Nr. 8 Erste? Matt Mittwoch, W.Zanuar 1940 190. Jahrgang Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Biebener Familienblätter Heimat im Bild DieScholle Monatr-Vezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr. . „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernfprechanfchlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siesten Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11688 Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche Umverfitatsdruckerei R.Lange in Gietzen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8* /,Uhr des Dormittags Srnndpreife für i mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf. für Textanzeigen von 70 mm Breite 50 Rpf. Wiederholung Malstaffel I Abschlüsse Mengenstaffel B Platzvorschrist nach vorheriger Vereinbarung 25 °/0 mehr. Ermäßigte Grundpreise Bäderanzeigen und behördliche Anzeigen von 22 mm Breite 6 Rpf. Japanischer Kriegswinter. Von unserem (OK >Äerichierstatier. Tokio, Ende Dezember 1939. Winternacht. In tiefer Winternacht von Sehnsucht verzehrt, Ins Haus der Geliebten ich eile, — In des Flußwindes schneidender Kälte Der Regenpfeifer schmerzerfüllter Schrei! Ki no Tsurayuki (9. Jahrh.). Japan befindet sich nun im dritten Kriegswinter, der mehr denn je dem einzelnen die Härten des Krieges fühlbar werden läßt. Durch den Ausfall von Arbeitern sowie durch die starken Anforderungen der Kriegsindustrie hat Japan einen bisher noch nicht dagewesenen Mangel an Brenn- stoffen aller Art zu verzeichnen. Selbst die für den japanischen Haushalt unentbehrliche Holzkohle kann nicht in ausreichender Menge hergestellt werden. In den japanischen Lichtspielhäusern oder durch Plakate und Flugschriften wird die Bevölkerung zur rationellen Auswertung der wenigen vorhandenen Heizstoffe angeleitet. „Der Soldat erfüllt im kalten China seine Pflicht — erfülle du die deinige in der Heimat", heißt es auf zahlreichen Plakaten an allen Straßenecken. So werden in diesem Jahre die großen Dauerbrandöfen und Zentralheizungen weiterhin kalt bleiben. Jeder begnügt sich mit seinem „Rentanöfchen", in das ein aus Kohlenstaub und einem Bindemittel gepreßtes rundes „Brikett" gelegt wird, das etwa zwölf Stunden eine gleichmäßige, wenn auch nicht allzugrohe Wärme spendet. Da die japanischen Häuser eigentlich nur für die warme Jahreszeit gebaut sind, fehlen jegliche Kamine und Schornsteine. Die Abzugsröhren der „Rentan" werden daher durch ein Loch in der Wand gelegt oder in vielen Fällen einfach durch das Fenster. Um dem Kohlenmangel zu ihrem Teil begegnen zu helfen, haben sämtliche japanische Beamte beschlossen, in diesem Jahre in den Ministerien nicht zu heizen, sondern dafür im Wintermantel in ihren Büroräumen zu arbeiten. Unglücklicherweise hat Japan in diesem Jahre eine weitere Not zu überstehen. Die letzte Reis- ernte — Reis ist die Ernährungsgrundlage des Jttselvolkes — ist infolge ungünstiger Wetterverhältnisse äußerst schlecht ausgefallen. Vor allem sind die unfruchtbaren Gebiete in Nordsapan und einige Teile Koreas betroffen worden. Dazu kommt noch, daß die Versorgung der Chinatruppen zu fast 90 v. H. vom Mutterlande abhängig ist und beträchtliche Mengen Reis nach China verschifft werden müssen. Um mit allen Mitteln die Versorgung der fast ausschließlich vom Reis abhängigen Landbevölkerung sicherzustellen, hat die Regierung die Einfuhr von ausländischem Reis an- geordnet, wodurch die bisher einigermaßen stabilen Reispreise bedeutend gestiegen sind. Um auch hier dem Daterlande ein Opfer zu bringen, hat die Armee einen „reislosen Tag" einmal monatlich eingeführt, an dem, an gefangen vom Kriegs- minrster bis herunter zum kleinsten Laufjungen, nur Brot oder „Soba", japanische Nudeln aus Buchweizenmehl, gegessen werden. Die Armee erwartet, daß das Volk auch hier ihrem Beispiele willig folgen wird. Im 1. Dezember begann für manchen jungen wehrfähigen Japaner ein neuer Lebensabschnitt: Der Eintritt in das Heer. Aus allen Teilen des Landes sttömten Scharen junger Rekruten in Begleitung ihrer Eltern, Verwandten, Freunde und Vertreter der Krieger- und Frauenvereine ihres Heimatortes zu den Kasernen ihres zuständigen Regimentes. Don unzähligen Fahnen, Wimpeln und Bannern grüßte die Soldaten ein „Glückwunsch zum Auszug der Unterwerfung der Feinde". Unter Absingen der alten Kriegslieder der Meijizeit, die einst die Väter und Großväter in den Kriegen gegen China und Rußland vor fünfzig Jahren gesungen haben, nahmen die Rekruten Abschied von ihren Angehörigen. Wenn sie auf dem Felde der Ehre bleiben, dann hallen die Straßen Nicht wider von frohen Kriegsgesängen, sondern in feierlicher Prozession von Regimentskameraden, Offizieren und Angehörigen begleitet, wird ein Brustbild und die Aschenurne des Toten durch die Straßen zu feinem Regiment getragen. Ueberall, wo der Zug vorüberzieht, stockt für wenige Minuten das laute Treiben des Verkehrs. In ehrfürchtigem Schweigen verneigt sich die Bevölkerung tief vor der Urne uni) erweist dem Gefallenen die letzte Ehrung. Nach japanischem Glauben ist der Tote unter die Götter des Landes eingegangen und wird auch noch in der jenfeittgen Wett für das Schicksal seines Landes eintreten. Nachdem die Asche in der Kaserne seines Stammregiments angekommen ist, werden die Geister der verstorbenen Helden in feierlicher shintoistischer Zeremonie aus den Reihen der lebenden Kameraden entlassen und kehren in ihre Dörfer zurück, um im Familiengrabe die letzte Ruhe zu finden. Der Dezember, auch „grollender Monat" oder „welke Jahreszeit" genannt, ist die einzige Zeit des Jahres, die dem schwerschaffenden Landmann die wohlverdiente Ruhe bringt. Wenn die Ernte eingebracht ist und die Rübenstecklinge in die Beete gesetzt sind, beginnen in Stadt und Land die Vorbereitungen für das Jahresende. Das Jahresende wird von den Japanern auch spaßhaft „Jahresabrechnung" genannt, da bis zum 21. Dezember selbst der hartgesottenste Schuldner seine Schulden bezahlt haben muß. Täglich kommen „ungebetene" Gäste in Gestalt von Botenjungen, die überaus höflich, aber gleichweise hartnäckig die Rechnungen präsentieren. Sind die ausstehenden Beträge endlich eingegangen und die Bücher abgeschlossen worden, bann kommt der von allen Beamten und Büroangestellten mit Sehnsucht erwartete Tag, an dem die Neujahresgratifikationen ausgezahlt werden. Diese Geldgeschenke betragen meist das drei- bis sechsfache des monatlichen Einkommens, also höchst willkommene Gaben, die ein „Grund" zum Feiern sind. Alt und jung im Familienkreise ober auch die Belegschaften der Firmen laden zu einer „Bonenkai-Jahresvergessens- feier" mit Reiswein und „äiverfen" Speisen ein, um einmal die Sorgen und Aufregungen bes vergangenen Jahres in zwangloser Geselligkeit zu vergessen. Inzwischen eilen die Hausfrauen zu den in den Zeitungen großangekünbigten Jahresschluß- Ausverkäufen, um, wie die luftig im Winde schwankenden Reklamelampions der großen Warenhäuser besagen, „zu unglaublich billigen Preisen" die für die Neujahrsfeier notwendigen Speisen, Schalen, Reisweine und Neujahrsdekorationen einzukaufen. Je näher die letzten Stunden des Jahres heranrücken, um so froher werden die Gesichter der Japaner, die nun in der ersten Woche des neuen Jahres einmal gründlich ausruhen können. Alle Geschäfte sind geschlossen und niemand ist für Geschäftsangelegenheiten zu sprechen. 108maI läuten in der Silvesternacht die Glocken der buddhistischen Tempel — der erste Gruß des neuen Jahres — und bet Sake und Reiskuchen beglückwünschen sich Verwandte und Nachbarn mit einem herzlichen „Ome- deto"-Glückwunsch zum neuen Jahre. Die Freude des Frühlingsanfangs ist da! Berlin, 9. Jan. (D71V.) Deutsche Kampfflugzeuge unternahmen am Vor- und Vachmillag des 9. Ianuar einen Lrkundungsvorstoß gegen die englische und schottische Ostküste. Hierbei wurden mehrere bewaffnete Vorpostenfahrzeuge und unter deren Geleit fahrende Handelsschiffe angegriffen und vernichtet. Die eingesetzten Flugzeuge sind sämtlich unversehrt zurückgekehrt. Oie Todesfahrt nach England Wieder drei Schiffe mit zusammen 18661 Tonnen auf Minen gelaufen. Amsterdam, 10. Jan. (DNB.) Reuter zufolge rechnet man damit, daß der englische Tankdampfer „British Liberty" (8485 Tonnen) während des Wochenendes in der Nordsee auf eine Min e gelaufen und gesunken ist. Achtzehn Ueberlebende trafen gestern in England ein. 20 Mann der Besatzung dürsten verloren sein. Der „Amsterdamer Telegraaf" berichtet aus Dünkirchen, daß D ienstag nachmittag das rund 10 000 Brutto - Washington, 9. Jan. (Europapreß.) Der Flottenchef Admiral Stark begründete vor dem Marine-Ausschuß des Repräsentantenhauses den in der vorigen Woche eingebrachten Antrag bes Marineministers Edison, der mit Rücksicht auf die ernste Weltlage eine 25prozen tige Er - Höhung der Schiffstonnage der Vereinigten Staaten forderte. Stark setzte sich für die Annahme einer 1,3 Milliarden Dollar betragenden Flottenaufrüstung ein. Bei der Marine aller Länder, so sagte Stark weiter, werde zur Zeit aufgerüstet. Die Vereinigten Staaten müßten mit dieser Entwicklung Schritt halten , um nicht nach Kriegsende geschwächt dazustehen. Der Flottenchef entwickelte sodann ein revidiertes Baupro- geramm, das an Stelle der'ursprünglich beabsichtigten 95 Neubauten nur 77 vorsieht, also die Schiffszahl zugunsten der Schiffsgröße vermindert. Die USA.=5Iotte müsse stark genug sein, um nicht nur die Vereinigten Staaten, sondern auch ihre überseeischen Besitzungen, den I18A.-Handel, die Rohstoffzufuhr und Jbero-Amerika gegen eine Invasion verteidigen zu können und denl)8A. Frieden und Sicherheit zu gewährleisten. Das Stärkeverhälnis der USA.=glotie gegenüber der japanischen Flotte müsse mindestens 5:3 betragen. Die ttILA.-Marine wolle Schlachtschiffe von 50 000 oder 52 000 Tonnen — jedoch nicht größer — bauen, falls die zur Zeit ausgearbeiteten Konstruktionspläne gutgeheißen würden. Bekanntlich wurde in Kongreßkreisen kürzlich der Gedanke erwogen, 70 000= oder gar 80 000-Tonner zu bauen, doch sind die amerikanischen Sachverständigen von der Zweck- mäßigkett derartiger Riesenschiffe nicht überzeugt. Die beiden Schlachtschiffe, für die Roosevelt in der letzten Woche die erste Baukostensumme anforderte, würden Schwesternschiffe der beiden 45 000-Tonner fein, für die der Kongreß in vergangenen Jahr die Bor einem Regierungswechsel in Japan. Kehrt Fürst Konohe zurück? Tokio, 10. Jan. (DNB.-Funkspruch.) Die gesamte Presse nimmt an, daß der Rücktritt des Kabinetts Abe kurz bevor st ehe. Der Kriegsminister und die Armee seien überzeugt, daß die Stellung des Kabinetts unhaltbar sei. Da die Armee sich jedoch für die Durchführung des Chinakonfliktes direkt verantwortlich fühle, so sei sie im höchsten Grade daran interessiert, daß möglichst bald klare innerpolitische Verhältnisse geschaffen würden. Immer mehr tritt der Name des früheren Ministerpräsidenten K o n o y e in den Vordergrund. Man weist darauf bin, daß Fürst Konoye bereits vor zwei Jahren eifriger Förderer einer neuen chinesischen Regierung unter Wangtschingwei gewesen sei, und glaubt, daß er die China-Politik zu einem erfolgreichen Ende führen werde. Neben Konoye werden weiter als Kandidaten genannt General Ugaki, der frühere Finanzminister I k a d a, Kriegsminister General Hata und die früheren Kriegsminister Su- g i y a m a und T e r a u ch i. Fürst Konoye soll zu verstehen gegeben haben, daß er eine Kandidatur ablehnen werde. Er hatte auf einem Golfplatz in der Nähe der Stadt eine längere Unterredung mit Hosminister Katsudaira, Kultusminister Kawa- rada und Vizeaußenminister Iani sowie verschiedenen Parteivertretern. registertonnen große britische Schiff „Dunbar C a ft l e" in der Nähe der französischen Küste auf der Höhe der Somme-Mündung auf eine Mine gelaufen ist. Ueber das weitere Los des Schiffes soll bis jetzt angeblich noch nichts bekannt sein. Die „Dunbar Castle" gehörte der Union Castle-Mail und war in London registriert. Das niederländische Motorschiff ,Zruida" (176 Brutttregistertonnen) ist am Dienstagmorgen auf dem Wege von Holland nach England auf eine Mine gelaufen u n b g e f u n f e n. Die vierköpfige Besatzung konnte durch ein holländisches Schiff gerettet werden. Die „Truida" hatte Stärke geladen. Der Wehrmachtsbericht vom Dienstag. B e r l i n. 9. Januar. (D71B.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Außer örtlicher Spähtrupptätigkeit und Aufklä- rungsflügen der Luftwaffe in der nördlichen Nordsee keine befonderen Ereignisse. ersten Mittel bewilligte. — Aus Starks Aussagen ging weiter hervor, daß die tt8A.-Marine den Bau von 50 000° Tonnen - Kriegsschiffen in diesem Jahr noch nicht in Angriff nehmen will. Die amerikanische Marine experimentiere zur Zett mit 8-zölligen (20 cm) Geschützen für Schlachtschiffe und beabsichtige, 200 weitere zweimotorige Fernbomber des Typs anzufordern, der im vorigen Jahr den Geschwaderflug von San Diego nach dem Panamakanal durchführte. Außerdem will die ÜSA.= Marine vier Millionen Dollar für Verbesserungsarbeiten auf der pazifischen Insel Guam erwirken. Ein dahingehender Vorschlag war im letzten Jahr abgelehnt worden. Der„jackson-Day" in LlGA. Washington, 9. Jan. (DNB.) Präsident Roosevelt hielt Dienstag auf einem Bankett anläßlich des „Jackson-Day" eine Ansprache, die wie seine Mitarbeiter prophezeit hatten, lediglich der Außenpolitik gewidmet sein sollte und, wie er den von ihm eingeladenen republikanischen Gegnern versprochen hatte, keine Parteirede sein würde. Beide Prophezeiungen oder Versprechungen wurden nicht gehalten. Die erstere offenbar, weil mit ganz verschwindenden Ausnahmen das amerikanische Volk auf feine Alarmrede vom 3. Januar nicht ein ging und sich einfach weigerte, seine düsteren Schilderungen über Amerikas Zukunft im Falle eines Sieges der ,sto- talitären Staaten" irgendwie ernst zu nchmen, die zweite, weil die Republikaner die Einladung höflich aber entschieden ablehnten und Roosevelt seinen Parteianhängern, die 100 Dollar für das Gedeck gezahlt hatten, schließlich doch für die kommende schwere Wahlkampagne Mut machen mußte. So redete Roosevelt denn über Amerikas große Präsidenten, die ohne Rücksicht auf Parteizugehörigkeit 20 Lahre Versailles. „Das Diktat von Versailles ist für uns Deutsche kein Gesetz. Es geht nicht.an, von jemand mit vorgehaltener Pistole und der Drohung des Verhungerns von Millionen Menschen eine Unterschrift zu erpressen und dann das Dokument mit dieser erpreßten Unterschrift als ein feierliches Gesetz zu proklamieren." AdolfHitler am 1. September 1939 vor dem Deutschen Reichstag. Es wehten keine Trauerfahnen über Deutschland an jenem 10. Januar 1920, da das Versailler Diktat in Kraft trat, es fanden keine Kundgebungen der Empörung gegen dieses Dokument der Schmach und der Schande statt, das Deutschland politisch, militärisch und wirtschaftlich vernichten sollte. Still und stumm trug das Volk die Not, ängstlich waren die damaligen Machthaber bemüht, die Größe des Unglücks, das die Nation getroffen hatte, zu verbergen. Versailler „Friedensvertrag"! Jeder einzelne dieser über 400 Artikel war ein Peitschenschlag in das Gesicht des deutschen Volkes, dessen Todesurteil — mit zynischer Offenheit hatte Clemenceau erklärt,' daß 20 Millionen Deutsche zuviel aus der Welt wären — damit gesprochen sein sollte. „Deutschland hat", „Deutschland muß", „Deutschland ist verpflichtet" — so ging es Seiten über Seiten. Ein „Friede", der alle historischen und wirtschaftlichen, alle volk- lichen und politischen Gegebenheiten einfach über» mag, Staaten zerriß, Landschaften zerteilte, Völker unterdrückte uni) uralte Kulturen zerstörte — das war Versailles, an dessen Wiege, wie einige wenige Staatsmänner damals bereits erkannten, die Vorboten neuer Kriege standen. Die junge Mannschaft, die jetzt mit der Waffe des Reiches Grenzen schirmt und dem Feind schwerste Schläge versetzt, war damals gerade geboren oder stand in den Kinderschuhen. Gegen diese Heranwachsende Generation war Versailles in erster Linie gerichtet, ihr sollten alle Lebensmöglichkeiten entzogen werden, sie sollte zugrunde gehen. Verluste wertvollsten deutschen Gebietes, nicht zuletzt aller überseeischen Besitzungen, politische und militärische Wehrlosmachung, Reparation sverpflichtungen — und das alles überschattet von der Kriegsschuldlüge