Aeltag. 6. September 1940 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Ubr desVormittags Auzeigen-Preife: Anzeigenteil 7 Rvf. te mm bei 22 mm Zeilenbreite, Tertteil 50 Rvf. ie mm bei 70 mm Zeilenüreite Nachlässe: Wiederholung Malstaffell Abschlüsse Mengenstaffel B Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25% mehr R Gießener Anzeiger von einzelnen Nummern $o?ttoTjfl&6Srantf®m. «wesst»« General-Anzeiger M Oberhessen -?SSS!S- Abdankung König Carols von Rumänien. Bukarest, 6. September (Europapreß). König Carol II. von Rumänien hat in den frühen Morgenstunden des Freitags abgedankt. Die Abdankung König Carols von Rumänien kommt vielleicht nicht ganz überraschend, denn die außerordentlichen außenpolitischen Schwierigkeiten, aus denen erst der Wiener Schiedsspruch dem Lande einen Ausweg gezeigt hat, waren die Folgen einer außenpolitischen Orientierung, die sich in der Grundanlage als falsch erwiesen hat. Die politisch maßgebenden Kreise in Bukarest hatten gemeint, das durch die Pariser Vorortdiktate geschaffene Groß- Rumänien in seinem Besitzstand durch eine enge Anlehnung an die Westmächte sichern zu können. Das entsprach auch der traditionellen politischen Linie, die die liberale Partei der Bratianu, der Jonescu und Titulescu schon vor dem Weltkriege in ständiger Opposition gegen den dreibundfreundlichen Kurs des alten Königs Carol verfolgt hatte, und die mit dem Eintritt Rumäniens in den Krieg an der Seite der Westmächte den ersten Erfolg ihres Wirkens sah. Die starken finanziellen Verflechtungen, die rumänische Wirtschaftskreise namentlich in her Petroleumindustrie, aber auch den sehr geldbedürftigen großrumänischen Staat an die Westmächte banden, erhöhten die politische Abhängigkeit Rumäniens von Paris und London. Trotz der starken wirtschaftlichen Interessen, die Rumänien in dem neugeschaffenen großdeutschen Markt befriediget sand, glaubte man in Bukarest doch, daraus keint politischen Konsequenzen ziehen zu brauchen und vielmehr auf das britische Garantieangebot eingehen zu müssen. Daß dies nicht nur völlig wertlos, sondern eine außerordentlich gefährliche Belastung der rumänischen Außenpolitik war, erwies sich zum erstenmal eklatant bei der Rückforderung Bessarabiens durch Rußland und dann bei den mit größter Energie vor- ^gebrachten Reoisionsansprüchen Ungarns und Bulgariens, die dann endlich den rumänischen Politikern die Augen öffneten. König Carol hat diese schwankende Außenpolitik verschiedener Regierungen, die vielfach der Stimmung in weiten Kreisen des Landes keineswegs entsprach, gedeckt und ist auch den innenpolitischen Schwierigkeiten — wir erinnern nur an das Verhältnis zur Eisernen Garde — nicht Herr geworden, obwohl er mit der regierenden Liberalen Partei auf keineswegs gutem Fuße stand. Er ist ein Großneffe des ersten Königs von Rumänien, 1893 als Sohn des damaligen Kronprinzen Ferdinand von Rumänien und der Prinzessin Maria von Sachsen- Koburg-Gotha, einer Enkelin der Königin Viktoria von England, geboren. Unter Leitung des bekann- ten Politikers Professor Jorga studierte er an der Universität Bukarest und trat auf Wunsch König Carols 1913 in das 1. Garde-Regiment zu Fuß in Potsdam ein. Als Rumänien dann am Kriege teilnahm, kämpfte er als Kommandant eines Gebirgs? Schützen-Regiments gegen die Mittelmächte. 1921 heiratete er die Prinzessin Helene von Griechenland, von der er jedoch geschieden ist. Roch zu Lebzeiten Ferdinand I. hatte Carol mehrmals auf den Thron Verzicht geleistet. 1926 wurde sein Sohn Michael zum Thronfolger erklärt. 1927 wurde dieser nach dem Tode König Ferdinands auch zum König proklamiert und ein Regentschaftsrat eingesetzt. Mach über vierjähriger Abwesenheit von Rumänien kam Carol 1930 nach Bukarest zurück und wurde zum König proklamiert. Eine erste morganatische Ehe, die Carol im August 1918 in Odessa mit Zizzi Lambrino geschlossen hatte, wurde geschieden, die Beziehungen, die er seit 1921 mit Frau Lupescu, einer Jüdin, unterhiett, begegneten im In- und Ausland mancher Kritik. Das neue Regime. Bukarest, 5. Sept. (Europapreß.) Am Donnerstagvormittag hatte Ministerpräsident General Antonescu eine Unterredung mit den Mitgliedern der bisherigen Regierung, die vorläufig die Staatsgeschäfte weiterführt. An dieser Unterredung nahm auch der Generalstabschef, General M i h a i l, teil, mit dem der Ministerpräsident die Art der Räumung der an Ungarn abzutretenden Gebiete besprach. Der Ministerpäsident hat alle bisherigen Minister und Unterstatssekretäre sowie die Beamten und Offiziere angewiesen, auf ihren Plätzen zu bleiben und ihre Arbeiten fortzusetzen. Offiziere, die dieser Anordnung nicht folgen, verlieren nicht nur ihre Posten, sondern werden auch vor ein Kriegsgericht gestellt. Dann suchte General Antonescu den deutschen Gesandten Fabricius und den italienischen Gesandten C h i g i auf. Später berief er die Direktoren der rumänischen Presse zusammen und gab ihnen Anweisung über die Maßnahmen der neuen Regierung zur Verhinderung jeder Krittk in der Presse. In einem Aufruf des neuen Ministerpräsidenten an sein Land heißt es: Es ist keine neue Regierung, es ist ein neues Regime, nicht Worte, sondern Arbeit, nicht Zögern, sondern Taten. Eine ernste und schmerzliche Vergangenheit ist abgeschlossen. Ueber sie werde ich nicht den Schlekl-r des Vergessens, sondern der Gerechtigkeit breiten. Aber heute müssen wir den Staat und die Nation retten. Mit dem ganzen Einsatz müssen wir unsere Kräfte sammeln, unsere Ehre wieder aufrichten und unsere Zukunft sichern. Die wahren Völker formen aus den Niederlagen die großen Schicksale. Die Verfolgungen haben aufgehört. Jetzt muß die Jugend, die Hoffnung des Volkes, ihre Pflicht erfüllen. Unsere Nation soll ihre Gegenwart in der Geschichte beweisen Die Beamten des Staates sollen verstehen, daß sich alles auf sie stützt. Sie sollen sich ihrer Verantwortung wert erweisen. Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Arbeit sollen die Tättgkeit aller Beamten leiten. Ich werde die Regierung auf neue Grundlagen stellen. Das Programm werde ich auch vorlegen, damit Ähr alle es beurteilt. Es wird ganz und gar dem einheitlichen nationalen Glauben entspringen. Allmählich werden wir die Erneuerung des Staates durchführen. Mit dem Glauben an Gott, an das heilige und unvergängliche Recht des Volkes vorwärts an die Pflicht. Wer ist Antonescu? Jon Antonescu, der neue rumänische Ministerpräsident, ist von Haus aus Generalstäbler. Er diente als Major während des Weltkrieges in der rumänischen Nordarmee und wurde später rumänischer Militär-Attache in London. 1930 kehrte er als Divisionskommandeur in seine Heimat zurück und wurde 1933 zum Generalstabschef ernannt. Ueber seine politische Richtung gibt Aufschluß, daß er sich trotz der offenbaren Risiken entschloß, als Kriegsminister in das Kabinett des verstorbenen Goga einzutreten, der mit der Judengesetzgebung in Rumänien zum erstenmal Ernst zu machen versuchte. Antonescu mußte den Mut zu diesem Experiment büßen. Er wurde wegen seiner engen Freundschaft mit Zeleo-Codreanu, dem Gründer der Eisernen Garde, erst im Vorjahr aus der rumänischen Armee ausgestoßen, in ein abgelegenes Kloster verbannt und erst später wieder aktiviert, als die Dersöh- nungspolitik des Königs einsetzte. * Die halbamtliche „Romania" begrüßt den neuen Ministerpräsidenten: ,Hrn dramatischsten Augenblick unserer Geschichte", so schreibt das Blatt, „wurde General Ion Anton escu berufen, die Lasten der nationalen Rettung auf sich zu nehmen. Wir erleben einen jener Augenblicke, in denen nur ein Aus erwählter den Lauf des Schicksals ändern kann. Wir müssen Gott danken, daß an diesem Kreuzweg General Antonescu die Last übernommen hat. In seinem Glauben und seiner Haltung verkörpert General Antonescu die glückliche Vereinigung der großen soldatischen Tugenden, konsequente politische Voraussicht und eine Energie, die kein Hindernis kennt. An der Spitze -eines Heeres- verbandes, in dem er widerspruchslosen Gehorsam und unbegrenzte Wertschätzung sand, wie man sie nur den großen Führern entgegenbringt, überwindet General Antonescu heute alle Bitterkeiten, um sich seinem Volk in seiner schwersten Stunde zu schenken. In dieser Annahme liegt das mächtigste Zeugnis eines großen Patriotismus und eines starken Opfergeistes. Das rumänische Petroleum. Vor einer Schausensterfront auf dem Boulevard Bratiano in Bukarest staut sich die Menge. An ver- chiedenen Modellen, farbig beleuchteten Schaubildern, stellt eine rumänische Pettoleumgesellschaft die Entwicklung des Rohrnetzes, den Umfang ihrer Lieferfähigkeit, die Zahl der chr gehörenden Tankwagen usw. dar. Gleichzeitig wird gezeigt, welche Entwicklung noch möglich ist Und angesttebt wird. Weshalb diese Entwicklung auf Schwierigkeiten stößt, ist nicht gesagt. Sie wird aber sofort erkennbar, wenn man die K a p i ta l z u s a m me n - setzung der rumänischen Erdölindustrie ansieht. Englisches und französisches Kapttal beherrschen zu rund 52 v. H. die rumänische Erdölwirtschast, während in chr nur 26 v. H. rumänisches Kapital vertreten sind. Angesichts dieser heute noch gültigen Tatsache wird oft übersehen, daß die technische und finanzielle Entwicklung der rumänischen Eroölpro- duktton auf deutsche Initiative zurückgeht. Im Jahre 1907 war Deutschland noch mit 62 v. H. an dem in der Erdölwirtschast investierten Kapital beteiligt. So befand sich z. B. die Aktienmajorität einer der größten rumänischen Gesellschaften, der Steaua Romana, in deutscher Hand. 11 v. H. rumänisches, 10 v. H. englisches, 6 v. H. holländisches, 4 v. H. französisches Kapital war u. a. außerdem in der rumänischen Erdölwirtschast tätig. Nach dem Weltkrieg mußte unter Einwirkung des Friedens- verttages die deutsche Beteiligung an englische und französische Firmen abgestoßen werden. Seit dieser Zeit besteht der beherrschende Einfluß des französischen und englischen Kapitals. Als Rumänien nach Ausbruch des Krieges durch das Verhalten der unter fremdem Kapitaleinfluß stehenden Erdölgesellschaften die Augen geöffnet wurden, versuchte es schrittweise, hier Wandel zu schaffen. Es wurde ein Petroleumkommis- s a r i a t errichtet, um zu erreichen, daß die Petroleumgesellschaften für ihre Ausfuhr nicht nur Privatinteressen, sondern auch die Interessen des Staates maßgebend sein ließen. Die Pettoleumaktten müssen zur Abstempelung vorgelegt werden, sie werden zu Namensaktien umgewandelt, ihre lieber« tragung ist nur nach Genehmigung zulässig, Pe- ttoleumgesellschaften dürfen keine Dokumente, die sich auf den Betrieb und den Besitz von Oelfeldern beziehen, aus ihrem Archiv 'entnehmen oder entfernen. Außerdem ist die rumänische Regierung berechtigt, Bohrgeräte, Material und Fachleute zu requirieren und dort einzusetzen, wo 5s ihr beliebt. Nun hat der rumänische Wirtschaftsminister Leon erklärt, die Erdölindustrie könne als nationale Industrie angesehen werden. Die Bestrebungen Rumäniens, die in fremdem Besitz befindlichen Aktien in rumänische Hände zu überführen, wurden gefördert durch den Erfolg der 4V2prozenttgen Schatzbonds, die zur Finanzierung der nationalen Verteidigung dienten. Von ihnen wurde bisher ein Bettag von etwa 12 bis 15 Milliarden Lei gezeichnet. Das Ergebnis dieser Anleihe hat in den zuständigen rumänischen Kreisen die Auffassung bestärkt, daß auch die zur Nationalisierung der rumänischen Petroleumgesellschaften erforderlichen Mittel aufgebracht werden könnten. Nach Auskunft der rumänischen Sachverständigen soll die. Nationalisierung mit einer Summe von rund 10 Milliarden Lei erzielt werden können. Rumänien braucht nicht so sehr ausländisches Kapital als in erster Linie die notwendigen Anlagen, um Bohrarbeiten vorzunehmen. Deutschland ist heute und wird nach dem Kriege in besonderem Maße in der Lage sein, die Anlagen zu stellen. Die in den deutsch-rumänischen Wirtschaftsverhandlungen getroffenen Vereinbarungen werden dann erst ihre volle Auswirkung erfahren, wenn die Bodenschätze Rumäniens mit Hilfe der deutschen Technik erschlossen werden. Vorerst hat der rumänische Staat dafür gesorgt, daß das rumänische Erdöl nicht den Anlaß zu einem Aufflammen der Brandfackel des Krieges in Südosteuropa geben wird. Dr. Beck. Bulgarisch-rumänische Verhandlungen wieder ausgenommen. Rom, 5. September. (Europapreß.) Die bulgarisch-rumänischen Verhandlungen in Craiova sind nach zweitägiger Unterbrechung wieder ausgenommen worden. Die bulgarische Presse scheint dem noch keine entscheidende Bedeutung beizumessen, jedoch macht sich die Ueberzeugung geltend, daß wenigstens in den technischen Fragen, d. h. hinsichtlich des Zeitpunktes der Besetzung der Süd-Dobrudscha durch die bulgarischen Truppen und in der Finanzstage kein Schiedsspruch notwendig sein werde. Jedenfalls setzt man in Sofia festes Verttauen in ein schnelles Eingreifen der Achsenmächte, falls dies zur Erhaltung des Friedens im Südosten erforderlich sein solle. Man sieht in dem deutsch-italienischen Schritt in Bukarest einen wertvollen Beweis für die diplomatische Aufmerksamkeit, die die Regierungen in Berlin und Rom dem Balkanraum schenken. Einmarsch in Nordsiebenbürgen planmäßig begonnen. Bukarest, 5. September. (Europapreß.) Der Einmarsch der ungarischen Truppen in Nordsiebenbürgen hat am Donnerstagmorgen begonnen Der Rückzug der rumänischen Truppen soll wie vorge- ehen in Ruhe erfolgt sein. Von Zwischenfällen oder Zusammenstößen ist bis jetzt nichts bekannt. In Großwardein ist bereits eine ürüiche ungarische Po- Oer britische Ausverkauf. Die angebliche „Verpachtung" und tatsächliche Abtretung von 18 Flotten- und Luftstützpunkten durch England an die Vereinigten Staaten wird in ihrer vollen Bedeutung erst klar, wenn wir die Entfernung auf uns näher liegende ostkontinentale Verhältnisse übertragen. Rein geographisch gesprochen, reichen diese Abtretungen vom 51. bis etwa 13. Grad nördlicher Breite. In Deutschland liegt auf dem 51. Grad etwa Dresden. Und um einen Ort auf dem 13. Grad n. Br. zu finden, müssen wir nach Afrika gehen. In Afrika liegt der Tschad-See oder auch der Tana-See in Abessinien oder die letzthin vielgenannte französische Hafenstadt Dschibuti oder in Südarabien Aden auf demselben Breitengrad. Wollen wir die Entfernung von rund 4000 Kilometer recht drastisch formulieren, so können wir sagen, es ist der Unterschied zwischen dem Sommer- und dem Winterquartier der Störche. Im geschichtlichen Sinne setzt sich damit die Ent- »Wicklung fort, die mit dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1776 bis 1783) begonnen hatte und ihre erste große nächste Etappe in dem amerikanischen Bürgerkrieg (Sezessionskrieg) von 1861 bis 1865 fand. In diesem unterstützte England die rein kolonialen Plantagenstaaten des Nordens gegen die Nordstaaten als die Verkörperung der aufstrebenden amerikanischen Industrie. Man kann sagen, daß die Vereinigten Staaten erst in diesem Bürgerkrieg, also vor nunmehr 75 Jahren, ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit von Alt-England erkämpften. Die Bedeutung des jetzigen englischen Verzichtes geht aus der geographischen Lage der den Vereinigten Staaten eingeordneten Flotten- und Luftstützpunkten hervor. Da ist zunächst die Insel Neu- fzindland, die mit 111 000 qkm Oberfläche aber nur 290 000 Einwohnern flächenmäßig etwa doppelt so groß ist wie Böhmen (als geographischer Begriff) und den für Kanada so wichtigen Lorenzsttom dank ihrer vorgelagerten Lage völlig sperrt. Halbwegs zwischen Neufundland und den westindischen Inseln stoßen wir auf die Bermuda-Inseln, die nach chrer Oberfläche (49 qkm) und nach Einwohnerzahl (31000) nebensächlich sind, aber gerade in den letzten Jahren als Flugzeugstützpunkt für den Verkehr von den Vereinigten Staaten nach den Azoren und Lissabon sehr große Bedeutung gewonnen haben. Weiter südlich zwischen Florida und Kuba liegen die B a h a m a - I n s e ln, die insgesamt mit 11300 qkm etwa eine Fläche von der Größe Thüringens haben, aber nur von 67 000 Einwohnern besiedelt sind Ebenso wie die Berrnuda-Jns'ln liefern sie sehr viel frühes Frischgemüse in die Vereinigten Staaten. Hier sind wir bereits im östlichen Bereich d-es Panama-Kanals. Wiederum weiter nach Süden liegen die Kleinen Antillen, die ebenfalls dem Golf von Mexiko und dem Karibischen Meer vorgelagert sind. Von ihnen gehören^ vor allem Antigua, Dominique, Montserrat, St. Christopher, Barbados, Granada, St. Lucia und St. Vincent den Briten, während lizei tätig. Großer Erfolg deutscher Schnellboote. Britischer Geleitzug zersprengt. — 5 Handelsschiffe mit 39000 BRT. und 1 Zerstörer versenkt. Berlin, 5. Sept (DNB. Funkspruch.