Nr. 6 Erstes Matt 190. Zahrgang Montag, «.Januar 1910 Erscheint täglich, sicher Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats-Vezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr. . „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer (Beroalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Stehen Postscheckkonto: 5ranlfurt am Main 11688 Sietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche Unlverfitätrdruckerei R. Lange in Siehrn. Schristlettung und SeschSftsftelle: Schulftrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Uhrdes Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf. für Textanzeigen von 70 mm Breite 50 Rpf. Wiederholung Malstaffel I Abschlüsse Mengenstaffel B Platzvorschrist nach vorheriger Vereinbarung 25 % mehr. Ermäßigte Grundpreise Bäderanzeigen und behördliche Anzeigen von 22 mm Breite 6 Rpf. An der holländischen Grenze. Von unserem B.G.-Miiarbeiier. Geldern, Anfang Januar 1940. Kommt man aus dem hastenden, unruhigen Industriegebiet, das bei Duisburg den Rhein überschreitet, nach Westen, so umfängt einen die Ruhe und die Weite der niederrheinischen Landschaft. In weiter Ferne sieht man am Horizont Himmel und Erde ineinander übergehen. Einige Wälder durchziehen das Land, und dort, wo sich die großen Felder erstrecken, stehen hin und wieder einige Baum- gluppen und vereinzelte Bauernhäuser. Sanfte Wellen unterbrechen die Flachheit der Ebene. So entsteht das Bild einer Landschaft, die in chrer Eigenart die rheinischen Maler von jeher angezogen hat. Von dieser Gegend war noch vor kurzem in der ausländischen Presse etwas reichlich viel die Rede. Hier sollte sich der sagenhafte Aufmarsch der deutschen Armee vollziehen, die der englischen Phantasie nach in diesem Grenzland gesammelt wurden, um durch das arme Holland zu marschieren, und um dann wohl von dort aus über den Kanal zu setzen. Wir wissen nur, daß der Führer, um ungekehrten Gelüsten der Gegenseite von vornherein den Geschmack zu nehmen, überall dort, wo es erforderlich erschien, der deutschen Grenze den notwendigen Schutz gegeben hat. Auch in diesem Grenzgebiet hat die deutsche Wehrmacht ihre Verteidigungsstellungen bezogen und dafür gesorgt, daß jegliches Herumspionieren ausländischer Agenten unterbunden wird. Wenn auch die Grenzkreise im niederrheinischen Land, über die die feindlichen Flieger hinwegfliegen müßten, wenn sie von England aus den kürzesten Anflugweg zum rheinisch-westfälischen Jndustrie- bezirk wählen würden, eine bestimmte strategische Bedeutung erlangt haben, so wäre es doch falsch, wollte man annehmen, daß das Leben hier etwa ähnlichen Charakter trüge, wie beispielsweise in den Gebieten an Mosel und Saar. Im Gegenteil, man muß sich darüber wundern, daß es sich nach Ueber- windung der ersten Schwierigkeiten in so absolut normalen Bahnen abspielt. Mit selbstverständlicher Ruhe bestellt der Bauer seinen Acker und hat die Wintersaat gesät. Mit der gleichen Ruhe und Selbstverständlichkeit geht die Bevölkerung ihrer gewohnten Beschäftigung nach und arbeiten die Fabriken. Im Grenzbezirk Geldern finden sich viele gewerbliche und industrielle Betriebe, von denen einige eine durchaus beachtliche Mittelgröße haben. Da ist beispielsweise ein Betrieb, der nicht weniger als 6000 einzelne Artikel herstellt. Angefangen beim Kragenknops über die Bleistifthülse bis zur Anstecknadel werden an außerordentlich komplizierten Maschinen Gebrauchswaren produziert, die einen technisch hervorragend durchgebildeten Arbeiterstamm und eingehende feinmechanische Kenntnisse verlangen. Weiter gibt es hier Seidenwebereien, und es ist bezeichnend, daß einer dieser Betriebe, der in der Hauptsache für den Export arbeitet, vier Jahre lang stillgelegen hat, heute jedoch wieder mehrere hundert Männer und Frauen beschäftigen kann. Für die gewerbliche Wirtschaft dieses Grenzkreises ist vor 1933 herzlich wenig getan worden. Der Umschwung konnte naturgemäß hier nicht so schnell vonstatten gehen, weil es zunächst einmal galt, die Millionenziffern der Arbeitslosigkeit zu beseitigen und den Großangriff zuerst in den großinduftriellen Mittelpunkten, wo sich die Menschen massieren, vorzutragen. Aber bereits im vergangenen Jahre hat beispielsweise die RS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" den Fremdenverkehr energisch zu beleben versucht. Sie sorgte dafür, daß den Menschen des Industriegebietes überhaupt erst einmal die Schönheit dieser Landschaft, die dicht beim „Revier" liegt, vor Augen geführt wurden. Und wenn gerade der Kreis Geldern, der nicht an den Rhein grenzt und daher für die beliebten Rheindampferausflüge ausfiel, hiervon nicht so viel abbekommen konnte, so fanden sich doch in der Gauleitung Essen Männer, die sich warm für ihn einsetzten. Nunmehr ist es gelungen, denjenigen Stellen, die für die Vergebung größerer öffentlicher Auf- träge oder für die Zuteilung von Rohstoffen in Frage kommen, die Förderung des Grenzlandes am linken Niederrhein nahe zu legen. Entgegen den irrigen Meinungen, daß hier Betriebe stillgelegt worden seien, muß nochmals betont werden, daß ganz im Gegenteil von einigen Betrieben zusätzliche Lei st ungen verlangt worden sind und Neueinstellungen von Arbeitern vorgenommen werden konnten. Die arbeitsame, stille, aber zähe Bevölkerung am Ni-ederrhein hat es verdient, daß sie gefördert wird. Sie geht ohne Unterbrechung ihrer Arbeit nach, während auf den gleichen Straßen die Soldaten des Heeres und der Luftwaffe vom Quartier oder der Ruhestellung aus sich zu ihren Bereitschaftsstellungen begeben. Nirgendwo wird besser als hier die Richtigkeit der Feststellung sichtbar, daß es heute feine Etappe mehr gibt, sondern nur eine gemeinsame Front. Amerikanischer Ozeandampfer in Gibraltar durchsucht. England kümmert sich nicht um Washingtons Proteste. Neuyork, 7.Jan. (DNB.) Laut Funkspruch aus Gibraltar wurde am Samstag der amerikanische Ozeanriese „Manhattan" von den Engländern in Gibraltar fest geh alten und nach Banngutdurchsucht, trotz des Pro- t e st e s, den die USA. gegen die Aufbringung amerikanischer Schiffe erst am Donnerstag in London vorgebracht haben. Die „Manhattan" befindet sich auf ihrer ersten Reise der neuen Route Neuyork—Neapel—Genua. Sie wurde auf Grund des amerikanischen Neutralitätsgesetzes aus dem Verkehr nach Irland, England und Deutschland zurückgezogen, um die von Roosevelt proklamierten Gefahrenzonen zu meiden. Die Engländer mußten auf den verstärkten amerikanischen Druck hin den Dampfer .,M a n h a t - tan" freigeben, unter der Voraussetzung, daß seine Schiffspapiere von den britischen Behörden geprüft würden, während das Schiff seine Reise fortsetzt. Die Londoner Agenten des Dampfers sollen die Garantie gegeben haben, daß die Ladung in ihrer Gesamtheit von Navycerts gedeckt sei, aus welchen alle Einzelheiten zu ersehen seien, deren Prüfung bedeutende Zeit gekostet hätte. Es wird betont, daß, falls solche „Navycerts" vor der Abreise aus Amerika von den dortigen Konsularbehörden angefordert worden wären, die Anhaltung des Dampfers unnötig gewesen wäre. Außenminister Hüll gab bekannt, daß nach einer Mitteilung der amerikanischen Reederei Moore McCornick deren Schiff „M oore Mac Sun", unterwegs nach Bergen, am Donnerstag von den Engländern aufgebracht und zum Anlaufen von Kirkwall gezwungen worden sei. Da amerikanische Schiffe laut amerikanischem Neutrali- tätsgesetz die Häfen von kriegführenden Nationen nicht anlaufen dürfen, habe er die amerikanische Botschaft in London beauftragt, sofort mit dem amerikanischen Kapitän in Verbindung zu treten und tine genaue Darstellung von allen Tatsachen zu besorgen. Anschließend teilte Hüll mit, daß er dem englischen Botschafter ein Note übersandt habe, worin die amerikanische Ablehnung des englischen Standpunktes ganz klar zum Ausdruck gebracht werde und alle Vorbehalte bezüglich des Schadenersatzes für Schiffsschäden oder Verluste durch Verzögerungen usw. gemacht wurden. Der englische Botschafter hatte Amerika nahegelegt, daß alle amerikanischen Dampfer freiwillig die britischen Kontroll st ationen anlaufen sollen. Da inzwischen das amerikanische Neutralitätsgesetz in Kraft getreten sei, welches den amerikanischen Schiffen das Anlaufen englischer Häfen verbiete, so erklärte der Botschafter, die englische Regierung behalte sich trotzdem das Recht vor, amerikanische Schiffe notfalls mit Gewalt zum Anlaufen englischer Kontrollhäfen zu zwingen. Darauf antwortete Hüll, die englische Regierung mutete den amerikanischen Schiffen Handlungen zu, die ihnen durch das amerikanische Gesetz verboten seien. Außerdem verkehre die amerikanische Schiffahrt seit Inkrafttreten des Neutralitätsgefetzes nur zwischen neutralen Ländern, und von ihnen mitgeführte Ladung habe daher den Anspruch, als harmlos angesehen zu werden, solange nicht konkrete Beweise des Gegenteils vorliegen. Außerdem hätten amerikanische Schiffseigentümer sich freiwillig bereit erklärt, britischen Wünschen weitgehend entgegenzukommen. Er betrachte dieses Entgegenkommen der amerikanischen Reedereien als genügend für England, gleiches Entgegenkommen zu zeigen und keine Zwischenfälle hervorzurufen, durch die die amerikanischen Schiffe gewaltsam gezwungen würden, von ihrer Route abzuweichen und Häfen anzulaufen, deren Betreten ihnen durch amerikanisches Gesetz verboten ist. Sollten solche Zwischenfälle eintreten, so würde die USA.-Regierung gezwungen sein, jeden einzelnen Fall genau zu untersuchen und zweckmäßige Schritte zu ergreifen. Im übrigen mache er nochmals ausdrücklich darauf aufmerksam, daß die amerikanische Regierung selbstverständlich für Schäden oder Verluste entsprechende Schadensersatzansprüche stellen werde. Ablösung Oer Kriegsschieber. Der jüdische Kriegsminister im Kriegskabinett Chamberlain, Hore-Belisha, ist zurückgetreten. Das wirkt wie eine Ueberraschung, denn gibt es einen Mann, der in die britische Plutokraten- regierung paßt, so ist es dieser jüdische Kriegsschie- ber von Format. Dem Kriegskabinett Chamberlain gehörte in Hore-Belisha ein Raffke an, der, ehe er Minister wurde, einen Rekord darin aufgestellt hatte, nicht weniger als sieben der schmutzigsten Pleiten gemacht zu haben. In der Hauptsache war es die chmische und elektrische Industrie, die sich Hore-Belisha. als Beute ausgesucht hatte, denn es ist zu verstehen, daß er die Gesellschaften und Aktionäre nicht nur um das Aktienkapital prellte, sondern selbst dabei ein reicher Mann wurde. Hore-Belisha mar nicht nur ein Rekordmann für Pleiten, er war in richtiger Einschätzung seiner Ministerkollegen massiv genug, um einigen jüdischen Großfirmen der Bekleidungsindustrie die Belieferung des englischen Heeres mit Uniformen und anderen Bekleidungsstücken zuzuschanzen. Ob sich im englischen Parlament wohl ein „ehrenwertes" Mitglied findet, Chamberlain danach zu fragen, ob ihm bekannt ist, was Hore-Belisha als Provision dafür erhalten hat, daß er jüdischen Bekleidungshäusern die Ausrüstung des englischen Heeres übertrug? Sie haben alle ein dickes Fell, diese Kriegsschieber im Kabinett Chamberlain. Daß es schon eine prekäre Sache ist, wenn ein Kriegsminister im Kriege zurücktritt, versteht sich von selbst. Das haben sich wohl auch Chamberlain und Hore-Belisha gesagt, weshalb sie sich