupenschlepper stürzte in eine von den Holländern als Sperre errichtete Straßenfalle und wird nun von unseren Soldaten untersucht. — (PK.-Schrnidt-Scherl-M.) Nie holländische Wehrmacht. Anläßlich der Kapitulation der holländischen Wehrmacht verdient festgestellt zu werden, daß die Holländer gerade in den letzten Monaten noch eine umfangreiche Wehrreform durchgeführt hatten. Das Friedensheer, das noch im Jahre 1938 nur 24 500 Mann betrug, war auf über 50 000 Mann erhöht worden. Die Dienstzeit für die unberittenen Waffen war von 5% aus 11 Monate ausgedehnt worden. Außerdem fand eine durchgreifende Reorganisation der Infanterie statt. Die Kriegsstärke des holländischen Heeres darf mit 500 000 Mann beziffert werden. Die Motorisierung und die Vervollkommnung der Bewaffnung waren ebenso wie der Ausbau der Befestigungen beschleunigt durchgeführt worden. Am 1. November 1938 war ein Kommando der Luftverteidigung errichtet worden. Ihm unterstanden alle Einheiten der Flieger und Flugabwehrtruppen sowie die militärische Luftschutzorganisation. Die Wehrmachtsausgaben betrugen für das Jahr 1938 152 Millionen Gulden, dazu kamen 40 Millionen zur Durchführung der Wehrreform. Die Luftwaffe verfügte über etwa 500 Flugzeuge einschließlich der Reserven. In der Kriegsgliederung bestand das holländische Heer aus acht Infanteriedivisionen mit 72 Batterien und einer leichten Kavalleriebrigade. Ferner gab es 20 Pionierkompanien, eine Eisenbahnkompanie und 14 Nachrichtenkompanien. Die Artillerie verfügte über 100 leichte und 60 schwere Geschütze einschließlich der Küstenbatterien, außerdem über ruyd 35 Flakbatterien. Angesichts der jetzigen Mobilmachung waren aber diese Zahlen noch wesentlich erhöht worden. Als Sollbestand der Bewaffnung waren vorgesehen: 3100 leichte und 1050 schwere Maschinengewehre, 400 leichte und 240 schwere Geschütze, dabei war die Flak nicht mitgerechnet. Italiens strategische Stellung im Mittelmeer. Rom, 21. Mai. (Europapreß.) lieber die Lage im Mittelmeer unter Berücksichtigung der italienischen Luftstreitkräfte veröffentlicht das Neuyorker Blatt „World Telegram" einen Aufsatz des Majors Al William, der in den Vereinigten Staaten als einer der hervorragendsten Luftfahrtsachverftän- digen gilt. Er erklärt, die Tatsache, daß die britischen Admiräle vor vier Jahren, als die Home Fleet im Mittelmeer zusammengezogen war, die Herausforderung Mussolinis nicht angenommen hatte, beweise, daß sie ihrer Kräfte nicht sicher gewesen seien. Es sei schwer zu ^glauben, daß England geneigt sei, ein neues Schauspiel des Versagens seiner Seestreitkräste wie in Norwegen zu geben. Die Verwendung von Flugzeugträgern hätte in dem engen Mittelmeer noch geringere Erfolgsaussichten als in der Nordsee, und auch in diesem Falle könnten die im Zentrum des Mittelmeeres zusammengeballten italienischen Luftstreitkräfte wirksame Schläge nach allen Seiten austeilen. Die zahlreichen Unterseeboote Italiens könnten in Zusammenarbeit mit den Fliegern ebenso wirksame Arbeit leisten. Außerdem besitze Italien eine gefährliche Flotte kleiner mit Torpedos ausgerüsteter Schnellboote und besinde sich in idealer strategischer Po- sitton, um die Frage der britischen Seemacht ein für allemal zu lösen. Es würde England nahezu unmöglich sein, große Luftgeschwader auf eine so beträchtliche Entfernung zu entsenden, so daß der größte Teil der Luftoperationen im Mittelmeer Frankreich überlassen bleiben müsse, das durchaus nicht darauf vorbereitet fei, den Zusammenstoß mit der italienischen Luftmacht auszuhalten. . Kleine politische Nachrichten Der italienische Rundfunk meldet, daß die belgische Regierung ihre Flucht aus Ostende weiter fortgesetzt habe. Sie sei bereits im französischen Hafen Dünkirchen eingetroffen. Noch anderen Meldungen soll sie schon nach Le Havre geflüchtet fein. Wie Reuter meldet, ist seit Montag abend 19.30 Uhr jede Telefonverbindung zwischen England und Frankreich unterbrochen. Angeblich sei ein Hauptkabel beschädigt. Der Duce hat den Generalstabschef der italienischen Wehrmacht, Marschall B a d o g l i'o , empfangen, der ihm über seine Inspektionsreise an die italienische W e st g re n 3 ß berichtete. In den Provinzen Rom und Terni werden vom 21. bis 23. Mai Lu f t s ch u tz ü b u n g e n durchgeführt werden. In Rom ist die Straßenbeleuchtung dementsprechend zur Verdunkelung eingerichtet worden. * Eine japanisch-mandschurische Freundschaftsabordnung ist unter Führung des Botschafters Sato i n R 0 m eingetroffen. Die Hauptstadt hat Flagaen- fchmuck angelegt. Die Abordnung wurde von Außenminister Graf Ciano und dem Sekretär der Faschistischen Partei, Staatsminister Muti, empfangen. Im Rundfunk richteten Botschafter Sato und der Minister für Volksbildung, Pavolini, Botschaften an das italienische und japanische Volk. Am Nachmittag wurde die Mission vom Duce empfangen. Der Vorsitzende des Deutschen Kolonialbundes, Generalleutnant Ritter von Epp, ist nach einem Besuch der Italienischen Kolonialausstellung in Neapel nach Rom zurückgekehrt. Er wurde auf dem Hauptbahnhof vom Kolonialminister General Terruzzi und vom Duce empfangen. Am Dienstag versammelten sich die Leiter der Reichspropagandaämter in den Räumen des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda zu einer Arbeitstagung, bei der u. a. Staatsrat Dr. Conti über die Gesundheitsverhältnisse im Deutschen Reich sprach. Im Mittelpunkt der Tagung stand eine Rede des Reichsministers Dr. Goebbels über die Lage. * Seit dem 20. Mai erscheint in Oslo eine deutsche Tageszeitung unter dem Titel „Deutsche Zeitung in Norwegen". Sie dient der Unterrichtung der in Norwegen stehenden deutschen Soldaten und der dort ansässigen Deutschen, denen sie ein Band zur großen deutschen Heimat sein soll. * In Berlin ist eine Reihe von Abkommen zwischen dem Reich und Ungarn unterzeichnet worden, wodurch die wesentlichsten ans dem Zerfall der ehemaligen tschecho-slowakischen Republik unter den vertragschließenden Teilen entstandenen finanziellen und wirtschaftlichen Fragen ihre Regelung gesunden haben. Am Dienstagnachmittag legte der neue Königlich Italienische Botschafter Dino A l f i e r i am Ehrenmal Unter den Linden einen Kranz nieder. Vorher schritt der Botschafter die Front der vor dem Ehrenmal aufgestellten Ehrenkompanie ab. Der Stellvertreter des Führers Reichsminister Rudolf H e ß empfing am Dienstagnachmittag den Botschafter Alfieri. Der schwedische Dichter Werner von Heide n st a m m ist im Alter von 80 Jahren nach einer komplizierten Lungenentzündung gestorben. Heidenstamm ist nach dem Tode Selma Lagerlöfs die zweite große Dichterpersönlichkeit Schwedens, die in den letzten drei Monaten gestorben ist. Sein Buch „Karl XII. und seine Kriege" ist auch in Deutschland viel gelesen worden. Mord an deutschen Fliegern wird vielfach vergolten! Berlin, 21. Mai. (DNB.) Der französische Rundfunk hat an zwei aufeinanderfolgenden Tagen die Warnung ausgesprochen, man solle auf Flieger, die mit Fallschirmen abspringen, nicht schießen, bevor nicht klar sei, ob es sich um feindliche oder um eigene Soldaten handele. Diese Warnung zeigt, daß man offenbar die Befatzungen deutscher Flugzeuge, die sich in Luftnot befinden, nicht zu schonen gedenkt. Es muß nochmals darauf verwiesen werden, daß Deutschland schärfste und vielfache Vergeltungsmaßnahmen ergreifen wird, wenn im einzelnen festgestellt wird, daß die Gegner sich völkerrechtswidrige Behandlungvon Fallschirmjägern oder von abspringend en Besatzungsmitgliedern eines in Not geratenen Flugzeuges zuschulden kommen lassen. Amerikanische Kriegsmaterialausfuhr hauptsächlich für Frankreich. Washington, 21. Mai. (DNB.) Die vom Staatsdepartement ausgegebene Aprilliste der Ausfuhr oder Bestellung von Kriegsmaterial stellt den Gesamtwert des bestellten, aber noch nicht ausgeführten Kriegsmaterials mit 40, die Gesamtausfuhr mit 17,5 Millionen Dollar fest. Dies