Nr.Z Erstes Matt 190. Jahrgang Donnerstag, 4.)anuar 1940 Erscheint tag lich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats-Vezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr. . „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Stehen Postscheckkonto: 5rantfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche Univerfitülrdruckerei «.Lange in Siesten. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Vormittags Srnndpretfe für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf. für Textanzeigen von 70 mm Breite 50 Npf. Wiederholung Malstaffel I Abschlüsse Mengenstaffel B Platzvorschrist nach vorheriger Vereinbarung 25 °/0 mehr. Ermäßigte Grundpreise Bäderanzeigen und behördliche Anzeigen von 22 mm Breite 6 Rpf. England sucht Freiwillige für sein Heer. Kein freundliches Echo der neuesten Verfügungen. Amsterdam, 3. Januar. (Europapreß.) Bereits am Mittwoch waren im Zusammenhang mit der amtlich groß angekündigten Verstärkung der englischen Wehrmacht in einem Teil der englischen Presse Zweifel über die Ausmaße der Durchführungsmöglichkeiten dieser Verordnung geäußert worden. Wie berechtigt diese Zweifel tatsächlich sind, ersieht man aus den nun bekannt werdenden Ausführungsbestimmungen, aus denen hervorgeht, daß es sich keineswegs um größere Einberufungen handeln kann. Es ist nur die Liste der bisher als reklamiert geltenden Berufe weitgehend revidiert worden. Aus dieser Überprüfung ergibt sich nun die theoretische Möglichkeit neuer Einstellungen in die englische Wehrmacht. Welche Zahl dabei erreicht werden dürfte, steht noch keineswegs fest, da, wie betont wird, es sich auch hier nur um freiwillige Meldungen handelt. Die amtlichen Stellen haben nun Aufrufe an die waffenfähige Bevölkerung erlassen, sich freiwillig zu melden. Inwieweit diesen ' Aufrufen allerdings Folge geleistet wird, steht durch- : aus in Frage. Der „Daily Expreß" behauptet, daß das königliche Dekret nur Frankreich zu Ge- ; fallen erlassen worden sei. Ein so großes englisches Heer werde gar nicht benötigt, weil die genügend befesttgte und bemannte Maginotlinie bestehe. Zur See und in der Luft trage außerdem England jetzt schon die Hauptlast des Krieges. Die Aufstellung eines großen Heeres würde überdies die industriellen Betriebe schädigen, i Schließlich befinde sich Frankreich dank seiner besseren landwirtschaftlichen Verhältnisse in einer weit i günstigeren Lage als England. Wie man Finnland helfen will. Jede der Westmächte läßt der anderen den Bortritt. Rom, 4. Ian. (Europapreß.) Die geringe Begeisterung, die die Nachricht von der Verstärkung des Heeres in England hervorgerufen hat, wird in Italien nicht ohne Verwunderung verzeichnet. Man findet es merkwürdig, daß England zwar- die Vernichtung Deutschlands als sein Kriegsziel verkündet, daß aber das englische Volk offenbar nicht die geringste Lust verspürt, zur Verwirklichung dieses hochgesteckten Zieles oder gar für die Errich- tung einer „besseren Welt" seine Haut zu Markte zu tragen. Noch merkwürdiger aber, so meint die „Tribuna", mute es an, wenn Blätter wie der • „Daily Expreß" optimistisch erklärten, England habe es nicht nötig, ein großes Heer nach der Maginot-Linie zu entsenden, da die französischen Truppen zur Verteidigung der Grenzbefestigungen ausreichten. Das scheine die in der Welt weitverbreitete Auffassung zu bestätigen, daß Frankreich eines Tages, wenn es „richtig losgehe", den Kriegalleindurchkämpfen müsse. Auch sehe es nicht so aus, als ob England bereit sei, die Hilfe für Finnland über Kriegslieferungen hinaus auch auf die Entsendung von Truppen aus- zudehnen. Offenbar sei der englische Soldat zu wertvoll, um ihn der Vernichtung auszusetzen. In der Tat lassen die aus London hierher gelangten Meldungen erkennen, wie unpopulär in England der Gedanke einer militärischen Hilfeleistung für Finnland ist. Zahlreiche englische Blätter erklären rund heraus, daß eine solche Hilfeleistung zu einer Schwächung der britischen Macht führen würde, und daß diese Hilfeleistung eher Sache der Vereinigten Staaten als die Englands sei. — Die „Tribuna" wirft die Frage auf, ob man in London vermeiden wolle, Sowjetrußland zu reizen, weil man gewisse allbekannte Hoffnungen immer noch nicht aufgegeben habe. In London verlaute, der russische Außenkommissar Molotow habe dem englischen Botschafter S e e d s bei dessen Abschiedsbesuch erklärt, nach Ansicht Moskaus habe sich Großbritannien auf eine ausgedehnte sowjetfeindliche Politik festgelegt, die aufhören müsse, falls die englische Regierung eine Verschlechterung der englisch-russischen Beziehungen vermeiden wolle. In Paris herrscht zwar, wie der dortige Korrespondent der „Tribuna" meldet, eine wahre „W u t k r i s e" gegen Sowjetrußland, aber niemand wisse, wie und wann Finnland die Hilfe gebracht werden solle, nach der alle Welt schreie. Auch in dieser Angelegenheit lasse sich Frankreich von England ins Schlepptau nehmen. Man erkläre, daß Frankreich seine eigene Hilfeleistung sür Finnland von der Großbritanniens abhängig machen werde. Mit anderen Worten, jede der beiden großen Demokratien sage zur anderen: „Hanne- mann! Geh du voran!" Diese Drückebergerei werde selbstverständlich wieder mit den üblichen schönen Phrasen von der englisch-französischen Solidarität und Zusammenarbeit aufgeputzt. Oie plutokratische Kriegshetze. „Die Westmächte wollen die ganze Welt in den Krieg zerren." Moskau, 3. Ian. (DNB.) Die „Krasnaja Swesda" schreibt: „England und Frankreich sind nicht nur am Kriege interessiert, sondern wünschen vielmehr seine Dauer und Ausdehnung auf ein Maximum zu erweitern. Der Gedanke, in Osteuropa einen Krieg zu provozieren, macht den Angreifern dauernd Kopfschmerzen. Wenn sich das englische und das ftanzösische Kommando an der Westfront auf eine Verschleppungs- takttk verlegt, so erklärt sich dies aus dem Wunsch, die eigenen Kräfte nicht zu schwächen, so lange es den Diplomaten nicht gelungen ist, ganz Europa und schließlich die ganze Welt in den Krieg zu zerren. Wenn das englisch-französische Kommando wenigstens ein Stückchen Siegeshoffnung hätte, so würde es nicht davor zurückschrecken, Millionen von Soldaten am Westwall zu opfern. Aber das englisch-französische Kommando hat diese Hoffnung nicht. Hieraus erklärt sich die Tatsache, daß alle Anstrengungen der Alliierten auf eineAus- dehnuna des Krieges hinauslaufen. Die Alliierten haben die Finnen zum Angriff gegen die Sowjetunion veranlaßt in der Hoffnung, tn Nordeuropa die Brandfackel zu entfachen. Sie wollen die skandinavischen und die B a l - kanländer in den Krieg treiben und schließlich die ganze Welt in den Kreis ihrer kriegslustigen Politik zerren." lleue englische Litzenwalze. SmnloseBerdächtigung der klaren deutschen Haltung im finnisch-russischen Konflikt. Berlin, 3. Ian. (DNB.) Das englische Lügenministerium hat sich in seiner Hilflosigkeit neuerdings den finnisch-russischen Konflikt ausgesucht, um Deutschland einer unklaren Haltung zu verdächtigen. So werden zur Zeit von England und Frankreich in die europäische Presse Meldungen lanciert, wonach Deutschland Finnland mit Waffen unter st ütze, während gleichzeitig dieselben Quellen verbreiten, daß Rußland Deutschland um militärische Hilfe gebeten und Deutschland diese Hilfe in Gestalt von Offizieren, Technikern und Kriegsmaterial nach Rußland entsandt habe. Deutschland soll sich also durch Unterstützung nach beiden Seiten gewissermaßen selbst bekämpfen. Bei der Lächerlichkeit dieser Propagandamethoden erübrigt es sich, daraus hinzuweisen, daß alle diese Behauptungen völlig aus der Luft gegrif- f e n sind. Sie beweisen lediglich die plumpe Art, mit der England erneut versucht, die klare deutsche Haltung im finnisch-russischen Konflikt der Zweideutigkeit zu bezichtigen, um hierdurch bei den Neutralen Verwirrung zu stiften xnd sie durch solche dunklen Machenschaften für dke Ziele der Westmächte einzuspannen. Finnisches Küstenfort bombardiert. Helsinki, 3. Januar. (DNB.) Der erste Tag des neuen Jahres verlief, wie der finnische Heeresbericht vom 2. Januar mitteilt, abgesehen von Vor- postengefechten und Artilleriefeuer, aus der Karelischen Landenge verhältnismäßig ruhig. An der Ostgrenze fanden an dem Frontabschnitt ö st - lich des Ladogasees Kämpfe statt. Weitere Angriffe bei Aitojoki und Kuhmo sollen von den Finnen abgewehrt worden sein. An den anderen Frontabschnitten herrschte Patrouillen- und Artillerietätigkeit. Das russische Kriegsschiff „Okto- berrevolutton" bombardierte das Küstenfort von K o i v i st o. Mit Ausnahme lebhafter russischer Fliegertätigkeit war es an der Küste ruhig. Russische Flieger unternahmen u. a. Luft- angrifse auf Turku (Abo) und Oulu (Uleaborg). Die finnische Luftwaffe soll nach dem Heeresbericht Erfolge durch mehrere Abschüsse erzielt haben. Aus dem Suomussalmi - Kampfabschnitt wird berichtet, daß man in zunehmendem Maße unter der Wolfsplage leidet. Ganze Rudel von Wölfen seien durch die Kältewelle in die bevölkerten Ortschaften dieses Kampfabschnittes getrieben worden, wo sie teilweise Menschen angefallen hätten. Mehrere Hunderte von Haustteren, die von den Evkuierten zurückgelassen werden mußten, seien Opfer der Wölfe geworden. England sncht neue KneasschMlähe. Amsterdam, 4. Jan. (DNB.-Funkspruch.) Zu dem finnischen Konflikt und der Stellung, die England und Frankreich ihm gegenüber einnehmen, schreibt „Manchester Guardian", die westlichen Alliierten seien davon überzeugt, daß die Niederlage Finnlands ihrer eigenen Sache sehr abträglich, nicht nur in einem moralischen Sinne, sondern auch in strategischer Hinsicht, sein würde. Die Anwesenheit der russischen Koalition an den Küsten des Nordatlantik — in Petsamo, am Daranger Fjord und in Narwik, an der norwegischen Küste — würde den Verbindungswegen Englands gefährlich werden. Es würde sozusagen eine umfassende Bewegung darstellen, mit der die deutsch-russische Koalition versuchen würde, Großbritannien als Flotten- und Handelsmacht vom Nordosten her zu bedrohen. Gefahren dieser Art seien es, die die Alliierten zwängen, Finnland zur Hilfe zu eilen. Zur gleichen These berichtet „Het Vaderland", man glaube in England nicht mehr an einen leichten Sieg über Deutschland mit Hilfe der Propaganda und der Blockade. Man bereite sich auch jetzt auf einen harten Kampf mit den Waffen vor. Dieser Kampf mtt den Waffen könne sowohl auf See als auch in der Luft ausgetragen werden, vielleicht aber auch an Land, wenn das auch nicht an der Westfront sei. Daß England Finnland und damit sich selbst verteidigen werde, erachte man in London als sicher. Man sage sogar, daß diese Hilfe an Finnland ansehnlichen Umfang annehmen werde. Es bleibe aber für England eine Schwierigkeit. Denn England könne sein Material nicht auf direktem Wege nach Finnland schicken, da die Russen die finnischen Häfen im Norden beherrschen und Deutschland die Ostsee geschlossen halte. Die Anfuhr müsse demgemäß über Skandinavien durchgeführt werden. In England sei man davon überzeugt, daß Schweden und Nor wegen dabei gerne m i t - arbeiteten, doch sei es auffallend, daß diese Staaten auf die in Genf gestellte Frage noch keine Antwort gegeben hätten, nämlich, was Norwegen und Schweden zur Hilfe Finnlands zu tun gedächten. Die englische Diplomatie scheine eifrig am Werk zu sein, die nordischen Staaten zu einem schnelleren Entschluß zu bringen, wobei auch davon gesprochen werde, daß Großbritannien den beiden Ländern Garantien gegen einen eventuellen russischen und deutschen Versuch gäben, die Durchfuhr des Materials zu stören oder aus dieser Durchfuhr Schlußfolgerungen zu ziehen, die für die nordischen Staaten unangenehm seien. Für Stockholm und Oslo liege die Schwierigkeit darin, daß die Annahme einer englischen Garantie in Moskau und Berlin auch als ein E i n s ch w e n- ken in die Front der Alliierten angesehen werden könne. politikimAahenOneni. So sehr die englische Politik sich abmüht, Südosteuropa in einen Kriegsschauplatz umzuwandeln, so wenig ist sie daran interessiert, die machtpolitischen Gegensätze in Vorder- und Mittelasien aufzurollen. Es ist kennzeichnend, daß die englische Propaganda dafür gesorgt hat, die Nachricht überallhin zu verbreiten, daß angeblich i n - dische Truppen in Frankreich eingetroffen sind, um die eherne Phalanx gegen Deutschland verstärken zu helfen. Das soll offenbar den Eindruck erwecken, als gäbe es für England keine indische Sorge, als sei es gelungen, die Oppositton der indischen Nationalisten zum Schweigen zu bringen. So wird mit Nachdruck betont, daß die Revolte in Waziristan bedeutungslos sei, daß insbesondere von außen her nichts geschehen könne, um den Unruheherd auszuweiten. Dies „von außen her" richtet sich unmißverständlich gegen Moskau, denn es gibt in Moskau nicht nur ein Institut, das sich mit indischen Fragen sehr eindringlich beschäftigt, es ist auch kein Geheimnis, daß gewisse Beziehungen zur indischen Kongreßpartei vorhanden sind. Es wird wohl richtig sein, daß, wenn England alles vermeidet, was nach einem Afftont gegen Moskau aussieht, dies damit zusammenhängt, daß die englische Politik zunächst wenigstens keine Zusammenstöße irgendwelcher Art mit Moskau gebrauWeltpolttik an der Jahreswende. Unsere Ausländskorrespondenten berichten. Litauen. Von unserem ^Korrespondenten. K o w n o, Dezember 1939. Der Rohstoff für jeden Nagel, für jedes Hufeisen, für jede Schaufel, der in Litauen verwendet werden, muß aus dem Auslande hereingebracht werden, denn das Land verfügt über keinerlei eisenschaffende Produktion und nur über dürftige Ansätze einer Eisenverarbeitung. Sieht man von den spärlichen Lagen eines wenig heizkräftigen Torfes ab, besitzt Litauen keinerlei Brennstofflager. Kraftstoffe einschließlich Petroleum, das bei der wenig dichten Elektrifizierung des flachen Landes das hauptsächlichste Beleuchtungsmittel darstellt, müssen einge- führt werden. Ausgenommen die holzverarbeitende Industrie beruht die in ihrer Leistungs- und Anpassungsfähigkeit zumeist unansehnliche industrielle Erzeugung auf ausländischen Rohstoffbezügen. Kurz gesagt: Der industrielle Wirtschaftsteil des Landes ist in hohem Maße einfuhrbedingt, und da- irtit auch die Versorgung der Bevölkerung mit Industriegütern. Nach Schaffung des selbständigen Staates hat Litauen, dieser seiner wirtschaftlichen Struktur Rechnung tragend, nicht ohne Erfolge den Versuch unternommen, bas zur Erhaltung der Währungsstabilität erforderliche Maß an Einfuhrgütern durch Veredlung seiner landwirtschaftlichen Erzeugnisse und durch Ausfuhr dieser Veredlungsprodukte