Mittwoch,14.AugustM0 Erscheint täglich, anher Sonntags und feiertags Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Ubr desVormtttags Anzetgen-Preise: Anzeigenteil 7 Rvf. je mm bei 22 mm Zeilenbreite, Tertteil 50 Rvf. ie mm bei 70 mm Zeilenüreite Nachlässe: Wiederholung Malstaffell Abschlüsse Mengenstaffel 8 Plahoorschrift (vorherige Vereinbarung) 25°/o mehr General-Anzeiger für Oberhessen -iehen?§ch«lstratze 7-9 Fernsvrechanschluß 2251 Druck und Verlag: MÄWÄWL drLhlschtUmoerstätrdNlcktreiLLmgt Giehener Familienblätter Heimat imBild-DieScholle Monats-Bezugsvreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr... „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt (90.Jahrgang Nr.(y( w @ m GietzenerAnzeiger Englands Südküste unter neuen deutschen Lustangriffen. Klughäfen, Klakbatterien und Gperrballone schwer getroffen. — Bis Oienstagnachmittag bereits 69 Klugzeuge abgefchoffen. Berlin, 13.Aug. (DBB.) Die Luftwaffe fetzte heute die Angriffe auf die Süd- und Südoftküfte Englands fort. Auf dem Flughafen L a ft ch u r ch wurden sechs hallen vernichtet, Anterkunftsgebäude, Flugplahanlagen und Oeltanks in Brand geworfen. Weitere Angriffe richteten fich gegen Flak- batterien, die durch Bombentreffer autzer Gefecht gefetzt wurden. Zwei grotze bewaffnete Handelsschiffe erhielten schwere Bombentreffer, zwei britische Borpostenfchiffe wurden durch Bomben versenkt. Jagdflieger griffen erneut Ballonsperren über der Südostküste Englands an und schossen dabei 12 Sperrballone brennend ab. Hebet der Themsemündung gelang es, ein brittsches Jagdflugzeug vom Typ Spitfire abzufchietzen, auf dem Flugplatz Laftchuech weitere 10 Spitfire durch Bombentreffer am Boden zu zerstören. Die britische Luftwaffe versuchte heute Bormittag einen Bombenangriff auf Aalborg in Dänemark. Bon den angreifenden 12 britischen Bombenflugzeugen wurden fechs durch unsere Jagdflieger und fünf durch unsere Flakartillerie abgeschossen, so dah nur ein Flugzeug entkommen ist. kurz nach diesem ersten Anflug näherte sich eine zweite Welle von elf Angreifern der Stadt Aalborg, von denen wiederum 5 Flugzeuge zum Absturz gebracht wurden. Damit sind von 23 angreifenden Flugzeugen 16 abgeschossen worden. Bach den bisher vorliegenden Meldungen ivur- den heute 38 britische Flugzeuge im Lustkampf, 15 am Boden vernichtet. Dazu kommen noch die 16 Abschüsse bei Aalborg, so daß die Gesamtverluste des Gegners bis zum frühen Bachmittag bereits 69 Flugzeuge betragen. 13 eigene Flugzeuge werden vermißt. Das Echo in WA. Neuyork, 14. Aug. (Europapreß.) Die Intensität und die dichte Folge der deutschen Luftangriffe bestärken in den Äugen der no rdame rrkani sch en Presse die Vermutung, daß der langerwartete deutsche Jnvasionsversuch bevorstehe. Im „New Dort Journal American" schreibt Major Raborg, daß Deutschland anscheinend langsam, aber sicher auf einen regelrechten Blitzkrieg hinarbeite. Es werde jetzt klar, daß nicht nur die britische Schifffahrt, sondern die ganzen britischen Insel n das Angriffsziel der deutschen Flugzeuge sind. Der Verfasser bezweifelt die Richtigkeit der englischen Behauptung über die Schwierigkeiten Deutschlands, seine Verluste an Piloten auszugleichen. Seit Beginn des Krieges, erklärt Major Raborg, Me Deutschland eine Ersatzkapazität an Flugzeugen, Tanks, motorisierter Ausrüstung und ausgebildetem Personal, die größer sei als alle Verluste, die es bisher erlitten haben könne. Einen ungewöhnlich kleinlauten Bericht über das Ergebnis der deutsch-britischen Luftkämpfe vom Montag gab der Korrespondent der Columbia Broadcasting Company in London. In seinen Ausführungen, die der britischen Zensur unterliegen, g a b e r zu', daß in Portsmouth sowie auf einem Flugplatz in Sussex militärische Objekte durch die deutschen Bombenabwürfe beschädigt wurden. Kennzeichnend war insbesondere, daß der Korrespondent die Warnung hore-Belishas, des ehemaligen britischen Kriegsministers, vor einer Überschätzung der deutschen Erfolge unterstrich. 92 Flugzeuge am Montag vernichtet. Der Wehrmachtsbericht vom Dienstag. Berlin, 13. August. (DBB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Am 12. August griffen deutsche Fliegerverbände Husen- und Flugplahanlagen an der englischen Süd- und Südostküste an. Dabei wurde dec Kriegshafen von Portsmouth mit zahlreichen Bomben belegt Das Großkraftwerk und die Werft von Bofpec stehen in Flammen. Dock- und Kaianlagen, sowie ein Bor- postenboot im Kanal erhielten Bombentreffer. Im Laufe dieser Angriffe kam es zu heftigen Luftkämpfen, bei denen insgesamt 4 3 feindliche Flugzeuge abgefchossen wurden. Auf den Flugplätzen INanston, Canterbury, Hawkings und L y m p n e gelang es, hallen. Werftanlagen und Anterkunftsgebäude zu zerstören und zum Teil in Brand zu fetzen. In Bl a n ff o n wurde ein britischer Jagdverband beim Start gefaßt und dabei 3 Flugzeuge vorn Bluffer hucrican in der Luft, 4 am Boden vernichtet An anderen Stellen sind weitere 8 Flugzeuge am Boden zerstört worden. Bei Dover schossen unsere Flugzeuge 2 Sperrballone in Brand. Bei den in dieser Gegend sich entwickelnden Luftkämpfen verlor der Feind 30 Flugzeuge. 3m Seegebief ostwärts Southend griffen Sturzkampfflieger einen stark gesicherten Geleitzug an und versenkten trotz heftiger Jagd- und Flakabwehr 2 Handelsschiffe von zusammen 5400 BAT. Ein weiteres Schiff wurde in Brand geworfen. In der Bucht zum 13. August erfolgten Bombenangriffe auf Schiffsziele bei Swansea und Lardiff, sowie Flak- und Scheinwerfersfellungen bei Plymouth und in der $) umbet- Blünbung. DieBerminung britischerhäfen wurde fortgesetzt. Britische Flugzeuge warfen in der Bucht zum 13. August in Bord- und Westdeutschland Bomben, ohne nennenswerten Schaden unzurichten. Dabei wurden 4 Flugzeuge durch Flakartillerie über deutschem Gebiet ubgeschossen. Die Gesumtverluste des Feindes betrugen gestern 9 2 Flugzeuge, von denen 12 am Boden, 4 durch Flakartillerie, die übrigen in Lustkämpfen vernichtet wurden. 24 deutsche Flugzeuge werden vermißt. Ein Gefecht in der B o r b f e e zwischen einigen deutschen Minensuchbooten und mehreren feindlichen Schnellbooten verlies für uns erfolgreich. Es ist unzunehmen, daß mindestens ein feindliches Schnellboot den Hufen nicht mehr erreichte, während unsere Boote unbeschädigt blieben und ihre Tätigkeit plunmähig forfführten. Lin Hmncane-Zäger stürzt brennend ab. Diese gelungene Ausnahme wurde aus der Bugkanzel eines Messerschmitt-Zerstörers ausgenommen, der einem Jagdeinsitzer vom Muster .hawker-hurricane seine tödlichen Feuergarben in den Leib jagte. Eine lange Rauchfahne hinter sich herziehend, stürzt der Gegner brennend ins Meer. — (PK.-Atlantic-M.) „Noch nicht die ganze Kraft der deutschen Luftwaffe." England unter dem gewaltigen Eindruck der deutschen Angriffe. Stockholm, 14. Aüg. (Europapreß.) Nach Meldungen aus London ist der Eindruck der jüngsten deutschen Luftangriffe — namentlich derjenigen auf die südenglischen Häfen — gewaltig. Es wird erklärt, die rasenden Kämpfe hätten sich von der Grafschaft Sussex bis zur Themse-Mündung und von dort an die Südwestspitze Englands ausgedehnt. Der Hafen von Portsmouth, so heißt es weiter, werde „von deutschen Bomben systematisch pulverisiert". Man gibt auch zu, daß zahlreiche Ballons der sog. Ballonsperren abgeschossen wurden. Ein bezeichnendes Eingeständnis enchält eine Betrachtung des luftfahrttechnischen Mitarbeiters von Reuter über die Stärke der deutschen Luftwaffe. Die britische Luftwaffe sehe ein, daß die neuen Wellen von deutschen Luftangriffen, die seit Donnerstag gegen England unternommen würden, noch nicht die ganze Kraft darstellten, deren Deutschland fähig sei. Deutschland sei in der Lage, Angriffe auf größerer Basis durchzuführen. Der „Daily Telegraph" fürchtet, daß die englische Luftwaffe an einer Stelle der Jnsel- grenze derart beschäftigt werde, daß die Deutschen an anderer Stelle Gelegenheit hätten, unbeobachtet gewisse Aktionen vorzubereiten. Der Nachrichtendienst hat die brittsche Oeffent- lichkeit bisher noch vollständig im Unklaren gelassen über die Einzelheiten der Luftkämpfe. Obwohl man während des ganzen Montags in London das Dröhnen niederfallender Bomben hören konnte und die Oeffentlichkeit dadurch auf die Schwere der Kämpfe hingewiesen wurde, werden Einzelheiten nicht bekanntgegeben, selbst die in den deutschen Kommuniques gemachten Angaben werden nunmehr verschwiegen. Die Regierung hat Vorsorge getroffen, daß in Zukunft nicht ein einziger europäischer Journalist in die Lage versetzt wird, sich ein Bild von den Wirkungen deutscher Bomben zu machen. Alle europäischen Journalisten werden in London festgehalten. Unterlagen für chre Berichterstattung sind die offiziellen englischen Kommuniques, die Reuter-Berichte und die Darstellungen der englischen Presse. Obwohl also die neutralen Korrespondenten nunmehr einer Kontrolle unterstellt sind, die alles bisher Dagewesene in Schatten stellt, deuten sie nichtsdestoweniger an, daß die deutschen Luftangriffe weitaus erfolgreicher waren, als in dem englischen Kommunique zugegeben wird. Auf der einen Seite behauptet man in den englischen Verlautbarungen, die deutschen Bomben hätten Golfplätze, Sportanlagen, Privathäuser, Schulen und dergleichen.gettoffen, während auf der anderen Seite der Londoner Korrespondent des „Aftonbladet" schreibt: „Es war der heftigste Luftkampf, der bisher ausgetragen worden ist. Hafenanlagen, Flugplätze und Konvois waren die strategischen Ziele der Deutschen." Das Home Office hat bestimmt, daß die Provinzen Devon und Cornwall an Englands Südwestküste zu den Gebieten gehören, die von Fremden nicht betreten werden dürfen. Auf Grund einer neuen Verordnung gehören alle südlichen Häfen und Städte von nun an zu den Gebieten, die Beschränkungen unterworfen sind.. Es ist offensichtlich der Sinn dieser Verordnung, die Zerstörungen in den Häfen Portsmouth, Plymouth und Landsend vor unberufenen Augen geheim zu halten. Gerade in diesen Teilen Englands lieaen die besonders wichtigen Nobelwerke uno Pulverfabriken, die infolge der täglichen deutschen Luftangriffe schon beträchtlichen Schaden erlitten haben Dürften. Propaganda und Wirklichkeit. Die Folgen der deutschen Luftangriffe nicht mehr zu verheimlichen. Rom, 14. August. (Europapreß.) Die römische Presse bemerkt, daß schon seit den Zeiten Homers auch mit Worten Krieg geführt werde. Im Zeitalter des Rundfunks geschehe es aber häufig, daß versucht werde, durch Worte geradezu Taten und kriegerische Handlungen zu ersetzen. Dies sei in England und in feinem Propaganda ministe- rrum der Fall. Da aber Mißbrauch immer den gegenteiligen Erfolg erziele, so laufe die englische Propaganda Gefahr, bei niemand und vor allem bei den englischen Staatsbürgern keinen Glauben mehr zu finden. Auch heute noch wage es die englische Propa- gande, so bemerkt z. B. „Popolo di Roma", der englischen Oeffentlichkeit die unheilvollen Folgen der wahrhaft zerstörenden Belagerung Englands durch die deutsche Luftwaffe zu verheimlichen. Doch die Zerstörung der Schiffe und der Häsen, der Lungen, durch die England atme, lasse sich auf die Dauer nicht vor jenen verbergen, die die Folgen zu spüren bekommen würden. Die seit drei Tagen von der deutschen Luftwaffe immer wiederholten Angriffe gegen England kennten keine Ruhepause. Im Gegenteil, sie schwöllen in einem furchtbaren Rhythmus an, träfen die empfindlichsten Punkte der englischen Verteidigung, verursachten immer gewaltigere Materialschäden und erschütterten immer mehr die moralische Widerstandskraft der englischen Bevölkerung. England und insbesondere das südliche England, so schreibt .Lavoro Fascista", lägen nun ständig unter dem Bombardement der von den Politik und Moral. Es ist in den letzten Jahren kaum vorgekommen, daß sich ein Gelehrter mit den früher oft behandelten Beziehungen zwischen Politik und Moral beschäftigt hat. Man hat sich überzeugt, daß für den Politiker und Staatsmann in der Ausübung seines Berufes andere Gesetze maßgebend sein müssen, als für den Privatmann. Grundsätzlich erkennt man die Berechtigung der Forderungen an, die einst der Florentiner M a ch i a v e l l i aufgestellt hat und die darin gipfeln, daß der Staat zur Erhaltung und Erweiterung feiner Macht jedes, also auch jedes an sich unsittliche Mittel anwenden muß. Haben sich aber im nationalsozialistischen Deutschland nicht auch auf diesem Gebiet die Anschauungen geändert? Gewiß bleibt es dabei, daß der Staat Macht ist und daß — nach Treitschke — unter allen politischen Sünden die Schwäche die verwerflich st e ist und „die Sünde gegen den heiligen Geist der Politik" bedeutet. Gewiß hat auch der Führer selbst den Satz aufgestellt, daß eine Regierung Macht braucht und sie „mit brutaler Rücksichtslosigkeit" anwenden muß, um ihre als richtig erkannten Ideen durchzusetzen. Aber während Machiavelli und seine Nachfolger den absoluten Herrscher oder den Staat als Selbstzweck im Mittelpunkt ihrer Ueberlegungen sehen und meist unter ganz anderen Bedingungen beurteilen, betonte der Führer schon in Verbindung mit der Forderung brutaler Machtanwendung in den ersten Kampfjahren, daß dabei Voraussetzung ist, daß die Ziele des Staates „wahrhafttg dem Wohle des gangen Volkes" entsprechen müssen. Uno das ist für uns das Entscheidende, daß nunmehr im Mittelpunkt unseres Lebens und also auch unseres politischen Handelns das Volk steht und nicht der Staat oder der absolut herrschende Fürst. Was könnte auch der Führer gemeinsam haben mit dem italienischen Diplomaten der Renaissance-Zeit, der in seinem Buche schrieb: „In jedem Staate gibt es zwei verschiedene Gemütsbewegungen, die daher rühren, daß das Volk die Herrschaft und Unterdrückung der Großen nicht ertragen mag, die Gro- franzüsischen, belgischen und holländischen Stützpunkten aus in endlosen Wellen vorstoßenden deutschen Fliegerstaffeln. Diese Staffeln hätten die systematische Zerstörung aller englischen See- und Luftstützpunkte begonnen. Das eine wie das andere Ziel werde zweifellos erreicht werden. Auch britische Ballonsperren wurden von unseren Fliegern vernichtet. Der deutsche Wehrmachtsbericht meldete in den letzten Tagen mehrmals erfolgreiche Angriffe deutscher Jagdflieger auf Ballonsperren an der englischen Küste. — Unser Bild zeigt englische Sperrballone während des Auflassens. — (Scherl-Bilderdienst-M.) • Die vielgerühmte Erfindung der Briten, die übrigens im Prinzip uralt ist, die Verteidigung durch Ballonsperren, kann das Schicksal Englands nicht wenden. Diese Ballonsperren entstehen auf die Weise, daß motorisierte Wagen die Ballons tra= aen, die an Stahltauen bis zu 3 oder 4000 Meter hoch steigen, selten bis 5000 