Mittwoch, y. öffoberWO Gietzener Anzeiger 19«. Jahrgang Br. 259 General-Anzeiger für Oberhessen neuen W.W Japan und der ostasiatische Ober- ihren Schwarze Tage für London eng- finb hoch Schriftiettung «nd SefchäftrsteNe: Gießen. Schnlftrahe 7-9 Vergeilungsangriffen am gestrigen Tage in London zahlreiche Bombentreffer schweren Kalibers auf Bahnanlagen westlich des Themsebogens sowie auf die Lommerclal- und West- India-Docks. hierbei zeichneten sich besonders die leichten Bombenkräfte des Generalfeldmarschalls Kesselring aus. 3n Südengland wurden Rüst ungsanlagen und militärisch wichtige Ziele wirkungsvoll bombardiert. Auch während der ganzen Rächt belegten in rollendem Einsatz Kampfflugzeuge Verkehrsanlagen. Versorgungsbetriebe und andere Ziele in der b r l t i s ch e n h a u p t st a d l mit Bomben mittleren und schweren Kalibers. Zahlreiche Brände im Stadtgebiet waren die Folge. Bei Nachtangriffen gegen Manche st er, Liverpool und Edinburgh konnten besonders starke Schadenfeuer beobachtet werden. Das Verminen britischer Häfen wurde fortgesetzt. In der letzten Nacht flogen britische.Flugzeuge an mehreren Stellen nach Deutschland ein. Ihr Hauptangriffsziel war Berlin. Durch Abwehr- matznahmen gelang es, die Mehrzahl abzudrängen, während ein Teil die Reichshauptstadt erreichte. Bomben trafen wiederum mehrere Krankenhäuser, ferner Wohngebäude, Lagerschuppen sowie Gleisanlagen und richteten an einigen Stellen Sachschaden an. Unter der Bevölkerung sind zahlreiche Tote und Verletzte- zu beklagen. Zwei britische Flugzeuge wurden beim Anflug auf die Reichshauptstadl durch Flakartillerie abgeschossen. Insgesamt verlor der Gegner gestern 3 2 Flugzeuge. 13 eigene Flugzeuge werden vermißt. England eröffnet wieder die Burmastraße. Tokio, 9. Ott (DRB. Funkspruch.) Der eng- lische Botschafter teilte dem japanischen Außenminister Matsuoka am Dienstag mit daß die Burma st ratze am 18. Oktober wieder eröffnet werden würde. Sie ist die letzte Zufahrt- stratze, die Marschall Tschiangkaischek und der Tschungking-Reglerung nach dem japanisch-französischen Uebereinkommen über Jndochina für die Materialtransporte von der See her geblieben war. England hatte sich im Sommer unter dem Druck der verzweifelten Situation in Europa auf Verlangen Japans dazu verstehen müssen, in eine Schliehung der Skratze durch Britisch-Burma zu willigen. Die Ankündigung der Wiedereröffnung dieser Strahe bedeutet eine scharfe Brüskierung Japans. vrvckmid vertag: Vrühlfche Uni oersttätLd ruderet H. Lange Faruk als Kalif? Von unserem ^.-Berichterstatter. Annahme von Anzeige« für die Mittagsnummer biSRV.Ubr des Vormittags Anzeigen-Breiter Anzeigenteil 7 tftvf. te mm bei 22 mm Beilenbreite# Lernet! 50 Nvf. te mm bei 70 mm Beilenbreite Nachlässe: Wiederholung MalstaffelI Abschlüsse Mengenstaffel B Platzvorschrift tvorherige Vereinbarung) 25% mehr Neue Vergeltungsangriffe auf London. Schadenfeuer auch in Manchester, Liverpool und Edinburgh. - Am Montag 32 englische Flugzeuge vernichtet. Stockholm, 8. Oft. (Europapreß.) Die lischen Verluste an Sperrballonen in den letzten 36 Stunden überdurchschnittlich , , gewesen. Einerseits haben deutsche Jagdmaschinen im Lame des Sonntags und Montags verschiedene Angriffe auf die Sperrketten an der Südküste, u. a. bei Dover, unternommen. Aus Wie ein gewaltiger Riese erscheint hier der Heinkel- Bomber 111, der über die englische Küste in das britische Land einfliegt. (PK.-Scherl-Bilderdienst-M.) Wieder englische Sperrballone über Schweden. Der Wehrmachlsbericht vom Dienstag. Berlin, 8. Ott (DRV. Funtfpruch.) Das tommando der Wehrmacht gibt betannt: Stärtere Kampffliegerverbände erzielten bei Stockholm, 8. Okt. (Europapreß.) Nach Berichten neutraler Beobachter aus London war der Montag ein besonders schwarzer Tag für die britische Hauptstadt. Im Verlauf des längsten Fliegerangriffs, den Groß-London Montagnacht erlebte, ging ein wahrer Bombenregen über der Stadt nieder. Aber nicht nur London, der ganze Süden und Südosten Englands wurde in ständig sich folgenden Wellen überflogen. Erst in den Nachmittagsstunden des Dienstags wird von amtlicher Londoner Stelle bestätigt, daß die englische Hauptstadt in der Nacht zum Dienstag den l ä n g st e n Luftalarm sei Kriegsbeginn durchmachte. Tausende von Spreng- und Brandbomben wurden über London und den Außenbezirken der Stadt abgeworfen, so daß der angerichtete Schaden als größer denn je bezeichnet wird. Zum ersten Male stellte die englische amtliche Nachrichtenagentur Reuter in einem Kommunique fest, daß die letzte Nacht umfassende Angriffe auf ganz England brachte und unzählige Bomben auf London und seine Vororte und auf Städte in Westengland abgeworfen wurden. Auch Schottland und Wales, die Industriegebiete in Südostengland, in den Midlands und anderen Gegenden, die nicht mit Namen genannt find, wurde» heftigen Angriffen unterzogen. Der deutsche Luftangriff setzte bereits in den frühen Abendstunden ein und währte die ganze Nacht über bis in die frühen Morgenstunden des Dienstags. Amtlich wurde festgestellt, daß „London in den letzten zwölf Stunden die gewaltige Abwehr in Gang setzen mußte, um sich vor den Angriffen der deutschen Luftwaffe zu schützen". In den Vormittagsstunden des Dienstags begann weittragende deutsche Artillerie von der französischen Kanalküste aus die Gegend von Dover mit Granaten zu belegen. Die Bombardierung dauerte etwa eine Stunde. Nach englischen Angaben wurden in einem Abstand von drei Minuten zahlreiche Granaten über den Kanal gefeuert. Auch die deutsche Luftwaffe richtete am Dienstagvormittag weitere Angriffe auf London und Südostengland. Ueber der englischen Hauptstadt wurden verschiedentlich Bomben abgeworfen. Ueber die angerichteten Schäden gibt der englische Nachrichtendienst vorläufig keine Einzelheiten. der anderen Seite hat das stürmische Wetter am Sonntag und in der Nacht zum Montag sein übriges getan. Den ganzen Montag über trieben zahlreiche losgerissene Ballone mit langen • Stahltrossen über Schweden hinweg und haben dabei in nicht wenigen Fällen^ der schwedischen Luftwaffe erneut die Möglichkeit gegeben, sich zu üben. Wie zahlreich die Ballons ausgetreten sein müssen, geht aus dem Umstand hervor, daß Montag der Luftverkehr über Schweden zum Teil eingestellt werden mußte. Nach den australischen Wahlen Gegen die Kriegspolitik Menzies. Madrid, 8. Okt. (Europapreß.) Die letzten Nachrichten aus Melbourne über das Endergebnis der australischen Wahlen lassen nunmehr den Rücktritt der Regierung Menzies als fast unvermeidlich erscheinen. Nach dem vorläufigen Endergebnis halten die vereinigten Austra- lienparteien und die ßanb partei, die zusammen die Regierung Menzies bildeten, insgesamt 37 Sitze, die Arbeiterpartei dagegen 36 Sitze. Da die Regierungsparteien den Präsidenten des Abgeordnetenhauses zu stellen haben, der von seinem Stimmrecht keinen Gebrauch machen kann, hat die bisherige Regierungskoalition also keine Mehrheit mehr. Der von Menzies gemachte Versuch, die Arbeiterpartei zum Eintritt in eine „nationale Regierung" unter seiner Führung zu bewegen, scheint bei dem Führer der Arbeiterpartei, Cur- tin, auf keinen guten Boden gefallen zu sein. Die Arbeiterpartei wünscht vielmehr die Bildung einer aus allen Parteien bestehenden Regierung unter Führung Curtins, doch wird die Partei ihre endgültige Haltung in der Frage der Regierungsbildung erst auf einer Parteikonferenz am kommenden Montag festlegen. Man muß in London eingestehen, daß die Wahlen keineswegs die Zustimmung der Wählerschaft zu der Kriegspolitik des Kabinetts Menzies zum Ausdruck bringen, sondern auf starke Unzufriedenheit der australischen Bevölkerung mit dieser Politik schließen lassen. Britischer Tanker im Kanal von deutscher Fernkampfartillerie getroffen. Berlin, 8. Okt. (DNB.) Dienstag morgen beschoß deutsche Fernkampfartillerie von der Kanalküste aus einen britischen Tankdamvfer, der i m Geleit von mehreren britischen Zerstörern fuhr. Die Beobachtung ergab eine gute Trefferlage. Die Zerstörer nebelten den Tankdampfer ein und entzogen sich dadurch auch selbst der Sicht. Es ist jedoch damit zu rechnen, daß der Tank- dampfer seinen Bestimmungsort nichterreichen wird. Erscheint tödlich, außer Sonntags und i>eienags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat lmBild DieSckolle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Obne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr. „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsvreckanschluß 2251 Drahtanschrift -. „Anzeiger" Postscheck 116»8 Franks. M sammenberufen, man nimmt an, ... seine Ministerkollegen von den neuen englisch... Forderungen nach der ägyptischen Kriegserklärung an Italien in Kenntnis setzte. Nach einem Bericht des „Aftondladet" wurden zwei wichtige Beschlüsse gefaßt, die jedoch streng geheimgehalten werden. Der Umstand, daß bei der neuen englischen Initiative der englische Botschafter in Aegypten, Sir Miles Lampson, durch Militärs ersetzt wurde, gewinnt ein besonderes Gewicht. Man rechnet damit, daß Gra- z i a n i in den nächsten Tagen von Rom nach Libyen zurückkehren wird, um die Durchführung der neu erhaltenen Befehle in Angriff zu nehmen. Man hofft in England, das Jnselreich möge nun ein Kriegsschauplatz zweiten Ranges werden. Die stark zensierten Auslandsbeobachter in London melden die Verstärkung der englischen Garnison in Aegypten nach dem Flug General Wavells nach London. „Alle Anzeichen deuten daraufhin", schreibt Daily Expreß, daß sich kommende Ereignisse im Mittelmeer zutragen werden. nicht einen Schritt weitergekommen. Die Türkei wandte sich im Jahre 1939 ganz offiziell geaen bie Bestrebungen, die von Kairo ausgingen, und zwar hauptsächlich aus politischen Gründen. Allerdings ist die türkische Ansicht, der Kalif müsse aus dem Stamme Mohammeds sein, eine gerade aus dem Munde moderner türkischer Staatsmänner sehr sett- am klingende Auffassung, da ihre früheren Sultane, die gleichzeitig Kalifen waren, ja auch nicht aus dem Stamme des Propheten waren. Ebenso ist der Einwand, König Faruk als Kalif könne doch unmöglich in das Freitagsgebet der Moscheen aller Länder eingeschlossen werden, nicht stichhaltig, da es sich hier doch nicht um eine untergeordnete Frage handelt. Die Türkei erhob Einspruch gegen die geplante Ausrufung des Kalifen hauptsächlich aus englischen Gründen heraus, denn der Kalif würde ohne weiteres die jetzt durch englische Maßnahmen zersplitterten Araber des Orients wohl nicht nur religiös vertreten wollen. So ist die jetztige Aufwerfung der Kalifenfrage in Kairo durchaus als Zeichen einer antibritischen Stimmung in den Massen zu werten. Der Kalif sott B renn’ punkt eines arabischen Imperiums ein, und das zu fürchten haben die Engländer und die Türken alle Ursache. Wird England Aegypten zur Kriegserklärung zwingen? Stockholm, 8. Oktober. (DNB.) Alle Anzeichen sprechen dafür, daß die englische Regierung ihre Vorstöße in Aegypten verschärfen wird. Der ägyptische Ministerpräsident Sabri) Pascha empfing den obersten Befehlshaber der in Aegypten stehenden englischen Truppen, General Wavell, und den ägyptischen Generalstabschef. Nach den beiden Konferenzen wurde der Ministerrat überraschend zu- Wirtschastsraum. Der Dreimächtepakt zwischen Berlin, Rom und Tokio ist sicherlich zunächst eine Konsequenz des Krieges i aber nicht nur bas. Der letzte Grund ba> für liegt tiefer. Er ist darin zu sehen, daß Japan in Ostasien eine gleiche ober boch ähnliche Aufgabe zu erfüllen hat, wie bie beiden Achsenmächte in Europa, nämlich bie Ordnung eines Wirtschaftsraumes, dessen natürliche Zusammenhänge durch die egoistische Politik Englands und seiner Anhänger seit langem zerrissen worben sinb. Mit welcher Schnelligkeit Japan ben Weg vorn mittelalterlichen Feudalstaat zum modernen Industrie- und Handelsstaat zurücklegte, ist bekannt. Immerhin war bis zur Besetzung von Mandschukuo die japanische Industrie in der Hauptsache erst eine verarbeitende Industrie, während eine ausgesprochene Schwerindustrie zwar bereits vorhanden war, aber bei weitem nicht den politischen Notwendigkeiten genügte. Seitdem hat Japan erkannt, daß es seine politischen Ansprüche nur durchsetzen kann, wenn es seine inbuftrielle Leistungsfähigkeit in dem dazu erforderlichen Ausmaße erhöht. Diese Aufgabe war insofern doppelt schwierig, als weder die finan- zielten noch die rohstoffmäßigen Voraussetzungen dafür vorhanden zu sein schienen. Das ist der Grund dafür, warum England mit arroganter Ueberheb» lichkeit den japanischen Versuchen nach dieser Richtung hin zusah. Japan mußte ja nach englischer Ansicht scheitern, weil es ihm sowohl am Gelbe, wie auch an den erforderlichen Rohstoffen zum Ausbau einer genügend leistungsfähigen Schwer- und Rüstungsindustrie fehlte. Die britischen Plutokraten begingen hier denselben Fehler, den sie gegenüber dem nationalsozialistischen Deutschland in Europa machten. Der hundertmal' vorausgesagte Bankrott Japans ist noch immer nicht eingetreten, und die Rohstofflage Japans ist, wenn auch keineswegs günstig, so doch erheblich besser als vor einigen Jahren. Auch Kautschuk fehlt den Japanern. Er wird vor allem aus der Südsee bezogen. Die künstliche Erzeugung ist ebenfalls in Angriff genommen worden, wozu vor allem die Wasserkräfte des Palu und des Sungari herangezogen werben sollen. Zu beachten ist auch die Kautschukproduktion Franzü- sisch-Indochinas, die etwa 60 000 Tonnen jährlich beträgt. Hier könnte Japan fick notfalls eine Bezugsquelle verschaffen, bie verhältnismäßig wenig gefährdet werben kann. S t a h 11 e g i e r u n g s- metalle, wie Wolfram, Mangan, Molybbän, Antimon sowie Zinn und Blei werden in vielen Gebieten Chinas produziert, sind also für Japan leicht erreichbar. Baumwolle könnte zukünftig 3um größten Teil aus China gedeckt werben, ebenso Wolle. Werben boch in Norbchina schätzungsweise 30 Millionen Schafe und Ziegen gehalten. Für die Zellstoffprobuktion kommt in erster Linie bas Sojabohnenrohr Manbschukuos in Frage. Diese kurze Ueberficht zeigt, bah ber ostasiatische. Wirtschastsraum alle Möglichkeiten zur Erreichung einer nationalen Wirtschaftsfreiheit in sich birgt. Es kommt nur barauf an, diesen Wirtschaftsraum ent» . sprechend zu ordnen. Das ist Japans Ziel. Eine solche Ordnung lag aber nicht im Sinne Englands (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Ankara, Oktober 1940. Der durchaus eingesichtige Islam hat sich bei den Friedensgebeten, die auf Befehl des Königs Faruk von Aegypten am Montag, dem 16. September d. I., in Kairo gelesen wurden, sehr deullich gezeigt. Der Islam ist nicht nur politisch, sondern auch religiös ein einziger und untrennbarer Begriff. Dieser Islam aber ist anti-englisch. Die Folgen dieser anscheinend rein religiösen Kundgebung zeigten sich bald. Die Minister der Saabpartei, einer von der.