Mittwoch, 1b. GktoberMo i4v. Jahrgang Nr. 2^5 tümabme von Anzeigen für die Miltagsnummer bis 8'/, Uhr des Vormittags Anzetgen-Preise r Anzeigemetl 7 Stof, te mm bei 22 mm Zeilenbreite, Wertteil 50 Stof, te mm bei 70 mm Zeilenüreite Nack lasse: Wiederholung MalstaffelI Abschlüsse Mengenstaffel B Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25°/o mehr Erscheint täglich, au ft er Sonntags und Feiertags Veilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat rmBild DieScholle MonatS-Bezugsvreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Aernsvrechanschluff 2251 Drahtanschrift-.„Anzeiger" Postscheck 11686 Franks J M Gietzemr Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen L « Aus dem Gefechtsstand des Chefs der Luftflotte 2 danken geschaffen. London wieder das Ziel schwerer Bomben London sehnt sich nach schlechtem Wetter Die Fülle der politischen und wirtschaftlichen Probleme ließ ihre Trennung und landschaftlich gesonderte Behandlung rötlich erscheinen. Zunächst wurde der Gau Wartheland als jüngster und größter aller deutschen Gaue aus der früheren Provinz Posen und aus früheren kongreßpolnischen Gebieten gebildet. Er umfaßt die Regierungsbezirke Posen, Hohensalza und Litzmannstadt (ftüher Lodz), also drei Regierungsbezirke, 38 Landkreise und 6 kreis- reie Städte. Di-e Umsiedlung der Balten- und anderer Ausländsdeutschen nach diesem Gau macht ihn zu einem Bollwerk des Deuschtums. Der Warthegau ist mit seinen 43 000 Quadratkilometer größer als Holland und agrarpolitisch von besonderer Bedeutung, denn in diesem Raume liegen fast 25 v. H. der Roggen - und 20 v. H. der Zuckerrüben- Helten griffen ein Iruppenlager in Südengland aus niedrigster Höhe an. Die hier in Baracken und Unterkünften hervorgerufenen Brände waren auf dem Rückflug noch bis zur Mitte des Kanals zu beobachten. Auch Bahnanlagen in Süd- und Mittelengland wurden mit Bomben teilweise schwersten Kalibers belegt. Der Feind flog, wie üblich, erst bei Dunkelheit nach D e n t f ch l a n d und in die besetzten G e - biete ein. Er begegnete dabei wirkungsvoller Abwehr durch Nachtjäger und Flakartillerie. Die abgeworfenen Bomben richteten geringen Sachschaden lediglich an nichtmililärischen Gebäuden und Anlagen an. Ebenso sind Verluste nur unter der Zivilbevölkerung eingetreten. Das Rudolf-Virchow- Krankenhaus in Berlin wurde in seinen ausgedehnten, durch das rote Kreuz gekennzeichneten Anlagen erneut durch eine Sprengbombe getroffen. Besonders stark waren die Zerstörungen, die britische Bombenflugzeuge in den letzten Tagen in der französischen Hafenstadt Le Havre und auf holländischem Gebiet anrichteten. Zahlreiche Gebäude wurden durch Brände zerstört, so daß Teile der Zivilbevölkerung obdachlos wurden. Der Gegner verlor gestern insgesamt 6 Flugzeuge, von denen 3 durch Nachtjäger abgeschossen wurden. Ein kleines Hafenschuhboot schoß an der Generalfeldmarschall Kesselring (rechts mit Ritterkreuz), links vom Scherenfernrohr der Chef des Generalstabs der Luftflotte 2, Generalleutnant Speidel. — (Scherl-Bilderdienst- sArchw-RLM.-j M.) Der Wehrmachtberichl vom Dienstag. Berlin, 15.Oft. (DNV.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Ein U-Boot vernichtete aus einem Geleitzug heraus zwei feindliche Tankdampfer von zusammen 20 000 BRT. und beschädigte einen weiteren Dampfer schwer. Ein zweites U-Boot versenkte das bewaffnete Handelsschiff „Devons hire" mit 11 275 BRT., ein drittes einen bewaffnetenhandetsdampfervon 4900 BRT. Bei einem Vorstoß von Torpedobootsstreitkräften gegen die britische Kanalküste wurden vor einigen Tagen zwei feindliche U-Voot-3äger und zwei kleinere Handelsschiffe vernichtet und 40 Engländer gefangen eingebracht. London wurde im Laufe des gestrigen Tages gewisse „Elite" der Türkei zur gegebenen Zeit finden wird, wenn einmal die Geschichte das letzte ent- cheidende Wort gesprochen haben wird. Natürlich hat es in der Türkei behördliche Schikanen gegen deutsche Einrichtungen gegeben, — das Haus verdeutschen Kolonie in Istanbul, die „Teutonia", wird gehörig bespitzelt, als Sitz der sagenhaften „5. Kolonne", wie es die phantasievolle Schreibweise der anglophllen türkischen Presse darstellt. Ein paar hundert deutsche Fachleute und Ausbilder haben ihre langjährige und bis dahin hochgeschätzte Tätigkeit aufgeben und das Land verlassen müssen. Zolizeibesuche in deutschen Clubs und Zeitungen, eine Reihe Verhaftungen unter Reichsdeutschen fanden statt, — häufig auf Grund von verleumderischen Anzeigen aus jüdischen Emigrantenkreisen. Oer Krieg im türkischen Alltag Von unserem WEB.-Äerichterstatier. hatten. In dieser Beziehung zeigt sich der türkische Alltag empfindlich vom Krieg beeinflußt, was hauptsächlich die kleinen Gehaltsempfänger, die Handwerker und Bauern zu spüren haben. Diesen Leuten ist es aber in den letzten Jahrzehnten ohnehin nicht glänzend gegangen, auf ihren Schultern ruhte die Last der friedlichen Aufbauarbeit, die nun unterbrochen ist. Es handelt sich für diese breiteste Schicht der Bevölkerung also „nur" darum, den Gürtel noch enger zu schnallen^und weitere Ab- striche bei den wenigen üblichen Daseinsfreuden zu vollziehen, die ihnen in ihrer bekannten Genügsamkeit vergönnt waren. Wer Geld hat oder Geld verdient, dem stehen noch immer gefüllte Lebensmittelauslagen, Kleidergeschäfte und auch Vergnü- gungslokale ohne Einschränkung zur Verfügung. Auch der Luftschutz — sonst allenthalben im neutralen Europa eine zeitgemäße Erscheinung — macht in der Türkei wenig von sich reden. Mit vieler Mühe ist es gelungen, die Hausbesitzer der großen Städte zu zwingen, Kellerräume herzurichten oder in Gärten Schutzgräben auszuheben — der Sinn für die Zweckmäßigkeit solcher Vorkehrungen ist nur in geringem Maße Allgemeingut der Bevölkerung geworden. Man hat Luftschutztrupps ausgebildet, Sirenen aufgestellt — aber längst nicht so, wie es in anderen großen Städten Europas der Brauch ist. „ Den stärksten Spiegel der Kriegszeit Europas bietet in der Türkei die Presse. Sie war von Anfang an auf Krieg eingestellt, — auch heute halt sie in der Mehrzahl dem englischen Verbündeten die Stange und bemüht sich, das türkische Volk von der „Unbesiegbarkeit" Englands zu „überzeugen". Dabei ist gerade die Presse Hauptleidtragender des Krieges, denn der Mangel an Zei- tuffgspapier, das aus dem Ausland eingeführt wurde, ist immer schärfer geworden. Oft genug auch hat sich der türkische Rundfunk, der heute über 50 000 Hörer zählt, in den Dienst der Sache der „Alliierten" gestellt. Dieses kriegslusüge Gebaren der immerhin von Staat und Partei abhängigen Organe der öffentlichen Meinung stößt allerdings nicht immer aus rückhaltlose Zustimmung der Bevölkerung. Das türkische Volk ist trotz aller Verhetzung keineswegs auf Krieg gestimmt, sondern will Ruhe und Frieden haben. Cine Ausnahme macht dabei die sogenannte „Oberschicht der großen Städte, in denen, aus verschiedenen Gründen, die Deutschlandhetze am tiefiten Fuß gefaßt hat. Die westlich orientierte „gute Gesellschaft" und das verjudete Levantinertum bilden einen Kreis für sich, der allerdings mit dem großen Teil des türkischen Volkes nichts gemein hat. Fast ausschließlich aus diesem Kreis, ob er nun in Ankara oder in Istanbul zu Hause.ist, stammen Aeußerungen und Handlungen der Deutschfeindlichkeit, sei es nun in persönlicher oder auch in amtlicher Beziehung. Man soll allerdings diese Dinge in ihrer Bedeutung nicht überschätzen. Allenfalls erhebt sich die Frage, welchen Ausweg aus einer verfahrenen Situatton eine stadt war so groß, daß die zur Verfügung stehenden Feuerwehrmannschaften nicht ausreichten, um die Brände schnell genug zu löschen. Selbst die Luftschutzwarte mußten, wie „Dagens Nyheter" mitteilt, die Posten von Feuerwehrleuten übernehmen und von Brand zu Brand ziehen, damit die Feuer schnell genug gelöscht werden konnten. Die Sprengwirkung der abgeworfenen Bomben war furchtbar. In einigen Straßen der Hauptstadt mußte die Heimwehr eingesetzt werden, um die Plünderung in Mitleidenschaft gezogener Geschäftshäuser zu verhüten. Die Anzahl dieser au solche Weise vernichteter Geschäfte soll beträchtlich jein. Die Angriffe gegen die Provinzzentren waren nicht weniger heftig. Eine Stadt i m Südosten Englands, deren Namen nicht genannt wird, erlitt besonders umfangreiche Schäden durch den Abwurf großer Sprengbomben. Die Zahl der Toten in London und den mittelenglischen Grafschaften ist höher als in den übrigen Gebieten. Genaue Ziffern liegen jedoch noch nicht vor, da es bis zum Dienstagmorgen noch nicht möa- lich war, alle Trümmer zu beseitigen. Die Angriffe dauerten die ganze Nacht hindurch an und waren durch klares nächtliches Herbstwetter begünstigt. Wie der Berichterstatter von „Associated Preß" meldet, wurde das Gebiet von London a m Dienstag bis zum frühen Nachmittag fünfmal von deutschen Flugzeugwellen angegriffen. Das Londoner Luftsahrtministerimn gibt bekannt, daß am Dienstag bis 5 Uhr nachmittags 10 britische Jäger als vermißt gemeldet würden. Die Zahl der ab- geschossenen deutschen Flugzeuge glaubt das Luft- fahrtministerium mit 9 angeben zu können. Auf Grund zahlreicher Erlebnisse telegraphierte die Londoner Vertreterin von „Allehanda" in den Morgenstunden des Dienstag noch aus einem Luftschutzkeller ihrem Blatt einen Bericht, der die Behauptungen der amtlichen britischen Stellen, daß die deutschen Angriffe in der Nacht zum Dienstag geringeren Umfang gehabt hätten, in vollem Maße widerlegt. „Ich schreibe diese Zeilen, während noch im Morgengrauen des Dienstag das anhaltendste Dröhnen von Bombenmaschinen, das ich je gehört habe, sich über London vernehmen läßt. Heulend schlagen immer noch hier und dort Bomben ein, und der Erdboden bebt von Kanonenfeuer. Londons schwer st e Bombennacht neigt sich zu Ende, ebenso wie der klare Mondenschein, in den die Stadt die Nacht hindurch gebadet lag, leise verbleicht. London sehnt sich wieder einmal nach schlechtem Wetter. Man hat noch niemals einen so herrlichen Herbst erlebt." Dor Mitternacht war es nach dem „2lllehanda"-Bericht nur wenige Minuten so ruhig, daß man sich auf die Straße wagen durfte. 500 Meter Weg zurückzulegen bedeutete anderthalb Stunden kriechen und springen von Schutzstellung zu Schutzstellung. Kaum war Luftalarm gegeben, da schlugen auch schon die ersten Bomben in Zentral- London ein. Das Tempo des Bombenabwurfes und vor allem die Dichte der Abwürfe hielt die ganze Nacht hindurch an. „Brände und wiederum Brände erhöhten nur noch die Wirkung des Mondenscheins. Ambulanzen und Feuerwehrautos sausten die ganze Nacht durch die Straßen. Selbst die mutigsten Taxichauffeure waren in die Luftschutzräume geflüchtet." 31 feindliche Flugzeuge abaeschossen. Bombenangriffe in unverminderter Stärke fortgesetzt. Berlin, 15.Oft (DNV.) Am Dienstag setzte die deutsche Luftwaffe ihre Bombenangriffe auf die britische Hauptstadt in unverminderter Starke fort Sie erzielte an mehreren Stellen starke Brand- und Gebäudeschäden. Den Angriffen stellten sich an verschiedenen Orten im Südosten Englands wie über London selbst 3 agdf Neger verbände der englischen Luftwaffe entgegen. Es kam zu heftigen Luftkampfen zwischen diesen und unseren Jagern, die den Weg unserer Kampfflieger nach London freikämpften. 