bereitzustellen. So entstand in der landwirtschaftlichen Erzeugung eine weitgehende Einstellung auf die Ausfuhr. Ein- und Ausfuhrgrundlage waren, wenn auch die Mengen im Laufe der letzten Jahre erheblichen Schwankungen unterworfen waren, die Nachbarstaaten nur in beschränktem Umfang. Gerade die landwirtschaftliche Der- edlungserzeugung hat sich vielfach den Bedürfnissen des englischen Marktes angepaßt. Und die Dezugsländer für industrielle Rohstoffe und Erzeugnisse bildeten wieder in breitem Umfange England und Uebersee. Bei dieser Struktur des Außenhandels mußten die englisch-französischen Blockade- maßnahmen für Litauen einschneidende Folgen nach sich ziehen. Die U m st e l l u n g der Wirtschaftsbeziehungen auf erreichbare Märkte ist so zu einem der Hauptprobleme der litauischen Politik geworden. Daß es nicht das Hauptproblem darstellt, ist darauf zurückzuführen, daß das Jahr 1939 von Litauen einen durchgreifenden Umbau des gesamten Staates gefordert hat. Dreifaches ist sehr wesentlich: Im März erfolgte die Rückgliederung des Memelgebietes, am 10. Oktober hat Litauen mit der Sowjetunion einen Beistandspakt abgeschlossen, der dem Staate die Rückgliederung der Stadt Wilna mit einem Teil des Wilna-Gebietes brachte, aber auch in bestimmen Sphären des staatlichen Lebens eine enge Verzahnung zwischen diesen beiden Staaten zur Folge hatte. Die Durchführung der Rückgliedrung des Wilna-Gebietes ist heute das Problem, das Kaunas am stärksten beschäftigt, weil hier dringlich eine Reihe von Eingelfrageü auf politischem, wirtschaftlichem und administrativem Gebiet zu lösen ist. So ist im gegenwärtigen Zeitpunkt der Blickpunkt nach Wilna verlegt, zumal die Reorganisation dieses Gebietes bisweilen die Lösung anderer Probleme für den Augenblick erleichtert. Die Stauungen, die sich durch den Wegfall bestimmter Auslandsmärkte in den landwirtschaftlichen Veredlungsindustrien ergeben hätten, konnten dadurch teilweise zum Abklingen gebracht werden, daß die Ueberschüsse in das Wilnaer Zuschußgebiet nicht nur abgeleitet werden konnten, sondern sogar in raschem Tempo abgeleitet werden mußten, um in der Uebergangszeit der Bevölkerung ein Lebenshaltungsminimum zu sichern. Bisher ist jedoch nur die Lösung von Uebergangsproblemen ein- leitet. Litauen muß sich in einem neuen außenpolitischen Rahmen auf einer neugeschaffenen innerpolitischen Grundlage einrichten. Hier sind am Ende des Jahres 1939 die Dinge noch durchaus im Fluß. Aeue Grundlagen in Lettland und Wand. Von unserem Ri.-Korrespondenten. Riga, Dezember 1939. Wenn auch der Wirtschaftsapparat Lettlands und Estlands vielseittger ist als der Litauens, wenn er auch vielfach auf einer höheren Stufe steht als dies in dem der Bevölkerungszahl nach größtem baltischen Staat der Fall ist, so ist doch in wirtschaftlicher Hinsicht die Problemstellung gleichartig. Estland und Lettland sind in ihrer industriellen Rohstoffversorgung gleichfalls auf das Ausland angewiesen. Es ist daher nicht ausschlaggebend, daß Estland in seinen Oelschieferlagern eigene Heizstoffbestände besitzt, daß Lettland und Estland die Elektrifizierung weiter fortgetrieben haben, also die eigenen Energiequellen stärker erschlossen haben als Litauen. Auch in diesen beiden Staaten bedeutet die englisch-französische Blockade eine schwere Störung des Wirtschaftsprozesses, die, wenn sie nicht das ganze Staatsgebilde auseinandersprengen soll, nur durch eine Umgestaltung der Marktbeziehungen durch ihre Anpassung an die neuen politischen Gegebenheiten beseitigt werden kann. Auch in diesen beiden Staaten ist die Außenhandelsfrage nicht das einzige dringliche Problem, das die Staatsführung lösen muß. Ein Umbau des Staates, wie er in Litauen notwendig ist, ist zwar hier nicht erforderlich. Zwei Problemaruppen stehen jedoch im gleichen Range zu dem Außenhandelsproblem. Dies ist einmal der Beistandspakt, den Estland und Lettland gleich Litauen mit der Sowjetunion abgeschlossen haben. Er hat auch diesen beiden Staaten ständige sowjetrussische Garnisonen gebracht und damit, gleich Litauen eine enge Verzahnung zwischen der eigenen Politik und der der Sowjetunion, wobei diese Verzahnung weiterhin auf die außenpolitische Sphäre beschränkt bleiben soll. Dann ein Zweites: Die deutsche Volksgruppe Estlands und Lettlands ist ins Reich heimgekehrt. Damit ist diesen beiden Staaten die Möglichkeit gegeben, ihre alte Forderung nach Errichtung eines totalen estnischen und lettischen Nationalstaates der Verwirklichung näherzubringen. Rücksichtnahme auf die deutsche Volksgruppe ist nicht mehr notwendig, denn nach der Rücksiedlung gibt es hier keine deutschen Volksgruppen. In welcher Form sich Riga und Reval mit den anderen nichtdeutschen Volksgruppen auseinandersetzt, ist eine Angelegenheit, an der das deutsche Volk unmittelbar nicht mehr interessiert ist. Das Herauslösen der deutschen Volksgruppe aus diesen Staaten, deren Bedeutung durch chre wirtschaftliche und kulturelle Leistungsfähigkeit weit über ihre zahlenmäßige Stärke hinausgeht, schafft jedoch in diesen Staaten ein Vakuum, das nunmehr das estnische und lettische Volk v o n s i ch aus wird ausfüllen müssen. Es wird dies, seinem eigenen Wunsche entsprechend, durch eigene Kraft auszufüllen haben. Nachdem am 15. Dezember die letzten Baltendeutschen diese beiden Staaten verlassen haben, wird das estnische und lettische Volk in jene Position einrücken können, die Deutsche in jahrhundertelanger Arbeit geschaffen haben. Englisch-französische Geschäftigkeit in Damaskus und Ankara. Rom, 3. Januar. (Europapreß.) Die Maßnah- men Englands urtb Frankreichs gegenüber den an« geblich der Türkei, dem Irak und dem Iran sowie Afghanistan drohenden Gefahren werden laut einem Bericht der römischen Morgenpresse im Nahen Osten mit fortdauerndem, wachsendem und lebhaftem Interesse verfolgt. Die Vorbereitungen zu einer militärischen Expedition, deren Leitung dem 71jähri- gen General Weygand übertragen worden ist, haben nach einem Bericht des „Messaggero" aus Damaskus chren Höhepunkt erreicht. Aus Palästina sind zahlreiche englische Offiziere in Damaskus eingetroffen, die dem französischen General st ab zugeteilt worden sind. General de Arbonneau vom französischen Generalstab ist zu Besprechungen in Ankara ein« getroffen. Ferner trafen zu dem gleichen Zweck 3 m ei englische General st absoffi z i e r e m der türkischen Hauptstadt ein. Lächerliche Manöver. Der erste Offizier der von Churchill versenkten „Atherria" erhielt eine Ordensauszeichnnng. Berlin, 3. Jan. (DNB.) Wie London soeben meldet, hat der Erste Offizier des Damp« fers „A t h e n i a", der bekanntlich von Herrn Churchill am zweiten Kriegstag versenkt wurde, eine Ordensauszeichnung bekommen. Mit dummdreister Stirn wärmt der Londoner Rundfunk in diesem Zusammenhang die freche Lüge wieder auf, daß die „Athenia" von einem deutschen U-Boot versenkt worden sei. nachdem die Rechtsobteilung des amerikanischen Staatsdepartements erst dieser Tage nach einer eingehenden Untersuchung des „Athenia"-Falles feststellen mußte, daß die englische Behauptung, ein deutsches U-Boot habe dos Schiff versenkt, völlig abwegig sei, da die „Athenia" durch eine innere Explosion zerstört wurde. Warum der Erste Offizier der „Athenia" eine Propaganda-Auszeichnung erhielt, wissen wir allerdings nicht. Vielleicht war er für die vom amen» konischen Untersuchungsausschuß festgestellte „innere Explosion" verantwortlich. In diesem Falle hätte er allerdings die Menge des Sprengstoffes besser bemessen müssen, denn bekanntlich trieb die ,.9(thenta" noch 14 Stunden nach der Explosion an der Meeres« Oberfläche und drei englische Zerstörer mußten erst das von Herrn Churchill befohlene verbrecherische Werk durch Granatschüsse in den Rumpf des Dampfers vollends vollenden. Auch Australien stellt Ll-Aootfallen. N e u y o r k, 4. Jan. (Europapreß.) Der von England bereits im Weltkriege und auch in diesem Kriege wieder beliebten völkerrechtswidrigen Verwendung von sogenannten U-Boot-Fallen will sich nun auch die australische Regierung anschließen. Nach einer Meldung der „New $orf Times" wer- ben alle australischen Handelsschiffe chen kann. So erklärt es sich auch, daß offensichtlich aus englischer Quelle zuerst Nachrichten darüber aufgetaucht find, daß in A fg h a n i st a n die Mobilmachung angeordnet sei, daß insbesondere die Grenze gegen Sowjetrutzland stark befestigt und besetzt werde. Das soll andeuten, daß ein Vorstoß gegen Indien über Afghanistan gehen müsse, das aber nicht geneigt sei, seine Neutralität aufzugeben oder gar sich gegen England zu kehren. In Wirklichkeit ist es aber so, daß England mit allen diplomatischen und politischen Mitteln danach trach- tet, das indische Problem so weit wie möglich aus- zuschalten, jedenfalls alles zu tun, um jede Derschärfuna zu verhindern. Die englischen Staatsmänner wissen genau, daß das Empire hier gefährdet ist, daß diese Gefahr riesengroß werden muß, wenn von außen her auf dies Problem einge- nrirtt njirb. Aber das Empire ist nicht nur von Indien her gefährdet, wo die nationalistische Kon- greßpartei eine Lösung vorbereitet, die bestimmt nicht im Sinne des englischen Imperialismus ist. Das Empire ist auch gefährdet durch Verlagerungen um den Persischen Golf. Denn die Oelquellen im Iran und im Irak sind es, auf die sich die machtpolitische Stellung des Empires im Nahen und Fernen Osten und damit überhaupt stützt. Offenbar rechnet die englische Politik damit, daß die Delleihingen über Syrien und Transjorda- nien nach den Häfen in Palästina nicht gegen alle Angriffe und Zufälligkeiten auf die Dauer geschützt sind. Daher die Meldungen über Koweit und Ibn Saud, aus denen hervorgehen soll, daß es England gelungen ist, sich hier eine Rückversicherung zu ichaf- ftn. Ob das tatsächlich der Fall ist, steht noch nicht ohne weiteres fest. Denn im arabischen Raum drängen sich so viele Gegensätze und Reibungsflächen zusammen, daß es mit einem einfachen Kunstgriff nicht getan fein kann, hier alles so zu lenken, wie das für England Vorteil hat. England kann keine Unruhen in Indien brauchen. Denn dies wird unvermeidlich von starken Rückwirkungen im Nahen und Fernen Osten sein. Um Unruhen in Indien zu vermeiden, um vor allem Sowjetrußland zu beschäftigen, müht sich die englische Politik verzweifelt ab, aus Südosteuropa eine neue Kriegszone zu machen. Die Enthüllungen darüber, daß die Westmächte schon im Frühjahr den Plan gefaßt hatten, die sog. GarantiefürRu- mä n t e n in dem Sinne wirksam werden zu lassen, daß die O e l q u e l l e n z e r st ö r t werden können, ist ein Beweis dafür, wie umfassend die Einkreisung gegen Deutschland angelegt worden mar. Im Frühjahr und Sommer rechneten die Plutokratien doch immer noch damit, S o w j e t r u ß l a n d in dem Ring um Deutschland das Schlußglied bilden zu lassen, so daß eine Zerstörung der Oelquellen in Rumänien Deutschland diese Möglichkeit nehmen müßte, sich mit Treibstoffen zu versorgen. Aber England kann einen Krieg in Südosteuropa gebrauchen, es will ihn sogar, um Sowjetrutzland abzulenken und zu beschäftigen sowie Deutschlands Außenhandel mit den Balkanstaaten und darüber hinaus lahmzulegen. Ein Krieg auf dem Balkan würde sich wohl nicht lokalisieren lassen, sondern auf Kleinasien, auf die Türkei, hinübergreifen. In Syrien sind dafür schon Vorbereitungen getroffen; der alte General W e y g a n d galt immer als militärischer Spezialist für den Nahen Orient. England hat viel zu spät entdeckt, daß der Ring um Deutschland sich nicht nur nicht hat schließen lasten, es sind vielmehr solche Lücken vorhanden, die das Empire unmittelbar gefährden. Englands Absicht, den totalen Krieg gegen Deutschland in Form einer allgemeinen Blockade zu Wasser und zu Lande $u organisieren, ist gescheitert, ist auch nicht wieder einzu- renlen durch den Handelskrieg gegen die Neutralen. D. D. Dreimal Lustkampf, dreimal Lufisieg. Neujahrsgruß des Jagdgeschwaders Schumacher au England. DNB. ...» 3.Jan. (PK) Ein aufregender Luft- kämpf, bei dem, wie bereits gemeldet, Drei englische Flugzeuge vernichtet wurden, spielte sich am Dienstagnachmittag in der Deutschen Bucht ab. Der „Wer von Friesland" gibt hierzu einen ausführlichen Bericht von diesem Neujahrsgruß des bekannten Jagdgeschwaders Schumacher an England. Schwarmführer Leutnant H., den wir auf einem Flughafen dicht an der Nordsee- küste trafen, erzählte über den Luftkampf folgende Einzelheiten: „Am Dienstagnachmittag flog ich mit vier Zerstörern vom Typ M e 110 Sperre bei Helgoland. Plötzlich erhielt ich durch Funk den Befehl, auf West bis Nordwest zu gehen. Unsere Maschinen schlugen sofort den neuen Kurs ein und hielten eine durchschnittliche Höhe von 3—4000 Meter. Zuweilen stießen wir bis auf 6000 Meter hoch, doch herrschte dort st a r k e r D u n ft. Kein Engländer würde darin fliegen. In dieser Annahme gingen wir wieder auf unsere alte Höhe zurück. Längere Zeit flogen wir so in dem uns zugewiesenen Raum etwa 80 Kilometer westlich von Helgoland, ohne etwas zu finden. Als ich kurz West bis Südwest fliegen ließ, bemerkte ich plötzlich in weiter Entfernung drei dunkle Punkte, die ich zuerst für deutsche Aufklärer hielt. In einem Kilometer Entfernung jedoch erkannte ich an dem spitzen hohen Leitwerk englische Vickers-Wellington-Maschinen, die ich schnell anflog, um mich über ihre Bewaffnung zu unterrichten und danach meinen Angriff KU fliegen. Nur ein weißer Ring deutete das englische Hoheitsabzeichen an. Alles andere verschwand in der braungrünen Tarnungsfarbe. Die Engläner hatten uns längst gesehen, kümmerten sich aber kaum darum, sondern flogen in Ostrichtung weiter. Ihr Ziel war anscheinend Helgoland. Ich ging sofort zum Angriff über, erhielt dabei starkes Abwehrfeuer. Feldwebel F. war indes auf den mittelsten Engländer gestoßen und hatte ihn in kurzer Zeit erledigt. Die beiden Engländer flüchteten nun in leichter Rechtskurve nach Süden. Erneut griff ichan und schoß dem einen aus nächster Nähe eine Ladung in die rechte Tragfläche, worauf der Gegner a b r u t s ch t e. Im Notwurf warf er noch etwa acht bis zwölf Bomben aus der Maschine, die auf dem Wasser explodierten. In Steilkurve folgte 'ch ihm und sah, wie er senkrecht auf das Wasser aufschlug und bald versank. Ich selbst hatte acht Treffer in meiner Maschine. Mit nur einem Motor flog ich nach Hause zurück, wo die Begeisterung über den neuen Luftsieg natürlich groß war. Und nun erzählt Feldwebel F. von fernem 7. Luftsieg. Noch ist sein Gesicht frisch vernarbt von den Splittern, die englische Kugeln