Mittwoch, 21. August 1940 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Uhr desBormittags Anzeigen-Preise: Anzeigenteil 7 Rvf. je mm bei 22 mm Zeilenbreite/ Tertteil 50 Rvf. je mm bei 70 mm Zeilenbreite Nachlässe: Wiederholung Malstaffell Abschlüsse Mengenstaffel8 Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25% mehr 190. Jahrgang nr.i97 M r Ä mi ■8 Gietzener Anzeiger infolge höherer Gewalt ^st?cke^U686'^ankf?M. vrühlsche Untotrfttatsbniderel 8. Lange General-Anzeiger für Gberheffen *!säst: Dalien erklärt die totale Blockade der britischen Kolonialküsten im Mittel- und Idolen Meer. Eine erneute Warnung an die neutrale Schiffahrt. - Leder Verkehr mit britischen Kolonialhäfen unterbunden. R o m. 21. August. (DRV.) Die italienische Regie- rung hat an die Regierungen der neutralen Staaten, die Handelsschiffahrt treiben, folgendeRote gerichtet: a »Die italienische Regierung Hal durch ihre Rote vom 15.3uni den Regierungen der Handelsschiffahrt treibenden neutralen Staaten mikgeteilt, Italien sei infolge der Blockademahnahmen, die von den feindlichen Mächten gegen Italien angewandt würden, zu der Erklärung gezwungen, dah die Handels- schiffe mit Kurs auf feindliche Hafen — wenn sie sich 30 Meilen von den feindlichen Küsten entfernt befinden — auf ihre eigene Gefahr hin weiterfahren würden, und dah Italien jede Verantwortung für die Folgen ablehne, die den Schiffen zustohen würden, die diese Warnung nicht beachteten. Die italienische Regierung lenkt, indem sie diese Warnung wiederholt, die Aufmerksamkeit dieser Regierungen auf die Tatsache, dah die Küsten- gemässer der Kolonien, der Protektorate und der Länder unter britischem Mandat, sowie die Küstengewässer der Länder, in denen, wie in Aegypten, britische Militär-, See- und Luftstreitkräfte liegen, durch die andauernd sich wiederholenden Krlegsaklionen zu ständigen Operatlonszonen geworden find. Dies ist besonders bezüglich der britischen Küsten im Mittelmeer und im Roten Meer, im Golf von Aden sowie hinsichtlich der Küsten der britischen Kolonien in Afrika und der Küsten in A e g y p l e n und des S u d a n s der Fall. Iedes Schiff, das diese Zonen befährt, seht sich der Rom, 20. Aug. (DRV.) Der italienische Dehr- machtsbericht hat folgenden Wortlaut: Rach Reberwindung der letzten Widerstände der feindlichen Rachhuten haben unsere Truppen am gestrigen 19. August, nachmittags, Berbera, die hauptstadt von Brltisch-Somaliland, beseht. Die Engländor haben vor ihrer Flucht auf die Schiffe einen Teil der Stadt in Brand ge st eckt. Eine ganze Kompanie des Kamelreiterkorps hat sich mit voller Bewaffnung und Ausrüstung bei unserem Kommando in h a r g e l s a eingefunden und sich unterworfen und die Dassen abgeliefert. In G a l a b a t hat eines unserer Bataillone überraschend feindliche Formationen angegriffen und zersprengt, Munition, Pferde und Gefangene erbeutet. Feindliche Luftangriffe auf Reghelli, Mogadiscio, Bardia, Merca und Genale haben weder Opfer, noch nennenswerten Schaden verursacht. In Rordasrika bombardierte der Feind das Krankenhaus von D e r n a. Von den Insassen wurden einer getötet und 22 verwundet. Ein U-Boot unbekannter Rationalität stieh gegen eine unserer Minensperren im Dodekanes; ein ausgedehnter Oelfleck an der Explosions- ffelle läht den Untergang des U-Bootes an- nehmen. * Winston Churchill darf seinem selbstgewundenen Ruhmeskranz ein neues Blatt einfügen: die erfolgreiche Räumung von Britisch-Somaliland. Nur völlig verblendete Menschen können nach seiner Ansicht die Meinung vertreten, es handle sich hier um eine schwere englische Niederlage. Für das scharfsinnige Britenvolk gehört die Aufgabe von Berbera genau so in die Reihe der großen Siege wie der Fall von Warschau, wie die Flucht aus Namsos und Andalnes, wie die Katastrophe von Dünkirchen. Die übrige Welt freilich denkt etwas ^efe. Dache. Wenn sie auch vielleicht ?■ -LU ern ■ geneigt ist, der hervorragenden mili- tarüchen Leistung unseres Bundesgenossen die ge- buhrende Anerkennung auszusprechen, so hütet sie sich doch, jenes schäbige Treiben der Engländer mit- zumachen die den italienischen Sieg am liebsten in einen Mißerfolg umfälschen möchten. Im Reiche der realen Tatsachen wirkt die hastige Flucht der Briten aus Somaliland wie ein Fanal, das den Zusammenbruch des morsch gewordenen Empire ankündiot. Nur knapp 14 Tage ge- 'brauchten die Italiener für die siegreiche Beendigung üieses Feldzuges, der aus dem System der englischen ik? EAErrschaft den ersten Stützpfeiler heraus- brache Hauptquartier behauptet zwar inachtraglich, daß der Hafen von Berbera und wie anderen Ankerplätze an der Küste von Somali- lland für den Feind wertlos seien, aber ein Blick Er r 1 ^udkarte genügt, um festzustellen, daß ^England den Südeingang zum Roten Meer jetzt wicht mehr allein überwachen und kontrollieren kann. Die strategische Bedeutung des an der ara- lbefahr aus, durch Minen und andere im Kriege angewandte Mittel vernichtet zu werden. Die italienische Regierung, in der Absicht, derartige Vernichtungen zu vermeiden, legt den Regierungen nahe, alles zu tun, was in ihrer Macht steht und was ihnen opportun erscheint, damit ihre Staatsangehörigen und ihre Schiffe es sorgfältig vermeiden, diese gefährlichen Zonen zu befahren» da die italienische Regierung jede Verantwortung für die Schäden ablehnk, die Schiffen oder Personen in diesen Zonen zustoßen könnten. Die italienische Regierung Hal ihrerseits n i ch t die Absicht, den Transit der neutralen Schiffe durch Meerengen zu behindern, die zwangsläufig D u r ch f a h r t s st r a ß e n für die Schiffahrt sind." * Die italienische Note- Hat, wie rttan in politischen «Kreisen Noms unterstreicht, die totale und bedingungslose Blockade der englischen Kolonialküsten zur Folge, worin auch die Küsten Aegyptens und des Sudans, sofern sich dort englische Streitkräfte befinden, einbegriffen sind. Die Note bestätigt nicht nur die von Italien im vergangenen Juni angewandten Maßnahmen, sondern erklärt auch zu Operationszonen die Kolonialküsten Großbritanniens und insbesondere jene des Mittelmeeres, des Roten Meeres, des Golfs von Aden sowie die kolonialen Küsten von Britisch-Afrika und die Küsten von Aegypten und vom Sudan. In jenen Zonen wird die italienische Luftwaffe dem Feind keine Ruhe lassen und ihm Tag für Tag schwerste Schläge zufügen. Nach der italienischen Mitteilung wird kein feindliches Handelsschiff mehr in jene Zone gelangen können, bischen Küste gegenüberliegenden Hauptstützpunktes Aden ist wesentlich verringert, da sich die Anflugstrecken der italienischen Bomber vermehrt und gleichzeitig verkürzt haben. Mit der stärkeren Gefährdung der Passage durch die Straße von Bab el Mandeb wird außerdem die Lage der britischen Kriegsflotte im östlichen Mittelmeer immer schwieriger. Aber nicht nur die Kriegsschiffe Seiner britischen Majestät, sondern auch die gesamten englischen Landstreitkräfte von Aegypten und im vorderen Orient sitzen bald wie in einer Mausefalle, aus der es kein Entrinnen gibt. Durch die Kämpfe in Somaliland hat also die strategische Lage auf dem afrikanischen Kriegsschauplatz eine völlige Umkehrung erfahren. Denn noch vor zwei Monaten, als Italien in den Krieg eintrat, konnten die Lon- R o m, 20. Aug. (Europapreß.) Die Besetzung der Stadt Berbera durch die italienischen Truppen wird in der römischen Presse als Abschluß des Feldzuges in Britisch-Somaliland bezeichnet, da die Säuberung des östlichen Teiles der Kolonie von den dort befindlichen kleineren englischen Abteilungen im Rahmen von Polizeiaktionen durchgeführt werden könne. Wie in unterrichteten Kreisen erklärt wird, wurde die Offensive am ö. August von drei verschiedenen Kolonnen, die von verschiedenen Ausgangspunkten vorstießen, auf drei verschiedene Ziele gleichzeitig unternommen. Wie groß die Schwierigkeiten waren, beweise allein die Tatsache, daß fast ganz Britisch-Somaliland größten Mangel an Wasser habe und daß die italienischen und Eingeborenentruppen dort bei 50 bis 60 Grad im Schatten kämpfen mußten. Die nördlichste der italienischen Kolonnen habe am 5. August die Grenze überschritten und am 8. August Zeila erreicht. Im Zentrum habe die zweite Kolonne am 9. August H a r g e i s a besetzt. Die dritte, östliche Kolonne sei auf de» Straße von A d u e i n a vorgedrungen, das trotz größter Geländeschwierigkeiten am 16. August erreicht wurde, nachdem 90 Kilometer durch reines Wüstengelände zurückgelegt worden waren. Am 11. August habe das Gros der italienischen Streitkräfte mit der auf 15 000 Mann geschätzten Hauptmacht der Engländer Fühlung genommen. Nach sechs Tagen größter Schwierigkeiten des Anmarsches und der Verpflegung feien die italienischen Truppen einem ausgeruhten Gegner gegenübergetreten, der sich in ausgezeichnet ausgebauten Ver- teidigungsstellen glänzend-verschanzt hatte. Der Angriff auf die Hauptstellung des Feindes wurde mit einem Umgehungsmanöver an den beiden Flanken in Angriff genommen. Zahlreiche feindliche Abteilungen hätten sich ergeben, vor allem südafrikanische Truppen. Oestlich von Berbera befänden sich nur noch 3—4000 Mann, denen aber nach dem Fall von Berbera keinerlei Bedeutung mehr zukomme. An dem Sieg haben nicht nur Eingeborenentruppen, sondern auch italienische Truppen teilgenom- men, während die Engländer nur englische Offiziere, sonst aber ausschließlich Eingeborenentruppen ein« ohne sich der Gefahr der Zerstörung durch Minen oder andere Mittel, die im modernen Krieg angewandt werden, auszusetzen. Die Mahnung galt allen Schiffen, die sich auf eigenes Risiko und eigene Gefahr in die besonders bezeichneten Zonen begeben. Die Maßnahme hat die vollkommene Unterbrechung jeglichen Handelsverkehrs der neutralen Staaten mit den Kolonien Zur Folge, die England noch verbleiben, und zwar in der gesamten Zone,- die die italienische Regierung als Operationszone ansieht. Die englischen Kolonialhäfen werden auf diese Weise für den Handel abgeschlossen, und jegliche Zufuhr aus neutralen Häfen oder mittels neutralen Schiffsraumes wird verhindert. In Rom unterstreicht man besonders, daß die Maßnahme England der notwendigen Zufuhren beraubt und so in wirksamer Weise zum raschen Abschluß des Krieges beiträgt. Die italienische Regierung habe jedoch bei der Erklärung der totalen und bedingungslosen Blockade gegen die britischen Kolonialküsten sowie die Aegyptens und des Sudans nicht die Absicht gehabt, ihrerseits die Durchfahrt der neutralen Schiffe durch Meerengen zu verhindern, die zwangsläufig die Durchfahrtsstraßen für die Schiffahrt bilden. Man glaubt in Rom, daß die nun von der italienischen Regierung den neutralen Staaten mitge- teilte Maßnahme von diesen akzepttert werde, da diese kein Interesse daran haben können, ihre Schiffe und ihre Staatsbürger dem Untergang aus- Zusetzen mit dem einzigen Ziel, die Engländer zu unterstützen und auf diese Weise den Konflikt zu verlängern. Insbesondere weist man in Rom auf die Tatsache hin, daß die amerikanische R e - g i e rung, in der Absicht, ihre Schiffe und ihre Bürger vor Schaden zu bewahren, ihren Schiffen verboten habe, das Mittelmeer und das Rote Meer zu durchfahren. dauer Propagandisten sich nicht genug tun in Prophezeiung über das dunkle Schicksal Abessiniens, das, vom britischen Herrschaftsgebiet rings umgeben, sich nicht lange halten werde, während die Engländer bei ihren Operationen volle Bewegungsfreiheit genössen. Aus den Einkreisern sind nun auch hier die Ein gekreisten geworden. Statt einer belagerten Festung ist Italienisch-dstafrika ein Sprungbrett, von dem aus unser Bundesgenosse nach allen Seiten vernichtende Schläge gegen die Briten zu führen vermag. Mit der Umkehrung der militärischen Lage hängt eng zusammen die Revolution der Geister, die jetzt in dem ganzen Ländergürtel rings um den Indischen Ozean beginnen wird. Ev. setzten. Während Italien in früheren Kolonialkämp- fen vornehmlich feine Askaritruppen einsetzte, zogen heute in erster Linie nationale Truppen in den Kampf. 