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: In der Nacht zum 5. September griff eine Schnellboot-Flottille vor der englischen Ostküste einen britischen Geleilzug an. Es wurden fünf bewaffnete vollbeladene feindliche Handelsschiffe mit insgesamt 39 000 BRT., darunter ein Tanker von 12 000 BRT., durch Torpedoschuß versenkt. Ein weiterer Dampfer wurde schwer beschädigt. Der gesamte Ge- teitzug wurde völlig auseinandergesprengt. Einem Schnellboot gelang es, einen den Geleitzug sichernden Zerstörer der „Imogen"-Klasse durch Torpedoschuß zu versenken. Fünf britische Zerstörer versenkt. Bombenangriffe auf Flugplätze und Rüstungswerke.-Nachtangriffe aufHafen- und Oockanlagen. — 57 britische Flugzeuge vernichtet. Der Wehrmachjsbericht vom Donnerstag. Berlin, 5. Sept. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Die Kriegsmarine hat in den letzten Tagen fünf britische Zerstörer versenkt. Außer den beiden Zerstörern, die, wie bereits am 2. September mitgeleilt, durch deutsche U-Boote in der Nordsee vernichtet wurden, sind die drei modernen britischen Zerstörer „Expreß", „Esk" und „Jvanhoe" versenkt worden. Ein U-Boot hat aus einem stark gesicherten Geleitzug mehrere bewaffnete feindliche Handelsschiffe mit insgesamt 27 000 BRT. versenkt. Am 4. September griffen unsere Kampfflieger-, Jagd- und Zerstörerverbände wiederholt Flugplätze, Werke der Flugrüstungsindustrie sowie ein Munitionslager wirksam mit Bomben an. In der Flug- meforenfabrit Rochester und in der Flugzeugfabrik Weybridge sind Treffer in hallen und Gebäuden erzielt worden. Bei diesen Angriffen kam es zu mehreren für unsere Jäger siegreichen Luft- kämpfen. In der Nacht griffen Kampffliegerverbände hauptsächlich Hasen-und Dockanlagen an der West- und Ostküste Englands sowie mehrere Flugplätze an. In Liverpool, Swansea, Bristol, Weymouth, Poole, Lhathan, Tilbury, Great Zar- mouth und hüll entstanden zahlreiche Brände. Das Verminen englischer Häfen aus der Lust nahm seinen Fortgang. Britische Flugzeuge flogen in der Nacht wieder in das Reichsgebiet ein. Der. Versuch, die Reichs- h a u p 1 st a d t anzugreifen, scheiterte an der starken Flakabwehr. Lediglich an zwei Stellen gelang es dem Gegner, Bomben über dem Stadtgebiet abzu- roerfen, die hier, wie auch an anderen Stellen im Reich, nur unbedeutenden Schaden anrichteten. 3n einer norddeutschen Stadt fiel eine Bombe in eine Arbeiterunterkunft und tötete 18 Zivilpersonen, die sich außerhalb des Luftschutz- raumes aufhielten. Der Feind verlor gestern insgesamt 5 7 Flugzeuge, davon wurden 54 in Luflkämpfen bei Tage, 1 Flugzeug durch Flakartillerie bei Nacht abgeschossen und 2 Flugzeuge am Boden zerstört. 17. eigene Flugzeuge werden vermißt. Oie versenkten Zerstörer. Berlin, 5. Sept. (DNB.) Die im Wehrmachtsbericht vom Donnerstag als versenkt gemeldeten Zerstörer „E s k" und „E x p r e ß" gehören der glei- chen im Jahre 1934 erbauten Klasse an, die acht Schiffe umfaßt, von denen im Juli der Zerstörer „Escor t" versenkt wurde. Die Geschwindigkeit dieser 1375 Tonnen großen Zerstörer beträgt 35,5 Seemeilen. Ihre Friedensbesatzung besteht aus 145 Mann. Als Bewaffnung besitzen sie 4 12-om-Ge- schütze, 8 Maschinengewehre und 8 Torpedorohre, außerdem können sie Minen legen. Der Zerstörer „Jvanhoe" gehört zur selben Klasse wie der bereits im Juli versentte Zerstörer Imogen", die aus dem Baujahr 1936/37 stammt und acht Schisse umfaßt. Die Wasserverdrängung 1370 Tonnen, die Geschwindigkeit 36 Seemeilen, die Friedensbesatzung ist 145 Mann stark. Die Bewaffnung besteht aus vier 12-cm-Geschützen, 8 Maschinengewehren und 10 Torpedorohren. Einrichtungen zum Minenlegen sind gleichfalls vorhanden, andere wie Guadeloupe und Martinique den Franzosen und Turacao den Holländern gehörten. Die Jungfern-Jnseln (St. Thomas), die Dänemark ge- hörten, haben die Vereinigten Staaten ihm schon 1916 für 25 Millionen Dollar ab gekauft. Auf den Großen Antillen Kuba und Porto Rico haben sich die Vereinigten Staaten schon seit mehr als 50 Jahren festgesetzt. Während Jamaika mit der Hauptstadt Kingston, etwa 870 000 Bewohner auf 12 000 qkm, die Insel des Rums, seit 1655 britischer Besitz ist. Jamaika liegt direkt nordöstlich des atlantischen Ausgangs des Panamakanals. Im äußersten Süden ist xu den Kleinen Antillen auch die Insel Trinidad an der Mündung des Orinoko zu zählen. Der Orinoko ist der Hauptstrom von Venezuela. Trinidad ist bekannt durch seine großen Oel- raffinerien, für das auf dem Kontinent an der venezolanischen Küste sehr reichlich gewonnene Oel. Etwa 400 Kilometer südöstlich liegt Britisch - Guyana auf dem südamerikanischen Festland, mit dem sich anschließenden holländischen Guayana (Surinam) und französischen Guyana (Cayenne) zwischen Venezuela und Brasilien. Schon vor einem Jahre bezeichnete eine amerikanische Zeitung diese Linie von Neufundland bis Britisch-Guyana als die „Maginot-Linie" der Vereinigten Staaten. In die- s-em Zusammenhang erinnern wir schließlich an die vor wenigen Tagen erfolgte Pachtung der G a l a - pagos-Jnseln durch die Vereinigten Staaten von Ecuador im Stillen Ozean, s ü d w e st l i ch vom Panama-Kanal. Dr. Ho. Amerika rechnet mit dem Zusammenbruch des Empire. Eine russische Betrachtung. M o 3 k a u, 5. Sept. (DNB.) „Kraßnaja Swjesda" besckäftigt sich mit dem jüngsten englisch-amerikanischen Tauschgeschäft und dem vorausgegangenen Abkommen über die Verteidigung Kanadas. Die Vereinigten Staaten hätten sich, was den Krieg in Europa anbelangt, gründlich verrechnet. Sie hätten in der stillen Absicht, sich selbst einen gebührenden Anteil bei der Neuaufteilung der Welt zu sichern, geglaubt, daß der Krieg mindestens mehrere Jahre dauern und die Erschöpfung aller k r i e g f ü hr e n d e n Staaten mit sich bringen werde. In Wirklichkeit sei es jedoch ganz anders gekommen: England stehe heute allein den vereinten Kräften Deutschlands und Italiens gegenüber. Die Gründe für die „Besorgnisse" der Vereinigten Staaten lägen in Anbetracht dieser Situation auf der Hand. Erstens seien die Vereinigten Staaten selbst noch n i ch t zur unmittelbaren Ein- misckuna in den Kampf der europäischen Großmächte bereit. Für die Verwirklichung ihres gewaltigen Rüstungsprogramms brauchten sie eine lange Seit. Zweitens bestehe offenbar nach Ansicht der Amerikaner die Möglichkeit eines völligen Zusammenbruchs Englands. Damit werde, so glaube man in Amerika, auch die Bedeutung der Vereinigten Staaten als weltbeherrschende Seemacht in Frage gestellt sein. Drittens befurchte man in den Vereinigten Staaten, daß Deutschland einen vorteilhaften Frieden in Europa herbeiführen und dann m der Lage sein könnte, seine ungeheuerlichen wirt- schaftticben und technischen Machtmittel auf den Wirtschaftskrieg zu konzentrieren. Auf jeden Fall aber wollten sich die Vereinigten Staaten auch noch eine zweite Möglichkeit offen lassen: Im Falle der Niederlage Englands solle sich die britische Flotte nicht ergeben, sondern über den Ozean fliehen. Dann würden die Vereinigten Staaten, so stellt das Moskauer Blatt lakonisch fest,, nicht nur ihre 50 Zerstörer mit großen Zinsen wieder erhalten, sondern die englische Flotte dazu. Brasiliens Kaffeewirtschaft. Gegen die Monopolpläne der USA. Rio de Janeiro, 4. September. (DNB.) Nach Beendigung des großen Kongresses der Kaffeeproduzenten des Staates Sao Paulo überreichte eine siebzigköpfige Abordnung dem Präsidenten Vargas ein eingehendes Memorandum über die augenblickliche schwierige Lage der Kaffeeproduktton und -ausfuhr. Präsident Vargas versprach eine Untersuchung und sicherte Abhilfe zu. Die Pläne der USA., im Rahmen des Exportkartells die brasilianische Kaffee-Erzeugung aufzukaufen, fanden im Kongreß keine günstige Beurteilung. Namhafte Mitglieder des brasilianischen Kafieebaues erklärten offen, daß sie die USA.°Ex° portkartellpläne ablehnten. Brasilien könne nicht die Freiheit seines Außenhandels aufgeben nur den USA. zuliebe. Eine Kommission von 150 Vertretern der Pauli st a n e r Landwirtschaft aus allen Gemeinden Sao Paulos wurde bei Präsident Varaas' wegen der immer schärferen Absatzschwierigkelten infolge des Ausfalles der Europamärkte durch die Ausdehnung der englischen Blvk- k a d e vorstellig. In dem Blatt „Jmparcial" wendet sich der Präsident der Paulistaner Landwirtschaftsgesellschaft, Caio Simoes, gegen ein von Nord- amerika erstrebtes Handelsmonopol in Südamerika und gegen die Bildung von Trusts und Kartellen. Ein Land ohne Handelsfreiheit verliere seine Selbständigkeit und werde eine Kolonie. Bra- sllien wolle Kaffee an alle Länder verkaufen, suche neue Märkte und wolle die Wie- dererschließunb der durch die Blockade zeitweilig gesperrten Märkte. Die von den USA. geplanten Aufkäufe entbehrten jeder natürttchen Grundlage, weil Nordamerika sie nicht für den Verbrauch benötige und sie später an Europa in Konkurrenz gegen den Südamerika handel Weiterverkäufen wolle. Brasilien müsse Abttetung seiner Au- ßenhandelsbeziehunaen an ein einziges Land ableh- nen, da es damit seine wirtschaftliche Selbständigkeit aufgäbe. Auch einer der größten Landwirte Sao Paulos, Alves de Lima, erklärte sich als Gegner des Aufkaufplans der USA., und betonte die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung der alten Handelsbeziehungen unter Anspielung auf den Verrechnungsverkehr mit Deutschland. Die amerikanischen Zerstörer. Washington, 5. Sept. (Europapreß.) Die hartnäckige Weigerung des Weißen Hauses über die Pläne zur Ueberleitung der Zerstörer an England Einzelheiten bekanntzugeben, hat zu einem großen Durcheinander in der Berichterstattung geführt. Der gegenwärtia in San Franzisko weilende Sekretär des Marinedepartements, Knox, erklärte, das erfte Kontingent der an England zu übertragenden Zerstörer werde am kommenden Freitag „den Engländern übergeben werden". Gleichzeitig verlautet aber aus Kreisen des Marineministeriums, daß d r e i Zerstörer bereits nach Halifax ausgelaufen seien. Wieder einer anderen Lesart zufolge, sollen 18 mit Kanadiern bemannte Zerstörer aus USA.-Häfen nach Halifax ausaelaufen sein, wobei jedem Schiff je ein nordamerikanischer Marineoffizier beigegeben worden sei. Schließlich erklärte Radio New York, sämtliche 50 Zer- st ö r e r hätten bereits am vergangenen Freitag — vier Tage vor Bekanntgabe des Roosevelt-Churchill-Abkommens — USA.-Häfen nach Halifax verlassen und befänden sich zur Stunde in britischen Händen. Zwei neue Ritterkreuzträger der Luftwaffe. Berlin, 5. Sept. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat auf Borschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Reichsmarschall Göring, das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz Major Freiherr von Maffenbach, Kommandeur einer Kampfgruppe, und Oberleutnant Wick, Staffelkapitän in einem Jagdgeschwader, verliehen. Major Freiherr von Massenbach gab bei Führung seiner Staffel, später seiner Gruppe, das Beispiel höchster Einsatzbereitschaft und vorbildlichen Schneides. Schon im Polenseldzug führte er ferne Staffel zu größten Erfolgen bei geringsten eigenen Verlusten. In Norwegen unterstützte er als Kommandeur einer Kampfgruppe das Dargehen des Heeres in kameradschaftlicher Waffenhilfe bei Lille- hammer und Hamar. Bei Andalsnes ttchrteer wuchtige Angriffe auf die fluchtenden Engländer durch. Schneidig geflogene Tiefangriffe aus aie holländische Peel-Stellung erleichterten den rachen Durchbruch des Heeres. Zu Hilfe eilende französische motorisierte Verbände wurden versprengt. Gegen die in Flandern eingekesselten Feindkrafte geflogene Angriffe fügten dem Gegner schwerste Verluste zu. — Oberleutnant W i ck hat in schweren Lustkampsen 2 0 Siege errungen. Mit vorbildlichem Schneid und nie erlahmendem Angriffsgeist war er seiner Staffel Führer und Vorbild im Kampf. W™0*'' ragendes persönliches Können, gepaart mit höchstem Mut und Kampfgeist brachten ihm den schönsten Erfolg. Englische Kreuzer bombardiert. Erfolgreiche Kämpfe im Aegäischen Meere. — II Flugzeuge abgeschoffen. Italienischer Wehrmachtsbericht. Rom, 5. Sept. (DNS.) Der italienische wehr- machlsbericht vom Donnerstag Hal folgenden Wortlaut: Drei englische Kreuzer und zwei Io r- pedozerstörer wurden auf der Fahrt entlang der algerischen Küste von unseren Fliegern heftig bombardiert. Zwei Kreuzer wurden m i t Bomben schweren Kalibers getroffen. An Deck eines der beiden Kreuzer ist starke Rauchentwicklung beobachtet worden. Im Aegäischen Meer wurde ein aus zahl- reichen Schiffen bestehender feindlicher Gele i t z u g in Begleitung von Seestreitkräften gesichtet und im Laufe des Dienstags versenkt. In der Absicht, den Geleitzug um jeden Preis sicherzustellen, haben feindliche Luft- und Seestreitkräfte in den frühen Morgenstunden des gestrigen Tages einen Angriff auf unsere Luft- und Atollen- stützpunkte im Aegäischen Meer gemacht. Der Angriff wurde von zwei Flugzeugverbänden gegen die Flugplätze von Gadurra und Mari z z a durchgeführt, wo zwei italienische Flugzeuge am Boden getroffen worden sind sowie von einem Flottenverband, der Scarpanto beschoß und dabei leichten Schaden an Privathäusern sowie einige Verwundete unter der Bevölkerung zur Folge hatte. Die Intervention unserer Jagdflugzeuge und unserer Flakartillerie hat den Angriff in kurzer Zeit abgeschlagen. 