bringt die Gesamtausfuhr der ersten vier Monate 1940 auf 78,7 Millionen Dollar. Hauptsächlich bestellten im April: Finnland für 2,8, Frankreich für 21,9, England für 11,1 und Holländisch-Jndien für 1,5 Millionen Dollar. Die Ausfuhr ging hauptsächlich nach Frankreich, und zwar für 12,7 und nach England für 2,7 Millionen Dollar. Verstärkte Erholungsfürsorge der NSKOV. Die von der NSKOV. immer mehr ausgebaute Erholungsfürsorge für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene wird auch während des Krieges durchgeführt. Außer der ihr nunmehr neu aufgetragenen Durchführung der Erholungsverschickung vonkriegsbeschädigtenKameradendes derzettigen Krieges nach Zakopane führt die NSKOV. die Erholungsverschickung für Kriegsopfer des Weltkrieges im verstärkten Maße durch. Für den Sommer 1940 kommen für dieses Erholungswerk 20 000 Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene in Betracht, und zwar 12 000 kriegsbeschädigte Frontsoldaten und 8000 Hinterbliebene, d. h. Kriegswitwen und Mütter. Der Tag der Wehrmacht. Die VeranstaltungLN des Ersatzheeres am Tage der Wehrmacht für das Kriegswinterhilfswerk 1940 — Eintopfessen, Kleinkaliberschießen, Reiten der Zivilbevölkerung, Kasernenführung usw. — haben einen Betrag von 3 416 565,35 RM. ergeben. Des weiteren hat das Feldheer im Operationsgebiet und der Oberbefehlshaber O ft 1 545 641,95 RM. erlöst. Das Sammelergebnis im Bereich der Wehrmacht beträgt somit rund fünf Millionen R M. Der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst von Brauchttsch, hat allen, die zu diesem großen Erfolge beigetragen haben, ferner den Gefolgschaften des Heeres, die sich als Sammler bei der Straßensammlung beteiligt haben, für ihre Einsatzbereitschaft seinen Dank und seine volle Anerkennung ausgesprochen. Kriegszuschlag bei Kapitalerträgen. Der Kriegszuschlaa zur Einkommensteuer ist, wie der Reichssinanzminister feststellt, von allen Kapitalerträgen, die dem Steuerabzug unterliegen, einzubehalten ohne Rücksicht darauf, ob der Gläubiger dem Kriegszuschlag zur Einkommensteuer unterliegt oder nicht. Wenn Gläubiger der Kapitalerträge eine Körperschaft ist, so ist der einbehaltene Kriegs- zuschlag zur Einkommensteuer zu erstatten. Den Erstattungsantrag stellt der Gläubiger der Kapitalerträge. Eine Erstattung kommt nur in Betracht, soweit die nach Anrechnung der Kapitalertragsteuer verbleibende Körperschaftssteuer geringer ist, als der einbehaltene Kriegszuschlag. Wenn die Körperschaft, für deren Rechnung der Kriegszuschlag einbehalten wurde, zur Körperschaftssteuer nicht veranlagt wird, so ist der einbehaltene Kriegszuschlag von dem Finanzamt zu erstatten, das für die Veranlagung des Gläubigers zuständig wäre. Eine Anrechnung und Erstattung unterbleibt, soweit der Kriegszuschlag für anleihestockpflichtige Kapitalerträge einbehalten worden ist, bis auf weiteres. Aus aller Welt. Verbrecher hmgerichlel. Am 21. Mai 1940 ist der 35jährige Alfred Reith hingerichtet worden, den das Sondergericht in Kasse l als Gewaltverbrecher zum Tode und dauerndem Ehrverlust verurteilt hat. Der zwanzigmal vorbestrafte und bereits zur Sicherungsverwahrung verurteilte Reith griff während der Verbüßung einer fünfjährigen Zuchthausstrafe einen Strafanstaltsbeamten cm, um ihn zu töten. Erdbeben in Kalifornien. Das südliche Kalifornien wurde am Wochenende von einem Erdbeben heimgesucht. Zehn Personen wurden getötet, zahlreiche verletzt. Der Sachschaden wird auf 2,5 Millionen Dollar geschätzt. Zahlreiche Häuser, Brücken und eine ausgedehnte Wasserzufuhranlage sind beschädigt worden. In mehreren Ortschaften wurden die Schulen geschlossen. Die Polizei verhaftete einige Plünderer. Große Ueberschwemmungen in Rumänien. Infolge der anhaltenden Wolkenbrüche der letz- ten Tage ist der Fluß Rirnnic etwa 200 Kilometer nordöstlich von Bukarest über die Ufer getreten. Mehrere Dörfer und das angrenzende Ackerland wurden ü b e r f ch w e m m t. In der Gemeinde Rimnieeni stehen 150 Häuser und 1500 Hektar bebautes Ackerland und Wiesen unter Wasser. Am schlimmsten wurde der Ort Maicanesti heimgesucht, wo die Häuser teilweise über 2,5 Meter unter Wasser stehen; mehrere Gebäude sind eingestürzt. Etwa 2000 Hektar Land sind hier überschwemmt. Der Verkehr zwischen den Städten Rinicul-Sarat und Focsani ist unterbrochen, die Telephonverbindungen zerstört. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptichriftleiters: Ernst Blumschetn. Verantwortlich für Politik, - Feuilleton und Bilder: Dr. Fr. W. Lange: für Stadt Gießen, Provinz - und Wirtschaft: Ernst Blumschein: für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange K. G. Berlagsleiter: Dr.-Jng. Erich Hamann: Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Pl.Nr.6. Gießen, den 22. Mai 1940. Für alle wohltuenden Beweise der Teilnahme bei unserem schweren Verlust dankt im Namen der Hinterbliebenen Gustel Fritz, geb. Gröschner. !503 D KwU 2507 D Gerichtsvollzieher in Gießen, Ludwigstraße 331., Teleph. 3239. sucht. 2504D lockstratze 9 p schneidet auch außer dem Hause gesucht, äteoett & SoQn Plockstraße.l 2484l> Donnerstag, den 23. Mai, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich an Ort und Stelle (Bekanntgabe erfolgt im Versteigerungslokal Neuenweg 28 dahier) zwangsweise gegen Barzahlung: 1 Nähmaschine, 2 Schreibmasch., 1 Registraturschrank, 1 Diplomat- schrelbtisch, 280 Salon - Verdunster, 4 verzinkte Kartoffelkörbe, 200 Pakete Aluminium- Plank-Putz, 1 Ladenfräsavvar., 1 braunemaill. Herd (komplett). NebeDverdienst Suche f. einige Stunden in der Woche Frau oder Fräulein f.Stenogravhie und Schreibmaschine. Sehr. Ang. u. 25010 an den G. A. Für mein Kontor stelle ich sofort oder später eine tüchtige Krast ein. - Kenntnisse in Stenographie und Schreibmaschine sind erforderlich. Wiuterhoff, Gießen Drogen Photo Kreuzplatz 9-10. 2496 A «MW zum l.Juni ge- aus feuerschützend. Aruverbindung und Holz, DR GM. 1470647. Größe 90X190 cm und 75X175 cm. Die stahlspar. Schutzraumtür aus massiv. Sperrholz. Gegen Eindring, v. Feuchtigk. geschützt, wasserfest. Besond. bewährt in Kellerräumen. Lieferbar sofort fix und fertig zum Einsetzen (ohne Kennziff.) Vertrieb nach § 8 Luftschutzges. genehmigt. Alleinverkauf für Gießen, Alsfeld, Friedberg, Marburg,Wetzlar: (2booD IIqii fi. (’n Gieflen• Klein -Linden, KdU & lü. Brandweg 11,Tel.4202. Laufbursche gesucht fürCrednerst.16 (Lebensmittel- gesch.). Vorstell, zwischen 12 u. 14 Uhr bei Wickert, Liebigstrasie 30 (Eingang Kctth. Kirche l.Beding.: Durchaus ehrlich und fleißig. 0is54 Arbeitszeit 4—5 Stunden täglich. Gassichere Ätarirei Zimmer- Wohnung Keine Ursprungszeugnisse, Umbern nur Zeugnisabschriften dem Bewerbungsschreiben beilegen I — Lichtbilder undBewerbungsunte» lagen müssen zur Vermeidung von Verlusten aus der Rückseite Namen und Anschrift des Bewerbers tragen! Für d. Dresch mist Heizer f. Selbstfahrer u. Lokomobile gesucht, sowie Einleger u. Oresch- arbeiter llangeDreschzeit) Heinr. Schmidt, Drescherei, Frankfurt a.M.- Niederursel."^ Sauberes Kuchens mäddien (Stellenangebote! ÄkNdetUNgs- 1-----------1 u. Reparatur- mit Balkon, Loggia,Badezimmer, vor kurzem neu hergerichtet, im Horst-Wessel- Wall, ab 15. 6. für 80 RM. zu vermieten. Schr. Angeb. u. 01851 a. d. G.A. 5-Z.-Wolinnng mit Bad und Mädchenkammer in der Bleichstr. per 1. Juli zu vermieten. Schr. Angeb. u. 2497D a. d. Gieß. Anz. | Mietgesuche"] 3-4*3immer- Mmg sofort od. später gesucht. Evtl. Tausch gegen eine bill., schöne 2-Zimm.-Woh- uung m der Nähe Gießens. Schr.I 7 , Angeb. u. 01849 gesucht. 