Dienstag, b. August M0 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/, Uhr desGormittags Anzeigen-Preife: Anzeigenteil 7 Rpf. je mm bei 22 mm Zeilenbreite, Tertteil 50 Rpf. je mm bei 70 mm Zeilenbreite Nachlässe: Wiederholung Malstaffel I Abschlüsse Mengenstaffel ö Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25°/» mehr Erscheint täglich, außer Sonntags und feiertags Beilagen: Die Illustrierte GietzenerFamilienblätter Heimat imBilü-DieScholle Monats-Bezugsvreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 OhneJllustrierte „ 1.80 Zustellgebühr... „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsvrechanschluff 2251 Drahtanschrift:„Anzeiger" Postscheck 11686 Franks M. 190. Jahrgang Ur. 184 W" j Gietzener Anzeiger vrühlsche Universttatrdnlckerei 8. tauge General-Anzeiger für Oberhessen riehen, Zchulstrahe 7-9 Zwischen Saarbrücken und Mülhausen Von unserem X p.-Sonderkorrespondenien. Das englischeVolk hungert nachWayrheit frankreich verschleppt worden. Nicht in allen Fällen hat man Nachricht von ihnen. Tausende von Elsässern und Lothringern wurden in Konzentrationslager gesteckt und in würdelosester Weise behandelt. Sie kehrten jetzt auf Beschluß der Waffenstillstandskommission in die Heimat zurück. Ob sie bereits alle der französischen Gewalt entronnen sind, läßt sich noch gar nicht feststellen. Jedenfalls haben die Franzosen erkennen müssen, daß trotz ihrer Ber- drängungspolitik seit 1919 das Deutschtum in Elsaß- Lothringen nicht vernichtet werden konnte. Die Tatsache z. B., daß die Umgangssprache des größten Teils der elsaß-lothringischen Bevölkerung Deutsch ist, mußte die französische Verwaltung daourch anerkennen, daß sie von ihrer ersten Forderung, die Straßen- und Firmenschilder im gesamten annektierten Gebiet nur französisch zu beschriften, abging und die Doppelbeschriftung, Französisch und Deutsch, zulassen mußte. Für die vertriebene wie für die zurückgebliebene Bevölkerung des Elsaß' kam in den Junitagen der Umschwung reichlich überraschend, so daß sie sich erst auf sich selb st besinnen mußte. Dann aber brach die Freude über die Wendung der Dinge geradezu elementar hervor. Die gewaltigen Kundgebungen, die in diesen Tagen u. a. in Straßburg, Kolmar, Mülhausen usw. gelegentlich der Befreiungsfahrt der elsässischen Führer stattfanden, haben das Band zum alten deutschen Mutterland neu und fest geknüpft, das Poincarä 1918 für die Ewigkeit zerrissen glaubte. Inzwischen hat die Bevölkerung durch die Tätigkeit der deutschen Zivil- und Militärbehörden bereits kennengelernt, welcher Geist das neue Deutschland erfüllt, sie hat festgestellt, daß man ihr von dem „Hitler-Deutschland" ein völlig verzerrtes und unwahres Bild gezeichnet hatte. Die Emsigkeit, mit der die Bevölkerung des Elsaß' an die Arbeit ging, das Glück, das ihr aus den Augen strahlt, sind stärkster Beweis für den Willen, an dem Wiederaufbau ihrer schönen elsässischen Heimat mit vollem Einsatz mitzuhelfen. sämtlicher Verkehrswege und Verbindungen noch nicht in vollem Umfang sichergestellt, zum andern mußten erst in den Häusern die Gasleitungen restlos überprüft werden, um Unglücksfälle zu vermeiden. Das ist jetzt in größerem Umfange bereits geschehen. Wenn die Franzosen in diesem Krieg sich hervorgetan haben, dann auf dem Gebiet sinnloser Sprengungen. Daß es ihnen nicht geglückt ist, sämtliche Fluß-, Kanal- und Eisenbahnbrücken zu zerstören, war lediglich eine Folge des schnellen Vormarsches der Deutschen. Rücksichtnahme auf die Bevölkerung haben die Franzosen nicht geübt. In und um Straßburg ist jedenfalls der größte Teil aller Brücken befehlsgemäß durch die Franzosen gesprengt worden. Wenn man hierbei Sprengladungen anwandte, die das Hundertfache des Notwendigen betrugen, so beweist das, daß sie damit die Bevölkerung s e l b st treffen wollten. Auf die Zerstörung aller Verkehrswege ist es auch zurückzuführen, daß eine schnelle Rückführung der Flüchtlinge nicht erfolgen konnte. Denn bevor der große Flüchtbingsstrom wieder in die Städte und Dörfer zurückgeleitet werden konnte, mußten die Voraussetzungen für die Sicherstellung ihrer Versorgung geschaffen werden. Das war so lange nicht möglich, so lange infolge der Sprengung fast aller Eisenbahnbrücken durch die Franzosen der Eisenbahnverkehr noch ruhte. Inzwischen sind zahlreiche Eifenbahnstrecken durch den Einsatz unserer Eisenbahn- und Baupioniere, durch die Organisation Todt usw. wieder in Gang gesetzt worden, so daß die Versorgung der Bevölkerung sichergestellt ist. Der größte Teil der evakuierten Bevölkerung Straßburgs wie auch im Elsaß ist nach Süd- HI. Den deutschen Charakter des Elsaß und Lothringens haben die Franzosen trotz aller Sprachen- und Schilderverordnungen nicht verwischen können. Auch die militärische Dienstzeit, der die elsaß-lothringische Jugend unterworfen war, hat an dieser Tatsache nichts geändert. Die Generation, die in diesem Kriege auf französischer Seite kämpfen mußte, spricht nicht nur deutsch, sondern bezeichnet das Deutsche als ihre Muttersprache. Das stellt man bei jeder Unterhaltung fest, die man mit der Bevölkerung aus den Gebieten der Magi- nollinie führt. Es wirkt schon eigenartig, wenn man sich mit „französischen . Soldaten" unterhält, die in Rede und Gegenrede nicht ein einziges Mal über einen deutschen Ausdruck stolpern oder nach einer Wortbezeichnung suchen. Es handelt sich um Volksdeutsche Elsaß - Lothringens, die in der französischen Armee kämpften, in deutsche Gefangenschaft gerieten und nun in ihre Heimat entlassen wurden. Man trifft unter ihnen auch solche, die den Weltkrieg auf deutscher Seite mitmachten; mancher von diesen hat jetzt sein Eisernes Kreuz hervorgeholt, das er während der Franzosenzeit sorgfältig verborgen halten mußte. Diese aus der Gefangenschaft entlassenen Volksdeutschen Elsaß-Lothringer waren vielfach die ersten Bewohner, die in die evakuierten Städte und Dörfer chrer elsaß-lothringischen Heimat zurückkehrten. Unter diesen sind viele, die noch wenige Wochen vorher zur Besatzung der Maginotlinie gehörten. Wie uns verschiedentlich versichert wurde, setzten sich die französischen Festungstruppen bis zu 40 v. H. aus den elsaß-lothringischen Ersatzgebieten zusammen. Bei der Verteilung auf die einzelnen Zonen der Maginotbefestigungen haben die Franzosen gern die Soldaten aus der unmittelbaren Gegend der einzelnen Derteidigungsgruppen berücksichtigt, um aus deren Ortskenntnis bei der Derteidi- Erfolglose Suche nach deutschen Flugblättern. gung. Nutzen zu ziehen. So erzählte uns ein deutscher Hauptmann, dessen Kompanie an der Eroberung einer Werkgruppe beteiligt war und nun diese Gruppe besetzt hat, u. a. folgendes: Dor wenigen Tagen meldete sich bei mir ein Mann in französischer Uniform, der sich als der Bürge r m e i ft e r des naheliegenden Dorfes Z. vorstellte. Dieser erklärte mir, er habe zur Verteidigung dieses Werkes gehört. Die Besatzung habe damals schon zwei Tage von dem Einbruch der Deutschen in die Maginotlinie ihrem Kapitän die U eb ergäb e des Werkes vorgeschlagen, der das aber abgelehnt habe und Verteidigung bis zum Letzten verlangt habe. Die deutschen Angreifer seien dann aber so plötzlich in das Werk eingedrungen, daß auch der zähe st e Wider st and nichts genützt hätte. Die ganze Besatzung sei einschließlich der Franzosen aus dem Inland zufrieden gewesen, als für sie der Krieg aus war. Der betreffende Lothringer bot dann dem Hauptmann an, daß er ihm das ganze Werk in feinen Einzelheiten zeigen wolle, die ihm wahrscheinlich doch noch nicht olle bekannt sein würden. Bet diesem volksdeutschen Lothringer handelt es sich nicht um einen Einzelfall, vielmehr war der größte Teil der lothringischen Besatzung dieser Werkgruppe in den Dörfern der nächsten Umgebung beheimatet. Die von den französischen Plutokraten erzwungene Kriegserklärung Frankreichs an Deutschland mußte sich selbstverständlich auch im deutschen Elsaß auswirken. Mit dem Beginn des Baues der Maginotlinie wurde die Bevölkerung dieses Landes nicht nur in ihrer wirtschaftlichen Betätigung gehindert, sondern auch in weitgehendem Maße in ihrer persönlichen Freiheit eingeengt. Gleichzeitig machten sich immer stärker jene französischen Heißsporne bemerkbar, die schon unmittelbar nach Ausbruch des Weltkrieges bemüht gewesen waren, die deutschbewußten Elsässer aus ihrer Heimat zu vertreiben. Man verdächtigte sie der Spionage, was schließlich auch den französischen Behörden einen Grund gab, die Deutsch-Elsässer unter Ausnahmerecht zu stellen. Die Erschießung des Altelsässers Roos war der Auftakt für die erste Verhaftungswelle gegen alle deutsch- gesinnten Elsässer. Mit der Evakuierung des Operationsgebietes fand der Deutschenhaß seine stärkste Auswirkung. Er richtete sich gegen die Wohnungen und gegen die Wohnungseinrichtungen der evakuierten Deutsch-Elsässer. Jedenfalls beweist die Tatsache, daß der größte Teil dieser Wohnungen zerstört oder ausgeplündert worden ist, daß hier nach einem wohlüberlegten Plan gearbeitet worden ist. Es ist selbstverständlich, daß die deutsche Zivilverwaltung, die jetzt in allen Gebieten des einstigen Reichslandes ihre Tätigkeit ausgenommen hat, sich in engster Zusammenarbeit mit den Parteiorganisationen und ihren Gliederungen dieser deutsch- elsässischen Flüchtlinge in jeder Weise annimmt. Die größten Schwierigkeiten ergeben sich hierbei i n Straßburg, das schon bald nach Beginn des Krieges restlos evakuiert worden ist. Durch die Einwirkungen des harten Winters und durch das sinnlose Zerstörungswerk der Franzosen vor ihrem Abzug ist diese schöne, alte, urdeutsche Stadt in einen Zustand gebracht worden, der nicht von heute aus morgen geordnete Verhältnisse zurückkehren läßt. Die Franzosen hatten das Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerk durch umfassende Sprengungen unbrauchbar gemacht. Hier haben nach dem Einzug der deutschen Truppen nach einem genauen, vom Chef der Zivilverwaltung ausgearbeiteten Plan die Technische Nothilfe, die Organisation Todt, der Reichsarbeitsdienst und beim Bau von Notbrücken deutsche Pionierabteilungen bereits so weit den Aufbau bewerkstelligt, daß £ie Wasserzufuhr bis zu den Häusern im wesentlichen in Ordnung ist. Die Strom- zufuhr ist durch Anschluß an Baden sichergestellt. Die Inbetriebnahme des Gaswerkes mußte sich zwangsweise verzögern: Einmal war die regelmäßige Kohlenzufuhr durch die sinnlose Zerstörung Rom, 6. Aug. (Europapreß.) lieber die Stimmung in England meldet die Agenzia Stefani aus London, die strengen Maßnahmen der englischen Regierung gegen die Verbreitung der von deutschen Fliegern in Massen abgeworfenen Flugblätter, durch die die englische Bevölkerung über die wahre internationale Lage aufgeklärt werde, seien erfolglos geblieben. Sie hätten sogar die gegenteilige Wirkung gehabt. Die Neugierde der Bevölkerung sei nur noch mehr erregt worden. Nur sehr wenige Exemplare dieser Flugblätter, von denen viele Tausend abgeworfen worden seien, wären den Behörden übergeben worden. Don geschäftstüchtigen Leuten werde jetzt sogar mit den Flugzetteln ein sehr schwunghafter Handel getrieben. Der Wunsch der englischen Bevölkerung, über die Lage aufgeklärt zu werden, zeige sich in vielfacher Weise. Das Jnformationsministerium werde in Tausenden von Zuschriften mit Anfragen überschwemmt. Entweder antworte dies Ministerium in großsprecherischer Weise oder es hülle sich in Schweigen, wodurch die allgemeine Unzufriedenheit natürlich nur noch vermehrt werde. Sehr gespannt würden die von dem Minister Greenwood, für Mittwoch angekündigten Erklärungen im englischen Unterhaus über die Wirtschaftspolitik der Regierung in der englischen Öffentlichkeit erwartet. Dieses große Interesse werde durch die sich immer mehr verschlechternde wirtschaftliche Lage der Bevölkerung erklärlich. Im „Sunday Expreß" wird ausgeführt, daß das britische Innenministerium wahrscheinlich in aller- DNB.... 5. August. (PK.) Einsatzbesprechung: Angriff auf Hafen und Dockanlagen, Industrien) erke, Flakstellungen und Flugplätze in Nord- und Süd- Schottland. Die Taktik der Angrifte wird soldatisch kurz durchgesprochen, dann wendet sich der Staffelkapitän zum Flieger Winter: „Sie bleiben heute zuhause, für Sie stiegt der Kriegsberichter mit!" Der einsatzhungrige, prächtige Junge tut mir leid, er hatte sich schon so gefreut. Winter macht eine zackige Kehrtwendung, auf seinem Gesicht steht zu lesen: „Warum ausgerechnet ich?" „Das nächstemal...", vertröstet ihn sein Kommandant. Kurz darauf ist unsere brave He. 111 auf 1000 Meter gefliegen, von unten ragen die steilen Grate der majestätischen norwegischen Berge hoch. Norwegisches Land. Mattrote Helle glüht von Westen her, wir fliegen der untergehenden Sonne entgegen über See, auf der weiße Schaumberge tanzen. Ein Blick auf das Schaltbrett: Zehn Minuten noch, und wir müssen an der englischen Küste fein. Unten, Tausende von Metern über Land, in gähnender Tiefe ein milchig-grauer Wolkenteppich. Längst sind die Gesichter der fliegenden Männer halb verdeckt von der Sauerstoffmaske, deren Schläuche zum Sauerstoffgerät führen. Unermüdlich klettert unsere He. 111 der Stratosphäre zu, an den Flanken das Wahrzeichen der Staffel, der Dreizack mit dem springenden Tiger. Wenige Minuten noch, und über Schottland ist Mitternacht, die Wolkendecke verschwindet langsam, die Lust wird voll von Nebelkügelchen. Der Weg führt in die Bucht des Firth of Forth, der sich teilweise in einer Breite von 27 Kilometer 82 Kilometer lang ins Innere Schottlands hinein,31 ebt. Irgendwo liegt hier die gewaltige Hochbrücke, die den Firth of Forth an seiner schmälsten Stelle überspannt. Unser erstes Ziel aber führt bis zur Westküste. Ruhig fliegt unser Flugzeug Kurs. 30 Sekunden später beginnt ein Höllentanz: Schottland macht Lu ftalarm. Wie ein glühendes Spinnennetz nächster Zeit geteilt werden müsse. Das „Ministerium für innere Sicherheit" werde wahrscheinlich vom eigentlichen Innenministerium ab getrennt, da ersteres ungeheuere Aufgaben zu erfüllen habe. Welcher Art diese ungeheueren Aufgaben fein werden, läßt sich leicht denken. Ein Ministerium „für die innere Sicherheit" oder, wie man es auch nennen fön ne z „für die Unterdrückung der öffentlichen Meinung", benötigt in England sicherlich einen großen Apparat von Beamten, der Wunsch, dies Ministerium selbständig zu machen, ist daher verständlich. Schwere Verluste der englischen Handelsmarine. R 0 m, 6. Aug. (Europapreß.) Die Agenzia Stefani berichtet aus Vichy, der aus London nach Frankreich zurückgekehrte französische Journalist Claude B l a n - ch a r d habe erklärt, daß die englische Handelsmarine, insbesondere in den letzten beiden Monaten, außerordentlich schwere Schläge erlitten habe. Der englische Seeverkehr sei derart herabgedrückt, daß in den englischen Schiffahrtskreisen die größten Besorgnisse gehegt würden. Auf der Heimreise an Bord des Dampfers „Orduna" sei während zweier Reisetage auf der Fahrt längs der Küsten Irlands fein einziges nach England steuerndes oder von England kommendes Schiff gesichtet worden. Erst bei der Annäherung an die Küste Portugals fei die „Orduna" Fischerbooten begegnet. zerreißen zahlreiche Strahlenbündel den nächtlichen Himmel, blenden zu uns herauf, um den Angreifer zu erhaschen und als winzig leuchtendes Ziel für die wütend feuernde Flak festzuhalten. Vergeblich die Suche im endlosen Luftraum. Wenn der Lichtschein auch einmal für Sekunden die Flügel streift, bringt unser Flugzeugführer mit einer schnellen Kurve die Maschine zurück ins Dunkel der Nacht. Scheinwerfer erreichen die 111 von Strahl zu Strahl weiter, an einer Stelle zähle ich Steuerbord allein 34. Fünf Augenpaare starren in strahlende Helle, dann wieder in finsterste Nacht. Sekunden bleiben wir im grellen Scheinwerfer- licht. Aus dem Bordtelephon spricht der Heckschütze ruhig und gelassen: „Nachtjäger von achtern!" Gleich darauf zischen Leuchtspurgarben backbord an uns vorbei. Alle MG. richten sich auf den nur schemenhaft erkennbaren Gegner. Sekunden verrinnen, die Silhouette des Jägers verschwindet, unser Pilot braust dem Briten davon, im Dunkel der Nacht über Schottland. Kaum taucht die brave 111 bei Edinburgh, Glasgow, Carlisle und später Aberdeen auf, da folgen Nachtjäger dem deutschen Bomber. Immer wieder das gleiche prickelnde Katz- und Mausspiel. Wir sind vor Aberdeen, auf dem Flug zu den Hafenanlagen, für die unsere stählernen „Grüße" bestimmt sind, schwere, mittlere und kleine Kaliber, dazu noch Brandbomben, eine schwere Last. Der Flugzeugführer drückt den Steuerknüppel, wir gehen auf Tiefe, über dem Zielgerät liegt der Beobachter, unten dicht am Wasser unser Ziel. Jeder Wurf soll sitzen. Achtung, da stürzen die Bomben, krachend schlagen die stählernen Geschosse auf, Sekunden später lodern die Flammen der detonierten Bomben empor, Granate auf Granate schlägt ins Ziel, ein Stahlhagel entlädt sich über Aberdeen, Der Himmel rötet sich vom Widerschein der auflodernden Brände. Rauch und Qualm verschwinden für Sekundenbruchteile in züngelnden Flammen: weiß, rot, blauviolett. Mit deutschen Bombern über Schottland. Vor dem Cndkampf. Von Fregattenkapitän Mohr. Der Entscheidungskampf mit England steht bevor. Im letzten Kriege konnte er trotz starker Flotte nicht durchgeführt werden, weil die geographisch-strategischen Voraussetzungen fehlten. Der schmale Streifen der belgischen Küste, den wir damals besaßen,.und der nur zwei Stützpunkte bot, beide obendrein nur für leichte Streitkräfte bis zum Zerstörer und für U-Boote geeignet, konnte uns zwar — solange die Straße Dover—Calais nicht wirksam geschlossen war — eine gewisse Erleichterung des U-Boot-Krieges verschaffen, nicht aber den Absprung für große Flottenoperationen. Im Norden riegelte die vom Hauptstützpunkt der britischen Flotte in Scapa Flow leicht zu überwachende Enge zwischen den Shetlands und Bergen die Deutsche Bucht ab. Norwegen und Dänemark waren neutral, eine weitreichende Luftwaffe existierte noch nicht. Das alles ist heute anders. Von Drontheim bis Bordeaux hat Deutschland neue st r a t e g i s ch s Stellungen bezogen, und vom Nordmeer bis zum Atlantik spannt sich der Bogen, in dessen Brennpunkt die britischen Inseln liegen. Im Mit« telmeer ist das westliche Becken bereits ein italienisches Meer. Gibraltar hat unter dem Einfluß des italienischen Krieges und der Haltung Spaniens als „nichtkriegführende Macht" feine alte Bedeutung als Torwächter am Eingang des Mittelmeeres eingebüßt. Die britische Flotte im östlichen Mittelmeer besitzt angesichts der Bedrohung durch die italienische Luft- und U-Boot-Waffe keine volle Bewegungsfreiheit mehr. Der Seekrieg, den England beguem aus de r Ferne und unter geringstmöglichem Einsatz an Material und Personal auch diesmal wieder zu führen gedachte, ist für die Briten eine äußerst ernsthafte Angelegenheit geworden. Die britische Seestrategie, seit dem Weltkriege auf Fernblockade und Schutz des eigenen Handels eingestellt, hat unter der deutschen Waffenwirkung Schiffbruch erlitten. Auch die langjährige traditionsgebundene Politik Großbritanniens als Ringmacht die westlichen, nördlichen, östlichen und südöstlichen Nachbarn Deutschlands in sein System einzugliedern, ist durch die deutschen Waffen unwirksam geworden und zerschlagen. Das britische Jnselreich muß sich umstellen, und zwar gründlich umstellen. Es weiß dennoch keinen Ausweg aus der in Umklammerung und Gegenblockade gewandelten Lage und ahnt die Lähmendes Entsetzen in Aberdeen, aufgeregt fahren einige Scheinwerfer wie dünne Spinnenbeine in die Höhe, tasten durch den dunklen schweigenden Raum, heften sich sekundenlang an unsere Fersen — sie finden uns nicht. Zwei Kurven noch, jeder will noch einmal das Feuerwerk sehen. Dann steuern wir Kurs Heimat, wieder verfolgt von Nachtjägern, die sich aber nach und nach in der Dunkelheit verlieren. Heber Norwegen graut bereit der Morgen, unsere Heinkel rollt über eine starke Wolkendecke, aus -der zeitweise Bergketten herausragen. Wir stoßen durch, Richtung Fliegerhorst. ' Günther Bohlscheid. Der Wehrniachlsberichl vom Montag. Berlin, 5. Aug. (DRV.