Mittwoch, 15. Naim« Beilage«: Die Illustrierte Gießener Familienblätter von Merzig und südlich p timafens in die feindlichen Stellungen ein und nahmen Engländer und Franzosen gefangen. Außer der starken Unterstützung des Heeres griff die Luftwaffe verschiedene feindliche Flugplätze an. Auf dem Flugplatz h a m st e d e wurden allein 26 am Boden stehende Flugzeuge z e r st ö r t. 3m ganzen betrugen die Verluste des Gegners am 13.Mai etwa 150 Flugzeuge, davon wurden im Luftkampf 47, durch Flakartillerie 37 abgefchos- sen. 27 eigene Flugzeuge werden vermißt. von Mezitzres — Eharleville fast überall erreicht und an vielen Stellen überschritten. Unter dem Schuh von ununterbrochen angreifenden deutschen Kampf-, Stuka- und Zerstörerverbändev und deren niederschmetternder Wirkung gelang es, die Maas auch auf französischem Gebiet zu überschreiten. Südlich Saarbrücken zeichnete sich der Leutnant eines Infanterie-Regiments Otto Schulz durch besondere Tapferkeit aus. In Erweiterung der gestrigen Angriffserfolge brachen wir in der Gegend Französische Panzerverbände nordwärts Aamur zvrülkgeworsen. Berlin, 14. Mai. (DRV.) Nordwärts Namur kam es zum ersten Male in diesem Krieg zu einem Grotzkampf zwischen P an z e r v e r b ä n - den. Französische Panzergeschwader waren deutschen Panzerkräften entgegengeschickt worden, um ihr weiteres Vordringen in Richtung auf die Dyle- S tellung zu verhindern. In engem Zusammenwirken mit Kampfverbänden der deutschen Luftwaffe nahmen die deutschen Panzerkräfte unverzüglich den Kampf auf. Die Franzosen wurden g e f ch l a g e n und fluteten zurück, hierbei faßte die deutsche Luftwaffe sie nochmals. Stark erschüttert gehen sie nunmehr, verfolgt von den deutschen Panzerverbänden, auf die Dyle-Stel.lung zurück. l-v. Jahrgang Ur. U5 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Oie holländische Regierung nach London gesiohen. Mailand, 14. Mai. (Europapreß.) Der Ober« kommandierende der holländischen Truppen, General 'Dinkelmann, teilte durch den Rundfunk der hol« ländischen Bevölkerung mit, daß die Regierung der Niederlande ihren Sitz nach London verlege. nuna der holländischen Truppen von den belgischen hat in englischen Militärkreisen die Furcht vor einem deutschen M a s s e n a n g r i f f auf englische Flugplätze verstärkt. Man fürchtet auch deutsche Luftangriffe auf englische Hafen- anlagen, Eisenbahnknotenpunkte und dgl. und ist dazu übergegangen, neben der Alarmierung aller zivilen Schutzverbände den Polizeistationen in der Nähe der angeblich bedrohten Punkte Waffen- und Munitionslager einzurich'ten, um auch die Polizei für einen militärischen Einsatz bereit zu machen. Zwei Kreuzer, ein Zerstörer versenkt. Erfolgreicher deutscher Luftangriff im Seegebiet der niederländischen Küste. Berlin, 14. Mai. (DRB.) Die deuische Luftwaffe Hal heute im Seegebiet der niederländischen Küste feindliche Leestreilkräfte und Transporter erneut angegriffen. Es wurden zwei Kreuzer versenkt, ein Kreuzer durch eine Bombe schwer getroffen und in Brand gesetzt, ein Zerstörer versenkt, ein 25 000-Tonnen-Dampfer von einer schweren Bombe getroffen. Dieser brennt seit mehreren Stunden. Weiter wurde ein 8000-Tonnen- ' Dampfer durch Bombentreffer schwer beschädigt. Zwei Forts der Festung Namur genommen Oie Niederkämpfung der restlichen Forts von Lüttich. Der holländische Staat in fünf Tagen zur Kapitulation gezwungen Nach Llebergabe Rotterdams den nutzlosen Widerstand aufgegeben. — Deutsche Truppen an der mittleren Maas in Dinant, Givet und Sedan eingerückt. Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/rMr d es Vormittags Grundpreise für 1 mm Höbe bei Anzeigen von 22 »m Breite? Pf., Tertanzeigen von 70 mm Breite 50 Pf- Wied erb olung Malstaffel l AbschllisseMengenstaffelB Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25°/omehr Ermäßigte Grundpreise Bäderanzeigen und behördliche Anzeigen von 22 mm Brette 6 Pf- Berlin, 14. Mai. (DRB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Unter dem gewaltigen Eindruck der Angriffe deutscher Sturzkampfflieger und des bevorstehenden Panzerangriffs auf die Stadt hat Rotterdam kapituliert und sich dadurch vor der Vernichtung bewahrt. Rach der Kapitulation von Rotterdam und angesichts der bevorstehenden Bedrohung der holländischen Hauptstadt hat der holländische Befehlshaber den aussichtslosen Widerstand aufgegeben und seinen Truppen den Befehl zur Einstellung des Kampfes erteilt. In Zeeland geht der Kampf weiter. ♦ Damit ist atn 5. Tage des gegen Deutschland provozierten Kampfes der holländische Staat zur Kapitulation gezwungen worden. Die Provinz Zeeland umfaßt die vorgelagerten Inseln, über die der.holländische Oberbefehlshaber offensichtlich keine Vefehlsgewalt mehr besitzt. Ihre Besetzung durch deutsche Truppen ist nur eine Frage von Tagen. Dieser gewaltige Erfolg wurde errungen im Zusammenwirken der deutschen Truppen des Landheeres und der Luftwaffe. Lr stellt eine militärische Leistung einziger Art dar. Deutsche Truppen in Dinant, Givet und Sedan einaeruckt. Berlin, 14. Mai. (DRV.) Deutsche Truppen warfen heute britische, französische und belgische Kräfte an der Gelte und verfolgten sie in Richtung auf die Dyle-S tellung bei Löwen und Wavre. In Rordbelgien haben deutsche Panzerverbände in der Verfolgung des zurückflutenden Feindes L i g n y, das historische Schlachtfeld von 1815, erreicht. Deutsche Truppen sind nach gewaltigen Marschleistungen durch Südbelgien bis an die Maas in Dinant, Givet und Sedan eingerückt. Die gleiche Regierung, die vor einer halben Woche noch das holländische Volk auf forderte — wie sie selbst — heldenmütigen Widerstand zu leisten, flieht jetzt unter fadenscheinigen Gründen und behauptet mit frecher Stirn, daß sie nur die Flucht ergriffen habe, weil sie nur von England aus ihr Land weiter regieren könnte. Um dem Zynismus die Krone aufzusetzen, fordert die gleiche Regierung nach ihrer feigen Flucht noch die Beamtenschaft Hollands auf, treu auf ihrem Posten auszuharren und dem Lande zu dienen. Wir sehen in dieser verantwortungslosen Haltung das Musterbeispiel einer Staatsführung, wie sie für uns Nationalsozialisten, aber auch für jeden anständigen Menschen in der Welt unverständlich ist. Mit Abscheu wenden sich alle verantwortungsbewußten Männer der Welt von diesen Feiglingen ab, die ihr Volk in den Krieg hineintreiben, namenloses Unglück über das Land hereinbrechen lassen, um dann im entscheidenden Augenblick die Flucht zu ergreifen. Nachdem die holländische Regierung ein paar Tage lang nichts unversucht gelassen hat, um unter Mißbrauch des Appells an die nationalen Pflichten die Bevölkerung zum nutzlosen Widerstand aufzuputschen, während ihr eigener „Krieg" nur in dem Erfinden von Greuelnachrichten bestand, suchte sie gerade in dem Augenblick, wo es galt, sich zum Kampfe zu stellen, ihr Heil in der Flucht und überließ Land und Volk dem eigenen Schicksal. Das holländische Volk wird sich über diese Sorte Staatsmänner seine eigenen Gedanken machen. Vor der Weltöffentlichkeit sind sie gerichtet. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, für die Zusammenarbeit der holländischen Regierung mit den englischen Kriegshetzern, so ist dieser durch die Flucht der holländischen Staatsmänner nach England vollauf erbracht. Holland kapituliert. Zn einem Siegeszug ohnegleichen, der unerhörte Marschleistungen und ein ungemein exaktes Zusammenwirken aller Waffen vorvussetzte, hat die deutsche Wehrmacht in der unglaublich kurzen Zeit von fünf Tagen die Niederlande zur Kapitulation gezwungen. Zn ungeheuren Märschen waren bereits in den ersten Tagen die nördlichen Provinzen Groningen und Friesland von deutschen Truppen besetzt, in 48 Stunden wurde Harlingen an der westfriesischen Küste erreicht, eine Leistung, die erst ganz in Erscheinung tritt, wenn man sich die Entfernung von 120 Kilometer Luftlinie«zwischen der Reichsgrenze und Harlingen vor Augen hält. Der strategisch entscheidende Vorstoß gegen die hollchi- dische Wehrmacht wurde indessen weiter südlich durch die Provinzen Oberyssel, Geelderland uno Brabant geführt. Hier galt es, die. östlichste Widerstandslinie entlang des Pssel-Flusses zu durchstoßen. Diese und die 40 Kilometer weiter zurückliegende zweite, sogenannte Grebbe-Linie, die sich von Amerssoort südlich der Zuider-See in Richtung Rhenen bis zu dem kleinen Ort Grebbs erstreckt, wurden ebenfalls in schnellem Zupacken durchbrochen, und auch die weiter südwärts angelegte Verteidigungszone der Peel-Linie, die von Rhenen bis Roermond durch zahlreiche Bunker, Maschinengewehrnester und Tankfallen verstärkt war, vermochte dem deutschen Angriff nicht standzuhalten. Inzwischen war es durch die überaus schneidige Tat unserer Luftwaffe gelungen, im Raum von Rotterdam Truppen zu landen und damit den ersten Einbruch in die „Festung Holland" durchzufuhren. Die „Festung Holland" ist ein feststehender geographischer Begriff, dessen strategische Bedeutung bereits die Römer erkannt hatten. In dem Freiheitskampf der Niederlande gegen die spanische Herrschaft wurde dieses Kernstück der Provinzen Nord- und Südholland zum wichtigsten Bollwerk der Verteidigung gegen die spanischen Truppen. In moderner Zeit ist dieses Gebiet, das etwa durch die Städte Hilversum, südlich der Zuider-See, Utrecht, Rotterdam, Den Haag, dann durch die holländische Küste bis zur Nordküfte bei der Insel Vieringen gekennzeichnet wird und das großenteils mehrere Meter unter dem Meeresspiegel liegt, durch zahlreiche Forts, vor allem in der Umgebung von Utrecht und an den Durchgangsstellen der großen Flußarme des Rhein-Maas-Deltas (Lek, Waal, Merwede) zur letzten Verteidigungsstellung ausae* baut worden. Um nicht das ungemein wichtige Anbaugebiet der holländischen Landwirtschaft durch Ueberschwemmungen zu vernichten, war nur vorgesehen, einen Grenzgürtel unter Wasser zu setzen, während mit dieser Verteidigungsanlage, die in letzter Zeit erheblich modernisiert worden war, das Kernstück Hollands und vornehmlich die Hauptstadt Amsterdam geschützt werden sollte. Die schon erwähnte Grebbe-Linie bedeutete eine Verstärkung der „Festung Holland" in dem Hügelland zwischen Amerssoort und Utrecht und dem von Kanälen und Flüssen durchzogenen Niederungsgebiet des Geelderschen Tales. Die Wel-Linie deckte das Hügelland der Veluwe siüllich Apeldoorn und Berlin, 15. Wal. (DRV. Funkspruch.) Heber t die Kämpfe um die Befestigungen südlich l und ostwärts Lüttichs erfahren wir, daß 1 auf dem Westufer der Waas die Forts Lantin J und Loucien bereits am 13. Wai gefallen ( find. Das Fort Tancremont-Pepinster > hat nach Beschießung durch schwere Artillerie sein : Feuer eingestellt. Zwei Forts der Festung Ramur wurden ' ebenfalls genommen. Britische Sorgen. Genf, 14. Mai. (Europapreß.) Daß man in England die Lage keineswegs rosig ansieht, schreibt der stets gutunterrichtete Londoner Korrespondent der Basler „Nationalzeitung", er berichtet: „Die Urteile der britischen Fachleute über die Kriegslage sind vorsichtig. Es wird eingeräumt, daß die Deutschen bereits merkliche Erfolge erzielt haben und daß ihre Hauptmacht noch nicht in den Kampf eingetreten ist. Das Publikum wird davor gewarnt, schon jetzt von einem Scheitern der Blitzkriegstaktik zu reden, denn auch der Blitzkrieg entscheide sich nicht in Tagen, sondern in Wochen." Das Vorrücken der deutschen Truppen an der holländischen Kanal- und Nordseeküste und die Tren- Bei Sedan 70 feindliche Flugzeuge abgeschoffen. Berlin, 14. Wai. (DRB.) Dienstag wurden nach den bis jetzt vorliegenden Meldungen im Raume von Sedan von deutschen Jagdfliegern 