zreitag, 1K. August MO 140. Jahrgang Nr. 143 Gietzener Anzeiger Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer biS8'/,Ubr desVormittagS Anzetgen-Preife: Anzeigenteil 7 Rvf. je mm bei 22 mm Zeilenbreite, Tertteil 50 Rpf. le nun bei 70 mm Zeilenbreite Nachlässe: Wiederholung MalstaffelI Abschlüsse Älengenftaffel 8 Pladoorschrift (vorherige Vereinbarung) 25% mehr Erscheint täglich, außer Sonntags und feiertags Beilagen: DieIllustrieNe Gießener Familienblätter Heimat imBild-DieScholle Monats-Bezugövreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte » 1.80 Zustellgebühr... „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Hummern infolge höherer Gewalt Kernsvrechanschlutz 2251 Drahtanschrift:„Anzeiger" Postscheck llöss Franks ^M. vrühl sche Unioer sttätsdrvckerei B. Lange General-Anzeiger für Oberhessen *** «ittzrn^Schiilftratze 7-9 505 britische Flugzeuge in acht Tagen verloren. Am Donnerstag allein 106 Flugzeuge vernichtet bei geringen eigenen Einbußen. Flugplätze und Hasenanlagen in Schottland, Süd-, Mittel- und Ost-England bombardiert. | W ■ . 7. X?s'w V L.-> - >/ W WSfcW 'M- 4*' * .-ä? / ; :V ;, s» uy' z v - x \X ' " <<'•' X ; <■•- '■ \vV~. "* Ein Schwarm unserer kampferprobten ,Me-110"-Zerstörer. —- (PK.-Grosfe°Prefse-Bildzentrale-M.) tl-Vool versenkte britischen l70ü0t-Hilsskreuzer 28 Briten-Flugzeuge vernichtet. Engländer zerstörten nachts die Kirche von Derichsweiler. Berlin, 16.Uug. (DBB.) Die Verluste auf britischer Seite vom 8. August bis zum 15. August. 20 Uhr. betragen 505 Flugzeuge. 129 Flugzeuge gingen auf deutscher Seite verloren. Diese Zahlen beweisen eindeutig die Ueberlegenheit der deutschen Luftwaffe und ihre Vorherrschaft im britischen Luftraum. * Bei den ge ff eigen Bombenangriffen entwickelten sich wiederum Luftkämpfe von ungewöhnlichem Ausmaß. Die Ueberlegenheit der deutschen Jagdflieger ermöglichte den deutschen Kampfflugzeugen. wie an den Vortagen, ungehinderten Bombenabwurf, Rur wenige deutsche Flugzeuge fielen der englischen Abwehr zum Opfer. Die deutschen Messerschmitt-Flugzeuge schossen gestern 98 Feindflugzeuge in der Luft ab. Acht Flugzeuge sind nach den vorliegenden Berichten am Boden vernichtet worden, so daß die Gesamtzahl der im verlaus dieser Kämpfe vernichteten britischen Flugzeuge wiederum die Zahl 100 übersteigt. Ferner wurden fünf britische Sperrballone abgeschossen. Den hohen Abschuhzahlen der englischen Flugzeuge steht der Verlust von 29 eigenen gegenüber. Die Angriffe richteten sich gegen Süd-. Bliftet- und Ostengland. 3m Baume von New Castle — VNddtesborough und in der Grafschaft Essex wurden mehrere Flugplätze sowie Hafenanlagen mit Bomben belegt. Flugzeughallen und Unterkunftsgebäude sowie sonstige kriegswichtige Ziele wurden getroffen, die Rollfelder zerstört. Sturzkampfflieger bombardierten den Flughafen von Hawking westlich Dover und erzielten zahlreiche Treffer, die Brände in den hallen hervorriefen. Zahlreiche feindliche Jäger stürzten sich auf die Deutschen. die ungeachtet dieser Abwehr aus den Wolken herausstiehen und wohlgezielt ihre Bomben warfen. In der Rächt zum 15. August wurde derF1 ugplah K i n 1 o h bei Elgin am Woray Firth (Schottland) erfolgreich mit Bomben belegt. 3m Seegebiet von Peter head wurde ein Ge 1 eitzug angegriffen, bei Aberdeen Flakstellungen erfolgreich bombardiert. Auf dem Flugplatz von Monte Rose zwischen Aberdeen und Dundee wurden durch Bombenabwurf mehrere Brände hervorgerufen. Der Lustsieg über Aalborg. Acht Messerschmitt bringen 15 Bristol-Blenheim znm Absturz. Berlin, 16. Aug. (DNB.) Der OKW.-Bericht über den 13. August meldete u. a., daß deutsche Jager und Flakartillerie feindliche Fliegerverbände, die Aalborg anzugreifen versuchten, zur Umkehr zwangen und von 23 angreifenden 16 Flugzeuge obfchossen. Die deutsche Jagdstaffel, die aus acht Messerschmitt-Flugzeugen bestand und von Oberleutnant Friedrich geführt wurde, verwickelte 15 von den angreifenden Flugzeugen in einen Luftkampf und schoß sämtliche Bristol-Blenheim über dänischem Gebiet ab. Die höchste Abschußziffer bei diesen Kämpfen erreichte der Oberfeldwebel Menge, der vier britische Flugzeuge zum Absturz brachte. Dem schnellen, schneidigen Zupacken dieser deutschen Jäger ist es in erster Linie zu verdanken, daß kein Personen- und Sachschaden in der dänischen Stadt verursacht wurde. Dem Vertreter des Kopenhagener Blattes „Ber- lingske Tidende" erklärte der Führer der deutschen Jagdstaffel: „Wir lagen in Bereitschaft, als wir telephonisch die Mitteilung von dem Kommen der Engländer bekamen. In einer Minute waren wir mit unseren Maschinen gestartet. Wir flogen zunächst nach Norden und hielten uns in der Nähe von Aalborg. 20 Kilometer nördlich der Stadt sahen wir dann die englischen Einheiten in 2000 Meter höhe Unsere Jäger gingen sofort zum Angriff über, auch die Flak begann zu schießen. Wir hinderten den Feind daran, die vorgenommenen Ziele angreifen zu können. Die ersten englischen Maschinen stürzten nördlich von Aalborg ab, die anderen fielen in den Lim-Fjord. Gleich nach dem ersten Abschuß versuchten die Engländer nach Westen abzudrehen. Aber in ganz kurzer Zeit — es waren nicht einmal fünf Minuten — waren alle ihre Maschinen brennend zu Boden gestürzt. Auch eine, die durch Tiefflug zu entkommen versuchte, wurde von uns verfolgt und zu Boden gebracht. Keine der angreifenden englischen Maschinen hat die Küste wieder erreicht. Keiner der Engländer konnte zurückkehren. Soweit sie nicht im Kampfe fielen, wurden sie gefangengenommen. Nach der Nückkehr zum Ausgangspunkt konnte jeder unserer Jäger beweisen, daß er eines oder mehrere der englischen Flugzeuge abgeschossen hat. Nach dieser Zurückweisung werden die Engländer wohl die Lust verlieren, den Lufthafen von Aalborg nochmals anzugreifen." „Faerdelandet" schreibt, der enorme Verlust, den die Engländer bei dem Angriff auf Aalborg erlitten haben, lasse sich nicht leugnen, weil diese Tragödie sich am hellichten Tageund vorneutralen Zuschauern abspielte. Ein Eingeständnis dieser völligen Niederlage sei, daß die englischen offiziellen Meldungen noch nicht mit einem Wort den mißglückten Angriff auf Aalborg erwähnt haben. Der Wehrmachtsbenchi vom Donnerstag. Berlin, 15.Aug. (DRB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Eines unserer Unterseeboote versenkte im Atlantik den britischen Hilfskreuzer „I r a n 6 f t) l o a n i a“ von 17000 BRT. Trotz ungünstiger Wetterlage setzten die deutschen Fliegerverbände am 14. August ihre Angriffeauf Hafen- und 3ndustrieanlagen, Flugplätze, Luft- sperren und Truppenlager in Süd-undWittel- en g la n b fort. In Cardiff, Weston und Portland wurden Hafenanlagen zwischen Brighton und Ceoes ein Umspannwerk, bei BJorcefter und Salisbury Rüstungswerke wirksam mit Bomben belegt. In Süd- und Südostengland richteten sich die Bombenangriffe vorwiegend auf Flugplätze und gegen die Truppen- lager Aldershot. Bei diesen Angriffen kam es zu heftigen, für uns erfolgreichen Luftkämpfen. Durch die zahlenmäßig geringen britischen Nachtangriffe vom 14. zum 15.August wurde bei De- richsweiler eine Kirche zerstört, sonst kein besonderer Schaden angerichtet. Die Verluste des Gegners am gestrigen Tage betrugen 28 Flugzeuge. Davon wurden 22 im Luftkampf und mindestens 6 am Boden zerstört. 12 deutsche Flugzeuge werden vermißt. Britische Bomben auf eine unter Denkmalschutz siebende Dorskirche. Berlin, 15.Aug. (DNB.) wie im OKW.-Be- richt bekanntgegeben, warf der Feind in der Rocht zum Donnerstag Bomben auf das kleine Bauerndorf Derichsweiler bei Düren im Rheinland ab. Ls ist unerklärlich, aus welchen Gründen sich die Engländer gerade dieses kleine harmlose Dorf als ihr Opfer auserwählt haben. Sie haben ausgezeichnet getroffen. Ihre Bomben trafen mitten in die Dorf kirche, die auf Grund ihres wertvollen Inhaltes unter Denkmalschutz steht und die gänzlich zerstört wurde. Der innere Raum des Gotteshauses ist völlig ausgebrannt. Es flehen nur noch die IHauerreffe. Im Vergleich zu diesem Schaden sind die sonstigen an diesem Ort durch den Luftangriff angerichteten Schäden gering. Irgendwelche militärische Objekte, Rüstungsindustrie oder dgl. befinden sich in der näheren und weiteren Umgebung dieses Ortes nicht. Die Bombenangriffe auf Städte Norditaliens. Barbarische und feige Kampfmethoden der britischen Flieger. Nom, 16. Aug. (DNB.) Zu den heimtückischen Bombenangriffen der Royal Air Force aus offene Städte Norditaliens erklärt Agenzia Stefani: Die Explosiv- und Brandbomben sind einzig und allein auf Wohnviertel der norditalienischen Städte ab- geworfen worden, was man nur an- gemeine und barbarische Verbrechen bezeichnen könnte. In Alessandria sind drei Kinder unter den Trümmern eines bombardierten Hauses ums Leben gekommen, neun Feuerwehrleute wurden durch die Explosion einer Bombe mit Zeitzünder getroffen, wahrend sie gerade im Begriff waren, die verschütteten Opfer aus den Trümmern zu bergen. Bisher waren Bomben mit Zeitzündern nur von Verbrechern bei Attentaten verwandt worden. Nun werden sie auch von den Engländern benutzt mit der barbarischen Absicht, die Hilfsaktionen für die Opfer der Bombardierung zu verhindern. Ebenso wie bei ihren Luftangriffen auf deutsche Städte führt die englische Luftwaffe ihre Aktionen geaen die italienischen Städte nur nachts durch und beweist damit, daß sie nicht in der Lage ist, sich tagsüber mit den Jagdflugzeugen und dem Bo- oenabwehr der Achsenmächte zu messen. Die englischen Luftpiraten geben aber damit ganz offen ihre eigene Unterlegenheit und Feinheit zu, was sich auch daraus ergibt, daß sie an Stelle von Militärzentren Wohnviertel mit Bomben belegen. Um n a ck Mailand zu gelangen, sind die englischen Flugzeuge, wie Stefani abschließend feststellt, von Como her eingeflogen, was beweist, daß sie die Neutralität der Schweiz verletzt haben. Zeder sucht, was er nicht hat. Neulich hörten wir im Zugabteil, wie eine junge nette Dame auf der Fahrt aus dem Vor-Alpeniand ihrem offensichtlichen Bräutigam die Frage vorlegte: „Wie kommt es doch wohl bloß, daß die Bauern auf Berg und See gar nicht ehen, ja geradezu nicht sehen wollen? haben denn unsere Bauern kein N a t u r g e f ü h l?" Es war nicht nur eine sehr nette, sondern auch eine ehr intelligente junge Dame, und der Tonfall zeigte an, daß sie eben nicht bloß eine Frage stellte, um Konversation zu machen, sondern daß sie hier ein Problem empfand. Die junge Dame wußte, daß sie mit ihrer Problemstellung eine große und illustre Kollegenschaft hat. Das ganze Problem der Landflucht wird durch diese Problemstellung berührt. Der Städter geht auf das Land, enthusiasmiert sich am dörflichen Frieden, begeistert sich an der Natur; und manches Kind vom Lande strebt mit allen Kräften in die Stadt. Kein geringerer als der Eiserne Kanzler hat — genau so wie jene junge Dame — erkannt und klar herausgestellt, daß der Landmann in der üblichen Naturbetrachtung keine Entspannung findet. In seiner letzten Rede, die er überhaupt im Deutschen Reichstag gehalten hat, und zwar aus Anlaß der Abschlußberatungen über die soziale Gesetzgebung, sagte Bismarck am 18. Mai 1889, wobei er von seinen Erfahrungen auf seinem Gut Darzin ausging: „Da habe ich gefragt: Was ist denn das, was euch in Berlin so anzieht? Wohnung, Behandlung, alles ist kaum so gut wie zu Hause. Schließlich habe ich ausfindig gemacht: das einzige, was mir die Leute mit einem gewissen Erröten als durchschlagenden Grund sagten: ja, so einen Ort, wo im Freien Musik ist und man im Freien sitzen und Bier trinken kann, ja, den hat man in Varzin doch nicht! (Heiterkeit.) Das ist also ein Anziehungsmittel nach den großen Städten. Ein ruhiger, ordentlicher, ehrlicher Mensch, der aber nicht zu Hause bleiben wollte, hat mir dies schließlich als Motiv angeführt, und es ist ja zum Verständnis unserer inneren staatlichen Verhältnisse notwendig, solche Sachen sich zu erklären ..." Bismarck zetert nicht — er beobachtet und denkt nach. Er nimmt zum Gewährsmann auch nicht irgendeinen Liederjahn, der in der Stadt ein ungebundenes Leben führen will, sondern einen „ruhigen, ordentlichen, ehrlichen" Menschen und sieht in dem weiteren Verlauf der Rede „die größere Ungebundenheit des Lebens" nur als einen mitsprechenden, aber nicht ausschlaggebenden Faktor an. Aber nun zurück zu dem Problem, das unsere junge nette Dame aufgeworfen hat: Für den Bauern (und vielfach auch für den Soldaten) ist die Natur der Feind! Die Natur muß überwunden und gebändigt werden. Das geschieht immer wieder unter Umständen, die als Notstand anzusprechen sind, heute reift auf unseren Feldern eine herrliche Ernte. Aber denken wir noch daran, daß in diesem Vorfrühling die Zeit verdammt knapp wurde? Der Winter blieb lang im Land und wollte nicht weichen. Das Wetter ist ein Umstand, über den der Mensch keine Gewalt hat. Und es kommt auch nicht allein darauf an, daß es genug Sonne und genug Feuchtigkeit gibt, sondern z. B. auch darauf, daß zur Zeit der Korn- blüte ein milder Wind den Blütenstaub durch leidlich trockene Lust hindurchträgt. Das Kalben einer Kuh ist auch kein Rechenexempel. Wer dem Acker einen übernormalen Fruchtertrag, dem Vieh eine hohe Milchergiebigkeit, der Henne eine große Legefreudigkeit abgewinnen oder abzwingen muß, der Italiens Offensive in Somaliland. Kritische Lage der britischen Truppen. Genf, 16. August. (Europapreß.) Die Lage in Britisch-Somaliland wird auch in Großbritannien für weitaus ernster angesehen, als man bisher zuzugeben bereit war. Davon zeugt der offene Brief des militärischen Mitarbeiters von „Exchange Telegraph", der schreibt: „Die am Sonntag wieder aufgenommene italienische Offensive in den Gebieten des Jajagurgan-Passes mit dem Ziel, nach Berbern vorzustoßen, ist auch am Montag mit größter Kraft und Entschlossenheit durchgeführt worden. Die Italiener sind zweifellos an Zahl weit überlegen. In dem Kampf am Sonntag, der mit großer Erbitterung geführt wurde, vermochten die Italiener an einer Stelle einen sehr beträchtlichen Einbruch in die britische Verteidigungslinie zu erzwingen. Angesichts der bedeutenden Uebermacht ist die Lage zweifellos ernst. Zahlreiche Geschütze und drei Maschinengewehre sind den Italienern am Jajagurgan-Paß in die Hände gefallen." In einem in Kairo herausgegebenen britischen Kommunique wird zugegeben, daß die englischen Streitkräfte seit Mittwoch vor den italienischen Truppen zurückweichen und eine schwere Nie- derlage erlitten haben. Nach stundenlangen heftigen Kämpfen mußten die Engländer Positionen einnehmen, die bedeutend weiter hinter der Front liegen. Die Italiener setzten bei ihrem Vormarsch sowohl starke motorisierte Einheiten als auch die Luftwaffe ein. Der Einsatz der motorisierten Bodeneinheiten hat in englischen Militärkreisen überrascht, da man bisher angenommen hatte, daß auf Grund der Bodenverhältnisse und der klimatischen Gegebenheiten großzügige Operationen motorisierter Einheiten kaum möglich sein würden. 