Mittwoch, 8. Mai MV Annahme von Anzeigen für bte Mittaasnummer bis 8'/,Uhr d es Vormittags Grundpreise für 1 mm Höhe bei Anzeigen von 22 mm Breite? Pf.,Tertanzeigen von 70 mm Breite 50 Pf. Wiederholung Malstaffel I Abschlüsse MengenstaffelL Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25 °/o mehr Ermäßigte Grundpreise Bäoeranzeigen und behördliche Anzeigen von 22 mm Breite 6 Pf. zyo. Jahrgang Nr.M Mra A Ä Erscheint täglich, außer ® Eichener Anzeiger von einzelnen Nummern W M jSS&tJr infolge höherer Gewalt Poftscheck11686Frankf^M. vrühlscheUniversttatr-niSerer«. Lauge W VllVlUlll”<4ll JV IlJ Vl |Ul VVvU/VHvII Sießen, Schulstratze 7-Y Bein an jtelUnk AußerdWi Ma es Mr auK Ln des KMera entzexmK« haus unmittelbar den Rücktritt der Regierung fordern wird. In diesem Fall werde die Regierung genötigt sein, die Vertrauensfrage sich seit Abzug der Stteitkräfte in Sud- und Mittel« Norwegen schon sehr zurückgezogen hatten, treten nach der Rede Chamberlains jetzt völlig in den Hintergrund, da sie nur noch peinlichen politischen Erörterungen ausgesetzt sind. Eine bemerkenswerte Tatsache ist, daß sich auch die zahlreich hier anwesenden amerikanischen JoMalistey. von den AM Diktatorische Vollmachten für Churchill? A m st e r d a m , 8. Mai. (Europapreß.) Die Möglichkeit eines dramatischen Ausgangs der großen Unterhausdebatte erscheint keineswegs ausgeschlossen. „Daily Mail" berichtet, daß möglicherweise Attlee im Namen der Arbeiterpartei im Unter- Amsterdam, 7. Mai. (DNB.) Das englische Unterhaus hat am Dienstag der groß angekündigten Rede Chamberlains mit Spannung entgegengesehen. Alles, was er jedoch zu sagen wußte, war die Tatsache, daß es den Engländern gerade noch rechtzeitig gelungen ist, bei Nacht und Nebel aus Namsos zu entweichen. Selbstverständlich stritt er wieder ab, daß die englische Flotte auf ihrer Flucht vor der deutschen Luftwaffe schwere Schläge bezogen hat. Er sagte, er möchte den englischen Seestteitkräften „für die wirklich bemerkenswerte Geschicklichkeit beim Rückzüge" seine Anerkennung aussprechen. Der Feldzug in Südnorwegen sei beendet, und die englischen Truppen hätten „ihre Aufgabe mit der größten Tapferkeit erfüllt". Wörtlich sagte er: „Sie haben dies in einer Neffe getan, die unserer großen Kriegstradition noch mehr Ruhm hinzufügt. Sie haben sich nach jeder Richtung ausgezeichnet, und jeder einzelne Mann zeigte sich dem Feinde überlegen". Kein Mensch wird dann verstehen, warum die Briten so schnell geflohen sind, und ebenso wenig, wie die Nachricht vom Rückzüge in ganz England „einen schweren Schock" Hervorrufen konnte, wie Chamberlain zugab. Um die Katastrophe dem Land in chrem ganzen Ausmaß zu verheimlichen, log er dem Unterhaus vor, die englischen Verluste seien nicht groß und irgendwelche beträchtlichen Kriegsvorräte seien in Norwegen nicht zurückgelassen worden. Das steht im krassen Widerspruch zu dem Abschiedsbrief des englischen Brigadekommandanten an den norwegischen Obersten Goetz, in dem der Engländer erklärte, er habe, gewissermaßen zum Trost, große Mengen an Waffen und Material den von ihm verlassenen Norwegern dagelassen. Chamberlain erklärte, er habe gewußt, wie schwer es sein würde, Dront- h e i m einzunehmen. Man habe diesen Versuch jedoch unternehmen müssen, weil man die Wirkung auf das norwegische Volk hätte in Bettacht ziehen müssen, und man sich sonst dem Vorwurf ausgesetzt hätte, das einzige Ziel der Engländer in Skandinavien sei das schwedische Erz und nicht die „FreiBelgrad, 8. Mai. (Europapreß.) Nach__ Achten oer Belgrader „Prawda" soll der in Sofia weilende englische Botschafter bei der türkischen Regierung, Knatchbull-Hugesson, in der bulgarischen Hauptstadt auch die Frage der Schaffung eines Balkanblockes unter Ein - London sensationell gewirkt. Dramatischer Ausgang der Merhausdebatte? hejt der kleinen Nationen". Mit anderen Worten: Man wollte dem norwegischen Volk etwas vormachen und schickte nur deshalb das Expeditionskorps, um die Lüge von dem Kampf für die Kleinen aufrechterhalten zu können. Das geht auch eindeu- ttg aus dem Geständnis hervor, daß England nur eine einzige Division nach Norwegen gesandt habe. So also tritt England für die Völker ein, die es aufhetzt und denen es seinen „Schutz" verspricht. Zum Schluß sah sich Chamberlain genötigt, die Mitglieder des Unterhauses „noch einmal zu beschwören", in diesen kritischen Tagen die Lage hinzunehmen. Er meinte, die Abgeordneten müßten sich vor allen Nörgeleien und Meinungsverschiedenheiten hüten. Und um die Opposition zu beschwichtigen, forderte er aus, sich nur mit der Zukunft und der Verstärkung der kriegerischen Anstrengungen Englands zu beschäftigen, damit, wie er sagte, „wir unsere Schläge austeilen können, wann und wo mir wollen". Offenbar spielte der Kriegshetzer auf die neuen Aggressionsobsichten der Pluto krati en an. Er darf jedoch versichert sein, daß Deutschland diese Schläge blitzschnell parieren und so erwidern wird, daß England — um bei einem Ausspruch Chamberlains zu bleiben — zu der „Lektion in Norwegen" noch andere Lektionen erhält. Aus dem letzten Teil der Rede geht klar hervor, daß die britische Regierung, nachdem sie Norwegen ins Unglück gestürzt hat, weiter nach neuen Opfern sucht, worauf Chamberlain auch anspielte, als er die Entsendung der Kriegsschiffe nach dem Mittelmeer kurz streifte. Allgemein ist ausgefallen, daß der alte Kriegshetzer es wohlweislich vermied, auf die sensationellen Dokumente über Englands verhängnisvolle Umtriebe in Norwegen einzugehen. Er hat es noch nicht einmal gewagt, sie überhaupt zu erwähnen, wo er doch sonst mit Dementis immer gleich bei der Hand ist. Keine Antwort ist auch eine Antwort. Der Täter schweigt, weil er sich ertappt sieht. Englands Schuld an dem ttagischen Schicksal Norwegens ist damit vor aller Welt bewiesen. Britische Zerstörer in den griechischen Inselgewäffern. Athen beobachtet besorgt die britisch-französischen Operationen im östlichen Mittelmeer. Athen, 8. Mai. (DNB.) Die Bewegungen der englischen und französischen Geschwader im Mittelmeer werden in Athen sehr aufmerksam und wachsam verfolgt. Die man erfährt, ist die e n g l i s ch e A l o t t e nach anfänglicher Massierung in der Ge- genb von Alexandria im wesentlichen mit der Beobachtung wichtiger punkte des östlichen Mittelmeers beschäftigt, während die französischen Kriegsschiffe offenbar den w e st - lichen Teil des Millelmeers als Operationsfeld zugewiesen erhielten. Die Kampfverbände sind ziemlich gleichmäßig und bisher noch ohne erkennbares Ziel verteilt. Ein Geschwader leichter englischer Torpedoboote ist auf der Höhe von Kreta vor der befestigten Ducht von Suda gesichtet worden. In den Gewässern der griechischen Inselwelt ist durch englische Zerstörer ein patrouillen- d i e n st eingerichtet worden. Die britischen Umtriebe in Sofia durchschaut. schwerer zu glauben, die Formel der „Nichtkrieg- führung" fei zwischen den beiden totalitären Staaten bei Beginn des Krieges nicht vereinbart worden, um periodisch den Ereignissen angepaßt zu werden. Italien zur britischen Flottenverschiebung Mailand, 7. Mai. (Europapreß.) „Gazzetta del Popolo" schreibt, wenn man die britische Flottenverschiebung nach dem Mittelmeer prüfe, komme man zu dem Schluß, daß die britische Admiralität damit hauptsächlich viele große Schlachtschiffe dem Angriff der deutschen Luftwaffe habe entziehen wollen. Die Schläge der deutschen Sturzkampfflieger hätten die britische Admiralität überzeugt, daß jeder Einsatz großer Schlachtschiffe ungeheuren Gefahren ausgesetzt ist, und daß infolge der deutschen Besetzung von Norwegen nicht einmal mehr der Flottenstützpunkt von Scapa Flow unbedingte Sicherheit böte. Es sei jedoch eine Entstellung der Wahrheit, daß man eine Flotte im Mittelmeer Zuflucht suchen lasse und dies Vorgehen so hinstelle, als ob sie das Mittelmeer erobern würde. Gegenüber dieser Selbsttäuschung müsse man maßvoll aber entschlossen bemerken, daß die Zeiten einer Beherrschung des großen Binnenmeeres für die englischen Flottengeschwader f ü r immer vorbei seien. Die Kennzeichen des modernen Krieges hätten im Mittelmeer die gleiche Wirkung wie in der Nordsee. Bei der festgestellten Macht der Luftwaffe sei es undenkbar, daß die englische Flotte im Mittelmeer die Triumphe Nelsons wiederholen könne. Das Kabinett kämpst um seine EMenz. Italienische Gtimmungsberichte aus London. Mische SMbloüade. Arn letzten Sonntag nannte der greife Lloyd George, einst im Weltkrieg der Organisator der Hilfskräfte des Empire, im „Sunday Pictorial" die von England an Polen gegebene Garantie kurz und bündig „verrückt" und zog die Folgerung, daß der ganze Garantieschwindel Chamberlains, dem er Unfähigkeit und Langsamkeit bescheinigt, für andere Staaten ebensowenig wert sei. Die Staaten des Südostens, Rumänien und Griechenland, die von Chamberlain mit diesem wertlosen Garantieversprechen bedacht worden sind, haben mittlerweile erlebt, was solche Versprechungen in Wirklichkeit bedeuten, denn die lärmenden Drohungen mit einer neuen Aggression im Mittel- meer sollen doch vor allem die Tatsache der schweren englisch-französischen Niederlage in Norwegen bemänteln. Diese Politik nannte Lloyd George „den sichersten Weg zur Katastrophe", und fürwahr, die Katastrophe wird für England gerade durch die Einfchüchterungsmaßnahmen gegenüber den Neutralen umso sicherer herbeigeführt, als die Verworrenheit der Kriegsausweitungspläne sich auch auf wirtschaftliche Maßnahmen erstreckt. Der Verlust des skandinavischen Holzes und Eisenerzes für die englische Industrie wird schön jetzt fühlbar. Es fehlt an den Holzstempeln für Kohlengruben, und vergeblich sind die Versuche, sie durch stählerne zu ersetzen, da die Erzlieferungen ebenfalls fortfallen. Die Einbuße an dänischer Butter, dänischem Speck und dänischen Eiern macht sich für die englische Volksernährung sehr schroff bemerkbar. Dazu kommt nun eine Maßnahme, deren Folgen Wie Norwegen betrogen wurde. Chamberlain entschuldigt den Fehlschlag seiner Norwegen-Politik vor -em Unterhaus Schluß Bulgariens angeschnitten haben. Die- er Balkanblock hätte natürlich nach dem englischen Wunsch eine gegen das Deutsche Reich gerichtete Tendenz haben und den Kriesausweitungsplänen !>er Westmächte dienen sollen. Knatchbull-Hugesson, i>er am Montagvormittag der großen bulgarischen Truppenparade beiwohnte, wird wahrscheinlich erst »m Dienstagabend die Rückreise nach Ankara an= treten. Er hatte am Montagnachmittag eine Besprechung mit Vertretern aller britischen Zalkangesandtschaften, die zu diesem Zwecke nach Sofia gekommen waren. Eine Broschüre des bekannten bulgarischen Publizisten Dr. Risov über die Mittelmeer-Frage lommt zu dem Ergebnis, daß der Friedensliebe der tn Südosteuropa interessierten neutralen Länder, iItalien, der Sowjetunion und der Balkanstaaten, die Angriffsabsichten der Westmächte gegenüber fänden, die den Krieg auch auf den Südosten auslehnen wollten. England und Frankreich hätten (in neues „Kriegsrecht" geschaffen, das keine Rücksichten auf den Friedenswillen i e r Neutralen nehme. So wie sie diese Rück- lchten im Norden vergessen ließen, so würden sie ie auch im Südosten fehlen lassen. In diesem Falle reilich würde Italien handeln. Sobald die Vestmächte ihren Vorstoß auf dem Balkan oder em Nahen Osten ausdehnen würden, würde Jta- i en schnell und blitzartig seine militärischen Kräfte cusspielen. Eines Tages würde dann Italien mit inem Schlage das ganze Mittelmeer- i n b Kolonialproblem aufroHen und ei dem folgenden Friedensschluß kein zweites Versailles Massen. Bischöfe und Journalisten. England verstärkt seinen Propagandaapparat in Jugoslawien. Belgrad, 8. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die fgramer Zeitung „Hrvatska Sttascha", das Organ >s katholischen Metropoliten von Kroatien, befaßt ich mit der Agitationsreise anglikani - ch e r Bischöfe durch Jugoslawien, die natürlich ihre politische Bedeutung habe. Die anglikanische Kirche habe sich im italienisch-abessinischen Krieg wie auch im spanischen Bürgerkrieg in italien- feindlicher Weife politisch exponiert. Man dürfe auch nicht vergessen, daß anglikanische Bischöfe bereits im Jahre 1935 eine ähnliche Reife durch Jugoslawien gemacht hätten. Damals feien sie auf dem Agramer Hauptbahnhof an dem greifen kroatischen Metropoliten und Kardinalerzbischof Dr. An- tvn Bauer, ohne zu grüßen, einfach vorbeigegangen. Wenn deshalb die anglikanischen Bischöfe sich diesmal beeilten, dem kroatischen Metropoliten ebenfalls ihre Aufwartung zu machen, so dürfe man in der kroatischen Hauptstadt nicht vergessen, z u welchen Zwecken die anglikanischen Agitatoren im Bischofsrock gekommen sind. In Belgrad fällt das ständige Anwachsen der Zahl der englischen Journalisten auf. Neuer britischer Presseattache wurde ein gewisser S y m e, |ein ebenfalls neu zugereister Stellvertreter heißt Lyell. Außerdem zählt diese Abteilung, die sich in den letzten Tagen bei der „Betreuung" der anglikanischen Bischöfe und ihres Gefolges hervorgetan hat, noch vier „Gehilfen". Die Belgrader Reuter- ßertretung übernahm der aus Bukarest wegen feiner skandalösen Falschmeldungen ausgewiesene Mr. Lo w e l. Für den „Daily Expreß" ist ebenfalls aus Bukarest der sattsam bekannte Seftvn Weimar zugereist. Der „Daily Mail"-Dertreter Atherton, der gleichzeitig die englischsprachige Zeitung „Balkan Herold" und „South Slovic Herold" herousgibt, wurde durch einen Mr. Maker verstärkt, während ber jüdische „News Chronicle"-Bertreter A r c e 11 i aus Budapest einen gewissen Segrue beigeorimet erhielt. Drohender Belagerungszustand in der Türkei. Istanbul, 7. Mai. (DNB.) Die türkische Nationalversammlung hat die Vorlage über den Be° S beim Vorliegen außerordentlicher Umstände, die Kriegsgefahr für das Land bedeuten, den Belagerungszustand zu verhängen. Spannung in Paris. Brüssel, 8. Mai. (Europapreß.) In Paris, wo der ehemalige norwegische Außenminister K o h t am Donnerstag erwartet wird, sind die Mitglieder der Regierung ständig mit Beratungen über die Lage beschäftigt. Am Montag trat im Elysee-Palast unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik, Lebrun, d a s Kriegskomitee zu einer zweistündigen Sitzung zusammen. Am Mittwoch werden sich die Mitglieder der Regierung zu einem Ministerrat versammeln. Inzwischen erwartet man mit gespannter Aufmerksamkeit den Verlauf der zweitägigen Beratungen im englischen Unterhaus über die Ereignisse in Norwegen, bei denen es, wie der „Jour" schreibt, um den Bestand der englischen Regierung gehe. Bei einer Betrachtung der Lage im Mittelmeer greift das „Ordre" Italien an. Das Blatt schreibt, die „Nichtkriegführung. Italiens" werde auf eine Weife geführt, die in Wirklichkeit einer Teilnahme am Kampf gleichkomme. Es werde immer schreibt, auf einem Umzug iw Whitehall seien Montag Tafeln mit Aufschriften zu sehen gewesen, die neue Männer forderten. Es werde zwar von einer neuen Regierung gesprochen, doch seien viele Stimmen in London immer noch der Ueberzeugung, daß Chamberlain den Sturm im Unterhaus u b e r st e h e n werde. Pessimistischer hinsichtlich des Fortbestehens der Regierung Chamberlain zeigt sich der Londoner Korrespondent des „Giornale d'Jtalio". Den Gnadenstoß Hobe der Regierung, die noch immer auf einen Einfluß Schwedens zu Gunsten der Westmächte gehofft habe, die Nachricht von dem zwischen der deutschen und schwedischen Regierung bestehenden vollen Einvernehmen gegeben. Der Briefwechsel zwischen Adolf Hitler und König Gustaf von Schweden habe konservativen Reihen mehrere Abgeordnete, die noch am Montag offen erklärt hätten, sie würden den Rücktritt der Regierung fordern. Zu diesem Entschluß seien sie nach Beratungen mit ihren Wählern gekommen. In dem gleichen Bericht heißt es, eine der Fragen, die der Regierung gestellt werden würden, sei die, wer den Rückzug der Truppen aus Norwegen angeordnet habe und ob dieser in Uebereinftimmung mit der Ansicht der örtlichen Befehlshaber geschehen sei. Churchill soll, wie „News Chronicle" schreibt, mit der Veröffentlichung seiner Prioatkritiken an der Durchführung des norwegischen Abenteuers gedroht haben, für den Fall, daß die Frage des Anteils der Admiralität an dem Fehlschlag von Chamberlain aufgeworfen worden märe. Um der Verwirklichung dieser Drohung zu entgehen, habe Chamberlain dem Marineminister weitere Vollmachten bei her Leitung der brttischen Kriegsstrategie eingeräumt. „Daily Telegraph" schreibt: „Unter der neuen Anordnung wird die Zusammenarbeit ausschließlich durch die Stabschefs der drei Wehrmachtsteile, über die Churchill den Vorsitz führt, durchgeführt werden. Wo Angelegenheiten die Zustimmung des Kabinetts erfordern, wird Churchill allein als Sprecher des Kabinetts auftreten." D. h. also, daß Kriegsminister Oliver Stanley und Luftfahrtminister Sir Samuel Hoare aus der strategischen Leitung des Krieges ausgeschaltet würden. In Zukunft würde dann Churchill als einziger verantwortlicher Minister in dem Komitee der Stabschefs sitzen und es bliebe seinem Gutdünken anheimgestellt, welche' Fragen dem Kabinett zur Entscheidung voraelegt werden müßten und welche er aus eigener Machtvollkommenheit entscheiden zu können glaubt. Churchill besäße also hamit diktatorische Vollmachten für die strategische Leitung des Krieges. Es scheint, daß sich Chamberlain durch dieses Zugeständnis vor der befürchteten parlamentarischen Auseinandersetzung retten will. SchlechlerSindruck in Stockholm Chamberlain durch Augenzeugen Lügen gestraft. Stockholm, 8. Mai. (Europapreß.) Die Ausführungen des englischen Ministerpräsidenten im Unterhaus haben in Stockholm einen denkbar schlechten Eindruck gemacht. Die FeftsteLun« gen Chamberlains über den Abzug der englisch- ftanzösischen Truppen aus Namsos und Andalsnes stehen in direktem Widerspruch zu den Berichten, die in Stockholm nicht nur durch schwedische und norwegische, sondern in erster Linie amerikanische und italienische aber auch englische Augenzeugen bekannt wurden. Darin heißt es übereinstimmend, die Zahl der Opfer bei den Westmächten sei beträchtlich. Es handelte sich um keine geordnete Einschiffung wie Chamberlain behauptete, sondern um eine panikartige Flucht. Der größte Teil des Kriegsmaterials wurde in den Häfen und Versorgungsplätzen zurückgelassen. Auch die Zahl der versenkten Kriegs - und Transportschiffe der Westmächte sei wett höher als die von Chamberlain zugegebenen zwei Zerstörer. Amerikanische Journalisten, die am Dienstag auS dem Namsosabschnitt eintrafen, berichten, daß bei dem Abzug der Truppen der Westmächte ein erschreckendes Durcheinander geherrscht habe und daß englische Offiziere die Flucht ergriffen hätten, bevor sie sich in voller Uniform befanden. Die Journalisten der Westmächte, die in den ersten Kriegsmonaten in Stockholm groß aufgetreten waren und Rom, 8. Mai. (Europapreß.) Besonderes Interesse zeigt die römische Presse für die „Schlacht", im englischen Unterhaus. Man fragt, ob die englische Regierung auch gegenüber ihren parlamentarischen Feinden einen strategischen Rückzug beschließen werde. Die Regierung — so berichtet „Teuere" aus London werde im schärfsten Trommelfeuer ihren Gegnern standhalten müssen. Die unerbittlichen Gegner seien aber nicht nur im sozialistischen und oppositionellen liberalen Lager zu suchen. Auch eine Gruppe von Konservativen sei ihnen zuzuzählen, und zwar nicht nur jene, die sich seinerzeit gegen die Politik von München erklärt hätten, sondern auch solche, auf die die Regierung bisher bei großen Anlässen jederzeit habe rechnen können. Nun scheine zum erste Mal die Regierungsmehrheit in zwei klar gesonderte Gruppen geschieden zu sein. Es komme wenig darauf an, schreibt „Popolo di Roma", welcher Art das Ergebnis der Schlacht im Unterhaus fein werde. Das Wesentliche sei, daß das Schicksal der Regierung Chamberlain besiegelt sei. Die militärischen und politischen Niederlagen der Westmächte hätten ein Ausmaß erreicht, das einen Personenwechsel in der Regierung Englands unvermeidlich macht. Vielleicht werde sich eine gleichartige Rückwirkung auch rn Paris einstellen. Das demokratische Regierungssystem müsse der öffentlichen Meinung, die zuerst getäuscht und dann aufgereizt worden sei, irgend- iiuiiu eine Genugtuung bieten. , odÄ Dn Londoner KÄMondest tos sich die Puto traten in London wohl nicht genügend überlegt haben. Sie versperrten das Mittelmeer, also auch den Wea durch den Suezkanal, für die englische Handelsschiffahrt, und zwar um Italien zu bedrohen. Wenn es im Mittelmeer zum Schlagen käme, dann fielen naturgemäß auch diefe Wege aus, über die England bisher seine Waren bezog, aber schon der Zwischenzustand ist für die englische Wirtschaft sehr verlustbrinaend. Durch den Suezkanal kamen bisher Oele aus Asien und die Güter der afrikanischen Ostküste; die Schätze Indiens wurden ebenso wie die Metallausbeute der malayischen Staaten an Zinn usw. durch diese Straße verfrachtet, die tropischen Früchte der Südsee (u. a. Kopra) gingen durch den Suezkanal ebenso wie die Rohstoffe aus Birma, Südchina und Niederländisch-Jnsulinde. Die von England ausgesprochene Sperrung der Mittelmeerfahrt bringt allein hinsichtlich der britischen Benutzung des Suezkanals 1937 einen Fortfall von rund 8,5 Millionen Nettoregistertonnen bei Durchfahrt in einer Richtung. Die Nettoregistertonne ist etwa zwei Drittel der Bruttoregistertonne, und schlägt man etwa zwei Rundreisen der durchgehenden. Schiffe an, dann müßten damit rund 6,3 Millionen Bruttoregrster- tonnen Schiffsraum einen anderen Weg suchen. Diese neue Strecke um das Kap der Guten Hoffnung, um die Südspitze Afrikas, wird aber für die englische Volkswirtschaft kostspielig und langwierig. Nach Indien z. B. erfordert der Weg um das Kop der Guten Hoffnung bis zu 77 v. H. mehr Weg als durch den Suezkanal, nach Mombasa in Ostafrika noch 44 v. H. Man hat berechnet, daß England etwa 80 v. H. mehr Schiffsraum einsetzen müßte, um den gleichen Effekt zu erzielen, den sonst die Dampferladungen auf der Suezkanal-Strecke aufzuweisen haben. Abgesehen von der Verteuerung ber Waren durch die größeren Frachtkosten kommt aber noch die Verknappung des englischen Schiffsraumes bei gleichzeitig stärkerem englischen Zufuhrbedarf hinzu. Dieser Schwung der britischen Handelsflotte ist die eigentliche Crux, er kann auch durch Propagandamittel, die nur auf Dumme Eindruck machen, nicht behoben werden. Es war ehedem paradox, aber heute bestätigen es die englischen Maßnahmen, daß Britannien gerade in dem Augenblick, da das ein- fuhrabhängiae England schon unter Dampfernot leidet, politisch alles tut, um diese Schwierigkeiten durch Alarmmaßnahmen von so wenig Wirkung auf Italien, wie es die Sperrung des Suezkanals für englische Dampfer bleibt, noch zu vergrößern und seine wirtschaftliche Lage zu verschlimmern. E. 8. Das Meer mit den englischen Toren. Madrid SPANIEN UGARIEN Ankara ÜRKfl MAROKKO ITAl. 'PAlXTONA Ml TUN]-. Ijotoan' tefgrad ’s JUGOSLAWIEN RUMÄNIEN kuorut Kairo ÄGYPTEN =^O'AMLTA---— M 6 k R — - "Alexandrien fr ITALIEN Sä. C/kENAIKA ubyeW In diesen Tagen, in denen durch die maritimen Provokationen der Westmächte das Mittelmeer, das bisher durch die ruhige Haltung Italiens vor ernsten Störungen bewahrt worden ist, im Mittelpunkt des Interesses steht, läßt sich "die Großmacht Italien, die das Mittelmeer als feinen Lebensraum betrachtet, nicht nervös machen. Rom hat schon vor Tagen durch die Ministerreben vor der Faschistischen und Korporativen Kammer angekündigt, daß es den europäischen Konflikt nicht zu Ende gehen lassen wird, ohne eine Bereinigung der schwebenden Probleme im Mittelmeer durchgesetzt zu haben, in dem es sich als Gefangener fühlt, weil es an den Toren dieses Meeres durch die britische Macht in seinen Bewegungen behindert wird. Unsere Darstellung verzeichnet die britischen Stützpunkte und entscheidenden Kontrollstellen. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Gin Vielsagendes Telephongespräch. Durch die Enthüllung des sensationellen viertelstündigen Telephongesprächs Reynauds mit Chamberlain werden die deutschen Hinweise auf die neuen Kriegsausweitungspläne der Westmächte vollinhaltlich bestättgt. Es ist bezeich- nenD, wenn englandfreundliche amerikanische Blätter gerade jetzt darauf Hinweisen, daß Chamberlain nach der Katastrophe im Norden nur noch eine einzige Chance zur Aktivierung des englischen Krieges habe. Dieses Gefühl scheint auch der brittsche Premier persönlich zu Haden; darauf läßt wenigstens sein kategorischer Ton gegenüber Reynaud in jenem Telephongespräch schließen. Wenn man die erwähnten amerikanischen Blätter zwischen den Zeilen zu lesen weih, so verhehlen sie nicht, daß England auf dem — wahrscheinlichen — Wege eines Angriffes gegen Deutschland von Süden, d. h. vom Mittelmeer her, nur dann eine vage Aussicht auf Erfolg Hoden könnte, wenn die Westmächte von der bisherigen Methode des vereinzelten Neutralitätsbruches von Fall zu Fall nunmehr zur Methode des Neutralitätsbruches im größten Stil übergehen. Man kann nicht einen Angriff beispielsweise von Griechenland, etwa von Saloniki her, gegen Deutschland ansetzen, ohne gleichzeitig auch die Neutralität sämtlicher übrigen Balkan- länoer anzutasten. Tatsächlich geben die englischen Bemühungen vor allem um die Heranziehung der Türkei als direkten Bundesgenossen und um ein engeres Verhältnis zu Bulgarien im Wege von „Wirtschaftsver- yandlungen" solchen Vermutungen durchaus recht. Gegenüber Bulgarien griff man ja in London sogar zu der außergewöhnlichen Maßnahme, die Ver- Handlungen nicht mehr nur über den englischen Gesandten in Sofia zu leiten, sondern den englischen Botschafter aus der türkischen Hauptstadt eigens zu beordern, ein Zug, der starke Ähnlichkeit mit der Entsendung eines britischen Sonderbotschafters nach Moskau im Frühfommer vergangenen Jahres hat. Geradezu komisch berühren in diesem ganzen Zusammenhang die westmächtlichen Methoden gegenüber der stärksten Mittelmeermacht Italien, Dem man bald mit heuchlerischen Verhandlungsgesten, bald mit grobschlächtigen Drohungen kommt. Im ganzen scheint man in London unb Paris die Gefahren des Mittelmeeres erheblich zu unterschätzen. Schwedens Neuiraliiäi. Der Gedankenaustausch zwischen dein Führer und König Gustav. Berlin, 7.Mal. (DNB.) Zwischen dem Führer und dem König von Schweden hak — wie bereits gemeldet — in der zweiten Aprilhälfte ein brieflicher Gedankenaustauf ch über die politische Lage stattgefunden, der entsprechend den bereits von der deutschen und der schwedischen Regierung öffentlich abgegebenen Erklärungen nochmals die volle Uebereinstlm- mung über die künftige politische Haltung der beiden Länder zueinander bekräftigte. In diesem Gedankenaustausch wurde nochmals die feste Entschlossenheit Schwedens, seine strikte Neutralität nach allen Seiten aufrecht zu erhalten und zu wahren sowie die deutsche Anerkennung und Respektierung der schwedischen, Neutralität, wie sie in den kürzlichen Verlautbarungen der beiden Regierungen bereits dokumentiert wurde, zum Ausdruck gebracht. Moskau zur Lage im Mittelmeer. -Oie Lustwaffe und Flotte Italiens eine erhebliche Gefahr für England." Moskau, 7. Mai. (DNB.) Das Blatt der russischen Gewerkschaften „Trud" behandelt die Verschärfung der englisch-italienischen Beziehungen, die infolge der neuen Konzentration britischer Flotteneinheiten im Mittelmeer und den „blockadeähnlichen" Maßnahmen der Zurückziehung englischer Handelsschiffe aus den Mittelmeerhäfen entstanden fei. In London behaupte man, daß diese Maßnahmen Englands durch den feindseligen Ton der italienischen Presse gegenüber den Westmächten hervorgerufen fei. Diese Erklärung, so schreibt das Blatt, erkläre in Wirklichkeit nichts. Zwei Gründe könnten die Konzentration der englisch-französischen Flotte im östtichen Teil des Mittelmeeres bestimmt haben: .Erstens der Versuck, das Schwerge- wirbt der militärischen Operationen nach dem Nahen Osten und insonderheit nach dem Balkan zu verlegen, wie die ganze Weltpresse schon seit geraumer Zeit schreibt. Der zweite Grund könne darin bestehen, daß die englisch-französische Flottenkvnzentration nur bezwecke, die Aufmerksamkeit des Gegners von an- deren Gebieten abzulenken, wo die Westmächte in Wirklichkeit eine neue Erwei- terung des Kriegstheaters beabsichtigen. Wetter stellt „Trud" fest, daß gewisse Organe der englisch-französischen Presse mit Drohungen und Einschüchterungsmanövern an die Adresse Italiens nicht sparten. So habe die Londoner „News Chronicle" unlängst darauf hingewiesen, daß Italien die am meisten verwundbare Kustenlinie in Europa besitze und im Westen einem Angriff der Franzosen angeblich nicht stanbhalten könne. Einer der Wortführer der französischen Presse habe ferner prahlerisch erklärt, daß Italien im Mittelmeer von den englisch-französischen Streitkräften e i n g e t e f f e [ t sei und keln§ Chance in einem Krieg, Kegen die Weltmächte habe. Diesen Betrachtungen könne man eine Reihe von Argumenten gegenüberstellen, die davon zeug, ten, daß es schädlich ist, die Kräfte des Gegners zu unterschätzen. Bei ihrer Aufzählung der vorteilhaften Positionen der Westmächte und in ihrem Traum von einem Abschneiden der italienischen Verbindungslinien schweige sich die Presse der Westmächte wohlweislich über die Stärke der Po- fitionen Italiens aus. Die italienischen Stützpunkte im Mittelmeer seien dazu geeignet, die englischen und französischen Seewege zu bedrohen; die Luftwaffe und Flotte Italiens stelle für England eine erhebliche Gefahr dar. Weiter bringt der Artikel zutn Ausdruck, daß Italien gegenwärtig die Westmächte vor einem Vorgehen auf Dem Balkan warne. Eine Verletzung der Neutralität der Balkanstaaten irgendwelcher Art werde das sofortige Vorgehen Italiens Hervorrufen. Daran brauche man nicht zu zweifeln. Gleichzeitig wollten die Gerüchte über bevorstehende Aktionen Der Westmächte auf Dem Balkan nicht nur nicht verstummen, sondern sie verstärkten sich im Zusammen- fyang mit den letzten Ereignissen in Norwegen immer metyr. Es fei bezeichnend, daß der bekannte Oberst Fabry unlängst tm „Matin" schrieb: „Wird d e r Kampf um das Oel bald beginnen, so wie zur Zeit der Kamps um das Erz geführt wird? Man kann annehmen, daß Italien über die Absichten der Westmächte auf Dem Balkan unterrichtet sei. Man höre in Italien nicht auf, mit gespannter Aufmerksamkeit die Armee Des Generals WeyganD zu verfolgen und fei sich klar Darüber, daß diese Armee keineswegs nur für Fußballkämpfe gebildet wurde. Die Drohung eines Vorgehens Italiens könne aber Die Pläne der Schaffung eines neuen Kriegsschauplatzes auf Dem Balkan Mnfluffeji! - Deutsche Truppen erreichten Mosjoen. Der Wehrmachtsbericht. Mjord ^/(antiJiUer #8artD Siüngeo W ^vplfjonl zmüsien ■FoWprpid firong । PlMsa = Bjtmkmd Maln?S l] Berlin, 7.Mai. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Bei Narvik hat sich die Lage bisher nicht verändert. Deutsche Kampfflugzeuge griffen britische Kolonnen mll Bornen und Maschinengewehren an und zersprengten sie. Lin vor Narvik liegender Kreuzer wurde durch eine Bombe mittleren Kalibers getroffen, ein Sunderland-Flugboot durch Bombenwurf versenkt. Die aus dem Raum von Namsos und Grong nach Norden vorstoßenden deutschen Truppen erreichten Mosjoen. Line deutsche U-Iagdflotttlle versenkte im Skagerrak ein feindliches R - V o o t. Bei einem Einflugversuch in die Deutsche Bucht wurden zweibrilischeFlugzeugevon deutschen Iägern abgefchossssn. An der We st front keine" besonderen Ereignisse. Italienische Stimmen zur Lage in Norwegen. Rom, 7. Mai. (Europapreß.) „Die Schlacht um Narvik ist im Schneebestöber im Gange", so verkündet Der „Popolo Di Roma" in großen Lettern. Die Blätter weifen übereinftimmenD auf Die Vorteile hin, Die Die deutschen Streitkräfte sich bereits in diesem ersten Abschnitt Des Kampfes um Nord- norwegen sichern konnten. Vor allem wird Der überraschend schnelle Vormarsch Der von Süden am rückenden deutschen Abteilungen hervoraehoben. Mit besonderem Interesse wird auch wieder Der Anteil Der deutschen Luftwaffe an Den Kämpfen verzeichnet, Die durch unermüdliche, vernichtende Angriffe gegen feindliche Stützpunkte und Verbindungswege einen entscheidenden Einfluß auf Die Entwicklung Der militärische« Lage ausübe. Auch Die neuerlichen schweren Verluste Der Seestreitkräfte Der Westmächte finden hier große Beachtung. Als eine Bestättaung Der deutschen Angaben wirb es gewertet, daß Die britische Admiralität nun Die bereits vor Tagen von deutscher Seite gernel» Dete Versenkung eines englischen Zerstörers eingesteht, und daß auch Der französische Heeresbericht mit 48 Stunden Verspätung Die Versenkung Des Torpedojägers „B i s o n" (2436 Tonnen) zugibt. Man wartet, wie lange Zeit Die Westmächte brauchen werben, um auch Die Verluste an Schlachtschiften unb Kreuzern einzugestehen, bie zum Teil bereits burch neutrale Augenzeugenberichte bestätigt worben sind und daher auf Die Dauer schlecht abgeftritten werben können. Britische Selbstgenügsamkeit. Amsterdam, 7. Mai. (DNB.) Der brittsche Generalstabschef Sir Edmund Ironside richtete eine Ansprache an die britischen und französischen Truppen, die nach ihrem kläglichen Verschwinden aus Norwegen in einemschottischenHafen angenommen sind. Jronside sagte: „Ich kenne wohl die Schwierigkeiten, gegen bie Ihr habt kämpfen müssen. Schnelligkeit war bas wesentlichste. (!) Hätten wir Eure Abfahrt um 24 ober gar 48 ©tumben verschoben, so wäre der Zusammenbruch noch schlimmer, als er es in Wirklichkeit ist." Nach diesem offenen Eingeständnis der Niederlage fuhr der General fort: Wir glaubten, Euch die notwendigen Geschütze und Flugzeuge mitgeben zu können, die Euch in Die Lage versetzt hätten, gegen die Kriegsmaschine zu kämpfen, Der Ihr gegenüberftan« bet. Aber Ihr wißt, baß das Rennen sich gegen uns entschieden hat. Es war uns unmöAich, diese Dinge rechtzeitig herbeizuschaffen. Euer Rückmarsch von Dombas und Eure Einschiffung wirb in der Geschichte weiterleben. Keiner von Euch braucht zu denken, Ihr wäret aus Norwegen herausgetrieben worben (!). Ihr seid von dort abkommandiert worben, unb es ist eine ,/große Leistung", daß ihr zurückkommen konntet (!). General Paget, ber Den Rückzug Der britisch- französischen Truppen in Norwegen leitete, betont in einem Interview, daß seine Truppen während ihres Rückzuges fünf verschieden voneinander getrennte Aktionen, sozusagen einen Rückzug mit allen Schikanen zu bestehen hatten. „Wir hatten keinen Erfolg, als wir Die Deutschen verhindern wollten, von Süden her nach Drontheim durchzubre- chen." Aber es könne nicht ber geringste Zweifel bestehen, baß ber britische Aufenthalt in Norwegen Den deutschen Vormarsch zwar nicht endgültig, aber doch wenigstens vorübergehend aufgehalten habe. Zu diesem Lorbeer komme sodann noch ber bes „äußerst schwierigen" Rückzuges. Diese Leistung fei ber ,/glänzenden Ausdauer unb Den kämpferischen Werten" der britischen Truppe zu danken. Dem Zugriff des Feindes entzogen. Tapfere deutsche Handelskapitäne versenken ihre Schiffe. Berlin, 7. Mat. (DNB.) Deutsche Harckels- schiffskapitäne pflegen ihre Schiffe, wenn sie Dem drohenden Zugrift Des Feindes anbers nicht mehr entzogen werden können, selbst zu versenken, trotz Der Drohung Der Engländer, Den Kapitän zu erschießen und ohne Rücksicht darauf, ob Die Wetterlage sichere Aussichten für Die eigene Rettung bietet. Zwei Beispiele dieser Art haben Die Kapitäne Des Dampfers „Aruca s" (Norddeutscher Lloyd) und bes Dampfers „Uffufuma" (Deutsche Afrikalinie) geliefert. Kapitän Robert Möh rin g von ber „Arucas" hat hierbei Den Helbentob gesunden. Der Dampfer „Arucas" befand sich im Nord- atla n ti t auf Der Heimreise von U ebenste, als er ein britisches Kriegsschiff sichtete. Sofort ließ Der Kapitän Die Seeventile öffnen, um Das Schiff zu versenken. Ein Augenzeuge, Der sich an Bord Des britischen Kriegsschiffs befand, berichtete Dem „Daily Telegraph" folgendes: Wir sichteten Die „Arucas" kurz nach 9 Uhr vormittags. Es wehte ein Sturm, unb schwere Seen brachen über uxferen Bug. Das deutsche Schift lag bereits tief zu Wasser mit geöffneten Seeventilen, Die Mannschaft befand sich in Gruppen an Deck. Als wir in Rufweite kamen, würben zwei Boote von Der „Arucas" heruntergefiert. Bei schwerem Wetter kenterte das eine sofort, und Die Besatzung fiel ins Meer. Die schwere See machte es uns unmöglich, ein Rettungsboot zu Wasser zu lassen. Wir warfen Leinen aus, und eine Anzahl ber Deutschen wurde auf biefe Weise an Borb gezogen. In ber kurzen Zeit waren ihnen die Kleiber am Körper festgefroren. Einige unserer Leute sprangen angeseilt über Borb und befestigten Leinen an Den anscheinenb leblosen Körpern. So wurden noch einige Deutsche gerettet und Die Besatzung Des zweiten Rettungsbootes konnte an Borb genommen werben. Ein Teil Der Besatzung einschließlich Des Kapitäns befand sich immer noch auf ber „Arucas". Als Das Wasser über Den Ladungsluken stand, sprangen sie über Bord. Der Kapitän ber „21 ruc as" ging v erloren, nachdem er fast gerettet war. Als einige unserer Leute ihn an Bord ziehen wollten, riß eine schwere See ihn wie- ber fort. Man sah ihn zuletzt etwa 100 Meter von unserem Schift. Von Den 53 Mann Mann Der „Arucas" konnten Die britischen Seeleute 40 retten. lieber die Selbstversenkung Des Dampfers „Ussukuma" liegt ebenfalls Der Bericht eines Augenzeugen vor. Er zeigt, wie Das englische Kriegsschiff „A j a x" den Kapitän und die Besatzung einzuschüchtern versucht hatte, um eine Selbstversenkung zu verhinbern. Bei Annäherung bes „Ajax" würben bie Deutschen durch Funk- und Morsespruch aufgeforbert, bas Schiff nicht zu verlassen und es nicht zu versenken, ba sie andernfalls nicht gerettet werden würden. Trotz dieser Aufforderung wurden die Seeventile geöffnet und die Vorbereitungen zum Verlassen Des Schiffes getroffen. Beim Ausschwenken Der Rettungsboote wurde auf Den deutschen Dampfer ein Schuß gefeuert, beim Herunterfieren ber Boote ein zweiter Schuß unb noch beim Ablegen ein dritter Schuß. Als Die Rettungsboote schließlich von Dem finfenDen Schiff frei- aefommen waren, befahl Der Engländer Den deutschen Seeleuten, auf das sinkende Schift zurück- zukehren, da man sie nicht retten würde. Der Kapitän befahl hierauf, Segel zu setzen und Kurs auf bie Küste zu nehmen. Etwa eine Viertelstunde ließ Der Englänber die Deutschen fortsegeln, nahm Dann plötzlich die Verfolgung auf und übernahm jetzt erst auf hoher See die deutsche Besatzung. So wurden zwei deutsche Handelsschiffe unter Einsatz Des Lebens Der Besatzungen Dem Zugriff Des Feindes entzogen. Zwei Fliegerstaffeln stören die Engländer. PK. Deuftche Energie, deutsches Tempo hatten in allerkürzester Zeit einen Flugplatz geschaffen, der es Maschinen aller Typen gestattete, zu landen unb zu starten. Der weiche, morastige Untergrufib war befestigt worben unb wo bies nicht ging, eine Rollbahn aus Bohlen errichtet. Schwierigkeiten wurden überrounben. Die anbere als deuftche Soldaten hätten verzweifeln lassen. Zweimal versuchte ber Tommy durch Bombenwürfe Den Bau bes Platzes zu stören. Beide Male ohne Erfolg. Unb jetzt ist es soweit, daß ber Platz voll f I u g f I a r ist und bie unermüdliche Arbeit unserer Männer Erfolg findet. Stündlich starten unb landen deuftche Flieger, bie nur Das eine Ziel kennen, die Engländer aus Norwegen zu verjagen. Am 28. Aprll erhielt ein Hauptmann den Befehl, mit zwei feiner Staffeln hierher an Die W e st -- füfte Norwegens zu fliegen. Um schon bei diesem Flug „nur Nützliches" zu leisten, hatte er sich vorher Die Stellungen Des Gegners südlich D o mb a s angesehen. Nun überflog er mit seinen Männern dieses Gebiet unb schaffte durch gut gezielte Bombenabwürfe unserer vorrückenben Infanterie eine Bresche unb trug dazu bei, Dem em- emjKndlich- Schlappe heizudrmgen. Das war schon eine gute Tagesarbeit, aber unsere Flieger konnten sich damit nicht begnügen, kaum auf Dem neuen Bestimmungshafen eingettoff en, flogen sie los, gegen See, um englische Schiffe in ihren Schlupfwinkeln, die in den Fjorden nicht allzu leicht zu finden sind, aufzuspüren, anzugreifen unb zu vernichten. Bombenwerfen ist eine schwierige Kunst. Bisher hauptsächlich nur mit Landzielen vertraut, mußten sich Die Besatzungen auf die beweglichen Seeziele umstellen. An diesem ersten Tage wurden die Flugzeuge' noch zweimal eingesetzt. Beim ersten Einsatz wurde ein G l e i t z u g ausgemacht und angegriffen. Das nächste Mal galt es, zwei en glische Torpedoboote ausfindig zu machen. Vergeblich aber wurden alle Ecken und Kanten Der zerklüfteten Küste abgefuckt. Da machte sich ein Leutnant mit seiner Kette selbständig und versuchte auf eigene Faust noch einmal sein Gück. Ihm ließ es keine Ruhe — irgendwo mußte doch ein englischer Dampfer aufzutrecken sein. Er Drehte mit seinen decken Kettenfliegern von Der Staffel ab. Tatsächlich machte er nach kurzer Zeit einige englische Transportschiffe aus. Er suchte sich Den größter; Dampfer heraus fliegt an, dich Bawbß war gut gezielt. Englands Flotte ist um 8000 Brt. ärmer. Das Schiff sank innerhalb von drei