Meter. Während nach Möglichkeit die Ballons sich in den Wolken verbergen, sollen sich an ihren Stahltauen unsere Stukas fangen und zerschellen. Diese Ballonsperren wechseln natürlich häufig den Ort ihrer Aufstellung, aber zunächst bedarf es einer gewissen Zeit, sie zu errichten, und dann haben sie den Nachteil, daß sie überflogen und aus dieser größeren Höhe vernichtet werden können. Außerdem richten sie beim Abschuß durch die schleifenden und herabstürzenden Stahl- ttossen eine große Verwirrung und vielfache Zerstörungen am Boden an. Die zu ihrer Unterstützung herbeigezogenen Flaks setzen übrigens durch ihr Feuer diese Ballone selbst in Gefahr. Die Abschüsse der Ballons durch die deutschen Flugzeuge beweisen klar, daß sie kein wirksames Abwehrmittel darstellen können. ßen aber das Volk zu beherrschen und zu unterdrücken trachten?" Das Idealbild Machiavellis n>ar der Stadtfürst Cesare Borgia, der mit Mord und Folter, mit Gift und Dolch eifersüchtig um seine persönliche Sicherheit in seinem Volke besorgt sein mußte und dauernd gegen andere Fürsten kämpfte. Selbstsucht, Ehrgeiz, Machtstreben, Sittenlosigkeit usw. waren die Triebfedern zu seinem Leben und Tun. Bei dem Bestreben, als tugendhafter Mann 3U scheinen, mußte er notwendig zu einem Erz- yeuchler werden. Und Machiavelli empfiehlt dies Verhalten für alle Fürsten und Staatslenker. Demgegenüber betonte Friedri chderGroße, zwei Triebfedern beftimmten sein Handeln: das Ehrgefühl und das Wohl des Staates. Dabei hat er gewiß nichts versäumt, die Macht seines Staates anzuwenden und zu erweitern. Ebensowenig wie bei diesem vorbildlichen Fürsten hat es bei späteren Staatsmännern, z. B. Bismarck, an Konflikten gefehlt, die daraus entstehen mutzten, datz sie bemüht waren, ihre persönlichen sittlichen Grundsätze in Einklang zu bringen mit den Methoden, die im Interesse des Staates und der Erreichung ihrer Ziele zweckmäßig waren. Bis heute gilt ja bei den Diplomaten aller Länder noch der Satz, daß die Sprache dazu dienen müsse, die Gedanken zu verbergen. Und das Verhalten der englischen und französischen Minister in München und Godesberg, ihre Zustimmung zu einem Friedens-Uebereinkommen in der Absicht, Zeit zu Kriegsrüstungen ju gewinnen, beweist ja, daß im allgemeinen auch heute noch Anschauungen und Methoden gelten, die zum Wohle der Völker anderen Platz machen sollten. In der Tat ist auch auf diesem wichtigen Gebiet unser Führer mit gutem Beispiel seit langem vorangegangen. Mancher staunte, wie offen der Führer die Stärke unseres Westwalls, die Vorzüge unserer Kampftlugzeuge, die Menge unserer Flakgeschütze usw. aller Welt in Wort und Bild zur Kenntnis bringen lieh, und erkannte erst später, daß auch das zu seiner Friedenspolitik gehörte, um unsere etwaigen Gegner rechtzeitig auf die Gefahren eines Angriffs auf uns aufmerksam zu machen. Wahrhaftigkeit ist die Grundlage der Politik und Diplomatie des Führers, und es war der verhängnisvolle Fehler der Diplomaten alten Schlages, daß sie das übersehen haben, solange es noch Zeit war. Im Interesse des Wohles ihrer Völker hätten sie gehandelt, wenn sie auf Verhandlungen eingegangen wären, statt ihre Staaten und Völker vernichten zu lassen. Offener und ehrlicher, wie der Führer, kann niemand vorgehen, der auch in seiner letzten Rede noch einmal erklärte: „In dieser Stunde fühle ich mich verpflichtet vor meinem Gewissen, noch einmal einen Appell an die Vernunft auch in England zu richten", der seit Jahren immer wieder abgerückt ist von den Grundsätzen eines Staatsmannes nach dem Muster Machiavellis, wenn er zum Beispiel betonte, daß er nichts getan hätte und tun würde, was nicht nach seinem innersten Gewissen im Interesse des deutschen Volkes getan werden müßte, und daß er niemals als Staatsmann feine Unterschrift unter einen Vertrag setzen würde, den er als Ehrenmann auch im privaten Leben niemals unterschreiben würde. Deutlicher kann niemand unterstreichen, daß für thn die Gegensätze zwischen Politik und Moral nicht mehr bestehen, daß es ihm wirklich Ernst damit ist, für einen Staat zu kämpfen, „an dessen Spitze die größte Sauberkeit und Ehrlichkeit, die stolzeste Kraft, die größte Energie stehen". Die Ehre der Nation ist seine eigene Ehre. Und den Engländern und ihrer Heuchelei, Hinterlist und verbrecherischer Opferung ihres Volkes rief er zu, daß es ihre Pflicht wäre, alles zur Erhaltung ihres Volkes zu tun und für ihn selbst das Prinziv Geltung hätte, daß ein „Ehrenmann als Politiker nicht anders handeln kann als er handeln würde als Privatmann". Und um seden Zweifel zu beheben, erklärte der Führer ausdrücklich (am 4. November 1933): „Ich protestiere dagegen, daß es hier zweierlei Moral geben soll!" Der Ausgang der letzten diplomatischen Besprechungen in Salzburg und die Anzeichen dafür, daß der Führer noch, vor der letzten Entscheidung des Krieges mit Erfolg alle europäischen Völker umsorgt, um sein Ziel, „ein neues befriedetes Europa" zu erreichen, beweist, daß feine neue Diplomatie und seine Politik der Wahrhaftigkeit allmählich Verständnis finden. Freilich ist bei der bisherigen Einstellung der anderen Staatsmänner ausschlaggebend dafür die Macht und Ueberlegenheit der deutschen Nation, die um so stärker wirken, als sie fest auf sittlichen Grundlagen beruhen. Rudolf Friedemann. Die Ziele britischer Bomben. Lazarette, Krankenhäuser, Friedhöfe. Berlin, 13. Aug. (DNB.) Nach den verbrecherischen Angriffen britischer Flieger auf holländische Miutärlazarette und Krankenhäuser werden nunmehr weitere Bombenüberfälle auf deutsche Lazarette, Krankenhäuser und Friedhöfe bekannt. So fielen in der letzten Nacht mehrere englische 'Fliegerbomben neben ein Marinelazarett in Norddeutschland. Es wurden glücklicherweise nur einige Treibhäuser zerstört, sonst aber keine Schäden angerichtet. Weiterhin warfen britische Flieger Brandbomben a u f e i n westdeutschesKrankenhaus. Auch hier ver- fehlten die Bomben ihr Ziel. Lediglich eine Leichenhalle fing Feuer und brannte aus. Sowohl das Marinelazarett wie das Krankenhaus waren durch rote Kreuze auf weißem Grund vorschriftsmäßig gekennzeichnet und als solche weithin sichthar Schließlich wird noch ein Bombenangriff der britischen Luftwaffe auf den Friedhof einer kleineren norddeutschen Gemeinde bekannt. Hier wurde eine Reihe von Gräbern durch die Bomben restlos zerstört. Aalienifcher Wehrmachtsbericht. Rom. 13.Aug. (DRV.) Der italienische wehr- Machtsbericht vom Dienstag hat folgenden Wortlaut: Der erste Zusammenstoß mit dem Gros der feindlichen Kräfte, die Vritifch-Somaliland verteidigen, begann am 11. August um 13 Uhr durch den Angriff unserer Streitkräfte und hat sich während des gestrigen Tages durch eine Anzahl hefttger Gefechte ln der Zone von Ada dl eh entwickelt, das beseht wurde. Die Schlacht geht weiter. 3n tiefer Zone haben wir eine Blenheim abgeschossen und die Leiche des Piloten, eines Hauptmanns, geborgen. Während der Schlackt haben wir eines unterer Flugzeuge eingebüßt. Formationen unserer Bombenflugzeuge haben die Treibstofflager aus Malka mit Bomben belegt, wobei schwere Brände verursacht wurden. ♦ Zu der Besetzung des Gebietes von Adaleh schreibt „Lavoro Fascista", der Vormarsch werde trotz der gegenwärtig herrschenden schlechten Wetterlage von der Flugwafte wirkungsvoll vorbereitet und gedeckt. Bei den Erkundungsflügen fei nur eine schwache Gegenwehr des Feindes feftzuftellen. Hingegen feien das Angriffsziel der englischen Flieger die auf dem Marsch befindlichen italienischen Kolonnen gewesen. Den englischen Flugzeugen sei aber von den italienischen Jagdflugzeugen der Weg verlegt, die brittschen Bombenflugzeuge seien bis in Öen Golf von Aden v er folgt worden. Gleichzeittg seien von den italienischen Fliegern Erkundungsflüge über dem Roten Meer und dem mittleren Sudan, über dem nordöstlichen Kenia und nordwestlich des Rudolfsees (Ostafrika) durchgeführt worden. Bei diesen Erkundungsflügen feftgestellte Truppenansammlungen seien unter Maschinengewehrfeuer genommen worden. Madrid, 14. Aug. (Europapreß.) Es tritt immer deutlicher zutage, daß die jüngste Aussprache im englischen Unterhaus über die britische Kriegswirtschaft enttäuschend gewirkt hat. Selbst die robusten Ausführungen des Arbeitsministers Be- oin über die verstärkte Heranbildung gelernter Arbeitskräfte, die zunächst in der Oeffentlichkeit nicht ungünstig aufgenommen worden waren, werden nun nachträglich kritisiert. So läßt die „Times" durchblicken, daß Benins einseitige Angriffe gegen die ablehnende Haltung der Unternehmer im Hinblick auf die Heranbildung von Facharbeitern in den Betrieben ungerecht gewesen seien. Die Zeitung stellt fest, daß die Ausbildung solcher Kräfte ohne Mitwirkung der zuständigen Facharbeitergewerkschaften undurchführbar wäre. Diese aber hätten sich einer Vermehrung der Zahl der Facharbeiter bisher ständig widersetzt, weil sie darin eine Gefährdung ihrer privilegierten Stellung erblickten. Daß besonders Greenwoods Ueberblick über die Wirtschaftspolitik der Regierung enttäuschte, zeigen viele englisä-e Pressekommentare. So meint beispielsweise „Daily Mirror", Greenwood hätte es unterlassen müssen, sich darüber zu wundern, wie Hitler die Wirtschaftslage von diesem Winter zum nächsten Frühjahr meistern werde: „Seine Hilfsquellen scheinen für fein Kriegsziel, das der ©ieg ist, reichlich zu fein; während wir uns durch ein Labyrinth von Ausschüssen und vordringlichen Aufgaben durchkämpfen, die der arme Greenwood gleichschalten ^oll, hat Hitler seinen einzigen Willen und seinen einzigen Zweck, seine rücksichtslose Triebkraft." Die „Times" veröffentlicht eine vielsagende Zuschrift des Lords Queenborough. Er erklärte, die nervöse U'eberreizung der englischen Bevölkerung sei jetzt so weit gediehen, daß ihr die gefürchtete Invasion der Deutschen fast als ein geringeres Hebel erscheine. Weiter wird berichtet, die englischen Arbeitermassen seien weit davon entfernt, die Kriegspolitik ihrer Führer mit Begeisterung mitzumachen. Beamte des Internationalen Arbeitsamtes, die aus London zurückgekehrt seien, hätten erzählt, daß der Verband der englischen Textilarbeiter und die Bergarbeitergewerkschaft von Wales dem Leiter des britischen Arbeitsamtes, C i - tr i n e, und dem Arbeitsminister B e v i n Petitionen übermittelt hätten, in denen die Notwendigkeit betont worden sei, dem Kriege sofort ein Ende zu machen, weil zahlreiche Betriebe der Kriegsindustrie unter völligem Robstoffman- gel zu leiden hätten und weil die Moral der Arbeiter bei weitem nicht als befriedigend bezeichnet werden könne. Die Bergarbeitergewerkschaft von Wales habe Streiks und Unruhen voraus g e f a g t für den Fall, daß der Krieg von dem Kabinett Churchill fortgesetzt werde. Sowohl Ci- trine als auch Benin hätten sich geweigert, die Petitionen an die englische Regierung weiterzuleiten. Bevin habe den Arbeitern vielmehr gedroht, er werde die Betriebe durch Truppen besetzen lassen, wenn die Arbeiterschaft der Kriegspolitik der Regierung ihre Unterstützung verweigere. »Zuschriften aus dem Leserkreis." Madrid, 14. August. (Europapreß.) Unter der Ueberschrift: „Schludrige Kriegsarbeit" 'macht die „Daily Mail" davon Mitteilung, daß sie zahlreiche Zuschriften aus ihrem Leserkreis erhalten habe, in denen die Verschwendung und Mißwirtschaft in den britischen Muni- Rom, 14. August. (Europapreß.) Die Ermordung des albanischen Patrioten Daut Hoggia hat in der römischen Dresse starke Beachtung gesunden. Die Presse veröffentlicht Einzelheiten über die Vorgeschichte dieses politischen Mordes, für den sie Griechenland verantwortlich macht. Gayda schreibt im „Giornale d'Italia", auf diesen Vorwurf antworte die griechische Regierung durch eine Note, in der Daut Hoggia als gemeiner Verbrecher hingestellt werde, für den schon seit zwanzig Jahren wegen feiner Verbrechen ein Kopfgeld auf feine Unschädlichmachung ausgeschrieben worden fei, was feit zwanzig Jahren den italienischen Behörden bekannt gewesen sei. Die Mörder Daut Hog- gias seien nicht Griechen, sondern Albaner. Die griechische Regierung achte die Grenzen Albaniens. Dazu schreibt Gayda, die griechische Regierung wolle sich offensichtlich ein Alibi beschaffen. Demgegenüber sei feftzuftellen, daß Daut Hoggia e i n wahrhafter Patriot gewesen sei, der von der Bevölkerung Albaniens verehrt worden sei. An allen Freiheitsbewegungen des albanischen Volkes habe Daut Hoggia teilgenommen. Wegen der Verfolgungen der Albanier in feiner Heimat durch Griechenland habe er sich irredentifttsch betätigt. Die beiden jugendlichen Mörder Daut Hoggias feien nicht Albaner, sondern Griechen. Es sei bekannt, daß sie im Sold der griechischen Politik stehen. Wenn schon vor zwanzig Jahren ein Kopfgeld ausgeschrieben worden sei, warum sei dann dieser Mord erst nach so langer Zeit ■ begangen worden? Das wahre Todesurteil gegen Daut Hoggia fei aber tatsächlich in Athen erst ausgesprochen worden, als festgestellt wordep sei, daß Daut Hoggia an der Seite der italienischen Behörden an einer großen völkischen Kundgebung teilgenommen habe. Was die Achtung der Grenze Albaniens durch Griechenland anbelange, fährt Gayda fort, sei zu bemerken, daß Italien zahllose, das Gegenteil beweisende Unterlagen in der Hand habe. Zur völkischen, kulturellen und wirtschaftlichen Verfolgung der Albanier im heute griechischen Gebiet geselle sich das planmäßige Handeln gegen die Unabhängigkeit Albaniens, Diese Aktton Der jüngste Lustangriff auf Matta. Mailand, 14. Aug. (Europapreß.) Wie die Blätter melden, ist der letzte Angriff gegen Malta in der Montagnacht bei Mondenschein durchgeführt worden. Die Benzinlager von Marsa Sirocco wurden auf Grund vorheriger Aufklärung von der ersten Staffel mit Brandbomben und Bomben mittleren Kalibers belegt. Die folgende Staffel stellte einen großen Brand fest, der die gesamten Anlagen hell beleuchtete und den Flugzeugen gestattete, ihre Bomben schwersten Kalibers auf die Lagerschuppen und Gebäude abzuwerfen. Die englische Flakabwehr war heftig, aber wirkungslos. tionsfabrifen kritisiert werde. Es würde die sofortige Einsetzung von Untersuchungsausschüssen gefordert, denen jeder Arbeiter und Beamte dieser Fabriken über solche Mißstände berichten könne. * ' ,Ln London wird die Säuglingsmilch k n a p p", schreibt ein Leser an den „Daily Mirror". „Ich habe ein fünf Monate altes Baby, das bisher ,mit Vollmilch genährt' wurde. Ich kann jetzt aber nicht mehr als eine Büchse Vollmilch erhalten. Was soll ich tun? Vielleicht ist es eine gute Idee" — so meint der Leser ironisch — „dem Kinde ein falsches Gebiß zu geben, so daß es seine Fleisch- und Speckrationen verdauen kann." ♦ Daß England Kulturwerte in