7 feindliche Flugzeuge wurden abgeschoffen. Die Besatzungen von drei Flugzeugen, insgesamt 8 Mann, wurden gefangen genommen. Rach der so erfolgten Zurückweisung des Feindes gingen unsere Luftstreitkräfte zum Gegenangriff über. Bon 7 bis 17.30 Ahr wurden in 5 Wellen Bombenaktionen gegen die feindlichen Berbände durchgeführt. Trotz des Eingreifens der feindlichen Jagdflieger und der feindlichen Flakbatterien wurden vier Schiffe schwer getroffen und beschädigt und fünf Jagdflugzeuge abgefchoffen. Zwei italienische Flugzeuge sind nicht zurückgekehrt. Einige Berwundete an Bord der übrigen Flugzeuge. Zur gleichen Zeit griffen unsere Schnellboote (MAS.) den feindlichen Flollenverband an und erzielten im Kanal von Easo gegen einen Kreuzer und zwei feindliche Torpedojäger gute Erfolge. Eines unserer Schnellboote ist nicht zurückgekehrt. In Rordafrika auf beiden Seiten lebhafte Flugtätigkeit. Die feindlichen Einflüge verursachten geringen Schaden. Ein Toter und elf Berwundete. Bier feindliche Flugzeuge wurden abgeschoffen, zwei davon von der Flak. Alle unsere Flugzeuge sind zurückgekehrt. In Ostafrika ist bei einem feindlichen Luftangriff auf den Flugplatz I a v e 11 o ein feindliches Flugzeug vom Hampden-Typ abgeschoffen wor- den. Der Abschuß eines zweiten ist wahrscheinlich. Eine italienische Bomberformation hat auf einem englischen Dampfer im Roten Meer einen schweren Treffer erzielt. Zerstörte Mgazine nach dein Lnstangriff ansSovthainpton W Die deutschen Bomben finden ihre Ziele trotz der starken britischen Flakabwehr. Unser Bild zeigt einen Bombentreffer in ein Magazin des britischen Hafens Southampton, das, wie man sieht, völlig vernichtet wurde. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Das LandestheaterSaarpsalzist im Rahmen der Truppenbetreuung durch die NSG. Kraft durch Freude mit einer Spiel- gruppe in Westfrankreich eingesetzt. Ein Mitglied gibt einen interessanten Bericht Über seine Eindrücke in Paris. „Wir sind in Paris. Die Bevölkerung ist fast vollkommen in die Hauptstadt zurückgekehrt. Nur viele große Geschäfte sind noch geschlossen und verbergen sich hinter Gittern und Rolläden. Das Bild der Straße zeigt wieder Leben, Eile, Geschäftigkeit und quirlendes Durcheinander. Es unterscheidet sich wohl kaum von den Eindrücken kriegsferner Tage. Der Pulsschlag der Großstadt, um die sich so mancher Roman, so manches Märchen gesponnen hat, ist auch heute, da eine andere, neue Zeit den Tag bestimmt, spürbar. Erschreckend ist für uns die unvermittelte Nähe von Reichtum und furchtbarstem, unbarmherzig erlebtem Elend. - Durch die Straßen pilgern Träger von großen Reklametafeln, deren obere Hälfte deutschen, die untere französischen Text trägt. Auch die Speisekarten in den Restaurants und Hotels üben diesen Dienst am neuen Kunden. Auf dem Boulevard des Capucines erhebt sich als turmhoher, massiger Gebäudeblock ein stolzes Kaufhaus. Man kauft hier nach englischem Ge- schmack und Ton manche schöne Sachen,' z. B. Stoffe „macke in England“, Yardleywasser, Trenchcoats Tropenhelme, Pfeifen und Tabake. Zu Zeiten der fieundschafllichen Kanalüberbrückung und Waffen- Paris von heute. Zwischen Fronttheater und Montmartre-Nevue. bruderschaft war das sicher ein begehrter Laden. In ledem Schaufenster leuchtet in goldenen Buchstaben aus Mahagoniholz der Name des Hauses „Old Eng- fjängt 50 Zentimeter darüber ein Pappschild von 1 Quadratmeter mit den Farben der Trikolore in den Ecken und der Inschrift: „Kein englisches Geschäft, französischer Inhaber." Wie tief sind die Aktien des Weltreiches Old England gesunken, wenn man sogar im befreundeten Paris von einer Verwechslung damit abrückt Für die Vorstellungen des Fronttheaters hat die N^.-Gememschaft Kraft durch Freude in Paris das Ipeatre Empire in der Avenue de Wagram bereitgestellt. Die Raume und die rotbespannten Plüsch- t r munöern sich gewiß über das ungewohnte Publikum, das sich allabendlich zu ein paar Stun- den herzlicher Freude einfindet. Eine so dankbare Zuschauerschaft wird hier nur selten versammelt ge- wesen fein, allerdings hat es auch hier noch nie ein xpeater von so großer und schöner Ausgabe gegeben wie jetzt. Einen freien Abend benützen wir, unveines der französischen Revuetheater auf dem Montmartre zu besuchen. Es wird eine der üblichen Racktrevuen gezeigt, deren ganzer Inhalt nur Variationen des gleichbleibenden Themas einer raffi- ^rten. Enthüllung sind. Auch hier versucht man, M auf den deutschen Gast umzustellen und bietet neben der französischen auch eine deutsche Conse- manches hervorragend und gcfchE gemacht. Die Schamlosigkeit der Vorführungen, an denen neben Französinnen übrigens bei den Jagern. Auf einem Feldflugplatz unserer Jäger irgendwü in Nordfrankreich. Soeben sind die Maschinen wieder von einem Feindflug zurückgekehrt und haben kräftig gewackelt. Also wieder einige Abschüsse. Da ertönt Marschmusik herüber. Erst der schmissige Fliegermarsch der Legion Condor, bann „Rosamunde" und sogar „Tannhäuser". Alles horcht auf. Und dann des Rätsels Lösung: die fliegende Frontbuchhandlung fährt auf dem Flugplatz auf und macht durch Lautsprechermusik auf sich aufmerksam. Ein großer Reiseomnibus mit Anhänger, der an Lesbarem alles enthält, was sich ein Fliegerherz nur wünschen kann, denn diese fahrbare Buchhandlung ist besonders für die Betreuung der Luftwaffe eingesetzt. Natürlich sind die' beiden Wagen im Nu umlagert, und t)rinnen kann man sich kaum noch um- drehen. Das Bedürfnis nach gutem Lesestoff ist groß. „Wir sind eine bar zwölf fhegenben Frontbuchhandlungen, die von der DAF. eingesetzt sind und zwischen Drontheim und der Biskaya die ganze Front betreuen", hören wir zwischendurch von einem Frontbuchhändler. „Natürlich fahren wir nicht wild in der Gegend umher, sondern werden nach einem festen Plan eingesetzt." 1 Inzwischen greife ich einmal in die Regale, die über 6000 Bände enthalten. „Nanu, was ist denn das? Homers Odyssee und Ilias im Originaltext auf Griechisch?" „Jawohl", lautet die Auskunft. „Ist sogar schon mehrmals verkauft worden. Ueberhaupt werden gerade von den Fliegern gern klassische und philosophische Werke verlangt. In der Hauptsache verkaufen wir natürlich Unterhaltungsromane, Erlebnisbücher, Gedichtbände und Sprachführer. Auch Goethes „F a u st" muß immer in mehreren Exemplaren vorrätig sein. Als Spezialwagen haben wir nattirlich auch eine reichhaltige Luftfahrtbücherei an Bord." Mehr Zeit zur Unterhaltung ist nicht, denn nur drei Stunden darf sich die Frontbuchhandlung aufhalten. Dann geht es wieder weiter mit reichlich geplünderten Regalen, während die „Ilias" uni) der „Faust" Einzug in die Quartiere und Zelte unserer Jäger halten. Kriegsberichter Harry Gehm. auch Negerinnen und Mulattinnen beteiligt ftni>; wird schon nach wenigen Szenen offenbar. Es muß schon ein armseliges Leben sein, das diesen Aust führungen außer der ersten Sensation einen mew teren Reiz abgewinnt. Wir sahen einige Tage zu* vor in dem im Auftrag des Gauleiters für die ostmärkischen Soldaten zusammengestellten Programm des Reichssenders Wien das Wiener Staatsopernballett in Metz. Zwei Welten stehen sich hier in einer Entfernung von astronomischen Weiten gegenüber. Welche Reinheit, welche Lebensbejahung, wieviel Kultur konnten wir dort bewundern, und welcher Abgrund, welche Dekadenz, welche Selbstentwürdigung erlebt man hier." So geht es weiter, den ganzen Bericht hindurch. Mit deutschen Augen gesehen, die die' Dinge mit hohen Maßstäben zu messen aelernt haben und die am Wirklichkeitssinn der deutschen Heimat geschärft sind, verliert Paris seinen Talmiglanz. Es bleibt die nackte Wahrheit übrig, auf sozialem sowohl wie auf künstlerischem Gebiet. Und die zeugt gegen Frankreich. Lebensmittelversorgung Englands immer unregelmäßiger Stockholm, 4.September. (DNB.) Auf dem Mittagstisch des Durchschnittsengländers fehlen jede Woche neue Gerichte, da die Lebensmittelversorgung in der letzten Zeit immer unregelmäßiger funktioniert. Infolge der fortgesetzten deutschen Angriffe auf die britischen Häfen müssen die Schiffe immer wieder umdirigiert werden oder gehen bei den Angriffen zugrunde. Dazu kommt der an sich schon bestehende Mangel an Schiffsraum, der beispielsweise eine außergewöhnliche starke Verringerung der Hammelanlieferungen aus Australien und Neuseeland erzwang. Australisches Hammelfleisch ist aber eines der Stapelnahrungsmittel der Bevölkerung. Aehnliches gilt für das zum großen Teil aus Argentinien stammende Corned Beef. Zwar waren in England große Vorräte von Corned Beef aufgehäuft worden, aber der größte Teil wurde für Heereszwecke beschlagnahmt. Dazu kommt, daß Fischgerichte immer seltener auf dem Speisezettel der britischen Dürchschnittshaushaltun- gen erscheinen. Die Anlieferung von Fischen ist stark zurückgegangen, da die Fischer in weiten Bezirken sich infolge der fortgesetzten Luftkämpfe an der eng« lisch en Küste nicht mehr zum Fang hinauswagen. Dieser Mangel an Gefrierfleisch, Corned Beef und Fischen tritt also nunmehr zu dem schon früher bestehenden Mangelan Butter, Eiern und Milch. Reine Butter ist für gewöhnliche Sterbliche in England überhaupt nicht mehr erhältlich, sondern höchstens ein Gemisch aus Butter und Margarine. Eier sind im allgemeinen nur im Schleichhandel für die begüterten Kreise zu erhallen. Auf diese Art ist der Tisch des englischen Arbeiters von Tag zu Tag karger und einförmige^ bestellt. ©tarier Verkehrsrückgang im Guezkanal. R o m 5. Sept. (DNB.) Der rapide Rückgang des Schiffsverkehrs durch den Suezkanal, der bereits zu Arbeiterentlassungen und Gehaltskürzungen ' 7- allerdings nur für die kleinen Angestellten dieser typisch plutokratischen Einrichtung — geführt gat, wird durch einige Zahlenangaben unterstrichen, öie die ägyptischen Zqllbehorden oer- offentlichen. Danach passierte den Kanal in den erften sieben Monaten dieses Jahres nur noch knapp der dritte Teil Schiffstonnage, ge- m.llen am Doualir. 1939 waren es noch 1310 Schiffe m!t §545 000 BRT., 1940 dagegen nur 640 Schiffe nut^UOOOO BRT Dabei umfaßt dieser Zeitraum in der Hauptsache noch die Monate vor dem Kriegseintritt Italiens. Ungarns Znkunffsaufgabe. 5-®ePt (Europapreß.) Das un- ga i^e £^^5 hielt eine Festsitzung ab. Ministerpräsident Graf Teleki erklärte: „Die Ein- ö M h n fr ; : — cm "er1 ab e n wir nicht voll» @n?rnnJar ”1 Vk'rtllchkeit erst begonnen. Auch im Karpatenland sind wir vor eine riesige Zahl v?n Problemen gestellt. Und nun erhalten wir ein rofees Gebiet mit einer noch und mehr als einer Mil- JJmanGn- Es wird sich die Notwendigkeit grö- unb Zarterer Führung der ungari- s^i.?^"ung — worunter ich natürlich den ganzen staatlichen Apparat verstehe — ergeben. Die Grafschaften Englands (Scherl-Bilderdienst-IWege-M.) die graue Perücke auf die Sitzung des Parla- Uebergabe der Mrschallstäbe an die Feldmarschälle der Luftwaffe Immer wieder der britische Verteidigungsgürtel durchbrochen Oie schweren Schäden können nicht mehr verheimlicht werden. Lustalarm unterbricht die ünterhaussihung. Churchill will den Briten das Gchachergeschäst mit USA. schmackhaft machen. den Kopf gefetzt hatte, um „ „ mente zu verkünden, und die Abgeordneten ihre Fragen an die Regierung richten sollten, schrillten die im Prunksaal des Parlaments schon in der letzten Septemberkrise eingebauten A l a r m s i r e n e n, um die Anwesenheit der deutschen Flugzeuge über London zu verkünden. Man versuchte anfänglich, Ruhe nach außen hin zu wahren, doch*mußte, wie der Londoner Nachrichtendienst zugeben muß, der Sprecher dem unruhigen Blick der Abgeordneten nachgeben, und man flüchtete in das zum Luftschutzraum ausgebaute Kellergeschoß, Churchill und das Kabinett an der Spitze. Erst nach zwei Stunden konnte die Sitzung wieder ausgenommen werden. Sie begann mit der Rehe Churchills, um sie nicht durch einen neuen Alarm völlig vom Programm verschwinden zu lassen. Churchills Rede beschäftigte sich mit der englisch-amerikanischen Zerstörer ° Transaktion, mit dem Schiedsspruch von Wien und mit dem Luftkrieg und seinen verhängnisvollen Folgen für die englische Oeffentlichkeit. Es überrascht nicht, daß Churchill zu Beginn seiner Rede das für England blamable Tauschge- schäft mit Amerika als politische Großtat zu stempeln versucht. „Die zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten vorgesehene Transaktion , so erklärte er stolz, „ist nunmehr Wirklichkeit geworden. Die Admiralität hat uns erklärt, daß wir sehr zufrieden darüber sein dürften, diese 50 Zerstörer zu erhalten. Sie werden die Lücke füllen, die besteht, bis unser Kriegsbauprogramm ausgesthrt ist", fuhr Churchill vorbeugend hinzu. Denn auch m England könnte man merken, daß entgegen Jemen bisherigen Dementis und Verkleinerungsoersuchen, dieser Handel um jeden Preis, der einer Zwangs- liquidierunq des britischen Imperiums gleichkommt, ein, wenn auch kümmerliches Pflaster für die Wunden bedeutet, die deutsche Torpedos und Bomben der britischen Flotte rissen. f ,. Entgegen seiner sonstigen Überheblichkeit mach Churchill gute Miene zum bösen Spiel, als er auf den Wiener Schiedsspruch zu sprechen kommt. Die Gebietsveränderungen im Donauraum schluckt er glatt hinunter und erklärt plötzlich: ,/Äch wie Churchill sagt, „der Kraft, des Willens und der Ausdauer" als Fundament zu dienen. „Möge dieser Kampf so lebhaft und so lange sein, wie er kann: Wir werden vor ihm nicht zurückweichen", diese Worte sind im Munde des „Siegers" von Andals- nes, Dünkirchen und Berbera schon mehr als faul. „Unsere Angelegenheiten befinden sich im weitesten Ausmaße in Fluß", „Niemand darf annehmen, daß die Gefahr einer Invasion vorüber ist", fährt Churchill dann fort, um sich dann an dem allgemein neu Rätselraten in England zu beteiligen, ob dec „tödliche Angriff von jenseits der See" vor oder nach dem 15. September oder gar erst im Winter erfolgt. Jedenfalls scheinen ihm des Führers Worte, daß "„er kommt", mächtig in die Glieder gefahren zu sein. Sich selbst Mut machend, glaubt er gegen seine eigene Ueberzeugung behaupten zu müssen, daß „England sich seit einigen Monaten in der besten Lage befindet". Diese beste Lage illustriert Churchill durch einen Blick auf den mittleren Orient, wobei er zugeben muß, daß hier schwere Kämpfe zu erwarten sind. „Aber wir haben die Absicht", so erklärt er, „dort unsere Stellung mit aller uns zur Verfügung stehenden