Mittwoch, 4. September MV tvv. Jahrgang Ur. 209 Wf * ♦ ■ """ Gietzener Anzeiger Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Uhr des Vormittags Anzetgen-Preife: Anzeigenteil 7 Rvf. je mm bei 22 mm Zeilenbreite, Tertteil 50 Rvf. te mm bei 70 mm Zeilenbreite Nachlässe: Wiederholung Malstaffell Abschlüsse Mengenstaffel B Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25°/o mehr vrühlsche Universttätsdnnkerei 8. Lange General-Anzeiger für Oberheffen Gießen, Schulstrahe 7-9 Erscheint täglich, außer Sonntags und feiertags Beilagen: Die Illustrierte GiebenerIamilienblätter Heimat imBild-DieScholle Monats-Bezugsvreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte » 1.80 Zustellgebühr... „ -.25 auch bei «Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsvrechanschluk 2251 Drahtanschrift:„Anzeiger" Postscheck 11686^rankf^M. Oie Slowakei im Umbau. Don unserem Ale.-Berichierstatier. Preßburg, im August 1940. Die Slowakei hat recht bewegte Tage hinter sich. Der 28. Juli wird als der „Tag von Salzburg" in die Geschichte des jungen Staates eingehen. als ein neuer Abschnitt aufrichtiger deutschslowakischer Freundschaft. Was den aufrichtigen Beziehungen zwischen Deutschland und der Slowakei noch im Wege stand, wurde beseitigt. Kaum waren die slowakischen Staatsmänner aus Salzburg zurückgekehrt, zeigten die Veränderungen in der bisherigen Regierung deutlich den neuen Kurs, der nunmehr herrschen soll, indem das Außenministerium von Ministerpräsidenten Dr. T u k a , das Innenministerium von Alexander Mach übernommen wurde. Die machtvolle Kundgebung, die dann am darauffolgenden Dienstag vor dem Preßburger Stadttheater folgte, war als sichtbarer Ausdruck des treuen Bekenntnisses auch der breiten Massen zu dem neuen Kurs der Staatslenker zu werten. Und lauter Beifall erklang, als Ministerpräsident Dr. Tuka vom Balkon des Rathauses aus das Programm dieser neuen Zeit der Slowakei verkündete: Salzburg bedeutet für uns einen neuen glücklichen Zeitabschnitt. Bauern, Arbeiter und alle anderen müssen zusammenstehen, alle müssen arbeiten und für die Arbeit einen gebührenden Lohn erhalten. Einigkeit, Disziplin und Freude an der Arbeit, das ist unser Ziel. Mit dem heuttgen Tage beginnt diese Aera des slowakischen Volkssozialismus. Und dann kündigte der Eckehard des slowakischen Volkes die dringendsten Maßnahmen an, die folgen müssen. Sachliche und persönliche Veränderungen, Klärung der Judenfrage, Reorganisation der Aemter, Sicherung der Volksgruppen, Lösung der sozialen Frage, Aende- rung der Verfassung usf. Schon jetzt hat die Bevölkerung der Slowakei mit unverhohlener Genugtuung feststellen können, daß die Worte des Ministerpräsidenten auch raschest in die Tat umgesetzt werden. Dem Sprecher der deutschen Volksgruppe Staatssekretär Karmasin wurde bereits die Zusicherung gegeben, die Voraussetzungen für die tätige Mitarbeit der Volksgruppe, Grundlagen für ihre Souveränität, restlos sicherzustellen. Dringendste Personaländerungen folgten. Die weiteren Maßnahmen der Regierung richteten sich gegen den Mißbrauch des Alkohols durch Einschränkung des Ausschankes und Kürzung der Sperrstunden für öffentliche Lokale. Dem folgten die schon seit langem erwarteten und ersehnten Maßnahmen gegen das Judentum, zunächst die Schließung der jüdischen Kaffee- und Gasthäuser sowie der Schanklokale, den Brutstätten des Lasters und der Verderbnis für weite Volkskreise. So zeigen bereits die ersten kompromißlosen Maßnahmen, daß alle Probleme ernstlich angepackt werden. Dabei bereitet das Innenministerium eine Reihe weiterer Verordnungen und Gesetzentwürfe vor, durch die zahlreiche brennende politische, soziale und wirtschaftliche Fragen, die bisher vergeblich der Lösung harrten, entschieden werden sollen. So werden schon in nächster Zeit alle Bürger der Slowakischen Republik, die nach dem 14. März 1939 aus staats- und volksfeindlichen Gründen in das Ausland gingen, um dort, namentlich in Frankreich und England, gegen die selbständige Slowakei zu arbeiten, ausgebürgert werden. Diese Emigranten werden vor aller Welt als Landesverräter gebrandmarkt, ihr Vermögen wird zugunsten des Staates eingezogen werden. Gleichzeitig wird auch die Staatsbürgerschaft der Juden einer Revision unterzogen werden, da bekannt ist, daß zahlreiche Juden sich unter dem früheren Regime die Staatsbürgerschaft ohne die gesetzlichen Voraussetzungen zu verschaffen wußten. Kurz, es wird mit Eifer unid Gewissenhaftigkeit auf allen Gebieten Ordnung gemacht und lange Versäumtes mit aller Energie nachgeholt. Es weht ein neuer frischer Wind durch das ganze Land, der auch schon die Masse des Volkes erfrischt und aufleben läßt, so dqß sie sich selbst vorbereitet, allen etwa auftauchenden Schwierigkeiten entgegen« zutreten. Die Jnteressenkörperschaften von Gewerbe, Handel und Industrie treffen bereits Vorbereitungen, die im Wirtschaftsleben nunmehr rasch hintereinander folgenden Maßnahmen bei der völligen Ausschaltung der Juden durch sofortigen Einsatz arischer Kräfte zu unterstützen. Presse und Rundfunk der Slowakei haben sich gleichfalls in den Dienst dieser großzügigen Aktion gestellt, indem sie durch die weltanschauliche Aufrollung der Judenfrage und durch Anprangerung jüdischer Exzesse und des schädlichen Einflusses der Juden auf allen Gebieten die Dringlichkeit einer Lösung dieser Frage unterstreichen. Rumänien nach dem Wiener Schiedsspruch. Bukarest, 3. Sept. (Europapreß.) Eine annähernd genaue Berechnung auf Grund der amtlichen Zahlen der letzten rumänischen Volkszählung von 1930 ergibt folgendes Bild: . Der gebietsmäßige Verlust Rumäniens in Siebenbürgen ist mit rund 45000 Quadratkilometer fast genau so groß wie der Verlust Bessarabiens (42 422). Das sind rund 45 o. H. des siebenbürgischen Gebietes ober rund 4 4 v. H. des nach dem Weltkrieg von Ungarn an Rumänien abgetretenen Gebietes. Dieses Gebiet wird von 2,4 Millionen Menschenbewohnt. In ganz Siebenbürgen wohnen 4,6 Millionen Menschen, in dem ganzen nach dem Weltkrieg von Ungarn abgetretenen Gebiet mit dem Banat zusammen 5,6 Millionen, davon nach den rumänischen Zahlen 2,7 Millionen Rumänen, 1,25 Millionen Ungarn, 5 50 000 Deutsche und 167 000 Juden. Ungarn hatte in seinem ersten in Turn-Severin überreichten Vorschlag die Abtretung von etwa 63 000 Quadratkilometer mit 3,9 Millionen Einwohnern verlangt. Mit Klausenburg verliert Rumänien die Hauptstadt Siebenbürgens und die mit ihren über 100 000 Einwohnern drittgrößte Stadt Rumäniens (nach Bukarest und Jassy). Außerdem tritt Rumänien die zweitgrößte Stadt Siebenbürgens, Groß- wardein (83 000 Einwohner), und als dritte größere Stadt Szathmar mit mehr als 50 000 Einwohnern ab. Rach den rumänischen Berechnungen werden durch die Neuregelung 1,2 Millionen Rumänen z u Ungarn geschlagen. Im rumänischen Siebenbürgen verbleiben noch etwa 250 000 Ungarn, in ganz Rumänien rund eine halbe Million. Don den Deutschen Siebenbürgens verbleiben nach rumänischer Berechnung rund 190 000 bei Rumänien, in ganz Rumänien 575 000. Mit den Abtretungen wird Rumänien gleichzeitig den größten Teil der in Großwardein, Szathmar. Marmarosch und Klausenburg lebenden Juden los. Rumänien wird jetzt nur noch 45 000 Glaubensjuden in Siebenbürgen bzw. rund 300 000 im ganzen Lande behalten. Don einer im Jahre 1930 ermittelten Gesamt- bevölkerung von achtzehn Millionen Menschen hat Rumänien durch die Abtretung an Rußland i n Bessarabien nach den Zahlen der rumänischen Statistiken 2,9 Millionen und in der Nord- bukowina über 0,5 Millionen verloren. In Siebenbürgen verliert es" nun 2,4 Millionen Menschen, auf Grund der demnächst mit Bulgarien zu Ende gehenden Verhandlungen über die Abtretung der Süddobrudscha wird es noch 0,4 Millionen Menschen abgeben, so daß das neue verkleinerte Rumänien 6,2 Millionen Menschen oder ein gutes Drittel seiner Bevölkerung verloren haben und — immer nach der Zählung von 1930 — dann noch rund zwölf Millionen Menschen zählen wird. Flächenmäßig belaufen sich ine Verluste Rumäniens nach dem neuen Stand auf rund 95 000 qkm bzw. einschließlich der Süd-Dobrudscha auf 102 000 qkm, so daß Rumänien am Ende von 295 000 noch 200 000 bzw. nach der Dobrudscha- Regelung noch 193 000 qkm umfassen wird. Vor dem Weltkrieg hatte es 138 000 qkm mit 8,2 Mlti lionen Menschen. Von seinem Gebietszuwachs nach dem Weltkrieg von 157 000 qkm und einem Bevölkerungszuwachs um 9,5 Millionen wird es noch 55 000 qkm (zirka 35 v. H.) mit knapp vier Millionen Einwohnern zurückbehalten. Die Räumung Siebenbürgens. Burda pest, 4. Sept. (Europapreß.) Wie die Blätter melden, haben diejenigen ungarischen Volkszugehörigen in Bukarest, die jetzt ungarische Staatsbürger geworden sind, in großer Zahl das Land verlassen. Im Szeklerland (Ostsiebenbürgen) seien überall Szekler-Garden gebildet worden, die mit der rumänischen Gendarmerie zur Aufrechterhaltung der Ordnung zusammenwirken. Aus Großwardein wird gemeldet, daß sich die rumänischen Behörden den Ungarn gegenüber zuvorkommend verhalten. Die politischen Häftlinge sind freigelassen worden. Die Zxnsur hat aufgehört. Durch Großwardein wälzt sich der Strom der a b z i e h e n- den rumänischen Armee. Ueber den Eisenbahnknotenpunkt Großwardein werden nämlich die rumänischen Truppen, die in Siebenbürgen stationiert waren, abtransportiert. Die in den westlich der Stadt an der bisherigen ungarisch-rumänischen Grenze in den stark betonierten Befestigungen liegenden Abteilungen treffen ebenfalls Vorbereitungen für den Abmarsch. Ein Appell des rumänischen Ministerpräsidenten. Bukarest, 3. Sept. (DNB.) Ministerpräsident Gigurtu richtete an diejenigen Rumänen, die gegen die Abtretung Transilvaniens protestieren und ihren Willen, die Grenzen zu verteidigen, zum Ausdruck bringen, einen Appell, in der er sie zur Ruhe, Klugheit, Würde und Arbeit ermahnt. In dem Appell heißt es: „Die Achsenmächte garantieren d i e Freiheit des rumänischen Volkes. Wir können nicht die Existenz des ganzen rumänischen Staates aufs Spiel setzen für eine schön ausgeheckte Geste, die den Zusammenbruch des Landes verursachen würde. Dank der uns gegebenen Garantien können wir die neue Arbeit der Wieder- aufrichtung Rumäniens beginnen." Der Ministerpräsident schließt mit der Aufforderung, die Rumänen sollten Vertrauen in die Regierung des Landes haben. Warenabkommen zwischen Ungarn und der Sowjetunion Moskau, 4. Sept. (DNB. Funkspruch.) Zwischen der Sowjetunion und Ungarn ist in Moskau ein Abkommen über den Waren- und Zahlungsverkehr unterzeichnet worden. Das Abkommen sieht einen gegenseitigen Warenaustausch im Werte von insgesamt sieben Millionen Dollar jährlich vor. Ungarn will nach der Sowjetunion in der Hauptsache Transportschiffe ausführen, die je 1000 Tonnen groß, sowohl für flüssige wie für feste Frachten geeignet sind und auf der Wolga wie auch im Schwarzen Meer verkehren können. Ferner ist die Lieferung von Eisenbahnwaggonrädern und Achsen nach der Sowjetunion vorgesehen. Die Sowjetunion ihrerseits wird an Ungarn gewisse Posten von Manganerz, Bauholz, Asbest und Schmieröl verkaufen. Japanische Abgeordnete fordern eine stärkere Außenpolitik. Tokio, 4. Sept. (Europapreß.) Die Forderung nach einer stärkeren Außenpolitik wurde von einer Abordnung japanischer Reichstagsabgeordneter aus ast allen früheren Parteien vorgebracht. In einer Unterredung mit dem Marineminister berichtet die Zeitung „Kokumin" folgendes: Die Abgeordneten erklärten, die japanische Diplomatie müsse intensiviert werden, um die derzeitige G e - legenheit auszunutzen, beim Aufbau einer neuen Weltordnung mitzuarbeiten. Die Abgeordneten wiesen darauf hin, daß sie die Mehrheit der aufgelösten Reichstagsparteien vertreten und daß sie geglaubt hätten, die Bildung des Kabinetts Konoye bedeute eine Neuausrichtung der japanischen Außenpolitik. Wenn jedoch der frühere Premierminister P o n a i und der frühere Außenminister A r i t a unwidersprochen öffentlich die Ansicht oertreten könnten, die Außenpolitik werde sich nicht ändern, so müsse zwangsläufig das Vertrauen der Bevölkerung in die Versuche der Regierung, die Außenpolitik zu aktivieren, beeinträchtigt werden. Die Abgeordneten erläuterten, daß sie unter Aktivierung der Außenpolitik eine Annäherung an die Achsenmächte Deutschland und Italien und auch an Rußland verständen. Großtaustage an der Donau. Am 1. September ist in Wien di e Herbstmesse 1940 eröffnet worden. Tags zuvor I)at in der slowakischen Hauptstadt Preßburg ein Donaumarkt begonnen. In den ersten September- tagen werden sich also aller Blicke nach der Donau richten. Die südosteuropäischen Länder werden sich, soweit sie sich nicht bereits auf der Leipziger Herb st messe in der Woche zuvor einen Heber- blick über die heutige gewerbliche Produktion in Deutschland verschafft haben, darüber unterrichten, was die deutsche Industrie zu bieten hat, und ob es irgendwo anders eine gleichwertige Einkaufsmöglichkeit gibt. Diese Tage werden den Ländern an der Donau die Solidarität verdeutlichen, die sie als Uferstaaten des zweitgrößten europäischen Stromes verbindet. Die russische Wol-ga, die übrigens nicht in ein freies Meer, sondern in einen Binnensee, das Kaspische Meer, mündet, hat eine Länge von 3500 Kilometer, die Donau, die sich in ein mit dem Weltmeer verbundenes Meer, das Schwarze Meer, ergießt, ist 2900 Kilometer lang. An dritter Stelle folgt ein weiterer Schwarzmeer-Strom, der D n j e p r. Zum fünften Mal wird die Wiener Messe im Verband des Großdeutschen Reiches abgehalten. In den 2V2 Jahren, die seit Eingliederung der Ostmark in das Reich vergangen sind, sind zwei große Kanalprojekte vorwärtsgetrieben bzw. eingeleitet worden, der Oder — Donau-Kanal und der Rh e i n— Main — Donau-Kan al. Wenn man sich fragt, woraus eigentlich das beschleunigte Tempo in der Ausgestaltung der Donau-Wasserstraßen zurückzuführen ist, so kann die Antwort nur lauten: Darauf, -132 feindliche Flugzeuge vernichtet. 500. Lustsieg eines deutschen Zerstörergeschwaders. — Erfolgreiche Tag- und Nachtangriffe unserer Kampffliegerverbände. Der Wehrmachlsbmcht vom Dienstag. Berlin, 3. Sept. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Am 2. September griffen unsere Kampf, und Jagdverbände, wie bereits bekanntgegeben, feindliche Flugplätze in Südengland an. In horn- church, Gravesend, Last Lhurch, Dekling wurden Hallen und Unterkünfte durch Bombentreffer zerstört und zum Teil in Brand gesetzt. Dabei kam es zu einer Reihe von Luftkämpfen, die für unsere Fliegerverbände siegreich verliefen. Nachtangriffe unserer Kampffliegerverbände richteten sich gegen Hafenanlagen an der englischen West- und Südküste, gegen Werke der Rüstungsindustrie in Wittelengland und gegen Flugplätze. So wurden die Häfen von Liverpool, Swansea, Bristol, Plymouth, Portland, Poole und Portsmouth und Rüstungswerke in Birmingham, Coventry und Filton mit Bomben belegt. An mehreren Stellen entstanden st a r k e Brände. Das Verminen britischer Häfen wurde fortgesetzt. Britische Flugzeuge warfen in der Nacht in West- und Südwesldeutschland an verschiedenen Stellen Bomben. Außer der Zerstörung eines ländlichen Anwesens ist weder Sach- noch Personenschaden angerichtet worden. Der Feind verlor gestern insgesamt 93 Flugzeuge, davon wurden 86 feindliche Flugzeuge in den Luftkämpfen am Tage, 1 Flugzeug durch Nachtjäger, 1 durch Flakartillerie und 1 durch Flakartillerie der Kriegsmarine abgeschossen und 4 am Boden zerstört. 23 eigene Flugzeuge werden vermißt. Das Zerslörergeschwader 76 hat seinen 5 0 0. Luft- sieg errungen. Wieder 39 Vrttenflugzeuge abgeschoffen. Berlin, 3. Sept. (DNB.) Wie DNB. erfährt, sind seit dem Vormittag d^s Dienstags wieder deutsche Fliegerverbände zum Angriff gegen England unterwegs. Im Norden von London wurden militärische Anlagen angegriffen, in Süd - england sind verschiedene Ziele mit Bomben belegt worden. Ls entwickelten sich wieder Luft- kämpfe. Bis Wittag wurden bereits 39 britische Flugzeuge abgeschossen und weitere 15 am Boden zerstört. Englische Flotte im Mltelineer angegriffen. Bombenvolltreffer auf Flugzeugträger, Schlachtschiff, Kreuzer und Zerstörer. Italienischer Wehrmachtsdericht. Rom, 3. Sept. (DNB.) Der italienische Wehr- Machtsbericht vom Dienstag hat folgenden Wortlaut: Line feindliche Flottenformation, die im mittleren Wittelmeer erkundet wurde, ist von unserer Luftwaffe gestellt und wiederholt angegriffen worden. Die heftige Flakabwehr und harte Kämpfe mit den feindlichen Jagdflugzeugen konnten den draufgängerischen Angriffsgeist unserer Bomber-Verbände und neuer Sturzkampfbomber (Picchiatelli) nicht daran hindern, offensichtliche Ergebnisse zu erzielen. Ein Flugzeugträger ist schwer am Bug getroffen worden, ein Schlachtschiff, ein Kreuzer und ein Zerstörer erhielten Volltreffer und wurden schwer beschädigt. Vier feindliche Flugzeuge wurden im Kampf a b g e s ch 0 s - s e n. Die obigen Ergebnisse sind durch photographische Aufnahmen kontrolliert worden. In der Zwischenzeit wurde der Flotten st ühpunkt W a l t a heftig bombardiert. Drei unserer Flugzeuge sind nicht zurückgekehrt. Eines unserer Lazarett-Wasserflugzeuge, das die vorgeschriebenen Abzeichen des Roten Kreuzes trug, ist angegriffen und b e s ch 0 s - s e n worden, während es sich auf der Suche nach ins Weer abgestürzten Flugzeugen befand. In O st a f r i k a find feindliche Truppenlager und Lastkraftwagen in Ga da bi am Fluh Adbara (Sudan) bombardiert worden. Unsere Verluste bei der im gestrigen Wehrmachtsbericht gemeldeten Bombardierung von Assab belaufen sich nach weiteren Feststellungen auf vier tote Italiener und acht tote Eingeborene sowie etwa 20 Verwundete. Feindliche Flugzeuge, die wie gewöhnlich aus der Schweiz kamen, haben einige Ortschaften Nord-Italiens überflogen. Durch das sofortige Eingreifen der Abwehr konnten sie nur auf Genua Bomben abwerfen, wo unter der Bevölkerung zwei Tote und 15 Verwundete zu beklagen find. Der Sachschaden ist unbedeutend. Drei Flugzeuge sind von der Flak brennend abgeschoffen worden, bei zwei weiteren ist der Abschuß wahrscheinlich. „picchiatelli." Rom, 4. September. (Europapreß.) Der italienische Wehrmachtsbericht vom Dienstag spricht zum ersten Male seit dem Eintritt Italiens in den Krieg von dem Einsatz italienischer Sturzkampfflugzeuge. Diese — wie die Mitteilung ausdrücklich betont — neue Bombenflugzeugformation hat sich selbst die Bezeichnung „Picchiatelli" beigelegt. Diese Bezeichnung, die der römische Volkssprache entnommen ist, lehnt sich an das italienische Wort „Picchiata" d. i. Sturzflug an. Der englische Nachrichtendienst hat ein großsprecherisches Kommunique verbreitet, wonach bei Einflügen englischer Bomber nach Italien militärische Ziele erfolgreich mit Bomben belegt rooröen sein sollen, so die Fiatwerke und die Magnetwerke Marelli, das italienische Seitenstück der deutschen Bosch-Werke. „Giornale d'Jtalia" stellt dazu fest, daß die Bomben in Wirklichkeit auf einige kleine Bauerndörfer und auf offenes Feld niedergegangen sind und „die feigen britischen Flieger nicht ein einziges der ihnen offenbar oorgezeichneten militärischen Ziele erreicht haben". Der Duce, der sich am Montag im Flugzeug nach Rimini begeben hatte, überflog zunächst die Flughäfen von Fcmo und Falconara und landete auf dem Flugplatz Jesi. Von dem Kommandanten und den Offizieren des Flughafens begleitet, besichtigte Mussolini einige in der Anlage gelegene Betriebe der italienischen Flugzeugindustrie und ließ sich von dem Präfekten von Ancona über den Bau einer großen Zuckerfabrik Bericht erstatten. Die Soldaten der Fliegertruppe, die Arbeiter der Flugzeugwerke und die Einwohner erwiesen dem Duce begeisterte Huldigungen. graus Unter Sem Hagel deutscher Bomben /' chen c fas zur ftin hal es gu aji fit! an! fu Bi in I die fd)< m Li nat die uni § mir der steck bel, mel Bu Mo weitere Steigerun t e n e n t w i ck l ü n t ' Zwei L-Vools-Komman-anten erhielten das Ritterkreuz. Berlin, 3. Sept (DJIB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz verliehen: Korvettenkapitän Rösing, Ehef einer llnterseebootsflot- tille, Kapltänleutnant Frauenheim, Kommandant eines Unterseebootes. England am Jahrestage der britischen Kriegserklärung. nen Gl drei 11 pK don gen SsN Aar blie eint abf 1 per Dei Fer es unh mei Ah hur und schir dlre bit lieg nen daß gen nur; Sch Digne im unbesehten Frankreich von Engländern bombardiert. J? s" L 4- Sept^ (Europapreß.) Große Aufregung hat in Frankreich das Bombardement der in der unbesetzten Zone liegenden offenen Stadt Diane ^^o^erufen. Digne wurde am Dienstag gegen 1 Uhr früh von oin-m onnr.t*«« m______” v-T* vor Augen hält, begreift auch unter einem neuen Gesichtswinkel, daß die Ueberwindung der Landflucht uni) Stadtsucht wirklich eine Lebensfrage der Nation ist. Schon jede Feststellung, daß diese oder jene Arbeit eines Deutschen unwürdig sei, würde zu inneren Auseinandersetzungen und Differenzen zwischen den Berufsständen führen. Nichts tun, viel Geld verdienen und andere ür sich arbeiten lassen, würde das volks^ersetzende allgemeine Ideal werden, d. h. wir würden das Ideal übernehmen, an dem Frankreich zugrunde ging und das auch Englands führende Schicht dem sicheren Verderbe/, ausliefert. Wir wollen nicht vergessen, daß es dem Nationalsozialismus in erster Linie dadurch gelungen ist, aus dem deutschen Volk wieder eine geschlossene Volksgemeinschaft zu machen, daß jeder Arbeit, die für das Volk notwendig ist, auch wieder ihre Würde und Anerkennung gegeben wurde. Adolf Hitler brachte es fertig, den Unterschied zu beseitigen, der in der Bewertung der Handarbeit und der geistigen Arbeit infolge marxistischer Schulung in unserem Volk breiten Raum gewonnen hatte. Es sei daran erinnert, daß gerade zu diesem Zweck z. B. auch der Reichsarbeitsdienst zeschaffen wurde. Jede Arbeit, die auf d e u t - chem Boden geschieht, ist, wie Reichsleiter Ro- enberg kürzlich feststellte, ihrer Achtung wert. Unser Ziel kann also niemals sein, ein „Herrenvolk" im englischen Sinne zu werden. Wir wollen nicht ein Reich auf tönernen Füßen sein, sondern ein Reich, stark und gesund aus deutschem Blut, auf deutschem Boden. Das Ausländer-Problem in Frankreich. Genf, 3. Sept. (Europapreß.) Das Ausländerproblem, das in Frankreich besonders dringlich ist, acht einer Teillösung entgegen. Die im Laufe des panischen Bürgerkrieges nach Frankreich geflüchteten. Spanier werden nach einem französisch- mexikanischen Abkommen nach Mexiko abgehoben. Für die übrigen, in die Millionen gehenden lästigen Ausländer wird in Vichy nach einer Regelung gesucht. Es macht sich eine starke Ärö- mun^ bemerkbar, die eine bestimmte Gruppe von Ausländern namentlich aus dem geistigen und wirtschaftlichen Leben Frankreichs ausschließen möchte. Solche Ausländer, die schon vor Jahren nach Frankreich kamen und sich der Landwirtschaft widmeten, sollen in keiner Weise betroffen werden. Aufgeräumt soll aber werden mit den vielen aus dem Ausland eingewanderten Juden. So schreibt der „Petit Dauphinois": „Sah man nicht bei gewissen Umzügen der Volksfront ganze Kohor- ten von ausländischen Juden? ... Selbst eine Volksfront-Regierung sah sich gezwungen, eine Anti-Hltler-Ausstellung in Paris zu schließen, die durch die Freunde des Herrn Lecache aufgezogen worden war, dessen Blatt „Marianne" jetzt für drei Monate verboten worden ist. Man kann die Regie- rung nur ermutigen, den Weggang der Ausländer, die zu viele Plätze von arbeitslosen Franzosen einnehmen und die im übrigen auch noch die Der- sorgungsfrage erschweren, zu begünstigen." WA. greisen über -en Aequator Aus der Hauptstadt des sudamerikanischen Staates E c u a do r kommt die Nachricht, daß das Parlament oeben dieAbtretungderGalapagos-Jn- e/n an die Vereinigten Staaten be- chloffen hat. Mit dem Namen „Ecuador" sind mir Aon über die Lage des Landes einigermaßen im i.ild Er bedeutet nichts anderes als das in der deutschen Sprache eingebürgerte Wort Aequator das man auch mit „Erdgleicher" übersetzt, weil die ^lequator-Lmte von den beiden Polen der Erde gleich wett entfernt ist. So liegen denn auch die Galapagos. Inseln unmittelbar am Aequator. Es ist r-A e‘:nCu vulkanische Inselgruppe, deren Gesamt- flacheninhalt immerhin so groß ist wie Hessen/ die -aber nur von etwa 2000 Einwohnern bewohnt wird. ^st^Ä'ert den Panamakanal von Süd- westen Ihre Besetzung durch die Vereinigten Staaten bedeutet daß hier die Politik Washingtons zum rstenmal im Bereiche Südamerikas über den Aequa- oubgreist. Die Galapagos-Jnseln waren vor inigen Jahren allgemeines Gesprächsthema, als sich lieh ^rdt al9 "Naturmensch" dort nieder- Die'^r? h Ate einen tragischen Ausgang. finh bre k000 Kilometer von der Küste n fr h .flV"? t" ?er naturwissenschaftlichen Lite- innntb Q^bie-?Or heimischen Niesenschildkröten be- Seeräuber eifC öarCn fie cin Schlupfwinkel bar auszusagen wygte. Anderseits haben wir eine w e i t- , flimmere Reihe von strategi- sch en Zusammenbrüchen erlitten, als sich selbst die pessimistischste Phantasie damals vorstellen Die langanhaltenden Luftalarme beginnen die Moral der Londoner Bevölkerung ernsthaft zu zer- etzen. Besonders beunruhigend für di.- Behörden i t die Wirkung der Luftbombardements auf die nördlichen Stadtteile und die Umgebung der Flug- jkifec Hendon und Golders Green, wo zahlreiche Ausländer wohnen. Die Zurückhaltung der Behörden in der Bekanntgabe von Verlustziffern hat die Geruchtsbildung begünstigt. Deshalb fordert der „Daily Telegraph", die Regierung, solle die Be- 1 Uhr”früh nnn ^l5,,s,ia0 yegen oolterung Mehr in» Vertrauen Mcn.dcnn nutzen. I flogen, das 5 0 Bomb enTbm daran Stockholm, 4. Sept. (Europapreß.) In dem gleichen Augenblick, da Chamberlain vor einem Jghr in seiner Eigenschaft als englischer Ministerpräsident im Unterhaus erklärte: „England befinde> sich von heute, dem 3. September 1939, im Kriege mit Deutschland", brausten am Dienstag große deutsche Bomberformationen, begleitet non Jagdgeschwadern, über Westminster hinweg. London erlebte am ersten Jahrestag der englischen Kriegserklärung eine Luftschutzwarnung, die in den Vormittagsstunden von 9.20 bis 11 Uhr englischer Zeit dauerte. Die Warnung war notwendig geworden, weil sich bereits in ben frühen Mor- genstunoen über einer sü do st englischen Stadt ein heftiger Luftkampf entwickelt hatte. An dem Kampf sollen Hunderte von deutschen Maschinen teilgenommen haben. Der englische Nachrichtendienst schilderte diese Vorgänge als die „a l l e r h e f t i g st e n Kämpfe, die je in dieser Gegend stattgesunden haben". Stellenweise sei das Getöse der Bombenabwürfe und das Motorenheulen o laut gewesen^ daß man sein eigenes Mort nicht verstanden habe. Diese Kämpfe folgten deutschen Luftoperationen, von denen in der'Nacht zum Dienstag der englische Südosten, der Südwesten, die Mittelgrafschaften, der Nordosten und der Westen ersaßt worden waren. Aus all diesen Gegenden des Landes werden Bombenabwürfe und Brände gemeldet. Viereinhalb Stunden lang sind die deutschen Flugzeuggeschwader, die gegen Mitternacht zum Angriff gegen England ansetzten, über London und dem Süden Großbritanniens geblieben. Die ganze Zeil hindurch bestand für Landon Luftalarm, als die letzten Bewohner der Großstadt Dienstag morgen aus ihren Unterständen und Luftschutzkellern emporstiegen, war es bald wieder Tag. Wie das Luftfahrtministerium selbst bekanntgibt, haben die trategischen Stellungen an der Themsemündung am meisten gelitten. Mehrere Brände waren selbst Dienstag morgen noch nicht gelöscht. Einzelheiten über den angerichteten Schaden werden verschwiegen. Die Deutschen hätten, so heißt es, von drei Seiten angegriffen und die britischen Jagd- lugzeuge vor eine schwere Ausgabe gestellt konnte. Einer nach dem anderen unserer Verbündeten ist durch unaufhörliche zerschmetternde Schläge aetroffen worden. Sie beweisen, daß Deutschland heute den härteren Geist Bismarcks überträgt, und daß es über militärische Talente verfügt, die einem Moltke oder Ludendorff - keineswegs nachstehen." Nachdem die „Times" das Schicksal Polens, Nor- weaens, Hollands und Belgiens beklagt, fährt sie fort: „Schließlich hat die mächtige Sichel der deutschen Attacke die großen Armeen Frankreichs glatt rurchschlagen, die britischen Streitkräfte ans Meer getrieben und die für uneinnehmbar gehaltene Ma- «inotlinie verächtlich beiseite geschoben, so daß die französische Republik nach drei Wochen Krieg im Staub lag." Stockholms. Sept. (Europapreß.) Am Dienstag jährte sich der Tag der britischen Kriegserklärung. Die englische Presse warnt aus diesem An- laß vor „ü vertriebenem Optimismu s", nachdem — wie „Daily Mail" nüchterner hinzufügt — die letzten zwölf Monate schwere oder, besser gejagt, katastrophale Rückschläge gebracht yaoen. „Wir wollen uns über Die Lage nichts vormachen", so sagt das Blatt. „Wir werden große Probleme zu lösen haben. Wir brauchen neue Methoden und neue Männer. Die Operationen des Heeres im vergangenen Jahr haben uns gezeigt, daß unsere Führung genau wie die der Franzosen voll ständig versagte und den Krieg nicht verstand. Führer mit Gedanken, die noch aus den Jahren 1914/18 stammen, müssen aus den leitenden Stellungen verschwinden. Als kriegführende Macht haben wir erst im Mai zu leben angefangen. Wir haben eine Menge drohender Gefahren abzuwehren. Wir müssen alle arbeiten in dem Gedanken, daß wir verzweifelt um unser nacktes Leben kämpfen." Selbst die „Times" ist sehr klein geworden. Zwar bemüht sich bas Blatt, dem Volke Hoffnungen auf ein „Ab ebb en der Flut" zu machen, kann aber nicht umhin, die Ueberlegenheit der deutschen Wehrmacht und ihre Erfolge im erjien Kriegsjahr zuzugeben. ,.Jm allgemeinen", so schreibt die Zeitung, „sind die Verluste an Menschenleben in diesem Kriege viel geringer gewesen, als man vor einem Jahre vorfielen außerhalb der Stadt nieder. 