diesem Krieg für bedeutungslos hält, zeigt die Massenarbeitslosigkeit der brittschen Schauspieler sowie der jüngste Fall der Londoner Philharmoniker. — Einen neuen Ausverkauf von Kulturwerten an die Vereinigten Staaten kündigt jetzt der parlamentarische Sekretär des Handelsministeriums, Lloyd George jun., an. Er teilt mit, daß führende englische Kunsthändler eine Reise nach Neuyork antreten werden, um dort wertvolle Privatsammlungen gegen Dollars zu verkaufen. — „Daily Telegraph" erklärt, daß im vorigen Kriege bereits große britische Bibliotheken, Kunstwerke und Altertümer nach USA. verkauft worden wären. England ohne wirtschastlichen Kriegsplan. Scharfe Kritik der „New Jork Times". Neuyork, 13. August. (Europapreß.) Heber die wirtschaftliche Lage Englands kommt die durchaus nicht deutschfreundliche „New York Times" zu einem wenig günstigen Urteil. Es fehle England bis heute, so schreibt sie, ein Kriegsplan für die wirtschaftliche Mobilisierung, was dem Lande teuer zu stehen kommen werde. Daß die Zahl der Arbeitslosen sich von Mitte Juni bis Mitte Juli um 60 000 erhöht habe, sei merkwürdig in einem Lande, das seine letzten Kräfte gegen die zu erwartenden Angriffe mobilisiere. Der Exportrückgang und der geringere Verbrauch seien keine Entschuldigung für die Arbeitsiosenziffer von 766 835 Mitte Juni, die während des ganzen Krieges im Durchschnitt sogar noch höher lag. Deutschland habe schon vor dem Kriege keine Arbeitslosen mehr gehabt. Das sei picht allein ein Zeichen dafür, daß das Reich schon früher seine Wirtschaft mobilisiert habe, sondern dafür, daß es im Gegensatz zu England tatsächlich alle wirtschaftlichen Kräfte des eigenen Landes ausgenutzt habe. Obwohl Hunderttausende eingezogen seien, gebe es in England heute nur 405 000 Arbeitslose weniger als vor dem Kriege. „New Dork Times" sagt, seit Anfang August seien die Lebensmittelpreise in England ganz wesentlich gestiegen. Der Großhandelspreis für Gerste habe um 70 v. H., der für Hafer um 60 v. H. und der für Mais um 40 v. H. angezogen. Das gleiche Blatt berichtet, daß sich die Industrie Schottlands in der schwierigsten Sage befinde. Wegen Rohstoffmangels und nicht ausreichenden Arbeitskräften hätten die ^Betriebe stillgelegt werden müssen. Die zurückgebliebe- nen Arbeitskräfte feien nun dem Hunger ausgesetzt. werde in den verantwortlichen Regierungs- und Militärkreisen vorbereitet. Sie betätige sich propagandistisch in der Richtung eines Anschlusses Südalbaniens an Griechenland. Nicht minder großsprecherisch als die Polen prahlten auch die Griechen, daß einer ihrer Soldaten zumindest zehn italienischen Soldaten gleichwertig sei. Im übrigen würden die Behauptungen, daß die Albanier in der Tschamuria nur eine kleine Minderheit darstellten, durch die Statistik erledigt. Italien haben die Freundschaft, die Zusammenarbeit mit Griechenland oder zumindest eine kluge Haltung Griechenlands gewünscht. Die Worte des Duce beim Kriegseintritt Italiens seien ausdrucksvoll genug gewesen. Griechenland habe sich aber nicht entgegenkommend gezeigt. Außenminister Graf Ciano habe seinerzeit deutlich erklärt, daß die Grenze Albaniens und ihre Verteidigung für Italien heilig sei. Offenbar habe Griechenland die Bedeutung und den Wert dieser klaren Worte nicht begriffen. Auch Griechenland habe sich an Intrigen und Herausforderungen gegen die Achsenmächte beteiligen wollen. Es habe sich der bei den imperialen Demokratien typischen Politik der Vergewaltigung der völkischen Freiheit a n g e t. schlossen. Dom ersten Tage des Kriegseintritts Italiens an habe Griechenland mit seiner Wühlarbeit an den Grenzen Albaniens begonnen. Dom ersten Tage an habe es in jeder Weise dem englischen Militärkommando Hilfsdienste geleistet. Griechenland habe sich in dieser Rolle eines geheimen Verbündeten Englands gebläht. Schlecht informiert, habe Griechenland seinen Schutzherrn für unbesiegbar gehalten. Dies sei ein schwerer Irrtum gewesen, ein schwerer Fehler, der gegenüber Italien und dem tapferen Volk der Albanier begangen worden sei. Derartige schuldhafte Irrtümer könnten in dieser für Europa entscheidenden Stund« nicht geduldet werden. Weitere Verhaftungen von Albaniern auf griechischem Boden. Rom, 14. Aug. (DNB Funkspruch.) Stelani meldet aus Tirana, daß die Gewaltakte gegen bie unter der griechischen Herrschaft lebenden Albanier nicht Der englische Arbeiter und die Kriegswirtschaft. Italienische Warnung an Griechenland. Oie römische presse zur Ermordung Daut Hoggias. abnehmen. Es feien weitere Albanier ver» haftet und in Ketten nach den Kerkern von Janina verschleppt worden, weil sie sich weigerten, sich für die Spionage und die Propaganda der griechischen Behörden herzugeben. Der Mrd an Daul Hoggia. Vergiftet und dann den Kops abgeschlagen Rom, 13. Aua. (DNB.) lieber den Mord an Daut Hoggia erfährt „Giornale d'Jtalia" aus Tirana, alles beweise, daß es sich um ein methodisch organisiertes Komplott handele. Daut Hogaia sei in einem Haus von sogenannten Albaniern festgehalten worden, wo man ihm Speise anbot. Es habe den Anschein, daß die Speise vergiftet gewesen fei. Als Hoggia das Haus verließ, wurde er von einem plötzlichen Schlafbedürfnis und Unwohlsein befallen, was ihn zwang, unter einem Baum an der Straße Rast zu machen. Hier wurde er von den beiden griechischen Meuchelmördern, die ihm offensichtlich gefolgt waren, überrascht und ihm der Kopf mit einem einzigen Axthieb abgeschlagen. Es ist anzunehmen, daß der albanische Patriot bereits vorher an der Vergiftung gestorben war. Dies würde auch die sonderbare Tatsache beweisen, daß der Axthieb keinerlei Blutungen verursachte. Daut Hoggia, so fährt das Blatt fort, sei ein Mann von außergewöhnlichen physischen Kräften gewesen und hätte sich sonst ohne lebhaften Widerstand nicht von den beiden jungen griechischen Mördern umbringen lassen. Man befinde sich also einem politischen Komplott gegenüber, das von langer Hand und auf breiter Basis vorbereitet war. Die (Stimmung in Bulgarien. So fia „ 13. August. (DNB.) Der bulgarische Ministerpräsident Prof. F i l o f f erklärte der Presse, es sei unerläßlich, daß in einem Augenblick wie jetzt Ruhe und Kaltblütigkeit bewahrt werde, denn nur in einer solchen Atmosphäre könnten die auf der Tagesordnung stehenden verwickelten Fragen behandelt und gelöst werden. Die Fragen, Die zur Behandlung stünden, könnten nicht in ein oder zwei Tagen erledigt werden. Er sei Überzeugt, daß sich alle auf dem richtigen Wege befinden und alles bald zu einem befriedigenden Ergebnis führen werde. Der Präsident des Sobranje, L o g o f e t o f f, erklärte, daß eine aufrichtige Friedens- und Neutralitätspolitik, die im Laufe von mehr als zwanzig Jahren von Volk und Regierung geführt worden sei, nicht ohne Erfolg bleiben könne und nun die Zeit gekommen sei. da die bulgarischen nationalen Ideen Verwirklichung erfahren würden. In Erinnerung an den- Frieden von Bukarest, der vor 27 Jahren den Verlust der Süddo- b r u d s ch a gekostet hatte, hebt das Montagsblatt „Dyga" hervor, das bulgarische Volk habe nicht den Wunsche noch einmal Enttäuschungen zu erleben, dies sei auch für das zwischenstaatliche Zusammenleben im Südosten Europas von Interesse, bas bulgarische Volk aber glaube noch an den Sieg der Wahrheit. In den Leidensiahren habe es stets Geduld und Ruhe gezeigt. Dies zeige es auch im gegenwärtigen Augenblick. Japans außenpolitische Ziele. Tokio, 12. Aug. (DNB.) Außenminister Posuke Matsuoka erklärte: „Der komplizierten internationalen Lage muß man dadurch- begegnen, daß man eine neue politische Struktur errichtet, die Landesverteidigung verstärkt, die Reserven des Landes vermehrt und in Zusammenarbeit mit den ostasratischen Nationen einen großen ostasiati - schen Raum des gemeinsamen Reichtums schafft. Dabei will die japanische Regierung mit soviel ausländischen Mächten wie möglich Zusammenarbeiten." Matsuoka betonte, daß es notwendig sei, sobald wie möglich die China frage zu regeln. Doch lehnte er es ab, sich mit halben Maßnahmen zufrieden zu geben. Die Verhandlungen zwischen 3a- pan Mnd der nationalen Wangtschingwei- Regierung in Nanking würden in der nächsten Zeit einen freundschaftlichen Abschluß finden. Matsuoka gab der Hoffnung Ausdruck, daß bald der Tag kommen werde, wo Tschiangkaischek und seine Anhänger Japans wirkliche Absichten begreifen werden, wenn sie nur genug Einsicht besäßen, um zu erkennen, daß mit Der Welt eine große Veränderung vor sich gehe. Dank der Warenlieferungen ausländischer Mächte über die Birma-Route und Französisch-Indochina sei die Tschungking-Regierung bis jetzt noch in der Lage gewesen, Japan Widerstand zu leisten. Doch die Kriegsmateriallieferungen über diese Straße seien eingestellt und Frankreich entspreche allmählich Japans gerechten Forderungen. Oie flämischen Nationalisten. Brüssel, 14. August. (Europapreß.) In Gent hielten die Mitglieder der nationalflämischen Dinaso-Bewe^ung eine Tagung ab, die mit einer Gedächtnisfeier für den zu Kriegsbe- ginn in AbbLville erschossenen Führer der Dinaso- Bewegung, Joris van ©eueren, verbunden war. Der Nachfolger van Severens und neue Führer der Dinafo-Bewegung, Thiers, erinnerte an das Lebenswerk des Ermordeten und unterstrich den Wunsch der Bewegung nach einer Abschaffung der politischen Parteien in Belgien sowie nach der Einrichtung eines Körporativsystems. Die Anhänger des Dinaso hätten die Absicht, auch in Zukunft mit den Walloneü friedlich zusammenzuleben. Aus diesem Grunde sei man zu einem Uebereinfom- men mit der Legion Belge gekommen. Obwohl man mit den flämischen Nationalisten der D N V. - P a r t e i schon Verhandlungen geführt habe und eine Einigung aller Flamen wünsche, sei man doch bis jetzt noch zu keinem Ergebnis gekommen. Keine politischen Kommissare mehr in der Noten Armee. Moskau, 13. Aug. (DNB.) Das Reglement vom August 1937, das die politischen Kommissare in allen Formattonen der Armee und Flotte den militärischen Kommandeuren gleichstellte bzw. in vieler Hinsicht überordnete, wird durch eine neue Verordnung für abgeschafft erklärt. Es habe — so heißt es zur Begründung dieser Maßnahme — seine Aufgabe im wesentlichen erfüllt, während nun der Nachdruck auf die neue Stellung der mi- litärischen Kommandeure als einem „machtvollkommenen Befehlshaber der Truppe" gefegt werden müsse. Wie bereits bis 1937 werden für die polittschen Ausgaben in allen Formattonen der Roten Armee und Flotte (Korps, Division, Brigaden) bezw. in den Abteilungen der Kriegsmarine sogenannte „Stellvertreter des Kommandeurs für die politische Arbeit" ernannt werden, dis dem militärischen Kommandeur untergeordnet sind. — Die Kontrolle zur Durchführung der politischen Schulung und Tätigkeit in der Roten Armee und ,Flotte wird den bei den Militärbezirken und Armeen bestehenden „K r i e g s r ä t e n" übertragen, in denen neben den militärischen Befehlshabern auch Bevollmächtigte des politischen Apparates der Armee sowie der Partei vertreten sind. Führende Mitglieder -er australischen Heeresleitung verunglückt. Stockholm, 13. Aug. fEuropapretz.) Durch ein schweres Flugzeugunglück hat das britische Dominion Australien seine sämtlichen militärisch führen- den Leute verloren. Eine schwere Maschine, die sich auf dem Wege nach Canberra, der australischen Bundeshauptstadt, befand, wo am Dienstag eine Kabinettssitzung stattfin-den sollte, stürzte vor Canberra ab. Es fanden den Tod: Kriegsminister Street, Luftfahrtminister Fairbairn, der Vizepräsident der australischen Exekutive, der Chef des australischenGeneralstabs und zahlreiche andere Mitglieder der australischen Heeresleitung. mehr überholt hat, sowie Herrmann gegen Re- aedzinski. Abgebrochen wurde nach achtstündigem Kampf die siManifche Partie Kohler-Heinicke. Die Führung hat nun mit 7 Punkten Schmidt-Danzig vor Kieninger-Köln unb Richter-Berlin mit je 6Vt, je 5Vs Punkte haben Engert-Düsseldorf und Gilg- Troppau. Eine neue Rundfunk-Erfindung. Ein achtzehnjähriger Mechanikerlehrling aus Ny- koebing, auf der dänischen Insel Falster, hat eine bedeutungsvolle Erfindung zur gleichmäßigen Lautoerstärkung des ganzen Skalenfeldes beim Rundfunkempfang gemacht, durch die es möglich wird, die Verzerrungen extrem liegender Tonfelder zu verhindern. Eine einfache Anordnung erlaubt es, hohe und tiefe Töne gleich scharf einzustellen, ohne daß ein bestimmtes Frequenzfeld benachteiligt wird. Die Erfindung ist von Fachleuten als epochemachende Verbesserung bezeichnet worden, sie dürfte zugleich von größter Bedeutung für die Bildtelegraphie werden. volksverräter erschossen. Der Reichsführer ff und Chef der Deutschen Polizei teilt mit: Am 13. 