Nr. 5 «es Blatt 190. Jahrgang Samstag, 6./$onntagJ.3anuar 1940 Erscheint tag lich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Bienener Familienblätter Heimat >m Bild Die Scholle Monats-Vezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr. . „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummexn infolge höherer Gewalt 'iernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift Mr Drahtnach« richten Anzeiger Siehrn poftschecktonto: firantfurt am Main 1168b Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche Univerfitalsdruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulftraße 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Dormittags Srnndpreife für 1 mm hohe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf. für Textanzeigen von 70 mm Breite 50 Rpf. Wiederholung Malstaffel I Abschlüsse Mengenstaffel B Platzvorschrift nach vorheriger Vereinbarung 25 % mehr. Ermäßigte Grundpreise BLderanzeigen und behördliche Anzeigen von 22 mm Breite 6 Rpf. Oer finnla'nvische Kriegsschauplatz. Von unserem ll St.-Äerichierstatier. Helsinki, Januar 1940. Finnland unterschreitet im Süden nur wenig den 60. Breitengrad, im Norden reicht es hoch in die 21 s hinauf. Dort, wo es im Sommer immer Tag um) im Winter ewige Nacht ist, wo.nur das Nordlicht mit seinem kalten violetten, purpurnen und gelb-grünen Feuer bis zum Zenit aufflammt und uferlose, weiße Flächen erleuchtet. Wenn der Sturm über den Schnee fegt, so treibt er der Sage nach die Flocken bis zum Palast der Schneekönigin hinauf. Im Dezember setzen die großen Fröste ein. Dann bedeckt eine dicke Eisschicht das „Land der tausend Seeil", unter denen es einen Giganten von 11000 Quadratkilometer gibt, den Ladoga-See, der die Grenze mit Rußland durchschneidet. Im Winter ziehen Fischer in die schneeverwehte Oede hinaus, hacken in das meterdicke Eis Löcher und legen dort ihre Netze aus. Wenn der Frost auf 20 Grad und mehr unter den Nullpunkt sinkt, so berstet das Eis unter gewaltigem Krachen, das ähnelt bann Kanonensalven. Dazwischen läuten schrill die Glocken des Klosters von Walaam, auf einer Insel im See, um den Verirrten im trüben Dunkel die Richtung zu weisen. Unter den Donner des berstenden Eises mengt sich nun heute der Donner der Geschütze. Denn der Ladoga und seine Ufer sind ebenso wie die Front am Eismeer Kriegsschauplatz. Die Sonne erhebt sich nur für wenige Stunden über den Horizont, und da die Schneenebel steigen, so ist auch in den kurzen Tagesstunden die Sicht sehr behindert. Die finnischen Soldaten sind in der Schnee- und Eisöde unsichtbar, weil sie weiße Umwürfe über ihren pelzgefütterten Uniformen tragen. Wenn es auch keine Schützengräben zu stürmen gilt, so müssen doch andere tückische Hindernisse überwunden werden. So sind z. B. Eisspalten ausgesägt, die der Nachtfrost mit einer dünnen Schicht bedeckt hat und über die dann der 'Schnee hinweggefegt ist. Man kann diese Spalten nicht von der restlichen Fläche unterscheiden. Wehe dem, der sich unvorsichtig auf diese dünne Eisschicht wagt, er versinkt und wird unbarmherzig in hie Tiefe gezogen. Schon vor mehr als zwei Jahrhunderten haben zwischen Peter dem Großen und Karl XII. erbitterte Kämpfe auf dem Ladoga- See stattgefunden. Die Finnländer, die damals unter den schwedischen Fahnen standen, schickten ihre Segler gegen die andrängende russische Flotte, an der Zar Peter selbst mitgezimmert hatte. Man siegt noch heute in der Nähe der Inseln von Walaam, wo das Wasser seichter ist, auf dem Grunde die Reste von alten Wracks, um die heute Robben spielen. Dort hatte schon im 13. Jahrhundert der Fürst Alexander Newsky von Nowogorod die Truppen des^ englisch-schwedischen Bischofs Thomas geschlagen und sich im Frieden von Schlüsselburg den Zugang nach dem Norden gesichert. In den lebten Jahrzehnten ist Schlüsselburg ein Gefängnis für die politischen Gefangenen gewesen. Dort saßen die am Mord des Zaren Alexander verwickelten Nihilisten 25 Jahre gefangen, ehe sie die Amnestie vom Jahre 1905 befreite. Heute erstrecken sich längs der Newa, von Petersburg bis zum Ladoga, d i e großen Industrien Rußlands, ein Fabrik- fchlot erhebt sich neben dem anderen, und es versteht sich von selbst, daß dieser Raum besonders sorgsam militärisch gesichert werden muß. Parallel mit dem Ladoga liegen waldumsäumt Hunderte von „Järvis" (d. h. Seen), die jetzt alle mit dickem Eis bedeckt sind, unter ihnen der große S a i m a - S e e , an dessen Uefern hübsche Dillen liegen, sowie der berühmte Jmatra-Wasserfall, der im Winter einem Dom aus Eis gleicht. Es ist ein sehr weiter und beschwerlicher Weg von der karelischen Front am Ladogasee bis zur Front am Eismeer bei Pets amo (Petschunga), wo, soweit cs die attische Nacht und die Schneeverhältnisse zulassen, zur Zeit hefttge Kämpfe stattfinden. Fröste bis zu 60 Grad unter dem Gefrier - Punkt lassen dort alles Leben erstarren. Der weiße Pulverschnee, den der Wind vor sich Vertreibt, schneidet wie glühende Nadelstiche ins Gesicht und Säht die Wimpern zusammenfrieren. Dort bei Pet- famo am Salmisee liegen die reichen Nickel- und Kupferminen, die einzigen Erzvorkommen Finnlands. Im Jahre 1927 war es einem finnischen Geologen gelungen, im nördlichen Lappland das Nickellager zu entdecken. Nach längeren Verhandlungen wurde mit Hilfe des kanadischen Nickeltrusts mit den Vorarbeiten zur Ausbeute des wertvollen Metalls begonnen; 1937 begann die richtige Ausbeute, wobei man mit einer Förderung von 200000 Tonnen jährlich rechnete. Der Abtransport der Erze erfolgte zum Eismeer, nach dem finnlän- ldischen Hafen Liinahamari, der ebenso wie Murmansk wegen einer Abzweigung des Golf- stromes eisfrei ist. Bei Salmijärvi wurde an den Stromschnellen des Paatsflusses ein Großkraftwerk errichtet, das die ganze Gegend mit elektrischem Strom versorgte. Die Kämpfe im Bergwerksbezirk und die damit verbundenen Verwüstungen dürften wohl die Anlagen zerstört haben. Die nächste Eisenbahnstation ist 450 Kilometer von Salmijärvi entfernt. Dazwischen liegt eine große Oede, in der die Lappen ihre Renntier- 1)erben vor den Angriffen der Wolfsrudel schützen müssen. Da es weder Weg noch Steg ins Innere gibt, stößt die Zufuhr von Wafftn, Munition und Lebensmitteln sowohl bei den Russen als auch bei Iben Finnländern auf große Schwierigkeiten und verhiiÄert die Bewegung größerer Truppenteile. Setzt dann das Tauwetter im späten Frühjahr ein, jo liegt ein großer Teil des Geländes unter Wasser, aus dem die Höhen wie Inseln hervorragen. Der Kriegsschauplatz im Norden zwingt dabei zu einer Taktik, wie sie andere europäische Kriege nicht gekannt haben. Finnland grenzt in der Arktis an Norwegen und an Schweden, und britische Intrigen machen sich auch dort bemerkbar. „Eine gefährliche Loge für Schweden " Stockholm, 5. Januar. (Europapreß.) Mit dem finnisch-russischen Krieg und seinen möglichen Auswirkungen auf Skandinavien beschäftigt sich die Stockholmer Zeitung „Nya Dagligt Allehanda". Das Blatt stellt fest, daß der finnisch-russische Krieg eine internationale Bedeutung erhalten habe, die man nicht unterschätzen dürfe. Der finnisch-russische Krieg habe die bis zuletzt von den Westmächten aufrecht erhaltenen Illusionen zunichte gemacht, wonach man kämpfe, um Rußland von Deutschland trennen zu können. Für Schweden ergebe sich eine gefährliche Lage, wenn es England und Frankreich gestatte, Kriegsmaterial und Truppen durch schwedisches Gebiet nach Finnland gelangen zu lassen. Auch „Astonbladet" fordert von Schweden eindeutig eine vorsichtige ^Beurteilung der Finnland-Frage. Schweden nähere sich besonders dann einer Gefahrenzone, wenn die Frage eines Transits von Kriegsmaterial aus dem Westen nach Finnland aktuell werde. Man müsse die Frage stellen, ob dieses Material von ausschlaggebender Bedeutung für Finnland fein werde, und weiter, ob nicht andere Trans- portwege geschaffen werden können. „Kann nijyt das der Gedanke der Westmächte sein", so heißt es dann, „aus verschiedenen Gründen Schweden in den Krieg hineinzuziehen, einen Kriegsschauplatz im Norden zu schaffen, Deutschland des Erzes zu berauben und geeignete Flugzeugstützpunkte für einen Angriff nach Süden hin zu bereiten. Wenn das der Gedanke ist, so versteht man recht gut, welche dunklen Ziele sich hinter den schönsten Worten verbergen!" Höre Belffha und MacMittan zurückgetreten Amsterdam, 6. Jan. (Europapreß.) Amtlich wird am Freitagabend in London mitgeteill: Der englische Kriegsminister hore-Velifha und der Jnsormationsminisler Mac Millan sind von ihren Posten zurückgetreten. Der bisherige Handelsminister Oliver Stanley wurde zum Kriegsminister ernannt, Sir John R e l t h zum Informationsminister. Neuer Handelsminister wurde Sir Andrew Duncan. Wie Reuter ergänzend mitteilt, wurde höre Velifha nach seinem Rücktritt als Kriegsminister das Handelsministerium angeboten, er lehnte es aber ab. Dieser Wechsel vervollständige die Neubesetzung der wichtigsten Regierungsstellen, schließe aber die Möglichkeit von Aenderungen in den unteren Stellen nicht aus. Oie Wirkung der deutschen Seekriegführung Englands Linienschiffahrt der Regierungskontrolle unterstellt. Amsterdam, 5.Jan. (Europapreß.) Der englischen Regierung macht die Schrumpfung ihres Handelsschiffsraumes erhebliche Sorge. Die Verknappung des Schiffsraumes ergibt sich aus der erfolgreichen deutschen Seekriegführung und der täglich wachsenden Abneigung der neutralen Schifffahrt, nach englischen Häfen zu fahren. Nachdem die englische Regierung sich erst dieser Tage entschließen mußte, umfangreiche Requisitionen von Trampschiffen für den Transport von Getreide, Erz und Metall vorzunehmen, teilt jetzt der Minister für die Handelsschiffahrt, Sir John (Stirn o u r, mit, daß die gesamte Linienschifffahrt Englands und Der Kronkolonien ber Son« trollederenglifchenRegierungunter- stellt wird. Die Beschlagnahme der Schiffe tritt am 1. Februar in Kraft, und zwar werden die einzelnen Schiffe in dem Augenblick der Regierungskontrolle unterworfen, in dem sie zum erstenmal nach dem 1. Februar ihre Reise nach einem Hafen im Vereinigten Königreich beendet und ihre Ladung gelöscht haben. Die englischen Reeder sollen ihren Betrieb auf normale Weise fortsetzen. D a s R i s i k o für den Verlust von Schiffen und »Ladungen wird aber z u haften der Regierung gehen. Die britische Regierung beansprucht dafür das Recht, Schiffe nach ihrem Gutdünken auflegen zu können, bestimmte Routen vorzuschreiben und die Schiffe mit Ladungen zu befrachten, die für englische Staatsinteressen am dringlichsten benötigt werden. Umbildung des belgischen Kabinetts. Brüssel, 6. Jan. (DNB.) Ministerpräsident P i e r l o t hat am Freitagmittag dem König den Gesamtrücktritt des belgischen Kabinetts überreicht. Der König erteilte Pierlot den Auftrag zur Neubildung des Kabinetts. Pierlot gab am Freitagabend die Zusammensetzung des neuen Kabinetts bekannt. Die Ministerzahl ist von 18 auf 14 herabgesetzt worden. Ausgeschieden sind der ehemalige liberale Innenminister De» veze, Jnformationsminister Wauters, der frühere Verkehrsminister M a r ck , der frühere unabhängige Unterrichtsminister Duesberg und der frühere sozialdemokratische Minister ohne Geschäftsbereich de Man. Neu ein getreten ist der sozialdemokratische Senator Matagne als Minister für öffentliche Arbeiten. Somit setzt sich das neue Kabinett aus fünf Katholiken (bisher sechs), drei Liberalen (bisher 4), vier S o - zialdemokraten (bisher 5) und zwei U n - abhängigen (bisher 3) zusammen. Das Der- sorgungsministerium ist mit