gegenseitig vor der Oeffentlichkeit bescheinigten, es hätten zwischen ihnen keinerlei politische Gegensätze bestanden: vielleicht auch keine moralischen Gegensätze, so daß es nicht überrascht, daß der Nachfolger Hore-Belishas als Kriegsminister, Oliver Stanley, ebenfalls zu den Familien gehört, die als Großgrundbesitzer und Groß- a'ktionäre das englische Volk seit Jahrhunderten ausplündern. Die Stanleys Haben sich auch schon in verschiedenen Generationen als brauchbare Werkzeuge der englisch-jüdischen Weltherrschaftspolitik der^ährt. Der Urgroßvater des neugebackenen Kriegs Ministers führte feinen Namen als Obersekretär für Irland in die Geschichte ein. Nachdem er sich hier würdig in das Buch britischer Unter- drückungsmaßnahmen eingetragen hatte, wurde er Staatssekretär der Kolonien. Später brachte er es dann zum Premierminister. Kennzeichnend für ihn ist. daß sein Schatzkanzler der Jude D i s r a e l i war. Sein Sohn Edward Henry Stanley setzt diese Tradition der Familie Stanley würdig fort. Er wird Staatssekretär für Indien und 1866 holt ihn jetn Vater als Staatssekretär des Auswärtigen in fein Kabinett. Im Kabinett Disraeli bekleidet er das gleiche Amt. Als er 1878 ab treten muß, wird die Familie Stanley von dem Juden Disraeli dadurch entschädigt, daß fein jüngerer Bruder Frede- ric Arthur Stanley Kriegsminister wird. Der Sohn Frederic Arthur Stanleys, Edward Georg Stanley, verdient sich die erste Anerkennung als Privat- fefretär des britischen Feldmarschalls Roberts im Burenkrieg. Im Weltkrieg gibt man ihm den großen Werbefeldzug zur Gewinnung von Kriegsfreiwilligen in die Hand. Als das klappt, wird er im Jahre 1916 Kriegsminister. Unter ihm wird die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Nach Beendigung des Weltkrieges wirkt er als Botschafter in Paris für die Freundschaft England—Frankreich, um 1922 wieder Kriegsminister zu werden. Nun ist der fünfte dieser würdigen Familie in das Scheinwerferlicht der Politik gerückt worden, der dritte Kriegsminister, den die Familie Stanley dem britischen Weltreich stellt. Oliver Stanley war bisher Handels- Minister. Er steht im 43. Lebensjahr. 1924 wurde Stanley das erste Mal in das Unterhaus gewählt. Dom Jahre 1934 an hat er ununterbrochen ein Ministeramt bekleidet. Er wurde 1934 zunächst Arbeitsminister; dann von 1935 bis 1937 Unterrichtsminister und 1937 Handelsminister. Oliver Stanley wird sich seines jüdischen Vorgängers würdig zu zeigen wissen, wie seine Ahnen es in hervorragender Weise taten. Chamberlain hat auch den Jnformationsminister Mac Millan hinausgesetzt, ebenfalls ein vielfacher Millionär und Großverdiener aller Art, der aber wohl nicht intelligent genug war, um das für diesen Krieg der englischen Gangster notwendige Lügensystem aufzuziehen. Max Millan wird durch Sir John Reith ersetzt, der die englische Rundfunk-Gesellschaft organisiert und bisher geleitet hat. Zu den Aufgaben des Jnformationsminifters gehört es, die öffentliche Meinung einzunebeln sowie vor «llem das englische Volk darüber hinwegzutäuschen, worauf die Kriegsschieber schon lange gestoßen -sind: daß der verbrecherische Anschlaa auf den Frieden Europas für England eine Katastrophe -werden wird. Als neuer Handelsminister ist ein Direktor der Bank von England Sir Andrew Duncan berufen worden, der ebenso wie Stanley und Chamberlain selbst in sehr engen Beziehungen zur chemischen und elektrotechnischen Großindustrie steht. Cr steht im 55. Lebensjahr, ist Fachmann auf finanziellem und wirtschaftlichem Gebiet und gehörte vor Kriegsausbruch sowohl dem Direktorium der Bank von England wie auch dem der 'Imperial Chemicals an. Mit Kriegsausbruch übernahm er die Leitung der Abteilung für Muntionslieferung im Munitionsministerium. Das Ergebnis dieser Auswechselung ist also, daß alle wichtigen Interessenten der Kriegsindustrie dem Kriegskabinett angehören. Das sind die Kriegsschieber von gestern und heute, das sind die Exponenten der Plutokratie, Bür die ein_ Krieg nichts anderes ist als ein lukratives Geschäft Das taktische Manöver, das in der Ausbootung einiger allzu kompromittierter Kabinettsmitglieder besteht, ändert daher an dem politischen Verbrechertum der englischen Regierungsclique nicht das geringste. D. S. Allgemeine Wehrpflicht für in Indien lebende Briten. London, 8. Januar. (DNB.) Der Zweckoptimismus, der von offizieller englifcher Seife hinsichtlich des Jndienproblems zur Schau getragen wird, erhält eine seltsame Beleuchtung durch die Tatsache, daß die britische Verwaltung in Indien fieberhafte Vorbereitungen trifft, um für alle Fälle gerüstet zu sein. Wenn man auch damit rechnen kann, daß der innere Hader, die Gegensätze der 3000 verschiedenen Kasten und der Religionen das Aufflammen eines nationalen Aufstandes gegen die Herrschaft der britischen Geldsäcke vorläufig verhindern werden, so nimmt man das Schreckgespenst des „Generalrat" der Kriegswirtschaft. Das Wort „Kriegswirtschaft" ist uns geläufig geworden. Es bedeutet, daß es im Kriege keine ab- aefonderte oder gar freie Wirtschaft geben kann, sondern nur eine solche, die sich restlos in den Dienst des Ganzen stellt, also sich in die Erfordernisse des Krieges einordnet. „Kriegsverpflichtete Wirtschaft" hat man sie daher genannt. Der Kampf der Feinde richtet sich ja Nicht nur gegen den deutschen Soldaten, sondern gegen das ganze Volk, feinen Lebensraum, feine Arbeitskraft und seine Zukunft. Die Trennung zwischen Front und „Hinterland" gibt es in diesem Kriege noch weniger als im Weltkriege. Daher ist es selbstverständlich, daß Erzeugung und Rohstoffe, Nahrungsmittel und Verbrauch, Ein- und Ausfuhr, Finanzen und Sozialpolitik, Verkehrsfragen und Verwaltung eine große Einheit bilden, die gesammelt und Übersichtlich in den Kriegsbedarf eingeschaltet wird. Für Ressortfragen oder Einzelinteressen ist weder Raum noch Zeit. Darüber ist sich jedermann klar geworden: von der Stieftlsohle bis zur Lokomotive, vom Nähgarn bis zum fertigen Anzug, von der Brotkarte bis zur Devisenbeschaffung ist jede Form des Verbrauchs und der Erzeugung kriegswirtschaftlich bestimmt. Dabei ist es selbstverständlich, daß die Bedürfnisse der kämpfenden Front vorangestellt werden, daß daneben aber die Wehrwirtschaft und die in ihr tätigen Kräfte in gleicher Weise den Vorrang genießen. Die deutsche Kunst der Organisation hat der straffen Erfassung aller Kräfte und Bedürfnisse auch auf diesem Gebiet vorgearbeitet. Jeder Industriebetrieb ist in feiner Fachgruppe erfaßt, ebenso der Handwerker und Einzelhändler, die Landwirtschaft hat im Reichsnährstand eine berufsständische Vertretung gefunden, die im Kriege für die gesamte Ernährungswirtschaft die größte Bedeutung gewonnen hat. Alle diese Gliederungen der Wirtschaft und der Partei sind in die Kriegswirtschaft eingeschaltet. In den Städten bestehen dafür die Ernährungsämter und die Wirtschaftsämter. Sie sind die untersten Organe der kriegswirtschaftlichen Organisation. Uebergeorbnet sind ihnen die Landes- und Provinzial-Ernährungs- ämter. Auf der gleichen Ebene stehen die Bezirks- wirtfchaftsämter und die Forstwirtschaftsämter. Sie sind für die Fragen der Bewirtschaftung in den einzelnen Gewerbezweigen zuständig. Während die Ernährungsämter dem Reichsernährungsminister unterstellt sind, gehören die Bezirkswirtschaftsämter in den Bereich des Reichswirtschaftsministers und die der Forstwirtschaft zu dem des Reichsforstmeisters. Der Reichswirtschaftsminister war gleichzeitig Generalbevollmächtigter der deutschen Wirtschaft und Mitglied des Ministerrates für die Reichsverteidigung. Damit war die Kriegswirtschaft schon bisher in das höchste Organ des Reiches eingebaut Bevor die Kriegswirtschaft ihre überragende Bedeutung gewann, hatte sie einen Vorläufer in dem Vierjahresplan, dessen Aufgabe es war, das Rohstoffproblem zu meistern. Generalfeldmarschall Göring hat als der Beauftragte für den Vierjahr esplan diese gewaltige Arbeit geleistet. Er ist seit Kriegsausbruch auch der Vorsitzende des Ministerrats für die Reichs Verteidigung und auch damit an der Gesetzgebung auf wirtschaftlichem Gebiete beteiligt. Reichswirtschaftsminister Funk hat nun die Ueberzeugung gewonnen, daß Dierjahres- d roh end en passiven Widerstand es doch außerordenk. lich ernst. — So hat die britische Verwaltung in Indien die allgemeine Wehrpflicht für die gesamten in Indien lebenden Engländer eingeführt. In Neu-Delhi sind selbst Jungen von 16 Jahren ebenso wie ältere Männer bis zu 50 Jahren in die Stammrolle eingetragen worden. Die Besorgnis der britischen Ausbeuter wird verständlich, wenn man bedenkt, daß 350 Millionen Inder von einer Handvoll Engländer, insgesamt nur 116 000, aus- geplündert werden. Nie indische Nordwestgrenze. Amsterdam, 6. Jan. (Europapreß.) Die schwere Sorge, mit der die englische Presse seit Beginn des Krieges die internationale politische Lage verfolgt, hat sich in den letzten Wochen keineswegs verringert. Besondere Aufmerksamkeit findet hierbei die indische Nordwe st grenze, von der man befürchtet, daß sie eines Tages durch den Gang der Ereignisse in die Kampfhandlungen ein« bezogen werden könnte. Die „Times" muß zugeben, daß es in Indien noch immer brodele. Wa- ziristan sei noch nicht ruhig geworden und werde es wohl auch kaum, solange der Fakir von Jpi sich in Freiheit befinde. Trotz des auf seinen Kopf gesetzten Preises sei es bisher noch immer nicht gelungen, ihn in die Hand zu bekommen. Im Gegenteil, im September und Oktober hätten die Afridis die an der Nordwestgrenze stationierten Truppen durch ihre plötzlichen Vorstöße teilweise in gefährliche Situationen gebracht. Erst nachdem die indische Regierung gegen die Grenzstämme eine wirtschaftliche Blockade durchgeführt und sie hermetisch abgesperrt habe, sei cs geklungen, die „Ruhe einigermaßen wiederherzustellen". Was England unter „wirtschaftlicher Blockade" gegenüber indischen Eingeborenenstämmen versteht, die ihre Vorratshäuser nicht vor den englischen Bombern zu schützen vermögen, ist der Welt nur allzugut bekannt. Terror und Hungerkrieg gegen Frauen und Kinder sind die gebräuchlichsten englischen Kampfmittel, die die Engländer nicht nur in ihren Kolonien verwenden. Leitung der sei es 3n Finnland Kämpfe bei 41 Grad t t E C 5 t« A flO1 ho' fei' B 8 -rk fei' übi S' ho! (JU E tr 7( ui bi m E D fl' r ö L bi w u r c it frit Angaben von einer Zerstörung und Sprengung der Murman-Bahn nicht begründet sind. Der russische Vormarsch in diesem Kampfsektor richtet sich au Kemijärvi und Rovaniemi, den wichtigen Eisenbahn- punkt, der die Verbindung mit Kemi und Tornea herstellt. Venntiere werden evakuiert. Kopenhagen, 6. Jan. (Europapreß.) Aus Sodankyle meldet „Politiken", daß die Finnen in Lappland begonnen haben, ihre Renntierbestände zu „evakuieren". Die Tiere, etwa 200 000 Stück, n r a; Das verlassene Elsaß Ein belgischer Bericht. die Lage nicht verändert habe. Für, Ungarn , von größter Bedeutung, auf Italien zählen zu gelangt. Frau Marie lebte wohl in der Stadt, aber sie war keine Städterin, war vielmehr innerlich mit dem Dorf, aus dem sie stammte, seinen breiten Wiesengründen und weiten Kornfeldern immer ver- wachsen geblieben. Deshalb hatte sie auch ihr väterliches Erbteil darangesetzt, daß sie und ihr Mann ich das kleine Haus am Rande