Macht zu behalten". Die Tatsachen werden, wie immer, anders aussehen. „Auf diese Art", so schließt Churchill, „werden wir sowohl im Mutterlande wie im Auslande unseren Weg fortsetzen, von wo auch die Winde wehen mögen." Wohin der Weg führt, den Churchill fortzusetzen gedenkt, hat der Führer in seiner siegesgewissen Rede deutlich gesagt. Es nutzt Churchill nichts, wenn er die Worte Adolf Hitlers zu ignorieren versucht. Sie sind noch frisch in der Erinnerung der Welt. Das Phrasengeklüngel des alten Hetzers verrät um so deutlicher seine Verzweiflung und Ohnmacht. habe schon immer daran gedacht, daß der Südteil der Dobrudscha Bulgarien wiedergegeben werden müsse. Auch bin ich noch niemals damit einverstanden gewesen, wie Ungarn nach dem ersten Kriege behandelt worden ist." Wann und wo Churchill sein Herz für eine gerechte Aufteilung des Donauraumes gezeigt hat, sagt er allerdings nicht. Wie der Fuchs in der Fabel von den Trauben gibt er angesichts der Tatsache, daß das brittsche Ränkespiel auf dem Balkan ein für allemal ausgeschaltet ist, klein bei, England habe nichts gegen Grenzveränderungen einzuwenden, die im Einverständnis mit den beteiligten und interessierten Staaten erfolgen. Dann vertrat Churchill aber die Ansicht, daß bei den Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht überreichte — wie schon gemeldet — in seinem Arbeitszimmer in der Neuen Reichskanzlei in Anwesenheit des Reichsmarschalls Göring den Feldmarschällen der Luftwaffe Generalfeldmarschall Milch,Sverrle (links) und Kessel. Eing (rechts) die MrjchallMbe als Jnjiflnien des i&nen am ILSulj b8I d.emLeMMaLeichstagMetzem»MmWajlianges. WMeH°llmana°W^ in Wien getroffenen Abmachungen die rumänische Regierung nicht ausreichend konsultiert worden sei und man über die Oeffentlichkeit von Rumänien und Ungarn hinweg die neue Grenzziehung vorgenommen habe. Voller nimmt Churchill dann den Mund, als er auf die deutschen Luftangriffe zu sprechen kommt. Viel Neues weiß er allerdings nicht zu sagen. Seine Zahlenkunststücke sind zu abgenutzt, um damit noch irgendwelchen Eindruck machen zu können. Wenn er das Verhältnis der abgeschossenen deutschen Flugzeuge zu denen Englands mit 3:1 bezeichnet, weiß die ganze Welt, daß das Gegenteil kaum die Verlustquote Britanniens bezeichnet. Churchill wird auch in England kaum Glauben finden, wenn er die verheerende Wirkung deutscher Bomber zu verkleinern und zu verschleiern sucht und behauptet, daß die Zerstörungen, die nur sekundärer Natur wären, bereits während des Monats August wieder repariert wurden und nur 800 Häuser derart beschädigt waren, daß man sie nicht wieder aufbauen kann. Das britische Volk dürfte durch den Augenschein besser unterrichtet sein und es als wenig tröstlich empfinden, wenn der einst so geschwollene Kriegshetzer verkündet, daß England sich für den September noch auf einen weit schwereren Kampf gefaßt machen müsse. Vorsichtig bereitet er darauf vor, daß Deutschland seine Luftangriffe noch vergrößern könne. Vor der kühnen Behauptung, daß sich die englische Luftwaffe an Zahl sehr schnell der deutschen nähere, bekommt Churchill selbst Angst, so sagt er: „D a s h e i ß t, e s festigtsichunser Glaube, daß wir es in dieser Periode des Krieges erreichen werden." Das alles find wenig tröstliche Tatsachen und sie sind schlecht geeignet, diesem „Kriege der Nerven", Stockholm, 5.September. (Europapreß.) Die am Sonntag angekündigte große Rede Winston Churchills im Unterhaus mußte dank der Aktivität der deutschen Luftwaffe, der es abermals gelang, den Verteidigungsgürtel Londons zu durchbrechen, zeitlich verschoben werden. Kurz, nachdem sich der Sprecher des Unterhauses gemäß der Tradition des Parlaments die Ueber den „Blitzkrieg in der Luft" äußerte sich Donnerstag abend im britischen Rundfunk Luftmarschall Sir Philip Joubert. Er sagte dabei, vor einiger Zeit sei es noch nicht ganz klar gewesen, welches der S i n n u n d Z w e ck der deutschen Luftangriffe sei. Jetzt könne man aber klarer sehen, und er1 (ei der Auffassung, die Deutschen beabsichtigten, die Engländer mit ihrer Luftverteidigung immer weiter von der Küste landeinwärts abzudrängen. Bis jetzt sei das den Deutschen noch nicht gelungen. Allerdings müsse er zugeben, daß an Flugplätzen und Verkehrsknotenpunkten einiger Schaden von deutschen Maschinen angerichtet worden sei. Seit einiger Zeit führten nun die Deutschen auch umfangreiche Nachtangriffe auf England durch. Sie richteten dabei eine ganze Menge Schaden an. Des nachts sei die brittsche Abwehr bis jetzt nicht besonders erfolgreich gewesen. Es komme eben daraus an, noch mehr Erfahrungen zu sammeln. „Erzählt uns die Wahrheit." Immer mehr Zweifel an den britischen Berichten. Madrid, 6. Sept. (Europapreß.) Unter der Ueberschrift: „Erzählt uns di e Wahrheit", veröffentlicht „News Chronicle" den Brief eines Lesers, in dem wieder einmal Beschwerde geführt wird über die Stichhaltigkeit amtlicher Kommuniques in bezug auf die Wirkung der deutschen Luftangriffe. Churchill habe kürzlich erwähnt, daß f a st tausend Häuser in der Hafenstadt Ramsgate zerstört worden seien. Der Briefschreiber fährt dann fort: ,Zch habe all die amtlichen Kommuniques des Luftfahrt- und Innenministeriums nachgesehen, die nach den Luftangriffen ausgegeben wurden und finde dort keinen Hinweis, daß dort so schwerer Schaden angerichtet wurde. „Einige Gebäude wurden getroffen." Ich möchte sagen, eine geringe Angabe (Understatement) für tausend Häuser." Wenn Churchill die Wahrheit zu- gegeben habe, so werde dieser kurze Einblick in die Schäden, die die deutschen Angreifer anrichteten, von nun an nur dazu dienen, Zweifel an allen offiziellen Kommuniques zu äußern. Truppen ohne Unterkunft, Heüenschützen ohne Schlaf. Stockholm, 5. Sept. (Europapreß.) In England herrscht beträchtliche Ratlosigkeit wegen der noch ungelösten Frage, wo man während der Wintermonate die Angehörigen des stehenden Heeres und die aktiv dienende Truppe unterbringen soll. Das stehende und akttve Heer war bisher i n großen Zelten untergebracht, da die requi- Stockholm, 6. Sept. (Europapreß.) London hat in den Morgenstunden des Donnerstag einen weiteren Luftangriff erlebt. Er dauerte von 9 bis 10 Uhr englischer Zeit und wurde in erster Linie gegen die in den Grafschaften südlich von London gelegenen Flugplätze ausgewogen. Der englische Nachrichtendienst muß bestätigen, daß die deutsche Luftwaffe in den letzten zwölf Stunden bei ihren Angriffen gegen militärische Ziele in ganz England verheerenden Schaden angerichtet hat. Man erklärt, daß die Deutschen sich in erster Linie gegen die Flugplätze in Südengland wandten und bestätigt, daß zahlreicheTrefferzu verzeichnen waren. Allerdings werden die deutschen Erfolge verkleinert. Man räumt aber doch em, „das bedeutet nicht, daß keinerlei Schaden angerichtet wurde". Die Aktton der deutschen Luftwaffe erstreckte sich bis in die Vororte der englischen Hauptstadt. Zwei Städte im Nordosten erlebten besonders heftige Luftakttonen während der Nacht, in einer dieser Städte ist eine Industrieanlage nach Londoner Bestätigung vernichtet worden. In Londoner Vororten wurden, wie man ebenfalls bestätigt, Bomben auf Fabrikanlagen geworfen. Es sind Volltreffer zu verzeichnen gewesen. Die Angriffe gegen den SüÜosten werden als besonders hefttg bezeichnet. In diesem Zusammenhang macht der englische Nachrichtendienst die Mitteilung, daß es deutschen Bombern gelungen sei, einige englische Jagdflugzeugplätze derartig mit Bomben zu belegen, daß sie vorübergehend vollständig außer Aktion gesetzt werden mußten und den englischen Flugzeugeinheiten nicht als Operationsbasis dienen konnten. In einem R e u t e r b e r i ch t heißt es, daß die Luftkämpfe an der Südostküste als sehr heftig zu bezeichnen seien, da Massen deutscher Bomben- und Jagdflugzeuge die Verteidigungsgürtel Englands durchbrachen, um gegen die Themsemündung vorzudringen. Eine Anzahl Explosiv- und Brandbomben wurde über dem Außenbezirk der englischen Hauptstadt abgeworfen. — Auch über den Middlands erschienen am Donnerstagnachmittag wieder zahlreiche deutsche Flugzeuge, die militärische Ziele unter Feuer nahmen. Reuters Luftfahrtkorrespondent gibt au: „Es wird nicht abgeleugnet, daß mehrere vorgeschobene Flugplätze ernsthaft zetstampft worden find. Die Rollfelder wurden getroffen. Die Gebäude, Büros und Flugzeugschuppen haben gewisse Beschädigungen erlitten." Man habe bereite neue Mannschaften ein- setzen müssen, um einige Flugplätze wieder gebrauchsfähig zu machen. Auch wird eingestanden, daß die Operationen der RAF. „auf Grund der Heftigkeit und Ausdauer der deutschen Angriffe" behindert worden seien. Die britischen Jäger hätten sich aber noch nicht auf die Londoner Grenze zurückgezogen. „Größere Hemmungen wurden durch den Verlust an Personal der Luftwaffe verursacht." SHETLANO- iNSELN ORKNEY?^ [Dornoch Stirlini 3 Ayr NORDSEE berlond 9 Durham Down Dublin DerOv ford ford ibrok« Gloucester 23 Eosr r Ox ford Gleichnamige Grafschafts- Haupt Städte sind in der Karte ohne Hamen eingetragen Die Zahlen bezeichnen die Grafschaften,deren Namen nicht mehr eingezeichnet werden konnten ChelmsfordI )ndonV Inverneee Stof- ’ \ford ^Theshtre *Chester /" ’Wfest Ridtnfl ) Waxefielo Lrt<5> * wm Shire JrowbHdl, "Xrnorgoi Cordit Horfolk Harwich ä; /V H 24' Coith-( ness yffiA Haupts hjtffi Kinross Dumbarton Po/g/ey Linlithgow Edinburgh Haddington Selkirk Jedburgh Stronroer ßeoumarh Denb/gh Hold Oakham Montgomery L/ondrindod Wett» Worchester Huntingdon Bury StEdmunds Ipswich Brecon Urminruth Aylesbury Reading WiHesden hiskiffen^X Felynonagh Grafscht^ I • Kinross 2 ’ Dumbarton 3 Renfrew 0 Linlithgow 5 ' Edinburgh 6 ■ Haddington 7 . Seik/rk 8 • Roxburgh S • Wigtown 10 • Anglesey n • Denbigh 12 • EHrd 13 • Rutland 14 « Uontgomerf 15 • Radnor 16 • Worchester 17 • Huntingdon 18 • West-Suffolk 19 • East-Suffblh 20 • ßreckhock 21 • Monmouth 2? • Buckingham 23 • Berkshire 24 - Vidd/esex LondonX \derry | ' lAntmm ne Stonehaven 'ne Kingston ' West- s i i Homil^f l •ton \ Lanark. lbr*TEast Riding ' *8et H>JAberdeen Cromo rtin To" ' Äl» — rtorftsl» X/s. /Cumber-^-J lönd /-''we$L Zmorlona7 vX-L-^rfcentaw (BerwickÄ \wnpatndt / \ LfOoug* Insel Man \cord Angus ) Forfbr/ -JVorwidy ^Leammgtwd f V Dumfries 'irk —z cudbright r toterer yßodwinK Cornwall \ < & 10 Ddgeliey / 'TWinmester ( Dor set) ■M Deutsche Filmproduktion im Kriege. vierten Schulen, Säle und sonstigen Räume nicht a u s r e i ch t e n, um all die Soldaten zu fassen, die nicht in den Kasernen Unterkunft finden konnten. Das Herbstwetter macht jedoch das Lagerleben auf die Dauer unmöglich und hat bereits jetzt zu einer Erhöhung der Krankheitsziffer unter den Truppen geftchrt. Die Z i v i l h e i m - wehr hatte bisher einen derartigen Dienst zu versehen, daß jeder Heimwehrmann wöchentlich zwei Nächte auf der Wacht gegen deutsche Landungstruppen und Flugzeuge sein mußte. Der „Daily Herold" meint, es sei für diese „Sonntagsarbeiter" unmöglich, zwei ganze Winternächte wöchentlich Dienst zu tun, ohne chrer Gesundheit zu schaden. Wenn die zuständigen Behörden dies dennoch versuchen sollten, werde das zu einer Dezimierung der Heimwehr führen. Die militärischen Stellen sind nun damit beschäftigt, für die regulären Truppen Unterkunft und für die Heimwehrmänner mehr Schlaf zu beschaffen. Kleine politische Nachrichten. Italienische Flugzeuge haben, wie in London, bestätigt wird, von Stützpunkten aus dem ehemaligen Britisch-Somaliland aus Aden im Laufe des Mittwoch angegriffen und bombardiert. Der Kommandant der rumänischen Staatsjugend, Minister Sidorowici, traf, von Wien kommend, in der Reichshauptstadt ein, wo er sich als Gast des Reichsjugendführers Axmann einige Zeit aufhalten wird. Im Lissaboner Hafen lief der englische Hilfskreuzer „A v o c e t a" ein, der, wie berichtet wird, bei einem Gefecht mit einem italienischen U-Boot schwere Havarien erlitten hat. Die Ziehung der neuen sowjetrussisch-finnischen Landesgrenze ist abgeschlossen. Nur im Nördlichen Eismeer sind die Arbeiten noch im Gange, dürften aber in Kürze abgeschlossen werden. Aus aller Welt. Oie Soethemedaiste für Professor Carl Froelich. Berlin, 6. September. (DNB.) Der Führer hat dem Präsidenten der Reichsfilmkammer, Professor Carl Froelich in Berlin, aus Anlaß der Vollendung seines 65. Lebensjahres in Anerkennung seines künstlerischen Filmschaffens die Goethemedaille für Kunst und Wissenschaft verliehen. ReichsminPer Dr. Goebbels überreichte ihm die Medaille in einer Feierstunde des Carl-Froelich-Studios in Berlin-Tempelhof. In einer herzlichen Ansprache begründete er die Ehrung für den großen deutschen Filmschöpfer, der dazu beigetragen habe, dem deutschen Film in der ganzen Welt seine heutige führende Stellung zu erobern. In besonderem Maße habe er es verstanden, neue Begabungen für den deutschen Fllm zu finden und sie in verantwortungsbewußter Schulung heranreifen zu lassen. Zweimal bereits sei sein Werk mit dem deutschen Staatspreis ausgezeichnet worden. Das Programm der Äavaria. Als letzte der großen deutschen Produktions-Gesellschaften legt nach der Ufa, Tobis und Terra die Bavaria ihr Programm für 1940/41 vor. Bon den 18 Filmen des neuen Programmes, zu denen drei Ueberläufer kommen, sind vier schon fertiggestellt und fünf weitere kurz vor der Vollendung. Die drei Ueberläufer sind das „Fräulein von Barnhelm", die Schweikart-Derfilmung von Lessings „Minna", dann ,^)erz geht vor Sinter' und „Der 7. Junge". „Im Schatten der Berge" heißt der Bergwacht- Film mit Attila Hörbiger und Hansi Knoteck (Regie A. I. Lippl). Auch „Das sündige Dorf" (Regie: I. Stoeckel) spielt im originalbayerischen Milieu. Und süddeutsch ist auch „Der Herr im Hause": ein Mo- ser-Film. Tourjansky hat mit Brigitte Horney und Willy Birgel ein volksdeutsches Schicksal während der polnischen Terrorakte vor Kriegsausbruch verfilmt; der Film heißt „Feinde". Im Atelier sind ein biographisch-geschichtlicher Film, nämlich „Carl Peters" mit Hans Albers in der Hauptrolle, und die Verfilmung einer interessanten literarischen Vorlage, „Das Mädchen von Fanö", das Hans Schweikart nach Günther Weißenborns Roman inszeniert. Ein kulturgeschichtliches Kapitel stellt die reizende Gestalt der „Philine" aus Wilhelm Meisters Lehrjahren' in den Kreis der Neuberin und ihren Kampf ums deutsche Theater (Hauptrollen: Hilde Krahl und Henny Porten). Ein Mit der besonderen Ehrung, die der Führer ihm nun zuteil werden lasse, verbinde er den Wunsch, daß Froelich es vergönnt sein möge, auch in Zukunft noch viele wertvolle Beittäge zum künstteri- schen deutschen Film zu schaffen. Der Terra-Film „3ub Süß" ein großer Erfolg in Venedig. Die deutsche FUmkunst konnte mit der Uraufführung des Terra-Films „Iud Süß" auf der