IW. Jahrgang Nr. 215 Mittwoch, N. September 1940 Gießener Anzeiger Annahme von Anreise« für die Mittagsnummer bis8'/,Ubr des Vormittags Anretgen-Preise: Anzeigenteil 7 Rpf. te mm bei 22 mm Zeilenbreite, Tertteil 50 Rvf. te mm bei 70 mm Zeilenüreite Nachlässe: Wiederholung Malstaffell Abschlüsse Mengenstaffel B Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25°/o mehr vrühlsche UniDcrfttätsbniderei 8. Lange General-Anzeiger für Oberhessen S*t^6ie6en3d)eIftra6e7-9 Erscheint täglich, außer Sonntags und feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat rmBild DieScholle Monats-Berugsvreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr... „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsvrechanschluü 2251 Drahtanschrift:„Anzeiger" Postscheck 11686Frankf^ M. planmäßiger britischer Aachtangriff aus nichtmilitarische Ziele der Reichshauplsiadl. Bomben auf Innenstadt und Westen. — Nationale Denkmäler, Krankenhäuser, Hotels und Wohnhäuser getroffen. Berlin, 11. Sept (DNB.-Funkspruch.) 3n der vergangenen Nacht belegten die Engländer wiederum nichtmilitärische Ziele in Nordfrankreich, Belgien und im Reich mit Bomben. Der Schwerpunkt ihres Einsatzes lag dabei auf Belgien und der Reichshauptstadt. 3n Bet- 1 i n wurden Bomben in größerer Menge bei mondheller Nacht wiederum wie bisher auf einwandfrei nichtmilitärische Ziele in der 3 n- nenstadt und im Westen abgeworfen. Ls entstanden zahlreiche Brand st eilen und Sprengschäden, besonders in einigen Krankenhäusern, Hotels, ferner Gebäuden, die weltbekannte nationale Denkmäler und Symbole darslellen, Geschoß- und Wohnvierteln. terhältigen Ueberfalles lassen erkennen, daß ein höherer Befehl sie zu diesem Angriff auf Leben und Eigentum der Zivilbevölkerung angehalten hat. In ihrer Ohnmacht, militärische Objekte oder industrielle und lebenswichtige Anlagen ernstlich zu treffen, verfallen sie immer wieder auf diese teuflische Methode, die allein in den letzten Monaten und unter unseren Kindern 78 Todesopfer forderte. Das Maß ist voll. Wir haben diesen Krieg nicht gewollt, und immer wieder hat der Führer versucht, auf friedlichem Wege den Konflikt beizulegen. Immer war es England, das gewissenlos, auf seine gedungenen Helfershelfer bauend, jede friedliche Einigung zum Scheitern brachte. Jetzt hat es denKrieg, den es haben wollte. jetzt bekommt es das deutsche Schwert in seiner ganzen Schärfe zu spüren. Britische Flieger als Grabschänder. Hamburg, 10. Sept. (DNB.) Im Weichbild der Hansestadt erstreckt sich über ein Gebiet von 400 Hektar der Ohlsdorfer Friedhof, der in der ganzen Welt berühmte größte Friedhof Europas. Er ist, obwohl als solcher weichin erkennbar, nachts durch Churchills Luftpiraten mit Bomben bewor- f e n worden. Mit ihm in der gleichen Nacht ein kleiner Kirchhof in Altona. Bier Sprengbomben haben große Trichter gerissen. Zwei der Bomben sind über dem Urnenfriedhof niedergegangen' und haben die Urnen mit den Aschenresten und die schweren Grabplatten weit weggeschleudert. Die beiden anderen haben ihr Zerstörungswerk an Reihengräbern — nicht weit von den 300 Grabhügeln gefallener englischer Soldaten aus dem großen Kriege angerichtet. Ringsum zerstreut liegen zerschlagene Und zersprengte Grabsteine, zerstörte Bäume, ausgerissenes Strauchwerk. Fürwahr — ein Heldenstück der britischen „Kulturnation", das sich anderen Untaten würdig anreiht. Auch diese Gräber werden an den Missetätern von jenseits des Kanals gerächt werden. Die entstandenen Dachstuhlbrände wurden schnell gelöscht. Eine Reihe von wertvollen Kunstgegenständen sowie mehrere Wohnungseinrichtungen und Einrichtungen von Krankenhäusern wurden vernichtet. Verschiedene Gebäude erhielten starken Wauerschaden. An mehreren Häusern sind Wände eingedrückt, an anderen droht Einsturzgefahr, so daß ganze Straßenzüge im 3nnem der Stadt geräumt werden mußten. Fünf Tote sowie mehrere Schwer- und Leichtverletzte sind zu beklagen. Dank dem disziplinierten Verhalten der Berliner Bevölkerung wurde verhindert, daß die vielen Brand- und Sprengbomben nicht noch größeren Personenschaden anrichteten. Zwei Flugzeuge wurden abgeschossen, davon eines durch Flak, ein anderes durch Nachtjäger. Der feige Lleberfall auf die Berliner Innenstadt. Militärische Objekte systematisch vermieden Berlin, 11. Sept. (DNB. Funkspruch.) Wiederum haben die englischen Luftpiraten i n d e r Nacht zum Mittwoch- in hinterhältigster Weise Spreng - und Brandbomben über Berlin abgeworfen. Wenn wirklich hier und da noch Zweifel über die Heimtücke der englischen Flieger bestanden haben sollten, so wurden diese in der letzten Nacht restlos zerstreut. In diesen Angriffen, wie wir sie in den ersten Morgenstunden des Mittwoch erlebten, liegt System, ein System, das für sich in Anspruch nehmen kann, typisch englisch zu sein. Geradezu unter Vermeidung jedes militärischen oder industriellen Zieles haben die britischen Flieger in dieser Nacht bei k l a r - st em Wetter aus niedriger Höhe ihre Bombenlast ausschließlich in die Wohnviertel und auf nationale Denkmäler der Innenstadt geworfen. Die nächtlichen Piraten warfen zunächst bei ihrem Einflug eine große Anzahl von L e u ch t b o m b e n , die die von ihnen angeflogenen Ziele stark erhellten. Das Bombardement begann dann über dem Pariser Platz, wo das Brandenburger Tor, die Akademie der Künste, die dicht neben der amerikanischen Botschaft liegt, sowie die kleine Polizeiwache getroffen, jedoch glücklicherweise nur leicht beschädigt wurden. Das wenige Schritte von hier entfernte, weit über Deutschland bekannte Hausdes Vereinsdeutsche rJn- genieure sowie das Reichstagsgebäude erhielten Treffer von Brandbomben. Wenn in allen diesen Fällen größerer Schaden verhütet und die Brände schnell gelöscht werden konnten, so ist das dem schnellen Einsatz der guten Organisation des Sicherheits- und Hilfsdienstes sowie des Luftschutzes zu verdanken. Unweit der Siegessäule gingen mehrere Sprengbomben nieder, die jedoch nur an einer Stelle das Straßenpflaster der Ost-West-Achse aufrissen, im übrigen in den Anlagen des Tiergartens ausschlugen. Alle diese Ziele beweisen, daß man nut dem Angriff auf nationale Denkmäler und Symbole, Die in der Welt bekannt sind, das deutsche Volk treffen wollte. In weitem Umkreis gibt es hier keine industriellen oder militärischen Anlagen. Oder wollen die Piraten des Herrn Churchill etwa behaupten, daß die kleine Polizeiwache mit ihren drei oder vier Beamten tm Nachtdienst ein militärisches Ziel ist? Wollen sie etwa die Welt glauben machen, daß die A k a d e m i e d e r Künste, in der Künstler des In- und Auslandes ihre Werke ausstellen, daß die Siegessäule oder das Reichstags-gebäude lebenswichtige Anlagen sind t Die zweite Serie von Spreng- und Brandbomben wurde ebenfalls nach dem Herablassen zahlreicher Leuchtbomben über das Wohnviertel rings um das St.- Petri-Krankenhaus abgeworfen. In diesem Krankenhaus, forme m einem im gleichen Bezirk liegenden Al t e rs hei m und in einer Schule entfachten die Brandbomben Schadenfeuer. Auch hier kann man weit unö breit umhergehen, ohne auch nur einen einzigen Punkt zu finden. Der Anspruch auf militärische oder industrielle Bedeutung erheben konnte Sprengbomben, die in den kleinen Straßen Der arbeitenden Be- völkerung nieb ergingen, zerstörten d-e W ° Y - nunqen und brachten viele dieser Volksgenossen um ihr Heim. Wenn, wie hier, nur wenige Opfer zu beklagen sind, so ist das darauf zuruckzufuh en daß die Bevölkerung die Maßnahmen des Luft schuhes stE wnehielt.^ betroff€ntn Gebitt- laßt eindeutig und zweifellos erkennen, daß die Engländer hier nach einem ganz bestimmten Plan gehandelt haben. Die Umstände des gemeinen hin- Die Bombenangriffe auf England gehen Meiler. Aufklärungsflüge erweisen die bisher erzielten Wirkungen. Berlin, 11. Sept. (DNB.Funkspruch.) Deutsche Kampsfliegerverbände griffen am 10. September und in Der Nächt zum 11. September wiederum eine Reihe von militärischen und kriegswichtigen Zielen in England an. Der Schwerpunkt Der Einsätze lag dabei auf London, wo 3ndustriezentren und kriegswichtige Anlagen erfolgreich mit Bomben belegt wurden. Am 10. September wurde in der britischen Hauptstadt bereits bis 22 Uhr sechsmal Fliegeralarm gegeben, also noch bevor die deutschen Nachtangriffe voll eingesetzt hatten. 3m Laufe des Tages wurden im übrigen ausgedehnte A u f k l ä r u n g s f l ü g e durchgeführt, die wertvolle Lrkundungser- gebniffe über die bisher erzielten Wirkungen und über neue Angriffsziele brachten. Der Wehrmachksbericht vom Dienstag. Berlin, 10. Sept. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Britische Flugzeuge warfen auch in der letzten Nacht in Norddeut sch land Bomben auf Orte, die weitab von jeglichen militärischen Zielen liegen. 3n Berlin sowie in anderen Städten wurden einzelne Wohnhäuser mehr oder weniger stark beschädigt. Deutsche Kampf- und 3agbfliegeroerbänbe setzten ihre rollenden Vergeltungsangriffe gegen kriegswichtige Ziele der britischen Haupt- st a d t weiter fort. Soweit es die Wetterlage zuließ, wurden Hafen- und Dockanlagen, Gasanstalten, Wasser- und Elektrizitätswerke sowie Speicher uno Grohöllager mit Bomben aller Kaliber belegt. Weit- h i n sichtbare Brände wiesen unseren Fliegerverbänden den Weg. Weitere Luftangriffe trafen einige Hafenanlagen an der 2D e ff f ü ft e Englands und an der Ostküste Schottlands. Die Verluste des Gegners betrugen gestern 4 4 Flugzeuge. Davon wurden zwei durch Flak, 1 durch Marineartillerie, die übrigen in Cufftämpren abgeschossen. 21 eigene Flugzeuge werden vermißt. 3n unsichtigem Wetter näherten sich in der Nacht zum 10. September einige leichte feindliche Kriegsfahrzeuge der französischen K ü ft e und feuerten planlos mehrere Salven, die im Hinterland einschlugen, ohne Schaden anzurichten. Der Feind wurde durch das Feuer unserer lUarineartiöerie vertrieben. Ein U-Boot unter Führung des Kapitänleutnants Prien, von dem am 8. September bereits ein Teilergebnis von 33 400 BRT. gemeldet worden ist, hat auf einer Unternehmung insgesamt 6 bewaffnete feindliche Handelsschiffe mit 40250 BRT. versenkt. Lin weiterer Dampfer wurde beschädigt. Ein anderes U-Boot vernichtete mehrere bewaffnete feindliche Handelsschiffe mit insgesamt 15 500 BRT. Ein deutscher Hilfskreuzer hat einen neutralen Dampfer in dem von Deutschland erklärten Sperrgebiet um die britischen 3nseln aufgebracht. Ein britischer Geleiizng von deutschen Küstenbatterien zersprengt. Britische Batterie bei Dover von Iernkampsgeschützen zum Schweigen gebracht' Berlin, 10. Sept. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Am 9. September in den Abendstunden wurde ein britischer Geleit; ug, aus Dover auslaufend, von deutschen Küstenbatterien unter Feuer genommen. Der Geleitzug wurde versprengt. Vier Schiffe fuhren nach Dover, zwei nach Deal zurück. Dorthin wurde auch ein beschädigter Dampfer abgeschleppt. Das achte Schiff des Geleitzuges blieb unter starker Rauchentwicklung liegen. Das Schießen wurde der Dunkelheit wegen um 20.40 Uhr abgebrochen. Eine Stunde später nahmen unsere Fernkampfgeschühe eine britische Batterie bei Dover unter Feuer. Diese Batterie hatte um 20.30 Uhr versucht, das Feuer unserer Batterien auf den Geleitzug zu erwidern. Sie wurde in fast zweistündigem Kampf 5 um Schweigen gebracht. Wacht am tianal. Von Kriegsberichter Gustav Schütt. 11. Sept. (PK.) (DNB. Funkspruch.) lieber dem englischen Kanal liegt eine leichte Dunst - und N e b e l s ch i ch t. Die grünschillernde See zeigt viele, viele kleine Schaumkronen, und an der Küste bläst der Wind einem heftig seinen Atem ins Gesicht. Und der Wind ist es auch, Der dann plötzlich den Dunstschleier und die Nebelfetzen von dem Kanal vertreibt und Die englische Steilküste auf Der anDeren Seite Der Straße von Dover fein säuberlich vor uns aufbaut. Der Tommy scheint mit diesem Wetter nicht gerechnet zu haben, denn mit den scharfen Gläsern können hart an der englischen Küste plötzlich acht Dampfer ausgemacht werden. Die aus Dem Hafen von Dover auslaufen. Auf Dem Hauptleitstand Der Marine-Artillerie an Der norDfranzösischen Küste stehen Die Arttllerie-Offiziere über Die Karte gebeugt, tragen Die Beobachtungen laufend ein, messen Die Entfernungen und verfolgen den Kurs Der Dampfer an Der britischen Küste. Feuererlaubnis! An allen Ecken und En- Den ist es plötzlich lebendig geworden. Hinter uns, wo man noch eben nichts sah, heben sich jetzt langsam Die langen Geschützrohre steil gegen Den Himmel. Die weittragenden Geschütze sind feuerbereit! Noch einmal werden Die Dampfer angepeilt. Der größte Dampfer wird natürlich zuerst aufs Ziel genommen. Erste Salve! Donnernd krachen die Schüsse aus den Rohren, und Die Geschosse sausen pfeifend über uns hinweg. Vor Den Geschützrohren hängen Die dunklen Qualmwolken Der Pulvergase. Gespannt blicken auf Dem Leitstand alle durch Die Gläser. Deutlich heben sich Die britischen Dampfer gegen Die helle Steilküste ab. Einige Sekunden Des Wartens! Aufschläge! Hohe Wassersäulen, Die gegen die weiße Kreideküste Dunkel abstechen! Zu kurz. „Kurs vier rechts!" gibt der Batteriechef Die Verbesserung durch Die Befehlsübermittlung an Die Geschütze. Zweite Salve! Wieder sausen Die Granaten nach England hinüber! Die Schüsse liegen am Ziel! Die Dampfer sind im Augenblick nicht so deutlich zu erkennen. Weitere Salven! Links und rechts von den Dampfern schlagen die Geschosse ein. Der Geleitzug quetscht sich noch weiter an Die Küste heran und wird, zersprengt. Wieder Aufschläge! Zwei Aufschläge können nicht ausgemacht werden! Einige Ziele erscheinen im Glas verwischt! Ein Dampfer bleibt unter starker Rauchentwicklung liegen. Die anderen flüchten nach Dover und