des Artikels 231, die überhaupt als Grundlage des Versailler Diktats angesehen werden muß. Nicht vergessen werden dürfen die „Strafbestimmungen", in denen die Auslieferung der deutschen „Kriegsverbrecher" verlangt wurde, eine Forderung, die allerdings M dem Widerstand des deutschen Volkes scheiterte. Das ist — mit kurzen Strichen gekennzeichnet — der beherrschende Gedanke dieses Dokumentes gewesen, das Deutschland zu einem Sklavenvolk degradieren sollte. Die vereinzelten Stimmen im deutschen Volke, die zum Kampf gegen dieses Diktat aufriefen, fanden kein Gehör, denn ihnen fehlte, wenn man ihnen den guten Willen auch nicht abzusprechen vermag, das heilige Feuer einer alle Hindernisse fortreißenden Ueberzeugungs- kraft, daß der Kampf gegen Versailles die Grundforderung jeder Polttik fein müsse, die den Anspruch daraus erhebe, eine deutsche genannt zu werden. Adolf Hitler war es, der dieses Feuer entzündete und — ein unbekannter Soldat des Wett- fr rege 5 — den Kampf gegen eine Wett aufnahm. Es ist für uns selbstverständlich, gerade jetzt, zwei diejenigen Aufgaben erfüllt hätten, die ihre Zett ihnen vorlegte, die aber heute kaum anders handeln würden, als er und feine Mitarbeiter in den letzten sieben Jahren gehandelt hätten. Viele Demokraten, die alljährlich an den Jackson- Banketten teilnehmen, glauben, es handele sich um den Geburtstag des Gründers der demokratischen Partei, während — wie Vizekriegsminister Johnson bei einer Vorfeier in Neuorleans feststellte — vor 125 Jahren General Jackson bei Neuorleans über doppelt so starke zum großen Teil aus Veteranen der Schlacht von Waterloo bestehende englische Truppen einen Sieg errang, der Neuorleans und den Unterlauf des Mississippi davor bewahrte, ein Spielball zwischen England und Frankreich zu bleiben. Der Sieg bei Porkstown 1781 habe Amerika frei gemacht, der Sieg bei Neuorleans 1815 habe den Bestand der Der« einigten Staaten konsolidiert und das Land endgültig von England gelöst. Fast alle Sonntagsblätter haben auf diesen Freiheitskampf gegen die Engländer hingewiesen. In der „Washington Post" wird Andrew Jackson als ein Mann geschildert, der „alles haßte, was mit dem Namen England verknüpft war". Jackson vergaß nicht den Tag, an dem ein arroganter englischer Offizier während des Krieges gegen die amerikanischen „Rebellen" ihn, einen damals 14jährigen Jungen, mit dem blanken Säbett züchtigte, weil er sich geroigert hatte, die schmutzigen Stiefel des Engländers zu reinigen. Er vergaß auch nicht die Pockenkrankheit, die er sich als Gefangener der Engländer zuzog, vergaß nie die unmenschliche Behandlung und Aushungerung seiner Familie sowie den Tod feiner Mutter infolge der Leiden in der englischen Gefangenschaft. Sein einziges Bedauern bei Kriegsende fei gewesen, daß ihm die völlige Vernichtung der britischen Armee versagt blieb. Sogar „New York Times" weist darauf hin, daß die zwangsweise Einreihung amerikanischer junger Männer in die britische Kriegsmarine einer der Gründe zum Krieg 1812 bis 1815 war. Heute zwinge England amerikanische Schiffe zum Anlaufen englischer Kriegshäfen und beschlagnahme englische Post. Scharfer Vorstoß deutscher Kampfflugzeuge gegen die englische Küstenwacht. Mehrere bewaffnete Vorposten- und Handelsschiffe vernichtet. Die USA-Flotte soll der japanischen überletzen bleiben. Das Flottenaufrüstungsprogramm der Vereinigten (Staaten sieht weniger, aber größere Schiffe vor. Jahrzehnt« später, da die gleichen Mächte wie damals uns ein in seinen Auswirkungen noch mel furchtbareres Versailles bescheren wollen, sich, die Verhältnisse, unter denen der Führer zu jener Zeit den Kampf begann, noch einmal vor Augen zu führen. Adolfs Hitler schreibt in seinem Werk „Mein Kampf" darüber unter anderem folgendes: „Sn dieser Zeit (Frühjahr 1920) erhielt der Münchener Hofbräufestsaal für uns Nationalsozialisten eine fast weihevolle Bedeutung. Jede Woche eine Versammlung, fast immer in diesem Raum, und jedes Mal der Saal besser gefüllt und die Menschen andächtiger! Ausgehend von der „Schuld am K r i e g', um die sich damals kein Mensch küm- mert«, über die Friedensverträge hinweg, wurde fast alles behandelt, was irgendwie agitatorisch zweckmäßig oder ideenmäßig notwendig war. Besonders den Friedensverträgen selbst wurde größte Aufmerksamkeit geschenkt. Was hat die mnge Bewegung damals den großen Menschen- massen immer und immer wieder prophezeit, und, wie ist fast alles davon bis jetzt eingetroffen! Heute kann man über diese Dinge leicht reden oder schreiben. Damals aber bedeutete eine öffentliche Massenversammlung, in der sich nicht bürgerliche Spießer, sondern verhetzte Proletarier befanden, mit dem Thema ,Der Friedensoertrag von Versailles' einen Angriff gegen die Republik und ein Zeichen reaktionärer, wenn nicht monarchistischer Gesinnung. Man hätte seinen Kopf gegen die Wand stoßen mögen vor Verzweiflung über solch' ein Volk! Es wollte nicht hören, nicht verstehen, daß Versailles eine Schande und Schmach sei, ja nicht einmal, daß dieses Diktat eine unerhörte Ausbeutung unseres Volkes bedeute." Diese Gedanken schrieb der Führer während seiner Landsberger Festungszeit im Jahre 1924 nieder. • Damals schon waren Hunderttausende sehend geworden, Millionen wurden es, als Wolf Hitler nach seiner Rückkehr nach München den Kamps für die Befreiung des Volkes fortsetzte. Und als am 30. Januar 1933 der Tag der Machtübernahme gekommen war, da war das deutsche Volt stark ge- nug geworden, um eine Fessel nach der anderen, die ihm durch Versailles auferlegt worden war, zu zerreißen. Das Saargebiet kehrte zum Reich zuruck, mit der Einführung der allgemeinen Wehr- pflicht wurde die Wehrhobeit wiederhergestellt und — ein Jahr später — oie Schutzlosigkeit der entmilitarisierten Rheinlandzone beseitigt. Des Führers Reichstagsrede vom 30. Januar 1937 vollendete die Wiederherstellung der politischen Souveränität des Reiches und zog feierlich die deutsche Unterschrift zur Kriegsschuldlüge zurück. Die Ostmark, Böhmen und Mähren sowie das M e m e l l a n d wurden heimgeholt. Die Wieder- autmachung des dem Reich im Osten zugefügten Unrechts stieß auf den von England planmäßig geschürten Widerstand Polens, das, nachdem reguläre polnische Truppen in deutsches Hoheitsgebiet eingedrungen waren, die deutsche Gegenaktion auslöste und den polnischen Staat, eine künstliche Schöpfung von Versailles, binnen 18 Tagen aus- löschte. Heute, da die Kriegshetzer in Paris und London endgültig die Maske fallen gelassen haben und mit brutaler Offenheit erklären, daß nicht die — zu Beginn des Krieges verkündete — Vernichtung des Hitlerismus allein, sondern die völlige Zerstückelung und Aufteilung Deutschlands ihr Ziel sei, sehen sie sich einem 90-Millionen-Volk gegenüber, das aus der Vergangenheit gelernt hat und politisch sehend geworden ist. Das ganze deutsche Volk befindet sich setzt in einer einmütigen und geschlossenen Abwehrfront, es weiß, daß seinem rechten Kampf der Sieg be- schieden sein wird. Ueber all' unserem Tun und Handeln stehen wie ein unae schriebe ne s Gesetz die Worte aus dem Aufruf 'des Führers an das deutsche Volk vom 3. September 1939: „Deutschland wird nicht mehr kapitulieren! Ein Leben unter einem zweiten und noch schlimmeren Diktat von Versailles hat keinen Sinn." D. S. GrafEfakywiederinBudapesi Budapest,^. Jan. (Eurovapreß.) Der ungarische Außenminister Graf Csaky ist von Venedig kommend, wieder in Budapest eingetroffen. Der Minister erklärte den Journalisten: „Wir arbeiten mit Geduld undAusharren an dem Frieden. Es besteht alle Hoffnung, daß unsere Bemühungen von Erfolg gekrönt werden. Meine Besprechungen mit dem italienischen Außenminister Graf C i a n o fanden durchweg in freund« fchaftlichstem Geiste statt. Das Eraebnis unserer Beratungen ist in jeder Hinsicht zufriedenstellend." Wie das christlich-nationale Blatt „Uni Nemze- bet" meldet, erstattete Graf Csaky noch am Vor- mittaa dem Ministerpräsidenten Graf T e l e k i Bericht über seine Venediger Besprechungen und dürfte aller Voraussicht nach zusammen mit dem Ministerpräsidenten vom Reichsverweser in Audienz empfangen werden. Auch werde baldigst ein M i n i st e r r a t zusammentreten, dem Graf Csaky über die Ergebnisse seiner Besprechungen berichten werde. Die ungarische Telegraphenagentur unterstreicht die Feststellung, daß ,Ztaliens und Ungarns Beziehungen zum Reich unverändert die besten sind". Besondere Bedeu- tuna legt man auch in politischen Kreisen dem bevorstehenden Besuch von Matschet in der un- aarischen Hauptstadt bei, der für Jugoslawiens absolute Neutralität und engste Beziehungen mit Ungarn und Italien ist. In italienischen Kreisen betont man erneut, daß Italien und Ungarn gegen ein« Ausdehnung des Konfliktes sind. Griechenland schafft sich neuen Siedlungsboden. Athen, 9. Jan. (Curopapreß.) Nach einer Mit- teilung des Generalgouverneurs von Mazedonien wurden mehr als 6000 Hektar Ackerboden, bte aus der Trockenlegung des Sees von Pannit sa gewonnen wurden, an besitzlose Bauern verteil. Auf die künftigen Bewässerungsmöglichkeiten wurde hierbei Rücksicht genommen. Im nächsten Jahr soll diese großzügige Siedlungsaktton fortgesetzt und das ganze trockengelegte und entsumpfte Gebiet des Pannitsa-Sees und der Sumpfregionen des Loudias-Flusses von Bauern besiedelt werden. Es handelt sich um ein Gebiet von 30 000 Hektar, das dem Wasser abgerungen wurde. Nach der Trockenlegung war noch die schwierige Aufgabe zu lösen, den Boden von den zahllosen Wasserpflanzen zu befreien. Kleine politische Nachrichten. Reichsminister Dr. Goebbels sprach zu den Intendanten der Reichssender über die propagandistischen und politischen Aufgaben des Groß- deutschen Rundfunks und gab den Führern der Kriegsberichter - Formationen und den Sachbearbeitern der drei Wehrmachtsteil« nach kurzen Fachreferaten über Presse, Rundfunk und Film Anregungen für ihr« weiter« Arbeit. ♦. Im Rahmen der angekündigten Dersuchsflüge auf der ab 21. d. M. aum planmäßigen Luftverkehr vorgesehenen Strecke Berlin — Moskau traf Dienstag mittag das erst« sowjet- russisch« Verkehrsflugzeug in Berlin ein. Es war auf feinem Fluge planmäßig in Minsk, Bialystok und Königsberg zwischengelandet. Auf dem gleichen Wege wird die Maschine am morgigen Mittwoch wieder nach Moskau zurückfliegen. ♦ Der französische Ministerpräsident D a l a d i e r hat sich am Sonntagnachmittag den Fuß gebrochen. Es handelt sich, wie versichert wird, um einen leichten Unfall, der Daladier nicht an der Aus- Übung der Regierungsgeschäfte verhindern werde. Wie das britische Lustfahrtministerium mitteilt, wurde auf Empfehlung des Kriegskabinetts ein neues Kommando der „Royal Air Force" errichtet, dem a l l e E i n h e i t e n d e r b r i t i s ch e n L u f t- waffe in Frankreich unterstellt sind. Das Kommando trägt die Bezeichnung „British Air Force in France". Zum Kommandeur wurde der Luftmarschall A. S. B a r r a t t ernannt. Der amerikanische Ueberseedampfer „Manhat- t a n", der von den britischen Behörden in Gibraltar angehalten und durchsucht worden war, ist mit 200 Passagieren und 2000 Postsäcken in Genua ein» getroffen. Nach einem Abstecher nach Neapel wird das Schiff am 15. Januar wieder nach Neuyork zurückkehren. Das Scheitern der amerikanischen Handels- vertragsverhandlungen mit Argentinien. Berlin, 9. Jan. (DNB.) Der „Deutsche! D i e n st" meldet: Nicht erst seit Monaten, sondern bereits seit einigen Jahren waren die Vereinigten Staaten bemüht, mit Argentinien zum Abschluß eines Handelsvertrages zu gelangen. Trotz zahlrei- ch«r Unterbrechungen waren die Verhandlungen immer wieder ausgenommen worden und besonders nach dem Ausbruch des Krieges in Europa glaubte man in Amerika, günstige Umstände für einen Vertragsabschluß zu haben. Nach den zuversichtlichen i Kommentaren, die in den letzten Wochen in der amerikanischen Wirtschaftspresse erschienen waren, mußte daher jetzt die Meldung vom ergebnislosen vollständigen Abbruch der amerikanisch-argentinischen Wirtschaftsverhandlungen etwas überraschend wirken. Es ist bekannt, daß eines der Haupthindernisse bet den Verhandlungen die amerikanisch« Weigerung einer Gewährung größerer Ein- fuhr kontingente für argentinische landwirtschaftliche Erzeugnisse, be- onders für Gefrierfleisch, bildete. Obwohl in den letzten Jahren verschiedene Vorstöße im amerikanischen Senat gemacht wurden, war es nicht möglich, den gegen derartige Zugeständnisse sich richtenden Widerstand der amerikanischen Farmerkreise zu brechen. Da aber anderseits Argentinien feine überschüssigen Devisen für einseitige Käufe in den Vereinigten Staaten zur Verfügung hat und aus diesem Grunde schon vor längerer Zeit eine starke Drosselung der amerikanischen Einfuhren verfügen mußte, waren nunmehr keinerlei Möglichkeiten für eine Einigung mehr gegeben. Es ist bezeichnend, daß es gerade den Vereinigten Staaten trotz jahrelanger Bemühungen nicht gelungen ist, zu Wirtschaftsoereinbarungen mit Argentinien zu gelangen, nachdem von amerikanischer Seite den südamerikanischen Ländern ständig unter Einsatz großer propagandistischer Mittel die Vorteile eines Handelsaustausches zwischen den Vereinigten Staaten und Südamerika und die angeblichen Nachteile des Derrechnungshandels dieser Länder mit Deutschland dargestellt wurden. Nunmehr hat sich jedoch deullich gezeigt, daß die Vereinigten Staaten überhaupt nicht in der Lage sind, land- wirtschaslliche Erzeugnisse, die wichtigsten Ausfuhrgüter der südamerikanischen Länder, aufzunehmen, und die argentinische Presse erklärt deshalb jetzt mit Recht, daß Argentinien nicht kaufen könne, wo es nichts ve'rkaufen könne. Mit dieser Feststellung ist das Bestehen des deutschen Verrechnungsverkehrs mit den südamerikanischen Ländern, das sich für beide Partner als überaus vorteilhaft erwiesen hat, glänzend gerechtfertigt worden. Aucb das Scheitern der amerikanisch-argentinischen Wirtschaftsverhandlungen ist ein Beweis für die Tatsache, daß nutzbringend« Handelsbeziehungen nur zwischen Ländern möglich sind, die sich gegenseitig natürlich« Voraussetzungen für einen stetigen Warenaustausch bieten können. Oie deutschen Zahlen stimmen. Die Erfolge der deutschen Seekriegführung zwangen zur Beschlagnahme der britischen Handelsflotte. Rom, 9.Jan. (DNB.) Die wahren Gründe für di« Beschlagnahme der gesamten britischen Handelsflotte werden vom „M"s- faggero" aufgedeckt. Das Blatt betont, die engli^e Regierung habe sich wegen der großen Erfolge der deutschen Seekriegführung zu dieser Maßnahme gezwungen gesehen. Allem Anschein nach könne man den seit Kriegsbeglnn verlorenen englischen Schiffsraum mit Sicherheit auf eine Millionen Tonnen ansetzen. Churchill werde selbstverständlich leugnen, daß die britischen Schiffsverluste die Zahl erreichten, di« Deutschland belegen könne. Was der Erst« Lord der brittschen Admiralität aber auch immer darüber sagen möge, es gebe für den außergewöhnlichen Beschluß der Beschlagnahme der gesamten Handelsflotte nur die einzige Erklärung, daß die deutschen Zahlen stimmten und die außergewöhnlichen Maßnahmen durch die bisher erlittenen Verluste bedingt seien. Auch könne man daraus auf die wohlbegründete Angst schließen, daß weitere, noch schwerere, nicht roieoer gutzumachende Verluste folgen werden. Hinzu komme, daß England zu Anfang des Krieges b e - reits eine Million Tonnen weniger Schiffsraum besaß als zu Beginn des Weltkrieges und die Leistungsfähigkeit der englischen Schiffswerften nicht mehr die von früher sei. Ein« weitere Schwierigkeit sei Frankreichs ungenügender Schiffsraum, der schon in Friedenszeiten nicht ausreichte und erst recht Nicht den Erfordernissen der jetzigen Krieg-zeU gerecht werde. Der Handelskrieg hab« verheerende Folgen für di« englischen Seetransporte und richt« in doppelter Hinsicht größte Verwirrung an: einmal durch di« Schiftsverluste und zum anderen durch die notwendig gewordene Umstellung in der englischen Schiffahrt. Dor dem Krieg« habe England Milch, Butter, Käse und andere Lebensrnittel aus Holland und Dänemark bezogen, heute müsse es sie aus zehn- bis zw anzi am al so weitentfernten Ländern wie Kanada und Australien beziehen. Ein Schifs, das jährlich 20 Fahrten durchführen konnte, könne heute nur noch deren zwei machen. England besitze zwar noch 16 Millionen Tonnen Schiffsraum, aber