3m „Giornale d'Italia" stellt Gayda fest, daß Britisch-Somaliland zu einem Bestandteil des italienischen Imperiums geworden sei. Zum erstenmal in seiner jahrhundertelangen Geschichte verliere Großbritannien eine seiner Kolonien. Alles, was in dieser Kolonie an bewaffneten Streitkräften des Empires vorhanden gewesen sei, sei zersprengt, dezimiert und in die Flucht geschlagen worden. Die stolze brittsche Kriegsflotte habe sich darauf beschränkt,, so viel wie möglich der in Unordnung zur Küste geflüchteten Truppen und einen Teil ihres Kriegsmaterials einzuschiffen. Dann sei sie eilig st in See gegangen, ohne auch nur öen Versuch zu machen, ihre schweren Geschütze zur letzten Verteidigung von Berbera einzusetzen. In nur zwei Wochen hätten die siegreichen italienischen Truppen in harten und schweren Kämpfen ein Gebiet erobert, das siebenmal größer sei als die Insel Sardinien. Eine der Säulen der britischen Wache am Ausgang des Suez-Kanals fei eingestürzt. Dadurch fei auch die Tragfähigkeit der anderen Säule, Aden, geschwächt worden. Von der Somali-Küste aus könne mit Leichtigkeit der Angriff der italienischen Luftstreitkräfte gegen das nur 360 Kilomeßtt entfernte Aden vorgetragen werden. Schließlich sei die militärische Front in Italiens sch - O st a f r i k a durch die Einnahme des Somali-Landes erheblich verkürzt worden, die freigewordenen Truppen und Kriegsmittel könnten sofort für andere Aufgaben eingesetzt werden Der Abnutzungskrieg gegen das politische und imperiale System Englands fei wieder um eine neue und wichtige Etappe vorwärtsgekommen. Die „Tribuna" weist auf die Rückwirkung der englischen Niederlage bei den ar a b i s ch e n Völkern hin und stellt fest, daß nach der Besetzung von Britisch-Somaliland Aden und Perim genau so blockiert werden könnten wie England selbst durch Deutschland von den Küsten der Normandie und des Aermelkanals her blockiert werde. Das Gibraltar England ohne Europa. Mit der zielstrebigen Herbeiführung des Krieges begann England, wie 1914, mit einer praktisch unbeschränkten Blockade gegen das Reich. Aber weit weniger als damals fand es bei feiner Konzeption eines umfassenden Wirtschaftskampfes gegen den mitteleuropäischen Raum willige Gefolgsmänner. Immerhin leisteten Englands Alliierte und bemerkenswerterweise auch gewisse „Neuttale" Trabantendienste, jene durch aktive Mitarbeit, diese durch widerspruchslose Hinnahme aller Blockade- schikanen. Hand in Hand mit der Blockade im engeren Sinne ging Englands Bestreben, seine tatsächlichen ober angestrebten Monopole über manche Roh» st o f f e zu festigen. Schon lange vor dem 3. September 1939 war für diesen Zweck ein eigenes Ministerium geschaffen worden. In erster Linie konzentrierten sich die englischen Bemühungen auf die Weltmärkte für Zinn und Kautschuk, dann aber auch auf Blei und Zink. Daneben richtete man an der Themse fein Augenmerk auf eine möglichst umfassende Beschaffung kriegswichtiger Lebensmittel aus den Staaten des britischen Empire, die natürlich auch für Rohstoffe und Halbfabrikate aller Art herangezogen wurden. Kanada und Australien sollten ihre Weizen ernten zur Verfügung stellen, der fünfte Kontinent gleich Süd- afrika Wolle, Aegyptens gesamte Ausfuhrüberschüsse an Baumwolle sollten in die Spinnereien Mittelenglands gehen, die westafrikanischen Kakao ernten wünschte man ebenso vollständig aufzunehmen wie den südafrikanischen Mais, das Kupfer Rhodesiens und Kanadas und vieles andere mehr. Im Verlauf des Krieges traten die Länder Südasteuropas stärker in das Blickfeld der Londoner Wirtschaftsimperialisten; man wollte nicht nur die türkischen Landwirtschaftsprodukte aufkaufen, sondern auch Weizen, Mais und Erd- ö l aus Rumänien, Kupferund Bauxit, Hanf und Getreide aus Jugoslawien und die Ausfuhrprodukte Bulgariens. England wollte mit dieser gewaltigen Störung aller bisherigen zwischenstaatlichen Wirtschaftsbeziehungen nicht nur die eigene Versorgung sicherstellen, sondern insbesondere die des deutschen Gegners unterbinden, dabei aber gleichzeitig währungspolitisch und zur Stützung des britischen Außenhandels Vorteile erringen — und Geschäfte größten Stils machen. Diese Rechnung Derbes östlichen Mittelmeeres, das System Aden—Perim, sei völlig entwertet worden. Die Straße nach Indien werde an einem ihrer lebenswichtigsten Punkte getroffen. Die Bedeutung Berberas. M a iland, 20. Aug. (Europapreß.) Im Zusammenhang mit der Einnahme Berberas bringen die Zeitungen ausführliche Schilderungen dieses bedeutendsten Hafens von Britisch-Somaliland. Berberas Bevölkerung schwankt zwischen 10 000 und 40 000 je nach der Jahreszeit. Sie setzt sich nämlich zu einem großen Teil aus wandernden Nomaden und Händlern zusammen, die Erzeugnisse aus der ganzen Kolonie und selbst aus Italienisch-Ostafrika heranholen und auf den Markt von Berbera bringen. Dieser Markt dauert von Oktober bis April. Haupthandelsartikel sind Felle, Straußen- federn, Kautschuk, Myrrhe, Elfenbein, Datteln, Reis, Baumwolle und Zucker. Der Umsatz belief sich bis- her im Durchschnitt auf eine halbe Million Pfund Sterlinge. Ein Teil der Stadt besteht aus den Häusern der ansässigen Somalis, der Rest aus Hütten, die den Nomaden gehören. Der Hafen hat eine Tiefe von 10 bis 20 Meter. Berbera ist ferner Ausgangspunkt bedeutender Karawanenstraßen nach Somaliland und Aethiopien, mit dem es einen lebhaften Handel hatte, ehe dieser Verkehr nach der Erbauung der Eisenbahn Addis Abeba—Djibuti zum großen Teil nach Djibuti abgeleitet wurde. Dis Stadt hat einen beträchtlichen Handel mit dem etwa 250 Kilometer entfernten Aden, er beläuft sich auf rund 50 Millionen Lire jährlich. Mit der Einnahme von Berbera kann die Besetzung von Britisch- Somaliland als praktisch abgeschlossen gelten. Der östtiche Teil des Landes von Berbera nach der Grenze Jtalienisch-Somaliland bietet keine wesentlichen Widerstandsmöglichkeiten mehr. Ser Sure an den Lizekönig von Aethiopien. Rom, 20. Aug. (DNB.» Der Duce hat anläßlich des Sieges in Somaliland als Oberbefehlshaber der operierenden Wehrmacht andenVizekönig HerzogvonAofta nach Addis Abeba folgendes Telegramm gerichtet: „Nachdem heute mit der Besetzung von Berbera die Eroberung von Somali land eine vollendete Tatsache ist, übersende ich Ihnen, Hoheit, zusammen mit meinem den Beifall des italienischen Volkes, das mit absoluter Siegesgewißheit die Phasen der harten Schlacht verfolgte. Uebermitteln Sie mein Lob dem General Nasi, den Kommandeuren der Kolonnen, den Offizieren, Unteroffizieren sowie den nattonalen und kolonialen Truppen. Alle haben einen prächtigen Beweis von Mut und Zähigkeit erbracht, würdig der Soldaten des fafchisttfchen Italiens. Nach der notwendigen Ruhe werdet Ihr den unerschöpflichen Kampfeswillen der Truppen, die das Imperium besetzt halten und seine Grenzen und seine Macht erweitern, anderen Zielen zulenken. (gez.) Mussolini." Mussolini dankt dem Führer. Rom, 20.Aug. (DNB.) Der Duce hat dem Führer auf den Glückwunsch zum Siege der italienischen Truppen in Ostafrika folgendes Antworttelegramm gesandt: „Führer! Ich danke Ihnen namens der Truppen und in meinem eigenen Namen für die Glückwünsche, die Sie mir zu dem Sieg über die Engländer in Ostafrika gesandt haben. Mit kameradschaftliches Grüßen. Wusiolmi/ Vritisch-Somali Bestandteil des italienischen Imperiums. Nie politischen und strategischen Folgen der Einnahme von Berbera. Italiens Kolonialtruppen für neue Ausgaben frei. Sie italienische presse zum Abschluß des Gomali-Keldzuges. Das Blockadegebiet um England haben.' JJeULlUJlUllU IJUL IIUIUUCIIL UVU VU -vi“ I ”' ■ ------- --- ' ,Y. . * veranschaulicht das Seegebiet, über das sich die Maßnahmen der deutschen Kriegführung erstrecken. 7 v (Scherl-Bilderdienst-M.) Stockholm, 21. Aug. (Europapreß.) Vor vollbesetztem Hause gab Ministerpräsident Churchill eine Erklärung über die Kriegslage ab. Churchill bezifferte die englischen Verluste in den letzten zwölf Monaten auf 92 000 Gefallene, Verwundete, Gefangene und Vermißte. Den Hoover-Plan zur Versorgung der Bevölkerung Frankreichs, Hollands und Belgiens mit Lebensmitteln lehnte er ab. Er befürchtete, daß Frankreich zu jedem Zeitpunkt der Feind Englands werden könne und schob die Schuld für den Rückzug der englischen Truppen aus Bri- tisch-Somaliland den Franzosen zu. Im krassen Gegensatz hierzu stand die spätere Versicherung Churchills, daß man sich bereits vor Kriegsausbruch dafür entschieden habe, dieses englische Protektorat im Kriegsfälle nicht zu verteidigen. Interessant war im übrigen die Bemerkung Churchills, wenn England einmal wohl gerüstet sei, alle Chancen dafür vorhanden wären, den Sieg davonzutragen. Die Rede Churchills ist ein typisches Produkt eng. lischer Großsprecherei und Angst. Churchill befand sich in äußerst unangenehmer Position, was in der Rede drastisch zum Ausdruck kommt. Er mußte die letzten Niederlagen Englands erläutern, und er tat das in dem er Scheinerfolge vorgaukelte, um dahinter „erfolgreiche Rückzüge" zu verbergen. Sehr bezeichnend war immerhin, daß er von 92 000 Mann britischer Verluste sprach. Für wie lange sich sei Singapur. Im Mittelpunkt des japanischen Interesses steht der Versuch der Nordamerikaner, die Polizeigewalt in den Gebieten zu übernehmen, die die Engländer durch ihren Abzug freigegeben haben, er wird in der japanischen Oeffentlichkeit mit scharfen Worten als unerträgliche angelsächsische Schikane gebrandmarkt. Die japanische Presse fordert, die Räumung durch die Engländer müsse die Einleitung für die Aufhebung aller ausländischen Sonderrechte in China sein. In den nächsten Tagen beabsichtigt Ministerpräsident Fürst K o - n o y e zu einer entscheidenden Besprechung mit den Chefs des General- und des Admiralstabes zusammenzutreten, von der man eine grundsätzliche Lösung der Frage der ausländischen Konzessionen in China erwartet. In innerpolitischer Hinsicht bestehen vorerst noch Meinungsverschiedenheiten über den Umbau der japanischen Staatsform nach dem Muster der autoritären Staaten Europas. Die Klärung dieser Gegensätze wird noch eine gewisse Zeit erfordern. Die letzthin in Erscheinung getretene Hal- tung Japans hat die Abreise zahlreicher Ausländer aus Japan und China zur Folge gehabt, und zwar vornehmlich von Angelsachsen, Die Schweizer Oeffentlichkeit über die britischen Neutralitäts« Churchill vor -em Unterhaus. England muß transatlantische Besitzungen an die USA. verpachten. Churchill auf einen Feldzug vorbereitet, kann uns! kalt lassen, die Bestimmung der Dauer des Feldzuges wird nicht von ihm, sondern von den deutschen Waffen abhängen. Wir entsinnen uns im übrigen noch sehr gut, daß auch französische Minister von einem Krieg von 30 und 50 Jahren gesprochen haben, und daß dann die deutschen Waffen den ganzen Spuk in acht Wochen beendeten. In der ganzen Welt wird es nur Gelächter auslösen, wenn Churchill von einer Blockade E u - r o p a s spricht. Nicht Herr Churchill blockiert Europa, sondern England ist von Europa blockiert. Wenn Churchill jetzt einen Aushunge- rungsplan gegen Englands ehemalige Bundesgenossen entwickelt, so ist das ein typisches Zeugnis für den britischen Zynismus, wie es schlimmer gar nicht gedacht werden kann. Aber auch durch diese Rechnung wird Herrn Churchill ein Strich gemacht werden. Churchill führte dann seinen Hörern vor Augen, wie sehr sich seit s/< Jahren die Lage für England verschlechtert hat. Die Holländer seien zer- schmettert, Belgien sei überrannt, das englische Expeditionskorps sei abgeschnitten ynd beinahe ge- fangengenommen worden. Das verbündete Frankreich stehe jetzt außerhalb des Krieges, und Italien befinde sich im Kriege mit England. Ganz Frank- reich sei in der Gewalt des Feindes. Die ganze Englands Tonnagesorgen. Oie Folgen des Ausschlusses der britischen Schisfahrt vom Kontinent. gewicht gewinnen. Eine unverschämte Lüge ist es, wenn Churchill dann davon spricht, die englischen Bomber suchten sich in Deutschland militärische Ziele. Die meisten englischen Einflüge finden in der Nacht statt, und dabei werden dann militärische ^iele wie das Goethehaus in Weimar, der Ehrenfnedhof in Neuß und Kulturdenkmäler in Heidelberg bombardiert. Wenn aber Churchill auf diese Tatsachen seine Hoffnung auf den Sieg gründet, dann wird diese Hoffnung sehr bald durch die deutsche Luftwaffe zerschlagen werden. Darauf machte Churchill dem Unterhause eine sehr interessante