Zreitag, 20. September 1940 GietzenerAnzeiget 190. Jahrgang Nr. 225 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Ubr desBormittags Aiuelgen-Preife: Anzeigenteil 7 Rr>f. te mm bei 22 mm Zeilenbreite, Wertteil 50 Rvf. te mm bei 70 mm Zeilenbreite Nachlässe: Wiederholung Malstaffel I Abschlüsse Mengenstaffel B Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25°/» mehr vrühlsche UniDerfttätsbruderet 8. Lange General-Anzeiger für Oberhessen Sd>rt6ief|en’sd)ttlftra6e 7-9 Erscheint täglich, außer Sonntags und feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat imBild DieScholle MonatS-Bezugsvreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte » 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsvrechanschluk 2251 Drahtanschrift. „Anzeiger" Postscheck 11686 Franks. M Ribbentrop bei Muffolini. Herzlicher Empfang in Rom. — Lange Unterredung mit dem Duce. Rom, 19. Sept (Luropapreß.) Relchsaußenmlni- sler von Ribbentrop ist kurz vor 13 Uhr zu seinem kurzen Aufenthalt in Rom eingetroffen. 3n dem mit Flaggen reich geschmückten Bahnhof wurde er von Außenminister Graf Liano und dem italienischen Botschafter in Berlin, Alfieri, dem Präfekten, dem Gouverneur von Rom, dem deutschen Botschafter beim Quirinal und dem deutschen Militärattache, dem deutschen Botschaftsrat beim Vatikan, dem spanischen Botschafter und anderen diplomatischen Persönlichkeiten empfangen. Den beiden Ministern wurden beim Verlassen des Bahnhofs von der auf dem Vahnhofsplah versammelten Volksmenge unter Hochrusen auf den Duce und den Führer begeisterte Kundgebungen bereitet, während die Musik die deutschen und italienischen Hymnen spielte. Rach dem Abfchrei- tcn der Ehrenkompanie verabschiedete sich Reichs- auhenmlnister von Ribbentrop und fuhr nach der Villa Madama, wo er während seines römischen Aufenthaltes wohnt. Auf der Fahrt durch die Straßen Roms wurden ihm immer wieder begeisterte Kundgebungen bereitet. Der Duce empfing am Donnerstagnachmittag Reichsminister des Auswärtigen von Ribbentrop zu einer herzlichen Unterredung. Der Besprechung, die zwei Stunden dauerte, wohnten der italienische Außenminister Graf Liano und die Botschafter von Mackensen und Dino Alfieri bei. Die Unterredung fand in einer Atmosphäre besonderer Herzlichkeit hatt. Die großen Probleme, um die es heule geht, wurden einer ausführlichen und erschöpfenden Erörterung unterzogen, die getragen von der vollen Uebereinstimmung in allen besprochenen Fragen war. Auch kam dabei die große Befriedigung über die militärische Lage zum Ausdruck. Die Besprechungen mit dem Duce finden in einem Augenblick statt, wo Deutschland und Italien zum Angriff gegen England angetreten sind. Während Deutschland gegen das Herz des britischen Weltreiches in Europa vorstöht, marschiert Italien gegen die Schlüsselstellung des englischen Kolonialreiches in Afrika, damit endlich die Bahn für jene Neuordnung frei wird, für die die Achsenmächte kämpfen. Panzerdivision habe, als sie die Bedrohung von Sidi Barani erkannte, sofort einen überstürz- ten Rückzua angetreten, wobei sie unablässig von den italienischen Fliegerstaffeln bombardiert und beschossen worden sei. Als erste seien die Schwarzhemden der Division „23. März" in Sidi Barani Der Wehrmachtsbericht vom Donnerstag. Berlin, 19. Sept (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Die Luftwaffe griff auch gestern trotz schwieriger Weiterverhältnisse verschiedene kriegswichtige Ziele in der Umgebung von London an. Die Dock- und Hafenanlagen in T i l b u r y, die Staatswerft in L h a t h a m und die Grohöllager von Port Victoria wurden wirksam mit Bomben belegt. Mehrere Oeltanks und ein Tankschiff gingen in Flammen auf. In der Nacht wurden die Vergeltungslüge gegen London in verstärktem Umfang fortgesetzt Vor allem erhielten die Silvertown- und Royal-Albert-Docks sowie andere wichtige Ziele in rollendem Einsatz zahlreiche Bombentreffer schwersten Kalibers. In vielen Stadtteilen Londons entstanden ausgedehnte Brände. Auch in anderen Teilen Englands wurden kriegswichtige Ziele, wie die Hafenanlagen in Liverpool, die chemischen Werke in Billingham, die Tyne-Docks in N e w L a ft l e sowie Flugplätze in Mittelengland erfolgreich angegriffen. Das Verminen südenglischer Häfen wurde fortgesetzt eingedrungen. Wie Heer und Miliz hätten die libyschen Einheiten in kaum acht Tagen zu Fuß 250 Kilometer Wüste durchquert, gekämpft und Luftangriffe ausgehalten. Der Feind dürfte mehr als dir Hälfte seiner Panzerwagen verloren haben. Die Luftwaffe habe den Feind mit Bomben belegt, für den Schutz der in der Wüste vorrückenden Kolonnen gesorgt und die feindlichen .Gloucester-Maschinen zur Flucht gezwungen. Die Truppen hätten sich bei 50 Grad Hitze und im Ghibli-Sandsturm mit dem gewohnten einem Liter Neghelli-Wasser begnügt. Feindliche Flugzeuge warfen in Nordfrankreich und Belgien an mehreren Stellen Bomben, ohne nennenswerten militärischen Schaden anzurichten. Eine Anzahl von Zivilpersonen wurde getötet 3n der Nacht zum 19.9. wurden in Westdeutschland einfliegende britische Flugzeuge durch deutsche Abwehr zur Umkehr gezwungen. Sie warfen ihre Bomben auf nichtmilitärische Ziele ab und griffen dabei die Krankenanstalt von Bethel an. Drei Krankenhäuser wurden zerstört, obwohl sie durch das Rote Kreuz deutlich als solche kenntlich gemacht waren. Dabei wurden neun Kinder getötet 12 verletzt. Während der Nacht wurden 9 feindliche Flugzeuge durch Flakartillerie, zwei durch Nachtjäger, bei Tage 24 Flugzeuge im Luftkampf abgeschossen. An der Nordseeküste schoß Marineartillerie ein feindliches Flugzeug ab. Zwei weitere Flugzeuge wurden so schwer beschädigt, daß mit ihrem Verlust gerechnet werden kann. Die gestrigen Gesamtverluste des Feindes betragen demnach 38 Flugzeuge. 13 eigene Flugzeuge werden vermißt. * Die von der deutschen Luftwaffe angegriffenen Tyne-Docks in Newcastle gehören zu den bedeutendsten Englands, sie sind so groß, daß sie den 52 000 Tonnendampfer „Berengavis" bei Hochwasser aufnehmen können. Ueber die Tyne-Docks kam ein großer Teil der Erzeinfuhr nach England. Ferner wurden im Jahre 1937 rund 8 Millionen In sechs Wochen 2096 Flugzeuge verloren. Wie schon berichtet, verlor die Royal Air Force im August 1354 Maschinen, in der ersten Woche des Septembers büßte sie 481 Flugzeuge ein, und in der zweiten Woche dieses Monats wurden 261 Maschinen vernichtet, in diesen sechs Wochen also insgesamt 2096 Maschinen. Von acht Geschwadern mehr als 2000 Gegner abgeschoffen. B e r H n, 20. Sept (DNB. Funkspruch.) Wie sich einzelne deutsche Flieger durch besonders hohe Abschußziffern auszeichnen, so gibt es auch eine Anzahl von 3agd- und Zerstörergeschwadern, die mit der Zahl ihrer Luftsiege den anderen als leuchtendes Beispiel vorangehen. Vier Geschwader haben seit ihrem Bestehen mehr als 200, vier weitere Geschwader mehr als je 300 Luftsiege errungen, so daß diese acht Geschwader insgesamt mehr als 2000 Gegner abgeschossen haben. 3nnerhalb dieser Geschwader hat sich e i n e © r u p p e besonders ausgezeichnet, dieallein 2 00 Luftsiege davongetragen hat. Tonnen Kohle und Koks über die Tyne-Docks verschifft. Im Dockgebiet am Tyne liegen ferner sehr bedeutende Werften für den Kriegsschiffbau, wie die Vickers Armstrong, Whitworth und andere. Die Reparaturanlagen dieser Firmen sind im gegenwärtigen Krieg von besonderer Bedeutung. Auf der Staatswerft in Chatham, die ebenfalls bombardiert wurde, werden Kreuzer und Zerstörer gebaut und repariert. Die Beschädigung dieser Anlage ist deshalb besonders schwerwiegend, weil auf der Staatswerst von Chatham spezielle Anlagen für die Repartur von kleineren Schäden vorhanden sind. Glasgow, das in der Nacht zum 18. 9. angegriffen wurde, ist ein wichtiger Hafen für Eisenerze und Schrott, Erzölerzeugnisse und Getreide. Ueber den Hafen Glasgow wird ein großer Teil Nordenglands versorgt. Im Hafengebiet von Glasgow liegen wichtige englische Werften, auf denen Kreuzer, Zerstörer, Minenleger, Flugzeugträger und sogar Schlachtschiffe .gebaut werden. Im Hafengebiet von Glasgow ist ferner rund ein Viertel der englischen Schiffsmaschinenbaukapazität konzentriert. Bomben aus Docks, Wersten und Oeltanks. Rollende Lustangriffe auf kriegswichtige Ziele Londons und seiner Umgebung „SchiMhaste SeaeanuiWN". Italienische Stimmen zu den Besprechungen in Rom. Rom, 20. Sept. (Europapreß.) Zu den Beratungen der Staatsmänner der Achse schreibt Gay da in einem „Schicksalhafte Begegnungen" überschriebenen Leitartikel, über Thema und Motive könne nichts vorweggenommen werden. Es genüge aber festzustellen, daß sich der Besuch vollziehe im Augenblick des Abschlusses eines bemerkenswert bewegten Abschnittes der politischem Geschichte des Balkans und im Mittelpunkt einer neuen aktiveren und verbreiterten Phase des Krieges der Achsenmächte gegen das englische Imperium. Diese Momente erforderten die aufmerksame politische Prüfung der Achsenmächte und die Entwicklung in ihrem Interesse. Es sei ein Fortschritt gemacht worden im Hinblick auf die Klärung und Befriedung der Beziehungen zwischen den sudosteuropäischen Ländern sowie zwischen ihnen und den Achsenmächten. Die Achsenmächte könnten bereits an die Errichtung des neuen Europa denken, das von der Last und der Korruption der gestürzten Hegemonien befreit sei. Die „Tribuna" schreibt: „Das Bedeutsamste an dem Meinungsaustausch in Rom ist, daß Italien und Deutschland, während gleichzeitig ihre Streitkräfte England tödliche Schläge erteilen, auch am Ausbau des neuen Europa auf der Grundlage gemeinsamer Grundsätze arbeiten. Diese tragen einerseits den Bedürfnissen der verschiedenen völkischen Gemeinschaften, anderseits der Notwendigkeit der wirtschaftlichen Erstarkung unseres Erdtecks Rechnung. Das perfide englische politische Spiel ist aus Europa ausgeschaltet. Trotz der Schwierigkeit der Lösung der zu besprechenden Probleme beweisen Deutschland und Italien täglich, daß sie über die Fähigkeiten verfügen, das neue politische und wirtschaftliche Europa zu schaffen und die Notwendigkeiten der kommenden Tage zu erkennen. Diese Fragen beschäftigen Hitler und Mussolini nicht minder als die Kriegsfragen." Graziam bertchtel. Die Operationen zur Einnahme von Sidi Barani. Rom, 19. Sept. (DNB.) Marschall Graz i an i bat an den Duce eineh Bericht über die Einnahme von Sidi Barani erstattet. Er betont, daß er den ursprünglichen Operationsplan, wonach die rechte italienische Flanke habe oorstoßen sollen, infolge Zusammenziehung stärkerer motorisierter Einheiten des Feindes geändert habe, indem er alle Krafts auf der linken Flanke zusammengezogen> und blitzartig auf Sidi Barani längs der Kustenstraß. habe vorstoßen lassen. So seien die starken kindlichen Panzerabteilungen von ihren Stutzpunkten abgeschnitten und zum Ruckweg über unwegsame Pfade gezwungen worden. Die Aufmarschbewegung^in die Ausgangsstellungen fei bei der .^"ppe Malett wegen des Wüstengelandes und wiederholten Lust, bombardements auf Schwierigkeiten 8 e stoß em Der Vormarsch auf Sollum und Halfaya sowie der mpitere Vorstoß nach Osten hätten den Feind über- E Am Wnd d°- 13.9. Hätten 14 libysche D,- Di Ionen die 25 Kilometer hinter Sollum gelegenen Orte Todan und Khadim erreicht. Die englische Krieg an -er Giraße. Von Oberstleutnant Matthaei. 3n einem Sonderheft der vorn Oberkommando der Wehrmacht herausgegebenen bebilderten Zeitschrift „Die Wehrmacht" schildert der bekannte TNilitärschriftsteller Oberstleutnant 2N a t t h a e i, der auch schon im Gießene Anzeiger in einer Reihe von viel beachteten Aufsätzen zu Wort gekommen ist, überaus fesselnd und eindrucksvoll einen Teilabschnitt der großen Schlacht in Frankreich, den Vorstoh einer Division aus dem Brückenkopf von Amiens und die sich anschließenden Kämpfe, die zum Durchbruch durch die Weygand-Linie sowie Uebergang über die Oise und zur Räumung der Schuhstellung von Paris führten. Während im Artois und in Flandern Ende Mai das Schicksal der dort eingekesselten französischen und englischen Heeresteile sich zu entscheiden begann, hatte eine starke Kampfgruppe des deut chen Westhesres den doppelten Auftrag, die von Abbeville nach Ost-Südost laufende deutsche Südfront zu halten und sich gleichzeitig auf den bevorstehenden neuen Gewaltstoß in südlicher Richtung vorzuberei- ten. Zu ihr gehörte unter den zahllosen Truppenteilen eine Division, die bei Amiens im Kernpunkt der deutschen Abwehrfront ihre doppelte Aufgabe vorausschauend und richtig austassend^ den Brückenkopf bei Amiens für die kommende Kampfhandlung nach Süden erweitert hatte; sie sah sich seit dem 27 Mai von einem erbitterten Angriff des Gegners angefallen. Trotzdem die Franzosen mit überaus starken Kräften angriffen und an einer Stelle über fünfunbreifeig -Panzerwagen gegen ein einziges deutsches Infanterieregiment angesetzt hatten, wurde der Stofe zurückgeworfen und unter Einsatz der gesamten eigenen Artillerie, der Flak und der Pan- zerjäger mit erheblichen Verlusten für den Gegner abgeschlagen. Immerhin hatten diese Kämpfe em Vorspiel dessen gegeben, was nun folgen sollte: Es wurde klar, daß die Franzosen, in der Erkenntnis daß es ums Letzte ging, nun alle äußerste Kraft zusammennahmen, um den erwarteten deutschen Stoß mit härtestem Widerstand aufzuhalten. Dementsprechend waren drüben die Vorbereitungen, deren Bedeutung und kämpferischen Wert die deutsche Truppe alleroings im Verlause des Kampfes selbst erst erkennen konnte. Handelte es sich doch bei der französischen Verteidigung um die kilometerweit in die Tiefe gegliederte Weygand-Lmie, die der deutschen Südfront gegenüberliegend, die französische „Siegsried-Stellung" bedeutete und von deren erfolgreicher Verteidigung schließlich das Schicksal des Krieges und des Landes abhing. Der französische Oberbefehlshaber General Weygand hatte in Auswertung der erst im Mai gemachten Kriegserfahrungen aus Belgien die bevorstehenden Kampfhandlungen bewußt in die Dörfer und Ortschaften und damit an die Straßen selbst gelegt: Durch nachdrückliche Befestigung der Fermen und Dorfftätten, der Gehöfte und Waldstücke hatte er so ein Verteidigungssystem geschaffen, dessen Durchbrechung an die deutschen Angriffstruppen aller-1 letzte Anforderungen stellen müßte. Im Lause des Kampfes sollte sich sehr bald zeigen, welch große Meister die Franzosen gerade in der Kunst der Verteidigung und Befestigung sind, und daß den deutschen Truppen an Schärfe des Einsatzes und an hartem Willen nichts erspart blieb, wenn sie trotz der geschickten und umfassenden Verteidigungsanlagen'des Gegners auch hier wieder Sieger bleiben sollten. In den Morgenstunden des 5. Juni brach der neue deutsche Angriff los. Unter Einschiebung von Panzerdivisionen, deren Durchbruchsaufgabe klar war, hatten die Infanteriedivisionen die Hauptlast des Bi eV«- r nct ' : > ;ourt p w- 9 Kampfes zu tragen, der sofort nach dem Antreten sehr erbitterte und blutige Formen annahm. Nach kürzester, aber stärkster Artillerievorbereitung stieß die Division aus dem Brückenkopf von Amiens vor und sah sich sehr schnell der neuen französischen Verteidigung und einer Kampfesweise gegenüber, die mit besonderen Mitteln gebrochen werden mußte. Ging doch die Anweisung des Generals Weygand dahin, die den Widerstand im offenen Gelände meist chnell überwindenden deutschen Panzerregimenter lurchzulassen und dann in den unberührt gebliebenen, aber von den Franzosen auf das geschickteste befestigten und auf das heftigste verteidigten Dörfern, Höfen und Wäldern aus den Durchbruch der gesamten deutschen Angriffsgruppe schließlich zu brechen. Bereits unmittelbar vor der Sturmausgangsstellung traf die Division daher auf erbitterten Widerstand in den Dörfern Dury und St. Suscien dicht südlich Amiens. Der Gegner wehrte sich hier dem ersten Ansturm gegenüber auf das tärkste, und ein Gehöft am Südausgang von Dury, welches wie alle Dörfer in der Weygand-Linie durch schwere Barrikaden, zahlreiche Tretminen und eine Unzahl von flankierenden Maschinengewehren, durch Nahkampfgeschütze und eine tapfere Besatzung besonders widerstandsfähig ausgebaut worden war, hatte diesen Stützpunkt so stark gemacht, daß es erst des Einsatzes von besonderen Jnfanteriesturm- truppen und von Flammenwerfern bedurfte, um den Widerstand zu brechen. Stunden vergingen darüber, und während zwischen diesen und anderen Dörfern der Weygand-Linie andere Einheiten der Angriffstruppe sich'zwar vorarbeiteten, aber in dem flankierenden Feuer der Dörfer immer wieder liegenblieben, zischten immer noch aus den Schießscharten der dicken Hofmauern jener Ferme die feindlichen MG.