3m Verlauf dieser Kampfhandlungen schossen unsere 3agdverbande 31 feindliche Flugzeuge ab, während sie selber nur fünf Maschinen verloren. Stockholm, 15. Okt. (Europapreß.) Die deutschen Luftangriffe gegen England haben in der Nacht zum Dienstag den Umfana angenommen, rote ihn die englische Hauptstadt schon seit Sonntag abend erlebte. Aus Groß-London, aus den um London gelegenen Grafschaften, aus den mittelenglischen Grafschaften, aus dem Süden, dem Südosten und dem Südwesten des Landes sowie schließlich aus Wales treffen nach einer Darstellung des englischen Nachrichtendienstes Mitteilungen über umfangreiche Bombenabwürfe ein. Ueberoll wurden Brände entfacht. Industrieanlagen und Geschäftsgebäude wurden in Trümmer gelegt. Die Verkehrszentren, die Eisenbahnstrecken und Landsttaßen wurden besonders heftig angegriffen. Die Folgen müssen verheerend gewesen sein, denn die ausländischen Korrespondenten, soweit sie an europäische Blätter berichten, haben nicht die Möglichkeit gehabt, darüber Meldungen weitevzu- gcben. Die Zahl der entfachten Brände in Lon- don-Zenttal und in den Außenbezirken der Haupt- Wirtschaftliche Neugestaltung im Osten. Die wirtschaftliche Planung, die in Deutschland so gewaltige Erfolge zeittgte, hat auch die neuen Gebiete ergriffen. Wie dort gearbeitet wird, wird die Welt erst nach Friedensschluß voll erkennen. Vor allem der Osten wird aus der Verkommenheit und Sttaßenlosigkeit, aus dem Durcheinander von jüdisch-ausbeuterischem Kapitalismus, proletarischem Nihilismus und schmarotzender Paschawirtschaft Zug um Zug befreit, eine neue Ordnung, eine europäische Wirtschaftsform wird herbeige- ührt. Diese Umwandlung, diese Hinaufentwicklung )at zunächst die alten liebel radikal beseitigen müs- en, hat aber auch die Erziehung des östlichen Meuchen zu einem bewußten Träger der Produktion begonnen, und das ist bei der Lässigkeit und dem unvorstellbar geringen Kulturniveau der Polen eine Aufgabe, die zu den schwersten gehört, die einer modernen Wirtschaftsform gestellt ist. Denn erst müssen diesen grauen Massen Bedürfnisse anerzogen werden, ehe die Produktton in diesen Gebieten Urnen nachkommen und sich entfalten kann. Der polnische Bauer, der in seiner Erdhütte ohne Fußboden mit dem Vieh zusammenlebt, in Schmutz mb Verkommenheit dahinvegetiert und seinen Ver- tand durch Kartoffelfusel mordet, ist auch heute noch n seinem menschenunwürdigen Dasein befangen, und es ist nicht leicht, ihn daraus zu befreien. Allerdings, die Juden, die das Wirtschaftsleben im Generalgouvernement beherrschten und nur schacherten, sind jetzt durch die deutsche Obrigkeit zu körperlicher Aroeit gezwungen und aus ihren bisher herrschenden Stellungen geworfen worden. Damit ist eine Vorbedingung für den Durchbruch der neuen Ge- (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Istanbul, im Oktober 1940. Wie sieht der türkische Alltag nach 13 Kriegsmonaten aus? Um gerecht zu sein, muß man zu- , geben, daß im äußeren Bild der Städte sich wenig geändert hat. Seit einigen Wochen treten allerdings Die Uniformen stärker in Erscheinung, als Zeichen, daß die Türkei allmählich gegen 700 000 Männer zum zeitweiligen Heeresdienst unter d i e Waffen gerufen hat. Es wurden Kraftwagen und Pferdefuhrwerke requiriert, aber noch verkehren die öffentlichen Verkehrsmittel in unbeschränktem Maße, wenn auch gewisse Einfchränckungen in der Zuteilung von flüjjigen Treibstoffen geplant sind. Schlimmer macht sich der Mangel an Ersatzteilen bei Kraftwagen und Traktoren, wie überhaupt in der ganzen Industrie, bemerkbar, als Folge der wirtschaftlichen Isolierung der Türkei vom deutschen Geschäft. Der Mangel an Fertigwaren und besttmmten ausländischen Rohstoffen tft groß. Medikamente, Zeitungspapier, Werkzeuge, elektrische Arttkel können nur noch mit großen Schwierigkeiten und tropfenweise beschafft werden, ebenso Eisen und Stahl und alle Arten Baumaterial. Aus England und Frankreich ko m m t kein Schiff mehr, die Amerikaner und die Skandinavier befahren auch nicht mehr das Mittel- meer. Offen ist nur noch der Weg über die Balkanbahn und über die Donau, also nach und von Groß- beutschland und der Weg über die UdSSR. Die Wirtschaft der Türkei weiß die überragende Bedeutung dieser Verkehrswege richttg einzuschätzen, die Außenpolitik versucht noch, sie zu übersehen. Solcher Warenmangel begünstigt Wucher, Schleichhandel, Preistreiberei. Spät erst hat die Regierung burchgegriffen unb ihre Organe haben nun alle Hände voll zu tun. Zwei Jahre Verbannung nach einem entlegenen Ort Anatoliens sind meist die Quittung für allzu tüchtige Warenschieber, unter denen natürlich die Juden die führende Rolle spie- len. Kein Mangel herrscht an Lebensmitteln — bie Türkei ist eines der wenigen ßänber Europas, in benen weder fleischlose Tage eingeführt, noch Karten für bestimmte Lebensmittel ausgegeben wurden. Fleisch, Getreide, Zucker, Gemüse, Hüb senfrüchte, Milchprodukte, Eier werden wohl auch weiterhin in ausreichendem Umfang zur Verfügung stehen. Ausschlaggebend dabei ist allerdings, daß bie Ausfuhr dieser Agrarprodukte einen starken Rückgang aufweist, denn die Türkei ist von ihren Abnehmern des Westens abgeschnitten oder sie hat sich, wie es im Fall Großdeutschlands geschah, selbst davon ausgeschlossen. Trotz dieser Häufung der Agrargüter infolge mangelnder Ausfuhr sind d i e P r e i s e um rund 25 v. H. geftiegen, während auf der anderen Seite die gewaltigen Ausgaben für Landesverteidigung, Befestigungsarbeiten, Mobilmachungsmaßnahmen und Rüstungskäufe Steu^rerhöhungen von rund 25 v. H. im Gefolge Inzwischen erfolgten einige Freisprüche, weil die türkischen Richter selbst einsahen, daß hier Ueber- greifer und Verleumdung gemeinsam am Werk waren. Die Deutschen Istanbuls halten allen Anfeindungen zum Trotz zusammen, sie halten, oft unter großen wirtschaftlichen Opfern ihre Positionen, im Vertrauen auf die unausbleibliche Wandlung der Dinge zum Besseren. Fast jede Woche finden sie sich zusammen, um im geschlossenen Kreis im Film das gewaltige Geschehen unserer Zeit zu erleben. Deutsche Wochenschauen sind ja in türkischen Lichtspiel- Häusern nicht zugelassen, deutsche Spielfilme begegnen großen Schwierigkeiten. Gegenüber von Istanbul am Ufer des Marmara-Meers in Moda hat sich die Kolonie in eigener Arbeit einen Sportplatz geschaffen, wo man sich unter Landsleuten trifft. Es erscheint noch die deutsche Zeitung „Türkische Post", die, wenn sie auch unter dem starken Druck der türkischen Vorschriften steht, doch täglich in deutscher Sprache die neuesten Nachrichten bringt mit Bomben schweren Kalibers belegt Die Wirkung der Tagesangriffe wurde durch Nachtangriffe weiter verstärkt 3m Raum zwischen hyde park und 3ndia-Docks entstanden nach schweren Explosionen und Stichflammen beiderseits der Themse große Feuersbrün sie, die rasch um sich griffen und durch ihre Rauchentwicklung die sonst gute Erdsicht erheblich erschwerten. Nördlich! Kavalküste ein feindliches Flugzeug ab Ein deut London zerstörten Volltreffer hallen und Unter- sches Flugzeug ging verloren, fünfte eines Flugplatzes. Andere Kampfflieger-Lin-! -------- und Kartoffel anbaufläche des Reiches. Obwohl zwei Heere im ersten Kriegsjahr 'durch das Land gezogen sind und sich aus feinen reichen Beständen ernährt haben, find trotzdem viele hunderttausend Zentner Kartoffeln und Roggen in das Reich gebracht worden. Die Intensivierung der Landwirtschaft hat mit der Ansiedlung eingesetzt, die landwirtschaftliche Produktion wurde vermehrt, bis zum 1. September 1940 wurden 27 Millionen RM. landwirtschaftlicher Kredite bewilligt, und allem in Posen wurde der Hacksruchtanbau auf 25, der Oelfrucht- anbau aus 2,3 und der Zwischenfruchtanbau auf 10 o. H. der Ackerfläche ausgedehnt. Maschinen und Geräte, Dreschsätze, Dämpfkolonnen, Saatgut, Mineraldünger lieferte das Altreich, und so haben wir die sehr begründete Aussicht, das Wartheland zu einer der Kornkammern des Reiches zu machen. Die agrarische Marktordnung ist selbstver- stänolich sofort eingeführt worden. I n d u st r i e und Handel mußten im Warthegau von vorn anfangen, während in Ostoberschlesien und Westpreußen wenigstens die Grundlagen vorhanden gewesen sind. Die Polen hatten eine entsetzliche Luderwirtschaft getrieben, außerdem war die Wirtschaft des Warthegaues durch die Planung des sogenannten Industriedreiecks bei Sandomir in Galizien systematisch von Kapital und Maschinen entblößt worden. Immerhin: die Litzmannstädter Textilindustrie stellt ein Zehntel bis ein Achtel der gesamten großdeutschen Kapazität dar, und auch die Industrie der Steine und Erden ist bedeutend, obwohl auch sie von den Polen systematisch heruntergewirtschaftet war. Mit dem Anschluß an Großdeutschland ist neues Leben auch in der Industrie des Warthelandes* eingezogen. Das Generalgouvernement umfaßt 110 000 Quadratkilometer mit rund 12 Millionen Polen, 2 Millionen Juden, 400 000 Ukrainern und 60—70 000 Deutschen. Deutsch ist jetzt die Amtssprache. Für die Juden ist ein besonderes Recht nach der Nürnberger Gesetzgebung erlassen und seit dem 27. Oktober 1939 der Arbeitszwang eingeführt worden. Nach einer früheren polnischen Statistik beherrschten die polnischen Juden 90 v. H. der Banken und 80 v. H. aller Industrieunternehmungen, 77 v. H. aller städtischen Grundstücke waren in ihrem Besitz. Zwei Drittel der polnischen Bauern, Handwerker und Beamten waren den Juden, die alle Darlehnskassen in Händen hatten, verschuldet Es war sehr schwer, in diesen Wirrwar einige Ordnung hineinzubringen, aber es ist gelungen. Zunächst wurde das Bauerntum von den polnischen Juden befreit, viele Landmaschinen kamen aus dem Reich, darunter nicht weniger als 1600 Drillmaschinen und 11000 Pflüge. Der Verbrauch an Mineraldünger hob sich in einem Jahr bei Kali um 250 v. H., bei Superphosphat um 100 und bei Stickstoff um 140 v. H. Die Industrie war standortmäßig sehr zersplittert und verfügte über eine unzureichende Rohstoffbasis. Nur Kohle wurde aus Ostoberschlesien in zureichenden Mengen eingeführt. Die Industrie umfaßt hauptsächlich Betriebe der Textil-, Holz-, Zellstoff- und Papierindustrie, der Elektrotechnik und der Metallbearbeitung. Immerhin ist es möglich gewesen, wenigstens die notwendigsten Rohstoffe zu besorgen. Damit ist auch die Konsumkraft der Bevölkerung gewachsen. Durch die energische Inangriffnahme des Wegebaues werden die berüchtigten polnischen Straßen verbessert. Die Einführung eines straffen Genossen- schaftswesens unter arischer Führung war die Voraussetzung für Prvduktionssteigerung. Damit werden im Weichselraum jene wirtschaftlichen Grundbedin- gungen geschaffen, die nach der Planung der Reichsregierung auf dem gesamten Festland herrschen werden. Schneidige Flieger mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Berlin. 16. Oktober. (DRV.Funkspruch.