vom Gesichtsvunkt der Nutzbarkeit seien es nur noch fünf oder sechs Millionen. Dazu komme noch, daß die Ausnutzung des Schiffsraumes auch durch das langsame und schwerfällige System der G e l e i t z Ü g e und viele andere Einschränkungen beeinttächttgt werde, zu denen die britische Handelsmarine wegen der kühnen Unternehmungen der U-Boote, der Angriffe von Flugzeugen und der gewalttgen Minengefahr gezwungen sei. Klägliche Rechtfertigungsversuche Chamberlains. Amsterdam, 9.Jan. (DNB.) Ministerpräsident Chamberlain hat im Londoner Rathaus eine Rede gehalten, die in ihrer Jnhaltlosigkeit und Hilflosigkeit der Argumentierungen nur den Rückschluß bestätigt, der aus dem Rücktritt des jüdischen Kriegsministers Hore-Belisha auf die Mißerfolge der britischen Regierung gezogen werden müßte. Mit der Dreistigkeit eines Dilettanten, der ohne auch nur im entferntesten die Folgen zu übersehen, sein Volk in den Krieg gegen das Reich hetzt«, „verteidigte" Chamberlain unter falschen Zahlenangaben und schiefen Dergleichen die „Erfolge" der brittschen Seekrieaführung Und sprach heuchlerisch über das Schicksal oer Zivilisation, das an di« Fahne der brittschen Machtpolittk geheftet sei. Ebenso versuchte er wieder di« kriegstreiberische Politik der englischen Regierung mit den altbekannten Phrasen zu rechtfertigen. Er verstteg sich dann sogar zu der Behauptung, daß das deutsche Volk die Verantwortung für die Verlängerung dieses Krieges trage. Die in die Welt hinausposaunte im „Dienste der Zivilisation" erteilte Hilfe für Finnland, das von einer Macht angegriffen worden fei, mit der „Deutschland ein unseliges Abkommen abgeschlossen" habe, unterstrich Chamberlain durch di« billige Der- sicherung, daß bi« „englische Reaktion aus bi« in Genf angenommene Entschließung nickt eine bloß« Formalität fein werde". Er be Hauptei« bann, baß so wie Englanb auch Finnland „gegen eine Macht skrupelloser Gewalttättakeit" kämpfe An der Rebe Chamberlains Ht nur der Tatbestand als neu festzuhalten, daß der englische Ministerpräsident sich gezwungen sah, vor aller Oeffentfichkett die schwie. rige Lage zuzugeben, in der sich England bereits heute befindet. Er mußte dabei an das englische Volk appellieren, all die radikalen Einschränkungen, Entbehrungen und Härten in Kauf zu nehmen, die ihm jetzt noch bevorstünden. Es ist schon ein starkes Stück, wenn ausgerechnet Herr Chamberlain, besten durch und durch verlogene Politik und dessen heuchlerische Kriegshetze es fo weit hatten kommen lassen, daß die Polen im Vertrauen auf den ihnen gewährten Blankoscheck Englands sich zum Krieg« gegen Deutschland hinrei- ßen ließen, nunmchr den Spieß umdreht unö das deutsche Volk für di« Verlängerung des Krieges verantwortlich macht. Die nach Beendigung des Polenfeldzuges vom Führer bis in alle Einzelheiten spezialisierten Vorschläge für eine friedliche Neuordnung Europas durch deutsch-englische Zusammenarbeit haben bei Chamberlain und seinen Freunden nur taube Ohren gefunden. Aber die Welt läßt sich durch Chamberlains nachträgliches Derlegenheits- aestammel nicht darüber täuschen, wer in Wahrheit diesen Krieg gewollt und an gezettelt hat und sie wird di« wahren Schuldigen eines Tages unerbittlich zur Rechenschaft ziehen. Ebenso durchsichtig ist das Tasckenspieler-Kunskstück, das der britische Premier aufführt, wönn er das „unselige Abkommen" beklagt, das das Reich Mit Rußland abgeschlossen habe. Es ist nod) in jedermanns Erinnerung, daß Chamberlains Vertrauensmänner Monat um Monat im Moskauer Kreml anttchambrier- kn, um von Stalin und Molotow ein vermuttich nicht minder „unseliges Abkommen" herauszuschla- gen. Solche plumpen Täuschungsmanöver, wie sie Herr Chamberlain nun unternimmt, können nirgends mehr verfangen. Man ist sich vielmehr in aller Welt vollkommen darüber klar, daß es England ist, das alles unternimmt, um diesen Krieg zu einem Weltkrieg auszuweiten. Das beweist auch wieder Chamberlains zynische Bemerkung, daß Englands Reaktton auf die Genfer Entschließung zur finnischen Frage „nicht in einer Formalität stecken bleiben" dürfe. Schamloser konnte sich bte britische Kriegsclique nicht demaskieren. Frankreich hat kein Vertrauen zum englischen Heer. Kopenhagen, 9. Jan. (Europapretz.) „Fae- drelandet" schreibt über die Zustände aus der eng- Schienenwege nach Rußland. Bereits zu der Zeit, als Deutschland die regelmäßige Verkehrsluftverbindung mit feinen nördlichen, südöstlichen und südlichen Nachbarländern wiederherstellte, hieß es, daß in kurzer Zeit auch der Flugverkehr zwischen Berlin und Moskau wieder hergestellt werden solle. Dies ist jetzt in Vereinbarungen zwischen dem deutschen Der- kehrsministerium und dem räterussischen Volkskommissariat für Verkehrsfragen geschehen. Bereits im ersten Monat des neuen Jahres wird ein regelmäßiger Flugverkehr zwischen den Hauptstädten der beiden benachbarten und befreundeten Ländern eingerichtet werden. Ueber Erleichterungen des Personenverkehrs mit der Eisenbahn werden Verhandlungen eingeleitet werden. Bedeutsamer noch als die bereits getroffenen und noch zu treffenden Abreden über den Personenverkehr sind die Vereinbarungen über den Güterverkehr auf der Eisenbahn. Zu den bevorzugten „Argumenten" der Westländer über die angeblich geringe Bedeutung der deutsch-räterussischen Wirt- schaftsverabredungen gehörte die Behauptung, das russische Eisenbahnnetz biete keine Gewähk für die alatte Durchführung der Lieferungen von Rohstoffen und Agrarprodukten. Noch ehe es zu der Der- kehrsvereinbaruna kam, traten umfangreiche Transporte aus Räterußland an der Grenze des deutschen Interessengebietes ein. In der neuen Abmachung sind neun Uebergangspunkte festgelegt, über die sich künftig der Verkehr vollziehen soll. Da die räterussischen Eisenbahnen eine größere Spurweite haben als die mitteleuropäischen und damit auch die deutschen Eisenbahnen, ist eine Umladung am Uebergangsbahnhof erforderlich. Das hindert jedoch nicht, daß von dem russischen Ausganasort nach dem deutschen Bestimmungsort einheitliche Tarife festgesetzt werden, di« naturgemäß die Abfertigung solcher Sendungen erheblich erleichtern. Für eine Gruppe besonders wich- tiger russischer Waren sind bereits Spezialtarife festgelegt worden; für weitere Waren sollen solche ausgehandelt werden. Der Zweck solcher Sondertarife für einzelne Warengruppen ist der, Massengüter frachtlich geringer zu belasten als Qualitäts- güter und sie damit vor einer allzu schweren Belastung zu bewahren. Das neue deutsch-räterufsische Derkehrsabkommen ist mehr als eine bloße Ersatzlösung für die früheren deuts ch-polnisch-sowjetrussischen Tarife. Es wäre falsch, die Schwierigkeiten zu verkennen, die überwunden werden müssen, um auch die neuen Abmachungen zu voller Wirksamkeit kommen zu lassen. Als Deutschland von Großbritannien «inae- kreist und schließlich mit Krieg überzogen wurde, hatte die Deutsche Reichsbahn verkehrspolitisch stark vernachlässigte Gebiete, nämlich die O st mark und das Sudetenland, dem altdeutschen Eisenbahnnetz angeschlossen. Für Ende 1939 war der Beginn eines umfangreichen Eisenbahnwagen-Beschaffungsprogramms ange- setzt. Der Krieg stellte ohnehin verstärkte Ansprüche an alle Verkehrsmittel. Als die deutschen Heere bann innerhalb weniger Wochen Polen eroberten, hatten sie--auch dort gewaltia« Verkehrs aufgaben zu meistern. Ein verstärkter Güterverkehr auf der Eisenbahn in ostwestlicher Richtung bedeutete daher für die Deutsche Reichsbahn eine außerordentliche Beanspruchung. Auch in der Räteunion war infolge bes stark einschrumpf enden Warenaustauschs mit Deutschland die Leistungsfähigkeit der nach Westen führenden Eisenbahnlinien nicht weiter ausgebaut worden. Die Regulierung des Eisenbahnverkehrs gestattet es, aus dem Vorhände-, nen Schienennetz und dem verfügbaren Lokomotive und Wagenpark das Höchste heraus-zuholen. Es ist setbstverständl'ich, daß die Aufbcvuarbetten, di« Deutschland in den erweiterkn Ostprovinzen und im Generalgouvernement leistet und in Zukunft leisten wirb, wesentlich durch die Rücksicht aus den sich steigernden Warenaustausch Mit der Räteunion bestimmt werben. Wenn im Frühjahr 1940 bie räterussischen Ostseehäfen auftauen, wird ber Warenaustausch zwischen Deutschland und der Räteunion auch aus dem Wasserwege in Gang kommen. In den letzten Wochen sind verschiedentlich Meldungen über den Ausbau des binnenrussischen fischen Seite der Westftont: „Es ist ein« Tatsache, baß das englisch« Expeditionsheer, das di« Engländer nach Frankreich geschickt haben, erst nach langer Zeit und nach durchgreifendem Training hinter der Front einen kleinen Teil der Magi not-Linie übernehmen durfte. Offenbar hat die französische Leitung nicht das richtig« Vertrauen zu Hore-Delishas Solda- t e n gehabt. Somit deutet alles Darauf hin, daß diese Demokrattsierung des englischen Heeres feine Diszi plin untergraben und damit seinen Wert als Kampftvaff« illusorisch gemacht hat. Das englische Kriegsministerium hat alles getan, um zu bluffen und bei den Neutralen di« Vorstellung zu erwecken, daß Englands Heer bis zum i-Punkt fix unb fertig fei. Man hat Massen von Bildern gezeigt, auf denen Albions Söhne rührenden Abschied nahmen. Das einzige, was fehlte, um richtig zu verstehen, wie schreckeinsiößend diese Soldaten waren, ist die Unterschrift: „Nach Berlin." Hur feine voreiligen Schlüffe. Bittere Erfahrungen der britischen Geleitschiffahrt. A m ft e r b a m, 10. Jan. (DNB.-Funkspruch.) Der Flottenkorrespondent des „Manchester Guardian" berichtet, mehrere Tage Seefahrt an Bord eines ber die Handelsschiffe begleitenden britischen Kriegs- schiffes hätten ihm einen Einblick gewährt in bie Lasten, die auf den Schultern der brittschen Marine in diesem Kriege ruhen. Das Schiff, auf dem er gefahren sei, habe seit Einführung des Konvoy- Systems ohne Unterbrechung Handelsschiffe begleitet. Die Erfolge des Konvoi-Systems biirften aber die englisch« Öffentlichkeit nicht über die Gefahren hinwegtäuschen, denen ber Verkehr auf See in ber heutigen Zeit ausgesetzt sei. Die Besatzungen ber Konvoi-Schiffe hörten nur sehr wenig Nachrichten. Neulich aber sei ihnen eine britische Erklärung zu Ohren gekommen, wonach ber deutsche Krieg gegen Handelsschiffe zusammengebrochen sei. Die Leute hätten sich über diese Erklärung vor Lachen geschüttelt, denn sie wüßten zu gut, wie hohl diese Nachricht gewesen fei. Es fei falsch, wenn man daraus, baß ber Feind vorübergehend seine lätigfeit etwas eingeschränkt habe, gleich den Schluß ziehen wolle, daß feine Aktion zusammen- gebrochen sei. Er glaube vielmehr, baß noch harte und sichere Schläge auf bie britische Handelsschiffahrt nieberpraffeln mürben, und baß es für bie Konvoi-Schiftahrt noch Monate schärfster Ansttengung geben werd«. Auf jedem Arbeitsplatz fein Bestes geben. Großadmiral paeder spricht zu den Belegschaften der Kriegsmarinewersten. Berlin, 9. Ian. (DNB.) Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral vr. d. c. R a e d e r, besichtigte am 8. und 9. Januar die Kriegsmarinewerften Kiel und Wilhelmshaven. Bei dieser Gelegenheit ergriff er vor den versammelten Belegschaften das Wort und stellte die Arbeit des Werftarbeiters als einen besonders wichtigen Faktor der Landesverteidigung heraus. Im letzten Jahre, besonders aber feit Kriegsausbruch, sei Außerordentliches geleistet worden, und es erfülle ihn mit Genugtuung, daß die Gefolgschaftsmitglieder den Ernst und die harten Notwendigkeiten dieser Zeit verstanden hätten. Der Großadmiral fuhr fort: „Dieses Verständnis ist die Voraussetzung für eine fruchtbare Arbeit auch in der Folgezeit. Jeder ist an seiner Stelle notwendig, auch die geringfügig erscheinende Arbeit ist wichtig und muß geleistet werden, wenn das Gesamtwert erfolgreich arbeiten soll. Der Arbeiter, der feine Arbeit gewissenhaft und gründlich aus- führt, der dabei beweist, daß Herz und Verstand voll bei der Sache ist, die unser aller Sache ist, ist nicht weniger wert, als irgend wer sonst im großen Deutschen Reich. Wir wissen, daß wir trotz unseres Volksreichtums noch zu wenig Arbeitskräfte in Deutschland haben, um all da-, was jetzt im Kriege auch von der Heimatfront zur Sicherung des Sieges beschafft werden muß, zu leisten. Daher muß der einzelne mehr lei st en als im Frieden. Es muß erreicht werden, daß, wo immer es möglich ist, noch Leistungssteigerungen erzielt werden. Jeder Arbeiter muß dessen eingedenk sein, daß der Seemann an der Front auch für ihn und seine Familie das Leben elnsetzt, und daß eine auch nur geringe Nachlässigkeit in der Arbeit des Werkmannes das U-Boot, den Zerstörer, ja selbst das große Panzerschiff vor dem Feinde gefährdet. Auf der anderen Seite muß jeder Besatzungsangehörige auf den großen Schiffen, auf Zerstörern und U-Booten oder sonstigen Fahrzeugen wissen, daß er sich auf Leben und Tod auf die Arbeit seiner Arbeitskameraden verlassen kann. Jede Pflichtversäumnis schädigt die eigene Wehrkraft und nützt damit dem Feind. Die uns vom Führer geschenkte Gemeinschaft des ganzen Volkes ist unsere st ä r k st e Waffe, denn sie läßt erst die ungeheuren Kräfte unseres Millionenvolkes voll wirksam werden. Das ist ein ungeheurer Vorsprung, den wir vor unseren Feinden haben. Und dieser Vorsprung sichert uns den Sieg. Wir kämpfen um unser Recht, für die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder, die einmal frohe' Augen haben und in einer Welt leben sollen, die jedem Volk nach seiner Leistung und seinem Können gerecht das Seine zuteilt. Wir werden diesen Kampf bestehen, wenn wir unerschütterlich zueinanderste he n, und uns als ein ehernes Bollwerk um unseren Führer scharen, jeder einzelne erfüllt von der Größe der ihm gestellten Aufgabe, mitwirken zu dürfen an seinem Platz bei der Erkämpfung der endgültigen Freiheit einer ganzen Nation. Der Großadmiral gab Richtlinien für den Arbeitseinsatz und erwähnte auch die zahlreichen Mel- düngen aus der Arbeiterschaft an die Front, über die ihm berichtet worden fei. „Ich fteue mich", führte der Großadmiral aus, „über diese Einstellung ganz besonders. Sie zeugt von gesundem und stolzem Mannesempfinden. Aber so begreiflich und anerkennenswert dieser Versuch auch ist, kann ihm doch nicht entsprochen werden. Än jeder von Ihnen wird einsehen, daß es sinnwidrig wäre, wenn auf der einen Seite nach dem Willen des Führers die Rüstungsfacharbeiter zur Auffüllung der Rüstungsbetriebe in der Heimat aus der Front herausgezogen werden und auf der anderen Seite Rüstungsbetriebe ihre Facharbeiter an die Front entlassen. Also, so sehr ich das Drängen an die Front begreife, muß doch zunächst einmal ein jeder auf dem Platz ausharren, auf den er gestellt ist und auf dem er deshalb seinem Vaterlande am meisten nützt. Ich habe schon einmal betont, daß der Arbeiter darum nichts weniger wert ist, als jeder andere. Er muß nur in sich die Ueberzeugung tragen, daß feine Arbeit für die Landesverteidigung von entscheidender.Bedeutung ist, ganz gleichgültig, wo immer er stehen mag, und daß er aus diesem Grunde auch im Kleinsten fein Bestes geben muß. Aus dieser Einstellung heraus wird der Arbeiter zum verantwortungsoewußten und getreuen j Kriegskameraden. Die Heimat muh in diesem Kriege zur nie versagenden Kraftquelle der Front werden. Wenn ein jeder hierzu das Seine tut, dann kann der Enderfolg nicht ausbleiben, dann wird der Sieg uns zufallen, wie lanae der Krieg auch immer dauern mag. Unsere Kraft und unseren Mut aber wollen wir alle üben in dem unerschütterlichen Vertrauen auf den Führer, der uns den Glauben an eine freie Zukunft wieder ge- gegeben hat. Ihm folgen heißt siegen! Kanalsystems ergangen. Diese Kanäle verbln- den die Wolga und o-amit das wichtigste russische Erdölgebiet (das von Baku) mit Leningrad. Wenn immer wieder von gegnerischer Seite behauptet wird, wichtige sowjetrussische Rohstoff gebiete lägen zu weit von der deutschen Grenze entfernt, als daß sie unter erträglichen Kosten dahin transportiert werden könnten, so prägt sich in diesem Urteil die ganze Ahnungslosigkeit vieler Westeuropäer gegenüber dem Kern des Problems aus. Die Räte- umon hat für fast alle wichtigen Rohstoffe (z. B. Kohle, Erdöl, Eisenerz, Mangan, Kupfer) eine ganze Reihe von Fundstätten. Ergibt sich eine günstige Absatzmöglichkeit nach einem Nachbarland«, so kann die Räteunion die