Filmschau in Venedig einen neuen großen Erfolg erringen. Die künstlerische und kulturelle Bedeutung des unter der Leitung von Veit Harlan geschaffenen Werkes sicherten chm einen hervorragenden Platz im Rahmen der Venezianer Veranstaltung. Daß das Werk auch vom italienischen Publikum voll verstanden und richtig beurteilt wurde, zeigte der stürmische Beifall, der die Aufführung, an der wieder alle in Venedig weilenden namhaften Persönlichkeiten von italienischer und deutscher Seite teilnahmen, krönte. Das Publikum zeichnete den bei der Uraufführung anwesenden Spielleiter Veit Harlan und die Schauspieler Kristina Söderbaum und Ferdinand Marian am Schlüsse der Vorstellung durch lebhaften Beifall aus. Die Frankfurter Oper im befehlen Frankreich. Auf Anforderung durch das Oberkommando der Wehrmacht und in Zusammenarbeit mit dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda gastiert in diesen Tagen ein großes Ensemble der musikalisches Lustspiel im beliebten Kostüm von 1913 ist „Was will Brigitte", das Paul Martin mit Leny Marenbach abrollen läßt. Ein heiterer Wien- Film ist „So gefällst du mir", in dem Hans Thimig als Filmregisseur debütiert. An der Spitze her restlichen neun Filme steht „P. K. ... meldet , worin ein Sensationsbildberichterstatter zum Knegsbench- ter wird. Mit Brigitte Horney in-der Hauptrolle wird Gerhart Hauptmanns „Rose Bernd von Hans Schweikart verfilmt. Ein anderes großes literarisches Thema ist ein Wien-Fllm um Ferdinand Raimund, den Paul Hörbiger in „Brüderleini fein spielt. Zwei Filme aus der preußischen Geschichte sind „Kameraden", das Schicksal des Leutnants Heinrich von Wedell, des Schillschen Offiziers, „Flucht" spielt in friderizianischer Umgebung und behandelt den Begriff der Pflicht. Auf dem Weg zu zeitgenössischen Stoffen treffen wir Hans Moser in „Liebe ist zollfrei", der Geschichte eines kleinen Zollbeamten in der k. u. k. Monarchie. Em Film aus unserer Zeit ist der Feuerwehrfilm „Alarmstufe 5 mit Attila Hörbiger. Den Kunstbetrieb der zwanziger Jahre karikiert „Skandal um die Venus" der H. H. Zerlett-Film, der das geschickte Täuschungsmanöver eines jungen Bildhauers auf nimmt, ber seine Venus vergräbt und von den Sachverständigen als antikes Kunstwerk identifizieren läßt. Der Schluß ist ein Rühmann-Film mit Hertha Feiler „Hauptsache glücklich". Städtischen Oper zu Frankfurt a. M. mit mehreren Aufführungen vor deutschen Soldaten.in Paris, Bordeaux, Metz und Nancy. Das über 200 Personen umfassende Ensemble einschließlich Opern- orchester brachte bereits unter jubelnder Zustimmung unserer Soldaten die Operette „Der Vogel- Händler" in erstklassiger Inszenierung zur Aufführung. Londerspende der Reichsbahner zum kriegswinlerhilfswerk. Die Gefolgschaft der Deutschen Reichsbahn wird, wie in den Vorjahren, auch für das Kriegswinterhilfswerk 1940/41 außer den allgemeinen Spenden, die durch Abzug von Lohn und (9et)alt laufend aufgebracht werden, eine Sonderspendein Höhe von einer Million R M. zur Verfügung stellen. Davon sind 500 000 RM. am Tage der Eröffnung des Kriegswinterhilfswerkes überwiesen worden. Eine weitere Sonderspende hat der Der- sicherungsverein deutscher Eisenbahnbediensteter dem Kriegswinterhilfswerk 1940/41 zur Verfügung gestellt. Aschaffenburg eröffnet sein eigenes Theater. Nach langjähriger Unterbrechung eröffnet das Stadttheater Aschaffenburg am 14. September die erste Spielzeit seiner Bühne wieder in eigener Regie. Aschaffenburg hat eine Th e a t e r ge me i n - schaftmitHanau geschlossen, von dessen Stadttheater es bisher bespielt wurde. Jetzt wird Aschaf- Oer hoffnungslose Patient. Hilft alles nichts, Sir, ich sehe immer nur schwarz in schwarz. (Zeichnung von Bob Hindersin. — Scherl-M.) fenburg wieder sein eigenes Theater haben, an dem allerdings nur Schauspiel gespielt wird, während die Oper und Operette wie bisher aus Hanau zu Gast kommt. Dafür wird aber Aschaffenburg Hanau mit Schauspiel versorgen/ Der neue Intendant Hans M ö b e s , der aus dem Hanauer Schauspielkörper gewählt wurde, wird das klassische Drama und die zeitgenössische Dichtung pflegen. Als EröffnunAvorstellung wird am 14. September das Schauspiel „Auge um Auge" von dem Aschaffenburger Dichter Julius Maria Becker aufgeführt. Wasserhose über Uew Jersey. lieber dem Südosten des Staates New Jersey ist eine Wasserhose niedergegangen, durch die zahlreiche Ortschaften überflutet wurden. Viertausend Personen sind obdachlos geworden. Der Sachschaden wird auf eine Million Dollar veranschlagt. Es sollen auch Todesopfer zu beklagen sein. Wespen-Jnvasion in einer schweizerischen Stadl. In Neuenburg haben sich ungezählte Tausende von Wespen an den Häusern der Boulevards am See niedergelassen und schwärmen durch die nahe gelegenen Stadtviertel. Viele gefährliche Stichverletzungen werden gemeldet. Die Stadtbehörden sind dabei, die vielen plötzlich entstandenen Wespennester auszubrennen. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter bei yauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik, Feuilleton und Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Stadt Gießen, Provinz, Wirtschaft und Sport: Ernst Blumschein. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange K. G. Verlagsleiter: Dr.-Jng. Erich Hamann; Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Pl.Nr.8. 3953V q.d.G.A. Vereine °* Merlihmie. 20 Janre Unger- Ewiepäng “ graue Haare Ist wasserhell leichteste Anwendung. unschädl. Durch seine Güte Weltruf erlangt. Verlangen Sie un- verbindLu.porlofr.Gratisprospefcl Exlepäng GmbH.. Berlin SW 61 /176 Nachdruck verböte« Ohne Cowähr 3. September 1940 22. Ziehungstag Sn der Nachmittagsziehung wurden gezogen 197159 168756 31338 32711 48007 51092 72519 72615. 91328 4. September 1940 23. Ziehungstag In der Vormittagsziehung wurden gezogen 298222 9536 282717 290248 293181 102 Gewinne zu 1000 RM. 9002 15101 17079 18572 Nachdruck verboten Ohne Gewähr Aus jede gezogene Nummer sind drei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in den drei Abteilungen !, II und Hl 1940 4. September 23. Ziehungstag Sn der Nachmittagsziehung wurden gezogen 5. September 1940 24. Ziehungstag Sn der Vormittagsziehung wurden gezogen 264108 251325 211415 171983 233935 304816 377554 175083 234817 308602 130522 343276 10295 330908 94770 55239 261457 111316 133467 354418 11508 28784 151701 243250 302932 18283 121286 221585 293684 360539 164371 226120 303697 371577 204191 274541 380735 212256 279326 395851 218683 282522 397046 180098 245286 330659 220058 291381 88540 42341 27128 77228 92587 138417 136566 173719 184097 24105 142123 195613 262368 167236 143075 214168 297659 143890 301244 378146 171231 114955 16153 21493 225640 87612 15945 110485 218388 261702 358400 319462 90635 328102 154504 247385 183722 217589 247236 248277 337102 345387 73365 131476 90 Gewinne zu 1000 RM. 10 4907 27362 28071 48828 52079 80605 94637 105020 121614 124138 126219 130309 148088 149257 154633 176285 184389 192368 196222 211242 241580 29068 41602 65474 108150 111705 140200 177406 181803 191437 213212 213219 213961 246865 265586 269974 280936 296476 296495 332790 354363 360836 368206 379577 Gewinnauszug 5. Klasse 3. Deutsche Reichslotterie Aus jede gezogene Nummer sind drei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in den drei Abteilungen I, tl und HI 9 Gewinne zu 5000 RM. 12 Gewinne zu 4000 RM. 12 Gewinne zu 3000 RM. 24 Gewinne zu 2000 RM. 276849 332113 337725 378883 ■6 Gewinne zu 20000 RM. 6 Gewinne zu 10000 RM. 6 Gewinne zu 5000 RM. 12 Gewinne zu 4000 NM. 21 Gewinne zu 3000 RM. 282793 323624 338808 30 Gewinne zu 2000 RM. 211285 222428 223654 317602 117 Gewinne zu 1000 NM. 3 Gewinne zu 50000 und 3 Prämien zu 500000 RM. 120079 6 Gewinne zu 10000 RM. 77069 173126 * * ■ "— 162766 241051 245579 6 Gewinne zu 5000 RM. 9 Gewinne zu 4000 RM. 21 Gewinne zu 3000 RM. 304939 336997 374785 45 Gewinne zu 2000 RM. 158765 181783 210819 253856 306477 328610 364584 Gewinnauszug 5. Klasse 3. Deutsche Neichslotterie 3 Gewinne zu 20000 RM. 3 Gewinne zu 10000 RM. 9 Gewinne zu 5000 RM. 6 Gewinne zu 4000 RM. 12 Gewinne zu 3000 RM. 48 Gewinne zu 2000 RM. 120162 171396 221983 233885 373541 378940 398022 398743 93 Gewinne zu 1000 RM. 117307 122325 131252 153414 262802 15141 40322 163202 180105 229117 387642 16754 141833 286725 308725 20015 80298 82005 100665 237728 244626 282735 348639 26533 75765 85207 90583 159911 179471 183645 194156 222270 224403 240036 262766 300772 321060 352341 380069 toulmäoniiche Krall für sofort gesucht Genofienfcbaft fflr Hänle- nnd Fettverwertung mbH zu Kaifel Nebenstelle Gießen Neustadt 61 3951d Llkiegswintertnlfswerk ÖC5 OcutfchenöolhES Gewinnauszug 5. Klasse 3. Deutsche Neichslotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Nummer sind drei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den drei Abteilungen l, II und III Große Laboratorien Lehrfabrik f. Praktikanten Verlobungs-Anzeigen bei Brühl. 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Lieferung schnell,gut und preiswert durch Brühl’sche Druckerei Schulstr. 7, Ruf 2251 Samstag,7.9.40 Monatsappell i.HessischenHof. Beginn pünktlich um 20JO Uhr. Artilleristen- Kamercrdschaft von 1895. Öffentliche Heimatkundgebung der Heimatbundes für Hessen und Nassau (In Zusammenarbeit mit dem NSLB.) am Sonntag, 8. September 1940, vormittags 9% Uhr, in der Aula der Universität Es sprechen: StMenrüt pg. Dt. von bet flu, Darmstadt, über: Volkstumsarbeit als Kulturarbeit Nestor pg. Dr. Klippel, Mainz, über: Blühende Berge am Wilden Kaiser (mit färb. Lichtbildern) Jedermann willkommen! 3946 D *DolL aus Saarbrücken, jetzt GIESSEN -— ■ Marktstraße 28 das große moderne Fachgeschäft feiner Parfümerien und Toilette-Artikel hat immer 3956a reizende Geschenke für Verlobung, Hochzeit, Geburtstag u s w. in größter Auswahl am Lager ! ---J 3948 D Für die zahlreichen Beweise wohltuender Teilnahme bei dem Heimgang unsere- lieben guten Mutter sprechen wir hiermit unseren herzlichen Dank aus. . Karl Hammel und Frau Auguste, geb. Ludwig. Wieseck, den 6. September1* 1940. Wegen Betriebsferien bleibt mein Geschäft vom 9. Sept, bis einschl, 19. Sept, geschiossen tmil S*istor Jladif. Marktstraße 10 --- 3947 d Die Deutsche Arbeitsfront NSG. Kratt durch Freude Kreisdienststelle M Wetterau Am Sonntag, dem 8. September 1940, findet die zweite Fiilrog durch das Oberh. wem ( Gailsche Sammlungen) unter Leitung v. Pg. Dr. Krttger statt. Treffpunkt 10Uhrvorm. Brandplatz. Unkostenbeitrag lOPf. - ____________ 3955 D Verkäufe 5. September 1940 24. Ziehungstag 1778 23322 45993 54640 166157 265029 30 Gewinne zu 2000 RM. Sn der Nachmittagsziehung wurden gezogen 9 Gewinne zu 5000 RM. 47827 195358 305409 24 Gewinne zu 4000 RM. 172317 216675 241658 253866 296354 300937 338483 355425 21 Gewinne zu 3000 RM. 740 46320 74279 78801 93078 68663 226224 236896 275558 335374 380569 99 Gewinne zu 1000 NM. 600 10045 12042 24750 33981 36893 38265 39506 39529 55872 73686 100887 101605 121839 128977 129503 136486 187031 200713 212538 216164 237496 249593 251286 285097 317227 325948 342265 345472 369049 369698 378102 384411 Oie Ziehung der 1. Klasse der 4. Deutschen Neichslotterie findet gm 22, und 28. Oktober 1940 statt. Nr.211 Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Zreitag.b. September 1940 Groß wie die Zeit sei unser Opfer! Zum ersten Opfersonntag des zweiten Kriegswinterhilfswerkes am Sonntag. niit ihren schmalen, pfriemenartigen Blättern uni) ihren goldgelben, bolbentraubigen Körbchen, bie auch ben märchenhaften Namen Golbhaar führt unb ebenso wie bie Bergaster in manchen ©egenben Deutsch- lanbs burch Schutzgesetz gehegt wirb. Im Narben unseres Vaterlandes wächst bie Strandaster, in Nordwestdeutschland auch Sülte genannt. In der klassischen Blumensprache erscheint die After als Sinnbild bes Kummers. Als Bilb des Ab- schiebs und ber herbstlichen Schwermut ist sie auch von ben Dichtern häufig befungen worben, vor allem in dem bekannten Lieb: „Stell auf ben Tisch bie hustenden Reseden, die letzten roten Astern trag' herbei ..." Wenn wir aber heute einen Strauß bunter Astern verschenken ober ihn freudig ent= gegennehrnen unb in ber Vase aus ben Tisch stellen, denken wir schwerlich an diese alte Bedeutung ber Blume, fonbern wir erfreuen uns an ihrem festlichen Strahlen und Leuchten. C. K. Vornotizen. Tageskalender für Freitag. Gloria-Palast, Seltersweg: „Die Geierwally". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Vetter aus Dingsda". Ortszeit für den 7. September. Sonnenaufgang 6.46 Uhr, Sonnenuntergang 19.59 Uhr. — Monbaufgang 23.35 Uhr, Monbuntergang 22.42 Uhr. llS'GeMlnWsl M äraft öurOenöe KdF.-Sport. Am Sonntag, dem 8. September, von 11 bis 12 Uhr in ber Müllerschen Babeanstalt: Abnahme Reichssportabzeichen „Schwimmen". 39490 NS.-Irauenschast / Irauenwerk Der Mütterdienst im Deutschen . Frauenwerk beginnt Mitte bes Monats mit je einem Koch- unb einem Nähkurs. Anrnelbungen werben bei ber Kreis- frauenschaftsleitung, Frankfurter Straße 1, entgegen» aber auch nicht bas Elend vergessen, das unsere Volksgenossen im Elsaß unb in Lothringen erleiben mußten. Eine weitere Aufgabe liegt in ber Hilfe für Mutter und Kind in Der Heimat, die Unterhaltung ber Beratungsstellen, Der Kindergärten, Schwesternstationen, Bahnhofsdienste sowie der Mütterheime. 1 Hier, Volksgenosse bes Gaues Hessen-Nassau, finbet beine Spende Verwenbung. Zum 1. Opfersonntag bes zweiten Kriegswinterhilfswerkes geloben alle VolksKnosfen bes Gaues Hessen-Nassau bem Führer genau so wie im Kriegshilfswerk für bas Deutsche Rote Kreuz auch jetzt wieber zum gleichen Opfer bereit zu sein. Am nächsten Sonntag Eintopf. Der erste Opfersonntag des Kriegswinterhilfswerkes 1940/41 ist auf Sonntag, 8. September, festgesetzt worden. An diesem Tage dürfen in den Gaststätten in der Zeit von 10 bis 17 Uhr keine anderen als die nachstehend bestimmten Eintopfgerichte abgegeben werden: 1. Brühkartoffeln mit Einlage, 2. Weißkohl ober Wirsingkohl mit Rindfleisch, 3. Gemüsetopf nach Wahl. — Für bie Gaststättensamm- lungen werben bie Speisebetriebe roieberum in drei Klassen geteilt, in denen der Preis des Eintopfgerichtes 0,70, 1,— bzw. 2,— RM. beträgt. Hiervon werden als Spende für das WHW. 0,20, bzw. 0,30, bzw. 1,20 RM. abgeführt. Groß- und Filialbetriebe der Klasse I entrichten als Spende 0,30 RM. für das WHW. Jeder Gast erhält eine Quittung über feine Eintopfspende. Kriminalfekretär Karl Hofmann t. Nach langer schwerer Krankheit ist am Mittwoch der frühere Leiter der Außenstelle Gießen der Geh. Staatspolizei, Kriminalsekretär Karl Hofmann in Gießen, im Alter von 54 Jahren gestorben. Mit ihm ist ein Polizeibeamter und Mensch in die Ewigkeit abberufen worden, der durch sein Wirken in guter Erinnerung bleiben wird. Kriminalsekretär Hofmann stammte aus Geilshausen (Kreis Gießen). Nach seiner Militärzeit von 1908 bis 1913 in der Leibkompanie des Jnf.