190. Zahrgang Nr. 187 Gietzener Anzeiger 8reltag,y. August MO Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bi§8*/9Ubr desBormittags Anzeigen-Preife: Anzeigenteil 7 Nvf. te mm bei 22 mm Zeilenbreite, Tertteil 50 Rvf. ie mm bei 70 mm Zeilenbreite Nackläsfe: Wiederholung Malstaffel I AbschlufseMengenstafselö Platzvorschrift lvorherige Vereinbarung) 250/0 mehr Erscheint täglich, außer Sonntags und feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Iamiliendlätter Heimat imBild DieScholle Monats-Bezugsvreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr... „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsvrcchanschluk 2251 Drahtanschrift:„Anzeiger" Postscheck 11686 Frankf^M. vrühlsche UnioerfitätLdruckerei 8. £owge General-Anzeiger für Oberheffen -ietzen^chulstraher-9 Schnellboote und Luftwaffe vernichten britische Geleitzuge. 88000 BAT. versenkt. — 36 Klugzeuge abgeschoffen. — Rüstungswerke und Abwehrstellungen mit Bomben belegt. Berlin, 8. Aug. (DJIB.) 3n der Radjt vom 7. zum 8. August griffen unsere Schnellboote einen stark gesicherten feindlichen G e l e i t z u g an. Trotz heftiger Abwehr durch die begleitenden feind- lichen Zerstörer, durch andere Bewachungsfahrzeuge und durch die stark bewaffneten Dampfer selbst wurden ein Tanker von 8000 BRI„ ein Dampfer von 5000 BRT. und ein Dampfer von 4000 BRT. versenkt. Lin kleinerer Tanker wurde i n Brand geschossen. Unsere Schnellboote kehrten unversehrt zurück. Die Luftwaffe griff heule vormittag einen britischen Geteitzug im Kanal an. Dabei wurden zwölf S ch i f f e mit insgesamt 55 000 BRT. versenkt, sieben weitere beschädigt. Bei den sich hierbei entwickelnden Luftkämpfen wurden fünf britische Jagdflugzeuge abgefchoffen. Ein eigenes Flugzeug wird vermißt. Bei weiteren Luftkämpfen des Vormittags wurden 2 9 weitere Jagdflugzeuge abgeschossen. Zwei eigene Flugzeuge gingen hierbei verloren. Deutsche Flugzeuge legen Minen vor englische Häsen. Der Wehrmachtsbericht vom Donnerstag. Berlin, 8. Aug. (DRB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Eines unserer Unterseeboote hat drei bewaffnete feindliche Handelsschiffe mit über 16 000 BRT. versenkt. Deutsche Flugzeuge legten in der Rächt zum 8.8. vor mehreren englischen Häfen Minen aus und griffen verschiedene Rüstungswerke sowie Flak- und Scheinwerfer st ellungen an. So wurden in Leyland Motorenwerke, bei Ehester die Motorenwerke von Vickers-Armstrong und bei Carrick i ur.jdrmouu). \l owestoft — [Kirkley — Dist wattrft Kinoton )xford ^Newport ßerch lourg Eine Lagekarte von England zum OKW.-Bericht vom Donnerstag. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Bridlinqton • Beverley _ Abbeville $ •Newmarket I . ridne M S&Felixtowe — Lg Stamford Shwrtury ßm}AGH4M Kefferinq > ^^•KingiLvnn Wi*$bech Huntingdon 'ehester >> Newark \ Crewe* .Audley Nottingham ■extern Derby-J^ oubiw—^e IRLAND ] \ i Witklow. ------StJust Scillyis Plymouth J Portlän — BRISTOI Ueyburf ~ XOaKlBV. . kM» .Maidstone)-----■[ün.— Brvton J Aldershot Tonbridge Qp^r_ kirchefi? amstable yeovil. Exeter., -—---' ^rersEm^ßfflrnit ' m lancACer IRISCflE^^S - / *leyland U VFB PO 01 «MAI Lincoln V— = > K (HunibnCön ?WAEEE=7 Newporfr^Cardigan *-----Carmarthen Mlfcrd Haven —Pembmfä 1 nm Grztnari) Keilt Oxford, syD Peovil Flugzeugwerke, bei Plymouth Industrieanlagen, ferner Flak- und Scheinwerferslellungen bei Manchester, Eardiff, Dorchester und Plymouth mit Bomben belegt. Der Feind flog in der Rächt zum 8.8. mit einigen Flugzeugen in Rord- und Westdeutschland ein und warf Bomben, ohne wesentlichen Schaden anzurichten. In einem Essener Vorort sowie bei Datteln wurden Wohnhäuser beschädigt. Die entstandenen Brände konnten durch Einsatz des Luftschutzes schnell gelöscht werden. Eine Scheune brannte nieder. Zwei feindliche Flugzeuge wurden abgeschoffen. Italienischer Vormarsch inVriüsch-Somaliland bedroht Verbera Italienischer Wehrmachtsbericht. Rom, 8. Aug. (DRB.) Der italienische Wehr- rnachtsberichl vorn Donnerstag hat folgenden Wortlaut: Eine unserer Kolonnen, die vor drei Tagen die Grenze von Britisch-Somaliland überschritten hatte, ist am Meer angelangt und hat Zeila beseht. In O st a f r i k a haben unsere Bomberformationen den Flugplatz von W a j i r angegriffen, drei Flugzeuge am Boden zerstört und schweren Schaden und Brände an den Flugplahaulagen verursacht. Ein feindliches Jagdflugzeug wurde im Luftkampf abgeschossen. Feindliche Luftangriffe auf Di re- d a u a und M a f f a u a haben unbedeutenden Schaden angerichlet. Im östlichen M i t t e l m e e r ist ein von Kriegsschiffen begleiteter feindlicher Geleitzug von fünf Dampfern von unserer Luftwaffe mit Bomben belegt worden. Zwei Dampfer find getroffen und ernsthaft beschädigt worden. Berbera oSweina Einheit zu schaffen. Eine radikale Grenzbereinigung sei zu diesem Zweck unerläßlich. Die bisherige Austeilung sei eines der schwersten Hindernisse für die materielle und moralische Hebung der Eingeborenenbevölkerung dieses großen Raumes gewesen. Jetzt werde die Eroberung von Zeila und die bevorstehende Besitzergreifung von ganz Englisch-Somaliland die wirkliche Einheit jenes großen Raumes am Golf von Aden verwirklichen und gleichzeitig das wirtschaftliche Leben in dem vergrößerten Jtalienisch- Ostafrika heben. Außerdem aber werde Italien eine glänzende strategische Position am Golf von Aden erhalten, und damit werde eine der wichtigsten Schlüsselstellungen aus dem britischen Imperium herausgebrochen. „Popolo d'Jtalia" schreibt, ein Blick auf die Karte genüge, um die strategische Bedeutung dieser britischen Kolonie am Golf von Aden zu erfassen, die mit der Insel Perim und dem Flottenstützpunkt von Aden den Durchgang vom Roten Meer zum Indischen Ozean kontrolliere. Die Engländer hätten sich hier nur festgesetzt, um den Welthandel der anderen Völker behindern zu können. Aber Italien werde auch diese Riegelstellung aus den Angeln heben. Der Angriff auf Somaliland werde daher große Bedeutung für Europa und den ganzen Osten, wo Millionen von Arabern und Indern auf ihre Befreiung warteteck, haben. Aach der Besetzung Zeilas. Die Bedeutung Somalilands. Wichtige strategische Position am Golf von Aden. Rom, 8. Aug. (DRB.) Der Rundfunksender Bagdad meldet aus Aden, daß englische motorisierte Verbände in Britisch-Somaliland von den Italienern schwer geschlagen worden seien. Die in drei großen Kolonnen in je 100 Kilometer Abstand nebeneinander vordringenden italienischen Truppen marschieren konzentrisch auf B e r b e r a , die Hauptstadt und den einzigen größeren Hafen des Landes. Sie haben bereits teilweise die Hälfte der Strecke von der Grenze bis Berbera zurückgelegt. Die nordwestliche Kolonne hat bereits die nächstgrößte Hafenstadt, Zeila, einen nur 25 Kilometer von der Grenze Französisch-Somalilands und 50 Kilometer von Dschibuti entfernten britischen Stützpunkt, erreicht und genommen. Die Küstenstraße von Zeila nach Berbera bildet, vom Meertransport abgesehen, den einzigen Landweg. Pas von der einen italienischen Kolonne eroberte Städtchen h a g e i s a , 50 Kilometer nordöstlich der abessinischen Grenze und nur wenig mehr als 100 Kilometer von Berbera, liegt bereits weit hinter der italienischen Front. Die zweite Kolonne eilt von Oad Wei na die Flußtäler herauf ins Gebirge zur Wasserscheide des 1700 Meter hohen Gahu Nibah, der nach Norden Berbera beherrscht, und die dritte Kolonne marschiert längs der Straße Bobotleh über Garraro ebenfalls auf Berbern zu. In Aden befürchtet man den Fall Ber- beras binnen 48 Stunden. In Rom stellt man fest, daß mit der Aktion gegen Zeila und der Besetzung dieses wichtigen Hafens das Kapitel der Eingliederung von Britisch- Somaliland "in das italienische Imperium begonnen hat. Diese Aktion bezwecke, die Einheit des künstlich getrennten Somalilandes mit den Waffen herzustellen und damit aus Französisch-, Englisch- und Jtaljenisch-Somaliland eine geschlossene Der englische Rückzug. Stockholm, 8. Aug. (Europapreß.) Achtundvierzig Stunden lang haben die englischen Militärbehörden in Kairo oder aber die Londoner Regierung der Weltöffentlichkeit verheimlicht, daß die Städte Zeila, hargeisa und Odweina nicht erst am Mittwoch, sondern bereits am vergangenen Montag, also 24 Stunden nach Beginn der italienischen Offensive, von italienischen Truppen besetzt worden sind. Die Besetzung war damit bereits seit 24 Stunden Tatsache, als in einem englischen Kommunique der Beginn des italienischen Vormarsches gegen diese Stadt gemeldet wurde. In London tröstet man sich über den Verlust Zeilas, indem man erklärt, diese Hafenstadt habe man 1935 während des Abessinien-Konflikts den Italienern angeboten. Diese hätten das Angebot jedoch abgelehnt. Weniger gleichgültig spricht man über den zu erwartenden Fall der Hafenstadt Berbera. Man hegt vielmehr die ernstesten Befürchtungen, die sich aus der strategischen Lage der Stadt ergeben. Man fürchtet vor allem die Sperrung der Bucht von Aden und damit des Seeweges durch das Rote Meer. Damit wäre England gezwungen, nur noch den Weg um das Kap der Guten Hoffnung zu benutzen, um die Verbindung mit Asien und Australien aufrechtzuerhalten. Die englische Presse warnt die Oeffentlichkeit jetzt schon vor einer optimistischen Beurteilung der Lage im Mittelmeer und im mittleren Osten, sowie vor einer Unterschätzung der italienischen Wehrmacht. „Daily Mail" beispielsweise schreibt: „Tatsächlich ist, seitdem die Franzosen ausgefallen sind, General Wa- vells Aufgabe schwieriger geworden. Wir können annehmen, "daß fa st an jedem Punkt die Italiener an Mannschaften und Fliegern zahlenmäßig nahezu grenzenlos stärker sind." Das Blatt weist ferner darauf hin, daß die Italiener im Rücken keinen Gegner hätten, so daß sie alle ihre Kräfte an der ägyptischen Grenze konzentrieren könnten. Das Blatt erklärt ferner, daß in den englischen Gewässern des Mittelmeeres die britische Flotte Nachschubverstärkungen für einen machtvollen Vorstoß der Italiener gegen Aegypten und den Suezkanal nicht unbedingt verhindern könne. In England war stets behauptet worden, m einem Kolonialkrieg werde Italien nicht in der Lage sein, Eingeborenentruppen einzusetzen, weil diese das faschistische Regime haßten und die erste Gelegenheit suchten, um sich auf die englische Seite zu schlagen oder zumindest zu desertieren. Nun gibt der Londoner Rundfunk bekannt, daß die Einnahme der Stadt hargeisa in Britisch-Somaliland auch a u f den Einsatz italienischer Kolonialtruppen zurückzu führen sei, die die Truppen des Mutterlandes wirksam unter« stützt hätten. — Im übrigen bestätigt man in London, daß starke italienische Truppenbewegungen a n der ägyptischen Grenze beobachtet werden. Eine amtliche italienische Kriegsbilanr Rom, 8. August. (Europapreß.) Als Antwort auf Erklärungen Duff Coopers veröffentlichen die italienischen Blätter eine amtliche Kriegsbilanz. Danach hat die italienische Luftwaffe in den ersten 58 Kriegstagen bis zum 5. August insgesamt 285 feindliche Flugzeuge abgeschossen, während sich die italienischen V e r l u st e nur auf 45 Flugzeuge belaufen. Der feindlichen Flotte wurden folgende Verluste zugefügt: Ein Kreuzer, sieben Torpedoboote, elf U-Boote versenkt; drei Zeila. In dem gewaltigen Landblock, den sich die Italiener durch die Eroberung Abessiniens in Ostafrika geschaffen haben, waren F r a n z^ö s i sch - S 0 m a l i- land mit dem bekannten Hafen Dschibuti und das räumlich weit größere Britisch-Somaliland ein höchst unliebsam empfundener Keil, der an der strategisch wichtigsten Stelle die Küstenlinie zwischen der italienischen Besitzung Erythrea am Roten Meer und dem an den Golf von Aden vorstoßenden Zipfel von Jtalienisch-Somaliland trennte und damit Abessinien von der Küste abschnitt. Britisch-Somaliland, seiner Natur nach zum weitaus größten Teil eine von zwei Bergketten durchzogene Steppe von rund 175 OOO qkm mit etwa 350 000 zumeist nomadisierenden Eingeborenen, hat für das Empire als Gegenküste für die den Eingang zum Roten Meer beherrschende Seefestung Aden ausschließlich strategische Bedeutung. Seit 1885 ist es in englischem Besitz und seit 1898 Kronkolonie. Mit den aus östlichen hamiten, Gala und asiatischen Einwanderern gemischten Eingeborenen, die strenggläubige Mohammedaner und wegen ihrer Kriegstüchtigkeit gefürchtet sind, hat England bis zum Weltkrieg hin häufig kriegerische Konflikte gehabt. Besonders der Aufstand des „tollen Mullah", eines Derwischs, hat den englischen Besatzungstruppen seit 1899 immer wieder schwer zu schaffen gemacht. Noch im März 1914 überfielen aufständische Derwische die Küstenstadt Berbera und erst 1915 gelang ihre Vertreibung. Die italienische Besitzergreifung Somalis begann 1891 und erweiterte sich durch Grenzverträge mit Abessinien, schließlich auch durch die britische Abtretung von West-Iubaland im Jahre 1925. Das bisherige Jtalienisch-Somaliland umfaßt rd. 700 000 Quadratkilometer mit etwa 1 150 000 Einwohnern, Die wichtiaste Stadt ist M 0 g a d i s c 0 im südlichen Teil des Landes mit etwa 55 000 Einwohnern, während in Britisch-Somaliland der Hafen Berbera mit etwa 20 000 Einwohnern der wichtigste Platz ist. Weiter westlich liegt der jetzt von den Jta- lienern besetzte Küstenort Zeila mit etwa 5000 Einwohnern. Die britische Presse und der britische Rundfunk waren vorsichtig genug, schon vor der Besetzung Zeilas durch die italienischen Truppen sowohl, diesem Hafen, wie der Stadt Berbera, die auch bereits unmittelbar bedroht ist, jede Bedeutung abzusprechen, wie man auch, um das eigene Volk zu trösten und die Weltöffentlichkeit über die neue empfindliche Niederlage der britischen Waffen in Ostafrika zu täuschen, Somaliland als trostlose Wüste unb eine der wertlosesten Kolonien des Empire hin- gestellt hatte. Es ist nur seltsam, daß, als um Weihnachten 1935 der britische Außenminister Sir Samuel Hoare mit dem damaligen französischen Ministerpräsidenten Laval über eine Kompensation verhandelte, die Italien veranlassen könnte, auf den Krieg mit Abessinien zu verzichten, und dabei