einen anderen Hafen zurück. Da die hereinbrechende Dunkelheit weiteres Schießen nicht erlaubt, wird das Feuer eingestellt! Der Tommy aber muß wissen, daß vor seiner eigenen K ü st e für seine Schiffe zu Der Bedrohung durch Die deutsche Luftwaffe, die U-Boote, Schnellboote und durch Die deutschen Minen eine neue Gefahr, nämlich Die Granaten Der schweren deutschen Küstengeschütze gekommen sind, die es nicht zulassen, daß brittsche Schiffe ihre Häfen am Kanal verlassen. Londons Bevölkerung kommt nicht mehr zum Arbeiten. Kopenhagen, 11. September. (Europapreß.) Die Kopenhagener Abendblätter schreiben von neuen heftigen Angriffen auf London in der Nacht zum Dienstag, wobei weitere Zerstörungen angerichtet worden seien. London befinde sich nun fast unun= Oer peiroleumkrieg im Nahen Osten. Der italienische Angriff auf Die englische Petto- leumversorgung, d. h. die Bombardierung von Haifa, das teilweise in Flammen steht, ist ein Ereignis von allergrößter Bedeutung. Dieser Angriff kann zwar Die Gesamtlage Des Krieges nicht von heute auf morgen Umstürzen, aber auf Die Dauer muß er nicht nur für Den ganzen Raum im Umkreis des Suezkanals und von Aegypten entscheidend sein, sondern auch Die britische Kriegführung im Mittelmeer in Frage stellen. Denn ohne das aus Mosful fließende Petroleum werden Die englischen Kriegsschiffe nach Erschöpfung Der bestehenden Laaer, die nicht mehr erneuert werden können, ebenso hilflos, wie die zahlreichen Panzerwagen und der gesamte Wagenpark Der in hohem Maße motorisierten englischen Truppen in Aegypten und die dort stationierte Luftwaffe. Da Die nördliche Der beiden Oellinien für England ausscheidet, weil sie auf französischem Gebiete (Syrien) mündet, so hängt in Der Tat Die Kriegschance Englands in Nordafrika und im Sudan von Der in Haifa mündenden großen Pipe-Line ab. Die Meldungen über das Bombardement in Haifa besagen, daß auch Die Reserveanlagen in Flammen standen und daß die Leitung selbst für mehrere Tage abgestellt werden mußte. Zudem sind Die Raffinerien zerstört. Diese Petroleumleitung nach Haifa hat ihre Geschichte. Nachdem 1925 nach schwierigen Verhandlungen die Frage der staatlichen Zugehörigkeit des Mossulgebietes dahin bereinigt worden war, daß die Türkei zu Gunsten des Irak auf jene ölhaltige Gegend verzichtet hatte, wurde die Jrak-Petroleum- gesellschaft gegründet. Um den englischen und französischen Ansprüchen gerecht zu werden, verfiel man auf Den Gedanken, in zwei übereinander laufenden Röhrenleitungen von Kirkuk, südöstlich von Mossul und nördlich von Bagdad, Das gewonnene Oel nach dem französischen Mandatsgebiet Syrien und zweitens nach Dem Hafen von Haifa, das unter britischem Mandat steht, fließen zu lassen. Die technischen Arbeiten waren schwierig und nahmen viel Zeit in Anspruch. Erst im Juli 1934 konnte das erste Oel durch die Leitung Durchgepumpt werden. Die feierliche öffentliche Einweihung Der Pipe-Line fand erst im Januar 1935 statt. Die Kosten Des Baues beliefen sich auf rund 15,5 Millionen Pfund Sterling. Die Leitung beginnt beim Bergrücken Baba Gurgur bei Kirkuk, wo 14 reiche Oelquellen Die Rohre speisen, sie wurde in zwei Strängen bis Haditha am rechten Ufer des Euphrat geführt. Hier teilt sich terbrochen im Alarmzuftand, heißt es im „Ber- lingske Aftenavis". — Nach Den Darstellungen Der Kopenhagener Presse vom Dienstagfrüh haben die deutschen Angriffe auf London in der Nacht zum Montag einen „neuen Höhepunkt" erreicht. „National tid ende" erfährt über Neuyork aus London, gegen elf Millionen Menschen in der englischen Hauptstadt und ihrer Umgebung hätten sich fast zehn Stunden lang in Den Luftschutzkellern aufhalten müssen. Das Blatt ver- gleicht Diese konzenttischen Aktionen mit Dem Trommelfeuer im Weltkrieg, dessen Zweck es damals wie heute fei, das Angriffsziel „sturmreif" zu machen. „Socialdemokraten" läßt sich berichten, daß mehr als ein Drittel der Londoner Arbeiter ihrer Beschäftigung am Montag nicht nachgehen konnte, weil ihre Arbeitsplätze zerstört find oder in Der Sperr- und Brandzone liegen. Auch die Arbeiter Der meisten Docks hätten vorläufig ihre Be- fchäfttgung einstellen müssen, Da ein Aufenthalt in dem gefährdeten Hafengebiet untersagt worden sei. Es müsse angenommen werden, Daß riesige Vorräte an Lebensrnitteln und Rohstoffen im östlichen Hafengebiet Londons durch Bomben und Brände vernichtet worden seien. Gotteshäuser, das Ziel britischer Luftpiraten. Englische Flieger, die über deutsches Reichsgebiet ein- flogen und den Versuch machten, ihre Bomben ttotz deutscher Gegenwehr auf nichtmilitärische Ziele im Westen und Nordwesten abzuwerfen, hatten mit einigen Einheiten Die Gegend von Hamm erreicht. Dabei warfen englische Flugzeuge Bomben auf D i e Liebfrauenkirche in Hamm. Unser Bild zeigt einen Teil Der Zerstörungen, Die an der Liebfrauenkirche angerichtet wurden. — (Scherl-BilDerdienst-M.) Kampfflugzeuge über Eastbourne. Die Stützpunkten zurückgekehrt. dningen". Vier der Nacht zum rackenlager von unserer Luftwaffe in B ura Tana-Fluh mit deutlich erkennbaren Erfolgen ohne eigene Verluste bombardiert. v ö l - euers- letzten 8 Jahren vergeben haben. Alle p^dschen Prozesse werden überprüft. Kultusminister Bu disteanu hat angeordnet, daß alle Beamte, di« de Freimaurerei angehoren, ihre Funktionen m dieser Bewegung niederzulegen haben. Kultusminister angeordnet, daß sofort das gesamte jüdische Personal aus den Theatern zu entfernen rs . Korrespondent von „Stockholms libningen' Stunden lang sei Londons City in t , Montag konzentrierten Angriffen ausgesetzt gewesen, die Feuerscheine hätten die dunkelsten Stunden der Sie wehrwirsschafilichen Ziele der deutschen Sergellmgsangriffe auf London. Deutsches Bombenflugzeug im Flug über der englischen Steilküste. Man erkennt deutlich die Konturen der Stadt Eastbourne, deren Anlagen^mehrfach erfolgreich bombardiert wurden. — (Scherl-M.) Morgan Post" meldet seinem Blatt: Von amtlicher englischer Seite wird zugegeben, daß die Docks in der Nähe der Themsemündung l i a zerstört seien und alle Versuche, die brunfte zu löschen, ausgegeben werden mußten. besser, je schneller sich London dessen bewußt wird. I U. St I Italienischer Wehrmachtsbericht. Rom, 10. Sept (DRV.) Der italienische Wehr-1 machtsberichk vom Dienstag hat folgenden Wortlaut: I 3m öftlichen Wittelmeer unternahm un-1 sere besonders aktive Luftwaffe heftige Bomben-1 angriffe auf Jaffa in Palästina und auf die Bahnlinie Alexandrien —warsa-wa- truk. Bei der ersten Aktion wurden die hafen- anlagen und wichtigen Lagerhäuser getroffen und heftige Brände hervorgerufen. Bei der zweiten wurde den Bahnanlagen ernster Schaden zugefügt Ein Eisenbahnzug erhielt Volltreffer und flog in die Luft In Rordafrika wurden außerdem feindliche Zeltlager und Kraftwagenkolonnen von der Luftwaffe im Tiefflug angegriffen und beschossen. Besonders bei Bir Sceferzen hat der Feind erhebliche Verluste erlitten. Die feindliche Luftwaffe unternahm einige Angriffe auf die Ortschaften der Lyrenaika, wobei insgesamt ein wann getötet und vier verletzt wurden. Es entstand unbedeutender Sachschaden. In Ostafrika griff unfere Luftwaffe den Flugstützpunkt von Port Sudan an, wobei verschiedene Flugzeuge am Boden getroffen und Brände verursacht worden sind. Trotz des Angriffs der feindlichen Jäger find alle unsere Flugzeuge nach Abschuh eines feindlichen Flugzeuges zu ihren London unter den Angriffswellen der deutschen Bomber. rat statt, in dem der General das Parteiprogramm und die großen Probleme darlegte, denen sich seine Regierung besonders zuwenden will. Es sind dies: 1. Hebung des Bauernstandes durch wirtschaftliche, gdministrative und sanitäre Maßnahmen; staatliche Organisieruna der landwirtschaftlichen Produktion sowie des Absatzes der landwirtschaftlichen Produkte; Organisierung von fliegenden Sani- tätsstotionen in den Dörfern. 2. Hebung der Lebenshaltung derArbeiterschaft durch soziale Reformen und Reorganisierung der Jndu- strieunternehmungen. 3. Reorganisierung des Verwaltungsapparates und der Beamtenschaft; Gewährleistung des Existenzminimums für Beamte (Familienzulagen entsprechend der Kinderzahl, Gehaltsaufbesserung für verdiente Beamte). 4. Schutz der rumänischen Familie, sanitäre Reformen zur Bekämpfung der Kindersterblichkeit, der sozialen Krankheiten und des Alkoholismus. — General Antonescu legte dann in großen Zügen die Probleme der Schule, Kirche, Justiz, Armee, und die Art und Weise, wie zu ihrer vollständigen Reorganisierung vorzugehen ist, dar. Antonescu ordnete an, daß sämtliche in direktem oder indirektem Besitz des Exkönigs Carol befindlichen Aktien bei ihren derzeitigen Inhabern blockiert werden. Der Besitz solcher Papiere ist anzumelden. Wer die Anmeldung unterläßt oder die Papiere zu veräußern oder zu verstecken sucht, wird mit Gefängnis bestraft. Alle Personen, die während der Regierungszeit Carols Minister waren» werden einer genauen Überprüfung ihres gen sehe. Lustabwehr ohnmächtig. Rom, 11. September. (Europapreß.) Die römische Presse berichtet über San Sebastian aus London, daß sich die Londoner Fliegerabwehr als vollkommen ohnmächtig erweise. Diese Erkenntnis veranlasse die Bevölkerung Londons, zu vielen Tausenden die gefährdete Haupt- tadt zu verlassen. Englische Jagdflieger hätten bei >en deutschen Nachtangriffen nur wenig eingegrif- en. Ebenso sei auch die Abwehr der englischen Flak elativ dünn, in manchen Gebietsteilen Londons ogar gleich Null gewesen. Das lasse darauf schlie- zen, daß das System der Geschützstände der Flak )urch die letzten Großangriffe in einigen Teilen des Hafens und der Bannmeile von London schwer gelitten habe. Prakttsch hätten die deutschen Fliegerangriffe in der Nacht zum Dienstag ununterbrochen angedauert. Aus dem über der Themse liegenden bewölkten Himmel seien die deutschen Flugzeuge blitzschnell auf ihre Ziele gestoßen. Die hauptsächlichsten Ziele seien die Docks an den Ufern der Themse gewesen. Viele der verursachten Brände in Speichern und Jndustriewerken seien infolge der Art des in ihnen lagernden Materials nicht zu löschen. Man konzentriere sich daher darauf, die modernsten Anlagen zu retten, die am nördlichen Ufer der Themse liegen. Ganz besondere Anstrengungen mache man um die großen Warenvorräte bei den Victoria- und Albert-Docks. Hier seien nämlich große Getreidelager, deren Anlagen jedoch vollkommen zerstört sein sollen. Mehrere Straßen oberhalb dieser Docks stünden in hellen Flammen, ebenso die Riesenmagazine mit lebensnotwendigen Waren, ©eiter heißt es u. a.: Es wüten Riestnfeuersbrünste nahe der West- Jndia-Docks, im Commercial-Dock und in den kriegswichtigen Anlagen. Außerdem brennen die kriegswichtigen Anlagen südlich der Londoner Brücke. „Es gibt keinen einzigen Teil von London mehr, der nicht Schäden aufweist", erklärt der Londoner Ursachen. Die Luftabwehr wird vom Feuerschein be- hindert, da man kaum den Himmel erkennen und die Bomber ins Scheinwerferlicht bekommen kann. Eine kräftige Bombenexplosion in unmittelbarer Nähe des Jnformationsministeriums veranlaßt auch die ausländischen Presseleute, in den Schutzraum zu gehen. Am Montagabend sah ich bereits lange Reihen Menschen eine Stunde vor dem Heulen der Sirenen die Schutzräume auffuchen. Wird das Volk das auf die Dauer aushalten, so fragt man sich. Der Korrespondent „Nya Dagligt Allehanda chreibt: Ich hatte das Dach eines Hauses bestiegen. Alle Augenblicke bemerke ich einen geroaltigen Luftdruck. Er entsteht, wenn die Bomben dort unten in den Docks krepieren. Dann erzittert das ganze Haus. “ Fensterscheiben fallen klirrend auf den Boden. Die Luft ist voll von donnernden Flugzeugen. Der Lärm steigt an Und wieder ab. Es sind d i e d e u t« ch e n Stukas, die in kurzen Zwischenräumen md mit Blitzeseile auftauchen, sich auf ihr Ziel kürz en und wieder in die Höhe steigen. Sogleich hört man die enffetzlichen Explosionen. Dazwischen donnert unaufhörlich die Abwehr. Gerade als ich das Dach verlassen will, explodiert eine Bombe in so bedenklicher Nähe meines Hauses, daß ich das Feuer und den Rauch vor mir in den Himmel stei- LlGA.-Preffe gegen LondonerGreuelberichte N e u y o r k, 10. Sept. (Europapreß.) Berichte aus London über angeblich sinnlose Zerstörungen durch die deutschen Luftbombardements lösten eine scharfe Kritik in der „New York Daily News" aus. Das Blatt betont, es fei unsinnig, zu behaupten, daß die deutschen Flieger vorsätzlich Straßen, Wohnhäuser und Hospitäler bombardierten. Ihre Ziele seien unter allen Umständen militärischer Art, die jedoch angesichts der Luftabwehr und der großen Höhen natürlich nicht in jedem Falle getroffen würden. „Die deutschen Bomber ziehen es zweifellos vor, Brücken, Arsenale und Eisenbahnstationen zu treffen statt Wohnhäuse r", schließt das Blatt. Auch die „New Port Times" betont, „obwohl die Beschädigungen weit verbreitet seien, könne der Angriff nicht als willkürliche Bombardierung Londons bezeichnet werden. Viele getroffene Privat- und Geschäftshäuser befänden sich direkt neben einwandfrei militärischen Ziele n." Wenn ein so ausgesprochen enalandfreundliches Blatt wie die „New Port Times" oiefe Feststellung trifft, so ist das ein deutlicher Beweis, daß man auch im Auslande erkennt, wie gut Deutschland bei aller Härte die Kriegsgesetze beachtet. Eine Tatsache, die auch ein britischer Lufffachoerständiger in der „S u n d e y Times" zugegeben hat, er erklärte, daß die deutschen Tagesangriffe Flugplätze zum Ziel hätten und die Nachtangriffe den Zweck verfolgten, durch Bombardierung der Industrieanlagen die Produktion lahmzulegen. Zwischen den Industrieanlagen aber wohnt Zivilbevölkerung, die natürlich bei den Angriffen nicht verschont bleibt. Die Schuld daran trägt die britische Regierung, die diesen Krieg wollte und auch das Volk selbst, das nichts getan hat, um die Verbrechen seiner Polittker zu verhindern. Die Greuelhetze kann darum keinen Eindruck auf uns machen. Wenn der Londoner Nachrichtendienst jetzt jammernd meldet, daß in der Nacht zum Montag 286 Tote und 1400 Schwerverletzte zu beklagen feien, so kommt dieses Blut nicht auf uns. Auch das Ausland wird erkennen, daß es sich bei den Meldungen über „zerstörte M litte r- hdusex und Hospitäler" um die übliche britische Methode handelt, um, da die Katastrophe über London hereinbricht, mit erfundenen Greuelmärchen Mitleid erwecken zu wollen _ dann die Leitung; der französische Strang geht in sDe^gens nt^9*n•.q*raQ€n.