■ Mi » s D|M. '9 bt, % Mittwoch, 12. Juntty^O Zernfvreckanschluß 2251 Drahtanschrift: „Anzeiger'^ Postscheck 116s«^rankf^M. Annahme von Anzeigen für die Mittaasnummer bis8'/?UhrdesVormittags Grundpreise für 1 mm Höhe bei Anzeigen von 22 mm Breite? Ps., Tertanzeigen von 70 mm Breite 50 Pf. Wiederholung Malstaffel I AbschlüsseMengenstaft'elL Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25"/omehr Ermäßigte Grnndvreife Bädcranzeigen und behördliche Anzeigen von 22 mm Breite 6 Pf. I-o. Jahrgang Nr. 157 Lrschemi täglich, nutzer Sonntags und feiertags Seilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter HeimatimBild DieScholle Nonats-Bezugsvreis r Nit4Beilagen.RM.1.95 Ohne Illustrierte » 1.80 Zustellgebühr... „ -.25 auch bei Nichterscheinen oon einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Gietzener Anzeiger VrSHNch« UntotrfiiätetnidtrtiR. tauge General-Anzeiger für Oberhessen S$rt«ie&en3dmIftraSeT-9 eil ty !tz L i«n U(l mtloL Jem Eichitz ttkartk? n h ■USjohj, hlW, Rudrtrt 'Qnhiit, erfüllt telkilchf arten U.Ä r bered; iese ob, len nn Reitz ino neues Tiani Mm । ounliL >rM. egenbo iagt tssl. fe !U.2:üD (DHB. gegeben, die Waffen niedergelegt und kapitu-1aus.' schnitten operierenden Armeegruppen wurde. ihiedew W Oie Kundgebung aus der Piazza Venezia Men. res «i .Ml Der Ba- Gin Taaeebefehl des Duce. Rom, 11. 3unl (DRV.) Der Duce Hal an die jilalienische Wehrmacht folgenden Tagesbefehl gerichtet: „Durch Entscheid Seiner Majestät des Königs und Kaisers übernehme ich ab heute, 11. Juni, das Kommando der an allen Fronten operierenden Truppen. Ich bestätige als meinen Generalslabschef Marschall Pietro B a d o g l i o. Ich bestätige in ihren Aemtern und als ihm unterstellt Marschall Rodolfo G r a - ziani, als Generalslabschef des Heeres, Geschwaderadmiral Domenico L v a g n a r i als Generalstabschef der Marine und den Luflgefchwadergeneral Francesco pricolo als Generalstabschef der Luftwaffe. Von heute ab müssen Waffen und Herzen auf das Ziel gerichtet sein: den Sieg erringen. Ls lebe der König!" Die Beauftragung des Duce mit dem Kommando über die Truppen und seine aus der Operationszone an die italienische Wehrmacht erlassene Proklamation werden von der gesamten Presse stark unterstrichen. Uebereinstimmend betonen die Blätter, daß nach faschistischem Stil der Duce mit dem Oberbefehl über alle Streitkräfte betraut und so zum absoluten Führer der an den verschiedenen Ab- Generalleutnant D i e t l, der Verteidiger von Narvik. (Scherl-Bilderdienst-M.) leMiV Gchnellvoot-Hachtgefechte an der britischen Ostküste. Berlin, 11. Juni. (DHB.) Bei Unternehmungen Esutfcher Schnellboolverbände gegen die britische Mussolini hat den Oberbefehl über die Streitkräfte Italiens übernommen Zlunkfpruch.) Das Oberkommando der Wehrmacht zibt bekannt: Die große Schlacht zwischen der K a n a l k ü st e and der Maas ist immer noch in vollem Gange. Am rechten Flügel und in der Mitte wird bie Verfolgung der geschlagenen französischen llrmee rastlos fortgesetzt. Zwischen Rrim ß und den Argonnen wird noch erbittert, aber erfolgreich gerungen. An mehreren Stellen find starke feindliche Kräfte ibgefprengt und umschlossen und sehen ihrer Vernichtung entgegen. Infolge der schweren blutigen Verluste und der jroßen Einbuße an Gefangenen und Material aller ttrt schwindet die feindliche Wider- (tanbßtraft zusehends dahin. Kampf- und Sturzkampfverbande griffen wiederum den Hafen und die Kaianlagen von Le Havre in, zerstörten die Schleusen, versenkten einen Zerstörer und beschädigten weitere Schiffe, darunter litten Zerstörer und zwei Transporter von 10 000 tonnen, durch schwere Bombentreffer. Heben den dichten Kolonnen des zurückgehenden jeindes, Transporten, Ansammlungen, Bafterie- skellungen, die mit Bomben belegt wurden, gelang ks der Luftwaffe, auch mehrere Brücken über bie Marne und die untere Oise zu treffen mb teilweise zu zerstören und so den feindlichen Rückzug empfindlich zu er- Ichweren. Am 9. Juni wurden im Horbmeeteln Kreu - 3er unb vier Transportschiffe mit Bomben i«gegriffen unb fo schwer getroffen, baß bie Mehrzahl biefer Schiffe ausbrannte. Felnbliche Flugzeuge warfen roieber im Schuhe ber flacht einzelne Bomben über Horb- unb West- bcutfchlanb ab. Wesentlicher Sachschaben ist nicht mfftanben. Die Gesamtverluste bes Gegners in ber Luft betrugen gestern 29 Flugzeuge: batoon würben im Luftkampf 19, burch Flak 6 abgefchvffen, ber Rest im Boben zerstört. Ferner würben 3 Sperrballons -bgefchoffen. 8 eigene Flugzeuge werben vermißt. Der Oberleutnant unb Kompaniechef in einem )ufanterie-Regiment Volker Paeckelmann hat in ber Spitze feiner Kompanie burch vorbildliche fcaltblutigf eit 8 angreifenbe feinbliche Vanzerkampf wagen zur Uebergabe gezwungen. MdemMerkreuzMaeMnel Führerhauptquartier, 11. Juni. (DHB.) Der Führer unb Oberste Befehlshaber ber Dehrnacht hat auf Vorschlag bes Oberbefehlshabers bes Heeres bas Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz verletzen an: General ber Artillerie Haase, Oberstleutnant Weber, Felbwebel in einem motorisierten pionierregiment h of mann. * Der Wehrmachlsbericht vom Dienstag. Führerhauptquartier, 11. Juni, i Rastlose Verfolgung der geschlagenen französischen Armeen. Starke feindliche Kräfte umschlosten. — Große Erfolge der Lustwaffe in Le Havre Duce verfüge hierzu über einen von Marschall doglio geleiteten Generalstab. Auf diese Weise wird gemäß den Absichten des Herrschers die einheitliche und totalitäre Führung vollauf gewährleistet, „gemäß dem faschistischen Stil, der der Stil des Sieges ist". Dieser Krieg werde, betont „G i o r n a l e d ' Ita- l i a", um der Befreiung der italienischen Meeresgrenzen geführt, sowie um die' auch außerhalb des Mittelmeeres vorhandenen, vor allem englischen Fesseln zu sprengen, die Italien in seinem eigenen Meer zum Sklaven machen. Italien werde diesen Krieg für seine Nachkommen gewinnen, für das größere Italien sowie für eine durch den Frieden mit Gerechtigkeit neu aufgebaute bessere Welt. „Die Rückkehr des Herrschers zu seinen operierenden Truppen erfüllt alle Italiener mit Bewegung und Stolz und erhöht den Wagemut der Kämpfer und ihren Glauben an den unausbleiblichen Sieg. Die Gerechtigkeit unserer heiligen Sache und unserer Ansprüche, sowie der Zorn über die Vergewaltigungen durch die Feinde werden die Opfer leichter ertragen lassen und den Sieg verschönen." „Giornale d'Jtalia" unterstreicht weiter die Führerqualitäten des Duce auf allen Gebieten und betont, daß der eiserne Wille, um jeden Preis die gesteckten Ziele zu erreichen, stets Merkmal eines großen Feldherrn war und bleiben werden. Jli‘“ I < Li iitn Mn n geluti w -wegL eigen .zweite W Mädckiv tr.doirs VA* 2782D I MjS 2-3?? ites W Oie große Schlacht in Frankreich. Schon am vierten Tage des neuen deutschen Offensivstoßes aus der bisherigen deutschen Südfront längs Somme, Oise-Aisne-Kanal und Aisne gegen die von dem neuen französischen Oberbefehlshaber General Weygand geschaffene und nach ihm benannte Verteidigungslinie konnte der deutsche Wehrmachtsbericht mitteilen, daß der Versuch des Feindes, den deutschen Angrift um jeden Preis aufzuhalten, gescheitert sei. Daß für diesen Versuch manche Voraussetzungen gegeben waren, haben wir hier am Samstag in großen Zügen dargelegt. Ein tiefgegliedertes, die natürlichen Hindernisse, die das unübersichtliche, vielfach eingeschnittene Gelände bietet, geschickt ausnutzendes Verteidigungssystem bot Rückhalt für stärksten Widerstand. Auch aus einem interessanten PK.-Bericht von südwärts der unteren Somme, den wir gestern veröffentlichen konnten, wird ersichtlich, daß es für die deutschen Soldaten unfaßbar war, wie der Franzose sich eine von der Natur so begünstigte Stellung entreißen lassen konnte. Aber das Unfaßbare ist geschehen. In viertägiger Schlacht haben deutsche Infanterie- und Panzerdivisionen in enger Zusammenarbeit mit der Luftwaffe starke feindliche Kräfte zerschlagen und andere zum Rückzug gezwungen. Es ist kein Zweifel, daß der Franzose unter dem deprimierenden Eindruck der erlittenen Niederlage in Flandern dem unerhörten Elan des deutschen Ansturms auch unter dem Charakter seiner Kampfes- weise sehr entgegenkommenden Verhältnissen nicht mehr standzuhalten vermag, wenn es auch vielfach zu äußerst heftigen Kämpfen gekommen ist, bei denen die mit Vorliebe in erster Linie eingesetzten Kolonialtruppen, vertierte Neger vom Senegal, unseren braven Soldaten schwer zu schaffen gemacht haben. Aber der deutsche Angriffsgeist blieb auch diesen gegenüber unwiderstehlich. Weygands Versuch einer neuen Frontbildung ist also gescheitert. Der Bewegungskrieg, den er vermeiden wollte, hat sich in einer Breite von 350 km zwischen der Kanalküste und der Maas entwickelt und nimmt den Verlauf, den die deutsche Kriegführung mit .ihrem Operationsplan beabsichtigt. Hinter der durchbrochenen Weygand-Linie mußten die französischen Armeen sich in offener Feldschlacht stellen. Das Tempo des deutschen Angriffs bestimmt der rechte Flügel, der jedoch diesmal nicht wie beim Vormarsch 1914 in der Luft hängt und daher an der Marne von einem Umfassungsmonöoer Galienis aus Paris her bedroht werden konnte, sondern Anlehnung an der Küste findet und zudem dem Feinde so überlegen ftt, daß er diesen nach dessen Zurück- weichen aus der Weygand-Linie südlich der Somme bereits in rastloser Verfolgung vor sich hertreibt in Richtung auf die untere Seine, deren stark gekrümmter Unterlauf dem hier anscheinend schon auf der Flucht befindlichen Gegner zum Verhängnis werden kann, da das energische Nachdrängen der deuftchen schnellen Truppen ihm kaum Zeit mehr lassen wird, sich in den natürlichen Abschnitten, die die zwischen steile Ufer des normannischen Kreideplateaus sich ihren Weg zur Küste bahnenden Flüsse bieten, noch einmal festzusetzen. Die Seine, mit 776 Ian der drittlängste der französischen Ströme, ist als Hauptverkehrsader von der Küste zur Hauptstadt für die Versorgung von Paris und des ganzen Pariser Beckens von eminenter Bedeutung. Daß der Fluß bereits Kriegsgebiet ist und sein Seehafen Le Havre ständig unter schwersten Bombenangriffen der deutschen Luftwaffe liegt, leitet einmal die vollständige Trennung der Verbündeten eiy, ein in allen Feldzügen der Kriegsgeschichte sehr wesentliches Moment, und vermehrt zudem die Verwirrung im Nachschubgebiet der im schwersten Kampf stehenden französischen Armeen. Auch der Flüchtlingsstrom der nach Westen und Süden flutenden Evakuierten belastet die französischen Etappenstraßen, die zudem durch die ständigen Bombenangriffe deutscher Kampfgeschwader empfindlich gestört werden. Weygands Wort von der „letzten Viertelstunde", als zündende Anfeuerung zu äußerstem Einsatz gedacht, scheint einen andern Sinn bekommen zu sollen. Die Flucht der Regierung Rey- naud aus der Haupfttadt nach Tours, einer schönen 0ftfüffe tarn es zu heftigen Hachtgefech- t e n zwischen unseren Schnellbooten und britischen Zerstörern. Unsere Boote kehrten vollzählig zurück. Oie Narvikkämpfer. Deutsche Soldatenehre unter schwersten Kampfbedingungen hochgehalten. Oslo, 11. Juni. (DNB.) Der Oberbefehlshaber der deutschen Truppen in Norwegen, General von Falkenhorst, erließ folgenden Tagesbefehl an bie deutschen Soldaten der Kampfgruppe Nwrvik: „Am 9. April seid Ihr auf Befehl des Führers in Norwegen gelandet und habt von diesem Tage ab mit beispielloser Zähigkeit unter großen Entbehrungen und trotz aller Wetterun- bilden diesen Raum gegen alle Angrifte eines vielfach überlegenen Gegners verteidigt und gehalten. Mit Stolz unb Bewunderung haben Wehrmacht und Heimat Euer tapferes Ausharren verfolgt, hat die ganze Welt Anteil genommen an Eurer beispiellosen Standhaftigkeit und Eurem heldenhaften Ausharren. Zwei harte Monate lang habt Ihr pflichtgetreu unter härtesten Anstrengungen und Mühen im winterlichen Norden deutsche Sol- datenehre unter schwer st en Kampfbedingungen hochgehalten und Proben höchsten stolzen Soldatentums abgelegt. Was Ihr geleistet, erduldet und gelitten habt, wird ewig in der Geschichte der deutschen Wehrmacht fortleben und unvergessen bleiben. Wir gedenken in dieser Stunde mit Ehrfurcht und tiefer Dankbarkeit der Kameraden, die ihre Treue zu Führer und General der Artillerie Haase hat mit seinem £orps am 15. Mai in kühnem Vorstoß die ständigen französischen Befestigungen bei Mouzon und bei N6ziöre-Charleoille durchbrochen, durch seine - Maßnahmen den Uebergang über die Maas erzwungen und den W/g in der entscheidenden Rich- Ung geöffnet. Er hat dadurch zum Gelingen der Kesamtoperattonen maßgeblich beigetragen. Für die erfolgreiche Durchführung des Durchbruchs war fern jerfönlidjer Einsatz entscheidend. — Oberstleutnant 3 e b e r, Kommandeur eines Infanterie-Regi- nents, hat am 10. Mai mit seinem Regiment in sfoüanb die starke Peel-Stellung durchbrochen und i^durch der Dort eingesetzten Fallschirmdivision den Vormarsch in die Tiefe ermöglicht. Die tatlräftme Durchführung dieser Aufgabe war entscheidend jur Le rechtzeitige Herstellung der Verbindung mit den Mich von Rotterdam operierenden Luftlandetrup- ssn. Am 17. Mai fiel Oberstleutnant Weber die Auf- iahe zu, mit seinem Regiment vor Einbruch der Dunkelheit in die Befestigungslinie von Antwerpen enzudringen. Auch diese Aufgabe löste Oberstleut- innt Weber erfolgreich. — Feldwebel Hoffmann «'zwang durch rücksichtslosen persönlichen Einsatz len Uebergang über die Maas, indem er im femd- lchen MG.