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes dem INajor F a l ck. Hauptmann 7N a k r o ck i, Hauptmann Groth und Oberleutnant S t r e i b. Major F a l ck ist als Kommodore eines Nachtjagdgeschwaders durch unbändige Einsatzfreudigkeit und ungestüme kämpferische Haltung seinen Besatzungen ' ein Vorbild, dem sie freudig nacheifern. Das Geschwader hat in der Dunkelheit trotz der Kürze feines Bestehens bereits 16 Luftsiege errungen. Diese Erfolge sind das Verdienst der starken, geschickten und entschlußfreudigen Führung durch den jungen Geschwaderkommodore, der selbst bereits achtmal Sieger im Luftkampf war.— Hauptmann M a k r o ck i hat mit seiner Zerstörergruppe in tapferem Draufgängertum 115 Luftsiege erringen können, zwei Sperrballone abgeschossen und 33 Flugzeuge am Boden zerstört. Der Gruppenkommandeur ist selbst neunmal Sieger im Lust- kampf gewesen, hat einen Sperrballon abgeschossen und neun Flugzeuge am Boden vernichtet. Im Tiefangriff gelang es der Gruppe, einen französischen Materialtransport in Brand zu schießen und eine motorisierte Kolonne aufzureiben. Mit aufopferndem Einsatz hat die Gruppe Bealeitschutz- aufträge für Kampf- und Stukaverbände sicher und zuverlässig durchgeführt. — Hauptmann Groth hat als Kommandeur einer Zerstörergruppe 12 Luftsiege errungen, er ist ein hervorragender Jagdflieger und hat sich als vorbildlicher Gruppenkom- manbeur bewährt. — Oberleutnant S t r e i b hat als Staffelkapitän 8 Luftsiege errungen, davon 7 in der Nacht, ein Beweis feines fliegerischen Könnens und feiner Einsatzfreudigkeit. Phantasiesiege der RAF. an Churchills Kartentisch. Berlin, 15. Oft (DNB.) Churchill macht es sich nicht leicht, die Verbrechen feiner Flieger an Krankenhäusern und reinen Wohnvierteln in Angriffe auf militärische Objekte umzulügen. Um zu beweisen, wie „präzis und minutiös" die RAF. ihre Ziele aufsucht, läßt er heute durch den Londoner Nachrichtendienst über den Ueberfall auf die Reichshauptftadt in der Nacht zum Dienstag folgenden Bericht Herausgebern „Die mächtige Gasanstalt in der Danziger Straße, vier oder fünf Kilometer vom Mittelpunkt der Stadt entfernt, wurde sehr schnell ausgemacht, Bombenabwurf rief mehrere Brände hervor, die sehr bald ausgedehnten Charakter annahmen. Einige Minuten später wurde der Güterbahnhof von Tempelhof in der Nähe des Berliner Hauptflughafens erkannt und von einem zweiten Flugzeug bombardiert, dessen Besatzung berichtet, daß sie nach dem Angriff eine riesige Feuersbrunst beobachtete, die fünf oder sechs Kilometer (!) weiter nördlich etwa In der Abschied von Admiral von Troiha. Feierlicher Staatsakt in Anwesenheit des Führers. Berlin, 16. Oft. (DNB.) In Anwesenheit des Führers fand vor dem Ehrenmal Unter den Linden das Staatsbegräbnis für Admiral von Trotha statt. Zwischen dem Zeughaus und der Universität waren im offenen Viereck ein Ehrenbataillon der Kriegsmarine, gestellt vom Flottenflaggschiff „Gnei- fenau", ein Ehrenbataillon des Heeres, gestellt vom Wachregiment und der Heeresunteroffi^ierschule Potsdam, sowie zwei Batterien bespannter Artillerie angetreten. Eine Abordnung der Marine-Hiller- Iugend, deren Ehrenführer Admiral von Trotha mar, nahm die Rückseite des Platzes ein. Dor dem Ehrenmal, das von zwei mit dem Eisernen Kreuz geschmückten Pylonen flankiert war, hatten sechs Mahnen der alten Armee und sechs Fahnen der Kriegsmarine Aufstellung genommen. Der braune Eichensarg ist bedeckt mit der Reichskriegsflagge, auf der die Mütze des toten Admirals liegt. Seeoffiziere mit gezogenem Degen übernehmen die Ehrenwache. Zwei Offiziere mit den Ordenskissen treten an die Seite. Die Truppe präsentiert. Der Führer ist gekommen. In seiner Begleitung Großadmiral Roeder, Generalfeldmarschall Keitel, Generalfeldmarschall Milch, Generaloberst Fromm, Reichsstatthalter Reichsleiter v. S ch i r a ch und Reichsjugendführer A x m a n n. Während das Musikkorvs den Trauermarsch von Beethoven spielt, tritt der Führer vor den Sarg. Großadmiral R a e d e r begibt sich dann an das Rednerpult, um dem Toten die letzten Grüße und den Dank der Kriegsmarine darzu- b ringen. Der letzte Gruß der Kriegsmarine Glaube und Treue, so sagte der Großadmiral, das waren die Symbole, die über dem ganzen Leben des Verblichenen als Richtschnur für fein Handeln und Denken gestanden haben. Sie haben die Herzen der Untergebenen und Vorgesetzten mit einem felsenfesten Vertrauen zu ihm erfüllt. Von frühester Kindheit an ist ihm derGlaubeanseinen Gottund sein Vaterland ins Herz gepflanzt worden. Den Glauben an Deutschland hat er auch nicht verloren, als mit dem Zusammenbruch tiefste Not und Verzweiflung über unser Volk hereinbrach. Diesem festen Glauben entspricht die Treue, mit der Admiral von Trotha die als richtig erkannten großen Ziele verfolgte. Am stärksten wohl ist die Treue zum Ausdruck gekommen gegenüber dem grundlegenden Gedanken und dem auf diese Gedanken gegründeten Werk des Großadmirals von T i r p i tz , ebenso wie gegenüber dessen großer Persönlichkeit. So machte er im Weltkriege mit größter Zähigkeit seinen Einfluß geltend, um die von Tirpitz geschmiedete Waffe, die Hochseeflotte, zum aktiven Einsatz gegen die überlegene Seemacht Englands zu bringen. Das gleiche gilt von dem Wirken des Admirals im Sinne des vollen Einsatzes der U-Boot-Waffe in den Jahren 1916/18. Getreu feinem Glauben an den von ihm nie bezweifelten Willen Deutschlands zum Wiederaufstieg, übernahm er 1919 in fast hoffnungsloser Lage das dornenvolle Amt des Chefs der Admiralität. Seinem Ruf zur Mitarbeit folgte eine große Zahl wertvoller Offiziere, fo daß er der Gründer des Offizierskorps der Reichsmarine und damit der heutigen Kriegsmarine wurde. Die gleiche Treue veranlaßte den Admiral dazu, in einer Zeit, in der nach dem Willen des Führers eine starke deutsche Seemacht neu erstehen sollte, die Führung des Reichsbundes deutscher Seegeltung zu übernehmen. Der Glaube an Deutschland und feine Jugend war es, der den Admiral nach dem Kapp-Putsch dazu führte, sich der deutschen Jugend und ihrer M -tt ■ d jK; - Unser Bild zeigt den Augenblick, in dem der Sarg nach dem Staatsakt auf einer motorisierten Sa* fette den Platz vor dem Ehrenmal verläßt, um zur Beisetzung nach Berlin-Glienicke übergeführt zu werden. — (Scherl-Bilderdienst-M.) großen Not anzunehmen. Er erkannte den verhängnisvollen Sinn des Versailler Vertrages, der mit dem Verbot der allgemeinen Wehrpflicht zerstörend auf die deutsche Jugend wirken sollte. Aus dieser Erkenntnis heraus wollte Admiral von Trotha die Jugendarbeit neu formen und der Jugend die Schulung verschaffen, die der damalige" Staat chr nicht geben konnte; sie sollte gehorchen lernen, um später führen zu können. Wenn die revolutionäre nationalsozialistische Bewegung auch über die Form des Großdeutschen Iuaendbundes rücksichtslos hinweggehen mußte, so bedeutet es den Gipfelpunkt der Treue, wenn der Admiral nach der Gründung der geeinten nationalsozialistischen Hitler-Jugend sich in größter Uneigennützigkeit bereitfanb, das ihm angetragene Amt des Ehrenführers der Marine- Hitler-Jugend zu übernehmen, um in dieser fein Erziehungswerk fortzusetzen zum Besten des deutschen Volkes und feiner Jugend. So liegt das Leden dieses Mannes vor uns, getragen von hohen Idealen und gekennzeichnet durch eine große Linie, die wir auf feiner ganzen Lebensbahn verfolgen könne: Glaube, Treue und Vertrauen. Wir alle, insbesondere aber die deutsche Kriegsmarine, sind ihm zu tiefftem Danke verpflichtet. Möge die deutsche Jugend, der er als Vorgesetzter und Erzieher, als Mahner und üäter* lieber Freund sein Herz zugewandt hatte, möge das deutsche Volk, dem er seine Lebenskraft gewidmet und an dessen Größe und nie versagende Festigkeit er immer geglaubt, in ihm ein leuchtendes Vorbild sehen für selbstlose und treueste Pflichterfüllung im Dienst für Führer, Volk und Vaterland. Der Großadmiral hat geendet. Die Trauerparade präsentiert, und unter den Klängen des Liedes vom guten Kameraden legt der Führer einen herrlichen Kranz mit frischen Blumen am Sarge nieder. Einige Augenblicke verharrt er im stillen Gedenken. Unablässig donnern indessen die Schüsse des Trauersalutes. Die Musik geht über zum Yorckschen Marsch, unter dessen Klängen weitere Kranzniederlegungen vorgenommen werden durch den Oberbefehlshaber der Kriegsmarine und den Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, ferner für Reichsmarschall Göring* für den Oberbefehlshaber des Heeres, für den Stellvertreter des Führers und für die deutsche Jugend. Dann begibt sich der Führer zu den Angehörigen des Toten, um ihnen fein Beileid auszusprechen. Nachdem der Führer die Trauergemeinde verlassen hat, wird der Sarg auf die Lafette getragen und hinausgefahren nach Glienicke, wo Adolf von Trotha für immer ruhen soll. Nähe der Gasanstalt in der Danziger Straße wütete. Andere Abteilungen der Angreifer richteten ihren Angriff auf militärische Ziele im Zentrum der Stadt. Auch über diesen Zielen wurden Bomben abgeworfen. Während einer Phase des Angriffes sah man gleichzeitig Feuersbrünste und Explosionen in den meisten Teilen des Zielraumes. Eine schwere Bombe traf unmittelbar einen Schienenweg am Lehrter Bahnhof, etwa 2 Kilometer (!) vom Brandenburger Tor entfernt."_ Der Berliner wird vergeblich nach den Zerstörungen am Gaswerk in der Danziger Straße suchen, ebensowenig wie sie am Güterbahnhof in Tempel- Hos ober auf dem Schienenwege am Lehrter Bahnhof festzustellen sind. Objekte, die irgendwie als militärisch anzusprechen sind, wurden von den britischen Einbrechern überhaupt nicht getroffen. Ziel ihrer Mordgier war bas Virchow-Krankenhaus und ausgesprochene Wohnviertel. Churchill glaubt burch genaue Ortsangaben bluffen zu können. Man staunt, baß die britischen Piloten, deren schlechtes Orientierungsvermögen ihnen bereits manche Blamage eingebracht hat, auf einmal ihre Bombenabwürfe sogar nach knappen Kilometerentfernungen abschätzltn. Selbst dem Einfältigsten wird dabei klar, daß die „Erfolge" der RAF., an Churchills grünem Tisch ausgeknobelt und genau nach der Karte abgezirkelt worden sind. Aber die Tatsachen reden eine härtere Sprache als die abgezirkeltsten Kartenlügen. Churchills Kriegsziel. „England kämpft, um diesen Krieg zu überleben." Stockholm, 15. DFL (DNB.) Churchill hat vor dem Unterhaus am Dienstag einige Anfragen beantwortet. lieber Englands Kriegsziele eine amtliche Erklärung abzugeben, sei der Augenblick noch nicht gekommen, meinte er. Dann präzisierte er auf eine Ergänzungsfrage: ,Hch glaube nicht, daß hier irgend jemand der Meinung ist, wir führten diesen Krieg lediglich, um den Status quo beizubehalten. Aber wir kämpfen in diesem Kriege u. a. auch, um ihn zu überleben. Wenn die Welt erkannt hat, daß wir dazu imstande sind und wenn die Ueberzeugung, die wir in dieser Hinsicht hegen, Allgemeingut ge- worden ist, werden wir vesier in der Lage fein, eine Haltung einzunehmen, die zeigt, was wir anfangen, wenn der Sieg errungen ist. Diese Zurückhaltung des Ministerpräsidenten wurde, wie Reuter eraäm zend mitteilt, erneut mit Beifall begrüßt. Jedoch wurde Churchill noch ein drittel Mal interpelliert, was ihn zu der Schlußbemerkung veranlaßte: „Ich glaube, daß wir uns in große Gefahr begeben, wenn wir über diesen Punkt Erklärungen abgeben, die nicht mehr allgemeinen