Britisch-Somaliland als geeignetes Kompensationsobjekt genannt wurde, in England Presse und Parlament eine so entrüstete Opposition erhoben, daß Sir Samuel Hoare als Außenminister erledigt war. Auch für Italien hat der Besitz des Somali- landes natürlich vorwiegend strategische Bedeutung. Die Vereinigung der bisher unter den drei Großmächten geteilten Somaliküste in italienischer Hand schafft hier den großen einheitlichen Landblock, den Italien braucht, um seine Interessen in Ostafrika zuverlässig wahren zu können. Gegenwärtig bedeutet die Besitznahme Britisch-Somalilandes eine gefährliche Bedrohung des Zuganges zum Roten Meer, den die britische Schiffahrt braucht, um die schnellste Verbindung zwischen dem Mutterland auf der einen und Indien, Ostasien und Australien auf der anderen Seite zu unterhalten. Der Sicherung dieser Durchfahrt dient vor allem die schon genannte Festung Aden, die nach dem! Schlachtschiffe (die „hood" und zwei Schlachtschiffe der ,,Warspite"-Klasse), zwei Flugzeugträger („Ark Royal" und „Eagle"), sowie acht Kreuzer, drei Torpedobootszerstörer und zwei U-Boote schwer bet schädigt. Schließlich wurden ein Dutzend Handels- dampfer und vier Petroleumschiffe versenkt. Die Verluste der italienischen Flotte sind fofc gende: Ein leichter Kreuzer, drei Torpedoboote, sieben U-Boote und ein Minensucher untergegangen. * Die italienische Presse veröffentlicht ferner die Zahl der Gefallenen im Monat Juli. Danach hatte die Kriegsmarine 130 Gefallene und 69 Vermißte zu verzeichnen. Bei der Luftwaffe waren es 89 Gefallene und 62 Vermißte. Das Heer und die Faschistische Miliz zählten im gleichen Zeitraum 13 Gefallene und 18 ihren Wunden Erlegene. Lustangriffe veränderten das Gesicht Gibraltars. Madrid, 9. August. (Europapreß.) Durch dis zahlreichen schweren Luftangriffe, denen Gibraltar besonders in der letzten Zeit ausgesetzt war, hat sich das Gesicht dieser britischen Festung stark verändert. Nach aus Algeciras vorliegenden Berichten ist von dort aus die Wirkung der über dem Felsen von Gibraltar abgeworfenen Fliegerbomben deutlich zu erkennen. Die L a n d st r a ß e nach Gibraltar rft schwer beschädigt, militärische Anlagen, Gärten, die Reitbahn, der Fußballplatz, Benzindepots und Industrie-Anlagen sind dem Erdboden g l e i ch g e m a ch t. Im Umkreis von über einem Kilometer ist alles z e r st ö r t. In Punta Europa sind keine militärischen Gebäude mehr erkennbar. Die gewaltige Mole von Gibraltar fft, wie man in Algeciras feststellte, nuf noch eine Legende. Mehrere Fabriken am Westufer, besonders die Gießereien von Haynes und Bland haben schwere Treffer erhalten und sind zum Teil völlig zerstört. Diele Dillen englischer Pluto- traten sind von der Spitzhacke niedergelegt worden, um an ihrer Stelle Bettungen für Flakgoq schütze zu errichten. Abessinien-Feldzug von den Briten außerordentlich ausgebaut worden ist, ebenso wie die kleine Insel Perim mitten in der Straße Bab el Mandeb. ^udem hat England ohne großes Aufsehen die Hand auf das Hinterland der Festung Aden gelegt, indem es die eingeborenen Sultane von Hadramaut unter britisches Protektorat stellte. Aber die brittsche Herrschaft scheint hier noch nicht allzu sicher zu stehen. Nach italienischen Meldungen sollen jedenfalls , in Hadramaut arabische Stämme schon in offenem Aufruhr gegen die britische Besatzung sein. Es könnte also sein, daß der Erfolg der italienischen Waffen in Somaliland der Anstoß zu folgenschweren Ereignissen für die brittfche Stellung im Vorderen Orient werden kann. Dr. Fr. W. L. Nie Inder wollen keine Abschlagszahlung Amerhs Versprechungen als ungenügend abgelehnt. Genf, 8. Aug. (DNB.) Mr. Amery, Staatssekretär für Indien, teilte am Donnerstag im Unterhaus mit, daß die britische Regierung im Einverständnis mit dem Dizekönig, Lord Linlithgow, beabsichtige, einen Plan für eine zukünftige Verfassung Indiens in die Wege zu leiten. Der grundsätzliche Verfassungsentwurf, so fügte Amery einschränkend hinzu, könne im gegenwärtigen Augenblick natürlich noch nicht aufgestellt werden, da sich das Empire mitten im Kampfe um seine Existenz befinde. Sofort solle der Vollzugsausschuß des Vizekönigs durch die Hinzuziehung von indischen Vertretern erweitert werden. Ferner solle ein beratender Kriegsausfchuß errichtet werden, der in regelmäßigen Zwischenräumen zusammentreten weroe und in dem Vertreter aller indischen Staaten sowie der gesamten nationalen Lebens in Indien mitwirken würden. * Wie die USA.-Presse aus Bombay meldet, halten führende Kreise der Allindischen Kongreßpartei die im englischen Unterhaus abgegebenen Versprechungen des Ministers Amery für ungenügend. So lange Indien nicht eine selbständige Regierung zugestanden werde, könne der indische Nationalkongreß - mit England in diesem Kriege nicht Zusammenarbeiten. Men verfolgt den Vormarsch seiner AMlrnppen. Vf - >5^ >> ' ' - ; Zahllose Kartenaushänge auf Straßen, Plätzen und in den Geschäften in Italien ermöglichen der Bevölkerung, den siegreichen Vormarsch der in Afrika eingesetzten Wehrmachtsteile zu verfolgen. — Hier sieht man eine riesige Afrika- Karte mit den neuesten Frontangaben in einer Geschäftsstraße in Mailand. — (Presse-Bild-Zen° trale-M.) England erwartet den italienischen Angriff ans Aegypten. Stockholms. Ang. (Europapreß.) In London wird nicht mehr dementiert, daß der Aufmars ch italienischer Truppen an der ägyptischen Grenze i n vollem Gange ist. Stündlich wird ein Angriff auf b reite ft er Front erwartet, und als Beweis dafür gilt die Mittwoch abend vom ägyptischen Ministerpräsidenten abgegebene Erklärung, Kairo sei eine heilige Stadt und werde nicht verteidigt werden. Die Kapitulation der französischen Truppen in Tunis macht sich jetzt insofern bemerkbar, als die Italiener ihre ganze militärische Kraft auf die Ostgrenze konzentrieren können. In London macht man kein Geheimnis mehr daraus, daß die französischen Truppen in Tunis ganz konkrete Aufgaben zu erfüllen gehabt hätten und daß die englischen Operationspläne im Nahen Osten, insbesondere aber in Aegypten, nun vollständig hinfällig geworden sind. Das wichtigste Moment aber, das die Waage der englischen Nachteile besonders tief herunterdrücke, sei die Ungleichheit der Truppen st ärke. Die „Times" spricht am Donnerstagmorgen von einer überaus ernsten Lage Aegyptens. Das Blatt schreibt, in Aegypten seien infolge der früheren Kurzsichtigkeit die englischen Truppen im Vergleich zu den italienischen geringer, als wünschenswert wäre. Starke italienische Streitkräfte sind an die ägyptische Grenze herangerückt und dürften sie in kürzester Zeit überschreiten. Es kann vorausgefehen werden, daß die Engländer nicht den Versuch unternehmen, durch eine harte Verteidigung der Grenze den italienischen Vormarsch aufzuhalten. Eine italienische Offensive in diesen Gebieten darf nicht allzu leicht abgefertigt werden. „News Chronicle" schreibt: .Afrika scheint auf die lange Liste der Kriegsschauplätze zu kommen, auf denen wir dem Feind die Initiative überlassen. In Wochen, vielleicht Monaten wird unsere Lage in Afrika uns daran hindern, eine Offensive einzuleiten." Tausende von Häschern hinter einem einzigen deutschen Flieger. Stockholm, 8. Aug. (Europapreß.) Neun Tage lang hat ein deutscher Flieger, der über der Bristol- Kanal-Zone mit dem Fallschirm absprin- aen mußte, mehrere hundert Polizisten, mehrere Kompanien des stehenden Heeres und Tausende von Angehörigen der zivilen Verteidigungs-Organisationen in Alarm gehalten, während gleichzeitig weite Kreise der Bevölkerung von Tag zu Tag unruhiger wurden. Der deutsche Flieger war verschwunden, ohne daß es gelungen war, eine Spur von ihm zu finden. Die Bevölkerung der Umgebung wurde auf die „Gefahren" aufmerksam gemacht, die ein einzelner deutscher Flieger auf freiem Fuß für die Umgebung mit sich bringen könnte. Offensichtlich befürchtete man jene Sabotageakte, die den deuffchen Fallschirmjägern schon im voraus zugeschrieben werden. Als es selbst den Bluthunden der englischen Polizei nicht gelang, eine Spur von dem Flieger zu entdecken, wuchs nicht nur die Aufregung der Bevölkerung und die Nervosität der militärischen Stellen, sondern auch die Zahl der zur Suche angesetzten Soldaten, Polizisten, Luftschutzwärter usw. Daß der deutsche Flieger endlich doch noch gefunden werden konnte, war weniger der Geschicklichkeit der Suchmannschaften als vielmehr dem Hunger des Gesuchten zu verdanken. England wendet sich gegen die „Besenstiel-Armee" Madrid, 8. Aug. (Europapreß.) Den starken Widerstand weiter englischer Bevölkerungskreise aegen die Bewasfnungder Zivilbevölkerung beweist ein Brief des Gemeindeältesten von Leicester an den „Daily Telegraph", in dem es heißt, daß die von den Kriegsschreiern der Zivilbevölkerung im Falle einer Invasion zugedachte Rolle „viele von uns — besonders erfahrene Soldaten — alarmiert und entsetzt . Als Aeltester seines Kirchspiels werde er allen Einfluß zurVerhinderung eines solchen nutzlosen, selbstmörderischen Verhaltens aufbieten. „In den Tagen von Schwert und Pike konnten stämmige Zivilisten mit Hacken und Stöcken Handgemenge mit Truppen wagen; aber wenn man Vorschläge daß sie sich gegen moderne Waffen und Methoden stürzen sollen, heißt das nur ein sinnloses Abschlachten herausfordern Wir brauchen ruhigen Mut, nicht heldische Gebärden des Wahnsinns." Das englische Kriegsministerium scheint allerdings anderer Ansicht zu sein. Wie „Daily Mail" berichtet, werde die fogenannte fitniss force (eine Art Turnverband) mit Eschenholz, stöcken bewaffnet werden. Das Blatt versieht die Meldung mit der Überschrift: „Stöcke, um Eindringlinge abzuschlagen". Die Zeitung fügt hinzu, das Krieasministerium wünsche nicht, daß diese Streitmacht „Besenstiel-Armee" genannt werde. Englische Grenelhetze. Am 7. Auaust wurde von England aus durch Funk, vor allem in USA., die Meldung verbreitet, der auf der Fahrt nach Nordamerika befindliche Dampfer „Acor a" sei von einem deutschen U-Boot westlich der irischen Küste torpediert worden. An Bord der „Acora" hätten sich Kinder befunden, die evakuiert werden sollten, die bei dem Untergang nun ertrunken seien. Um diese Greuel- melbung wcchrscheinlich zu machen, wurde als Quelle die mexikanische Nachrichtenagentur Anta angegeben, die sich dabei auf einen Bericht aus Neuyork gestützt haben sollte, mit dem Zusatz, daß es der englische Rundfunk gewesen sei, der diese Meldung verbreitet hätte. Das ist das übliche englische Durcheinander, wenn erstunkene Greuelnachrichten verbreitet werden sollen in der Absicht, sie zunächst einmal in Nordamerika wirken zu lasien. Jedenfalls steht fest, daß der Neuyorker Kurzwellensender am späten Abend Neue Taktik — neue Strategie. Gedanken über den Wandel der Kriegskunst. Von Oberstleutnant G. Goldan. > Bemerkenswerten Ausführungen, die der bekannte Militärschriftsteller im „V. B." zu dem viel erörterten Problem des Wandels.in der Kriegskunst macht, entnehmen wir folgendes: Neue Taktik — neue Strategie? Cs wird jetzt viel darüber orakelt. Angesichts der gewaltigen deutschen Erfolge ist es verständlich. Ganz besonders überrascht sind natürlich die alten Kämpfer des Weltkrieges, denn sie nehmen für sich in Anspruch, ganz gewiß mit nicht geringerem Heldenmut gekämpft -zu haben. Wenn also nicht hierin die Ursache gefunden werden kann, so muß sie in einem inzwischen geänderten Kampfverfahren gesucht werden und der Erfolg ist den neuartigen Waffen zuzuschreiben, über die man im Weltkriege nur unvollkommen verfügte. Beides ist richtig. Beides ist aber als Begründung nicht erschöpfend. Nach dem Weltkrieg stand der klar sehende und ehrlich denken wollende Soldat der durch nichts zu mildernden Tatsache gegenüber, daß der militärische Krieg seine Entscheidungsmöglichkeit verloren hatte, die „abstoßende Kraft" der Waffen in jedem Kriegs- jahr gesteigert, schließlich so stark geworden war, daß sie durch keinerlei Mittel und Methoden mehr zu brechen gewesen war. Das wiederum hatte zur Folge, daß der Bewegungskrieg, wenn er einmal kurz wieder aufflackerte, mehr oder minder schnell im Stellungskampf sich fefüief, jedenfalls es niemals zu einer wirklich vernichtenden Entscheidung kam. Im Weltkrieg hatten sich Mittel und Wege zur Wiedergewinnung des Vewegungskampses bereits an gebeutet. Sie lagen einmal in den Möglichkeiten der Entwicklung der Luftwaffe. Es ist bekannt, daß bei ihrer Abschätzung — hier ist vor allem der italienische General Douhet zu nennen — sogar eine schnelle militärische Entscheidungsmöglichkeit auch unabhängig vom Erdkriege angenommen wurde. Sie lagen weiterhin in der Panzerwaffe, die offenbar den Engländern und Franzosen 1917/18 schon sehr gatte Dienste geleistet hatte, und sie lagen schließlich wenigstens andeutungsweise auch in der Motorisierung, denn schon im Weltkriege hatte der Kraftwagen für Nachschub und Umgruppierung von Truppen sehr oft wesentliche Bedeutung erlangt. Auch neue taktische Methoden, kleinere Kampfmittel, wie Minen- und Granatwerfer, Umorganisa- tion und Umbewaffnung der Infanterie, hoben sich im Weltkriege immerhin bereits so ab, daß bei weiterem Ausbau und entsprechender Vervollkommnung zu erhoffen mar, der abstoßenden Waffenkraft, insbesondere der des Maschinengewehrs, Herr werden zu können. Hatte man zunächst auch nach dem Weltkriege in einem natürlichen Sicherheitsdrang überall die Zahl der Mafchinengewehre und ihre Qualität noch wesentlich erhöht, so setzte doch in der militärischen Fachpresse der ganzen Welt sehr bald nun auch ein theoretischer Meinungsaustausch über die Wiedergewinnung operativer Bewegungsfreiheit ein. In allen Generalstäben stand sie im Mittelpunkt der Erwägungen. In allen Kriegsministerien hat sie Entwürfe und Konstruktionen kommen und vergehen - lassen. Da wir in dieser Zeit oft stürmisch vorgetragener Fehlentwicklungen infolge der Versailler Fesseln praktisch zum Abwarten verurteilt waren, blieb manche Enttäuschung erspart, und wir lernten sehr bald, von höherer Warte aus die Dinge realer und ruhiger zu sehen. Wir lernten aus den Fehlgriffen der anderen. Wieder zeigte sich, daß man Waffen nicht gleich in Vollendung schaffen kann. Sie lassen sich nur entwickeln, urtb das geht niemals ohne Enttäuschungen ab. Auch uns sind solche nicht ganz erspart geblieben. Als wir aber nach Wiedergewinnung der Wehrfreiheit durch den Führer in einem zügigen Tempo ohnegleichen mit dem Neuaufbau unserer Wehrmacht begannen, da konnten wir dort an- knüpfen, wo unsere Gegner gerade aufgehört hatten. Unsere neuesten Waffen wurden besser als ihre neuesten. In Frankreich und England hielt man an der Definierung von Clausewitz fest, daß die Verteidigung die stärkste Kriegsfarm bleibe. Wenn England den Blockadekrieg als wirksamste Kampfart gegen uns einschätzte, so ergibt sich daraus, daß es nicht mit schnellen Kriegsentscheidungen zu Lande rechnete. Frankreich hat eine offensive Kriegführung gescheut, weil es den zu erwartenden großen Men- schenverlust als nicht erträglich ansah. Auch die Befestigungsanlagen an den Grenzen tragen den Charakter einer auf die Ab Wehrkraft der MG. unbedingt vertrauenden Führung. Man gewinnt den Eindruck, daß die französische Infanterie in den sieben Monaten, die zur Ausbildung zur Verfügung stunden, nichts anderes getan hat als Drahthindernisse zu ziehen, die unter der Flankierung des 7. August die Meldung in englischer Sprache übermittelt hat. Daß mit dieser niederträchtigen Lüge nicht viel anzufangen ist, darauf ist die Londoner Hetzzentrale sofort gekommen, aber sie ließ erst einige Stunden später ein Dementi der englischen Admiralität verbreiten, des Inhalts, daß sich keine Kinder an Bord der „Acora" befunden hätten. Das haben hje englischen Amtsstellen natürlich schon vorher gewußt, aber gerade deshalb dafür gesorgt, auf den üblichen dunklen Wegen eine erlogene Meldung zu verbreiten, um dadurch auf die Stimmung in USA. einzuwirken. Ein Dementi kommt ja immer zu spät, um die beabsichtigte Wirkung abzuschwächen. MdemMerkrelizausgezeichnel Berlin, 8. Aug. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine, Großadmiral Dr. h. c. Raeder, das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz verliehen: Fregattenkapitän Friß Berger, Korvettenkapitän Wax-Eckarl Wolff, Korvettenkapitän Rudolf Petersen, Kapitänleutnant Otto Kretschmer. * Fregattenkapitän Berger hat als Chef einer Zerstörerflottille im Winter 1939/40 mehrere Minenunternehmungen erfolgreich durchgeführt. In den Kämpfen um Narvik hat Berger seine Flottille voll eingesetzt und mit seinen zu einem besonderen „Marine-Regiment" zusammengefaßten Zerstörer- besatzungen zum siegreichen Abschluß des Narvik- Einsatzes beigetragen. Berger wurde 1900 zu Allen- stein als Sohn eines Majors geboren. 1917 trat er als Seekadett in die Kriegsmarine ein. An Bord des Schlachtkreuzers „Moltke" erlebte Berger den Weltkrieg. — Korvettenkapitän Wolff lief mit seinem Zerstörer als erster in den Hafen von Narvik ein und hat die ersten Truppen an Land gesetzt. In dem Gefecht am 10. 4. 1940 hat Wolff durch sein kühnes Vorgehen wesentlichen Anteil an dem großen Erfolg. Wolff wurde 1902 zu Wernigerode geboren. 1920 trat er in die Kriegsmarine ein. Als Leutnant zur See machte er an Bord des Kreuzers .Hamburg" eine über ein Jahr dauernde Aus- landsausbildungsreife mit. Dann begann feine Laufbahn als Torpedobootsfahrer. — Korvettenkapitän Petersen hat als Chef einer Schnellbootflottille unter vollem persönlichen Einsatz seine Flottille bei allen Unternehmungen in Norwegen, in der Nordsee, bei zahlreichen Kanalvorstößen und bei Sonder» unternehmunge ausgezeichnet und erfolgreich geführt. Petersen wurde 1905 auf Alfen als Sohn des Pastors Petersen geboren. 1925 trat er in die Kriegsmarine ein. Als Seekadett machte er die Weltreise des Kreuzers „Hamburg" mit. Als junger Offizier war Petersen zunächst Torpedoboots-Wach- offizier und anschließend Schnellbootkommandant. — Kapitänleutnant Kretschmer hat als Kommandant eines U-Bootes den englischen Zerstörer „Daring" und 117 363 BRT. feindlichen Handelsschiffsraumes versenkt sowie Minenaufgaben mit Erfolg durchgeführt. Don der versenkten Handelsschiffstonnage entfallen allein 27 000 BRT. auf Unternehmungen, die ihn mit einem kleinen U-Boot unter den schwierigsten Verhältnissen an die englische Ostküste führten. Kretschmer wurde 1912 in Heiden, Kreis Liegmtz, als Sahn eines Lehrers geboren. 1930 trat er in die Kriegsmarine ein. 1936 begann feine Laufbahn als U-Boot-Fahrer. Zwei verdiente Flakoffiziere mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Berlin, 8. Aug. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Reichsmarschalls Göring folgenden Offizieren der Luftwaffe das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen: dem Oberftieutnant Wolf, Kommandeur einer Flakabteilung; dem Leutnant Corts in einem Flakregiment. Oberstleutnant Wolf hat mit feiner Abteilung im Verbände eines Flakkorps in vorderster Linie das Vorgehen der Panzertruppen begleitet und ihren Heb er gang hervorragend geschützt. Seine Abteilung konnte eine besonders große Anzahl von feindlichen Flugzeugen vernichten. In der Abwehr französisch-englischer Angriffe bei AbbS» ville hat sich die Abteilung in schwerstem Feuer von der Erde und aus der Lust hervorragend geschlagen. — Leutnant Corts hat sich in dem wechselvollen Ringen um den Brückenkopf AbbLville mit einer Handvoll schnell zusammengerafster Kampfer mit verbissener Zähigkeit und im heldenhaften Ausharren die vorderste Linie gehalten. DeuffcheKam-sflugzeugegreifeneinenbnüschenGeleitzugan IJ .......-- 1 W V . -I Diese interessante Ausnahme wurde von einem englischen Kameramann gemacht, der einen deutscher Kampfflugzeuge auf einen britischen Geleitzug im Kanal beobachtete. Die Wirkur zielsicher abgeworfenen Bomben zeigen sich in gewaltigen EMManen« » (MoMted-Bxek, von in Beton eingebauten MG. lagen. Wenn man heute diese fast ganz unbeschädigten Anlagen sieht, dann sagt man sich allerdings, vom Standpunkt der Weltkriegserfahrung aus urteilend: Unmöglich hier durchzukommen, es sei denn nach, langer Vorbereitung durch schweres Feuer, und selbst dann noch bleibt es fraglich. Heber die Straßen, Hänge hinauf, durch Waldgelände hindurch erstrecken sich diese Hindernisse oft in einer Tiefe von mehreren hundert Meter. Unsichtbar sind in starken Bunkern oder in Felswände hineingesprengt Flankierungs- aeschütze und MG. aufgestellt. Als Hindernis jur Kampfwagen durfte man den Flußläufcn vertrauen. Fest steht jedenfalls, daß mit den Methoden des Weltkrieges hiergegen nichts auszurichten war. Genau wie damals würde es ein mühsames Abringen und schließlich wieder einen Zermürbungskrieg gegeben haben, und das wäre abermals einem Fiasko .der militärischen Kriegführung gleichgekommen. Aber.schon Clausewitz hat, als er den Satz prägte, daß die Verteidigung die stärkere Kampf- form sei, an dem Beispiel des großen Königs und Napoleons aufgezeigt, wie neuartige Kampfweise große Ueberraschungen zu bringen vermögen. Dasselbe haben unsere Feinde erfahren mü&n. Der Unterschied ist nur, daß sie damit rechnen mußten; es konnte ihnen nicht verborgen geblieben sein, daß in der Luftwaffe, in der Panzerwaffe und allgemein in der Motorisierung Möglichkeiten steckten, die ein kluger Gegner vielleicht zu neuartigen Kampfmethoden zu formen verstand. Italienische und sowjetrussische Vorschriften hatten ja schon lange vor dem Krieg ganz offen von dem Willen zur Führung eines entscheidenden Bewegungskrieges unter Ausnutzung der heute gegebenen neuen' Waffen gesprochen, und der Feldzug m Polen mußte doch wohl mindestens nachdenklich stimmen. Es wäre abwegig, heute, nach der Entscheidung, das Festhalten unserer Feinde an der Führung eines reinen Defensivkrieges mit einer überlegenen Geste ab tun zu wollen. Ganz abgesehen davon, daß man hiermit die Kühnheit des deutschen Wagens nur verkleinern würde, wäre es unberechtigt; denn in der Art, wie wir den Krieg geführt haben, lag ein ganz ungeheuerliches Wagen. Frankreich und England durften schon glauben, unseren Angriff, mochte er noch so sehr von neuartigen Methoden getragen fein, auffangen zu können. Unsere Führung hat das Wagnis auf sich genommen. Ein Risiko, wie es selten von einer Führung in der Kriegsgeschichte getragen worden ist. Diese mißt die Kühnheit nach der Größe des Risikos, sie mißt die Größe des Feldherrn nach der Kühnheit seines Gedankenfluges. Ihr Schlußurteil ist allein ausgerichtet nach dem Erfolg. Ein amerikanischer Zeuge unserer Kämpfe, der Kriegsberichterstatter Wallace Deuel, hat in einer amerikanischen Zeitung ausgesprochen, daß für den deutschen Erfolg Einzelwaffen oder gar Geheimwaffen keine entscheidende Rolle gespielt haben. In der Tat würde, man der wahrhaften Größe der deutschen Führung am wenigsten gerecht werden, wckllte man unsere (Erfolge allein auf die lieber» legenheit unserer Luftwaffe, so sehr sie auch fest- steht, oder auf die der Panzerwaffen, so unbestreitbar sie auch ist, zurückführen. Das und anderes waren nur Grundzahlen. Wir waren 1914 unseren Feinden auch in mancherlei Hinsicht überlegen — auch technisch. Man denke nur an unsere schwere Artillerie — und konnten doch keine Entscheidung herbeiführen. Der genannte Amerikaner sieht schon richtiger, wenn er das Entscheidende darin erblickt, daß unsere Führung es verstanden habe, diemodernen mechanischen Kriegsmittel an die an sich uralten Regeln der Taktik und Strategie anzupassen. Aber auch das befriedigt nicht. Wir erinnern uns, daß wir im Weltkriege den taktischen Sieg eigentlich so ost errungen haben, so oft wir zum Schlage ausholten. Die strategische Auswirkung, die Vollendung zur Vernichtung blieb aus. Wo liegt die Grenze zwischen Taktik und Strategie? Wie greifen sie ineinander? Selbst unser größter Kriegstheoretiker hat darauf nur die unbefriedigt lassende Antwort zu geben vermocht, daß die Strategie der Gebrauch von Gefechten, d. h. der Taktik zur Erreichung des Zieles fei. Scbon in Polen hat es Schwierigkeiten gemacht, die zahlreichen Gefechte einzeln zu benennen, aus denen die Strategie dieses Feldzuges sich im Sinne von Clausewitz zusammensetzt. Wir haben heute, rückblickend auf die großen Operationen an der Westfront, festzustellen, daß heute Taktik und Strategie schließlich ganz ineinander aufgehen. Nur wenige Schlachten weift dieser Krieg im überlieferten Sinne, systematisch mit Aufmarsch, Vorbereitung, Sturm und Verfolgung auf. Die im großen Rahmen gesehene winzige Tat eines Leutnants, der einige Bunker außer Gefecht setzt, oder der ein Dutzend oorbrechender Kampswagen stillegt, wird von größerer Tragweite als vordem eine ganze Schlacht. Der Angriff von einigen Staffeln der Luftwaffe, der Transporte oder Marschkolonnen des Feindes zerschlägt, farm, auch operativ gesehen, schwerwiegende Auswirkung erlangen. Eine tollkühn mitten durch den Feind preschende Panzerdivision schafft Lagen, die Taktik und Strategie vollends miteinander verwischen. Ein Beispiel möge es klarer zeigen. Als unsere motorisierten Truppen am 21. Mai Abbeville an der Mündung der Somme in den Kanal besetzten, hatte die dorthin durch Luxemburg, Belgien und Frankreich durchgestoßene Heeresgruppe in elf Tagen kämpfend — man kann diese elf Tage getrost als eine einzige gewaltige Schlacht bezeichnen — rund 350 Kilometer mitten durch stärksten Feind hindurch kämpfend Gelände gewonnen. Nur in der Lust gemessen! Täglich waren also in der Schlacht 30 Kilometer durchschnittlich überwunden worben. Während aber die Panzer in Abbeville eindrangen, wurde weit zurück unten an der Maas südlich Sedan noch hart gekämpft, leisteten starke Feindteile — mehrere Divisionen — im göret de Mormal Suew, Maubeuge inmitten des gewaltigen Kampfraumes,' d. h. 120 Kilometer in der Luftlinie gemessen von Abbeville entfernt, noch erbitterten Widerstand, wurde zugleich an anderen Stellen, rechts und links, weit hinter der vordersten Front, buchstäblich um alle Stäbe herum bis zu denen der Armee hinauf, noch gekämpft. Strategie und Taktik verwischen restlos ineinander. Handlungen von Truppenführern gewinnen oft strategische Auswirkung, und umgekehrt muß selbst der höchste Führer gelegentlich Anordnungen treffen, die mehr taktische als strategische Bedeutung haben. Niemals zuvor trat so augenfällig hervor, wie von der Ueberlegenheit der Führung alles abhängt. Niemals zuvor aber hat eine Kriegführung derart hohe Anforderungen an die Schnelligkeit, Vielseitigkeit und Zielsicherheit der Entschlüsse der Führer aller Dienstgrade gestellt, niemals zuvor Des Meers Vesuch bei Krupp in Gen. Unser Bild geigt den Führer während seines Besuchs auf der Villa Hügel, wo er Dr. K r u p p v o n Bohlen nnd Halbach persönlich seine Glückwünsche zum 70. Geburtstag aussprach. Links: Reichswirtschaftsminister Funk. — (Presse-Hoffmcmn-M.) - M w ■ * ■ : ------ < . < Minettes Heimkehr. Lothringens Eisenerze wieder in deutscher Obhut. Es könnte auf den ersten Blick so scheinen, als ob mit „Minette" eine geliebte Frau gemeint sei, die in ihre Heimat zurückkehrte. Und wahrlich — im übertragenen Sinne wird jeder, der mit montan- wirtschaftlichen Dingen vertraut ist, die Rückkehr der lothringischenEisenerze, die die fachmännische Bezeichnung „Minette" tragen, unter deutsche Obhut und Förderung stimmungsmäßig als ein ähnlich freudiges Ereignis werten. Phosphorhaltiges Erz ist diese Minette, die zwar nur einen Eisengehalt von 30 bis 35 v. H aufweist, aber dafür mit relativ billigen Kosten abgebaut werden kann, weil die Erzadern sich dicht unter der Erdoberfläche hin zieh en und eine große und gleichmäßige Mächtigkeit aufweifen. Gerade die Minette,.deren Heimat in Lothringen und im benachbarten Luxemburg gelegen ist, hat mit zu dem gewaltigen Aufschwung der deutschen Eisenindustrie seit der Jahrhundertwende beigetragen. Und es ist eine Laune des Schicksals, daß der Impuls zum Siegeslauf der deutschen Schwerindustrie unfreiwillig einem Engländer: dem Gerichts - schreib er. und Chemiker Sidney Gillchrist Thomas zu verdanken ist. Dieser