- und Artilleriefeuer an der Spitze seines yUges selbst übersetzte und durch sein Beispiel seine Pioniere mit sich riß. Seiner geschickten Führung mb seiner Tatkraft ist es zu danken, daß em ftar« fr s Fort der Befestigungslinie von Maubeuge in kirzer Zeit mit geringen Verlusten genommen roer- len konnte. Ungeachtet des feindlichen Abwehrfeuers furzte er mit seinem Zuge an die osttvärtigen Kup- ssln unb an den Eingang des Forts und fetzte fo v irkungsvoll Sprengmunition ein, baß ber Gegner Ich nach kurzem Widerstand ergab. liert. Ihr seid Sieger geblieben und habt Euch unvergänglichen Lorbeer erworben. Ich danke Euch aus vollstem Herzen für Eure Leistungen, die übermenschlich waren und von jedem' das Letzte verlangten. Ich bin stolz auf Euch und mit mir die gesamte Wehrmacht in Norwegen. Ich beglückwünsche Euch zu dem herrlichen Sieg, Reich mit dem Leben besiegelt haben. I den Ihr errungen habt und spreche Euch allen Soldaten! Der Gegner hat den Irieg auf« meine Anerkennung zu dem gewaltigen Erfolg straft tM,-, A-s T> .** r.l--" iSFr.l^ legeQ ÜbrJE> Vom historischen Balkon des Palazzo Venezia verkündete der Duce am Montagabend unter Begeisterung des ganzen italienischen Volkes, daß den Botschaftern Englands unb Frankreichs die Kriegserklärungen übergeben worden waren. — Unsere aus Rom telegraphisch übermittelten Bilder zeigen rechts den Duce während feiner historischen Rede und links einen TeU ber ihm zujubelnden Menschenmenge. — (Scherl-Bilderdienst-M.) w; - b W DerFührer in der Gedächtnisstätte von Langemarck. pt nt weint Allgemeine Flucht aus Paris Tiefste Niedergeschlagenheit in der französischen preffe. sei aber stark behindert, da es auch den Rücken der Maginot-Linie decken müsse. Das „Journal de GenSve" schreibt: „Der fast übermenschlichen Aufgabe, die Weygand gestellt ist, gesellt sich»nun noch eine andere zu: die Front im S ü d ost en und die Verteidigung der französischen Gebiete in Afrika. Das Mächtegleichgewicht, das schon durch den schnellen deutschen Vormarsch nach Boulogne und Dünkirchen gestört war, ist jetzt durch die Zusammenarbeit Italiens mit dem Reich erschüttert." Ein Ilammenherd von Ronen bis Le Havre An der Seine brennt das Ufer. — Lustangriff auf einen Geleitzug. von einer Seine-Brücke zur anderen nicht sehen konnte. Aber auch die große Place de la Concorde war völlig Lurch blaugelbe Rauchwolken vernebelt. Mit aller Wahrscheinlichkeit sind auch große Industrieanlagen von Paris durch ein kräftiges deutsches Bombardement zerstört worden. Auf den Eisenbahnstationen herrscht ein völliges Durcheinander, da die Fahrpläne nicht mehr eingehalten werden können. Familien suchen ihre Angehörigen. Die Polizei ist machtlos, hier Ordnung zu schaffen. Immer neue Ströme von Flüchtlingen kommen auf den verschiedenen Bahnhöfen an. Es hat den Anschein, als ob sie viele Tage lang notdürftig in den Bahnhofswartehallen werden kampieren müssen, da die Zugoerbindungen nicht funktionieren und von den Behörden zur Evakuierung solcher Maßnahmen anscheinend keine Vorbereitungen getroffen worden sind. Der „Petit Parisi en" schreibt: „Der-Tagesbefehl des Generals Weygand an die Armeen, die sich in der schrecklichsten Schlacht befinden, die es je gegeben hat, läßt keinen Zweifel über den Ernst und die Schwere der Lage. Wird der Heroismus der französischen Soldaten, die Uebermenschliches leisten, dem Material der Deutschen standhalten und ihren Marsch brechen und aufhalten?" Im „Figaro" schreib Lucien Romier: „Morgen wird die Schlacht vom Meere bis an die schweizerische Grenze im Gange sein. Wenn eine solche Ausweitung der Schlacht auch unsere Armeen noch 'weiter belastet, so erhalten sie doch dadurch einen Teil ihrer Ak- tions, und Manövrierfreiheit zurück, die ihnen verloren zu gehen drohte." Der „Paris Soir" erklärt: „Der Tagesbefehl, den General Weygand soeben an die Truppen erlassen hat, stellt es klar: vom Meere bis Montmsdy ist die Schlacht in vollem Gange. Nur keinen lauten Optimismus!" Die Lage sei heute nicht mit dem kritischsten Augenblick des Weltkrieges vergleichbar, und zwar sowohl was die Raschheit der?, gegenwärtigen Operationen, als auch die riesigen Bestände betreffe. Man habe wirklich den Eindruck, daß die „letzte Viertel- stunde" geschlagen habe. Im „Motin" schreibt . tmtiir • h en Mm W Wei ch Wien alten Stadt, etwa 150 km südwestlich von Paris an der Loire, von der 1870 Gambetta nach der Schlacht bei Sedan den Krieg gegen die auf Paris rückenden deutschen Armeen weiterführte, sieht trotz dieser verpflichtenden Wahl des Zufluchtsorts keineswegs so aus, als ob in Herrn Reynaud den Franzosen ein neuer Volkstribun im Stil Gambettas entstehen würde. Italiens Kriegserklärung, lange erwartet und nun doch überraschend zu sehr unbequemer Stunde gekommen, hot die sonst aggressiven Pariser Plutokraten in tiefste Resignation gestürzt. Die französischen Armeen stehen allein auch dem neuen Gegner gegenüber, genau so wie sie an der neuen Front in Nordfrankreich nach der „ruhmreichen" Flucht von Dünkirchen von ihren britischen Verbündeten allein gelassen worden sind. Dabei ist den Franzosen, der Führung wie den Feldtruppen, durchaus bewußt, daß sie im EntscheidungskaMif um dos Schicksal Frankreichs stehen. So klammern sie sich mit erbitterter Zähigkeit an jeden Fußbreit französischen Bodens in Ausführung des Tages- befehls ihres Oberkommandierenden, der weiß, daß es um das Letzte geht. Der Glaube an das „Wunder", dessen belebende Kraft Herr Reynaud noch vor kurzem dem französischen Heer einfiltvieren wollte, zieht nicht mehr, obwohl die kämpfenden Armeen sich immer mehr dem Schauplatz der Marneschlacht vom September 1914 genähert haben. Aber die Schatten der Vergangenheit schrecken weder das deutsche Volk noch die deutsche Wehrmacht, die heute in ungebrochener Stärke dem Feinde gegenübertrat, der schon drei eigene Armeen auf Flanderns Schlachtfeld.eingebüßt hat, von dem englischen Verbündeten verlassen worden ist und zudem grade jetzt den Blick auf seine Alpengrenze richten muß in der begründeten Sorge, ov die hier bislang getroffenen Sicherungen nach dem Krieas- eintritt Italiens noch ausreichen werden. 1914 sah sich die deutsche Oberste Heeresleitung veranlaßt, während des Aufmarsches zur Marneschlacht zwei Armeekorps nach Ostpreußen zu dirigieren, während General Joffre Truppen von der Alpengrenze heranziehen konnte. Auf den grundlegenden Unterschied der Lage auf dem rechten deutschen Flügel zwischen damals und heute wiesen wir schon hin. Damals führte der deutsche Stoß, Paris rechts liegen lassend, in südöstlicher Richtung, heute geht er in Richtung auf die Seine-Mündung und unterbindet heute schon etwa 60 km nordwestlich und nordöstlich der Hauptstadt die Nachschubstraßen des linken französischen Flügels. Auf einer Befickti- aungsfahrt am westlichen Kriegsschauplatz weilte der Führer auch im Ehrenmal von Langemarck, das auf dem Schlachtfeld errichtet wor- den ist, auf dem im No- vember 1914 Tausende von deutschen Kriegsfrei, willigen mit dem Deutschlandlied auf den Lippen beim Sturm auf die britischen Stellungen den Heldentod fanden. Unser Bild hält den Augenblick fest, wo der Führer die Gedächtnisstätte betritt. (PK.-Gre^or-Atlantic- äußersten Verteidigung von Paris einzusetzen. Er rechne wahrscheinlich damit, im Süden Wider- Land l e i st e n zu können, mit welchen konkreten Ergebnisse, werde man in Kürze sehen. „Die Morgenröte neuen Ruhmes", schreibt „Popolo di Roma", „steigt über den schicksalhaften Hügeln Roms auf". Der Eintritt Italiens in den Krieg an der Seite Deutschlands vollziehe sich, während die weite, große Schlacht an der Westfront in ihr ent- cheidendes Stadium eingetreten sei. Das französi- che Heer sei bereits in vollem Rückzug auf die Hauptstadt des Landes. Seine Bewegungsfreiheit Genf, 12. Juni. (Europavreß.) Die französische Regierung ist aus Paris geflohen. Das Oberkom- mando des französischen Heeres selbst hatte verlangt, daß die Regierung die französische Hauptstadt verlasse. Die Ministerien werden sich — wie das schon bei den großen Nachrichtenagenturen der Fall gewesen ist — in Tours an der Loire niederlassen. Der allgemeine Eindruck dieser Maßnahmen ist schlecht. Die Flucht hat in Paris selbst eine unglaubliche Entwicklung zur Folge gehabt. Ein allgemeiner Auszug hat noch in der Nacht zum Dienstag eingesetzt. Auf den Bahnhöfen drängen sich die Familien mit ihren Habseligkeiten und den letzten noch nicht fortgebrachten Kindern. In einigen Stadtteilen von Paris scheint es, als ob die gesamte Einwohnerschaft am Umzuge beteiligt sei. Wie das Pariser „Journal" berichtet, hat Paris ein wirkliches Kriegsgesicht bekommen. Auch in der Bannmeile, vor allen Dingen auf den großen Ausfallstraßen, sind Barrikaden errichtet worden, ebenso an den Toren von Paris selbst. Durch Mobilgarde und Militär werden.die Ausfallstraßen überwacht. Verschiedentlich sind Blockhäuser mit Hilfe von Sandsäcken errichtet und Maschinengewehrnester eingerichtet worden. Auch die Dörfer, entlang den Ausfallstraßen von Paris, weisen Straßenbarrikaden auf. Posten mit aufgepflanztem Bajonett hal- ten die Fahrzeuge an und prüfen die Papiere der Fahrgäste. Auf vielen Straßen ist überhaupt jeder private Verkehr durch die Militärbehörden unterbunden worhen. Immerhin sieht man noch viele Kraftwagen, die Flüchtlinge aus der französischen Hauptstadt fortbringen. Private Telephongespräche aus der Provinz in die Hauptstadt und umgekehrt gibt es nicht mehr, ebenso wie die Verbindungen in das neutrale Ausland nur noch auf drahtlosem Wege herzustellen sind. Heber Pa^üs hängt seit den Morgenstunden eine riesige Ra u chw o lk e, die von einem heftiaen deutsche« Bombardement zwischen den französischen Stellungen und der französischen Hauptstadt her- rührt. Die Rauchentwicklung war so stark, daß man Londoner Schmutz. Don unserer berliner Schristleitung. Mit Sturmesflügeln ist am 10. Juni, einen Monat nach Beginn der deutschen Offensive im Westen, die Weltgeschichte vorgeschritten. Die Flucht aus Narvik, der Rückzug Weygands und die völlige Hilflosigkeit der Briten waren schon Hiobsposten genug für die Gegner, die gemeint hatten, es sei leicht, uns den Krieg zu erklären und ihn mit den lerfiden Mitteln der Hungerblockade zu gewinnen. Vährend die Spitzen der deutschen Sturmflut sich Paris näherten und die französische Regierung aus . ihrer Hauptstadt floh, trat Italien in den Krieg ein, und diese Nachricht vollendete das Gefühl der plutokratischen Götzendämmerung, das selbst in den ranzösischen Massen einen Eindruck der Unter« jangsstimmung, der Furcht und der wirren Angst beroorgerufen hat. Frankreich lebt „in der letzten Viertelstunde". Es ist wie gelähmt. Reynaud hatte in einer kläglichen Rundfunkrede auf Mussolinis Kriegserklärung nur die Antwort: „Wie soll man das beurteilen? Frankreich hat nichts dazu zu sagen!" Natürlich sagte Reynaud dann doch etwas, es habe zwischen Italien und ^Frankreich kein Problem gegeben, das sich nicht in Verhandlungen hätte lösen I affen — ein Schwindel, der schon durch das „Niemals! Niemals!" Daladiers in Korsika erledigt wird. „Phrasen, Versprechen, Drohungen, Erpressungen und schließlich die vom Völkerbund angeordnete Belagerung durch 52 Staaten." So nannte Mussolini die „Verhandlungsbereitschaft" der Plutokraten in Paris und London. ' Churchill schwang sich zu der widerwilligen Anerkennung auf, Deutschland führe diesen Krieg „in einer völlig unerwarteten Weise" durch. Aber Dust Cooper, den Churchill zum Lügenminister