^önig ostwestlicher Richtung über Abdu-Kemal, die Grenz- AAl hatte allen Truppenteilen buntschillernde, ope- stadt Syriens, über Palmyra uyd Homs na* Sri- nini- poü. Der füMicte, enaliföe Strang biegt na* ©üben genauen Bericht über aus und geht über das irakische Gebiet, u^r Nord- siene rv PT. ^h^mfonds in den letzten 2r ans Jordanien und über den Jordan zur Hafen- 45erme a ,i hie Staats- ftabt S)aifa. Di- Rohr- liegen in Mest gebettet m uns Ä-hr°n ^Vstr^e beMt-n, di- sie in den einem einen Meter tiefen Graben. Der Verlauf der oaynen uo r Leitung ist durch eine leichte Wölbung des Bodens darüber erkennbar. Dort wo die Rohre den Tigris dischen Ozeans bedeuten. Haifa ist infolge der Oelleitung ein sehr großer Platz geworden, der in seinen Anlagen beinahe Marseille übertraf. Wenn es nun den Italienern gelungen ist, Haifa zu bombardieren und die Del» Versorgung der britischen Kriegsschiffe, Panzerwagenkolonnen und Flugzeuge zu hemmen, so haben sie England damit einen Schlag versetzt, der sich mit der Zett tödlich auswirken muß. Dadurch, daß Italien den Petroleumkrieg gewinnt, gewinnt es auch den Feldzug. England mag noch über namhafte Oeldepots in Zypern und an der ägyptischen Küste verfügen, aber diese Lager sind nicht unerschöpflich. Nur ein Desperado wie Churchill kann sich über diese unwiderlegbare Tatsache hinwegsetzen. Die Vernichtung der englischen Petroleumleitung trifft einen Lebensnerv des britischen Empire. Desto Berlin, 10. September. (DNB.) Jetzt, nachdem die Vergeltung für die Angriffe englischer Flieger auf die deutsche Zivilbevölkerung ihren Anfang genommen hat, kann die Mitteilung gemacht werden von einem ganz besonders verabscheuungswürdigen und gemeinen Kampfmittel, das die sogenannte königliche Luftflotte gebraucht. Seit dem 11. August wurden zunächst vereinzelt und dann in ungeheuren Mengen sogenannte Brandplättchen von englischen Fliegern bei ihren feigen Nachtflügen über Deutschland über weite Strecken unseres Landes verstreut. Die Plättchen bestehen aus Zelluloid, find etwa 5 mal 5 Zentimeter groß uyd tragen in der Mitte ein Loch, in welchem eine Brandpille in Brandwatte eingepackt ist. Die Plättchen fingen unter der Einwirkung des Sauerstoffs der Luft, mitunter unter der Wirkung der Sonnenbestrahlung Feuer, ergaben eine Stichflamme von etwa einem Meter Höhe und sollten in Brand setzen was sie trafen. Es bedarf keiner Worte darüber, daß diese Brandplättchen zur Schädigung militärischer Ziele völlig ungeeignet sind. So ist denn auch in keinem Fall der Versuch gemacht worden, eine militärische Anlage mit ihnen in Brand zu setzen. Zweck und Absicht dieses oerabscheuungswürdigen Kampfmittels war es offensichtlich, die Objekte zu vernichten, für die die RAF. Brandbomben in großer Zahl und den Euphrat kreuzen, mußten 40 Meter hohe Türme errichtet werden, an denen starke Kabel be-1 festtgt sind, die die Röhren tragen. Auch bei der Ueberbrüdung des Jordan galt es große technische I Schwierigkeiten zu überwinden, da das Ostufer I 700 Meter über dem Meeresspiegel liegt, die Talsohle aber 295 Meter darunter. Hier behalf man sich mit dem Bau einer Hilfs-Pumpstation. Bei voller Ausnutzung werden jährlich rund vier Millionen Tonnen Oel durch die Rohre nach Haifa gesendet. Zur Bewachung der Linie müssen in ihrer ganzen Lange Wachposten aufgestellt werden, die ständigen Angriffen ausgesetzt sind, und die, wie die antib ritt scheu Unruhen in Palästina bewiesen haben, nur schwer verteidigt werden können. So ist denn die britische Pipe-Line nicht nur an ihrer Mündung im Hafen verwundbar, sondern in ihrer ganzen Länge. Vorläufig gelingt es England noch, den Irak unter strenger Kontrolle zu halten, aber da der Irak ein arabischer Staat ist, und da die pan-! arabische Bewegung darauf hinzielt, die arabische Welt von der Fron der europäischen Kolonialmächte zu befreien, so ist es sehr wohl möglich, daß bei weiteren britischen Niederlagen auch der Irak die ihm aufgezwungenen Fesseln abwirft und die englischen Posten an der Pipe-Line aus dem Lande jagt. Damit märe dann die britische Oelversorgung im Nahen Orient und am Mittelmeer endgültig zu- sammengebrochen, und auch die Verbindungswege nach Indien wären gefährdet. Da nur eine einzige Rohrleitung besteht, durch die das Oel von Mossul nach Haifa gepumpt wird, nicht aber an den weit näher gelegenen Golf von Persien, so würde das das Ende der britischen Seeherrschaft nicht nur im Mittelmeer, sondern auch in den Wassern des In- Unsere Luftaufnahme gewährt einen Blick auf den östlichen Teil von London. In der Mitte des Bildes die berühmte Towerbrücke. Weiter nach Osten beschreibt die Themse einen großen Bogen, an dem die zahlreichen Dockanlagen und Lagerhäuser gelegen sind. (Scherl-Bildarchiv-M.) Nacht zum Tag verwandelt. „Eine Feuersäule folgte der anderen. Es brannte nicht nur an der Themse und im Osten der Stadt. Der rote Hahn sprang von Haus zu Haus, Hunderte von Meter an einer Hauptverkehrsader entlang, die von der City nach Westen führt. In der Nacht zum Montag erlebte die Bevölkerung Londons d i e furchtbarsten Explosionen, die je ein Krieg mit sich gebracht hat. Himmel und Erde zitterten mehrere hundert Kilometer im Umkreis, wenn eine große Bombe eine Steinbrücke oder ein Haus traf. Ich befand mich um Mitternacht in jenem Stadtteil, in dem die Menschen von dem Luftdruck der Explosionen auf die Erde oder an die Hauswände geschleudert wurden. Als der Tag graute, erfuhr ich, was es heißt, plötzlich zu merken, daß das Haus, in dem ich mich befand, wie ein Boot au einem See zu schaukeln anfing. Drei gewaltige Explosionen ließen die Luft erzittern, und wenn auch die Wände nicht einstürzten, so gingen doch Fenster und Türen zu Bruch. In der Nacht zum Montag haben Hunderttausende von Londonern das gleiche Erlebnis gehabt." Der Londoner Berichterstatter von „Nya Dagligt Allehanda" schreibt über die Bombenangriffe auf die wehrwirtschaftlichen Anlagen Londons Inder Nacht zum Dienstag, der ganze Himmel ist wieder erleuchtet vom Feuerschein, so daß man ohne weiteres bei ihm lesen könnte, und zwar viele Meilen von ihm entfernt. Zum zweiten Male erfährt auch das Westend, was ein moderner Bom- benkrieg bedeutet. Dicht aufeinander folgen die Bomb en explosiv neu, die Ungeheuer« Feuer per- S t o ck h o l m, 11. Sept. (Europapreß.) Der vierte Luftalarm Londons wurde am Dienstagabend um 16.59 Uhr englischer Zett gegeben. England erlebte vorher um die Mittagsstunde einen Luftalarm, weiter einen Luftalarm, der um 15.17 Uhr begann und einen weiteren, der um 15.43 Uhr einsetzte. In den Mittagsstunden des Dienstags konnte man, wie ein In Kenia wurden feindliche Depots und Va- Sprecher des Londoner Rundfunks, der Mitarbeiter - E des liberalen Blattes „News Chromcle", William ". Forest, bestätigte, zu Beginn dieses Alarms noch uno Hunderte von Feuernin London beobachten. _ _ . . , „ E, ew Aus der Darstellung ging im übrigen hervor^ daß Der Feind versuchte Luftangriffe auf Wa s s a ua, deutschen Ziele insbesondere m den wichtigen Asmara und Desfie. Die Bomben fielen vor Verkehrs anlagen, wie Eisenbahnlinien, zu allem auf freies Feld und hatten zwei Tote und suchen sind. So muß der Londoner Rundfunk be- drei Verletzte zur Folge. (tätigen, daß eine wichtige Verkehrskreuzung in London von Bombenvolltreffern in der Nacht zum Dienstag vernichtet und daß eine Umleitung des WHerforderlich wurde. „Überhaupt ist es Bukarest, 9. September. (Europapreß.) Im schwer, morgens ins Büro zu kommen", erklärte em Minffterpräsidium fand unter Vorsitz des Minister- anderer Rundfunksprecher. Er schilderte, wie am Präsidenten General Antonescu ein Minister- Dienstagmorgen Tausende von Menschen an den • -...... ~ " ■ • Autobus-Haltestellen und Untergrundbahnhofen gewartet hätten, um sich nach den Derkehrsmöglich- keiten zu erkundigen. Zahlreiche Verkehrsverbin- bungen hätten umgeleitet werden müssen. In den Mittagsstunden des Dienstag standen die Bruchstellen einiger Gasrohre in Zentral-London noch in Hellen Flammen, ba es offensichtlich noch nicht gelungen war, die Brände zu löschen ober bas Gas abzustellen, ohne dadurch die Versorgung ganzer Stadtteile lahmzulegen. An anderer Stelle haben deutsche Bomben Wasserrohre gesprengt. Reuter berichtet, daß die F e u e r s b r ü n st e in der City von London teilweise noch nicht gelöscht werden konnten. Eine Explosivbombe habe schweren Schaden in einem Teil der Guildha11, dem Londoner Rathaus, angerichtet. Zwischen zwei Alarmen besuchte Winston Churchill die am stärksten in Mitleidenschaft gezogenen Stadtteile Londons und die Themsegegend. Der Ernährungsminister Lord W o o l t o n hatte die Aufgabe, die großen Speicher und Lebensmittelvorräte in Augenschein zu nehmen, die Ziel der deutschen Luftangriffe gewesen waren. Der englische Nachrichtendienst teilt mit, baß in erster Linie die Mehl- unb Zuckervorräte der englischen Haupfftadt in Mitleidenschaft gezogen wurden. Der Londoner Berichterstatter der „Göteborg Feiger Anschlag aus die deutsche Ernte abgeschlagen. nIsrandplättchenwurdenvonbritischenTrachtpirateningroßenMengenauSgestreut nicht auftvenden wollte, chso Bauernh °us-r^ Scheunen, erntereife Felder, For ten usw. Diese Zündplättchen sind mehrfach m außer ordentlich großer Zahl abgeworfen worden. Mit dem Aufgebot aller zur B-rsugung stehe'rd-nI Or aanifationen wurde die Gefahr, die biefe jBranb Plättchen bedeuten, beseitigt. Trotzdem Bauerngehöfte, Getreideschober Scheunen, kleinere Waldstrecken und Heibeflachen diesem feigen Kampfmittel zum Opfer gefallen. Insbesondere waren Brandoerletzungen von Personen zu beklagen, die das heimtückische Kampfmittel ahnung^ los anfaßten oder in die Tasche steckten, wo es sich dann unerwartet entzündete. - , Britische Verbrecher unternahmen den Versuch, ein ganzes Volk und dann einen ganzen Kontinent durch eine Blockade auszuhungern. Als sie scheiterte, setzten sie diesen Versuch fort in dem Be- mühen, die Ernte unseres Lan d e s zu vernichten. Wenn keine größeren Schaden entstanden sind, so ist dies einerfeite der feuchten Witte- runq, andererseits dem entschlossenen E i ns atz der Äbwehrkräfte zu verdanken. Wenn heute deutsche Bomben nach so vielen abgelehnten Friedensangeboten und so vielen m den Wmd Aeschla- qenen Warnungen militärische Objekte m London treffen, dann bedeuten diese Bomben die Vergeltung auch für diese unwürdige britische Kampfmethode. •lower ßÄe/ClM -f x-^‘4 Sa.trthwärk Park erste 0 Alleinhersteller: PJos.Möbs wiesen. Möglicherweise kann entweder der Mensch mit sehr wenig Vitamin C unter' gewissen Voraussetzungen aus kommen, oder aber es kommt — wie manche Forscher vermuten — Vitamin C im Körper in einer zweiten, an Eiweiß gebundenen Form vor, und kann so auch gespeichert werden. Darüber kann aber kein Zweifel herrschen, daß eine länger dauernde Beschränkung unserer Speisekarte auf Konserven und Eisbein oder ähnliche fleischliche Genüsse unweigerlich zum Skorbut führen würde. Wir müssen uns also auf das Vitamin C — wenn auch ohne übertriebene Angst -v doch einstellen. Da ist nun immer wieder die Pellkartoffel unser treuester und zuverlässigster Vitaminlieferant. Auch rohe Salate haben ihren Wert, man muß allerdings wissen, daß das SBitamin-vC von der Luft rasch angegriffen, oder wie der Chemiker sagt, oxidiert wird. Auch der herrlichste Salat verliert seinen Reichtum an Vitamin C, wenn er geschnitten und fertiggemacht mehrere Stunden steht. Das muß die Hausfrau bei ihren Küchenkünsten berücksichtigen. Das O b st ist nur in rohem Zustand für die Ditamin-E-Versor- gung nützlich. Eine besonders reiche, ia vielleicht überhaupt die reichste Quelle hat sich in der Hagebutte entdecken lassen, die in Form einer schonend zubereiteten Marmelade besonders empfohlen wird. Die Bedeutung des Vitamin C bei gewissen Krankheiten ist vorläufig noch nicht ganz geklärt. Sicher ist, daß es bei manchen Jnfe ktio ns- Luftfchutz, den Block- und Zellenleitern, den Werkscharen, der SA., HI., und selbst der Frauenschaft zur Stelle. Und das Volk empfindet, daß es sich im Schutze feiner gewaltigen Flakabwehr, in der Betreuung und in der Führung seiner Partei u n - bedingt geborgen fühlt und damit seelisch und moralisch von Tag zu Tag und Woche zu Woche stärker wird. Die Gefahren in der Heimat sind heute fast ebenso groß wie die Gefahren an der Front, und damit ist auch die Verbundenheit zwischen beiden eine so unzertrennliche und einmalige. Jawohl, Herr Churchill, Sie hoffen auf den „General Revolution", von dem der Führer in seiner letzten Rede in so beißendem Hohne sprach. Dieser „General Revolutton" ist da, aber anders als Sie sich ihn gedacht haben. Es ist nicht jener Lumpengeneral vom 9. November 1918, der als Landesverräter unseren tapferen Soldaten in den Rücken fiel und unser Volk zerbrach, sondern es ist ein nationalsozialistischer General, es ist jene nationalsozialistische Revolution, die unser Volk von Grund aus erneuert, ihm einen