dem Wirtschaftsministerium vereint worden. Das viel kritisierte Infor- mationsminifterium unter dem Sozialdemokraten Wauters ist mit diesem in der Versenkung verschwunden, ebenso zwei Ministerien ohne Geschäftsbereich. Der Et -Lorenz-Strom soll ausgebaut werden. Washington, 5. Januar. (Europapreß.) Das in den Vereinigten Staaten ebenso wie in Kanada ' seit längerer Zeit heiß umstrittene Projekt einer Ausweitung und Elektrifizierung des großen St. Lorenz-Sttomes ist nach monatelangem Stillstand durch eine Bekanntmachung des Staatsdepartements der Vereinigten Staaten wieder aufgelebt. Ein Regierungs-Ausschuß der Vereinigten Staaten unter Führung des Unterstaatssekretärs B e r I e wird sich bereits am Samstag nach Kanada begeben, um den angestrebten Vertrag über die Vertiefung und Erweiterung der Fahrrinne des St. Lorenz-Stromes und über die Errichtung von Kraftwerken an diesem Strom vorzubereiten. Die Stromerzeugung der neuen Kraftwerke soll den angrenzenden Industrien sowohl der Vereinigten Staaten als auch Kanadas zugute kommen. Der Hautpwiderstand gegen das Projekt geht von der kanadischen Provinz Quebec aus, die in der geplanten Verlängerung der schiffbaren Strecke des St. Lorenz-Stromes eine ernste Gefährdung der wirtschaftlichen Bedeutung der Häfen Quebec und Montreal erblickt. AiisweiivW des Krieges. Engländer und Franzosen, die, da es ihnen nicht gelungen war, die Sowjetunion in ihre Einkreisungspolitik gegen Deutschland einzubeziehen, den Krieg von einer ganz anderen Ausgangsstellung aus hatten beginnen müssen, als ihnen vorgeschwebt hatte, sehen nun, daß auch der Kriegsablauf ein ganz anderer ist, als sie es sich gedacht hatten. Der Wirtschaftskrieg, auf den sie ihre größten Hoffnungen gesetzt hatten, um einen schwerste Opfer erfordernden Einsatz an der Wellfront so lange wie möglich hinauszuschieben, hat sich als höchst zweischneidige Waffe erwiesen. Denn die Blockade des deutschen Handels, durch die Rückenfteiheit Deutschlands diesmal im Unterschied zum Weltkrieg von vornherein nur von zweifelhafter Wirkung, ist mit einer Gegenblockade beantwortet, die die ganz auf überseeische Zufuhren angewiesene Versorgung der britischen Inseln bereits erheblich beeinträchtigt. So ist man in Paris und London vom Gang der Dinge enttäuscht und in dieser beklommenen Stimmung werden auch in der Presse Stimmen der Kritik lauter vernehmlich, als es sonst der Zensor erlaubt, und Pläne werden erörtert, die nicht ausschließlich die Phantasie des Publikums von den Mißerfolgen des See- und Luftkrieges in eine andere Richtung . ablenken sollen, sondern doch sichere Hinter- 1 gründe zu haben scheinen. Den heute maßgebenden Kreisen der westlichen Plutokratien ist es anscheinend klar geworden, daß dieser von ihnen frivol vom Zaun gebrochene Krieg nicht wirtschaftlich, sondern nur militärisch gewonnen werden kann. Aber sie wissen, daß ein Angriff auf den Westwall Ströme von Blut kosten würden und mit einer Katastrophe für sie enden müßte. So suchen sie, um ihre eigenen Völker zu schonen, nach neuen Kriegsschauplätzen. In diesen Bemühungen wirkt sich die gleiche Tendenz aus, die schon ihre Einkreisungspolitik bestimmt hatte. So sind auch hierin Deutschland und seine westlichen Gegner absolute Antipoden. Denn während die deutsche Politik bemüht war, die deutsch-polnischen Probleme durch zweiseitige Abreden aus der Welt zu schaffen, und als der Konflikt trotz aller deutschen Geduld durch die frechen polnischen Provokationen nicht mehr zu vermeiden - ' -------- Jugoslawische Reiseskizzen. Von Or. Paul Rohrbach. Gedanken am Wege. Das Reisen in den Randländern unsrer europäischen Zivilisation hat darin seine besondere Note, daß man beobachten kann, wie überall Altes, Ursprüngliches und Neues, aus den Gebieten einer vorgeschrittenen, uniformierten Technik Herangebrachtes sich durcheinander schiebt. Das fällt zuerst auf bei den Transportmitteln und Unterkünften. Man wundert sich nicht, wenn man in Zagreb (Agram) oder Belgrad in Hotels ersten Ranges wohnen kann und auf den durchgehenden Eisenbahnlinien nach Konstantinopel und Saloniki Schlaf- und Speisewagen findet. Jetzt aber dringt der Bahnbau auch in entlegene Gegenden vor, und wo die Bahn nicht hinkommt, tut es der Autobus. Man kann auf Autobuslinien kreuz und quer durch ganz Jugoslawien reisen. Der Autobus nimmt die schärfsten Kurven und abenteuerlichsten Steigungen, für die kein Bahnbau in Frage kommt, und ich habe oft die Geschicklichkeit der serbischen Fahrer bewundert. Man fängt gar- nicht erst an „ängstlich" zu werden. Die Oesterreicher haben sich in Bosnien in einer Zett, die noch nichts vom Auto wußte, mit Schmalspurbahnen geholfen. Tunnels, Brük- ken und eingelegte Zahnradstrecken wechseln in rascher Folge. Den Kosten- und Zeitaufwand für den Bau solcher Strecken kann man sich jetzt öfters sparen. Eine für Autos, auch für schwere Lastwagen, fahrbare Straße ist billiger, namentlich wenn an die Konstruktion des Straßenbahnkörpers keine großen Ansprüche gestellt werden. In den entwaldeten Gebirgen Südserbiens führen selbst kleine Rinnsale nach heftigem Regen unglaubliche Masten von Schotter, Kies und Sand herab. Wollte man die Fahrbahn auf einen hohen Damm mit breiten Durchlässen legen, so würde das zu teuer kommen. Stattdesten läßt man die ganze Mure möglichst breit über die ganze Straße laufen und räumt sie weg, wenn der Regen auf gehört hat. Zwischen Bitolj und Ochrida waren diese frischen, noch ganz von Wasser durchtränkten Muren aufregender, als jede Haarnadelkurve. Mit einem donnernden Anlauf stürzte sich unser schwerer, 24 sitziger Wagen in den Schlamm und Grus, aber jedesmal riß ihn der Mistor durch. Ich hatte mich auf gewisse Lebewesen, für die der Spanier das liebevolle Wort „a n i m a 1 i t o s“ braucht, in den Hotels der kleinen Städte im Innern gefaßt gemacht, aber ich wurde durchweg angenehm enttäuscht. Ich war manchmal einfach, aber stets vollkommen sauber untergebracht, und überall und ohne Ausnahme habe ich irgend jemand vom Hotelpersonal gefunden, der deutsch sprach, sei es den Wirt selbst, sei es die Beschließerin, die die Zimmer verwaltet, sei es einer der Kellner. Wem es Vergnügen macht, der kann auch immer noch auf Saumpfaden, von Führer und Packpferd begleitet, ins Gebirge reiten. Auf manchem Gipfel, so wurde mir erzählt, steht schon eine ganz komfortable Hütte für Schifahrer. Dieser Sport dringt auch in Jugoslawien vor, und an Gebirgsromantik findet auch der anspruchsvollste Aloinist seine Befriedigung. Auch der Mensch selbst modernisiert sich in den Bal'kanländern. Auf diesem Gebiet möchte man manches bedauern, aber die Dinge lassen sich nicht aufhalten. Für die ursprüngliche Wirtschaft der slawischen Völker ist typisch die Zadruga, die geschlossene Lebens-, Arbeits- und soweit möglich auch Wohngemeinschaft der aus mehreren Generationen und Verwandtschaftsgruppen bestehenden G r o ß f a m i l i e. In früherer Zeit wurde innerhalb dieses Kreises so gut wie alles hergestellt, was der Dauer zum Arbeiten und Leben braucht: das Haus, das Ackergerät, alle Werkzeuge, Tisch und Bank, der Webstuhl, die ganze Männer- und Frauenkleidung. Im Museum für Volkskunde in Agram findet man das alles eindrucksvoll zusam- mengestellt. Das Schaf trug die Wolle, sie wurde gesponnen und gewebt, der Flachs wurde gesät, geerntet, gebrochen, gehechelt, gesponnen, das Leinen zum Hemd gewebt. Der hölzerne Hakenpflug, der bei kräftiger Ausführung für die Feldarbeit besser ist, als sein Ruf, war ein Hauptarbeitsstück des Bauern. Ganz wunderbar ist der Farbensinn, der sich in Der Einfärbung der bäuerlichen Gewebe mit echten Naturfarben, besonders aber in der Pracht der weiblichen Kleidung zeigt. Sie ist fast von Dorf zu Dorf verschieden, jede Landschaft hat ihre besonderen Muster im Schnitt, in der Farbenwahl der verschiedenen Stücke und in der Stickerei. Sie ist überall von erlesenem, natürlichem Geschmack, mitunter märchenhaft schön. Man glaubt es aber auch gern, wenn man erzählt bekommt, daß an den Staatsstücken Frauen- und Mädchenhände in der Zadruga Monate, ja Jahre gearbeitet haben. Rock, Bluse, Schürze, Mieder, Gürtel, Kopftuch, alles was zur Tracht aehört, ich farbig und mit einer unendlichen Sorgfalt und Feinheit bestickt. Dahinein fällt nun der neue Vorrat des Kaufladens im Dorf an importierten, bedruckten Kattunen und Tüchern, an Modebild er n und Schnittmustern, wie sie die europäische und internationale Mode auf den Markt bringt. Es ist so viel einfacher, aus diesen fertigen Stoffen ein Kleid zusammenzuschneidern, als die schöne aber mühsame und zeitraubende Arbeit der alten Zeit zu leisten! Die Burschen sind beim Militär gewesen, bringen einen oerftäbterten und verschlechterten Geschmack mit, finden ein „städtisch" angezogenes Mädchen begehrenswerter als eine in der alten Tracht. Einerseits verführt die Billigkeit, andererseits lockert sich die Großfamilie mit ihrer festen Tradition durch die Gelegenheiten auf, die sich bei der großen Erleichterung des Verkehrs für die Abwanderung in die Stadt, den städtischen Verdienst und damit auch für die städtischen Vergnügungen darbieten. Bargeld hält seinen Einzug, Hausrat und Ackergerät sind nicht mehr Eigenarbeit, sondern werden fertig gekauft. Schneller noch als die Frauentracht erliegt die männliche der nivellierenden Nüchternheit unserer städtischen Zivilisation. Die Stadt wird zur Mörderin des Naturgewachsenen, natürlich Schonen und kraftvoll Originalen. Wir wissen Das schon, und eine Generation später werden es vielleicht auch die Balkanslawen wissen. mar, diesen zu lokalisieren trachtete, hat England nicht nur durch die den Polen gewährte Garantie den Krieg überhaupt erst heraufbeschworen, sondern auch nach dem schnellen Zusammenbruch Polens stur und verbissen am Krieg festgehalten und alle Hebel in Bewegung gesetzt, um noch andere Nationen in den Krieg hmeinzuziehen. Wenn trotzdem bislang England und Frankreich allein auf weiter Flur stehen, so sind dafür nicht zuletzt die Erfahrungen des Weltkrieges maßgebend gewesen, die es den Neutralen ratsam erscheinen ließen, nicht für die Interessen anderer die eigene Haut zu Markte zu tragen. Aber mit vollendeter Brutalität und kaltschnäuziger Rücksichtslosigkeit bietet England überall dort, wo es glaubt, sich das ungestraft erlauben zu können, seine ganze Macht auf, um sich neutrale Nationen gefügig zu machen und sie zumindest für seinen Wirtschaftskrieg gegen Deutschland einzuspannen. Wir erleben diesen britischen Terror so gut auf den skandinavischen Märkten, wie in Holland, Belgien, der Schweiz und ganz Südosteuropa. Das allein genügt freilich heute nicht mehr den Leuten, die sich in Paris und London mit Recht für den Krieg verantwortlich fühlen. Sie sehen sich genau wie vor einem Dierteljahrhundert nach Hilfsvölkern um, die ihre Schlachten schlagen sollen, und nach Kriegsschauplätzen, die sie der Sorge entheben könnten, an der Westfront die militärische Entscheidung zu suchen. Ihre Blicke gehen gleichzeitig nach dem höchsten Norden, wo Finnland sich verleiten ließ, es über die auf wenige lebenswichtige Punkte beschränkte Revisionsforderung der Sowjet- union zum Kriege kommen zu lassen, und nach Südosten, wo die britischen Drahzieher durch falsche Alarmnachrichten die kleinasiatischen Mächte gegen angebliche russische Aspirationen mobil zu machen suchen. In Rußland suchen die westlichen Pluto- Tratten den deutschen Gegner zu treffen, indem sie für die mißglückte direkte Blockade durch Erweiterung der