Mitteilung: „Dor einigen Monaten kamen wir zu der Ueberzeugung, daß die Inter- essen der Vereinigten Staaten und die- jenige.n des britischen Empires erforderten, daß den Vereinigten Staaten Möglichkeiten für d i e Verteidigung der we st lichen Erdhälfte geschaffen werden müssen für den Fall, daß Deutschland die Kontrolle über einen großen Teil Westeuropas an sich reißen sollte. Wir haben daher non uns aus spontan beschlossen, den Vereinigten Staaten mitzuteilen, daß wir uns glücklich schätzen würden, derartige Derteidigungsmäglichreiten zu ihrer Verfügung zu stellen, indem wir ihnen geeignete Stellen über trugen, die in unseren transatlantischen Besitzungen gelegen sind. Roosevelt gab kürzlich klar zu verstehen, daß er mit uns, mit Kanada und Neufundland die Entwicklung der amerikanischen Derteidigungsmvg- lichkeiten auf Neufundland und auf den Antillen zu erörtern wünsche. Die britische Regierung ist durch- Die Schisse nach Kanada, USA. und England sind mit Rückwanderern überfüllt. Auch altangesehene britische Firmen bauen ihre Geschäfte ab. Die maßgebenden japanischen Blätter haben sich daher bereits veranlaßt gesehen, diesen Massenwegzug mit reundlichem Zureden einzudämmen. L allemscher Luftangriff auf Malta Rom, 20. Aug. (DNB.) Dienstag morgen haben italienische Bomberformationen, von Jagdstaffeln begleitet, die militärischen Ziele der Insel M g l t a bombardiert. Eine zahlreiche italienische Bombenflugzeugformation, begleitet von Jagdstaffeln, hat erst den F l u g h a f e n v o n A l F a r und den von M i c a b b a angegriffen und mehrere Tonnen Sprengbomben auf die Flugplatzanlagen abgewor-1 Stockholm, 20. Aug. (DNB.) „Svenska Dag- bl adel" hat eine liebersicht über die Lage am Weltfrachtenmarkt veröffentlicht, in der darauf hingewiesen wird, daß für die internationale Handelsschiffahrt seit der Kapitulation Frankreichs neue Unsicherheitsmomente entstanden seien. Bereits die Tatsache, daß die französische Handelsflotte von der Teilnahme am Weltwarentransport so gut wie ausgeschlossen sei, habe die Lage dessen, was man noch als freien Frachtenmarkt bezeichnen könne, weiterhin stark beeinflußt. Da die mit der Beschränkung der Weltttonnage erwarteten außer- ordenttichen Fracht en st eigerungen nicht eingetreten seien, könne man daraus schließen, daß die Nachfrage nach Tonnage in demselben Umfange wie die Tonnagekapazität zurückge - gangen sei. Besonders auffallend sei festzustellen, daß die Frachtraten nach England ungewöhnliche Erhöhungen erfahren hätten. So seien auf Grund der Kriegsrisikoprämien die Frachtraten für Getreideladungen von La Plata von zehn Schilling je Tonne aus 9 5 Schilling ge st iegen. Die gleiche Ursache habe auch eine Steigerung der Kohlenfrachten von England nach Südamerika um 38 Schilling je Tonne bewirkt. „Nya Dagligt Allehanda" beschäftigte sich mit dem außerordentlich gestiegenen Tonnagebedarf Englands durch Fortfall der skandinavischen Stagten als Dersargungsländer. Das Charakteristikum der veränderten Lage sei die 41 m - Stellung vom Nah - auf Fernverkehr. Da von den spanischen und portugiesischen Häfen sowie dem Mittelmeer bis zum Eismeer kaum ein englisches Schiff europäische Häsen anlaufen könne, sei die gesamte Europa fahrt prakttsch auf den Nullpunkt herabgesunken. Z. D. müsse nun ein Teil der Waren, die früher nach Harwich gerade beängftigenb aus. Und wenn wir von den kriegswichttgen Rohstoffen und der Beschränkung auf unsere deutsche Einflußsphäre einmal absehen, dann ergibt sich für die Versorgung Europas mit Lebensmitteln folgende Lage: 1937 verfügte der Äontinent aus eigener Ernte über 73 Millionen Tonnen Weizen und 43 Millionen Tonnen Roggen: bei einem Einfuhr- bedarf von 3Vs Millionen Tonnen Weizen und V» Million Tonnen Roggen, die oftmals nicht einmal reinem Bedarf dienten und angesichts einer möglichen Anbauausweitung ist also bei Brotgetreide eine Blockade gegen das Festland unmöglich. Beim Futtergetreide (Gerste, Hafer und Mais) wurden 79 Millionen Tonnen an- gebaut und weniger als 5 Millionen Tonnen eingeführt, außerdem 4 Millionen Tonnen Oelfrüchte. Diese Abhängigkeiten können durch eine erträgliche Drosselung der zu starken Viehstapel und Förderung des Oelfrüchteanbaus ebenso weitgehend beseitigt werden. Was die Kartoffeln angeht, ist der Kontinent autark, die Zuckerproduktion ist völlig ausreichend, und Europas Ueberschüsse an Butter und Käse gingen größtenteils — nach England. Was dem europäischen Wirtschaftsraum fehlt, sind Zinn, Gummi und Jute bei Industrie- rohstoffen, gewisse Oelfrüchte, Kakao und Kaffee. Das alles ist, insgesamt genommen, nicht bedrohlich. Kaffee und Kakao sind entbehrliche Ge- nußmittel, der Anbau von Oelfrüchten ist stark steigerungsfähig, Jute und Gummi sind, wie bereits bewiesen ist, durch den Ausbau der Produktton synthettscher Stoffe zu ersetzen; und für Zinn sind gleichfalls erhebliche Ausweichmöglichkeiten nach der Seite anderer Leichtmetalle wie auf Kunst- und Werkstoffe hin' gegeben. Gerade das Reich hat ja auf allen diesen Gebieten gezeigt, was unter planmäßiger Wirtschaftsführung geleistet werden kann. Das Ergebnis ist nicht nur eine völlig gesicherte Kriegführung im Materiellen, sondern die Vorbereitung der großen europäischen Aufgaben schon während des Kampfes'. Deutschland hat ourch seine wirtschaftliche Umstellung bereits im Frieden mit der Abwehr des englischen Boykotts begonnen, den entscheidenden Stoß gegen die erwartete Blockade vorbereitet und die Voraussetzungen geschaffen für die Entwicklung großer, natürlicher und untereinander ergänzender Wirtschaftsräume in einem neuen Europa. In ihm wird es keinen englischen Druck auf Rohstoff- und Absatzmärkte mehr geben, sondern einen ehrlichen Austausch von Arbeit und Leistung, keine Blockierung friedlicher Aufbautätigkeit, sondern Sicherheit vor britischem Piratentum. F. Z. Die Nrtten räumen Schanghai. Japans Oeffentlichkeit fordert Beseitigung aller Sonderrechte. Tokio, 20. Aug. (Europapreß.) Am Dienstag ging die englische Herrschaft in der Internationalen Niederlassung Schanghais, die fast 100 Jahre gedauert hat, zu Ende. Am Vormittag rückten bereits japanische Truppen In den westlichen Teil des englischen Verteidigungsabschnittes ein. Der Rest des britischen Gebietes, zu dem auch das Stadtinnere gehört, soll am Dienstagabend besetzt werden. Die englischen Truppen haben alle Vorbereitungen für die Einschiffung getroffen, die für Mittwoch geplant ist. Die chinesische Presse meldet, Bestimmungsort der britischen Truppentransporte darb zuerst der wachsende Widerstand der neutralen : Großmächte, vor allem aber die Entwicklung des Krieges: Deutschlands Handelskrieg ebenfo wie die blitzschnelle Niederwerfung aller Söldner des Empire, die Behauptung unseres Außenhandels nicht weniger als unsere Vorbereitung auch auf die wirtschaftliche Seite der großen Auseinandersetzung mit England. . Heute hat sich das Bild enttcheidend gewandelt. Nicht das Reich ist blockiert, sondern Großbritannien! Da Deutschland mit seinem Verbündeten, mit den besetzten Gebieten und mit den befreundeten und den wirklich neutralen Staaten tatsächlich ganz Europa umfaßt, haben die Churchill und Halifax sich nicht entblödet, den ganzen Kontinent als blockiert zu erklären, und zwar nacheinander durch die Einbeziehung des östlichen und des nordöstlichen Europas in den Blockadebereich. Nach den Ostseeländern kam Skandinavien an die Reihe, weiter das den Engländern verbündet gewesene Nordwesteuropa samt Frankreich und seinen Besitzungen, und seit dem Kriegseintritt Italiens gehört das Mittelmeer und seine Anrainerstaaten gleichfalls zu den Gebieten, mit welchen die englischen Handelsbeziehungen aufgehört haben und in denen die Abwehr gegen Englands Blockade im Gange ist. Muß aber das Festland Europa etwa über kurz oder lang dem englischen Würgegriff gegen die Zu- fuhren aus Uebersee erliegen? Die Antwort ist em uneingeschränktes Nein. Betrachten wir zunächst einmal den Raum, den das Reich und die von ihm besetzten Gebiete einnehmen hinsichtlich des eigentlichen Kriegbedarfs- Potentials. Gemessen an der Vorkriegsproduktion kontrolliert Deutschland heute über ein gutes Vier- tel aller Steinkohlen sörderung auf der ganzen Erde, mehr als vier Fünftel der Braunkohlen- geroInnung und zwei Fünftel der K o k s Herstellung; dazu kommen ein Drittel bei Eisen erzförderung, Roheisen- und Rohstahlgewinnung, und ähnlich liegen die Dinge bei den Walzwerkserzeugnissen. Wenn wir nur kurz registrieren, daß Europa zwei Drittel alles Aluminiums produziert, und weiter, daß uns jetzt wie früher die schwedischen Erzgruben zur Verfügung stehen, neuerdings a u ch d i e spanischen dank des offenen Handelsweges durch Frankreich —, dann fiept dieses Bild für uns nicht fen, die die Engländer nach den verheerenden früheren italienischen Luftangriffen wieder auszubessern versuchten. Die italienischen Bomber sind durch h e f -. ---- - tiges Abwehrfeuer empfangen worden, bas Verletzungen CntrUnCT. jedoch sofort eingestellt mürbe als 5 englische n 2o. (Europapreß.) Wie die schweb Jäger aufftiegen, um tue italienischen Ang^ifer „rische Presse verrät, hatten die wiederholten ab* an ihrer Aktion zu hindern. Die italienischen Jager Neutralitätsoerletzungen des schmerze* haben sofort die englischen Maschinen angegriffen i ch $ ßuftraums durch die britische Luftwaffe in- und sie nach Abschuß eines englischen Jagers in bie t ’r%ante k^lgen Die einzelnen Redaktionen mer- Flucht geschlagen. Die englische Flak trat daravihm L i t Z i?s chr i f t e n u b e r s ch w e m mt, in wieder in Aktion, konnte jedoch keinerlei Wirkung öffentliche Meinung ihrer Entrüstung erzielen. Die italienischen Bombenflugzeuge l)ab2n auch die Militär- auf beiden Flughäfen ihre Bomben an^e geplan- darüber Lust mach . aoer scharf ten Ziele abgeworfen und stärksten Schaden an-1behord eZ werven^j^rwurf gemacht, sie gerichtet. Alle italienischen Flugzeuge sind zu ihren > ' puttraum nicht genügend ge- Stützpunkten zurückgekehrt. Zwei wiesen allerdings hatten Uustraum^ f^eressanterweise die „Tri- zahlreiche Spuren von feindlichen MG.-Schussen auf. | ßau|anne": „Gewisse unserer Leser wün- scben, daß ihre Protestbriefe veröffentlicht werden. Gewiß, die Entrüstung, der sie Ausdruck geben, spiegelt gut die Gefühle der öffentlichen Meinung wider. Sie sind voll gerechtfertigt. Aber diese Briefe greifen im allgemeinen auch die m i 11- tärische Autorität an, die in ihren Augen schuldig ist, nicht ein unübersteigbares Hindernis vor diesen unerwünschten Luftgästen errichtet zu Daß aber auch die lieben Freunde in London so wenig Rücksicht nehmen auf die delikate Lage ihrer Schweizer Gesinnungsgenossen! Es ist zum Verzweifeln. Zwar spricht das amtliche Schweizer Com- muniqus in schöner Objektivität immer nur von „fremde n" Fliegern, wenn es die allnächtliche Neutralitätsverletzung meldet, aber nachdem sich die Ueberfüegungen nun viermal wiederholt haben, und zwar just in den Nächten, da in Oberitalien die Bomben krachen, läßt es sich beim besten Willen nicht länger verheimlichen, daß es die Briten und nicht etwa die barbarischen Nazis sind, die den Schweizern auf die ach fo empfindlichen neutralen Hühneraugen treten. Den guten Demokratenseelen würde dieser Umstand sonst auch keinen Schmerz bereiten, wenn nicht zu ihrem großen Leidwesen Europa heute so ganz anderen Gesetzen gehorchte wie zur Zeit des seligen Völkerbundes. Der gro^e Nachbar im Norden könnte Übelnehmen, und so ist ! man als freier Schweizer Bürger beflissen, nicht nur die Neutralitätsverletzung festzustellen, sondern sogar eine gewisse Empörung — im gedämpften Ton natürlich — öffentlich zur Schau zu tragen. Das sieht dann in einem Berner Bericht der „Neuen Zürcher Zeitung" folgendermaßen aus: „Der erneute Fliegeralarm, hervorgerufen durch die Ueberfliegung der Schweiz durch englische Flugzeuge, hat in der Bevölkerung der Bundesstadt und weit im Lande herum starkes Erstaunen (!?) und Bitterkeit hervorgerufen. Nicht die fortgesetzte Störung der Nachtruhe ist die Ursache einer auf- I gebrachten Stimmung: denn jedermann ist sich klar, daß der Schweizer in dieser Hinsicht nicht wehleidig sein darf. Aber man