neuen Geist, eine neue Moral und eine neue Haltung gegeben hat. Dieser General der nationalsozialisti- schen Revolution heißt Adolf Hitler. Er ist der größte Dolksführer, der größte Staatsmann und der gewaltigste Feldherr aller Zeiten, und er wird Sie, Herr Churchill, samt Ihrem gesamten plutokratischen Anhang aus England und aus Europa ein für allemal hinausjagen und damit die Welt und vor allem die schaffende Menschheit von der Sklaverei des jüdischen Geldsackes befreien." öchumMeiß ^Bleich-Soda löst über Nacht den Schmutz aus der Wäsche und macht - Oie deutsche Getreideernte trotz schlechter Witterung recht gut Die Entdeckungen der Ditaminsorschung, die auch heute noch lange nicht abgeschlossen sind, haben in den letzten Jahren ein solches Tempo erreicht, daß auch weite Gebiete der Heilkunde davon mitgerissen worden sind. Um einmal Klarheit in den Stand der Erforschung des Vitamins C zu bringen, wurden auf der Tagung der Kinderärzte in Wien in mehreren Referaten die bisherigen wirklich einwandfreien Ergebnisse zusammengetragen. Was habet zur Sprache kam, geht nicht nur jede Mutter, sondern auch jeden anderen Erwachsenen an. Im Mutterleib erhält das Kind mit dem Blut auch seine Vitaminspenden. Ißt die Mutter unvernünftigerweise zu wenig Gemüse oder andere Vitamin-C-reiche Lebensmittel, dann wird auch das Heranwachsende Kind bedroht. Allerdings hat hier die Natur vorgesorgt. Wie Dr. W i d e n b a u e r - Posen in seinem Vortrag über das Vitamin C zeigte, gibt es gewisse Speicherorgane, die von dem wertvollen Wirkstoff besonders große Mengen zusammenras- fen. Dazu gehören die Organe, die die Ernährung des Säuglings sicherstellen. Einzelne Säugetiere, B. die Ratten, haben die Fähigkeit, das Vitamin im eigenen Körper aufzubauen. Sie sind soweit Selbstversorger, daß sie auch bei völlig Ditamin-C- jreter Ernährung niemals Skorbut bekommen. Die Annahme, auch der Mensch könne dies bis zu einem gewissen Grade, ist jedoch bis jetzt noch nicht be- öchwarzMß ikmM — Die Ernährung des Säuglings Ergebnisse der Wiener kinderkundlichen Woche. statten. Verkauf englischer Vermögenswerte m Ausland. Madrid, 10. Sept. (Europapreß.) Der Verkauf englischer Vermögenswerte an die Vereinigten Staaten nimmt seinen Fortgang. „Um sich Dollars sur den Ankauf wichtiger Kriegsmaterialien zu verschaffen, hat England den Vereinigten Staaten gewiße bedeutende Geschäftbeteiligungen in Australien verkauf t", so berichtet „Daily Telegraph" aus Camberra. In einer bedeutenden Tochtergesellschaft eines englischen Unternehmens in Australien ist als erste Folge des Ueberganges der Beteiligung bereits die Leitung aus englischen t n amerikanische Hände übergegangen. Amerikanische Gesellschaften kündigen gleichzeitig auch ihre Absicht an, ihre Verkäufe amerikanischer Erzeugnisse in den Dominien in Zukunft erheblich ZU steigern. Die englische Regierung muß den größten Teil ihrer Krieqsausgaben von den Londoner Großbank e n b o r g e n , weil die Zeichnungen auf die Kriegsanleihe immer geringer werden und in der letzten Zeit auch der S t e u e re i. n g a n g nachgelassen hat. Während des Wochenendes hat das Schatzamt von den Banken die Hergabe von 20 Millionen Pfund gefordert. — schreibt: „Kingsley Woods Budget stellte das Ahatz- amt vor die Aufgabe, wöchenlich 38 Millionen Pfund aus anderen Quellen ‘als den Steueremgang herbel- zuschaffen. Aber der Verkauf von Verteidlgungsbonds bringt nicht mehr ein als 10 Millionen wöchentlich, daher das gestrige erneute Borgen gegen bloße Hcmd- zeichnung/"__ Oie Beisetzung des Staatspräsidenten von Paraguay. B u e n o s A i r e s, 10. Sept. (DNB.) In Asuncion wurde unter riesiger Anteilnahme der Bevölkerung der tödlich verunglückte Staatspräsident von Paraguay, E st i g a r r i b i, und seine Gattin zur letzten Ruhe geleitet. Besonders die Kämpfer des Chaco- krieges hatten bereits vorher dem Präsidenten, der im Regierungsgebäude aufgebahrt war, ihren letzten Gruß entboten. Kadetten und Offiziere hielten die Totenwache. Bei der Ueberführung zum Pantheon Berlin, 10. Sept. (DNB.) Wegen der schlechten Witterung in der Wachstumszeit ist in den meisten Ländern der Welt die diesjährige Getreideernte in ihren Ergebnissen hinter dem verhältnismäßig hohen Durchschnittserträgen der letzten Jahre zurückgeblieben. Auch für Deutschland wurde ein sehr erheblicher Ertragsausfall befürchtet, der vielfach auf 10 bis 20 v. H. einer Normalernte veranschlagt wurde. Nach der nunmehr vorliegenden Augustschätzung des Statistischen Reichsamtes, die naturgemäß noch kein abschließendes Bild ergeben kann, sind diese Befürchtungen für Deutschland nicht begründet. Nach den Schätzungen der amtlichen Berichterstatter ist für Großdeutschland (außer dem Protektorat und den neuen Ostgauen) mit einer Gesamtgetreideernte von 24,6 Million en Tonnen zu rechnen. Damit bleibt der diesjährige Ertrag nur unbedeutend (um zwei vom Hundert) hinter dem letzten vergleichbaren Friedensdurchschnitt August 1934/38 in Höhe von 25,1 Millionen Tonnen zurück, der ohnehin wegen der Rekordernte 1938 etwas überhöht ist. Daher muß die diesjährige Getreideernte als recht gut stärker denn je d a. Die Geschlossenheit des Volkes ist fester und eindeutiger als vor einem Jahr. Die letzten Feinde des Nationalsozialismus sind durch die gewaltige Sprache der Tatsachen bekehrt. Die Leistungen unserer schaffenden Menschen in Stadt und Land, in Fabrik, Werkstatt und Kontor, auf dem Bauernhof und auf den großen Gütern sind enorm gestiegen. Die verlängerte Arbeitszeit wird ohne Murren'ertragen und jeder einzelne gibt sein Letztes her, um es den Soldaten an der Frönt gleichzutun. Auf sozialem Gebiet haben wir dem schaffenden Menschen das unbedingte und absolute Gefühl erhalten können, daß ihm die Deutsche Arbeitsfront auch weiter betreut und ihn damit vor der Willkür, die leicht in solchen Zeiten kommt, bewahrt. Durch den Befehl des Führers ist darüber hinaus mitten im Krieg der Auftrag zum Auf- und Ausbau einer großzügigen Altersversorgung gegeben worden, um dem deutschen Volk und der Welt zu offenbaren, daß unser Kriegsziel darin besteht, den .Sozialismus im Kampf gegen den liberaliftischen Kapitalismus endgültig zum Segen unseres Volkes und damit auch zum Segen der Menschheit zum Siege zu führen. „Bei meinen ständigen Besuchen in den bom« bengefährdeten Gebieten stelle ich im- nwr wieder fest, daß sich die Männer und Frauen in der Heimat in diesem Kriege genau so als Soldaten fühlen, wie die Soldaten an der Front. Die ganze Partei und mit ihr das gesamte Volk stehen Nacht um Nacht auf ihrem Posten, der Gauleiter und jeder Kreisleiter stehen auf ihren Befehlsständen, und wo ein Brand ausbricht, oder wo Hilfe gebracht werden muß, ist die Partei mit dem 3m Frieden vorbereitet, im Kriege auf das glänzendste bewährt Or. Ley über die Arbeit der Partei im ersten Kriegsjahr. angesprochen werden. Hierbei ist noch zu berücksich- tigen, daß in den gegebenen Zahlen die Erträge der neuen Getreideüberschußgebiete des «. Ostens (Danzig-Mestpreußen, Wartheland) noch nicht enthalten sind, die fick auf mindestens 3,5Millionen Tonnen belaufen dürften und deren erhebliche Ueberschüsse in diesem. Jahre erftmalia dem Reich zur Verfügung stehen. Bei der Beurteilung der deutschen Dersorgungslage mit Getreide ist außer den gegebenen großen Möglichkeiten der Einfuhr aus Südofteuropa und Rußland noch auf die aufjerorbentlith hohen U eber g angsb estä n d e zu verweisen, die allein beim Brotgetreide 6,2 Millionen Tonnen (ohne Mehrbestände bei Bäckern in Höhe von 150 000 Tonnen) betragen und damit sogar etwas größer sind als zu Beginn des Krieges. Miss stets wird eine amtliche Vorschätzung der Hackfruchternte erst im Oktober durchgeführt, jedoch kann schon jetzt gesagt werden, daß wahrscheinlich mit Höchsternten bei Kartoffeln und Zuckerrüben zu rechnen ist, da die Witterung der Entwicklung der Hackfrüchte außerordentlich zustatten kam. Neuyork, 10. Sept. (Curvpapreß.) Der der an England übertragenen nordamerikanischen Zerstörer wurde am Montag offiziell der britischen Flagge unterstellt. Die Uebergabe fand in einem ostkanadischen Hafen statt. Sie bestand in der Einziehung der USA.-ftlagge vor der parade- mäßig angetretenen nordamerikanischen Mannschaft, worauf das Schiss der britischen Besatzung unter gleichzeitiger Hissuna der britischen Flagge übergeben wurde. Der O8A.-Kreuzer „St. Louis lief mit Kurs auf die Vereinigten Staaten aus Hamilton (Bermudas) aus. Der Kreuzer hat die zehn- töpfige 8 A. - Kommission an Bord, welche mit dem englischen Ausschuß über den Ausbau von Flotten- und Flugzeugstutzpunkte n im Großen Sund der Bermuda-Inseln verhandelt hatte. Die Kommission wird den Behörden in Washington über ihre Verhandlungen Bericht ertrugen Minister und Generale den Sarg durch ein Spalier der Regimenter und Schulen. Der interimistische Staatspräsident General M o r i n i g o , der Präsident des Obersten Gerichtshofes, der Rektor der Universität sowie das Diplomatische Korps gaben dem Dank der Nation und den Abschiedsgrüßen an den toten Feldherrn und Staatschef Ausdruck. Der Führer übermittelte dem stellvertretenden Staatspräsidenten telegraphisch seine Anteilnahme und ließ dem Geschäftsträger von Paraguay, General Sche- noeni, durch Staatsminister Dr. Meißner auch persönlich sein Beileid aussprechen. Japan und die Lage im Pazifik. Tokio, 11. Sept. (Europapreß.) In Tokio erklärt man zur Lage: Getreu seiner im April abgegebenen amtlichen Erklärung wünsche Japan keine territoriale Aenderung des Status quo im Pazifik, wohl aber zielten seine Absichten darauf hin, Handelsverträge mit F r a n z ö s i s ch - I n d o ch in a und Niederlän- disch - Indien abzuschließen, die beide dem japanischen Handel bislang nahezu verschlossen geblieben seien. Diese Maßnahme werde um so dringen-, der, als Amerika, insbesondere die Vereinigten Staaten, den japanischen Handel mit immer neuen Sanktionen belegten. Hinzu komme bas japanische Verlangen an Französisch-Jndochina nach Einste11ung der Rüstungszufuh- r e n über dieses Gebiet für Tschiangkaischek. In der „Japan Times", dem englisch geschriebenen Blatt, das dem japanischen Außenamt nahesteht, wird ausgeführt, Japan suche nichts anderes als einen vernünftigen Wctrenaustaufch mit seinen geographischen Nachbargebieten, von denen Jndochina und Niederländisch-Jndien bisher für den japanischen Handel durch unübersteigbare Mauern versperrt geblieben seien. RoosevettsWehrvorlage inKrafl e Hydepark, 10. Sept. (DNB.) Die mit 5,2 Milliarden größte Wehrvorlage in Amerikas Friedensgeschichte erhielt am Montag durch Roosevelts Unterschrift Gesetzeskraft. Der Betrag enthält allerdings nur 2,3 Milliarden Dollar Barbewilligungen. Der Rest stellt die Ermächtigung für Rüstungen dar, deren Kosten der Kongreß später noch gesondert bewilligen muß. Das Gesetz sieht Mittel vor 1. für die vollständige Ausrüstung einer nach der Annahme der Wehrpflichtvorlage aufzustellenden Armee von 1,2 Millionen Mann, 2. für die Beschaffung von Reservebeständen an Tanks, Geschützen, Munition usw. für weitere 800000 Mann; 3. für den Ankauf weiterer 14 3 9 4 Ar - meeflugzeuge und 4028 Marineflugzeuge; 4. für den Baubeginn der Mehrzahl der 200 Kr ie gss chis fe, die das neue Flottenaufrüstungsprogramm zwecks Schaffung einer Zwei- Ozeanflotte mittels einer 70prozentigen Vermehrung der augenblicklichen Tonnage vorsieht; 5. Bereitstellung von 472 Millionen Dollar für neue Werkanlagen der privaten und der staatlichen Rüstungsindustrie. Das Marineministerium vergab am Montag an private und staatliche Werften Bauaufträge für 201 Kriegsfahrzeuge im Gesamtwert von 3,8 Milliarden Dollar. Die Aufträge umfassen nahezu sämtliche vom Bundeskongreß «auf Grund des neuen Flottenbauprogramms bewilligten Schiffe, deren Bauzeit bis zu fünf Jahren betrügt. Bestellt wurden u. a. sieben Schlachtschiffe für je 100 Millionen Dollar, a ch t Flugzeugmutterschiffe für je 57 Millionen Dollar, 2 7 Kreuzer für je 30 Millionen Dollar, 115 Zerst ö r e r für je 8,1 Millionen Dollar und 4 3 U - Boote für je 6 Millionen Dollar. Nach Beendigung des Bauprogramms in etwa sieben Jahren dürften die Vereinigten Staaten über eine Zweiozeanflotte von insgesamt 688 Kriegsfahrzeugen verfügen oder, wie die amerikanische Presse schreibt, über die größte Flotte der Weltge- s ch i ch te. Erster LIGA.-ZerstSrer an England übergeben. Berlin, 10. Sept. (DNB.) lieber die Arbeit der Partei im Krieg veröffentlicht Reichsorganisationsleiter Dr. Ley im „Angriff" einen Artikel, in dem er aussührt: „Die Leistungen der Partei, ihrer Gliederungen, der SA., ff., HI. und Frauenschaft und der angeschlossenen Verbände, insonderheit der DAF., der NS.