nächstgeleaene Fundstätte in den Dienst dieses Verkehrs stellen und dafür die cntlegeneren Fundstätten für die Deckung des eigenen Bedarfs aus nutzen. Die deutsch- russische Derkehrsvereinbarung bildet jedenfalls eine wichtige Ergänzung für die wirtschaftliche Zusammenarbeit der beiden Länder. Cr. Wissenschaft und Praxis im Heeressanitatswesen. Unsere Soldaten wissen, daß sie sich auf unser Sanitätskorps verlassen können. Sie werden draußen und in der Heimat betreut in enger Zusammenarbeit aller seiner Angehörigen. Was aber vielen Volks- genoffen vielleicht noch nicht so stark zum Bewußtsein gekommen ist, das ist der überragend wichtige Anteil der medizinischen Wissenschaft an dem Walten und Wirken unserer Sanitätsoffiziere. Die b e st e n K ö p f e der deutschen medizinischen Wissenschaft sind vom Oberkommando des Heeres in Stellen von entscheidender Bedeutung berufen, wo sie den Sanitätsoffizieren beratend zur Seite st e h e n. Denn vielseitig sind die Anforderungen, die an da-^Heeressanitätswesen gestellt werden. Als b e - ratenbe Chirurgen bereisen sie einen größeren Truppenbereich und setzen ihre großen praktischen Erfahrungen in der Operation und der Nachbehandlung in den Lazaretten ein, operieren auch selbst, wenn Not am Mann ist. Als beratendeJnter- nisten stellen sie ihre Erfahrungen in der Erkennung von Krankheiten zur Verfügung, besonders richten sie ihr Augenmerk auf die ersten Fälle von ansteckenden Krankheiten, um in Zusammenarbeit mit den beratenden Hygienikern eine weitere Verbreitung zu verhüten. Auch die anderen ärztlichen Fachgebiete sind in dieser das ganze Feld- und Ersatzheer betreuenden Truppe beratender Aerzte vertreten. Zwei Tage lang haben soeben diese beratenden Aerzte in Gegenwart der Führung des Heeressani- tätswesens getagt. Man hat die wichtigen Fragen der Gesunderhaltung und der Hellung unserer Soldaten durchgesprochen und dabei besonders die Ersah- rungendesPolenfeldzugesmit berücksich- tigt. Diese kommen somit für alle Zukunft dem Wirken der Sanitätsoffiziere zugute. Dabei handelt es sich um einzelne medizinische Fragen, wie die Erforschung der Ruhr ober ber Vorgänge im einzelnen bei Wunden unb Verletzungen ober bte Blutübertragung im Felbe, aber auch darum, wie eine schnelle und reibungslose Hilfe in allen Fällen gewährleistet werden kann. QualiMsarbeiter aus der Londarbeitslehre. In Uebereinftimmung mit dem Reichsnährstand befaßt sich das Amt für Berufserziehung unb Betriebsführung der DAF. mit der Berufsausbildung des Landarbeiters. Wie in der „Lehrwerkstatt" dazu mitgeteilt wird, soll die Landarbeitslehre einen Qualitätsarbeiter erziehen, der sich mit der Arbeit an der Scholle eng verbunden fühlt. Die Berufserziehung des Landarbeiters muß nach Möglichkeit in ber Gemeinschaft einer größeren Anzahl von Jugendlichen durchgeführt werden. Das Schwergewicht liegt in der betrieblichen Ausbildung. Die weitaus größte Zahl ber Betriebe sind Klein- und Mittelbetriebe, die meist nicht mehr als einen oder zwei Lehrlinge beschäftigen können. Für die Ausbildungsarbeit wird man die Lehrlinge der Höfe eines ganzen Dorfes zu einer Lehrgruppe zufammenfaffen unb die Gefamtleitung der Ausbildung einem Bauern übertragen. Die Lehrlinge bleiben dabei an ihren Lehrbetrieb gebunden. Die geminfchaftliche Zufammenfaffung, die etwa an einem Tag je Woche vorgenommen wird, dient der Ausrichtung und praktischen Einführung in die Landarbeit. Auch ein Austausch der Lehrlinge zwischen den einzelnen Höfen soll erfolgen. Leichter ist die Durchführung im Großbetrieb, wo die Lehrlinge gemeinsam wohnen und im Betrieb auch geschlossen eingesetzt werben. Eine Erwachsenenerziehung soll jeden Landarbeiter er- fassen, der keine Lehre mehr durchgemacht hat, um auch ihn zu höherer Leistung zu bringen. Aus alter Wett. Doppelmörder hlngerichlel. Am 9. Januar 1940 ist der 33jährige Jakob Scheibe! aus Kirchdorf (Poel) hingerichtet worden, der von der Strafkammer des Landgerichts Schwerin am 18. November 1939 in Wismar in Mecklenburg wegen Mordes in zwei Fäl - l e n zum Tode verurteilt worden war. Scheibe! batte in Kirchdorf auf Poe! am 6. Dezember 1937 seinen Schwager Buchholz erschlagen, um sich dessen Vermögen anzueignen. Die Leiche hat er in eine Scheune geschleppt und diese in Brand gesteckt, um so einen Unglücksfall vorzutauschen. Am 11. Juli 1939 hat er, um sich die Brandversicherunassumme zu verschaffen, abermals in seinem Anwesen Feuer gelegt. Zuvor hatte er seinen schwer erkrankten Dien st knecht Kettel in die Scheune gebracht und dort mit verbrennen lassen, weil er glaubte, man werde dann annehmen, daß Kettel die Scheune angesteckt habe und dabei umgekommen sei. Sieben Jahre Zuchthaus für ehrvergessenes Frauenzimmer. Dor dem Sondergericht für den Oberlandesgerichtsbezirk Jena fand im Landgericht zu Weimar eine Verhandlung gegen die 19jährige Anne Hoffmann aus Kiliansroda wegen verbotenen Umgangs mit einem polnischen Kriegsgefangenen auf Grund der Verordnung vom 25. November 1939 statt. Die Angeklagte wurde z u sieben Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust sowie zum Tragen ber Kosten verurteilt. Das Gericht sah sich auf Grund mehrerer erwiesener Fälle intimer Beziehungen der Angeklagten zu den Kriegsgefangenen und überhaupt wegen ihres ehrlosen Verhaltens gezwungen, über den Antrag des Staatsanwaltes von fünf Jahren Zuchthaus hinaus- zugehen. Die Untersuchungshaft wird angerechnet. Das Urteil ist sofort rechtskräftig geworden. Drei Fünfzigtaufender gezogen. In ber heutigen Dormittagszichung der bjitten Klasse der zweiten deutschen Rei cbs l otjerie fielen drei Gewinne von je 50 000 RM. /uf die Nr. 185 920. Die Nummer wird in berjraen Abteilung in Vierteln, in ber zweiten und vßMen Abteilung in Achteln gespiett. Schneefälle und Dolfsplage in der Dobrudscha. Infolge andauernder heftiger Schneefälle und starker Kälte während der letzten Tage sind zahl- reiche Sttahen und Wege im südlichen Tell ber Dobrudscha unpassierbar geworden. Die mei- ften Telefonverbindungen sind unterbrochen. Die Stadt Silistria ist vollkommen von ber Umwelt abgefchnitten. In den Dörfern führen die Bauern erbitterte Kämpfe mit den durch Kälte und Nahrungsmangel angriffslustig gewordenen Wolfsrudeln. Schweizer Uhrenfabrik durch Feuer zerstört. Ein heftiges Schadenfeuer hat in Twann am Bieler See die bekannte Schweizer Uhrenfabrik Tavannes Watch Co. ^zu einem großen Teil zerstört. Der Sachschaden wird auf über 750 000 Schweizer Franken geschätzt. Di« Brandurfache soll mit Ausbesferungsarbeittn an der Zentralheizung im Zusammenhang stehen. Das Feuer hat zuerst einen Lagerraum, in dem wertvolle lieferfertige Uhren Sendungen lagerten, völlig vernichtet unb dann auch auf das Hauptgebäude über gegriffen, in dem sich vor allem die Fabrikationsmaschinen befanden. Während die Werks'feuerwehr, unterstützt von etwa 250 Mann der Feuerwehren aus benachbarten Ortschaften, den Brandherd befämpfte, gelang es einem Teil ber ebenfalls alarmierten Belegschaft, aus dem brennenden Gebäude etwa 400 Mafcymen zu bergen. Ehrenmal für die deutschen Matrosen auf dem Friedhof von Ryborg. lieber dem Grab ber deutschen Matrosen, die beim Untergang eines deutschen Vorpostenbootes südlich von Langeland umkamen und auf dem Friedhof von Nyborg beigesetzt wurden, wind ein Ehrenmal errichtet werden. Ein Steinbil'dhcruer Hansen aus Nyborg hat zuständigen reichsdeut- schen Stellen das dankeswerte Angebot gemacht, em solches Mal auf feine Kosten zu schäften. Einführung der neuen Rektoren an den Prager Universitäten. Die neuen Rektoren der Prager Hochschulen wurden in ihr Amt eingeführt. Der scheuende Rektor der deutschen Karls-Universität, Professor Dr. Otto, übergab einem aus Göttingen berufenen Nachfolger, Profe sor Dr. Saure, die Insignien der Universität. Professor Dr. Saure verwies in feiner Antrittsrede auf den Zusammenbruch der Wissenschaften von gestern und betonte die Bedeutung ber Hochschulen im nativ nal so zialistische n Deutschland. Der neue Rektor der Deutschen Technischen Hochschule in Prag, Professor Dr. Sun« tru, empfing die Insignien aus den Händen des scheidenden Rektors Dr. Braß. Lin Gutenbergfilm wird in Mainz gedreht. Die Vorbereitungen für die Fünfhundert- j ah rfeier ber Erfindung Gutenbergs sind in vollem Gange. Direktor R u p p e l vom Mainzer Gutenberg-Museum wird bei der Eröffnung der Gedenkfeiern zu Ehren Gutenbergs in ber Reichs- Hauptstadt sprechen. Mainz als Geburtsstätte der für bi« ganze Welt bedeutungsvollen Erfindung wird ihres großen Sohnes ebenfalls in würdiger Form gedenken. Von größter Bedeutung wird ber Guten- vergfilm, den die Ufa in Mainz drehen wird. Mit der Gestaltung des Filmes ist der Regisseur Kurt R u p l i beauftragt worden. Im Februar soll schon mit den Aufnahmen in Mainz begonnen werden. Weiter wird im Mainzer Stadttheater aus Anlaß des Gutenberg-Jahres ein „Drama um Johannes Gutenberg" zur Uraufführung kommen. Das Drama stammt von Heinrich Bitsch. „Demmlnhort" wird Kinderheim. Das bei Wiesbaden in herrlicher Lage am Walde liegende Schriftstellerheim „Demmin h o r t" konnte im Jahre 1900 der deutsche Schriftstellerverband als erstes eigenes Heim eröffnen. Der Schriftsteller Dr. August Demmin hatte dem Verband testamentarisch seine geräumige Villa mit Garten unb 25 000 Mk. Vermögen mit der Bestimmung vermacht, ein Heim für Schriftsteller zu errichten. Viele Schriftsteller und Journalisten haben seitdem hier Erholung gefunden. Vor einigen Jahren ging das Gebäude in b i e Obhut ber NSV. über, die in diesem Monat hier ein Kinderheim eröffnen wird. Die Freilegungsarbeilen lm Frankfurler karmelilerkloster. Nachdem es gelungen ist, die einzigartigen Wandgemälde des berühmten, mittelalterlichen Malers Jörg Ratgeb an der Nordwand im Kreuz- gang des Karmeliterklosters in Frankfurt aufzu- hellen und diese Kostbarkeit ber Oeffentlichkeit zu ©er Äauerngaul hält durch. F PK. Nächtens, wenn man über dunkle Straßen fährt, kann man sie sehen: irgendwo vor einer Kurve am Berg glimmt plötzlich ein Lichtzeichen, und schon ist man heran, schon tauchen aus der Nacht die in der Kälte dampfenden Leiber ber Pferde, schwer ins Geschirr gelegt, Kolonne um Kolonne, di« nach vorn fiihrt. Es ist nickt leicht auf den glatten vereisten Straßen. Manchmal rutscht ein Pferd aus, schlügt hin; dann hält die Kolonne, die Männer springen hinzu, fträngen es aus, helfen wieder hoch, und weiter geht der Marsch. Dann stehen sie wieder im Stall, und Ketten klirren, und sie prüften in die Krippe hinein und warten. Die Stute legt die Ohren an und schnappt spielerisch hinüber zum Nachbarn. Nun stehen sie hier schon seit vielen Wochen in dem fremden Stall, der luftig und ttocken ist und warm, aber doch nicht zu warm, so daß die Kälte nichts anhaben kann, wenn die Pferde plötzlich ins Freie kommen. Der Wachtmeister ist zufrieden. Damals, als die Abteilung fast über Nacht neu aufgestellt wurde, hat er manche Sorgen gehabt. Die Pferd«, ble von heut« aus morgen zusarn- mengezvgen waren, gestern noch Einzelgänger irgendwo beim Bauern im heftischen Land, jetzt zwischen hundert anderen, eines von vielen, waren wie toll. Sie schlugen, sie bissen. Sie waren es einfach nicht gewohnt, mit anderen Pferden zusammen zu fein. Dann gar, als sie zusammen getan wurden, immer sechs zu einem Gespann, in Geschirr, das ihnen ungewohnt und fremb war: mar das eine Arbeit, dis sie wenigstens gelernt hatten, gleichmäßig anzuziehen. Wer es mußte gelj-en, und es ging. Es konnte nicht gewartet werden. Am soundsovielten um soundsoviel Uhr war eben Ausrücken, und es wurde ausgerütft, und wenn einer vorher noch nie auf einem Pferd gesessen hatte, bann tat er es eben jetzt zum ersten Male. Und heut«? Längst haben sich die Pferde an den neuen Zustand gewöhnt, längst ist ber alte Herdentrieb bet ihnen wieder durcygebrochm. Mel woh- ler fühlen sie sich jetzt, man merkt es ihnen an, wenn sie all« zusammen sind. Hatte es im Anfang häufiger einmal Koliken gegeben, so schlägt jetzt das Futter bei allen gut an. Sie sind rund und prall, und das dichte Fell glänzt. Freilich, sie haben es bisher gut hier getroffen. Der neue Unteroffizier, der in Polen dabei war, hat dieser Tage erzählt: zufammenaeschofsene polnische Batterien und Kolonnen, aufgedunsene Pferdeleiber, ober mitten im niedergebrannten Dorf, zwischen Trümmern und langsam verziehenden Rauchschwaden, ein müder alter Schimmel mit gesenktem Kopf, still und stumpf stehend und wartend, ober, fetzt noch, Wochen danach, am Wegesrand bleiche Skelette, nur ber modernde Kopf im struppigen Fell ... Hier dagegen haben die Gäule ihr gutes Unterkommen in den Ställen der Bauern, höchstens hier und da in einer festen Scheune, hier haben sie Wartung und Pflege, hier haben sie gutes, reichliches Futter. Di« Pferde, die jetzt bei den Soldaten sind, dienen zudem weiter den Bauern. Erst haben sie geholfen, di« Ernte zu bergen, Kartoffeln und Rüben, dann haben sie den Pflug gezogen wie daheim. Furche um Furche, sind vor Egge und Walze gegangen, unb jetzt, da die Wintersaat längst in der Erde, ziehen sie Dung und Jauche aufs Feld. Es gibt Dörfer hier am Rhein, die dank der Pferde der Artilleristen in diesem Jahr früher mit der Herbstbestellung fertig geworden sind als sonst, und von immer weiter her find di« Bauern gekommen, um auch für ihr Land die Tiere auszuleihen. Daneven aber geht die Ausbildung vorwärts, von Pferd wie von Mann, und heute können diese braven schweren Bauerngäule exerzieren, als ob sie nie anders gegangen wären, als vor dem Geschütz und in der Kolonne. Marschleistungen von 40, 50 Kilometern schaffen sie ohne sonderliche Beschwerden und ohne nachteilige Folgen. Auch mtt dem bergigen Gelände, hügelaus und hügelab, haben sich die Pferde längst zurechtgefunden. Nur traben — nein, traben lieben sie ganz und gar nicht; das ist nichts für Bauerngäule, und nur, wenn es ganz und gar nicht anders geht, lassen sie sich dazu herbei. Sie halten aus und sie stehen durch, und das ist die Haupftache, brav, willig, ber Soldaten gute Kameraden. Schirmeister. erhalten, hat Oberbürgermeister Staatsrat Dr. Krebs weitere Mittel zur Fortführung ber Arbeiten anberWestwand des Kreuzganges freigegeben. Um zu verhüten, baß ber Frost den Wand putz zerstört, wirb mit den Freilegungsarbeiten schon in nächster Zeit begonnen werben. Es ist zu hoffen, baß babei die schönsten Teile ber großartigen Darstellung des Kinberrnorbes von Vetylehern vor bem Verfall gerettet werben können unb baß ber Kreuzgang des Karmeliterklosters wieber die Bedeutung erhält, die er als Sehenswürdigkeit schon im Mittelalter besaß. Ein Beelhoven-Fund in Moskau. In Moskau wurde in einem Archiv ein umfangreiches Notenheft von Beethoven eigener Hand gefunben. „Dagens Nyheter" berichtet, baß bas Notenheft den Entwurf zur Kreutzer-Sonate, ber dritten Sinfonie (Ero'ica), zum Oratorium „Christus am Oelbera", zur Klaviersonate in Es-dur Dp. 31 und endlicy den Entwurf zu sechs verschiedenen Melodien enthalte. Das Notenbuch umfasse 174 Seiten, die Aufzeichnungen feien im Jahre 1803, also in der Glanzzeit Beethovens, begonnen worden. Sie zeigten alle charakteristischen Züge der Beethoven schen Manuskripte. Die Echtheit des Manuskriv- tes fei von Fachleuten bestätigt worden; indes sei es vorläufig noch ein Rätsel, wie dieses Manuskript in das Moskauer Archiv gelangt fei. Der letzte Akt ber Tragikomödie vom Louvre. Der Diebstahl des berühmten Watteau-Gemäldes „Der Gleichgültige" aus dem Pariser Louvre-Museum Hatte im vorigen Jahr« große Senfation erregt. Das war auch, wie sich jetzt herausstellt, der einzige Zweck, den ber jugenbliche Dieb Serge Boguslawski erreichen wollte. Er war als Filmschauspieler gescheitert und wollte nun als Maler „berühmt" werden. Seine stümperhaften Zeichnungen konnten ihm den ersehnten Ruhm nicht verschaffen. Als er mit dem Diebstahl im Louvre die gewünschte Senfation gemacht hatte, lieferte er selbst das Bild bei ber Polizei ab, denn er wollte sich doch zum Mittelpunkt eines Sen« fationsprozesses machen. Das war eine Fehlspekulation, denn zu seinem Pech fiel der Prozeß mit dem Kriegsausbruch zusammen und fand darum gar kein Interesse mehr in ber Oeffentlichkeit. Die Presse erwähnte nur mit ein paar Zeilen das Urteil, das auf zwei Jahre Gefängnis lautete. Gegen dieses