Minuten. Die Kameraden waren nach Hause geflogen und warteten auf die Kette, die noch auf Feindflug ist Wenn sie jetzt nicht bald kommt, muß sie als verloren gelten, denn länger kann der Vorrat an Brennstoff nicht mehr reichen. Da endlich brausen sie heran. Die übliche Ehrenrunde um den Platz und alle die Männer der Staffeln starren begeistert nach oben, als die eine Maschine übermütig mehrmals sich nach links legt und nach rechts legt wackelt, um einen Erfolg zu verkünden. Damit ist der erste Tag beendet und ein verheißungsvoller Anfang gemacht. Der zweite Tag bringt vier Feindflüge. Vier Dampfer werden versenkt. Jeder etwa 4000 Bruttoregister-Tonnen groß. Den ersten erledigt ein Leutnant, den zweiten ein Hauptmann. Dann holt sich ein Oberleutnant seine Beute. Und zum Schluß teilen sich ein anderer Leutnant und ein Unteroffizier ein Transportschiff. Von allen Schiffen mußten die Besatzungen in die Boote gehen. Schwer durch die deutschen Bomben beschädigt, waren die Dampfer manövrierunfähig und brannten aus. Die Engländer haben erfahren, daß es gefährlich ist, den Namfos-Fjord weiterhin mit ihren Schiffen zu befahren. Inzwischen haben sie sich ja auch „erfolgreich eingeschifft". Und dann kommt der dritte Tag — der 30. April. Fünfmal starteten die Maschinen, um den Nam - sos-Fjord und den Aurinfjord abzusuchen. Englische Kriegsschiffe werden gesichtet. Unter rasendem Abwehrfeuer werden die Angriffe geflogen. Zwei Unteroffizieren gelingt es, auf einen Flakkreuzer zwei Volltreffer anzubrin- den. Im Abwehrfeuer dieses für Flieger so gefährlichen Kreuzers lösen sie ihre gutgezielten Bomben aus. Eine ungeheure Explosion, eine Himmel- hohe Rauchwolke — der Kreuzer versinkt. Das ist der bisher schönste Erfolg der beiden Staffeln. Die Unteroffiziere werden zu Feldwebeln befördert und zum E. K. I eingereicht. Von diesem Einsatz, bei dem noch ein weiterer Kreuzer durch Bombentreffer leicht beschädigt wurde, kamen fast alle Maschinen mit Einschüssen durch die gegnerische Flakabwehr zurück. Verluste entstanden keine. Von der Küste und von den Schiffen war mit Geschützen aller Kaliber ein wildes Feuer auf unsere Maschinen eröffnet worden — einen Erfolg konnte der Engländer nicht für sich buchen. Nicht verhindern konnte er, daß eines seiner für die Fliegerabwehr bestimmten Kriegsschiffe durch deutsche Flieger vernichtet wurde. Am gleichen Tage versenkte ein Leutnant im Aurinfjord einen 8000 BR.-Tonnen großen Transportdampfer. Kriegsschiffe beschädigt und versenkt, Transportdampfer versenkt, Kaianlagen und Eisenbahnlinien zerstört, so lauten die Gefechtsberichte der ersten drei Tage von nur zwei Fliegerstaffeln. Wer will sich ausmalen, wie es fein wird, wenn Deutschland seine ganze Schlagkraft zur Luft gegen die Westmächte einfetzt? Flieger nur zweier Staffeln in unermüdlichem Einsatz, in wunderbarer Zusammenarbeit bei den Angriffen, gestalten das Norwegen-Unternehmen für den Engländer zu einem Verhängnis. Wer will solches Soldatentum überwinden? Kayser (Drontheim). 416 USA.-Schiffe für Auslandsverkauf freigegeben. Washington, 8. Mai. (DNB.) Das Abgeordnetenhaus gab mit 194 gegen 15 Stimmen 116öer Bundesregierung gehörende Fracht» schiffe für Charterzwecke oder Verkauf frei. Es handelt sich um Schiffe, die die U8A.-Regierung während des Weltkrieges bauen ließ und seither aufgelegt hatte. — Der republikanische Abgeordnete Schäfer opponierte gegen den Antrag, weil die U5A.-Regierung „entgegen dem Sinn des amerika- nifchen Neutralitätsgesetzes diese Schiffe krieg- führenden Nationen überlassen" ryolle. Kleine politische Nachrichten. Die Indienststellung der für die Küstenbewach u n g notwendigen norwegischen Fahrzeuge unter deutscher Kriegsflagge macht ständig weitere Fortschritte. Am Montag konnten sieben größere und zehn kleinere Bewachungsfahrzeuge armiert und bemannt werden. Für die Sicherung des Küstenschutzes ist die Beschlagnahme norwegischer Küstenbatterien besonders wesentlich. Bei der Durchsuchung der den Gewässern von Bergen vorgelagerten Inseln konnten mehrere G e - schütze mittleren Kalibers mit zahlreicher Munition und einige gebrauchsfertige Scheinwerferanlagen übernommen werden. Die englische Handelsschiffahrt verfügt nicht mehr über einen ausreichenden Mannschaftsbestand, der Handelsschiffahrtsminister hat sich daher entschließen müssen. Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren anzuheuern. Alle Zeitungen treiben eine nachdrückliche Propaganda, um möglichst viele Halbwüchsige, namentlich aus den englischen Elendsgebieten, anzulocken. Der englische Botschafter in Rom Sir Percy Lorraine ist aus London kommend in Rom eingetroffen. Mit einem anderen Zuge kehrte auch der nordamerikanische Botschafter Philips, der sich einige Tage in Norditalien aufgehalten hatte, nach der italienischen Hauptstadt zurück. Sßic die italienische Kolonialzeitung ,Mzione Coloniale" berichtet, ist vor einigen Tagen der Scheich A bd el Hamid b en B ad is, der bedeutendste Führer der islamitischen Erneuerungsbewegung in Algier, der als Gegner der brutalen französischen Kolonialpolitik bekannt war, unter Vergiftungserscheinungen plötzlich gestorben. Die Eingeborenen hegen keinen Zweifel, daß Abd el Hamid im Zusammenhang mit den englisch-französischen Kriegsaus- weitungsplänen im Mittelmeer beseitigt worden ist. * Der Reichs sichrer ff und Ches der deutschen Polizei, Himmler, besuchte in der Umgebung von Litzmannstadt die zurückaeführien Wolhynien- deutschen auf ihren Höfen und sprach zu ihnen in einem Sammellager. Weiter besichtigte er die im Gouvernement Lublin befindlichen ff- und Polizeiverbände. ♦ In Berlin fand beim Stellvertreter des Führers eine Tagung der Gauwirtfchaftsberater statt, auf der Hauptamtsleiter Dr. Todt fein neues Aufgabengebiet als Reichsminifter für Bewaffnung und Munition umriß. Der Staatssekretär im Reichsarbeitsministerium Dr. Syrup erläuterte die Aufgabe, die deutsche Arbeitskraft zu stärkstem Einsatz zu bringen. Besonders betonte er die Notwendigkeit der Mitarbeit der Frauen. Der Reichskohlenkommissar Walter berichtete über die Sicherstellung der Kahlenversorgung in den kommenden Monaten. ♦ Die Hindenburg-Hochschule, Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwrssenschaften, Nüm- b e r, die als Stiftungsanstalt in der Hauptsache von der Stadt getragen wird, hat ein neues Kol- legienhaus erhalten, das in einem akademischen Festakt eingeweiht wurde. Nachdem Oberbürgermeister Liebel das neue Haus dem Rektor der Hochschule, Professor Dr. Dr. Georg Ritter von Ebert, übergeben hatte, sprach Reichsminister R u st. ♦ Der italienische Minister für Dolkskultur Alessandro Pavolini wird auf Einladung von Reichsminifter Dr. Goebbels am Donnerstag zu einem mehrtägigen Aufenthalt in der Reichshaupt- stadt eintreffen. Er wird u. a. der deutschen Erstaufführung des Schauspiels „Cavour" von Benito Mussolini und „Giovacchino Forzano" beiwohnen. Verbreiterung der mnerpolitischen Grundlagen Rumäniens. Äon unserem Dr. H.-Korrespondenien. nie n s verwertet werden muß. Die Verhandlungen mit den Gardisten begannen schon bald nach jenem letzten furchtbaren Ausbruch der Leidenschaften, der im Gefolge der Ermordung Calinescus das ganze Land aufs schwerste erschütterte. Man hatte eingesehen, daß es auf diese Art nicht weiterging. Es folgten die Loyalitätserklärungen der Gardisten, Entlassungen aus den Konzentrationslagern, bis jetzt in diesen Tagen die drei Gefangenenlager durch die Entlassung der letzten Inhaftierten aufgelöst wurden. Gleichzeitig, als äußere politische Rehabilitierung, wurden sieben ehemalige führende Mitglieder der Bewegung vom König in Audienz empfangen. Was in dieser Audienz gesprochen wurde, ist nicht bekannt geworden. Es dürfte für die Beurteilung auch nicht von entscheidender Bedeutung sein. Ob es sich bei der Sieben-Männer- Abordnung um eine Gruppe von Opportunisten oder um eine integrale Vertretung der gardisttschen Mehrheit handelt, wird erst die Zukunft erweisen können. Die Freilassung des früheren Finanzministers Virgil Madaearu, der vor einigen Wochen erst wegen staatsfeindlicher Umtriebe verhaftet und zu Zwangs auf enthalt verurteilt worden war, liegt weniger auf der Linie der Gewinnung der Massen, als vielmehr der Heranziehung aller vom König für fähig erachteten Männer. Dasselbe gilt für die Ernennung Victor Antonescus zum Königlichen Kronrat. Antonescu, der nach dem Abtritt Titulescus das Außenministerium geleitet hatte, ist ein Repräsentant der alt-liberalen Gruppe, die über keine wesentliche zahlenmäßige Anhängerschaft mehr verfügt, aber doch einige fähige Köpfe aufweist. Freilich, mit Ergebenheitsbeteuerungen, Ernennungen und Audienzen allein ist es nicht getan. Ob diese nach Temperament, Ueberzeugung und politischem Herkommen so heterogenen Männer und Kräfte zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit, allein zum Besten ihres rumänischen Vaterlandes, fähig fein werden, das kann erst die Zukunft zeigen. Bukarest, im Mai 1940. In diesen Tagen haben sich einige innerpolitische Vorgänge in Rumänien ereignet, die demjenigen, der der rumänischen Jnnenpolittk semsteht, nicht viel gesagt haben mögen, die aber doch eine grundsätzliche Bedeutung haben dürften. Es fing äußerlich damit an, daß der König den früheren Bauernführer John Miha lache in Audienz empfing und kurz darauf zum Kronrat ernannte. Mihalache war neben dem siebenbürgischen Rumänen Maniu der politische Führer jenes unentwegten Teiles der ehemaligen Nattonal-Zaranisti- scheu Partei, der bisher nicht für die vom König seit dem Jahre 1938 ein geschlagene autoritäre Staatsfiihrung zu haben war. Die Gewinnung dieses Mannes, der unter der rumänischen Bauernschaft noch immer eine bedeutende Anhängerschaft Hat und auch heute noch als ihr ungekrönter Führer angesehen werden kann, ist zweifellos ein großer Erfolg des Königs. Das zweite große Fragezeichen in der Politik des Lanyes ist die ehemalige „Eiserne Garde". Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß von einer polittschen Organisatton bei dieser Bewegung nicht mehr die Rede sein kann. Das Werk der Zerschlagung, das vor zwei Jahren mit der Erschießung Codreanus und seiner wichtigsten Unterführer begann, ist vorn Staatsapparat bis in die letzten Konsequenzen durchgeführt worden. Aber nicht allein darum geht es. Bei der gewaltigen Anhängerschaft, die die Legionärsbewegung in einzelnen Teilen des Landes hatte, ist es selbstverständlich, daß trotz orga- nisatorischer Zertrümmerung und trotz verschiedener Ergebenheitserklärungen führender Mitglieder der Geist dieser Erneuerungsbewegung in vielen Köpfen unb Herzen weiterlebt. Allmählich hat auch die ver- antmortlidie Staatsführung erkannt, daß das gewaltige Reservoir an patriotischem Idealismus und jugendlichem Schwung, das in der Anhängerschaft dieser Bewegung steckt, nicht auf die Dauer ungenützt bleiben darf, sondern — vor allem in diesen schweren Zetten — zur Stärkung Rumä° 9er ostasiatische Friede - die Hoffnung für 1940. Äon unserem O. ^.-Korrespondenten. Tokio, im April 1940. Das Jahr 1940 ist für Japan reich an Jubiläen. Der Kaiser begeht sein fünfzehnjähriges Krönungsjubiläum, das Parlament sein fünfzigjähriges Stiftungsfest und das Reich seine zweitausendsechshun- dertjährige Gründungsfeier. Das Jubiläumsjcchr fällt in eine ernste Zeit. Der Krieg in Europa lastet auf der ganzen Welt, und Japans Krieg gegen China wird in diesem Sommer schon drei Jahre alt. Darum sind eine Weltausstellung, die Olympischen Spiele und andere Festlichkeiten abgesagt worden. Doch bleibt noch Raum für Fest- spielwochen der Kunst, Jubiläumsbauten, soziale Werke und Tempelfeste. Fast sieht es so aus, als wollte das Schicksal die Jubiläumsfeiern Japans mit dem Festgeschenk des Friedens krönen. Die Bildung der neuen chinesischen Regierung unter Wang- tschingwei scheint sich nun endlich zu verwirklichen. Diese Regierungsbildung würde zugleich praktisch den chinesisch-japanischen Friedensschluß bedeuten. Zwar dürfte die noch von Marschall Tschiangkaischek behauptete äußerste Süd- west-Ecke Chinas sich auch weiterhin als im Krieg mit Japan befindlich betrachten. Aber das ist für die Neuordnung Ostafiens nicht mehr ausschlag- gebend. Das ganze übrige China ist in japanischer Hand. Und dieses China ist es, in dessen Namen Wangtschingwei mit Japan Frieden schließt. Heute noch besetztes Gebiet, wird dieses China in der Stunde des Friedens ein freies Reich werden, freier als feit hundert Jahren.__________________ Vor hundert Jahren tobte der Opiumkrieg Englands gegen1 China. Jeglicher ideeller Beweggründe bar, wurde dieser Krieg von einem weit überlegenen Gegner gegen ein schutzloses, unbewaffnetes Volk lediglich nackter Geldinteressen wegen aeführt. Er hat sich seinen Ruf in der Weltgeschichte als der unmoralischste Krieg aller Zeiten gesichert. Den Chinesen war das Opium vorher unbekannt. Die Engländer führten es aus Indien ein und zwangen die chinesische Regierung, nicht nur die Einfuhr des zerrüttenden Giftes zu dulden, sondern ihnen auch noch die Kronkolonie Hongkong ab» zutreten, die zum Schutze des Rauschgifthandels zur Festung ausgebaut wurde. Aehnliche Gebietsabtretungen erzwang sich England bald auch an allen bedeutenden chinesischen Handelsplätzen. In Tientsin, Weihaiwei, Schanghai, Nanking, Hankau — überall schnitt England sich Gebiete heraus, die China zu einer 2fusbeutungskolonie machten und die Staatshoheit Chinas zu einem Schatten erniedrigten. Der große imperialistische Aussauger Chinas war England und der Krieg, den Japan feit dem 7. Juli 1937 um die Neuordnung Ostafiens führt, richtet sich äußerlich gegen den Marschall Tschiangkaischek, in Wirklichkeit aber gegen England, das den chinesischen Marschall für britische Interessen fechten ließ und dessen Hoffnungen auf die Briten ebenso jämmerlich betrogen worden sind wie die des Negus von Abessinien, Rotspaniens, des Herrn Benesch, Polens und Finnlands. China hat das erkannt und ist bereit, die von Japan proklamierte Neuordnung Ostasiens anzunehmen, die Ja- I rjjjiiihiil Das große Spezialhaus KÖHLER ißt nicht nur Ihr Berater in allen Kleider-u.Punktfragen. KOHLER sorgt auch fürdie laufende Pflege Ihrer Zivil- und Uniform-Bekleidungsstücke: Aendern, Flicken, Modernisieren. 