7 0 feindliche Flugzeuge abgeschossen. Ls ist damit zu rechnen, daß sich das Abschuhergeb- nis noch beträchtlich erhöht. Der Wehrmachtsbericht vom Dienstag. Führerhauptquartier, 14.Wai. (DRB.) Das OKW. gibt bekannt: In Holland ist es gelungen, den Einbruch in die Grebbe-Linie südostwärts Amerssoort zu erweitern und in Richtung Htrecht Raum zu gewinnen. Weitere Kräfte werden vom Süden her in die Festung Holland hineingeführt, in der unsere Truppen nach Vernichtung einer feindlichen Kräftegruppe bei Dordrecht bis Rotterdam durchgestoßen sind. Weiter südlich drangen unsere Truppen über Breda gegen die Schelde- Mündung vor. R o s e n d a a l wurde genommen. In Belgien wurde gestern auch der Turn- h o u t - K a n a l südostwärts der gleichnamigen Stadt überschritten und weiter südlich die Große Gelte erreicht. Rördlich Ramur stoßen unsere Panzerkräfte den auf die befestigte ® 91e' eJ * lung zurückgehenden feindlichen Panzern nach, die durch die vorausgegangenen Angriffe aus der Luft und auf der Erde stark erschüttert sind. Die Stadt Lüttich ist in deutscher Hand. 3m Raume südlich der Linie Lüttich—Ramur haben unsere Truppen die Ardennen hinter sich gelassen und mit Anfängen die Maas zwischen Ramur und Givet erreicht. Auch in Sudbelgien verlaufen unsere Bewegungen rasch uno planmäßig. Die französisch-luxemburgische und französisch-belgische Grenze ist bis in die hoyej its Ciehener Anzeiger ÜSSii «mess«. General-Anzeiger für Oberheffen tät An em. ■ROE« >Rüa IÖRN «ÄBBe^UX jyemxjK .ESSLW6EN, >»FEN' MANNHEIM ? wtLHOW«o) ®£MDB* M I G^VARMOun» EMTEl A-ETOUV l 1 toEVENTtK— JgpQl( $0600^ “ft» _ OÜNKIJ ien IÜNE8V« begriff öie Städte Deventer und Zutphen in sich. Die ebenfalls schon genannte Peel-Änie, nach einem Mooraebiet bei Arnheim genannt, reichte bis an den Zuid-Willems-Daart-Kanal, einen Kanal, der über belgisches Gebiet nach Maastricht führt. Diese Stellung hatte den Zweck, das Industriegebiet von Eindhoven zu decken. Trotz dieser umfangreichen und nach den in der holländischen Presse erschienenen ruhmredigen Berichten auf das modernste angelegten und ausgestat- teten Befestigungen ist es der deutschen Wehrmacht in der unvorstellbar kurzen Zeit von 5 Tagen gelungen, bis in das Herz der „Festung Holland" durchzustoßen und den Oberbefehlshober der holländischen Truppen zur Waffenstreckung zu zwingen. Da die holländische Regierung zwar ihr Volk zum Widerstand gegen den deutschen Einmarsch aufrief, dann aber sehr schnell die Flucht ergriff und damit ein weiteres beschämendes Beispiel demokratisch-parlamentarischer Regierungsmethoden gab, bedeutet die Waffenstreckung der holländischen Armee die Kapitulation des niederländischen Staates, ein ungeheurer Erfolg der deutschen Kriegsführung, die damit die England gegenüberliegende Küste gewonnen hat (die noch auf oen Inseln des Schelde-Deltas in der Provinz Zeeland sich zur Wehr setzenden holländischen Kräfte können an dieser Tatsache nichts mehr ändern) und nun also die Gegenblockade von der Nordspitze Norwegens bis zur Kanalmündung herunter wirkungsvoll durchzuführen vermag. Don strategisch vielleicht noch größerer Bedeutung ist der Maasübergang bei Maastricht, die Forcierung des Forts Eben Emael und der Einbruch in die Festung Lüttich, womit sich der deutschen Offen- e sive erst die breiten Entfaltungsmöglichkeiten auf ' dem durch die Kämpfe von Jahrhunderten berühmten Boden Südbelgiens und Nordfrankreichs eröffnen. Aber mit Lüttich ist den deutschen Truppen nicht nur ein Waffenplatz ersten Ranges und von höchster strategischer Bedeutung in die Hände gefallen, sondern auch eine Stadt, die dank ihrer Lage an der Mündung des Ourthe in die Mags und an der Abzweigung des Albert-Kanals, der die Verbindung Lüttichs mit Antwerpen und damit also mit dem Meere herstellt, der wirtschaftliche Mittelpunkt Südbelgiens ist. Die Stadt, mit 161000 Einwohnern nächst Antwerpen, Brüssel und Gent die viertgrößte Stadt des Landes, liegt inmitten eines ausgedehnten Steinkohlengebiets und beherbergt mit ihrem westlichen Vorort Seraing eine bedeutende Eisenindustrie. Vornehmlich werden Maschinen und Kraftwaaen hergestellt. Als Sitz der leistungsfähigsten Waffenfabriken Belgiens nimmt Lüttich in der internationalen Rüstungsindustrie eine hervorragende Stelle ein. Aber auch kulturell ist Lüttich, bereits seit dem 8. Jahrhundert der Sitz von Bischöfen, die als Reichssürsten ein umfangreiches Gebiet beherrschten, das erst zur napoleonischen Zeit säkularisiert wurde, Mittelpunkt der Wallonie. 1817 wurde hier eine Universität gegründet, der später eine Kunst-- und eine Musikhochschule folgten. Der durch die kühne Planung der deutschen Kriegführung und den unerhörten Schneid unserer Truppen in gut eingespieltem Zusammenwirken aller Waffen überraschend schnell gelungenen Einnahme von Stadt und Festung Lüttich, deren Außenforts dem deutschen Ansturm ebenfalls nicht mehr lange werden wioerstehen können, lief der deutsche Vormarsch durch Luxemburg und den südlichen Zipfel Belgiens parallel. In einem geradezu beklemmenden Marschtempo haben unsere deutschen Truppen hier schon nicht nur die Ardennen durchschritten, sondern auch die Maas bei den aus dem Weltkrieg her bekannten Orten Dinant, Givet, Charleville und Sedan erreicht. Die Maas bildet hier in ihrem Lauf jenseits der französisch-belgischen Grenze eine natürliche Verlängerung der Maginot-Linie nach Norden. Der Flußlauf ist von den Franzosen durch Befestigungen aller Art in jahrelanger Arbeit verstärkt worden. Die Verbindung zur Dyle-Stellung, die über Wavre —Löwen bis nach Antwerpen hinauf als Hauptstellung der belgischen Verteidigungszone die Stadt Brüssel schützen soll, bildet ebenfalls die Maas über Dinant und Namur, wo sie dann den scharfen Knick nach Osten macht. Die Dyle-Stellung, auf die in großartigem Schwung deutsche Panzerverbände im Zusammenwirken mit Kampfgeschwadern der Luftwaffe fran- , zöllsche Panzerkräfte zurückgeworfen haben, bildet also die äußerste Verlängerung der Maginot-Maas- Linie und ist durch besonders starke Stellungen festungsartig ausgebaut worden. Die von der deutschen Wehrmacht in diesen Tagen errungenen Erfolge haben die Bewunderung der ganzen Welt gefunden. Unaufhaltsam geht der deutsche Vormarsch weiter. Noch ist der entscheidende Zusammenstoß mit der Masse des englisch-französischen Heeres nicht erfolgt, aber französische und britische Kräfte sind überall, wo sie im holländischbelgischen Vorfeld angeseht waren, um den deutschen Vormarsch aufzuhalten, mit wuchtigem Elan zurückgeworfen worden. Das deutsche Volk blickt voll stolzer Bewunderung auf die außerordentlichen Leistungen seiner Wehrmacht und sieht voll zuversichtlichem Vertrauen den großen Ereignissen entgegen, die jetzt im Nordwesten heranreifen. Es weiß, daß auch in dieser größten und schwersten Entscheidungsschlacht der Sieg sich an die deutschen Fahnen heften wird. Dr. Fr. W. Lange. Das Fort Eben Emael. £ben 4»| Mit der schnellen Eroberung der Werkgruppe Eben Emael durch den ungestümen Angriffsgeist der deutschen Wehrmacht in Verbindung mit einer bisher unbekannten Kampstaktik ist nicht nur der stärkste Eckpfeiler Lüttichs, sondern auch eine der bedeutendsten modernen Festungsanlagen jenes Derteidi- gungssystems gefallen, das sich in Fortsetzung der Maginot-Linie an der belgischen Ostgrenze hinzieht. Das Fort, dessen Grundriß wir hier zeigen, entspricht in seiner ganzen Bauart völlig dem französischen Muster, wie es in den stärksten Anlagen der Maginot-Linie gegeben ist. Die Werkgruppe hatte die Ausgabe, durch Fernfeuer die Annäherung an das Maastal nördlich Lüttich zu erschweren und ein Ueberschreiten der Maas und des Albert-Kanals nördlich von Lüttich zu verhindern. (Scherl-Bilder- dienst-M.) Rotterdam. Rotterdam, desien Besatzung vor den deutschen Truppen die Waffen gestreckt hat, ist mit mehr als 600 000 Einwohnern nächst Amsterdam die zweitgrößte Stadt Hollands, inmitten des Rheindeltas der größte Seehafen des Landes und nächst Hamburg und Antwerpen der größte des nordeuropäischen Festlandes. Hier werden Erdöl, Erze, Getreide, Holz und Kohlen eingeführt, während vorwiegend landwirtschaftliche Produkte den Hafen verlassen. Neben einer starken Binnenschiffahrt beherbergt Rotterdam auch eine ausgedehnte Schiffsbau- Maschinen- und Margarineindustrie. Das Wahrzeichen der Stadt ist die gotische Groote Kerk, im Boymans-Museum sind wichtige Schätze niederländischer Kunst, darunter auch solche der Moderne, gesammelt. Bundesratssitzung in Bern. Basel, 14. Mai. (Europapreß.) Wie aus Bern gemeldet wird, war ein großer Teil der Bundesratssitzung vom Dienstag der Besprechung der internationalen Lage und der besonderen (Situation der Schweiz gewidmet. Nach den „Basler Nachrichten" wurden „ergänzende Maßnahmen" beschlossen. Mit unseren Soldaten durch Holland. ■■ - < H W frX - MF z' * M Unser Bild zeigt einen Zug bespannter deutscher Artillerie beim Vormarsch durch Holland. Im Hintergrund sieht man eine Eisenbahnunterführung, die die Holländer durch Sprengung zu zerstören versucht hatten. — (PK.-Weber. — Scherl-M.) Paris unter dem Eindruck der deutschen Operationen. Genf, 14. Mai. (Europapreß.) Die Pariser Presse steht ganz unter dem Eindruck der großen militärischen Operationen. Die Artikel können die deprimierende Wirkung, die die deutschen Erfolge bei den militärischen Befehlshabern der Westmächte aus- gelöst haben, kaum verbergen. Wie nicht anders zu erwarten, werden die deutschen Erfolge abzuschwächen versucht. Gleichzeitig ist man bestrebt, die französische Oeffenttichkeit auf die kommenden Entscheidungen vorzubereiten. Der Militärkritiker des „Petit Parisien" schreibt, das deutsche Vorgehen sei durch einen allgemeinen Ansturm der deutschen Wehrmacht von Holland bis zum Kanal gekennzeichnet. Zahlreiche Zusammenstöße hätten sich überall an der ganzen Front ereignet. Die größte Schlacht aller Zeiten habe begonnen. Auch im Journal" wird von General Duval festgestellt, das Schlachtfeld dehne sich von Holland bis zur Mosel aus. Das Zurückwerfen der vereinigten Stteitkräfte der Westmächte und Belgiens feien „Rückzugsgefechte", die Schlacht stecke erst in i h r e n A n f ä n g e n. Es zeige sich aber jetzt schon, daß sie für die Westmächte sehr hart sein werde und alle Energien erfordere. Unbefriedigendes Ergebnis der französischen Kriegsanleihen. Paris, 14. Mai. (Europapreß.) Die französischen Kriegsanleihen haben bis jetzt nicht das Ergebnis gebracht, das man erwartet hatte. Man hat nun eine neue Propagandawelle eröffnet, und zwar richtet sich der Appell diesmal an die Schulkinder, die von den Lehrern auf die Bedeutung der Anleihen aufmerksam gemacht werden, Schularbeiten über den Sinn der Anleihen zu machen haben usw. Man hofft auf diese Weise durch die Kinder einen moralischen Druck auf die Eltern zur Zeichnung der Aufrüstungsbonds ausüben zu können. In den größeren französischen Städten werden in den Straßen und auf den Plätzen eigens zum Zweck der Reklame für die Rüstungsbonds bestimmte Plakattafeln hergerichtet. Paris beachtet italienische Sicherheitsmaßnahmen. Rom, 15. Mai. (Europapreß.) Nach einer Meldung des „Giornale d' Italia" aus Paris hat dort eine Meldung aus englischer Quelle große Beachtung gefunden, wonach Italien vier Jahresklassen des Heeres und eine Jahresklasse der Flotte unter öie Fahnen berufen hat. Großes Aussehen habe es auch in Paris erregt, daß Mussolini im Anschluß an seine Besprechungen mit militärischen Führern den Generalgouverneur von Libyen, Luftmarschall B a l b o , den italienischen Botschafter in Madrid, General