-Volkswohlfahrt, des Winterhilfswerkes, des Roten Kreuzes und des Luftschutzes sind so gewaltige und einmalige, daß sie aus dem Gesamterfolg des deutschen Volkes nicht mehr weggedacht werden können. Wir stellen mit Genugtuung fest, daß alles das, was wir im Frieden oorbereitet haben, sich im Kriege auf das glänzendste bewährt. Die Organisation der Partei, die Unterteilung der Ortsgruppe in Zelle und Block, das Hineintraaen der Partei in die Betriebe, in die Mietshäuser und in die Bauernhöfe ist so wirkungsvoll und gründlich, daß man mit Ruhe sagen kann, es kann kommen, was mag, das deutsche Volk ist heute durch seine Partei so organisiert, daß es jede Belastung ertragen kann. Ich kann auf den täglichen Besuchen in den Betrieben aus eigenem Augenschein behaupten, so fährt Dr. Ley fort, daß die Stimmung in den Betrieben besser ist als vor einem Jahr. Das gleiche gilt von den Bauern auf dem Dorfe und den Handwerkern in der Stadt. Die Verbindung zwischen Partei und W e h r m a ch t ist zu einer unzertrennlichen und in der Geschichte einmalig dastehenden Schicksals- und Kampfgemeinschaft geworden, und der Führer wird von seinen Soldaten als ihr Feldherr ebenso geliebt und verehrt wie von der Partei. So steht Deutschland nach einem Jahr Krieg krankh eiten den Kampf des Körpers gegen die Erreger unterstützt. Nach einem Bericht von Dr. I. v. G a g y i sind besonders Diphterie » Bakterien gegen Vitamin C empfindlich. Es wird vermutet, daß sie durch Vitamin C in ihrer Entwicklung gehemmt werden; andererseits gerftö- ren die Bakterien auch den Wirkstoff, was eine Erklärung dafür ist, daß er im Blut und der Rückenmarkflüssigkeit der Kranken meist nur noch in Spuren zu finden fft. Auch hier wird die Forschung in den nächsten Jahren noch manches Problem zu lösen haben. Natürlich gilt die Sorge der Kinderärzte nicht nur der Ditaminversorgung, sondern der Ernährung überhaupt. Manche Kinderärzte stehen auf dem Standpunkt, daß es besser ist, der Mutter Obstsäfte zu geben, damit deren Vitamine auf dem Umweg über die Milch dem Kinde zugute kommen, als dem Säugling schon allzufrüh solche, ihm noch nicht ganz gemäßen Nährstoffe zusätzlich einzuflößen. Im übrigen stellte Prof. Vogt- Münster in seinem Bericht über die Säuglingsernährung die Forderung nach einer möglichst lang dauernden Stillzeit voran. Erst wenn wirklich die Mutter dem Säugling keine Nahrung mehr geben kann, sollte die zusätzliche Ernährung beginnen, und zwar möglichst nicht vor dem sechsten Monat Fruchtsäfte bzw. im siebenten Monat Gemüse. Es wird selbstverständlich immer Ausnahmen geben und von einem gewissen Alter ab muß bann jedes Kind an eine künstliche Ernährung gewöhnt werden. Prof. Vogt berichtete von ausgezeichneten Erfahrungen, die mit Sauermilch als Säuglingsnahrung gemacht worden sind. In bestimmter, vom Arzt verordneter Zubereitung wird sie nicht nur als Heilmittel für kranke Kinder, sondern auch als normale Nahrung für gesunde au» ßerordenttich geschätzt. Die Sauermilch hat den großen Vorzug, daß sie nicht mehr verderben kann, weil sie ja schon „verdorben" ist. Sie ist also b e - sonders haltbar. Außerdem, bewirkt die Säure, daß der^ Säugling das an sich schwer verdauliche Eiweiß besser auf nimmt. Man kann unter Umständen dafür sogar saure Vollmilch verwenden, braucht also nicht — wie bei der süßen Kuhmilch — zu verdünnen. Wie Prof. Vogt mit- teilte, hat sich diese neuartige Säuglingsernährung außerordentlich rasch eingeführt und erfreut sich bei den Müttern steigernder Beliebtheit. — In der lebhaften Aussprache zu diesen wichtigen Themen wurde von Prof. B e s s a u - Berlin noch mitgeteilt, daß seine auch von den Referenten erwähnte „K i n d e r n a h r u n g" , die der stofflichen Zusammensetzung und der Verdaulichkeit der Frauenmilch besonders ähnlich ist, weiter verbessert werden konnte. Er sprach bann noch die Erwartung aus, daß in Zukunft die Trockenmilch eine größere Rolle spielen könnte als bisher, wenn es nämlich gelingt, bei ihrer Zubereitung alle wertvollen Stoffe zu erhalten. Als wertvolle Ergänzung wurde dann von verschiedenen Rednern, so von Prof. Hamburger, die Frauenmilch empfohlen, die in den Frauenmilch-Sammel- ftellen konserviert abgegeben wird, oder noch besser durch sorgfältig ausgewählte Ammen in frischem Zustand gegeben wird. Seitdem das Stillen wieder Mode zu werden beginnt, sind auch wieder Mütter vorhanden, die ihre überschüssige Milch denjenigen Säuglingen zu geben bereit sind, die von ihren eigenen Müttern nicht versorgt werden können. Frau Nanna Conti berichtete dazu, wie durch persönliche Propaganda tüchttger Hebammen in kurzer Zeit hier ganz neue Möglichkeiten erschloß ' sen werden konnten. fxxubticfiriftieUet: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter be» 1 Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Pol ttt, . Feuilleton und Bilder: Dr. Fr- ®-Lange; für Stadt Gießen, Provinz, , Wirtschaft und Sport: Ernst Blum schein. Druck und Verlag: Brühlsche UniverfitLtSdruckerei R. Lange K. S. • Berlagsleiter: Dr.-Jng. Erich Hamann; Anzeigenlmter: Hcms Beck. . V «^antwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Pl.Nr.S. Zhre Vermahlung geben bekannt 55) Ewigkeit genommen. zusätzliche 4025 D Heuchelheim. Horchheim, den 10. September 1940. 4027 D zeigen ihre Vermählung an 11. September 1940 4031 D Stellenangebote! Burkhardsfelden. Wuppertal-Barmen, den 10. September 1940. Die Beerdigung findet Freitag, den 13. September, nachmittags um 14 y2 Uhr statt. 03053 Stadttheater Gießen dem von 17—18 Uhr. 4029D sucht ab sofort 4022 D 4000 D liefert laufend 4026V Badces & €<>♦/ Chem* = Fabrik Rheydt (Rhld.) Muster auf Anfrage In Fachgeschäften gut eingeführte Vertreter gesucht Die neuen Lose sind da! 4030 D kaufen Sie bei r DieOeulscbeArheilsfronl j Kreisdienststelle w OOOlflDOon U/FRRE DRUCKSACHEN "tnoc Brühl. Gießen ■ Mittwoch «ernster wissenschaftlicher Bemühung." Will Vesper. 4028 D Stadttheater Gießen z. 3- im Felde Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen innigstgeliebten Mann, unseren Heben Vater, Schwiegervater und Großvater Werbeschrift und Auskunft durch Hessische Badedirektion Bad Salzhausen El)-Service. Nähmaschine, Eisenbahn, Herren- Schreibtisch, Elektrische Zuglampe preisw.z.verk. Weserstr. 2. Gießen Lismarckstr. 45 Johann Christian Blei, Straßenwart i. R im Alter von 69 Jahren plötzlich in die Ewigkeit abzurufen. Carl-Heinz Schlüter Elfi Schlüter, geb. Kukuczka zwei perfekte tüchtige Schneiderinnen Staatliche Lotterieeinnahme BUCHACKER Gießen, Neuen Baue 11 Gott der Allmächtige hat heute um 10y2 Uhr nach ihrem arbeitsreichen Leben meine innigstgeliebte Frau, unsere gute Mutter. Schwiegermutter, Großmutter. Schwägerin und Tante Frau Margarethe Römer, geb. 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Oktober 1940 mit „Paganini", Operette von Lehär Preise: RM. 14.40,12.-, 9.60, 7.20, 4.80 (in sieben Raten zahlbar) In Zusammenarbeit mit dem Stadttheater und dem Konzertverein Gießen 1 Konzertring mit 2x6 Konzerten davon jeweils 4 Orchesterkonzerte und 2 Solistenabende - Preise ]e nach Miete und Platz 1 Theaterring mit 16 Veranstaltungen im Plafrgruppensystem (4 Opern - 4 Operetten - 4 Schauspiele — 4 Lustspiele) Spielbeginn: 3. Oktober 1940 mit,,Paganini“, Operette von Lehär Preise: RM.28.80,24.-,19.20,14.40,9.60 (in sieben Raten zahlbar) In Zusammenarbeit mit dem Goethebund, Kaufmännischen Verein und der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde 1 Vortragsring mit 12 Vorträgen davon 4 Dichterlesungen 2 geographische Vorträge und 6 allgemeine Vorträge - Preise le nach Miete und Platz Anmeldung und Auskunft bei allen Betriebs- und Ortswarten Kraft durch Freude und in der Kartenverkaufsstelle Gießen, Seltersweg 60, Tel. 2141. 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Wir stolpern : im Dunkeln den Feldweg entlang, kurz leuchtet die Taschenlampe auf. In einigen Dutzend Metern Entfernung ragen die langen Rohre einer schweren Flakdatterie gegen den nachtdunklen Himmel und i geben ein annäherndes Ziel für unsere Wanderung. Eine kurze Begrüßung, der Batteriechef nimmt uns in seine Obhut, führt uns auf schmalem Wege hin zur gut getarnten Batterie. Achtung! Kartuschen! Geisterhaft arbeiten einiae Mann am Munitionsstapel, bereiten nach dem kurzen Feuerüberfall, der uns unterwegs schon überrascht hatte, wieder alles vor, um aufs neue für den Kampf gegen den im Dunkel der Nacht eingeflogenen Briten gerüstet zu fein. Einige Stufen stolpern wir hinunter und stehen in einer Geschützstellung. An den Geschützen stehen die Bedienungsmannschaften, Munition liegt griffbereit. In Deckung wandern wir weiter zur Befehlsstelle und in den Schutz eines eingebauten Bunkers. Weit entfernt, bei M., spielen die Scheinwerfer, ein Zeichen, daß die Feindflieger im erneuten Anflug sind. Rechts, mehr als 20 Kilometer entfernt, ist eine Leuchtbombe erkennbar. Am Kommandogerät wird es lebhafter, Zahlen schwirren, werden weitergeleitet, immer näher tasten sich die Leuchtfinger am Horizont, dumpf klingen Abschüsse und Detonationen herüber. Niedriger werden die Meßzahlen; die Meßgeräte verraten, daß Flieger sich in den Schußbereich begeben haben: Kommando: Feuer! Wie durch einen Blitz erhellt sich das Gelände. Die Batterie hat das Feuer eröffnet und legt dem Flieger eine Sperre von Geschossen vor die Nase. Schuß auf Schuß, kaum vermag das ungeübte Ohr noch zu verstehen, was vom Kommandogerät zu den einzelnen Batteviestesten gerufen wird... Ununterbrochen klingelt die Feuerglocke. Ebenso plötzlich, wie es einsetzte, hört es wieder auf. Der Flieger hat abgedreht, und wir sind nun Zuschauer eines Feuerwerks, das von den anderen vielen Abwehrbatterien bestritten wird, die rund um die Großstadt zum Schutze von Hab und Gut der Bevölkerung ausgestellt sind. Neben dem dumpfen Abschuß der schweren Flak knattern die mittleren und leichten Abwehrgeschütze, neben den hoch oben austilitzenden Sternen der schweren Geschosse ziehen in ununterbrochener Kette die Leuchtspuren der leichten, betonieren in schnell aufeinanderfolgenden Knallen. Hin und wieder strahlt ein Scheinwerfer auf, kreuzt sich mit einem zweiten — ein leichter Schatten ist am Schnittpunkt erkennbar: „Ziel erkannt". Alle Rohre, die es in Reichweite haben, feuern und zwingen die Maschine zum Abdrehen. Ein feurigroter Ball bläht sich in der Ferne auf, verschwindet in Nichts. Ein dumpfer Knall folgt wenige Sekunden später — eine Bombe ist geworfen. Später erfahren wir, daß die Bombe, wie schon so oft, ins freie Gelände gefallen ist und keinen Schaden angerichtet hat. Inzwischen geht das geheimnisvolle Leben in der Batterie weiter. Die leeren Kartuschen werden weggefchafft, neue Munition bereitgestellt. Die kurze Ruhepause benutzen wir, uns in der Batterie umzusehen. Kreuz und quer laufen die Gänge, führen zu den Unverständen der Mannschaft, zu den einzelnen Geschützen. Gut geschützt gegen Splitterwirkungen liegen diese Unterkünfte. Das erste Kriegssohr hat man gut ausgenutzt. Lag man die ersten Kriegsmonate noch meist mehr im Freien als in' schönen trockenen Räumen, so ist es heute dort drunten, in der Erde eingebuddelt, den Umständen entsprechend heimelig. Hier hält sich der Flaksoldat auf, wenn ihn nicht der Dienst im Freien festhält, hier verbringt er die kargen Mußestunden, wenns draußen stürmt und hagelt. Bei Sonnenschein zieht er es vor, einer niedlich eingerichteten Gartenlaube einen Besuch abzustatten, um die Blumenbeete von der Naturfreudigkeit des deutschen Soldaten zeugen. Hier schnitzt er Flugzeugmodelle — eine beliebte Beschäftigung und gleichzeitig eine nützliche —, hier klingt die Ziehharmonika und erschallen die Soldatenlieder — Bunkerleben! Aber, wie gesagt, der Mußestunden gibt es gar wenige. Gerade der Flaksoldat mit seinen modernsten 'Geräten bedarf ständiger Schulung, will er Meister in der technischen Beherrschung feiner Waffen sein. Etwas abseits liegt ein kleiner Ende zufrieden gewesen, hätte der Krieg ihm nicht plötzlich und unerwartet eine neue Chance geboten. In geschwollener Wichtigkeit hat er sich zum Tyrannen der Kleiderkarte aufgeschwungen, und dieselben Frauen, denen er einst verlockend schien, möchen heute verzweifeln an ihrem letzten Punkt. Als letzter Punkt der Kleiderkarte ist sich der Spätling des Schöpfungsaktes nun feiner ganzen Bedeu- möchten heute verzweifeln an ihrem letzten Punkt, ohne den es nichts anzuziehen gibt! Aber Hochmut kommt vor dem Fall! Minchen Meier hat heute den letzten Punkt ihrer Kleiderkarte in ein rotkariertes Schnupftuch verwandelt, und unter uns fei verraten, daß Minchen Meier ein Rotznäschen hat... Front zum Schutze der Zioilbevöskerung, die sich nicht allzusehr von der Front draußen unterscheidet — nur in einem unterscheidet sie sich sehr: sie stehen nicht einem offen daherkommenden Feind gegenüber, sie kämpfen gegen einen Feind, der sich im Schutze der Wolken in dunkler Nacht heranschleicht, der nicht militärische Objekte angreift, sondern eine friedliche Bevölkerung mit Spreng- und Brandbomben und anderen heimtückischen Mitteln bekämpft. Trotz dieser Schwierigkeiten erfüllen die Flaksoldaten hervorragend ihre Aufgabe, die großen Städte mit ihren für die Wehrkraft Deutschlands entscheidenden Industrie- und Derkehrsanla- gen von feindlichen Fliegerbomben freizuhalten. Und sie sind stolz auf ihr Wirken: sie schützen die Heimat! E. §• Für die NSG. „Kraft durch Freude" in Gießen hat sich die Notwendigkeit ergeben, die Spielpläne für die Theaterringe einer gewissen Aenderung zu unterwerfen. Als Bereicherung ist sowohl im 8er- als auch im 16er-Ring an Stelle des musikalischen Lustspiels „Goldregen" die Operette „Paganini" in den Spielplan mit ausgenommen worden. Außerdem ist im 16er-Ring an Stelle des schon im Sommerring gebrachten Lustspiels „Triumph des Tobias" das Lustspiel „Dr. med. Hiob Praetorius" getreten. Das ursprünglich am Anfang liegende Schauspiel „Sieger" von Siemens ist an die zweite Stelle im 16er-Ring gerückt. Der Spielbeginn im 16er-Ring ist nicht auf den 5. Oktober, sondern auf den 3. Oktober festgesetzt worden. Im einzelnen ist zu berichten: 16er-Ring. 3. Oktober 1940: „Paganini", Operette von Franz Lehär. — 17. Oktober: „Sieger", Schauspiel von Siemens. — 26. Oktober: „Kätchen von Heilbronn", Gießener Giadttheaier. Kurt Sellnick: „Mädchenparadies." Der Punkt ging zu den Weisen des Orients und bat sie, in die dunkele Welt ihrer Rätsel aufgenommen zu werden. Den Weisen war dieses unscheinbarste Kind der Schöpfung für ihre Zwecke willkommen. Sie verwandelten ihn, der als Ende gedacht war, mit ihrer Punktierkunst in ein Orakelwesen, das am Anfang künftiger Dinge stehen