Charakters sind. So z. B. können wir keine Erklärung darüber abgeben, welche Haltung wir dem Feinde gegenüber einnehmen, sobald er geschlafen sein wird. Wir würden doch nur finden, daß über diesen Punkt die verschiedenartigsten Auffassungen bestehen." Wir Deutschen sind der Auffassung, daß für England der Augenblick tatsächlich wenig geeignet ist, über Kriegsziele zu debattieren. Andere Themen liegen doch wahrlich näher! Zum Beispiel was Churchill ganz richtig zugibt: Wie kann England überhaupt diesen Krieg überleben? Das ist d i e Lebensfrage für England, und es erübrigt sich völlig, die Haltung gegenüber dem „geschlagenen" Feind zu erörtern. Das sind Zukunftsillusionen, mit denen Herr Churchill angesichts der täglichen deutschen Vergeltungsschläge selbst in England keinen Hund mehr vor die Tür lockt! * Die Londoner „Evening News" wirft der englischen Regierung Mangel'an Initiative vor: „Dem englischen Volk sind nun die Augen a u f g e g a n« gen, es hat erkannt, daß die Regierung gar nicht in der Lage ist, die notwendige Anpassung an die Kriegszustände durchzuführen. Unter dem Druck der öffentlichen Meinung entschließt sie sich, nur das Notwendigste zu tun, mit dem Erfolg, daß unter dem leidenden Volk eine dauernde Quelle der Unruhe und Unzufriedenheit künstlich erhalten wird. Die Londoner haben gezeigt, daß sie viel auszuhalten vermögen. Jedoch ist es vollkommen verkehrt, die Gefayren des kommenden Winters durch wortreiche Erklärungen mindern zu wollen. Die Menschen, die in den Luftschutzkellern schlafen müssen, sind immer müder und abgespannter und immer wieder müssen sie Horen, was von der Regierung alles n i ch t getan wurde." Churchill und die Plutokratenclique werden auch diese Klage des leidenden englischen Volkes überhören. Erneuter Bombenangriff im Mittelmeer. Englischer Kreuzer torpediert. Italienischer Wehrmachtbericht. Rom, 15. Oft (DRV.) Der italienische wehr- machtberlcht vom Dienstag hat folgenden Wortlaut: Die in den letzten See* und Luftgefechten bereits schwer getroffenen feindlichen Kriegsschiffe wurden im östlichen Tiliffelmeer erneut von unseren Fliegern angegriffen, die trotz der heftigen Flakabwehr und der von dem Flugzeugträger ausgestiegenen Jagdflieger beträchtliche Erfolge erzielten. Eines unserer Flugzeuge torpedierte einen feindlichen Kreuze r unter dem vordersten Geschühlurm. Aus einem Transportschiff wurde mit einer Bombe mittleren Kalibers ein Volltreffer erzielt. Weitere schwere auf den Schiffen entstandene Schäden werden zur Zeit durch die photographische Kontrolle sestgestellt In Rordafrika belegten unsere Flugzeugstaffeln die englischen Lager von El Daba, Fuka, Waaten-Vagush und Seit Abu Smeit mit deutlichem Erfolg mit Bomben. Ein Flugzeug wurde am Boden zerstört Feindliche Patrouillen wurden südlich von Sibi Barani zurückgeschlagen. Die feindliche Luftwaffe bombardierte von neuem Benghasi, wobei die Wohnviertel beim Hafen und im Zentrum der Stadt getroffen wurden. Unsere Jagdstaffeln und die prompt einsehende Boden- abwehr störten die feindliche Aktion. Kein Schaden an militärischen Zielen, dagegen beträchtlicher Schaden an acht Privathäusern: zwei Verwundete. Weitere Luftangriffe auf Vardia und Sollum haben einen Verwundeten, aber keinen nennenswerten Schaden zur Folge gehabt In O st a f r i k a bombardierten unsere Flleger im Tiefangriff die feindlichen Stellungen von IHonfe Rejan, von Otrnp und südlich von Euvra. Eines unserer Erkundungsflugzeuge, das über Aden von feindlichen Jägern angegriffen wurde, schoß ein Flugzeug vom Gloucester-Typ im Kampfe ab. Englische Flugzeuge belegten Decamere mit Bomben; leichter Schaden und drei Verwundete. Zwei feindliche Flugzeuge wurden abgeschossen. Weitere feindliche Luftangriffe auf Burgavo, Saganeita, Senafe, El Uak, Gemma und Gura hatten weder Opfer, noch Schaden zur Folge. Schwerbeschädigte englische Schiffe in Gibraltar eingelaufen. Rom, 16. Ott (DNB. Funkspruch.) Die römische Presie meldet aus Algeciras, daß am Dienstag außer einem englischen Schlachtschiff und vier beschädigten Zerstörern im Hafen von Gibraltar auch ein Kreuzer mit starker Schlagseite eingelaufen sei. Die Zerstörer seien schwer beschädigt. Während des Ausschiffens der Toten und Verwundeten habe die Polizei die Hafenzone abgesperrt gehalten. Man glaubt, daß diese Einheiten dem englischen Flottenverband angehörten, der am Kampf mit den italienischen Seestreitkräften in den Gewässern von Malta teilgenommen habe. Unter den Toten befindet sich auch der Kommandant einer der Einheiten. Im Hafen von Gibraltar seien außerdem zwei Schlachtschiffe, zwei Kreu- die Der Führer dankt dem deutschen Bauerntum &L$£üS-9fc 'TAJLevK.'v-^xJtu^stx^t»191^—id M SH»sZUSS^AS>ss-rssss»A-ss->»->»sss-»»°r»ss>°r°e- gab, nun eingelöst hat, dem deutschen Volke Frei- > heit und Brot zu geben." nant El: „Wir geleiten wieder einen Bomberverband nach London! Die Sicht ist unvermindert gut. Wir sehen, daß auch diesmal wieder die Bomben prima sitzen. Rauchwolken steigen über dem Ziele auf. Mit dem Verband fliegen wir wieder zurück. Eine Staffel englischer Jäger begegnet uns. Die Engländer sehen uns aber nicht, fliegen in Richtung London. Plötzlich ruft der Kommodore durch: „Schorsch, rechts eine ganze Staffel!" Wir gehen in eine Rechtskurve und ohne lange Kurbelei sofort in Angriffsposition. Das Hintere Holzauge hat etwas gemerkt, und kurvt nun wieder auf seinen Verband ein. Der Engländer hängt etwas ab. Ich ehe den Kommodore sich dahinter setzen. E r chießt. Auf Rammnähe hinter der Hurricane eye ich die Phosphorstreifen feiner Waffen. Der Jäger pendelt schwer getroffen nach unten und ftü r 31 ab. Auf einer großen Grünfläche sehe ich Den Aufschlag. Gerade wollen wir jeder eine Hurricane angreifen. Wie ich auf einen Jäger zuhalte, sehe ich den Kommodore ebenfalls einem Engländer im Nacken sitzen. Da kurvt plötzlich eine Maschine auf Major Moelders ein. Ich lasse sofort von meinem Gegner, schreie durch den Sprechfunk: „Achtung, Achtung, von rechts oben kurvt einer!" Ich selbst fahre dazwischen. Ich suche den Kommodore. Da sehe ick ihn in Abwärtsbewegungen senkreckt nach unten weggehen in Richtung landeinwärts unb kriege einen Mordsschreck. Ich schreie vor lauter Aufregung: „Was ist?" Im gleichen Augenblick fängt er Die Maschine weit Drunten ab. Die ruhige Stimmer von Major Moelders klingt in mein Ohr: „Nichts passiert!" Ist noch einer hinter mir? „Ich komme selbst", ist meine Antwort. Ein paar Engländer wollen sich hinter mich setzen, aber der Abstand wird immer größer, sie bleiben zurück." W» scher Umstand verringert weiter die rein geographische Tiefengliederung des wahrhaftig nicht mehr fröhlichen Alt-England: Dadurch, daß die deutschen Angriffsrichtungen die ganze Insel umfassen, entsteht ein Netz überschneidender Linien, innerhalb dessen die rein räumliche Tiefengliederung Englands sehr an Bedeutung verliert. Wie war doch die englische Westküste in allen Abhandlungen der Sachverständigen vor der französischen Katastrophe als das Paradies englischer Sicherheit gerühmt! Und wie sieht es heute aus? Dank unserer Beherrschung der Normandie und der Bretagne — der westlichste Punkt der Bretagne liegt nur etwa 50 Kilometer östlicher als der westlichste Punkt Englands! — sind auch Bristol und Wales f l u g n a h , und in Mittelengland stoßen die Anfluglinien von Holland oder Nordwestüeutschland senkrecht auf die Anfluglinien von der Normandie. Das sind Tatbestände, an die — wir können das seelenruhig feststellen — vor der französischen Katastrophe kein Engländer auch nur im Traum gedacht hat. Nun lesen wir aber eine englische Meldung, welche die Flucht der englischen Luftwaffe von der Küste noch viel klarer macht: der britische Nachrichtendienst teilt mit, daß acht englische Fliegerschulen von England nach Kanada verlegt werden sollen, wo sie „unter besseren Bedingungen ihre Arbeit fortsetzen können". Das können wir auf's Wort glauben, daß die englische Luftwaffe im eigenen Lande keine guten Möglichkeiten für die Schulung ihres Nachwuchses mehr findet und „bessere Bedingungen" in Kanada suchen muß. In Wayrhvit handelt es sich hier nur um einen SorÄerfall des Problems, das aus der geringen Tiefengliederung Englands für seine Luftverteidi- guna erwächst. Soweit es sich um die Schulung des Nachwuchses, also um ein Problem der Flugabwehr handell, d-as eine gewisse Zeitspanne übrigläßt, mag dieses Auskunstsmittel, sozusagen technisch, sogar der gegebenen Notwendigkeit entsprechen, wenn es auch alles andere als schön oder dem englischen Prestige förderlich ist. Ganz anders aber wirkt sich die mangelnde TiofenglieberunH für die unmittelbare Abwehr aus, bet der man ja nicht warten kann, bis die ausgebildeten Flieger aus Kanada wieder zurückkommen. Die unmittelbare Fliegerabwehr zwingt zum sofortigen Einsatz. Aber oieser Einsatz wird furchtbar schwer, wenn das Netz der deutschen Anfluglinien über England immer dichter wird, wenn die Anflüge aus allen Richtungen der Windrose kommen, wenn die deutschen Dergeltungsflieger den Vorteil der Ueberraschung für sich haben, während die Engländer erst aussteigen und Höhe gewinnen können kurz vor dem Eintreffen der deutschen Flugzeuge. Darin liegt auch der Grund, warum die fliegerische Abwehr Englands in den letzten Wochen — man kann fast sagen: vön Tag zu Tag — schwächer geworden ist. Dr. H. Empfang zu Ehren der deutschen Militärmission in Bukarest. Bukarest, 15. Okt. (DNB.) Die rumänische Regierung gab im Militärkasino einen.Empfang zu Ehren der deutschen Militärmission. An dem kameradschaftlichen Beisammensein nahmen auch die Vertreter Italiens und Spaniens teil. Ministerpräsident General Antonescu erklärte in einer Ansprache, daß es ein patriotischer Akt sei, auf die Erfahrung einer großen Armee und die technischen Möglichkeiten einer großen Rüstungsindustrie zu- rückzugreisen. Er begrüßte in der deutschen Militärabordnung eine alte und glänzende militärische Ueberlieferung, die in unsterblichem Ruhm Friedrich den Großen und den Führer Wolf Hitler her- oorgebracht habe. Die deutschen Offiziere würden in Rumänien eine Armee finden, die nicht groß sei, aber immer tapfer war, sie würden sicherlich in ihr ein Betätigungsfeld finden, das ihr Vertrauen in die Zukunft Rumäniens erhöhen werde. — Der Kommandant der deutschen Militärmission, General der Kavallerie Hansen, antwortete, er hasse, daß seine Aufgabe von Erfolg gekrönt sein und die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern noch enger fügen werde. Oie japanische Offensive in Mittelchina Isckdngsdt« x KIANG$1 Futsdinu. Konton • Amoi 'KWANGTUNG, ,2g Nonkim Hongkong (8h+> ' ISCHE KIANG Nontschong Ä Japanische Truppen, unterstützt von der Luftwaffe und von armierten Flußfahrzeugest, eröffneten den Angriff an der 300 Kilometer breiten Front zwischen W u h u am Iangtsefluß und H a n g t s ch a u , wo seit den Operationen im Jahre 1937 keine wesentlichen Kampfhandlungen mehr stattgefunden haben. Nach Meldungen aus dem japanischen Hauptquartier in Mittelchina macht die Offensive, die gegen 20 Tschungkinger Divisionen in gut ausgebauten Stellungen