3talienifd)er Wehrmachtsbenchl. Rom, 15. August. (DRV.) Der italienische Wehrmachtsbericht vom Donnerstag fjaf folgenden Wortlaut. Die Operationen in Britisch-Somaliland sind mit harten Kämpfen, an denen die Luftwaffe wirksamen Anteil hat, invollerLntwicklung. Unseren Truppen fielen Gefangene und Waffen in die Hände. lugt eben mit der Natur im Kampf und sehnt sich nach einem Ausspannen in einer Umgebung, wo der Mensch mit dem Verstand seine Umwelt beherrscht. Der Städter erholt sich auf dem Lande, der Landmann in der Stadt. Solange die Menschen diese Wechselbeziehung nicht von innen heraus kennen, werden sie ein Opfer ihrer dunklen und notwendig unbeherrschten Gefühle. Sie reden auch dauernd aneinander vorbei. Bei den Soldaten ist es ähnlich. Wenn er im Rübenacker den Rebhühnern die Woche über Konkurrenz macht, sv ist am Sonntag selbst ein primitives Ballokal ein herrlicher Aufenthalt. Wer Briefe unserer Norwegen-Kämpfer mit kennendem Auge lieft, merkt neben der hochachtungsvollen Verbeugung vor den Schönheiten des Landes den unterdrückten Fluch auf die vermaledeiten Berge, diese „elendiglichen, miserabligen Knochen", um einmal „ostmärkisch" zu sprechen. Es ist vieles, sehr vieles auf dem Lande anders als in der Stadt. Der Bauer, Jäger, Postbote, der den ganzen Tag in Wind und Wetter, in Sonne und Regen „frische Luft" genießt, zieht die Stubenluft vor. Auch das Verhältnis des Landmanns zur Kleidung ist anders als das des Städters. Der Städter baut seinen Kohl gern mit nacktem Oberkörper; auf dem richtigen Lande wird auch in der heißesten Erntezeit fetten ein solcher halber Adam zu sehen fein. Andere wesentliche Unterschiede können nur an gedeutet werden: auf dem Lande heiratet die Frau noch immer überwiegend auf den Hof, in der Stadt setzt sich unmerklich, aber tatsächlich die Gewohnheit durch, daß der junge Mann in die Familie seiner Frau hineinheiratet. Man sieht: wie weitläufig, verschiedenartig und bedeutsam die Unterschiede sind! Und wie natürlich sie aus den jeweiligen Gegebenheiten herauskommen! Und das ist der entscheidende Punkt. Die Verhältnisse sind so — und nicht anders — als Tatsachen. Sie stehen als Tatsachen nebeneinander. Sie sind ebensowenig miteinander vergleichbar wie Aepfel und Pflaumen. Darum ist es der vollen Wortbedeutung nach unsinnig, wenn der Städter über den Landmann oder der Landmann über den Städter die Nase rümpft und abfällig urteilt. Anders herum wird ein Schuh daraus. Der Eiserne Kanzler hat sehr genau und gut gewußt, warum er die Antwort des „ruhigen, ordentlichen, ehrlichen Menschen", daß man in der Großstadt „im Freien sitzen und Bier trinken kann", nicht auf die leichte Schulter genommen, sondern ganz im Gegenteil im Reichstag „zum Verständnis unserer inneren staatlichen Verhältnisse" mitgeteilt hat. Eine große Mode kann sich nur breitmachen, wo die Menschen aus dem dunklen Drang unflarer Gefühle handeln, die Mode als Ersatz eines wirklichen Urteils nehmen und die wahre Freiheit der Wahl gar nicht kennen. Dr. Ho. Eden als Optimist. Stockholm, 15. Aug. (Europapreß.) Man sollte es nicht glauben, aber es ist so: Kriegsminister Eden ist optimistisch. „Wir greifen den Feind auf seinem eigenen Boden an", behauptete er kühn in einer Rundfunkansprache. Den mutigen Rückzug aus Flandern dürfte er damit nicht gemeint haben, eher schon die nächtlichen Offensiven britischer Luftpiraten. Die Deutschen hofften, so fuhr Eden fort, ihre Unterlegenheit zur See durch die Herrschaft in der Luft überwinden zu können. Aber der Sieg werde doch wohl dem zufallen, der eine überlegene Seemacht, gemeinsam mit einer Luftmacht besitze, „welche schnell wächst". In den letzten Tagen wurden weit über 300 englische Flugzeuge abgeschossen. Dies nur zur Illustrierung dessen, was Eden „schnell wachsen" nennt. Dann zeichnete Eden — das ist schon seit langem eine feiner Spezialitäten — den künftigen Frieden, nach Englands Sieg natürlich. Irgendwelche halben Maßnahmen würden nicht genügen, meinte er, ohne daran zu denken, daß iym oder seinem Nachfolger dieser Satz vielleicht bald unter sehr veränderten Umständen entgegengehalten werden könnte. Nicht widersprechen kann man ihm allerdings, wenn er feststellt: „Wir stehen allein bei der Er- kämpfung des Friedens." Dann matte Eden ein Bild rostg wie immer von den englischen Mann- schafts- und Materialreserven. Die Heimwehr, die gewehrlose, schätzte er auf 1,5 Millionen Mann. -Die englische Flotte beherrsche das Meer, was sie freilich nicht hinderte, 5 Millionen BRT. in den Abgrund finken zu lassen und — das muß man wörtlich lesen: „Unsere Flugwaffe hat sich der feindlichen mehr als ebenbürtig, sowohl im Angriff wie in der Verteidigung, erwiesen." Die nun folgende Prophezeiung Edens darf ernster genommen werden: „Nun wird vielleicht sehr balo die Reihe an die Armee in unserer Heimat kommen." Ob nicht vielleicht auch an Herrn Eden? „Wir haben unsere eigene Meinung über unser Vermögen, dem Feind ftandzuhatten", meinte er abschließend. — Wir auch. Schließlich liegen ja Beweise dafür aus Norwegen und Flandern vor. ♦ Als Anthony Eden, derzeit Englands Kriegs- minifter, am 14. August feinen angekündigten Rundfun kvortrag über die gegenwärtige Kriegslage begann, mag er sich vorgenommen haben, feiner natürlichen Eitelkeit die durch die Zeitumstände gebotenen Zügel anzulegen. Jedenfalls lassen verschiedene Passagen seiner Rede erkennen, daß nach so viel falscher Prophetie, wie sie England in letzter Zeit produziert hat, nun auch für englische Minister die Vorsicht als der bessere Teil der Tapferkeit erkannt wird. So sprach Eden von der „Luftherrschaft, die wir erobern werden" und setzte dadurch dem Siegesgeschrei der britischen Presse einen leichten Dämpfer auf. So führte er auch die Prahlerei Churchills, daß aus Dünkirchen 350 000 Mann glorreich zurückgezogen worden feien, auf das richtige Maß zurück, indem er die Ziffer 200 000 nannte. Danach wären also bei jener Gelegenheit 150 000 Tommies verlorengegangen. Aber Eden wäre nicht die geradezu klassische Verkörperung der eitlen Mittelmäßigkeit englischer Politiker, wenn er nicht auch die Gelegenheit benutzt hätte, kräftig ins Horn zu stoßen und mit schönen Fiktionen die graue und araufame Wirklichkeit zu verdecken. Daß Englands bewaffnete Heeresmacht damals in Dünkirchen ihre aefamte Ausrüstung verloren hat, was macht das schon? „Diese Schwierigkeiten sind jetzt völlig überwunden", sagt Herr Eden und ist entzückt davon, daß auch die neuen Rekruten „nach vier bis fünf Wochen bereits den Eindruck kriegserfahrener Veteranen machen". Da er gerade ins Psalmodieren gekommen ist, rühmt er anschließend die Home Guard, die englische Heimatwehr, und ihren „wundervollen Geist, der eine Inspiration für die ganze Armee sein könne". Was unter diesem wundervollen Geist zu verstehen ist, wissen wir aus zahllosen Berichten der englischen Presse, in denen vom Gurgelabschneiden, vom Erdrosseln, vom Dolchstoß in den Rücken, vom Brunnenvergiften, vom Skalpieren und von allen sonstigen Mitteln eines mörderischen Heckenschützenkrieges soviel die Rede war. Eden empfand wohl selbst die Ironie seiner Worte, denn er fügte gleich hinzu, gleichsam um Entschuldigung bittend: „Wir prahlen nicht, aber fühlen uns vollkommen zuversichtlich." Noch besser allerdings wäre es gewesen, der Herr Kriegsminister hätte ganz geschwiegen. Er wäre dann zwar kein Philosoph geblieben, hätte sich dann aber eine neue Bescheinigung seiner Geistesarmut erspart. Ev. Spannungen in Kanada. Genf, 15. August. (Europapreß.) Heber die Beziehungen zwischen Kanada und Frankreich und die rechtswidrige Behandlung der französischen Kanadier läßt sich der „Pettt Dauphinois" aus Ottawa berichten: „Der kanadische Premierminister hat im Parlament erklärt, daß Kanada die diplomattschen Beziehungen mit Frankreich nicht ab brechen werde. Die internationalen Ereignisse haben zwischen den englischen und ftanzösischen Kanadiern zu gewissen Meinungsverschiedenheiten geführt. Die kürzlich erfolgte Verhaftung des Oberbürgermeisters von Montreal ist dafür ein Beweis. Dieser, ein französischer Kanadier, hatte Journalisten erklärt, er bett achte die Zählungsmaßnahmen, die eine allgemeine Dienstpflicht vorbereiten, als illegal unb fordere seine Verwaltungen zum Widerstand auf." Die französischen Kanadier halten nicht mit Klagen gegen die englisch-kanadische Presse zurück, die Frankreich krittsiert. Man beschwert sich auch über bestimmte Verwaltungsmaßnahmen gegen französische Kanadier. Diese können z. B. in der Armee praktisch nur niedrige Dienstgrade bekleiden; sie begegnen weiter vielen Unfreundlichkeiten. Ferner nimmt die Blockade den französischen Kanadiern jede Möglichkeit des Postverkehrs mit Frankreich. So sind die französischen Kanadier durch verschiedene Maßnahmen aufs schwerste verletzt. Im Vorfeld von London. Von Kriegsberichter Köhler. 1 Unser Bild zeigt einen Bombenabwurf auf militärische Anlagen in England. (PK.-Horster-Scherl-Bilderdienst-M.) DNB. 15.August. (PK.) lieber dem Flug- platz dämmert der Morgen. Aus den Auspuffrohren schlagen die blauen Flammen und stehen wie Irrlichter über den Maschinen, die hier starten. Dunkel liegt Frankreich unter uns. In den Senken hängen noch die Nebelfetzen. Wie es heller wird, breitet sich die Wolkendecke wie ein unübersehbares Schneefeld unter uns aus, und über diese weite Ebene, in die der Wind seine Furchen gezogen hat, huschen wie Schatten die zu uns stoßenden Maschinen unseres Geschwaders. Reihen Zerstörer fliegen vorbei. Mit Kurs Nordwest überquert ein donnernder, mächtiger Verband den Kanal. Jemand flucht über die schlechte Sicht. Die' Wolkendecke ist noch dichter geworden. Einmal sehen wir durch eine Lücke eine der charakteristischen englischen Straßen mit den ausgeprägten Kreuzungen, eine Siedlung, abgezirkelt Haus an Haus und Garten an Garten. Inzwischen haben die britischen Jäger begonnen, ihre Kreise um uns zu ziehen. Immer neue greifen an. Der Funker, Oberfeldwebel G., schießt am HeckMG., was das Rohr hergibt, deutlich erkenne ich, wie links vor uns ein Jäger steil zur Erde stößt. — Ein greller roter Schein, gespenstisch in der diesigen Lust, zeigt seinen Aufschlag an. Flakwolken umtanzen uns, in einigem Abstand ziehen wir über Sperr bollone. Wir sind im Vorfeld Londons. Der Feind weiß, um was es geht. In leuchtenden MG.^Garben und in braunen Sprengwolken der Flak, mit grellen, kleinen Stichflammen darin, vollzieht sich ein Feuerwerk von rasender Gewalt. Auf dem Flugplatz X., von dem aus nun wieder neue Jäger sich erheben, sind Hallen und Schuppen zu erkennen. Wir sind tief heruntergestoßen. Wild schießt nun auch die leichte Flak. „Bomben a b = werfen!" dröhnt es durch das Mikrophon. Der Beobachter, der bisher die beiden vorderen MG. bediente, kauert nun unbeweglich über der Zielvorrichtung. Ein Ruck, und Bombe auf Bombe trudelt, erst langsam und dann immer schneller und schneller in die Tiefe. Die ersten auf den freien Platz, die nächsten mit Blitz und Rauch zwischen und in die Schuppen. Dann heller Feuerschein aus den Hallen. Die Einschläge liegen ausgezeichnet. „Drei Bomben abwerfen!" ruft jemand, aber ich komme nicht mehr dazu, die Luke öffnet sich nicht mehr. Ein MG.- Schuß fährt in die Kanzel, kleine Splitter spritzen umher. Feldwebel R. knickt zusammen, ein Schuß in den Oberschenkel. Blut sickert durch die Hose. Wir helfen ihm beim Abbinden. Immer wieder versucht er sich an den Gurten hochzuziehen, um zu seinem Beobachtersitz zurückkommen. Der Funker nimmt feinen Platz ein. Der Flugzeugführer zieht die Maschine über die Wolken hoch. Wir kehren um. Mit zerschossenem Kompaß, immer der Sonne nach und den tapferen Verwundeten zwischen uns, tasten wir uns zurück. Nachdem Leutnant Sch. die Maschine, deren linker Reifen zerschossen ist, fest und sicher auf das Rollfeld aufgesetzt hat und der Verwundete in der Obhut der Sanitätssoldaten ist — „eine Verletzung ohne bleibende Gefahr", sagt der Arzt —, stellen wir in der Kanzel, im Rumpf, Fahrwerk und im linken Flügel insgesamt einige Dutzend Treffer fest. Die brave Do 17 hat durchgehalten, und wir haben unsere Aufgabe erfüllt: Beim zweiten Einsatz mit die.ersten am Feind. Amerikanische Prophezeiungen. Die von uns gestern veröffentlichten Erklärungen des amerikanischen Marinern i n i st e r s genießen wir mit Vorsicht. Er hat den Zusammenbruch Englands innerhalb von 60 Tagen als möglich bezeichnet und beklagt, daß Amerika nicht die volle Wahrheit über den Verlauf des Kampfes um England erfahre. Knox wurde am 21. Juni von dem Präsidenten Franklin Roosevelt zum Marineminister ernannt, während Stimson an demselben Tag zum Kriegsminister bestellt wurde. Knox und Stimson gehörten ursprünglich der oppo- sittonellen Republikanischen Partei an und wurden in das Kabinett berufen, um den Anschein einer Koalitionsregierung zu erwecken, die sich auf das ganze Land stützen kann. Der republikanische Par» teivorsitzende erklärte aber sofort, daß die Wünsche von Knox und Stimson nach einer amerikanischen Einmischung in die europäischen Angelegenheiten so gut bekannt sei, daß ihre Ernennung für sich selbst sprächen und beide künftig nur als Mitglieder des Kabinetts Roosevelts sprechen und handeln könn-> ten, nicht als Sprecher der Republikanischen Partei. Wir übergehen in diesem Zusammenhang auch die Abhängigkeiten von Knox von dem Neuyorker Börsenkapital, die aus Anlaß seiner (Ernennung durchsickerten, wobei auch von der Beteiligung des amerikanischen Bankhauses Kuhn, Loeb & Co. an seiner in Chikago erscheinenden Zeitung die Rede war. Hier interessiert etwas ganz anderes: Warum hat Knox ein so pessimistisches Urteil über England gefällt? Wir erinnern an die Darstellung, die Adolf Hitler in seinem „Mein Kampf" von der englischen Pro- paganba während des Weltkrieges gegeben hat. Dort sagt er, daß die englische Regierung oft die Situation schlimmer gezeichnet habe als sie tatsächlich war, um die letzten Reserven aus dem Volke herauszuholen und seinen Widerstands- millen aufs Höchste zu steigern. Nun, heute ist die englische Regierung gründlich von diesem Rezept abgekommen. Duff Cooper ist der Minister für die Brillen des rosaroten Optimismus. Der Wandel erklärt sich leicht: Anders als im Weltkrieg fühlt sich die englische Regierung nicht mehr im Port ihrer sicheren Jnsellage. Sie hat keine Verbündeten und England ist dem deutschen Zugriff unmittelbar aus* gesetzt. Also gebraucht sie Lügen als Korsettstangen, um die leicht zur Hysterie neigenden Engländer in guter Haltung zu bewahren. - Anders ist es mit Knox. Seine Mechode ist noch die des Englands des Weltkrieges. Er versucht den Mut der Amerikaner hochzubringen, indem er die Gefahr als unmittelbar und drohend schildert. Wir nehmen also die amerikanischen Erklärungen nicht nach ihrem „Gesichts-Wert", aber wir unterschätzen sie auch nicht. Die Englandfreunds in den Vereinigten Staaten, die jetzt in allernächsten ' Terminen das Ende des britischen Weltreichs ankündigen, haben scho.n im Genick die echte Angst sitzen, auch wenn sie selbst noch pfiffig zu rechnen glauben. Im Unterbewußtsein wissen sie sehr gut, daß zwar nicht die Vereinigten Staaten als solche, aber ihre eigenen, persönlichen Stellungen Hopps gehen, wenn ihre Politik der England- Hörigkeit ad absurdum geführt wird. Und diese Angst schärft ihren Blick. So gesehen, haben ihre wilden Gestikulationen sogar den Reiz untteiwil- liger Komik und stellen ein (Element der Verwirrung dar, weil Churchill und Genossen mit hörbarem Herzklopfen jede amerikanische Meinungsäußerung abhören. Dr. Ho. Oie Bereinigten Staaten und China. Rom, 15. Aug. (Europapreß.) Aus Tokio wird dem „Messaggero" gemeldet, der Kommandant der nordamerikanischen Flotte im Fernen Osten, Admiral Hart, werde am Mittwoch mit einer Unterseeboots- Flottille in Schanghai eintreffen. Man nehme an, daß der Zweck des Besuchs die Unterstützung des Vorschlags des Kommandanten der 08A.