entrüstet sich allgemein über die völlige Wirkungslosigkeit des vom ... . i, , @ . Bundesrat in London erhobenen Protestes. Je- Deutschland hat nunmehr über die britischen Inseln die totale Blockade verhängt — Unsere Karre b tneife, daß die Benutzung der Flugroute ■ • ----- - ' ■ -------------- -=- <“-*-«■---*--- orft„rf,n. - über Me Schweiz zu Singriffen auf oberifalienifd>e Städte eine ganz bewußte und planmäßige Ver- letzung der schweizerischen Neutralität und ein eigentliches Novum (!?) im Verhalten kriegführender Mächte darstellt... Unter diesen Umständen ist es unmöglich, der weit verbreiteten Entrüstung die Berechtigung abzusprechen." — Uff! Man spürt förmlich, wie schwer es der Zürcher Zeitung gefallen r . , , ist, sich diese antienglische „Empörung" abzuqualen. von Esbjerg (Dänemark) gekommen feien, teils aus £er eigene Stil gepflegter Geistigkeit, der Kanada, teils sogar aus Australien bezogen roer- in Schweizer Ohren so wohltuend absticht von der den. Ziehe man für den Vergleich den extremen groben Ausdrucksweise der Nazipresse, hat ihr dabei Fall Australien heran und nähme man für beide ^hcisten. Befriedigt darf sie, die sonst jede Verleum- Fahrtstrecken, die kurze und die lange, als (Einheit bun(. Deutschlands geschäftig weitertrug, in ihren ein 16-Knoten-Boot mit einer Tonnage von 1600 Schlaf zurücksinken und auf das nächste „Novum" Tonnen auf der Kurzstrecke und 10 600 Tonnen Axjegführung warten. Ev. auf der langen Strecke. Das kleinere $al)rdeug Esbjerg—Harwich könne 900 Hin- und Rück- - . führten im Jahr machen. Das größere Fahr- Westküste Europas vom Nordkap bis zur spam- zeua auf Australienfahrt könne im Durchschnitt scheu Grenze sei in den Händen der Deutschen. Alle höchstens zwei bis drei Reisen durchfüh- Häfen und alle Flughäfen könnten zu Sprung- ren. Das Nordseeboot könne also im Jahre etwa brettern der Invasion werden. Trotzdem wagt Chur- 15 0 000 Tonnen Lasten nach England brin- chill zu behaupten, daß das englische Volk unver- gen, während das große Fahrzeug nur eine Iah- zagt, einig und geschlossen sei, wie noch niemals reskapazität von 25 000 bis 30 000 Tonnen dewäl- zuvor. Es sei möglich, so fuhr er dann fort, öaß tiqe. Das kleine 16-Knoten-Boot müsse also v o n England noch weit größere Prüfungen durchzu- sechs großen 16-Knoten-Booten er- machen haben werde. Aber in der Zwischenzeit ser setzt werden, um die Jahreslast statt aus Esbjerg die Insel befestigt worden. Die Armeen seien wieder aus Australien herbeizubringen. Wolle man die bei- bewaffnet und reorganisiert worden. Die geeinte Öen Frachtwege auf eine Einheit bringen, so habe I britische Armee befinde sich im Mutterlande. Mehr ein Fahrzeug von 1600 Tonnen in der Nordsee ein als zwei Millionen entschlossener Manner. Das Transportoermögen von 30 160 Tonnen auf Au- ganze Land fei gegen den Eindringling gerüstet und stralienfahrt. In diesem Zusammenhang werde na- die Flotte heute weit stärker als zu Beginn des türlich davon abgesehen, daß ein Fahrzeug dieser Krieges. Die Meere seien frei! Die S)anbe stonnaac, Größe auf solchen Strecken wie Slustralien—Eng- die die britische Flagae trage sei ebenfalls starker land überhaupt nicht verwandt werden könne. Diese als zu Beginn des Krieges. Die Lebensmittelvor- Detrachtungen seien ferner auf Friedensverhält- räte seien viel größer als in Friedenstagen! Das nissen basiert. Während eines Krieges würden die Empire bleibe unbesiegbar. Es ist die typisch bn- Proporttonen natürlich noch zum Nachteil Eng- tische Logik: Deutschland wird durch seine Siege lands bedeutend verschlechtert werden, schwach, England durch seine Niederlagen stark. So trügen K o n v o i - F a h r t e n nicht gerade zur Der Premierminister erklärt, die große Lust- Verkürzung der Reisezeit bei. Die gleiche Wirkung schlacht habe jetzt die größte Heftigkeit angenommen, hätten ' notwendige Umwege und Umlegungen Der Feind werde noch weit größere Anstrengungen de- Fahrweges. Man könne also damit rechnen, daß machen, er sei zahlenmäßig weit starker, aber Eng- gegenwärtig' noch weit mehr als sechs große lands Produktion übersteige schon bei weitem Die Fahrzeuge ür jeden 1600-Tonner benötigt würden, seinige. England werde den Kampf solange fort«. u ’ 0 b 1 setzen, wie es dem Feinde beliebe, und je langer er dauere, um so schneller werde England das lieber- IRLAND FRANKREICH SPANIEN 45°Nord 5° West 62° Nord 3e0sf f 'M 45°Nord*- 20°west •47°. 1 30 Mm 2° 40Mm 58° Nord 20° W.e.st. 'SOMEJZ J^TNIEDER\ xgien; aus willens, den Vereinigten Staaten solche Der- teidlgungsmöglichkeiten auf der Grundlage einer 99j a h r i ge n Pacht zu überlassen." Wenn Churchill behaupte, Großbritannien habe den Derelmgten Staaten spontan die Verpachtung von Stutzpunkten angeboten, so ist wohl sehr zu bezweifeln, ob daswirklich ein so spontaner Entschluß gewesen ist. Wir sehen darin vielmehr ein Zeichen auswegloser Bedrängnis. England werde als alleiniger Vertreter der Freiheit kämpfen. Churchill sagte: „Wir müssen alle Chancen ausnutzen, die sich uns bieten. Wir müssen möglicherweise zu gewaltigen Schlägen ausholen, um unser Ziel zu erreichen. Aber der Weg zum Sieg kann lang, sehr lang sein, doch das Ende der Reise (journeys end) wird kommen." Die deutsche Ankündigung der Totalblockade Englands wurde von Churchill nur mit einem Satze kommentiert. Er meinte, daß Deutschland schon im Weltkrieg dieses Ziel gehabt, aber nicht erreicht habe. Dem deutschen Plan einer Neuordnung in Europa konnte Churchill keinen englischen Vorschlag gegenüberstellen. Er meinte, daß man in England noch nicht so weit sei, an eine Neuordnung Europas zu denken. „Wir marschieren noch bergan und können das neue Bild Europas noch nicht vor uns sehen. Ich bete und hoffe für Frieden. Möge Gott uns würdig befinden, den Sieg davonzutragen." Der für England so bedrohliche Gang der Ereignisse hat Churchill endlich einmal gezwungen, vor der Oeffentlichkeit zu sprechen, doch was er seinen Hörern geben konnte, war an „Positivem" nur Phrasen, dagegen an Negativem eine Kette von Niederlagen, Rückzügen und Räumungen. Mit diesen Phrasen kann Churchill keine Dumme mehr ködern. Er sprach, als sei er der Gebieter über ein intaktes Weltreich. Diese Sprache aber ist fehl am Platze, denn zuletzt die Niederlage in Somaliland hat gezeigt, daß das britische Empire ein Koloß auf tönernen Füßen ist. Wo immer es angegriffen wird, da muß es Rückzüge und „geordnete Evakuierungen" antreten. Die europäische Oeffentlich- keit hat diesen Phrasenschwall satt, denn dahinter tritt die Hohlheit des englischen Standpunktes nur allzu deutlich in Erscheinung. Sturm gegen Duff (Looper. Stockholm, 21. Aug. (Europapreß.) Mit großer Heftigkeit wendet sich die englische Presse gegen Duff Cooper, dem Bürokratismus, Aengstlich- feit und dergleichen vorgeworfen werden. Die britischen Zensurbehörden, so erklären die englischen Blätter, hätten die Nachrichten über die letzten großen Luftangriffe auf Südengland ganz falsch behandelt. Die neutrale Welt sei mit Nachrichten deutschen Ursprungs viele Stunden, wenn nicht Tage früher versorgt worden, bevor sich England zu diesem Thema geäußert hätte. — Der britische Informationsminister hat es freilich schwer, und das sieht die englische Presse offensichtlich, denn selbst bei seiner langsamen Berichterstattung unterlaufen noch immer die peinlichsten Additionsfehler, wie es eben geht, wenn man die Wahrheit nicht zugeben und doch möglichst wahr erscheinen will. „Aftonbladet" schreibt, die englische Presse beklage sich, Laß Len in- und ausländischen Zeitungskorrespondenten in London die Arbeit sehr erschwert worden wäre. Nicht einmal Meldungen über Las Alarmsignal der Sirenen hätten sie veröffentlichen dürfen. „Glücklicherweise beruht der Aus-gang des Krieges nicht auf der Arbeit dieses unpopulären Ministeriums", meint ein Londoner Zeitungsmann, aber daß es zu diesem Ausgang auch sein gut- Teil beiträgt, darüber besteht bei allen, die noch urteilen können, fein Zweifel mehr. Daran dürfte auch die Tatsache nichts ändern, daß ein neuer Generaldirektor in das britische Informationsministerium einzieht. Frank P i ck heißt der Mann, er ist bisher Direktor der Londoner Untergrundbahn gewesen. Nun das dürfte kaum dazu beitragen, daß die Informa- werden wohl viele, die sich durch ihn zurückgesetzt Honen des Informationsministeriums unter Pick fühlen, auf den Pick einen^ Pick haben, und auch pikanter werden. Neue Erfolge unserer Llnterseebootwaffe Wieder erfolgreiche Bombenangriffe auf England. Der Wehrmachtsberichl vom Dienstag. Berlin, 20.Aug. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Die Unterseebootwaffe hat neue Erfolge erzielt. Ein Boot versenkte den 4578 BRT. großen bewaffneten britischen Handelsdampfer „Ampleforlh", ein zweites 6680 BRT. feindlichen Handelsschiffsraum. Ein anderes U-Boot unter Führung von Kapitänleutnant L o h a u ß, von dem bereits ein Teilergebnis von 32 300 BRT. gemeldet war, hat insgesamt 41 000 BRT. feindlichen Handels- schiffsraum versenkt. 3m Zuge der bewaffneten Aufklärung griff die Luftwaffe Rüstungsfabriken, Belriebsslofflager, Bahnanlagen, Häfen, Flugplätze und Truppenlager, insbesondere in den Grafschaften Suffolk, Norfolk und Oxford erfolgreich mit Bomben an. Bei Nacht richteten sich unsere Angriffe gegen Flugplätze in Südengland sowie gegen Hafenanlagen und Großtanklager an der britischen Süd- und Südwestküste. 20. August an verschiedenen Stellen Bomben auf Wohnviertel und freies Feld. Einige Zivilpersonen wurden getötet und verletzt, mehrere Häuser zerstört. Dank des tatkräftigen Eingreifens des Sicher- heits- und Hilfsdienstes sowie des Selbstschutzes der Bevölkerung konnten an verschiedenen Stellen entstandene Schäden rasch behoben werden. 5 feindliche Flugzeuge wurden durch Jäger und Flakartillerie abgeschossen, zwei eigene Flugzeuge werden vermißt. Gute Ergebnisse der bewaffneten Aufklärung. Berlin, 20.Aug. (DNB.) Wie das DNB. erfährt, brachte die seit heute mittag über England von Kampfverbänden der Luftwaffe durchgeführte bewaffnete Aufklärung gute Ergebnisse, obwohl die Wetterlage schlecht war. Unsere Jagdflieger beherrschten den Raum über der englischen Süd- und Südostküste. Britische Jagdflieger wurden nur in kleinen Verbänden angetroffen, so daß nur vereinzelte Feindliche Flugzeuge warfen in der Nacht zumL u f t k ä m p f e stattfanden. So sehen die deulschen Kampfflieger die englische Südküfle. ■ ' ? vX ' - "V' ,1 < Die englische Süd- und Südwestküste und die dahinter liegenden Gebiete erleben in diesen Tagen die ununterbrochenen Einflüge der deutschen Kampfflugzeuge. Nahezu Tag und Nacht ertönen in diesem Teil der Insel die Alarmsirenen. — Unser Bild vermittelt einen Eindruck von der Beschaffenheit der englischen Steilküste, wie sie sich unseren Fliegern darbietet. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Moskauer Betrachtungen. „Die Entwicklung treibt auf die innere Erschöpfung Englands zu." Moskau, 20. Aug. (DNB.) „Krassny Flöt" schreibt: Nach der totalen Blockade durch Deutschland treibe die Entwicklung auf die innereErschöp- f u n g Englands zu, die beschleunigt werde durch die Zerstörung der Transport- und Verbindungsanlagen, von Industrieuntemehmungen, sowie durch die Demoralisierung der Truppen und der Bevölkerung als Folge der deutschen Luftangriffe. Elf Stunden Fliegeralarm bedeuten auch elf Stunden Stillstand der Produktion. „Krasnaja Swesda" sagt: Für die Eroberung der Luftherrschaft im Raum über England und dem Kanal besitze die deutsche Luftwaffe eine Reihe von günftigen Vorbedingungen. Ihre Stützpunkte seien halbkreisförmig der britischen Insel vorgelagert vom Nordkap bis Finisterre, sie habe den Vorsprung der denkbar nahen Ausgangsstellungen und der weiten Operationsräume. Sie sei schließlich der englischen Luftwaffe zahlenmäßig überlegen, die, zur Verteidigung gezwungen, ihre Kräfte verzetteln müsse. Griechenland und die Blockade Athen, 20. August. (Europapreß^ Die Ankündigung der Reichsregierung über die Verhängung der Totalblockade über die britischen Inseln hat in Griechenland starkes Interesse gefunden. Für Griechenland, das mit zwei Millionen Tonnen die neuntgrößte Handelsflotte der Welt besitzt, ist diese Ankündigung von großer Bedeutung, zumal ein wesentlicher Teil der griechischen Schiffe auch noch nach Kriegsausbruch an der Fahrt nach England beteiligt war. Zwar hatten die schweren Verluste, die die neutrale Schiffahrt auch schon bisher vor der englischen Küste erlitten hatte, in letzter Zeit zu einer Einschränkung geführt, doch handelte es sich hierbei immer nur um Entschließungen einzelner Schiffseigentumer. Ob die griechische Regierung sich, dem Rat der deutschen Ankündigung folgend, zu einem generellen Verbot der Fahrt nach England entschließen wird, erscheint bisher z w e i f e l h af t. In Schiffahrtskreisen hört man widersprechende Meinungen, doch scheint man überwiegend geneigt zu sein, zunächst die Wirkung der deutschen Totalblockade abzuwarten. Hierbei fällt auch ins Gewicht, daß ein nicht unbeträchtlicher Teil der griechischen Wirtschaft und besonders der Schifffahrt sein Geld noch immer in England angelegt hat. Hmiot in Lyonnichl mehrgenehm Genf, 20. Aug. (Europapreß.) Heber eigenartige Kundgebungen berichtet,^Le Nouvelliste" aus Lyon, der großen französischen Seidenstadt an der Rhone. „Auf dem Platz der Republik, vor dem großen Kaufhaus, in den riesigen Eingangshallen eines Verlagshauses und in verschiedenen Lichtspielhäusern stiegen dichte Wolken von Luftballonen hoch; nach kurzer Zeit gingen sie auf die neugierigen Bürger Lyons nieder. Die Luftballone, nach denen die Passanten und Besucher der Lichtspielhäuser eifrig haschten, um sie ihren Kindern mit nach Hause zu bringen, enthielten einen Textaufdruck, der die sofortige Abdankung einer hohen Persönlichkeit des Magistrats von Lyon forderte. Die Leute wußten sofort, daß es sich u m Herriot handelte. Die Polizei vermochte einige Ballone zu erwischen. Diese eigenartige Kundgebung, welche tagsüber keinerlei Störungen nach sich zog, nahm zur Zeit des Geschäftsschlusses auf mehreren Plätzen in Lyon den Charakter von Großkundgebungen an. Es wurden heftige Rufe gegen b i e Stadtverwaltung laut. Der Polizei gelang'es, die Menge zu zerstreuen, ohne Verhaftungen vornehmen zu müssen." £» H S> -D H H H H H A H H H tz» A H H S H L> H H H H H tz- H H S ° <« C <5 S S S C‘ <• <5 S S S <5 <- C- S O C‘ «5 <« H C- C‘ <5 C‘ C‘ C« 6 C- <3 <5 €‘ S C- <- <« MS GÜLDENRJNq 4PFENNI9 V xx TT H-w A/f UM n STÜCK" die GÜLDEN RING-Zigarette erfreut sich einer besonderen, S Wertschätzung ,weiC sie nicht nur eine ausgezeichnete Oriente .Mischung hM, sondern auch ein ttMUNDSTÜCK trägt,das jedem Taucher nidtommen ist; denn es vereint die Vorzüge des goidvnundstücks mit denen einer vnundstücklosen Zigarette. und hat sich auch beute nicht gcdnöert.QVir tun, was in unseren Kräften steht,um mit möglichst guten Zigaretten diese» Vorliebe für den Taba^ zu befriedigen. * Zahlen widerlegen Churchill Aus dem Mich dakin erweitert daß in dem am 1 Juli beginnenden Herrmann - Giltz, ®r. Lange - Ahne-, Brinck- neuen Wt4r 50 000 Piloten ausgebildet mann - Regendzm,-. unb^eller^W.en)^^-^ werden sollen. * wann Dr. Lachmann gegen Krankst und Engert Finnland hat den direkten Postverkehr über verlor gegen Kohler. DasEnde^ebuss ist somit: t n n i a n o r>ui uen uii ; ^;pninni>r n\ ivA D.: 2 Schmidt Danzig) n i n ii i u v •/ — - - - --- . - Petsamo nach denVereinigtenStaaten eingestellt. Herde in allen Ausführungen £ 3735 D E s 9 Fernruf 3153 Schirm-Steil ZU entrichten. Zuverl., solide 3661 v Saus- | Vermietungen"] [Stellenangebote] er erhllt Ihre bis Ob Neue R MIDI auf d.Wege JL/vU Walltorstratz von Walltorstraße bis Wieseckv.Soldat Angeb. u. 37361) an Geburtsanzeigen bei Brühl. Gießen Die Gefolgschaft der Grube Abendstern der Buderus’scben Eisenwerke in Wetzlar 2 92250 367334 115879 216949 296564 zu kauf, gesucht. 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Zugleich rüstet man sich in Leipzig zur großen Herbstmesse, wie auch die Anfangs September stattfindende Wiener Messe bereits vor der Tür steht. Fürwahr: nichts kündet die gewaltige Wirtschaftskraft Großdeutschlands besser an und nichts straft die abfälligen Der Großdeutsche Schachbund schloß zum vierten Male in Bad Oeynhausen die Schachmeisterschaft von Deutschland ab. Rach der Niederlage Schmidts durch den Wiener Stadtmeistsr Keller gab es kaum noch Zweifler an dem Endsieg von Georg Kienin- ger (Köln). Dieser sicherte sich dann in der Schlußrunde auch bald durch ein ewiges Schach gegen Rudi Keller (Dresden) den Titel. Ebenfalls unentschieden endeten die Partien Richter — Schmidt, (Berlin) je 9^ P.; 5. Kohler (München) 9 P.; 6. bis 9. Ahues (Königsberg), Heinicke (Hamburg), Kel- ler (Dresden) und Kranki (Hamburg) je 17t P.: 10. Reaendzinski (Litzmannstadt) 7 P.; 11. bis 14 (Fn= gert (Düsseldorf), Herrmann (Bochum), Keller (Wien) und Dr. Lachmann (Wolgast) je 6 P.; 15. Dr. Lange (Essen) 5 P.; 16. Brinckmann (Kiel) 4 P. Kieninger, der schon 1937 als Nachfolger des Berliner Richter Deutschlandmeister wurde, hat sich in dem scharfen Turnier als der beste Spieler erwiesen. Wohnungstausch wird erleichtert. Wünsche auf Wohnungstausch scheiterten in manchen Fällen daran, daß der Vermieter seine Zustimmung nicht geben wollte. Künftig kann auf Antrag des Mieters das Mieteinigungsamt die Einwilligung des Vermieters ersetzen, wenn der Mie- Kieninger wieder Schachmeister von Deutschland. Das Ausbildungsprogramm der zivilen Luftfahrtbehörden in den V e r e i n i g t e n S t a a t e n , bas, bislang 10 000 Flugzeugführer vorsah, und für das 4 Millionen Dollars bewilligt worden waren, wurde Keine Ursprünge* xengnisse, onbem nur Zeugnisabschriften dem Be Werbungsschreiben beilegen I — Lichtbilder undBewerbungsunte» lagen müssen zur Ber- metdung von Verlusten aus der Rückseite •Romen und Anschrift bet Bewerbers tragen I tigert damit das Wort des Reichswirtschaftsmmisters Dr. Funk: „Ein Wirtschaftssystem erhält seine Rechtfertigung nicht durch Alter oder Tradition, sondern einzig und allein durch den damit erzielten Erfolg.' Suche tüchtiges, ehrliches »Mei! Abzugeb. gegen Belohn, auf dem Fundbüro. 02788 Uia.Hn. Walltorstr. 73 H. vart., zum 1.Oktober zu verm. Monatl. Miete RM. 50. Näher. A. Becker, Keplerstraße 9. 3740D 1. Kiemnger (Köln) 1D4 P.; 2 Schmidt (Danzig) 10% P.; 3. und 4. Gilg (Troppau) und Richter v. sofort od. bald in gut. Haushalt. 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Der Antrag lst obzu^hnen wenn der Vermieter dem Verlangen des Meters aus wichtigen Gründen widerspricht. Der bisherige Mieter haftet für die Verpflichtungen, die wahrend seiner Mietzeit entstanden sind, neben dem neuen Mieter weiter. Die Verordnung dehnt den Kündigungsschutz auch auf die Miet- und Pachtverhältnisse über gewerblich genutzte unbebaute Grund- tücke aus, auch wenn die Kündigung schon vor Jn- krasttreten der Verordnung ausgesprochen t|t. Hauptschriflleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter bei Hauptschriftlciters: Ernst Blumschem. Dercmtwartttch für Politik, Feuilleton und BUder: Dr. Fr. W. Lange: für Stadt Gießen, Provinz, Atrtichaft und Sport: Ernst Blumschein. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lmge K. G. Berlagsleiter: Dr.°Jng. Erich Hamann; ^^laenleUer. Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. 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Auf der Lime Vichy Lyon-uMarseille—Toulouse—Vichy -erfolgt der Verkehr täglich in beiden Richtungen. Zweimal wöchentlich wird die Linie Marseille—Algier beflogen. Weiter wird in Betrieb genommen die Strecke Tunis- Algier—Casablanca mit Anschluß nach Marseille. In Aussicht genommen sind die Linien Algier- Senegal und Algier—Kongo. Das französische Amtsblatt veröffenMcht ein Dekret über das Verbot der geheimen Gesellschaften und stellt die Auflösung der FreimaureAogen „Großer Orient Frankreichs" und „Große Loge Frankreichs" fest. * Am Samstag trafen in Nassau, der Hauptstadt der britischen Bahama-Jnseln, der Herzog und die Herzogin von Windsor ein. Der Herzog übernahm alsbald die Geschäfte des Gouverneurs und Oberbefehlshabers auf den Inseln. unt.02797 an den Gießen. Anzeig. Kleine Anxelgen richten sich an die Bevölkerung der engeren Heimat! Darum: Kleinanzeigen in die Hei- matzeitung, den Siebener Anxeiger | Verkäufe"] Ein stabiles Herrenlahrrad zu verkauf. 3734D MWelvgasie 10. Kaufgesuche | Diesmal ist er kein Mustergatte, nein, bestimmt nicht, auch kein Flegel, diesmal — lachen Sie praktische Bekämpfung der Alkoholgefahren. Im Preußischen Staatsministerium tagte die 4 Konferenz für praktische Bekämpfung der Älkoholgefahren. Universitätsprofessor Dr. M e g ge n d o r f e r (Erlangen) wies nach, daß Der ZU- koholismus aus körperlich und geistig gesunden Menschen kranke und sieche macht, daß er durch Schädigung der Nachkommenschaft ungünstig auf die Struktur des Volkes wirkt, und eine zunächst nur äußere Entartung bewirkt, die aber der Erb- entartung den Weg bereitet. Universitätsprofessor Dr. Graf (Dortmund) schilderte die „gewohnheits- mäßige Alkoholisierung" breiter Volksteile, die mit steigendem Lebensstandard erfahrungsgemäß zunimmt und zu einer Beeinträchtigung der „geistigen Gesundheit" im Sinne der Rassenhygiene führt, zur Verflachung des Denkens und Urteilens, zur Schwächung des Willens und der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit. Als wichtigste Wege zur wirksamen Abwehr der Schäden nannte er die Verbesserung der Lebensbedingungen, namentlich Erweiterung des Lebensraumes durch Siedlung, verstärkte Bindung an den Boden, gesunde industrielle Arbeitsgestaltung, Erziehung zu richtiger Erholung im Sinne von Reichsorganisa- tionsleiter Dr. Ley, sowie eine Wandlung der öffentlichen Meinung derart, daß Gefahren für das Volk als solche erkannt, Verstöße gegen die Gesundheit des Volkskörpers nicht mehr belächelt oder gar verherrlicht, sondern geächtet werden. Mdchen SÄ 1. Okt. gesucht. Schriftl. Angeb. Arbeitslose Beschäftigte Volkseinkommen Sparkasseneinlagen Rohstahlerzeugung Steinkohlenförderung Zementerzeugung Erzeugung von Personenkraftwagen Erzeugung von Nutzkraftwagen Wohnungsbauten Rundfunkteilnehmer WHW.-Aufkommen Für den, der sich in diese nüchternen und doch so anschaulichen Zahlen vertieft, bedarf es keiner weiteren Worte, um Deutschlands Wirtschaftsstarke zu beweisen. 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Alles sammelt sich, mit viel Gepäck, auf dem Bahnsteig, viele Freunde sind mitgekommen, und lautes und fröhliches Reden und Lachen fliegt über die in der Sonne schimmernden Gleise. Inzwischen regen sich fleißige Hände: in dem hübschen Aufenthaltsraum der NSV. werden mit liebevoller Sorgfalt Brote zurechtgemacht, es wird Kaffee gekocht — nicht zu knapp! — und Säuglingsmilch vorbereitet. Dann werden die Brote fein säuberlich auf Tablette geschichtet. Ein Tisch wird auf den Bahnsteig getragen, wobei natürlich die immer vorrätigen Soldaten den Frauen im weißen Kittel eifrig helfen. Dann werden Tassen aufgestellt, in jeder Größe und Form. Die Aufschriften sind besonders nett, und es macht ihnen viel Spaß, einem älteren Herrn eine Tasse mit der Aufschrift „Dem lieben Kinde" zu geben, während ein junger Mann eine Tasse bekommt, auf der mit Schnörkelschrift „Dem Silberbräutigam" zu lesen ist. Weniger passend ist um diese Jahreszeit eine Tasse mit der Aufschrift „Fröhliche Weihnachten"! Also diese Tassen werden aufgestellt und unermüdlich gefüllt. Ach, es ist die reinste Sisyphusarbeit, denn — gerade gefüllt, werden sie wieder ausgetrunken, wobei unsere Feldgrauen, diese immer durstigen Seelen, auch ihren Mann stellen. Das Getriebe auf dem Bahnsteig wird immer stärker. Dann wird ein leerer Zug auf das Gleis geschoben: er ist fein geschmückt mit grünen Büschen und bunten Sträußen, und lustige Kreideaufschriften zeigen an, daß es wirklich der Zug der Heimkehrer ist. Nun wird eingestiegen, unter Lachen und Schwätzen, jedes Fenster wird von den Zurückbleibenden umlagert, und die letzten guten Wünsche werden aus- aetauscht. Hier wird noch einmal ein Kind zum Abschiednehmen aus dem Fenster gereicht, dort noch etwas ausgeschrieben. Wohl noch nie ist so fröhlichen Herzens Lebewohl gesagt und sind so vergnügt Abschiedsküsse gegeben worden, wie diesmal, wo es nach so langer Zeit wieder in die Heimat geht! Jetzt werden die belegten Brote von den Helferinnen der NSV. ausgeteilt, Kaffee wird angeboten und auch noch in großen Kannen in den Zug verfrachtet. Es ist ein emsiges Hin- und Herrennen. Wie froh ist man dabei! Wer vor einem Jahre die nun Heimkehrenden hier hat ankommen sehen, der kann sich nun von ganzem Herzen mit ihnen freuen über ihre Heimfahrt. Und nun heißt es: Einsteigen! Türen schließen! Ein letztes Rufen und Winken, dann fährt der Zug langsam aus der Halle: Heimwärts! E. L. St. Tageskalender für Mittwoch. Deutsche Arbeitsfront, Berufserziehungswerk, Uebungsstätte Gießen, in Zusammenarbeit mit der Abteilung Volkswirtschaft-Hauswirtschaft des Deutschen Frauenwerks: 16 bis 18 und 20 bis 22 Uhr in der Lehrküche des Deutschen Frauenwerks Unterweisung „Entsaftungsverfahren und Marmeladekochen". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Die drei Codonas". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Lum- paci Vagabundus". Stadttheater Gießen. Am Mittwoch, 28. August, gibt der berühmte Schwarzmeer-Kosakenchor ein einmaliges Konzert im Stadttheater. Der Ehor bringt in seinem Programm russische Musik, und zwar geistliche und weltliche Lieder. Melodien, die uns bereits bekannt und vertraut sind, werden zum Vortrag gebracht, wie z. B. „Eintönig klingt das Glöckchen", „Die zwölf Räuber", „Lied der Wolgaschlepper" u. a. Das alles wird gesungen mit herrlichen Stimmen in der typisch russischen Art des Chorgesanges, die eine magische Wirkung auszulösen imstande ist, und die manche verwandte Saite in uns anschlägt. Ortszeit für den 22. August. Sonnenaufgang: 6.20 Uhr; Sonnenuntergang: 20.35 Uhr. Monduntergang: 10.51 Uhr; Mondauf- gang: 22.09 Uhr. ______________________ Neue Mttgliever ves Gtadttheaters Hans Bernd Müller: Hans Bernd Müller, jugendlicher Liebhaber und Naturbursche. t < A In Magdeburg wurde ich geboren. Hier erhielt ich auch meine ersten theatralischen Eindrücke: Wie stolz war ich, als ich zum ersten Male als Statist in Schillers „Räuber am dortigen Stadttheater einen Blick hinter die phantastische KulissenweU tun durfte. Nach dem Abitur ging ich nach Berlin und studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft. Bei den Professoren Dr. Carl Hagemann und Dr. Hans Niedecken-Gebhardt nahm ich an praktischen Regieübungen teil. Meine schauspielerische Ausbildung erhielt ich bei Frau Elfriede John. — Und nun wird es endlich ernst: Mein erstes Engagement führt mich ins schöne Hessenland nach Gießen, und alles, was mir meine verehrten Lehrer in mühseliger, aufopfernder Arbeit beigebracht haben, soll sich bewähren. Hoffenllich mache ich ihnen keine Schande. Heinz Müller: Operettenfänger schöne Erfolge. Mein angeborener Humor aber ließ mir keine Ruhe, so daß ich mich entschloß, nachdem ich meine schlanke Tenorlinie verloren hatte, vollständig in das komische Fach überzugehen. Jetzt bin ich glücklich, daß ich in den schweren Zeiten des Kampfes in Sudetenland Frohsinn und Laune habe übermitteln können. Mein letztes Engagement war langjährig am Stadttheater des Welt-Kurortes Karlsbad. Nun hat mich das Schicksal hierher in die schöne Stadt Gießen geführt, wo ich dem Publikum mit meinen Leistungen viele heitere Stunden bereiten will. Waltraut Goettke: Wenn ich mich heute als neues Mitglied am Stadttheater Gießen vorstelle, so ist es für mich der Anbeginn eines selbstgewählten, heißgeliebten Be- Waltraut G o e t t k e, jugendliche Liebhaberin. rufes. In Babelsberg-Ufastadt beheimatet, studierte ich an der Deutschen Filmakademie, Lehrgruppe Darstellung. Im Winter 1939/40 übertrug mir Staatsschauspieler Wolfgang Liebeneiner eine kleine Rolle in seinem Film „Die gute Sieben", durch den ich manchem nun nicht mehr ganz unbekannt sein werde. Es ist mir ein Ansporn und eine große Freude, in Gießen meine Bühnenlaufbahn zu beginnen, da das Gießener Publikum als anspruchsvoll, aber auch begeisterungsfähig bekannt ist. Hannelore Hinkel: Hannelore Hinkel, jugendliche Salondame. Ich wurde in Berlin geboren. Schon als Kind besuchte ich dort eine Russische Ballettschule, da ich ursprünglich Tänzerin werden wollte. Bald aber entdeckte man meine schauspielerische Begabung, und so wurde ich nach bestandener Leistungsprüfung Schülerin der Staatlichen Schauspielschule Berlin. Meine Lehrer waren hier vor allem Gustaf Gründgens, Walter Franck, Lothar Müthel uno Maria Koppenhöfer. Während meiner Ausbildungszeit trat ich verschiedentlich in kleineren Rollen an beiden Schauspielbühnen der Staatstheater auf. U. a. spielte ich die Ingrid in „Peer Gynt" und die Miß Garden in Bahrs ,Konzert". Nach Abschluß meines Studiums kam ich als Naiv-Muntere an das Grenzlandtheater Elbing. Mein Rollenfach erweiterte sich bald um das der jugendlichen Salondame. Für mein zweites Berufsjahr bin ich jetzt nack Gießen verpflichtet, wo ich auch zum erstenmal größere klassische Rollen spielen werde. Ich freue mich sehr auf die vielen verschiedenartigen Aufgaben, die mich hier erwarten. Heinz Müller, Komiker. Ich sollte Maschinenbau-Ingenieur werden, hatte sogar bereits meine Praxis Staatsgewerbeschule in Brünn absolviert. Da kam ich eines Tages in Berührung mit dem ^lustigen Künstlervölkchen, was mich kurzentschlossenÄ>ewog, htzr heiteren Kunst zu dienen. Trotz Protest^meiner Vaters, dem ich damit alle Pläne über den Musen geworfen hatte, ging ich zu einem Gesangslehrer, der feststellte, daß ich über ein schönes Sttmmaterial verfüge. Ich studierte mehrere Jahre die Jffert-Gesangschule für Tenor, wobei ich in einer privaten Theaterschule auch dramatischen Unterricht nahm. Mein Traum war die Oper, und so erntete ich nach meiner Studienzeit an verschiedenen großen Buhnen der Ostmark und des Sudetengaues als Opernbuffo, später als Flachsanbau und Flachsernte in Wieseck. SÄ. im Ernteeinsatz. Im Stadtteil Gießen- Wieseck sind der Flachsanbau und die Flachsernte als Gemeinschaftsarbeit durchgeführt worden. Auf einem von der Stadt zur Verfügung gestellten Ackergelände wird von allen beteiligten Landwirten des Stadtteiles Gießen-Wiefeck die Aussaat und Bewirtschaftung des Flachses in Gemeinschaftsarbeit vorgenommen, ebenso die Düngung. Hierdurch wird erreicht, daß die Aussaat, Bewirtschaftung und Düngung in gleichmäßiger Form vor sich geht, so daß auch der (Ertrag ein gleichmäßig hoher wird. Dies ist gerade beim Flachsbau sehr wichtig. ^Aa 'A ' ' * ;'"-xA ■..... XX&- • - Am vergangenen Sonn- Pi. 1/116 (Wieseck) bei der Flachsernte. — (Aufn.: Geilfus, SA.) der Flachs vom Ackerboden getrennt ist, Bevolkeruna und Gliederungen der Partei bis zur vollständigen Trocknung liegen und Dienst der Allgemeinheit und helfen so auch V 6 ..... CVrt .11. ! 1.. am X avm /»r a am a(Jm AAM X Ar ffQ in der bleibt er Heimat an dem großen Gelingen des Werkes uw wird dann den Fabriken zur Weiterverarbeitung seres Führers mtt. zugeführt. Der für den Flachs erzielte Reinerttag wird der NSV. oder dem Deutschen Roten Kreuz restlos zur Verfügung gestellt. Mit dieser Gemeinschaftsarbeit stellen sich wieder Bevölkerung und Gliederungen der Partei in den , ~ '4)1. A/J.J.U VXAJIC tu, tag waren nun SA., v PL., HI. und BDM. zur Flachsernte eingesetzt. Nachdem der Flachs vom Ackerboden getrennt ist, „Die drei Codonas." Ein Tobis-Film Arthur Maria Rabenalts. Die drei Codonas, die „fliegenden Menschen", waren die berühmten Mexikaner, die mit ihrer Sensation am Trapez, dem dreifachen Saltomortale, noch vor wenigen Jahren ein Stern erster Ordnung am Himmel des Varietes waren. Ungewöhnlich wie ihre Leistung war ihr Schicksal. Aus kleinsten Anfängen hatten sie sich emporgearbeitet, immer das eine Ziel vor Augen, das ihnen der Pflegevater gesteckt hatte. Was er mit mathematischer Exaktheit errechnet hatte, aber nie hatte verwirklichen können, das hatten sie in zähem Training vollbracht und hatten dann mit ihrer Kunst in einem Sieges- zua ohnegleichen Abend für Abend auf den berühmtesten Varietöbühnen der Welt Tausende begeistert. Der geniale Alfredo war die Seele dieser artistischen Arbeitsgemeinschaft. Er fand auch sein menschliches Glück in der Ehe mit Lilian Leitzel, der Königin am Vertikalseil, aber beide blieben ihrer Kunst treu. Im Februar 1931 machte der Todessturz Lilian Leitzels im Valencia-Variete in Kopenhagen diesem Glück jäh ein Ende. Noch einmal schien den Codonas ein Strahl der Hoffnung, als Alfredo seine Partnerin Vera Bruce heiratete. Aber sein Stern hatte ihn verlassen, eine schwere Verletzung bei der Arbett machte ihm im Sommer 1933 jede weitere Arbeit am Trapez unmöglich. Er wurde mit seinem grausamen Geschick nicht fertig und versank. Sein Bruder Lalo versuchte noch einmal die berühmte Nummer zu retten, vergebens, dem tüchtigen Arttsten fehlte die geniale Begabung Alfredos, mit dessen Ausscheiden das Einmalige der drei Codonas für immer dahin war. Diese Geschichte der drei Codonas hat Arthur Maria Rabenalt in seinem Film nach der menschlichen und künstlerischen Seite hin ausgebaut. Er tat es mit dem sicheren Instinkt für das unwägbare Fluidum der Welt des Varietes, m oer sehr viel weniger Romantik herrscht, als vielmehr harte Arbeit und kühler Geschäftssinn, in der freilich nur die fanatische Besessenheit des echten Artisten es zu wirklich überragenden Leistungen bringt und in der auch er vom seltsamen Zauber des glanzenden Flitters, der strahlenden Scheinwerfer, des gasenden Beifalls nicht losgelassen wird. Das wertz Rabenalts Regie mit vielen treffend hingesetzten Akzenten ungemein packend deutlich zu machen. Er entwickelt das persönliche Schicksal der Codonas aus einer Rückschau, die in einer dichten Folge von Bildern liebevoll ausgemalten Zeit- und LokalkolorUs geradezu eine Kulturgeschichte des Varietes etwa der letzten vier Jahrzehnte gibt, vom bescheidenen Wanderzirkus im heimatlichen Texas, nach dessen Zusammenbruch der Vater Codona über den dreifachen Saüomortale zu grübeln beginnt, über die Schaubude auf dem Rummelplatz von Coney Island (wobei übrigens der Film mit spitzen Bemerkungen über den „Kintop" sehr lustig gleichsam sich selbst ironisiert), über den Zirkus Ringling, der, mit seiner schon ganz auf die große Ausstattungsrevue amerikanischen Geschmacks hinzielenden verschwenderischen Pracht sehr lebendig geschildert, der Schauplatz der ersten Begegnung des jungen Alfredo mit der reizenden Lilian Leitzel wird, bis zum Berliner Wintergarten der ersten Nachkriegsjahre (mit einem bekannten Originalcouplet Otto Reutters als (Einlage). Hier finden sich beide, hier erfährt aber auch Alfredos Schicksal die verhängnisvolle Wendung, die ihn aus der Bahn schleudert und seine Selbstachtung als Artist so sehr vergessen läßt, daß er schließlich sich für den Reklamerummel eines geschäftstüchtigen amerikanischen Warenhauses hergibt. Hier zeigt der Film, wie die private Sphäre Der Codonas ihr Artistentum zu überschatten beginnt und es damit zum Abstieg verurteilt. Wenn einst die keimende Liebe zu Lilian Leitzel den leidenschaftlichen Alfredo zu höchsten Leistungen angespornt hat, so sind es schließlich Eifersucht und verletzte Eigenliebe, die die Katastrophe eines begnadeten Artisten heraufführen. Ihn spielt Ren6 D e l t g e n mit einer großartigen, ursprünglichen Leidenschaft, echtes Artistenblut, ganz im Banne seiner Kunst, aber durch den Tod der geliebten Frau in seinem Tiefsten gebrochen. Der ganz in seinem Schatten stehende Bruder ist Ernst von Klip st ein, ttotz äußerlicher Gelassenheit ein Mann von starkem künstlerischem Gewissen, eine schwierige Rolle, die in allen Nuancen voll ausgeschöpft wurde. Eine reizvolle Erscheinung war die Lilian Leitzel Annelies Reinholds. Lena Norman gab der Dera Bruce etwas Herb-Sachliches. Jyfef Sieber hatte als der Vater Codona den mitreißenden Glauben an seine Sache. Harald Paulsen war ein sympathisch warm empfindender Manager, Karl K a h l m a n n und Leopold von Ledebour sah man als zwei höchst originelle Zirkusdirektoren aus Dollarika. Die ausgezeichnete Photographie F. Behn-Grunds hatte aus der bunten Welt des Varietes mit sicherem Blick für Wirkung packende Szenen für den Film herausgeholt. Peter Kreuders Musik war ganz dem Milieu entsprechend auf Effekt