milde Urteil legte Boguslawski Berufung ein in ber Hoffnung, daß der zweite Prozeß ihm größere Reklamemöglichkeiten verschaften würbe. Er hat sich wieder geirrt, und der einzige Erfolg ist jetzt die Verdoppelung seiner Strafe auf vier Jahre. Wenn er nach deren Verbüßung wieder in die Freiheit zurückkehrt, wird sich keiner metyr des armseligen Sensationshaschers erinnern. „Sie sollen ihn nicht haben ..." In diesem Jahre jährt sich zum hundertsten Male ber Tag, an dem bas Lieb „Sie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein" geboren wurde. Das Gedicht „Der deutsche Rhein" kam damals aus der Feder eines Rheinländers, des 1809 in Bonn geborenen Nikolaus Becker. In bem Lied fand deutsches Gefühl volkstümlichen Aufdruck, es löste starke Beifallsäußerungen aus. Der König von Preußen sandte dem Dichter 1000 Taler, König Ludwig von Bayern schickte ihm einen Ehrenpokal. Das Lied ist siebzigmal komponiert worden, ohne daß eine von den Kompositionen wirklich populär wurde. Populär ist aber die Bereitschaftsansage geblieben: Sie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein. 100 Jahre harzer Roller. Die Harzer Kanarienzucht ist etwa 100 Jahre alt. Ihre Anfänge werben auf einen Bergmann namens Trute aus Andreasberg zurückgeführt, der die ersten kleinen gefieberten Sänger von Bekannten aus dem Erzgebirge erhielt. Während feine Kanarienzucht nur einen kleinen Umfang hatte, brachte fein Sohn sie zu Welttuf. Er brachte feine Tiere bis nach Amerika. Von einer Reife dieser Art brachte er wilde Kanarienvogel mit, die Schiffbrüchige auf den Kanarischen Inseln gefangen hatten. Aus ber Kreuzung dieser Vogel mit feiner eigenen Zucht entstanden die Harzer Roller, bi« schließlich Weltruf erlangten. _____________________________ Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik, Feuilleton und die Bilder: Dr. Fr. W. Lange: für Stadt Gießen. Provinz unb Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt ber Anzeigen: Theodor Kümmel. Druck unb Verlag: Brühlsch« Universitätsdruckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich In Gießen. Monatsbezugspreis 2,05 RM. einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 13 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. unb Samstags 15 Pf., mit ber Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 5 vom 1. Dezember 1939 güM. Aus der eng Verkehrs- und Verschönerungsverein Lich Z Lich, 9. Jan. Zehn Jahre sind es nunmehr, daß Lehrer Hild das Amt des Vereinsführers des hiesigen Verkehrs - und Verschönerunas- Vereins bekleidet. Zehn Jahre unermüdlicher Kleinarbeit zum Wohle unserer Stadt sind in diesem Ehrenamt enthalten. Schon vor 40 Jahren, am 28. Dezember 1898, wurde hier ein „Kurverein" ins Leben gerufen, der bis 1904 bestand. Dann trat eine längere Pause ein, bis im Jahre 1922 der damalige Bürgermeister Völker den Gedanken der Fremdenwerbung wieder aufgriff. Am 11. Juli 1922 wurde der „Kurverein" als „Verkehrs- und Ver- fchönerungsoerein" wieder ins Leben gerufen. Den Vorsitz führte Lehrer S ch n e i d e r. Im November 1924 übernahm Bürgermeister Völker bis zu seinem Tode den Vorsitz. Von Januar 1928 bis Anfang 1930 ruhte die Arbeit-wieder, bis schließlich am 3. Juni 1930 Lehrer Hild die Führung des Vereins übertragen wurde. Seitdem konnten das Kriegerdenkmal und der Postbrunnen mit Blumenschmuck versehen, sowie 8 Blumenschmuckwettbewerbe durchgeführt werden, Bänke und Schutzhütten kamen zur Aufstellung, Prospekte von Lich wurden wiederholt herausgegeben, zwei Photowettbewerbe wurden durchgeführt, die Anlage in der Bahnhofstraße, trotz geringer Mittel, geschaffen, bessere Zugverbindungen wurden erreicht, bei der Landpost-Verkraf- tung konnte beratend mitgewirkt werden, Orientierungstafeln wurden ^im Höhler angebracht, bei Großveranstaltungen (Flugtag 1933, 100-Jahr-Feier der „Cäcilia") konnte vorbereitend geholfen werden, Sommerfahrten wurden durchgeführt, sowie unzählige Führungen durch Lich bzw. nach Kloster Arnsburg bewerkstelligt u. a. mehr. Dies alles ist nur ein kleiner Ausschnitt aus der vielfältigen Arbeit des Verkehrs- und Verschönerungsvereins. Unterstützt wurden diese Arbeiten — und dies soll nicht vergessen werden — seitens der Stadtverwaltung mit Bürgermeister Geil an der Spitze. Landkreis Gießen. $ Steinbach, 10. Jan. Am 11. Januar kann der Landwirt Ludwig Krämer II. in guter,Ge- ?ren Heimat. sundheit seinen 7 6. Geburtstag feiern. Der alte Herr hat im Herbst noch den ganzön Ackerbau versehen können, als sein Sohn zum Heeresdienst einberufen war. Wir gratulieren herzlich. — An den Folgen eines Unfalles verschied in der Montagnacht Ernst Balser. Der Mann war im Albacher Hof beschäftigt und litt an epileptischen Anfällen. Bei einem solchen Anfall fiel er gegen den Ofen und erlitt so schwere Verletzungen, daß er an deren Folgen in der Klinik in Gießen starb. Der Verstorbene war 33 Jahre alt und unverheiratet. Nicht auf der Fahrvahn gehen! Verkehrsunfall fordert einen Toten und eine Verletzte. Lpd. Darmstadt, 9. Jan. Nachts fuhr auf der Griesheimer Landstraße unweit des Waldfriedhofs ein Personenauto aufzwei Fußgänger, Nhein-Mainische Börse. Tendenz schwächer. Frankfurt a. M., 9. Januar. Während am Rentenmarkt die Anlagetätigkeit anhält, bestand am Markt der Dividendenwerte erneut Zurückhaltung und weitere Neigung zu Verkaufen. Dom Publikum lagen nur vereinzelt mäßige Kaufaufträge vor, während von dieser Seite erstmals einige Abgaben vorgenommen wurden. Die Aufnahmebereitschaft der Börse war demgegenüber sehr klein, so daß der Aktienmarkt in schwächerer Haltung verkehrte. 23ei den anfangs in nur spärlichem Umfang vorliegenden Kursen waren Rückgänge bis zu 2 v. H. festzustellen. Darüber hinaus gingen Aschaffenburger Zellstoff auf 104 (106,75) und Rheinmetall auf 126,50 (128,75) Mrück. Am Montamarkt waren Verein. Stahl ve^ältnismäßig schwach rrtit 103,65 (105), Rheinstcchl verloren 0,75 aus 138,25 und Ilse Genuß setzten ihren Abstieg um weitere 2 v. H. auf 159,50 fort. Während JG.-Farben mit 169,40 (169,25) behauptet eröffneten, verloren Scheideanstalt 2 v. H. auf 230, außerdem ließen AEG. auf die auf der Fahrbahn gingen, auf. Einer der Fußgänger wurde vom Kotflügel des Wagens erfaßt, zur Seite geschleudert und schwer verletzt. Er st a r b auf dem Transport ins Krankenhaus. Seine Begleiterin mußte ebenfalls in schwerverletztem Zustand ins Krankenhaus gebracht werden, wo sie in bedenklichem Zustand daniederliegt. Drei Jahre Zuchthaus für einen Ueberfall. LPD. Worms, 9.3an. An einem November- abend wurde auf dem Plattweg der Mühlenarbeiter Münch durch einen Mann, der von zwei Mädchen und einem Jungen begleitet war, angepöbelt. Münch wich aus, wurde aber an beiden Armen gefaßt und erhielt darauf drei Schläge mit einem geschlossenen Messer in die Augengegend. Der Täter konnte fest- genommen werden. Es war der 18jährige Zigeuner Philipp Schott, der wegen dieses Ueberfalls vom Darmstädter Sondergericht in Worms drei Jahre Zuchthaus zudiktiert erhielt. 124 (124,75) und Adlerwerke auf 103 (103,50) nach. Am fe ft verzinslichen Markt konzentrierte sich die Nachfrage weiter auf Pfandbriefe, in denen aber mangels Angebot nur wenig Abschlüsse erfolgen konnten. Auch für die übrigen Rentengattungen hielt die Nachfrage an. Weiter fest lagen Reichsaltbesitzanleihe mit 140,15 bis 140,10 (139,90), desgleichen zogen im Freiverkehr Kommun al-Umschuldung auf 95,10 (95) und Steuergutscheine I April/Mai auf 99,50 (99,40) an. Industrie-Obligationen und Stadtanleihen lagen wenig verändert, Liqui-Pfand- briefe z. T. etwas fester. Für Goldpfandbriefe mehrten sich die Strichnotierungen. Von Länder-Anleihen 4,50 v. H. Baden von 1927 weiter fest mit 100,13 Auch im Verlaufe dauerte die Zurückhaltung fort, ebenso kam stellenweise weiter kleines Angebot an den Markt, so daß die Haltung für Aktien schwächer blieb. JG.-Farben gaben 0,40 v. H. nach auf 169, Verein. Stahl 0,25 v. H. auf 103,40 und Dainüer insgesamt 1,75 v. H. auf 124,50 bis 123,50. Auch bei den später notierten Papieren traten zumeist Minderungen von durchschnittlich 1 bis 2 v. H. ein, nur wenige Papiere hatten Rückgänge unter 1 v. H. Gießener Scklachtviehmartt. Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarbt (Schlachtviehoerteilungsmarkt) in der Vieh versteige« rungshalle Rhein-Main kosteten Ochsen 40 bis 45,5, Bullen 39 bis 44,5, Kühe 15 bis 42,5, Färsen 36 bis 44,5, Kälber 20 bis 64, Schafe 20 bis 46 Rpf. je Vz kg Lebendgewicht. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,09, bl (135 bis 149,5 kg) 1,09, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,09, c (100 bis 119,5 kg) 1,07, d (unter 100 kg) 1,01, e—f (unter 80 kg) 0,97, gl (fette Specksauen) 1,09, i (Altschneider) 1,09, g2 (andere Sauen) 1,01, h (Eber) 1,01 RM. Marktverlauf: alles zugeteilt. Schutz gegen den elektrischen Schlag. Bei Betriebsbesichtigungen wird immer wieder festgestellt, daß sich Unkundige mit Arbeiten an elektrischen Anlagen befassen. Bei der allgemeinen Unkenntnis über die Gefahren des elektrischen Stromes, insbesondere über das Zustandekommen des tödlich verlaufenden elektrischen Schlages, ist ein derartiges Verhalten geradezu sträflicher Leichtsinn. Nichtfachleute gefährden nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Kameraden, die setzen ferner ihre Betriebsstätte und damit einen nicht unbedeutenden Teil des Volksvermögens der Feuersgefahr aus. Wer beauftragt ist, einen Teil der elektnschen Anlagen, wie Hängelampen, Stehlampen, Kocher, Herde, rein zu halten und zu pflegen, muß vor allem wissen, daß Feuchtigkeit die Gefahren des elektrischen Stromes steigern kann. Selbstverständlich erfordert die Sauberkeit im Betrieb, daß Lam- pen auch mit dem feuchten Tuch gereinigt werden. Das darf aber niemals bei eingeschaltetem Strom erfolgen. Bei Tischleuchten und Stehlampen genügt nicht das Ausschalten der Lampe durch den einge- b aut en Sch aller. Man ziehe vielmehr den Stecker aus der Steckdose. Bei Lampenfassungen mit Knebelschalter (z. B. in Nähereien) mache man auch die Zuleitung durch Betätigung des Wandschallers stromlos. Die bei der Reinigung benutzten Tücher und Fensterleder sollen auch nicht naß, sondern nur feucht sein, sonst dringt die Nässe in die Vergußmasse zwischen Lampensockel und Glaskolben und beeinträchtigt so die Haltbarkeit der Glühbirne. Wird nämlich diese Vergußmasse feucht, so kann sich beim Aus- und Einschrauben der Sockel am Glaskolben lösen und dadurch Kurzschluß herbeigeführt werden. Wer dies erfährt, wird feine Kohle», Wenn's not tnt, künftig selber hole«. Unsere Armee braucht unzählige Wagen und Autos für Transport« und Versorgungszwecke. Medient dazu, Erleichterungen bet den Strapaze« des FeldzogeS za schaffe«. Wer wird nicht auch ans manche Annehmlichkeit verzichten, wen« er daran denkt, welche Opfer der Soldat an der Front für nnö bringet „Was hältst Du davon, Karl, wir müsse« uns die Kohlen selber holen!" „Was? Da gehe ich gleich mal hin! Wird wohl nur halb so schlimm sein." kS „Sehen Sie, Herr Pfundig, mein Lieferwagen ist an der Front; ist er da nicht wichtiger?" „23ater, das ist Sache!" ,Mas sage ich immer — alle-.halb fcu schlimm!" 137D NSG. Kraft durch Freude Am Samstag, dem 13. Januar 1940, 20 Uhr M/M STADTTHEATER GIESSEN „Maria Stuart" Tragödie von Friedrich v. Schiller zu niedrigen Preisen! Kassen vor verkauf; K.d.F.-Dienststelle, Seltersweg Nr. 60 und an der Abendkasse 70D Tanzschule Kieferdorf Bahnhofstraße 42 Tel. 3783 ................................................ Zu den inKürze beginnenden neuen Tanzkursen Nachmittag- und Abendzirkel weitere Anmeldungen jederzeit erbeten. Einzelunterricht täglich. MMMlmsM öes Mnet Wisers hält die ersehnte Verbindung unserer Soldaten und unserer Arbettsmänner mit ihrer oberhessischen Heimat täglich aufrecht! - Senden Sie an uns die Anschrift Ihres Familienangehörigen oder Ihres Freundes ein; alles übrige wird von hier aus pünktlich erledigt. An den Betlag öes siebener Anzeigers, Sieben Versenden Sie den Gießener Anzeiger zum Bezugspreis von RM. 2.05 für den Monat unter folgender Anschrift: lFcldpostanschrist genau angeben) Die Äezugsrechnung zahlt: (Genaue Anschrift des Bestellers) | Vermietungen | Z-Mohn mit Keller und Stall zu verm. Anfragen an Heinrich Erbes. Bollnbach, Post Saasen üb. Gießen. I39d | Mietgesuche | Junges Ehepaar Dauermieter, sucht nette H-Zieor- Wohnung. Schr. Ang. unt. 092 a. d. G. A. leine Zeugnisse in Urschrift ■ cm Dem nm ZeugnW- abichriftev oem Be- werbungSichretden beilegen - Lichtbilder unoOeroetbunflSuntep tgen müflen zur Ber- ■Hbung von Verluste» aul der Rückseite R» «en und Anschrift del «eweebers rrcmen l Zuverlässige, saubere junge Frau od.Mdchen 3 mal möchentl. vormitt, gesucht. Vorzustellen bei Brückner. Schiffenberger Weg 1311. os9 Zuverlässiger ehrlicher 8111 für Kellerarbeiten und für die Versorgung der Heiz, in Dauerstellung Mr sofort gesucht. Ii33d Caf6 Wien. Zeitungsausträger fürsofort gesucht. Gernmer, Bahnhofstr. 66. Min für Laden und Büro für norm, gesucht. t29d Walltorstr. 21. Frau oder Mädchen für tagsüber ( ab 15. Januar gesucht. [088 Löberstratze 5II Zuverlässige WM für 2x wöchentlich gesucht. 090 Schnbertstr. 8 I Saubere Frau oder Mädchen für vormittags 1 bis 2 Stunden gesucht. 1085 Sicher Strane Nr. 77 I- links. Ordentliches WW auch z. Aushilfe od. stundenweise gesucht. iuD Frau Hahn Löberstraße 17. Ordentl., in allen Hausarbeiten erfahrenes Mädchen für bald oder 1. Februar gesucht. [047 Löberstraße 111 Solides Mädchen tagsüber zum 1. Februar gesucht. Frau Lentli Bleichstraße 35. Zuverläss., ehrl. Mädchen oder Frau f. vorm. gesucht. Goetbestr. 31 v. Zum 1. 2. 1940 wird ordentliches fleißiges 135D KM gesucht.GuteBe- handlung u.Ver- pstegung wird zugesichert. Putzfrau und Wasch- frall ist vorband. Metzgerei Weitz, Bad - Nauheim, Hauptstraße 15, Telefon 2343. Tüchtige Hilfe i. Haushalt, evtl. nurein.Stunden vormitt, gesucht. Appel [i43d Kaiserallee 49. ÄlllVlÜstkvonZdt» 20 v. 6. erhalten EN bei wiederholten Aufnahmen einer Ameig» | Verkäufe | taensclrak und [lihslroMolor 0,1 PS, mit Ventilator z. verkauf. Schr. Ang. unt. 134V a. d.G. A. (BeDrnutNer Küchenherd zu verkauf. 132D M Wien. Kaufgesuche Gebrauchte Ski-dDsrüsInng mittlere Größe Ski-SMe Größe 41'42 zu kaufen gesucht. Schriftl. Angeb. unter 082 an den Gieß. Anz. erbet. ßoottflt- nnö VeinslMen jede Menge, frei Hof, zu kaufen gesucht. i26d Chr. Fnderthal Gietzen Seltersweg 55 Fernruf 3973. StflütifflOfler m.Bohner, Heißluftduschen.Zerstäub er zum Ent- mottenundLuft- verbessern. Lieferung sofort. Karl Erb Asterweg 19 I. Volkstümliche Naturwissenschalt in reid)oebilöorten, eichtverständl. Werken und in verschiedenen Preislagen rieten unsere Derlagserzeug nisse. Sie vermitteln einen tiefen Einblick in die Geheimnisse des Natur geschehens und damit durch erweitertes Wissen er. yöhteFreudeanden vielfältigen Schön- heiten der Natur. Verlangen Sie Prospekte und Probe» hefte er Zeitschrift Jiueöet natur (Der Naturforscher) Hugo Bei mühlerVerlag BeriMWelde Für die Aufmerksamkeiten und Geschenke zu unserer Vermählung sagen wir hiermit herzlichen Dank Unteroffizier Fritz Bechtold und Frau Ida, geb. Seel Launsbach, den 10. Fanuar 1940 093 Betr.: Die Prüfung der Stadtwerke (Elektrizitäts-, Gas- und -maffenDerf) und der Straßenbahn mit Omntbusbetrieb Gießen für Rj. 1937. Bekanntmachung. Gemäß § 12 der Verordnung zur Durchführung der Vorschriften über die Prüfungspflicht der Wirtschaftsbetriebe der öffentlichen Hand vom 30. März 1939 wird nachstehend das Prüfungsergebnis öffentlich bekanntgemacht. Gießen, den 6. Januar 1940. Der Oberbürgermeister: Ritter. Feststellungsvermerk. Es wird feftgestellt, daß nach pflichtgemäßer Prüfung durch den von der Gemeinderechnungskammer beauftragten Wirtschaftsprüfer Hermann Will, Gießen, auf Grund der Schriften, Bücher und sonstigen Unterlagen der Betriebe sowie der erteilten Aufklärungen und Nachweise die Buchführung und der Jahresabschluß den gesetzlichen Vorschriften entsprechen, und daß itp übrigen auch die wirtschaftlichen Verhältnisse der Betriebe wesentliche Beanstandungen nicht ergeben haben. 140C Darmstadt, den 16. Dezember 1939. Hess. Gemeinderechnungskammer. (L. S.) I. V.: gez.: M e i f i n g e r. Donnerstag, den 11. Jan. 1940 nachm. 