30 wurden i n dasStadtgebiet geworfen. Eine Bombe schweren Kalibers fiel in unmittelbare Nähe der Prä- eftur und riß ein riejiges Loch. Bisher sind weder < Verluste an Toten noch an Verletzten gemeldet worden. Diane ist ein Städtchen im Departement Basses Alpes (Provence), etwa 20 Kilometer östlich 'des Tales der Durance, einem linken Nebenfluß der Rhone. den sie den hier wohnenden Deutschen ein Mahnmal größter Opferbereitschaft sein. Darüber hinaus werden sie allen Deutschen immer eine Warnung vor dem polnischen Volkstum zu sein haben. Wenn wir uns noch einmal alles das vergegenwärtigen, was vor einem Jahr war, glaube ich, können wir stolz sein auf bat, was in den abgelaufenen zwölf Monaten in diesem Lande geleistet worden ist. Sauberkeit und Ordnung haben mit den Deutschen wieder Einzug gehalten. Die Deutschen haben wieder einmal gezeigt, daß sie ein aufbauendes Element sind, während die Polen ein zerstörendes waren. Indem wir unsere Pflicht erfüllen, werden wir den großen Opfern, die vor einem Jahr bracht wurden, am besten gerecht. fische Nachrichten, die ohne Gefahr der Preisgabe militärischer Geheimnisse veröffentlicht werden könnten, würden der Gerüchtsbildung vorbeugen. So ist eine neue hysterische Angstwelle wegen der angeblichen Fünften Kolonne ausgebrochen. Der „Daily Expreß" meldet, es bestehe der Verdacht, daß ein Feuer auf einem Londoner Fabrikdach und drei Heuhaufen in der Nähe von Flug- plätzen von der Fünften Kolonne als Wegwei- s e r für bie deutschen Flieger a n fl e a ü n • d e t worden seien. Die Polizei erhalte zahlreiche Anzeigen über angebliche Signale während der Angriffe deutscher Flugzeuge durch Bewegung der Vorhänge beleuchteter Zimmer, Taschenlampen, Fackeln und absichtlich angelegte Feuer. „Nicht al^e diese Berichte erweisen sich als begründet", meint sorgenvoll das Blatt und sagt dann: „Seit drei Wochen läuft alles in die Luftschutzkeller. Millionen englischer. Arbeiter saßen still. Dieses Jmkellersitzen hat uns eine Menge lebenswichtiger Arbeit gekostet, die wir nie wieder einholen können. Kriegsminister Eden wandte sich gegen den Optimismus, mit dem man in man- Gen englischen Kreisen in die Zukunft zu blicken cheint. Er sagte: „Obwohl wir den vergangenen Monat als den erfolgreichsten in unserer ■ Krieg- uh rung werten können, ist-die Invasiv nsge. fahr keineswegs vorüber. Diese Gefahr hangt weiter über uns, darum ist es unvorsich - tig, s i ch hoffnungsvollen Vorstellun- gen hinzu geb en. Wir müssen auch in den kommenden Wochen auf der Wacht sein, denn Hitler scheint seine Pläne nicht aufgegeben zu haben." Die neuesten deutschen Operationen gegen England werden von der Kopenhagener Presse als um lrugliche Anzeichen der sich ständig st e i g e r n d e n Angriffs registriert. „Berlingske daß die englische Verteidigungstaktik sich als wenig effektiv erwiesen habe — Fä- hrelanbet" umreißt das Kräfteverhältnis Deutsch- land - England mit dem Satz: „Während die Warmperioben bes Wochenenbes in Berlin relativ ."urz unb roeiüg ereignisreich waren unb zeigten wie Idirocr ein Durchstoßen ber beutschen Sperrlinien ist geigen die deutschen Angriffe auf England, welch enormen Krafteuberschuß die deutsche Luftwaffe ein- Zusetzen vermag." war, hunderte Male gesagt und gedruckt, wie ungeheuer England gerüstet fei, und daß Deutschland nicht die geringste Aussicht habe, dieser Uebermacht an Kapital, Rohstoffen usw. zu trotzen. Nun, da cs anders gefommen ist, warten sie mit anderen Beweisgründen auf. ' 23 or der Gefahr ber Inflation warnt erneut „Daily Mirror" , er erklärt, baß seit den ersten Tagen des Krieges „eine schleichende Paralyse der Gleichgültigkeit" bas Land infiziert habe. Das Blatt spricht von einer „erschütternden Leichtfertigkeit" Sir Kingsley W o o b s, bes Schatzkanzlers, der sich bemühe, die Flut ber Inflation mit einem Stück Löschpapier unb einem Eierlöffel einzudäikmen. Inzwischen seien die Preise stetig gestiegen. Die Eisenbahnen, die immer in der Vorhut der Reaktion marschieren, hätten ihren schmutzigen Anteil daran, baß die Lebenshaltungskosten in ine Höhe gegangen seien. Der von Professor Keynes vorgeschla- gene Sparzwang sei auf Betreiben des Gouverneurs der Bank von England, Montagu Norman, fallen gelassen worben. Sein Geist werde auferstehen, wenn ber Ballon ber Inflation sich von feiner Verankerung losreißen nferbe. Dann aber würden weder bas Schatzamt noch die Bank von England in der Lage fein, diesen Ballon wieder herunterzuholen. Der Korrespondent von „Dagens Nyheter" glaubt behaupten zu können, daß bas englische Volk heute mit der Realität mehr vertraut sei, „nachdem zehn ber letzten zwölf Monate nichts anderes waren als eine ununterbrochene Hette, verlorener Hoffnungen unb vernichteter Illusionen". Die Lonboner Prelle betont zwar in ihren Rückblicken, die Entschlossenheit, bis zum letzten zu kämpfen, helfe nichts, wenn man nicht auch den Willen habe, jebes Opfer zu bringen. Aber ber Zweifel, ber biefc Maynung enthält, wirb anscheinend auch vom britischen Jnformationsministerium geteilt, denn um die gesunkene Stimmung zu heben, propagiert es'jeht die Lesart, England habe ja eigenf- lich erst im M a i d. I. zu rüsten begonnen, während Deutschland einen jahrelangen Vorsprung habe. Wie man sieht, spekulieren die Herren auj ein kurzes Gedächtnis ihrer Leser. Denn sie Haven ja, ehe die Hohlheit ihrer Phrasen erwiesen genteil aus blutsmäßigen völkischen Gründen alles barangefetzt werben, um so bald wie irgendmöglich den letzten polnischen Landarbeiter in Deutschland wieder entbehrlich zu machen. Gerade diese Ausgabe zeigt, wie dringend erforderlich nach wie vor trotz allen Aufstiegs eine ' jeru n g unter ®ebur- g ist. Wer sich diese Tatsachen Korvettenkapitän Rösing hat als stellvertretender Kommandant in zwei Unternehmungen 1 4 S ch i f f e mit 88 849 BRT, darunter drei Tanker, und zwar vorwiegend aus stark gesicherten Geleitzügen heraus, versenkt. — Kapitänleutnant Frauenheim ist erfolgreich in stark überwachtes englisches Küstengebiet eingedrungen. Ernste Beschädigungen eines Schweren Kreuzers und das Sinken mehrerer be- waffneter^)andelsdawpfer waren der Erfolg seiner Tätigkeit. Außerdem ist seinem kühnen unb ruhigen Verhalten bie Versenkung von weiteren 11 bewaffneten feindlichen Handelsschiffen mit einer Gesamt- tonnage von 58 010 BRT. zürn größten Teil aus stark gesicherten Geleitzügen heraus, zu verdanken. Korvettenkapitän R ö s i n a wurde 1905 als Sohn des Vizeadmirals a. D. Rösing in Wilhelmshaven geboren 1924 trat er in die Kriegsmarine ein. Er machte eine Mittelmeerreise an Bord des Kreuzers „Königsberg" mit. Von 1931 bis 1933 war er Korn Mandant in einer Schnellboot-Halbflottitte. Dann wurde er Unterseebootskommandant. Seit dem 18. 1940 ist er Ehef einer Unterfeebootsflottille. — Ka- pitänleutnant Frauen he im wurde 1912 als Sohn eines Rechnungsdirektors in Berlin geboren. 1930 trat er in die Kriegsmarine cin. Sein erstes Bordkommando war das Segelschulschiff „Niobe". Als Leutnant zur See machte er an Bord des Kreuzers „Karlsruhe" eine Auslandreife mit. Seit April 1936 gehört er der Unterseebootswaffe an. Seit dem 1.10. 1937 Ist er Unterseebootskommandant. Bromberg gedenkt der Opfer des Blutsonntags Brom berg, 3. Sept. (DNB.) Vor einem Jahr erlebte Bromberg das furchtbare Entsetzen des Blutsonntags. In stolzer Trauer gedachte die Stadt des Opfers, bas die Deutschen im befreiten Land ijrem Volkstum bringen mußten. Endlos sind die Gräberreihen auf dem neuerstandenen Ehrenfried- Hof vor ben Toren der Stadt 6 4 9 Gräber er- mordeter Volksdeutscher klagen an. Dor dem Ehrenfriedhof haben Abordnungen der Wehrmacht und der Parteialiederungen Aufstellung genommen, als ber (Bauleiter und Reichsstatt. Halter Forster zusammen mit dem stellvertreten- den Kommanbierenden General an den Gräbern ber Ermordeten unb ber in ben Kämpfen um Bromberg gefallenen Soldaten Kränze niederlegen. Darauf verliest der Volksdeutsche Hugo Hinrichsen einen erschütternden Erlebnisbericht von dem Marsch nach Lomit'sch. Hierauf spricht Gauleiter Forster. Solange diese Gräber sichtbar sind, so sagt er, wergriff ber stellvertretenbe Gauleiter Staatsrat Gör- l i tz e r bas Wort. Ein deutscher Staatsangehöriger im Internierungslager in Niederländisch- Indien erschossen. Berlin, 3. Sept. (DNB.) Die Erschießung eines deutschen Staatsangehörigen namens yrnt) ft u , der in einem Internierungslager in Niederländisch- Indien untergebracht war, gibt einen neuen Beweis von dem brutalen Vorgehen der holländischen Behörden in Niederlänbisch-Jndien gegen Deutsche. Frühstück wurde, wie alle anderen Deutschen in Niederländisch-Jndien, am 10. Mai verhaftet und m eines der berüchtigten niederländisch-indischen Intel:• nicrungslager verschleppt. Hier ist er am 15. Mai, als er im Lager spazieren ging, von einem Posten ohne Anruf hinterrücks erschossen. — Cs ist deutscherseits immer wieder darauf hlngewlesen worden, daß die holländischen Kolonialbehörden sich nicht davor gescheut haben, selb st Fraue nun b Kinber unmenschlichster Behanblung ouszusetzen. Die hollänbischen Machthaber in Niederlänbisth-Jn- bien mögen jedoch gewiß fein, daß sie alle Folgen für ihr verbrecherisches Vorgehen gegen wehrlose Deutsche zu tragen haben werben. WeArbett ist ihrerAchtung wert NSG. Reichsminister Darr6 hat gelegentlich eines Besuchs in Danzig-Westpreußen erklärt: „Der Boden wird von dem regiert, der i h n bearbeitet, nicht von dem, der ihn bearbeiten läßt". Diese Worte sind eine klare unb eindeutige Ablehnung der Auffassung, als ob das deuttche Volk in diesem Krieg gezeigt habe, daß es zur Herrschaft bestimmt sei und ber deutsche Mensch z u schabe sei, diese ober jene schwere Arbeit, z. B. Jßanbarbeit ober Grubenarbeit zu leisten. Diese, so sagen bie Vertreter biejer „H e r r e n v o l k t h e o r i e", müßten in Zukunft anbere, also z. B. bie Polen, für uns leisten. Es ist gut, baß Reichsminister Darr6 biesen abwegigen Ausfassungen einmal unmißverftänblich entgegengetreten ist, denn die völkifchen und sozialen Gefahren, die diese Herrenvolktheorie in sich birgt, können nicht ernst genug genommen werden. Wenn wir die Bearbeitung des deutschen Bodens in zunehmenden Maße Den Polen überlassen würden, bann wäre bie zwangsläufige Folge eine allmähliche Unterroanberung, Entwurzelung und Durchdringung unseres Volkes mit polnischem Blut. Der frühere oder spätere Zusammenbruch des Reiches wäre unausbleiblich. Der Einsatz von frembvölkischen Landarbeitern in Deutschland ist nur eine Notlösung unb barf niemals als etwas anberes betrachtet werden. Es muß im Ge- Oie Beisetzung der Opfer des Luftangriffs auf Berlin. Berlin, 3. Sept. (DNM1 Unter Beteiligung weiter Kreise der Berliner Bevölkerung und der Partei fand auf verschiedenen Friedhöfen bzw. Krematorien der Reichshauptstadt die Beisetzung der beim ßuftanariff englischer Mordbuben am 29. August d. I. ums Leben gekommenen Volksgenossen statt, deren Zahl sich bis zur Stunde auf 12 erhöht fjat. Auf dem St.-Jacobi-Friedhof in Neukölln er» daß endlich ein Grohstaat von ber Wucht unb ber Autorität bes Großbeutschen Reiches bie Donaufrage in die Hand genommen hat. In früheren Jahren haben zwei Donauuferstaaten einmal als „Großmächte" gegolten: das ottomanifche Reich und die österreich-ungarische Monarchie. Dos alte Otto- manenreich war ein Garant nur für die Reaktion unb für den wirtschaftlichen Stillstand: bie alte Doppelmonarchie war jo auf Kompromissen aufgebaut, daß alles Dermieben wurde, was anderwärts unfreundlich hätte gedeutet werden können. Charakteristisch hierfür ist die Art, wie die Frage der Donauregulierung behandelt wurde, die der Wiener Regierung auf Dem Berliner Kongreß im Jahre 1878 übertragen worden waren. Die Donau ist eine ausgesprochen vernachlässigte Wasserstraße. Dabei bereitet die Regulierung Des Strombettes eigentlich nur an einer einzigen Stelle wirklich große Schwierigkeiten, nämlich in Der Felsenenge, in der die Donau bie Karpathen durchbricht. Diese Stelle heißt das „Eiserne To r". Da jeder der Donauuferstaaten befürchtete, daß ein anderer Staat besonderen Vorteil von der Donauregulierung Huben könnte, tat man nichts, — ober doch sehr wenig. Die Arbeiten, die von ber Wiener Regierung von 1890 bis 1898 am Eisernen Tor geleistet worden lind, haben die gestellte Ausgabe nur halb gelost, lieber die Donau yatte nach ben ftriebensbiftaten bes Jahres 1919 der größte Uferstaat, Deutschland, nicht mitzubeftimmen, wohl aber Großbritannien unb Frankreich, bie weder an ber Wasserstraße selber, noch an dem Meer liegen, in das die Donau fließt. Mit der Lossagung vom Versailler 23ertrag hat Deutschland auch die alte D o« naukornmission durch eine neue ersetzt, in der fremde Regierungen nichts zu sagen haben. Der Krieg hat.die Länder des europäischen Festlandes vor neue große Probleme gestellt. Die Seeverbindung der Länder des südlichen und des nördlichen Europas hat sich als unsicher erwiesen. Es dient soaar dem Frieden, wenn man diesen Verkehr einschränkt ober doch durch den Ueberlanboer« kehr ersetzbar macht; denn dann dürfen andere Mächte nicht damit rechnen, daß sie durch Unterbrechung dieses Verkehrs ihre Gegner wirtschaftlich gefährlich verletzen können. Der Schienenweg ist teurer als der Weg über die Binnenwasserstraßen, die nach der Fertigstellung ber beiben genannten Kanalprojekte das Schwarze Meer (also auch das Mittelländische Meer) mit den beiden nördlichen Ausläufern des Atlantischen Ozeans, der Nordsee unb ber Ostsee, verbinben werben. Es wirb sich aller Wahrscheinlichkeit nach ein lebhafter Durchgangsverkehr von Den Donau- unb Balkanländern unb Italien einerseits unb ben Ostsee-Uferländern anbererfeits entwickeln. So ist damit zu rechnen, baß schwebisches unb norwegisches Erz und Nordsee- Fische nach Süden, südosteuropäisches Getreide, Erdöl und Obst nach Norden transportiert werden. Die Voraussetzung hierfür ist allerdings, daß der Ausgleich, der sich zwischen den kontinentaleuro- väischen Völkern jetzt im Kriege entwickelt hat, fort- Dauert. Das ist nach den bitteren Erfahrungen, bie beispielsweise die beiden Länder NordeUrovas mit hochentwickelter Viehzucht (Dänemark und bie Niederlande) mit der überseeischen Kraftfuttermittel-Versorgung gemacht haben, sehr wahrscheinlich. Auch ist es ein schweres Risiko, in seiner Brotgetreibever- forgung allein auf überseeische Zufuhr angewiesen zu sein, wie Belgien, bie Niederlande unb Norwegen es bisher aewesen sinb. Jft erst einmal bie Donau ein zuverlässiger, leistungsfähiger und dabei billiger Wasserweg geworden unb garantieren die Ufer- tagten unter Großdeutschlands Führung einen chnsllen unb sicheren Verkeyr, so könnte in ber 23er- orgung der nordeuropäischen Länder mit Brot- und Futtergetreide ein großer Wandel erfolgen. Der „Schützenkönig der Haifische" berichtet 23on Kriegsberichter Benno Wundshammer Das Tokioter Blatt „Asahi" berichtet, daß die ,23nlina Vanini lone, stimmung im südafrikanischen Parlament ist sehr die rückzahlbar zum Nennwert am 1. Oktober 1950 2. Llmtauschangebot 3. 