8. wurde wegen Widerstandes der 36jährige DolkAierräter Eduard G r a b- h 'e r erschossen. Vollstreckung von Todesurteilen. Am 13. August 1940 ist der in Wonne-Eickel geborene Josef W a s k o hingerichtet worden, den das Sondergericht in Dortmund als Volksschädling zum Tode verurteilt hat. Wasko war ein vielfach vorbestrafter Gewalt- und Gewohnheitsverbrecher, der schon zehn Jahre in Strafanstalten zugebracht hat. Er hat die Verdunkelung zu einem Einbruch ausgenutzt, bei dem er einem jungen Ehepaar während der Einberufung des Mannes die gesamte Wäscheaussteuer stahl. Ferner ist der in Porombka geborene Eduard B a g i n s k i hingerichtet worden, den das Sondergericht in Kattowitz wegen Mordes zum Tode verurteilt hat. Der in seinem Wohnorte als brutal bekannte Pole Baginski hat am 1. August 1939 nach vorangegangenem Familienstreit seinen hilflos am Boden liegenden Bruder kaltblütig erschossen. Der Orkan in Louisiana und Carolina. Der von dem Orkan in Louisiana und Carolina verursachte Schaden wird auf mehrere Millionen Dollar geschätzt. Die Stadt Charleston ist zu zwei Drittel überschwemmt. Viele Häuser sind von den Fluten zerstört worden. Vor dem Eintreffen von Truppen kam es zu Plünderungen. Der Ma- rmestützpunkt Perrys Island an der Südküste von Carolina ist ebenfalls schwer beschädigt worden. Sowohl in Louisiana wie in Carolina ist der Verkehr stillgelegt. Am schwersten wird der Südwesten von Louisiana betroffen. Das Städtchen Crowlen ift von dem Orkan wegrasiert worden. Die gesamte Reisernte wurde vernichtet und die Baumwollpflanzungen haben schweren Schaden erlitten. heftige Gewitter in Spanien. Durch Witterungsumjchlag hervorgerufen, entluden sich über mehreren spanischen Provinzen heftige Gewitter mit starken Regengüssen und Hagelschlag. Zahlreiches Vieh wurde durch Blitzschlag getötet. Fast versiegte Bäche schwollen so stark an, daß sie über die Ufer traten und besonders inJaen und Navarra beträchtlichen Schaden ünrichteten. In der Ortschaft Caparroso wurde ein Bewohner durch Blitzschlag getötet. Französische Kriegsmacher auf der Flucht. Ein wenig herzlicher Empfang in Casablanca für die prominenten Passagiere der ^Massilia". Genf, 13.August. (DNB.) Nähere Einzelheiten über die Flucht eines Teils der ehemaligen französischen Regierung auf dem Dämpfer „Massilia" nach Casablanca wurden jetzt bekannt. Als die „Massilia" am 21. Juni in Bordeaux auslaufbereit lag, hatten sich neben zahlreichen anderen Passagieren etwa 100 „prominente Reisende" an Bord eingefunden, unter ihnen der ehemalige Ministerpräsident D a l a d i e r in Begleitung einer Dame und seinen zwei Söhnen, der ehemalige Marineminister C a m - pinchi und Frau, der jüdische Innenminister im Kabinett Reynaud, Mandel, sein Rassegenosse, der ehemalige Unterrichtsminister Jean Z a y in Begleitung seiner Familie sowie der ehemalige Volksfront- Unterstaatssekretär V i e n o t, der frühere sozialdemokratische Minister B a st i d e, der einstige Außenminister D e l b o s, die Abgeordneten Salomon Grumbach, Levy Alphandery, Jammy Schmidt, Wiltzer, der farbige Abgeordnete Galandou Diouf, die Fliegerin Susanne Cdhn, der Direktor der Schönen Künste Huisman, der jüdische Abgeordnete Mendös France und andere. In Casablanca erfuhren sie, daß Algerien die Einreise der Flüchtlinge verweigere. Das Schiff blieb zunächst bei unruhiger See 24 Stunden auf der Reede und konnte erst dann im Hafen anlegen. Inzwischen war aus. Bordeaux Weisung gekommen, keinen von Bord zu lassen. Daladier, der als erster an Land zu gehen versuchte, wurde von einem Militärposten zurückgewiesen und mußte umkehren. Trotz dieses Verbotes gelang es einigen Passagieren auf Umwegen von Bord zu fteigen, Jean Zay aber wurde erkannt, die wütende Menge ging tätlich gegen ihn vor. Als er zum Schiff zurückkehren wollte, erhielt er von einem Franzosen Faustschläge und Ohrfeigen. Um jeden weiteren Zwischenfall zu vermeiden, wurde die „Massilia" wieder aus dem Haf^i berausgesteuert. Am Morgen des 28. Juni kam dann ein Befehl, alle Passagiere unter strengster Geheimhaltung an einem Kai außerhalb des Hafens an Land zu bringen. Trotzdem hatten sich etwa 50 Franzosen und Eingeborene eingefunden und als sich die Zollbeamten der Aussteigenden annahmen, die fast sämtlich im Besitz umfangreicher Devisenpakete waren, entstand eine Schlägerei, bei der Jean Zay die Kleider vom Leibe gerissen wurden, er mußte dm ganzen Nachmittag nur mit einer Unterhose bekleidet zubringen. Die Söhne Daladiers blieben bewußtlos liegen. Alphandery wurde mit Faustschlägen bearbeitet und verlor drei Zähne. Die Polizei war ohnmächtig, bis militärische Verstärkung die Passagiere mit Militärkraftwagen nach dem Bahnhof transportierte. Dort mußten sie unter Bewachung von Senegalnegern — Jean Zay immer noch in Unterhosen — 6 Stunden zubringen. Um 20 Uhr traf Befehl aus Rabat ein, daß ein Teil in ein 4 Kilometer von dem Zentrum der Stadt entferntes großes Hotel geschafft und der andere in einem 7 Kilometer entferntes Waisenhaus untergebracht werden solle. Der englische Generalstabschef Gort traf am selben Tage mit einem Flugzeug in Rabat ein, um mit den ehemaligen französischen Regierungsmitgliedern Verbindung aufzunehmen. Zwei Stunden vorher jedoch war der Generalresident General G o u r a u b mit Vollmacht der Regierung eingetroffen, so daß Lord Gort unverrichteter Dinge wieder umkehren mußte. Frankreichs „Revolution von oben". Eine Rundfunkansprache P^tarns. Genf, 14. Aug. (DNB.) Marschall Pötain hielt im französischen Rundfunk eine Ansprache, in der er eine Darstellung der Maßnahmen gab, die feine Regierung seit ihrem Amtsantritt getroffen hat. Er forderte die Franzosen auf, zu bedenken, vor welchen Schwierigkeiten die Regierung stehe, Schwierigkeiten, die aus dem Kriege resultierten oder aus denselben Ursachen erwachsen seien, die das Unglück Frankreichs herbeigeführt hätten. Pstain stellte fest, daß eine Revolution „v o n oben" schrittweise bis nach unten durcbge- sührt werde und daß die störenden Elemente fest- gestellt und ausgemerzt werden würden. Am Schluß seiner Rede wandte sich Pstain an die Bevölkerung von Paris und an die der besetzten Gebiete. Er bezeichnete P a rü s als das Herz und Hirn Frankreichs und als den natürlichen Sitz der Regierung. Zur Frage der Rückkehr der französischen Regierung nach Paris teilte Pö- tain mit, daß aus technischen Gründen und mangels aeroiffer Voraussetzungen die Ueberftedlung der französischen Regierung nach Paris noch nicht g e ft a 1t e t sei. Die Ansprache Pötains klang aus in einen allgemeinen Appell an die Franzosen, ihre Pflicht zu tun und Vertrauen zu haben. Reichtum und Sieg. In der gestrigen Ausgabe ist versehentlich der Schluß dieses Auffakes fortgeblieben. Wir veröffenttichen daher heute noch einmal den Aufsatz insgesamt, um den Zusammenhang zu wahren. Reichswirtschaftsminister F u n k hat in seiner Rede zur Eröffnung der Königsberger Ostmesse vom Kräftewachstum gesprochen, das Deutschland erfährt, und vom Kräfteverfall, den England zu beklagen hat. Er hat damit eine Frage angeschnitten, die in der Erörterung der Sieaesausfichten eine große Rolle gespielt hat: Bietet Der „Reichtum" Englands eine wirkliche Siegeschance, und i[t „Armut" unter allen Umständen der Vater der Niederlage? Der Minister hat im einzelnen dargelegt, wie Englands materieller Vorsprung dahinschwindet. Er hat erklärt, daß England seine steigende Einfuhr nur bezahlen könne, in dem es sein in Generationen zu- Was soll ich ihm in'sFeld schicken? Wenn Sie sich diese Frage wieder einmal über«; legen, dann denken Sie doch daran, auch ein Sepso = Tupfröhrchen mitzusenden. Das kann jeder im Felde gebrauchen. Denn dieses handliche und bruchsicher verpackte Fläschchen, das sich, bequem mitführen läßt, enthält Sepso-Tinktur, die sich seitübereinemJahrzehntzurDesinsektion und Wundversorgung bewährt hat. Das Sepso- Tupfröhrchen, das Sie in allen Apotheken und Drogerien zu RM. —,49 erhalten, eignet sich besonders zur Desinfektion von kleinen Wunden und Pickeln, zur Verhütung von Entzündungen sowie zur Anwendung bei Insektenstichen. / samrnengescharrtes Vermögen einfetzt. Es ist eine alte Erfahrungstatsache, daß Werte dahinschwinden, wenn man gezwungen ist, sie überstürzt zu veräußern. Der scharfe Rückgang, den zahlreiche Wertpapiere — beispielsweise kanadische und australische Anleihen — an der Neuyorker Börse erlitten haben, ist ein schlagender Beweis dafür, daß das englische Massenangebot von Wertpapieren die 23er- mögenstitel des Plutokratenvolkes entwertet. Der Minister hat an einer anderen Stelle seiner Rede von dem großen Fehler gesprochen, den die Londoner Politiker machten, als sie sich entschlossen, für die Verbrauchseinschränkung den zwar bequemeren, aber gefährlicheren Weg zu wählen, nämlich es dem Volke selbst zu überlassen, sich den Anteil am Sozialprodukt zu verschaffen. Anders ausgedrückt: Während Deutschland die Verteilung der Qualitätsnahrungsmittel staatlich regelte, gleiche Zuteilung vornahm und die Preise am Steigen verhinderte, hat England die Preise freigegeben und damit die Versorgung ausschließlich zu einer Frage des größeren Geldbeutels gemacht. Die Reichen in England können sich an den gewohnten Lebensgenüssen weiterhin alles leisten, und die Armen müssen darben. Der Krieg hat zweifellos gezeigt, daß eine hochwertige materielle Rüstung für den Sieg unentbehrlich ist. Aber er hat auch gezeigt, daß zur Schaffung einer solchen Rüstung nicht nur Geld erforderlich ist. Vielmehr ist der Be- hauptungs- und Siegeswille des ganzen Volkes, erwachsen auf der Erkenntnis der £age und auf dem unverbrüchlichen Zusammengehörigkeitsgefühl, ebenso unerläßlich. Unsere Gegner haben behauptet und vielleicht sogar selber geglaubt, der Nationalsozialismus verwandele die Menschen in willenlose Werk- Kleine politische Nachrichten. Reichsminister Dr. Goebbels empfing die spa- nischen Derlagsdirektoren und Hauptschriftleiter, die auf Einladung der Reichsregierung zur Zeit in Deutschland weilen. Zu Ehren des in Berlin weilenden Präsidenten der amtlichen italienischen Nachrichtenagentur Agentur Stefani, Senator Morgagni, gab der Leiter der Presseabteilung des Auswärtigen Amtes, Vorträgen- der Legationsrat Dr. Schmidt, einen Empfang im Auslandsprrffeklub. ♦ Der italienische Botschafter Alfieri empfing Dr. Krupp von Bohlen und Halbach, der den Botschafter bat, dem Duce seinen Dank für die ihm aus Anlaß feines 70. Geburtstages übermittelten Glückwünsche auszusprechen. ♦ . Nachdem bereits vor einigen Tagen der Verkehr für Postkarten und Briefe zwischen Belgien und Dem Reich wieder eingerichtet worden war, sind nun auch Drucksachen, Geschäftsvapiere und Warenproben von und nach Deutschland zugelassen. — Außerdem sind jetzt Briefe und Postkarten in alle neutralen Länder genehmigt. Die vom neutralen Ausland nach Belgien kommenden oder von Belgien in das Ausland gehenden Sendungen müssen vorher Deutschland passieren. Der Inhalt muß in deutscher, französischer oder niederländischer Sprache abgefaßt fein. ♦ Aus der belgischen Provinz Limburg ist bereits der fünfte Transport von Arbeitslosen nach Deutschland aogegongen. Die Arbeiter, die sich sämtlich freiwillig zur Arbeit in Deutschland gemeldet hatten, kommen zumeist aus der Metallindustrie. Weaen des Mangels an Bergleuten in Belgien und Der Absicht, die zur Zeit 30 bis 60 Prozent der Kapazität betragende Produktion wieder auf ihren vollen Normalstand zu bringen, sollen Bergarbeiter von der Abwanderung nach Deutschland ausgenommen fein. ♦ Wie der Italienische Alpenklub mitteilt, ist die bewirtschaftete Giufetti-Hütte im Monte-Rosa- Gebiet, 3647 Meter hoch gelegen, für die Bergsteiger wieder freigegeben worden. Die Sperre des Grenzgebietes wurde wieder aufgehoben. * 115 Güter sind den Falange-Syndikatsn vorn spanischen Staat zur Verfügung gestellt worden. Es handelt sich um Güter, die den marxistischen Organisationen aus der republikanischen Zeit Spaniens gehörten. In Lissabon ist der Landesgrupvenleiter der AO. der NSDAP., Pg. Julius Claussen, im 48. Le- bensjahr gestorben. Claussen entstammt einer alten schleswigholsteinischen Familie. Er leitete seit mehreren Jahren die Landesgruppe in Portugal. * Nachdem erst vor wenigen Tagen bei einem Anschlag auf den indischen Schnellzug Dacca—Kalkutta 17 Personen getötet wurden, wird jetzt von einem neuen Attentat auf den Expreß Rango o n—M and alay gemeldet. Dabei sollen vier Personen getötet und 21 verletzt worden sein. * Die Nachrichten über die erfolgreichen deutschen Luftangriffe auf England verursachten am Dienstag am Neuyorker Effektenmarkt eine regelrechte Verkaufs panik, bei der viele führende Indufttepapiere bis 5 Punkt einbüßten. Mit 650 000 Aktien wurde der größte Umsatz seit dem französischen Zusammenbruch getätigt. Aus aller Welt. Um die Grohdeulsche Schachmeisterschaft. Mit der neunten Runde ist die Hälfte des Meisterschaftsturniers in Bad Oeynhausen überschritten. Der führende Schmidt hatte die schwarzen Steine gegen Gilg. Zunächst hatte der Danziger ausgezeichnete Chancen, ließ jedoch einen Zug aus, so daß nach vierstündigem Kampf Gilg die etwas besseren Aussichten besaß. Durch ausgezeichnetes Spiel konnte Schmidt jedoch in den Nachmittagsstunden noch ein unentschiedenes Ergebnis erzielen. Brinckmann und Richter, der nur einen halben Punkt hinter Schmidt zuvücklag, machten ebenfalls nur unentschieden. Hingegen gewann Kienin- ger sein Treffen gegen Dr. Lange. Dr. Lange griff auf dem Damenflügel an, der Kölner dagegen auf dem Königsflügel. Der nachziehende Kölner brachte den Angriff des Weißen auf dem Damenflügel zum stoppen, übernahm die Jnitiattve und behielt schließlich die Oberhand. Dadurch hat Kieninger Gleichstand mit Richter erreicht. In den übrigen Partien gewann als Nachziehender Keller gegen Dr. Lachmann, der damit überfall wurde, Engert gegen Keller-Dresden, Ahues gegen Krankt, den er nun- Kapiiänleutnant Rollmann erzählt. Ein tapferer Ll-Bootkommandant berichtet über seine Erfolge auf kühner Fahrt. P.K. Kapitänleutnant R o l l m a n n erzählt: „Es ist vielleicht merkwürdig, daß wir ausgerechnet zu Beginn und zum Abschluß der Fahrt e i n englisches K rie gsschiff vernichtet haben. Der Zerstörer lief uns, nachdem wir 14 Tage in See waten, vor das Rohr. Zerstörer abzuknallen ist für einen U-Boot-Kommandanten von vornherein keine leichte Aufgabe. Diese Schiffe, deren Hauptaufgabe es dank ihrer hohen Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit ist, U-Boote anzugreifen, zu rammen oder durch Wasserbomben zu versenken, find die gefährlichsten Gegner der Unter- ieeboot-Waffe. Es war eine harte, langwierige Ar- osit, überhaupt an den Zerstörer heranzukommen. Er fuhr wilde Zickzackkurse und wechselte dauernd seine Fahrtstufen. Und dennoch gelang es mir, eine gute Schußposition zu erreichen. Rohr ausfahren. Rohr eins! Torpedo fertig — los! Niemand an Land wird es begreifen, was das für Sekunden sind, dieses Warten auf den Treffer. Durch das Seerohr erblicke ich fast gleichzeitig mit einer unser Boot durchschüttelnden Detonation eine in den Hirn- mel steigende Rauchfahne. Gdnau mittschiffs faß unser Aal. Der ersten Detonation folgte eine zweite. Noch einmal wirbeln Rauchwolken und Schiffsteile durch die Luft. Vermutlich find Munitionskammern oder die Kessel Detoniert. Neben Dem schwer getroffenen, im Dunst als vollkommen zersetzt auszumachenden Zerstörer erkenne ich einen merkwürdigen Gegenstand. Es ist das Vorschiff, Das vollkommen abgetrennt wurde und vor meinen Augen in fünf bis sechs Sekunden in die Tiefe sinkt. Ihm nach folgen die restlichen Trümmer des Zerstörers. Ich glaube nicht, daß viel gerettet wurde. ♦ Stellen Sie sich einen Riesengelsitzug vor. In der Mitte schwamm der Bobby, für den ich in Gedanken meinen blitzenden, schlanken Aal stteichelte. 