sollte. Der Punkt wähnte sich glücklich unter den Geheimnissen des Ostens, aber als man den Orakelpunkt bald darauf aus dem Morgenland in das Abendland trug da zerschmolz er vor der kühlen Nüchternheit nordischer Denker und büßte sein Wahrsagerleben kläglich ein. Nun war er abermals unzufrieden mit feinem Xios. War ihm in der Welt der Männer nur wenig Erfolg beschieden, so wollte er jetzt sein Glück bei den Frauen versuchen. Durch die Erfahrung der Jahrhunderte gewitzigt, vermied es der Punkt, den Frauen in gelehriger Maske zu kommen. Er näherte sich sozusagen als schwacher Punkt des schönen Geschlechts und warb mit lockenden Gaben der Eitelkeit. Bon jetzt an fristete er ein intimes Dasein als Schönheitspflästerchen neben dem schelmischen Wangengrubchen oder an noch diskreteren Stellen aufgeputzter Damen pries in seiner matten Schwärze das blühende Weiß des schönen Gesichts und war vertrauter Zeuge ungezählter Schäferstunden einer galanten Zett. Aber roer ganz der Eitelkeit verfällt und nur den sinnlichen Neizen ergeben ist, wird eines Tages erbarmungslos vom Ueberdruß gepackt. So war auch das Dasein des Punktes als Schönheitspflaster vergänglich wie Schminke und Puder, zu deren Helfershelfer er sich erniedrigt hatte. Es soll nicht übersehen werden daß er auch später nicht ganz daraus verzichtet bat' der weiblichen Eitelkeit zu dienen. Selbst un Zeitalter der Maschine hat er als Punktroller versucht, beim zarten Geschlecht zu landen. Doch die Zeit nahm wieder männlichere Zuge an. Dem Punkt erschloß sich eine neue Konjunktur. Das Punksystem des Sportes wurde sein mdbernes Reich Dom springenden Punkt des Aristoteles bis zum Orakelpunkt des Ostens und bis zum diskreten Schönheitspflaster konnte er jetzt seine Erfahrungen ins Feld der sportlichen Kämpfe fuhren. Wer sich von Schmeling jemals nach Punkten besiegen ließ, der weiß, was das bedeutet. Vielleicht wäre der Punkt mtt feinem Los am Oie Legende vom punkt. Von Edmund Pesch. Am siebenten Tage der Welterschaffung sah der Herr, daß alles gut sei, was er gebildet hatte Er beschloß, einen Ruhetag emzulegen und wandte sich dem Problem der Freizeitgestaltung zu. Hierbei ge- wahrte er, daß die allzu große Gesprächigkeit des Weibes, das er in einer köstlichen Laune geschaffen hatte, der Lösung dieses Problems hinderlich sei. Er beschloß, mit seiner Schöpferkraft etwas heroorzu- bringen, was diesen Gesprächsfluß einzudammen vermöchte. Weil aber Ruhetag war, konnte es nur ein Ding von geringer Große fern, und so entstan als Abschluß des Schopfungsplanes der Punkt Wie er am Ende der Schöpfung stand, so sollte es fürder bin seine Aufgabe sein, am Ende jedes Gedankens zu stehen, den die Menschen denken, sprechen oder schreiben mochten. Er sollte ein Damm fein^gegen überfließende Gesprächigkeit und sollte dem -Ranne das Recht geben: Mach einen Punkt! zu rufen, wenn die Gardinenpredigt des Weibes, die früher auch Höhlenfenster-Fellvorhang-Predigt geheißen haben kann gar kein Ende nehmen wollte. Aber der Punkt war mit feinem Dasein als Schluß- und Abkürzungszeichen Nicht Suftieden Ww alle Kleinen wollte er gern groß und bedeutend fein. Er ging zu Euklid und hoffte, von ihm m die leuchtende Welt der Wissenschaften genommen zu werden. Der weise Vater der Geometrie nahm den Att stell-er auf und machte aus ihm em geometrisch Grundgebilde, das keine Ausdehnung hat und se bs als Mittelpunkt nur halbierende Wirkung besitz^ Aber mit diesem allzu eng begrenzten Los war: Die winzige Spätgeburt der Schöpfung erst recht nicht ^^Der^Punkt wollte lebendig sein wie die anderen Dinge dieser Welt, wollte springen wie die Lämmer oder kreisen wie die Sterne. Er ve^aumte seine große Stunde als Archimedes einen Punkt herbei- ?ief um von.'dort die Erde aus ihren Angeln zu heben Da erbarmte sich Aristoteles und machte ihn um Punctum sollens, zum springenden oder hupfenden Punkt. Doch bald schon mußte er erfahren daß es nicht eitel Freude ist, tagaus, tagem in der Hellen Welt der Wissenschaft zu jonglieren. Er sehnte sich nach einem anderen Daseinszweck, Die Intendanz hat beschlossen, die Wanderung die neue Spielzeit mit leichtem Gepäck zu beginnen. Und sie hat recht daran gehan, denn die heitere Muse hat sich noch immer als guter Stimmungsmotor bewährt. Das zeigte sich gleich schon am ersten der vorgesehenen Lustspielabende, der einem erfreulich großen Kreis der Gießener Theatergemeinde die Bekanntschaft mit der amüsanten Geschichte eines Mädchenparadieses vermittelte, das mit dem biblischen wenigstens das eine gemeinsam hat, daß es nämlich nicht lange ein Paradies bleibt. Das ist auch nicht weiter überraschend, denn es sind gleich drei Evastöchter, die sich als moderne berufstätige Frauen aus dem — zur Ehre unserer „Stu- bcntenmütter" sei es gesagt — leicht übertrieben geschilderten Grauen der möblierten Zimmer in ein eigenes Heim geflüchtet haben, das zwar anfangs mit der viel berufenen Junggesellenwirtschaft verzweifelte Ähnlichkeit hat, schließlich aber (unter Herrn Löfflers ordnende? Hand — der Mann ist eben doch auch hier nicht einmal ganz zu entbehren) einen recht wohnlichen Anstrich und sogar so etwas wie elegante Behaglichkeit bekommt. Um so größer ist der Kummer, als schon im ersten Monat die Kündigung dem traulichen Beisammensein ein schnelles Ende zu bereiten droht. Aber die drei jungen Damen werfen die Flinte nicht so schnell ins Spiel, sondern schadet auch durch sein schlechtes Beispiel der gemeinsamen Sache. Außerdem müssen Zuwiderhandelnde mtt Nachteilen bei etwaiger Entschädigung durch das Reich rechnen. Die Lustschutzkräfte sind zur Erfüllung aller Dienstobliegenheiten verpflichtet. So können z. B. Selbstschutzkräfte, die nicht der dienstlichen Weisung des Luftschutzwarts, den Luftschutzraum aufzusuchen, nachkommen, bestraft werden. Bunkerraum, der zeigt, w i e hier die Technik dem Menschen dienstbar gemacht wird: der Auswerteraum mit seiner Vielzahl von Fernsprechgeräten und dergleichen. Hier sitzen die Flakmänner vor den Apparaten, das Kehlkopfgerät umgehängt, werten die Ziffern aus, die ihnen von dem Kommandogerät und von anderen Stellen zufließen und ein ununterbrochenes Gemurmel erfüllt den kleinen Raum, während die Abschüsse der Batterie den niedrigen Bunker erschüttern, wenn der Verputz von Wänden und Decken fällt oder auch einmal die Glühbirne durch die Lufterschütterungen ausgeht... Lang ist so eine Nacht, und nicht immer hat der Himmel seine Schleusen geschlossen. Stundenlang stehen die Flakmänner oft in dem gießenden Regen, in beißender Kälte. Auch hier ist Front, eine Die Pflicht zu luftschutzmäßigem Verhalten umfaßt die Herrichtung von Luftschutzräumen, Beschaffung non Luftschutzgerät, Entrümpelung, Verdunkelung und das lustschutzmäßige Verhalten bei Fliegeralarm. Die Ueberwachung erfolgt durch die Polizei, die polizeiliche Zwangsmittel an- wenden oder strafrechtliche Ahndung herbeiführen kann. Die Polizei bedient sich der Amtsträger des Reichsluftschutzbundes. Diese werden damit im staatlichen Auftrage tätig. Wer sich ihnen widersetzt, wird ebenso behandelt, wie bei Gewaltmaßnahmen gegen andere öffentliche Dienste. Die Verpflichtung zum Aufsuchen von Luftschutzräumen, die in das Gebiet der Pflichten zu luftschutzmäßigem Verhalten gehört, ist in der letzten Zett wiederholl erörtert worden. § 2 Abs. 2 Nr. 1 der 10. Durchführungsverordnung 3um Luftschutzgesetz sagt dazu: Nach Auslösung des Fliegeralarms haben sich alle Personen sofor in die vorhandenen Luftschutzräume zu begeben. Die Verpflichtung zum Aufenthalt im Luftschutzraum erstreckt sich nicht auf Personen, deren körperlicher Zustand dies nicht zuläßt, eimschl. des Pflegepersonals. — Der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe hat nach langjährigen. Versuchen und Erfahrungen das Aufsuchen der Luftschutzräume nach Maßgabe der genannten Vorschrift zur gesetzlichen Pflicht erhoben. Die Richtigkeit hat sich auch bei den jüngsten Luftangriffen voll bestätigt. Selbst wenn Luftschutzräume nicht vorhanden sind, bietet der Kellerraum immer noch den besten Schutz gegen Bomben. Da die Vorschrift eine Pflicht auslöst, die dem eigenen Schutz des Pflichtigen dient, ist davon abgesehen worden, sie unter Zwangsmaßnahmen oder Strafen zu stellen. Wer jedoch den Luftfchutzraum bei Luftangriffen nicht aufsucht, setzt nicht nur sein Leben aufs von Goetz. — 21. Dezember: „Madam Butterfly", Oper von Puccini. — 10. Januar 1941: „Der Vogelhändler", Operette von Zeller. — 27. Januar: „Schwarzer Peter", Oper von Schultze. — 20. Februar: „Marsch der Veteranen", Schauspiel von Bethge. — 15. März: „Die ungarische Hochzeit", Ope- rette von Dostal. — 29. März: „Rätsel um Beate", Lustspiel von Möller-Lorenz. — 10. April: „Der Biberpelz", Schauspiel von Hauptmann. — 21. Aprll: „Boccacio", Operette von Suppö. — 28. April: „Lohengrin", Oper von Richard Wagner. — 15. Mai; „Das lebenslängliche Kind", Lustspiel von Neuner. Ser-Ring. Korn. Sie entsinnen sich ihrer weiblichen Reize und sind entschlossen, sie ins Feld zu führen. Dazu wird der Hausverwalter, ein smarter Rechtsanwall in den besten Jahren, zu einem gemütlichen Budenabend eingeladen und soll nun nach sorgsam festgelegtem Schlachtplan für die Rücknahme der Kündigung sturmreif geschossen werden. Doch das so wacker einstudierte Spiel mit verteilten Rollen geht trotz sachkundiger Mitarbeit einer ersten Bühnenkraft durchaus programmwidrig aus. Wie einst die Kostprobe vom Baum der Erkenntnis der biblischen Eva schlecht bekam, so ist auch für ihre hypermodernen Töchter die Entweihung ihres Mädchenparadieses durch einen Mann von geradezu umwälzenden Folgen. Ihrer zwei stehen nach Dem anregend verlaufenen Abend in hellen Flammen und sind trotz aller Schwüre selbst zu einem Rendezvous entschlossen, aber die dritte macht das Rennen. Denn der Mann ist — so ungalant es klingen mag — doch auch hier wieder der Schlauere, sein Gegenkomplott hat den Vorzug, daß es klappt, und ziel- bewußt angelt er sich aus dem Paradies die Eva, die ihm gefällt. Das hübsche Lustspielchen hatte Hans Geißler ganz im Sinne des Autors leicht und gefällig inszeniert, der erste Akt hätte vielleicht noch eine straffere Konzentratton vertragen, aber dann wurde der richtige Tritt gefaßt unt) flott und launig Konversation gemacht. Von den drei Evastöchtern war Jnaeborg Riehl als Gast in einem reizenden Gemisch von Anmut und Würde die prinzipienfeste, Wallraut ©o ettf e, frisch und rank, aber trotz betonter Natürlichkeit im Aeußern noch etwas unfrei deklamierend, war die impulsive und Hannelore Hinkel mit burschikoser Selbstverständlichkeit war die allen Verstellungen abholde, die sich als Frau so gibt, wie sie ist und damit am besten fährt. Hans Albert S ch e w e war sehr foigniert und gewandt im Dialog mit wohltuend sparsamen Gesten der Rechtsanwalt zwischen drei Feuern. In die etwas behelfsmäßig eingeführte Rolle des literaturbeflissenen Bruders Dubu brachte Walter (Frier Leben und Betriebsamkeit. Rose Stirl schließlich sorgte als das törichte Mädchen Helene durch schwankhaftturbulentes Treiben, daß auch der für derbere Kost Empfängliche auf seine Rechnung kam. Dr. Fr. W. Lange, Aus der Stadt Gießen. Lockende Kastanien. Im Hofe der Werkstatt steht der Kastanienbaum. Er ist ein stattlicher Recke. Im Frühjahr bringt er das lenzliche Wunder an die Stätte der Arbeit, während des Sommers spendet sein weit ausgeladenes Blätterdach herrlichen Schatten, und wenn es gegen den Herbst geht, dann wird er zum fröhlichen Gabenspender. Wenigstens für die Schuljugend, die ihre Augen voll Verlangen auf ihn richtet. Gewöhnlich zeigt sich selten ein Junge auf dem Hof, aber um diese Zeit verging sonst kaum eine Stunde, in der sich nicht gleich ein ganzes Rudel auf ihm zu schaffen machte. Der alte Schlos- fermeifter mußte dann und wann mal das Werk- ftattferrfter öffnen, um mit einigen grimmigen Worten zur Ordnung zu rufen, aber im stillen hatte er fernen Spaß an der „Rasselbande", deren Treiben chn an die eigene Jugendzeit erinnerte. Gab es nicht auch damals schon einen regelrechten Kastanienzauber, dem jeder rechte Junge genau so erlag, wie er es heute noch tut, wenn er die blankpolierten Früchte sieht? Ja, der alte Schlosser- meister hat sich auch wacker dazu gehalten, als es seinerzeit galt, die Kastanien für die verschiedensten Zwecke zu sammeln. Und was wußte jugendliche Phantasie mit diesen hübschen braunen Kugeln nicht alles anzustellen. Man konnte sie zu lan- acn Perlenschnüren aufreihen, sie ließen sich zu hübschen kleinen Pfeifen aushöhlen, alle möglichen kleinen Gegenstände waren aus ihnen zu schnitzen, und wenn man sich im kriegerischen Drange gegenseitig Schlachten lieferte, dann waren sie prachtvoll als Wurfgeschosse zu verwenden. Wahrhaftig, es war kein Wunder, daß der spiegelblanke Kern der stacheligen Kastanienfrüchte auf die Schuljugend so reizvoll wirkte. Aber Augen machte der alle Schlossermeister doch, als dieser Tage ein Trupp Schuljungen seine Werkstatt betrat und ihn zu sprechen wünschte. „Es handelt sich nämlich um die Kastanien", erklärte ihr Wortführer keck. Der Alte schaute die Jungen der Reihe nach an. Hatte man schon so etwas gesehen? Daß es die Kastanien den Jungen angetan hatten, darüber war schließlich kein Wort zu verlieren, daß sich aber die Jungen nicht einfach kraft ihres überkommenen Rechtes heimlich an die Kastanien heranmachten, das erschien immerhin merkwürdig. Doch der Knoten löste sich. „Wir wollen die Kastanien in unserer Schulklasse sammeln, damit sie der Wirtschaft zugeführt werden", sagte der kecke Junge nicht ohne Stolz. Der alte Schlosser- meister war baff. Daran hatte er noch nicht gedacht, aber selbstverständlich gab er seine Zustimmung gern. Mochten die Bengels sich nur ordentlich rühren. ri . So erhielten die Früchte des großen Kastanren- bau.mes ihre nützliche Bestimmung. Noch ist es ja nicht ganz an der Zeit, doch jeden Nachmittag erscheint jetzt auf dem Hof der Werkstatt ein „Spähtrupp", um den S^nd der Angelegenheit zu erkunden. In den Augen, die sich dann begehrlich nach den verzweigten Aesten des Baumes richten, ist aber immer noch der alte Glanz, der aus allen Jun gen au gen strahlt, wenn es gilt, auf die lockenden braunen Kastanien Jagd zu machen. H. W. Sch. Dornotizen. Tageskalender für Mtlwoch. Stadttheater: 19.30 bis 21.45 Uhr „Hochzeitsreise ohne Mann". - Gloria-Palast, Seltersweg: „Wiener Geschichten". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Fräulein Frau". Sladtthealer Gießen. Heute wird als zweite Vorstellung der Lusffpiel- reihe in der Dorspielzeit Hochzeitsreise ohne Mann" von Leo Lenz aufgefuhrt. Spielleltung: Hans Albert Schewe. Bühnenbild: Karl Löffler. Es wirken mit: Hannelore Hinkel, Hilde Kneip, Walter Erler, Hans Geißler, Hans Albert (Sterne, Karl Dolck. Vorstellung für die Mittwoch-Mieter. Die Ehrenkarten der Mittwoch-Mieter haben Gültigkeit. Ortszeit für den 12. September. Sonnenaufgang 6.55 Uhr, Sonnenuntergang 19.47 Uhr. — Monduntergang 2.19 Uhr, Mondaufgang 17.46 Uhr. ________ Blutvergiftung kann nicht nur Bel großen, sondern schon bei ganz geringfügig erscheinenden Wunden durch Infektion entstehen und die bekannten schwerwiegend den Folgen nach sich ziehen. Deshalb soll man auch kleine Verletzungen, wie sie so häufig rm Haushalt, im Beruf oder beim Sport durch Schnitte, Stiche, Risse, Visse und dergleichen verursacht werden, nicht unbeachtet lassen, sondern sie sofort mit der bewährten Sepso-Tinktur desinfizieren. Sepso-Tinktur, die wie Jod-Tinktur desinfiziert und genau so angewandt wird, tötet die in die Wunde eindringenden Bakterien und verhindert Entzündungen. Sie erhalten das Präparat in allen Apotheken und Drogerien zu niedrigen Preisen in Flaschen verschiedener Größe sowie in Tupfröhrchen zu RM. —,49, die bequem mitzuführen und besonders auch für ditz Hausapotheke zu empfehlen sind.__ Fettverbilligung für Minderbemittelte. Die von der Reichsregierung zur Verbilligung der Speisefette für die minderbemittelte Bevölkerung getroffenen Maßnahmen werden für die Monate Oktober, November und Dezember 1940 mei- tergeführt. 7. Oktober 1940: „Paganini", Operette von Franz Lehär. — 28. Oktober: „Kätchen von Hellbronn", Schauspiel von Kleist. — 11. November: „Der Verschwender", Lustspiel von Raimund. — 16. Januar 1941: „Der Vogelhändler", Operette von Zeller. — 6. Februar: „Schwarzer Peter", Oper von Schultze. — Schauspiel von Kleist. — 2. November: „Der Barbier 17. Februar: „Marsch der Veteranen", Schauspiel von Sevilla", Oper von Rossini. — 16. November: von Bethge. — 13. März: „Scampolo Lustspiel von „Der Verschwender", Lustspiel von Raimund. — Niccodemi. — 5. Mai: „Lohengrin', Oper von Rich. 7. Dezember: „Dr. med. Hiob Praetorius", Lustspiel1 Wagner. Schöne Stunden in einem Mservelazarett. Am gestrigen Dienstagnachmittag veranstalteten die oberen Klassen der Volksschulen Gießen-Klein- Linden unter Leitung von Lehrer H. R au in einem Reservelazarett eine Konzert- und Unterhaltunas- stunde. In fast zweistündiger Vortrugsfolge, die wertvollste Heimat- und Volkstumsarbeit zeigte, wechselten in bunter Reihenfolge Gesangs-, Gedicht- und instrumentale Darbietungen, die bei den zahlreichen Zuhörern dankbare Aufnahme fanden. Der mustergültige Vortrag der 1-, 2* und Zstimrmgen Lieder zeugte von guter Chordisziplin und hingebungsvoller Arbeit des Lehrers und der 9- bis 14jährigen Schüler. Von den dargebotenen Gedichten, die, wie auch die Chöre, Heimat, Vaterland und Soldatentum priesen, wurden besonders die Mundartgedichte von Verfassern aus unserer engeren Heimat (Georg Heß, Helene Steiner, Heinrich Naumann) mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Instrumentale Einlagen einer ausgezeichneten Hand- harmonikaspielerin erweckten die Freude aller Zuhörer, die bekannte Weisen freudig mitsangen. Nachdem die Schüler die Soldaten noch mit Blumen und Liebesgaben beschenkt und einige Liedzugaben geboten hatten, schloß Lehrer Rau, der schon zu Beginn in einer kurzen Ansprache seinen Dank an KdF. für diese Veranstaltung und seiner Freude über den Einsatz der Schüler für die Verwundeten zum Ausdruck gebracht hatte, mit Dankesworten an die aufmerksamen Zuhörer die in allen Teilen wohlgelungene Feierstunde. Neservelazarett wirbt für das Kriegs-WHW. Kaum hatte der Führer zum Kriegswinterhiifs- werk 1940/41 aufgerufen, als sich auch schon tn einem hiesigen Reservelazarett 2 Fußballmannschaften, bestehend aus Aerzten einerseits und Sanitätssoldaten anderseits, zu einem Fußballwettkampf zusammenfanden, um in origineller Weise für das KWHW. zu werben. Gleichzeitig sollte dadurch den Patienten eine Stunde frohen Erlebens geschenkt werden. Das Spiel, das von dem äußerst geschickten Reporter, Sanitätssoldat Fenner, am Mikrophon für die im Bett liegenden Kranken übertragen und von dem Publikum, das sich aus dem Personal, Schwesternschaft und Patienten zusammensetzte, mit Begeisterung und temperamentvollen Beifallskundgebungen verfolgt wurde, endete mit einem wohlverdienten 8:3-<Äege für die Aerzte. Als finanzielles Ergebnis konnten dem WHW. 156,72 RM. zur Verfügung gestellt werden, das durch freiwillige Spenden der Spieler, Zuschauer, Zuhörer erzielt wurde. Vereinfachung der Lohnabrechnung. Der Reichsarbeitsminister hat bestimmt, daß die Mehrarbeitszuschläge in allen Betrieben und Verwaltungen vom 8. September ab in dem gleichen Umfange wieder zu zahlen sind, wie vor dem 4. September 1939. Die bisher an die Finanz- lasse des Reiches abzuführenden Mehrarbeitszuschläge kommen also dem Gefolgschaftsmitglied wieder zugute. Der Zuschlag von 25 v. H. für die über die zehnte Tagesarbeitsstunde hinausgehende Arbeitszeit wird wieder durch die in Tarifordnungen, Betriebsordnungen oder Einzelarbeitsverträgen festgesetzten Zuschläge ersetzt. Die Wiedereinführung dieser Zulage soll einerseits eine Anerkennung für die großen Leistungen der Arbeiter und Angestellten im ersten Kriegssahr sein; sie soll andererseits zusammen mit der in Aussicht genommenen Aufhebung des Erlasses über die Berechnung der Lohnsteuer bei Mehrarbeitsverdiensten die Lohnabrechnung in den Betrieben wesentlich vereinfachen. Gießener Schlachtviehmarkt. Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtvieh-Derteilungsmarkt) in der Diehverstei- gerungshalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 39 bis 45,5, Bullen 33,5 bis 49,5, Kühe 24 bis 45, Färsen 26 bis 44,5, Kälber 25 bis 57, Hämmel 12,5 bis 32, Ziegen 10 bis 20 je Vt kg Lebendgewicht. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,14, bl (135 bis 149,5 kg) 1,14, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,14, c (90 bis 119,5 kg) 1,12, d (80 bis 89,5 kg) 1,06, e—f (unter 80 kg) 1,02, gl (fette Specksauen) 1,14, i (Altschneider) 1,14, g2 (andere Sauen) 1,06, h (Eber) 1,06 RM. Marktverlauf: Gut, alles zugeteilt. ♦ öJ.Jporf die Jugend, die seitherige Undestraftheit, das Geständnis und mangelnde Erziehung des Angeklagten, straferschwerend dagegen der Umstand, daß er seinen früheren Meister und die Frau, bei der er schon als Ferienkind untergebracht war, bestvh en hat, berücksichtigt. Der Angeklagte wurde stirseine Taten als voll verantwortlich angesehen, es mürbe ihm daher der Schutz des § 51II StrGB. versagt. Bei der Oreschmaschinenarveit tödlich verunglückt. * Rödgen (Kreis Gießen), 11. Sept. Am heutt- gen Mittwoch früh, gegen 9 Uhr, ereignete sich> hier ein schwerer Unglücksfall, durch den leider ein Menschenleben vernichtet wurde. Der Dre ch- maschinenbesitzer Friedrich Arnold von hier, der mit seiner Maschine zum Dreschen auf einem Grundstück in der Bahnhofstraße weilte, verunglückte auf bis jetzt noch ungeklärte Welse an der Stroh, presse, wo man ihn mit zertrümmertem K o p f e t ö d l i ch v e r l e tz t unter der Strohpres e liegend auffand. Bald darauf ist der bedauernswerte Mann an seiner schweren Verletzung geworben. Er hinterläßt seine Frau und einen Sohn, der gegenwärtig im Felde steht. Landkreis Gießen. Lollar, 11. Sept. Am heutigen Mittwoch vollendet unser Mitbürger Karl Krebast sein 8 4. L e b e n s j a h r. Der alte Herr erfreut sich noch einer erstaunlichen geistigen und körperlichen Ru- stiakeit mit ungeminderter Lebensfreude. Unserem alten treuen Bezieher die besten Glückwünsche zum ^^ch^9. Sept. Die Gefolgschaftsmitglieder der Brauerei Jhring-Melchior, Ludwig M e n g e s und Christian Lechner, konnten auf eine 40iahrige Zugehörigkeit zum Betrieb zurückblicken. Aus diesem Anlaß fand in dem mit Blumen geschmückten großen Gefolgschaftsraum ein feierlicher Appell statt, bei dem der Betriebsführer Hans JhriNg den beiden Jubilaren in herzlichen Worten die Glückwünsche der Firma aussprach und sie durch Überreichung einer Ehrenurkunde sowie emes Gew- geschenkes.ehrte. Anschließend überbrachte Betrlebs- obmann Ernst Trechsler die Glückwünsche der Gefolgschaft und übergab jedem der Jubilare tm Auftrag ihrer Arbeitskameraüen ein Geschenk. ** Di e NS.-Frauenschaft, Deutsches Frauenwerk Gießen-Ost, veranstaltet am heutigen Mittwoch, um 15 Uhr vor der Neuen Pestalozzi-Schule eine Zusammenkunst der Kindergruppe — Die Sprechstunden der Ortsfrauenschaftsleiterin finden von jetzt ab wieder regelmäßig Freitags von 16.30 bis 18.30 Uhr statt. ** Lichtbildervortra g vor Verwundeten. Am Freitagnachmittag werden die Verwundeten in hiesigen Lazaretten Gelegenheit haben, einen Lichbildervortrag über das Main-Gebiet zu hören. Im Auftrage des Landesfremdenverkehrsverbandes Rhein-Main wird Lehrer Grebe aus Frankfurt a. M. über unsere heimische Landschaft zu den verwundeten Soldaten sprechen. Strafkammer Gietzen. Der 19 Jahre alte Fr. H. aus Darmstadt war bei einem Schneidermeister in Niederlahnstein in Arbeit, wo er aber nicht lange aushielt. Am 10. Mai tahl er seinem Meister ein Damen-fahrrad, einen Koffer und eine Nickeltaschenuhr und suchte dos Weite. Am 15. Mai entwendete er aus einer ver- chlossenen Torhalle in Darmstadt unter Ausnutzung der Verdunkelung ein Herrenfahrrad. Damit fuhr er zu einer Familie in Ruttershausen (Kreis Gie- 3cn), wo er. vor 7 Jahren als Ferienkind untergebracht gewesen war und jetzt wiederum gast- reundlich ausgenommen wurde. Bei dieser Gelegenheit entwendete er aber am 21. Mai seiner Gastgeberin 2 RM., einen halben Laib Brot und ein halbes Pfund Butter, worauf er heimlich abrückte. Der Angeklagte war in vollem Umfange geständig. Der Sachverständige hält ihn für einen haltlosen, vermindert zurechnungsfähigen Menschen, dem der Schutz des § 51II StrGB. zuzubilligen sei. Der Anklagevertreter war der Ansicht, daß der Angeklagte als Volksschädling anzusehen sei, und beantragte gegen ihn eine Gesamtgefängnisstrafe von einem Jahr und drei Monaten und einer Haft- träfe von drei Wochen. Der Angeklagte wurde des Diebstahls m drei Fällen und des Mundraubs in einem Falle schuldig erkannt und zu einer Gesamtgefängnis- strafe von einem Jahr und einer Haftstrafe von drei Wochen verurteilt. Die Haftstrafe und ein Monat der Gefängnisstrafe gelten durch die Untersuchungshaft als verbüßt. Strafmildernd wurden Punkte; 2 Wilhelm Simon, 56; 3. Christian Magel, 51 Punkte. Einzelwe ttkämp fe : Kugelstoßen: 1. Schleenbecker (Ruttershausen), als Gast, 11,91 Meter; 2. Hans Deuker, 10,12 Meter; 3. Wilhelm Weber, 9,98 Meter. Steinstoßen: 1. Schleenbecker, als Gast, 6,94 Meter; 2. Hans Deuker, 6,68 Meter; 3. Wilhelm We- ber, 6,59 Meter; 4. Jakob Sehrt, 5,70 Meter. Speerwerfen: 1. Engel (1900 Gießen), als Gast, 44,80 Meter; 2. Hans Deuker, 43,20 Meter. Diskuswerfen: 1. Schleenbecker, als. Gast, 35,00 Meter; 2. Wilhelm Weber, 28,00 Meter. Weitsprung: 1. Engel (1900 Gießen), 6,64 Meter; 2. Wilhelm Weber, 5,83 Meter; 3. Otto Stumpf, 5,35 Meter. Sieger im Langsamfahren der Radfahrer wurde Karlheinz Hermann, Sieger im 2000-Meter-Lauf der HI. wurde Karl Brück. Eporttag in Lang-Göns. Der dem Turnverein Lang-Göns übertragene Sporttag wurde zu einem vollen Erfolg. Die Beteiligung an den Wettkämpfen war gut, bei den beiden Jugendklassen war sie sogar hervorragend. Schon frühmorgens begannen die Mädchen mit ihrem Sechskampf. Sie erledigten vorerst ihre Geräteübungen an Pferd, Barren und an den Ringen.. Dabei wurden schöne, ausgeglichene Leistungen geboten. Am Nachmittag wurden die leichtathletischen Wettbewerbe ausgetragen. Dabei traten auch die Jugendlichen mit einem Vierkampf und die Männer mit einem Werfer-Dreikampf auf den Plan. Es gab einige sehr gute Leistungen. Zu erwähnen sind hier ein 5,50-m-Sprung eines Jugendlichen, mehrere 1,35-m-Hochsprünge und 33-m-Würfe mit dem Vollball bei den Mädchen; bei den Männern sind mehrere Speerwürfe über die 40-m-Marke zu nennen. Als Abschluß gab es ein spannendes und schönes Handballspiel zwischen den Mannschaften von Hörnsheim und Lang-Göns. Das Spiel begeisterte die Zuschauer restlos und gewann dem Handballsport wieder viele neue Freunde. Spielerisch war Hörnsheim den Gastgebern etwas voraus, dagegen war der Einsatz bei diesen größer. Keiner Elf gelang es, mit mehr als einem Tor in Führung zu gehen. Bei Halbzeit stand die Partie 5:5 und 15 Minuten vor Schluß 7:7. Da machte Lang-Göns eine Krise durch, und die Gäste zogen auf 10:7 davon. Aber im Endspurt glichen die Einheimische» aus. 10:10 stand das Spiel, und in dem dramatischen Endkampf war dann Hörnsheim glücklicher, so daß es knapp 11:10 gewann. Die Ergebnisse der Mehrkämpfe. SechskampfderMädchen (Barren, Pferd, Ringe, 75-m-Lauf, Hochsprung, Vollballweitwurf): 1. Ottilie Noll, 134 Punkte; 2. Irene Müller, 129; 3. Margot Kaiser und Irma Görlach, je 110; 4. Hildegard Geuter, 104; 5. Hildegard Rompf, 95K Vierkampf der Jugend, HI. (100-m-Lauf, Weitsprung, Kugelstoßen, Keulenwerfen): 1. K. Philipp, 113 Punkte; 2. H. Puhl, 109; 3. E. Fell, 95, 4. W. Boller, 94; 5. H. Velten, 87. Dreikampf der Männer (Speerwerfen, Kugelstoßen, Keulenwerfen): 1. H. Hofmann, 99 Punkte; 2. H. Gatzert, 86; 3. K. Wenzel, 62; 4. A. Faber, 53; 5. A. Müller, 52. Die Gpielergebniffe der II. Klaffe. Steinbach — Hungen 0:1 abgebrochen. Erstmals in den Spielen um die Kriegserinne- rungsvla kette kam es zu einem Spielabbruch in Sreinoach. Wie schon in der Vorschau erwähnt, war es vorauszusoheg, daß ein harter Kampf zu erwarten fei. Beim Stande von 1:0 für Hungen sollte ein Spieler der Gäste auf Geheiß des Schiedsrichters das Spielfeld verlassen. Der Vereinsführer von Hungen brach daraufhin das Spiel ab. Großen-Llnden — Klein-Linden 0:2 (0:1). Gin schönes Sviel, das zugleich seine Werbung für den Fußballsport nicht verfehlt haben dürfte, kam anläßlich des Ortssporttages -in Groß en-Lind en zum Austrag. Die Gäste hatten bedeutend mehr vom Spiel, doch brachten es die Stürmer nicht fertig, die sich ihnen bietenden Torgelegenheiten auszunützen. Bis zur Halbzeit reichte es jedoch nur zu einem Torerfolg. Auch nach der Pause hatten die Gäste das Heft in der Hand, doch nur ein weiteres Tor war die Ausbeute. = Heuchelhelm — Grünlngen, letztere nicht angetreten. Nicht sportlich war das Nichtantreten der Grü- ) ninger Mannschaft, die dadurch nur sich selbst schä- , digte, denn das Rückspiel findet nunmehr ebenfalls in Heuchelheim statt. Äußerdem sind die Punkte für i Grüningen verloren. Orts-Turn- und Sporttag in Steinbach. Der Orts-Turn- und Sporttag war ein voller Erfolg und bewies aufs neue die Einsatzbereitschaft der Sportgemeinde Steinbach. 