ägyptischen und nationalistischen Wafbpartei abgesplitterten, von den Engländern gekauften unb dem König aufgezwungenen Gruppe, mußten aus dem Ministerium ausscheiden. Wenn auch der Ministerpräsident eigentlich ein Strohmann Englands ist, so sind die Widerstände nicht nur des Königs, sondern auch des Volkes geaen die von ben (gnglänbern und ben Saadiften geforderte Kriegserklärung an Italien doch so stark, daß es bislang nicht gelungen ist, diese Abneigung zu brechen. In der altehrwürdigen El-Kuzum-Moschee wurde das Friedensgebet bezeichnenderweise vom jungen König Faruk s e l b st verlesen. Religion und Politik sind, das wurde deutlich demonstriert, im Islam eins. Die gewaltige Menschenmenge in und vor der Moschee rief begeistert aus, daß König Faruk der ,Lalif" des Islam sei, und wenn auch diese Rufe, nicht in der unter englischer Zensur stehenden ägyptischen Presse erwähnt werden durften, so sind sie doch gerade jetzt interessant, da sie beweisen, daß die ägyptischen Massen genau wie 1938 hinter dem König stehen, dem 1938 die W i e - derer st ehung des Kalifats durch den Scheik ul Islam der altberühmten Hochschule und Moschee des Ahzar angeboten wurde. Unmittelbar vor seiner Hochzeit besuchte nämlich der damals achtzehnjäh- riae König Faruk diese Hochschule. Ihr Rektor bezeichnete ihn bei dieser Gelegenheit als den neuen Kalifen, und die Schüler dieser in der ganzen islamischen Wett als die vornehmste religiöse und wissenschaftliche Lehrstätte aller Gläubigen angesehenen Hochschule begrüßten am folgenden Tage den jungen König gelegentlich einer Demonstration mit dem Ruf: Emir Al Mouminin — Fürst der Gläubigen. Kann aber König Faruk Kalif werden, und was bedeutet eigentlich diese Würde? Das Kalifat ist nicht dem Papsttum in der Christenheit ^leichzu- setzen, obgleich viele Europäer dis Kalifenwürbe mit der des Papstes vergleichen, denn während der Papst den Anspruch erhebt, „Stellvertreter Gottes" zu sein und daher in Glaubenssachen endgültige Entscheidungen treffen zu können, hat der Kalif mit dem Dogma des Islams nichts zu tun. Das Wort Kalif, arabisch „chalifa“, bedeutet eigentlich „Stellvertreter" oder „Nachfolger". Nach dem Tode Mohammeds im Jahre 632 unserer Zeitrechnung wurde der erste Kalif, ber sich selbst das „Siegel des Propheten" nennt, der alte Abu Bekr. Auch die drei folgenden Kalifen Omar, Osman und Ali gehörten dem Kreise der mekkanischen Anhänger des Propheten an, aber die Spaltung trat bann ein, da die Schütten, die hauptsächlich in Persien sitzen, die drei Kalifen Asm Bekr, Omar und Osman nicht anerkannten, sondern behaupteten, nur der vierte, Ali, sei vom Propheten selbst zu seinem Nachfolger erkoren worden. Dieser Zwiespalt im Islam ist unlösbar. Einig war man sich mnächst nur in der Auffassung, daß der Kalif selbst dem Stamme entsprossen sein müßte, dem Mohammed selbst angehörte, also dem Koreisch. Als aber bie selbschukkischen Türken, bie sich den Sunniten zurechneten, die politische Erbschaft der Araber antraten, zwang der Türkensultan Selim L, der nach ber Schlacht bei Heliopolis 1517 Aegypten eroberte, den letzten Sprößling der abassibischen Kalifen, Mut- wakhil, seiner Würde zu entsagen. Selim selbst wurde Kalif. .... Das war ein Staatsstreich mit religiösem Einschlag von ungeheurer Bedeutung für den gesamten Islam: eine Revolution, etwa der gleichzeittgen Reformation Luthers im Abendland vergleichbar. Denn damit wurde die Vorschrift des Hagls, ber mohammedanischen Gesetzesquelle, wonach ber Kali aus dem Stamme des Propheten genommen werden müsse, durchlöchert. Die Spannung zwischen Sunniten und Schitten wurde dadurch noch verschärft und auch die spanischen O m a i j a b e n unb andere westafrikanischen Dynastien erkannten die Kalifen- würbe ber Türkenherrscher nicht an, sondern nannten sich ihrerseits Kalifen. Die neue Türkei schafft bie Kalifenwürbe ab, wie sie auch in ihre Versa jung aufnahm, baß nicht die mohammedanische Religion Staatsreligion sei und ben religiösen Eid einfach durch bas Ehrenwort ersetzte. Inzwischen ging es in der arabischen Welt bunt genug zu. Unter englischem Einfluß hatte sich der Scherif Huf sein im März 1924 in Mekka den Kalifentitel angeeignet, aber sein Kalifat zerbrach schon nach einem halben Jahr, als Ibn Saud das Land des Islam mit seinen Wattfahrtsstätten Mekka unb Medina eroberte. Der Sohn Husseins, Ali, nahm den Kalifentttel nicht mehr an, aber auch Ibn Saud erkannte, daß der Uebemahme dieser Würbe ungeheure Schwierigkeiten entgegenständen, denn auf einem panislamitischen Kongreß, den er schon 1926 zusammenrief, erhoben die Wernas des Islam schwere Bedenken gegen bie Uebertragung ber Kalifenwürde an Ibn Saud, der einer besonders orthodoxen Richtung angehört. Alle Versuche, die seit dem 3. März 1924 auch offiziell ruhende Kalifenwürbe wieder zu beleben, find seitdem erfolglos geblieben. Wenn auch eine weitgehende Annäherung Zwischen den einzelnen arabischen Gruppen, den Sunniten und auch bürd) König Faruk von Aegypten mit dem sunnitischen Iran erreicht wurde, da ber Kronprinz oon Iran. S ch - p n r P-Hlenn, nn F-. bruar 1939 sich mit ber ältesten Schwester bes Königs von Aegypten, ber Prinzessin Fawzia. verheiratete, fo ist doch seitdem die Frage des Kalifats W % und Amerikas. Ähr Widerstand war es, der China veranlaßte, alle Versuche zu einer friedlichen Einigung zurückzuweisen, so daß Japan schließlich bje Neuordnung mit den Waffen erzwingen mußte. Es kann sein Werk nur vollenden, wenn auch in Oft- asien die englische Hand gänzlich ausgeschaltet wird Darum war es eine ganz natürliche Entwicklung, daß Japan schließlich sich den Achsenmächten an- schloß. Sein Kampf ist der gleiche, wie chn Deutschland und Italien in Europa führen. lieber einen der beiden wehrwichtigsten Rohstoffe, die Kohle, veriügte Japan schon immer. Sein Kohleverbrauch ist allerdings verhältnismäßig gering, da es große Wasserkräfte besitzt und verwendet. Die Kohlevorkommen in Japan selbst betragen schätzungsweise 8 Milliarden Tonnen, die in Mandschukuo 13 Milliarden, während China über 300 Milliarden Tonnen an Kohlevorräten besitzt. Wesentlich ungünstiger war die Lage beim Eisen Japan mußte bisher Eisenerz aus Mittelchina, aus Malaya und Australien einführen. .Dazu war es der Hauptkäufer für amerikanischen Schrott. Auf dieser Abhängigkeit vom Eisen basierten in der Hauptsache die englischen Hoffnungen auf einen japanischen Niederbruch. Man hat sich getäuscht. In Mandschukuo sind rund eine Milliarde Tonnen Eisenerze vorhanden, 4,6 bis 4,7 Millionen Tonnen Eisenerz soll Mandschukuo nach den japanischen Plänen jährlich liefern. Aus Korea, das ebenfalls schätzungsweise 400 Millionen Tonnen Eisenerze besitzt, vor allem aber aus den Eisenerzvorkommen Chinas kann sich Japan weiter versorgen. Aus den Minen des Pangtsetals hofft Japan eine Jahresproduktion von 5 Millionen Tonnen zu erzielen. Die Eisenversorgung Japans für den nötigsten kriegswirtschaftlichen Bedarf ist damit zweifellos gesichert. Erdöl braucht Japan jährlich 4 Millionen Tonnen. Die Jnlandproduktion deckt nur etwa rund 10 v. H. Nach Untersuchungen der Standard-Oil- Comp. sotten aber in der Schansiprovinz in Nordchina derartig reiche Oettager vorhanden sein, daß allein dadurch das japanische Erdölproblem gelöst werden könnte. Auch in Setschuan sollen Oelvor- kommen vorhanden sein. Gerade diese Tatsachen zeigen, wie notwendig eine Neuordnung des ost- asiatischen Raumes für Japan ist. Die Hindernisse, die England und Amerika sowie auch Frankreich den japanischen Plänen auf eine Zusammenarbeit mit China immer wieder aufgebaut haben, waren freilich so stark, daß diese Zukunftsmöglichkeiten den Japanern zur Zeit noch wenig helfen. Japan war daher gezwungen, die Gewinnung von Del aus Kohle aufzunehmen. Im Oktober 1938 wurde eine Fabrik in Fufchun eröffnet, eine weitere Fabrik in Korea ist ebenfalls in Betrieb, eine dritte in Chin- chow ist im Bau. Man darf annehmen, daß Japan auch in der Erdölversorgung seinen notwendigsten Bedarf gesichert hat, zumal es ja schon seit Jahren die Erdölimporteure durch Gesetz zur Haltung eines Vorrates für sechs Monate verpflichtet hat. Schiffahrt im Pazifik. Obgleich der Pazifik mehr als die Hälfte der Wassermenge der gesamten Erde birgt und drei riesige Kontinente bespült, ist seine Bedeutung a l s Handels st raße doch nur auf einige Teile des Ozeans beschränkt. Die amerikanische Pazifikfahrt geht entlang der Küste von Chile bis Kanada, die Schiffahrt im Raume um China und Japan bietet dazu ein gewisses Gegenstück. Nur einige große Linien quer über diese unabsehbare Wasserfläche hinweg dienen dem modernen Großhandel zu Schiff, vor allem der Versorgung Japans mit amerikanischen Rohstoffen, die jetzt von den USA. infolge des Ausfuhrverbots für Schrott erheblich eingeschränkt worden ist. Dagegen ist Japans Handel mit Südamerika besonders in diesen Kriegszeiten noch gewachsen. Die Meldung, daß die Ausfälle des Bezuges nordamerikanischer Baumwolle durch südamerikanische Lieferungen bereits ersetzt seien, läßt erkennen, wie Japan sich auf den Wirtschaftskrieg der USA. vorbereitet hat. In dem Dreieck Japan—Mandschukuo— China ist die englische Handelsschiffahrt jetzt praktisch durch die Kriegsereignisse ausgeschaltet, die amerikanische rückläufig. Ferner bewältigte schon nach den Angaben des Nauticus 1938 die japanische Schifffahrt zwei Drittel des gesamten Verkehrs z w i - f ch e n I n d i en und Australien und Japan, wozu noch die Verstärkung des japanischen Verkehrs mit Niederländisch ■ Indien kommt. Die Britische Schiffahrtskammer hat bereits 1938 Klagerufe dagegen erhoben, aber inzwischen dürften die Japaner noch stärkere Fortschritte gemacht haben, zumal England sich gezwungen sah, infolge des Frachtraummangels während des Krieges feine Schiffe zu einem großen Teil aus den Pazifikrouten zu ziehen. Die Handelsflotte der Vereinigten Staaten spielt gegenüber der japanischen im Pazifik nur eine untergeordnete Rolle. Japan steht an dritter Stelle in der Reihe der Schiffbauländer, es steht auch an der dritten Stelle der Welthandelsflotten, und bezeichnend bleibt, daß sich seine Flotte hauptsächlich im Pazifik bewegt. Für die Neuordnung in Asien und im Pazifik ist das besonders wichtig zu wissen. Meder Krankenhäuser und Wohnviertel. Ser Mordfeldzug der RAF. gegen deutsche Frauen und Kinder. Berlin, 8.Okt. (DNB.) Mehrere Nächte hindurch gelang es den britischen Fliegern nicht, bis nach Berlin durchzukommen. Unter Ausnutzung der günstigen Witterungsverhältnisse erschienen sie aber nach längerer Pause in der Nacht zum Dienstag wieder über der Reichshauptstadt. Die wenigen Maschinen, die durch den Sperrgürtel der Flak hindurchschlüpften, warfen zunächst eine Reihe von Leuchtbomben, um ihre Ziele klar auszumachen. Dann war- ff H f ■ ■ ' X Bei dem nächtlichen Luftangriff auf Berlin in der Nacht zum Dienstag haben die britischen Bomber auch wieder ein Kinderkrankenhaus getroffen. Zwei Kinder wurden unter den Mauern verschüttet. Unser Bild zeigt die Stätte des sinnlosen vernichtenden Mordens. — (Scherl-Bilderdienst-M.) fen sie ihre Bomben fernab von militärischen oder industriellen Objekten mitten hinein in die Wohnviertel der schaffenden Be- völkerung Berlins, ja, auf deren Krankenhäuser, Kinderpflegeanstalten und Wöchnerinnenheime. In der vergangenen Nacht ist auch nicht an einer einzigen Stelle eine Bombe auf einen Industriebetrieb oder eine militärische Anlage gefallen; getroffen wurden das in der ganzen Welt bekannte Robert - Koch - Krankenhaus, ein Kinderkrankenhaus und ein Wöchnerinnenheim, beide im Nordwesten der Stadt sowie ein großes Krankenhaus im Norden. Unter den Kranken, Erwachsenen und Kindern, sowie unter dem Pflegepersonal hat es Opfer an Toten und Verletzten gegeben. Schwestern starben mitten in ihrer aufopferungsvollen Arbeit um die Sicherheit ihrer Schutzbefohlenen. Das Robert- Koch-Krankenhaus wurde von mehreren Spreng- und Brandbomben getroffen. Man wandert in den weiten Sälen über Berge von Glas und Trümmern, die Betten find mit Splittern, Scherben und Mauerresten übersät, in den Ope- kationssälen und Laboratorien sieht man überall die Spuren dieser Verbrechen. Vor der Chirurgischen Abteilung des Robert - Koch - Krankenhauses schlug eine Bombe dicht neben einem Sanitätswagen ein, der eine schwerkranke Frau zur Operation brachte. Die Frau und eine Schwester fanden den Tod, eine andere Schwester und zwei Träger erlitten Verletzungen durch Sprengstücke. Wie die Aerzte und auch Angehörige des Luft- schutzdienstes einwandfrei beobachten konnten, haben die Flieger erst lange Zeit nach dem Herablassen von Leuchtbomben, also nach sorgfältigster Beobachtung, ihre Bomben abgeworfen. Sie haben also ganz bewußt hier ihre todbringende Last abgeladen, sie haben gehandelt nach den Worten des Abgeordneten Cazalet, der im britischen Parlament sagte: „Es kommt ja gerade dar- auf an, > die Zivilbevölkerung zu treffen." In der vergangenen Nacht hat sich uns wieder einmal das ungeschminkte Antlitz Englands dargeboten. Jetzt ist das Maß voll, die Vergeltung wird fortgesetzt, bis England ausgelöscht ist. Don Berliner