15—20 000 Tonnen schätzen wir. Es blieb mir nur wenig Zeit für diesen ersten. Und wieder perlte das Wasser auf, von einer Laufbahn des Verderbens. Und wieder Sekunden qualvollen Wartens, und noch während Des Wartens überlegte ich es, raus auch den Zweiten und auf Den nächsten Dampfer. Ich hatte es kaum überdacht, da dröhnte auch Die Detonation, und Sekunden später eine zweite. Auch Der Zweite für Den Zweiten hatte gesessen. Ein Torpedo vernichtete das dicke 18 000 Tonnen große Schiff, und der Zweite tat nicht minder seine Wirkung, auch dieser Dampfer sank auf den Grund. Dadurch, daß gleich zwei Schiffe in Sekunden ab stond abgeschossen wurden, gerieten die sichernden Fahrzeuge des Geleitzuges außer Rand und Band. Völlig kopflos kurvten die Boote durchs Gewässer. Man vermutete gleich zwei Der teuflischen Gesellen unter Wasser, an Backbord und Steuerbord. Für uns ein glücklicher Umstand, da dadurch Die Abwehrkräfte zersplittert wurDen." Aus Demselben Geleitzug holte sich Kapitänleutnant Rollmann im Laufe Des Tages, Den VerbanD immer wieder umschleichend, noch zwei weitere bewaffnete Handelsschiffe. Freude in Trojas Hallen zog ein, als er seinen Männern Das stolze Ergebnis von 48 0 00 Tonnen versenkten Schiffsraumes meldete. Unter diesen Schiffen auch ein wertvoller bewaffneter Marinetanker. „Und wie war Das mit dem U-Boot?" „Ein Prachtwetter herrschte, die See vollkommen ruhig, als mein Ausguckmann voraus einen grauen Schatten ausmachte. Ein Mast — oder Der Turm eines U-Bootes — ran, immer näher ran. Wir fuhren über Wasser und mußten höllisch vorsichtig fahren. Also doch ein U-Boot, unverkennbar an seinen Turmaufbauten. Ich ging auf Tiefe und manöüerierte mich noch näher mit dem Sehrohr heran. Es dauerte lange, ehe ich endlich eine künftige Schußposition erreichen konnte. Raus mit ihm, dem letzten seines Stammes. Ein leichter Ruck, unD der Torpedo verlieh Das Rohr. Warten, warten, warten — endlich ein Grollen und Rumoren. Durch Das Sehrohr nur eine Sprengwolke, und Sekun - den später nichts mehr. Ich ließ schnell auftauchen, um noch zu retten, was zu retten war. Nur einen einziaen Mann, und auch diesen noch verletzt', konnte ich übernehmen — einen Australier. Der vollkommen benommene Soldat erzählte später, daß er vor Wochen erst aus Australien gekommen wäre. Man hätte ihn nach einer kurzfristigen völlig unzulänglichen Ausbildung auf dieses Boot gesetzt. Als Gefangener trat er nun feine letzte Seefahrt in diesem Kriege an." Jochen Breunecke. KchwarMM lerntetn WchwarMeiß J)fBleich-Soda löst über Nacht den Schmutz aus derWäsche und macht hqrtes Wasser Alleinhersteller: PJos.Möt^S^ Seifenfabriken, Giessen zeuge der Partei- und Staatsfiihrung und werde in der Stunde der Not und der Gefahr ein Auseinanderlaufen der durch Druck zusammengehaltenen Menschen erleben. Sie haben sich auch hierin katastrophal geirrt. Man muß doch wohl den „Reichtum" eines Volkes weiter fassen, wenn man seine Bedeutung für den Sieg richtig werten will. In lichten Augenblicken gestehen unsere Gegner ein, daß Deutschland ihnen nicht nur in der Bewaffnung, Ausrüstung und Führung überlegen ist, sondern auch in der körperlichen und gesinnungsmäßigen Erziehung der Jugend. Der Führer hat in seiner großen Reichstagsrede vom Juli seinen Dank nicht nur denen abgestattet, die dem deutschen Volk mit der Waffe oder dem Werkzeug in der Hand gedient haben. Er hat auch diejenigen eingeschlossen, die der deutschen Jugend den nationalen Idealismus und die unerschütterliche Disziplin eingeimpft Haden. Deutschland ist reicher als England nicht nur in bezug aus Tanks und Flugzeuge, sondern auch in bezug auf die Menschen, die sie bedienen, die sie in der Heimat verfertigen, und die jeden neuen Jahrgang junger Menschen zu bewußten Kämpfern für das Reich und seine Größe erziehen. Es ist bei uns lediÄich eine Selbstverständlichkeit, daß niemand in der Versorgung mit knapp gewordenen Gütern des Lebens besser gestellt wird als der andere. Aber es ist auch nichts kennzeichnender für den so anders gearteten Geist in England, daß man dort weiterhin die Reichen schont und hegt und die Unbilden des Krieges möglichst weit von ihnen fernhält. Wenn man unter „Reichtum" nicht nur — wie Reichsminister Funk sagte — das „zufammenge- scharrte Vermögen", sondern alles versteht, was ein Volk kräftig und leistungsfähig macht, so ist das deutsche Volk reicher als das englische. Es bleibt aber immer noch die Frage zu beantworten, ob der geldliche Reichtum unserem (Regner nicht doch eine Chance gibt, wenn erst einmal — wie es jenseits des Aermelkanals heißt — ,Hie nächsten Monate überstanden" sein werden. Zunächst ist hierzu zu sagen, daß die massierten deutschen Luftangriffe auf die britische Insel am vergangenen Samstag, Sonntag und Montag manchen Zweifler darüber belehrt haben, wie ernst es Deutschland mit seiner Absicht ist, England nicht nur gründlich, sondern auch schnell niederzuringen. Aber selbst wenn man an dem Wahn festhält, daß England von den amerikanischen Rüstunaszufuhren noch beträchtlichen Nutzen haben wird, so steht doch fest, daß diese Stärkung der Kampfkraft dem Jnselvolk von Woche zu Woche teurer zu stehen kommt. Man scheint in führenden Londoner Kreisen der seltsamen Ansicht zu sein, als bedeuteten Zehntausende von amerikanischen Flugzeugen einen reinen, überwältigenden Machtzuwachs. Aber zur Führung und Bedienung dieser Kampfmittel bedarf es eines gewaltigen Heeres von Spezialisten, an denen es unserem Gegner fehlt, und die es auch nicht in absehbarer Zeit aus dem Boden stampfen kann. 'Der Reichswirtschaftsminister hat von der tragischen Ironie der Geschichte gesprochen, die später einmal werde feststellen müssen, wie wenig die Sieger des Weltkrieges gelernt haben, daß auch eine umfassende wirtschaftliche und organisatorische Vorarbeit zu leisten ist, roei^n ein Volk einen modernen Krieg siegreich bestehen will. Rechnet man auch solche Vorbereitungen unter den „Reichtum", der den Sieg verbürgt, so ist Deutschland unermeßlich viel reicher als England. Cr. Wissenschaftliche Agrar-Bersuche auf 7000 Hektar Fläche. Das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft verfügt über 25 Versuchs- und Forschungs- anstalten mit 130 selbständigen wissenschaftlichen Instituten. Die Anstalten sind Forschungseinrichtungen und Versuchsanlagen aller Art, zum größten Teil n*t eigenen Versuchsgütern, Versuchsfeldern und -gärten. Allein ihre landwirtschaftlich genutzte Fläche beläuft sich auf nahezu 7000 Hektar. In ihrem Wirkungsbereich erstrecken sich die Versuchsund Forschungsanstalten auf alle Zweige der heimischen Landwirtschaft. Sie sind über das ganze Reichsgebiet verteilt. Der 0ieichsemährungsminister hat für die Versuchs- und Forschungsanstalten besondere Beiräte berufen, für deren Zusammensetzung der Reichsnährstand das Vorschlagsrecht hat. Die unmittelbare Verbindung der Anstalten mit der Landwirtschaft ist damit gewährleistet. Erfahrungen mit dem Pflichtjahr Bewußt wird der Einsatz der Pflichtjahrmäd- chen immer stärker auf das Land gelenkt. Damit wird nicht nur eine Entlastung für die Landwirtschaft erreicht, sondern vor allem den Groß- stadtmädchen Sinn und Gefühl für das Leben und Arbeiten auf dem Lande erschlossen. Darüber hinaus ergibt der Pflichtjahreinsatz für das aus der Großstadt kommende Mädchen eine körperliche und damit meist auch eine seelische Ertüchtigung, die weit stärker und nachhaltiger den gesamten Organismus des Heranwachsenden Mädchens beeinflußt als jeder noch so sonnige Ferienaufenthalt. Nicht nur die Ueberraschung der Eltern bei der Rückkehr ihrer Töchter über deren prächtige Gesichtsfarbe, den erstaunlichen Appetit und die starke Gewichtszunahme — bis zu 15 Kilogramm —, sondern auch die im Landleben gewonnene größere Aufgeschlossenheit, Selbständigkeit und Frische neben gesteigertem Selbstbewußtsein sind das Ergebnis des Dienstes auf dem Lande. Das reifer gewordene Mädchen kann nach dem Pflichtjahr viel sicherer auch den richtigen Lebensberuf erwählen. Ein Beweis hierfür ist der nicht seltene Wechsel des ursprünglich geäußerten Berufswunsches. Selbst die Voreingenommenheit der Großstadtmädchen gegen die landwirtschaftliche Beschäftigung wird bei einem großen Teil zum Verständnis, zur Liebe und Freude am Landleben umgeformt, durchschnittlich 8 bis 10 o. H. verbleiben endgültig in der Landwirtschaft ober im ländlichen Haushalt. Vielfach entwickelt sich auch eine Neigung der Großstadtmädchen, auf das Land zu heira» t e n. Das ist um so wertvoller, als die Männer, die als Siedler, Neubauer, Arzt, Lehrer, Apocheker, Beamter, Handwerker, Wirt, Kaufmann usw. auf das Land, vor allem in den weiten Oftfiedlungs- raum, gehen wollen, Möglichkeiten erhalten, eine Frau zu wählen, die sich in den ländlichen Lebenskreis einzufügen weiß. Uebrigens hat die Jagd der Eltern nach selbst- gesuchten Pflichtjahrstellen jetzt aufgehört. Die vielfach schlechten Erfahrungen, die die Eltern gerade mit selbstgesuchten Stellen gemacht haben, haben wesentlich dazu beigetragen, die Unterbringung der Mädchen ganz dem Arbeitsamt zu über, lassen. Hier ist die Güte der Stellung durch Prüfung gewährleistet. Wo wirklich Schwierigkeiten auftauchen, hat das Pflichtjahrmädchen immer die Möglichkeit, sich mit einer Postkarte an das Arbeitsanft zu wenden. Die Verschickung der Mädchen in die Feme, in andere Gaue, fördert zugleich mit dem Pflichtjahr auch das Kennenlemen der großdeutschen Heimat. HcmptfchrifUetler: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter bei Hauptschriftletters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politll, Feuilleton und Bilder: Dr. Fr. W. Lange: für Stadt Oiefeen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein: für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange K. G. Berlagsleiker: Dr.-Jng. Erich Hamann: Anzeigenlerter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Pl.Nr.L. U/ien TAN Z schon um 19 Uht 3643 A Gießen (Löberstraße 17), den 13. August 1940 76?D GLORIA Heute Mittwoch Erstaufführung A {Stellenangebote fatal ofyte. Ein Film nach dem Roman Wetzsteingasse Telephon 2186 363?D kaufen Sie bei Regie: Otto Ltonekogel Neueste Ufa -Wochenschau betragen. 3636D Beachten Sie auch immer-? Lotte Müller, geb. Hahn Unterarzt Or. Heinrich Müller Die glückliche Geburt eines gesunden Mädels zeigen hocherfreut an Infolge Vorverlegung der Polizeistunde beginnt der BÜRO-EiNfUCHTUNGEN Gießen. Bahnhofstraße. Drogen - Chemikalien Parfümerien Hygienische Artikel Täglich 4, 6, 8.15, Sonntag 3, 5.30, 8.15 Uhr __3632A Praxis bis 15. September geschlossen Photo - Photoarbeiten Projektion Schmqlfilm-Kino ist nicht nur Ihr Berater in allen Kleider-u.Punktfragen. KÜHLER sorgt auch für die laufende Pflege Ihrer Zivil- und Uniform-Bekleidungsstücke: Aendern, Flicken, Modernisieren. Nur das Bringen und Abholen müssen Sie in der Kriegszeit selbst besorgen. Eigene Maßschneiderei für Anzüge Zwischen, den beiden ungleichen Brüdern Diersberg steht die junge Musikstudentin Verena Wieland (Anneliese Uhlig). 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Daß er aber nicht nur einer unserer besten Naturlichtbildner, sondern auch ein außergewöhnlich begabter Schrift, steiler ist, der seine Erlebnisse spannend und unterhaltsam zu berichten weiß, wird die Freude am Besitz dieses schönen Buches verdoppeln. Alle ISger und Freunde der Natur müssen dieses schöne Elchbuch besitzen. Bestellungen nehmen alle Buchhandlungen und der Verlag entgegen. Hugo Bermühler Verlag, Verlin-M" Dr. H. Buchinger Zahnarzt Schneiderin bat noch Tage frei. Schriftliche Angebote unter 02734 a. d. Gieß. Anzeiger erbet. Kleiner schwarz. Hund am Samstag zugelaufen. 02721 Abzubolen Moltkestraße 3. ZWm teilw. möbliert, m.Küchenbenutz. zu vermiet. [02732 Zu erfr. ind.Ge- schäftsst. d. G.A. | Mietgesuche"] Herr sucht M ämoier. Möbel Vorhand. Schriftl. Angeb. unter 02724 an den Gieß. Anz. Roller zu kauf, gesucht. Schr. Ang. unter 02733 a.d. G.A. | Empfehlungen | Zwei tüchtige Stenotypisten für dauernd gesucht. 3529D Oermann M.MMslMiiser Gießen, Hitlerwall 43. 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Keine Ursprungszeugnisse, ivndern nur Zeugnt» ablchriften dem werbungsichreiben beilegen I — Lichtbilder undBewerbungsuntev lagen müßen zur Vermeidung von Verlusten auf der Rückseite Namen und Anschrift des Bewerbers tragen I Saubere Slratoirai für 3 Stunden vormittags für kurze Zeit zur Aushilfe gesucht. Dr. Teivel, Horst-Wessel- Wall 38. 02726 Anzüge, Mäntel, Hosen Brustweite 116, Brustweite 120, zu verk. Zu erfr. in d. Geschäftsst. d.Gieß.Anz. 02725 | Kaufgesuche | Bauplatz zwischen Gießen u. der Karlsruhe an d. Marburger Straße gegen sofortige Kasse zu kaufen gesucht. Schriftl. Angeb. unter 3599 D an den Gieß. Anz. Zuverlässige, saubere BBIroo fürNachmittags- stunöen gesucht. Mitore! Bettler AelteresIsiM Mädchen od. unabh. Frau zur selbständigen Führung eines kl. Haush. sof. nach Bad-Nauheim. gesucht. Off. an Fr. Cramer, Bad - Nauheim, Anz. - Annahme. 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Wegen plötzlicher Versetzung Vavtevve- tVobnuus i.besseremHause, 3Zimmer,Küche, Zentral-Heizung sofort zu verm. Schriftl. Ang. u. 02722 a. d.G.A. OOO DOOlnoooon Bekanntmachung. Für die Ausgabe der ab 26. August 1940 (14. Zuteilungsabschnitt) gültigen Lebensmittelkarten werden folgende Ausgabetage festgesetzt: 1. Ausgabetag: Donnerstag, den 15. August 1940, 8 bis 13 und 15 bis 18 Uhr; 2. „ Freitag, den 16. August 1940, 8 bis 13 und 15 bis 18 Uhr; 3. , „ Samstag, den 17. August 1940, 8 bis 13 Uhr; 4. „ Montag, den 19. August 1940, 8 bis 13 und 15 bis 18 Uhr; 5. „ Dienstag, den 20. August 1940, 8 bis 13 und 15 bis 18 Uhr; Welche Ausgabetage für die Bezugsberechtigten in Frage kommen, ergibt sich aus der Aufstempe- hing auf dem Lebensmittel-Personalausweis. Die Reste der Lebensmittelkarten des vorvergangenen Versorgungsabschnittes müssen bei Empfang der neuen Karten abgeliefert werden. Der Umtausch von Lebensmittelkarten in Reisemarken erfolgt nur noch in begründeten Fällen (Reise, ständige Verpflegung in Gaststätten usw.). Anträge auf Umtausch ohne Beibringung eines Nachweises sind zwecklos. Die Ausgabe der Zusahkarlen für Schwer- und Schwerstarbetter unb der Zulagekarten für Lang- und Rachlarbeiler erfolgt vom 20. bis einschließlich 23 August 1940 gegen Vorlage der vorgeschriebenen Bescheinigung. 3633C Gießen, den 13. August 1940. Der Oberbürgermeister der Stadt Gießen. Ernährungsamt, Abt. B. Bekanntmachung für den Bereich der Polizeidirektion Gießen einschl. Bad-Nauheim und Friedberg über die Beschaffung des Tierluftschuhkastens. Der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe hat als Selbstschutzgerät der Stalleigentümer für Pferde, Rinder und Schweine im Sinne des §3 und der Anlage 2 der 7. Durchführungsverordnung zum Luftschutzgesetz (Beschaffung von Selbstschutzgerät) vom 23. Mai 1939, Reichsgesetzblatt I, S. 963, den „Tierluftschutz-* kästen 39" eingeführt. 