M. Jahrgang Nr. 10Z Donnerstag, y. Mai 1940 Gietzener Anzeiger Italien und die Manöver der WestmWe auf dem Balkan hier gestartete Lüge des britischen Infor- Di e a t it t e allen Szene Umständen dieses Ablenkungsmanöver in gesetzt werden mutzte. ad rt* fr I der Ein neues Opfer des britischen Geheimdienstes. Oer Chefkorrespondent der »United prefc" nach seiner Berichterstattung über Chamberlains Unterhausrede umgebracht. plumpe Lügen sollen von neuen britischen Aggressionsabfichten ablenlen. • Unter anderem sind in dem Buche Angaben enthalten über die Ausschiffungsverhältnisse in jedem Erzhafen, bis auf die Einzelheiten der Länge der Kais, der Hafentiefe und der Landungskapazität-, weiter auch Angaben über die Eisenbahnverbindungen. Von amtlicher Seite liegt zu der Angelegenheit noch immer keine nähere Mitteilung vor. Aus den bisher veröffentlichten Mitteilungen kann man im Zufammenhana mit der heute von „Aftonbladet" getroffenen Feststellungen jedoch schließen, daß die.Sabotageakte, die der englische Agent plante, den schwedischen Erzgruben gelten sollten. Berlin, 8. Mai. (DMB.) Die Aufdeckung der britischen Pläne in Südosten Europas hat auf die betroffenen Völker einen solchen Eindruck gemacht, daß die englischen Kriegshetzer heute zu ebenso dummen wie plumpen Ablenkungsmanövern greifen. Sie bedienen sich dabei amerikanischer Presseagenturen, durch die Nachrichten verbreitet werden, nach denen Holland auf das Höch st e bedroht sein soll. Es ist die alte Methode des „haltet den Dieb!", nach der hier verfahren wird. So berichtet die „Associated Preß“, daß ihr von höchst zuverlässiger Seite mitgeteilt wurde, 2 deutsche Armeen bewegten sich von Bremen und Düsseldorf a u f Holland, und zwar so schnell, daß sie gleich die Grenze erreichen würden. Die „zuverlässige Quelle“ dieses militärischen Un- Der Kall Nickman. Die britische Sabotage-Arbeit galt den schwedischen Erzgruben. Stockholm, 9. Mai. (DNB.) Zu der Sabotage- Affäre, die kürzlich in Stockholm aufgedeckt wurde, meldet „Aftonbladet", daß der Hauptangeklagte, der englische Agent Nickman, im Herbst v. I. in London ein Buch über das schwedische Eisenerz herausgegeben Hot. Aus der Arbeit geht hervor, daß sich der englische Agent im be- derem Maße für alle Einzelheiten des schwedischen Eisenerzes interessierte. sinns ist, wie wir festzustellen in der Lage sind, das britische Information smini st e- r i u m. Dieses britische Znformatlonsministerium ist von den deutschen Enthüllungen über die unmittelbar bevorstehenden Absichten Englands und Frankreichs derartig getroffen worden, dah unter S 5« l' ti & f* ix IN in id id er >ie bö Ä n. nb in.' )id en !N. us- er* ge< INÜ atz, gert res. asZ' ben ene and urd' ttv des sich s- Schwerer Schlag für das Kabinett Chamberlain Im Unterhaus nur eine Mehrheit von 81 Stimmen für die Negierung. Amsterdam, 9. Mai. (Europapretz.) Die Abstimmung im Unterhaus Über den Vertagungsantrag der Regierungsparteien endete mit 281 für und 200 Stimmen gegen die Regierung. Nach den bisher vorliegenden Mitteilungen haben 44 Mitglieder der Regierungsparteien gegen die Regierung gestimmt. Außerdem hat sich eine große Anzahl der anwesenden llnterhausmitglieder der Stimme enthalten. Das Abstimmungsergebnis ist ein schwerer Schlag, wenn nicht eine moralische Niederlage für die Regierung, selbst wenn die Oppositionsparteien einen hohen Prozentsatz ihrer Abgeordneten zur Abstimmung gebracht haben dürften. Das Abstimmungsergebnis wurde unter großer Erregung des Unterhauses mitgeteilt. Als die Minister sich anschickten, den Sitzungssaal zu verlassen, tönte ihnen von den Bänken der Opposl- tionspartekn der Huf ..Seh«!" („go!“) nach, dem von den Bänken der Regierungsparteien Beifallsrufe für die Minister antworteten. Bittere Worte der Kritik Amsterdam, 9. Mai. (Europapreß.) Im ena- lischen Unterhaus ging ber arbeiterparteiliche Ab- aeordnete und frühere Verkehrsmimster Morr«- f o n mit der Negierung scharf ins Gericht. Morrison stellte die Frage, warum die Negierung über die Entwicklung der Lage in Norwegen so schlecht unterrichtet gewesen sei. Entweder müsse -m Der- sagen des Secret Service s-stgestellt werden ober aber, wenn bfe Regierung unterrichtet gewesen sei, bann seien biejenigen Minister verant- Erscheint täglich, außer Sonntags und feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener ftanülienblätter HeimatünBild DieScholle Monats-B ezngsvreis: Mit4Beilagen.RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr... „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Kernsvrechanschlntz 2251 Drahtanschrift: „Anzeiger" Postscheckll686FrankfM. Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/.'Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm Höbe bei Anzeigen von 22 mm Breite? Pf.,Tertanzeigen von 70 mm Breite 50 Pf. Wiederholung Malstaffel l Abschlüsse Mengenstattelö Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25 "/omehr Ermäßigte Grundvreise Baoeranzeigen und behördliche Anzeigen von 22 mm Breite 6 Pf. gierung vor, daß die Truppen für Norwegen in unfertigem Zu st and (half baked) ohne genügende Flotten- und Luftwaffenunterstützung aus- gesandt worden seien. Was das Land von seiner Führung erwarte, seien nicht Scheinaktüo- nen, sondern wirkliches Handeln. Wenn man ehrlich sein wolle, müsse man zugeben, daß als Ergebnis der Ereignisse in Norwegen die strategische Lage Englands viel schlechter geworden sei als zuvor. Man müsse Manns genug sein, dies zuzugeben. Im englischen Oberhaus eröffnete der arbei- terparteiliche Lord S t r a b o l g i den Angriff auf die Regierung mit der Erklärung: Als alter Seeoffizier (Strabolgi nahm im vorigen Kriege als Kapitänleutnant teil) müsse er die Frage stellen, warum nicht die Grand Fleet nach der ersten deutschen Landung innerhalb der ersten zwei Tage, bevor deutsche Verstärkungen eingetroffen seien, in den Oslo-Fjord eingefahren sei. — Wie Sir Roger Keyes im Unterhaus stellte er ferner die Frage, warum die Flotte nicht gegen Drontheim eingesetzt worden sei, was durchaus durchführbar gewesen wäre. Die Ereignisse zeigten, daß etwas grundsätzlich falsch sei bei der britischen Strategie. Für die Regierung antwortete Lord H a n k e y. Die Regierung müsse sich bei ihren strategischen Entscheidungen auf die Meinung von verantwortlichen Ratgebern aus den drei Wehrmachtsstellen verlassen. Sie könne ihre Entscheidungen nicht abhängig machen von den Ansichten verabschiedeter Offiziere, so groß deren Verdienste in der Vergangenheit auch gewesen sein mögen. Den Chefs der Stäbe stünden Informationen zur Verfügung, die nichtamtlichen Persönlichkeiten nicht zugänglich seien. A m st e r d a m, 8. Mai. (DNB.) Der europäische C h e f k o r r e s p o n d e n t der United Preß, Miller, wurde Mittwoch früh neben den Gleisen einer Londoner Vorortbahn mit einer Kopfverletzung tot aufgefunden. Am Dienstag hatte er an der englischen Unterhaussitzung teilgenommen und hatte sowohl am Rundfunk wie für seine Nachrichtenagentur hierüber Berichte gegeben. Anschließend wollte er sich mit einem Nacht- zuge zur Erholung aufs Land begeben. Wie aus London durchgegeben wurde, soll er „aus dem Zug gefallen" fein. Miller galt in feiner Einstellung für keineswegs deutschfreundlich. Um so größeres Aufsehen machten in der neutralen Welt seine Berichte, die in den letzten Monaten immer schärfer werdende Kritik an der Regierung übten und die bei der großen Verbreitung der United Preß zu einer ernsthaften Gefahr für b i e Krieasaus- weitungspläne der Westmäche wurden. Am Dienstag schilderte Miller in seinem Bericht mit plastischen Worten das Auftreten Chamberlains vor dem Unterhaus. Mit müder Stimme, oft den Klemmer ab- und wieder aufsetzend, habe er seine Rechtfertigung hinsichtlich Norwegens vorgebracht, während Churchill gleichzeitig ungeduldig in den Zähnen herumgestochert habe. Oftmals seien Chamberlains Worte durch ironische Gelächter über- mationsministeriums ist so plump, daß sie nur als propagandische Entlastungsofsensive gewertet werden kann, die man notwendig braucht, nachdem durch die Veröffentlichung des vielsagenden Ferngesprächs Chamberlain-Reyaaud die neuen Krieg- ausweitunaspläne der westlichen Plutokratien enthüllt und die wahren Aggressoren in aller Oeffent- keit heillos kompromittiert worden sind. Rom, 9. Mai. (Europapreß.) Die Beunruhigung, die im Anschluß an die Entsendung englisch-französischer Seestreitkräfte in das östliche Mittelmeer auf dem Balkan entstanden ist, wird in römischen Kreisen als ein gegen Italien gerichteter englisch-französischer Propagandafeldzug empfunden. Diese Propaganda habe zunächst in Jugoslawien und dann in Rumänien Befürchtun- aen hinsichtlich angeblicher Angriffsabsichten Italiens hervorzurufen versucht. Diese Bestrebungen seien, wie Presseauslassungen in den beiden Ländern zeigten, nicht ganz erfolglos geblieben. Demgegenüber weift man in Rom darauf hin, daß gerade Italien vor Ausbruch des europäischen Krieges an sich bemüht war, dessen Ausdehnung nach Möglichkeit zu verhindern und mit den Donau- und Balkanländern Beziehungen zu unterhalten, die an sich schon ein klares Dementi der von den West- mächten verbreiteten Alarmgerüchte seien. In diesem Zusammenhang erinnert man besonders an die jüngsten Kundgebungen der italienisch-rumänischen Freundschaft, die sich in den Rahmen der allgemein auf die Erhaltung des Friedens in Südosteuropa hinzielenden Außenpolitik Italiens einfügten. Eine Ausdehnung des Krieges auf dieses Gebiet könnte also nur erfolgen, wenn d i e West möchte f e I b ft Pläne verfolgten, die sie Italien unter« zuschieben trachteten. Die von deutscher Seite erfolgte Veröffentlichung des Ferngesprächs zwischen Chamberlain und Reynaud, die diese Pläne nur allzu deutlich enthüllt, hat daher in Rom größtes Aufsehen erregt. Man mißt den aus London und Paris kommenden Ableugnungs- verfuchen keinen Glauben bei und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß jetzt auch denjenigen Staaten des Südostens, die trotz allem noch an die Aufrichtigkeit der englisch-französischen „Hilfsversprechungen" geglaubt haben, die Augen über die wahren Absichten der Westmächte geöffnet worden sind. „Tribuna" bemerkt, man gewinne den Eindruck, daß die dem Balkan drohenden Gefahren in den Balkanstaaten mit einer relativen Ruhe ausgenommen würden. Ohne sich einer Panikstimmung hinzugeben, würde aber in diesen Ländern die Entwicklung der Lage mit der notwendigen Aufmerksamkeit verfolgt. Auch Rußland sei auf dem Posten. Die russische Presse gebe zu verstehen, daß die Interessen Rußlands im Südvstraum Europas nicht außer Acht gelassen werden dürften, da der Kreml gegenüber einer Aenderung des Status quo in diesem Sektor zu Gunsten der Westmächte nicht tatenlos zusehen werde. Admircck llktjabriski habe in einer Rede in Sebastopol nicht ohne Grund erklärt, daß Rußland die imperialistischen Umtriebe der Westmächte auf dem Balkan mit der größten Aufmerksamkeit verfolge und bereit sei, jeden Angriff auf seine Interessen zu beantworten. Es dürfe auch nicht übersehen werden, sagt „Tribuna", daß der Ankara-Vertrag nicht durchführbar sei, wenn dessen Anwendung zu einem Kriege mit Rußland führen würde. Deshalb lasse sich ein Urteil über die möglichen Entwicklungen im Südoftraum Europas nicht vorweg bilden. Da alle Balkanstaaten den Faktor Rußland in ihre Betrachtungen einstellen müßten, könne die englisch-französische Propaganda im Balkanraum nicht mit großen Erfolgen rechnen. Die englischen Lockungen seien auch aus diesem Grunde in Sofia erfolglos geblieben. Auch in Belgrad sei es her Propaganda der Westmächte nicht gelungen, das Vertrauen zu Deutschland und Italien zu mindern. Gayda kommt zu dem Ergebnis, daß die imperialen Demokratien sich einer Illusion hingäben, wenn sie glaubten, durch Schließung der Straße von Gibraltar Italiens Wirtschaft zu isolieren, von seinen Hauptbezugsquellen abzuschneiden und dadurch leicht und gefahrlos auf die Knie zwingen zu können. Die imperialen Demokratien machten großen Lärm über die 15,3 Millionen Tonnen von Erzeugnissen, die alljährlich durch die Straße von Gibraltar nach Italien eingeführt würden. Diese 15,3 Millionen Tonnen setzten sich folgendermaßen zusammen: 60,3 v. H. Steinkohle und Koks, 20 v. H. Mineralöl und Paraphin, 4,8 v. H. rohe und halb bearbeitete Metalle, 3,3 v. H. Getreide, 3,2 v. H. Phosphaterze, 1,3 v. H. Zellulose, 1,1 v. H. Metgll- erze, 0,8 v. H. Baumwolle, Wolle, 0,6 v. H. Del und Oelsamen und 4,6 v. H. andere Waren. Kohle und Koks konnten, wie dies bereits heute der Fall sei, von dem befreundeten Deutschland geliefert werden, so daß sie vollkommen der Kontrolle von Gibraltar entzogen würden. Mineralöle könnten, wenigstens zum Teil, von den Mittelmeergebieten bezogen werden, vor allem von Albanien vnd den anderen südosteuropäischen Ländern. Getreide, Zellulose, Baumwolle und Oelsamen würden in ständig steigenden Mengen in Italien, in Albanien und in ben Gebieten von Jtalienisch-Ostafrika erzeugt. Die Autarkie enthülle damit ihre volle defensive Bedeutung. Viele dieser Erzeugnisse konnten auch zu beträchtlichen Mengen von den Balkanländern geliefert werden, mit denen Italien in Frieden und freundschaftlicher Zusammenarbeit lebe und weiterhin zu leben beabsichtige. Was die übrigen Erzeugnisse angehe, so konnte ihr Ausfall mehr den Interessen der liefernden Ländern schädlich sein als denen eines Landes, das in einen Krieg verwickelt sei und daher die überflüssige Einfuhr an sich einschränken müsse. Gibraltar könne also die nationa= len Positionen und die Entschlußfreiheit