der Stadt bauen konnten, wo nicht mehr die Enge der hohen Straßen drückend lastete, und sie am Blühen eines Apfelbaumes vor ihrem Küchenfenster und am Wachsen und Reifen seiner Früchte erkennen konnte, wie weit das Jahr vorgeschritten war. Nun hatten ihr das heimatliche Dorf und der väterliche Hof ein warmes, lebendiges Wesen von sich anvertraut, und machtvoll wie ein vereister Strom im Frühling brach in chr jenes uralte bäuerliche Gefühl verantwortungsbewußter Fürsorge aus, womit der Bauer sein Vieh gleich einen Seinesgleichen umgibt. Als sie das erstemal neben der Ziege saß, legte sie ihr Gesicht in das weiche Fett des Tieres, und sie sah sich wieder als junges Mädchen unter den Kühen des Vaters sitzen, die morgens und abends zu melken zu ihren Aufgaben gehört hatte. Die beiden Töchter konnten es nicht verstehen, warum ihre Mutter so an dem Tiere hing, was ihnen nicht einmal verdacht werden kann. Denn woher sollten sie wissen, die in ter Stadt geboren und aufgewachsen waren, daß der bäuerliche Mensch die Trennung von der mütterlichen Erde und allem, was sie trägt, nur damit erkauft, daß er fein ganzes Leben lang ein Heimweh danach mit sich herumtragen muß und oft in erschütternder Liebe an den Brosamen hängt, die für ihn in der Fremde vom Tische der Heimat fallen. In ihrer Art aber sorgten auch sie für die Ziege: sie gaben chr gleich am ersten Tag den doch wirklich hübschen Namen Minka, womit das gute Tier endlich seiner Namenlosigkeit entrissen wurde, sie brachten ihr manches Grünzeug von ihren Sonntagsausflüaen mit und waren ehrlich enttäuscht, wenn Minka wählerisch das eine oder das andere verwarf. Das Verhältnis des Mannes und Vaters zu der neuen Hausgenossin aber beschränkte sich darauf, daß er die Frau mit ihrer neuen Liebe neckte und sich im übrigen die'Milch im Kaftee und die Butter auf dem Brot gut schmecken ließ. Die Zeit rann dahin, und in ihr erwies sich t Minka als treu und gewissenhaft in der Erfüllung Helsinki, 7. Januar. (Europapreß.) Aus Suo- mussalmi wird berichtet, daß trotz der fürchterlichen Kälte — es herrschen in diesem Gebiet 4 1 Grad unter Null — die Kämpfe an Heftigkeit nicht nachgelassen haben. Allerdings fei n o ch t e i n e Entscheidung erzielt worden. Die finnischen Hoffnungen auf einen Sieg im Salla-Abschnitt haben sich nicht erfüllt, da der russische Widerstand in diesem Kampfabschnitt kürzlich verstärkt worden ist. Die Tatsache, daß die Russen nach wie vor Verstärkungen sowohl an Truppen als auch an Kriegsmaterial erhalten, zeigt, daß dir finnischen [orten m westlicher Richtung z u r s ch fische n Grenze qetrieben werden. Die Renntiere sind ■ür das finnische Heer van »rößter Bedeutung, da ie das notwendige Material für die Herstellung von Stiefeln, Mützen, Mänteln und sonstigen Ausrustungs- und Uniformstücken liefern. Ferner ist das Renntier, leisch ein wesentlicher Bestandteil der Versorgung »es Heeres. Die 200 000 Renntiere entsprechen einem Gegenwert von hundert Millionen Finnen- mark und sind damit ein wesentlicher Teil des Reichtums des Landes. Englands Umtriebe in Skandinavien Moskau,?. Jan. (DNB.) Das Blatt der russischen Armee, „Kraßnaja Swjesda", beschäftigt sich mit den Hintergründen der von den Westmächten ür die angebliche „U n t e r st ü tz u n g Finnlands entfachte Kampagne. Diese Unterstützung fei nur ein Deckmantel für viel weitergehende Absichten der Londoner und Pariser Regierungen, welche die skandinavischen Länder auf feiten des englisch-französischen imperialistischen Blockes in den Krieg hineinziehen möchten. Der berüchtigte Pertinax habe noch unlängst geschrieben, daß Schweden und Norwegen, diese durch ihren Erzreichtum besonders wichtigen Länder, auf die Seite der Westmächte übertreten müßten. England und Frankreich müßten darauf ausgchen, die skandinavischen Länder ganz ihrer Kontrolle zu unterwerfen, indem sie Schweden und Norwegen zur „Unterstützung" Finnlands aufforderten. Der militärische Mitarbeiter des Pariser „Matin", General Duval, schreibe, das Vorhandensein der Magi- notlinie erlaube es den Westmächten, den Krieg auch auf andere Schauplätze auszudehnen. Dabei weise er ausdrücklich auf die skan di na- vischen Länder hin, welche im Zusammenhang mit dem finnisch-sowjetrussischen Konflikt zu die- semZweck ausgenützt werden müßten. Die Entsendung von schwedischen Freiwilligen nach Finnland und die Unterstützung der finnischen Armee mit Mafien und Munition genüge den westlichen Kriegstreibern nicht mehr. Sie würden jetzt darauf hinarbeiten, Schweden zum Abschluß eines Beistandspaktes mit England und Frankreich zu bewegen. Die britische Politik wolle mit diesen Plänen eine „neue Front" gegen Deutschland schaffen. pariser Hoffnungen Brüssel, 8. Jan. (Europapreß.) Die Pariser Presse beschäftigt sich erneut sehr eingehend mit der Rolle Skandinaviens bei der Weiterentwicklung der kriegerischen Ereignisse zwischen Rußland und Finnland. Der militärische Mitarbeiter des „Petit Parisien" spricht bereits von einer „skandinavischen Front", die die Aufmerksamkeit der ganzen Welt in Anspruch nehme. Die nationalistische „Action Fran^aise" sagt, die Möglichkeit, daß der Krieg sich auf andere Schauplätze im Norden oder fortftige Teile Europas ausdehnen forme, habe Nichts, was die Verbündeten erschrecken würde. Wenn die Verbündeten es verstünden, die Gelegenheit zu ergreifen, und die Initiative behalten würden, dann seien viele Hoffnungen erlaubt, und es würden sich große Möglichkeiten eröffnen. Finnischer Weltmeister an der Front gefallen. Helsinki, 7. Jan. (Europapreß.) Der Weltmeister im Eislauf, der 28jährige Finne Birger W a s e n i u s , ist in den Kämpfen nordöstlich des Ladoga-Sees gefallen. Wafenius gehörte der Weltelite im Schlittschuhsport an und stand in der Weltrangliste an siebenter Stelle. Der Weltmeister im Speerwerfen, der Finne N i i k a - ! nen, ist an der karelischen Front schwer verletzt r worden. i Die schwedischen Freiwilligen für Finnland. Stockholm, 7. Jan. (Europapreß.) Der Ober- i kommandierende des schwedischen Freiwil- i ligenkorps für Finnland, General Li n - i der, hat am Samstagabend Stockholm verlassen , und sich nach Finnland begeben. In seiner Beglei- Brüssel, 7. Jan. (Europapreß.) L6on Degrelle gibt im „Pays Rsel" ein wahrhaft erschütterndes Bild vom heutigen Elsaß und den Leiden, die die evakuierten Bewohner dieses Gebietes ertragen müssen. Die einst so lieblichen, kleinen, elsässischen Städte böten jetzt einen Anblick namenloser Traurigkeit, denn sie seien heute nicht nur von ihren Bewohnern verlassen, sondern obendrein von den Soldaten ausgeplündert und verwüst et. Degrelle beschreibt, wie bald englische, bald französische, bald farbige Truppen in diesen verlassenen Wohnungen Hausen, einer dem anderen die Trümmer übergibt, die er nach intensivster Nutzung noch übrig läßt. Oft erschienen in diesen Häusern aber auch herumstreichende Soldaten, die gerade auf der Suche nach irgendwelchem brauchbarem Material, nach Wellblech, Holzplanken oder Einrichtungsgegenständen seien. In solchen Fällen würde dann rücksichtslos genommen, was man brauche. Bei alledem ist zu bedenken, daß die Elsässer bei ihren Zwangsevakuierungen nichts von all ihrer Habe m i t n e h m e n konnten, sondern' alles stehen und liegen lassen mußten, wie es gerade mar. Ein groß-er Teil der Evakuierten, so schreibt Degrelle, Venedig, 7. Jan. (Europapreß.) Am Sonntog- oormittag Hut im Hotel „Danieli" in Venedig eine abschließende Besprechung zwischen dem italienischen Außenminister Graf C i a n o und dem ungarischen Außenminister Graf C s a k y stattgesunden. Graf Ciano äußerte sich mit höchster Befriedigung über das Ergebnis der Zusammenkunft, die die vollkommene Ueberein ft immun g der Ansichten bestätigt habe. Sie habe volles Verständnis für die im europäischen Geiste und ohne nationalen Egoismus betrachtete Lage gezeigt. — Die beiden Außenminister haben sich im Anschluß an ihre Besprechung mit ihrer Begleitung im Motorboot nach der malerischen Insel von Torcello begeben, wo der Präsident der Weltausstellung von Rom, Senator Cini, in einem venezianischen Restaurant zu Ehren der Gäste ein Frühstück gab. Am Sonntagnachmittag kehrte Graf Ciano im Flugzeug nach Rom zurück, während Gras Csakg um 18 Uhr, entgegen seinem ursprünglichen Reisepro- gramm, das einen einwöchigen Erholungsurlaub in San Remo vorsah, mit dem Schnellzug nach Buda p e ft abreifte. Nach Abschluß der Besprechungen wurde das folgende Kommunique veröffentlicht: „Der italienische Außenminister Graf Ciano und der ungarische Außenminister Graf Csaky hatten anläßlich ihrer Zusammenkunft in Venedig einen Meinungsaustausch über die allgemeine europäische Lage. Sie konnten von neuem mit Befriedigung feststellen, daß die Grundlagen, auf die sich die fteundschastliche und enge Zusammenarbeit der beiden Staaten stützt, fest und sicher sind, und daß in allen Fragen eine vollständige Heber» einftimmung der Ansichten zwischen den beiden Regierungen besteht." Die italienische Presse betont die enge Zusammenarbeit und Hebereinstimmung der Ansichten der beiden Regierungen zur Erhaltung der Ordnung und des Friedens in Europa. Der offiziöse „P o p o l o d' I t a I i a" schreibt, Ungarn könne auf die Freundschaft Italiens als der ersten B a l k a n m a ch t zählen. Die Begegnung von Venedig fei gegen ni emand gerichtet. Es handle sich um eine normale Fühlungnahme hn Geiste der Freundschaft, die die italienisch-ungarischen Beziehungen kenn- zeichne. In den zwanzig Jahren seit den unheilvollen Friedensverträgen habe Ungarn stets fein Recht betont, und es wünsche, daß seine Ansprüche bei der Neuordnung Europas erfüllt würden. Ungarn trete jetzt wie Italien für eine Begrenzung des Konflikts ein. In diesem Geist bewähre sich die italienisch- ungarische Zusammenarbeit als aufbauende Kraft für die Geschicke des neuen Europa, wie sie Mussolini vorschwebe. Die „Stampa" schreibt, man müsse zwar vorläufig gewisse Ansprüche aus Gründen höherer Gewalt zurückstellen. Die Beziehungen zwischen Ungarn und Jugoslawien könnten aber der Anfang und das Vorbild einer umfassenden Verständi - g u n g fein. Der „(Sortiere della Sera" betont, daß alle nichtkriegführenden Staaten heute eine friedliche Wider st andszone bildeten, und daß sich Kölner Professor Dr. Wolfgang Keller im Ja» nuarheft von Del ha gen & Klasings Monatsheften. Er kommt dabei zu dem Ergebnis, daß in England selbst der ursprünglich verachtete und von den Angefiachsen unterworfene keltische Brite auf Grund einer propagandistischen Geschichtsfälschung des 12. Jahrhunderts obgefiegt hat, woraus sich ergab, daß der Engländer heute im Deutschen den Nachkommen barbarischer Germanen und nicht mehr seinen nächsten Blutsverwandten erblickt, ein Umstand, der auch auf das politische Verhältnis zwischen den beiden Völkern von verhängnisvollem Einfluß gewesen ist. Zeitschriften. — Ebenso wie ein Soldat richtig ausgerüstet sein muß, um kämpfen zu können, so müssen auch untere Selbstschutzkräfte zweckmäßig gekleidet sein und sich die notwendigen Ausrüstungsstücke anschaffen. Wie das neueste Heft der „S i r e n e" beweist, geht alles, wenn man nur will! Das trifft auch für die Verdunkelung zu, von der ein aufschlußreicher Bilderbogen der „Sirene" erzählt. Ein