Fronten im Norden und Südosten gleichsam neue Ansatzstücke suchen. Die Finnen hatten sich vor einigen Wochen schon an die Genfer Liga gewandt, die denn auch unter französisch-britischer Regie die finnische Sache zu der ihren machte und die Sowjetunion aus der Liga ausschloß, was man in Moskau mit Humor zu tragen gewußt hat. Auf die telegrafische Anfrage des Genfer Sekretariats, welche materielle und humanitäre Hilfe die Mitglieder der Liga der finnischen Regierung zu leisten gedächten, haben sich Frankreich und England fast drei Wochen Zeit gelassen, um eine Antwort auszubrüten, die nach viel aussieht und doch zu nichts verpflichtet. Halifax erklärt in feiner Note, daß die britische Negierung die Absicht habe, Finnland „allen Beistand zu leisten, den sie in der Lage ist zu geben und sie ergreift tatsächlich schon die hierzu notwendigen Maßnahmen". Auch Daladiers Note spricht überbetont vom „Maß des Möglichen", in dem die französische Regierung Finnland gegenüber ihre Beistandspflicht zu erfüllen bereit sei. Die Entsendung von Truppen wird vermullich für beide Westmächte außerhalb dieses Möglichen liegen und sie werden nicht grade böse darüber sein. Schon die Unterstützung Finnlands durch Kriegsmaterial, an dem es ja den Finnen gebricht, wird auf nicht geringe Schwierigkeiten stoßen, ja ist ohne die Mitwirkung der skandinavischen Mächte kaum denkbar, die sich indessen darüber im klaren sein werden, daß sie bei einer Teilnahme an solch einer Aktion ihre Neutralität auf das schwerste belasten. Doch Englands Politik steuert zielbewußt darauf hin. Nichts könnte ihr lieber sein, als neben den Finnen auch noch Schweden und Norwegen für den britischen Krieg gegen Rußland zu gewinnen. Aber vorerst scheint in Stockholm und Oslo die Vernunft groß genug, um sich nicht in einen Krieg hineinzerren zu lassen, der beide Völker mit seiner vollen Schwere treffen müßte und in dem sie ihre eigene Existenz aufs Spiel setzen würden. Daß es den Briten heute so wenig um Finnland geht, wie ihnen im September auch nur das geringste an Polen gelegen war, darüber sollte man sich in Skandinavien langsam klar geworden fein. Ihnen liegt ausschließlich an der Ausweitung des Krieges. Das gleiche gilt auch für den Süd osten, wo man 8war vorerst noch um einen Vorwand für einen ?rieg gegen Rußland verlegen ist, aber hofft, ihn im rechten Augenblick durch irgendwelche Tatarennachrichten über russische Truppenkonzentrationen rm Kaukasusaebiet und Grenzzwischenfälle konstruieren zu können. Inzwischen scheinen hier rm Gegensatz zum Norden die militärischen Dorberei- tungen schon im vollen Ganae. In Syrien soll sich bereits eine britisch-französische Armee versammeln, die auf eine Stärke von ein bis zwei Millionen Mann gebracht werden soll. Das Hauptkontingent sollen französische Kolonialtruppen aus Afrika und Jndockina und daneben arabische Hilfsvölker aus dem Irak und Aegypten, schließlich noch indische Regimenter stellen, die gegen den Protest des indischen Nationalkonaresses |a schon zu Beginn des Krieges nach dem Irak, Palästina und der Suez- Tanalzone verfrachtet worden waren. Den Oberbefehl soll General W e y g a n d übernehmen, der frühere französische Generalstabschef, der in Da- maskus und Beirut bereits Besprechungen mit General Wavell hatte, dem Befehlshaber der britischen Truppe im Mittleren Osten, der seinen Sitz in Kairo hat und dem sämtliche Streitkräfte in Aegypten, dem Sudan, Palästina und Zypern, sowie die Truppen der mit England verbündeten Länder Aegypten, Irak und Transjordanien unter» stellt sind. Die Frage, wie sich die T ü r k e i zu einer tnilifärifdjen Zusammenarbeit mit den beiden west- Eichen Plutokratien gegen Sowietrußland stellen wird, scheint trotz mehrmaliger Besuche Weygands «und Wavells in Ankara noch immer offen zu fein. Die Türkei hat sich zwar bereitgefunden, den gegenseitigen Garantiepakt mit den Westmächten einzu- gehen, aber sie hat sich damals ausdrücklich Vorbehalten, gegen ihren alten russischen Verbündeten nicht antreten zu brauchen. So ist hier vorerst noch 'eine wesentliche Lücke, Die zu schließen die französischen und britischen Diplomaten wie Militärs emsig bemüht find. Das Ziel der milttärischen Anstrengungen der Westmächte, die durch die Aufstellung der britisch- französischen Armee in Syrien eingeleitet werden sollen, sind die russischen Petroleumfel- d e r zwischen dem Kaspischen und Schwarzen Meer, die man durch einen Vorstoß über Erzerurn erreichen will. Daß das Oel in diesem Krieg eine ganz über« ragende Rolle spielt, ist zweifellos, wenn man weiß, daß England in den letzten Jahrzehnten seine Kriegs- und Handelsflotte zu einem wesentlichen Teil auf Delfeuerung umgestellt hat, ganz abgesehen davon, daß noch in keinem früheren Kriege der Motor zu einer solchen Bedeutung gelangt ist wie jetzt. Transkaukasien mit feinen reichen Oelquellen bei Baku und der Oelleitung nach Baturn, von wo das russische Oel über das Schwarze Meer den Anschluß tisch sitze, aber meinen kleinen zweijährigen Andreas Der Rabe ist ein listiger Vogel, eine fast aus-! halten sie für faul, weil er von 7 Uhr abends bis gestorbene Art; Krähen gibt es genug, aber der 7 Uhr morgens im Bett hegt und sich obenDrein schwarze Vogel, der Odin Geheimnisse ins Ohr sagte, i sogar ein Mittagsschläfchen leistet. Gegen diese Ver- horstet nur selten noch in der Einsamkeit. Dieser i dächtigung muß ich den kleinen Mann endlich ein- also hatte bei dem Dichter Pate gestanden, unb1 —f nhn f^rhrfv daher konnte feine Erfahrung die Herkunft von ur- wirkt er bei seiner Heimkehr durchaus nicht er „tutut machen", ans Telefon, um ein wichtiges Ge | das von kullern kommt. , Kette von feines älteren Bruders Schwarzwälder ! Uhr zu reifjen, drei bis viermal am elektrischen Licht Izu schatten, Strümpfe vom Wäschettockner zu zup- I fen und eine Flasche von der Badewanne zu wer- i fen, ja, und selbst wenn er sein Geschäftchen verrichtet, ruhen die fleißigen Hände nicht, sondern wickeln die geheimnisvolle Papierrolle ab, die er ' leider noch nie bis auf das unvorstellbare Ende hat aufrollen dürfen. Beute, zur Muter und beschäfttgt sich gerade damit, einen goldenen Ring zum Fenster hinauszuwerfen, als er vom Summen des Staubsaugers fortgelockt und der Ring durch diesen Zufall gerettet wird. Schriftleiter werden? Und einmal auch entdeckten wir, daß der Abreißkalender um vier Woch«n vorausgeeilt war, einen ganzen Monat hatte die emsige Hand des Schwerarbeiters abgepflückt, und ich erkannte voll Rührung, daß der kleine Mann noch Herr über Raum und Zett ist, ja. Tag um Tag machte er mir Heimweh nach dem verlorenen Paradiese, wo tröstende Zigarette, die sich in seiner liebevollen Hand wie eine Raupe ringelt und runzelt. Was er während des Vormittags fernerhin arbeitet, erkenne ich mittags an der Beule auf feiner hohen Stirn und den aufgeschlagenen Knien und errate es auch aus dem Inhalt feiner Taschen, zwei Blättern, einem Stein, einer Kastanie, einem rofth gen Nagel und viel Schnur. Trotz aller vormittäglichen Ueberslankungen städtischer Promenadenzäune, Erkletterungen städtischer Parkbänke und trotz angestrengter Sammeltätigkeit Auf dem Staubsauger reitet er längere Zett und steigt nur gelegentlich ab, um auf den Tasten des 1 Flügels zu träumen Wenn der Deckel des Briefkastens klappert, rast der Unermüdliche an die Tür, und niemand versteht so gut wie er, dem Vater die Haus". J?" I Aber im Schlaf speichert er nur neue Kräfte, und ~ 0= ; am Nachmittag schüttet er den neugefüllten Kraft- । speicher verschwenderisch über uns aus. Abends I suchen wir vermißte Gegenstände: Kochlöffel. Füll- und wahrhaft verwirren- ; ftderhalter, Bücher, Kakaotöpfchen, Türschlüssel und ‘k ““ **'*" Kaffeelot, wir finden so ziemlich alles, aber jenen Ring hat er, seine unterbrochene Arbeit erfolgreich wieder ausnehmend, doch noch zum Fenster hinausgeworfen. „Wo ist der Ring, Andreas?" „Hink?" jragt er, „Hink Fenster worfen!" Zuweilen finden wir auch Dinge, die wir gar nicht suchten, zum Beispiel ein Honigbonbon, auf Mommsens „Weltreich der Cäsaren" klebend, und eines meiner Manuskripte im — Papierkorb. Will er am Ende | Trotz dieser vielfältigen i ' ' ? j den Obliegenheiten, erinnert er sich zur rechten Zeit, daß er ja noch seines Bruders ordentlich gepackte Büchertasche ausräumen muß, flüchtet kurz darauf heulend, aber immerhin mit dem Federkasten als Mit einem Butterbrot in der Hand macht er fei- j nem glücklichen Vater den Morgenbesuch, stopft ihm : eine Kruste in den Mund, versucht mit glänzenden ’ «--v- l B m ,__ Butterfingern di- Bibliothek zu ordnen, wird aber schöpft, sondern schreitet nut der kurzen Bemerkung mitten in der Arbeit abgerufen und erwifckt in letz- /"tut machen , ans Telefon um em wichtiges Ge- ter Eile noch einen kleinen, handlichen Band Balzac, ^rach zu fuhren bemüht sich, den Vater an der den wir fpäter mit einem offenbar als Lefezeichen Schreibmaschine abzulo en, und betätigt sich, wenn hineingelegten Perlmutterknopf in feinem Spiel-, d°r Altt halsstarrig selber arbeiten will ordernd schrank mieberHnben in bßr Küche. Da er an den Gashahnen nicht drehen schrank mieoernnoen. «darf, gießt er wenigstens die Milch aus dem Topf Nun erledigt er im Klnberzimmer zunächst die jn Ausguß, und über den Pudding streut er vordringlichsten Arbeiten: die wollenen Hunde, Da-^rtoffelschalen. Flieger, die übers Haus brausen, rcn und Schafe werden auf die Weide getrieben,, im Stande, ihn sekundenlang abzulenken; dann , wo sie fressen, bis sie Umfallen: das Feuerwehrauto er |^on um d-en Puppen, den Bären und wird auf große Fahrt unter irgendein Möbel ge- Schafen das Mittagessen zu bringen. Heut kriegen, schickt und ein Monumentalbau aus bunten Klötzer> Stoffeln, und da sie sich beim Schlucken so wird soeben in Angriff genommen, da vernimmt ^umm an'f'teUcn, ftreut e'r ihnen das Esten in die fein scharfes Ohr, daß Vaters Tur gehst und da iiippijchen Münder hinein. Was vorbeifällt, stampft -cho di- Arbettszimmerluft Voraussicht ich letzt re,n ,/^jt den Füßchen schon breit, ,° daß niemant. sst, °>lt er schleunigst an diese g-li-bt- Schaf-ns- über eine Erhöhung stolpern kann, Gott fei geprie- a,t,;e-sroir^c'.rLen Hausschuh 'N den Papi-rkorb, (en, nad) solcher Volldampftatigkeit finkt er, feinen s stellt den Ablofcher unter den Schreibtlfch schüttet leit>enf(fraj1[id)en Protesten zürn Trotz in den Mit- d-n Aich-nbecher auf den Teppich, Z-rl-gt d>° Br>°,- tagsfchlaf, „Arbeit zu Ende, Ruhe und Friede im waage, strebt vergeblich nach dem Goethekopf, den - d 1 - er „Puppa" nennt, und begnügt sich am Ende mit schnaufender Ersteigung eines Stuhles, um am C*. bu5 zu drehen, den er „Tullu" nennt, ein Wort,1 Post zu bringen. Stück um Stück reicht er ihm hinauf und meldet sachlich: „Eine Post, noch eine Post, noch mehr eine Post!" Vater liest die Briefe, der Sohn in des Vaters Gesicht, um zu erkennen, ob ..... , ----- ------------------ — es sich um Annahme ober Ablehnung eines Manu- Arbeit niemals Last ist, sondern göttlich heitere^ fEriptes handelt und bringt ihm für alle Fälle eine! Spiel sehnsüchtiger Kräfte. Wichtiges von der Fleischkarte. Auch Eisbeine und Kalbshaxen in doppelter Menge. Oie Gaustraßensammlung - eine siegreiche Schlacht. NSG. Zur Gaustraßenfammlung am 6. und 7. Januar 1940 kommen die verschiedenartigsten 21b« zeichen aus unserer heimischen Kunstharzindustrie zum Berkaus. Sechs bunte Haustiere (Hund und Geflügel), ein Schneemann und ein Schornsteinfeger, sowie fünf Kriegswaffen (Tanks, Flieger und Schiffe) sind dieses Mal als Abzeichen ausgewählt worden. Diese vielseitigen Abzeichen werden bestimmt zu einem allgemeinen und großen Erfolg führen. Jeder denke daran, daß auch das Kriegs- WHW. eine Schlacht ist, die siegreich geschlagen werden muß! Platzkonzert - Platzsingen. In Verbindung mit der Gaustraßensammlung werden am heutigen Samstag und morgigen Sonntag, jeweils von 15 bis 16 Uhr, unweit dem Stadttheater Platzkonzerte stattfinden, die vün einem Musikkorps der Wchrmacht ausgeführt werden. Auch die KdF.