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Die Luftwaffe klärte am 4. August über England, Schottland und dem vorgelagerten Seegebiet auf. hierbei wurde ein Handelsschiff am Ausgang des St.-Georg Kanals, etwa 100 Kilometer südwestlich Pembrokes, versenkt. In der Nacht zum 5. August griffen unsere Kampfflugzeuge die Schiffswerft Sheer- neß, die Tanklager und Flakstellungen bei North-Killingholm sowie Flakstellungen bei Thameshoven an. Einige britische Flugzeuge flogen in der Nacht in Westdeutschland ein und warfen einige Bomben. Neben geringfügigem GebÄudeschaden wurde ein Bauerngehöft im Kreise Borken in Brand gesetzt. Eine Zivilperson kam ums Leben. Das (Schicksal der,,Aüantara" Unbequeme Fragesteller werden an die Luft gesetzt. Stockholm, 6. August. (DNB.) Der englische 22 000-Tonnen-Hilfskreuzer „Alcantara" hat am Montagmorgen Ri0 de Janeiro verlassen. Die Alcantara hatte vor einigen Tagen im Süd- atlantif ein Gefecht mit einem deutschen Hilfskreuzer, wobei das überlegene, stark be° waftnete englische Schift schwere Treffer erhielt, fo daß es den Kampf abbrechen und im Hafen von Rio Zuflucht suchen mußte, während der deutsche Hilfskreuzer seine Fahrt zur Durchführung seiner Aufgaben planmäßig fortsetzte. Bei einem 'Empfang an Bord der „Alcantara" stellte nun ein brasilianischer Pressevertreter nach dem Verlesen des amtlichen englischen Kommuniguss die für die Briten unangenehme Frage, warum eigentlich darin von einem Sieg der „Alcantara" gesprochen werde, da sie doch ohne eine Reparatur in Rio die Fahrt überhaupt nicht hätte fortsetzen können, und die endgültigen Reparaturarbeiten sogar erst in einem englischen Hafen oorgenommen werden müßten. Dagegen habe doch das deutsche Schiff nach dem Gefecht weder den Hafen von Rio noch einen anderen Hafen angelaufen, sondern seine Fahrt planmäßig fortgesetzt. Leider hat der brasilianische Fragesteller keine Antwort des britischen Offiziers bekommen, er ist vielmehr durch englische Matrosen unsanft von Bord befördert worden. Lustkämpfe in Nord- und Ostafrika beit gerecht wird. In weiteren Rollen begegnet Paul Bildt, Carsta Lock, Erich Fied man l er, Italienischer Wehrmachtsbericht. Rom, 5. Aug. (DRV.) Der Italienische Wehr- Machtsbericht vom TNontag hat folgenden Wortlaut: Das Hauptquartier der Wehrmacht gibt bekannt: In Rordafrika hat eine unserer Kampfund Jagdstaffeln einen heftigen Kampf gegen eine zahlreiche feindliche Formation ausgenommen, die versuchte, unsere an der Lyrenaika-Grenze in Bewegung befindlichen libyschen Truppen zu bombardieren. Bei dem unserseits außerordentlich heftig geführten Kampfe wurden 10 feindliche Flugzeuge, darunter 7 Gloucester und 3 Blenheim, abgeschossen. Außerdem wurden etwa ein Dutzend feindlicher Kraftwagen getroffen und in Brand gesteckt. Lin weiteres englisches Jagdflugzeug ist von unseren Bombern abgeschossen worden, die in der Rähe von Warsa Watruk eine wirkungsvolle Bombardierung durchgeführl haben. Alle unsere Flugzeuge sind zu ihren Stützpunkten zurück- gekehrt. In Ostafrika wurde unter Mithilfe der Ve- vülkerung ein starker feindlicher Angriff auf Rama raput an der Grenze des oberen Sudan am Rudolf-See zurückgewiesen. Liner unserer Luftwaffenverbände hat den Hafen von B e r b e r a bombardiert und dabei einen Volltreffer auf ein Schiff erzielt. Lin feindlicher Luftangriff auf W a s - s a u a hat nur leichte Schäden lm Hafen verursacht und vier Tote und etwa 30 verwundete, darunter Später gingen wir an der Mauer des Kloster- aartens vorbei bis in den letzten Winkel der tiefen Waldschlucht, und dann mutzten wir aufbrechen, denn die Sonne stand schon hinter den höchsten Bäumen der Berglehne, und unser Weg war weit. Als wir die schöne Einöde hinter uns hatten, und singend über die Landstraße gingen, fielen mir des Freundes Worte über Arkadien ein, und ich erzählte ihnen davon. Arkadien, sagte Dorothea übermütig, ist immer da, wo w i r sind. Da legte Hermann uns beiden leine Arme um die Schulter und sagte mit der schönen und höflichen Anmut, die ihm eigen ist: wo 2H r seid. Es war ein arkadischer Tag. Elisabeth L c n n a r tz , Gerhard Dammann u. a. Dem Film in seiner Gesamtheit widmet man eine herzliche Aufmerksamkeit vom ersten bis zum letzten 1 Bild. H. L. Neune», Japanische Ministerkonferenz zu den britischen Repressalien. Dav mätzige Bildchen Zeigt die weitze Front einer barocken Kirche und den Eingang zu einem Kloster, alles hingebettet in den Winkel einer Schlucht, die von stillen, bemaldetep Berglehnen gebildet wird. Die Ruine freilich, die dem Tal seinen Namen gibt, ist nicht zu sehen, denn die gewaltigen Mauern sind schon fast überwuchert vom Efeu, und in die großen, dachlosen Räume ist der Wald hineinaewach. sen; von unten verdecken die Wipfel sogar den ge- wolligen viereckigen Turm. Diesen Platz hatte man uns in der Westerwaldist durch den sichtbar werdenden Rückgang des englischen Einflusses stark beeindruckt worden. Die Un- teroringung der indischen Soldaten in verwahrlosten Gebäuden, die im krassen Gegensatz zu den den eng- lischen Soldaten zur Verfügung gestellten luxuriösen Kasernen steht, hat zu dem Unmut der der indischen Garnison Angehörigen wesentlich beigetragen. Seit Mai d.2. sind daher 40002nber aus Singapur geflohen und in ihre Heimat zurückgekehrt. Zur Auffüllung der entstandenen Lücken versuchen die britischen Behörden gegenwärtig, alle erreichbaren Männer zwischen 17 und 45 Jahren für den Militärdienst auszuheben und ihnen eine improvisierte Ausbildung zu vermitteln. Kisenbahnanschlaa in Indien. Stockholm, 5.Aug. (Europapretz.) Auf der Eisenbahnstrcckc Kalkutta—Dacca waren die Schi e- n e n mehrere hundert Meter weit entfernt roor- Stockholm, 6«Auy. (Europapretz.) Die in den letzten oierundzwanzig Stunden von den englischen Behörden in Singapur, Hongkong und Rangoon angeordneten Verhaftungen von insge- samt fünf bekannten japanischen Geschäftsleuten und Journalisten haben am Montagabend in Tokio zu einer längeren Konferenz des Ministerpräsidenten, Außenministers und Krieasministers geführt. Die Konferenz faßte — wie Domei meldet — folgende Beschlüsse: Die Verhaftung der spionage- verdächtigen Anten fei eine rein innere Angelegenheit Japans, während das britische Vorgehen eine „heimtückische Maßnahme politischen Einschlags" bedeute. Japan werde trotzdem Wiedervergeltungsmah- nahmen vermeiden. Aufmerksam werde es beobachten, wie weit England feine Vergeltungsmaßnahmen treiben werde. Es werde wirksame Gegenmaßnahmen erareifen, falls England seine Aktion weitertreibe. Der japanische Außenminister werde demnächst den britischen Botschatter um volle Aufklärung des Falles ersuchen und gleichzeitig in London schärsstens prote st irren. Man könne annehmen, so bemerkt Domei, daß das Außenamt entschlossen lei, eine Beilegung des Falles auf der Basis der Gegenseitigkeit unter allen Umständen zu verweigern. Die Tokioter Zeitung „Kokumin" spricht die Der- Mädchen im Vorzimmer, dabei an einen energischen, liebenswürdigen und sympathischen Mann kommt (und zwar an einen anderen, als ihre Mitarbeiter unter dem Vorwurf der Spekulation vermuten), drängt die Handlung aus der dienstlichen Sphäre und läßt dein Mädchen ein fast vergessenes Privat- loben zum Bewußtsein kommen. Damit rundet sich das Thema glücklich und natürlich ab. Der Film baut sich aus einer Fülle gut beobachteter, aus der Wirklichkeit des Alltaas gewonnener Einzelszenen auf, die in einer geschickten und unaufdringlichen Weise ihre filmische Gestaltung erfuhren. In allem lebt eine anhaltende, feine, nirgends sensationelle Spannung. In klar gezeichneten Gegensätzen stehen sich Charaktere und Temperamente gegenüber. In feiner Tendenz sind immer wieder die Grenzen zwischen dem Dienstlichen und dem Privaten aufgezeigt und der Konflikt angedeutet, der entsteht, wenn diese Grenzen verwischt werden. Unter der Regie von Gerhard Lamprecht sind diese psychologischen Feinheiten mit gutem Geschmack behandelt worden. Daß dabei den Darstellern ein gerütteltes Maß an ernster schauspielerischer Aufgabe gestellt war, ist fast eine Selbstverständlichkeit. 