gemacht hat, hatte die Unverschämtheit zu sagen, der Schlag sei von Mussolini „mit charakteristischer Feigheit und Derräterei" geführt worden, er sei „einer der ge. meinsten Akte" gegen Italiens — man höre und staune — Erbfreunde! Mussolini und mit ihm Italien habe so gehandelt, weil Frankreich und England reichere Nationen als die italienische seien. „Es ist dies", sagte Duff Cooper, „bie verbrecherische Handlungsweise eines gemeinen Mörders, eines Mannes, der, obwohl er über ein christliches Volt herrscht, nicht einmal einen Vorwand bafür vor- weist, daß er die Grundgesetze alles zivilisierten Lebens mißachtet". Wenn die Engländer die halbe Wett zusammen- stahlen, in der gemeinsten Weise ganze Nationen vergewaltigten und der Freiheit der Meere und des Handels ebenso ein Ende bereiteten wie sie die Frei- heit großer Völker unter Verschluß hielten, dann ist das natürlich ein Ausfluß des englischen Christentums und seiner erhabenen Auffassung von der Macht moralischer und freiheitlicher Ideen. ,Lieser gigantische Kampf", sagte der Duce am Montag vom Palazzo Venezia aus, „ist nur eine Phase, und die logische Entwicklung unserer Revolution ist der Kampf der armen, aber an Arbeitskräften überreichen Volker gegen die Aushunaerer, die alle Reichtümer und alles Gold dieser Welt monopolisieren und direkt in ihren Krallen halten." Dos find England und Frankreich, die Raben unter den Nationen. Man versteht den Schmerz dieses Types der Plutokraten, der darüber die Contenance verliert und nun schimpft wie ein Gassenjunge. Aber das Weltgericht ist über die Plutokraten hereingebrochen. Sie stehen allein, sie können feine Söldner mehr finden, die jungen Völker haben Gegenwart und Zukunft für sich. E. S. Die deutsche Mitte hatte seit unserer letzten Be. trachtung die Aisne beiöerjeits Soissons überschritten und befindet sich jetzt in heftigen Verfolgung^ kämpfen im fruchtbaren Soissonais, einer der von der Natur so begünstigten Landschaften der Jsle de France zwischen Aisne, Oise, Marne und Seine. An Soissons knüpfen sich Erinnerungen an verschiedene Phasen des Weltkrieges. Die stark be* festigten Höhen nördlich der Stadt wurden, im Januar 1915 in harten Kämpfen von deutschen Truppen genommen und im Frühsommer 1918 stießen die deutsche 7. und 1. Armee zwischen Soissons und Reims von der Aisne an die Marne vor. Am 30. Mai erscheinen die Deutschen vollkommen überraschend zwischen Chateau-Thierry und Dor- mans am Ufer der Marne. Die französische Front ist zersprengt, Paris wird von Panik erfaßt. Aber der strategische Erfolg bließ der deutschen Führung j versagt, der Gegner behauptete sich an der Marne : und bedrängte die Flanken der deutschen Einbuchtung empfindlich. Heute spüren die deutschen Trup- ' pen auch hier das Schwinden der feindlichen Widerstandskraft, der nach den großen Verlusten an Men- , scheu und Material anscheinend keine hinreichenden Reserven mehr zugeführt werden können. Die be- ; weglichen Klagen der französischen Heeresleitung , angesichts des Pariser Desasters und der damit zu- sammenhängenden Unterbindung des Nachschubs für die in erbittertem Kampf ihr Letztes hingeben- den Truppen finden fo ihre Erklärung. Mit Reims, der ehrwürdigen Krönungsstadt der französischen Könige, heute mit 112 000 Einwohnern eine rege Industriestadt und wichtiger Bahnknotenpunkt an Vesle und Aisne-Marne-Kanal, kommen wir in die Champagne, die für immer verbunden bleibt mit dem berühmten französischen Wein, die aber nicht in allen ihren Teilen hält, was ihr Name verspricht, denn der westliche Teil, die Lause- Champagne, ist ein trockenes, steppenhaftes, dünnbesiedeltes Weideland, dessen Schafe den Rohstoff für eine rege Textilindustrie liefern. Die östliche Champagne, die „feuchte", ist freilich ein. wasserreiches Viehzuchtgebiet. Im Weltkrieg ist die Champagne Schauplatz blutigster Kämpfe gewesen. In der berühmten Winterschlacht (21. Februar bis 20. März 1915) fonrtten die angreifenden Franzosen nur geringen Geländegewinn davontragen, dagegen brachen sie im Spätherbst des gleichen Jahres bei Tahure mehrere Kilometer tief in die deutschen Linien ein und konnten in der großen Doppelschlacht Aisne—Champagne im Frühjahr 1917 die Höhen südlich von Moronvillers besetzen. Noch einmal tobten hier erbitterte Kämpfe zur Sicherung des Rückzuges der deutschen Truppen im Herbst 1918. Nun ist die Champagne zwischen Reims und den Argonnen, einem ebenfalls aus dem Weltkrieg bekannten, zwischen Aisne und Maas in nord-südlicher Richtung sich erstreckenden bewaldeten Hochland mit Höhen bis zu 300 Metern, der Schauvlatz erbitterten, aber für die deutschen Waffen erfolgreichen Ringens, in dessen Verlauf sich bereits an mehreren Stellen starke feindliche Kräfte abgesprengt und umschlossen sehen, ihrer Vernichtung entgegengehend. Wir kennen diese Formulierungen unserer Wehrmachtsberichte aus Polen und Flandern und wissen, was sie bedeuten. Tiefe Keile werden in die feindlichen Armeeverbände vorgetrieben, diese auseinandergerissen und einzeln eingekessell, wobei Panzerwaffe und Sturzkampsbomber zur Demoralisierung und schließlichen Vernichtung des Gegners entscheidend beitragen. Also auch der rechte Flügel Weygands befindet sich gleich seinem linken an der Küste in höchster Bedrängnis, womit auch im Hinblick auf eine Bedrohung der im Rücken offenen Maginotlinie vom Oberrhein bis hinauf nach Moni- medy sich eine neue Perspektive ergibt. .In der goßen Schlacht in Frankreich reift ein neuer großer ieq deutscher Waffen heran. Dr. Fr. W. Lange. Weygand vor neuen Ausgaben. Rom, 12. Juni. (Europäpreß.) In einer Betrachtung der Lage an der Front in Nordfrcmkreich schreibt „Tribuna", das Schicksal von Paris sei bereits besiegelt. Die Flucht der Regierung aus Paris und das Ersuchen des Stadtrates, die Stadt nicht als Widerstandsnest auszubauen, beweise, daß niemand mehr an die Möglichkeit und Zweckmäßigkeit einer Verteidigung glaube. Ange- sicht des Eintritts Italiens in den Krieg fei überdies anzunehmen, daß General Weygand nicht die Absicht habe, seine letzten Reserven zur (PK.) .... 11.Juni. „Bombenangriff auf Schiffe an der Seine-Mündung", fo lautet der Einsatzbefehl für eine Do 17-Kampfgruppe. Die Maschinen starten. Borne am Horizont erscheint plötzlich eine lange schwere Wolkenwand. Jeder Mann der Besatzungen steht unter dem Eindruck, in die Nähe eines großen Gewitters zu kommen. Näher und näher kommt die schwarze Wolkenschicht, wird immer dicker. In den düsteren Farben treten plötzlich rote Feuerscheine auf. Oeltanks stehen in Flammen. Ein Flammenherd von Rouen bis, Le Havre. Der Eindruck ist gewaltig. Die Maschinen müssen nach unten stoßen, unter der Wolkenvecke in geringer Höhe kann endlich die Richtung ausgemacht werden. Es wird schwarz um uns. Die Instrumente an Bord der Maschinen müssen wie bei Nach^abgelesen werden. Die befohlenen Ziele werden ausgemacht. Es scheint ein größerer Geleitzug unterwegs zu sein. Schon setzen die Maschinen zum ersten Angriff an. Die Bomben fallen. Ein größerer Transporter wird getroffen. Sinkt sofort. Der zweite Anflug. Wieder jagen die Bomben nach unten. Eins — zwei — drei — vier Schiffe gehen der Vernichtung entgegen. Legen sich zur Seite — brennen — fahren auf Sandbänke. Porne steht noch ein Schiff. Heran. Es ist im Qualm kaum auszumachen. Der beizende Rauch der Brände steigt in die Maschine hinein. Da setzt von diesem Schiff ein Abwehrfeuer wie ein Feuerwerk ein. Ein Kriegsschiff wehrt sich aus allen Rohren. Im dunklen Rauch jagen die glühenden Geschosse nach oben, krepieren im hellen Licht. Flakgeschosse ziehen in roten, gelben, grünen Perlenketten hinauf zu den deutschen Maschinen. Sie treffen nicht. Die Höhe wird durch den Qualm nicht richtig eingeschätzt. Nach unten gehen die weißen Fäden der Leuchtspurgeschosse. Hier muß die Hölle los sein. Hier ist Frankreich wieder bis ins Mark getroffen. Das Kriegsschiff wird trotz dieser wahnsinnigen Abwehr angegriffen. D i e Bomben fallen. Zu gleicher Zeit kämpfen unsere Zerstörer mit sranzösrschen Jagdmaschinen, um den Angriff auf die Bomber abzuschlagen. Der Auftrag ist erfüllt. Ohne Verluste kehren die Maschinen zurück. In der Erinnerung immer das unheimliche ^Bild dieser Brände, die es nicht möglich machten, das Südufer der Seine zu sehen. Hinten liegt jetzt die schwere, schwarze Wand, und die Sonne versucht, sich durchzusetzen. Ab und zu bringt ein Streifen der Helle hinein in das Dunkel dieser Vernichtung. Graugrün schillert es herüber, unterbrochen durch die auflodernden roten Explosionsflammen der immer neuen Brände: An der Seine brennt das Ufer. Raimund Schulz. Jean Fabry u. a.: „Jetzt hat die Prüfung und die Besprechung der strategischen Linien und der feindlichen Offensive sowie der Taktik unserer eigenen Verteidigung kein Interesse mehr, denn vom Kanal bis zu den Argonnen bewegen sich die deutschen Armeen mit einer wilden Entschlossenheit vorwärts. Das Mißverhältnis zwischen unseren Mitteln und denen des Feindes an Tanks, schwerer Artillerie und eingesetzten Truppen ist groß. Wir müssen alle unser Vertrauen in den Mui der französischen Armee setzen." Zu den deutschen Vorstößen vom Sonntag und Montag schreibt General Duval im „Journal": „Wenn wir nicht genügend darauf achten, vom Feinde nicht umfaßt zu werden, werden mir bald endgültig vernichtet sein." Ein Teil der französischen Ministerien nach Poitiers geflüchtet. Madrid, 12. 3uni. (DJIB. Junkspruch.) Mm Dienstag gelangten erstmalig keine französische« Zeitungen nach Spanien. Aus Frankreich wird berichtet, daß sich ein Teil der Ministerien in Poitiers niederlieh, nicht alle in Tours, wie ursprünglich angenommen wurde. Seit Tagen trafen in Poitiers Aktentransporte aus den Ministerien ein, die sämtliche öffentliche Gebäude, zahlreiche Privatwohnungen und Tanzsäle beseht haben. 3n ganz Frankreich herrscht tiefste Niedergeschlagenheil infolge der Nachricht von Italiens Eintritt in den Krieg. Trotz der Propaganda des Rundfunks ist sich die Bevölkerung über die Bedeutung der Verschärfung der Kriegslage im klaren. Die ausgestorbene Stadt. Washington, 12. Juni. (DNV. Funkspruch.)' Die amerikanische Rundfunkgesellschaft Columbia: Broadcasting übertrug am Montag von Schallplatten: einen von ihrem Pariser Sprecher aufgenommenen Bericht. Er schilderte die Verzweiflung; in der Pariser Bevölkerung, die Flucht aller Ministerien und die allgemeine hastige Flucht der Bevölkerung, die ihre Matratzen und das nötigste Gepäck auf Handkarren mitnehmen. „Paris", fo sagte der amerikanische Sprecher, „ist eine ausgestorbene Stadt. Ich gehe nach dem Süden und- werde dort versuchen, in einigen Tagen wieder meine- Rundfunkberichte aufzunehmen. Dies ist mein: letzter Bericht aus Paris. Wenn in den: nächsten Tagen jemand von Paris nach Amerika: sprechen sollte, so wird das nicht mehr unter der Kontrolle der französischen Regierung vor sich« gehen!" Pierre Cot ermordet? Madrid, 11. Juni. (DNB.) Wie in journalistischen Kreisen bekannt wird, soll der frühere französische Luftfahrtminister Pierre C o t von empörten französischen Fliegern in seiner Pariser Wohnung überfallen, verschleppt und außerhalb der Stadt erschossen worden sein. Damit hätte einen der übelsten Hetzer und Kriegsverbrecher Frankreichs ein verdientes Strafgericht ereilt. • ls 1 Der italienische Kronprinz an Mussolini. naarns Rom, 12, Juni. (DNB.) Zwischen dem »allem. Sie umgekehrte Front im Wirtschaftskrieg 'K Englands und Frankreichs Versorgungsausfälle durch Italiens Kriegseintritt. Schicksals. Das Echo in USA sehr chen und portugiesischen Gewässer in ie für USA.-Schiffe gesperrte Zone einbegriffen Derben sollen. Damit würde der letzte bisher noch . rerbliebene Schiffs- und Luftverkehr zwischen USA. begeisterte Kundgebungen vor der italienischen Votschast in Vertin famm» Mont und dl> ypes b;: nerliin über in lebrchL ter ick: )ort ri E.S. Unser Bild zeigt den Duce und den Marschall B a d o g l i o. — (Scherl-Bilderdienst-M.) !