Gambara, und den italienischen Gesandten in Aegypten, Graf Mazzolini, zu einer Konferenz nach Rom berufen habe. Nach „Messaggero" sollen englische und ägyptische Truppen an der libyschen Grenze in der Wüste Positionen bezogen haben. Die Behörden seien ermächtigt worden, Sollum, Sidi, Barrani und Mersa Matruh, die nahe der libyschen Grenze gelegen sind, im Bedarfsfälle von der Zivilbevölkerung zu evakuieren. Italien bewundert die deutschen Erfolge. Oer französische Heeresbericht muß die deutschen Meldungen vom Kriegsschauplatz bestätigen. Rom, 14. Mai. (Europapreß.) Die Westmächte »rzwungen, die Erfolge der deutschen Truppen esten, wenn auch widerwillig, zuzugeben, so stellt die römische Presse übereinstimmend fest. Es ist sicherlich noch nicht oft norgetommen; daß den Heeresberichten der West möchte ein Platz an hervorragender Stelle der Titelseite und dazu noch in Fettdruck eingeräumt wird. Am Dienstag widerfährt diese seltene Bevorzugung dem amtlichen Bericht, den das französische Oberkommando am Dienstagoormittag ausgegeben hat und der folgendermaßen beginnt: „Der deutsche Angriff entwickelt sich mit zunehmender Heftigkeit. Der Feind hat von Lüttich bis Namur die Maas erreicht." Die militärischen Operationen an der Westfront, so schreibt „Popolo di Roma", nähmen unerhörten Umfang an. Die Gegner seien auf einer vierhundert Kilometer langen Front bereits in scharfer Fühlung. Durch die bei Lüttich geschlagene Bresche ermeße sich ein alles zermalmender Strom von deutschen motorisierten Kolonnen nach Südwesten gegen die englisch-französischen Heere. In einer Betrachtung der ersten vier Tage des deutschen Vorstoßes im Westen schreibt „Messaggero", die deutschen Truppen stießen mit unerhörter Geschwindigkeit und Entschiedenheit auf die lebenswichtigen Zielpunkte in der gegnerischen Verteidigung vor. Innerhalb von nur 48 Stunden sei ganz Nordholland in deutsche Hände gefallen, Luxemburg sei völlig besetzt, und in Belgien sei Lüttich überrannt sowie der Albert-Kanal forciert worden. Nun werde sich zeigen, ob die belgisch-französisch-englischen Truppen auf der Linie Antwerpen—Namur, die Brüssel decke. Widerstand leisten könnten. Der Militärkritiker der „Gazetta del Popolo", General Romano, schreibt, man habe immer geglaubt, daß eine Überraschung neutraler Staaten nur bei Kriegsbeginn durchführbar sei, während jetzt die deutschen Truppen, acht Monate nach Kriegsbeginn, nachdem Holland und Belgien umfassende Verteidigungsanlagen errichten konnten, erfolgreich in diesen beiden Ländern seien. Wunderbar an diesem deutschen Manöver sei nicht nur das große Geheimnis, von dem es umgeben war und feine sorgfältige Vorbereitung, sondern auch die Genauigkeit der Durchführung. Auf diese Weise konnte der deutsche Vormarsch trotz dem Widerstand der Gegner unerbittlich und sicher vorgetrieben werden, und nichts werde ihn aufhalten können. Frankreich und England würden so zur härtesten Schlacht der Geschichte gezwungen. Das halbamtliche „Giornale d'Jtalia" meint, die Art des deutschen Vormarsches habe einen Grad der Vollkommenheit erreicht, den kein Techniker der Welt verkennen könne. Die „furchtbare" Ueberschwem- mung, die von Holland als eine unüberwirdliche Verteidigung betrachtet worden sei, hätte der deutschen Taktik nicht widerstehen können. Auch Deutsche Fallschirmspringer. 1 ■'1 % 1 * 1 .. -M "1$ ? f* i; • •• « Nachdem der französische Ministerpräsident Rey - n a u d die Lüge verbreitet hatte, die in Belgien und Holland eingesetzten deutschen Fallschirmspringer hätten belgische oder holländische Uniform bzw. Zivil getragen, hat das Auswärtige Amt die militärische Stellung der deutschen Fallschirmspringer dargelegt. Wie unser Bild beweist, ist die allgemein bekannte und der besonderen Kampfesweise der Fallschirmtruppen angepaßte Uniform weder mit Zivilkleidung noch mit irgendeiner Uniform fremder Heere zu verwechseln. Bei der großen Führerparade am 20. April v. I. hatten übrigens sämtliche ausländischen Militärattaches in Berlin Gelegenheit, Fallschirmspringer mit ihren Uniformen in großer Anzahl zu sehen. — (Scherl-Bilderdienst-M.) zwischen den Land- und Luftstreitkräften bestehe überall die engste Zusammenarbeit. Auf diesem Gebiet besitze Deutschland eine nicht zu bestreitende Ueberlegenheit gegenüber den Westmächten. Die „Tribuna" sagt, die Deutschen hätten auf der ganzen Linie die Initiative in der Hand behalten, und den Westmächten sei es bis jetzt nicht gelungen, ihren Vormarsch wirksam aufzuhalten ober zum Stillstand zu bringen. Die Westmächte, die, wie man sogar in Paris offen zugebe, von den Deutschen an der Maas überrannt worden seien, seien gezwungen, den Kamps da anzunehmen, wo es die deutsche Heeresleitung gewollt habe. Alles in allem, die Deutschen seien an der ganzen Front in der Offensive. Die Schlußworte des Aufrufes, den der Führer bei Beginn des Vormarsches in Belgien und Holland an die deutschen Truppen gerichtet habe, ließen keinen Zweifel bestehen: Deutschland kämpfe seine größte und schönste Schlacht, und die deutschen Soldaten kämpften sie mit stürmischem Eifer, Begeisterung und dem entschlossenen Willen, zu siegen. Großer Eindruck in Schweden. Stockholm, 15. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die Meldungen über die erfolgreichen deutschen Operationen am Dienstag und die Kapitulation Hollands haben auf die schwedische Oeffenttichkeit einen Eindruck gemacht, der kaum mit Worten zu beschreiben ist. In militärischen Kreisen unterstreicht man besonders die Tatsache, daß die Kapitulation eines Staates von 8,5 Millionen Menschen innerhalb von fünf Tagen in der Geschichte überhaupt nicht dagewesen ist. Der restlose Zusammenbruch der holländischen Armee ttotz der Tatsache, daß das ganze Land bereits seit Monaten in den Zustand höchster Kriegsbereitschaft gesetzt worden war, wird ausschließlich als das Ergebnis der überlegenen Schlagkraft und Strategie der deutschen Wehrmacht bezeichnet. Mit äußerster Spannung erwartet die schwedische Oeffenttichkeit nun die weitere Entwicklung der Operationen in Mittelbelgien. * Ein Korrespondent des „Aftonbladet", der die belgischen Truppen begleitet, gibt zu, daß die Belgier, obwohl unterstützt von französischen Streitkräften, ständig im Weichen begriffen feiert. Von französischer Seite würden verzweifelte Anstrengungen gemacht, die Deutschen in ihrer Flanke anzugreifen, doch fei dies bisher nirgends gelungen. In den Ardennen fetzten die Deuffchen ihren Vormarsch auch mit starken Tankabteilungen fort. Der belgische Widerstaick» weiche ständig dem deutschen Druck, und am Dienstagmittag sei auch hier ein Zurückziehen der belgischen Einheiten zu verzeichnen gewesen. Von belgisch-französischer Seite läßt sich das Blatt — wiederum van einem eigenen Korrespondenten — melden, daß alle Landstraßen voll Material und Truppentransporten seien, die sich gegen Norden bewegten. In entgegengesetzter Richtung ergieße sich ein 1 a n g e r $ l ü d) t- I i n g s ft r o m von Belgien nach Frankreich. Die ungenannte Grenzstadt, in der sich der Korrespondent befindet, mache — so erklärt er — einen verwirrenden Eindruck. ÄeueanttenglischeKuudgebungen in Aalien. Mailand, 14. Mai. (Europapreß.) Auch in Mailand sind die schon aus Rom bekannten eng- landfeindlichen Plakate in den Straßen angeschlagen worden, die unter der Ueberschrift „England hat den Omnibus verpaßt"Aeußerungen aus den Unterhausreden Chamberlains über die mißglückte Expedition der Weftmächte ironisieren und die Feststellung des ehemaligen englischen Ministerpräsidenten wiedergeben, das gutausgerü- ftete deutsche Heer könnte unverhofft einen Angriff gegen England unternehmen. Zugleich macht sich der Unmut in Italien über die englisch-fvanzösiche Seekontrolle in wetteren Stüde n t e n f u n b g e b u n g e n Lust. Der „Popolo d'Jtalia" stellt einen seit September erfolgten Stimmungsumschwung fest und betont, die Einstellung Italiens sei bekannt. Wer noch zweifle oder anderer Ansicht sei, müsse als Feind behandelt werden. Man lebe in einer entscheidenden historischen Gefangene aus der Peel-Stellung Herzogsmacht Panzerkampfwagen bahnen den Weg mit der Hand nen, an den Marias, der Tochter Karls des Küh- Hadsburger Maximilian I., dessen Karl V., 1500 in Gent, der alten Angehörige der Besatzung werden als Gefangene nach hinten gebracht. Sie werden bald einsehen, daß der deutsche Soldat den unterlegenen Gegner achtet, wenn er ehrlich und offen gekämpft hat. (PK.-Foßhag. — Scherl-M.) Die Niederlande und Belgien Geschichte und Wirtschaft. Nach dem Zusammenbruch der burgundischen erzogsmacht kamen die Niederlande und Belgien Hase,, die das Schicksal uird das Glück künftiger Jahrhunderte entscheide. Daher sei geschlossene Solidarität und mehr Vorbereitung nötig. Jede Reibung wäre Vergeudung. In Rom zogen nach einer großen Kundgebung auf der Piazza Venezia 500 Studenten vor d i e deutsche Botschaft am Quirinal, wo sie nach begeisterten Hochrufen auf den Duce und auf den Führer die Nationalhymnen anstimmten. Bot- jchaftsrat Gesandter von P l e s s e n erschien auf das Drängen der Studenten vor der Botschaft und dankte der Menge zugleich im Namen des Botschafters für die Kundgebung der Sympathie für das verbündete Deutschland. Seine mit lebhaftem Heifall aufgenommene Ansprache schloß mit einem hoch auf den Duce, das begeistert ausgenommen und mit einem Hoch auf den Führer beantwortet wurde. Lin wesentlich anderes Bild bot sich dagegen in der Umgebung der Piazza Farnese, dem Sitz der französischen Botschaft. Starke Polizei- Enkel, Kaiser _ Hauptstadt Flanderns, geboren, sich zeitlebens vornehmlich als Niederländer fühlte und ihre wirtschaftliche und kulturelle Blüte begünstigte. Damals wurden Amsterdam und Antwerpen die großen Welfhandelsplätze, die sie heute noch sind. Bei seiner Abdankung 1555 übergab Karl V. die Niederlande und Belgien mit dem spanischen Reich und Norditalien -einem Sohn Philipp II. Der harte Druck, mit dem er die protestantische Bewegung in den Niederlanden niÄerzuhalten suchte, führte zum Aufstand gegen die spanische Gewaltherrschaft eines Herzogs von Alba, der 1568 die Grafen Egmont und Horn auf dem Brüsseler Marktplatz hatte enthaupten lassen. Wilhelm von Oranien-Nassau übernimmt die Führung des Freiheitskampfes der der Reformation zugewandten nördlichen Niederlande, während die südlichen Provinzen, das heutige Belgien, am katholischen Glauben festhalten und von Alexander von Parma für Spanien zurückerobert werden. Die sieben nördlichen Provinzen Holland, Seeland, Utrecht, Geldern, Overyssel, Friesland und Groningen schließen sich 1579 in der Utrechter Union zusammen. 