23i2d an o. Gieß. Anz.' Selterswea 19. Mädchen evtl, tagsübe^7"d per bald g^cyt. ^lbtags mD Gemeinnützige e.G.m.b.H., Giefeen Wir laden die Mitglieder zu der am Samstag, dem l.Juni, abends 8 Uhr, im „Burghof" stattsindenden lahres-HanpIveriaumlinifi freundlichst ein und bitten um zahlreichen Besuch. Tagesordnung: 1. Vorlage des Geschäftsberichtes und des Jahresabschlusses für das Geschäftsjahr 1939 2. Bericht des Aufsichtsrates 3. Bericht über die gesetzliche Prüfung 4. Genehmigung des Jahresabschlusses 5. Verteilung des Reingewinnes 6. Entlastung des Vorstandes und des Aufsichtsrates 7. Wahl von Aufsichtsratsmitgliedern 8. Anträge. Der Jahresabschluß für 1939, sowie der Geschäftsbericht nebst den Bemerkungen des Aufsichtsrates liegen in der Zeit vom 24. Mai bis 31. Mai 1940 in der Geschäftsstelle der Genossenschaft, Aulweg 26, werktäglich (außer Samstag), von 16 bis 19 Uhr, zur Einsicht der Mitglieder offen.-Anträge zur Jahres- Hauptversammlung müssen bis zum 29. Mai 1940 bei dem Vorsitzer des Aufsichtsrates, Karl-Vogt- Straße 19, schriftlich eingereicht werden. Gießen, den 22. Mai 1940. 2495D halt. 2502V kaufen Sie bei Beachten Sie auch immer-? Drogen - Chemikalien Parfümerien Hygienische Artikel Photo - Photoarbeiten Projektion Schmalfilm-Kino Gemeinnützige ßangenoffenfGhaft 1894 e.G.m.h.H.,Giehen W. Martin, Vorsitzer des Aufsichtsrates. Kreuzplatz 9 und 10 Sammelruf 3153 804a Landgerichts- direktor Schudt, Wilhelmstraßel9 Stellengesuche] Junger Friseurgehilie sucht Stellung. K. Schramm, Wetzlar, b. Ulm, Bahnhofstraße 3 MIM fürLebensmittel- geschäft gesucht, kann evtl, angelernt werden. Schrift!. Angeb. u. 01852 an den Gieß. Anzeiger. Gesucht z.l.Juni SluDileoiraooiler RalblagsmädcheD in kleinen Haus- Kaufgesuche Wir kaufen gebrauchte möSLneuwerttfie Krattwagen zum Taxwert und erbitten Ihr Angebot öDelWn Ruf 2847/48. Gut erhaltenes Radio Gleickstr.,z.kauf. gesucht. Schrift!. Angeb. m. Baujahr u.Preis unt. 01855 Gieß.Anz. Empfehlungen Klaviere werden 660D fachgemäß gestimmt und repariert G. Ebert Klavier machet Bleichstraße 17 Fernruf 2403 Höhnens slangen eingetroffen. Holzbandluug Dürr LEo. (2505V öaschäftsdnicksachet Rechnungen Briefbiatter Briefumschläge Postkarten Gesch&fts karten bei Brühl. Schulstr.? Vereine 50er 1888-1938 Donnerstag, den 23.5 40, abends: 3ufaminenhinft b. Alterskamerad Haibach, Ecke Riegelvfad- Ebelftraße. 01858 ÄDas große Spezialhaus KÖHLER ist nicht nur Ihr Berater in allen Kleider-u.Punktfragen. KÖHLER sorgt auch für die laufende Pflege Ihrer Zivil- und Uniform-Bekleidungsstücke: Aendern, Flicken, Modernisieren. Nur das Bringen und Abholen müssen Sie in der Kriegszeit selbst besorgen. Eigene Maßschneiderei für Anzüge und Uniformen in höchster Vollendung __________________________________________________648 A Betr.: Die Zustellung der Bescheide über Kanal--, Straßenreinigungs- und Müllabfuhrgebüh-i ren für das Rj. 1940. Bekanntmachung. Nachdem die Zustellung der Bescheide über bid Kanal-, Straßenreinigungs- und Müllabfuhrgebüh« ren für das Rj. 1940 an die Zahlungspflichtigen bzwu Empfangsberechtigten stattgefunden hat, wird als Tag, an dem diese Bescheide als zugestellt zu gelten haben, der 21. Mai 1940 festgesetzt. Diejenigen Gebührenpflichtigen, die bisher einen! Bescheid nicht erhalten haben, werden aufgeforderc, dies alsbald beim Städtischen Vermessungs- und Grundstücksamt im Stadthaus, Bergstraße, Zimmer! Nr. 5, anzuzeigen. Gießen, den 22. Mai 1940. 24990 Der Oberbürgermeister: Ritter. Seltene Natur, urkunden von den Halligen und vom Wattenmeer, die alle Naturfreund« und Dogelliebhaber mit Begeisterung lesen und schauen werden: Unter SööeiWltm uJeeMbeü Beobachtungen und Natururkunden aus d. Dogelwelt d. deutschen i^ordseeküste. - Don Eugen Schuhmacher Insgesamt 104 Seiten mit 92 Bildern nach wundervollen Natur- aufnahmen.Sn Leinen gebunden RM. 3.90. Bestellungen nimmt jede Buchhandlung entgegen. Verlangen Sie bitte das ausführliche Werbeblatt. HugoVermühler Verlag Berlin- Lichterfelde □DO BÜRO-EINRICHTUNGEN Gießen, Bahnhofstraße. 7g?p Neue Tapeten oooEooo? «Mw von ficinvich. fiodiftätttr reits für vollbeschäftigt und „unabkömmlich" hält Letzt kein Recht auf Bequemlichkeit. Ein Appell an berufslose Töchter und Frauen ohne Hausmutterpfiichten. Unter dem Motto „Arbeit — die Frauenpflicht der Stunde" wendet sich die Abteilungsleiterin im Frauenamt der DAF., Frau Alice Rilke, mit einem Appell an die Öffentlichkeit. Darin verweist sie auf die Zehntausende weiblicher Angestellter und Hunderttausende von Arbeiterinnen, die heute die deutsche Kriegswirtschaft mit tragen. Viele von ihnen seien noch Mütter und Hausfrauen zugleich. Sie würden in der nächsten Zeit manche neue Mitarbeiterin in den Betrieben neben sich sehen. Es würden zusätzliche weibliche Arbeitskräfte gebraucht. Ueberall ergehe der Aufruf zur Mitarbeit nun auch an jene Frauen, die bisher noch nicht unmittelbar Kriegsarbeit leisteten. Selbstverständlich seien damit nicht jene gemeint, die nicht bereits durch die .Betreuung ihr-r Kinder oder durch sonstige, wirklich tagsüllende Arbeit beansprucht würden. Allerdings: eine nur auf das eigene Wohlbefinden gerichtete Beschäftigung könne und dürfe die Mitarbeit in kriegswichtiger Tätigkeit nicht ausschließen. Das müsse mit ollem Ernst und aller Konsequenz verstanden werden, obwohl es für manche einen sehr fühlbaren Eingriff in ihre bisherigen LebensFewohnheiten bedeute. Das hätten fraglos in erster Linie die bisher berufslosen oder noch nicht in der Berufsausbildung stehenden Töchter zu verstehen. Deren Zahl sei im heutigen Deutschland indessen nicht mehr sehr groß. Es gebe aber noch eine beachtliche Zahl von Frauen, deren Tätigkeit lediglich dem persönlichen Wohlergehen und noch in keiner Weise auch der Volksgemeinschaft Am Montag wurde Fabrikant Arthur Pfeiffer in Wetzlar die Würde eines Ehrensena- torsderLudwigs-UniversitätGießen übertragen. Arthur Pfeiffer gründete 1890 in Wetzlar mit bescheidenen Mitteln eine Werkstätte für physikalische Apparate und Geräte und hat sein Unternehmen im Laufe der Jahrzehnte mehr und mehr ausbauen können. Durch eigene Forschungsarbeiten hat er auf dem Gebiete der Fernzünder für Gaslampen bahnbrechend gewirkt. Die Hauptaufgabe, die er sich später stellte, war die Herstellung von Vakuumpumpen. Dieser Fabrikationszweig diente in seinen Anfängen hauptsächlich der Fortentwicklung der elektrischen Glühlampen und hat später insbesondere in der chemischen Industrie einen großen Abnehmerkreis gefunden. Die Fabrikate der Firma Pfeiffer sind im In- und Ausland weit bekannt. Neben den zahlreichen Aufgaben, die sich für den Firmengründer aus seinem Unternehmen ergaben, nahm sich Arthur Pfeiffer immer noch Zeit ür gemeinnützige Vorhaben. Er ist seit Jahrzehnten in der Turnerschaft führend tätig und hat durch seine Mitarbeit in der Gießener Hochschulgesellschaft engste Fühlung zur Universität Gießen. Seit Jahren ist er Präsident des Derwaltungsrates dieser Gesellschaft. In zahlreichen weiteren Ehrenämtern stellte er seine umfangreichen Erfahrungen und Kenntnisse in den Dienst der Allgemeinheit. Die Zusammenarbeit zwischen Theorie und Praxis erfuhr durch Arthur Pfeiffer insofern eine erhebliche Förderung, als er bereits vor Jahren veranlaßte, daß Gießener Hochschullehrer vor der Arbeiter- und Angestelltenschaft von Wetzlarer Firmen Fachvorträge hielten. Anderseits sorgte er dadurch für eine Förderung der Wissenschaft, daß er zahlreichen Universitätsinstituten und Forschungsanstalten durch Überlassung von Apparaturen die Möglichkeit zur Fortführung ihrer nicht zuletzt im Interesse der Wirtschaft liegenden Tätigkeit gab. oder halten läßt, der denke nur an seine persönliche Bequemlichkeit, aber nicht an den Krieg und dessen unerbittliche Notwendigkeit. Diese Notwendigkeit des Krieges sei ein höheres Gebot als das in normalen Zeiten nachfühlbare Bedürfnis nach der schönen Sicherung eigener Ansprüche im persönlichen Bereich. Niemand dürfe vergessen, daß der Verzicht auf häusliche Bequemlichkeit und die Doppelbelastung der Frau seit Jahren schon vom deutschen Arbeiter und seiner mitschaffenden Frau in Selbstverständlichkeit geleistet worden ist und daß diese Arbeiterfrauen in Hunderttausenden von Fällen auch noch Mütter sind. Gewiß werde danach gestrebt, die natürliche Lebensform der Mutter in Haus und Familie zu erhalten, ja für möglichst alle Mütter zurückzugewinnen. Aber die Doppelaufgabe der Frau sei notwendig in der Gegenwart unseres Volkskampfes. gilt. . Wer ohne eigenen hausmütterlichen Pflichtenkreis Arthur Pfeiffer, Wetzlar Ehrensenator der Universität Gießen. Don der Universität Gießen. Von der Pressestelle der Ludwigs-Universität wird uns mitgeteilt: Landgerichtsrat Dr. Weber aus München ist von dem Herrn Reichswissenschaftsminister ersucht worden, im laufenden Trimester Vorlesungen über bürgerliches Recht und Zivilprozeß an der hiesigen Universität zu halten. 