«n r>. ritfl j 'er fr stellt en von da . Itsa SDloni:: e 'M lution ii! ten üba. die aGt nonopof'« m* Du inter btt in den Krieg die Aufgaben der Westmächte erschwert." Jugoslawiens Neutralität. der ire inj he |ein 'cheritz ein« für cti, ‘.Olli Mij. °s|ii X Pb., S s N M ® Stk 1his y n lagen- lein 5i. 9( tthj ■flunjn iotbntn :e 3k Pllni- i und Ki der ftinb r eiaenfs m to tschenil.'' loflei* zwilchi' m 2M tippen ä W deutsch« geibt nicht umfaßt htet |«r. lifteriw rü» --K k nd).) ® anjösisch« i wild k in 5olj Das östliche Mittelmeer als strategischer Raum Von Or. Paul Rohrbach. Berlin, 11. Juni. (DNB.) Als großen und ellerdings einzigen Vorteil der Westmächte aus dem Eintritt Italiens in den Krieg verzeichnete das Londoner Jnformationsministerium die Schließung fner Lücke i n d e.r Bl o ck a d e Deutschlands. Lrotz der Ereignisse der letzten Monate ist es also offenbar den Strategen des jetzigen Wirtschafts, flieges noch nicht klar geworden, daß der bisherige verlauf des Krieges eindeutig die absolute ßlockadefestigkeit Deutschlands erwie- s-n hat. Im Gegensatz zu den Westmächten läuft Deutschlands Kriegswirtschaft reibungslos auf löchften Touren, und ihre Versorgung mit den Notwendigen Rohstoffen ist aus eigener Erzeugung inb soweit noch notwendig durch absolut unbehin« terte Zufuhren vollständig sichergestellt. Ein gleiches eilt auch für die Wirtschaftskraft Italiens, von dem die Westmächte wirklich nur mit größter Selbsttäuschung annehmen könnten, daß unvorbereitet in diesen Krieg eintrat. Es wäre den führenden Leuten des britischen slriegswirtschastsministeriums in London zu raten, penn sie einmal ihrem angeblichen Vorteil einer Schließung der italienischen Blockadelücke die ihnen ileichzeitig erwachsenden Nachteile gegenüber- ellen wurden. In der ganzen Welt bestehen heute rinerlei Zweifel mehr darüber, daß England und Frankreich durch den Eintritt Italiens in den Krieg rach den Märkten Nord- und Osteuropas, Belgiens »nd Hollands nunmehr auch die Märkte des kü dost raumes und des Nahen Ostens ,e r l o r e n haben. Nachdem die deutschen Erfolge England bereits len Verlust von 21,4 v. H. seines gesamten Außen- sandels und von 35,4 v. H. seines Außenhandels tut fremden Ländern, von 33 v. H. feiner Einfuhr |n Fleisch, Milch, Milcherzeugnissen und Eiern und schen Soldaten; denn es wisse, daß jeder Erfoll liens auch Ungarns Erfolg fei. Das ’ _ rungsblatt „Függetlenseg" betont, auch Ungarns Schicksal werde im Westen entschieden und Ungarns Herz poche für die marschierenden deutschen und italienischen Soldaten; denn vom Siege ihrer Waffen erwarte Ungarn eine gerechte Regelung seines schen Kronprinzen und dem Duce hat ein Telegrammwechsel stattgefunden. Der Kronprinz telegraphierte: „Mit dem Willen zmn unfehlbaren Sieg erneuern die Truppen der italienifchen Westarmeen dem unermüdlichen Schöpfer der Schicksale des Vaterlandes das Versprechen, alles zu wagen, um Washington, 12. Juni. (DNB. Funkspruch.) Sn einem mit 67 gegen 18 Stimmen angenommenen Eusatzantrag zu einer schwebenden Wehrvorlage gib der Senat am Dienstag dem Ersuchen Roosevelts statt, das Kriegsministerrum zu er- "'nächtigen, bei den Fabrikanten sogenannte „verniete Geschütze" gegen neue einzutauschen. I Die Associated Preß bemerkt, handelt es sich um ene Transaktion, durch die diese „veralteten Ge- stütze" von den Fabrikanten sofort an die Le st möchte verkauft werden können. Der l!SA.-Armee werden die zurückgegebenen überalterte Geschütze für den Ankauf neuer Geschütze gut- grschrieben. rlinfH fit der x 01°- 'ieder< ist r ti 0 öor -nlanger Beifall, so daß die Ordnung nur mit stütze wiederhergestellt werden konnte. Weiter behauptete Lee, daß, falls Deutschland siege, der Krieg euch Amerika erfassen werde. Dor Vertretern der fresse sagte der Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses, Pittman, eine Beschleunigung der Bemühungen zur Erschließung der materiellen Hilfsquellen Amerikas zu Gunsten der Westmächte vor- ous. Infolge der Aufputschungen durch gewisse Elenente wie den jüdischen Bürgermeister von Neuyork, La Guardia, der im Rundfunk am Montag- oaenb eine Brandrede gegen Italien hielt, kam es ,iit einigen amerikanischen Städten zu Italien- e n Kundgebungen, bei denen u. a. die italienischen Konsulate im Mittelpunkt fanden. In Neuyork mußten Sonderkommandos ten Lage gezogen und seine Mittelmeerflotte von ihrer bisherigen Hauptstation Malta fortgenommen. Zur Deckung des Suezkanals haben die Engländer während der letzten vier Jahre das „strategische Dreieck" Z y p e r n—H a i f a—K analmünb ung ausgebaut. Zypern wurde nach dem russisch-türkischen Kriege von 1877/78 von der Türkei an England abgetreten, als Preis für das englische 23er- svrechen, fortan die Integrität der Türkei, namentlich gegen Rußland, zu schützen. Die Insel hat eine rein griechische Bevölkerung, die wiederholt, aber erfolglos, auf Grund ihres Selbstbestimmungsrechts gegen die englische Besetzung protestiert hat. Die Antwort war nur verschärfte Unterdrückung! Befestigte Hafenanlagen und Flugplätze sind an verschiedenen Stellen der Südküste entstanden. Haita, am Fuß des Vorgebirges Karmel an der palästinensischen Küste, war ursprünglich nur als Petro le umyafen für die Mündung der 800 Kilometer langen, aus dem Mosfulgebiet kommenden Oe l leit ung gedacht. Schon während des abessinischen Konfliktes wurde mit Befestigungsarbeiten begonnen. Die neuen Hafenmolen schließen ein sehr geräumiges Becken ein, das durch Geschützstellungen auf dem Karmel gedeckt wird. Ein großer Flugplatz ist selbstverständlich. In Aegypten hat England sich das vertragliche Recht vorbehalten, bis auf weiteres den Hafen von Aelandrien als Flottenstützpunkt zu benutzen. Von Alexandrien aus führt nach Wetten eine Eisenbahn nach dem kleinen Hafen Mersa- Matruh, und von dort eine Autostraße an die italienische Grenze, die beiderseitig durch Drahtverhaue gesperrt ist. Die Hauptbefestigungen und die größten Fluganlagen befinden sich unmittelbar in der Kanalzone, in der England sich von Aegypten alle militärischen Rechte hat einräumen lassen. Auch auf die griechischen Häfen hat England „für den Bedarfsfall" fein Auge geworfen. Schon im Weltkriege wurde Griechenland durch den Einmarsch französischer Truppen in Thessalien rücksichtslos ver« /Oie Herzen intondon sind sehr schwer Genf, 11. Juni. (Europapreh.) Die ersten aus London eintreffenden Berichte neutraler Beobach- hr zeigen, daß in London die Nachricht von dem Sriegseintritt Italiens w i e eine Bombe ein- g«eschlagen hat. In Whitehall jagt eine Kon- sirenz die andere. Die Sitzungen des Parlaments fhb verschoben worden. Wie der Londoner Storr e- fl ondent des „Journal de Geneve" feinem Blatt tlegraphiert, sind die Herzen in London seyr ! schwer. Neben der italienischen Kriegserklärung be- ' ^ruhige vor allem der deutsche B o r st o tz 9«e g e n d i e untere Seine die militärischen toeife in London sehr. Der neutrale Beobachter färeibt noch wörtlich, „daß der Eintritt Italien- Crbnung wiederherzustellen. Amerikanische Zeitun- g?n nehmen am Dienstag eine Rede Roosevelts zum Lnlaß, verstärkte Waffen- und Munitionslieferungen in den Spuren der Legionen Roms zu marschieren/" — Auf dieses Telegramm erwiderte Mussolini: „Ich danke Ihnen für Ihren Gruß, den ich Ihnen und den von Ihnen befehligten Truppen auf das herzlichste erwidere. Ich bin gewiß, daß Ihr Versprechen seine Erfüllung finden wird." Die militärischen Kommandostellen haben Rom verlassen. Rom, 12.Juni. (DNB.) Die militärischen Korn- mandostellen und die Offiziere des Generalstabes und der Wehrmachtsministerien haben die italienische Hauptstadt verlassen und haben sich an andere Stellen begeben. Außenminister Gras Cianv hat sich als Major der italienischen Luftwaffe am Dienstagmittag nach der Sitzung des italienischen Ministerrats im Flugzeug zu seiner Staffel an die Front begeben. Oer Schweizer Bundesrat bespricht die neue Lage. Bern, 12. Juni. (Europapreh.) Der schweizerische Bundesrat hat die durch den Kriegseintritt Italiens entstandene Lage besprochen. Die italienische Kriegserklärung hat in den maßgebenden Kreisen keine Ueberraschung ausgelöst. Der Bundesrat hatte sich deshalb auch nicht veranlaßt gesehen, irgendwelche Beschlüsse zu fassen, die mit den erwähnten Ereignissen in Zusammenhang stehen. Es sind auch keine besonderen militärischen Maßnah. men getroffen worden. Oer Suez-Kanal gesperrt. Nach in Rhodos eingetroffenen Meldungen ist der gesamte Schiffsverkehr auf dem Suez-Kanal zum Stillstand gekommen. Nur noch brittsche Kriegsschiffe dürfen ihn passieren. von 18 v. H. seiner Einfuhr anderer Lebensmitteln, sowie von 22,1 v. H. seiner gesamten Rohstoffeinfuhr und 33,8 v. H. feiner Einfuhr an Halb- und Fertigwaren brachten, wird die nunmehrige völlige A b s chn ü r u n ad e s englischen Handels vom gesamten Mittelmeer- und Südostraum eine weitere bedeutende Steigerung dieser Ziffern unabwendbar zur Folge haben. England wird künftig ebensowenig wie Frankreich im bisherigen Umfange feine Bezüge an Erzen aus Jugoslawien, Erdöl und Getreide aus Rumänien, Tabak und Lebensmitteln aus Bulgarien, Erzen, Tabak und Früchten aus Griechenland, Erzen, Tabak und Lebensrnittel aus der Türkei, sowie Zwiebeln und Baumwolle aus Aegypten erlangen können. Für Frankreich werden die Zufuhren aus Nordafrika abgeschnitten, und selbst die Oellieferungen aus dem Nahen Osten sind für beide Länder in höchstem Maße gefährdet, wenn es auch gelingen sollte, sie auf dem Seeweg um das Kap der Guten Hoffnung zu befördern. Mit dem Ausfall des Mittelmeeres als S) an- dels - und Schiffahrtsweg ist für England nach zahlreichen eigenen Urteilen unzweifelhaft eine Lebensader angeschnitten. Hinzu kommt, daß sich selbst die britischen Bezüge aus Indien und Australien infolge des bedeutend vergrößerten Transportweges gewaltig verteuern und in Verbindung mit dem vorhandenen Tonnagemangel überdies zwangsläufig vermindern müssen. Noch mehr als bisher werden daher die Westmachte in Kürze erkennen müssen, daß sich die Fronten im Wirtschaftskrieg gründlich verschoben haben und daß es sich heute weniger um eine Blockade Deutschlands, als um eine Abschneidung der Westmächte von wichttgsten Liefergebieten handelt. Belgrad, 11. Juni. (Europapreh.) In gut unterrichteten Kreisen wird erklärt, Jugoslawien werde nach der italienischen Kriegserklärung auch dann an seinerNeutralitätspolitik f e ft® halten, wenn die Türkei sich auf irgendeine Weise in den Konflikt einmischen sollte. Im übrigen wird mit Befriedigung festgestellt, daß der Duce Jugoslawien gegenüber nicht nur die bereits früher erteilte Zusage der Achtung feiner neutralen Rechte in der mit größtem Interesse aufgenommenen Rede wiederholte, sondern daß er auch ähnlich gegenüber Griechenland und der Türkei sprach. Auf Grund dieser Erklärungen nimmt man an, daß sowohl Griechenland als auch die Türkei eine ähnliche Haltung wie Jugoslawien einnehmsn werden. Ungarns Sympathie. Budapest, 12. Juni. (Europapreß.) In der Sitzung des ungarischen Abgeordnetenhauses kam es zu stürmischen Kundgebungen für die Achsenmächte. Der Hauptredner der Regierungspartei, Abgeordneter Ladislaus von Magashazy, begann mit den Worten: „Meine Gedanken weilen jetzt beiden deutschen Helden, die ini Westen in der größten Schlacht der WeltMschichte von Siea zu Sieg schreiten." Bei diesen Worten erhob sich das ganze Haus von den Sitzen und brach in stürmische Hochrufe auf den Führer aus. Der Redner fuhr dann fort: „Meine Gedanken gehen nach Italien, wo die Nachfolger der alten Römer auf den Befehl des Duce marschbereit dastehen, um die größte Idee dieses Zeitalters zum Sieae zu führen." Wiederum ertönten Hochrufe. Der Abgeordnete gedachte dann des verstorbenen ungarischen Ministerpräsidenten G ö m b ö s und seines Eintretens für die Achse und schloß diesen Teil seiner Rede mit den Worten: „Wir werden, wenn es nötig ist, in Ehren neben der Achse bestehen." Es zeigt sich, daß im ganzen ungarischen Volk der Kriegseintritt Italiens an der Seite Deutschlands eine im höchsten Grade empfängliche und verständnisvolle Aufnahme findet. „Uj Magyarfag" schreibt, Ungarn wisse, was seine Pflicht in Südosteuropa fei und begrüße begeistert den in feiner Kriegserklärung die Gerechtigkeit der Völker verkündenden Duce. Es begrüße begeistert und mit brüderlicher Sympathie die in den Krieg marschierenden italieni- Am Tage des (Eintritts Italiens in den Krieg fanden vor der italienischen Botschaft in Berlin begeisterte Kundgebungen statt. — Unsere Bllder zeigen rechts die begeisterte Menge vor dem Botschaftsgebäude, links Reichsaußenminister von Ribbentrop und Botschafter Alfteri auf dem Balkon der Botschaft. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Vergleicht man die jetzige Lage im östlichen Mittelmeergebiet mit der während des Weltkrieges, so zeigen sich bedeutsame Veränderungen. Diese beziehen sich hauptsächlich auf drei Mächte: Italien, England und die Türkei. Italien ist durch die Befestigung der Insel Pantelleria mitten in der verhältnismäßig schmalen Passage zwischen dem ftanzösischen Tunesien und Sizilien'in den Besitz einer wichtigen Sperrstellung gelangt. Eine zweite starke italienische Basis ist die zum sogenannten Dodekanes gehörige Insel Seros, nordwestlich von Rhodos. Seros ist Kriegshafen und Flugzeugftützpunkt und gleich wichtig gegenüber den Dardanellen im Norden und dem Suezkanal im Südosten. Drittens bedeutet der italienische Besitz von Libyen jetzt etwas anderes als in früheren Jahren. Tripolis und Ben- g h a f i, namentlich das erstere, besitzen große moderne Hafenanlagen, außerdem hat Mussolini vor einigen Jahren die ßitoranea bauen lassen, eine allen Anforderungen genügende, breite Autostraße, die von der tunesischen bis zur ägyptischen Grenze der Küste parallel läuft und in ihrem östlichen Teil, in der an Aegypten grenzenden Kyre- naika, sogar doppelt geführt ist. Ein weiterer Vorteil für Italien ist, daß es durch die Personalunion mit Albanien in den Besitz einer festen Verschlußstellung an der Straße von Otranto gelangt ist, die aus dem Adriatischen Meer ins offene Mittelmeer hinausführt. England besitzt schon seit den Napoleonischen Kriegen die M a l t a - G r u p p e. Der Hafen von La Valetta auf der Hauptinsel Malta ist stark befestigt und war in früheren Zeiten so gut wie unangreifbar. Für den modernen Luftkrieg ist das nicht mehr der Fall; das Hafenbecken mit feiner engen Einfahrt könnte sich im Gegenteil bei schweren Luftangriffen als die gefährlichste Mausefalle für dort liegende Seestreitkräfte erweisen. England denkt natürlich nicht daran, Malta aufzugeben, hat aber schon während der Spannung im italienisch-abessinischen Kriege die Konsequenz aus der veränder- i tnb Europa entfallen. Der Militärausschuß des Repräsentantenhauses hat Präsident Roosevelt mit i jjfortiger Wirkung die Befugnis erteilt, im Faste (iner plötzlich auftretenden' Notwendigkeit die Nation algarde zu mobilisieren. Der Präsident kann von dieser Vollmacht Gebrauch machen bis zum Wiederzusammentritt des Kon- frefjes. Nach der Verfassung hat Roosevelt jedoch lediglich das Recht, die Nationalgarde in einem Kotfalle in Amerika einzusetzen. Im Bundessenat löste die Nachricht vom I Uriegseintritt Italiens starke Erregung und fiilweise scharfe Ausfälle aus. Der demokratische Senator Lee schrie mit heiserer Stimme: „Das ttedigt Frankreich, denn wie lange kann Frankreich icht noch aushalten?" Als Lee forderte, daß die bereinigten Staaten jetzt alles, ausgenommen Nenschenmaterial, zur Verteidigung gegen einen emeinfamen Feind an die Westmächte senden sollen, ertönte von den dichtgefüllten Galerien minu- „Veraltete Geschütze" als „Kriegsmaterial" für die Westmächte. Washington, 11. Juni. (Europapreß.) Nach lern Eintritt Italiens in den Krieg, unterzeichnete Präsident Roosevelt eine Reihe von Prokla- ictionen, durch die Italien zur „kriegführenden liacht" im Sinne des U8A.-Neutralitätsgefetzes er- art wird und die cash and carry-93eftimmun- en des Neutralitätsgesetzes hinsichtlich Italiens in rast gesetzt werden. Eine weitere Proklamation ierrt die U8A.-Gewässer den italienischen Unter- :ebooten. Eine Erweiterung der für die USA.- Schiffe gesperrten „Kriegszone" auf die ita» enischen Häfen ist bagegen bisher nicht er- j(gt. Man erblickt darin ein Anzeichen dafür, daß ie U8A.°Regierung noch unschlüssig ist, ob sie die Kriegszone" auf das gesamte Mittelmeergebiet usdehnen oder auf die der italienischen Hoheit un- ^stehenden Küsten beschränken will. Insbesondere heint es noch nicht festzuftehen, ob die f p a n i • wie ff in einigen aenttßf« fsindli ch WisW I " " Ifonöen. In Neuyork mutzten Sonoerrommanoos kr Polizei aufgeboten werden, um die Ruhe und ige^ Innung wiederherzustellen. Amerikanische Zeitun- dtf Lh„D, vapuvup ««„»..■------ Mob cn die Westmächte zu fordern, gto”' ■ ■ i" "y 'M - W deutschen Ar- stärksten der an einem Haar. Die von a r a, Musik aus hofier Zeil Programme asoiD im blühenden Alter von 24 Jahren. Z.LvWlMllllW Verschiedenes Amerika 2796 D 8.GMMüesMe»WMs zu verkaufen. Ludwigstr. 22 I.1 OteDÖÄtt fl.WerntofiluDOe Mittwoch kaufen Sie bei (ca. 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Auskunft über Dauer und Ge- bübr auf der Dienststelle. Die DurchfÜbrungS' abende werden mit den Teilnehmern zusam men festgelegt. Bumeldeschlutz 11)40. Der erfolgreiche Besuch von Lelirgemein- schäften wird im Arbeitsbuch vom ArbeitS- amt unter Vorlage einer Bescheinigung der DAA eingetragen. Suche eine rechtüarm. Bandsäge u. Abrichte. Anaeb.u. 2797V an o. Gietz. Anz. Möhl.Zimmer mit 2 Betten u. Verpflegung in Stadtmitte von 2 Herren ab 15. Juni gesucht Angebote an Kartoffelkäfer- Abwebrdieust Sonnenstr. 8. Gebildet, junges Mädchen oder Krau zu 2 Kindern, oder puhhilfe gesucht. 280aD (Bfl.-Ph.-ffiaHfir. 4 Bilanzsicherer Bnchhaller für einige Stun- den in der Worbe gesucht Angebote unter 02076 a.d.G.A. Silöernnöel mit Stein vevloven. Abzugeben geg. Bel. bet Küchel, Ludwigövlalr 1. Garage ab sofort zu vermieten. 1'1 I in ui, Wal 11 orsl r.OB.K uf 318h Klaviere werden 000D lachgcmäü gestimmt und repariert G. Ebert Klaviermacher Bleichstraße 17 Fernruf 2408 | Mietgesuche [ Kleine Ml. 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Im Ab- schnitt „Tunis" mutz es heitzen: von den 87 000 Europäern (der 202 500 Seelen zählenden Einwohnerschaft der Stadt Tunis) find weit über die Hälfte Italiener. Radio Gleichstrom geg. Wechselstrom zu tauschen, asoeD dovveltüriger Kleiderschrank 2693D|TJ Feste Bohnermasse für Fußböden, Linoleum, Parkett usw. Hochglanz polierend, 4 kg portofrei per Nachnahme BÄ. 6. Bel Nichtgelallen Geld zurück I Wilhelm Runge, Chem. Produkte a78tV Hamburg 1, Speersort 1L| Aeltere Frau sucht Wohnung I oder 2 Zimmer mit Küche per sofort. Schr. Ang. unt. 02084 o. d.G.A. [Stellenangebote] Keine Ursprünge* eeugnleie, ondem nur Zeugnis- abschrlsten dem Öe- rorrbunfl«|d)reiben bei (Men l — Vlditbllbet unbUciDerbunflfliintc» Ionen müssen xur 'J Die Beerdigung findet Donnerstag, den 13. Juni, um 17,00 Uhr, vom Trauerhause. Wllhelmstraße 17, aus statt. In tiefer Trauen Familie Otto Benner Familie Otto CarlS. Heute morgen 11.30 Uhr ist unsere Hebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester und Schwägerin Luise Rinn, geb. Becker, Witwe ganz plötzlich und unerwartet Im Alter von 70 Jahren von uns Mittwoch. |2. Juni MO iS? Zweites Blatt Gießener Anzeiger lSeneral-Anzetgrr für GberWen) 88000 Gefangene in Dünkirchen von Aus der Stadt Gießen aften: itte und 1.20 stell. NSG. Der Gauleiter berief den bisherigen handelt 1. 2. isen'unl! nrechnen! die arbeitei I aus btt I für der Uhr. Wechsel im Gauversonolamt. pg. Holländer vom Gauleiter berufen. * ine und I „Zwei im Busch." Eröffnung der Sommerspielzeit des Gießener Stadttheaters. Hebung der Volksgesundheit durch eine stärkere Anlehnung unserer Ernährung an die natur- gegebenen Kräfte. Stärkung unserer Volkskraft durch Ausweitung unserer einheimischen Lebensmittelbasis. verwerten können. Von der Universität Gießen. Ernannt wurde zum ordentlichen Professor Mathematik in der Philosophischen Fakultät vertretenden Gaupersonalamtsleiter, Gauhauptstellen» leiter Heinz Holländer, zum Gaupersonal. a m t s l e i t e r des Gaues Hessen-Nassau. Gauamtsleiter Holländer gehört der Partei seit dem Jahre 1929 an. Im aktiven Einsatz als Orts, gruppenleiter, als Schulungsleiter und Kreisamts, leiter bewährte er sich in der Kampfzeit gleicher- maßen wie in den Aufbaujahren. In zahllosen Versammlungen innerhalb des Gaues Hessen-Nassau sprach er als» Gauredner zu der Bevölkerung über das nationalsozialistische Wollen und die Taten des Führers. Die Wurzeln und Grundlagen seiner politischen Arbeit liegen im Fronterlebnis. In den Weltkriegsjahren diente er als Kriegsfreiwilliger mit Auszeichnung des E. K. vom August 1914 bis März 1919 bei der Kriegsmarine. Als Gaupersonalamtsleiter ist ihm nunmehr vom Roggengarten. Blühender Roggen in einem dörflichen hausgar- n, ein überraschender Anblick. Ist doch solch ein hrten hinter der Scheune eine kleine Welt für h zwischen hofreite und Ackerland, ein kostbares Ilückchen Erde, das mit Haus uhb Hof unlösbar lcwachsen, insbesondere der Hausfrau untersteht, lemessenen Schrittes geht sie in arbeitsruhigeren iunben burch ben Hof unb bie Scheüne, schiebt h Riegel ber Hintertüre gelassen zurück, über» iigt bie Schwelle, unb bie Arbeit wirb ihr hier I ihrem Garten zu einer Beschäftigung im Ge- nhbe besinnlicher Freube. Mit liebevoller hanb nsorgt sie jebes Beet ihrer fülligen, farbenfreubi- in Blumen unb ber Küchengewächse, jeden Baum, fferenstrauch unb ben rankenben Weinstock, erlebt « immer wieber neu beim Grünen, Blühen unb Igrob rf^nrij die ft chnt. j ^nfte-jj] 'ttsiei, die nta 9 berij chndk, le 8rbi5 Mwech steuii chend it elung R euer. fettrtfttü liu PM ».W roigSeine $,( ieL «IM Universität Gießen der außerorbentliche Professor Dr. Egon Ullrich. Soldaten musizieren für das „Deutsche Jtotc Kreuz aus Werken deutscher Kriegsbichter bereichert entgehen lassen! Marine-Zußballmannschafi herzlich willkommen. Gauleiter ein wichtiges Aufgabengebiet innerhalb der Gauleitung übertragen worben. Er wird an dieser Stelle seine bisher gezeigten Fähigkeiten voll lnser Bild gewährt einen Blick auf einen Teil der Hafenanlagen, wo bereits Zehntausende efangenen Englänbern unb Franzosen auf ihren Abtransport warten. Im hintergrunb bie brennenbe Stabt. — (PK.-Schmibt°Scherl-M.) Am kommenben Montag findet in ber Johan, neskirche eine Feierstunbe zum Besten bes „Deutschen Roten Kreuzes" statt, bei ber Angehörige ber Wehrmacht musikalische Werke aus großer beutscher Zeit zum Vortrag bringen werben. Die Vortrags- folge, bie auf ben Ernst und bie Größe ber Stunbe abgestimmt ist, bringt u. a. Werke von Joh. Seb. Bach unb Friedrich b. Großen für Orgel, Streich, instrumente unb eine Einzelstimme. Möge sich nie» manb biese Veranstaltung, bie noch burch Lesungen ..... wirb, llf )iensBi ihung""' iftra^l. x>erSl»" nn * r unb w fübruE ys w®'® I »It* ■nun« * Gestern traf in unserer Stadt die Marinemann- schast ein, bie am heutigen Mittwochabend auf dem Waldsportplatz ein Spiel gegen die Stadtmann- schaft Gießen austragen wird. Die Gäste wurden' am Bahnhof burch den NSRL.-Bezirksführer Stein, burch ben Fußball- fachwart Henkel und ben Ringführer Sauer herzlich willkommen geheißen unb bann zum Käme- radschaftsabend in ben „Burghof" geleitet. In schöner sportlicher Kameradschaft würben einige Stunden verbracht. Die Kameraden von ber Marine werben am morgigen Donnerstag ben Sehenswürdigkeiten unserer Stadt einen Besuch abstatten. Honigsicheruna für unser Volk. Karl Detter, M. d. R., erläßt folgenden Aufruf an die deutschen Imker: In der Stunde höchsten völkischen Einsatzes wollen wir dem Führer danken! Wir deutschen Imker wollen 1940 dem deutschen Volke" insbesondere den Verwundeten, den großen Derbrauchermassen, den Kindern, Greisen und Kranken unfern guten Honig sichern! Unbeschadet des üblichen Honigabsatzes an Derbraucher und Kleinhandel stellen alle Imker der Reichsfachgruppe Imker im Reichsverband Deutscher Kleintierzüchter 3 kg Honig je Bienenvolk zum ge- rechten Preise zur Derfügung. Die zweckmäßige Verteilung gewährleistet die zuständige Marktorganisation, die Hauptvereinigung der deutschen Eierwirtschaft. Die Einzelheiten erfahrt Ihr in Kürze. Richtet Euch aber schon jetzt auf die Tatsache ein! Imker! Ich habe mich in allen diesen Jahren des Auf- und Ausbaues der deutschen Kleintierzucht stets auf Euch verlassen und dadurch in immer stärkerem Maße großzügige Staatshilfe für Euch gewinnen können. Nun krönt Euren Einsatz durch bie Honigsicherung für unser Volk! „^rnäbruna aus dem IRalbe.* NSG. Die Reichsarbeitsgemeinschaft „Ernährung aus bem Walb" ist angeschlossen an das Hauptamt für Volksgesundheit der NSDAP. Welches Ziel verfolgt bie Arbeitsgemeinschaft „Ernährung aus dem Wald?" Die Arbeitsgemeinschaft verfolgt zwei Ziele: ?' r tilg, ,®n. 9k “brer »eß theater jetzt mit großer Problematik auffährt. Auch in der Kriegszeit ist das Lachen nicht verboten, um so weniger, als man nach Stunden der Entspannung am anderen Morgen um so ernster an seine Pflichten gehen kann. Das neue Lustspiel gibt manchen Anlaß zu vergnüglichem Schmunzeln, das sich in mancher Szene zu einem herzlichen und befreienden Lachen steigert. Man sieht es bem Rauhbein Tom gar nicht an, daß er sich aus seiner guten Stellung auf und da- von gemacht hat, nur weil ber alte Hausmann, sein Chef, ihn mit feiner Tochter verheiratet sehen wollte. Tom kennt sie zwar nicht, sie kennt ihn auch nicht, aber Tom paßte bas eben nicht in ben Kram unb er rückte ab. Zusammen mit seinem Freunde Zi- bumm zieht er in den Busch, führt ein Leben ber s Freiheit, und alles könnte in schönster Ordnung r endlich einduselte. So. kam es, daß er allmorgendlich verschlafen . urfc vermuffelt seinen Tag begann. 