2m Vordergrund steht Magda Schneider, die Sekretärin des Verlagsdirektors, erschüttert von der Erkenntnis der Aufgabe, zwischen Dienst und Privatleben hart und klar entscheiden zu müssen. Sie tut es mit schöner Sicherheit des Herzens und klarem Gefühl. Sie tut cs außerdem mit einer so gewinnenden Menschlichkeit, daß es schwer siele, ihr nicht alle Sympathien entgegenzubringen. Ihre geläuterte darstellerische Kunst erlaubt ihr dabei, auf jeden Effekt zu verzichten. Heinz Engelmann, ihr Partner, der draufgängerische Ingenieur, imponiert durch seine zielsichere Art und seine unwandelbare Liebe zu ihr. Hans L e i b e l t stellt den vielbeschäftigten Verlags- direktor dar, einen Mann von. reifer Menschlichkeit und einer gewinnenden Jovialität; Richard H ä u ß- l e r hat als zweiter Verlagsdirektor eine umstrittene Rolle, der er aber mit darstellerischer Ueberlegen» mutung aus. daß es sich bei der Verhaftung der Londoner Vertreter der Mitsubishi- und Mitsui- Gesellschaften um wirtschaftliche Druckmittel der Engländer gegen die genannten japanischen Firmen handelt. Das Blatt erinnert daran, daß die englische Regierung den beiden großen Gesellschaften im April denAbbruchihrerHan. oelsbeziehungen zu Deutschland vorgeschlagen und als Entschädigung dafür besondere Vergünstigungen in Aussicht gestellt hatte. In den jetzigen Verhaftungen glaubt „Kokumin" daher einen Racheakt für die Ablehnung des Vorschlages der britischen Regierung zu sehen. Sollte sich diese Ansicht bestätigen, so werde Japan allerdings entscheidende Schritte unternehmen müssen. Das Londoner Vorgehen sei nur als ein Verzweiflungsakt Englands zu verstehen. Freilich grabe England mit solcher Handlungsweise sein eigenes Grab. Die Volkserregung in Japan über die Verhaftungen sei heute bereits größer als die Unruhe über den Tientsin- Disput und selbst über den „Asama-Maru"-Zwi- schenfall lm Februar. Wie „Tokio Asahi Schirnbun" meldet, fand in Schirnonoseki eine große a n t i - britische Demonstration statt. In einer Entschließung wurde die zwangsweise Auflösung der britischen Botschaft und sämtlicher britischer Konsulate in Japan gefordert. „Mädchen im Vorzimmer/- Wenn mit Absicht ein Filmthema aus dem Leben gegriffen wird, gar noch aus dem Leben der unmittelbaren Gegenwart und aus einem Bereich, der dem Verständnis aller zugänglich ist, so dürfen die Verantwortlichen des Films schon damit rechnen, daß einer solchen Absicht eine erhöhte Aufmerksamkeit enbgegengebracht und kaum jemand verstimmt wird. Der Ufa-Film, der seit gestern im Gloria- Palast gezeiat wird, schildert (einem Roman von Walter v. Hollander nachgeschaffen), das Leben und den Wirkungsbereich eines Mädchens, das ganz aufgeht im Kreis seiner täglichen Pflichten, als Sekretärin und rechte Hand des Direktors, alles wissend, was den großen Verlag angeht und dem Ches mit ihrem sachlichen und menschlichen Urteil beistehend. Sie nimmt teil an allen den Kümmernissen und Sorgen, an denen es nicht fehlt und sie ist cs auch, die mit sicherem Gefühl und lm rechten Augenblick den in finanzielle Schwierigkeiten geratenden Verlag durch eine kluge Aussprache mit einem Geldgeber aus einer drohenden Verlegenheit hilft, obwohl gerade in diesem Falle ihre ureigensten privaten Interessen hineinspielen und sie in das Zwielicht einer eigennützig erscheinenden Handlung geraten lassen, sie in unerfreuliches Gerede bringen und sogar eine Vertrauenskrisis zwischen dem Verlagsdirektor und ihr auslösen. Schließlich wird für alle Beteiligten erkennbar, daß ihre Handlungsweise, über ihre eigene Person hinweg, vom Änteresie des Berlages bestimmt war. Daß sie, das nahende Katastrophe. Aber noch glauben seine Staatsmänner, das Volk beruhigen zu können, indem sie auf die angeblich täglich stärker werdende Verteidigung des Landes und vor allem auf die britische Seemacht Hinweisen, die in ihren Augen noch alles vermag. Diele aber hat bereits sehr starke Einbußen erlitten. Mit ziemlicher Sicherheit kann angenommen werden; daß alle Werften mit Repara- । turschiffen überfüllt sind. Diese Werften aber, die । gleichzeitig das Neubauprogramm der Flottenver- , stärkung durchführen sollen und die Aufgabe haben, j Den Verlust an Handelsschiffstonnage auszugleichen, , liegen zum größten Teil im Bereich der deutschen । Luftwaffe. Dazu kommt, daß Italien im Mittelmeer ; starke Flottenteile bindet Noch verhängnisvoller aber wirkt sich d l e d e u t - ( sche Gegenblockade aus. Mehr denn je zuvor ist das englische Mutterland abhängig von Über- . sceischen Zufuhren, von Nahrungsmitteln für das Leben der Bevölkerung, von Rohstoffen für die Produktion kriegswichtiger Güter, nicht zuletzt vom Oel für den Antrieb feiner Schiffe und Fahrzeuge aller Art. Alles dies mutz sich um so stärker auswirken, als das gesamte Material seiner Expeditionsarmee verlorengegangen ist und ersetzt werden mutz. Wie aber soll England feine Zufuhren aufrechterhalten, wenn seine größten und für die Versorgung des Landes wichtigsten Häfen unter deutscher Waffenwirkung stehen? Die Sperrung des Kanals und der Ausfall sämtlicher Zufuhren aus Skandinavien und den Ostseeländern mutz zwangsläufig für die Hauptstadt und die wichtigsten Industriezentren In Süd- und Mittelengland eine katastrophale Lage herbeiführen. London allein nahm in normalen Zelten etwa 40 Prozent der Gesamteinfuhr des Landes auf. Diese Lage muß sich zwangsläufig verschärfen in dem Umfange, wie auch die süd- und westenglischen Häfen unter unsere Blockadewirkung gelangen. Dennoch wird dieser wirtschaftliche Druck allein England nicht auf die Knie zwingen. Zu ihm muß der militärische Druck kommen, und dieser wird heute nicht nur in den (ljewässern um die britischen Inseln, sondern auch im Mittelmeer fühlbar. Das Schwergewicht der Kriegführung gegen England aber liegt im Kanal. Im Kanal kann das schwere Schiff, das für die großräumige Seekriegführung feinen Wert behalten wird, nicht den Ausschlag geben; denn die Seeräume find begrenzt und stehen vollkommen unter der Wirkung der Luftwaffe und der Kleinkriegsmittel des Seekrieges. Damit fällt ein wesentlicher Bestandteil der britischen Seemacht für die Verteidi- Sung der Inseln fort. Nicht mehr aus der sicheren erne eines Scapa Flow kann die englische Flotte wirken, jetzt, wo es sich darum handelt, das Land vor drohender Invasion zu schützen. Deutschland hat dieses bequeme Instrument einer veralteten ©ec- strategle unwirksam gemacht und verbietet seine Anwendung. Heute diktiert Deutschland das Gesetz des Handelns. Der Kanal hat aufgehört, der „Graben" zu fein, der die britischen Inseln vom Festland trennt. Kapltcinleufnant Rollmann mitdemMerkreuMSgezeichnei Berlin, 5. August. (DNB.) Dir Führer und Oberste Befehlshaber des Heeres verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine Großadmiral Dr. h. c. Rae der das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz dem .Kapitänleutnant Wilhelm Nollmann. Ka- pltänleutnant Rollmann hat aus mellst schwer ge- sicherten Geleitzügen 24 Dampfer mitt insgesamt 118 890 BRT. versenkt. Es gelang ihm hierbei, allein aus einem einzigen Geleitzug in kürzester Zeit 42 000 BRT. zu versenken. Ferner versenkte er durch Torpedoschuß einen Minenleger sowie den englischen Zerstörer „Whirlwind", brachte zwei Prilen mit insgesamt 7770 BRT. ein und führte eine schwere Minenaufgabe an der englischen Südküste mit Erfolg durch. Durch ausgezeichnetes Können, hervorragenden Schneid und rücksichtslosen Einsatz hat er wesentlichen Anteil an den Erfolgen des U- Boot-Einsatzes. Sein jüngster Erfolg war die Versenkung eines feindlichen ^U-Bootes. Wilhelm Rollmann wurde am 5. August 1907 in Wilhelmshaven als Sohn des Kapitäns zur See Wilhelm Rollmann geboren. 1926 trat er als Ma- trofe in die Kriegsmarine ein. An Bord des Kreuzers „Emden" nahm er an einer olle Erdteile berührenden Weltreise teil. 1933 wurde er auf den Kreuzer „Karlsruhe" kommandiert, mit dem er als Kadetten-Ansbildungsofstzier abermals eine mehr- Arkadischer Sommertag. Don Stta Rohlss. In meiner Stube hängt ein kleines Bild, ein Photo, ein überaus mäßiges Photo, ich könnte es selbst gemacht haben, jo mäßig ist es. Aber eine freundliche Hand hat es. auf ein weißes Blatt von feinem Japanpapier geklebt, unter Glas und Rahmen gebracht und SaMers Wort „Auch ich war in Arkadien geboren" mit schöner Hand darunter geschrieben. So ist es denn doch ein ganz ansehnliches Bild geworden, aufmerksame Besucher sehen es an, und manchmal fragt' jemand, der in der Erdkunde unsicher ist, zögernd, ob es in Arkadien so aussähe. Nachdem nun das Stichwort Arkadien gefallen ist, kann ich von einem alten Freunde erzählen, der viele Länder lm Norden und im Süden gesehen hat, vielleicht Griechenland und Arkadien selbst. Arkadien, pflegte er zu sogen, sei indes nicht nur jene Landschaft, die selten em Mensch kennen lerne, Arkadien sei gewissennaßen ein Zustand. Und dann fuhr er gern fort, In feiner behaglichen und kurzweiligen Weitschweifigkeit näher zu erläutern, wo überall Arkadien sei, und nannte viele Orte lm Norden und im Süden, am Meer und im Gebirge. Da überall könne Arkadien sein und auch nicht sein, wenn wir ihn nämlich nicht in uns hätten, den arkadischen Zustand, der recht eigentlich der Zustand aller Reisenden sein solle. Und wo man den nicht habe, sähe man auch im griechischen Arkadien weder Hirten noch Nymphen und nichts anderes als eine öde Hochebene mit dürrem Wuchs und einsamen Horden. den, so daß sich die Lokomotive und die ersten drei Wagen des Zuges überschlugen. Die Zahl der Toten betragt 34 und die der Verletzten 90. Uebcr die Hintergründe des Attentats wird von den britischen Behörden nichts bekanntgegeben. Man vermutet jedoch, daß der Anschlag einem hohen englischen Beamten des Geheimdienstes, dessen Name nicht genannt wird, galt. Der Beamte soll sich in dem Zuge befunden haben, jedoch unverletzt aeblieben sein. Nach anderen Meldungen aus englischer Quelle handelt es sich um einen wohlvorbe- reiteten Sabotageakt des radikalen Flügels der Indischen Kongreßpartei, mit dem beabsichtigt war, den britischen Vizekönig zu treffen, der, wie man vermutete, am Montag auf einer Inspektionsreise diese Strecke passieren mußte. Tatsächlich soll der Sonderzug des Vizekönitzs diese Strecke befahren haben, jedoch schon, bevor die Schienen auf- gerissen waren. Griechenland feiert die Einführung der autoritären Staatsform. Athen, 6. Aug. (Europapretz.) Ganz Griechenland beging am Sonntag die Wiederkehr des Tages, an dem vor vier Jahren Ministerpräsident M e • taxas die parlamentarische Verfassung aufhob und die autoritäre Staatsform einführte. Von allen Häu- fern grüßten die blauweihen Landesfarben, und in jebem Fenster ftanben nebeneinatiber ble Bilber bes Königs unb bes Minifterpräsibenten. Schon am frühen Morgen fuhr General Metaxas an hundert- taufenben Jungen unb Mäbchen ber nationalen Ju- genb vorüber, bie in ihren blauweihen Uniformen auf einer viele Kilometer langen Strecke vom Piräus bis nach Athen Aufstellung genommen hatten. Dann fanb in allen griechischen Kirchen ein Dank- gottesbienst statt, bem in ber Kathebrale von Athen Die Regierung unb alle Spitzen ber Behörben beiwohnten. Zum Festakte im Stadion von Athen erschien General Metaxas an der Spitze des Kabinetts. Auf ber Ehrentribüne hatte sich bas Diplomatische Korps eingefunben. Eine bunte Folge von Gesängen, Volkstänzen unb allegorischen Darstellungen bes schaffenden Griechenlanbs bltbeten das Programm. Nach bem Festakt marschierten 200 000 Männer und Frauen an Metaxas vorüber. 