1584 wird Wilhelm von Oranien in Delft von einem fanatischen Mönch ermordet, fast am gleichen Tage erobert Alexander von Parma Antwerpen, aber in Moritz von Oranien und Oldenbarnevelt entstehen den nördlichen Niederlanden neue Führer in ihrem Freiheitskampf, und 1588 wird die Republik der Vereinigten Niederlande gebildet, die sich die merkwürdige Doppelverfassung einer Republik unter erblichen Generalstatthaltern aus dem Hause Nassau- Oranien gibt, neben die in den „Generalstaaten die Abgeordneten der Stände der einzelnen Provinzen als oberste Regierungsgewalt treten. Unter des Prinzen Moritz Bruder Friedrich Heinrich wird der Krieg mit Spanien siegreich beendet und 1648 im Westfälischen Frieden die Unabhängigkeit der Niederlande anerkannt. Nun gelangten die Niederlande auf die Höhe ihrer politischen Macht, ihres wirtschaftlichen Reichtums und ihrer kulturellen Blüte. Ihre Flotte, rund 10 000 Schiffe mit einem Gehalt von 600 000 Tonnen, war größer als die aller anderen europäischen Länder einschließlich Englands zusammengenommen, ihre Kapitalkraft übertraf die aller andern Mächte, 1641 brachten sie mit Malakka den Schlüssel des internationalen Handels im fernen Osten in ihre Hand, sie entrissen den Portugiesen ihre ostindischen Besitzungen und schufen sich ein gewaltiges eigenes Kolonialreich. Aber in dem unerhörten Reichtum dieser Zeit lag auch schon der Keim des Niedergangs. Die reichen Kaufherren von Amsterdam und Rotterdam waren allzu lässig in der Behauptung ihrer Macht. Sie begriffen nicht, daß im Daseinskampf der Völker nur ein Volk seine Stellung halten kann, das wehrtüchtig und kampfbereit bleibt. Trotz der Seesiege Admiral de Ruyters gegen die mächtig emporstrebenden Engländer ging es mit der holländischen Seemacht seit Ende des 17. Jahrhunderts unaufhalt- fam bergab, und als der Statthalter Wilhelm III. von Oranien 1688 als Schwiegersohn Jakobs II. nach Vertreibung der Stuarts auf den englischen Königsthron berufen wird, wird Holland ein politisches Anhängsel Englands, die spanischen Niederlande, das heutige Belgien, fielen nach dem spani- schen Erbfolgekrieg 171'4 an die österreichischen Habsburger. Die Wellen der französischen Revolution schlugen auch nach den Niederlanden hinüber. Die französischen Revolutionsheere verleibten die österreichischen Niederlande in Frankreich ein und machten aus Holland eine Batavische Republik, die kräfte mußten hier die Zugangsstraßen besetzt halten und den Demonstranten den Weg versperren, die unter Mitführung einer in die französische und englische Flagge gehüllten Totenbahre ihrer Empörung unter ständigen Rufen „Nieder mit Frankreich — Nieder mit England" Ausdruck gaben. Die Kundgebungen erreichten ihren Höhepunkt gegen Abend, wo Züge von Schwarzhemden und Studenten sowie eine zahlreiche Volksmenge erneut a u f die Piazza Venezia strömten. Immer wieder ertönten Schmährufe gegen die Plutokra- tien, die durch ihre provokatorischen Kontrollmaßnahmen Italien zu erdrosseln versuchen. In lauten Sprechchören verlangte die Menge unablässig, den Duce zu sehen. Schließlich erschien Mussolini auf dem Balkon und dankte wiederholt für die Ovationen. Von der Piazza Venezia zogen dann einige Kolonnen Schwarzhemden und Studenten durch die Straßen, wobei sie immer wieder Hochrufe auf Mussolini ausbrachten und „Nieder mit England und Frankreich!" riefen. Die Niederlande, das Deltagebiet der Schelde, der Maas und des Rheins, find erst verhältnismäßig spät in die Geschichte eingetreten. Vermutlich erst in der jüngeren Steinzeit erfolgte hier die erste Besiedlung, das Tal der Maas entlang vorstoßend, Friesen erobern von Norden her die Wattenküste und lassen sich wegen der Hochwassergefahr auf „Terpen" nieder, während der ersten Jahrhunderte vor Christi siedeln zwischen Rhein und Maas ackerbauende Bataver, nach denen die Römer das Land nennen, als sie aus rein strategischen Gründen das Deltagebiet besetzen. Nach Zerfall der Römermacht überfluten die Franken den Rhein und lassen sich in Brabant nieder, die Sachsen strömen in Ost- । elderland ein, die Friesen behaupten Groningen, Friesland und die Küste bis hinunter nach Ostende. Aus diesen germanischen Stammeselementen organisiert sich der niederländische Stamm unter Leitung der fränkischen Merovinger und Karolinger. Unter Karl dem Großen wird neben Aachen das niederländische Nimwegen als Residenz bevorzugt. Aus den Thronstreitigkeiten seiner Nachfolger gehen die Niederlande und Belgien als Teil des lothringischen Zwischenreichs hervor, sie gehörten dann zum deut- chen Herzogtum Nieder-Lothringen, nur ein kleiner Teil, die Markgrafenschaft Flandern, fiel an Frankreich. Aber die lothringische Herzogsgewalt löste sich bald auf in eine Reihe selbständiger reichsunmittelbarer Fürstentümer, Städte und Bistümer, aus denen sich im Delta als Kerngebiet der späteren Niederlande schon damals Holland, Flandern, Brabant und Geldern herausschälten. Ende des 14. Jahrhunderts kamen die Niederlande und Belgien durch Erbschaft und Eroberungen an das mächtige burgundische Herzogshaus. Damals gehörten sie zu den reichsten Gebieten des europäischen Kontinents dank der großen Fruchtbarkeit des eingedeichten Landes und der günstigen Derkehrslage zum Meer und den großen Strömen. Damals schon wurden die Grundlagen zu der weltberühmten Waffenfabrikation und Tuchindustrie gelegt. Ein reger Handelsverkehr entfaltete sich mit den west- und norddeuffchen Städten Der Hansa, aber auch 'mit London und den neuen Siedlungsgebieten im deutschen Osten. ■ „ " z: 'M ; 'M. Generalleutnant Graf S p o ne tf, das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Die beiden Offiziere haben sich im Kampf um das Riederwerfen des holländischen Widerstandes auf das höchste ausgezeichnet. Die Verleihung des Ritterkreuzes ist zugleich auch eine Ehrung der ihnen unterstellten todesmutigen Truppen. DeutscheMefferschmittzeigenihreileberlegenhck Jm Luftkampf bei Rotterdam acht Gpitfire abgeschoffen. Ein neuer Beweis für Frankreichs Ourchmarschabsicht. Berlin, 14. Mai. (DNB.) Französischen G-- fengenenwurden s r a n z ö f i j ch - h o l l a n d 11 ch e Militärwörterbücher abgenommen. Diese Wörterbücher sind e r st 19 4 0 h e r au s g eg e be n worden. Ebenso pie die kürzlich in Holland gefirn- denen Karten von Deutschland mit Ein- Zeichnungen militärisch wichtiger Anlagen im deut- schen Ruhrgebiet geht auch aus diesem FrenUrwor- t/rbüch hervor, daß die Franzosen den Einfall über Holland nach Deutschland fett längerer Zett vorbereitet haben. Japanischer Protest in Batavia. Tokio, 14. Mai. (Europapreß.) Der japanische Generalkonsul in Batavia hat beim dortigen ©ou- miyw Protest gegen die sich mehrendenJJP " ‘ s-Endlichen Kundgebungen in Nwd-rlan disch-Jndien eingelegt. Dabei machte »er Gener-b lonful aus die ernsten Rückwirkungen aufmerksam. Line auffällige Zunahme der englischen Einwanderung nach N'°d°rlandilch-Indien m der letzten Zeit stellt die lapanische Zeitung„Koni win Mimbun" fest, ^us sicherer Quelle wll d°- Aatt erfahren haben, daß die Engländer meist als Zivilisten aus Singapur und Hongkong kom wen. Es sei jedoch anzunehmen, daß sich unter Ä »II... ** DNB. ....... 15. Mai. (PK.) Deutsche Aufklärungsflugzeuge hatten am Pfingstsonntag über Holland zum erstenmal eine Begegnung mit englischen Jägern vom Typ Spit- fir e. Die Spitfire sind seinerzeit in England stürmisch gefeiert worden als diejenigen Jäger, die u n° seren Messerschmitt nicht nur ebenbürtig, nein, sogar überlegen sein sollten. Als deutsche Jäger die Meldung vom Auftreten der Spitfires über Holland erhielten, sahen sie endlich die Gelegenheit, im Luftkampf die wirkliche Leistungsfähigkeit der Spitfires auf die Probe zu stellen. In der Tat hatten sie dann auch das Glück, in der Nähe von Rotterdam auf eine Gruppe englischer Jäger vom Typ Spitfire zu stoßen. Die Spitfires flogen in den Wolken, von wo aus sie deutsche Kampfflugzeuge angreifen wollten. Unsere M e s- serschmitt griffen die Spitfires an, als diese aus den Wolken kamen, und schossen acht von ihnen ab. Rund 25 Minuten dauerte der Luftkampf, der zu einem neuen eindeutigen deutschen Luftsieg führte. Auch zwei Fokker, die bei dieser Gelegenheit gestellt wurden, mußten daran glauben. Besonders erfolgreich waren Leutnant R. mit drei und Leutnant K. mit Zwei Abschüssen. Ein Spitfire, der gerade ein deutsches Bombenflugzeug angreifen wollte, wurde von unseren Jägern rechtzeitig abgebremst und zog es wie die übrigen vor, das Heil in der Flucht zu suchen. Als einige Zeit später eine unserer Jägergruppen startete, um den Raum über Rotterdam erneut nach Spitfires abzusuchen und die Arbeit unserer Kampfgeschwader gegen Angriffe dieser Jäger zu schützen, erging es ihr wie schon vorher den letzten Staffeln der erfolgreichen Jagdgruppe: Von den „berühmten" Spitfires war weit und breit nichts mehr zu sehen. Unsere Messerschmitt-Maschinen hatten sie mandeur der Gruppe nach seiner Rückkehr, und er, wie die anderen Flieger, bedauerten, nicht noch den einen oder anderen Spitfire erwischt zu haben. Doch hatte die Gruppe am frühen Morgen bereits durch Bodenangriffe gute Arbeit geleistet. Aufklärer hatten bei P. und M. Flugplätze mit feindlichen Jägern ausgemacht. Unsere Gruppe, die schon mit dem Morgengrauen nach M. gestartet war, konnte nicht weniger als 26 Flugzeuge vernichten, während eine andere, auf P. ange» setzte Gruppe nicht minder erfolgreich war. Um den deutschen Erfolg über die Spitfires in seiner ganzen Bedeutung zu würdigen, muß erwähnt werden, daß gegenüber den zehn abgeschossenen Spitfires bzw. Fokker nur ein einziges deutsches Flugzeug vermißt wird. So schlagen unsere Flieger den Feind, wo sie ihn treffen, und haben schnell und überzeugend den sagenhaften Ruhm der Spitfires ins rechte Licht gerückt. v. Danwitz. Oer Führer ehrt die todesmutigen Fallschirm- und Lustlandeiruppen. Berlin, 15. INai. (DRV. Funkspruch.) Der Führer Hal dem Divisionskommandeur der Fallschirmtruppen, Generalleutnant Student, und dem Kommandeur der Lufttande-Jnsanteriedivision, . , ühor hip Miel (Im Hintergrund) den deutschen Vormarsch aufzuhalten. Di- Holländer hatten gehofft, durchibu Sprengu"?eine Pontonbrücke über den Fluß, über den sich der llebergang dann glatt Aber unsere Pioniere waren wieder schnell zur Ik- SÄÄÄ-"“' tn 5Rie‘ aUÄ = n-9h1f‘3unnf«r-, erklärte der Kam- lhnen un.erstelllen lodeomu.igen Go überquerten die deutschen Truppen die Wel Die neuen Inhaber de« Risterkreuzes Oberleutnant Gustaf Altmann wurde 1912 zu Berlin-Britz als Sohn eines Lokomotivführers geboren. Nachdem er die Volksschule in Britz besucht hatte, erlernte er von 1926 bis 1930 das Friseurhandwerk. 1931 trat er als Polizeianwärter bei der Polizeischule in Kiel ein, wurde 1932.Polizeiwachtmeister und nachdem er in der Landespolizeigruppe General Göring zum Oberwachtmeister befördert worden war, am 1.10.1935 als Oberjäger in das Regiment General Göring übernommen. Am 17.12. 1937 zum Leutnant befördert, wurde er am 1. 4. 39 Oberleutnant und war seit Juni 1939 mit der Führung einer Kompanie beauftragt. Für sein unerschrockenes Verhalten bei der Niederkämpfung der belgischen Verteidigungsstellung am Albert-Kanal wurde er jetzt zum Hauptmann befördert und mit dem Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Oberleutnant Walter Kies wurde 19.9.14 zu Suhl in Thüringen geboren. Er besuchte die Oberrealschule seiner Vaterstadt und legte am 5.3.1933 seine Reifeprüfung ab. Nachdem er 1934 als Anwärter der Landespolizei bei der Polizeischule Brandenburg-Havel eingetreten war, wurde er im August des gleichen Jahres zur Landespolizeigruppe General Göring versetzt, am 1. 8.1935 zum Fähnrich im Regiment General Göring und am 20. 4.1936 zum Leutnant befördert. Am 1.1.1938 trat er zur Fliegertruppe über. Für schneidigen Einsatz beim Vormarsch in Belgien erhielt er vom Führer das Ritterkreuz und wurde zum Hauptmann befördert. Leutnant Egon D e l i c a wurde 1915 in Stettin geboren, erhielt seine Ausbildung als Beobachter, machte den Feldzug in Polen mit', wurde am 16. 9. 1939 mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet und am 28.12. 39 vom Feldwebel zum Leutnant befördert. Nachdem er einer Flugzeugführerschule zur Ausbildung als Flugzeugführer überwiesen worden war, erhielt er jetzt für ein erfolgreich durchgeführtes Unternehmen in Belgien das Ritterkreuz und wurde zum Oberleutnant befördert. Leutnant Gerhard Schacht wurde 1916 in Berlin-Steglitz geboren, besuchte das Realgymnasium, auf dem er 1934 die Reifeprüfung ablegte. Dann kam er als Freiwilliger zur Aufklärungsabteilung III, schied am 30. 