Italiens, die von der Verteidigung der italienischen Interessen und Rechte bestimmt werde, nicht ändern. Trotzdem seien Gibraltar und Suez die offenkundigste Aeuße- rung einer nicht mehr zu duldenden Hegemonie, die, wenn man ihr auch im Falle eines Krieges siegreich entgegentreten konnte, von einem Regime spreche, das in keiner Weise mehr mit einer auf Gerechtigkeit und Freiheit für alle Nationen gegründeten europäischen Ordnung vereinbar jer. Oie Flucht der „Lteberlegeueu". Jrn englischen Unterhaus hat die Opposition unter dem Druck der norwegischen Niederlage wenigstens teilweise die Wahrheit gesagt, die Chamberlain nicht zu enthüllen wagte. Der rote Renom- miermajor Attlee hat den Premier öffentlich gerüffelt, ihm den ruchlosen Optimismus seiner Rede vom letzten Donnerstag vorgehalten und dann wörtlich festgestellt: „Die Expedition war niemals als eine kurze Unternehmung gedacht. In der Meinung des Landes besaß sie eine große Wichtigkeit, unb in der Presse wurde sie auch so dargestellt, auch in den Reden der Minister kam dies zum Ausdruck. Die allgemeine Absicht war, daß der Feind, der bis dahin sich hinter Mauern verborgen hielt, nunmehr vorgekommen fei." Attlee fragte dann, ob der Intelligence Service wirklich in Norwegen gut gearbeitet habe, und wenn man, wie tatsächlich geschehen, Nachrichten von einem Gegenschlag der Deutschen veröffentlichte, weshalb habe man dann die Pläne mit so wenig intelligenter Vorstellung zu verwirklichen bestrebt. Parlamentarisch-diplomatisch drückte sich Attlee ähnlich wie der Oppositionsliberale Sinclair dahin aus: „In der Bevölkerung wird gesagt, daß diejenigen, die für die Führung des Krieges verantwortlich sind, Männer feien, die eine fast ununterbrochene Karriere von Fehls chläL en hinter sich haben." Hier wird man sich erinnern, daß die zwecklose Gallipoli-Schlacht des Weltkrieges auf Veranlassung des blutigen Laien Churchill erfolgte, daß der jetzige Premierminister Neville Chamberlain während des Weltkrieges von Lloyd George wegen notorischer Unfähigkeit aus dem Munitionsministerium ausgeschifft werden mußte. Und die Leute mit dieser Karriere von Fehlschlägen bestimmen heute das Geschick Englands! Jedes Volk und Parlament haben die Regierung, die sie verdienen. Im übrigen aber nehmen wir zur Kenntnis, daß es gerade die kritisierenden Dppofitionsrebner waren, die eine noch stärkere Intensivierung des Krieges, eine noch mitleidlosere Vernichtung der deutschen Nation forderten. Nun ist es Gepflogenheit j e b es Parlamentes, mit seinen weisen Sprüchen hinter ben Ereignissen herzuhinken, unb Chamberlain hat biefes fchmä- henbe Nachlaufen hinter ber norwegischen Wirklichkeit sehr gründlich zu spüren bekommen. Seine lahme, widerspruchsvolle und nervöse Verteibiguyg überbot an Kläglichkeit alles, was man von ihm gewöhnt ist. Aber abgesehen von dem Nachweis unveränderter politischer und militärischer Unfähigkeit erbrachte der Derteidigungsversuch Chamberlains im Unterhaufe eine überaus aufschlußreiche Enthüllung, die die Gesamtsumme dieser Unfähigkeit grell beleuchtet. Und zwar handelt es sich um den tiefen Zwiespalt in der britischen Kriegführung, der vor einem baß erstaunten Unterhaufe mit echt Chamberlainscher Ahnungslosigkeit ausgebreitet wurde. Danach hat die britische Heeresleitung den Vorstoß nach Skandinavien im großen Stil, d. h. mit starken Kräften aller Art durchführen wollen. Dies die Meinung der britischen Militärfachleute. Die englische Regierung aber, also die militärischen Laien, wollten einen so hohen Einsatz auf keinen Fall riskieren. Es ist in diesem Zusammenhang eine Angelegenheit zweiten Ranges, daß man mit einer Division, wie sie Chamberlain nannte, natürlich nicht Norwegen „befreien" konnte. Entscheidend für die Beurteilung des britischen Skandinavienunternehmens ist vielmehr die Tatsache, daß ja Skandinavien seit M o n a t e n , d. h. genau genommen schon seit dem Beginn des Krieges in Finnland, von England als Angriffsbasis gegen Deutschland aus dem Norden vorgesehen war, nachtönt worben. Seit Kriegsausbruch habe er Chamberlain nicht so unruhig gesehen. Seine Hände seien ständig in nervöser Bewegung gewesen, es sei ihm nicht gelungen, die Abgeordneten von seinen Ausführungen zu überzeugen. Das waren die letzten Worte von Webb Miller. Bereits in ben Nachtstunden wurde er vermißt, und am Mittwoch früh sand ihn ei$ Eisenbahnbeamter tot neben dem Gleis. Der britische Geheimdienst hatte mündliche Arbeit geleistet. Miller stand ben Interessen ber britischen Plutokraten im Wege, besiegen wurde er rücksichtslos beseitigt. Seit langem stößt bas neutrale Ausland immer wieder auf die dunklen Taten bes britischen Intelligence Service, ber bald hier bald dort feinem ebenso brutalen wie lichtscheuen Gewerbe nachgeht. Das Münchener Bombenattentat auf den Führer, die Sabotageaktion auf der Donau unb bie Spreng- ftoffunbe bei dem britischen Geheimagenten in Schweben finb nur ein paar Fälle in der langen Kette ber Verbrechertätigkeit, in ber bie unheimliche Hand bes Secret Service sichtbar würbe unb ber auch nun Miller, dieser unbequeme neutrale Beobachter, zum Opfer fiel. Zu ben Kriegszielen bes deutschen Volkes gehört aber auch, baß bie Welt von biefer Verbrecherorganisation befreit wirb! SrühlschellniversttatsdruSereiR. Lange General-Anzeiger für Oberhessen Siehen,^§chulftrahe 7-9 wörtlich, bie nicht bie nötigen Schlüsse baraus gezogen hätten. Es gebe s ch l e ch te Minister, unb es gebe müb e Minister. Eine Reihe von Ministern hätte bereits vor bem Kriege unb wäh- renb bes Krieges versagt, besvnbers Minister- präfibent Chamberlain, Schatzkanzler Sir John Simon unb Luftfahrtminister Sir Samuel Hoare. Das Lanb laufe unter biefer Führung bas ernste Risiko, ben Krieg zu verlieren, Morrison fünbigte baraus bie Absicht seiner Partei an, eine Abstimmung über ben Vertagungsantrag zu erzwingen. Chamberlain bezeichnete biefe Herausforbe- rung als noch ernster als bie Kritik, bie bisher gegen bie Regierung gerichtet worben sei, weil, wie er bereits am Vortage gesagt habe, eine Zeit nationaler Gefahr bestehe. Er nehme bie Herausforbe- rung an, ja, er heiße sie sogar willkommen. „Wenigstens werben wir bann wissen, wer mit uns unb wer gegen uns ist", sagte Chamberlain zum Schluß. In parlamentarischen Kreisen wirb biefe Erklärung in bem Sinne aufgefaßt, baß er bamit von sich aus bie Vertrauensfrage gestellt unb ben Mitgliebern ber Regierungsparteien zur Pflicht gemacht hat, sich bei ber Abstimmung hinter bie Regierung zu stellen. Luftfahrtminister Sir Samuel Hoare gab bann einen Ueberdlick über bie Tätigkeit ber Luftwaffe in Norwegen. Sie habe unter bem Handicap gelitten, daß bie Deutschen alle brauchbaren Flugplätze zur Verfügung gehabt hätten. Es habe aber keine Verzögerung in den englischen Luftoperationen gegeben. Der Luftfahrtmlnister stellte bann bie kühne Behauptung auf, bie Luftwaffe habe bewiesen, baß sie qualitatio jebem Gegner gewachsen sei. Lloyb George warf ber Re- Veränderungen in der Führung der Sowjetarmee iagen noch um Die englische presse enttäuscht ver- Das Echo bei den neutralen der tag t v e Flaks, Munilionszug mit 300 i Munition. in i die Tage, in denen der Westmächte mit 460 49 60 355 5300 4 500 000 1 wegischen Infanterieregiments. Große Mengen an Gerät, Waffen und Sprengstoffvorräten wurden hierbei sichergestellt. An der Westfront wurde südlich Saarlautern der Angriff eines feindlichen Stoßtrupps mit starken Verlusten für den Feind abgewiefen. „Libre Belgique" erinnert an die^age, in denen das Eintreffen der Truppen L,___,............... großer Lautstärke von London aus verkündet wurde Tankbüchsen mit Munition, Geschütze, darunter 40 englische Granatwerfer. Maschinengewehre. Gewehre, Schuß Infanterlemunltion und , _.a_ ... Leitung der Auslandsorganisation der NSDAP., Berlin'»Wil- rnersdorf, Westfälische Straße 1, einzureichen. Folgen der Niederlage. Veränderungen in der britischen Admiralität. Amsterdam, 8. Mai. (DNB.) Reuter Die letzten Reste norwegischen Widerstandes Süb- und Mittelnorwegen wurden nunmehr beseitigt. Bei V i n j e ergaben sich Teile eines nor- Landungen. Von Konteradmiral z. b. Lühow. Rom, 8. Mai. (Europapreß.) Auf Einladung der Reichsregierung ist der Minister für Volkskultur, Pavolini, nach Berlin abgereist. Er wird k*~ Erstaufführung des Dramas von Mussolini und der Gründung des italienischen Imperiums Schweizer Stimmen. Genf, 8. Mai. (Europapreß.) Die fast stürmi- chen Szenen im britischen Parlament haben beson- anders, wie aus London von neutralen Beobachtern berichtet wird, in den diplomatischen Kreisen der englischen Hauptstadt großes Erstaunen her- oorgerufen. Trotz des traditionellen Höflichkeitsbei- alls, der Chamberlain aus den Reihen seiner Partei zuteil wurde, war die Stimmung zeitweise eisig. Die „Reue Zürcher Zeitung" berichtet aus London, daß man am Dienstagabend in Parlamentskreisen sich gefragt habe, ob die Unsicherheit Chamberlains nur eine Reaktion auf die mit Unbehagen geladene Stimmung im Unterhause selbst, oder ob sie der Vorbote der schweren Dinge gewesen sei, von deren Kommen der Ministerpräsident wieder mit soviel Nachdruck gesprochen habe. — Andere neutrale Beobachter drücken klipp und klar aus, daß man, was die nächste Zukunft angehe, in London außerordentlich pessimistisch ei. So schreibt der militärische Mitarbeiter der „Suisse" in Genf: „Chamberlain, dessen Rede sich gestern ganz aus die Verteidigung obstellte, scheint Schlimmeres als die Vertreibung der Westmächte aus Narvik zu befürchten, nämlich eine Offen- rs“ - gegen England selb st." meer-Gebietes ernannt, die in der Krim kämpfte. Im Juli 1918 wurde Timoschenko Kommandeur des ersten sowjetischen Reiterregiments der Krim. Während des Bürgerkrieges kämpfte Timoschenko als Regimentskommandeur bei Zarizin in der 10. Armee, deren Befehlshaber Woroschilow und deren politischer Kommissar Stalin war. 1919 trat Timoschenko in die berühmte erste Reiterarmee unter dem Befehl Budjennys ein, wo ihm das Kommando einer Division übertragen wurde. 1925 wurde Timoschenko Kommandeur und Kommissar des 3. Kavalleriekorps, August 1933 stellvertretender Befehlshaber des weißrussischen Militärbezirks, 1935 bis 1937 stellvertretender Befehlshaber des Kiewer Militärbezirkes für die Kavallerie. Kurze Zeit im Jahre 1937 war Timoschenko dann Befehlshaber des Nordkaukasischen Militärbezirks, noch im gleichen Jahre wurde er Befehlshaber des Charkower Militärbezirkes und im Jahre 1938 Befehlshaber des besonderen Kiewer Militärbezirkes. In dieser Eigenschaft leitete Timoschenko den Feldzug in der Westukraine, die unter seinem Oberkommando im Jahre 1939 besetzt wurde. Während des finnischen Krieges wurde Timoschenko mit dem Oberbefehl einer Heeresgruppe betraut. Marschall Kulik steht im 50. Lebensjahr. Er nahm Anteil an den Kämpfen in der Ukraine und in der Krim während des Bürgerkrieges, bekleidete in dem Feldzug gegen Zarizin unter der Führung Woroschilows und Stalins hohe Kommandoposten bei der 10. Armee und gehörte später als Artilleriebefehlshaber der ersten Reiterarmee an. Im Jahre 1939 wurde Kulik zum stellvertretenden Kriegskommissar ernannt. Marschall Schaposchnikow dürfte heute etwas über 60 Jahre sein. Als junger Offizier zeichnete er sich schon vor dem Weltkrieg durch kriegstheoretksche Schriften aus. Nach der Revolution stellte er sich als „Militärspezialist" den Bolschewisten zur Verfügung. Als Generalstabsoffizier hat er entscheidende Schlachten des Bürgerkrieges für den Sowjetstaat gewonnen. Scha- poschni'kow gehört erst seit 1930 der bolschewistischen Partei an. Alle Reichsdeutschen, die Finnland anläßlich des russisch-finnischen Krieges verlassen haben und nach Deutschland zurückkehrten, werden gebeten, ihre derzeitigen Heimatanschriften bei der Zentralstelle für auslandsdeu sche Flüchtlinge in der Leitung der sei, derjenige, der im Besitz der stärksten Flotte sei, unbedingt siegen müsse, als falsch erwiesen. Es sei daher,, nachdem alle militärischen Fachleute in ihren Prophezeiungen so sehr versagt hätten, heute durch- aus berechtigt, die Frage aufzuwerfen, ob das, was in Norwegen gelungen sei, nicht auch in Eng- land versucht werden könne. Zum ersten Male seit drei Jahrhunderten herrsche deshalb in England eine tiefgehende Beunruhigung vor einer Invasion. Italienische Berichte. Rom, 8. Mai. (Europapreß.) Zu den Ausführungen Chamberlains im Unterhaus schreibt „Po- polo di Roma", der englische Ministerpräsident sei ein aufrichtiger Mann. Wenn er den Mangel an Voraussicht, die Naivität und die von seiner Regierung begangenen Fehler eingestehen müsse, unterziehe er sich dieser' Aufgabe mit einer rührenden Ehrlichkeit. Vielleicht hoffe Chamberlain, auf diese Weise die Angreifer zu entwaffnen. Doch es habe den Anschein, daß diesmal seine nun schon verbrauchte Art erfolglos geblieben sei. Seine Aus- sührungen über die von Heer und Marine in Norwegen erlittenen Niederlagen seien mit Lärm Gelächter und sarkastischen Zwischenrufen ausgenommen worden, wie man sie im englischen Unterhaus niemals gehört habe. An einer gewissen Stelle seiner Rede habe Chamberlain ein Argument eingeflochten, das — von seinen Lippen kommend — höchst unzeitgemäß gewählt worden sei. Chamberlain habe erklärt: „Das englische Volk legt sich nicht Rechnung ab über den Ernst der nahe bevorstehenden Gefahr, die England droht". Man dürfe nicht erst schweren Schaden und große Schwierigkeiten schaffen, so bemerkt „Popolo di Roma", um dann das englische Volk zu benachrichtigen, daß ihm schwere und tödliche Gefahren drohen. Die