11 Askarls, gefordert. Zwei feindliche Flugzeuge wurden abgefchoffen, ein drittes ist wahrscheinlich abgeschofsen worden. In L a s s a t a wurde ein feindliches Flugzeug von der Flak abgeschofsen. Oie Strecke Kassala-port Sudan zerstört. Rom, 5. Aug. (Euxopapreß.) Zum ersten Male seit bem Eintritt Italiens in ben Krieg, so schreibt „Popolo di Roma", habe die Italienische Luftwaffe Z e i l a in Britisch-Somaliland angegriffen. Es sei noch in guter Erinnerung, daß von diesem Punkte aus während des Abessinienkrieges unzählige Waffen- und Munitionstransportkolonnen dem Negus zugeleitet worden feien. Jetzt sei der Augenblick ber Abrechnung gekommen und werde von ber italienischen Luftwaffe gründlich besorgt. Die italienische Luftwaffe in Ostafrika hat nach einer Melbung der Stefani-Agentur in den letzten Tagen zahlreiche A u f k lä r u n g s fl ü ge über bem Sudan und Aden unternommen. Im Sudan seien von den Engländern angelegte Stützpunkte für Jagdflugzeuge ausgeforscht und erfolgreich mit Bomben belegt worden. Eine Flugzeughalle in einem dieser Stützpunkte sei zerstört worben. Die von Kassala über Haifa nach Port Sudan führenibe Eisenbahnlinie, die von englischen Jagdflugzeugen stark geschützt werde, sei angegriffen worben. Gleich nach bem Angriff durchgeführte Aufklärungsflüge hätten ergeben, baß die Eisenbahnanlagen von Haifa stark beschädigt und die Bahnstrecke auf einem Teilstück so gründlich zerstört worden sei, daß sie fürlängereZeitunbrauch- bar bleibe. Englands neuer Bundesgenosse. -Üon unserer Berliner Schristeiiung. England ist bas Land, das ewig auf der Suche nach Bundesgenossen ist. Durch die Jahrhunderte ist man das so gewöhnt: man kämpft nicht selbst, sondern man läßt a n d e r e f ü r s i ch k ä m p f e n. Die vergangenen Monate haben uns gezeigt, einen wie starken Verbrauch an „Bundesgenossen" England hat. Da haben erst die Tschechen daran glauben müssen, für die man sich so warm ins Zeug legte, dann kamen die Polen an die Reihe, dann die Dänen und Norweger, die Holländer und Belgier, und endlich die Franzosen, bei denen sogar die große Entente corbiale nicht davon abhielt, ben Mohr zum Teufel zu schicken, als er seine Schuldigkeit für England getan hatte Ein neuer Bundesgenosse sollte es sich also sehr wohl überlegen, ob er für England eintritt ober nicht. Dieser neue Bunbcsgenosse ist der liebe Gott — so bildet man es sich in London wenigstens ein. Und derjenige, der sozusagen die diplomatischen Verhandlungen mit ihm führt, um ihn für das auserwählte Volk der Engländer zu interessieren, ist ber Kardinal Hinsley, der Erzbischof von Westminster. Dieser geht, das muß man ihm schon lassen, recht energisch an bie neue Aufgabe heran. Vor allem hat er verkünden lassen, daß er nunmehr für die englischen Soldaten und Rüstungsarbeiter l1/» Millionen Kruzifixe liefern werde. Davon sind, triumphierend wird es verkündet, sogar 50 000 schon geliefert worden! Man nehme es uns nicht übel: Wenn mir dies hören, haben wir einen unangenehmen Geschmack im Munde, mir sehen schon im Geiste die geschäftstüchtigen Firmen, die dieses einträgliche Geschäft „gedreht" haben. Kardinal Hiysley ist aber nicht nur groß in Lieferungen, er ist auch groß in Worten. Die englischen Soldaten bezeichnet er als „Kämpfer für eine gute Sache", bie gegen den „Hochmut des rebellischen Luzifer" ins Feld zögen. Natürlich sieht er die englische Sache so an, als ob sie bie „christliche Verteidigung ber brutalen Gewalt" märe. Wenn England rücksichtslos unb ohne jedes menschliche Empfinden in Indien oder im Burenland vorging, bann war das natürlich britisches Recht und britische Gerechtig- mühle nicht genannt, als wir von da aus in den Ferienwochen alle Tage bas Land durchstreiften. Auch ijermann und Dorothea, die schon mehrmals ba gerne feit waren, hatten ihn nicht gekannt; wir hatten ihn gemeinsam entdeckt, als wir auf einer ber Basaltkuppen, an benen die Gegend so reich ist, vom Ausstieg rasteten. Aber vielleicht hätten wir ihn nicht einmal gesehen, wenn wir nicht im Uebermut unb verbotenerweise auf bie runbe Bank bes Verkehrsvereins gestiegen unb wie bie Zirkuspferbe darauf herumgelaufen waren (denn sonst hätten wir nicht über das dichte Gestrüpp am Rande der Ruppe hinwegsehen können). So entbeckten wir plötzlich Das Gemäuer tief unten lm Tal, in weiten Wölbern gelegen, unb da wurde uns ganz glücklich zumute, wie fahrenden Rittern, meinten toir, die zum Abend eine Burg suchen unb nun eine entbeaen; obwohl es noch nicht Abend war, sondern strahlender und früher Nachmittag. Wir brachen sogleich aus, suchten uns Wege durch ben Wald unb verliefen uns, ehe wir bas gesichtete Tal erreichten, in eine buftenbe unb blühenbe Einöbe. Auf Stein und Moos, auf Brombeer- unb Himbeergerank unb nie- berem Wald glühte bie Sonne, und ber sanfte Winb wehte den Sommerduft der aber Tausend Blätter und Kräuter vor sich her. Dies war die „Schweiz" jener Gegend, wie wir nadyher erfuhren, und durch sie gelangten wir, über eine schmale Hügelwand hin- weg, in jenes Ruinental. Aber als wir da waren, sahen wir, daß neben der Ruine eine Kirche stand unb neben ber Kirche ein Mönchskloster, unb im riesigen Burghof, den nur noch die fast schon ab- geschlissene Mauer umgab, stand ein Forsthaus mit einem Ruheplatz für die Gäste auf grasigem Grund unter hohen Bäumen. In einem Kinderställchen abseits lag auf einer weißen Decke ein kleiner sck)la- fenber Junge; ein Mädchen ging ab unb zu und brachte uns, um was wir baten; ein schöner großer Hund folgte khr nach und aus bem Kl zwei Mönäye, die vor dem Forsthaus in ein Auto stiegen. Was hier alles beieinander tst, sagte Dorothea, als mir beim Kaffee saßen, das Alte und bas Neue, die We-ltfluäst unb das Leben, und alles paßt baher unb feino stört bas anbere. Wir hätten nicht sagen können, warum alles hoher paßte, wir fpurten nur die Stille unb ben Frieden. genossen hie Sonne und den Duft unb das sanfte Rauschen ber Wälder an den Berglehnen. monatige Auslandsausbildungsreise mitmochte. 1937 begann die U-Boot-Ansbildung Rollmanns, der in- zwischen zum Kapitänleutnant befördert wopden war. Im Oktober 1938 wurde er U-Boot-Komman- bant. Singapur unter englischer Zwingherrschast. Toklo, 5. Aua. (Europapretz.) Heber bie Lage In der britischen Seefestung Singapur auf ber Halbinsel Malakka (Hinterindien) berichtet das Tokioter Blatt „Pomiuri". Das Leben In ber Stabt steht völlig unter bem Einbruck bes Krieges. Ueberall stößt man auf Stacheldrahtverhaue unb Verbote zum Weltergehen. Der Babestranb Ist völlig verübet. Auch bie Garnison von Singapur, bie normalerweise aus 11 000 Mann besteht, von benen 70 v. H. Jnber sinb, (cif. Wenn ober Deutschland sich gegen die migc- drohte Zerstückelung wehren will, dann ist das ebenso selbstverständlich „brutale Gewalt". Nein, in diesem Falle helfen dem Erzbischof selbst fromme Worte nicht mehr. Urü> für den Fall, daß die Berichterstattung auf gewissen Gebieten in England nicht so klappen sollte, wie es vielleicht wünschenswert wäre, möchten wir dem Herrn Erzbischof etwas erzählen, was ihn sicher interessieren wird. Die britischen Truppen haben ja, wie auch dem Kar dinal Hinslcy bekannt sein wird, in Norwegen und bei Dünkirchen unvergängliche „Rückzugssiege" erfochten.. Allgenzeugen erzählen uns nun von den Schlachtfeldern dieser „Rückzüge", man habe dort genau feststellen können, wie die britischen Soldaten sich der Reihe nach der Gegenstände entledigten, die ihnen bei ihrem „siegreichen Rückzug" im Wege waren. Da mären zuerst die Stahlhelme zur Seite geflogen, dann habe man die lästigen Gewehre von sich geworfen, und dann kam die Zone, in der die Gebetbücher und die Bibeln fortgeworfeil wurden. Als Allerletztes blieb dann immer noch das Gor- nedbeaf und die Whiskyflasche. — Und dann war nichts mehr übrig, was das „siegreiche Heer" mit nach England hätte bringen können. Ja, und die Bibeln machten einen sehr merkwürdigen Eindruck. Acußcrlich sahen sic recht mitgenommen aus, wie cs fleißig benutzten Bibeln zukommt. Wenn man sie aber aufmachtc, merkte man an den zusammenhängenden Blättern, daß dies wohl das einzige und erste Mal war, wo sie das Licht des Tages erblickten. Wir fürchten, dem Erzbischof mit seinen 1)4 Millionen Kruzifixen wird es nicht viel anders gehen wie mit den Bibeln und Gebetbüchern. Botschafter Abetz. Der zum Botschafter ernannte Bevollmächtigte des Auswärtigen Amtes beim Militärbefehlshaver in Frankreich Otto Abetz wurde am 26. März 1903 in Schwetzingen in Baden geboren. Er besuchte in Karlsruhe das Reformrealgymnasium. Zwischen den Jahren 1921 und 1923 machte er Reisen durch die Schweiz, Italien und Griechenland. Bon 1923 bis 1926 besucht? er die Badische Kunsthochschule und legte das Zeichenlehrerexamen ab. Fünf Jahre später trat er als Assessor für das künstlerische Lehramt in das Beamtenoerhältnis ein. Im Sommer 1934 beauftragte ihn der Verbindungsstab der NSDAP, mit der Aufgabe, die Treffen der deutschen und französischen Frontkämpfer zu organisieren. Danach trat Abetz in die Abteilung Ausland der Neichsjugendführung ein, der er sich bereits 1933 mit dem von ihm zur Förderung eines besseren Verstehens der Jugend Dcntschlcuchs und Frankreichs gegründeten Sohlbergkreis unterstellt hatte. Seit Januar 1935 gehört er der Dienststelle Ribbentrop an, in der er das Referat Frankreich, Schweiz, Belgien, Italien verwaltet. Kleine politische Nachrichten. Reichsminister Dr. Goebbels empfing den schwedischen Forscher Bengt Berg zu einer längeren Unterredung. Korpsführer Hühnlein besuchte kürzlich drei Motor-HI.