1 Nachts (prang er dann wieder aus dem Bett. |r hinter Hilde und Sybillchen her.und machte Mu ... Ju ..." und bekam falte Manchmal ! fette er sich vorgenommen, einfach im Bett zu * len, aber das wollte er hilbe nicht ®nt“n- Ken konnte er ja boch nicht schlafen, benn e s ile'r, baß Sybilles Organ an Umfang unb Ton wirke beträchtlich zunahm. hilbe lachte: „Warum soll sie benn schreien? Sie schläft — aber sei nicht so laut, sonst wacht sie auf." Eugen hockte auf ber Bettkante nieber, bas Kinn in bie Hände gestützt. Mißtrauisch sah er auf bas fchlafenbe, rosige Baby, unb beobachtete jeben Atemzug. Er konnte sich mit hilbes leichtfertiger Erklärung nicht zufrieden geben. Plötzlich sprang er hoch: „Das ist ja unheimlich! Ich laufe zum Arzt, ba stimmt etwas nicht!" hilbe 'wollte ihn beruhigen, boch ba quäkte es, unb es würbe ein kräftiges Brüllen. Eugen Prahlte. Sein Herz pochte wild vor Freube. Er hob Sybillchen aus bem Körbchen. Eine Zentnerlast war von feinem Vaterherzen gefallen. Er umarmte hilbe, unb jubelte wie ein Verliebter nach bem ersten Kuh: „Sybille brüllt!--Sybille brüllt!!!" Nähr- und Heilstoffe keineswegs zu unterschätzen. Die neusten Ergebnisse ber Ernährungsforschung, besonbers auf dem Gebiete ber Mineral- unb Wirkstoffe (Vitamine) bestätigen durchaus die Erfahrungen unserer Ahnen. Es ist bekannt, daß vor Jahrtausenden die Bewohner unserer Heimat fast nur von den Wildgabcn der Heimatnatur lebten. In Notzeiten waren unsere Vorfahren noch bis vor wenigen Jahrhunderten in einem recht wesentlichen Teil ihrer Ernährung auf die wildwachsenden Nahrungsmittel angewiesen. Bei dieser einfachen Nahrung und trotz des harten Daseinskampfes waren diese Menschen stark und widerstandsfähig gegen Krankheiten und Unbilden der Natur, so daß Geschlechter heranwuchsen, die zu höchsten körperlichen und geistigen Leistungen fähig waren. Die Naturverbundenheit und die Kenntnisse um bie freigebig gespendeten Schätze der Natur waren damals allerdings viel verbreiteter und bekannter im Volke als heute. Dieses Wissen um die Nährkräfte in Wald ufb Flur müssen wir wiebergewinnen, zum Nutzen unserer Volkskraft, unserer Volkswirtschaft und unserer Volksgesundheit. Die. Neichsarbeitsgemeinschaft „Ernährung aus dem Wald" (RAW ), die auch in unserem Gau vor mehreren Monaten ihre Vorbereitungsarbeit begonnen hat, wird in den kommenden Wochen und Monaten in allen Kreisen und Orten unseres Gaues eine rege Propagandaarbeit entfalten. Die Amtsträger der Partei, der NS.-Lehrerbund, die 916.« Frauenschaft, die Hitler-Jugend werden Überall dMch umfassende Dolksaufklärung eifrig bemüht sein, diese wichtige Aufklärungsarbeit der Gesundheitsführung tatkräftig und laufend durchzuführen. Die Arbeitsgemeinschaft „Ernährung aus dem Wald", die dem Amt für Volksgesundheit, Gauamtsleitung Hessen-Nassau (Frankfurt a. TL, Adolf-Hitler- Haus), angeschlossen ist, steht für alle einschlägigen Fragen 'zur Verfügung. Gießener Schlachtviehmarkt. Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtviehverteilungsmarkt) in ber Viehversteigerungshalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 41.5 bis 45,5, Bullen 40,5 bis 43,5, Kühe 26 bis 43,5, Färsen 34 bis 44,5, Kälber 30 bis 63 Rpf. je kg Lebendgewicht. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,10, bl (135 bis 149,5 kg) 1,10, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,10, c (90 bis 119,5 kg) 1,08, d (80 bis 89,5 kg) 1,02, e—f (unter 80 kg) 0,98, gl (fette Specksauen) 1,10, i (Altschneider) 1,10, g2 (andere Sauen) 1,02 RM. Marktverkauf: alles zugeteilt. weitergehen, diese Brüllerei ist doch unnatürlich!" behauptete er, „da muß etwas geschehen!" Aber seine Frau lachte, und sagte seelenruhig, daß Babys immer schrien, das wäre gesund und ganz natürlich. Eugen zückte resigniert bie Schultern, unb machte weiter „Ju ... Ju bis Sy- bille Erbarmen hatte. Er würbe blaß unb mager. Schließlich meinte hilbe, er möge boch fortan im Herrenzimmer schlafen, er brauche feine Nachtruhe, um morgens frisch zu sein. Eugen oroteftierte zu- erst entrüstet, aber als am nächsten Abenb bie Zeit bes Schlafengehens kam, zog er sich ins Nebenzimmer zurück. . Glücklich unb zufrieben schlief er ein. — Plötzlich schreckte er auf unb horchte ... alles war ruhig, nur ber Regen trommelte gegen bie Fensterscheiben. Beruhigt schloß er wieber bie Augen. Aber nicht lange, ba fuhr er wieber hoch unb lauschte ... Überall Stille. Er tastete zum Lichtschalter, knipste, unb sah auf bie Uhr: ... 3 Uhr. „Aha — noch 10 Minuten, bann geht ber Krawall los. — Na, Gott sei Dank, ich bleibe verschont!" Mit biesen frohen Worten brehte er sich auf bie anbere Seite, aber einschlafen konnte er nicht. Ob er wollte ober nicht, seine Ohren horchten gespannt nach nebenan. Er begann leise zu zählen, als er bei 300 war, kribbelte es ihm in ben Füßen, unb er sprang hoch. Noch immer war alles ruhig. Langsam begann es schon zu hämmern. Eugen zog ben Schlafrock über, steckte sich eine Zigarette an, unb ging hin unb her. Seltsam, ... 4 Uhr, unb noch immer nichts zu hören. Ob bie Uhr falsch ging? Er setzte sich einen Augenblick zum Fenster unb sah auf bie leere, nasse Straße. Die Vögel begannen zu piepen unb zu zwitschern, — ber Morgen war ba. — Nun machte er sich ernsthaft Sorgen. „Sybille wirb boch nicht etwa krank sein?" Es würbe 5 Uhr. Die Stille würbe unerträglich. Im Magen hatte er ein bumpfes, taubes Gefühl. Er horchte an ber Tür, bas Ohr bicht an bas Holz gebrückt ... Aber er hörte nur sein Herz klopfen, — nichts von Sybille. Da hielt er es nicht mehr aus, unb rannte ins Schlafzimmer. Hilbe erwachte, unb,sah ihn erstaunt an. „Um Gottes Willen, Hilbe, was ist mit Sybille Jede Maßnahme, bie um das Verstänbnis für den Wald als Quelle von Nähr- und Heilkräften wirbt, trägt dazu bei, bas beutfche Volk wieder an eine nahezu vergessene Möglichkeit zusätzlicher Ernährung heranzuführen. Nicht allein die mengenmäßige Bereicherung der deutschen Ernährunas- wirtschaft ist der Beachtung wert, vielmehr ist Die volksgesundheitliche Bedeutung der wildwachsenden (ein. Die Ruhe im Blockhaus wird aber bald gestört, eine icknge Fliegerin notlandet in ber Nähe, muh von Den beiden aufgenommen werden, unb bie Freunde verlieben sich beide in sie. Die Freundschaft droht zu Bruch-zu gehen, wird mühsam wieder geflickt, ja es wird sogar ein kameradschaftliches Abkommen getroffen. In einem lichten Moment ist ihnen dabei aufgegangen, daß dieses Fräulein Kat, das ihnen da in die Junggefellenbube schneite, gar nicht irgenbmer, sondern Hausmanns Tochter ist, die sich den Mann anlehen wollte, ber das Leben im Busch ber Gemeinschaft mit ihr vorzog. Zwar gibt es in der Folge und vor dem glücklichen Ende noch eine überraschende Wendung, in deren Verlaus von den beiden Freunden ein grotesker Eiertanz aufgeführt wird, aber die Zuschauer wissen es schon am Schluß bes zweiten Aktes, baß es nicht mehr schief gehen kann. Es spricht für bas Stück unb für seinen Verfasser, baß bas ganze Spiel mit vier Personen und mit nur einer Dekoration bestritten wird. Witzige Unb sorgfältig pointierte Dialoge lassen keine Langeweile aufkommen. Es spricht aber auch für unser Theater, für Regisseur unb Darsteller, baß sie sich mit soviel Liebe unb Sorgfalt einem Stücke roibmen, bas nichts anberes fein will, als eben nur Unterhaltung. Der Regisseur Hans-Joachirn Büttner (Berlin) als Gast hat viel aus ber Jnanblung gemacht unb ist babei von ben Darstellern geschickt unterstützt worben. Hannelore Hinkel (Berlin) gab sich smart, ohne zu überzeichnen, erschien liebensroürbig unb zu rechten Augenblicken auch liebreizend, verstand es ausgezeichnet, die heftigen Ausfälle Toms zu parieren unb bie beiben Freunbe für sich zu be- geistern. Hans Eaninenberg gab feinem Tom einen schönen unb klaren männlichen Zug, wütete überzeugend auf ber Bühne herum, um sich schließlich boch ben weiblichen Reizen seiner Partnerin gefangen zu geben. Ein Kabinettstückchen vermittelte Walter E r l e r als Toms Freund Zibumm, auf beffen Rücken manche zweifelhafte Schmeichelei ab- geloben würbe. Erker führte seine Rolle bank einer vielfältigen mimischen Ausbrucksfähigkeit zu mancher starken komischen Wirkung. Gert Geiger gab bem Walbkäufer, Heiratsmittker unb Binbeglieb zwischen Zivilisation unb Busch ein starkes eigenes Gesicht unb trug lebhaft zum Erfolg bes Abenbs bei. I Die stattliche Zuschauerschaft zeigte sich aufgeschlossen, ging dankbar mit unb ließ es an Beifall, selbst auf offener Szene, nicht fehlen. H. L Neuner, heu hing. Ueberaö auf unserem Wege durch Felb, Wiese unb Walb fühlten wir in eindringlicher Anschaulichkeit bie täglich neue Ausgabe unseres ganzen Volkes unb jebes einzelne, in seinem Innern aus Ehrfurcht unb Dankbarkeit ein Gehege aufzurichten, bas bie schwer erarbeitete« Gaben ber deut- schen Erbe schützend umgibt. R. B. Tageskalender für Mittwoch. Volkstümlicher Vortrag ber Ludwigs-Universität: 20.15 Uhr im Landwirtschaftlichen Institut Professor Dr. Rolfes über „Entwicklung unb Stanb ber britischen Landwirtschaft". — Stabttheater: 19.30 bis 21.30 Uhr „Zwei im Busch". — Gloria-Palast, Sei- tersroeg: „Meine Tochter tut bas nicht". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die gotbene Peitsche". Stadttheater Gießen. Am heutigen Mittwoch wirb erstmalig bas Lustspiel „Zwei im Busch" von Axel Jvers wieberholt. Spielleitung: Hans-Joachim Büttner (Berlin) a. G. Die Vorstellung holt zugleich bie ausgefallene 31. Vorstellung ber Mittwoch-Miete nach. Notizen für den 12. Juni. Sonnenaufgang 5.03 Uhr, Sonnenuntergang 21.47 Uhr. — Monbaufgang 12.37 Uhr, Monbuntergang ** Die Spange zum Eisernen Kreuz I. Klasse verliehen. Durch bie Verleihung der Spange zum Eisernen Kreuz I. Klasse wurde Oberst H e r r l e i n , Kommandeur eines Infanterie- Regiments, ausgezeichnet. *♦ Auszeichnung im R e i ch s l u f t s ch u tz - bunt). In Anerkennung ihrer Verdienste im Luftschutz hat der Führer dem Orts-Kreisgruppenführer Hauptluftschutzführer Adolf C l o tz und dem Adjutanten Luftschutzführer August Bergener ber Orts-Kreisgruppe Gießen des Reichsluftschutzbunbes bas Luftschutz-Ehrenzeichen 2. Stufe verliehen. ** I m Kampf gegen Verkehrssünder. In der Zeit vom 26. Mai bis I.Juni hatte bie Polizei wieber gegen eine stattliche Anzahl Verkehrssünder einzuschreiten. 6 Kraftfahrer.würben zur Anzeige gebracht, 6 gebührenpflichtig verwarnt. Sonstige Fahrzeugführer würben 14 zur Anzeige gebracht unb 5 gebührenpflichtig verwarnt. Radfahrer würben in 39 Fällen gebührenpflichtig verwarnt, unb auch 2 Fußgänger mußten eine gebührenpflichtige Verwarnung hinnehmen. Mit gebührenfreien Verwarnungen kamen ein Kraftfahrer, 3 sonstige Fahrzeugführer unb ein Rabfahrer bavon. Amtsgericht Giehen. Ein Mann aus Daudringen hatte wegen Vergehens gegen bie Verorbnung über hie Weitervenutzung von Kraftfahrzeugen in Verbinbung mit bem Kraftfahrzeuggesetz einen Strafbefehl über 50 RM. erhalten. Er war am 22. März mit seinem Personsokraftwagen gefahren, um einen früher bei ihm beschäftigten Schlosser für seinen Betrieb zu gewinnen unb hatte bei dieser Fahrt seine Frau und uchten, bas Grasstück ist ihr ein hilfreicher leichplatz, unb auf ber Wäscheleine zwischen Baurn- immen gehen ihre arbeitsvollen Waschtage in vnne unb Wind ihrem glückhaften Enbe entgegen, lenn sie bei Gängen in ben Ort ober ins Felb ld)t über bie Straße will, nimmt sie ben ©arten» i.g als zwar eiligen, aber nicht teilnahmlosen ürchgang, unb einmal im Jahre wirb ber deschau- dje Raum zu einem richtigen Arbeitsplatz, wenn ,ie Dreschmaschine auf bem Hofe brummt unb bie arfaCenben Strohmassen zu einer ersten Ablage hängen. Und nun steht ein ansehnlicher Teil bes Haus- fyrtens voll blühenber Kornähren. Wer ba wohl lenen angestammten Platz hat räumen müssen, m dem Neuling von braufeen Raum zu schaffen? welche betriebswirtschaftlichen Ueberlegungen auch immer bie Felbfrucht wie ein Reh aus ber freien «ildbahn hier in bas Gehege bes Gartens genom- illtn haben, wir freuen uns ihrer warmen Nahe urb lebensvollen Verbundenheit mit ber bäuerlichen Hausgemeinschaft. Fern ber großen Kornfelder Dgen ihre stolzen Halme geschmeidig mit im linbe, ber ihnen zugleich von ihren Kameraben oif ben weiten Fluren ben befruchtenben Blüten- ftcub zuweht, bamit auch sie hier zur rechten Zeit ihre Aehren körnerschwer neigen unb vor ben ge» öfneten Erntesäcken bestehen können. Als wir auf unserer Wanberung wieber Ins Fieiland kamen, wanbeite sich uns ber Fichtenzaun dir Roggengartens unversehens zu symbolischer Be- »rntf0 lierei&i A Chei"1 T Sybille brüllt! Von Olaf Hinz. । Eugen hatte unbebingt an Selbstbewußtsein ge- vimnen, seit er Vater geworben war, er sah bas ßtben jetzt von einer helleren Seite. Eigentlich hotte er nun fein häusliches Glück in vollen Zügen I luid von Herzen genießen können, benn Hilbe, feine Jiau, hatte sich längst erholt unb sah blühenber ms, als je zuvor, unb bie kleine Sybille gedieh, urb täglich entdeckte er neue Schönheiten an ihr. Über, etwas ereignete sich, das ihn nachdenklich I stimmte: jede Nacht, und fast immer um die gleiche ■ gilt, wenn Hilde und er im schönsten Schlummer lagen, plärrte Sybille los, unb so laut und jo erhaltend, baß erst Hilbe und schließlich auch er nfftanb, um Sybillchen zu beruhigen. Hübe ging dann, einen Morgenrock über den lartblauen Pyjama geworfen, mit bem schreien- bei Baby auf bem Arm auf unb ab, unb Eugen tappte mit halboffenen Augen hinterher und Mchte, inbem er sich bemühte, sein schkafmubes Glicht zu einem freundlichen Grinsen zu verzie- fei: ,Zu ... Ju ... 