78000 RM. für das Deutsche Rote Kreuz. Die Haussammlung für das Deutsche Rote Kreuz am vorigen Samstag und Sonntag erbrachte im Bereich des Kreises Wetterau der NSDAP, den stattlichen ^Betrag von 78 000 RM. Die Summe ist noch Zur Verleihung der Würde des Ehrensenators der Universität Gießen hatten sich am Montag, einige Wochen nach dem 50jährigen Bestehen der Firma, der Rektor, der Prorektor und die Dekane unserer Universität nach Wetzlar begeben. Dort fand im Werk des neuen Ehrensenators eine kurze, würdige Feier im Beisein der ältesten Mitarbeiter Arthur Pfeiffers sowie des Kreisleiters und des Bürgermeisters von Wetzlar statt. Der Rektor der Gießener Universität, Professor Dr. Kranz, würdigte die Verdienste des neuen Ehrensenators und betonte insbesondere dessen soziale Einstellung und seinen Gemeinschaftssinn. Die Ehrenurkunde, die er Herrn Pfeiffer überreichte, hat folgenden Wortlaut: „Der Rektor der Ludwigs-Universität ernennt hierdurch Herrn Archur Pfeiffer auf Grund seiner Verdienste um die Ludwigs-Universität zum Ehrensenator. Zum Zeugnis dessen ist diese Urkunde ausgestellt worden. Gießen, den 20. Mai 1940. Der Rektor Dr. Kranz." Arthur Pfeiffer berührte in seinen Dankes- worten kurz seine Einstellung zur Arbeit, zum Verdienst und der Frage der Zusammenarbeit zwischen Forschung und Fabrikation. Er hat in seiner mehr als 50jährigen selbständigen Tätigkeit jetzt zum zweitenmale in tatkräftigster Weise sich und sein Werk an den Aufgaben eingesetzt, die ein Krieg an ein Unternehmen seiner Art stellt. Auch hierdurch hat er besonders bewiesen, daß ihm die Arbeit für die Gesamtheit besonders am Herzen liegt. nicht als endgültig anzusehen, da die Meldungen einiger Ortsgruppen noch ausstehen. Man rechnet mit einem Gesamtergebnis von rund 80 000 RM. In der Stadt Gießen, einschließlich der Vororte Klein« Linden und Wieseck, wurden 18 000 RM. erbracht. Oie Ferien in Hessen. Die Ferien in Hessen für das Schuljahr 1940/411 wurden wie folgt festgesetzt: Sommerferien: 49 Tage, 1. Juli bis 18. August einschließlich. Herbstferien: 14 Tage, 16. bis 29. Oktober einschl. Weihnachtsferien: 15 Tage, 22. Dezember bis 5. Januar 1941 einschließlich. Osterferien 1941: 7 Tage, 12. bis 18. April ein« schließlich. Die Festsetzung der Sommer- und Herbstferien gilt für alle Schulen in den Städten Darmstadt, Mainz, Gießen, Offenbach a. M. und Worms. Für alle übrigen Orte des Landes sind die Sommer- und Herbstferien nach dem Stand der Ernte- i arbeiten im Einvernehmen mit den Schulämtern / festzulegen. Für die Landbezirke mit Heuernte im Juni sind 14 Tage der Sommerferien vorzubehalten, für die Weinlesebezirke kommen 7, Tage ber( Sommerferien zusätzlich zu den Herbstferien. Die weiterhin sich etwa ergebende Inanspruchnahme von Schülern durch kriegsbedingten Einsatz wird, durch die vorstehenden Festlegungen nicht berührt. ( Hände weg vom Vogelnest! Des Jahres hohe Zeit ist gekommen. Das Blüheck des Frühlings beginnt jetzt Frucht zu werden Ueberall in Wald und Feld begegnen wir dem neuert Leben. Das Wild führt seine Jungen in der Dämmerung aus der schützenden Dickung und die Nestlinge der Vögel sperren nach Futter. Es ist kein Münder, wenn es uns um diese Zeit besonders hinauszieht in die Natur, aus der wir Freude und Erholung schöpfen. Gewiß dürfen wir die Tiere des Waldes in ihren Lebensäußerungen belauschen und uns an ihnen erfreuen, aber — Hände weg vom Vogelnest und vom Jungwild! Bezähmen wir unsere Neugier und meiden wir Dickungen und Nistplätze. Schon eine unbedachte Bewegung kann die schreckhaften Jungvögel aus dem Neste scheuchen, und sie gehen elend zugrunde. Das Wild nimmt Jungtiere, die von Menschenhand berührt sind, oft nicht mehr an. Der Reichstierschutzbund weist alle Volksgenossen darauf hin, daß jedes Be« unruhigen und Nachstellen geschützter Tiere, also auch der Vögel, verboten ist, ebenso die Beteiligung Jugendlicher und die Aussetzung von Prämien beim Kampf gegen die Sperlinge. Gießener Schlachtviehmarkt. Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkk (Schlachtviehverteilungsmarkt) in der Viehversteigerungshalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 43, Bullen : 39 bis 49,5, Kühe 23 bis 43,5, Färsen 30 bis 49,5, Kälber 32 bis 63, Hammel 15 bis 33 Rpf. je ’ Vz kg Lebendgewicht. Für Schweine wurden je kg i Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a , (150 kg und mehr) 1,09, bl (135 bis 149,5 kg) , 1,09, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,09, c (90 bis 119,5 t kg) 1,07, d (80 bis 89,5 kg) 1,01, e—f (60 bis 79,5 geben ihren Kleinen gern bekömmliche Milchgetränke, Breie und leichte Gebäcke Dazu dient das bewährte Kindernährmittel Sn S Aus -er Stadt Gießen. Heute und morgen. Auf einer Tagung des Einzelhandels wurde darerinnert, daß der Kunde von heute auch der Kunde von morgen ist. Das Wortspiel soll besagen: . Jrder Kaufmann, der die Sonderumstände der I gkgenwärtigen Kriegszeiten zu einer Art „Diktatur", < »ter auch nur zu Unfreundlichkeiten mißbraucht, ' i-uß damit rechnen, daß der Kunde von heute iicht sein Kunde von morgen sein wird. Das ist > rt leicht faßbares Stichwort, von dem man hoffen irf, daß es in allen interessierten Kreisen Heimat- cht erwerben wird, im wohlverstandenen Vorteil , eser Kreise selbst. Abed wir müssen die Sache auch einmal von der Öderen Seite sehen. Am wichtigsten ist die Tatsache, daß sie das Verhältnis von Kundschaft zum g nzelhandel im großen Durchschnitt gut eingespielt yt. Die vernünftige Parole dieser Einzelhandels- jigung mußte sozusagen erinnern,, daß hier ein Problem vorliegt, daß im September die Gemüter, li sonders der Frauen, lebhaft beschäftigt hat. Wir |hb also um ein gutes Stück weiter gekommen. Uid wenn es noch eines Beweises bedürfte, so wäre e- der, daß die „Schlangen", die sich aus reiner Käufer- Nervosität damals gebildet hatten, seit- hr völlig verschwunden sind. Diese Dinge sind schon sk weit entfernt, daß sie eigentlich gar nicht mehr «Ihr sind. Und das ist überaus erfreulich. Es geht jöon, wenn man will. Die Tugend der Selbstbe- hrrschung bringt vieles zuwege, und die.Nutzan- Ssndung des Märchens vom Wettlauf des Hafens hid des Igels besteht auch heute noch zu vollem lecht. Kleinigkeiten wird es immer zu bemängeln :ben, wie sie in allen Jahren von jeher auch schon : mangelt worden sind. Im deutschen Vaterland bt es sicherlich Geschäftsleute, die der Meinung !,d, es sei richtig, wenn sie den Kunden bei jedem mkauf von den Schwierigkeiten ihres Geschäfts r Kriegszeit erzählen. Derartige Männer, die, tbenbei bemerkt, zu allen Zeiten schon „gestöhnt" jiben, obwohl es meist gar nicht nötig roar, meinen < .en, sie müßten ihrer Kundschaft von geschäftlichen forgen erzählen, wie sie früher eben auch davon « redet haben. Ihnen kommt nicht der Gedanke, iiß derartiges .Mähnen" den anderen auf die Ner- Ln gehen kann. Umgekehrt gibt es auch noch Kun- |.