entdeckte und entwickelte zusammen mit seinem Detter Percy um das Jahr 1878 ein Verfahren zur Entphosphorung von Roheisen in einem kippbaren Gefäß (Konverter) mit basischem Futter (Dolomit), der sog. „Thomas- b i r n e". Erst die Entdeckung dieses Thomas-Verfahrens hat den Abbau und die Verarbeitung der reichen Eisenerzschätze in Europa, und dabei nicht zuletzt der so reichlich vorhandenen Minette, ermöglicht, da der störende Phosphorgehalt sie für die Dorwelt wertlos erscheinen ließ. Als ein erstes Zeichen der Übersättigung des britischen Löwen muß man die erstaunliche Tatsache werten, daß das Thomas-Verfahren in England kaum beachtet, dafür aber in Deutschland mit großem Eifer in die Praxis aufgenommen worden ist. So schuf sich vor 50 Jahren unsere fleißige Schwerindustrie am Rhein und Ruhr allmählich eine zweite Hochburg auf der lothringischen Minette. Es galt geradezu als eine montanwirtschaftliche „Revolutton", Ruhrkohle zum Erz zu fahren, da man bisher stets den umgekehrten Weg gewohnt gewesen war. Der niedrige Eisengehalt der reichlich vorhandenen Minette rechtfertigte aber diese „Revolutton" durchaus. Die großen deutschen Eisen- und Stahlwerke errichteten nun Zweigbetriebe in Lothringen. In unaufhaltsamem Tempo stieg die lothringische Roheisenproduktton von etwa 200 000 Tonnen um 1880 auf 600 000 Tonnen um 1890, 1,3 Millionen Tonnen um 1900, 1905 über 2 Mill. Tonnen und 1913 rund 4 Mill. Tonnen. Thyssen, Klöckner, Röchling und Stumm waren u. a. die Pioniere der lothringischen Minette. In Hagendingen erstand das Werk von Thyssen, in Fentsch und Kneuttingen waren es Hütten von Klöckner. In Diedenhofen rauchten bald die Schlote der Karlshütte des Röchlingkonzerns, während der Stummkonzern mit der Redinger Hütte und der Hütte Hertingen in Lothringen vertreten, war. Aber auch die alte Gelsenkirchener Bergwerks-AG. (Gelsenberg) und die frühere Deutsch-luxemburgische Montangesellschaft (Deutsch-Lux) schufen sich Hütten in Deutsch-Oth bzw. in Rümelingen, ferner find noch die Rombacher Hüttenwerke zu nennen, die seinerzeit der Koblenzer Eisenhandelsfirma Spater gehörten. Als dann durch das Haßdiktat von Versailles das alte Reichsland Elsaß-Lothringen unter französische Fremdherrschaft geriet, begann dort eine wahre Ausplünderung des deutschen Besitzes. Die deutschen Hütten wurden durch die französische Liquidationsbehörde geradezu verschleudert. Aus dem Bericht eines ftanzösischen Parlamentsausschusses vom Jahre 1928 geht hervor, daß deutsche Werke in Lothringen, die damals zu den modernsten Eisen- und Stahlwerken des Kontinents zählten, vielfach zu einem Fünfzigstel des effektiven Wertes verkauft wurden, wobei noch den Erwerbern zwanzigjährige Ratenzahlung zugestanden worden ist! So gingen für Spottpteise die Thyssenschen Lothringen-Betriebe im Jahre 1919 in den Besitz der „Union de Con- sommateurs de Produits Metallurgique et Industrielle“ über, während eine „Soci&e Metallurgique de Knutange” die Klörtnerbetriebe in Kneuttingen auf gleiche Weise erwarb. Die Hütten- und Stahlwerke von Deutsch-Lux nebst den Rombacher Hüttenwerken fielen an die „Soci£t6 Lorraine de Acteries de Rombas“, während die Adolf-Emil-Hütte von Gelsenberg in Deutsch-Oth von der „8oci61ö Miniere de Terres-Rouge“ geschluckt wurden. Die Redinger- Hütte des Stumm-Konzerns wurde mit der Dillinger- Hütte zu einem französischen Unternehmen vereinigt, und die Hütte Hertingen wurde von der „Forges et Acteries de Nord et Lorraine“ sowie die Karlshütte von Röchling in Diedenhosen von der „Soci£t£ Lorraine Miniere et Metallurgique“ weiterbetrieben. Man hätte nun eigentlich erwarten können, daß Frankreich mit Hilfe dieses billigen Lothringer Raubes sich an Stelle Deutschlands zur größten Eisenmacht Europas entwickelt hätte. Statt dessen fiel die Roheisenerzeugung in Lothringen dauernd; sie blieb selbst in den besten Konjunkturjahren um mehr als 25 v. H. hinter der Produktionsziffer des Jahres 1913 zurück! Man kann gewiß sein, daß mit der Heimkehr der Minette ins Reich aud) für die Lothringer Eisen- und Stahlwerke eine neue Zeit anbricht. sind sie von so hoher Kühnheit getragen gewesen, solchen deutschen Führern waren die feindlichen auch nicht annähernd gewachsen. Einer ungewohnten Kampsesweise gegenüberstehend, versagten sie schließlich völlig und rissen, unfähig, einen Ausgleich zu finden, ihre Truppen in ein Durcheinander, dem nur Vernichtung folgen konnte. In dieser Ueberlegenheit deutscher Führung ruht im letzten das Geheimnis unseres beispiellosen Siegeszuges. Was an neuartigen Waffen sich angeboten hatte, war vollendet gestaltet worden, war weife abwägend organisiert, sorgsam der Truppe vertraut gemacht, war kühn eingesetzt und zielbewußt geleitet worden. Aus allem zufammen, getragen von heldenmütigem, opferbereitem Geist einer straff disziplinierten Truppe war die Formung einer neuartigen Kampfmethode gelungen, der es beschieden gewesen fft, den seit dem Weltkriege auf der militärischen Kriegführung lastenden Bann zu brechen, dem Krieg seinen wahren Charakter zurückzugeben. Mit ihr gelang es, zu einem Bewegungskriege in einem Ausmaße zuückzuge- langen, das unvorstellbar erschien, solange es nicht Wirklichkeit geworden war. Tschiangkaischeck stellt sich auf den Defensivkrieg um. Rom, 9. Aug. (Europapreß.) In einer Konferenz zwischen der Regierung von Tschungking und den Militärbehörden soll beschlossen worben sein, im Kampf gegen Japan nicht mehr die bisher einge- schlagene offensive Haltung fortzusetzen, sondern sich auf die Defensive zu beschränken. Der Grund für diese Aenderung her Kriegführung sei in der Verknappung der Waffen, Munition, Rohstoffe und Lebensmittel zu suchen, die infolge der Unterbindung der ausländischen Zufuhren eingetreten sei. Die innerpolitische Neuordnung in der Slowakei. Preßburg, 8. Aug. (Europapreß.) Mit dem 28. Juli 1940, dem Tage der Umbildung der slowakischen Regierung, ist eine neue Aera in diesem jungen Donaustaat angebrochen. Im ersten Jahr des Bestandes der Slowakei wurden in den Aufbau alle jene Leute eingeschaltet, die sich meldeten, und nun ist es wohl nur logisch, wenn jetzt die Fähigkeiten und die Haltung dieser Leute, die teilweise zu hohen Staatsstellen gelangt sind, geprüft werden. Es waren vom alten System aber auch viele Personen übernommen worden, die sich nicht mehr auf die neue Zeit umstellen konnten und nun der Entwicklung hindernd im Wege standen. Hierbei müssen natürlich auch jene Elemente erwähnt werden, die sich dem jungen Staate gegenüber eindeutig feindlich einstellten, weil sie von Michael Kohlhaas des Mdpols. Am 5. August starb im Alter von 75 Jahren ein Mann, der sich rühmte, als erster den Nordpol entdeckt zu haben, und um diesen Ruhm seit 1910 einen erbitterten Kampf geführt hatte. Dieser Kampf war einmal eine Weltsensatton, die gar nicht zu begreifen ist ohne den eigenartigen Geist einer Zeit, die erst unlängst war und die wir doch innerlich ganz Überwunden haben. Das Nordpol- fieber kam ganz aus dieser Epoche der großen Erfindungen und Entdeckungen heraus. Erst im 19. Jahrhundert verschwanden die weiten weißen Flek- fen, die bisher — von Europa abgesehen — die großen Erdteile Asien, Amerika, Afrika und besonders die beiden Polargegenden unseres Planeten auf den Karten geziert hatten. Es fetzte also ein Wettrennen nach dem Nordvol ein, das mehr sportlich-sensationell als wissenschaftlich praktischen Wert hatte. Die wirkliche Erforschung der Arkttschen Länder ist wichtig. In diesem Hexenkessel braut sich ein mächtiger Einfluß auf die Gestaltung des Wetters bis in die gemäßigten Zonen. Die Meeresströmungen und die Eisdriften sind von unmittelbarer Bedeutung für die Schiffahrt. Die Fischerei geht bis an die Grenzen des ewigen Eises heran und findet gerade dort ergiebigste Fanggründe. Aber solche wertvolle Beobachtungen setzen einen langen Aufenthalt voraus. Aus Der Entdeckung des Nordpols würbe aber ein sportlich-sensationeller Wettlauf, als sich die Amerikaner — inzwischen sind aud) sie zu ernsthafteren Forschungen übergegangen — mit der Erforschung der Polarwelt zu beschäftt- gen begannen. Der jetzt verstorbene Friedrich Albert Cook wollte am 21. April 1908 den Nordpol erreicht haben, mußte sich aber den Vorwurf des Schwindels gefallen kaffen, als ein anderer Amerikaner namens Peary seinerseits die Erreichung des Nordpols am 6. April 1919 meldete, aber von den Kennzeichen Cooks nichts bemerkt haben wollte. Aus dem Ruhm wurde nun der Skandal. Es liegt auf der stachen Hand, daß eine „historische" Nachprüfung der Ansprüche von Cook und Peary unmöglich und auch ganz nebensächlich ist. Wenn jemand der Nordpolforschung wirklich neue Wege gewiesen hat, so war es der unglückliche Andree, der mit seiner unzulänglichen Ballonfahrt die moderne Ueberflie- gung der Polargegenden vorweggenommen hat. Aber nun setzte Cook mit seiner ganzen Kraft zur Wiedergewinnung fernes guten Namens ein. Man weiß, daß Heinrich von Kleist in seiner berühmten Erzählung „Michael Kohlhaas" den Kampf eines Mannes um fein gutes Recht bis zur Selbstvernich- tung geschildert hat. Ein solcher Michael Kohlhaas wurde Friedrich Albert Cook. Dreißig Jahre seines Lebens nahm der Kampf um die Ehrenrettung in Anspruch, und trotzdem mußte Cook sterben, ohne Sieger geblieben zu sein. Er war tatsächlich vergessen. Nur wenige Menschen erinnerten sich noch, daß er einmal von dem Jubel einer begeisterten Welt umrauscht war. Cook und Peary waren ursprünglich Freunde, und Reisegefährten bei früheren Polar- expedittonen. Ihr wilder Kamps ließ einen recht bitteren Nachgeschmack zurück. Aber... Amerika hatte seine Sensation. / Dr. Ho. ihm nichts zu erhoffen hatten: die Juden. In dieser Beziehung wurden in den letzten Tagen bereits zahlreiche Maßnahmen eingeleitet. Hierzu gehört u. a. eine Ueberprüfung aller jüdischen (Staats- angehörigen, da festgestellt werden konnte, daß zahlreiche Juden ihre Dokumente auf betrügerische Weise erschwindelt ^hatten. Weiter geht man daran, allen slowakischen Emigranten im Auslande, also jenen Personen, die nach dem 14. März 1940 das Land verließen und von Paris und London aus eine zersetzende Propaganda gegen die slowakische Nation und den slowakischen Staat betrieben haben, die Staatsangehörigkeit abzuerkennen, ihre Vermögen in der Slowakei zu beschlagnahmen und sie aus der Volksgemeinschaft auszustoßen. Zugleich wurde in der ganzen Slowakei ein Aufklärungsfeldzug über die Judenfrage und gegen den übermäßigen Alkoholgenuß eingeleitet. Alle jüdischen Gast- und Kaffeehäuser wurden gesperrt, eine Ueberprüfung aller Arisierungen steht bevor; der allgemeine Alkoholverbrauch wurde zeitlich begrenzt. Zur Ausrichtung des Verbrauchs wurde im ganzen Lande das „slowakische Volksbrot" eingeführt, das künftig der Minister ebenso essen wirb, wie der Arbeiter. Gegen die sich noch hier und da zeigende staatsfeindliche Flugzettelpropaganda wird durchgegriffen. Kleine politische Nachrichten. Dr. Krupp von Bohlen und Halbach, der wegen seiner großen Verdienste um die deutsche Wirtschaft, um die deutsche Arbeit und die deutsche Rüstung mit den höchsten Auszeichnungen geehrt worben ist, war einer ber ersten Männer, bie zu Wehrwirtschaftsführern ernannt würben. Daher überbrachte General ber Infanterie Thomas, ber Chef bes Wehrwirtschafts- und Rüstungsamtes im Dberfommanbo ber Wehrmacht, bie Glückwünsche bes Chefs des Oberkommandos ber Wehrmacht, Generalfelbmarschall Keitel, sowie bie Der Wehrwirtschaftsorganisation der Wehrmacht. Bei einem Besuch bei dem italienischen Botschafter Alfieri überreichte Reichsminister Dr. Todt im Auftrage des Führers dem Botschaftssekretär Graf Germanico del Torso in Anerkennung seiner Bemühungen um den Einsatz italienischer Arbeitskräfte sowohl für industrielle Arbeiten als auch für Arbeiten, die für den Ausbau des Westwalles von Bedeutung waren, das Schutzwallehrenzeichen, das Damit zum erstenmal einem Vertreter Des verbündeten Italiens verliehen wurde. * Der Reichsminister des Innern Dr. Frick empfing bie auf Einlabung bes Reichsgesundheitsführers in Deutschland) weilende Gruppe japanischer Aerzte, deren Führer, Präsibent ber Japanisch-Deutschen Medizinischen Gesellschaft, Dr. Jfhibashi, betonte, daß er unb feine Käme- raben feststellen konnten, wie sehr Die Entwicklung bes Gesunbheitswesens in Deutschland auch trotz des Krieges immer weiter voranschreite. Er übergab Dr. Frick das Bild eines berühmten japanischen Malers mit ber Bitte, es als Zeichen ber aufrichtigen Hochachtung bem siegreichen Führer Groß- deutschlands übergeben zu wollen. Einer beutschen Einlabung folgend trafen in Begleitung Des Presfereferenten ber Deutschen Botschaft in Madrib, Legationsrat Lazar, bie Direktoren Der namhaftesten spanischen Zeitun. gen zu einem mehrtägigen Aufenthalt in ber Reichshauptstabt ein. Am Nachmittag waren Die "I nwrben, Aus dem Mich AI« lujllmml |hi> h d (h b «' in u । hlc 'Jliilmulten ble 'Hfilm Hiiiiunh-Illiiiini'ii l)lnmin(|i‘l|en Vh'"iihei» iilmiqe hei, DinterbHeiieiii’ii reine 'hhihiimm mich» nhiiinn hun Dlntei lillebeneu feine Wubiiiiim nmi>- iih'iheu hum, hin imiiI) her ,f)dhü hei Ulrr- lliinun||t'liül)i nllle muieuie||en »"ii e ferner fInh hl leiten iiml) 'Hei p,||ibliimieii iitLUilrmii'ii, Mi' hu- iii i nhlii leiten iiml) 'hi'i iilllihliiimi'ii iiliwlmnen, hin hu- iiiiiIp hen inli'lfi1)ii|llli1)nn 'Nmlniltnlssen hm ftanillie niiiiiinmmiiitiimnmmniinmnnntuiiiinimmuitimtmniiiinMnMiinit CMiltt (Tinten STADTI’HEATI5R GIESSEN Ör. Wilhelm Schneibel' Kriegözahnarzt <*Me,kn, 3*ilnhrlil)|lrn|)n K 5. :l. C^r Ä!1 VeTupf HM. MIO. */|Tupr HM u 00 I Irit(c | Mlnliinüiicliu | andl a k 1'0111 ll I I IN IN I I»"»" HM ! 