Flak abgeschofferi. In der Nacht zum Dienstag haben wieder britische Flugzeuge die Reichshauptstadt angegriffen. Von der Flakartillerie wurden zwei britische Bomber abgeschossen. Unser Bild zeigt die Trümmer eines brennend abgestürzten Bombers, dessen fünfköpfige Besatzung ums Leben kam. (Scherl-Bilderdienst-M.) Abschluß her Gauleiterreise. Saarbrücken, 8. Okt. (DNB.) Am Montagabend fand die Reise der Gauleiter über den west- lichen Kriegsschauplatz in Saarbrücken ihren Abschluß. Es wurden das Fort Eben Emael, die Vimy-Höhe, Langemarck, die wichtigsten Punkte an der Küste, der Kriegsschauplatz an der Marne, Derdun und die Maginotlinie besucht. Offiziere der drei Wehrmachtsteile hielten an zahlreichen Punkten Vorträge, Truppenbesnche und Vorführungen besonders aus .der Panzerwaffe vermittelten ein lebendiges Bild der jetzigen Aufgaben der Wehrmacht. Führungen durch Brüssel, Gent, Paris und andere Städte ergänzten das Bild. Einen Höhepunkt der Reise bildete ein Empfang am Geburtstag des Generalfeldmarfchalls von Brauchitfch in dessen Hauptquartier. Der Generalfeldmarschall un- Vergeltung. Von unserer berliner Schriffleiiung. In Hamburg und Berlin haben die Mordgesellen Churchills nächtens ihr schändliches Handwerk fort- gesetzt. Sie haben in Berlin das weltberühmte Rooert-Koch-Krankenhaus, ferner ein weiteres Krankenhaus, ein Wöchnerinnenheim und ein Kinderheim getroffen, eine Anzahl Wohnhäuser vernichtet, aber fast gar keine Schäden an Industrieanlagen hervorgerufen. Auch zahlreiche Menschen« leben sind diesem wahnwitzigen Treiben zum Opfer gefallen. Deutsche Frauen und Kinder klagen vor Gott und der Welt Churchill an, das scheußlichste Morden begonnen und trotz allsr Vergeltungsmaßnahmen fortgesetzt zu haben. Sie klagen ihn an des Verbrechens gegen die Moral und Gesittung der zivilisierten Welt. Sie klagen ihn an, und die Geschichte wird durch die Männer der deutschen Luftwaffe unbarmherzig die Vergeltung vollziehen lassen. Unter den Trümmern Albions wird dieser Hetzer begraben werden, und sein Name soll in die Geschichte eingehen, wie Melacs, des Verwüsters des Heidelberger Schlosses, der noch bis auf die Gegenwart als Hundename in der Pfalz dient und der öffentlichen Verachtung preisgegeben ift Churchill erzählt in seinen Erinnerungen, wie er während des Madhistenaufstandes einen gefangenen Madhi, also einen Waffenlosen und Gefesselten, kaltblütig niederschoß, und bemerkt dabei: „Wie leicht ist es doch, einen Menschen nieterzuschiehen. Ich machte mir nichts daraus." Churchill war schon damals kein Mensch. Aber Enaland hat diesen feigen Mörder an feine Spitze gestellt und ist damit mitschuldig geworden. Seine Plutokratensippe hat mit ihren barbarischen Kriegsmethoden die äanze Welt in Brand stecken wollen. Was sind ihr Die Namen der edelsten Menschenfreunde, eines Robert Koch, der Millionen gerade in den britischen Zwingburgen Afrikas vor der Schlafkrankheit rettete und dessen Werk an stiller Forschungsstätte fortgesetzt wird! Was ist ihr das furchtbare Los der enterbten Londoner, die heute unter den Vergeltungsschlägen der deutschen Luftwaffe Heimat- und brotlos geworden sind? Das Verbrechen ist entfeffelt, eine unsagbare Gemeinheit der Gesinnung als politische Richtschnur inthronisiert worden. Davor sollte nach dem Willen dieser Höllensöhne alles versinken, was die Welt an Edlem und Verehrungswürdigem hervorgebracht hat. Das Chaos sollte regieren, die finitere Nacht das Werkzeug fein, um die Plane Dieser nihilistischen Plutokraten zu fördern. Wenn nicht Deutschlands Luftwaffe furchtbar zurückschlüge, wäre bereits ganz Deutschland mit allem, was es trägt, ausgerottet, und grinsend würden die Londoner Plutokraten feftstellen, daß dieses edle und terstrich die glückliche Zusammenarbeit von Partei und Wehrmacht und verlieh dem Willen des Füh. rers zur Niederwerfung Englands Ausdruck, Im Namen der Gauleiter antwortete der Gauleiter von Niederdonau, Dr. I u r y, in herzlichen Worten Auf einem kameradschaftlichen Abend in Saar, brücken sprach im Auftrage des Chefs des Oberkommandos der Wehrmacht, Generalfeldmarschall Keitel, der Chef des Allgemeinen Wehrmachtsamtes im Oberkommando der Wehrmacht, Generalleutnant Reinicke. Der Gauleiter von Thüringen, S a u ck e l, übermittelte in herzlichen Worten den Dank der Reifeteilnehmer und versicherte, daß die Partei Seite an Seite mit den Soldaten alle ihre Kraft für den Sieg einfetzen werde. Neue Nheinbrücke Kehl — Straßburg. Straßburg, 8. Okt, (DNB.) In einem Fest- akt übergab am Montag der Chef der Ziviloerwal- tung im Elsaß, Reichsstatthalter und Gauleiter Ro> bert Wagner, die neue Dauerbehelfsbrücke Kehl — Straßburg dem öffentlichen Verkehr. Die Brücke wurde in knapp 2XA Monaten fertiggestellt. In einer Ansprache führte der Reichs- statthatter aus, die neue Brücke stelle symbolisch Die Zusammengehörigkeit zwischen den beiden deutschen Stämmen diesseits und jenseits des großen Stromes her. Das linke und das rechte Rhemuser seien bewohnt von Menschen, die ihrer Art, ihrem Volkstum, chrer Sprache und chrer ganzen Kultur nach zusammengehörten. Berlin unter der ersten Premierenwelle der neuen Spielzeit. Zehn Premieren auf neun Bühnen in 2Vs Wochen, das ist die erste Flutwelle, mit der die Zweite Krieasspielzeit Der Berliner Theater eingesetzt hat. Obwohl die Reichshaupt- stadt augenblicklich lernt, eher schlafen zu gehen, und die Aufführungen frühzeitiger beginnen, ist die Theaterfreudigkeit groß, find die Häuser voll besetzt und viele Vorstellungen ausverkauft. Im Zeichen der hohen Tragödie begannen ihre Arbeit Das Staatstheater und Die Volksbühne. Im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt inszenierte Karlheinz Stroux Die „Antigon e" Des Sophokles nach einer dichterisch hochwertigen neuen Übersetzung von Roman Woerner. In einem breit und tief ausladenden Bühnenbilde von Traugott Müller wurde die antike Auseinandersetzung zwischen staatlicher Satzung und religiösem Ethos für Die glänzenden Sprecher Des Staatstheaters ein großer Abend eherner Formkunst. Walter Francks überragendem Kreon und Marianne Hoppes statuarisch schöner Antigone galt der Hauptteil Des begeisterten Beifalls. — Im Theater am Hör st- Wessel-Platz traf Ernst Martins feinfühlige Inszenierung von Grillparzers „Medea" in den monumentalen Räumen Edmund Erpfs auf Das heute mehr denn je lebendige Verständnis für eine biologisch bedingte Tragödie Der Rassenmischung. In Der Titelrolle spielte sich Lieselotte Schreiner mit einer Das Menschliche vor Dem Barbarischen betonenden Leistung in Die erste Reihe der tragischen Charakterdarstellerinnen Deutschlands. Während das Rose-Theater mit Gerhart Hauptmanns quälender „Dorothea Angermann" eine 50-Jahrfeier des Naturalismus beging und in der Titelrolle sich auf die Vielseitigkeit Der von Operettenaufgaben bis zu Hauptmannschen Frauengestalten reichenden Traute Rose verlassen konnte, bekannte sich Das Schiller-Theater am Beginn eines ehrgeizigen Spielplans zum großen historischen Schauspiel eines zeitgenössischen Autors. Max Geisenheyners „O b r i st Michael" nimmt an Hand eines Rechtsstreites um zwei Pferde das Michael-Kohlhaas-Problem wieder auf, packt aber nach dem Vorbild von Goethes „Götz" und Hauptmanns .Florian Geyer" ein ganzes Zeitbild mit allen Spannungen des Reformationsjahrhunderts in Das weit verästelte unsprüngliche Dolksstück. Die Bühnenwirksamkeit der dramatisch nicht immer geradlinigen Vorgänge und Die lyrischen Ruhepunkte Der Dichtung Dienten Dem opernerfahrenen Regisseur Walter Felsenstein zur Entfesselung aller szenischen und schauspielerischen Künste Des Theaters. Phantasievoll unterstützt durch Josef Fennekers stimmungsschwere Ausstattung, gelang eine farbensatte, emdrucksreiche Aufführung mit oft unheimlichen Wirkungen der Szene. Im Mittelpunkt: Heinrich Georges Michael — ein künstlerischer Prüder Götz von Berlichingens. Unter Drei echten Komödienaufführungen erlebte man eine Entdeckung: Den russischen Dramatiker A.N. Ostrowski, (1823—1886). Aus der Schwelle zwischen Romantik und Realismus gibt er in seiner sicher und fesselnd angelegten Komödie „D e r Wald" eine kritische Durchleuchtung der russischen Gutsbesitzerschicht aus den Gründeriahren, huldigt mit zwei wundervoll komischen Schauspielerporträts der ewigen Romantik des Theaters und läßt in köstlichem Humor die russische Volksseele selber aufleuchten. Lothar Müthel hat im Staats- t h e a t e r mit Rochus ©tiefes minutiös-realistischen Bildern eine vollendete Aufführung daraus geschaffen. Ihre schauspielerischen Höhepunkte waren Gustav Knuth und Elena Polewitskaja, eine „russische Düse", auf die Das deutsche Theater auch fernerhin nicht verzichten, dürfte. Zwei Auseinandersetzungen mit Shakespeare schlugen ganz verschiedene Wege ein. Gustaf Gründgens löste im Kleinen Haus des Staatstheaters die bittersüße Liebeskomödie „Wie es euch gefällt" aus der romantischen Aufführungstradition und interpretierte sie als höfisches Schäferspiel in einer gartenhast übersichtlichen Kunstlandschaft, die Rochus ©liefe voller Witz und milder Ironie aus einer Spielzeugschachtel entnommen zu haben schien. In diesem Rahmen entwickelte ©rünbgens* virtuose Menschenführung ein dialektisches Wortgefecht von höchster Sprechzucht, die in Käthe Golds unvergleichlicher Rosalinde einen seelenvollen Schwerpunkt hatte. Problematisch blieb dagegen Heinz Hilperts Versuch, im Deutschen Theater ausgerechnet Den „Sommernachtstraum" durch modern getönte Ironie zu entzaubern. Eigenwillige Besetzungsexperimente und das Schwanken des Spielleiters zwischen Der Märchenpoesie, die Caspar Nehers Bühnenbilder werkgemäß anschlugen, und vordergründiger Komik der meisten Darsteller brachten Die Dichtung um ihre Wirkung. Schwankhaftes Satyrspiel bedeuteten die restlichen drei Premieren, in denen zeitgenössische Autoren ein lachlustiges Publikum unterhalten wollten. Am amüsantesten war noch Walter Erich Schäfers Persiflage einer wienerischen Bi^ermeier- Revolution, „Theres und die Hoheit", weil im Theater in der Saarlandst raße Gustav Waldau Gelegenheit bekam, als Kaiser Franz eine Menschenstudie von unnachahmlichem Charme zu stricheln. Mit Spott und Bitterkeit glossierte in den Kammerspielen des Deutschen Theaters die Schauspielerin Charlotte Schultz als Autonn einer allzuleicht gewogenen Uraufführung „Bitte zwei Mal läuten" ihren eigenen Beruf. Und in Der Komödie am Kurfürstendamm hielt gar der Film ein Repetitoriuw für Nachzügler ab, indem Die „L i e b e s s ch u l e" noch einmal auf Der Bühne durchererziert wurde. Der einzige bemerkenswerte Unterschied: An Stelle von Luise Ullrich hetzte hier die berlinisch geprägte Grethe Weiser ihren Vormittagschef gegen Den Nachmittagschef zum happy end. Johannes Jacobi. Büchertisch. — Erfüllung und Grenze., Worte Der Weisuna. Gesammelt von Fritz U s i n g e r. 95 Seiten. Geb. 3,60 RM. Karl Rauch Verlag, Dessau und Leipzig — (110) — Usinger ist Den Lesern Des Gießener Anzeigers nicht fremd: in feinen Gedichtbänden („Das Wort", „Die Stimmen", „Die Geheimnisse", „Gedichte") ist der.wesentlichste Beitrag zur gesamtdeutschen Lyrik unserer Zeit aus dem hessischen Raum und Kulturkreise enthalten. Das vorliegende kleine Werk ist eine Sammlung Der Spruchweisheit aus vielen Jahrhunderten — von Laotse bis Frobenius, von Plato bis Ernst Nnger, von Angelus Silesius bis Hofmannsthal: bas Ganze nicht die Frucht einer systematischen Arbeit, sondern eine geordnete Auswahl von Lesefrüchten, deren Lektüre eine weise Dosierung selbstverständlich voraussetzt. Dem Lesenden wird dann der in der Ueberschrift sich andeutende tiefere Sinn aufgehen. Die „therapeutische Absicht" des Buches und auch, wenn man es recht begreifen will, feine Aktualität; Usinger umschreibt Das im Vorwort mit der aus der Sammlung sich ergebenden Einsicht, „daß viele letztgründige Gewißheiten und Ungewißheiten nicht nur gerade zwei oder drei Generationen eigen sind, sondern ganzen Jahrhunderten". — Der Stoff gliedert sich sinnvoll nach Gedankenkreisen: „Weltgrund und Weltaeftatt"; „Der Mensch im Unendlichen"; „Maß und Haltung"; „Schöpse« nscher Geist"; „Die ewige Grenze". In Der Auswahl und Anordnung einer Sammlung wie dieser prägt sich naturgemäß auch Die Individualität des Herausgebers aus; mancher wird vielleicht finden, daß Die hier zusammengetragenen Stellen aus Kierkegaard im Verhältnis zu sämtlichen übrigen angezogenen Autoren allzusehr überwiegen. Sicher ist indessen, daß auch der unphilosophische, der nicht spekulativ geschulte Leser sich mit Genuß und Gewinn in Die oft merkwürdig gegenwärtig anmutende, epigrammatisch begrenzte Weisheit vieler Völker und Zeiten vertiefen wird. Hans Thyriot. — U It i ch Christoffel: Musizierende Engel. 