Dienstag, 2«. August MV auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Annahme von Anzeige« für die Mittagsnummer bis8'/,Uhr desBormittags Auzeigen-Preise: Anzeigenteil 7 Rvf. je mm bei 22 mm Zeilenbreite, Tertteil 50 Rvf. je mm bei 70 mm Zeilenbreite Nachlässe: Wiederholung Malstaffell Abschlüsse Mengenstaffel S Pladvorschrift l vorherige Vereinbarung) 25°/0 mehr General-Anzeiger für Oberhessen Giehen^5chulstratze 7-9 Fernsvrechanschlufr 2251 Druck und Verlag: Drahtanschrift:„Anzeiger" PostscheckllössFrank^M. vrühlsche llmverfitattdruckerei 8. Lmge Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr... „ -.25 se Glehener Anzeiger Scharfe Verfolgung in Somalilanb. Oie Briten fliehen auf die Schiffe unter ständigen Angriffen der italienischen Luftwaffe. Rom, 19. Aug. (DRB.) Der italienische Dehr- machtsberichl vom Montag hat folgenden Wortlaut: 3n Britisch- Somaliland verfolgen unsere Truppen nach Durchbrechung der zweiten feindlichen Verteidigungslinie und der Eroberung und Ucberschreilung von L a f a r u k den Feind, der sich in Richtung der Schiffe zurückzieht, die ihrerseits unaufhörlich von unserer Luftwaffe bombardiert werden. Lin englisches Flugzeug ist von unseren Jägern abgeschofsen worden. Ein feindlicher Luftangriff auf L a s s a l a hat weder Opfer, noch Schäden zur Folge gehabt. Lin weiterer Angriff auf den Flugplatz von Addis - Abeba hat zwei Tote und fünf Verwundete verursacht und zwei Flugplahhallen getroffen, die alles Material enthielten. In 71 o r d a f r i k a hat unsere Luftwaffe die Anlagen des Wasser-Flughafens von S id i Barra n i, sowie Zeltlager und Kraftwagen in der Zone südöstlich von S ollu m wirkungsvoll bombardiert. Alle unsere Flugzeuge sind zurückgekehrt. Feindliche Luftangriffe fanden auf Mailand statt, wo drei Bomben einen Häuserblock trafen und andere auf offenem Felde niederfielen. Angriffe auf E u n e o und Turin haben unbedeutenden Schaden, jedoch keine Opfer verursacht. Wie üblich wurden Flugblätter abgeworfen. Der Vormarsch auf Verbera. Rom, 20. Aug. (Europapreß.) Der Durchbruch der Italiener durch die zweite Verteidigungslinie der Engländer in Brittsch-Somali- land wird von der Abendpresse in mächtigen Schlagzeilen verzeichnet. Auch in den Kommentaren wird oie Bedeutung des gewaltigen Sieges der italienischen Waffen in ausführlicher Weise gewürdigt. So schreibt Gayda im halbamtlichen „Giornale d'Jta- lia", die englische Katastrophe in Somaliland nähere sich ihrem Ende. Die italienischen Truppen stünden nun nur noch vierzig Kilometer von Berbern entfernt. Die an der Küste von Zeila aus vormarschierenden Truppen seien bis auf siebzig Kilometer an Berbern herangekommen. Schon am Samstag hätten die italienischen Truppen, nachdem sie die e r st e von den Engländern und Franzosen errichtete starke Verteidigungslinie durchbrochen hatten, ihren kühnen Angriff gegen die zweite englische Verteidigungslinie vorgetragen. Kurz vor dieser zweiten Verteidigungsstellung seien sie auf ein indischer Regiment gestoßen, das die Engländer zur Deckung ihres Rückzuges in den Kamps geworfen hätten, und hätten es aufgerieben. Unmittelbar darauf seien sie zum Sturm auf die zweite Verteidigungslinie übergegangen, die sie, obwohl sie ebenfalls gut ausgebaut gewesen sei, in siegreichen Kämpfen eingedrückt und überwunden hätten. Rach den Kämpfen im Gebirge ständen die italienischen Truppen nun wieder im Tale, wo sie auf hastig angelegte Feldbefestigungen der Engländer stießen, mit denen das britische Oberkommando die italienischen Kolonnen aufzuhalten hoffe, um seinen flüchtenden Truppen den Rückzug und die Einschiffung in B e rb er a zu ermöglichen. Die Engländer leisteten verzweifelten Widerstand, die Luftwaffe versuche den italienischen Vormarsch aufzuhalten, und mit dem Näherrücken der italienischen Kolonnen an Berbera werde auch diesckwere Artillerie der Kriegsschiffe in Aktton treten, der die Italiener nur ihre sechs Kilometer weit tragende Gebirgsartillerie entgegenstellen könnten. Trotzdem gehe aber der italienische Vormarsch unaufhaltsam weiter, die italienische Luftwaffe werde voll eingesetzt, um die letzten Widerständ". der Engländer zu brechen, ihre überstürzten Einschiffungsoperationen zu stören und die englischen Kriegsschiffe anzugreifen. Man könnte annehmen, daß die Tage und Stunden des englischen Widerstandes in Berbera gezählt seien. Sie italienischen Operationen in Somaliland konzentrierten sich aber nicht etwa nur auf die nunmehr bevorstehende Eroberung Berberas, sondern sie verfolgten einen viel weitergehenden und entscheidenderen Plan, dessen letzte Auswirkungen man bald sehen werde. Meder ein „erfolgreicher Rückzug". Stockholm, 20. Aug. (Europapreß.) Ein neuer „erfolgreicher englischer Rückzug" wird am Montagabend offiziell aus London gemeldet. In einer amtlichen Bekanntmachung heißt es, daß Britisch-Somaliland „fortfahrend geräumt wird". Alle Geschütze seien auf Fahrzeuge verladen worden, wenn sie nicht schon bei den Kämpfen in der letzten Zeit verloren gegangen seien. Ein großer Teil des übrigen Kriegsmaterials sowie Proviant fei auf die Schiffe gebracht worden. Das nicht mitgenommene Kriegsmaterial fei zerstört worden. Auch einen Teil der Verwundeten habe man an Bord nehmen können. Zum Schluß heißt es in der amtlichen britischen Feststellung natürlich, daß die italienischen Verluste im Vergleich zu den britischen weitaus größer gewesen seien. Nach einem Bericht des britischen Kriegsministe- riums waren die ursprünglichen alliierten Dispositionen in So matt land auf dem Plane engster französisch . britischer Zusammenarbeit aufgebaut. Nach diesem Plane sollten die französischen Streitkräfte in Dschibuti natürlich den schwersten Teil des Kampfes auf sich nehmen, nämlich die rechte Flanke, das Kernstück der gesamten Stellung, hallen. Mll ihrem Ausscheiden fei Blatt schreibt: „Bevor wir den Kampfwert der Italiener herabsetzen, sollten wir erst den Sieg über f i e erringen. Jedenfalls sind die Italiener glänzende Techniker. Schon im abessinischen Krieg haben sich Transport-, Nachschub- und ärztlicher Dienst als erstklassig bewährt. Die einfache Wahrheit ist nun einmal, daß unsere anderweitigen Verpflichtungen, so z. B. auch das Ausscheiden Frankreichs aus dem Konflikt, es uns unmöglich gemacht haben, den Italienern in Ostafrika als gleichwertig entgegenzutteten." mehr als die Hälfte der verfügbaren alliierten Streitmacht lahmgelegt worden. „Wir konnten", so heißt es dann im Bericht weiter, „nicht genügend Verstärkungen nach Brittfch-So- maliland entsenden. Wir blieben mit unseren geringen' Kräften im Lande, um dem Feinde die größtmöglichen Verluste zuzufügen, bis der Rückzug unvermeidlich geworden war. Die Räumung des Somalilandes ist nun mit Erfolg beendet worden." Ein interessantes Urteil über den Kampfwert der Italiener gibt die „Porkshire Po st": Das Das italienische Operationsgebiet in Britisch-Somaliland. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Surat INDISCHER Moga/* ITAL. OST/] FRIKA ==Sokotra (jdrdafui - - J •‘2/Äden ai6h* . BRlT SOMALI LAND/ 'Harge/s* *ßurao Die strategischen Folgen. Die wesentlichen Erfolge der Italiener in So- malilarü) haben schon jetzt, vor der Vertreibung der Engländer aus ihren allerletzten Stützpunkten, die sehr weitreichende Bedeutung, daß der italienische Besitz in Ostafrika zu einem gewaltigen Land- block abgerundet wird. Damit wird auch erst Abessinien zu einem riesigen Fort, dessen Zugänglichkeit auf der einen Seite sehr erschwert ist, aus dem auf der anderen Seite aber Ausfälle gemacht werden können. Britisch-Somaliland war der einzige Fremdkörper in diesem gewaltigen Landblock. (Französisch-Somaliland mit der Dschibuti-Bahn hörte mit dem Waffenstillstand auf, ein feindliches Einsprengsel im eigentlichen Sinne zu sein.) Britisch-Somaliland hat die Bedeutung gehabt, daß die Engländer in ihrer hergebrachten Küstenstrategie das zwischen dem Meer und Abessinien gelegene Randgebiet abgeschält und das Hinterland damit von sich abhängig gemacht hatten. Die Dschibuti-Bahn lag in der unmittelbaren Reichweite der Engländer und damit auch die bekannte südostabessinische Stadt Harrar. Die italienische Eroberung Z e i I a s machte diesen unerwünschten Möglichkeiten schon vor Wochen ein Ende. Der italienische Vorstoß gegen Berbera rollt die ganze Küstenpositton der Engländer am ostafrikanischen Horn auf und gibt umgekehrt den Italienern Stützpunkte zu Luft- und Seeoperationen an dem engen Eingang aus dem Roten Meer in den Indischen Ozean ... gegenüber der englischen Zwingburg Aden in Sudarabien. Die Abrundung von Italienisch-Ostafrika auf ein Gebiet, das etwa viermal so groß ist als das Altreich, eröffnet den Italienern außerdem Stoßrichtungen gegen das obere Niltal: sei es in Richtung auf den Sudan oder gegen das zentralafrikanische Seengebiet. Oes Führers Glückwunsch zum Siege in Ostafrika. Berlin, 19. Aug. (DBB.) Der Führer hui zum italienischen Sieg in Ostafrlka folgendes Telegramm an den Duce gerichtet: „Duce! Nehmen Sie und Ihre Wehrmacht zu dem großen Sieg in Ostafrika meinen und des ganzen deutschen Volkes herzlichsten Glückwunsch entgegen. Ihr Adolf Hitler." 3n der Aacht zum Mnlag schwereVombenangriffe Betriebsstofflager östlich London, Rüstungswerke, Hafenanlagen und Flugplätze mit Bomben belegt. — 447 Flugzeuge und 33 Sperrballone abgefchoffen. Der Wehrmachtsbericht vom Montag. Berlin, 19.Aug. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Die Luftwaffe errang, wie zum Teil schon durch eine Sondermeldung bekannlgegeben, am 18. August neue große Erfolge. Deutsche Fliegerverbände griffen in Süd- und Miltelengland kriegswichtige Ziele wie Jndustriewerke, Bahnanlagen, Flakslellungen und vor allem Flugplätze um London pnd in den Grafschaften Kent und Hampshire mit guter Wirkung an. Bei Bombenangriffen auf Schiffsziele im Kanal gelang es, ein Handelsschiff von 4000 BRT. zu versenken, ein weiteres schwer zu beschädigen. An mehreren Stellen entwickelten sich heftige Luftkämpfe, in deren Verlauf unsere Zerstörer und Jäger dem Feinde schwere Verluste beibrachten. Das Zerstörergeschwader „Horst Wessel" unter Führung seines Kommodore, Oberstleutnant h u t h, schoß allein an diesem Tage 51 Flugzeuge ab. In der Nacht zum 19. August belegten Kampfflugzeuge große Beftiebsff off lager ostwärts London, Rüstungswerke in Norwich und Essex, die Hafenanlagen von Milfordhaven. ha- venmouth, Bournemouth und Weymouth sowie mehrere Flugplätze in Südengland und bei Liverpool mit Bomben. Bei allen angegriffenen Zielen konnten starke Brände und Explosionen beobachtet werden. In den Häfen wurden mehrere Schiffe getroffen. Britische Flugzeuge warfen in der Nacht zum 19. August in West- und Süddeutschland Bomben ab, ohne wesentlichen Sachschaden anzurichten. Die Verluste des Gegners am gestrigen Tage betrugen 147 Flugzeuge. Davon sind 124 in Luftkämpfen abgeschossen und 23 am Boden zerstört oder durch Flakartillerie zum Absturz gebracht worden. Außerdem wurden 33 Sperrbaljone vernichtet. 