-Marine- schützen, Oberst Dewitt Park, sei, eine Konferenz der Kommandanten der fremden Land- und Seestteit- träfte einzuber'ufen zur Ratifizierung des nordameri- konischen Vorschlags, das von den englischen Truppen geräumte Gebiet in China durch die nordamerikanischen Marinetruppen besetzen zu lassen. Gegen diesen Vorschlag erhebe Japan Einspruch. Das Blatt der japanischen Wehrmacht, ,-Shimbun Pao", übt heftige Kritik an der Haltung der Vereinigten Staaten. Das Blatt erklärt, falls die Vereinigten Staaten beabsichtigten, das Erbe der Engländer in den von den dvitischen Truppen Der Führer überreichte die Marschallstäbe. 4 ' ' Lt e HA " 'M E :• F; ■: ■ Wk; WW W ' M , - W ■ ■ ■ K K- * - U • f . M Der Führer und Oberste Befehlshaber überreichte — wie schon gemeldet — in feinem Arbeitszimmer in der Neuen Reichskanzlei dem Reichs- marschall sowie den von ihm im Reichstag am 19. Juli beförderten Generalfeldmarschällen die Marschallstäbe als Insignien ihres Ranges Auf unserem Bilde sieht man nach der Überreichung (von links) den Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Generalfeldmarfchall Keitel — den Oberbefehlshaber der Heeresgruppe A, Generalfeldmarfchall von R u n d st e d t — den Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B, Generalfeldmarfchall von Bock — den Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Reichsmarschall Göring — den Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht — den Oberbefehlshaber des Heeres, Generalfeldmarfchall von Brauchitfch — den Oberbefehlshaber der Heeresgruppe C, Generalfeldmarfchall Ritter von ßeeb — den Oberbefehlshaber der 12.Armee, Generalfeldmarfchall List — den Oberbefehlshaber der 4.Armee, Generalfeld- marschall von Kluge — den Oberbefehlshaber der 1. Armee, Generalfeldmarfchall von Witzleben, sowie den Oberbefehlshaber der 6. Anne«, Generalfeldmarfchall von Reichenau. — (Preffe-Hofstnann-DE) Britische Mrtschasts- und Ernähmngssorgen Die Themsemündung ist geschützt durch Flak, Jagdoerbände und Sperrballons. Aber auch die stärkste Abwehr kann die deutsche Luftwaffe nicht erschüttern. Beim Abflug des Verbandes sind die Sperrballons deutlich zu erkennen. Im Vorbeiflug veranstalten die Bordschützen ein „Preisschießen" auf diese einzigartigen Zielscheiben. Fünf — sechs — acht — zehn Ballone sind es schon weniger. Die Knallerei wird zum wahren Vergnügen. Aber es lohnt nicht, sich hier aufzuhalten, die meisten sind ohnedies bereits abgeschossen. Wir drehen ab, etwa 40 feindliche Jäger vom Typ der Spitfire haben sich inzwischen an-gesammelt, um unseren Verband abzuschneiden. Aber schon sind unsere Messerschmitt heran. An allen Seiten beginnen die Luftkämpfe, während unser Verband heimwärts zieht. Manchmal gelingt es dieser oder jener Spitfire, an unsere Kampfflugzeuge heranzukommen. Aber auch hier empfängt ihn das Feuerbündel unserer MG. Unter unserer Heinrich", mit der ich fliege, huschen zwei Spitfire vorbei. Kume Feuerstöße aus den Maschinengewehren, aber schon sind die eigenen Jäger da. Wo wir Hinblicken, ein wildes Kurven und Kurbeln. Deutlich sehe ich jetzt, wie ein englischer Jäger fast senkrecht in die Tiefe saust. Ich verfolge ihn mit meinen Blicken — dreht er ab oder ist er getroffen? Mer er hält immer die gleiche Richtung. Es dauert lange, doch jetzt ist er nur noch wenige Meter über dem Wasser. Kein Zweifel, er ist von einem unserer Jäger abge- schossen. Da spritzt auch schon eine Fontäne hoch — das nasse Grab hat ihn empfangen. Keine zwei Sekunden dauert es, bis der n ächst e den gleichen W e g geht, während unser Beobachter links vor uns einen weiteren Jäger mit der bekannten . schwarzen Rauchfahne ab stürzen sieht. Trotz zahlenmäßiger Ueberlegenheit der Engländer ziehen sie auch hier im Kampf mit den deutschen Me 109 einwandfrei den Kürzeren. Unterstaatssekretär Sumner Welles teilte mit, daß die Antwort der Vereinigten Staaten auf die Forderung der russischen Regierung, die diplomatischen Vertretungen in den baltischen Ländern zurückzuziehen, nach Moskau abgegangen sei. Wie verlautet, werden die USA. die russische Forderung unter Protest annehmen. Der nordamerikanische Agrarminister Wallace, der demokratische Kandidat für die Vizepräsidentschaft der USA., ist von seinem Posten z u r ü ck getreten. Die Minister ohne Portefeuille F a d d e n und 91. C. Bride werden interimistisch die Leitung des australischen Luftfahrt- und des Kriegsministeriums an Stelle der bei dem Flugzeugunfall ums Leben gekommenen Minister übernehmen. Wie Tokio meldet, sind im Verlaufe der 37 Luftangriffe japanischer Flugzeuge auf Tschungking insgesamt 2000 Tonnen Bomben abgeworfen worden. In Luftgefechten wurden 74 chinesische Flugzeuge ab- geschossen, weitere 57 Flugzeuge der Chinesen am Aoden zerstört. Der Wiederaufbau in Menione. Rom, 15. Aug. (Europapreß.) Im Auftrage des Duce hat der Minister für die öffentlichen Arbeiten, Serena, die Stadt Mentone an der französischen Riviera einer eingehenden Besichtigung unterzogen und Anordnungen zur Wiederinbetriebsetzung des Elektrizitätswerkes und der Wasserleitungsanlagen sowie zum weiteren Wiederaufbau der Stadt gegeben. Die Stadt hat durch den Krieg stark gelitten. Der Wiederaufbau ist bereits rüstig vorgeschritten, so daß die Bevölkerung sehr bald in die Stadt zurückkehren kann. Die argentinische Seeaufrüstung. Buenos Aires, 15. Aug. (Europapreß.) Die argentinische Regierung hat dem Kongreß ihre Pläne für eine Modernisierung und Erweiterung der Flotte unterbreitet. Sie sehen die Beschaffung von zwei modernen Kreuzern vom Typ des Kreuzers „La Argentina" (6500 Tonnen) vor, ferner die Einstellung von mehreren U-Booten und von 200 Marineflugzeugen, Flak- und Küstenbatterien und von anderem Kriegsmaterial. Außerdem sollen die im Dienst stehenden veralteten Panzerkreuzer modernisiert werden, wenn ihre Ersetzung durch moderne Schiffe im Augenblick auch nicht möglich fein sollte. Die Kosten des Flottenbauprogramms werden auf 450 bis 500 Millionen arg. Pesos veranschlagt. Angriff auf Canterbury. Oer Flugplatz vernichtet. — Luftkampf an der Themsemündung Von Kriegsberichter Harald Wachsmuth. der britischen Spionageangelegenheit und dem Selbstmord des Reuters ertretersCox absolut« Beweise für Verstöße gegen das Gesetz zur Wahrung militärischer Geheimnisse sowie gegen das Spionagegesetz gefunden worden sind. Im Nachlaß des Reutervertreters sind Aufzeichnungen über Stärke, Verteilung, Bewegungen und Absichten japanischer Wehrmachtsteile in China und Mandschukuo gefunden worden, die anscheinend auf Grund gesetzlich verbotener Umragen und Erkundigungen zusammengestellt worden sind. Das Beweismaterial wurde beschlagnahmt. Oie rumänisch-ungarischen Verhandlungen. ' Bukarest, 16. Aug. (Europapreß.) Die rumänische Abordnung für die Verhandlungen mit Ungarn reifte am Donnerstagabend von Bukarest nach Turn-Severin ab. Sie steht unter der Führung von Minister a. D. Valeriu Pop. Wie man hört, wird auch der rumänische Außenminister an der Eröffnungssitzung teilnehmen, jedoch dann wieder nach Bukarest zurückkehren. Militärsachver- Falsche Freunde. Die jugoslawische Regierung hat in bieten Tagen eine Verordnung erlassen, wonach der Staat berechtigt ist, die Zwangsoerwaltung für Gruben anzuordnen, bei denen Betriebseinstellungen drohen; von dieser wichtigen Maßnahme wird auch der ausländische Grubenbesitz betroffen. Hinter diesem nüchternen Tatbestand verbirgt sich eine Sünde der Vergangenheit. Der britisch-französischen Hegemoniepolitik wurden nämlich weitgehend geopolitische Erfordernisse geopfert, vielfach nur aus purer Eitelkeit und schnöder Gewinnsucht gewisser Balkanpolitiker. Dadurch wurde es einst England und Frankreich oft nur zu leicht gemacht, unter dem Deckmantel von angeblichen Beschützern der kleinen Nationen in Südosteuropa nicht nur politisch, sondern vor allem auch wirtschaftlich immer mehr Fuß zu fassen, ja, einige Balkanländer geradezu als „Kolonien" für die egozentrischen Interessen der Plutokratien zu mißbrauchen. So ist z. B. auch der Metallerzbergbau Jugoslawiens in britisch-französische Hände geraten, ohne daß der jugoslawische Staat den hierdurch erhofften Nutzen gehabt hätte. Seit der Einbeziehung des Mittelmeerraumes in die Kriegszone und der Niederwerfung Frankreichs sind den englischen und französischen Inhabern jugoslawischer Grubenkonnessionen sozusagen „die Felle weggeschwommen", so daß sie aus Wut darüber mit Betriebseinstellungen drohten, nachdem sie schon seit Kriegsbeginn auf alle mögliche Weise versucht hatten, wichtige Lieferungen des jugoslawischen Staates an die Achsenmächte zu sabotieren. Die Belgrader Regierung hatte daher schon mit rückwirkender Kraft vorn 1. September 1939 ab den gesamten Metallbergbau des Landes seit Anfang 1940 unter Staatskontrolle gestellt, und jetzt ist man mit der Schaffung von taatlichen Zwangsverwaltungen noch einen Schritt weiter auf dem Wege zur Repatriierungder jugoslawischen Bodenschätze gegangen. In welcher Weise vor allem die Engländer Raubbau in diesem Sektor der jugoslawischen Volks- DNB....... 15. Aug. (PK.) Wieder nimmt unser Kampfverband Kurs Richtung England, und das heutige Ziel heißt: Vernichtung des Flugplatzes von Canterbury, lieber und unter uns schneeweiße Wolkenfetzen, dann wieder strahlend blauer und unbedeckter Himmel. Bald brechen sich die letzten schwachen Strahlen der nie- dersinkenden Sonne im Glas unserer Bugkanzel, bald überzieht ein milchweißer Schleier die Scheiben unserer Maschine. Doch an der Küste strahlender Sonnenschein. Ein Verband Me 109 ist auch da. Die schnittigen Maschinen brausen uns entgegen, silbern, wie haarscharfe Schwerter scheinen sie aufzublitzen, wenn ihr Rumpf und ihre Flächen im Spiel der Abendsonne gleiten. Im Kanal regt sich heute nichts. Kaum ein Schiff ist zu sehen. 9lur an der englischen Ostküste qualmt ein Handelsdampfer, der wohl von einem anderen Verband angegriffen und im Brand gesetzt worden ist. Es sind nun nur noch wenige Augenblicke bis zum Angriffsziel. Ich habe inzwischen längst die Bombenklappen aufgedreht und die Maschinengewehre entsichert, und wir alle warten auf den üblichen Gruß von den Herren der britischen Flak; sie aber schweigt. Da, vor uns die er st en Jäger! Die Leuchtspurstreifen ziehen unterhalb unserer Maschinen vorbei, die nunmehr zum Anflug auf den Flugplatz ansetzen. Schon beginnt der Bombenregen. Haargenau liegen sie auf dem Rollfeld, wie eine gewaltige Feuerwalze rollt die Welle der krepierenden Bomben über den Platz. Hunderte von Detonationen erfolgen und hüllen den Flugplatz von Canterbury in einen Schleier von Rauch und Dreck. Hallen und Unterkünfte brennen, aus Brennstofflagern und Munitionsschuppen lodern die Flammen. Das Rollfeld ist „umgepflügt", es ist in ein Trichterfeld verwandelt und unbrauchbar geworden — der Verband hat ganze Arbeit geleistet. ständiger ist General D r a g a l i n a. Die ungarische Abordnung wird von dem früheren Gesandten Ungarns, Andrea Hory, geführt, der Ungarn früher in Warschau vertreten hatte. Cine staatliche bulgarische Zugend- Organisation. Sofia, 15. Aug. (Europapreh.) Der bulgarische Ministerrat hat die Bildung einer staatlichen Jugend-Organisation beschlossen, die den Namen „B r a n i k" (Beschützer) tragen wird. Die Mitgliedschaft ist für alle Jugendlichen vom zehnten bis zum einundzwanzigsten Lebensjahr obligatorisch. Ebenso ist auch die obligatorische Mitgliedschaft für die Sportvereinigungen vorgesehen. Der Verband wird unter der Führung eines Obersten Rates stehen. Er ist der Direktion für Körperkultur im Schulministerium unterstellt. Die Leitung wird vom Schulministerium ernannt. Der Geldbedarf des Verbandes wird aus dem staatlichen Haushalt gedeckt auf Grund einer neuen Steuer, die eine Lewa auf jede Tonne Kohle beträgt. Die Mitglieder des Jugend- Verbandes tragen Uniform. richten soll. Don den Millionen französischer Flüchtlinge sind seit dem 1. August 600 000 nach Hause zurück- gekehrt. Täglich werden 45 000 Flüchtlinge heimgeschafft. Im ganzen müffen noch etwa 4,5 Millionen Franzosen in ihre Heimat zurückbefördert werden. Dom 1. bis 10. August sollen 245 Heim- kehrer-Sonderzüge aus dem unbesetzten in das besetzte Frankreich abgegangen sein. In derselben Zeit hätten 45 000 Straßenfahrzeuge die Demarkationslinie überschritten. Zu ihnen kommt der nicht abreißende Strom von Radfahrern und Fußgängern. Im unbesetzten Frankreich befinden sich heute noch etwa 800 000 Belgier und eine Million demobilisierter Franzosen. Neynaui) ließ geheime Dokumente verbrennen. Paris, 15. August. (DNB.) Die Zeitung „Sa France au Traoail" berichtet, daß bereits am 16. Mai — also sechs Tage nach Beginn des deutschen Einmarsches in Belgien und Holland — im französischen Außenministerium der Befehl erteilt wurde, alle wichtigen Papiere zu verbrennen. Als Auftraggeber bezeichnete die Zeitung den damaligen Ministerpräsidenten Reynaud und In-, nenminifter Mandel. Man habe sich gar nicht mehr die Zeit genommen, sie in den Hof des Quai d'Orsay zu tragen, sondern sie einfach durch das Fenster auf den Hof geworfen. Di- plomatiscye Dokumente, Geheimcodes, Listen und alles mögliche fei den Flammen übergeben worden. Hinter einem Fenster des Quai d'Orsay habe man das Gesicht Reynauds sehen können. Nachdem das Feuer schon stundenlang gebrannt hatte, habe der französische Generalstab versucht, noch einiges zu retten, aber das Feuer habe noch lange roeiter- gebrannt. Auch im Kolonialministerium, das früher der Jude Mandel verwaltete, seien am gleichen Tage alle Papiere verbrannt worden, um die Männer der Dritten Republik nicht zu fompromittieren. Die britische Spionage in Japan erwiesen. Tokio, 15. Aug. (DNB.) Der japanische Justiz- mhtifter gibt bekannt, daß im Zusammenhang mit Kleine politische Nachrichten. Auf Grund einer Ermächtigung des Führers hat der Generalgouverneur Reichsminister Dr. Frank verfügt, daß die Bezeichnung „Generalgouvernement für die besetzten polnischen Gebiete" durch die Bezeichnung „Generalgouvernement" ersetzt wird. Das Amt des Generalgouverneurs führt nach dem gleichen Erlaß vom 31. Juli 1940 nunmehr die Bezeichnung „Regierung des Generalgouvernements". Den Leitern jener Abteilungen in der Regierung, die zugleich oberste Dienst- bevollmächtigte eines Reichsministeriums sind, ist die Bezeichnung „Abteilungspräsident" verliehen worden. Wie Reuter zur Versenkung des 17 000 BRT. großen britischen Hilfskreuzers „Transfyl- v a n i a" berichtet, wurde' die „Transsyloania" im Atlantik torpediert. 30 bis 40 Mann verloren ihr Leben. 