Tatsache, daß es am Dienstag im Unterhaus zu keiner Abstimmung gekommen sei, bedeute, daß die Regierung in der parla- mentarischen Schlacht schwer getroffen worden sei Auch „Messaggero" ist der Auffassung, daß das Schicksal der Regierung Chamberlain ungewiß bleibe. In der öffentlichen Meinung Englands kräftige sich die Ueberzeugung von der Notwendigkeit einer Verstärkung des Kriegskabinetts durch Einbeziehung neuer, anerkannter Kräfte. Kleine politische Nachrichten. In Deutsch-Gießhübel, einer uralten deutschen Bauerngemeinde der Jglauer deutschen Volksinsel an der böhmisch-mährischen Grenze, wurde unter Teilnahme des R e i ch s p r o t e k t o r s in Böhmen und Mähren, Freiherrn von Neurath, und des Reichsarbeitsführers Hier!, das erste deutsche Arbeitsmaidenlager im Protektorat feier- lich eröffnet. ,einige Entmutigung' verursacht worden. Mit solchen Worten beschreibt er das entsetzte Erstaunen, das in Schweden der britische Rückzug verursachte, die Ungewißheit, zu der er in den Balkanstaaten Anlaß gab, die Schadenfreude, die er in der amerikanischen Welt erweckt hat. Chamberlains Aktien, die schon vor Beginn der gestrigen Debatte niedrig genug standen, sind jetzt direkt in den Keller gefallen. Wir haben Führer gekannt, die den Sieg aus dem Rachen der Niederlage zu entreißen verstanden. Chamberlains Selbstgefälligkeit, feine Entschlußlofigkeit, sein vollkommenes Versagen bei der Veranschlagung der Stärke und Geschicklichkeit seiner Gegner sind Eigenschaften, die die Niederlage selbst aus dem Rachen des Sieges reißen würden, und wir sind weit, sehr weit entfernt vom Siege." Die „Times" wendet sich besonders dagegen, daß Chamber.lain dem Volk vorgeworfen habe, sich nicht des Umfanges der drohenden Gefahr bewußt zu fein. „Das Volk ist in der Tat sehr wohl gewohnt, daß es einer Drohung ins Auge sicht, die feit Jahrhunderten, nicht einmal vor fünfundzwanzig Jahren, nicht ihresgleichen gehabt hat. Es ist absolut entschlossen, allem ins Äuge zu sehen, was eintreten mag, und sein drückendster Zweifel ist, ob seine Regierenden sich so bewußt der Ge- fahr und so energisch im Widerstand dagegen sind wie das Volk selbst." Moskau, 8. Mai. (DNB.) Marschall Woroschilow ist zum Präsidenten des Komitees für Landesverteidigung beim Volkskommissariat der Sowjetunion ernannt worden und gleichzeitig zum Stellvertretenden Präsidenten des Rates der Volkskommissare unter Entbindung von seinen bisherigen Amtspflichten als Kriegskommissar. Woroschilow hat seit 1925 unun» terbrochen an der Spitze des sowjetrussischen Mili- tärwesens gestanden, als Präsident des damaligen „Revolutionären Äriegsrates", als Volkskommissar für die Landesverteidigung und nach der Auftei- lung diefes Volkskommissariats in ein Kriegskom- mifjariat und ein Kriegsmarinekommissariat als Kriegskommissar. Bei dem neuen Komitee für Landesverteidigung, dessen Leitung Woroschilow jetzt übernimmt, handelt es sich offenbar um ein neu geschaffenes Organ, das die bisher bestehenden Obersten Kriegsräte des Heeres und der Kriegsmarine entweder ersetzt oder zusammenfassen dürftss. Zum Nachfolger Woroschilows als Kriegs- kommifsar der Sowjetunion wurde der bisherige Oberbefehlshaber des Kiewer Besonderen Militärbezirks, Ärmeekommandant Ersten Ranges T i mosch e n k o ernannt. Gleichzeitig erhielt Timoschenko den Titel eines Marschalls der Sowjetunion. In den Marschallrang wurden ferner erhoben: der Stellvertretende Verteidigungskommissar Kulik und der Chef des Generalstabes der Sowjetarmee Schaposchnikow. *• Der neue Kriegskommissar Marschall Timo- s cd e n k o , der zwischen dem 45. und 50. Lebensjahr stehen dürfte, ist der Sohn eines armen ukrainischen Bauern und stammt aus dem heute zu Rumänien gehörenden bessarabischen Gouvernement. 1915 wurde Timoschenko in die alte russische Armee einberufen. Er nahm lebhaften Anteil an der revolutionären ,Bewegung unter den Soldaten und wurde in em Regimentskomitee gewählt. Ende 1917 trat Timoschenko der Sowjetgarde bei usid wurde schon im April 1918 zum Kommandeur einer Abteilung der ersten Partisanengruppe des Schwarz- Unter dem gewaltigen Eindruck des Landungsunternehmens, mit dem die deutsche Wehrmacht die englisch, französischen Pläne in und mit Norwegen zerschlagen hat, sucht man unwillkürlich nach Vergleichen mit ähnlichen Ereignissen früherer Zeiten. Kann ihm Napoleons Zug im Jahre 1 7 9 8 nach A egg p t e n verglichen werden: jener Zug, der Ende Mai 1798 von Toulon, Marseille, Genua und Korsika aus ging, Malta besetzte und 40 000 Mann über See nach Alexandrien überführte? Nein; denn Napoleon konnte seine Trans- - portflotte durch ein Kriegsschiffgeschwader decken, das dem feindlichen englischen Mittelmeergeschwader gewachsen war und einen Zusammenstoß mit ihm nicht zu fürchten brauchte. Noch weniger kann an die Truppenüberführungen über das Mittelmeer im 2. punischen Krieg gedacht werden. Denn die Beherrschung der Seewege im westlichen Mittelmeer war damals, entsprechend der stärkeren Bindung der Seefahrt mit Ruderschiffen an die Küste, zu ziemlich gleichen Teilen getrennt durch eine Linie etwa vom jetzigen Valencia in Spanien nach Palermo auf Sizilien. Südlich davon herrsch- ten die Karthager, nördlich davon die Römer. So waren sowohl die Truppentransporte der Punier von Karthago nach Spanien wie die der Römer von Spanien nach Italien, die den entscheidenden Sieg am Metaurus im Jahre 207 über Hasdruöal erringen halfen, gefahrlose Züge über beherrschtes Seegebiet in befreundetes Land. Im Vergleich dazu kommt der heutigen Lage schon näher die Landung von 2 mal 50 bis 100 000 Engländern, Franzosen und Australiern auf der Halbinsel Gallipoli am 25. 4. und 6. 8. 1915. Hier schifften die Engländer im Morgengrauen des 25. 4. an fünf verschiedenen Stellen des Südteils der Halbinsel ihre Divisionen aus, während gleichzeitig am kleinasiatischen Ufer, nahe dem alten Troja, eine französische Division an der Nordflanke, im oberen Samosgolf britische Marineinfanterie Scheinlandungen zur Täuschung des ©eg- ners ausführten. Mehr zusammengefaßt ging am 6. 8.15 die Landung in der Suvla- und Anzac-Bucht vor sich. Aber der entscheidende Unterschied zwischen diesen Unternehmungen und dem unsrigen am 9. 4. 40 ist der: Damals stand das ganze Mittelmeer unter der unbestrittenen Seeherrschaft Englands und Frankreichs, während zu der jetzigen Landung in Norwegen die weit unterlegene deutsche Flotte ihr Landungskorps an den englisch-französischen Kampf, geschwadern vorbei führen mußte, die ja ihrerseits eine gewaltsame Besetzung Norwegens von See her vorzunehmen im Begriff standen und denen wir um 10 Stunden zuvorkamen. Allein der Umstand, daß aus diesem Grunde das Schicksal der deutschen Unternehmung von unbedingter Geheim» und Ausführung ergibt sich nur eine von «zwei Möglichkeiten: entweder ist die englische Regierung zur Beurteilung kriegspolitischer L< breitet folgende Meldung: „Lord Chatfield vollendet morgen das fünfte Jahr in seiner Eigenschaft als Admiral der Flotte. Der König hat die Ernennung des Admirals Sir Charles M. Ford es zum Admiral der Flotte als Nachfolger von Lord Chatfield ab morgen gebilligt, und infolgedessen wird der Vizeadmiral Sir Dudley D. N. North zum Admiral in der Flotte S. M. vom 8. Mai ab befördert." ♦ , Diese Veränderungen in der britischen Admiralität sind offensichtlich die Folge der schweren englischen Niederlage in Norwegen und der katastrophalen Schiffsverluste durch die Bomben der deutschen Luftwaffe. Lord Chcttfield wurde bereits am 3. April als Derteidi- gungsminifter aus dem Kriegskabinett aus- geschifft. Jetzt muß er nun auch als Admiral der Flotte gehen, ausgerechnet an dem Tage, an bem er vor fünf Jahren dieses Amt angetreten hatte. Sein Nachfolger als Admiral der Flotte — es gibt noch drei andere Admirale der Flotte — wurde der bisherige Admiral Fordes, der das zweite Schlachtschiffgeschwader befehligte. * George Lansbury, einer der Veteranen der englischen Arbeiterbewegung, ist nach kurzer Krankheit im Alter von 81 Jahren gestorben. Lansbury gehörte dem Unterhaus seit 1910 an. Er war Mitglied der zweiten Regierung der Arbeiterpartei in den Jahren 1929 bis 1931 und von 1931 bis 1935 Fraktionsvorsitzender der Arbeiterpartei. Umfangreiche Kriegsbeute bei Andalsnes. Der Wehrmachtsbericht vom Mittwoch. Berlin, 8. Wal. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Die Luftwaffe griff erneut feindliche See- flreitkrüfte bei Narvik an. Zwei Kreuzer erhielten Treffer. Feindliche Stellungen und Warfchkolonnen wurden wirkungsvoll mit Bomben belegt. 3m Luftkampf wurde ostwärts Narvik ein britisches Jagdflugzeug abgefchoffen. 3n Narvik selbst ist die Lage unverändert. Unter der umfangreiche» Beute, die bisher im Raume um Andalsnes sichergestellt werden konnte, befinden sich: Das Marineministerium der Vereinigten Staaten teilt mit, daß die lüZ^-Schlachtflotte auf unbestimmte Zeit in hawaiischen Gewässern bleiben werde auf Wunsch des Chefs der Schlacht- flotte, Admiral Richardson, welcher mit der vor zwei Wochen von den Pazifikmanövern in Honolulu eingetroffenen Flotte „weitere taktische Ue- bungen" auszuführen beabsichtigt. Minister pavolini in Berlin erwartet. und man dort behauptet habe, daß kein deutscher Transport von Soldaten mehr nach Norwegen gelangen werde. Inzwischen habe sich jedoch die ,chisto- rische Wahrheit", nach der bei einem solchen Unter- nehmen, wie es in Norwegen durchgeführt worden Forzano „C a v o u r" beiwohnen, die am 9. Mat, dem Jahrestag der Gründung des italienischen Imperiums, ftattfinben wird. Pavolini wird feine Berliner Anwesenheit zur Fühlungnahme mit dem Relchspropagandaminister benutzen. ' Alessandro Pavolini wurde 1903 in Florenz als Sohn d-s bekannten Sanskrit-Forschers und Mitglieds der Akademie von Italien, Paul Emil Paoo- • mi, geboren. Als junger Student der Rechtswissen- chaften trat er bereits dem Faschistischen Kampf- bund m Florenz bei. Beim Marsch auf Rom war er an den Kämpfen um den Eintritt in die Haupt- tabt ebenfalls beteiligt. Nach der Machtergreifung bekleidete er in Florenz verschiedene wichtige Partei- tellen und war von 1929 bis 1934 Gauleiter von r1Drü1^' K^eg in Abessinien nahm er zunächst als Kriegsberichterstatter, dann als Flugzeugbeob- achter in der Staffel des Grafen Ciano teil und erwarb sich als Oberleutnant der Reserve die Silberne Tapferkeitsmedaille. Nach seiner Rückkehr war Pavolini Abgeordneter der Faschistischen Kammer und Präsident der Konföderation der geistigen ^better, als ihn die „Wachablösung" am 31. Oktober 1939 als Nachfolger Alfieris auf den Posten des Ministers für Volkskultur berief. Seine Beziehun- gen zu Deutschland datierten schon aus seinem Elternhaus und sind durch verschiedene Reisen verlest worden. So begrüßt das Großdeutsche Reich in einem Gast einen Mann, der an dem Verständnis, öas man im befreundeten Italien der in ihrem großen Lebenskampf stehenden deutschen Nation entgegenbringt, für sich starken Anteil beanspruchen „Kommandokrise." Die Auffassung in Belgien. Brüssel, 9. Mai. (Europapreß.) Die in Belgien mit Spannung erwartete Unterhaussitzung hat nachträglich Enttäuschung ausgelöst. Der katholische „Standaard" meint, es sei auf den ersten Blick unbegreiflich, warum man sich in London und Paris aus das Unternehmen in Norwegen eingelassen Ijabe, wenn sich schon vorher die britische Admiralität und die französische Armeeführung nicht stark genug gefühtt hätten. Das Blatt sieht in dem ganzen Vorgehen der Westmächte in Norwegen eine Folge des demokratisch-parlamentarischen Prinzips. Man könne heute schon von einer regelrechten ,Lommandokrise" bei den Westmächten sprechen. — Das rexisttsche „Pays RLel" sagt, der Krieg in Norwegen habe als Ergebnis die Langsamkeit der demokratischen Staaten bei ihrer Beschlußfassung, die Unterlegenheit der Luftwaffe der Westmächte und die Verwundbarkeit der englischen Flotte offen dargestellt. Amsterdam, 9. Mai. (Europapreß.) „Mister Chamberlains Vorstellungen in der Debatte enttäuschten seine Freunde und diejenigen, die ihm wohlwollen. Es ist nicht wahrscheinlich, daß seine Rede das erschütterte Vertrauen des Landes in seine Regierung wieder Herstellen wird." Dieser Satz der „Daily Mail" ist bezeichnend für die tri» tische Einstellung, mit der die Presse im allgemeinen Chamberlains Verteidigungsrede aufnimmt. Nur der konfervattve „Daily Telegraph" hält mit der Kritik zurück und begrüßt es, daß die Debatte viel getan habe, um die Lust zu reinigen und die öffentliche Meinung zu unterrichten. Das liberale „News Chromcle" schreibt: „Was auch immer der Spruch der Geschichte über Chamberlains dreijährige Mi- nisterpräsidentschast fein mag, es ist eine harte Tat- ache, daß es über feine Kräfte geht, heute >as Vertrauen der Nation zu besitzen. Diese Regierung muß gehen: je schneller sie geht, um o besser für die Sicherheit des Reiches. Wir können es uns nicht leisten, sie einen einzigen Tag länger zu behalten." Der arbeiterparteiliche „Daily Hevald" sagt: „Chamberlain ist verurteilt. Durch seine gestrige Rede im Parlament hat der Ministerpräsident das Vertrauen der Nation verwirkt." Chamberlain fei unfähig, nicht nur die militärischen, fandern auch die diplomattschen Realitäten zu erfassen. „Wir haben, so denkt er, einen .gewissen Preftigeverluff erlitten. Darüber hinaus ist bei unseren Freunden fähiger, als sie es schon gegenüber friedenspolitischen Lagen bewiesen hat ober sie hatte schon bei der Aussendung ihrer Expedition nach Skandinavien die Forcierung dieses Gebietes als Aufmarschbasis gegen Deutschland wegen der Aussichtslosigkeit fallen aelassen. Wenn das aber so ist, dann ergeben sich mit logischer Notwendigkeit zwei Fragen: 1. Warum wurde bann die englische Heeresleitung über den plötzlichen Wechsel der Re- gierungspläne nicht rechtzeitig unterrichtet? 