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Der dadurch entstehende Block von 400 Millionen Menschen, politisch und wirtschaftlich zentral geleitet, geographisch sehr günstig gelagert und mit Rohstoffen gut ausgestattet, hat Aussichten, ein Großstaat zu werden, der einen ebensolchen Aufschwung nimmt wie Japan selbst in den letzten sechzig Jahren, und in den allerletzten acht Jahren die Mandschurei unter japanischer Führung. Was Japan in dieser kurzen Zeit aus der Mandschurei gemacht hat, ist eine zivilisatorische Leistung ersten Ranges. Das alte Räuberland ist in acht Jahren zu einem modernen Ordnungsstaat umgebildet worden. Es hat in dieser kurzen Spanne Jahrhunderte übersprungen. Mandschukuos Verkehrsmittel sind ganz modern. Die Städte sind sauber und gepflegt. Das Land ist ein blühender Garten. Die Industrie wächst in stürmischem Tempo. Rechtswesen, moderne Verwaltung, geordnete Finanzen und bürgerliche Sicherheit haben die Mandschurei bis in ihre letzten Winkel von der einstigen Willkür räuberischer Banden reingefegt. Diese Leistung steht in grellem Gegensatz zu den englischen Konzessionen, wo neben sattem Luxusleben kolonialer Herren das größte Elend der verachteten Eingeborenen zum Himmel schreit. Nach dem Jahresbericht der englischen Verwaltung von Schanghai wurden allein im vorigen Jahre in der englisch verwatteten Internationalen Niederlassung 37 930 chinesische Leichen von den Straßen aufgelesen! Diese armen Teufel waren da einfach verhungert und im Rinnstein verkommen, während dicht daneben Old England sich in den glitzernden Vergnügungsstätten Nacht für Nacht bis zum Morgengrauen in einem Taumel materieller Genüsse amüsierte. — In keinem japanisch verwalteten Gemeinwesen gibt es auch nur einen Bettler. Es ist kaum daran zu zweifeln, daß unter der Willenskraft und Leistungsfähigkeit Japans ganz Ostafien den gleichen Erneuerungs- und Verjüngungsprozeß erleben wird wie Mandfchukuo. Alles wartet nur noch auf den Friedensschluß. Aeußerlich sicht man Japan nicht an, daß es einen dreijährigen Krieg hinter sich hat. Während der Krieg den Chinesen schwere Wunden geschlagen hat, ist Japan unverletzt. In China haben fünfzig Millionen Menschen Haus und Hof verloren und irren heimatlos umher. Viele Städte, Dörfer und Landstriche sind verkohlte Trümmer. Neunzig vom Hundert dieser Zerstörungen rühren nicht von den Kämpfen her, sondern sind von den Truppen Tschi- angkaischeks willkürlich angerichtet, zur Verzweiflung und Wut der Bevölkerung. Das war die grausige Taktik der „verbrühten Erde". Den japanischen Vormarsch hat sie nicht verhindert. Den Chinesen hat sie furchtbaren Schaden zugefügt. Daß Japan heute, nach 33 Monaten Krieg, noch so gesund und stark dasteht, beweist die außerordentliche Planmäßigkeit, mit der dieses Volk vorgeht. Gefahren vorsichtig wägend, Tollkühnheit meidend, kritische Lagen im gegebenen Augenblick durch einen ganzen Entschluß meisternd. So steigt diese Nation unaufhaltsam empor und schafft sich durch Begründung eines ostasiatischen Großreiches von 400 Millionen Menschen ihren Lebensraum für kommende Jahrhunderte. Aus aller Wett. „Mein Kampf" In sechs Millionen Exemplaren. Nach einer Mitteilung des Zentraloerlags der NSDAP, waren bis zum 20. April über sechs Millionen Exemplare der deutschen Ausgaben des Buches „Mein Kampf" verkauft. Elektrischer Schlag aus dem Ackerboden. In der Gegend von Hamm (Westfalen) war ein Landwirt beim Eggen, als plötzlich fein Pferd zu Boden stürzte und liegen blieb. Als der Landwirt dem Pferde helfen wollte, erhielt er einen starken elektrischen Schlag. Betäubt blieb er neben dem Pferd liegen. Anwohner aus der Umgebung stellten dann fest, daß in der Nähe der Draht von einem Hochspannungsmast herunterhing und den Strom in die Erde geleitet hatte. Mit einem Holzrechen wurde der Draht entfernt. Während der Landwirt wieder wohlauf ist, ist das Pferd verendet. Irrweg eines Säuglings. Bei der Evakuierung einiger Ortschaften in der Nähe der ehemaligen deutsch-polnischen Grenze mußte auch eine sechsköpfige Familie aus © o ■ dulla-Hütte in das Lanoesinnere flüchten. Das jüngste Kind, erst sechs Wochen alt, wurde im Trag- kiffen mitgesckleppft. Auf der Flucht wurde der Säugling so schwach, daß die verzweifelte Mutter ihn schon aufgeben wollte. Da es sich außerdem um ein Kampfgebiet handelte, übergab die Mutter das kranke Kind einer polnischen Rotkreuzschwester, die sie auf der Flucht getroffen hatte, vergaß aber in der Eile, ihren Namen anzugeben. Nach zwei Tagen konnte die Familie mit Hilfe der deutschen Wehrmacht in den Heimatort zurückkeh- ren. Alle Forschungen nach dem Kind blieben aber ergebnislos. Schließlich wandte sich die Mutter an das Deutsche Rote Kreuz in Berlin, und jetzt hat sie den Bescheid bekommen, daß sie ihr Kind in Tarnowitz abholen könne. Ueberglück- lich nahm die Mutetr ihr Kind dort gesund und wohlbehalten wieder zu sich. Fast acht Monate war es verschollen. Haupischristleiter: Dr. Friedrich WiHelm Lange. Stellvertreter bei Hauptfchriftleiters: Ernst Blumschetn. Verantwortlich für Politik, Feuilleton und Silber: Dr. Fr. W. Lange,' für Stabt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein' für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Druck und Verlag: Brühlfche Univerflttitsdruckeret R. Lange R. G. Berlagsleiter: Dr.-Ing. Erich Hamann,- Anzeigenleiter: HanS Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. PI.Nr.b. Bekanntmachung. Strumpf-Sonderzuteilung für Jrauen. Durch eine Bekanntmachung Nr. 8 der Reichsstelle für Kleidung und verwandte Gebiete vom 4. 5.1940 wird angeordnet, daß auf den Sonderabschnitt VI der Reichskleiderkarte für Frauen vom 6. Mai 1940 an wahlweise ein Paar Damenstrümpfe aus Naturseide, ein Paar kunstseidene Damenstrümpfe zweiter oder geringerer Wahl, ein Paar Damenkniestrümpfe oder ein Paar Damenunterziehstrümpfe an Verbraucher abgegeben und von ihnen bezogen werden darf. Eine Anrechnung auf die Teilabschnitte (Punkte) der Reichskleiderkarte findet nicht statt. Die Gültigkeit des Sonderabschnittes VI erlischt mit der Gültigkeit der Reichskleiderkarte. Ein Umtausch gegen Strümpfe anderer Art ist unzulässig. Strümpfe zweiter und geringerer Wahl müssen gesondert ausgelegt werden und preislich in dem üblichen Verhältnis zu Strümpfen erster Wahl stehen. 2281D Mehr Freude an der Natur durch Bermühler-Bücher! te° Statt Karten. in neuen Strümpfen Im Namen der Hinterbliebenen: von Dr. med. Fritz Schäffer, EiseDittmar Gießen, 8. Mai 1940. Inh. Gustav Bergan D 2296 D GIESSEN AM 0SWA1DSGWIN-CE2NMUS/&6 Neue im 19. Lebensjahr. Tapeten von Gießen-Wieseck und Daubringen, den 6. Mai 1940. 1399 A Leni Lemmer und Kinder. Lollar, den 7. Mai 1940. 2299 D wen kaufen Sie bei Vereine | Schränk-Maschine. 22970 Unsere Geschäftsräume bleiben am Pfingstsamstag, 11. Mai 1040, geschlossen ! zu heben für e 2288 D .C-icf;cn piochttr31 Stadttheater Werbe-Drucksachen bei Brühl. Schulstr. 1 Für die herzliche Anteilnahme an dem schweren Verlust beim Hinscheiden meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, sowie für die zahlreichen Kranzspenden und allen denen, die dem Verstorbenen das letzte Geleit gaben« danken wir auf diesem Wege herzlichst. Beachten Sie auch immer-? Die Beerdigung findet Donnerstag, 9. Mai, nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhause Möserstrafie 6 aus statt Allen, welche unserer teuren Entschlafenen während ihres Krankenlagers und nach dem Tod ihre Liebe bewiesen, ihr Blumengrüße gesandt und sie dann auf dem letzten Weg begleitet haben, sowie denen, welche uns ihr Beileid aussprachen, danken wir herzlich. Dagegen werden sie am Dienstag, dem 14. Mai 1940, während der üblichen Geschäftsstunden offengehalten Bezirkssparkasse Gießen Commerzbank Aktiengesellschaft, Filiale Gießen Deutsche Bank, Zweigstelle Gießen Dresdner Bank, Filiale Gießen Handels- und Gewerbebank e.G.m.b.H., Gießen Volksbank Gießen e.G.m.b. H. 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Nomon von Marfina Eckartüfielm 22. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) Wie gern würde Lena der jungen Plessen alles sagen, wie sehr würde eine solche Aussprache sie befreien. Diese klaren ruhigen Augen ermutigen so, sich einmal alle Sorgen von der Seele zu reden. Jutta schließt das kleine Parktor auf. „Drüben unter den Eichen ist eine Bank, Lena. Wollen wir uns eine Weile setzen?" Dann ist es aber doch Jutta, die zu sprechen anfängt. „Was ist eigentlich mit Hermann los?" fragt sie geradeheraus. „Er war früher anders, für meinen Geschmack freilich zu ruhig, beinahe unheimlich ruhig. Aber jetzt scheint er in das Gegenteil umzuschlagen. Habt ihr ihn gestern abend mit der Schwarzen gesehen? Und dann in der üblen Gesellschaft des Belzigbrauers? Gut ist das nicht, wenn er es mit dem hält, und er scheint es zu tun, denn ich habe ihn öfters jenseits der Teiche getroffen, dort auf Weißenberg zu, wo die Bel- zigbrauerei liegt." Lena sitzt' erschöpft neben Jutta. Sie hat die Hände fest zusammengepreßt. Nein, über Hermann soll niemand reden. „Ach, Hermann", bemüht sie sich, leichthin zu sagen, „er hat gestern wohl ein wenig über den Durst getrunken. Um den braucht sich keiner Bedenken zu machen. Wir haben auf dem Gräfehof ganz andere Sorgen!" Und nun erzählt sie hastig die Geschichte vom Sparkassenbuch, lenkt auf Fred Schneider ab, auf diesen kaum aussprechbaren Verdacht, der sie und Vater Gräfe nicht wieder losläßt. Jutta ist aufgesprungen. „Kinder, das ist ja un- geheuerlrch! Zwanzigtausend Mark verschwunden, und das laßt ihr so hingehen? Spintisiert solche lächerlichen Zusammenhänge? Ausgerechnet Schneider soll das Geld haben. Entschuldige, aber ich finde diesen Verdacht ziemlich abwegig, an den Haaren herbeigezooen! Es sieht ganz so aus, als müßtet ihr euch fürchten, an der richtigen Stelle zuzupacken!" »Jutta, was willst du damit sagen?. „Dasselbe, was du jetzt denkst! Ich brauche ja keinen Namen auszusprechen. Ich kenne nur einen einzigen, der das Geld haben kann, und der ist nur in eurem Hause zu suchen." Nein, nein, nein — das ist unmöglich, Jutta! Jetzt irrst du dich, jetzt bist du ungerecht! Du kannst doch einen Menschen nicht beschuldigen/ weil er sich in letzter Zeit verändert hat, weil er sich auf dem Tanzboden mal oorbeibenahm." Jutta sicht Lena Oetteking von der Seite an. „Kennst du Hermann Gräfe so genau? Ich meine, so bis in den allerletzten Winkel seines Herzens?" „Für ihn lege ich meine Hand ins Feuer", sagt Lena heftig und fühlt doch, daß ihre Antwort ein Ausweichen bedeutet. Jutta sagt nichts, aber ihr forschender Blick ruht immer noch auf Lenas Gesicht. „Nein, so etwas tut Hermann bestimmt nicht", fährt Lena noch einmal auf. „Nein, tausendmal nein!" „Ich will dich gewiß nicht beeinflussen", sagt Jutta mit ihrer festen dunklen Stimme. „Es ist schön, wenn ein Mensch von einem anderen eine so hohe Meinung hat. Nimm es mir nicht übel, wenn ich meine Meinung äußerte. Ich bin gewohnt, zu sagen, was ich denke." Lena steht auf. „Du mußt Tante Ottilie noch guten Tag sagen", meint Jutta leichthin, als wolle- fi-e mit Absicht dem Gespräch eine andere Wendung geben. „Sie hält große Stücke auf dich. Bitte, komm' mit." Lena mag nicht nein sagen, obwohl Juttas Worte über Hermann wie ein böses Feuer in ihr brennen. Aber vielleicht ist es gut, wenn man sich jetzt zu- sammennehmen, lächeln muß, höfliche Worte reden .. Ein Stück weltabgeschiedenen Friedens ist um die beiden Damen, die strickend und häkelnd unter der großen Blutbuche am Wasser sitzen. Lena kommt es nach allem, was an Sturm in den letzten Stunden über sie hinweggebraust ist, wie ein Wunder vor. „Wie beruhigend es hier in diesem schönen Winkel ist, gnädiges Fräulein!" „Ja, mein liebes Fräulein Oetteking, wenn man so alt ist wie ich, dann sucht man die stillen, wind- geschützten Plätze. Ich bin sehr froh, daß mir diese Bäume hier die Welt so klein machen. Da ist alles einfacher und leichter zu übersehen»" lange dauert, bis der letzte Einfluß des Sonnen- Uchtes verschwunden ist und auch die schwachen Sterne sichtbar werden. Nun kommen wir aber Zum wichtigsten: in ganz Mittel, und Norddeutschland — und je weiter wir nach dem Norden im Sommer kommen, desto mehr — gibt es um die S°T!nrr’?Dnncnn)enbß überhaupt keine eigentliche Nackt, sondern nur Dämmerung. Die Zeit der Hellen Nachte beginnt: Am 50. Breitengrad (etwa Frank- furt a.M. oder Prag) am 1. Juni, am 70. Breiten- grab (etma Narvik) dagegen schon am 26. März. 3e nördlicher wir also in Deutschland kommen, desto mehr tritt im Hochsommer an Stelle der Nacht die Dämmerung und deshalb müssen für die Verdunkelung Sonnenaufgang und -Untergang feste Anhalts- punkte bilden. Notizen für den 9. 