300 wurden gerettet und in einem westlichen Hafen Englands an Land gesetzt. Der Angriff fand bei tiefster Dunkelheit statt: die See war sehr bewegt. Das Schiff sank einige Stunden nach der Torpedierung. Am 14. August ist das Motorschiff „Canto n", 15 779 BRT., von der Ostasiattschen Kompanie aus Gotenburg torpediert und gesunken. 16 Mann wurden gerettet, 16 bleiben vermißt. Außerdem ist der Postdampfer „Varia", 1300 BRT., ein Schiff des Schwedischen Lloyd, gleichfalls aus Gotenburg, während eines Luftangriffs im Kanal gesunken. Von der Besatzung wurden der Kapitän und neun Mann gerettet, während weitere neun Mann, die auf einem Floß trieben, noch vermißt werden. Der Dampfer „Varia" befand sich in einem eng» lischenGeleitzug.der vom der deutschen Lustwaffe angegriffen wurden wirtschaft getrieben haben, hat die andauernde Steigerung der Blei- und Zinkerzproduktion der britischen „Trepca Mines" in Zwetcan bei Kosow- ska-Mitrovica (Südserbien) bewiesen. Wurden z. B. im Jahre 1929 nur 11800 Tonnen Blei gefördert, so stieg diese Ziffer im Jahre 1938 bereits auf 77 400* Tonnen, während die Verhüttungskurve in der Vergleichszeit ein Ab sinken von 9500 auf 8600 Tonnen aufweist. Für Zink ergibt sich ein ähnliches Bild: 1929 wurden 300 Tonnen gefördert, 1938 bereits 39 300 Tonnen, dagegen ging die Verhüttung ständig zurück, so daß sie 1938 nur noch 3900 Tonnen betrug. Die Blei- und Zinkproduktion wurde demnach in, wachsendem Maße als Roher z oder in Form von Konzentraten nach England ausgeführt und erst dort veredelt und verarbeitet. Die typische koloniale Ausbeutungsmethode der Briten! Angesichts dieser Entwicklung hatte sich die jugoslawische Regierung schon in den letzten Jahren gezwungen gesehen, immer energischer von der „Trepca Mines" die Errichtung von Blei- und Zinkhütten auf jugoslawischem Boden zu fordern, um bei der Verschleuderung der Bodenschätze wenigstens noch zusätzliche Arbeitsmöglichkeiten und Lohneinkommen für die jugoslawische Arbeiterschaft herauszuholen. Auf den Druck Belgrads hin wurde dann zwar auch allmählich mit dem Bau von Hütten begonnen; die Bauarbeiten wurden aber absichtlich bis zum Ausbruch des planmäßig von England entfesselten Krieges hinausgezögert und dann völlig eingestellt. Erst viele Jahre nach dem Weltkrieg sind die Engländer in den jugoslawischen Erzbergbau eingedrungen; bis zum Jahre 1930 waren die wertvollsten Blei- und Zinkfelder dieses Landes bereits im Besitz des Engländers Andrew Sheddon H o - w i e. Die Dachgesellschaft ist die „Selection Trust Co"., die zunächst vier Tochtergesellschaften gründete: die „Trepca Mines", die „Novo Brdo Mines", die „Kapaonik Mines" und die ,Zletovo Mines". Die drei letzten Töchter wurden vor einiger Zeit mit der „Trepca Mines" fusioniert. Die enorme Verzinsung des Kapitals dieser am 9. 12. ferung auch zu einer Rationierung des Milchkonsums zwingen werden. Pilotenmangel in England. Werbekampagne in den USA. Stockholm, 16. Aug. (Europapreß.) Ein Beweis für die Verminderung der zur Verfügung stehenden englischen Piloten ist in einer englischen Werbekampagne zu erblicken, die in den Vereinigten Staaten durchgeführt wird, um amerikanische Piloten für sogenannte „Zivilflüge" zu bekommen. In den Werbeparolen heißt, es, England brauche dringend Piloten, die neue Maschinen von den englischen Fabriken zu den englischen Flugzeugstützpunkten flögen. Für die lieber» führung von Flugzeugen von Kanada nach England seien die kanadischen Möglichkeiten bereits erschöpft. Desgleichen hätte England zur Zeit keine Zivilpiloten für die Uebersührung von Flugzeugen von den Flugzeugwerken zu den Stützpunkten der Royal Air Force. Aus diesem Grunde werbe es amerikanische Zivilflieger an. Man fügt jedoch schon jetzt hinzu, daß diese Zivilflieger durchaus die Möglichkeit haben, sich für den Kriegsdienst unter englischem Kommando zu bewerben, vorausgesetzt, daß sie sich beim Zeitpunkt der Bewerbung auf britischem Boden befinden. geräumten Zonen zu übernehmen, sei zu hosten, daß das japanische Heer gegen Schanghai eine ähnliche Blockade verhängen werde wie seinerzeit gegen Tientsin. Dann werde man sehen, was die nordamerikanischen Marinefüsiliere ausrichten könnten. — Die nordamerikanischen Handels- und Bankkreise in Schanghai sollen in Washington die Verstärkung der nordamerikanischen Besatzung gefordert haben. Dazu schreibt das japanische Blatt „Miya- ko", weder China noch Japan würden eine solche Maßnahme der Regierung der Vereinigten Staaten anerkennen. Kontinentale Helfershelfer der britischen Lügenoffensive. Italienische Pressestimmen. Rom, 15. Aug. (Europapreß.) Die italienische Presse beobachtet sehr aufmerksam die Helfer der englischen Lügenpropaganda auf dem europäischen Festland und nimmt vor allem andauernd die unterirdische Arbeit in Frankreich und in der Schweiz scharf unter die Lupe. Zusammen mit den feigen Angriffen auf die wehrlose Zivilbevölkerung, so schreibt „Popolo di Roma", sei die Lügenoffensive bis jetzt die einzige Form, mit der die englische Kriegsmaschine auf die deutschen Fliegerangriffe au antworten wisse, die seit Tagen die englische Insel in ihren Grundfesten erschüttern ließen. Beide Formen der englischen Reaktion dürften in bedeutsamem Zusammenhang stehen mit gewissen interkontinentalen Beziehungen, die ein ausgedehntes Jnteressennetz erkennen ließen. Judentum und demokratische Plutokratie hätten erkannt, daß nun wahrscheinlich ihr Schicksal entschieden werde. Deshalb seien diese Kreise an der Wühlarbeit, um den letzten Derteidigungskampf zu führen. Die Mittelpunkte dieses Verteidigungsnetzes lägen dort, wo sie auch gestern gewesen seien. Eigenartige Kundgebungen im unbesetzten Frankreich seien bereits genügend besprochen worden. Die schweizerische Presse aber, die nach dem Zusammenbruch Frankreichs sehr kleinlaut geworden sei, habe nun Atem geholt und zeige sich wieder sehr redselig in einem Deutschland und Italien feindlichen Geiste. Diese schweizerische Presse wage es, die tadellose Führung der deutschen Flieger in Zweifel zu ziehen und sogar zu behaupten, daß die deutschen Flieger auf in Seenot Befindliche schießen und dergleichen mehr. Neuerdings fasele die Schweizer Presse von einer Ueberlegenheit der englischen Luftwaffe. Sie werfe sich ferner zum Verteidiger Frankreichs auf und wage es, Deutschland für die Schwierigkeiten verantwortlich zu machen, in die Frankreich geraten sei. Auch für die Leiden, die Frankreichs Frauen und Kinder nun erdulden mühten, solle Deutschland die Verantwortung tragen. Der Urheber dieses Lügennetzes fei England, der Urheber der Festlandsblockade, dessen Drahtzieher — wie Duff Cooper vor einigen Tagen erklärt habe — von dieser Blockade nicht weniger als eine Revolution in Europa erwarteten, die sich gegen den Faschismus und Nattonalsozialismus erheben solle. Die schweizerische Presse solle sich hüten, sich in deutsche und italienische Angelegenheiten einzumischen und danach trachten, die weisen Lehren der Geschichte zu beherzigen. Französische Arbeitsbeschaffungspläne. Genf, 15. August. (Europapreß.) Die Pläne zur Arbeitsbeschaffung in Frankreich nehmen von Tag zu Tag greifbarere Formen an. Das nach wie dot brennende Problem, die französische Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, soll vor allem durch die Schaffung rentabler Arbeiten gelöst werden und durch solche Arbeiten, die das Lebensniveau der ftanzöfischen Bevölkerung bessern. Als erste grofce öffentliche Arbeiten sind vorgesehen: die Elektrifizierung einiger Eisenbahnlinien, darunter der Linie Brive—Montauban und der Linie Paris—Dijon, weiter der Bau von Talsperren und die Wiedergutmachung aller durch den Krieg entstandenen Schäden. Diese Arbeiten sind für die französische Wirtschaft und auch für die Lösung des Arbeitslosenproblems von um so größerer Bedeutung, als sie an Ort und Stelle vielen ungelernten Arbeitern Beschäftigung sichern. Diese großen öffentlichen Arbeiten werden vor allem durch den Staat, die Departements und die Gemeinden finanziert. Mit der Privatindustrie sollen gemeinsam die Bedürfnisse und Möglichkeiten der einzelnen industriellen und beruflichen Zweige geprüft werden. Dann soll ein allgemeiner „Produktionsplan" aufgestellt werden, der sich nach den Möglichkeiten der Beschaffung von Rohmaterialen Genf, 15. August. (Europapreß.) Die deutschen Luftangriffe auf die englische Küstenzone, die gleichzeitig in London einlaufenden Hiobsnachrichten aus Somaliland, die täglich trüber werdenden Beziehungen zu Japan, der Rückzug der britischen Truppen aus Nordchina und Schanghai, die letzten sensationellen Kursverluste britischer Werte an den nordamerikanischeu Börsen haben den Nerven der britischen Massen außerordentlich zugesetzt. Die Ankündigung Edens, Großbritannien würde demnächst eine Offensive auf dem Kontinent eröffnen, wird daher nicht als Ermutigung, sondern als dummes Geschwätz durch die englische Oeffentlichkeit auf- gefaßt. lieber die augenblickliche peinliche Situation versucht die englische Presse die Oeffentlichkeit in steigendem Maße mit Versprechungen hinwegzutrösten. Beispielsweise stellt der ,/DaiIi) Telegraph" der Knüppelgarde der sog. Heimwehren in Aussicht, Demnächst" würden ihre Ortsverbände mit Maschinengewehren sowie anderen Waffen und Munition ausgestattet werden, die man in den USA. gekauft habe. Ob dieses Material auch schon geliefert und über den Atlantik gelangt ist, geht aus der Meldung allerdings nicht hervor. Noch rosigere Aussichten malt die „Daily Mail". Das Blatt versichert, England plane mtt der Hilfe Kanadas und Australiens die größteKriegsindustrie auf die Beine zu stellen. 300 000 Metallarbeiter, die bisher auf den Schiffswerften gearbeitet hätten, würden jetzt in den Waffenfabriken eingestellt werden __ „sobald diese Fabriken fertiggestellt" seien. Zunächst also sind die Fabriken noch nicht fertig, und wie die Schiffswerften fertig werden sollen, wenn man ihnen 300 000 Facharbeiter weg- nimmt, über deren Überlastung doch bisher so lebhafte Klage geführt worden tft, — dieses häßliche Thema wird vorsichtshalber auch nicht angeschnitten. Wohl zur Abdämpfung der Hoffnungen, die sich das britische Publikum auf Grund optimistischer Äußerungen seines Ernährungsministers Lord Wootton in letzter Zeit macht, erklärte dieser, daß Vergrößerungen der Lebensmitteloorräte nicht etwa größere Rationen, sondern größere Sicherheit bedeuten würden. Wootton war sich dabei offensichtlich vollkommen darüber klar, daß er überhaupt nicht mehr in der Lage ist, seine Vorräte zu vergrößern und deshalb an eine weitere Verringerung der schon jetzt häufig knappen Rationen denken muß. Zweifellos haben auch bereits gewisse Kreise in England die bedrohliche Lage ihrer Lebensmittelversorgung klarer erkannt, was deutlich aus den in den letzten Wochen verstärkt sich zeigenden H a m ft e r f ä u f e n ersichtlich wird. Die „New Port Times" berichtet über eine unmißverständliche tzolge dieser Ernährungssorgen, wenn sie mitteilt, daß seit dem 1. August die Lebensmittel- preise in England gewaltig in bie Höhe gegangen seien, wobei sich die Preise für Eier um 70 v. H., für Korn um 40 v. H., für Hafer um 50 v. H. und alle Lebensrnittel überhaupt ganz allgemein um 30 bis 40 v. H. erhöhten. Die Tatsache, daß eine Registrierung von jedem Haushalt die genaue Angabe seines normalen Milchverbrauchs verlangt, läßt nach der Ansicht der „New York Times" darauf schließen, daß die erheblichen Schwierigkeiten in der englischen Milchbette- 1927 mit 2 Millionen Pfund Sterling gegründeten Gesellschaft ist ein plutokratisches Schulbeispiel: 1935 erzielte z. B. die „Trepca Mines" einen Reingewinn von 307 000 Pfund Sterling, 1936 von 402 000 und 1937 wurden schon netto 632 000 Pfund Sterling verdient. Der Reingewinn dürfte zweifellos im Zeichen der fieberhaften Aufrüstung Englands bis Ende 1939 eine nicht unerhebliche Erhöhung erfahren haben. Die französische Beteiligung am jugoslawischen Metallerzbergbau datiert vom Jahre 1906, als die „Mines de Bor" mit 7 Mill. Franken Anfangskapital gegründet wurde. 1919 auf 15 Mill. Franken erhöht, arbeitet diese Gesellschaft, die in Ostserbien Kupfer gewinnt, seit 1936 mit sechzig Millionen Franken Aktienkapital. Die vor dem Kriege geplante Verdoppelung des Aktienkapitals dürfte wohl nicht mehr durchgeführt werden. Im Gegensatz zu den Engländern besitzt aber die „Mines de Bor" Hütten und eine Elektrolyse zur Veredelung des Rohkupfers, so daß hier wenigstens größere Beschäftigungsmöglichkeiten für Jugoslawien vorhanden sind, ferner bringt der Export von veredeltem Kupfer auch weit höhere Einnahmen für den jugoslawischen Staat, als die von den Briten bevorzugte Roherzausfuhr. Dafür hat jedoch die „Mines de Bor" noch größere Gewinne aus dem jugoslawischen Boden ziehen können, als die britische „Trepca Mines". Das zeigt z. B. die Bilanz für 1939, in der 386 Millionen Franken Reserven nur insgesamt 92 Millionen Franken Schulden gegenüberstehen. Die jährlichen Reingewinne dieser französischen Kupferproduzentin schwanken sogar zwischen 100 und 200 v. H. des Aktienkapitals. Die Kriegsleistung -er deutschen Chemie. Im Hinblick auf die Breslauer Tagung der deutschen Chemiker veröffentlicht der „Dierjahresplan" einen Aufsatz des Reichsbeauftragten für Chemie, Dr. Ungewitter, über die Kriegsleistung der deutschen Chemie. Die Rohstoffsicherung für die deutsche Kriegswirtschaft sei die Hauptaufgabe der Chemie im Kriege. Es handele sich dabei nicht bloß um die Beseitigung von Knappheiten natürlicher Rohstoffe mit Hilfe chemischer Synthesen, sondern ebensosehr um die Erweiterung der Spezialstosfaus- wahl, Erhaltung der Sachwerte, Verlängerung der Gebrauchsdauer und Wiederverwertung von Abfall- stoffen und Altmaterialien. Darüber hinaus habe die chemische Industrie einen wesentlichen Teil der Gegenleistungen zu liefern, die wir deyi Ausland für den Bezug von Rohstoffen anzubieten haben. Es sei erstaunlich, wie wenig bisher noch die Erfolge der Chemie auf den verschiedensten Gebieten in das Volksbewußtsein übergegangen sind. Bekannt sei eigentlich nur, daß es der Chemie gelungen ist, Benzin durch Kohleverflüssigung und künstlichen Kautschuk aus Kalk und Kohle zu gewinnen. Daß die S p r e n g st o f f g e w i n n u n g ein chemischer Fabrikationszweig ist, wisse zwar auch noch ein jeder, gänzlich unbekannt aber sei, daß die chemische Industrie auch die meisten Rohstoffe und Hilfsstoffe für die Spreng st off- und Muni- tionsherstellung liefert, daß sie darüber hinaus Leucht- und Signalmittel, Gasmasken und viele andere unmittelbar für den Waffenbedarf nötige Dinge herstellt und auch entscheidend dazu beigetragen hat, die deutsche Luftüberlegenheit und die überlegene Motorisierung des deutschen Heeres zu ermöglichen. Chemiker hätten z. B. die hauptsächlichsten Leichtmetallegierungen entwickelt, die den Werkstoff darstellen, aus dem das Flugzeug verfertigt wird. Chemiker hätten das Hartmetall entwickelt, mit dessen Hilfe es gelungen ist, die Schnittgeschwindigkeit und Schnittgenauigkeit der Werkzeugmaschinen so zu steigern, daß die Auf- r ü st u n g nur in einem Bruchteil der für nötig