2. Wie konnte die englische Regierung bann noch so verbrecherisch handeln, auch nur einen einzigen Soldaten an ein so sinnloses Unternehmen zu vergeuden, das nun keinen anderen Sinn mehr haben konnte als den, die Norweger durch eine vorgetäuschte umfangreiche Hilfe Englands zum Kampf gegen einen unendlich überlegenen Gegner aufzuputschen? In der Tat, niemand kann die Engländer um eine berartig konfuse und unfähige Regierung beneiden, und nichts ist unverständlicher, als daß es heute noch Staaten zu geben scheint, die den Engländern die ganze Hand geben wollen, anstatt ihnen selbst den kleinen Finger zu entziehen. Was müssen die Engländer von einer Regierung halten, deren Chef angesichts der bisher schwersten und verlustreichsten Niederlagen davon schwatzt, daß „jeder einzelne Engländer dem Gegner Mann für Mann überlegen gewesen und überhaupt tapferer" sei! Warum üann diese kopflose Flucht? Und warum wird dann nicht die englische Führung des Expeditionskorps wegen der schmählichen Ausgabe eines so großen Krieasmaterials vor ein Kriegsgericht gestellt? Wenn das „Uebe.rlegenheit" ist, dann wissen wir nicht mehr, wie wir dem gegenüber die Leistungen unserer Wehrmacht noch rühmlich genug bezeichnen sollen. Warum verlor der bri- tische Regierungschef ferner kein Wort darüber, daß die berühmte „stärkste Flotte der Well" zu keiner Stunde imstande war, den deutschen Nachschub nach Norwegen auch nur zu gefährden, geschweige denn 3U verhindern? Warum verschwieg Chamberlain die lange Liste der englischen Verluste an Krieas- und Transportschiffen, an Flugzeugen usw.? Warum half er sich mit solch unwürdigen, kindischen Albernheiten, daß seine eiaenen erlogenen Siegesankündigungen unb wachemangen Triumphberichte von den Deutschen erfunden seien, die dergleichen weiß Gott nicht nötig haben? Es flüchtete der überlegene englische Soldat, es flüchtete die überlegene englische Flotte und es flüchtete jetzt der ebenso überlegene Chamberlain in die Ankündigung neuer Triumphe und Siege „i n eineranderen (3ege nd", nur um eine öffentliche Diskussion der englischen Katastrophe in Norwegen und das Bekanntwerden ihrer Gesamtoer- luste zu verhindernl Das ist der Mann, der zusammen mit Churchill von „Hitlers schwerem Fehler" in Norwegen gefaselt hatte — die erbitterte und enttäuschte Opposition schrie ihm jetzt die Antwort entgegen: „Wer hat de» Bus verpaßt, Hitler ober ©ie?" B.R. dem der Angriff vom Osten durch die vorgeschickten Polen mit der Vernichtung des Angreifers geendet hatte. Für dieses große Unternehmen hat also die Regierung Churchill-Chamberlain im ganzen „nicht viel mehr als „eine Division" eingesetzt. Aus diesem schroffen Widerspruch zwischen Plan MM Haltung und vorbehaltloser Präzision in Vorbereitung und Ausführung, als von restlosem Gelingen der Ueberraschung abhängig war, während 1915 Vorbereitung und Anmarsch der britisch-französischen Truppen in voller Oeffentlichkeit vor sich ging, stellt unser Unternehmen auf eine unvergleichli... höhere Ebene. Wie ist es mit Napoleons Jnvasions- planen nach England 1805? Sie stellten nur den Schlußakt einer langen Reihe von Vorbereitungen dar, die 50 Jahre früher im siebenjährigen Krieg durch den tatkräftigen französischen Minister Choiseul eingeleitet und in jedem frnazösisch- englischen Krieg zwischen 1756 und 1805 von neuem ernsthaft in Angriff genommen wurden. Choiseul wollte von den Kanal- und Atlantik-Häfen Frankreichs 50 000 Mann zur Eroberung Englands an dessen Südküste bei der Insel Wight landen, während gleichzeitig 12 000 Mann in Schottland an Land gesetzt werden sollten. Aber der sorgfältig ausgearbeitete Plan wurde nie Wirklichkeit, weil die französische Kriegsflotte sich zu keiner Zeit ein Uebergewicht über Die englische im Aerrnelkanal verschaffen konnte, wie es als unbedingte Voraussetzung für notwendig gehalten wurde. Napoleons großer Plan im Jahre 1805, 130 000 Mann samt Artillerie und 6000 Perden in einer Nacht auf weit über 1000 kleinen Fahrzeugen von der Küste bei Boulogne aus an die gegenüberliegende englische Südostküste zu werfen, um damit ganz England zu erobern, scheiterte an dem Fehlen der gleichen Voraussetzung wie früher. Vergeblich rief Napoleon nach dem „einen Tag Seeherrschaft im Aerrnelkanal", den ihm seine Admirale nicht sichern konnten. Von einem anderen Grundgedanken war das großangelegte Unternehmen getragen, das der fähige französische General Hoche im Jahre 1796 begann: 20 000 Mann auf Kriegsschiffen und Transportern von Brest nach der WeftküsteJrlands überzusetzen. Es sollte, unterstützt durch die Einwohner Irlands, die das britische Joch abschütteln wollten, eine strategische Flankenbedrohung der englischen Hauptinsel darstellen, und die englische Flotte zur Kräftezersplitterung zwingen. Die Expedition gelangte um Weihnachten 1796 an die irische Küste, aber anhaltendes schlechtes Wetter und die Unfähigkeit der französischen Marine zwangen kurz vor der Landung zur Umkehr — ein großer Aufwand war schmählich vertan! Die Absicht, einen an die See grenzenden Gegner, durch Truppenlandungen in Flanke ober Rücken zu bedrohen, kehrt in den Seekriegen von altersher immer wieder. Mit Recht sah deshalb G n e i f e n a u „den wahren Gebrauch des Dreizacks" auch darin, durch Angriffe auf die Küsten den Gegner zu zwingen, „seine Truppen von einem Ende seines Reiches nach dem anderen laufen zu lassen". Daher Gnei- senaus leidenschaftliche, aber wegen der Verstocktheit der Londoner und Wiener Politik teiber vergebliche Bemühungen, im Jahre 1812 ein Heer in Norbwest- beutschlanb zu lanben unb mit ihm bem nach Osten marschierenden Napoleon in ben Rücken zu fallen. In einem bescheibenen, aber gut gelungenen unb baher überzeugenben Fall ist einmal bie Bedeutung einer so gebuchten ßanbung klar zum Ausbruck gekommen. Er trug sich zu im siebenten Kriegsjahr bes Peloponnesischen Krieges, 425 d. Ehr. Die Spartaner finb in Attika eingefallen, verheeren bas Lanb um Athen unb saugen es aus. Athen schickt bes- megen seinen Felbherrn Demosthenes mit 40 Schiffen zur Schäbigung bes Feinbes an seinen . Küsten aus. Demosthenes lanbet Truppen in Pylos an ber messekiischen Küste in ber Absicht, von hier aus bie feinbliche Hauptstabt Sparta zu bebrohen. „Als bie Spartaner in Attika" — so bemerkt ber Historiker Thukybibes bazu — „bie Nachricht von ber Einnahme von Pylos erhielten, zogen sie eiligst wieber ab, benrt sie sahen in ihr eine unmittelbare Gefahr für ihr eigenes Lanb." Grundsätzlich benfelben Zweck hatte 1914 ber lange unb leidenschaftlich erörterte Plan ber Entente, unter ber Deckung der englischen Flotte ein russisches Heer an ber pommerschen Küste lanben unb auf Berlin marschieren zu lassen. Der Plan würbe schließlich fallen gelassen, weil bie weit überlegene englische Flotte nicht wagte, in bie Ostsee zu gehen, solange bie beutsche Flotte nicht entscheibenb geschlagen wäre. Wir haben bie wichtigsten Lanbungsunternehmen, bie geplanten unb ausgeführten kurz betrachtet unb müssen banach feststellen: auch nicht eine von ihnen kann sich an Größe ber Truppenzahl unb Entfernung zwischen Ausgang unb Ziel, sowie an Sorgfalt ber Vorbereitung unb Genauigkeit wie Raschheit ber Ausführung auch nur im entfernten mit ber beutschen Truppenlandung in Norwegen messen. Wir haben an den Beispielen der Vergangenheit auch gesehen, wie überaus selten ein solches Unternehmen geglückt ist und welche Ausnahme daher das gelungene Unternehmen ber beutschen Wehrmacht bilbet. In ihrer Tat haben wir baher wirklich ein Erlebnis vor uns, bas einzig bastelst in ber Geschichte. Dieses stolze Vorbilb an kühner unb Derantroortungsfreubiger Planung unb an präzisem verständnisvollem Zusammenwirken aller Waffen verbürgt unseren Sieg besser als noch jo massenhafte rein materielle Hilfsquellen von Weltreichen! Wie das britische Schlachtschiff versenkt wurde. P. K. Seeaufklärer meldeten einen starken englischen Geleitzug airf westlichem Kurs mit hoher Fahrt von der norwegischen Küste aus ablaufend. Mit 15 Maschinen starten wir bei Morgengrauen. In kurzer Zeit haben sich alle Maschinen in der Luft versammelt, und nun geht es aus See hinaus, dem Engländer nach. Die Berge Norwegens versinken hinter uns mit ihren weißen schneebedeckten Kuppen langsam im Frühnebel. Unter uns dicht am Horizont nichts als das Meer, bas aus dieser großen Höhe völlia unberoegt zu sein scheint. Es ist eine ideale Sicht. Langsam steigt in unserem Rücken die Sonne empor. Bei diesem Wetter entgeht den spähenden Augen auch nicht ein Schiff auf der weiten Nordsee. Fast eine Stunde dauert nun schon ber Flug. Da tönt in allen Telephonmuscheln die Stimme des vor- aussliegenben Kommandeurs: „Achtung! An alle! Fertigmachen zum Angriff!" Nun sehen wir — weit voraus läuft ein großer englischer Ver- banb im Zickzackkurs unb weit aufgelöster ausein- andergezogener Formation nach Westen. Langsam werben die englischen Schiffe deutlicher. Els Einheiten sind auszumachen, jetzt werden auch schon die Unterschiede deutlicher, klar heben sich die Transportschiffe von den begleitenden Kriegsschiffen ab. Unter den Kriegsschiffen sind ein paar große schwere Brocken. Kaum haben bie Engländer uns entdeckt, als wütendes Flakfeuer einsetzt. Noch liegen die Schiffe weit von uns weg. Vor uns zerplatzen die schwarzen und weißen Wölkchen der detonierenden Geschosse. Scharf kurven rechts unb links unsere Maschinen. Wir startenaufbieflüchtenden Schiffe dort unten, daß uns bie Augen brennen. Der Gegner schießt aus allen Rohren. Da, das find Schwere Kreuzer. Deutlich sind sie an den Deckaufbauten unb an ihrer Größe zu erkennen. Weiter voraus liegen die kleineren Zerstörer. Und da ist ein Schlachtschiff, viel größer als die anderen, furcht es durch das Wasser. Im weiten Bogen umfliegen wir den Geleitzug. Unser Kommandeur sucht sich die beste Angriffsposition für den dicksten Brocken heraus. Dann stellt er die Maschine auf den Kopf, in rafenbet Fahrt kippt sie nach unten dem Feinde entgegen. Das ist für die ganze Gruppe das Signal zum Angriff. Meine Maschine hat sich einen schweren Kreuzer ausgesucht, wir stürzen auf ihn zu, jetzt trifft die Bombe und schlägt scharf steuerbord des Kreuzers ins Wasser. Deutlich ist die Einschlagstelle zu sehen. Turmhoch steigt die Explosionsfontäne empor, dann ist eine kleine Weile nur der Himmel in meinem Blickfeld. Der Flugzeugführer fliegt jetzt in engen Kurven ganz dicht über dem Wasser dahin. Da ist auch das englische Schlachtschiff wieder. Gerade kracht eine Bombe auf das Vorschiff. Eine unheimlich schwarzgrau gefärbte Rauchwolke schießt mit Blitzesschnelle zum Himmel empor. Dann gibt es eine unge- Generaloberst Milch, der die Operationen ber Luftwaffe in Skandinavien leitete und den der Führer mit dem Ritterkreuz bes Eisernen Kreuzes auszeichnete, weilte einige Stunben in Drontheim, wo er die tapfere Mannschaft einer Stuka-Staffel besonbers begrüßte. (PK.-Lange->Scherl-M.) heure Detonation. Wahrscheinlich ist die Munitionskammer getroffen worben. Line gewaltige Stichflamme schießt in den Himmel hinein, wieder eine Detonation, und nun stehl eine gewaltige Feuersäule über dem Schlachtschiff. Richt weit von dem Schlachtschiff sehe ich einen schweren kreuze r in Flammen gehüllt. Unb noch weiter vor- aus fährt ein Transportschiff unmittelbar in die riesenhohe Wassersäule einer genau vor seinen Bug einschlagenden Bombe hinein. Jetzt fliegen wir wieder genau über dem englischen Schlachtschiff. Roch ist keine Minute vergangen, seitdem die Bombe traf, unb doch sehen wir jetzt, wie das Schiff in der Mitte gebrochen sich neigt und mit Mann unb Maus, slammenumhiillt, rasend schnell in die Tiefe geht! Roch einmal kurvt unsere Maschine. Als sie wieder die Stätte ber Vernichtung Überfliegt, ist von dem Schlachtschiff nichts mehr zu sehen. Da tönt auch schon wieder in den Muscheln ber Telefone ber Befehl bes Gruppenkommandeurs: „Achtung! An alle! Alles sammeln in x-Meter Höhe!" Steil zieht mein Flugzeugführer bie Spitze nach oben. Eine Maschine nach ber anderen fliegt langsam auf. Noch einen Blick zurück: Dort, wo eben noch das stolze Schlachtschiff ber britischen Flotte uns seine Geschosse entgegenschickte, ist jetzt nichts mehr als ein riesiger Oelfleck unb ein paar Trümmer, die auf bem bewegten Wasser kreisen, zu sehen. Staffelweise geht es zurück. Groß ist bie Freude, als wir feftfteöen, baß auch nicht eine Maschine fehlt. Hinter uns verschwinden am Horizont bie panikartig noch wild durcheinanberlaufenben Einheiten bes so schwer getroffenen Geleitzuges. Eine hohe Rauchwolke steht über ber Stätte, wo unsere Stukas zuschlugen Die ersten Meldungen werben durch Sprechfunk an den Kommandeur gegeben. Ganz deutlich aber wirb erst der Erfolg, als nach der Landung die einzelnen Flugzeugführer Meldung machen. Dann wird der Gefechtsbericht geschrieben , die Treffermeldungen jeder einzelnen Maschine und die Bestätigungen, ber Kameraden dazu. Kurze Zeit danach ruft der Kommandeur eines Seefliegerverbandes an. Er war mit uns eingesetzt und hat den Angriff unserer Stukagruppe beobachtet. Stück für Stück bestätigt er nach ben Beob- achtungen seiner Männer die Meldungen unserer Kameraden. Allein in den letzten 14 Tagen haben sie 100 000 Tonnen englischen Kriegs- und Handels- schiffraum versenkt, weitere 100000 schwer beschädigt. Weriholzverkauf. Dienstag, den 21. Mai, vormittags 9 Uhr, werben im Hotel Hopfeld in Gießen (am Bahnhof) aus den Staats-und sämtlichen Gemeindewalbungen bes Forstamts öffentlich verkauft: Eichen-Furnier-Stämme.... 