-Singscharen, die unter ßeituna von Georg Heß zusammengestellt und ausgebildet wurden, werden durch manches Volkslied Freude zu bereiten wissen. Die Singscharen stammen aus Watzenborn-Steinberg und aus Leihgestern. Gesungen wird an drei verschiedenen Plätzen, und zwar am Sonntag um 14.30 Uhr am Bahnhof, um 15.15 Uhr am Kreuzplatz und um 15.45 Uhr an der Stadtkirche. Für die Sammeltätigkeit stellen sich auch diesmal wieder zahlreiche Helfer zur Verfügung. Politische Leiter, Walter und Helfer der NDV. und des KriegswinterhUfswerks, Äameraben aus dem NS.-Reichskriegerbund, aus dem NS.-Deutschen Marinebund, dem Reichsbund der Deutschen Beamten und dem NS.-Lehrerbund werden sich für den Erfolg der Gaustraßensammlung einsetzen. Zum Verkauf gelangen die hübschen geschnitzten Abzeichen aus den Werkstätten der Odenwälder Elfenbeinschnitzer. BOM -Untergau 116 Gießen. h I.-Veranskaltrmgsring. Die nächste Veranstaltung des HJ.-Deranstal- tungsringes findet am Somttag, 14. Januar, statt. Die Karten find ab Montag, 8. Januar, auf der Verwaltungsstelle abzuholen. Dienststunden: Mondtag, Mittwoch, Freitag von 18 bis 19 Uhr, Dienstag und Donnerstag von 20 bis 21 Uhr, Samstag von 15.30 bis 16.30 Uhr. DD IN.-Werk-Gruppe la/116, Sportarbeitsgemeinschafl. Betr. Dienst im neuen Jahr. Der Dienst beginnt für alle Mädel der BDM.-Werk- ®nippe la/116 am Sonntag, 14. Januar. Wir treffen uns dazu pünktlich um 10 Uhr zum Sport in der Gvetheschule. Mitzubringen ist Sportzeug. Die Schaftsführerinnen bringen außerdem ihre Dienstbücher mit. Betr. HI. -Theaterring. Die nächste Vorstellung findet am 14. Januar statt. Die Karten müssen sofort bezahlt werden, und zwar bei Else Ludwig, Seltersweg 87. Wer dieses Mal seine Karte nicht bezahlt und abholt, wird aus dem Theater- ring gestrichen. Die Führerin der BDM.-Werk-Gruppe ^a/116. Liefet Fuhry, M.-Gruppenführerin. Mädelgruppe 1/116. Der nächste Dienst ist am Sonntag, 7. Januar 1940, um 10.30 Uhr im Uhlheim. Das Geld für die nächste Theaterringvorstellung ist mitzubringen. Jlot eine Weihnachtsgobe an unsere Soldaten. Die NS.-Frauenschaft Deutsches Frauenwerk im Gau Hessen-Nassau tonnte zu Weihnachten der Wehrmacht 1050 warme Decken übergeben, die fleißige Hände aus alten Woll- und Stoffresten mit vieler Mühe genäht hatten. Volksgasmasken kühl und trocken lagern. Alle Besitzer von Volksgasmasken werden daran erinnert, daß die Masken kühl und trocken gelagert werden müssen. Unter allen Umständen muß verhindert werden, daß die Volksgasmaske in der Nähe von Oefen liegt. Tiere im Lustschuhraum. NSG. Es muß darauf hingewiesen werden, daß bei Fliegeralarm Tiere nicht mit in den Luftschutz- raum genommen werden dürfen. Sie müssen in der Wohnung bleiben. Hunde müssen angebunden sein. Eine Ausnahme gibt es nur für Blinden- und Dienst- Hunde. Im allgemeinen wird auf die Fleischkarte Fleisch nur in der auf den einzelnen Abschnitten aufae- druckten Menge abgegeben, und zwar grundsätzlich mit eingewachsenem Knochen. Bei der Abgabe von Fleisch, das handelsüblich ohne Knochen verkauft wird, wie z. B. Schnitzel, Filet, Roastbeef, Gulasch, Rouladen, ist auf Verlangen des Käufers eine Kno- chenbellage, die gesondert zu wiegen und zum Kno- chenpreis zu berechnen ist, hinzuzusuaen. Diese darf bei Schweinefleisch 20 v. H., bet Rindfleisch 25 v. H., bei Kalbfleisch 30 v. H. der auf den Kartenabschnitt oder Bezugschein abzugebenden Menge nicht über- steigen. Wird die Abgabe von knochenlosem Fleisch ohne Knochenbeilage verlangt, vermindert sich die für den einzelnen Abschnitt festgesetzte Gewichts- menge um den angegebenen Hundertsatz. Don dieser Vorschrift gibt es einige Ausnahmen, die jetzt in der neuen, am 1. Januar 1940 in Kraft Seit Tagen schon pilgern die Kinder ungeachtet der allgemeinen Temperatur in den Nachmittags- stunden nach der Mottke- und der Wolfstraße, um sich wieder einmal und nach so langer Zett dem Vergnügen des Schlittschuhlaufes zu widmen. Auch in diesem Jahr sind wieder viele dabei, die sich zum ersten Male auf das Eis wagen, die 5- und 6jäh- rigen, die den Bogen schnell heraushaben. Je früher die Kinder lernen, desto besser und gründlicher tun sie es. Zwar in den ersten Stunden machen sie noch keine sonderlich glückliche Figur und es muß von den älteren Geschwistern (oder gar von der Mutter) Hilfsstellung geleistet werden, aber diese erste Hilflosigkeit ist bald überwunden. Das Interesse der 21 etter en gilt dem Bo genlau sen und wenn es zunächst auch nicht leicht ist, so sind es doch viele, die es schon zu einiger Technik gebracht haben. In den 'Nachmittagsstunden beherrscht die Jugend die Eisfläche. Die Erwachsenen sind nur spärlich vertreten. Der Gießener Eisverein hat sich auch in diesem Jahre wieder lebhaft darum bemüht, eine gute Eisbahn herzurichten. Das Eis ist gut, es ist glatt und wenn sich einmal ein Riß zeigt, dann wird er gleich wieder geflickt — mit Wasser, das ja im Nu gefriert. Eine große Eisfläche ist geräumt worden, so daß den (Eisläufe™ viel Bewegungsmöglichkeit gegeben ist. Für den Kunstlauf ist eine Fläche besonders ab getrennt, sie ist aber nur wenig in An« Abschiedsfeier für Amtsgerichtsdirektor Mickel in Gießen Zur Verabschiedung des mit Wirkung vorn 1. Januar 1940 nach Wiesbaden versetzten Amtsgerichts- direktors Dr. Mickel vereinigte eine schlichte Feier Beamte und Angestellte im Schöffengerichtssaal des hiesigen Amtsgerichts. Landgerichtspräsident C o l n o t richtete nach Be- arüßung des Kreiswalters Hofmann vom Reichsbund der Deutschen Beamten, sowie des Vertreters der Anwaltschaft, Rechtsanwalt Dr. Wämser, gleichzeitig im Namen des mitanwesenden Oberstaatsanwalts K n a u ß herzliche Abschiedsworte an den nach über 6jähriger Dienstzeit von hier scheidenden bisherigen dienstaufsichtführenden Richter des Amtsgerichts, in denen er insbesondere die mustergültige und gewissenhafte Führung der Der- waltungsgeschäfte, die von unbedingter Gerechtigkeit getragene Dienstauffassung und die erfolgreiche Tätigkeit als Richter würdigte. Die mit der lieber- nähme der Justizverwaltung durch das Reich gestellten hohen Anforderungen an den Leiter eines großen Amtsgerichts stellen diesen vor nicht immer leichte Aufgaben, die durch den Scheidenden mit Tatkraft, Einfühlung in die Bedürfnisse der Rechts- pflege und gleichzeitig mit tiefem Verständnis für Die Angelegenheiten der Beamten ivü> Angestellten gemeistert wurden. Landgerichtspräsident C o l n o t entbot dem Scheidenden seine besten Wünsche für seine künftige Tätigkeit in einem größeren Wirkungskreis. Amtsgerichtsdirektor Dr. Mickel dankte mit warmen Worten für die Abschiedsworte des Landgerichtspräsidenten und sprach der Beamten, und Angestelltenschaft seinen Dank für die treue Mitarbeit aus. Die Feier schloß mit dem Gruß an den Führer. getretenen Diehmarktordnung bekanntgegeben werden. Hiernach sind in doppelter Menge der festgesetzten Gewichtsmenge abzugeben: Schweinekopfe (mit Ohr ohne Fettbacke), Eisbeine, Kalbshaxen, Ochsenmaulsalat, Rinderschwänze, Jnnereiensulze, Euter, Lungen, Brägen (Hirn), Herz, in vierfacher Menge: Fleischsalat, Schweinekammknochen, Konsumsülze, Speerknochen (Rückgratknochen) und Bauchrippen, die unmittelbar am Knochen aus- geschält und nicht nachgeputzt sind, Rinderkopfe, Kalbsköpfe und Schafköpfe, Spitzbeine (unmittelbar hinter dem Dickbein oder dem Sprunggelenk abgehauen) und Schweineschwänze, Rindermarkknochen, Fleck und Schwarten. Mischkonserven werden in Höhe der gewichts- mäßigen Fleischeinlage angerechnet. Nachgeputzte Knochen können mit Ausnahme der Rindermarkknochen ohne Abschnitte abgegebn werden. spruch genommen, da leider eine ganze Anzahl der Kunstläufer des Gießener Eisvereins anbenpemg. in Anspruch genommen ist. Unter diesen Umständen ist es schwierig, ein regelrechtes Training durchzuführen. Auch eine Eishockeymannschaft konnte bisher leider nicht aufgestellt werden, obwohl gerade jetzt die Trainingsmöglichkeiten günstig wären. In den vergangenen Jahren war es meist umgekehrt: die Mannschaften waren da, aber es gab keine Trainingsmöglichkeit! Der stimmungsvolle Abendlauf fällt (mangels Beleuchtung) leider aus. Für die Unterhaltung der Schlittschuhläufer hat der Eisverein in besonderer Weise gesorgt. Ein Rundfunkgerät wurde angeschafst und mit einem großen Lautsprecher verbunden, so daß geeignete Unterhaltungsmusik aller deutschen Sender auf die Eisbahn übertragen werden kann. In den vergangenen Tagen hörte man den kräftigen Lautsprecher in einer Reihe der umliegenden Straßen sehr deutlich. Für den morgigen Sonntag hat der Eisverein beschlossen, die gesamte Einnahme, die an diesem Tage erzielt wird, restlos dem Kriegs-Winterhilss- werk zur Verfügung zu stellen. Wer also" morgen die Eisbahn besucht, um Schlittschuh zu laufen, tut dabei nicht nur etwas für seine Gesundheit und für sein Vergnügen, sondern gleichzeitig ein gutes Werk. Der Eisverein hofft, daß er am Sonntag eine recht stattliche Gemeinde auf der ©isbcü)n vereinigt sieht. Keine Kraftfahrzeugs in Scheunen stellen. Räume, die nicht als Garagen baupolizeilich genehmigt sind, dürfen nur bann zur Einstellung von Kraftfahrzeugen benutzt werden, wenn sie keine benutzten Feuerstätten und keine leicht entzündbaren Gegenstände enthalten (§ 46, 1b der Verordnung über Garagen- und Einstellplätze vom 16. Februar 1939). Somit ist die Einstellung von Kraftfahrzeugen in Scheunen, Hallen, Ställen usw., in denen Futtervorräte, Stroh, Reisig und dergleichen brand- empfindliche Gegenstände lagern, grundsätzlich verboten. Diese Vorschriften haben nach einer Verfügung des Reichsstatthalters in Hessen — Landesregierung — Abteilung II (Polizei) vom 15. Dezember 1939 auch bei der Einstellung von Fahrzeugen der Wehrmacht Anwendung zu finden. In Zweifelsfällen sind die Brandschauer einzuschalten. 