Freitag, 4. ©ttober (940 Annahme von Anzeige« für die Mittaasnummer bis8'/,Ubr desVormittags Arueraen-Preise: Anzeigenteil 7 Rvf. le mm bei 22 nun fteilenbreite# Wertteil 50 Rvf. te mm bei 70 mm ft eilenbreite Nachlässe: Wiederholung Malstaffel I Abschlüsse Mengenüaffel B Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25% mehr VrShlfche UniDerfttätsöruderd B. £aige General-Anzeiger für Oberhessen S*ri^6ie6en,9$d>ilSra6t ©rfcbemt täglich, auker Sonntags und feiertags Beilagen: Die IUustriene Gießener ^aniilienblätter Heimat lmBild DieScholle Nlonats-Bezugsvreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Buftengebübr. „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsvreckanschlub 2251 Drahtanschrist:„Anzeiger" Postscheck 11 Gab Prranff. M (90. Jahrgang fit. 255 H 9 5 GletzenerAnzeiger LapansAußenpoliiik nachdem Oreierpaki Tokio, 3. DEL (Europapreß.) Das japanische Hauptinteresse konzentriert sich zur Zeit auf die Frage, wie die Vereinigten Staaten und England aus den neuen Dreimächtepakt reagieren werden. Die Berichte der japanischen Presse aus USA. erklären, daß die Politik der Vereinigten Staaten gegenüber dem Fernen Osten in Verwirrung geraten und zersplittert worden sei. Einige wünschten den Krieg mit Japan, andere wieder forderten ein Einlenken gegenüber Japan. Roosevelt habe sich bis- ber nicht entschieden und warte die Reaktion der breiten Massen ab, da für ihn lediglich die Frage einer Wiederwahl zum Präsidenten von Bedeutung ei. Auf Erschütterungen im Handelsverkehr mit JSA. sei Japan gefaßt und habe bereits Vorkehrungen getroffen. Englische Meldungen bestätigten, daß der Pakt in London schwerstes Alpdrücken ausgelöst habe Viele Engländer beschuldigten Roosevelt, seine unaufhörlichen Drohungen und Daumenschrauben hätten Japan zum Paktabschluß veranlaßt und England dadurch einen neuen furchtbaren Feind geschaffen. Japan macht sich auf englische Sanktionen gefaßt. Es scheint aber, daß die Dominien dies- oezügliche Londoner Weisungen ablehnten. „Sie wissen genau", klingt es drohend aus den führenden japanischen Blättern, „daß England zahlreiche verwundbare Stellen hat, die in der Reichweite der japanischen Flotte liegen. Wer uns den lebenswichtigen Güteraustausch verweigert, zwingt uns zur Selbsthilfe". Um die Bedeutung der japanischen Kriegsflotte im gegenwärtigen Zeitpunkt der weltpolitischen Lage zu unterstreichen, findet wie schon gemeldet am 11. Oktober in der Bucht von Tokio eine große Flottenparade vor dem Kaiser statt. Nachdem der Dreimächtepakt ausdrücklich die japanische Führung im Neubau Ostasiens anerkennt, dringt nun die öffentliche Meinung auf ein r a f ch e- r e 5 Tempo in diesem Aufbau. England wird scharf davor gewarnt, den am 18. Juli unter japanischem Druck geschlossenen Weg der Auto st r aße von Burma nach China wieder zu öffnen. Mit den Verhältnissen in Indochina, wo alles glatt geht, ist Japan zufrieden. Die Notwendigkeit der Verbesserung der japanisch - sowjetrussischen Beziehungen wird von den Blättern „Asahi", „Hochi" und „Pomiuri" hervorgehoben. Es fei dabei ratsam, so erklären die Blätter, die alten Zankäpfel Sachalinöl und Lachse von Kamtschatka usw. zu vergessen und nur lebenswichtigen Fragen Raum zu geben. Japanische Flugzeugstühpunkte in Zndochina. Schanghai, 3. Okt. (Europapreß.) Die Flugplätze von Gialam, Phuto und Phulangthuong im nördlichen Jndochina sollen von den Japanern auf Grund des französisch-japanischen Abkommens von Hanoi als Stützpunkte gewühlt worden sein. Alle drei Stützpunkte liegen nördlich des Roten Flusses (Song-Koi). Der Nachfolger des japanischen Generals N i s h i h a r a , des bisherigen Leiters der japanischen Militärmission, Generalmajor Raoshiro Sumitas, wird in Hanoi erwartet. Sumita war früher Militärattache in Paris und später Chef der Artillerieschule in Tokio. bereits beendet oder seinem Ende sehr nahe sei. Sie Engländer seien hartnäckig und verfügten über sehr große Hilfsquellen. Aber die bereits erreichten Erfolge seien so gewaltig, daß niemand an Dem klaren Endsieg der Achse' zweifeln könne Der „Popolo d'Jtalia" erklärt, die Zurückziehung Chamberlains sei ein Zeichen für den Verfall des britischen Imperiums, und vielleicht die Rückwirkung der schwierigen inneren Lage, die ihren Ernst erkennen lasse Trotz aller Lügen und lächerlichen Prahlereien der englischen Propaganda dürfe es in Zusammenkunft des Führers mit dem Duce am Brenner. Berlin, 4. Oktober. (DNB. Funkfpruch.) Der Führer trifft Freitagmitlag mit dem Duce Italiens am Brenner zusammen. England nicht wenige geben, die sich über das. was oorgefallen fei, klare Rechenschaft geben. Die ununterbrochene Folge von militärischen Fehlschlägen und Mißgeschicken auf politischem und diplomatischem Gebiet könnten nicht ohne tiefe Rückwirkungen auf die Moral und die Haltung des englischen Volkes und seiner leitender Männer bleiben. Alle Karten des britischen Spieles seien aufgedeckt ober fehlgeschlagen. Inter arma. „Inter arma silent musae“ — an der Sorbonne oder in Oxford und Cambridge mag dieser Trauerspruch von den Musen, die im Kriege durch Schweigen glänzen, seine Gültigkeit haben. Aber nicht im nationalsozialistischen Deutschland. Wenige Wochen nach Kriegsbeginn war die Tatsache vom Studium im Krieg für Lehrkörper und Studenten wieder eine Selbstverständlichkeit geworden. Schon seit vielen Monaten wieder ist der Wissenschaftsund Forschungsbetrieb auf allen deutschen Universitäten, Technischen Hochschulen und auf den ungezählten Fachschulen in vollem friedensmäßigem Umfange wieder ausgenommen. Es ist beinahe überflüssig zu betonen, daß bei Kriegsbeginn den Wünschen der Studenten entsprechend die Hörsäle der Hochschule in ihrer Gesamtheit hätten geschlossen werden müssen. Denn es ist von jeher eine ehrenvolle Tradition des deutschen Studenten gewesen, sofort zu den Waffen zu eilen, wenn das Vaterland ruft. Es gibt auch heute für den deutschen Studenten kein größeres Geschenk und keine glücklichere Erfüllung der brennenden Wünsche, als daß er auch von seinem gewohnten und geordneten Studium hinweg den Einberufungsbefehl erhielt. Aber für den jungen studentischen Nachwuchs kamen andere und, für die Zukunft berechnet, ebenso entscheidende Aufgaben. In diesem Krieg galt sofort die große Beachtung der Fragen des Nachwuchses. Von welcher anderen Seite her sollte wohl der geistige Nachschub aus den Reserven unseres Volkes kommen als aus -den Laboratorien Hinter den Kulissen -er Kabinettskrisis. Oie Ausbootung Chamberlains. Churchill bildet erneut sein Kabinett um. Stockholm, 3. Oktober. (Europapreß.) Die seit mehreren Monaten latente Krise des englischen Kabinetts hat am Donnerstag ihren Höhepunkt erreicht. Amtlich wurde mitgeteilt, daß der ehemalige Ministerpräsident und bisherige Lordpräsident des Staatsrates, Neville Ehambertain, aus dem Kabinett ausgeschieden ist. Wie Reuter bekanntgibt, ist Chamberlain nicht nur als Lordpräsident, sondern auch als Vorsitzender der Konservativen Partei zurückgetreten. Wie preß Association dazu fährt, ist mit der Wahl Churchills zum Vorsitzenden der Konservativen Partei zu rechnen. Ministerpräsident Churchill hat den bisherigen Minister für innere Sicherheit, Sir John Anderson, auf den unpolitischen Posten des Lordpräsi- denlen verseht. Der bisherige Versorgungsminister Sir Herbert Morrison wird Minister für die innere Sicherheit. Gleichzeitig gibt Churchill bekannt, daß er den Schahkanzler (Finanzminister) Sir Kingsley Wood und den Arbeilsminister Sir Ernest V e v i n in das Kriegskabinett, das aus sechs Mitgliedern besteht, berufen hat. Der neue Versorgungsminister ist Sir Andrew Duncan, dessen Nachfolger als handelsminister wurde Kapitän Oliver Lyttelton. Viscount Cranborne, zuletzt Kontrolleur der Zahlungen, wird Dominien- Minister an Stelle des Viscount C a l d e c o t e. Letzterer wird Lordkanzler (Justizminister) als Nachfolger von Lord h e w a r t, der jurückgetreten ist. Sir John Reith, zuletzt Minister für das Transportwesen, übernimmt das porteseuille für öffentliche Arbeiten und Bauten, das neu errichtet wurde. Er wird durch den Oberstleutnant Brabazon erseht. * Mit Chamberlain verschwindet einer der Haupt schuldigen am englischen Krieg von der Londoner Hetzbühne, auf der er bis zuletzt als Marionette Churchills eine klägliche Rolle spielte. Vor der Ge- chichte wird er die furchtbare Verantwortung tra- ;en, den gegenwärtigen Krieg in maßloser Verwendung vom Zaun gebrochen und so zur Zerstörung des Empire beigetragen zu haben. Er wird fortleben als der typisch englische Heuchler, der mit dem Regenschirm nach Godesberg und München kam. um Zeit zu gewinnen für das Schmieden des Dolches, den England den um ihr Lebensrecht ringenden Völkern heimtückisch in den Rücken stoßen wottke. Es ist anders g e t om m m e n , als Chamberlain sich das in seiner Engstirnigkeit dachte, als er geiferte, daß er hoffe, noch den Tag zu erleben, an dem „Hitler nicht mehr da ist" Adolf Hitler erlebt seinen Sturz als Ministerpräsident Man stellte ihn damals kalt auf einen nichtssagenden Posten. Nun aber findet England ihn nicht einmal mehr auf diesem tragbar, und der Harsar- beur Churchill glaubt, ihn von der Planke stoßen zu müssen, an der sie sich beide im Strudel hielten Churchill kennzeichnet mit dieser Trennung das Verzweifelte seiner eigenen Sage; denn wie groß muß diese Verzweiflung sein, wenn er glaubt, Jn dieser ätuniw Englands für sich selbst noch eine Galgenfrist gewinnen zu können durch das Abstößen einer solchen politisch gänzlich bedeutungslos gewordenen Figur. Neville Chamberlain war die Verkörperung jener englischen öffentlichen Heuchelei, die schließlich eine derartige Verzerrung aller sittlichen Begriffe ergibt daß es unmöglich wird, die Grenze zwischen dem' Krankhaften und dem Verbrecherischen noch zu erkennen. Er war ein Erbe jener englischen Ueber- licferung, von der Englands eigener nationaler Geschichtsschreiber bezeugt, daß nach ihr „für England der Krieg durchweg eine Industrie, cm Weg »um Reichtum, das am meisten blühende Geschäft und die vorteilhafteste Kapitalanlage ist" Darum hiett Neville Chamberlain es für durchaus verträglich mit nationaler und persönlicher Ehre, mit dem Oelzweia in der einen Hand, mit der anderen den europäischen Kriegsbrand anzünden zu helfen, der für ihn und seinesgleichen nur eine Steigerung der Dividenden ihrer Rüstungsaktien bedeutete. Was glaubt mm der Bankrotteur Churchill, durch die gänzliche Trennung von dem Bankrotteur Chamberlain für sich in dieser Stunde noch gewinnen zu können? Sie werden im Gedächmis der Menschen dennoch verbunden bleiben durch ihre gemeinsame Schmach als die Brandstifter Europas und die Totengräber Englands. Sachlich bedeutet in dieser Stunde das. endgültige Verschwinden Chamberlains von der politischen Bühne gar nichts. Selbst in Deutschland interessieren auch nicht mt geringsten die übrigen Einzelheiten des Derschiebe- fpieles der englischen Regierungsumbildung. Ihre ganze Bedeutung besteht für uns darin, daß der verzweifelte Dabanquespieler glaubt, nur durch solche Verschiebungen noch irgend etwas für sich gewinnen zu können, und daß er also keine stärkeren Künste für eine Umstimmung des Schicksals mehr hat. Lediglich in diesem Sinne nehmen wir Notiz von diesem Derschiebespiel, ohne uns dafür zu interessieren, ob die Bevin, Anderson, Morrison, Kingsley-Wood und wer sie sonst seien, nun ihre Unfähigkeit auf diesem ode jenem Gebiete weiter beweisen werden Das politische Verschwinden Neville Chamberlains ist uns eines der vielen Zeichen dafür, daß, nach dem längst gefällten Urteil der Geschichte über England nun auch der Vollzug dieses Urteils begonnen hat und der Verbrecher Churchill selbst dabei den Henkersknecht spielen muß. Das Echo in Rom. Rom, 3. Okt. (DNB.) Die Ausbootung Chamberlains und die englische Kabinettskrise werden in Italien beachtet. Daß England nach wenig mehr als einem Kriegsjahr bereits eine neue Regierungskrise durchmachen müsse, würde, wie „Lavoro Fa- scista" unterstreich, allein genügen, um darzutun, daß die Dinge für die Feinde der Achse äußerst schlecht stehen. Die britische Regierungskaste habe sich immer äußerst widerspenstig gezeigt, die an der Macht befindlichen Männer zu wechseln selbst unter dem Druck außergewöhnlicher Ereignisse. Wenn man sich heute, dazu noch mitten im Kriege, zu einem so häufigen Wechsel verantwortlicher Männer entschließe, so lasse dies klar erkennen, daß die innere englische Kriss äußerst schwer sein müsse Chamberlain habe angenommen, einen Krieg zu führen, in dem England die gewohnte Partie des Zuschauers spielen werde. Für England hätten die Polen, die Franzosen, die Balkanvöl-ker und vielleicht auch Rußland kämpfen sollen. England hätte sich nach Chamberlains Meinung mit der üblichen Seeblockade begnügt und so nach und nach ein Expeditionskorps nach Frankreich entsandt. „Die erste große Enttäuschung. kam mit dem verheerenden Ausgang der norwegischen Feldzuges, und plötzlich sahen die Engländer em, daß ihre gesamten Berechnungen falsch waren Sie erkannten vor allem, daß die Luftwaffe das beherrschende Element des Krieges war. Die folgenden Schläge führten schließlich zur Isolierung Englands, bas sich heute in einer derart kritischen Lage befindet, daß sie auch durch einen Wechsel der verantwortlichen Männer nicht zu bessern ist." — Nicht einmal das kleine und militärisch besetzte Aegypten entschließe sich heute, in den Krieg gegen Italien einzutreten Rußland stehe treu zu seinem Pakt mit Deutschland, während die Achsenmächte den Kreis der Freunde erweitert und soeben erst den D r e i e r p a k t abgeschlossen hätten, zu dem sich die offene Solidarität Spaniens mit den Achsenmächten hinzugeselle. Ebenso wie das Unternehmen gegen Dakar und die versuchte Einschüchterung von Madagaskar hätten alle Jnitta- tiven Churchills mit einem schweren Fiasko geendet ober ihn der