anderer berichtet, wie der Selbstschutz auch größere Brände bekämpft. Neben weiteren interessanten Berichten veröffentlicht die „Sirene" die Auflösung sowie die Gewinnerliste ihres 2000-Mark-Preisausschreibens „Fliegeralarm! — Was nun?" — Mit ihrer letzten Nummer des laufenden Jahrganges legt die Jllustrirte Zeitung noch einmal eine prachtvolle Sonderausgabe vor: „Rumänien — Land, Doll und Wirtschaft". In einer Fülle hervorragenden Bild- und Textmaterials wird ein Querschnitt durch dieses reiche Land Südosteuropas gegeben. Wir können uns an Hand der Beiträge über Rumäniens Wirtschaft und seine Handelsbeziehungen zu Deutschland ein plastisches Mld von der Bedeutung der so ausgedehnten Handel spartnerschaft unserer beiden Lander machen. Nach einer Würdigung des Herrscherhauses und des Ministerpräsidenten behandelt Reichswirtschafts- Minister Funk die deutsch-rumänischen Wirtschaftsbeziehungen^ im allgemeinen, während Dr. Ober- ascher unter dem Titel „Wirtschaftliche Zusammenarbeit auf neuer Basis" das Wesen des deutsch- rumänischen Wirtschaftsvertrages heraussteltt. Der rumänische Generalkonsul in Berlin schreibt über . Rumänische Kirchentunst". Es folgen dann noch Beiträge über rumänische Eigenarten und Besonderheiten, rumänische Dolkssitten und das Deutschtum in Rumänien. Besondere Erwähnung verdienen die farbigen Äunfttwitage*, plan und Kriegswirtschaft auch organisatorisch zu- sammengefaßt und in eine Hand gelegt werden müssen. Er hat daher für die Unterstellung der gesamten Kriegswirtschaft unter die Leitung des Generalfeldmarschalls die Initiative ergriffen. Lenkung der Wirtschaftspolitik und Leitung der Kriegswirtschaft befinden sich also nunmehr in den Händen Hermann Görings. Er hat einen „G e - n e r a I r a t" eingesetzt, dem alle obersten Reichsstellen angehören, die an der Kriegswirtschaft beteiligt sind. Auch der Chef des Wehrwirtschaftsamtes des Oberkommandos der Wehrmacht und der Beauftragte des Stellvertreters des Führers der NSDAP, sind ständige Mitglieder. Dieser General- rat wird die Gleichrichtung aller Maßnahmen sicherstellen und die Arbeiten der einzelnen Ressorts zu prüfen haben. Es entsteht dadurch keine neue Behördenstelle, denn der Apparat des Beauftragten für den Dierjahresplan tritt in diese neuen Aufgaben ein. Im Gegenteil: es wird eine w e i t e r e Vereinfachung der Organisation angekundigt und es wird besonders betont, daß Raschheit der Solch ein junges, unglaublich übermütiges Ding war auch Minka einmal gewesen, die übrigens damals noch nicht Minka hieß, sondern gänzlich ohne Namen in der Frühlingssonne auf einem weiten und geräumigen Bauernhaus derart luftige Sprünge und groteske Hopser vollführte, daß selbst der ernste Bauer mehr als einmal laut lachen mußte. Als sie dann entwöhnt war und es gelernt hatte, hier ein Maul voll frischer Triebe, dort ein Maul voll zarter Shräuter zu rupfen, machte der Jugendübermut allmählich anderen Gefühlen Platz, und eines Tages war es soweit, daß auch um sie drei muntere Zicklein herumsprangen. Um diese Zeit war es, daß Minka ihre Reise in die Stadt antreten mußte. Und das kam so: Damals, vor zwanzig Jahren, hätte Frau Marie in selbiger Stadt eine Million und wenige Tage spä- ter zwei Millionen für ein Pfund Butter bezahlen müssen und sie sogar gerne bezahlt, denn papierene Millionen hatte man damals mehr als genug, wenn sie überhaupt eines hätte bekommen können. Als sie wieder einmal mit leerer Tasche vom Wochenmarkt nach Hause kam, erklärte sie: „Jetzt kommt mir eine Ziege ins Haus!" Anderntags schon schrieb sie ihrem Bruder einen Brief, und es dauerte gerade so lange, wie man braucht, um einen Ziegenstatt ausbauen zu können, bis eines Abends ein Holzverfchlag vor das Haus gefahren wurde, aus gegenüber ihren möglichen Entwicklungen festzulegen. Dabei habe sich Der Wunsch Ungarns ergeben, auf friedlichem Wege zur Lösung seiner bekannten Probleme zu gelangen. Andererseits sei aber auch festgestellt worden, datz Ungarn diese Probleme noch immer als offen betrachte und nicht auf deren befriedigende Losung verzichte. Aber die europäische Lage werde von dem Verlauf des neuen Krieges beherrscht, und da dieser Verlauf noch unbestimmt Uftd unsicher sei, so erscheine auch der allgemeine politische Status Europas, der sich daraus ergeben noH ebenso unbestimmt. Die Aufgabe der italiemschen Politik und die seiner Freunde fei daher heute, mit Aufmerksamkeit und Anpassungsfähigkeit tee Vorgänge zu verfolgen, um die eigene Position uno etwaige Absichten nach ihrem Verlauf und aufeinanderfolgenden Wendungen einzurichten. Die jugoslawische Neutralität Belgrad, 7. Jan. (Europapreß.) Die „Politika" veröffentlicht eine Erklärung des jugoslawischen Außenministers Gincar Markowitsch, m der es heißt, die jugoslawische Außenpolitik könne angesichts der fortschreitenden Vertiefung der Geaen- satze zwischen den Großmächten nur g le i d) m a B t g gute Beziehungen z u allen Großm a ch- t e n aufrechterhalten und die Bereinigung aller offenen Fragen mit allen Nachbarn versuchen. Diese Bemühungen seien von Erfolg gekrönt gewesen; Jugoslawien habe daher bei Ausbruch des Konfliktes neutral bleiben können. Jugoslawien überprüfe, unterstütze und inspiriere Aktionen, die das Ziel verfolgten, die Beziehungen im Donaubecken und auf dem Balkan zu e n t f p a n n e n. Es fei zwar nicht ab zu sehen, zu welchem positiven Ergebnis diese Bestrebungen führen würden, eines aber fei sicher, daß Jugoslawien fest entschlossen sei, eine strikte Neutralitätspolitik zu verfolgen. Diese Politik liege auch im Interesse ter anderen Balkanvölker und ter ttiegfüfjrenten Mächte. Entschlüsse und Wagemut in ter Beschreitung neuer Wege zu den Kennzeichen der deufichen Kriegswirtschaft gehören sollen. Dadurch wird es vor allem möglich sein, den englischen Plänen ter Hungerblockade schlagkräftig entgegenzutreten Generalfeldmarschall Göring hat selbst die Leitung des Generalrats inne, er hat zu feinem Stell- vertteter den Staatssekretär Körner bestimmt. In den grundfätzlichen Fragen der Kriegswirtschaft ist im Falle der Abwesenheit des Generalfeldmarschalls Reichswirtschaftsminister Funk sein Stellvertreter. Funks große Leistung bestand in der Umstellung der deutschen Wirtschaft auf ihre Kriegsaufgaben. Er ist an ter Spitze seines Ministeriums und als Leiter der Reichsbank auch weiterhin einer der maßgebendsten Männer für die wirtschaftlichen Aufgaben dieser Zeit. Die jetzige Zusammenfassung der Spitzen der Kriegswirtschaft verfolgt den Zweck, auf wirtschaftlichem Gebiet durch straffe und einheitliche Führung das Höchstmaß der Kräfte zu entfalten. Das deutsche Volk hat allen Grund, diese Gestaltung mit höchstem Vertrauen zu begrüßen. B. R. können. Das halbamtliche „Oiornale d Italia wendet sich gegen die Kombinationen in einem Teil der europäischen Presse. Die verschiedenen Themen, die sich ohne weiteres aus dem Ablauf der europäischen Ereignisse und der täglichen politischen Chronik ergaben, die also sowohl mit den allgemeinen Problemen des Donau- und Balkanraumes als auch mit den eigentlichen ungarischen Interessen zusam- menhängen, seien einer Nachprüfung unterzogen roorten mit dem doppelten Ziel, sie in ihrer Gesamtheit zu klären und die Haltung Italiens und Ungarns Minka. Don Ernst JRint. Minka war eine Ziege, eine weiße, hörnerlose Ziege, und unterschied sich von den meisten ihrer Ar tg.'nof sinnen wohl nur dadurch, daß sie das Unglück hcttte, in einer Stadt zu leben. Denn es ist schon ein Unglück für eine Ziege, in der Stadt leben zu müssen. Gibt es dort Wiesen, auf denen sie, mit einem langen Seil an einen Pflock geb unten, sich wählerisch mit spitzen Lippen die schmack- bafteften Kräuter selbst aussuchen kann? Und wo sollen dort Schmandlauch und Weißklee wachsen, für die nun einmal Ziegen eine besondere Vorliebe haben? War Minka so vom Schicksal nicht gerade glücklich bedacht worden, so schien dieses nicht ohne Absicht sie an diesen Platz gestellt zu haben, ja, ihr damit gleichsam eine Aufgabe gegeben zu haben, soweit eine gewöhnliche Ziege überhaupt eine Aufgabe haben kann außer ter, recht viel Mich zu geben und im Frühjahr zwei oder drei Zicklein zur Welt zu bringen. ihrer Pflicht, täglich zweimal frische Milch zu geben und um Ostern sich unter Schmerlen von ihren jungen Geißlein zu trennen, denen sie lange nach- trauerte. Längst konnte Frau Marie wieder so viel Milch und so viel Butter gegen gutes und reelles Geld kaufen, wie sie nur brauchte; doch den gutgemeinten Vorschlag, Minka wegen ter vielen Arbeit und mancherlei Unbequemlichkeiten nunmehr abzuschaffen, wies sie — mehr verwundert als aufgebracht — ruhig zurück. Was wußten schon die anderen, warum sie das Tier nicht mehr hergeben wollte! Noch viele Male blühte der Apfelbaum norm Küchenfenfter und spielte der Herbstwind mit seinen bunten Blättern. Frau Marie und Minka waren beite darüber alt geworden und ganz allein zurückgeblieben in dem kleinen Haus. Der Mann war gestorben und die Töchter hatten geheiratet und waren in eine andere Stadt gezogen. Auch außer der Zeit ging die alte Frau letzt manchmal zu Minka in den Stall, kraulte sie hinter den Ohren und sprach wohl auch einmal mit halblauten Worten zu ihr: „Mnka, weißt du noch, wie bei uns daheim schon Ende Februar die Sonne so warm hinter der Scheuer lag?", und Minka meckerte leise, als wolle sie sagen, daß sie es noch genau wisse. Bis eines Morgens Minka zur gewohnten Stunde vergebens wartete, daß die Eimer leise vor der Tür klapperten und die Frau den Stall öffnete, sie zu füttern und zu melken und ihr gar ein wenig den Kops zu kraulen. Als es ihr gar zu lange dauerte, wurde sie sehr ungeduldig und zog und zerrte so lange an ihrer Kette, bis sie ihren Kopf durch das Leterhalsband hindurchgebracht hatte. Da entdeckte sie sogleich in einer Ecke des Stalles einen Stoß frischen Klees, ter bei weiser Einteilung für mehrere Tage gereicht hätte, und es dauerte nicht lange, bis sie sich auch das letzte Kleeblatt einoerlerbt hatte. Doch sie sollten ihr kein Glück bringen! Als die beiden Töchter, die zu ter sterbenden Mutter gerufen worden waren, den Stall aufmach, tcn, lag Minka vor ihnen, starr und steif, und streckte alle Biere weit von sich. (Snfllänber oder Brite? — Die meisten verwenden die beiden Bezeichnungen in gleicher Bedeutung, höchstens, daß ter eine oder andere den Unterschied macht, das Wort englisch für den sprachlich kulturellen, britisch für den politischen Begrifiskreis vorguziehen. Was es mit den beiden Namen auf sich hat, untersucht der dem heraus es ängstlich meckerte. Und damit war Minka in dem kleinen Haus am Rande der großen Stadt wohlbehalten — abzüglich der unterwegs ausgestandenen Aengste — und prallen Euters an- Ä GMW •v%; Dreimal Infanteriesturm Silvester im Kameradenkreise Hier wird entmint. Vorsichtig schiebt sich der Pionier auf dem Bauche heran und gräbt mit den Händen die festgestellte Mine frei. Das Bild links zeigt im Hintergrund die geborgene Mine und vorn das Erdloch, in dem sie versteckt lag. — (PK.