36351) Gleichzeitig ist das im Tierlustschutzkasten 39 ein- geklebte Merkblatt „Erste Hilfe des Tierhalters nach Luftangriffen", Neudruck 1940, eingeführt worden. Das Merkblatt ist von jedem Tierhalter, der Pferde, Rinder und mehr als 10 Schweine hält, auf eigene Kosten zu beschaffen, auf starke Pappe aufzuziehen und in jeder Stallung an gut sichtbarer Äelle anzuschlagen. Ich weise darauf hin, daß gemäß §3 der 0. a. 7. Durchführungsverordnung zum Luftschutzgesetz die Eigentümer der Ställe für Pferde, Rinder und Schweine verpflichtet sind, das obengenannte Gerät zum Schutze der Tiere zu beschaffen, bereitzustellen und dauernd im gebrauchsfähigen Zustand zu halten. Der Verbraucherpreis für 1 Stück beträgt 19 RM. Die Beschaffung des Tierlustschutzkastens hat durch die Eigentümer der genannten Stallungen spätestens bis zum 15.9.1940 zu erfolgen. Sollte sich bei den daraufhin stattfindenden Ueberprib fungen durch die Polizei und Amtsträger des Reichsluftschutzbundes Herausstellen, daß Tierhalter dieser Aufforderung nicht nachgekommen sind, so sehe ich mich gezwungen, diese zu bestrafen. Gießen, den 10. August 1940. ) Der k. Polizeidirektor als örtlicher Luftschutzleiter: Lutter, Regierungsrat. Bekanntmachung für den Bereich der Polizeidirektton Gießen dn- fchließlich Bad-Nauheim und Friedberg über die Beschaffung von Luftschuhhandsprihen. Bei der Bekämpfung von Brandbomben und Entstchungsbränden leisten Handfeuerspritzen wertvolle Dienste. 36340 Bekanntlich sind die Hauseigentümer der unter die Vorschriften der 7. Durchführungsverordnung zum Luftschutzgesetz fallenden Luftschutzgemeinschaften verpflichtet, je eine Handfeuerspritze zu beschaffen. Die Spritzen sind nunmehr bei den einschlägigen Firmen in solcher Zahl vorhanden, daß jeder Luftschutzgemeinschaft die Beschaffung einer Spritze möglich ist. Es wird nochmals aufgefordert, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen. Gegen Säumige werden ab 15. September 1940. die im § 5 der 7. Durchfuhrungsverordnung zum Luftschutzgesetz vorgesehenen Zwangsmittel zur Anwendung gebracht. Gießen, den 10. August 1940. Der k. Polizeidirektor als örtlicher Luftschutzleit er: Lutter, Regierungsrat. Nr. M Zweiter Blatt________________Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)__________Mttwoch, 14- August 194(1 Aus der Stadt Gießen. Schlechtes Wetter in der Natur. In diesen Sommertagen gilt der erste Blick am Morgen dem Himmel und dem Barometer, spielt doch die „Wetterlage" jetzt nicht nur im Leben des einzelnen, sondern auch im Weltgeschehen eine große Rolle. Aber neben diesen beiden Wetterpropheten des Privatmannes gibt es noch andere Anzeichen für die Gunst oder Ungunst des Wettergottes, und sie sind zuverlässiger als die Himmelsbläue, die bald von dunklen Regenwolken überdeckt sein kann, oder die graue Wolkendecke, die oft in wenigen Stunden von der strahlenden Sonne verscheucht wird, oder auch als das Barometer, das plötzlich einen unerwarteten Sturz tut. Wer das Leben in der Natur zu beobachten versteht, der kann sich die Auskünfte jener beiden Propheten leicht in zuverlässiger Weise ergänzen. So macht sich überall in der Tier- und Pflanzenwelt ein nahender Regen schon lange bemerkbar. Zunächst betrachten wir das Benehmen der Vögel in Der Luft und auf der Erde. Im Hühnerhof weicht die idyllische Ruhe einem aufgeregten Durcheinander, die Hühner laufen umher und wälzen sich im Staub, die Enten sind nicht minder lebhaft und tauchen im Tümpel unter, die Pfauen lassen immer wieder ihren harten gellenden Ruf erschallen, die Tauber vergessen die Tageszeit und scheinen unschlüssig, ob sie nicht gleich ihren Taubenschlag aufsuchen sollen. Die Schwalben geben ihren kreisenden Hochflug auf und schießen dicht über die Erde hin, um die Insekten zu verfolgen, die sich aus der freien Luft auf den Boden gerettet haben. Der Buchfink kündet mit heiseren Rufen den Regen an. In einem Winkel des Hofes kratzt sich die Katze hinter dem Ohr und reibt sich mit ihrer Pfote das Fell, wie wenn sie einen unsichtbaren Fleck wegwischen wollte. Die Bienen bleiben im Stock oder kehren schwärmend zu ihm zurück, sie verlieren sogar ihre Friedferttg- keit und stechen einen ahnungslosen Spaziergänger, wenn sie einen Sturm voraussehen. Die Spinnen, die so eifrig an ihren Netzen gewoben, halten in der Arbeit inne und hängen müde und stumpf an ihren Fäden. Auf dem Erdboden fehlt es ebenfalls nicht an Vorboten des schlechten Wetters. Die Würmer dehnen und strecken sich, die Kröten kommen aus ihren Löchern und erscheinen zahlreich auf dem Felde. Am Wasser sttmmen die Frösche ihren stärksten Ehor an und rufen mit ihrem Koaks-Krekekekes den erwünschten Regen gleichsam vom Himmel herunter. Selbst in der Wasserwelt wird man schon vorher gewahr, daß sich ein Umschwung vollzieht, die Fische springen aus dem Wasser hervor und erregen auf dem vorher so ruhigen Wasserspiegel eine Menge konzentrischer Kreise, die sich immer weiter ausbreiten, bevor sie vergehen. Ein besonders seines Gefühl für Gewitter hat der Schlammbeißer, der schon vierundzwanzig Stunden vor Ausbruch des Unwetters sich sehr unruhig gebärdet, vom schlammigen Grund emporkommt, ängstlich unter beständigem Luftschnappen hin und her schwimmt und so mit Fug und Recht seinen Namen „Wetterfisch" verdient. Die Laubfrösche, diese Barometer der Natur, verlassen das Wasser, zeigen sich, klettern aus dem Gefäß heraus, in das man sie gesteckt hat ... Und auch die Pflanzen geben ihre Vorzeichen. Der Klee, der bei schönem Wetter gebückt dasteht, richtet seine Stengel empor, wenn es regnen soll, der Schwarzkümmel richtet sich empor, wenn kalte Witterung bevorsteht, er sinkt zusammen, wenn es warm werden wird. Richten sich die Blätter des Sauerklees auf, dann gibt es Sturm, schließen sich die der Narzisse, steht ein Unwetter bevor. Die Blüten der Winde und des Sauerampfers schließen sich, während die des Lattich sich öffnen: bald wird Regen fallen. So gibt es zahlreiche Anzeichen in der Natur, die uns das Wetter von heute und morgen verkünden. Deutsches Krauenwerk. Gießen-Nlitle. Zellenabende: Zellen 7, 8, 9 am Mittwoch, 14. 8., im „Löwen", Neuenweg, um 20% Uhr. — Zellen 10, 11, 12 am Donnerstag, 15. 8., im U. C. um 20% Uhr. Unbekannte Arbeit im Gießener Gtaditheater. Ein reich ausgestatteter Fundus als wertvolle Grundlage. Im Gießener Stadttheater herrscht wieder Hochbetrieb. Alle Kräfte sind eifrig am Werk, die neue Spielzeit vorzubereiten. Da werden Stücke gelesen, die Rollen gelernt, Sprechproben gemacht, gelungen und musiziert, einzeln und im Chor, immer und immer wieder, bis die künstlerische Arbeit, von Stufe zu Stufe aufwärts führend, schließlich das von den verantwortlichen Spielleitern und als höchste Instanz von dem Intendanten geforderte Leistungsergebnis erzielt hat. Daneben sind die technischen Hilfskräfte, die jahraus und jahrein unsichtbar für die Theaterbe- ucher und nicht umrauscht von dem Beifall des Der Maskenbildner bei der Perückenarbeit. - Publikums tätig sind, nicht minder eifrig am Werk. Hinter den Kulissen erfüllen sie ebenso tat- froh und pflichtbewußt wie die Künstlerschaft ihre Aufgaben. Mit Recht kann daher betont werden, daß der Beifall der Theaterbesucher bei den Aufführungen zu einem großen Teile auch ihnen, den unsichtbaren und unhörbaren Helfern und Helferinnen gilt. Wir hatten am gestrigen Dienstag Gelegenheit, uns bei den Vorbereitungsarbeiten für die neue Spielzeit hinter den Kulissen unseres Stadttheaters umzuseh-rn. Im Vordergründe der Arbeit stehen natürlich die zunächst auf den Spielplan gesetzten Aufführungen: die Operette „Paganini" von Lehar, die zum Schluß der Lustspiel-Werbewoche in Gießen aufgeführt wird, das Lustspiel „Der Triumph des Tobias", das Schauspiel „Iohannisfeuer" und als erste Verdis Oper „Die Macht des Schicksals". Der Laie kann sich kaum eine Vorstellung machen von dem außerordentlich weiten Ausmaß der Vorbereitungen, die für eine Aufführung schon wochenlang vorher einsetzen müssen. Mit dem Lesen des Manuskripts und seiner Annahme ist der erste Schritt getan. Dann müssen die Rollen besetzt und festgelegt werden, mit dem Bühnenbildner ist die Gestaltung des Bühnenbildes zu besprechen, die Bühnenmotive sind zu markieren, bei größeren Aufführungen sogar durch Modelle vorher festzulegen, Kostümfragen sind zu besprechen und Kostüme und Bühnenbild in Farbe und Ausstattung sowie in historisch treuer Gestaltung aufeinander abzustimmen, im Bühnenbild muß die Sicherstellung des Stimmungsgehalts des Stückes gewährleistet werden, mit dem Maskenbildner sind die nicht minder wichtigen Fragen der Perücken- und Maskenbildung zu besprechen, ebenso wichtig sind die Beratungen mit dem Gewandmeister über die vielfältigen Kostümfragen und eventuelle Neuanschaffungen oder Aenderungen von Kostümen, alle Fragen der Beleuchtungstechnik und Lichteffekte sind gleichfalls ein Kapitel der Vorbereitungsarbeit, dem große Bedeutung beizumessen ist: kurzum: es ist eine Unsumme von Beratungs- und Besprechungsarbeit mit vielen großen und kleinen Dingen, die gewissermaßen Der Vortrupp Der künstlerischen Arbeit ist. Aus diesen Besprechungen kristallisieren sich dann die teils Handarbeitlichen, teils handwerkskünstlerischen Aufgaben heraus, die in den technischen Werkstätten zu erfüllen sind. Hier müssen — und in Gießen ist das erfreulicherweise der Fall — ganze Könner, ja Meister ihres Faches am Werke fein, um jederzeit den vielfältigen Erfordernissen gerecht werden zu können. Dazu gehört auch ein mit reichem Material ausgestatteter Fundus, bei dem es niemals eine Niete, d. h. irgendein Fehlen von Ausstattungsgegenständen geben Darf. Der Fundus unseres Stadttheaters wird diesem Erfordernis gerecht, trotzdem wird in anerkennenswerter Weise von bet Intendanz und der Stadtverwaltung fortlaufend Darauf gesehen, Daß ständig Erneuerungen unD Ergänzungen angeschafft roerDen, um Den FunDus im Hinblick auf Das ver- pflichtenDe hohe künstlerische 91 i De.au unseres StaDt- theaters stets auf Der Höhe zu halten. * Unserem Blick hinter die Kulissen erschloß sich, nach dem Besuch in der Dramaturgie, auf einem Rundgang unter Führung des Dramaturgen Dr. Schnei oer-Facius der ganze technische Apparat unseres Stadttheaters. Zunächst wandelten wir in dem vom Bühnenbildner Karl Löffler mit Liebe und Sorgfalt betreuten Kulissenhaus an Der Iohannesstraße herum. In Dem großen Speicherraum sahen wir eine Fülle von Kulissenmaterial aller Art in sorgsamer Uebersicht aufgestapelt. UnD Dabei ist in Diesem Bau nur ein Teil des Kulissenmaterials untergebracht, währenD in dem großen Bühnenhaus Des StaDttheaters weitere umfangreiche Materialien aller Art für Den Kulissenbau aufbewahrt find. Ein übersichtliches System Der Stapelarbeit ermöglicht es. Die für Die verfchieDenen Aufführungen gebrauchten Stücke in kürzester Zeit zur Verwendung bereitzustellen. Alle Mitarbeiter in diesem Zweig des Theaterbetriebs sind durch jahrelange Tätigkeit genau im Bilde, so daß es keinerlei Umstände gibt, wenn der Auftrag zur Bereitstellung des Kulissenmaterials für die verschiedenen Zwecke kommt. In dem Kulissenhaus an der Jo- hannesstraße befindet sich übrigens auch noch eine kürzlich neubeschaffte (zweite) Probenbühne, mit deren Benutzung Die EinstuDierung einzelner Szenen wesentlich gefördert wird. Ferner ist hier die Materialbibliothek des Stadttheaters mit rund 3000 Stücken kompletten Aufführungs -- Materials untergebracht. Im Bühnenhaus des Stadttheater - Gebäudes konnten wir uns zunächst in dem eigenen Schreinerei-Betrieb umschauen. Hier werden alle Holzarbeiten für den Kulissenbau, aber auch Modellarbeiten für den Bühnenaufbau in kunstfertiger Arbeit nach den Anforderungen der jeweiligen Stücke hergestellt. Bei unserem Besuch sahen wir z. B. mancherlei Stücke fertiggestellt ober im Entstehen begriffen, die in Kürze den Besuchern der Operette „Paganini" auf der Bühne begegnen werden. Meister Löffler Im Malersaal werden Spruchbänder hergestellt. kann hier seine Gedanken und Entwürfe durch die geschickte Handwerkerkunst des Schreiners beliebig Gestalt gewinnen lassen. Durch eine Fenster- und Türenkammer, in der etliche Dutzend Fenster und Türen aller Art, nebenbei auch noch manches andere Material aufbewahrt sind, kamen wir in den weiten Kulissenraum mit seinen vielen großen Aufbauten für die Gestaltung der verschiedensten Bühnenbilder. Das in großer. Zahl hier bereitgestellte Material findet fast an jedem Spielabend ausgiebig Verwendung, weshalb es unmittelbar bei dem eigentlichen Vühnenraum mit seiner Drehbühne untergebracht ist. Dann stiegen wir hinauf in das zweite Obergeschoß des' Bühnenhauses, wo sich die Arbeitsräume des Maskenbildners und des Gewandmeisters befinden. Der Perücken- und Maskenbildner Emil Kraft konnte uns Dort mit Feinheiten feiner Handwerkskunst überraschen, Die Dem Fachmann zwar geläufig sinD, bei Dem Laien aber Doch BewunDe- rung Hervorrufen müssen. Was wir Dort an Perücken aller Art in stänDiger Vorratshaltung zu sehen bekamen, übertraf alle unsere Erwartungen: nicht mim» Eifrige Arbeit roirb in ber Schneiberei bes Gewanbmeisters geleistet. (Aufnahmen [3J: Dr. Schneiber-Facius.)