9.1935 als Gefreiter der Reserve und Reserve-Offiziersanwärter aus und trat am 2.11.1936 als Fahnenjunker-Gefreiter bei feiner Abteilung wieder ein. Nachdem er am 1. 10. 1937 zur Luftwaffe versetzt war, wurde er am 24. 2.1938 zum Leutnant befördert, als Beobachter ausgebildet und fand als Waffen- und Bombenlehrer bei einer Kampffliegerschule Verwendung. Bei der Niederkämpfung der belgischen Verteidigungslinie am Albert-Kanal, die im kühnen Angriff genommen wurde, erhielt Leutnant Schacht, der verwundet wurde, für sein tapferes Verhalten das Ritterkreuz und wurde zum Oberleutnant befördert. * Leutnant Martin Schächter wurde 1915 zu Petershagen im Kreise Minden als Sohn eines Oberlehrers geboren. Er besuchte die Bessel-Ober- realschule in Minden, die er mit Erlangung des Reifezeugnisses verließ. 1935 trat er als Fahnenjunker in das Pionierbataillon in Glogau ein, wurde 1937 zur Luftwaffe versetzt und 1938 zum Leutnant befördert. Als Beobachter ausgebildet, wurde er später als Waffen- und Bombenlehrer einer Kampffliegerschule verwandt. Für sein entschlossenes Handeln beim Einsatz gegen die belgischen Befestigungen erhielt er das Ritterkreuz und wurde zum Oberleutnant befördert. Bei der Durchführung des erfolgreichen Unternehmens wurde Leutnant Schächter verwundet. Napoleon später seinem Sohn Ludwig als eng mit Frankreich verbundenes Königreich übertrug. Nach dem Sturz Napoleons war es England, das auf dem Wiener Kongreß alle Minen springen ließ, um zu verhindern, daß sich an der England gegenüber liegenden Festlandsküste eine europäische Großmacht festsetzte. So mußte Frankreich Belgien wieder herausrücken, es wurde mit Holland zum Königreich der Niederlande unter dem Dränier Wilhelm V. (als König Wilhelm I.) vereinigt, aber von den reichen Kolonien Hollands, die England während der napoleonischen Kriege an sich gebracht hatte, behielt es das Kapland und Ceylon für sich, auch Malakka und damit die Herrschaft über den wichtigsten Verkehrsweg nach Ostasien ging verloren. Als Folge der Pariser Julirevolution erhob sich 1830 Belgien, offenbar von Frankreich aufgestachelt und unterstützt, gegen die Vereinigung mit den Niederlanden, erklärte seine Unabhängigkeit und wählte Leopold von Sachsen-Koburg-Gotha, den diplomatisch äußerst geschickten und klugen Onkel der Königin Viktoria von England, zum Herrscher des neuen Königreichs, dessen „ewige Neutralität" von den Mächten anerkannt wurde. Die neueste politische Entwicklung der beiden Länder, in denen sich in der Form einer konstitutionellen Monarchie ein stark ausgeprägter Parlamentarismus nach dem Muster der westlichen Demokratien, aber stark nach religiösen Gesichtspunkten orientiert, breit machte, ist noch in allgemeiner Erinnerung. Wirtschaftlich haben sich die Niederlande sowohl wie Belgien, die einen mehr nach der kommerziellen, das andere mehr nach der industriellen Seite hin im letzten halben Jahrhundert außerordentlich entwickelt. Dazu haben die außerordentlich reichen Kolonialbesitzungen, über die beide Länder verfügen, erheblich beigetragen. Die Niederlande, die auf 34 000 Quadratkilometer eine Einwohnerzahl von 8,6 Millionen haben, beherrschen ein Kolonialreich von über zwei Millionen Quadratkilometer mit 61 Millionen Bewohnern, während Belgien, das im Mutterland 8,3 Millionen Menschen auf 30 000 Quadratkilometer beherbergt und damit das dichtbevölkertste Land Europas ist, im Kongostaat und dem als Völkerbundsmandat von Deutsch-Ostafrika abgetrennten Ruanda-Urundi mehr als 21 Millionen Menschen auf 2,4 Millionen Quadratkilometer, ein Gebiet, mehr als achtzigmal so groß wie das Mutterland, sein eigen nennt. Während in Holland neben dem ausgedehnten Handel mit Uebersee (Rotterdam steht im überseeischen Güterverkehr neben Homburg und Antwerpen) die Landwirtschaft besonders entwickelt ist, die alle Nachbarn des Landes mit Blumenzwiebeln, Frühgemüse und Milchprodukten versorgt, ist Belgien vorwiegend industriell orientiert. Vor allem in der Wallonie, um Lüttich, Charleroi, Mons hat sich eine hochkapitalistische Wirtschaft mit nicht geringen sozialen Spannungen entwickelt, die neben dem nie zur Ruhe gekommenen Sprachen- und Volkstumsproblem, der Auseinandersetzung zwischen Wallonen und Flamen, die innere Politik Belgiens beherrscht haben. Dr. Fr. W. Lange. Kleine politische Nachrichten. Rom, 15. Mai. (Europapreß.) Zwei Divisionen chinesischer Truppen in einem noch nicht besetzten Teil der Provinz K w a n t u n g sind zur neuen chinesischen Zentralregierung überg'egangen. Ferner haben sich fünf Regimenter der 153. und 157. Division ebenfalls der neuen Regierung unterstellt. Die japanische Heeresleitung teilte mit, daß japanische Streitkräfte bei Kinhsien und Siang-ning im Süd- roeften der Provinz Schansi neuerdings 20 000 Mann chinesischer Truppen unter dem Befehl des Generals Lie Wen eingeschlossen haben. * Die Führer des deutschen Handwerks, die auf Einladung des italienischen Handwerks i n Italien weilen, besuchten, nachdem sie in Rom vom Präsidenten des italienischen Handwerks, Nationalrat G a z o t t i, und von Graf V o l p i empfangen worden waren, in Neapel die neueröffnete Uebersee-Ausstellung. In Florenz, der Stadt des italienischen Handwerks, nahmen die deutschen Hand- werkerfÄhrer, an ihrer Spitze Reichshandwerksmeister Schramm und Reichsamtsleiter S e h m e r t an der Eröffnung der 10. Italienischen Landeshandwerksausstellung teil und wurden hier vom König und Kaiser sowie Staatssekretär Cianetti begrüßt. Im Anschluß daran wurde ein Abkommen über die Vertiefung der gegenseitigen Zusammenarbeit unterzeichnet. * Botschafter Alfieri ist in Begleitung seiner Gemahlin Dienstag nacht nach Berlin abgereist. Zum Abschied hatten sich auf dem Bahnhof Außenminister Graf Ciano sowie Botschafter von Mackensen eingefunden * Die Finanzkontrolle der Genfer Liga über Bulgarien, die im Jahre 1928 eingesetzt worden ist, wurde aufgehoben. Ministerpräsident Filosf erklärte, daß im Einvernehmen mit dem Finanzausschuß der Genfer Liga der Kommissar der Liga sowie der Vertrauensmann der Auslands» gläubiger der Stabilisierungsanleihe aus dem Jahre 1928 am 31. Mai dieses Jahres ihre Funktion auf. geben und Sofia verlassen werden. Gleichzeitig werden alle Kontrollfunktionen der bulgarischen Ratio» nalbank übertragen. * Die in Holländisch-Westindien lebenden Deutschen wurden interniert und ihre Führer in Cura?ao im Gefängnis festgesetzt. Roosevelt fordert neue Rüstungskredite Washington, 14. Mai. (Europapreß.) Die Ankündigung, daß der Präsident demnächst den Kongreß um Bewilligung weiterer erheblicher Rüstungskredite ersuchen werde, verlegt nach Auffassung politischer Kreise den Schwerpunkt der parlamentarischen Diskussion, die in den letzten Tagen fast ausschließlich um die Auswirkung der europäischen Kriegsausweitung auf die NeutralitätsstellunH der USA. kreiste, auf die konkrete Frage des amerikanischen Rüstungsstandes. In maßgebenden militärischen Kreisen der USA. ist man sehr befriedigt darüber, daß die Ankündigung der neuen Kredite, die auf mindestens 500 Millionen Dollar veranschlagt werden, in parlamentarischen Kreisen allgemeiner Zustimmung begegnet. Wechsel in -er Landesleitung „Reichsbund Deutsche Familie^. NSG. Der bisherige Landesleiter des Reichs* | bundes Deutsche Familie (Reichsbund der Kinderreichen) ^-Standartenführer Professor Holfel» < der, ist in diesen Tagen auf feinen Wunsch vom Reichsbundesleiter des RDF. von feinen Pflichten , als Leiter des Landesverbandes Hessen-Nassau ent- | bunben worden. Professor Holselder ist es zu danken, daß der RDF. in Hessen-Nassau während der , beiden letzten Jahre erhebliche Erfolge in feiner | Arbeit erzielen konnte. j An feine Stelle ist durch den Gauleiter und den Reichsbundesleiter des RDF. der Gauamtsleiter des ' Rasfenpolitischen Amtes der NSDAP, und Rektor der Universität Gießen, Professor Dr. Kranz berufen worden. Seine großen Erfahrungen auf rassen- und bevölkerungspolitischem Gebiet werden der aufbauenden Arbeit der RDF. in unserem Gau weiterhin den Erfolg sichern. Kein HZ.-Dienst am Muttertag. Berlin, 14. Mai. (DNB.) Der bevollmächtigte Vertreter des Reichsjugendführers, Obergebietsfuh- rer A x m a n ti, hat angeordnet, daß am Muttertag, 19. Mai, für alle Einheiten der Hitler- Jugend dienstfrei ist. Diese Anordnung wurde in Anbetracht der besonderen Kriegsumstände getroffen, damit die Mütter an diesem Tage wenigstens ihre jüngeren Kinder zu Hause haben. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter beS , Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik, Feuilleton und Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange K. G. Verlagsleiter: Dr.-Jng. Erich Hamann; Anzeigenleiter: Hans BeL verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Pl.Nr.6. MW 76?D kaufen Sie bei Beachten Sie auch immer-? BÜRO-EINfUCHTUNGEN Gießen, Bahnhofstraße. OOojpOoTS* nßfifczv/j Beamter sucht für sofort mööl. 3-3im.- Mmuig mit Küche. Schr. 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Rinn. 2393 D Heuchelheim, Krofdorf, Frohnhausen, Franzensbad, Drewer, Portland USA, Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 16. Mai, nachmittags um 4 Uhr statt Im Namen der trauernden Hinterbliebenen : Christian Volkmann. Am Dienstagmorgen, dem 14. Mai, entschlief sanft nach kurzem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Frau Elisabethe Volkmann geb. Schöpp. Am Küster vor einem Kreis von Botanikern über neue. Forschungsergebnisse, die in seinem jüngst erschienenen Buch über Plasmapfropfungen niedergelegt wurden. Seine Ausführungen wurden von Fachge, nofsen und Studierenden, von denen manche durch Küsters richtunggebende Arbeiten in ihrer wissenschaftlichen Entwcklung bestimmend beeinflußt rour, den, mit größtem Interesse ausgenommen. In einem zweiten Vortrag sprach ber Forscher vor einer aroßen, vom „Verein zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse" unb ber „Zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien" geladenen! Zuhörerschaft über „Entwicklung der Gartenkunst seit dem 15. Jahrhundert". Die Gartenkunst gehört zu den bildenden Künsten. Ihre Werke sind ver, gänglich. Was vergangene Jahrhunderte geschaffen! haben, ist der Nachwelt nur durch die Darstellung zeitgenössischer Graphiker und Maler erhalten. In blendendem Vortrag, der die Zuhörer vom ersten Augenblick gefangen nahm, schilderte Prof. KüsteL an Hand vieler Lichtbilder in großen Zügen das Werden und die Entwicklung der Gärten, begonnen' von den kleinen, von Steinmäuerchen umgrenzten Rasenbänken spätmittelalterlicher Himmelsgärtchen bis zu den Parkanlagen moderner Gartenarchitekten. Der Vortragende, der seit mehreren Jahren korre- spondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Wien ist, hat weiterhin an einem dritten Tage vor der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der Akademie einen Vortrag über einige schon wieder bewiesen, daß es diese Worte seines Führers und Obersten Befehlshabers in ihrer vollsten und letzten Bedeutung auf sich beziehen kann. Wir in der Heimat können unsere tapferen Brüder und Söhne nur mit heißem Herzen und mit den besten Wünschen begleiten. Und doch können wir noch etwas für sie tun: Durch unsere Spenden zum Kriegshilfswerk für das Deutsche Rote Kreuz tragen wir mit Sorge dafür, daß die Wunden, die der Krieg ihnen schlägt, möglichst schnell vernarben. Ihr Einsatz schützt unser Leben, ihr Opfer unsere Existenz: und wenn auch unsere Spende, mag sie so hoch fein wie sie