-Klein-Atlantic°M.) lang marschiert, hat nur schlechte und vielleicht keine Unterkünfte gehabt und ist immer wieder für die Sicherung verantwortlich gewesen. Dieses dauernde „V o rn-a m-Fein d"- Sein verlangt Kraft, Geistesgegenwart und Nerven. Es ist oft auch ein Alleinsein, das sich mit der Verantwortung für das Leben anderer verbindet. Es handelt sich in vielen Fällen um ein selbständiges Entschließen, um eine Kampfhandlung, die einzig und allein als Kämpfer- tum der Persönlichkeit zu bewerten ist. Die Infanterie von 1940 ist von demselben Geist erfüllt, wie die vvn 1914! Nur ihre Kampfweise hat sich geändert; man geht nicht mehr in dichten Schützenlinien vor, sondern der einzelne ist mehr aus sich gestellt. Daher wird das Verständnis nicht nur für das Kampfverfahren, sondern auch für die Kampftage vorausgesetzt. Es verbindet sich mit der Beherrschung verschiedener Waffen. Der Infanterist muß sicher handeln. Wenn sich auch das Zahlenverhältnis zwischen der Infanterie und den anderen Waffen stark zu Gunsten der letzteren gewandelt hat, so stehen dennoch Hunderttausende deutscher Männer in den Reihen der Infanterie. Sie führen aus, was ihnen befohlen ist. Sie erblicken in dem Sturm auf die feindliche Stellung die selbstverständliche Pflicht. Dennoch, das neue Infanteriesturmabzeichen läßt sie ihnen und allen Deutschen von nun an als eine besondere ehrenvolle und stolze Aufgabe erscheinen. Die drei Worte „Ich bin Infanterist!" haben seit dem 1. Januar 1940 einen neuen Klang. Äe find ein Ehrentitel, wie er schöner für den deutschen Mann nicht zu denken ist. Sie werden, daran ist nicht zu zweifeln, viele gerade der besten Kämpfernaturen den Weg in die Infanterie finden lasten." Große deutsche Kunstausstellung 1940 »Auch in ernster Kriegszeit soll die Kunst nicht schweigend Berlin, 7. Januar. (DNB.) Der „Völkische Beobachter" veröffentlicht einen Aufsatz von Oberstleutnant Dr. Hesse, der sich mit der vom Oberbefehlshaber des Heeres eingeführten besonderen Auszeichnung für die Infanterie beschäftigt. Oberstleutnant Dr. Hesse schildert zunächst den Sinn der neuen Verordnung, nach welcher die Angehörigen von Jnfanterieschützen-Kompanien, die nach dem 1. Januar 1940 an drei Stürmen teilgenommen haben, das Infanteriesturmabzeichen durch den Regimentskommandeur verliehen erhalten und chreibt weiter: „Gewiß ist der Infanterist der letzte, der eine olche Hervorhebung vor anderen Waffen in An- pruch nimmt. Er weiß, daß es der tatkräftigen Mithilfe der Jnfanterie-Begleitwaf- en, der Artillerie und der Flieger bedarf. Er sieht auch hier überall das Opfer für das Vater- land gebracht und erkennt es rückhaltlos an. Wenn dennoch dem Infanteristen die Auszeichnung eines besonderen Abzeichens künftighin zuteil wikd, so wibd damit anerkannt, daß er etwas zu lei st en hat, was für die anderen Waffen in dieser Form nicht oder nur selten zutrifft. Worin besteht dies? Es handelt sich nicht allein um die Tatsache, daß von ihm der Sturm und der Kampf Mann gegen Mann bestanden werden muß. Es geschieht dies ohne den Schutz einer besonderen Deckung, wie sie etwa der Panzer erreicht. Wenn auch beim Sturm auf die Schußwaffe nicht verzichtet wird, so kommt es doch schließlich im letzten Augenblick zu einem Kampf Mann gegen Mann, bei dem jede Distanz vom Gegner aufgehoben ist. In den meisten Schlachten und Gefechten sind auch große körperliche An st re na ungen für die Infanterie vorangegangen. Sie ist tagetan d". Er liest vor und die anderen horchen hin. Es ist das Kapitel vom Weihnachtserleben 1917. Aber es paßt noch, denn das Bäumlein brennt ihnen im Bunker auch zum Jahreswechsel. Die Ge- schichte hatte alle nachdenklich gestimmt und ernst. Aber der Papa rettet die Sachlage. Er sagt „Kinder, in wenigen Minuten ist Neujahr! Jetzt wollen wir uns mal die Gläser füllen und anstoßen!" Sie heben die Kanne auf den Tisch. Noch ist das Getränk, das sie sich brauen ließen, heiß und duftig. Der „Papa" hat auf die Uhr geschaut und jetzt sagt er „12 Uhr!" Der Lautsprecher in der Ecke zeigt ebenfalls die zwölfte Stunde an. Da erhebt sich die Bedienung des Geschützes „Dora", die Gläser mit heißem Punsch gefüllt, stoßen die Männer an und mit den besten Wünschen und Hoffnungen trinken sie dem jungen neuen Jahre einen herzlichen Will- komm. Dann holen sie eine alte Blechdose vom Ofen herunter, schieben eine Waschschüssel auf den Tisch und nehmen mit einem lappenumwickelten Löffel das flüssige Metall aus dem Schmelztiegel heraus, das zischend in das Wasser fällt und erstarrt. Da gibt es allerlei Späße und prophetische Weissagungen für den Schicksalsablauf eines jeden, der das blanke Blei in die Schüssel gießt. Zwischendurch wird wieder das Glas gehoben und auch der Kameraden gedacht, die in Urlaub sind. Dann rauschen die Klänge der „Quetschkommode München, 6. Januar. (DNB.) Das „Haus der Deutschen Ku n st" (Neuer Glaspalast), Anstalt des öffentliches Rechtes zu München, erläßt folgenden Aufruf an die bildenden Künstler Großdeutschlands: Als jeweilige Betreuerin Eurer besten Iahres- chöpfungen kann Euch das Haus der Deutschen Kunst keine schönere Neujahrsboffchaft übern tteln als die daß der Führer für das Jahr 1940 soeben die Durchführung einer neuen großen Anstellung deutscher zeitgenössischer Malerei, Graphik und Plastik der Gro- ;en Deutschen Kunstausstellung 1940 im Hause der Deutschen Kunst zu München angeordnet hat. Ju einmütiger Entschlossenheit und mit hartem Willen steht das deutsche Volk bereit, sein Leben zu verteidigen. Mit Stolz und Zuversicht tritt die anze Natton den kommenden Ereignissen geaen- iber. Nicht allein mit der Klinge in der Faust, sondern erfüllt von jenem ursprünglichen Optimismus, der zum Leben und noch mehr zum Kämpfen und Siegen notwendig ist. Und so soll in dieser ernsten Kriegszeit nach dem Willen des Führers auch die Kun st nicht schweigen, vielmehr es als ihre schönste und hehrste Verpflichtung ansehen, in einer Zeit größter, für das Bestehen unseres Volkes und seiner Kultur wichtigster Entscheidungen den deutschen Menschen mit ihren Schöpfungen zu erfreuen und zu beglücken. KriegSerleichlerungen für die Krastfahrzeugsteuer. Sie Zulassungsstellen genehmigen in dringenden Bedarfsfällen die Benutzung stillgelegter Kraftfahrzeuge für einzelne Tage oder für bestimmte Fahrten, wobei statt des roten Wim kels eine schriftliche Fahrerlaubnis erteilt wird. Nach dem Gesetz muß der Fahrzeughalter die volle Monats st euer entrichten, auch wenn er das Fahrzeug nur wenige Tage im Monat benutzt. Er muß ebenso die volle Monatssteuer zahlen, wenn Bedarfs st eilen der Wehrmacht oder außerhalb der Wehrmacht das sttllgelegte Fahrzeug für kurze Fristen oder für bestimmte Fahrten zur Benutzung beanspruchen. Zur Vermeidung unbilliger Härten hat der Reichsfinanzminister für die Dauer des Krieges besttmmt, daß das Finanzamt in diesen Fällen die Monatssteuer auf Antrag stunden kann. Nach Ablauf des Steuermonats darf von der Erhebung der gestundeten Kraftfahrzeugsteuer abgesehen werben, wenn das Fahrzeug während des Steuermonats nicht mehr als fünf T a g e benutzt worden ist. Für die Vergangenheit entnch- tete Kraftfahrzeugsteuer wird nicht erstattet. Auf Antrag wird die Kraftfahrzeugsteuer auch für einen Teil des Steuermonats erstattet. Steuerfreie Personenkraftwagen verlieren nicht schon dadurch die Steuerfteiheit, daß sie auf Grund einer behördlichen Freigabe zur Güterbeförderung benutzt werden. Ein steuerfreier Personenwagen wird erst steuerpflichtig, wenn er zum Lastkraftwagen umgebaut wird. Die Herausnahme der Sitzplätze und das Einlegen oott Brettern allein gelten nicht als Umbau. Noch mehr als die bisherigen Ausstellungen im Haus der Deutschen Kunst soll die kommende große Schau Zeugnis ablegen von der Schaffenskraft und -größe unserer lebenden deutschen Maler, Bildhauer und Graphiker. Darum werden auch bei dieser Ausstellung wieder hohe künstlerische Ansprüche an die eingesandten Arbeiten zu stellen sein: Mit den besten Werken der reifsten Künsller soll die Ausstellung ein leuchtender Stern am Kunsthimmel des kommenden Sommers werden. So rufen wir Euch, Großdeutschlands Künstler, im Namen des Führers auf, zu schaffen und zu werken und Euer Bestes zu geben für unser gemeinsames Ziel: die „Große Deutsche Kunstausstellung 1940" zu einem eindrucksvollen Manifest deutschen Kulturwillens und zu einem künsllerischen Ereignis ersten Ranges zu gestalten. Mit der E r ö f f n u n g der Ausstellung ist diesmal früher als sonst, voraussichtlich am 1. Juni 1940 zu rechnen. Die schriftliche Anmeldung der zur Einsendung beabsichtigten Arbeiten ist bis 10. März 1940 erforderlich. Die Einlieferung der Kunstwerke findet vom 15. bis 30. März 1940 statt. Näheres ist aus den Ausstellungspapieren ersichtlich, die ab 15. Februar beim Haus der Deutschen Kunst, München, Prinzregentensttaße 1, Fernruf 20 214, 20 215, 24148, 24 149 gegen Erstattung eines Unkostenbeitrages in Höhe von 0,50 RM. erhältlich sind. tung befindet sich der Stabschef Graf Ehrens- värd. Der ehemalige schwedische Außenminister Sandler ist in der schwedisch-finnischen Grenzstadt Haparanda eingetroffen. Er wird seine Reise nach Nordfinnland fortsetzen, wo er im Zusammenhang mit dem schwedischen Freiwilligenkorps tätig sein wird. Ein S o n d e r z u g mit Freiwilligen für Finnland aus allen Teilen Schwedens hat Stock- j holm verlassen. Man bemüht sich ferner, ein schwedi- • sches Schibataillon aufzustellen. Auch zwei \ Leutnante der dänischen Luftwaffe sind in • die Dienste Finnlands getreten. Oer Wehrmachisbericht vom Sonntag. Berlin,?. Januar. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: An der Westfront keine besonderen Ereignisse. Die Luftwaffe klarte über Großbritannien und Frankreich auf. Deutsche Seestreitkrafte haben in letzter Zeit wieder- holt Gruppen von wehrfähigen Polen, die aus den baltischen Ländern versuchten, das feindliche Ausland zu erreichen, abgefangen. Strategische Erweiterung des Hafens von Alexandria. Kairo, 8.Ian. (PNB.) Die ägyptische Presse meldet die Erweiterung und Vertiefung des west- tichen Teiles des Hafens von Alexandrien zwischen der Kanalmündung und Al Mets. Die Arbeiten sollen in drei Wochen beendet^ sein. Zweck der Ausbaggerung ist, auch den größten englischen Kriegsschiffen das Dorankergehen im Westhofen von Alexandrien zu ermöglichen. Die Kosten von 4000 Pfund werden von der britischen Regie- rung getragen. — Die ägyptische Zeitung „Egyp- tian Mail" weist darauf hin, daß während des ita- linisch-abessinischen Krieges aus denselben Gründen Ramleh, der Osthafen von Alexandrien, ausgebaut worden ift Kleine politische Nachrichten. Der Führer hat dem ordentlichen Profesior em. Geheimen Regierungsrat Dr. Lore n z M o r s • hach in Göttingen aus Anlaß der Vollendung feines 90. Lebensjahres die Goethemedaille für Kunst und Wissenschaft verliehen. Morsbach war seit 1893 Ordinarius für Vergleichende Sprachwissen, fchast an der Universität Göttingen. Der Führer hat dem Ordentlichen Professor em. Geheimen Regierungsrat Dr. Paul U h l e n h u t h in Freiburg i. Br. aus Anlaß der Vollendung seines 70.Lebensjahres die Goethemedalle für Kunst und Wissenschaft verliehen. Uhlenhuth hat in Straß- bürg, Marburg und seit 1923 in Freiburg das Ordinariat für Bakteriologie und Hygiene innegehabt. Er war Assistent Robert Kocks und Löfflers und Direktor der bakteriologischen Abteilung des Reichs- gesurckheitsamts. Der Stabsführer der HI., Lauterbacher ist wahrend eines