4. 6. bc- die i Banini" von Stendhal, Regisseur Gal- zur Aufführung. Auch diesem Werk war ein großer Erfolg beschicden. Sehr gefallen hat auch der schwedische Fipn „Kadett Kamrater", der das Leben an der königlichen Seeakademie in Stock- Holm schildert. Einweihung des „Hauses der deutschen Apotheker". Am Montag wurde das neue „Haus der deutschen Apotheker" anläßlich einer Dienstbesprechung der Leiter der Apothekerkammern seiner Bestimmung übergeben. Unter dem Dorsitz des Reichsapo- thekerführers Schmierer wurden Fragen der Arznewersorgung, besonders in den neuen Ost- und Westgebieten, behandelt. Die Tagung erhielt besondere Bedeutung durch die Anwesenheit von Vertretern des Reichs Minister! ums des Innern, des Reichswirtschaftsministeriums und des Reichsgesundheitsamtes sowie der drei Wehrmachtsteile. Wegen Widerstandes erschossen. Der Reichssührer ff und Chef der Deutschen Polizei teilt mit: Am 1. September 1940 wurde wegen Widerstandes der 23 Jahre alte polnische Verbrecher Michael Brügger erschossen. 15 Tote bei einem Zugzusammenstoß in Belgien. Ein Zug, der 1200 belgische Flüchtlinge aus Südfrankreich nach Charleroi und Lüttich zurllckbe- fördern sollte, erlitt in der Nähe der belgischen Grenze auf nordfranzösischem Gebiet bei dem Orte Torgnäe einen schweren Unfall. Ein Güterzug fuhr von rückwärts in den aus zwölf Wagen bestehenden Flüchtlingszug hinein. Fünfzehn Personen wurden getötet und etwa fünfzig verletzt. Unfallreiches Wochenende in Neuyork. Heber das letzte Wochenende, das durch das Fest der nationalen Arbeit verlängert worden ist, hatten sich Millionen von Einwohnern Neuyorks ans Meer oder auf das Land begeben. Der dadurch hervor- gerufene st arte Verkehr forderte infolge von zahlreichen Verkehrsunfällen rund 4 0 0 Todesopfer. Nicht weniger als 221 Menschen kamen bei Kraftwagenzusammenstößen ums Leben. Die ersten Fröste in Finnland. In Nord- und Mittelfinnland wurden die ersten Fröste registriert. In einer Reihe von Orten sind Temperaturen bis zu minus drei Grad feft- geftelU worden. vom 3. btS 11. September 1940 bei den in der Anlage zu diesem Angebot genannten Geldanstalten und deren deutschen Zweigniederlassungen während der üblichen Geschäftsstunden anzumelden. Der Umtausch kann auch durch Vermittlung aller übrigen Banken, Bankiers, Sparkassen, Girokassen und Kreditgenossenschaften bei den Umtauschstellcn vorgenommcn werden. Früherer Schluß des Umtauschgeschäfts bleibt Vorbehalten. Bei dem Umtausch werden die neuen Schatzanweisungen zum Kurse von 99%% abgegeben, so daß die Umtauschenden eine Barvergütung von % erhalten. Außerdem wird den Umtauschenden ein Bonus von % °/o gewährt. Die Barvergütung und der Bonus werden von den Umtauschstellen ausgezahlt, nachdem die eingereichten Schatzanweisungen durch die Reichsschuldenverwaltung (Kontrolle der Reichspapiere) geprüft worden sind. Eine Provision für. den Umtausch wird den Einreichern von den Umtauschstellen nicht berechnet. Für die Hergabe der alten Postschatzanweisungen sowie für die Ueberlassung der neuen Postschatzanweisungen ist eine Börsenumsatzsteuer nicht zu entrichten. Die am 1. Oktober d. I. fälligen Zinsscheine der umzutauschenden 4% % Postschatzanweisungen verbleiben den Einreichern und werden wie üblich bei Fälligkeit eingelöst. Die zum Umtausch gelangenden 4% % Schatzanweisungen sind mit einem nach Abschnitten und Nummern georteten Verzeichnis einzureichen. Hebet die zum Umtausch eingereichten 4% % Postschatzanweisungen werden den Einreichern nichtübertragbare Quittungen erteilt, gegen deren Rückgabe die neuen Schatzanweisungen, soweit ihre Ausfertigung beantragt wurde, nach Erscheinen von denjenigen Stellen ausgehändigt werden, welche die Quittungen ausgestellt haben. Die im Umtausch beantragten neuen Schatzanweisungen gelten als voll zugeteilt. Die neuen Schatzanweisungen werden baldmöglichst geliefert, und zwar in der gleichen Stückelung, in welcher die alten Schatzanweisungen eingereicht werden. Abweichende Wünsche werden jedoch nach Möglichkeit berücksichtigt werden. Berlin, im September 1940. Oer Reichspostmmister Ohnesorge 6. 7. Kleine politische Nachrichten. Zum Gouverneur der Bank von Frankreich ist der ehemalige Dizcgouverneur dieser Bank, Poes Brest-de-Boisanger, bestellt worden. Der bisherige Gouverneur F o u r - n i e r wurde zum Ehrengouoerneur ernannt. Frau des Marschalls Tfchiangkaischek im Flugzeug in Hongkong eingetroffen sei, sie werde ihre Reise voraussichtlich bis in die Bereinigten Staaten fortsetzen. * Der nordamerikanische Marinesekretär Knox ist auf dem Luftwege zu einer vierzehntägigen Inspektionsreise nach den pazifischen Flottenstützpunkten abgereist, wo er einem Manöver beiwohnen wird. Aus aller Welt. Die Filmwoche in Venedig. Im Rahmen der deutsch-italienischen Filmwoche wurde der Film „Befreite Händ e" aufgeführt. Der italienische Minister für Volkskultur, Pavo - lini, beglückwünschte am Schluß der Aufführung den anwesenden Spielleiter Hans Schweick- Hardt und Brigitte H o r n e y zu ihrem Erfolg. Am Montagabend gelangte der italienische Film „Stärker als die Liebe" nach der Novelle Die Deutsche Reichspost bietet den Inhabern der am 1. Oktober 1940 fälligen 4% % Schatzanweisungen der Deutschen Reichspost von 1935 Folge I in Höhe von RM. 150000000,— den Hmtausch in 4% Schatzanweisungen der Deutschen Reichspost von 1940 — rückzahlbar zum Nennwert am 1. Oktober 1950 — in gleicher Höhe an. Die neuen Schatzanweisungen werden in den gleichen Abschnitten wie die alten Schatzanweisungen ausgegeben, also in Abschnitten zu RM. 500, 1000, 5000 und 10000. Die Erwerber haben außerdem an Stelle der Ausfertigung von Schatzanweisungen die Wahl, entweder deren Einlegung in ein Sammeldepot bei einer Wertpapiersammelbank oder die Eintragung des zugeteilten Betrages in ein bei der Reichsschuldenverwaltung für die Deutsche Reichspost zu führendes Schuldbuch auf ihren eigenen Namen oder den einer Wertpapiersammelbank zu beantragen. Der Zinslauf der neuen Schatzanweisutttzen beginnt am 1. Oktober 1940. Die Zinsen werden halbjährlich am 1. April und 1. Oktober gezahlt, erstmalig am 1. April 1941. Die neuen 4% Schatzanweisungen sind als verbriefte Schuldverbindlichkeiten des Reichs gemäß § 1807 BGB. mündelsicher. Die Schatzanweisungen können nach Erscheinen im Lombardverkehr der Deutschen Reichsbank sowohl in Stücken als auch in Sammelbestandanteilen bei Wertpapiersammelbanken beliehen werden und sind auch im Lombardverkehr bei der Preußischen Staatsbank (Seehandlung) als Deckung zugelassen; ebenso sind die Schuldbuchforderungen über diese Schatzanweisungen beleihbar. Die Einführung der neuen 4% Postschatzanweisungen an den deutschen Börsen wird alsbald nach Erscheinen der Stücke veranlaßt werden. datscharakter Rechnung getragen, den das Versailler Diktat für Deutsch-Ostafrika bestimmt hat. Aber sehr bald verwandelten sie Deutsch-Ostasrika in das Tanganjika-Territorium und bewiesen damit, daß sie, ohne jede Rücksicht auf das Versailler Diktat selbst einfach zu dem „Gott Nimm" beten. Deutsch-Ostafrika und Kenia sind Anreiner des großen zentralafrikanischen Viktoria-Sees, der Kilimandscharo erhebt sich unmittelbar an der Grenze zwischen Deutsch-Ostafrika und Kenia. Einnahme eines Forts am Rudolf-See gemeldet und jetzt kommt die Nachricht, daß sie auch Buna, etwa 90 Kilometer südlich von dem schon früher genommenen Moyale, erobert haben. Alle diese rte liegen schon in der englischen Kronkolonie Kenia. Aehnlich wie in dem früheren Deutsch- Ostafrika liegt auch in Kenia das eigentliche Fruchtland, das auch von Weißen bewohnt ist, auf einer Hochebene von mehr als 1000 Metern im Innern des Landes. An ihrem Westrand liegt, ziemlich tief im Süden, die Landeshauptstadt Nairobi. Im Westen grenzt Süd-Kenia an den Viktoria-See, während sich nach Osten hin Wüsten und Steppen gegen den Indischen Ozean und Jtalienisch-Somali- land erstrecken. Auch der im Norden an Abessinien anschließende Landesteil, in dem jetzt eben die italienischen Operationen stattfinden, ist als recht unzugängliche Steppenwüste zu bezeichnen. Die Italiener haben noch einen Weg von ungefähr 400 Kilometer bis an den Tana-Fluß zurückzu- legen, der den fruchtbaren Teil des Landes nach Norden begrenzt. Wenig bekannt ist, daß Kenia feinen Namen van dem Kenia-Gebirge hat, das mit über 5200 Meter nur 800 Meter niedriger als der Kilimandscharo ist. Im Nordwesten bildet das Protektorat Hganda die Brücke zwischen Kenia und dem südlichen Sudan. Am stärksten berührt uns Deutsche natürlich der Tatbestand, daß das ehemalige D e u t s ch - O st a f r i k a im ©üben an Kenia grenzt. Die Engländer haben es erst als „Protektorat" bezeichnet und damit etwas dem M a n - PK. Der lange Oberleutnant, der jetzt neben mir, die Beine weit von sich gestreckt, in einem Sessel liegt, sieht noch sehr jung aus. Man sieht es seinem hageren, braungebrannten Gesicht nicht an, daß er eben über London einen schweren Luftkampf hinter sich brachte. Nur die glänzenden Augen verraten noch letzte Spuren innerer Anspannung. „Tja", meint er, „heute bin ich sozusagen Schützenkönig der .Haifische* (Bezeichnung des Geschwaders) geworden. Gleich drei englische Jäger konnte ich heute erledigen, und Sie können sagen, was Sie wollen, dreizehn ist eine Glückszahl! Insgesamt habe ich nämlich jetzt dreizehn Abschüsse melden können. Unfer heutiger Auftrag lautete: Begleitung einiger Staffeln Do-17-Verbände, die einen Flugplatz bei Cro ydon, in dichtester Nähe Londons, angreifen sollten. Kurz nach dem Heberfliegen der englischen Küste kamen von oben mehrere Spitfires heruntergeftvßen und versuchten, auf den Kampfverband herunterzudrücken. Bei dem Versuch blieb es aber auch. Gleich hinterher tarnen nämlich Me»109’$äger, die auf die Spitfires ballerten und eine feindliche Maschine direkt vor meinen Augen absck-ossen. Dann kamen die feindlichen Jäger laufend und versuchten, sich an den Kampfverband zu mogeln. Der erste, der unter einer Do 17 hing, kam in meine Feuergarbe. Ich verpaßte ihm eins, und schon ging es mit einer schwarzen Rauchfahne senkrecht nach unten weg. Das war der erste. Dann schrie schon mein Funker: VonhintenlinksMaschinen! Ich kurvte ein; beim Einkurven flitzte schon eine Hurricane an mir vorbei. Ich kurvte sofort hinterher und schoß aus allen Waffen auf den Vogel. Die Maschine tippte vornüber weg, einzelne Teile montierten birett in der Luft ab. Der Flugzeugführer tonnte das Stockholms. Sept. (Europapreß.) In London wird amtlich bestätigt, daß die englischen Truppen in der Keniakolonie eine neue schwere Niederlage ein- stecken muhten. Nach der Räumung M o y a l e s wird befanntgegeben, daß die englischen Streitkräfte nunmehr auch den militärisch wichtigen Stützpunkt Buna haben räumen müssen. Nach dem Fall Moyales war dieser Stützpunkt von den Engländern heftig verteidigt worden, es hatten sich in den letzten Tagen erbitterte Kämpfe entwickelt. Buna ist deshalb von besonderer strategischer Bedeutung, weil es ein Hauptpunkt der Wasserversorgung im Norden der Kolonie Kenia ist. Es wird zugegeben, daß der Platz nichtmehrlängerzu halten gewesen sei, nachdem die Italiener die Möglichkeit hatten, von Norden und Osten her gegen die englischen Stellungen vorzustohen. England scheint mit dieser Andeutung gleichzeitig die Räumung des Vierecks anzukündigen, das nördlich der Linie Moyale—Jl Wat liegt. Die militärische und politische Lage in Nordostafrika erregt große Besorgnis in London. Der italienische Vorstoß in Kenia hat England bereits veranlaßt, die Entsendung von I r u p p e n d e r Härtungen anzuordnen. Die Besetzung von Buna hat großen Eindruck gemacht, da England in diesem Teil Afrikas bereits bedeutende Kräfte zusammengezogen hatte. Die englische Regierung hat sich nun entschlossen, aus Gebietsteilen Westafri- kas und aus Asien Truppen in Marsch zu setzen zur Verteidigung Kenias, des Sudans und Palästinas. Wenig tröstlich find die in London aus S ü d - afrita eintreffenoen Nachrichten. Infolge der unsicheren inneren politischen Lage im Lande hat die Regierung in Kapstadt der britischen Regierung nahegelegt, von der Südafrikanischen Union nicht die Bereitstellung allzu starker Truppenkontingente und Kriegsmaterialien zu fordern. Die letzte Ab- Kabinendach abwerfen und flieg aus, so den langsameren, aber sichereren Weg zur Erde benutzend. Das war der zweite. Unter uns waren unterdessen die Häuser Londons. Wir kurbelten mitten über der Stadt mit den feindlichen Jägern. Einmal war London unter uns und der Himmel oben; bann wieder war der Himmel unter uns und London oben. So ungefähr sieht pänv lich ein Luftkampf