94 Fstm. 4. —7. Kl. Eichen-Teilfurnier-Stämme. 31 „ 4. —6. „ Eichen-Stämme, Gütekl. A.. 38 „ 4.—6. „ Kiefer-Schneideholz-Stämme 175 „ 2b—5. „ Kiefer-Schneideholzhalt. St. 66 „ 3a—4. „ Nach bem öffentlichen Verkauf ber Eichen unb Kiefern werben beschränkt an Handwerker verkauft: Kiefer-Stämme, Güteklasse A 6 Fstm. 3a—4. Kl. Fichten-Stämme, Gütekl. A. 164 „ 3a—6. „ Einkaufscheine für Nabelstammholz unb Laubholzkarten finb im Termin vorzuzeigen. Nummerverzeichnisse werben vom Forstamt ab 16. Mai gegen Erstattung ber Schreibgebühren abgegeben. Nähere Auskunft durch das Forstamt. 2308 d Gießen, den 8. Mai 1940. Hessisches Forstamt Gießen. 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Ordentliche Mitglieder können sein: Eltern erbtüchtiger, geordneter kinderreicher und kinderfroher Familien deutschen und artverwandten Blutes mit mindestens. 4 (Witwen 3) ehelichen Kindern; außerordentliche Mitglieder: Männer und Frauen mit weniger als 4 ehelichen Kindern, die den übrigen Voraussetzungen entsprechen und sich nach Gesinnung und Lebensführung zu den Zielen des RDF. und deren Erreichung bekennen; Ehrenringmitglieder werden vom Reichsbundesleiter berufen. Förderer kann jeder werden, der die Ziele des RDF. und deren, Erreichung unterstützt. Die Organisation und Gliederung des Reichsbundes erhält keine Veränderung. Durch die Umstellung wird der Gedanke bekundet, daß der große Besinnungskampf um die Volkserhaltung und Auslese heute mehr als je alle Vollwertigen und Gutgesinnten auf den Plan ruft. Verkehrssünder, die es „bester wissen". Zur Beseitigung der strafrechtlichen Sonderstellung des „Berufsfahrers" hat der Reichsminister der Justiz die Strafverfolgungsbehörden angewiesen, daß die persönlichen Verhältnisse des Verkehrsteilnehmers, soweit sie für den Grad seines Verschuldens von Bedeutung sind, bei der Strafzumessung berücksichtigt werden müssen. Hierbei könnte »auch dem Rechnung getragen werden, in welchem Maße der Täter besondere — durch seinen Beruf oder sein Gewerbe vermittelte — spezielle Kenntnisse hinsichtlich der Gefahren hat, die dem Verkehr drohen. Wenn z. B. ein Kraftwagenführer, Tankwart, Wagenpfleger usw., der als Fachmann einen Kraftwagen ständig selbst betreut, aus Mangel an Sorgfalt Mängel übersieht oder nicht abstellt, so wird er schwerer zu bestrafen sein als der Fahrer, der eine Sachkenntnis nicht hat. Von der Ermächtigung bei Verkehrsunfallsachen in jedem Falle Strafantrag zu stellen, wenn „besonderes" öffentliches Interesse oorliegt, wird der Staatsanwalt Gebrauch machen bei einschlägigen ernsteren Vorstrafen, bei besonders grobem Leichtsinn (insbesondere bei Trunkenheit am Steuer), bei besonders niedriger Gesinnung und bei schweren Unfallsfolgen und dadurch hervorgerufener besonderer Erregung in der Oeffentlichkeit. Dagegen werde, wenn der Verletzte ein Angehöriger des Täters ist, von der Strafverfolgung abgesehen werden können, wenn ein Strafantrag vom Verletzten nicht Sterbegeld für Einberufene. Aehnlich der bereits für die reichsgesetzliche Versicherung ergangenen Regelung hat das Reichsaufsichtsamt für Privatversicherung jetzt auch seine Anordnungen hinsichtlich der Kriegsklausel für die private Krankenversicherung ergänzt. Bestimmungen, wonach Versicherungsleistungen n i ch t gewährt werden für Schäden und Todesfälle, die infolge von Kriegsereignissen heroorge- rufen worden sind, werden außer Kraft gesetzt. Wenn das Reich seine Leistungspflicht anerkannt hat, sind außer dem Sterbegeld weitere Leistungen nicht zu gewähren. Auch für Einberufene ist im Falle des Todes ein Sterbegeld in der Höhe des Betrages zu zahlen, der bei einem Nichtruhen der Versicherung zum Zeitpunkt des Todes, zu zahlen sein würde. Für das Sterbegeld sind nacheinander der Ehegatte, die Kinder, die Eltern und die Geschulter bezugsberechtigt. Es ist auch zu zahlen, wenn den Hinterbliebenen keine Bestattungskosten erwachsen sind. Da die Regelung rückwirkende Kraft seit Kriegsbeginn hat, sind fällige Sterbegelder unverzüglich auszuzahlen. Sofern bisher eine Gebühr für das Sterbegeld während des Ruhens der Versicherung erhoben wurde, ist sie ab 1. Mai nicht mehr zulässig. Ist ein zusätzliches Sterbegeld gegen besonderen Beitrag mitversichert, so bleibt es auch während der Einberufung bei der Fortzahlung der Zusatzbeitrages. Das Ruhen der Versicherung tritt vom Zeitpunkt der Einberufung an automatisch in Kraft, ohne daß es eines besonderen Antrages bedarf. Neues für den Bücheriifch. — Rudolf G. Binding : A d Se Ipsum, aus einem Tagebuch. (Preis kart. RM. 1,80.) Verlag Rütten & Loening, Potsdam. „Zu sich selbst" — das heißt in diesem Falle zu uns allen gesprochen, denn indem Binding hier ein Zwiegespräch mit sich selbst hält, spricht er zugleich von dem Wesen der Dinge in der menschlichen und kosmischen Welt. — Rudolf G. Binding: Natur und Kunst, Führungen und Betrachtungen. (Preis kart. RM. 1,80.) Verlag Rütten & Loening, Pots- oam. Dies schmale Büchlein zeigt den Dichter als Meister des Essays, der auch das, was ihm die Gelegenheit am Wege schenkte, mit seinem Geist erfüllte und dessen Sprachgewalt daraus ein Kunstwerk schuf. Und niemals sind es abstrakte Gedanken, es ist „erlebtes Leben" aus intensivster Anschauung. Was Binding zum Lob Frankfurts sagt, wie er Himmel und Glanz über Würzburg preist, wie er den Genfer See- sieht und den Rheinrausch auf sich wirken läßt, immer ist es die Macht der Persönlichkeit, die uns an ihrem inneren Erleben .teilhaben läßt. Dr. Fr. W. Lange. — Wilhelm Holzamer: VorJahrund Tag. Roman (Preis in Leinen gebunden 5,75 RM.), Peter Nockler, Geschichte eines Schneiders (Preis in Leinen geb. 3,60 RM.), beide bei der Deutschen Verlags-Anstalt, Stuttgart. In diesem Frühjahr hätte Wilhelm Holzamer seinen 70. Geburtstag begehen können, hätte der Tod nicht schon den 37jährigen im August 1907 mitten aus fruchtbarstem Schaffen gerissen. Wenn das Prädikat „Heimatdichter" nicht zu abgegriffen wäre und von allzu vielen Unberufenen in Anspruch genommen würde, so müßte es Wilhelm Holzamer zufallen, J)er sein Bestes schuf aus seiner engen Verbundenheit mit seiner rheinhessischen Heimat, ihrer Landschaft und ihren Menschen. Wie sehr diese Verbundenheit auch über seinen frühen Tod hinaus wirkt, dafür zeugt der Wilhelm-Holzamer-Bund, der vom Heimatdorf des Dichters Nieder-Olm aus sein Werk betreut. Aber daß Holzamers Kunst weder zeit- noch ortsgebunden ist, beweist am besten sein erst nach seinem Tode erschienener Roman „V o r 2 ahr und T a g", der auf dem Hintergrund des Kriegsjahres 1866 und im Rahmen der kleinen Gemeinschaft eines rheinhessischen Dorfes die Liebesgeschichte eines urwüchsigen, braven Mädchens erzählt, das sich im Trotz gegen ihr innerstes Gefühl stemmt und den Geliebten erst zu Tode verwundet im Feldlazarett wiederfindet. In einer Vernunftehe auf einsamer Mühle findet die Dorth nach bitteren Erfahrungen und Enttäuschungen ihre Ruhe. Ungeheuer lebendig ersteht in der Schilderung Holzamers das Dorf und seine Menschen vor unseren Augen, wir sehen sie in ihrem Tun und Treiben mit ihren Vorzügen und Schwächen, ein enger Lebenskreis und doch bewegt vom Werden der deutschen Einigung, ein getreues Spiegelbild unruhvoll erregter Zeit. — „Peter Nockler, die Geschichte eines Schneiders', spielt in der Hauptsache in Mainz. Die enge Welt der „kleinen Leute" ist auch hier scharf beobachtet und mit einer keuschen Zartheit dieser befangene stille Mann geschildert, dem auf einer „Kerb" im Odenwald die Braut durchgeht und der sich zur wahren Seelengröße durchringt, als diese, von ihrem flüchtigen Kirmeß-Verehrer im Stich gelassen, den verachteten Schneider anfleht, ihrem Kinde seinen ehrlichen Namen zu geben. Hier offenbaren sich Holzamers feines Einfühlungsvermögen und künstlerische Gestaltungskraft in seltener Geschlossenheit. Dr. Fr. W. Lange. — Gerhard Scholtz: Tagebuch einer Batterie. (Preis in Leinen geb. RM. 4,80.) Verlag Rütten & Loening, Potsdam. Schlicht und wahr, ohne nachträgliche Retusche berichten diese Blätter von schweren Kampftagen auf Flanderns blutgetränkter Erde, ohne Ueberschwang und Ruhmredigkeit zeugen sie von der Kameradschaft einer Batterie, die im gemeinsamen Erleben der Schlacht Offizier und Mann zusammenschweißt hat zu jener Gemeinschaft, die über den Krieg hinaus alle Frontsoldaten bindet. Aus jeder Zeile dieser Aufzeichnungen eines jungen Artillerie-Offiziers spricht das Unmittelbare, der echte Ton, das Erschütternde, das Große, Einmalige des Krieges. „Noch aus keines Mannes Leben schwand der Tag, an dem er zum erstenmal ein Schlachtfeld be- *ra*' “J1 sich ZU bewähren", so heißt es im Nachwort dieses Buches, das niemand ohne ergriffen zu sein wieder aus der Hand legen wird. Dr. Fr. W. Lange. i 9 s Erd künde in Stichworten. 1- Grbe und Mensch. 2. Das Deutsche Reich. 3. Europa 4. Amerika, Afrika. 5. Asien, Australien, Ozeane. (Verlag Ferdinand Hirt in Breslau.) Die Heftchen geben trotz aller Kürze eine lebendige Gesamtdarstellung des erdkundlichen Wissens der Ge- genwart. Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter bei Haup ichriftleite^: Ernst Blumschein. Verantwortlich für PE t«1 S>°dt @M;„, Brodln, uno «NttWoffc Cntft »fomfdjein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Srüijlfcfie Universitätsdruckerei R. Lange K. G. mSSSiAAnzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt verAnzetgen: Feodor Kümmel. Pl.Nr.5. z;-' ■ '• WM tz X /// wä, : v /’■? M -/ 5 Ä . • WM . . Immer aromatisch! Immer frisch! Nur ausgewählte reine Orienttabake erster Provenienzen finden für die,,Astra" Verwendung.Das besondere Mischverfahren ergibt die unveränderliche charakteristische Vereinigung von Leichtigkeit und reichem Aroma. M*T UND OHNE MUNDSTÜCK Immer leicht! HERGE STELLT X H m Hi W //J s WWW ttr.107 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Donnerstag, 9. Mai M0 Aus der Stad« Gießen. Pilze im Frühlingsgrün. Von M A von Lütgendorff. Nicht der Vorfrühling, sondern erst der richtige Frühling lockt sie aus der Erde und auch nur da, wo der Boden etwas sandig ist. Ihre liebsten Standorte sind Nadel- oder Laubwälder und Waldwiesen. Mitten auf einer zartgrünen Lichtung stehen sie eines Tages da, und wer sie sieht, freut sich, denn die Morcheln sind feine Speisepilze und ein schmackhaftes Frühlinasessen. Zu erkennen sind sie leicht, lieber einen dicken, Hellen und hohlen Stiel stülpt sich der braune oder graubraune, nach oben zu spitzzulaufende S)ut, der aus zellen- oder wabenförmigen Gruben zusammengesetzt ist. Diese Waben mit ihren deutlich aus- . gebildeten Seitenwänden sind und bleiben das sicherste Kennzeichen der Morchel. Wie die meisten Speisepilze ist auch die Morchel reich an Pilzstickstoff, und da dieser Stickstoff vom Körper fast restlos ausgenutzt wird, spendet sie 'neben ihrem guten Geschmack auch Nährstoffe, namentlich auch ourch ihren Gehalt an Vitamin D. Nur soll sie beim Essen gut gekaut werden. Auch schmecken die kleineren Morcheln feiner als die größeren, da auch für ,die Morcheln die alte Pilzregel gilt, daß die Jungen und Jüngeren den Alten vorgezogen werden müssen. Die Zubereitung der Morchel ist einfach. Die sehr gut gewaschenen Köpfe werden entweder ganz oder in Ringe zerschnitten, in Fett weichgedünstet, worauf man sie mit Mehl stäubt und noch etwa eine Diertel- rstunde weiter kochen läßt. Durch feingewiegte Petersilie, Zitronensaft oder gar ein zerklopftes Eigelb läßt sich das wohlschmeckende Gericht sehr verfeinern. Ganz vortrefflich paßt sich der Geschmack der Morchel der Kartoffel an, weshalb sie sich ganz besonders gut als Beigabe zu Kartoffelklößen oder Kar- ftoffelbrei eignet ober auch zu einer Kcrrtoffelspe^e, hu der die gekochten Kartoffeln und die bereits weichgedünsteten Morcheln schichtenweise übereinander liegend zusammengebacken werden. ’ Zur gleichen Zeit wächst im frühlingsjungen Nadelwald auch eine Verwandte der Morchel, nämlich -die Frühlings- oder Speiselorchel. Wer mit aufmerksamen Augen auf die Pilzsuche geht, wird Morchel und Lorchel jedoch niemals verwechseln und soll es auch nicht, denn was für die Morchel gilt, gilt für die Lorchel nicht mit. Die Morchel ist ohne weiteres eßbar. Die Verwendung der Lorchel dagegen erfordert ein paar Vorsichtsmaßregeln, die unbedingt befolgt werden müssen. Von der Morchel unterscheidet sich die Lorchel sehr deutlich dadurch, daß die grubigen, zellenartigen Vertiefungen des Hutes fehlen. Der schwärzlichbraune Kopf der Lorchel sieht, abgesehen davon, daß er nicht spitz zuläuft, anders aus. Er besteht aus dicken Falten, die sich darmoder gehirnförmig umeinanderschlingen, während ein paar dickte Lappen nach unten hin dem S*el anliegen. Eßbar ist auch die Lorchel, aber nicht ohne weiteres. Erstens darf sie nicht in nassem Zustand, wie etwa kurz nach einem Regen, gepflückt werden und nur, so lang sie jung ist. Dann genügt nicht, wie bei der Morchel, ein gründliches Auswaschen aor der Zubereitung. Die Pilze müssen vielmehr uach dem Waschen zuerst zerkleinert und hierauf mindestens zwei bis fünf Minuten lang in kochendem Wasser liegen, weil die im frischen Zustand in ihnen enthaltene giftige Helvellasäure nur auf )iefe Weise gelöst und unschädlich gemacht werden bann, daher man denn auch das Kochwasser nicht weiter verwenden darf, sondern weggießen muß, veil ts nunmehr die Giftstoffe enthält. Hat man die Lorcheln so vorbereitet