2 Uhr, versteigere ich an Ort und Stelle (Bekanntgabe erfolgt in dem Versteigerungslokal Neuenweg 28 dahier) zwangsweise gegen Barzahlung: 1 Ovel- Personenwagen, einen DKW.-Personenwagen, 1 Nähmaschine,! Sofa, IChaiselongue, 1 Diwan, 1 Klavier, 1 Divlomat- schreib tisch, 1 Schreibmaschine, 1 Kasfenschr., 1 Schrankgrammo- vhon,l Stoffsessel,! Staubsaug., 3 Besteckkasten, 3 Laufgewichtswaagen, 6 Brotschneidemaschine, 1 weißemaillierten Herd, Vorbangschlösser, Thermosflaschen, Herdputz, Bohnerwachs. 148d HlfiH Gerichtsvollzieher in Gießen UlllU Ludwigstraße 33, Tel. 3239. Ratten hhiI Manie? Wanzen, Käfer nsw., dann zum Fachmann Kammerjäger B Schomber z SchittenborQer Wed 38 Dissertationen liefert Brühl'sche Druckerei Stadttheater M Mittwoch 19.30 bis 22.30 Uhr 15. Mittwoch-Miete Zum letzten Male! Maria Stuart Tragödie von Schiller. Preise: RM. 0.60 bis 3.10. [123d Familiendrucksachen Verlobungsanzeigen Vermahlungsanzeigen Geburtsanzeigen bei Brühl. Schulstr. Kinderwagen m großer Auswahl Fr. Groß Neuenweg 32. öufftäbtCbiette durch ( 7643D H. Kirchner Immobilien, Hausverwaltungen. Werbe-Drucksachen bei Brühl, Schulstr. 7 m Richtung Bergwerkswald- Leihgestern-Kl.- Linden entlaufen Abgabe oder Benachrichtigung an Professor Meyer-Barkhausen Giefcen, ArndtstraBel l gegenüber Aulweg 105) Telefon 2638 Belohnung zugesichert, ltiD siuf,n Kraft Starke Nerven, frisches Am» sehen, gesunden Appetit erreichen alt und jung dureb Lebens-Elixir Di. Schleifer Sie Quelle neuen Lebens. ehalt an Lecithin u.Eife* macht’sl Flasche RM.2.75 Kttrfl. RM.4SB Univ.- Apotheke zum gold* Engel, A. Habrich, Marktplatz Nr. 8 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefien) Mittwoch, iv Zanuar 1940 " ■ ■■!---------”""1 - ______ ■" ■■■ —...... 1 . ........■■■*....... I ■■■ II Die Sondereinheiten der HI. vor hohen Anforderungen. NSG. Im Rahmen der mannigfaltigen Aufgaben, die der Hitler-Jugend durch den Deutschland aufge- zwungenen Krieg erwachsen, werden insbesondere an die Angehörigen der Sondereinheiten der HI. erhöhte Anforderungen gestellt. Es gilt, die Sicherung und Ausbildung des Nachwuchses für die Flieger- Truppen, die Kriegsmarine, die motorisierten Kampftruppen und die Nachrichtenverbände in Heer und Luftwaffe zu gewährleisten. Aus diesem Grunde bleiben die Sondereinheiten auch in ihrer bisherigen Organisation bestehen. Der Dienst umfaßt neben der weltanschaulichen Schulung die Leibeserziehung und die Sonderäus- bilduna sowie den jeweiligen zusätzlichen Dienst. Um jeden Jungen weitestgehend für den Dienst in der Wehrmacht vorzuberetten, erhalten die 16° bis 18- jährigen Hitlerjungen der Sondereinheiten im Rahmen der Leibeserziehung eine eingehende Ausbildung im Schieß- und Geländedienst, der grundsätzlich nur Samstagabends und Sonntags stattfindet, da die im Beruf stehenden Hitlerjungen in der Woche durch die Berufsarbeit stark in Anspruch genommen sind. Ziel der Ausbildung ist der Erwerb des K.-Aus- bildungsscheines der Hitler-Jugend. Die Sonderausbildung findet an einem Abend in der Woche und an einem Sonntag im Monat statt. Eine Ausbildung in den Leibesubungen erhalten die 16- bis 18jährigen nicht. Sie können jedoch, soweit möglich, an einem Abend in der Woche am freiwilligen Leistungssport teilnehmen. Den Angehörigen der Sonder ei nheiten im Alter von 14 bis 15 Jahren dagegen wird neben der Sonderausbildung und dem jeweiligen zusätzlichen Dienst eine Ausbildung in der Grundschule der Leibeserziehung zuteil, die jeweils an einem Wochentag in einer Doppelstunde durchgeführt wird. Darüber hinaus wird zusätzlich an zwei Sonntagen die Grundschule der Leibesübungen'durchgeführt. Die Sonderausbildung findet an einem Abend in der Woche und einem Sonntag im Monat statt. Für die Modellflug-Arbeitsgemeinschaften des DJ. und die Einheiten der Flieger-HI. wird im Rahmen der Leibeserziehung besonderes Augenmerk auf den Flugmodellbau und das Modellfliegen bzw. Baudienst, flugtheoretischen Unterricht sowie Flugdienst gerichtet. Dort, wo der Bau- oder Flugdienst nicht ober nur teilweise durchgeführt werden kann, wird der Fachunterricht im Vordergrund stehen. Die Ausbildung von Lehrgängen findet in Schulen des NS.-Fliegerkorps statt. Die 15jährigen Hitlerjungen werden für die ^-Prüfung vorgeschult. Die 16- bis 18jährigen schulen ihrem Ausbildungsstand entsprechend weiter. Der flugtheoretische Unterricht befaßt sich vornehmlich mit der Geschichte der Luftfahrt, dem Aufbau des Wehrmachtsteiles Luftwaffe, Luftverkehr, Flugzeugkunde, Wetterkunde und Luftgeographie. Der Schwerpunkt bei der Ausbildung der Motor- HI. liegt in der technischen und handwerklichen Schulung und bei den 14- bis 15jährigen Motor- Hitlerjungen vor allem auch auf dem Gebiet der Verkehrserziehung. Die motorsportliche Ertüchtigung wird im Einvernehmen mit dem Korpsführer des NSKK. und Chrenführer der Motor-HI., Reichsletter Hühnlein, mit ganzer Intensität durch- geführt, um der Wehrmacht ständig einen motorisch auf das Beste vor gebildeten Nachwuchs zuführen zu können. Die technische Ausbildung der Motor- HI., die sich auf Motorkunde, handwerkliche Schulung, Fahrschulung und Verkehrserziehung erstreckt, erfolgt durch die hierfür bestimmten NSKK.Mus- bilder nach den Richtlinien des Korpsführers des NSKK. Der technische Dienst wird wie bisher in den Schulungsstätten der HI. und des NSKK. sowie in den vom Kraftfahrzeughandwerk für diese Zwecke bereitgestellten Lehrwerkstätten durchgeführt. Die Teilnahme an der Fahrausbildung an den festgesetzten Sonntagen ist für alle Motor-Hitlerjungen von 16 bis 18 Jahren Pflicht. Ziel dieser Ausbildung ist die Erlangung des Führerscheines Klasse 4 und der Erwerb des Motor-HJ.-Prüfungs-Abzei- chens. , Die Gestaltung des Dienstes der Marine-HI. paßt sich den durch den Krieg gegebenen Verhältnissen an. Die Winterausbildung der 14- bis 15-jährigen Ma- rine-Hitlerjungen wird so gestaltet, daß bei Beendigung des' Winterhalbjahres die Prüfung für das Seesportabzeichen der HI. mit Erfolg abgelegt werden kann. Der Bootsdienst wird im Sommer nachgeholt. Die allgemeine Ausbildung der 16- bis 18jährigen Marine-Hitlerjungen muß die Erfüllung der Schießbedingungen des ^-Scheines der HI. mit Am Montag, 8. Januar, hat die Ludwigs-Universität Gießen mit dem Wiederbeginn der Lehrtätigkeit ihren Betrieb in vollem Umfange wieder ausgenommen. Die Einschreibungen sind gegenwärtig im Gange und dauern bis einschließlich 20. Januar. Trotz zahlreicher Einberufungen zur Wehrmacht konnte der Lehrkörper durch teilweise Beurlaubungen aus dem militärischen Dienst und durch die Uebernahme von Vertretungen durch emeritierte Professoren voll besetzt werden, so daß der Lehrbetrieb in allen Fakultäten uneingeschränkt durchgeführt werden kann. Die Arbeit ist denn auch in allen Instituten bereits wieder in vollem Gange. Die Studenten sind zum weitaus größten Teile im feldgrauen Ehrenkleid des Soldaten erschienen. Nunmehr ist auch das Vorlesungsverzeichnis für das erste Trimester vom 8. Januar bis 21. März 1940, dem Zeitpunkt des Trimester- Endes, herausgekommen. Es enthält im ersten Teile zahlreiche wichtige Mitteilungen für die Studierenden, dann das Verzeichnis der akademischen Verwaltung und Einrichtungen, sowie der Prüfungskommissionen, hierauf das umfangreiche, nach Fakultäten geordnete Verzeichnis der Vorlesungen. Den Schluß des Buches bilden die Mitteilungen über das Studium der Leibesübungen und körperlichen Erziehung, über allgemeine körperliche Hebungen und über die Kurse für Studierende aller Fakultäten. Bei der Durchsicht des Verzeichnisses kann man die erfreuliche Feststellung machen, daß der Wissenschaft* liehe Lehrbetrieb auf breiter Grundlage wie vor dem Kriege durchgeführt wird. Als Neuerung verzeichnen wir die Veranstäl- tung von Vorlesungsabenden der Universität mit wehrwissenschafttichen Dorträgen, die vor den Angehörigen aller Fakultäten, sowie vor den Angehörigen der Gliederungen der Partei und der Wehrmacht gehalten werden. Der Zutritt zu diesen Vorlesungen ist kostenfrei. Die von uns bereits mitgeteilte erste Reihe dieser Vorträge während des ersten Trimesters beginnt am morgigen Donnerstag, 20 Uhr c.t., im Dorlesungsgebäude der Universität mit einem Vortrag des Rektors der Universität, Professor Dr. K r a n z, über das Thema ..Bevölkerungspolitisches und Rassenbiologisches zum Kampf um den Neubau Europas". Der nächste Vortrag wird am Dienstag kommender Woche gehalten, und dann werden jeweils Donnerstags und Dienstags die weiteren Vorträge folgen. Ferner wird unsere Bevölkerung mit Interesse Kenntnis nehmen von Vorlesungen für Hörer aller Fakultäten, für Wehrmacht-angehörige und interessierte Volksgenossen. Die nachstehend verzeichneten Vorlesungen finden jeweils von 20.15 Uhr bis spätestens 21.30 Uhr statt. Der Zutritt ist unentgeltlich. Es lesen die Professoren: Vogelfang: „Die Wirkung der großen Kriege auf die deutsche Frömmigkeit." der Bewertung „-gut" erreichen, da der Gelände^ dienst eingeschränkt durchgeführt wird. Für die Einheiten der Nachrichten-HI. werden im Rahmen der Leibeserziehung der nachrichtentech- Nische Unterricht und die Gelände-Nachrichtenübung im verstärkten Maße durchgeführt. Zum nachrich- tentechnifchen Unterricht gehört die Ausbildung auf den Gebieten des Nachrichtenwesens, Morsen und Nachrichtenbetriebsdienst, Nachrichtentechnik und Gerätekunde, Planung und Besprechung der Gelände» Nachrichtenübungen und Instandsetzung und Pflege des Nachrichtengerätes. Pietz: „Arbeitsrecht unter Berücksichtigung des Kriegsarbeitsrechts." G m e l i n : „Völkerrechtliche Zeitfragen." Frölich: „Denkmäler deutscher Rechtsver- ganFenheit in Hessen und den Nachbargebieten". von Jaschke: „Die Grundlagen der Betämp« fung des Krebses." Glöckner: „Einführung in die Aesthetik der bildenden Künste." Tellenbach: „Das dunkle Mittelalter.* Gerber: „Mozarts Meisteropern." Rauch: „Deutsche Dome." von Blumenthal: „Homer und die homerische Frage." Zschietzschmann: „Homer und die bildende Kunst der Griechen." Süß: „Der Dichter Vergil". A n d r e a e : „Geld, Gold und Kriegsfinanzierung". W i l 1 e k e: „Deutsche Arbeitseinsatzpolitik hn Kriege". 21 uUr: „Aufgaben der Betriebswirtschaft im Kriege". Vogel: „Tierzuchthaltung und Sicherung der Volksernährung." Schmidt: „Filmvorführungen aus dem Gebiet der Zoologie." Weitz: „Wie entdeckt man ein chemifches Element." Krollpfeifer: „Dom Werden und Wesen der Explosivstoffe." Ullrich: „Kulturgeschichte der Mathematik* Küster: „Die Ernährung der Pflanze." Rolfesr „Die deutsche Landwirtschaft unb Er* nährungswirtschaft im Kriege." Hock: „Ausgewählte Kapitel aus der Physikalischen Chemie. Sludentemverk und Studentenführung verlegt. Vom heutigen Mittwoch, ab befinden sich die Ge» schäftsräume des Studentenwerks, der Studentenführung der Universität und des NSD.-Studentem bundes sowie der studentische Speisungsbetrieb mit Lese» und Aufenthaltsraum nicht mehr in dem Ge- Brauche« wir noch Jod-Tinktur? Sind wir immer noch daraus angewiesen, für ihre Zubereitung Jod gegen Devisen aus dem Ausland zu beziehen? Diese Fragen sind zu verneinen. Denn es ist unseren Wissenschaftlern gelungen, ein ausschließlich aus inländischen Rohstoffen zusammengesetztes, völlig jodfreies Präparat zu schaffen, das sich zur Desinfettion und Wundversorgung genau so eignet wie Jodtinktur. Dieses Präparat ist kein behelfsmäßiger Ersatz, sondern die seit 12 Jahren ärztlich erprobte Sepso-Tinktur, die heute allgemein statt Jodtinktur Anwendung findet. Sepso-Tinktur, die Sie in allen Apotheken und Drogerien in Flaschen zu fünfundfünfzig Pfennigen und in Tupfröhrchen zu neunundvierzig Pfennigen erhalten, wird genau wir Jodtinttur durch Bepinseln oder Bestreichen der zu desinfizierenden Stellen angewandt. Die Universität Gießen im ersten Trimester 1940. Oie meisten Studenten in Feldgrau. — Zahlreiche öffentliche Vorträge von Gießener Professoren. Aus -er Stadt Gießen. Oie gute Laune. Wer sie hat, soll sie sich nie verderben lassen, auch dann nicht, wenn ihm Menschen mit sauertöpfischer Miene in die Quere kommen. Denn die gute Laune ist nicht nur ein probates Mittel, das Leben zu meistern, sie hat das großartige Vermögen, ansteckend zu wirken und sich im Augenblick erstaunlich zu vervielfachen. Kamen da dieser Tage zwei Frauen in einem gedrängt vollen Ladengeschäft in einen Wortwechsel. Jede wollte zuerst bedient werden, weil sie vor der anderen dagewesen sei. Man kennt dieses alltägliche Spiel zur Genüge. Es beginnt mit einem diplomatischen Dorwärtsdrängeln, das begleitet wird von sondierenden Blicken nach links und rechts, und endet oft mit Protesten und giftigen Bemerkungen. Wobei übrigens nur der Gang der Geschäfte hinter dem Ladentisch aufgehalten wird. Wie es schien, sollte der Vorgang auch den üblichen Verlauf nehmen. „Ich bin früher dagewesen", sagte die eine Frau mit energischer Stimme, „ich habe keine Zeit, zu warten. Fräulein, geben Sie mir bitte ..." Die - andere aber unterbrach temperamentvoll: „Kommt gar nicht in Frage, ich war zeitiger hier und verlange, daß der Reihe nach bedient wird. Bitte, Fräulein, ich möchte ..." Worauf die erste Frau noch streitbarer wurde und etwas von Unverschämtheit und anderen wenig schönen Eigenschaften sprach, was die Gegnerin wiederum zu Bemerkungen veranlaßte. Das Fräuleip hinter dem Ladentisch sah ärgerlich von einer zur andern. In diesem Augenblick mischte sich eine rundliche Frau ein, der ein Paar sehr muntere Augen im Gesicht standen. „Vielleicht", so erklärte die rundliche Frau so liebenswürdig wie möglich, „vielleicht setzen sich die beiden Damen erst einmal drüben hin und führen ihre Unterhaltung in aller Ruhe zu Ende. Möglicherweise läßt sich auch noch eine Tasse Kaffee für die gemütliche Plauderstunde auftreiben, was meinen Sie, Fräulein?" Die Verkäuferin lächelte, daß ein paar hübsche Grübchen auf ihren Wangen sichtbar wurden, die Käufer vor dem Ladentisch ergingen sich in Heiterkeitsausbrüchen. Es herrschte im Augenblick sprühende Laune, der sich auch die beiden streitsüchtigen Gegnerinnen nicht entziehen konnten. Sie glätteten also die Wogen ihres Zornes, und jede war auf einmal bereit, der anderen den Vorzug zu lassen. Worauf dann dieses Zwischenspiel beendet war, dessen fröhlicher Abschluß herbeigeführt wurde von einer resoluten Frau, der die gute Laune im Gesicht geschrieben stand. Es ist jedenfalls vortrefflich, wenn man es versteht, sich in allen Lebenslagen die gute Laune zu bewahren. Man besitzt dann ein Lebenselixier, dessen Kraft es vermag, mit allem fertig zu werden, was der Alltag an Widerwärtigkeiten für jeden bereit hat. Und außerdem sorgt die eigene gute Laune dafür, daß auch andere sie bekommen. H. W. Sch. llS-SenieinWsl krosk önrfl Me Achtung? Felerabendring-Milglieder. Wir bitten, die Karten für die Veranstaltung am 13. Januar bis zum 12. b. 211. in unserer Verkaufsstelle, Seltersweg, abzuholen. 1380 70000 Reichsmark. Ausgezeichnetes Ergebnis der Gaustraßenfammlung im kreis Wetterau. Die Gaustraßenfammlung, die am verganzenen Samstag und am Sonntag auch im Kreis Welterau durchgeführt wurde, hatte ein erfreulich gutes Ergebnis. Nach den bisher vorliegenden Meldungen wurden dabei rund 70 000 RM. aufgebracht. Das Ergebnis ehrt nicht nur die Spender für ihr Opfer, sondern auch die Sammler für ihren unermüdlichen Oer letzte Tag. Don Adolf 7!eß. Keine Angst — unsere Mutter Erde dreht sich immer noch. Es hat bisher ihren Lauf nicht gestört, daß man ihr mehr als einmal mit „unumstößlicher" Sicherheit ihr Ende vorausgesagt hat. Irren ist menschlich! Geirrt hat sich ein so kluger Mann wie Nostradamus (1503 bis 1566), der sich der Astrologie verschrieben hatte und seine geheimnis.oollen „Prophezeiungen" verfaßte. Er hinterließ die tieffinnige Weissagung: Wenn Georg Gott am Kreuze ausstreckt Und Markus ihn dann auferweckt Und St. Johannis ihn wird tragen Dann hat die Weltenstund' geschlagen. Das bedeutet: Das Ende der Welt wird fein, imenn der Karfreitag auf den St. Georgstag K23. April), das Markusfest (25. April) auf Ostern «und Fronleichnam auf den Johannistag (24. Juni) 'fallen. 