-Garben in den deutschen Angriff hinein. Erst nach langem und heißem Kampfe gelang es, den hier besonders erbittert sich schlagenden Gegner durch völlige Vernichtung zu beseitigen. Damit hatte die Division ein Stück aus dem Hauptkampffeld der Franzosen herausgebrochen und an dieser Stelle eine Bresche geschlagen. Befehlsgemäß nach Südosten abschwenkend, stand die Division am folgenden Tage vor der gleichen Aufgabe. Das Landstädtchen Boves mit den anliegenden Waldstücken bot erneuten heftigen Widerstand, und um die in der Nähe liegende Cambos- Ferme entspannen sich erbitterte Kämpfe, deren Heftigkeit durch die mit großem Geschick ausgebauten französischen Stützpunkte noch vermehrt wurde. Hier wie fast überall hatten die Franzosen eine oder mehrere leichte Batterien dicht hinter ober vor dem Dorfe offen, aber gut getarnt aufgestellt, sie mit reichlicher Munition versehen und die französische Artillerie, an sich schon immer gut und durch ihre Wendigkeit vom Weltkriege her bekannt, leistete sehr Erhebliches an Widerstand, so daß es abermals des gesamten Willens und der entschlossenen Tatkraft der deutschen Regimenter bedurfte, um auch dieses Bollwerk schließlich zusammenzuschlaaen und zu nehmen. Unter nicht unerheblichen Verlusten war es schließlich gelungen. Wo aber der deutsche Zugriff den Erfolg nach heftigem Kampfe gebracht hatte, hatte der' Franzose zuletzt alles stehen und liegen lassen, und reicye Beute war der Angriffs- truppe in die Hand gefallen. Doch sah sie sich, selbst mitgenommen von der blutigen Arbeit und in die Tiefe der Weygand-Lime immer weiter hineinstoßend, am nächsten Tage der gleichen Aufgabe gegenüber. lieber Remiencourt, Dommartin und Moreuil brach die Division am nächsten Tage immer weiter in das französische Verteidigungssystem hinein, um immer wieder aus Dörfern und Waldstücken von heftigstem Feuer empfangen zu werden und sich einem Widerstand gegeuüberzusehen, der an Härte nicht abnahm, sondern bei dieser und anderen Divisionen der deutschen Angriffsgruppe an Stärke immer noch zuzunehmen schien. Die Entscheidung hier, wo die Truppe fühlte, daß der Durchstoß durch die Befestigungslinie der feuerspeienden Dörfer vor dem Erfolg stand, brachte erst ein Regiment, das noch an der Somme zwischen Amiens und Corbie gestanden hatte und nach Durchbrechung und Ueberwinduna der dortigen befestigten DiKfer den Anschluß an Die Division, es wußte um den erbitterten Widerstand, der sich längs der Straßen in südlicher Richtung noch zu verstärken schien, und obwohl alle Flußübergänge zerstört waren, marschierte dieses Regiment ohne Rast und ohne Fahrzeuge, die Maschinengewehre, die Granatwerfer und die anderen Infanteriewaffen in der Hand und auf dem Rücken mit sich schleppend, auf den Brennpunkt des Kampfes zu. Der Gegner hielt diesen Stoß nicht mehr aus. Im blutigen, auch nächtlichem Häuserkampf ward er hier geworfen, und nun machten sich, nachdem der deutsche Angriffsschwung erst richtig zur Auswirkung gekommen war, drüben die ersten sichtbaren Zeichen der Auflösung bemerkbar. Die unerwartete Stoßkraft der deutschen Regimenter, die es fertiggebracht hatten, auch die festen und so nachhaltig verteidigten Stützpunkte der Weygand- Linie zu durchbrechen, die, auf den Straßen sich vorwärtskämpfend, Dorf um Dorf schließlich in ihre Hand brachten, hatten die Widerstandskraft der französischen Truppen schließlich zermürbt. Der Rückzug der französischen Armeen, die die Weygand- Linie unter allen Umständen hatten halten sollen, begann, er artete bald in Flucht aus, die Gefange- ' nenzahlen mehrten sich, und während die deutsche Artillerie das Hintergelände, fernliegende Dörfer und die Rückzugsstraßen mit schwerem Feuer belegte, fand man bereits in den nächsten Tagen einzelne Orte vollgestopft mit zurügelassenen französischen Fahrzeugen, mit noch geladenen Geschützen und mit einer Unmasse von fortgeworfenen Gerät- und Ausrüstungsstücken. Wohl wechselten immer wieder Angriff und Verfolgung, und in zahlreichen, oft mehrfachen täglichen Marschgefechten wurden die südlich liegenden, nun schnell abermals zur Verteidigung hergerichteten Dörfer und Gehöfte genommen, aber die Tatsache der Durchbrechung der Weygand-Linie ließ den Widerstand des Gegners erlahmen. Zn zahllosen langen Kolonnen auf den Straßen vorwärts marschierend und fechtend, brach die deutsche Angriffsgruppe nach Süden sich Bahn und erreichte schon in den nächsten Tagen das Dorf Maianelay südlich Montdidier. Motorisierte Vorausabteilungen jagten hinter dem Feine her, der wichtige Oise-Uebergang von Ereil wurde in nächtlichem Häuserkampf genommen, ein Brückenkopf gebildet, man drang in den Wald von Ehantilly ein, und so stand die Angriffsdivision von Amiens bereits am siebenten Angriffstag in der Gegend von Senlis vor der Schutz- stellung von Paris, die der Franzose, weil er anders nicht mehr konnte, nun vor dem beabsichtigten deutschen Angriff räumte. Er gab Paris damit auf. Es hatte alles nichts genutzt. Die Tapferkeit der französischen Soldaten, die der Führer in der Präambel der Waffenstillstandsbedingungen in Compiögne dem französischen General ausdrücklich bestätigen ließ, war groß gewesen, ihre Standfestigkeit gut und ihr Widerstand war mit äußerster Härte durchgeführt worden. So bleibt es tin besonderes Ruhmesblatt der deutschen Divisionen, daß sie auch in der neuen Kampfesweise, die man den „Krieg der Straßen" nennt, siegreich blieben. Wohl hatten die Franzosen erkannt, daß der Ausbau erkennbarer Stellungslinien in dem heutigen Blitz- kriea und bei der Ueberlegenheit der deutschen Luftwaffe nicht mehr angewandt werden konnte. Ingrimmig um die Verteidigung ihres Landes bemüht, verlegte die französische Führung den letzten und entscheidenden Kampf an die Straßen und in die Dörfer, und wenn so ungezählte Dutzende von Dorfstätten in Brand aufaingen und in Trümmer fielen, so ist das eine Angelegenheit, die Frankreich allein tragen muß. Wesentlich allein bleibt hier die Feststellung, daß die neue Kampfesweise der Franzosen von der deutschen Führung und der deutschen Truppe schnell erkannt, daß alle Folgerungen gezogen und alles getan und hergegeben wurde, um die Ueberlegenheit des deutschen Angriffs auch hier, in dem „Krieg an den Straßen", nicht scheitern zu lassen. Mit beispielloser Wucht warfen sich die deutschen Infanterie-Regimenter, oft unterstützt durch die Bresche schlagenden Stuka-Geschwader, den flammenspeienden Dörfern entgegen, mit größter Treffsicherheit bekämpfte die Artillerie den Widerstand, mit unbändigem Schneid drangen die Stoßtrupps der Infanterie und der Pioniere in die feuersprühenden Festungen ein, und Dorf um Dorf fiel so nach meist heftigstem Häuserkampf doch in die Hand der deutschen Truppen. Der Kampf hatte nicht unwesentliche Verluste gekostet, aber auch dieser Feldzug war bereits am Dritten Tage mit der Durchbrechung der Weygand-Linie gewonnen, und der Einmarsch und Durchzug durch Paris gaben den siegreichen deutschen Regimentern jene Anerkennung ihrer Bewährung, die der Soldat braucht, wenn er nach so hartem und blutigem Kampfe gegenüber einem tapferen /Segnet das Ziel erreicht hat. London unter ständigem Lustalarm. Stockholm, 19. Sept. (Europapreß.) „Heute haben die Sirenen so gut wie den ganzen Tag geheult, und schließlich wurde es fast unmöglich, zwischen Warnung und Entwarnung zu unterscheiden." So schreibt der Londoner Korrespondent von „Stockholms Tidningen" über die deutschen Angriffe vom Mittwoch. Man habe den Eindruck gewonnen, daß die Luftkämpfe über London intensiver würden. Der achte Luftalarm des Mittwoch dauerte bis zum Morgengrauen des Donnerstags. Er hatte bei Sonnenuntergang begonnen. Der englische Rundfunk spricht erneut von zahlreichen Bombenabwürfen auch über dem Zentrum Londons. Gleichzeitig mutzte der Sprecher des britischen Nachrichtendienstes einräumen, daß „non der Küste bis nach London und von London bis an die Küste" den Mittwoch über ständig Luftkämpfe r ast e n. Stellenweise habe man allein 2 00 deutsche Jagdmaschinen als Bealei- tung der Bomber in der Luft gesehen. Die in London angerichteten Schäden sino nach den Andeu- dungen des Nachrichtendienstes wiederum erheblich. Es entstanden Brände, und die lange Liste der vernichteten Londoner Luxushotels trägt seit der Nacht zum Donnerstag einen weiteren Namen. Die drei größten Warenhäuser der englischen Hauptstadt, nämlich Bourne and Hillingworth, Evans und John Lewis' sollen getroffen worden sein. Das Warenhaus John Lewis, das in Flammen stand, gehörte dem englischen Ernährungsminister Lord W o o l t o n. Das Hauptgeschäft war in mehreren nebeneinanderliegenden Gebäuden der Oxford Street untergebracht. Ebenfalls beschädigt sind das Seiden haus Liberty und das Warenhaus Galleries Lafayette. Auch die unter den Tanzfreunden bekannte Straße Lambeth W a l k hat von den deutschen Bomben etwas abbekommen. Bomben fielen ferner in der Nähe von Scotland Pard und der Downing Street. Man rechnet mit vorerst 90 Toten und 380 Verletzten. Das Parlamentsgebäude ist auch von einer Granate getroffen worden. „Aftonbladet" teilt mit, daß die Granate in der Bibliothek des Unterhauses landete, aber nicht zur Explosion kam. Erst später habe man festgestellt, daß es sich nicht um eine deutsche Bombe, sondern um ein englisches Flak-Geschoß gehandelt habe. * Der Berichterstatter der spanischen Zeitung „Pa" schildert, wie zwei Bomben seinem Hotel gegenüber niederfielen und stundenlang die Gäste im Schutzraum festhielten. Wenn es dennoch infolge der großen Ausdehnung Londons Quartiexe in London gibt, welche unbeschädigt sind, so sind doch alle Bewohner von den Schrecken der durchgemachten Leidenszeit mitgenommen. In den Augen aller Londoner liest man den Eindruck der vergangenen Tage. Vor allem der R i e s e n b r a n d der Stadt wird aus dem Gedächtnis der Londoner noch längst nicht verschwunden sein, wenn die materiellen Schäden wieder gutgemacht worden sind. Die deutschen Bombardierungen haben das Verkehrsnetz der Stadt völlig desorganisiert. Es ist keine Ausnahme, daß Arbeiter mit zwei und drei Stunden Verspätung in ihre Betriebe kommen, nachdem sie Irrfahrten durchgssmacht haben, welche einer Fahrt zum Nordpol ähnlich sind. Neues Funkbild aus London. - Dieses Bild, das von London nach Neuyork und von dort weiter nach Berlin gefunkt wurde, veranschaulicht die Wirkung der deutschen Vergeltungsangriffe auf das Herz des Empires. Es zeigt vernichtete Lagerhäuser in London. — (Associateb-M.) London bei Aacht wie ein verlassenes Dors. Neuyork, 20. Sept. (Europapreß.) Der „New Port Times" ging am Donnerstag ein neues Stimmungsbild ihres Korrespondenten aus London zu. Darin heißt es: „Mit ihren Millionen in der Untergrundbahn und in überfüllten Luftschutzräumen zusammengedrängten Menschen wirkt Englands Hauptstadt nach Einbruch der Dunkelheit wie ein verlassenes Dorf. Jeder Gang von dem „Untergrundbüro" zu der „Untergrundhöhle", in der geschlafen wird, ist wie ein Laufen durch Niemandsland. Die Bombenkrater und die zerstörten Gebäude, an denen man auf seinen üblichen Rundgängen oorbeifommt, vermehren sich mit jedem neuen Tag." „Associated Preß" bezeichnet den letzten deutschen Nachtangriff auf London als den „bisher schwersten Vergeltung für Bethel. Don unterer Berliner Schristleitung. Wieder hat die Royal Air Force im Auftrags Churchills ein gemeines und abscheuliches Verbrechen begangen: sie hat bei einem Nachtfluge die Bobelschwmgh scheu An st alten in Bethel bei .Bielefeld angegriffen, in denen kranke und hilflose' Kinder untergebracht sind. Es kann gar keine Rede davon sein, daß die Royal Air Force sich geirrt hat, denn die Bobelschwinghschen Anstalten bilden eine umfangreiche Anlage, die auch in England sehr wohl bekannt sind. Churchills Royal Air Force geht mit dem ausdrücklichen Befehl auf-den Nacht» flug, Wohnviertel anzugreifen sowie Objekte, von denen anzunehmen ist, daß es bei einem Bombenangriff Tote und Verletzte geben muß. Churchill handelt dabei nicht nur aus seiner verbrecherischen Mentalität heraus, er tut auch das, was im englischen Parlament, was im englischen Rundfunk, was in der englischen Presse rückhaltlos gefordert wird. Am schärfsten hat das ein Mitglied des Unterhauses zum Ausdruck gebracht in einem Brief an die „Times", den diese Zeitung, die sonst so reserviert tut, abgedruckt hat. Dieser abgefeimte Schurke fordert nichts anderes von der Royal Air Force, als daß sie zwölf deutsche Städte mit ihrer ganzen Bevölkerung vernichten soll. Vierundzwanzig Stunden später ging offenbar die Royal Air Force daran, dies Vernichtungswerk zu vollziehen, selbstverständlich unter dem Schutz der Nacht, weil sie aus vielfacher Erfahrung weiß, daß Angriffe bei Tageslicht von der deutschen Luftwaffe mit einem Gegenangriff beantwortet werden, der die Vernichtung der englischen Flieger bedeutet. Churchill hat das abscheuliche Mordhandwerk der Royal Air Force anbefohlen, er hat es immer noch steigern lassen trotz aller Warnungen, an denen es nicht gefehlt hat. Der Führer selbst hat das Verbrechergesindel, das in London das Empire regiert, darauf aufmerksam gemacht, daß, wenn die abscheulichen Angriffe auf wehrlose deutsche Frauen und Kinder im Hinterland nicht aufhören, die Vergeltung hart und erbarmungslos sein wird. Churchill hat sich um diese Warnung nicht gekümmert, er läßt vielmehr durch Presse und Rundfunk die Meinung formen, als ob das englische Volk mit all dem zufrieden sei, was Churchill und seine Royal Air Force sich leisten. Die deutsche Luftwaffe hat die kriegswichtigen Anlagen in England angegriffen, hat mit zermalmender Wucht London spüren lassen, was kommen muß, wenn sie weiter wie bisher im deutschen Hinterlande Krankenhäuser bombardiert, Frauen und Kinder tötet sowie ein sinnloses Zerstörungswerk am Eigentum der deutschen Zivilbevölkerung verrichtet. Daß die deutsche Luftwaffe hart und erbarmungslos zuschlägt, das wird die Antwort sein, über die dann kein Heulen und Zähneklappern hinweghilft. Die Royal Air Force war es, die den Krieg über die Front hinweg ins Hinterland getragen hat, die Frauen und Kinder