3ur Brandverhütung und Erhaltung von Futter- und Lebensmittelvorräten ist die genaue Einhaltung dieser Vorschrift unbedingt erforderlich. Zuwiderhandlungen werden bestraft. Zusatz für Wöchnerinnen. Werdende Mütter, Wöchnerinnen und stillende Mütter können, wie bisher schon, auf Grund einer durch einen Arzt oder durch eine Hebamme ausgestellten Bescheinigung täglich einen halben Liter Vollmilch und 150 Gramm Nährmittel beziehen. Diese Bescheinigungen können jeweils für eine Zeit bis zu 8 Wochen, bei Wöchnerinnen, die nicht selbst stillen, für 6 Wochen ausgestellt werden. Die Milchkarten und die Berechtigungsscheine für Nährmittel werden • gegen Vorlage der Bescheinigung auf der für den Wohnsitz zuständigen Kartensielle oder dem zuständigen Ernährungsamt ausgegeben. ©ienener IDodienmarftpreUe. * Gießen, 6. Jan. Auf dem hutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 RM., Matte 25 Rpf., Käse, das Stück 5 bis 10, ausländische Kühlhauseier 11, Weißkraut, kg 8, Rotkraut 10, qelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 12, Aepfel 15 bis 25, Lauch, das Stück 5 bis 12 Rpf. ♦ ♦♦ Beförderungen bei der Ge nd ar« meric im Kreise Gießern Mit Wirkung vom 1. Januar wurde der Gendarmerie-Obermeister a. P. Dreyer, Gießen, zum Gendarmerie-Obermeister befördert. Die Gendarmerie - Hauptwachtmeister Klapp (Londorf- und Sauber (Laubach) wurden mit Wirkung vom 1. Dezember zu Gendarme« rie-Meistem ernannt. ♦* Eine Zweiundachtzig jährige. Am morgigen Sonntag, 7. Januar, kann Frau Maria Wurm, Löwengasse 1311, bei verhältnismäßig guter Gesundheit ihren 82. Geburtstag feiern. Wir beglückwünschen herzlich. *♦ Die wehrwissenschaftlichen_ Vo r - trage der Universität Gießen, über die wir bereits berichteten, behandeln Themata, die das Vorttagsgebiet dem Hörer in vielerlei Hinsicht zugänglich machen. Bereits der erste Vortrag, den der Rektor der Universität, Professor Dr. Kranz, zur (Eröffnung der Vortragsreihe am kommenden Dann er sta gäbe nd über das Thema „Bevölkerungspolitisches und Raffenbiologisches zum Kampf um den Neubau Europas" halten wird, verspricht den Besuchern einen sehr aufschlußreichen Abend. Die Verträge finden vor den Studierenden aller Fakultäten, ferner vor den Angehörigen der Gliederun« gen der Partei und der Wehrmacht statt. Der Besuch der Vorttäge ist unentgeltlich. ** Anträge aus Verleihung des Deut« schen Schutzwall-Ehrenzeichens sind von den im Wehrbezirk Gießen wohnenden Wehrpflichtigen d. B., Angestellten und Arbeitern des Heeres, die in der Zeit vom 15. Juni 1938 bis 31. März 1939 mit ihrer Formation zum Ausbau und zur Verteidigüng der Befestigungsanlagen eingesetzt waren, sofort beim Wehrmeldeamt Gießen einzureichen. Landkreis Gießen. * Reiskirchen, 6. Januar. Heute vormittag fuhr hier in einer scharfen Kurve Än Personenkraftwagen gegen ein Haus^ (Nücklicherweise entstand nur Sachschaden. ßitt falscher Sleuerbeamier. 100 Befrugsfätte kamen auf sein Konto. Lpd. Mainz, 5. Jan. Das Reichsgericht hat die von dem 36 Jahre alten Florian K l u c z k a gegen das Urteil des Landgerichts Mainz vorn 13. November v. I. eingelegte Revision als unbegründet verworfen. Nunmehr ist der Beschwerdeführer wegen fortgesetzten Rückfallbetrugs in Tateinheit mit schwerer Urkundenfälschung und wegen Amtsanmaßung rechtskräftig zu 6 Jahren Zuchthaus, 500 RM. Geldstrafe und 10 Jahren Ehrenrechtsverlust verurteilt. Darüber hinaus wird der gefährliche Gewohnheitsverbrecher nach verbüßter Freiheits- strafe in Sicherungsverwahrung genommen. Der Angeklagte, der bereits 12 Jahre seines Lebens in Strafanstalten zugebracht hat, hatte nach seiner letzten Strafe wieder etwa 80 bis 10 0 B e- trugsfälle begangen. Er gab sich in verschiedenen Städten als Steuerbeamter aus und kassierte mit gefälschten Quittungen in Privathaus- halten rückständige Einkommen-, Bürger- und Kirchensteuern. Auch als Kassierer der städtischen Elek- trizitäts- und Gaswerke trat er auf. Durch fein sicheres Auftreten gelang es ihm in zahlreichen Fällen, die Wohnungsinhaber zur Hergabe des Geldes zu veranlassen. Festnahme einer Einbrecherbande. Bisher mehr als 20 Einbrüche nachgewiefen. Lpd. Frankfurt a. M., 5. Januar. Die Frank- futter Kriminalpolizei konnte eine fiebenföp- fige Einbrecherbande fest nehmen, deren Mitglieder im Alter von 17 bis 20 Jahren stehen. Die gefährliche Diebesbande unternahm seit Monaten zahllose Raubzüge während der Verdunkelung. Bisher konnten der Bande mehr als 20 (Jin* bruchsdiebstähle nachgewiesen werden, doch ist anzunehmen, daß die weiteren Ermittlungen noch zahlreiche wettere Verbrechen aufdecken werden. Die jugendlichen Einbrecher begannen ihr verbrecherisches Treiben mit dem Diebstahl von Autos, die zur Nachtzeit auf öffentlichen Straßen parkten, um damit Vergnügungsfahrten zu unternehmen. Die Autos wurden dann an irgendeiner Stelle abgestellt. Da diese Fahrten aber mit größeren Geldausgaben verbunden waren, ging man dazu über, sich durch Einbrüche das nötige Geld zu verschaffen. Mit Schußwaffen und Diebeswerkzeug wurden die verdunkelten Straßen der Stadt unsicher gemacht. Dabei wurden in der Hautpsache Wirtschaften, Ge- Eislaufsonntag für das Kriegs-Winterhilsswerk. Eichelhäher. Don Hans Brandenburg. Don den Rabenvögeln, die unsere Winterlandschaft beleben, sind die bekanntesten die Krähe und y der Häher. Schon der verwandte Klang der beiden Namen drückt ein Winterliches, Oedes, unwirtliches, Heiseres aus — der eine mehr ein Krächzen, der andere mehr ein Hauchen und Hallen. Auch die Krähe nistet und ruht in Bäumen, auch der Häher । fliegt über Feld, allerdings nur einzeln; dennoch gehören Sttmme und Gestatt der einen vornehmlich zum verschneiten Felde, die des andern zum winterlichen Walde. Bei uns in Oberbayern wohnt nicht die graue Nebelkrähe, sondern nur ine schwarze Rabenkrähe, und gerade dies Schwarz schreibt als düsterer Gegensatz sein beredtes Zeichen auf die weiße Fläche. Bunt dagegen ist der überall beheimatete Eichelhäher, mit einem kupfrigen und mein« farbenen Schmelz im grauen Gefieder, mit schwär- zen und weißen Flecken und Streifen an Kehle und Flügeln und mit einem quergebänderten blauen Schild. Wenn eines dieser himmelblauen Seiten- federchen morgens auf dem Schnee liegt, so ist das eine Spur des Kampfes, in welchem dieser Nest- vernichter und Schlangentöter, von nächtlichem Raubgesindel angegriffen, Haare lassen mußte. Er ahmt alle (stimmen nach, aber das mag im stummen Winterwalde nur die des Bussards sein, der bei uns überwintert. Sonst ist es sein gewöhnliches Kreischen und Ratschen, das sichernd und warnend den Waldrand aufbricht, und schon grub sich frisch die Flucht von Hasen und Rehen in den weichen Teppich. Uederall in den Eichen und Buchen, doch auch in Tannen und Fichten regen und tummeln sich diese zugleich dicken und flinken, unermüdlichen und unersättlichen Gesellen, überall im Schutz von Bäumen, auf und unter den Zweigen, denn nur dort können sie ihr emsiges Leben entfalten, nicht in ihrem plumpen Flug. Und von ihrem rauhen und einsamen Kältelchrei aufgewiegelt, stäuben und flirren Schnee- und Reifgespinste unter dem schwingen- schweren Spiel dieser bunten Raben. Auch in die Gärten bringen sie und in die Futterhäuschen der Singvögel, wo sie Finken und Meisen vertreiben und groß und alleinherrschend auf den Brettchen und unter den Dächlein sitzen. Wenn Bäume sie beschirmen, kommen sie bis an die Häuser, oft in ganzen Trupps, solange der Frühling sie nickst paart. Und man kann sie vom Fenster aus beobacy- ten, die prallen und gewitzten Vögel, die schwarzen Schnäbel, die Krallenzehen, die Perlaugen und die runden Köpfe, über die das Gefieder wie eine Haube hängt. Lebenskrisen. Don Wilhelm Michel. Es gibt Anekdoten, die bloß auf einen Wortwitz hin aus laufen, und es gibt andre, die blitzartig große, wichtige Zusammenhänge erhellen. „Ein Tierfreund" — so erzählt ein neues Buch des Arztes und Lebens Philosophen Hans Künkel — „wurde von einem Seidenraupenzüchter zu Gast geladen. Der Züchter führte ihn an die Kästen, in denen seine Raupen sich verspannen, und wies chm auch einen Kokon, aus dem ein Schmetterling mit äußerster Anstrengung sich gerade befreien wollte. Den Tierfreund faßte Mitleid, er ergriff eine Nadel und half dem werdenden Schmetterling aus der Umhüllung. Triumphierend blickte er Sen gefühllosen Züchter an. „Sie wollten dem Tier helfen und haben es wahrscheinlich vernichtet", sagte der. „Es braucht die Kämpfe und die Qualen des Herausarbeitens, denn gerade sie geben ihm erst die Kraft, die Flügel zu entfalten Daß diese kleine Geschichte eine Lehre enthält, wird wohl jedermann sofort bemerken. Aber diese Lehre besteht nicht in der alten Wahrheit, daß es eine schlechte Art von Mitleid und Hilfe ist, dem Bedrängten bloß eine Eselsbrücke zu bauen. Vielmehr liegt das Entscheidende unsrer Anekdote in der- besonderen Art der gegebenen Notlage: Es ist eine ßebensfrife aus dem Tierreich, welche sie uns vor Augen stellt; eine Krise, die entsteht beim llebergang von einer alten Lebensform zu einer neuen. Diese Lebenskrisen gibt es auch beim Menschen. Sie ereignen sich, io oft er den Schritt von einer Lebensstufe zur andern zu vollziehen hat. Er muß den Schritt von der Kindheit zum Jugendatter tun, dann von diesem zur Mannesform, und weiterhin muß er eine Krise des Altwerdens durchmachen, um schließlich in die bleibendere Gestalt des Greisentums einzutreten; und auch dieses bleibt nicht von weiteren Umbrüchen, „Pubertäten", verschont. Nichts kann natürlicher und organisch notwendiger sein als diese llebergange. Das Merkwürdige an ihnen — und das vom Menschen immer wieder Gefürchtete, Geflohene und Unverstandene — ist aber das, daß sie sich fast regelmäßig als gewaltsame Umwälzungen vollziehen und von Stö- runaen, Mühseligkeiten, Zusammenbrüchen begleitet sind, nicht selten sogar von ausgesprochen krankhaften Zuständen. In ihrer Gesamtreihe stellen diese Uebergänge eine geschlossene, wachstümliche „Entwicklung" dar; aber jeder einzelne von ihnen geschieht nur als realer Kamps, als schweres Ringen, als bitterer Verzicht. Was muß das Kind alles zurücklassen, wenn es durch die Pubertät ins Jugenbalter tritt! Wie schwer müht es sich oft aus der gewohnten Hege und aus der ihm zugehörigen mythischen Welt in bas neue, selbständigere Dasein hinaus! Und gar der Mann um die Wende des sechzigsten Lebensjahres! Der Körper zeigt ihm, daß die Kraftreserven, auf die bisher unbesorgt zurück- gegriffen werden konnte, zur Neige gehen. Freund- schäften haben ihn enttäuscht, Beruf und wirkende Tätigkeit überhaupt stehen dürftig vor seinem nüch- lernen Blick, die Grenzen eines Charakters und seiner Fähigkeiten werden ihm auf mißliche Weise klar, die Verzauberungen der Liebe rühren ihn nicht mehr an; die Lebensbilanz wird nach allen Seiten hin negativ. Ist aber dann der Durchbruch vollzogen, so zeigt sich etwas, das seit grauen Zeiten eine große Ueberraschung der Menschenseele war und es bleiben nstrd bis ans Ende der Tage. Es zeigt sich, daß die Leiden des Uebergangs nicht eine lästige Zutat oder ein persönliches Mißgeschick waren, sondern die einzig zweckentsprechende Zubereitung für die neuen Seinsweise; daß das neue Leben nicht trotz dieser Leiden gekommen ist, sondern durch sie; daß auf gar keine andere Art die Weite und Schönheit der neuen Lebensschwingung, der Eintritt in ihre herrliche, großartige Wertwelt zu gewinnen war als durch das, was als Verlust und Abschied, als Depression und äußere Anfeindung durchge- kämpft werden mußte. Unser Beispiel aus der Biographie der Seidenraupe sagt es mit unübertrefflicher Innigkeit: Der Schmetterling müht sich in schwerem Ringen aus der toten Strukturschlacke der Puppe heraus, und das Beiseiteschieben all dieses trockenen, starren, strohernen Materials scheint der einzige Zweck dieses Ringers zu sein. Aber eine Weisheit, die höher ist als die des Schmetterlings — und auch höher als die des Tier- fr eunbes, wie wir gesehen haben — hat dem Ringen als wichtigeren Zweck jene Kraftentfaltung ge- sttzl, die dem Tier erst die freie Verfügung über das wunderbare Organ des neuen Zustandes, die Flügel, veifchaftt. Diese Einsicht ist fähig, in das Bewußtsein des Menschen einzugehen als eine mächtige zusätzliche Lebenshilfe. Wo ihm auf seinem Lebenswege innere und äußere Schwierigkeiten einer bestimmten, grundsätzlichen Art begegnen, wo diese Schwierigkeiten sich häufig und hartnäckig wiederholen, da können sie chm eines Tages durchhelfen zu einem höheren Bewußtsein, das sich tapfer zusammenrafft in dem Entschluß: Nicht steckenbleiben in einem Bejammern der Nöte! Und nicht Hilfe suchen in Methoden eines geschickten „Ausbügelns" der Schwierigkeiten oder gar der Betäubung! Sondern sie durchkämpfen in der Richtung auf das größere, schönere Leben, das hinter ihnen märtet und das nur durch sie erreichbar ist! schäfte und Wasserhäuschen heimgesucht. Die Beute, darunter auch erhebliche Mengen Lebensmittel, wurde in den Wohnungen der Täter geteilt, zum Teil auch an dritte Personen verkauft. Die Sachen konnten bisher nur zum Teil wieder -urückgebracht werden. * Aundfunkprogramm Sonntag, 7. Januar: 6 Uhr: Hafenkonzert 7 bis 7.15: Nachrichten. 