240 Sportler und Sportlerinnen waren angetreten. Auf dem Sportplatz fand frühmorgens die Flaggenhissung mit anschließender Morgenfeier statt, bei der Ortsgruppenleiter Rink sprach. Dann begannen die leichtathletischen Wettkämpfe der Sportler. Als Gast konnte der Vereinsführer den Leichtathleten Dr. L u h - Gießen begrüßen, der sein großes Können im Kugelstoßen mit 14,81 Meter zeigte. Es gelang ihm auch, seine seicherige Bestleistung im Diskuswerfen, die 42,33 Meter betrug, zu Überwerfen; er erreichte die beachtliche Leistung von 42,83 Meter. Die Radfahrabteilung veranstaltete ein Langsamfahren, das viel Beachtung fand. Der Nachmittag war ausgefüllt von Fußbalkfpie- len. Die Steinbacher Schülermannschaft spielte gegen die Schüler von Lich und siegte überlegen mit 5:1. Die Jugendmannschaft spielte gegen die Jugend von VsB.-Reichsbahn-Gießen und siegte nach spannendem Spiel mit 3:1. Die 1. Mannschaft spielte gegen Hungen das Kriegserinnerungs-Nun- denfpiel. Beim Stande von 1:0 für Hungen brach Hungen nach der ersten Halbzeit das Spiel ab. Die Pausen waren ausgefüllt mit Einzelwettkämpfen, zu denen Gäste aus Lollar und Gießen erschienen waren. Jungvolk und Jungmädel trugen mit Spielen zur Unterhaltung bei, der BDM. trug eine 4X100-Meter-Staffel aus, die HI. zeigte einen 2000-Meter-Lauf. . Um 17 Uhr fand die Siegerehrung statt. Vereinsführer Simon dankte allen Teilnehmern für ihre Einsatzbereitschaft. Ortsgruppenleiter Rink wies auf die Bedeutung des Tages hin und sprach anerkennende Worte über den schönen Verlauf des Kampfes. Er nahm dann die Siegerehrung vor. Aus der großen Zahl seien die drei Besten genannt. Pistolenschießen der Politischen Leiter: 1. Karl Horn III., 79 Ringe; 2. Wilhelm Simon, 76 Ringe; 3. Ludwig Haas V., 76 Ringe. Kleinkaliberschießen der Politischen Leiter: 1. Karl Horn III., 90 Ringe; 2. Wilhelm Simon, 89 Rmge; 3. Philipp Heinrich Schmitt, 67 Ringe. Jungschützen: 1. Erwin Müller, 72 Ringe; 2. Ernst Schneider, 72 Ringe; 3. Ludwig Rudnick, 68 Ringe. Aktive Schützen: 1. Heinrich Ludwig Haas, 91 Ringe; 2. Ludwig Haas VI., 86 Ringe; 3. Karl Roth I., 82 Ringe. Altersschützen: 1. Heinrich Steller II., 82 Ringe; 2. Heinrich Ludwig Balser, 78 Ringe; 3. Heinrich Ludwig Gerhard, 75 Ringe. Jungvolk, Klasse A: 1. Karl Haas, 56 Punkte; 2. Ewald Stumpf, 55,5; 3. Karl Hermann, 54,5, Jungvolk, Klasse B: 1. Hellmut Brück, 70; 2. Heinrich Keßler, 65; 3. Ewald Schäfer, 63,5 Punkte. Jungmädel, Klasse A: 1. Gertrud Hermann, 71Z Punkte; 2. Erika Simon, 55; 3. Gertrud Stumpf, 54. Jungmädel, Klasse B: L Elfriede Magel, 59; 2. Hildegard Simon, 57; 3. Gertrud Hartmann, 56 Punkte. HJ.-Klasse A: 1. Erwin Schreiner, 55 Punkte; 2. Alfred Pitz, 49; 3. Ernst Schneider, 47. HJ.-Klasse B: 1. Erich Haas, 51; 2. K. H. Hermann, 42; 3. O. Buh, 40 Punkte. BDM.-Klasse A: 1. Anni Müller, 50 Punkte; 2. Marie Horn, 47; 3. Lina Arnold, 41. BDM.- Klasse B: 1. Mara. Magel, 58; 2. Anni Haas, 38; 3. Frieda Schwalb, 36 Punkte. Jugendgruppe: 1. Hilde Deuker, 58 Punkte; 2. Käthe Arnold, 49; 3. Marie Becker, 35 Punkte. Spielerklasse: 1. Wilhelm Weber, 67 Punkte; 2. Hans Deuker, 62; 3. Ernst Burger, 55 Punkte. SA. und Wehrmannschaften: 1. Karl Größer, 69 Punkte; 2. Wilhelm Keßler, 55; 3. Heinrich Gerhard, 45 Punkte. Männer, Altersklasse I: 1. Otto Schmitt, 60 Punkte; 2. Otto Balser, 55; 3. Ludwig Gerhard, 43 Punkte. Männer, Altersklasse II: 1. Karl Klücker, 69 (Nachdruck verboten.) 19. Fortsetzung. „Wie war das eigenllich an dem Abend, Doktor, als der unheimliche Mensch da bei der Oper auftauchte? Sie waren ja dabei! Hatten Sie den Mann schon vorher bemerkt?" Bergholz bekam einen roten Kopf. Soll er zu- geben, daß er da herumlungerte, um sie noch einmal zu sehen? ... Diese Tatsache jedoch ist ihr anscheinend nebensächlich. „Nein, gnädige Frau! Ich sah den Mann wohl im gleichen Augenblick wie Sie. Es war dunkel dort, und bei dem schlechten Wetter blickte man sich nicht viel um. Aber wirkt der Schreck noch immer bei Ihnen nach? Ich hoffte, Sie hätten das längst vergessen. Irgendein heruntergekommener, aber sonst harmloser Mensch war das anscheinend. Vielleicht wollte er betteln." Sie sieht ihn nachdenklich an. „Meinen Sie?" „Bestimmt, gnädige Frau! Seltsam, daß dieser Schatten Sie ängstigt!" Sie blickt auf ihre Hände nieder und dreht an den kostbaren Ringen, die sie schmücken, richtet dann wieder ihre Augen auf ihn, und um ihren Mund spielt jenes reizende Lächeln, in dessen Zauber er sich unentrinnbar verliert. „Sie belustigen sich jedenfalls über mich, Herr Doktor! Aber wir Theatermenschen sind zumeist schreckhaft dem Unheimlichen, Unerklärlichen gegenüber! Und unheimlich war nun mal die Erscheinung für mich." „Das dürfen Sie sich nicht einreden, gnädige Frau! Der Mensch sah nicht unheimlich aus — eher unglücklich ... Ich sah sein Gesicht ziemlich nahe, und es ist mir deutlich in der Erinnerung geblieben. Das war bestimmt kein Verbrecher!" Sie zieht die feinen Brauen zusammen, und es läuft wie ein Frösteln über ihre Schultern. Er versucht noch weiter, ihr die Beunruhigung auszureden, was sie zerstreut, aber nicht ablehnend anhört. In fast besinnungsloses Entzücken versetzt es ihn, sie heute nicht überlegen wie sonst, sondern wehrlos und schutzbedürftig zu sehen. Es schmeichelt seinen männlichen Instinkten, und ihr Vertrauen beglückt ihn. Er begleitet sie zur Ausgangstür und redet dabei eifrig weiter, sieht ihr schönes Gesicht tm Halbprofil, die rötliche Haarwelle über dem kleinen Ohr, die weiche Linie von der Wange zum Hals — mit heimlichem Entzücken starrt er sie an. (Fortsetzung folgt.) leben uns auseinander! ... Was da allmählich zermürbt und zerfällt, ist unhaltbar! Ist nicht zu retten! Ihr müßtet das endlich so klar einsehen, wie ich seit langem." „Was? ... Und das wagst du mir ganz kaltblütig ins Jesicht zu sagen? ... Du bist ja ein janz jertebe- ner Bursche! Du willst se loswerden! Heber isse dir jeworden! Jetzt, wo dir mein Geld aus n' Dreck jeholsen hat, sind wir dir nicht mehr fein genug!" Bergholz kennt diese Tonart. Dagegen kommt er nicht auf. Sein Gesicht wird fahl. Schlimm für ihn, das anhören zu müssen. So strafen sich Unterlassungssünden. Als Ernas Verlobter hätte er sich die zukünftigen Verwandten auf etwaige Auseinandersetzungen hin etwas genauer ansehen sollen. Der aufgebrachte Mann da vor ihm, der jo verfettet und vollblütig ist, daß ihm die Erregung gefährlich werden kann, glaubt schon durch sein Geld allein ein verbrieftes Anrecht auf ein wolkenloses Eheglück seiner Tochter zu haben. „Du solltest dich lieber nicht so aufregen, Schwiegervater, es könnte dir schaden", sagt er gelassen. Mit der Bemerkung gießt er Oel ins Feuer. Der ehemalige Schlächtermeister springt so heftig auf, daß sein Stuhl polternd um- stürzt. Er schlägt mit der Faust auf den Tisch, die Kartenblätter und Geldschälchen fliegen auf den Teppich. „Du unverschämter Mensch willst mir den Mund verbieten in meine eigenen vier Pfähle? ... Scher dich 'raus, sag' ich dir! ... Und laß dir nich mehr hier sehen? ..." Die Tür wird aufgerissen. Die von dem Lärm erschreckten Frauen drängen ins Zimmer. „Aber Mann, um Gottes willen, was geht denn hier vor?" jammert Frau Gehrke. Sie wendet sich zu ihrem Schwiegersohn: „Hänschen, wie kannste denn Papa so aufregen, wo du doch sonst immer davor warnst!" ,^>abe ich auch eben getan’ Weil ich auf die Ge fahr eines Schlaganfalls hinwies, schmeißt er mich 'raus. Und darum gestatten Sie mir, meine Herrschaften, mich summarisch zu verabschieden. Guten Abend!" Das Wort „Schlaganfall" ist wie ein Kinderschreck hier im Hause und ist Herrn Gehrkes verwundbarste Stelle. Schwer qtmend läßt er sich auf den Stuhl nieder, den seine Frau wieder aufgestellt hat, fährt 1 sich mit den Fingern lockernd hinter die Halsbinde, Jetzt schießt Bergholz das Blut zum Kopf. Er lacht zornig auf. „Da hat man ja die Entstellung! ... Und ich sitze hier und lasse mich verhören! Sollte ich eigentlich nicht tun, aber ... Na schön! ... Also die Dame, auf die diese verständnisvollen Bemerkungen hinzielen, kam zu mir, um sich behandeln zu lassen. Ich kannte sie — wie auch Erna — bisher nur von der Bühne. Ich sah sie dann am nämlichen Abend in der Oper, und der Zufall brachte hinterher noch ein Zusammentreffen — aber nicht etwa mit mir allein, es waren noch andere finite dabei. Frau Röhl lud mich zum Tee ein, und ich war am Sonntag auf eine Stunde in ihrer Wohnung — auch wieder in Gesellschaft anderer. So, das ist alles! Nun möchte ich in Ruhe gelassen werden! Uebrigens weiß es die Mama bereits von mir, bis auf den Besuch am Sonntag, was ja nun Erna ergänzend berichtet hat." Er rückt ein wenig vom Tisch ab, schlägt ein Dein über das andere und putzt seine Brillengläser. Gehrke schnauft, blickt von Hans zu seinem Freund Neumann. Er ist mißtrauisch und aufgebracht, aber im Grunde ist ihm das Ehezerwürfnis seiner Tochter höchst unbequem. Vorhin hat er starke Töne geredet, wie er die Sache wieder einrenken und den unbotmäßigen Schwiegersohn ganz klein kriegen werde. „Du versuchst, der Geschichte ’nen harmlosen Dreh zu geben, das sieht dir ähnlich", grollt er „Aber mir machste nichts vor, du!" Bergholz betrachtet seine Stiefelsvitzen, zuckt die Achseln und sagt langsam, als müsse er vor jedem Wort eine Hemmung überwinden: „Was die Bekanntschaft mit der Opernsängerin betrifft ... es ist ja gar nicht das Wesentliche. Ein äußerer Anlaß ist's, wie es ein beliebiger anderer auch sein könnte. Um etwas anderes geht es bei Erna und mir: Wir Roman von Helene Kalisch Copyright 1939 by Prometheus -Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München und seine rötlich unterlaufenen Augen sehen mit einem fast hilflosen Blick von einem zum andern. Bergholz bemerkt das noch, als er aus dem Zimmer geht, lieber das aufgeregte Durch ein anderst) rechen der Frauen schrillt Ernas Stimme: ,^ans, wo willst du hin? ... Ich komme mit!" „Hier bleib sie! In den sein Haus setzte keinen Fuß mehr!" kommandiert Ihr Vater. Aber die Wirkung ist nur, daß Erna heftig auffahrend schreit: „Was? ... Ich soll nicht bei meinem Mann bleiben? Ich soll ihn alleine gehen lassen? ... Auf keinen Fall!" Sie stürmt ihm nach, der schon die Außentür der Wohnung geöffnet hat, ist auf der Treppe dicht hinter ihm. „Warte doch, Hans, wir haben ja keinen .Hausschlüssel!" ruft sie. • Richtig, er kann ja nicht aus dem Hause, sondern muß warten, bis das Mädchen, das Frau Gehrke ihnen nachschickt, das Tor aufschließt. Ein paar Minuten stehen Erna und er im 'Hausflur. Sie hat den breiten Kragen ihres Pelzmantels hochgeschlagen, das Hütchen tief in die Augen gezogen; er sieht wenig von ihrem Gesicht. Auf der Sttaße gehen sie schweigend. „Laufe doch nicht so, ich kann so schnell nicht mit", sagt sie nach einer Weile. Er mäßigt den Schritt, und sie hängt sich bei ihm ein. Das ist es: Trotz allen Haders, aller Zerwürfnisse, trotz der unaufhaltsam fortschreitenden Zerrüttung ihrer Ehe: Sie hängt sich bei ihm ein ... 10. Kapitel. Am übernächsten Tage kommt Frau Röhl wieder zur Behandlung — diesmal allein. Alles ist anders heute. Weniger Patienten als sonst warten, und Bergholz selbst tritt in veränderter seelischer Verfassung der schönen Frau gegenüber. Es ist das Ausschwingen des Pendels nach der entgegengesetzten Seite — über ein Stadium der Willenserschlaffung, i des dumpfen, wehrlosen Grolles hinweg. So sehr in Abwehr er ihr neulich gegenüberstand, so begierig i saugt er heute wieder den Reiz ihrer Persönlichkeit in sich ein. Sie ist von kühler Liebenswürdigkeit und ' scheint keine Veränderung feines Wesens wahrzu- 1 nehmen. [ Nachdem er die Behandlung beendet und ihr vom t Stuhl heruntergeholfen hat, steht sie einen Augenblick , wie in Gedanken, sieht ihn an und fragt zögernd: