General-Anzeiger für Oberhessen Oietzen^5chulstratze7-9 Montag, 6. Mai 19$0 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bisZ'/üUhrdesVormittags Grundpreise für 1 mm Höhe bei Anzeigen von 22 mm Breite? Pf., Tertanreigen von 70 mm Brette 50 Pf. Wiederholung Malstaffel I Abschlüsse MengenstaffelL Platzvorschrist (vorherige Vereinbarung) 25°/omehr Ermäßigte Grnndvreise Bäd cranzeigen und behördliche Anzeigen von 22 mm Breite 6 Pf. Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Siebener Familienblätter HeimatimBild DieScholle Monats-Berugsvreis: Mit4Beilagen.RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr... „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsprechanschluß 2251 Drahtanschrift: „Anzeiger" PoftscheckllössFrankf^M. (yv. Jahrgang Nr.M Äehener Anzeiger 1912 vom Stapel lies. nur sechs 34,3-cm-Kanonen an Bord hatte, seine Deck-Panzerung nur bis 63 mm ging und die Wasserverdrängung daher auf 54 000 Tonnen heraufklettern oder sich mit seitdem es dem Kaprtänleutnant Wed — - - • L._. britisches Schlachtschiff. Der Pfeil weist auf die Stelle, wo die Bombe des deutschen SturzkampWegers eingeschlagen, haben muh. LScherl-Pilderdienst-M) Unser Blld zeigt ein 45 000 Der Boot bracht. Tonnen begnügen soll. Weltkrieg hatte dem Schlachtschiff im einen höchst gefährlichen neuen Gegner U-. gebigen im Herbst 1914 gelungen war, auf der Höhe von Hoek van Holland die britischen Panzerkreuzer „Abukir", „Cressy" und ,Hogue" mit wohl- vollen Einsatz der ihm unter skellken Fliegerverbände in Norwegen der feindlichen Seestreitkraft Verluste an Kriegs- und han- delsschifflonnage beigebrachi, die für den weiteren Verlauf des Krieges von ausschlaggebender Bedeutung sind. Major harling Haufen (links), der sich bereits vor dem 9. April wiederholt durch seinen persönlichen Einsatz auszeichnete, hat auch in Vorwegen durch kühn geführte Angriffe immer wieder den feindlichen Seestreitkräften empfindlichen Schaden zugefügt. (Scherl-Bilderdienst, Archiv OKW.) Die „Stampa" schreibt, am meisten überrasche, daß die Engländer kampflos wieder abgezogen seien. Nachdem eigentlich beschlossen worden sei, den norwegischen Truppen mit englisch-französischen Kombinationen zu helfen, hätte um jeden Preis und opfermutig gekämpft werden müssen. Hier hätte sich Gelegenheit geboten, sich für die Schande zu rehabilitieren, mit der man der deutschen Besetzung des verbündeten Polens untätig beigewohnt habe. Statt dessen habe man die Norweger hingehalten und nicht den Mut aufgebracht, die Unfähigkeit einer tatsächlichen Hilfeleistung einzugestehen. Man habe Widerstand versprochen. Als man aber die große Ueberlegenheit des Gegners erkannt habe, habe man den Rückzug angetreten und dabei von den nichtsahnenden Norwegern noch den Rückzug decken lassen. Das sei eine ehrlose Handlungsweise. Die Verantwortung treffe, wenn nicht das Kommando der gelandeten Truppen, so doch sicher die Regierungen von London und Paris. Wie deutsche Stukas das britische Schlachtschiff versenkten Weitere schwere Verluste des britischen Flottenverbandes vor Tlamsos. Flugzeug und SchlachWff. Als die Engländer im Herbst des vorigen Jahres die Bereinigung des deutsch-polnischen Konflikts zum Borwand nahmen, um gegen das nationalsozialistische Deutschland ebenso leichtfertig wie überheblich den Krieg vom Zaune zu brechen, hatten sie das im Vertrauen auf die Unüberwindlich- keit ihrer Schlachtflotte getan, der die erst im Aufbau begriffene deutsche Kriegsmarine vor allem in den großen Schiffstypen zahlenmäßig weit unterlegen sein mußte. Wohl war in der marine- technischen Fachliteratur aller Länder die Frage lebhaft erörtert worden, ob in der Luftwaffe, die im Weltkrieg ja erst in den Anfängen gesteckt hatte und seitdem, was Geschwindigkeit, Bewaffnung, Tragfähigkeit und Schulung der Besatzung betrifft, zu ungeahnten Leistungen fortgeschritten ist, der Schlachtflotte ein vielleicht lebensgefährlicher Feind erwachsen sei. Man hatte keine praktischen Erfahrungen sammeln können, aber bei den neueren Schiffskonstruktionen doch vielfach die Mög- lichkeit in Rechnung gestellt, daß die bisher Übliche Panzerung kein hinreichender Schutz gegen Bombenwürfe aus der Luft sein könnte. Bis dahin hatte der Wettlauf zwischen dem Kaliber der schweren Schiffsartillerie und der Panzerstärke die Konstruktionen namentlich der Schlachtschiffe beherrscht. Je schwerer die Geschütze wurden, mit denen man die Schlachtschiffe bestückte, desto stärker wählte man die Panzerung, um sich auch gegen schwerste Geschosse zu schützen, desto größer wurde aber auch notgedrungen das Schiff selber. Während der „Iran Duke", des britischen Admirals Jellicoe Flaggschiff in der Skagerrakschlacht, das nur 21 000 Tonnen betrug, schraubten sich diese Zahlen seitdem im gegenseitigen Wettlauf immer mehr in die Höhe, sodaß die 1925 vom Stapel gelaufenen britischen Schlachtschiffe „Nelson" und „Rodney" schon mit neun 40,6 cm-Kanonen bestückt wurden, einen Deck-Panzer von maximal 159 mm erhielten und demnach eine Wasserverdrängung von 34 000 Tonnen erforderlich machten. Man ist auch dabei nicht stehen geblieben, es wurden 35 000-Tonnen- und 40 000-Tonnen-Schlacht- schiffe gebaut und in den Vereinigten Staaten wird grade eben die Frage lebhaft diskutiert, ob man Berlin, 5. Mai. (DNB.) Durch deutsche Auf- klärunasflugzeuge war im Seegebiet westlich N a m s o s ein größerer, weit auseinander fahrender Verband britischer Schiffseinheiten mit westlichem Kurs festgestellt worden, der aus Seestreitkräften und Transportschiffen bestand. Sofort nach Eingang dieser Aufklärungsmeldungen st arteten mehrere deutsche Sturzkampfflugzeuge, die trotz stärksten Abwehrfeuers aus allen Rohren der Schiffe zum Angriff auf das britische Schlachtschiff ansetzten. In mehrmaligem Anflug wurde eine Anzahl Bomben schweren Kalibers geworfen. Die ersten Bomben fielen so dicht neben und hinter dem Schlachtschiff ins Wasser, daß schon hierdurch eine erhebliche Beschädigung des Schiffes eingetreten sein muß. Bei einem neuen Anflug traf eine schwere Bombe das Schiff mitten zwischen den herb en Geschütztürmen. Eine ungeheure Detonation, eine mehrere hundert Meter hohe Stichflamme, in die Luft fliegende Schiffsteile und eine außerordentlich starke Rauchentwicklung zeigten an, daß diese Bombe ganze Arbeit verrichtet und möglicherweise die Munitionskammer getroffen hatte. Nachdem sich langsam der dichte Qualm verzogen hatte, konnten die deutschen Flugzeuge, die über dem Kampfplatz in der Luft kreisten, außer wenigen Oelflecken und Trümmern aller Art von dem Schlachtschiff keine Spur mehr ent- Die hervorragenden Leistungen der Lustwaffe Das Ritterkreuz für Generaloberst Milch, Generalleutnant Geisler und Major Harlinghausen. Berlin, 5.2Hai. (DVB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Starke feindliche Kräfte haben, unterstützt durch Flieger, unsere Sicherungen nördlich Varvik wiederholt angegriffen. Sie wurden im Zusammenwirken mit eigenen Kampffliegern abgewehrt. Von S t e i n k j e r nördlich Drontheim sind unsere Truppen im Vormarsch nach Vörden. V a m s o s und G r o n g wurden genommen. Der Befehlshaber der in diesem Gebiet stehenden norwegischen Truppen hat bedingungslos kapituliert. Auf dem Flugplatz Lesjaskog, südostwärts Andalsnes, wurden 2 0 verbrannte englische Flugzeuge aufgefunden. 3m Gebiet von Röros und T r y f i l find Säuberungsaktionen im Gange. Die Luftwaffe versenkte bei Varnsos am B. 2Hai, wie bereits gemeldet, ein englisches Schlachtschiff, einen schweren Kreuzer und ein großes Transportschiff, am 4.Mai Zwei feindliche Handelsschiffe, und vor Vacvik einen ehemals polnischen Zerstörer. Ein eigenes Flugzeug mußte wegen Vrennstoff- mangel notlanden.' Zahlreiche leichte Streitkräfte der Kriegsmarine find feit dem 9. April zur Sicherung der Truppentransporte und des Vachschubs nach Vorwegen eingesetzt. Gegenüber den feindlichen U-Booten und der bestehenden Flankenbedrohung durch Seestreitkräfte haben diese Einheiten ihre Aufgabe in vollem Umfang gelöst und so zum raschen Erfolg des Feldzuges in Vorwegen beigetragen. Minensuchboote, Vorpostenbote, U-Bootjäger und Ueberwachungsflugzeuge haben dabei feit dem 9.April 23 feindliche Unterseeboote vernichtet. Trotz stärkster Beanspruchung unserer U-Voot- waffe während der Aktion in Vorwegen wurde der Handelskrieg gegen England auch im Monat April erfolgreich fortgesetzt. Die Versenkungsziffer an feindlichem und für den Feind nutzbarem neutralen Handelsschiffsraum hat 2 000 000 VRT. überschritten und beläuft sich jetzt auf rund 2300000 VRT. Hierbei muß berücksichtigt werden, daß die zum Teil durch Minentreffer eingetretenen handelsschiffsverlusle vom Feinde nur dann bekanntgegeben werden, wenn sie von deutscher oder von neutraler Seite festgestellt worden sind und ohnehin nicht mehr verheimlicht werden können. Ls darf also angenommen werden, daß die feindlichen Verluste im Handelskrieg durch die deutschen Seekriegsmaßnahmen höher als bisher angegeben sind. Die Küstenverleidigung in den besetzten Abschnitten Vorwegens wurde durch Aufstellung von weiteren Seezielbatterien leichten, mittleren und schweren Kalibers verstärkt. An der W e st f r o n t keine besonderen Ereignisse. Der Wehrmachtsbencht vom Samstag. Berlin, 4. Mai. (DVB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Vürdlich V a r v i k haben deutsche Gefechtsvorposten Angriffsversuche feindlicher Kräfte abgewiesen. 3n Varvik selbst ist die Lage unverändert. Deutschen Abteilungen, die von Drontheim aus nach Vörden vorgingen leisteten nur noch norwegische Truppen Widerstand, da die Streitkräfte der Westmächle den Raum von Vam- sos überstürzt verlassen haben. Der Befehlshaber der norwegischen Truppen um Dront- heim Hal einen Tagesbefehl erlassen, in dem er verbittert festsiellt, daß die Westmächle ihre Truppen, ohne ihn zu verständigen oder zu warnen, aus Varnsos zurückgezogen haben. Da die norwegischen Truppen durch das Verhalten der englischen Oberbefehlshaber in Flanke und Rücken gefährdet sind, hat der norwegische Befehlshaber um Waffenruhe gebeten. Die Befriedung in ganz Vorwegen schreitet fort. 3 r u k a n wurde heute vormittag den deutschen Truppen kampflos übergeben. 3m Raume von Andalsnes ergaben sich 1 General, 127 Offiziere und 2500 Mann. Die Beute ist noch nicht zu übersehen. Die Luftwaffe setzte ihre Aufklärungstätigkeit über Vorwegen und der gesamten Vordsee fort. Lin feindliches Frachtschiff wurde durch einen Treffer mittleren Kalibers im Solberg-Fjord nördlich Varvik schwer beschädigt. Am Vachmiltag des 3. Mai wurde im Seegebiet westlich Varnsos ein britisches Schlachtschiff auf westlichem Kurs von deutschen Sturzkampffliegern angegriffen und getroffen. Vach einer gewaltigen Explosion ist das Schiff gesunken. 5 britische Kampfflugzeuge griffen in der Vacht vom 3. zum 4. Mai ein deutsches vorpostenboot in der Vordsee erfolglos an. Zwei feindliche Flugzeuge wurden dabei abgeschos- sen. .An der Westfront keine besonderen Ereignisse. Das römische Echo. Rom, 6. Mai. (Europapr.) In riesigen Schlagzeilen, in denen die Schlagkraft der deutschen Luftwaffe neuerdings höchste Anerkennung findet, hat die römische Sonntagspresse den der englischen Flotte versetzten neuen Schlag gemeldet. Für den Augenblick hat sich, nach gleichlautenden Meldungen der römischen Sonntagspresse, die Lage bei Narvik nicht geändert. Es herrsche schlechtes Wetter. Alle Bemühungen der Landungstruppen der Westmächte, sich den deutschen Stellungen rings um Narvik zu nähern, seien im Feuer der deutschen Truppen zusammengebrochen. In Süd- und Mittelnorwegen ergaben sich die Reste der norwegischen Truppen in Massen. Die militärische Besetzung im Raum Oslo—Bergen—Drontheim—Elverum festige fich- Der Ausbau der Stützpunkte der Luftwaffe mache gewaltige Fortschrittes Dieser Umstand beweise, daß dieser Raum zu einer ausgedehnten Angriffsplattsorttl gegen England ausgebaut werde. Alle Fjorde von Oslo bis Namsos seien nun in deutschen Händen. Sie böten wichtige Stützpunkte auch für die deutschen U-Boote. mittschiffs von einer Bombe mittleren Kalibers getroffen und versenkt. Weiterhin wurde ein Handelsschiff durch die Luftwaffe zum Einlaufen nach Drontheim gezwungen. Auch die feindlichen Flotteneinheiten vor Narvik wurden von deuffchen Fliegern heimgesucht. Ein Schlachtkreuzer wurde durch zwei Treffer auf das Vorschiff b e - schädigt; Teile feiner Artillerie wurden außer Gefecht gesetzt. Auf einem Kreuzer brach Feuer aus, ein Transportschiff erhielt einen Volltreffer mittleren Kalibers. Großer Eindruck in llSA. Weittragende Folgen für den Kriegsschiffbau. N e u y o r k, 6. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die amerikanischen Presseberichte über die Versenkung eines britischen Schlachtschiffes durch einen Luftangriff erregen in den Vereinigten Staaten um so größeres Interesse, als der Bundeskongreß und Flottensachverständige bereits seit Wochen die Frage erörtern, ob die moderne Luftwaffe Großkampfschiffen gefährlich ist bzw. ob sich der Weiterbau von Schlachtschiffen überhaupt lohnt. Der Marineminister Edison deutete erst kürzlich an, daß angesichts der Entwicklung der Luftwaffe strukturelle Aenderungen an Schlachtschiffen notwendig seien. Die „New Port Sun" mißt der Versenkung eine entscheidende Bedeutung für die künftige internationale Flottenpolitik zu, da durch sie die Marinegeschichte in grundlegend andere Bahnen gelenkt werde. Wenn nun eine Flugzeugbombe die Panzerung einer schwimmenden Stahlfestung von 30 000 Tonnen durchschlagen könne, so stehe damit fest, daß keines der gegenwärtigen Kriegsschiffe gegen Luftangriffe unverletzlich und die Frage der Ueberlegenheit der Luftwaffe oder der Flotte eindeutig zugunsten der Luftwaffe beantwortet sei. Die Zerstörung des britischen Kriegsschiffes dürfte den Lauf der Seekriegsstrategie fast ebenso ändern wie der berühmte Kampf des „Monitor" und „Merrimac" auf der Reede von Norfolk im amerikanischen Bürgerkrieg 1862, der bewies, daß hölzerne Fregatten sich überlebt hätten. decken. Es war innerhalb einer Minute mit Mann und Maus gesunken. Andere Schiffe des Verbandes, die den Angriff und feine vernichtende Wirkung aus größerer Entfernung beobachtet hatten, ftrebten jetzt sofort der Stelle zu, die ihnen durch die Rauchwolken angezeigt wurden. Sie kamen zu spät, um irgend noch helfend eingreifen zu können. Die Flugzeuge hatten sich inzwischen überzeugt, daß nicht einmal ein Boot ober ein Besatzungsmitglied des versenkten Schlachtschiffes zwischen den Trümmern auf dem Wasser umhertrieb. Außer der Versenkung eines Schlachtschiffes erlitt der britische Flvttenverband weitere schwere Verluste. Ein schwerer Kreuzer der Port- Klasse wurde mit je einer Bombe schweren Kalibers auf das Vor- und Achterschiff getroffen und in Brand gesetzt. Unter zahlreichen Explosionen sank das Schiff nach 30 Minuten. Hart am Bug eines anderen Kreuzers schlug eine schwere Bombe ein, so daß Teile des Schiffes durch die Lust geschleudert wurden. Ein Zerstörer erhielt einen Treffer mittleren Kalibers an der Bordwand, stellte daraufhin sofort das Feuer ein und blieb mit Schlagseite liegen. Mit seinem Totalverlust ist zu rechnen. Ein weiterer Zer- st ö r e r erlitt schwere Beschädigungen durch Bombentreffer am Heck. Ein voll beladenes großes Transportschiff von 12 000 Tonnen wurde !,3 Millionen VRT. im Handelskrieg gegen England versenkt Grit dem 9. April 23 britische ll-Boote vernichtet. — Namfos und Grong genommen. Berlin, 4. Mai. (©JIB.) Auf Dorfchlag des Generalfeldrnarjchalls Göring hat der Führer dem Generaloberst Wilch, dem Generalleutnant Geis- ler und dem Wajor Harting Haufen das Ritterkreuz zum Eisernen kreuz verliehen. Generaloberst W i l ch (Witte unseres Bildes) leitete die gesamten Operationen der Luftwaffe in Vorwegen und brachte sie durch seine überlegene Führung zum erfolgreichen Abschluß. Generalleut- nant Geisler (rechts), der bereits seit Wonalen mit seinen Verbänden der britischen Flotte empfindliche Schläge versetzte, hat durch den kraft- also vermutlich für die Wahl der größeren Schkffs- type den Ausschlag geben dürfte. Aber es kann kein Zweifel fein, daß ähnlich wie das U-Boot im Weltkrieg in noch weit höherem Maße nun das Flugzeug das Monopol der nicht zuletzt auf Grund ihrer Kapitalkraft und ihres Vorsprungs im Bau von Grotzkampfschiffen die Meere beherrschenden Nationen zu brechen scheint. Denn es liegt auf der Hand, daß in derselben Zeit und mit den gleichen finanziellen Mitteln, die für den Dau eines modernen Schlachtschiffes angewandt werden müssen, Hunderte von Flugzeugen herge- sich als schmählicher Verrat an den Norwegern dar. Der Divisionschef der norwegischen Truppen im Bezir Tränbelagen, Oberst Goetz, hat einen Tagesbefehl an seine Truppen herausgegeben, in dem festgestellt wird, daß das englische Oberkommando in Namsos noch nicht einmal den norwegischen Kam- mandostellen eine Mitteilung über den Rückzug der britischen und französischen Truppen hat zukommen lassen und nicht die geringste Warnung darüber, daß durch diesen Rückzug die Flanke und der Rücken der norwegischen Truppen von den deutschen Truppen bedroht war. In dem Tagesbefehl, in dem die ganze Bitterkeit des verratenen norwegischen Kommandanten über das Verhalten der Engländer zum Ausdruck kommt, heißt es: „Da England und Frankreich aus unbekannten Gründen den Versuch aufgegeben haben, uns in unserem Kampf zu unterstützen und in der Nacht auf Freitag ohne Warnung ihre Truppen von Namsos zurückgezogen, stehen wir heute allein da. Die Gesamtzahl der deutschen Truppen hat uns bereits an den beiden Flanken und im Rücken umgangen, und zwar auf der Linie, die die englischen und französischen Truppen halten sollten. Ohne die Möglichkeit gelassen, daß uns Hilfe von außen gebracht wird, allein und mit Munition nur noch für einen Tag versehen, ohne Luftwaffe, ohne Luftabwehr und'ohne andere notwendige Waffen, würde weiterer Kamps nur zur totalen Vernichtung ohne das geringste militärische Ziel führen. Ich habe deshalb dem deutschen Kommando vorgeschla-- aen, Waffenruhe eintreten zu lassen. Es war unbegreiflich von dem englischen Oberkommandanten, ohne mich zu warnen, den Rücken meiner Truppen zu entblößen, so daß ich von der einzigen möglichen Rückzugslinie auf Mossöen abgeschnitten bin." Um 23 Uhr erhielt Oberst Goetz einen Brief von dem englischen Kommandierenden General Car. ton de Wyart und einen zweiten von dem französischen General A u d e t. Zu dieser Stunde war der größte Teil der englischen und französischen Truppen bereits an Bord der Transportschiffe im Hafen von Namsos. Der Abschiedsbrief des britischen Befehlshabers lautet: „Lieber Oberst Goetz, zu meinem größten Leidwesen unterrichte ich Sie hiermit davon, daß wir dieses Gebiet räumen müssen. Jeder von uns empfindet diese Tatsache sehr tief. Wir lassen einen ganzen Teil Material hier; wir hoffen, daß Sie dieses übernehmen können, und wir sind überzeugt, daß dieses für Sie und Ihre tapfere Armee von großem Nutzen sein wird. Wir selbst hoffen, daß wir wieder hierher zurückkommen und Ihnen helfen können, Ihren Kampf zu einem glücklichen Ende zu führen." Der französische Befehlshaber gab seinem großen Bedauern darüber Ausdruck, daß er Norwegen heimlich auf diese Weise verlassen müsse. Er habe jedoch von höchster Stelle Befehl hierzu erhalten. Er sei ein Opfer des Krieges und könne nichts anderes tun, als dem Befehl zu gehorchen, so gern er auch bleiben wolle. Der Feldzug in Norwegen habe sich als bedeutend schwieriger durchzuführen gezeigt, als man vor der Absendung des alliierten Expeditionskorps habe annehmen können. Ein Sonderberichterstatter des „Svenska Dag- bladet" weift auf die freudige Stimmung unter der norwegischen Zivilbevölkerung beim Abzug der bri- stellt werden können, die jeweils nur wenige Mann an Bord haben, während mit einem von einer einzigen Fliegerbombe schwersten Kalibers versenkten Schlachtschiff 1100 bis 1500 Mann Besatzung verloren sind. So hat die Kühnheit und die hervorragende Schulung unserer Flieger, das ausgezeichnete Material und die sorgfältige Konstruktion ihrer Maschinen und Waffen wiederum einen Erfolg davonaetragen, der den Briten über die Einsatzkraft der oeutschen Luftwaffe ein Licht aufstecken wird. Albion hat allen Anlaß, um seine Seeherrschaft zu zittern. Dr. Fr. W. Lange. tischen und französischen Truppen aus Namsos hin. In dem Bericht des schwedischen Blattes heißt es, daß die tapferen norwegischen Truppen, die östlich von Strasavata standen, von Beginn der Operationen an von den Westmächten h i n t e r s Licht geführt- worben feien. Nach ihrer Auffassung hätten die Westmächte bereits nach ihrer großen Niederlage bei Steinkjer am 21. April den Beschluß gefaßt, sich aus dem Staube zu machen. Nach dem Vaffenstillstand in Tröndelaa fei das ganze Namdal wie verwandelt gewesen. Man habe den Eindruck gehabt, als würde ein großes Volksfest gefeiert. Das Vdlk strömt mit eigenen ober erbeuteten englischen und französischen Kraftwagen nach Namsos, um sich an die Lebensmittel heranzumachen, bie die Westmächte in großen Mengen zurückgelassen hätten, dies besonders im Hinblick auf die Lebensmittelknappheit der in die umliegenden Gebirgsdörfer geflüchteten Zivilbevölkerung in den letzten Wachen. Fast alle konnten sich für mindestens einen Monat mit Lebensmitteln eindecken. „Unter der Zivilbevölkerung, die sich hier des reichlichen Proviants bemächtigte, gab es nicht Berlin, 4. Mai. (DNB.) lieber den Unter- gang des Kreuzers „Blücher" am 9.April 1940 vor Oslo werden nachttäglich folgende Einzelheiten bekannt: Ein Verband der Kriegsmarine unter Konteradmiral K u m m e tz, bestehend aus mehreren Kreuzern, Torpedobooten und kleineren Fahrzeugen hatte den Befehl, am 9. April früh überraschend i n d e n Oslo-Fjord einzulaufen und die an Bord der Kriegsschiffe eingesetztsten Truppen des Heeres in Oslo zu landen. Beim Paffieren der Festung Oskarsborg eröffneten um 5.30 Uhr norwegische schwere Küsten- batterien plötzlich auf nur 500 Meter Entfernung das Feuer auf den vorausfahrenden Kreuzer „Blücher". Das Land war noch in Dunst gehüllt, dagegen war „Blücher" vom Lande aus gut zu beobachten. „Blücher" erwiderte sofort das norwegische Feuer mit allen Geschützen. Es gelang, die norwegischen Batterien niederzukämpfen und damit die Einfahrt für weitere deutsche See- stteitkräste freizumachen. „Blücher" hatte hierbei mehrere schwere Treffer erhalten. Sie setzten einen Teil der Kefselräume und Maschinen außer Gefecht und riefen im Mittelschiff und am Oberdeck Brände hervor. Trotz aller Bemühungen der Besatzung gelang es nicht, diese Brände einzukreisen. Nach Passieren der Dröbak-Enge erhielt „Blücher" außerdem noch mehrere Treffer norwegischer Torpedobatterien vom Lande her. Das Schiff wurde damit manövrierunfähig. Wegen der einbringenden Wassermassen mußte es aufgegeben werden. Der Kommandant gab Befehl, das Schiff zu verlassen. Mit einem Sieg-Heil auf Führer und Vaterland, das der Kommandant, Kapitän z. S. Woldag, vor dem Verlassen des Schiffes ausbrachte, versank der Kreuzer „Blücher" mit wehender Flagge. Als die schwersten Treffer der Küstenbatterie in einen einzigen, der den fluchtartigen Abzug der Westmächte-Truppen bedauerte. In allen britischen und französischen Quartieren von Ooerhalla westlich bis nach Namsos sah es aus, wie man sich die Zerstörung Jerusalems vorstelltc*. Tonnenweise lagen Lebensmittel und Konserven, Fässer mit Rotwein und Spirituosen, Tausende von Zigarettenpackungen, Munition, Fahrräder, Motorfahrzeuge und Kraftwagen in der Gegend und überall stürzten sich hungrige Menschen auf den Üppigen Vorrat. Wenn kein Kraftwagen zur Verfügung stand, wurden die englisch-französischen Güter auf Schubkarren in Sicherheit gebracht. Die kleinen Gefährte waren so überladen, daß sie zeitweilig nicht von der Stelle gebracht werben konnten." Augenzeugen berichten, daß die Einschiffung der englischen Truppen in größter Unordnung vor sich ging und einer Flucht glich. Dagegen waren bie französischen Truppen in Reih unb ©lieb am Hafen aufmarschiert unb bas Anborbgehen vollzog sich in größter Orbnung. Zum Schluß wird von dem Korrespondenten des „Svenska Dagbladet" festgestellt, daß die Engländer weder genügend Artillerie noch Flakgeschütze besaßen. Dagegen waren sie reichlich mit automatischen Gewehren, einfachen Flinten und Armeerevolvern ausgestattet, von denen Tausende zurück- gelassen wurden. Norwegen erkennt den Verrat. Oslo, 5. Mai. (Europapreß.) Die norwegischen Tageszeitungen erfassen jetzt den vollen Umfang des englischen Verrats an Norwegen. „Tidens Tegn" schreibt, „Churchills norwegisches Abenteuer ist zu Ende. Es war kurz und unrühmlich, aber es habe Norwegen viele junge Menschenleben gekostet. Das Volk muß sich von jetzt an der Wirklichkeit anpaffe n." Im „Morgenbladet" heißt es, „nachdem wir jetzt auch erfahren, wie sich die Engländer in den Kampfgebieten betragen haben, steigert sich unsere Bitterkeit bis zum Höhepunkt des Möglichen". den „Blücher" einschlugen, blieben die Mannschaften der eingeschifften Truppen ruhig auf ihren Plätzen. Den Verwundeten wurde sofort Hilfe geleistet. In den Augenblicken der ärgsten Beschießung taten die Sanitätsoffiziere ruhig wie auf dem Verbandsplatz ihre Pflicht. Als schließlich der Befehl zum Verlassen des Schiffes gegeben wurde, zeigte sich die Disziplin, die den deutschen Soldaten selbst in den gefahrvollsten Stunden nicht verläßt. Zahlreiche Beispiele werden berichtet, wo Jüngere ihre Schwimmwesten älteren Kameraden anboten, ja gegen deren Willen ihnen ihre eigenen Schwimmwesten umbanben. Ein Rettungskutter blieb fast leer, weil jeber bem anberen den Vortritt lassen wollte. Ein junger Infanterist suchte, bevor er ins Wasser sprang, noch aus einem Haufen von Gewehren feine Nummer hervor. Ein anderer holte von einer schon in Brand geratenen Stelle fein Maschinengewehr und schwamm damit an Land. Immer wieder bemühten sich junge Soldaten um ihre älteren Vorgesetzten, um ihnen eine Rettung zu ermöglichen. Auf einem Floß lag ein schwerverletzter Fähnrich. Die Männer konnten das Floß nicht richtig handhaben. Es drohte, in den Sog des bald versinkenden „Blücher" hinein- zugeraten. Da ließ sich der sterbende Fähnrich auf- richten, gab ruhig seine Kommandos und so kam das Floß an Land. Schließlich neigte sich der „Blücher" und begann mit dem Bug zu versinken. Die am Ufer stehenden Soldaten fangen das Deutschlandlied. Einsam stand auf dem sich immer mehr heraushebenden Heck ein deutscher Soldat. Entblößten Hauptes stand er aufgerichtet, die rechte Hand zum Deutschen Gruß erhoben und versank so mit dem Schiff. Das Schicksal wollte es, daß dieser Mann vom Sog wieder emporgerissen wurde und von einem Rettungsboot ausgenommen werden konnte. SchimpslicherVerratandennmtvegischenAuppen 3m Gteinkjer-Abschnitt heimlich im Stich gelassen. Stockholm, 4. Mai. (DNB.) Der Rückzug der britischen und französischen Truppen aus Namsos stellt Sin Hohes Lied deutschen Soldatentums Oer Untergang des Kreuzers „Blücher" am 9. April vor Oslo. gezielten Torpedoschüssen zu versenken. Seit diesen Erfahrungen war deshalb auch England, dessen Seeherrrschaft auf der Stärke seiner Schlachtflotte beruht, in allen Verhandlungen über eine Rüstungsbegrenzung zur See emsig bemüht, die U-Bootwaste ganz abzuschaffen, denn sie setzte auch die kleineren und weniger kapitalkräftigen Nationen in die Lage, sich in weit kürzerer Zeit und mit weit geringeren Mitteln eine höchst beachtliche Waffe zu schaffen, die in der Seekriegführung mitsprechen konnte. Zudem zwang die U-Bootwafse dazu, die Panzerung der Schlachtschiffe auch unter der Wasserlinie erheblich zu verstärken, vielfach wurden auch Torpedowulste eingebaut. Im Flugzeug ist nun dem Schlachtschiff ein neuer und vielleicht noch furchtbarerer Gegner erwachsen. Eine einzige gut gezielte schwere Bombe eines deutschen Sturzkampfflugzeuges zwischen die beiden Geschütztürme eines britischen Schlachtschiffes hat genügt, dieses nach einer schweren Explosion in der Munitionskammer binnen wenigen Minuten zum Sinken zu bringen. Was bisher nur bei Zerstörern und erst am 15. April zum ersten Mal bei einem Kreuzer gelungen war, die totale Vernichtung durch Bombentreffer aus der Luft, das hat sich nun auch bei den größten Einheiten der britischen Flotte als wirksam erwiesen. Gegenüber dem Elan der deutschen Sturzkampfflieger hat nicht nur die britische Luftabwehr vollkommen versagt, auch die mehrfache Deck-Panzerung der britischen Schlachtschiffe hat sich gegenüber der Durchschlagskraft deutscher Bomben schwersten Kalibers als unzureichend erwiesen, eine Tatsache, die für die Entwicklung der Seekriegführung und der Schiffsbauprogramme von kaum zu unterschätzender Bedeutung werden wird. Noch kurz vor dem Kriege hatte ein bekannter britischer Marinefachsrchiftsteller erklärt: „Es ist heutzutage möglich, vermöge der Reichweite der Abwehrwaffen die feindlichen Flieger in solcher Höhe zu halten, daß ihre Angriffe unschädlich werden, mit Ausnahme von Zufallstreffern. Versuchen sie, auf geringere Höhen herabzugehen, so ist ihre Vernichtung durch die Nahkampfabwehrwaffen eines modernen Kriegsschiffes eine vorher ausgemachte Tatsache. Es ist unbestrettbar richtig, daß die bri- ttsche Flottenflak über die Angriffskraft der Flieger Herr geworden ist und zur Zeit sogar ein Hoch- oder Tiefangriff gegen ein Schlachtschiff oder gegen einen Kreuzer mit mehr Gefahr für den Angreifer verbunden ist als für das Schiff." — Die deutsche Luftwaffe hat die Herren der britischen Admiralttät, die sich über den Angriffsgeist deutscher Flieger, ihre Treffsicherheit und die Durch- scylagskrast ihrer Bomben in einem so fundamentalen Irrtum befanden, sehr schnell eines besseren belehrt, und die Folgen dieser britischen Kurzsichtigkeit sind noch nicht abzusehen, denn es ist der Beweis geliefert, daß die Luftwaffe sehr wohl imstande ist, auch das Rückgrat der britischen See- Herrschaft, die Schlachtflotte, zu zerbrechen. Zweifellos wirb man