will, nur gering gilt gegen ihre Opfer, so wissen wir doch, daß diese Spenden helfen, auch ihr Leben zu schützen. Die Parole, zum zweiten Spenbentag des Deutschen Roten Kreuzes: Gib doppelt, denn du gibst für das Leben unserer Soldaten! Aus -er Stadt Gießen. Don den Maikäfern. Es ist eigenartig, daß sich der Maikäfer, besonders bei Kindern, so großer Beliebtheit erfreut. Es ostet sie keine Ueberroinbung, den trabbelnben Surfchen trotz feines heftigen Sträubens zwischen hre Finger zu fassen unb auf der Hand herum- pazieren zu lassen, wozu sie sich bei einem Rosen- iber Goldkäfer schwerlich verstehen würden, obschon Hefe doch auf ihren Rücken den schimmernden Abglanz prunkvoller Edelsteine tragen. Selbst Mädchen unb Frauen zaubern nicht, sich Maikäfer an ihren blanken Armen hochklettern zu lassen, weil ihnen las Gekribbel auf der bloßen Haut anscheinend Vergnügen macht. Als Buben hatten wir große Freude an den in einer Zigarrenkiste eingesperrten Käfern. In wilden Anstürmen versuchten die Gefangenen den Deckel zu heben, und das daran gehaltene Ohr konnte ein lumorendes Tosen vernehmen, als würde im nächsten Augenblick das Kistchen auseinandergesprengt. Der Ausbruch gelang schließlich nach einigen mißglückten versuchen doch, und ehe man es sich versah, waren etliche Ausreißer geräuschvoll davongesurrt. Natürlich war das Mitbringen von Maikäfern in die kchule verboten, aber gerade darum flog mitten in iner weniger angenehmen Stunde doch zuweilen la und dort ein Summer hoch unb stieß prasselnb n die Fensterscheiben und Decke. Es half nichts, iaß der Lehrer wetterte, bis die Störenfriede lcirm- oH eingefangen und in Freiheit gefetzt waren, erging manche Minute, die wir weniger zu schwitzen atten. Später zogen wir klassenweise in die Än- igen und nahen Waldungen, um sie von der Plage er Maikäfer zu befreien, unb schüttelten die ge- räßigen Käfer von den fast entlaubten Kastanienmd Eichenbäumen. Die Gesammelten wurden in roßen Kesseln mit heißem Wasser, die sonst zur lsphaltbereitung für Bürgersteige dienen, zentnerweise vernichtet. Bei Besuchen auf dem Lande sah ch, daß man die Hühner mit Maikäfern fütterte. Trotz dieser Massenvertilgung begegnete ich dem Cäfer fast in jedem Jahr, obschon doch nur immer as vierte ein Schwärmer- unb Flugjahr ist. Aber inzelne Engerlinge scheinen Außenseiter zu sein unb ich früher ans Tageslicht zu wagen, wie das ja auch vobiscum singt, muß er selbst ober die Gemeinde ein Schmunzeln unterdrücken. Nachher sind sie beim Nachbar zu Gast. Nur eine Weile war Paul allein in der Stube geblieben, er fühlte sich da ganz wohl und zufrieden. Aber bann lief braufeen das Verhängnis in Gestalt eines Ziegenbockes vorbei, unb ber war neugierig unb meckerte ein bißchen unter bem Fenster. Paul lief hin, stieg auf bie Bank unb steckte den Kopf durch das Gitter, um den Bock anzufchauen. Das legte ber aber auf feine Weise aus, er sprang empor unb stieß nach Paul. Nun ist ber Mensch im Ganzen mehr für bas Vorankommen als für bas Zurückweichen eingerichtet, vor allem bie Ohren finb nach biefem Grundsatz gebaut und darum verspreiz- ten sie sich an den Gitterstäben, als Paul jetzt eilig seinen Kopf einziehen wollte. Ach, je mehr er sich wand und krümmte, desto schmerzhafter klemmten sich die Ohren fest, es ging nicht, und sein Gegner, der noch nie einen so willfährigen Spielgenossen gefunden hatte, legte sich immer munterer ins Zeug unb sprang unb stieß, bafe bem armen Gefangenen nur so ber Schübel bröhnte. Unb als enblich Hilfe kam — ja, ber Bock war schnell verjagt, aber Paulchen nicht so leicht geborgen. Inzwischen hatten Kopf unb Ohren noch an Umfang zugenommen, unb es ftanb zu fürchten, bafe Paul in zwei ungleiche Hälften zerriß, wenn man weiter fo an seinen Beinen zog. Der Nachbar mußte mit einer Brechstange kommen unb bie Stäbe auseinanberbiegen, anders war nicht zu helfen. Nein, mit Paul ist nichts Rechtes anzufangen. Wenn es zutrifft, daß jeder Mensch einen Schutzengel hinter sich hat, unb es finb, wie sich schließen läßt, nicht bie aufgewecktesten Geister für diesen Dienst ausersehen, so ist jedenfalls ber bes kleinen Paul ein befonberer Ausbunb an Säumigkeit. Immer roieber läßt er feinen Schützling auf eine Scherbe treten ober sonst zu Schaden kommen, und wenn alle andern Engeln achtsam um den Kirschbaum schweben, damit sich die Kinder ungefährdet gütlich tun können, dann hat doch der des Meinen Paul die Augen anderswo unb läßt ihn gleich mit ber ersten Kirsche eine Wanze schlucken, so daß er erbärmlich speien muß. Schaut Paul in den Himmel, so füllt er mit ben Beinen in em Loch: achtet er aber auf die Löcher, so kommt bestimmt oben ein Balken, an dem er sich eine Beule schlägt, „Krambambuli." Es ist eine bewegte Geschichte um den Hunds „Krambambuli", die ber Wienfilm der Bavaria! nach der gleichnamigen Novelle von Marie von! Ebner-Eschenbach erzählt. Die Filmschaffenben be» fanben sich mit biefer Dichterin von vornherein in guter Gesellschaft. Die lebensnahe Geschichte erwies sich als ein dankbares Thema. Darsteller von künstlerischem Ernst, eine Regie (Karl K ö stIin), bie bie Gefühle nicht allzusehr in den Dorbergrund brängen ließ, bie schöne Lanbschaft ber Berge, ba5 kraftvolle, oolkstümlich-berbe Milieu, eine ausgezeichnete Photographie unb nicht zuletzt ein klugen Hund tragen dazu bei, ben Film über bas Niveau bes Nur-Unterhaltungsfilmes hinauszuheben. DiL Hanblung im einzelnen zu fchilbern, wollen wir uns an dieser Stelle versagen, denn es wäre schön, wenn sich durch diesen Film mancher Kinobesucher dazu anregen ließe, sich etwas mehr der großen ostmärkischen Dichterin zuzuwenden, als es im allgemeinen geschieht. Nur so viel sei gesagt, baß es um einen treuen Hunb geht, ber einem ßanbftreix cher zuläuft unb ihn währenb seines harten, eigenwilligen Lebens begleitet, um schließlich seine Treue mit bem Tobe zu bezahlen. Dem Lanbstreicher Thomas gab Rubols Prack bie Züge eines oft enttäuschten Menschen, dem ber Weg in bie Gemeinschaft schwer gemacht wirb. Nur in wenigen Szenen mit ber geliebten Bauerntochter Anna läßt er wärmere Töne aufkommen. Viktoria v. B a l l a s k o erfüllt ihre schwierige Rolle mit innigem Leben unb erscheint besonbers eindringlich in den Szenen zwischen den beiden Männern, dem Lanbstreicher Thomas unb dem Jäger Barthel, ben sie bann boch unter bem Zwang des Willens ihrer Mutter heiraten muß. Sepp R i ft stellt den Jäger sympathischer bar, als man ihn sich nach den ersten Szenen vorstellt. Darstellerisch am stärksten erscheint Elise A u l i n g e r als bie hartherzige unb herrschsüchtige Bäuerin. Eine feine menschliche Figur zeichnet Eduard Köck als pensionierter Briefträger! Adam. Er bildet bas geruhsame Element im Sturm ber Leibenschaften. Mit Anerkennung muß man die Geschicklichkeit vermerken, mit ber ein kluger Hund in ben Kreis ber handelnben Menschen eingefügt ift Im Beiprogramm wirb ein interessanter Film vom Kreis der Pflichten ber Strompolizei gezeigt. Die Wochenschau führt in das Gubbrandsbal unb läßt unmittelbaren Anteil an den Kämpfen nchmew [ ------ fci. L Neuner, Die neue Lage, wie sie sich burch bie jüngste Entwicklung der Kriegsereignisse ergeben hat, zwingt dazu, daß von allen Volksgenossen die Pflichten des Luftschutzes bis zur äußersten Konsequenz ernst genommen und alle Maßnahmen getroffen werden, bie hinlänglich bekannt sind, und die mit aller Sorgfalt durchzuführen. In einer Besprechung, die zwischen dem Kommandeur der Schutzpolizei, Major Hellwege-Emden, und den Vertretern der Gießener Presse ftattfanb, wurde nochmals und auf bas einbringlichste barauf hingewiesen, baß von ber Bevölkerung erwartet werben muß, baß sie ben zwingenben Erforbernissen ber Gegenwart Rechnung trägt unb nicht etwa burch eine Leichtfertigkeit, burch eine Nachlässigkeit ober gar burch böswillige Unterlassung bie Stabt auf bas schwerste gefährbet. Von jebermann, ber innerhalb unserer Volksgemeinschaft als verantwortungsbewußter Volksgenosse gelten will, muß erwartet werben, bafe bie Verbunkelungsmafenahmen so burchgeführt werden, bafe ein hundertprozentiger Erfolg gesichert ist. Ferner mufe dafür Sorge getragen werden, bafe alle Sicherheitsmaßnahmen innerhalb eines jeden Hauses den Vorschriften und ben Anregungen, die in ber Vergangenheit in ausreichendem Maße ergangen finb, entsprechend) getroffen werden. Es muß Wasser bereitstehen. Die Feuerpatsche muß zur Hand sein. Werkzeug muß bereitliegen für ben Fall, daß man sich selbst aus gefährbeter Lage befreien ober anberen helfen muß. Für jedes Haus sollte eine Hausapotheke zur Verfügung stehen, um wenigstens die notwendige erste Hilfe leisten zu können. Mit gutem Willen finb bie vom Luftschutz erhobenen Forderungen zu erfüllen. Wer für sachgemäße Luftschutzeinrichtungen sorgt, dient in erster Linie sich selbst. Leider mußte gerade in den vergangenen vier Tagen von den Organen der Polizei in zahlreichen Fällen sestgestettt werden, daß es immer noch Volksgenossen gibt, bie die Zeichen der Zeit nicht erfaßt haben. Es kann nicht abgewartet werden, bis auch diese letzten Verständnislosen erst durch einen — vielleicht durch sie verschuldeten — Ernstfall eines Besseren belehrt werden. Es geht nicht an, bafe (wie es in biefen Tagen geschah) Volksgenossen in Anbetracht des langen Tages davon absehen, ihre Wohnung zu verdunkeln unb zu Bett gehen, wenn die Dunkelheit eben hereingebrochen ist: unb nächtlicherweile, wenn die Alarmsirene ertönt, bann ben Lichtschalter anknipsen — hinter unverbunkel- ten Fenstern! Selbstverstänblich müssen die Türen, bie von beleuchteten Räumen in unbenützte unb unverbunkelte Räume führen, sorgfältig geschlossen gehalten werben, benn auch ein burch- Mit Hühneraugen wandernd Das geht wohl schlecht. Doch Kurt weiß da Rat: Elastocorn mit dem Filzring draufleger», dann merkst du kaum noch etwas beim Gehen, und in ein paar Tagen ist dein Hühnerauge weg. Volkstümliche Vorträge unb Vorlesungen ber Lllb- igs-Universität Gießen: 20.15 Uhr Vortrag von Pro- stsor O l t über „Krankheiten des Wildes" im Vete- inär-Pathologischen Institut, Frankfurter Straße 94. *- Gloria-Palast, Seltersweg: „Krambambuli". Heute keine Vorstellung im Stabt- Heater. Heute abend findet Beine Vorstellung im ttadttheater statt. Die 31. Vorstellung der Mittwoch- lliete wird noch bekanntgegeben. Notizen für den 16. Nlcn. Sonnenaufgang 5.29 Uhy, Sonnenuntergang 21.14 ihr. — Monduntergang 2.47 Uyr, Mondaufgang -149 Uhr. Ortsgruppe Gießen-Güd. Am Donnerstag, 16. Mai, findet ab 13 Uhr eine lltpapiersammlung durch das D. I. in der rtsgruppe Gießen-Süd statt. Die Haushaltungen werden gebeten, das Altpapier vorzusortieren und -hoch den einzelnen Papiersorten gebündelt im Hausflur oder an der Vorsammelstelle abzulcgen. Altpapiersammlung der gesamten Hitler-Jugend. Vorn 15. bis 18. Mai führt bie gesamte Hitlerjugend in ganz Deutschland eine umfassende Alt- □pierfammlung durch. Alles noch brauchbare Alt- npier soll gesammelt unb neuer Verwenbung zu- i?führt werden. Pimpfe und HI., Mädel und IM. »mmen in diesen Tagen in eure Häuser unb holen i35 Papier ab. Wir bitten jebe Familie, sauberes, I altes Altpapier aller Art zurechtzulegen, bamit bas Ibholen sich schnell vollzieht. Macht euch, bitte, bie eine Mühe des Zusammensuchens unb Zurecht- igens und unterstützt dadurch diesen Kriegseinsatz er Jugend! Was immer dem Bruder geschieht, Peter hat es alzubüßen. Ein andermal macht sich Peter daran, osiße Mäuse zu fangen. Der Nachbar hat gesagt, ik gebe welche auf bem Anger, er böte einen ganzen Lebkuchen für bas Stück. Sie wohnten in '■ ä Bauen mit