-Lager im Gebiet der Motor- gruppe Hochland", in denen ein vierzehntägiger Kursus zur Erreichung des Führerscheines 4 ober des Motor-HI. - Prüfungsabzcicheng stattfindet. Der Korpsführer wohnte dem Unterricht am Kraftfahrzeug sowie dem Geschicklichkeitsfahren bei. Die drei Besten jeder Gruppe wurden mit Preisen ausgezeichnet. Der britische Bombenabwurf auf den Haag in der Nacht zum Montag, der zwei Todes- Opfer unter der Zivilbevölkerung forderte, hat im ganzen Lande eine starke Empörung hervorgerufen. Die Bpmben fielen mitten in das Wohnviertel. Man fragt sich, so schreibt „Telegraaf", was man mit diesem ziellosen Abwerfen bezwecke und ob man dadurch die Zivilbevölkerung terrorisieren wolle. • Die Endstation der italienischen Riviera-Bahn ist von der italienischen Grenzstation Ventimiglia nach der von den italienischen Truppen eroberten und besetzten Stadt M e n t o n e verlegt worden. Bis Mentone werden in Zukunft alle italienischen Rivierazüge verkehren. Von Genua aus ist ein Son- Verzug mit dem italienischen Verkehrsminister Hast Venturi und hohen Staatsbeamten zur Eröffnung der Linie bis Mentone abgegangen. Aus der Stadt Gießen. Tiere dürsten. Wenn die Sanne es in diesen Sammertagen gar zu gut meint und alles unter der. Hitze seufzt, so sind es ganz besonders unsere vierbeinigen Hausgenossen, die unter der Sonnenglut zu leiden haben. Welch einen bedauernswerten Eindruck machen die H u n d e auf den Tierfreund, wenn sie mit heraus- hänaender Zunge und schleppendem Gang über glutheiße Straßen schleichen. Kein Tierfreund, Gastwirt und Ladenbesitzer versäume es, in den Sommermonaten ein reinliches Gefäß mit frischem Wasler vor der Tür seines Geschäfts aufzusteilen. Denken wir auch daran, daß all die kleinen Rinnsale, an denen die Vögel badeten und ihren Durst löschten, ver-siegt sind. Eine flache Schüssel, ja schon ein großer Blumenuntersetzer an schattiger Stelle im Garten eingegraben, genügt unseren Sänaern zum idealen Badcplatz, und sie tummeln sich bald fröhlich im kühlen Wasser. Nur geben wir acht, daß wir nicht durch einen Baumstamm ober dichtes Gebüsch den Katzen eine Möglichkeit zum Anschlei chen in unmittelbarer Nähe unserer Vogeltränke geben. Für die in der heutigen Zeit besonders stark arbeitenden Zugpferde soll immer frisches I rinImaller zur BersützUNg stehe». Um cm 311 schnelles Trinken und damit eine Erkältung zu verhindern, empfiehlt es sich, einige Halme Stroh ober Heu in das Trinkwasser zu werfen.« Vornotizen. Tageskalender für Dienstag. Gloria-Palast, Seltersweg: „Mädchen im Vorzimmer." — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das Schweigen im Walde". HHemeinKMt M Kraft öurdi Sreaöe Im Monat August bieten wir siebentägigen * Ferienaufenthalt jeweils von Samstag zu Samstag in den Kreisen Büdingen und Schotten. 3528V Teilnehmerpreis 22,— NM. (ohne Fahrt). Nächster Aufenthalt in der Zett vom 10.8. bis 17. 8.1940. Anmeldungen bis spätestens Mittwoch in unserer Verkaufsstelle, Seltersweg 60. Hitler-Jugend Zungbann 116. Alle Pimpfe des HJ.-Sfandortes Gießen-Stadt treten am Mittwoch, 7. August, 14 Uhr, zum Kartoffelkäfer-Abwehrdienst am Brandplatz an. Bei Regenwettcr wird der Abwehrdienst auf Donnerstag, 8. August, verlegt. Auch Feldpostanschristen sind aufschlußreich. Die Verbundenheit zwischen Heimat und Front hat in diesem Krieg in vieler Art Ausdruck gefunden. Besonders erfreulich ist, daß Behörden, Parteidienststellen, Betriebe nsw. bemüht sind, ihren im Felde stehenden Gefolgschaftsangehörigen oder Mitgliedern durch Uebersendlmg von Amtsblättern, Werkzettungen, vervielfältigten Feldpostbriefen, so genannten „Heimat-Sammelbriefe" oder äynlichen Veröffentlichungen, über alles auf dem laufenden zu halten, was in ihrem Wirkungskreis geschieht und den Daheimgebliebenen Nachrichten über das Ergehen und Erleben ihrer Frontkameraden zu vermitteln. So begrüßenswert das Bestreben ist, die innere Verbundenheit des Frontkameraden mit seinem heimatlichen Wirkungskreis aufrechtzuerhalten, so erhebt sich hoch die Frage, ob nidyt z. B. Summe l l i st e n von Feldpostanschriften dem Feind wichtige Aufschlüsse ermöglichen. Aus diesem Grunde ist die Veröffentlichung und Weiterverbreitung solcher Zusammenstellungen von Feldpostanschriften verboten. Gestattet ist nur, daß bei Behörden, Parteidienststellen, Betrieben, Wirtschaftsverbänden usw. besonders vertrauenswürdige Personen die Feldpostanschriften der eingerückten Kameraden zusammenstellen und auf Anfrage einzelne Anschriften an eine bekannte Person mitteilen. Gießener Wochenmarklpreise. * Gießen, 6. Aug. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten:' Markenbutter, Vi kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Köse, das Stück 6 bis 10, Kartoffeln, neue, % kg 7 Rpf., 5 kg 68 Rpf., Wirsing, % Kg 8, Weißkraut 6, Rotkraut 6 bis 8, gelbe Rüben 10, rote Rüben 8, Spinat 20, Bohnen, grün, 16 bis 22, gelb 22, Erbsen 25, Tomaten 25, Zwiebeln 18, Rhabarber 10, Falläpfel 10, Himbeeren 45, Heidelbeeren 41 bis 42, Pflaumen 18 bis 20, Zwetschen 35, Mirabellen 25 bis 38, Blumenkohl, das Stück 10 bis 50, Salat 5 bis 10, Salatgurken 20 bis 40, Gin- machgurken 1% bis 4, Endivien 10 bis 15, Ober- kohlrabi 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Blind 10 Rpf. ** Auszeichnung für Tapferkeit vor d e m Feinde. Der Bataillons-Fahnenträger in einem Infanterie-Regiment, Feldwebel Walter E g - gcrs aus Gießen, Wolfstraße 21, wurde für besondere Tapferkeit mit dem Eisernen Kreuz 11. Klasse ausgezeichnet. Ebenfalls für Tapferkeit vor dem Feind erhielt der Untcrofsizier in einem Infanterie- Regiment Willi Schal ch aus Gießen, Liebigstraße Nr. 83, das Eiserne Kreuz und das Sturmabzeichen verliehen. ** Reich sbahnversanalien. Der Vorstand des Reichsbayn-Bctrlebsamts kl Gießen, Reichsbahnrat L ll tz, wurde iiod) Teschen versetzt als Vorstand des dortigen Reichsbahn-Betriebs- amts. Nad)folger ist Neichsbahnrat N o u n f von der Reichsbahndirektion Villach. — Der Reld)sbahn- Bauassessor Köster, der und) Auslösung des Neu- bauamt» Friedberg dem Rcichobahn-Betriebsamt 11 Gießen zugeteilt war, ist zum Reichsbahn.Betriebs- amt Wetzlar versetzt wvl-den. — Der Vorstand des Rcichsbahn-Mafchinenamts Gießen, Reichsbahnrat Koehns, i|> ihui) Brombera versetzt als Vorstand des dortigen Reichsbahn-Masdstnenamts. Nachfolger ist Neichsbahnrat Lieb von der Reichsbahndirektion Karlsruhe. — Der Vorstand des Neid>sbahn- Verkchrsamts Gießen, Rclchsbahnrat Ziegler, ist zum Wehrmachlsbienst eingerückt. Nachfolger ist Neichsbahnrat Behren von der Ncichsbahndirek- Hon Frankfurt a. M. Der Relchsbabn Dau assessor Jahn, der dem Rcichsbahn-Betriebsamt I Gießen zugeteilt ist, wurde nad) dem Westen abgeordnet. Reichsbahnrat Zakarias der Reichs- bahndirektion Linz mürbe vorübergehend dem Reichsbahn-Betriebsamt I Gießen zugeteilt. ** E n t f a f t u n g s v e rfa h r e n und Ri arme l a d e k o ch e n. In der Lehrküche des Deutschen Frauenwerks wird in Zusammenarbeit der Abteilung Volkswirtschaft-Hauswirtschaft des Delitschen Frauen- Werks mit dem Berufserziehungswerk der Deutschen Arbeitsfront eine elnmaklge Unterweisung Im Entsaftungsverfahren und Marmeladekochen am Mltt- woch, 21. Anglist, durchgeführt. ** ßliefert entleerte Säcke ob. In der letzten Zeit mußten in den rvrschl ebensten Teilen Großdeutschlands empfindliche Ordnungsstmfen gegen eine Re-che von ('k-iverbetreibenben festgesetzt werden, die ihrer Pflicht zur pünktlichen und restlosen Abgabe der in ihrem 'Betrieb entleerten Säcke nicht nad)gekommen waren, oder die Säcke (n ihrem Betrieb zu anderer Benvenbiing zerschnitten hatten. Es wird daher nochmals ba rauf Miwiölefen, daß für alle Empfänger von In (Bomebefarfen verpackten Waren die Pflicht besteht, die entleerten Säcke binnen einer Frist von einem Monat, vom Tage der Entleerung an gerechnet, an einen zugelassenen Aufkäufer zu verkaufen, soweit iridjt die besonderen Vorschriften für ben Rückgabe verkehr in Anwendung kommen. Jeder, der unnötig Säcke dem Verkehr entzieht, schädigt die Allgemeinheit unb hat da- Ijer mit strengster Bestrafung zu rechnen. ** So m m e l v o r f ch r i f t e n f u r E r d r a u ch. Von April bis Oktober blüht der auf Werfern und Gartenland häufig als Unkraut anzutreffenbe Gemeine Erdrauch, der zlir Familie der Mohngewächfe gehört. Die volkstüinlid) als Blutreinigungsmtttcl gebrallchte Droge, die jedock) nicht wahllos anzuwen- den ist, wird zur Zeit der Blüte ganz aus der Erde gerissen unb dann das unterste blattfreie Steimelstürf samt der Wurzel abgeschnitten. Anhaftenber Schmutz wird abgcfdyüttdt. Druck des Sammelgutes Ist zu vermeiden. Trocknung In einfacher Lage auf luftigen, schattigen Dachböden. Verpackung und Versand In Säcken. Ablieferung bis Mitte Oktober. Studentinnen im Habrileinsatz. Im Gau Hessen-Nassau arbeiten zur Zelt etwa 100 Studentinnen freiwillig in Fabrikbetrieben, um dadurch zu ermöglld^n, daß Arbeitskameradinnen einen kurzen Urlaub erhalten können, währenddessen sie sid) AU Hanse, in Aelmen bei N Obei "ii anderer Stelle erholen und neue Kraft für die kommende Arbeit sammeln. Jede der Studentinnen wird vier bis sed)s Wachen eingesetzt. Der Einsatz erfolgt durch das Frauenamt der Deutschen Arbeitsfront am Heimatort der Studentin. Oie Bevölkerung bei Fliegeralarm. In der Bevölkeruna besteht vielfach Zweifel über ihr Verhalten bei Fliegeralarm, Insbesondere über die Verpflichtung, die Schutzräume aufzusuchen und über die gesetzlichen Folgen im Weigerungsfälle. Balle Klarheit geben hier die Bestimmungen der 10. Durchführungsverordnung zum Luftschutzgesetz über „Luftschutzmäßiges Verhalten bei Flicgeran- griffen unb Lustschutzübungen" vom 1. September 1939. Hierin wird unterschieden zwischen Personen, die sich in Gebäuden und solchen, die sich außerhalb von Gebäuden befinden. 