8: Wir singen den Sonntag ein! Ausführung: Der Chor des Reichssenders Frankfurt. 8.40: Dichter unserer Zeit: „Eine Begegnung". Eine Kurzerzah- lung. 9: Wie schön ist so ein Feiertag! 10.15: Gläubiges Herz. Eine Stunde der Besinnung am Feier- tag. „Unser Sieg ist unser Dank". 10.55: Funkstille. 11: Orchesterkonzert. Werke von Robert Schumann. 12.30: Nachrichten. 12.40: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.15: Uns gehört der Sonntag! Ein Rei- gen sorgloser Melodien. 14.45: Liebe Soldaten, schaltet ein, Euch grüßt der Kinderfunk Frankfurt am Main! Eine fröhliche Sendung mit Versen und Liedern von Helma Claus. 15.25: Volkstum und Heimat: „Frau Holle herrscht". Bäuerliches Brauchtum zwischen den Jahren. 16: Großes Wunschkonzert für die Wehrmacht. Dazwischen: 17 bis 17.10: Nachrichten. 19.30: Berichte. 20: Nachrichten. 20.15: Übertragung vom Deutschlandsender. Dazwischen: 22 bis 22.15: Nachrichten. 24 bis 0.15: Nachrichten. Montag. 8. Januar: 6 Uhr: Morgengruß. 6.10: Weckruf der Arbeit — Morgengymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7 bis 7.15: Nachrichten. 8: Landvolk, merk' auf! 8.10: Gymnastik. 9.15: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 9.30: Schulfunk (Grundstufe). „Der Trippel-Trappel- Topf". 10: Frohe Weisen. 10.45: Sportberichte. 11: I. Kammermusik für Moli ne und Klavier. II. Kleine Musikanten an großen Instrumenten. 11.50: Mikrofon unterwegs. 12: Mittagskonzert. Das große Orchester des Reichssender Hamburg. 12.30 bis 12.40: Nachrichten. 14: Nachrichten. 14 15: Der fröhliche Lautsprecher. 16: Nachmittagskonzert. Dos kleine Unterhaltungsorchester des Reichsenders Wien. 17: Nachrichten. 17.10: Musikalische Kurzweil. 17.45: Klingende Liebesgaben des Reichsfenders Frankfurt. Eine fröhliche Stunde bei und für un» fere Kameraden am Westwall. In Verbindung mit der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude". 19.10: Zur Unterhaltung. Otto Dobrindt spielt. Dazwischen: 19.10: Berichte. 19.45: Politische Zeitungsschau. 20: Nachrichten. 20.15: Uebertragung vom Deutschland sender. Dazwischen: 22 bis 22.15: Nachrichten. 24 bis 0.15: Nachrichten. Wirtschaft. Rhein-Mainische Börse. • Tendenz uneinheitlich. Frankfurt a. M., 5. Jan. Aus dem Publikum hielt der Anlagebedarf nach dem Zinstermin an, dagegen zeigten die Börsenkreise keine größere Un- ternehmungÄust und stellten verschiedentlich weiterhin noch etwas glatt. Bei verminderter Umsatztätigkeit war die Kursentwicklung am Aktienmarkt uneinheitlich, wobei sich die durchschnittlichen Abweichungen zumeist bis zu 1 v. H. bewegten. Die Grundtendenz war im ganzen gesehen weiter fest. Stärker abweichend waren am Montanmarkt Harpener Mit 162,25 (164,65) Ilse Genuß gaben 0,75 v. H. ab auf 164,25, während Mannesmann 0,40 v. H. gewannen auf 112,90 und Verein. Stahl mit 105,90 (106) und Buderus mit 100,75 (100,90) behauptet blieben. JG.-Farben befestigten sich um 0,90 v. H. auf 169,40, Rütgerswerke um 0,25 v. H. auf 157. Im übrigen kamen vorerst noch AG. für Verkehr mit 122 (123), Daimler mit 126,25 (127), Rheinmetall mit 128 (128,75), andererseits Heidelberger. Zement mit 149 (148), Zellstoff Wald- hof mit 121,75 (121,25) und Mainkraftwerke mit 92,50 (92) zur Notiz. Am Rentenmarkt war di« Nachfrage noch größer. Gesucht wurden vornehmlich Pfandbriefe und Schatzanweisungen, auch verschiedene Staats- und Länderanleihen fanden Nachfrage. Goldpfand- briefe wurden vielfach scharf repartiert, Kommunal- Obligationen zogen z. T. 0,25 v. H. an. Etwa 0.25 bis 0,50 v. H. höher notierten ferner die meisten Industrie-Obligationen, während Stadtanleihen und Ligui-Psandbriefe behauptet lagen. Im Freiverkehr Kommunal-Umfchuldung 95 (94,95), Aeuergut- scheine I April/Mai 99,40 (99,30). Im Freiverkehr war die Haltung fest. Ding- ler 79 (78), Katz & Klumpp 82 (80), Rastatter Waggon 45 (44). Tagesgeld unv. 1,75 v. H. granffurter Schlactttoiöhmarkt Frankfurt a. M., 5. Januar. Notiert wurden je 50 Kilo Lebendgewicht in RM. (die eingeklammerten Zahlen sind die vom letzten Maickt): Ochsen a) 45 bis 46,50 (44 bis 46,50), b) 41 bis 42,50 (40 bis 42,50), c) 34 bis 37,50 (36 bis 37,50). Bullen a) 42,50 bis 44,50 (43 bis 44,50), b) 39 bis 40,50 (39 bis 40,50), c) 35 (34 bis 35,50). Kühe a) 41,50 bis 44,50 (41,50 bis 44,50), b) 37 bis 40,50 (37 bis 40,50), c) 28 bis 34,50 (26 bis 34,50), d) 16,50 bis 25 (16 bis 25). Färsen a) 43 bis 45,50 (44 bis 45,50), b) 40 bis 41,50 (40 bis 41,50), c) 36,50 (30 bis 36,50), d) 27 (27). Kälber a) 62 bis 65 (62 bis 65), b) 54 bis 59 (55 bis 59), c) 44 bis 50 (45 bis 50), d) 20 bis 40 (30 bis 40). Hämmel a2) 50 bis 51 (49 bis 50), b2) 48 bis 49 (44 bis 47), c) 30 bis 44 (34 bis 42), d) 20 bis 22 (—). Schafe a) 42 bis 44 (42), b) 34 bis 40 (34 bis 37), c) 22 bis 32 (25 bis 32). Schweine a) 55,50 (56), bl) 55,50 (56), b2) 55 50 (56), c) 54,50 (55), d) 51,50 (52), e) 49,50 (50), Sauen gl) 55,50 (56). Marktverlauf: Großvieh, Kälber, Schafe und Schweine zugeteilt. Fuhb'll um die Kneqsmeifferschast. DfB.-Reichsbahn I. — Sportverein 05 Wetzlar L Auf dem Waldsportplatz werden morgen die Gäste aus der Dornstadt zum fälligen Punktekampf erwartet. Die Spiele mit dem alten Rivalen Wetzlar haben noch nie ihren Reiz verfehlt, waren sie doch stets hart und spannend. Die Wetzlarer, die bei den vorjährigen Meisterschaftsspielen erstmals beide Treffen verloren, werden die Gelegenheit wahrnehmen und sich voll einsetzen, damit die Scharten ausgewetzt werden. Die Mannschaft ist in Gießen zur Genüge bekannt um zu wissen, daß sie als spielstark anzusprechen ist. Die hohe Niederlage der Gießener Stadtmannschaft am Neujahrstage hat deutlich gezeigt, was in der Elf aus Wetz- lar steckt. Die Grünweißen, die ihr zweites Punktespiel in Leihgestern siegreich beenden konnten, haben wieder eine starke Mannschaft auf die Beine gebracht, die aber in diesem Spiel nur dann bestehen kann, wenn sich jeder Spieler der Schwere des Kampfes bewußt ist. Es ist mit einem erbitterten Kampf zu rechnen, dessen Ausgang völlig ungewiß ist. Watzenborn-Steinberg I — 1900 Gießen I. Zum fälligen Kriegsmeisterschaftsspiel empfängt die 1. Mannschaft des FC. „Teutonia" Watzenborn- Steinberg am morgigen Sonntag die 1. Mannschaft der Spielvereinigung 1900 Gießen. Schon stets lieferten sich beide Mannschaften spannende Spiele mit meist wechselndem Erfolg. Blieben die Leiste vom Trieb in den inzwischen beendeten Rundenspielen mit 3:2 Sieger, so siegten die Teutonen vor einigen Sonntagen im abgeschlossenen Gesellschaftsspiel mit 3:0 Toren. So wird auch morgen an der Neu müh le ein Spiel zum Austrag kommen, das die Zuschauer bis zur Schlußminute begeistern wird. Sa es um die vielbegehrten Punkte geht, wird jeder Verein bemüht sein, die zur Zeit beste Mannschaft auf die Beine zu bringen. (Hutes Meldeergebnis. Vor den Kreismeisterschaften im Schilauf. Aller Voraussicht nach gibt es morgen auf dem Hoherodskopf einen großen Tag. Nach dem günstigen Meldeergebnis zu schließen, wird eine stattliche Schar von Wettkämpfern antreten, um im Langlauf, im Tor. und im Abfahrtslauf um Sieg und Titel zu kämpfen. Besonders stark ist die Jugend beteiligt. Zahlreiche Kameraden der HI. und viele Schihäferln aus dem BDM. haben gemeldet, so daß es auch zu Mannschaftswertungen kommen kann. Neben den Aktiven wird man auch in den verschiedenen Altersklassen mit guter Beteiligung rechnen dürfen. Neben dem Kreis VIII ist auch'der Kreis XI im NSRL. an den Wettkämpfen beteiligt. Der größte Teil der Schiläufer aus Gießen trat bereits heute morgen die Reife in den hohen Vogelsberg an und mancher Wettkämpfer wird bemüht fein, mit den gegenwärtigen Schneeverhält- niffen vertraut zu werden. Außerdem gilt es natürlich auch manche organisatorische Vorarbeit zu leisten, für die sich viele Helfer zur Verfügung gestellt haben. Für die glatte Durchführung Der Zeitnahme wird eine Telefonleitung gelegt, für deren Bau und Bedienung sich die Nachrichten-Hitler- Jugend zur Verfügung gestellt hat. Die Schneever- hättnisie im hohen Vogelsberg sind befriedigend. Horst Raber wieder Eiskunstlauf-Meister. Bereits in der Pflicht hatte Horst Faber (München) bei der Deutschen Eiskunstlaufmeisterschaft der Männer in Wien eine so sichere und reife Linie gezeigt, daß man bei einigermaßen gleichbleibenden Leistungen bei der Kür am Donnerstagabend mit der erfolgreichen Verteidigung seines Titels rechnen mußte. Faber wurde denn auch abermals Groß- deutscher Meister vor den beiden ausgezeichneten Wienern Edi R a d a und Helmuth M a y , die ebenfalls ein geschickt aufgebautes Programm liefen, aber an die unbestechliche Sicherheit und Elegan, des Meisters nicht ganz herankamen. Aus aller Well. Soldaten aus den Wohnungen zum Erschießen ab. Beobachtungen mitgeteilt. Ein Bild von Karl Lenz vom Führer angekauft Ermordung von Volksdeutschen durch klare und einwandfreie Zeugenaussagen bestätigt worden ist. Ein polnisches Flintenweib vor dem B'oinberger Sondergencht. Bromberg, 5. Jan. (DRV.) Das verbrecherische Verhalten polnischer Flintenweiber in den vchreckenstagen des September ist bereits in zahlreichen Verhandlungen der Sondergerichte bestätigt worden. Gerade die polnischen Frauen waren es, die in fanatischem Haß gegen alles, was deutsch ist, den Männern in nichts nachftanden. Sie legten dabei eine solche abgrundtiefe Grausamkeit und so viel Bestialität an den Tag, daß selbst Mitglieder der polnischen Rollkommandos sich veranlaßt sahen, oft gegen diese wildgewordenen Furien einzuschreiten. Dor dem Sondergericht in Bromberg stand' die 54jährige Buchhalterin Sophie Lonkowska, die schon als sadistisches Flintenweib an dem polnischen Ausstand in Oberschlesien teilgenommen hatte. Sie siedelte später nach Bromberg über. Im September ergriff sie als eine der ersten die Waffen gegen die Bromberger Deutschen. In der Uniform eines polnischen Unteroffiziers begleitete sie die Züge der verhafteten Deutschen und holte diese sogar zusammen mit polnischen und ge fährlicher Berufsverbrecher, bat im Oktober 1930 auf der Landstraße einen Arbeiter in Raubabsicht überfallen und ermordet. Im Dezember 1930 hat er eine Theaterkassiererin in Brieg beraubt und getötet und mar deshalb damals nur zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt worden. Erst während der Verbüßung dieser Strafe gelang es, den früheren Mord aufzuklären. — Am 5. Januar 1940 ist der am 21. Juni 1914 in BitterfeD geborene Erich E ck a r d t hingerichtet worden, der vom Sonderge- richt in Halle a. d. S. am 8. Dezember 1939 wegen versuchter Notzucht und Verbrechens gegen die Verordnung gegen Volksschädlinge vom 5. September 1939 zum Tode und zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt worden war. Eckardt hat von August bis November 1939 vier Frauen und Mädchen, teilweise unter Ausnutzung der Verdunkelung, a u f der Straße überfallen und z u vergewaltigen versucht. - Landesverräter hingerichtet. Die Justizpressestelle beim Volksgerichtshof teilt mit: Der vom Volksgerichtshof wegen Landesverrat zum Tode und zu dauerndem Ehrverlust verurteilte 22jährige