aus. Weit hinter uns her bullerte unterdessen unaufhörlich die Flak. Lag eine Salve mal zu dicht, dann haben wir ein bißchen „gewedelt", und schon waren wir aus dem Feuerbereich. Der ßuftfampf ging ununterbrochen weiter. Hier und da habe ich einigen Engländern Herzklopfen bereitet. Ob ich dabei getroffen habe, kann ich nicht genau sagen, weil die angegriffenen Jäger sofort im Abschwung nach unten verschwanden. Unten war London im Dunst immer noch deutlich zu sehen. Wahrscheinlich haben sie gleich Churchill gemeldet, wie schneidig es hier oben zuging. Wieder mogelten sich dann einige Jäger in Wolke ndeckung an den Kampfverband heran. Einer kam von unten rechts hochgezogen. Hinterher waren übrigens zwei Me 109. Ein Feuerstoß — sofort ging er rechts über die Fläche nach unten weg, zeigte zuerst überhaupt keine Fahne. Unten aber qualmte er dann erheblich und schlug auf. Das war der dritte. Links war ein anderer Zerstörerpulk, die hatten ebenfalls Luftkampf. Einfach toll, der Betrieb da oben! Heb er all flitzten die weißen Mäuse, die Leuchtstreifen der Phosphormunition, durch die Gegend. .Wo man hinguckte, waren mehrere Pulks am Werk, und überall trudelten abgeschossene Spitfires oder Hurricanes hinunter. Die Do 17 kamen alle heil nach Hause, und nachher ging ein ununterbrochenes Gew edel über unserem Platz los. So,v mehr erzähle ich heute nicht." Auf dem Wege zur Reichsuuiversitäi. Die „Leipziger Illustrirte Zeitung" hat ein Sonderheft der deutschen Forschung gewidmet. An der Spitze wendet sich Reichserziehungsminister R u st gegen einen besonders bösartigen im Ausland über Deutschland verbreiteten Irrtum, daß der Nationalsozialismus der vorher so hochberühmten deutschen Wissenschaft ein Ende bereitet habe. Die jüngste Vergangenheit habe weiten Kreisen offenbart, zu rockt)en großartigen Ausmaßen die Leistungen der Wissenschaft im Deutschland Adolf Hitlers gediehen sind. Was die nationalsozialistische Revolu- tion der deutschen Hochschule an personellen und organisatorischen Veränderungen gebracht habe, sei notwendig gewesen, denn zunächst seien die Hoch- schulen nickst nur Institutionen reinen Denkens und Forschens, sondern auch Bildungs- und Erziehungsstätten eines jungen Geschlechts ersten Ranges. Die Eroberung der Hochschule sei neben der Eroberung der Staatsgewalt vielleicht das entscheidende. Der Lenkungsoder Führungsanfpruch, den der Staat gegenüber der Wissenschaft erhebe und laufend durch den Reichsforschungsrat verwirkliche, lasse die Eigenge- setzlichkeit aller wissenschaftlichen Arbeit unangetastet. Der Reichsforschungsrat habe nicht etwa die gesamte wissenschaftliche Arbeit auf diejenigen Fragen abgestellt, deren Lösung im unmittelbaren Interesse der deutschen Wirtschaft und Wehrmacht oder ganz allgemein des Staates liege. Zwar fei der Zweckforschung ein großer Raum gegeben, aber auch die Grundlagen- oder Tiefenforschung werde bewußt gefördert. lieber Organisation und Planung der deutschen Forschung berichtet Ministerialdirektor Prof. Dr. Mentzel, der Chef des Amtes für Wissenschaft im Reichserziehungsministerium. Es sei das Verdienst der deutschen Wissenschaft, wenn heute das deutsche Volk seinen Treibstoff, oder Gummibedarf sowie den Bedarf an wichtigen anbereit’ Werkstoffen ausreichend aus Quellen schöpfen könne, die nicht von der Natur zur Verfügung gestellt wurden. Die Hochschule sei auch heute nicht nur die Wiege unseres akademischen Nachwuchses, sondern stelle auch in ihren über 1800 Instituten die bedeutendste Forschungskapazität dar. Weiter seien aus dem wissenschaftlichen Leben die 3 6 Kaiser- Wilhelm-Institute nicht wegzudenken. Eine dritte Art wissenschaftlicher Arbeitsstätten seien die Länderforschungsinstitute und die großen N e i ch s a n ft a 11 e u. Ferner gebe es noch die Akademien der Wissenschaften und die etwa 600 wissenschaftlichen Vereine und Gesellschaften. Um die vielgestaltige Produktion der deutschen Forschung übersehen zu können und die vorhandenen Mittel wirtschaftlich einzusetzen, wurde der Reichsforschungsrat gegründet. Sein organisatorischer Unterbau ist die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Der nationalsoziallistische Staat ist auch an die Vereinfachung seines wissenschaftlichen Apparats herangegangen. Vieles fei bereits geschehen, weitere Maßnahmen, zu denen insbesondere auch die Schaffung der Reichsuniversität gehöre, seien in Vorbereitung und würden zu gegebener Zeit durchgeführt. Das Landvolk. Es ist eine wenig beachtete Leistung des Landvolkes, daß die große industrielle Arbeitssteigerung zum großen Teil von Menschen vollbracht wurde, die das LaiHvolk gestellt hat. Diese Leistung ist um so beachtlicher, als die Erzeugungsschlacht auch von der deutschen Landwirtschaft einen Mehraufwand an Arbeit erforderte. Die Teilergebnisse der Volks- und Berufszählung vom 17. Mai 1939 ermöglichen eine genauere Vorstellung von dem Umfang dieser MSnschenabgabe des Landvolkes. Sie umfassen etwa 30 v. H. der reichsdeutschen Wohnbevölkerung. In dem erfaßten Gebiet ist die Zahl der land- und forstwirtschaftlichen Berufszugehörigen in der Zeit von 1933 bis 1939 um über 560 000 zurückgegangen, das Landvolk hat also praktisch nicht nur seinen gesamten Geburtenüberschuß, sondern darüber hinaus einen wesentlichen Teil seiner bisher in der Landwirtschaft tätigen Arbeitskräfte abgegeben. Es ist zu befürchten, daß die Kräfteabgabe des Landvolkes an die ande- Oie Bedingungen des Umtausches sind folgende: 1. Der Umtausch ist unter gleichzeitiger Einreichung der alten Schatzanweisungen in der Zeit lehrreich gewesen. Zehn Stimmen genügten reits, um die Regierung in der Kammer in Minderheit zu bringen. Kenia Vor knapp zwei Wochen haben die Italiener Nach dem Verlust Bunas Ernste britische Sorgen in Ostafrika. 4°/0 Schatzanweisungen der Deutschen Reichspost von 4940 ren Wirtschaftszweige erheblich über das auf die Dauer zu rechtfertigende Maß hinausgegangen ist, zum mindesten muß ein wesentlicher Teil des ländlichen Geburtenüberschusses dem Bauerntum und der Landwirtschaft zugute kommen. Oie Erleichterung des Wohnungstauschs. Äst freier Wohnraum knapp, so wird ein Mieter, der aus irgendwelchen Gründen eine andere Wohnung oft in einem Wohnungstausch die einzige aussichtsreiche Möglichkeit sehen. Mit der Kündigung ist ihm häufig nicht gedient, da die Gefahr besteht, daß er die neue Wohnung nicht rechtzeitig findet. Deshalb hat der Gesetzgeber jetzt den Wohnungstausch erleichtert. Wenn auch die Mehrzahl der Vermieter schon jetzt nur aus triftigen Gründen die Genehmigung zum Wohnungstausch versagte, so entstanden doch immer wieder Klagen, daß sich wegen der Ausschließlichkeit des Erfordernisses der Einwilligung des Vermieters die Möglichkeiten des Wohnungstausches nicht voll ausnutzen ließen. Deshalb wird jetzt dem Richter die letzte Entscheidung in die Hand gegeben. Das Mieteinigungsamt kann die Einwilligung des Vermieters ersetzen. Der Sachbearbeiter des Reichsjustizministeriums behandelt die triftigen Gründe, bei deren Vorliegen auch das Mieleinigungsamt den Tauschantrag des Mieters ablehnen muß. Es werde stets beachtlich sein, wenn die Besorgnis begründet ist, daß der neue Mieter Unfrieden in die Hausgemeinschaft tragen wird oder daß er seine Verbindlichkeiten nicht erfüllen kann. Von Bedeutung könne es auch fein, ob der Vermieter die Verpflichtungen bereits erfüllt hat zur Erleichterung der Wohnungsbeschaffung für kinderreiche Familien. Die Einwilligung des Vermieters dürfe daher oom Mieteinigungsamt nur ersetzt werden, wenn der neue Mieter kinderreich ist oder wenn die Wohnung von der Inanspruchnahme für kinderreiche Familien ausgenommen oder von der Preisbehörde zur anderweitigen Vermietung freigegeben ist. Dem Mieter fei keineswegs das Recht zugebilligt worden, sich jederzeit auf dem Umweg über den Wohnungstausch von einem ihm vielleicht unbequem gewordenen Mietverhältnis vorzeitig zu lösen. Der Mieter könne vielmehr das Mieteinigungsamt nur dann anrufen, wenn er an sich berechtigt wäre, das Mietverhält- nis zu kündigen und wegen der damit verbundenen Unsicherheit lieber den Wohnungstausch vornehmen wolle. HI -Sachbearbeiierbei den Gemeinden Es hat sich gezeigt, daß eine tatkräftige Förderung der HI. besser gewährleistet ist, wenn bei den Gemeinden und Gemeindeverbänden HJ.-Sachbearbeiter bestellt werden, bei denen alle HJ.-Aufgaden im Rahmen der Gemeindeverwaltung in einer Hand zu- sammengefaßt werden. Die Bestellung soll zunächst nur bei Gemeinden und Gemeindeoerbänden üb er 5000 Einwohnern erfolgen. Der HJ.-Sachbearbeiter solj möglichst ein Beamter oder Angestellter fein, der über Erfahrungen auf dem Gebiet der Jugendpflege und Leibeserziehung verfügt und die Verhältnisse der HI. aus eigener Anschauung kennt. Die einzelnen Referate der Gemeindeverwaltung sollen den HJ.-Sachbearbeiter hinzuziehen, wenn sie irgendwie die Jugend betreffende Fragen zu entscheiden haben. Die HJ.-Dienststellen treten ihrerseits mit keiner Stelle der Gemeinde in Verbindung, ohne zuvor den HJ.-Sachbearbeiter zu unterrichten. Verbesserungen in der Kriegshinterbliebenenversorgung. Witwen und Waisen erhalten die einheitliche gegenüber der Friedensoersorgung günstigere Kriegsversorgung ohne Rücksicht darauf, ob der Mann bzw. Vater an der Front gefallen oder in der Heimat infolge Wehrdienstbeschädigung gestorben ist. Eltern erhalten Elternrente beim Tode des einzigen oder letzten Sohnes oder beim Tode mehrerer Söhne ohne die Prüfung der Ernährereigenschaft. Diese unterbleibt auch, wenn eine Frau den Ehemann und einen Sohn durch den Welt- kriea oder den jetzigen Krieg verloren hat. Voraussetzung bleibt aber stets die Bedürftigkeit im Sinne des Wehrmachtsfürsorge- und -versorgungs- gesetzes. Die Gebührnisse, die die Militär-Anwärter bis zur planmäßigen Anstellung als Beamte erhalten, sind neu festgesetzt, nachdem Schwierigkeiten, die dieser bereits im Wehrmachtfürsorge- und -oersorgungsgesetz vorgesehenen Neuregelung auf besoldungstechnischem Gebiet bisher entgegenstanden, inzwischen ausgeräumt worden sind. Sprechstunden der 11.30 bis 12 30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnach« mittags geschlossen. Hauptschriftletter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter de» Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik, Feuilleton und Bilder: Dr. Fr. W. Lange,' für Stadt Gießen, Provinz, Wirtschaft und Sport: Ernst Blumschein. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange K. G. Verlagsleiter: Dr.-Ing. Erich Hamann; Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Pl.Nr.6. < M?; , 1 'fr'?; - , v 1 KLM 'W K 7* >1, Ä Ikoholarm Zu haben V beim Bierhandel AUeinherstellee Hackerbräu München und Uniformen in höchster Vollendung 3175A 038 große Spezialhaus 5BKÖHLER ist nicht nur Ihr Berater in allen Kleider-u.Punktfragen. KOHLER sorgtauchfürdie laufende Pflege lh,rer Zivil- und Uniform-Bekleidungsstücke: Aendern, Flicken, Modernisieren. Nur das Bringen und Abholen müssen Sie in der Kriegszeit selbst besorgen. Eigene Maßschneiderei für Anzüge z— Briefmarken —> Ankauf von Sammlungen und besseren Einzelmarken zu hohen Preisen. Otto Hase, Frankfurt a. M. Biebergasse 5. 3874v Ihre Vermählung geben bekannt Walter Schwer Lina Schwer, geb. Kraft Gießen ($ranffurfer Sir. 83), den 4. 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Lennep Selten ist wohl eine Musik so volkstümlich geworden wie Künneckes Melodien aus „Der Vetter aus Dingsda“. Wer kennt nicht: „Ich bin nur ein armer Wandergesell',- Gute Nacht, liebes Mädel, gute Nacht!" Morgen Donnerstag bis einschl. Sonntag Große Sondervorstellungen! Lichtspielhaus Gießen c . 3924A I . Friedrich Vo£>, Dresden^W Kaufgesuche Schr. Ang. unt. 02959 a. d.G.A. Dienstag, 17. September, Eröffnung der Spielzeit 1840 41 - 19.30 Uhr (Dienstagmiete, 1. Vorstellung) Festliche Erstaufführung SIEGER Dramatische Ballade v. Christian Siemens. Spielleit.: Intendant Hans Walter Klein an ben Gießener Anzeiger erbet. fiinöeriüflgen zu kauf, gesucht, iT*11 Schriftliche An- Nhen^ gesucht geböte u. 02946 0e,ucot- iuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii^iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiihiiiiiiiiiiiiiihhii | STADTTHEATER GIESSEN | Intendant: Hans Walter Klein | Vorspielzeit vom 8.-15. September: \ 5 Sonntag, 8. September, 1. Werbevorstellung — 19.00 Uhr = (außer Miete!) — Neuinszenierung = Paganini Operette von Franz Lehär = Dienstag, 10. Sept., 2. Werbevdrstellung — 19.30 Uhr (für 1 Dienstagmieter) zu kleinst. Preis. Erstaufführung = | Mädchenparadies Lustspiel von Kurt Seilnick = = Mittwoch, 11. Sept., 3. Werbevorstellung — 19.30 Uhr (für 1 Mittwochmieter) zu kleinst. Preis. Erstaufführung = Hochzeitsreise ohne Mann Lustspiel von Kurt Seilnick E = Freitag, 13. Sept., 4. Werbevorstellung — 19.30 Uhr (für - Freitagmieter) zu kleinsten Preis. Erstaufführung = Der Triumph des Tobias - Lustspiel von Svend Rindom = Sonntag, 15. September, Festaufftthrung zum 70. Geburtstag = von Franz Lehär — 19 Uhr (außer Miete!) - Paganini Operette von Franz Lehär 1 Kassenstunden (Ruf 2930): Täglich von 10—13 Uhr, an l = ha^hD ^c\von 17—18 Uhr. - Die Abendkasse wird - - Ewe halbe Stunde vor Beginn der Vorstellung geöffnet. - - = Vorverkauf auch im Schokoladenhaus Huntemann, = = Seltersweg 39 (Ruf 3969) ’ E ......11,1111...................""-....„..u.........um.............. Ältere Leute klagen häufig über Hinfälligkeit und Müdigkeit. Eine Kur mit Lebens-Ellxir „Dr, Schleifer“ mehrt alt und jung die Kräfte, macht Appetit, stärkt die Nerven und bildet neues Blut. Man fühlt sich frischer und leistungsfähiger. Lecithin und Eisen machen's. Gr. Flasche 2.75 Kurflasche 4.90 Univ. -Apotheke zum gold. Engel, A. Habrich, Marktplatz;, Wii kaufen gebrauchte mögl.iiQuwertige Kraitwagen gegen Barzahlung. Opel. Gielien Ruf 2847/48. I Gut erhaltener Hziemck für stärkere Figur zu taufen gesucht. Schriftl. Angebote unter 02957 a. d.G.A. mit Zubehör zu verkauf. 