-Regts. 168 in Butzbach trat er am 1. Oktober 1913 bei ber Polizei in Gießen in ben Polizeidienst ein. Als ber Weltkrieg ausbrach, eilte er sofort zur Truppe. Währenb des ganzen Weltkrieges 1914/18 war er im Felde, zuletzt als Offizier-Stellvertreter. Mit bem Eisernen Kreuz 2. Klasse, ber Hessischen Tapferkeits- mebaille, bem Hessischen Kriegsehrenzeichen in Eisen, bem Verwunbetenabzeichen unb bem Ehrenkreuz für Frontkämpfer fand fein Einsatz im Kriege für Volk unb Vaterland die wohlverdiente Würdigung. Nach bem Weltkrieg kam er nach Gießen in den Polizeidienst zurück. Am 1. Oktober 1921 wurde er zur Kriminalpolizei versetzt und zugleich zum Kriminalhauptwachtmeister ernannt. Am 1. April 1927 erfolgte seine Ernennung zum Kriminalsekretär. Die Prüfung als Polizeikommissar bestand er im Jahre 1930. Vom April 1935 ab war er als Leiter einer Abteilung mit ber Bearbeitung wichtiger polizeilicher Aufgaben betraut. Bis zu feiner Erkrankung vor etwa IV2 Jahren stand er an ber Spitze der Außenstelle Gießen der Geheimen Staatspolizei. Am 1. Oktober 1938 konnte er auf eine 25jährige Tätigkeit im Gießener Polizeidienst zurückblicken. Seine Leistungen im Dienste der Polizei sanden durch die Verleihung des Polizei-Ehrenzeichens 1. Klasse wohlverdiente Anerkennung. Seine hohe Pflichtauffassung, feine strenge Gewissenhaftigkeit im Dienst, fein ausgezeichneter Sinn für Kameradschaft und Gemeinschaft und sein vorbildlicher Charakter, wie auch seine persönliche Verbindlichkeit im Umgang mit allen Volksgenossen machten ihn zu einem Polizeibeamten von vortrefflichen Qualitäten. Sein langjähriges Wirken in Gießen stellte zwischen ihm und der Gießener Bevölkerung, der er sich als Diener ber Allgemeinheit Der gegenwärtige Krieg ist ein anberer Krieg als feine Vorgänger in der Geschichte. Jetzt geht es in seiner ganzen Konsequenz um bie Entscheidung: Sozialismus gegen vermoderte Plutokratenclique. Es ist einfach unmöglich, daß auf die Dauer ein Volk, dessen innere sozialen Probleme so ungelöst sind wie in England, weiterhin seinen Führungsanspruch in der Welt geltend machen kann. England ist ein Land ohne Sozialismus. Deutschlands Kampf gilt aber dem wahren Sozialismus, Deutschlands Sieg gibt Antwort auf bie zwei Prozesse bes 19. Jahrhunberts: bie Bauernbefreiung unb bie Industrialisierung. Deutschland vollzieht durch eine geschichtsfähige Idee die Neuordnung Europas und schafft die soziale Voraussetzung für den modernen Staat unserer Zeit. Es ist kein Zufall, wenn unser Führer auch bie Krönung bieser nationalen und sozialistischen Idee schuf — bas W i n t e r h i l f s w e r k unb bie N S.° Volkswohlfahrt. An jebem großen Sieg, ben bie Volksgemeinschaft nach 1933 gefeiert hat, waren diese größten Hilfswerke ber Partei beteiligt. Jetzt im Kriege haben sie roieberum große Leistungen vollbracht. _ c , Das kommende Winterhilfsroerk hat bie Aufgabe, neben bem üblichen Kreis von Hilfsbebürftigen alle biejenigen Volksgenossen besonders zu betreuen, bie burch Kriegsausroirkungen in Not geraten sind. Noch bedürfen manche Volksgenossen in dem bereiten Ostgebiet unserer Hilfe. Denken wir weiter an bie Rückkehr ber Volksgenossen in bie westlichen Gaue, die teilweise ihre Ortschaften von französischen Granaten zerstört vorfanden. Endlich wollen wir Aus der Stadt Gießen. Astern. Wer jetzt burch bas Land wandert, den erwartet ein besonders reiches und sattes Farbenschauspiel. Das tiefe Grün von Wäldern und Gärten wird durch die ersten gilben Tone eindrucksvoll belebt, aus bem Laubwerk der Dbftbäume schimmern die 1 rotwangigen Früchte, auf allen Gartenbeeten leuchtet es weiß, rot, blau, violett, als wollte ber schei- benbe Sommer noch einmal seinen ganzen Farbenglanz zusammenraffen unb vor uns spielen lassen. Das sind bie Astern, bie in ihrer strotzenben Kraft zur Lieblingsblume unserer Bauerngärten geworben sind unb von August bis Oktober unserer beutschen Landschaft einen charakteristifchen Zug einflechten. Wenn alle Gärten voll Astern prangen, so wissen wir, daß es Herbst wird, aber es ist ber bunte, fröhliche Herbst, nicht ber ernste, schwermütige, ben die Aster uns vor Augen führt, und so vermag auch ihr Anblick uns nicht traurig, sondern eher freudig xu stimmen, und sogar das Gefühl des nahen Abschieds, den diese Blume trotz allem verkündet, trägt noch dazu bei, Lebensfreude unb Lebensbejahung zu steigern. Der Name Aster stammt aus bem Griechischen und bedeutet „Stern". Der Kranz ber bunten Blütenblätter, bie sich ftemförmia um bas gelbe „Körbchen" schließen, läßt bie Wahl biefes Namens verstehen. In manchen Gegenben wirb bie Blume vom Volk auch einfach Sternblume genannt, ober es kommt wohl auch vor, daß ein Kinb, bas ben fremben Namen ber Blume nicht kennt, sie von sich aus so bezeichnet. Die schlichten Korbblütler, bie aus bem „Reich ber Mitte" stammen, haben freilich in ben anberthalb Jahrhunberten, in benen sie bei uns heimisch sinb, burch züchterische Kunst roeit« gehende Wanblungen erfahren. Gegen Ende bes 18. Jahrhunberts wurde bie Vorfahrin unserer Sommeraster burch ben Jesuitenpater b'Jncarville aus China nach Frankreich eingeführt, wo sie im Jarbin des Plantes zu Paris zum erstenmal ihre einfachen lila, bie gelbe Scheibe umschließenden Blütensterne öffnete. Bon hier hat sie in zahlreichen Formen und Farben ihren Siegeszug burch alle europäischen ßänber angetreten. Von ben einfachen Arten, die an das bescheidene Gänseblümchen erinnern, nur wesentlich größer sinb, bis zu ben hochgezüchteten, gefüllten, kugeligen ober halbkugeligen Formen, beren einzelne Blütchen halb Nadeln, bald Röhren ober Zungen gleichen, finden wir einen großen Reichtum an Variationen. Die in unseren Gärten immer noch am stärksten vertretene unb besonders für bie Bauerngärten charakteristische Sommeraster ist ein einjähriges Gewächs, b. h. sie stirbt nach vollenbeter Samenreife alljährlich wieber ab unb muß jebes Jahr aufs neue aus Samen herangezogen werden. Bei kaltem unb regnerischem Herbftwetter kommen bie spätblühenden Sorten manchmal nicht ober doch nur unvollkommen zur Samenreife. Da aber der Samen drei volle Jahre lang die Keimkraft bewahrt, ist für die Fortpflanzung immer gesorgt. Die Aster wird im April im Mistbeetkasten unter Glas herangezogen. Gartenbesitzer, die üoer kein Mistbeet verfügen, besorgen sich am besten Mitte Mai bei einem Gärtner fertige Sämlinge und setzen diese im Freiland aus. innerung fortleben. Kameradschaft ehemaliger 115er. Arn gestrigen Donnerstag trafen sich die Mitglieder der Kameradschaft ehemaliger 115er im Kameradschaftsheim „Schipkapaß" zum üblichen Monatsappell, der unter der Leitung des stellv. Kameradschaftsführers Kam. Oehlenfchläger stattfand. Bei der Begrüßung der zum Appell erschienenen Kameraden konnte Kam. Oehlenschla- g e r mit besonderer Freude zwei Kameraden im feldgrauen Ehrenkleid willkommen heißen, die als Urlauber von der Front zur Zeit in Gießen weilen. Ihr Besuch dokumentierte die enge Verbundenheit zwischen den Kameraden im Felde und denen in der Heimat. Anschließend wurden die eingegangenen Befehle und Briefe befanntgegeben^unb dann vor allem auf die große Bedeutung des Fechtwesens für die Erfüllung der sozialen Aufgaben hingewiesen. Der stellv. Kameradschaftsführer machte weiter auf die Fortführung des Wettschießens um die Ehrennadel aufmerksam und forderte die Kameraden zu reger Beteiligung auf. Nachdem er noch einige Mitteilungen über unsere Kriegsmarine zur Kenntnis der Kameraden gebracht und verschiedene kleine m« terne Angelegenheiten erledigt hatte, wurde ber bienstliche Teil des Appells geschlossen. Die Kameraden verweilten bann noch einige Zeit in froher kameradschaftlicher Geselligkeit. Giehen-Wieseck. Aus der NS.-Frauenschasl. Vor ben vollzählig erschienenen Amtsleiterinnen ber NS.-Frauenschaft unb bes Deutschen Frauenwerkes, sowie ben Mitgliebern ber Jugendgruppe sprach im kleinen Saal bes Parteilokals Braun bie Kreisgeschäftsführerin Fräulein R 0 f e n f ch 0 n über bie Arbeit der Jugenbgruppen unb gab Anleitungen unb Richtlinien über bie Tätigkeit von NS.-Frauenschaft unb Frauenwerk gerabe in ber Kriegszeit. Die Ausführungen, bie mit großem Interesse verfolgt würben, fanben viel Verstänbnis, zumal es Fräulein Rosenschon oerftanb, ihren Vortrag mit praktischen Beispielen aus bem Leben ber Gegenwart anschaulich zu ergänzen. 018. Giehen-Klein-Linden. Der älteste Einwohner unseres Stadtteils, der Landwirt Ludwig F a b e r II., Kirchstraße 9 wohnhaft, kann am heutigen Freitag in seltener körper- l'icher und geiftiger Frische seinen 84. Geburtstag begehen. Der alte Herr versieht seinen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb noch vollständig. Zu seinem Geburtstag bringen auch wir ihm herzliche Glückwünsche dar. 14000 weibliche Arbeitskräfte bereitgestellt. Die Gaufrauenschaftsleitung Hessen-Nassau konnte den Arbeitsämtern unseres Gaues rund 14 000 Frauen aus ihren Reihen melden, bie sich zum Arbeitseinsatz zur Verfügung gestellt haben. Bisher würben nur 1000 Frauen eingesetzt, so baß ber Gau Hessen-Nassau noch über genügenb Reserven verfügt. Auch hier wieber ein Beispiel für bie Einsatzfähigkeit der Frau. * ** Auszeichnung für treue Dienst» Lciftung. Dem Steuerinspektor Philipp Metzler beim Finanzamt Gießen wurde das Treudienstehrenzeichen für 25jährige Dienstleistung verliehen. ** 82 Jahre alt. Am morgigen Samstag, 7. September, kann ber frühere Althändler Johann > Roß, Teufelsluftgärtcken 5 wohnhaft, in Frische unb Gesundheit seinen 82. Geburtstag begehen. Dem 1 alten Herrn gelten auch unsere herzlichen Glück- : wünsche. stets verpflichtet fühlte, engste Verbinbung her. Alle» zeit hat er sein Amt als Polizeibeamter in einer Weise versehen, bie bie Verbundenheit ber Polizei mit ber Volksgemeinschaft überzeugend bokumen- tierte. Daher würbe ihm auch von seinen Vorgesetzten unb Mitarbeitern, wie von breiten Schichten ber Bevölkerung volles Vertrauen unb hohe Wert- schätzung bargebracht unb bamit sein Dienst in schönster Weise belohnt. Weit über seinen beruflichen Kamerabenkreis hinaus wird bas Anbeuten an biefen vortrefflichen Mann unb Beamten stets in bester Er- Jn neuerer Zeit erfreuen sich neben ben Sommerastern auch bie Staudenastern wachsender Beliebtheit. Die meisten und schönsten Arten dieser Gattung, die bem Züchter reiche Möglichkeiten bieten, stammen aus Nord- unb Mittelamerika, andere aus Südamerika, Südafrika und Asien. Doch kennen wir auch in Deutschland wildwachsende Arten, die den Weg in unsere Gärten als Zierpflanzen gefunden haben. Da ist vor allem die Alpenaster zu nennen, eine niedrige Pflanze unserer Hochgebirge, die im Garten ihre violettblauen Blütensterne schon im Juni und Juli entfaltet und besonders als Einfassung von Wegen und Beeten Verwendung findet. Noch oberhalb der Waldgrenze der Doralpen blüht auch das Alpenmaßlieb, das einem kräftig gewachsenen echtem Maßlieb ober Gänseblümchen ähnlich ist. Auf süb- unb mittelbeutschen Heibewiesen, fteini- . gen Triften und Hügeln finden wir die Leinafter genommen. 3m Schuppen sitzt ein Verbrecher!! Don Karl ^Robert Popp Herrlich ließ es sich hier oben in der Hütte am Berghang leben! Wenn Grete wach wurde, lief sie zuerst an das Fenster, stieß die schweren Läden zurück und sah die ragende Wand des Karwendel- gebirges den halben Himmel abriegeln. Jmmrr wieder ergriff sie dieser Anblick. Da rechts reckte sich die Brunnsteinspitze in den blauen Morgenhimmel, hinter ihr türmten sich neue Berge, und Dort in der Ferne lag Tirol. „Tiroler Land, wie bist du schön!" pfiff bas Madel und machte sich zu »einem Ausflug nach ber Partnachklamm auf ben Weg. Sie winkte noch einmal zur guten, alten Kathi hinauf unb freute sich wieber über „ihre" schmucke Hütte, in der sie als einziger Feriengast hauste. Die Eltern waren kurz vor Der Äbreise zurückgehalten worden und hatten Grete mit einem empfehlenden Schreiben zur Kathi geschickt. Bei der, das wußten sie, würde sie gut aufgehoben fein. Als Grete gegen Abend hungrig unb durstig heimkam, fanb sie neben bem Abendessen einen Zettel auf bem Tisch. „Bin ins Tal", stand auf dem Papier. Grete ließ sich das Abendbrot munden. Als die letzte Käserinde abgeschabt war, ging sie noch . einmal vor die Tür und setzte sich unweit der Hütte auf einen Stein, um den Sonnenuntergang abzu- roarten. Vielleicht glühten heute bie Wände des Karwendelgebirges tm purpurnen Wiberschem der Sonne ... Als sie darüber einmal den Weg hinabsah, schüttelte sie verwundert den Kopf. Ein Wanderer? So spät und in solcher Eile? Der Mann verschwand bet einer Wegbiegung, an der nächsten tauchte er wieder auf, und jetzt mußte er nach rechts abbiegen, wenn er nach Mittenwald zurück wollte. Er bog aber nicht ab, sondern ging geraden Weges auf Die Hütte zu. Grete lief hinter ben Schuppen und oe- obachtete den rätselhaften Fremden scharf. Jetzt stand er vor der Hütte. Aber er rief nicht und pochte auch nicht! Er schlich sich sofort in das Innere. Jetzt aber pochte Gretes Herz vor Ungewihhelt unD Entrüstung. Leise und vorsichtig ging sie an eines der Fenster und spähte in bie Stube. Eben hob der Mann bie schöne, alte Uhr mit dem herrlichen Schlag von der Wand! Nein! — Die Gedanken wirbelten durch Gretes Kops. Ein Einbrecher! Und ich ganz allein hier oben! Jetzt trägt er die schöne Uhr fort! Nein, das dulde ich nicht! — Aber ehe sie zu einem Entschluß kommen konnte, ging bie Tür auf, unb ber Verbrecher schleppte die schöne Uhr aus der Hütte. Ob ich jetzt schreie? dachte Grete, aber da ging der Kerl auch schon in den Schuppen hinein und rumorte darin herum. Wahrscheinlich suchte er sich auch noch einen Wagen, um die Uhr ja recht bequem fortschaffen zu können! Angesichts dieser Frechheit blitzte in Gretes Gehirn der rettende Einfall auf. Sie sah, daß der Schuppen nur ein kleines, dick vergittertes Fenster hatte, sprang zu, schlug das Schuppentor ins Schloß und warf Den schweren Eisenriegel Darüber. So! Jetzt sah der Fuchs in der Falle und konnte nicht wieder heraus! „Aufmachen!!" schrie es von innen, und der Einbrecher trommelte wütend an die Tür. Aber Grete war schon ein Stück den Berg hinabgelaufen. Bis zum Jager-Toni waren es knappe zehn Minuten. Wenn sie Glück hatte, traf sie ihn an, und dann konnte er den Verbrecher festnehmen und abführen. So hörte sie bas Geschrei Des Eingesperrten nicht und sauste nur den Weg hinunter. Nach einigen Minuten schon entdeckte sie ein rotes Kopftuch am Hang unb erkannte aufatmenb, baß bie Kathi heimkehrte. „Kathi! Kathi! Im Schuppen sitzt ein Verbrecher! Ich hab' ihn eingeschlossen! Einbrechen wollte er!" Bei ber Kathi ging es nicht