36 deutsche Flugzeuge sind nicht zurückgekehrt. Ausländische Korrespondenten dürfen nichts sehen! Stockholm, 20. Aug. (Europapreß.) Die englische Presse betätigt, daß das Londoner Informationsministerium bei den deutschen Luftangriffen alles getan hat, um die ausländifchenKorre- spondenten nicht in die Lage zu versetzen, sich ein Bild von dem Ausmaß der deutschen Akttonen zu machen. Sowohl „Times" wie „Dailg Telegraph" machen genaue Angaben darüber, daß nunmehr sogar die amerikanischen Journalisten, die bisher noch stellenweise zu den Plätzen der deutschen Luftangriffe zugelassen wurden, z u - rückgehalten werden, damit sie sich nicht ein Bild von der Wirkung der Bombenabwürfe machen können. Es werden Beispiele angeführt, aug denen hervorgeht, daß amerikanische Journalisten, denen man die Ausreise aus London in die südlichen Grafschaften verbot, in London acht Stund en lang warten mußten, um die erste Information über das Ergebnis deutscher Einflüge nach England zu erfahren. Das riesige Ausmaß der Schäden veranlaßte den Londoner Korrespondenten von „Soenska Dag- bl a d e t" zu einer Fahrt nach Croydon, wo er am Sonntag verhaftet wurde, weil er sich informieren wollte. Seine Ausweispapiere waren in Ordnung. Nichtsdestoweniger wurde der Schwede stundenlang fest gehalten, weil man fürchtete, der Korrespondent werde übex die Wirkung der „Oer Tag, bevor ich toi bin." Das Bild, das England zur Zeit jedem aufmerksamen Bettachter bietet, ist nicht nur zwiespältig, sondern so voller Gegensätze, daß man ohne lieber* tteibung von einem chaotischen Wirrwarr sprechen kann, der sich auf die vielfältigste Weife äußert. Dem psychologisch und historisch geschulten Beobachter sagen aber die freche Ueberheblichkeit, der verzweifelte Optimismus, die Sorge und die falsche Einschätzung der eigenen Lage, die Hoffnungslosigkeit und der phrasenhafte Dünkel der Männer vom Schlage eines Duff Cooper lediglich, daß in England eine Untergangs st immung herrscht, die bereits in dem Titel einer augenblicklich in London gespielten Revue: „Der Tag, bevor ich tot bin" 3ur erschreckenden Bewußtheit weiter englischer Schichten geworden ist. Militärisch gesehen, ergibt sich das gleiche Bild, wenn auch mit wesentlich anderen Vorzeichen. Hier sind die kennzeichnenden Merkmale einer inneren Hilflosigkeit die fieberhaften Anstrengungen, aus dem englischen Volk in letzter Minute „ein Volk in Waffen" zu machen, und die zynischen Eingeständnisse, daß man Die Zivilbevölkerung zu Heckenschützen heranbilden will, al|o au Kämpfern, die das äußerste Zerrbild echten Soldatentums sind. Der Anweisungen, wie man deutsche Tanks durch selbstgefertigte Handgranaten, durch Stacheldrahtsperren, wie man Fallschirmschützen durch Flintenweiber oder mit Heugabeln „bewaffnete" Dorfbewohner, wie man deutsche Soldaten „lautlos hinterrücks" niedermachen kann, grassieren zur Zeit sehr viele in England, angefangen von der friedlichen Geistlichkeit bis zu den Herren, die heute auf der Insel für die Politik „verantwortlich" zeichnen. Sie alle aber ergeben in ihrer Gesamtheit das Eingeständnis, daß England den Krieg, den es einzig zu führen versteht, nämlich den mit den „silbernen Kugeln", bereits verloren hat und daher auch den anderen, den es nicht zu führen versteht, den militärischen, er st recht verlieren wird. Um den Sinn all dieser Brutalitäten, der militärischen Abgeschmacktheiten und sttategischen Sinnlosigkeiten zu verstehen — und damit das englische Drama dieses Krieges überhaupt — muß man sich vergegenwärtigen, daß der bedeutendste Militärschriftsteller Englands, Liddel Hart, Englands Strategie einmal „ein glitzerndes Schwert aus fremder Werkstatt" nannte. Es ist im wesentlichen das Söldnerideal, das den äußersten Gegensatz zu jener Clausewitzschen Auffassung eines „Volkes in Waffen" bildet. Englands Stolz war nicht das Ethos des Urstandes, wie er sich im Krieger und Bauern symbolisiert, nein, Englands Stolz war der eines Krämers: mit Hilfe der überlegenen Finanzmacht fremde Truppen zu werben, die Bombardements berichten. Der Londoner Korrespondent von „Stockholms IUrningen" berichtet, daß das Ziel der deutschen Bombenabwürfe hauptsächlich Flugplätze, Bahnhöfe u. a. m. seien. Die Bevölkerung Südenglands und Londons wurde von der deutschen Aktton vollständig überrascht. Die Gebäude eines Flugplatzes von Süd-London standen in Flammen, noch ehe man sich über das Ausmaß der deutschen Angriffe klar geworden war. Die Aktionen der deutschen Bomber und Jäger waren derart gewaltig, daß die englischen Jäger nur noch wagten, sich aus dem Hinterhalt an die Angreifer heranzuschleichen. Hunderte von deutschen Maschinen tauchten innerhalb kürzester Frist auf, dreimal mußte ßuftalarm für London gegeben werden: mittags, nachmittags und abends. Mehrere Stunden faßen die Londoner in ihren Luftschutzkellern. Zweierlei Maß. London, 19. Aug. (Europapreß.) Die Soldaten Großbritanniens sollen in Zukunft nicht mehr so viele Vergnügungen haben wie bisher. Alle Truppenkommandeure werden aufgefordert, die von ihnen für die Unterhaltung ihrer Mannschaften in Aussicht genommenen Aufführungen und sonstigen Veranstaltungen auf die Hälfte herabzusetzen. Die Armeeleitung vertritt den Standpunkt, daß in einer solch kritischen Zeit die Soldaten sich mehr auf den Krieg als auf ihre Vergnügungen konzentrieren sollen. In der englischen Luftwaffe hegt man nun große Befürchtungen, daß für die Flieger eine ähnliche Anordnung getroffen werden könnte. Die Leitung der Luftwaffe ist nämlich der Auffassung, daß man die Mannschaften durch Unterhaltungen bei guter Stimmung halten sollte. Mit der puritanischen Auffassung der britischen Heeresleitung stimmt es schlecht zusammen, daß trotz der vielen Proteste aus allen Teilen der englischen Bevölkerung und den Versprechungen der Behörden, den seit Kriegsausbruch wie Pilze auf« schießenden „B o 11 l e - P a r t i e s" ein Ende zu bereiten, erst vorige Woche wieder eine solche .private" Vergnügungsstätte für die Wohlhabenden i n einem früheren Klubgebäude eröffnet worden. Wie der „Daily Expreß" berichtet, dienten die Räume bis dahin als Luftschutzkeller und sollen eigenartigerroeife auch in Zukunft für diesen Zweck zur Verfügung stehen. Jeder, wer es auch sein mag, muß zu diesem wohl luxuriösesten Luftschutzraum Londons zugelassen werden, wenn er während eines Luftalarms Unterkunft sucht. Manchem wird es dadurch möglich sein, sich diese für ihn sonst unzugängliche Vergnügungsstätte auch einmal von innen anzusehen. Neue Vollmachten für Roosevelt. Das Repräsentantenhaus der USA. nahm mit 342 gegen 33 Stimmen die bereits früher vom Senat bewilligte Vorlage an, wodurch der Präsident autorisiert wird, die Nationalgarde sowie das Reserveoffizier-Korps für eine einjährige Diestführung zu mobllisieren. Englands Kriege führten. Es hat, man muß es zu- aeben, mit dieser seiner ureigensten Tradition Erfolge gehabt. Aber heute stebt England vor der Umkehrung dieses so konsequent befolgten Grundsatzes, nach Möglichkeit eigene Blutopfer zu vermeiden. Die „indirekte Kriegführung", die Taktik, durch wirtschaftlichen Druck den Gegner zu schwächen, ist durch die überleaenere — weil kämpferische und von einer hohen Idee geführte — Strategie eines Adolf Hitler durchkreuzt und unschädlich gemacht worden. Nicht mehr der Kapitalist, sondern oie Haltung des Soldaten, sein kämpferischer Einsatz und sein Wille, die Schlacht militärisch zu schlagen, entscheiden heute. Unb das ist es, was England — psychologisch gesehen — bis ins Mark getroffen hat. Die geschäftsmäßige Auffassung vom Kriege, von den Engländern so gern als „good sport" getarnt, hat einen unheilbaren Riß erhalten. Aber diese Auffassung ist nicht von heute oder gestern, nein, sie gehört zum Wesen des Engländertums, durch sie ist das Empire geworden, was es heute ist! Das darf nicht übersehen werden, denn hier decken wir die Wurzel aus für jene Stimmuna der großspurig in die Welt posaunten „Unüberwindlichkeit", hinter der in den meisten Fällen nichts anderes als das graue Elend der Betäubung durch Trunksucht, geschmackloseste erotische Eindeutigkeiten und fieberhafte Genußsucht zu sinden ist. England fühlt sich von den selbst geschriebenen Gesetzen seines Daseins, von seinem Lebensgefühl, seinen historischen Bedingtheiten und allen jenen Realitäten, die dem Engländer erst das Gepräge der Sicherheit und — Gottähnlichkeit geben, abgeschnitten. Militärisch gesehen, heißt das aber wieder, daß es alle jene Mittel, die es im Laufe von Jahrhunderten mit einer unerreichten Meisterschaft und einer ebenso verworfenen wie skrupellosen Bedenkenlosigkeit angewandt hat, nicht mehr zur Verfügung hat. Den Militärs kam schon bei der Bilanz des Weltkrieges ein unbehagliches Gejühl, dem Liddel Hart in seinem Buch „When Britain goes to War" deutlich Ausdruck gibt, da er in seiner Führung ein Abweichen von den „altbewährten Grundsätzen" englischer politischer Strategie sieht. Gewiß! England mußte im Weltkriege ja auck Blutopfer bringen, die es in diesem Kriege durch „siegreiche Rückzüge" ängstlich zu vermeiden suchte. Schon diese Rückzüge zeigten, daß England über die Bedingungen und den Verlauf dieses Krieges höchst unklare Vorstellungen — wenn überhaupt welche — hatte. Hier zeigte sich schon jene zwiespältige Haltung, die einmal dem überlieferten Drange zu folgen wünschte, mehr die „silbernen Kugeln" und die Po'itik des wirtschaftlichen Drucks in Anwendung zu dringen, zum anderen wohl oder übel der Notwendigkeit gehorchen mußte, dem Bundesgenossen gegenüber „das Gesicht zu wahren". Da England fein soldatisches Gesicht besitzt, gelang das nur sehr unvollkommen, und die notwendige Folge war eben das zynische Bekenntnis zur ureigensten Politik und Mentalität: der des See- und Straßenräubers, des Strolches, der auch dann, wenn er eine Waffe zu handhaben weiß, kein Soldat wird, weil ihm dessen innere Haltung und dessen Ethos fehlt, sondern der zum Heckenschützen wird, zum verzweifelten Piraten, der seinen Raub mit den gemeinsten Mitteln und Methoden zu verteidigen gewillt ist. Bkn. Die Blockadelinie. Am 17. August 1940 hat die Reichsregierung den totalen Blockadekrieg gegen England erklärt und die Neutralen vor dem Befahren der englischen Gewässer gewarnt, das mit unmittelbarer Gesahr für Schiff und Leben verbunden ist. Der Blockadering um England ist kurz darauf in der üblichen Form durch Positionsangaben nach Breiten- und Längengraden angegeben worden. Er beginnt etwa an der Loiremündung und geht dann in einer schrägen südwestlichen Linie bis auf den 45. Breiten- und 5. Längengrad, was nördlich von Asturien (In Spanien) und westlich von Bordeaux ist. Dann folgt die Blockadelinie dem 45. Breitengrad bis zum 20. Längengrad — also ziemlich weit in den nördlichen Atlantik hinein. Dabei erinnern wir, daß die Längengrade westlich und östlich von dem Observatorium in Greenwich bei London gerechnet werden. (Der 20. Längengrad westlich geht durch die Mitte von Island und liegt im Süden zwischen Madeira und den Azoren, was ungefähr die räumliche Westgrenze auf dem Atlantischen Ozean klar macht.) Die Blockadelinie verläuft nun auf dem 20. Längengrad scharf nach Norden bis zum 58. Breitengrad. (Auf dem 58. Breitengrad liegt — auf dem Festland — die Südspitze Norwegens oder etwa Gotenburg in Schweden oder Kap Skagen in Dänemark.) Von hier biegt die Blockadelinie nordöstlich ab in Richtung auf die norwegische Küste, und zwar bis zum Schnittpunkt des 62. Breiten- und des 3. Längengrades Ost. Dieser Schnittpunkt liegt etwa Halbwegs zwischen Bergen und Dront- hcim, und zwar in einer Entfernung von 50 Kilometer westlich der norwegischen Küste. Von hier läuft bie Blockadelinie schnurstraks nach Süden bis an die belgische Küste, so daß die dänischen und niederländischen Küstengewässer außerhalb ihres Umkreises bleiben. „Keine imaginäre Drohung." Schweizerische Presse zur deutschen Blockadeerklärung. Genf, 19.Aug. (Europapreß.) Die von Deutschland verkündete totale Blockade Großbritanniens und die neuerlichen Erfolge der deutschen Luftangriffe beschäftigen lebhaft die schweizerische Presse. So schreibt die „Tribüne de Lausanne": „Man muß den Führern des Hitler-Reiches die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß sie alle ihre Schläge immer genaue st ens oorbereitei haben. Wenn sie es für nützlich gefunden haben, eine ernste Warnung an die Neutralen zu formulieren, in der diesen in einer ausgedehnten Seezone eine gänzliche Untersagung der Schiffahrt mitgeteilt wird, so heißt das, daß sie den Verkehr außerordentlich gefährlich gestalten werden. Wenn das nicht der Fall wäre, würde der deutsche Generalstab die Warnung überhaupt nicht erlassen haben, denn sich zu blamieren, das gehört nicht zu seinen Gewohnheiten. Die Kampfmittel, die 1917 und 1918 Erfolg hatten, sind heute durch die moderne Technik weit überholt. Künftig ist weniger das Unterseebot als das Flugzeug der Feind Nummer 1 der Handelsschiffahrt. Weiter ist die strategische Lage Groß« britanniens heute unendlich schwieriger als vor 23 Jahren. Die französische Flotte hat den Kampf aufgeben müssen, und die Marine und die deutsche Luftwaffe verfügen heute über Seebasen und Flugplätze an allen europäischen Küsten von Narvik bis nach Bordeaux. Die gegen die britischen Inseln verkündete Gegenblockade ist also wahrhaftig keine imaginäre Drohung." Die Churchill-Linie. ■'Hiv/.iv-, Wk O 'a ’’ "•'K-'Z -4 .' Y A< * z-.- Bä L- „ ~ '-A"» Nach dem rühmlosen Ende der französischen „Wey gand-Linie" im Juni erregt die noch schneller errich tete „Churchill-Linie" in der internationalen Öffentlichkeit eher Mißtrauen als Zuversicht m die Fähig- feit der Briten, dem deutschen Ansturm Widerstand leisten zu können. Aber trotzdem versendet die Londoner Lügenzentrale auch solche Bilder wie dieses von der „B esichtigung" durch Churchill, die den Anschein erwecken soll, als ob es sich um besonders gut ausgebaute, große Verteidigungsanlagen handele. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Der Lustraum von London. Ulvers i . ßevytev IRLAND WdtlTtc Exeter Plymouth. Abteile . Vomagk *Dromon —^Wevmoi Portland^ [arridr^ Crqnard , BßlSIOl vonmoutb \ ------StJust ----:.V Brut-onr ? ** ÄIder$hOt fcDbriT ^ani&ble yeovil. - Southampton Bnghtoi Vitfge MaidPon^^LjdrtiiS^ Zßouft^ne X -- \-8erdi So r NEWCASTLE*’, . . —Whitehaven , , ' MdälesUo^h^itby ' Oo&nck—^- Tebav Mertäh^rmv .....-^ustleiown—- tancMr Z I R [ q r H P Preston _ 1 H 1 J £ ---Kxkpooiy 6UÜ(U .H ■ ........r'Uylina UVERPOOl ^MANCHESTER Carmarthen ---------jMiifatf Havert —rCaemarvon .Audley Nottinuham noitm/—-___ ■ - ■■■ —...... —- ^Wrexham Derby........... louth W tomliitt Kmgton Cardiffs, Auf unserer Lagekarte von der englischen Insel sind alle in den Wehrmachtsberichten bis Montag einschließlich genannten Orte in Süd- und Mittelengland verzeichnet. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Für die Beurteilung der Luftkämpfe über dem Raum von London genügen die üblichen Pläne der Stadt und ihrer Umgebung in Reiseführern, Atlanten oder Lexika nicht. Was „Groß-London" strategisch eigentlich ist, wird erst ... aus diesen Lust- kämpfen klar. Die Entfernung Londons von der See ist viel schwieriger zu bestimmen als die Hamburgs, wo man eindeutig von Cuxhaven an rechnen kann. Die Themsemündung bildet nämlich einen Meerbusen, an dessen äußerem Rand etwa Margate im Süden und Harwich im Norden liegen; am Jnnenrand dieses Meerbusens liegen Sheer- netz und South end. Alle diese Orte liegen im Bereich des Londoner Ausflugverkehrs. Man rechnet sie nicht zu London selbst. Im Sinn der deutschen Luftangriffe bilden sie aber mit dem eigentlichen London eine Einheit. Umgekehrt sind die viel- besuchten Ausflugsorte an der Themse oberhalb Londons wie z. B. Hampton oder gar Windsor sehr viel weniger Gegenstand der deutschen Aufmerksamkeit aus der Luft. Das normale Kartenbild von London erlebt also eine Verschiebung: die Themse- Ufer oberhalb des Vororts Richmond scheiden aus und dafür kommen zu dem unmittelbaren Stadtbild von London die beiden unteren Themse-Ufer bis zur Mündung. Wir erwähnen zunächst die wichtigsten Plätze: unmittelbar an die City schließt sich das schmutzige Judenviertel von Whitechapel und dann die ärmlichen Vororte an, in welchen die Dock- und Werftarbeiter sowie die Matrosen wohnen. Das südliche (untere) Themse-Ufer ist mit Greenwich und dem großen Arsenal von Woolwich etwas freundlicher. Aber ununterbrochen ziehen sich zu beiden Seiten Anlegeplätze der Schiffe, Speicher, Werften, Industrieanlagen bis nach Gravesend am südlichen und T i l b u r y am nördlichen Themse- Ufer hin. Das sind etwa, einschließlich der Flußkrümmungen, 37 Kilometer, die auf beiden Seiten der Themse Hafen- und Industrieanlagen dienen. Aber damit noch nicht genug: In dem Meerbusen, den die Themse bildet, mündet noch der nur 112 Kilometer lange Fluß Medway, der in der südöstlichen Landschaft Sussex entspringt, dann die Grafschaft Kent durchfließt und schließlich bei der Industriestadt Chatham mündet. Chatham hat ebenfalls bedeutende Kriegsarsenale, große Kriegsschiffswerften und ausgedehnte Dockanlagen für die Kriegsmarine. Jenseits des Medway liegt die Industriestadt Rochester. Gegenüber auf einer Insel befindet sich der alte englische Kriegshafen S h e e r - neh mit starker Garnison, zahlreichen Forts, Trockendocks, Werften und ... Austerbänken. Fast alle diese Orte sind im Zusammenhang mit den letzten deutschen Einflügen in den südenglischen Luftraum wiederholt genannt worden. Oft treten auch Namen der Grafschaften auf, die um London herum liegen. Die Grafschaft ist räumlich ein Mittelgebilde zwischen dem preußischen Kreis und Regierungsbezirk. Wir nannten schon im Südosten von London Kent und Sussex. Westlich davon liegt Hampshire, zu welcher Grafschaft auch Southampton und die Insel Wight gehören. Im unmittelbaren Süden von London nennen wir noch die Grafschaft Surret). Jenseits der Themse nach Nordwesten liegt die Grafschaft Middlesex, nach Nordosten die Grafschaft Essex. Das luftstrategische Bild ist durchaus anders als das landstrategische Bild. Flüsse oder mäßige Gebirge scheiden als wesentliche landschaftliche Bestimmtheiten an sich aus, dafür gewinnen wirtschaftliche Standplätze wie Industrieanlagen, Häfen, Erdöltanks, Eisenbahnen eine sehr viel gesteigerte Zielbedeutung. Jndustrievorstädte, in die sich kein Weltreisender verirrt, werden wesentlich, Dillenvororte nebensächlich. Dr. Ho. Britische Botschaft als Brennstoffbasis Rom, 19. Aug. (Europapreß.) Aus Rio de Janeiro wird gemeldet, daß der englische Dampfer „Torinia" im Hafen von Rio de Janeiro 3 7 5 3 Tonnen Petroleum ausgeschifft habe, die angeblich für die britische Botschaft bestimmt seien. Die Zeitung „Meio Dia" unterstreicht, daß es sich hier um eine offensichtliche Verletzung der brasilianischen Neu- tralität handle, da eine derartige Petroleummenge unmöglich von der Botschaft selbst verbraucht werden könne. Das Blatt weist darauf hin, daß e i n Kreuzer mittlerer Tonnage für die Fahrt von Rio de Janeiro nach England nur 1200 Tonnen Petroleum brauche. Es fei daher höchstwahrscheinlich, daß das von dem englischen Dampfer gelöschte Petroleum zur Versorgung mehrerer englischer Kreuzer dienen solle. Die Bestimmungen über die brasilianische Neutralität untersagen aber ausdrücklich im § 26 den Kriegführenden die Errichtung von Brennstoffniederlagen au brasilianischem Boden. Neuerliche Verletzung »er schweizerischen Neutralität. Bern, 19. August. (Europapreß.) Der Armeestab teilt mit: ,Ln der Nacht vom 18. zum 19. August wurde das schweizerische Gebiet mehrfach von fremden Flugzeugen überflogen. An mehreren Orten wurde Fliegeralarm gegeben. Stellenweise trat auch die Fliegerabwehr in Tätigkeit. Bei einigen UeberfUegungen lassen Flugrichtung und Formationen wiederum au absichtliche Verletzung des neutralen Luftraumes schließen. Die Untersuchung über die Her- kunft der Flugzeuge ist noch nicht abgeschlossen." Daß Der erste Gang. Von unterer berliner Schristleiiung. Die Londoner „Times", das vornehme Pluto* kratenblatt, wundert sich über hie Menge der deutschen Flugzeuge, die in der letzten Woche über britischen Boden erschienen sind. Weil ie keine hinreichende Vorstellung von der Produktionskraft der deutschen Rüstunasinbustrie und von der Macht der deutschen Luftwaffe hat, zieht sie aus ihrer eigenen Verwunderung den Schluß, daß die Engländer „den e r ft e n Gang" der Schlacht von Großbritannien gewonnen haben. Gemach, auch die Vernichtung der 138 englischen Flugzeuge am letzten Sonntag geschah, wie der Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht ausdrücklich betont, „im Rahmen der bewaffneten Auf- kl ä r u n g". Die „Times" dürfte also wahrscheinlich noch reichlich Gelegenheit bekommen, sich zu wundern. Denn es kann, wie gesagt, keine Rede davon fein, daß die deutsche Luftwaffe in den Kämpen der letzten Woche bereits ihre volle Kraft eingesetzt hätte. Im Gegenteil, dies alles war nur ein leichter Vorgeschmack für die kommenden Dinge. Aber noch aus einem anderen Grunde hat sich die „Times" einem leichtsinnigen Trugschluß hinge- geben. Wir haben uns die Mühe gemacht und die deutschen wie die englischen V e r I u ft 3 i f f e r n d e r letzten Woche einmal zusammengezählt. In dieser Periode von Sonntag bis Sonntag verloren nach den amtlichen OKW.-Berichten die Engländer 732 Flugzeuge und 98 Sperrballons, während auf deutscher Seite 185 Flugzeuge vermißt werden. Inwiefern diese Bilanz einen „Gewinn" für die Briten ergibt, ist uns ebenso schleierhaft wie wahrscheinlich auch der „Times", zumal wenn man bedenkt, daß die gewaltigen Zerstörungen an englischen Flugplätzen, Rüstungswerken, Hafenanlagen, Oellagern, Werften und Schiffen, die gleichfalls auf das Konto der deutschen Luftwaffe gehen, in die obige Aufrechnung noch gar nicht eingeschloffen sind. Der deutsche Leser hat sich oft Gedanken darüber gemacht, nach welchen Gesichtspunkten das britische Reklameministerium wohl seine Abschußziffern zu- ammenlügt. Aber ein solches Nachdenken ist fruchtlos, denn der englische Zahlenschwindel beruht nicht auf raffinierten Berechnungen, auf bloßen Entstellungen oder Uebertreibungen, sondern auf einfacher Erfindung. Ein sprechendes Beispiel für die primitive Lügentechnik der Engländer bietet folgender Vorfall. Am Sonntagabend fünfte die amtliche Agentur Reuter eine Nachricht in die Welt hinaus, die besagte: „Nach einer Information der Associated Preß sind fünf deutsche Divisionen, die an der Küste zwischen Boulogne und Calais zur Ueberfahrt und Invasion nach England massiert standen, durch die britischen Luftangriffe von geft-’rn abend und heute vollkommen auseinandergetrieben worden." Diese sensationelle Meldung wurde von Reuter um 22.40 Uhr ausgeaeben, aber genau 23 Minuten später schon mit dürren Worten zurückgezogen, als ob nichts passiert wäre. Der Fall hat symptomatische Bedeutung, er gewährt einen überraschenden Blick in die Werkstatt der englischen Lügenpraktikanten, die sich ohne Besinnen irgend etwas aus den Fingern saugen, um es im nächsten Augenblick ebenso bedenkenlos zu dementieren. Auch nicht der kleinste Wahrheitskern bat der Reuterphantasie zugrunde gelegen, wie acht Auslandsjournalisten bezeugen können, die zufällig den Roum zwischen Boulogne und Calais just um die Zeit besichtigten, als dort angeblich fünf deutsche Divisionen durch die Ronal Air Force zerschlagen wurden ... Nach solchen Mustern entstehen auch die täglichen englischen Kommuniques über das Ergebnis der Luftkämpfe. Und dieser Methode entspricht auch der hübsche Satz in der „Times": „Die Woche, die soeben zu Ende gegangen ist, war die Periode einer vollkommenen Niederlage für die deutsche Luftwaffe." Wozu man nur den Wunsch äußer kann, daß die deutsche Luftwaffe noch recht viele solcher „Niederlagen" erleiden möge. Ev. es sich nach Lage der Dinge nur um Engländer handeln kann, ist selbstverständlich. Die Rückkehr der belgischen Flüchtlinge. Brüssel, 19. Aug. (Europapreß.) Der Strom der Zurückkehrenden aus Frankreich hält unvermindert an. Dank dem Entgegenkommen der deutschen Militärverwaltung ist es möglich, täglich a ch t bis zehn Züae nach Belgien gehen zu lassen, deren Insassen aus den verschiedensten Städten des nichtbesetzten Frankreichs, aus Pau, Montpellier, Toulouse, Poitiers usw., kommen. Alle diese Heimkehrer, bei denen es sich meistens um junge Leute im militärpflichtigen Alter handelt, die von der ehemaligen belgischen Regierung Pierlot nach Südfrankreich verschleppt wurden, berichten übereinstimmend von den grauenhaften Umständen, unter denen sie die letzten Wochen verbringen mußten. Infolge der schlechten Organisation funktioniere der Verteilungsapparat in dem von Flüchtlingen noch überfüllten unbesetzten Frankreich nicht im mindesten; es fehle an den allernotwendigsten Gebrauchsgegenständen und Lebensmitteln, die man nur im Schleichhandel für ungeheure Preise erhalten könne. Das Tempo der Rückwanderung in das von den deutschen Truppen besetzte Frankreich und nach Belgien bleibe deshalb noch wie vor unbefriedigend. Immerhin glaubt man in Belgien, daß bis Anfang September alle belgischen Flüchtlinge zurückkehren können. Flomenkundgebuna am User-Turm. Brüssel, 19. Aug. (Europapreß.) Entsprechend ihrer zwanzigjährigen Tradition fand am Sonntagabend die berühmte flämische Betfahrt zum Pser-Turm bei Dixmuiden statt. Infolge der augenblicklichen politischen Lage konnte die Fahrt diesmal nicht zu der polittschen Massenkundgebung werden, als welche man sie in den vergangenen Jahren erlebt hatte. Doch obwohl nur an die tausend Teilnehmer sich unter dem Pser-Turm, der in diesem Krieg durch englische Bomben Beschädigungen erlitten hat, versammelten, konnten doch Hunderttausende von Flamen die Veranstaltung am Rundfunk miterleben. Auf der Veranstaltung nahm zuerst der aus der französischen Zivilge» fangenschast zurückgekehrte alte flämische Aktivist Dr. August B 0 r m s das Wort, er sprach über die Leiden, die er in Frankreich erdulden mußte. Nach ihm sprach der Führer der flämischen Frontsoldaten Germain L e f e t) e r. Scharfe Wort der Anklage gegen den belgischen Staat fand der Vorsitzende des Wallfahrtsausschusses, Professor D a e I s. y '/» ■ -HM U vVt1 ■ i 1 -.» . v/r > fe LzL^ '.&■ .<;*■** WWW Kurbelei geht los. Heber, unter und zucken die Feuerstöße. Wie ein eherner neben uns Mit dem Horst-Weffel-Gefchwader über England Don Kriegsberichter Franz Mittler« * MARYLO ein feststehender Begriff erfolgreicher Kosmetik mir die zerklüftete Steilküste mühelos mit bloßem Auge ausmochen. Aus den zahlreichen Einschnitten, Buchten und Vorsprüngen fällt uns die charakte- ristische Landzunge von Portland auf Da plötzlich der Ruf: „Feindliche Jäger!" Eine milde Kurbelei * * * * sichrer, der mit kalter Ueberlegenheit diesen Doppel« sieg erfocht. Sein 14. Abschuß. Aber noch größer rnird die Freude, als mir nach der Landung ersah« ren, daß unsere Staffel insgesamt sechs Abschüsse Nach dem Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht vom Montag hat das Zerstörer-Geschwader „Horst Wessel" unter Führung seines Kommodore, Oberstleutnant Huth, allein am Sonntag 51 feind« liche Flugzeuge abgeschossen. — Unser Bild zeigt Oberstleutnant Huth, bei dem sich ein Jäger zum Feindflug abmeldet. — (PK.-Lysiah-Scherl-M.) Erst auf der Rückfahrt begegnen mir, rechts der arohen Straße, einem der Friedhöfe, roo die deutschen Gefallenen von 1916 liefen, und von den jungen Soldaten des neuen Reiches geht ein stiller, ehrfürchtiger Gruß hinüber zu den langen Reihen der Gräber aus dem Weltkriege ... ’j(ad) einer Stunde tauchen die Türme von Metz aus tren Dunstschleiern des trüben Tages. Hans Thyriot. Verdun 1940. Eindrücke von einer Fahrt durch Frankreich. 