Lächerlichkeit preisgegeben Deswegen glaube jedoch niemand, daß der Krieg mit England Von unserem £L T-Korrespondenten. (’M Im Zuge der großen Umsiedlungsaktion in Südosteuropa trafen soeben die ersten Deutschen aus Bessarabien in der großdeutschen Heimat ein. Die NSV nahm sich sofort der Rücksiedler an, um sie in jeder Weise zu betreuen — Unser Bild berichtet von der Ankunft des ersten Rückwandererzuges in Böhmijch-Leipa. — (Scherl-Vilderdienst-Autojlex.1 Stockholm, 3. Oktober 1940. Die Umbildung des englischen Kabinetts ist für vertraute Beobachter in London und im Auslande keine Ueberraschung, nachdem sich herausgestellt hatte, daß nicht nur der ehemalige Ministerpräsident Chamberlain in steigendem Maße wegen seiner Unfähigkeit angegriffen wurde, sondern da man beobachten konnte, daß die sozialistische Opposition, kaum beschwichtigt durch die Gründung einer ÄoalitionsregieTung des Ministerpräsidenten Churchill, in der letzten Zeit kn verstärktem Maße eine Erhöhung ihres Einflusses innerhalb des Kabinetts forderte. Churchill hat dieser Forderung nun damit Rechnung getragen, daß er den ehemaligen Chef der englischen Gewerkschaften und jetzigen Arbeitsminister Bevin in den einflußreichen Zirkel des inneren Kabinetts berufen hat. Dazu sah sich Churchill ganz offensichtlich auch gezwungen, weil die Unzufriedenheit in der englischen Arbeiterschaft, heroorgerufen durch die schlechten Lohne, die anziehenden Preise und die schwierigen Arbeitsverhältnisse während der ständigen deutschen Luftangriffe, in der letzten Zeit zu einer latenten Krise auf dem englischen Arbeitsmarkt geworden war, wie zahlreiche englische Pressestimmen in den letzten Wochen bewiesen haben. Churchill hofft — nach allen Andeutungen, die bereits in den letzten Tagen über diese sozialpolitischen Probleme aus London Vorgelegen haben — durch Hinzuziehuna Bevins eine gewisse Beruhigung in die Arbeiterschaft hineinzutragen. Der Rückgang des Einflusses der Konservativen wird auch noch dadurch unterstrichen, daß Der konservative Sir John A n - derson jetzt ebenfalls von der politifchen Bühne verschwunden ist. Sir John Anderson wurde zu Beginn des Jahres 1938 von dem damaligen Mini- fterpräfibenten Chamberlain als Minister für die sogenannte zivile Verteidigung ins Kabinett gerufen. Ministerpräsident Churchill hat ganz offensichtlich versucht, durch Hinzuziehung des Schatzkanzlers Sir Kingsley Wood in den inneren Kabinettskreis ein Gegengewicht zu dem konservativen Rückschlag zu schaffen. Sir Kingsley Wood wird jedoch seit langem in parlamentarischen Kreisen Westminsters nicht als der repräsentativste Vertreter der konservativen Gruppe innerhalb des englischen Parlaments angesehen. Als Luftfahrtminister mußte er noch während des Krieges zurücktre- ten, weil seine Luftaufrüstung als ungenügend betrachtet wurde. Als Schatzkanzler wurde er vor mehreren Monaten überaus heftig angegriffen, weil man seinen Kriegsetat als zu zurückhaltend, ja geradezu als verbrecherisch optimistisch bezeichnete. Die einzige starke Kraft der Konservativen im Innern Kabinett ist Herbert Morrison, der bisher Der- sorgungsminister war und nun den Posten Sir John Andersons als Minister für die innere Sicherheit übernehmen wird. Die Hinzuziehung neuer Männer ins Kabinett, wie Lord Cranborne und Oberstleutnant Morre-Brabazon, wird als ein charakteristisches Kennzeichen der neuen Linie, die Churchill einzuschlagen gedenkt, gewertet. Lord Cranborne ist ein typischer Vertreter der For» eign-Office-Kreise Die Ernennung eines Militärs zum Verkehrsminister wird daraus zurückgeführt, daß die Verkehrslage eine militärische Leitung dieses Ressorts notwendig mache. Ungelöst ist noch die Frage, wer die Leitung ter Konservativen Partei jetzt übernehmen wird. Entgegen den bisherigen Gepflogenheiten hatte nicht Churchill als konservativer Ministerpräsident die Leitung der Konservativen Partei, sondern der jetzt ausgevootete Lordpräsident Chamberlain. Nach dem Rücktritt Chamberlains als Ministerpräsident wurde dieser Weg gewählt, weil Churchill sich zwar nicht parteipolitisch binden wollte, um damit nicht seine Sammlungsregierung zu gefährden, auf der anderen Seite er jedoch glaubte, wegen Ueberlaftung mit Regierungsgeschäften nicht auch noch die Parteimaschinerie leiten zu können. Obwohl in der Erklärung Churchills vom Donnerstag nicht ausdrücklich gesagt wird, daß Chamberlain nun auch vom Posten der Parteileitung zurückgetreten ist, so ist doch mit aller Bestimmtheit damit zu rechnen, zumal in der letzten Zeit immer stärkere Bestrebungen wachgeworden sinb, Chamberlain politisch vollständig auszuschatten. Die Wahl eines neuen konservativen Parteileiters steht damit noch aus. Eine autoritative Ernennung durch Ministerpräsident Churchill ist nicht möglich. Die ersten Ieffarabien-Mckwanderer in Deutschland. und Hörsälen unserer Hochschulen? So kam auf die Sturmzeit in den Köpfen der jungen Studenten, auf die Enttäuschung über die Tatsache, daß „gerade" sie nicht zu den Waffen geholt worden waren, sehr bald eine ruhige Stunde des nüchternen Nachdenkens, und sie sahen ein, daß in der Heimat eine gewaltige Aufgabe zum Studium zwinge. Sie begriffen schnell, daß die Erhaltung und Vermehrung der Leistungsfähigkeit der deutschen Wissenschaft und der deutschen Technik zusammen mit der Sicherung und Bereitstellung des wissenschaftlichen Nachwuchses für diesen Krieg und vor allem über diesen Krieg hinaus in ihre jungen Hände und Gehirne gelegt ward. So schwierig es zu Anfang schien, den richtigen Weg zwischen dem Einsatz vor dem Feind und dem Einsatz für Wissenschaft und Forschung an den Hochschulen zu finden, in den chemischen Labors und im Physiksaal, in der Anatomie und in den Lazaretten, im Hörsaal zu Füßen der altvertrauten Lehrer haben sie diesen Weg gefunden. Vierzehn Tage nach dem Beginn des polnischen Feldzuges waren bereits wieder fünf deutsche Hochschulen eröffnet, am 1. Oktober kamen weitere hinzu und zum 1. Januar 1940 drängten sich bereits die Studenten und Studentinnen in den Wandel- gongen der alten Universitäten und an den Technischen Hochschulen war es nicht anders. Was sind nun die besonderen Aufgaben, die den Studenten in dieser Zeit des härtesten Ringens . um unser aller Schicksal erwarten? Sie sind größer, viel gewaltiger als im Frieden. Um es gleich vorwegzunehmen: So etwas wie die so hoch gepriesene „akademische Freiheit" alter Auffassung gibt's auf den deutschen Hochschulen nicht mehr. Die ganz jungen Semester wissen davon schon dem Namen nach nichts mehr. Sie hätten auch gar keine Zeit dazu. Durch die t r i m e st r a l e Einteilung des Studienjahres wird die Gesamtausbildungszeit auf ein Minimum zusammengedrängt und dennoch ist das Pensum nicht weniger geworden. Vor allem aber: der deutsche Student ist in diesen vergangenen Jahren von seinem ersten Tag auf der Hochschule ab zum guten Nationalsozialisten erzogen worden, und auf dieser Erziehungsgrundlage hat sich ihm ein gewaltiger Kreis selbstgesteckter Pflichten ergeben. Denken wir nur an den für dieses Jahr verkündeten Kriegsleistungskampf der deutschen Studenten. Die jungen Wissenschaftler haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Systematik der feindlichen Propaganda an Beispielen aus der Vergangenheit und aus unseren Tagen gründlichst zu untersuchen, sie gingen darüber hinaus mit bewährtem wissenschaftlichem Eifer an die Untersuchung der Gesamtlage des Gegners Überhaupt. Sie suchen die Wahrheit und finden sie aus dem Konglomerat von Heuchelei, Ueberheblichkeit und Lüge unserer Gegner — sie sind damit auch willkommene Wegbereiter für den Geschichtsschreiber der Zukunft. Eine aus den Bedürfnissen der Heimatfront geborene Verpflichtung ist für alle Studenten und Studentinnen der ersten drei Trimester die st u - dentische D i e n st p f l i ch t. In den ersten Kriegsmonaten sind bei besonders vordringlichen Arbeiten immer Studenten zur Hand gewesen, die Kohlenzüge entleeren halfen, verschneite Straßen in Ordnung brachten oder an einer anderen Stelle einen augenblicklichen Notstand zu beseitigen wußten. Es mag manchmal schwergefallen sein, die schwere körperliche Arbeit zusätzlich zu der wissenschaftlichen zu leisten, aber es ist alles geschafft worden. Eine besonders verdienstvolle Ausgabe aber wurde dem deutschen Studenten von der Reichsstudentenführung übertragen mit dem Auftrag zum O st - e i n f a tz der deutschen Studenten. Ein großes Programm liegt in diesem Wort: nicht weniger als die Ausgabe, daran mitzuarbeiten, die wiedergewonnenen deutschen Ostgebiete zu deutschem Kulturland auszubauen, wertvolles, eingesessenes und vor allem rückgesiedeltes deutsches Bauerntum zu festigen. Alle Fakultäten sind bei diesem ersten Einsatz im Warthegau vertreten. Die Mediziner stehen den Amtsärzten als „Famuli" zur Seite und haben vor allem den Auftrag, als „Trachomjäger" jene weitverbreitete Augenkrankheit aufzuspüren und zu behandeln; die Junglehrer unterrichten die wolhyniendeutschen Kinder über Größe und Geschichte ihrer neuen Heimat und ihres größeren Vaterlandes; die Studenten der Technischen Hochschulen werden bei Straßenplanungen und Stadtbauten in großem Maße und an vielen Stellen gebraucht. Nicht zuletzt unsere Studentinnen gehen hinaus auf die einsamen Bauerndörfer des Ostens und betreuen „ihr" Dorf nach jeder Hinsicht nach bestem Vermögen. Sie alle wissen, daß sie eine völkische Aufgabe erfüllen und zugleich einen unschätzbar wichtigen praktischen Dorbereitungskursus für ihren späteren Beruf durchmachen. Und noch eines ist es, was diese freiwillige studentische Aufgabe besonders wertvoll macht: Viele von diesen Studenten, die dort draußen einen Teil ihrer Studienzeit verbracht haben, werden einmal wiederkommen als Aerzte, Lehrer und Ingenieure, und sie werden den deutschen Osten als Lebensaufgabe erfassen und sich beruflich dort niederlassen. Somit garantieren sie diesem wertvollen Bauernland den deutschen Arzt ober Lehrer, und helfen damit an vorderster Stelle, dies Land wieder so deutsch zu machen, wie es deutsch zu sein verdient. So gibt es neben dem eigentlichen Studium heute für den deutschen Studenten eine Reihe von Pflichten, die sein Dasein auf einer Hochschulstadt ausfüllen. Es ist viel, sehr viel mehr als das, was der Student in früheren Zeiten zu leisten hatte. Aber dafür ist heute auch ein fester Verlaß auf diesen deutschen Studenten. Sein einziger Stolz liegt darin, genau so wie jeder andere in dieser großen Gemeinschaft des deutschen Volkes mitzuarbeiten und mitzukämpfen an dem großen Werk, das unser aller Dasein erfüllt. F. R. Zukunstsaufgaben der deutschen Tropenmedizin. Hamburg, 3. Oktober. (DNB.) Das Institut für Schiffs- und Tropenkrankheiten in Hamburg kann auf ein 40jähriges Bestehen zurückblicken. Aus diesem Anlaß wurde vor Beginn der ersten Tagung der Deutschen Tropenmedizinischen Gesellschaft eine Festversammlung abgehalten. Reichsgesundheitssüh- rer Staatssekretär Dr. Cont i stellte fest, daß die Welt die ärztliche Kunst und Wissenschaft Deutschlands und die deutschen Heilmittel nicht entbehren konnte, selbst als diese Welt die Tore vor Deutschland geschlossen hielt. Groß Aufgaben warten auf uns. Der Gesundheitszustand der Bevölkerung in den englischen und französischen Kolonien zeigt, wie wenig die anderen die Ausgabe gegenüber der Welt erfüllt haben. Dr. Conti dankte dann den Pionieren der Tropenmedizin, wobei er besonders den Grün- London ist Kriegsschauplatz. Stockholm, 3. Okt. (Europapreß.) In den Vormittagsstunden des Donnerstag hat die deutsche Luftwaffe einen neuen Angriff gegen London eingeleitet. Es wurde Lustalarm gegeben, von dem der englische Nachrichtendienst jedoch nicht mitteilt, wann er begann und ob er in den Mittagsstunden noch anhielt, er bestätigt aber, daß deutsche Maschinen über dem Nordosten Englands und über den mittelenglischen Grafschaften Bomben abge- roorfen haben. Mit sieben Luftangriffen auf London und Südengland hatte der Mittwoch geendet. Ein sechsstündiger Alarm begann kurz nach Mitternacht und dauerte bis Donnerstagmorgen. Zwischen dem siebenten Alarm des Mittwochs und dem ersten des Donnerstags war ein kurzer Zwischenraum. Bald nach Beginn des zweiten Angriffs loderten in der City und im West end zahlreiche Brände auf. Die deutschen Maschinen kamen von mehreren Seiten. Die Abwehr wurde dadurch überrascht und ihre Arbeit gestaltete sich schwieriger als sonst. Es hat den Anschein, als ob die deutsche Luftwaffe systematisch alle militärisch wichtigen Punkte Groß-Lon- b o n s zerhämmert hat. Die ersten englischen Meldungen sprechen von Bombenabwürfen über der Stadtmitte, den angrenzenden Gebieten, den Vororten und den Außenbezirken. Darüber hinaus wurden wieder zahlreiche andere Teile Englands angegriffen. Der Nachrichtendienst teilt mit, daß der Südwesten, der Südosten und Nordosten Englands zu den Zielen der deutschen Luftwaffe gehörten. Bei diesen Angriffen wurden die Gasversorgung weiter Gebiete zerstört, Häuser in Trümmer gelegt, Industrieanlagen eingeäschert, Straßen gesprengt und die Wasserversorgung stellenweise unterbrochen. Der Londoner „ABC"-Korrespondent, Luis Calvo, stellt fest, London sei für die englische Bevölkerung der unmittelbareKriegsschau- p l a fc. Tagesalarme wiederholten sich Öfter denn je, und die deutschen Bomber erfüllten ihre harte Aufgabe mit kurzen Intervallen von Dunkelheit zu Dunkelheit. Auch wenn die britische Verteidigung außerordentlich vervollkommnet werde, könne niemand verhindern, daß die Zahl der Bombentrichter und die Fülle der Verwüstungen jeden Tag rapide z u n i m m t. Die Londoner Bevölkerung erwarte mit allergrößter Nervosität eine Aende - rung des .bisherigen Zustandes gegenüber den feindlichen nächtlichen Bombenangriffen. Jede Nacht gebe es angeblich mehr Scheinwerfer, mehr Av- wehrbatterien, mehr pyrotechnische Wunderwerke, aber der Erfolg bleibe aus. Ein Bericht Der