mehrtägigen Aufenthaltes in der italienischen Hauptstadt von Parteisekretär Muti empfangen worden und hatte Gelegenheit, sich mit den führenden Persönlichkeiten der italienischen Ju- gendorganisatton über die Vertiefung der beider- fettigen kameradschaftlichen Beziehungen zu unterhalten. e Auf dem mit den Fahnen Großdeutschlands festlich geschmückten Wilhelmsplatz in P o s e n fand am Sonntag in Anwesenheit des Kommandierenden Generals sowie des Reichsstatthalters die erste Verewigung ber Rekrutendes Heeres des Standortes Posen statt. * In der Werft von Spezia ist das italienische Hoch- see-U°Boot „Luigi Torelli^ vom Stapel gelaufen. Zwischen der japanischen Regierung und Wang- tschingwei ist eine grundsätzliche Übereinstimmung über die Pläne zur Bildung der neuen Zentra l r e g i e r u n g in China erreicht worden. Der italienische Botschafter in Washington, Fürst Colonna, wurde von Präsident Roosevelt zu einer langen Besprechung empfangen. NSG. PK. Eine schwere Flakbatteri^! Die Geschützstellungen liegen dicht nebeneinander! Draußen steht im Wirbel der Schneeflocken der Flugmeldeposten am Kommandogerät. In den Bunkern aber hockt alles eng und dicht beieinander. Da ist eine Bombenstimmung. Noch einmal haben sie den Weih- nachsbaum angesteckt und freuen sich über den feinen Schimmer, der über die grauen Wände des Bunkers gleitet. Einer spiett auf seiner Ziehharmonika Weihnachtsweisen und die anderen summen und brummen die Melodien mit, die sie sooft als Kinder und auch als Erwachsene noch gesungen hatten. Heute sind auch die Kameraden wieder m der Runde, die Weihnachten heimfahren Durften, dafür sind zwei mit frohen Gesichtern abgedampft. Der „Papa", ein alter Frontkämpfer des Weltkrieges, erzählt von feinen verschiedenen Sttvester- feiern in Frankreich, Polen und Rumänien. Und die Jungen horchen ihm aufmerksam zu. Vor lhm hatten sie Respekt, denn der „Papa" hatte langst schon daheim sein können bei seiner Familie, weil er Den „Entlassungsjahrgängen" angehort. Aber wenn einmal ein alter Krieger unter einer Rotte so schneidiger Burschen vier Monate lang steckt urck wirklich ihr „Papa" geworden ist, dan blieb ihm nur eines, bableiben. . m , Einer holt aus seinem Rucksack em schlichtes Buch. Es ist Zöberleins „Glaube an DeutschDer Dampfer „City of Marseille", 8317 Tonnen, erhielt beim Auflaufen auf eine Mine an der schottischen Oftküste ein großes L e ck mittschiffs. Ein Mattose wurde getötet, 13 in» bische Seeleute wurden verwundet. Der Dampfer wurde in einen Hafen eingeschleppt. Der brittsche Trawler „Kingston Cornell an", 449 Bruttoregistertonnen, sank nach einem Zusammenstoß mit Dem fronz o si sch en Passagierdampfer „CHella , 8920 Vrgt, am Freitagabend in der Meerenge von Gibraltar. Die gesamte Besatzung des Trawlers von 16 Mann wurde getötet. Die „Chella" wurde am Vorderteil beschädigt. durch den Raum. Ein Lanbserlled lost das andere ab. Herrlich ist die Stimmung. Langsam verlöschen am Bäumchen die Kerzen. Ehrliche Müdigkeit senkt ich herab in den Bunker. Zum letzten Male klingen yie Gläser zusammen und vorbei ist die Silvestereier im Kameradenkreise. Und sie war schön! Eugen Press. Wegweiser im Bunkergelände. um NUN MiMUk SR t ■' ■ Diesen Wegweiser beobachtete unser Bildbericherstat« ter im Westwall. Die verschiedenen Aufschriften, die zu den einzelnen Stellungen und Bunkern führen, verraten den Humor, den unsere Soldaten bei der Namengebung ihrer Stellungen entwickeln. — (PK.-Schöpf-Scherl-M.) Aus aller Wett. Vollstreckung von Todesurteilen. Am 6. Januar 1940 wurde der am 24. Juni 1905 geborene Kazys Venzlauskas hingerichtet, der vom Schwurgericht in Memel wegen Mordes und besonders schweren Raubes zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt worden war. Venzlauskas hat in der Nacht zum 23. März 1937 in Metterqueten (Memelaebiet) die 71 Jahre alte Pächterswittve Marie Klaschus überfallen, ermordet und beraubt. — Am 6. Januar 1940 ist der am 24. Mai 1920 in Podewitten, Kreis Wehlau, geborene Fritz Krause hingerichtet worden, der vom Sondergericht in Königsberg (Preußen) am 6. Dezember 1939 wegen Verbrechens gegen Die Verordnung gegen Volksfchädlinge zum Tode und dauernden Ehrverlust verurteilt worden war. Krause hat am 1. Dezemoer 1939 in Maraunen, Kreis Heiligenbeil, aus Rache einen Stall seines Betriebsführers angesteckt. Dadurch wurden Bich, Futtermittel und Gebäude im Werte von 180 000 RM. vernichtet. — Am 6. Januar 1940 ist der am 17. November 1906 in Boguschewen (Ostpreußen) geborene Hermann Stroemer hinge- rtdjtet worden, der vom Sondergericht in Königsberg am 30. November 1939 wegen fortgesetzten Verbrechens nach der Verordnung gegen Volksschädlinge zum Tode und dauernden Ehrverlust verurteilt worden war. Stroemer, ein schwer vorbestrafter Verbrecher, gab sich nach Verbüßung einer dreijährigen Zuchthausstrafe Bauern gegenüber a l s Flüchtling aus einem ostpreußischen Grenzort aus und beging unter gewissenloser Ausnutzung Des Mitleides der Volksgenossen Betrügereien. Er erweckte dabei bewußt Den Anschein, als ob die Flüchtlinge keine staatliche Unterstützung erhielten und daher auf Bettelei und mildtätige Gaben ange- nüefen feien. — Am 6. Januar 1940 ist Der am 21. Dezember 1911 in Königsberg (Preußen) geborene Artur Britt hingerichtet worden, der vom Sondergericht in Königsberg (Preußen) am 24. November 1939 wegen Verbrechens nach § 4 der Verordnung gegen Volksschädlinge sowie wegen fortgesetzten Rückfallbetruges und fortgesetzter schwerer urdundenfälschung zum Tode und zu 15 Jahren Zuchthaus sowie zu dauerndem Ehrverlust verurteilt worden war. Britt, ein erheblich vorbestrafter Gewohnheitsbetrüger, hat auch kurz vor dem Krieg wieder viele Darlehensschwindeleien begangen. Nach Kriegsbeginn gab er sich als Frontsoldat oder Militärarzt aus und erschwindelte so Geldbeträge unter gewissenloser Ausnutzung der Gebefreudigkeit zahlreicher ärmerer Volksgenossen. Türkischer Passagierdampfer vom Sturm auf den Strand geworfen. Der Dampfer ipha n", der mit 200 Passagieren und einer wertvollen Ladung von Alexan- Drette zurückkehrte, wurde durch Sturm bei Anta- laya auf Strand geworfen und befindet sich in einer gefährlichen Lage. Lyoner Seidenspinnerei und -Wirkerei eingeäschert. Eine Seidenspinnerei und -Wirkerei in Lyon ist völlig eingeäschert worden. Die Feuerwehren waren machtlos, da die Flammen in den Rohstoffvorräten immer wieder neue Nahrung fanden. Das Hauptfabrikgebäude ist eingeäschert. Der Schaden wird auf über 700 000 Francs geschätzt. Wolfsrudel überfallen mazedonische Dörfer. Verschiedene Dörfer in Westmazedonien und Thrazien nahe der griechisch-bulgarischen Grenze wurden von Wolfsrudeln heimgesucht, die zahlreiches Vieh verschleiften. Mhrere Bauern wurden im Kampf mit den Tieren verletzt. Zehn Wölfe konnten getötet werden. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik, Feuilleton und die Bilder- Dr. Fr. W. Lange: für Stadt Gießen. Pro- vinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein: für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Druck und Verlag: Bruhlsche Universitätsdruckerei, R. Lange, K.-G., samtluh m Gießen. Monatsbezugspreis 2,05 RM. einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zett ift PnisMe Nr, 5 vom 1, DMMöLL IM Mis- Schiläufer im Kampf um Kreismeisterschasten. w w ** - ■< - Links: Den Langläufern wird die Strecke erläutert. — Rechts: Augenblicksbild vom Torlauf. — (Aufnahmen [2]: Neuner, Gießener Anzeiger.) Kreis 8 und Kreis 11 des Fachamtes Schilauf im NSRL. trugen am gestrigen Sonntag kameradschaftlich und gemeinsam die Kriegs-Kreismeisterschaften am Hoherodskopf aus. Den Schiläufern war nach etwas langstieliger Anreise mit Eisenbahn, Omnibus und Ausstieg zu Fuß ein herrlicher Tag beschieden. Die Schneelage war teilweise gut, hätte besser sein können, verhinderte aber, so wie sie war, die Durchführung des Abfahrtslaufs. Eine Schußfahrt nach Breungeshain hinab wäre nicht ohne weiteres möglich gewesen. Die Rennen waren, dank der reibungslosen Zusammenarbeit der Kreisfachwarte (8) Fritz Dörf- ner (Gießen) und (11) Dr. Spöttel (Bad-Nau- Heim) gut vorbereitet. Als die Wettkampfteilnehmer (deren eine stattliche Anzahl schon am Samstag auf dem „Heiligen Berg" war) ankamen, war der Langlauf bereits abgesteckt. Er führte vom Klubhaus aus nach der Oberreinborns-Wiese, zum Geisenstein, über die Breungeshainer Heide und in großer Weite zum Klubhaus zuriick. Innerhalb dieser Schleife von etwa 8 Kilometer Länge war eine zweite Schleife von 4 Kilometer verlegt. Die Aktiven legren beide Schleifen zurück, die Jugend startete über reichlich 4 Kilometer der kleinen Schleife. Im Glanz eines Hellen Tages traten gegen 9 Uhr die Langläufer zum Start an. Kreisfachwart Dörf- ner hielt eine kurze Ansprache, betonte, daß der Sport auch während der Kriegszeit eifrig gepflegt werden müsse. Daß dies auch in den Kreisen 8 und 11 geschehe, dafür lege diese Meisterschaftsveranstaltung Zeugnis ab, die mit einer größeren Anzahl aktiver Teilnehmer gestartet werde, als je eine Kreismeisterschaft zuvor. Insgesamt trugen 90 Schiläufer und -läuferinnen das charakteristische gelbe Tuch mit der Nummer. Dr. Spöttel erläuterte, nachdem das „Sieg-Heil" auf den Führer ausgebracht war und die Flagge des Dritten Reiches am Maste flatterte, die Langlaufstrecke. 20 Läufer traten an und wurden in Äbständen.von Minute zu Minute mit einem „Schi-Heil" auf die Reise geschickt. Allzurasch entzog sie der Wald den Blicken der vielen Zuschauer und es begann ein Kampf um Minuten und Sekunden, ein Kampf um den Meter, um die Ueberholung des Vormannes, den zu verfolgen leider im einzelnen nie möglich ist. Erst die schwierige Auswertung der Ergebnisse der Stoppuhr, der Vergleich von Start- und Ankunftszeit, der Vergleich der Zeit von Mann zu Mann läßt den Einsatz erkennen, mit dem gekämpft wurde. Für den Kreis 8 stellte Gottfried E i d m a n n vom Schiklub Gießen den Sieger. Mit 1:16,3 Std. für die 12 Kilometer lief er die beste Zeit des Tages und ließ die Kameraden aus beiden Kreisen klar hinter sich. Um die Mittagsstunde bot sich dann, als rund 60 Teilnehmer zum Torlauf antraten (auch viele Frauen und Mädchen darunter) ein fesselndes wintersportliches Bild, das sich im Licht des Hellen Tages nicht nur sehr lebendig, sondern auch sehr farbenprächtig ausnahm. Kreisfachwart Dörfner hatte eine tadellose Torlaufstrecke angelegt, die über die Heide und ein Stück den Wald entlang steil abwärts führte. Dabei galt es einige Steine und auch etliche apere Stellen zu umschiffen, so daß das Können der Läufer lebhaft herausgefordert wurde, wenngleich dabei nichts Unmögliches verlang wurde. Mit großer Spannung verfolgten die Zuschauer jeden einzelnen Läufer, um zu sehen, wie er Tore und Geländeschwierigkeiten nahm. Im Gegensatz zum Vorjahre war es diesmal möglich, die Läufer vom Start aus bis fast in das Ziel zu verfolgen. Eine scharfe Gegnerschaft entwickelte sich zwischen Knüttel (Lauterbach), May (Bad-Nauheim) und Althaus (Gießen), die die Strecke nur mit Unterschieden von wenigen Sekunden hinter sich brachten. Die Bestzeit des Tages lief der Lauterbacher, der in zwei Durchgängen nur 3:30 Minuten für die etwa 1200 Meter lange Strecke brauchte. Das Rennen nahm einen spannenden