2Hai. Sonnenaufgang: 5.40 Uhr. Mondaufgang: 7.10 Uhr. Sonnenuntergang: 21.03 Uhr. Monduntergang: 22.51 Uhr. Die Beförderung von Fahrrädern und Faltbooten in den Zügen. Die Reichsbahn weist darauf hin, daß infolge der heutigen Beforderunasschwierigkeiten im Reise- 'ettiu . ^ne Gewähr für die Beförderung von Faltbooten und Fahrrädern in Reifezügen geboten werden kann. Wer mit Faltboot oder Fahrrad eine Fahrt vorhat, tut gut daran, bei Festlegung seines Fahrtprogramms die möglichen Schwierigkeiten bei einer Beförderung im voraus zu berücksichtigen. Ferner ist es empfehlenswert, die Fahrkarten für unvermeidliche Reisen nach weit entfernten kleinen Orten im Vorverkauf zu lösen, weil für solche Reiseziele meist Blankokarten geschrieben werden müssen und diese zeitraubende Abfertigung an den Hauptverkehrstagen verkehrshemmend, unter Umständen sogar überhaupt nicht möglich ist. LOM., Untergau 116, Wetterau. 1- B D M - Werk: Diejenigen Führerinnen des BdM.-Werks, die einen schriftlichen Bescheid des Untergaues erhalten haben, erscheinen am kommenden Freitag, 10. 5., pünktlich um 8 Uhr zur Führerinnenbesprechung im Möserheim. 2. BDM.-Werk-Gruppe 2a/116: Der nächste Dienst ist am kommenden Donnerstag, 9. 5., im Möserheim, und zwar um 8 Uhr. 3. BDM. - Werk-Gruppe 4 a/11 6 : Der Dienst findet von jetzt ab, statt wie bisher Freitags, Dienstags im Möserheim statt, und zwar ebenfalls um 8 Uhr. Oberhessisches Museum zu Pfingsten geöffnet. Das Oberhessische Museum am Brandplatz wird an beiden Psingstfeiertagen jeweils von 11 bis 13 Uhr geöffnet sein. Erstmalig nach der Neuordnung wird auch die vorgeschichtliche Abteilung wie- der gezeigt werden. Auch das Völkerkunde- mnseum im Neuen Schloß am Langraf-Philipp- Platz wird an beiden Feiertagen zu gleicher Zeit dem allgemeinen Besuch zugänglich sein. Monatsappell der Kavalleristen-Kameradschast. Die Kameradschaft ehemaliger Kavalleristen hielt am Samstag im „Bayrischen Hof" ihren Monats- appell ab. Kameradschaftsführer Hartmann konnte hierzu eine große Anzahl Kameraden begrüßen. Er sprach zunächst über die politischen Er- eignisse und gab bann einen Feldpostbrief des Ka- meraden Leutnant Jmmel bekannt. Nach der Erledigung organisatorischer Fragen wurden die Hebungen für die bevorstehenden Schießwettkämpfe beschlossen. Am Sonntag nach Pfingsten findet voraussichtlich ein Ausflug statt. Die Kameradschaft hat die Spitze ihrer Traditions-Standarte und deren Metallbeschläge der Metallspende zugeführt. Männer-Badeverein Gießen. Im „Frankfurter Hof" fand am Samstag die diesjährige Generalversammlung des Männer- Bade-Vereins unter dem Vorsitz von Pg. Hermann Thomas statt. Wie der Vorsitzende ausführte, hat der Verein wieder einige Wirtschaftsreserven ansammeln können, obwohl laufend Verbesserungen am Licht-, Luft- und Wasserbad ausgeführt worden Und. Aus dem Geschäftsbericht ging weiter hervor, daß die Mitgliederzahl keine wesentliche Veränderung erfahren hat. Die Beitragseingänge waren höher als im Vorjahr. Die Kontrolle am Eingang öcs Bades soll auch in diesem Jahre oorgenommen werden. Von den Besuchskarten ist reger Gebrauch gemacht worden. Da der Bademeister Karl Schmidt bei Kriegsausbruch eingezogen wurde, mußte die Badeanstalt vorzeitig geschlossen werden. Als Nachfolger wurde der frühere Bademeister des Volksbades und des städtischen Freibades Ludwig S ch a r d t verpflichtet. Dadurch wird es möglich, die Badeanstalt schon jetzt zu eröffnen. Der Beitrag bleibt in gleicher Höhe bestehen. Besucherkarten werden wieder ausgegeben. Aus dem Kassenbericht des Rechners Hock war zu entnehmen, daß gesunde wirtschaftliche Verhältnisse bestehen. Im Vorjahr wurde für Verbesserungen ein Betrag von 1700 RM. aufgewendet. Dem Vorstand wurde Entlastung erteilt und seine Wiederwahl beschlossen. Er setzt sich aus Hermann Thomas als Vorsitzender, Karl Moll als Stellvertreter, E. H o ck als Kassenwart, Hof als Schriftwart und den Beisitzern Gg. Mohaupt, Jäggle und P s a n n zusammen. Aus Vorschlag des Vorsitzenden wurde beschlossen, wie in den Vorjahren Freikarten zur Verfügung zu stellen, die diesmal für täglich 20 erholungsbedürftige Soldaten bestimmt sein sollen. Außerdem erhalten alle eingezogenen Mitglieder, die vom Beitrag befreit sind, freien Eintritt ins Bad. Der Vorsitzende wies bann noch auf bie großen Erfolge unserer Truppen in Norwegen hin und beschloß hierauf die Tagung mit dem Treugruß an den Führer. Strafkammer Gießen. Roman Lededowicz aus Gorajec in Polen war durch Urteil des Amtsgerichts Gießen vom 27. März 1940 zu einer Gefängnisstrafe von 4 991 o n a t en verurteilt worden. Er hat als Angehöriger eines Feindstaates den ihm ab 25. Februar 1940 angewiesenen Aufenthaltsort und die zugewiesene Arbeitsstelle am 29. Februar 1940 heimlich verlassen und den ihm ab 1. März 1940 angewiesenen Aufenthaltsort und die zugewiesene Arbeitsstelle am 3. März 1940 schon wieder verlassen. Gegen das Urteil legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Der Anklagevertreter beantragte eine Gesamtgefängnisstrafe von 6 Monaten. Die Berufung der Staatsanwaltschaft wurde auf Kosten der Reichskasse verworfen. Die E. K. in Vaitshain war beschuldigt, im September 1939 und Januar 1940 in Vaitshain Abtreibung begangen zu haben. Die Angeklagte war geständig. Der Anklagevertreter beantragte eine Gesamtgefängnisstrafe von 8 Monaten. Die Angeklagte wurde zu einer G e s a m t g e f ä n g n i s st r a s e von 6 Monaten verurteilt. Straferschwerend wurde der Umstand in Betracht gezogen, daß die Angeklagte verheiratet und gesund ist, strafmildernd das Geständnis, bie Reue, die Jugend der Angeklagten und der Umstand, daß ihr Mann im Felde ist. Gießener Schlachiviehrnarkt. Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtvieh-Derteilungsmarkt) in der Diehversteige- rungshalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 60 bis 168 Rps., Bullen 63 bis 78, Kühe 34 bis 87, Färsen 58 bis 99, Kälber 30 bis 126, Schafe und Hämmel 20 Rpf. je kg Lebendgewicht. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,09 RM., bl (135 bis 149,5 kg) 1,09 RM., b2 (120 bis 134,5 kg) 1,09 RM., c (90 bis 119,5 kg) 1,07 RM., d (80 bis 89,5 kg) 1,07 RM., e—f (60 bis 79,5 kg) 1,01 RM., gl (fette Specksauen) 1,09 RM., i (Altschneider) 1,09 RM., g2 (andere Sauen) 1,01 RM., h (Eber) 1,01 RM. — Markt- verlauf: Regelmäßig, alles zugeteilt. Frankfurter Schlachkviehmarkt. Frankfurt a.M., 8. Mai. (Vorbericht.) Der Hauptmarkt für Kälber und Schweine nahm einen regen Verlauf. Das gesamte Vieh wurde zu etwa folgenden Preisen zugeteilt: Kälber 25 bis 65 RM., Hämmel 28 bis 51; Schafe 20 bis 44; Schweine 49,50 bis 55,50 RM. Tagung des Fachamts Turnen in Gießen Der Bereich XII: Hessen des NSRL. führte für das Fachgebiet Turnen eine wichtige Arbeitstagung durch. Vormittags fanden in der Turnhalle der Schillerschule Vorturnerstunden im Kinderturnen, Männer- und Frauenturnen und sachliche Be- sprechungen statt, die wertvolle Anregungen boten. Am Nachmittag versammelte man sich im „Bayrischen Hos" zu einer gemeinsamen Tagung. Be- reichsfachwart für Turnen Hermann Schäfer (Kassel) berichtete von der Tagung des Reichsfachamtes Turnen in Magdeburg. Seine Ausführungen gipfelten in der Förderung, über der Förderung der Spitzenleistung die Breitenarbeit nicht zu vergessen. Stellvertretender Bereichsamtmann Beuermann (Kassel) sprach über aktuelle Fragen des NSRL. Wichtig sei auf alle Fälle, daß die Vereine den Uebungsbetrieb während des Krieges aufrechterhalten. Hebet die Vereinsgrenzen hinaus müsse die Parole heißen: Leibesübungen für alle! Eingehend behandelte Kamerad Beuer- mann die Turn- und Sporttage, wie sie in diesem Jahre erstmals in den Ortssportgemeinschaften durchgeführt werden. Bezirksobmann für Männerturnen Richard Becker (Kassel), behandelte den Uebungsstoss für die Veranstaltungen des Bereichs in diesem Jahre. Am 4. August findet ein Ausscheidungsturnen für die Deutschen Mehrkampfmeisterschaften statt. Damit verbunden wird das Bereichsalterstreffen, das im Bezirk Gießen durchgeführt werden soll. In Vorschlag gebracht wurde Lich; falls sich dort die Veranstaltung nicht ermöglichen läßt, will man wieder nach Heuchelheim gehen, das man vom Vorjahr noch in bester Erinnerung hat. Bereichsobmann für Sommerspiele, Dr. Karl Pfeffer (Gießen), redete einer verstärkten Aufnahme des Spielbetriebs das Wort. Insbesondere soll die Arbeit dem Korbballspiel gelten, das in allen Frauenabteilungen Eingang finden muß. Es hat nach allem auch den Anschein, daß in diesem Jahr ein weiterer zahlenmäßiger Anstieb kommen wird. Die Turn- und Sporttaae sollen nicht zuletzt auch im Zeichen der Spiele Faustball und Korbball stehen. Die Bereichsmeisterschaftsspiele im Faustball werden Ende Juli durchgeführt. Die Bezirke tragen ab Spätsommer ihre Beizrksmeister- schäft in allen Klassen aus. Mannschastskämpfe der Turnerinnen. Sieger: Tv. 1846 Gießen. Am vergangenen Sonntag führte der NSRL.- Bezirk Gießen in Wetzlar den Vereinsmannschafts- kämpf im Frauenturnen durch. In flottem Tempo wickelten sich die Wettkämpfe ab. Von den acht Mannschaften war ein Fünfkampf mit drei Geräteübungen, Barren, Längspferd, Schwebebalken und Korbwurf und Gymnastik zu bestreiten. Besonders stark, mit drei Mannschaften, war der Turnverein Heuchelheim vertreten. Die Entscheidung des Kampfes konnte nur zwischen Gießen und Wetzlar liegen, Am Ende behielt der Turnverein 18 4 6 Gießen mit vier Punkten Vorsprung knapp die Oberhand vor Wetzlar. Aus den weiteren Plätzen biteben Dillenburg und Heuchelheim. Den Abschluß der Veranstaltung bilbete eine Vorführung im Korbballspiel. Gerätemeisterschasten des DOM.-!lntergaues 116. Alle in den NSRL.-Vereinen betreuten Mädel im Alter von 10 bis 18 Jahren unterstehen aus- schließlich dem BdM. und zwar werden die 10- bis 14-jährigen Mädel in den Sonderdienstgruppen und die 14- biß 18jährigen Jugendturnerinnen in den Leistungssportgruppen erfaßt. Den Bemühun- gen des BdM. im Obergau Hessen-Nassau ist es jetzt gelungen, für diese Jugendturnerinnen die Genehmigung zur Durchführung von Mannschaftskämpfen zu erhalten, die nur die Reichsjugendführung erteilen kann. Nachdem in den Kreisen, bzw. Ringen, die beiten Turnerinnen ermittelt worden waren, traten diese Siegerinnen jetzt zum Unter« gauentscheid im Gerätewettkampf an, der am Sonn- tag in der Turnhalle der Schillerschule ausgetragen wurde. Nach einem Eingangslied begrüßte die L- Stellenleiterin im Untergau 116, M.-Gruppen- führerin L. F u h r y die angetretenen Mädel und den Bereichswart für das Geräteturnen, Schwarz (Kassel). Die L.-Stellenleiterin erläuterte Sinn und Ziel der Leibesübungen im BdM. und bedauerte nur, daß deren Bedeutung nicht voll erkannt und dem Turnen nicht das Interesse geschenkt wird, das dafür erwünscht ist. Anschließend wurden die Wettkämpfe unter der Leitung der Sportwartin des Untergaues, Hauck ausgetragen, «u. Die Ergebnisse: 1. BDM.-Leistungssport-Mannschaft der Turn- gemeinde Friedberg mit 37 Punkten. 2. Zweite BDM.-Leistungssport-Mannschast des Turnvereins Heuchelheim mit 36 Punkten. 3. BDM.-Leistungssport-Mannschaft der Turnerinnen Gießen mit 35 Punkten. 4. Erste BDM. - Leistungssport-Mannschaft des Turnvereins Heuchelheim mit 32 Punkten. Oie Ergebnisse der ersten Gießener leichtathletischen Bahnveranstaltung. 100 Meter: 1. Topp, Tv. Wetzlar, 12 Sek.; 2. Zerndt, VfB.-R. Gießen, 12,1 und Pflüger, Mtv. Gießen, 12,1; 3. Decher, Slitisa Schlitz, 12,2 Sek. 300 Meter: 1. Schneider, Polizei Gießen, 40,8 Sek.; 2. Koch, SA.-Kampfspielgem. Gießen, 43; 3. Zerndt, VfB.-R. Gießen, 43,3 Sek. 1000 Meter: 1. Hirschberger, Luftwaffe, 2:59,6 Min.; 2. Gärtner, Wehrmacht, 3:07,0; 3. En- derlein, Luftwaffe, 3:27,0 Min. 3000 Meter: 1. Enderlein, Luftwaffe 10:21,4 Min.; 2. Klee, VfB.-R. Gießen, 10:58,1; 3. Som- merfeld, Polizei, 11:18,7 Min. Diskus: 1. Dr. Luh, VfB.-R. Gießen, 38,78m; 2. Gärtner, Wehrmacht, 30,41 m; 3. Kronauer, VfB.-R. Gießen, 26,53 m. Hochsprung: 1. Schleenbecker, Tv. Ruttershausen, 1,65 m; 2. Schwarz, VfB.-R. Gießen, 1,60 m; 3. Topp, Tv. Wetzlar. 1,55 m; 4. Decher, Slitisa Schlitz, 1.55 m. Weitsprung: 1. Decher, Slitisa Schlitz, 5,93 m; 2. Kronauer, VfB.-R. Gießen, 5,86; 3. Schneider, Polizei, 5,65 m. Kugel st oßen: 1. Dr. Luh, DfB.-R. Gießen, 14,29 m; 2. Schleenbecker, Tv. Ruttershausen, 11,41; 3. Gärtner, Wehrmacht, 10,84 m. Speerwerfern 1. Dr. Luh, VsB.-R. Gießen, 40,66 m; 2. Deucker, Sportgem. Steinbach, 40,50; 3. Gärtner, Wehrmacht, 30,61 m. Dreikampf: 1. Decher, Slitisa Schlitz, = 1558,6 P,; 2. Gärtner, Wehrmacht, -- 1538,6 P.; 3. Kronauer, VfB.-R. Gießen = 1354 P. Handball um die Bereichsmeisterschast Tuspo Dettenhausen — Tv. Hochelheim 14:10 (7:6). Hochelheim erwies sich als würdiger Vertreter der Südgruppe. Das Ergebnis entspricht leider keineswegs dem Spielverlauf. Wohl war Bettenhausen zu Beginn etwas überlegen, konnte auch 6:2 in Führung gehen. Mehr und mehr fand sich aber Hochelheim und glich kurz vor Halbzeit aus. Mit dem Führungstor von Bettenhausen wurden die Seiten gewechselt. Dem Führungstor folgte der Ausgleich auf dem Fuße. Beim Stand von 9:9 wurde Hochelheim ein reguläres Tor nicht gegeben. Die Mannschaft ließ einen Augenblick stark nach. Diese Tatsache nutzte Bettenhausen aus. Der Vorsprung wurde größer, und zum Schluß mußte sich Hochelheim geschlagen bekennen. Die Vorrunde um den Lahnpokal konnte abgeschlossen werden. Diesmal gab es folgercke Ergebnisse: To.Hörnshetm — To. Lützellinden 5:13 (3:7) Tv. Launsbach — Mtv. Gießen 3:19 (0:9) Spg. Gr.