3m Kampf mit britischen Jägern Don Kriegsberichter Bruno Koster. Kampf ein, verschrnindet unter unserer linken Flache und versucht, den vor uns liegenden Zerstörer von unten anzuyreifen. Der Flugzeugführer drückt die Maschine leicht nach unten und haut ihm einige Feuerstöße nach. Schon läßt er auch hier von seinem Beginnen ab und verschrnindet nach unten. Da stößt einer im Sturzflug von hinten seitlich auf uns zu. 700, 600, 500, 400 Meter und immer näher! Er sieht unser MG.-Feuer und die Leuchtspurfäden, und 100 Meter entfernt reiht er die Maschine über See hinauf. Hinter mir ist Unteroffizier B. in einen Luftkampf oermickelt. Einen Gegner hat er erledigt. Der Pilot steigt aus, da, der zmeite stürzt auch, reißt heraus, steigt aus der Maschine, aber schon fängt er sie und gleitet mit dem meidmunden Bogel zur Küste hin. Er kann nicht umhin, eine unserer Maschinen, die soeben einige Gegner abfertigte, noch mit einem Feuerstoß zu bedenken. Aber der Flugzeugführer zieht die Maschine herum, und schon zerfetzen ihm die gutsitzenden Kanonenschüsse Latte und Motor. Im Kopfstand stürzt er zur See. Unteroffizier B. scheint es erwischt zu haben. Dichter Rauch steigt aus seinem rechten Motor auf. Er hat den Motor abgestellt, die Latte fehlt. Da hängen schon zmei Spitfires an seinem Leitmerk. wippen mcg vor dem wohlgezielten Abmehrfeuer, greifen mieber an, verschwinden. Bon unseren Maschinen kann ihm keiner helfen, da mir alle mehrere Gegner hinter uns und um uns herum haben. Wie der Blitz schießen plötzlich zmei Messerschmitt-Jäger herunter yinter den Spitfires her. Sekunden nur und zmei Gegner pendeln am Fallschirm über See. Plötzlich höre ich einen Schrei der Entrüstung. Mein Flugzeugführer dreht aus dem Kampsgewim- mel heraus und schießt auf eine Gruppe zu, die einen einzelnen Jäger verfolgt. Man sieht die Geschoßbahnen, die sich in die Maschinen bohren und erkennt plötzlich, roie sich eine Maschine buchstäblich in ihre einzelnen Bestandteile auflöst und in die See fällt. „Das Schmein", ruft mein Flugzeugführer. Im Tiefflug mar der Engländer über See gegangen und hatte mehrmals auf eine abgeiprun« jene deutsche Besatzung geschossen, die sich in Seenot befand. Alle Flugzeugführer, die das sahen, lösten sich sofort von ihrem Gegner, um die in Seenot befindlichen Männer zu schützen. (Eine englische Maschine nach der anderen trudelte ab, Fallschirm auf Fallschirm schrnebte in der Lüft. Wo man auch hinschaute, kein englischer Jäger mehr zu sehen. lieber 40 Minuten hatte die Luftschlacht gedauert, eine lange Zeit, roenn man bedenkt, daß durchweg ein Luftkampf kaum länger als 10 Minuten dauert. Wir formierten uns zum Heimflug. Auf dem Wasser zählten mir über 20 große hellgrüne Flecke, eine Schutzfarbe, die jedes Besatzungsmitglied mit sich führt, und die das Wasser zur Auffindung kenntlich macht. Das Grün der Engländer hob sich schart ab. Geschlossen fliegen mir über See ab. Man spürt urplötzlich in den starren Fingern die ungeheuere Kälte der großen Höhe. Langsam fällt der Höhenmesser. In 1000 Meter über dem Erdboden empfinden mir wohlige Wärme. Unter uns befindet sich schon der Flughafen. Eine Platzrunde in geschlossener Formation, bei einigen Maschinen mit dem entsprechenden Wackeln, wir rollen über die Wiese und stehen wieder friedlich und wohlbehalten in der Sonne. erhebt sich schon die Führermaschine vom Boden. Wir rollen ab, ihr noch. Die Maschinen formieren sich und steigen immer höher. Längst schon haben mir die Sauerstoffmaske angeleat. Links unter uns machen mir einen Stukaverband und Jäger aus, die ebenfalls Kurs auf England nehmen. Durch die Wolken scheinen jetzt die graugrünen Wasser des Kanals durch. Weiße Kämme stehen auf den Wellenbergen. Da, unter uns ein winziges Etwas. Durch das Glas erkennen wir ein deutsches Küstenwachboot, dessen Besatzung zu uns herauf winkt. Durch die Wolkenrisse können In Baux sind die Eindrücke ähnlich wie in Douaumont. Man steht oben auf den Panzerkuppeln, in den MG.-Ständen, man steigt in die Stollen und Geschützstände hinein, wo die völlig unversehrten Rohre sich mit leichtern Kurbeldruck in den Schlitzen schwenken lassen, man steht auf den welligen Hügeln, die von alten Trichtern besät sind, schaut ins Weite und bedenkt abermals den kaum faßbaren Unterschied zwischen damals und heute. Vorn gegenwärtigen Kriege ist auch hier so gut wie keine Spur zu entdecken: ganz selten trifft man ein frisches Kreuz mit einem flachen französischen Helm darüber. Aber auf Schritt und Tritt begegnet man den (Erinnerungsmälern von 1916: soweit sie in Stein und Erz geformt sind, widersprechen sie allermeist unserm Empfinden: viel persönlicher und menschlicher als die erstarrte Pose und das pathetische Wort wirken die kleinen verwitterten Gedenk- täfelchssn, die man da und dort ganz versteckt an einer zerbröckelnden Grabenwand findet als einen letzten Gruß „meinem Mann" oder „meinem lieben Sohn" gewidmet ... Oder die kleine Bronzetafel zum Gedächtnis an jene letzte Brieftaube, die sie damals von hier haben fliegen lassen: nicht als eine Taube des Friedens, sondern als einen Hilfeschrei an die Heimat. Aber dies find nur die Namen derer, die man kennt. Und das Gräberfeld vor der langen loten» liaHe, ein fast unübersehbarer Acker der Kreuze, isehnt sich viel weiter, den ganzen bunt überblühten •iiang hinunter. Hier liegen nur die gefallenen Franzosen. Die deutschen Friedhöfe liegen weiter dbroärts in der Ebene — auf dem Rückwege nach Metz fahren mir an einigen vorüber. Noch einmal, che wir in die verlassenen Kasematten und Ge- Hützstände und Panzerkuppeln hineinsteigen, roer- m wir einen Blick zurück auf die Totenhalle, auch «is hoch hinauf an bie Decke, in bie Pfeiler hinein, hie bas Gewölbe tragen: ben, ber burch bie Halle chreitet, scheinen von allen Seiten, wohin er sich : ud) roenben mag, selbst noch von ber Decke herab, bie stummen Namen ber Toten zu verfolgen auf Schritt unb Tritt. DNB. ..., 19. Aug. (PK.) Wie immer sieht uns auch dieser Sonntag auf unserem Staffelliegeplatz. Wärmer scheint heute Die Sonne, und verflucht warm wird es uns in den Kombinationen mit über- gezogenen Schwimmwesten. Beides haben wir zusammen mit den warmen Pelzstiefeln leit Dem frühen Morgen an. Jeden Augenblick kann der Start erfolgen. Des öfteren schaut ber eine ober Der anbere nach Dem Wetter, hält seine Nase in Die Luft, ob Dieser Sonntag vielleicht Das große Treffen mit Den englischen Jagbfliegern bringt, bem biefe bis jetzt immer aus bem Wege gegangen sind. Kurz nach bem Mittagessen stehen wir um ben Staffelkapitän, Der erklärt, Daß es gegen die Flugplätze geht. Dann dröhnen auch schon die Motoren unserer zweimotorigen Jagdmaschinen auf. Staub und Dreck wirbelt auf, als wir über den Platz fliegen. In großen Kurven gewinnt der gesamte Verband Höhe. In langen Marschkolonnen kommen Die einzelnen Staffeln nach einigen Minuten aus Dem Dunstschleier herangeslogen. WährenD uns in einigen taujenD Meter Höhe das Wetter immer noch schlecht erscheint, wird es zum Kanal hin besser, lieber England klart es noch mehr auf. Hoch oben über uns sind Die Me 109 als Himmelsschreiber tätig. In großen Höhen fliegen sie Dahin unD ziehen lange Kondensstreifen nach sich. Näher und näher rückt das Ziel. Das unter uns fliegende Kampfgeschwader soll einen Flugplatz angreifen, der in der Nähe des großen Verkehrsflughafens Croydon gelegen ist. Nun sehen wir ihn auch schon. Herzförmig breitet er sich neben der großen Verkehrsstraße aus. Die ersten Bomben sind gefallen, auf den Südrand des Platzes, dahin, wo die Hallen und die Tankanlagen stehen. Die ersten feindlichen Jäger tauchen auf, Spitfire unb Hurricane. Auf sie haben wir gewartet. Die Maschine stürzt sich auf ben Gegner. Steilkurven, Abkippen, mieber Hochziehen, Sturzflug, MG.- unb Kanonenfeuer, Aufheulen ber Motoren — bas alles reiht sich blitzschnell auseinander. Ich sitze hinter meinem MG., starre nach links, nach rechts, nach oben, überall hin, wo ein Gegner von hinter angreifen könnte. Aber es kommt keiner. Dafür sorgt mein Flugzeugführer. Eben, sehe ich noch'Wolken vor mir, bann starre ich schon mieber auf bie bunstverhangene See, auf bie bunt gewürfelten Felber Sübenglanbs, auf bas Häusermeer Londons. So schnell gehen bie Flugbewegungen ineinander über, baß alle Blickfelder dieses großen Raumes auf mich einzustürzen scheinen. Wir fliegen wieder beim. Bei Calais holen wir eine He 111 ein, die mit einem Motor nur langsam vorwärts kommt. Links unb rechts schließen wir uns an, um auch für ben letzten Rest bes Rückfluges noch Schutz zu gewähren. Unb nur wenige Minuten soll es bauern, bann ist biefer Schutz auch schon bitter nötig. Zwei Hurricane haben sich während ber vielen Luftgefechte über Lonbon unbemerkt in größerer Höhe in Richtung zur norbfranzösischen Küste geschlichen, um sich hier auf die Lauer nach einzeln heimfliegenden deutschen Kampfmaschinen zu legen. Sofort wird Der Kampf aufgenommen. Nicht lange dauert es, bis ber erste buchstäblich in ber Luft zerplatzt unb ber zweite irgendwo zwischen Boulogne unb Calais am Boben zerschellt. Wenige Stunden später ist nochmals ein Start. Die nördlichen Flugplätze um London sind diesmal bie lohnenden Ziele. Der Himmel hat sich wieder zugezogen: Alles grau in grau. In diesen I Adolf-chitler-Haus der GauhcurptstM willkommen geheißen. Der Gauleiter wies auf die deutsch-japanischen Beziehungen hin. Unsere beiden Völker haben sich jedes in seiner Wesensart im harten Ringen um Freiheit und Lebensmöglichkeit eine heldisch-völkische Weltanschauung zur natürlichen Grundlage gemacht. Im Fernen Osten sowohl wie im kontinentalen Europa ist eine Wende der Weltgeschichte angebrochen. Es kann in dieser Zeit der Entscheidung nur der Wille der Vorsehung sein, den besten Völkern eine aufrechte Führung zu schenken. So erwächst auch aus der Achtung und unbedingten Anerkennung unserer beiden Staaten ein gerechter und aufbauender Weltfriede. Der Präsident der Japanisch-Deutschen Medizinischen Gesellschaft, Dr. Choei I s h a b a s h i dankte dem Gauleiter für den herzlichen Willkomm. Anschließend wurden die Ehrengäste nach einer Altstadtbesichtigung im Römer durch den Oberbürgermeister empfangen. Dann werden die japanischen Aerzte die verschiedensten sozialmedizinischen Einrichtungen und Kliniken besichtigen. Exminister Zay in Marokko verhaftet. Rom, 1Ä. Aug. (Europapreß.) Wie „Popolo di Roma" aus Rabat berichtet, ist auf Anordnung des Regierungskommissars beim Kriegsgericht von Eler- mont-Ferrand der ehemalige französische Minister, der Jude Jean Z a y, verhaftet worden. Zay wird nach Frankreich gebracht werden. Er habe sich mit Daladier, Mandel und Genossen in Marokko aufgehalten, um dort eine separatistische Bewegung vorzubereiten und die militärischen Stützpunkte an der Atlantik- und Mittelmeerküste den Engländern zur Verfügung zu stellen. Die Verhaftung Zays habe in der gesamten Kamarilla der Verschwörer und Anhänger des Fahnenflüchtlings de Gaulle eine große Panik hervorgerufen. Kleine politische Rachrichten. Nach einer Unterbrechung von drei Taaen traten die rumänische und die ungarische Abordnung zu einer zweiten Sitzung zusammen. Der Leiter der rumänischen Anordnung, Gesandter Valer Pop, überreichte der ungarischen Abordnung eine Denkschrift mit einem rumänischen Gegenvorschlag. Die ungarische Abordnung prüft nun diesen. * Das rumänische Unterrichtsministerium genehmigte mit Rücksicht auf die kulturellen Bedürfnisse der deutschen Bevölkerung Siebenbürgens und des Banats die Errichtung neuer deutsch er Schulen. In Arad soll ein Gymnasium, in Temesoar eine Gewerbeschule und eine Handelsschule für Knaben und in Hermannstadt ein Mädchenlyzeum errichtet werden. Der ungarische Ackerbauminister Graf T e l e k i traf zu einem mehrtägigen Aufenthalt in der Reichshauptstadt ein. Zur Begrüßung hatte sich Reichsmimster D a r r 6 eingefunden, der seinen Gast zum Ehrenmal Unter den Linden begleitete, wo Graf Teleki einen mit den ungarischen Nationalfarben geschmückten Kranz niederlegte. Ein Empfang durch den Reichsaußenminister schloß sich an. In einer Bekanntmachung des dänischen Kriegsministeriums wird mitgeteilt, daß die Einberufung von Wehrpflichtigen zum M i - litärdienst Ende Herbst dieses Jahre wieder ausgenommen wird. Die militärdienstpflichtigen Jahrgänge haben sich am 2. November in ihren Standorten zu melden. Eine Befreiung vom Militärdienst, wie sie bisher ohne Schwierigkeiten zu erreichen war, wird nicht mehr geduldet. Wie die italienischen Blätter aus Tientsin melden, haben die englischen Besatzungstruppen von Peking und Tientsin sich auf einem indischen Dampfer e i n g e s ch i f f t. England unter- hielt seit vierzig Jahren Besatzungen in diesen Städten Nordchinas. * Mussolini hat in Begleitung des Parteisekretärs das große Zeltlager der Jugend des Liktorenbündels am Monte Mario besichtigt, wo er eine Parade der über 2000 Jugendführer abnahm. Anschließend besuchte der Duce das Zeltlager der faschistischen Jugendführerinnen. Zur Errichtung von Wohnhäusern für Fischer- familien von Catania, die ein Wohnviertel der Stadt verlassen müssen, weil es aus hygienischen Gründen niedergerissen wird, hat der Duce der Stadtverwaltung 3,5 Millionen Lire zuweisen lassen. * Präsident Roosevelt hat nach Abschluß der Manöver der ersten Armee eine Truppenschau abgenommen, an der 94 000 Mann teilnahmen. Darauf kehrte der Präsident nach Hyde Park zurück. * Nach einer Meldung des „Giornale d'Jtalia" ist der amerikanische Automobilinduftrielle Chrysler in seinem Wohnort Great Neck nach fast zweijähriger Krankheit im Alter von 65 Jahren gestorben. Im Zusammenhang mit der Verordnung des Generalgouverneurs über die Auflösung von Vereisten im Generalgouvernement ist heroorzuheben, daß das polnische Rote Kreuz weiter besteht und seine Tätigkeit im Rahmen des bisher in Kraft gewesenen Status weiterführt. Hauptschriflleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter bei Hauptschriftleiters: Ernst Blumichein. Verantwortlich für Politik Feuilleton und Bllder: Dr. Fr. W. Lange; für Stadt (gießen, Provinz, Wirtschaft und Sport: Ernst Blumschein. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange K. G. Berlagsleiter: Dr.-Ing. Erich Hamann; Anzeigenletter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Pl.Nr.6. Mein lieber Mann, unser guter Vater, Bruder, Schwager und Onkel Karl Rusag ist gestern nacht plötzlich von uns gegangen. Gießen, den 20. August 1940. 02796 Perrato Sommersprossen- Krem hilft bestimmt Dose RM. 2.10 IGLORIr Heute Dienstag Erstaufführung I Neueste Ma-Tonwoche Sonntag 3.00, 5.30 und 8.15 Uhr 3715 A Täglich: Beginn: Hauptfilm 4.00 Uhr, Wochenschau 5.45 Uhr Hauptfilm 6.15 Uhr. Beginn der Abendvorstellung 8.15 Uhr Die Trauerfeier findet am Mittwoch, dem 21. August, um 14.30 Uhr, in der Kapelle des Neuen Friedhofes statt. Vermählungs-Anzeigen liefert Brühl'sche Druckerei Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Augusta Rusag, geb. Bruchhäuser. Keine Ursprungs* sengnisse, imtbem nur Zeugnisabschriften dem Be werbungsschreiben beilegen! — Lichtbilder undBewerbungsunte» lagen müssen zur Vermeidung von Verlusten auf der Rückseite Ra- men und Anschrift des Bewerbers tragen I Ein Tobis-Film mit R E N 6 DE LT GEN ANNELIES REINHOLD LENA NORMAN ERNST von KLIPSTEIN HARALD PAULSEN JOSEF SIEBER U\e* Snrlräileii zur Aushilfe sos. gesucht. 372cD Restaurant Boller. MibLZimmer mit Frühstück in gutem Hause Nähe Frankfurt. Straße gesucht. Schr. Ang. mit Preis erbet, unt. 3723D a.d.G.A. (Sin vavietesttm großen Stils erfüllt von Spannungen und Sensationen. Dramatische Ereignisse und die Konflikte der handelnden Personen — internationale Artisten von Weltruf — ziehen jeden in ihren Bann | PQLPST Giessen Spielleitung; Arthur Maria Rabenalt Musik: Peter Kreuder bittrer gelernt. Schloss., für Saurer- Diesel-Lastwag. fof. gesucht. 3724D Anton Heller Villingen/Waldeck. 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In Gießen wohnhafte deutsche Mütter, einerlei welchen Alters, die mindestens 4 Kinder lebend geboren und den Antrag auf Verleihung des Ehrenkreuzes der deutschen Mutter noch nicht gestellt haben, werden ersucht, Antragsvordruck alsbald beim Standesamt, Marktplatz 14 (Altes Rathaus), abzuholen oder abholen zu lassen. 36250 In den Stadtteilen Klein-Linden und Wieseck hat Antrag bei den Verwaltungsstellen zu geschehen. Gießen, den 9. August 1940. Der Oberbürgermeister. I. D.: Nicolaus, Beigeordneter. Bett.: Kohlenversorgung. Bekanntmachung. In den nachstehend genannten Fällen können Verbraucher der Gruppe 1 (Wohnungen mit Ofenheizung) Anträge auf Gewährung von Kohlenzusatzmengen stellen. 1. Familien mit 1 oder mehreren Kleinkindern bis zu 3 Jahren; 2. Werdende Mütter ab 4.Monat der Schwangerschaft; 3. Personen über 65 Jahre (Altersnachweis muß geführt werden); 4. Kranke und gebrechliche Personen (Nachweis der Krankheit muß erbracht werden); 5. Große Haushalte mit mehr als 6 zum Haushalt gehörenden und stündig anwesenden Personen; 6. Wohnungen, die in dasDachgeschoß eingebaut sind; 7. Freistehende Einfamilienhäuser; 8. Berussausübung in der Wohnung; 9. Elektro- oder Gaskochgeräte ohne Backöfen; 10. Viehhalter (nur bei Schweinehaltung). Die Anträge werden bei dem Wirtschaftsamt, Sie* bigstraße 16, Zimmer 6, zu den nachgenannten Tagen in der Zeit von 8—12 und 15—17 Uhr, Samstags nur 8—12 Uhr entgegengenommen und zwar für die Kunden der Kohlenhändler: Abel, Altensen, Becker, Eisenbahner-Brennstoffversorgung und Fischer am Mittwoch, dem 21. August 1940, Glatthaar, Happel, Hirsch, Jughardt und Krause und Gebr. Kahl am Donnerstag, dem 22. August 1940, Künkel, Emil Lotz, Sack und Jughardt, Sauer, Schäfer, E. Schott, K. Schott, Struck am Freitag, dem 23. August 1940, Drechsler, Verbrauchergenossenschaft und D. Wirths Nachf. (Geilfuß( am Samstag, dem 24. August 1940. Nachweise über die Berechtigung zur Stellung der Anträge müssen in allen Fällen erbracht werden. Die Lebensmittelpersonalausweise müssen vorgelegt werden Gießen, den 19. August 1940. 3617c Der Oberbürgermeister. Wirtschaftsamt. Dienstag, 27. August, 20 Uhr Gloria- Palast Schmitz persönlich bekannt aus den lustigen TRAN- und HELLE-FILMEN und dazu das große heitere Programm! MARIA NEY Deutschlands bekannteste Ansagerin und Humoristin KURT PRATSCH-KAUFMANN parodiert In genialer Welse Zarah Leander - Erna Sack - Hans Moser - Benjamino Gigli Schwestern Bali Trux u. Mackie akrobatische Springsensation faszinierende Zaubereien Delani Trio Lucie Kietzmann unübertr. Tanzakrobatik die einzigartige Soubrette | Der Mann, über den Millionen | ■ Menschen täglich lachen ■ „Seine Majestät der Hamsterkönig Tran“ D Rechtzeitig Karten kaufen l Im Vorverkauf zu 1.- bis 3.- In der Kartenverkaufsstelle der NS6.,.Kraft d. Freude" Gießen, Seltersweg 60 B ; 1 k Diese beiden fidelen Tippelbrüder gewinnen QrOße£OS genießen nun das Leben „Geld spielt keine Rolle" bis es alle ist — und werden wieder... M°tt° Vagabundieren und tolle Streiche machen ist schöner als reich sein |Verschiedenes| IMil auf dem Wege v. Bahnhof-Kugelberg verloren. Geg. Belohnung abzugeben auf d. Fundbüro. 0279» Benote»! Auf der Straße Annerod-Steinbach Ersatzreif, für Personenwagen verloren. Abzugeben oder zu meld, auf der Bürgermeisterei Steinbach. 3729O 3II. WM! verloren! Abzugeben 02793 Fundbüro. Familiendrucksachen Verlobungsanzelgen Vermahlungsanzeigen Geburtsanzeigen bei Brühl. Schulstr.1 Der große Erfolg Täglich bis Donnerstag - 4, 6, 8.15 Uhr Zaaavund Heinz Riihmann Herr Marquis? — nein, ein Schneider und Paul Hörbiger der Astronom? - nein, niemals arbeitender, aber immer durstiger Schuster lttfttgeSagabuudeu! Jugendliche haben Zutritt 3707A Lichtspielhaus Eewmnauözug 5. Klasse 3. Deutsche Relchslotterie Ohne Gewahr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer sind drei gleich hohe 6t»inn< gefallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in den drei Abteilungen l, II und III 8. Ziehungstag 17. August 1940 In der Nachmittagsziehung wurden gezogen 6 Gewinne zu 20000 RM. 110249 117751 3 Gewinne zu 5000 RM. 324468 12 Gewinne zu 4000 RM. 37156 49596 155040 218467 21 Gewinne zu 3000 RM. 70212 75403 91047 101700 232661 284170 398673 42 Gewinne ju 2000 RM. 1972 69968 111225 117294 120094 185521 213770 233416 247324 322090 338799 362175 373765 381668 117 Gewinne zu 1000 RM. 3463 10763 15028 26500 30971 48955 60586 63475 66692 71803 76952 109113 117288 136502 138619 154187 159941 163725 172602 173391 188271 190548 195650 198200 201452 212334 217548 220762 236424 249560 252948 286857 294808 304665 305758 309001 347174 365219 375665 19. August 1940 s. Ziehungstag 1_______ In der Dormittagsziehung wurden gezogen 3 Gewinne zu 200000 RM. 108262 6 Gewinne zu 10000 RM. 8590 179334 6 Gewinne zu 5000 RM. 167281 216509 3 Gewinne zu 4000 RM. 122924 24 Gewinne zu 3000 RM. 3979 86358 200141 212959 217559 278085 285470 311171 45 Gewinne zu 2000 RM. 34017 54398 64536 111135 127296 139510 156541 182974 203220 242148 273766 352272 373501 376229 388974 90 Gewinne zu 1000 RM. 2866 3648 5077 9918 30951 50995 61323 66342 82723 100244 104909 . 325 134419 159529 159960 181119 182361 192231 238555 244282 248948 310829 317301 323410 330958 332248 334224 380027 388434 395025 Nr. 196 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Dienstag, 29. August 1940 Aus der Stadt Gießen. Holz her! sägen helfen?" umkreist mich die zehn- To f^ll ästendem, aber arbeitswilligem »Aber selbstverständlich!", und schon Hilst sie ben Sagbock in Stellung bringen. Bei stillem Zusehen angesammelte Bereitschaft, es ihrer etwas älteren Schwester Jngeborg gleichzutun, war zu tatfrohem Ausbruch herangereist; fühlen sich doch beide in ihren Ferientagen auf dem Lande nicht zuletzt auch als „Landhilfe „Aber nicht gleich so'n dicke!" schlägt Sigrid trotz, alledem beim Auflegen des Rundholzes vor. Erwartungsvoll legt sie ihre Hand um den bargebotenen Bügel, stützt die linke auf die rauhe Rinde, und als der erste Klotz fällt, sieht man die Leistungsfreude auf ihrem Gesicht leuchten. Roch kann sie das Säge- blatt nicht immer ganz senkrecht durchhalten, noch glaubt sie, mit Drücken und Reißen die Arbeit zu beschleunigen, aber nach einigen Lehrschnitten hat sie sich in das feine Muskelspiel einer solchen Ge. meinschaftsarbeit eingefühlt. Inzwischen ist auch der Stamm eines im ver. gangenen Winter erfrorenen Pfirsichbäumchens uw ter die Säge gekommen. „Wie riecht denn bas? Ganz anders wie die Eichenknüppel!" ruft sie in den schrillen Sägelärm. Und das Näschen genießerisch an die Schnittfläche gedrückt, entdeckt sie zu- aleich die breiten, farbigen Ringe: „Guck' einmal hier! Wie schön gezeichnet!" und fährt mit dem Finger liebevoll die einzelnen Kreise nach. Dazu hebt sie einen Eichenklotz auf: „Ach, hier sind ja auch so Kreise, viel mehr, aber lang nicht so breit und bunt! Warum ist denn das so?" will sie wissen. „Was sind denn das für schwarze Blumen auf der Eichenrinde?" spielt sie mit dem Finger an dem schwammigen, schmierigen Zeug herum. Wir unterhalten uns von Pilzen und Jahresringen. Beim Abnehmen der Klötze spürt sie Wärme auf den Schnittflächen, und „die Säge ist ja auch warm! Warum denn?" Reibung, erkläre ich chr, unb nach weiterem Ritsche — Ratsche meint sie vergnüglich: „Wir machen Streichmusik!" Damit bie spitzen, scharfen Zähne beim Ansägen uns nicht auf die Hände herausspringen, drücke ich den Zeigefinger der linken Hand auf den Rücken des Sägeblattes. Stillschweigend macht sie es nach unb triumphiert: ,,2etzt weiß ich's, bas kitzelt so schön!" Aus kinb- licher Sinnenfreude, unverbrauchtem Staunen und der ewigen Menschheitsfrage „Warum?" nährt sich uns ein Frage- und Antwortfpiel, bei dem die Arbeit leicht und munter hinfließt. Mitten im ersten Schnitt eines dicken Knüppels, der ja unvermeidlich auch einmal an die Reihe kommen muß, wird sie ungeduldig: „Das ist ein langweiliger Kerl! Der hört ja gar nicht auf!" Da hilft es auch wenig, daß, wie ich ihr in Aussicht stelle, solche Muskelarbeit sich beim Turnunterricht lohnen wird. Doch darf ich noch die Kraft ihres Bizeps mitprüfen. Aufmunternd wirkt indessen ein Nach- bar im Vorbeigehen mit der freundlich anerkennen- den Ansprache: „Wann 'r fertig seid, fomyit ’r eriwwer bei mich!" Aber für heute ist es doch genug. Jngeborg lost ab. Sie hat das Holz auch schon im Walde aufsuchen und später hoch zu Wagen heimholen helfen. Bei ihrer Abreise sehen beide noch einmal nach dem Holzplatz hinüber, betrachten die vielen Klotze mit zufriedenen Blicken, und Sigrid erklärt ttolz: „Ohne uns wärst du doch noch nicht soweit!" — „Allerdings! Aber ihr in der Stadt habt's doch viel besser, ihr bekommt's klein ins Haus gebracht!" „Hier ist's doch schöner!" versichert sie mit überzeugender Austichtigkeit. Und mit unserem üblichen Arbeitsruf: „Holz her!" verpflichten sie sich schon für die kommenden Herbst- ferien. R. B. Tageskalender für Dienstag. Gloria-Palaft, Seltersweg: „Die 3 Codonas". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Lumpaci Vagabun- dus". > Ortszeit für den 21. August. Sonnenaufgang 6.28 Uhr, Sonnenuntergang 20.37 Uhr. — Monduntergang 9.48 Uhr, Mondaufgang 121.46 Uhr. Mond in Erdferne. Kommst du am Sonntag mit, Paul ? 