1886 war das wirklich der Fall, aber auf die Weltenstund" haben unsere Großväter und Groß- nnütter vergeblich gewartet. Spaßhafter ist die folgende Begebenheit: In den fünfziger Jahren des 15. Jahrhunderts hatte ein Kirchengelehrter das Ende der Welt für das Jahr 1734 angekündigt. Er begründete dies mit der Ver- avorfenheit der Menschheit. Aber ganz so sündig mnd schlecht müssen die Menschen doch nicht gewesen - Jein, denn die Erde wich auch 1734 nicht um einen strich von ihrem gewohnten Lauf ab. Dos war für sin gelehrtes Haus Veranlassung, eine umfangreiche -Schrift zu verfassen, in der er nachwies, daß die Sintflut nicht etwa aus Mangel an Sünden aus- Jeblieben fei — sondern es habe das Wasser gefehlt! Die Erde drehte sich weiter. Die Menschen freuten sich ihres Daseins nicht weniger als vordem, und mit welchem Humor man diese Art der Prophezeiungen aufnahm, das zeigen die folgenden Geschichten von Spaßvögeln und Kleingläubigen. Man erwartete 1881 das Ende der Welt am 28. August. Das machte sich ein geschäftstüchtiger Amerikaner zunutze. Er gründete eine Aktiengesell- Ichaft zur Erbauung einer großen Arche, in die sich ictten durste, wer — bezahlte. Er fand genug Aktionäre. Zwanzig Dollar erlegten sie für eine Fahrt" im Zwischendeck, ttinfzig sogar, wenn sie suf einige Bequemlichkeit Wert legten und in der srften Klasse untergebracht werden wollten. Für Tiere mußte besonders bezahlt werden. Nun, es ist aus dieser Fahrt nichts geworden, ebensowenig aus der mit einem anderen Ungetüm, das fünfzig Personen mit Lebensmitteln für vierzig Tage aufnehmen sollte. Dieser Nachfahre Noahs war aber weise genug, das beträchtliche Fahrgeld von 500 Dollar im voraus zu verlangen. Zudem machte er zur Bedingung, daß niemand sein Geld zurückverlangen dürfe, falls sich die Sintflut nicht einstellen sollte. Buchstäblich fein „Schäfchen ins Trockene" brachte vor der angekündigten Sintflut auch ein franzö- sischer „Professor". Er verfaßte eine kleine Schrift, er der er genau beschrieb, wie der Weltuntergang vor sich gehen werde. Dieses „Werk" wurde durch einen Leipziger Verlagsbuchhändler auch in Deutschland vertrieben. In dem „Circulare", das er den Buchhändlern zuschickte, stand zu lesen: „Ich bitte, dieses Buch des berühmten französischen Gelehrten nicht mit Machwerken, die einen anderen Titel führen, zu verwechseln. Auf Grund feiner Forschungen weist der berühmte Astronom schlagend und unumstößlich nach, daß die Katastrophe am 28. Auguft erfolgen muß. Ich kann nur gegen bar liefern, doch erwächst Ihnen auch bei einem Partiebezuge dieses Schriftchens, welches ungeheures Aufsehen erregen wird, keinerlei Risiko, da ich nicht verkaufte Exemplare bis Ende dieses Jahres bar zurücknehme. Am 28. August Weltuntergang und doch noch Zurücknahme des Schriftchens bis Ende des Jahres! Aber was tagt man dazu: In der amerikanischen Stadt Olympia im Staate Washington erwartet ein wunderlicher Zeitgenosse schon seit Jahren seine „letzten' Tage". Schon 1932 hatte William Greenwood seine Arche fertig. Da aber der Weltuntergang ausblieb, konnte sie ihrer Bestimmung nicht dienen. Greenwood hatte ein neues „Gesicht", daß die Sintflut 1938 ganz bestimmt kommen werde. So machte sich der Sonderling denn von neuem an die Arbeit, um feine Arche für dieses Jahr mit allen modernsten Sicherheitsvorrichtungen zu versehen. „Der Teufel wird nicht imstande sein", so sagte er, „bei der Sintflut die Arche zu versenken. Denn ich besitze eine stählerne Rüstung, ein gutes Schwert, ein halbes Dutzend Pistolen und, was das wichttgste ist, mein Vertrauen." Die Jahre 1938 und 1939 haben ihren Lauf vollendet, ohne daß Mr Greenwood seine Fahrt antreten mußte. Es wird auch weiterhin so bleiben. Mag Mr. Greenwood also weiter auf den „jüngsten Tag" warten. Die Erde wird weiter ihre Bohn ziehen, wenn die Arche des wunderlichen Mannes aus Olympia längst morsch. geworden ist. Ein glückliches Haus. Besuch bei Felix Timmermans. Das Original der kleinen flämischen Stadt Hier ist der Dichter Felix Timmermans. Jeder Einwohner weiß anzugeben, wo sein Haus liegt. Der Chauffeur des Autobus, mit dem ich von Antwerpen nach Lier fuhr, hatte auf feinem Führersitz das fleckige, zerlesene Buch vom „Jesuskindlein in Flandern" liegen; darin las er in den Fahrtpausen. Als vor einigen Monaten ein altes Häuslerehepaar die Feier der goldenen Hochzett beging, wurde ein Festzug durch die Straßen veranstaltet — die Flamen lieben mächtig jede Art Schaugepränge — bei dem die Gruppen des Umzugs Personen und Austritte aus den Büchern des gefeierten Dichters darstellten. Die Einwohner von Lier also wissen, daß ihr Mitbürger heute eine internationale Berühmtheit ist. Aber nicht dies: Stadtbekanntheit und Berühmtheit bis über die Landesgrenzen hinweg stempeln „Onze Felix" zum Original. Das Originale liegt vielmehr darin, daß dem Dichter die herausge- hvbene, die weithin sichtbare Ehrenstellung, die ihm die Stadtgenossen einräumen, keineswegs zu Kopfe gestiegen ist. Der Ruhm bat seine Natur nicht umwandeln, sie nicht verkünsteln können. Felix Timmermans hat sich von den Einkünften seiner Bücher, seiner Vorträge, seiner Rundfunkvorlesungen ein geräumiges Haus kaufen und einrichten können. Hier wohnt er mit seiner Frau Marie, mit deren Mutter und seinen drei Kindern in einer vollkommenen menschlichen Harmonie. Wenn man durch dieses Haus geht, das mit Gemälden von Freunden und von Timmermans selber geschmückt ist, so spürt man, daß unter diesem Dache das Glück, der Frieden, die Eintracht wohnt. Keinerlei peinigende Ausstrahlung, an der man merken könnte, daß unter den Bewohnern etwas nicht in Ordnung sei, trifft die Nerven des Besuchers. Der Dichter trägt feinen Vornamen Felix zu recht. Er ist ein wenig beleibt geworden in den letzten Jahren, der volle Haarbusch ist von ein paar grauen Haaren durchzogen, aber unverändert, un- gealtert blickt sein braunes Auge auf Dinge und Menschen, nämlich milde und mit einer heutigentags ganz unfaßlich gewordenen Arglosigkeit. Dieser Bl':ck bestätigt, was das Haus aussagt: daß, wie unter den Menschen dieses Hauses zueinander, so auch im Hausherren selber Glück, Friede und Eintracht herrschen. Frau Marie deckt die Tafel mit ruhigen, mütterlichen Bewegungen. Die Teller, Tassen und Schüsseln stehen schlicht und ungeziert auf dem Tische. Das Essen verläuft nicht als hastige Speisenzufuhr, auch sticht als prickelndes Vergnügen für die Sinne des Gaumens und des Magens, es geschieht als „Mahlzeit", also als eine Handlung, die innerhalb der übrigen Verrichtungen des Tags ihren ehrwürdig angestammten Platz und Sinn besitzt. Gleich sinnvoll, gleich natürlich geschieht das Schreiben dieses Dichters. Es geschieht also nicht als ein Ringm mit .Komplexen", als Abladung innerer Bedrängnisse, als Gegenaktion gegen Spannungen, die unerträglich wurden: Dichten, Maien, Spintifieren, sie entfalten sich in dieser reichen, zwanglos geordneten Persönlichkeit als ein natürliches Wachstum, als ein Fruchttragen und Ab- ernten wie im Garten und auf dem Acker auch. Darum hat Timmermans kein Verlangen nach absonderlichen seelischen Zuständen, die ihn stacheln und ihm einheizen könnten. Er hat kein Verlangen nach den Genüssen der Welteitelkeit, die einem, der Geld hat, offen stehen. Er ist zufrieden ohne opfern, ohne verzichten zu brauchen; er schafft ohne Qual, in Hemdsärmeln, den Pfeifenstiel zwischen den Zähnen; die Nerven, die äußeren Mißhelligkeiten können ihm keine Streiche spielen; er steckt voll kindhafter, voll ganz ursprünglicher Wesenskräfte, die es ihm erlauben, für alles und jedes Zeit zu haben, sich hinzugeben ohne sich wegzuschleudern, zu schlendern und zu träumen ohne müßigzugehen, schöne Sätze und Bilder zu formen, ohne sich in mönchische Zucht zu nehmen — er ist glücklich. Ein glücklicher Mensch, gar ein glücklicher Dichter, gibt es in unseren Zeitläuften etwas Ungewöhnlicheres? Wenn irgendwer, so dürfte in unseren Tagen derjenige, über den der Unfrieden der Welt keine Macht hat, den die Welt weder zum Haß noch zu ihn zerstörenden Begierden verleitet, auch im Goetheschen Sinne ein „Original" heißen. F. M. Huebner. Zeitschriften. — 4>rofe|jor Dr. Alfred Dönitz berichtet in ötr neuen „S i r en e" über „Erste Hilfe bei Blutungen", ein Aufsatz, den feder Volksgenosse — nicht nur die Laienhelferin — lesen müßte. Wie man eine Schlagader von einer Blutader unterscheidet, wann man einen Druckoerband, wann einen Abschnürver- band anlegen und wann man die Ader in der Wunde zudrücken muß, wird mit deutlichen Bildern anschaulich geschildert. Daneben bringt das neue Heft noch einen interessanten Bildbericht vom Luftschutz Hinte rm Westwall. bäube am Leihgesterner Weg, sondern in dem Hause des Gesellschaftsvereins (Club), Sonnenstrahe 19. In diesem neuen Heim wird vom nächsten Freitag ab der studentische Speisungsbetrieb durchgefuhrt werden. $• Dornotizen. Tageskalender für AUttwoch. Stadttheater: 19.30 bis 22.30 Uhr „Maria Stuart". — Goethe-Bund, Kaufmännischer Verein, Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde in Arbeitsgemeinschaft mit der Dolksbildungsstätte Gießen der NS.-Gemein- schäft „Kraft durch Freude": 20 Uhr in der Neuen Aula der Universität Lichtbildervortrag Robert H e n s e l i n g „Vorstoß ins Unendliche" (Das Weltbild der heutigen Sternforschung). — Gloria-Palast, Seltersweg: „Der singende Tor". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das Gewehr über!". Stadlthealer Gießen. Am heutigen Mittwoch wird zum letzten Male Schillers Trauerspiel „Maria Stuart" aufgefichrt. Spielleitung Dr. Hannes Ra.zum. Bühnenbild Karl Löffler. 15. Vorstellung der Mittwoch-Miete. Annahme-Untersuchungen für die Waffen ff und Deutschepolizei. Die nächsten Annahme-Untersuchungen im Bereiche der 83. ---Standarte finden statt in: Alsfeld: Gesundheitsamt am 17. 1. 1940 um 9 Uhr. Gießen: Dienststelle der 83. ---Standarte, Gar- tenstraße 1, am 19.1.1940 um 15 Uhr. Angenommen werden Freiwillige für: 1. --.Derfügungstruppen (einschließlich Leibstandarte Adolf Hitler), Jahrgänge 1918— 1922. Mindestgröße 170 cm. 2. --.Totenkopf st andarten: a) mit Dienstzeitverpflichtung (12 Jahre, Lebensberuf: Polizei oder Wehrbauer). Jahrgange 1921—1922. Mindestgröße 168 cm, mit 17 Jahren; b) ohne Dienstzeitverpflichtung (aber dabei Ableistung der Militärdienstpflicht) Jahrgänge Jahrgänge 1901—1912 (bevorzugt SA.-Man- ner und Parteigen.). Zur Schnakenbekämpfung unterwegs. Aufgaben im Dienste der Hygiene. - Gießen fast ohne Hatten. werden können. In dem Jahresbericht für das Jahr 1939 ist in interessantem Zahlenmaterial festgehalten, welche Arbeitsleistung in Gießen für die Schnakenbekämpfung notwendig ist. Im Januar und Februar 1939 Im Rahmen eines Gemeinwesens, wie es unsere Stadt ist, gibt es im öffentlichen Interesse viele Aufgaben zu erfüllen, von denen wenig gesprochen wird, die aber wichtig sind und dem Wohle jedes einzelnen dienen. Zu diesen Arbeiten, die alljährlich und systematisch durchgeführt werden, gehört auch die Schnaken- bekämpfung. Gegenwärtig sind die Männer, die zu anderen Jahreszeiten mit der Betreuung des Gießener Kanalsystems beschäftigt sind, wieder dabei. Sie starten vom „Lager Lahn" aus zu ihrer Arbeit, nehmen sich Straßenzug um Straßenzug, Keller um Keller vor und vernichten dabei, was sich an Schna. ken und Schnakenbrut zeigt. Die Männer, deren jetzt acht in Gruppen zu je zwei Mann unterwegs sind, kennen ihren Arbeitsbereich sehr gut, wissen genau, wo sie die Schnaken und ihre Brut zu suchen haben und wo die beliebtesten Schlupfwinkel dieses Ungeziefers sind. Die Bekämpfung vollzieht sich auf einfache Weise mit einem Spiritus-Flämmchen, mit dessen Hilfe die Schnaken versengt und die Brut verbrannt wird. Der Zeitpunkt der Bekämpfung liegt in den Monaten Dezember, Januar und Februar, und zwar jeweils nach dem Eintritt von Kältegraden. Der Zeitpunkt ist bestimmt von der Lebensweise der Insekten, die sich nach dem Eintritt der Kälte in Winkeln festsetzen, also nicht umherfliegen, und so am sichersten von der Abstammung erfaßt von einem Großangriff geg en d l e S ch na- k e n p l a g e sprechen kann. Man läßt es aber nicht etwa bei der Bekämpfung der Schnaken m den Häusern bewenden. Vielmehr werden solche Angriffe auf diese Plagegeister auch im Freien unternommen. In den Monaten Mai, Juni und Juli 1939 wurde in sechs Arbeitstagen in sämtlichen stehenden Gewässern des Stadtgebietes mehrmals eine systematische Schnakenbekämpfung mit Hilfe eines besonderen flüssigen Mittels durchgeführt. Die 2Irbeit der Scbnakenbekämpfung erfordert besonders geschulte uno zuverlässige Helfer. . s. Neben der Schnakenbekämpfung m unserer Stadt wird seit etwa 5 Jahren auch eine systematische Bekämpfung der Ratten betrieben. Es ist interessant, zu erfahren, daß es in Gießen nur o e r h a l t n i s . mäßig wenig Ratten gibt. Wenn naturgemäß immer wieder einige dieser Schädlinge aust tauchen, dann ist das darauf zurückzufuhren, daß Ratten zuwandern. Es handelt sich fast ausschließlich um die braune Wanderratte. Mit einem giftigen Präparat, das die Ratten durch einen aromatischen und ihnen sehr zusagenden Geruch anzieht, wurden sehr gute Erfolge erzielt. Das Präparat wird m den vermuteten Schlupfwinkeln der Tiere ausgelegt. Der Erfoltz zeigt sich meist sehr schnell. Diese Rattenbekämpfungsarbeit wird ununterbrochen durch- geführt, schon um zu verhindern, daß Nachkommenschaft groß wird. Dies ist um so mehr notwendig, als nachgewiesen ist, daß ein einziges Rattenpaar es im Laufe eines Jahres auf nahezu 1000 Nachkommen bringen kann. Es ist erfreulich, zu wissen, . daß in Gießen nur an wenigen Stellen Ratten aus- sung NoiMNvlg I X. -um -uuuuui UILV ukuluul iuuu . ... - - wurden von acht Kanalarbeitern in 204 Arbeits- treten, und eigentlich auch immer nur da, wo die tagen, in 2246 Häusern und Gebäuden insgesamt Ordnung zu wünschen übrig laßt. n. 14 895 Keller bearbeitet, so daß man ohne weiteres | -------- GemeinschastsleiflungendesSchremerhandwerks 5 Lahre Arbeit der Liefergenoffenschast des Schreinerhandwerks im Kreis Gießen. s. JJ e U l I Ul e -p U I t 0 c I . Ungediente Männer der Jahrgänge 1905—1912 und 1918—1920. - Geeignete Männer können sich bei der Annahme- Untersuchung melden. Hell Hitler! Der Führer der 83. ---Standarte. A. B.: Ruhl, ---Oberscharführer. Auszeichnung eines Lebensretters. Am gestrigen Dienstag überreichte der Leiter der Polizsidirektvn Gießen, Major der Schutzpolizei Hellwege-Emden, auf der Polizeidirettton dem kaufmännischen Angestellten Ludwig W e l l - hausen, Stephanstraße 26 wohnhaft, die ihm vom Führer verliehene Rettungsmedaille am Bande nebst Derleihungsurkünde für die Rettung eines Menschen aus Lebensgefahr. Herr Wellhausen, dessen Ehrung in feierlicher Form erfolgte, hatte am 14. Mai vorigen Jahres ein in die Lahn gefallenes Kind unter eigener Lebensgefahr vorn Tode des Ertrinkens gerettet. Er war, als er das Kind versinken sah, mit Anzug und Stiefeln, also mit Sack und Pack, in die Lahn gesprungen und hatte das Kind herausgeholt. Pflichtjahr trotz Arbeitsdienst. Vielfach herrscht in Elternkreisen noch die Meinung, daß seit Einführung der Arbeitsdienstpflicht die Pflichtjahrordnung hinfällig geworden sei, oder es wird versucht, die Ableistung des Pflichtjahres im Hinblick auf die spätere Arbeitspflicht unter Angabe aller möglichen Gründe hinauszuschieben. demgegenüber sei klargestellt, daß schulentlassene Mädchen die Zustimmung zum Antritt einer handwerklichen oder kaufmännischen Lehrstelle oder einer gewerblichen Arbeitsstelle erst dann erhalten, wenn sie ihr Pflichtjahr in der Land- oder Hauswirtschast abgeleistet haben. Schon feit einigen Jahren bestcht innerhalb des heimlichen Schreiner-Handwerks eine Gemeinschaft, die „Liefergenossenschaft des Schreiner-Handwerks im Kreis Gießen", die es sich zum Ziel gefetzt hat, chren Mitgliedern Aufträge und Arbeit zu verschaffen, die nur auf der Basis der Gemeinschaft bewältigt werden kann. Die Liefergenossenschaft wurde im Januar 1935 gegründet, sie kann nach jetzt fünfjährigem Bestehen auf ein außerordentlich günstiges Wirken zurückblicken. Die Genossenschaft umfaßt Angehörige des Handwerks aus der Stadt und dem Kreis Gießen, die einen Geschäftsanteil von geringer Höhe einbezahlten. Sie ist der „Landes- liefergenossenfchaft des Schreiner-Handwerks im Treuhänderb'ezirk Hessen" angefchlossen und arbeitet mit dieser Dachorganisation eng zusammen. Die Gießener Liefergenossenschaft zählt 56 Handwerksmeister als Mitglieder, in deren Betrieben 220 Arbeitskräfte