-n, die dasselbe „Verfahren^ in umgekehrter Rich- | ng glauben anwenden zu müssen; allerdings ganz Unnötigerweise. - In allen solchen Fällen hat man es mit Mengen zu tun, die den Aufgabenkreis ihres Berufes |nt> die Erfordernisse unserer Zeit noch nicht ganz ^ersehen und richtig verstehen. Beide sollten sich nr Augen halten, daß es besser ist, mit ruhiger Sachlichkeit und mit zeitgemäßer Betrachtung der Singe den Weg im Alltag zurückzulegen und sich hbei immer vor Augen zu halten, daß alles das, ras sie in der Heimat als Schwierigkeit ansehen, überhaupt nichts bedeutet gegenüber den gewallten Leistungen unserer Soldaten an der Front Md daß deren Größe die wenigen Kümmernisse in hr Heimat weit überschattet. Danach sollten sich töe richten, auch einige hier und da vielleicht noch ißcht genügend großzügig urteilende Geschäftsleute, f e sich immer das Wort vergegenwärtigen sollten, !nß der Kunde von heute auch der Kunde von morgen ist. Vornotizen. Tageskalender für Mittwoch. Volkstümlicher Vortrag der Ludwigs-Universität: 50.15 Uhr im Kunstwissenschaftlichen Institut, Lud- migstraße 34, Professor Glöckner über „Einfühlung in die Aesthetik der bildenden Künste, 2. Teil: Zeichnung und Malerei". — Gloria-Palast, Selters- neg: „Liebesschule". Notizen für den 23. 2Nai. Sonnenaufgang: 5.18 Uhr. Monduntergang: —...... . . . , s Uhr. Sonnenuntergang: 21.25 Uhr. Mondauf- und ohne soziale ober berufsmäßige Arbeit sich be- png: 23,17 Uhr, Mond in Siidwende._____________r!1- Ungleiche Gegner. Von Rudolf Schwanneke. Am Ende der stillen Seitenstraße, dort, wo der Verkehr durch die Kreuzung zweier Hauptstraßen t.was lebhafter war, saß seit Menschengedenken eine <(te Obst- und Gemüsefrau und verkaufte ihre Ware. Sie zählte 70 Jahre, war ehrlich sowohl im Geschäft als in ihren Reden. Die Klagen der Hausfrauen über das teure Gemüse überhörte sie ebenso nie sie die Blicke hungriger Kinderaugen nach den pirschen, Aepfeln oder was sonst die Jahreszeit bot, Übersah. Armut, Hunger und Kälte waren ihr so natürliche Dinge, daß ihr nichts dabei einfiel. Auch iiitie niemand behaupten können,, daß die Frau , . hurd) besondere Freundlichkeit sich ihre Kundschaft Uflj erhalten suchte. .. । Eines Morgens erschien in der Tur eines Hauses ter Gasse, das ihrem Stand gerade gegenüberlag, 1 «in kleiner, vielleicht fünfjähriger Bub. Er schaute ! ernsthaft in die Welt und hielt in der Hand einen zroße Achtung und Wertschätzung ihrer Person liegen sollten, verfehlten ihre Wirkung und vermochten die Frau nicht zu bewegen, einen rotwangigen Apfel herauszurücken. Obwohl sich die Alte jedesmal ärgerte, so oft sich der hartnäckige Kleine vor ihre Körbe hinstellte, um deren Inhalt mit begehrlichen Blicken zu mustern, o fing sie doch an, nach ihm Ausschau zu halten, wenn er einmal über die Zeit ausblieb. Kam er dann, so war sie begierig auf seinen nächsten An- chlag, die alle darauf hinausliefen, einen Apfel zu ergattern. Aber ihre Widerstandskraft war nicht zu brechen, wie auch seine Ausdauer. Allmählich brach der Winter an. Der Wind pfiff eisig durch die Straßen, und die Alte zog ihren Mantel fester um sich. An einem besonders kalten Abend hatte sie einen blechernen Topf aus das Kohlenbecken gesetzt, um sich den Magen mit einem Schluck heißen Kassee zu wärmen. Alles eilte, um in die gewärmte Stube zu kommen, nur der Kleine blieb heute länger aus als sonst. Die Alte erhob sich und blickte die Straße entlang, er war noch immer nicht zu sehen. Kopfschüttelnd trank sie ihren Kas- fee und brummte vor sich hin: „So'n Bengel — der Teufel hol' ihn — treibt sich bei solchem Wetter herum!" Wieder erhob sie sich. Da kam, gegen den eisigen Wind kämpfend, eine kleine, krummbeinige, Dornübergebeugte Gestalt daher. — Ihm schien heute die Lust zur abendlichen Unterhaltung vergangen zu sein, denn ohne aufzublicken stapfte er die Stufen zum Haus empor, aber die Tür war verschlossen. „Richtig", dachte die Frau, „die Hausleute sind ja zu einer Hochzeit, da haben sie abgeschlossen und der Vater des Bengels ist noch aus Arbeit. Eine Mutter hat er ja nicht mehr, der Junge." — Der Kleine stellte den Eimer vor die Tür und verweilte einen Augenblick ratlos. Dann lief er plötzlich zu der Alten hinüber und streckte ihr die blaugefrorenen Händchen entgegen, während ihm Tränen über die Backen rollten. Meinst, es gibt einen Apfel? Nichts!" Dabei hielt fie ihm ihre Kaffeetasse hin, die er in einem Zuq leertrank, die Augen ängstlich auf die Frau gerichtet, die zu schelten sortfuhr. Mit einem Mal, sic wußte selbst nicht, wie es geschehen war, hatte sie den frierenden Bub auf dem Schoß. Sie schlug den weiten Mantel um ihn, und immer weiter scheltend, hielt fie ihn fest an sich gepreßt. Bald hörte sie an den ruhigen Atemzügen des Kindes, daß es fest eingeschlafen mar. Da schwieg fie und rührte sich nicht mehr. Noch ni$ hatte an dem Herzen der Matrone ein nfenschliches Wesen geruht, weder Liebe noch Güte hatten diese starren Arme zu öffnen vermocht. Immer skeptisch, immer auf den Vorteil bedacht, der ihr stets zweifelhaft erschien, sobald ein Mann dabei im Spiel war, war sie einsam durchs Leben gegangen. Jetzt aber glitt von dem kleinen Wesen in ihren Armen eine wohltuende Wärme auf fie über, während sie auf seine Atemzüge lauschte. Als der Vater des Kindes heimkam, rief sie ihn heran und legte den schlaftrunkenen Jungen behutsam in seine Arme. Eine Stunde später als gewöhnlich fuhr sie mit ihren Körben heim. Am nächsten Morgen, als der kleine Junge zur gewohnten Stunde aus dem Hause trat, um wieder einer Arbeit nachzugehen, schaute er, wie sich besinnend, zu der Alten hinüber. Dunkel erinnerte er sich des Wohlbehagens, das er gestern Abend emp- unden. Ohne Mutterliebe aufgewachsen, wußte er nichts von ihrem fürsorglichen Walten. War ihm davon eine Ahnung geworden am Herzen der Matrone? Plötzlich stand er wieder vor ihr auf seinem Platz vor dem Korbe rotleuchtender Aepfel, aber heute sah er über sie hinweg in das faltige Gesicht der Alten und sagte, diesmal ohne Nebenabsicht: „Du, dich heirate ich!" Da mußte die Alte lachen, zum erstenmal herzlich lachen, und ohne Besinnen suchte sie ihm den schönsten Apfel aus dem Korb. Es war der einzige s^eiratsantrag in ihrem Leben gewesen. — Oer Besuch. Von K. Franke. Als der Zug an der kleinen Station hielt, war es schon dunkel. Zwei Menschen gingen durch den schmalen Streifen Licht an der Sperre: Ein Soldat und eine Frau. Die Frau wurde erwartet. Ein Mädchen sagte: Da bist du ja, Mama. Der Soldat zögerte, den Bahnhof zu verlassen. Vielleicht war er fremd hier. Man konnte das denken. Als ein Bahnhofsbeamter vorbeikam, fragte er ihn nach einem Gasthaus. Kommen Sie nur! sagte der Beamte. Kennen Sie auch eine Frau Holsten? fragte der Soldat im Gehen. Nein, er wäre erst vor kurzer Zeit hierher versetzt worden. -Im Gasthaus kannte man Frau Holsten. Natürlich! sagte die Wirtin, der Sohrt war. doch Meger? Ja, diese Frau Holsten. Warten Sie, ich schicke meinen Jungen mit, da« mit Sie in der Dunkelheit zurechtkommen. Hier! deutete der Junge, als sie einige Straßen weit gegangen waren. Der Soldat läutete. Mein Name ist Joachim Erler, stellte er sich der Frau vor, die öffnete. Bitte! sagte die Frau, die Trauerkleidung trug. Im Wohnzimmer saßen sie einander gegenüber*. Auf dem Schreibtisch stand ein Bild. Die rechte obere Ecke war mit dem Band des Eisernen Kreuzes umlegt, darüber ein dunkler Flor. Sie kannten ihn wohl? fragte die Frau mit einem Blick auf das Bild. Ich bin gekommen, um Ihnen alles zu sagen! erwiderte der Soldat. Alles zu sagen? Einen Augenblick wunderte sich die Frau. Wie soll ich das verstehen? Es war die Bitte, doch endlich zu sprechen. Ich muß Ihnen sagen, begann der Mann, daß ich mit Ihrem Sohn drei Tage lang das Schicksal getauscht habe. Das kam so: Meine Frau stand vor der Entbindung. Ich wollte in ihrer schweren Stunde bei ihr sein. Es war das erste Kind, das sie erwartete. Ich reichte Urlaub ein. Es wäre nicht mögfid) gewesen, wegzukommen, denn meine Staffel war für die nächsten Tage zu Aufklärungsflügen vorgesehen. Da sprang Ihr Sohn für mich ein. Am ersten Tage schoß er im Luftkampf einen feindlichen Jäger ab, am zweiten wurde er selbst ab* geschossen. Er starb den Tod, der mir bestimmt war. Ich bin gekommen, Ihnen das zu sagen. Es wäpe nicht gegangen, Ihnen das zu verschweigen^ Die Hände der Frau suchten etwas, das sie fassen konnten. Sie fanden nichts. Darf ich jetzt gehen? bat der Mann, der spürte, daß er nun ein Mensch zuviel im Zimmer war. Bitte! sagte der Mann dann von der Tür her; Müssen Sie mich jetzt hassen? Da hob die Frau ihr Gesicht. Ich bin doch eine Mutter! sagte sie nur. Eine kleine Weile schien es. als mühte sie erschauern vor dem Schicksal, das siä zur Mutter bestimmt hatte; denn es ist das härteste Schicksal in Zeiten, da Krieg ist. Dann ging die Frau zu dem Mann hin und sagte: Wenn Sie wieder draußen sind, will ich beirrt Unnennbaren für Sie bitten als wstxey Sie flieht eigener Jungs SJ.Jpor/ ihr erst . (Nachdruck verboten!) 