3n Gebäuden, insbesondere Wohnungen, Büros, Warenhällsern, Theatern, Lichtspielhäusern, Gastwirtschaften, Wartehallen, Vergnügungsstätten usw. haben fid) alle Personen sofort — soweit vorhanden mit Gasmaske — in die vorhandenen Luftfchutzräume zu begeben. Die Verpflichtung ßum Aufenthalt Im Luftschutz- raum erstreckt fld) nicht auf Personen, deren körperlicher Zustand dies nicht zuläßt, einschließlich des Pflegepersonals. Es besteht hier also eine gesetzliche Verpflichtung, die Lustschutzräume bet Fliegeralarm auszufuchen. Sie ist begründet in der nationalsozialistischen grundsätzlichen Auffassung, daß das Leben oes Volksgenossen nicht ihm allein, sondern der Bolks- gemeinschast gehört, und in der Erfahrung aus vielen Luftangriffen, bei benen bas Leben nlrflcnbs sicherer war, als in nod) so behelfsmäßigen Schutz- räumen: 7 nk hat es hlevoel nur hm-t gegeben, wo Schuhräume aus Neugier ober anberen Griinben nicht ausgesucht worben waren ober werben konnten. Die Notwenbiakeit dieser gcsetzlld) festgelegten Verpflichtung, bei Fliegeralarm sofort die Schutz- räume aufzusuchen, muß im Interesse der Volks- gemeinschast unb ber Lanbesverteiblgung noch weit mehr als bisher von jebem Volksgenossen, als vor allem in seinem ureigensten Interesse llegenb, er- kannt werben. Alle volizcilichcn Dienststellen und Amtsträger bcs RLB. haben Anweisung, auf die Bevölkerung bauernb in diesem Sinne aufklärend unb führend einzuwirken. Denienlgen aber, welche biese Gründe nicht gelten lassen wollen, [ei gesagt, daß ble zuständigen Reichs- bchörden Entschäolgungen für entstandene Perso- ncnsd)äden in allen den Fällen ablehnctt, in welchen die Betroffenen cs sd)ulbhaft verabsäumt haben, die vorhandenen Schutzrällmo aufzusuchen. Außerhalb von Gebäuden hat jeder, der vom Fliegeralarm auf Straßen, Plätzen usw. betroffen wird, den nächsten öffent- uchen Luftschutzraum aufzusuchsn ober anmn Dcckungsmöglichkelten auozunntzen. In unbebautem Gelände ist jede möglld)C Deckung (Gräben, Höhlen usw.) auszunutzen. Sind Deckungs- niögüd)felten nicht vorhanden, so bietet bas Hin- legen auf den Boden besten Schutz. Gegen Personen, ble außerhalb von Gebäuden diesen Bestimmungen zuwiidcrhandeln, kann der Ortspollzciverwalter polizellid)e Verfügungen erlassen und diese mit Zwangsmitteln (Festsetzung von Zwangsgeld — im Nichtbeitreibungsfall Zwangs- Hast — und unmittelbaren Zwang) durchsetzen. Weil beim Flakschießen gleichfalls wiederholt Todesfälle und schwere Personenschäden infolge Nlchtaufsuchenv der Schutzraume vorgekommen sind, wird die Bevölkerung bringenibft ersucht, auch in diesen Fällen schleunigst fld) in die Schutzräume zu begeben ober andere Deckr.ngomögllchkeiten aufau- fumen Seitens der Polizeibehörden wird entfgredjcnb wie bei Fliegeralarm verfahren werden. N„chdemRa^ben 2jW^9eb,auchen Die schöne Melusine Neman bon Richter 19. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Erst jetzt bemerkt Tilde die graue Haarsträhne, die im Gegensatz zu dem jungen Gesicht steht. Zugleich stirbt ein Gedanke in ihr, der sid) gerade hat breltmow?" „Ja, wenigstens —' „Dann können mir uns morgen treffen, ich habe morgen in Lüchow zu tun." Er denkt gar nicht mehr daran, daß er vorgestern noch durchaus nicht die Absicht hatte, mit dem Fräulein zu fahren. „Was denn?" fragt Tilde, aber Hellwig über- hört die Frag« oder tut wenigstens so. „Morgen gegen Mittag treffen wir uns", wiederholt er. „Selen Sie doch morgen gegen Mittag In Lüchow." „Das kann ich nicht", ruft ste verzweifelt, aber weil aerobe ein Trommelfeuer im Apparat wütet, versteht er sie wieder nicht. „Morgen mittag. Wenn Sie nicht dort sind, frage ich in der Waldmühle nach. Irgendwo werden wir uns schon finden." Das Amt schaltet sich ein und fragt an, ob noch gesprochen würde. Hellwig ist wirklich merkwürdig beute. Er läßt Tilde gar nicht ausreden und erklärt einfach, das Gespräch sei beendet. Tilde kann sagen, was sie will: es ist eben beendet. Morgen wird Hellwig in Lüchow sein und sie —. Wenn sie nur wenigstens den großen Ehan als Hllsstruppe hätte 1 Aber der ist nicht zu erreichen. Es ist zum Verzweifeln. 18. Gegen Mittag kommt auf Grund der vormittäglichen Unterhaltung zwischen Vater und Sohn Paul Deetjen in das Atelier. Er ist ebenso groß wie fein Sohn und erfüllt das Ateiier mit seinem massigen Körper. Tilde tritt er mit ber unbewußten Ueb er legen!) eit des großen Fabrikanten entgegen unb behandelt sie mit der gleichen überlegenen Duldsamkeit, mit der er auch zu Greta Kl-anlck spricht. Diese liebe riegenbeit ist aber nicht die des großen Herrn, der die Grenzen einer Kaste zur anderen zieht. Es ist mehr jene, die der Bauer seinen Knechten gegenüber wahrt. Sie ziehen alle an dem gleichen Strange. Aber Herr ist nun einmal Herr, und Hervenforgen kann man nicht aus anOt# Schultern ab wälzen. „Du bist ganz hübsch weit gekommen", sagt er. „Unb wenn das kleine Fräule-in den Nachmittag über noch durchhält — na, ich denke, wir legen erst mal brühen was Ordentliches vor." Der Tisch ist für vier Personen gedeckt, und GJreta Kranick übernimmt die Pslichten der Hausfrau Tilde erfährt, baß ble Töchter verheiratet und aus dem Hause sind. Der alte Deetjen spricht von ilni' " freundlich. Aber aus jedem Wort Hingt es heraus, daß er bei der Zukunft des Werkes nur an feinen Sohn denkt. So ist das Gespräch halb aus Unterhaltung, halb auf Fack-slmpelel gestellt, und es bleibt nld)t aus, daß auch von ber Melusine gesprochen wirb. „Wieviel Mobeilarbeit brauchst du denn?" fraat ber Alte und rechnet dabei ungewollt mit Tilde wie mit einem Modell. „Vier bis fünf Sitzungen mindestens", sagt Heinz. „Dann wäre es das (9cfd)citefte, wenn Fräulein Rohloff ihre Fetten hier verbrächte. Man kann doch aud) hier paddeln." Tilde erschttrft. „Das ist unmöglich." Paul Deetjen nimmt es als Verlegenheit. „Na, so ganz unmöglich wäre es schließlich nldst." Tilde flicht verzweifelt nach einer Ausrede, und endlich fällt ihr die nächstliegende ein. „Ich bin doch eigentlich auf Urlaub gefahren", sagt sie. Sie merkt, daß Heinz es anders airffaßt als sein Vater. Wenn sie nachher allein sind, wird er In sie bringen. Er wird von Kameradschaft sprechen und den Begttff einer Freundschaft ins Feld führen, mag sie auch so jung sein wie fie will. Der Vater weiß davon nichts. „Nun, es wird sich schon regeln lassen", meint er unb geht darüber hinweg. (Fortsetzung folgt.) Aus der engeren Heimat. 75 Jahre alt. * Trais-Horloff (Kreis Gießen), 6. August. Am 8. August wird der Mühlenbesitzer Leonhard S t e l l w a g auf der Neumühle bei Trais-Horloff in großer Rüstigkeit 7 5 Jahre alt. Er kam im Jahre 1895 von Bayern in unsere Gegend und erwarb hier die Neumühle. Müllermeister Stellwag ist weithin in der Umgegend geschätzt und beliebt. Seit 1895 gehört er zu dem treuen Leserkreis des Gießener Anzeigers. Dem Jubilar bringen auch wir unsere herzlichen Glückwünsche zum 75. Geburtstags dar. — (Bild: Aufnahme Privat.) Oorfsonntag der Iungmädel in Laubach * Laubach, 5. Aua. Zum gestrigen Sonntag hatten die Jungmädelführevinnen des Kreises Wetterau, welche in der vergangenen Woche in unserer Jugendherberge an einem Lager teilnahmen, die hiesigen Jungmädel sowie die Bevölkerung Laubachs zu ihrem Abschiedsnachmittag eingeladen. In Scharen strömte alt und jung auf den Ramsberg und verfolgte mit großem Interesse die Darbietungen. Die Führerin des JM.-Untergaues 116, JM.- Ringführerin Inge Haack, leitete mit einigen frischen Worten das Treffen ein, an welchem die Jungmädelführerinnen, ehe sie Laubach wieoer verlassen mußten, ihre Gedanken — in einem Märchen zusammengefaßt — darstellen wollten unter dem Leitspruch: „Dem Fröhlichen gehört die Welt, die Sonne und das Himmelszelt." Das darauf folgende, flott und mit großem Eiser gespielte Märchen zeigte eine Prinzessin, die an jedem Freier, der um sie warb, etwas ausMsetzen hatte, bis ihr Vater ihr im Zorn androhte, sie dem nächsten Spielmann zur Frau zu geben, der das Schloß betreten werde. Nun verkleidete sich einer der abgewiesenen Freier, der König eines Nachbarreiches, als Spielmann, und die Prinzessin mußte ihm in eine armselige Hütte folgen und ihr Brot durch Korbflechten und andere ihr ungewohnte Arbeit mühsam verdienen, so daß sie bald chren einstigen Hochmut bitter bereute. Ihre Qualen erreichten den Höhepunkt, als ihr Mann ihr eine Stelle als Handlangerin in der Küche eines königlichen Schlosses verschaffte, wo man zur Hochzeit des jungen Königs rüstete. Zu ihrem Erstaunen entpuppte sich dieser aber als ihr Gatte und beging nun mit ihr prunkvoll und glänzend die Hochzeit. Bei der Feier erschienen die Stände des Landes und brachten in frisch und schön gesungenen Chören ihre Glückwünsche dar. Hieran schloß sich die Hochzeitspolonaise und ein lustiger Eulenspiegelstreich, gespielt von drei Laubacher Jungmädels, worauf die Hochzeitspolonaise nochmals getanzt wurde, gemeinsam mit den Laubacher Jungmädels und sämtlichen großen und kleinen Zuschauern. Den Abschluß des wohlgelungenen Nachmittags bildete der Gesang: „Alle Leute, alle Leute gehen jetzt nach Haus." Zwei Schwestern 176 Jahre alt. Lpd. A l s f e l d , 5. August. Im Kreisort Münch- l e u s e l ist am 4. August eine der ältesten Einwohnerinnen, Frau Marie Weitzel geb. Schmidt, 9 0 Jahre