tätig find. In den angeschlossenen Betrieben stehen zur Bewältigung der Arbeit insgesamt 263 Holzbearbeitungsmaschinen zur SJerfügung, sodaß die Gemeinschaft der Handwerker, wenn sie einmal an einem besonders großen Auftrag beteiligt werden kann, eine erhebliche Leistungsfähigkeit in die Waagschale zu werfen vermag. Es ist tntereffant, zu hören, wie sich die ganze Arbett abspielt. Bisher wurde die Genossenschaft schon in vielen Fällen für Aufträge des Staates, des Heeres, der Luftwaffe tffro. in Anspruch genommen, wenn es sich um die Herstellung von Geräten, Möbelstücken üsw. handelte, die in großen Mengen notwendig wurden. Da galt es z. B., in kurzer Zeit 400 Spinde, 800 Bettstellen oder 300 Tische herzustellen. Manchmal tief ein Auftrag neben dem anderen her, sodaß es in den Werkstätten oft hoch her ging. Selbstverständlich mußte dabei sorgfältig nach gegebenen Zeichnungen gearbeitet werden, sodaß das Ergebnis einheitlich war, daß ein Schrank wie der andere ausfah, nicht nur im Material und in der Verwendung der Beschläge, sondern auch in den Abmessungen und in der Qualität. Die Vergebung der meist von der ßan- desliefergenosseNschast überwiesenen Aufträge geschah auf die venkbar einfachste Weise. Wenn ein solcher Auftrag eingegangen war, wurde er der Leistungsfähigkeit der Betriebe der Handwerksmeister entsprechend aufgeteilt. Dabei konnten stets selbst die kleinsten Betriebe mit ein und zwei Gehilfen mit einem Teil des Auftrages bedacht werben. Mancher Teilauftrag ging auch zu den Schreinermeiftern im Öanblreis Gießen. Eine große Erleichterung bedeutet es dabei für die Handwerksmeister, daß sie bei diesem Modus der Auftragserteilung und Auftragserledigung nur wenig Schriftverkehr zu erledigen haben, denn die Genossenschaft sorgt in Sammelbestellungen für die Materialbeschaffung, die Beantragung der Holzzuteilungsscheine, die einheitliche Beschaffung can Beschlägen, Oelfarben oder Lacken usw., die eben zur Fertigstellung des Aufttags notwendig sind. Auch die gesamte Verrechnung erfolgt über die Genossenschaft, die die Beträge je nach dem Umfang des Teilauftrags auf den einzelnen Meister überweist. Bei dieser Form der Auftragsbewälttgung war es schon möglich, z B. an einem Auftrag einmal allein 31 Betriebe zu beteiligen. Diese Taffache läßt erkennen, welche Bedeutung die Liefergenossenschaft für die angeschlosse- nen Mitglieder hat. Dabei wird mit einem denkbar niedrigen Verwaltungs-Unkostensatz gearbeitet, der nur 1 v. H. der Rechnungssumme beträgt. Neuerdings ist den Handwerksmeistern auch noch der Transport ihrer fertigen Stücke insofern abgenommen worden, als ein Spediteur die Bahnverladung gegen einen tragbaren Satz besorgt. Die Liefergenossenschaft hat schon im Jahre der Gründung (1935) ihren Mitgliedern für 37 500 RM. Aufträge vermittelt, im Jahre 1936 wurden für 87 000 RM. Arbeit vergeben, 1937 belief sich der Betrag auf 48 600 RM. und im Jahre 1938 wurden 44 400 RM. erbracht. Die Liefergenossenschaft, die keinerlei Gewinnabsicht mit ihrer Arbeit verbindet, hat sich also für das Schreinerhandwerk sehr günstig ausgewirkt, dies um so mehr, als die Aufträge der Genossenschaft für den Handwerker meist zusätzliche Aufträge waren, um die er sich immer dann bemühen konnte, wenn er an eigenen Aufträgen die Leistungsfähigkeit seines Betriebes nicht ausgenützt sah. Erleichterungen bei der llmsatzsteuer. Vom 1. Januar 1940 ab brauchen die Unternehmer, die im Vorjahr fteuerpflichnge Umsätze bis zu 50 000 RM. gehabt haben, ihre Umsatzsteuervoran- Meldung nur noch vierteljährlich abzugeben. Dementsprechend sind die Umsatzsteuervorauszahlungen ebenfalls nur vierteljährlich zu entrichten. Alle Unternehmer, die im Jahre 1939 einen steuerpflichtigen Umsatz zwischen 20 000 bis 50 000 RM. hatten, haben also ihre Umsätze für die Monate Januar und Februar 1940 nicht mehr am 10. 2. bzw. 10. 3. 1940, sondern zusammen mit den Märzumsätzen erst am 10.4. 1940 anzumelden und zu versteuern. Diele Gedenket der hungernden Vögel! kleinere und mittlere Einzelhandelsunternehmen entrichten also künftig an Stelle von 12 Umsatzraten im Jahr nur 4 Raten (10. 1., 10. 4., 10. 7. und 10. 10). In dem Erlaß vom 16. 11. 1939, der diese Aende* rung vorsieht, wird außerdem bestimmt, daß Unternehmer, deren Jahressteuerbetrag im Vorjahr nicht mehr als 1000 RM. betragen hat, ihre Umsatzsteuer- Voranmeldungen und --Vorauszahlungen ebenfalls vierteljährlich ab geb en und leisten können, und zwar auch dann, wenn ihr steuerpflichtiger Umsatz über 50 000 °RM. liegt. Das hat für alle Unternehmer Bedeutung, die von den ermäßigten Steuersätzen von 0,5 bzw. 1 v. H. Gebrauch machen können. * ♦♦ Siebzig Jahre alt. Am heutigen Mitt- woch, 10. Januar, kann Oberbahnhofsvorsteher a. D. Carl Steitz, Liebigstraße 70, in körperlicher und geistiger Frische feinen 70. Geburtstag feiern. Der Jubilar ist schon lange Jahre treuer Bezieher des „Gießener Anzeigers". Auch wir gratulieren dem Jubilar herzlich. Strafkammer Gießen. Am gestrigen Dienstag stand vor der Strafkammer Gießen eine Anklage gegen eine Frau und einen Mann aus Kirtorf (Kreis Alsfeld) zur Ber- hcmdlung. Die Frau war angeklagt, am 18. Juni 1938 vor einer Behörde eine Versicherung an Eidesstatt wissentlich falsch abgegeben zu haben, wozu sie im Frühjahr von dem Manne verleitet worden war. Die Angeklagte war zu der Verhandlung nicht erschienen, so daß gegen sie Haftbefehl erlaßen wurde. Die Verhandlung wurde auf den 19. Januar vertagt. Rundfunkprogramm Donnerstag, 11. Januar. 6 Uhr: Morgengruß. 6.10: Morgengymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7 bis 7.15: Nachrichten. 8: Landvolk, merk' auf! 8.10: Gymnastik. 9.15: Was wir Frauen heute wisien müssen. 9.30: Schulfunk (Mittel- und Oberstufe). Sang und Klang in der Schule. 10: Frohe Weisen. 11: Konzert. 11.50: Stadt und Land — Hand in Hand. 12: Mittagskonzert des kleinen Rundfunkorchesters. 12.30 bis 12.40: Nachrichten. 14: Nachrichten. 14.15: Der fröhliche Lautsprecher. 15.50: Bücher für unsere Soldaten. 16: Nachmittagskonzert. 17 bis 17.10: Nachrichten. 18: Ruf ins Land: Berichte des Landesernährungsamtes. 18.25: „Herz, aufglühe dein Blut." Eine besinnliche Sendung für unsere Kameraden am Westwall. 19: Unterhaltungskonzert. Dazwifchen: 19.10: Berichte. 19.45: Politische Zeitungsschau. 20: Ngchrichtem 20.15: Übertragung vom Deutschlandsender: Dazwischen: 22 bis 22.15 und 24 bis 0.15: Nachrichten. knackt und bricht im Unter- der Reeling. Ein luftiger Platz, der Wind streicht Hals der Tiere klingen. Jen- ihnen die Haare aus der Stirn, und Annes Kopf bare Vorsprünge. Es knackt und bricht im Unter« (Nachdruck verboten.)' 18 Fortsetzung. geworden ... Traum tisch gesetzt und kritzelt" frisch drauflos: „Liebste Kkwlüal Heute sind wir mir. einen ganzen Tag auf hat eine halbe Stunde Zeit, ja, eine halbe hat sie nach dem zweiten Frühstück, um Anne Stunde ist der Schulter des Mannes nahe. Es kommt vor, daß eine ihrer Haarsträhnen über seine Wange streicht, das ist wie eine zarte und scheue Liebkosung. Sie sprechen fein Wort, weil das Land zu ihnen spricht. Die Studenten fingen, fremder Duft steigt vom Wasser auf, und von fernher klingt ein Dudelsack. Sie brauchen nicht zu sagen: „Wie schön ist das". an Klarissa zu schreiben, Christian und sich gestohlen. Sie ist nicht erst ins Schreibzimmer gegangen, sie hat sich gleich an ihren kleinen Toiletten- Bet reihte üiann für Mnt)of UllMMMMMck CARL DUNCKER VERLAG • BERLIN W 35 holz, die Glocken am 1, fette der Straße ist hinter breitem, schmiedeeisernem Gitter ein Schloß zu sehen und langgestreckte Wirtschaftsgebäude. Ein schottischer Herrensitz. Die Menschen, die hierher gehören, wandern in Trupps zur Anlegestelle des Bootes, Männer aus den Ställen und Kinder. Auch die schmiedeeiserne Pforte öffnet sich. Eine schlanke Frau und ein schönes, langbeiniges Mädchen kommen heraus. Sie lachen und sprechen miteinander, sie nicken sich zu und wollen auch sehen, wer da angekommen ist. Man lebt in der Einsamkeit, man macht kein Hehl daraus, daß man das und jenes sehen möchte. Fremde Menschen, vielleicht auch mal ein bekanntes Gesicht. Der Pier bringt im Sommer viel Leben. Aber dieses Leben, Gelächter, Geräusch anfahrender und abfahrender Wagen, alles reicht nur bis an das Gitter heran, nicht weiter. Die Wagen kommen, sie bringen den anderen Teil der Reisegesellschaft, der Über Trossachs nach Edinburg fährt, hier trifft man sich. Es klappt, alles geht wie am Schnürchen, das Motorboot fährt zurück nach Trossachs, die Wagen fahren nach In- versnaid. Man winkt sich Grüße zu, hüben und drüben wird gewinkt. Der Pier bleibt einsam zurück, nur wenig Menschen stehen noch da, unter ihnen Frauen, schön wie leuchtende Blumen, wie die vielbesungenen blauen Blumen der schottischen Höhen. In Jnversnaid ist es nicht einsam. Hier sind auch englische Reisegesellschaften angekommen, und von Einsamkett fft nicht die Spur au merken. Hinter dem Hotel steigen Berge an, es sind Stufen hineingehauen oder eingebaut, tief unten liegt der Loch Lomond. Ein Wasserfall rauscht durch ein breites Bett, über Felsvorsprünge und mächtige Steine. Anne steht auf einer kleinen Brücke, die in leichten Bogen das Wasser des Falles über« spannt. Sie weiß nicht, was sie mit dieser Gegend anfangen soll. Zuviel Menschen krabbeln überall umher. Gottlob wird bald gegessen. Der schottische Lachs ist wunderbar. Als die Reisenden das Schiff besteigen, das sie nach Dalloch bringen soll, scheint die Sonne, und blauer Himmel spannt sich über dem Loch Lomond. Es fahren viele Menschen und nicht mehr Deuffche allein. Es sind zum großen Teil Studenten und Arbeiter mit ihren Familien. Um den Bug des Schiffes steht das Wasser des klaren Sees wie Spitzengeriesel, und von weit her hört man das Klingen eines Dudelsackes. Schottland, das Insel- land, kommt mit seinen ureigensten Geräuschen den Gästen nahe. Anne und Christian kauern nebeneinander auj dem Meer. Ich liege ^eich unter der Kapitänsbrücke auf meinem Stuhl und kann weit, weit über die Wogen sehen, du weißt ja, ich habe gute Augen. Wenn ich am Horizont einen Dampfer entdecke, müssen andere das Glas nehmen. Manchmal sieht man den Dampfer nicht, nur die Rauchfahne, lang und wie ein Strich, der Himmel und Meer zu teilen scheint. Es ist nicht sehr warm, aber geregnet hat es gottlob nicht, und wenn die Sonne hinter den Wolken vorkommt, ist es wie ein Wunder. Wir werden bald an Norwegens Küste fein. Alles ist schön, daß ich eigentlich gar nicht verstehe, wie ich noch an Essen und Trinken denken kann. Trotzdem tu ich es. Ahnst du, was es hier am Tage alles gibt? Ich sammele die Speisekarten für euch, sonst denkt ihr, ich schneide auf. Marie kann aus den Karten lernen, ich werde ihr sagen, wie dies und das geschmeckt hat, dann kann sie es wohl kochen, oder nicht? Gut kochen wird ziemlich schwer sein, ich möchte es lernen, aber davon später. Es gibt hier an Bord viele Spiele; und es wird getanzt, und Konzerte sind auch. Das Schiff ist wie eine kleine Stadt, du kannst Blumen und Bücher und Andenken kaufen und alles, was du willst. Klarissa, bist du schon einmal glücklich gewesen? Ich bin sehr glücklich, glaube ich, das macht das Meer, die Weite. Du ahnst nicht, wie ich dir für diese Reife danke. Die Geheimrätin mag ich immer noch nicht leiden. Seid ihr wirklich Freundinnen gewesen? Das will mir nicht in den Kopf. Aber da sitzt mit uns am Tisch eine andere Frau, die heißt Manda Wenzien und ist früher Aepfelfrau in Ham« bürg gewesen, die müßtest du kennenlernen. Doch ich habe dir ja schon von ihr geschrieben. Wir sind gute Freunde geworden. — Es heißt, daß Norwegen bald in Sicht kommt, wieder ein anderes Ufer, wieder eine andere Welt und deine Anne spaziert drüber hin, als wäre das alles gar nichts. Wenn ich auf meinem Stuhl liege, kann ich beobachten, wie die Offiziere auf der Brücke hin und her gehen, und manchmal, wenn ich gerade draus achte, höre ich von dort oben das Kling, Kling der Schiffsuhr oder so, sie nennen das „Glasen", hat mir der Schiffsjunge gesagt. Er hat mir auch die Zeitberechnung erklärt, aber die habe ich langst wieder vergessen. Sorfft weiß ich viel zu erzählen, wenn ich zurückkomme, das kannst du mir glauben^ Was macht die Konifere? Gib ihr Zucker und sage, er sei von mir, sage ihr auch, daß ich mich schon wieder aufs Reiten freue. Grüße auch Marie und die Pegels. Geht es Franz besser, kommt er bald nach Hause? Ich liebe euch alle, aber besonders dich, und ich küsse dich vor Glück und Dankbarkeit, Anne." (Fortsetzung felgt* weil sie wissen, daß sie beide das gleiche empfinden. Wie Glas ist die Luft, wie Glas ist das Wasser, und wie eine gläserne Glocke spannt sich der Himmel über dem Loch Lomond und dem kleinen weißen Dampfer. Ja, die Menschen singen, der Dampfer tuckert über den See, dessen Wellen schimmernd tanzen, Möwen umfiegen das Schiff, es -ist alles so wie es während der ganzen Fahrt war. Und doch ist es zwischen Anne und Christtan anders, es ist durch eine winzige, eine kaum nennenswerte Bewegung anders geworden. Christians Hände haben sich zart um Annes Ellbogen gelegt, und Anne hat ihren Kopf gegen Christians Schulter gelehnt. Da ist das Land versunken, nichts ist geblieben, als zwei Menschen, die um ihre Liebe wissen. Sie brauchen nicht zu fragen: „Liebst du mich", wozu? Sie sind reich, weil sie wissen, ohne zu fragen. Nur seine Finger schließen sich ein wenig fester um ihre Arme, als er sie ganz nahe an sich zieht und sagt: „Anne, mein geliebtes Kind." Da antwortete sie ihm, mit dem Blick in den Himmel: „Das hat bisher nur Klarissa gesagt — geliebtes Kind —, wie gut, daß du es jetzt sagst, Christtan." Der Dampfer fährt über den Loch Lomond seinem Ziel entgegen. Das ist seine Bahn, vorausbestimmt und festgelegt. Für diese beiden aber, diese Anne Wegner und diesen Christian Schwerffeger, ist jTe die Fahrt ins Glück. Kaum hörbar noch, fern und ferner klingt das Singen des Dudelsacks. Ein großes deutsches Schiff liegt vor Leith, auf der Reede von South Queens Ferry. Der Morgen dämmerte, als das Land sichtbar wurde, der Abend ist da, indes er wieder versinkt. Ein kmzer Tag ist vorübergerauscht, und schon ist er für viele ein Eben war noch die Einsamkeit der Hochmoore um die Reisenden, und schon taucht eines der riesigen Hotels auf. Trossachs, nahe beim Loch Kcttrin. Das Motorboot liegt schon bereit, bitte einzusteigen. Man kommt vom Wagen auf das Schiff und fährt ab, die Reifeleitung funktioniert wie ein gut geölter Motor, es gibt nichts zu sagen und nichts zu mäkeln. Es sind auch Reisebegleiter auf dem Schiff, die von den Räubern erzählen, die hier einst Herren waren. Der See ist dunkel, klar, und das Wasser erwärmt sich nicht einmal im Hochsommer, es ist wie Eis so kalt. Bewaldete Hügel rücken bis an die Ufer. Menschen sind hier nicht zu sehen, aber drüben ein paar Häuser. Die große Einsamkeit hängt auch hier über den Bergen und Tälern, über dem Wald, der endlos scheint und den See säumt. ,Zch habe die Berichte über das Fabelwesen vom Loch Neß immer für sehr lächerlich gehalten", sagt Anne, „aber jetzt scheint es mir so, als müßte es in diesem Land noch Dinge geben, die unergründlich sind. Sehen Sie die Wälder, die Tiefe der Seen, alles scheint so menschenleer und tot zu sein, jedenfalls für uns, die wir gewöhnt sind, überall freundliche Dörfer und kleine Städte zu finden. Ich habe Sehnsucht nach Deutschland, wollen Sie es glauben?" „Ja, Anne, das glaube ich Ihnen. Und wissen Sie, wir Deuffchen müssen schon mal in ein frem- bes Land reisen, um zu sehen, wie freundlich und hell es bei uns ist." Der Regen läßt nach, ein Sonnensttalsi zuckt über Wälder und Wasser. In einsamer Höhe steht ein Raubvogel mit ausgebreiteten Schwingen. Wie leblos steht er da, plötzlich sichtbar, als die Nebel auftrechen. Jetzt ist er wre in Rauch gehüllt und dann nicht mehr zu sehen. Das Motorboot legt in Stronachlachar an. Hier werden die Autobusie erwartet, die den anderen Teil der Reisegesellschaft bringen. Man hat einen Augenblick Zeit und kann umherwandern. Das blecherne Läuten von Kuhglocken steht in der Lust. Anne läuft dem Schall nach. Zwischen Büschen und kniehohen Rhododendrengestrüpp suchen die Kühe ihre Nahrung. UeberaU gibt es drohende Felsspalten und gefährliche überwucherte, kaum sicht-