Heinrich Gebhardt aus Harreshausen Hierbei hetzte si- die Mordgesellon zu ihren blutigen ] 'f‘ S°m-t°gnu>rgen hingerichtet morbtn. Der Der- Schandtaten auf. Das Gericht verurteilte di- Son- feilte hat s'ch -U- Gewinnsucht einem feind- kowska wegen gemeinschaftlichen Mordes und Land- , l l ch e n No ch r , ch t e n d I e n st zur Verfügung friedensbruches zum Tode, nachdem ihre Teil- gestellt, IN dessen Auftrag- mehrer- Ausspähung», nahm- an d-r Mihhandlung, Verschleppung und reifen ms Reich unternommen und ,hm seine Vollstreckung von Todesurteilen. Am 5. Januar ist der am 28. Oktober 1893 in Neuland, Kreis Löwenberg in Schlesien geborene Richard Neumann hingerichtet worden, der vom Schwurgericht in Leonding wegen Mordes zum Tode und dauerndem Ehrverlust verurteilt worden mar. Neumann, em verkommener Sittlichkeitsverbrecher, hat hn November 1919 ein 20 Jahre altes Mädchen, das feinem Annäherungsversuch ausgewichen mar, überfallen und ermordet. Der Verbrecher hat eine ähnliche Tat im Jahve 1930 begangen, derentwegen er damals nur zu einer langjährigen Zuchthausstrafe verurteilt wurde. Erft während er diese Strafe verbüßte gelang es, das Verbrechen aus dem Jahve 1919 auf» zuklären. — Am 5. Januar 1940 ist der am 2. Juni 1902 in Brieg geborene Paul Rieger hingerichtet worden, der vom Schwurgericht in Brieg wegen Mordes zum Tode und dauerndem Ehrverlust verurteilt worden war. Rieger, ein verkommener Karl Lenz, der Bauernmaler des Hessenlandes, der auch in diesem Jahre wieder auf der Großen Münchener Kunstausstellung ausgestellt hatte, hat zu Weihnachten die Mitteilung erhalten,' daß her Führer das Bild „W inter in Erdhaufen" angekauft hat. Professor Bobo Ebhardt 75 Jahre alt. Am 5. Januar vollendete der Geheime Hofbaurat Professor Bodo Ebhardt auf der Marksburg fein 75. Lebensjahr. Professor Ebhardt, dessen Name als Wiederhersteller zahlreicher Burgen in ganz Deutsch, land bekannt ist, stammt aus Bremen und widmete sich bereits frühzeitig der Baukunst. Bekannt wurde Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen! 6er rÄ Hiann fiirBtohof Komonüon$rlöanetttiöß(f CARL DUNCKER VERLAG • BERLIN W 35 15 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Willem spielt sein Erstaunen so schlecht, daß Anne nur mühsam das Lachen verbeißen kann. Sie weiß gar nicht, wo sie Hinsehen soll, wendet den Kopf zu Seite und — sicht in Christian Schwertfegers lustige Augen. Er sitzt am Nebentisch und nickt ihr zu, wie in der Halle der Zollabfertigung. Gott, liegt das weit zurück! Und Willem kommt 'mit dem Mädchen Margot und einer unvorstellbar dicken Frau zurück. „Das ist aber ein glänzender Zufall, gnädiges Fräulein", sagt er so laut, daß es seine Großmutter hören muß, „ausgerechnet an unserem Tlsch haben Sie Plätze. Bitte, Großmama, — gestatten Sie, gnädige Frau, — meine Großmutter, Frau Geheimrat Schönemann, — Frau Wenzien, Fräulein Wenzien, eine bekannte Hamburger Malerin, Fräulein Wegner." So, die Vorstellung ist gottlob überstanden, man merkt Willem an, daß er Herzklopfen hat. Frau Geheimrat hat mit einem Seitenblick auf die alte Frau Wenzien nur sehr kurz genickt. Die ruschelt indes geschäftig um den Tisch. „Alt bei alt", sagt sie und laßt sich neben der Geheimrätin nieder. „Mer was Sie da von bekannter Malerin sagen, Herr Schönemann, das ftimmt nicht. Kann sie ja gut und gern noch mal werden, denn die Wenziens sind alle tüchtig in ihrem Fach. Ich will mal meinen seligen Bruder nehmen, der war ein Maurerpolier! In ganz Hamburg konnten sie so einen mit der Laterne suchen und Margot, allens, was recht ist — ’ne fixe Beern ist sie immer gewesen, aber bis nu haben bloß Verwandte die Bilder gekauft, ischa auch gar nix dabei." Die junge Malerin hat einen dunkelroten Kopf, und Willem zerpflückt ein Brötchen. Brett und gemütlich sitzt Manda Wenzien neben der hageren Geheimrätin. Der Steward kommt. Vornehm und leise kommt er daher und bringt die Brühe. „Sich, das ist nett, Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen", sagt Manda. Sie löffelt und schluckt laut. Das Geräusch vieler Stimmen, das Klappern von Tellern, das Lachen vermengen sich zu lustigem Summen. Draußen steht der Abend unwirklich blau hinter den geöffneten Bullaugen — ein seidenes Tuch, das langsam die Farbe wechselt und dunkler wird. Manda ist am ersten mit ihrer Brühe fertig, nun fitzt sie wieder da und schaut sich vergnügt nach allen Seiten um. Sie trägt ein schwarzes Wollkleid mit Stehkragen, dessen Rand mit einem ge» fälteten Spitzchen versehen ist. Auf dieser Spitze ruht das mächtige Doppelkinn. Manda hat sehr weißes Haar über dem roten Gesicht und die strahlendsten Augen der Welt. Eine bezaubernde alte Frau, denkt Anne und fühlt, daß sie die Geheimrätin nicht leiden kann. Sie fühlt aber auch, daß Margot sie mit schmalem, fest zusammen gepreßtem Mund mustert, so, wie es Irene Waitz manchmal tat. Frau Wenzien hingegen lehnt den Oberkörper über den Tisch, zeigt mit dem Finger auf Anne und sagt gemütlich: „Was sind Sie doch mal für ein nettes Fräulein, so ein feines Gesicht habe ich lange nicht gesehen, und die Haare — na, überhaupt, wie Die Ponttnische Madonna sehen Sie aus." Die Frau Geheimrat zuckt zusammen und sieht auf ihren Teller nieder, als sie merkt, daß die Um- fifeenben lächelnd ihren Tisch beobachten. Anne lacht hell heraus. Sie nickt der Alten zu und schließt durch dieses Nicken Freundschaft mit ihr, quer über den Tisch hinweg, eine Freundschaft nicht nur für sieben Tage. Aber Margot macht es wie die Frau Geheimrat, sie starrt auf ihren Teller und stammelt mit tief gerunzelter Stirn: „Sixttnische Madonna, Großmutter." „Süh", ruft die Alle vergnügt, „so was verwechsel ich nu. Dann sind das andere wohl die Sümpfe, so der Duce eine Stadt braus gemacht hat? Ich dachte mir, die hießen Sixttnische Sümpfe. Na, dascha einerlei, ihr wißt ja, was ich meine, ich bin ja auch keine Malerin — woher! In meiner Jugend bin ich knapp in die Schule gegangen, wie ich so alt mar wie die Margot, da habe ich mit Aepseln auf dem Meßberg gesessen. Haben aber rvas eingebracht, die Aepfel, das waren noch gute Zeiten in Hamburg. Manda Wenzien konnte aber auch keiner was vormachen, ne—he. Und was glauben Sie woll, wenn das so in der Einmachezeit war, was ich da an Schattenmorellen verkaufte. Mer auch süße Kirschen, Kasbeern jagr „man in Hamburg dazu, ulkiges Wort — mch? —" Sie lacht, ihr Doppelkinn wird rot vor Freude. Sie ist eine Frau aus dem Volke und will nicht mehr sein, als sie ist. Der große Speisesaal macht ihr nichts aus und nichts vor. Elegante Frauen kennt sie von ihrem Marktstand her, hoho, die haben tüchttg mit ihr gehandelt, ihr kann keiner was erzählen. Und alle, ob reich ob arm, kommen auf die gleiche Weise zur Welt. Ob Mann, ob Frau, der Herr Senator, die Frau Geheimrat oder Manda Wenzien — diese Ankunft in die Welt bleibt keinem erspart. Alles hat seinen Schick und sein Ansehen, der liebe Herrgott allein weih, was er will. Die blaue Seide hinter den Bullaugen wird tiefer und leuchtender. Am Tisch der Frau Geheimrat ist es jetzt still. Die Menschen, die da zusammenfitzen, find zu verschieden, sie sind auch mißtrauisch gegeneinander. Frau Schönemann sieht das Mädchen Margot und ihren Enkel an. Aber um Gottes willen, er wird doch nicht für diese etwas übrig haben? Manda erzählt dies und das. Sie hat eine feine Kabine genommen und viel Geld ausgegeben, dafür will sie Spaß haben. Kann ihr das jemand Übelnehmen? Wenn keiner lacht, lacht sie über sich selbst — so ist es richtig. Und Anne fühlt, daß Christian Schwertfegers Äugen oft auf ihr ruhen, bas beglückt sie nicht gerade, bewahre, aber sie denkt, daß sie jetzt wie vorhin auf dem Sonnendeck an die Reeling gelehnt stehen möchte. Mehr denkt sie nicht, ausgeschlossen! Wenn sie ein wenig den Kopf wendet, sieht sie an ihm vorüber und sieht die dunkle Seide der Nacht, das ist schön, herrlich ist das, ein Märchen, nichts dagegen zu sagen, ein Märchen, wie man es in den Kinderbüchern lieft. Der Steward neigt sich ein wenig über ihre Schulter. Er hat eine weiße Jacke an, er streckt den weißgekleideten Arm aus und serviert den zweiten Gang.--- Um Mitternacht verläßt der Dampfer „Columbus" Bremerhaven. Um Mitternacht fängt der Schiffsriese an zu beben. Es ist in allen Kabinen ein Knistern, wie Lachen übermütiger Geister zu hören. Ganz zart nur, nicht etwa zum Fürchten, nur so, daß die Passagiere, die wach werden, sich mit einem Ruck auf richten und wobl rufen: „Wir fahren, Himmel, fahren wir schon? Wer eine Außenbordkabine hat, kann das sehr leicht feststellen. Anne steckt sofort den Kopf durchs Bullauge und erschrickt fast, denn ihr Kopf ist auf gleicher Hohe mit zwei anderen Köpfen, die beinahe zum Greifen dicht vor ihr find. Zum Greifen dicht natürlich nicht, das ist übertrieben, aber die Kavi- tänsbrücke eines der kleinen Tender, die den Riesen zum Hafen rauslotfen, ist natürlich nahe. Der Tender und der „Columbus" sind mit Scheinwerfern beleuchtet, sind in so grelles Licht getaucht, daß die Goldborten an den Uniformen des Tenderführers hell flimmern. Wir fahren, denkt Anne mit einem tiefen Atem- zug. Das Land bleibt hinter uns, wir können nicht mäjr zurück. Sie steckt den Kopf noch weiter hinaus, so weit, daß der Wind ihre gelben Stirnhaare erwischt, wie Wimpel flattern sie. Sie lehnt sich raus und stößt kleine, Helle Schreie aus. Mit sich in der gleichen Höhe sieht sie zwei männliche Wesen, den Tenderführer und einen Knaben, auf der Kapitänsbrücke stehen. Der Knabe ist noch fast ein Kind. Er trägt ein hellblaues Klappkrägelchen, über das fein Jungengesicht ernsthaft unverwandt geradeaus sieht. Anne ruft: ,Hollo, hallo, Junge." Sie möchte für ihr Leben gern irgend jemand ihre übergroße Seligkeit miterleben lassen. Der Knabe wendet den Kopf, er hat in dieser Beleuchtung fast durchsichtige Augen. Er sieht Anne an, aber sein Blick ist ohne Verständnis für ihre Freude. Sofort schaut er wieder weg und geradeaus in die Ferne, als sei er der Kapitän und ver- anttvorttich für den Tender, den Ozeaner und die Passagiere. Er ist ein ernsthafter Junge, der diese Dinge selbstverständlich und keinen Spaß daran findet. Der weiß, was er will, der Junge, er läßt sich von einer Deern, deren gelbe Haare wie Bänder im Wind« flattern, nicht aus der Ruhe drinnen. Der Kapitän gibt ihm das Steuer zum Halten, das ist eine Sache! Für Sekunden dürfen sich die Knabenfinger um das braune, abgegriffene Ding legen, nur für so lange, als der Käpt'n beide Hände zur Muschel um den Mund legt und zum „Columbus" rüberruft: ,Lönnt si nu alleen?" ,Zo, huhlt af." Matrosen laufen auf dem Tender hin und her, die Trossen werden eingeholt. „Bye, bye" schreit man, irgendeine Stimme grölt: „Hummel, Hummel", der Tender bleibt zurück. Der Kapitän hebt die Hand zum Gruß, er und der Junge sind durch das grelle Licht plastisch aus der Nacht gehoben. Dann wird es dunkel, bann ist die Nacht da, und das Meer rollt mit schweren Wellen. Man spürt den Salzhauch auf den Lippen, man sieht das rote Auge eines Leuchtturmes noch lange. — — Anne schließt das Bullauge nicht, sie will das Meer rauschen hören. Der Wind fängt sich im Vorhang des Fensters, es knistert leise, das Kleckern des Wasiers klingt hell dazwischen. Anne kniet auf ihrem Bett. Sieh, da hat der Wind in dem Buch auf dem Nachttisch geblättert, in ihrem Buch, das doch nicht das ihre ist. Zwar kaim sie die Schriftzüge nicht sehen, aber. sie weih, daß irgendwo „Christian Schwertfeger" steht. Sie kniet auf ihrem Bett und unterhält sich mit ihm: „Ich bin heute abend deshalb so schnell in meine Kabine gegangen, weil ich todmüde war, Herr Schwertfeger, Sie werden mir das nicht Übelnehmen. Glauben Sie, daß das Mädchen Margot, die Malerin, wissen Sie, und ihr Freund Willem zum Tanzen gegangen find? Jky glaube es nicht, sie sind aber auch nicht aufs Sonnendeck gestiegen und beben sich nahe beieinander an die Reeling gelehnt, weil sie doch Freunde ober so was sind. Nein, ich weiß wohl, was sie gemacht haben. Sie haben wieder auf dem Promenadendeck gestanden und sich gezankt. Sie haben sich über ihr« Großmütter gezankt, weil sie es nicht verstehen, glücklich zu sein. Ich glaube beinahe, ich verstände es besser. Natürlich meine ich das nur so, weil ich doch jetzt schon glücklich bin, daß ich über das Meer fahre. Und denken Sie, sieben Tage werden wird unterwegs fein und die Wett sehen. (Fortsetzung folgt) kr durch seine Burgen-Wiederherstellungen, wie Z.B. der Hohkömgsburg im Elsaß, Heimhof in der Oberpfalz, Burqschloß in Ohrdruf. Seine Haupt- ^orge galt der Marksburg, die seit 1923 sein Wohnsitz ist. Prof. Ebhardt ist Inhaber hoher Auszeichnungen. Zum 70. Geburtstag wurde ihm vom Führer die Goethe-Medaille verliehen. 