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Heber 5 Meter hoch aus einem Samenkorn. notgedrungen schießen, falls er irgendwie durch Schaden etwa an Geflügel unangenehm ausfällt. Denn in wenigen Wochen ist sein Balg wertvoll und volkswirtschaftlich willkommen. Dagegen wird- mancher Jäger seinen Dachsabschuß jetzt durchführen, weil es ihm an geeigneten Erdhunden oder auch an zum Graben geeigneten Bauen fehlt. Im September setzt auch der Vogelzug stärker ein, obwohl er an sich schon seit Juliende im Gang zu sein pflegt. Die Waldschnepfe findet sich dann häufiger in unseren Revieren, und ihre Be- jagung beim Treiben oder Buschieren gilt im Gegensatz zum' Frühjahr jetzt nicht als verpönt. Da sie auch im Abend- oder Morgendämmern streicht, können Freunde des Striches auch im Herbst aus' ihre Rechnung kommen. Gewöhnlich treten um diese Zeit auch allerlei Raubvögel als Durchzügler auf. Die meisten von ihnen sind als Naturdenkmäler, die reine Nützlichkeitsfanatiker in die Gefahr der Ausrottung brachten, geschützt. Zu den stets dem Jäger freien Räubern, dem Habicht und dem Sperber, ist der Mäusebussard während des Herbstes und Winters hinzugekommen. Ein großer Teil der Niederwildverluste des letzten Winters gingen auf fein Konto, weil einzelne Bussarde Fütterungen für Hühner und Fasanen geradezu belagerten. Der Jäger hat also überall, wo der Mauser oder sein rauhfüßiger Vetter sich zu zahlreich für den Winter einrichten, die Möglichkeit, ihre Zahl mit den Bedürfnissen des Reviers in Einklang zu bringen. Ueber das Jagen wird der weidgerechte Jäger nie die Hege vergessen. Sie macht vor allem Vorsorge für den Winter nötig. Dazu gehört die Ausnutzung der Druschzeit, um Abfälle bei der Dreschmaschine zu sammeln und für die Winterfütterung von Hühnern und Fasanen aufzuheben. In gleicher Weise können die auf dem Heuboden anfallenden Grassamen verwendet werden. Es ist im kommenden Winter nicht damit zu rechnen, daß Futtermittel für das Niederwild,^. B Mais,'gekauft werden können. Darum ist diese Vorsorge des Sammelns dringend geboten. Es zeigt sich auch immer wieder, daß vor allem Rauhfutter-dadurch verschwendet wird, daß es dem Wetter vollkommen ausgesetzt, dem Wild geboten wird und bald verdirbt. Dem beugen feste, überdachte Fütterungen an solchen Stellen vor, an denen das Wild erfahrungsgemäß gern wechselt. Zweckmäßig ist es auch immer, wenn in ihrer Nähe nach Möglichkeit Futtermittel gestapelt oder eingemietet werden. Denn der Transport dorthin voll- ■ r . w ‘M'/S "z A | '< ; Im Garten des Dipl.-Jng. Karl Ott, Frankfurter Straße 95 Ecke Am Steg, kann man eine über 5 Meter hohe Sonnenblume sehen, die einem Samenkorn entsprossen ist, das im verflossenen Frühjahr bei der Winterfütterung der Vögel vom Balkon im ersten Stock in den Garten herabgefallen war und dort Wurzel geschlagen hatte. Das Bild (Aufnahme privat) zeigt die über 5 Meter hohe Pflanze vor dem Balkon des Hauses. zieht sich im Herbst oft leicht, während er bei hoher Schneelage an Mensch und Pferd oft unerhörte Anforderungen stellt und unterbleibt. Vorher gescheute Mühe und vermeintlich ersparte Kosten werder dann durch hohe Wildabgänge meist längst übertroffen. Hubertus. Zweckmäßige Kleidung im Lustschuhraum. Aus der Stadt Gießen. Holländer, Dschunken und Pantinen. Der Holzschuh ist keine deutsche Erfindung während des Krieges von 1939/40, ebensowenig wie er eine Entdeckung des Weltkrieges 1914/18 war. Aus hartem Holz gefertigtes. Schuhzeug mit und ohne Verschnürungen aus Bast, Stoff oder Leder ist beinahe so alt wie die zivilisierte Menschheit, ja es ist die eigentliche Urform menschlicher Fußbekleidung. Sie ist aber nicht etwa Urform vergangener Zeiten geblieben, sondern sie findet sich außer bei den Griechen und Römern der Antike auch in der Blüte des Mittelalters, und sie hat sich in vielen Gegenden Europas, so in den Cevennen, in Flandern, Holland, Nordwestdeutschland, Dänemark und anderswo als die tägliche Gebrauchsform bis in unsere Tage erhalten. Daß der Holzschuh bzw. die Holzsandale in Kriegszeiten plötzlich aus der Abgeschiedenheit ihrer Heimatbezirke herausmarschiert und ganze Länder erobert, ist wegen des reichlich vorhandenen Rohmaterials erklärlich. Diesmal ist der Siegesmarsch des Holzschuhwerks aber mehr als die Bestätigung einer Zweckmäßigkeit. Während es noch im vorigen Krieae kaum mehr als „Holzsandalen" gab, die ohne Anspruch auf Formschönheit nur ihrer nützlichen Aufgabe dienten, scheinen diesmal alle Epochen und alle Landschaften unseres Erdteils zur stilgerechten Holzbeschuhung sonnenbrauner Mädchen- und Frauenbeine beitragen zu wollen, und das bedeutet: die Gegenwart hat den Holzschuh zum Modegegenstand erhoben! Ein Rundblick durch die Schuhgeschäfte, ein Bummel über städtische Promenaden bestätigen diesen Eindruck. Moderne Holzsandalen sind kokett! Sie erfüllen ihren Sinn für das Ewig-Weibliche ebenso wie ein bunter Schal oder ein zierlicher Gürtel, ja sogar ihr monotones Klipp-Klapp scheint Anspruch auf modische Geltung zu erheben. Im Weltkrieg trug man „Holzsandalen", weil das Lederschuhwerk knapp war. Heute trägt „man" je nach Geschmack und Gelegenheit entweder „Holländer" mit blauen und roten Riemen am rohen Naturholz, feinlackierte „Dschunken" mit schalldämpfenden Gummi- und Korkeinlagen, oder schlichte „Pantinen" aus einem Stück mit bunter Verschnürung. Man trägt sie nicht nur, weil das meiste Leder zu soliden Soldatenstiefeln verarbeitet wird, sondern weil die sommerliche Mode des nackten braunen Beins, die übrigens viel älter ist als der Mangel an Naturseide, nun auch die Mode der Holzsandale auf den Thron erhoben hat. Selten ist wohl in solch' wohltuender Form aus der Not eine Tugend gemacht worden. Natürlich kann man nicht erwarten, daß die Leistungsfähigkeit des Fußes auf starrer Holzgrundlage die gleiche ist wie auf Leder, obwohl die luftige Beweglichkeit der Zehen manche gesundheitlichen Vorteile bietet. Aber auch hier ist schon allerlei Fortschritt zu bemerken. Die einfache Pantine mit starrer Sohle, Urbild der antiken Sandale, findet sich in vielerlei Formen abgewandelt. Die schon erwähnte Weltkriegssandale, die auch heute noch als billigstes Modell zu haben ist, hat eine dreigeteitte Sohle, deren Abschnitte durch Lederscharniere zusammengehalten werden. Ihre modernere Form, die heute die größte Verbreitung hat, ist in zahlreiche schmälere Querrippen unterteilt, die durch eine dünne Auflagesohle aus Leder oder einem biegsamen Werkstoff miteinander verbunden sind. Außerdem hat sie einen modischen Absatz. Unter den Sandalen mit starrer, dicker Holzsohle sind die „Dschuttken" und die Holländer" die beliebtesten. Sie verleihen ihren Trägerinnen einen anmutig wippenden Gang, der wahrhaftig die Vorstellung von rollenden Schiffen auf See erweckt! In Deutschland ist der Kauf von Holzsandalen an keinerlei Bezugserlaubnis gebunden. Die riesige Nachfrage nach diesem Schuhwerk, und besonders nach den teueren Modellen, die von Serie zu Serie immer vollkommener werden, hat auch schon Schnittmuster zum Selbstanfertigen entstehen lassen. Es sollen sogar schon Männer mit Holzsandalen — natürlich schlichten Musters — gesehen worden fein. Auch der reine Holzschuh und der Holzpantoffel für Arbeitszwecke sind im Vordringen._________________ ' Die Getreideernte ist beendet, die Grummeternte meist auch, die Hackfruchternte beginnt bald; kurz, die Felder und Wiesen werden leer und leerer und geben in ihrer Weite den Rahmen für das herbstliche Weidwerk, das in seiner ganzen Vielseitigkeit den Jäger immer wieder hinauszieht. Der Feldjäger muß in diesem Jahre länger warten, ehL er zum erstenmal wieder den Hund auf Hühner üyren darf. Die Verluste des letzten Notwinters waren doch so groß, daß der Reichsjägermeister sich veranlaßt sah, die Schußzeit für das Rebhuhn erst mit dem 16. September beginnen zu lassen. Schußreife Hühner sind es dann, die der Hund seinem Herrn „bringt". Inwieweit die Jagd ausgeübt werden kann, wird davon abhängen, wie stark in den einzelnen Revieren der Besatz ist. Wer dem nicht Rechnung trägt, wird im kommenden Jahre u. 11. noch schlechtere Verhältnisse vorfinden. Neben dem Feldhuhn sind es die Ringeltauben, die beim Feldern oft zur Beute des Jägers werden, und die auch ein planmäßiges Besagen, etwa an ihren Ruhebäumen während der Mittagstunden oder an der Tränke, lohnen. Der S t o ck e r p e l hat feine Mauser beendigt und trägt wieder sein Prachtkleid, in dem er dem Jäger eine besonders liebe Beute ist. An buschbestandenen Bächen, im Schilf der Flüsse und Teiche jagt der Weidmann die Breitschnäbel. Ihre Zahl nimmt allmählich zu, da im Norden schon der Zug gen Süden einsetzt. Auch manche bei uns nicht häufige ober nicht als Brutvogel vorkommende Ente wird dann geschossen. Für den Waldjäger hat der September seine besondere Bedeutung, besonders wenn der edle Hirsch in seinen Revieren noch seine Fährte zieht. Nach einem alten Weidmannsspruch tritt an „Aegidi" (1 September) der Hirsch im die Brunft. Das soll nicht heißen, daß dann der Schrei des Königs der Wälder schon des Jägers Herz höher schlagen läßt. Aber während der Hirsch in der Feistzeit allein ober mit seinesgleichen seinen Einstanb wählte unb bas Mutterwild sich zu Kahlwildrudeln zufammenfand, tritt nunmehr der Hirsch zum Rudel, die Brunftrudel bilden sich und wechseln allmählich, auf uralten Wechseln oft, den alten Brunftplätzen zu. Es gibt Reviere, die reine Feisthirschreviere sind, und in denen während der Brunft kein Stück Rotwild steht. In der zweiten Hälfte des Monats kündet dann in kalter Nacht der Kampfrüf des Hirsches zum ersten- mal an, daß die hohe Zeit des Rotwildes begonnen hat. Neben dem männlichen Rotwild haben auch Tiere unb Kälber von der Monatsmitte an Schußzeit, um dem Jäger genügend Zeit zu geben, den gebotenen Abschuß durchzuführen, was in Revieren vor allem wichtig ist, wo das Rotwild weniger Standwild ist, aber oft zu Schaden geht. , Nach Beendigung der Brunft war der Rehbock heimlicher und faul, aber im September hält er wieder regelmäßig Wechsel und Zeit und kann deswegen noch leicht bejagt werden, wenn der Abschuß noch nicht durchgeführt ist. Um die Monatsmitte geht bann auch bie Jagd auf Ricken unb Kitze auf. Vor allem gilt es, schwache Stücke wegzunehmen. Den Abschuß im Anfang grundsätzlich in Schmalrehen erfüllen zu wollen, um bie Kitze stärker werden zu lassen, wäre verkehrt, weil ja die Schmalrehe Nachwuchs aus einem Jahrgang barstellen, ber schon der nunmehr fünf Jahre laufenben Auslese unterlegen hat. Sie sind also vermutlich zum Teil bie Träger guter Erbanlagen, worunter auch rein männliche wie gute Gehörnbildung der Vorfahren sein können. Wer daher nach bem manchmal gerühmten Rezept verfährt unb bie Töchter ab schießt, wenn sie noch Schmalrehe sinb, der macht bas hinfällig, was er bei bem W ah lab schuß unter den Böcken erreichen wollte. Geringe führende Ricken gehören samt Kitz in erster Linie weggeschossen, denn ein starkes und widerstandsfähiges Wild ist das Ziel unserer Hege. Neben bem Nutzwild, zu bem in manchen heimischen Revieren noch Damhirsch und Muffel- widder treten können, die ab Monatsbeginn besagt werben bürfen, gilt bie Jagb bem Raub- wild. Zwar wird man jetzt den Fuchs nur noch Kaum hat bie Alarmsirene ihr aufreizendes Lieb begonnen, kaum ist ber erste Flakschuß über die schlafende Stabt dahingerollt, ba wird Überall sofort ber Luftschutzraum ausgesucht. In allen möglichen Aufzügen erscheinen bie Hausbewohner. Im Nachthemd, im Schlafanzug, mit Morgenrock, Bademantel ober sonst leicht bekleidet stehen sie herum und fangen mit ber Zeit langsam aber sicher an zu frieren. Ein tüchtiger Schnupfen ist bie Folge, wenn nicht schlimmere Krankheiten ausgelöst werben. An sich braucht- bas die anderen Hausgenossen nicht zu bekümmern, aber auch der Selbstschutz hat hier ein Wort mitzureden. Bekanntlich kann jeher, ber körperlich bazu in ber Lage ist, im Selbstschutz eingesetzt werben, und zwar auch bann, wenn er an keinem Luftschutzkursus teilgenommen hat. Man stelle sich ben praktischen Einsatz eines solchen „Leichtbekleideten" bei ber Brandbekämpfung vor. Es ergibt sich barau$ baß jeder sorgfältig überlegen muß, was er vor allem in der Nacht bei plötzlichem Fliegeralarm anziehen muß. In ber „Sirene" werben bafür einige Ratschläge erteilt, bie von allen Volksgenossen beachtet werden sollten. 1. Im Luftschutzraum muß man sich, ohne zu stieren, unter Umständen mehrere Stunden lang auf- alten können. Die Kleidungsstücke dürfen also nicht bünn sein. Alte Wintersachen sinh gerabe bas richtige. 2. Die Kleibung soll praktisch sein. Enge Kleider sind unpraktisch. Dasselbe gilt für Kleidungsstücke, die umständlich anzulegen sind. Auch Schlips unb Kragen sinb nicht vonnöten. Wichtig ist für bas schnelle Ankleiden, baß alles bereit liegt. 3. Die Kleidung muß so beschaffen fein, baß man in ihr auch bedenkenlos Selbstschutzarbeiten verrichten kann. Wer weiß, wo man im Verlaufe einer Schadenbekämpfung überall herumkriechen muß. Also: Keine guten Stücke anziehen! Selbstschutzkräfte sollen, sofern sie nicht über einen Schutzanzug ober einen Trainingsanzug verfügen, grundsätzlich alte, derbe Hosen tragen. Das gilt auch für die Frauen! Die sogenannten Sttanbhosen sinb jedoch nicht geeignet! Aus ben Kopf ber Selbstschutzkräfte gehört nach Möglichkeit ein Luftschutzhelm, zumindest aber ein alter Filzhut. Das letztere gilt übrigens für alle Hausbewohner. Zum Schluß noch einen guten Rat. Es kann vorkommen, daß es einem boch sehr zweckmäßig erscheint, sofort ohne bie geringste Verzögerung in ben Lustschutzraum zu verschwinden. Gut! Dann nimm ben „Alarmanzug" unter ben Arm unb ziehe dich unten in Ruhe an. Dornotizen. Tageskalender für Mittwoch. Gloria-Palast,Seltersweg: „Geierwally". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Casanova heiratet". Weisheit an der Straße. Von Walter v. Molo. An ber verlassenen Gebirgsstraße, auf der auch Goethe nach Italien gefahren sein soll, stehen vor dem weiten Halbkreis der erhabenen Berge, bie er erblickte, wie wir sie heute noch sehen, große, sehr alte Bäume. Man kann ihre Stämme mit beiden Armen nicht umfassen. Ost habe ich darüber nach- gebacht, was diese Bäume erzählen könnten, wenn sie in Worten unserer Art sprächen. Was ist auf biefer Straße nicht alles vorübergewandert, gerollt und geritten? Straßen sind so wenig Zufälligkeiten wie Wasserläufe, auch sie unterstehen ber tiefen Gesetzlichkeit. Eines Tages war ber alte Schreiner babet, einen dieser Riesenbäume zu fällen. Er schlug mit der Axt auf ben Stamm ein, unb eine große, gefährliche Säge lag bereit. Ich trat hinzu und sagte, ehrlich erschrocken: Aber Mensch, warum denn? Es ist doch schabe um ben Baum! Der Alte hielt ein, starrte zu mir verwunbert auf unb verstand mich in keiner Weise; er gab zur Antwort: Ja, warum benn? Es wachsen doch wieder neue?! Darauf konnte ich nichts erwidern, denn er hatte unbestreitbar recht. Oft habe ich überlegt, die geliebten Bäume in meinem Grundstück betrachtend: Wie hoch, wie stark werden sie sein, wie weit werden ihre Schatten reichen in der Stunde, in der ich sterben muß? Das Ergebnis war stets: Die Bäume werden etwas dicker fein, die Kronen voller, aber nicht um viel. Denn ein Baum sieht zahlreiche Menschenleben kommen unb verschwinben. Unser Leben währt nach dem Zeitmaß der Bäume, wenn es lange bauert, ein paar Jahre. Gewiß wachsen wieher neue Bäume, gewiß werden auch sie groß unb stark werben; aber ich kann sie nicht mehr sehen? Ich werbe an ihnen nicht mehr Freude haben. Der Schreiner bachte an keinen bestimmten, an keinen eigenen Baum, er dachte nicht an sich. Er war im Ganzen unb kümmerte sich nicht um hie vergängliche Zeit; mein Denken war klein. Aber wenn es biete Liebe zu Bestimmtem nicht gäbe, verlöre bas Ganze Wert; es hat ihn nur durch uns. Der Alte umfing mit Vertrauen biete Unendlichkeit und gewann Bauholz für fein Geschäft. Immer gabelt sich die Rune; sie greift von Der Erde doppelt zum Himmel auf und doppelt in die Erbe hinein. Es gibt keinen Himmel ohne die Erbe und keine Erbe ohne Himmel. Immer wachsen die Bäume von der Erde dem Himmel zu, nehmen sie ihre Kraft aus Luft und aus dem Boden, und keiner.erreicht die Ferne. Sie sind Mittler zur Erkenntnis: Wer alles für sich erhalten will, verliert; wer dieses Wollen opfert, steht stark im Tag und nützt. Alles wächst immer wieder neu. Ich grüßte zustimmend den- Schreiner, er hatte recht. Er grüßte zurück, wir waren einig. Die Heuernte. Von Wilhelm Scharrelmann. Als Gerd das Dorf hinter sich gelassen hatte, lag noch der Tau der Nacht auf den Wiesen, aber der Osten erglühte bereits unter der schweigenden Herrlichkeit des wiedergeborenen Lichtes. Die Stille um ihn war unermeßlich. Nur em paar Lerchen trillerten verloren in der klaren Morgenluft, und ein Kuckuck rief trotz der frühen Morgenstunde eifrig und unermüdlich vom Walde herüber. Bei feinem Wiesenstück angekommen, zog er seinen Kittel aus und begann bie Sense zu streichen. Es war so wunderbar, nach dem Erleben ber letzten Monate nun als Urlauber wieder den Frieden zu atmen, der über ber heimatlichen Lanbschast lag. Ein herrliches Gras, bas da gewachsen war! Die Halme gingen ihm weit über hie Knie, unb bas Untergras war dicht wie ein Polster. Das würbe ein Heu geben, wie es reichlicher unb schöner kaum zu denken war. Allenthalben, baß man schon mit ber Ernte begonnen hatte. Nur das Stück des Mutzbauers neben dem seinen lag noch unberührt. Kein Wunder, da der Hannes im Felde war ... Seit bald zehn Jahren nun, daß er mit bem im Streite lag. Es war Sannas, Hannes Frau, wegen gekommen. In ihren Jungmäbchentagen hatte auch er um sie gefreit, sich aber bann hoch für Lohmanns Annegret entschieden. Aber nie, daß der Hannes feine Eifersucht auf ihn hatte überwinden können. So waren sie sich feind geblieben bis auf ben heutigen Tag. Darum war er auch nicht gerabe bös barum geroefen, baß er bem Hannes jetzt nicht zu begegnen brauchte — hatte er hoch gestern von Annegret gehört, daß ber Hannes, in Frankreich verwundet, noch auf lange Zett nicht auf Urlaub kommen werde. Nun, durchkommen würde er schon wieder. Die Mutzbauern waren zäh, Aalhaut war nichts dagegen. Aber ein Unglück kam selten allein, unb da war es gerabe kein Wunder, daß Sanna nach einem verfrühten Kindbett gleichfalls monatelang hatte liegen müssen. War es aber zu begreifen, daß sie Annegret, die sich als Nachbarin verpflichtet gehalten hatte zu chr hinüberzugehen unb ihr oeizu- stehen, aus chrer Kammer wieder hinausgewiefen hatte? Stolz unb abweisend war sie fteilich schon immer gewesen, aber eine hilfsbereite Hand von sich zu weisen, bloß weil bie Männer sich nun einmal nicht aufs Fell gucken konnten? Annegret hatten bie Tränen in ben Augen gestanden, als sie ihm gestern von dem Aufttitt erzählt hatte, ben sie mit Sanna gehabt hatte. Da, kaum daß er zweimal am Stück hinunter ist mit ber Sense, kommt bie Sanna wahrhaftig ben Wiefenweg herauf unb hat auch bie Sense auf ber Schulter. Will sie vielleicht selber barangehen, ihr Wiesenstück zu mähen? Nun, ein Frauenmensch kann viel, mehr als manche glauben mögen. Aber ein Tagwerk Gxasland umlegen, unb bas, wenn man erst von einem schweren Kindbett wieder auf- gestanden ist? Wirklich macht die Sanna vor ihrem Stück Halt, schürzt sich ben Rock noch um ein Stück höher unb beginnt ihre Sense abzustreichen, als müßte bas so sein. Verstohlen blickt Gerb zu ihr hinüber unb hebt banji bie Hand zum Gruß. Aber Sanna ermibert ihn nicht. Die Lippen aufeinanbergeprefct, steht sie ba, bie Falte auf ber Stirn, bie sie immer hat, wenn sie Gerb ober feiner jungen Frau in den Weg kommt. Verlegen beugt sich Gerd wieder über seine Arbeit. Nun ja, wenn sie nicht antworten will auf seinen Gruß, läßt sie es bleiben, denkt er ärgerlich. Zum zweitenmal grüßt er nicht wieder. Es mäht sich nicht allzu schwer in hem butterweichen Gras, aber auf bie Dauer merkt auch einer wie er, was mähen heißt. Da geht es ihm im stillen erst recht ans Herz, wie sich Sunna ba drüben mit ihrer Senfe quälen muß ... Zu dumm eigentlich, bie ganze Feindfchaft. Wenn ihn auch ber Hannes nicht leiben kann, was hat er mit ihr gehabt, bie hoch Hannes Frau geworben ist, haß sie so fremb tut unb Annegret gekränkt unb beleb bigt fjat — ganz ohne Ursache eigentlich, wie sie sich ja selber sagen muß? Sirrenb gehen bie Sensen burch bas tauige Gras. O, sie kann schon mähen, bie Sanna! Das muß ihr ber Reib lassen. Aber nun sie das Wiefenstück einmal hinunter ist mit ihrer Sense, muß sie hoch einhalten unb Luft schöpfen. „Ja, Sanaa, du hast dir doch wohl ein wenig zuviel zu getraut, wie?" sagt Gerd zu sich selber. Nein, was ist denn das? Hat Gerd vielleicht schon einmal jemand gesehen, der nach kaum einer Viertelstund die Sense von sich geworfen und sich hat ins Gras sinken lassen? Erft zögernd, dann schneller geht Gerd zu ihr hinüber. Sie hat das Kinn auf die Brust gesenkt und blickt kaum auf, als er zu ihr tritt. „Ja, siehst du, bas hier ist keine Arbett für dich, Janna", redet er sie an. „Geh lieber nach Hause zu deinen Kleinen. Das Stück hier — ich schaff's schon, mähe es morgen für dich mit ab. Hab ja Urlaub barum gekriegt." „Darum?" fragt Janna und muß sich Mühe geben, baß er ihr bei bem höhnischen Wort bie Atemnot nicht anmerkt, von ber sie befallen wurde. „Wie kämst bu wohl bazu?" „Ich meine, ich wäre als Nachbar doch wohl ber Nächste bazu, erst recht, nun ber Hannes im Lazarett liegt, wie ich gehört habe. Also steh auf unb geh nach Haus. Wenn bie Sonne erst hoch ist, wirb bir bas Mähen erst recht zu sauer werben. Dies hier ist Männerarbeit, unb wenn bu Annegret neulich auch beinahe hinausgeworfen hast, als sie aus gutem Herzen heraus zu dir kam — ich laß mich nicht so bei Seite schubsen, ich nicht, Janna!" Wirklich erhebt sie sich, steht noch einen Augenblick und fühlt feinen Blick, bann geht sie. Sie spricht kein Wort, aber sie geht. Gerd wundert sich im stlllen selber. e Zu Hause aber läßt es ihr keine Ruhe. Immer wieder, daß sie sich dagegen wehrt, aber bann kann sie einfach nicht anbers, sie muß hinüber ins Nachbarhaus, bas sie seit so vielen Jahren nicht mehr betreten hat, unb muß Annegret bie Worte abbitten, mit benen sie vor Wochen die ausgestreckte Hand von sich stieß. „Und nun sollen auch die Männer sich endlich vertragen", sagt sie, „und wenn bem Hannes erst bas Bein wieder heil ist unb er kommt heim, soll sein erster Weg zu euch herüber sein, bafür laß mich nur sorgen", sagt sie und häll der jungen Frau beide Hände hin. VS-SemeiMM M W önröi W Betr. Theater-Sommerring. Die 5. und letzte Ringveranstaltung findet am Samstag, dem 7. September, um 19.30 Uhr, mit dem Schauspiel „3ot)annisfeueru von Sudermann statt. 39270 Einzeln« Karten sind noch im Freioerkauf in un- ■ serer Verkaufsstelle, SelterSweg 60, zu haben. Oer neue Landgerichtspräsident in Gießen. Mit Wirkung vom 1. Oktober 1940 ab wurde, wie wir von der Justizpressestelle beim Oberlandesgericht Darmstadt hören, der Landgerichtsdirektor Dr. Jacobi in Darmstadt zum Präsidenten des Landgerichts für Oberhessen in Gießen ernannt. Er uber= nimmt damit das Amt des kürzlich von Gießen nach Darmstadt versetzten Landgerichtspräsidenten Dr. Colnot. , . . Landgerichtspräsident Dr. Jacobi wurde am 12. April 1895 in Mainz geboren. Im Jahre 1913 legte er am Ludwia-Georgs-Gymnasium zu Darmstadt seine Reifeprüfung ab. Er studierte anschließend die Rechtswissenschaften an den Universitäten Heidelberg und Gießen. Den Weltkrieg machte er als Frontkämpfer vom August 1914 bis Dezember 1918 mit. Für besondere Tapferkeit erhielt er das Eiserne Kreuz 2. und 1. Klasse. Im Herbst 1919 legte er die Fakultätsprüfung ab und bestand im Juni 1922 das große Staatsexamen. Im November 1925 erfolgte seine Anstellung als Amtsgerichts rat in Michelstadt. 1926 wurde er in gleicher Eigenschaft nach Zwingenberg versetzt. Im Dezember 1928 wurde er Hilfsrichter beim Landgericht Darmstadt, und im November 1930 Landgerichtsrat bei der gleichen Dienststelle. Im Juni 1936 wurde er zum Landgerichtsdirektor in Mainz ernannt, und 1937 zum Landgerichtsdirektor in Darmstadt. Zur Zeit ist Landgerichtsdirektor Dr. Jacobi als Feldkriegs- jft Dr. Jacobi als Feldkriegsgerichtsrat in der Heeres- abteilung beim Oberkommando der Wehrmacht tätig. Ortszeit für den 5. September. Sonnenaufgang 6.42 Uhr, Sonnenuntergang 20.04 Uhr. — Mondaufgang 11.03 Uhr, Monduntergang 21.27 Uhr. UeberfäNe auf Mädchen während der Verdunkelung. Don der Kriminalpolizei Gießen wird uns be= richtet: Am 2. September gegen 22 Uhr wurde eine Ve- hördenangestellte auf dem Weg vom Bahnhof zu ihre-r in Der Alicenstraße gelegenen Wohnung von einem jungen Mann verfolgt und von diesem nach Betreten des Hofeingangs tätlich angegriffen. Als sich das Mädchen heftig zur Wehr setzte und um Hilfe rief, ließ der Täter von ihr ab, da Passanten der Ueberfallenen zu Hilfe eilten. Der Bursche entkam im Dunkel der Nacht. Anschließend suchte er sich ein neues Opfer aus. Ebenfalls im Hofe ihrer Wohnung übersiel er eine Hausangestellte, die er am Halse würgte, um sie am Schreien zu hindern. Die Angegriffene riß sich los und versuchte, wegzulaufen. Der Täter sprang ihr jedoch nach, warf sie zu Baden und schlug mit der Faust aus sie ein. Als sie verzweifelt um Hilfe rief, rannte der Täter weg. An der Ecke Ludwig- straße kannte er van einem Mann festgeh allen werden. Der Wüstling wurde der Polizei übergeben. Es handelt sich bei dem Täter um einen 31 Jahre alten verheirateten Mann aus Gießen, der dem Ägend-Wball-VWurmer in Wißmar Spiele. Vorrunde. größte Mül schalten. . p . n 1900 — Wißmar 1:0. Ein selten schönes Spiel, das die 1900er auf Grund ihrer technischen Ueberlegenheit knapp ge- liefert und mit aller Ener«i- gekämpft. Rodheun hatte wiederum Glück, denn die Mannschaft z g zum zweiten Male das Freilos. Daubringen-Alten-Buseckl.0 (nach Verlängerung). Erbittert wurde um den Sieg gekämpft, die ror- perlich stärkere Elf van Daubrmgen hatte große Last, um nach Verlängerung den Gegner auszu- wannen^ , & e _ Frohnhausen 3:0. Die Löhnberger, die als unbestreitbar beste Mannschaft zu gefallen wußten, konnten hier einen hohen Sieg herausholen. , . o A Leihgestern — Fellingshausen 2.1. Obwohl die Spieler aus Fellingshausen sich die größte Mühe gaben, konnten sie doch nicht verhin Sern, daß Leihgestern das Siegestor schoß. 2. Zwischenrunde Löhnberg — Leihgestern 1:0 (nach Verlängerung). Leihgestern wehrte sich sehr tapfer, die Lohnberger hatten aber die größeren Kraftteserven und schossen nach zweimaliger Verlängerung den Siegestreffer. Rodheim — Saubringen 1:0 Aeußerst hart wurde dieser Kampf durchgefuhrt. Die Daubringer setzten alles äuf eine Starte, jedoch konnten sie nicht verhindern, daß Rodheirn nach Verlängerung das entscheidende Tor anbringen konnte. 1900 hatte das Freilos gezogen. Endrunde. Wiederum hatte 1900 Glück, denn die Mannschaft zog zum zweitenmal das Freilos, womit sie zum mindesten den zweiten Sieg in der Tasche hatte. Löhnberg — Rodheim 1:0. Die Mannschaft von Löhnberg hatte stark zu kämpfen, denn die Rodheimer waren fast ausgeruht, während Löhnberg schon drei Spiele geliefert hatte. Lange wogte der Kampf auf und ab, die Löhnberger zeigten Ermüdungserscheinungen, bis es ihnen kurz vor Schluß gelang, das Siegestor zu erzwingen. . Löhnberg — 1900 0:1 (nach Derlangeruna). Mit begreiflicher Spannung sah man diesem Kampf entgegen, denn hier wurde der Sieger des Turniers ermittelt. Die Löhnberger, die trotz vieler harter Kämpfe noch klare Spielvorteile hatten, brachten es nicht fertig, die Hintermannschaft von 1900 zu bezwingen. Nach zweimaliger Verlängerung glückte es Gebauer, durch Ueberraschungs- schuß aus dem Hinterhalt seiner Mannschaft zum Sieg zu verhelfen. Der Turnverein Wißmar hatte es sich nicht neh- men [affen, trotz des Krieges zu einem Blitzturnier aufzurufen, das van den Vereinen fehr gut.beschickt war 3m ganzen hatten 17 Mannschaften chre Meldungen abgegeben, u. a. die G-bietsmeytermann- cha,t von Löhnberg, 1900 Gießen, VfB.-R., Lech- gestern Steinberg und andere. Nach der Auslosung traten die Mannschaften geschlossen unter Doran- tritt der Reichsbund sahne den Marsch zum schon- aeleaenen Sportplatz an. Der rührige Jugendleiter des Vereins, Weber, ließ die Mannschaften an- tteten, und nach der feierlichen Flaggenhissung sprach der Dereinsführer Hermann. .Stafiel- letter Z i tz e r machte auf die Bedeutung des Sportes in Kriegszeiten aufmerksam und gab die Spielbedingungen bekannt. Bald darauf begannen die Frohnhausen — Wißmar II 1:0. Die kleinen Spieler aus WHmar hielten sich zwar tapfer, jedoch konnten sie den Siegestreffer der Frohn- Häuser nicht aufhalten und schieden somit aus dem weiteren Wettbewerb aus. Leihgestern — Staufenberg 2:0. Die Leihaesterner waren dem Gegner in jeder Beziehung überlegen und konnten sich durch zwei Tore für die Zwischenrunde qualifizieren. Daubringen — Vetzberg 2:0. Daubrmgen hatte eine körperlich starke Els zur Stelle und siegte sicher über Vetzberg. Löhnberg — Steinberg 1:0 (nach Verlängerung). Eins der schönsten Spiele lieferten sich beide Mannschaften. Die Löhnberger waren etwas besser, jedoch konnten sie erst nach Verlängerung den Siegestreffer anbringen. Fellingshausen — Rödgen 1:0. Das Spiel wurde sehr hart durchgeführt, durch einen haltbaren Schuß konnte Fellingshausen in die Zwischenrunde gelangen. Alten-Buseck — VfB.