34. Fortsetzung. Jeden Samstag ist neben der alten Liebfrauenkirche in Bautzen Ferkelmarkt. Bauern in bunter Tracht aus den umliegenden Dörfern verkaufen, handeln ein. Hänischlob hat den Viehwagen angeschirrt, und Jupp verwendet vorläufig den „häuslichen Studierhat alles gehört. „Geht bei euch die Sonne so spät auf?" Die Wolken auf Rudolfs Stirn sind im Nu verflogen. „Jutta, frisch wie der junge Morgen! Und schon auf Visite?" „Jnspektionsritt, könnte ich jetzt flunkern. Aber der Wahrheit die Ehre: Ziel Gräfehof und nichts anderes!" „Jutta, du hast so was Hinterhältiges! Und dein Besuch zu so früher Stunde — recht verdächtig!" „Sehr verdächtig!" „Was passiert?" „Na und ob! Ganze Familie zusammentrommeln, Familienrat, Dolf! Aber möglichst nicht auf dem Hof!" „Auch Vater?" „Natürlich. Den zu allererst!" Rudolf führt Juttas Pferd in den Stall. An Hänischlob denkt keiner mehr. Brummend fährt der mit seinen Ferkeln zum Hofe hinaus. Drinnen in der Stube ist Lena und bringt gerade die Mehlsuppe auf den Tisch. „Jutta! So ein früher Gast?" „Mehlsuppe?" schnuppert Jutta. „Sonst in allen Ehren! Aber heute? Kann man eigentlich Sekt auf nüchternen Magen trinken?" „Sekt? — dann lieber Rodaer Gold! Was ist denn eigentlich in dich gefahren?" „Ich will nur Vater Gräfes Gesicht ein wenig aufhellen. Ah, da ist er ja! Guten Morgen, Vater Gräfe! He, Hefenfranz, Sie können ruhig hier bleiben! Für Sie ist «das was besonders Schönes! Leute, hört und staunt: die Autobahn kommt über den Plesfener Parts" MstöUK schaffen,Lena? liomon von Martina Lckart-kjelm Herabsetzung der Vorauszahlungen auf die Gewerbesteuer. Die Vorauszahlungen auf die Gewerbesteuer für das Rechnungsjahr 1940, die vom 1.4.1940 an zu leisten sind, richten sich im allgemeinen nach dem Gewerbesteuerbescheid für 1939, dem der Gewerbe, ertrag des Jahres 1938 zugrunde liegt. Soweit sich bereits auf Grund der abgegebenen Gewerbesteuer- erklärung eine wesentlich niedrigere Gewerbesteuer für 1940 ergeben wird, kommt eine Herabsetzung der Vorauszahlungen nur in Härtefällen aus Bil« ligkeitsgründen in Betracht. Daß der Gewerbertrag 1940 gegenüber 1939 zurückgehen wird, führt gründ, sätzlich nicht zu einer Herabsetzung der Gewerbe, steuer, da der Gewinn des Jahres 1939 der Gewerbesteuer 1940 in jedem Falle zugrundegelegt wird. Ergeben sich hierdurch Härten, so kann regel, mäßig nur Gewährung von Stundung oder Zu, lassung von Teilzahlungen beantragt werden: ein Erlaß von Gewerbesteuer wird nur in besonderen tag" dazu, ihm beim Verfrachten der kleinen quiekenden Gesellschaft zu helfen. Rudolf geht die Arbeit nicht schnell genug. „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst! Wenn zu Mittag in Bautzen angetrottelt kommt, bleibt ihr auf euern Ferkeln sitzen!" „Zu Mittag? Kaum ist die Sonne erst aufgegangen!" Jupp posaunt mit lauter Stimme. Die flotte Reiterin, die eben in den Hof galoppiert kommt, allein an die langen, einsamen Wintermonate dort oben. Die nächste Stadt ist Stunden entfernt." „Ich habe ja Gottfried." „Sagst du das nicht nur jetzt aus deiner heimatlichen Geborgenheit heraus? Wenn nun Enttäuschungen kommen? Ohne Kummer geht es im Leben nicht ab. Wird es dir dann nicht bange werden, so weit von daheim fort zu sein?" „Mein Haus und meine Heimat ist doch dann dort oben bei Gottfried, Tante Lena", ohne Zaudern sagt sie es. Lena sieht in glänzende Augen. „Ja, ja, Kind, es wird schon alles gut werden. Dort im Ostland braucht man solche Jugend, wie ihr seid, du und Gottfried!" „Gottfried schreibt, daß die ostpreußischen Seen viel Aehnlichkeit haben mit unseren großen Teichen. Und den Sommer malt er mir aus und den Frühling. Und im Winter sind die Jagden und die Schlitten- ahrten." Erni macht eine kleine Pause. Ein Lachen liegt über ihr Gesicht „Na, und dann werden wir a auch Kinder haben!" Glückliches, unbeschwertes Jungsein! Lenas Blick hängt lange an dieser strahlenden Erni. Sie weiß, das hat ihr gefehlt, dieses herzhafte Hineinspringenkönnen in ein neues Leben. „Und du, Tante Lena?" fragt Erni dann. „Du sagst gar nichts von dir. Ich rede immer nur von mir, von meiner Zukunft." „Heute ist dein Tag, Erni. Jetzt laß dir die Hauptsache sein, daß alles klar ist zwischen dir und mir, daß dir niemand im Wege steht." Erni kann sich noch nicht von Lena trennen. Gottfried ist ihr ein unerschöpfliches Thema. Spät in der Nacht geht sie in ihre Kammer. Der Sturm hat sich gelegt, ist zugedeckt vom Frieden einer sternenkühlen Nacht. b e 5 für 1939 Vorauszahlungen In Höhe von % der zuletzt veranlagten, um die Steuerabzugsbeträge verminderten Einkommensteuer für 1938 zu ent. richten. Der Steuerpflichtige wird eine Herabsetzung dieser Vorauszahlungen beantragen können, wenn das Einkommen 1940 wesentlich geringer als das Einkommen 1938 sein wird, oder die Freigrenze praktisch wird oder 1940 höhere Steuerabzugsbeträge anzurechnen sind. Nach Erhalt des „St euer- b e s ch e i d e s über den Kriegszuschlag für 1939, der in dem Einkommensteuerbescheid für 1939 festgesetzt ist, betragen die vierteljährlichen Vorauszahlungen auf den Kriegszuschlag für 1940 infolge der Verdrei- fachung des Kriegszuschlages (H statt % im Jahre 1940 gegenüber 1939) je % des Kriegszuschlages für 1939. Für die Herabsetzung her Vorauszahlungen gelten die oben für die Einkommensteuer wieder, gegebenen Grundsätze entsprechend. Voraussetzung für eine Herabsetzung ist also, daß sich der Kriegs- zuschlag für 1940 um mehr als Vs, mindestens 50 RM. niedriger als für 1939 stellen wird. Im allgemeinen wird eine Herabsetzung — und gegebenenfalls eine Erhöhung — der Vorauszahlungen auf den Kriegszuschlag für 1940 in den Fällen erfolgen, in denen auch die Vorauszahlungen auf die Einkom. mensteuer für 1940 herabgesetzt werden. Außerdem ist die Freigrenze von 2400 RM. jährlich zu berücksichtigen. Schulfrei für den Reickssportwettkampf der HZ. Der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, R u st, hat aus Anlaß des Reichssportwettkampfes der HI. folgende Verfügung erlassen: ,Mm 25.Z26. Mai d. I. fuhrt die HI. den dies- jährigen Reichssportwettkamps durch. Auf Antrag des Jugendführers des Deutschen Reiches erkläre ich mich damit einverstanden, daß am Samstag, 25.Mai d. I., der Unterricht ausfällt. Reichstrainer Käfer, Berlin kommt nach Gießen. Auf Einladung des NS.-Reichsbundss für Leibesübungen, Ortsringführer Franz Sauer, kommt Reichstrainer Käfer (Berlin) vom Reichsfachanst Schwimmen nach Gießen und wird in den Tagen von Montag, 27., bis Donnerstag, 30. Mai, Lehrstunden im Städtischen Volksbad erteilen. In erster Linie sollen solche Schwimmer und Springer ausgebildet werden, die z. B. bei der Hitler-Jugend und beim BDM. Anleitungen zum Schtbimmen geben können. Die Veranstaltungen sind für alle Schwimmer im NSRL. offen. Es finden jeden Abend Schwimmstunden im Volksbad statt. Zum Abschluß werden am Donerstag die notwendigen theoretischen Anweisungen erteilt. Hußballergebniffe der 2. Klaffe. Grohen-Buseck I. — VfB.R. II. 4:0 (3:0). Durch einen eindeutigen Sieg konnte Großen- Buseck oie Tabellsnführung befestigen. Obwohl man den Grünweißen einige Chancen für diesen Kampf eingeräumt hatte, enttäuschte die Mannschaft wiederum. Die Gastgeber hatten ihre Mannschaft stark verjüngt, was der Mannschaft sehr zum Vorteil gereichte. Bis zur Halbzeit sorgten die Platzherren durch drei Tore für einen Vorsprung, der auch gehalten werden konnte. Die Grünweihen hatten zwar ein Antrag nicht bereits vor dem 10.3. gestellt ist, nunmehr bei entsprechender Glaubhaftmachung auf 60 RM. vierteljährlich mit Wirkung vom 10. 