zwei Lochern, unb wenn man auf jedes Loch einen Hut stülpe, dann dächten sie, es fei Nacht und kämen heraus. Gut, Peter leiht sich beim Nachbar den $unb 'Pfarrer fein* Dominus ms, der Nero heißt, obwohl er weder jchworz WM »no 1° oec 1 mit Milch einrührt. Lena hat gerade die Butter aus dem Keller geholt. Man muß Lena den Rücken drehen, wenn man die Frage stellt, kann ihr unmöglich in die Augen sehen. Ernis Gesicht brennt vor Scham. „Du, Tante Lena!" „Ja, mein Kind?" ,Hast du ihn gesehen?" „Nein, Erni. Aber bestimmt ist er in der Belzig- Brauerei. Rudolf hat ja angerufen, wir sollten uns nicht beunruhigen, das weißt du doch." „Ach, ich meine nicht den Großen." „Nicht? Wen denn?" „Wo Gottfried Bonhoff ist, will ich wissen!" Sieh einer an, wie heftig diese Erni werden kann ... „Gottfried ist abgereist." Ein Löffel fällt zur Erde. Erni greift mit beiden Händen an den Tisch. Sie muß sich zwingen, die Worte richtig zu erfassen. Abgereist? Fort, ohne Abschied? Ohne ein einziges Wort? Alles scheint vor Ernis Augen zu schwanken ... Abgereistl Ist Gottfried Bonhoff so einer, so einer wie der Fred Schneider? Erni bückt sich nach dem heruntergefallenen Löffel. Mühsam vermag sie zu fragen: „Nach Ostpreußen?" „Natürlich nach Ostpreußen. Das Gut braucht ihn doch." Langes Schweigen. Schmerzendes Schweigen. Lena gießt die dampfenden Kartoffeln ab. „Bist du mit dem Quark fertig?" Erni rührt sich nicht. „Kind, träumst du? Ob du den Quart glattgerührt hast?" „Fährst du ihm nun nach?" Erni kann an nichts anderes denken. Spürt Lena Oetteking jttcht die heiße Angst, die hinter Ernis Frage lauert? Lebt sie nur in den Dingen, die in ihr selber mächtig sind? „Ja, wahrscheinlich fahre ich bald nach." Ohne innere Anteilnahme ist das gesagt, ganz nebensächlich. Aber Erni trifft es ins Herz. Es ist gut, daß es im Gräfehaus schon zur Gewohnheit geworden ist, daß jemand bei Tisch fehlt. Erni, die eben noch tätig mithalf in der Küche, mußte sich plötzlich hinlegen. Will niemanden um sich haben, weint nur still vor sich hin. Ein Wunder ist es ja nicht, wenn die Nerven versagen, nach den Aufregungen der letzten Zeit. Lena fertigt sich selber mit dieser Erklärung ab. Sie gibt dem leisen Verdacht nicht Raum, der in ihr aufsteigen will — sollte sich die kleine Erni in Gottfried Bonhoff verliebt haben? Sie hat auch keine Zeit, diesem Gedanken nachzuhängen, denn als sie aus Ernis Zimmer herunterkommt, hört sie Christoph Gräfe fragen: „Hast du ihn gesehen?" Die Frage ist an Rudolf gerichtet und mit dem „ihn" ist Hermann gemeint. Rudolf hat es nicht eilig mit hpr Antwort. Schält sich mit Gemütsruhe noch eine Kartoffel. Bis Jupp es nicht mehr aushält und feine Weisheit an den Mann bringen muß. Umsonst war er nicht wieder mit dem Rade an der Baustelle. „In der Kantine hockt der Hermann!" Jupp schmettert es über den Tisch. Dann greift er schnell in die Schüssel und holt sich Kartoffeln raus. Immer die, die so schön mehlig geplatzt sind. Und dabei grient er übers ganze Gesicht. Denkt an das Bild, das er durch die halboffene Kantinentür beobachtet hat. „Das schwarze Weibsbild von der Kirmes war bei dem Hermann! Na, das war vielleicht eine! Da hat nicht viel gefehll, daß sie sich dem Großen auf den Schoß setztt." Rudolf räuspert sich. Muß dieser Bengel das so herausposaunön. Rudolf hatte es schon in der Bel- rig-Brauerei erfahren, als er dort nach dem Großen suchte. Er hätte es gern vor der Familie vertuscht, wenn der Jupp ihm nicht so in die Parade gefahren wäre! „Na, die Hauptsache ist ja, daß er sonst keine Dummheiten gemacht hat, der» Große! Ich werde ihm schon den Kopf zurechtsetzen. So geht das natürlich nicht weiter!" Es ist schwer, seine Erregung zu verbergen, wenn dis Tafelrunde so klein ist. Lena sieht von ihrem Teller nicht auf. Dorthin habe ich ihn gestoßen, ich hätte ihn halten können, — quält sie sich. „Du ißt ja gar nicht, Tante Lena", stößt Jupp sie an. Erschrocken greift Lena nach der Gabel. Nein, keiner darf ihre Not sehen. Sie müßte es ja sonst allen gestehen: ich bin schuld, daß er diesen Weg geht, sich verliert ... Die Mahlzeit wird stumm und hastig beendet. Verlegen geht man auseinander. Ein jeher scheut sich vor weiteren Worten. (Fortsetzung folgt.) Treueid auf den Führer. Jugend statt. Diese Musikschule wird sicherlich allenthalben in Stadt und Landkreis Gießen begrüßt werden. Westerwald-Verein Gießen. Am zweiten Pfingstfeiertag unternahm der Zweigverein Gießen des Westerwaldvereins eine herrliche Tageswanderung. Um 7.30 Uhr früh erfolgte der Abmarsch vom Treffpunkt Lahnbrücke. Zunächst ging es über das Heuchelheimer Mühlchen nach Kinzenbach. Bevor man dort in den Wald eintrat, wurde Umschau auf die herrliche Landschaft gehalten; rechts sah man den Stoppelberg und Wetzlar, den Großen Feldberg im Taunus, ferner die Grüninger Warte und den Schiffenberg, geradeaus hatte man den schönen Blick auf den Gleiberg usw. Bei dem schönen Wanderwetter und in guter Stimmung ging der Weitermarsch dann durch die herrlichen Buchenwälder mit ihrem frischen Grün zur Grube Morgenstern bis zur dicken Eiche. Dort wurde kurze Rast gehalten, dann ging es unter prächtigen Erlen über einen Kamm, von dem aus ein schöner Blick auf den Dünsberg zu genießen war. An saftigen Wiesen und weidendem Vieh vorbei gings es hierauf zum Hof Bubenrod, wo bei herrlichem Sonnenschein im Freien Mittagsrast gehalten wurde. Dann ging es bergab durch herrliche Wiesen und vorbei an einem Waldein- schnitt, mit einem schönen Blick auf Königsberg, weiter durch herrliche Wälder zur Obermühle und Rehmühle nach Bieber, wo die Schlußrast gehalten wurde. Heimwärts ging es hierauf über Rodheim an der Bieber nach Gießen. Die schöne Pfingst- wanderung in der herlichen Frühlingsnatur hat allen Teilnehmern neue Kraft für den Alltag gegeben. * ** Modenschau im Lass Wien. Die Modenschau, die gestern nachmittag und gestern abend im Cafe Wien gezeigt wurde, war der Lage der Gegenwart angepaßt und berücksichtigte sorgfältig die durch die Einführung der Textilbewirtschaftung geschaffene Situation. Es wurden im Verlaufe der Schau zahlreiche Anregungen dafür gegeben, wie man mit seinem Punktvorrat am sparsamsten umgeht und wie man mit verhältnismäßig geringem Aufwand doch erreichen kann, stets gut gekleidet zu fein. Die Vorführung brachte zunächst eine Anzahl Blusen und Pullover, die selbst gearbeitet werden können. Es folgten dann Schöpfungen der deutschen Kleiderindustrie in vielen Abwandlungen, in reizvollen Farben und in schlichter und gediegener Machart. Ein weiterer Teil der Modenschau machte mit Kleidern bekannt, wie man sie sich nach Schnittmustern eines großen deutschen Modeverlags unfertigen kann. Mit besonderem Interesse folgte man der Vorführung der „Sparkleider", die unter einem überraschend geringen Aufwand an Punkten geschaffen werden können. Die Ueberraschung des Abends war das Verwandlungskleid, das unter dem gleichen Gesichtspunkt geradezu „erfunden" war. Wertvolle Anregungen wurden auch für die vollschlanken Frauen gegeben. Jndanthrenfarbige Kleider in leuchtenden Farben, regenfeste Kleidung und Mäntel, mottensichere Kleider, Strümpfe von besonderer Haltbarkeit und vieles andere wurde außerdem im Rahmen der Schau gezeigt, die nicht etwa unerfüllbare Wünsche auslösen, sondern Anregungen geben wollte für eine notwendige sparsame Wirtschaft. Anni Hötzendorff als Ansagerin gab umfassende und launige Aufklärungen. Die Vorführ- damen bemühten sich, die Dinge in das rechte Lickst zu rücken, und die Hauskapelle begleitete die Vorführungen mit dezenter Musik. Die Leitung der Schau lag in Händen von Ewald Langen. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) 3. £). in V. Es ist richtig, daß nach einem Erlaß des Führers die Teilnehmer des Weltkrieges von ihrem 70. Lebensjahre ab einen monatlichen Ehrensold von 10,— RM. erhalten. Anträge zur Erlangung dieses Ehrensolds sind an das für den Wohnort des alten Soldaten zuständige Versorgungsamt, in Ihrem Falle an das Versorgungsamt in Frankfurt a. M. zu richten. Sie schreiben zu diesem Zwecke an das Versorgungsamt in Frankfurt a. M. und erbitten sich ein Antrags-Formular. Dieses ist ausgefüllt an das Versorgungsamt in Frankfurt a. M. zurückzuschicken. Von dort aus wird dann alles weitere erfolgen. Wir empfehlen Ihnen, sich mit dem Kameradschaftsführer der Kriegerkameradschaft Ihres Ortes in Verbindung zu setzen. P.K. Auf einem Fliegerhorst im Westen leisteten am 8. Mai 650 neueingerückte Rekruten dem Führer ihren Treueid. Nüchtern und scheinbar selbstverständlich klingt diese Meldung, besonders jetzt im Krieg. 650 deutsche Männer sind zu den vielen tausend anderen hinzugekommen, haben sich verpflichtet, dem Führer und Volk in dieser schweren Zeit zu dienen. Stolz tragen sie jetzt den Waffenrock und helfen mit, Deutschlands Grenzen zu schützen. Daß diese militärischen Neulinge von der Luftwaffe unmittelbar auf einen Flugplatz an der Westfront einberufen wurden, erscheint etwas auffallend, weiß man doch, welche gründliche und auch langfristige Ausbildung unssre Flieger durchmachen. Durchmachen müssen, um die deutsche Luftwaffe zu der besten der Welt zu machen. Daran kann sich auch jetzt im Kriege nichts ge ändert haben. Dennoch erfüllen diese neuen, noch nie Soldat gewesenen Männer vom ersten Tag ihres Eintretens in die deutsche Wehrmacht an voll und ganz ihre Aufgabe. Sie leisten neben ihrer militärischen Grundausbildung eine Arbeit, die erst die Voraussetzungen für jedes Fliegen und jede Tätigkeit in einem Fliegerhorst schafft. Es sind die Männer der Luftwaffen- Baukornpanien. Schneeschmelze: Die Schneemassen des langen und ungewöhnlich harten Winters drohen bei der Aus der engeren Heimat. 50. Todestag des Generals von Fransecky. LPD. Gedern, 14. Mm. Am 21. (22.) Ma, jährt sich zum 50. Mal der Todestag des in Gedern geborenen preußischen Generals Eduard Friedrich von Franseck y. Er war der Sieger von Münchenarätz und hatte auch entscheidenden Anteil an dem Sieg bei Kömggrätz. 1870 entschied er durch einen berühmt gewordenen Gewaltmarsch seiner Truppen die Schlacht bei Gravelotte. Welter vereitelte er im November 1870 den großen Ausfall aus Paris. In der Stadt Gedern wird noch das Geburtshaus des großen Heerführers, der in Wiesbaden gestorben ist, gegeigt; auch ein Denkmal erinnert hier an ihn. Landkreis Gießen. )—( Ruppertsburg, 14. Mai. Wiederum erhielt ein Sohn unserer Gemeinde, der Oberleutnant Hansgeorg I m h o f, für Tapferkeit vor dem Feinde das E i s e r n e K r e u z 2. Klasse. — Herrlich ist jetzt die B l ü t eri p r a ch t, die unsere Apfelbäume auf den Höhen rund um das Dorf entfalten. Auch die Steinobstbäume haben reichlich geblüht. Oienstjubiläum eines heffen- naffauischen Genosienschastsführers. LPD. Frankfurt a. M., 14. Mai. Ein verdienstvoller Leiter des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens in Hessen und Hessen-Nassau, Direktor und Betriebssichrer der Bäuerlichen Hauptgenvssen- schaft Rhein-Main-Neckar in Frankfurt a. M., Josef 300 Flugmodelle auf der Wafferkuppe. Relchswetibewerb des NS.-Fliegerkorps. Lpd. Das NS.-Fliegerkorps veranstaltet vom 28. bis 30. Juni 1940 auf dem Gelände der Reichssegelflugschule Wasserkuppe (Rhön) den traditionellen Reichswettbewerb für Segelflugmodelle, an dem annähernd 300 Flugmodelle teilnehmen. Die Wett- bewerbsteilnehrner kommen aus den Modellflug- Arbeitsgemeinschaften des Deutschen Jungvolks, aus den Fliegereinheiten der HI. und aus den Stürmen des NS.