United Preß zeigt, daß die H a - senge gend von East end besonders gelitten hat. Die meisten Dockanlagen, die sich über 15 Kilometer hinziehen, würden durch Bomben getroffen. Die Lagerhäuser und die hinter den Dockanlagen gelegenen Straßenrechen haben schwer gelitten. Der Bericht gibt auch zu, daß Telephonver- binbungen, Gas- unb Elektrizitätsleitungen sowie Kanalisationsanlagen zerstört worben sind. Der Verkehr ist durch riesige Krater an wichtigen Strd- ßenkreuzungen ernpfirMich gehen, nt. Die Schöben in der City müssen ebenfalls sehr chwer sein; denn es werden zahlreiche Gebäude als zerstört ober beschädigt angegeben. Darunter befinden sich Warenhäuser und weltbekannte Gebäude. Viele Straßen bieten mit ben Trümmerhaufen einen trostlosen Anblick. Die Bevölkerung aber wird vor allem durch das Sirenengeheul mitgenommen, das Tag und Nacht zu jeder Stunde die Arbeit und den Schlaf unterbricht. Die sich in den Katakomben der lb Bahnen bietenden Szenen find einfach unglaublich. Währeyd noch Büroangestellte nach Hause eilen, brängen sich schon bie Schutzsuchenden, ihr mitgebrachtes Essen verzehrenb, auf ben Treppen. Jeder Meter Wanbraum auf Dutzenden von Bahnsteigen ist besetzt. Mütter nähren ihre Kinder, während alte Männer Karten spielen. Kinder spielen wenige Meter vor ben vorbeirasenben Zügen entfernt. Alte Decken und Mäntel sind auf ben dreckigen Zernent- boben ausgebreitet, auf denen Schläfer liegen. Die Körperausdünstungen der Tausende verdichten sich au einem nicht auszuhaltenden Gestank; denn das schon zu normalen Zeiten nicht gute Ventilationssystem ist jetzt vollkommen ungenügend. Die sanitären Einrichtungen sind dem Massenbesuch nicht gewachsen, und die Möglichkeit der Verbreitung von Epidemien ist groß. Da kann man es verstehen, daß ein nach Amerika zurückgekehrter Journalist erklärt, bie Nerven der Londoner wären furchtbar mitgenommen, und die deutschen Bombenwürfe würden auf die Dauer ihre Wirkung auf die Bevölkerung nicht verfehlen. Daily Expreß zeigt sich sehr beunruhigt über die jungen Männer, welche sich bei den Luftangriffen „zwischen ben Frauen unb alten Leuten verkriechen" und fordert eine Razzia auf alle jungen Männer im militärpflichtigen Alter, welche auf den Untergrundbahnstationen umherlungern. Das Blatt wünscht, daß diese jungen Leute bei den Aufräumungs- und Feuerlöscharbeiten eingesetzt werden. Die maßlos überspannten Mietpreise, die den aus London Flüchtenden abgefordert werden, haben ein solches Ausmaß angenommen, daß selbst der Gesundheitsminister dagegen einschreiten mußte. Hotels auf dem Lande machten phantastische Prosite, indem sie in für nur zwei Personen bestimmte Zimmer vier bis fünf Personen steckten unb bann noch bie Preise verdoppelten. Einige Land- orte, wohin Tausende von Londonern fluchteten, seien der Schauplatz dieser schamlosen Erpressungen. Zuchthaus für Ruudsuukverbrecher. Berlin, 3. Okt. (DNB.) Noch immer muffen deutsche Gerichte gegen einige Unbelehrbare eingreifen, die es nicht lassen können, sich die Lügen- meldungen ausländischer Rundfunksender anzuhören und diese womöglich noch weiterzuverbreiten. Gerade in jüngster Zeit hat das deutsche Volk immer wieder Gelegenheit gehabt, selbst nachzuprüfen, wie verlogen die feindliche Propaganda ist. Umgekehrt haben sich die Angaben des OKW. über die deutschen Kriegern eldungen in vollstem Umfange bestätigt. Der Deutsche hat also keinerlei Anlaß, seine Weisheiten aus der feindlichen Lügen- und Greuelpropaganda m ziehen. Genau so wie es für den Soldaten ein schändliches Verbrechen bedeutet, sich etwa durch körperliche Selbstverstümmelung zum Kampf für die Aufgaben der Nation unfähig zu machen, so bedeutet es auch ein schmähliches Verbrechen, sich durch Abhören feindlicher Lügennachrichteu die eigene Widerstandskraft zu rauben oder gar durch Weiterverbreitung dieser Lügen die Kampfkraft der Nation zu schwächen. In einer Zeit, in der bie deutsche Volksgemeinschaft in ihrem schm erst en und glorreichsten Kampf um bie endgültige Erringung ihrer Frecheit steht, können solche Verbrechen nur mit ben schwersten Strafen geahndet werden. Deutsche Sondergerichte haben daher in der letzten Zeit wieder eine Reihe schwerer Zuchthausstrafen gegen Rundfunkverbrecher ausge* prochen. Das Sondergericht München verurteilte den Anton Rieger, der auch schon wegen Fahnenflucht bestraft worden ist, wegen fortgesetzten Abhörens ausländischer Sender und vorsätzlichen Verbreitens ihrer ßügenmelbungen zu einer Zuchthausstrafe von 6 Jahren. Das Sondergericht Magdeburg erkannte gegen den Rundfundierbrecher Robert Müller auf eine Zuchthausstrafe von 4 Jahren. Der Rundfunkoerbrecher Ernst Möse erhielt vom Son- dergericht Dortmund eine Zuchthausstrafe von fünf Jahren, weil er die Hetznachrichten in dem von ihm betriebenen Geschäft an feine Kundschaft weitergegeben hat. Er ist eine mit sich und ferner Umwelt unzufriedene, gallige Natur, die nur darauf ausgeht, stets Schwarz in Schwarz zu malen. Zu vier Jahren Zuchthaus wurde Friedrich Karl Jähnigen durch das Sondergericht Dresden verurteilt. Er hörte regelmäßig in feiner Wohnung ausländische Sender, wobei mehrfach fein Untermieter anwesend war. Die übelsten Hetzlügen hat er dann an seiner Arbeitsstelle seinen Berufskameraden weitererzähll. Weiter verhängte das Sonder- gericht Königsberg über den Friedrich Birkhahn fünf Jahre Zuchthaus. Er hatte feinen Arbeitskameraden die unsinnigsten Lügenmärchen des von chm abgehörten Londoner Senders weiterer« Zählt. Der Stanislaus Kubicki wurde durch Urteil des Sondergerichtes Breslau zu fünf Jahren -wei Monaten Zuchthaus verurteilt. Er hatte feinen Rundfunkapparat in einem Unterkunftsraum polnischer Kriegsgefangener ausgestellt, um diesen das Abhären des Londoner Senders zu ermöglichen. Groß-Lonoon. Zum Kommissar für die Wiederherstellung des Straßennetzes, der Telephonoerbindungen, der Gas-, Elektizitäts- und Wasserleitungen in Groß-London wurde der Staatssekretär im britischen Schatzamt Sir William Fisher ernannt. Er hat die Aufgabe, die vielen Amtsstellen von Groß-London „gleichzuschalten" oder, wie man in England selbst sagt, zu „koordinieren". Groß-London ist ein recht willkürliches Gebilde. Die Engländer kennen in unserem Sinne eine planende und vorausschauende Gesetzgebung überhaupt nicht und am allerwenigsten in Angelegenheiten, die das gemeindliche Leben betreffen. Hier gilt eben völlig uneingeschränkt der mancyesterliche Grundsatz vom „Laufen und Geschehenlassen", was nichts anderes ist als ein Freibrief für das Privatkapital. Man unterscheidet zunäckst einmal die City, bann Conbon, schließlich Groß-London unb endlich das wirtschaftliche Weichbild von London. Die City ist an sich eine Gemeinde neben 28 anderen großstädtischen Gemeinden, die wir am besten mit dem deutschen Fachausdruck „Stadtbezirk" bezeichnen, nur hat sie gegenüber den anderen Stadtbezirken eine Reihe gewichiger tatsächlicher unb repräsentativer Vorrechte. Die City m i t diesen 28 anderen Stadtbezirken bildet London in engerem Sinne mit etwa 4,5 Millionen Einwohnern. (Bekannt ist die Tatsache, daß die City selbst an ständigen Einwohnern nur etwas über 13 000 zählt, während sie tagsüber von einem Riesenverkehr durchflutet ist.> Im Gegensatz zu diesem engeren Begriff von London mit feinen 4,5 Millionen Einwohnern steht Groß-London, dessen Umfang von dem mitten in der Stadt gelegenen Bahnhof Charing Croß sehr summarisch durch einen Halbmesser von 24 km Umrissen wird. Die Entstehung dieses rein kreisförmigen Stadtbegriffes von Groß-London ist wiederum recht kurios. Ein Polizeipräsident von Groß-London rechnete vor etwa 100 Jahren damit, daß entwichene Sträflinge aus Scotland Dard (dem Polizeipräsidium) nach ihrem Ausbruch 24 km zurücklegen könnten, ohne zu essen, zu trinken oder zu schlafen. Und infolgedessen wurde mit einem Halbmesser von 24 km der Kreis des Londoner Polizeibezirks gezogen, der zugleich identisch ist mit dem Begriff von Groß-London. In Groß-London mit feinen 8,2 Millionen Einwohnern gibt es nun unzählige Einzelgemein- den, die organisch eigentlich nicht zusammengefaßt sind, sondern von Fall zu Fall „Zweckverbände" bilden. Noch loser ist bann bie Verbindung mit ben Orten bes wirtschaftlichen Weichbilbes von Lonbon in ben umgebenben Grafschaften, bie man etwa als unsere Kreise bezeichnen kann. Die Einwohnerzahl bes wirtschaftlichen Weichbilbes von Lonbon ist auf runb 10 Millionen Menschen zu schätzen. Von biefem wirtschaftlichen Weichbilb Londons werben jetzt so viel genannte Grafschaften erfaßt, wie Kent, Surrey, Hertforb, Essex unb Mibblessex: Der Der- waltungswirrwarr ist also in diesem Nebeneinander von vielen Gemeinden unb Gemeinbeverbänden sehr groß, unb man kann sich lebhaft vorstellen, baß bie Schädigung der Verkehrsanlagen unb ber Versorgungsbetriebe allein zur Einsetzung eines Kommissars mit biftatorifdien Vollmachten zwingt, ber, jetzt — mitten in ber Katastrophe — bie oerbammte Aufgabe hat, ben Verwaltungswirrwarr zu bänbigen. Es ist sehr bezeichnend, daß man dafür einen Staatssekretär aus dem Schatzamt gewählt hat, der überlieferungsmäßig als ein,,besonders hervorragender unb autoritativer Vertreter bes englischen Berufsbeamtentums gilt Dr. Ho. Was sind die Midlands? Die, letzten Wehrmachtsberichte verzeichneten erfolgreiche Abwürfe van Bomben schwersten Kalibers auf Rüstungswerke in ben Miblands. Der Name ist unschwer zu übersetzen; er bedeutet „mittlere Landschaft". Gemeint ist bas altberühmte englische Jnbustriegebiet um Manchester, Birmingham, Leebs unb Sheftield. Abgesehen von Birmingham, wo bie Textilindustrie ursprünglich bie erste Geige spielte, haben bie anderen Städte vor allem eine sehr starke Maschinenindustrie entwickelt. Im Zusammenhang damit wird in ben Miblands feit jeher viel hochwertiger Stahl gewonnen. S h e f f i e l b hat etwa ben Ruf unseres deutschen Solingen. Es liegt auf ber Hand, baß bie moberne Rüstungsindustrie, die zu einem sehr erheblichen Teil Verfeinerungsindustrie ist unb mit hochwertigem Stahl arbeitet, sich ebenfalls in ben Midlanbs angeficbelt hat, bie zwischen Süb- unb Rorbenglanb geographisch etwa bie Mitte halten. ber des Hamburger Instituts Dr. Rocht nannte. Sodann gab er bekannt, baß bie beutsche Aerzte- chaft in Hamburg eine Akabemie für ärzt - liehe Fortbilbung in Tropen- unb Schiffsmedizin errichten wirb. Der frühere Leiter bes Tro- peninftituts Prof. Dr. Rocht behanbelte bann ben großen Aufschwung bes Instituts unb feine Bebeu- tung. Die 11. Tagung ber beutschen Tropenmedizinischen Gesellschaft steht unter bem Leitthema „Die koloniale Gesunbheitsführung in Afrika". Der jetzige Leiter bes Tropeninstituts, Prof. Dr. Müh- lens betonte, baß bie erste Aufgabe bie Schaffung des deutschen Kolonialarztes fei, da dieser mit bie Hauptverantwortung für bas Blühen unb Gebeihen ber Kolonie trage. Dann sprach ber Nestor der deutschen Tropenmedizin, Prof. Dr. N o ch t, über Eingeborenen-Hygiene. Gerrano Güners Besuch in Hom. Rom, 3. Oktober. (Europapreß.) Der spanische Innenminister Serrano S u n e r hat am Mittwoch eine Aussprache mit bem italienischen Außenminister Graf C i a n o fortgesetzt. Auch feine zweite Unterrebung verlief äußerst herzlich. Zu einem von bem spanischen Botschafter Garcia C o n b ö bem Minister zu Ehren gegebenen Abendessen auf ber spanischen Botschaft waren auch Außenminister Graf Ciano, ber Sekretär ber Fa- chistischen Partei, Muti, ber Minister für Volksbildung, Pavolini, der deutsche Botschafter von Mackensen, unb ber Gouverneur ber Stabt Rom, Fürst Borghese, geloben. Die Abreise des spanischen Innenministers ist auf Samstag verschoben worden. Amtliche Mittellungen über den weiteren Verlauf des Aufenthaltes Suners in Rom werben nicht aus- gegeben. Der römische Korrespondent ber offiziösen spanischen Nachrichtenagentur, Don Jos6 Jimenez Arrau, dessen enge Bindungen zu Serrano Sun er bekannt sind, schreibt: Zu Beginn gab es nur zwei Nationen unter ben europäischen Großmächten, bie sich bei Franco vertreten ließen. Die übrigen verhielten sich gleichgültig oder nahmen eine feindliche Haltung ein. Seitdem Frankreich noch bem beutschen Sieg aus bem Spiel gezogen worben ist, hat Englanb seine spanienfeindliche Politik nicht aufgegeben. Es gibt (Betreibe genug in Argentinien, aber biefes Getreide kann-nicht nach Spanien kommen, well England das verhindert. Es fehlt in Spanien an Erdöl, well Großbritannien bie Einfuhr unterbindet. Die £age auf Zypern. Rom, 3. Okt. (Europapreß.) Gayda befaßt sich im „Giornale b'Jtalia" mit der Lage auf Zypern. Am Mittwoch hatte bas Blatt bereits mitgeteilt, bie britische Polizei habe im Hause eines hohen griechischen Geistlichen in ber Hauptstabt Zyperns nach Spuren einer a n t i b r i t i s ch e n B e - w e g u n g gesucht. Nach Betrachtungen über bie englische Besitzergreifung von Zypern im Jahre 1878, schreibt Gayda, Zypern vervollständige das strategische System, das England im östlichen Mittelmeer geschaffen habe, um die Kontrolle bes Suezkanals zu sichern unb ben Eingang unb Ausgang burch die Dardanellen zu überwachen. Nur aus strategischen Gründen hätten die Engländer Zypern in ihre Gewalt gebracht. Die Bevölkerung ber Insel sei von ihnen vernachlässigt worben, während sie sich früher unter ber Hoheit Venebigs wirtschaftlichen Wohlstanbes und inneren Friedens erfreut hätte. Diese Einstellung der Engländer habe schon früh- zeitig zu einem Geist der Auflehnung unter ber Jnseldevölkerung geführt, ber im Jahre 1928 mit ber Weigerung ber orthoboxen Kirche, an den 50-Jahrfeiern der Besetzung durch England teilzunehmen, zu einer kaum verhüllten Rebellion würbe, Deftige japanisch-chinesische Kämpfe. Stockholm, 3. Oktober. (Europapreß.) Aus Tschungking wirb gemelbet, daß gewaltige Kämpfe zwischen japanischen und chinesischen Truppen entlang ben Nordgrenzen ber beiden nördlich des unteren Jangtsekiang sich von der Küste nach Westen zu