tötet, ein Verbrechen, das Vergeltung finden wird. . Angriff auf diese meist bombardierte Stadt der Weltgeschichte". Die Autobusse, so heißt es in dem Bericht, krochen nach Ende des letzten Alarms vorsichtig durch die beschädigten Straßen und waren oft zu langwierigen Umwegen gezwungen. Oxford Street und Regent Street waren für den Verkehr vollkommen gesperrt. Unter den beschädigten ober zerstörten Gebäuden befinden sich das London er Rathaus an der Westminster Brücke gegenüber dem Parlament, das Warenhaus Robinson am Oxford-Circus und das an der Themse gelegene staatliche Verwaltungsgebäude Somerset-Haus. Zahlreiche andere Gebäude wurden in ihren Grundfesten erschüttert. lieber 1000 Personen flüchteten durch die von Bränden erhellten Straßen aus einem zwanzig Meter tiefen Unterkunftsraum, als eine Riesenbombe ein berühmtes (nicht näher bezeichnetes) Londoner Gebäude über ihnen trgif und in Brand setzte. Die neutralen Militärattaches in London stimmen darin überein, daß das anhaltende Born- Wer segelte —? Don Ehrich Körding. Eine leichte Brise verwandelte das Wasser des Langen-Sees in eine mattierte Silberplatte. Hier und dort reckten einzelne Segeljachten die schlanken Möwenflügel ihrer Segel empor. Der scharfe Bug einer hellgrauen Motorjacht zerschnitt das Wasser wie ein Messer. Einschläfernd stand das gleichmäßige Brummen des Motors in der weiten Stille. „Seht — die ,Ingrids" sagte Verhagen, der Besitzer der Motorjacht. Er beutete voraus, wo an Steuerborb ein weißer Schärenkreuzer ruhig seine Bahn zog. Bald lag bas schnellaufende Motorboot auf gleicher Höhe. Man sah an der Steuerpinne den anscheinend einzigen Insassen zurückgelehnt sitzen. Er schien bas Nahen bes Motorbootes nicht bemerkt zu haben. „Ingrid — ahoi!" rief Karls en, ber mit einigen Freunden einer Einladung Verhagens zu einer Ausfahrt gefolgt war. Der Steuermann der ,Ingrid" hörte den Ruf nicht. Regungslos hockte er am Steuer. Die Motorjacht ,Ilans" fuhr nun in ermäßigter Fahrt eine Bootslänge entfernt neben dem Schärenkreuzer her. „Hallo — Borckl!" rief Dr. Stamcmn, Axzt und Wassersportler. Er legt die Hände zum Trichter an den Mund. „HalloooU" Der Mann am Steuer der Ingrid" regte sich nicht. Starr saß er da, die Rechte an ber Steuer- pinne. Durch nichts zeigte er, baß er „Klaus" bemerkt ober bie Rufe gehört hatte. ,Lum Teufel, was ist denn los?!" brummte Verhagen und brachte das Motorboot noch näher an die Jacht heran. „Borck? Eingeschlafen?" rief Karlsen und legte sich weit über Bord, um einen her ab hängenden Fender des Seglers zu ergreifen. „Borck — Herrgott noch mal!" „Stoppen, Verhagen!" rief er bann im Tone jähen Entsetzens. Die beiden Boote lagen bald Bord an Bord vertäut. Mit einem Satz war Stamann hinüber und beugte sich über den bewegungslos am Steuer Menden Borck. „Tot —I" rief er und sah kopfschüttelnd umher. „Anscheinend Herzschlag!" Inzwischen war Karlsen und ein weiterer Mitfahrer ebenfalls auf die Jacht gesprungen und machten sich an bas Bergen ber Segel. Dann umstanden sie den Toten, der in unheimlicher Teilnahmslosigkeit, bie geöffneten Augen gläsern gerabeaus gerichtet, als wolle er ein einmal erfaßtes Ziel unter allen Umständen festhalten, am Steuer saß. Mit sanfter Gewalt löste Stamann bie verkrampfte Rechte Borcks von der Steuerpinne. „Der Tod hat ihn ganz plötzlich erwischt, man muß es wenigstens annehmen." Er fügte hinzu: „Es muß vor höchstens zchn Minuten geschehe^ sein. Wehr läßt sich im Augenblick nicht sagen. Kommt, wir fahren zurück." Schweigend bestiegen bie Freunde wieder das Motorboot. Die Segeljacht im Schlepp, steuerte man dem Lande zu. „Sagen Sie, Doktor", fuhr Karlsen aus tiefem Nachdenken auf und unterbrach das ernfte Schweigen, „steht es außer Zweifel, daß der Tod Borcks ungefähr zehn Minuten vor unserem Zusammentreffen eingetreten ist? Können es nicht, nun sagen wir: fünf Minuten gewesen sein ober noch weniger?" Dr. Stamann zuckte bie Schultern. „Wozu diese Frage? Ist bas so wichtig? Es kann sich höchstens um einen Unterschieb nach oben handeln!" Dann sagte Karlsen langsam und spähte aus verkniffenen Augen über ben ftieblichen See zurück, „dann würbe Borck — ermordet!" Alle fuhren auf und sahen den Sprecher an. „Unsinn!" erwiderte der Arzt und bewegte unwillig den Kopf. „Herzschlag, daran ist nicht zu deuteln, lieber Freund!" „Einerlei, Borck starb keines natürlichen Todes!" beharrte Karlsen. „Vorausgesetzt immer, sein Tob trat wirklich mindestens zehn Minuten vor unserem Zusammentreffen mit der Ingrid" ein. Herzschlag? Vielleicht — und trotzdem ein Verbrechen!" „Ich verstehe nicht!" sagte Doktor Stamann kurz. Das Motorboot legte am Landesteg des Jacht-Klubs an. Verhagen eilte sofort zum Fernsprecher, um das Nötige zu veranlassen. „Borck tot?" fragte ein herbeieilendes Klubmitglied erschrocken. „Dor einer knappen Stunde haben wir uns noch unterhalten. Er wollte nach Cranz hinübersegeln, um dort einen Landkauf in Ordnung zu bringen." „Da hatte er wohl Geld bei sich?" unterbrach ihn Karlsen. .Zufällig weiß ich, baß er zur Anzahlung fünftausend Mark mitnahm", war bie Antwort, „über was tut das zur Sache?" „Werden wir gleich sehen!" sagte Karlsen und entnahm ber Brusttasche des Toten eine braun- lederne Brieftasche. Er öffnete sie — sie enthielt kein Gelb. Karlsen nickte vor sich hin. „Das besagt doch nichts", sagte Verhagen, „er war vielleicht schon brühen und befand sich auf ber Rückfahrt. Sie sehen Gespenster, Karlsen!" „Borck war nicht so lange unterwegs, um schon auf der Heimfahrt zu fein", erwiderte Karlsen kurz. „Wir werden sehen!" Er wandte sich an Stamann: „Kommen Sie mit, Doktor! Ihr Boot ist schnell. Fahren wir rasch zur Falken-Jnsel hinüber. Kommen Sie, kommen Sie!" drängte er ungeduldig. „Machen Sie das Boot schon klar, ich muß noch schnell hinauf!" Damit eilte er weg. Der Arzt blickte ihm kopfschüttelnd nach. «Gehen Sir mit, Doktorl" riet Verhagen. «Sie. werden ja bald zurück sein. Sie wissen ja um Karl- sens kriminalistische Ader. Vielleicht fantasiert er doch nicht!" „Unsinn!" knurrte der Doktor, schritt aber doch zum Steg, an dem sein Motorboot lag. Als er den Motor angeworfen hatte, sprang Karlsen zu ihm hinein. Gleich darauf schoß das kleine Boot davon, Richtung nehmend auf die buschbewachsene Falken- Jnsel. „Wie kommen Sie darauf, einen Mord zu vermuten?" fragte Stamann. „Es ist doch einwandfrei ein Schlaganfall!" „Fahren Sie bitte nicht so auf die Insel zu, sondern machen Sie einen weiten Bogen. — So, ja. — Ich werde Ihnen alles erklären, wenn wir bie Insel durchsucht haben, eher nicht." „Die Insel durchsucht? Ja, wozu denn nur, Mensche ns kind?" Karlsen erwiderte nichts. Seine Augen waren auf die rasch größer werdende Insel gerichtet, die unbewohnt und schilfumwachsen mitten im Sangen» See lag. Das Motorboot näherte sich ihr von der Seite. „So, da wären wir!" meinte der Arzt, als das Boot in einen engen Schilfkanal einfuhr, der bis an die Insel heran führte. „Da ist der kleine Steg schon. Nun haben Sie das Kommando!" „Nehmen Sie erst das!" sagte Karlsen, dem erstaunten Arzt einen Revolver in bie Hand drückend. „Wir wollen den Raubmörder suchen!" Das Gesicht Stamanns drückte größten Unglauben aus. Aber er beteiligte sich doch eifrig an der Suche. Sie durchstreiften die kleine Insel nach allen Seiten, fanden aber nichts Verdächtiges. Als sie nochmals ein Dickicht durchstöberten, blieb Karlsen plötzlich stehen und horchte angespannt auf. „Was war das?" flüsterte er. „Hören Sie!" Ein surrender Ton war in ber Luft. „Himmel, bas Boot!" Karlsen sprang vorwärts und drängte sich ungestüm durch das Schilf zum nahen Steg. ,/)alt, Hände hoch!" hörte Um ber ihm auf den Fersen folgende Arzt rufen. ,Hände hoch, Mann, sofort!" Nach wenigen Schritten stand Doktor Stamann neben Karlsen, ein paar Meter vom Motorboot entfernt. Im Boot stand geduckt ein Mann, beide Hände gekrallt erhoben. „Er wollte mit unserem Boot auskneifen!" sagte Karlsen. „Da haben wir ben Mörber oder die Todesursache! Aussteigen, los!" Widerwillig kam der Mann dem Befehl nach. Als er vor den beiden Freunden stand, sagte Karlsen, ohne ihn aus den Augen zu lassen: „Durchsuchen Sie seine Taschen, Doktor, ich passe auf!" Zu seiner maßlosen Verblüffung fand Stamann in den Taschen der zerschlissenen Jacke einen alten Revolver und fünftausend Mark in zusammenge- timllten Hundertmarkscheines. Als er den Kerl w sah, überzog eine fahle Blässe dessen stoppeliges Gesicht. „Also doch!" murmelte ber Arzt fassungslos. ,LVie war das möglich?" „Ich kann Ihnen den Hergang schildern, Doktor!" sagte Karlsen, ein grimmiges Lächeln auf den Lippen. „Dieser Kerl hatte irgend-- wie Wind bekommen von den fünftausend Mark, mit denen Borck nach Cranz segeln wollte. Er hat ihm unterwegs, wahrsckeinlich kurz vor der Falken- Jnsel, in einem Ruderboot aufgelauert. — War es so?" herrschte er ben Mann an, der zusammenzuckte. „Was geschah weiter?" „Ich bat ben Herrn, mich an Bord zu nehmen, da mein Paddelboot leckte", fuhr der Mann mit rauher Stimme fort „Und dann hielt ich ihm den Revolver vor die Brust und verlangte das Geld. Und da —" Da er stockte, fuhr Karlsen fort: „Und da erlitt Borck vor Schreck und Erregung einen Herzschlaa! So war es, stimmt es?" Als der Mann schweigend nickte, fügte Karlsen hinzu: „Dann sind Sie wahrscheinlich bis in den äußeren Schilfgürtel dieser Insel weitergefahren. Hier haben Sie gewendet, haben den Toten, der nur in sich zusammengesunken war, wieder ans Steuer gesetzt, haben ber Jacht bie Richtung in ben See hinausgegeben unb sich selbst hier versteckt. Sie selbst wollten später in ber Dunkelheit zum Lanb hinüber fahren. War es so?" Der Mann nickte. Wiberstanbslos ließ er sich „Nun rasch zurück zum Klub!" sagte Stamann. „Aber nun erklären Sie mir, wie Sie eigentlich auf ben Mordverbacht und die Zusammenhänge gekommen sind?" „Das will ich Ihnen sagen", erwiderte Karlsen ernst. „Nach Ihrem Befund mußte der Tod Borcks ungefähr zehn Minuten vor unserem Zusammentreffen mit ihm eingetreten sein, nicht später. Der Kurs der ,Ingrid" aber wies rückwärts genau auf die Falken-Jnsel. Das war es! Und den Weg von der Insel bis zu unserem Treffpunkt mußte die Jacht in höchstens fünf Minuten durchlaufen haben. Sie mußte also bei bet Insel über Stag gegangen sein. Anders ist es nicht möglich, da der Kurs weder rechts noch links vorbeiführte. Aber — wer segelte? Denn jemand muß doch bei der Insel Steuer und Segel bedient haben — unb zwar ein Lebender! Da Borck bereits tot war, mußte es ein anderer gewesen sein. Dann aber konnte nur ein Mord vorliegen oder der Tod durch einen geheimnisvollen Unbekannten verursacht worden sein. Der Täter aber mußte aller Wahrscheinlichkeit nach an der Falken-Jnsel bie Jacht verlassen haben, um sich zunächst auf ber Insel zu verstecken. Dort mußte er sich am sichersten fühlen unb sein Versteck wohl erst bei Dunkelwerden verlassen. Vor allem, wenn er beobachtet hatte, wie wir die ,Hngrid" anhielten und mit ihr zum Klub zurückftchren." Das Ritterkreuz für tapfere FtiegeroWere Königinmutter Helena wieder in Vukareff fchießungen mit Maschinengewehren sind von unserer unermüdlichen Luftwaffe durchgeführt worden, die überall Kolonnen und mechanisierte Abteilungen traf und in die Flucht schlug, sowie die Stellungen von Marsa-TNatruk und andere militärische Ziele angriff. Der Feind hat Luftangriffe auf die Gegend von Tobruk, Borna und Benghafi durchgeführt, die nur leichte Berluste und Schäden zur Folge hatten. Zwei feindliche Flugzeuge sind von unseren Jägern abgeschossen worden, der Abschuß von drei weiteren ist wahrscheinlich. Ein weiteres Flugzeug wurde von der Marineflak abgeschossen. Alle unsere Flugzeuge sind zurückgekehrt. Feindliche Flugzeuge haben die Inseln Rhodos Mienischer Wehrmachtsbencht. Rom, IS. September. (DNB.) Der italienische wehrmachtsberichl vom Donnerstag hat folgenden Wortlaut: Feindliche Seestreitkräfte haben in der Küstenzone zwischen B a r d i a und Sidi el Barani das Feuer gegen unsere Truppen eröffnet. Durch das Eingreifen unserer Bomber wurden sie zur Aufgabe der Aktion gezwungen und In die Flucht geschlagen. Lin Kreuzer von 1OOOO Tonnen ist durch einen Torpedo eines unserer Torpedoflugzeuge getroffen und schwer beschädigt worden. Weitere intensive Bombardierungen sowie Be- Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen. * Der Reichsarbeitsminister hat durch Verordnung vom 5. September das gesamte im Altreich geltende Arbeitsschutzrecht in den neu eingegliederten Ostgebieten eingeführt. Die britische Admiralität gibt bekannt, daß das Unterseeboot „Narwhal" überfällig ist und als verloren betrachtet werden muß. Das Minen- Unterseeboot hatte eine Wasserverdrängung von 1520 Tonnen (2140 Tonnen unter Wasser) und eine Geschwindigkeit von 16 (8,7) Knoten. Feindliche Seesireitkräfie an der ägyplischen Küste in die Flucht geschlagen. Ganz Rumänien feierte begeistert die Rückkehr der Königin ch e l e n a, die von Florenz nach Bukarest heimkehrte. — Unser Bild berichtet vom Einzug der Königin-Mutter Helena an der Seite Komg Michaels I. in Bukarest. — (Atlantic-M.) funkgesellschaft entfernt war, wurde von einer Bombe getroffen, die zwei Stockwerke durchschlug. Dergeltungsangriffe auf London trotz schlechter Wetterlage. Berlin, 19. Sept. (D7lB.) Die deutsche Luft- waffe setzte im Laufe des 19. September trotz starker Behinderung durch die Wetterlage ihre Angriffe aufmilitärischeundkriegswich- f i g e Ziele in London fort. Berlin, 19. Sepl. (DNB.) 3n der Nacht zum ! 19. September griffen britische Flugzeuge die Bo- delfchwinghschen 21 nItalien in Bethel an und zer st orten drei Krankenhäuser, die durch das Rote Kreuz deutlich als solche kenntlich gemacht waren, sowie ein Verwaltungsgebäude. Neun Kinder wurden getötet, zwölf verletzt. * Es besteht kein Zweifel darüber, daß die Engländer dieses Verbrechen bewußt begangen haben, denn vor dem Bombenabwurf überflogen mehrere Maschinen die Gegend von Bethel, wobei sie t m Schein von Leuchtschirmen ihr Ziel suchten. Sie mußten die Roten Kreuze auf den Gebäuden der Bethclfchen Anstalten, die jetzt zum Teil auch als Laz-arett dienen, klar erkannt haben. Trotzdem oder gerade deshalb haben die Engländer dann mit einer für sie ungewohnten Zielsicherheit auf die durch das Rote Kreuz geschütz. ten Anlagen im Reihenwurf acht Sprengbomben teils schwereren Kalibers abgeworfen. Die erste Bombe traf das einzige große Kaufhaus der Anstalt Bethel und richtete erheblichen Sachschaden an. Im angrenzenden Nachbarhaus wurde durch dieselbe Bombe starker Splitterschaden verursacht. Drek Personen wurden dabei im Hausflur verletzt, als sie auf dem Wege zum Luftschutzkeller waren. Die zweite Bombe traf das Pflegehaus ,K l e i n - B e t h e l" für schwachsinnige und epileptische Kinder und krepierte im ersten Stock. Dadurch wurde ein Schlafsaal mit 15 Kindern im Alter von 9 bis 18 Jahren getroffen und völlig zerstört. Fünf der weiblichen Pfleglinge waren sofort tot. Die anderen waren alle verletzt. Zwei von ihnen starben im Krankenhaus, zwei weitere schweben noch in ße= bensgefahr. Die epileptischen Kinder befanden sich noch in ihren Betten, weil sie zum größten Teil völlig hilflos waren und zwischen Alarm und Der schändliche Lustüberfall auf die HeilanstaltBeihel Britische Fliegerbomben töteten neun kranke Kinder und verletzten zwölf. Augenzeugen berichten. Mit Baffer von Bodelschwingh unter den Trümmern des Krankenhauses Klein-Bethel. Berlin, 19. Sept. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Reichsmarschalls Göring, das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz: Oberstleutnant Huth, Oberstleutnant Höhne, Oberstleutnant Schalk, Hauptmann S ch ä p f e l, Oberleutnant P a e p ck e. Das Zerstörergeschwader des Oberstleutnants Huth hat im Kampf gegen England die ihm anvertrauten Kampf- und Sturzkampfverbände so sicher an ihre Ziele geleitet, daß sie trotz stärkster feindlicher Jagdabwehr ihre Aufträge mit einem Mindestmaß an Verlusten erfüllen konnten. Am 18. August 1940 konnte das Geschwader 51 feindliche Flugzeuge abschießen. Sein Kommodore verstand es, durch kluge Fürsorge, durch sorgsame Schulung in der Kampftechnik und beispielhafte persönliche Führung seines Geschwaders in der Luft diese Erfolge zu erringen. Oberstleutnant Höhne — nach dem Tode Boelckes Führer der Jagdstaffel Boelcke — hat bereits im Welkriege sechs Gegner abgeschossen, bis keineEntschuldigungfür dieses neueste englische Verbrechen. Den britischen Fliegern scheint die englische Parole, 12 deutsche Städte zu zerstören, oorgeschwebt zu haben. Es ist aber typisch für die britische Mentalität, daß sich die gebetbuch- chwingenden Plutokraten eine Stätte ausgesucht haben, die Ansehen und Ehrfurcht in der ganzen gesitteten Welt genießt. Die- Engländer können sich auch nicht entschuldigen, daß sie Nicht wußten, welche Bedeutung dieser Anstalt zukommt. In London s e l b st hat Bethel eine Tochteranstalt, die dort in der englischen Hauptstadt Beweise ihrer aufopfernden Arbeit hundertfältig gegeben hat. 60 Bethelschwestern waren bis zum Kriege in London tätig, 30 blieben noch bis über den Kriegsanfang, stnd aber heute, wie man hört, auf der Insel Man interniert. Dieser gemeine englische Anschlag auf die Anstalt Bethel ist ein Verbrechen, denn in weitestem Umkreis ist nicht ein einziges militärisches Ziel zu finden. Die Stadt Bielefeld ist voller Empörung über diesen neuesten Anschlag der Engländer, der den kranken und verwundeten Soldaten galt. Aber sie und überhaupt jeder Deutsche hat das felsenfeste Vertrauen, daß die deutschen Flieger diese Untat tausendfach vergelten werden. Kleine politische Nachrichten. Korpsführer Hühnlein beendete eine mehrtägige Informationsreise im Westen. Im Hauptquartier brachte der Oberbefehlshaber des Heeres seinen Dank und seine Anerkennung für ote Leistung der NSKK.-Männer, wo immer er sie antraf' zum Ausdruck. Die planmäßige und ernste Friedensschulung des NSKK. habe ihre Fruchte getragen. * Reichsmarschall Göring hat den deutschen Militärbefehlshaber in den Niederlanden und Korpsfuh- rer des Nationalsozialistischen Fliegerkorps, General der Flieger C h r i st i a n s e n mit dem Flieger- abzeichen mit Brillanten ausgezeichnet. Ein Besuch an Ort und Stelle zeigte, mit i welch brutaler Gemeinheit Englands Lufthelden bei I Nacht ihre Opfer unter den Wehrlosen suchen. Em i Krankenwärter schildert das furchtbare Erle^ nis der letzten Nacht. Er fei mit Frau und Kind nach dem Alarmsignal über die Straße zum Luftschutzkeller gelaufen. Taghell standen über Bethel d l e englischen Leuchtraketen Unverkennbar waren in der klaren Nacht die Zeichen des Roten Kreuzes zu sehen, die auf Dächern und mitten im Gelände diesen Ort als Krankenanstalt und Lazarett auswiesen. „PZir haben die e n g l i s ch e n F l i e ° q e r über den Häusern g e s e h e n. Sie entfernten sich. Dann näherte sich wieder das Motoren- qeräusch, und noch ehe wir den Luftschutzkeller erdicht hatten, kr a ch t en d i e erst en B om b en. Sie kamen näher und näher. Unter furchtbarem Getöse brach der Zwischenbau der Nachbarhäuser zusammen. Die nächste Bombe schlug tm Dachstuhl des Hauses Klein-Bethel ein. Die anderen Einschläge waren weiter entfernt. Pfarrer B o d e l s chw l n g h, der Sohn des Gründers der Anstalt, zeigt die verheerenden Verwüstungen im Hause Klein-Bethel, wo schwerkranke schwachsinnige Mädchen untergebracht waren „Hier in diesem Haus", so berichtet er, „wurden die schwerkranken Kinder nicht in den „Luftschutzkeller gebracht, da sie fast dauernd bettlägerig und oollkom- men hilflos sind und chr Transport meist zu sf»at käme und sie außerdem Gesunde gefährden wurden. So blieben sie in ihren Krankenzimmern Grauenhaft ist der Krankensaal zugenchtet. Das Dach ist vollkommen zerschlagen. Die Decke des Kellers ist durchbrochen. Die Decke ist ^ngeswr^ie Seitenwände sind herausgenssen. Wirre Trumms liegen über den Betten, die zum Teil zusammen gebrochen sind und in denen die blutbefleckten Bett- 8-zllq- noch z-ig-n. wie .furchtbar dr-L« -tzung-n der Kinder g-weien I™ Trümmern waren 15 k r a n k e bearaben Fünf davon waren sofort tot. vrei weitere starben an den f»!"” SÄ" nach der Einlieferung m das, Lazaretb Im g°s° überlieqenden Pfl-gehaus „Srlaah wurden -ur-y einen Bombentreffer zwei S ch w e r krank e g e tötet. Die bei ihnen wachehaltende Schwester liegt bardement alle bisher gegen irgendeine Stadt einschließlich Madrid und Rotterdam gerichteten An- griffe überschreite Die Geschäftsviertel es Londoner Westens, in denen sich viele kriegswichtige Ziele befinden, wurden immer wieder von Bomben getroffen. Eine Bombe krachte durch mehrere Stockwerke eines Westlondoner Hotels mit solcher Wucht, daß ein Stahlträger über die ganze Straße hinweg geschleudert wurde. Ein großes Gebäude, das nur 180 Meter vom Zentralgebäude der britischen Rundsatz an der Spitze seiner Gruvpe im Luftkampf 20 Gegner abgeschossen. Oberleutnant P a e p ck e hat als Staffelkapitän in einem Kampfgeschwader seine Staffel in zahlreichen Angriffsflügen zu ruhmvollen Erfolgen geführt. Bei der Bekämpfung von Seezielen versenkte. die Staffel einen fchweren Kreuzer, 3 leichte Kreuzer, 3 Zerstörer, einen Minenleger, ein Küstenwachboot und 5 Transporter mit 22 000 Tonnen. 5 feindliche Jagdflugzeuge wurden von ihr im Luftkampf abgeschossen. Der besonders tapfere Staffelkapitän hat einen leichten Kreuzer bei Scheveningen versenkt, einen Transporter von 10 000 Tonnen vor Ostende-Dünkirchen versenkt und zwei feindliche Jäger im Luftkampf zum Absturz gebracht. Das Ritterkreuz für verdientenU-Boot Kommandanten Berlin, 19. Sept. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes Kapitänleutnant Kuhnke. Er hat als Unterseebootkommandant zweimal unter besonders schwierigen Verhältnissen und unter vollem Einsatz seines Bootes in flachen stromreichen Gewässern Minenaufgaben ourchgeführt und insgesamt 1 4 S ch i f f e mit 76 191 BRT. — oft unter starker Wasserbombenabwehr — versenkt. Kuhnke wurde 1912 als Sohn eines Staatsanwaltes zu Straubing geboren. 1931 trat er in die Kriegsmarine ein. Als Seekadett nahm er an Bord des Kreuzers Karlsruhe an einer Auslandsausbildungsreise teil. Als Leutnant zur See wurde er auf Panzerschifi „Admiral Scheer" kommandiert. 1936 wurde er Unterseebootsfahrer. Ende 1938 wurde er Unterseebootskommandant. Äor Einführung der neuen GtaatSform in Japan. Tokio, 19. September. (EuropapreßO Ministerpräsident Konoye hat in der letzten Sitzung des Ausschusses zur Vorbereitung der neuen Staatsform in Japan erklärt, daß die Lage sehr bald noch ernster werden würde. Diese Bemerkung ließ die mühsam erholten Börsenkurse erneut absinken. Ministerpräsident Konoye wird in diesen Tagen die maßgebenden Personen des Reichsdirektoriums ernennen, wodurch die neue Staatsform praktisch in Erscheinung treten würde. Konoye selbst wird etwa eine Stellung wie der Duce einnehmen, während zum Generaldirektor des Reichsdirektoriums wahrscheinlich Konoyes langjähriger Vertrauensmann, Graf A r i m a , ernannt werden wird. Vorgesehen ist auch die Errichtung eines Inge n d ° S t u r m k o r p s , das aus den für die neue Bewegung begeisterten Jungmännern bestehen und die Bewegung dort, wo sie ins Stocken geraten sollte, Vorwärtstreiben soll. Demokratische Wahlniederlage in USA. Neuyork, 19. Sept. (Europapreß.) Die am Donnerstag in mehreren Staaten abgehaltenen Vorwahlen bestätigen die in den Wahlen der letzten Wochen zutage getretene Tendenz gegen Roosevelt. Mit Ausnahme der Stadt Neuyork mit ihrem starken jüdischen Einfluß erlitten die Anhänger Roosevelts fast überall Niederlagen, die teilweise vernichtend waren. Sogar in Roosevelts eigenem Wahlkreise i m Staate Neuyork siegte einer seiner schärfiten Gegner — der bekannte Repräsentantenhaus-Abgeordnete Hamilton Fish — gegen den Roosevelt mit allen Mitteln arbeitete. Am vernichtendsten war die demokratische Niederlage im Staate Wisconsin. er selbst, schwer verwundet, die Jagdfliegerlaufbahn aufgeben mußte. Beim Aufbau der neuen Luftwaffe bewährte sich dieser erfahrene und Willensstärke Offizier vom Staffelkapitän im neuen Kampfgeschwader Boelcke, bis zum Geschwaderkommodore. (Betreu der Tradition des Namens Boelcke hat Oberstleutnant Höhne in rastlos und unermüdlicher Arbeit die Kriegsschulung des Verbandes gefördert. Einsatzfieudig bis zum Aeußerften führte er, an der Spitze fliegend, die Verbände in den Kampf, namentlich dann, wenn harte Einsätze bevorstanden. Oberstleutnant Schalk führte eine Gruppe in dem Zerstörergeschwader des Oberstleutnants Huth. Er ist ein Vorbild für seine Untergebenen. Mit bei« spielyafter Tapferkeit hat Oberstleutnant Schalk die erfolgreichste Zerstörergruppe der Luftwaffe gegen den Feind geführt. Sie hat Leistungen vollbracht, die für die Erringung der Luftherrschaft von wesentlicher Bedeutung gewesen sind. Hauptmann S ch ä p f e l, ein vorbildlich tapferer Gruppenkommandeur, hat in schneidigem Ein- mit ^offnunqsIofe^ SSerlefeunflen banieber^^ au£ Angriff nicht in den Keller gebracht werden konnten. Die dritte Bombe siel etwa 10 Meter von dem Pflegehaus entfernt in den (Barten und krepierte hier. Die Splitter richteten Schaden an dem Gebäude und an dem ebenfalls etwa 10 Dieter entfernt liegenden Pflegehaus „S i l 0 a h" an. Im „Siloah" wurden zwei weibliche Pfeg- linge getötet und eine Krankenschwester schwer verletzt. Diese Personen waren nicht im Luftschutzkeller, well ihr Zustand den Transport nicht erlaubte. Die vierte Bombe fiel etwa 15 Meter weiter unmittelbar neben dem Lazare11 und Krankenhaus „N e b 0" in den (Barten und krepierte nur etwa 8 Meter entfernt. Auch hier wurde nur Splitterschaden angerichtet. Alle Personen befanden sich im Keller. Auf dem Krankenhaus und Lazarett „Nebo" befindet sich das vorge- schriebene große deutlich sichtbare Rote Kreuz. Die fünfte Bombe fiel etwa 25 Meter weiter auf d e n Bethel-Friedhof und zerstörte hier eine ganze Anzahl Gräber. Grabsteine, Särge und Leichenteile wurden durcheinander gewirbelt. Die nächste Bombe fiel etwa 50 Meter weiter i n ein Waldstück und hinterließ einen mäßig großen Trichter. Die siebente und achte Bombe fielen neben das Pflegehaus „Magdal a", das der Unterbringung von geisteskranken Frauen dient. Obwohl beide Bomben nur zwei und drei Meter von diesem Krankenhaus entfernt einschlugen, wurde nur Splitterschaden an Außenwänden und Fenstern angerichtet und ein Teil der Inneneinrichtung zerstört. Auf diesem Gebäude befindet sich ebenfalls ein großes, deutlich und weit sichtbares Rotes Kreuz, da dieses Gebäude auch als Lazarett vorgesehen war. Die Engländer können sicher sein, daß die Toten von Bethel wie alle Opfer der deutschen Zivilbevölkerung durch brittsche Flieger unerbittlich ^e- > sühnt werden. Nichts wird die Engländer vor den schweren > Folgen dieses neuesten Verbrechens schützen können. Einigung zwischen Gandhi und der Kongrehpartei. Tokio, 19. Sept. (Europapreß.) Hier vorliegende Meldungen lassen auf eine baldige Jntensie» vierung der indischen Freiheitsbewegung schließen. So berichtet die Agentur Domei aus Bombay, der Arbeitsausschuß der Allindischen Kongreßpartei habe seine Organisationen angewiesen, Einzelhandlungen einzustellen und endgültige Befehle des Parteiführers Gandhi abzuwarten. Am 21. Juni hatte sich Gandhi wegen Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Kampfmethoden von seiner Partei getrennt. Inzwischen haben aber beide Teile eingesehen, daß sich ihre Trennung nur zum Vorteil des englischen Gegners auswirkte. Deshalb erfolgte die Wiedervereinigung. Verhandlungen der Kongreßpartei mit dem indischen Vizekönig Lord Linlithgow stehen unmittelbar bevor. Die in Japan Gast- recht genießende- Allindifche Freiheitsliga sandte nach Bombay folgende Entschließung: „Die indischen Nationalisten in Japan erwarten von der Allindischen Kongreßpartei die unverzügliche Er- Um die Erdal-Blechdosen mehrmals verwenden zu können, gibt es nun auch Erdal-Nachfüllpackungen. Das Nachfüllen ist eine einfache, saubere und schnelle Sache. Deckel abnehmen und das gefüllte Unterteil in die leere Erdal-Dose setzen. Das ist alles! Auf diese Weise läßt sich die Erdal-Blechdose lange Zeit ver- wenden, und man hat immer Erdal, das altbewährte Erdal!4131V richtung einer nationalen, unabhängigen Jndienregierung an Stelle der gegenwärtigen Fremdherrschaft. Sie ersuchen alle, daheim und im Ausland, die Kongreßpartei bei dieser Regierungsbildung mit Herz und Hand zu unterstützen." Der Führer hat dem ordentlichen Professor Geh. fiofrat Dr.phil. Friedrich 01 tm an ns in Frei- fc..™ i Pr. aus Anlaß der Vollendung seines ou ^bensjahres in Würdigung seiner wissenschaftlichen Verdienste auf dem Gebiete der Botanik die Die zweite Gruppe der an Großbritannien transferierten USA.»3erftörer ist in einem Hafen der Ostküste Kanadas eingetroffen. ♦ Gegen Dal adier und G a m e l i n, die sich auf Schloß Chazeron in Schutzhaft befinden, ist vom Generalstaatsanwalt des Staatsgerichtshofes die Anklageerhebung beantrag worden. * Nach dem sinnisch-sowjetrufsifchen Eisenbahn-Verkehrs-Abkommen wird der direkte Eisenbahnverkehr bis spätestens 6. Dezember wieder ausgenommen werden. Als finnische GrenMergangsstationen sind vorgesehen: Parikkala an der Strecke Waasa— Savonlinna—Sowjetunion und Wainikkala an der Strecke Helsinki—Lahti—Sowjetunion. L4L ■vfr.-Xs MWE MMMH Londoner Im Anschluß an die Meldungen über die Zerstörungen aus den wichtigsten Londoner Bahnhöfen erzählt hier unser Mitarbeiter aus eigenen Erfahrungen eines mehrjährigen Aufenthaltes in der britischen Hauptstadt. Beim Lesen der Meldung von der Zerstörung der vier großen Bahnhöfe im Herzen Londons hat man unwillkürlich das Stadtbild von London vor Augen, so wie es jeder, der einmal in London war, täglich erlebte: eine Verkehrshölle, in der über und unter der Erde allminutlich Hunderte von Omnibussen, Zügen, 0-Bahnen, Elektrischen und Tausende von Taxis und Prioatautos durcheinander fahren. Wohl keine andere Stadt Europas kennt eine derartige Konzentration des Verkehrs im Zentrum, der City, wie die Londoner sagen, denn keine Metropole hat neben dem Geschäftsleben derartig zahlreiche Industrien im Stadtkern zusammengeballt. Es wird manchen Zeitungsleser in den letzten Tagen erstaunt haben, daß^man Londoner Arbeiter von Westminster, einem Stadtteil, in dem das Parlament und elegante Geschästs- und Wohnviertel liegen, mit sogenannten Wasserbussen die Themse abwärts zu ihren Wohnorten befördert hat, weil die üblichen Autobusverbindungen durch die Fliegerangriffe' gestört waren. Das bedeutet, daß auch in diesem Viertel täglich große Massen der arbeitenden Bevölkerung aus den unmittelbar benachbarten Fabriken und Werken zusammenströmen, die Bahnhöfe überfluten und wie ein gewaltiger, zäher Strom durch die Verkehrsadern Londons abfließen in die oft weit vorgelagerten Außenbezirke. Wer die Londoner Verkehrsverhältnisse aus eigener Erfahrung kennt, weiß, was es bedeutet, wenn Bahnhöfe, wie Charing Croß oder Paddington, zwei der gewaltigsten Verkehrsknotenpunkte Londons, für den Publikumsverkehr plötzlich ausfallen. Eß sind die beiden größten Umschlagstellen für den Berufsverkehr, Charing Croß für alle Verbindungen nach Süden, Südwesten und Westen, wenn man die hier kreuzende Untergrundbahn mit berücksichtigt, Paddington für den Strom aller Bank-, Börsen-, Zeitungs- und sonstigen Geschäftsleute und deren Angestellte, die aus der Gegend um die St.