10 farbige Tafeln nach Ausschnitten aus Bildern deutscher Meister Des 15./16 Jahrhunderts. (Der Silberne Quell. Bd. 2) Kart. 1.60 RM. Verlag Woldemar Klein, Berlin. — (165) — Die Poesie der Legenden. Die seit Den frühesten Zeiten Das christliche Leben verschönten, ließ Die musizleren- Den Engelkinder in die Künste einDringen. In hohen strengen Zeiten nahmen diese Engel, wie in den Mosaiken von Ravenna oder am Engelspfeiler des Straßburger Münsters, die Gestalt ter Gottes- und Gerichtsboten an. Als aber eine Verfeinerung und Vermenschlichung der religiösen Empfindung ein» trat, erwachten unter Den Blumen und Tieren des Paradieses auch die kleinen Engelskinder wieder, um als Gefährten Des Chriftusknaben ihre Instrumente zu spielen und ihre Stimmchen ertönen zu lassen. Mit den vier musizierenden Engeln aus Der Maria im Rosenhag, Dem schönsten Bilde Stephan Lochners, beginnen Die Tafeln dieses Bändchens. Es folgen die Engel Des Meister Wilhelm. Grüne- walds. Cranachs und Altdorfers. Wie Blüten, glaubt man. könnten diese Engel verwehen, aber sie bleiben festgebannt im Bilde durch Die formende Kraft Des künstlerischen Geistes, und ihre Farben Dringen in immer neuen Wellen aus Dem Grund hervor Musiki"?" unfer ^ge mit chrer süßen, fröhlichen — Bismarcks Sturz — ein Seherschicksal. Von Walter Lange. Verlag Ferdinand Hirt, Breslau. Geh. 1 RM.. gebd. 1,40 RM — — (69) — Fünf Bilder deutscher Geschichte bringt dieses Bismarck-Stück, das für Die deutschen Bühnen geschrieben ist, in packender Darstellung in geschichtlicher Wahrheit und dichterischer Wahrhaftigkeit. Die Szenen sind in lebendiger Dramatik der großen historischen Vorgänge gestaltet, die Dialoge ind flott und wirkungsvoll. Das Ganze ist von wuchtiger Eindrucks kraft. Man erlebt in diesem Wett ein großes Stück deutscher Geschichte arbeitsame Volk der Deutschen vom Erdboden ver- schwunden sei. Die Rache des empörten Deutschtums aber ist furdjtbar. Die „New Hark Dimes" berichtet, die bn- tische Metropole gliche einer vom Erdbeben heim- gesuchten Stadt die unaufhörlichen Bombardierungen hätten Schäden verursacht, wie man sie in Amerika gar nicht glaube. Am Montag sind die deutschen Rächer wieder über London gewesen, über Liverpool, Nordost-, Nordwest, und Südengland, über Schottlayd und Wales, sie haben, wie angloamerikanische Berichte melden, „eine donnernde Hölle von Bomben aller Größe, ein Geflacker und Geloder von Bränden" angerichtet. Das i st die Vergeltung. Die deutschen Angriffe gehen weiter, bis diese Pirateninsel ausgebrannt ist, bis England für jedes getötete deutsche Kind mit dem Verlust alles dessen, was bisher seinen falschen Ruhm ausrnackte, bezahlt hat, mit seinem Reichtum, seiner Weltstellung, seinem Weltanspruch. Das Gericht spricht jetzt, und der Verurteilte ist England! E. S. Italienischer WehrmachMericht. Rom, 8. Oktober. Der italienische Dehrmachts- bericht vom Dienstag hat folgenden Wortlaut: Eines unserer U-Boote hat ein bewaffnetes englisches vorpostenboot versenkt. 3m westlichen Wittelmeer ist einer unserer handels- dampfer (1800 BRI.) torpediert worden. 3n Ostafrika hat ein Patrouillengefecht bei El Satnto (Senia) einen für uns günstigen Ausgang genommen. Der Feind wurde mit beträchtlichen Verlusten in die Flucht geschlagen. 3m Roten Meer hat eine unserer Luftfor- mationen den bereits gestern angegriffenen Geleitzug neuerdings bombardiert. Weitere Flugzeuge haben die Funkstation von Radi 3 u s u f (nordwestlich von Ghedaref), sowie kleinere feindliche Abteilungen in der Rahe der Grenze des unteren Sudans bombardiert. Alle unsere Flugzeuge sind zurückgekehrt. Ein Arbeitsbeschaffungsplan in Dänemark. Kopenhagen, 8. Ott (Europaprefj.) Ein Ar- beitsbeschaffungsplan der dänischen Regierung, der am Donnerstag im Reichstag zur Behandlung gelangen soll, wird von der Kopenhagener Preise seiner Großzügigkeit wegen als wirklich ernsthafte Aktion zur Verringerung der Arbeitslosigkeit bezeichnet, die Wiedereinspannung von 50 000 Menschen in den Produktionsprozeß würde die augenblickliche Arbeitslosenzister um die Hälfte verringern Nicht weniger Beachtung schenkt man In- besten der Idee der Errichtung zahlreicher Arbeitsdienstlager und sieht der in Kürze zu erwartenden Ausgestaltung des Arbeitsdienstgedankens für Dänemark durch die gesetzgebenden Instanzen des Staates mit großer Spannung entgegen. „Der Krieg ist voll von unangenehmen Lleberraschungen." Churchill zwischen Illusion und Depression. Stockholm, 9. Okt. (DNB.) Im Rahmen der krampfhaften Illusionspropaganda, mit der die angesichts der pausenlosen deutschen Luftangriffe immer stärker absinkende Stimmung der englischen Bevölkerung künstlich aufgepulvert werden soll, hat auch Churchill am Dienstag im Unterhaus eine längere Rede gehalten. Heuchlerisch versicherte er zunächst, er zögere immer, etwas Optimistisches zu sagen. Er müsse sich aber gegen alle defaitistischen Aeuherungen wenden. Damit gesteht er, daß die Stimmung der Bevölkerung England alles andere als rosig ist. Der ganze Pessimismus des über feine „Erfolge" enttäuschten Kriegshetzers enthüllt sich in dem Satz „D e r Krieg ist voll von unangenehmen Ueberrafchungen". Dieses peinliche Eingeständnis glaubt Churchill abzuschwächen, indem er sagt, daß ein sehr wichtiger Teil des deutschen Kriegspotentiells durch die Angriffe gegen England absorbiert wird. Das ist freilich ein schwacher Trost, denn für diesen Kampf ist sie da. Churchill befaßte sich dann mit der Wirkung der „wilden Attacke", wie er die Vergeltungsaygriffe der deutschen Luftwaffe nennt, und stellt dabei die dreiste Behauptung auf, daß die deutschen Bomber „wahllos" gegen Ziele vorgingen, die leicht zu treffen seien. Offensichtlich schließt er von den „Heldentaten" der RAF. auf die Leistungen der deutschen Flieger. Seine Luftpiraten sind es, die nur Ziele treffen, die durch große rote Kreuze gekennzeichnet oder als ausgesprochene Wohnviertel kenntlich sind. Er gibt die Zahl der in einer Nacht getöteten Menschen an. Mit abscheuerregender Kaltschnäuzigkeit will er errechnet haben, daß eine Tonne Bomben nötig gewesen sei, um drei Viertel Menschen zu töten. Damit bestätigt er ungewollt die Tatsache, daß Deutschland den Krieg nickt gegen die Zivil- bevölkerung führt und verrät dabei, daß die bri- tische Plutokratenclique, als sie in den Krieg eintrat, mit einer Zahl von 3000 Toten und 12 000 Verwundeten in einer einzigen Nacht gerechnet hat. So war die England beherrschende Plutokratenkaste also von Anfang an bereit, in dem von ihr gewissen- los heraufbeschworenen Kriege mit brutalster Rück- sichtslosigkeit Hekatomben von Menschen zu opfern. Erheblich aus dem Rahmen des üblichen Illu- sionsrummels herausfallend macht Churchill dann plötzlich die tiefsinnige Bemerkung, daß London, Liverpool, Manchester und Birmingham vielleicht noch viel leiden müßten, aber sie würde« aus ihren Ruinen wieder auferstehen. Im gleichen Atemzug allerdings erdreistet sich der alte Lügner, die groteske Behauptung aufzustellen, daß man, wenn man sich auf den Gipfel von Primrose Hill oder einem anderen erhöhten Punkte von London befinde, keinerlei Bombenschäden feststellen könne. Die Berichte der ausländischen Pressevertreter über den flammenden Feuerschein am nächtlichen Himmel Londons, Qualm, Rauch und nach- haltige Zerstörungen an den kriegswichtigen Anlagen der britischen Hauptstadt sprechen eine andere Sprache. Churchill gibt notgedrungen zu, daß die englische Bombensliegerei weniger zahlreich als die des Feindes fei. Es wäre aber unsinnig für England, sich von den militärischen Zielen — wir wissen, daß das für Churchill Krankenhäuser, Kir- chen, Arbeiterwohnungen und Nationalheiligtümer sind — abzuwenden, bei denen die britischen Flieger so große Erfolge erzielten (!) „Das einzige Ziel muß sein", so ruft der Mörder von Bethel aus, „Deutschland möglichst viel Schaden zuzufügen. Dies ist das einzige Ziel. Behalten wir es im Auge." In den stfo oft zitierten „Bundesgenossen" Eng- lands, das Wetter, fetzt Churchill bemerkenswerterweise offensichtlich nicht mehr das gleiche Vertrauen wie früher. Denn er meint resigniert, daß die Nebel und Stürme, die England irn Winter einhüllen, nicht allein die Bombenangriffe verhindern würden. Auch hinsichtlich einer etwaigen I n - v a f i o n warnt Churchill davor, sich durch die Vermutung einwiegen zu lassen, die Gefahr sei vorüber. Gegen Schluß seiner Rede gibt Churchill einen „detaillierten Bericht über die Episode von D a - k a r", in dem die ganze Wut der britischen Piraten über das so kläglich mißglückte Abenteuer zum Ausdruck kommt. Wenn Churchill ein Disziplinarverfahren ankündigt, so zeigt das, wie allgemein das Gefühl der Blamage über dieses mißglückte militärische Abenteuer in England ist. Die ganze Rede zeigt einen zwischen Illusionen und Depressionen hin und her schwankenden Churchill, der kein Wort von „Sieg" oder besserer Zukunst" findet, wie dies in seinen früheren Reden üblich war. Kennzeichnend für die Stimmung sind folgende Sätze: „Wenn auch Zuversicht in uns herrscht, so dürfen wir doch keinen Augenblick die furchtbare und gefährliche Situation vergessen, in der wir uns befinden. Lange und dunkle Monate der Prüfungen und der Drangsal sichen uns bevor." Kleine politische Nachrichten. Der Führer hat dem Reichsführer ff und Chef der deutschen Polizei, Heinrich Himmler, zum 40 Geburtstag durch seinen Adjutanten sein Bild mit einer persönlichen Widmung überreichen lassen. Ferner übermittelten u. a. Reichsmarschall Goring, der Stellvertreter des Führers, die Reichsminister von Ribbentrop, Dr. Goebbels und Dr. Lammers sowie die Reichsleiter Dr. Ley und Dr. Dietrich dem Reichsführer ff ihre Glückwünsche^ Der Präsident des Deutschen Auslands- instituts und Oberbürgermeister Strölin (Stuttgart) überreichte dem Reichsführer ff, Reichs- kommissar für die Festigung deutschen Volkstums, Himmler, die Goldene Medaille des Deutschen Auslandsinstituts zum ersten Jahrestag des Führ.1 erlasses zur Festigung deutschen Volkstums und zum 40. Geburtstag des Reichsführers ff. Der Führer hat ff-Gruppenführer H a u s s e r . Kommandeur einer Division der Waffen-ff, zum 60. Geburtstag telegraphisch seine Glückwünsche übermittelt. * Reichsorganisationsleiter Dr. Ley weilte in Stettin, um gemeinsam mit Gauleiter und Oberpräsident Schwede-Coburg eine Reihe von Betrieben zu besichtigen und Betriebsappelle durchzuführen. Mussolini nahm in Udine die Inspektion der 3. Division des „Schnellen Armeekorps" der Po- armee vor. Er war vom Unterstaatssekretär Soddu, dem stellvertretenden Generalstabschef des Heeres, Roatta, und dem Kommandanten der Poarmee. General Vercellino, begleitet und wurde von einer deutschen, ungarischen, spanischen und bulgarischen Militärmission empfangen. An dem großen Jugendtreffen in Padua nehmen außer der deutschen und spanischen Iugendabord- nung auch 177 ungarische, 170 bulgarische und 100 rumänische Jungen teil. « Der bulgarische LandwirstchaftMinister Bagri a- noff besichtigte in Begleitung von Reichsimnister DarrS und Staatssekretär Backe das Karser- Wilhelm-Institut für Züchtungsforschung in Müncheberg in der Mark. Prof. Rudorfs und seine Mitarbeiter gaben dem Gast einen Ueberblirf über die auf den einzelnen Gebieten der Pflanzenzucht verfolgten volkswirtschaftlichen Ziele. Dann stattete der Gast dem Schiffshebewerk Nieder-Finow einen Besuch ab. Unhöfliches Gaststättenpersonal wird ausgeschlossen. Mit Rücksicht auf mehrfach lautgewordene Klagen über unbotmäßiges Verhalten von Bedienungs- perfonal in Gaststätten gegenüber den Gästen hat der Reichsarbeitsminister angeordnet, daß Bedienungspersonal, das wiederholt wegen ungebührlichen Betragens gegenüber Gästen entlassen wurde, nicht mehr in einen Gaststättenbetrieb vermittelt werden darf. Derartiges Personal muß einem anderen Berus zugeführt werden. Um unberechtigte Berufsausfchlüsfe zu vermeiden, muß eine Stellungnahme der Reichsarbeitsgemeinschaft für Berufserziehung im Fremdenverkehr eingeholt werden. Gute Antennen für den Rundfunkempfanq. Vielfach ergeben sich aus der Ueberfpannung öffentlicher Straßen und Plätze mit Antennen Schwierigkeiten. Die Ueberfpannung wird z. T. von den Gemeinden als Eigentümern der zu über» spannenden Grundflächen nicht gestattet, z. T. dadurch erschwert, daß die Zustimmung von einer Anerkennungsgebühr abhängig gemacht wird. Dies soll auch auf die Errichtung von Einmastantennen, Gemeinschaftsantennen, Stabantennen zutreffen. Mit Rücksicht auf die Bedeutung des Rundfunks ersucht der Reichsinnenminister die Gemeinden und die Gemeindeaufsichtsbehörden, bei der Gestattung der Ueberfpannung von Straßen und Plätzen mit Antennen entgegenkommend zu verfahren und von Anerkennungsgebühren abzufehen. Bau- und verkehrspolizeiliche Vorschriften sowie Vorschriften der Verunstaltungsgefetze werden nicht berührt. 'Ttlaeedoniicke Skizzen, y-w. .äs. jgsy-T I v ö* Xe*®** k, " ■?,'i Bl v S Unterschiedliche Weinlese. Zn diesen Tagen seht in allen Weinbaugebieten Großdeutschlands die Lese ein, mit der der Weinbauer den Wunsch nach einem Abschnitt spätsommerlich warmen, jedenfalls aber trockenen Wetters verbindet. Der außerordentlich harte und langandauernde letzte Winter f)ift sich erfreulicherweise nicht besonders nachteilig ausgewirkt, jedenfalls sind die Fro st schaden geringer als diejenigen nach dem ebenfalls sehr kalten Winter 1929. Die ersten Frühlesen zeigen im allgemeinen ein unterschiedliches Ergebnis. Die Ergebnisse der Burgundertrauben, also des „Roten", sind mittelmäßig, sie haben offenbar unter dem zeitweilig sehr kühlen und sonnenarmen Wetters des vergangenen Sommers und des Septembers gelitten. Recht gut sind demgegenüber die Ernteaus- sichten im Rheingau und an der Mosel, in den Hauptweinanbaugebieten des Reiches. Der Behang ist in diesen Gebieten überdurchschnittlich, die Reben selbst weisen kaum Schäden auf. Beson- derts gut gehalten haben sich im gesamten wesentlichen Anbaugebiet in diesem Jahre die Riesling s o r t e n. Sie bilden unter den verschiedenen Rebenarten die widerstandsfähigsten, sodaß sie auch jetzt am wenigsten von Frostschäden oder Krankheiten befallen worden sind; man kann ihnen nur gutes Wetter zur Lesezeit in der ersten Oktober- Hälfte wünschen. Weniger erfreuliche Nachrichten kommen aus den früher sehr ertragreichen Weinbaugebieten des Elsaß und Lothringens. Die Ursachen des dortigen starken Ausfalls liegen auf der Hand, weil während des gangen Frühlings und Hauptsommers die Weinbauern von den Franzosen evakuiert waren und somit die Anpflanzungen jeglicher Pflege, namentlich auch im Kampf gegen Schädlinge, entbehren mußten. Es ist selbstverständlich, daß hier für das nächste Lese-jahr nach jeder Be- ziehuna Ordnung gefchafft wird, so daß dieses in normalen Zeiten überaus reichhaltige Weinbaugebiet bereits rm nächsten Jahre sich vollwertig in den Gesamtanbau des Grohdeutscben Reiches einschalten kann. Größere Anbauflächen befinden sich bekanntlich auch in Rheinhessen und in der O st m a r k bzw. in Tellen Oberschlesiens. In diesen Gebieten hat der Frost nachteiliger gewirkt, auch ist hier die Schädlingseinwirkung verhältnismäßig stark gewesen, so daß die Ernte kaum den Mittelwert erreichen dürfte. Soweit es erforderlich sein sollte, wird man durch Einfuhren aus den Balkanländern die Ausfälle wieder wettmachen können, zumal die Lieferbedingungen — wobei in erster Linie Rotwein in Frage kommt — sich wesentlich verbessert haben. Im übrigen haben wir auch Möglichkeiten, aus Südfrankreich und Spanien Wein einzuführen. Es ist selbstverständlich, daß die.se Einfuhr nur in dem Ausmaß erfolgt, wie sie für unsere Kriegswirtschaft tragbar ist. Weinbauern, die durch Kri^gsauswir- kungen oder durch Schäden des vergangenen strengen Winters besonders große Nachteile erlitten hoben, wird diejenige Unterstützung gewährt, die zur Aufrechterhaltung ihrer Betriebe und zur Instandsetzung der Anbauflächen für das kommende Lesejahr notwendig ist. Aus aller Welt. Jn 10 Wochen 400 000 Besucher im Haus der deutschen Kunst. Seit der Eröffnung der Ausstellung Ende Juli haben bis jetzt, also innerhalb 10 Wochen, 400 000 Volksgenossen die Ausstellung besucht. Ein neuer Beweis für den starken kulturellen Impuls unseres Volkes, der durch den Krieg in keiner Weise eine Beeinträchtigung erfahren hat. Da es auch diesmal aus Raumgründen nicht möglich war, alle hervorragenden Arbeiten sogleich zu berücksichtigen, wird ein Austausch von bereits verkauften Plastiken und Gemälden gegen Kunstwerke, die noch nicht ausgestellt werden konnten, vorgenommen werden. Um dies durchzuführen, wird die Ausstellung vom 14. Oktober ab für kurze Zeit geschlossen. Nach der Wiedereröffnung wird die Ausstellung noch einige Monate geöffnet bleiben. Geheimrat Professor Dr. Ernst Elster f. Im Alter von 81 Jahren st a r b nach längerem Leiden ein weitbekannter Marburger Gelehrter, der Professor für Deutsche Sprache und Literaturgeschichte, Geh. Reg.