gerichtet ist, gute Fortschritte. (Scherl-Bilderdienst-M.) Auch Mittelamerika braucht die europäischen Absatzmärkte. Mexiko-Stadt, 14. Okt. (DNB.) Aehnlich wie die südamerikanischen Länder, erleiden auch die mittelamerikanischen Staaten durch die Unterbindung ihrer normalen Handelsbeziehungen mit dem europäischen Markt schwere wirtschaftliche Einbußen. Obwohl die Vereinigten Staaten auch diesen Ländern gegenüber zahlreiche Versprechen einer wirtschaftlichen Hilfeleistung gegeben und die Ausarbeitung von Plänen für eine Verstärkung der interamerikanischen Beziehungen vorausgesagt haben, zeigt es sich genau wie in Südamerika immer deutlicher, daß keine Aussichten auf eine tatsächliche Verwirklichung dieser nordamerikanjschen Versprechen und Pläne bestehen. In Guatemala bedrohen die ständig wachsenden Schwierigkeiten eines Kaffeeabsatzes zu tragbaren Preisen die gesamte Wirtschaft des Landes, vor allem, weil die Vereinigten Staaten für die von ihnen zugestandene Quote von 800 000 Zentner Kaffee keine angemessene Preisbasis einräumen, sodaß, abgesehen von Bananen, fast die ganze Ausfuhr Guatemalas zum Stillstand gekommen ist. Da andererseits der dringendste Ausfuhrbedarf des Landes jetzt überwiegend zu erhöhten Kosten in den Vereinigten Staaten gedeckt werden muß, ist Guatemala bereits zu einer Heranziehung seiner Goldreserven für die Abdeckung des Einfuhrüberschusses gezwungen. Es ist angesichts dieser wirtschaftlichen Schwierigkeiten verständlich, daß die Wirtschaftskreise Guatemalas ihre Hoffnungen auf eine baldige Wiederherstellung ihrer normalen Handelsbeziehungen mit den europäischen Märkten setzen. Wieder Wunschkonzerte für die Wehrmacht. Der Rundfunk beginnt am Sonntag, 20. Oktober, wieder mit seinen „Wunschkonzerten für die Wehrmacht". Auch in den neuen Konzerten werden beste Kräfte von Oper, Bühne, Film und Kabarett, die ersten Orchester und beliebtesten Unterhaltungskapellen mit den bekanntesten Instrumentalisten unseren Soldaten ihre Grüße durch den Aether senden. Am Mikrophon steht Heinz G ö d e ck e. Das Konzert am Sonntag, das 44. Wunschkonzert, das der Rundfunk durchführt, beginnt um 15.30 Uhr und schließt um 18 Uhr. Oie Abgabe von Kindernährmisteln. Durch Erlaß des Reichsernährungsministers ist die Wgabe von Kindernährmitteln neu geregelt worden. Auf der Basis von Getreide und Reis hergestellte Kindernährmittel können für Kinder bis zu 18 Monaten in einer Menge von wöchentlich 375 Gramm an Stelle von wöchentlich 500 Gramm Brot oder 375 Gramm Mehl abgegeben werden gegen die Einzelabschnitte 5 bis 8 der Reichsbrotkarte für Kinder bis zu sechs Jahren. Die auf der Basis von Milch hergestellten Kindernährmittel können an Stelle von einem Viertel Liter Vollmilch täglich gegen die entsprechenden Einzelabschnitte der Reichsmilchkarte nur in Apotheken und Drogerien bezogen werden. Werden Kindermilchnährmittel bezogen, so ist der Bestellschein der Milchkarte nicht beim Milchhändler abzugeben, sondern beim Apotheker oder Drogisten. Ein amtlicher Nachweis über das Lebensalter ist vorzulegen. Auf Grund eines ärzttichen Attestes können auch für ältere Kinder und für Erwachsene von den Ernährungsämtern Berechtigungsscheine zum Bezugs dieser Kindernährmittel ausgestellt werden. Kleine politische Nachrichten. Der Führer hat dem Reichsminister des Innern, Generalbevollmächtigten für die Reichsverwal- tun'g, Dr. Wilhelm Frick, und dem Oberpräsidenten und Gauleiter der Provinz Schlesien, Reichs- kommissar für die Preisbildung, Joseph Wagner, in Anerkennung ihrer besonderen Verdienste um die Durchführung von Kriegsausgaben das K r i sg s- verdienstkreuz I. Klasse verliehen. * Am 14. und 15. Oktober weilte der Reichsführer ff in Oberschlesien, um sich einen lieber- blick über den Stand der Ilmsiedlungsaktion der Buchenland- und Bessarabiendeutschen zu verschaffen und die Rückwanderer willkommen zu heißen. Nach seiner Ankunft im Kreise Groß-Strelitz fuhr, der Reiä)sführer nach Annaberg zu den im dortigen Durchgangslager untergebrachten 750 Buchenland- deutschen. * Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Herzog von Coburg, wurde in Krakau durch den Generalgouverneur, Dr. Frank, empfangen, der ihm für die Leistungen des Roten Kreuzes im Generalgouvernement dankte und dabei der Arbeit des kürzlich verstorbenen Generalführers Dr. Sanne besonders gedachte. Dr. Frank regte die Gründung einer Schwesternschule des Deutschen Roten Kreuzes in Krynica oder Zakopane an. Den Herzog von Coburg führte eine Befichttgungsreife durch das gesamte Generalgouvernement. Er hielt sich in Warschau, Lublin und Badom auf und ließ sich über die Tätigkeit des DRK. berichten. * In Dresden sind die für die Erziehung und Ausbildung des Reichsarbeitsdienstes verantwortlichen Männer zu einer Dienstbesprechung versammelt, in der Richtlinien für die politische Erziehung der neu eingerückten Arbeitsmänner gegeben und die Erfahrungen ausgewertet werden, die während des Krieges beim Einsatz des RAD. gemacht wurden. Die /Pienstbssprechung steht unter der Leitung des Chefs des Erziehungs- und Ausbildungsamtes, Oberarbeitsführer Hermann-Lejeune. Auch der Inspekteur für Erziehung und Ausbildung im RAD., Generalarbeitsführer Prof. Dr. Decker, nahm teil. * Der bisherige Generalgouverneur des englischägyptischen Sudan, Sir Hubert S y m e s , ist seines Postens enthoben worden, er folgt damit dem bisherigen Generalgouverneur von Malta in die politische Verbannung. Zum Nachfolger wurde Sir Hubert Huddolson ernannt. Hauptlchctftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter beS Hauptschristleiters: Ernst Blumschein. Verantworllich für Polltii und Bilder: Dr. Fr. W. Lange: für das Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für Stadt Gießen, Provinz, Wirtschaft u. Sport: Emst Biumschein. ®cud und Verlag: BÄHlsche Universitatsdmckerei R. Lange K. G. Verlagsleiter: Dr.-Jng. Erich Hamann: Anzeigenleiter: Hans Beck. Berantwortlich für den Inhalt derNn-eiaen: Theodor Kümmel Vl.Nr.6. Wir beginnen sofort bei genügender Teilnehmerzahl mit folgenden Fremdsprachenkursen Französisch für Anfänger..... Französisch für Fortgeschrittene Englisch für Anfänger....... Englisch für Fortgeschrittene... Italienisch für Anfänger...... Italienisch für Fortgeschrittene U Italienisch für Fortgeschrittene in Russische Arbeitsgemeinschaft Gebühren für 20 Doppelstunden RM. 11.— 20 Doppelstunden RM. 11.— 20 Doppelstunden RM. 11.— 20 Doppelstunden RM. 11.— 20 Doppelstunden RM. 15.50 20 Doppelstunden RM. 15.50 20 Doppelstunden RM. 15.50 Die Gebühren sind einschließlich Hörerkarte — Auskunft und Anmeldung: Verkaufsstelle Seltersweg 60. 4659 D ftnaben-Jnftitut Lucius Gegründet 1809 forlthaue bei Echzell (Oberhcflen) Telefon Echzell ZI Wir nehmen Ihnen die Sorge für die Erziehung Ihres Zungen ab. Bei allen Vorzügen eines Landheimes lebrplan- aemäßer Unterricht in fleinen Klaffen, Erziehung zu selbständiger Aroeit. Sehr gesunde Lage an ausgedehnten Waldungen. Eehrplan dar deutschen Oberschule. Klasse 1—6. Beste Empfehlungen. Prospekte frei l Leitung: Dr. Lucius Mietgesuche Beamter sucht für sofort oder später auch Mansarde. Sehr. Ang. unt. 03496 a. d. G. A. Stellenangebote Wir knoten gut erhaltene KLAVIERE gegen bar. p= R. 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[466oD GLORlfl l PQLP.ST Giessen j Heute Mittwoch: Erstaufführun g I Ein lustiger Ufa-Fihn mit FRITZ KÄMPERS LEO PEUKERT CHARLOTTE SCHELLHORN FRITZ GENSCHOW GRETHE WEISER HILDE SESSAK Spielleitung: Paul Ostermayr aiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiBiiiiiiiiiiiiiaiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiigiiinfiiff Wenn links der Isar ein Mädel lacht Und rechts der Spree nichts als Liebe entfacht, Gibt’s rechts der Isar ein Gaudi voll Schwung Und links der Spree schafft’s Begeisterung/ .................................................................... Deutsche Wochenschau! A—f der Bühne: £ Jre6iHOS Eine Sensation in der Luft Wochentags 3.30 5.20 7.45 Sonntags .. 3.00 5.15 7.45 Nicht für Jugendliche! 4655a I Alles für Ihr BAD aus der Parfümerie Plank GIESSEN Selters weg 8 I---------Ruf 3934- Fichtennadel-Extrakt, -Milch, -Tabletten, -Badesalz «achlaß-vevfielsevuns Donnerstag, den 17. Oktober d.J^ nach- mtttags 2 Uhr, versteigere ich in Wieseck, Gießener Straße 162, aus dem Nachlasse der Frau Margarethe Ludwig Witwe meistbietend gegen Barzahlung: 2 komplette Betten (mit Federzeug), 1 zwei- u. 1 eintürigen Kleiderschrank, 1 Waschtisch m.M., 1 Nachtschränkchen, 6 Stühle, 1 Vertiko,1 Sofa, 1 Trumeau, 1 Regulator, 1 kl.Teppich, 2 Nähtische, 1 kleinen Gasherd; sowie: 1 kleinen Posten Bett-, Leib- und Tischwäsche, Frauenkleider, Schuhe, Küchengeschirr und sonstiges - 1 silb. Damenuhr, Granatschmuck. 465? Diphtherie-Schutzimpfung für alle Klein« Eint)er, die sowohl im Interesse der Kinder, als auch zum Wohle des ganzen Volkes immer mehr zuj Notwendigkeit erklärt werden muß. Die Einrichtung von Frauenmilch-Sammelstellen und die Einführung der Diphtherie-Schutzimpfung für alle Kleinkinder standen übrigens auch auf dev kürzlich durchgeführten Kinderkundtichen Woche in Wien, die besonders das Problem der Gesundheit^ ührung im Kindesalter zur Tagesordnung hatte, in eingehenden Besprechungen zur Beratung. Man kann nur hoffen und wünschen, daß auch auf diesen Wegen in vollkommener Weise Dienst für unsere Kinder und damit für die Zukunst unseres Volkes, geleistet werden möge. B. Dornotizen. Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: 19.30 bis 22 Uhr „Der Triumph' des Tobias". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Links der Isar, rechts der Spree". Lichtspielhaus, Bahn« Hofstraße: „Das indische Grabmal". Stadttheater Gießen. Am heutigen Mittwoch wird das Lustsviel von Svend Rindom „Der Triumph des Tobias^ wiederholt. Spielleitung: Hansjoachim Büttner. Bühnenbild: Karl Löffler. 5. Mittwoch-Miete. 