10 r—----—-> Thainors Augcnwassor LStullmmn||ulHili)l | ititJi die I ----------1 n n e l । ., ( t A " ■ .. ii leiue lheuiHUiie- *X L l I INV I lil\AÜI*< leine |h e|ii Huye Mraniiii | Voroliw | lUllllUt. nm«' dhhdl> \HnbnboHhnlu* S Schotlener Saniiner-Miiriit hioihvmnehv. HKUTK FREITAG bHSonntaa hnii. MWH 2ML a " u u » •. I* 11 e u e n bl# Ihle Aii||«n Bekanntmachung I Vier vorn t. die o tmo. / in wundervolle^ menschlich packende* Schauspiel ivllei starker Konflikte — / 'iwehf volle I hl der des Hrrvhtrsgidener 11indes als Hintergrund einer tu Herten gehenden Handlung. imill ulrhl li'llmul iniNh'hlhiirulnwurulhmi Ulin NuhönliPllMi'i'rin voll hniilpflogeiidnr 'l'lnfttnwlrkuntf aus äiiesieu. den t> Viimn|i 11)40 Ulm |ld)m uuobüini hm iDbib, UUe"’,i Bitter und WulAnll e Virmmlne inmeiil |||||(l| ,|| IIll|l||Il||| Ab lieuin, I luß/niiilni llodnnncw Mlrtufolohtn Ah Nniinlnzi, ‘«i n II Anyiieli Wlldnohwnln In Burgunder Bahnhof Gnriltiiailon Nnch drin wrltbcknnntcn k’unuui von Ludwlfj Gnii|}ho,cr. Miti Paul Richter/Olßa Schaub 1'5. Ulmer / Charl. Radsplvlcr Musikalisches Rätselraten mit Pirlnvcilriluntj Nttinehiy, dru 10. Atupi*! 1040. MO Uliri Hliitunliyrn hot lln01 lrHFirnihlo OnnlNplcl mll rHANLOTTE NUN A WflllÖ-diflS- Bilöl'Olfll niohevnev. £iDv. VhhU'b. ii. (UMHIN Ml h. Ollen. VIha. Nur rrhklllh’hi Parfümerie Doll Mm hin) inlh' UM («l< lh n Miukl' hnl.lr UH | Vdiklluhi | üliiöer- Suoriiuniifii ui nevkmis. mi»it Lniidmniiuslr H III Lichtspielhaus l'Akdlxh 4. 0. N 15 — Sontttlil MO, M5 Oi'i'r ‘.'iHlb. IVh'bncr, Molke e, Mnxlwfl b. WlllclUlId). M ide 1IIIUmii(D/l)llli, hinnlbl a. Hl. <1. 4(11 ...Ub Dnlln I nun eil llüni lehr iiimiinniclniic und UvHhu*1 5Iops-Echmerzen au rinnen. Wnihbciit hb rlnloe Wudleid liiullib örel J iincmi Vinilliiuieiieii m1 iiummeii öiiDe, bin hb niehiol beiIhicii tiuidhUiiiciiicii luüiu'iuuröciij L°'!!^"'d^L-Mrvon-Gchmerven Oerr Aiib Vüiiuyolo. IHcvoniiliUb ’j^orlmilllh, Onubnflr.MI, hinnlbl um i.i. b. ui: .,'drb ivnr mll nicliicn iQerven mniA ih'i’iiiitcviiefumnn'ii nuh rni reiner virbcii fdölu. Oeuto Ichmb. inub Hiebi.null bei J rliievid-OuidlnlHeUeii, sann hb meinem Vlemi ibleöer uoii imh narni iinibueUeii.w Viel floul- ii. 'Uciuriifibiiiriiinii, Ulbeilllin, (Mhht, HndiloU. 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Munn einer Oihr« frnn ans diese Weise noch nicht ouvrrichenb gehnl- sen mein' n, |u bms eine ZUsttiZlicha laufende Belhllsr 311 hen Vln-unben stir Pasten und Stauern gowohrt nur für uimiiffcülrbbnrc rkirbeiien. An seinem Uriah ilbi'i' ben Amnilirniinh'ihall hat hei Melchainnenmlnlster muh nnchmol 3111 dnme hen 'Amnlllriiiinleihulln hei 'Hesshei nun Ülfldnhi'lnieii imh vlgonon 'lUnhiiiiimi'ii I'ihuiu uennnmu'n stellen hem llnleihullnjiih sinh Mitbrihilsrn 311 m1 ludhren, für oiiienbeline Beihilfen 311 hen ntdnnm* hlgen «imuidien stii V-nflen 1111h Wienern, hie ans hem (Uelnliihc inln-n On Imnhell siili um .Dnimlhefeii- 3h 11u 11 imh lÜj'UnnnbrlrÜm' süi hie iin (Öninbbiid) i'hiaeli Irenen Hh iiiih|llld'|d>iilben, ferner ükbällbe- nei |lihei iiiim>bellrtli|e, srnneit hie Velfliinneii 11 lUulllß mi| hie -(eil her 0 inbei nsnnu füllen Del MilliftOl bellhnnil. Miss eine Beihilfe 311 'Aiislanhiehiinumii- bellen niibl uennlhi'l merhrn finin Vhid) ble Oie- im'lhriinn einen PiiusiHbetriuse« sbr Inufeiibo In» lluiih|e(3iiii||«iirliellen ist nicht 3iih‘t||lß, 0« ftinni'ii Adlumi-Rechle und Forderungen tta gibt Im UOIU[dnifl»li'ben neItrauliche uu^ sansliue 'Jli-flOlillHp'll, Die Ambri iinucn unb liiihle mi, m I e d e r kehr e 11 h e Ul a I u r a 11 <* I [tun* 31 c 11 •'nll)fllien, Dm» tiIsst B 411 bei Innbiiilrl« sihastllcheii V| 110 n I e 11 e n . aber und) bei den sog. Uhiliiriilpad)h'ii und bei Mlrdjen- nnr> itotronnih»« anspiliihen ans NoturtillelftungOn Illach Oinstlh- Hing bet ,',iimnu«>>einirtschastiins3 für Vcbi'iiomllh'l Ist nie U1 sillliinu dieser 1)1 ed)le 1111h fflorbcriniqrii Diel,ad) erschmerl Der 'tieiih.-.nilnlster her Justiz imh her sllelckiamtnlfti 1 stir 0 rnckhi'UNu unb Vmib« nm l|d)u|l haben daher bestimmt: ...HÜnnen An« Iprlidje au» AnrberunflOll ober 'it echt en ans wieher- lehrende Vlnliiiiillel|liiii||eu insnlue her lissontllchen 'H'iniiIschiisliinu nmi lanhwiitsd)a!tlid)en EkZIuu« II iss eil nld)l mehr er|ÜIH meinen, jn tritt an die 1 teile her minsallenken üialiiralklfhlfl-flfil eine 1 111 (11 e 1 st 111131 111 01 e 1 b," Uierehiborun'Mn ber De le diäten, moinid) ble Vhilurallelfluiifli'ii In an« derer Weise ul» durch lbeld erseht werben, bleiben unberührt Die .Hiihe der O r ghleifiuug In Ulelb 1-»......... , . . Jiiti'* Bekanntmachung. Die Deheridlr Übei die BeHrÜge 3111 Omid unb snittuiiitschiistilchen Bei iisnuenussensihasi |ili bn» Mu lenhei |ubi (U.1U Heul ui« U Vtnuuss iiiio willnenb Aiuel Weihen beim Vleijldivi mim'mnl bei Vittdt HUeheii, VIin NichllMUad»|n .1/, Idulldi UOII / bl» O UO«. 3111 Olii,ldil 1* |en Aiineiliulli cinei melleien |\ii(i nun zwei Wochen mich Äblmis her Offen- >"il"u||osiist fnnii bei In bei ilebeiolle bezeichnete Beitiiisivzittichtine m u«'" die Vieiechnuno bei Beurtioe bei hem Veite» hei Uunb- mib smsimiilschiisliidien 'tlei idiuienusseiilihiist In Om iusliidl Ulnlpimb ei lieben (Oft 1001 bl» i0.71 'Heldinuei |l.hei niupwi hniinn) Del (Jln,prmt) schiebt die um hin,hie ^iibiuii||vpsiicht nicht WMMm Ikrciiifodnuifl des kleinen Abstammnnflsnadiweises. Gill* Vlernrhnunti he» Otenei att'eimtlniUihtluten Illi ble 'lleld)NDnnmllmui luliiul Glletchteruiiueu jlir hl» *dlll)imi|i iiee Vhid)iiirl|e* fiel lieiil|d)ldlHI(irn Vtbstmnuinnu "*-ir rdliml mit iirui iieinIstani>e aus, buh bei Vtaihwriß mi» iiuinnigsiuhrii Vlnhl|)vn Im uin mlehei durch Vimliminu bei liifuiiden uesui,'i •neihen muh, nnio nicht 11 Ui brin 'itmhnn iapMit) llt|"ii srltist iminei neue Mtlhen und Husten, |miDvin amh hen V,taiidepi'eaniten lllih Mii iheniiinhsiihi n n simile heu 3111 ',h ll,lllii| he* Wad)liirl|rn hei iifeneii iHeu,l,lrlleii ,inuM|l‘* Mehl flsdeit lil'l 111,101)1 Del 'ttaihiiieippttlchtiur faiill nun eine ’He,d)elnl|piii|| dal llbri beim lauen bah ei firn aesm iiei teil htiichlliel» beirII» *111111111 eine 1 milieieii Dienst,teile (leaeilübei ar,uhit Hut ।Si11 Vliihiilmruiiyen hei Pmtri, Ihrei Oilieliei Ulmen asm u>tt fite Gl leichte« unu niiht Wenn lebiich eine stiiatllibe (uhei Wehrmaihtki') (l'teile tun Mflchuies* lieul|d)bllllliiei AbstiiniUlUiiu iieilanul, sn kann bei •Hiid)iiirlop|lld)ll(|r, wenn ri iil» 'litlluileb hei 'tiai tei uliri elnei ll)iei ÜHltiberilllflÜll bin t liea IktflchmelO aesllhit Hal, sld, eine 'Hr|djelnl||Uim liier Ilbei nun hem Hielolellei tiesihidteu lllih iile|e al» Gr,uh de» uikuiidlichrn Vtad-iiieise* nmleaeu Nut hei ’iliidinielniilllihllue ,0)011 ßtnmal elnei 'Hehiliiie, •liier Ossenlliih ieihllldien ftllrpm Ifbufl, elnei tMenst stelle de, WehiinmtM adel de» mSidjoaibeitadienstea neuenIlbi'i den 'Uiidmielo ne,Hin I, sn beim ui ri sld) eine rill,ineitienhr 'Hesitirsnluunu hei intiesseniien Dien,I,teile Uliri diese i atsmhe Die 'OescheinimiNft bimiihl nm dahin 311 lauten, bah und mleiuell („bla 311 den (Uiuhellrin ßillschliehilch") bei Utmlnuei» uesllh, t ist, sie bi iiinht hiiftüflen uiiht eine Vllisd), Ist - —- । —■ ■' 1 » ........... ih b e in Ur, v ll U e r p r c I » lür Die U ilatili i tuim in Hie Id soll diesen 6aInin nur daun über,leinen, wenn die '-hi« priiiiheh'nuim he» Gr.ieiiflerprdh1» ,üi heu Ollaii- Dkier eine inihHllfle S)ih'le hrheutfu würde und dl 11 hiihere Beme„uiiu dem eSchuldner 3uo»'mutet wer« den kann Auch bann uehi ble 0 r,n,|icl,liiim nld)t 'Oir fllü(Tlli1)e (^üburf einer Tochter zeigen hiu> (Mell, hiivl i- f*uIv Olci I.iid in bei -Illi »nun ic > bl» .*' .** Uitk* viii.ubutx- uului im; 11 Ml d"f den Abschnitt b bei Korte eben,all» 3iuei Gie» hvn üikhrncv Vinuiw'i evluMvit. tuetitOfbtn. 3bb/D Olien,n fniiiiru 0t)euattru (Ghefkoueii ober (Hje- iminiiei) nun isiartelu'iiiissen, 'Hrmnlrn unb Ange- Ilellleu oer,ohren, wenn bei andere Gheaatle and) lli ,ie lies elnei bei nlien eiwilhulen Stelle hen 'lli,lmmnuim»midimela (p-Jilhrl l)nl Dei Al«,tarn- iiiuii(|amid)meln kann iiinl) 3111 01 leichlei miu de» ei,lmall(|rn Aaihn»-I,e* ,lir laldjr Bersonen uer- menhel werden, ble hlejella- AhN-t«reihe Hoden Duo i|lll ,lh Gehhinlstei, die in-nsi'llien 'Hatei nuh ble- selbe 11/ul In haben, sie MÜ,ien iilleihlim» mid) ein- mmibfrel ihren Bei uuiiidlschostograd uaihweiseu schliesslich kilnnen ,ld> muh wliihn her mm Ihrem Via In ahn Mutter oder imn lieideu liei ella ne,Hin len Vlli|lmiiinmiqoinul)iue|,e bedienen Da« \iInh behiii, nm her Heiden 'He,d)eliil(|iiiineu Ijleillbei Hunte feinei Hlehui Imn funhe Aili U he- |d)lle,viii||eu lilelben alle blahei lpi'li Beftimmiinu»'U, mich die über Milena- und Nei'iitiauuugen mibe- ill|)rl Oben,n ,lli heu iV|hjlniuiiiiiimtHiiid)iiie|a Im 01 bl)ii,ieiht nuh bei her U Inblli pei uii||. Vie Velrenung der Mrtegsopfer. Wenn auch die Bei hirgungsuelitlliinlsse ,» iieme,- •* 11 sind, das« ,le eine mi»ieichende Vebenahiilliinfl iiheistellen, i" bleiben bad) hie .V)ln,eiblleheueu )du,In fin itlugeie Hell 3nuilii)sl mit Ausgaben neloflel, ble (hie llr,mi)e in her Hebenshaltuiig nm hem lohe he» 0luliein,enen hatten und nun über Aranh eilifd französischeit Olnei Meldung mm ’ll/lrmuu« CHnmhe» hu ilhOtie) 4U,i'h|e (p'Hrl mio lilohe, nmi; nldjl ,eftgestellter II, suche <■ I 11 lll I t 'M ii n I 1 1 11 11 bei 11 b e 11 e 1 01 ll - leim 111| < 11 ans heil Winnie,gleisen de» brütig"» Bflhnhuse» In ’Hrmih Da» Aeue, (pl,, aus weite,e VII,men, ble ,,ld)l ,ed)l3elll|, megge3Ugen weiden kannten, title» tunbrnlanu "lute mll 1110,311 Heftigkeit 0 ), p t 1» s i o 11 ii u , 0 p I 11, I n 11 (Heuen ZI) 's'.ei,mie„, imisl Vlahnaichefleltte, imiiben ne, II ht De, ' aihschade,, 1,1 seht bell 11(1)11,4) über ben viel rag hinaus, den bei Oububi-ger aus« wenden mühte, um hie Naturalleiftungen 311 er« in erb en ,'suiiiid)st sollen ble Beteiligten sich ß(IIHd) einigen (gelingt ble -. irldjl, so kann jeher nie Vier« h,antil)ll[e be» Viid)tein In Anspruch nehmen Bestreitet her " ihiilhiiei ble 'Aorberuiift an std) ober ha» Bkcht aus ble Vtaluralleistung. so enlsiheibel bas Aiiflrtiiblgp ul er Id),1 Du» Gleihhl soll ben Mreki« bonei nsühi e r sowie g e geh «mim falls ble Preisüber« wachungsstelle büren. ......iHiihi'inirih'i j 1 niivhiiiii muiueiiii tifliifip 1 lellvielniir bei n.'.» HlfllVt M'sülUi jhril l> ttNtttttttttt Nr. 187 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Sreltag.y. August 1940 Aus der Stadt Gießen. Heilige (Srbc. Zweimal im Jahreslauf spüren wir des deutschen Ackers Heiligkeit in besonoerem Maße. Zum ersten, wenn der Landmann über ihn dahinschreitet und ihm das Saatkorn anvertraut, zum zweiten, wenn seine schwieligen Hände die blanke Sense durch das aoldene Korn führen und Schwade um Schwade sich legt. Das ewige „Stirb und Werde" klingt hier zusammen. Sie gehen ineinander über. Jahr um Fahr gibt die deutsche Erde, gibt der deutsche Acker dem Volke das Brot, wie er es den Ahnen dieses Volkes schon vor vielen Jahrhunderten schenkte. Wie ost und schwer zerwühlte des Krieges Gewalt diese oder jene Aecker. Jeder Fußbreit solcher Aecker ist mit Blut gedüngt, das irgendwie und irgendwann einmal vergossen wurde um die Unversehrtheit und Freiheit des Ackers. Immer gleich blieb sich dieser Acker, immer wieder nahm er die Saat in sich aus und spendete den Segen des Brotes. Heißen Schweiß harter Arbeit trank und trinkt der Acker Jahr imi Jahr. Schweiß, der von glühenden Stirnen und Schläfen rinnt. Je schwerer wir ringen müssen, desto heiliger ist diese Arbeit uns. Nichts Großes in der Welt fällt einem mühelos in den Schoß. Heilig ist die deutsche Erde aber auch darum, weil in ihr viele, unendlich viele Ahnen ruhen. Sie wird auch uns einst umfangen, wenn wir unser Leben vollendet und erfüllt haben. Weiter fließt dann der heilige Blutstrom hinein in die Ewigkeit unse- res Volkes. Schon zieht hier und dort der Wind über die ersten abgemähten Felder. Es ist wie ein leises Abklingen, ein Ahnen des dem Sommer folgenden Herbstes. Aber im Schoße des Welkens und Vergehens keimt schon wieder das Neue, das Werdende und Wachsende. Ewig ist die deutsche Erde, ist der heilige Acker des deutschen Volkes. Dornotizcn. Tageskalender für Freitag. Gloria-Palast (Seltersweg): „Mädchen im Vorzimmer". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Der Klosterjäger". Oer Augentrost Eine Pflanze unserer heimatlichen Fluren, die das Herannahen des Herbstes ankündigt, ist der Gemeine Augentrost (Euphrasia ofticinalis oder Euphrasia Rostkoviana) der auf feuchten und trockenen Wiesen und auf Oedland in allen Höhenlagen jetzt blühend anzutrefsen ist. Sowohl der deutsche Name, als auch die lateinische Bezeichnung (Euphrasia = Frohsinn) deuten an, daß der Anblick des lieblichen Kräutleins herzerfreuend auf den Beschauer wirkt. Eine echte Augenweide! Die weihbläulichen Blüten mit ihren violetten Linien und dem gelben Schlund rufen im Spätsommer und Herbst, wenn das Blumenjahr seinen Höhepunkt bereits überschritten hat, bei dem Naturfreund die nämliche Freude hervor wie das kleine Blauveilchen im zeitigen Frühjahr. Und wer sich der kleinen Mühe unterzieht, eine Blüte durch ein Vergrößerungsglas zu betrachten, der kommt aus dem Staunen über dieses kleine Naturwunder nicht heraus. Nicht nur der herzerfreuende Anblick hat dem Spätling den hübschen Namen eingebracht, son- beni auch seine heilwirkende Kraft bei Augen- leinen, die bereits den Völkern des Altertums bekannt war. Schon der griechische Arzt Dioskorides hat das Kräutlein gepriesen. Die Droge enthält ätherisches und fettes Del, Bitterstoff, Harz, Gerbsäure (Euphrastansäure), Wachs, Zucker, Gummi, Salze u. a. wirksame Stoffe. Der Augentrost ist, was von allen Sammlereinheiten zu beachten ist, nachträglich noch in die Liste der Heilpflanzen ausgenommen worden, die heuer im Kreise Wetterau durch die Reichsarbeits- gemeinschaft für Heilvflanzenkunde und Heilpflan- z^nbeschaffung (RfH.) gesammelt werden. Das blühende Kraut wird so abgeschnitten, daß der blütenlose Stengelteil und die Wurzel nicht mitgesammelt werden. Das Sammelgut wird in dünner Schicht auf Papier ausgebreitet und getrocknet. Blühende Mohnkelder. Im Bemühen um die Steigerung der Fetterzeugung ist die Landwirt- schäft dazu übergegangen, den Delsaatenanbau stärker als früher zu fördern. Neben Raps und Rübsen wird nun auch Mohn an- gebaut. In der Gemarkung H e II d) c I b e i m , umwit der Straße Gießen—Heuchelheim, blühte bis vor kurzem ein Mohn- seid in fmöner Pracht. Nun aber sind die prallen Fruchtkapseln zu Tau. senden ausgebildet und versprechen reiche Ernte. Auch an anderer Stelle, unweit von Saasen nahe der Straße Gießen —Grünberg, begegneten wir einem Mohnfeld, das w; • V ' jetzt noch in voller Blüte steht. Der Mohn blüht strahlend weiß mit feinem roten Anflug am Grund des Kelches der Blüten. Beim Näherkommen ist man überrascht von der Fülle und Schönheit der Blütenstände. Die blühenden Mohnfelder sind ein neues Element und eine reizvolle Bereicherung in der heimischen Landschift. Das leuchtende Feld lockt viele Insekten imb Falter an, die über den Mohnblumen hin- und herschwirren. Zweitägige Wanderung vom Siegerland zum hessischen Hinterland. Erster lag: Straßebervbach — tahnhof — Jlfctal — Feudingen bzw. Biedenkopf. Diese genußreiche Wanderung zur Lahnquelle beginnen wir in Straßebersbach, wohin uns die Bahn über Dillenburg gebracht hat. Bon hier folgen mir der O-Markierung, die uns gleich auf steilem Pfad in die Höhe bringt, wo sich eine prächtige Aussicht erschließt. Vorwiegend durch Wald, in dem wiederholt Lichtungen entzückende Ausblicke bieten, kommen wir durch den kleinen Weiler Sohl, später auf die sog. Eisenstraße und auf dieser nach links zum Lahnhof (610 Meter). Im Keller des nahegelegenen Forst- Hauses soll noch der landläufigen Annahme unsere Lahn entspringen. Von der wenige Minuten entfernten Stiegelburg (6.38 Meter) genießen wir einen weiten Blick in das Siegerland. Nachdem mir noch ein Stück die Eisenstraße gewandert sind, nerlafle» wir diese beim Wegweiser und folgen jetzt roten Strichen über Heiligenborn zur Jlsequelle und weiter durch das enge, vielfach gewundene Jlsetal, das von hervorragender Schönheit ist. Nachdem mir noch den einsam gelegenen Hof Linnefeld passiert haben, erreichen wir bei der Feudinger Hütte das Lahntal und bald darauf Felldingen. Von hier benutze,l wir die Bahn nach Biedenkopf, wo wir Übernachten. Zweiter lag: Biedenkopf — Mornshausen — Holzhausen — hiinslein — Gladenbach. Der andere Morgen dient zunächst der Besichtigung der malerisch am Fuße des Schloßberges gelegenen, ringsum von bewaldeten Bergen umgebenen Kreisstadt, um sodann lahnabwärts zu wandern. Bei der Station Friedensdorf treffen wir gelbe Striche, denen wir vorerst folgen. Wir kommen an der Ort- mühle vorbei, überschreiten die Dautphe, kommen hinter Mornshausen an einigen mächtigen Grünstein- vrüchen vorbei über die Amelose nach dem zwischen Bergen liegenden stattlichen Dorfe Holzhausen mit schönen Fachwerkhäusern. Nach einer Erholungspause steigen wir aufwärts zum 500 Meter hohen Hünstein, dem nördlichsten Vorsprung der Aloerge, von dessen Holzturm man eine weite Fernsicht nach dem Lützler- und Hainagebirge, Knüll, Rhön, Vogelsberg uno nach der Gießener Gegend hat. Schwarze Dreiecke leiten uns durch schönen Hochwald abwärts, sodann über eine Heide mit weiter Aussicht, hierauf durch Runzhausen, später am Wasserwerk und an großen Schieferhalden vorbei mit entzückender Aussicht auf Gladenbach und die es umgebenden Berge. Bald darauf erreichen wir unser Endziel, das reizvoll gelegene schmucke Städtchen Gladenbach. Wan- derzeit am ersten Tage 5%, am zweiten 4M Stunden. * Gießen — Reiskirchen — Winnerod — wirberg -t Gobelnrod. . Wir beginnen unsere Wanderung am Schützenhaus, gehen die Grünberger Straße entlang durch schönen Wald an zwei Wasserbehältern vorbei, bei dem ersten prächtiger Blick über die Stadt und das Lahntal, später an der Ganseburg (Einkehr) vorüber, kommen unter der Reichsautovahn her an einigen Häusern von Reiskirchen vorbei und) Winnerod mit seinem alten interessanten Kirchlein. Hier stoßen wir auf die von Gießen kommende, den ganzen Vogelsberg durchziehende blaue Dreiecksmarkierung, der wir jetzt nack)gehen. lieber Feld und Heide sowie durch prächtige Waldungen, auf wenig begangenen Pfaden, immerzu hübsche Ausblicke bietend, führt unser Weg schließlich burd) das Dorschen Bollnbach hinaus zu dem hochgelegenen Kirchspiel Wirberg. Von dein ehemaligen Kloster, das hier stand, sind nur noch wenige Ucbcrreftc vorhanden. Eine schone Fernsicht belohnt uns für den schattenlosen Aufstieg. Die Zeichen bringen uns auf einem hübschen Fußpfad nach insgesamt 4 ^stündiger Wanderung hinab nach unserem Endziel Göbelnrod. BVM> u.ZM.-!lnter«au 116 Gießen Stelle für Leibeserziehung. Betr.: F ü h r e r i n n e n w e 11 k ä in p f e. Kommenden Montag, 12. August, werden ab 18 Uhr auf dem Universitätssport^latz die Führerin- nenwettkämpfe zu Ende durchgefuhrt. Alle dafür in Frage kommenden IM.-Führerinnen sind um 18 Uhr auf dem Platz, alle M.-Führerinnen pünktlich ab 19.30 Uhr. Der Termin gilt für den Fünf- und Dreikampf. Zu gleicher Zeit können auch die Hebungen für das VDM.-Leistungsabzeichen abgenommen wer. oen. Die betreffenden Mädel holen sich aber vorher auf dem Untergau ein Formular für das Abzeichen, damit die Eintragung an Drt und Stelle gemacht werden kann. Das Schwimmen für den Führerinnen- Fünfkampf ist auf Mittwoch, 14. August, festgesetzt, ebenfalls ab 18 Uhr (allerdings nur bis 20 Uhr). Gleichzeitig kann für das BDM.- und JM.-Leistnngs- abzeichen geschwommen und gesprungen werden. Aber auch in diesem Fall bitte erst die Formulare holen. Am 17./18. August finden aus der Rolllchuhbohn in Gießen Verglelchsmeisterschasten im Rollschuh- lauf zwischen Gevlet und Dbergau Hessen Nassau (1.3) und Gebiet und Obergau Kur Hessen (14) statt Näheres erfolgt im Laufe der iiächften Woche ebenfalls in der Presse. Sommerfporhofl Oer Betriebe. NSG. In allen Kreisen des Gaues Hessen-Nassau werden zur Zelt die Vorbereitungen für den Som- mersporttag der Betriebe getroffen. Der Sommerlporttag wird als Betriebsveranstaltung durchge- führt. Alle deutsd>en Betriebe mit den Männern über 18 und den Frauen über 21 Jahre sind teilnahmeberechtigt. Der Hauplwettl>cwerb des Sommersporttages der Betriebe ist die „Sportliche Leistungs- Prüfung der Gefolgschaft". Sie besteht aus fünf Hebungen: Dem Aufmarsch aller Teilnehmer; dem 800-Meter-Laus der Männer bzw 400-Meter-Lauf der Frauen; den Partiierübungen der Männer bzw. der Gmnnastik der Frauen; Sem Wurf oder Stoß der Männer bzw. Ballwurf der Frauen; den Splelvorsührungen aller Teilnehmer. Diese Lelstungvprüsung gilt als Hauptwettbemerb. Der Bedentling entsprechend werden Kreis-, (Bau- und Reichssieger festgestellt. Entsck>eidend für den Erfolg ist die Teilnahme möglichst aller Gefolgschaftsmitglieder: gewertet wird das Verhältnis her die Hebungen bestehenden Teilnehmer gegenüber der Gefolgschaftssiärke. Neben diesem Hauptwetttiewerl' werden Sonderwettbewerbe und Sondervorsührimgen durchgeführt, wenn es nach den örtfidjen Verhältnissen möglich ist. Der Sommersporttag der Betriebe bietet für unser Rheln-Maln-Gebiet die Möglichkeit, zu beweisen, daß hier der Betriebssport ansehnlid)e Lei- (hingen aufzuweisen hat. Eintragungen in bas Gießener HanbelSregister. Bel der Firma Eugen Dürr 8- (So., Kommanditgesellschaft in Gießen, wurde eingetragen, daß nach dem Tode des Gesellschafters (fugen Dürr dessen Witwe, Käthe Dürr, geb. Waßmuth, als persönlld) hastende Gesellschafterin eingetreten ist. Als Kommanditistin ist sie ausgeschieden. Agnes Dürr in Gießen und Elise Förstner, geb. Dürr, ebenfalls in Gießen, ist Einzelprokura erteilt worden. — Bei her ,3n ma Georg 'l\tullcn|ch m Gießen ist als Geschäftsinhaberin Georg Wallenfels Witwe, Emma, geb. Balzer, eingetragen worden. Der Todjlrr (Emma Kuhnd, geb. Wallenfels, in Gießen ist Prokura erteilt worden. — Bei her Firma Jost Cenuner, Lollar, find als Geschäftsinhaberinnen Die Witwe Helene ßemmer, geb. Will, Marianne Lemmer, Elisabeth Cenuner und Anneliese Lemmer, sämtlich in Lollar, in ungeteilter Erbengemeinschaft eingetragen worden. Die Witwe Helene Lemmer ist allein ucrtrchmgoberedjtigt. — Die Firma Adolf 21 u ft e r ■ 11 h. Gießen, i|< erloschen Im Handelsregister B sind einige Veränderungen eingetragen worden. Bei der Firma Dampfsägewerk Lollar, B Nuhn, AG. in Lollar, ist dem Kaufmann Wilhelm Rupp In Wißmar Prokura erteilt worden. — Bel der Firma Landesprodukten G. m. b. H. in Lid) sind Ehrlsilan Rathjen und Ilse Neubauer nicht mehr Geschäftsführer Zum Geschitstekührer wurde her Kaufmann Walter B a r e n h of f in Frankfurt a. M. bestellt. — Die Gesellschaft Bau» Hütte G i e ß e n - W e tz l a r G. m. b. H. ist auf- gelöst. Bestrafung von Preistreibern. NSG. Der Rcichsstatthaltcr in Hessen — Landesregierung — Stelle für Preisbildung, hat gegen den Inhaber eines Sägewerkes wegen fahrlässiger Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften der Na- delschnittholzpreis-Veroronung im llnterwerfungs- verfahren eine Strafe von 5000 RM., gegen den Mitinhaber einer Weinhandlung wegen fahrlässiger unzulässiger Erhöhung seiner Verdienstspannen und unridjtiger Errechnung seiner Verkaufspreise für Wein im Unterwerfungsverfahren eine Strafe von kraulend und prustend erreichen wir das Ufer. Reinhold hat unterdessen das Boot an einen Pfosten der Böschung gefettet. Hernach sitzen wir, ein paar alte Säcke um gehängt, die im Bootskasten lagen, frierend und wortlos im Gebüsch. Amerika ist am Horizont verschwunden, und verschwunden sind die verfallene Burg und das alte Haus, wo keiner mehr wohnt. Kein Zelt vermag uns zu locken, keine weinende Mutter im grünen Stuhl, kein Feuerle, feine gebratenen Kartoffeln, feine Leute, die Vater einen „Patron" nennen. Nur trocken werden, rasch trocken werden, ehe die Stunde des Abendbrots fommt. So findet uns der Polier Kapufte, den Onkel Anton auf die Suche geschickt hat. Mit einer Tracht Prügel endete unsere erste Amerikafahrt. Zeitschriften. — Italien an unserer Seite heißt das Motto, unter dem das August-Heft der Monatszeitschrift „die neue 11 n i e" (Verlag Otto Beyer, Leipzig) erschienen ist. Wie seinerzeit das große „Staaten- heft Italien" der neuen linie, befd)iiftigt sich auch dieses reichhaltige Heft mit den historischen, geistigen und politischen Grundlagen des neuen Italien und seiner imperialen Macht. (Ein Aufsatz über „Imperium und Reich", die beiden ewigen Ideen der zwei befreundeten Nationen, eröffnet das Heft. Es folgt ein Beitrag „Das 9ßort der Geschichte", in dem die entscheidenden Phasen der ersten zehn Kriegsmonate an Hand von historischen Worten des Führers und des Duce und mit dofumentarischen Bildern festgehalten find. In eindrucksvollen großen Bildtafeln wird sodann „Die Waske Italiens" gezeigt, zugleich werden die führenden Köpfe seiner Wehrmacht vorgestellt. Die Darstellung des Heroischen in der italienischen Kunst ist bus Thema, zu dem der Slunfthlftorlfer Professor A. E. Brmckmann einen Aufsatz schrieb; hierzu einige ganzseitige Farbtafeln von packender Schönheit. Von Den weiteren Beiträgen fönnen nur einige der wichtigsten noch genannt werden, z. B. „Der Kolonisator (Bilder vom italienischen Aufbau in Dftafrlfa), „Boccia- Duell" (eine heitere Erzählung des italienischen Propagandaministers Paoollni) und schließlich „Die Bausteine des Königreichs" (die Hauptstädte der neun Provinzen, die Eavour geeint hat). Darüber hinaus noch eine Fülle von schonen Bildern und bedeutenden Auflätzen. Mißglückte Amerikafahrt. Don Gerhart Pohl. Hängende Weidenzweige treiben im Wasser des Ledergrabens. Der langsame Fluß bewegt die Zweige, die ihren Ast nicht verlassen können; er bewegt auch das Gleitboot unseres Onkels Anton, daß die Kette knarrt. Mein Bruder Norbert und ich stehen im Kahn, die Hände um die Stakete eines Zauns gekrampft und starren über den Bauplaß, wo Zimmerleute hämmern, jägen, hobeln und Kapuste, der Polier, das Kommando führt. Jetzt kommt unser Vetter Reinhold mit Bockspringen Des Uebermuts über den Platz gefegt. „Hat er's", flüstert mein Bruder rasch. „Nu klar!" sage ich gespreizt, „Senker is doch 'n Bulle!" In der Tat schwingt Reinhold, der Senker genannt wird — warum weih niemand — eine kurze Kette; daran baumelt der Schlüssel zum Kahn. Jetzt springt er hinein. Ich hole einen Diertelkorb mit Fußball, Tomahawk und Steinbaukasten, unserem liebsten Spielzeug, einem Ranft Brot, einer Tüte Salz und einigen gekochten Pellkartoffeln, den wir unter einen Hau en feuchter Sägespäne versteckt haben, und dann lö en wir die.Kette. Das Gleitboot schwankt unter chwankendem Geäst und treibt allmählich in die Strömung hinein. Reinhold hat das lange Stechruder ergriffen und das Boot in die Fahrtrinne gedrückt; nun hält er, am Heck hockend, das Ruder als Steuer im Wasser. Norbert liegt neben der Mittelbank und starrt In den grauen Himmel, der das schmutzige Wasser des Grabens zu spiegeln scheint. Ich stehe am Kiel in Fechterstellung, einen Stapel in der Hand, um das Boot in der Fahrtrinne zu halten. Wir schweigen lange, Uni) die Stadt rückt allmählich hinter uns. Schon ist die Grenze der Häuser verlassen. Da sagt Reinhold unvermittelt: „Sie kriegen uns ja doch!" Norbert fährt hoch. „Wir fahren ja soo weit, und keiner wird uns kriegen!" — „Du kannst ja aussteigen, du Angsthase!" bemerke ich wütend, aber Senker denkt gar nicht daran; er führe mit, nur einen Brief hätten wir hinterlassen sollen, „Die Tante wird sich ängsten und meine Mama auch!" „Was behandeln sie uns so ungerecht!", entgegne ich trotzig, „feste ängsten sollen sie sich! Heulen müssen sie, bereunl" „Ach, wegen des bissel Dresche!", sagt Reinhold, der meinen Widerstand nicht versteht. „Nicht wegen der Dresche, wegen der Ungerechtigkeit! " - Und ich schildere noch einmal den Zwischenfall, der unseren großen Entschluß auslöste, mit harten Worten für unseren Vater und viel Zier- gerät meiner Phantasie: Wir hätten mit Gustav Krummbach, Gotter-Paule und anderen Kindern gespielt: auch Elli Kasten sei habet gewesen, die Tochter des Bahnhofswirts. Da habe Gustav gesagt, jetzt machen wir „Piraten" und sei auf einen unserer Holzstöße geklettert; das sei die Briga^ und wir alle laut jubelnd hinauf — jawohl, die Brigg! Dann schleppten wir Stricke und eine Pferdedecke herbei, die um einen Stapel gebunden wurde; Ö— das Segel. Ich sei Kapitän gewesen und e der Oberbootsmannsmaat und Elli, die in einer Lücke des Holzstoßes kauern muhte, die geraubte Braut eines indischen „Großmongolen". Und los ging's, 'ne feine Vlratenfahrt! Da habe Gustav erklärt, der nur gewöhnlicher Pirat war, nun müßten wir ein Freudenfeuer machen, weil der Raub gelungen fei, und habe Streichhölzer und Sägemehl und eine alte Konservenbüchse herbeigeholt; ich, der Kapitän, und Norbert, der Lotse, hätten cs ihm ausdrücklich verboten. Alle anderen aber hätten uns „Memmen" genannt, und da hätten wir's Maul gehalten. In diesem Augenblick habe Vater 's Kon- torfenster aufgerissen: „Seid ihr wahnsinnig, ihr Bengel!" Gustav habe das Streichhölzchen ausgelöscht, und alle Kinder seien vom Stoß geklettert und fortgerannt; dann habe uns Vater ins Haus gerufen: „Was hast du gemacht?" habe er Norbert angeherrscht ... „Und dann ist er auf mich zuge- sprungen" — Norbert hat sich unterdessen aufge- richtet und nimmt mir das Wort ab — „und hat mir eine gelatscht. Ader ich habe gesagt: Ich habe doch gar nichts gemacht, und Ulli bat’s auch gesagt . w' „Ja!" bekräftige ich würdig, „ich hab's auch gesagt, weil es die blanke Wahrheit ist! Da ist Vater furchtbar wütend geworden und hat uns angeschrien: „Auch noch lügen wollt ihr?! Ich habe e3 genau gesehen! Brandstifter und Lügner!!" Und dann hat er mich übergelegt und läufig verdroschen und hat gesagt: „Fürs Lügen, nur fürs Lügen, du Lausejunge!" Dabei ist ihm die Uhr aus der Weste gefallen, und peng! war das Glas entzwei! Da hat ihn der liebe Gott gestraft für seine Ungerech- ügkeit!" „Und jetzt strafen wir ihn!", falle ich entschlossen ein. „El soll uns in Posemuckel suchen Und Mutte! wird ihm böse sein — wegen her Gemeinheit; sie wird im grünen Nähstuhl sitzen und immerzu meinen, und die Leute werden auf ihn zeigen: „Das ist ja 'n grober Patron, vor dem die Jungen sind nach Amerika durchgebrannt, weil er sie immer ungerecht geprügelt yat." „Wieso nad) Amerika?", fragt Norbert gespannt. Uno ich schildere den Plan, den ich ersinne, wäh- renh ich erzähle. Wir führen jetzt durch Ledergraben und Sck;ätzke in die Bartsch, weiter in die Oder und abwärts bis Stettin; dort verkauften wir den Kahn und lösten Schlffsbillctts nach Amerika. „Nee, das geyt nicht", meint Reinhold entschieden. „Der Kahn gehört doch meinem Papa!" „Den muh Vater dann ersetzen! Auch das wird ihn schön ärgern!" Aber Reinhold leistet zähen Widerstand, und ich schreie ihn an, und er schreit zurück. Da mischt sich Norbert in unseren Streit. „Amerika finde ich auch Quatsch! Ich bin für Fahren und für Bleiben, wo's uns gerade gefällt. Vielleicht finden wir wo ’ne verfallene Burg, so 'ne wie das Bild im „Deutschen Taschenbuch", vielleicht eine alte Hütte, wo keiner mehr wohnt. Sonst machen wir uns ein Zelt und ein Feuerte und braten Kartoffeln, und wenn uns das zu langweilig wird, dann fahren wir weiter! Und denkt bloß, immer ohne Schule!!" Aber Reinhold findet das „labrig"; er entscheidet sich jetzt für Amerika. Das stärkt meinen Rücken. „Man muß ein Ziel haben, wenn man was durchsetzen will!" belehre ich den kleinen Bruder mit der Ueberlegenheit des Quartaners, für den ein Sextaner ungebildeter als ein Buschneger ist. „Nu ja! Das ist doch ein Ziel", erwidert Norbert", Fahren und Kartoffelbraten und bleiben, wo's einem gefällt!" Dem widersprechen wir beide. Norbert liegt jetzt ganz lang ausgestreckt und starrt wieder in den verhängten Himmel; er schweigt. Dieses Schweigen empfinden wir als Widerspruch. Ich nenne ihn „Idiot"! und Reinholt brüllt: „Amerika, basta!", und Norbert schweigt. Da überwältigt mich der Jähzorn: „Du Kindskopf!", schreie ich und gebe ihm einen Tritt vor das Schienbein Norbert springt auf; wir kommen ins Handgemenge. Norbert packt meine Kehle und ich die seine; ein rasches Schwan- ken des Bootes. Reinhold schxeit auf; und wir ftür- zen ineinander verschlungen in den Fluß. Mühselig 3000 RM., gegen den Inhaber einer Lederhandlung wegen grobfahrlässiger Zuwiderhandlung gegen die Lederpreisverordnung und die dazu ergangenen Durchführungsbestimmungen im Unterwerfungsverfahren eine Strafe von 2000 RM. verhängt. Ein Hauseigentümer wurde wegen einer fahrlässigerweise vorgenommenen Mietpreissteigerung im Unterwerfungsoerfahren in eine Strafe von 750 RM. genommen. Der unzulässigerweise erlangte Mehrpreis wurde zugunsten der Staatskasse einaezogen, da der Mieter in voller Kenntnis der gesetzlichen Bestimmungen sich zur Zahlung der übersetzten Miete bereitgefunden hat. Der Mieter wurde im Unterwerfungsverfahren mit 150 RM. bestraft. Kuttermittelscheine für Hunde. Dom 1. August 1940 ab ist die Futtermittelversorgung für Hunde neugeordnet worden. Für Hunde werden nur pflanzliche' Futtermtttel bereitgestellt. Um für Hunde, deren Halten volkswirtschaftlich von Interesse ist, bevorzugt Futtermittel zur Verfügung zu stellen, werden an die Besitzer solcher Hunde Futtermittelscheine durch die Ernährungsämter, Abt. B, ausgegeben, die auf einen Monatsabschnitt den Bezug dis zu 6 kg pflanzlicher Futtermittel vorsehen. In Betracht kommen Diensthunde der Behörden, der Partei und ihrer Gliederungen, für Heeres- oder Polizeibedarf gemusterte Hunde, Rasse- zuchthunde in Zuchtzwingern, Icrgdhunde in Zuchtzwingern, Hunde in Tierheimen und Blindenhunde. Den Besitzern solcher Hunde wird auf Antrag von dem Ernährungsamt, Abt. B, je Hund ein Futtermittelschein ausgehändigt. Um die erforderlichen Futtermittel rechtzeittg bereitstellen zu können, haben die Hundebesitzer ihre Anträge auf Aushändigung von Futtermittelscheinen alsbald, jedoch nicht vor dem 12c August 1940, bei dem Ernährungsamt, Abt. B, ihres Kreises zu stellen. Besitzer anderer Hunde müssen ihren Futtermittelbedarf auf dem freien Markt decken. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 9. August. (Vorbericht.) Es kostetenDchsen 37,50 bis 46,50 RM., Bullen 35,50 bis 44,50, Kühe 18 bis 44,50, Färsen 35,50 bis 44,50, Kälber 30 bis 59, Hämmel 30 bis 48, Schafe 20 bis 44, Schweine 53 bis 59 RM. — Marktverlauf: Alles zugeteilt. Landkreis Gießen. * Garbenteich, 8. Aug. Auf besonderen Wunsch gab der Gesangverein „Frohsinn" Garbenteich dieser Tage unter Leitung seines Ehrenchormeisters Harnisch (Watzenborn-Steinberg) im Standortlazarett Gießen zum zweiten Male ein Konzert. Es gelangten nach sorgfältiger Wahl Lieder von Silcher, Sonnet, Köhler, Baumann, Meinhardt usw. zum Vortrag. Der Chor des Vereins bewies dabei erneut seine ausgezeichnete Schulung. Die Soldaten waren eine sehr aufmerksame Zuhörerschaft und gaben ihrer Dankbarkeit für die schöne Unterhaltung lebhaften Ausdruck. Die Sänger des Vereins ließen es sich angelegen sein, auch für das leibliche Wohl der Soldaten einen Beittag zu leisten. Don den Mitgliedern wurde eine Eiersamm- l u n g durchgeführt, bei der 300 Eier für diesen guten Zweck aufgebracht wurden. ch L i ch, 8. Aug. Einem Sohn unserer Stadt, dem Oberstfeldarzt Dr. Hermann Rau, wurde für seinen Einsatz im Westen das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen. Im Weltkrieg wurde Dr. Rau bereits mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse und im. Feldzug gegen Polen mit der Spange zum E. K. 2. Klasse ausgezeichnet. Wegen Arbeitsvertragsbruchs bestraft. Lpd. Marburg, 8. Aug. Ein juntzer Mann aus dem Kreise Biedenkopf hatte sich vor dem Amtsgericht wegen Vergehen gegen das Arbeitspflichtgesetz zu verantworten, weil er ohne Genehmigung des zuständigen Arbeitsamts seine Arbeitsstelle in einem Siegener Betrieb verlassen und sich längere Zeit ohne seine ihm von der Firma vorenthaltenen Papiere durchschlug, bis man endlich seiner habhäst wurde. Das Urteil lautete wegen Arbeitsvertragsbruchs auf einen Monat Gefängnis. Don her, Straßenbahn totgefahren. Lpd. Mainz, 8. Aug. Am Mittwoch ereignete fick in der Nähe des Domes ein folgenschwerer Der- kehrsunfall, bei dem eine Frau getötet wurde. Die Frau wollte die Straße überqueren, lief aber direkt in die Straßenbahn hinein. Der Wagenführer bremste den Wagen sofort ab, er konnte es aber nicht mehr verhindern, daß die Räder über die Frau hinweggingen. Die 45jährige Frau war sofort tot. Eßbare und gistige Pilze der Heimat. Speisepilze sind nahrhaft. Sie enthalten gewöhnlich nahezu die gleichen Mengen an Protein wie Hülsenfrüchte, doch nur ein Teil dieser Nährstoffe ist verdaulich, d. h. Pilze sind zwar wohlschmeckend, können jedoch die Fleischnahrung nicht ersetzen. Gute, in unserer engeren Heimat häufig vorkommende Speisepilze sind Pfifferlinge, Champignon, Schirmpilze, beide Arten, echter Reizker, in jungem Zustande auch die beiden Kremplinge, junge Hallimasch, Stoppelpilz, Steinpilz, Birkenpilz, Rothäubchen oder Kapuziner, Butter- und Maronenpilz, Ziegenlippe, Schmerling. Wenig bekannt ist, daß in jungem Zustande auch die schwarze Totentrompete zu den ergiebigen,' wohlschmeckenden Speisepilzen zu rechnen ist. Was in dieser Aufzählung fehlt, kommt nur für den gründlichen Kenner in Frage, so die zahlreichen Arten von Täublingen und Ritterpilzen, die entweder zu Verwechslungen Anlaß geben können oder bald voller Maden und dann gesundheitsschädlich sind. Was man nicht genau kennt, läßt man am besten stehen. Verwechselungen kommen vor, bei Steinpilz mit dem äußerst bitteren Gallenpilz, der sich vom Steinpilz durch einen rötlichen Schimmer der Röhren und gröbere Netzung des Stieles sowie bitteren Geschmack unterscheidet. Ein einziger Pilz kann das ganze Gericht von Steinpilzen ungenießbar machen. Unter den Pfifferlingen oder Eierschwämmchen findet sich nicht selten als Verwechslung der dünnere, orangegelbe falsche Pfifferling. Er soll giftig sein, doch ist trotz der häufigen Verwechselungen, wie sie tatsächlich kaum vermieden werden können, noch kein Fall einer Erkrankung durch ihn bekannt geworden. Der echte Reizker ist vom Giftreizker leicht durch die Milch zu unterscheiden, die beim echten rötlich, bei dem giftigen weiß ist. Giftpilze, deren Sammeln unter allen Umständen vermieden werden muß, sind Fliegenpilz, gelblicher, grüner und weißer Knollenolätter- schwamm, Wolfs Röhrenpilz, Hexen- und Satanspilz, Speiteufel, Giftreizker, Schwefelkopf, Pancher- pilz. Den roten, weiß betupften Fliegenpilz kennt jedes Kind. Er ist in der Nähe von Birken im Herbst überaus häufig und wird später oft gelblich, ohne Tupfen, die vom Regen abgespült werden. Der gelbliche oder gemeine Knollenblättersckwamm ist in der Umgegend von Gießen in manchen Jahren überaus häufig. Die Knolle fehlt oft, der Hut ist gelblichweiß, die Lamellen sind, zum Unterschied von Champignon, immer weiß, während alle Champignons rötliche, später dunkler werdende Lamellen haben. Unentwickelte Exemplare, bei denen der Unterschied nur wenig ausgeprägt ist, läßt man am besten stehen. Der grüne Knollenblätterschwamm ist bei uns selten, und wo er — wie vereinzelt im Gleibachtal — vorkommt, verliert er sich schon im Sevtember. Er wird nur gefährlich, wo grünliche Pilze, wie der Grünlings massenhaft gesammelt und auf die Märkte gebracht weroen, was bei uns nicht der Fall ist. Der weiße oder Frühlings-Knollen- blätterschwamm ist ebenfalls sehr selten und erscheint schon im Vorsommer. Ein weiteres Merkmal der Knollenblätterschwämme ist ihr Vorkommen im Walde. Was an ähnlichen Pilzen außerhalb des Waldes wächst, sind andere, nicht genießbare Arten. Erwähnenswert ist noch der rote Satanspilz. Sein deutscher Name läßt Gutes nicht erwarten. Gleichwohl gibt es Menschen, die ihn roh und zubereitet ohne Nachteil essen. Da aber Boden wie Menschen verschieden sein können, ist vor dem Genuß aller roten Röhrlinge, die Aehnlichkeit mit einem Steinpilz haben, nur zu warnen. Alle Pilze, auch die Speisepilze, werden, wie alte, verdorbene Wurst, durch Zersetzung giftig. Es gibt Pilzgerichte, die man am Abend oder vom Mittagsmal übrig noch am nächsten Tag essen kann. Aber man weiß nicht, wie alt der Pilz zur Zeit des Sammelns schon war und wie lange. er schon bis zum Verkauf lagerte. Man wird darum gut tun, größte Vorsicht walten zu lassen^ Das Gefährliche ist, daß Pilzvergiftungen sich erst äußern, wenn es meist zu spät ist. Erste Gegenmittel sind solche, die Erbrechen erregen. Man rufe sofort den Arzt! 9Ji.