versuchen, bei den noch im Bau befindlichen Schiffen die Deck-Panzerung zu verstärken, aber es ist anzunehmen, daß ein ähnlicher Wettlauf wie er zwischen Geschützkaliber und Panzerung bislang die Geschichte des Kriegsschiffsbaus beherrschte, nun zwischen Fliegerbombe und Panzerung beginnt, wobei beachtet werden muß, daß man selbstverständlich die Panzerung nicht beliebig verstärken kann, ohne nicht andere Kampfmittel des Schiffes empfindlich zu beeinträchtigen wie Schiffsartillerie und Geschwindigkeit. Bei dem 1935 vom Stapel gelaufenen französischen 26 500-Tonnen-Schlachtschisf „Dunkerque" beträgt der Anteil der Panzerung bereits 42 v. H. der gesamten Wasserverdrängung und bei dem 1939 vom Stapel gelaufenen britischen 35 000-Ton- nen-Schlachtschiff „King George V." beansprucht die Panzerung 14 000 Tonnen des Gesamtgewichts. Das sind Zahlen, die zu denken geben. Aus den Vereinigten Staaten kommt soeben die in diesem Zusammenhang besonders interessante Nachricht, daß das amerikanische Marineministerium auf Grund der Erfahrungen des deutsch-britischen Seekrieges vor der norwegischen Küste bereits gewisse Konstruktionsänderungen beim Bau der neuen amerikanischen Schlachtschiffe an geordnet habe, um Artillerie unb Besatzung besser als bisher gegen Fliegerbomben zu schützen. Man denkt an einen „schildkrötenartigen Panzer", ist sich aber ebenfalls klar darüber, daß diese Verstärkung des Panzerschutzes eine erhebliche Gewichtsänderung mit sich bringen, Morgendliches Wecken. Von Nalph Urban. Es gibt auch hinsichtlich des Schlafens gute und schlechte Menschen. Die guten erwachen in gehobener Selbstdisziplin freiwillig fünf Minuten vor der Zett, oder sie springen beim ersten Weckerschrei mit beiden Beinen zugleich aus dem Bett, machen auf der Stelle drei tiefe Kniebeugen und sind sofort freundlich. Da aber die Engelchen auf Gottes Erden recht spärlich gesät sind, befinden sich die mit Schlechtigkeit behafteten Menschlein in erdrückender Ueberzähl. Wobei in diesem besonderen Fall die weibliche Tugend noch mehr als sonst über den Dingen steht und glänzt. Vielleicht hat die weife Natur einen Ausgleich geschaffen, indem sie den Mann als Schläfer und die Frau als Wecker erschuf. Mit Ausnahme jener Märchen, in denen der Mann der Frau leise das Frühstück ans Bett stellt und auf Zehenspitzen aus dem Haus schleicht, um das gemeinschaftliche Stück Brot für den Mittagstisch zu verdienen. Ansonsten ist der Teufel bekanntlich männlichen Geschlechts. Das schwärzeste aller schwarzen Schafe ist natürlich schon wieder der Junggeselle. Freilich bestätigt auch hier die Ausnahme die Regel. Manchmal genügt ein ganz einfaches „Rrrraus!", daß er flink wie ein junger Aste aus dem Bett springt und noch mit geschlossenen Augen stramm steht. Dies aber nur, wenn* ihn' bei der Wehrmacht der Unteroffizier vom Dienst weckt. Im grauen zivilen All- taa ist es jedoch anders. Am Abend will der Junggeselle nicht schlafengehen, morgens will er nicht aufstehen. Davon wissen die an der Tür wundgeklopften Knöcheln der freundlichen Wirttnnen ein Klagelied zu singen. Aber danke dem Schicksal, Junggeselle, so du noch eine Wirttn hast, die in mütterlicher Fürsorge zu deinem Besten den täg. liehen Heldenkampf mit dir besteht! Bist du hin- aegen nur auf deine drei Weckeruhren angewiesen, die dich im Abstand von fünf Minuten deiner Pflickten gemahnen, dann bist bist du erschossen. Du schlägst haßerfüllt nach deinem technischen Gewissen und verkriechst dich in die Kissen. Du rollst dich zusammen wie ein Igel und willst nicht Die innere Wildsau läßt dich erst aus den Klauen, bis du regelrecht verschlafen hast. Zur Morgenstunde kann man es genau beobachten. Da jagt ein Mann dahin, der sich im schnellen Lauf erst den Kragen zuknöpft. Dort hüpft einer an der Haltestelle in verzehrender Ungeduld wie ein Gummiball auf und nieder. Und dort wieder rast mtt heraushängender Zunge ein Unglücklicher dem Autobus nach. Sie alle sind Junggesellen, die verschlafen haben. Es gibt natürlich nichts Beschämenderes, als zu spät an seinen Arbeitsplatz zu kommen. Gar manchem Junggesellen erging es schon ähnlich wie dem Herrn Kunz, der reueerfüllt eines Morgens auf feinem Bettrand faß, mit den Zähnen knirschte und sich vornahm, ab morgen ein anderer Mensch zu werden. Für heute aber war es bereits um eine Stunde zu spät. Also beschloß er, lieber blau zu machen, anstatt als traurige Figur erst um neun Uhr im Geschäft zu erscheinen. Mit nagendem Ge- wissenswurm und dem Kater in sich schleppte er sich also zum Fernsprecher und rief seinen Chef an. „Hier Kunz", meldete er sich, „ich habe leider hohes Fieber mtt Schüttelfrösten." „Das ist sehr bedauerlich", entgegnete der Gewaltige nicht unfreundlich, „was kann ich für Sie tun?" ,Zch bitte nur", flötete Kunz, „mich für heute freundlichst zu entschuldigen. Morgen bin ich bestimmt schon wieder arbeitsfähig." „Dann ist es aut", meiyte hierauf der Chef, „wir haben nämlich heute Sonntag." Was der Junggeselle in seinen Drang- und Wanderjahren an Schlaf versäumt hat, das ist er be- ftrebt, als Ehemann nachzuholen. Manchmal wird sogar ein Frühzubettgeher aus ihm, der aber trotzdem oder aus alter Gewohnheit am Morgen nicht heraus will. Und wenn er auch das erstemal bereits um drei Uhr, das zweitemal um vier und das drittemal um fünf munter geworden ist, so schläft er um sieben störrisch tief wie jenes Murmeltier mit dem Halsband. „Burschele", ruft das liebende Weib erstmalig, „es ist Zeit!" „Mmnimm—" entgegnet der Mann und wirft sich auf die andere Seite, daß die Sprungfedern quietschen. „Es ist fünf nach sieben!" ertönt bald darauf eindringlicher die (Stimme der Frau. „Laß mich schlafen — „Steh auf, es rft wirklich höchste Zettl" Im Bett knurrt es. Die Frau nähert sich dem Bett, rüttelt den Mann an der Schulter und springt dann vorsichtshalber zurück. Er grollt, faucht und spuckt. Die Frau wartet einige Sekunden, bis im Bett Ruhe ein getreten ift. Dann schleicht sie auf die andere Seite, kriegt die Decke zu fassen und zieht mit kräftigem Ruck. Der Mann, der unterbewußt beretts darauf gelauert hat, erwischt die Decke gerade noch und zieht dagegen während « jchreckliche Laute ausstößt. Bleibt nach hartem Ringen die Frau endlich Siegerin und richtet sich der Mann stöhnend auf, dann macht er das Gesicht eines Löwen, der irrtümlich eine Zitrone gegessen hat. Mit der Ueberzeugung, daß ihm bitter Unrecht geschehen ist, schleppt er sich ins Badezimmer. Und erst, wenn er den Kaffee riecht, wird er zugänglicher. Preißt die Frauen, ihr Ehemänner, da sie euer zweites und besseres Ich sind, das euch des morgens liebend weckt und auf die Beine stellt. Und wenn ihr schon am Morgen brummig und verschlafen seid, dann zeigt euch wenigstens erkenntlich, indem ihr sie nicht schon erstmalig um acht Uhr am Abend angähnt. Lieder und Dichtungen dreier Kriege. Die jüngste Morgenfeierunseres Stadttheaters brachte Lieder und Gedichte, die nach Geist und Gehalt in der Gegenwart besonders gut verstanden wurden und aus diesem Verständnis heraus auch einen tiefen Eindruck machten. Lieder und Gedichte aus der Zeit dreier Kriege gelangten zum Vortrag und wurden von den Beteiligten mit einer so starken inneren Anteilhaftigkeit wieder- gegeben, daß jeder Zuhörer das Außerordentliche in diesen Dichtungen lebhaft empfand und aus dem Geschehen der Gegenwart auch den Geist verstand, der Vorväter und Väter in den Jahren 1813 und 1914/18 erfüllte. Man hörte Worte und Gedichte von Ernst Moritz Arndt, von Theodor Körner und von Max von Schenkendorf, aus denen die Lohe der Freiheits- und Vaterlandsliebe schlug. Aus einem Hölderlinfchen Gedicht erfühlte man des Dichters heroische Auffassung vom Tode für das Vaterland. In die Zeit des Weltkrieges führten dann Gedichte von Rudolf Binding, Walter Flex, Heinrich Lersch und Mirko Jelusich, schließlich kamen auch Dichter der Gegenwart zu Wort, unter ihnen Hel- muth Klessel, der vielen Gießener Soldaten auch der Person nach nicht unbekannt ist. Von ihm hörte man zwei Gedichte und ein Lied, in denen unmittelbare Erlebnisse aus dem Polenkrieg in reiner und schöner Sprache ihren Niederschlag fanden. Um die Wiedergabe machten sich Siegfried Lowitz, Friedrich G r ö n d a h l und Hans Caninenberg verdient. Die Folge der Gedichte wurde durch Liedvorträge des Soldatenchores eines Infanterie-Bataillons unterbrochen. Das Auftreten des Chores gab der Morgenfeier die schlichte militärische Form und den sinngemäßen Rahmen. Die Leitung der Veran-- ftattung hatte Gerhard Reuter. H, L, Neuner, Blütenwunder im Frühling! Von Jakob Kneip. Ein ärmlich graues Dorngestrüpp, das nicht einmal für den Ofen nütze war, — so stand es den langen Winter über an steilen Hängen, an mageren Böschungen, um Steinbrüche, Abfallkaulen und alte Feldbrunnen; dem Hirten, dem Jäger oft genug hinderlich und lästig, dem Bauern ein verhaßter Eindringling, da wo es den Rand feiner Wiesen und Aecker überwucherte. Aber was für eine Wandlung, was für ein Wunder geschah: fast über Nacht erblüht, prangt all das schwarze Dorngestrüpp, das armseligste aller Feld- und Waldgebüsche, in weißer Frühlingspracht. Noch stehen alle anderen Sträucher, Büsche, Bäume ringsum in trauriger Winterarmut, da leuchtet der Heckendorn schon weithin ins Land, und von seiner abstoßenden Häßlichkeit ist nichts mehr geblieben. Der magere Steinhang wird unter ihm ein helles Paradies; die einsamen Feldwege, wo am Werktag die Pflüger, am Sonntag die jungen Burschen und Mädchen gehen, laufen nun weithin, von weißen Büschen umduftet und umleuchtet, durchs Land. Der zerrissene Steinbruch ist wunderbar von weißen Hecken umrahmt; ja selbst die häßliche Kieskaule steht von himmlischer Blütenfülle überdeckt. Und sieh: Der Zaunkönig, die Goldammer, die Amsel, die Meise und Grasmücke kommen zu Gast und treiben verliebtes Fangspiel im blühenden Oe- zweig. Schmetterlinge, angelockt von dem schönen Geleucht, taumeln dahin im warmen Mittagslicht. Am Heckensaum aber sind nun auch die Veilchen erblüht. In der Sonne glitzert ringsum das unscheinbare Gestein, und drinnen im Dunkel zieht über Wurzel und Kiesel die Schnecke wieder ihren glänzenden Pfad. Hinter den Hecken aber spielen nun die Dorfkinder Verstecken oder schlagen Purzelbäume auf der sonnigen Wiese am Hang. Und eben sehe ich die dunkeläugige Sophie Reusch zwischen den schneeweißen Hecken dahinschreiten. Schwebend war ihr Schritt. Ihr braunes Haar glänzte im Licht der sinkenden Sonne. Sie führte ein junges Rind am Halfter. Wie in Träumen ging sie und sang leise vor sich hin. Ueberraschend, wie ein plötzliches Wunder, schien sie mir erblüht! Mir war, als hätte ich sie nie schöner gesehen. Nun steht sie drüben an dem alten wildverwachsenen Feldbrunnen und tränkt ihr Rind, lieber die dunkle, von weißem Schlehdorn umrahmte Quelle steht sie geneigt ... Schaut sie träumend im Spiegel zwischen den blühenden Ranken ihr Bild? — Drüben im Birken- Mld« SM Dsrftnds Wägt chM fefc MMM aty Quer übers Oovre-Ijeld. Die deutschen Truppen in Norwegen haben un- mittelbar vor dem Schlußakt noch eine bravoureuse Leistung vollbracht: sie haben in einem kühnen Querstotz dasDovre-Fjeld überschritten, damit die Engländer bei Andalsnes nicht nur umgangen, sondern im Rücken gepackt und ihren sofortigen fluchtartigen Rückzug aus den vorgelagerten Stellungen erzwungen. Soweit es Worte vermögen, soll dieser Gewaltstreich klargemacht werden: Man erinnert sich, daß die englische Presse die beiden Orte D o m b a a s und Stören, am Anfang und am Ende der Bahn von Andalsnes nach Dront- heim, als Widerstandspunkte gegenüber dem deutschen Vormarsch geschildert und auf sie die lebhaftesten Hoffnungen gesetzt hat. Diese Hoffnungen waren unter Anlegung normaler militärischer Maßstäbe auch durchaus berechtigt. Die Engländer haben sich bei Dombaas und Stören nicht nur gegen einen Stirnangriff, sondern auch gegen Umgehungen gewissenhaft abgedeckt. Sie konnten sich dabei auf die Hilfe der ortskundigen Norwegek verlassen, die in dem unwegsamen Gelände gut Bescheid wissen. Da geschah aber etwas, was über die normale, verantwortungsbewußte Vorsorge, ja über jede Einbildungskraft der Engländer und Norweger völlig hinausging. Die deutschen Truppen kümmerten sich nicht um die englischen Tal-Riegel und um die Sicherungen zum Flankenschutz, sondern ü b e r st i e - gen in einem gewaltigen Anlauf das Dovre- F j e l d, das im Rücken von Dombaas und Stören in einer Ausdehnung von ungefähr 2500 bis 3000 Quadratkilometer liegt. Das Dovre-Fjeld ist ein Hochplateau in einer Höhe von durchschnittlich 810 bis 1100 Meter, und aus diesem Hochplateau erheben sich in schroffen, zerrissenen Steinformationen Einzelberge bis zu mehr als 2300 Meter. Wie abseitig entlegen und unwirtlich diese ganze Hochgebirgswelt des Dovre-Ffelds ist, geht aus einer einzigen Angabe hervor: es gibt auf der runö 3000 Quadratkilometer Fläche nicht mehr als vier Gebirgsherbergen. Sonst sagen sich dort die Füchse Gute Nacht. Man darf annehmen, daß die deutschen Truppen Höhen und Abgründe dieses Hochplateaus in einer Höhe bis zu 1350 Meter überschritten haben. Dann waren sie auf der anderen Seite, dann leuchtete ihnen aus den tief eingeschnittenen Fjorden das Meer entgegen. Es mag eine Stimmung gewesen sein, wie vor fast 2500 Jahren, als fast 10 000 griechische Soldaten sich aus innerpersischen Kämpfen in Sicherheit brachten und nach einem maßlos schweren Marsch über die inneren Gebirge Vorderasiens endlich das Meer winken sahen. Aber an solche geschichtliche Erinnerungen haben sicherlich die wenigsten deutschen Gebirgssoldaten gedacht. Diese geschichtlichen Erinnerungen kommen erst hinterdrein. Hinterdrein kann auch die sprachliche Erläuterung kommen, daß das Wort Fjeld (gesprochen (Fjäl) nichts anderes ist als das deutsche Wort „Feld", aber nicht ein wogendes Getreidefeld im Norwegischen bedeutet, sondern eine vegetationslose Hochfläche mit viel Steinen und wenig Zwergkiefern. Die Parole war: weiter und vorwärts! Engländer und Norweger hatten gerade noch Zeit, sich die Augen zu wischen: dann schifften sich die einen auf ihre Schiffe ein und die anderen streckten die Waffen. Dr. Ho. Mexiko lehnt Washingtons Vorschlag im Oelkonflikt ab. Washington, 5. Mai. (Euraoapreß.) Die mexikanische Regierung hat den Vorschlag der USA., den Oelkonflikt einem Schiedsgerichtshof zu unterbreiten, abgelehnt, da es sich um eine Angelegenheit innerpolitischer Natur handle, deren Lösung unmittelbar bevorstehe. Mit der Sinclair-Ge- sellschaft sei eine Einigung erzielt worden, ähnliche Regelungen mit den anderen amerikanischen Gesellschaften stünden bevor. Die mexikanische Regierung sei immer bereit gewesen, eine Entschädigung für den enteigneten Oelbesitz zu zahlen. Sie habe nur Wert darauf gelegt, daß die Gesamtentschädigung vorher festgelegt werden müsse. Daß die Festsetzung des Gesamtwertes nicht erfolgte, sei die Schuld der beteiligten Gesellschaften, die sich ständig geweigert hätten, in eine Abschätzung einzuwilligen. Kleine politische Nachrichten. Die von deutschen Gebirgstruppen umstellte Gebirgsfeste Hegra hat sich mit 15 Offizieren und 160 Mann ergeben. * Im Auftrage von Generalfeldmarschall Göring hat der Kommandant für die Luftwaffe in Norwegen die berühmten Wikinger Schiffe auf B y g d o e y besichtigt und die notwendigen Maßnahmen für ihren Schutz gegen Luftangriffe getroffen. * Im Sande-Fjord wurden die Handelsdampfer „Salomon Paul" (8000 BRT.) und „S a - lerno" (2500 BRT.) mit Erzladung beschlagnahmt. * Der Führer hat den Ministerialrat Dr. Hans Dellbrügge im Reichsministerium des Innern zum Regierungspräsidenten in Wien ernannt. Regierungspräsident Dellbrügge ist zum Reichskommissar für die besetzten norwegischen Gebiete abgeordnet. * Im Anschluß an den „Großen Preis von Brescia" folgte Reichsleiter Hühnlein einer Einladung des Präsidenten des Königlichen Automobil- Clubs von Italien (Raci), Graf Bonnacosfa, nach Mailand, um vor der dortigen Sektion des Raci die hervorragenden Filme des deutschen Kraftfahrsports, „Sieg der Arbeit", „Jungens, Männer und Motoren" und „Sieg auf der ganzen Linie" zur Vorführung bringen zu lassen. Oie Kriegsaufgaben des preffepolitischen Apparates. NSG. Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger sprach auf einer Gaupressetagung, zu der sich die Kreispresseamtsleiter und die Pressereferenten der Gliederungen, angeschlofsenen Verbände und betreuten Organisationen versammelt hatten, über das Kriegsaufgabengebiet des pressepolitischen Apparates. Er kennzeichnete dabei die Bedeutung der Presse als Führungsmittel der Partei in der ihr vom Führer gestellten Aufgabe, der Aufrechterhaltung der seelischen Geschlossenheit und Widerstandskraft des deutschen Volkes. Im besonderen behandelte der Gauleiter die Zeitungs- und Zeiffchriften- Betreuung der Front, die Gestaltung von Feldpostblättern der Dienststellen der Partei und Fragen des Pressenachwuchses. Gaupresseamtsleiter Ucker? Die britisch-französische Flottenkonzentration im Mtelmeer. Rom warnt: Offensive Ltnternehmungen stoßen auf entschlossene Gegenwirkung Italiens. Rom, 5. Mai. (Europapreß.) Nach einer Meldung des „Giornale d'Jtalia" sollen die bei Alexandria zusammengezogenen englisch-französischen Seestreitkräfte aus dem zweiten französischen Geschwader bestehen, das durch zwei englische Schlachtschiffe verstärkt worden sei. In Oran befänden sich zwei ftanzösische Schlacht- schiffe, die „Dunkerque" und die „Strasbourg" (beide je 26 000 Tonnen). Verteilt über das östliche Mittelmeer seien sieben englische leichte Kreuzer und vier englische Torpedojäger-Flottillen. Die Zahl der U-Boote sei unbekannt. Der größere Teil der kleineren Einheiten der französischen Ueberwasserflotte befinde sich ebenfalls im Mittelmeer. Zu dieser Nachricht schreibt der Herausgeber des halbamtlichen Blattes, Gayda, das italienische Volk verstehe noch nicht mit aller Deutlichkeit, welchem besonderen Zweck der solidarische Entschluß Englands und Frankreichs diene, ihre Kriegsflotte im Mittelmeer zu verstärken. Sicher sei, daß es vollständig ruhig bleibe. Es sei nicht dos erstemal, daß es eins offen gegen Italien gerichtete Zusammenziehung der englisch-französischen Flotten im Mittelmeer zur Erfüllung eines gemeinsamen politischen Planes erlebe, jedoch habe das italienische Volk sich niemals beeindrucken lassen und habe frei seine Politik weiter verfolgt, die auf den Schutz seiner berechtigten nationalen Interessen oder aus die Verteidigung seiner Auffassung von den höheren Interessen Europas gerichtet sei. Falls aber diese ungewöhnliche und mysteriöse Zusammenziehung englisch-französischer Seestreitkräfte im Mittelmeer, die allzu offensichtlich mit der schweren Niederlage der Westmächte an den Küsten Norwegens und in der Nordsee zusammensalle, irgendeinen Versuch offensiver Unternehmungen darstellen sollte, mit dem Ziele, eine neue Ablenkung zu schaffen, oder das politische und militärische Prestige der Westmächte wieder herzustellen, dann würde dieser Versuch auf die schnelle und entschlossene Gegenwirkung Italiens stoßen. Italien sei entschlossen, jeder Drohung, von welcher Seite sie auch komme, die Stirne zu bieten und sie zurückzuweisen. Auf das in der Presse der Westmächte immer wieder angeschnittene Thema der Verwundbarkeit Italiens gegenüber vom Meer kommenden Angriffen, veröffentlicht „Tevere" eine Karte Italiens, auf der der Schutzgürtel schematisch veranschaulicht wird, den die italienische Flotte, die italienische Luftwaffe und das italienische Heer um alle Grenzen herum gelegt haben. Unter der Ueber- schrift „Ist Italien verwundbar? Nein!" führt das Blatt folgende unwiderlegliche Gründe an: 1. Das Adriatische Meer, dessen Ausgänge von Italien beherrscht werden, ist völlig ab geriegelt 2. 121 italienische U-Boote halten von der Westküste Liguriens bis zum Eingang in die Adria Wache. Das Tyrrhenische Meer ist ein Binnenmeer, das vollkommen von den rund herum liegenden italienischen Stützpunkten aus durch die italienische Luftwaffe kontrolliert wird. 3. Im Ionijchen und Tyrrhenischen Meer, die durch die Meerenge von Messina miteinander in Verbindung stehen, befinden sich neben den U- Booten sechs Großkampfschiffe, 33 Kreuzer, 118 Zerstörer und 62 Torpedoboote der italienischen Kriegsmarine. 4. Die feindlichen Seestreitkräfte sind durch die Abriegelung des Mittelmeeres bei P a n t e l - leria in zwei Teile gespalten worden. 5. Eine vollkommene Küstenvertei- d i g u n g schützt die gesamte italienische Küste. 8 Millionen italienische Bajonette stehen auf italienischem Boden bereit. Italien ist also völlig unverwundbar! Und wenn einmal die Stunde schlägt, wird nicht eine einzige Granate englischer oder französischer Kriegsschiffe auf italienischen Boden fallen. Die „Gazzetta del Popolo" schreibt, es liege auf der Hand, daß namentlich in den Balkan- st a a t e n das Prestige der Westmächte nach dem katastrophalen Abschluß der Operationen in Norwegen erschüttert sein müsse. Man wisse jedoch nicht, ob es daher genüge, einen Teil der britischen Flotte aus dem Gebiet der Angriffe der deutschen Luftwaffe nach dem gastfreundlichen Mittelmeer zu verlegen. Jedenfalls werde Italien dadurch nicht im gering st en beängstigt. Wenn man jedoch für die Mißgeschicke in der Nordsee im Mittelmeer einen Ausgleich suche und eine feindliche Handlung gegen Italien unternehmen wolle, werde die prompte und energische Aktion Italiens nicht ausbleiben. Wachsende Beunruhigung aus dem Balkan. Sofia, 5. Mai. (DNB.) Nach einer Nachricht aus Saloniki sollen am Freitag und Samstag mehrere britische Kriegsschiffe an der Ostküste Griechenlands gesichtet worden jein. Weiter werden jugoslawische und griechische Verstärkungen an der bulgarischen Grenze gemeldet. Der Anwesenheit des englischen Botschafters in Ankara in Sofia wird weiterhin große Beachtung geschenkt. In politisch interessierten Kreisen wird die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß es sich hierbei um eine Vorfühlung im Zusammenhang mit einem etwaigen Durchmarschrecht englischer oder mit England verbündeter Truppen handeln könne. Starke TrUppen z u s a m m e n z i e h u n g e n der Türkei auf dem Balkan haben in der bulgarischen Hauptstadt eine große Erregung hervorgerufen, da man der Meinung ist, diese Maßnahmen seien angesichts der loyalen Haltung Bulgariens nicht gerechtfertigt. Diese Truppenkonzentrationen stünden offenbar in Verbindung mit der britischen Aktivität im östlichen Mittelmeer, man glaube, daß sie auf englische Aufforderung hin oorgenommen worden seien. Rumänische Sicherheitsmaßnahmen. Bukarest, 6. Mai. (DNB.) Jrn Hinblick auf die englische Aktivität in Rumänien, die in den letzten Tagen immer offensichtlicher geworden ist, hat die Hafenverwaltung von Konstanza zu verschärften Sicherheitsmaßnahmen gegriffen. Alle im Hafen liegenden Schiffe müssen durch Schilder anzeigen, welche Arbeiten zur Zeit auf dem Schiff ausgeführt werden. Purch eine strenge Personenkontrolle wird der Zutritt Unbefugter zu den Hafenanlagen verhindert. Der englische Konsul soll bereits gegen die rumänischen Sicherheits- maßnahmen protestiert haben, da im Hafen- gelänbe mehrere englische Staatsangehörige f e ft » genommen wurden, die keinen glaubhaften Grund für ihren Aufenthalt in Konstanza angeben konnten. Moskau durchschaut Englands Spiel im Men Osten. Moskau, 5. Mai. (DNB.) Die Kriegsausweitungspläne der Westmächte werden in Moskau mit Aufmerksamkeit verfolgt. Das Blatt der fowjet- russischen Kriegsmarine „K r a s n y Flöt" sagt, die Absichten der brittfchen Imperialisten im Nahen Osten liefen auf die Vorbereitung neuer Kriegsschauplätze im Süden und Süd osten Europas hinaus. Man sei sich in den britischen Militärkreisen klar darüber, daß sich die sttategische Lage im Nahen Osten in den letzten Jahren erheblich geändert habe, und zwar nicht zugunsten des britischen Imperiums. Die beiden „strategischen Achsen" des brittschen Imperiums — von Indien über Bagdad und Kairo nach Gibraltar und von Kapstadt nach Alexandria — seien von den italienischen Positionen in Libyen, im Zentrum des Mittelmeers und in Abessinien stark bedroht. Man spreche jetzt bereits von der Verteidigung der britischen. Positionen im Nahen Osten, von der Vorbereitung neuer Waffepplätze und nicht zuletzt vom Del. Um seine Positionen im Nahen Osten zu verstärken, wende England die verschiedensten Mittel an, angefangen vom wirtschaftlichen Druck bis zur Entfachung der nationalen Zwietracht im Nahen Osten. Auch die traditionelle bri» tische Gelds ackpolitik spiele dort eine große Rolle. Nicht ohne Absichten habe England vor allem der Türkei und dem Irak bedeutende Anleihen gewährt und Kredite eingeräumt. Aber die traditionelle Politik Englands im Nahen Osten, durch Aufstachelung der nationalen Gegensätze die einzelnen Länder ^u schwächen, verhindere jetzt die Zusammenfassung der nahöstlichen Länder zu einem Block unter dem Einfluß Englands. In dieser Lage bleibe dem brittschen Imperialismus nichts anderes übrig, als sein Intrigenspiel im Nahen Osten unter Benutzung der ihm verbliebenen Machtpositionen fortzusetzen. Das sei ein gefährliches Spiel, das auf die maximale Erweiterung des Krieges berechnet fei, was jedoch von ernsten Konsequenzen für feine Urijeber begleitet fein könne. SPANIEN ÄGYPTEN *L06ÄrEN TVtns 4^5" ft -T T (Zeichnung von Hemke — Scherl-M.) mann gab einen Ueberblick über die dem presse- politischen Apparat vom Reichspressechef übertragenen Arbeiten während des Krieges. Nach Sonderreferaten der Gauhauptstellenleiter im Gaupresse- amt, Leitz, Engemann und Moser und des Kreispresseamtsleiters Struth (Worms) über interne Arbeitsvorgänge, berichtete Kreispresseamtsleiter Schweikart über seinen Einsatz im Warth egau. Das idngemartfffabmm. NSG. Es ist das Ziel des Nationalsozialismus, aus allen Schichten und Berufen unseres Volkes den Begabtesten und Tüchtigsten den Weg zu verantwortlichen Stellen zu erschließen, wie es auch der Programmpunkt 20 der NSDAP, besagt: „Um jedem fähigen und fleißigen Deuffchen das Erreichen höherer Bildung und damit das Ein- rücken in führende Stellung zu ermö-glichen, hat der Staat zu einem gründlichen Ausbau unseres gesamten Volksbildungswesens Sorge getragen." Aus sozialen und wirtschaftlichen Gründen war in den Jahren des Niederganges bis 1933 zahlreichen Volksgenossen dieser Weg, den sie auf Grund ihrer Anlagen und Gaben sowie ihres Könnens verdient hätten, versperrt. Viele mußten einen ganz anderen Beruf ergreifen, als den, den sie erstrebten und für den sie geeignet gewesen wären, nur weil es ihnen am Geld mangelte. Das Langernarck- studium hat es sich zur Aufgabe gemacht aus allen Schichten und Ständen des gesamten Volkes den Tüchtigsten und Fähigsten den Weg zur Hochschule frei zu machen. Ausschlaggebend ist dabei nicht die Vermögenslage der Eltern, sondern einzig und allem die Haltung und die in ihrem Beruf bewiesene ^Das^Langemarckstudium ist die Vorstudienausbil- dunq begabter und tüchtiger junger Manner. Disziplin und Treue, Härte und Gehorsam, Sauberkeit und Wahrhafttgkeit, das sind die Tugenden, die von den Männer im Langemarckstudlum immer neu bewiesen werden müssen. Es gilt, alle diejenigen aufzufinden, denen eine hervorragende Begabung gegeben ist. Es geht deshalb der Ruf an alle Betriebsführer, Meister, kurz an alle Leiter von Arbeitsstätten, an die Führer der Partei und ihrer Formationen, der Wehrmacht, des Arbeitsdienstes und der Berufsorganisationen, in ihrem Kreis nach solchen jungen Leuten Ausschau zu halten und sie für das Langemarckstudlum vorzufchlagen. Es fei an dieser Stelle gleich darauf hmgewiesen, daß die jungen Leute durch das Langemarckstudlum dem Betrieb nicht entzogen werden, sondern nach Abschluß ihres Hochschulstudiums wieder in den Betrieb, aus dem sie hervorgegangen sind, zuruckkehren sollen, um dann einen ihrer Ausbildung entsprechenden Arbeitsplatz einzunehmen. Aber auch jeder, der glaubt, den Anforderungen eines Hochschulstudiums wirklich zu genügen, möge sich selbst vertrauensvoll an seinen Betriebsführer, an seinen Meister oder sonst seinen Vorgesetzten in seiner Arbeitsstätte oder seinen Berufsverband wenden. Sie alle sind durch die Organisationen der Wirtschaft und durch die deutsche Arbeitsfront genau unterrichtet, in welcher Weise die Vorscyläge einzureichen sind. Wer in den Formationen der Partei steht, wende sich an seinen HJ.-Führer. an seinen Sturmführer in der SA., ff, NSKK. und NSFK. Junge Soldaten sollen mit ihrem Kompanieführer, Männer vom Arbeitsdienst mit ihrem Abteilungsleiter Rücksprache nehmen. Schließlich stehen für alle Volksgenossen die Ortsgruppenleiter der NSDAP, zur Verfügung. Denn die Partei und alle diese Organisationen haben das Vorschlagsrecht für das Langemarckstudium der Reichsstudentenführung. Es ist klar, daß sich jeder ernschast prüfen muß, wenn er darum nachsuchen will, für das Langemarckstudium vorgeschlagen zu werden. Erste Voraussetzung ist eine überdurchs chnittliche Begabung für geistiges, wissenschaftliches .Arbeiten. Wir verlangen aber auch eine hervorragende charakterliche Haltung und eine politische und weltanschauliche Bewährung. Es kommt uns nicht darauf an, irgendwelche Einzelne zu fördern, ihnen Aufstiegsmöglichkeiten zu verschaffen, die sie vielleicht nur um materieller Vorteile willen anstreben. Auch körperliche Gesundheit und Leistungsfähigkeit ist nötig, um der großen Anforderung zu genügen, sich in IV2 Jahren soweit vorzubilden, daß ein Hochschulstudium mit Erfolg ausgenommen und durchgeführt werden kann. Zu den Einrichtungen der NSDAP, und des neuen Staates, die auf Auslese und Förderung der Begabten auf allen Gebieten bedacht sind, tritt als Beweis studentischer Sozialarbeit das Langemarck» studium. Es hilft mit, den bereits erwähnten Pro- grammpunft 20 der NSDAP, zu verwirklichen und tatsächlich jedem Fähigen und fleißigen Deuffchen den Weg zu verantwortungsvollen Plätzen frei zu machen. Für dieses Sozialwerk der Reichsftuden- tenführung konnte wahrlich kein schönerer Name gefunden werden als der Name „Langemarck", der längst im deutschen Volke ein Begriff geworden ist, denn bei Langemarck kämpften einst im großen Völkerringen in jenen deuffchen Fr eiwilligen-Regimentern Studenten und Jungarbeiter Schulter an Schulter. Nun trägt diesen verpflichtenden Namen Langemarck das Studium, das ganz auf nationalsozialistischen Grundsätzen aufgebaut ist und den hervorragend Begabten aus dem Heer der deutschen Schaffenden, also auch den Söhnen von Arbeitern der Faust, das Studium völlig kostenlos ermöglicht. Othmar Ehmann. Oie Lage des deutschen Films. Heber die Lage des Films gibt im „Völkischen Beobachter" Dr. Fritz Hippler, der Leiter der Filmabteilung im Reichsministerium für Volksauf- kläruna und Propaganda, einen Ueberblick. Trotz der besonderen Anforderungen kann festgestellt werden, daß der Krieg für das gesamte deutsche Filmwesen eine unerwartet große Aktivierung herbeigeführt hat. Seit Kriegsbeginn weisen die Lichtspieltheater eine Besucher st eigeruna um 14 v. H. und eine Umsatzsteigerung von 12 v. H. auf. Für 1940 dürfen wir mit einer Besucherzahl von 700 Millionen und einem Umsatz von 500 Millionen rechnen. Damit erreichen wir für sämtliche Filmhersteller, die vor wenigen Jahren z.T^ noch beträchtliche Verluste aufwiesen, eine Liquidität, die sich wiederum auf die weiteren Filmvorhaben befruchtend auswirken wird. Die Ateliers in Berlin, Wien, München und Prag arbeiten in rationellster Ausnutzung mit Hochtouren. Seit Kriegsbeginn waren bzw. find hier 63 deutsche Filme,in Arbeit. Was nun die Frage anbelangt, in welche Form sich der deutsche Film während des Krieges in der Stofftvahl „umgeftent" habe, so ist hierzu zu sagen, daß es nicht um eine grundsätzliche Aenderung der Thematik geht, sondern nach wie vor um eine Hebung der Qualität. Im Gegensatz zu den Feindländern weisen das laufende und das kommende Programm Stoffe auf, die als große künstlerische Würfe jenseits der Tagespolemik im höchsten Sinne des Wortes stehen: ein Film über Beethoven, ein Film in Farbe über Rubens, über Friedemann Bach, über Carl-Maria von Weber gehören beispielsweise hierzu. In dieselbe Kategorie fallen Filme, die sich mit Taten großer Deutscher befassen: „Diesel", „Borsig", „Anilin", „Gutenberg", dann ein Film über Woermann und einer über den Erfinder der Schiffsschraube. Einige historische Filme leiten dann zu den im engen Sinn „politischen Stoffen" über: ein Film aus der Zett der französischen Kontinentalsperre, ein Film über das Schicksal der zwölf Schillschen Offiziere, ein Film über das England zur Zeit Napoleons und Rothschilds und einer über Bismarck. Auch die Filme mit unmittelbarem Gegenwartsbe- zug gestalten große historische Schicksale mit künstlerischen Mitteln, aber vom Blickpunkt des deuffchen Freihettskampsesr ein Film über ,FHm Krüger", „Sir Roger (Tafemcnf* Mer Oberst Lawrence, einer über die Separatistenkämpfe und über die Besetzung des Ruhrgebietes, ferner einer über den Baralongfall, endlich erscheint noch eine Reihe großer Filme aus der unmittelbaren Gegenwart: ein Film über die Wolhyniendeutschen, ein U-Boot- Film, ein Film, der das Wunschkonzert zum Thema hat, mehrere Filme über die Kriegsmarine, ein Film über die Presse, einer über den Landdienst, ein weiterer über das deutsche Volkstum auf polnischem Boden, mehrere Filme, die in den Beginn des Kampfes der NSDAP, führen. Ihnen gesellen sich noch zahlreiche andere ausgezeichnete Filmstoffe zu, die — meistens schon drehbuchmäßig durchgeführt — ihrer Verwirklichung harren. Kein Ausschluß derLugend von Abendveranstaltungen. Die neue Polizeiverordnung zum Schutze der Jugend hat in der Praxis zu einigen Zweifeln geführt, die vor allem die Teilnahme Jugendlicher an Abendveranstaltungen betreffen. ^-Sturmbannführer Oberregierungsrat Paul Werner vom Reichskriminalpolizeiamt erklärt, in erster Linie richte sich die Verordnung gegen Erzieher, d i e ihre Pflicht vernachläffigen und gegen Unternehmer und Veranstalter, die aus Gewinnsucht der Verwahrlosung Vorschub leisten. Bei der Fernhaltung der Jugend von öffentlichen Straßen und Plätzen während der Dunkelheit ist nur das „Herumtreiben" verboten, dagegen treibt sich derjenige Jugendliche, der, sei es in später Abendstunde, von der Arbeitsstelle, vom Dienst usw. heimkehrt, insbesondere also auch aus dem Theater, nicht herum, wenn er ordnungsgemäß seines Weges geht und sich alsbald in seine Wohnung begibt. Es wäre deswegen auch falsch, Tanz- eignet. Alle übrigen Kinderkrankheiten seien ru ctn gängig, insbesondere auch die spinale Kin« Verlähmung. Gesundes Volk Aus Anlaß des einjährigen Bestehens der Reichs- gesundheitsführung gab Reichsgesundheitsführer Staatssekretär Conti bemerkenswerte Einblicke in die Gesundheitsverhältnisse des deutschen Volkes. Er wies darauf hin, daß in der Vergangenheit nicht nur ganze Kriege, sondern auch die Bevölkerungsfragen durch Seuchen entschieden worden sind. Dank unserer ärztlichen Wissenschaft sei diese Sorge heute gebannt Das neueste Beispiel sei die Verhinderung der Verbreitung des Flecktyphus im polnischen Feldzug, bei der Umsiedlung und durch polnische Arbeiter. Deutsche seien so gut wie überhaupt nicht befallen worden. Desgleichen würden wir der ägyptischen Augen- k r a n k h e i t Herr werden, die uns als Erbstück des napoleonischen Rückzuges aus Rußland von etwa 4000 Wolhyniendeutschen mitgebracht worden sei. Der Staatssekretär hob besonders hervor, daß Der Staatssekretär hob weiter hervor, daß dis Tuberkulosesterblichkeit, die noch vor zehn Jahren 18 und 20 auf 10 000 Einwohner betrug, bis 1932 auf 6,3 und seitdem weiter auf 5,3 zurückgegangen ist. In den französischen Großstädten ist sie doppelt so hoch wie in den deutschen. Die Geschlechtskrankheiten sind selbst in sonst gefährdeten Städten zurückgegangen und weisen sogar in den Kriegsmonaten keine Zunahme auf. lieber den Zustand der Arbeitsfähigkeit des deutschen Volkes erklärte der Staatssekretär^ daß unsere Krankheitsziffer von 3 v. H. für jeden Betrieb absolut normal sei. Von einer Steigerung der Kränklichkeit des arbeitenden Menschen könne keine Rede sein, obwohl viele Frauen und ältere Männer in den Arbeitsprozeß eingeschaltet wurden. Die Z u n a h m e der Herzschäden sei auf Auswirkungen von Zivilisationsschäden zurückzuführen, zu denen'der Staatssekretär den Mißbrauch von Schlaf - und Reizmitteln sowie von Genußmitteln und namentlich des Nikotins rechnet. Auf Zivilisationsschäden führt er auch die Zunahme der K r e b s f ä l l e zurück, die im übrigen hauptsächlich eine Folge der Ueberalterung sei. Zu ernster Beunruhigung bestehe kein Grund. Die Rückkehr zu einer natürlichen, einfachen und von allen Zusätzen freien Ernährung könne viele Schäden vermeiden. stunden, KdF.-Veranstaltungen usw. während der Abendstunden zu verbieten, weil der jugendliche Besucher — etwa auf dem Lande — nur während der Dunkelheit heimkehren kann. Das würde dem Geist der Verordnung zuwiderlaufen und die gesunde Fröhlichkeit hemmen. Mit der Zurückhaltung aus öffentlichen Lokalen will die Verordnung natürlich nur das Auftreten des Jugendlichen als Gast verbieten. Jugendliche, die aus a n - derenGründen in Gaststätten sind, z. B. Kellnerlehrlinge, Hilfskräfte ufw. dürfen, foweit es ihre Tättgkeit erfordert, in Gaststätten verweilen. Filmvorführungen dürfen durch Jugendliche unter 18 Jahren nach 21 Uhr auch dann nicht besucht Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter bet Hauptschriftleiters: Ernst Blumschetn. Verantwortlich für Politik, Feuilleton und Silber: Dr. Fr. W. Sange; für Stadt Gießen, Provinz' und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Druck und Verlag: Brühlsche Universitütsdruckerei R. Lange K. G. Verlagsleiter: Dr.-Jng. Erich Hamann; Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Pl.Nr^. wir diesmal von den jahrtausende alten Soldatenseuchen Typhus und Ruhr erstmalig verschont geblieben sind. Wenn die gemeldeten Krankheitsfälle über denen der Vorjahre lägen, so sei das allein auf die verschärfte Meldepflicht auch leichter Fälle zurückzuführen. Dr Conti gab zu, daß uns die Kinderkrankheiten zu schaffen machen, insbesondere Diphtherie und Scharlach. Die Diphtherie habe in ihrer Geschichte immer große Wellen gehabt, die periodisch wiederkehrten, zuletzt von 1915 bis 1917 und nun wieder in den letzten Jahren. Seit 1939 sei sie aber im Ansteigen. Der Unterschied gegen früher sei, daß die Gipfel heute viel niedriger liegen. Mit der aktiven Schutzimpfung hätten wir heute ein ausgezeichnetes Abwehrmittel. Diese Impfung sei absolut unschädlich, bei Hunderttausen- den von Impfungen habe sich kein Zwischenfall erwerben, wenn der Film an sich jugendfrei ist. Sie [ eignet. Alle übrigen Kinderkrankheiten seien rü cf n sollen solche Filme vor 21 Uhr besuchen. Ver-...... ...... boten ist damit faktisch der Besuch der in der Regel nach 19 Uhr beginnenden Abendvorstel- lungen. Für Varietes und Kabaretts gilt das gleiche. In Begleitung des Erziehungsberechtigten oder des Gleichgestellten ist der Besuch aller Veranstaltungen dieser Art unbeschränkt erlaubt. Zum Verbot des öffentlichen Rauchens der Jugendlichen bemerkt der Referent, es werde erwartet, daß die Eltern verantwortungsbewußt bemüht sind, das Rauchverbot gewissermaßen auf das Elternhaus auszudehnen. Das gleiche gilt für Be- triebstühver bei Jugendlichen. Mehrere Mehrere M M . f . toiwhrMp vroue Maare verschwinden II Ul Ü110UII1UBDÜ n durch Apotheker Walter Ulbrichts Haarfarbe-Wiederhersteller sowie ein guter H Jie-Gran“. - In wenigen Tagen Naturfarbe zurück! Ein- Frau Maria Bayer, geb. Derzbadi Gießen (Bahnhofstraße 60), Seligenstadt, Aschaffenburg, den 6. Mai 1940. Die Beerdigung findet in aller Stille statt. BGLORlti Beiprogramm und neueste Ufa-Ton-Woche |stellenangebote| sjiigw” r|FWi|WiH Angenehme Be- Spannungen! 2253 A Meli eimat arbeitet unö opfert! Ufa-Kultur-Film / Neueste Ufa-Ton-Woche Täglich 4, 6 und 8.30 Uhr. Sonntag, 3, 530 und 830 Uhr Bente Montag Erstaufführung UHRMACHER »JUWELIER CIEUEN-NEUENWEG fr Gen.-Bescheid C. 40/4123. Am Samstag, um 9 Uhr, entschlief im Herrn nach langem, schwerem, mit größter Geduld ertragenem Leiden, jedoch unerwartet schnell, im Alter von 26 Jahren meine liebe Frau, unsere liebe Tochter und Schwester per sofort gesucht Zuni Augustiner Ludwigsplatz. Vornehml Geschmackvoll! PersönlichI Diese wesentlichen Eigenschaften der guten Familien - Drucksache bietet Ihnen In zahlreichen neuzeitlichen Ausführungsarten und Papieren zu mäßigen Preisen Brühl'sche Druckerei, Sckulstr. 7, Ruf 2251 unter 2256V an den Gieß. Ans. Für die Hinterbliebenen: Dr. Johannes Bayer, Studienassessor Familie Wilhelm Derzbach. Ein heiterer, mit sehr viel Menschenkenntnis gestalteter Ufa-Film über die Abenteuer eines allzu eingebildeten Zeitgenossen und seine Wandlung zur Vernunft und Selbsterkenntnis Spielleitung: K. G. Külb — - — In wenigen Tagen Naturfarbe zurück! Einfache Anwendung 1 Kein Färbemittel! - Vollkommen unschädlich. Erstklassige Gutachten n.Sachverständigen-Urteiie 11 Ori».- Flasche, Monate ausreichend, RM. 3.50. Alleinverkauf: 2256v Germania-Drog. C. Seibel, Gießen, Frankfurter Straße 39, Telephon 3593 Bekanntmachungen. Die Durchführung der Brolkartenpfttchl für Kuchen. Im Hinblick auf die am Montag, dem 6. Mai in Kraft tretende Brotkartenpflicht für Kuchen wird darauf hingewiesen, daß die Einzelheiten der Durch- fuhrung durch Aushänge in den Kuchenoerkaufsstellen bekanntgegeben werden. Die Verbraucher- schaft wird aus diesen Aushängen insbesondere ersehen, wieviel Brotkartenabschnitte für die verschiedenen Kuchenarten abgegeben werden müssen. Die Regelung ist entsprechend den unterschiedlichen Mehlantellen bei den verschiedenen Kuchensorten erfolgt. Kuchen und Dauerbackwaren dürfen auf alle Brotkartenabschnitte bezogen werden, nicht nur auf die Abschnitte der Brotkarte B. 2267D Futtermittel für Pferde. Zum 1. Mai 1940 wird der Abschnitt Nr. 6 des Futtermittelscheines für Pferde aufgerufen. Es kommt zur Verteilung: je Pferd bis zu 210 kg Pferdefutter. Diese Menge ist zur Versorgung der Pferde im Monat Mai bestimmt. 2268V rtetterie für natioimlfojiaiiltifthe TfoUtsurohlfahrt ZurBlutreiniM Blutauffrischung, trinken Sie den naturgemäßen, vollst, unschädl. .Wohldorfer Naturheil* Blutr.-Kräu- tertee u.Blutsaft, Probep. ab 0.65 Kräuterhaus Jung, Gießen in der Mäusburg 2260d das Fachgeschäft für alle Kneipp-Kurmittel Heute Montag Erstaufführung Lichtspielhaus Keine Ursprungszeugnisse, sondern nur Zeugnis, abschriften dem B^ Werbungsschreiben bei- legen! — Llchtbllder undBewerbungsunteo lagen müssen zur Vermeidung von Verlusten auf der Rückseite Na- men und Anschrift des Bewerbers tragen! . gesucht. Angenehme Beschäftigung. Schriftl. Angeb. PQLAST Giessen <8alet HeöenoeröieS für leichte Verkaufstätigkeit in den Abendstunden und an Sonnragen. Geeignete Personen gesucht für Gießen. Schr. 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Puschkin mit Hilde Krahl, Siegfried Breuer Hans Holt, Ruth Hellberg, Margit Sy mo Spielleitung Gustav Ucicky Ein filmisches Kunstwerk, mitreißend durch die Größe seiner genialen Gestaltung, faszinierend durch seine schauspielerischen Leistungen, erschütternd in der Wucht seiner dramatischen WehrwissensMl. Vorträge der Universität Gießen. Berichtigung. 2262d Das Thema des Vortrages von Prof. Dr. Frhr. v. Gall am Dienstag, dem 21. Mai, hat sich geändert. Es lautet jetzt: Behandlung d. Kriegsgefangenen durch Franzosen und Engländer in d. Indianerkämpfen d. 18. Jahrhnnd. Zwangsversteigerung. Dienstag, den 7. Mai, nachmitt. 2 Uhr, sollen im Verkaufslokal Hartmeh, Neuenweg 28, bzw. an und Stelle (Bekanntgabe in ob.Lokal) zwangSweisegegensof. Barzahlung versteigert werden: Haus-, Laden- und Büromöbel aller Art, 2 Nähmaschinen, eine Schneidernähmaschine, Füllfederhalter, I Standard-Motorrad, eine Leica,, 1 Pelzkragen u. 1 Flügel. Bestimmt wird versteigert: Eine elektrische Küchenuhr. 2265d Scharmann, Gerichtsvollz. in Gießen, Wiesenstr. 2, Tel 3108 Eissdirank zu kauf, gesucht. Schriftl. Angeb. unt. 01699 a. den Gieß. Anz. erbet. Kleine Wellblech- Garage zu kauf, gesucht. Schr. Ang. unter 01694 and.G.A. Alt-Gold und Silber kauft [2032A Unabhängige Krau mittleren Alters, ucht für baldigst Stelle f. Büfett. Schriftl. Angeb. unter 01695 an den Gieß. Anz. [ Kaufgesuche | Gewerbliches und Ausbaumöglichkeit, zu bald oder später gesucht. Schriftl. Angeb. u. 01700 an 0. Gieß. Anz. Liegestuhl zu kauf, gesucht. Schr.Angeb.unt. 0169Aa.d.G.A. Zimmers maddien Haus; u. Küdien: maddien sofort gesucht. Hold Prinz Carl Hausgehilfin oder auch Haustochter oder auch Halbtags-bsro. Dreiviertel- tagsmä dchen oder -Frau gesucht. Wo?sagtd.Gieß. Anzeiger. [22e0D [Stellengesuche] Jong. Kaofmann Führerschein Kl. 3, sucht für nachmittags od. abends Nebenbeschäftigung,^, welcher Art. Schr.Angeb.unt. 01697 and.G.A. Funger Mount Klasse III sucht Stellung. I Schr. Ang. unter 01698 a. d. G. A. Gewissen!]. Krall liirBochhallnog welche möglichst Steno und Schreibmaschine beherrscht, z.bald oder später für gutes Haus ge- sucht.Schriftliche Angeb. u. 01701 an den Gießener Anzeiger erbet. Tüchtige Am 30. April, nachts 1.50 Uhr, entschlief nach schwerem Leiden meine innigstgeliebte Frau, unsere herzensgute, treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester und Tante Frau Marie Gorges, geb. Baer im vollendeten 55. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen: Gustav Gorges 6 Kinder und 4 Enkelkinder. Gießen, Plauen, Berlin, Essen, Hösel, Halberstadt, 6. Mai 1940. Die Trauerfeier fand in der Stille statt. Für die Beweise herzlicher Teilnahme, sowie für die vielen Kranz- und Blumenspenden beim Heimgang unserer lieben Entschlafenen danken wir im Namen aller Hinterbliebenen. 2269 D 2264 D Ur. 104 Zweites Statt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Montag, ü. Mai (940 Aus der Giadt Gießen. Der Schuh der Fenster. Im Auftrag des Reichsluftfahrtmimfters und Oberbefehlshabers der Luftwaffe wird von Amtsträgern des Reichsluftschutzbundes ein Merkblatt über den Schutz der Fensterscheiben bei Luftangriffen an die Bevölkerung verteilt werden. Das Merkblatt weist darauf hin, daß in der Umgebung des Einschlages von Fliegerbomben Fensterscheiben auch cnrf größere Entfernung hin häufig zerstört werden. Ein unbedingt sicheres Schutzmittel gibt es hiergegen nicht. Jedoch kann das Oeffnen der Fenster und das Schließen der Roll- oder Klappläden oder der Jalousien eine Zerstörung der Fensterscheiben bei Luftangriffen in vielen Fällen verhindern. Wegen der großen Bedeutung der Fensterscheiben für die Erhaltung gesunder und gebrauchsfähiger Wohn- und Arbeitsräume muß jedem Volksgenof- fen dringend geraten werden, wenn einmal Luftangriffe kommen, die geeigneten Schutzmaßnahmen für feine Fensterscheiben wenigstens in den unentbehrlichsten Räumen durchzuführen. Sofern es die örtlichen Verhältnisse und die Witterung gestatten, sollen möglichst viele Fenster ständig offenbleiben, bei Doppelfenstern wenigstens die inneren Fenster. Außerdem sollte man an möglichst vielen Fenstern die Roll- und Klappläden oder Jalousien dauernd geschlossen halten. Diese Maßnahmen vereint bieten den besten Schutz. Wo der Weg zum Luftschutzraum so kurz ist, daß bei Fliegeralarm die Zeit zum Oeffnen der Fenster und zum Schließen der Läden noch vorhanden ist, kann dies noch bei Fliegeralarm mit der gebotenen Beschleunigung erfolgen. Das Bekleben Der Fensterscheiben mit Streifen aus Papier usw. schützt die Scheiben nicht vor dem Zerspringen. Es empfiehlt sich weiter, in gewissem Umfange Ersatzscheiben oder wenigstens Holz- oder Papptafeln für einen behelfsmäßigen Ersatz zerstörter Scheiben bereitzuhalten. Oie ersten Nachrichten-Scheine für HI.-Angehörige. Die HJ.-Nachrichten-Gefolgschaft ist seit längerer Zeit dem SA.-Nachrichten-Sturm 116 zur technischen Ausbildung zugeteilt. Mit großem Eifer gingen die Jungmänner an ihre Aufgabe heran, und sie unterzogen sich vor einiger Zeit der Prüfung zum Erwerb des Nachrichtenscheines. Standartenführer Lutter konnte nun am gestrigen Sonntag folgenden Jungmännern der HJ.- Nachrichten-Gefolgschaft 116, die vor der Volkshalle angetreten waren, den erworbenen Nachrichtenschein überreichen. Gefolgschaftsführer Willi Pfeiffer, Kameradschaftsführer Günther S u n d h e i m, Hauptscharführer Werner Schulz, Scharführer Hans Gg. Schmidt, Junggenossen Theo Schellhase, Erwin Sier, Erwin Weinandt und Hermann Lang, Standartenführer Lutter betonte in seiner Ansprache an die Jungmänner, es sei das erstemal, daß er Angehörigen der HI. den Nachrichtenschein überreichen könne. Er wies daraufhin, daß die heutige Jugend stolz darauf sein könne, in diese Zeit hineingeboren zu sein und den Aufstieg Groß- Deutschlands miterleben zu können. Wenn die Jungen auch infolge ihrer Jugend nicht aktiv an der Front mithelfen könnten, so hätten sie doch durch den Erwerb des Nachrichtenscheines, der eine schwere Prüfung voraussetze, gezeigt, daß sie die Worte des Führers verstanden hätten, eine Jugend heranzubilden, wie sie der Führer verlange, eine Jugend, die das Werk des Führers fortsetze. Mit dem Gelöbnis, den hehren Taten unserer Wehrmacht nachzueifern in unerschütterlicher Treue zum Führer, schloß die Feierstunde. Tageskalender für Montag. Volkstümliche Vorträge und Vorlesungen der Ludwigs-Universität Gießen: 20.15 Uhr Vortrag Professor Rauch über „Deutsche Dome" I. mit Lichtbildern, im Kunstwissenschaftlichen Institut, Ludwig- straße 34. — Stadttheater: 20 bis 22.45 Uhr „Die Primanerin". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Der Postmeister". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Der Stammbaum des Dr. Pistorius". _____ Die Bezirkssparkaffe Gießen im Jahre 1939. Vor einigen Tagen hielt die Bezirksspar- kasse Gießen ihre ordentliche Mitgliederversammlung für das Geschäftsjahr 1 9 3 9 ab. Die rege Teilnahme der Vertreter der Mitgliedsgemeinden zeigte wiederum das nach wie vor große Interesse an dem Gedeihen des von ihren Gemeinden garantierten grüßten heimischen Geldinstituts. Die Aufsichtsbehörde war durch den Landrat Dr. Lotz vertreten. öireffor Or. Hopfenmüller gab der Versammlung den Geschäftsbericht und die Bilanz und Gewinn- und Derlustrechnung für 1939 bekannt. Nach einleitenden Worten, in denen er darauf hinwies, daß trotz Ausbruch des Krieges die Entwicklung der Sparkasse auf Grund der gesunden wirtschaftlichen Verhältnisse des Geschäftsbezirks und der engen Verbundenheit der Sparkasse mit allen Schichten der Bevölkerung erfreulicherweise weitergegangen ist, ging er ausführlich auf die Entwicklung der einzelnen Geschäftssparten ein. Insgesamt erhöhten sich die Einlagen der Sparkasse gegenüber dem Vorjahr von 28 832 039,56 RM. auf 32 067 768,78 RM., was eine Zunahme von 3 235 729,22 RM., oder 11,2 v. H. des Vorjahresbestandes bedeutet. Die Bilanzsumme der Sparkasse stieg von 30 285 040,26 RM. auf 33 614 903,58 RM. Maßgeblich ist diese Steigerung der Bilanzsumme durch die Entwicklung der Spareinlagen beeinflußt worden, die sich um insgesamt 1 933 101,35 RM. erhöhten. Dieser Zugang setzt sich zusammen aus einem Einzahlungsüberschuß von 1 112 433,88 RM. und einer Zinsgutschrift von 820 667,47 RM. Der Einlagenüberschuß verteilte sich fast auf alle Monate des Geschäftsjahres. Lediglich in den Monaten Juli, August, September war ein im Hinblick auf den Gesamteinlagenbestand geringfügiger Rückgang zu verzeichnen, der jedoch nicht, wie allgemein angenommen, auf starke Abhebungen, sondern nur auf einen durch die Zeitumstände bedingten Einzahlungsrückgang zurückzuführen war. Insgesamt unterhielt die Sparkasse am Ende des Geschäftsjahres 50 882 Sparkonten, von denen etwa 20 300 Stück lediglich einen Bestand bis zu 20 RM. aufweisen, was daraufhin deutet, daß die Sparkasse — ihrer Aufgabe entsprechend — bestrebt ist, auch die Spartätigkeit der kleinsten Sparer zu fördern. Das Kleinsparwesen wurde wie seither mit der gleichen, Sorgfalt gepflegt und erstmals vor dem abgelaufenen Geschäftsjahr das Gefolgschaftssparen in größerem Umfange eingeführt. Das Gefolgschaftssparen soll das einzelne Gefolgschaftsmitglied in die Lage versetzen, regelmäßig an Zahltagen einen bestimmten Teil seines Arbeitseinkommens im Betrieb durch Lohn- bzw. Gehaltsabzug zu sparen, ohne deswegen jeweils selbst zur Sparkasse gehen zu müssen. Die Ergebnisse des Reisesparens der NS.- Gemeinschaft „Kraft durch Freude" liegen nur geringfügig unter denen des Vorjahres. Neben dem Spargeschäft zeigte der «Spargiro» und Kontokorrentverkehr eine starke Ausweitung. Die Giroeinlagen erhöhten sich um rund 1,3 Millionen RM. auf 4 793 783,39 RM. Auch die Debitoren erfuhren eine Erhöhung, so daß zum Ende des Berichtsjahres 788 355,96 RM. ausgemiefen werden konnten. Entsprechend der Erhöhung der Einlagen erhöhten sich auch die Umsätze und die Postenzahlen; so hat sich der Umsatz im Konto-Korrentverkehr um 15 v. H. auf rund 92 Millionen RM., der Umsatz im Bankverkehr um 35 vorn Hundert, auf rund 126 Millionen RM. erhöht. Nachdem sich im abgelaufenen Jahr die Konten- zahl um 349 Stück erhöht hat, verwaltet die Sparkasse nunmehr 4063 Kontokorrentkonten. Trotz einschränkender Bestimmungen war die Ausleihtcktigkeit im Hypothekendarlehen- und sonstigen Darlehensgeschäft recht rege. Es wurden im Berichtsjahr 1 423 668,81 RM. Neuausleihungen getätigt, von denen der größte Teil der Gelder zu Wohnungsneubauten verwandt wurde, während ungefähr 20 v. H. zur Ablösung zinsteurer Darlehen dienten. Recht erfreulich hat sich die Einführung der Tilgungsvereinbarungen bei Hypothekendarlehen im Interesse der Schuldner und auch der Sparkasse im Geschäftsjahr 1939 ausgewirkt. Der Bestand an Darlehen gegen sonstige satzungsmäßige Sicherheiten hat sich gegenüber dem Vorjahr geringfügig erhöht. Trotz Ausbruch des Krieges kann die bemerkenswerte Feststellung gemacht werden, daß die Zinsrückstände gegenüber dem Vorjahre weiter zurückgegangen sind. Die Ausweitung der Passivseite der Bilanz zeigte sich auch auf dem Wertpapierkonto, duf dem ein um etwa 930 000 RM. erhöhter Bestand ausgewiesen wird. Die Umsätze im Effektengeschäft sind zwar rückläufig gewesen, jedoch sind sie noch als verhältnismäßig rege zu verzeichnen, während im Wechseldiskontgeschäft gegenüber dem Vorjahre etwas erhöhte Zahlen ausgewiesen werden konnten. Nach wie vor ist die Zahlungsbereitschaft der Sparkasse gegeben, und die Bestände an flüssigen Kaninchen kommt zu Ehren. Angora-Häsin mit ihrem Nachwuchs auf der Wiese. - (Aufn.: Neuner, G. A.) zuvor! Aber die Kaninchenhaltung hat auch eine freundliche Seite. Wie schon die Namen der Tiere klingen: Klein- und Groß-Chinchilla. Blaue und Weiße Wiener, Angora, Deutsche Widder, Groß- Silber, Hermelin, Schwarze Alaska, Rex usw. Es Die Aelteren unter uns wissen noch sehr gut, daß während des Weltkriegs das Kaninchen zu hohen Ehren kam. In vielen Gärten, Höfen und in Scheunen wurden damals die Ställe aufgestellt, die sich mit den „Stallhasen" rasch bevölkerten und zu gegebener Zeit manchen guten Braten lieferten. Jetzt ist das genau wieder so! Die Kaninchenzuchtvereine, die bisher ein Leben in der Stille führten und nur hin und wieder in Ausstellungen zeigten, was von den Züchtern geleistet wird, rücken jetzt mehr und mehr in den Vordergrund der Oeffentlichkeit. Viele Volksgenossen, die sich auch jetzt wieder mit dem Gedanken tragen, Kaninchen zu halten, haben viele Fragen auf dem Herzen. Da erkundigt man sich bei den Mitgliedern der Kaninchenzuchtvereine nach den Wirtschafts- raffen, nach Stallbauplänen, nach Zuschüssen für den Stallbau, nach der zweckmäßigsten und billigsten Fütterung und manche fragen gar nach den Möglichkeiten einer Zucht. Und gerne geben die passionierten Kaninchenzüchter Auskunft, denn es liegt ihnen sehr an ihrer Sache und sie sind erfreut darüber, daß ihre bisher stille Arbeit plötzlich so wichtig geworden ist. lieber die wirtschaftliche Seite der Kaninchenzucht und Kaninchenhaltung braucht hier kaum gesprochen zu werden: das Fell, das Fleisch, die günstige Verwertung von Abfällen aus Küche, Garten und Haus — das alles ist heute wichtiger als je §ibt viele Arten Kaninchen; manche werden aus iebhaberei gehalten und gezüchtet, aber die Liebhaberei als solche wird nicht mehr so groß geschrieben wie früher. Wirtschaftsrassen sind heute Trumpf! Es gibt nichts hübscheres, als ein sauber gehaltenes schneeweißes Angora-Kaninchen! Makellos ist bei guter Pflege das Weiß der seidigen Wolle des edlen Tieres. Eigenartig und warm leuchten die roten Augen. Wie anders wieder das Kaninchen „Deutsche Widder"! Wie gedrungen und kraftvoll ist der Leid, wie kraftvoll und sympathisch das Braun und Grau des Felles mit dem reichen Unterhaar! Wer dächte nicht angesichts eines solchen Tieres an Albrecht Dürers bekannten farbigen Stich, der in vielen deutschen Häusern in einfachem Rahmen die Wand schmückt!? Es muß schon etwas sein an einer Kreatur, wenn sich ein bedeutender Künstler mit solcher Liebe und Sorgfalt, wie es Dürer tat, darum bemüht. Und für die Kinder sind Kaninchen immer ein besonderes Vergnügen. Für die älteren unter ihnen, für die 8-, 10- und 14jährigen bedeuten sie aber nicht nur ein Vergnügen, sondern auch eine Pflicht. Da muß dafür gesorgt werden, daß die Tiere Futter haben, da gilt es, den Stall sauber zu halten, da müssen die Tiere in den Ställen vor Nässe, vor Kälte oder aber vor allzu starker Sonne behütet werden. Unter Freunden wurde schon manches Kaninchen zum wertvollen Tauschobjekt. Um Kaninchen ranken sich kleine Geschichten, alltägliche Begebenheiten und Erinnerungen, die von der Jugend bis in das Alter bewahrt werden. Wenn die Kaninchen an schönen Tagen gar auf den Grasplatz am Haus genommen werden dürfen, Dann ist es nett, mit anzusehen, wie Kinder und Häschen durcheinanderhüpfen, wie von den Kindern Futter für die Tiere gerupft wird, obwohl das gar nicht nötig wäre, und wie schließlich mehr ooer weniger zaghaft das weiche Fell gestreichelt wird. Nur darf Dabei Die FreunDfchaft nicht allzu innig roerDen. Sehr rasch kommen Die Kleinen dahinter, Daß es z. B. nicht ganz einfach ist, ein Kaninchen befonDers liebevoll "auf Den Arm zu nehmen. Die Tiere scheinen Dies auch gar nicht sonderlich gerne zu haben, sie machen von ihren scharfen Krallen Gebrauch und schmerzhafte Kratzer auf der Hand Des Kindes sind Die Folge. Kaninchen werden nun also wieder in größerem Maße Mitglieder Der Haus- und Gartengemeinschaft. In der Nützlichkeit für den Menschen erfüllt sich, aus unserer "Perspektive betrachtet, ihre Existenz. Durch gute Behandlung sollten sie belohnt werden. Kaninchen bedeuten auch jetzt wieder einen wichtigen Bruchteil in Der Summe aller Dinge, die unsere Volksgemeinschaft über eine schwere Gegenwart hinweghelfen sollen. N. Mich du ki schaffen, Lmu? Roman von Martina ikckort-yelm 20. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) Nie war der Saal so voll wie zur diesjährigen Kirmes! Die Autobahner sind dabei, der Kippmeister, Der Schachtmeister, Die Vorarbeiter und Die Landvermesser. Keiner hat den weiten Weg gescheut! Ja, und die Gräfekinder sind natürlich auch mitten drunter. Auch der Hermann. , „Na, prosit, Gräfe-Christoph! Sei Großer läßt ja o nischt abbrennen!" lieber Gräfes Gesicht fliegt roter Zorn: der Große, der Hermann, der ist wohl ganz und gar aus dem Häuschen? Steht da an Der Theke und hält den halben Saal frei! Halber Saal ist natürlich übertrieben. Aber daß Hermann ausfällt, beweist, daß Lena Christoph Gräfe jetzt an Den Familientisch hinüberholt. Don Dort kann man Die Theke nicht sehen. „Willst Du dich nicht auch mal zu uns setzen, Christoph?" Gräfe geht brummend mit. Wozu der Tlsch- wechsel, denkt er. Meine Sorgen schleppe-ich doch Überall mit herum? Er sitzt mit Lena allein. Die anderen tanzen. Rudolf mit Jutta. Gottfried Bon- Hoff mit Erni. Schon wieder mit Erni! Warum auch nicht. Ist Erni nicht viel beschwingter als Lena? Sie ist jung, ist voller Leben. Lena kommt sich alt vor, wenn sie den Tanzenden zusieht. Von der Theke her bringt Lärm. Man sieht zwar nichts, aber man hört Hermanns Stimme. Und daneben die vom Belzig-Karl. Christpoh Gräfe fährt hoch. „Was? Mit dem laßt er sich ein?" , Lena muß schon wieder beruhigen. „Ach, laß doch. Es ist ja Kirmes heute! Da findet sich das ganze Dorf zusammen." In den Tanzpausen ist um Den Gräfetisch eine laute Aufgeräumtheit. Das junge Volk ist lustig. Juttas Humor nötigt selbst Dem finsteren Schwiegervater ein Lächeln ab. Aber wenn Die Musik von neuem losschmettert. Dann ist Die TafelrunDe roieDer Lena tanzt jetzt auch. FreD SchneiDer hat sie auf» gefordert Er spielt Drüben am Tisch Der Autobahn- leute Den großen Mann- „FreD, hast Du Das Große Los gewonnen?" fragt Lena Den JugenDfreunD, unD ihre Stimme klingt seltsam trocken. WieDer beschäftigt sie jener Verbucht bes alten Gräfe. „Hach, großes Los!" Schneiber lacht laut. „Was braucht unsereiner bas Große Los. Wer was in feinem Fach versteht, bem steht bie Welt auch so offen!" Er würbe gern noch ein bißchen mehr prahlen, ber Herr Schneiber, aber ba bricht sich jemanb mitten burch bie Tcmzenben Bahn unb holt ihm bie Lena Oetteking einfach weg. Hermann Gräfe! Sein Schritt ist nicht mehr ganz sicher. „Ich will auch mal mit bir tanzen!" Seine Augen flackern. Er nimmt Lena einfach in ben Arm. Schneiber will aufbrausen, aber ba kommt ihm eine geputzte Schwarzhaarige in ben Weg. Die tanzt bestimmt verwegener als bie Lena Oetteking! Ä v _ Hermann zieht Lena fest an sich. „Du, baß man auch mal was von bir hat „Wollen wir nicht lieber aufhören zu tanzen, Hermann? Ich bin müde." „Aufhören? Müde? Jetzt, wo es gerade erst angeht! He, Musik — weiter geht's! Ich zahle eine Runde!" v Die Musikanten entlocken den Instrumenten noch lautere Töne — rumtata — rumtata ... „Extra-Tour für Gräfe-Hermann!" ruft da einer. Wirklich, der Saal leert sich. Händeklatschend stehen alle im Kreise. In ihrer Mitte Hermann und Lena als das einzige tanzende Paar. Fester pressen sich seine Arme um sie. Sem Atem ist heiß, seine Augen glühen. Lena ist rote erlöst, als die anderen auch wieder zu tanzen beginnen. Du du — wollen wir nicht tanzen bis ans Ende Der Welt? Fort von Den anDeren? Allein fein möchte ich mit Dir!" , Ist er toll geroorDen, Der Große vom Grafehof? „Hermann, du hast zu viel getrunken!" Hart klingt Lenas Stimme. Hermann steht mit einem Male still. Er ist plötzlich ernüchtert. „Ja, man muß schon betrunken sein, ehe man sich erlauben darf, an dich zu denken , sagt er bitter. Lena krampft es das Herz zusammen. Er fuhrt sie an den Tisch zurück, wendet sich ab, als wolle er niemals wieder zurückkehren Um Lena dreht sich der Saal. Sie steht kaum, wie Gottfried zu ihr kommt, sich neben sie setzt und ihre Hand nimmt Seine Morte versieht sie nicht- „Magst du nicht auch mal mit mir tanzen, Lena? Ist dir nicht gut?" Sie rafft sich auf. „Wir wollen einen Augenblick hinaus ins Freie gehen — der Rauch, der Lärm.." Gottfried nickt. Aber Lenas Miene stimmt ihn mißvergnügt. Kann sie denn niemals mit ihm fo richtig fröhlich fein? Auch Christoph Gräfe steht auf. Nein, dieser Nudeltopf ist nichts für ihn. Lieber will er still in der Gaststube sitzen bei einem „Rodaer Gold". Aus dem Wege durch den Saal sieht er, wie Fred Schneider einen Zwanzigmarkschein auf den Tisch wirst und den Bauarbeitern zuruft: „Hier — losgelegt! Würste und Bier! Ein jeder soll heute mal einen guten Tag haben!" Unverhohlenes Mißtrauen fliegt über Gräfes Ge- sich. Und an der Theke sieht er feinen Großen, wie er den Arm um die Hüfte der Kantinenpaula legt, jenes schwarzen Frauenzimmers, das schon den ganzen Saal verrückt gemacht hat. Neben den bei- den steht der Belzig-Karl, auch betrunken. Gräfe kennt seinen Aeltesten nicht wieder. Zorn verschlägt ihm fast die Stimme, als er Hermann barsch aufforbert, an ben Familientisch zu gehen. Hermann lacht schallenb über ben Wunsch bes Vaters. „3a, ja, bamit unsereins zugucken kann, wie anbere in den Wolken spazierengehen." Daß er damit Gottfried unb Lena meint, bavon weiß Christoph Gräfe nichts. Kopsschüttelnb verläßt er ben Saal. Lena unb Gottfrieb gehen eine Weile vor bem Kretscham auf unb ab. Die Nacht ist warm unb trocken, ber Himmel hat zu guter Letzt boch noch ein Einsehen mit biesem Kirmestag gehabt. Wäh- renb ihre Gebauten noch brinnen im Saal sinb, reben sie gute unb beruhigenbe Worte. Sie fühlen es beibe nicht, wie leer ihr Gespräch ist, nur bazu bestimmt, ihre Hilflosigkeit zu verbergen. Gottfrieb ist noch ganz von ber allgemeinen Fröhlichkeit eingefangen, sieht Ernis lachenbes Gesicht vor sich. Für Lenas Ernst hat er jetzt wenig 23er» ftänbnis. Aber für Lena ist es wohltuenb, an Gottfriebs Seite auf unb ab zu gehen. „In beiner Nähe wirb mir besser", sagte sie leise. „Bei bir wirb alles klar unb einfach. Wirklich, Gottfrieb, beine Art ist für mich bie beste." Glaubt sie, was sie sagt? Sie weiß es nicht. Sie fühlt, wie Gottfrieb hastig ihre Hänbe nimmt nnb sie drückt. «So [oU es Jein"« jagt es. „Ja, bas wirb gut werben, mit uns beiben, ba draußen in der Einsamkeit. Ich wollte, es wäre schon so weit!" Lena sieht zu Gottfried auf. Sein Gesicht ist hell. Seine blauen Augen haben einen guten Schein. Er sieht aus wie ein großer Junge, der willig ist, alles recht zu machen. Sie drücken sich nochmals fest die Hände, aber sie küssen sich nicht. „Und nun wollen wir zusammen tanzen", sagt Lena plötzlich. Eine Welle von Lebenslust hat sie unvermutet überfallen. Im Trubel des Saales aber wird sie wieder schwerfällig. Gottfried fühlt, wie sehr sie sich zwingt, ein fröhliches Gesicht zu machen. „Wir gehen bald heim", versucht er zu trösten. Lena sieht sich vergeblich nach Hermann um. Aus dem kleinen Seitenzimmer dringt Lärm. Das Kreischen einer Frauenstimme. Gegrohle und Gesang aus Männerkehlen. Fred Schneider erscheint in der halboffenen Tür. Sein Gesicht ist hochrot. Lena sieht weg. Ihr Herz schlägt schnell und hart. Endlich rüsten bie Gräfeleute zum Heimgehen. Hermann ist nicht babei. Vater Gräfe fragt nach ihm, aber Jutta unb Rubols zucken adlehnenb bie Achseln. „Ach, laß boch ben", sagt Erni unb lacht ausgelassen. „Der sitzt schön warm!" Lena mag nichts bavon hören. Sie brängt zur Tür. Christoph Gräfe geht wie selbstverstänblich an ihrer Seite. Die anberen sinb halb um ein paar Schrittlängen voraus. „Muß viel Gelb haben, biefer Schneiber", bricht Gräfe enblich bas Schweigen. „Kriegt benn einer bei ber Autobahn fo viel bezahlt?" Lena weiß, mit welchen Gebauten ihr Schwager sich roieber herumschlägt. Sie ist beinahe froh, baß er bavon anfängt. Sie mag jetzt nicht an Hermann benfen, nicht von ihm sprechen. Das Sparkassenbuch, bas ausgezahlte Gelb, Schneiber! Lenas Kopf schmerzt. Die anberen vorn fingen ein altes Lieb, es klingt wie aus einer anberen Welt. Rubolf, Jutta, Erni, Gottfrieb, zu vieren eingehakt, schmettern bas Lieb vom jungen Jäger, ber bas Möbel gehen lassen soll, weil es bie Mutter verbrießen würbe. Die ganze Nacht hinburch wird Lena ben einfältigen Liebervers nicht los. Dabei horcht sie auf Hermanns Schritte, aber bie sinb noch nicht einmal im ersten grauen Morgenlicht zu vernehmen. Mitteln gingen über das gesetzliche Soll sowohl der Bar-, als auch der Gesamt-Liquidität hinaus. Die Zinssätze blieben im Geschäftsjahr unverändert. Der Geschästsertrag des Jahres 1939 bot die Möglichkeit, den in der Vorjahresbilanz mit 75 000 RM. ausgewiesenen Grundbesitz auf einen Erinnerungswert von 1 RM. für jedes Anwesen abzuschreiben. Auch die erworbenen Einrichtungsgegenstände erscheinen am Ende des Jahres nur noch mit 1 RM. zu Buch. Der verbleibende Reingewinn in Höhe von 75 959,13 RM. wurde der gesetzlichen Sicherheitsrücklage zugeführt. Die Gefolgschaft der Sparkasse hat auch im Berichtsjahr mit bestem persönlichen Einsatz ihre Ar- beit im Dienste des Betriebes geleistet und war den an sie ^gestellten Anforderungen in jeder Hinsicht gewachsen. Dies gilt besonders für die Zeit seit Kriegsbeginn, nachdem ein großer Teil der Gefolgschaftsmitglieder in den Reihen der Wehrmacht ihre Pflicht erfüllen muß, ohne daß bis zum Ablauf des Berichtsjahres Ersatzkräfte hierfür eingestellt worden sind. Neu wurde die zusätzliche Altersversicherung im Berichtsjahr eingeführt, während die Gewährung von Beihilfen usw. sich im seitherigen Rahmen hielt. Die Organisation des Betriebes hatte schon zu Beginn des Jahres im wesentlichen die angestrebten Formen erhalten. Im abgelaufenen Jahr hatte insbesondere die Umstellung der Kontokorrentbuchhaltung ihre Eignung bewiesen. Die Sicherheit des Betriebes wurde in den ver- iiangenen Jahren durch die Bilanzprüfung der Prü- ungsstelle des hessischen Sparkassenverbandes, die atzungsmäßigen Prüfungen des Verwaltungsrates und innerbetrieblich durch die laufenden Prüfungen der Jnnenrevision gewährleistet. Besondere Würdigung verdient die selbstlose Tätigkeit der Derwaltungsratsmitglieder, die in Zusammenarbeit mit den anderen Organen der Sparkasse wie seither reibungslos, und stets von der Verpflichtung gegenüber den Belangen der Allgemeinheit getragen, gearbeitet haben. Bemerkenswert scheinen die weiteren Feststellungen des Sparkassenleiters, woraus zu entnehmen ist, daß die Spareinlagen und sonstigen Einlagen im Laufe des Jahres 1940 inzwischen eine Steigerung erfahren haben, wie sie noch nie seit Bestehen der Sparkasse zu verzeichnen war. Mit besonderem Interesse wurde von der Versammlung zur Kenntnis genommen, daß der Verwaltungsrat beschlossen hat, die Zinssätze für Kredite und Darlehen für Gemeinden und öffentlich- rechtliche Körperschaften mit Wirkung vom l.Juli dieses Jahres ab auf 4Vi v. H. herabzusetzen. Eine Satzungsänderung. Im Laufe der Sitzung beschloß die Mitgliederversammlung, die Satzung der Sparkasse dahingehend zu ändern, daß die Sparkasse in Zukunft Darlehen gegen Schuldschein oder Kredite in lfd. Rechnung ohne satzungsmäßige Sicherheit (Blanko- kredite) im Einzelfall bis zu 3000 RM. zur Förderung besonderer, von der obersten Aufsichtsbehörde als volkswirtschaftlich wichtig anerkannter Aufgaben im Einzelfall bis zu 5000 RM. bewilligen kann. Diese Kredite sollen ehrbare, fachlich tüchtige und zuverlässige Gewerbetreibende in die Lage versetzen, bestehenoe Lieferantenkredite abzulösen oder den Bezug von Waren bar zu bezahlen. Anerkennung für die Arbeit der Sparkasse. Der Vertreter der Aufsichtsbehörde, Landrat Dr. Lotz, und der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Oberbürgermeister Ritter, erkannten beide die Arbeit der Sparkasse an. Während Landrat Dr. L o tz in seinen Ausführungen Betrachtungen über die Stellung der Sparkasse in der Volkswirtschaft anstellte, gab Oberbürgermeister Ritter eine darüber hinausgehende kurze politische Umschau. 40 Jahre Garde-Kameradschaft Gießen Die Garde-Kameradschaft Gießen beginn ihr 40jähriges Bestehen am Samstag mit einem schlichten Appell im Hotel Prinz Earl. Kameradschaftsführer Karl R e i ch a r dt konnte dazu eine stattliche Anzahl Kameraden begrüßen. Er gab zunächst einen Rückblick auf die Entwicklung der am 23. April 1900 als Garde-Verein gegründeten Kameradschaft. Wie er hervorhob, hat die Kameradschaft noch eine Anzahl Mitgründer in ihren Reihen. Den verstorbenen und gefallenen Kameraden, sowie allen, die für Deutschland fielen, wurde ein stilles Gedenken gewidmet. Wie der Kameradschaftsführer berichten konnte, hat die Garde-Kamerardschaft gute Beziehungen zu anderen Kameradschaften, wie Wetzlar, Marburg usw. Durch Zuzug hat sich auch in letzter Zeit noch die Kameradschaft verstärkt. Auch in den letzten Jahren stand die Garde im Schießwesen, beim Sammeln für das WHW. usw. mit an erster Stelle. Anläßlich des Jubiläums sind den Mitgründern durch den Reichskriegerführer, General Reinhardt, der als letzter Kommandeur des 4. Garde- Regiments einer der Ihrigen ist, für 40jährige treue Mitgliedschaft die goldenen Ehrennadeln des NS.- Reichskriegerbundes verliehen worden, die der Ka- meradschaftsführer mit herzlichen Dankesworten überreichte. Gleichzeitig erhielt Kamerad Oberst a. D. Kock anläßlich seines 50jährigen Offiziersjubiläums die goldene Ehrennadel. Die Mitbegründer sind: Georg Becker, Karl Lotz, Adolf Hoffmann, der 40 Jahre Schriftführer ist, Karl Merzhäufer, Karl G e r l a ch , der langjährige Fahnenträger Hans P r e i ß, Heinrich Schnabel, Adolf Denninghoff, Hans Schweiger, Gustav Hamann und der frühere Vorsitzende Alexander Ringel. Die gleiche Auszeichnung erhielten die Kameraden Karl K e ck s e l, ein früherer „Augustaner", Wilhelm Krämer, der einzige Kamerad, der dem Garde du Corps angehörte, sowie Heinrich Schleifer. Die silberne Ehrennadel für 25jährige treue Mitgliedschaft erhielten die Kameraden Vetter, der stellvertretende Kameradschaftsführer, Adolf Kramer, der seit 15 Jahren Kassenwart ist, Heinrich Schmelz, Dr. N e u-> mann-Spengel, W. Klapp, Nitsch- ko w s k i und der Kameradschaftsführer Karl R e i ch a r d t. Kamerad Oberst a. D. K o ck, der den Dank der ausgezeichneten Kameraden übermittelte, hielt dann einen Vortrag über den tiefen Sinn des Begriffes Tradition, wie er der Garde vorschwebte und heute in der Wehrmacht fortlebt. Der Kameradschaftsführer berichtete dann über die Erfolge im Schießwesen. Im letzten Jahre wurden zwei goldene, drei kleine Ehrennadeln und vier bronzene Nadeln ausgeschossen. Weiterhin berichtete er, daß die Garde-Kameradschaft die Spitze ihrer Traditionsfahne mit den Metallbeschlägen der Metallspende zugeführt hat. Kamerad Oberst a. D. Kock erzählte anschließend Reiseerlebnisse im südlichen norwegischen Gebiet, in dem in den letzten Tagen unsere Truppen ausgezeichnete Erfolge errungen haben. Der Appell wurde hierauf in üblicher Weise beschlossen. Ab 1. Oktober 1940 rotes Schlußlicht an Fahrrädern. Der Reichsminister des Innern hat eine Verordnung erlassen, nach der alle Fahrräder ab 1. Oktober 1940 eine rotes Schlußlicht führen müssen. Die Verordnung gilt für das gesamte Reichsgebiet mit Ausnahme der eingegliederten Ostgebiete, in denen ihre Einführung einem späteren Zeitpunkte vorbehalten bleibt. Vorerst wird noch nicht zwingend ein elektrisches Schlußlicht verlangt; auch durch die Führung roter Sturmlaternen wird der Verordnung genügt. Dies ist für zahlreiche, vor allem auf dem Lande noch vorhandene, Fahrräder ohne Lichtmaschine von Bedeutung. Der Zeitpunkt, zu dem die noch im Gebrauch befindlichen Schlußlichter durch vorschriftsmäßige elektrische Schlußlichter ersetzt werden müssen, wird durch die Physikalisch-Technische Reichsanstalt, durch die eine genaue Prüfung vorgeschrieben ist, bekanntgegeben werden. Die Schlußlichter sind mit einem Rückstrahler kombiniert, so daß sie nach Verlöschen der Lichtquelle noch als Rückstrahler wirken. Elektrische Schlußlichter, die diesen Anforderungen nicht entsprechen, dürfen jedoch vorerst weiter benutzt werden. An allen neu in den Verkehr gelangenden Fahrrädern muß neben dem Schlußlicht auch noch der Pedalrückstrahler geführt werden. Die Notwendigkeit zu dieser in erster Linie im Interesse der Sicherheit der