Verlauf und wenn auch nicht gleich an Ort und Stelle eiy Ueberblick zu gewinnen war, wer in jeweils seiner Klasse den Sieger stellte, so nahm der Kampf nicht nur die Teilnehmer selbst, sondern auch die Zuschauer, die in langer Reihe die Torlaufstrecke säumten, lebhaft in Anspruch. Die Gießener Nachrichten-HI. erwies sich, obwohl sie nur mit Telephongeräten älterer Bauart ausgerüstet ist, als Meister in diesbezüglicher Beschränkung und schuf zwischen Start und Ziel eine tadellose Fernsprechverbindung, die den Ablauf des Rennens wesentlich förderte. Die Rennleitung machte sich unmittelbar nach den Rennen über die Ergebnisse her und stellte in zweistündiger Arbeit die Sieger in den einzelnen Klassen fest. Dann galt es aber auch schon zum Aufbruch zu rüsten, denn der Weg nach Schotten und zur Bahn mußte auf Schiern zurückgelegt werden. Der herrliche Tag ging in allseitiger Harmonie zu Ende. (Die Ergebnisse des Kreises 11 veröffentlichen wir morgen.) Sie Ergebnisse. Langlauf (Kreis 8). Allgemeine Klasse: 1. Gottfried Eidmann (Schiklub Gießen), 1:16,3 Std.; 2. Arnold Mueller-Leutert (Schiklub Gießen), 1:16,35 Std. Jungmann - Klasse: 1. Gg. Lampert (Schiklub Gießen), 1:48,55 Std. Jugend: 1. Wolfgang Schmidt (Bann 116, Schiklub Gießen), 38,34 Minuten. Torlauf, kreis 8. Allgemeine Klasse: 1. Hch. Knüttel, SpG. Lauterbach, 3,30 Min. (1,45, 1,45); 2. Gottfried Eidmann, Schiklub Gießen, 3,43 Min. (1,513 —1,52); 3. Hans Sbresny, Schiklub Gießen, 2:44,5 Min.; 4. Uffz. Maier, 2,57 Min. Altersklasse 1: 1. Karl Althaus, Schiklub Gießen, 3:40,4 (1,50 — 1,51,4). Altersklasse 2: 1. Walter Zerndt, Schiklub Gießen, 2:19,4 Bin.; 2. Hch. Hch. Heyder, Schiklub Gießen, 3:18,— Min. Iungmannen: 1. Alwin Endres, Schiklub Wetzlar, 1:50,6 Min.; 2. Ernst Schmidt, 2:13,4 Min. (Mar.-HJ). Jugend-Klasse A : 1. Herbert Lauer, Mar.- HJ. (Schiklub Gießen), 2:01,5 Min.; 2. Helmut Lehr, HI. 249 (Schiklub Wetzlar) 2:03,0 Min.; 3. Heinz Stöhr, HI. 304 (Sp. Lauterbach) 2:05,3 Min. Min. Frauen: 1. Elfi Kukutschka, Gießen, 1:59,5 Min. Torlauf BD7N. Klasse A : 1. Hildegard Brettschneider, Hanau, 2:15,4 Min.; 2. Susi Lingmann, Wetzlar (88), 2:26,5 Min.; 3. Lina Gerlach, Wetzlar, 2:26,9 Min.; 4. Anni Konrad, Schotten (254), 3:09,4 Min. Klasse B: 1. Gertrud Schlächter, Wetzlar, 2:47,0 Min.; 2. Irmgard Simon, 3/88, 3:08,2 Min. Schwarzer Tag der Gießener Fuhballmannschasten. TfB.-H. I — Spo. 05 wehlar I 2:4 (1:1). Mit Bangen sah man im Lager der Grünweißen diesem Spiel entgegen, denn von der etatsmäßigen Mannschaft fehlten vier Mann. Aber der eingestellte Ersatz schlug sich tapfer. Die Grünweißen hatten mit Ausnahme einer kurzen Zeitspanne, in der die Gäste stark aufkamen und die Tore schossen, das Spiel in der Hand. Die Gäste drückten stark, bis. Funk als elfter* Spieler einlief, dann wurde das Spiel lebhafter. Die Vorstöße der Grünweißen waren weit gefährlicher als die des Gegners. Die bestgemeinten Schüsse hielt aber der Hüter der Gäste. Bei einem Vorstoß fiel überraschend das Führungstor für Wetzlar. Zi- dorn hatte sich freigespielt, und dessen Schuß ließ Heeg passieren. Die Grünweißen belagerten das Tor der Gäste, und schon sah man den Ball im Tor, dieser wurde aber wieder herausgeschlagen, uni) ein Freistoß von Schlitz verwandelte Funk kurz darauf zum vielbejubelten Ausgleich. Dies war der Auftakt für einen Generalangriff der Grün- weißen, der bis zur Pause andauene, aoer keinen Erfolg mehr einbrachte. Nach dem Wechsel hatten die Gäste mehr vom Spiel, bei den Grünweißen machten sich Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Baumann brach durch und schoß in der 51. Minute den Führungstreffer. Vier Minuten später schoß der Rechtsaußen der Gäste eine Ecke direkt ins Tor. Dies war den Grünweißen zuviel, und sie beherrschten nun abermals das Spielfeld. In der 62. Minute konnte Schmuck auf Flanke von Berghöfer auf 3:2 verkürzen. Mehrere Ecken wurden erzielt, aber alle Schüsse meisterte der gute Torhüter. Ueberraschend fiel das vierte Tor für Wetzlar. Heeg war bei einem Durchbruch herausgelaufen, und mühelos konnte Zidorn einschießen. Die Grünweißen gingen mächtig aus sich heraus, und schon glaubte man an ein drittes Gedenket der hungernden Vögel! Tor, aber Schlitz knallte den Elfmeterball an die Torlatte. Nur noch wenige Minuten waren zu spielen, Berghöfer verpaßte zwei klare Torchancen, er schoß freistehend darüber, dann war Schmuck der Unglücksrabe; sein Schuß ging ins Aus. Als Hofmann (Wieseck) abpfiff, hatten die Grünweißen ein Spiel durch viel Pech verloren. Watzenborn-Steinberg I — Spogg. 1900 Gießen I. 4:2 (1:1). Mit dem Anstoß der Platzmannschaft verlegte sich 1900 Gießen zunächst auf die Verteidigung, so daß die Teutonen von der ersten Spielminute an das Tor der Gäste berannen. Die verstärkte Abwehr im Verein mit dem glänzenden Torhüter Dinges opferten sich auf, und es gelang auch, fast eine ganze Halbzeit dem Druck des einheimischen Sturmes standzuhalten. 1900 kam in ganz vereinzelten Durchbrüchen, die aber stets gefährlich waren, vor und ein solcher Vorstoß führte nach etwa einer halben Stunde durch den Mittelstürmer Heuser zum Führungstor. Immer wieder stand Dinges dann im Brennpunkt der Geschehnisse. Noch verstärkter griff der Teutonenfturm an und noch verstärkter wurde die Abwehr der Blauweißen. In aussichtsreicher Schußstellung wurde Schmitt drei Minuten vor der Pause im (Strafraum der Gießener gelegt und den verhängten Elfmeter schoß Fett zum Ausgleich ein. Nach der Pause fanden sich die 1900er besser und gestalteten das Spiel offen. Nach 20 Minuten brachte Schmitt die Teutonen in Führung, indem er eine Flanke vom Rechtsaußen schön in die lange Ecke köpfte, unhaltbar für Dinges. Linksaußen Harnisch, der im übrigen einen schwachen Tag hatte, drückte einen vom Pfosten zurückspringenden Ball zum 3:1 ein. Kurz darauf gab Schmitt im Fallen einen Ball zum Rechtsaußen Buß, der nur die Querlatte traf. Im Gegenangriff entwich Mittelstürmer Heuser den weit aufgerückten Teutonenverteidigern und schoß an dem ihm entgegenlaufenden Torhüter Burger vorbei zum 3:2 ein. Dem Linksaußen der Dlauweißen bot sich noch hie und da eine Erfolgsmöglichkeit, doch seine Schüsse waren zu ungenau. Kurz vor Schluß stellte Schmitt durch wuchtigen Schuß das Endresultat von 4:2 her. Klockner-Sdialtzeug für wirtschaftliche elektromotorische Antriebe »eveR hankfvftef Geschäftsräume mV Ausstellung und Werkstatt befinden skh jetzt? FRANKFURT (MAIN) WESERSTR. 17/ RUF 32354 KLÖCKNER Tedtnfcxfees Büro uod Verkaufslager PAV14 & STAPF Sofort Torfmull (Florafeintorfmull) zu kaufen gesucht. 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Sietzen Versenden Sie den Gießener Anzeiger zum Bezugspreis von RM. 2.05 für den Monat unter folgender Anschrift: (Feldpostanschrlfi genau angeben) Oie Äezugsrechnung zahlt: (Genaue Hnfchptfr de/ Bestellers) Goethe - Bond / Kaufmännischer Verein Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde in Arbeits- Gemeinschaft mit der Volksbildungsstatte Gießen der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ Mittwoch, den 10. Januar 1940, abends 8 Uhr, in der Neuen Aula der Universität: LICHTBILDERVORTRAG Robert Henseling Vorstoß ins Unendliche (Das Weltbild der Heutigen Sternforschnnd) Die Mitglieder des Goethe-Bundes und Kaufmännischen Vereins haben auf Kontrollabschnitt Nr. 2 (GB.) bzw. Nr. 5 (KV.), die Mitglieder der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde auf GB.-Gutschein Nr. 5 freien Eintritt. Mitglieder der NS.-Frauenschaft, des Landschafts- bnndes Volkstum und Heimat erhalten Eintrittskarten zum ermäßigten Preise von 60 Pf. gegen Vorzeigen des Mitgliedsausweises, Nichtmitglieder zu RM. 1.— bei Challier und an der Abendkasse, Stndentenkarten zu 80 Pf. bei Hausverwalter Becker, Universitätsgebäude, HJ., BDM., Militär und Schüler zu 30 Pf., Angehörige der Volksbildungsstätte Gießen der NS.- Gemeinschaft KdF. zu 50 Pf. bei der Kartenverkaufs- steUe der KdF. Johannes Nickel O.H.G. Hartbasalttverke mD Ober-Widdersheim (Hessen). Einstell, erfolgt üb. d. Arbeitsamt. j Vermietungen | 3-ZimiD.-Wohn. mit Heizung in gutem Hause zu vermieten. Schr. Angeb. u. 117D an o. Gieß. Anz. 2 große leere Zimmer mit Heizung in gutem Hause zu vermieten. Schr.Angeb.unt. 118D a. d.G.A. [Stellenangebote! Keine Zeugnisse in Urschrift um Bem am Zeugnis- abichrlften oetn werüung-jchretben beilegen - Lichtbilder onovewerdungSunter- tgen müllen zur Vermeidung von Verlusten Nordeck, 6. Ian. Im hiesigen Walde ereignete sich beim Holzfällen ein schwerer U n - fall. Der Landwirt Heinrich Vogel von hier, der bei einer Holzfäller-Rotte beschäftigt ist, wurde von einem stürzenden Baum getroffen. Er wurde mit erheblichen Beinverletzungen, mutmaßlich Unterschenkelbrüchen, nach Hause gebracht und erfuhr erste ärztliche Hilfeleistuna. Der Arzt ordnete sodann seine Ueberführung in die Chirurgische Klinik nach Gießen an. gehend „abgegrast" worden war. Die Singscharen der KdF. von Watzenborn-Steinberg und Leih- gestern unter Leitung von Georg Heß unterstützten das Liebeswerk am gestrigen Sonntag durch öffentliche Singdarbietungen, ebenso hatte der Eis- verein die von ihm betreute Eisfläche mit dem Ertrag des Eintrittsgeldes in den Dienst der guten Sache gestellt. Die Abzeichen fanden schon am Samstag außerordentlich flotten Absatz, so daß am gestrigen Sonntag mancher Sammler hinsichtlich der Abzeichen „völlig blank" mar, aber trotzdem seine Sammeltätigkeit mit vorbildlichem Eifer fortsetzte und dabei immer wieder gebefreudige Spender fand. Alles in allem war wiederum die erfreuliche Feststellung zu machen, daß unsere Volksgenossen in Gießen und im Kreise Wetterau auch bei dieser Sammlung erneut ihre schon oft bewährte Opferfreudigkeit eindrucksvoll unter Beweis stellten und damit der Gausttaßenfammlung in unserer engeren Heimat zu einem guten Erfolg verhalfen. Helft den Tieren in der Wintersnot! Für die im Freien lebenden Tiere ist ein strenger Winter besonders schlimm. Unter Hunger und Kälte haben sie viel zu leiden, Tierfreunde, helft ihnen! Nehmt den H u n b in ben kalten Winternächten ins Haus! Macht bie Hunbehütten warm unb zugfrei burch warmes Lager unb burch einen bichten Vorhang am Eingang! Futter unb Getränke müssen warm gereicht werben. Zugtiere müssen zugebeckt werben, besonbers wenn sie stehen. Nur ein pflichtvergessener Mensch bringt es fertig, sie jetzt längere Zeit im Freien stehen zu lassen. Bei Dunkelheit müssen Hunbe an der Leine geführt werden zum Schutze von Mensch unb Tier. Hauskatzen läßt man in ber Dunkelheit am besten überhaupt nicht mehr hinaus. Häufig verirren sie sich unb werden bann oft in erbärmlichem Zustanb bei ben Tier- schutzvereinen abgeliefert. Die Vogelfütterung muß jetzt sehr sorgfältig burchgeführt werben, besonbers bei Schneefall. Läßt man eine sonst regelmäßig versehene Futterstelle nur einen halben Tag ohne Futter, so kann bas für viele Vögel ben Tob bebeuten. Aber ja kein Futter verwenben, bas gefriert! Auch bie Fütterung bes Wilbes ist jetzt notroenbig. Wer ben Tieren in ber Not beisteht, nützt nicht nur bem ganzen Volke, fonbem bereitet sich auch selber bie größte unb reinste Freube. Wieder ein Fünfhunderter. Am Freitagabend wurde bei einem Losverkäufer der WHW.