5 ELASTOCORN Mit Hühneraugen wandern9 Das geht wohl schlecht. Doch Kurl weiß da Rat: Elastocorn mil dem Filzring draufleger>, dann merkst du kaum noch etwa» beim Gehen, und in ein paar Togen ist dein Hühnerauge weg. Neue Mitglieder des Stadttheaters Isabella Theresia Richter Frohe Stunden durch KdF als bis Hella H e n z k y, Mütterspielerin unb komische Alte, getan. Ms Belohnung für „gute Noten" gab es Theaterbesuch, bas wog bann alle Mühen auf! Zwei Jahre Tätigkeit im Lehramt konnten meine „Bühnensehnsucht" nicht verkleinern. Es half alles nichts, ich mußte zum Theater! Meine gesangliche unb barstellerische Ausbilbung in München zählt zu ben schönsten Erinnerungen. Endlich war's so weit! Die „komischen Allen" haben mir's immer Ernst Heck, Theatersekretär, Leiter bes künstlerischen Büros. Isabella Theresia Richter, jugenbliche Sängerin, ist geborene Münchnerin. Nach anfänglichen Schwierigkellen mit bem Elternhaus hat sie es doch durch» gefetzt, baß sie neben ihrer kaufmännischen Tätigkeit von selbstverdientem Gelbe Gesang und Schauspielkunst studieren konnte. Ihre fleißige Studienarbell hat bann auch bie Eltern davon überzeugt, daß hinter einer vermeintlichen Jungmädchenschwärmerei ein ernster Wille zur Kunst stand. Sie haben bann verständnisvoll die weitere künstlerische Ausbilbung ihrer Tochter gefördert. Jetzt freut sich Frl. Richter auf ihr erstes Engagement in Gießen. tfrnft Heck: In ber Spielzeit 1928/29 wurde ich von Dr. Prasch als Schauspieleleve von seinem Vorgänger, Hofrat Steingötter, übernommen, unb war von da ab besonders angetan, doch spiel' ich alles gerne, sowohl ernste wie heitere Rollen; ber Dienst an ber Kunst macht jede Rolle wertvoll. So hab ich's in allen Engagements erlebt, und ich freue mich nun auf meine künstlerische Tätigkeit in der schönen Universitätsstadt Gießen. Hansjoachim Büttner. ftänbig bis April 1933 als Schauspieler unb Inspizient, sowie als Sekretär verpflichtet. Jrn Sommer 1932 war ich im Kleinen Haus bes Hessischen Lanbestheaters unb ab 1. Mai 1933, bei ber Berufung bes Intendanten Dr. Prasch zum Generalintendanten bes Hessischen Landestheaters, als Schauspieler unb Sekretär bes künstlerischen Büros in Darmstadt verpflichtet. In biefer Eigenschaft war rch unter Generalintendant Everth bis zum 7. Juli 1940 in Darmstadt tätig unb folgte bann einem Rufe bes Intendanten Klein in meine Heimatstabt Gießen, wo ich mir bie ersten Sporen verdiente, Theater- unb Jntendanzsekretär unb übernahm gezeichnete künstlerische Kräfte mitwirkten, bie wir zum Teil von früheren Veranstaltungen in Gießen oder vom Rundfunk her kennen. Als Ansager unb köstlicher, humorvoller Erzähler bereitete Georg Mi* feinem sonnigen Humor ftänbig fid) steigernde Freude, bie ihren Ausdruck in starken Olga Tschechowa in Gießen. Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" bereitete am gestrigen Montag im Gloria-Palast im Rahmen einer helleren Deranstallung wieder einmal eine besondere Ueberraschung: sie brachte die bekannte Filmdarstellerin, Staatsschauspielerin Olga Tschechowa nach Gießen. Dieser Besuch war für die Theater- unb Filmfreunbe von Gießen unb Umgegend Grund genug, in so gewaltigem Ausmaß den Kartenverkauf aufzusuchen, daß der vorgesehenen Abendvorstelluna noch eine Veranstaltung am Nachmittag vorausgeschickt werden mußte, um allen Gelegenheit zu geben, Olga Tschechowa persönlich im Rampenlicht der Gloria-Bühne zu sehen. Unb beide Veranstaltungen brachten ein bis zum letzten Plätzchen besetztes Haus. Den Rahmen für den Besuch ber Tschechowa bil- dete ein heiteres Dortragsprogramm, bei bem aus- Hansjoachim Büttner, Obersprelleiter bes Schauspiels unb Eharakterspieler. Hansjoachim Büttner entstammt einer fübbeut- fchen Künstlerfamilie. Sein Vater ist Opernsänger gewesen, unb schon sein Urgroßvater hat auf den Brettern gestanden. Er selbst hat sich zunächst dem Stubium gewibmet, ehe er in Schwerin im Landes- theater ben Sprung auf die Bretter machte. Neben seiner schauspielerischen Tätigkeit hat er sein Stu- di um nicht aufgegeben unb nach Schwerin noch in Bonn Engagement genommen, um an der Universität zugleich das Studium fortsetzen zu können. Aber da es schließlich im deutschen Theater genug Studierte gibt und immer ein Bedarf an besonders leistungsfähigen Darstellern bestehen wird, hat Hansjoachim Büttner nach sechs Semestern sein Studium doch nicht vollendet. Sein Weg als Schauspieler führte über Köln, Wien, Darmstadt, Königsberg. Auf Königsberg folgte Bremen, und dann kam Berlin. Am Staatstheater in Berlin verpflichtet zu fein, ist wohl Sehnsucht ber meisten deutschen Schauspieler. Sechs Jahre hat Büttner dem Ensemble des Staatstheaters angehört, um sich in Danzig in die Außenfront bes deutschen Kunstschaffens zu stellen. Bei ben Festspielen in Marienburg hat er gemeinsam mit Heinrich George Regie geführt unb auch als Darsteller mitgewirkt. Nach Danzig kam roieber Berlin, diesmal am Schillertheater unb beim Film. Nun kommt Hansjoachim Büttner als neuer Oberspielleiter nach Gießen, wo er außerbem auch als Schauspieler — Charakterspieler — tätig sein wird. Leitung des künsllerischen Büros. Hier habe ich mit- zuwirken bei der Aufstellung bes Spielplanes, bei allen mit der Durchführung des Spielplanes zusammenhängenden Arbeiten, wie Probeneinteilung, Rollen- und Umbesetzungen, Verpflichtungen von Gästen, 'beim Verkehr mit den Mitgliedern des Theaters und beim Verkehr mit dem Publikum ufw. Seit 1930 arbeitete ich aktiv in der Kreisleitung Gießen mit, dann war ich bis Oktober 1931 als Kreisgefchäftsführer in Gießen tätig. Don hier wurde ich als stellvertretender Kreisleiter nach Schotten berufen. In dieser Zeit gehörte ich aucy als SA.-Mann dem Sturm 54 der Standarte Ober- Hessen an. In Darmstadt arbeitete ich als Kreispresse- und Kulturwart der NSBO., ferner mar ich Obmann der Fachschaft Bühne und zuletzt Geschäftsführer der Reichstheaterkammer Fachschaft Bühne. Hella Henzky Wen das Theater einmal in Bann schlägt, ben läßt es nicht mehr frei!'1 Schon bas erstgefchaute Kindertheater — ich war damals gerabe Abc-Schütze — spukte monatelang in meinem Kopf, und bie Lehrerin hatte keine reine Freude an mir zerstreuten Schülerin. Aber dann muhte ich selbst ins Leh- rerinnen-Seminar, um mich für ben Lehrberuf vorzubereiten. Das habe ich bann auch mit viel gutem Willen unb einigen Stoßseufzern bis zum Gelingen ÄalurwiffenfchastlicheRundschau Warum sind die Sritzwassertiere so klein? Das Meer ist die Urheimat aller Lebewelt, unb in ihm sind sämtliche tierischen Baupläne vorhan- öben; soweit Tiere im Süßwasser und in ber Luft leben, bedürfen sie besonderer Anpassungsmahnah- Men, und es ist auffallend, wieviel kleiner bie QBaffertiere werden, wenn sie bas Salzwasfer ver- .affen hoben, lieber die Gründe dieser Verkleinerung berichtete kürzlich Professor Dr. R. Hesse r>or der Berliner Akademie der Wissenschaften. Danach besteht die Hauptgefahr für die in Süß- oder Brackwasser gelangten Meerestiere darin, daß sie nusgesüßt werden, daß also das ständig in sie ein» »ringende Süßwasser die lebensnotwendigen Salze löst. Deshalb müssen die Tiere der salzärmeren Dewässer ständig das eindringende Süßwasser wieder herauspumpen, wozu hauptsächlich die Einrichtung der Nieren dient. So hat z. B. der Karpfen ine etwa fünfmal ausgedehntere Niere als ein gleich schwerer Plattfisch, und manchen Meeres- neren, wie den bekannten Seepferdchen, fehlt bie Tliere völlig. Das dauernde Fortschaffen bes ein« ringenden Wassers entgegen bem Salzgefälle verengt dauernden Energieaufwand, und dieser kann ur durch die Verbrennung von Nahrungsstoffen icroonnen werden. Aus diesem zusätzlichen Bedarf :in Nahrungsmitteln erklärt es sich, daß für die übrigen Lebensbedürfnisse weniger als bei den Salz« Dassertieren zur Verfügung steht und daß daher iüe Tiere mit abnehmendem Salzgehalt des Wassers ! einer werden. So wird z. B. der Stichling im Kattegat bis 11 cm lang, im Ostseebecken noch 8 cm iDii> im Süßwasser nur noch 5 bis 6 cm. So müssen i:e Süßwassertiere den Aufenthalt im salzarmen Vohnwasser durch dauernden Energieaufwand er» laufen; dafür tauschen sie den Vorteil eines weniger t cht bevölkerten Lebensraumes und eines lieber» fauffes an pflanzlicher Nahrung ein. Niesenfernrohr von 450 Tonnen Gewicht. Die klare Luft unb geringe Bewölkung Nord- cmerifas erlaubte ben dortigen Astronomen, Spiral- rsbel zu beobachten, bie soweit von uns entfernt [mb, daß das Licht von dort zu uns einige 100 000 ^ahre unterwegs ist, obwohl es jede Sekunde 3 tO 000 Kilometer zurücklegt. Die mit den stärksten ^rrnrohren erkennbaren Nebel bilden jeder für sich ein Weltsystem wie alle Sterne innerhalb der Milchstraße. Durch diese Erfolge ermutigt, hat man den Bau eines neuen Riesenfernrohrs beschlossen, dessen Hauptbestandteil ein Hohlspiegel von 5 Meter Durchmesser ist; erst der zweite Guß gelang, und es wurden dabei 18 000 kg Glas verbraucht. Die Hauptschwierigkeit des jahrelangen Schleifens bestand darin, den Schliff auf V»o ooo mm genau aus» Huführen, damit scharfe Bilder entstehen; mit einem Aufwand von 18 000 Karborund wurden 4500 kg Glas weggeschliffen, und zum Polieren werden stündlich 23 kg Polierrot verbraucht. Die Länge des Ferntubus wird 20 m betragen, das Rohr trägt an feinem oberen Ende einen Kasten für ben Beobachter, dessen Gewicht gegenüber ben 11200 kg bes Rohres nichts bedeutet. Die Bewegung des Fernrohres muß völlig stoßfrei erfolgen, wenn es den Sternen nachgeführt wird; mit seinen beiden Achsen und Lagern wiegt es 450 000 kg und schwimmt auf Del, so daß ein Motor von nur % PS genügt, es zu bewegen. Die Kuppel von 900 000 kg Gewicht wird auf 32 geschmiedeten Rollen laufen unb durch Gummitreibräber angetrieben werden. Der auf viele Jahre berechnete Bau bes Riesenfernrohres wird von drei Komitees geleitet, in denen Astronomen und Ingenieure zufammen- arbeiten. Nach feiner Fertigstellung wird bas Fernrohr etwa doppelt soweit reichen wie bas bisher größte Fernrohr bes Mt. Wilson-Observatoriums. Fellindustrie des Ciszeitmenschen. Neuere Ausgrabungen in ben Höhlenwohnungen ber Eiszeit lassen, wie Professor Obermaier (Freiburg) in „Forschungen und Fortschritte" berichtet, nicht mehr baran zweifeln, daß schon die Eiszeitmenschen vor etwa 18 000 Jahren eine hochentwickelte Gerberei-Industrie besaßen. So sand man in Höhlen am Säntis, Selun und an ben Grauen Hörnern große Stapel von Bärenschäbeln unb Langknochen, die Mark und Him lieferten, wie es zum Einreiben der Felle bei der Herstellung von weichem Dauerleder gebraucht wird. Ebenfalls fand man Hüftbeinschaber mit starker Abnutzung der Hüftgelenkpfannen, und neue Kontrollversuche zeigten, daß solche Knochen ein ideales Werkzeug als Enthaarer, Fettsammler und Fellhobel barstellen. Die trockene, batterienarme Luft ber hochgelegenen Höhlen eignet sich für die Fettgerberei ganz besonders gut. Eskimos und Indianer gewinnen noch heute so chr weiches Dauerleder, und in ben Kulturvölkern ist man von ber Verwendung des Hirnes nur wegen besten Kosten abgekommen. Zahlreiche Steinzeichnungen der Eiszeitmenschen lassen erkennen, baß diese schon Pelzmäntel, Leberhosen, Lederröcke und wahrscheinlich auch Lederschuhe getragen haben. Dr. E. W. Lumpacivagabundus. Der Wiener Schauspieler und Stückeschreiber Johann Nestroy ist bei ben Literarhistorikern nicht gerabe gut angeschrieben, aber trotz dieser schlechten Note haben von seinen mehr als achtzig Bühnenwerken, zumeist nach französischen Vorlagen eilfertig hingehauene Fabrikware zur Befriebigung bes auch damals schon ungeheuren Bedarfs des Wiener Vor- ftadttheaters, doch immerhin zwei nun schon länger als ein Jahrhunbert sich unentwegt im Spielplan ber deutschen Bühnen behauptet. Und dessen können nicht viele seiner zeitgenössiichen Konkurrenten sich rühmen. Nestroys Zauberposse „Der böse Geist Lumpacivagabundus" hat etwas von dem liebenswürdig-heiteren Grundton des Wiener Naturells, das seine Lebensweisheit statt mit schulmeisterlich erhobenem Zeigefinger lieber durch eine gutmütig spottende Komik an den Mann bringt Geza von 23 o Inari) hat diesen Ton in seinem Film sehr hübsch getroffen. Die Geschichte von den drei Hand- werksburschen, die der 6öfe Geist Lumpacioaga- bunbus auf ben Weg des Leichtsinns lockt, wird mit behaglichem Humor ausgesponnen und dabei Szenen von echtem Märchencharakter erreicht. Die Schicksale ber brei, benen bas Große Los bie Mittel gibt, ihren Neigungen nachzugehen, sind so verschieben wie ihre Charaktere. Dem braven Schreiner, ber in seiner Liebe zur Meisterstochter Halt unb Ziel hat, schlagt der unerwartete Reichtum zum Guten aus. Sogar der eitle und leichtfertige Schneider, ben in Paris ein Hochstaplerpaar um sein Gelb erleichtert, findet unverdient noch Anschluß an ein bescheiden bürgerliches Glück. Der Schuster freilich, ein Sterngucker unb Philosoph, wie viele seiner Zunft, bleibt seinem Ideal der Landstraße treu, ein ewiger Dippelbruder, den keine Sorge aus dem Gleis bringt. Hans H o l t als der Schreiner, fantig und bieder, Aeinz Rühmann, mit seinen listig zwinkernden Aeuglein über dem Zwickelbart unverfroren daraus los scharmuzierend, wo ein Weiberrock in feine Nähe kommt, ein rechter Don Juan im Schneidergewand, und Paul Hörbiger, ber Schuster, auch er ein wckerer Zeisig und doch ein Lebenskunstler eigener Art von einer aus bem Hemen kommenden Froh- lichkeit, der man nicht böse sein kann, bas ist das luftige Dreigespann der Vagabunden. Hilde Krahl ist em sauberes Meistertöchterlein, Alice Brandt eme verführerisch schöne Pariserin. (Bavaria-Film.) » Vorher sah man lustiges Affenleben im Berliner 