_______________ W üluqen steht geschützt in einem steinernen Schilder-I oben türmen sich zerschriindele B-r-chäupier empor.! geheure Stille ist hier heroben und ungeheure Er. fiaus. Dann sucht der Weg an einer altersgrauen Schneeslecke in den Salten ihrer uralten Stern-1 starrung. Nur in den ziehenden Wolken über den Kapelle norbei zu niedrigen schindelgedeckten chäu- gesichter. Fast zu rasch für unser Schauen ist die Braten und EisMpseln ist lautlose Bewegung fern. Kinder scharen sich um uns und lachen uns Pasihöhe mit dem behäbigen Wirtshaus erreicht. Plötzlich aber gewahren w r doch emeleise Re- Hoch unverfälschten Tiroler Dorf: Rinnen. Auf steilem Bergpsab steigen wir noch über das Dorf hinan und schauen in die Runde. Welche Fülle von Kuppen und Bergspitzen ringsum: schroff zackige Felsgipfel und sanft gerundete „Grasmugel", begrünte St eil hänge und zerklüftete Wände mit Schneeflecken darin, — „Sommerschnee"! Wie berührt der Anblick dieser weißen Flecken unser Herz! Eine Weile Bergsommer, bann werben sie roieber wachsen. Ja, schon morgen kann bort oben über ben Latschen alles weiß sein. Latschen hineingefressen. Genußvoll beschwingt ist am frühen Morgen das mühelose Hinabrollen ins Inntal. Eine von Pappeln gesäumte, altertümlich schmale Straße geleitet uns weiter nach Innsbruck. Es ist wirklich Die Herzstadt des Landes, eine einmalige, unvergleichliche Alpenstadt, genügend bekannt und gepriesen. Schon im Begriff, Tirol innabwärts zu verlassen, nimmt uns noch einmal ein Seitental gefangen: bas Zillertal. Wir sind schon verwöhnt: bis Mayrhofen fühlen wir uns nicht sonderlich erschüttert. Aber dann geht's wieder gewaltig bergan, und keine geringe Strecke! Das Hochtal wird immer enger, immer wilder, immer weltverlorener. Alte, malerische Holzhäuser kleben an den Hängen. Eine riesige Geröllhalde kommt bis an Die Sttaße heran. Gleich darauf endet die Sttaße in einem Dörfchen aus wenigen Häusern, und auch das Hochtal ist zu Ende. Wir sind in einem äußersten Winkel Tirols. Doch der kleine Ort ist bekannt: er hat eine inarme Quelle, mit Schwimmbad auch im Freien, Darin man schon im Februar, inmitten von Schnee und Eis herumplätschern kann: Thermalbad Hm- tertux. Wir sind zu Gast in einem geräumigen, blitzsauberen Haus. Fast alles darin ist aus blankem Holz, Dutt des Holzes ist überall. Vom Balkon aus schauen wir über die Gletscher hin. Die Sonne daraus gleißt und blendet. Gletscherweiß und Himmelsleuchten verschmelzen ineinander. Beim Aufstieg zur Höhe erleben wir das Mo- numentalbilb eines Wasserfalles, der inmitten eines weiten Halbrundes kahler Wände schäumend herabstürzt, — einzige brausende Bewegung in einer Szenerie von erhabener Starrheit. Weiter oben stapfen wir im Schnee. Eine Weile sitzen wir auf einem blanken Felsblock und schauen über die Firne und Täler. Unfern. Kinder scharen sich um uns und lachen uns an mit treuherzig offenem Blick. Wir sind in einem benennt... Liebe zu den Bergen! — Uns wird bet dieser Begegnung ein wenig schwer ums Herz. Karten zur Zeitgeschichte. Die neuen Karten des JRO-Verlages Carl Krem- ling, München 2, Karlstraße 53, Jro-Spezialkarts Nordwesteuropa, Maßstab 1:1400 000, Größe 88X: 118 cm, Preis 1,50 RM. und Iro-Spezialkarte England, Maßstab 1:1 400 000, Größe 59 X 88 cm, Preis 1 RM. zeigen in einem äußerst günstigen Maßstab England mit den wichtigsten befestigten Häfen. Besonders bemerkenswert ist, daß ift diesen Karten neben den Eisenbahnlinien auch Die Straßen enthalten sind. Die Jro-Spezialkarte NorDmest- europa stellt Die Entfernungen Der Britischen Inseln von Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Frankreich dar. Wegen ihrer reichen Beschriftung sind beide Karten zur Verfolgung des Endkampfes mit England hervorragend geeignet. Auf der Jro- Karte M i 11 e l m e e r, Maßstab 1:5 000 000, Größe 59 X 88 cm, Preis 1 RM., lassen sich die Ereignisse im Mittelmeer besonders gut verfolgen. Die reiche Beschriftung dieser Karte ist vielfarbig gedruckt. Die befestigten Häsen sind durch rote Dreiecke gekennzeichnet und sehr übersichtlich sind die Entfernungen von Den wichtigsten Punkten im Mittelmeer angegeben. Eine wertvolle Ergänzung dieser Jro-Karte stellt die Nebenkarte Afrika dar, die Die Lage Der Deutschen unD italienischen Kolonien zeigt. Das Abendbrot vereinigt uns mit einer Bauernfamilie am runden Tisch. Wir erleben das besondere Anheimelnde einer Bergbauernstube. Ofen und Herrgottswinkel bestimmen den Raum. Aber der Herrgott ist nicht der Gekreuzigte; es ist ein segnender gütiger Gottvater, eine kunstvolle Schnitzarbeit, von Den Ahnen ererbt. Wir lernen einen alten Tiroler kennen, mit weißem Bart unD Augen von jenem Blau wie das des Himmels über den Bergen. Er spricht mit tiefem Baß, langsam und melodisch. Sein Lachen ist voll Herzlichkeit. Trotz unserem guten Mannesalter nennt er uns einfach „Buam" und redet uns mit „Du" an; wir empfinden das von ihm als Auszeichnung. Frisch und leicht ist unser Erwachen am Morgen. In milder Sommerwärme steigen wir hinauf zwischen duftenden Latschen, empor zum kühlen Firnwind und über steinige öde Halden zum Gipfel des Thaneller. Ganz frei ist nun der Blick auf die mächtige Heiterwand, die «Das Rotlechtal abschtießt, in strenger Reinheit aufragend, steile glatte Geröllfelder zu ihren Füßen. Vom windumwehten Gipfelkreuz aus schauen wir südwärts hinüber bis zu den Gletschern des Oetz- und Stubaitales. Auf der anderen Seite des Bergs, tief unten an abstürzende Wände geschmiegt, glänzen Zwei schmale Seen: Plansee und Heiterwanger See. Alles in unserem Gebirgswinkel verfuhrt zum Bleiben; auch Die Menschen. Doch da ist noch die Lockung des Fernpasses! Mühelos ist unsere Abfahrt wieder hinaus das Tal bis Lermoos. Doch Dann windet sich die Sttaße - — ' -■ r -v —3 Seen gung zwischen Den halbverschneiten Latschen. Ein biegsamer Zweig hat seine Schneelast abgeworfen und sich aufgerichtet. Dann und wann wieDerholt sich Da und Dort Dies leise Ereignis. UnD unser Schauen unD Lauschen auf Dem Bergjoch ist unsere schönste unD erfüllteste StunDe in Tirol. Mit Der Bahn fahren wir Durch Das Alpenvor- lanD roieDer hinaus ins Flache. Auf Der Landstraße neben Den Schienen fahren uns zwei junge Bur- scheu entgegen, auf schwerbepackten RäDern. Sie müssen kräftig bergan treten, unD sie halten ein gutes Tempo. Ihr Blick ist gebannt vorausgerichtet. Sie sehen vor sich Den Wall Der Alpen, unD sie sind ganz erfaßt von Diesem EinDruck. Der eine hebt Den Arm unD Deutet süDwärts, inDes sein MunD etwas Mit dem Fahrrad durch Tirol. Don Joseph Baur. Der Urlaubsschein meines Kameraden galt bis Garmisch. Nun stehen wir — mit schwerbepackten Fahrrädern — auf dem Marktplatz und fragen ein luftiges, helläugiges Liserl, wo so ein ganz entlegener, stiller Gevirgswinkel wäre. „Ja mei'", lachte sie, „da müaßt's hinein nach Tirol!" Vierzehn herrliche freie Tage liegen vor uns. Frohgemut folgen mir dem Wegweiser „Fernpaß— Innsbruck". Waldbewachsene, wetterzerzauste Steilhange engen allmählich die Straße ein. Hinter Griesen, da merken mir plötzlich: jetzt sind wir nicht mehr in Bayern. Eine Tafel am Straßenrand lädt zum „Jausen" ein. „Tabak-Trafik" verkündet ein Schildchen an einem Haus. Und selbstherrliche Kühe wandeln unbeirrbar gelassen mitten auf der Fahr- Sanftes Hinabrollen auf glatter Straße erleben wir fast wie Flug. Im Hinaufwandern zur Miemin- ger Höhe ergibt sich ein Nahblick auf einen Berg mit wuchtigem, dreigeteiltem Gipfelaufbau, kahl und zerzackt, mächtige Lawinenrinnen in den steilen Flanken: der Wanneck. Weitverzweigte Geröllausläufer haben sich in das wollige Dunkelgrün der bahn. Dann öffnet sich der Blick in die Runde zwischen Lermoos und EhrwalD, und rasch mäßigen wir unsere vorwärtsdrängende Ungeduld. Wir steigen ab und schauen. Das also ist Tirol! Die Zugspitze zeigt sich hier von ihrer großartigsten Seite. Kühn ragt die Sonnenspitze, Das „Matterhorn" Der Miemin- ger Kette, in Den Himmel; man möchte sie auch abenDs sehen, vom letzten Sonnenlicht beglänzt. Ueber Lermoos steht in steinerner Majestät Die ®artner= roanD. Nach Südwesten hin wuchten breitrückige Berge, wie schlafende Urwesen, mit viel grüner Grashaut über mächtigen Steinskeletten. Dahinter müssen die versprochenen stillen Gebirgswinkel sein. Den Fernpaß behalten mir uns vor. Wir fahren die begrünten Berge entlang und Dann hinein in «in Seitental. Hinein? Hinauf! Jäh führt Der steinige Weg bergan. Wir steigen ab unD manDern; der schwere Rucksack ist auf Dem RaD, Das wir nebenher schieben, kaum zu spüren. Immer eindrucksvoller werden Die Bergbilder. Die Straße mündet in eine Hochmulde von grünen Matten. Darein gebettet liegt ein Dorf mit großer Kirche und noch größerem Berghotel: Berwang. Hinter diesem Dorf versperrt ein hölzernes „Gattertürl Den nun wieder ebenen Weg. Mit Schwung wird es aufgestoßen und rasch wird weitergefahren, Denn alle Diese Tür! sinD selbstschließenD. geschnitzter heiliger Sebastian mit sanften blauen 1 liegen in waidüunlle 23ergmul6en gebettet. der staunenswert waren die Beispiele seines hand- werkskünstlerischen Schaffens, die er uns zeigte. Daraus fei hier nur hervorgehoben, daß die Neuanfertigung mancher Perücke eine Arbeitsleistung von zwei bis drei vollen Tagen erfordert und dabei mit feinstem Gerät diffizilste Arbeit geleistet werden muß. Hierauf nahm Obergewandmeister Willi E n d- r i ch uns in seinen weitreichenden Arbeitsbezirk auf. Ihm unterstehen die großen Vorräte an Kostümen, Uniformen, Kleidern, Wäsche, Lederzeug, Ausrüstungsstücken, Waffen, Lampen und Leuchtern aller Art, kurzum alle die Dinge, die man in einem Bühnenbild an Menschen, Möbeln und Zimmerausstattungen sieht. Eine schier überwältigende und geradezu phantastische Fülle von Material, das den Besucher dieser Räume aus dem Staunen nicht herauskommen läßt. An dieser Stelle in eine Schilderung von Einzelheiten dieser gewaltigen Ausstattungsoorräte eintreten zu wollen, würde ins Uferlose führen, da man beim besten Willen nicht gut das eine oder das andere hervorheben und andere ebenso wichtige Dinge unberücksichtigt lassen kann. Es mag genügen, wenn hier die Feststellung getroffen wird, daß in diesen großen Dorratsräumen auch nicht das geringste fehlt, was zu irgendeiner Ausstattung von Künstlern und Künstlerinnen für ihre Rollen bei irgendeiner Aufführung erforderlich ist, ganz gleich, ob es sich dabei um eine männliche oder eine weibliche Rolle aus längst vergangenen Zeiten, irgendeiner bedeutsamen Epoche, oder eines Geschehens in unserer Zeit handelt. Es ist hier „einfach alles dran!" Schließlich besuchten wir noch den von Meister Löffler besonders betreuten Moler- saal, in oem die Kunst mit Pinsel und Farbe, die auf der Bühne das Auge der Besucher entzückt, täglich neue Triumphe feiert. Auch hier läuft wieder alle Arbeit auf „hoher Tour". Zum Schluß im Kellergeschoß noch ein Blick in die Rüstkammer mit ihren vielseitigen Waffenbeständen aus allen Zeiten und aus allen Ländern bis in unsere Gegenwart hinein, dann noch ein kurzer Gang durch die Lampenkammer, in der eine Fülle von Lampen, Leuchtern und anderen Beleuchtungsgegenständen aller Epochen und Arten versammelt ist, um zur gegebenen Stunde auf der Bühne in das Bühnenbild eingesetzt zu werden. Damit war unser Rundgang und Blick hinter die Kulissen des Stadttheaters beendet. Mit diesem leistungskräftigen, vielseitigen technischen Apparat und dem reich ausgestatteten Fundus wird unser Gießener Stadttheater auch in der neuen Spielzeit wieder Bühnenbilder herausbringen können, die das Entzücken der Theaterbesucher bilden und ein würdiger Rahmen der darstellerischen Leistungen sein werden. Die Gießener Bevölkerung kann mit Genugtuung verzeichnen, daß ihr Stadttheater in so wertvoller Weise ausgestattet ist und damit im Dienste der Kunst für die Volksgemeinschaft eine technische Waffe führen kann, die an Wirksamkeit nichts zu wünschen übrig lassen wird. B. Tageskalender für Mittwoch. Gloria-Palast, Seltersweg: „Herz ohne Heimat". — Lichtspielhaus, Bahnhofttraße: „Mädchenjahre einer Königin". HHeiueinM M Kraft öutdi We Im Monat August bieten wir siebentägigen Ferienaufenthalt jewells von Samstag 514 Samstag im Kreis Büdingen. 3631D Teilnehmerpreis 22 RM. (ohne Fahrt). Nächster Aufenchalt in der Zeit vom 17. bis 24.8.1940. Anmeldungen sofort erbeten in unserer Verkaufsstelle, Seltersweg 60. Gießener Schlachtviehmarkt. Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtvieh-Verteilungsmarkt) in der Viehverstei- gerunashalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 41 bis 50,5, Bullen 39,5 bis 49,5, Kühe 12 bis 46,5, Färsen 33 bis 48, Kälber 28 bis 57 Rpf. je % kg Lebendgewicht, Ziegen, das Stück 20 bis 22 RM. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,16, bl (135 bis 149,5 kg) 1,16, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,16, c (90 bis 119,5 kg) 1,14, d (80 bis 89,5 kg) 1,08, e—f (unter 80 kg) 1,04, gl (fette Specksauen) 1,16, i (Altschneider) 1,16, g2 (andere Sauen) 1,08, h (Eber) 1,08 RM. Marktverlauf: Alles zugeteilt. Die schöne Melusine Roman Son Hans Richter 26. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) ,Mer ist mein eigentlicher Arbeitsplatz", sagt Heinz. Agnes übersieht die unscheinbare Mitarbeiterin und nickt ihr nur furi zu. Um so genauer suchen ihre Augen das ganze Atelier ab und haften an der verdeckten Figur. „Eine größere Arbeit, die ich zur Seite geschoben habe." „Kann man sie nicht ansehen?" „Bitte." Die Tücher werden abgenommen, und der Torso der Melusine erscheint. Es ist wirklich nur erst ein Torso, aber man kann schon die Umrisse einer weiblichen Figur und eines Fischschwanzes erkennen. „Eine Sphinx", sagt Agnes, weil sie in der vorigen Woche einen ägyptischen Kulturfilm gesehen hat. „Nein, eine Melusine." Die Augen fragen. „Eine Frau aus der Sage. Sie lernt einen Ritter kennen, hilft ihm zu großem Ansehen und zu Reichtum, aber sie stellt die Bedingung, daß sie an jedem Samstag tun und lassen kann, was sie will." „Warum tut sie bas?" „Weil sie einmal in der Woche kein Mensch, sondern ein Fischweib sein muß, das ist ihre Bestimmung." Agnes lacht. „Der Mann wird chr das nicht geglaubt haben." „Deshalb hat sie auch nicht bei ihm bleiben können." Agnes findet, daß von dieser Melusine, die ja auch noch nicht einmal fertig ist, genug geredet worden ist. Sie setzt sich auf einen Schemel und kokettiert mit den Beinen. ,Haben Sie eine Zigarette?" „Bitte." Und in den Rauch hinein: „Warum gibt man sich eigentlich mit diesem alten Sagenkram soviel ab? Einmal rst es eine Kriemhilde, eine Medea, Schaffende sammeln, Schaffende geben! Die 2. Reichsstraßensammlung für das Deutsche Rote Kreuz wird am 17. und 18. August durchge- sührt. Es sammeln an diesen Tagen die Deutsche Arbeitsfront, der Reichskriegerbund und das Deutsche Rote Kreuz. Die Deutsche Arbeitsfront setzt im Gau Hessen-Nassau ihre Walter und Warte als Sammler ein. Die Betriebsobmänner, Werkscharen und Werkfrauengruppen sammeln vor den Betrieben. In den Straßen werden wir Handwerker in ihrer Berufstracht als Sammler sehen. Auf den großen Plätzen im Rhein-Main-Gebiet spielen Kapellen der Betriebe. Das Sportamt der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" setzt seine Sportgruppen ein; Boxer, Rollschuhläufer, Gym- nasttkgruppen treten auf, Wettspielgruppen stellen sich in den Dienst der Sammlung für das Kriegs- hilfswerk. Das Amt „Feierabend" der NS.