2u, mein Kleines! So liefen sie jebe Nacht einige Runben im Zim- mir umher. Aber währenb Hilbe glelchmaßig ruhig uiö gebulbig blieb, peinigte ihn halb ber Gedanke, boß er in ein paar Stunden»zum Amt muffe. Herbem bekam er kalte Füße. Da fing er benn leise, ohne bafe seine Frau es horte, zu fluchen .er: „Kleines Ungetüm, — hör endlich auf! Mb er erst wenn ber Morgen hämmerte, schlief billchen wieber ein, und blieb lieb unb gnabig is zur nächsten Nacht. Eugen aber warf sich noch ! aige von einer Seite auf bie anbere, bis auch Das ©iefeener Stabttheater hat gestern abenb Sommerspielzeit eröffnet, die im Wesentlichen der heiteren Muse geroibmet sein wirb. Mit bem Lustspiel von Axel Jvers „Zwei im Busch" fanb sie einen glücklichen Auftakt. Am Freitag folgt ein weiteres Lustspiel, und für den Samstag ist mit einem Gastspiel bes Tegernseer Bauerntheaters zu rechnen, bei bem vermutlich auch nicht gerabe Trüb- jal geblasen werben wirb. Sommertheater — bas will schon nichts anberes, als eben gut unterhalten, unb es wirb niemand erwarten, bafe unser Stabt- e"^|l03®arum denn?" fing, machte er Hilbe den Vorschlag, sie woge „ ■Urnal mit dem Arzt sprechen. „So kann das nicht I „Sie schreit ja nutjn ein Kind mitgenommen, obgleich der Wagen noch nicht erneut zugelassen war. Gegen den Strafbefehl legte er Einspruch ein. Mit seinem Einwand konnte er aber nicht gehört werden. Dem Antrag des Awklagevertreters entsprechend wurde er zur gleichen Strafe wie im Stafbefehl (50 RM.) verurteilt. Strafkammer Gießen. Heinrich Michel aus Hochweisel, zur Zeit in Untersuchungshaft, war angeklagt, im Dezember 1939 und im Januar 1940 aus einem Heim in Warburg den Betrag von 20 RM. und anläßlich eines Besuches bei einer Familie in Eberstadt eine Geldbörse mit 15 RM. Inhalt entwendet und eine Handtasche, die zum Transport von Nahrungsmitteln für den Bruder des Auftraggebers übergeben worden war, für sich behalten zu haben. Ferner war er wegen siebe» Fällen des Rückfallsbetrugs im Januar 1940 angeklaat. Der wiederholt und einschlägig vorbestrafte Angeklagte war geständig. Wegen der Diebstähle beantragte der Anklagevertreter eine Gesamtgefängnisstrafe von acht Monaten. Der Angeklagte wurde des Diebstahls im wiederholten Rückfall in zwei Fällen, unter Freisprechung wegen Unterschlagung der Handtasche, zu einer Gesamtgefängnisstrafe von sieben Monaten verurteilt. Anschließend -wurde über die Betruasfälle verhandelt. Der Sachverständige vertrat die Ansicht, daß der Angeklagte das Unerlaubte feines Tuns ein- sehen könne. Er sei nur im Willen gehindert. Es fehle ihm der Halt zum Widerstehen, er sei ein haltloser Psychopath. Der Angeklagte werde immer wieder zu Straftaten neigen. Die Sicherungsverwahrung sei wohl das einzige Mittel, den Angeklagten unschädlich zu machen. Der Angeklagte fei ganz raffiniert vorgegangen, indem er sich stets an Verwandte von Anstaltsinsassen (er war in der Heil- und Pflegeanstalt untergebracht) herangemacht und diese betrogen oder bestohlen habe. Der Anklagevertreter beantragte, dem Angeklagten den Schutz des § 51II StrGB. (vermindert zurechnungsfähig) zuzubilligen und ihn unter Einbeziehung der vorerwähnten Strafe zu einer Gefamt- gefänanisstrafe von drei Jahren zu verurteilen und ihm die bürgerlichen Ehrenrechte für die Dauer von drei Jahren abzuerkemren sowie die Sicherungsverwahrung anzuordnen. Der Verteidiger beantragte, von der Aberkenmmg der bürgerlichen Ehrenrechte und der Anordnung der Sicherungsverwahrung abzusehen. Die Unterbringung in einer Heil- oder Pflegeanstalt reiche vollständig aus, um den Angeklagten auf andere Wege zu bringen. Weiterhin beantragte er, dem Angeklagten, der geständig sei, die Untersuckungs- haft anzurechnen und auf eine nicht allzu hohe Gefängnisstrafe zu erkennen, wenn der Angeklagte im Anschluß an die verbüßte Strafe doch irgendwo untergebracht würde. Der Angeklagte wurde des Betrugs im wiederholten Rückfall in sieben Fällen und eines versuchten Betrugs sowie eines Diebstahls im wiederholten Rückfall als gefährlicher Gewohnheitsverbrecher schuldig erkannt und unter Einbeziehung der durch das vorerwähnte Urteil der Strafkammer erkannten Strafe zu einer G e s a m tge f ä n g n i s st r a fe von vier Jahren, auf die vier Monate der Untersuchungshaft in Anrechnung kommen, sowie zu acht Geldstrafen von je 20 RM. verurteilt. Gleichzeitig wurde die Sicherungsverwahrung des Angeklagten angeordnet. Das Gericht schloß sich bei der.Urteilsbegründung den Ausführungen des Sachverständigen an. S.Ji.-i'port Um den Lahnpokal im Handball. Wenn auch am letzten Sonntag nicht alles programmgemäß verlief, so stehen nunmehr bereits drei Staffelsieger fest, die zusammen mit den noch fehlenden beiden Mannschaften den Endsieger ermitteln werden, und zwar in einer einfachen Runde. Teilnahmeberechtigt sind bis jetzt: Staffel 2: Tv. Dornholzhausen „ 3. Tv. Garbenheim „ 4: Tv. Katzenfurt. Mtv. Gießen und Tv. Heuchelheim tragen am Sonntag ein Entscheidungsspiel aus, während die Spiele der Staffel 1 noch weiter zurückliegen. Zum Austrag kamen, nachdem Großen-Buseck und Münchholzhausen ihten Gegnern die Punkte kampflos überließen, nur zwei Spiele, die folgende Ergebnisse hatten: Tv. Garbenheim — Tv. Dutenhofen 12:7 (8:2) Tuspo. W.-Niedergirmes — Tv. Katzenfurt 6:8. Garbenheim war auch diesmal wieder stärker als Dutenhofen, das sich offenbar etwas vorgenommen hatte. Mit der diesmal gezeigten Leistung ist allerdings schlecht etwas zu machen. Der Anschluß ist nunmehr endgültig verpaßt. Katzenfurt hatte seine Vertretung der 1. Jugendmannschaft übertragen. Trotzdepi gelang es, den Sieg, der gleichzeitig auch die Staffelmeisterschaft eiu- brachte, sicherzustellen. Huhball der r. Klaffe. VfV.-Reichsbahn II — Großen-Buseck I 1:5 (0:3). Wie nicht anders zu erwarten war, konnten sich die Grün-Weißen gegen den Tabellenführer nicht behaupten und mußten eine weitere Niederlage einstecken. Die Gäste waren verdiente Sieger, denn die Mannschaft war in Schnelligkeit und Wucht den Grün-Weißen haushoch überlegen. In der ersten Spielhälfte fanden sich die Grün-Weißen nie zurecht. Der Gegner drückte seine Ueberlegenheit durch drei Tore aus. Nach dem Wechsel hatten die Platzherren etwas mehr vom Spiel, doch die Schußunsicherheit der vier Stürmer ließ nur einen Erfolg zu. Dann rafften sich die Gäste wieder auf, und zwri Tore mußte der Torhüter der Grün-Weißen noch passieren lassen. (Brimingen I — Garbenleich I 2:6 (2:4). Diesmal hatten die Platzherren eine weit stärkere Elf aufgestellt, sie machten den Gästen den Sieg schwer. Die Gäste kamen kurz nach Beginn zum Führungstor, doch wenig später fiel schon der Ausgleich. Die Platzherren waren stark überlegen, nachdem sie einen Elfmeterball verschossen hatten, konnten sie sogar den Führungstreffer erzielen. Das war der Auftakt für die Gäste, das Spiel in die Hand zu nehmen, und bis zur Pause führten sie mit 4:2. Nach dem Wechsel ließen die Platzherren nach, die Gäste schossen zwei weitere Tore. Heuchelheim I — Steinbach I 5:3 (1:3). Dieses Spiel endete mit einer Ueberraschung. Die Heuchelheimer legten de» Gast gründlich herein und konnten damit den ersten Sieg, feiern. In der ersten Halbzeit hatten die Steinbacher den Wind zum Bundesgenossen und konnten eine 3:1-Führung erreichen. Dann wandte sich das Blatt: die Gastgeber kamen stark auf und konnten nicht nur gleichziehen, sondern noch durch zwei Tore den Sieg sicherstellen, während der Gegner leer ausging. Klein-Linde» I — Hungen I kampflos für Klein- Linden. Der Stand der Spiele. Großen-Buseck Spiele Gew. Unentsch. Verl. Pkte. 8 8 0 0 16:0 Garbenteich 9 7 0 2 14:4 Steinbach 8 4 1 3 9:7 Hungen 7 3 0 4 6:8 Mein-Linden 8 3 0 5 6:10 Heuchelheim 3 1 0 2 2:4 DfB.-R. II 7 0 1 6 1:13 (Brimingen 4 0 0 4 0:8 Wohlfahrtsverband „Haffia". Lpd. F r a n k f u r t a. M., 11. Juni. Der im Jahre 1874 gegründete Wohlfahrtsverband der NS.-Krie- gerkameradfchaft „Hassia", Sitz Darmstadt, hielt am Sonntag in Frankfurt a. M. unter dem Vorsitz des stellvertretenden Präsidenten Linden st ruth (Darmstadt) und in Gegenwart des Generals W a i tz als stellvertretenden Gaukriegerführer feine diesjährige Jahreshauptversammlung ab. Der Verband bezweckt zusätzliche Unterstützungen und die Gewährung von Kuren für die Mitglieder der NS.- Kriegerkameradschaften. Der Verband hat seit seinem Bestehen auf diesem Gebiete bereits außerordentlich segensreich gewirkt und ist auch heute durch entsprechende Verträge in der Lage, seine Aufgaben in weitem Umfange zu erfüllen. Aus der engeren Heimat. Einmachen ohne Zucker. Nur wenige Wochen, und wir ernten in unseren Gärten viele Früchte, die wir für den Winter haltbar machen wollen. Manches leicht verderbliche Obst oder Gemüse wird auch plötzlich in größeren Mengen auf den Markt kommen und schnelle Verarbeitung verlangen. Was ist dann selbstverständlicher, als daß die Hausfrau' zuareift. Wie aber soll sie in diesem Jahre Gemüse und Obst haltbar machen? Auf die altgewohnte Weise geht es nicht mehr immer, es sind entweder nicht genügend Gläser oder Gummiringe vorhanden oder es fehlt an Zucker. Das sind allerdings keine Hindernisse für die geschickte Hausfrau. Wer keine oder nicht genügend Gläser besitzt, verfügt vielleicht über ein paar Flaschen und Steintöpfe und kann sich auch noch einige Mullbeutel nahen. Je nachdem, was wir haben, wählen wir die Einmachmethoden, das Trocknen, das Einlegen und Einsalzen oder das Eindünsten, und je nach dem Zuckervorrat das Einkochen mit oder ohne Zucker. Am bekanntesten ist das Einkochen von Obst mit Zucker und von Gemüse in Gläsern. Fast alle Früchte können wir aber auch ohne Zucker einkochen. Für die kleinen Früchte, Stachelbeeren, Kirschen, Heidelbeeren, Johannisbeeren, aber auch -kleingeschnittenen Rhabarber, verwenden wir Flaschen. Sogar Marmelade können ohne Zucker eingemacht werden. Zucker spart man auch, wenn man säuerliche mit süßen Früchten zusammen verarbeitet. Weniger gebräuchlich ist im Stadthaushalt das Dörren von Obst und Gemüse, wozu sich vor allem Heidelbeeren, Preißelbeeren, Kernobst, Pilze und grüne Bohnen, Kohlrabi, Sellerie und die verschiedenen Suppenkräuter eignen. Beim Dörren wird dem Gemüse und Obst lediglich das Wasser entzogen, alle Nährwerte bleiben erhallen. Das Verfahren ist sehr einfach. Zum Trocknen genügt eine einfache, selbst herzustellende Horde. Getrocknet wird mit der Herdwärme. Das Einsäuern ist am bekanntesten für Gurken, man kann aber auch Gemüse einsäuern. Das Einlegen der Früchte ist eine sehr alle Art des Konservierens. Gurken, Pflaumen, Birnen, Kürbis und Gemüseallerlei z. B. werden in Essig gelegt. Jede Hausfrau wird also eine Art der Haltbarmachung finden, die ihr zusagt und es ihr mit den zur Verfügung stehenden Mitteln erlaubt, etwas einzumachen. Jener in Leihgestern. <£ Leihgestern (Kreis Gießen), 12. Juni. In der letzten Nacht gegen 23.30 Uhr erscholl in unserem Dorfe Feueralarm. Es brannte in der Scheune und in dem Schuppen des Wilh. Arnold VII, und der Familie M ö b u s an der Ecke Wilhelm- ftraße/Haingasse, am Südausgang des Dorfes. Die in hervorragender Weife tätige Ortsfeuerwehr in Gemeinschaft mit zahlreichen Ortseinwohnern mußte sich auf den Schutz dreier stark gefährdeter Wohnhäuser beschränken. Vorsorglich und im Hinblick auf eine weit von der Brandstelle entfernt liegende Was- serbeschaffungsmöglichkeit waren die Motorspritzen von Großen-Linden, Lollar und Grünberg an die Brandstätte gerufen worden, sie brauchten jedoch zum Glück nicht in Tätigkeit zu treten. Es gelang, den Brand auf seinen Herd zu beschranken. Mit der Scheune sind einige Heu- und Strohvorräte, mit dem Schuppen kleinere Holzmengen den Flammen zum Opfer gefallen. Die Entstehungsursache des Feuers ist noch unbekannt, die Ermittlungen sind noch im Gange. Der Feuerwehrdezernent des Landkreises Gießen, Regievungsrat Dr. Fuhr, der Kreis« feuerwehrführer Bouffier und der Leiter des Gendarmeriekreises Gießen, Leutnant der Gendarmerie Gunkelmann, trafen bald nach dem Feueralarm an der Brandstätte ein, um die Lösch- arbeiten zu leiten bzw. die polizeilichen Ermittlungen über die Brandursache aufzunehmen. Schweinemarkk in Laubach. * Laubach, 11. Juni. Auf dem heutigen Schweine-markt standen 22 Ferkel zum Verkauf. Es wurden 30 bis 35 RM., vereinzelt auch 40 RM. pro Stück bezahlt. Der gesamte Auftrieb wurde verkauft. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 12. Juni. (Dorbericht.) Kälber 20 bis 65 RM., Hämmel 30 bis 51, Schafe 20 bis 44, Schweine 50 bis 56 RM. Marktverkauf: Kälber, Schafe, Schweine zugeteilt. Heilpflanzen — Kräuter —Teesorten. Die Hagebutte als Bitaminträger. Auf dem Gebiete der Heilpflanzenkunde und der Heilpflanzenbeschaffung ist in den letzten Jahren eine umfassende, tiefschürfende Arbeit geleistet worden. Heute ist es weitesten Kreisen bekannt, welche Rolle die Heilpflanzen in der Medizin und für die allgemeine Gesunderhaltung spielen. Gerade im Spätfrühling ist die Zeit gekommen, in der man wieder viele Heilpflanzen im Wald und auf dem Felde sammeln kann. Zu den ersten gehören die Schlehdornblüten, die Queckenwurzeln, das Lungenkraut und die Misteln. Ueberall gibt es sachkundige Personen, z. B. Lehrer, Förster und Apotheker, die sich in den Dienst der Arbeit zur Bergung und Verwertung der Heilkräuter und Pflanzen stellen. Die Schulen, die HI. und andere Personenkreise von Erwachsenen beschäftigten sich mit dieser Tätigkeit unter sachkundiger Führung, die deshalb besonders angebracht ist, weil bei dem Einsammeln nach wie vor die Naturschutzbestimmungen eingehalten werden müssen. Nur sachgemäßes Einernten und Trocknen der Heilkräuter und Pflanzen bringt den gewünschten Erfolg. Die große Aktion zur Erfassung der Heilkräuter, zu denen neben den Medizinalpflanzen auch die verschiedeysten heimischen Teesorten gehören, ist vor fünf Jahren von dem inzwischen verstorbenen Reichsärzteführer Dr. Wagner erstmalig veranlaßt worden, der die Reichsarbeitsgemeinschaft für Heilpflanzenkunde und Heilpflanzenbeschaffung gegründet hat. Zu den Aufgaben der ersten Abteilung gehören die pflanzengeographischen Erhebungen, die Schulung der Sammler und die Klärung der sachgemäßen wissenschaftlichen Verwertung. Gegenwärtig läuft ein Photowettbewerb des NS.-Lehrerbun- des, der die Aufgabe stellt, farbige Aufnahmen von Heilpflanzen in der Größe von 24X36 mm zu gewinnen, damit im Schulunterricht entsprechendes Anschauungsmaterial zur Verfügung steht. Für diesen Wettbewerb, der bis zum 15. Oktober 1940 durchgeführt wird, stehen Preise bis zu 10 000 RM. zur Verfügung. Die Wettbewerbsbedingungen so- wie eine Liste der aufgenommenen Heil- und Teekräuter sind vorn NS.-Lehrerbund in Bayreuth, Hans-Schernrn-Platz, zu beziehen. Die zweite Arbeitsgemeinschaft beschäftigt sich vorwiegend mit den wirtschaftlichen Fragen und steht deshalb mit dem Reichsamt für Wirtschaftsausbau, mit dem Drogengroßhandel, mit der Gartenbauwirtfchaft und mit anderen Wirtfchaftskreifen in Verbindung. Eine besonders wertvolle Heilpflanze ist, wie von wissenschaftlicher Seite einwandfrei teftgeftellt wurde, die Hagebutte. Reichsgesuudheitsführer Staatssekretär Dr. Conti hat deshalb die verstärkte Anpflanzung von Hagebutten befürwortet, zumal bei den letzten medizinischen Tagungen darauf hingewiesen worden ist, daß die Hagebutte als Träger des Vitamins C die Zitronen und Apfelsinen, die diese Eigenschaft gleichfalls besitzen, weitaus übertrifft Die Hagebutte besitzt das acht- bis zehnfache dieses wichtigen Lebensstoffes, der immer mehr von der Medizin angewandt wird. In diesem Zusammenhang ist es interessant, daß kürzlich die Neichsbahn- kleinwirtschaft, die sich um die landwirtschaftlich« Ausnutzung des Geländes an den Bahnen besondere Verdienste erworben hat, den Beschluß faßte, 100 000 Hagebuttenpflanzen zum Anbau ihren Mitgliedern zur Verfügung zu stellen. Auch sonst wird der Anbau von Hagebuttenpflanzen und das Ein- sammeln der wildwachsenden Früchte in erheblichem Umfange gefördert. Die wirtschaftlichen Werte, die durch den ganzen Sektor der Heilkräuter, Pflanzen und Tees geborgen werden, lassen sich zahlenmäßig kaum angeben; es handelt sich aber um Werte von vielen Millionen.' Bü. Keine Spur von Hauck. Roman von Lharlotie Kaufmann. 14. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) Alles, was sich Huich erhoffte, hatte Joachim Keit bekommen. Kognak und Tee und Sibylles Lächeln. Im übrigen sprachen sie durchaus belanglose Dinge, als Huith ungesehen vor dem Fenster stand. Sie unterhielten sich über die Malerei des Mittelalters und waren eben bei Hans Memling angekommen. Joachim hatte in Brügge ein Madonnenbild von ihm gesehen, an das er sich nun erinnerte. Dieses Brügge war übrigens auch so eine Stadt, die einmal ein großer Handelsplatz gewesen und inzwischen fast vergessen war. „Es gibt viele solche Dinge, die einmal groß und stark gewesen sind, und dann versinken." „3a , erwiderte Sibylle, „und mehr, als wir wissen." „Es ist alles sehr vergänglich." „Man kann nichts daran ändern." Joachim ftreifte die Asche seiner Zigarette ab. „Die Kunst ist das, was noch am längsten vorhält. Haben Sie das kleine Bild nun fertig, an dem Sie das letztemal arbeiteten?" „Meinen Sie die leeren Aecker und die kahle Birke?" „3a, die Spätherbftlandfchaft." „3ch habe sie weggelegt." „Weshalb?" „Oh, ich habe den Spaß daran verloren." „So?" Joachim lehnte sich zurück. Die Rauchkringel der Zigarette zerflossen im Raum. Es gefiel ihm hier. 3etzt, in der gemütlichen Wärme war es doppelt schön,. Das Rauschen der Wogen drang durch die Wände und mischte sich mit der Stille, die das Haus sonst umgab. Es wurde eine Symphonie Der Heimat daraus, inmitten der eine Frau stand, die, er merkte es von Tag zu Tag mehr, so war, wie er sich eigentlich eine Frau wünschte, ohne daß er dies bis letzt genau zu sagen gewußt hätte. Sie war heiter und lebhaft, still und verschlossen, wie der Tag es brachte. Man konnte mit ihr sprechen über die Dinge der Welt, und man konnte mit ihr schweigen. Sie war der erste Mensch, mit dem er auch schweigen konnte, ohne daß er es peinlich empfand. Er nahm das Purliputzelchen auf und betrachtete es. „Warum haben Sie diesem kleinen Wesen hier so schräge Augen gegeben?" fragte er. Sibylle lachte. „Ich finde sie hübsch." „Hübsch?" Er hielt den Hampelmann mit gestrecktem Arm vor sich hin. „Er sieht höhnisch aus dadurch." „Nein, das stimmt nicht. Er sieht weltweise aus. So, als wüßte er alles und jedes." „Nun, vielleicht hat aber jemand, der ein Weiser ist, eben doch so etwas wie ein wenig Hohn in seinen hochgezogenen Augenbrauen stehen. Und dann habe ich nicht so unrecht." „Worüber sollte er höhnen?" „Ach, vielleicht über die kleinen Dinge, die wir wichtig nehmen, über das, worüber wir meinen oder lachen ... Was würden Sie übrigens sagen, wenn ich noch um eine Tasse Tee bäte?" „Oh, ich habe vergessen. Verzeihen Sie." Sie schenkte ihm ein. Ihr Arm, der unter dem kurzen Aermel hervorkam, war rund und braun vom Sommer. Ein kleiner verwehender Geruch von Oel- farbe und Terpentin war im Zimmer und vermischte sich mit dem Duft der Zigarette. „Sie müssen das Bild fertig malen", sagte er, „diese kahle Birke und die braunen Ackerfurchen." „Nein, wer soll denn ein solches trübes Bild ansehen. 3ch male vieles nur halb und werfe es dann weg." Sie griff ordnend in ihr Haar und lächelte. „Ich möchte das Bild aber für mich haben." Sibylle sah Joachim forschend an. „Ich dachte, Sie lieben mehr Berabilder", meinte sie lächelnd. „Nun ja, das auch. Aber die Birke hätte mir gefallen. Der hohe Himmel darüber ..." „Ach nein, ich habe es weggeworfen. 3ch war trauriger Stimmung, als ich damit anfing." „Sie find zuviel allein", stellte 3oachim fest. „Da muß man ja traurig werden." „Ich bin zweimal in der Woche in der Schule von Sörup." „Was ist das schön! 3eber Tag ist lang, und da haben Sie nichts um sich als höchstens ein paar Krähen oder Möwen. Die Strandschwalben sind auch längst weg." „Manchmal besuchen mich die Fischer von Stein Wenn sie einen guten Fang haben, kommen fie~ hier vorbei und bringen mir etwas." „Heringe?" fragte er fröhlich. „Ach ja, ich weiß, meine Heimat ist eine Heringstadt. Eine Makrelenstadt. Früher habe ich gar nicht gewußt, daß so viele Fische hier gefangen, verkauft, verladen und verarbeitet werden. Als ich weg war, dachte ich immer an die vielen Frachtdampfer und Segel- schiffe, die in den Hafen einliefen. Und jetzt sehe ich, daß das doch eigentlich recht bescheiden ist. Die Ostsee ... sie ist sehr klein, nicht wahr?" „Oh, mir ist sie groß genug." Sie horchten beide hinaus auf das Brausen der Brandung und schwiegen. Sibylle hatte die Hände im Schoß übereinander gefaltet, und die Wimpern lagen halb auf ihren Wangen. Ihr Herz war merkwürdig still und zufrieden. Zedesmal, wenn Joa- chim Keit kam, war es still und zufrieden in ihr. Ein Gefühl von Geborgenfein durchströmte sie dann, das sie nie zuvor gekannt hatte, nie in ihrem ganzen Leben. „Habe" ich Ihnen schon erzählt, daß Mjölln aus- gerissen ist?" fragte Joachim. „Sein Sekretär Fromme! hat mich ,angerufen. Er war in heller Verzweiflung." Sybille schlug die Augen auf. „Doktor Mjölln? Er hat sicher viel Arbeit." „Ach, so schlimm wird es nicht sein. Er ist ein komischer Kauz. Kein Mensch weiß, wohin er ist." „Dieser Fromme! ist ein tüchtiger Mensch, nicht wahr? Er ist manchmal in Stein und fragt die Leute aus." Sibylles Mund lächelte noch, aber ihre Augen waren mit einemmal wieder traurig geworden, und Joachim ärgerte sich, daß er sie an die Kanzlei von Dr. Mjölln erinnern mußte und damit an die Vergangenheit, die doch endlich einmal vergessen werden sollte. „Das muß sich erst zeige»", entgegnete er. jedenfalls bemüht er sich, und das ist allerdings etwas wert." jch glaube nicht, daß sie noch etwas feststellen werden. Es ist so lange her, und meine Hoffnung .. . tatsächlich, ich bin daran, sie zu verlieren." „Oh, irgend etwas werden sie schon herausbringen. Es fragt sich nur, ob Sie ein Ergebnis, wenn es traurig ist, tragen können." „Ich bin mit jedem Ergebnis zufrieden. Wenn es nur ein Ergebnis ist." Ihre Augen begegneten sich und gingen wieder auseinander. Das Rauschen des Meeres klang wieder durch die Wände, eine Uhr tickte verloren irgendwo, und aus der Vitrine starrte die häßliche Fratze einer balinesischen Teufelsmaske. In diesem Augenblick kam Joachim der Gedanke, sie aus der Umgebung ihrer Erinnerung fortzunehmen. Wenn es auch nur für kurze Zeit war. Und er erzählte ihr, daß er Weihnachten in die Berge zu fahren gedächte. „Ich nehme Sie mit, und dann werden Sie mit: ein Bergbild malen mit dick verschneiten Tannen, wenn Sie schon die kahle Birke roeggeroorfeit haben." Ihr Gesicht wurde träumerisch. „Ich fahre nach Oberstdorf", erklärte er, „obet! sonst irgendwo ins Allgäu. Da gibt es schon Schnee viel Schnee, und dann vergraben wir uns eilt paar Tage oben auf einem einsamen Gipfel. Ich nehme meine Schier mit, und Sie binden sich Schnee- reifen an die Füße, und dann ... ja, passen Si» auf, dann werden wir viel lachen. Ich glaube näm« lief), daß ich fchifahren verlernt habe. Es sind eilt paar Jahre her, daß ich in Norwegen war." „Sie sollen mir nicht immer so verlockende Einladungen machen", erwiderte Sibylle. „Ich biit fähig und sage ja." r „Das sollen Sie auch. Rasch sollen Sie ja sagen. Und wieder begegneten sich ihre Augen. Die voir Joachim waren halb fröhlich und halb trotzig, b