-Buseck — Do. Heuchelheim 2:3 (1.2) Tv. Holzheim — Tv. Grüningen 13:9 (7:5) Tv. Dutenhofen — Tv. Münchholzhausen 14:4 (5:2). Hörnsheim hat sich noch gut gegen die starken Gäste gehalten. — Launsbach hatte gegen die Gäste - aus Gießen nichts zu bestellen. — Zu einem erbitterten Ringen kam es in Großen-Buseck. Heuchel- heim hat mit Glück gewonnen. — Eine schöne Leistung vollbrachte Grüningen. Das Spiel war zum Schluß etwas hart. — Endlich hat sich auch Dutenhofen wieder einmal zu einer Leistung aufgerafft Klein-Linden 3gb. — Heuchelheim Jgd. 6:6 (3:4). Beide Mannschaften lieferten ein schnelles und faires Spiel, das in allen Teilen gefallen konnte. Die Gäste stellten eine junge und flinke Mannschaft ins Feld. „Beneidenswert!" Lena seufzt ein wenig. „O nein, das sollten Sie nicht sagen. Sie sind noch jung. Sie können schon noch den Wind um die Ohren vertragen. Wo haben Sie Ihren Herrn Bräutigam?" „Er ist auf Entdeckungswanderung gegangen", sagt Lena; es ist ihr wenig angenehm, nichts anderes berichten zu können. Einen Bräutigam besitzen und ihn allein gehen lassen — Fräulein Schmidtchen findet das unbegreiflich! Sie häkelt viel Ungehattenheit über solche Undankbarkeit gegen das Schicksal in ihre Spitze. Jutta lacht. „Ja, ein Jammer, daß wir Brautpaare von heute keine Zeit haben, Arm in Arm durch die Felder, durch die Auen zu wandeln!" „Sie werden es einmal bereuen, Jutta!" Hermine Schmidtchen zieht ein Stück ihrer Häkelspitze wieder auf. Aerger läßt Fehler machen. „Oh, meine Liebe, Sie haben sich verzählt?" beugt sich Fräulein von Plessen vor. „Ich sagte ja gleich, das Muster ist zu schwer." Jutta und Lena sehen sich an. Sie haben wohl beide den gleichen Gedanken. „Ja", sagt Jutta mit einem ganz kleinen Lächeln, „es gibt Sorgen verschiedener Art." „Du denkst an die Autobahn, Kind?" fragt Fräulein Ottilie ängstlich. „Gewiß, Tantchen,, das auch. Aber Dortäirfig brauchst du dich nicht zu beunruhigen. Es liegt noch kein Entscheid vor." „Ja, ja, es bekommt jeder im Leben sein Päckchen zu tragen", seufzt Fräulein Schmidtchen. Sie zählt dabei an ihrem Muster. „Wir wollen lieber nicht länger stören", sagt Jutta, „sonst haben wir es auf dem Gewissen, daß dieses Werk nicht gerät." Sie nickt Fräulein von Plessen zu. „Ich bringe Fräulein Lena noch durch den Park zurück!" Man sieht es Lena an, daß sie dem harmlosen Geplauder mit leerem Höflichkeitslächeln gefolgt ist. Sie verabschiedet sich rasch und ein wenig zerstreut. Jutta fuhrt Lena an den Stamm einer riesenhaften Eiche. „Der älteste Baum hier im Park", sagt sie. Dann zeigt sie Lena Grabstätten aus einer empfindsamen Zeit. Lieblingshunde liegen darunter. Durch das Unterholz rauscht ein Fasan. An einem morschen Stamm klopft ein Specht. Kon dem, was vorhin zwischen den beiden gesprochen wurde, ist nicht mehr die Rede. Oft ist das einzige, was noch helfen kann, ein schweigendes Verstehen. Beim Abschied drückt Jutta Lena Oetteking herzhaft die Hand. Währenddessen rollt im Gräfehof das Schicksal weiter. Vater Gräfe hat befohlen, die alte Chaise anzuspannen. Da kommt Klette-Reinhard in den Hof geschlürft. Hänischlob hott gerade die Stute aus dem Stall. „Ist d'r Gräfebauer derheeme?" Hänischlob zeigt mit dem Daumen auf das Wohnhaus. Klette-Reinhard schlurft weiter. Er ist seit zwanzig Jahren Gemeindediener. Er hat etwas steife Beine, und mit feinem unbeholfenen Körper verbindet sich ein langsamer Geist. Aber gewissen- hast ist er als Botengänger, und Amtsgeheimnisse kommen nie über seine Lippen. „D'r Gräfebauer sott gleich amol uffs Gemeende- amt kommen", richtet er aus. „3s ’s wegen der Autobahn." Alle, die im Wohnzimmer beisammen sind, sehen sich an. Alle fühlen die Entscheidung nahen. Erni holt dem Alten schnell eine Tasse Kaffee aus der Küche. Sie möchte ihn gern gesprächig machen, aber aus Klette-Reinhard ist nichts herauszubringen. Hänischlob muß die Fuchsstute wieder in den Stall bringen. Christoph Gräfe geht ins Dorf. Sein Gesicht ist hart, wie aus Holz geschnitten. Eisern sucht er seine ungeheure Erregung zu bezwingen. Er vergißt, sich zu verabschieden, er sieht niemanden an. Lena blickt durchs Fenster, sieht, wie er über den Hof geht und wie er Hermann, der aus der Brauerei kommt, etwas zurust. Sie schlägt plötzlich die Hände vors Gesicht. Dann geht sie schnell in ihr Zimmer hinauf. Großer Gott, wie sott das hier weitergehen auf dem Gräfehos! Endlich, nach Stunden, kommt Christoph Gräfe zurück. Sein Gesicht ist aschgrau, seine Augen blicken leer. Er sieht aus wie ein Verurteilter. Alle warten gespannt und ängsllich auf den Ausbruch seines Zorns. Er schweigt. Diese Grabesstille ist unheimlich. Niemand wagt zu sprechen. Niemand fragt. Und niemand hat es nötig zu fragen. Kann man es ihm nicht vom Gesicht ablesen, daß das Schicksal des Gräfehofes besiegelt ist?. (Fortsetzung folgt) Mittwoch, 8. Mal 194» Sichen« Anzeiger «Seneral-Anzeig« für Gbechchen) Ht.106 zweites Blatt Aus her Stadt Gießen. Gauleiter Sprenger verlieh 54 Gaudiplome. 9. Tagung der Arbeitskammer Hessen-Nassau. Pfingsten: iradwandern! Es gab einmal eine Zeit — es ist noch gar nicht so lange her — da wurden die Radler von den Autofahrern etwas von oben herab angesehen. Wenn die Autofahrer damals die Möglichkeit dazu gehabt hätten, sie hätten das Radfahren auf der Straße am liebsten verboten. Nicht wenige haben ihre 9Reinung inzwischen geändert, und das schönste ist, eine ganze Anzahl von ihnen sind auch begeisterte Radfahrer geworden. Das Autofahren ist jetzt auf kriegswichtige Fahrten beschränkt, Vergnügungsfahrten fallen ganz weg, da bleiben also nur die öffentlichen Verkehrsmittel oder das Fahrrad. Man hätte eigentlich schon früher dahinter kommen müssen: wenn Millionen und aber Millionen regelmäßig radfahren, dann ist das doch ein Zeichen, daß das Fahrrad als Verkehrsmittel und als Sportgerät von ganz besonderer Wichtigkeit sein muß. Und in der Tat, es gibt kaum ein Verkehrsmittel, das so viele Vorzüge in sich birgt wie das Fahrrad. Vor seiner Haustür steigt man auf, man fährt dahin, wohin man will, man braucht auf keine Anschlüsse zu warten, und ohne große Krastanstrengung und ohne Kosten kann man Strecke» zurucklegen, die drei- bis viermal so lang sind, wie ein geübter Wanderer an einem Tage zu Fuß zurücklegt. Daß man auch noch größere Strecken zurücklegen kann, beweisen regelmäßig die Rennfahrer, die 250 Kilometer (und mehr) an einem einzigen Tage in 7 bis 8 Stunden bewältigen. Zn diesen Tagen wird das Fahrrad nun besonders aktuell: Pfingsten ist nahe, zwei Feiertage locken zu Fahrten und Wanderungen, zu kleineren und größeren Ausflügen. In früheren Jahren haben wir uns in die Bahn gesetzt und find auf ein paar Tage in die Berge oder an die See gefahren. Heute hat die Reichsbahn wichtigere Fahrten zu machen; wer heute die Eisenbahn zu reinen Vergnügungsfahrten benutzt, versündigt sich. Aber wir haben das gar nicht nötig. Das Fahrrad, unser Kamerad auf vielen frohen Fahrten, wird zu Pfingsten startfertig gemacht, dann geht es hinaus, die Landstraße gehört uns, kein Auto, kein Motorrad stören die Fahrt. Man merkt erst auf solch einer geruhsamen Wanderfahrt, wie herrlich unsere deutsche Heimat ist; wie ein bunter Film läuft das Bild der Landschaft vor unseren Augen ab. Wir kommen an Plätze, die mit dem Auto oder mit der Eisenbahn nur schwer zu erreichen sind, und wenn man dann nach langer Wanderfahrt wieder zu Hause angelangt ist, ohne Gedränge, ohne Hast, dann merkt man so recht, wieviel frohe Stunden der Erholung doch ein Fahrrad vermitteln kann. Also, die Parole für Pfingsten: Radwandern? Von den Fünfzigern. Der Fünfzigerjahrgang 1890/1940 kam am Samstagabend im Hotel Schutz zusammen. Nach einleitenden Musikstücken der Hauskapelle (Leitung: Kamerad Otto Schäfer) hielt der Vorsitzende, Kamerad R o l o f f, eine Ansprache. Es wurde u. a. betont, daß die 50er-Vereinigungen immer die hohen vaterländischen Ideale der Freundschaft und Heimat- liebe und echter Volksgemeinschaft gepflegt haben. Dem begeisterten Gruß an den Führer, das Vaterland und unsere Soldaten sowie dem Gesang der Nationallieder folgte eine vom Vorsitzenden angeregte Sammlung für das Rote Kreuz, deren Ergebnis 72,28 RM. zeigte. Die seit der letzten Tagung eingelaufenen Grüße und Dankschreiben wurden verlesen. Der Geburtstagskinder vom April wurde besonders gedacht. Mit heiterem Beifall wurde die Mitteilung ausgenommen, daß die Vereinigung den Brauch früherer 50er-Vereinigungen übernimmt, wonach bei Geburtenzuwachs im 50er-Jahr eines Kameraden die Vereinigung den Kinderwagen stiftet. Die für die nächste Zeit geplanten Veranstaltungen wurden besprochen, dann verliefen die Stunden bis Mitternacht in angeregter Unterhaltung. Auf der 9. Tagung der Arbeitskammer Hessen- Nassau, die am Dienstagnachmitt ag im Frankfurter Rathaus stattfand, verlieh Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger 54 Betrieben das Gaudiplom für hervorragende Leistungen im 3. Leistungskampf der deutschen Betriebe. . Nach der Egmont-Ouvertüre und einem Dorspruch eröffnete der Gauobmann der Deutschen Arbeits- ront, Willy Becker, die Tagung. Er begrüßte den Gauleiter und zahlreiche Vertreter der Partei, der Wehrmacht und der Behörden, sowie die Betriebsführer und Obmänner der ausgezeichneten Betriebe im Gau Hessen-Nassau. Wenn heute wieder, so erklärte Gauobmann Becker, eine große Zahl von Betrieben als Auszeichnung im 3. Leistungskampf das G a u d i p l o m aus der Hand des Gauleiters empfangen könnten, so sei das ein erneuter Beweis für die ungefchwächte Kraft unseres Volkes, dessen Leben sich in normalen Bahnen weiterentwickele. Von Jahr zu Jahr steige die Zahl der Betriebsgemeinschaften, die sich am Leistungskampf beteiligten. In diesem Jahre hätten insgesamt 4200 Betriebsgemeinschaften aus dem Gau Hessen-Nassau teilgenommen. Damit liege unser Gau weit über dem Reichsdurchschnitt, und der größte Teil aller vertrauensratpflichtigen Betriebe beteilige sich an diesem Wettstreit. Neben der großen Zahl von Betrieben, die bisher das Gaudiplom erhalten hätten, gebe es jetzt im Gau Hessen-Nassau 11 Musterbetriebe, denen bisher die goldene Fahne zuerkannt worden sei. Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger übergab dann den Betriebsführern und Obmännern der 54 Betriebsgemeinschaften unseres Gaues das ihnen für ihre hervorragenden Leistungen zuerkannte Diplom. Der Gauleiter betonte in seiner Ansprache, Am heutigen Mittwochmorgen gegen 7 Uhr traf im Bahnhof Gießen ein Zug ein, der etwa 400 ita- ienische Landarbeiter und Landarbeiterinnen brachte. Trotz der weiten Reise und der anstrengenden Nachtfahrt waren die Männer und Frauen aus dem befreundeten Italien lustig und guter Dinge. Vom Bahnhof aus machten sie sich sofort auf den Weg zur „Bauernfchänke". Das Arbeitsamt Gießen bemühte sich in der herzlichsten Weise um die Ankömmlinge, sodaß sich alle gut betreut fühlten und die angeregte Stimmung, die in vielfältiger Weise zum Ausdruck kam, anhielt. Zunächst hielt der Direktor des Arbeitsamts Gießen, Regierungsrat Dr. N o n n e n m a n n , eine kurze Ansprache, in der er die italienischen Landarbeiter und Landarbeiterinnen herzlich willkommen hieß und ihnen dafür dankte, daß sie dem deutschen Bauern auch in der schweren Kriegszeit helfen wollen. Er gab feiner Freude darüber Ausdruck, daß sich viele Landarbeiter, fast 35 o. H. der Angekommenen, schon zum zweiten Male zur Arbeitshilfe bei unseren oberhessischen Bauern einfinden, ein Zeichen dafür, daß es ihnen gefallen hat. Bald danach traf auch Kreisleiter Backhaus ein, der als Hoheitsträaer des Kreises Wetterau ebenfalls eine kurze Ansprache hielt. Er sprach in herzlichen Worten von der unverbrüchlichen Freundschaft zwischen dem italienischen und dem deutschen Volk, er sprach von den Lebensrechten, die die beiden Völker unter ihren hervorragenden Staatsmännern zu wahren wissen werden, stellte die geistige Haltung, die den plutokratischen Westmächten zu eigen ist, dem aufstrebenden Geist in den beiden autoritären Staaten gegenüber und betonte, daß der Existenzkampf, den unser Volk eben führe, sei ein Kampf der Volksgemeinschaft gegen die Geld- sackherrschaft. Trotz aller Kraftanstrengungen, die dieser Krieg erfordere, führe Deutschland feine sozialistische Aufbauarbeit planmäßig weiter. Eine der wichtigsten Aufgaben auf diesem Gebiet sei der Leistungskampf. Es fei erfreulich feftzuftellen, wie alle beteiligten Betriebe die notwendigen Umstellungen beachteten mit dem Ziel, zu einer wirklichen Betriebsgemeinschaft zu kommen. Diese Volksgemeinschaft im Betrieb fei das Wesentlichste, denn nicht auf den äußeren Anstrich, sondern auf den Geist, der in den Betrieben herrsche, komme es an. 133 Betriebsgemeinschaften im Gau Hessen-Nassau seien bereits mit dem Gaudiplom ausgezeichnet und davon seien in diesem Jahre wieder 4 als nationalsozialistische Musterbetriebe vom Führer bestätigt worden. Mit dem Appell an alle Betriebe des Gaues, ihre Anstrengungen zu vertiefen und im edlen Wettstreit um die Palme der Auszeichnung zu ringen, eröffnete der (Bauleiter den 4. Leistungskampf im Gau Heffen-Naffau. Auszeichnung für Betriebe in unserer engeren Heimat. Die nachgenannten Betriebe in unserer engeren Heimat wurden vom (Bauleiter mit dem „G a u - diplom für hervorragende Leiftun - g e n" ausgezeichnet: Bezirksfparkasfe Gieße»; Georg Lang- heinrich, Abt. der Kolb und Schüle A.-G., Mechanische Leinenweberei, Schlitz; M. Hensoldt & Söhne A.