erstreckenden Provinzen Kiangsu unb Anh - w e i staWnben, Die Kämpfe nördlich von T i e n g- Manchester unter deutschem Bombenhaael Wie ber Bericht bes Oberkommandos ber beut« schen Wehrmacht vom 2. Oktober mitteÄte, wurden die H a f en» und Industrieanlagen von Manchester durch deutsche Kampffliegerverbände erfolgreich angegriffen. Manchester ist eine ber wichtigsten englischen Industriestädte, bie besonders als Zentrum der englischen Baum- Wollindustrie bekannt und ein wichtiger Stapelplatz für bie verschiedensten Güter ist. Der See« h a f e n von Manchester, ber über Kaianlagen in neun Kilometer Länge verfügt, ist für die Versorgung ber Stadt unb bes Industriegebiets in ber Umgebung von Manchester von großer Bedeutung, lieber den Hafen von Manchester werden rund ein Drittel bes englischen Gesamtimports an Baumwolle sowie rund 30 v. H. des Gesamt- imports an Erdöl und Erdölerzeugnissen einge- ührt. Darüber hinaus ist Manchester ein bedeutender Einfuhrhafen für kriegswichtige Rohstoffe. So kommen über Manchester in normalen Zeiten 40 v. H. der englischen Schwefeleinfuhr, runb 10 v. H. ber Schwefelkies einfuhr, 10 v. H. der M a n g a n einfuhr, 12 v. H. der K u p fe r einfuhr unb runb 10 v. H. der Blei einfuhr nach England. lang werben als befonbers heftig bezeichnet. Weiter sollen bie Japaner einen Angriff süböstlich von Nanking eingeleitet haben. Sicherstellung von gelernten Arbeits- krästen in der lldSSTi. Moskau, 3. Okt. (Europavreß.) In Anbetracht eines fühlbaren Mangels an Arbeitskräften in der Industrie besonders an gelernten Arbeitern, hat bas Präsibium des Obersten Rates ber Sowjetunion eine Verordnung über die „staatlichen Arbeiterreserven der Sowjetunion" erlasen, wonach ber Rachwu ch s ber gelernten Ar« >eitsfräfte künftig auf dem Wege der Ginberu« u n g sichergestellt werden sott. Jährlich werben z u einer zweijährigen Ausbildung in neu einzurichtenden Gewerbe-, Eisenbahn-, Fabrik- unb Werkschulen 800 000 bis eine Million Jugendliche hn Alter zwischen 14 und 17 Jahren herangezogen, die verpflichtet sind, vier Jahre in einem von der Regierung geleiteten Betrieb zu arbeiten. Gleichzeitig sind für die drei letzten Klassen der höheren Schulen sowie für sämtliche Hochschulen Studiengebühren eingeführt worden. 15 000 Volksdeutsche aus Bettarabien unterwegs. Galatz, 2. Oktober. (DNB.) Bis Ende September haben bereits rund 15 000 Volksdeutsche Bes. sarabien verlassen. Sie sind auf dem Wege nach Deutschland. Die meisten sind sofort in Reni und KUea auf die Schiffe gebracht worden und die Donau aufwärts bis Prahovo oder Semlin gefahren, wo sie mit der Eisenbahn die Weiterreise antraten oder noch antreten werden. Gegen 4000 Aussiedler sind mit Kraftwagenkolonnen über den Pruth nach Galatz gekommen und wurden hier verschifft. Die Mehrzahl der Volksdeutschen, die bisher aus Bessarabien kamen, setzt sich aus Frauen und Kindern zusammen, da die Männer erst mit dem in den nächsten Tagen in Galatz eintreffenden Treck ankommen werden. Gegen 5700 Kinder und 5400 Frauen zählte man unter den Aussiedlern, während sich nur 3100 männliche Personen, in der Hauptsache alte Männer und Halbwüchsige, bei den Transporten befanden. Die Aussiedlung befindet sich also in vollem Gange. In den nächsten Wochen werden sich die Zahlen weiter steigern, so datz die Aussiedlung zu dem vorgesehenen Zeitpunkt beendet sein wird. Neue Hcflierung in Paraguay. Buenos Aires, 4. Okt. (DNB.) Die paraguayische Regierung hat durch den Rücktritt sämtlicher liberaler M'nister eine Umbildung erfahren. Die ausgeschiedenen Regierungsmitglieder wurden durch Mllitär und dem interimistischen Staatspräsidenten Moringo persönlich nahestehende jüngere Politiker ersetzt. Der Innenminister Oberst P a r e - des betonte, daß die Staatsführung das von Präsident Estigarribia (der vor kurzem bei einem Autounsall ums Leben kam) begonnene Reformwerk weiterführen werde. Das Heer solle dabei nicht nur über die nationale Einheit wachen, sondern auch in das politliche Leben eingreifen Es sei das Bestreben der Regierung, der Politik und der Wirtschaft des Landes neue Formen zu geben und das soziale Leben nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit und des Gemeinschaftssinnes umzugestalten. Man werde auch nicht vor drakonischen Maßnahmen zurückschrecken, um Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten und den politischen Hetzern das Handwerk zu legen. Seutsche Konzerte in Oslo. Oslo, 3. Okto. (Europapreß.) Vor überfülltem Haufe gab die deutsche Sängerin Maria Müller in der Unitersitätsaula in Oslo ein Konzert. Reichs- kommiffar Terboven, Generaloberst v o n Falkenhorst, die Befehlshaber der drei Waffengattungen in Norwegen sowie der Führer der nationalen norwegischen Sammlungsbewegung, Quihling, befanden sich unter den Zuhörern. Der Beifall wollte nicht enden. Immer neue Zugaben wurden gefordert. Die Begeisterung erreichte ihren Höhepunkt, als Reichskommissar Terboven der Künstlerin einen Rosenstrauß überreichte. Das Berliner Kammerorchester unter Leitung des Generalmusikdirektors Hans von Benda gab im Rahmen der Wehrmachtsbetreuung fein 40. Konzert vor deutschen Soldaten in Norwegen und gleichzeitig sein 100. Konzert vor deutschen Soldaten überhaupt. Aus diesem Anlaß richtete Reichskommissar Terboven ein persönliches Schreiben an Hans von Benda, in dem er ihm seine Glückwünsche^ und seine Anerkennung zum Ausdruck bringt. Aus dem Reich. Ein Minensuchabzeichen für die Besatzungen von Minensuch-, Unterseebootjagd- und Sicherungsverbänden. Berlin, 3. Oktober. (DNB.) Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Dr. h. c. Roeder, hat ein weiteres Kriegsabzeichen für die Besatzungen von Minensuch-, Unterseeboot j a g d - • und Sicherungsverbänden eingeführt. Das Abzeichen wird als Anerkennung für die erfolgreiche Tätigkeit der Besatzungen dieser kleinen Fahrzeuge verliehen, die in entsagungsvollem und aufopferndem Dienst bei jedem Wetter treu ihre Pflicht erfüllen. In ständigem Kampf aeaen feindliche Unterseeboote, Flugzeuge und Minen führen die Boote ihre gefahrvolle Tätigkeit durch und bahnen damit allen Unternehmungen der anderen Seestreitkräfte den Weg. Diesen Booten und erst recht dem einzelnen Mann an Bord ist kaum je Gelegenheit gegeben, sich im unmittelbaren Kampf vor dem Feind wie ihre Kameraden auszuzeichnen. Sie haben ihre Pflicht zu tun und auf einsamen Poften auszuharren, um jederzeit zu hartem Zupacken und letztem Einsatz bereit zu fein. Das Abzeichen wird, wie das Unterseeboot-Kriegsabzeichen und das Zerftörer-Kriegsabzeichen zur Uniform getragen. Lustschuttkeller für Kinder in Berlin. Da in verschiedenen Vororten Berlins, vor allem in Laubenkolonien, die Luftschutzräume für die Unterbringung kleinerer Kinder ungenügend sind, hat die NS.-Volkswohlfahrt in größeren öffentlichen Gebäuden für diesen Zweck seit einiger Zeit geeignete Kellerräume eingerichtet. Die ersten dieser Luftschutzkeller für Kinder sind bereits in Betrieb genommen worden. In diesen Räumen werden die Kinder verpflegt, und sie erhaUen unter ärztlicher Aufsicht und ständiger gesundheitlicher Fürsorge einwandfreie Schlafstät- t e n. Die Luftschutzkeller sind für Kinder bis zum Alter von 10 Jahren und für werdende Mütter geöffnet Buch und Schwert. Trotz des Krieges wird die Woche des deutschen Buches auch in diesem Jahre wieder vurchgeführt. Sie ist für die Tage vom 26. Oktober bis 3. November vorgesehen. Die Losung heißt diesmal „Buch und Schwert — ein Sinnbild unserer Zeit". Die in Weimar vorgesehene Arbeitstagung des deutschen Schrifttums wird wieder Dichter aus allen deutschen Gauen vereinigen. In Posen, Krakau, Prag und Wien werden Ausstellungen des Ostschrifttums veranstaltet werden. In Frankfurt am Main ist eine Ausstellung des Schrifttums vorgesehen, das sich mit den geschichtlichen und politischen Fragen der deutschen Westgrenze befaßt. Auch eine Jugendbuchausstellung findet in Frankfurt statt. In Weimar wird wieder dir Jahresschau deutschen Schrifttums eröffnet, die gleichzeitig in allen Gau- täoten gezeigt wird. Für Stuttgart ist eine Anstellung des Kolonialschrifttums geplant. Weiter er- cheint ein Kriegsalmanach deutscher Dichtung, den alle Buchhandlungen kostenlos abgeben. Er enthält Werke der im Felde stehenden Dichter, bringt ihre Bilder und Ausführungen zur Kriegslage von ihrer Hand. Eine weitere Aktion „Wohnen mit Büchern" soll zeigen, wie auch in der kleinsten Wohnung mit geringsten Mitteln dem Buch ein guter Platz eingeräumt werden kann. prüfzwang für Dauerbrandöfen und -Herde. Durch Anordnung des Reichsarbeitsministers ist der Prüfzwang auf Dauerbrandöfen und Herde ausgedehnt worden. Für Herde gilt er im Altreich ab 1942. Für eiserne Dauerbrandöfen ab 1. Juli 1941. Von diesem Zeitpunkt an dürfen nur noch solche Dauerbrandherde und -Oefen aufgestellt werden, deren Typen vom Prüfausschuß für häusliche und kleingewerbliche Feuerungsonlagen genehmigt worden find. Dem Staat gibt die Ausschaltung aller Oefen und Herde, für die nicht ein Mindestwir- kungsgrad von 70 v. H. im Vollbetrieb nachgewiesen ist, die Gewähr, daß im künftigen großen Wohnungsbauprogramm eine sparsame Brennstoffbewirtschaftung gesichert ist Zur vollen Auswirkung wird die Kohlenersparnis erst dann kommen, wenn die große Zahl heute noch in Betrieb befindlicher unwirtschaftlicher Feuerstätten ersetzt fein wird. Millionen Tonnen Kohle können alljährlich für andere Zwecke verwendet werden. Auch an Eisen werden Ersparnisse erzielt Für den Verbraucher tritt eine merkliche Entlastung seines Hausbrandkontos ein. Die Ersparnisse werben gegenüber veralteten Feuerstätten vielfach so beträchtlich sein, daß sich die Anschaffung eines neuen Herdes oder Ofens schon in wenigen Jahren bezahlt macht. Dazu kommen noch die haustechnischen Vorteile des Dauerbrandes und des sauberen Betriebes. Oos leistet das „arme" Deutschland. Der deutsche Kapitalmarkt hat nicht nur dem Staat die für die Finanzierung des Krieges notwendigen Mittel mühelos bereitgestellt, sondern er hat darüber hin-aus auch die reibungslose Finanzierung der Industrie in immer höherem Umfang ermöglicht. Zwar konnte unsere Industrie sich infolge ihrer Rentabllvtät und günstigen Kostenlage weitgehend selbst finanzieren, doch ergab sich anderseits auch ein erheblicher laufender Kreditbedarf, der von unseren Geldinstituten gedeckt werden mußte. Dazu wurde der Kapitalmarkt Über die Oeffentlichkeit in Anspruch genommen durch die Ausgabe von Industrieanleiheemisstonen. Hier handelt es sich zum Teil um recht beträchtliche Summen. In den letzten 12 Monaten von Anfang August 1939 bis Ende Juli 1940 konnten nicht weniger als 4 4 Anleihen mit einem Gesamt- emissionsbetrag von 828,7 Millionen RM. erfolgreich begeben werden. Bis Ende September d. I. dürfte die Milliardengrenze an Industrieanleihen, die neu ausgegeben wurden, überschritten werden. Emissionen wurden in jedem Monat aufgelegt bis auf den September 1939. Die Summen waren erheblichen Schwankungen unterworfen. Die geringste Höhe ergab sich im Dezember 1939 mit 30 Millionen, während im Januar 1940 nicht weniger als 187 Millionen Industrieanleihen erfolgreich untergebracht wurden. Im März 1940 waren es 132 Millionen RM. und im Juni 1940 145 Millionen RM. Bei steigender Nachfrage nach den Industrieemissionen konnte der Zinssatz weiter gesenkt werden, so daß sich für die Industrie eine nicht unerhebliche Verbilligung und Derbesierung der langfristigen Anleiheaufnahme ergab. Die große Leistung des deutschen Kapitalmarktes und unserer Geldinstitute, die bei der Ausschöpfung des Marktes entscheidend mitgearbeitet gaben, erhellt auch daraus, daß neben der fast 1 Milliarde RM. betragenden Industrieanleiheemission mehrere hundert Millionen RM. A k t i e n e m i s s i o n e n. untergebracht wurden. Und ferner rft zu berücksichtigen, daß der laufendeBetriebsmittelbedars der Wirtschaft im Kreditwege durch unsere Geldinstitute restlos befriedigt werden konnte. Das sind die Leistungen des „armen" Deutschlands! Beschleunigte Regelung von Ersatzansprüchen bet Quartiergeber Zur beschleunigten Erledigung der von Quartiergebern bei Wehrmachtdienststellen angemeldeten Schadensfälle können die Wehrmachtsteile ihre Nachgeordneten Dienststellen mit der Erledigung der Schadensfälle für die Bedarfsstellen beauftragen. Soweit genügend Unterlagen für die Beurteilung des Umfanges des Schadens sowie der Höhe der Entschädigung vorhanden sind und es sich im Ein- zelfall um Betröge von nickt mehr als 300 R M. handelt, dürfen Vorschüsse auf die Großer Schaden in London, Süd- und Mittel-England. 57000 BRT. durch U-Boote versenkt. - 6 britische Flugzeuge vernichtet. Der Wehrmachtsbericht vom Donnerstag. Berlin, 3. Oktober. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Angriffe der Luftwaffe richteten sich gestern wieder gegen London und zahlreiche kriegswichtige Ziele in Süd- und Mittel-England. 3n London fügten Bombenwürfe bei Tage Bahnanlagen im Zentrum der Stadt, sowie Dorf- und Hafenantagen im Themse-Bogen großen Schaden zu. 3n mehreren Flughäfen Süd- und Mittelenglands gelang es, durch Volltreffer h a l - t e n und Unterkünfte zu zerstören und eine Reihe von Flugzeugen zu vernichten. 