aus seiner Maschine rissen, lieber 20 Einschüsse weist sie auf, hauptsächlich ist die Kabine getroffen. Der Bordfunker Unteroffizier P. erhielt einen Schuß in das Bein und wurde durch Metallsplitter an Oberkiefer, Kinn, Nase und Mund verletzt. Feldwebel F. schildert seinen Luftkampf folgendermaßen: Als ich die Engländer sah und als solche erkannte, setzte ich mich hinter sie und griff sie an. Das vereinte Abwehrfeuer der Heckschützen der drei Maschinen traf naturgemäß meine Maschine zuerst, doch stürzte ich mich entschlossen auf den Gegner und nahm mir den mittelsten auf bas Korn. Innerhalb kurzer Zeit explodierte er in der Lust und flatterte aus 3500 Meter auf das Wasser. In nächster Nähe beobachtete ich seinen vollständigen Untergang. Mit einem Motor — der andere war mir gleich dem meines Schwarmführers zerschossen worden — brachte ich meine Maschine glücklich über die Nordsee zum Flughafen, wo wir uns alle natürlich zuerst um den verletzten Kameraden bemühten. Auch der Gefreite G., der sich mit 15 Feind- flügen bas Eiserne Kreuz bereits in Polen geholt hat, war bei diesem Kampf mit einem Abschuß beteiligt. Er sah den letzten Engländer fluchtartig den Kampfraum verlassen und jagte ihm nach. Aus fast 4000 Meter Höhe war der Gegner mehr als 3000 Meter hinab gestoßen, doch alles half ihm nichts mehr. Schon beim ersten Angriff stürzte er zerschossen hinab und klatschte schwer auf die Wogen der Nordsee, darin jeder englische Flieger, der sich der deutschen Küste zu nahe wagt, sein Grab finden soll. Das jedenfalls ist der feste Will« aller Flieger des ruhmreichen Jagdgeschwaders Schumacher, das hier Tag und Nacht an der Nordsee die Wacht hält. Lehmann. Iliegerhumor in den Staffelzeichen. ——"-""'S Auch die Maschinen der Sieger in der großen Luft» schlacht über der Deutschen Bucht zeigen die verschiß benften Staffelzeichen, in denen der Witz und Humor zur Geltung kommen. Unser Bild zeigt Leutnant Schmidt, der in der Luftschlacht ebenfalls einen Abschuß erzielen konnte, vor einer Maschine, die als Staffelzeichen den Kölner Fastnachtsruf trägt — (Scherl-Bilderdienst-M.) mit Geschützen ausgerüstet. Das Kaliber wird zehn Zentimeter betragen. Daß dieser völkerrechtswidrige Akt Australiens von Deutschland gebührend beantwortet werden wird, dürfte auch den Australiern klar sein. „Verletzung d?r Haager Konvention." Washington protestiert in London gegen Beschlagnahme amerikanischer Post. Washington, 3. Jan. (DNB.) Die amerikanische Regierung hat gegen die Beschlagnahme amerikanischer Post aus neutralen Schiffen durch die Engländer p r o t e st i e r t. Die USA.^e- gierung gebe das Recht der englischen Regierung zu, Privatpost zu zensieren, die aus britischen Gebieten kommt oder dorthin bestimmt ist oder Privatpost, die auf normalem Wege durch britische Gebiete zur Weiterleitung an das Endziel läuft. Die U8A.-Regierung könne jedoch nicht irgend ein Recht der englischen Behörden anerkennen, m amerikanische Post a u f amerikanischen ober anderen neutralen Schiffen a u f See einzugreifen, noch könne sie das Recht der englischen Regierung anerkennen, Post auf Schiffen zu zensieren, die u n f r e i m i I • l i g brittfche Häfen anliefen. Die 11. Haager Konvention stelle fest, daß der Postverkehr von Neutralen oder Kriegführenden auf hoher See unverletzlich sei. Die aleiche Regel gelte auch für die Post auf Schiffen, die von englischen Behörden gezwungen werden, in britische Häfen zu gehen. Är- tikel I der Konvention bestätige, daß, wenn Schiffe angehalten werden, die Post von den anhaltenden Behörden mit geringstmöglicher Verzögerung weiterzuleiten ist. Die USA.- Regierung betrachte als besonders unzulässig, Vost von Schiffen zu nehmen, welche direkt zwischen Amerika und neutralen europäischen Häfen verkehren und welche durch englischen Zwang veranlaßt werden, bestimmt britische KonttoMattonen anzu» laufen. Hierin erblicke die USA.^egierung eine klare Verletzung der Immunität, die in der Haager Konvention vereinbart wurde. Die USA.-Regierung müsse entschieden protestieren und die Hoffnung aussprechen, daß diese Methoden auf- hören. Innenpolitische Probleme in USA. Washington, 3. Jan. (Europapreß.) Zum erstenmal seit Monaten treten die außenpolitischen Fragen in Washington angesichts der am Mittwoch erfolgenden Eröffnung der letzten Sitzungsperiode des nordamerikanischen Kongresses vor der im November erfolgenden Präsidentenwahl in den Hintergrund und das Jnteresie konzentriert sich völlig auf die Innenpolitik. Bei ben Regierungsanhängern besteht größtes Jnteresie, die Dauer der Sitzungsperiode möglichst zu beschränken, um ;u verhindern, daß die Opposition die Kongreßsitzung zu wahlpolitischen Reden und taktischen Manöoem benützt. Es erscheint jedoch zweifelhaft, ob die Regierungsanhänger hiermit durchdringen, da die Republikaner s ch ä r f ft e Opposition gegen drei auf der Tagesordnung stehende Punkte angekündigt haben. Es handelt sich um die Verlängerung des Handelsvertrags- Gesetzes, das im Juni abläuft, und die Regierungsvollmachten, zweiseitige Handelsverträge ohne Zustimmung des Senats abzuschließen sowie um das' Anti-Lynch-Gesetz, bas der Bundesregierung die bisher fehlenden und bereits mehrfach abgelehnten Vollmachten zur bundesstaatlichen Verfolgung der in ben Südstaaten häufigen Lynch- verbrechen geben soll und schließlich um die nach republikanischer Ansicht zu große Höhe des W ehret a t s. Besonders bei der Debatte des Anti-Lynch- Gesetzes dürfte es zu scharfen Auseinandersetzungen kommen, da diese Vorschläge von den Südstaaten als schwerste Eingriffe in die einzelstaatlichen Rechte angesehen werden und die Wahl zahlreicher Abgeordneter aus ben Sübstaaten, die bas Ergebnis der Präsidentenwahlen ausschlaggebend beeinflussen dürften, von ihrer Stellungnahme zu dieser Gesetzesvorlage abhängt. Flak-Artillerie steht immer bereit W ■x. > 's -JA ■ L Z > t > v^x * & Mit einer unglaublichen Hartnäckigkeit versuchen die Engländer immer wieder, in die Deutsche Bucht einzufliegen, obwohl sie noch jedesmal mit größten Verlusten abgewiesen wurden. Entweder werden sie durch unsere Flak-Batterien vertrieben ober durch unsere Jäger vernichtet, wie eben erst, als drei modernste britische Dickers-Wellington-Bomber von den Mesierschmitt-Maschinen restlos abgeschossen wurden. — Unser Bild zeigt Flak-Artillerie unter dem Tarnungsnetz im Fliegerhorst des Geschwaders Schumacher. Auch sie ist bereit, etwa vereinzelt durchbrechenden Engländern einen heißen Empfang zu bereiten. (Scherl-Bilderdienst-M.) WiefichdasHapag-Motorschiff„Gt.Louis" nach der Heimat durchschlug. Das 16 700 Tonnen große Motorschiff „St. Louis" der Hamburg-Amerika-Linie in seinem Heimathafen Hamburg. — (Scherl-Bilderdienst-M.) ' 1 M * ... $ am bürg, 3. Jan. (DNB.) Am Neujahrstage ist das Ha pag-Motorschiff „St. Louis" nach mehrmonatiger Abwesenheit nach Hamburg zurück- gekehrt. Dtt Kunde, daß das letzte der fünf großen Passagierschiffe der Hamburg - Amerika ° Lime im Nordamerikadienst unter Führung des Kapitäns Gustav Schroeder wieder im Heimathafen ist, bat in ganz Deutschland große Freude erweckt. Es war im Mai des vergangenen Jahres, als das Schiff ben Hamburger Hafen mit dem Ziel Havanna verließ. An Bord befanden sich jüdische Emigranten, die aber in Havanna nicht cm Land gehen konnten, da die kubanische Regierung die Einreise verweigerte. Das Schiff nahm nun von Havanna KursnachAntwerpen. Hier gingen die Mischen Emigranten von Bord, sie wurden auf verschiedene europäische Länder verteilt. Die „SL Louis" dampfte nun nach Neuyork, um ßXAt arammgemäß mehrere Dergnügungsrei« fen nach Westindien durchzuführen. In Neu- york wurde das Schiff vom Ausbruch des Krieges überrafckt. Es gelang Kapitän Schroder mit dem Schiff, Neuyork zu verlassen und einen neutralen Hafen anzulaufen. Schon am 27. September kehrte der größte Teil der Besatzung mit der „Ozeank" glücklich nach Hamburg zurück. An Bord der „St. Louis" blieben 48 Mann, in der Hauptsache Deck- und Maschinenpersonal. Ende Dezember wurde die H e i m r ei s e nach Hamburg an» getreten. Die Fahrt dauerte mehrere Tage. Es herrschte außerordentlich schlechtes Wetter. Wiederholt fegten Schneeftürme über das Schiff hinweg, aber die Reife verlief glatt. Am Reu- fahrsmorgen wurde der Hamburger Hafen erreicht. Der Betnebsführer der Hapag, Dr. Hoffmann, sprach Kapitän und Besatzung die herzlichen Glückwünsche zur glücklichen Heimkehr aus. Der Wehrmachtsbericht vom Mittwoch. BetHn, 3. Jan. (DNV.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: An der Westfront geringe Artillerie- und Spähtrupptätigkeit. Grenzüberwachungs- und Aufklärungsflüge. Bei dem Versuch, in die Deutsche Bucht einzufliegen, wurden drei britische Vickers-Wel- lington-Bombenflugzeuge modernster Bauart von deutschen Wesserschmitt Flugzeugen a b - geschossen. Auf deutscher Seite sind Verluste nicht eingetreten. Die Berkehrsorganifation in der Kriegswirtschaft. In der „Deutschen Volkswirtschaft" zieht Reichs- oerkehrsminister Dr. Dorpmüller eine Bilanz unserer Verkehrsorganisation in der Kriegswirt« schäft. Die Abwehr der Blockade und die Erfüllung der Aufgaben der Kriegswirtschaft sei 3U einem wichtigen Anteil ein Verkehrsproblem. Die Deutsche Reichsbahn hat es sich zur Pflicht gemacht, den Güter» und Personenverkehr mit dem neutralen Ausland trotz des Aufmarsches im Osten und Westen sofort nach Kriegsbeginn wieder zu normalifieren und weiter auszubauen. Sie hat neben den Eisenbahn Pionieren der Wehrmacht in den ehemaligen polnischen Gebieten ein großes Aufbauwerk durchgeführt und damit auch den Zugverkehr mit Sowjet-Ruß. land wieder in Gang gebracht. Trotz der starken Inanspruchnahme chres eigenen Güterwagenparks hat sie für Transporte aus den Ländern des Donauraumes und des Balkans den fremden Eisenbahnverwaltungen Güterwagen zur Verfügung gestellt. Der Güterverkehr über die Grenzbahnhöfe vollzieht sich heute mit allen neutralen Ländern in uneingeschränktem Maße. Als eine wertvolle Kraftreserve hat sich die Binnen» s ch i f f a h r t erwiesen. Im Straßenverkehr muß der Fahrzeugpark auf das rationellste eingesetzt werden. Nahverkehr und Berufsverkehr stehen hier an der Spitze. Minister Dorpmüller stellt fest, daß die Derkehrsorganisation ihre Bewährungsprobe bestanden hat. Wenn die erforderlichen Maßnahmen für den einzelnen auch oft große Härten brachten, so waren sie doch für das Ganze von unendlichem Nutzen. Durch die ständige und weiter gesteigerte Ver- mehrungdes Fahrzeugbestandes bei der Reichsbahn und der Binnenschiffahrt ist auch die Gewähr gegeben, daß von Monat zu Monat mchr Transportraum der Kriegswirtschaft zur Verfügung gestellt werden kann. Fast neun Millionen Mark im »Kaperkrieg ver £3:* Berlin, 3. Jan. (DNB.) Die von der HÄ. und dem BDM. am 16. und 17. Dezember 1939 unter dem Motto „Kaperkrieg der HÄ." durchgeführte 3. Reichs st raßen sammluna für das Kriegs-Winterhilfswerk stellt in ihrem Ergebnis der Opferfreudigkeit des deutschen Volkes und dem Sammeleinsatz der deutschen Äugend wieder das beste Zeugnis aus. Mit 8 980 692,43 RM. steigerte sich das Ergebnis der gleichen Sammlung des Vorjahres um 2 691 773,97 RM. gleich '*3 v. H. Insgesamt steigerte sich pro Kopf der Bevölkerung der Durchschnitt von 7,86 Pfennigen im Vorjahre auf 11,14 Pfennigen in diesem Jahre. Nene Dergütnngsregelung für Quartierleistungen. Der Reichsinnenminister hat eine neue Vergütungsregelung für die nach dem Reichsleiftungs- sesetz in Anspruch genommene Unterkunft er» lassen. Die Vergütungssätze find jetzt den Ortsklassen angepaßt worden, um den verschiedenen Preisverhältnissen gerecht zu werden. Die Vergütungssätze betragen für Mannschaften 30 bis 50 Rpf. täglich, für den Feldwebel 50 bis 70 Rpf. täglich, für Offiziere 55 bis 90 Rpf. für Pferde 20 bis 30 Rpf. Voraussetzung rft, daß Betten oder ähnliche Lagerstätten gewährt werden und die Unterbringung der Pferde in Ställen oder ähnlichen geschlossenen Räumen erfolgt. In der kalten Jahreszeit hat die Bedarfsstelle für jeden Tag, für den sie Heizung verlangt, einen Zuschlag von 30 Rfg. für jeden besonders geheizten Raum zu zahlen, bei besonders starkem Brennstoff- oder Lichtoerbrauch noch einen Sonderzuschlag. Für Massen quartiere ist, soweit Belegung auf behelfsmäßigen Lagerstätten erfolgt, eine angemessene Vergütung zu gewähren, durch die zum mindesten die Selbstkosten des Untertunftsgebers gedeckt werden. Verlangt ein Leiftungspflichtiger für die Unterkunft eine höhere Vergütung, so kann diese gezahlt werden, wenn er nachweist, daß seine notwendigen Aufwendungen nicht gedeckt sind. Die Vergütung ist nach Beendigung der Unterkunft zu zahlen, bei längerer Unterkunst wird monatlich abgerechnet. Die Neuregelung tritt am 1. Januar in Kraft. Vergütung für Schtv sternhelferinnen und Helferinnen. Viele tausend deutsche Frauen und Mädchen hoben sich in vorbildlicher Einsatzbereitschaft f ü r d i e Pflege Verwundeter und Kranker zur Verfügung gestellt. Sie sind, soweit sie die erforderliche Ausbildung in den Bereitschaften des Deutschen Roten Kreuzes erhalten haben, teils in Lazaretten der Wehrmacht, teils in zivilen Krankenhäusern eingesetzt worden. Obwohl es sich um einen Ehrendien st am deutschen Volk handelt, kann und soll diesen Deutsche als Forscher in aller Welt. Wagemut und Erkenntnisdrang im Dienste der Wiffenschast. Aus den Lebensblättern unserer großen Welt- wanderer und Erdforscher ließe sich eine ganze Kulturgeschichte schreiben. Wir Deutschen haben uns keine Fregatten mit seefahrenden Eroberern leisten können. Die Eroberung Venezuelas im 16. Jahrhundert, mit einigen hundert Mann im Dienste des Augsburger Kaufmannsgeschlechts der Wel° e r erfolgreich durchgeführt, ging bald wieder verloren. Auch die Ausrüstung einer Flottlle unter dem Großen Kurfürsten, die zur Landung an der afrikanischen Goldküste führte und in der Errichtung der Großen Friedrichsburg gipfelte, bildete eine Ausnahme. Die Besitzung ging wenige Jahrzehnte später wieder ein. Allzufrüh hat uns das Schicksal in einen zu engen Lebensraum geteilt, der immer aufs neue von anderen Völkern umbrandet wird und uns dauernd in Atem hält. So war uns immer auferlegt, Welterforscher zu sein, wo beglücktere Nationen sich zu eigenem Gewinn der Welteroberung widmen durften. Im siebzehnten Jahrhundert warf das völkische Verhängnis des Dreißigjährigen Krieges tiefe Schatten auf das wissenschaftliche und künstlerische Leben. Viele Gelehrte suchten den „Kriegsläuften" zu entgehen, knüpften durch Vermittlung deutscher Fürsten Verbindungen mit