so rasch. „Was hast g’fagt? A Einbrecher? A geh her!" Sie schüttelte ungläubig ben Kopf. „Kathi! Droben im Schuppen sitzt er boch!" „Wer denn?" „Der Einbrecher! Die schöne Uhr hat er stehlen wollen! Hatte sie schon eingepackt!" „Die Uhr?!" Jetzt war bei ber Kathi der Groschen gefallen. „Ja, Greteri, weißf auch, wen du da ein- g'sperrt hast?!" „Einen Verbrecher!" schrie Grete, die in ihrer Aufregung den sonderbaren Tonfall der Frage überhörte. „Ich renne zum Jager-Toni!" Damit sauste sie schon weiter, ohne sich um Die Schreie Der Kathi zu kümmern, Die kräftig hinter ihr herwetterte unD Dann roütenD bergauf stieg. Grete hatte Glück! Der Jager-Toni war zu Hause. Er hing gleich sein Gewehr um und stapfte vor ihr Der Hütte zu. Grete hätte am liebsten von hinten ein wenig geschoben, so aufgeregt war sie, aber Der Toni ließ sich sein Tempo nicht vorfchreiben. End- lich waren sie oben. Der Toni schnaufte entschlossen unD griff nach Dem Gewehr, unD Die Grete keuchte mit Dem letzten Atem: „Der Einbrecher?!" Da stemmte Die Kathi beide Arme in Die Seiten unD lachte, lachte, Daß es von überallher roiderhallte. „Geht's eini, ihr xroei!" rief sie haipi, holte eine Flasche Bier aus Dem Kellerloch unD schenkte Dem Jager-Toni, Der Daraufhin sehr zufrieden aussah, ein. Dann erzählte sie. Der Mann war nicht zum erstenmal hier oben gewesen. Er kam seit Monaten unD war nur in den letzten drei Wochen ausgeblieben. „A Narrischer ist's", erklärte tue Kathi behaglich und fuhr fort, es fei ein Feriengast aus Mittenwald oder Garmisch- Partenkirchen, ein schwerreicher Kauz und leidenschaftlicher Sammler. Die alte, ererbte Uhr hatte es ihm angetan. Erst bot er fünfzig Mark, dann achtzig, aber Die Kathi blieb fest. Heute jedoch hatte er sie unten in Der StaDt getroffen, unD einem Angebot von hunDert Mark war sie erlegen. Der Sammler hatte Angst, Die Kathi möchte einen Tag später Den Kauf wieder bereuen, unD Daher stieg er noch am gleichen Tage zur Hütte auf, um sich die Uhr selber zu holen. Einen HunDertmarkschein hatte er auf den Tisch gelegt. „UnD Denjenigen Sammler hast eing'sperrt", schloß Die Kathi, erneut auf- lachend, ihre Erzählung. Der Jager-Toni fiel mit feinem Dröhnenden Baß in Das Gelächter ein und klatschte sich auf die nackten Knie, daß es nur so schallte. „Dös is a Hetz", stöhnte er vor Freude über den Spaß. „Eing'sperrt hat sie ihn! Da feit sie nix!" Grete stand mit dunkelrotem Kopf in der Stube und sah von dem einem Vergnügten ratlos zum anderen. „Da muß ich mich aber doch entschuldigen", sagte sie dann ganz geknickt, aber die Kathi winkte großzügig ab: „Dem g'schieht scho recht!" Sie wollte noch mehr jagen, aber Grete rief in diesem Augenblick aufs höchste erstaunt dazwischen: ,Kathi! Die Uhr hängt ja wieder an der Wand?!" Nun wurde die Kathi ein wenig kleinlaut, und nach einigem Herumdrucksen sagte sie: „Na ja, wie ich die Uhr wiederg'sehen hab, da tat's mir leid um das schöne Stückel vom Ahndel selig. Wieder gegeben hab' ich dem sein Geld! Mei' Uhr roollf ich behalten ..." „Und?" drängte Grete ... „Na, da ist er ganz wild geworden. Eing'sperrt werden und zuletzt zum Narren gehalten, hat er g’meint, dös tät er sich nit gefallen lassen. Hinaus- geworfen hab' ich ihn am End'. Der kommt nit wieder, GreterU" Grete sah die schöne, alte Uhr an. Die sich in ihre Umgebung fügte, als müsse sie Da hängen, und es kam ihr Der Gedanke, vielleicht sei es ganz gut gewesen, Daß sie einen reichen Sammler mit einem Einbrecher verwechselte. Der Jager-Toni mochte ähnlich empfinden. Er «lange, aber als er bann sprach, war es wie schluß vieler Ueberlegungen. „Dos war ganz recht", sagte er, „von Dir unD von Dem Maderl. Der Hunderter wär' balD hing'wesen, aber an der Uhr da hast dein Lebtag a Freud'!" ,0er Vetter aus Dingsda." Die Verfilmung des behaglich-heiteren Singspiels Eduard Künnekes hat unter der geschickten Regie Georg Z 0 ch s alle musikalischen und bühnenmäßigen Qualitäten dieses zur konservativen, keiner Modelaune unterworfenen Kategorie der Operettenliteratur zu zählenden Stückes ins beste Licht gestellt. Die Transponierung in das leicht antiquierte Milieu eines märkischen Landsitzes inmitten großzügiger Parklandschaft ist ihm sogar recht gut bekommen. Die Kamera Bruno Mondis konnte hier ein paar hübsche stimmungsvolle Bilder einfangen. Die Geschichte vom Vetter aus Dingsda, für den man einen wandernden jungen Musikus hält, bis der richtige erscheint, was aber nun nichts mehr verderben kann, da inzwischen das reizende Mädel und der vermeintliche Detter sich schon gefunden haben und es sich herausstellt, daß der richtige Vetter, da schon verheiratet, als Konkurrent ausscheidet, diese mit liebenswürdigem Schalk vorgetragene Geschichte verfehlt auch im Film seine Wirkung nicht, vor qllem, da Regie und Ensemble in der Mischung von Humor und Rührung den rechten Ton trafen. Lien Deyers und Lizzi H 01 z s ch u h waren ein anmutiges Pärchen heiratslustiger junger Mädchen. Walter v. Lennep sang mit hübscher Stimme die bekannten Couplets. Rudolf Platte machte mit viel Klk den anschlägigen Barbiergesellen, Paul Heidemann war ein arroganter Brautwerber, Jacob Tiedtke sehr echt ein cholerischer alter Onkel. Im Beiprogramm wurde, in eine luftige Liebesgeschichte gekleidet, viel Interessantes über die Fun- kentelegraphie erzählt, die wie ein unsichtbares Netz den ganzen Erdball umspannt und für Wort und Bild Zeit und Raum überwindet. Dr. Fr. W. Lange. .ft andervorschläge für den Sonntag. r <* Gießen — hangelslein — Daubringer Pah — Beuern — Großen-Buseck. Zu dieser Wanderung benutzen mir die blaue Dreiecksmarkierung, die von Gießen über den Vogelsberg nach Fulda zieht. Vom Justizgebäude gehen wir über die Wiesen, am Rande des Philosophenwaldes her durch Wieseck bis zur Ludwigsburg, wo die Zeichen in den Wald des Hangelsteins einbiegen. Wir übersteigen den Kamm des Berges, genießen die überraschende Aussicht über den Steinbruch und kommen, nachdem wir die Felsenkanzel, die Teufelskanzel und die Unionslinde besucht haben, zum Daubringer Paß, wo sich uns wieder prächtige Blicke zur Linken in das Lumda- tal mit Totenberg und Staufenberg, zur Rechten in das Busecker Tal, in der Ferne Vogelsberg und Taunus erschließen. Nach Verlassen des Hangelstein-Gebietes gehen wir ein Stück über freies Gelände, um sodann wieder zum Wald zu gelangen. Auf einsamen Pfaden, ein kurzes Stück mit roten Punkten gemeinsam, wandern wir weiter, um nach geraumer Zeit, den Wald verlassend, Beuern zu erreichen. Vorher bietet sich noch ein reizvoller Blick auf das rm Tal liegende Dorf und die umliegenden Höhen. Wir verlassen hier das Wegzeichen und gehen auf aussichtsreicher Straße nach unserem Endziel Großen-Buseck. Wanderzeit etwa 4V2 Stunden. Fronhausen — Schmelz — Samvafen — Wald- Haus — Fohnbachlal — Krofdorf. Wir fahren nach dem Dorfe Fronhausen und folgen von hier schwarzen Punkten, die uns über einen Höhenrücken nach der anmutig im Salzböde- tal liegenden Schmelz bringen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Tales treffen wir gelbe Punkte, die uns in mäßigem Anstieg über eine bewaldete Höhe leiten, von deren Kamm sich hübsche Blicke nach den Bergen der Marburger Gegend bieten. Die Zeichen bringen uns einen alten Grenzweg entlang hinab zum Sauwasen, einem tief eingeschnittenen Talgrund, wo sich das Kirchverser Schwimmbad befindet, und auf der anderen Seite wieder hoch, wo sich am Waldrand oberhalb Kirchners ein prächtiger Blick über das breite Berstal bis zu den Gladenbacher Bergen erschließt. Auf schönen Waldwegen wandern wir aufwärts zum Waldhaus. Hier verlassen wir die gelben Punkte, um blauen Strichen folgend durch das liebliche Fohnbachtal abwärts nach Krofdorf zu gelangen, non wo wir das Postauto zur Heimfahrt benutzen. Dauer der Wanderung 33/< Stunden. Freienseen — Seental — Petershainer Hof — Lud- wigsbrunnen — Feldkrücker höhe — Feldkrücken — Ulrichstein. Diese lohnende Vogelsberg-Wanderung beginnen wir in Freienseen, wohin wir mit dem Frühzug über Hungen gefahren sind. Wir folgen der blauen Dreiecksmarkierung, die uns durch das liebliche Seental, vorbei an der idyllisch liegenden Schreinersmühle, der Baumkircher Mühle und dem groß- angelegten Oberseener Hof zum Petershainer Hof führt, wo in dem höher gelegenen Gebäude einfache Unterkunft ist. Die weitere Wanderstrecke gestaltet sich überaus genußreich, denn nach Durch- Ichreiten eines Waldes erschließen sich prachtvolle Blicke auf den hohen Vogelsberg, in tief einge- schmttene Täler und auf liebliche Dörfer. So. erreichen wir die Staatsstraße, einen Teil der Rennstrecke „Rund um Schotten", der wir bis zum Ludwigsbrunnen nachgehen. Auch hier bieten sich entzückende Blicke, namentlich auf das tief im Grunde liegende Rudingshain und in das Niddatal. Kurz hinter dem Ludwigsbrunnen zweigt nach links ein Feldweg ab, den wir, die Markierung verlassend, betreten, um, die Feldkrücker Höhe übersteigend, nach dem anmutig im Tale des Streitbachs gelegenen Fetdkrücken zu gelangen. Beim Abstieg von der Höhe genießen wir noch einen einzig schönen Blick über die reizvolle Vogelsberg- Landschaft. Von hier folgen wir in langsamem Anstieg der Telegraphenleitung. Kurz hinter Feld- krücken, wenige 3)tinuten abseits von unserem Wege, auf einem Feldweg nach links erreichbar, liegen die Schleuningsteine, einige mächtige Basaltfelsen, von einer schönen Baumgruppe umrahmt, vor denen man eine wundervolle Aussicht hat. Das stimmungsvolle Plätzchen ist, einer an den Steinen angebrachten Inschrift zufolge, eine Stiftung des verstorbenen verdienstvollen Bürgermeisters von Feldkrücken, Schleuning, an den VHC. Nach Durchschreiten einer parkartigen Landschaft erhebt sich vor uns das freundliche Bergstädtchen Ulrichstein, dessen Schloßberg wir besteigen, um von oben die herrliche Rundschau zu bewundern. Das Postauto bringt uns dann in schneller Fahrt durch das Ohmtal nach Mücke, von wo wir heim-, fahren. Marschdauer 5V2 Stunden. Aus der engeren Heimat ZOiäfyriger SA.-Mann. * Winnen (Kreis Marburg), 6. September. Unser Mitbürger Robert Ziegler wird am kommenden Sonntag, 8. September, 70 Jahre alt. Der Jubilar gehört seit 1933 dem SA.-Reitersturm 4/147 Londorf an, in dem er als Oberscharführer seinen Dienst für Führer und Volk erfüllt. Er ist der älteste SA.-Mann in der Reiterstandarte 147. Im Kreise der SA.-Kameraden und bei der Bevölkerung von Nordeck-Winnen erfreut er sich allgemein großer Wertschätzung. Dem Jubilar sprechen auch wir herzliche Glückwünsche zu seinem 70. Geburtstage aus. Don Wespen schlimm zuqenchtet. * Villingen (Kreis Gießen), 6. Sept. Einen schweren Unglücksfall erlitt am Mittw0chnachmitt a g der hiesige Landwirt und Metzgermeister Rudolf Graf. Als er auf feiner Wiese mit dem Mähen von Gras beschäftigt war, schlug er mit der Sense in ein Wespennest, das er nicht bemerkt hatte. Die durch den Hieb aufgescheuchten und wütenden Wespen fielen über den bedauernswerten Mann her und richteten ihn durch unzählige Stiche schlimm zu. Einige in der Nähe beschäftigte Männer eilten dem Bedauernswerten zu Hilfe und brachten ihn zu seiner Wohnung. Aerztliche Hilfe wurde sofort in Anspruch genommen. 3 Zahre Zuchthaus für einen Betrüger. Lpd. Mainz, 5. September. Der 30jährige Heinrich Gutfrucht aus Ludwigshafen wurde vom Svndergericht wegen Vergehens gegen die Verordnung gegen Volksschädlinge, Betrugs in drei Fällen und zweier Betrugsversuche zu 3 Jahren Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt. Schon mit 14 Jahren wurde der Angeklagte, der ein Sohn achtbarer Eltern ist, straffällig. Damals führte er zusammen mit seinem älteren Bruder einen Raub aus und erhielt sieben Jahre Gefängnis. Um ihm den Weg in ein geordnetes Leben zu ebnen, wurden ihm fast zwei Jahre der Strafe geschenkt. 1935 heiratete er; nach drei Jahren wurde die Ehe geschieden. Don dieser Zeit an lebte der Angeklagte von Betrügereien, die er u. a. in Bremen, Mannheim, Rosenheim, Uelzen, Göttingen, Pforzheim unb Mainz verübte. Millionär als Fahrkartenschwindler. LPD. Frankfurt a. M., 5. Sept. Die Strafkammer verurteilte wegen Betrugs den 59jährigen P. K. zu 2 0 0 0 R M. G e l d st r a f e , seinen 33jäh- rigen Sohn A. K. zu 10 0 0 R M. Geldstrafe. Die dem letzteren auferlegte Strafe gilt durch die Untersuchungshaft als verbüßt. Der Vater hatte sich nicht in Haft befunden. Die Angeklagten betrieben zum Nachteil der Reichsbahn Fahrkartenschwindel. Der Vater, dessen Vermögen sich auf eine Million RM. stellt, besitzt'in Frankfurt ein großes Unternehmen und ist viel auf Reisen. Er hat noch einen Wohnsitz im Rheinland, wohin er häufig fährt; auch der Sohn befährt vielfach die Strecke. Von den beiden Angeklagten wurden wiederholt Reisen mit ungültigen Fahrtausweisen in der zweiten Klasse unternommen. Es wurde bei ihnen eine Menge benutzter und unbenutzter Fahrkarten sowie Bahnsteigkarten gefunden. Als Fahrtausweis an der Sperre wurden von den Betrügern Bahnsteigkarten ober abgelaufene Karten benutzt. Drei solcher Fälle standen zur Anklage. Als die Gauner bei einer Kontrolle am Bahnsteig aufgefallen waren und vorn Schaffner aufgefordert wurden, an der Sperre zu warten, um zum Vorsteher mitzukommen entfernten sie sich, angeblich weil sie es eilig hatten! Der Sta^s- anroalt beantragte gegen den Vater em Sagr Gefängnis, gegen den Sohn sieben Monate Gefängnis. Nach den eigenen Einlassungen der Angeklagten sei Geiz das Motiv zu den Betrugsfällen gewesen! Das Gericht berücksichtigte mildernd bei dem Vater, daß er nahezu 60 Jahre alt, bei dem Sohn, daß er em nicht so gereifter Mensch sei, wie er es seinem Aller nach sein müsse. Der Vater habe aus emer gewissen Marotte heraus gehandelt, weil er Fahrgelder sparen wollte. Sranffurfer Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 6. Sept. (Vorbericht.) Es kosteten: Ochsen 35,50 bis 46,50 RM., Bullen 27 bis 44 50 Kühe 15 bis 44,50, Färsen 28 bis 45,50, Kälber 30 bis 59, Hämmel 30 bis 51, Schafe 12 bis 44, Schweine 52 bis 58 RM. — Marktverlauf: Alles zugeteilt. ö.Ji.