gehaltenen Zeit möglich war. Die chemische Industrie sei auch eine starke Stütze der Ernährungswirtschaft insofern, als sie die künstlichen Düngemittel liefert, mit denen die Ernte vermehrfacht werden konnte. Die chemische Industrie habe gleichzeitig Duft- und Geschmackstoffe auf den Markt gebracht, die tropische Stoffe ersetzen können. An der Sicherstellung der Bekleidung des deutschen Volkes sei sie entschei- Reue Wege zur Heilung von Kriegsverletzungen. Im Luftwaffenlazarett in Berlin ist eine Abteilung für Uebungstherapie angefchloffen, in der man in der Behandlung von Kriegsverletzungen völlig neue Wege geht. Durch geeignete sportliche Uebungen wird den Verwundeten der Glaube an die eigene Kraft wiedergegeben und gleichzeitig die Aktionsfähigkeit der verletzten und geschwächten Gliedmaßen gestärkt und wiederhergestellt. An der langsam wachsenden Leistungsfähigkeit lernt jeder bald erkennen, daß feine Heilung in der Hauptsache von dem eigenen Tätigsein abhängt. Unter den wohldurchdachten Einrichtungen sind besonders die schon bei Sportverletzungen tausendfach erprobten Unterwasferbehand- lungen zu nennen, die durch die veränderten Ge- wichtsverhältnifse des Körpers im Waffer Bewegungen gestatten, die sonst undenkbar wären. t b- Links: Rach den Behandlungsstunden sorgt eine reichhaltige Bücherei für die Entspannung. Bei sonnigem Wetter werden diese Stunden im Freien verbracht, sonst in den schönen Tagesräumen des Lazaretts. — Rechts: Auf dem Lande ist die Fortbewegung nach schweren Knochenbrüchen ohne Hilfsmittel noch nicht möglich, aber im Wasser können sich die Verletzten fast wie Gesunde bewegen. (Aufnahmen: Scherl-Bilderdienft-M.) dend beteiligt und auch an der ausreichenden Versorgung mit W a s ch m i t t e l n und Textilhilfsmitteln. Probleme deutscher Musikkultur. Im Rahmen der Salzburger Dichtertage machte der Präsident der Reichsmusikkammer, Professor Dr. Peter Raabe, grundlegende Ausführungen über den „Lebensstil der Deutschen" unter besonderer Berücksichtigung der Musikkultur. Profesior Raabe führte aus, man müsse sich im kommenden Frieden die Frage vorlegen, was am allgemeinen Stande unserer Kultur zu schaffen und zu bessern sei. Die deutsche Kultur habe eine große Belastungsprobe glänzend bestanden, denn das Bedürfnis nach ihr fei im Kriege keineswegs verringert, sondern womöglich noch gesteigert worden. Professor Raabe bedauerte, daß der herrliche Schatz des deutschen Kunstliedes, ein vorzüglich dem Deutschen eigenes und bei ihm besonders hochstehendes Kunstgut, dem Volke fremd geworden sei. Roch schwieriger sei die Frage der Textdichtung für das Chorwerk. Denn hier handele es sich nicht allein darum, neue Werke zu schaffen, es fei vielmehr besonders die Frage brennend geworden, wie die Chorwerke der großen Meister, deren Texte dem Empfinden vieler Menschen nicht nur zugänglich seien, durch Neudichtung dem Publikum gerettet werden könnten. Professor Raabe berief sich hierbei auf Goethe, der es durchaus nicht verschmäht habe, Gebrauchstexte für die Komposition zu schaffen. Wie das Kunstwerk immer nur als Ganzes betrachtet werden könne und nicht der Komponist vor den Textdichter gestellt werden dürfe, so gehe es auch nicht an, daß die Begeisterung weniger dem Kunstwerk als dem ausführenden Künstler geschenkt werde. Professor Raabe verurteilte den Kult, der mit den nachschaffenden Künstlern getrieben werde und verneinte jene Auffassungen, „bei denen der Wille des Schöpfers zu kurz komme und dem Werk Gewalt angetan" werde. Der Präsident der Reichsmusikkammer sprach auch über die Entartung der Tanzmusik und forderte einen deutschen Tanz, der nichts Fremdes nachäffe, sondern arteigen sei. Es sei durchaus nicht nötig, bei der Bildung dieses arteigenen Tanzes auf einen kleinen Zuschuß gesunder Erotik zu verzichten. Wesentlich bleibe nur, daß unser Tanz der Anmut und des Schwunges nicht entbehre. Die Unterhaltungsmusik sei durch ihr quantitatives Uebergewicht gegenüber der in Oper und Konzertsaal ausgeübten Musik für die Bildung des Publikumsgeschmacks entscheidend wichtig. Das frühere Wiener Parlament (Bauhaus der NSDAP. Wien, 15. Aug. (DNB.) Reichsleiter und Reichsstatthalter von Schirach empfing im ehemaligen Arbeitszimmer des Gauleiters Bürckel 'die Gauamtsleiter und Kreisleiter der NSDAP. Wien und gab bekannt, daß er feinen Dienstsitz in die Räume am Ballhausplatz 2 verlegt habe. Das frühere Parlament erklärte Schirach zum Gau Haus der NSDAP. In diesem Haus solle das Leben der Partei seinen Mittelpunkt erhalten. Durch diese Entscheidung wolle er der historischen Tradition des Ballhausplatzes, an dem einst die Staatskanzler der österreichischen Monarchie amtierten und sich das Außenministerium befand, gerecht werden und zugleich das Haus, das einer mißverstandenen Volksvertretung gedient habe, seiner wahren und echten Bestimmung zuführen, auch fernerhin Hüterin der Interessen des Volkes zu sein. Arbeitstagung der Neichsstudentenführung. München, 15. August. (DNB.) Die Reichs- studentenführung veranstaltete in München eine Arbeitstagung. Der bevollmächtigte Vertreter des Reichsstudentenführers im Kriege, Dr. Fritz Kutz a ch, gab einen Uetz erblick über die Gesamtzahl derjenigen, die jetzt an Deutschlands Hochschulen studieren. Im letzten Trimester 1940 waren ungefähr 40 000 Studenten immatrikuliert und 10000 Studentinnen. Diese im Vergleich mit der großen Zahl von Studenten, die bei der Wehrmacht ihren Dienst leisten, hohe Zahl erklärt sich daraus, daß während des Krieges in der Heimat ein außerordentlicher Zugang zur Hochschule seitens der jungen noch nicht oingezogenen Kräfte erfolgt ist. Gleichzeitig ist damit ein Beweis mehr dafür erbracht, wie der unbedingt notwendige Nachwuchs auf allen Gebieten trotz des Krieges sichergestellt wird. Die Arbeitstagung hat bereits wichtige Maßnahmen für das Studium der Kriegsteilnehmer nach dem Kriege besprochen. Dabei ist an Zwischen ferne st er für Kriegsteilnehmer gedacht. Außerdem ist eine großzügige Beratung und Fürsorge für alle Kriegsteilnehmer, insonderheit für die Verwundeten, geplant. Oer Arbeitseinsatz -er Frau. In einer Betrachtung über den Arbeitseinsatz der Frauen machte das Frauenamt der DAF. auch Mitteilungen über die Vereinbarungen zwischen dem Reichsarbeitsministerium und dem Frauenamt über die Reihenfolge im Arbeitseinsatz der Frauen. In erster Linie sollen ledige Frauen, dann verheiratete ohne Kinder und er st zuletzt Mütter eingestellt werden. Die Dienstverpflichtung wird nur dann angewendet, wenn in einer besonders stark beschäftigten Gegend bereits alle Möglichkeiten der normalen Vermittlung erschöpft sind. Die Dienstverpflichtung kann Arbeitskräfte betreffen, die in wehrwirtschaftlich nicht wichtigen Betrieben entbehrlich sind, sowie ledige oder sonst alleinstehende Frauen vom vollendeten 16. bis zum vollendeten 50. Lebensjahre. Die Dienstverpflichtung wird nicht angewendet auf Frauen, die Angehörige, insbesondere Kinder, zu versorgen haben oder die als mit- helsende Familienangehörige dringend benötigt werden. Personen mit eigenem Hausstand werden nicht durch Dienstverpflichtung herangezogen, wenn eine Unterbringung am fremden Ort erforderlich wäre. Für ledige oder sonst alleinstehende Frauen bestehen genaue Vorschriften über einwandfreie Unterkünfte und alle Maßnahmen, die die Eingewöhnung in die Lebensverhältnisse erleichtern sollen. Obwohl der Einsatz der Frauen in der Kriegswirtschaft äußerst vielseitig und umfangreich ist, bleiben doch Tätigkeiten ausgeschlossen, die die Gesundheit der Frau! beeinträchtigen. Um die soziale Betreuung der Frauen in der Kriegswirtschaft noch zu verstärken, erfuhr die soziale Betriebs arbeit einen bedeutenden Ausbau. Die Erstattung von Sachschaden. Für die Sachschädenfeststellung treten bei der E» mittlung der Höhe des Schadens zerstörter oder abhanden gekommener beweglicher Sachen, die nicht zur Veräußerung beftimmt waren, an die Stelle des gemeinen Werts b Le Wiederbeschaffungskosten. Es handelt sich hier insbesondere um den Hausrat und sonstige Gebrauchsgegenstände. Ein Abzug „neu für alt" wegen Minderung des Wertes durch längeren Gebrauch und Abnutzung erfolgt nur dann, wenn deshalb die Sachen für den Geschädigten einen geringeren Wert hatten. Maßgebend ist also der subjektive Wert. Damit ist klargestellt, daß bei der Schadenfestsetzung bis zur vollen Höhe der Kosten der Neubeschaffung gleichartiger Sachen gegangen werden kann. Die zum Zwecke der Minderung oder Abwendung eines Sachschadens gemachten Aufwendungen des Geschädigten sind festzustellen, auch wenn ein Sachschaden nicht entstanden ist. Unter diese Aufwendungen fallen Schäden und Kosten durch Löschen, Räumen, Niederreißen und Aufwendungen für die Aufräumung, die Beseitigung von Trümmern. Schäden auf benachbarten Grundstücken sind von den Eigentümern als eigene Schäden anzumelden. Da die neue Verordnung mit Wirkung vom 26. August 1939 in Kraft getreten ist, sind Feststellungsbescheide oder Vereinbarungen, die von den neuen Vorschriften obroeicben, auf Antrag zu berichtigen. Hauptschriflleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter de- Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik, Feuilleton und Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Stadt Gießen, Provinz, Wirtschaft und Sport: Ernst Blumschein. Druck und Verlag: Brühlsche Universitatsdruckerei R. Lange K. G. Berlagsleiter: Dr.-Jng. Erich Hamann; Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Pl.Nr.6. OieOeuische Arbeitsfront Berufserziehungswerk Uebungsstätte Gießen Wir weisen darauf hin, daß die durch die Sommerferien unterbrochenen Lehrgemeinschaften in Kurzschrift Maschineschreiben Iörderlehrgang für kaufm. Lehrlinge im 3. Lehrjahr ab Montag, 19. August, und Dienstag, 20. August, wieder in den Räumen der Oeffentlichen Handels« lehranstalt Gießen, Wernerwall 11, in der bisherigen Zeiteinteilung weiter geführt werden. Alle bisherigen Teilnehmer werden aufgefordert, die llebungsstunden weiter regelmäßig und pünktlich zu besuchen. 3660 d Die Deutsche Arbeitsfront NSG.Kraft durch Freude Kreisdienststelle w> Wetterau Am Sonntag, dem 18. August 1940, vormittags 10 Uhr, findet eine Fühmng durch das Oherh.Mnsenm (Gailsche Sammlungen) unter Leitung von Pg. Dr. KRÜGER statt. Treffpunkt am Museum. Unkostenbeitrag 10 Pf. 3658 D I im Herz der Stadt I______ Wegen Betriebsferien vom 19., bis 31. August geschlossen! KräuterhausJung Gießen i. d. Mäusburg Naturgem. Lebens- und Kurmittel,Kneippmittel 4-Zimmer- Wohnung im Nebenhaus alsbald zu vermieten. Schrift!. Angeb. u. 3665D an o. Gieß. Anz. Bekanntmachung. Grummelgrasversteigerung der Stadt Gießen. Dr. Franz Beyer, Ärzl Montag, den 19. August 1940, soll das Grummetgras von den städtischen Wiesen öffentlich versteigert werden, und zwar: Um 8.30 Uhr (Zusammenkunft am städtischen Wasserwerk Großen-Buseck) von den Wiesen in der Gemarkung Großen-Buseck sowie der Wiesen am Bügeeck und Schinderseck. Um 9.15 Uhr (Zusammenkunft an der Anneröder Straße) von den Wiesen im Utersbrunnen. Um 10 Uhr (Zusammenkunft in der Restauration „3yr Stadt Lich", Licher Straße 59) von den Wiesen im Heegstrauch, Ohleberg, am Weiher, von den Wiesen im Wiesecktal an der Eselswiese, drei Wiesen beim Schlachthof, zwei Wiesen in der Schwarzlach und eine Wiese am Lutherberg. Um 14 Uhr (Zusammenkunft an der Pfingstweide in Klein-Linden) von den städtischen Wiesen im Gemarkungsteil Klein-Linden. Steigliebhaber, welche die Wiesen zu besichtigen wünschen, wollen sich an den Wiesenmeister Klos, Bückingstraße 4, wenden. Gießen, den 14. August 1940. 3657A Der Oberbürgermeister. I. V.: Nicolaus. Seltersweg 73 ist von Samstag, den 17. d.M. verreist. Vertreter sind die Herren: Dr. Nohl, Neuen Bäue Dr. Wolf, Walltorstrafee 3656 D Elche zwischen Meer und Memel von Martin fiahies Insgesamt 120 Seiten mit 82 hervorragenden Naturaufnahmen des Verfassers auf 56 Kunstdrucktafeln. 3n Leinen gebunden RM. 3,60. Bestellungen nehmen alle Buchhandlungen und der Verlag entgegen. Hugo Bermühler Verlag Berlin-Lichterfelde Graiie beseitigt -ORFA- , ’J1 aMC Flasche 1.74. exlra stark 2.40 Haare Unschädlich! Sich. Wirkung. Drog. Elges, Seltersweg 68a 8026v Central-Drog. Emil Karn, Schulstr. Löw.-Drog. Klidinger. Selters weg 69 Drogerie Winterholf, Kreuzplatz 10. Perrato- Sommersprossen- Krem hi -t best m m t Dose RM. 2.10 Nur erhältlich: Parfümerie Doll Marktstraße 28 \______________/ Kaufgesuche | Kriegsbeschäd. sucht zum 1. Okt. ÜWW m. Stall u.Gart. zu kaufen oder zu nachten. Angeb. m. Preisang. an F. ttatschak, Oberznuzheim, Kreis Limburg (Lahn). 3663D Wand-Gas- dadeosen modern er,z.kauf. gesucht. Schriftl. Angeb. u. 02745 an o. Gieß. 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Dr. Wolkewitz. 3664 D Anfang Sevtember 1940 beginnen neue Lehrgemeinschaften und Ausbaukameradschasten in Kurzschrift 1. für Anfänger,' 2. für Fortgeschrittene 60-80 Silb. 3. Diktat 80-100 Silben,- 4. Eilschrift-Einführung 5. Eilschrift-Praxis,' 6. Diktat 140 Silben und mehr Maschineschreiben (10-Finger-Blindschreiben) 1. für Anfänger,' 2. für Fortgeschrittene 3. für Praktiker Teilnehmergebühren: Kurzschrift Mk.8.50 je Lehrgemeinschaft Maschineschreiben Mk. 10.50 je Lehrgemeinschaft Kurzschrift-Diktat 140 Silben Mk. 4.50 Die Anmeldung ist schnellstens, svätestens bis 29. August 1940, auf der Dienststelle der DAF., Kreiswaltung Wetterau, Abt. für Berufserziehung und Betriebsführung, Gießen, Schanzenstraße 18, Zimmer 4, auf der vorgeschriebenen Anmeldekarte vorzunehmen. Mit der Anmeldung ist die Teilnehmergebühr zu entrichten. 3661 d MMWMellsWl Berufserziehungswerk Uebungsstätte Gießen. Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Nr. 195 Zweiter Blatt Keitag, 16. August 1940 Mitten im Kriege bekundet die Partei durch die Deutsche Arbeitsfront, NSG. „Kraft durch Freude", Kreisdienststelle Wetterau, auch in Gießen wieder ihren starken kulturellen Ausbauwillen. Sie hat jetzt für Gießen und Umgegend eine Musikschule für Jugend und Volk gegründet, die unter Leitung des Musiklehrers Heinrich Blaß wirken wird und als vor bildliche kulturelle Tat warm zu begrüßen ist. Am gestrigen Donnerstagabend fand im Rahmen einer musikalischen Feierstunde in der Aula der Universität die Eröffnung dieser Musikschule in Anwesenheit der Vertreter der Partei, vieler Eltern und Gäste statt. Mit den Eltern konnten auch viele Jugendliche, die als Musikbeflissene der neuen Musikschule bereits angehören oder demnächst zu ihr kommen werden, der denkwürdigen Stunde beiwohnen. Die Feierstunde wurde mit einem frischen Chorgesang von Mädels des BDM. und einem kurzen Vorspruch eingeleitet. Anschließend spielte ein Trio, bestehend aus dem Leiter der Musikschule Musiklehrer Blaß und zwei jungen Musikschülern, die Suite in G-moll von Joh. Fischer. Hierauf sprach Kreiswart Schemel als Organisator dieser neuen Einrichtung, der eine solche Musikschule auch in Hanau bereits geschaffen bat, kurz zu den Eltern und Gästen. Er teilte dabei mit, daß es sich bei dieser Einrichtung um ein Gemeinschaftswerk do nKdF. undderHI. beseelten Schutzwehr, die wir für Leib und Leben unserer Kämpfer an der Front schaffen helfen. Denken wir daran, wenn nun zum letzten Male am 17. und 18. August das Kriegshilfswerk für das Deutsche Rote Kreuz uns seine Hand entgegenstreckt! Aufruf. An sämtliche Betriebsführer und Betriebsobmänner von Gießen. Betr.: Reichs st raßenfammlung am 17. und 18. 