-Fliegerkorps. Schau der Leibesübungen in Heuchelheim. An Pfingsten hielt der hiesige Turnverein eine größere sportliche Veranstaltung ab, an der sich 150 Turner und Turnerinnen beteiligten. Der Sportnachmittag konnte organisatorisch und sportlich gut durchgeführt werden. Nach feierlicher Flaggenhissung entwickelte sich ein reges turnerisches Treiben. Turner und Turnerinnen wetteiferten in einem volkstümlichen Dreikampf. Ein Fußballspiel der 1. Jugend gegen 1900 Gießen endete mit 1:0 für Heuchelheim. Im Handball schlug Heuchelheim die Wehrmannfch-ast mit 15:5. Ein Korbballspiel der Mädchen untereinander schloß mit 3:2. Freiübungen und Keulenschwingen der Turnerinnen waren eingeschaltet, und Strasburger, kann am 20. Mai sein ^jähriges Dienstjubiläum begehen. Direktor Strasburger war zunächst Leiter der Futtermittel- und Getreideabteilung in der Landwirtschaftlichen Zentralgenossenschaft Darmstadt und wurde bereits nach zwei Jahren (1917) geschäftsführender Direktor der Landwirtschaftlichen Zentralgenossenschaft Hessen. Bei der Verschmelzung der Darmstädter Landwirtschaftlichen Genossenschaft rfiit der Frankfurter Genossenschaft wurde Sttasburger Vorsitzender des Vorstandes und Betriebsführer der neugegründeten Bäuerlichen Hauptgenossenschaft in Frankfurt. Direktor Strasburger ist seit Jahren Vorstandsmitglied der Lan- desbauernkasse Hesien-Nassau, des Amtlichen Großmarktes für Getteide und Futtermittel in Frankfurt und der Hessen-Naffauifchen Saatstelle, Sitz Frankfurt a. M. Gleichzeitig gehört er dem Verwaltungsrat des Getreidewirtschaftsverbandes an. Zuchthaus für einen Votksbetrüger. Butterpackungen mit Mindergewicht. Lpd. Mainz, 14. Mai. Mit einem Fall gewissenlosen Volksbetruges hatte sich die Mainzer Straf- kammer zu befassen. Angeklagt war der 37 Jahre alte Johann B r ä u n i n g aus Mainz, der sich jahrelang auf Kosten der Verbraucherschaft bereicherte. Bräuning hatte Vr-Pfund-Packungen Butter mit einem Mindergewicht von je 10 bis 30 Gramm hergestellt und verkauft. Er stellte auch, obwohl er schon dreimal einschlägig vorbesttaft war, Butter mit zu hohem Wafsergehalt her. Der Angeklagte wurde zu 1 Jahr 3 Monaten Zuchthaus verurteilt. auch ein interessanter Boxkampf der Jugendlichen fehlte nicht. So zeigte die Veranstaltung die ganze Vielseitigkeit des Sportbetriebs. Zahlreiche Zuschauer hatten sich eingefunden. Iugendfußball der Gp.-Vg. 1900. 1900 1.3gd. — Heuchelheim 1.3gd. 0:1. Am ersten Pfingstfeiertag fuhren die Blau- Weißen mit ihrer ersten Jugend nach Heuchelheim, um dort ein Freundschaftsspiel auszutragen. Es gelang ihnen diesmal nicht, einen Sieg mit nach Haufe zu bringen. Die Heuchelheimer, körperlich wesentlich stärker als der Gegner, sicherten sich einen knappen Sieg. Die Gäste zeigten aber den technisch besseren Fußball, dominierten im Spiel und ließen den Platzbesitzer nie so ganz aufkommen. Der Siegestreffer für Heuchelheim war für den Tormann der Blau-Weißen unhaltbar. 1900 1.3gd. — Großen-Linden 1.3gd. 2:1. Auch am zweiten Feiertag fuhren die Blau- weißen nach auswärts. Sie traten durch ein Mißverständnis nur mit 9 Mann in Großen-Linden an und gingen ziemlich aussichtslos in den Kampf. Die Großen-Lindener hatten etwas mehr vom Spiel, bedrängten die Gäste heftig, die Hintermannschaft war aber gut in Fahrt und verhinderte zunächst und während der ganzen ersten Halbzeit jeden Erfolg. Der Sturm war diesmal mit drei Mann bes- fer als am Vortag mit fünf Mann und sicherte durch Theiß und Deeg den knappen Sieg. Schmelze jeden tiefer gelegenen Platz zu ertränken. Einige Schritte nur auf das Rollfeld hinaus, und schon drohen Schmelzwasser und Schlamm in die Stiefel hineinzurinnen. Wie kann da erst ein schweres Flugzeug über den Platz rollen, sich von diesem abheben? Da greift die Baukompanie ein. Pumpen werden herangeschafft. Schlauchleitungen gelegt, am Rande des Platzes werden Wasferabzugsgräben aus- gehoben, und in kurzer Zeit ist der Platz trocken- gelegt. Nochmals gewalzt, und das Flugfeld ist wieder klar zum Start. Sicherungsdienst: Flak und Jäger sorgen zwar dafür, daß kein feindliches Flugzeug gefährlich werden kann, aber dreifache Sicherung ist doch besser. Also zieht die Baukompanie hinaus und sorgt für gute Tarnung der Flugzeuge und Unterkünfte, hebt Splittergräben aus, „Feldpostsammelstellen für die Engländer", Bomben- und Munitionslager. Eini. gen Tagen .schwerster Arbeit folgt die Meldung: Flugplatz klar! Platzoerlegung: „Staffel I verlegt ihren Standort sofort nach A." Nun heißt es für die Baukompanie, nicht mehr in amerikanischem, sondern in deutschem Luftwaffentempo zu arbeiten. Der neue Liegeplatz der Staffel ist noch Wald und Wiese ohne jeden Zufahrtsweg. Mitten durch den Wald wird die Straße gebaut. Wo gestern noch Bäume standen, fahren heute schon geländegängige Traktoren, werden morgen Straßenfahrzeuge rollen können. Der Platz nrirb zum Benzin-, Munitions- und Bombenlager geschaffen, Unterkunfts- räume werden aus dem Boden gestampft. In kürzester Zeit kann die Staffel chren Einzug in einen wohlvorbereiteten und ausgestatteten Horst halten. Mädchen für alles sind die Männer der Baukompanien. Jede Arbeit wird von ihnen rasch, sicher und gut ausgeführt. Straßen, Unterkünfte, Rollfelder, Munitionslager, alles schaffen sie mit Tempo. Das ist sogar das Wichtigste. Heinzelmännchen der Luftwaffe könnte man sie nennen. Wo man Arbeiter braucht, sind sie schon da. Wo sie waren, ist die Arbeit sozusagen über Nacht durchgeführt. Stolz hält mancher deutsche Mann feinen Einberufungsbefehl in der Hand: „Mensch, ich komme zur Luftwaffe." Vielleicht ist er zuerst enttäuscht, wenn er sich plötzlich bei der Baukompanie sieht, aber nur wenige Tage dauert diese Enttäuschung. Bald sieht er die Notwendigkeitund Bedeutung dieser Kompanie ein und wird von Tag zu Tag stolzer auf seine Waffe. Picke und Schaufel, die Werkzeuge, ohne die man nicht fliegen kann. Bücheriisch. — Dr. Ludwig (Stemm: Bibliographie zur hessischen Geschichte für 1935 bis 1938. (Selbstverlag des Historischen Vereins für Hessen in Darmstadt.) Das Büchlein schließt sich an die 1935 erschienenen für die Jahre 1933/34 an und enthält in der gleichen übersichtlichen Gliederung des großen Stoffes ein für jeden mit der hessischen Geschichte, Volkskunde und Familienforschung Beschäftigten unentbehrliches Material. — Ejnar Vaaben: Ein Däne spricht zu Deutschland, Deutschlands Kampf eine europäische Angelegenheit. (Verlag Hesse & Becker, Leipzig.) Preis drosch. RM. 1,50. — Zeitspiegel-Schriftenreihe: Deutschland und die Welt. Heft 1. Der deutsch-französische Gegensatz in Vergangenheit und Gegenwart von Dr. Walter Hagemann. Heft 2. Englische Blockade — deutsche Gegenblockade von Dr. Paul Hartig. Heft 3. Englands Kriegswirtschaft von Dr. Paul Hartig. (Verlag B. G. Teubner, Leipzig.) Preis je Heft RM. 0,50. — D r. Hermann Koch: Ich Bauer bin das Volk. Preis drosch. RM. 2,00. (Verlag Paul Parey, Berlin SW. 11. — D r. Heinrich Schnee: Die koloniale S ch u l d l ü g e. 12. neubearbeitete Auflage mit 16 Bildnissen. (Verlag Knorr & Hirth, München.) Preis geb. RM. 2,50. — Heinrich Sohnrey: Landflucht ist V o l k s t o d. (Deutsche Landwerbung Berlin SW. 11, Hafenplatz 3). Ein Wort an die Lehrer zur Schulentlassung der Landjugend in einer Frage, die das ganze Volk angeht, richtet hier ein Mann, dessen ganzes reiches Leben davon bestimmt war, für Wesen und Art des Bauern Verständnis zu wecken. So wird das Wort Sohnreys gehört und ausgenommen werden mit dem gleichen Ernst, mit dem es gesprochen wurde. ttJItfi du ra schGnFmll? Vornan von Martina Eckartchelm 28. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) Lena und Gottfried bleiben allein zurück. Er sagt nichts weiter als ihren Namen. Aber in diesem einen Wort liegt viel. Beinahe eine ganze Geschichte. Angefangen von dem ersten Sehen und Kennenlernen, von der Hellen Erinnerung daran. Von dem nie zur Ruhe kommenden Wunsch, diese blonde Frau zu gewinnen. Von Sehnsucht und Enttäuschung, von einer neuen Gewalt und neuen Erkenntnissen. Von Scham, Reue und Zerrissenheit. Aber Lena Oetteking hat keinen Wunsch nach Zurückerinnern und Gefühlen, die unausgesprochen zwischen ihnen stehen. Nur Tatsachen sprechen jetzt. „Gottfried, es tut mir unendlich leid. Ich weiß, was du jagen willst, aber ..." Sie nimmt einen mutigen Anlauf, ihre Lippen sind blaß. „Ich kann jetzt nicht aus diesem Hause fort — es ist ganz unmöglich!" Ihre Stimme ist fast hart, wenn es Lena auch schwer wird, sachlich zu bleiben. „Ich weiß, daß du keine Zeit mehr hast, länger zu warten. Fahre voraus zu deiner Mutter, bitte. Es wird mir nicht leicht, das zu sagen, aber ich werde hier so notwendig gebraucht." In Gottfried wallt es heiß auf. Sieht er hier nicht einen Ausweg aus seinen eigenen Wirren? Fort aus dem Gräfehaus — Flucht vor Lena, Flucht vor Erni! Ader er will nicht fliehen, will keinen ungeklärten Zustand zurücklassen. Er muß sprechen. Er sieht ihr blasses, unruhvolles Gesicht. Er weiß, wie die Aufregungen in diesem Hause sie quälen. Und nun soll er etwas aussprechen, was sie noch tiefer erschüttert. Hat diese Beichte nicht Zeit bis später? Und dock; möchte er so gern befreit sein von der Gewissenslast, und ihr wieder ins Auge sehen können. Aber da schneidet ihm Lena selbst das Wort ab. „Bitte, versuche nicht, mich umzustimmen. Es hat keinen Zweck. Ich bleibe hier. Du muht es verstehen, ohne eine Erklärung zu verlangen." Diese schnelle Verabschiedung kränkt Gottfried. Es ist ihm jetzt unmöglich, ein Geständnis zu machen, das vielleicht vieles erträglicher gestaltete. Er beißt sich auf die Lippen. Der Gräfehof ist hier das wichtigste — die Not dieser Leute. Was weiß sie von seiner Not? * „Bitte, wenn du es so willst —" Er tritt zurück, sieht an ihr vorbei zum Fenster hinaus. „Gottfried!" Nun ist ihre Stimme wieder bittend, warm wie in den wenigen Stunden ihrer Zärtlichkeit. „Ich weiß nicht aus noch ein, Gottfried. Es wäre wirklich leichter, wenn du gingest..." Lenas Augen brennen wie von verhaltenen Tränen. Gottfried nimmt ihre kalten Hände, küßt sie, möchte gern noch ein paar gute Worte sagen, sucht und findet nur das eine, rätselhafte: „Man bleibt immer in deiner Schuld, Lena!" Sie drücken einander die Hände, es sieht so aus, als wollten sie sich festhalten, als scheuten sie sich vor einer Trennung, von der sie ahnen, daß es eine Trennung für immer ist. Ihre Augen finden sich, aber es steht nichts von Glück darinnen, nur Qual und Verwirrung. Gottfried Bonhoff geht aus dem Gräfehaus, wie er gekommen ist. Er hält Hut und Köfferchen in der Hand und hat den hellen Anzug an. Niemand ist auf dem Hof, keiner winkt ihm nach. Auch Erni nicht. Sie ist die einzige, von der er sich nicht verabschiedet hat. Er kann den Mut nicht aufbringen, Erni noch einmal zu sprechen, jetzt, nachdem er sich so niedergeschlagen von Lena getrennt hat. Nein, erst muß er sich selber wiederfinden, sich in die Arbeit stürzen — Arbeit, dieses ewig gute, starke Allheilmittel. Die Einsamkeit des Landes wird ihn anfangs erdrücken, dann aber wird sie den verwirrten Sinn wieder zurechtrücken. Dann wird er wieder der sein, der er war, ehe er auf den Gräfehof kam. Wird das so ein kleines Mädel wie die Erni, wenn es zum erstenmal verliebt ist, begreifen können? Sie hat doch ein Recht, voll klopfender, ungeduldiger Angst nach Gottfried Bonhoff zu fragen, denn der Abend ist gekommen, und Gottfried bleibt unsichtbar. Und wen sonst sollte Erni Gräfe wohl nach diesem Gottfried fragen als Lena Oetteking? O Gott, wie lange kann man vor einer einzigen Frage her- umbrucffen ... Schon beim Tischdecken vor dem Abendbrot. Dann in der Küche, wo man weißen, sahnigen Quart