6. dieses Jahres beantragt werden. Da die- Festsetzung der Vorauszahlungen, wie erwähnt, nicht zurückwirkt, bleibt es im Falle einer Neufestsetzung nach Erhalt des Einkommensteuerbescheides für 1939 grundsätzlich bei den früher geleisteten Vorauszahlungen. Das Finanzamt wird jedoch, da die Vorauszahlungen mit der voraussichtlichen Einkommensteuer möglichst übereinstimmen sollen, bei einer Neufestsetzung der Vorauszahlungen die früheren höheren Vorauszahlungen berücksichtigen können. Jedoch kann nicht etwa allgemein nach Erhalt des neuen Steuerbescheids ein Herab- fetzungsantrag damit begründet werden, daß bereits früher höhere Vorauszahlungen geleistet seien. Dies kann, wenn die oben wiedergegebenen Voraussetzungen für einen Herabsetzungsantrag nicht vorliegen, nur ausnahmsweise im Billigkeitswege durch Stun- düng berücksichtigt werden. Das Finanzamt kann die Vorauszahlungen auf die Einkommensteuer erhöhen, wenn sich die voraussichtliche Einkommensteuer um mehr als %, mindestens 300 RM. höher als die bisherige stellen wird. Von der Erhöhung und der Herabsetzung soll nur in wirklich lohnenden Fällen Gebrauch gemacht werden (sog. Kannvorschrift). Erwähnt sei noch, daß sich eine wesentliche Aende- rung für die Vorauszahlungen auch dadurch ergeben kann, daß ein selbständig Berufstätiger Arbeitnehmer wird oder umgekehrt. Auch in diesen Fällen können die Vorauszahlungen unter Berücksichtigung der Steuerabzugsbeträge nach den Veranlagungsrichtlinien vom 15.1.40 (Z. 95) herbgesetzt bzw. erhöht werden. Herabsetzung der Vorauszahlungen auf den Kriegszuschlag. „Jutta!" Ein vielstimmiger Jubelruf fliegt zu der Balkendecke der alten, ehrwürdigen Gräfestube. Nur einer sagt nichts. Einem hat es die Reds verschlagen, diese Freudenbotschaft, die kaum glaubliche. Emer sitzt wie vor den Kops geschlagen auf dem alten Holzstuhl vor seinem Schreibpult, sitzt, als könne er nicht fassen, was Rudolfs Braut eben gesagt hat. Er sieht verständnislos ins Weite, bis langsam eine helle, ja, eine fast triumphierende Freude über sein Gesicht fliegt. „Das Zunftwappen, das Zunftwappen", sagt er schließlich fast töricht, als ob das das Wichtigste wäre. Erni ist bei ihm, legt den Arm um seinen Hals, eine Zärtlichkeit, die im Gräfehause ungewöhnlich ist. Aber sie hat wirklich Angst, die große Freude könnte den Vater erdrücken. Rudolf ist natürlich schon bei dem Wie und Warum, daß in zwölfter Stunde das Blatt sich noch gewendet hat. Und erst Jupp! Alles an ihm ist Wißbegierde. Seine laute Stimme übertönt alle. „Hab' ich's nicht gesagt, hab' ich's nicht gesagt? Ein Viadukt, natürlich ein Viadukt!" „Ja, so ist die Sache nun: das Gelände unterhalb der Gräfewiesen ist sumpfig. Ein Viadukt würde nötig sein, den man bei der anderen Strecke durch den Plesfener Park einsparen kann. „Dazu kommt, daß durch unseren Park ein landschaftlich schöneres Stück erschlossen wird. Auch darauf legt man viel Wert." Jutta ist ein tapferer Kerl, durch und durch. Rudolf drückt ihr die Hand, die er schon die ganze Zeit festgehalten hat. Sie muß ein großes Stück dieses alten Parks hergeben, eine einschneidende Aenderung in dem jahrhundertealten Besitz erdulden, und kommt herüber ins Gräfehaus geprescht, um ihnen so schnell wie möglich die Botschaft zu bringen. Wirklich nobel ist das! Darüber sind sie sich alle einig. Auch Vater Gräfe, der jetzt aufgestanden ist. Ordentlich stramm steht er da in seinem Stolz, daß er das Zunftwappen der Brauer weiter führen darf. M „Das vergesse ich dir nicht, daß du gekommen bist! I (Fortsetzung folgt.) kg) 0,97, gl (fette Specksauen) 1,09, i (Altschneider) 1,09, g2 (andere Sauen) 1,01 h (Eder) 1,01 RM. Marktverlauf: Alles zugeteilt. *♦ Polizei gegen Verkehrssünder. In der Zeit vom 10. bis 16. Mai schritt die Polizei mit 7 Sinzeigen und 1 gebührenpflichtigen Verwarnung gegen Fahrzeugführer, mit 1 Anzeige und 15 gebührenpflichtigen Verwarnungen gegen Radfahrer und mit 1 gebührenpflichtigen Verwarnung gegen Fußgänger ein. : ** Ständige Lehrwanderungen. Die von den Arbeitsgemeinschaften „Biologie' und „Er- ' nährung aus dem Walde" an den letzten Sonntagen ' veranstalteten Lehrwanderungen, die stets starkem ■ Interesse bei einer großen Teilnehmerschaft begegneten, werden durch Entgegenkommen von Prof. Dr. Funk zu einer ständigen Einrichtung gemacht. Strafkammer Gießen. Herbert Thomas aus Gießen war angeklagt, am 17. April unter der Voraussetzung des straferschwerenden Rückfalls und unter Ausnutzung der Verdunkelung ein Fahrrad, das bei einer Gastwirtschaft stand, entwendet zu haben. Der erheblich und einschlägig vorbestrafte Angeklagte war in vollem Umfang geständig. Der Anklagevertreter beantragte eine Zuchthausstrafe von 5 Jahren und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren. Der Angeklagte wurde zu einer Zuchthaus st rafe von 4 Jahren, abzüglich > Monat Untersuchungshaft, verurteilt. Amtsgericht Gießen Der F. B. in Hochelheim hatte einen Strafbefehl über 10 RM. erhalten, weil er am 24. Februar mit einem Lastkraftwagen die Frankfurter Straße in Gießen auf der abschüssigen, stark vereisten Stelle vor dem Bahnübergang in einem so schnellen Tempo befahren hatte, daß er das Fahrzeug nicht auf kürzeste Entfernung anhalten konnte. Gegen den Strafbefehl legte B. Einspruch ein. Der Anklagevertreter beantragte Ermäßigung der Strafe auf fünf RM., B. wurde aber freigesprochen. Das Gericht nahm als feststehend an, daß er alles getan habe, um einen Unfall zu vermeiden. Ein Schaden war übrigens nicht entstanden. Der Ch. W. in Grüningen hatte Briefe an zwei Gießener Rechtsanwälte geschrieben, die ihm eine Anklage wegen gröblicher Beleidigung und übler Nachrede brachten. Der Angeklagte war geständig, behauptete aber zu seiner Verteidigung, die beleidigten Rechtsanwälte hätten Eingaben an Behörden gerichtet, in denen ihm die Ehre abge- schnitten worden sei. Entsprechend dem Antrag des Anklagevertreters wurde W. zu 4 Wochen Gefängnis verurteilt. Ans der engeren Heimat. Oie Ausgrabungsarbeiten auf Burg Wartenbach. Lpd. Lauterbach, 21. Mai. Nach einem Bericht des Vereins .Lauterbacher Museum e. V.", der die Ausgradungsarbeiten an der frühmittelalterlichen Burgruine Wartenbach bei Lauterbach durchführt, wurde im Gebiet der oberen Burg her langgesuchte Burgbrunnen gefunden, der den Charakter eines Ziehbrunnens hatte und von den Zerstörern der Burg in seinem Oberteil gründlich beseitigt worden ist. Obgleich nicht der gesamte Brunnenschacht durchforscht werden konnte, wurden bereits jetzt eine beträchtliche Anzahl Funde, darunter viel Eisengerät und Waffen, gemacht. Nördlich des Bergfriedes wurde der einstige Küchen- und Burgk^pellenbau erschlossen und habet ein Keller aufgeheckt, her aus her Zeit vor her Errichtung der Burganlage stammen dürfte. Von hohem Wert dürste auch der im Vorjahr in dem Burggelände gemachte Münzenfund fein, her sich auf eine ansehnliche Zahl sog. „Brakteaten" erstreckte. Es handelt sich um bisher ganz unbekannte Typen aus der oberen Weser- und Leinegegend, die man der Göttinger Münze zuschreibt: die Münzen stammen aus der Zeit um 1230 und gehören teilweise verschiedenen Dynastenfamilien der oben genannten Gegenden an. Kind von einem umstürzenden Brett erschlagen. Lpd. Bad-Nauheim, 21. Mai. Im Hofe eines Hauses in her Mittelstraße wurde ein sechs, jähriger Junge beim Spiel durch ein um« stürzendes