8. für das Deutsche Rote kreuz. Die 2. Reichsstrahensammtung für das Deutsche Rote kreuz wird am 17. und 18.8. durch die Deutsche Arbeitsfront, den Reichskriegerbund und das Deutsche Rote kreuz durchgeführt. Die Betriebsobmänner sind dafür verantwortlich, daß sämtliche nachstehend aufgeführteu Amtswalter der Deutschen Arbeitsfront DAF.-Walter und -Warte, Betriebsführer, Betrlebsobmänner, Vertrauensmänner, Werkscharmänner, am kommenden Freitag, 16. d. 2H., um 1 9 Uhr auf der zuständigen Dienststelle der RSV. zum Büchsen- und Abzeichenempfang anwesend sind. Giehen-Witte, Seltersweg 38, Giehen-Rord, Walltorstraße 38, Gießen - Ost, Kaiserallee 34, Giehen-Süd, Crednerstrahe 24. Wir bitten auch bei dieser Reichsstrahensammtung um Ihren vollen Einsatz. heil Hiller! J.V.: gez. Schmidt, Kreisobmann. Mstung des Lebens gegen den Tod Sorgende Liebe der Frauen wird in die Tat umgeseht. ter kennen, die er dann in Krankheitsfällen verwen- 1 dete. Er gelangte dahin, die „bösen" giftigen Ge- 1 wüchse von denen zu unterscheiden, die eine be- 1 täubende und dadurch schmerzlindernde Wirkung 1 ausübten, er konnte auch an den Tieren den Ein- 1 fluß einzelner Pflanzen beobachten und daraus seine Schlüsse ziehen. So erwarb die Menschheit früh einen Schatz von Kenntnissen über die Heil- , Wirkung der Pflanzen, der sich von Geschlecht zu Geschlecht forterbte und stetig durch neue Erfahrungen bereichert wurde. Schon das klassische Altertum hatte seine Kräutersammler und Wurzelgräber, die alten Germanen hielten die Heilpflanzen sehr hoch, und im Volk setzte sich der naive Glaube fest, daß wohl ein jedes Kräutlein zu irgend etwas gut sein müsse. Man richtete sich dabei nicht selten nach ganz äußerlichen Erscheinungen. Der eigentliche Pflanzenkenner war durch lange Jahrhunderte der Arzt, der wohl auch selbst hinausging, um sich die rechten Mittel für seine Kuren zu verschaffen. Erst verhältnismäßig spät hat sich die wissenschaftliche Botanik, die die Pflanzen lediglich um ihrer selbst willen betrachtet, von der Heilkunde abgezweigt. Die Kenntnis von diesen Heilpflanzen, die zum großen Teil aus dem Altertum stammt und von so manchen heimischen Kräuterweiblein vermehrt wurde, ist in Deutschland zum erstenmal in den dickleibigen ,Kräuter-Büchem" des 16. Jahrhunderts gesammelt worden, in denen die ehrwürdigen „Pflanzen-Väter" die deutsche Botanik begründeten. Diese prächtigen Folianten haben heute nur noch einen bescheidenen medizinischen Wert, aber einen um so größeren volkskundlichen und künstlerischen. Ihre urwüchsige und bildhafte Sprache steht der Natur ebenso nahe wie ihre Anschauungen dem Dolksgeist, und die Schilderungen werden ergänzt durch außerordentlich lebendige Holzschnitte, die echte Kunstwerke sind. Die Verfasser der Kräuterbücher waren Aerzte, die sich in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts eingehender mit der heimischen Pflanzenwelt beschäftigten, deren Kenntnis über dem Studium der antiken Schriftsteller bis dahin arg vernachlässigt worden war. Der erste dieser deutschen Botaniker war Otto Brunfels, der 1532 sein „Contrafayt Kreuterbuch nach rechter vollkommener Art der alten bestberümpten Aerzt, vormals in teutscher Sprach der massen nye gesehen noch im Truck ausgangen" herausgab, mit trefflichen Pflanzenbildern des Straßburger Meisters Johann Weiditz geschmückt. Nach ihm haben Leonhard Fuchs, Bock u. a. berühmte Kräuterbücher verfaßt. Brunfels betont, daß nur der Kenner die rechte Arznei zu reichen wisse und wendet sich heftig „wider die Landschwärmer, die ein Pülverlein mit sich führen, den Bauch aufzutun, ein Pflästerlein haben für alle Schäden und eine Wurzel für alle Krankheiten". Er gibt auch an, zu welcher Zeit man die Kräuter sammeln solle: „Erstlich sollen sie gesammelt werden, wenn der Himmel klar und schön Wetter ist, nit im Nebel. Denn davon werden sie faul und schimmelig. Man soll auch die Zeit des Jahres wohl wahrnehmen, desgleichen das Alter des Krautes, denn etliche in ihrer Jugend gesammelt werden, etliche, wann sie blühen, etliche, wann sie sich besamen." Die Kräuter müssen sorgfältig bewahrt werden „wie ein köstlich Kleinod". Man findet sie im Wald und Feld, an Wegen und Zäunen, auf dem Acker und Schutt, um Wasser und an den Ufern, manche zieht man im Garten. sah. Nun, da der Feind die wunderbare Möglichkeit, dem völligen Untergang zu entgehen, ausschlug, wissen wir, daß die Männer und Söhne Deutschlands ihr Leben so wenig wie zuvor schonen werden. Für das ganze Volk und damit für uns Frauen aber gilt nun in verdoppeltem Maße die heilige Verpflichtung, alles zu tun, was dazu beitragen kann, die Kräfte zu stärken, die die Rüstung des Lebens gegen den Tod bedeuten und die Blutopfer des Endkampfes auf das notwendige Mindestmaß zu beschränken vermögen. Zwar wird es niemals möglich fein, alle vom Schlachtfeld in die Lazarette Gevoraenen dem Leben zu erhalten, doch wird im Gegensatz zu früheren Zeiten die Wahrscheinlichkeit der Rettung immer stärker, sobald der Sanitätsdienst der Wehrmacht und des DRK. mit ihren hochentwickelten Einrichtungen und ihren vorzüglich ausgebildeten Hilfskräften sich der Verwundeten annehmen können. So betrachtet, ist es ein unendlich tröstlicher und versöhnender Gedanke, daß uns allen, die wir sonst ohne Möglichkeit unmittelbarer praktischer Hilfeleistung dazu verurteilt wären, duldend zu warten, doch Gelegenheit geboten ist, sorgende Liebe in die Tat umzusetzen. Denn bei jeder Spende für das DRK., die wir in ihrer Bedeutung begriffen haben, geht der materielle Sinn des Geldes völlig auf in dem Gedanken einer lebendigen, in höchstem Maße handelt, die damit ein neues Arbeitsgebiet auf dem Felde der Musik in Angriff nehmen. Daß dieses Werk mitten im Kriege geschaffen wurde, bezeichnete er als Ausdruck des Willens und der Kraft, daß es für den Nationalsozialismus auch in der Kunst, und hier in der Musik, keinen Stillstand gibt. Für die neue Musikschule fei heute bereits, rein zahlenmäßig gesehen, durch die Anmeldungen schon ein sehr großer Erfolg zu verzeichnen. Das Bestreben der Leitung dieser Schule werde es sein, die musikalische Arbeit, getragen von einem starken Impuls, zu einer Höhe heraufzuführen, auf der sich dieses Werk würdig einreihen könne in die gesamte übrige Arbeit der nationalsozialistischen Bewegung. Kreisgeschästsführer Weber als Vertreter des Kreisleiters überbrachte der neuen Musikschule die besten Wünsche der Partei. Daß die Musikschule Gießen als neue und gute Pflegstatt der Musik mitten im Kriege geschaffen wurde, sei als ein Beweis dafür anzusehen, wie stark wir uns trotz des uns aufgezwungenen Kampfes fühlen, aber auch als ein Beweis dafür, wie stark und unermüdlich die Partei ihre Förderung der Kunst, und hier besonders der Musik, anaedeihen lasse. Die Musik bezeichnete der Redner treffend als ein altes deutsches Kulturgut, das den Weg über alle Erdteile angetreten hat und das Ewigkeitswert besitzt, im Gegensatz zu der Musik anderer Völker. Dann erinnerte der Redner Als der Führer in seiner großen Rede vor dem Reichstag zum Ausdruck brachte, daß er dem deutschen Volke die Opfer zu ersparen wünschte, die die Fortsetzung eines im Grunde schon entschiedenen Kampfes fordert, da war wohl keiner unter uns, der nicht im Innersten erschüttert war von dem tiefen Verantwortungsgefühl und der menschlichen Größe, die aus diesen Worten sprach. Erschüttert vor allem, weil sie aus dem Munde eines Feldherrn kamen, der wie kein anderer vor ihm im Bewußtsein überwältigender Siege sprechen konnte und angesichts der nahen und völligen Vernichtung des Gegners bereit war, dem eigenen Siegeslauf dort eine Grenze zu fetzen, wo er sein Kriegsziel in der Sicherung der Lebensrechte seines Volkes erreicht Musikschule für lugend und Volk in Gießen ßin neues Werk der 7!ES. „Kraft durch Freude". Aus der Stadt Gießen. Alte Kräuterbuch-Weisheit. Das Sammeln von Heilkräutern bildet in diesen Tagen wieder eine wichtige Beschäftigung für viele Menschen, sind doch die Heilkräuter zu einer ganz neuen Bedeutung in der heutigen Heilkunde gelangt. Wir kehren damit zu einer alten Weisheit zurück. Seit fernen Zeiten hat der Mensch in Nöten des Leibes seine Zuflucht bei den Kräutern gesucht, die in Wald und Flur wachsen. Wenn er seine pflanzliche Nahrung sammelte, so lernte er, oft zufällig, die besondere Wirkung mancher Kräu- kurz an jene glücklicherweise überwundene Zeit der seichten und oben Schlagermusik, die vom Ausland her in unser Volk hereingetragen wurde und vorübergehend die gute deutsche Musik zurücktreten ließ. Die nationalsozialistische Bewegung habe, so betonte er, auch hier das' Schlechte überwunden und der deutschen Musik wieder den Platz gegeben, der ihr gebühre. Wenn heute die deutsche Musik immer mehr in den Vordergrund gestellt werde, so geschehe es in der Hoffnung, daß die Volksgenossen immer mehr von dieser Einrichtung Gebrauch machen und sie durch ihre Teilnahme unterstützen. In der Person des Leiters der Gießener Musikschule für Jugend und Volk, Musiklehrer und Chormeister Heinrich Blaß, fei die Gewähr dafür geboten, daß in dieser Schule die deutsche Musik die beste Pflegstätte habe. Wie überall bei den Einrichtungen von „Kraft Hm die Erdal-Blechdosen mehrmals verwenden zu können, gibt es nun auch Erdal-Nachfüllpackungen. Das Nachfüllen ist eine einfache, saubere und schnelle Sache. Deckel abnehmen und das gefüllte Unterteil in die leere Erdal-Dose setzen. Das ist alles! Auf diese Weise läßt sich die Erdal-Blechdose lange Zeit verwenden, und man hat immer Erdal, das altbewährte Erdal!________________________________ 3484V durch Freude" seien auch hier die Gebühren so niedrig gehalten, daß auch der Minderbemitteltste an dieser schönen Einrichtung teilnehmen könne. In der Gießener Musikschule sei die Möglichkeit gegeben, viele Wünsche hinsichtlich der musikalischen Ausbildung zu erfüllen. Mit besten Wünschen für einen vollen Erfolg der Musikschule Gießen und ihrer Besucher schloß Kreisgeschäftsführer Weber seine Ansprache. Das Trio brachte sodann den 3. Satz der Suite in g-moll von Joh. Fischer zu Gehör Hierauf sprach pg. Launhardt, W'esbasen, als ® au beauftragter für das Musikwesen, der in Wiesbaden als Leiter einer gleichartigen Musikschule wirkt, über die Arbeitsmethode und die Zielsetzung dieser Einrichtung. Er erinnerte einleitend daran, daß der Gedanke der Musikschulen an sich nicht neu sei, sondern in den Konservatorien schon verwirklicht wurde. Mit dem Konservatorium dürfe aber eine Musikschule für Jugend und Volk nicht verwechselt werden, denn das Ziel einer solchen Musikschule liege mehr in der Breite, d. h. jeder Volksgenosse, jeder Junge und jedes Mädel, sollen in dieser Schule in die Lage versetzt werden, Musik zu treiben. Die Musikschule erstrebe das Ziel, daß in den Familien wieder Musikgemeinschaften begründet werden könnten, in denen die Hausmusik voll zur Geltung kommen könne. Die Grundlagen hierfür müßten von den Jungen und Mädel in der Musikschule erarbeitet werden. Hinsichtlich der Unterrichtsform betonte der Redner, daß an Stelle des in der bisherigen Musikausbildung herrschenden Einzelunterrichts in der Musikschule nur noch in Gruppen-Unterricht Musik betrieben und erarbeitet werde, d. h. in den einzelnen Fächern würden drei oder mehr Schüler zusammengesetzt, die in der Musikerziehung ein Gemeinschaftserlebnis als gute Fundierung ihrer Musik erfahret sollen. Eine solche Gruppe von Musiktreibenden soll in die Lage versetzt werden, zusammen zu musizieren, bei irgendwelchen Gelegenheiten und für irgendwelche Ausgaben. Die gesamte Musik solle auf der Grundlage des Erlebens ausgebaut werden. Daran sollen die Schüler in der Gemeinschaft von der ersten Stunde an Anteil haben und bis zur Konzertreife in der Gemeinschaft verbleiben. Auf diesem Wege sei mit einer glücklichen Erneuerung in der Musik zu rechnen. Zu dem Unterricht trete noch die allgemeine Musiklehre hinzu, für die das Singen und das alte deutsche Liedgut die Grundlage bilden sollen. Die Musikschule werde ihr Wirken keineswegs : in der Zurückgezogenheit vollbringen, sondern der 1 Unterricht werde jederzeit zur Einsichtnahme offen : stehen, damit sich die Eltern immer von dem Stand ' der Ausbildung überzeugen könnten. Der Redner kleidete diese grundsätzlichen Dar- ©er Tod des Fischers. Don Hilde Jürstenberg. Der Fischer Karsten war seit vielen Tagen krank und laa daheim in seinem Bett. An dem Fenster seiner Kate waren die Vorhänge ganz zurückgezogen, — Karsten hatte das getan, weil er vom Bett aus auf das Wasser und auf sein Boot hinaussehen wollte. Draußen im Garten, nicht weit vom Fenster entfernt, hing fein Netz zum Trocknen, auch dgK wollte er sehen. Das Netz, das Boot und das Wasser, diese drei waren sein Leben, und an ihnen hing er. Eine Frau hatte er nie gehabt. Was soll ein Mann, der ständig auf dem Meere treibt, mit einer Frau? Dies sagte Karsten sich zum Trost, denn in Wirklichkeit war es so, daß die einzige, die er hatte haben wollen, ihn ausgelacht hatte, als er um sie warb. Da war er so zornig geworden, daß er eine andere nie mehr hatte fragen mögen. Und Marta, — nun, ihr war recht geschehen. Sie hatte den Theodor bekommen und fünf Kinder. Der Theodor war ein Rauhbein, und die Kinder, so hübsch und gesund sie waren, waren der Schrecken der Straße, denn ihnen fiel alle Tage ein neues Unheil ein, das sie anrichten konnten. Karsten dankte Gott, daß er sich mit solcher Sache nicht zu plagen brauchte, und Marta hätte es ja besser haben können, ihr geschah dies so recht. Ist es eine Art und Weise, einen rechtschaffenen Mann auszulachen, wenn er es ernst meint? Karsten lag den achten Tag, er, war seit gestern nicht mehr fähig, sich auf dem kleinen Herd in der Stube einen Kaffee zu kochen. Er lag, sah aufs Meer hinaus und versank vor Mattigkeit in Schlaf und Traum. Mittags ging plötzlich die Türe auf, und Marta trat herein. ,Karsten", sagte sie, ,Hein Netz hängt seit acht Tagen, und du fährst nicht aufs Wasser, — bist du krank?" Karsten räusperte sich verlegen. „3a", sagte er, „es will nicht mehr richttg mit mir. Kann fein, daß der Herrgott meint, ich hätte nun genug gefischt." „So schlimm brauchst du es nicht zu machen', entgegnete Marta, aber Karsten sah an ihren Augen, daß sie wohl sah, daß es mit ihm zu Ende ging. „Vielleicht kann der Theodor mein Netz verkaufen?", sagte er. . Marta biß sich auf die Lippen. „Das ist kein schlechter Gedanke", meinte sie nach einer Weile, ,chenn schließlich bist du so alt, daß du dir Ruhe gönnen darfit. Du könntest dir für das Geld stärkende Mittel kaufen und wieder zu Kräften kommen." Sie trat an sein Bett und schüttelte chm die Kissen auf. „Tut dir der Rücken weh?" fragte sie. Karsten konnte kaum antworten, so stach es ihn in der Brust, aber er zwang sich zu einem Lächeln, schüttelte den Kopf und sank erschöpft