3n einigen füdengtifchen Häfen z. B. Swansea, Newquay und Weymouth riefen Treffer schweren Kalibers in Fabrikanlagen, Speichern und Delta g e r n starke Brandwirkung hervor. Von der Südwestküste 3 r l a u d s griff ein Kampfflugzeug ein britisches Frachtschiff an, das mit Volltreffer in der Mafchinenantage und brennender Deckladung liegen blieb. Ein U-Boot unter Führung des Oberleutnants zu See 3 e n i f ch hat auf einer Unternehmung insgesamt 8 bewaffnete feindliche Handelsschiffe mit 42 644 BRT. versenkt. Damit hat Oberleutnant zur See 3enisch allein auf zwei Feindfahrten 82 644 BRT. feindlichen Handelsschiffsraumes vernichtet. Ein anderes U-Boot versenkte das 14 172 BRT. große bewaffnete britische Handelsschiff „Highland Patriot“. Einige feindliche Flugzeuge flogen in das nördliche und westliche Grenzgebiet des Reiches sowie in die besetzten Gebiete ein und warfen Bomben, ohne militärischen oder wehrwirtschaftlichen Schaden anzurichten. An einer Stelle wurde eine still- gelegte Fabrikanlage getroffen. Einige auf Berlin anfliegende Flugzeuge wurden durch das Feuer der Flakartillerie von ihrer ursprünglichen Angriffsrichtung abgedrängt. Nördlich der Reichshauptstadl schoß die Flakartillerie ein britisches Bombenflugzeug ab, das brennend abstürzte. Die gestrigen Gesamtverluste des Gegners betrugen 6 Flugzeuge. Sieben eigene Flugzeuge werden vermißt. Eine Gruppe eines Kampfgeschwaders unter der Führung von Major petersen, die sich schon im Norwegen-Feldzug besonders auszeichnete, hat in den letzten sechs Wochen auf langen, bei jeder Witterung durchgeführten Kampfflügen, die oft weit bis in den Atlantik hineinführten, rund 90 0 0 0 BRT. feindlichen h a n d e l s s ch i f f s ra u- m e s versenkt und über 40 000 BRT. schwer beschädigt im Tiefangriff auf starkgesicherte Geleitzüge. Italienischer Wehrmachtsbericht. Rom, 3. Okt. (DNB.) Der italienische Wehrmachtsbericht vom Donnerstag hat folgenden Wortlaut: 3n OftafriPa wurden bei einem feindlichen Luftangriff auf Gura, der weder Opfer noch Schaden zur Folge hatte, zwei feindliche Flugzeuge abgeschossen. Weitere Luftangriffe auf ElUak und Buna (Kenia) sowie auf Assad hatten insgesamt drei Tote und neun Verwundete zur Folge, die Materialschäden sind unbedeutend. Wieder daheim. X ■> - MM v JF ‘ •W;. rn I MM In Regensburg trafen soeben Soldaten ein, die nach ihren siegreichen Kämpfen im Westen nunmehr ebenfalls in ihre Heimat zurückkehrten. Die Stadt begrüßte begeistert ihre Soldaten. — (Scherl°M.) Entschädigung ohne vorherige Beteiligung der Bedarfsstelle gezahlt werden. Die Einsetzung von Abschätzungsstaben wird anheimgestellt, ihre Zusammensetzung soll dem Charakter des Schadens ange« paßt sein. Eine möglichst umgehende und endgültige Regelung der Schadensersatzansprüche ist anzustreben. Kleine politische Nachrichten. Reichsminister Dr. Goebbels empfing den Generaldirektor für das italienische Filmwesen Ex» zellenz Dezvezio O r a z i zu einer Besprechung über Fragen der deutsch-italienischen FUmbeziehungen. ♦ Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Darr6, empfing führende dänische Landwirte, Knud Bach, dessen Stellvertreter Sören Lund, Jägermeister Schested und den Reichs- tagsabaeordneten Härtel. Die dänischen Herren weilen auf Einladung des Reichsnährstandes zu einem mehrtägigen Besuch in Berlin. ♦ Auf Einladung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft trifft der bulgarische Landwirtschaftsminister Bagrianoff zu einem mehrtägigen Deutschlandbesuch am 7. Oktober in Berlin ein. * Nach Vollendung der technischen Einzelheiten für die Festlegung der neuen finnisch-sowjetrussischen Grenze kehrte die finnische Grenz- kornrnission nach Helsinki zurück. Die Verhandlungen sind beim Entgegenkommen der Russen sachlich und befriedigend verlaufen. Anfang Dezember kann mit einer Beendigung aller Grenzarbeiten gerechnet werden. In einer Sitzung des Sofioter Stadtrates machte der Oberbürgermeister der bulgarischen Hauptstadt den Vorschlag, den drei schönsten Straßen der Stadt die Namen „Adolf Hitler", „Victor Emanuel" und „Benito Mussolini" zu verleihen als ein Zeichen der Dankbarkeit für die Mithilfe dieser beiden großen Nationen an der Wiederherstellung der nationalen Rechte Bulgariens. * Aus Anlaß des Dreierabkommens gab der deutsche Botschafter in Tokio einen Empfang, zu dem u. a. Feldmarschall Prinz Kanin, Premierminister Ko- noye mit dem gesamten Kabinett und die früheren japanischen Botschafter in Berlin Osbima und Shi- ratori erschienen waren. Außenminister Matsuoka überreichte dem Botschafter das Großkreuz der aufgehenden Sonne und Gesandten Stahmer das Großkreuz des Ordens des heiligen Schatzes. Aus aller Welt. Diebesbande in Lyon festgenommen. In Lyon wurde eine große Bande von Einbrechern dingfest gemacht, die in wenigen Tagen Diebstähle unternahm, bei denen sich der Wert der gestohlenen Sachen auf über eine Million Franken belief. Der Chef der Bande ist ein aus einem Lager entflohener Deserteur Zu der Bande gehören Rauschgifthändler und mehrere schwer Vorbestrafte. Auch zwei Frauen, die als Hehlerinnen tätig waren, wurden verhaftet. Die Lyoner Polizei glaubt, daß auf ihr Konto auch viele während der kritischen Zett in Lyon ausgeführte Plünderungen kommen. Ein Waldbrand am Bosporus. Ein großer Waldbrand brach in der Nähe von Istanbul auf der kleinafiatischen Seite des Bosporus aus. 85 Hektar Waldbestand wurden ein Raub der Flammen. Feuerwehr aus der ganzen Umgebung und auch Gendarmerie wurden zur Bekämpfung aufgeboten. Aus dem Hafen von Istanbul wurden Löschboote an die Brandstelle geschickt. Erst nach etwa neunstündigen Bemühungen gelang es, das Feuer einzukreisen. Die Ueberfchwemmungen in Uruguay. In Uruguay halten Hagelschlag und Platzregen an. Die Flüsse haben ausgedehnte Zonen überschwemmt, die von der Bevölkerung geräumt werden mußten. Am Rio M wurden vom Hochwasser Brücken, Häuser und Fabriken zerstört und die Masten der Telephonleitungen umgerissen. Die Straßen wurden aufgewühlt und der Eisenbahnverkehr unterbrochen. Ganze Viehherden wurden vom Hochwasser mitgerissen. Mehr als 500 Familien haben ihre Häuser verlassen müssen. Die Städte Mercedes und Carmelo sowie das Dorf Soriano mußten geräumt werden. Der Schaden ist unabsehbar. Haupuchc-stletter: Dr Friedrich SffiUbelm Lange Stellvertreter bei Haupttchn-tietiers Ernst Blumschein. Verantwortlich Dr Poilti, und Bilder Dr fit. W. Lange für das ffeu-.ieton: Dr. Hans Thyriot; rtti Stad- Gießen, Previn-, Wimchau u. Sport: Ern» Biumiche n.; Drud unc Verlag Brühliche Unioer-'.lglsbruderei R. Lange fl. G. Vermokletter Dr. - In«, ENch Hamann Anzeigenieter Hane Beck. 6r den tndal'der An-emen Z'herdnr Klimme 9?r 6 Me$indbegeistert-alle gehen v/Teßetö Die wundervolle Auswahl in allen Abtei- lu ngen ist das Tagesgespräch in Giessen u weit in der Umgebung.So modisch -schon und preiswert istalles,sogut wird man be raten und so angenehm ist das Kaufen i Bernard - Stoffe für Herbst und Winter 1.48 1.71 Großen-Linden, Koblenz, 4. Oktober 1940. Die Beerdigung findet am Samstag, dem 5. Oktober, nachm. 3 Uhr statt. 03352 In Gießen zur Messe Sie kaufen 4406V 6.70 Kaltlöt- u. Kitt-Betrieb Adolf Rhode, Gießen/Lahn hat immer 4431A reizende Geschenke hört mit! Verschiedenes] können kostenlos angefordert werden. 4373V BIS SONNTAG, DEN 6. OKTOBER EINSCHLIESSLICH Erlaubt für Jugendliche über 14 Jahrei Wo. Mehr Freude an der Natur durch Bemhler-Bücher! V8Topf HM. 1.30 GTopf RM. 2.00 WERBE DRUCKSACHEN W CII D E Brühl. Gießen Freitag ■ Gebt-. 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Die Strom- und Gasgelder im Stadt- und Ueber- landgebiet sind nach den Lieferungsbedingungen grundsählich bei der Ablesung an den Erheber zu zahlen. Geschieht dies nicht, dann können die Strom- und Gasgelder noch innerhalb der nächsten acht Tage ohne kosten an die Kasse der Stadtwerke Gießen, Gartenstraße 3, auf Postscheckkonto Frankfurt am Main 277 07 oder auf die auf den Quittungskarten verzeichneten Bankkonten eingezahlt werden. Bei Ueberschreiten des Zahlungstermins müssen die Beitreibungskosten berechnet und entrichtet werden. Vom 15. Oflober 1940 ab wird die Strom- und Gaslieferung bei allen Abnehmern gesperrt, die die Strom- und Gasgelder für den Monat August 1940 einschließlich kosten noch nicht entrichtet haben. Die Kosten der Strom- und Gassperre gehen zu Lasten der Säumigen. 4425A Gießen, den 2. Oktober 1940. Direktion der Stadtwerke Gießen. 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Er erzählt im Textteil unterhaltsam und spannend aus der Kraft eigenen Erlebens die sonderbarsten Begebenheiten, die er, im Zelt versteckt, aus nächster Nähe beobachten und im Bild festhaften konnte. Bestellungen nimmt jede Buchhandlung entgegen Verlangen Sie bitte das ausführliche bebilderte Werbeblatt Hugo Dermühler Verlag . Berlin-Lichterfelde Marie Keßler, geb. Weiß im vollendeten Alter von 65 Jahren. Nebenverdienst Austräger (in) für Modezeit- schnften, Radfahrer, für Stadt- bezirk Gießen per sofort gesucht. Schnftl. Angebote unter 4426V an den Gießener Anzeiger. Stoffspezialhaus Bernard & Sohn Giefeen, Plockstrafee 14 — 16 4423A Was schenkt man für die Aussteuer? Llnterden vielen jchönenOingen aus Porzellan und Glas werden Sie bestimmt das finden, worüber fich die Braut freut. 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Ang. unt. 4418Da. d.G.A. I 3.30 Hauptfilm 5.15 Woche 7.45 letzte Vorst. Nr. 255 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhelfen) Freitag, 4 Oktober MV Aus der Stadt Gießen. Der Herbst in der Bauernsprache. Der Herbst ist die Jahreszeit der Ernte und Lese, ist der Abschluß und die Krönung eines arbeitsreichen Jahres. Sitte und Brauchtum dieses bedeutungsvollen Jahreslaufabschnittes haben reiche und vielfältige Ausprägung erfahren. Auch in der deutschen Sprache hat der Herbst mannigfaltigen Niederschlag gefunden. Im deutschen Volkslied wird er besungen als die Zeit, in der sich das Laub golden färbt und vom Herbstwind von den Bäumen gerissen wird. Der Frühling, so sagt der Dolks- mund, ist zwar schön, doch wenn der Herbst nicht wäre, wäre zwar das Auge satt, der Magen aber leer. Das früh- und spätmittelalterliche Zehnt- und Zinswesen schuf eine Reihe von Sprachformen, die zum Teil noch bis zum heutigen Tage erhalten geblieben sind. Herbstbede hieß z. B. die Traubensteuer; das war der Zehnt, den der Winzer vom Ertrag seines Weinberges abzugeben hatte. Die Herbstgarbe war der Teil der Ernte, der zu entrichten war, ebenso mußte in alten Zeiten das Herbsthuhn gezinst werden. Die obrigkeitliche Verordnung, durch welche die Weinlese eröffnet wurde, ward Herbstbrief genannt. Herbstschreiber war in Weingegenden der Titel des Einnehmers der Weinzehnten. Der Herbstspruch eröffnet noch heute in manchen Gegenden das Erntefest. / Eine Reihe von volkstümlichen Ausdrücken und Redewendungen stand und steht zum Teil noch im Zusammenhang mit der bäuerlichen Wirtschaft. Aus der Vielzahl dieser ländlichen Bezeichnungen seien einige herausgenommen. Das Vieh, das im Herbst geboren wird, heißt Herbstling. Eine spätreifende Apfelsorte und ein Blätterschwamm, der „Reizker"', auch „Hirschling" genannt, führen denselben Namen. Herbsttahm hängt nicht/ wie vielleicht angenommen werden könnte, mit dem Rahm der Milch zusammen, sondern ist in Weingegenden eine Bezeichnung für den Most und den neuen Wein. Die Herbstnachtigall ist das Rotkehlchen. In manchen Gegenden ist die Bezeichnung „Herbstlümmel" ein Schimpfname und bezeichnet einen groben und ungeschliffenen Menschen. , Dieser kleine Ausschnitt zeugt von der Vielfältigkeit der Sprache, die das Volk und vor allem der Bauer sich in seinem Alltagsleben geschaffen hat. Vornotizen. Tageskalender für Freitag. Stadttheater: 19.30 bis 22 Uhr „Paganini". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Achtung! Feind hort mit!" — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Falstaff in Wien". Sladttheater Gießen. Am heutigen Freitag wird die Operette „Paganini" von Franz Lehar wiederho.lt. Mustkalische Leitung: Arthur Apelt, Spielleitung Harry Grü- neke. Die Geigensoli spielt Konzertmeister Franz Kerzisnik. Bühnenbild Karl Löffler. Tanzleitunz Irmgard Trömel, Chöre Arthur Apelt. 3. Freitag- Miete. Ortszeit für den 5. Oktober. Sonnenaufgang 7.33 Uhr, Sonnenuntergang 18.53 Uhr; Mondausgang 12.27 Uhr, Monduntergang 21.22 Uhr. Gute Kameradschaft Mischen Wehrmacht und NG.-Frauenschaff. Längst haben die Soldaten erkannt, daß die NS- Frauenschaft stets bereit ist, ihre Wünsche zu erfüllen. Sei es nun, daß Strümpfe gestopft werden müssen, daß die Wäsche schadhaft ist, oder daß die Soldatenfrau zu Haus eine Hilfe braucht. Auch der Küchenunteroffizier hat vielfach den Weg zur NS.- Frauenschaft gesunden, wo man chm gerne eine neue Anregung für seine Feldküche gibt, ihm sogar praktischen Unterricht erteilt, wenn ein dementsprechender Wunsch geäußert wird. Für soviel Hilfsbereitschaft zeigen unsere Soldaten sich gern erkenntlich. Wenn Zwetichenmus gekocht werden muß, wobei ein starker Arm zum Rühren stets erwünscht ist, dann werden zwei Mann ab kommandiert. Zieht „Die Macht des Schicksals." Zur Erstaufführung im Stadttheater. Mit Verdis Oper „Die Macht des Schicksals" leitet das Stadttheater die Reche der Opernneuinszenierungen 1940/41 ein. Die Oper verlangt den Einsatz aller technischen Mittel. Die Drehbühne des Stadttheaters ermöglicht eine rasche Aufeinanderfolge der Bilder. Neben dem festen Singchor unseres Theaters ist ein Extta-Singchor von 40 Damen und Herren bei der Aufführung beschäftigt. Das Orchester ist wesentlich verstärkt worden. Mit der Einstudierung dieser Oper stellt sich Kapellmeister Otto S ö l l n e r als Operndirigent vor. Intendant Hans Waller Klein hat die Spielleitung des Werkes, das zum großen Teil neu ausgestattet worden r[t. Die acht Bühnenbilder und ihre technische Einrichtung, die einen fast pausenlosen Umbau ermöglicht,,stammen von Karl Löffler. Im Interesse der auswärtigen Theaterbesucher wurde die Premiere der Oper auf Sonntag gelegt. Der wesentlich erweiterte Spielkörper auch für die Oper des Stadttheaters ermöglicht die Bewältigung der großen Aufgabe, die ein so umfangreiches Bühne «werk wie „Die Macht des Schicksals'^ darstellt, jetzt in würdiger und einwandfreier Weise. Die Oper entstammt in ihrer Handlung einem spanischen Stoff. Es wird in ihr die Uebersteigerung des altspanischen Standesdünkels und eines verderblichen Kastengeistes zum tragischen Schicksal zweier Liebender und zum Untergang eines Adelsgeschlechtes. Die Tragik der Handlung wird gemildert durch Szenen heiterer Ausgelassenhell die Dienststelle gar um, so gibt es ungezählte Hände, die zugreifen. Die Arbeit ist oft viel zu schnell getan, denn den Soldaten macht sie viel Freude. Sie MW d MeüsslM Achtung! An die Mitglieder der Deutsche» Arbeitsfront! Mll dem 31. Oktober 1940 verlieren die jetzigen DAF.