und auf einem Sieb gut abtropfen lassen, steht ihrem Genuß nichts mehr im Weg. Sie können zubereitet werben wie bie Morcheln und schmecken sehr gut, ei es als Gemüse ober als pikant angerichtete Soße. Siete Menschen, bie keine Pilzkenner sind, ver- vechseln Morcheln unb Lorcheln anbauernd, aber chon rein äußerlich ist eine Verwechslung eigentlich o gut wie ausgeschlossen. Auch der Volksglaube nacht diese Verwechslung mit unb nennt eine böse frau eine „Giftmorchel", obwohl bie Morchel völlig mgiftig ist. Wer aber die Lorchel richtig behandelt md sie durch gründliches Abkochen entgiftet, für len wird auch ein Lorchelgericht eine wohl- chmeckende und nahrhafte Speise sein. Nur allzu Empfang der Italiener in Gießen. Am gestrigen Mittmochvormittag wurden, wie wir gestern bereits berichteten, etwa 400 italienische Landarbeiterinnen und Landarbeiter durch den Kreisleiter in Gießen begrüßt. Im Bilde links sieht fr man. eine Gruppe junger Italienerinnen, das Bild rechts zeigt den Kreisleiter bei seiner Ansprache an die Helfer und Helferinnen aus Italien. (Aufnahmen (2): Neuner, Gießener Anzeiger.) I Altpapier ist kriegswichtiger Rohstoff. Der Gaubeauftragte für Altmaterialerfassung des 'Gaues Hessen-Nassau, Gauwirtschaftsberater E ck a rd t, gibt bekannt: ■— Vom 16. bis 19. Mai findet im Gau Hessen- Nassau eine Stoßaktion zur Erfassung von Altpapier statt. Gesammelt wird von der Hitlerjugend in allen Haushaltungen, unb zwar glattes Papier, Zeitungen, Zeiffchriften, alte Schulhefte, Bücher u. dgl., ferner sauberes Knäuelpapier unb Pappkartons aller Art (auch Zigqrettenschachteln) Ich bitte alle Volksgenossen des Gaues Hessen- Nassau, diese Sammlung dadurch zu unti stützen, daß rechtzeitig vorher alles irgendwie greifbare und entbehrliche Altpapier zusammengetragen wird unb am Sammeltage bereit liegt. Zur Erleichterung der Sammelarbeit der Hitlerjugend wird das Altpapier aus dem ganzen Hause, bas glatte Papier für sich unb bas Knäuelpapier mit ben Pappkartons für sich, in ber Haussammelstelle zusammengeschichtet. Aber Altpapier soll burch diese Aktion nicht nur in ben Haushaltungen, sonbern ebenfalls bei ben Behörden unb gewerblichen Unternehmungen erfaßt werben. Sammelaktionen, bie vor kurzem in einigen Kreisen des Gaues burchgeführt würben, haben klar erwiesen, baß gerade bei ben Behörden und in den Betrieben noch ungeheuere Mengen von Altpapier in Form von alten Zeitungen, Zeitschriften, Broschüren, Formularen erfaßt werden können, die bisher jahrzehntelang und darüber hinaus aufbewahrt wurden und nutzlos dalagen, anstatt der Wiederverwertung zugeführt zu werden. Gewiß gilt es, die juristische Aufbewahrungsfrist in allen Fällen zu beachten, ebenso ist es zweifellos angebracht, wichtige Geschäfts- und Behördenakten für eine spätere Zeit aufzubewahren. Allein noch wichtiger ist im deutschen Freiheitskampf die Versorgung ber Kriegswirtschaft mit dem Rohstoff Altmaterial, nicht zuletzt mit Altpapier! Ich bitte daher die Behördenleiter und gewerblichen Unternehmer, ihre Registraturen und Büros auf alles entbehrliche Altpapier hin zu prüfen, und bin davon überzeugt, daß nicht nur die Beteiligung an der Altmateriglaktion und die dabei herauskommenden Mengen, sondern in demselben Maße die Befreiung von einem ungeheuren, raumver- schwendenden Ballast bei ben Beteiligten ein be- frtebigenbes Gefühl ber Genugtuung hinterlassen wird. Die einzelnen Erfassungsmaßnahmen bei ber Altmaterialaktion werben nach meinen Anweisungen von ben Kreisbeauftragten für Altmaterialerfassung in Verbindung mit der örtlichen HJ.-Füh- rung getroffen. Ich richte nunmehr an jeden Volksgenossen die Bitte, diese Altpapieraktion wie jede Altmaterialsammlung als Kriegsdienst zu betrachten und seine Pflicht zu tun. viel und allzu häufig — zum Beifpiel zweimal kurz hintereinander — davon zu essen, ist nicht anzuraten, da sich bei manchen Menschen daraufhin eine Art von Idiosynkrasie einstellt. Daß ebenso wie bei der Morgel auch bei der Lorchel, wie überhaupt bei allen Speisepilzen, ber Nährstoffgehalt durch gutes Kauen besser ausgenützt wird, versteht sich von selbst. vorrwtrzen Tageskalender für Donnerstag. Volkstümliche Vorlesungen und Vorträge der Universität: 20.15 Uhr, Vortrag von Professor D. Weidenbach über „Freiheit und Notwendigkeit", (2. Vortrag), im Kunstwissenschaftlichen Institut, Ludwigstraße 34; Abendvorlesung von Professor Vogelsang über „Deutscher Soldatenglaube in ben letzten brei Jahrhunderten", im Großen Hörsaal bes Physikalischen Instituts, Stephanstraße 34. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Der Postmeister". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Meine Tante — deine Tante". Notizen für den 10. Mal. Sonnenaufgang: 5.39 Uhr. Mondaufgang: 7.57 Uhr. Sonnenuntergang: 21.05' Uhr. Monduntergang: 23.44 Uhr. Mond in Nordwende. Bückersammlung für die Front. In diesen Tagen wird in allen Städten des Gaues Hessen-Nassau die Büchersammlung für die Wehrmacht wiederholt werden. Obgleich die Gebk- freudigkeit in ganz Großdeutschand zufriedenstellend war, reichten doch die gesammelten Büchermengen und die aus ihnen zusammengestellten Truppen- büchereien bei weitem nicht,, um allen Anforderungen zu genügen. Wie begehrt der Lesestoff bei den Soldaten an der Front ist, beweisen die immer von neuem bei der Gauleitung eintreffenden Briefe mit der Bitte um Ueberlassung von Truppenbüchereien. Dieser Wunsch der Frontsoldaten soll für uns in der Heimat ein Ansporn sein, ihnen durch neue Bücher- sendungen Freude zu bereiten und ihnen in Stunden der Ruhe eine seelische Entspannung und Zerstreuung zu bieten. Die Reichsleitung hat nun einige wenige Gaue zu einer erneuten Büchersammlung aufgeforbert. Die organisatorisch sorgfältige und schnelle Durchführung ber ersten Sammlung im Gau Hessen-Nassau hat volle Anerkennung gefun- ben unb dies ist der Hauptgrund, daß der Gau erneut zur Büchersammlung antritt. Arbeitstagung der Bannführer des Gebietes Heffen-Naffau NSG. Zu einer'Arbeitstagung hatte die Gebietsführung die K.-Bannführer in Wiesbaden zusam- mengezogen. Die Tagung diente u. a. der Besprechung der Maßnahmen für die Sommerarbeit. Trotz der starken Inanspruchnahme durch die vormilitärische Ertüchtigung und die sonstigen kriegswichtigen Spezialaufgaben der HI. werden auch in diesem Jahre die Bannsportfeste in der Zeit vom 15. Juni bis 7. Juli zur Durchführung gelangen. Die Gebietsentscheidungen sind in der Zeit vom 13. Juli bis 11. August zu erwarten. Die im Dienstbetrieb der HI. nicht zu missenden Sommerfahrten werden gegenüber dem vergangenen Jahre zeitlich und räumlich gekürzt in das eigene Heimatgebiet führen. Die Arbeitstagung ergab im übrigen in ihrer Aussprache ein erfreuliches Ergebnis in .der Bewältigung kriegswichtiger Aufgaben durch die Hitler-Jugend. Tagung der Ausstellungsaeflügelmchter. Am Sonntaanachmittag hielt die Kreisfachgruppe Gießen der Ausstellungsgeflügelzüchter im Hotel Hopfeld ihre Jahreshauptversammlung ab. Kreis- fachgruppenvorsitzender Ludwig Heß (Watzenborn- Steinberg) erstattete den Jahresbericht. Die Kreisvereine hatten die allgemeine Ausstellung in Gießen- Klein-Linden stark beschickt. Vereinsführer Lenz (Klein-Linden) gab bann einen Bericht über die allgemeine Schau am 20. und 21. Januar in Kleiw- Linden. Von allen Seiten, namentlich von den Kreis- fachgruppenvorsitzenden, wurde dem Verein Klein- Gesunde, blendend weiße Zähne durch storkwirksame Zahnpflege mit 4(JPf große Tube kleine Tube 25M Gesunde Zähne Linden Dank für die mustergültige Durchführung der Ausstellung ausgesprochen. Für den kommenden Herbst ist wieder eine Kreisausstellung geplant. Das Amt des Kreisfachgruppenvorsitzenden bleibt weiter in Händen des seitherigen Vorsitzenden. Als stellv. Kreisfachgruppenoorsitzender wurde Vereinsführer May (Lang-Göns) berufen, lieber die Hauptversammlung ber Landesfachgruppe Hessen-Nassau berichtete Mitglied May (Lang-Göns). Anschließend wurde noch über einige interne Fragen gesprochen. Gießener Wochenmarktpreise. * Gießen, 9. Mai. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, Vs kg 1,80 RM., Matte 30, Käse 6 bis 10, Kartoffeln 50 kg 4,— RM, Gelberüben, Vs kg 12, Roterüden 14, Spinat 25 bis 35, Spargel 50 bis 86, Unterkohlrabi 8, Zwiebeln 12 bis 14, Meerrettich 30 bis 90, Schwarzwurzeln 35, Aepfel 15 bis 35, Salat, das Stück 30 bis 35, Salatgurken 1,— bis 1,20, Lauch 5 bis 15, Sellerie 10 bis 40, Radieschen, Bund 20 bis 25. * ** Silberne Hochzeit. Am morgigen Freitag, 10. Mai, begehen der Kaufmann Heinrich Becker und Frau Wilhelmine, geb. Brüning, Marburger Straße 15 wohnhaft, das Fest der silbernen Hochzeit. Dem Jubelpaar, das feit langen Jahren zu dem treuen Leserkreis des Gießener Anzeigers gehört, bringen auch wir unseren herzlichen Glückwunsch zur Silberhochzeit bar. ** Schwerer Verkehrsunfall am Kirch e n p l a tz. Gestern mittag gegen 12.30 Uhr ereignete sich an ber^Ecke Marktplatz/Kirchenplatz ein schwerer Unfall. Der Eilbote ber Reichspost Otto Martini aus Leihgestern, ber auf bem Motor- rab vom Marktplatz her in der Richtung nach dem Kirchenplatz fuhr, sah sich plötzlich vor einem schweren Lastkraftwagen, der im gleichen Augenblick von der Kirchstraße nach dem Marktplatz zu einbiegen wollte. Der Zusammenstoß war, trotz sofortigen Bremsens auf beiden Seiten, unvermeidlich. Martini stürzte so unglücklich vom Motorrad, daß er einen Oberschenkelbruch erlitt und sofort durch die Bereitschaft des Deutschen Roten Kreuzes in die Chirurgische Klinik gebracht werden mußte. II---- Indianer greifen ein! Von Werner Jörg Lüddecke Ursprünglich sollten die Indianer gar nicht Mitspielern Sie waren unzureichend bewaffnet und Überdies hatten die meisten Arm-, Bein- und sogar Genickbrüche. Franz schob sie mir zu mit dem Bemerken, ich könne sie ja einsetzen, wenn Not am Mann wäre. Eventuell ließen sie sich auch für den Bau von Etappenstraßen verwenden. Ich hatte nichts dagegen und stellte die Rothäute hinter einem Sofakissen auf. Es waren neunzehn bleierne Sioux. Vielleicht war es nicht übel, wenn sie den Feind in der Flanke faßten und die Schützengräben von der schwachen Stelle am Klavier aus aufrollten. Nun, man würde sehen! Franz eröffnete den Krieg. Er provozierte mit bem Hammer feiner Werkzeugkiste einen Grenz- zwischenfall. Das heißt, er schlug meine an sich schon invalide Grenzwache platt. Dann erklärte er, baß er zu Verhandlungen und Bußgeldern keineswegs bereit fei. Wenn ich die Grenzverletzung rächen wolle, müsse ich angreifen. Die Lage für mich war nicht einfach. Franz ist ber kleine Bruder einer Same, die ich über alle Maßen verehre — und zu diesem Zwecke oft und gern besuche. Mitunter komme ich, ehe sie aus dem Büro zurück. ist Dann muß ich mit Franz So^ baten spielen. Wenn ich besiegt werde, habe ich fünf Pfennige Tribut zu zahlen. Schlage ich aber seine Truppen in die Flucht, so rächt er sich, indem er nachher unablässig unsere Besprechungen stört. Andererseits war ich selbst als Junge ein glanzender Bleisoldatenstratege und habe begreiflicherweise ^Also^ eröffnete ich den heutigen Konflikt, indem ich starke Truppenkontingente zusammenzog und eine Patrouille vorschickte. Dummerweise achtete ich nicht darauf, was sie anhatten. Sie waren aus Kiste Nr. 7 „Das Rokoko". Franz nahm sie gefangen und ließ sie als Spione erschießen. Wen sie nämlich in Zivil waren. Das machte mich wütend und ich überschritt mit Infanterie, Tanks und Panzerspähwagen die Grenze. Die Schlacht war entbrannt. Franz setzte seine neuen Flakgeschütze mit ungeschälten Erbsen zum Erdbeschuß ein und schoß mir ein Auge blau. Ehe ich mich von ber Wirkung dieses Volltreffers erholt hatte, surrte mir ein Flugzeug mit Gummipropeller an den Schädel. „Man muß die moralische Verfassung des Hinterlands unterminieren", erklärte mein großer Gegner und rieb, während ich meine Beule kühlte, völlig meine Infanterie auf. Nun hielt ich es für höchste Zeit, zum Angriff überzugehen und zog das Flugzeug auf, um es zum entscheidenden Gegenstoß einzusetzen. Aber Franz nahm es mir weg. „Geht nicht", sagte er. „Deine Leute sind für Blindfluggeräte nicht geschult". Doch den Augenblick, den er benötigte, das Ding für einen Start zu richten, benutzte ich, um meine neunzehn Indianer in Stellung zu bringen, und mit ihnen unvermutet die Flanke des Gegners anzugreifen. Ich kassierte heimlich drei Maschinengewehrnester, stülpte einen Tank um und verschanzte meine Rothäute in dem eroberten Bunker. Gleichzeitig nahmen meine Panzerspähwagen, gefolgt von der mir verbliebenen Infanterie ein Umfassungsmanover vor. Sie stürmten die Stellung am dritten Stuhlbein und schnitten die Verbindung zum Nachschub ab. „Jetzt.mußt du kapitulieren", triumphierte ich, Fränzchen sah mich an, wie ein Arzt einen armen Geistesumnachteten. Voll freundlicher Nachsicht und mitleidigem Begreifen. „Sag mal, Onkel, hast du deine acht Wochen bei den Preußen eigentlich schon abgemacht?" „Nein, mein Jahrgang ist noch nicht gezogen", sage ich entschuldigend. „Dachte ich mir" nickt Franz nachsichtig. „Na, dann wollen wir erst mal dieses Murks repane- ren!" Mit spitzen Fingern langte er sich meine motorisierte Infanterie und legte sie zu den Toten. ,Von Hügel VII bis zu der roten Schlummerrolle hatte ich Sperrfeuer gelegt", erklärte er. „Da kommt fein Aas durch." . „Diese Bauklötze, die du mit deinem Tank beiseite geschoben, sind Höckerhindernisse. Da kommt kein Tank durch. Er ist von meiner Pak zusammengeschossen." Mein Tank verschwand. „Deine Panzerspähwagen sind in Fallen geraten. Gräben und so, verstehst du?" „Nein, das verstehe ich nicht." „Das macht nichts, das lernst du noch." Meine Spähwagen wurden kassiert. Mit ihnen meine Pioniere aus Kiste 6: „Biedermeier" (sie wurden wegen mangelhafter soldatischer Bekleidung erschossen) — desgleichen ein E-Bataillon aus Kiste 5: „Die Ritterzeit". (Wurden gefangen genommen.) Dann erhob sich Franz. „Du hast verloren", sagte er lakonisch. Ich hohnlachte. „Verloren? Meine Indianer stehen vor den Toren deiner Hauptstadt. Der ganze Süden und Westen deines Landes ist in meiner Hand!" Franz runzelte die Stirn und sah sich suchend um. Er entdeckte die verzweifelte Lage an der Südfront. „Indianer!" stöhnte er auf. „Du liebes Göttchen, nackte Männer mit einem Flitzbogen gegen meine schweren MG.