alt geworden. Zwei Tage später, am 6. August, wird ihre Schwester, Frau Kath. Diehl geb. Schmidt, 8 6 Jahre alt. Es ergibt sich also der seltene Fall, daß zwei Schwestern zusammen das stattliche Alter von 176 Lebensjahren erreichen, eine Zahl, die weit über dem gewohnten Altersdurchschnitt liegt — selbst in dem durch seine gesunde Luft bekannten Vogelsberg. Landkreis Gießen. * Lollar, 4. Aug. In der Nacht zum Sonntag drang ein Unmensch in den Schafbesitz einer hiesigen privaten Schäferei ein und verübte eine bestialische Tat, indem er einen wertvollen Schafbock kastrierte und hilflos sich selbst überließ, so daß das Tier verendete. Hoffentlich gelingt es der Polizei, diesen gemeinen Menschen zu ermitteln, damit er seiner wohlverdienten exemplarischen Bestrafung zugeführt werden kann. Der Schaden des Besitzers ist recht wesentlich. Die gesamte Einwohnerschaft Lollars ist über diese Untat entrüstet und die Ermittlung des Täters erwünscht. * Lollar, 5.Aug. Der Gefr. Werner Komp, ein Sohn unserer Gemeinde, wurde für Tapferkeit vor dem Feinde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. — Kameraden der Kriegerkameradschaft Lollar wetteifern nach Beendigung des Bundeswettkampfschießens um die Erringung der Kyffhäuser-Ehrennadel. Fast jeden Sonntag wird geschossen. Zur Zeit sind 14 Kameraden im Besitz der bronzenen und 3 Kameraden im Besitz der silbernen Kyffhäuser-Ehrennadel. Es wäre zu begrüßen, wenn die Gemeinde alsbald wieder in den Besitz eines Kleinkaliberschießstandes käme, damit dem Wehrsport im Interesse der Wehrtüchtigkeit unseres Volkes noch mehr Rechnung getragen werden könnte. Schweinemarkt in Hungen. * Hungen, 5. August. Auf dem heutigen Schweinemarkt waren 126 Ferkel aufgetrieben. 6 bis 8 Wochen alte Ferkel kosteten 24 bis 28 RM., 8 bis 10 Wochen alte 28 bis 33 RM., ältere Tiere rund 34 RM. pro Stück. Das Geschäft war flott, der Markt wurde geräumt. Schweinemarkt in Alsfeld. * Alsfeld, 5. August. Auf dem heutigen Schweinemarkt standen 127 Ferkel zum Verkauf. Es kosteten 6 bis 8 Wochen alte Ferkel 25 bis 30 RM., 8 bis 10 Wochen alte 30 bis 35 RM. pro Stück. Der Handel verlief flott, es verblieb kein Ueb erstand. Notizen für den 6. August. Sonnenaufgang 5.27 Uhr, Sonnenuntergang 20.44 Uhr. — Mondaufgang 8.57 Uhr, Monduntergang 21.41 Uhr. Mond in Erdnähe. 3n den Gärten kein Feuer anzündenl Das Feuer könnte über Nacht weiterbrennen und feindlichen Fliegern zur Orientierung dienen! 10 Mre Spielvereinigmig 1900. Am heutigen Dienstag, 6. August, kann die Spielvereinigung 1900 auf ein 40jähriges Bestehen und auf einen 40jährigen Einsatz für die deutsche Lei- besübung zurückblicken. Der Verein hat in diesen 40 Jahren eine abwechslungsreiche Geschichte hinter sich. Auf dem Gebiete des Fußballsports leistete er in unserer engeren Heimat die erste Pionierarbeit. Der Verein, der von Karl D e m u t h , Albert B ö tz und Willy Schwan gegründet worden war, vereinigte zunächst als Mitglieder eine Reihe von Schülern der höheren Schulen in sich, die sich mit Begeisterung dem Fußballsport widmeten und sich auch durch manchen Widerstand nicht abschrecken ließen, die damals neue Sportart zu pflegen. Der Verein umfaßte in den elften Jahren seines Bestehens nur einen kleinen Kreis von Mitgliedern, die sich aber fast ausschließlich aktiv betätigten. Die ersten Fußballspiele wurden auf dem Trieb ausgetragen, auf dem rasch und provisorisch vor jedem Spiel die Tore aufgeschlagen und dann wieder abgetragen wurden. Ein Sportplatz im eigentlichen Sinne bestand in den ersten 10 Jahren des Bestehens nicht. Die Mannschaft konnte bereits in den ersten Jahren ihres Bestehens erfreuliche Erfolge verzeichnen. Sie spielte in der Gau klasse und besiegte damals die Mannschaften von namhaften Vereinen in Frankfurt, Hanau, Offenbach Siegen mit hohen Torerfolgen. Der schönste Erfolg, den die Mannschaft des Vereins erringen konnte, war die Teilnahme an einem Endspiel um die Westdeutsche Meisterschaft, das allerdings mit knappen Ergebnis verloren wurde. Im Jahre 1910 konnte der Verein eine eigene Sportplatzanlage an der Hardt ihrer Bestimmung übergeben und damit auf eigener Platzanlage dem Sporte huldigen. Der Sportplatz an der Hardt bestand bis zum Jahrs 1925. Dann siedelte der Verein nach dem Trieb über und schuf sich die Sportplatzanlage, die auch heute noch besteht. In der Folge gesellten sich zu den Fußballspielern auch die Leichtathleten, die ebenfalls beachtliche Erfolge erringen konnten und bis in die Gegenwart ihren Sportbetrieb lebhaft aufrechterhielten. Manchs schöne leichtathletische Veranstaltung wurde insbesondere in den vergangenen Jahren durchgeführt. Einen schweren Rückschlag erlebte der Verein durch den Weltkrieg, 63 seiner Mitglieder starben den Heldentod. Unverdrossen wurde aber nach dem Kriege die Arbeit wieder ausgenommen, denn immer wieder fanden sich Idealisten, die den Fußballsport und die Leitathletik uneigennützig förderten. Viele Mitglieder haben sich dabei immer neu bewährt. Ihre Arbeit wurde durch manche Ehrung innerhalb des Vereins aber auch durch Auszeichnungen der Sportbehörden anerkannt und ausdrücklich gewürdigt. Der Verein, der sich die Pflege der Leibesertüchtigung der Jugend mit besonderer Aufmerksamkeit widmet, sieht mit Zuversicht in die nächste Zukunft und ist bereit, auch weiterhin seinen Beitrag für die Ertüchtigung der kommenden Generationen im Rahmen des NS- Neichsbundes für Leibesübungen zu leisten. Stadtmannschast Gießen - Lustwaffe Gießen. Die Stadtmannschaft Gießen hat zum Mittwochabend auf dem Waldsportplatz die Mannschaft der Luftwaffe zu einem Freundschaftsspiel verpflichtet. Nach dem guten Abschneiden der Gießener gegen die starke Vertretung der Wehrmacht dürfte auch dieses Spiel einem lebhaften Interesse begegnen. Die Stadtelf befindet sich in bester Spiellaune. Die Gäste gelten als spielstark. In der Mannschaft findet man alte Bekannte, die auch wiederholt in der Mannschaft des VfB.-Reichsbahn standen. Es find vor allem Lu- kaschewski, Patalon, Solokowski, aber auch andere sehr gute Spieler vorhanden, die zu kämpfen verstehen. Weitere Ergebnisse vom Altersiurnen in Heuckelkeim Altersklasse III (51—60 Jahre): (Siebenkampf): 1. Hch. Koch, To. Herborn, 147 Pkt.: 2. Reichenbächer, CT.-H. Pr. Kassel, 142,5: 3. Wald- schmidt, Tv. Wetzlar. 139,5; 4. Holzschuh, Turn- und Fechtklub Hanau, 136; 5. Weber, To. Sinn, 129; 6. Hild, Tv. Herborn, 128,5; 7. O. Koch, Tv. Herborn, 123,5; 8. Haar, To. Herborn, 123; 9. Ritsert, Tv. Weißkirchen, 119,5; 10. Bill, To. Wetzlar, 118; 11. Schmitz, Tv. Wetzlar, 116; Ferd. Jüngst, Tv. Herborn, 116; 12. Cunz, Tv. Sinn, 115,5; 13. Gottschalk, Tv. Weißkirchen, 113; 14. Weyrauch, Tv. Wetzlar, 112; 15. Köhler, Tv. Wetzlar, 104,5; Jüdt, Tv. Sinn, 104,5; 16. Wiegand, Tv. 1846 Gießen, 102,5; 17. Michl, Tv. 1846 Gießen, 77,5. — (Dreikampf): 1. Popp, Tgd. Friedberg, 82 Pkt.; 2. Oestreich, Reichsbahn Treysa, 77; 3. Lehmer, CT.-H. Pr. Kassel, 75; 4. Schmidt, Postsport Gießen, 50. Alters kla s s e IV (über 60 Jahre): (Siebenkampf): 1. Hoffmann, Tv. Herborn, 127 Pkt.; 2. Franz, Tv. Herborn, 122,5; 3. Schüler, Tv. Wetzlar, 118,5; 4. Hauser, Tv. 1846 Gießen, 118; 5. Reuse, Tv. Sinn, 117,5; 6. Vaupel, Tv. 1846 Gie^ feen, 116,5; 7. Vögel, To. Herborn, 112,5; 8. Marx, To. 1846 Gießen, 111,5; 9. Fritz Jüngst, Tv. Herborn, 109,5; 10. Schaaf, To. Sinn, 105; 11. Lichten- fels, To. 1846 Gießen, 93,5; 12. Dapper, Tv. 1846 Gießen, 91,5; 13. Haubach, Tv. 1846 Gießen, 89,5; Jung, Tv. Herborn, 89,5. — (Dreikampf) 2 1. Pfeffermann, Tv. Weißkirchen, '47 Pkt. Ehrung des Gebieismeisters Lützellinden. Die im Rahmen der Gießener Veranstaltung vor-- genommene Ehrung des Gebietsmeisters Lützellinden durch eine Plakette der Bezirksführung ist allgemein als ein Zeichen der Verbundenheit zwischen dem NSRL. und der HI. angesehen worden. Zugleich aber ließ sich daraus erkennen, wie sehr man sich über die Leistungen des Nachwuchses freut und alles tut, um die guten Beziehungen auch weiterhin im Interesse beider Teile zu fördern. Auch die Verbundenheit zwischen den 2Ingehörigen der Wehrmacht und dem Fachamt Handball kam deutlich zum Ausdruck durch die Anwesenheit vieler Soldaten. Mit Genugtuung wurde allseits ausgenommen, daß es möglich war, auch einem Teil der Verwundeten die Gelegenheit zu geben, dem Spiel beizuwohnen. Wir sind überzeugt, daß der Schritt, den das Fachamt Handball damit getan hat, überall Anklang fand und beispielgebend für alle übrigen Zweige des Sportes sein wird. Acht Kämpfe — acht Siege. Der zweite Boxländerkampf zwischen Deutschland und der Slowakei, der am Samstagabend in Klagenfurt durchgeführt wurde, endete mit einem eindrucksvollen Sieg der deutschen Mannschaft, die alle acht Begegnungen gewann und fomit ein Punktverhältnis von 16:0 erzielte. Die erste Begegnung im Januar d. I. in Preßburg endete 14:2 zugunsten > Deutschlands. Gießen, den 3. August 1940. 3522 D Die Trauerfeier findet am Mittwoch, dem 7. August, nachmittags 3% Uhr, in der Kapelle des Neuen Friedhofs statt. fast 82 Jahre alt Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Lulu Cellarius, geb. Gerbode, Heute entschlief nach längerem schweren Leiden meine liebe, treue Schwägerin, unsere gute Tante und Großtante Fräulein Anna Cellarius im 44. Lebensjahre. Lang-Göns, den 5. August 1940. 3520 D Heute vormittag gegen 7 Uhr entschlief nach langem, mit Geduld ertragenem Leiden meine liebe Frau, unsere gute, treusorgende Mutter, Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante Die Beerdigung findet Mittwoch, den 7. August, nachmittags V/2 Uhr, vom Trauer hause aus statt Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Wilhelm Boller und Kinder Familie Wilhelm Weih Frau Katharina Boller geb. Weil Garbenbänder sofort lieferbar. &