-R. 1:0. Die körperlich schwächeren R^ichsbahner spielten zwar technisch sehr schön, jedoch muhten sie sich knapp geschlagen bekennen. ' 1^900 — Krofdorf 3:1. Das torreichste Treffen lieferen sich beide Mannschaften. Den Führungstreffer der Krofdorfer holte 1900 bald auf und konnte bis zum Schluß durch zwei Tore die Ueberlegenheit ausdrücken. Wißmar — Lollar 1:0. Knapp aber verdient sicherte sich der Gastgeber die weitere Teilnahme an den Spielen. Rodheim zog das Freilos. 1. Zwischenrunde. Am Nachmittag begann die Zwischenrunde der Siegermannschaften. Es wurden schöne Spiele ge- Arntsgericht Glesien zugeführt und sofort unter Haftbefehl gestellt wurde. Gießener Schlachtviehmarkt. Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtvieh-Derteilungsmarkt) in der Vishverstei- gerungshalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 40—45,5 Pf., Bullen 39,5—49,5, Kühe 16—44, Färsen 28 bis 44,5, Kälber 35—57, Schafe 26, Hammel 20 bis 35 je Vi kg Lebendgewicht. Ziegen 14 bis 25 RM. pro Stück. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,14 RM., bl (135 bis 149,5 kg) 1,14, b2 (120 dis 134,5 kg) 1,14, c (90 bis 119,5 kg) 1,12, d (80 bis 89,5 kg) 1,06, e—f (unter 80 kg) 1,02, gl (fette Specksauen) 1,14, i (Altschneider) 1,14, g2 (andere Sauen) 1,06, h (Eber) 1,06. Marktverlauf: gut, alles zugeteill. Detriebssporttag bei Schunk & Ebe. Unter starker Beteiligung ihrer Gefolgschaft führte die Firma Schunk & Ebe, Kohlebürsten- und Bürstenhaller-Fabrik, Giesien-Windhof, den von der Deutschen Arbeitsfront angeregten Sommersporttag der Betriebe durch. Von den in Betracht kommenden Altersklassen der Betriebsangehörigen waren rund 54 v. H. zum Sport angetreten; 158 Gefolgt schastsmitglieder unter 18 Jahren schieden von vornherein aus, ebenso 25 Körperbehindert« und hundert Frauen. Nach der feierlichen Flaggenhissung wies Be° triebsfuhrers Schunk auf den Gedanken des Sorn- mersvorttaaes der Betriebe hin und gab feiner De- friebiaung Darüber Ausdruck, schon bei der erften Derartigen Beranftaltung die Gefolgfchaftsmitglieder f0 zahlreich zur Stelle zu sehen. Dann wickelte sich unter Leitung des mit der Wahrnehmung der Sportangelegenheiten beauftragten Gefolgschafts- mttaliedes Wilhelm Bernhard ein abwechflungs- reiches Programm ab. Von den 108 angetretenen Männern starteten 77 zum 800-Meter-Lauf, der in einzelnen geschlossenen Gruppen in der vorgesehenen Zeit in guter Verfassung gelaufen wurde. 91 Mann nahmen sodann in regem Wettstreit die Partnerübungen vor. 58 Mann übten sich im Kugelstoßen, während 28 Mann dem Medizinballspiel oblagen. Anschließend standen sich noch zwei Fußballmannschaften gegenüber, die in 2X15 Minuten ihr Können im Fußball erprobten. Alle Teilnehmer haben die Bedingungen der einzelnen Hebungen in vollem Ausmaß erfüllt. Nach den Hebungen sprach Betriebsobmann Ernst Volkmann, der ebenfalls den wertvollen Gedanken des Betriebssporttages betonte und beson- b>ers hervorhob, daß vom Betriebsführer bis zum jüngst eingetretenen Gefolgschaftsmitglied alle sich mit Freude und Einsatzbereitschaft beteiligten. Die Veranstaltung wurde sodann in der üblichen Weise geschlossen. Amtsgericht Gießen. Der W. F. und der I. N., beide in Allendorf, hatten sich wegen Diebstahls zu verantworten. Sie hatten gemeinschaftlich das Spind eines Kameraden erbrochen und daraus Lebensmittel, wie Speck, Eier usw., sowie Wäsche- und Kleidungsstücke im Gesamtwert von etwa 40 bis 50 RM. entwendet, N. allein hatte von einem Spind einen Walzenrevoloer entwendet. Die Angeklagten waren geständig. Dem Antrag des Anklagevertreters entsprechend wurde F. zu einer Gefängnis st rase von 1 Jahr, N. zu einer Gesamtgefängnis st rase Lon 1 Jahr und 2 Monaten verurteilt. Den Angeklagten wurde je ein Monat und eine Woche Hn- t ersuch ungsh ast auf die Strafe angerechnet. Das Ge- ständnis, die Jugend und die mangelnde Erziehung der AngeÄagten kamen strafmildernd in Betracht. Strafkammer Gießen. Eine Frau aus Friedberg war durch Urteil des Amtsgerichts Friedberg vom 23. Juli wegen falscher Anschuldigung zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten verurteilt worden. Sie war beschuldigt, am 15. Dezember v. I. in Friedberg einen Mann einer strafbaren Handlung beschuldigt zu haben, indem sie anderen Personen gegenüber behauptete, dieser Mann habe gegen eine führende Persönlichkeit des Reichs schwere Beleidigungen ausgesprochen. Gegen das Urteil legte die Angeklagte Berufung ein. In der Verhandlung wurde sie überführt. Der Anklagevertreter beantragte das Urteil aufzuheben und die Angeklagte anstatt der drei Monate zu fünf Monaten Gefängnis zu verurteilen. Die Berufung der Angeklagten wurde verworfen. Es blieb bei den 3 Mo nateü Gefängnis. Schöne Spenden für unsere Verwundeten. 0 Lich, 3. Sept. In Zusammenarbeit der örtlichen Parteidienststelle mit der NS.-Frauenschast und dem NS.-Frauenwerk wurde hier in der ver- ganaenen Woche eine Kuchensammlung für unsere verwundeten Soldaten durchgeführt. Insgesamt konnten einem Gießener Lazarett 393 Kuchen, 40 Flaschen Wein und Obstsaft, 310 Zigaretten und ferner noch Eier, Gelee und einge- mackte Früchte in kleineren Mengen zugeführt weroen. KlausfängleiinenesUhenan Roman von Helene Kalisch Copyright 1939 by Prometheus -Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München 13. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) JJlein. Im ersten Jahr nach meiner Verheiratung hatten wir mal das Unglück, auf dem Müggelsee zu kentern. Es war nicht allzu schlimm, wir konnten uns am Boot festhalten, und Erna ist ja auch eine gute Schwimmerin. Wir wurden aufgefischt. Aber meine Frau nahm mir danach den Schwur ab, nie wieder zu segeln! Jetzt habe ich ein Paddelboot, mit dem ich mich, wenn wir im Sommer das Wochenende in Rahnsdorf verbringen, abends oder in der Sonntagsfrühe hinausrudere." „Na, das ist doch schön, Hans!" Kätes Entgegnung klingt mehr wie eine Frage, weil er das so erzählt, als sei kein bißchen Freude" dabei. „Ja, ja, es ist ganz schön", stimmt er zu und denkt daran, wie er sich damit, wie mit noch so vielem anderen, nur gegen Widerstand, Gerede und dauernde Einmischung anderer durchsetzen kann. Auch daran denkt er, daß er sich die Nacht auf einem blöden Vereinsball um die Ohren geschlagen hat; er denkt, daß er kein Eigenleben mehr besitzt, sondern seit seiner Verheiratung das seiner Frau und ihres verwandtschaftlichen Anhangs mitlebt. „Charakterlos" würde Käte das wahrscheinlich nennen. Er kann ihr nicht erklären, warum es so ist und nicht anders sein kann. Unb er muß das ja auch nicht erklären. Er weiß aber plötzlich: Hierher darf er all das Häßliche nicht tragen! Hier ist die am wenigsten geeignete Stelle, sich mit diesen Dingen auseinanderzusetzen. Don solcher Erkenntnis gedrängt, bricht er seinen Besuch bei der Jugendgefährtin rasch ab. 7. Kapitel. Am Nachmittag ist Bergholz allein in der Wohnung. Seine Frau ist mit ihren Eltern und dem Ehepaar Neumann nach Cladow gefahren. Dorthin sind sie von Bekannten, die sie gestern auf dem Ball getroffen hatten, eingeladen worden. Er hat für seine Person erklärt, sein Kommen nicht versprechen zu können. Erna aber, die sich auf den Besuch in dem Cladower Landhaus freut, hat das nicht ernst genommen. Als sie beim Mittagessen davon-zu sprechen anfängt, und es als selbstverständlich voraussetzt, daß er mitgeht, ist ein Anlaß zu neuem Streit da, denn er erklärt kurz und bestimmt, er denke nicht daran; er sei zu müde. Dennoch wird diesmal die Klippe leidlich umsteuert; es ist ausnahmsweise auf beiden Seiten der gute Wille dazu da. Erna lacht zwar ihren Mann aus und meint, er hätte sich ja vormittags richtig ausschlafen können, wie sie es getan hat, statt stundenlang umherzulaufen. „Gerade das tat mir gut", entgegnet er ruhig. „Ich will aber nachmittags ein paar Stunden Schlaf nachholen." Er redet ihr zu, ohne ihn mitzufahren. Natürlich nimmt sie das übel. Aber sie will sich auf keinen Fall den Nachmittag verderben lassen. Sie besitzt die Fähigkeit, Hnangenehmes von sich zu weisen oder es zurückzustellen, wenn eine Vergnüglichkeit ihrer wartet. Zudem verschanzt sich ihr Gatte heute hinter einer eigentümlich kühlen Höflichkeit, die ihn unangreifbar macht, und die ihr ein wenig unheimlich vorkommt. Vor ungefähr einem Jahr war er yach solchem frosttg-liebenswür- digen, äußerlich korrektem Benehmen mit dem ungeheuerlichen Ansinnen herausgerückt, sich scheiden zu lassen. Es überläuft sie kalt, wenn sie nur daran denkt. Das ist die schlimmste Enttäuschung gewesen, die ihr das Leben bisher gebracht hat. Trotz allen Haders und aller Zerwürfnisse liegt ja ein solcher Gedanke ihr ganz fern. Ihr Mann braucht doch nur „vernünftig" zu fein, bann ist alles gut, meint sie unb alaubt allen Ernstes, bie unheilvolle Kluft, die bas Aneinanbergekettetsein zwischen ihnen aufteißt, sei bamit zu überbrücken.-- „Herrlich! Das Alleinsein", sagt Bergholz zuerst. Aber nach einer Stunbe stellt sich eine Unruhe bei ihm ein, die er, als eine zweite Stunde vergangen ist, kaum mehr erträgt. Es wird zu dunkel zum Lesen. Er stellt das Rundfunkgerät im Wohnzimmer an, wirft sich in einen Sessel, lauscht den Musikklängen und gerät ins Träumen. Wie auf einem Strahlenhintergrunde sieht er bas Bild einer schönen, fesselnden Frau. Seine Phantasie, seine unbefriedigte Sehnsucht gieren nach der Berauschung. Es hat gar keinen Zweck, sich zu wehren unb — wozu auch? Ist benn irgenb etwas ba, bas es lohnte? Merkwürbig, daß eine zage Empfindung bei dieser Erwägung zu Käte Weder schweift. Aber sein Besuch bei ihr unb alles, was er zu ihr gerebet hatte, reut ihn fast. Er meint, ihre ruhige, bunkle Stimme zu Horen: „Es ist eine kleine Erregung, bie vorübergeht. Du wirst bamit fertig werben." Ja — vielleicht. Aber ist bas eigentlich so wün- chenswert? Die Begegnung ist ihm Flucht aus bem Alltag, Auffrischung unb glückhafte Erhöhung ab-- gestandenen Lebensgefühls. Was aber jetzt vor allem für ihn Bebeutung hat: noch ist er nicht bamit fertig! Noch steht er am Anfang eines völlig neuen Erlebens. Der summende Schlag der Hhr tönt in bas zarte Abagio einer Romanze von Tschaikowsky hinein, unb Hans Bergholz ist es, als höre er Dietmuthe Röhl sagen: „Nachmittags um fünf bl;, ich für meine guten Freunde immer zu sprechen Er geht ins Schlafzimmer, kleidet sich hastig um und verläßt das Haus. Jetzt lächelt er darüber, daß er sich von so viel Hemmungen den Weg verlegen ließ, den er doch gehen muß. Er hat Glück; sein Besuch wird angenommen. Dietmuthe Röhl lächelt ihm wie einem guten Freunde zu und sagt ungezwungen: „Nett von Ihnen, daß Sie kommen, Doktor! Ich wollte mich zu morgen bei Ihnen anmelden." Er küßt ihre Hand unb begrüßt dann den Bankier Heibenreich Recht zwanglos unb vertraut nimmt sich das Beisammensein der beiden in der luxuriös und augenscheinlich neu eingerichteten Wohnung der Sängerin aus — Bergholz kann nicht umhin, dies bei sich festzustellen. Fräulein Springer kommt herein, und er begrüßt auch sie. Sie wendet sich an Dietmuthe mit der Frage, ob der Tee hier ober im Eßzimmer getrunken werden soll. Dietmuche dchnt sich in ben f eiben en Kissen der Kautsch. „Hier, Kläre, ich bin viel zu faul, um aufzustehen." Der Teewagen wird hereingefahren. Dietmuthe unb Heibenreich behalten ihre Plätze. Kläre Springer unb Bergholz sitzen in ihrer Nähe. Man trinkt ben Tee aus burchscheinenb bünnen chinesischen Porzellantassen. Bergholz ärgert seine eigentümliche Befangenheit, von ber frei zu werben, er sich vergebens -müht. Frau Röhl unb Heibenreich finb in ein Gespräch vertieft, dessen Inhalt ihn befremdet. Es schwirrt darin von Aktienkäufen und -Verkäufen, von Devisenkursen, Börsennotierungen und Wechselgeschäften. Das ist für ihn keine günstige Gelegenheit, um mitreden zu können. Gelingt es ihm, zuweilen eine Bemerkung einzuftechten — um nicht als stummer Oelgötze dazusitzen — so findet sie von selten des Bankiers keine Beachtung, während Dietmuthe sich zu ein paar zerstreuten Entgegnungsworten herbeiläßt und ihm flüchtig zulächelt. „Hätte man mich lieber abgewiesen. Eine blöde Rolle spiele ich ja hier", denkt er enttäuscht unb versucht, mit ber Kläre Springer ins Gespräch zu kommen. Aber auch bas gelingt nur teilweise. Sie gibt sich völlig farblos, aber er hat bie Empfinbung, von ihr burchschaut zu werben. „Wäre ich nur erst wieber hier heraus!" knurrt er innerlich. Da hören enblich bie Geschäftsgespräche auf, unb Dietmuthe roenbet sich ihm zu. Ihre strahlenbe Liebenswürbigkeit verscheucht seinen Unmut unb auch bie gräßliche Unsicherheit. Man kommt auf bie Zei- tungsbespmchungen ber Tristanaufführung zu sprechen, von Denen sich Dietmuthe im ganzen befriedigt zeigt. Sogar bie eine, bie ihn so sehr in Harnisch gebracht hatte, scheint sie nicht säuberlich zu erregen. Er ist froh über bie Gelegenheit, seiner Entrüstung barüber Ausbruck geben zu können unb tut es grünblich. Unb bann sieht er in brei lächelnbe Gesichter. Dietmuthe hat bas Kinn auf bie verschlungenen Hänbe gestützt; in ihren Augen ist ein Glitzern, wie es manchmal bie Augen ber spielenben Katze haben. Herr Heibenreich hat bie schmalen Lippen einseitig geschürzt, währenb seine unbeweglichen Züge und ber kalte Blick ben immer gleichen Ausbruck bewahren. Selbst in Fräulein Springers kühler, verschlossener Miene zuckt es belustigt. Bergholz schweigt betreten unb bekommt einen roten Kopf. Da sagt Heibenreich: „Wieso regen Sie sich barüber auf, Doktor Bergholz? Diese gebrückte Meinung eines Zeitungsmenschen tut unserer herrlichen Dietmuthe gar nichts? Sie steht barüber! Wenige haben wie sie ben Mut, ganz bas zu sein, was sie in Wirklichkeit finb. Mögen bie anbern nur ihre Unzulänglichkeit mit Gefühl verbrämen. Frau Röhl hat es nicht nötig, sich in Gefühlsunkosten zu stürzen! Nicht wahr, mein Kinb?" Er nimmt ihre weiße Hand unb küßt sie. Sie lächelt ihm zu. . (Forts, folgt.) Seife öchwarMM Alleinhersteller: PJos.Mö6^$2^ Seifenfabriken. Giessen öchwarMeiß 'Bleich-Soda löst über Nacht den Schmutz aus derWäsche und macht hartes Wasser