-Rat Dr. phil. Ernst E l - st er. Der Verstorbene, ein geborener Frankfurter, kam 1901 nach Marburg und blieb dort trotz meh- rer ehrender Berufungen an andere Hochschulen im In- und Auslande. 1914 folgte er einer Einladung der Cornell-Universität im Staate Neuyork, wo er Vorlesungen über neuere'deutsche Literaturgeschichte hieU. 1915/16 bekleidete er das Rektoratsamt der Philipps-Universität. Hamburger Philharmonisches Orchester in Oslo. Das Hamburger Philharmonische Staatsorchester gab sein erstes öffentliches Konzert im Osloer Äationaltheater, das bis auf den letzten Platz gefüllt war. Die Begeisterung der Zuhörer kannte keine Grenzen. Musiker und Dirigent nahmen die Huldigung des Publikums stehend entgegen. Nach dem Konzert gab Reichskommissar Terboven einen Empfang für die Hamburger Künstler, dem auch Generaloberst von Falkenhorst, Vidkun Quisling und viele andere führende Persönlichkeiten beiwohnten. Hierbei gaben die Künstler neue Proben ihrer Kunst. Danziger Ehrungen für wax halbe. Auf einer feierlichen Veranstaltung zu Ehren des 75. Geburtstages des Ehrenbürgers der Stadt Danzig, des Dichters Dr. Max Halbe, im Ar- tushof, überreichte Oberbürgermeister Dr. Lippke im Auftrage des Gauleiters und Reichsstatthalters dem Dichter das K r e u z v o n Danzig I. Klasse. Er verlas sodann das Glückwunschtelegramm des Führers und verkündete die Stiftung eines L i t e - raturpreifes der Stadt Danzig, der zu Ehren des Dichters Max Halbe alle zwei Jahre am 4. Oktober, dem Geburtstag des Gefeierten in Höhe von 3000 RM. und zwar einer Persönlichkeit verliehen werden soll, deren literarisches Wirken dem deutschen Osten, insbesondere dem Reichsgau Danzig-Westpreußen zugewandt ist. In Anwesenheit des Dichters fand im Danziger Staatstheater die Uraufführung des jüngsten Dramas von Max Halbe statt, das den Titel „Kaiser Fried- r t ch II." trägt. Drei polnische Mörder hingerichtel. Die Polen Stanislaw Kopczynski, Michal Michalak und Roman Swardsewski sind hingerichtet worden. Das Sondergericht in Posen hatte sie wegen Mordes und schweren bewaffneten Lanüfriedens- bruchs zum Tode verurteilt. Sie haben Anfang September 1939 den Volksdeutschen Ledrer Adam, der von dem polnischen Mob aufs schwerste mißhandelt worden war, in brutaler Weise ermordet, nachdem ihm Kopczynski zuvor unter Mitwirkung der beiden anderen Täter beide Augen ausgestochen hatte. Todesurteil sechs Tage nach der lat Das Sondergericht München verurteilte den 20jährigen Alfred O b e r g aus Braunschweig wegen Verbrechens gegen das Volksschädlingsgesetz und Raubes zum Tode. Der Verurteilte hatte am 29. September die Kassiererin eines Lichtspieltheaters überfallen, als diese mit einem Säckchen Wechselgeld ein nahegelegenes Haus betreten hatte. Er raubte ihr das Säckchen mit 42 RM. Inhalt. Auf die Hilferufe der Ueberfallenen hin wurde §r von Straßenpassanten festgehalten und zur Polizei gebracht. Oberg war von feiner Firma in Magdeburg weggelaufen und hatte nach einem Diebstahl bei einem Onkel ein Dagabundenleben geführt. In München ging ihm das Geld aus. Schon einige Tage vor der Tat beobachtete er die Kassiererin. In der Verhandlung gab er zu, gewußt zu haben, daß ihm der Raub den Kopf kosten werde. Wespen töteten Hirt und Pferde. Don einem schweren Mißgeschick, wurde kürMch der ungarische Pferdehirt Barna Janos betroffen, der mit einem kranken Pferd seiner Herde einen Tierarzt aufsuchen mußte. In seiner Abwesenheit sollte sein ISjähriger Sohn auf die übrigen Pferde aufpassen; der Vater warnte ihn noch dringend vor einem Akazienbaum, auf dem sich mehrere Nestor von Wespen befanden. Kaum war er aber gegangen, wollte der junge Hirt aus Neugier doch einmal die Insekten an schauen und nach Jungenart ärgern. Er warf mehrmals seine Peitsche nach den Nestern, traf sie auch, und sofort stürzten sich Tausende der wilden Wespen auf den Knaben und die Pferde. - Obwohl der Junge und die Tiere sogleich Reißaus nahmen, wurden sie von den wütenden Wespen eingeholt und schrecklich zerstochen. Als der Vater abends zurückkam, fand er feinen Sohn und drei feiner besten Pferde tot auf der Pußta liegen. Hauplichriftletler: Dr. Friedrich Wtideim Lange. Stellvertreter oe» Hauptichrislleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich sür Politii und Bilder: Dr. Fr. SB. Lange: für daS Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für Stadl Gießen, Provtn,, Wtuichasl u. Sport: Emst Blumfchein. Druck und Verlag Brühljche Univenitatsdruckeret R. Lange K. G. Verlageletter: Dr.-Ing. Erich Hamann: ülnzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich lür den Inhalt derAn-eiaen: Theodor Kümmel W.Nr.e STADTTHEATER GIESSEN O Preise von RM. 0.90 bis RM. 3.60 Gieüen (Bleichstraüe 33), den 9. Oktober 1940. 03'19 Perser-T eppiche in schöner Auswahl Fernruf Lollar 184. 4515D O 4516 A Kaufgesuche U MftfÜefbung rXJ (ß&iiuMt: eine Kur. 451 ZA Kleidchen 4.90 6.50 8.75 Anzüge . 4.75 6.50 9.50 Krenzplatz 10 Drogerie Nur 3 Tage Nur 3 Tage Trachten -Westen 6.50 4.50 5.50 Mittwoch, Donnerstag und Freitag o Pullover 3.95 4.50 5.75 Gemälde-Verkauf Mäntel . 9.50 7.50 12.- Düsseldorfer und Münchener Künstler Hütchen 1.95 2.50 3.25 Spezialhaus Mittwoch Durchgehend geöffnet von 10 bis 20 Uhr 03418 4510A 4507 A Stadttheater lassen sich von uns so gern beraten, weil der Erfolg auf allen Gebieten der Körper- und Schönheitspflege sicherster Beweis der Ge- wissenhaftigheit der Bedienung ist! Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, sowie für die zahlreichen Kranz- und Blumenspenden beim Heimgänge unseres lieben Entschlafenen sagen wir hiermit unseren herzlichsten Dank. DÖ3L OOOhDOoT nßlfczy/j .4 * v st SÜRO-EINWCHTUNGEN Gießen. 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Die Ausgabetage sind genau einzuhalten: an Kinder werden Lebensmittelkarten nicht ausgehändigt. Die Reste der Lebensmittelkarten des 14. Dersor- gungsabschnittes müssen bei Empfang der neuen Karten abgeliefert werden. Der Umtausch von Lebensmittelkarten in Reisemarken erfolgt nur noch in begründeten Fällen (Reise, ständige Verpflegung in Gaststätten usw.). Anträge, auf Umtausch ohne Beibringung ein^ Nachweises find zwecklos. 4509C Gießen, den 9. Oktober 1940. Der Oberbürgermeister der Stadt Gießen. — Ernährungsamt Abt. B. — Werkstatt oder Lager mit Büro und Hof in Gießen, Bleichstraße 26 sofort zu vermieten. Erich Carle, Lollar-Giefien Wii kaufen gebrauchte mößl.neawertifie Hingen gegen Barzahlung. Opel. Biegen Rui 2847/48. Gebrauchter glnöenüflgen zu verkauf. [03422 Sckottstraße 39 2. Stock, rechts. Samstag, den 12. Oktober 1940, 19.30 Uhr ERSTAUFFÜHRUNG Annchen von ‘J har au Operette in 3 Akten von Heinrich Strecker Musikai.Leitung: Arthur Apelt — Spielleitung: HarryGrüneke Bühnenbild: Karl Löffler — Tanzleitung: Irmgard Trömcl Heinrich Hochstätter Plockstraße 3 Hotel Schütz,Gießen Bahnhofstraße 52 < 11 für ihre Gesundheitspflege ans der 71 LI CS PcLrfümerie Plank | GIESSEN Seltersweg 8 ■■HBHU____Ruf 3934 Frau oder Mädchen täglich 3 Stund, zur Hilfe i. Haushalt gesucht. 03417 Ludwig Uhl Franks. Str. 5. Tüchtige Waschfrau einmal monatlich gesucht. 4Lisv Vorzustellen Gr. Steinweg IS V erkaufe 3 15 BMW.- Personenwagen zu verkaufen. Berta Schneider Großen-Buseck Textilwaren Fernruf Groß.» Buseck 34. l 45iiv Lagerraum S^che für sofort oder später 1 kl. trockenes Lager mit Keller und Garage,evtl, mit 4 — 5 = Zimmerwohnung. Schr. Ang. unt. 03208 g. d. G. A. 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Er hatte mir einen Malkasten und den Don Quichotte mitgebracht, ich hatte Wiesenblumen für ihn gepflückt und stand dem fremden Manne im feldgrauen Rock fassungslos gegenüber. Don den wenigen Bildern meiner Jugend, die in mir lebendig sind, ist dies wohl, das eindrucksvollste. Ich sah es wieder, als ich nun sein Soldbuch , in der Hand hatte. Da war alles aufgezählt, was der Untereffijier in jenen nahezu fünf Jahren erlebt hatte. Oft ist es ja so, daß aus dem Leben unserer Väter uns viele Dinge unbekannt sind, denn Väter sprechen nicht gerne davon zu ihren Söhnen, und so bleibt uns der Vater meist eine Gestalt, die ein wenig geheimnisvoll erscheint, fast umweht vom Hauch fremder, nur geahnter Geschehnisse. Doch diese fünf Jahre waren hier ausgeschrieben, vom ersten Krieg Stage bis zur Entlassung. Ich holte mir eine Karte und verfolgte alle Dege und alle Schlachtorte, zu denen mein Vater seine Gruppe geführt hatte. Da waren sie alle wieder, die uns heute so geläufig sind, jeder einzelne Ort und Hügel war wieder umstritten und genommen worden. Vielleicht hat der Unteroffizier schon damals im gleichen Wald gelegen, aus dem jetzt heraus die Söhne die Fahne vorantrugen. Der Wald wird gleich geblieben fein, denn was find die wenigen Jahre zwischen damals und heute im Pendelschlag der Geschichte, im Atem unserer unruhevollen Welt. Er hat nie zu uns Kindern von seinen Erlebnissen gesprochen. Er blieb uns verschlossen, so daß wir kaum etwas ahnen kannten, aber ich denke mir nun, daß er als aufrechter Mann durch das Feuer geschritten ist, ich sehe wieder ein neues Bild von ihm: ein hageres, blasses Gesicht unter dem Stahlhelm, eine Handgranate oder die Pistole in der Hand, umzuckt vom Feuer und dem heißen Wehen des Todes. Es steht im Soldbuch, daß er immer seine Pflicht getan habe. Wir haben gut daran getan, ihn zu verehren und zu lieben, denn er war tapferer Mann. E. H. Dornotizen. Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: 19 Uhr: „Die Macht des Schicksals". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Iud Süß". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Liselotte von der Pfalz". Stadttheater Gießen. Am heutigen Mittwoch wird die große Oper „Die Macht des Schicksals" von Giuseppe Verdi, die sich bei ihreit Erstaufführung am Sonntag einen starken Erfolg errungen hat, zum erstenmal wiederholt. Die musikalische Leitung hat Otto Söllner, die Spielleitung Intendant Hans Waldemar Klein.-Die Bühnenbilder stammen von Karl Löffler. Nadine Galla hat die Chöre einstudiert, der Extrasingchor wurde von Otto Söllner geleitet. Tanzleitung: Irmgard Trömel. 4. Mittwoch-Miete. Die Vorstellung beginnt bereits um 19 Uhr. — Um den auswärtigen Besuchern Gelegenheit zu geben, den Vorstellungen bis z Schluß beiwohnen zu können, hat die Reichsbahn sich auf Ersuchen bet Intendanz bereiterklärt, den regulär 22.32 Uhr nach Wetzlar abfahrenden Zug bis 22.50 Uhr zurückzuhalten, in den dringendsten Fällen bis 23 Uhr. Ortszeit für den 10. Oktober. Sonnenaufgang: 7.42 Uhr, Sonnenuntergang: 18.41 Uhr; Mond Untergang: 0.16 Uhr, Mondaufgang: 16.20 Uhr. Zwischen Riesenrad und Mondrakete. Nachmittag auf der Gießener Messe. Schon in der Gegend der Stadlkirche vernimmst du die aus vielen Melodien zusammenfließende Mu- ik der Messe: sie steigert sich, wenn du angelangt )ist an der Stätte totgesagter Romantik, zur brauenden Symphonie des Rummelplatzes, und die vox Humana, die menschliche Stimme, mischt sich hinein mit einer bezaubernden Tonleiter, aufsteiaend vom hungrigen Quäken des Säuglings über das helle Gelächter schaulustig entzückter Fräuleins und den seriösen Baß bedächtiger Familienväter zu den yeiser gellenden Beschwörungen anpreisender Ausrufer vor märchenhaft lockenden Buden von großer Farbenpracht. Hier ist gut sein, hier dreht sich das Riesenrad, hier schweben farbige Luftballone gen Himmel, hier riecht es nach Fischbrötchen, hier kann man einen halben Nachmittag zubringen, Kinder ogar noch länger. Gewaltig ist der Andrang zum Hippodrom. Das höchste Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde, sagt ein alter, weiser Reiterspruch. Die Pferde traben geduldig zu einer schmetternden und feurigen Musik rund um die bescheidene Manege, und kaum ist eine Tour beendet, da hebt man scbon wieder ein halbes Dutzend kleiner Menschen in den Sattel; die Allerkleinsten werden zuhauf in die beiden Wägelchen verpackt, die den Schluß der Kavalkade bilden, und den Müttern, welche dos Schauspiel umstehen, macht es nicht viel weniger Spaß als den Kindern, deren Beinchen allermeist nicht bis zum Bügel hinunterreichen. Aber die Pferde wissen auch ohnedies ihren Weg und sind sanft und gutartig von Gemüt. Wer mehr für die Motorisierung und für die letzten Errungenschaften