Radfahrer liegenden Maßnahme hat sich unter den Auswirkungen der Verdunklung ergeben. Dorsichtsmaßregeln bei Gewitter. Maigewitter pflegen besonders schwer zu fein. Die Luft nimmt durch starke elektrische Entladungen ein Reinigungsbad. Wenn aber der Donner auch noch so sehr grollt, ist immer noch nicht Grund zu Furcht und Schrecken. Trotzdem soll man die nötigen Vorsichtsmaßregeln nicht versäumen. « Ein Blitzableiter auf dem Hause schützt dieses gegen jeden Wetterstrahl, doch muß der Leiter auch immer richtig in Ordnung fein. Innerhalb des Hauses vermeide man bei Gewittern immer die Nähe von Defen, Spiegeln, Kaminen und Kronleuchtern. Auch das Feuer auf dem Herde schränke man ein. Zugluft verhindere man, sorge aber auch für frische Luft im Zimmer. Ist man während des Gewitters auf der Straße, so entferne man sich von allen hochragenden Gegenständen und gehe ruhig seines Weges. Stellt man sich an einem Hause unter, so tue man das nicht in der Nähe der Dachrinne. Auf freiem Lande gehe man langsam und nicht mit hastigen Schritten, man spanne auch keinen Schirm auf. Daß man sich nicht unter Bäume stellt, ist allgemein bekannt. *♦ Lehrwanderungen. Die Arbeitsgemeinschaft „Biologie" des NSLB. führte am gestrigen Sonntag bei guter Beteiligung in guter Stimmung ihre zweite Lehrwanderung in den Bergwerkswald aus. Die fach- und fachkundliche Führung hatte Dr. Völker vom Zoologischen Institut übernommen. Mit Interesse lauschten die Teilnehmer den „Vogelstimmen des deutschen Waldes". Besondere Aufmerksamkeit zogen Girlitz, Goldammer, Goldhähnchen, verschiedene Arten Grasmücken und Laubsänger, sowie die Singdrossel auf sich. Ein Hochgenuß war es, dem Schlag der Waldkönigin, Frau Nachtigall, in nächster Nähe zu lauschen. Die nächste Lehrwanderung findet am Samstag, 18. Mai, statt. Treffpunkt: Universitätsbibliothek. Zeit: 17.15 Uhr. Führung: Dr. Völker. Amtsgericht Gießen. Der W. M. in Frankfurt a. M. hatte wegen Unterschlagung einen Strafbefehl über vier Monate Gefängnis erhalten. Es wurde ihm zur Last gelegt, ein fremdes Damenfahrrad, das auf unaufgeklärte Weife in feine Reparaturwerkstatt gelangt und dort etwa V« Jahr lang verwahrt worden war, für 15,— RM. verkauft zu haben. Gegen den Strafbefehl legte M. Einspruch ein. Der Anklagevertreter beantragte Verurteilung gemäß Strafbefehl. Der Verteidiger beantragte Freisprechung. Der Angeklagte habe sich zum Verkauf berechtigt geglaubt, und ein Schaden sei der Eigentümerin, die das Rad zurückerhalten habe, nicht entstanden. Der Angeklagte wurde wegen Unterschlagung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Sttaferschwerend wirkten die Vorstrafen des Angeklagten, strafmildernd der Umstand, daß ein Schaden nicht entstanden ist. 9 Ji.-spott Fußball der Bezirlsklaffe Gießen. VfV.Reichsbahn I. — FL. Burgsolms L 4:2 (2:1). Das Spiel der Grünweißen auf dem Waldsportplatz konnte wenig begeistern, denn die VsB.-er ließen in ihrer Spielweife manchen Wunsch offen. Die Grünweißen fanden sich kaum zurecht. Durch Abseits wurde eine klare Chance vor dem Gästetor verdorben, dann kamen die Grünweißen besser ins Spiel. Einen Vorstoß der Gastgeber unterband der Verteidiger mit der Hand; den fälligen Elfmeter schoß Schlitz wuchtig an die Latte. Wenig später wurde Benner im Strafraum gelegt, aber auch dieser Elfmeter wurde von Berghöfer dem Torwart in die Hände gespielt. Obwohl Torchancen vorhanden waren, dauerte es doch bis zur 37. Minute, ehe Ehmann seinem Verein zur Führung verhelfen konnte. Die Freude dauerte nicht lange. Im Gegenstoß hatte Wiegel zweimal in höchster Not mit dem Fuße abgewehrt, dann mußte er doch den Ball aus bem Netz holen. Der Halbrechte hatte damit ausgeglichen. Mit dem Anstoß bekam Hofmann den Ball und schoß entschlossen zum Führungstor ein. Die Gäste blieben nicht müßig. Schon sah man den Ausgleich, aber Wiegel hielt einen scharf geschossenen Ball aus kurzer Entfernung. Nach der Pause spielte die ganze Mannschaft lustlos. Einen Fehler der Verteidigung nutzten die Gäste aus und wiederum war der Ausgleich erzielt. Die Hintermannschaft der Gäste wurde in der Folge sehr hart. Benner wurde gelegt. Aber auch dieser Elfmeter fand nicht feinen Weg ins Netz. Erst Fleischhauer konnte kurz vor Schluß eine Vorlage von rechts mit einem Torschuß abschließen. Bei einer Ecke bekam Hofmann den Ball und dessen Schuß prallte entschlossen vom Fuße des Verteidigers ins Tor. Damit war das Spiel zu Ende. 05 Wetzlar — 1900 8:0. Die Hoffnungen der Blau-Weißen, in Wetzlar mit einer starken Mannschaft antreten zu können, wurden zu einer starken Enttäuschung, denn man mußte im Gegenteil zufrieden fein, daß überhaupt elf Mann zur Stelle waren. Anders dagegen war es bei Wetzlar. Schon beim Einlauf der Mannschaften fiel der große körperliche Unterschied der Mannschaften auf. Wetzlar mit großen, kräftigen, 1900 dagegen mit kleinen, jungen Spielern. Um so erstaunlicher war dann, als nach dem Anpfiff diese kleinen Gestalten sich unbekümmert um den großen Gegner im Spielfeld bewegten und das Spielgeschehen diktierten. Ja sogar im Strafraum der Wetzlarer wurde es gefährlich. Leider verfehlten Schüsse von Kraft und Nachtigall nur knapp ihr Ziel. Dieses Bild sah man ungefähr zwanzig Minuten, und erst als Lutter mit einem unheinttich wuchtigen Schuß Erfolg hatte, trat Wetzlar mehr und mehr in Erscheinung. Nach dem Wechsel trat eine deutliche Ueberlegen- heit Wetzlars ein. Die Kräfte der jungen Spieler waren durch den schweren Böden stark in Anspruch genommen worben, und so erlahmte der Widerstand immer mehr und mehr. In einem mächtigen Endspurt unter lebhafter Anfeuerung der Zuschauer kamen di? Wetzlarer zu ihrem hohen Sieg. 1900 in der Besetzung Dinges, Schneider, Goß, Reuschling, Jäger, Bötz, Schelchaas, Kraft, Pechauscheck, Weniger, Nachtigall hatte nicht die Kraft, sich gegen den starken Gegner durchzusetzem Die übrigen beiden Spiele der Bezirksklasse brachten folgende Ergebnisse: Watzenborn-Steinberg — Ehringshausen 7:0 Rodheim — Sportfreunde Wetzlar 3:1. VsV.-Reichsbahn II — Steinbach I 0:4 (0:2). Die Steinbacher erschienen mit einer starken Mannschaft und haben das Spiel verdient gewonnen, der Sieg hätte noch höher ausfallen können, wenn sich der Sturm besser verstanden hätte. Die Grün-Weißen, die mit 10 Mann spielen mußten, konnten sich zu keiner geschlossenen Aktion aufraffen. Wball-Länderkamps Aalien-Deutschland 3:2. Im Mailander San-Siro-Stadion ist dem zweifachen italienischen Fußball-Weltmeister Italien am Sonntag die Revanche für die im November des vergangenen Jahres erlittene 2:5-Niederlage geglückt. Aber der Sieg der „Azzurri" war nur knapp. Mit 3:2 (2:1) gab sich die tapfere deutsche Elf nach erbitterter Gegenwehr geschlagen. 70 000 Menschen folgten dem Kampf mit leidenschaftlicher Anteilnahme. In der Bilanz der bisherigen neun Länderspiele hat Italien seinen sechsten Sieg zu verzeichnen, während sich Deutschland auf zwei Erfolge beschränken muß. Ein Treffen endete unentschieden, das Torverhältnis lautet 20:15 zugunsten der Italiener. In bem Hexenkessel bes Mailänber San-Siro- Stabions — über Mailand ftanb eine schier unerträglich heiße Sonne — sah man einen ritterlichen Kampf, ben bie beutsche Elf wieber siegreich hätte beenden können, wenn sie einen Angriff von Format besessen hätte. Urban unb Hahnemann verstanden es nicht, Zusammenhang in bie Fünferreihe zu bringen. Die Italiener spielten außerorbentlich schnell unb mit großem Einsatz. Ein Sonberlob verbiet ber Rechtsaußen Biavati. Umjubelt von 70 OOO Menschen liefen die Mannschaften auf bas Spielfeld. Unter den Ehrengästen befand sich neben der gesamten Führerschaft bes italienischen Sports ber von Nom gekommene Reichssportführer von Tschammerunb Osten in Begleitung von Dr. Diem. — Nach ber Wahl durch den ausgezeichneten ungarischen Schiedsrichter Jnvancic, ber das Treffen sehr korrekt leitete, stellten sich beide Mannschaften wie folgt auf: Deutschland: Kladt (Schalke 04); Janes (Fort. Düsseldorf), Billmann (1. FC. Nürnberg); Kupfer (Schweinfurt 05), Rohde (Tod. Eimsbüttel), Kitzinger (Schweinfurt 05); Lehner (Schwaben Augsburg), Hahnemann (Adm. Wien), Binder (Rapid Wien). Urban (Schalke 04), Peffer (Rapid Wien). Italien: Olivieri; Foni, Rava; Depettini, Olmi, Campatello; Biavatt, Piola, Bertoni, Tre- visan, Colaussi. Italien begann sofort mit schnellen Vorstößen. Bereits nach fünf Minuten gab es die erste (erfolglose) Ecke vor dem deutschen Tor. Zwei Minuten später schoß Lehner den ersten Eckball in ben italienischen Strafraum. Olivieri rettete vor bem herbeieilenden Kitzinger. In ber 17. Minute fiel überraschend das italienische Führungstor. Der Ball wanderte von Bertoni zu Biaoan. Klodt lief aus dem Tor, wurde angeschossen. Das Leder fiel dem Linksaußen Colaussi vor die Füße, und schon stand es 1:0. Ein feines Zusammenspiel zwischen Biavati und Colaussi erbrachte in ber 27. Minute das zweite italienische Tor. Der Eimsbütteler Mittelläufer Rohde griff den Bruchteil einer Sekunde zu spät ein, und schon war der italienische Mittelstürmer an ihm vorbei: 2:0! Die Zuschauer gerieten vor Begeisterung förmlich aus bem Häuschen. Aber kaum war das Spiel wieder zwei Minuten im Gange, da kam ber beutsche Gegenstoß. Ein 35- Meter-Freistoß Billmanns kam zu bem einmal unbewacht stehenden Binder, der blitzschnell einsandte. Eckbälle hüben unb drüben verliefen erfolglos. Nach der Pause erzwangen die Italiener innerhalb von vier Minuten vier weitere Eckbälle. Es gab böse Augenblicke vor bem beutschen Tor. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel fiel bann ber Ausgleich. Die Italiener griffen an, da schnappte sich Lehner den Ball, lief geschwind nach innen und gab zu Binder alb, der zwar von Foni unb Olmi hart bedrängt wurde, sich aber bennoch burchsetzte unb Olivieri mit einem harten Schuß schlug. Dieser Erfolg steigerte bie Hoffnungen ber Deutschen. Da machten uns aber die Italiener mit ihrem dritten Treffer einen Strich durch die Rechnung. Billmann wollte an der Außenlinie den Rechtsaußen Bia- vati vom Ball trennen, ber wieselflinke Italiener mar aber schneller unb jagte in ber 14. Minute ben Ball aus vollem Laus an Klodt vorbei in die Ecke Mit einer leichten Überlegenheit ber Italiener fand der heiße, ritterlich geführte Kampf sein Ende. Gießer,er Turner auf Greifenstein. Am Himmelfahrtstag weilten aus Anlaß ber Stern» wanberung bes NSRL. bes Bezirks Gießen, Gießener Turner unb Rabfahrer auf ber Burg Greifenstein über bem Tale ber Dill. Unser Bild zeigt bie Gruppe bes Turnvereins 1846 bei einer Rast unter ben Mauern ber Burg. — (Aufn.: Neuner, Gieß. Anz.) Dahnsaison der GießenerLeichtathleten eröffnet. Gestern würben auf bem Universitätssportplatz bie erste leichtathletischen Wettkämpfe burchgeführt. Die Beteiligung war mit Rücksicht auf bie äußeren Umftänbe unb bie frühe Jahreszeit zufriebenstel- lenb. Sämtliche Wettbewerbe waren burchschnittlich mit 10 Teilnehmern besetzt unb brachten bereits ansehnliche Leistungen. Aber in unserer Vorschau wiesen wir ja baraufhin, baß bei biefen Wettkämpfen weniger bie erzielte Leistung von aus- schlaggebenber Bebeutung ist, als vielmehr bie Absicht, ben Aktiven bie Gelegenheit zur Betätigung überhaupt zu geben. Die Bestrebungen bes Fachamtes Leichtathletik, fernerhin in regelmäßigen Zeitabstänben — etwa alle 14 Tage — berartige Trainingswettkämpfe burchzuführen, werben von ben Leichtathleten freubigj't begrüßt; sie werben zwangsläufig zu einer Steigerung ber Leistungen führen. Im Kugelstoßen erreichte Otto L u h bereits 14,29 Meter. Schleenbecker vom Turnverein Ruttershausen, ber noch völlig untrainiert ist, sprang 1,65 m hoch unb Schwarz vom VfB.-R. Gießen 1,60 m. Für ben Anfang finb bas schon recht gute Leistungen. Die angesetzten Frauenwettbewerbe kamen infolge zu weniger Beteiligung nicht zur Durchführung. Es würbe sehr bebauert, baß sich bie Vereine: Mtv. Gießen, Spielvereinigung 1900 Gießen, Turnverein Lollar unb ber sonst so rührige Turnverein Heuchelheim an ben Wettkämpfen überhaupt nicht beteiligten. Die Ergebnisse ber Wettkämpfe folgen. BOM.-Fahrten auch im Kriegssommer. Im Monat Mai beginnen im Obergau Hessen- Nassau (13) bie Sommerfahrten bes BDM. unb ber Jungmäbel. Trotz bes Krieges unb ber Schwierigkeiten, bie bamit oerbunben finb, z. B. geschloffene Jugenbherbergen, wegfaüenbe Ermäßigungen ber Eisenbahnen usw., bleibt ber Fahrtenbetrieb im kleinen Maße bestehen. Anfang Mai führen bie Jungmäbel- unb BDM.-Gruppen innerhalb ihres Untergaues Sternfahrten burch. An bem Treffpunkt laben sie gemeinsam, ber Umgebung entsprechens zu einem Offenen-Singen, Dorfge- meinschaftsabenb ober Spielwiese ein. Mißglückte Millionenschiebungen eines jüdischen Konsortiums. hohe Zuchthaus- unb Geldstrafen. Lpb. Frankfurt a. M., 30. April. Die 3. Strafkammer in Frankfurt beenbete nach vierwöchiger Verhanblungsbauer am Dienstag, ben Prozeß gegen ein jübisches Devisenschieber- Konsortium. An der Spitze ftanb ber 38jährige, aus Berlin gebürtige Eugen Israel Elle. Er war früher Rechtsanwalt in Frankfurt, gab sich bann nrit Devisenderatungen ab und ging zu Straftaten über, als er auswanderungslustige Juden in Geldangelegenheiten beriet. Elle hatte sich nach den jetzt getroffenen Feststellungen des Gerichts ein besonders raffiniertes System zu Vermögensschiebungen ausgeklügelt. Die von ihm oorgenommenen Manipulationen, Geschäftsvolschläge und Verträge, sowie undurchsichtigen Kapitaltransaktionen dienten nur der Tarnung und waren Köder, um die Auswanderungslustigen zu bewegen, sich mit ihm ein- zulassen. Es wurden vier solcher Fälle festgestellt, es besteht aber die Vermutung, daß noch eine Reihe weiterer Fälle ausgeführt wurde. Geplant war, 4 bis 5 Millionen Reichsmark ins Ausland zu verschieben, tatsächlich sind aber nur 200 000 RM. hinausgekommen. Bezüglich einer Summe von 265 000 RM. blieb es beim Versuch. Daß es bem Fuben' Elle nicht glückte, bedeutendere Summen fortzuschaffen, war der Wachsamkeit der Zollfahndungsstelle zu danken. Um die 200 000 RM. ins Ausland zu bringen, bedienten sich die Beteiligten des Ringkämpfers Rudi Hab er land aus Offen- buch, der sich mit mehreren Beteiligten im Sommer 1937 in Holland treffen wollte. Hab erlaub ist aber mit dem ihm anvertrauten Geld nach Amerika durchgebrannt! Besonders charakteristisch zeigte sich die Böswilligkeit des Angeklagten Elle in einem ber erörterten Fälle, wo er vorspiegelte, baß die von ihm vorgeschlagenen Transaktionen mit dem Vierjahresplan in Zusammenhang stünden. Das Gericht verurteilte Elle zu 8 Jähren Zuchthaus, 8 Jahren Ehrverlust unb 465 000 RM. Gelbstrafe, ben aus Mainz gebürtigen, 51jähr. Fritz Israel Lerch zu 3V2 Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Ehrverlust und 275 000 RM. Geldstrafe, den 39jäh- ngen Fritz Israel Tuch aus Frankfurt a. M. zu 2V- Jahren Gefängnis unb 200 000 Gelbstrafe unb ben 31jährigen Eduard Heinrich Moos aus Zürich zu 3 Jahren Gefängnis und 165 000 RM. Geldstrafe. Das Verfahren gegen zwei weitere Beschuldigte wurde vorläufig eingestellt.