ausländischen Hofen an und kehrten Deutschand den Rücken, um ihren gei° tigen Horizont zu erweiteren und die Wissenschaft |u bereichern. Das deutsche Fernweh bekam einen tarfen Auftrieb. Ihm haben mir hauptsächlich die Berührung Deutschlands mit dem vorderen Orient und dem tieferen Asien zu verdanken. Kulturgeschichtlich wichtig in biefer Zeit ist vor allem der Hofmathematikus und Bibliothekar des Herzogs Friedrichs III. von Holstein-Gottorp Adam 01 e a • r i u 5 (1599—1671). Dieser Mann reifte an den Hof des Zaren Michael Feodorowitfch nach Moskau, wo er die Forderung zu einer Expedition nach Persien erhielt. Nach einer außerordentlich gefahrvollen Wanderschaft durch Rußland gelangte er am 3. August 1637 in die persische Hauptstadt Jspahan. Hier hatte er während eines Aufenthaltes von fünf Monaten durch das Wohlwollen des Schahs Soft Gelebenheit, Land und Leute zu studieren. Das Ergebnis feiner mehr als sechsjährigen Fahrt veröffentlichte er 1647 in feiner sehr anmutigen und interessanten „Beschreibung der neuen Orientalischen Reise", die ihn zu einem der gelegensten Schriftsteller des Jahrhunderts machte. Wenige Jahrzehnte darauf fetzt eine noch imposantere Persönlichkeit durch ihre Forscherleistung die Welt in Erstaunen: es ist der große Sohn der Stadt Lemgo Engelbert Kämpfer (1651—1716). Auch er mußte seine Arbeit unter fremdem Schutz leisten, weil die politischen Verhältnisse der Heimat dies notwendig machten. Durch einen glücklichen Zufall lernte Kämpfer in Schweden den berühmten deutschen Rechtsgelehrten Samuel P u f e n» darf kennen. Dieser verschaffte ihm die Stelle eines Sekretärs bei einer Gefanbtfchaft, die im Auf- trage des Königs Karl an die Höfe von Moskau und Jspahan reifte. Zu Schiff ging es die Wolga hinab zum Kaspischen Meer in das persische Land. In Persien übte er eine zeitlang die ärztliche Praxis aus und verdiente damit soviel Geld, daß er als Forscher kleine Abstecher auf eigene Kosten Halbinsel Apscheron, berühmt durch ihre Naphthaquellen und Schlammvulkane, von denen er als erster Europäer die ausführlichsten wissenschaftlichen Materialien sammelte. Nach einem strapazenreichen Zug über die breite Kura, über öde Steppen und fruchtbares Ackerland wurde zuletzt die wilde und schluchtenreiche Hochfläche von Iran erreicht. Tag um Tag maß er Höhen und Tiefen des Landes. Nichts ließ er sich entgehen, vor alleem nicht das genaue Stu- bium der einheimischen Krankheiten, sobaß man mit Recht ihn zu den ersten Tropenärzten rechnen kann. Nach dem Abzug der schwedischen Gesandtschaft trat er als Oberchirurgus in die Dienste 8er holländischostindischen Kompagnie. Im Oktober 1689 betrat er die Insel Java, wo man ihm die Stelle eines Arztes für die Faktorei in Nagasaki anbot. Er griff mit Freuden zu: reizte es ihn doch, das nie betretene Wunderland Japan zu besuchen. Vier Wochen ging die Reise durch Siam, wo Kämpfer ein reiches Material über die Beschaffenheit des Landes, über feine Kultur und Religion sammelte. Endlich — im September 1690 — landete er bei Nagasaki auf dem Boden jenes Landes, das feit etwa hundert Jahren sich von allen Fremden abschlvß, Japan. Die Erforschung Japans wurde die wissenschaftliche Großtat Engelbert Kämpfers. Alle Schriften, die in Europa bis zum Jahre 1854 (als Japan sich dem Eindringen europäischer Kultur nicht mehr verschloß) erschienen, schöpften zu neun Zehnteln ihre Kenntnisse aus dem Buche, das der Niedersachse Kämpfer über jenes Land geschrieben hatte. Wenige Jahre darauf nimmt Carsten Niebuhr (1733—1815), der Vater des Historikers, als Geograph an einer vom dänischen König ausgerüsteten Expedition nach Arabien teil. Obgleich von seinen Gefährten einer nach dem andern stirbt, setzt er tatendurstig und entdeckerfreudig die Untersuchung fort, durchstreift sechs Jahre lang Syrien, Palästina, Persien und Arabien, sichtet nach seiner Rückkehr das umfangreiche Material und wertet es in der gro&angelegten „Beschreibung von Arabien" aus. Neben Niebuhr nehmen der Geograph Karl Ritter (1779—1859) und Philipp Franz von Siebold (1796—1866) einen Ehrenplatz in der Erdforschung ein. Siebold nimmt als Schiffsarzt an einer niederländischen Expedition nach Batavia teil und betritt in wichtiger Handelsmissivn auch Japan, das sich damals wieder sehr ftemdenfeind- lich zeigte. Im neunzehnten Jahrhundert werden alle Unternehmungen zur Erschließung der Erde durch den ehrwürdigen Namen Alexander von Humboldt (1769—1859) überglänzt. Die Weltgeltung Humboldts erstrahlt nach wie vor in unvergänglichem Lichte. Genialität, wissenschaftliche Methodik und rastloser Fleiß verdichten sich in ihm zu einem einmaligen Typus. Aus kleinen Anfängen ringt er sich empor. Nichts überläßt er dem Zufall, alles weiß er sich sinnvoll anzuverwandeln. Stein um Stein fügt er zusammen, bis endlich der Wunderbau feines .Kosmos" entsteht. Wollte man fein Leben und feine Entwicklung anschaulich machen, so könnte es nicht treffenber geschehen als durch die Hebbelschen Worte: Anfangs ist es ein Punkt, der leise zum Kreise sich öffnet, Aber, wachsend, umfaßt dieser am Ende die Welt ... 1798 ging er mit feinem französischen Freunde Bonpland nach Spanien, wo er sich einer Forschungsreise nach Jbero-Amerika anschloß, die ihn zunächst nach Venezuela führte. Er bestieg den Pik von Teneriffa, stellte die lange strittig gewesene Verbindung des Orinoko mit dem Amazonenstrom fest, bereifte das ganze Gebiet der Kordilleren, machte kartographische Aufnahmen, erforschte Vulkane und erklomm schließlich als erster Europäer den 5761 m hohen Chimborasso. Peru, Lima, Kolumbien, Ekuador und Mexiko wurden feine Hauptforschungsgebiete. 1806 landete Humboldt wieder in Europa, um in Paris die unerhörte Fülle feiner wissenschaftlichen Ergebnisse auszuarbeiten. 1829 rüstete er eine zweite große Expedition aus, um Rußland, den Ural, Sibirien, Turkestan und China seinem Jnteressenkreis einzubeziehen. 1845 erschien das Standard-Werk Humboldts, der ,K o s m o s", der bis 1862 in fünf Bänden vorlag und in fast alle Sprachen Europas übersetzt wurde. Wie bedeutsam Humboldts Weltgeltung ist, kann man rein äußerlich an der Tatsache ablesen, daß beispielsweise die Mineralogen ein Mineral „Humboldlt", die Botaniker eine Pflanzengattung nach ihm benannt haben. Die Geographen haben Humboldts Namen in einer der größten Meeresströmungen des Ozeans verewigt. Mehrere Hochgebirge Asiens, Australiens und Amerikas, off eie Gletscher, Einzelberge, Flüsse, Seen und Siedlungen der Neuen Welt künden seinen Ruhm — von vielen Denkmälern in den Städten der alten und neuen Welt zu schweigen! Und auch in unseren Tagen ist deutsches Wanoer- tum und deutscher Forschergeist am Werke. Wer denkt dabei nicht an die deutschen Nanga-Parbat- Expeditionen! Wagemut und Erkenntnisdrang strebte im Dienste der Wissenschaft zu Asiens höchsten Gipfeln, um das Unbetretene betretbar zu machen! Und Wilhelm F i l ch n e r ? Seine Bücher über Asien haben unserer Generation durch den kühnen und kühlen Wirklichkeitssinn, der uns allenthalben hier entgegentritt, zu packen gewußt. Neben Sven H e d i n hat keiner den eigentümlichen Geist dieses Kontinents, insbesondere die Rätselhaftigkeit der Seele Tibets zu entschleiern vermocht wie Filchner dies tat. Wagemut, Tatsachensinn und idealistischer Schwung beseelen auch diesen Wanderer und Forscher, Hessen Wirken uns einen tiefen Einblick tun läßt in die Weltzusammenhänge der Völker und Kulturen des Ostens. D. S. Frauen und Mädchen nicht zugemutet werden, diesen Dienst aus die Dauer unentgeltlich zu leisten. Soweit sie in Wehrmachtslazaretten beschäf- tiat werden, erhalten sie eine Vergütung nach der Dienstordnung des Oberkommandos der Wehrmacht vom 26. August 1939. Zur Behebung von Zweifeln wird durch einen Erlaß des Reichsministeriums des Innern bestimmt, daß diese Dienstordnung auch der Besoldung der Schwefternhelferinnen und Helferinnen zugrunde zu legen ist, die in zivilen Krankenhäusern eingesetzt werden. Neben freier Wohnung unö Beköstigung werden danach Barbezüge gewährt, die je nach Alter 55 bis 104 RM. monatlich betragen. Die Barbezüge sollen jedoch jeweils 90 v. H. des Betrages nicht übersteigen, den eine auf Arbeitsvertrag :m aleichen Krankenhaus angefteilte voll ausgebildete Krankenschwester erhält. Die. Gebühren sind vom Träger des jeweiligen Krankenhauses zu zahlen. Da gegebenenfalls zu den zu zahlenden Bezügen auch 'Kinderzuschläge treten, ist dasür gesorgt, daß die im Dienst des deutschen Volkes em» gesetzten Schwesternhelferinnen und Helferinnen, des Deutschen Roten Kreuzes überall gleichmäßig und auskömmlich versorgt werden. Gleichzeitig trifft der Erlaß Vorsorge, daß der Einsatz von Schwesternhelferinnen und Helferinnen nur stattsindet, soweit berufstätige Krankenschwestern nicht verfügbar sind. Eröffnung der Führerschule der Faschistischen DorH Rom, 3.Jan. (Europapreß.) Der Duce eröffnete das ,Zentrum für die politische Vorbereitung der Jugend", die Führerschule der Faschistischen Partei. Er besichtigte die Räume des 180 Meter langen Marmvrpalastes, der auf dem Gelände des Forum Mussolini für diese Schule errichtet worden ist. Bei der Einweihungsfeier in der Aula hielt der stellvertretende Parteisekretär Mezzasoma eine Ansprache, in der er als das Ziel des Institutes bezeichnete, aus den Reihen der Parteiorganisationen die jungen Menschen auszuwählen, die Eignung ;3ur Führerrolle bewiesen. Das „Zentrum" wolle eine Schule des Glaubens und der Erfahrung fein. Die Schule strebe das Ziel an, in 8er Jugend die Gaben zu vervielfältigen, die den Italiener Mussolinis auszeichnen müßten: Die arbeitsame und überlegte Disziplin; die Gewöhnung ans Gehorchen, ohne die man nicht das Vorrecht des Befehlens verdiene; die Unbeugfamfeit des Glaubens, der allein Berge versetzen könne; die Notwendigkeit des Opfers als unerläßliche Voraussetzung für jede Eroberung der Dinge durch Aufwärtsentwicklung als Lebensauffassung; die Freude am Kampf als höchstem Ziel der eigenen Existenz. Italien wird sein autarkes Wirtschaftssystem verteidigen Rom, 3. Jan. (Europapreß.) Der Direktor des halbamtlichen „Giornale d'Jtalia", Gayda, befaßt sich mit Ausführungen des „Temps", in 8enen der autarken Wirtschaft der totalitären Staaten die Schuld an der gegenwärtigen Krise sowie an den politischen und wirtschaftlichen Konflikten in der Welt jugefdjrieben wird. Gerade das Gegenteil sei wayr, schreibt Gayda. Gerade Versailles sei die siegreiche und bedrohliche Behauptung der mächtigsten autarken Imperien der Welt gewesen. Denn in Versailles hätten die drei großen Demokratien Frankreich, England und die Vereinigten Staaten unter Ausschließung der lebenswichtigen Interessen der anderen Nationen die natürliche Vervollständigung ihrer wirtschaftlichen und finanziellen Hegemonie gefunden. Der „Temps" erhoffe, so schreibt Gayda weiter, eine Besserung Europas vom Kriege der Westmächte und erwarte davon das Ende der autoritären Staatsführungen und deren wirtschaftlicher Autarkie. Der „Temps" breche weiter eine Lanze für die Freiheit des Welthandels. Italien aber sehe die liebel der Welt nicht dort, wo sie der „Temps" zu entdecken scheine. Sicherlich sei es noch zu früh, über den Frieden und seine Form zu sprechen; gewiß aber sei, daß Italien, was immer stch ereignen möge, fein autarkes Wirtschaftssystem verteidigen und nicht dulden werde, daß diese feine innere Ordnung angetastet werde, die einen wesentlichen Teil seines nationalen Lebens bilde. Die wirtschaftliche Autarkie bedeute für Italien den wichtigsten Sckutzwall gegen die wirtschaftliche und politische Überheblichkeit der anderen Großmächte; sie biete auch die Möglichkeit, der wachsenden Bevölkerung Italiens Arbeit zu geben. Frankreich müsse sich fragen, ob das Ende der italienischen wirtschaftlichen Autarkie nicht notwendigerweise die jetzt schon begründeten italienischen Forderungen steigern konnte hinsichtlich von Gebieten, die zur Bevölkerung und Arbeitsbeschaffung noch offen stünden. Ein Opfer des neuen englischen Minenfeldes. Oslo, 4, Jan. (DNB.) Nach Mitteilungen, die die Zeitung „Dagen" (Bergen) über den Untergang des schwedischen Dampfers „Lars Magnus T r o z e 11 i" erhalten hat, ist das Schiff ein Opfer des neuen englischen Minenfeldes geworden, das in den letzten Tagen längs der Dfttüfte Englands von der Nordspitze Schottlands bis zur Themsemündung gelegt worden war. Das Schift war von Schweden nach einem nordenglischen Hasen 3 Vorteile beim Rasieren: Wer sich vor dem Einseifen mit Niveo- Creme einreibt, hat drei Vorteile: ersten» ist das Rasieren angenehmer, zweitens wird die Klinge nicht so schnell stumpf und drittens tut man etwas für seine Haut. Dosen und Tuben.- 22 H. bis 90 Pf. ^euierithoitig—hout unterwegs. Es war aber über dieses Minenfeld noch nicht unterrichtet. Die Explosion habe sich 20 Seemeilen von Der Küste entfernt ereignet. Diese Position stimme mit der Außen- grenze des Minenfeldes überein, das in feiner ganzen Ausdehnung außerhalb der englischen Territorialgewässer liege. Oer indische Kongreß beschließt »Widerstand gegen die britische Unterdrückung". Kabul, 4. Jan. (DNB.-Funkspruch.) Die Leitung des Indischen National-Kongresses hat nach einer Meldung Ser Zeitung „Bombay Chronicle" eine Entschließung angenommen, die den Willen des indischen Volkes kundgibt, sich mit den ihm verbliebenen Mitteln der britischen Unterdrückung zu widersetzen. In der Entschließung wird betont, die Vertreter des Kongresses seien sich bewußt, daß Indien nicht ohne beharrliche Anstrengungen seine Unabhängigkeit erreichen werde. Deshalb billige der Kongreß den zivilen Widerstand, der eine der Methoden des Kampfes für die Unabhängigkeit sei. Aus aller Wett. Sonderstempel der Reichspost. Am Tage der Briefmarke, am 7. Januar 1940, wird von der Reichspost in einer Anzahl von Sonderpostämtern dieser Sonderstempel benutzt. Die Stempel zeigen das Bild eines blasenden kursächsischen Postillons bzw. die Danziger 6-Rpf.