Brett tödlich verletzt. Der Tod des Jungen trat auf der Stelle ein. Das Gräfehaus aber ist sehr geräumig, Erni kam lange nicht zurück. Erst beim Schlafengehen begegnet Lena der Erni noch einmal auf dem Flur. „Gute Nacht, Erni!" Schweigend wartet sie nun. Ein helles Rot springt Erni übers Gesicht. Einen Augenblick zaudert sie. Dann aber sagt sie nur ganz knapp: „Gute Nacht!" und macht kehrt. Lena ist nicht überrascht, als es spät noch an ihre Zimmertür klopft. „Komm' nur herein, Erni. Bei dem Geklapper kann man ja doch nicht schlafen." „Gott, ja, so ein Sturm , sagt Erni unsicher. Sie dreht einen Brief zwischen den Händen, hin und her. „Willst du ihn lesen, Tante Lena?" fragt sie mit einemmal sehr mutig, obwohl ihr das Herz bis zum Halse klopft. Lena nimmt ihr den Brief aus den Händen, legt den Umschlag auf den Tisch unter die Lampe. Dann streicht sie Erni übers Haar. „Nein, (Erni, lesen will ich das nicht, was Gottfried dir schreibt. Deinen ersten richtigen Liebesbrief, Den mußt du ganz und gar für dich behalten." „Tante Lena!" (Erni Gräfe schaut Lena glücklich an. Und Lena weiß, daß sie das junge Herz nun wieder für fick gewonnen hat. Ein paar gute, vertrauensvolle Worte, und die Brücke ist wieder gebaut. Mit einem Male kann man frank und frei von der Leber weg reden. Wovon? Von Gottfried Bonhoff natürlich. Nur von ihm. Ist er nicht jetzt das A und O in Ernis Leben? „Hast du dir auch alles recht bedacht, Erni?" fragt Lena. „Siehst du, die Liebe, die ist wie das Brausen da draußen, aber nachher, dann kommt die Stille. Da findet man sich wieder. Und dann darf man nicht erschrecken. Dann muß alles so sein, daß man ein frohes Herz behält." _„3a, Tante Lena, es wird nicht immer leicht fein." „Sag' ruhig, daß es schwer sein wirb, Kind. Denke Infolge der starken Veränderung der Einkorn- i mensoerhältnisse seit Kriegsbeainn ist die Frage, i in welcher Höhe die Vorauszahlungen auf die Ein- ! kommen st euer, den Kriegszuschlag und । auch die Gewerbe st euer für 1940 zu entrichten sind, von wesentlicher Bedeutung. Besondere : Anordnungen sind nicht ergangen, ha im allgemeinen auf Grund her geltenden Bestimmungen den verschiedenartigen Verhältnissen ausreichend Rechnung getragen werben kann: in besonderen Fällen ist her Billigkeitsweg gegeben. Die einberufenen Steuerpflichtigen sollen, wenn ein erheblicher Rückgang ihres Einkommens erkennbar ist, auf hie Möglichkeit einer Herabsetzung her Voraus- 1 Zahlungen nach dem Erlaß des Reichsfinanzministers vom 8. 12. v. I. befonbers hingewiefen, oder hie Vorauszahlungen gleich von Amts wegen herabgesetzt werden. Häufig sind die Fälle, in denen im vergangenen Jahre ein stark erhöhter Umsatz getätigt worden ist, aus dem entsprechend hohe Einkünfte erzielt sind, während nunmehr für das Jahr 1940 ein erheblicher Umsatz- und Einkommensruckgang zu erwarten ist. Die Auswirkungen einer Aenderung der Einkommensverhältnisse sollen im folgenden kurz aufgezeigt werden: Bemessung und Herabsetzung der Einkommensteuer-Vorauszahlungen für 1940. Die vierteljährlichen Vorauszahlungen auf die Einkommensteuer 1940, die am 10. 3., 10. 6. abzuführen sind, richten sich zur Zeit regelmäßig nach dem Einkommensteuerbescheid für 1938, da für den einzelnen Vorauszahlungstermin der zuletzt erhaltene Steuerbescheid maßgebend ist. Der Steuerpflichtige kann eine Herabsetzung her Vorauszahlungen beantragen, wenn sich die voraussichtliche Einkommensteuer für 1940 um mehr als ein Fünftel, mindestens 100 RM. niedriger als die zuletzt veranlagte Einkommensteuer stellen wird. Da es auf die Höhe der Einkommensteuer ankommt, sind alle Umstände von Bedeutung, die voraussichtlich zu einer niedrigeren Einkommensteuer führen werden, also nicht nur ein Einkommenrückgang gegenüber dem bisher maßgebenden Einkommen, sondern auch eine Aenderung des Familienftandes, wie Verheiratung, Geburt von Kindern, lieber- nähme des Unterhalts von Angehörigen unter 25 Jahren usw. r-jr , Bei manchen Steuerpflichtigen kann sich bereits aus her Einkommensteuererklärung für 1939 eine wesentliche Einkommensminberung gegenüber 1938 in dem angegebenen Umfange ergeben. Unter Hinweis hierauf wirb bereits eine Herabsetzung der Vorauszahlungen für 1940 beantragt werden können, wenn auch glaubhaft gemacht werden kann, daß sich die Einkommensteuer 1940 nach her Entwicklung her Umsätze, her Unkosten usw. nicht höher als 1939 stellen wirb. . Häufiger werben hie Fälle fein, in denen sich em Einkommenrückgang gegenüber 1938 erst für das Jahr 1940 ergeben wirb. Wird die voraussichtliche Minderung her Einkommensteuer für 1940 gegenüber 1938 jedenfalls mehr als ein Fünftel, mindestens 100 RM. betrauen, so ist ein Herabsetzungsantrag schon jetzt möglich, sofern die Anhaltspunkte für die Glaubhaftmachung des voraussichtlichen Einkommens 1940 ausreichen. Andernfalls wird nach Erhalt des Einkommensteuerbeschei- des für 1939 ein Herabfetzungsantrag in Betracht kommen, der sodann häufig mit dem Fortfall der besonderen Gewinnmöglichkeiten des vergangenen Jahres unter Hinweis auf den Rückgang der Umsätze, unter Umständen Einreichung einer Zwischenbilanz, begründet werden kann. Wesentlich ist, daß die F e stsetzun g der V o r - auszahlungen grundsätzlich Wirkung nur für die Zukunft hat, sich also nicht auf die früheren Dorauszahlungstermine auswirkt. Beispiel: Das Einkommen eines Steuerpflichtigen her Steuergruppe IV 3 betrug 1938 12 000 RM., die Einkommensteuer 820 RM. Für 1939 ist ein Einkommen von 18 000 RM. angegeben, so daß sich die Einkommensteuer 1939 auf 1860 RM. berechnen wird. Die Vorauszahlungen für 1940 betragen zunächst 205 RM., nach Erhalt des im Mai 1940 zugegangenen Einkommensteuerbescheides für ■ 1939 465 RM. Das voraussichtliche Einkommen für ■ 1940 ist auf etwa 6000 RM. zu schätzen, so daß hie Einkommensteuer 1940 242 RM. betragen wird. I Eine Herabsetzung der Vorauszahlungen wird, falls Herabsetzung von Sie im Jahre 1940. Don Or. jur et. rer. pol. K. Wuth, (Steuerberater, Berlin. jetzt etwas mehr vom Spiel, jedoch blieben Tors aus. Die Platzherren schossen noch ein weiterer Tor. Garbenleich I. — Grüningen I. 7:0 (4:0). Für die zweite Ueberraschung sorgte Garbenteich. (Einen derart hohen Sieg hätte wohl niepianb für möglich gehalten. Die Platzherren waren durch ihren Nachwuchs verstärkt, die jungen Spieler fügten sich sehr gut in das Mannschaftsgefüge ein. Die Gäste waren wohl sehr eifrig, doch machte sich die lange Spielpause stark bemerkbar. Schon bei der Pause stand ein Sieg der Platzherren fest. Hungen I. — Klein-Linden I. 4:2 (3:2). Eine weitere Ueberraschung war in Hungen fällig. In einem rassigen Kamps konnten die Hungener die starken Gäste aus Klein-Linden bezwingen und damit ihren ersten Sieg buchen. Zu Beginn des Spieles sah es allerdings nicht nach einem Siege der Gastgeber aus. Unfergau 416 bei den Geräte« Mannschastskämpfen des Obergoues. Am vergangenen Sonntag traten 11 Mannschaften aus dem Obergau bes BDM. zu einem Mannschafts ° Gerätekampf (Turnen) an, um die besten Vereins - Mädelmannfchaften feftzustellen. Sieger im Wettbewerb wurde mit 54 Punkten dir Mannschaft des Untergaues Hanau (Turn- unb Fechtklub Hanau). Die Mannschaft des Untergaues 116, Gießen (Turngemeinde Friedberg), wurde mit 45 Punkten dritter Sieger. Titelkämpfe der Studenten. Die Meisterschaften der Kameradschaften des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes und her Junioren werden mit Rücksicht auf die Kriegsverhältnisse nicht zentral, sondern örtlich durchgeführt. Der Austragstag ist der 30. Juni 1940. Die besten Kameradschaften unb die sechs Besten der Einzelwertung werden zu den Reichswettkämp- fen her Studenten vom 5. bis 7. Juli nach Braunschweig einberufen.___| Auf den Kriegszuschlag zur Einkommensteuer 1940, ---- her % der Einkommensteuer beträgt sind bis zum Ausnahmefällen erfolgen. Erhalt des Einkommen st euerbeschei-j ---