7 altbewährt Um die Erdal-Blechdosen mehrmals verwenden zu können, gibt es nun auch Erdal-Nachfüllpackungen. Diese setzt man einfach in die leere Erdaldose, die sich auf diese Weise lange Zeit verwenden läßt. Deshalb leere Erdaldosen aufbewahren I Qualität undMenge selbstverständlich wie in der Blechdose. . , zurSihuhütedt-rpfleflc"; Erdal Rot Frosch Platzkonzert für das Kriegs-WHW. Am heutigen Mittwoch, von 15 bis 16 Uhr, wird das Musikkorps eines Seeflieger-Horstes, das sich gegenwärtig auf einer Konzertreife durch Deutschland befindet und bereits in einigen Orten der Umgegend mit großem Erfolg konzertiert hat, am Selterstor ein Platzkonzert veranstalten. Bei dieser Gelegenheit sollen den hoffentlich sehr zahlreichen Be« suchern Sammelbüchsen zum Einwurf einer Spende für das Kriegs-WHW. dargereicht werden. Man kann nur wünschen, daß der Besuch und die Spen« den recht umfangreich ausfallen mögen. — Am heutigen Vormittag wird dieses Musikkorps in einem hiesigen Lazarett konzertieren und um die Mittagsstunde ein Konzert in einem anderen Lazarett anschließen. Nach dem öffentlichen Platzkonzert in Gießen wird sich das Mrsiikkorps nach L i ch begeben, um dort vor den gemeinschaftlich versammelten Ge- folgschastsmitgliedern der Firmen Jhring-Melchior und Schieferstein zu konzertieren. Den Hauptgashahn des Hauses bei Fliegeralarm nicht schließen! Durch Anordnung des Reichsministers der Luft« fahrt und Oberbefehlshabers der Luftwaffe ist der § 2 Abf. 2 Nr. 2d der 10. DDO. zum Luftschutz- gesetz, der die Schließung der Hauptgashähne forderte, aufgehoben worden. Die Aufhebung des Erlasses gründet sich auf die inzwischen gesammelten Erfahrungen. Es hat sich gezeigt, daß insbesondere in den Wohnungen, die mit Warmwasserbereitern ausgerüstet sind, durch das Schließen und spätere Wierderöffnen der Hauptgashähne die Explosionsund Vergiftungsgefahr gesteigert wurde. Auch find Oie Mutter muß schreiben. Don Heinrich Litterer. Eines Abends sagte Mutter Gautz zu ihrem Manne: „Wie meinst du, daß es unserem Jungen jetzt geht?" Der Mann machte gerade mit etwas schwerer, handwerklicher Schrift Einträge in fein Kundenbuch, aber er legte, den Federhalter nicht zur Seite, als er antwortete: „Wie wird's ihm schon gehen, dem Fritz, gut, denk ich ..." und im Wohlbehagen über die geordneten Famlienverhältnisse schreibt er mit steifen Zügen weiter. „Wann habe ich eigentlich zum letzten Male geschrieben?" fragt nach einer kleinen Pause Mutter Gautz wieder. Es ist wie ein zarter Versuch, den Mann herüberzulenken in das Gebiet, in dem es so viel zu sagen und zu besprechen, zu überlegen und nachzudenken gibt. Aber der Mann lächelt über diese, wie er glaubt, unnötige weiche Regung von Mütterlichkeit und antwortet, ohne feine Arbeit zu unterbrechen: „Das ist noch nicht lange her, vielleicht drei Wochen ... Du wirst ihm doch nicht schon wieder schreiben wollen? Es hat doch nichts neues gegeben!" und neigt seinen grauen Scheitel über das Papier und stellt Zahlen und Einträge zusammen. Es ist dieses Mal eine längere Pause. Sie ist so lang, daß Vater Gautz überhaupt nicht mehr weiß, daß er vorhin gesprochen hat und sich erst besinnen muß, als jetzt plötzlich feine Frau schnell und bestimmt, wie es nur ein besonderer Anlaß eingeben kann, sagt: „Doch, ich muß ihm wieder schreiben!" Der Mann, ohnehin etwas nüchtern, kann sich immer noch nicht von seiner Beschäftigung trennen, weil er feinen Grund und feine Ursache zu irgend einer Beunruhigung erkennt. „Na — nu?" meint er gedehnt, „was willst du ihm schon schreiben? Daß die Würste in der Räucherkammer hangen, daß die Katze, wie sich jetzt herausgestellt hat — hehehe — ein Kater ist, daß die Marie drüben Hochzeit hatte? ..." Mutter Gautz steht plötzlich neben ihm. Er hört ihre Stimme, aber sie kommt ihm verändert vor. Sie spricht: „So ungefähr hab' ich ihm das letzte Mal geschrieben, ja, genau fo ... aber das könnte ihm jedermann schreiben, ein beliebiger Bekannter aus dem Städtchen: dieses Mal muß ich ihm als Mutter schreiben..." Der Mann ahnt, daß die Frau wie in innerer Not um Worte ringt, die ihr nicht leicht gegeben sind. Doch er versteht nicht, begreift nichts. „Als Mutter schreiben? Geh, Alte, das sind ja Redensarten. Wie kommst du dazu?" Die Brille sitzt auf feiner Stirne, hochgeschoden, damit er besser aus dem Gesicht der Frau herauslesen kann, was die Worte teilweise aufreißen. Wirklich, sie hat unruhige Augen, zuckende Lippen: warum, wieso? Er hat dunkle Verdächte, nichts Klares, aber da muß man wie mit einer Fackel hineinleuchten in einem einzigen Stoß: „Du weißt mehr, Frau!" sagt er grob, „was ist mit dem Jungen?" Aber seine Frage, die wie eine Fackel leuchten sollte, erlischt sofort, als sie in unverkennbarer Wahrheit sagt: „Nichts weiß ich von ihm, aber ich sorge mich doch ..." Vater Gautz greift wieder zum Federhalter, taucht ein und schreibt weiter. „Weibliche Hirngespinste!" denkt er, aber sein Wort fällt etwa milder aus: „Sorgen ist halt Frauenart ..." Die Traurigkeit aber um und neben ihm will mehr, viel mehr, und er entschließt sich zu einer weiteren Zugabe: „Na, wenn du meinst, so schreib' ihm." Mutter Gautz sieht ein, daß sie allein geblieben ist. Die Erlaubnis zum Schreiben hätte ihr der Mann nicht zu geben brauchen, so viel Rechte stehen ihr noch zu. Aber vielleicht hat das Schicksal nur sie als Träger ausgesucht, ganz bewußt nur sie. Sie schreibt nun den Brief. Von gewöhnlichen und alltäglichen Dingen stand so viel darin, daß bis zum Schluß damit gesät ist. Doch dann bricht das durch, warum und weshalb sie eigentlich schrieb, aus ihrer unklaren inneren Unruhe heraus, aus einem Gefühl der Bangigkeit, „und dann, lieber Fritz, möchte ich Dich bitten, allezeit Deines Vaters und Deiner Mutter eingedenk zu sein und ihnen keine Schande zu bereiten. Ich bin gegenwärtig so besorgt um Dich, daß ich fast meine, eine große Gefahr bedrohe Dich ..." Als Mutter Gautz diesen Brief geschrieben, verschlossen und abgesandt hat, ist ihr auf merkwürdige Art und Weise leichter geworden. Sie hat sich wieder zur inneren Festigkeit zurückgefunden. Nicht im Mindesten kommen ihr Zweifel, daß der Brief wie doch immerhin möglich ist, verloren gehen könnte. Auch darüber nicht, daß ihr Sohn im Charakter jetzt eine Wandlung durchgemacht, die vordem unbeachtet und verdeckt ober zurückgehalten in ihm lag: sie vertraut schlicht und einfach darauf, daß der Brief ans Ziel käme und dort seine Wirkung täte, gleich als trüge er der Mutter Antlitz selber und hätte, obwohl der Vater nichts zu dem Brief beigetragen, des Vaters einfaches, gutes Herz dazu. Vater Gautz fragt zwei Tage später; wie zufällig: „Hast du jetzt deinen mütterlichen Brief geschrieben?" Sie korrigiert sofort den leichten, gutmütigen Spott: „Ja, ich habe den Brief geschrieben" und schaut ihn aus hellen, zufriedenen Augen an. Frauen, denkt der Mann, Frauen ... Als aber von dem Jungen, dem Fritz, eine Antwort einläuft, wird dem Manne doch etwas anders zumute. Es hat sich nämlich ergeben, daß gerade zu jener Zeit der Mutter Brief zu dem Sohn kam und mit ihm sprach, als dieser Sohn tatsächlich durch eine gefährliche Versuchung von der geraden Bahn abgedrängt zu werden drohte: es schien so, als hätten des Sohnes gewissensmäßige Regungen viele Städte weiter an das Herz der Mutter aeschlagen und sich dort Rat und Trost geholt uno sie auf dem Weg des Briefes in wunderbarer Weife gefunden. Vater Gautz sieht hinüber zu feiner Frau und hat eine fo grenzenlose Achtung vor ihr, daß er nur immer sie ansehen kann und um keine Worte weiß. Bis Mutter Gautz sagt: ,Laß, Vater, laß, das ist eben Mutterart, die geht über Zeit und Raum!" Jetzt erschrickt die Frau über ihr schönes Wort und bekommt rote Backen. Schreckliche Geschichte. „Anno 1701 den 27. Oktober zum Elisabeth-Jahrmarkt war vorm Ohlauischen Tor ein menschlicher Vielfraß für Geld zu sehen", heißt es in einem Tage- buch von Stemberger, das in der Breslauer Universitätsbibliothek. aufbewahrt wird. „Es war ein junger, starker Mensch von 20 Jahren, aus Böhmen gebürtig, von kleiner Person und blasser Farbe, eines recht gräßlichen Ansehens. Seine Augen lagen tief im Kopf mit eingefallenen Backen, großen Mauls und schlanken Leibes. Er fraß rohes Fleisch, Fische, Geflügelwerk mit samt den Federn, ein lebendig Kaninchen nahm er, biß ihm den Schwanz ab, zerriß mit den Zähnen das Fell und fraß es mit den Haaren hinein, schluckte auch dazwischen statt der Gurken ziemlich große Kieselsteine hinunter, deren etliche fast eine kleine Walnuß groß gewesen, und zwar in solcher Zahl, daß man bei der Betastung des Magens solche darinnen hat rasseln hören und 1 fühlen können. Ja, er fraß auch Filzhüte, Perücken, Tuch, Leder, Werg, tote Katzen und Hunde, welches schrecklich anzusehen war, und in Berlin hat er sich sogar verlauten lassen, wenn man ihm 30 bis 40 Reichstaler gäbe und acht Tage Zeit ließe, so wollte er den neulichst Gehenkten mit Kleidern und Knochen ganz auffressen ... Er prätendierte aber bei jeder Mahlzeit 20 Quart guten Bieres und so viele Quart Weins. Er verzehrte eine Hammelkeule ganz mit Fell und Knochen in der Zeit von einer halben Viertelstunde. Sein Trunk war Bier und Branntwein, zu welch letzterem er sonderlich geneigt ist, daher man ihn davon abhallen muß, weil sein Bruder, der gleich wie er geartet gewesen, sich im Branntwein zu Tode gesoffen ..C. K. Zeitschriften. — Im Oktoberheft der „Kunst" (Verlaa F. Srucf- mann, München), das den neuen Jahrgang eröffnet, würdigt Heinrich Brauer den Maler Karl Blechen anläßlich feines 100. Todestages. Von C. D. Friedrich beeinflußt führt Blechen zunächst das Werk der Romantik fort, um dann eigene Wege zu gehen. Werner Haftmann gibt ein Bild von der diesjährigen VIII. Jahresausstellung der Deutschen Akademie in Rom, wo in -der Hauptsache die Plastik zu Worte kam. Dem Werk des jungen Berliner Malers Carl Schneiders widmet Herbert Griebitzsch erläuternde Worte. Dieser Landschafter ist Gestalter seiner niederrheinischen Heimat und versteht es, diese klar und mit gebundener Farbigkeit wiederzugeben. Ulrich Christoffel zeigt neue Werke von Franz Doll, unter denen zwei Gobelins besonders beachtenswert sind, und entzückende Tierfiguren von Sabine Lepsius. Im zweiten Tell berichtet der «Stuttgarter Architekt Adolf G. Schneck von einem Umbau einer in den Gründerjahren gebauten Villa zu einem neuzeitlichen und bequemen Wohnhaus. Aus alten und neuen Möbeln wurde ein geschmackvolles Interieur zusammengestellt. Michael Birkenbchl zeigt schöne Schmiedekunst nach Entwürfen von Prof. I. Donka, Zobten, und Carl Wyland, Köln. Arbeiten der Tex- tilwerkstätte von Editha Klein-Köppen zeugen von Geschmack. Ein ansprechendes Zweifamilienhaus des Stuttgarter Architekten Gerhard Thoma beschließt das reichhaltige Heft. in Len meisten Fällen die Hauptgashähne an schwer erreichbaren Stellen untergebracht. Das mühsame Abstellen der Hähne verzögert das rasche Aufsuchen der Luftschutzräume. Zudem hat sich ergeben, daß die bei nicht geschlossenen Hauptgashähnen an Gasleitungen eingetretenen Zerstörungen durch Bombentreffer unwesentlich sind. Diese Aen- derung verpflichtet joden Volksgenossen zu größter Achtsamkeit. Nach der Entwarnung muß man sich sofort davon überzeugen, ob die Gasleitung noch in Ordnung ist. Die Verpflichtung zum Schließen des Wohnungshahnes wird durch die Neuregelung nicht berührt. Keichsarbeitsdienst für die weibliche Jugend in Gießen. Am 1. Oktober 1940 wurde in Gießen, Lonystraße Nr. 4, die neue Lagergruppe 115 des Reichsarbeitsdienstes für die weibliche Jugend Bezirk XI Hessen eröffnet. Mit der Führung wurde die Maidenhauptführerin Hilde Herzberg beauftragt. ffä^arCjlihksmann mddeh Ol WiedereinKünfhunderter in Gießen. Am gestrigen Dienstagabend fiel auf das Los Nr. 6/620 011 ein Gewinn von 500,— RM. Das Los wurde in einer Gaststätte am Marktplatz gezogen. Gewinner ist ein Nsenbahnschasfner, Vater von vier kleinen Kindern, der seine Versetzung nach Posen erwartet. Der Losverkäufer Nr. 596, der im 60. Lebensjahre, nebenberuflich für das Werk der nationalen Arbeit für Führer und Volk noch in den Abendstunden seinen Dienst versieht, war der Glücksbringer. Dieser Losverkäufer war vor seiner Dienstverpflichtung in einem wichtigen Betrieb, Politischer Leiter der Partei. Innerhalb von sechs Wochen ist dies der 8. größere Gewinn. Aber noch viele große Treffer in der Reichslotterie warten auf ihre Abnehmer. Gießener Schlachtvießmarkt. Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtvieh-Berteilugsmarkt) in der Diehversteige- rungshalle Rhein-Main kosteten Ochsen 35,5 bis 45,5 Bullen 18 bis 47,5, Kühe 16 bis 43,5, Färsen 18 bis 44,5, Kälber 35 bis 57, Hammel 25 bis 45 Reichspfennig je % kg Lebendgewicht, Ziegen 12 bis 30 RM. das Stück. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise erzielt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,14, bl (135 bis 149,5 kg) 1,14, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,12, c (100 bis 119,5 kg) 1,08, d (80 bis 99,5 kg) 1,02, e—f (unter 80 kg) 0,98, gl (fette Specksauen) 1,14, i (Altschneiüer) 1,12, g2 (cmdere Sauen) 1,02, h (Eber) 1,02 RM. — Marktverlauf: Alles zugeteilt. Aus dem Gießener Handelsregister. Im Handelsregister A beim Amtsgericht Gießen wurden eingetragen: bei der Firma Jakob B. Häuser, Gießen, offene Handelsgesellschaft seit 1. Jan. 1940. Die Kaufleute Ludwig Häuser und Ernst Häuser sind als weitere persönlich haftende Gesellschafter in die Firma eingetreten. Die Gesellschafter sind einzeln zur Vertretung der Gesellschaft ermächtigt. — Bei der Firma August Noll, Kreuz-Drogerie, Nähe Bahnhof, Gießen. Die Firma ist wie folgt geändert: Kreuz-Drogerie August Noll, Inh. Hugo Gerling in Gießen. Der Uebergang der im Betrieb des Geschäfts begründeten Forderungen und Verbindlichkeiten ist beim Erwerb des Geschäfts durch Gerling ausgeschlossen. — Ferner wurden folgende Löschungen von Firmen eingetragen: Wilhelm Hantel, Firma Schuhhaus Zurwonne, Inhaber Anton Zurwonne, Firma Julius Schulze, sämtlich in Gießen. — Im Handelsregister B wurde eingetragen: bei der .Gemeinnützigen Wohnungsbau G. m. b. H. Gießen". Der Gefellschaftsvertraa ist durch Beschluß der ordentlichen Gesellschaftsver,ammlung vom 29. August 1940 in den §§ 5 und 13 geändert worden. Das Stammkavital ist auf 320 000 RM. erhöht — Löschung: bei der Firma „Gewerkschaft Hermanns- zeche" in Gießen: die Gewerkschaft ist erloschen. Oer Gallustag. Als ein Lostag im Oktober gilt bei der bäuerlichen Bevölkerung der Gallustag (16. Oktober). In früheren Jahrhunderten hatte der Tag eine weit größere Bedeutung, vor allem als Zins« und Abgabetermin der Bauern. Am Gallustag soll die Ernte der letzten Feldfrüchte beendet sein, und der Bauer und Landmann beeilt sich auch, zu diesem Tag alles unter Dach und Fach zu bringen. Die Bauernregel hat den Gallustag gern ziemlich naß. Es soll regnen, denn sonst ist ein trockenes Frühjahr zu erwarten: „Regnet es an Gallus nicht, es dem nächsten Frühjahr auch an Regen gebricht." „Tritt Gallus trocken auf, folgt ein nasser Sommer drauf." Weittr heißt es im Bauernspruch: „Regen am Gallustag bringt dem Winzer schwere Plag." Allgemein bekannt ist der Bauernreim: „Zu St. Gall' bleibt die Kuh im Stall!" Dieser Spruch weift darauf hin, daß um die jetzige Zeit das Vieh nicht mehr aus die Weide getrieben werden kann. Schließlich heißt es noch in der Bauernregel: „Laß an St. Gallen den Apfel in den Sack fallen." „Auf St. Gallen muß das Kraut herein, sonst schneit's vielleicht den ersten Schnee hinein." Die Kraft im Vollkornbrot NSG. „Wer arbeitet, muß auch essen!" heißt ein altes Sprichwort. Wir müssen diesen einfachen Satz erweitern. Es sollte heißen: „Wer arbeitet, muß auch hochwertig essen!" Unser täglich Brot ist und bleibt immer der bedeutendste Anteil an der gesamten Tagesnahrung. Es kann und darf darum nicht gleichgültig sein, ob dieses Brot biologisch vollwertig ist oder nicht. Nur das Vollkornbrot enthält alle Kraft- und Wirkstoffe, die im ganzen Korn enthalten sind. In vielen Gegenden, und gerade dort, wo am härtesten auf dem Lande gearbeitet werden muß, ist es Sitte, morgens Brei zu essen. Dieser Brei besteht aus Getreideschrot und wird deswegen seit uralten Zeiten gegessen, weil er allein so sättigt und stark macht, daß der Bauer in ihm die Grundlage für die harte Arbeit des Tages sieht. Dieser Brei sättigt jedoch nicht nur, sondern er hält auch nach! „Brei aus Schrot" und Vollkornbrot enthalten das gleiche Ausgangsmate- rial. Wenn erst alle Schaffenden um den wahren Wert des Vollkornbrotes wissen und dies selbst am eigenen Körper erfahren haben, dann wird das Vollkornbrot das Volksbrot, das es sein muß. Doll- kornbrot ist Kraftbrot, seine dunkle Farbe ist kein Zeichen der Minderwertigkeit, sondern gerade das Gegenteil: Sein Ehrenkleid! Schaffende fördert eure Gesundheit und Eure Arbeitskraft durch Vollkornbrot mit der Gütemarke! * ** Schulungsabend in der Ortsgruppe Gießen-Mitte. Im „Burghof" findet am heutigen Mittwoch, um 20.30 Uhr, ein Schulungsabend der Ortsgruppe Gießen-Mitte statt, an dem alle Politischen Leiter, die Walter und Warte der angeschlossenen Verbände, sämtliche Führer der SA., des NSKK, der NS.-Frauenschaft, sowie der HI. und des BDM. teilzunehmen haben. ** Eierverteilung. Auf den bis 20. Oktober gültigen Bestellschein der Reichseierkarte erhält,jeder Versorgungsberechtigte als dritte Rate ein Ei auf den Abschnitt c in der Zeit vom 16. bis 20. Oktober ausgehändigt. ** Zur Richtigstellung. Der Hauptfeldwebel Ludwig B i e r a u bei einem Jagdgeschwader, dessen Auszeichnung mit dem Kriegsverdienstkreuiz mit Schwertern wir gestern berichteten, stammt nicht von Staufenberg, sondern von Lollar. Sein Vater war aber viele Jahve Buvgwirt aus der Burg Staufenberg. Gondergericht in Gießen. Martin Günderoth in Gießen war angeklagt, sich am 2. September d. I. in Gießen des Sittlichkeitsverbrechens in zwei Fällen unter Ausnutzung der Verdunkelung schuldig gemacht zu haben. Der Angeklagte behauptete, er habe am Nachmittag vor der Tat etwa 15 bis 16 Glas Bier getrunken, und er will sich auf Einzelheiten nicht mehr entsinnen können. Seine starke Betrunkenheit wurde auch von einem Polizetbeamten festgestellt. Ein Arzt, der als sachverständiger Zeuge vernommen wurde, gab der Ansicht Ausdruck, daß der Ange- klaate bei Begehung der Tat sinnlos betrunken gewesen sein müsse. Der Anklagevertreter beantragte eine Gesamt - zuchthausstrafe von 5 Jahren, ferner dem Angeklagten die bürgerlichen Ehrenrechte für die Dauer von 5 Jahren abzuerkennen. Der Verteidiger erklärte, der Angeklagte könne nicht wegen der Tat, sondern nur wegen Volltrunkenheit bestraft werden. Der Angeklagte wurde wegen Sittlichkeitsver- brechens in Tateinheit mit einem Verbrechen nach der Dolksfchädlingsverordnung in zwei Fällen zu einer Gesamtzuchthausstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten, abzüglich ein Monat der Untersuchungshaft, verurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte wurden ihm auf die Dauer von drei Jahren aberkannt. Dem Angeklagten wurde der Schutz des §51 II StrGB. — vermindert zurechnungsfähig — zuerkannt. Strafkammer Gießen. Der H. R. in Königstätten hatte einen Strafbefehl über drei Monate Gefängnis erhalten, gegen den er Einspruch eingelegt hatte. Er war beschuldigt, in Herbstem mit seinem Lastkraftwagen aus der linken Straßenseite verkehrswidrig geparkt zu haben. In dem Augenblick, in dem er in eine Einfahrt auf der rechten Straßenseite einbiegen wollte, kam ein Personenkraftwaaen von hinten, dessen Lenker angeblich das Zeichen nicht geschen hatte, und fuhr auf den Wagen des Angeklagten auf, wodurch zwei Insassen des Personenkraftwagens schwer und zwei leicht verletzt wurden und an beiden Wagen Sachschaden entstand. Das Amtsgericht Herbstein hielt den Angeklagten in der Hauptverhandlung am 24. Mai 1940 für überführt und verurteilte chn zu einer Gefängnisstrafe von einem Monat. Gegen das Urteil legte der Angeklagte Berufung ein. In der Beruftlngsverhandlung wurde der Angeklagte wiederum überführt und feine Berufung verworfen. Erfolgreiche Hebung von Bereitschaften des DRK. A^ Sonntag fand eine Hebung der männlichen und roeiblichen Bereitschaft des Deutschen Roten Kreuzes in Leihgestern statt. In der Annahme, daß Leihgestern zweimal von feindlichen Fliegern angegriffen worden sei, wurden die Helfer und Helferinnen in Lang-Göns, Allendorf, Großen- Linden, Leihgestern, Grüningen, Watzenborn-Sternberg und Hausen alarmiert. Die 22 „Verletzten" wurden geborgen, versorgt und in eine mit Notbetten hergerichtete Unfallstation getragen. Die Versorgung war mustergültig, der Abtransport, der nur mit Tragen erfolgte, vollzog sich, obwohl zum großen Teil Helferinnen als Träger eingesetzt mären, rasch, so daß in dem als Hilfslazarett eingerichteten Gasthaussaal „Zur Krone" bereits 32 Minuten nach dem ersten Alarm, der 9.37 Uhr erfolgte, alle „Verletzten" versorgt und untergebracht waren. Dre Hebung leitete der DRK.-Hauptführer Dr. Fabel, in dessen Händen auch die Bergung und ärztliche Betreuung der „Verletzten" lag, während den Einsatz der Trägertrupps sowie die technische Ausführung der Vorbereitung zur Uebung der Stabswart, DRK.-Obenvachtführer Georg Wagner, übernommen hatte. Der zur Uebung eingeladene Bezrrksluftschutzlei- ter, Rektor Lotz, stellte in seiner Ansprache in dankbarer Anerkennung den Einsatz des Deutschen Roten Kreuzes im Rahmen des behördlichen Luftschutzes besonders in den Vordergrund und legte besonderen Wert auf die innere Einsatzbereitschaft und die gute technische Ausbildung. Er sprach feinen Dank aus, daß ihm durch diese gut angelegte und ausgeführte Einsatzübung Gelegenheit gegeben sei, in die schwere, aber im Interesse des Volksganzen so notwendigen Arbeit des DRK. einen Einblick zu tun. Landkreis Gießen. * Leihaestern, 16. Okt Der Oberpostschaffner i. R. Karl Arnold in Leihaestern kann am morgigen Donnerstag, 17. Oktober, in aller Frische seinen 7 0. Geburtstag begehen. Dem Jubllar, der noch an allen Geschehnissen unserer Zeit regen Anteil nimmt, bringen auch wir unsere herzlichen Wünsche zu seinem Geburtstags und für einen schönen Lebensabend dar. Schweinemarkt in Grünberg. [+ Grünberg, 16. Okt. Bei dem Schweine- markt im Rahmen des hiesigen Gallusmark- tes standen heute 345 Ferkel zum Verkauf. Es kosteten bis sechs Wochen alte Ferkel 18 bis 20 RM., sechs bis acht Wochen alte 21 bis 25 RM., acht bis dreizehn Wochen alte 26 bis 32 RM. das Stück. Der Handel verlief gut, es verblieb geringer Heber« stand. — Von 10 aufgetriebenen Rindern wurden 3 Stück verkauft. Handballmeisterschast in Doppel runde. Das Fachamt Handball gibt bekannt: Im Nachtrag zur Ausschreibung der Deutschen Kriegsmeisterschaft im Handball wird festgestellt, daß die Meisterschaftsspiele mit {»fertiger Wirkung nicht nur in einer einfachen, sondern in einer Doppelrunde mit Hin- und Rückspiel ausgetragen werden. Als neuer Termin für die Meldung der Bereichsmeister wird der 30. März 1941 bestimmt. Die Frauenspiele werden ebenfalls mit sofortiger Wirkung in einer Doppelrunde durckgesührt Die Verfügung, daß über eine etwaige Aenderung der Ausschreibung der Deutschen Kriegsmeisterschaft noch besondere Anordnungen ergehen, bleibt bestehen. Königsschießen der Schützengesellschast 1926 Gießen. Wie alljahrilih, so hat auch in diesem Jahre die Schützengesellschaft 1926 Gießen am vergangenen Sonntag ihr Königschießen abgehalten. Trotz des Krieges und der vielen zum Heeresdienst eingezogenen Mitglieder hatte sich eine stattliche Anzahl Schutzen zu diesem beliebten Schießen eingefunden. Geschossen wurde, wie immer, mit Großkaliber auf den Adler, der in 100 Meter Entfernung auf einer Stange aufgebaut war. Nach einer kurzen Begrüßung und Erläuterung über den Verlauf des Schießens traten 16 Schützen den Kampf um die Königswürde an. In knapp 1 Vs Stunden mit zusammen 260 Schuß, das ist im Durchschnitt 16 Schuß pro Schütze, war der Rest des Adlers von der Stange heruntergeholt. 