-Marke über einem Stahlhelm und einem Seitengewehr. (Scherl-Bilderdienst-M.) Folgen des Winters in Dänemark. Die dänische Luftfahrtgesellschaft hat Anstalten getroffen, um im Auftrage der Regierung eine Reihe isoliert liegender Inseln mit Proviant zu versorgen. Zahlreiche Inseln können bereits heute nicht mehr mit dem Schiff erreicht werden. Auf der Insel Bornholm liegt seit vier Tagen der gesamte Verkehr still. Versuche, mit Schneepfl'ügen die Straßen wenigstens für den Kraftwagenverkehr freizumachen, sind gescheitert. Am Mittwochmorgen wurde von Bornholm neuer Schneefall gemeldet. Auf Seeland, Jütland und Fünen mußte der Eisenbahnverkehr auf einigen Strecken eingestellt werden. Zum Teil mußten Züge freigeschau- felt werden. Schneepflüge befahren ständig die bedrohten Strecken; doch hat man bisher oft mehrstündige Verspätungen nicht verhindern können. Nach vielstündiger angestrengter Arbeit ist es gelungen, einen im Norden der Insel Seeland im Schnee steckengebliebenen Zug der Linie Hillervit —Trisvilde freizubekommen. Die achtzehn Fahrgäste waren gezwungen, die Nacht im Zug zuzu« bringen, da es einer Rettungskolonne nicht möglich war, an den eingeschneiten Zug heranzu- kommen. Man rechnet mit zunehmender Kälte und weiteren Schneefällen. Zwei Weier Schnee in Norwegen. West- und Nord-Norwegen, besonders aber die Geaend von Trondheim, sind am Dienstag und in der Nacht zum Mittwoch von so starken Schneefällen heimgesucht worden, wie man sie seit einer Reihe von Jahren nicht mehr erlebt Hai. Der gesamte Kraftwagenverkehr in und um Trondheim ist stillgelegt. Stellenweise sind im Laufe von zwölf Stunden zwei Meter Schnee gefallen. Die Schneeverwehungen waren bis zu fünf Meter hoch. Der Schnellzug von Trondheim nach Oslo hatte am Mittwochmorgen drei Stunden Verspätung. Bei weiterem Aichalten des Schneewetters ist eine völlige Unterbrechung des Eisenbahnverkehrs mtt 43D Kasten- 11 Verschiedenes j schlitten gesucht. 026 Gießen (Anneröder Weg 23). den 4. Januar 1940. Freibankverkauf am 41A 6. Januar 1940: am 3?A sofort UfEDRC DRUCKSACHEN WCKDC Brühl. Gießen Franksurt.Str.6. Gemüsegeschäft. GLORIA Heute Donnerstag Erstaufführung DER NEUE TOBIS-FILM 20 B) Andere Kaufmännische Kenntnisse: Werner Fütterer, Friedrich Kayssler Beiprogramm und Ufa-Ton-Woche aebübr zu zahlen 31D Spielzeiten: 29 A Täglich 4, 6 und 8.30 Uhr - Sonntag 3,5.30 und 8.30 Uhr täglich 4, 6, 8.30, Sonntags 3, 5.30, «-30 Uhr. PQLOST Giessen Gestern entschlief nach kurzem Leiden unser lieber Vater, Großvater, Urgroßvater, Schwager und Onkel Die Trauerfeier findet Freitag, den 5. Januar, nachm. um 2 Uhr in der Kapelle des Neuen Friedhofs statt. 20 20 20 20 8.50 8.50 8.50 8.50 stunden gesucht. 20 20 20 20 20 10 Angebote unter 45D a. d. G. A. Die trauernden Hinterbliebenen: I. d. N.: Frau Johanna Vowinkel. Schotten, Gießen, Bad Vilbel, den 3. Januar 1940. Die Trauerfeier findet am Samstag, dem 6. Januar, mittags 12 Uhr, in der Kapelle des Neuen Friedhofs in Gießen statt Heute Donnerstag: Erstaufführung! RM. 8.50 RM. 10.50 RM. 10.50 RM. 8.50 Zeitschriften- Austräger möglichst mit Fahrrad, für sofort gesucht. Schriftl. Eilangebote unter 42 V an den Gießener Anzeiger erbeten. Seitongsöofin für nachmittags etwa ll 2 Stunde RM. 10.50 RM. 10.50 RM. 6.50 beniamino GIGLI KIRSTEN HEI BERG für jungen Haushalt gesucht. 33D Vorznstellen bei streckten, hat Haneda festbestellt, daß die in den japanischen Gewässern vielfach gefangenen ,,5>irag'i' und „Okihiragi" Leuchtorgane der gleichen Art be« sitzen wie ihre tropischen Verwandten. Aber während die tropischen Tiesseeftsche ihre Leuchtorgane an der Außenseite des Körpers tragen, befinden sich diese Organe bei den Hiragi und Okihiragi im Körperinnern. Die Bakterien, die die Leuchtsubstanz erzeugen, leben in Blasen am Schlund der Fische. Die silberweißen Wände der Luftblasen dienen als Reflektoren und das durchscheinende Fleisch der Fische als Linsen. Lasten der Säumigen. Gießen, den 2. Januar 1940. Direktion der Stadtwerke Gießen. Von dem von Krajova nach Bukarest verkehrenden Personenzug rissen aus bisher noch nicht aufgeklärter Ursache die drei letzten Wagen kurz vor Bukarest ab. Eine Anzahl Fahrgäste, die auf der Plattform stand, stürzte auf die Schienen. Drei Personen wurden getötet und vier schwer verletzt. Denn Du dem Sammler Dein DHW.-Opfer gibst, bedenke, daß Du es für das Wohl des deutschen Volkes tust. Mit der Größe Deines Opfers zur Gaustrahensarnmtung ehrst Du die Opferbereitfchaft der Nation. Neber Naturschutz und Naturkunde %?<“ mit oen allgemeinverstän^lichen Büchern es Hugo Bermühler Verlages, Verlin- Lichlerfelde. Bitte verlangen Sie noch heute von Obrem Gießener Buchhändler bas ausführlich debil e-t" Merkblatt %reun*- er Natur lind freunde auter Bucker" Heinrich Noll, Papierhandlung Mäusburg 7 GIESSEN Ruf Nr. 4073 _________________________________________35D dem nördlichen Norwegen zu befürchten. Im Gebirge wurde in der Nacht zum Mittwoch wieder eine Temperatur von dreißig Grad unter Null gemessen. Strenge kälte in Rumänien. Nach einem heftigen Schneesturm, der das ganze Land heimgesucht hat, ist das Thermometer am Mittwochoormittag in Bukarest auf 25 Grad unter Null gefallen; in anderen Teilen des Landes sind die Temperaturen noch niedriger. Aus dem ganzen Lande werden zahlreiche Opfer durch Erfrieren gemeldet. Vielfach kommen ganze Rudel hungriger Wölfe bis dicht an die Städte heran, so z. B. bei Curtea de Arges, wo am Dienstag 28 Grad unter Null verzeichnet wurden. In Bukarest war am Mittwochfrüh der Straßenbahnverkehr teilweise stillgelegt, da die Anlagen eingefroren waren. Die Straßenbahnen konnten nur sehr unregelmäßig verkehren. Diele mußten daher in der scharfen Kälte kilometerweit zu Fuß gehen. Erneute Verschärfung der Kälte in Jugoslawien. Aus Westbosnien werden erneut 30 Grad Kälte gemeldet. Reißende Bergflüsse sind zugesro- ren, was seit 20 Jahren nicht mehr beobachtet wurde. Donau, Save und Drau sind an den Rändern zugefroren und führen große Eis- Ordentliche zuverlässige fawliii bei hohem Lohn und guter Behandlung wegen Verheiratung d. jetzigen, per 15. Jan. oder l.Feb. d. I gesucht. 017 Zu erfragen in der Geschäftsst. d. Gieß. Anzeig. Leuchtfische in Japans Meeren. Für gewöhnlich nimmt man an, daß es Fische mit Leuchtorganen nur in tropischen Gewässern gebe. Tatsächlich finden sie sich aber auch in den Meeren, die Japans Küsten bespülen. Diese aufsehenerregende Mitteilung machte kürzlich Dr. Jata Haueda, Dozent an der Aerzttichen Akademie Akü Dschikei. Durch eingehende Untersuchungen, die sich auf einen Zeitraum von mehr als einem Jahr er- Kunsthme Augen fertigen wir für unsere Patienten am Mittwoch, 10. Jan., in Gießen, Hotel F rinz Carl, Seltersweg 40. Gebrüder Müller-Well Stuttgart. Zugelassen bei Kassen u. Behörden. Wer erteilt Nachhilfe- Unterricht in engl. Sprache für Schüler der Klasse 5 d. Realgymnasiums. Schr.Ängeb.unt. 34D 0. den G.A. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unseren guten Vater, Schwiegervater und Großvater Pfarrer i. R. Karl Göbel im Alter von 73 Jahren in sein himmlisches Reich abzurufen. Die trauernden Hinterbliebenen: Otto Göbel, Dipl.-Landwirt Karl Göbel, Dr. med. Maßda Weber, geb. Göbel und Familien und 5 Enkelkinder. RM. 10.50 RM. 10.50 RM. 20.50 RM. 15.50 RM. 15.50 Wegen Inventurarbeiten ist mein Geschäft am 5. und 6. Januar geschlossen! Bekanntmachung. Die Strom- und Gasgelder im Stadt- und lieber- landgebiet sind nach den Lieferungsbedingungen grundsätzlich bei der Ablesung an den Erheber zu zahlen. Geschieht dies nicht, dann können die Strom- und Gasgelder noch innerhalb der nächsten 8 Tage ohne kosten an die Kaffe der Stadtwerke Gießen, Gartenstraße 3, auf Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 277 07 oder aus die auf den Quittungskarten verzeichneten Bankkonten eingezahlt werden. Bei Ueber- schreiten des Zahlungstermins müssen die Beitreibungskosten berechnet und entrichtet werden. Dom 16. Januar 1940 ab wird die Strom- und Gaslieferung bei allen Abnehmern gesperrt, die die Strom- und Gasgelder für den Monat November 1939 einschließlich kosten noch nicht entrichtet haben. Die Kosten der Strom- und Gassperre gehen zu von 8- 9 Uhr Nr 471-520 von 9-10 Uhr Nr. 521-570 von 10-11 Uhr Nr. 571-620 Städt. Schlachthof, Gießen. RM. NM. RM. RM. 20 20 20 20 20 Kaufmännische Hilfskraft von hiesiger Großhandlung per sofort gesucht. Schriftliche Angebote unter 016 an den Gießener Anzeiger. WM für einige Tages- ManhläQOD von3 bis 20 v.H. erhalten Sie bei wieder* ledLIlldduv holten Veröffentlichungen einer Anzeige! Philipp Appel im Alter von 79 Jahren, 3. Buchführung für Anfänger..... 4. Buchführung für Fortgeschrittene 5. Buchführung — Abschlußtechnik. 6. Gutes Deutsch................ C) Fremdsprachen: 7. Englisch für Anfänger.......... 8. Englisch für Fortgeschrittene .... 9. 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Betriebsfübrung, Gießen, Schanzenstr. 18, Zimmer 11, schriftlich auf vorgeschriebener Anmeldekarte vorgenommen werden Mit der Anmeldung ist die Teilnehmer- .über Weitersütt. 'A zu verkaufen. 32D Afmrff filmnhrmr Bahnhofstr. 15 ÖÖBFff Sleinljm im Obst- und Hauptschristleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum- schein. Verantwortlich für Politik, Feuilleton und die Bilder: Dr. Fr. W. Lange: für Stadt Gießen. Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein: für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis 2,05 RM. einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 5 vom 1. Dezember 1939 gültig. massen, so daß jede Schiffahrt eingestellt werden mußte. Dagegen herrscht seit Mittwoch in Süd- dal matten richtiges Frühlingswetter mit Temperaturen bis zu 17 Grad über Null. Neues Erdbeben in der Türkei. Durch ein neues Erdbeben wurden am Dienstag in der Gegend von Yösgad neun Dörfer zerstört. Menschen find bei dem Beben nicht getötet worden. Die Zahl der Opfer der großen U e b e r - schwemmungskatastrophe in der Türkei wird allein im Gebiet von Kemal-Pascha auf 1000 Personen geschätzt; 400 Häuser find hier vollständig zerstört worden. Bis jetzt wurden 70 Leichen angeschwemmt. Die Ueberschwemmung hält in der Ebene von Brussa und dem Gebiet nördlich des Marmara- Meeres an. Die Gegend von Karatscha-Ben ist vollständig verwüstet worden und viel Vieh ist in den Fluten umgekommen Verkehrsunfälle in Rumänien. Ein schweres Bootsunglück ereignete sich auf der Donau bet Braila. Eine Barke mit Fischern aus Dulcca wurde auf der Mitte des Stromes von einem Schlepper, dessen Führer infolge des starken Eisganges die Gewalt über das Fahrzeug verloren hatte, gerammt und schlug um. Drei von den zehn Insassen der Barke ertranken. MÄ NSG. Kraft durch Freude Kreisdienststelle Gießen Willi Domgraf-Fafebaender Bariton, Staatsoper Berlin und das Rhein-Mainische Landes-Orchester Leitung: Gaumusikinspizient Fritz Cuj6 Lieder und Arien deutscher und italienischer Meister am Samstag, dem 6. Januar, 20 Uhr, in der Aula der Universität Eintrittspreise: (numeriert) RM. 2.-, 1.50,1.-, Militär RM. 1.20 und-.60. Kartenvorverkauf: KdF.-Dienststelle, Seltersweg 60. 39D Die MW WeilsWl Berusserziehungswerh Uebungsstütte Gießen IM« 7000-8000 RM. auf Geschäftshaus gesucht. Schriftl. Angeb. unt. 018 an den Gießen. Anzeig. Wer leiht an- ständ. Menschen 500 IRL g.5facheSicherh. Biet.günst.Zins- u.Rückzahl. Gefl. Zuschr. unt. 025 an d. Gieß. 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Hcta für Küche und Haus bei gutem LohnundDauer- stellung gesucht. Walltorstr. 5. Balbtagsmädcheii oder ki sv Es beginnen folgende Dehrgemeinschaften: A) Kurzschrift und Maschineschreiben: Dauer in Dovv.-Std. ^bubr 5. Januar 1940: von 8- 9 Uhr Nr 271-320 von 9-10 Uhr Nr. 321-370 von 10-11 Uhr Nr. 371-420 von 11-12 Ubr Nr. 421-470 Ein ;ett“ ROb? ^cbnevdek ■naV\stiscbe LZFL-S-'"" - "S**' E Hilde Körber 024 Nr 3 Zweites Via«__________________Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Donnerstag. 4 Zanuar 1940 Aus dem Reiche der Frau. Die Würde der Butter. Von Hedwig Iorstreuther. Das kleine Mädchen, dem die Mutter eine Puppe unter den Weihnachtsbaum legte, nimmt das Geschenk strahlend vor Glück in den Arm und hat für den Rest des Abends genug zu tun mit dem Betreuen ihres Kindchens. Sie zieht das Kleine a-us, legt es in die neu hergerichtete Wiege und singt es in Schlaf. Oder es schiebt den neuen Puppenwagen mit dem flachsköpfigen rotwangigen Inhalt fröhlich summend durch das Weihnachtszirn- mer. Mit einem Wort; es ist glücklich! So zeigen sich die ersten Regungen der Mütterlichkeit im Kinde und sie sind so stark, daß sie in dem kleinen Mädchen erwachen auch wenn man ihm feine Puppe schenkt. Dann behilft es sich mit einem Bauklotz oder einem Stück Holz, das es in ein Tuch wickelt, als Wiege wird eine umgedrehte Fußbank benutzt. Dieser urewige Instinkt, Hilfloses zu lieben und zu betreuen, wird später von lebhafteren Spielen, von Schulsorgen und von Ablenkungen allerlei Arten überwuchert, er erwacht wieder zum Leben, wenn das junge Mädchen den Mann kennen lernt, dem seine Liebe gehört. Mehr unbewußt als bewußt vielleicht, aber in dieser Unbewuhtheit elementaren Gesetzen gehorchend, drängt sein ganzes Wesen zu dem Erwählten. — In der Harmonie zwischen zwei vertrauten Herzen sieht der Liebende sich selbst aufs schönste bejaht, alle Dinge gewinnen tiefere Farben, die Welt erscheint beseelt und auch in dunklen schwierigen Verhältnissen leuchtet für Liebende immer noch ein Licht der Hoffnung. Sie können gar nicht anders als an eine gute Zukunft glauben, der Lebenswille in ihnen will es so! Aus diesem Willen zum Glück, aus diesem Glauben heraus schenken sie einander ihr Vertrauen. Ein junges Menschenkind, das dann plötzlich aus seinem Glück heraus gerissen wird, weil die Wechselfälle des Lebens dazwischen treten, sieht sich zunächst in einer grenzenlosen Verlassenheit. Um wieviel mehr als sonst in friedlichen Zeiten- geschieht das jetzt im Kriege. Er nimmt das Leben des Mannes weg, der einem Mädchen alles bedeutete. In solcher Lage schrieb eine unverheiratete junge Mutter in der Not ihres Herzens an Rudolf Heß, daß der Vater ihres Kindes in Polen fiel, bevor sie Gelegenheit hatten, die Ehe zu schließen. — Die Antwort, die Rudolf Heß gab, vertritt den Standpunkt, den die nationalsozialistische Bewegung zu diesem Problem einnimmt und bringt zugleich eine grundsätzliche Regelung für alle jungen Mütter in der gleichen Lage. Die nationalsozialistische Be- wegung sieht in der Familie die Keimzelle des Volkes und hat für die Erhaltung der Familie und besonders für die Freude am Kinde viele entscheidende Dinge getan. Im Kriege, der die Vernichtung so vieler wertvoller Menschenleben mit sich bringt, bekommt jedes junge werdende Leben eine besondere Bedeutung für die Nation. So ist es einleuchtend und hoch zu begrüßen, daß alles geschieht, dieses wertvolle Gut zu erhalten. Für ein Kind erb- gesunder junger Menschen, das geboren wurde, bevor die Ehe hatte geschlossen werden können, wird so gesorgt werden, als sei die Ehe schon geschlossen gewesen. — Dabei werden Bedenken zurückgestellt, die in normalen Zeiten