auf das Kissen zurück, — die Augen fielen ihm zu, und er wußte nichts mehr von sich. Am nächsten Mittag kam Marta wieder und brachte einen Topf mit Hühnersuppe. ,Hetzt wird es dir bald besser gehen", sagte sie. „Theodor hat dein Netz verkauft und hat ziemlich viel Geld dafür bekommen." „So", sagte Karsten. Ein unendlicher Jammer brach in seinem kranken Herzen auf, er hätte weinen mögen wie ein Kind. Nach einem langen Schweigen sagte er: „Ja, es ist gut. Ich glaubte erst, daß ich doch noch einmal aufs Wasser fahren könnte, aber du hast recht, Marta, ich werde doch nicht mehr gesund." Marta wandte sich um, sie stand am Herd und wärmte die Suppe auf. „Wer sagt, daß du nicht mehr gesund wirst?" sagte sie, „ein Mann wie du der zeit seines Lebens mit dem Tod auf du und du gestanden hat." Karsten lächelte und schlief ein. An der Stelle, wo sonst das Netz gehangen hatte, konnte Karsten jetzt den kleinen Apfelbaum sehen, den er gepflanzt hatte. Er blühte gerade. Karsten sah mit Bewunderung die 'Zarten, weißroten Bluten sah wie sie größer wurden und auseinander- fielen und schließlich zu Boden sanken. Dann kamen kleine grüne Kugeln an ihre Stelle, wurden dicker und dicker, und Karsten staunte über die Maßen. Nie war es chm vergönnt gewesen, das Blühen und Wachsen in feinem (Sorten so Tag für Tag zu sehen, immer hatte er dazwischen aufs Meer gemußt. Nun sah er zum erstenmal, wie es langsam geschah, — Karsten schloß die Augen, erschöpft vor Dankbarkeit. — Es wurde Sommer, — Marta kam jeden Tag. „Müssen wir nun bald bas Boot verkaufen?" fragte Karsten. Maria tat, als höre sie nicht. „Ich habe kein Netz mehr", sagte Karsten, „so brauche ich auch kein Boot. Und daß Gott nicht vorhat, mich noch einmal wieder auf das Meer zu lassen, das fühle ich wohl." „Das hat noch Zeit", entgegnete Marta mit ab* gewandtem Gesicht. An diesem Tage ging sie spater fort als sonst, sie hatte dies und jenes zu tun und fand nicht aus der Türe. ,Karsten", sagte sie schließlich, „kannst du mir verzeihen?" Karsten drehte das Gesicht zur Wand, das Wasser stieg ihm heiß in die Augen. „Ich habe dir nichts zu verzeihen", sagte er rauh, „aber es wäre schön, wenn mich der Herrgott jetzt noch ein wenig leben ließe." An diesem Abend schlief der Fischer Karsten in ein anderes Leben hinüber. ,,©ie gute (Sieben/' Ein Terra-Film Wolfgang Liebeneiners. Nicht oft spricht der Film von sich selber, er laßt sich nicht gern in seine Töpfe gucken, aber hier tut er es einmal, und zwar auf eine höchst scharmante und unterhattsame Art. Man braucht deshalb noch keine Angst vor der so viel beredeten Desillusionierung zu haben. Daß die jugendlichen Liebhaber der Leinwand, die unsere Backfische und oft auch noch andere Leute entzücken, in Wahrheit gelegentlich schon reife Männer oder gar Herren „in den besten Jahren" sind, hat sich ja schon lange herumgesprochen. Daher ist das Thema „Film und Leben", das Wolfgang Li eben ein er hier anschneidet, für den Ruhm unserer Filmstars ganz ungefährlich, für das Publikum aber ungemein amüsant. . Siebeneiner hat seinen Film nach einer in Berlin viel gespielten Komödie Adalbert Alexander Zinns gedreht. Wir kennen sie nicht und dürfen deshalb keinen Vergleich wagen. Mer in Liebeneiners Hand ist daraus ein richtiger Filmstoff geworden, der allein mit den Mitteln des Films, ganz leicht und graziös, mit viel köstlichem Humor und einer guten Dosis Ironie, in spritzigem Dialog, für dessen Güte es spricht, daß man — fast ein Unikum — die fehlende Musik gar nicht vermißt, das Problem des alternden Filmstars anpackt, der sich nicht entschließen kann, seine Rollen, in denen er schon vor zwei Dezennien brilliert hat, jüngeren Kräften zu überlassen und sich selber auf das Fach zurückzuziehen, das seinem tatsächlichen Lebensalter besser enfipre- chen würde. Er hält es geradezu für seine Berufspflicht, der großen Schar seiner weiblichen Verehrer die Illusion zu erhalten, er bleibe ewig jung. Und zu dieser Berufspflicht rechnet er auch seine sechs Ehen, die ihn auch im Leben während der letzten 25 Jahre jung erhalten haben. Denn er ist ein großer Charmeur, der es leicht hat mit den Frauen, freilich sie nicht mit ihm, da nicht alle das große Kind« das er immer gediehen fit, mit feinen Launen und Schrullen, mit seiner entwaffnenden Selbstbezogenheit so zu nehmen wissen wie seine erste Frau, die nicht nur, wie auch die andern fünf, ihm nach der Scheidung freundschaftlich verbunden geblieben, sondern eine rechte Kameradin ist. Sie lotst ihn auch klug und warmherzig durch die letzte Krisis dieses unruhigen Herzens. Äls nämlich eine junge Studentin vor den Augen des gerade eben wieder Geschiedenen auftaucht, fragt er sich, ob die Zahl Sieben ihm Glück oder Unglück bringen wird. Aber sein Filius aus erster Ehe, schon ein angehender Jurist, überhebt ihn aller Zweifel, freilich nicht öhne daß vorher sich zwei Gewaltige des Films verschwören müssen, dem ewig jugendlichen Liebhaber auf eine sehr nachdrückliche Weise zu Gemüt zu führen, daß es selbst für ihn keine Ausnahme vom Altwerden gibt. Schließlich sind es die zarten Hände einer klugen Frau, die mit Ueber- legenheit und Güte die Fäden knüpft, damit sich alles zum Guten wendet und sie selbst „i>ie gute Sieben" wird. Das ist Köche Haack, sie spielt die Lebenskluge mit einer mütterlichen Wärme und einer bestrickenden Herzlichkeit, eine stille Frau, die zuhören kann, wenn der von seinen Ideen und Skrupeln Geplagte bei ihr sein Herz ausschüttet und sich geborgen fühlt. Johannes Riemann ist der Filmstar. Bei ihm spürt man keine Routine, er scheint ganz er selbst zu sein, ganz liebenswürdig-heitere Gelöscheit, freilich ein Schuß Selbstironie und ein paar Tropfen zweifelnden Weltschmerzes dämpfen fein Lächeln. Den Sohn spielt Hermann Brix, mit den eckig- befangenen Bewegungen des Jungen, sehr frisch und natürlich Carola Höhn als die Studentin, die um ein Haar die „böse' Sieben" geworden märe, Ingolf Kuntze, mit gewaltigem Stimmaufwand und diktatorischen Allüren und Harach Pauls e n, geschmeidig und doch mit einer bezwingenden Rücksichtslosigkeit, verkörpern die hohen Herren des Films, Armin Schweitzer ist eine wahrhaft ehrliche Haut von einem Lohndiener. So form- und zwanglos, wie diese wirkliche Filmkomödie ohne große Vorreden gleich in medias res führt, wobei viele Gießener Gelegenheit haben, ihre Bekanntschaft mit Franz Arzdorf zu erneuern, so unbeschwert und witzig geht es bis zum Schluß. Auch die Blicke, die man uns in Atelier und Büro der Filmproduktion zu tun erlaubt, erhöhen den Reiz dieses hübschen Merkchens, mit dem sich Liebeneiner und feine Künstler sch ar um unser Amüsement auf die denkbar geschmackvollste und anmutigste Weise sehr verdient gemacht haben. Dl Fi. W. Lange. andervorschläge für -en Sonntag eine oder andere Mann- oer- von gen vor: Aus der engeren Heimat Frankfurter Schlachtviehmarkt. worden wäre. Jagdzeiten verfügt. Im Jagdjahr 1940/41 darf im ganzen Reichsgebiet die Jagd ausgeübt werden auf Hafen und Alpenhasen vom 15. Oktober bis 31. Dezember, auf Rebhühner vom 16. September bis 15. Oktober, auf Fafanenhennen vom 1. November bis 31. Dezember, soweit nicht für einzelne Gebiete die Jagd darauf gänzlich verboten ist. lcgungen in eine lebendige Schilderung seiner Erfahrungen aus früherer Zeit und aus seinem Wirken als Leiter der Musikschule in Wiesbaden ein und wirkte dadurch mit seinen Worten in überzeugender Weise. Nachdem das Trio noch den 1. und 2. Satz der Suite in G-dur von Joh. Fischer gespielt Hatte, beendete Kreiswart Schemel die Stunde mit einem kurzen Schlußwort, in dem er besonders die Leitung der Musikschule durch Musiklehrer Blaß hervorhob und das größte Berttauen zu diesem künstlerischen Leiter aussprach. Gruppe Süd I: Tv. Hochelheim, To. Hörnsheim, Tv. Garbenheim, Tv. Katzenfurt, Tv. Lützellinden, Tv.Grüningen, Tv. Lang-Göns, Mto. Gießen, Tv. Kirchgöns. GruppeSüdH: Tv. Kesselstadt, Tgd. 37 Hanau, Dunlop Hanau, VfL. Bruchköbel, Tv. Gelnhausen. Beabsichtigt ist, noch die schäft der Bereichsklasse Der nächste Handball-Sonntag. Die Ausgleichsspiele zur Lahnvokalrunde sehen am kommenden Sonntag u. a. folgende Begegnun- . , , ereichsklasse zuzuteilen. Die Meisterschaftsspiele aller Klassen beginnen in Hessen am 8. September. Tageskalender für Freilag., Gloria-Palast, Seltersweg: „Herz ohne Heimat". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die gute Sieben". Ortszeit für bett 16. August. Sonnenaufgang 6.10 Uhr, Sonnenuntergang 20.48 Uhr. — Monduntergang 4.26 Uhr, Mondaufgang 19.45 Uhr. Ortszeit für den 17. August. Sonnenaufgang 6.11 Uhr, Sonnenuntergang 20.46 Uhr. — Monduntergang 5.31 Uhr, Mondaufgang 20.13 Uhr. BOM.-Untergau 116 Gießen. Die Vergleichsmeisterschaften im Rollschuhlauf zwischen Obergau/Gebiet Hessen-Nassau und Ober- gau/Gebiet Kurhessen mußten vom 17. August auf einen Sonntag im September verlegt werden. Näheres wird noch durch die Presse bekanntgegeben. Giehen-Kiein-Linden. In dem Bericht von gestern muß es im ersten gerannt wäre, wenn dem Fahrer nicht gerade noch sich im Ernstfälle durchaus als richttg bewährt hat. durch brennende Stteichhölzer ein Zeichen gegeben Aus eigener Anschauung hat er die Schäden, die Frankfurt a. M., 16.August. (Vorbericht) Es ------ -----Bomben verursachen können, kennengelernt, und er«kosteten: Ochsen 37 bis 46,50 RM., Bullen 35 bis liehen. Aenherung von Jagdzeiten. Der Reichsjägermeister hat eine Aenderung Lpd. Frankfurt a. M., 15. Aug. Auf der Autoumgehungsstraße hinter Sossenheim ereignete sich während der Nachtstunden ein s ch w e'r e r Z u - sammenstoß zwischen zwei Personenkraftwagen, die beide ohne Licht fuhren. Der eine Wagen wurde fast gänzlich zertrümmert, der andere so schwer beschädigt, daß er abgeschleppt werden mußte. Zwei Personen wurden schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht. Kurz nach dem Unfall nahte ein dritter Wagen, der auf die zertrümmerten Fahrzeuge Rodheim — Himberg — Schwalbenbachlal — Dicke Eiche — Raunheim — Wetzlar. Wir fahren mit der Kleinbahn nach Rodheim. Kurz nach der Bechtoldschen Wirtschaft führen blaue Dreiecke einem schmalen Gäßchen abwärts in das Biebertal und jenseits wieder in die Höhe zum Wald, an dessen Rand wir einen überraschenden Blick auf das liebliche Tal mit dem hochragenden Dünsbera, sowie auf die beiden Burgen haben. Die Zeichen leiten uns durch den Wald des Himbergs an dem durch die Sage überlieferten Frauenkreuz, sowie später an den Schwedenschanzen vorüber zum höchsten Punkt des Berges, dem Königstuhl, einer alten Kultstätte, der leider keine Aussicht bietet. Hier verlassen wir die Dreiecke und folgen roten Punkten hinab in das anmutige Schwalbenbachtal. Das Tal aufwärtsgehend weist uns bald darauf ein Schild hinaus zur Dicken Eiche, dem mächttgen, wohl 1000 Jahre alten Naturdenkmal. Hier treffen wir die vom Dünsberg kommende gelbe Strichmarkierung, die bis zum Schluß unser Wegzeichen bildet. Wir kommen auf unserem Weitermarsch auf lauschigen Waldschneisen durch idyllische Tälchen und genießen unterwegs prächtige Blicke in das Lahntal, auf Garbenheim mit der Warte, Stoppelberg und Wetzlar mit dem Kalsmunt. Nachdem wir bei Naunheim die Lahn überschritten haben, erreichen wir nach etwa vierstündiger Wanderung unser Endziel Wetzlar. Ober-Diddershelm —- Forsthaus Glaubzahl — Bad Salzhausen — Nidda. Der Station Ober-Widdersheim, dem Ausgangspunkt unserer Wanderung, gegenüber führt uns ein Pfad neben dem großangelegten Basaltsteinbruch zum Wald, wo wir weiße Kreuze antreffen, denen wir nachgehen, um in einer Stunde nach dem gast- * Lollar, 16. Aug. Für Tapferkeit vor dem Feind in Frankreich wurde, wie erst jetzt bekannt wird, der Soldat Erich Jung, Daubringer Stt. 3, mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. □ Lollar, 14. Aug. Gestern abend fand in der Schule ein Appell der Amtsttäger des Reichsluftschutzbundes und der Luftschutzwarte statt, in der der Führer der Gemeindegruppe Lollar, Luftschutzführer Eberle, über alle Fragen des Luftschutzes sprach. Nach verschiedenen Beanstandungen hinsichtlich der Verdunkelungspflicht und des Verhaltens bei Fliegeralarm gab er noch Hinweise für das Verhalten der Selbstschutzkräfte gegenüber Bomben, Blindgängern usw. Es wurde ein Such- und Sammeldienst organisiert. Mit einem eindringlichen Appell an das Verantwortungsgefühl und an die Einsatzbereitschaft, die die Grüße der Zeit von allen Amtsträgern und Selbstschutzkräften fordert, schloß der Gemeindegruppenführer seine Ausführungen. 0 Ruttershausen, 15. Aug. In der Schule fand eine Versammlung statt, an der auf Veranlassung des Bürgermeisters aus jedem Hause eine Person teilzunehmen hatte. Der Untergruvpenführer im Reichsluftschutzbund, Zecher, der kürzlich an einem Lehrgang der Landesaruppenluftschutzschule teilgenommen hat, gab zunächst einen interessanten und lehrreichen Bericht hierüber. Er betonte, daß alles, was der Reichsluftschutzbund in seiner unermüdlichen Ausbildungsarbett seit Jahren gelehrt, ** Dienstjubiläum bei der Stadt Gießen. Sein 25jähriges Dienstjubiläum bei den Stadtwerken kann heute der Lagerarbeiter Georg Weber feiern. Aus diesem Anlaß wurde der Jubilar im Kreise der Arbeitskameraden geehrt und erhielt für seine langjährigen treuen Dienste, neben einer Treueprämie, ein Glückwunschschreiben des Oberbürgermeisters. ** Verkehrssünder. In der Zeit vom 26. Juli bis 8. August schritt die Polizei im Bereich der Polizeidirektion Gießen (einschl. Polizeiamt Bad- Nauheim-Friedberg) gegen Verkehrssünder mit folgenden Maßnahmen ein: gegen Kraftfahrzeugführer 6 Anzeigen, 5 gebührenpflichtige und 3 gebührenfreie Verwarnungen; gegen sonstige Fahrzeugführör 11 Anzeigen, 8 gebührenpflichtige und 6 gebühren- freie Verwarnungen; gegen Radfahrer 2 Anzeigen, 76 gebührenpflichtige und 22 gebührenfreie Verwarnungen; gegen Fußgänger 6 gebührenpflichtige und 23 gebührenfreie Verwarnungen. **LehrgemeinschafteninKurzschrift und Maschineschreiben. Die Deutsche Arbeitsfront, Kreiswaltung Wetterau, Abteilung für Berufserziehung und Bettiebsführung, Gießen, weist darauf hin, daß die durch die Sommerfevien unterbrochenen Lehrgemeinschaften in Kurzschrift und Maschineschreiben ab Montag, 19. 