-G., Wetzlar: Postamt Biedenkopf; Postamt Herborn; Privatärztliche Verrechnungsstelle in Büdingen. die Westmächte, so wie in Norwegen, auch im Mittelmeer die gebührende Antwort erhalten würden. Der Kreisleiter gab feiner Freude darüber Ausdruck, daß so viele italienische Frauen und Männer Italiens zu uns gekommen sind, um in unseren Bauernhöfen zu helfen. Der Bauer, und mit ihm das ganze deutsche Volk, werde es den italienischen Landarbeitern nicht vergessen, daß sie auch in schwerer Zeit.zu helfen gekommen sind. Mit Worten der Verehrung für den Duce und unseren Führer schloß Kreisleiter Backhaus feine Ansprache. Die Ansprachen wurden von Herrn D i d o n i (Gießen) in die italienische Sprache übersetzt. Der Dolmetscher tat es mit so lebhafter innerer Freudigkeit, daß die Ansprache aus dem Kreis der Landarbeiter heraus öfter durch zustimmende Zwischenrufe, durch manchen Ruf im Chor aller Zuhörer, unterbrochen wurde. Die Nationalhymne Italiens, die „Giovinezza", beschloß die schlichte Feier der Begrüßung. Das Auftreten der italienischen Landarbeiter und Landarbeiterinnen machte einen sehr guten Eindruck. Jedermann war von der faschistischen Landarbeiterorganisation mit festen dunkelbraunen Kisten ausgestattet, in denen die Siebensachen gut unterzubringen waren. Viele Männer hatten Halstücher in den Landesfarben ihrer Heimat um. An der „Bauernschänke" flatterten die italienische und die deutsche Flagge im Wind. Die Verpflegung im hübschen Raum der „Bauem- schänke" vollzog sich in guter Ordnung. Das Arbeitsamt hatte für Brot, Wurst, Marmelade, Kaffee und Zigaretten gesorgt. Kameradinnen der NS.-Frauen- schaft und der NSV. hatten sich für die Versorgung der Gäste zur Verfügung gestellt. Auch einige Ans gestellte des Arbeitsamtes arbeiteten mit. Mit verschiedenen Arbeitern, die bereits im vorn gen Jahre in Oberhessen weilten, bahnte sich rasch, wenn auch unter einigen Schmierigkeiten, eine lebhafte Unterhaltung an. Die Arbeiter waren de§ Lobes voll über die schone» Städte und Dörfer, bi4 schöne Landschaft und ihre Menschen, mit denen sitz' gut zusammenarbeiten konnten und mit denen sitz sich gut verstanden. Alle, die schon hier niarert sprachen davon, daß sie gerne wiedergekommen sind. Richtig ernähren-' gesund ernähren—' Heben Si-Nwn Kind- fViONPAMlN * Mondamin gibt es auf die mit einem X versehenen Abschnitte der Reichs- Brotkarte für Kinder bis zu 6 Jahren Unter den Landarbeitern waren einige, die den abessinischen Feldzug mitgemacht hatten. Mit Stolz zeigten sie das Abzeichen, daß sie als Erinnerungszeichen trugen. Um die Mittagsstunde wurde .ihnen ein gutes Esten — Nudeln mit Rindfleisch — gereicht. Im Laufe des Tages werden die Männer und Frauen, die alle schon ihre abgeschlossenen und unterschriebenen Arbeitsverträge in der Tasche hatten, nach den verschiedenen Orten des Kreises meiter geleitet? Tageskalender für Mittwoch. Volkstümliche Vorträge und Vorlesungen der Ludwigs-Universität Gießen: 20.15 Uhr Vortrag Professor Dr. S e s s o u s über „Aus der Werkstatt des Pflanzenzüchters", im Landwtttfchaftlichen Institut, Senckenbergstraße 17; 20.15 Uhr Abendvorlesung Professor Dr. Glöckner über „Einführung in die Aesthettk der bildenden Künste" (II. Teil: Zeichnungen und Malerei), im Kunstwissenschaftlichen Institut, Ludwigstraße 34. — Stadttheaterr 19.30 bis 22 Uhr^ „Junge Spatzen". — Gloria- Palast (Seltersweg): „Der Postmeister". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Der Stammbaum be£ Dr. Pistorius". Von der Verdunkelung. Die Derdunkelungspflicht beginnt jetzt mit Sonnenuntergang und hort mit Sonnenaufgang auf. Damit ist allen anderen Auslegungen ein Riegel vorgeschoben. Waren solche Auslegungen überhaupt möglich? Doch! Man hätte z. B. von dem Gedanken ausgehen können, daß die Verdunkelung mit dem Verschwinden der Dämmerung beginnt und bei Eintritt der Dämmerung aufhört. Aber was ist Dämmerung? Hie und da wird das Wort sogar schon von der Zeit gebraucht, da die Sonne allmählich unter den Horizont geht, also: Vom Sonnenunters gang. Das ist nicht gemeint. Die Dämmerung beginnt vielmehr in>dem Augenblick, wo die Sonne (in einer Ebene oder auf dem Meer!) unter dem Horizont verschwindet und dauert so lange, als man ohne künstliche Lichtquelle lesen kann. Das ist die sog „bürgerliche Dämmerung", bei der auch die ersten hellen Sterne schon sichtbar werden. Daneben gibt es noch die astronomische Dämmerung, die so! IialienischeFreundeherzlichwillkommen. Empfang italienischer Landarbeiter und Landarbeiterinnen durch den Kreisleiter Er mußte Jngeborg, mußte seine Frau sehen. Gleich jetzt. Er kaufte Blumen unterwegs. Jngeborg empfing ihn überrascht und fröhlich. Wie hübsch sie ausfah, wie blühend. Sie hatte längst den morgendlichen Streit vergessen. Erst die Blumen erinnerten sie daran. „Siehst du", sagte sie und machte ihren nettesten Schmollmund. „Nun hast du wohl eingesehen, daß du im Unrecht warst. Versprich mir, nie wieder so schlecht zu mir zu sein, gelt?" „Nie wieder", versprach Herr Dyck mit lieber« zeugung. Um dann nach einer kleinen Pause hinzuzusetzen: „Ich mochte gerne, daß du heute nachmittag mich begleitest, ins Krankenhaus! Ich will ein paar Blumen hinbringen ... für eine fremde Frau!" Taktik und Strategie der Germanen. Die antiken Quellen zur frühgermanischen Kriegs-^ geschichte bis etwa zum Beginn der Völkerwanderung (Schlacht bei Adrianopel 378 n. Ehr.) sind durchweg Berichte griechisch und lateinisch schreibender Nichtgermanen. Man kennt also die Kriegsgeschichte der früheren Germanen nur aus den Berichten ihrer Feinde. Und doch fließen gerade für diesen Zeitabschnitt die Quellen so reichlich, daß einer von der Universität Gießen im Jahre 1935 gestellten Preisaufgabe folgend der Versuch unternommen werden konnte, die antiken Berichte auf ihre Auswertbarkeit für die Taktik und Strategie der Germanen zu sichten. Selbstverständlich mußten die modernen auf Clausewitz zurückgehenden Begriffe von Krieg und Kriegführung zur Grundlage für diese Untersuchungen gemacht werden, über die Dr. Hans Georg Gundel (München) in einem Aufsatz „Taktik und Strategie in der Kriegführung der Germanen" (in „Forschungen und Fortschritte", IG. 16, Nr. 3 vom 20. Januar 1940) berichtet. Die Germanen gehören kriegsgeschichtlich gesehen der Epoche der Vorherrschaft der blanken Waffe an, in der der Nahkampf des Fußvolkes die Entscheidung brachte, wenn auch bei verschiedenen Stämmen die Bedeuttmg der Reiterei sehr groß war oder bestimmte Fernkampfwaffen stärker hervortraten. Auf dem Gebiet der Taktik, d. h. der Truppenführung im Gefecht, geben uns die antiken Quellen Aufschluß über Truppengliederung und Aufstellung im Gefecht, Bewegung, die Art des Kämpfes und die einzelnen Formen des Gefechts. Als natürliche taktische Einheit des Fußvolkes erscheint der Keil, der besonders in offener Feldschlacht viele Vorteile hatte, aber im Kampf gegen die römischen Legionen auch recht viele Nachteile, die sich aus der Bewaffnung und der H^exesoMrin- Nie wieder. Von Wolfgang Federau. Herr Dyck war nur einer in einem großen, ungeheueren Betrieb. Kleines, bescheidenes Rädchen in einem Verwaltungsapparat, den ganz zu übersehen nur wenige in der Lage waren. Jeden Morgen erschien er in feinem „Büro" — pünktlich, zuverlässig, gewissenhaft — und dieses Büro war eines von den siebzig Zimmern im dritten Stockwerk des mächtigen Gebäudekomplexes. Dort also saß er vor seiner Kartothek, vor seinen Formularen, rechnete, schrieb, acht Stunden täglich. Mit feiner sauberen, schönen, wohlgerundeten Handschrift, um deretwillen er bereits als Junge des öftern ein besonderes Lob seines Lehrers eingeheimst hatte. Einer unter den vielen Hunderten war Herr Dyck, die tagaus, tag ein in grauer Morgenstunde durch das breite Portal des fteineren Koloffes hineinströmten. Sich auf die Gänge und Treppen und Zimmer verteilten und darin wie Ameisen in ihrem Bau herumwimmelten. Herr Dyck kannte ein paar Dutzend von ihnen beim Namen, nach dem Aussehen. Jene, die in derselben Abteilung arbeiteten, auf demselben Gang hausten, seine Kollegen, seine Vorgesetzten und noch einige wenige andere. Sie grüßte er, wenn sie einander begegneten — die meisten freilich, es konnte nicht anders sein, waren ihm ftemd. So fremd wie irgend jemand, dem er in der Straßenbahn gegenüberfaß. Auch heute hockte Herr Dyck, wie er es Jahre hindurch, wie er es viele Hunderte, ja Taufende von Tagen getan hatte, in feinem bescheiden ausgestatteten Zimmerchen, vor dem großen und nüchternen Schreibttfch. Manchmal glitt fein Blick durch das Zimmer zur Linken, dann sah er den Nebel, der grau und milchig im Raum wogte, alles Ferne verschluckte, alle Umrisse der nahen Dinge verwischte. Dann fröstelte Herr Dyck, ja, ein kühler Schauer rann ihm über den Rücken. „Ich fürchte, ich bekomme mal wieder 'ne solide Erkältung", dachte er. Nicht ganz ohne Grund, denn er neigte zu derartigen Erkrankungen. Vielleicht war er aber nur so unfroh, weil die Arbeit auf feinem Schreibttfch sich wieder mal zu Bergen häufte. Und zuweilen ergriff ihn das Gefühl, alles, was ich da tue, ist ja nichts Rechtes. Ist eines Mannes nicht wert." „Na, Unsinn" brummte Herr Dyck und raffte sich zusammen — das würde auch feine Gedanken an Jngeborg ablenken, die ... In diesem Augenblick klingette das Telephon. Herr Dycks Herz machte ein paar jähe Schläge. Daß er sich das nicht abaewöhnen konnte, quälte ihn immer aufs neue, Er hatte viel zu telephonieren, vgtür- lich, das brachte fein Amt, feine Tätigkeit mit sich. I Zwanzig, dreißig Gespräche täglich und noch mehr. | „Hier Dyck", sagte er, sich gewaltsam zur Ruhe zwingend. Lächerlich, diese Nervosität. Er war eben auch überarbeitet, daran lag es. „Bitte, regen Sie sich nicht auf", kam eine Frauenstimme. Sehr sanft, sehr leise, aber seltsam bestimmt zugleich. „Hier ist das Städtische Krankenhaus. Ihre Frau ..." „Was ist mit meiner Frau?" schrie Dyck heiser, und feine Hände flatterten. „Ein Straßenbahnunfall" antwortete es. ,Hhre Frau gehört zu den Verletzten. Nicht lebensgefährlich, wirklich nicht. Immerhin ..." „Ich komme sofort", stöhnte Herr Dyck und hing ab. Erhob sich taumelnd. Seine Knie wurden weich — alles drehte sich vor feinen Augen. Aber dann tastete er sich doch hinaus zu seinem Vorgesetzten. Der Chef sah ihn, den Lallenden, erstaunt an. Begriff aber doch sofort. „Gehen Sie, gehen Sie", sagte er und drückte ihm herzlich die Hand. Dann saß Herr Dyck im Auto. Er stierte mit glanzlosen Blicken vor sich hin. „Jngeborg", sagte er lautlos zärtlich. „Kleine, süße Inge". „Wenn sie" überfiel es ihn, „wenn fie sterben sollte ... wenn, wenn fie gar schon gestorben ist", bohrte es sich weiter in sein Hirn. „Und das letzte, was fie von mir gehört hat, war ein böses Wort ... und ich habe fie doch lieb. Ach, es darf nicht 'fein, großer Gott, laß das nicht du." Eine Schwester nahm sich seiner an. Führte ihn durch viele weiße, helle Gänge. Sprach leise: „Sie hat das Bewußtsein noch nicht wieder erlangt. Aber wir werden sie bestimmt durchbringen ... Wenn auch ..." Aber da standen sie schon in einem kleinen Saal, mit einem halben Dutzend Betten. Vor einem der blühtenweißen Betten blieb die Schwester stehen. Die darin liegt, schlafend, bewußtlos oder tot, hatte ihr Gesicht zur Wand gekehrt. Man sah nur die Haare, schwarz und glänzend. „Meine Frau?" stammelte Herr Dyck. Die Schwester machte eine erstaunte, weisende Handbewegung. „Aber meine Frau ist bland — hellblond" flüsterte Herr Dyck mit törichtem Gesicht. Und dann plötzlich begriff er. Sein Gesicht verzerrte sich zu einem irren Lachen. Tränen schossen ihm in die Augen. Er wehrte und schämte sich. „Ein Irrtum ... eine Verwechslung", schluchzte er, und seine Schultern zuckten. „Gewiß gibt es Inoch einen Herrn Dyck bei uns — unsere Behörde ist so groß." Und dann f türmte ec hinaus wie ein Gejagter. gung ergaben. Weltgeschichtlich bedeutsame Erfolge über die Römer, wie etwa die Vernichtung des Darus im Teutoburger Wald 9 n. Ehr., find deshalb auch weniger in offener Feldschlacht als vielmehr im zerstreuten Gefecht erzielt worden, in bent sich germanischer Kampfgeist mit geschickter Gelände-- ausnutzung und taktisch durchdachtem Einsatz sehr oft verband. Die Berichte über die meisten Kämpfe der Germanen lassen sich nur für das Gebiet der Taktik auswerten. Von einer Strategie kann man erst da sprechen, wo alle militärischen Operationen auf ein politisches Kriegsziel ausgerichtet sind und zur Erreichung dieses Zieles bewußt angelegt und durchgeführt werden. Das aber läßt sich nur bei bestimmten Einzelpersönlichkeiten nachweisen, die allerdings zu den größten Gestalten unserer frühen Geschichte gehören. Hier sind vor allem der Suebe Ariovist (58 v. Ehr.), der Cherusker Armin (9 und 15/16 nach Chr.), der Bataver Civilis (69/70 n. Chr.), der Alamanne Chnodomar (357 n. Ehr.) und der Westgote Fritigern (378 n. Chr.) zu nennen. In den Feldzügen dieser Männer darf man die Leistungen germanischer Feldherrnkunst erblicken' und strategische Offensiven und Defensiven erkennen. Keilschriften. — „Caspar David Friedrich als Erziehet betitelt sich der Eröffnungsaufsatz im Maiheft der u n fr (Verlag F. Bruckmann, München), den Kurt Karl Eberlein dem Gedenken des Meisters zum Hunderte ften Todestag gewidmet hat. Den Beitrag umrahmen zahlreiche Abbildungen. Aus dem Michelangelo- Film werden einige eindrucksvolle Aufnahmen gezeigt, Auf das charaktervolle Bildnis Heinrich Wolff- lins von Heinrich Altherr, das im Auftrag der Stadt Bafel entstanden ist, weist Ulrich Christoffel hin. Der Maler Ernst Reinhard Zimmermann ist mit Bildnissen vertreten, Aus der Münchener Ausstellung „Niederbayrische und Oberpfälzer Künstler^ werden Werke von Jobst, Zieste und Errner ge* zeigt. Der zweite Teil des Heftes bringt ein Einfamilienhaus mit Garten von Gerhard Thoma; Stuttgart und Landhausbauten von Walter Kratz, Schönwalde. Aufnahmen und Grundrisse zeigen ideale Lösungen der Gestaltung des Eigenheimes. „(Bärten am Rande der Stadt" von Harry Maafz, Lübeck stehen unter dem Moto: Klarheit. Neben aller Schönheit die harmonische, zweckgebundene Nutzung ihres Rauminhaltes für Mensch und Pflanze. — Afred Mahlau, Lübeck, ist mit Wandbehängen vertreten. Metallarbeiten aus der Werkstätte der gewerblichen Berufsschule Geislingen zeigen erlesene handwerkliche Kultur. Wohnräume des Architekten Fritz August Breuhaus zeichnen sich durch kultivierten Geschmack und edle LiniensühruNA