gelten. Bei der Eintragung in das Standesamtsregister wird diesen Kindern zum Namen des Paters die Bezeichnung Kriegsvater gefetzt werden und die Mutter erhält unter Beibehaltung ihres Mädchennamens die Bezeichnung Frau. Welche ungeheure seelische Hilfe damit den jungen Müttern gegeben wird, kann nur eine Frau ermessen. Denn die Lage einer unverheirateten jungen Mutter ist unaussprechlich schwer. — Der Schmerz um den Verlorenen, der im Kriege fiel, wurde wohl milder durch die Hoffnung auf das Kind, aber in diese Freude mischte sich vergiftend die Angst vor der Zukunft, vor der Einsamkeit, der Nachrede der Leute und vor der wirtschaftlichen Not. Die seelische Einsamkeit kann niemand einem Menschen nehmen, der sein Liebstes verlor, er muß diese Schrecken selbst überwinden. Aber die anderen Hemmungen, Not und böse Nachrede, werden nun mit einer großherzigen Verfügung des Staates weggeräumt. Die junge mütterliche Frau steht gleichberechtigt neben anderen verheirateten Frauen, ihr Kind gilt nicht als unehelich, die wirtschaftlichen Sorgen werden ihr erleichtert, und sie darf sich dankbar und glücklich als Glied einer Natton fühlen, zu deren Zukunft sie durch das Dasein ihres gesunden Kindes auch ihr Teil beitrug. Dieses Gefühl wird den jungen Müttern Kraft geben, auch ohne den Schutz des Mannes und Vaters ihr Kind aufzuziehen, als Erbe feiner guten Eigenschaften und als Fortsetzung seines Lebens. dem Essen auf die ersehnte Ruhestunde zu verzichten, weil man die liegengebliebenen Arbeiten des Vormittags einholen möchte. Wie aber ist es um diese Ruhestunde bestellt? Eine kluge und erfahrene Hausfrau, deren Familienleben mir stets als Vorbild vorgeschwebt hat, erzählte einmal, daß sie sich als junge Frau sehr oft Gewissensbisse über diese selbst genommene Ruhestunde gemacht habe, denn es wartete noch so viel Arbeit auf sie. Und dann sich hinzusetzen und ein Buch zu lesen, eine Handarbeit zu machen, spazieren zu gehen und was ihr gerade als Ruhe vor- schwebte? Erst ganz allmählich habe sie einsehen gelernt, daß diese mütterliche Ruhestunde zum Segen für die ganze Familie wurde. Nicht nur, daß sich Mann und Kinder angewöhnten, in dieser Zeit einmal mit ihren Sorgen zur Mutter zu kommen, über die man sonst nicht sprechen konnte, nicht nur, daß die Mutter selbst in dieser stillen Stunde neue Kräfte für den Tagesrest sammelte und durch ruhiges Nachdenken noch manches neue Erlebnis des Vormittags einzuordnen wußte. Diese Stunde, die allein der Mutter gehört, bedeutet noch viel mehr. Denn sie gibt ihr die Möglichkeit, einmal ganz den Alltag zu vergessen, all dem täglichen Kleinkram, der ja nun einmal auch in den großen und schweren Zeiten das Leben der Frau ausmacht, fernzurücken und damit sich zu entspannen und sich aus- zuruhen. „Ich habe nicht eine ganze Stunde Zeit am Tag für mich übrig!" werden manche Frauen einwenden, die sich in die freiwillige Hilfsarbeit der deutschen Frau eingespannt haben oder die den Mann mit vertreten müssen. Nun, denn streichen wir ruhig etwas von der Stunde ab, nehmen eine halbe, eine Viertelstunde, ja vielleicht nur zehn Minuten. Denn auch diese 10 Minuten können schon genügen, neue Kräfte und neuen Frohsinn zu geben und Abstand zu gewinnen zu all den kleinen unangenehmen Geschehnissen: eine kaputte Hose des Jungen, eine 5 im Diktat, ein böser Riß im Bettuch usw. Ja, vielleicht bringt diese Viertelstunde Ruhe sowie die neue und gute Idee, daß man in Zukunft ganz einfach den Haushaltsplan ein wenig umstellt und zwar gleich um 9 Uhr früh seine Besorgungen macht, wenn alle Läden noch leer sind, sodaß es eine Freude ist, einzukaufen. Und wenn auf so schnelle Weise aus Hausfrauensorgen — Hausfrauenfreuden werden ... sollte es sich doch wirklich lohnen, täglich ein wenig aus- zuruhen?! L. P. PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS / / V ' l / / •■'M: ■ö I 4 4 I Warme Blusen und Röcke, die auch besonders für sportliche Zwecke geeignet sind, haben wir heute skizziert. So zeigt die Zeichnung in der Mitte einen leichtglockigen 6-Bahnenrock aus grauem Wollflanell mit angeschnittenen Taschen. Die dazugehörige Bluse mit den weiten Aermeln und der roten Blendenverzierung ist aus weißem Wollstoff. Der Faltenrock links mit der Steppereiverzierung ist aus dunkelblauem, festem Material, die Bluse darüber in flotter, doppelrechig geknöpfter Hemdblusenform aus hellblauem Wollflanell. Rechts der Rock mit der Falten bahn in der Mitte und den aufgesetzten und knöpfbaren großen Taschen ist aus braunem, festem Gewebe und die hübsche Bluse oben mit den gelesenen Effekten an Bündchen und Taschen aus hochrotem, losen Wollstoff. H. Bit guten Vorsätzen ins neue Zahl. Nun sind wir drin im neuen Jahr und sehen vor uns einen Berg von Verpflichtungen, die wir im Altjahr übernahmen, Verpflichtungen vor uns selbst, gute Vorsätze aller Art: Wir wollen alle Schubladen aufräumen, wollen uns endlich Pünktlichkeit angewöhnen, wollen alle Briefschulden tilgen, wollen die dringend benötigte Haushaltskartothek für Anschriften, praktische Winke, Rezepte usw. anlegen, wollen die Flickenkiste aussortieren — ach, weiß Gott, was wir noch alles uns vorgenommen haben. Und nun stellen wir fest, daß auch im neuen Jahr anscheinend alles beim alten bleiben wird, daß wir wie alle vorigen Jahre bis an den Hals in dringender Arbeit stecken, die alle nicht ganz so dringenden Angelegenheiten zurückdrängt, daß wir unseren Charakter mit den gleichen Schwierigkeiten wie früher zu bessern bemüht sind und mit dem gleichen unvollkommenen Ergebnis. Aber bei dieser Erkenntnis, die sich schon in den ersten Wochen des Januar aufdrängt, brauchen wir nicht an unserer Minderwertigkeit zu verzweifeln. „Wer immer strebend sich bemüht" — das ist das Wichtigste bei der Angelegenheit. Ob wir das erreichen, was wir uns vorgenommen haben, das kommt erst in zweiter Linie. Üm die Arbeit an sich geht es in erster Linie. Wenn ein Sprichwort voll Menschenkenntnis behauptet, daß der Weg zur Hölle mit guten Vorsätzen gepflastert sei, dann zielt das auf jene Charaktere, die schon Wesentliches zu leisten glauben, wenn sie überhaupt mal Einkehr halten, wenn sie ihre Fehler bereuen und gute Vorsätze fassen. Damit aber ist natürlich nicht reiner Tisch gemacht. Gibt man sich diesem Glauben hin, beruhigt man sich mit der Tatsache, daß man doch so einsichtig sei, dann natürlich liegt die Gefahr nahe, daß man frisch und fröhlich weiter sündigt. Folgt aber auf die guten Vorsätze die ernsthafte Arbeit an sich, nun, dann ist das neue Jahr gut begonnen worden — es wird schon werden! H. Ch. Hansen. Kostbare Erbschaft. Vor einem Jahr hatte Frau Lotte geerbt. Kein Landhaus mit Garten, kein Bankkonto, — nur die Kleider ihrer im Atter von 87 wahren verstorbenen Tante Karoline. Frau Lotte war nicht sonderlich erbaut gewesen von dieser Erbschaft. Was sollte die stets sehr modern gekleidete junge Frau mit dem alten Kleiderkram anfangen? So wanderten die Melder, die etwa um die Jahrhundertwende modern gewesen waren, zunächst einmal in eine alte Truhe, und niemand kümmerte sich mehr darum. Nun wird es kälter, der Winter naht. Annemarie, die Sechsjährige, braucht ein Mäntelchen, und für Wolter müßte ein derber Schulanzug angeschafft werden. 'Auch Frau Lottes Haus- und Küchenkleid ist nicht mehr gut. Man braucht Bezugscheine — überlegt Frau Lotte —, und nun erinnert sie sich des Nachlasses der guten Tante Karo- Tine. Der Abend vereint die Familie vor der atten Truhe, und allen erscheint ihr Inhalt auf einmal wertvoll und brauchbar. Dieser schwere graue Tuchrock gibt bestimmt ein warmes Mäntelchen für Annemarie. Ein Stück heller Pelzstoff als Kragen ist nicht teuer und macht den Mantel hübsch. — Da ist ein blaues Kostüm; die Jacke ist tadellos, und aus dem langen weiten Rock lassen sich noch gut Hosen für Walter schneidern — Das braune Kleid mit dem Spitzenjabot gibt ein nettes Kleid für Frau Lotte. Der Rock ist sehr weit, Frau Lotte ist schmal, also wird das Vorderteil des Rockes in Falten gelegt, das sieht flott aus. Um den Halsausschnitt kommt eine bunte Borte, sie ist bezugschein- frei. Ein gut erhaltener schwarzer Astrachanmantel ist noch da, wie alt mag der wähl fein? Wenn man sich Mühe gäbe, könnte man eine praktische warme Jacke daraus anfertigen, die sogar elegant aussehen würde. — So wird erwogen und beraten, und gleich am Abend noch das erste Stück sorg- fältig auf getrennt. Morgen wäscht Mutter den Stoff und bügelt ihn. Dann besorgt sie sich die Schnittmuster, und mit Geduld und gutem Willen wird es ihr gelingen, die Kleidungsstücke anzufertigen, die ihr im Geiste vorschwebten, als sie die Erbschaft von Tante Karoline sichtete. Und auch wir wollen, bevor wir uns einen Bezugschein besorgen, Schränke und Kommoden gut durchstöbern. Vielleicht finden wir da manch altes Kleidungsstück, das sich noch recht gut verwenden läßt. Tilly Baur. Sei rechter Zeitentteiluna eine Ruhestunde für die Butter. „Ja, früher hatte man ja auch mal eine Stunde für sich, aber jetzt, bei dem schwierigen Einkäufen und langem Warten ist das eine ewige Hetze!" Das ist ein Ausspruch, den man zur Zeit in allen möglichen Variationen von vielen alten und jungen, unerfahrenen und sogar erfahrenen Frauen und Müttern hören kann. Sie alle hetzen und jaaen von früh bis spät herum, sind müde und abgespannt und darum nicht von jener sttllen Heiterkeit und Fröhlichkeit, die dem Hause jene „Atmosphäre" gibt, die eben doch nur unsere Mütter um sich zu verbreiten verstehen. Und warum? Es sind nicht etwa die großen Sorgen und Kümmernisse, daß der Vater draußen steht, daß das Geschäft weitergeführt werden soll — da sind unsere tapferen Frauen auf ihrem Platz und leisten das Doppelte und Dreifache, ohne mit der Wimper zu zucken. Aber die kleinen Dinge sind die Uebeltäter. Und unter diesen ist es vor allem das erschwerte Einkäufen, das lange Warten in den Läden. Durch die in den Läden eingeführte Mittagsruhe ist natürlich eine gewisse Zusammenschiebung der Käuferinnen erfolgt, sie aber unwesentlich wäre, wenn sie sich über die gesamten Vormittagsstunden erstreckte. Aber nein: alles will pünktlich zwischen 10 und 11 Uhr ein kaufen. Man ist es gewöhnt, vorher die notwendige Hausarbeit zu machen und dann seine Wege zu gehen. Und dabei bleibt es, auch wenn man länger warten und sich dann mit dem Mttagessen abhetzen muß, um schließlich nach Zeitgemäße Gerichte. Mit ihrem altgewohnten Kochbuch kann die Hausfrau heute nicht allzu viel anfan-gen. Vielmehr muß sie sich selber Gerichte ausdenken, die den ihr zur Verfügung stehenden Lebensmittelrationen Rechnung tragen. Gewisses Kopfzerbrechen machen meist die fleischlosen Tage, die wir jetzt etwas häufiger als früher einschalten müssen. Wir wollen es uns dabei nicht so bequem machen, an solchen Tagen das Fleisch einfach wegzulassen und nur Gemüse mit Kartoffeln aus den Tisch zu bringen; denn dann empfindet man das Fehlen des Fleisches zu leicht als Mangel. Wird hingegen das Gemüsegericht anderweitig schmackhaft zusammengestellt, so bedeutet es eine angenehme Abwechslung im Küchenzettel. Jetzt ist z. B. die Zeit des Grünkohls, der erst so richtig schmeckt, wenn er Frost b e - kommen hat. Ueberbies ist er unser vitaminreichstes Wintergemüse und sollte schon aus diesem Grunde weitgehendst Berücksichtigung finden. Allerdings erfordert er zur Zubereitung etwas mehr Fett als andere Gemüse. Dafür aber eignet er sich gut als fleischloses Gericht, worauf es uns ja am meisten ankommt. Haben wir zufällig einen Rest Bratentunke, können wir ihn damit geschmacklich sehr verbessern, und als Beilage geben wir an Stelle gewöhnlicher „glasierte" Kartoffeln, die folgendermaßen zubereitet werden: Ausgesuchte kleine Kartoffeln werden in der Schale gekocht, heiß abgezogen und aus 1 Teelöffel Fett, in dem man ein wenig Zucker bräunt, wird eine kurze Tunke bereitet, in der die Kartöffelchen unter Umwenden solange gedämpft werden, bis sie braunglänzend aussehen. Haben wir Blumenkohl zur Verfügung, können wir alle möglichen schönen fleischlosen Gerichte daraus bereiten, z. B. indem wir den zerteilten Blumenkohl in wenig Flüssigkeit, halb Wasser, halb entrahmte Frischmilch, nicht zu weich dämpfen, mit diesem Blumenkohlwasser eine pikante Tunke bereiten, die wir mit DPM. oder Kartoffelmehl und 1 Eigelb andicken und mit ein klein wenig Essig und ein paar Tropfen Würze abschmecken. In diese Tunke geben wir noch Kapern oder geschälte Krabben, schichten bann ben Blumenkohl mit gekochten, in Scheiben geschnittenen Kartoffeln in eine eingefettete Austaufform, gießen bie Tunke barüber und überbacken ihn in ber Bratröhre. Ein vorzügliches Gemüsemischgericht ergeben Sellerie, Porree u n b Mohrrüben, alles Wintergemüse, bie uns ausreichend zur Verfügung stehen. Sie werden in Streifen bzw. in Scheiben geschnitten, in Del ober beliebigem Fett an gedünstet unb bann in Tasse entrahmter Frischmilch bei gelinder Hitze im festgeschlossenen Topf weichgeb ünst et. Als Beilage zu diesem sehr schmackhaften Gemüse eignen sich gut Kräuterplinsen, bie man ihres herzhaften Geschmacks halber als „falsche Buletten" bezeichnen kann. Am besten nimmt man dazu Hafer flocken, bie man in Wasser so lange kochen läßt, bis sie dick ausgequollen sind, und nach dem Erkalten mit 1 Ei, Gewürz und gehackten Kräutern und soviel Mehl vermischst, daß man aus ihnen Bratlinge formen kann, bie man in Del ober etwas zerlassenem Fett ausbätft E. Knauth. Die Schwesternschaften des Deutschen Roten Kreuzes. Die Schwesternschaften bes Deutschen Roten Kreuzes finb bie einzige Gruppe ber Einsatzkräfte, bie voll beruflich tätig, finb unb Gemeinschaften für bie Lebensführung ber Schwestern bilden. Die oor Jahrzehnten gestaltete Lebensform als „Mutterhaus". bie alter Ueberlieferung entspricht, ist in die Neugestaltung des Deutschen Roten Kreuzes übernommen worden, um sie in nationalsozialistischem Geist fortzuführen Die 65 Schwesternschaften in allen Teilen bes Gr ostdeutschen Reiches haben nach der Dienstvorschrift „die hohe unb verantwortliche Aufaabe, die erforderliche Zahl ftaatlid) geprüfter, m Kriegssanitätsdienst ausgebildeter Schwestern für den Sanitätsdienst der Wehrmacht in Frieden und Krieg, für den zivilen behördlichen Luftschutz, für den amtlichen Sanitätsdienst bei besonderen Notständen unb für bie Mitarbeit an ber Volksgesundheit bereitzustellen. Sie tragen bie Verantwortung für bie Aus- unb Fortbilbung ber Schwestern in ber Krankenpflege. Sie wirken bei ber Aus- unb Fortbildung der Helferinnen unb Schwesternhel- ferinnen ber