3°o in einem sehr anschaulich gedrehten Film und die Wochenschau, die neben fesselnden Aufnahmen vom Kampf unserer Kriegsmarine und Luftwaffe wieder einmal besonders eindringlich dartat, wie Im Schutz des deutschen Schwertes die Heimat ihrer friedlichen Arbeit nachgehen darf und diese bei aller Differenziertheit in gleicher Hingabe als ihren Beitrag zum Erringen des Sieges betrachtet. Dr. Fr. W. Lange. Die Meisterstätten für Tanz im neuen Heim. Bei einer Führung durch die neuen Uebungs- statten der „Deutschen Tanzbühne" und der „Meister- statten für Tanz" in Berlin-Dahlem schilderte der Gründer und Leiter dieser Einrichtungen, Professor Dr. Hanns Niedecken-Gebhard, die Arbeit und das Wollen der Deutschen Tanzbühne, bie am 10. Oktober in ber Berliner Volksbühne (Theater am Horst-Westel-Platz) zum erstenmal vor bie Öffentlichkeit treten wirb. Das Ziel, bas ihm vor- schwebt, ist bie Schaffung eines Tanzensembles, in welchem — ähnlich wie beim Schauspiel unb bei ber Oper — jebes Rollenfach mit bem geeigneten Künstler besetzt ist, unb zwar mit einem Künstler von For- mat, ber aber fein Star sein will. Das neue Heim, in welchem bie Deutschs Tanzbühne sich ein halbes 2ahr lang in straffer Arbeit auf ihre große Auf- gäbe vorbereitet hat, ist ihr vom Präsibenten ber Reichstheaterkammer, Reichskultursenator Lubwig Korner, zur Verfügung gestellt worben. Der Haus- Herr selbst gab bei ber Besichtigung Aufschluß über weitere Ausbaupläne. Den Abschluß bildete eine Vor- führung von Tänzen burch einige Mitglieber ber Deutschen Tanzbühne. Rosalia Chlabek, Almut Doroma, Dore Hoyer, Karl Bergeet, Lubwig Egenlauf Georg Groke unb Robert Mayer zeigten Tänze aus ihren Soloprogrammen unb gaben schon bamit Proben ihrer starken Jnbivibualität, bie auf ihr Rollenfach hinwiefen. Salatgurken 10 bis 40, Einmachgurken 1% bis 4, Endivien 10 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 10, Sellerie 30, Rettich 10 bis 15, Radieschen, das Bund 10 Rpf. llS'GeluelnWsl M Statt önrfli Sreaöe Irn Monat August bieten wir siebentägigen Ferienaufenthalt jeweils von Samstag zu Samstag im Kreis Schotten. Teilnehmerpreis 22 RM. (ohne Fahrt). Nächster Aufenthalt in der Zeit vom 24. bis 31. August 1940. Anmeldungen sofort erbeten in unserer Verkaufsstelle, Seltersweg 60. 3727D Theater-Sommerring. Die Karten für die Veranstaltung „Triumph des Tobias" am Samstag, dem 24. August, sind ab sofort in der Kartenverkaufsstelle, Seltersweg 60, abzuholen. 3728D ♦ *♦ Auszeichnung im Feld. Dem Gefreiten Hans Georg S t e i n m a n n und dem Soldaten Karl Heinz Becker, beide aus Gießen, die an der Erstürmung des Forts La Rochette bei Lüttich und den damit verbundenen Nahkämpfen beteiligt waren, wurde das Jnfanterie-Sturmabzeichen verliehen. Schweinemarkt in Alsfeld. * Alsfeld, 19. Aua. Der heutiae Schweine- markt war mit 213 Ferkeln beschickt. Es kosteten bis 6 Wochen alte Tiere bis 24 RM., 6 bis 8 Wochen alte 24 bis 28 RM., 8 bis 10 Wochen alte 28 bis 35 RM. pro Stück. Nach flottem Geschäft verblieb geringer Ueberstand. Unser neuer Vornan Unser heiterer Sommer-Roman „Die schöne Melusine" ist gestern zu Ende gegangen. Er hat m Stadt und Land freundliche Aufnahme gefunden. Das gleiche hoffen wir auch von dem neuen Roman, mit dessen Abdruck wir heute beginnen. Helene Kali sch zeigt in dem Roman „Klaus fängt ein neues Leben an“, daß es nie zu spät ist, unter ein leeres und verfehltes Leben einen Strich zu machen und zu ver- suchen, in gläubigem Vertrauen auf die Kraft der Liebe und die befreiende Tat im Dienst des Ganzen sich wieder in die Ordnung einzureihen, die man verletzt hatte. Helene Kalisch hat es verstanden, den schweren Weg eines Mannes aus innerer Not und Bedrängnis ungemein fesselnd und ohne falsche Sentimentalität zu schildern. Wir sind deshalb gewiß, daß dieser spannende und handlungsreiche Roman bei allen unseren Lesern der größten Anteilnahme begegnen wird. Gießener Dochenmarktpreife. * G ie fee n, 20. Aug. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, Vi kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 6 bis 10, Kartoffeln, kg 6,1, 5 kg 61, Wirsing, kg 6, Weißkraut 5, Rotkraut 8, gelbe Rüben 7, rote Rüben 8, Spinat 20, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen (grün) 15 bis 18, (gelb) 18 bis 21, Erbsen 30, Tomaten 22, Zwiebeln 14, Rhabarber 8 bis 10, Kürbis 7, Pilze 50, Frühäpfel 25 bis 30, Falläpfel 7 bis 10, Birnen 20 bis 40, Pflaumen 25, Zwetschen 25, Mirabellen 32 bis 35, Renekloden 21 bis 25, Blumenkohl, das Stück 10 Rpf. bis 1 RM., Salat 5 bis 10 Rpf., 0er Handbattsonntag im Bezirk Gießen Die anderweitige Inanspruchnahme der aktiven Spieler (Weidig-Bergfest) machte es auch diesmal notwendig, eine Anzahl Spiele abzusagen. Im Hinblick darauf blieb der Vezirksspieltag das Hauptereignis des Sonntag. Die beiden Gegner im Endspiel um die Lahnpokal-Entscheidung, Tv Hochelheim und Tv. Garbenheim, nutzten die Gelegenheit, um sich in Freundschaftsspielen entsprechend vorzubereiten. Die einzelnen Spiele hatten folgende Ergebnisse aufzuweisen: Tv. Hörnsheim — Tv. Holzheim 13:5 (6:5). Holzheim hat sich anscheinend wieder gefunden. Eine Halbzeit lang war es jedenfalls möglich, den ungestümen Angriffen der Platzbesitzer, die in stärkster Aufstellung antraten, standzuhalten. Dann war es allerdings vorbei. Hörnsheim kam mehr und mehr auf und hatte vor allen Dingen auch mehr Glück mit seinen Angriffen. Nochmals: Oberhessisches Kriegsbergfest. Heimische Erfolge. (Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.) Tv. Hörnsheim — Tv. Hochelheim 10:7. Die Hochelheirner konnten diesmal nicht restlos gefallen. Sie wiesen Mängel auf, die unbedingt ausgemerzt werden müssen, wenn man sich Hoffnungen auf ein gutes Abschneiden bei dem kommenden Entscheidungsspiel um den Lahnpokal macht. Hörnsheim dagegen spielte wie in alten Tagen. Es hatte — durch Urlauber verstärkt — seine alte Meistermannschaft zur Stelle und zeigte stellenweise hervorragende Leistungen. Tv. Garbenheim I — Tv. Dutenhofen I 23:9 (8:6). Tv. Garbenheim II — Tv. Dutenhofen II 17:8 (10:1). Beide Mannschaften des Tv. Garbenheim konnten ihre Spiele hoch gewinnen. Trotzdem blieben auch hier Mängel offen. Hätte sich Dutenhofen von Anfang an gleich gut gefunden, wäre nicht soviel verschossen worden, hätten die Schlußergebnisse wahrscheinlich anders gelautet. Lachsalven und in nicht minder kräftigen Beifalls-' stürmen fand. Gustav Jürgens als singender Spielmann verstand es gleichfalls, durch launigen Gesang seinen Zuhörern einen schönen Genuß zu bereiten, der mit herzlichem Beifall bedankt wurde. Blacky Hübner und Thomas T h o m a s s e n vom Reichssender Berlin und Deutschlandsender erwiesen sich in Konzertstücken an zwei Flügeln als Künstler von ausgezeichneter Musikalität, die auch dem Tanzpaar Lisa K r e t s ch m a r und Günter Heß von der Staatsoper Berlin sorgsame, feinsinnige Begleiter bei deren schmissigen und sehr graziösen Tänzen waren. Starker Beifall war selbstverständlich. Im Mittelpunkt der Vortragsfolge erschien, als Gipfel aller Darbietungen, die Staatsschauspielerin Olga Tschechowa auf der Bühne, die mit gewaltigem Beifall empfangen wurde. Sie erfreute, während Blacky Hübner am Flügel zur Begleitung leise musizierte, ihre gespannt lauschenden Zuhörer in feingestalteter Deklamation mit einigen knappen, in Versmaß gehaltenen Erzählungen aus dem Leben der Bühne, insbesondere der als Bühnenstar geltenden Frau. Die feinmodulierende Sprache der Künstlerin und die schlichte, aber doch so ausdrucksreiche Unterstreichung der Worte durch die Geste verfehlten ihren starken Eindruck auf die Besucher nicht. Immer wieder umrauschte gewaltiger Beifall die Künstlerin, die sich denn auch zu einer Zugabe entschließen mußte, um damit die schier unermüdliche Beifallsfreudigkeit ihrer Freundinnen und Freunde zu belohnen. Nach diesem Höhepunkt erfreute Carter durch seine geradezu virtuosen, verblüffenden Täuschungskünste, durch die er immer wieder die staunende Bewunderung für seine Kunst der Geschwindigkeit hervorrief. Die Operettensoubrette Charlotte Sch ü tz e vom Deutschen Theater in Wiesbaden, die wir schon wiederholt in Gießen durch ihre Darbietungen gewaltige Beifallsstürme entfachen sahen, errang gestern zu ihren bisherigen Erfolgen neue künstlerische Lorbeeren, die ihr mit starkem Beifall zuteil wurden. Als helleres Paar auf Rollschuhen produzierten sich die zwei Lindgreens mit meisterhaften künstlerischen Können, das stärkste beifällige Anerkennung fand. Daneben sorgten Georg Kronlein und die übrigen Künstler erneut dafür, daß die zwei Stunden durch vielseitige heitere Kunst für alle Besucher eine reichfließende Quelle der Freude und Erholung vom Alltagswerk wurden. Die Veranstaltung war wiederum für KdF. als Veranstalter und für die Künsller ein glänzender Erfolg auf der ganzen Linie. Blumschein. Ludwiq Gcbmitz besucht Gießen. Die NSG. „Kraft durch Freude" kündigt heute ein Gastspiel von Ludwig Schmitz in Gießen an. Zu diesem Besuch des vom Film her bekannten Künstlers wird uns von KdF. folgendes geschrieben: Wir kennen alle den lustigen Schmitz. In jeder Woche tritt er uns in einer neuen Version in den kurzen Filmchen mit Jupp Hussels entgegen. Er zeigt uns den üblen Zeitgenossen, der immer noch nicht kapiert hat, worauf es ankommt, er zeigt uns den Hamsterer, der überall noch ein Hintertürchen zu finden hofft, den Herrn Hase, der von gar nichts eine Ahnung hat, den Meckerer, der über alles und jedes eine gehässige Kritik zur Hand hat, der aber — klopft man ihm mal auf die Finger — entrüstet dasteht: „Ich? — Ich habe doch gar nichts gesagt!" Mit einem vielsagenden Augenaufschlag treten sie uns gegenüber und flüstern wichtigtuerisch: „Haben Sie schon gehört?" Und am Stammtisch, wenn sie glauben, nur unter Gleichgesinnten zu sein, dann rücken sie heraus: „Soll ich mal 'nen neuen Witz erzählen?" „Alles ohne" — Planlos kaufen sie alles auf, was ihnen irgendwie erreichbar ist. Dinge meist, die sie gar nicht gebrauchen können. Aber dafür steht ihnen auch das schlechte Gewissen geradezu auf dem Gesicht geschrieben. „Die da obe — die sind an allem schuld — die wolle ja net emal, bat mer Daxie fährt" — so fanaen sie an — Mit seligem Augenaufschlag stöhnen sie bei jeder Gelegenheit: „Butter!" — „E Tafe Kaffee!" „E Wildschweinskeule!" und tun so, als ob es ihnen schlecht geht und sie schon irgend etwas entbehrt haben. Und wenn man ihnen mal auf die Finger klopft, dann stehen sie entrüstet da: „Das soll ich gesagt haben?" Tritt man aber mal an sie heran, verlangt man mal etwas von ihnen, dann ziehen sie ein Gesicht „Ich soll Kohlen verladen helfen?" Diesen Typ Zeitgenossen der allgemeinen Lächerlichkeit und Verachtung preiszugeben, das hat sich Ludwig Schmitz zur Aufgabe gemacht. Und wir wollen das gleichfalls tun!____________________________ In unserem gestrigen Bericht über das oberhessische Kriegsbergfest auf dem Schrenzer bei Butzbach haben wir von den Eraebnissen die fünf ersten Sieger jeder Wettkampfklasse veröffentlicht. Heute bringen mir noch einen Auszug aus der umfangreichen Siegerliste: Die volkstümlichen Dreikampfe. Männer: 9. Sieg W. Munzert, VfL. Lollar, 64; 10. E. Hochstein, Spa. Großen-Buseck, 63; 12. H. Schreiner, Tv. Ruttershausen, 61; 17. W. Weber, Spg. Steinbach, 55; 20. Hans Deuker, Spg. Steinbach, 52; 22. Willi Schwarz, Gef. Motor 3/116 Gießen, W. Moos, VfL. Lollar, 49; 23. H. Müller, Tv. Lang-Göns, 48; 26. Chr. Wifsig, Tv. Lich, 44; 28. W. Zöllner, Tv. Lang-Göns, 42; 29. W. Ott, Tv. Ruttershausen, 41; 30. A. Ziegler, VfL. Lollar, F. Jäger, Tv. Lich, 40; 33. R. Weppler, Tv. Lich, E. Neidei, Tv. Heuchelheim, 37; 36. 5). Ludwig, Tv. Heuchelheim, I. Fay, Tgm. Grüningen, 34; 37. A. Sommerkorn, Tv. Lang-Göns, 33; 39. A. Müller, Tv. Lang-Göns, A. Bender, Tv. Lang- Göns, 31; 40. K. Wenzel, Tv. Lang-Göns, 30 Punkte. Altersklasse I (30 bis 39 Jahre): 9. E. Jung, VfL. Lollar, 61; 13. O. Leidig, Tgm. Grüningen, 55; 15. Ph. Keller, Tv. Heuchelheim, Adolf Müll, Postsportgem. Gießen, 52; 17. O. Küster, Tv. Lang-Göns, 48; 23. Chr. Schäfer, Tv. Grüningen, 41 Punkte. Altersklasse II (40 bis 49 Jahre): 6. Willi Keßler, Tv. Lang-Göns, 60; 11. Gustav Baldauf, Tv. 1846 Gießen, 48; 12. Walter Jürgens, Tv. 1846 Gießen, 47; 14. L. Hasselback, Tuspo Rodheim an der Bieber, 45; 15. R. Keller, Tuspo Rodheim an der Bieber, 44 Punkte. Altersklasse III (50 Jahre und älter): 10. W. Schmidt, Postsportgem. Gießen, 53; 13. Ph. Götz, Postsportgem. Gießen, 47; L. Petri, Tv. 1846 Gießen, 46; 18. A. Schmidt, Tv. Lang-Göns, 32 P. HI. - Klasse A: 7. Hans Gante, 1900 Gießen, 71; 8. W. Georg, Tv. Lich, 70; 15. W. Ott, Tv. Ruttershausen, 61; 16. E. Schreiner, To. Wieseck, 60; 19. A. Eichler, Tv. Lich, 55; 21. H. Hinter- lang, Tv. Klein-Linden, K. Metzger, Tv. Münzenberg, 54; 23. A. Rinn, Tv. Heuchelheim, 51; 25. W. Pracht, Tuspo Rodheim, 49; 28. F. Rühl, Tv. Klein-Linden, 45; 29. K. Christ, Tv. Wieseck, 44; 30. O. Rinn, Tv. Heuchelheim, Ernst Sauer, Tv. Ruttershausen, 43; 31. H. Velten, Tv. Lang-Göns, 42; 32. A. Henning, Tv. Heuchelheim, 41; 33. Hch. Stein, Tv. Klein-Linden, K. Philipp, Tv. Lang- Göns, Erich Jsheim, Mtv. Gießen, 40; 35. Karl Heß, Tuspo Rodheim, 38; 41. W. Wall, Tuspo Rodheim, 31 Punkte. , HI.