100 Jahre „Weilburger Tageblatt". Das im Verlage der Vereinigten Buchdruckerei And Verlagsanstalt Hugo Zipper jun. K.-G. erscheinende „Weilburger Tageblatt" ist mit Beginn des neuen Jahres m seinen 101. Jahrgang eingetreten. Aus dem am 4. Januar 1840 von dem Buchhändler und Buchdrucker Ludwig Emil Lanz aegründeten Unpolitischen „Weilburger Wochenblatt" ist nach Vereinigung mit verschiedenen andern fm Laufe der hundert Jahre in Weilburg entstandenen Zeitungen die heutige moderne polittsche Tageszeitung geworden. Das Erdbeben in Anatolien — auf dem kleinen Feldberg ausgezeichnet. Die furchtbare Erdbebenkatastrophe in Anatolien ffr auch von der Erdbebenwarte des Taunus- dbservatoriums auf dem Kleinen Feldberg genau registriert worden. Wie weit dem verheerenden Erdstoß noch weitere kleinere folgten, kann hier aber kaum festgestellt werden, da täglich in den verschiedensten Bezirken der Erde mehrere Erdbeben stattfinden, die alle von der Erdbebenwarte ausgezeichnet werden. Sogar die Meeresbrandungen werden mit besonders empfindlichen Geräten auf dem Kleinen Feldberg registriert. Der Haupterdstoß aber ist als gewalttger Ausschlag der immer über das Papier wandernden Nadel festgestellt. Zugefrorenes DonauDetta behindert die Schiffahrt. Im Donau-Delta tritt der Winter immer strenger in Erscheinung, immer mehr Schiffe werden durch die zugefrorenen Donau-Arme an der Ausfahrt verhindert. Zwischen Ismail und Reni ist ein türkisches Schiff im Eis eingefroren, so daß ein Eisbrecher ihm zu Hilfe eilen mußte, der dann den türkischen Dampfer zusammen mit mehreren rumänischen Schleppern befreien konnte. — Außerhalb Rumäniens sind in verschiedenen Donauhäfen, so besonders in Komorn, insgesamt 15 rumänische Schlepper und vier Schleppdampfer vom Eis überrascht worden. Die Ueberschwemmung in Spanien. Strömende Regengüsse haben die Lage in den überschwemmten Gebieten Andalusiens verschlimmert. In Sevilla ist das Hochwasser bis zu den Hafendämmen vorgedrungen und hat viele Waren zerstört. Die Straßen von Huelva nach Cadiz und Madrid sind unterbrochen und der Eisenbahnverkehr nach Madrid ist eingestellt. Der Hafen von Sevilla ist für die Schiffahrt gesperrt. Diele Viertel der Stadt sind so überschwemmt, daß die Feuerwehr die bedrohten Familien aus den Häusern retten mußte. Militärflieger versorgen in der Provinz Sevilla die von der Ueberschwemmung bedrohte Bevölkerung mn Lebensrnitteln, Arzneien und Decken. Der Guadalquivir steigt in beängstigender Weise und steht schon ISMeter über Normal. Wit 110 Stundenkilometer ohne Lokomotivführer. Wie durch ein Wunder ist in I a p a n ein Eisenbahnunglück verhütet worden, bei.bem die Fahrgäste in schwerer Gefahr waren. Ein elektrischer Zug hatte auf der Station gehalten, und der die Ma- schine bedienende Ingenieur war abgesprungen, um eine Inspektion von außen her durchzusuhr^i. Plötzlich setzte sich aus bisher ungeklärter Ursache der Zug in Bewegung, und zwar alsbald mit |o großer Geschwindigkeit, daß der verdate Ingenieur nicht mehr aufzuspringen vermochte. Gr wurde vielmehr von der Maschine zur Seite geschleudert und blieb mit einem Beinbruch liegen. Der_ Zug raste nun mit einer Geschwindigkeit von 110 Stundenkilometer führerlos ü ber d i e Strecke. Er pas- srerte sogar mehrere Stationen und geriet kn eine gefährliche Gegend mit starken Kurven, in der die Entgleisung unvermeidlich gewesen wäre. Im letzten Augenblick fiel einem Zugbegleiter die unverminderte Geschwindigkeit auf. Er entdeckte das Fehlen des Ingenieurs und war imstande, den Zug durch Ingangsetzung der Bremsen roemge hundert Meter vor der ersten gefährlichen Kurve zum Halten zu bringen. Die Fahrgäste hatten nichts davon geahnt, daß sie sich in Lebensgefahr befanden. Lin Esel siegt im Pferderennen. Im Hippodrom von Albany (Westaustralien) nahm ein Pferderennen einen unerwarteten Ausgang. Die Veranstalter hatten geplant, dem Rennen der Vollblüter durch Beteiligung eines Esels eine besonders heitere Kontrastnote zu geben. Das Unglück wollte aber, daß von den fünf an dem Laus beteiligten edlen Rossen trotz verschiedener Wiederholung des Starts zwei nicht vom Start wegzu- b rin gen waren. Don den roe-iteren drei Pferden warf eins feinen Jockei unterwegs ab, das zweite mußte wegen Ueberqueren der Bahn disqualifiziert werden und das dritte stürzte kurz vor dem Ziel. Unter ungeheurem Gelächter trottete danach das häßliche Eselein, geritten von einem Lausbuben, als unbestrittener Sieger durchs Ziel. Was die Pfundig^ noch erfebtw, Gilt auch für dem eigne- Strebe»! Wie die Pfundig^ stets jitfrie&ea, Stolz an ihrem Glücke schmieden» Ungestört von kleinen Dingen» Wollen wir in Bildern bringen» n7 ie Familie Karl Pfundrg 3ft fürwahr des Lebens kundig. Weil sie innerlich begeistert^ Alle kleinen Sorgen meistert! „Ich heiße Inge Pfundig und find's,enorm', mal in der Zeitung (und nicht hinterm Ladentisch) zu stehen. Und das sind meine Brüder Max und Fritz!" „Gestatten — Karl Pfundig! Und hier meine Familie--! (Unfern Hund hat ber Zeichner vergessen.)" „Ich bin Mutter Pfundig — viel Zeit zum Reden habe ich nicht — mein Haushalt wartet!" jn Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer lieben, guten Eltern Rudolf Nowack tind Adele Nowack sowie für die überaus zahlreichen Kranzspenden sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Familien Spankus und Banse. Berlin und Fort - Bragg (Kalifornien), den 6. Dezember 1940. __________________046 Gießen, den 6. Januar 1940. 048 Für die herzliche Anteilnahme beim Heimgang unseres lieben Entschlafenen, sowie dem Herrn Pfarrer für die trostreichen Worte, und den Alterskameraden für das letzte Geleit sagen wir unseren herzlichsten Dank. Die Angehörigen: Geschwister Appel. Nähmaschinen auch ganz alte, repariert einwandfrei f 041 Karl Schau!, Mechanikermstr., Kavlansgasselv HjpoMen aufstädttObjekte durch [ 7645Ü H. 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Faber, Gieben Frankfurter Straße 36. [7iD Allen Verlobten und zukünftigen Eheleuten in Gießen und Umgebung gewidmet ist das vornehm ausgestattete, reich bebilderte Haus- und Kochbuch Praktische Winke und Ratschläge für die Hausfrau Kostenlose Vermittlung des Buches nur an Verlobte durch die Geschäftsstelle des Verlages Schulstraße 7. Bekanntmachung. Geflügelaufkauf nur mil besonderem Ausweis. Im Gebiet des Eierwirtschaftsverbandes Hessen- Nassau ist der Aufkauf von deutschem lebenden und geschlachteten Geflügel aller Art zu Schlacht- und Mastzwecken vom Erzeuger zum Zwecke des Wiederverkaufs nur mit Genehmigung des Eierwirtschafts- verbandes Hessen-Nassau zulässig. Die Aufkaufs- berechttgung wird widerruflich durch Aushändigung eines Ausweises durch den Eierwirtschaftsverband Hessen-Nassau erteilt. Der Ausweis ist nicht übertragbar. Er gilt für die Dauer eines Jahres vom Tage der Ausstellung an gerechnet. Die gewerbe- polizeilichen Vorschriften werden hierdurch nicht berührt. lieber die Pflichten des Aufkaufsberechtigten, die gegebenenfalls festgelegten Ankaufsgebiete und über die Weitergabe des aufgekauften Geflügels trifft der Eierwirtschaftsverband Heffen-Naffau nähere Bestimmungen. 91D Nadel- und Laubholz, Schnittmaterialien aus eigenen großen Produktionen Ostpreußisches Kiefernschnittholz Sperrholz - Lsolierplatten - Furniere Hartplatten für Fußboden usw. |(e em ab Lager ode. Werk 5399 A Eugen öürr & Eo., Gießen v 3U «4$ wird immer größer, wenn Sie ein schlechtsitzendes Bruchband tragen. Es kann auch Brucheinklemmung entstehen. Fragen Sie Ihren Arzt. Hat Ihnen dieser ein Bruchband empfohlen, dann kommen Sie zu mir. Sie werden übei rascht sein, wie leicht und bequem sich Ihr Biuch zurückh alten läßt, ohne starren Eisenbügel, und wie viele Leidensgenossen sich mit. Hilfe meiner Spezialausführungen sogar geheilt haben. — U.a. schreibt Herr Franz Siegesmund, Glasermeister und Landwirt aus Friedrichshain, am 2ä. Jan. 19..9: „Nachdem ich Ihre Spezial- Bandage 2 Jahre getragen habe, war mein gänseeigroßer Leistenbruch verschwunden, ie i trage seit einem Jahr kein Band mehr und kann mil meinen 48 Jahren wieder die schwersten Arbeiten verrichten. Ich bitte, dies allen Bruchleidenden bekanntzugeben“. — Weshalb wollen Sie sich weiter quälen? Überzeugen Sie sich kostenlos und unverbindlich in: Wetzlar, Di. a. Jan. v. 3—6 Uhr ;m Hotel Kahxxasser. Darkerp, Nii. 10. Jan, v. 9—11 Uhr. im Hoiel Hessischer Hof. Gießen, Mi, 10. Jan. v. 3—5 Uor, im Hotel Kobel. Nidda, Do. 11. Jan. v.9—11 Uhr, im Hotel zur Traube. Friedberg Hessen Do. 11. Jan. v. 3—5 Uhr, im Hotel Deutsches Haus. Butzbach, Fr. 12. Jan. v. 9—11 Uhr, im Hotel Hessischer Hof. ?aV Ii. BnUing, Spexialbandagist, Köln, Richard.Wagner-Str, 16 GlUtMMcAvrutoc .Aufjer der Nervenkräftigung habe id> auch eine erheblich® Verbesserung meines gesamten Befindens erfahren, fühl* mich so arbeifsfreudig und arbeitsfähig wie seit Jahren nicht.*! So schreibt Adolf Krapf, Schriftleiter, Zeulhen/Mark am 12.8.35 über QUICK mit Lezithin für Herz und Nerven ■^Trnf’.w»i«i»™imw-iJ-i-!uii.f2.»Mi.pj-i.iijj-ijj»u.i»iLi-i^ a Ihre Verlobung geben bekannt Elli Martin Or. Kurt Iahn z. Z. in einem Flakregiment Gießen Serlin Glaubrechistr. 12 Januar 1940 055 Lina Srunnengrober Heini Illuhwedel San.-llffz. Verlobte Gießen, Steinftr. 50 z.Z. im Felde 6.3anudr 1940 056 Jungs Hustentee und Svitz- wegerichsaft ab 65 Psg. bei Katarrh, altem Schleim usw. best. bewährt. Kräuterhaus Jung (ließen, litt der Mäus- tb urg. | 7781D hättet «rs: r*r~> m32 WML AM jp:< ■ vV H Str einte tagte in Jhrer Wlfche fold) ein kftlerunöee £. ß. vernichtet nicht nur Seife, sondern lagen fidi auch im Oeroebe ab und macht e» han, Iprööe und bröditg. IHan kann dielen feind der Wild« leboch unschädlich machen, wenn man tat» io TRinuten vor Bereitung Oer Waschlauge einige Randvoll fSenho Gleich>9oOa Im Waschwasser verrohrt, dadurch wird das Wärter welch, da» Waschmittel wird voll au »genuin und ... die Wische geschont. TVafchekhäÖen verboten Ift Dolherolrtfdiaftllche pflicht! Jeöe fSauefrau,die an der Erhaltung ihre» Wllchebeftande» ° Interelrtert Ift, erhalt da» aufkllrenbe Ofldtleln: »Wlldie» ■ schaden - rote Ile entliehen-und wie man Ile verhütet« gegen ElnlenOung Viele» Sutlchein» koftenlo» und portolrel jugeftellt. Straße:. ■ Name: । Ort: __ RbfenOtn an: HENKEL & CIE. A.G., DÜSSELDORF. 213b