~foOTt Handballspiele des Sonntags. Der größte Teil der für kommenden Sonntag an« gesetzten Spiele mußte mit Rücksicht auf das vom Tv. Oberkleen durchgeführte große Jugendkurz- turnier abgesetzt werden. Es blieben nur drei Treffen übrig, und zwar Tv. Beuern — Tv. Heuchelheim Spgd. Großen-Buseck — Tv. Atzbach Tv. Krofdorf — Tv. Launsbach. Wenn auch Beuern erst am letzten Sonntag eine recht gute Figur abgab, so ist doch kaum anzunehmen, daß die Mannschaft gegen die spielstarken Heuchelheimer gewinnen wird. Der Unterschied wird allerdings nicht groß sein, zumal sich die Gäste in der Hauptsache auf den Einsatz jugendlicher Kräfte beschränken. Großen-Buseck hat zwar auf eigenem Platz schon recht gute Spiele gezeigt und auch annehmbare Ergebnisse erzielt, o-b es aber gelingt, Atzbach zu besiegen, bleibt abzuwarten. Gespannt sein darf man auf das Zusammentreffen der beiden Gegner in Krofdorf. Die Platzbesitzer haben sich mehr und mehr herausgemacht und zählen heute zu den stärksten Einheiten der Kreisklasse. Das Jugendturnier, das der Tv. Oberkleen ausgerichtet hat, geht über den üblichen Rahmen weit hinaus. Einmal wird sich eine große Anzahl der bekanntesten Jugendmannschaften, der Bann 116 und 88 treffen, zum anderen aber sind Einheiten versammelt, die durch ihr Können die besten Garanten .für eine ausgezeichnete sportliche Auswertung der Veranstaltung darstellen. Neben dem Gebietsmeister Lützellinden kommen u. a. Hochelheim, Hörnsheim, Dornholzhausen, Grüningen, Lang-Gons usw. in Frage. Im Rahmen des in Watzenborn-Steinberg statt- findenden Ortssporttages tritt der Tv. Holzheim mit einer starken Mannschaft der neugebildeten Handballabteilung des Tv. Watzenborn-Steinberg gegenüber. Auch dieses Spiel wird feine Wirkung nicht verfehlen. Stadtelf Gießen-Luftwaffe Z:l(2:0) Die Stadtelf war in bestechender Form und hatte Gauligareife. Die Gäste zeigten weit bessere Leistungen wie die Mehrmals Wetzlar, nur versuchten die Spieler durch unnötige Härte aufzufallen. Drei Gästespieler mußten des Feldes verwiesen werden. Die Gäste kamen zunächst besser ins Spiel. Die Stadtelf tastete den Gegner ab. Bald wurde das Spiel schnell. Die schön vorgetragenen Angriffe der Gäste gingen auf die beiden Flügel, doch wurden diese liebevoll bewacht, so daß Erfolge nicht zu verzeichnen waren. Das Spiel wurde härter, und ein Freistoß von Funk brachte die Stadtelf nach 32 Minuten in Führung. Die Versuche des Gegners, aus- zugleichen, scheiterten an der aufmerksamen Hintermannschaft. Ehmann setzte einen scharfen Schuß an den Pfosten, dann wurde Lukaschewski gegen den kleinen Funk hefttg, den Freistoß verlängerte Nikolai kurz vor der Pause zum zweiten Tore. Nach der Pause hatte die Stadtelf mehr vorn Spiel, die wunderbaren Kombinationen ließen erkennen, daß die Mannschaft viel gelernt hat. Grü- ning schoß kurz entschlossen zwischen den Verteidigern das dritte Tor, dann hatte Hofmann mit seinen Schüssen Pech. Die Gäste wurden völlig eingeschnürt. Der Mittelstürmer der Gäste ließ eine große Gelegenheit aus, frei vor dem Tore stehend, vergab er die Chance. Hofmann hatte mit feinen Schüssen Pech. Als er wieder nur den Pfosten traf, war es dann Ehmann, der auf 4:0 eryöhte. Kurz daraus legte Funk gut vor, Grüning nahm den Ball auf und schoß wuchtig in die Maschen. Ehmann wurde gehalten, den Freistoß verwandelte Kraft zum sechsten Tor. Wenig später war es wieder Kraft, der sich schön freigespielt hatte, der auf 7:0 erhöhte. Im Gegenangriff konnte der Mittelstürmer der Gäste kurz vor Schluß den verdienten Ehrentreffer anbringen. ObelhesffchesKnegs-VerMaufdemSchrenzer Der deuffche Mensch fft mit seiner Landschaft, mit der deutschen Natur aufs engste, verbunden. Körperliche Ertüchtigung und Naturverbundenheit sind nicht voneinander zu trennen. Die Natur in ihren rnan- niafachen Erscheinungsformen ist das Betätigungsfeld der körperlichen Ertüchttgung. So sind auch Berge zu Turn- und Feierplätzen geworden, zu Wallfahrtsorten der körperlichen und seelischen Wehrhaftigkeit. So liegen die Bergfeste des NSRL. in der ge- waltiaen Ausrichtung der deutschen Volkwerdung. Die oberhessischen.Bergfeste, das Hoherodskopf-Berg- feft und das Weidig-Bergfest auf dem Schrenzer, haben in den letzten Jahren einen ungeahnten Aufstieg genommen. Daß das Hoherodskopf-Bergfest in diesem Jahre aus verkehrstechnischen Gründen nicht durchgeführt werden kann, haben wir früherschon mitgeteilt. Es wird mit dem Weidig-Bergfest Zu dem oberhessischen Kriegs-Bergfest 1940 vereinigt und am 18. 21 u g u ft auf dem Schrenzer bei Butzbach veranstaltet. Wie das Hoherodskopf-Bergfest und das Weidig-Berafest ist auch das oberhesslsche Kriegs-Bergfett über den Bereich Hessen hinaus auch offen für ben Nachbarbereich Südweft. Das bedeutet, haß man auch — und zahlreiche Anftagen bestätigen das bereits — aus dem Frankfurter und Maingebiet Besuch in größerer Zahl erwarten darf, 3umal den zahlreichen Freunden des Feldbergs in opfern Jahre ein Mettkampfeinsatz auf dem Tau- nusgipfel nicht möglich ist. . Auf den „frohen Höhen" des Schrenzers werden sich also in diesem Jahre die Kameraden des NSRL. aus Oberhessen und den Nachbargebieten zu frohem Wettstteite in größerer Zahl vereinen. Die guten Bahnverbindungen nach Butzbach ermöglichen das. Der Kampf auf der Bergeshöh', die einen weiten und herrlichen Blick ins hessische Land bietet, be- teht aus volkstümlichen Dreikämpfen in den folgenden Alters- und Leistungsklassen: Männer (19 Jahre und älter), Altersklasse 1 30 bis 40 Jahre), Altersklasse 2 (40 bis 50 Jahre), Altersklasse 3 (50 Jahre und älter), Altersklasse 1 (30 bis 40 Jahre), Frauen (über 18 Jahre), BDM.-Klasse A, BDM.« Klasse B. Eine Besprechung des Bergfest-Ausschusses legte jetzt fest, daß alle Meldungen an NSRL.-Bezirks- sührer Hch. Strauch in Friedberg gehen und daß Meldeschluß am 12. August ist. Butzbach, die alte hessische Turnevstadt, trifft alle Vorbereitungen für bas Bergtreffen an historischer. Stätte, an der vor 125 Jahren F. L. Weiüig, der Zeit- und Gesinnungsgenosse E. M. Arndts und Fr. L. Jahns den ersten hessischen Turnplatz nach dem Vorbild der Hasenheide begründete. Wilhelm-Will-Staffel beim Kriegsbergfest. Zum 60. Geburtstag wurde zu Ehren unseres Ehrengauoberturnwarts Wilhelm Will die Wilhelm- Will-Staffel vom alten Gau Hessen der früheren Deutschen Turnerschaft erstmals gelaufen. 1934 kam sie beim Bezirksturnfest des Bezirks Gießen im neuen Gau XII Hessen (jetzt Bereich Hessen) in neuer Form durch die 6 Kreise des hessischen Südbezirks gum Austtag. Seit 1935 das Hoherodskopf-Bergfest, bas 1907 unter Wilhelm Mills Leitung erstmals burchgeführt worben ist, roieber neu belebt würbe, ist diese 10X100-Meter-Staffel ein Höhepunkt in der Wettkampffolge des für den Bereich Hessen offenen Bergtreffens. Nach stillem Uebereinfommen mar zunächst die Staffel ein Bestandteil des Berg- sestes. Der Brauch sand feine rechtskräftige Be- ftatigung dann 1938, als man in Verbindung mit dem Hoherodskopfbergfest W. Witts 60jähriges Tur- nerjubiläum beging, durch eine Urkunde des NSRL.- Bezirksführers Otterbein, der bestimmte, daß die Wilhelm-Will-Staffel offen ist für die hessischen Bezirke 4 (Lauterbach-Rhön), 7 (Marburg), 8 (Gießen) und 11 (Friedberg) und alljährlich auf dem Hoherodskopf durchaeführt wird. Bisher Hot der NSRL.-Bezirk Gießen ben Wil« Helm-Will-Schild immer erfolgreich verteidigt. Er wird auch in diesem Jahre wieder zum Kampf an- treten. Da das Hoherodskopf-Bergfest in diesem 3aj)re mit dem Weidig-Bergfest zum oberhessischen Kriegs-Bergfest vereinigt wird, wird die Wilhelm- Will-Staffel bei dieser Kriegsveranstaltung am 18. August auf dem Schrenzer bei Butzbach gelaufen werden. Die schöne Meiusine Roman Son Hans Richter 22. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Tilde erwacht nach einiger Zeit von einem regelmäßig bald stöhnenden und bald gurgelnden Geräusch: Wilhelm Hellwig liegt auf dem Rücken, hat die Hände über dem Bauch gefaltet, den Mund halb geöffnet und schnarcht mit dem ruhigen Gewissen eines Menschen, der nichts zu verbergen hat, vor sich hin. Tilde denkt an alle die kleinen Mittelchen, die Vater und Tante Malwine gegenseitig beieinander angewendet haben, wenn sie im Garten von Steinbergen ihr Nickerchen machten. Man kann kurz und energisch husten. Dann pflegt der Schnarcher zu erschrecken und aufzuhören. Tilde hustet. Der schlafende Riese reagiert augenblicklich, verschluckt sich, setzt aber nach kurzer Zeit wieder ein. Tilde versucht es mit dem Bienchen. Das Biencken ist ein Grashalm, mit dessen Spitze man unter der Nase kitzelt. „Tschi", sagt Hellwig und dreht den Kopf ab. Er kann aber auch in dieser Lage schnarchen. Tilde aibt es auf, erhebt sich und geht nach vorn an den Abhang. Von dieser Stelle aus hat man einen weiten Blick über den Endsee. Olsch Brümmer behauptet, einen schöneren Blick gäbe es in der ganzen Gegend nicht, und eines Tages würde er, wenn er nur Zeit dazu hätte, dort eine Bank hinsetzen. Olsch Brümmer hat viel Zeit, aber die Bank wird nie gesetzt werden. So ist Olsch Brümmer. Aber der Blick ist schön. Zuerst weitet sich der See, und die Userlinien schwingen in langen, rhythmischen Bögen. Hinten fängt der Wald den Blick und schluckt alles in sich auf, das Mückenfließ, den Lüchower See und das fatale Schloß. Nein, doch nicht, das Schloß wird heute aufdringlich und gegenwärtig, auch wenn man es nicht sieht. An seiner Stelle sieht man die Bewohner. Denn da ist die Runeninsel, die in der Mittagssonne gar nichts Spukhaftes hat, und vor der Runeninsel liegt behäbig und pritschig die Kommerzienratsarche und leuchtet weiß und unverschämt in der Sonne. x Gestern hätte sich Tilde über diesen Anblick noch geärgert. Heute genießt sie ihn mit einem füllen Behagen, und der Wunsch, dort einmal Mäuschen zu spielen, wird übermächtig in ihr. Der Plan wird sofort in die Tat umgesetzt. Tilde weckt Hellwig und erzählt ihm, der noch gar nicht erfassen kann, was mit ihm geschieht, daß sie jetzt eine Seefahrt unternehmen würden. Der Kahn, den Olsch Brümmer zur Verfügung stellen kann, sieht bedenklich aus. Aber Wilhelm Hellwig kann nun wenigstens einmal zeigen, daß er seinen Mann steht. Er zieht seinen Rock aus, krempelt die Aermel auf, greift nach den Riemen und legt sich mächüg ins Zeug. Tilde bleibt nur die Bedienung des Steuers und der Schöpfkelle überlassen, denn der alte Kahn zieht ziemlich Wasser. Nun ist sie ganz die Tilde/ die tagelang auf dem See herumgelegen hat, und nicht mehr jene andere, die in Berlin „Geehrter Herr" schreibt. Sie arbeitet ebenso wie Hellwig, und der kann ihre kräftigen Arme und Beine, die dabei zutage treten, beobachten. Der Kahn ist nicht leicht, und Tilde hat auch nicht den nächsten Weg eingeschlagen. Im Gegenteil! Sie kriecht fast unter den Uferbäumen entlang und nimmt erst den Kurs auf die Insel, als sie sowohl vom Motorboot wie auch von Gussow aus nicht mehr geschen werden kann. Sie dreht sich auch mehrfach um und stellt mit Befriedigung fest, daß diese Seite der Insel von der fremden Invasion noch unberührt geblieben ist. Als Hellwig verwundert fragt, was sie eigentlich vorhabe, legt sie die Finger auf die Lippen. „Bißchen Robinson spielen, Herr Hellwig."' Das Boot gleitet leise wie das Kanu eines Indianers in den Schutz der Zweige und wird an einem überhängenden Baum, der einen natürlichen Landungssteg darstellt, befestigt. Tilde übernimmt die Führung und klettert gleich steil bergan. Hellwig folgt ihr und hat ziemliche Mühe, mit ihr Schritt zu halten. Tilde hat richtig gerechnet, Filmleute wollen ihre Bequemlichkeit haben. Sie haben sich unten nicht weit von dem bisherigen Lagerplatz niedergelassen und sind eben dabei, sich einzurichten. Bobby führt das große Wort. Die Sprenger sitzt auf einem Baumstamm und sieht zu, der Kameramann baut auf, und die beiden Darsteller, ein Mann und ein junges Mädchen, sind noch an Bord geblieben und warten darauf, daß alles fertig wird. Bobby wird zum kleinen Napoleon. „Dörfler hat hier gerade seine Netze nachgesehen, das ist Bild 315 — schlag Bild 315 auf, Agnes! Was hat Dörfler an, wenn er die Hütte vertagt? Wasserstiefel, gut. Also die Wasserstiefel, Dörfler. Wenn er gerade hantiert, kommt Ernesti von links, Bieder- melerkleidchen, weiße Strümpfchen, pendelt das Schutenhütchen am Arm. Haben Sie das Schutenhütchen mit, Frau Ernesti?" „Ja", ruft die. „Affo Sie schwenzeln so ein bißchen heran und..." Tilde und Hellwig liegen keine zwanzig Meter oberhalb im Gebüsch, können alles bedbachten und doch selbst kaum entdeckt werden. In diesem Augenblick geschieht etwas Unerwartetes: Auf dem Uferweg kommt langsam Heinz Deetjen heran. Er trägt nur kurze Hosen und Ru- ?rhemd, sieht aber — braun, wie er am ganzen Körper ist — diesen Städtern gegenüber wie ein Waldmensch aus. Er geht, als ob ihn das alles nichts anginge, und bleibt dicht vor Bobby stehen. „Was ist denn das hier für ein Zirkus?" Bobby ist aufgeregt. „Bitte stören Sie uns nicht, Herr, Sie sehen doch, mir arbeiten." „Eigentlich haben Sie mich gestört", sagt Heinz ungerührt. „Wieso denn?" „Weil ich hier mein Zelt habe." „Gehört die Insel vielleicht Ihnen?" „Das gerade nicht, aber Ihnen gehört sie auch nicht." Aber er fft gutmütig und setzt sich ganz in der Nähe von Agnes Sprenger auf den Erdboden, fließt die Knie an und schlingt die Arme' darum. Agnes wäre nicht die Agnes, die sie nun einmal ist, menn sie dem neuen Mann nicht wenigstens etwas Beachtung schenken würde. Tilde ist ganz nach oo-m gekrochen und beobachtet gespannt. „Wahl Film?" fragt Deetjen. Agnes gibt eine langatmige Erklärung und rückt näher. „Haben Sie ein Boot hier?" „3a, geschwommen bin ich nicht." „Aber Sie könnten doch Mer von hier an Land schwimmen?"' .sr .. „Könnt' ich." Es zeigt sich, daß Menschen von der Bauart Deetjens doch nicht ganz zwecklos sind. Die Darstel- ler müssen nun nämlich in Aktion treten. Für Dorf, ler fft das nicht wetter schwierig. Er hat seine Wasserstiefel an und kann die paar Meter gut und gern durchwaten. Aber mit der schonen Ada Ernesti will das nicht gehen. So steht sie nun auf dem Motorboot und macht ein unglückliches Gesicht. „Fch trage Sie, Ada", schlägt Dörfler vor. „Sie lassen mich bestimmt fallen." Ohne viel Worte fft Heinz aufgeftanöen und steht neben dem Boot. „Auf mich können Sie sich tfier verlassen." Weil öas die Ernesti auch zu finden scheint, läßt sie sich auf die Arme nehmen und tragen. Sie tonu men beide auch gut und sicher an Land. . Bobby Verend fft versöhnt und fragt Heinz, ob er sich nützlich machen wolle, ob er die Gegend kenne und so. Als es sich herausstellt, daß Heinz hier Bescheid weiß, faßt er ihn sogar unter und gebt mit ihm auf und ab. Was die beiden besprechen, kann natürlich Tilde oben nicht hören. Sie sieht Bobby reden ünb feine Worte mit großen Gesten unterstützen, und sieht auch, daß Heinz mehrfach mit dem Kopf nickt. Auch das Ergebnis der Besprechung bleibt ihr nicht verborgen. „Das fft Herr Deetjen", stellt Bobby nun ganz anders und viel höflicher vor. „Und er hat gerade t>as, was wir suchen. Einen alten Teerosen. Natürlich sehe ich mir den heute noch an, und wahrscheinlich disponieren wir um, machen die Teerofenaufnahmen nicht im Atelier, sondern hier, und fahren morgen gleich rüber." Tilde rückt dicht an Hellwigs Seite. „Ich habe eine Bitte", sagt sie leise. „Ich will heute auch einmal nett zu Abend essen. Meinen Sie, daß mir auf Schloß Lüchow noch Platz finden?" Der begreift nicht, aber er freut sich über Bildens Wunsch. „Natürlich." „Dann können wir uns jetzt verkrümeln. Fürs erste ist mein Bedarf gedeckt." Und gleich Indianern auf dem Kriegspfad schleichen sie nach dem Boot zurück. (Fortsetzung folgt)