-Beitraasmarken ihre Gülligkeit und werden eingezogen. Ab 1. November werden neue DAF.- Beitragsmarken eingeführt, so daß evt. vorhandene Rückstände in der Höhe des jeweiligen Bruttoeinkommens bis zum 31. Oktober mit den allen Marken nachgeklebt werden müssen. Die neuen Marken dürfen für aufgelaufene Rückstände nicht verwendet werden. 4294D Es wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß die bei den Baubetrieben üblichen Wochenmarken und die Wehrmachtsmarken zu 0,60 RM. mit dem Ueberdruck 1940 ihre Gültigkeit behalten und im Umlauf bleiben. Die Deutsche Arbeitsfront. Verwaltungsstelle 24. Wetterau. llSGmeMM M Kraft önrfl Sretiöe Sportamt KdF. ..Kindergymnastik." Jeden Freitag von 16 bis 17 Uhr: Turnhalle Schillerschule, Schillerstraße. 4403D Bezugscheine für kinderreiche Familien. Auf eine Anregung des Reichsbundes Deutsche Familie hat der Reichswirtschaftsminister die Wirtschaftsämter darauf aufmerksam gemacht, daß die Zuteilung bezugsbeschränkter Waren selbstverständlich nicht nach Haushalten, sondern nach der Kopfzahl der im Haushalt zusammengefaßten Familie zu erfolgen habe. Dabei sollen die Anträge kinderreicher Fqmilien, die sich wegen des geringen auf den Kopf entfallenden Einkommenteils des Ernährers in der Vorkriegszeit keine hinreichenden Vorräte an bezugsbeschränkten Waren, insbesondere an Spinnstoffwaren, anschaffen konnten, besonders berücksichtigt werden. „Wer verschenkt gerne sein Glück?- Wem von uns ist nicht beim Kauf eines Losbriefes vom braunen Glücksmann, gleichviel, ob es ein Gewinn oder eine Niete war, der Prämienschein überreicht worden, und der Glücksmann ermahnte uns, den Schein bis zur Ziehung gut aufzubewahren? Aber nicht immer wird dieser Anregung des Losverkäufers Folge geleistet. Der eine legt das Prämienlos achtlos zur Seite, der andere schenkt es mit einer lässigen Handbewegung dem Verkäufer. Wie nun das Amt für Lotteriewesen bekannt gibt, hat sich ein Verkäufer in Ostpreußen die Mühe gemacht, alle diese Prämienscheine der Kriegshilfs- werk-Lottevie, die von feinen Loskäufern nicht beachtet wurden, zu sammeln. Sein Fleiß wurde bei der Prämienziehung wahrhaft reichlich belohnt. Er fand unter feinen Prämienlosen, die anderen wertlos erschienen, eine Hauptgewinn zu RM. 5 000,— und eine Prämie zu RM. 100,— vor. Daraus ergibt sich für jeden Volksgenossen, der Losbriefe für das Kriegshilfswerk für nationale Arbeit ober für das Winterhilfswerk kauft, um das gute Werk zu unterstützen, die gute Lehre, auch die Prämienlose zu beachten und bis zur Ziehung aufzubewahren. Oie Verlängerung der Sommerzeit. Durch eine gestern im Reichsgesetzblatt erschienene Verordnung des Ministerrates für die Reichsverteidi- gung wird die Sommerzeit bis auf weiteres verlängert. Dadurch erhält die Bevölkerung die Möglichkeit, ihre Einkäufe vorläufig auch weiterhin bei Tageslicht vornehmen zu können. 2. Besichtigungsgang des Geflügelzüchter Vereins Gießen. Am Sonntag unternahm eine stattliche Zahl Mitglieder des Geflügelzuchtvereins Gießen einen Besichtigungsgang, der diesmal zu den im Süd- und Ostviertel wohnenden Züchtern führte. Die auf beachtlicher Höhe stehende Zwergrhode- länderzucht von Mitglied Sommer fand allgemeine Bewunderung. Der Vereinsvorsitzende Bau^r besprach unter praktischer Veranschaulichung an einzelnen, fertig entwickelten Jungtieren diese äußerst wirtschaftliche Zwergrasse. In dieser Rasse ist Schönheit und Leistung miteinander verbunden, und sie ist wert, weiteste Verbreitung zu finden. Ueberall da, wo nur kleine Platzverhältnisse zur Verfügung stehen, sollte eine wirtschaftliche Zwerghuhnrasse gehalten werden. Im Verhältnis zu den großen Hühnerrasse« benötigen diese Zwerge bedeutend weniger Futter, dabei stehen ihre Leistungen an Eiern mengenmäßig kaum hinter den Großrasfen zurück; auch das Eigewicht mit etwa 48 bis 54 Gramm ist ganz erstaunlich. Dem Züchter wurde vollste Anerkennung für die auf kleinstem Raum vollbrachte züchterische Leistung ausgesprochen. Die aufwärtsstrebende Zucht silberfarbiger Italiener des Mitgliedes Birkenstock fand ebenfalls stärkste Beachtung. Ganz besonders wurde die von dem Züchter mit großem Geschick selbst hergestellte praktische und schöne Stallanlaae bewundert. In unmittelbarer Nachbarschaft konnten die von dem Mitglied Stork seit vielen Jahren mit großer Ausdauer gezüchteten schwarzen Rheinländer besichtigt werden. Die Jungtiere machten einen guten Eindruck und berechtigen zu begründeten Hoffnungen auf einen guten Erfolg. Im weiteren Verlaufe des Rundganges wurde die Geflügelhaltung des Mitgliedes Philippi be- fichtigt, die sich, wie immer, durch Sauberkeit und Ordnung auszeichnete. Leider konnte er diesmal feine originelle Stallaterne wegen Betriebsstoffmangel nicht vorführen, was schon traditionell geworden mar, und deshalb allgemein sehr bedauert wurde. Zum Schluß wurde die neugegründete Zuchtanlage des Mitgliedes Grünecke besichtigt. Die zum größten Teil selbst hergestellte schöne Stallanlage mit der praktischen Inneneinrichtung und nicht zuletzt die gutentwickelten Rhodeländer Jüngstere ließen erkennen, daß der Besitzer mit Lust und Liebe bei der Sache ist und seinen Tieren die beste Pflege angedeihen läßt. Herr Grünecke versicherte, daß die Beschäftigung mit seinen Tieren für ihn die schönste Liebhaberei und beste Erholung nach anstrengender Berufsarbeit fei. Bei Mitglied B e ck irn Schützenhaus wurde der Rundgang beendet. Der Vereinsführer wies noch einmal in überzeugender Weife auf die wichtigsten Punkte hin, die die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Geflügelzucht sind. Grundsätzlich nur eine Hühnerrasse halten, nicht fortgesetzt mit der Rasse wechseln, sondern an der nun einmal gewählten Rasse feschallen, denn Ausdauer und Beharrlichkeit führen zum Ziel. Nicht mehr Hühner halten, als es für den vorhandenen Platz zweckmäßig isst Einen ausreichenden Platz im Auslauf für die Aufzucht reservieren, nachdem der Boden durch Untergraben von Aetzkalk im Herbst und Einsäen von Hafer usw. im Frühjahr entseucht worden ist. Die Unterbringung des Geflügels in zweckmäßigen Stallungen, die richtige Fütterung und die gefühlsmäßige Pflege sollte bei den im Geflügelzuchtverein organisierten Züchtern eine Selbstverständlichkeit sein. Zusammenfafsend kann über das Ergebnis dieses Besichtigungsganges gesagt werden, daß er für alle Teilnehmer interessant und lehrreich war. Zu wünschen wäre allerdings, daß sich künftig nur annähernd soviel Mitglieder an dem Besichtigungsgang beteiligen möchten, wie zu der Futterverlei- lung erscheinen. Aerztliche Hilfe während eines Fliegeralarms. Freipraktizierenden Aerzten und Hebammen wird die Erlaubnis zum Betreten von Straßen und Plätzen während eines Fliegeralarms auf Antrag erteilt. Infolgedessen können sie zu Hilfeleistungen während eines Fliegeralarms in Anspruch genommen werden. Es wird aber besonders darauf hin» gewiesen, daß jeder Volksgenosse, der ohne dringende Notwendigkeit das Leben der Aerzte und Hebammen durch Inanspruchnahme während des Fliegeralarms gefährdet, für alle eintretenden Schäden haftbar gemacht wird. Aehre — Korn — Brot. NSG. Die Ernte ist eingebracht. Reichen Segen schenkt uns der Bauer. Wir wissen, daß trotz Krieg unsere Ernährungslage gesichert ist. Freudig danken wir unseren Bauern für ihre Mühe und Lasten, denn ihr voller Einsatz schafft uns Ncch- rungsfreiheit. Auf den endlos weiten Feldern unseres Großdeutschen Reiches werden die goldgelben Garben des Getreides gedroschen, und goldbraunes Korn stießt in endlosem Strom zu den Lagern. Es ist die Grundfeste unserer Ernährung. Gesundes Korn hat und behält all seine Kraft, um das Wunder der Keimung, der ewig neuen Leb en sw erd ung immer wieder im unabänderlichen Rhythmus zu offenbaren. Aus diesem Korn wird unser Brot. Als wichstgstes Lebensmittel der Menschen wohnt ihm die ungebrochene Kraft inne, seine biologische Mission zu erfüllen. Nur ein Brot, das aus vollem Schrot und Korn gebacken wird und alle integralen Bestandteile des lebendigen Kornes unverfälscht enthält, kann unser Volksbrot sein. Wir kennen es als Vollkornbrot, das durch die Gütemarke mit der Gesundheitsrune deutlich kenntlich gemacht ist. ♦ ** Kriegsauszeichnung. Dem Gefreiten Heinz Naumann, Gießen, Hessenstraße 5, wurde nach beendetem Urlaub beim Wiedereintreffen bei seiner Truppe das Eiserne Kreuz U. Klasse für ferne Teilnahme an den Kämpfen in Frankreich verliehen. . ** Riesenkürbisse. Ein Gärtner in Klein- Linden hat es fertig gebracht, drei Kürbisse im Gesamtgewicht von 106 Kilogramm zu ziehen. Der größte Kürbis wiegt 38 Kilogramm, die beiden anderen 35,5 und 32,5 Kilogramm. Die Riesenftüchte sind allerdings auf einem Komposthaufen gewachsen. Max Halbe. Zum 75. Geburtstage des Dichters am 4. Oktober. Als Max Halbe mit seinem dichterischen Schossen begann, beherrschte der Naturalismus die Bühne. Die Jahrhundertwende ist es, die Halbes Dramen den besonderen Charakter und die eigenartige Stellung in der Geschichte des deutschen Theaters gab. Wir dürfen heute das naturalistische Drama nicht nach den alten theoretischen Programmen und Manifesten beurteilen, die nachttäglich allerdings leicht aus der Vogelperspektive zu widerlegen sind. Der Naturalismus kämpfte gegen eine selbstzufriedene, verantwortlose Literaturproduktion, die m den übernommenen Dichtungs formen nur ästhetische Schablonen sah und sie mit eitlem, unwahrem Pathos füllte. Dieser Kampf wurde zweifellos mit unzureichenden Kräften und Waffen geführt, aber er war — wie Helmuth Langenbucher ihn bezeichnet — „ein Anlauf auf das Volk hin, der in der Klaffe stecken blieb." Die Jahrhundertwende barg noch eine andere immanente Strömung in der Literatur. Max Halbes zuletzt erschienene Bücher feiner großen Selbstbiographie zeigen schon im Titel die beiden Regw- nen an, die bei ihm sich verbanden: „Scholle und Schicksal" heißt der eine, „Jahrhundertwende" der andere Teil. Und wenn Halbe die führenden Persönlichkeiten jener Jahrhundertwende auch mit viel Sympathie anschaulich schildert, so betont er zugleich doch sehr bewußt seine eigene Art als „ostmärkische Romantik". Trotzdem wird Halbe bis heute allgemein noch nach dem einmal geschehenen Vorgang der damaligen Literaturkrittk einfach unter die Naturalisten gerechnet. Er ist ein eigentümliches fast tragisches Mißverstehen überhaupt, mit dem man dem Lebenswerk Max Halbes gegenübersteht. Durch die Aufführung seines Dramas „I u g e n d" wurde der Siebenundzwanzigjährige mtt einem Schlag berühmt. Das war 1893. Das Stück hat auch späterhin seine dramattsche Wirkung behalten. Das ist von dem gesamten Theaterschaffen jener Zett nur noch Gerhart Hauptmanns besten Werken beschieden gewesen. Auch heute noch packt an diesem Werk das warme, menschliche Verständnis und der durchdringende Blick für unwägbares, schwer in Worte zu fassendes seelisches Erleben, das hier einen beispielhaften Ausdruck findet. Aber der Riesenerfolg der „Jugend" überschattete sein ganzes späteres Werk. Dabei fand Halbes künstlerischer Instinkt, der von Anfang erd- und triebgebunbener, blut- und naturnäher erscheint, in den kommenden, weniger berühmten Dramen wie „Eisgang", „Der S t r o m" oder „Mutter Erde" noch stärker als in der „Jugend" die große Gestaltungsfähigkeit, die sich nicht mehr in eine Menge gleichgültiger Figuren zersplittert, die nur eben zur Charakteristik einer Gesellschastsschicht oder eines Standes bedeutungsvoll sind. Max Halbe sucht vielmehr — und es gelang ihm immer stärker — Menschen zu formen, die durch ihr persönliches Dasein, durch ihren Charakter, durch ein selbstgewältes Schicksal oder eine beherrschende Idee den Zuschauer mitzureißen wußten; er schilderte sie mit seinen eignen psychologischen Mitteln, die uns auch jetzt, vierzig Jahre später, noch erregend lebendig ansprechen. Dabei war seine „ostmärkische" keine programmattsch „neue Romantik", seine deutlich symbolischen Handlungen nicht Absichten eines Symbolismus, fortbern aus der realistisch gegebenen Szene erwachsend. * Auch in Max Halbes Prosa, in kleineren Erzählungen, wie dem „Ring des Lebens" oder im großen Roman „D i e Tat des Dietrich Sto- baue" beruht der Erfolg (und dieser Roman war noch einmal ein Erfolg, der einigermaßen an den der „Jugend" heranreichte) auf den gleichen Voraussetzungen des Zusammenklangs von Naturalifti- fchem und einer erdhaft vollklingenden Romantik, von realistischer Klarheit und symbolischer Vertiefung. Dieser Zusammenklang, der im Wesen des Ostdeutschen — Max Halbe ist gebürtiger Danziger — seinen ganz eigenen Ton fyat, erfüllt chm Geist wie Sprache, sinnlichen Ausdruck wie Andeutung des Seelischen, läßt seinem dichterischen Jnttinkt den Raum auch für die Pausen, das Schweigen, in dem nur durch Naturelemente — wie den „Strom" — das Schicksal spricht. Aber auch in einer einfachen Dorfgeschichte wie „Frau M e s e ck" empfindet man diesen reinen Zusammenklang verschiedenster Elemente, der allein uns verpflichten sollte, heute und von unserer Zeitsicht aus von dem Gesamtschaf- Ifen des Dichters der.Lugend" oonirteilsfrei Kenntnis zu nehmen. Rudolf A. Dietrich. Musik in her Nacht. Unter diesem Titel erscheint soeben im Furcheverlag, Merlin, ein Bändchen von Philipp Kramer, das zwei Erzählungen enthält. Der Verfasser, der seinerzeit in Gießen an der Oberrealsckule tätig war, ist unseren Lesern kein Unbekannter. Wir bringen hier den Anfang der Titelerzählung und kommen noch auf das Bändchen zurück. Die Malerei ist geboren aus der Tageshelle der Sonne. Die Leuchttraft ihrer Sttahlen strömt zauberisch aus den Lichtgebilden der' Farben. Die