1. Ritter wurde Kamerad und Ortsgruppenleiter Hermann Thomas. 2. Ritter wurde Kamerad Fritz D e w a l d, und Kamerad Karl H e i tz, Gie- ßen-Wieseck, holte den letzten Rest von der Stange herunter. Er wurde somit Schützenkönig für das Jahr 1940/41. Auch die Jungschützen schossen ihren Schützenkönig heraus, und zwar mit Kleinkaliber auf 50 Meter, 12 kreisige Ringscheibe. Bei 5 Schuß stehend freihand und 5 Schuß liegend frei- hand schoß der Jungschütze Heinz R a u 97 Ringe, eine schöne, beachtliche Leistung, die ihm auch die Königswürde der Jungschützen für 1940/41 einbrachte. Anschließend wurde von den Schützen auf 175 Meter mit Großkaliber eine Ehrenscheibe heraus« geschossen, die Kamerad Herrn. Thomas erschoß. Auch die Jungschützen schossen mit Kleinkaliber auf 50 Meter ihre Ehrenscheibe heraus, welche der Jungschütze Günter S u n d h e i rn errang. Nachmittags fand noch das Schießen auf den Wanderbecher statt, welchen mit 5 Schuß stehend aufgelegt auf die 20 kreisige Ringscheibe Kamerad Ludwig Schneider mit 73 Ringen errang. Anschließend hieran wurde dann noch ein gestifteter Präsentkorb herausgeschossen, den Kamerad Heinrich Balzer mit 3 Schuß auf eine 20 kreisige Ringscheibe in 175 Meter Entfernung stehend aufgelegt mit der beachtlichen Ringzahl von 58 Ringen von 60 erreichbaren, erhielt. Bei Eintritt der Dunkelheit nahm der Vereinsführer Ed. G o n d n e r die Königsproklamation der beiden Schützenkönige Heitz und Rau, sowie die Ehrung der beiden Ritter Thomas und Dewald vor. Die beiden Schützenkönige erhielten die Königsketten, während die beiden Ritter wertvolle Gaben zur Erinnerung an diesen Tag erhielten. Der vorjährige Schützenkönig Paul H a i n b a ch, der z. Z. im Felde weilt, erhielt als Andenken an seine vorjährige Königswürde eine wertvolle Armbanduhr. Nach Heberreichung der Ehrenscheiben und des Präsentkorbes dankte der Vereinsführer den Schützen für ihre aufopferungsvolle Tätigkeit und für das Interesse, das sie trotz des Krieges dem edlen Schießsport entgegenbringen, und ermahnte zur weiteren segensreichen Mitarbeit. Schließlich dankte Kamerad Herrn. Thomas im Namen der Sieger dem Dereinsführer für feine Tätigkeit und schloß den offiziellen Teil des Tages in üblicher Weise. Kurze Sportnotizen. Die Jugendmeisterschaften der Radfahrer werden künftighin zusammen mit den Großveranstaltungen der HI. entschieden, die Titelkämpfe auf Bahn und Straße bei den Sommerkampfspielen, die Saalsportmeisterschaften bei den Hallenkampfspielen. 3000Kilometer Äeöe Roman von Olly Doehetm 2. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) „Sapperlot, das nenne ich aber nobel!" Vergnügt sprang Anm die Treppe hinunter: „Wo steht er denn?" „Hier an der Ecke!" Anm lief auf einen eleganten grauen Zweisitzer zu. „Wunderschöner Wagen, Peter", sagte sie begeistert. Peter Renz seufzte leise, stellte das Gepäck auf den Rinnstein und nahm Anm beim Arm: „Du irrst, mein Kind! Onkel Franz hat ein paar Jahre mehr auf dem Kühlerkasten. Hier steht er!" Er deutete auf einen kleinen, hellgrün lackierten Wagen, der hochbeinig auf vorsintflutlich dünnen Rädern stand. Anni konnte sich das Lachen nicht verbeißen. Peter beobachtete kritisch ihr Mienenspiel. „Macht doch wenigstens Eindruck, wenn auch nach der negativen Seite hin", sagte er etwas enttäuscht. „Na, wenn auch nicht gerade das, Peter — aber sag mir, wird denn dieser Großonkel bis nach Stockholm laufen?" „Ach, Mädchen, bis nach Spitzbergen! Gesund ist er. Ich dachte, er sieht ganz ordentlich aus, nachdem ich ihn grün lackiert habe. Hnd laufen tut er, als sei er mir persönlich dankbar, daß ich ihn vor dem Autoschlachthof gerettet habe." Peter verstaute Annis Sachen in der Klappe des Notsitzes, wickelte das Mädchen sorglich ein und kurbelte an. „Kiek mal die olle Windmühle", sagte ein Bolle- junge und deutete grinsend auf den Wagen, vor dem Peter Renz die klobige Kurbel drehte. Plötzlich durchlief ein Zittern den Wagen; es war so gewal- tig, daß Anni beinah vom Sitz hochflog. „Er kommt", schrie Peter, hochrot im Gesicht. „Wer denn?" brüllte Anni über das Tosen hinweg. „Der Motor", schrie Peter und schwang sich elegant auf den Führersitz. „Dolle Maschine", sagte er anerkennend und schaltete knirschend den ersten Gang ein. „Macht Krach wie ein Rennwagen", schrie Anni Peter ins Ohr. „Muß sich erst warmlaufen", brüllte Peter zurück. Inzwischen war man in der stillen Seitenstraße aufmerksam geworden. Fenster wurden geöffnet, und die Menschen sahen neugierig-erstaunt auf die dicke, ölige Rauchwolke, die die Straße zu vernebeln begann. „Fällt auf, der Typ", schrie Peter voll Genug- tuuna und trat auf den Gashebel. Der Wagen zog an. Der Motor stampfte wie eine Dampfmaschine. Peter nahm elegant eine Kurve. „Guter Tourenwagen", sagte er; „lange Strecken läuft er ausgezeichnet, aber das viele Starten verträgt er nicht. Uff, ausgerechnet rotes Licht!" Aechzend hielt der Wagen unter der Ampel. Ein Radfahrer stützte sich auf den Kühler. „Mensch, die Karre hat Schüttelftost, ick jloobe, die kriegt 'n Schlaganfall!" „Nee, bet is n’ verkappter Tank, n' janz neuet Modell von 1940." Onkel Franz zitterte berartig, daß die lieblosen Redensarten zum Glück von seinem Scheppern übertönt wurden. Anni sah Peter heimlick von der Seite an. Er saß unbeirrt am Steuer, die Mütze keck in den Nacken geschoben, die vergnügte Stupsnase hochmütig emporgereckt, als könnte er durch sein Selbstbewußtsein Onkel Franzens kläglichen Eindruck wieder wettmachen. Mut hat der Junge, dachte Anni, in dieser vierrädrigen Badewanne nach Stockholm zu schaukeln, und ihr Vertrauen zu Peter war so groß, daß sie lächelnd die Augen schloß, während die Frühlingssonne ihr blasses, schmales Gesichtchen mit zärtlichem Schimmer umspielte. * Peter Renz sollte recht behalten. Der Wagen legte einen großen Teil seiner Unarten ab, nachdem er die Stadt hinter sich gelassen hatte. Er schepperte zwar noch an allen Gliedern, aber er lief regelmäßig im dritten Gang und hatte auch seine Vernebelungstaktik teilroeife aufgegeoen. Peter sprach nicht. Er sah nur hin und wieder Anni strahlend an, deutete auf den Wagen und pfiff anerkennend durch die Zähne, was so viel heißen sollte wie: „Na, habe ich vielleicht zuviel gesagt?" Anni schwieg auch. Es war ihr unmöglich, Onkel Franzens rosttge Stimme zu überschreien. Sie träumte in die lichtgrünen Wiesen hinein, in das filigranfeine Geäst der jungfräulich belaubten Bäume, und dachte: Patenter Einfall von Peter, mich aus der Stadt zu entführen, selbst wenn wir mit dem unseligen Vehikel nur bis Neu-Br and en - bürg kommen sollten. Die Birken standen wie ein Mädchenpensionat zu beiden Seiten der Landstraße, und in ihren wehenden blaßgrünen Haaren spielte der Wind. Blau und lockend lag die Wette unter dem Horizont. Peter bog in einen Feldweg ein und hielt mit einem Ruck. „So", sagte er und klopfte Onkel Franz auf den windschiefen Kotflügel, „das hast du gut gemacht. Jetzt wird gefrühstückt, denn wie ich dich kenne, Anni, hast du vor lauter Reisefieber überhaupt noch nichts gegessen." Er breitete eine Decke auf die Wiese, holte den Proviantkorb und packte sein Frühstück aus. „Wie das schmeckt, Anni, was, anders als im Büro ober auf der Probebühne!" „Ach, Peter, ich bin glücklich, regelrecht glücklich! Es ist wundervoll, so in das Abenteuer hineinzu- f ähren." „Hoffentlich nicht", erwiderte Peter und streifte Onkel Franz mit bekümmertem Blick; „hoffentlich bereitet uns der alte Herr keine Heberraschungen." Anni lachte: „Sag mal, Pseter, warum hat Unkel Franz sich so plötzlich von dem Wagen getrennt?" „Ach", erklärte Peter und goß Anni ein Glas Wermut ein, „es war keine glückliche Ehe mit den beiden. Sie vertrugen sich nicht. Der Wagen hatte seinen eigenen Willen und war anscheinend der Ansicht, daß die Bäume ihm ausbiegen sollten." Anni lachte: „Aber soviel ich weiß, wollte Onkel Franz sich ursprünglich einen neuen Wagen kaufen." „Richtig, wollte er auch, aber er kam nicht von der Fahrschule herunter. Wenn man mit sechzig Jahren anfängt, Auto zu fahren, und noch dazu kurzsichtig und übernervös ist wie Onkel Franz, dann ist man sozusagen ein kapitaler Bock im Revier des Fahrlehrers Er konnte sich nicht entschließen, die Fahrprüfung zu machen. Nahm Stunden über Stunden. Bei der ersten Prüfungsfahrt machte er vor einem Feuermelder halt, den er in seinem übersteigerten Zustand für eine rote Verkehrsampel gehalten hatte. Dann üoerholte er die Straßenbahn von links, weil er sie scheinbar im Prüfungsfieber mit einem Omnibus verwechselte. Das genügte dem Prüfer, und er sagte: „Danke sehr, bitte aussteigen!" „Hnd was tat Onkel Franz?" „Er stteg aus, ging in die nächste Schoppenstube und ertränkte seine Verzweiflung in Patenwein. Am nächsten Tag begann er von neuem mit ber Fahrschule. Bei der zweiten Prüfung ging er schon vorher in die Schoppenstube, um sich Mut anzutrinken, und fuhr so forsch, daß der Prüfer flucht- artig den Wagen verlassen hat. Der Lehrwagen mußte vollständig überholt werden, der Fahrlehrer desgleichen. Da Onkel Franz eine beschränkte Summe für seinen Autosport, Wagenanschasfung einschließlich Fahrschule, zur Verfügung hatte, reichte es bald nicht mehr zu einem neuen Wagen — und je länger der Fahrunterricht wurde, desto kleiner und älter wurde das Auto, das Onkel Franz sich noch erstehen konnte. Schließlich, nachdem er die letzte Prüfung mit Ach und Weh bestanden hatte, kaufte er von den paar übriggebliebenen Kröten dieses Unifum." „Hnd dann?" forschte Anni, mit beiden Backen kauend. „Dann fuhr er mit diesem fünften Reh prompt gegen den nächsten Baum. In der Reparaturwerkstatt riet man ihm, er solle den Wagen doch ausschlachten lassen, er wäre das Ausbeulen nicht mehr wert. Da rief er in seiner Verzweiflung mich an, und weil ich schon lange auf ein Auto scharf bin, tauschte ich mit Onkel Franz. Er gab mir sein Auto und ich gab ihm mein Fahrrad." „Hnd nun?" .Lernt Onkel Franz radfahren. Ja, Anni, der alte Herr ist nicht totzukriegen." „Das liegt scheinbar in eurer Familie!" „Richtig!" . „Sag mal, Peter —", Anni hatte ihr Frühstück genußreich beendet und steckte sich eine Zigarette an, „glaubst du ernsthaft, daß Onkel Franz es bis Schweben schafft?" Peter reichte ihr Feuer unb räumte die Eßoor- räte zusammen. „Natürlich, Anm! Glauben muß man es auf jeden Fall!^ „Hnd daß wir mit dem Geld auskommen?" „Was kann uns passieren?" Peter stand mit einem eleganten Satz auf. „Schlimmstenfalls suchen wir uns einen Klappennabod." „Was?" „Einen Mitfahrer, der in der Klappe sitzt und sich am Benzin beteiligt." (Fortsetzung folgt)