-Nester! Mensch, Onkel — mit den Jungens kannst du, wenn es hoch kommt, einen Frontzirkus aufmachen". Er griff in den von meinen Sioux besetzten Bunker und langte sich die Rothäute heraus. Doch jetzt riß mir die Geduld. Kraft der Stärke meiner männlichen Rechten nahm ich dem Bürschchen die nackten Wilden wieder ab und' setzte sie demonstrativ in den Bunker zurück. Franz aber griff munter zum Hammer. Ich wollte feiner Aktion gegen meine ^siegreichen Truppen vorbeugen und sie aus dem bedrohten Bunker nehmen, als mich schon ein mörderischer Hieb auf den Daumen traf. In der ersten Sekunde des Schmerzes und der gerechten Empörung fuhr meine linke Hand heraus und landete an der Backe meines Feindes. Das entschied das Gefecht zu meinen Gunsten. Franz entfloh heulend durch die eine Tür, durch die andere trat seine Schwester Ingrid ein. Das tat gut und ließ den Schmerz vergessen. Wir setzten uns zusammen auf das Sofa und---dann erschien Franz wieder auf der Bildfläche. Wir fuhren auseinander. „Na, Franz, was gibt es?" fragte Ingrid harmlos. Franz warf mir einen vernichtenden Seitenblick zu und wandte sich an feine Schwester. „Ingrid, glaubst du, daß 19 nackte Indianer durch ein Sperrfeuer von Maschinengewehren kommen können?" fragte er. „Nein", sagte Ingrid. „Das glaube ich nicht." Franz hohnlachte und zog ab. Wir nahmen unser Gespräch wieder auf. Doch als sch gerade eine gute Pointe anbringen wollte, öffnete sich die Tür. Franz war wieder da. „Bei ihm ist das möglich", sagte er und deutete verächtlich mit dem Daumen auf mich. Und weg mar er wieder. „Wo waren wir doch stehengeblieben?" seufzte ich. „Ja, wo waren wir stehengeblieben?" „Ach, ich weiß. Rück mal etwas näher —" Die Tür ging auf. Franz! „Nicht mal Gewehre hatten sie!" krähte er. „Sie sind eben geschlichen und haben deine Leute überrascht", entgegnete ich. Aber Franz war schon wieder weg. „Er ist ein reizendes Kerlchen", sagte Ingrid. „So eifrig/' Aber es klang nicht sehr überzeugend. Wir nahmen abermals unser Gespräch wieder auf, die Tür öffnete sich.^ranz! „Blosinn, geschlichen. Willst du etwa behaupten, daß sie über meine Drahthindernisse' geflogen sind?" „Nein!" schrie ich. „Sie hatten Drahtscheren!" Franz verschwand, wir nahmen das Gespräch wieder auf, Franz erschien. „Der Draht war elektrisch geladen!" Mir wurde schwarz vor Augen. „Sie hatten Jsolierscheren ober so etwas ähnliches", wimmerte ich. Franz verschwanb. Wir sprachen nicht mehr. Es hatte keinen Zweck. Wir warteten auf Franz. Fünf Minuten, zehn Minuten, eine Viertelstunbe. Nichts. — Plötzlich tönte von ber Straße herauf feine Stimme. Wir atmeten auf unb nahmen unser Gespräch mieber auf. Drei Minuten später öffnete sich bie Tür. Franz war mieber ba! „Paul sagt, bie Jnbianer kannten noch keine Jsolierscheren!" keuchte er atemlos. „Paul ist Elektriker und rneiß das!" Ich lachte irr. Ich mar am Ende meiner Kräfte. „Franz, du haft recht", sagte ich matt und griff in die Börse. „Ich erkläre mich für besiegt und zahle freimiüig Reparationen. Gleich für die nächsten drei Kriege mit." Franz kassierte. „Eine Mark", sagte er erschüttert. „Das haut mich um, auf Wochen hinaus!" Dann drückte er mir gerührt die Hand. „Du bist zrnar ein schlechter Stratege, aber ein fairer Verlierer. Na, eine Hand rnäfcht die andere. Ich geh' jetzt in' Kintopp. Ende der Vorstellung 6 Uhr Ur Wißt BeMM" -------A— Gondergerichi in Gießen. Walter Gröning aus Friedberg, zur Zeit in Untersuchungshaft, war beschuldigt, in Friedberg und Bad-Nauheim im Januar und Februar d. I. unter Ausnutzung der Verdunkelung Einbruchsdiebstähle begangen zu haben. Er hatte dabei Geld und Zigarren erbeutet. Der Angeklagte, der erheblich vorbestraft ist, war im wesentlichen geständig. Der Anklagevertreter führte aus, der Angeklagte sei zehnmal wegen Bettelns und dreimal wegen Diebstahls bestraft worden. Die Strafen hätten aber keinen Eindruck auf ihn gemacht. Der Angeklagte sei als asoziales Element anzusehen, in dem ein unsteter Wanderdrang liege. Der Umstand, daß die Vorstrafen verhältnismäßig niedrig seien (Höchststrafe sechs Monate Gefängnis), führe dazu, daß von der Todesstrafe abgesehen würde. Der Anklagevertreter beantragte eine Gesamtzuchthausstrafe von 12 Jahren und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte für die Dauer von 10 Jahren. Der Verteidiger führte aus, nur in einem Falle habe der Angeklagte die Tat unter Ausnutzung der Verdunkelung begangen. Die Straftaten seien der Ausfluß des lasterhaften Bettelns. Er bat, auf eine wesentlich geringere Strafe zu erkennen. Der Angeklagte wurde wegen Einbruchsdiebstahls im wiederhosten Rückfall, wegen eines Einbruchs- diebftahls unter Ausnutzung der Verdunkelung und eines versuchten Einbruchsdiebstahls, ebenfalls unter Ausnutzung der Verdunkelung, als Dolksschäd- ling zu einer Gesamtzuchthaus st rafe von ach t Jahren verurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte wurden ihm auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt. Das Gericht folgte bei der Urteilsbegründung im wesentlichen den Ausführungen des An- klagevertteters. Amtsgericht Gießen Zwei Frauen aus Allendorf (Lahn) hatten sich wegen übler Nachrede zu verantworten. Sie hatten die unwahre Behauptung verbreitet, die Ehefrau L. in A. habe, als von Bezugscheinen gesprochen worden sei, gesagt „ihr Mann sitze an der Quelle, sie habe daher mit Bezugscheinen keine Last". Die Beschuldigten gaben der Beleidigten eine Ehrenerklärung ab und übernahmen die Kosten mit der Verpflichtung, die Erklärung eine Woche lang an der Ortstafel in A. öffentlich bekanntzumachen. Nach Zahlung der Kosten wird die Beleidigte den Strafantrag zurücknehmen. Aus der engeren Heimat. 75 Jahre Spar- und VorschußvereinOaubringen * Daubringen, 8. Mai. Der Spar- und Dorschußverein hatte, dem Ernst der Zeit entsprechend, von einer besonderen Feier des 75jährigen Bestehens abgesehen und diese nur in kleinem Rahmen mit der diesjährigen Generalversammlung verbunden. Im geschäftlichen Teil begrüßte der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Wilhelm Mohr, die Mitglieder, insbesondere Oberrevisor Hartmann aus Gießen, der als Vertreter des Verbandes an dem Abend teilnahm. Nachdem man ehrend der im abgelaufenen Geschäftsjahr verstorbenen Mitglieder gedacht hatte, erstattete Direktor A l b a ch den Geschäftsbericht, der auch diesmal wieder eine aufsteigende Entwicklung des Vereins nachwies. Der Umsatz ist auf über i/.2 Million gestiegen, die Spareinlagen auf rund 200 000 RM. Die Aktiva betragen 227 563 RM., der Reingewinn beläuft sich auf 1694 RM. Die satzungsgemäß ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder August Weimer und Adam Stein wurden auf Vorschlag des Vorstands wiedergewählt, ebenso das Vorstandsmitglied Karl Grölz II. An Stelle des verstorbenen Aufsichtsratsmitglieds Heinrich Preis trat August Kümmel. Die anschließende Feier des»75jährigen Bestehens wurde eingeleitet mit einem Begrüßungsgedicht, vorgetragen von dem Schüler Heinz Roth. Schüler der Oberklasse unserer Schule hatten die Ausgestaltung übernommen und führten ein kleines, passendes Bühnenstückchen auf. Der stellvertretende Direktor Henkel schilderte die Gründung und die Geschichte des Vereins. Oberrevisor Hartmann aus Gießen überreichte im Auftrage des Verbandes dem Verein und Direktor A l b a ch und Kassenrechner Wilhelm Braun Ehrenurkunden des Verbandes. Lehrer Wagner überbrachte die Glückwünsche der Schule, deren sämtliche Schüler Sparhefte besitzen mit einem Kapitalbestand von mehr als 11 000 RM. Zum Schluß wurde ein Film gezeigt über Brauchtum einer entfernten Gegend. Einige gemeinsam gesungene Volkslieder vereinten alle Genossenschaftsmitglieder noch eine Stunde, worauf die schlichte Feier, auf die der Verein mit Beftiedigung zurückblicken kann, geschlossen wurde. Landkreis Gießen. # Mainzlar, 8. April. Am Montag fand in Anwesenheit der gesamten Gefolgschaft der Didier- Werke im großen Ausenthaltsraum eine Ehrung der Arbeitsjubilare statt. Die Arbeits- jubilare hatten an einem blumengeschmückten Tisch Platz genommen. Nach der Einbringung der Fahnen und dem Einmarsch der Werkschar wurde der verstorbenen Kameraden Wilhelm H o r m a n n aus Staufenberg und Rudolf Schnecker aus Allertshausen gedacht. In einer kurzen Ansprache beschäftigte sich dann der stellvertretende Betriebsführer Dr. Thiel mit dem Verlauf des vergan- aenen Betriebsjahres, dankte für die geleistete Arbeit und erbat auch für das kommende Arbeitsjahr den restlosen Einsatz aller Gefolgschaftsmitglieder. Herzliche Worte des Dankes widmete er den Jubi- laren Versandleiter Heinrich Pflüger, Ofenmeister Wilhelm Keßler und Ofensetzer und Vertrauensmann Otto Conrad Sommerlad. Jedem Jubilar wurden ein stattliches Geldgeschenk und eine Urkunde der Industrie- und Handelskammer Gießen überreicht. Betriebsobmann Ernst Schlapp überreichte außerdem die Ehrenurkunden der Deutschen Arbeitsfront. Anschließend wurden die Namen der neu ernannten Vertrauensmänner — Handformer Wilhelm Muhly (Alten-Bufeck), Verlader Karl Dietz (Mainzlar), Mischer Johann Kuhl (Nordeck), Feuerfestformer Paul H e r l i t s ch k e (Allertshausen) und Maschinenformer Heinrich Backhaus (Climbach) — bekanntgegeben. Nach der Feier marschierte die ganze Gefolgschaft zum nahen Wald und trat dort zu einem Waldlauf an, an dem sich die Arbeitskameraden nahezu vollzählig beteiligten. Anschließend kehrten alle an die Arbeitsstätte zurück. Schweinemarkt in Nidda. ♦ Nidda, 8. Mai. Auf dem heutigen Schweinemarkt standen 350 Ferkel zum Verkauf. Es kosteten 6 bis 8 Wochen alte Ferkel 28 bis 35 RM., 8 bis 10 Wochen alte 35 bis 42 RM. pro Stuck. Das Geschäft verlief sehr flott, es verblieb ganz geringer Ueberftanb. Venus im höchsten Glanze. Von Dr. Erwin Koffinna. Seit Dezember vorigen Jahres, also bereits fünf Monate lang, schmückt Venus als Abendstern den westlichen Himmel. Wir sahen sie im Februar dicht am Jupiter, im Märß am Saturn, im April am Mars vorbeiziehen und konnten dabei ihren einzigartigen, alle anderen Planeten weit übertreffenden Glanz bewundern. Aber noch immer wächst die Helligkeit des Aber.dsterns, da er sich der Erde rasch nähert. Im Laufe des Mai verringert sich die Entfernung der Venus von 90 auf 57 Millionen Kilometer, also täglich um mehr als eine Million Kilometer. Gleichzeitig tritt jedoch eine Veränderung der Gestalt des beleuchteten. Teiles des Planeten ein. Zeigte Venus bisher nahezu die volle erleuchtete Scheibe, so verschmälert sich diese mehr und mehr zur Sichel. Da die Venusbahn zwischen Erde und Sonne wird durch den hellen Stern Deneb bezeichnet, der Kopf durch den Doppelstern Albireo. Aber dem Schwan strahlt die Wega in blau- weißem Licht. Nächst ©irius, der jetzt nicht mehr sichtbar ist, ist Wega der hellste Fixstern unseres Himmels. Ihr Abstand beträgt 26 Lichtjahre, ihre Leuchtkraft das 50fache der unserer Sonne. Nahezu ebenso hell wie Wega leuchtet der gelbe Riesenstern Arktur im Bootes, der hoch im Südosten steht. Wir finden diesen auffallend hellen Stern leicht, wenn wir die Deichsel des Großen Wagens vom Zenit aus nach Süden verlängern. Setzen wir diese leicht gekrümmte Linie nach unten fort, so stoßen wir auf die weiße Spika in der Jungfrau. Links von Spika leuchten die beiden hellen Sterne der Waage, am Südhorizont bemerken wir das Sternviereck des Raben und rechts von der Jungfrau den Großen Löwen mit Regulus als Har tftem. Die sehr hellen Sterne Pollur, Regulus und Spika geben uns die Lage des Tierkreises oder der scheinbaren Sonnenbahn (Ekliptik) am Himmel an. Den Raum zwischen Wega und Arktur nehmen Herku- les und Nördliche Krone ein, die keine Sterne erster Größe aufweisen, aber im Feldstecher einen schönen Anblick gewahren. An klaren, mondlosen Abenden, * * * * * * MARYL.A1V dn feststehender Begriff erfolgreicher Kosmetik also im ersten Drittel des Monats, suchen mir uns mit dem Feldstecher den Kugelsternhaufen auf der rechten Seite des oberen Sternvierecks im Herkules auf, der dem bloßen Auge nur als verwaschener Lichtfleck erscheint, in Wirklichkeit aber eine Ansammlung von mehr als 100 000 Sonnen in 33 000 Lichtjahren Entfernung darstellt. Der Mond zeigt im Mai folgende Lichtgestalten: Neumond am 7., erstes Viertel am 14., Vollmond am 21., letztes Viertel am 29. Mai. Frankfurter Schlachkviehmarkt. Frankfurt a. M., 8. Mai. Nottert wurden je 50 kg Lebendgewicht in RM.: Kälber a) 61 bis 65 (zuletzt 62 bis 65), b) 55 bis 59 (55 bis 59), c) 42 bis 50 (45 bis 50), d) 25 bis 40 (20 bis 40). Häm- mel a2) 51 (50 bis 51), b2) 48 (48 bis 49), c) 32 bis 44 (32 bis 44). Schafe a) 44 (44), b) 40 (34 bis 40), c) 20 bis 32 (20 bis 32). Schweine a) 55,50 (55,50), bl) 55,50 (55,50), b2) 55,50 (55,50), c) 54,50 (54,50), d) 51,50 (51,50), e) 49,50 (49,50), Sauen gl) 55,50 (55,50). Marktverlauf: Kälber und Schafe und Schweine