-Pauls-Kathedrale, die Bank von England und Aldgate kommen und in die weniger vornehmen nordwestlichen Wohnviertel gehören. Besonders Charing Croß, direkt an dem großen Dhemsebogen, unweit des Westminsterpalastes, dem Sitz des Parlaments und des Trafalgarsquare gelegen, war schon in normalen Zeiten stündlich überfüllt wie ein wimmelnder Ameisenhaufen. Drei Untergrundbahnlinien speien jede Minute ganze Kaskaden von Menschen aus, die hier entweder von einer aus die andere Linie umsteigen oder auf eine der von hier ausgehenden Vorortstrecken der Eisenbahn hinüberwechseln, die zu den weit außerhalb gelegenen südwestlichen Vororten führen. Die Haupteis enbahNlinie nach Südwesten, zu den Schiffen in Richtung Vbissingen geht ebenfalls von hier aus. Wehrdienstverhältnis zu machen. Für die Kirchensteuererhebung sind einheitliche Abkürzungen der religiösen Bekenntnisse eingefuhrt worden. In der Ostmark, im Sudetenland und im Wartheland werden keine Angaben über das Religionsbekenntnis gefordert. Wenn der Soldat in den Betrieb zurückkehrt. Nach der gesetzlichen Regelung können die aus dem Wehr- oder Reichsarbeitsdienst kommenden Gefolgschaftsmitglieder sofort wieder ihren alten Arbeitsplatz einnehmen und unter den Bedingungen Weiterarbeiten, die zur Zeit ihrer Einberufung maßgebend waren. Die zur Entlassung kommenden Gefolgschaftsmitglieder erhalten von ihrer Wehrdienststelle zunächst einen 14tägigen Heimkehrurlaub. Während dieser Zeit bekommen sie neben dem Wehrsold ein Verpflegungsgeld; ihre Angehörigen erhalten den Familienunterhalt weiter. In einem Erlaß an die Reichstreuhänder der Arbeit wird erklärt, daß das Gefolgschaftsmitglied während des 14tägigen Heimkehrurlaubs zur Aufnahme der Arbeit nicht verpflichtet ist. Ebenso wenig ist der Unternehmer gehalten, das Gefolgschaftsmitglied während dieser Zeit in seinem Betrieb gegen Entgelt zu beschäftigen. Unberührt davon bleibt jedoch die Verpflichtung des Gefolgschaftsmitgliedes, sich unverzüglich nach seiner Entlassung wegen der Wiederaufnahme der Arbeit mit dem Unternehmer in Verbindung zu setzen, damit der Unternehmer sich auf die Rückkehr der Soldaten in seinem Betrieb einstellen kann. Der Anspruch auf Erholungsurlaub kann frühestens drei Monate nach der Arbeitsaufnahme gestellt werden. Wenn dieser Termin mit dem Bahnhöfe. Zwei Stationen weiter wesllich liegt der ebenfalls jetzt schwer beschädigte Bahnhof Viktoria^Sta- t i o n , von dem die Reisenden nach Dover und den weiter westlich gelegenen Küstenstädten abzureisen pflegen. Waterlo o-Station, der dritte in diesem Stadtteil zerstörte Bahnhof, liegt zu Charing Croß ungefähr wie der Anhalter zum Potsdamer Bahnhof in Berlin und hat auch die gleiche Bedeutung für den Verkehr. Während Charing Croß neben dem Fernverkehr auch noch den gesamten Vorortverkehr zu bewältigen hat, ist Waterloo vorwiegend Fernbahnhof und daneben Durchgangsbahnhof für den Vorortverkehr. Londoner Bahnhöfe haben schon in ruhigen Zeiten nichts Einladendes für den Fremden, der — besonders, wenn er aus Deutschland kommt — vor allem entsetzt ist über den Schmutz und die Schmucklosigkeit dieser öffentlichen Empfangsstätten einer Weltstadt. Es gibt kaum etwas Trüberes, als an einem nebligen Herbsttage auf der Viktoriastation anzukommen und aus einem ungepflegten Zug in eine noch ungepflegtere Bahnhofshalle hinauszutreten, in der alles schwarz ist von Kohlenstaub und düster von dem spärlichen Licht, das durch niege- putzte Fensterscheiben dringt. Eine Orientierung auf englischen Bahnhöfen, selbst auf diesen repräsentativen Fernbahnhöfen, ist für einen Fremden nahezu unmöglich. Auf englischen Bahnhöfen gibt es keine Richtungsweiser, keine Abfahrtschilder oder Zeitanzeiger. Keine Aushänge- und Stationsschilder, die den Namen des betreffenden Bahnhofs sichtbar anzeigen. Man ist auf die Ankündigungen des Lautsprechers angewiesen, die natürlich aus Englisch gegeben werden oder auf die unverständlichen, im schönsten „Cockney" gemurmelten Auskünfte der Bahnbeamten, sofern solche vorhanden sind. Oft genug gerät man in einen falschen Zug und fährt lange in der falschen Richtung, ohne daß man in der Lage ist, das festzustellen, denn vom Zuge aus ist der Name der Bahnhöfe, die man durchfährt, kaum zu entziffern, er befindet sich meistens auf einem kleinen Schildchen an den Bänken, wenn er überhaupt zu entdecken ist. Oft stehen auf beiden Seiten des Bahnsteiges Züge, von denen niemand genau sagen kann, ob und wann sie abfahren und welcher von beiden zuerst abfährt. Die Unübersichtlichkeit der Bahnhöfe scheint die Engländer nicht zu stören, sie erhöht aber das Durcheinander in solchen Zeiten, wo durch die Verdunkelung und stündlichen Alarme sowieso alle Verkehrsregelung aus den Fugen gerät. Selbst die in Verkehrsdingen überaus phlegmatischen Londoner rennen heute vermutlich auf ihren so miserabel organisierten und zum Teil demolierten Bahnhöfen kopflos durcheinander und verbringen die spärlichen Stunden, die ihnen der Fliegeralarm übrig läßt, mit verzweifelten Versuchen, die großen Löcher im empfindlichen Verkehrsnetz Londons durch ungewohnte und eilige Fußmärsche zu überbrücken. Dr. Buresch. Produktionsgang des Betriebes nicht vereinbar erscheint, so kann der Urlaub in Geld abgegolten werden. Friedenseinsah des Fremdenverkehrs. Der stellvertretende Leiter des Fachamts Fremdenverkehr in der DAF., Looke, behandelt in der „Deutschen Gaststätte" die vorbereitenden Maßnahmen, die schon jetzt im Kriege für den künftigen Fried enseinsatz des Fremdenverkehrs getroffen werden. Neben den politischen Aufgaben, zu denen auch die Erschließung der Bedeutung und Schönheit unseres Vaterlandes, die Pflege der Gastlichkeit gegenüber dem Ausländer gehören, werden besonders die sozialen Aufgaben der DAF. erörtert. Das Fachamt fetzt sich dafür ein, daß der wöchentliche Ruhetag im Gaststättengewerbe auch im Frieden erhalten bleibt. Sinngemäß gilt das gleiche für einige andere Teilgebiete, wie die Vereinfachung der Speisenkarte, die Verdeutschung der Berufs- und Speisenbezeichnungen, Bekämpfung des schlechten und unhöflichen Bedienens Usw. Besondere Aufmerksamkeit erfordern der Arbeitseinsatz und die Berufserziehung. In der letzten Zeit wurden über 20 Kochlehrgemeinschaften durchgeführt. 12 Lehr- und Anlernberufe wurden in letzter Zeit zur Anerkennung gebracht mit dem Ziele, daß es ungelernte Arbeitskräfte auch in den Berufen des Fremdenverkehrs nicht mehr geben soll. $eut>tfdjriftleüer: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter bei HauvtjchriftleiterS: Ernst Blumschctn. Verantwortlich für Politik, Feuilleton und Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Stadt Gießen, Provinz, Wirtschaft und Sport: Ernst Blumschein. Druck und Verlag: Brühlsche UniverfitäiSdmckerei R. Lange K. G. Verlagsleiter: Dr.-Ing. Erich Hamann; Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Pl.Nr.6. von Aus -em Reich und Leros angegriffen und wahllos Bomben abgeworfen, die zum Teil ins Meer fielen und nur kleine Brände auslösten, sowie überaus leichten Schaden an einem haus verursachten, jedoch keine Opfer forderten. Ein feindliches Flugzeug ist von der Flak abgeschossen worden. 3n Ostafrika hat der Feind Luftangriffe auf Eassala, Assab, Giavello, Mogadicio, Diredaua, Zeila, Mersa-Techay (Rotes Meer) durchgeführt, die insgesamt sieben Tote und 13 Berwundete unter den Italienern und der Eingeborenenbevölkerung, Belohnung für die Festnahme eines Landesverräters. Der Chef der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes hat einem Schuhmacher aus B r o t d o r f als Anerkennung für besonders geschicktes und umsichtiges Verhalten bei der Festnahme und Ueberführung eines Landesverräters eine Belohnung von 2 5 0 Reichsmark überweisen lassen. Der Landesverräter wurde vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Wieder Schadenfeuer durch Kinderhand. Das schier unglaubliche Vorkommnis, daß Kinder auf den Einfall kamen, ein Haus anzuzünden, er- Am 21. September jährt sich zum 50. Male der Geburtstag Max Jmmelmanns, des deutschen Lufthelden aus dem Weltkriege. Neben Boelcke war er der erste Pionier im deutschen Luftkrieg. Nachdem er 15 Gegner abgeschossen hatte, erlitt er am 18. Juni 1916 den Fliegertod. — (Scherl-Bildarchiv-M.) Wieder Personenstands- und Betriebsaufnahme. Die alljährlich zum 10. Oktober erfolgende Personenstands- und Betriebsaufnahme weist diesmal einige Aenderungen im Verfuhren auf. Zunächst ist das Muster der Urliste geändert worden mit dem Zweck, daß die in den eingegliederten Gebieten wohnenden Personen angeben, seit wann sie deutsche Staatsangehörige sind. Eine weitere Aenderung fordert aus steuerlichen Gründen die Angabe, ob aus der bestehenden oder einer früheren Ehe eines Ehegatten nichtjüdische Kinder her- oorgegangen sind, die nicht mehr zum Haushalt gehören. Auch ledige Frauen müssen angeben, ob sie ein lebendes nichtjüdisches Kind geboren haben. Auch der Tag der Eheschließung ist jetzt anzugeben. Ebenso sind bei den Geburtsjahrgängen 1914 bis 1921 für Zwecke der Wehrsteuer Vermerke über das sowie unbedeutende Schäden zur Folge hallen. Unsere Luftwaffe hat im Innern des Hafens Aden Dampfer bombardiert. Aus aller Wett. eignete sich in Weidenhausen bei Eschwege. Während die Eltern auf dem Felde weilten, entwendeten Kinder aus einem Kleiderschrank Zündhölzer und veranlaßten einen geistig zurückgebliebenen Schuljungen, eine Scheune anzuzünden. Die Scheune, in der Heu und Strohvorräte lagen, stand im Augenblick in Flammen und brannte mit allen Vorräten nieder. Das Feuer sprang dann auf einige benachbarte Stallgebäude über und drohte größere Ausdehnung anzunehmen. Es gelang jedoch den Bemühungen der Feuerwehr, das Feuer zum Stehen zu bringen. Das Vieh konnte rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Eine italienische Stiftung für eine kinderkotonle. Zum Universalerben ihres ganzen Vermögens im Gesamtwert von 1,5 Millionen Lire hat die Witwe Dia Mari aus Modena den Duce eingesetzt. Aus diesen Geldmitteln sollen die Kinder auf Kor- sika lebenderJtaliener unterstützt und eine Kinderkolonie in San Gaetano eingerichtet werden. Den Ehrenschutz dieser Kinderkolonie wird die Tochter des Duce, die Gräfin Ciano, übernehmen. Lawinenunglück in llnterwallis. Wie der schweizerische Armeestab mitteilt, wurde eine Abteilung eines Hochgebirgs-Ausbildungskursus in Unterwallis während eines Hochgebirgsmarsches von einer Lawine überrascht. Zwei Soldaten fanden dabei den Tod, 16 Soldaten wurden verletzt. Oer Normalzins. Die Zinspolitik des Reiches geht in erfolgreicher Weife dahin, den Staatspapieren den bevorzugten Platz auf dem Kreditmärkte zu sichern. Wenn der Staat oder das Reich mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, so sind zur Unterbringung seiner Anleihen Zinssätze bewilligt worden, die für die Finanzen wenig günftg sein konnten. Umgekehrt wird ein finanziell gut verwalteter Staat darauf zu achten wissen, daß seine Anleihen zwar ausreichend verzinst werden, aber als Standardpapiere zu gelten haben, die für die Zinshöhe anderer Wertpapiere die Richtung anzugeben haben. Durch den Verlauf der Wirtschaftsbelebung und wesentlich beschleunigt durch die Erfahrungen der Kriegswirtschaft, hat sich in Deutschland f ür Reichs anleih en der Zins, satz von 4 v. H. als der maßgebende Normal« zins herausgebildet. Länder, Gemeinden und Hypo- thekeninstitute sind auf diesem Wege gefolgt. Neuerdings hat auch die Reichsbahn einen entscheidenden Schritt getan, indem sie ihre Vorzugsaktien, die zu 7 v. H. verzinst wurden, kündigte und dafür den Gläubigern (unter bevorzugten Bedingungen) Reichsbahnanleihepapiere zu 4 v. H. zum Umtausch anbietet. Da die Reichsbahn aufgehört hat, eine eigene Gesellschaft zu bilden und wieder zu einer reichseigenen Verwaltung geworden ist, war dieser Schritt zu erwarten. Er ist auch an den Börsen verständnisvoll ausgenommen worden. Zollschranken fallen. Schon im Erlaß des Führers vom 1. März 1939 wurde die Eingliederung des Protektorats in das deutsche Zollgebiet ausgesprochen. Artikel IX sagte: „Das Protektorat gehört zum Zollgebiet des Deutschen Reiches und untersteht seiner Zollhoheit." Seit dieser Zeit ist die Angleichung der böhmisch-mährischen Wirtschaft an die deutsche so vollzogen worden, daß jetzt ohne Reibungen das Protektorat alle Vorteile genießen kann, die aus der Zugehörigkeit zu einem gewaltigen Wirtschaftsgebiet entstehen. Maßgebend war zunächst die Ueberwindung des Preisunterschiedes. Durch die Festsetzung eines Kurses der Reichsmark gleich 10 Tschechenkronen wurde die Preisdifferenz zunächst wesentlich gemildert, denn äer tatsächliche Kurs war 11,72. entstehen auch in einem geschlossenen großen Zollgebiet gewisse Preisdifferenzen, die sich aus der verschiedenen Produktions- und Lebensgewohnheit ufw. ergeben. Sie haben keinerlei störende Folgen, und sind im Protektorat schon dadurch unwesentlich gemacht worden, daß bereits Markt- und Kartellabmachungen größten Umfanges getroffen worden sind. Weiter ist auch die Sozialpolitik des Protektorates weitgehend der deutschen angepaßt worden. Bereits im Sommer 1939 wurde der Arbeitseinsatz durch die Errichtung von 23 Arbeitsämtern geregelt, die übrigen sozialen Verhältnisse wurden verbessert und die Löhne so festgesetzt, daß die Preissteigerung längst aufgeholt worden ist. Eine Organisation der gewerblichen Wirtschaft wurde nach deutschem Vorbild geschaffen, so daß eine straffe Wirtschaftslenkung einsetzte, die dem Protektorat zum Segen gereicht. Mit der Beseitt- gung der Zollgrenzen tritt das Protektorat automatisch in das währungs- und wirtschaftspolitische Gefüge des Deutschen Reiches ein. Max Zmmelmann. 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Das jeder Arbeitnehmer nach Erhalt der Karte zu beachten hat. Die Sprechstunden der DAF., Abteilung für Be- rufserziehung und Betriebsführung, Gießen, werden ab sofort Montags und Freitags von 17 Uhr a u f 19 Uhr verlängert. Anmeldungen zu Lehrgemeinschaften können insbesondere von den Arbeitskameraden obgegeben werden, die erst nach 17 Uhr kommen können. Dauer der Sprechstundenverlängerung bis 11. Oktober 1940 einschließlich. __________4183D behalten. Man vergrabe also nicht erst die Lohnsteuerkarte zu Hause im Schubfach, sondern übergebe sie nach genauer Ueberprüfung, ob die von der Behörde vorgenommenen Eintragungen Vornotizen. Tageskalender für Freitag. Stadttheater: 19.30 bis 21.45 Uhr „Sieger". — Gloria-Palast, Selterswcg: „Trend1, der Pandur".-- Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Gefährliche Frauen'. — VfB-Reichsbahn Gießen: 20.30 Uhr „Schipka- paß" Ausgabe der Sammelbüchsen und Einteilung zur Sammlung für das WHW. Stadttheater Gießen. Am heutigen Freitag wird die dramatische Ballade „Sieger" von Christian Siemens wiederholt. Die Spielleitung der Aufführung, die die Presse einen verheißungsvollen Aliftakt zur neuen Spielzeit nennt, hat Intendant 5)(ins Walter Klein. Bühnenbild: Karl Löffler. Freitag-Miete, 1. Vorstellung. Ortszeit für den 21. September. Sonnenaufgang 7.10 Uhr, Sonnenuntergang 19.26 Uhr. — Monduntergang 11.48 Uhr, Mondaufgang 21.37 Uhr. rlS'GenieinWsl K Kraft öurfli Sreoöe Sportaml „Kraft durch Freude". Kindergymnaftik Freitag, 16 bis 17 Uhr, Schillerschule, Schillerstraße (nicht mehr Goetheschule). 41750 Frohe Stunden bei Film und Funk. Unter diesem Motto vereinigte die NSG. „Kraft durch Freude" am gestrigen Donnerstagabend ihre Gießener Gemeinde im Gloria-Palast. Die Besucher, die den großen Saal fast bis zum letzten Platze füllten, kamen wiederum voll und ganz auf ihre Rechnung, denn die Künstlerschar vom Film und Funk, die sich in den. Dienst dieses Abends gestellt hatte, verstand es ausgezeichnet, die beiden Stunden des Beisammenseins sehr vergnüglich zu f Die Erziehung zum Gemeinschaftssinn ist eine der wichtigsten Aufgaben der nationalsozialistischen Schule.'Wie der Lehrer mit einem t.efge- aründeten Wissen um die bewußten und unbewuß- ten seelischen Vorgänge in seinen Zöglingen an die Arbeit Herangehen muß, das zeigte em Vortrag von Kurt S e e l m a n n - München. Da war z. B. ein Schulschwänzer, von dem es allgemein cheh, er störe ständig den Unterricht und schwänze bei feder Gelegenheit'. In der Klasse war er sehr isoliert und hatte keine Freunde. Auf der Suche nach besonderen Fähigkeiten bei diesem Jungen fand der Leh» rer daß er gut zeichnete. Run wurden Zeichen- Erziehung und Lebenskeistung. Erziehungsfragen zum Abschluß der Wiener kinderkundlichen Woche. und die Arbeit wird nun in einer höheren Leistungsform fortgesetzt. Mit dem Wachsen der Fähigkeiten kommen immer schwierigere Aufgaben, und sobald das Kind erst Sprechen gelernt hat, ent- st sh en auch meistens jene dummen, und durchaus nicht unwichtigen Mißverständnisse durch Unvernunft der Eitern oder der Großeltern. Wenn das Kind in jenes Alter kommt, in dem es alles allein machen will, in dem es ständig nein, nein, sagt, kurz wenn das sogenannte Trotzalter sich ankundlgt, dann spalten sich die Erwachsenen meist in zwei Parteien, die einen geben zärtlich nach, die anbei en verbieten ungeduldig. Was geht aber wirklich in dieser Zeit in dem Kind vor? Es lernt Entscheidungen treffen und es übt diese neue Fähigkeit an allen möglichen Objekten. Die richtige Erziehung muß dann darin bestehen, den erwachenden Willen des Kindes richtig zu lenken, es sowohl im Begehren wie im Entsagen zu üben. Kluge Diplomatie ist manchmal ganz angebracht. Bietet man dem Kleinen einen Apfel an, dann sagt es vielleicht, „nein, ich will eine Birne". Fragt man aber „nicht wahr, du willst doch einen Apfel , dann lautet die Antwort meistens „ja". — Ganz ähnlich ist es mit andern Phasen der kindlichen Entwicklung. Die plötzlich erwachende L u st a m F r a g e n bedeutet nun nicht, daß das Kind nun immerzu Antwort erwartet, es hat vielmehr ent« deckt daß die Sprache auch dazu dienen kann, den anderen Menschen zu Weiterungen zu zwingen. Diese Entdeckung kostet das Kind so lange aus, bis wieder andere Aufgaben und andere Eindrücke sie in den Hintergrund treten lassen. So bereitet sich allmählich die Schulzeit vor in der dann die entscheidende Einstellung auf die Lebensaufgabe Von Caldern aus benutzen wir rote Striche, die uns in mehreren Serpentinen auf den Gipfel des Rimbergs (500 Meter) bringen. Ein herrlicher ~ ‘ f der Höhe sichenden Holzturm entschädigt reichlich für den etwas steilen Aufstieg. Rote Punkte führen dann hinab über den anmutig gelegenen KarlShof, eine ehemalige Försterei, hierauf über einen Höhenrücken nach Elmshausen, wo wir vielleicht Gelegenheit haben, die Bewohner in ihrer malerischen Tracht bewundern zu können. Auf schattenlosem, aber aussichtsreichem Wege gelangen wir nach Buchenau, wo wir jetzt blaue Doppelstriche antreffen, die uns bis zum Schluß den Weg zeigen. Abwechselnd durch schönen Laubwald und über saftgrüne Wiesen kommen wir bewundern und uns an der prächtigen Aussicht erfreuen. Blaue Striche führen uns durch den Wald (am Rande hübscher Rückblick) an der Lungenheilanstalt Waldhof Elgershausen vorüber, unterwegs schöne Ausblicke genießend, nach der ebenfalls hoch- liegenden gastlichen Försterei Dianaburg. Entzückend ist der Blick von der Plattform des auf der Höhe stehenden Jagdturms auf das ausgedehnte Wäldermeer und die umliegenden Berge. Zum Abstieg wählen wir schwarze Dreiecke, die uns in einer guten Stunde nach unserem Endziel, dem stattlichen, im Dilltal gelegenen Ort Ehringshausen bringen. Wanderzeit knapp 4 Stunden. Caldern — Rimberg — Elmshausen — Buchenau — Katzen bach — Biedenkopf. gestalten. Schon der Auftakt, den der Ansager Harry G o n d i dem Abend gab, war voll froher Stimmung, und im weiteren Verlaufe verstand es der humorvolle Plauderer in bester Weise, seine Zuhörer immer mehr zu fesseln und zu erheitern. Die 6 Dominanten erfreuten durch reizvolle Gesangsdarbietungen, während die Geschwister D a b e l o w von der Scala in Berlin fick) mit ihren famosen akrobatischen Tanzvorführungen und ihrer staunenswerten Springakrobatik, beide in sehr gra- ziöser Form dargeboten, die Gunst der Besucher erwarben. Der Klaviervirtuose Herbert I a r c z y k bereitete mit feinen vollendeten Darbietungen auf dem Flügel den mit aller Aufgeschlossenheit lauschenden Hörern einen erlesenen musikalischen Genuß. Auf der gleichen Linie errang sich Maria Avanti, eine vielseitige Künstlerin, allein schon durch ihr beseeltes Violinspiel einen vollen Erfolg, den sie durch ihre weiteren künstlerischen Leistungen auf dem Akkordeon und dem Xylophon, wie auch durch ihre netten kleinen Scherze und Liedchen noch stark zu steigern verstand: ihr Begleiter am Flügel mar ihr dabei ein vortrefflicher Sekundant. Das Tanfl- paar Lanchinsky-Jänige zeigte mit einem famosen Grotesktanz und dem beschwingten Wiener Walzer sein starkes tanzkünstlerisches Können. Als Höhepunkte — übrigens sei in diesem Zusammenhang mit angenehmer Erinnerung der prächtigen Punkt-'Geschichte von Harry Gondi gedacht — erlebten die Besucher dann die Bekanntschaft mit der Staatsschauspielerin Hilde Meißner und der Filmkünstlerin Rotraut Richter, die beide durch ihre gesanglichen Darbietungen bzw. Ausschnitte aus dem Gebiet der darstellerischen Kleinkunst die Besucher erfreuten. Allen Mitwirkenden wurde der Dank der Hörer Der Reichsminister der Finanzen hat den Finanzämtern das neue Muster der Lohnsteuerkarte für das Kalenderjahr 1941 bekanntgegeben, nach dem nun die Karten in allen Teilen des Reiches gedruckt und von den zuständigen Lohnsteuerbehörden jedem Arbeitnehmer ausgefüllt augeftellt werden. Da in der Vergangenheit sehr zahlreiche Reklamationen an die Steuerbehörden gelangten, die bei einiger Sorgfalt des Steuerpflichtigen hätten vermieden werden können, so hat der Reichsfinanzminister in diesem Jahre verschärfte Bedingungen für Die Beachtung der Vorschriften über die Lohnsteuerkarte gestellt. Um nun auch vom schlichtesten Volksgenossen die Beachtung der Vorschriften verlangen zu können, ohne diesem etwas Unmögliches zuzumuten, wird in diesem Jahre der Lohnsteuerkarte eine Einlage beigegeben, die den Arbeitnehmer auf alles aufmerksam macht, was er nach der Übersendung der Karte zu beachten hat. Versäumt er es, seine ihm zugestellte Lohnsteuerkarte 1941 daraufhin genau zu überprüfen und evtl, falsche Eintragungen durch die Behörde vor Abgabe der Lohnsteuerkarte an seinen Arbeitgeber berichtigen zu lassen, so hat er den Schaden selbst zu tragen und darf nicht mehr damit rechnen, daß ihm zuviel gezahlte Steuern erstattet werden. Das gleiche gilt, wenn im Laufe des Kalenderjahres 1941 die Voraussetzungen für eine Aenderung der Lohnsteuerkarte eintreten (z. B. durch die Geburt eines Kindes) und der Arbeit- nchmer die Aenderung verspätet beantragt. Wenn die Steuerpflichtigen wüßten, wieviel Arbeit unnötig den Finanzämtern durch verspätete und falsche Anträge entsteht, dann würden sie begreifen, daß endlich auf größere Sorgfalt gedrungen werden muß. Vielfach werden auch die Lohnsteuerkarten nicht rechtzeitig vor Beginn des Steuerjahres dem Arbeitgeber ausgehändigt bzw. beim Wechseln der Arbeitsstelle sofort dem neuen Arbeitgeber übergeben. Hier muß der Arbeitgeber, solange die Lohnsteuerkarte nicht in seiner Hand ist, eine erhöhte Lohnsteuer einbehalten und z. B. einen verheirateten Mann als ledig behandeln. Er muß auch bei allen männlichen Arbeitnehmern der Geburtsjahrgänge 1914/21 Wehrsteuer nach den erhöhten Sätzen ein- arbeiten von ihm ausgestellt, und er kriegte kleinö Sonderaufträge, z. B. mußte er Schilder malen, die Im Schulbetrieb gebraucht wurden. Das baute eine Brücke in feinem Innenleben. Die Anerkennung des Lehrers und feiner Kameraden gab ihm Boden unter den Füßen. Er fand Freundschaft mit seinen Nachbarn, wurde froher und freier und beteiligte ich immer reger am Unterricht. In die Gemein- chaft einmal einge gliedert, vergaß er völlig seine rüheren Untugenden. — Scharfe Kritik und rascher Tadel sind meist schlechte Mittel, die Arbeitsleistung zu fördern und die Arbeitsfreude zu steigern. A n • erkennung auch kleiner Fortschritte wirken dagegen manchmal Wunder. Wie mancher Mensch bleibt zeit seines Lebens innerlich unsicher, weil er in der Jugend vom strengen Vater oder vom pedantischen Lehrer stets Tndel für seine schlechten, nie aber Lob für seine guten Leistungen gehört hat. Die innere Spannkraft, trotzdem nicht zu verzagen, und sich selbst immer wieder neue Ziele zu stecken, hat nicht jeder. Ein schwieriger Abschnitt, vielleicht der schwierigste übrhaupt, wird gekennzeichnet durch die Pubertät. Diese Zeit des seelischen und körperlichen Reifens geht fast nie ohne schwere, innere Kämpfe ab. Es kommt dann darauf an, ob Wille und Einsicht des Kindes genügend vorbereitet sind. Di. March-München zeigte 'in feinem Vortrag, wie schwere Lebenskrisen sich gerade in diesen Jahren entwickeln können. Ost kommen dabei in früher Kindheit gelegte Konflikte zum Durchbruch. Eine natürliche Auffassung natürlicher Dinge durch Eltern und Erzieher und eine oerständnis- volle, rechtzeitige Aufklärung können viel spätere Schwierigkeiten vermeiden. Wenn aber rechtzeitig das Pflichtbewußtsein in einem jungen Menschen verankert, sein Blick für das Leben nicht getrübt, sondern geübt ist, dann wird er auch diese Klippe überwinden. Aüchertisch. — Die Vierzeiler Omar Chajjams in der Auswahl und Anordnung Edward Fit Geralds aus dem Persischen verdeutscht von C. fi. Rempis. Zweite Fassung. Karl-Rauch-Verlag, Dessau und Leipzig. Preis RM. 2,50. — (111) — Omar Chajjams Vierzeiler gehören )u den berühm- eften Büchern der Weltliteratur, sie sind in 53 Spra. chen übersetzt und in vielen Millionen Exemplaren in aller Welt verbreitet. Hier wird eine neue ausgezeichnete Verdeutschung vorgelegt. Einführung in Persönlichkeit und Werk des persischen Dichters werden dem Leser besonders willkommen sein. Rund 20 Jahre braucht der Mensch bis er we- i mästens in großen Umrissen eine fertige Person- i lichkeit ist. Er muß in dieser Zeit nicht nur Die ganze Entwicklungsskala von den niederen bis zu den höchsten seelischen Fähigkeiten durchlaufen, er muß auch alle die Sonderausgaben bewältigen lernen, die seine künftige Stellung in der Volksgemeinschaft ihm stellt. Die- fast unübersehbare Vielfalt der Einzelleistungen, die vom Heranwachsenden jungen Menschen verlangt werden, erfordert eine klare Einsicht des Erziehers in feine Aufgabe. Darüber hinaus muß der Arzt oft eingreifen, um Fehlleistungen zu verhindern ober Fehler zu berichtigen. So hatte die Deutsche allgemeine ärztliche Gesellschaft für rapie, Deren Tagung mit Dem Gesamtthema „Psyche und Leistung" Die Wiener finber- rundliche Woche abschließt, Die Erziehungsprobleme Der verschiedenen Lebensalter in Den Mittelpunkt ihrer Verhandlungen gestellt. Die Tiefenpsychologie äls Lehre vom Unbewußten spielt dabei — wie Der Vorsitzende Prof. Göring in einer Begrüßungsansprache ausführte — eine besondere Rolle. N wenn Das Bewußte und Unbewußte in Harmonie miteinander stehen, kann die Leistung ihren höchsten Grad erhalten. Die Wichtigkeit dieser Erkenn - nis wird unterstrichen durch ihre Bedeutung fu Die Arbeitsleistung und die Berufserziehung die in der Angliederung des Deutschen Instituts fi Psychotherapie an das Amt für Berufserz,ehung und Leistungssteigerung Der Deutschen Arbettsfron zum Ausdruck kommt. o , 6 Der Mensch lernt eigentlich vom ersten Lebens- tage an. Wenn das Neugeborene vergeblich nach Nahrung schreit, solange feine Stunde noch nicht gekommen ist, lernt es begreifen, daß die Stillung seines Hungers nach einem b e f 11 mm t e Plan vor sich geht. Dann folgt bald die Periode des Lernens für die verschiedenen Sinnesorgane. $n den ersten Wochen wendet das Kind unbehag- lick den Kopf weg, wenn ihm em voller Lichtstrahl ins Auge fällt. Dann lernt das Auge mit Dem Licht umgehen und das Seh e n wird - mie_5lor bert Tburnb - Wien m fernem Vortrag über „Die Erziehung des Kleinkindes im Hinblick auf feine Lebensaufgabe" zeigte — zu einer durch ständiges Umherschauen erarbeiteten Lelstungsform. Ist das Sehen gelernt, bann beginnt das Einordnen der ge schauten Gegenstände, das Wiederertennen, an Dem in stiller WalDeinsamkeit liegenDcn Dort- chen Kadenbach, von dem man noch einen hübschen Rückblick auf Den Rimberg hat, vorüber nad) unse- rem Endziel, dem am Fuße des Schloßberges liegenden, von hohen Waldbergen umsäumten Lahnstädtchen Biedenkopf. Dauer der Wanderung 4‘/s Stunden. timmen, sofort Dem Arbeitgeber. Daß ein Gesolgschaftsmitglied nach Beendigung eines Dienstverhältnisses mit Den übrigen Papieren auch Die Lohnsteuerkarte zurückverlangen muß, sollte ebenfalls selbstverständlich fein, in einem Falle wird Dies aber sehr oft vergessen, nämlich von Den Hausangestellten. In Den Haushaltungen macht vielfach Die Hausfrau Die Papiere Des Mädchens ertig, und bei Der ihr fehlenden Routine kann es natürlid) vorkommen, daß sie die Lohnsteuerkarte vergißt. Allerdings sollte in ihrem Schreibtisch so viel Ordnung herrschen, daß Die Papiere des Mädchens zusammenliegen und die Lohnsteuerkarte nicht übersehen werden kann. Anderseits ist es aber auch Pflicht der Hausangestellten, daß sie daran denkt und sich die Lohnsteuerkarte geben läßt. Gerade bei Hausangestellten kommt auch vielfach Der Fall vor, daß sie ein Dienstverhältnis verlassen, ju ihren Eltern zurückkehren und dann am Jahresende nicht mehr Daran Denken, Daß Die Steuerkarte spätestens bis zum 15. Februar Des nächsten Jahres dem Finanzamt eingeschickt werden muß, und zwar dem Finanzamt, in dessen Bezirk Die neue, ihnen schon Übersandte Lohnsteuerkarte ausgeschrieben worden ist. 21-uf die zweite Seite Der alten Lohnsteuerkarte muß die Nummer der neuen Lohnsteuerkarte und die Behörde, Die Die neue Lohnsteuerkarte ausgeschrieben hat, angegeben werben. Auch Das wirb vielfach vergessen. Jede selbständige Aenderung der Eintragungen In die Lohnsteuerkarte ist Dem