-Ge- meinschaft ,Kraft durch Freude" leistet seinen Bei- traa zu den Sammeltagen durch Einsatz seiner Vokkstumsgruppen, die singen und spielen. Unter dem Motto: „Schaffende sammeln, Schaffende geben!" tritt die Deutsche Arbeitsfront gemeinsam mit den beiden anderen Organisationen an und richtet an alle Werktätigen den Appell, für unsere Soldaten nach besten Kräften zu spenden und zu opfern. Die Reichsstraßensammlung wird im Gau Hessen-Nassau wieder ein voller Erfolg werden. Das Theater des Gießeners. Don Dramaturg G. Meuter. Morgen erscheint das vor Tagen angekündigte Werbeheft des Stadttheaters Gießen. Mit größtem Interesse wird man es durchlesen und feftjtellen, daß das Gießener, d. h. „unser" Theater für die Winterspielzeit 1940/41 künstlerische Ereignisse von ganz besonderer Bedeutung verspricht. In der Erkenntnis, daß gegenwärtig nur das Auserlesenste geboten werden darf, hat die Intendanz einen Spielplan zusammengestellt, in dem kostbarstes Gut aus dem Schatz unserer klassischen und modernen Dichtung sich mit wahrhaften Meisterwerken der gediegensten Unterhaltungsliteratur glücklich verbindet. Das erweiterte musikalische Programm bringt beliebteste Werke früherer oder lebender Meister in großzügigster Aufmachung. Daneben sind viele interessante Morgenfeiern vorgesehen, zwei Ballet- abende und zwei Kindermärchen. Das Theater will und muß in diesen Tagen mitverantwortlich sein für die Entwicklung der politischen Ereignisse. Nur wenn es sich bewußt ist, daß alle seine Arbeit einzig dazu dient, das deutsche Volk in seiner seelischen Abwehrstellung weiter zu festigen, erfüllt es seine ihm von der Natton gesetzte Ausgabe. Es darf in seinen Bemühungen nicht hinter der gläubigen Intensität zurückstehen, mit der unsere Soldaten im Kampf um die Selbstbehauptung unseres völkischen Daseins stehen. Indem die Bühne danach strebt, Leistungen von mitreißender Einzigartigkeit zu bieten, bewirkt sie ein Anwachsen jener Kraft, auf der die innere Front beruht. Die Bevölkerung wird durch das Werbeheft ein- aeladen, teilzunehmen an den festlichen Abenden der kommenden Spielzeit, die für alle eine unvergleichliche Entspannung von den Anforderungen des Tages bedeuten werden. Durch das Miterleben der schönsten dramatischen und musikalischen Werke aus allen Zeiten unseres Volkes oder der ihm befreundeten Länder wird jeder neue Kraft und Lebensfreude empfangen. Indem man genießend die Der» sckiedensten Welten vor sich erstehen läßt, wird man gleichzeitig belehrt und erhoben. Diese einzigartigen Aufgaben aber kann das Theater nur erfüllen, wenn alle es durch ihren ständigen Besuch unterstützen. Wie sich selbst, dient jeder mit diesem Besuch dem ganzen deutschen Volke. Denn die Bühne vermag ihre seelenstärkende Kraft nur auszuströmen, wenn bereitwillig Empfangende in genügender Zahl diese Kraft auf sich einwirken lassen. Zögere also niemand, sich für die nächste Spielzeit eine Miete zu erwerben, die für jede Woche einen festen Platz bei einer Ermäßigung bis zu fünfzig Prozent gegenüber den Tagespreisen sichert. Von feiten der Intendanz ist alles besorgt, auch hinsichtlich des Luftschutzes, um jedermann die Vorstellungen zu einem ungetrübten Genuß zu machen. Jeder Gießener sollte Besitzer einer Platzmiete sein oder, wenn er nicht die Zeit findet, wöchentlich einmal ins Theater zu gehen, sollte er sich wenigstens als Wahlmieter eintragen lassen. Denn schließlich ist das Gießener Theater „sein" Theater, für dessen Bestand und Arbeit er mitverantwortlich ist! Aus der engeren Heimat. Geheimrat Boeckmann f. In Darmstadt, wo er im Ruhestand lebte, ist der langjährige frühere Kreisdirektor des ehemaligen Kreises Schotten, Geh. Regierungsrat Ernst Boeck- mann, im Alter von 77 Jahren gestorben. Geheimrat Boeckmann war ein Mann, der bei der Bevölkerung des Vogelsbergs in allen Bevölkerungsschichten viele Freunde und Verehrer hatte und der sich mit den Menschen seines Vogelsbergkreises stets eng verbunden fühlte. In Alsfeld am 4. August 1863 geboren, besuchte Ernst Boeckmann bis Ostern 1878 die Realschule seiner Vaterstadt, dann das Gymnasium in Fulda. Nach dem Maturum im August 1882 bezog er die Universität Gießen zum Studium der Rechtswissenschaft, das ihn später noch zu den Universitäten Leipzig und Straßburg im Elsaß führte. Nach bestandener Hochschulprüfung im November 1885 wurde er zunächst am Amtsgericht Zwingenberg bis zum Dezember 1886 verwandt, dann kam er an das Landgericht in Darmstadt, wo er bis zum Juni 1887 wirkte. Hierauf war er bis zum Juni 1888 bei einem Rechtsanwalt tätig, anschließend wurde er bis zum Dezember 1888 bei dem Kreisamt in Darmstadt beschäftigt. Im April 1889 bestand er die Staatsprüfung. Dann fand er seine erste Verwendung im Staatsdienst beim Kreisamt in Alzey bis zum Dezember 1892. Von Alzey wurde er an das Kreisamt in Worms versetzt, wo er bis zum 31. Juli 1894 tätig war. Anschließend wirkte er als Amtmann an der Landesoersicherungsanstalt Hessen bis zum 30. September 1897. Nun kam er an das Kreisamt in Gießen, wo er vom 1. Oktober 1897 bis Ende November 1901 als Kreisamtmann arbeitete. Von Gießen wurde er als Kreisrat nach Büdingen versetzt, wo ihm im November 1913 in Anerkennung seiner Verdienste der Titel Geheimer Regierungsrat verliehen wurde. Auf seinen Antrag wurde er am 1. Oktober 1920 nach Schotten versetzt, wo er Kreisdirektor wurde. Dort wirkte.er bis zu seinem Ueber- tritt in den Ruhestand Ende 1928 als Kreisdirektor an der Spitze des Vogelsberg-Kreises. Neben seinem Amt war er ehrenamtlich noch von 1901 bis 1920 als Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Bezirksvereins Büdingen, ferner von 1901 bis 1920 des Kreis-Obst- und Gartenbauvereins Büdingen, von 1921 ab als Vorsitzender des Lamdwirtschaftlichen Bezirksvereins Schotten, sowie des Kreis-Obst- und Gartenbauoereins Schotten tätig. Sowohl als Mensch, wie als Beamter konnte sich Geheimrat Boeckmann überall größter Wertschätzung erfreuen. Seine ausgezeichneten Charaktereigenschaften und sein allezeit freundliches, verbindliches Wesen im Umgang mit jedermann machten ihn zu einem wahrhaft volkstümlichen Menschen. Im Vogelsberg, darüber hinaus aber bei allen, die ihn kannten, wird Geheimrat Boeckmann ein ehrendes Andenken bewahrt werden. Bürgermeisterversammlung des Kreises Alsfeld. § Alsfeld, 12. August. Unter dem Vorsitz von Landrat Dr. Sch n h a l s fand eine Arbeitstagung der Bürgermeister des Krei - f e s Alsfeld statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte Landrat Dr. Schönhals der großen Erfolge unserer ein Sieafried oder ein Lohengrin. Kann man sich das nicht einfacher machen?" Zum ersten Male mischt sich jetzt Greta Krayick in die Unterhaltung ein. „Der Künstler will ja keine Einzelschicksale formen, sondern er will seiner Gestast eine tiefere Bedeutung geben. Melusine hat, wie jeder von uns, ein Schicksal, und über dieses Schicksal kommt sie nicht hinweg. Deshalb braucht sie das Vertrauen ihres Mannes. Als sie es verliert, muß sie ihn verlassen. Ein echtes Kunstwerk soll nicht nur durch seine Linien erfreuen. Es soll auch zum Nachdenken anregen." Heinz Deetjen holt nun auch, was er vorher hätte tun sollen, die Vorstellung der beiden Damen nach. Greta Kranick aber meint, genug gesagt zu haben, und geht an ihre Arbeit zurück, unv Agnes Sprenger wieder ist diese Frau unheimlich. Deshalb sucht sie nach einem Abgang. „Ich werde jetzt wirklich erwartet, Herr Deetjen." Draußen nimmt das Gespräch eine andere Wendung. Agnes will wissen, ob ihr neuer Bekannter, den sie schon ganz für sich in Anspruch nimmt, heute abend nach Lüchow kommt, und warum er gestern nicht gekommen wäre. „Sie können doch gut mit uns fahren", sagt sie. Er lacht. „Und wie komme ich zurück?" „Muß das denn fein?" kokettiert sie. Als sie aber hört, daß er, wenn überhaupt, das Motorrad nehmen will, ist sie Feuer und Flamme und belegt für sich den Soziussitz. Heinz zögert. Gestern ist er Tilde ausgewichen. Eigentlich dumm. Heute wird er ihr nicht aus- weichen, nein, heute wird er ihr zeigen, daß er, wenn er nur will, an jedem Finger eine Frau haben kann. Die gnädige Frau soll sich ärgern. „Also fahren wir nach Lüchow", sagt er. Schade nur, daß am Abend der Vogel, der geärgert werden soll, ausgeflogen ist. Auch gut, denkt Heinz. Fragen mag er nicht mehr. 24. An eben diesem Abend steht Tilde vor der „königlich privilegierten Apotheke" in Utrin und fragt nach ihrer Freundin Lotte Mewes. In der Apotheke steht nur der Provisor. Der Apotheker und sein Schwiegersohn sind auf einen Dämmerschoppen im Märkischen Hof verschwunden. Frau Mewes sitzt hinten im Garten. Mit dieser Auskunft begibt sich Tilde nun auch ihrerseits in den Garten und findet Lotte, die sich gerade von dem Schlaf ihres Stammhalters über» deugt „Man muß aufpassen, damit keine Mücken hinter die Gardinen kommen", flüstert sie und schiebt den Kinderwagen beiseite. „Siehst du, in dem hab' ich auch einmal gelegen", fährt sie dann fort. „Vater hat ihn wieder ausgegraben und neu machen lassen, damit wir, wenn wir einmal auf Besuch kommen, nicht alles mitbringen müssen. So sind die Leute in Utrin, die haben Platz, und Ruhe haben sie auch. Wenn ich mal erst Großmutter bin —" „Du hast ja noch Zeit", tröstet Tilde, die kaum zugehört hat. „Also, dein ,Lottchen' hab' ich dir zu- rückgebracht, es liegt unten bei Gottlieb Kurzing." „So eilig roar’s ja nun auch wieder nicht", meint Lotte. „Morgen oder übermorgen. Nicht wahr, den ganzen Tag kann ich von dem Jungen ja doch nicht weg, und Fritz allein mag nicht fahren." „Ich brauch's auch nicht mehr", sagt Tilde kurz. Jetzt erst wird Lotte hellhörig. „Was ist denn los, Tilde?" „Ich fahre nach Berlin." „Hast du gestern schon gesagt, aber du kommst doch wieder?^ Sie hat die Freundin in die Laube in der äußersten Ecke des Gartens gezogen, in der sie schon als Mädels immer miteinander gehockt haben. Es sind schon manche Sorgen in dieser Laube besprochen worden. Tilde zerpflückt ein Blatt, das sie gedankenlos abgerupft hat, in winzig kleine Stücke. „Weiß ich nicht, Lotte", sagt sie. „Vielleicht £omme ich auch nicht wieder." In solchen Fällen haben Fragen keinen Zweck und pflegen auch die Klarheit nicht zu fördern. Lotte und Tilde sind lange genug miteinander befreundet, um auch einmal eine Weile schweigen zu können. Das tun sie jetzt gründlich. Erst nach längerer Zeit fällt wieder eine Frage. „Kann ich. hier bei euch in Utrin schlafen?" „Kannst du. Die alte Apotheke ist groß genug. Ist was mit Tante Malwine?" „Nein, es ist nur, weil ich morgen schon den Frühzug nehmen will. Vater oerträgt keine Unruhe, und von Steinbergen muß man erst über den. Wehrmacht, die sich feit der letzten Bürgermeister« tagung ereignet haben, in Worten höchster An* erfennung. Die großen Erfolge sollen für die Hei- matfront ein weiterer Ansporn zu höchstem Emsatz sein. Der Landrat gab alsdann verschiedene dienstliche Mitteilungen über einzelne Derwaltungsge« biete, die gegenwärtig im Vordergrund des kommunal-politischen Lebens stehen, insbesondere auch über die Brennholzverteilung. Regierungsinspektor Schwing behandelte als ersten Punkt der Tagesordnung das Thema „Die Vereinheitlichung des Bezugscheinwesens für Lebens- mittel". Er erläuterte die hauptsächlichsten Bestimmungen der Neuregelung unter besonderer Hervorhebung der Abweichungen gegenüber den seitherigen Vorschriften. An das Referat schloß sich eine rege Aussprache. Regierungsinspektor Kneifel sprach über die Erfassung der weiblichen Jugend für den Reichsarbeitsdienst und erläuterte auf Grund der vorhandenen Formulare, die für die Bürgermeister hauptsächlich zu beachtenden Gesichtspunkte bei der Auf- Ste ezkalteK wöckcwtlUk eine Dose der nahrhaften und bekömmlichen NESTLE KINDERNAHRUNG für Kinder bis zum Alter von 1’/» Jahren gegen Berechtigungsschein, den das Ernöhrungsamf bzw. die Kartenstelle ausstellt, Broschüre „Ratschläge eines Arztes* kostenlos und unverbindlich durch die DEUTSCHE AKTIENGESELLSCHAFT * FÜR NESTLE ERZEUGNISSE / IIHIN.TIMFHHOI stellung der Pflichtstammrollen. Danach werden zunächst alle ledigen weiblichem Personen des Jahrgangs 1922 erfaßt. Regierungsbaurat Df) au s gab einen Ueberdlick über den Stand der Kohlenversorgung für den kommenden Winter. Lehrer Dollinger berichtete für das Wirtschaftsamt des Landkreises Alsfeld über das Ergebnis der bei einer Anzahl von Wirtschaftsamtsnebenstellen im Kreis Alsfeld vorgenommenen Revision, die durchweg zufriedenstellend ausgefallen ist. Der Referent gab noch verschiedene wichtige Hinweise für die Ausstellung von Bescheinigungen auf dem Gebiete der Bezugscheinwirtschaft und der Lebensmittelversorgung. Landrat Dr. Schönhals schloß die Tagung mit Worten voller Anerkennung für die außerordentlich schwierige und umfangreiche Tätigkeit unserer ehrenamtlichen Bürgermeister auf dem Gebiet der Kriegswirtschaft, die für diese eine immer größere Arbeitsbelastung mit sich bringe. Um so mehr fei chr arbettsfreudiger Einsatz anzuerkennen. Die Tagung wurde dann in der üblichen Weise geschlossen. Landkreis Gießen. 8. Lang-Göns, 14. August. Sattlermeister Anton Karl B e p p l e r, Breitgasse, Bann am 16. August seinen 8 3. Geburtstag bei Verhältnis- mäßig guter geistiger und körperlicher Frische feiern. Wir beglückwünschen den Jubilar herzlich. Fleischdiebstähle im Marburger Schlachthof. LPD. Marburg. In der letzten Zeit sind im hiesigen SchlachthofgrößereFleischdieb- stähle vorgekommen. Die polizeilichen Ermittlungen führten zur Feststellung von vier Personen als Täter, von denen zwei festgenommen und dem Richter vorgeführt worden sind. Das gestohlene Fleisch wurde an Gaststätten verkauft. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 14. Aug. (Vorbericht.) Es kosteten: Kälber 25 bis 59, Hämmel 30 bis 49, Schafe 12 bis 44, Schweine 53 bis 59 RM. Marktverlauf: Zugeteilt. See fahren. Ich störe euch auch gar nicht. Ich stehe auf, trinke meine Tasse Kaffee am Bahnhof und verschwinde." „Was willst du eigentlich in Berlin?" „Mit dem Auto nach Utrin fahren." Jetzt wird es der guten Lotte doch zu bunt „Liebe Tilde", setzt sie an. „So heiß roar’s heute doch gar nicht —" „Du hast mich gestern ja mit Hellwig gesehen, und du weißt, daß ich zu Hellwig & Holzmann gehe. Ich führe morgen einen ganzen Pulk Menschen nach Utrin, setze sie hier auf Apels „Theodor" und fahre dann mit ihnen weiter nach der Wald- mühle. Für alle diese guten Leute und dafür, daß sie sich bis Sonntagabend besser amüsiert haben, als sie es sich vorher gedacht hatten, bin ich verantwortlich. Wenn du willst, kannst du von Utrin aus mitkommen." „Ich denke nicht daran. Du könntest ja auch in Utrin einsteigen." ,Kann ich nicht. Ich habe nämlich so etwas wie eine Verantwortung. Aber eines sage ich hier, in der Waldmühle und am Endsee ist morgen allerlei los." „Und wenn das vorbei ist, Tilde, dein Urlaub ist doch noch nicht zu Ende?" „Vielleicht fahre ich dann in den Harz — oder ich lege mich bei Vatern und bei Tante Malwine drüben in Steinbergen in den Garten. Ich weiß wirklich noch nicht, was ich tun soll." Als die Männer aus dem Märkischen Hof zuruck- kommen, erfahren sie nur, Tilde sei da, sie habe sich jedoch, da sie sehr müde gewesen sei, schon zurückgezogen. Und morgen früh —. Tilde hat nur das fieine Köfferchen in der Hand, in dem man gerade das Notwendigste unterbringen kann, als sie durch das schlafende Utrin zum Bahnhof schlendert. In Wirklichkeit ist ja erst der kleinste Teil ihres Urlaubs vorbei, und doch Bann sie gegen eine gewisse Urlaubsendstimmung beim besten Willen nicht anfämpfen. Denn eins weiß sie gewiß: so, wie es gewesen ist, wird es nicht wieder. Wenn man solch innere Bilanz macht und alles durchdenkt, fängt die Zeit an, sich zu dehnen. Es ist noch keine Woche her, daß sie Utrin mit dem „Lotteken" verlassen hat. Aber diese Woche hat es gut mit ihr gemeint. (Fortsetzung folgt)