Malerei schwebte hernieder zu uns als Boffchaft aus himmlischen Höhen, daß Gott Licht sei. Die Musik ist so recht ein Kind der Nacht. Sie steigt empor aus dem dunklen Reich der Mütter, dem Urschoß des schaffenden Lebens, bei allem Tönen ihr Geheimnis keusch verschweigend und kostbar bewahrend. Sie gibt ihre klingende Verkündigung nicht jedem preis, die nämlich, daß wir in das Bergwerk unsrer eignen Tiefe hinabmüfsen, um ihrer Segnungen teilhaftig zu werden. Der Pinsel sucht das Licht. Im Dunkel der Nacht verbirgt er sich. Wenn aber die Violine des Künstlers im Saale zu fingen beginnt und jubelt und klagt, verlöschen die Lampen. Deffnen sich die Augen wett vor den Wundern des Bildes, so fangen die inneren Stimmen an zu sprechen und suchen lauschende Ohren. Beschwören uns die Seufzer der Sonate, so schließen sich schwer die Augen, und wir wandeln in Helligen Hainen, wo weiße Priesterinnen unter dunklen Zypressen das rote Feuer des Opfers entzünden. Der kühle Brunnen vor unsrem Fenster plätschert den ganzen Tag. Er gießt seine Erquickung unaufhörlich bei brennender Sonne in den steinernen Trog, die Durstigen zu tränten und zu laben. Bei sinkender Nacht erst wird fein Tönen Musik, die tröstlich klingt in die Träume der Schlafenden, die nach ihm hin chre Fenster offen halten. Zur Nacht erst kündet er eindringlich die chm allein anver- traute Boffchaft, die außer chm kein anderer künden kann. Die Nacht rft nicht das kalte, böse Dunkel, das uns finster umdroht. Sie ist das Reich der „stern- flammenden Königin" aus Mozarts „Zauberflöte", deren Gewand funkett von den goldenen Leuchtbällen der Sterne, und die im holden Silber des fünften Mondes nach ihrer Tochter trauert Alles Tönen Mozarts rft eine einzige .Kleine Nachtmusik". Er fpiett auf dem Klavizembalo und nur Aroei Kerzen leuchten scheu den Noten Die Lauschenden sind ins Dunkle verwiesen. Der alte Bach spielt in Potsdam dem alternden König int dunklen Raum der Potsdamer Kirche, und Friedrich fürchtet, der edle Zauberer mache chn noch fromm. Die innige Melancholie der Flöte Friedrichs singt geschwisterlich mit den zitternd schwingenden Tönen des Klavizembalos. Und nur die Kerzen leuchten. In der Mittagssonne will das Singen schweigen Aber in der Nacht erheben sich alle Stimmen lauter. O Musik in der Nacht! Lichtspielhaus: „Kalflaff in Wien." Ein Unterhaltungsfilm im beliebten Gewände des Wiener Biedermeier. Das Drehbuch (Dr. W a 11- n e r und Feltz) schildert nach einer Novelle von Robert H o h 1 b a u m die Entstehung von Nicolais komischer Oper „Die lustigen Weiber von Windsor". Die Musik des Originals, die noch nichts von ihrer ursprünglichen Anziehungskraft und Frische verloren hat, gibt der zwischen gefühlvollem Idyll und stürmischer Improvisation schwebenden, sehr locker geschürzten Handlung die eigentliche Würze und das rhythmische Temperament. Liebe und Eifersucht, Verwechslung und Intrigenspiel sind die treibenden Elemente des Spiels, das die shakespearische Fabel in das Oesterreich der Metternich-Zeit überträgt und die Ereignisse der Oper als drastische Kopie wirklichen Wiener Lebens darstellt. Leopold H a i n i s ch s SpiAführung hielt sich auf der Mitte zwischen biedermeierlichem Sentiment und kräftigem Situationswitz; der Kameramann Bruno Mondi fand eine filmisch lohnende Aufgabe in der Darstellung von Nicolais opernhaften Phantasien, dem Alois M e 1 i ch a r als musikalischer Leiter naturgemäß die wichtigsten Anregungen verdankt. Aribert Wäscher im Mittelpunkt gibt den italienischen Theaterdirektor Balocchino als einen feisten, trunkenen, hitzig verliebten Falstaff von bemerkenswert komischen Qualitäten. Hans Nielsen fft der sympathisch angelegte Komponist, Gusti W o 1 f die naiv zwitschernde kleine Sängerin Mizzi; Paul Hörbiger, Wolf Albach-Retty, Gustav Waldau und Lizzi H o 1 z f ch u h spielen sehr wienerisch die übrigen Hauptfiguren des aus Oper und Lustspiel gemischten Films. — (Tobis.) — Auf die vielseitige Wochenschau wurde an dieser Stelle schon hingewiesen. Hans Thyriot Unterhaltung mit Kriegsgefangenen ist strafbar. LPD. Marburg, 3. Oktober. Im Ium hielt sich ein hiesiger Einwohner t»r einem Gefangenlager auf. Er war dafür bekannt, daß er schon öfters Unterhaltunaen mit Gefangenen anzuknüpfen versucht hatte. Als die Gefangenen an dem betreffenden Morgen zur Arbeit gingen, rief er Urnen zu: „Guten Morgen, na, arbeiten heute?" Das war an einem Sonntag. An einem andern Taae verabschiedete er sich von Kriegsgefangenen, indem er ihnen winkte und zurief: „Macht's gut!" Der Mann bestritt, die Gefangenen damit gemeint zu haben, dies wurde aber in der Verhandlung festgestellt. Der Angeklagte redete sich auch damit heraus, daß er dadurch mit den Gefangenen in Berührung gekommen sei, daß diese bei ihm im Hause Wasser gezapft hätten. Als er sich nun wieder vor dem Gefangenlager aufgehalten hatte und der Aufforderung des Polizeihauptwachtmeisters, mit ihm zu kommen, keine Folge leistete, wollte dieser ihn festnehmen, er leistete aber heftigen Widerstand. Dom Amtsgericht wurde er wegen Vergehens gegen die Kriegsgefangenenverordnung und wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt zu drei Monaten und zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Seine Berufung vor der Strafkammer des Landgerichts hatte keinen Erfolg. In der Urteilsbegründung hob die Strafkammer hervor, daß jegliche Begrüßung und jegliche Unterhaltung mit Kriegsgefangenen, wenn sie nicht in Ausübung der Arbeit mit diesen zwangsläufig nötig fei, schwer bestraft werde. Die Staatsführung habe diese Verordnung im Interesse der Würde und der Sicherheit des deutschen Volkes und Reiches im Kriege erlassen. Wer glaube, sich diesen notwendigen Anordnungen widersetzen zu können, werde (auch im Interesse der Abschreckung) schwer bestraft. Die vom Amtsgericht hierfür verhängte Strafe erscheine auch mit Rücksicht auf die Persönlichkeit des Angeklagten dem Landgericht angemessen. Für den Widerstand gegen die Staatsgewalt verbleibe es ebenfalls bei der Strafe des Amtsgerichts. Gefängnis für fingierten Einbruch. Er wollte sich punktefrei ausstaffieren. LPD. Frankfurt a. M., 1. Okt. Eine exemplarische Strafe verhängte das Amtsgericht Frankfurt über den 56jährigen, erheblich vorbestraften Emll Edelhäuser. Der Angeklagte war bei strömendem Regen, den Oberkörper nur mit einem Hemd bekleidet, bei der Polizei erschienen und machte Anzeige, daß bei ihm in seiner Mansarde eingebrochen und seine Garderobe gestoh- I en worden sei. Auf Grund einer Bescheinigung über den Diebstahl schaffte er sich neue Sachen an. Er hatte der Polizei ein Schreiben übergeben, das der Einbrecher am Tatort zurückgelassen haben sollte. Man fand darauf aber nur die Fingerabdrücke des Angeklagten, der bald in Verdacht geraten war, den Einbruch fingiert zu haben, um in den Besitz von Bekleidungsgegenständen ohne Punkte zu gelangen. Als unvermutet die Mansarde des Angeklagten durchsucht wurde, fanden sich in verschiedenen Verstecken Wäsche und Garderobe unversehrt vor. D-er Angeklagte leugnete, wie er dies in früheren Strafverfahren auch stets getan. An der Mansarde hing ein Vorhängeschloß, das -von dem Täter gewaltsam erbrochen worden sein sollte. Es ließ sich aber nachweisen, daß das Schloß unmöglich von einem Fremden so bearbeitet fein konnte. Der Angeklagte wurde wegen Vergehens gegen die Verbrauchsregelungsstrafverordnung zu zweiIahrenGefängnis verurteilt. Ein Paar Schuhe und zwei Oberhemden wurden eingezogen. Wirtschaft. Weiterbin feste Börse. Frankfurt a. M., 3. Okt. Die Börsenfesti-gkeit dauerte unvermindert an. Starke Rachfrage bestand nach Anlagewerten, wobei diesmal vornehmlich Aktien gesucht wurden, bei denen Kapitalerhöhungen erwartet, werden, oder die im Kurse zurückgeblieben zu sein scheinen. Wiederum machte sich die Marktleere steigernd bemerkbar, denn vielfach sind die Inhaber von Papieren auch bei höheren Kursen nicht geneigt, abzugeben. Am Montanmarkt waren Buderus, Hoesch, Klöckner, Mannesmann höher, auch Rheinstahl konnten vorübergehend anziehen, Der. Stahlwerke bis. 139,75 v. H. gesteigert, KlBiäflgleioiiBBBiiLßlieoiiii Roman von Helene Kalisch Copyright 1939 by Prometheus -Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München 39 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) „Aber hier hat er doch uffjeschrieben, er hat bet nid) jetan!" ereiferte sich Pahl. „Wie ick den Mann kenne, beseht der (eene sone dummen und zwecklosen Schwindeleien. Wenn der wat anjerichtet hat, steht der ooch davor jrade!" Uebereinstimmend hatte dann das Ehepaar den Tjaden als einen stillen, verschlossenen Menschen geschildert, dessen Ehrlichkeit und Verläßlichkeit, dessen charakterliche Unantastbarkeit außer Frage stand. „Daß Tjaden eine mehrjährige Gefängnisstrafe verbüßt hat, wußten Sie nicht?" fragte darauf einer der Beamten. Doch, sie wußten es beide, wenn auch nicht warum. Darüber war nach schweigender Uebereinkunft nie gesprochen worden. Es wurde ihnen darauf vorgehalten, Tjaden sei dem Gericht als gewalttätiger Mensch bekannt. Er habe einen Mordversuch gegen einen Verehrer seiner Frau begangen — der Frau, die man jetzt erschossen in ihrer Wohnung aufgefunden hat. „Ehe ick det richtig bejriffen hatte, fuhr ooch schon mein Alter uff", erzählt Frau Pahl. „Da hamse doch aber schon eenen verhaftet", sagte er. „Zwee können det doch nid) jetan haben!" Da erklärten die Herren, bei so wat käme det häufig zu mehreren Verhaftungen, weil jedem Verdacht nachjejangen werden müsse." „Also, Sie können et mir stoben, Fräulein Weber, bei bet stunbenlange Iefrage unb Jerede würbe mir schließlich Angst, bet se uns noch alle beebe mitnehmen", gesteht Frau Pahl. „Et war ja nu babei ooch die Sache von Marta zur Sprache jekommen und bet ick bem Klaus sozusagen den Kopp zurecht- jerückt hatte, wozu er bem Mäbel jejenüber va- pflichtet is. Alles, aber ooch alles Ham bie Kriminaler aus uns rausjeholt! Unb wie se enblich singen, ba warn roa beebe burchjebreht. Uns schmeckte keen Essen, unb Schlaf fanben roa ooch nid). Ick merkte, wie sich Vota von eene Seite uff bie anbre drehte am Schluß der Berichtszeit auf Gewinnmitnahmen aber auf 137,50 abgeschwächt. Von Autvaktien setzten BMW. unb Daimler — letztere unter Schwankungen — ihre Aufwärtsbewegung fort, von Elektroaktien AEG., Lechwerke u. a. Eine Spezial- bewegung machten wieder Bauaktien mit, von denen Holzmann bis 241 (am 27. 9. noch 229), Neue Banges. Wayß & Freytag bis 230 (21. 9. noch 216), Berger bis 218 (203) anzogen. Eine am 2. 10. eingetretene Rückwärtsbewegung auf Gewinnmitnahmen vermochte keineswegs diese erheblichen Kurssteigerungen aufzuheben. Eine Sonderbewe- gung hatten ferner Gebr. Adt-Wächtersbach, die am 2. 10. ihren Paristand erreichten, am 27 9. erst 86 notiert hatten. Vielfach waren scharfe Rationierungen notwendig, um die Kaufinteresfenten wenigstens zum Teil befriedigen zu können. Chemieaktien demgegenüber weniger kursmäßig berührt, jedoch ebenfalls fest. Am Rentenmarkt führte Anlagebedarf zu ständiger Nachfrage nach allen Papieren. Bei Reichsschatzanroeisungen verknappt sich der Markt immer mehr. Pfandbriefe sind stark gesucht, auch der Versuch, die Notierungen auf 102 anzusetzen, lockte kein Material heraus, so daß es meist bei gestrichen Geld-Notierungen bleiben mußte. Von Stadtanleihen kamen bie Mainzer mit 102 höher unb manchmal seufzte unb vor sich hinbrummelte. Da sagt ick: »Kannste denn nich schlafen, Mann?' »Nee, Mutters sagta und setzt sich uff. ,Unb der Klaus war bet doch nid)!* sagta, ,ba wette ick meinen eijenen Kopp! Ja, wenn de Marta dot wäre, denn hätte er bet woll fertig jeb^acht, die andere wegzuknallen! Dann wäre chm alles ejal. Aber jetzt, wo se lebt und er weeß, bet se uff ihn anjeroiefen is, da verläßt der se doch nich! ... Nee, Mutter, wenn de bet jloobst, kennste Klaußen schlecht'* Sehn Se, Fräulein Weber, von ba an sind wir immer fester zu die Ueberzeujung jelangt, bet ber Verbacht jejen Klaus falsch is unb sich uffklären muß! Det wär ja doch Zu traurig, wenn die beeben Menschen, bie bet doch wirklich oabient haben, ihr bißken Ilück nicht finben sollten!" — Von einer öffentlichen Fernsprechzelle aus ruft Käte 5)ans Bergholz an und berichtet ihm kurz von ihrem Besuch im Krankenhause. Er dankt ihr. Er ist sehr beschäftigt und fragt, ob sie abends Zeit für ihn habe. Sie muß verneinen. Unaufschiebbare berufliche und ehrenamlliche Arbeiten harren ber Erledigung. „Unb morgen, Käte?" hört sie ihn fragen und hört die Bitte in feinem Ton. „Morgen wird es eher sein können", sagt sie. Beim Verlassen der Fernsprechzelle denkt Käte: ,Es ist gut, daß ich nicht heute mit ihm darüber reden muß.' Sie kann sich nun nicht mehr über feine mutige Tat freuen, mit der er alles, was vordem geschehen war, alles, was ihr fein Charakterbild verzeichnet und verzerrt hatte, beseitigte und auslöschte, so daß sie ihn jetzt wieder sehen kann, wie ihr Herz ihn kannte. Für die arme Marta Ellrich aber wäre es bester, diese Tat wäre nicht geschehen. — Am nächsten Abend kommt Hans wieder zu Ihr. In der Untersuchung ber Morbtat ist er heute im Zusammenhang mit anberen Verhören noch einmal vernommen worben. Er erzählt ihr von dem sehr sonderbaren Verhalten eines Zeugen. Dann sehen sie sich an unb schweigen eine Weile: Kätes Augen schimmern bunkler. „Könnte es boch sein, baß bie Hoffnung der guten Mutter Pahl kein Trug ist?" sagt sie leise. Für Bergholz ist diese Bemerkung zuerst unverständlich. Doch nachdem er erfährt, worauf sie sich bezieht, greift er sie auf. Sie reden lange davon, unb ihre Gesichter werden heiß. Die beiden Menschen, die von ihnen noch nichts wissen, sind ihnen zur Notiz, die Frankfurter wurde zuletzt mit 102,25 genannt. Im Freiverkehr werden einige Aktien, wie vor allem Sektaktien, stets zu steigenden Kursen gefragt, Kupferberg gingen auf 150. Etwas Umsatz fanden Thüringer Zellwolle, die anfänglich mit etwa 110 genannt, bis auf 120 bis 121 anziehen konnten. Der Schluß der Berichtszeit war freundlich, eine Tendenz, die angesichts der bei weitem noch nicht befriedigten Nachfrage auch weiterhin beherrschend fein wird. Schn. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 3. Oktober. Es notierten je 50 Kilo Lebendgewicht in RM.: Ochsen a) 44 bis 46,5, b) 40 bis 42,5, c) 35 bis 37,5; Bullen a) 43 bis 44,5, b) 39,5 bis 40,5, c) 35,5, Kühe a) 43 bis 44,5, b) 38 bis 40,5, c) 30 bis 34,5, d) 20 bis 25, Färsen a) 43,5 bis 45,5, b) 39,5 bis 41,5, c) 35 bis 36,5; Kälber (Sonderklasse): 65 bis 74; andere Kälber a) 59, b) 53 bis 59, c) 45 bis 50, d) 35 bis 40; Hämmel b2) 48 bis 51, c) 40 bis 44, d) 32 bis 38; Schafe a) 44, b) 34 bis 40, c) 12 bis 32; Schweine a) 58, bl) 58, b2) 57, c) 55, d) 52, e) 50, gl) 58. Marktverlauf: alles zugeteilt. nicht Fremde. Das Geschehen, das Schicksal schuf eine Verbundenheit und weckte in ihnen das Bereitsein für sie. Ein neuer Tag kommt und bringt eine seltsame Gewißheit. Rätselhaft und düster erscheint sie nach der einen Seite hin. Nach der anderen jedoch, kann sie nicht anders als erlösend empfunden werden. 2 0. K a p i t e l. t 3n der Oper hat eine weihevolle Totenfeier für Dietmuthe Röhl stattgefunden, der unter ungeheurer Beteiligung des Publikums die prunkvolle Bestattung folgte. Alle Zeitungen und Zeitschriften bringen Bilder der Verblichenen und spaltenlange Aufsätze, in denen die bedeutende Künstlerin und schöne, interessante Frau noch einmal gefeiert wird. Wer dieses Leden vernichtet hat, weiß man noch immer nicht. Es tauchen die verschiedensten Vermutungen und Gerüchte auf, und die Zeitungen erzählen wohl von Verhaftungen, Hellen aber in keiner Weise das Dunkel auf, das über dem Verbrechen liegt — Als Klaus Tjaden während dieser Tage seines Wanderns von Hunger getrieben in den Gasthof eines entlegenen Dorfes eintritt, heften sich seine Augen auf ein Zeitungsblatt, das er auf einem Tische liegen sieht Einen Augenblick, fühlt er das Verlangen, darin nachzusehen, ob etwas von dem darin stehe, was ihn wieder hinausgetrieben hat, zurückgeworfen in das Vagabundenleben, das er schon einmal lebte. Aber er greift doch nicht nach dem Blatt. Bereits am zweiten Tage erkennt er sein Vor- wärtseilen auf endlosen Wegen als sinnlos. Was ihn dazu trieb, der Zwang zur besinnungslosen Flucht, er weicht von ihm. Die Einsicht folgt, einen verhängnisvollen Fehler begangen zu haben. Er begreift nicht mehr, wie er dazu kam, und was sich seiner bemächtigt hatte, ihn das Verkehrteste tun ließ, was er überhaupt tun konnte. Und nun? —- Umkehren? — Er sagt es sich und wandert zweimal zu einer Bahnstation. Als aber das Läutewerk den nahenden Zug meldet, treibt ein dunkler Widerstand ihn weiter. Es ist ihm völlig unbegreiflich, wie er dazu gekommen ist, von Marta fortzugehen. Sie ist in jedem feiner Gedanken. Aber auch sie hat ja von ihm fortgewollt — viel weiter fort. Dennoch gehören sie zueinander. Es war wohl vor allem die jähe, irre Angst ge- schon mehr können, als die Platzbesitzer. Weil Gar- benheim mit zu den stärksten Einheiten der De- reichsklasse zählt, wird ein knappes Ergebnis zu erwarten sein. In der I. Klasse hat Holzheim seine Mannschaft zurückziehen müssen, weil unvorhergesehene Spielerabgänge die Aufrechterhaltung nicht zuließen. Infolgedessen gibt es diesmal nur ein Spiel Tuspo W.-Niedergirmes — Tv. Orüningen. Die Gäste sollten — wenn keine unvorhergesehenen Umstände eintreten — auch diesmal den Sieger stellen. Denn es ist kaum anzunehmen, daß die Platzbesitzer eine gleichwertige Mannschaft entgegen« stellen können. In der II. Klasse spielen: Tv. Nauborn — Tv. Lang-Göns II Tv. Garbenheim II. — Tv. Atzbach Tv. Lich — Sp. Gde. Garbenteich Tv. Klein-Linden — Tv. Beuern. Wenn auch Nauborn am Sonntag eine recht gute Partie liefert/ ist es doch fraglich, ob es diesmal Schritt halten kann. Atzbach wird diesmal feinen Siegeszug fortsetzen, weil die Reserve des Tv. Garbenheim sicherlich nicht den Widerstand leisten kann, der den Sieg vielleicht gefährden könnte. Lich wird es nicht leicht fallen, die neu zusammengestellte Garbenteicher Mannschaft zu schlagen. Daß Beuern in Ordnung ist, hat ihr Auftreten am vorigen Sonntag gezeigt. Es ist deshalb schon anzunehmen, daß es auch diesmal wieder einen Sieg geben wird. Orts - Sommersporttaq in Launsbach. Arn nächsten Sonntag findet auf dem Sportplatz des Tv Launsbach der Orts-Sommersporttag der Gemeinde Launsbach statt. Um jedem die Möglichkeit zu geben, an den Wettkämpfen teilzunehmen, sind folgende Hebungen festgesetzt worden: Jungvolk: 60-Meter-Lauf, Ballweitwurf, Weitsprung. Hitler-Jugend: 100-Meter-Lauf, Keulen- weitwurs, Kugelstoßen, Weitsprung. Sportler: 75-Meter-Lauf, Keulemveitwurf, Kugelstoßen, Hochsprung. Im Anschluß an die Wettkämpfe finden ein Handballspiel Jugend gegen Aktive und ein Fußballspiel Launsbach gegen Fellingshausen statt. Kurze Sportnotizen. Nack) Japan abgerelft sind die deutschen Tennisspieler Heinrich Henkel (Berlin) und Kurt Gieß (Köln), um an mehreren Turnieren aus Anlaß der 2600-Jahrfeier des Kaiserreiches teilzu- nehmen. Unsere besten Pi st ölen schützen erzielten bei einem Prüfungsschießen in München hervorragende Ergebnisse. Mit der Scheibenpistole kam Weltmeister Erich Krempel (Suhl) auf 2700 Ringe, also einem Durchschnitt von 541. Mit ber Schnellfeuerpistole verfehlte der ^-Anwärter Erwin Skjellet (Berlin) von 423 Schattenrissen mir 6 und übertraf damit den Olympia-Sieger van Oyen (Berlin) um zwei Treffer. Das deutsche Aufgebot zum Meraner Reitturnier vom 12. bis 21. Oktober bilden Major Mornm (mit Alchimist), Rittmeister Brinck- mann (Baron, Artur, Oberst, Wotansbruder), Rittmeister Hasse (Notar, Litho, Der Aar), Rittmeister Niemack (Olaf, Alant, Tasso) und Rittmeister Perl- Mückenberger (Fridolin, Narses, Schwalbe und Alltag). Oie Aushebung des Hg.-Beitrags. Zu der Aufhebung des HI.-Beitrages erklärt der Reichskassenverwalter der Hitler-Jugend, Grimm. Auf die Jungen und Mädel solle eingeroirft werden, die entsprechenden Beträge fünftig bei einer Sparkasse zu sparen, um sowohl für besondere Zwecke wie Sommerlager und Fahrten, Mittel anzusammeln, als auch die Jugend grundsätzlich zum Sparen anzuhalten. Die Dienstgestaltung der HI. mit ihren zunehmenden Fahrten und Freizeitver- anftaltunaen erfordert an sich schon gegenüber früher erhöhte finanzielle Leistungen des einzelnen. Der Gedanke des persönlichen Opfers bleibt also erhalten. Der Jugend wird nunmehr in größerem Um- fange als bisher die Teilnahme an Lagern und Fahrten ermöglicht. Vor allem aber wird durch den Wegfall des Beitragseinzuges eine außerordentlich umfangreiche Verwaltungsarbeit erspart. wesen, von chr hinweggerissen zu werden, die ihn hinausjagte auf die Landstraße. Denn wenn erst der Kerker zwischen ihnen ist? ... Aber er weiß jetzt, die Flucht nützt nichts, und er hat mit seinem Verhallen alles noch schlimmer gemacht. Das Wetter ist trocken und warm — sehr warm für den Mai. In den Nächten, solange es dunkel ist, schläft Klaus in irgendeinem Versteck im Freien. Daran hat er sich in schlechterer Jahreszeit gewöhnen müssen. Aber seine Kleidung verstaubt und verschmutzt bei dem Stromerleben. Die Schuhe halten einstweilen noch, und Geld hat er auch noch. Ein kleiner Taschenspiegel zeigt ihm sein von der Sonne mehr rot als braun gebranntes Gesicht und einen sprossenden blonden Bart, der ihm ein verwildertes Aussehen gibt. Macht ihn das alles so unkenntlich, daß man ihn noch immer nicht ergreift? Wenn er auch einsame, abseitige Wege geht, so meidet er doch ntd)t, wie am ersten Tage, ganz die Ortschaften, glaubt, als ihm einmal auf einem Feldweg ein Landjäger begegnet, der Augenblick feiner Festnahme fei da, denn der Uniformierte mustert ihn scharf. Aber er geht vorüber. Dann wirkt die Nähe der Heimat mit magnetischer Kraft, und eines Tages um die Mittagszeit taucht aus dem weißlichen Sonnenglast der Leuchtturm auf, der an der Spitze der vorspringenden Landzunge steht, die wie ein nach Norden weisender Arm suh östlich von seinem Heimatdorf ins Meer streckt. Eine Stunde später hat Klaus den Deich überschritten, der Wiesen, Aecker und Gehöfte vor dem Hochwasser schützt. Jetzt ist Niedrigwasser; aber weit draußen zeigt der näherrückende weiße Brandungsstreifen das Kommen der Flut an. Klaus liegt am Boden ausgestreckt, zwischen den graugrünen Salzpflanzen, deren flache fleischige Vlattrosetten sich eng an den Sandgrund anschmiegen. Er liegt mit dem Rücken gegen eine Bodenwelle gelehnt, unb ihm ist, als sei es immer so gewesen — immer, wenn die helle, warme Zeit gekommen war. Dann lag er hier wie in dieser Stunde, und um ihn war der warme Dunst von Salz und Tang und die summende Stille und ferner Möwenschrei. Das ist die Wirklichkeit, und alles andere hinter ihm ist nichts als wirrer, schwerer Traum,. 6 (Fortsetzung folgt.) Lokalkamps auf dem Wawsvortplah. Wieder einmal stehen sich die beiden Rivalen im Kampf um die Punkte gegenüber. Für Gießen bedeutet dieses Spiel immer ein Ereignis im Fußballeben, denn hier geht es nicht nur um die Punkte, sondern um das Prestige. Die Spielvereinigung 1900 hat zwar in den Spielen um die Kriegserinnerungs- llakette nur noch wenig Aussichten auf einen End- ieg, nichtsdestoweniger wird der Lokalgegner Der« uchen, günstig abzuschneiden, um für die im Vor- piel erlittene Niederlage Reoanche zu nehmen. Die Grünweißen stehen noch an der Tabellenspitze, für sie gilt es in erster Linie, einen Sieg herauszuholen, um gegen den FC. Teutonia im letzten Spiel gewappnet zu fein. Wenn man das letzte Spiel der Grünweißen betrachtet, könnte man der Annahme fein, daß die Elf nicht mehr so stark wie früher ist. Der Weggang von Anton hat sich sehr stark bemerkbar gemacht, doch ist man im Lager der Grünweißen der festen Ueberzeugung, daß auch mit der auf gestellten Mannschaft, verstärkt durch den Urlauber Möhl, ein Sieg durchaus möglich ist. Die Blau- weißen haben zwar in den letzten Spielen keine überragende Rolle gespielt, doch hat der Verein alles aufgeboten, eine starke Elf zu stellen, die auch zu. kämpfen versteht. Da bei den Lokalkämpfen lediglich die Tagesform und das bessere Stehvermögen ausschlaggebend sind, ist das Spiel als vollkommen offen anzufehen. z VfB. R. Jugend — 1900 Jugend. Dor dem Spiel der ersten Mannschaften treffen sich die Iugendmannschaften im friedlichen Wettstreit. Das Spiel gilt zugleich als Probe für. die demnächst beginnenden Bannmeisterschaftsspiele. Wir halten die Blauweißen für stärker und rechnen mit einem sicheren Siege der Gäste. Um die KnegsennnerungSplaketie. Steinbach — Klein-Linden. Großen-Linden ist nicht mehr in der Lage, eine Mannschaft zu stellen, und hat seine Elf von den Spielen zurückgezogen. Die noch ausstehenden Spiele nehmen nun entscheideirden Charakter an, denn jeder Punkt und jedes Tor kann den Ausschlag geben. Die Turner aus Klein-Linden müssen beim Tabellenersten Steinbach .antreten. Wenn beide Mannschaften auch nicht mehr in stärkster'Besetzung spielen können, so wird doch jede Partei versuchen, so günstig wie möglich abzuschneiden. Wir trauen den Platzherren einen knappen Sieg zu. Grüniugen — Hungen. Für Hungen gilt es, die Klippe in Grüningen glücklich zu umschiffen, wenn die Elf bei der Vergebung der Plakette noch mitreden will. Die Platzherren sind daheim sehr gefährlich, doch glauben wir, den Gästen die größeren Siegesaussichten ein« räumen zu können, vorausgesetzt, daß sie mit dem nötigen Ernst in den Kampf gehen und sich nicht überrumpeln lassen. Zugendfutzball der Gp.-Dg. 1900. Die 1. Iugendmannschaft der Spielvereinigung 1900 trägt am kommenden Sonntag ein Freundschaftsspiel gegen die 1. Iugendmannschaft des DfB.- Reichsbahn aus. Die Dlauweißen, die das Vorspiel mit 3:0 Toren gewannen, stoßen hier auf eine ausgezeichnete Mannschaft. Das Spiel, das einen spannenden Verlauf verspricht, wird erst mit dem Schlußpfiff des Schiedsrichters entschieden sein. Die neuaufgestellte 1. Schülermannschaft spielt ebenfalls gegen die 1. Schülermannschaft des VfB.- Reichsbahn. Da beide Mannschaften bisher noch nicht auf den Plan getreten sind, ist eine Vorhersage nicht zu treffen. Kußball in Oaubringen. Daubringen 1. Jgd. — Vehlar 05 1. Jgd. Am kommenden Sonntag empfängt die 1. Jugend von Saubringen die 1. Jugend des Sportvereins Wetzlar 05 zu einem Freundschaftsspiel. Die Gäste verfügen über eine gut eingespielte Jugendmann- schaft. Da auch Daubringen sich zur Zeit in guter Form befindet, erwartet man ein schönes Spiel, dessen Ausgang völlig offen ist. Saubringen bestreitet das Spiel in der Aufstellung: Opper; Wagenbach, Frey; Geißler, Schäfer, Mvhr II.; Erb, Walther, Keil, Becker, Weimer. Oer zweite Tag der Handballmeisterschasten. Am kommenden Sonntag gibt es wiederum eine Reihe interessanter Kämpfe. Es werden antreten: In der Bereichsklasse: To. Somholzhausen — Tv. Hochelheim Tv. Katzenfurt — Mtv. Gießen Tv. Lützellinden — Tv. Hörnsheim Tv. Garbenheim — To. Kirchgöns. Wird es Hochelehim gelingen, auch diesmal wieder die Oberhand zu behalten, ober wird sich Sorn- holzhaufen endlich einmal durchsetzen? Ser Form beider Mannschaften nach zu urteilen darf man mit einem ausgeglichenen Kampf rechnen, bei dem vielleicht auch das Glück eine entscheidende Rolle spielt. Wenn es dem Mtv. Gießen gelingen sollte, eine starke Einheit zusammenzubringen, geht er mit ge» wissen Aussichten in das schwere Spiel. Im anderen Falle dürfte er nach den bisherigen Erfahrungen um eine Niederlage kaum herumkommen. Lützellinden hat auch diesmal wieder einen sehr schweren Gegner, der nur geschlagen werden kann, wenn man ihm eine gleichwertige Mannschaft entgegensetzen kann. Jedenfalls kann die Mannschaft in ihrer vorsonntäglichen Aufstellung nicht die Oberhand behalten. Siesmal geht Kirchgöns abermals einen schweren Gang. Wer in Garbenheim gewinnen will, muß