-Lotterie in Gießen wieder ein Gewinn von 500 RM. gezogen. Das ist der dritte Fünfhunderter, den die Kriegswinterhilfs-Lotterie in Gießen ausschüttete. Die Zahl der großen Gewinnmöglichkeiten ist damit aber noch nicht erschöpft. Ilundfunkprogramm Dienstag, 9. Januar: 6 Uhr: Morgengruß. 6.10: Morgengymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7 bis 7.15: Nachrichten. 8: Landvolk, merk' auf! 8.10: Gymnastik. 8.25: Sendepause. 9.15^ Kleine Ratschläge für den Garten. 9.30: Vom Deuffchlandsender: Schulfunk (Oberstufe). Aufbau im Osten I. 10: Frohe Weisen. 11: Musik am Vormittag. Ausführung: Das große Orchester des Reichssenders Frankfurt. 11.50: Stadt und Land — Hand in Hand. 12: Aus einem Rüstungsbetrieb: Werkskonzert. In Verbindung mit der NS.-Gemeinschaft „Äraft durch Freude". 12.30 bis 12.40: Nachrichten. 13: Mittagskonzert. Das kleine Unter« Haltungskonzert des Reichssenders Wien. 14: Nachrichten. 14.15: Der fröhliche Lautsprecher. 15.45: Bücher für unsere Soldaten. 16: Der Apotheker und der Doktor. Ein lusttges Singspiel. 17: Nachrichten. 17.10: Nachmittagskongert. Es spielt das kleine Orchester des Reichssenders Frankfurt. 18: Ruf ins Land: Berichte des Landesernährungsamtes. 18.25: Musik nach des Tages Arbeit. Dazwischen: 18.30: Aus dem Zeitgeschehen. 19.10: Berichte. 19.45: Politische Zeitungsschau. 20: Nachrichten. 20.15: Heber- tragung vom Deutschlandsender. Dazwischen: 22 bis 22.15: Nachrichten. 24 bis 0.15: Nachrichten. Sprechstunden der ft ton. 11.30 bis 12 30 Uhr, 16 bis 17 Uhr Samstagnach- mittags geschloffen. WrMMlUlstMWs HGmanDon$rl6anWßif CARL DUNCKER VERLAG • BERLIN W 35 16 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Eine Nacht, ein Dag und abermals eine Nacht vergehen, bis der „Columbus" sein erstes Ziel, Schottland, erreicht. Die meisten Passagiere verschlafen die Einfahrt in den Hafen von Leith, weil es noch früh am Morgen ist. Aber einige erleben sie doch, und sie sehen, wie sich Meer und Himmel zu färben beginnen. Die Sonne geht über Schottland auf. Es glüht und sprüht, Wolken und Wasser scheinen eins zu sein. Doch das Land zwischen ihnen liegt noch tot und welk, inmitten ber auf blüh end en Farbenpracht, Hügel und Berge gleichen versteinerten, geduckten Riesentteren. Nichts ist zu sehen von Wäldern, nicht ein Schimmer von grünen Wiesen und Feldern. Das Schiff liegt auf der Reede von South Queens Ferry. Anne Wegner hat von der Einfahrt nichts gemerkt, sie schläft ihren gesunden Kinderschlaf und wird erst wach, als alle Gänge des Schiffes von schmetternden Trompetenklängen erfüllt sind, ja, als das große Wecken der Passagiere anhebt. „Freut euch des Lebens!" Trompete unb Bandoneon rufen diesen Befehl in jede Kabine, und alle Passagiere kommen ihm nach. Sie fliegen aus dem Morgenschlaf hoch und fahren in ihre Kleider. Hoho, bas Schiff ist trotz der ftühen Stunde voll fieben von oben bis unten. Auch Anne ist aus ihrem festen Schlaf gefahren, doch geht sie nicht gleich ans Waschbecken, nein, Anne kniet auf ihrem Bett unb sieht auch so bas fremde Land vor sich liegen. Es ift Heller Tag geworden, ein klarer Tag, das Ufer ist deutlich zu erkennen. Als sie bas letztemal fianb sah, war es die Niederung von Bremerhaven. Hier sind auch grüne Weiden, aber sie klettern über Hügel unb Berge. Ein Schloß mit Türmen unb Zinnen ist $u sehen, über eine mächtige Eisenbahnbrücke rollt ein Zug. Wohin fährt er? Anne hat sich noch nie so klein gefühlt. Wer weiß, wie lange noch, Anne, an das runde Fenster geschmiegt, gekauert wäre. Doch es klopft an ihre xür, unb als sie öffnet, steht Frau Rhoder vor ihr. „Nanu, noch nicht angezogen, liebes Kind? Es wird Zeit. Als ich Ihre Schuhe vor ber Tyr sah, bachte ich mir gleich, bas Kinb sitzt am Fenster unb träumt. War es jv2" Hie nickt Ann« $u und lacht. Anne kriegt einen roten Kopf und kann darauf nur „ja" sagen. „Na, da hat die Mama Rhoder also wieder mal recht gehabt. Nun aber schnell gewaschen und an* gezogen, ich brinae Ihnen heute das Frühstück. Mund halten, nichts dagegen sagen, in fünf Mi- nuten bringe ich Ihr Essen." Kleine, feine Mama Rhoder, wirklich wie eine Mutter ist sie. Anne ist nachdenklich. Wovor hat sie Angst? Aber plötzlich schlägt ihre Stimmung wieder um, und sie fängt an zu flöten, zu lachen und zu singen. Angst? Wie dumm! Was wird sie heute alles erleben! Fast zwölf Stunden lang werden sie unterwegs sein. Hoho, hoho, Anne singt, als ob sie mit Koni weit draußen auf den heimatlichen Feldern wäre. Wie die Windsbraut singt sie. Fertig!!! Nun ins Hemd geschlüpft, Anne trägt noch am liebsten ein Leibchen, wie es bie Kinder tragen. Die Schmitten hat es genäht, und Anne ist so allmählich in dieses viel zu weite Ding hinein gewachsen. Es ift es gerade richtig, und nun lacht Kläre sie aus. Laß sie lachen, das Leibchen gehört zu Anne, nur die Strippen sind nicht mehr dran, weil sie jetzt seidene Strümpfe trägt Eine feine Frau, seidene Strümpfe, oha, Klarissa hat ihr Leben lang wohl nur Strümpfe getragen, die aus eigener Schafswolle aestrickt waren, unb ist doch Klarissa, die Frau vom Birkenhof. Die Strümpfe machen es also nicht, nein, Kläre, da kannst du sagen, was du willst. Als bie Stewardeß kommt, wird gerade das Unterkleid übergeftreift. Frau Rhoder hilft, so geht es schnell wie der Blitz. Nur eine Tasse Kaffee und ein Brötchen — das fremde Land lockt, geheimnisvoll und merkwürdig, weil es fremd ist. Angesichts dieses Landes soll der Mensch essen wie alle Tage? — Ausgeschlossen. Diel wichtiger rft die Frage, ob sie noch mitkommt? Keine Sorge, Anne Wegner, du kommst auf jeden Fall mit, denn auf dem Promenadendeck geht schon lange einer hin und her, der dich holen würde, wenn es Eile hätte. Es rft nicht eilig, die kleine Führe hat gerade erst angelegt, und augenblicklich hat auf ihr noch ber Oberkoch das Wort. Er steht mit feiner weißen Mütze und Schürze da wie ein strahlendes Licht. Man soll nun nicht etwa denken, daß er nicht anpackt, o nein, er bricht selbst mit einer mächtigen Brechstange die Fischkisten auf, obwohl er der Koch ist, so, so, und er prüft die Lachse und untersucht die Schollen. In großen Tragen werden sie auf den „Columbus" geschafft. Fertig nun, bie Planken der Fähre sind noch glitschig von den vielen Fischen» Auf einer Empore sitzt eine kleine Kapelle, die viel Spektakel macht, und oben auf dem großen Schiff spielt die Stewardkapelle. Sie lösen sich gegenseitig ab, schingtara von oben, rumbaba von unten. Ein luftiger Morgen. Schottlands Küste liegt unter strahlender Sonn« und milder Wärme. Als Anne das Promenadendeck betritt, fangen die Passagiere gerade an, hinunterzusteiaen, um auf bie Fähre zu kommen. Jemand ruft ihr zu: „Bleiben Sie gleich da, ich komme schon, wir müssen doch nach unten." Und jetzt stehen Christtan Schwertfeger und Anne sich gegenüber, reichen sich die Hände und lachen. Warum sollen sie nicht lachen? Sie haben von einer Trompete und einem Bandoneon den Befehl bekommen: „Freut euch des Lebens!" Der Morgen ist sttahlend, sie haben eine fremde Küste vor sich unb viele Stunden, die sie mitsammen durch dieses Land fahren werden, Grund genug, zu lachen. Christtan und Anne steigen Treppen hinunter und wandern durch bie Gänge. Vor ihnen stehen Margot Wenzien und Willem Schönemann. Sie haben schon wieder viel miteinander geredet. Chrfftian hat es wohl gehört, aber bei dem Reden ist weiter nichts dabei herausgekommen, als daß Margot nun ihre wildesten Augen hat. Sehr wilde und ungebärdige Augen. Willem Schönemann hat keine wilden Augen, das kann man von ihm nicht sagen. Er ist im Grunde gutmütig, ein ruhiger und gutmütiger Mann, ein bißchen schleppend, ein bißchen langweilig. Man sagt, daß er tüchtig ist, weiter gibt es über ihn nichts zu sagen. Aber er hat so feine eigenen Gedanken unb einen harten Kopf. Dies paßt dem Mädchen nicht. Es verlangt wohl, daß er sich ändern soll, und es redet viel drumherum. Doch er denkt nicht daran, sich zu ändern, und so verderben sie sich die Tage unb die Stunden. Das Mädchen Margot ist nicht dumm, bewahre, keine dumme Frau und auch kein Kind mehr. Vierundzwanzig Jahre ist sie alt, da muß der Mensch schon Verstand haben, wenn er ihn überhaupt in seinem Leben haben soll. Sie ist Malerin, und sicher ist sie begabt. Eine tüchtige Malerin, die viel über allerlei zu reden weiß, über bie alte unb neue Kunst, über Tempera- und Pastell färb en. Trotzdem sindet sie sich im Leben nicht zurecht, das ist es. Aul der einen Seite ist sie das Enkelkind der Marktfrau Manda Wenzien, das gesund unb gerade aus dem gesunden Volk stammt. -Aber auf der anderen Seite fühlt sie sich als Künstlerin über alle Menschen weit erhaben. Sie fühlt sich auch über Willem erhaben, den sie liebt. Sie ist krank vor geiftiaem Hochmut. Und Willem merkt es unb wehrt sich dagegen. In seiner schleppenden Art, wehrt er sich gegen ihre Ueberlegenhett, die sie ihn oft fühlen läßt. So ist der Streit der beiden tiefer, als er bei oberflächlicher Bettachtung scheint. Die Großmütter sind sozusagen der Vorwand. Willem und Margot bekämpfen sich selbst. Sie stehen nicht nebeneinander, sondern voreinander im Kampf. Sie sind gereizt, weil keiner sich ändern will. Es riecht immer noch nach Fischen, als die Paffd- giere bie Fähre betreten. Anne rutscht aus, und sie wäre gefallen, wenn Christtan sie nicht gehalten hätte. Er hält sie fest, sie sehen sich in die Augen und lachen. Sie sind vergnügt und lachen. Der Morgen ist frisch, es riecht nach guten und frischen Fischen, und zwischen diesen beiden ist keine Rede von Ueberlegenheit und so. Sie sind jung und voll Neugier. Sie werden ftemdes Land sehen, sie kommen ihm näher unb näher, wie schön! Die Jazzband spielt flott und mit großem Krach. Ein Mann geht umher und sammelt. Er sieht wie ein Künstler aus, hat einen fliegenden Schlips und eine lange Tolle. Jetzt sieht man die ersten Häuser schon, es finb nicht viele, es gibt in South Queens Ferry nicht viel Häuser, und sie sehen grau aus wie die Felsen dieses Landes, denn die Steine zum Bau wurden aus dem Fels gebrochen. Dor den Häusern stehen bunte Wagen, nehmen Reisende auf unb sollen sie zur Bahnstation bringen. Die Fähre legt an. Frischer Wind streicht über Schottlands Küste. Anne steht mit dem Gesicht bem Meer zugewandt. .(Sie spürt Salzgeruch im Wind, oh, und den Dutt blühender Wiesen. „Jetzt ist bald die Zeit des Grum- met", sagt sie. „Wie schnell doch ein Jahr vergeht." „5a, der Landmann rechnet von einer Ernte zur anderen, und er tut recht daran." Anne sieht immer noch über das Meer. „Was wissen Sie vom Land?" „Denken Sie?" Er lacht ein munteres Jungen- lachen neben ihr. ,Zch bin aber Landwirt, sogar einer, der mit dem Kühehüten anfing, von Der Pike auf, also. Jetzt sitze ich allerdings in Berlin in einer Versuchsstation, am grünen Tisch, wie es fo schön heißt. Immerhin, Fräulein Anne Wegner, werde ich Ihnen wohl noch manches über Pferdezucht, Schweinemast unb vor allen Dingen über Moorkulturen sagen können." „Ach", ihr Gesicht fährt herum. Sie sieht khn an wie einen neuen Menschen. Ihre Lippen sind ein wenig geöffnet, bie zartgerollten Rosenblätter schimmern über den kräfttgen Zähnen. „Dann wissen Sie ja auch, wie solch ein Morgen ist, wenn man über die Wiesen reitet, die noch naß vorn Tau find?" (Fortjetzung folgt)