der Technik ist, kann natürlich auch am Volant eines ohne Führerschein eigenhändig gesteuerten Miniaturautos die Freuden des kommenden Volkswagens im voraus genießen: das kostet nicht viel, und selbst Zusammenstöße auf die- ser Autobahn verlaufen völlig unblutig; weder der Arzt noch die Haftpflicht brauchen bemüht zu werden. Wem das noch nicht genügt, dem wird für geringes Geld eine Raketenfahrt- zum Mond geboten; da schießt man in einem atemversetzenden Tempo über die nördliche Halbkugel der alten Erde, und die Sphärenmusik, die einem dabei entgegentönt, geht nach der beliebten Melodie „Am Abend auf der Heide"; außerdem ist da noch ein windbewegtes, leichtgeschürztes Fräulein, das flatterhaarig auf einer enormen Rakete in entgegengesetzter Richtung davonschießt; sie ist schon ganz grün und gelb im Gesicht, was kein Wunder ist, und es gewährt dem Vergnügungsreisenden auf Jules Vernes Spuren eine gewisse Beruhigung, wenn er entdeckt, daß die über Länder und Meere durch den Aether rasende Jungfrau gar. nicht lebendig, sondern nur ein überaus realistisches Abbild der Natur ist. Auf besonderen Wunsch kann diese Fahrt auch rückwärts gemacht werden, was dasselbe kostet und besonders genußreich ist, zumal die Musik soeben ein schönes Volkslied anstimmt: „Es wollt' ein Mädchen früh aufstehn, dreiviertel Stund' vor Tag ..." „Mal schießen — der Herr?" Wer könnte sich so ernsthaft-lockender Aufforderung entziehen? Hier werden die Gesichter der Männer sachlich, hier erinnern sie sich vertrauten Handwerks, gelernt ist gelernt, und überdies grbt's was zu gewinnen: „Wer die Rose vom Pfeifenkopf schießt, darf dieselbe behalten." Aber auch solide, beständige und nützliche Dinge können gewonnen werden, gläserne, kristallene und metallene, über welche die Mutti daheim sich nicht minder freuen wird als die Kinder über Teddybären, Püppchen und allerlei Leckerei. Auf Schritt und Tritt klopft einem die Göttin Fortuna lächelnd und einladend in mancherlei Gestalt auf die Schulter: wer nicht schießen will, kann zum Beispiel eine Fahrkarte lösen; wir fuhren einmal nach München und einmal nach Düsseldorf und wurden jeweils bei der Ankunft mit Schokolade beschenkt. Manche hatten fogar freie Wahl und entschwanden genießerisch mit einer Flasche Sekt. Unter den Klängen der weltumspannenden Donkey-Serenade, bei Gongschlag, exotischer Trommelmusik und schmelzenden Gitarrenweifen öffnet sich das tropenbunte Wunder der Märcheninsel: für 30 Pfennig, Kinder die Hälfte, betretet Ihr, meine Lieben, das singende, klingende, tanzende Hawai. Fünfundzwanzig dressierte Affen sieht man hier (das Affenbaby, sieben Tage alt, auf der Reise von Leipzig nach Gießen geboren, ist allein schon den Eintrittspreis wert) — man sieht sie in vielen Künsten, seiltanzend, radfahrend, musizierend und schießend, und nicht genug damit, erblickt Ihr im zweiten Teil die betörenden Tänze der Mädchen von Hawai. Nebenan gibt es auch gelehrige Hündchen, und noch ein Stück weiter erklettert man das zweistöckige Panorama, wo man im Guckkasten die gegenwärtige Weltgeschichte bestaunen kann in großen, sehr farbenprächtigen Malereien, die an krassem Realismus nichts zu wünschen übrig lassen. Ein« Stunde auf diesem Platz vergeht im Nu, eine Stunde ist überhaupt nichts, du bist außer aller Zeit, wenn du hier wandelst und dich treiben läßt auf den Wogen brausender Musik, im Strudel lachender, schwatzender und neugieriger Menschen, die gerne einen Groschen opfern, das Glück im Spiel zu versuchen oder einen bunten Luftballon in den hellen Oktoberhimmel steigen zu lassen. * —r— Frohe Stunden in Lazaretten. Im Rahmen der vorbildlichen Betreuungsarbeit durch die NSG. „Kraft durch Freude" wurde den Verwundeten eines hiesigen Reservelazaretts Gelegenheit gegeben, den russischen Sänger Konstantin S a d k o , einen hervorragenden Tenor, zu hören. Der Künstler, der sich auf einer Konzertreise befindet und auf der Durchfahrt hier verweilte, fang den aufmerksam lauschenden Soldaten Lieder in deutscher, russischer, italienischer und spanischer Sprache. Sein Begleiter übersetzte die Texte der fremdsprachlichen Lieder in die deutsche Sprache. Der Sänger bereitete mit seiner prächtigen Stimme den Hörern einen besonderen Kunstgenuß, für den sie mit herzlichem Beifall dankten. Frau R i e t - schel aus Gießen war dem Sänger eine feinfühlige und verständnisvolle Begleiterin am Klavier. — Am Sonntagmorgen bereitete der Männergesangverein „Eintracht", Watzenborn-Steinberg, unter Leitung des Ehormeisters G. Harnisck den Verwundeten eines Lazaretts ein schönes Gesangskonzert, bei dem Lieder vom deutschen Volkstum, von der Heimat, Vaterland und Soldatentum zu Gehör gebracht wurden. Dabei fand auch das schöne Volkslied, ebenso wie der volkstümliche Männerchor, seinen gebührenden Platz. Den Sängern und ihrem künstlerischen Leiter wurde für ihre ausgezeichneten Darbietungen durch starken Beifall der herzliche Dank unserer Soldaten bekundet, der auch der NSG. „Kraft durch Freude" galt, die diesen schönen Sonntagvormittag vorbereitet hatte. — Das Streichorchester eines MusikkorPS der Wehrmacht erfreute die Verwundeten an einem anderen Tage durch ein Instrumental-Konzert, bei dem Walzerkompositionen, Operettenmelodien und Märsche zu Gehör gebracht wurden. Auch hier war es KdF., das den Soldaten die schöne musikalische Feierstunde, die dem Orchester mit herzlichem Beifall gedankt wurde, bereitet hatte. Vertreter der Partei, von MF. und von der NSKOV. wohnten den Veranstaltungen bei. Die Lichtschleuse. Mit der Abnahme der Tageslänge fällt auch ein Teil der Ladengeschäftszeit in die Dunkelheit. Es ist daher notwendig, rechtzeitig das Augenmerk auf die vorschriftsmäßige Verdunkelung der Ladengeschäfte zu lenken. Neben der Ausschaltung jeglicher Reklamebeleuchtungseinrichtungen und der Verdunkelung der Schaufenster muß besonders die so« genannte Lichtschleuse an der Eingangstür der Geschäfte, worunter auch die Gaststätten, Eisdielen usw. zu rechnen sind, mit aller Sorgfalt fo angelegt werden, daß auch bei nachlässigem Verhalten der ein- und ausgehenden Kunden kein Lichtschein nach außen dringen kann. Ob die Abblendung des Ladeneinganges durch lichtundurchlässige Vorhänge, durch Einbau einer zweiten Tür ober auf irgend eine andere Weise bewerkstelligt wird, ist dem einzelnen! Geschäftsinhaber überlasten. Er ist aber dafür verantwortlich, daß seine Lichtschleuse einwandfrei wirksam ist und ständig in diesem Zustand erhalten! bleibt. Der Reichsluftschutzbund steht mit seinen Erfahrungen allen Ratsuchenden bei der Anlage oon Lichtschleusen zur Verfügung. Wenn KriegSgefanaene erkrankt sind. Im landwirtschaftlichen Betrieb bereitet es meist Schwierigkeiten, erkrankte Kriegsgefangene zu pflegen und au beaufsichtigen. Es besteht daher im allgemeinen die Neigung, die nicht arbeitsfähigem Kranken unverzüglich in ihr Stammlager einzu- weisen. Aber empfehlenswerter ist es zumeist, leicht erkrankte Kriegsgefangene dem Betrieb zu er« ARYLAN ein feststehender Begriff erfolgreicher Kosmetik MARYLAN-HAUTCREME MARYLAN-ZAHNPASTA halten. Sie werden während der Erkrankung als „Revierkranke" behandelt. Für die Krankheitstage braucht nach der Anordnung des Oberkommandos der Wehrmacht kein Barlohn gezahlt zu werden. Wohl ober ist der Betriebsführer entsprechend der eingegangenen Vereinbarung verpflichtet, dem er« ' krankten Kriegsgefangenen Unterkunft und freie Verpflegung zu gewähren. Für den Betrieb besteht der Vorteil der „Revierbehandlung" darin, daß der Kriegsgefangene nach Wiederherstellung seiner Gesundheit sofort wieder zur Arbeitsleistung bereitsteht, während bei Inanspruchnahme des Stammlagers oft Zeitverluste entstehen. Selbstverständlich müssen schwer erkrankte Kriegsgefangene in das Stammlager oder in ein Kriegsgefangenenlazarett überführt werden. In Fällen von ansteckenden: Krankheiten ist sofort die Zurückziehung der Kriegsgefangenen beim Stamm lager zu beantragen, das Anweisung hat, die unverzügliche Ueberführung in ein Lazarett vorzunehmen. Wann dürfen Kriegsgefangene Zugmaschinen führen? Dieser Tage wurde mitgeteilt, daß Kriegsgefangene nunmehr auch zur Führung von Zugmaschinen herangezogen werden dürfen. Diese für zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe außerordentlich wichtige Erleichterung ist durch den Ernährungs- minifter veranlaßt worden. Bei der Auswahl der Kriegsgefangenen ift darauf zu achten, daß nur ausgebildete, als zuverlässig zu beurteilende Personen berangezogen werden. Diese Vorschrift scheint teilweise mißverstanden worden zu sein. Es ist jedenfalls versucht worden, unausgebildete Kriegsgefangene zur Ausbildung als Zugmafchinenführer anzumelden, damit sie nach erteilter Genehmigung zur Bedienung der Zugmaschinen des Hofes ausgebildet werden könnten. So ist dies nicht gedacht. Die Kriegsgefangenen, die für den Dienst eingesetzt werden sollen, müssen die entsprechenden technischen Kenntnisse bereits besitzen. Selbstverständlich ist habet zu erwarten, daß sie schon früher Zugmaschinen bedient haben. Nur unter diesen Voraussetzungen kann die Erlaubnis erteilt werden. Die Zulassung Der Fischer. Don Bruno Wolfgang. Die Menschen in Hinterpetzluckau sind hart und rauh. Selten nur gelingt es, ein Körnchen Liebe in dem tauben Gestein zu entdecken. Es ist dort schwer zu leben. Für Fischer freilich ist hier das Paradies. Der Pensionist Alois Stettelberger hat ein kleines Häuschen in der Rüdigerftraße. Im Winter verläßt er das Zimmer fast gar nicht. Denn eine alte Verletzung der Wirbelsäule erschwert ihm das Gehen sehr. Er ist ein riesiger Mann und durch das viele Sitzen noch umfangreicher geworden. Seine kleine, rundliche Frau betreut ihn wie eine Gluckhenne. Wenn das Frühjahr kommt, wird der alte Stettel- berger unruhig. Da muß die Frau das Fischzeug vom Boden holen, die Stöcke und Schnüre überprüfen, das kleine Blechgefäß für Köderfische Herrichten, ein größeres für die allenfalls zu fangenden Fifche und eine Zigarrenschachtel für die Würmer. Schwitzend sticht sie im Garten die Erde um und sammelt die Würmer. Stettelberger sitzt auf seiner Bank und sagt: „Nur fest, Alte, das bringt das Blut durcheinander. Sie haßt die Fischerei, aber sie sagt kein Wort und trägt diese Last demütig mit den andern. Um halb vier Uhr früh ift Abmarsch. Auch wenn es leicht regnet. Das stört den Stettelberger nicht. Es ist eine gute Stunde bis zum G'schirrwasfer, wo die besten Fische sind, und wo der Sage nach ein Huchen von 30 Kilogramm steht, der bisher noch jede Angel abgerissen hat. Stettelberger braucht für diesen Weg zwei Stunden. Er ist dunkelrot im Gesicht, wenn er ankommt. Aber trotzdem geht er sofort ans Werk. Seine Frau zieht ihm die Schuhe aus und krempelt ihm die Hofen bis über die Knie hinauf. Dann geht er an dem steil abfallenden Wurf über die wackligen Steine fo weit als möglich vor, fo daß er mit den Füßen schon im kalten Wasser steht, dann wirft er die Angel aus und sagt zu seiner Frau: „Und jetzt, Rest, halt's Maul." So vergeht Stunde um Stunde. Frau Stettelberger fitzt im Gras, und die Feuchtigkeit kriecht ihr durch die wollenen Hofen bis in die Seele. Wenn sie seufzen dürfte, würde sie es tun. Daheim liegt die Wäsche zum Bügeln und Flicken, es ist nicht abgestaubt, und die Fliegen machen jetzt ungestört ihre schwarzen Punkte auf die weißen Vorhänge. Es ist ein schweres Leben. Sie denkt: „Hoffentlich vermacht er's nächste Jahr mit die Füß nicht mehr. Dann wird Ruhe fein." Aber der alte Stettelberger hat Riefenkräfte. Und wenn's drei Stunden dauert, er kommt doch hin. Noch nie — das könnte die Frau beschwören, wenn sie dürfte — hat er einen Fisch herausgezogen. Aber er wird einmal den Riesen-Huchen kriegen. Das weiß er, das ist fein Glaube. Doch er hat noch nie etwas anderes gekriegt als einen Riefenschnupfen. Und wieder sind sie ausgerückt. Schwer ist's gegangen. Er war schon fast blau im Gesicht. Die Frau zwickt es furchtbar im Kreuz, aber sie muß es verschweigen. Da steht er nun stundenlang, die Sonne ist schon tief. Plötzlich reckt er sich auf, die Augen treten ihm heraus. „Pst", macht er, „er ift da." Die Hände beginnen ihm zu zittern und wohl auch die Beine. Er sucht festeren Stand, da kippt ein Stein ganz wenig, und schon wälzt sich der Stettelberger in seiner ganzen Mächtigkeit ins Wasser. „Verfluchtes Luder", gluckst er noch. Meint er den Fisch oder die Frau? Sie springt hin und erwischt ihn gerade noch bei der Ferse. Die Angelschnur hat sich in den Kleidern des Mannes verfitzt. Sie zieht und zieht, er erwischt einen festen Block, die Beine tasten nach einem Halt. Es gelingt; endlich hat er sicheren Stand. Schwer pustend und triefend kriecht er auf allen Vieren aus dem Wasser. „Saudumm", keucht er, „jetzt ift er weg. Ich hab' ihn g'fehn." Spät nachts kommen sie endlich daheim an. Stettelberger muß sofort ins Bett, feine Frau macht ihm Umschläge und kocht einen Kamillentee. In der Eile hat sie das verdammte Fischzeug ins Vorzimmer hingeworfen. Die Gefäße sind aufgegangen. Die Köderfischchen Hüpfen auf dem Fußboden, und die Würmer schleichen leise unter die Möbel. Am nächsten Morgen fühlt sichrer Stettelberger recht schwach. „Ich glaub', Rest", sagt er, „mit dem Fischen ist's aus." „Gott sei Dank!" erwidert die Frau. „Ich bin zufrieden. Ich hab wenigstens einen mit 110 Kilo her- äusgezogen. Und einen rechten Stockfisch noch dazu." Der Stettelberger versucht ihr mit seiner mächtigen Hand hinten eins herüberzuziehen. Aber er ist zu schwach. „Der Huchen!" stöhnt er. Das ist sein großer Schmerz. Denn er hat ihn gesehen. Im nächsten Jahre zieht der Förster bei tiefem Wasferstand an dieser Stelle ein altes Faltboot aus dem Wasser. Vielleicht war es der berühmte Huchen. Doch der Stettelberger erfährt es nicht mehr. Er ift schon im Paradies, wo der Fischer, auf weichen Wolken sitzend, aus dem leuchtenden Aethermeer himmlische Fische angelt nach Herzenslust. Der verdrehte Büchmann. Es ist merkwürdig, wie viele gerade der beliebtesten „Zitate" falsch zitiert werden. Sehr häusig hat ein Dichterwort im Volksmund, sei es aus Gedächtnisschwäche oder um es mundgerechter zu machen, manchmal auch um des Witzes willen Umformungen und Veränderungen erfahren, bis es in einer Prägung allgemein verbreitet ift, die sich von dem ursprünglichen Text öfter sehr weit unterscheidet. Büchmann wird also verdreht, seine „geflügelten Worte" haben längst nicht mehr die Genauigkeit, mit der sie dieser Vater der Zitatenkunst aufzeichnete. So sagt man allgemein „Dem Glücklichen schlägt keine Stunde", aber bei Schiller heißt es im dritten Akt der „Piccolomini": „Die Uhr schlägt keinem Glücklichen." Wir zitieren allgemein: „Laß, Vater, genug sein des grausamen Spiels", aber in Schillers „Taucher" steht „das grausame Spiel". Ebenso wird stets jene komische Stelle aus Müllners Schicksalsdrama >/D1e Schuld" falsch angeführt. Es heißt nämlich nicht „Erkläret mir, Graf Oerindur, doch diesen Zwiespalt der Natur", sondern: „Und erklärt mir, Oerindur, diesen Zwiespalt der Natur." Bisweilen ist der Wunsch, einen ursprünglich unrhythmischen Ausspruch rhythmischer zu gestalten, an diesen Veränderungen schuld. Allgemein sagt ntan: „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan", in Schillers „Fiesko" aber lautet die Stelle im dritten Akt umständlicher: „Der Mohr hat feine Arbeit getan, der Mohr kann gehen." Ebenso ist ein bekanntes Zitat aus dem „Don Carlos" etwas vereinfacht worden. Es wird nämlich stets zitiert: „Der Knabe Karl fängt an, mir fürchterlich zu werden", während in der sechsten Szene des ersten Aktes des Schillerschen Dramas dem spanischen Hofzeremoniell entsprechend „Don Karl" steht. In manchen Fällen verliert eine Aeußerung, die aus dem Zusammenhang gerissen ist, ihre eigentliche Bedeutung. Bei Goethe lautet im „Westöstlichen Divan" die Aufforderung an die Huri, die vor dem Paradies Wache hält: „Nicht so vieles Federlesen, laß mich immer nur herein, denn ich bin ein Mensch gewesen, und das heißt ein Kämpfer fein." Heute wird vielfach zitiert: „Machet nicht viel Federlesen, schreibt auf meinen Leichenstein", wobei die ursprüngliche Situation des Gedichtes vollkommen vergessen ist. Eine ungenaue Anführung ist auch das Zitat aus dem berühmten Monolog Hamlets in der Übersetzung Schlegels: „Von des Gedankens Blässe angekränkelt." Die Verse heißen richtig: „Der ange« borenen Farbe der Entschließung wird des Gedan« kens Blässe angekränkelt." Neben dieser unabsichtlichen Entstellung bekannter Aussprüche^ gibt es aber auch bewußte Umformun« gen, die meistens zu komischen Zwecken vorgenommen werden. Wer ahnt heute noch, daß bas oft ver. wendete Wort: „Wo du nicht bist, Herr Organist, da schweigen alle Flöten", aus einem Kirchenlied stammt, und zwar aus der zweiten Strophe eines Gesanges des Barockdichters Erdmann Neumeister? „Herr Jesu Christ, wo du nicht bist, ist nichts, was mir erfreulich ist." Da hat der unbekannte Weiterdichter fchon recht selbstherrlich gehandelt, und ähn« 'lief) ift es mit andern komisch verdrehten Zitatem Wenn die bekannten Worte aus Goethes Ballade „Der König von Thule" umgestaltet werden und man statt „Die Augen gingen ihm über, so oft er trank daraus", sagt: „So oft trank er daraus", so ift das eine absichtliche Verballhornung des Dich« fers, um eine komische Wirkung zu erzielen. C. IG Oos Lamm auf dem Tornister. In einer Abhandlung über die in der heutiges Medizin häufig und erfolgreich ausgeführte Bluttransfusion geht der Münchener Gelehrte Dr. Fritz Schörcher auch auf die Anfänge dieses Verfahrens ein. Er erzählt im Oktoberheft von Beilagen 6c Klafings Monatsheften, daß man im Kriege 1870/71 schon siebenunddreißio Bluttransfusionen mit gutem Erfolg ausführte. Doch wurde noch damals von ärztlicher Seite empfohlen, ein Lamm, dem die Halsschlagader frei gelegt worben war, auf dem Tornister mit in die Schlacht zu nehmen. Da auch bei Transfusionen von Mensch zu Mensch Zwischenfälle nicht ausblieben, wurde immer wieder auf die Transfusion mit Schafblut zu- rütfgegriffen. Auf dem Chirurgenkongreß 1874 in Berlin berichtete Hasse über Transfusionen mit Hammelblut. Damals wurde während der Tagung der Witz erzählt, daß zu einer Bluttransfusion bm Schafe gehörten, eines als Spender, eines als Emp« jünger und eines, das die Transfusion ausführt- (Strafkammer Gießen. Der W. M. in Bad-Nauheim war wegen Kuppelei angeklagt. Es wurde ihm zur Last gelegt, im Juni in Bad-Nauheim aus Eigennutz der Unzucht Vorschub geleistet zu Haden. Dem Antrag des Anklagevertreters entsprechend wurde der Angeklagte zu einer Gefängnis st rase von drei Monaten verurteilt. Der Angeklagte ist zwar vorbestraft, die Vorstrafen liegen aber auf anderem Gebiet. Dies wurde strafmildernd berücksichtigt. Direktor Strasburger f. LPD. Frankfurt a. M., 8. Okt. Am 5. Oktober st a r b in Frankfurt a. M. der Vorsitzende des Vorstandes der Bäuerlichen Hauptgenossenschaft Rhein-Main-Neckar, Direktor Joseph Strasburger, nach mehr als 25jähriger Tätigkeit im Dienste des genossenschaftlichen Warengeschäfts. Mit dem Verstorbenen ist ein unermüdlicher Förderer des rhein-mainischen Genossenschaftswesens dahingegangen, der sich um den Aufbau und die Entwicklung der Bäuerlichen Hauptgenossenschaft große Verdienste erworben hat. Schweinemarkt ia Buhbach. * Butzbach, 8.Okt. Der heutige Schweine- markt war mit 338 Ferkeln zum Verkauf beschickt. Es kosteten bis zu sechs Wochen alte Ferkel 11 bis Abschießen des Gießener SchühenvereinS. Der Gießener Schützenverein hielt am Wochenende als Abschluß seiner Sommertätigkeit das Absckießen ab. Dabei wurden fünf Ehrenscheiben ausgeschossen. Die Beteiligung war gut Mit Rücksicht auf die abwesenden Kameraden wurde auch in diesem Jahre das Schießen um die Königswürde und die Wanderbecher nicht durchgeführt. Bei der Siegerehrung im „Schützenhaus" konnte Vereinsführer Willi Georg den neu ernannten Ehrenmitgliedern Hans Hamme r m a n n, Fritz Jung und Friedrich Groß die ihnen für langjährige ehrenamtliche Mitarbeit und Treue zum Verein zugedachten Ehrenplaketten überreichen. Der Gießener Schützenverein hat auch im abgelaufenen Jahre wieder eine große Anzahl von Meisterschaften hei den Unterkreis- und Kreis- Herbst-Vezirksspiellag im Iaustbali und Korbball. Auf der Spilburg in Wetzlar. 13 RM., sechs bis acht Wochen alte 13 bis 16 RM., acht bis zehn Wochen alte 16 bis 20 RM. pro Stück. Nach flottem Handelsgeschäft verblieb Ueber- stand. Landkreis Gießen. Z S t e i n b a ch, 9. Okt. Morgen, am 10.10., feiert der Landwirt Karl Nicolaus IV. in guter Gesundheit seinen 7 5. Geburtstag. Dem Jubilar unsere herzlichen Glückwünsche. # Mainzlar, 8. Okt. Der Schlosser Balthasar Schneider aus Sichertshausen konnte auf eine 25jährige Tätigkeit in den hiesigen Didier-Werken zurückblicken. Aus diesetn Anlaß wurden dem Jubilar von dem Betriebsführer, dem Betriebsobmann und den Arbeitskameraden mit herzlichen Glückwunschansprachen Jubiläumsgeschenke überreicht und dabei seine vorbildliche kameradschaftliche Verbundenheit mit der Betriebsgemeinschaft hervorae- hoben. — Die in unserer Gemarkung eingebrachte Flachsernte wurde dieser Tage auf dem hiesigen Bahnhof zum Versand an die Flachsrösterei verladen. Dabei wurde noch einmal die Erinnerung lebendig an die zahlreichen Helfer in unserem Orte, die bei der Aussaat und bei der Pflege, sowie bei der Ernte des Flachses wacker Hand angelegt und sich dadurch in vorbildlicher Weise in den Dienst der Gemeinschaft gestellt haben. wettkampfen erringen können. Bei dem Abschießen wurden vier Hebungen mit dem Wehrmanngewehr und eine mit Kleinkaliber ausgetragen. Nach der Siegerehrung machte der Vereinsführer darauf aufmerksam, daß die Winterarbeit bereits am Montag mit dem Zimmerstutzenschießen beginnt. Die Ergebnisse: Wehrmannbüchse (175 m auf die 40er-Ring- scheibe): 1. (stehend freihändig): Sieger: Heinrich Appel; 37 Ringe; 2. Georg Schilling, 36 Ringe, 3. Hans Wessels, 27 Ringe. 2. (kniend): Sieger: Willi Georg, 36 Ringe (Stechschuß 34); 2. Hans Wessels, 36 Ringe (Stechschuß 33); 3. H. Georg Schmidt, 33 Ringe. 3. (liegend freihändig): Sieger: Hans Wessels, 31 Ringe; 2. Adolf Möhl, 30 Ringe; 3. W. Schwinn, 27 Ringe. — Wehrmann: Sieger: Konrad Dreyer. KK.: Sieger: Adolf Möhl. von Kriegsgefangenen schließt die Verpflichtung ein, nur Fahrten zwischen Hof und Acker oder Arbeits- stelle vorzunehmen. Den landwirtschaftlichen Betriebsführern wird empfohlen, den Antrag auf Zulassung von Kriegsgefangenen zur Führung von Zugmaschinen der Zulassungsbehörde nur mit einer entsprechenden Bescheinigung des Kreisbauernführers zuzuleiten. Der erste Abend im Konzertring. Im Konzertring A findet äm morgigen Donnerstag, 10. Oktober, das 1. Symphoniekonzert im Theater statt. Das Städtische Orchester spielt unter Leitung von Professor Temesväry Beethovens „Coriolan"-Ouvertüre und die 2. Symphonie in D-dur von Brahms, wohl die freundlichste (in Pastoralstimmung) der Symphonien des Meisters, die 1876 im Pörtschad am Wörthersee, also in herrlicher Gegend, entstand und 1877 in Wien ihre Erstaufführung mit durchschlagendem Erfolg erlebte. Als Solist des Abends lernen wir den jungen, hoch- begabten Pianisten Konrad Hansen aus Berlin kennen, wacher das d-woll-Klavierkonzert op. 23 von Peter Tschaikowsky spielen wird. Es ist dasjenige Werk, welches wie die Symphonie pathetique den Komponisten populär gemacht hat. Das Konzert ist seit 1908, wo es der damals noch jugendliche Wilhelm Backhaus unter Professor Trautmann im Konzertverein spielte, nicht mehr gebracht worden. Das Programm wird viele Musikfreunde interessieren. Gießener Schlachtviehmarkt. Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtoieh-Verteilungsmarkt) in der Viehverstei- gerungshalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 41 bis 45,5 Rpf., Bullen 42, Kühe 16 bis 46, Färsen 39 bis 44,5, Kälber 30 bis 57, Hämmel 15 bis 3tz Rpf. je Yi kg Lebendgewicht; Ziegen 12 bis 28 RM. pro Stück. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise erzielt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,14 RM., bl (135 bis 149,5 kg) 1,14, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,12, c (100 bis 119,5 kg) 1,08, d (80 bis 99,5 kg) 1,02, e—f (unter 80 kg) 0,98, gl (fette Specksauen) 1,14, i (Altschneider) 1,12, g2 (andere Sauen) 1,02, h (Eber) 1,02 RM. Marktverlauf: Stiles zugeteilt. ♦ ** Kriegsauszeichnung. SA.-Sturmfüh- rer Bauer von der SA.-Standarte 116, der als Unteroffizier den Feldzug im Westen mitgemacht hat und bei Amiens schwer verwundet wurde, ist für Tapferkeit vor dem Feinde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet worden. ** Ein folgenschwerer Unglücksfall ereignete sich am gestrigen Dienstagabend in einer hiesigen Familie. Dort bereitete der bei der Wehrmacht stehende Mann seine Rückfahrt zur Front vor. Dabei hatte er u. a. seinen Dienstrevolver für einen Augenblick auf den Tisch gelegt. Unglücklicherweise griff das für einen Moment unbeachtet gebliebene zwei Jahre alte Söhnchen nach der Waffe, riß sie vom Tische herab und kam dabei an den Abzug. Im gleichen Augenblick krachte der Schuß, dessen Kugel dem bedauernswerten Kinde durch den Bauch ging und noch die in der Nähe stehende Mutter am rechten Fuß traf. Kind und Mutter mußten sofort nach der Chirurgischen Klinik verbracht werden, wo bei dem Bübchen eine sofortige Operation notwendig war, während die Mutter nach ärztlicher Hilfeleistung wieder nach Hause zurückkehren konnte. Dem Bübchen geht es den Umständen entsprechend leidlich gut. Amtsgericht Gießen. Der K. W. in Gießen war wegen fahrlässiger Brandstiftung angeklagt. Er wurde beschuldigt, am 18. April in einem Betrieb durch Fahrlässigkeit in einem Raume einen Brand verursacht zu haben. Der Angeklagte bestritt die gegen ihn erhobene Anschuldigung unb betonte, er habe in dem fraglichen Raume nicht geraucht und darin auch kein Streichholz angezündet. Der Anklagevertreter beantragte eine Gefängnisstrafe von drei Monaten. Der 23ertei-biger beantragte Freisprechung mangels Beweises. Der Angeklagte wurde freigesprochen. Es gibt wohl wenig Spiele, die in ihrer technischen vollkommenen Vorführung vom Wetter so abhängig sind, wie das Faustballspiel. Daher hatten auch alle Freunde dieses Spieles am Freitag gehofft, sie könnten sich auf die Wetterregel: „Freitagswetter Sonntagswetter" verlassen. Leider mar dem nicht so. In der einen Grupve, in der T v. 1846 Gießen, Turnverein Oberndorf und Polizei Hanau spielten, belegte Gießen mit 56:20 gegen Oberndorf und mit 39:3Q gegen Hanau den ersten Platz und Hanau mit 44:24 vor Oberndorf den zweiten. In der anderen Gruppe befanden sich 4 Mannschaften, von denen sich Turnverein Wetzlar knapp mit 32:29 gegen Herborn auf den 1. Platz bringen konnte. Gegen P olizei Gießen gewann Wetzlar mit 38:32 und gegen NSRL.-Ortsgruppe Gießen 40:28. Herborn gewann gegen Polizei Gießen mit 33:26 und gegen NSRL.