eingestellt. Dr. Fr. W. Lange. Goethe in seinem Gartenhause lieber mutig sieht's nicht aus, Hohes Dach und niedres Haus; Allen, die daselbst verkehrt, ward ein guter Mut beschert. Schlanker Bäume grüner Flor, Selbstgepflanzter, wuchs empor; Geistig ging zugleich alldort Schaffen, Hegen, Wachsen fort Diese Verse schrieb Goeche im Alter von seinem Gartenhaus im Schloßpark, das ihm über sechs glückliche Jahre seines Lebens als Wohnstatt diente und das nun das Ziel eines ruchlosen Bombenangriffs englischer Flieger geworden ist. Kein Besucher Weimars versäumt es, das kleine Gartenhaus im Schloßpark aufzusuchen, und es überkommt ihn Rührung, wenn er die vier schlichten Stuben durchwandert, in denen das Genie so lange hauste, und er betritt mit Ehrfurcht den Park, in dem Goethe selbst gewirkt und Bäume gepflanzt hat, und pilgert zu dem Gartenplatz mit dem Steintisch und der Tafel mit der klassischen Inschrift und den beiden schönen Gartenbänken. Goethe war im November 1775 in Weimar eingetroffen, und schon im April 1776 schenkte ihm der Herzog das Gartenhaus, in dem er entscheidende Jahre zubringen sollte, in denen er der Erde dieses Gartens vieles zu danken hat, was in ihm erwuchs. Die Thüringische Erde erscheint chm freilich nicht fruchtbar und reich, er nennt den Frühling zu karg, den Winter zu streng, aber er lernt doch unermüdlich, was der Gärtner wissen muß, wenn er Erfolg haben will. Er bestellt sich auf der Leipziger Messe „Reinharts Gartenschatz", und obwohl sein Tag aus gefüllt ist mit Geschälten, widmet er sich dem Anbau und Aufbau, der Pflege und Wartung des großen Gartens, der das kleine Haus umgibt, mit Eifer. Wenn er gräbt, düngt, schaufelt, pflanzt von früh bis abends, dann nennt das Tagebuch diese Zeit „immer die schönsten Tage". Er hält sich durchaus an das Nützliche, er hat Bienenstände, pfropft junge Obstbäume, schreibt „mit beschmierten Baumwachsfingern Liebesbriefe" an Charlotte von Stein, in denen er berichtet, daß er die Raupen zu spät vertilgte, „und ich ging immer vorbei — ein Poet und ein Liebhaber sind schlechte Wirte". Pflanzen und Zeichnen sind seine Lieblingsgeschäfte, berichtet Wieland noch nach drei Jahren von ihm. Sein Garten- und Hauswesen weitet sich ihm zum Symbol des Staatswesens, und er bewundert in diesen Jahren niemand mehr als einen Landwirt; denn der „träumt nicht im allgemeinen wie unsereiner ehemals um bildende Kunst. Wenn er handeln soll, greift er grab das an, was jetzt nötig ist. Ja schön ist der Feldbau, weil alles so rein antwortet, wenn ich was dumm oder was gut mache." Als Goethe, der in den Nächten zuweilen auf dem Altan geschlafen hat, um den Pflanzen näher zu fein, sich 1782 entschloß, in die Stadt zu ziehen, erfüllt ihn Trauer, und er schreibt beim Abschied von seinem Gartenhaus: „Jede Rose sagt zu mir: und du willst uns weggeben? In dem Augenblicke fühtte ich, daß ich diese Wohnung des Friedens nicht entbehren könnte. Ich strich um mein verlassenes Häuschen wie Melusine um das ihrige, wohin sie nicht zurückkehren sollte, und dachte an die Vergangenheit, von der ich nichts verstehe, und an die Zukunft, von der ich nichts weiß. Wie viel hab' ich verloren!" So schwer trennte sich Goethe von den Bäumen, die er sechs Jahre vorher gepflanzt hattL Später hat er noch einige wenige Male ein paaf Sommerwochen im alten Garten gewohnt, geschrieben, gesammelt, und einmal auch die sttllen Verse geschrieben, in denen er an den Schloßbrand erinnert: „Dieser alte Weidenbaum Steht und wächst als wie im Traum, Sah des Fürstendaches Gluten, Sieht der Jlme leises Fluten " Vier Wochen vor feinem Ende fuhr an einem milden Tage Ende Februar der zweiundachtzigjährige Goethe noch ein letztes Mal in den Garten und blieb dort ein paar Stunden allein. C.K- SS-GenieinWsl M Statt öDtdi Stenöe Im Monat August bieten wir siebentägigen Ferienaufenthalt jeweils von Samstag zu Samstag im Kreis Schotten. Teilnehmerpreis 22 RM. (ohne Fahrt). Nächster Aufenthalt in der Zeit vom 24. bis 31. August 1940. Anmeldungen sofort erbeten in unserer Verkaufsstelle, Seltersweg 60. 3727D \ Bcrufscrjichungstvcrli DcrÖftf i Wir weisen nochmals darauf hin, daß am Mittwoch. dem 21. August 1940, von 16 bis 18 Uhr und von 20 bis 22 Uhr, ein Lehrgang 3731D „Entfaflungsverfahren und Marmeladekochen" in der Lehrküche des Deutschen Frauenwerkes, Gießen, Lindenplatz 11, durchgeführt wird. Die Teilnahme ist für Hausgehilfinnen kostenlos, für Hausfrauen ist ein Unkostenbeitrag von 0,50 RM. zu zahlen. Die Anmeldung ist auf der DAF.-Kreiswaltung Gießen, Schanzenstraße 18, Zimmer 4, oder bei Beginn des Lehrgangs um 16 oder 20 Uhr in der Lehrküche abzugeben. Giehen-Wieseck. daß er schwere Schnittwunden an einem Arm davontrug. Die Bereitschaft Gießen des Deutschen Roten Kreuzes verbrachte ihn nach der Chirurgischen Klinik. Strafkammer Gießen. Der W. W. in Butzbach, z.Zt. in Untersuchungshaft, war der Unterschlagung und Urkundenfälschung beschuldigt. Er hatte in den Jahren 1937 und 1938 in Butzbach Wechselfälschungen begangen, wodurch eine Bielefelder Firma um 4000,— RM. und eine Dillinger Firm« um etwa 1000,— RM. geschädigt wurden. Ferner hat er den Verkaufserlös dreier Radioapparate, die einer Frankfurter Firma gehörten, mit etwa 1000,— RM., den Verkaufserlös einer Mercedes-Schreibmaschine, die einer Gießener Firma gehörte, mit 280,— RM. und den Verkaufserlös einer Juwel-Schreibmaschine, einer Kölner Firma gehörig, mit rund 160,— RM. sich zugeeignet. Der Angeklagte war in vollem Umfang geständig. Der Anklagevertreter beantragte eine Ge- samtgefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Wegen schwerer Urkundenfälschung in drei Fällen und Unterschlagung in fünf Fällen wurde der Angeklagte zu einer Gesamtgefängnis- strafe von zwei Jahren, abzüglich zwei Monate und zwei Wochen Untersuchungshaft, verurteilt. StrvErschwerend kamen die einschlägigen Vorstrafen, strafmildernd das umfassende Geständnis in Betracht. In nichtöffentlicher Sitzung wurde gegen einen Mann und dessen Schwiegertochter in Rüddings- hausen wegen Blutschande verhandelt. Der Mann wurde zu einer Gefängnisstrafe von vier Monaten, die Frau zu einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten verurteilt. Amtsgericht Gießen. Der H. W. in Nidda hatte einen Strafbefehl über zwei Wochen Gefängnis wegen fahrlässiger Körperverletzung erhallen. Er hatte am 6. Mai mit seinem Lastkraftwagen beim Ueberholen ein Kuhfuhrwerk angefahren, wobei der Lenker und dessen Frau verletzt wurden. Der Angeklagte legte gegen den Strafbefehl Einspruch ein, er wurde aber in der Haupt- verhandlung überführt. Mit Rücksicht auf seine Jugend und da der Angeklagte nicht vorbestraft ist unb die Verletzungen nicht allzu erheblich waren, erkannte das Gericht, dem Antrag des Anklagevertreters entsprechend, auf eine Geldstrafe von fünfzig Reichsmark, Hilfsweise zehn Tage Gefängnis. Frankfurter Schlachtvlehmarkt. Frankfurt a. M., 21. August. (Dorbericht.) Es kosteten: Kälber 25 bis 59 RM., Hämmel 20 bis 51, Schafe 12 bis 44, Schweine 52 bis 58 RM. Marktverlauf: Alles zugeteilt. Oberstleutnant Freiherr v. Kittlitz erhielt für seinen persönlichen tapferen Einsatz und vorzügliche Führung seines Bataillons bei den Kämpfen an der Aisne die Spange zum Eisernen Kreuz 2. Klasse. Der von hier stammende Feldwebel S ch o in b e r , der einer Fernaufklärungs-Abteilung angehört und bereits im Feldzug gegen Palen das Eifern« Kreuz II. Klasse erhalten hatte, ist jetzt für seine Tapferkeit bei den Luftkämpfen gegen England mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet worden. (Siebener Schlachtviehmarkt. Aus dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtvieh-Derteilungsmarkt) in der Diehversteige- rungshalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 38,5 bis 45,5 Rpf., Bullen 33 bis 43,5, Kühe 17 bis 43,5, Färsen 35 bis 44,5, Kälber 30 bis 57, Hämmel 20 bis 25 Rpf. je V» kg Lebendgewicht, 3 Ziegen, Stück 15,—, 20,—, 23,— RM. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise bezahll: Klasse a (150 kg und mehr) 1,14 RM., bl (135 bis 149,5 kg) 1,14 RM., b2 (120 bis 134,5 kg) 1,14 RM., c (90 bis 119,5 kg) 1,12 RM., d (80 bis 89,5 kg) 1,06 RM., e—f (unter 80 kg) 1,02 RM., gl (fette Specksauen) 1,14 RM., i (Altschneider) 1,14 RM., g2 (andere Sauen) 1,06 RM., h (Eber) 1,06 RM. Marktverlauf: alles ausverkauft. ♦ ** Die Alterskameradschaft 188 9/ 19 3 9 veranstaltete am Sonntag einen Familien- ausflug nach der „Wellersburg". Dort konnte der Dorsitzende G. Braun eine große Anzahl Kameraden mit ihren Angehörigen begrüßen. Er gedachte in seiner Ansprache auch der unter den Fahnen stehenden großen Anzahl von Alterskameraden. Bei guter Musik der Kapelle K r e n g e l und bei froher Unterhaltung nahmen die Stunden des Beisammenseins einen harmonischen Verlaus. Durch eine Sammlung für das Deutsche Rote Kreuz, die einen stattlichen Bettag ergab, bekundeten die Alters- kameraden ihre Verbundenheit mit unseren Soldaten. ♦* Unfall bei der Arbeit. Der Lagerarbeiter Wilhelm D e ch e r t aus Alten-Buseck stürzte am gestrigen Dienstag gegen Abend an feiner Arbeitsstätte in Gießen in eine große Glasscheibe. Dabei fiel der bedauernswerte Mann so unglücklich, Sezirks-Turn- und Sporttag in Gießen. Der diesjährige Bezchks-Turn- und Sporttag am 24. und 25. August steht unter dem Geleitwort „Ein Volk in Leibesübungen". Die Bezirksführung glaubt, dieses Wort in voller Berechttaung gewählt zu haben, denn der diesjährige Bezirks-Turn- und Sporttag übertrifft in feinem Meldeergebnis alle Erwartungen. Die Meldungen find ein Beweis dafür, daß es für den Sport keine Unterbrechung feiner gestellten Aufgabe gibt. Gerade die Erfahrungen des letzten Jahres beweisen, was es für den einzelnen und für die Gesamtheit bedeutet, über einen fportgestählten Körper zu verfügen. Die Ausgabe, möglichst alle Volksgenossen zu Sportaus- übenden zu machen, rückt diesem Ziel immer näher, und die Breitenarbeit hat schon jetzt ihr sichtbares Ergebnis. Trotz aller Schwierigkeiten, die naturgemäß der Durchführung einer großen Veranstaltung entgegenstehen, wird diese in einem großen Rahmen durchgeführt werden. Im Rahmen des Turn- mrd Sporttags werden auch die Bezirks- Meisterschaften der Leichtathleten zum Austrag kommen. Die Veranstaltung wird am Samstagnachmittag durch Kämpfe des Fachamtes Tennis auf den Tennisplätzen am Schützenhaus eingeleitet. Am Sonn- tagvormittag um 7 Uhr starten die Radfahrer mll Start und Ziel am Schützenhaus zum 100-Kilo- meter-Fahren. Nach einer Sitzung der Kampfrichter wird um 8.30 Uhr nach dem Aufmarsch der Teilnehmer auf dem Universitätssportplatz die feierliche Flaggenhiffung erfolgen. Alsdann werden die Kämpfe beginnen. Die Hitler-Jugend und das Jungvolk haben den Sportplatz der Spielvereinigung 1900 als Kampsstätte gewählt, während der BDM. seine Kämpfe auf dem Waldsportplatz austrägt. Die Ausschreibungen der einzelnen Facyämter sind derart mannigfaltig, daß hier im einzelnen nicht darauf eingegangen werden kann. Es sei nur daraus verwiesen, daß bei dem Fachamt Turnen 242 Teilnehmer, bei dem Fachamt Leichtathletik 640, bei dem Fachamt Schwimmen und Radfahren insgesamt 79 Teilnehmer gemeldet haben. Auch die Anzahl der Teilnehmer beim Fachamt Tennis verbürgt spannende Kämpfe. Im Rahmen der am Sonntagnachmittag durchzuführenden Endkämpfe wird ein Handball- und ein Fußballspiel ausgetragen werden. Hochelheim und Garbenheim sind dazu ausersehen, für den Handballsport werbend an die Oeffentlichkeit zu freien. Mit dem gleichen Ziel wird die Fußballmannschaft Watzenborn-Steinberg kombiniert mit Großen-Buseck gegen die Stadt- rnannschast Gießen spielen. Um 17 Uhr soll als Ausklang des Tages die Siegerehrung stattfinden. lieber die einzelnen Kämpfe werden die zuständigen Fachämter noch eine Vorschau bringen. Allein schon diese Uebersicht beweist, daß, wie überall im Reich, auch im Bezirk Gießen trotz des Krieges die Arbett weitergeht. Man hofft, daß die Bevölkerung des Bezirkes durch zahlreiches Erscheinen zu erkennen gibt, daß sie nicht nur mit dem Herzen, sondern auch durch die Tat die Bestrebungen des Sportes unterstützt. M. Ergebnisse der Spiele um die Kriegserinnerungsplakette