Arbeitnehmer verboten. Schließlich sei noch erwähnt, daß jeher Arbeitnehmer verpflichtet ist, falls Die Voraussetzung für eine auf der Lohnsteuerkarte eingetragene Steuerermäßigung im Verlaufe Des Jahres entfällt, innerhalb eines Monats Die Berichtigung feiner Lohn- fteuerfarte bei Der Behörde, die die Lohnsteuerkarte ausgeschrieben hat, bzw. bei Verlegung Des Wohnsitzes bei Der Gemeindebehörde Des neuen Wohnsitzes zu beantragen. Reiskirchen — Bersrod — Geilshausen — Wetters- Hain — Homberg. Von unserem Ausgangspunkt Reiskirchen führt uns ein breiter Weg nach BersroD, wo wir auf Die von Gießen kommende blaue Punktmarkierung stoßen, die zunächst unser Wegzeichen bildet. Wir überschreiten von hier einen , Bergrücken, der sich zwischen dem fi umbat al und dem Buseckertal hinzieht und genießen unterwegs herrliche Blicke in die reizvolle Landschaft. Nachdem wir Geilshausen, an der Lumda gelegen, passiert haben, führen uns Die Zeichen über Den bewaldeten 363 Meter hohen Noll nach Weitershain, wo gute Einkehr ist. Hier verlassen wir unser seitheriges Zeichen und folgen blauen Strichen, die uns über Büßfeld in Das anmutige Ohmtal und hierauf in kräftigem Anstieg dem Endziel unser Wanderung, Dem hochgelegenen Homberg, zuführen. Vor Der Heimfahrt, Die über Nieder-Gemünden erfolgt, Dürfen wir nicht versäumen, Die mancherlei Schönheiten Des malerischen Städtchens zu bewundern. Marschdauer 5V-Stunden. Edingen — Greifenstein — Dianaburg — Ehringshausen. Wir fahren mit dem Frühzug nach Edingen, um von hier in zwar steilem, aber kurzen und aussichtsreichen Aufstieg das hochgelegene Greifenstein zu erreichen. Hier können wir die hochragenden Ruinen der ehemaligen Feste, wie auch Das mit schönen Stuckarbeiten verzierte Innere Der Kirche Aus der Stadt Gießen. Oer Handwerkskasten der Hausfrau. „Die Axt im Haus erspart Den Zimmermann" hat schon Schiller seinen Freiheitshelden Teil erkennen lassen. Wenn nun auch zum Handwerks- j kästen im Haushalt nicht gerade eine Axt vonnöten i ist, so Doch immerhin einige einfache Gegenstände, > wie ein Hammer, eine Zange, ein Schraubenzieher । und Die Dazugehörigen Schrauben und Nägel. Mehr Denn je muß Die Hausfrau Darauf sehen, in ; bescheidenem Ausmaße einen Handwerkskasten zur ; Hand zu haben, denn wenn der Mann im Felde 1 steht und der Handwerker auch eingezogen wurde, ■ dann muß sie eben selbst zu Hammer und Zange : greifen, um Kleinigkeiten im Haushalt zu reparie- . ren. Ein Schraubenzieher liegt meist im Werkzeugkasten Der Nähmaschine, und Hammer und Zange sind in jedem georbneten Haushalt vorhanden. Also ist der Grundstock zum Handwerkskasten gegeben. Wir nehmen uns eine feste, kleinere Kiste oder einen Karton, in dem alles, was dazu gehört, untergebracht werden soll. Nicht etwa, daß man nun in Den nächsten Eisenwarenladen geht, um alles Notwendige zusammenzukaufen: o nein, das würde auch gar nicht gehen, weil wir verschiedene zweckdienliche Dinge gar nicht bekämen. Großdeutschland braucht seine Rohstoffe wichttger! Aber — sobald die Generalreinigung beginnt, bei Der Das Unterste zu oberst gekehrt wird, finden wir in allen Winkeln etwas, Das mir sonst achtlos weggeworfen hätten, und Das wir nun als Beitrag zu dem Handwerksrasten aufheben. Nichts ist wertlos genug, um fortgeworfen zu werden! Da liegen z. B. im Keller noch Die alten Drähte herum, Die einmal um Das Anmacheholz gewickelt waren: diese säubern wir vom Schmutz und verstauen sie im neuen Handwerkskasten. Das gleiche gilt von Nägeln, die in alten Kistenbrettern stecken. Die klopfen wir gerade unD haben Damit schon roieDer einen BeftanDteil für den Kasten fertig! Reste von Blumendrähten werden auf eine alte Garnrolle gewickelt. Wenn man wirkliche Ordnung im Handwerks - kästen haben will, muß man sich mehrerer alter Zigaretten- und Streichholzschachteln bedienen, um all Das zu sortieren, was man im neuen Handwerkskasten aufheben will. Auch etwas Kaltleim und Tischlerleim gehört hinein. Ferner richtet man eine Abteilung ein für wichtige Ersatzteile im Haushalt, wie z. B. Dichtungen für Die Wasserleitung unD Lamellen unD Sicherungen für das elektrische Licht. Es ist sonst peinlich, wenn am Samstag nach Ladenschluß Das Licht verlöscht und man bis Montag früh im Dunkeln sitzen muß. Und bann ist es noch sehr dis Frage, ob Der Elektrotechniker sofort kommen kann, um Den Schaden zu beheben! Besondere Beachtung verdient der Hammer, Da er bei Vernachlässigung einen regelrechten Unfall anrichten kann. Man achte Darauf, daß Der eigentliche eiserne Hammer fest auf Dem hölzernen Stiel sitzt. Meist ist dieser nämlich nur keilförmig in Den Hammer hineingetrieben worden, und wenn sich durch Trockenheit das Holz zusammenzieht, kann beim Gebrauch der Hammer der Hausfrau ins Gesicht fliegen und großen Schaden anrichten. Deshalb soll ein Hammer nie am Ofen aufgehoben werden. Ist also künftig im Haushalt eine kleine Reparatur notwendig, so greift die Hausfrau in Die betreffende Schachtel des Handwerkskastens und behebt den Schaden selbst. Sie spart Damit nicht nur Geld, sondern sie muß auch nicht warten, bis sich ein Handwerker findet, Der Den Fehler ausmerzt. Filme Des AuslanDes sind in verschieDener Hin- sid)t interessant. Einmal find sie Der beste Maßstab für Die Leistungen Des eigenen Filmschaffens unD zum anDern verraten sie uns vielleicht am unmittelbarsten etwas von fünftlerifdjer Auffassung und weltanschaulichem Wollen fremder Völker, besser als Bücher, Theaterstücke ober Werke ber bilbenben Kunst, weil ber Film für ein ganz breites Publikum bestimmt ist unb bem nach Thema, Anlage und Durchführung Rechnung tragen muß. Das Sport- ibeal eines lunaen, fraftftrohenben, selbstbewußten ibeal eines jungen, kraftstrotzenben, selbstbewußte unb ehrgeizigen Volkes feiert ber italienisch Scalera-Film „Gefährliche Frauen" auf eine sympathisch schlichte unb psychologisch unkomplizierte Weise. Einem jungen Boxer, von seinem Vater hervorragenb geschult und auf bem besten Wege zu höchsten Titeln, Droht eine schöne Frau gefährlich zu werben. Die Mitläufer bes Sports, Die selber Die ernste Arbeit in Training unb Wettspielen scheuen, sich aber um bie Sportgrößen brän« gen, um sich in ihrem Ruhm zu sonnen, finb hier unbarmherzig plakatiert. Es ist eine oberflächliche unb selbstsüchtige Frau, bie mit bem jungen Boxer einen Flirt anfängt unb ihm, ber von so viel Schönheit geblenbet ihr ins Garn geht, verschweigt, baß sie nicht mehr frei ist unb eine Heirat, für bie er Sport unb Familie im Stich lassen will, gar nicht in Frage kommen fanrj. Der Junge ist natürlich genug, bie Enttäuschung zu überroinben UnD zum Vater in Die Boxschule zurückzufinDen. Die Regie Mario BonnarDs hat in sehr lebenDigen Szenen interessante unD vielseitige Ausschnitte aus Der italienischen Sportwelt als Kulissen Der eben skizzierten Liebesgeschichte ausgestellt. SpannenDe Boxkämpfe, ein SchwimmstaDion, Freiübungen, Rennen, Winter- spart unb nicht zuletzt ein großzügig arrangiertes Gartenfest geben einen Begriff baoon, wie ber Sport bem mobernen Italiener zur Herzenssache geworben ist. Schauspielerisch bie interessanteste Leistung bot Erminio Spa 11a als Vater Romolo. Er, ber als Boxer früher einmal auch in Deutsch- lanb als Gegner Breitenfträters bekanntgeworben ist, bevor er als Sänger Aur Bühne unb bann zum Film fanb, spielt ben alten Meister bes Ringes mit einer wunbervoll breiten unb behaglichen Sicherheit unb weiß vor allem bas schöne Verhältnis zum Sohn sehr fein zu charakterisieren. Diesem gibt Augusto Lanza etwas knabenhaft Befangenes, fast Un- frohes. Die verführerische Circe ist Evi Malta- g l i a t i, in Clara C a 1 a m a i hat sie eine aefähr» liche Konkurrentin. —» (Difu.) Dr. Fr. W. Langem durch lebhaften Beifall bekundet, der sich mehrfach -u starken Beifallsstürmen steigerte. Damit wurde auch der NSG. -Kraft durch Freude" als Veranstalterin die wohlverdiente Anerkennung für den genußreichen Abend zum Ausdruck gebracht. Blumschein. Sportler verkaufen Bücher. Dem Deutschen waren seine Bucher seit jeher ans Herz gewachsen. Wir wissen von Menschen, die sich ihren Bücherschatz geradezu erhungert hatten, von Männern, die unter widrigsten Umständen die herrlichsten Bücher schufen. Der Führer hat sein Werk „Mein Kampf" während seiner Landsberger Festungshaft geschrieben. Diese Liebe zum Buch ist vom Deutschen nicht wegzudenken. Am 21./22. September 1940 werden fünf neue Miniaturbändchen zur ersten Reichsstraßensammlung des 2. Kriegs-Winterhilfswerks durch den NS.-Reichs- bund für Leibesübungen und das Sportamt „Kraft durch Freude" zum Verkauf angeboten. Der Gesamt- titel für diese fünf Büchlein lautet „Des Führers Kampf im Osten". Sie zeigen in gedrängtem Nahmen das große Geschehen der Septembertage vorigen Jahres und lassen es an unserem geistigen Auge in vielen Bildern vorüberziehen. Dieses Kampf des Führers im Osten war ein Kampf für uns alle. Es war der Kampf für Großdeutschland, der uns mahnt, nie zu vergessen, was wir ihm und unserer Ehre schuldig sind. Ob Sammler oder Nichtsammler von diesen stets begehrten WHW.-Abzeichen, ob Bücherwurm oder nicht, alle deutschen Menschen werden am kommenden Samstag und Sonntag sämtliche kleinen Bändchen erstehen und damit einen siegreichen Kampf der ersten Reichsstraßensammlung des Kriegs-Winterhilfswer kes 1940/41 führen. Schilauf auf Asphalt? Freilich ist das möglich, beantworten wir die Frage eines Zweiflers, wenn man einen Schi mit einem Rollschuh kreuzt, oder wenigstens so ähnlich. Diese Erfindung des Rollschis ist nicht so neu, wie vielleicht mancher denkt. Dieses Gerät war gedacht als eine Ergänzung zum winterlichen Schilauf, oder besser als ein Mittel vor allem für den Langläufer, sich in der schneelosen Zeit in Form und Hebung zu halten. Nun ist aber einmal der Winter im Gebirge an sich recht lang und der Rollschi an glatten Boden gebunden, zum anderen hat sich im Sport überhaupt immer .mehr die Ansicht durchgesetzt, daß in jedem Uebungszweig eine gewisse Zeit oer Ausspannung und des Ausgleichs durch andere Hebungen notwendig ist. Immerhin ist der Roll- schi ein interessanter Versuch, und die Gießener werden am Samstag und Sontag reichlich Gelegenheit haben, dieses Fortbewegungsmittel besonderer Art durch Augenschein kennenzulernen. * ** Kriegsauszeichnung. Von der Pressestelle der Universität Gießen wird mitgeteilt: Dem Oberstabsveterinär d. L. Professor Dr. S t a n d f u h, Direktor des Instituts für tierärztliche Nahrungsmittelkunde, wurde das Krieasverdlenftkreuz II. Klasse mit Schwertern, und dem Oberftabsveterinär d. R. Professor Dr. L u y, Professor für Veterinär-Physik), lögie, die Spange zum E. K. II. Kl. verliehen. ** Polizeiliche Maßnahmen gegen Verkehrssünder. In der Zeit vom 6. bis 12 September schritt die Polizei im Bereich der Po- lizeidirektion Gießen, einschließlich des Polizeiamtes Bad-Nauheim-Friedberg, gegen Verkehrssünder mit folgenden Maßnahmen ein: gegen Kraftfahrzeugführer mit 3 Anzeigen, 4 gebührenpflichtigen und einer gebührenfreien Verwarnung; gegen sonstige Fahrzeugführer mit 14 Anzeigen, 3 gebührenpslich- tigen und 6 gebührenfreien Verwarnungen; gegen Radfahrer mit einer Anzeige, 19 gebührenpflichtigen und 8 gebührenfreien Verwarnungen; gegen Fuß- gänger mit 2 gebührenpflichtigen und 6 gebührenfreien Verwarnungen. ** E i n N i e s e n p i l z mit dem respektablen Gewicht von 2 Pfund wurde uns aus Lollar überbracht. Es handelte sich um einen Birkenporling, der im Walde bei Lollar an einer absterbenden Birke gefunden wurde. Ein gleich großer Pilz steht noch an diesem Baume. Wie uns von sachverständiger Seite erklärt wurde, handelt es sich bei diesem Pilz um einen Gelegenheitsparasiten, der das Eingehen des Baumes herbeiführt und beschleunigt. Der Pilz nimmt nämlich dem Raum alle lebenswichtigen Nährstoffe weg und mästet sich damit, während der Baum zugrunde geht. Porlinge sind übrigens, solange sie sich noch in butterweichem Zustande befinden, eßbar, allerdings ohne besonderen Wert. Oie Gießener Sportler einsatzbereit für bas WHW. Turner, Sportler und Wanderer! Am 21. und 22. September sammelt der deutsche Sport für das Kriegs-Winterhilsswerk 1940/41. Dieser Ehr en au ft rag, den der Nationalsozialistische Reichsbund für Leibesübungen zur Durchführung der 1. Reichsstrahensammlung erhalten hat, ist für uns von allergrößter Wichtigkeit und stärkster Bedeutung. Uns dieses großen Vertrauens und des stolzen Auftrages in einer Zeit, in der unsere Soldaten die Heimat schirmen, würdig zu erweisen, muß die Alten, wie die Jungen, die Männer, wie die Frauen, die Buben, wie die Mädel unserer Vereine und Gemeinschaften mit höchster Einsatzfreudigkeit für das stolze Werk der Kriegs-Winterhilfe erfüllen. Wir müssen diese 1. Reicysstrahensammlung im Glauben an den Führer, an unser Volk und an den Endsieg unserer Waffen zu einem bisher noch nicht erzielten Sammeleraebnis steigern. Kameraden und Kameradinnen! Tut eure Pflicht. Unser Einsatz muß ein überwältigender Sieg sein. Mit den Sammelbüchsen auf die Plätze und Straßen, in die Betrieb« und die Wohnungen. Deutschland muß leben! Heil dem Führer! Der Sportgauführer: 011« r b e i n, SA.-Hauptsturmsichrer. 2. Aießener-KanuGtadtmeisterschast. Der Kriegsausbruch hat im Vorjahr die Durchführung der Gießener Kanu-Stadtmeifterschaften verhindert. Nach einjähriger Zwischenpause wird nun am kommenden Sonntag im Rahmen der Schauveranstaltungen der Fachämter Kanu-, Noll-, Rad. und Schisport die 2. Gießener Stadtmeister- schäft im Faltboot ausgefahren, und zwar erstmals auf dem Schwanenteich an der Schlageter- straße. Zunächst gehen in der HI.-Klasse A Eller und Wagner von der GRG., sowie Becker. Büttner und Falkenhalner (Paddlergllde) ins Nennen. Dann steigen die Stabtmeisterschaf- ten im Einer-Wanderfaltboot, in denen sich Weil (GRG.), Thiemann, Schäfer und Rohn von der PGG. messen. Im Wanderfalt- boot-Zweier kämpfen Büttner-Falken- Hainer, S ch ä f e r - W e b e r , Thiemann- Rühl und Rohn-Würzl (sämtlich PGG.) um die Stadtmeisterschaft. Zum Schluß kommt bann noch etwas Neues: Eine Iuaendmannschaft der PGG. wird gegen eine Mannschaft der Aktiven (sämtlich PGG.) die 1. Schwanenteichstafette über 3200 Meter ausfahren. Aus den Rahmenveranstaltungen sind zu nennen: ein Aufbauwettbewerb für Wanderfaltboote und die Errichtung einer kleinen Z e l t st a d t. Für die Kleinen aber gibt es Rundfahrten auf dem Teich. Schi, Paddel und Rollschuh Der Gießener Schiklub hat den Beginn seiner Winterarbeit in den Dienst der WHW.