-Ortsgruppe Gießen mit 40:32. Die Gießener Drtsgruppenmann» schäft konnte ihr Spiel gegen Polizei Gießen mit 34:31 für sich entscheiden. In der darauf folgenden Zwischenrunde konnte Gießen gegen Herborn mit 49:25 das Spiel für sich entscheiden und Hanau gegenüber Wetzlar mit 43:26. Es folgte nun das Spiel um den 3. Platz zwischen Herborn und Wetzlar, das von Herborn mit knappem Vorsprung 37:34 gewonnen wurde. So blieb am Nachmittag noch das Spiel um den 1. und 2. Platz auszutragen, das Gießen 1846 wiederum überlegen mit 45:25 für sich entschied. Der Turnierleiter Dr. Loh konnte daher der Gießener Mannschaft die Wanderpreisplakette des Bezirksführers überreichen. Da Hanau lediglich als Gast des Turnvereins Wetzlar an den Spielen teilnahm, gilt als 2. des Bezirksspieltages Herborn 1846, als 3. Turnverein Wetzlar. Als die Faustballer am Vormittag ihre Vorrunde beendet hatten, traten sie zusammen mit 6 Korbballmannschaften zu der Begrüßungsansprache des Kreisführers im NSRL. Kreis Wetzlar, H a e ge an. Hierauf lösten die Korbballspiele für Frauen die Faustballer ab. In den Vorrundenspielen der beiden Gruppen gab es einige Überraschungen. Zunächst gewann zwar Tv. Wetzlar L wie erwartet gegen Heuchelheim mit 5:0 und gegen M tv. Gießen II. ebenso überlegen mit 8:1 Aber schon das Spiel Mtv. Gießen II. gegen Heuchelheim brachte einen derart ausgeglichenen Kampf, daß zwei Verlängerungen nötig waren, um eine Entscheidung herbeizuführen, die dann von Heuchelheim mit 3:2 errungen wurde. Das erste Spiel der anderen Gruppe brachte die Ueberraschung, daß es Mtv. Gießen gelang, Turngemeinde Hanau mit 1:0 zu schlagen. Diesen beiden Spitzenmannschaften konnte trotzdem die Wetzlarer 2. energischen Widerstand entgegensetzen und verlor nur knapp nut 2:3 gegen Hanau, gegen Gießen dagegen mit 1:4. So standen sich in der Zwischenrunde die Wetzlarer I. und Hanau gegenüber. In diesem Spiel zeigte Hanau wieder sein altes Können und gewann mit 4:2. Heuchelheim verzichtete auf das Spiel gegen Gießen I. So hätten sich in der Endrunde Hanau und MTv. Gießen treffen müssen. Da aber die Hanauer Spielerinnen ebenfalls als Gäste anwesend waren und es galt, eine einwandfreie Entscheidung innerhalb der Bezirksmannschaften des Bezirkes Gießen herbeizuführen, wurde das Endspiel zwischen Mtv. Gießen I. und Tv. Wetzlar I. angesetzt. Die Wetzlarer Spielerinnen zeigten, daß sie von beiden Mannschaften die größere Spielerfahrung haben, und konnten mit 4:2 die Mtv.- Mannschaft von dem 1. Platz ausschalten. Zu gleicher Zeit trugen Hanau und Heuchelheim noch ein Freundschaftsspiel aus, in dem sich die Heuchelheimer Spielerinnen, die offensichtlich aus den Spielen des Vormittags viel gelernt hatten, sehr gut gegen den Gaumeister verteidigten, sodaß dieser nur mit 5:2 gewann. Zum Schluß der Veranstaltung überreichte Bezirksobmann Dr. Pfeffer der Wetzlarer Turnerinnenmannschaft die Wanderpreisplakette des Bezirksführers. Nun sollte sich laut Spielansetzung des Bezirks- fachwartes für Handball, A. Luh, das Verbandsspiel Krofdorf — Wetzlar, das bereits das Rückspiel darstellte, anschließen. Beim Anpfiff des Schiedsrichters trat jedoch nur die Wetzlarer Mannschaft an, während Krofdorf ohne Entschuldigung dem Spiel fernblieb. Damit fielen Wetzlar kampflos die Punkte zu, sehr zum Leidwesen der Mannschaft, die sich ausgerechnet an diesem Tage durch auf Fronturlaub weilende Spieler aus der alten Gaumeistermannschaft hatte verstärken können. llm die Kriegserinnerungsplakette, Steinbach L — Slein-Llnden L 2:0. Die Gäste aus Klein-Linden traten zu diesem Spiel mit stärkster Mannschaft an. Der Gastgeber hatte 2 Urlauber zur Verfügung und konnte dadurch in starker Aufstellung sein zweitletztes Spiel um die Kriegserinnerungs-Plakette sicher gewinnen. Das Spiel begann in sehr flottem Tempo, beide Tore wurden hart bedrängt. Nach schönem Durchbruch der Einheimischen konnte der Linksaußen feine Mannschaft in der 4. Minute durch einen prächtigen Schuß in Führung bringen. In der 10. Minute war es wieder der Linksaußen von Steinbach, der einen mächtigen Pfostenschuß losließ. Die Mannschaft von Klein-Linden machte Angriff auf Angriff, die aber alle an der guten Verteidigung des Gegners scheiterten. Fünf Minuten vor Halbzeit war es der Mittelstürmer Deuker, der die Einheimischen durch ein schönes Tor weiter in Führung bringen konnte. Auch die zweite Halbzeit begann in sehr scharfem Tempo, außer einem Lattenschuß von dem Halblinken Stürmer Größer und einigen Eckbällen wurde aber nichts erreicht. Hervorzuheben ist die Leistung des Steinbacher Tormanns, der es Klein-Linden nicht möglich machte, das verdiente Ehrentor zu schießen. Grünlngen — Hungen 1:4 (0:2). In Grüningen sah man einen erbitterten Kampf, der sogar in der zweiten Spielhälfte mehr wie hart wurde. Man darf dem Leiter dieses Spieles keinen Vorwurf machen, denn er machte es so gut wie möglich. Der Schiedsrichter war wieder einmal ausgeblieben, ein Uebelstand, der unbedingt vermieden werden muß. Hungen war im ganzen Spiel überlegen und konnte bereits vor dem Wechsel zweimal einschießen. Nach der Pause wurde das Spiel sehr hart, die Gäste ließen sich nicht beirren und schossen zwei weitere Tore. Für die Platzherren reichte es gerade zum Ehrentor. Tabellenstand nach dem 6.10. Spiele Gew. Unentsch. Verl. Pkte. Steinbach 7 6 0 1 12:2 Heuchelheim 6 4 0 2 8:4 Hungen 5 3 0 2 6:4 Klein-Linden 7 3 0 4 6:8 Grüningen 7 0 0 7 0:14 43. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Nach dem Sachverständigenurteil stammen die die Nachricht, Käte Weber Roman von Helene Kalisch Copyright 1939 by Prometheus -Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München Die Verhaftung Heidenreichs ist mit der Bergholz am Abend zu kommt. Der junge Mann hat ein Fach des Schreibtisches aufgeschlossen und einen flachen schwarzen Kasten daraus hervorgeholt. Ohne den heftigen Protest Heidenreichs zu beachten, reicht er ihn dem Kriminalrat. Der öffnet ihn und entnimmt ihm^ vorsichtig eine Pistole. Er nimmt den Geschoßrahrnen heraus. Drei Patronen sind noch darin, eine steckt im Lauf, zwei fehlen. Eine Minute des Schweigens vergeht. Heidenreich steht, macht fahrige Bewegungen mit den Händen und stammelt Unverständliches. Der Kriminalrat reicht die Waffe samt der Hülle dem Kommissar. „Mitnehmen!" bestimmt er. Dann wendet er sich zu Bergholz und reicht ihm die Hand. „Ich danke Ihnen für Ihr schnelles Kommen und Ihren weiteren Beitrag zur Aufklärung des Verbrechens, Herr Doktor! Leider kann ich Ihnen nicht den Wagen zur Rückfahrt lassen; ich brauche ihn selbst." — beiden kleinen Geschosse, die Dietmuthe Röhls Leben vernichteten, aus der Pistole, die im Arbeitszimmer Herdenreichs beschlagnahmt worden ist. Es ist auch noch ein Brief von Kläre Springer an ihn hefunden worden, der wenige Tage vor dem Morde geschrieben worden ist. Die Springer klagt darin über die Launenhaftigkeit und Unberechenbarkeit ihrer Herrin. „Es ist jetzt wieder eine kritische Zeit", heißt es in dem Brief. „Heute kam sie verärgert von der Probe. Die Rolle der Mona Lisa, für die sie sich seit langem vorbereitet hat, ist einer anderen Sängerin übertragen worden. Bei Tisch war sie melancholisch und machte die Bemerkung, es wäre vielleicht das beste, sich in den Hafen einer bürgerlichen Ehe zu retten. Ueber meine Entgegnung, sie könne das ja jederzeit, Herr Heidenreich warte schon lange, daß sie sich scheiden lasse und in die Heirat mit ihm willige, lachte sie erft Dann sah sie mich böse an und sagte: ,Du bist verrückt, Kläre, daß du mir immer wieder mit dieser Zumutung kommst! Ich will doch feine Ruine heiraten! Dann doch lieber Mann wie Doktor Bergholz/ Eine spottende rfung, die ich über diesen unbedeutenden hen machte, erboste sie. Sie machte mir Vorwürfe und fragte mich, welche Absichten ich eigentlich damit verfolge, immer gerade die Männer herabzusetzen, die ihr gefielen. — Ich schreibe Ihnen dies", geht es in dem Brief weiter, „damit Sie im Bilde sind. Diese merkwürdige Schwäche Dietas für den Zahnarzt scheint noch immer nicht völlig überwunden zu sein." Dann kommen Sätze in dem Brief, die sich auf die Spielleidenschaft der Sängerin beziehen. Die Schreiberin erwähnt die großen Opfer, die der Empfänger bereits gebracht habe, und gibt ihrer Besorgnis Ausdruck, daß diese selbst für ihn mit der Zeit untragbar werden können ... ,Hch kann mir nicht helfen: etwas in diesem Brief klingt unecht; da sind falsche Töne angeschlagen", sagte der Untersuchungsrichter Landgerichtsrat von Hanke, dem der Kriminalrat den Brief vorlegt. „Die Person intrigiert, das ist klar", entgegnet dieser darauf. „Ihr Verhalten ist verdächtig, wenn sie auch an der Tat selbst unbeteiligt war. Aber sie hat versucht, eine Hausangestellte zum Verschweigen eines hochwichtigen Umstandes zu bewegen — des Umstandes, der ein neues Licht in das Dunkel der Vorgänge warf und nun ja auch zu dem Geständnis Heidenreichs geführt hat. Ich lasse die Springer ebenfalls in Haft nehmen." ,Hm ... Es ist geradezu ungeheuerlich, wie die beiden Personen versucht haben, den Doktor Bergholz hineinzulegen! ... Uebrigens: Sie sagten, Heidenreich sei Morphinist, Herr Kriminalrat. Sein Geständnis ist mithin Folge eines Nervenzusammenbruchs?" „Einesteils ja. Aber der Druck der gegen ihn vorliegenden Beweise war doch stark genug. Man dürfte es einstweilen als Teilgeständnis werten. Manches bleibt noch unklar." Der Untersuchungsrichter nickt. „Da fehlt uns noch der Tjaden zur restlosen Aufklärung. Haben Sie noch keine Spur von ihm?" „Wohl die Spur, aber ihn noch nicht. Doch darüber bin ich nicht in Unruhe. Nach der Aussage des Fuhrmanns Pahl, bei dem Tjaden wohnte, hat dieser öfters die Absicht geäußert, einmal fein Heimatdorf an der Nordseeküste aufzusuchen. Diese Friesen zieht es dorthin, und die Richtung hat er eingeschlagen." ♦ Der völlig zusammengebrochene Heidenreich, der sich in ärztlicher Beobachtung befindet, hat gestanden, Dietmuthe Röhl erschossen zu haben, als er sie vor dem fremden Eindringling schützen wollte. Diesen hatte er treffen wollen. „Auch Doktor Bergholz ist um die Frau zu schützen, auf den Mann > zugetreten, ist von dem ehemaligen Meisterboxer niedergeschlagen worden", sagt der ihn verhörende Beamte. „Sie gebest zu, Bergholz gesehen zu haben. Sie waren ja im Nebenzimmer, waren nach ihm gekommen, hatten seine Ueberkleider in der Diele hängen sehen. So waren sie zwei gegen einen. Mußte da geschossen werden? Die Getötete ist von zwei Kugeln getroffen worden! Wie kam das?" „Ich war sehr erregt", entgegnet Heidenreich. ,Lch drückte zweimal kurz hintereinander ab, ohne daß es mir bewußt wurde. Der Mann, hinter dem-ich stand, machte im gleichen Augenblick eine seitliche Bewegung, indem er nach Bergholz schlug. Dadurch ... traf ich ... Frau Röhl." Auf weiteres Befragen gibt Heidenreich an, wie er, als er Frau Röhl vornüberstürzen und Bergholz ein paar Schritte tun, dann gleichfalls zu Boden fallen fah, die Tür zuzog und den darin steckenden Schlüssel umdrehte. Dann fei er in die Diele hinausgelaufen, habe seine Sachen vom Riegel genommen und sei auf den die Schritte dämpfenden Läufer zum Hinterausgang der Wohnung geeilt, die zur Treppe im Seitenflügel des Hauses führte. Dort habe er Stimmen gehört. Die Köchin stand im oberen Stockwerk wohl im Gespräch mit jemandem. „Da muß doch irgendwo geschossen worden sein", hörte er sie sagen. Mit feinen Sachen im Arm fei er sehr leise und hastig die Treppe hinabgeeilt und habe am Hofausgang ein paar Minuten gewartet, weil er den Hauswart nach dem Vordertor gehen und dort stehenbleiben sah. Da er wußte, daß der Hauswart im Erdgeschoß des Seitenflügels wohnt, habe er sich, um nicht von ihm bemerkt zu werden, hinter einer Fliederhecke im Hofgarten versteckt. Nachdem der Mann dann in seine Wohnung gegangen war, habe er das Haus verlassen und sei in feinem Wagen weggefahren. Daß triefe Darstellung der Wahrheit entspricht, wird angenommen. Doch auf die Frage, warum er die Pistole mit in die Wohnung der Künstlerin genommen habe, bleibt Heidenreich die Antwort schuldig. Ebenso auf die, warum er dem Eindringling, in dem er einen Einbrecher vermutete, nicht mit der Waffe in der Hand entgegengetreten sei — zumal er sich nicht allein, sondern Bergholz anwesend wußte. „Wollten Sie etwa Dottor Bergholz totschießen?" wird gefragt. „Nein! Nein!" ruft er heftig abwehrend. „Ich kann mich nicht mehr klar an meine Gedanken und Empfindungen vor dem Unglück erinnern! Ich ... wußte doch auch nicht, als ich mich zu Frau Röhl begab, daß ich dort Doktor Bergholz antreffen würde!" Später aber widerspricht sich Heidenreich in dieser sowie auch noch in mancher anderen Behauptung. Mehr und mehr verliert er die Nerven und mutz schließlich zugeben, daß er doch von dem Besuch Bergholz' bei Frau Röhl unterrichtet war. , „Durch Fräulein Springer?" fragt der Beamte. Er hat nur eine Vermutung ausgesprochen, die Heidenreich aber als festgestellte Tatsache nimmt und bejaht. Er gibt den Inhalt eines Telephongesprächs mit der Springer wieder. Sie hatte ihn gegen sechs Uhr angerufen und erzählt, sie habe eben Frau Röhls Anruf bei Doktor Bergholz belauscht und die Aufforderung gehört, daß er sie besuchen solle, sie sei allein. „Ich selbst muß fort und kann das nicht mehr ändern; habe auch die Empfindung, als wünsche Dieta mein Fortgehen. Also bitte, kommen Sie, Herr Heidenreich! Es ist äußerst nötig. Kommen Sie und bereinigen Sie die Sache endgültig!" hatte ihn die Springer aufgefordert. „Und dem sind Sie gefolgt ... mit der Pistole in der Tasche ...?" Hier erregt sich Heidenreich. Sein Kopf, fein ganzer Körper zittert. „Ich kann nur widerholen: Ich weiß nicht, warum ich die Waffe einsteckte! Vielleicht wollte ich Doktor Bergholz warnen — oder drohen ..." „Mit der geladenen Pistole? ..." Am nächsten Morgen wird Heidenreich tot aufgefunden. Er hatte sich erhängt. Es ist am Tage, an dem Dietmuthe Röhl bestattet wttd. — In den Zeitungen ist noch nichts von feiner Verhaftung bekanntgegeben worden. Viele wundern sich, ihn bei der Bestattung nicht zu sehen. Aber noch unbegreiflicher erscheint allen, die der toten Künstlerin näherstanden, die Abwesenheit der Springer — weiß man doch, wie sie schmerzbewegt und in tiefer Trauer die Belleidsbezeigungen entgegengenommen hatte. Bereits vor.und unmittelbar nach dem Begräbnis tauchen die sonderbarsten, teils sich widersprechenden Gerüchte auf, und dem Sensationsbedurfnis wird noch immer wieder neue Nahrung gegeben. 3n Sörfenfreifen ist es kein Geheimnis, daß Heidenreich im letzten Jahr die Sicherheit und Schlagkraft eingebüßt hat, mit der er früher feine Geschäfte tätigte. ,Er ist alt geworden, oder er hat die Nerven verloren*, urteilt man. Einige tuscheln sich ihre Vermutungen flüsternd zu, die nach ihrer Ansicht zum Versagen der einst so bedeutenden kaufmännischen Fähigkeiten Hetdenreichs führten. Es waren zuletzt weniger feine Geschäfte, die er betrieb, als die einer Frau, yeißt es, die vom Bühnenspiel vielleicht sehr viel, vom Börsenspiel aber wenig verstand. (Fortsetzung folgt)