8., und Dienstag, 20.8., in der bisherigen Zeiteinteilung in den Räumen der Oeffentlichen Handelslehranstalt Gießen, Wernerwall 11, weitergeführt werden. Zusammenstoß auf her Autoumgehungsstraße. Reiche Himbeerernte im Vogelsberg. * Aus d em Vogelsberg, 15.Aug. In den großen Waldungen des Vogelsbergs tragen die Himbeersträucher in diesem Jahre eine außerordentlich reiche Ernte. In Schotten sind bisher als Sammelertrag aus zahlreichen Vogelsberg-Dörfern bereits Taufende von Zentner Waldhimbeeren für den sofortigen Verbrauch in den Städten und für die Konservenindustrie versandt worden. Den beerensuchenden Volksgenossen wird dadurch eine gute Einnahmequelle erschlossen. Die Himbeeren werden meist von Frauen und Kindern gesammelt, die an den Lesetagen in manchen Gemeinde bezirken bis zu mehreren hundert Zentner dieser Waldfrucht Zusammentragen. Landkreis Gießen. berichtete hierüber. In den meisten Fällen ist es dem nichtluftschutzgemäßen Verhalten der Bevölkerung zuzuschreiben, wenn größere Schäden bei einem Luftangriff entstehen. Anschließend zeigte der Ausbildungsletter Arthur Z e ch e r an verschiedenen Beispielen, wie überall dort, wo die Selbstschutzkräfte richttg eingreifen, durch Bomben verursachte Brände meist schon int Entstehen wirksam bekämpft werden können. Gemeindegruppenführer Eberle berichtete zum Schluß noch über Anstände, die sich bei der Verüunkelungs- und Schutzraumkontrolle gezeigt haben, und ermahnte die Volksgenossen, sich ihrer Verantwortung bewußt zu sein und ihre Lustschutzpflicht gewissenhaft zu erfüllen. <5 Lich, 15» Aug. Für Tapferkeit vor dem Feind wurden mit dem Eisernen Kreuz II.Klasse ausgezeichnet: der Unteroffizier in einem Infanterie-Regiment Heinrich Kambeitz, der Unterosti- zier in einer Sanitätsabteilung Alois H ö p f l und der Soldat in einer Sanitäts-Abteilung Paul Weicker. Dem befreiten Christian Lang III. wurde das Schutzwallehrenzeichen verliehen. — Am vergangenen Sonntag fuhr die S ä n g e r Vereinigung „Cäcilia" nach Gießen, um den Verwundeten des Reservelazaretts einen Besuch ab- zustatten. Auf dem Wandelgang brachte sie unter der Stabführung des auf Urlaub weilenden Chor- meisters E. Jlge wertvolles deutsches ßiehgut zum Vortrag. Eine dankbare Zuhörerschaft spendete reichen Beifall. — Das Gesicht des Schloßgartens wird gegenwärtig wesentlich verändert. Ein Teil der schönen Kastanienbäume am unteren Teich, die schon über 150 Jahre alt sind, muß im Interesse der Verkehrssicherheit der Axt zum Opfer fallen, nachdem im vergangenen Jahr ein heftiger Gewittersturm eine große Lücke in die Allee gerissen hatte. Eine Neuanpflanzung von jungen Bäumen ist geplant. Kreis Alsfeld. —Homberg (Ohm), 15. Aug. Zum gestrigen Schweinemarkt waren nur 97 Stück Ferkel auf- getrieben. Für sechs bis acht Wochen alte Ferkel zahlte man 21 bis 24 RM., für acht bis zehn Wochen alte 25 bis 30 RM. und für zehn bis zwölf Wochen alte Ferkel 28 bis 33 RM. Der Handel verlief schleppend; es verblieb Ueberstand. Satz heißen: Für Tapferkeit vor dem Feinde wurde dem Gefreiten einer Krastfahrerabteiluna Ewald Weller von hier das Eiserne Kreuz II. Klasse lichen, in anmutiger Waldlandschaft gelegenen Forsitz aus Glaubzahl zu gelangen. Auf guter, teilweise von seltenen Koniferen umsäumter Landstraße folgen wir den weißen Kreuzen, bis wir auf rote Kreuze stoßen. Dieses neue Wegezeichen führt uns auf tadellosen Waldwegen über den Rabenstein, von dem wir einen prächtigen Blick nach dem Hohen Vogelsberg haben hinab nach dem idyllisch gelegenen Bad Salzhausen. Nach einer Besichtigung der hübschen Kuranlagen und der verschiedenen Quellen bringt uns ein Fußpfad über einen Höhenrücken, von dessen Kamm sich wiederum eine herrliche Aussicht bietet, nach dem freundlichen Städtchen Nidda, von wo wir heimfahren. Dauer der Wanderung knapp 3 Stunden. Butzbach — Hausberg — Jagdhaus Hubertus — Münster — Ostheim. Dom Bahnhof Butzbach benutzen wir zunächst die schwarze Strichmarkierung, die uns durch schönen Waldbestand über das reizvoll gelegene Dörfchen Hausen, drei Ringwälle übersteigend, hinauf zum 486 Meter hohen Hausberg bringt. Zwar ist der oben stehende Holzturm wegen Altersschwäche nicht mehr besteigbar, doch bieten vorher Lichtungen unterhalb des Gipfels prächtige Blicke über die gesamte Wetterau. Nunmehr folgen wir schwarzen Strichen, die uns stets durch Wald über die Forellenteiche im lieblichen Jsseltal nach dem anmutig liegenden Jagdhaus Hubertus führen. Von hier gehen wir ein kurzes Stück unseren seitherigen Weg zurück, um sodann ohne Zeichen auf der Landstraße über Münster nach Hochweisel zu wandern. Hier stoßen wir auf gelbe Striche, denen wir über ausgedehnte Felder mit unterwegs hübschen Ausblicken nach unserem Endziel Ostheim folgen. Marschzeit 5 Stunden. 44,50, Kühe 17 bis 44,50, Färsen 28 bis 45,50, Kälber 25 bis 59, Hämmel 20 bis 51, Schafe 12 bis 44, Schweine 52 bis 58 RM. Marktverlauf: Alles zugeteilt. G. A.-Gpori. £)r. Lewalh 80 Jahre alt. Staatssekretär a. D. Dr. Theodor Lewald, der Präsident des Organisations-Komitees für die XI. Olympiade 1936 in Berlin, begeht am 18. August feinen 80. Geburtstag. Dr. Lewald war von 1924 bis 1937 Vertreter Deutschlands im Internationalen Olympischen Komitee. Auf allen seinen Aufgabengebieten, sowohl für den deutschen Sport als auch für die olympische Idee, hat der Jubilar sich außer- otdentliche Verdienste erworben. Hessens Handvall-Sereichsklaffe. Im neuen Spieljahr wird die hessische Handballbereichsklasse in drei Gruppen spielen. Die vorläufige Einteilung lautet: Grupve Nord: Tuspo Bettenhausen, GfL. Wilhelmshöhe, Hessen-Preußen Kassel, Kurhessen Kassel, Tuspo Harleshausen, Tuspo Nieder-Zwehren, Henschel Kassel. Tv. Hörnsheim — Tv. Holzheim Tv. Lützellinden — Tv. W.-Niedergirmes Tv. Großen-Linden — Tv. Grüningen To. Lang-Göns II — Tv. Klein--Linden To. Heuchelheim — Tv. Krofdorf Tv. Launsbach — Spgde. Großen-Bufeck Tv. Atzbach — Tv. Beuem. Im Hinblick darauf, daß der Tv. Hörnsheim zwei seiner besten Spieler (Wenzel und Michel) zu einem wetteren Auswahlspiel nach Kassel aostellen muß, wird die Mannschaft das Spiel gegen Hoh- heim unter Vorbehalt austragen. Lützellinden hat am letzten Sonntag nicht gefallen können. Wenn die Mannschaft auch diesmal wieder Schwächen zeigt, wird es ihr kaum gelingen, ein achtbares Ergebnis gegen die eifrigen Gäste zu erzielen. Grüningen ist zu stark, als daß Großen-Linden gegen feine Spielweife aufkommen könnte. Es ist deshalb damit zu rechnen, daß es einen eindeutigen Erfolg der Gäste geben wird. Im Lang-Gönser Spiel stehen sich zwei gleich- werttge Mannschaften gegenüber, die sicherlich einen spannenden Kampf liefern werden. _Die Entscheidung in der Staffel III über die zukünftige Gestaltung der Tabelle wird in Heuchelheim fallen. Hier wird sich auch zeigen, wer im Augenblick die stärkste Eittyeit stellt. Während die Platzbesitzer schon seit langer Zett ihre Beständigkeit unter Beweis stellen konnten, ist Krofdorf von Sonntag zu Sonntag besser geworden und hat Ergebnisse erzielt, die aufhorchen lassen. Launsbach sollte es möglich sein, die Oberhand zu behalten, wenn sich nicht Großen-Buseck endlich einmal auf sich selbst besinnt und so spielt, wie es unbedingt notwendig ist. Atzbach hat am letzten Sonntag gut gefallen können, während Beuern mancherlei Wünsche offenließ. Immerhin darf man annehmen, daß es den Platzbesitzem nicht leicht fallen wird, sich durch- zusetzen. Lugenhfußball her Gp.-Bg. 1900. Spogg. 1900 1. Jgd. — Leihgestern 1. Jgd. , Dor dem Lokalkampf am nächsten Sonntag treffen sich diese Mannschaften zu einem Freundschaftsspiel. Die bisherigen Begegnungen endeten zum größten Teil mit Siegen für Leihgestern. So verlor die 1. Jugend der Spielvereinigung 1900 das letzte Spiel mit 5:1 Toren. Trotzdem die Einheimischen ihre zur Zeit stärkste Jugendmannschaft ins Feld schicken, werden sie wohl kaum um eine Niederlage herumkommen. Mit einem spannenden Kampf dürfte zu rechnen sein. — Die 2. Jugend ist diesmal fpielfret. Die schöne Melusine Roman Son Hans Richter 28 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Der Versucher von drüben: „Sie kriegen alles nach und noch drei Tage dazu, wenn Sie am Montag zurückkommen." „Ich kann doch nicht im Herbst ..." „Wir besorgen Ihnen was ganz Besonderes, vielleicht eine Seereise." Entscheidungen sind immer schwer und telephonische ganz besonders. Nachdem alles verstaut ist, fängt Tilde an, ihre Belegschaft innerlich einzuteilen. Dem älteren Ehepaar wird sie einen netten Spaziergang Vorschlägen. Die jungen Leute können am Abend tanzen, Radio wird Olsch Brümmer schon haben. Wenn nicht, muß das klappernde Klavier heran. Ein paar einzelne Herren beehren sie mit unternehmungslustigen Blicken und reden bereits von einem Böwlchen. Warum sollen sie keinen weiblichen Anschluß finden. Man fährt ja nicht fort, um sich zu langweilen. Nur gerade sie, Tilde, muß es nicht sein. Zuerst hat die Runeninsel in den Plänen dieser Sommernacht eine große Rolle gespielt, aber nun hat Tilde sie gestrichen. Weil genug weibliche Wesen da sind, denen sie eine gerüttelte Portion Hasenfüßigkeit zutraut, macht sie in Greuelmärchen. „Wir fahren in uraltes Sagengebiet", erzählt sie, während der „Sommernachtstraum" durch ein Luch gleitet, in dem nichts zu sehen ist. „Gerade die Gegend, in der wir heute nacht sein werden, steckt voll von alten Geschichten, und man weiß nicht, ob etwas daran ist oder nicht." „Mir können Sie nicht bange machen, Frollein", sagt ein dicker Mann, der bestimmt Besitzer eines gutgehenden Geschäftes ist. „Wenn Sie ein Gespenst wären, das könnte mir schon passen. Aber ich weiß nich, was Ihnen meine werte Frau Gemahlin zu- slüftern würde." „Egon", grollt die, und der ganze Wagen feixt. „Außerdem hatten wir uns heute abend an ein Pülleken, wa, Mutter?" Einer erzählt die Geschichte einer nächtlichen Fahrt durch das Luch. „Ueberall Irrlichter", sagt er. „Um ein Haar hätten wir im Dreck gesessen." ,^Huch", kreischt ein Mädel. „Besonders die Inseln haben es in sich", schießt Tilde ihre dickste Strandkanone ab. „Inseln sind in unserem Seengebiet fast immer Begräbnisplätze gewesen. Es ist mir selber einmal passiert, daß ich auf Knochen stieß, als ich ein Kochloch aushob." „Wenn Sie mal mit mir zelten, Frollein, können Sie ganz andere Sachen erleben", wird ihr von männlicher Seite versprochen. Gut, daß der „Theodor" jetzt die Gemüter in Anspruch nimmt. Und die Gegend dazu. Wilhelm Hellwig hat Wort gehalten. Er und Holzmann sind in dem kleinen Wagen nachgefahren, und er hat wirklich so getan, als sei Tilde nur die Führerin und als habe es nie eine andere Vereinbarung zwischen ihnen gegeben. Jetzt steht er neben Schiffsführer Apel auf der Brücke und läßt sich den Kurs erklären. Hellwig 8z Holzmann scheinen bei Petrus gut angeschrieben zu sein, die Sonne brennt nur so vom Himmel herunter und der Bierkonsum steigt beträchtlich. Schiffsführer Apel kann mit dem kleinen Nebengeschäft ganz zufrieden fein und reibt sich die Hände, wenn er nicht gerade steuern muß. Lotte schiebt sich neben ihre Freundin. „Ist alles wieder in Ordnung, Mädchen?" fragt sie leise. Die stöhnt leise auf. „Es ist alles in furchtbarster Unordnung, Lotteken." „Was ist denn los?" „Sag mal, was hast du eigentlich gesagt, als dein Fritz dir den Heiratsanttag gemacht hat?" will sie wissen. Lotte lacht. „Gar nichts. Ich bin ihm um den Hals gefallen." „Das ist also die richtige Liebe", stellt Tilde fachlich fest. „Einfach um den Hals fallen und sonst gar nichts." ,Hat dir etwa einer —?" fragt Lotte. Aber sie bekommt keine Antwort. Am Steg von Schloß Lüchow liegt die Kommerzienratsarche und hat Flaggengala gesetzt. Ein Grammophon dudelt über den See, und auf dem Rasenplatz vor der Terrasse wird getanzt. Schiffsführer Apel macht „tut" mit feiner Dampfpfeife. Die' Sommernachtsträumer drängen sich an der Reling und winken mit ihren Taschentüchern. Tilde hat das Glas am Auge und sucht den Platz ab. In einem der Liegestühle glaubt sie Bobby Verend zu erkennen und oben auf oer Terrasse die Sprenger. Sonst ist nichts zu erkennen. Ein Faltboot liegt jedenfalls nicht am Steg, und der Parkplatz, auf dem ein Motorrad stehen könnte, ist vom See aus nicht zu sehen. Wilhelm Hellwig läßt sich die Reklamemöglichkeit nicht entgehen. Er hat Schiffsführer Apels Sprech- ttichter am Munde und läßt fein „Hallo! Straßenbummler?!" über das Wasser schallen. „Unser Unternehmen, meine Herrschaften", erklärt er stolz. „In Schloß Lüchow wird ein Film gedreht, und wir haben die gesamte Beförderung in Händen. Mtt einem der bekannt guten Wagen von Hellwig 8z Holzmann." Fikchen Brümmer hat sich wirklich ein Bein aus- gerissen. Es ist eine, lange Kaffeetafel gedeckt worden, und die Kannen» stehen dampfend auf dem Tisch. Man hat sich inzwischen auch kennengelernt und ist verttauter, zum Teil sogar verttaulicher geworden. Es besteht die Hoffnung, daß dieser „Sommernachtstraum" nicht auf ein einzelnes Wochenende beschränkt bleiben möge. Nach dem Kaffee folgen die Spaziergänge in die Wildnis, und als man am Abend zurückkommt, hat man einen gehörigen Appetit. Die Runeninsel liegt märchenhaft und lockend am See. Aber der Gedanke, sie zu besuchen, ist noch nicht aufgetaucht. Man ist ja auch so beschäftigt. Als es dunkel wird, läßt Fikchen Brümmer die Lampions, die überall aufgehängt sind, anzünden und erntet damit ein Sonderlob bei Tilde. Die Romantik der alten Mühle hat die alten und die jungen Leutchen in ihren Bann geschlagen. Irgendwo quäkt ein Schifferklavier in die Tanzmusik hinein, und es ist längst nicht mehr möglich, alle Schäfchen zu übersetzen. Tilde ist reichlich abgespannt und würbe gern chlafen. Nur das Pflichtgefühl hält sie wach. Fritz und Lotte Mewes haben mit Hellwig 8z Holzmann einen Tisch in der Laube belegt und werden sichtlich vergnügter. Von Lotte fällt sogar das Wort, sie ähe nicht ein, warum man nur einmal im Leben Hochzeitsreise machen solle. Eine Bemerkung, der Wilhelm Hellwig zustimmt. Gegen elf Uhr hält Tilde eine Rede. Man wolle nicht Spielverderber sein, aber sie müsse als Retse- maxschall noch darauf aufmerksam machen, daß man auch morgen ein sehenswertes und umfangreiches Programm vorhätte. Die Leutchen sind friedlicher, als sie gedacht hat. Der Appell wirkt, und zum Abschluß des Tages wird ein großer Zapfenstreich in Szene gesetzt, det im feierlichen Umzug noch einmal alle Stätten, die man rasch liebgewonnen hat, besucht und vor dem Hause endet. Todmüde verschwindet Tilde endlich in ihrem Zimmer und läßt die Tür hinter sich zufallen. 26. Gerade will Tilde anfangen, sich auszuziehen, als es an der Tür klopft. Draußen steht Fikchen Brümmer und weiß nicht recht, wie sie es sagen soll. „Ich weiß nicht recht, wie Sie das auffassen werden", druckst sie. „Aber nicht wahr, man schließt doch gern das Haus ab, nicht wahr? Darauf hüll Friedrich immer. Draußen ift's gut und schön bei Tageszeit. An Nachtzeit gehört der Mensch unters Deckbett, so ist seine Rede immer. Und dann sagt er noch —" nun muß Fikchen doch kichern — „Bäckers und Nachtwächter sind 'ne Ausnahme. Was fon ollen Mann für dummen Schnack macht, nich?" „Was wollen Sie mir noch sagen?" fragt Tilde und versteht nicht. „Der Olsch, was mein lieber Bruder Friedrich ist, der hat noch seinen Runbgang gemacht. Erst bei Alma, das is unsere Schecke, die mag über Nacht vielleicht kalben, vielleicht auch nich. Ja, und dann war er oben auf dem Berg. Morgen wird das wieder schön, sagt er, aber heute in der Nacht setzt es was." „Gewitter?" „Kommt ganz schwarz rauf überm Walde. Wenn's überm See wäre, wüßten Sie es schon alle. Aber die Gewitter, die von da drüben kommen, die sind mit einem da." Gleichsam, als wolle Pettus Fikchens Worte bestätigen, läßt er einmal zwei Wolken ordentlich aneinander reiben. Es klingt, als ob ein Bierwagen über eine Holzbrücke führe. „Sa ist es schon", kreischt Fikchen und wird kreidebleich. „Sehen Sie, wenn eins vom Lande is und mal gesehen hat, wie ’n Bauernhof brennen kann, dann hat es nicht viel im Sinn mit Gewitter. Und mit Wasser schon gar nich." (Fortsetzung folgt)