-Klasse B: 6. Werner Happel, Mtv. Gießen, 73; 7. Rudi Heiner, Mtv. Gießen, 72; 13. Werner Pfann, Mtv. Gießen, 64; 15. E. Munk, Tv. Ruttershausen, E. Reinstädter, To. Heuchelheim, 62; 17. H. Schön, Tv. Lich, 60; 20 E. Parr, Postsportgem. Gießen, E. Haas, Spg. Steinbach, 57; 21 H Wolf, Tv. Pohl-Göns. 55; 23. O. Schwarz, Tv. Lich, 53; 24. K. Brück, Spg. Steinbach, 52; 25. Fritz Bree, Postsportgem. Gießen, 51; 26. H. Reuschling, Tv. Heuchelheim, 50; 27. R. Keßler, To. Großen-Linden, Kurt Schwarz, To. Ruttershausen, 49; 28. Arno Frank, Postsportgem. Gießen, 48; 29. W. Nordmann, Postsportgem. Gießen, 47; 30 W Müller, Tv. Lang-Göns, E. Müller, Tv. Großen-Linden, 46; 31. K. H. Barth, Tv. Heuchelheim, R. Rühl, To. Lang-Göns, K. H. Schäfer, Postsportgem. Gießen, H. W^'.ß, To. Großen-Lm» den 45- 32. E. Eckhard, To. Großen-Linden, E. Schneider, Spg. Steinbach, K. H. Beiling, Fähnlein 31/116, H. Bolz, To. Pohl-Göns, 44; 33. A. Bingel, Tv. Klein-Linden, 43; 34. O. Volkert, To. Klein- Linden, H. Uhl, To. Lich, 42; 36. G. Herzberger, Tv. Heuchelheim, H. Wiesenbach, To. Münzenberg, 40; 37. A. Menges, Tv. Heuchelheim, H. Stein, Tv. Klein-Linden, K. Bonarius, Postsportgem. Gießen, 39; 38. H. Heßler, MHI. 2/116, 38; 39. W. Schäfer, Postsportgem. Gießen, 37; 40. A. Schmitte, HI. Münzenbera, W. Bohl, Tv. Pohl-Göns. O. Stoll, To. Lang-Göns, F. Germer, To. Klein-Lm- den, W. Schwan, Tv. Lang-Göns, 36; 41. R. Brückel, Tv. Lang-Göns, 35; 44. E. Müller, Tv. Lang-Göns, W. Loth, Postsportgem. Gießen, 32; 45. W. Walter, Tv. Großen-Linden, 31; 46. Fritz Fey, To. Lich, 30 Punkte Frauen: 7. Elfriede Schmidt, DfB.-R., Gießen, 58; 8. Gertrud Muhl, VfB.-R., Gießen, 57; 19. Anna Sack, Tv. Heuchelheim, 37; 25 Emmi Arnold, DfB.-R., Gießen, 32; 26. Gretel Kreiling, Tv. Heuchelheim, 30 P. BD M.-Klasse A: 6. Emmi Kröck, Tv. Heuchelheim, 49; 8. Tilli Wagner, BDM. 11/254 Nidda, 43; 9. Gertrud Härder, Tv. Klein-Linden, 41; 11. Marta Hofmann, Tv. Heuchelheim, 39; 15. Erna Hahn, Tv. Heuchelheim, 30 P. BDM.-Klasse B: 7. Ilse Roth, VfB.-R. Gießen, 61; 10. Margot Eimer, BDM. 11/254 Nidda, 57; 10. Gertrud Klein, Tv. Klein-Linden, Ottilie Stoll, Tv. Lang-Göns, Tilli Nem, Tv. Kirch-Göns, 56; 12. Herta Hantel, Tv. Kirch-Gons, 55; 14 Margot Lenz, Tv. Klein-Linden, 53; 15. Irene Müller, Tv. Lang-Göns, Erna Lang, Tv. Lang-Göns, 52; 17. Irene Görlach. Tv. Lang-Göns. 50; 18. Anna Wirth, Tv. Kirch-Göns, Elisabeth Lenz, Tv. Klein- Linden, 49; 20. Emmi Diehl, Tv. Kirch-Göns, 47; 22. Erna Wetzstein. BDM. 11/254 Nidda, 45; 23. Luitgard Blei, VfB.-R. Gießen, Maria Klein. To. Klein-Linden, 44; 25. Margot Kaiser, Tv. Lang- Göns 38; 31. Hildegard Genter, To. Lang-Göns, Göns, 42; 26. Erna Meier, BDM. 11/254 Nidda. 41; 29. Hildegard Müller, Tv. Kirchgöns, 38; 31. Hildegard Genter, Tv. Lang-Gösts, Hilde Harling, VfB -R. Gießen, 36; 35. Marta Römer, Tv. Lang-Göns. 32 P. Staffeln: 4X100- Meter, Männer (Weidiq-Wander- preis): 1. Tschst. Lauterbach, 49,8; 2. Wehrmacht; 3. Tv. Wetzlar. 10X100 Meter, Jugend (Moritz-Kubl- Wanderkreis): 1. Tv. Heuchelheim, 2:16.2 Min.; Tufpo. Butzbach und TuSpg. Wölfersheim disquoli. ftziert. 4X100-Meter, Frauen (Albert-Wamser» Wanderpreis): 1. Betr. Spg. Hartmann und Braun, Frankfurt a. M., 57,6 Sek.; 2. Tgm. Bad Homburg; 3. Iahngem. Oberursel. Sonberfämpfe. Hochsprun g für Männer: 1. Ernst Decher, Tuspo Schlitz, 1,72; 2. Willi Schwvrz, Vl^ -R. Gießen, 1,72; 3. W. Topp, To. Wetzlar, 1.68 M"t-r. Hochsprung für Frauen: 1. Hilde Walf, Betriebsspg. Hartmann und Braun Frankfurt a. M, 1,42; 2. Hedi Langlouis, Tuspo. Butzbach, 1,42 Meter. Kurze (Sporfnofüen. Zum 11. Male Deutscher Ringermeister wurde Europameister Fritz Schäfer (Ludwigshafen) am Sonntag in Hannover im Titelkampf der Weltergewichtsklasse. Gocke (Dortmund) und Fink (Göppingen) belegten die Plätze. Deutscher Mei st er im Wurftaubenschießen wurde in Berlin ^-Ustuf. Beisenherz (Berlin) mit 186 Treffern vor Dr. Schöbel (Leipzig) und ff- Stubaf. Finke (Berlin) mit je 181 Treffern. Roman von Helene Kalisch Copyright 1939 by Prometheus-Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München Erstes Kapitel. Trübes Nooemberwetter voll Dunstgewölk und Sprühregen nimmt früher als sonst der Nachmit- tagsstunde das Tageslicht. Die Patienten legen die Zeitschriften beiseite, die ihnen über die Langeweile und Nervosität des Wartenmüssens, über das quälendlangsame Heranschleichen einer Peinlichkeit hinweghelfen sollen — denn es ist das Wartezimmer eines Zahnarztes, in dem bei zunehmender Dämmerung die Harrenden wie Schattengestalten hocken. Niemand erhebt sich, um das Licht einzuschalten. Es ist, als lähme alle ein trüber, niederdrückender Zwang. Endlich öffnet sich wieder die Tür zum Behandlungszimmer, breit flutet das Licht herein. „Ader meine Herrschaften, Sie sitzen hier ja noch im Dunkeln!" sagt der junge Zahnarzt Dr. med. Hans Bergholz erstaunt und greift nach dem Schaltknopf neben der Tür. Sechs Augenpaare blinzeln in das Licht, das die Milchglasschale der Ampel ausstrahlt. Der schlanke blonde Mann im weißen Kittel hat sich mit raschem Umblicken der Zahl der Wartenden vergewissert. Nach fünf Uhr, wenn in vielen Arbeitsstätten die Tagesarbeit beendet ist, erhält das Wartezimmer noch-erheblichen Zuzug, und das bedeutet für ihn noch eine Reihe von Arbeitsstunden. Seit morgens um acht ist er tätig, mit einstündiger Unterbrechung. Er seufzt leickt, als er die Dame, die an der Reihe ist, ins Behandlungszimmer einläßt. Doch mit der zur Gewohnheit gewordenen verbindlichen und zugleich würdevollen Geste fordert er sie auf, im Operationsstuhl Platz zu nehmen. Und wieder surrt und knirscht der feine Stahlbohrer, die Instrumente klappern, und eine schwierige Behandlung erfordert die Anspannung der Nervenkraft. Zwar ist der Fall einer der alltäglichsten, aber die Arbeit wird erschwert durch das Verhalten der Patientin, durch ihre Unruhe und Wehleidigkeit. Jetzt seufzt Hans Bergholz vernehmlicher, und Tröpfchen bilden sich an seinen Schläfen, er gibt sich noch immer liebenswürdig, beend und sanft, obgleich er innerlich durch alle Register seines Wortschatzes flucht. Er arbeitet weiter mit leichter behutsamer Hand, und neben seiner stummen Wut fühlt er doch noch ein wenig Stolz auf seine Geschicklichkeit und seine innere Haltung. Es sind die Eigenschaften, die chm Beliebtheit und starken Zuspruch verschaffen. Er hat sie zu pflegen, um sich seinen Platz unter den Fachkollegen zu sichern. Bei einem leisen Klopfen an der nach der Diele führenden Tür blickt er nach der Uhr und atmet aus. Es ist die Zeit der kurzen Kaffeepause. Ader so schnell kann er die schwierige Patientin nicht entlassen. Endlich aber ist's so weit; er wäscht sich die Hände und geht durch die Verbindungstür zur Wohnung hinüber. Bereits ungeduldig wartet am zierlich gedeckten Tisch Frau Erna Bergholz. Mildes Licht einer großen Stehlampe erhellt das Zimmer, und aus dem Lautsprecher ertönt Musik. Das alles macht den Eindruck, als ob hier angenehme, erfreuliche Dinge auf einen abgehetzten Menschen warten; aber der Gesichtsausdruck der hübschen jungen Frau macht das fragwürdig. Die Tür wird aufgerissen. Mit wehenden Rockschößen fegt Hans Bergholz herein und — reifet nichts ahnend einem irgendwie geflauten Verdruß seiner Frau ein Ventil auf. Sie wirst die Zeitschrift, in der sie geblättert hat, mit einer zornigen Bewegung beiseite. „Mußt du immer so hereingestürzt kommen, daß man erschrickt und denkt, es sei ein Unglück geschehen?" fährt sie entrüstet auf. Dann nimmt sie die dicke bunte Wärmeschutzhaube von der Kaffeekanne und füllt ihm die Tasse. Er läßt sich in einen Sessel sollen, trinkt durstig ein paar Schlucke von dem heißen Getränk. Den eben gehörten Vorwurf hat er bereits viele Male vernommen und sich ebensooft entschuldigt; längst ist ihm das über geworden. Aber daß es seiner Frau nie über wird, ihn zu erheben, ist doch zum Verwundern ... oder eigentlich auch nicht. Er kennt sie ja und kennt den engen Kreis, in dem sich bei ihr Denken und Reden bewegt und... Ja, ist man denn selbst anders? ... Begeht man nicht auch immer wieder die gleichen Fehler?..« Er kaut an einem Butterbrötchen, blinzelt hinter den Brillengläsern und sagt dann mit gutmütigem Lachen: „Unabänderlich, Erni! Eine auf hohe Touren gebrachte Maschine kann man nicht im Augenblick 3um Stillstand bringen." Sie verzieht höhnisch den Mund. „Du verstehst es ausgezeichnet, deine schlechten Gewohnheiten zu beschönigen", sagt sie spitz, wendet sich zu dem Rundfunkgerät und stellt den Empfang ab. Bergholz sieht es st im runzelnd. Die heitere, schmachtende Weise, die eben erklang, tat ihm im Augenblick gut, wirkte angenehm entspannend. „Weshalb läßt du nicht weiterspielen? Ich habe rein gar nichts von dem Apparat", sagt er verdrießlich. „So?... Aber daß ich auch mal etwas mit dir zu reden haben könnte, fällt dir niemals ein?" fragt sie gereizt, und eine neue Unmutswelle rötet ihr frisches Gesicht lebhafter. Bergholz' Miene drückt Abwehr aus. Gleich beim Hereinkommen hat er die schlechte Laune seiner Gattin bemerkt. Die Ursache dazu ist wahrscheinlich ein kleiner häuslicher Aerger oder irgendeine andere Geringfügigkeit. Manchmal glaubt er, Erna suche geradezu Aufregungen um Nichtigkeiten. Ihrem Leben fehlen ernstliche Sorgen und Nöte. Instinktiv schafft sie sich die innere Bewegung, die ihre Natur braucht. Aber muß sie ihm, der abgearbeitet und ruhebedürftig ist, durchaus jetzt damit kommen? Merkt sie nie, daß er in dieser Hinsicht nicht immer aufnahmefähig ist? Denkt sie nie daran, seine so völlig andere Art zu schonen? ,Nein!' beantwortet er sich die im stillen gestellten Fragen und nimmt eine zweite Tasse Kaffee. „Was ist denn nun wieder los?" fragt er dann nicht sehr freundlich. „Aber bitte, fasse dich kurz, denn ich darf mir keine lange Pause gönnen." Sein ganzes Wesen rft gereizte Abwehr. Das aber lenkt den Unmut der jungen Frau um und direkt auf ihn. Eine Sturzflut von Vorwürfen prasselt auf ihn hernieder. Er antwortet auch heftig, worüber die von Natur unbeherrschte Frau ganz außer sich gerät. Ihre Stimme schrillt und überschlägt sich, und sie verfällt in die ihm so sehr verhaßte Tonart schlechterzogener und verwöhnter Menschen. Sein Gesicht wird zur starren, höhnischen Maske. Seine Entgegnungen klingen falt, von verletzender Überlegenheit. Zimmerweit fft der eheliche Streit zu hören... Das Mädchen Lina streckt den Kopf durch die Küchentür, zieht ihn aber rasch zurück, denn der Herr Doktor knallt eben drüben die Tür zum Wohnzimmer zu und durcheilt mit langen Schritten den Korridor; die Schöße seines weißen Kittels flattern rechts und links neben ihm. In seinem Sprechzimmer steht Bergholz still, steckt die Hände in die Kitteltaschen. Sein Gesicht ist blaß, nur an der Stirn rötlich angelaufen. Es zuckt an den Schläfen, die in das blonde Haar hineinragen. Seine Augen gleiten unruhig über die weißen Wände des Raumes. Der Lehrling aus dem Laboratorium, der während seiner Abwesenheit die benutzten Instrumente fartgeräumt und durch frisch sterilisierte ersetzt hat, geht an Bergholz vorbei aus dem Zimmer. Der sieht ihm nach und schämt sich heftig. Er hat auch das lauschende Mädchen hinter der Küchentür gesehen. Mit der noch leise zitternden Linken streicht er sich über das Haar. Warum nur solche Aufregung, das Beben aller Nerven um ein Nichts, um einen Quart?... Zu blödsinnig!... Immer wieder, trotz seines unzählige Male gefaßten Vorsatzes, sich nicht mehr hinreißen zu lassen in die Summen, sinnlosen Zankereien, kommt es dazu. Am leichtesten dann, wenn er beruflich oder seelisch ein bißchen abgekämpft ist. Und es geschieht immer häufiger! Das sollte ein Warnungszeichen sein. — Hans Bergholz arbeitet weiter. In verbindlicher und würdevoller Haltung empfängt und entläßt er die Patienten. An ihnen allen bewährt sich seine leichte und behutsame Hand. Er sucht sich mit allen Gedanken auf feine Tätigkeit zu beschränken, und es gelingt ihm auch so ziemlich. Doch darunter brennt ein Gefühl der Beschämung und will nicht weichen. Eine Stunde ungefähr ist verstrichen, als er, nachdem die Flurglocke einen neuen Ankömmling verkündet hat, erregtes Sprechen von der Diele her vernimmt. Er runzelt die Brauen. Da draußen versucht wahrscheinlich wieder einer von den Ungeduldigen, Anmaßenden unter irgendeinem Vorwand den Zwang der Wartezeit zu umgehen — auf Kosten der anderen, die geduldig ausharren. Wirklich erscheint auch der Lehrling aus dem Laboratorium, zu dessen Obliegenheiten es gehört, die Eingangstür zu öffnen, und kommt mit einem Kärtchen in der Hand auf feinen Chef zu, dessen Miene ganz Ablehnung ist. (Fortsetzung folgt.)