-lpori Orts-Turn- und Sporttag in Heuchelheim. Arn kommenden Sonntag wird in Heuchelheim der Orts-Turn- und Sporttag zur Durchführung kommen. Der Turnverein Heuchelheim, der erst kürzlich bei dem Bezirks-Turn- und Sporttag m Gießen feine Einsatzbereitschaft mit der Erringung des Wanderpreises des Dezirkssichrers bewiefen har, wird auch bei dieser Veranstaltung die Dielfelttgkeit von Turnen und Sport zeigen. Nach einer Kampsrichtersitzung um 8 Uhr am Sonntagmorgen werden um 8.30 Uhr sämtliche Teilnehmer zur feierlichen Flaggenhissung auf dem Sportplatz an treten. Anschließend beginnen die Einzelwettkämpfe m Der Turnhalle und auf dem Sportplatz. Neben den G^ röte» und volkstümlichen Mehrkämpfen findet auch ein Wehrmannschaftsdreikamps für SA., ^B^rmann«« schäften und Politische Leiter statt, der ausKlem- kalib erschießen, Keulenweitwurf und Weitsprung aus dem Stand besteht. Die Wettkämpfe, die in me- len Klassen durchgeführt werden, werden den ganzen Vormittag in Anspruch nehmen. Nach der Mittagspause um 14 Uhr wird die Veranstaltung mit der Austragung von leichtathletischen Einzelkonkur- renzen fortgesetzt. Um 14.30 Uhr sind et ein Handballspiel und um 15.30 Uhr ein Fußballspiel gegen Grüningen statt. Turnerinnen werden anschließend durch ein Korbballspiel für dieses schöne Spiel wer- ben und auch durch Sonderausführungen für Abwechslung sorgen. Der Handballsonntag. Einen Hauptbestandteil des Handball-Programms des kommenden Sonntags bilden auch diesmal wieder die Werbespiele, die anläßlich der überall durchgeführten Ortssporttage ausgetragen werden. Dadurch ist eine nicht unerhebliche Bereicherung der Vorführungen, auf der anderen Seite aber ist Gewähr für spannende Kämpfe gegeben. Daneben laufen die Pflichtspiele weiter. Die Vorrunde ist in fast allen Staffeln beendet. Die Rückspiele können allerdings im Hinblick auf die bevorstehenden Meisterschaftstteffen nicht mehr angesetzt werden. Sie müssen später nachgeholt werden. Es werden sich u. a. gegenüberstehen: Tv. Holzheim — Tv. Dutenhofen To. Lang-Göns — Tv. Hörnsheim Tv. Launsbach — Tv. Beuern Tv. Garbenheim — Tv. Hochelheim To. Krofdorf — To. Lützellinden Tv. Heuchelheim — To. Klein-Linden. In Holzheim wird es sicherlich zu einem spannenden Spiel kommen, da hier zwei gleichwertige Mannschaften aufeinanderstoßen. Der Sieger kann nicht oorausgesagt werden. Das Ergebnis wird aber knapp ausfallen. Wenn auch an einem Erfolg der Hörnsheimer nicht zu zweifeln ist, so wird es ttotzdem nicht leicht fein, die eifrigen Platzbesitzer niederzuringen. Denn sie haben in letzter Zeit gute Ergebnisse erzielt und wollen ihre Spielstärke auch diesmal wieder unter Beweis stellen. Launsbach muß sich schon dranhalten, wenn es gegen Beuern gewinnen will. Ob das aber gelingt, will uns ziemlich unwahrscheinlich erscheinen. Zu einem Reoanchekampf, an dem „alles dran" ist, wird es in Garbenheim kommen. Die Hochel« Heimer wollen die Scharte des Entscheidungskampfes ..um den Lahnpokal auswetzen und haben des- hfllb sofort ein Rückspiel abgeschlossen. Es besteht die Möglichkeit, daß sich die Gäste durchsetzen können, aber nur dann, wenn die Mannschaft besser spielt als anläßlich ihres Auftretens in Gießen. Nicht minder interessant wird es in Krofdorf zugehen. Hier stoßen zwei Gegner aufeinander, die beide gerade in letzter Zeit ansprechende Leistun- gen gezeigt haben. Weil aber keine Vergleichsmöglichkeit besteht, ist es prakttsch unmöglich, eine klare Voraussage zu treffen. Gewinnen wird die Mannschaft, die das größere Stehvermögen auf bringt. Es ist kaum anzunehmen, daß Klein-Linden in Heuchelheim gewinnen wird. Die Platzbesitzer sind stärker und sollten Sieger bleiben. ffleiflerlumer im Kamps. Ehemnitz ist am Wochenende der Schauplatz der deutschen Kriegsmeisterschaften im Deutschen Zwölfkampf der Turner, im Deutschen Achtkampf der Turnerinnen und in den Somm erspiel en (Faust- und Korbball). Eine ganz ausgezeichnete Besetzung hat der Zwölfkampf der Turner gefunden, zu Dem rund 60 Meldungen vorliegen. Als einer der aussichtsreichsten Teilnehmer gilt Olympiasieger Willi Stadel, Der in den reinen Gerätübungen bestimmt allen Mitbewerbern überlegen ist und auch im Volksturnen seinen Mann stehen wird. Der Konstanzer war übrigens bereits 1937, zusammen mit seinem Bruder Karl, Zwölfkampfmeiiter. Weitere aussichtsreiche Turner sind: Haustein (Leipzig), Kiefer (Kreuznach), Kammerbauer (Leuna), Limburg (Ruhla), Eschwei (Weinheim), Anna (Mannheim), Pludra (Villingen), Müller (Leuna), Rüger (Hannover), Breitkopf (Breslau) und Pfitzenmeier (Mannheim). Den Achtkampf bestreiten 66 Turnerinnen, Darunter auch die Titelverteidigerin Gretchen Sievers (Kiel). Irma Dumsky (Nürnberg), Lotte Bu- miller. (Nürnberg), Charlotte Findeisen (Göppingen), Hilde Fürstend er g (Berlin), Bertha Rupp (Berlin), Irma Lenzing (Wien), Elisabeth Lenzing (Mettmann) und Margarete Zschorn (Frankenberg) sind außer Der Meisterin in Den engeren Kreis der aussichtsreichsten Titelbewerberinnen einzubeziehen. Im Mittelpunkt der Sommerspielmeisterschaften stehen die F a u st b a l l k ä m p f e der Männer, die vom Mtv. Braunschweig, dem letzten Meister 1938, Tgd. 48 Schweinfurt, Zehlendorfer TSV. 88 und ATD. 45 Leipzig bestritten werden. Man erwartet Braunschweig und Schweinfurt im Endsviel, die sich in Der Vorrunde gegen Leipzig und Zeylendorf behaupten sollten, und hier nimmt Dann roieDer um Die Braunschweiger Meistermannschaft eine Favo- ritenftettung ein. Bei den Frauen hat es Der letzte Meister Zoppoter Tv. mit dem To. 46 Nürnberg, To. Neu- und Antonstadt Dresden und Tv. Bremen-Hemelingen zu tun. Im Frauen-Korbball sind TDd. Eimsbüttel, Frauen SC. Leipzig, Tgd. 48 Schweinfurt und TuS. 74 Hannover-Linden Die EnDspielteilneh m er. Gießener Turner bei den Zwölfkampfmeisterschaften in Chemnitz. Arn Samstag und Sonntag werden Die Deutschen Zwölfkampfmeisterschaften in Chemnitz ausgetragen. Der Gau 12 Hessen (jetzt Sportbereich 12) kann drei Turner zu Dem Wettkampf entsenden. Auf Grund der Vorentscheidung in Heuchelheim nehmen zwei Turner aus dem Bezirk 8 Gießen an den Kämpfen teil, unD zwar Anton Kaiser vom Tv. 1846 Gießen und Karl Bett in vom Tv. Wieseck. Beide Turner haben sich gemeinsam im Tv. Wieseck für den schweren Kampf vorbereitet, und wir wünschen ihnen in Chemnitz den besten Erfolg. Außer diesen beiden Turnern wird noch Bereichssachwart für Sommerspiele, Dr. Pfeffer (Gießen), als Schiedsrichter für Faustballspiele nach Chemnitz fahren. KlaHsfängteinneuesLehenan Roman von Helene Kalisch Copyright 1939 by Prometheus -Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München 15. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) 8. K a p i t e l. Es ist die allerdunkelste Zeit im Jahr, in der sich für Klaus Tjaden das Dasein wieder aufzuhellen beginnt. Jeden Morgen um vier Uhr fährt er mit nach der Zentralmarkthalle. Pahl allein kann ihn nicht ausreichend beschäftigen; er macht feine meisten Besorgungen selbst und braucht nur gelegentlich eine Hilfe. Aber er kennt den Hallenbetrieb und führt Klaus darin ein, ist ihm behilflich im Aufsuchen und Finden von Arbeits- und Verdienstgelegenheiten. Es oibt dabei scharfen Wettbewerb, und Klaus wird oft scheel angesehen. Er macht sich nichts daraus. Sein Lebenswille ist wieder erwacht, und mit jedem Tag spürt er neue Kräfte in sich wachsen. Mit Ausdauer Und Zähigkeit erobert er sich das neue Gebiet. Auch hier verschaffen Muskelkraft und Unerschrockenheit Ansehen. Als ihn einmal eine Böswilligkeit in die Lage bringt, feine Fähigkeiten zu zeigen, bekommt man Achtung vor ihm und läßt ihn in Ruhe. Als er nach dem Vorfall kleinlaut sein Bedauern Darüber zu Pahl äußert, schlägt der ihm auf die Schulter. „Recht haste jetan! Een paar sone Backpfeifen verteilt, und feener fährt dir mehr an’n Wagen! Ick bin ooch dafür, im Juten mit die Leute fertig zu werden, aber wennse nid) wollen, ziehn wa eben andre Saiten uff! Js doch klar, Mensch!" Allmählich wächst Klaus Tjadens Verdienst; er kann sich nach und nach die so nötigen Kleidungsstücke anschaffen. Pahls haben ihm eine winzige Kammer als Schlafraum gegeben. Sie ist nicht heizbar, aber das stört ihn nicht. Ein Bett steht darin, eine Kommode, ein Stuhl und ein kleiner Tisch. Im Winkel ist hinter einem Vorhang ein Kleiderriegel. Der ge- betzte Mensch, der sehr nahe Daran war, im ElenD umzukommen, ist froh und dankbar, Den kleinen Raum für sich zu haben. Er erinnert ihn Dazu an feine kleine Kammer daheim im Vaterhaus. Das Dach über dem Kopf und das warme, kräftige Essen, wenn er nachmittags mit Pahl von Der Arbeit kommt, finD sein Lohn für Das, was er für ihn leistet. Sehr früh steht Klaus auf, putzt unD füttert Den Schecken unD schirrt ihn an. Wenn Der Dickeinge- mummte Pahl zur Tür heraustritt, können sie losfahren. Alle Morgen geht es durch die nachtdunklen Straßen, in Schneetreiben oder Regen, wenn nicht Frostwetter ist. Klaus werden oft Die GlieDer steif währenD Der Fahrt, so Daß er hinterher froh ist, sich bewegen unD warmarbeiten zu können. Er wirD mit Der Zeit so vertraut mit feiner Tätigkeit, Daß er, als Pahl vor Dem Weihnachtsfest von einer Grippe unD einem Rheumaanfall ans Haus gefesselt wirD, Die Sache allein machen kann. Die beiDen Alten vertrauen ihm unD finD froh. Daß ihnen so Die Kundschaft erhalten bleibt. Mehrmals in Der Woche bekommt auch Marta Ellrich Waren aus Der Zentralmarkthalle. Die läDt Klaus Dann bei ihr ab unD schafft sie in Den LaDen oDer Den Schuppen hinter Dem Haus. ZwischenDurch finDet er noch hin unD roieDer Gelegenheit, ihr ein wenig beim Einräumen Der Waren zu helfen unD Die Lasten aus Dem Schuppen herbeizuschleppen. Die für sie allein zu schwer finD. „So gut habe ich es ja nie gehabt!" sagt sie Dann. Nur ihr munteres Lachen unD Das freunDliche Wort nimmt er gern als Dank; anDeres, GelD etwa, Darf sie ihm nicht anbieten, Das hat sie rasch gemerkt. In Dieser Zeit Des kargen Lichts ist ihm Der Tag hell unD schön, wenn er mit Dem Gespann vor ihrem LaDen hält unD sie schon vom Wagen aus Drinnen bei Der, Arbeit sieht, immer so frisch unD sauber, immer freunDlich mit allen Leuten, aber auch immer eilig unD voll Arbeitseifer. WohltuenD empfinDet er ihre herzliche Anteilnahme an seinem Ergehen unD seinem Vorwärtskommen. Er lernt auch Martas Stiefmutter kennen — eine Dicke, asthmatische Frau, Die stets in einer weinerlichen, langweiligen Tonart reDet. Als er einmal Ware bringt, kommt sie in Den LaDen unD sagt: „Marta, jeh Du Doch mal zu Vater ’rein, Der is heute roieDer so nervös! Nichts is ihm recht zu machen, unD ich kann Das Gestöhne und Geschimpfe nid) mehr anhören! Jeh man, ich werde im Laden bleiben." „Is doch wahr", sagt sie dann zu Klaus, als Marta verschwunden ist, „sie kann sich ja auch mal ’n bißken um ihn kümmern! Is doch ihre Pflicht als Tochter." Er weiß darauf nichts zu erwidern und verstaut die Kisten und Körbe, Die er gebracht hat, im LaDen. Da augenblicklich reine Käufer uu sind, fährt Frau Ellrich redselig fort: „Ach ja, da hat man sich was aufjepackt! Na ja, man dachte an Die Pension. Aber Damit kann es noch lange Dauern, wenn auch Der Alte schon sehr klapprig is. UnD Die Marta steht natürlich lieber hier im LaDen und schwatzt mit Den Leuten, währenD ick mir mit Dem launigen Mann plagen muß." Klaus muß Das GereDe, das ihn heimlich ärgert, über sich ergehen lassen. Er guckt die Frau mit seinen blauen, tief unter Den starken Brauenbogen liegenden Augen nicht gerade freundlich an. „Ich glaube, Sie fahren dabei nicht schlecht, Frau Ellrich", sagt er. „Schließlich kriegen Sie ja nachher die Pension und nicht die Tochter!" „Ja. doch, soll ja alles fin", erwidert gekränkt Die Dicke. „Sie verstehen bloß nich, wie Das alles zusammenhängt unD warum Der Olle so quenglig is! Der kommt eben über Jewisses nich weg! UnD Die Marta is schulD, Denn Die hat ..." Das Kommen einer KunDin veranlaßt Frau Ellrich, ihre Erzählung zu unterbrechen. Klaus trägt Kisten unD Ballen nach Dem Schuppen — Dem Ort, wo er sich vor Wochen heimlich eingeschlichen hatte', um nicht Draußen umzukommen. Jetzt weiß er hier gut BescheiD, räumt unD richtet alles, wie es sein soll. Er tut es heute mit rascheren, heftigeren Griffen, unD Die Kisten krachen Dabei unter seinen Fäusten. Der Versuch Der Frau Ellrich, zu ihm schlecht über Marta zu reDen, ergrimmt ihn. „Alte, Dösige Saatgans! Schäbiges Pack!" schilt er vor sich hin. Von Mutter Pahl weiß er bereits, Daß Die Frau Ellrich Das mit Vorliebe tut unD auch von ihrem Mann Daran nicht gehinDert wirD — im Gegenteil! Frau Pahl ist nicht gut auf Den alten Ellrich unD die ehemalige Wittib zu sprechen. „Alles packen sie Dem MäDel auf!" sagt sie. „Die rackert sich ab für Die beiDen Alten unD hat nichts als UnDant Dafür. Weil fe mal als junges Ding ’ne Dummheit befangen hat, denkt fe, fe muß sich lebenslang ducken! Das is ihr nich auszureden." Klaus ist fertig hier mit dem (Einräumen, blickt sich im Schuppen um und atmet tief auf. Ihm braucht keiner zu sagen, wie die Marta ist. Er weih es Wie das Meer ist sie, wenn es der erste Strahl der Morgensonne trifft. — Fast Tag und Nacht ist Klaus jetzt auf Den Beinen. Ein paar Stunden abgrundtiefen Schlafes unterbrechen die lange Arbeitszeit. Wenn er des Abends mit Dem noch immer vom Rheuma geplagten Pahl abrechnet, schiebt Der ihm immer ein paar Münzen über Den ausgemachten Betrag hin. Die Klaus sich jeDesmal zu nehmen roeigert. Dann ärgert sich Pahl, unD sein Dickes, rotes Gesicht mit Dem blauschwarzen Mal über Dem Auge färbt sich Dunkler. „Mach Doch keene Menkenke, Mensch! Hast ja feste jearbeet, also mußte ooch oerDienen!" „Nck selbstverstänDlich, Klaus, immer jenommen, wat zu haben is!" mischt sich Dann Mutter Pahl ein. „Unser Vater hat schon Den richtigen Riecher jehabt, als er Ihnen mitbrachte. Wir finD froh, Dct Sie Die Fuhren machen, wo er Doch nu jraDe vor Weih? nachten nich weg kann. Wer weiß, ob Det mal roieDer fo klappt, Denn Sie roerDen ja ooch mal roieDer ab- hauen!" (Er hört Das unD denkt, daß Die gute, alte Frau nicht weiß, wie es in ihm aussieht; sie urteilt nach ihren Erfahrungen. Marta Ellrich fragt ihn auch einmal, was er zu beginnen geDenfe, wenn er sich xroieDer herausgerappelt haben roerDe? Er sei Doch 'was Besseres gewöhnt. „Besseres?" Er sieht sie an, nachDenklich Darüber, wie Die Werturteile sich änDern. „Mir geht es Doch jetzt gut. Ich war nie so zufrieDen", sagt er. Darauf lächelt sie unD sieht vor sich nieDer. „Sie sind eben sehr bescheiDen geworben. Ist ja auch erst kurze Zeit her, Daß es Ihnen erbärmlich schlecht ging. Aber ich meine, wenn Sie an später Denken ...? Das tut Doch Der Mensch." (Er blickt über sie hinweg ins Weite, und ihm ist, als dehne sich dahinten nicht Das Nebelgrau der Stadt, sondern eine endlose Wasserfläche. „Ja, manchmal so vor dem Einschlafen oder morgens, wenn ich auf Dem Wagen sitze und Durch Die- Straßen fahre, Die noch ganz still finD, Denke ich an meine Heimat. Sa ist mir, als höre ich Das Dunkle Rauschen Der See. Auch im Traume habe ich Das oft im Ohr — Das Atmen Des Meeres. Manchmal bin ich im Traum auf hoher See unD will Das Netz einziehen ... (Es qt immer so schwer, ich schaffe es nie unD bringe es nid)t ins Boot." Er seufzt. „Tja, wenn man Wünsche haben Durfte: Ein kleines Haus, nicht weit vom StranDe, ein starkes Boot unD Netze, Das roär’s! Immer vor mir Das weite Wasser unD hinter mir Das grüne Land, Wiesen und Aecker, das Dorf mit dem Kirchturm ..." (Fortsetzung folgt.)