I. Klasse. Großen-Buseck — Steinberg 1:1 (1:1). Wie schwer es ist, in Großen-Buseck zu Erfolgen zu kommen, mußten nun auch die Teutonen erfahren. Ihre Spielstärke hatten die Platzherren erst am Vorsonntag unter Beweis gestellt, so daß die Teutonen wußten, daß es nur mit Aufbietung allen Könnens gelingen würde, erfolgreich in Großen-Buseck abzuschneiden. Der unebene Platz ließ kein flüssiges Spiel Zustandekommen, die Aktionen der Spieler litten sehr darunter. Die Gäste griffen stürmisch an, jedoch war die Verteidigung der Platzherren sehr stark. Die Gegenangriffe blieben ebenfalls erfolglos, das Spiel war verteilt. Nach einer halben Stunde konnte Buß die Steinberger in Führung bringen, jedoch noch vor der Pause war es Hochstein, der den Ausgleichstreffer anbringen konnte. Nach der Pause ließ das Spiel an Schnelligkeit nach. Trotz aller Versuche der Teutonen, das Ergebnis zu verbessern, blieben die Angriffe in der guten Hintermannschaft stecken. Die Busecker konnten sich wieder von dem Druck befreien und gingen ihrerseits zu Angriffen über. Kurz vor Schluß bot sich den Platzherren eine klare Torchance, als Höchstem gelegt wurde. Der Strafstoß wurde aber verschossen. Garbenleich — Rodheim 8.2 (1:1). In Garbenteich war der Schiedsrichter ausgeblichen, was aber auf Konto des Platzvereins geht, denn eine Benachrichtigung unterblieb. Das Spiel war sehr schnell, und in der ersten Spielhälfte vollkommen offen. Nach der Pause fielen die Gäste merklich zurück, die Platzherren diktierten das Spielgeschehen und sorgten durch 7 Tore für den ersten Sieg. II. klaffe. Steinbach I — Grohen-Linden I 10:0 (3:0). Am Sonntag empfing die Mannfchaft von Steinbach die Gäste von Großen-Linden. Bereits in der ersten Viertelstunde konnte der Gastgeber dreimal erfolgreich fein. Bis zur Halbzeit leisteten die jungen Spieler harten Widerstand, fo daß bei einem Resultat von 3:0 die Seiten gewechselt wurden. Inzwischen war starker Wind aufgetreten, den die Gäste in der zweiten Halbzeit im Rücken hatten. Die Mannschaft der Sportgemeinde hatte aber einen schuß freudigen Tag und setzte sich restlos ein. Besonders hervorzuheben ist der Halblinke Karl ®r ö - ß e r. Die übrigen Tore verteilen sich auf den Stürmer Weber (4 Tore) und Hans Deuker (2 Tore). Beim Stand von 10:0 für die Sportgemeinde ertönte der Schlußpfiff. Schiedsrichter Gerhard (Annerod) war ein gerechter Leiter. Dor diesem Spiel trafen sich beide Jugendmannschaften; auch hier konnten die Jugendspieler der Sportgemeinde einen sicheren Sieg von 3:1 erringen. Heuchelheim — Hungen 5:4 (3:1). Ein torreiches Treffen lieferten sich beide Mannschaften. Die Gäste fanden sich zuerst und führten nach kurzer Zeit. Es dauerte geraume Zeit, bis Heuchelheim ausgleichen konnte, dann wurde das Tempo verstärkt, und bis zur Pause konnten sie auf 3:1 erhöhen. Nun machten sich Ermüdungserscheinungen bei den Platzherren bemerkbar, die Gäste kamen stark auf, und es gelang ihnen, durch zwei schöne Tore auszugleichen. Das war das Signal für Heuchelheim, alles aus sich herauszugeben. Der Erfolg blieb nicht aus, zwei weitere Tore waren das Ergebnis. Hungen raffte sich auf und holte wiederum ein Tor auf. Dramatisch waren die letzten Minuten, wo die Gäste versuchten, wenigstens den Ausgleich zu erzielen; die Platzherren mußten sich heftig zur Wehr setzen, es gelang ihnen auch, dadurch einen knappen Sieg zu buchen. Iugendfußbatt der Ep.-Vg. 1900. Spielvereinigung 1900 1. Jugend gegen Sportverein 1926 Leihgestern 1. Jugend 0:0. Zu einem Freundschaftsspiel trafen sich am Sonntag diese Mannschaften. Das Spiel begann mit flotten Angriffen der Blau-Weißen, die aber an der gegnerischen Verteidigung scheiterten. Die 1900er konnten sogar das Spiel überlegen gestalten, ohne jedoch zu Torerfolgen zu kommen. Nach dem Wechsel hatte der Gegner den Wind zum Bundesgenossen, doch die Ueberlegenheit der Gießener ließ nicht nach. Die schönsten Torgelegenheiten wurden vergeben. So endete der Kampf torlos 0:0. Die Blau-Weißen in der Aufstellung Schmitz, Bötz, Seuling, Dahmer, Weniger, Schänke, Barschel, Seeg, Neuling, Schmück, Dinges, konnten gefallen. tosläiglüMesLelißBafl Roman von Helene Kalisch Copyright 1939 by Prometheus -Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München 1. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) „Eine Dame..." „Natürlich! ..." Also draußen ist eine Dame, die ihn in großer Bedrängnis um augenblickliche Hilfe bittet. Hie ist Sängerin und muß zur Vorstellung in die Oper... „Dietmuthe Röhl", lieft Bergholz auf der Karte. Ein blitzhaftes Erinnern weckt in ihm den Klang einer wundervollen Stimme. Er sieht sich im verdunkelten Zuschauerraum, und auf der Bühne kniet eine sehr schöne 2frgthe... „Um ein paar Minuten Geduld lasse ich bitten", sagt er hastig, wendet sich dem Patienten zu, den er in Behandlung hat, und kürzt diese nach Möglichkeit ab. Dann öffnet er die Tür zur Diele. Zwei Damen warten draußen. Sein rasch musternder Mick unterscheidet sogleich die Künftterin von der anderen, der Begleiterin. Er nötigt die beiden ins Zimmer. „Wie freundlich von Ihnen, Herr Doktor, sich so rasch meiner anzunehmen", sagt Dietmuthe Röhl. Er nimmt ihr den Pelzmantel ab. Starf parfümierte Damen sind ihm fönst wenig angenehm. Heute aber schmeichelt der süß-schwere Duft, der von dem Pelz ausgeht und auch die Primadonna umweht, seinen Nerven. Ihm ist, als fei plötzlich das ganze Zimmer erhellt von einem Glanz, der von der Frau ausgeht. Er geleitet sie zu dem Opera» ticmSstuhl. Sie nimmt darauf Platz und erzählt habet daß sie vor einer Stunde beim Teetrinken und Gebäckeffen von heftigem Zahnschmerz befallen worden sei, der sich durch nichts beruhigen lasse. Und sie müsse heute abend die Isolde fingen!... Zum erstenmal hier in Berlin... Ob er ahne, was das heiße, was es für sie bedeute? fragt sie den Zahn- Ahnen? ... Melleicht! Wenn auch den ganzen Umfang dieser Bedeutung au ermessen ihm nicht gegeben sei, entgegnet er bescheiden. Jetzt beleuchtet das schonungslos grellweife Licht der Arbeitslampe ihr Geficht. Er sieht den zarten Puderschimmer auf der mattweißen Haut, sieht ein vollendet schönes Profil, weichgeschwungene Sippen und ein festes rundes Kinn. Er bittet sie, den Mund au öffnen, und findet an den gepflegten porzellan- harten Zähnen ein paar fehlerhafte Stellen, die ausgebessert sind. Eine dieser kleinen Füllungen hat sich gelockert, der Nerv ist durch äußere Einwirkungen gereizt worden. Er betäubt ihn und dichtet die empfindliche Stelle ab. „So, gnädige Frau, nun werden Sie Ruhe haben. Der Zahn muß natürlich behandelt werden." ,/Schon fertig?... Wahrhaftig, der Schmerz ist weg!" staunt Dietmuthe Röhl. „Sie sind ja ein Zauberdoktor! Ein wirklicher Wohltäter!" ruft sie lachend und steigt vom Stuhl herunter. Er hilft ihr dabei. Seine Hand fühlt die glatte kühle Haut ihres Unterarmes, und ein Rieseln läuft ihm durch alle Nervenbahnen. „Ist es nicht zum Staunen, Kläre? Ich bin befreit von der gräßlichen Plage!" wendet sich Frau Röhl an ihre wartende Begleiterin. „Gott sei Dank, Dieta!" erwidert diese, sich erhebend. „Und nun müssen wir eilen, es ist die yöchste Zeit!" Damit nimmt sie den Pelzmantel und hilft der Diva hinein, wobei sich Hans Bergholz benachteiligt fühlt. Als sich die Künftterin umwendet, ihm die Hand reicht, sich lebhaft und auf eine strahlend liebenswürdige Weife bedankt für feine sogleich bereite ausgezeichnete Hilfe, ist er entschädigt. Er verbeugt sich mehrmals, sieht in ihre bläulich schimmernden Augen und ärgert sich, weil alles so banal klingt, was er erwidert. Er begleitet die Damen zur Tür, und hier fragt ihn Frau Röhl, wann sie zur weiteren Behandlung wiederkommen solle. „Sobald es Ihnen paßt, gnädige Frau! 21ber in Ihrem Interesse möchte ich raten, recht schnell! Melleicht rufen Sie mich vorher an?" „Gut. Nochmals tausend Dank, Herr Doktor! Es tut wirklich keine Spur mehr weh. Nun werde ich heute die Isolde firtgen, daß die Berliner überschäumen vor Begeisterung! Auf Wiedersehen, Herr Doktor!" Noch einmal grüßt den Arzt ein strahlendes Lächeln, em Sprühen der Augen; dann schließt sich die Tür. Hans Bergholz^Mt ttef auf, wendet sich und geht ein paar föflMu)bleibt in der Zimmermitte stehen, betupft und nimmt die Brille ab, deren Gläser tn» angelaufen sind. Er putzt sie, lacht leise vor und staunt in sich hinein. Was ist nur heute nut ihm los?... Was sucht er hinter dem höchst alltäglichen Vorgang? ... Eine hübsche, verwöhnte Frau hat seine zahnärztliche Hilfe in Anspruch genommen. Daß sie der Zauber des Künstlertums umstrahlt, macht aus der Angelegenheit noch keine besondere Sache, denn auch Künstler sind Menschen — besonders beim Zahnarzt... Nein, er sucht ja nichts. Es ist so seltsam und freudig erregend über ihn gekommen, als fei ihm das Wunder begegnet, worauf er fein Leben lang gewartet hatte. — Völlig verflogen ist fein Mißmut, das dumpfe, halb nur eingestandene Dom-Leben-Enttäuschtsein. In einer leichten Benommenheit arbeitet er weiter bis zum Schluß der Behandlungszeit. Mit innerem Widerstreben begibt er sich dann nach der Wohnung hinüber. Der kürze Weg ist eine mit jedem Schritt wachsende Ernüchterung. Die Hausangestellte Lina berichtet ihm, feine Frau fei zu ihren Eltern gegangen. Sie lasse ihm sagen, er möchte sie von dort abholen. Er nickt und setzt sich an den Tisch zu feinem Abendessen; schlingt hinunter, was ihm hingestellt worden ist, feine Gedanken wandern dabei — vielmehr, sie machen Sprünge, vorwärts und rückwärts ... auch Seitenfprünge ... Die fleine Begebenheit, die ihn fo plötzlich hin- ausgehoben hatte über den Alltag, aus Verdrossenheit und Plage, sie wollte eben anfangen zu ver- blaffen wie ein Traumerlebnis, das nur noch ein leises Frohgefühl hinterläßt, von dem man nicht weiß, womit und warum es eigentlich Beglückung schenkte. Mit der Abkehr von der Tagesarbeit war er im Begriff gewesen, es abzutun. Jetzt, beim Alleinsein, beschäfttgt es ihn wieder, erfüllt ihn mit wachsender Unruhe. Nach beendeter Mahlzeit geht er ins Schlafzimmer, öffnet Schränke und Schubladen, rasiert sich und kleidet sich um. Er ist es zwar gewöhnt, daß für solche Fälle ihm seine Frau alles bereittegt, und es ist heute etwas weniger bequem, aber in ihm ist ja plötzlich ein starkes Streben über den Rahmen des Gewohnten hinaus; ist die Sehnsucht, dem Alltag und sich selbst zu entfliehen. Ein Ungenügen an den Gegebenheiten feines Daseins ist wieder wach und ist viel hefttger als bisher. Es wird zum unwiderstehlichen Drange nach dem Ungewöhnlichen und Ungewissen. Noch ist er sich nicht klar darüber, was er eigentlich beginnen will. „Ist ja egal!... Moß einmal hinaus!" murmelt er vor sich hin, während er m den Spiegel starrt und seinen blonden Scheitel dürftet Dann gibt er dem Mädchen den Auftrag, bei feinen Schwiegereltern anzurufen und feiner Frau zu sagen, er könne sie heute nicht abholen, weil er selbst etwas vorhabe. Zweites Kapitel. Obwohl die Vorstellung in der Oper längst begonnen hat und das Haus ausverkauft ist, hat Bergholz das Glück, eine an der Kasse hinterlegte und nicht abgeholte Karte zu erhalten. Der Schließer öffnet ihm leise die Tür zu einer Rangloge, deren vordere Sessel besetzt sind. Im Hintergrund ist noch ein freier Platz. Vorsichtig setzt er sich. Durch das verdunkelte Haus braust uns jubelt die Musik Wagners. Isolde und Tristan im nächtlichen Garten jauchzen und Plagen ihre unstillbare Sehnsucht, ihr himmelstürmendes Glücksverlangen, die höchste Lust, das tieffte Leid ihrer Liebe. Dietmuthe Röhl ist eine herrliche Isolde. Ihre Stimme hat Glanz und Süße. Sie sieht sehr gut aus mit dem langwallenden Blondhaar und in dem weißen Gewand. Hans Bergholz sieht sie hingegeben, schmachtend in den Armen des Sängers — ihres Tristan •— und empfindet einen feinen, wollüstigen Schmerz. Aber darüber hinaus ist er glücklich und ganz, von sich selbst befreit. Sein Herz ist wie eine klingende Schale, die den Wohllaut der Stimme Isoldes auffängt. „Eine bezaubernde Frau!" flüstert er. (Fortsetzung folgt.) Mob: Bleich-Soda zieht über Nacht den Schmutz aus der Wäsche eSeift vertdtut&trfefi öchwarzMiß newiexM! Alleinhersteller.PJos. Seifenfabriken. Giessen