-Sammlung gestellt und führt am Samstagabend in einem Lichtbildervortrag die Schiläufer und alle, die es im kommenden Winter werden möchten, zunächst einmal im Film in die Berge und Schigebiete. Der Film, der unter dem Titel „Der Winter ist mir net z'wider" läuft, dürfte die Sportbegeisterten sowie alle Freunde des Winters und der schneebedeckten Berge in großer Zahl vereinen. So nah ist der Winter aber doch noch nicht, daß nicht auch der Sommersport noch ein Wort zu sagen hätte. Ein Paddelfilm vereint Naturschönheiten des Ammersees und Oberbayerns mit bem fröhlichen Leben der Kanuten auf Flüssen und Seen und ruft den Beschauer zum Mitmachen, zum Wasserwandern auf. Und schließlich „Ein alter Svort wird wieder jung", ein Film vom Rollschulauf! Der Bildstreifen, Der unter Mitwirkung der besten deutschen Läufer hergestellt wurde, zeigt den Aufbau dieses Sportzweigs von den einfachsten bis zu den schwierigsten Bogenformen. Auch die Freunde des Eislaufs werden hier auf ihre Kosten kommen. Das Programm der Handballer. Es ist selbstverständlich, daß auch das Fachamt Handball vei dem Großeinsatz des deutschen Sports am kommenden Wochenende mit allen zur Verfügung stehenden Kräften beteiligt ist und daß überall dort, wo selbständige Abteilungen bestehen, der Handball in erhöhtem Maße zum Einsatz kommt. Die Handballer stellen sich, wie immer, gern und willig in den Dienst der Sache, sie werden ihr Teil zum restlosen Gelingen des Tages beitragen. Daran sollen alle Freunde und Anhänger des Handballs erkennen, daß die Reihe auch an ihnen ist, es ihren Spielern gleichzutun und sich so einzusetzen, daß die Voraussetzungen für einen hundertprozentigen Erfolg geschaffen werden. Obwohl die Veranstaltungen in den einzelnen Orten nicht bekannt sind, werden die Spiele, die wir nachstchend zusammenfassen, Höhepunkte bilden. Daneben wird in allen Orten, wo gleichzeitig Fußballmannschaften bestehen, ein interessanter Ber- gleich durchgeMhrt. So wie in Gießen (Oswalds- garten) eine Fußball- und eine Handballmannschaft je eine Halbzeit ihr Spiel gegeneinander zeigen, wird es überall dort (ein, wo beide Sportarten betrieben werden. Es treten an: Lützellinden — Hochelheim; Beuern — Großen- Buseck; Hörnsheim — Lang-Göns; Oberkleen — ßang^öns II.; Dornholzhausen — Hörnsheim; Holzheim — Dutenhofen; Garbenheim — Wehrmacht; W.-Niedergirmes — Wehrmacht; Gießen — Wehrmacht; Katzenfurt — Wehrmacht; Krofdorf — Heuchelheim; Niederkleen — Dornholzhausen; Lang- Göns — Holzheim; Hausen — Watzenborn-Steinberg; Atzbach — Garbenheim; Launsbach — Krofdorf Igd.; Klein-Linden — Spv. 1900 Gießen. Die Spiele der Fußballer. Im Rahmen her ersten Reichsstraßensammlung des 2. Kric. WHW., für die der deutsche Sport eingesetzt wird, führen die Vereine des Bezirks 8 eine Reihe von Spielen durch, deren Ertrag aus-> schließlich dem WHW. zugute kommt. Die Fußballer mit ihren Anhängern wollen zeigen, daß die Siege des kommenden Sonntags für die Gemeinschaft erftritten werden. Sie glauben, daß ihnen Dabei jede Unterstützung des sportinteressierten Publikums zuteil wird. Durch Paarungen von spielstarken Mannschaften hat jeder Zuschauer die Gewähr, daß er Kämpfe zu sehen bekommt, die hinter den sonstigen Spielen nicht zurückstehen. Am Samstag stehen sich zwei Mannschaften auf Oswaldsgarten gegenüber. Beide Mannschaften bestehen aus sieben Mann. Die erste Halbzeit wird Handball, die zweite Halbzeit wird Fußball gesvielt. Man ist gespannt, wie das Endresultat aussehen wird. Am Sonntag: 1. Stadtmannschaft A — Wehrmacht. Auf dem Waldsportplatz stehen sich diese Mannschaften zum Kampfe gegenüber. Die Mannschaft der Wehrmacht ist die erste.Mannschaft eines Luftwaffensportvereins, der mit seiner neu ins Leben gerufenen* Fußballmannschaft zum erstenmal vor die Öffentlichkeit tritt. Die Mannschaft spielt mit: Fischer 1900 Schlitz II Goß MB.-R. 1900 Schlitz I. Anton Godglück alle DfB.-R. Ehmann Kraft Ziegler Funk Heeg VfB.-R. 1900 VfB.-R. 1900 2. Stadtmann schäft B — Heuchelheim. Aufstellung der B-Mannschaft: Borschel DfB.-R. Schneider Fleischhauer 1900 VfB.-R. Stühler Jäger Steinmann 1900 VfB.-R. Seitz Nikolai Reisinger Rohm Fröhlich alle VfB.-R. Ebenfalls in stärkster Aufstellung spielt die B- Mannschaft in Heuchelheim. Da die Gastgeber als Heimmannschaft gefürchtet sind, dürste auch hier der Sieger erst mit dem Schlußpfiff feststehen. Spielerisch gesehen, sollten die Gießener einiges vovaus- haben. 3. Watzenborn-Steinberg — (Sorben- teich. Das erneute Zusammentreffen beider Mannschaften wird Klarheit darüber geben, ob das große Spiel der Garbenteicher auf eigenem Platz gegen den Meister nur eine einmalige Erscheinung war, oder ob die Gäste tatsächlich in ihrer Spielstärke so große Fortschritte gemacht haben. An Temperament wird das Spiel sich besonders auszeichnen. 4. Großen-Linden — K l e i n - L i nd e n. Im Rahmen des Turn- und Sporttages in Allen- dorf spielen beide Mannschaften. Gerade sie müssen sich darüber klar sein, daß ihre Aufgabe darin bc- _ Schickt Illustrierte an die Front! Der Frontsoldat wird dafür dankbar sein. steht, Fußball zu spielen, wie er sein soll. Beide Mannschaften verfügen über die notwendigen Kräfte, um die Schönheit des Fußballspieles zu zeigen. Bei der Ausgeglichenheit der Spielstärke ist der Ausgang des Spieles vollkommen ungewiß. Zum Schluß soll noch erwähnt werden, daß in der Gruppe Dill und Wetzlar insgesamt 10 Spiele ftattfinben. Auch hier werden spannende Kämpf« zu erwarten sein. Zugendfußball der Sp.-Vg. 1900. Am kommenden Sonntag ist die 1. Jugend- Mannschaft der Spielvereinigung 1900 zu einem Freundschaftsspiel in Großen-Linden. Die Blau- Weißen, die am vergangenen Sonntag eine hohe Niederlage einstecken mußten, werden versuchen, diese wieder auszuwetzen. Die 2. Jugend trifft auf die gleiche des Sportvereins 1926 Leihgestern und dürfte wohl kaum um eine Niederlage herumkommen. Aus Oer engeren Heimat. Ein verdienter Heimatforscher gestorben LPD. Alsfeld, 19. September. Im Alter von 62 Jahren ist der hiesige Oberreallehrer Karl Dotter gestorben. Durch seine jahrelangen Arbeiten auf dem Gebiete der heimatgeschichtlichen Altertumsforschung und Heimatkunde, als Verwalter des Archivs der Stadt Alsfeld und als tatkräftiger Förderer des Alsfelder Stadtmuseums ist er in weiten Bevölkerungskreisen bekannt geworden. Seine archivalischen Forschungsarbeiten im städtischen Archiv hatten u. a. für die Stadt Alsfeld den großen Vorteil, daß ein in früheren Jahrzehnten durchgeiichrter Plan der Aufteilung des großen Waldgebietes „Der Homberg" bei Alsfeld, in dessen Verlauf die Stadt Alsfeld zugunsten des hessischen Staates erheblich benachteiligt worden war, wieder ans Tageslicht gebracht wurde und nun eine nach gerechten Maßstäben durchgeführte Neuordnung erfuhr, bei der die Stadt Alsfeld einen großen Teil des vorher in hessischem Staatsbesitz befindlichen Waldes als Eigentum zugesprochen erhielt. Auch als Mitarbeiter und späterer Leiter der „Mitteilungen des Alsfelder Geschichts- und Altertums- vereins" hat sich Dotter um die Stadt Alsfeli) und die oberhessische Heimatgeschichte in hohem Maße verdient gemacht. Frankfurter Schlachtvlehmarkk. Frankfurt a. M., 19. Sept. Es notierten je 50 kg Lebendgewicht in RM.: Ochsen a) 45,5 bis 46,5, b) 41 bis 42,5, c) 37 bis 37,5; Bullen a) 44 bis 44,5, b) 40,5, c) 35 bis 35,5; Kühe a) 43,5 bis 44,5, b) 39 bis 40,5, c) 25,5 bis 34,5, d) 18 bis 24,5; Färsen a) 45 bis 45,5, b) 40,5 bis 41,5, c) 36,5; Kälber, Doppelender, bester Mast 65 bis 74, andere Kälber a 59, b) 55 bis 59, c) 45 bis 50, d) 35 bis 40; Hämmel b2) 48 bis 51, Schafe a) 44, b) 37 bis 40, c) 12 bis 32; Schweine a) 58, bl) 58, b2) 58, c) 57, d) 54, e) 52, Sauen gl) 58. Marktoerlauf: alles zugeteilt. talänglndelH Roman von Helene Kalisch Copyright 1939 by Prometheus -Verlag Dr. Elchacker, Gröbenzell bei München 27. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Er versucht ein Lächeln, das aber nicht gelingt, zieht den Atem durch die Zähne. „Geschehen ist nichts. Es ist nur nötig, daß mir miteinander reden, Maria! ..." Er folgt ihrem Blick und bemerkt, wie sich die Scheibengardine an der ins Nebenzimmer führenden Tür bewegt, sieht Marta rot werden. Sie wendet fid) um und raunt ihm au" „Ich kann heute nid) weg, es geht Vater schlechter ..." Scheinbar ihre Vorräte musternd, geht sie im Laden hin und her und jagt halb abgewendet laut zu ihm: „Nein, ich kann heute nid)ts bestellen! Vielleicht fahre Id) morgen früh selbst nach der Zentralmarkthalle und kaufe ein. Ich muß erst sehen, was wir brauchen!" Er hat verstanden, nickt ihr zu und geht. Am nächsten Vormittag trifft er Maria in der Markthalle. Die Waren, die sie gekauft hat, sind bereits auf Pahls Wagen. Sie selbst will schnell mit der Straßenbahn zuriick, weil sie nid)t lange von Hause fernbleiben kann. In einem der Gänge zwi- jchen den Derkaufsständen, In dem es stiller ist, weil mehrere Stände geschlossen sind, reden sie miteinander. „Was hattest du bloß, Klaus?" fragt Marta. „Ich konnte In der Nacht nicht schlafen vor Unruhe! Immer sah ich dein Gesicht und deine Augen vor mir — die sahen so aus, als hättest du Angst vor etwas ..." Sie versucht ein Lachen. „Du, und Angst haben ..." Er preßt ihren Arm. „Ja, Maria, es ist was aufgewacht da drinnen", sagt er, auf seine Brust deutend. „Es ist geweckt worden von Mutter Pahl." „Was denn?" fährt Marta auf. „Sie soll sich doch nich elnml|d)cn und fein Gerede machen! Ich weiß, sie meint es gut, aber — sie kann doch das alles nid) richtig verstehen! Und sie soll dir nich den Kopf warmmachen!" Er streicht mit dem Handrücken über ihre Wange. „Doch, soll sie! Recht hat die alte Frau!" setzt er mit unterdrückter Heftigkeit hinzu. „Mich muh man mal aufrütteln, weil ich wie im Traume lebe! Da habe ich dich gefunden ... Ich nehme alles! ... Ich bin ja dankbar, Marta ... Wenn ich Gott im Herzen danke, weil fid) für mich alles zum Guten gefügt hat und mir das Leben wie neu geschenkt ist, dann danke ich zugleich immer dir — das ist dann eins. Aber weiter auch nichts, Marta! Und da steckt ein Fehler, Marta, eine Schuld. Id) durfte nicht in den Tag hineinleben und mir keine Sorge machen, während sie über dich herfallen und dich lästern, did) in den Dreck zerren! Du, die so gut ist wie selten ein Mensch ..." „Aber sei doch still, Klaus! Ach, nun bist du ganz außer dir", sucht Marta den Erregten zu beschwichtigen. Dann aber kann sie nicht mehr — kann nicht anders, als sich der Erleichterung hingeben, die fein Miterleiden ihrer heimlichen Qual ihr schenkt. Sie schluchzt leise, unterdrückt aber gleich wieder das Weinen. „Id) wollte lieber nicht zu dir von dem allem viel reden, Klaus", flüstert sie, ihre Tränen trocknend. „Wcsiin du mich so ansiehst ... Ach, ich habe Immer Angst, daß in dir etwas aufwacht, etwas Gefährliches! Du (ollst dich nicht noch einmal durch Jähzorn unglücklich madicn ... Nicht meinet- wegen. Das wäre bas Allerschlimmste! Lieber will id) alles auf mich nehmen." „Sei still, min Deem", raunt er und streicht wieder fad)t über chre Wange. Und diese zarte Liebkosung und sein ,Sei (—till, min Deern‘, so wie er es sagt, ad), es schenkt ihr das süße, warme Glücksgefühl und die einzige, herrliche Gewißheit, die alles leicht macht, was fönst unerträglid) wäre. „Ich weiß, was es jetzt zu tun gilt", hört sie ihn sagen, „längst hätte Ich es tun müssen. Ich gehe zu einem Anwalt wegen der Scheidung meiner früheren Ehe." Sie blickt in sein Gesicht, hält seine Hand fest. „Ach, mein Klaus ... Du wirst von mir nich denken, daß es mir bloß ums Standesamt zu tun ist", sagt sie in beklommenem, erregtem Ton. „Ich habe did) lieb und hab' nid) danach gefragt, ob wir uns heiraten können ober nich. Und wenn das nich richtig war, so muß Id) es auf mich nehmen. Und ich tue es gern, trotz allem. Denn (eit du gekommen bist, weiß ich erst, warum ich lebe! All die Jahre vorher, da war ich im Dunkeln und habe mich gebangt nach einer Seele, nach einem Menschen, der zu mir gehört ..." Sie lehnt sich an ihn und sieht ihm in die Augen. „Alles kann ich ertragen, wenn du zu mir hältst, Klaus. Und — nun weiht du auch das andere, was ich dir noch nicht sagen wollte ..." 14. Kapitel. Klaus Tjaden sucht einen Rechtsanwalt auf, um die Ehescheidung einzuleiten. Als er dessen 'Büro wieder verläßt, ist er völlig benommen, treibt ziellos in dem Strom des Straßenverkehrs. Er kommt an einen Platz, auf bem eine Kirche steht, von Bäumen unb Grünanlagen umgeben. Er setzt sich auf eine Bank. Der Kopf schwirrt ihm von all Den Gesetzesparagraphen, bie ihm ber Jurist vorgelesen hat; von den eherechtlichen Bestimmungen, bie ihm als ein ungeheurer Wirrwarr erscheinen. Nur eines hat er klar begriffen: Die gesetzliche Frist zur Erhebung ber Scheidungsklage ist für ihn längst verstrichen. Er hätte sie spätestens sechs Monate nach Kenntnis des Scheidungsgrundes erheben müssen. Wie vor den Kopf geschlagen hat er vor bem Anwalt gesessen, ber in verschiebenen Büchern nachschlug und hunbert Fragen an ihn richtete. Alles ist roieber aufgerührt, was wie mooriger Grunb unter ber still unb klar geworbenen Flut feines Lebens ruhte. Was geht ihn heute bie Frau noch an, bie ihm einmal die Sinne verwirrte? Unendlich fern ist sie ihm. Schwere Erschütterungen unb bittere Not waren wie eine weite Wanberung unb völlige Wanblung, bie ihn von ihr entfernt haben. Aber ba stehen irgenbroo in einem Buche ein paar geschriebene Worte — unb bie bebeuten eine noch immer geltenbe Binbung? Der Anwalt wirb an Dietmuthe schreiben, um ihr nahezulegen, ihrerseits bie Scheibungsklage zu erheben. Man müsse abwarten, hatte er sich geäußert, ein langwieriger Rechtsstreit, der allerhand Geld kostet und dessen Ausgang fraglich sei, stehe ihm wahrscheinlich bevor. — Die Woche vergeht, ehe er wieder mit Maria sprechen kann. Zweimal bringt er inzwischen Ware in ihren Laden, aber es sind jedesmal Leute da. Einmal ist sogar ihre Stiefmutter anwesend, die ihm giftige Blicke zuwirft. Im Hinausgehen hört er eine halblaute Bemerkung, aus ber er bas Wort „Zuchthäusler" auffängt. Da reißt es ihn; er macht eine Wendung zurück, will auf bie Frau zu. Da aber ist in bem rötlichen Nebel, ber vor feinen Augen schwimmt, Martas kreibeweißes Gesicht. Er hört ihr leises, beschwörenbes: „Klaus!" Er sieht bie Angst in ihren Augen. Als er ben Laben betrat, hatte sie ihn fraaenb angesehen. Er vermag nichts über fein Gesicht, rann ihm keinen hoffnungsfrohen, zuversichtlichen Aus- bruck geben, wenn schwere Sorge ihn bebrüeft. Arme Marta! ... Wie sicher unb fröhlich war sie, als er sie fennenlemte, unb jetzt? ... Mußte sie ihn vor dem Verkommen retten, um selber so elend zu werden? Am Sonntag aber ist wieder sie es, bie ihm bie Seelenbürbe leichter macht. Als er ihr bas Ergebnis feiner Unterrebung mit bem Anwalt mitteilt, seufzt sie tief auf unb sagt mit einem ermunternben Lächeln: „Na, Klaus, es ist. boch ber Anfang. Wir müssen es abwarten." Sie legt ben Arm um seinen Nacken. „Es lohnt sich boch, barum zu kämpfen, für unser Glück, nicht wahr? Ich glaube, wir schaffen es boch." Da nimmt er sie in bie Arme unb küßt sie, bis ihr ber Atem vergeht. Ihre Zuversicht macht auch ihm bas Leben roieber Heller. Sie verspricht ihm, mit ihm zu gehen, wohin er will, wenn er enblich ganz frei fein wirb. Jetzt ist etwas Neues in ihr — eine neue Forberung, bie vor allen anberen steht. So redet sie Klaus Mut zu unb hat es selbst so sehr nötig, sich aus dem kurzen Glück ihres Beisammenseins Kraft zum Ertragen bes so harten, so mit Bitterkeiten angefüllten Alltags mitzunehmen. — Von bem Rechtsanwalt erhält Klaus ben Befcheib, baß Dietmuthe es ablehnt, bie Scheibungsklage zu erheben. Als er es Marta erzählt, sieht sie ihm an, wie Zorn unb (Erbitterung in ihm wühlen, wie sich als gefährlicher Zündstoff Haß anfammelt gegen bie Frau, bie ihm schon einmal sein Leben oerborben hat unb ihm nun roieber schwere Hinbernisse in ben Weg (egt. Das erkennt Marta mit sicherem Gefühl, obwohl sie beibe in ihrer schweren Weise nur wenig barüber reben. Da gesellt sich Angst zu ihrer eigenen Not. Sie weiß wenig von biefer Frau; Klaus ist selten zum Reben über sie zu bewegen. (Fortsetzung folgt.).