zugeteilt. verläuft, muß unser Nachbarplanet genau wie der Mond einen Phasenwechsel aufweisen. Die Zunahme der Helligkeit infolge der Annäherung an die Erde wird schließlich durch die Phasenwirkung, d. h. durch die immer schmäler werdende Sichel ausgeglichen. Die höchste Leuchtkraft erreicht Venus am 20. Mai; sie ist dann rund 200mal Heller als ein Stern erster Größe. In der Skala der Größenklassen beträgt ihre Helligkeit minus 4,3. Die Sichtbarkeitsdauer ist im Mai ebenfalls am größten. Venus geht erst nach Mitternacht unter. Am Abend des 10. Mai finden wir die Mondsichel unter dem Abendstern, während Mars als rötlicher Lichtpunkt rechts unterhalb der Venus steht. Man hat lange Zeit geglaubt, die physikalischen und chemischen Verhältnisse auf der Venus wären denen der Erdoberfläche ähnlich, da Venus nahezu ebenso groß wie die Erde und von einer dichten Atmosphäre umgeben ist. Aber vor einigen Jahren konnten Adams und Duncham im Spektrum des Planeten starke Banden im Ultrarot nachweisen, die dem Kohlendioxyd angehören. Kohlensäure scheint demnach den Hauptbestandteil der Venusatmosphäre zu bilden. Eine. Kohlensäurehülle aber wirkt wie ein Treibhaus. Damit stehen die Demperaturmes- sungen in Einklang, die für die Wolkenhülle bereits ch 50 Grad Celsius ergaben. Am Boden wird es noch bedeutend wärmer sein, so daß dort die physikalischen Bedingungen von den irdischen doch sehr abweichen. Betrachten wir gegen 22 Uhr Sommerzeit den Fixsternhimmel, so finden wir im Westen als letzte sichtbare Wintersternbilder den Kleinen Hund mit Prokyon, die Zwillinge Kastor und Pollux und den Fuhrmann mit der hell funkelnden Kapella. Rechts anschließend folgt der Perseus mit den hellen Sternen Algenib und Algol, und genau im Norden zeichnen die fünf hellsten Sterne der Kassiopeia ein lateinisches W an den Himmel. Im Nordosten hebt sich der Schwan über den Horizont empor. Sechs helle Sterne bilden ein großes Kreuz, dessen Längsachse ungefähr waagerecht verläuft. Die Griechen sahen in diesem Sternbild einen nach rechts herabfliegenden Schwan mit sehr langem Hals, breit ausgreifenden Flügeln und kurzem Schwanz. Dieser GJl.-fpont Kußball der heimischen Mannschaften. Watzenborn-Steinberg I — Ehringshausen I 7:0 (2:0). Auf dem Sportplatz an der Neumühle standen sich unter der aufmerksamen Leitung von Schiedsrichter B ö cher (Gießen) obige Mannschaften gegenüber. Die Platzmannschaft trat mit O. Burger; Fett, K. Schmandt; Hirz, Luttner, Brückel; Hämisch, Schmitt, F. Lang, Arnold und Wehrum an. Mit dem Anstoß verlegten sich die Gäste sofort auf das Verteidigungsspiel und vermochten vorerst noch alle Angriffe des einheimischen Sturmes abzuwehren. Nach einem Postenschuß brachte Harnisch die Platzmannschaft 1:0 in Führung. Arnold blieb es vorbehalten, das Resultat kurz vor.Halbzeit auf 2:0 zu stellen. Nach Seitenwechsel erwehrte sich der Gästetorhüter mit viel Geschick der zahlreichen Torschüsse des einheimischen Sturmes. Einen Elfmeterball verwandelte Fett sicher. Dann stellte Schmitt das Resultat auf 4:0, und als der Gästeverteidiger im Tore stehend einen scharfen Schuß von Arnold nur noch mit den Händen abwehren konnte, stand es durch einen von Fett abermals verwandelten Elfmeter 5:0. Schmitt erhöhte dann auf 6:0, und eine Vorlage von Lang verwandelte Harnisch zum 7. Erfolg. fileinJ-Cinben Jgd. — Allendorf a.b.£.3gb. 2:4 (1:3). Allendorf schoß im Verlauf der ersten Halbzeit drei Tore. Klein-Linden konnte nur einmal erfolg, reich sein. In der zweiten Halbzeit gelang es dem Halblinken der Klein-Lindener zum zweiten Tor für Klein-Linden zu verwandeln. Das letzte Tor der Gäste war für den Torwächter unhaltbar. Klein-Llnden I. — Garbenteich L 2:4 (1:2). Klein-Linden kam nach zehn Minuten frei vor das Gästetor und der Mittelstürmer schoß das erste Tor. Garbenteich kam aber zum Ausgleich und konnte bis zur Halbzeit ein weiteres Tor buchey. Nach der Pause glich Klein-Linden aus. Dann aber zeigte sich, haß die mit nur zehn Mann spielende geschwächte Mannschaft der Gastgeber dem harten Ansturm von Garbenteich nicht mehr stand- halten konnte. Wiesecker Kanuten beim Marburger reichsoffenen Kajak-Slalom Eine stattliche Schar von Kameraden und Kameradinnen des Wiesecker Kanuklubs unternahm am Sonntag eine Fahrt nach Marburg, um dort an dem reichsoffenen Kajak-Slalom affin teilzunehmen. Der Wettbewerb, der reichsoffen ausgeschrieben war, sah die besten.deutschen Kanuten am Start. Die Wiesecker Kanufahrer ließen sich aber davon n chi abschrecken und beteiligten sich trotzdem in verschiedenen Klassen. Wenn ihnen auch erste Siege nicht vergönnt waren, so konnten sie doch die Genugtuung mit nach Hause nehmen, sich in der schweren Konkurrenz gut gehalten und in Ehren bestanden zu haben. Die Strecke, die zu befahren war und die Prüfungen, die es dabei abzulegen galt, stellte hohe Anforderungen an das Können der Paddler. In der Männerklasse A (Anfänger) starteten 16 Kanuten, darunter 6 Wiesecker. Karl Sommerlad (Wieseck) konnte 6. und Hugo Kreiling (Wieseck) 7. werden. Verschiedene Kameraden kenterten und schieden aus. In der Klasse D (Damen, Anfängerinnen) starteten Lotte Kling und Herta Walther (Wieseck). Die Strecke erwies sich für die Frauen als zu schwer. In der Klasse der Hitler- Jugend B konnte Walter Schmidt (Wieseck) 3. und Hans Schmidt (Wieseck) 4. Sieger werden. Neun junge Kameraden waren am Start. Die Hitler-Jugend hielt sich sehr tapfer. Den Abschluß der Veranstaltung bildete die Siegerehrung. Die Sieger erhielten Ehrenurkunden und außerdem als Erinnerungsgeschenk ein „Marburger Dippercher". MstölmschGiiFena? Vornan von Martina lkckari-kjelm 23 Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) Lena, die selbst schwer genug an ihrem Geschick zu trauen hat, läßt sie der innere Zwiespalt doch kaum mehr zur Ruhe kommen — Lena geht auf ihn zu, blickt ihn mitleidig an, will sprechen. Aber es ist völlig unmöglich, vor diesem gebrochenen Mann ein einziges Wort herauszuoringen. „Aus", sagt er dumpf, „alles aus!" Lena erschauert. Sie weiß, daß seine Hoffnungslosigkeit sich nicht nur auf die äußeren Ereignisse bezieht, daß mehr in ihm wankt als die Vorstellung von der unsicheren Zukunft des Gräfehofes. Hilflos ficht sie sich in der Runde um. Dort Hermann, da Erni, Gottfried — feiner sagt ein Wort. Selbst Juvps flinke Zunge schweigt. Vaters chrlicher Schmerz geht auch ihm zu Herzen. Schließlich kann er aber doch nicht an sich halten, seine kindliche Frage ist die Erlösung für alle: „Und Hesenfranz, was wird mit dem? Was soll denn der anfangen, wenn wir zumachen?" Hermann antwortet auffallend ruhig, von den Spuren der vergangenen Nacht merkt man nichts mehr. Straffer Denn je sitzt er am Tisch. „Den Hesenfranz behalten wir!" In Gräfes Gesicht zuckt es. „Mag sich kümmern — so wie wir uns kümmern müssen. Wird schon anderswo Unterkommen!" Wie verbittert er ist, dentt Lena. In ihm ist fein Raum mehr für die Sorgen anderer Leute — jetzt nicht. Hermann steht auf, läuft um den Tisch herum. Er macht ein Gesicht, als wollte er etwas Wichtiges sagen. Lena verfolgt ihn mit den Blicken. Inzwischen ist Emi um ihren Vater bemüht, schiebt ihm den Teller zu. ,Lß doch einen Bissen!" bittet sie verschüchtert. Christoph Gräfe hörte nicht darauf. „Wenn es doch nun mal das Unabänderliche ist", Lenas Stimme flingt mild,, sie will beruhigen, aber nun ist doch sie es, die Hermann zum Aeußersten auf bringt. Ulnabänberlnf)?" schreit er Lena an. „So etwas gibt es bei uns Gräfes nicht. Wir sehen uns nach neuen Möglich feiten um, wenn uns etwas versaut wird!" Christoph Gräfe hebt zum ersten Male den Kopf, schaut seinen Aeltesten an und sagt trocken: „Rede kein dummes Zeug, du! Neue Möglichkeiten! Du solltest am besten wissen, daß es keine gib)." Hermann bleibt vor seinem Vater stehen. „So — gibt es feihe? Und wenn wir nun die Belzig- brauerei übernehmen? Wenn wir dort das »Rodaer Gold' meiterbrauen?" „Belzigbrauerei!" Christoph Gräfes Lachen klingt unheimlich. „Dort vielleicht die Karre aus dem Dreck ziehen, während wir hier seit ein paar Jahrhunderten fest im Sattel sitzen? Danke für die Ehre!" „Ja, willst du denn ...?" „Gar nichts will ich mehr! Nichts mehr —, daß ihr es alle hört! Mir ist das Leben verleidet. Seht ihr zu, wie chr fertig werdet." Ernis Augen füllen sich mit Tränen. Hermann ist wieder stumm. Mit eigensinnigem Gesicht rennt er in der Stube herum. Jupp sieht ihm nicht ohne Hochachtung nach. Hätt' er ihm gar nicht zugetraut, dem Großen, diese großartige Idee mit der Belzigbrauerei! Lenas Hände liegen im Schoß. Sie kann nicht mehr weiter. Beklommen blickt sie den gebrochenen alten Mann an. Ein Unglück kommt selten allein, denkt sie verwirrt. Das Herz soll sich üben, viel zu ertragen. Nicht nur Schläge von draußen. Die tödlichsten sind die, die das eigene Blut verursackst. Ist hier einer in der Runde, der nicht ehrlich ist? Christoph Gräfe keucht. Es ist, als ränge er mit unsichtbaren Gewalten, als wisse er nicht aus noch ein. Lena ist weiß wie ein Tischtuch. Sie glaubt es zu fühlen, wie er sich mit dem gleichen Gedanken quält wie sie. Bricht das Unwetter jetzt los. Einmal muß Christoph Gräfe die furchtbare Anklage hin- wersen, einmal wird er es tun. Sekunden voll Spannung vergehen. Alle spüren es. In Vater Gräfes Augen funkt es von blitzhellen Blicken. Aber mtt einem Male verlöschen sie. Er ist fertig. Er hat feine Kraft mehr. Seine Gesichtszüge werden schlaff. Müde steht er auf, geht wortlos und mit gefenftem Kopf aus dem Zimmer. ♦ Wie er die Nacht verbracht hat, weih keiner. Nachdem er stumm die Morgensuppe gelöffelt hat, läßt er Hänischlob anspannen. „Wohin fährst du?" fragt Lena besorgt. Er schüttelt ablehnend den Kopf. „Laß das Fragen — du weißt es ja! Es ist an der Zeit, daß endlich alles klar wird. Dann fahre du fort, laß den Gräfehof! Geh' dorthin, wo dein Platz ist. Hier bet uns find die guten Tage vorbei!" Lena hätte gern gesagt, daß sie auch die schlechten mit den Leuten vom Gräfehof teilen will. Aber hat sie ein Recht dazu? Gehört sie nicht zu Gottfried? , Die Mittagszeit ist längst vorüber, Christoph Gräfe ist noch immer nicht yeimgekehrt. Emi stellt die Fleischschüssel auf das Seroierbrett. „Gerade heute ist alles so gut geraten* und nun kommt Vater nicht." Jupp guckt hungrig nach der Schüssel. „Iß du dich an Kartoffeln satt!" sagt Emi unwirsch und trägt das Fleisch in die Küche zurück, um es warm zu halten. „Nach welcher Richtung hin ist denn euer Vater gefahren?" fragt Lena nach einer Weile. Hermann, der noch sein Kompott auslöffelt, deutet wortlos über seine rechte Schulter. „Wahrscheinlich nach Weißenberg", erläutert Erni. Nach Görlitz, denkt Lena, aber sie sagt nichts. „Wie in einem Kloster ift's jetzt bei uns", brummt Jupp. Gottfried sieht auf Hermann, diesen großen, schwerblütigen Menschen. Er ist ihm immer noch ein Rätsel. Er liebt seine unruhig schweifenden Blicke nicht, denn diese Blicke landen stets mit unfehlbarer Sicherheit auf Lenas Gesicht. Wüßte man nur ein einziges Mal, was hinter Hermanns düsterer Stirne vor sich geht! Warum verlasse ich nicht einfach das Haus mit ihr? Haben wir etwa hier noch etwas zu verlieren? Oder wünscht er es vielleicht selbst nicht mehr so brennend, mit ihr allein zu sein? Hätt auch ihn etwas im Gräfehof fest? Gottfrieds Blicke suchen unwillkürlich Ernis Augen. Er schaut auch auf ihren roten Mund. Wie jung dieser Mund ist, wie frisch! Gottftied Bonhoff hebt die Schultern, als müsse er etwas abschütteln. Plötzlich betritt Christoph Gräfe das Zimmer. Er kommt nicht wie sonst, mit dem Hut in der Hand, fest und doch behutsam. Nein, mit wenigen Schritten ist er vor dem Tisch, der verknüllte Filz sitzt schief auf seinem Kopf, die Adern an den Schläfen sind geschwollen, sein Blick funkelt vor Empörung. Alle halten den Atem an. Kein Gruß, nichts. Plötzlich steht er vor dem Großen. Hermann zuckt zusammen und biegt sich, ohne es zu wissen, zur Seite. Christoph Gräfe haut die Faust auf den Tisch. „Du!" Weiter nichts. Wie ein Schlag ist dieses einzige Wort. Grün stechen die Augen aus dem blauroten Gesicht des Vaters. „Du, so einer also bist du! Du, auf den ich mir was eingebildet habe — so einer! He, nimmst das Geld einfach — das Geld deiner Schwester .. Sein Atem pfeift, die Stimme singt fast vor Wut. Beide Fäuste hämmern auf den Tisch. „Heimlich und hinterhältig! Nimmst Geld —du — schmeißt es einfach auf den Mist, in eine Sache, für die keiner mehr einen Heller ausgibt?" Nun sind Lenas Hände dazwischen, gute, tapfere Hände, die so gern beruhigen mochten. Aber der alte Gräfe streift sie rücksichtslos von sich. Diyrd) nichts läßt er sich von dieser Abrechnung abbringen. ..In eine Pleite das gute Geld geschmissen, über meinen Kopf weg — hinter meinem Rücken mit der Belzigbrauerei angebändelt — und das mit einem Geld, das dir nicht gehört, du, weißt du, was das ist?" „Vater, Vater!" jammerte Erni dazwischen» „laß doch nur!" Christoph Gräfe hort nichts. Fassungslos schreit er: „Bettug ift das! Unterschlagung! Du hast dich an den Geldern einer Minderjährigen vergriffen, eingebrochen bist Du!" Lena umklammert feinen Arm. „Nicht weiter, Christoph, um Gottes willen!" Gräfe schüttelt sie ab. Aber er scheint sich nun doch zu besinnen. Er reckt sich hoch. Niemals ist er ihnen so groß erschienen. Seine Stimme ist wieder fester: ,Der da — der hast du es zu verdanken, daß ich dich jetzt nicht einen Lumpen genannt habe!" Erni hat ihr Gesicht in die Hände vergraben. ..Laßt doch das Geld, das dumme Geld! Ich brauch's ja nicht. Ich mag's ja gar nicht!" (Fortsetzung folgt.)