DRK. mit. Der Schwesternberuf ist nächst bem ber Hausfrau unb Mutter ber natürlichste und mefensge- rnästeste aller Berufe ber Frau. Er hat feine Eigengesetzlichkeit, b. h er fordert eine Haltung, bie nicht vorgeschrieben wirb von bem, ber ihn ausübt, son- bern allein von bem, für ben er ausgeübt wird, vorn Kranken. Die Schwester soll im eigentlichsten Sinn bes Wortes berufen fein, um in ihrem Schaffen glückhafte, lehenserfüllende Befriedigung zu gewinnen. Die Leitung der Schwesternschaft liegt in der Hand der Oberin. Ihr steht der Vorsitzende zur Seite, mit dem sie sich in die Aufgaben der Führung und Vertretung der Schwesternschaft nach außen und nach innen teilt. Ein Verwaltungsrat, aus Männern und Frauen gebildet, steht der Oberin und dem Vorsitzenoen zu fachlicher Beratung zur Verfügung. Die Oberin ist es, die der Schwestern- schäft das Gepräge gibt. An ihre Dersönlichkeit und Führereigenschaft werden deshalb yohe Anforderungen gestellt. Von ihr hängt es ab, ob die aus allen Schichten des Volkes sich rekrutierenden Schwestern zu starken Persönlichkeiten geformt werden, die in jeder, auch der schwersten Probe bestehen. Don jeder Schwester ist die gemeinsame Ehre der Schwesternschait zu wahren und das Schild des Roten Kreuzes rein zu halten. Das Mutterhaus soll eine Gemeinschaft gesunder, froher unb tätiger Menschen bilden, die bewußt an der Neugestaltung Deutschlands durch Adolf Hitler teilnehmen. Es ist eine Keimzelle und Pflegestätte nationalsozialisti« scheu Wollens und Glaubens. Das Mutterhaus ist der eigentliche Mittelpunkt der Erziehung uich Aus. biDung für die jungen Schwestern. Für die Auswahl des Nachwuchses, die Aus- und Fortbildung hat die Schwesternvorschrist des Deutschen Roten; Kreuzes und das Krankenprlegegefetz vom 28. September 1938 eine neue einhettliche Grundlage geschaffen. Der Schwestern beruf erfordert starke und frohe, sich immer wieder erneuernde Kraft, aus der die Fähigkeit wächst, den Kranken helfen und Kraft abgeben zu können. Die unerschöpfliche Quelle solcher Kraft ist die Gemeinschaft. Deshalb ist das Mutterhaus als Zusammenschluß der Schwestern zur Pflege des Gemeinschaftslebens eine Form des höchsten Wertes für die Berufserfüllung. Das Mutterhaus gibt feinen Schwestern aber auch fachlich die Voraussetzungen der besten Ausbildung und des befriedigenden Schaffens, macht die Schwestern frei von der Sorge um das tägliche Leben und stellt sie sicher für die Zeiten der Krankheit, die Arbeitsun- fähigkeit und des Alters. Das Mutterhaus als Pflegestätte des Gemeinschaftslebens ist auch eine unvergleichliche Schulung für die große Zahl der Mädchen, die nur vorübergehend diesen Beruf ergreifen und später eine Che schließen. Mit dieser Schulung gibt das Deutsche Rote Kreuz dem deut- schen Volke Tausende von Frauen und Muttem, die damit die vollkommenste Vorbereitung für ihre Lebensaufgabe, die Familie, erhalten. Auch die ausgeschiedenen und noch ausscheidenden DRK.-Schwestern, die heiraten oder einen anderen Beruf ergreifen, bleiben in fester Verbindung mit ihrem Mutterhaus als Bereitschaftsschwestern. Sie haben in regelmäßigen Zeitabständen eine mehrwöchige praktische Uebungszeit abzulegen, soweit ihre FamilienverhäÜnisse dies irgend gestatten. Auch Reserveschwestern, die in ein öffentlich rechtliches Beamten- oder Angestelltenverhältnis treten, und Hilfsschwestern bleiben dem Mutterhaus ver- Kunden. Das Tätigkeitsfeld jeder Schwesternschaft erstteckt sich über eine Pielzahl von Arbeitsstätten. Außer den eigenen Anstalten und Einrichtungen des Deutschen Roten Kreuzes sind auch ttemde Arbeitsfelder, wie grundsätzlich alle Wehrmachtlazarette und Fliegerhorste, die meisten Universitätskliniken, größere, mittlere und kleinere gemeindliche Krankenhäuser und Heilstätten, Krankenanstalten der Knappschaften und der Invaliden- und Krankenversicherung mit DRK.-Schwestern besetzt. Rezepte. Wintergemüsesuppe: 30 Gramm Fett, 1 kleine Zwiebel, 1 große Möhre, etwas Peter- silienwurzel, Sellerie, Lauch, 50 Gramm Mehl, Master oder Brühe, Kräuter (frisch oder getrocknet), etwas Milch. Das feingeschnittene Suppengemüse dünstet man mit Fett an, gibt das Mehl hinzu, dann das Master oder Brühe und läßt alles gar kochen, streicht durch ein Sieb, gibt die Milch dazu und schmeckt mit Salz und Kräutern ab. Kartoffelspeise: 1 Kilo Kartoffeln, 50 Gramm Fett oder Margarine, 1 Eßlöffel Tomatenmark, etwas Speck, 4 Eßlöffel Milch, 1 Ei oder 2 Teelöffel Milei, 1 große feingeschnittene Zwiebel, Salz. Fett zergehen lasten, die gekochten und in Scheiben geschnittenen Kartoffeln, Zwiebel und den in kleine Würfel geschnittenen Speck anbraten lassen. Das Ei oder Milei verrührt man mit Milch, Salz und Tomatenmark, gießt es über die Kartoffeln und läßt es noch kurze Zett zugedeckt durchziehen. Quargzitronencreme: 375 GrammQuarg wird durch ein Sieb gestrichen und mit einem einfachen Pudding (abgekühtt), der kräftig mit Zitronensaft- und Schale abgeschmeckt ist, langsam verrührt. Grünkenn auflauf: 200 Gramm Grünkern- schrot, 3/< Liter Brühe, 20 Gramm Fett, 1 gedämpfte Zwiebel, Kräuter, etwas Tomatenmark, Salz, 1 Ei oder 2 Teelöffel Milei. Man kocht den Grünkern zu einem dicken Brei. Wenn abgekühlt gibt man die übrigen Zutaten dazu. Das Eiweiß ober Mil ei wird zu Schnee geschlagen und zum Schluß untergemischt. Das Ganze gibt man dann in eine gefettete Auflausform und backt es ungefähr 1 Stunde. Züricher Eintopf: In Würfel geschnittenes Schweinefleisch wird angebraten. Dann gießt man Wasser dazu und gibt Möhren, in grobe Streifen geschnittenen Wirsing und feingeschnittene Zwiebel hinzu. Wenn das Gemüse fast gar ist, gibt man in grobe Würfel geschnittene Kartoffeln hinem, kocht alles gar und schmeckt Mit Salz und etwas Knoblauch ab. Wenn wir unseren Kindern Mrchen erzählen! Die Märchen enthalten mehr Weisheit als die ganze Philosophie. (H. St. Chamberlain.) „Mit einem Märchen kann ich alles erreichen!"' Die Wahrheit dieses Ausspruches kann wohl jede Mutter einmal in einer bestimmten Altersperiode ihres Kindes bestätigen. Um ein Märchen zu hören, geht Dieter artig zu Bett, Renate läßt sich sogar ohne Geschrei kämmen, Hans-Günther zappelt bei Tisch nicht mehr mit dem Stuhl und Ellen ißt artig die Suppe auf, die sie doch so gar nicht mag. Wie ist diese Zaubermacht, die das Märchen auf die Kinder ausübt, zu erklären? Man hat immer wieder festgestellt, daß die Welt des Märchens in S besonderem Maße der Welt des Kindes, feinen gkeiten und seinem Aufnahmevermögen ent- j spricht, weil die Märchen die Phantasie des Kindes — eine seiner frühesten und am stärksten entwickelten geistigen Gaben — anregen und beflügeln. Und da sich fast ausnahmslos alle Kinder mit einer so nimmermüden Begeisterung dem Märchenerzählen erschließen, darf man folgern, daß es Märchen zu allen Zeiten gegeben hat und geben wird. Den Ursprung der Märchen und Sagen führt man bis auf die Germanen zurück, ja, man kann sogar Spuren bis in das urinoogermanische Altertum zurückverfolgen — ein Beweis, wie groß die Kräfte des Märchens sind, daß es Jahrtausende überdauert hat. Solche Kräfte zu nutzen, ist notwendig, besonders dann, wenn sichtbar wird, daß sie — wie Märchen und Sagen — nur wertvoller und sogar angenehmer Natur sind. Und darüber hinaus ruft nicht nur das Anhören der Märchen solch unbeschreibliches Kinder- glück hervor, sondern auch Märchen erzählen macht Freude. Allerdings ist es nicht allen Müttern gegeben, aus dem Schatz chrer Kindheitserinnerungen Märchen und Sagen zum Erzählen sozusagen „aus dem Aermel zu schütteln". Märchen erzählen ist nämlich eine Kunst, die gepflegt sein will, und wer feine Aufgabe ernst nimmt, muß wohl schon manchmal eine Stunde opfern, um sich darauf vorzubereiten. Wenn nun eine Mutter ab"r nicht so pbantasiebeoabt ist und auch nicht die Kunst des Erzählens beherrscht, soll sie ruhig zum Buch greifen und die Märchen lieber vorlesen. Das schützt übrigens auch vor einem Fehler (so nennen es wenigstens die Kinder), der schöpferischen Menschen leicht unterläuft: das Märchen von der Goldmarie, das sich das Kind immer und immer wieder wünscht, fedesrnal auf eine andere Weise zu erzählen. Da kann es dann geschehen, daß Bübchen völlig verstört über diese „Entstellung" ist und die Mutter verbessert:: „Aber Mutti, gestern hast du mir doch erzählt, daß die Pechmarie eine Schürze angehabt hat." Diese Genauigkeit beim Zuhören, die fast etwas unbequem werden könnte, beweist, wie stark sich die Kinder mit den Gestalten des Märchens identifizieren und wie sie alles Tun und Treiben der Märchengestalten in ihr eigenes kleines Leben übernehmen. Daß sie ein und dasselbe Märchen täglich wiederhören wollen, ist die echt kindliche Veranlagung, sich etwas ganz zu eigen zu machen. Da heißt es also für die Mutter: niemals ungeduldig werden. Dafür ist ja auch der Mutter mit der Vielzahl der Märchen und Sagen — man denke nur an den großen Schatz von Gebrüder Grimms Kinder- und Hausmärchen — ein Erziehungsinstrument_ in die Hand gegeben, auf dem sie in allen gewünschten Tonarten spielen kann. Die Kraft der Märchen liegt ja in den handelnden Personen, die fast immer die gleichen Charakteranlagen aufweisen und die es auf diese Weise vermögen, die Kinder zum Entzücken I ober zum Abscheu hinzureißen. Der Prinz und die Hexe, der Bettler und der Bauer, sie alle zeigen klar auf, was gut und böse ist, und sie handeln so, wie das Kind jetzt oder später einmal handeln muß. So kann die Mutter, dem Kinde ganz unbewußt, in ihm die Kräfte wecken, daß es ohne zu wägen, alles Gute und Edle erkennt und sich danach richtet, und alles Böse ablehnt. Und mit ein wenig Geschick läßt sich sicherlich das Passende, gerade für die Erziehung notwendige Märchen auswählen. Gibt es eine anschaulichere Warnung, wie man es nicht machen darf als Grimms Märchen vom Großvater und Enkel? Da wird der alte Mann vom Sohn und Schwiegertochter von Tisch gewiesen, weil seine zitternden Hönde das Essen verschüttet haben. Es ist ein herrliches Märchen, besonders dann, wenn Dieter gerade am Tag vorher in aller Öffentlichkeit verkündet hat, daß Oma infolge ihres Alters einen Teller hat fallen lassen. Märchen erzählen hat aber auch noch eine andere Bedeutung. Genau so, wie sich die Erwachsenen an der Sprache der Klassiker bilden, so ist das Märchen die erste Möglichkeit für die sprachliche Erziehung an unfern Kindern. Und die einzelnen Sätze eines Märchens prägen sich bekanntlich sehr eindrucksvoll den kleinen Gehirnen ein und vervollständigen damit den kindlichen Sprachschatz. Wenn man darüber hinaus dann noch die Kinder anregt, die gehörten Märchen den kleineren Geschwistern wiederzuerzählen, so sind die Erziehungsmöglichkeiten beim Geschichtenerzählen in geradezu idealer Weise ausgenutzt. Lisa Peck. Vergeht die hungernden Vöael nicht! Liegt eine Schneedecke über Feld und Flur, dann wird dadurch den Vögeln die Möglichkeit zur Nahrungssuche und Nahrungsaufnahme genommen. Wir muffen den gefiederten Sängern, die uns im Winter treu geblieben find, fo gut als es in unserer Macht steht, diese Möglichkeit bieten. Die Vögel ind uns die Sommermonate hindurch wirtliche Hel- er, denn sie vernichten Unmengen von Obstbaum- chädlingen, wie die Maden des Apfelwicklers, Blattlaus- und Frofffpannereier ufw., und es wäre unDemünftig, ihre Hilfe gering zu achten. Darum füttert die Vögel, vor allem die nützlichen Vögel, fo die Meifen, mit Hanffamen. Sonnenblumenkemen ufw. Die Futterplätze müssen vor der Bedeckung mit Schnee und auch vor Katzen geschützt fein. Also nochmals: Füttert die nützlichen Vögel! Aus -er Sia-t Gießen. Sas Nastüchlein. Seit einem halben Jahrtausend kennt man bas Taschentuch, doch erst spät ging man von dem Brauche ab, es als Zierat in der Hand oder auf dem Gesangbuch zu tragen, wobei es fast ganz aus Spitzen bestand, also für alle Herkünste aus der Nase durchlässig gewesen sein würde. Heute ist das Taschentuch ein fo selbstverständliches hygienisches Zubehör, daß es auch auf der Kleiderkarte als ein Punkt für Frauen, zwei Punkte für Männer zu feinem Rechte kommt. Auch das Taschentuch hat zwei Seiten. Einerseits befreit es uns im Zustande der Verschnupfung aus peinlicher Verlegenheit, anderseits bildet es nach einigem Gebrauch eine Gefahrenquelle für unsere Umgebung, sofern wir es nicht richtig verwenden. In ihm sammeln sich die Bakterien, die oft genug selbst in „gesunden" Tagen auf den Schleimhäuten von Nase und Rachen leben, trocfnen ein und werden beim Herausziehen und Entfalten des „Nas- tüchleins" umher gewirbelt, andern zum Schaden. Unter ihnen sind oft genug neben den Erregern harmloser Krankheiten auch die der Tuberkulose, der Lungenentzündung, der gefährlichen Grippe, der Hirnhautentzündung usw. Im dunklen Grunde der Tasche bleiben diese Keime sehr lange lebensfähig. Darum soll jeder mit seinem Taschentuch vorsichttg, d. h. unter Rücksichtnahme auf seine Mitmenschen umgehen. Schon nach jedesmaligem Gebrauch des Tuches soll dieses so zusammengelegt werden, daß die Feuchtigkeit in der Mitte des geknüllten Tuches bleibt unb sich nicht auf das Futter der Tasche übertragen farm. Beim Herausziehen aus der Tasche möge man das Tuch nicht etwa in aller Öffentlichkeit weit entfalten und womöglich als wehende Föhne schwingen oder gleich einem Staubtuch ausstäuben. Auch sollte man das Ausspeien ins Taschentuch vermeiden. Die Gütergemeinschaft am Taschentuch bei Mutter und Kind ist höchst verwerflich und ein Schlag ins Antlitz der mütterlichen Fürsorge, sind doch kleine Kinder gegen Ansteckung besonders empfindlich. Eines der strengsten Gebote der Gesundheitslehre ist, daß Mutter und Pflegerin ihr eigenes Taschentuch nicht dazu verwenden dürfen, dem Kind Mund und Nase zu reinigen. Gelegentlich sieht man einen verliebten jungen Mann vor dem Stelldichein seinen Stiefeln den letzten Hochglanz geben durch Abstäuben, wozu natürlich das Taschentuch rasch zur Hand ist. Oder ein Kavalier stäubt feiner Angebeteten mit feinem Nas- tüchlein die Bank ab, darauf sie sich setzen soll. An gewissen Orten auch beobachtet man Reinlichkeitsfanatiker, die nach dem Abspülen ihrer Hände diese mit dem Schnupftuch abtrocfnen, weil der Gastwirt ein Handtuch aufzuhängen vergessen hat, oder das vorhandene schon vor Nässe tropft oder von Schmutz starrt. All diese mißbräuchliche Benutzung des Taschentuches ist verwerflich, weil für uns und die Allgemeinheit gesundheitsschädlich. Vornoti,en. Tageskalender für Donnerstag. Stadttheater: Geschlossene Vorstellung für KdF. „Zigeunerbaron". — Gloria-Palast, Seltersw"g: „Der singende Tenor". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das Gewehr über". BOM.-ttntergau 116 Gießen. BDM.-Verkgruppe 4a/116, Werkschar. Alle Mädel der Werkschar treten ab 7. Januar 1940 wieder jeden Sonnatg morgen um 8.30 Uhr am Moeserheim an. rlS-GenleiliWsk M Stuft M Steuöe Abteilung Sporfamt Heute, Donnerstag, den 4.1., in der Schillerschule fröhliche Gymnastikstunde. Beginn 20.30 Uhr. 38D Elisabeth und ihre Väter. 23on Friedrich Iretia. Konny, Heini, Fred, Berti und Max waren junge Menschen von knapp 21 Jahren. Jeder hatte einen anderen Beruf, aber eins einigte sie: Die Freude am Fliegen! — Ihr Lehrer war der 34jährige Flug- zeug-Jngenieur Georg Dankwarch. In feinem Häuschen am Flugplatz fanden sie Unterkunft, wenn jie, rote sie es seit drei Jahren zu tun pflegten, ihre Ferien der Fliegerei wdmeten. Dankwarch hatte seine gleichaltrige Frau schon mtt zwanzig Jahren geheiratet. Sie besaßen ein 13jähriges, zierliches, kleines blondes Mädchen Lisa- beth, das die fünf Flugfreunde wie große Brüder verwöhnten. Für jeden der Fünf waren diese Fsrien- wochen im Freien, in der Luft oder im Garten des kleinen Hauses seligste Zett der Jugend. Sie spielten mit dem Kinde und verehrten die Mutter, eine schöne, gehaltene Frau, die mit jeder Bewegung etwas wie Glanz und Glück ausstrahlte. Aber dann in einem Jahre folgten zwei schwarze Tage hart aufeinander. Die Fünf erfuhren durch einen Brief Georg Dankwarths, daß die schöne Frau durch die Grippe dahingerafft sei, und sofort eilten sie zu ihrem lieben Freunde und Lehrer, um ihm äu helfen, der Toten die letzte Ehre zu erweisen. Aber als sie ankamen, war der zweite Streich des Schicksals schon geschehen. Georg Dankwarch hatte ein von ihm neu konstruiertes Flugzeug ausprobieren wollen, denn er hatte, wie sie von seinem Werkmeister hörten geäußert: „Nur Arbeit und Erfolg können mich über diesen Schlag hinweg- bringen!" Und dort droben in der Luft, da hatten vielleicht die letzten schweren achtundvierzig Stunden an ihm ihre Wirkung getan. Jedenfalls hatte er beim Niedergehen Bäume gestreift, war abgestürzt. Dos Flugzeug war wenig beschädigt. Keiner konnte begreifen, warum der Tod zugegriffen hatte. Die fünf Freunde betraten das ihnen so liebgewordene Haus und sahen das Kind verstört im Garten stehen. Als das kleine Mädchen die guten großen Brüder sah, fing sie herzerbrechend an zu meinen. Jeder nahm sie in die Arme und tröjtete sie. und schnell war ein Uebereinkommen getroffen. Da die zeitlichen Güter Georg Dankwarths nicht groß waren, erklärte jeder der jungen Leute sich bereit, etwas für die Erziehung des kleinen Mädchens beizusteuern, das alsbald in eine freundliche Pension gegeben wurde. Alle halbe Jahre kamen die Freunde zusammen, um gemeinsam die Berichte der Pensionsmutter des Kindes durchzugehen. Sie erhielten auch Briefe von ihrer kleinen Pflegetochter und Bilder, die da zeigten, daß das Mädchen wuchs und die Schönheit der Mutter geerbt hatte. Bei einer Weihnachtszusammenkunft wurden sie sich ohne viel Worte darüber klar, daß jeder die Hoffnung hegte, einmal dieses Kind ganz für sich zu gewinnen. Der Punsch hatte die Lippen gelöst. Das Geständnis war — keiner wußte recht wie — gemacht worden, und nun sahen sie einander an. Max erklärte: ,Ha, wenn das so ist, dann müssen wir etwas tun, damit wir wirklich Freunde bleiben und keiner den anderen übervorteilt. Wir wollen uns das Wort geben, unsere kleine Lisabeth nicht mehr persönlich zu besuchen, und wenn sie dann 18 Jahre all ist, sich von der Schule sreigeschwom- men hat, dann laden wir sie gemeinsam ein, und dann kann sie ja entscheiden, wen sie von uns mag!" Und da jeder die Hoffnung hatte, Lisabeth hätte ihn von allen Fünfen am liebsten, wurde der Pakt geschlossen. — Die nächsten drei Jahre vergingen. Jeder der Fünf arbeitete härter, damit Klein-Lisa- bet!) ein schönes Heim fände. Und endlich kam jener Weihnachtstag, wo in einem Sälchen des kleinen alten Gasthauses die fünf Männer beisammen faßen und Lisabeth erwarteten. Die Tür tat sich auf und vor ihnen stand hoch- gewachsen, rank, schlank das blonde Mädchen mit den tiefen grauen Augen. Das Haar auf dem Kopf gemahnte an einen goldenen Helm. Jedem der Fünf schlug das Herz heftiger. Sie aber lief unbekümmert auf sie zu und rief: „Guten Abend, meine lieben Papas! Wie schön, daß ich euch endlich wie- dersehe! Warum hat denn ferner von euch mich besucht?" Die Fünf schauten sich an. Max, der Wortführer, bat Elisabeth, Platz zu nehmen. Das Essen wurde aufgetragen, der Wein eingeschenkt. Lisabeth mußte das Despräch im Gang halten. Eine ihrer ersten Fragen lautete: „Warum habt Ihr mich eigentlich nicht am Bahnhof abgeholt?" „Ach", sagte Max, „auf dem Bahnhof ist es doch reichlich ungemütlich!" „Ja", erwiderte Elisabeth, „wenn man so allein anfommt!" Aber schon war sie über diese Frage hinwegHeglitten und wollte nun wissen, ob die Fünf noch miteinander flögen. Darauf erhielt Jie lahme Antworten: soviel Zeit könne doch nicht erüorigt wer- den, und die Ferien des einen paßten nicht zusammen mit denen der anderen. „Ach", seufzte das Mädchen, „ich hatte gedacht, Ihr könntet gar nicht anders, Ihr müßtet jedes Jahr zusammen sein!" — Und jeder der Fünf merkte Elisabeths Enttäuschung. Die Tafel war beendet. Sie gingen in ein anderes Zimmer, wo der Christbaum hergerichtet war, und Lisabeth wurde ganz rot vor Freude über die vielen Geschenke. Einer nach dem andern ging zu Max und mahnte ihn leise: „Du mußt jetzt dem Mädchen sagen, wie es mit uns steht!" Da aber rief Lisabeth freudig: „O, meine lieben Papas, ich muß jetzt jedem von euch einen Kuß geben! So ein schönes Weihnachten habe ich noch nie, seit ich in der Pension war, wieder erlebt!" Und plötzlich fiel sie jedem der Fünf um den Hals und gab ihm einen herzlichen Kuß. Die fünf Männer schauten jetzt beinahe verzweifelt einander an. Keiner fühlte sich bevorzugt. Max räusperte sich. Da rief Elisabeth: „Nun will ich euch ein Geständnis machen! Ich habe mich vor acht Tagen verlobt! Natürlich ist er auch Flieger, in der Armee! Wollt Ihr ihn sehen?" — Und sie öffn-te ihr Handtäschchen und zog das Bild eines hübschen jungen Fliegeroffiziers hervor. Sie reichte es Max zuerst. Der biß sich die Lippen und sagte: „Gott sei Dank, daß es wenigstens ein Flieger ist!" Die andern stellten sich hinter Max und schauten chm über die Schultern. Sie waren alle enttäuscht und doch irgendwie erleichtert. Jeder hatte seinen schweren Brocken herunter geschluckt und machte ein ernsthaftes Gesicht. Es war sehr still im Zimmer. Nur die Kerzen des Christbaumes knisterten. Elisabeth trat zurück. Sie schaute mit großen Augen auf die Männer, die alle noch auf die Photographie starrten, die jetzt unter dem Christbaum lag, und zweifelhafte Mienen machten. „Stehe Papas", ries sie, „seid Ihr denn nicht einverstanden? Er ist so ein guter Junge! Ihr müßt chn euch selbst ansehen!" Die fünf Papas schauten sich um, sahen das schöne Mädchen, das ihnen nun ganz ferngerürft war, denn es war nicht mehr die kleine Lisabeth, sondern eine reife, sehnsüchtige Frau. Max nahm das Wort: ,Lch glaube, es ist das Beste, was geschehen konnte!" „Ja", sttmmten die andern bei, „es ist das Beste!" „Und nun wollen wir Champagner trinken", rief Max, „und wollen dabei deiner lieben Mutter und deines lieben Vaters gedenken!" Da traten Tränen in die Augen Elisabeths. „Wie gut Ihr doch seid, Ihr Papas!" Und wieder nahm sie einen jeden in die Arme und gab ihm einen Kuh. Die Fünf aber schauten sich an, und nun war es, als ob sie einer schweren Gefahr entgangen waren, nämlich der Gefahr, einander um dieses schönen Mädchens feind zu werden! Und noch einmal bekräftigten sie: „Ja, so ist es das Beste!" Seiffcbriften. — Die Pracht farbiger Sternbildkarten ist für die meisten ein verschlossenes und kaum gekanntes Gebiet. Ein Sammler solcher Karten und ©loben, Dr. E. Katinszky, führt die Leser des Januarheftes von Velhagen & Klasings Monatsheften m diese überraschend phantasievolle Welt ein und läßt seine Abhandlung mit einer Anzahl bunter Bilder aus seiner Sammlung begleiten. Ein Zweiter gilt dem Maler Georg (sichert Mt bisher unbekannten Bildnissen ist der Auffatz von Professor Dr. Stephan Ley „Beethoven als Hausfreund in einer Wiener Familie" ausgestattet. An erzählenden Beiträgen bringt das Heft den Anfang des neuen Romans von Kurt Kluge, den Verfasser des ,^Herrn Kortüm". Daneben stehen eine Novelle ans dem Kriege „Die Gottesmühle" von Claus Back und eine Erzählung aus den Kolonien „Die Erscheinung" von Hermann Eris Buffe. An sonstigen Beiträgen bringt das auch mit Kunstbeilagen ge- schmückte Heft das Ergebnis des Preisausschreibens „Wer kennt unsere Künstler?" und des mit einem Preis von 1000 RM. ausgestatteten Novettenpreis» ausschreibens der Hefte. Ein Kind irrt durch die Wälder Arizonas. In den Bergwäldern von Winslow im nördlichen Arizona (USA.) begab sich der kleine siebenjährig^ Bruce Crozier mit seinem Vater auf einen Pirsch- Fang. Der kleine Junge saß hinter dem Vater im Sattel, verlor aber offenbar infolge Uebermüdung das Gleichgewicht und fiel vom Pferde, ohne daß der Vater etwas davon merkte. Das Kind verirrte sich in dem dichten Gebüsch, und obwohl der Vater stundenlang herumsuchte, mußte er schließlich doch unverrichteter Sache nach Hause zurückkehren, um der Mutter die traurige Nachricht vom Verschwinden des Söhnchens zu bringen. Sofort am nächsten Tage machten sich Suchmannschaften auf den Weg. Tagelang durchstreifen sie vergeblich die ganze Gegend, bis endlich am 6. läge der kleine Bruce, den man schon verlorengegeben hatte, gefunden wurde. Das Kind saß entkräftet in einer Felsenhöhle, zum Skelett abgemagert und vor allen Dingen so verdurstet, daß man ihm sofort Flüssigkeit in dis Jabern infizieren mußte, um es am Leben zu er- halten. Der kleine Bruce erzählte, nachdem er sich erholt hatte, daß er versucht habe, sich auf den (Spuren des Vaters nach Hause zurückzufinden. Nachts flüchtete er sich in Vertiefungen zwischen oen Felsen, um sich gegen empfindliche Kälte zu schützen. Zu essen fand er ab und zu eine Handvoll Pinienkerne, und ein einziges Mal fand er auch em wenig Wasser in einer Pfütze zum Trinken. Oester begegneten ihm Hirschkälber, niemals aber die gefürchteten Bären, die es ja in jener Gegend noch sehr zahlreich gibt. Vor den Tieren des Waldes hatte der Kleine jedoch keine Angst, er dacht« aar nicht daran,.daß sie ihm etwas tun könnten. Am letzten Tage war er schon so schwach, daß et seinen Zufluchtsort nicht mehr verlassen konnte, aber er raffte sich noch einmal auf zum Schreien, als eine der Hilfsmannschaften, die sich durch Flintenschüsse und Rufe bemerkbar machte, nicht weit von ihm vorbeikarm Von der Universität Gießen. Der ordentliche Professor für Bürgerliches Recht, Awilprozeßrecht und Rechtsphilosophie an der Universität Gießen Dr. Bley hat einen Ruf cm die Universität Graz erhalten. Gietzen-Klein-Linden. Wehrwiffenschastliche Vorträge unserer Universität. Oer erste Abschnitt einer größeren Vortragsreihe. Der Eisenbahnschaffner i. R. Christoph B 0 cking, wohnhaft in Gießen-Klem-Linden, kann am morgigen Freitag, 5. Januar, seinen 70. Geburtstag feiern. Der Jubilar erfreut sich noch aller geistigen und körperlichen Frische und nimmt an den Ereignissen unserer Zeit lebhaften Anteil. Im Kreise seiner Bekannten erfreut er sich hoher Wertschätzung. Wir wünschen dem Jubilar, dem langjährigen treuen Bezieher des „Gießener Anzeigers', einen frohen Lebensabend. Bei der Umsiedlung im Handwerk beachten. NSG. Siedelt ein Handwerker unter Ausgabe seines Gewerbebetriebes von einem Ort in einen anderen um, so kann er bei Nichtbeachtung des Runderlasses des Reichswirtschaftsministers vom 7. Ium 1939 in eine schwierige Lage geraten, die unter Umständen zum Verlust seiner Selbständigkeit führt. Nach diesem Erlaß ist die Verlegung eines Handwerksbetriebes nach einem anderen Ort ebenfalls als eine Neueinrichtung im Sinne der ersten Anordnung vom 22. Februar 1939 zur Verordnung über Die Durchführung des Dierjahresplanes aus dem Gebiet der Handwerkswirtschaft anzusehen. Die Verlegung ist demnach nur zulässig, wenn ein Bedürfnis hierfür anzuerkennen ist, worüber die untere Verwaltungsbehörde im Genehmigungsverfahren zu entscheiden hat. Beschwerde gegen diesen Bescheid ist zulässig. Nie ganz frisch. Mit der Wiederaufnahme des Lehrbetriebs und damit der vollen Tätigkeit der Ludwigs-Universität in Gießen am kommenden Montag, 8. Januar, nimmt auch, wenige Tage später beginnend, die von uns Mitte Dezember bereits angekündigte Reihe von wehrwissenschaftlichen Vorträgen der Univer- ität ihren Anfang. Der Besuch dieser wehrwissenschasttichen Vorträge, die im Großen Hörsaal des Vorlesungsgebäudes tattfinden werden, ist vollkommen ko st en- 1 o s. Zugelassen sind die Hörer aller Fakultäten, erner die Angehörigen der Gliederungen der Partei und der Wehrmacht. Die zunächst für das erste Trimester festgelegten Vorträge sind nur der Anfang einer größeren Reche von Veranstaltungen dieser Art, die in den folgenden Trimestern mit der Behandlung der verschiedensten Themata der Wehrwissenschaft fortgesetzt werden. Die Vorträge werden von den für die verschiedensten Fachgebiete der Wehrwissenschaft zuständigen Professoren unserer Universität gehalten, daneben wird man aber auch hervorragenoe Männer aus der Bewegung im Rahmen dieser Vortragsreihe sprechen hören. Die Vorträge werden jeweils um 20 Uhr c. t. beginnen und bis 21.15 Uhr dauern. Die Vortragsreihe wird am kommenden Donnerstag, 11. Januar, mit einem Vortrag aus dem Fachgebiet des Rektors der Universität eröffnet. Die ersten zehn Vorträge sollen an folgenden Tagen gehalten werden: Donnerstag, 11. Januar: Professor Dr. Kranz, Rektor der Universität: „Bevölkerungspolitisches und Rassenbiologisches zum Kampf um den Neubau Europas". Dienstag, 16. Januar: Professor Dr. W i l l e k e : „Hauptprobleme der Kriegswirtschaft". Donnerstag, 18. Januar: Professor Dr. Ses- s o u s : „Ernährungssicherung im Kriege von der pflanzenbaulichen Seite betrachtet". Dienstag, 23. Januar: Professor Dr. Beller: „Tierseuchen im Kriege". Donnerstag, 25. Januar: Professor Dr. Borries: „Bismarcks Stellung zu Staat und Volk". Dienstag, 6. Februar: Professor Dr. Haag: „Seuchenbekämpfung im Kriege". Donnerstag, 8. Februar: Dozent Dr. Deist: „Aufgaben des San.-Offiziers im Rahmen der Wehrwirtschaft". Dienstag, 13. Februar: Professor Dr. K l u t e : „Der Ostraum Europas wehrgeographisch betrachtet". Donnerstag, 15. Februar: Professor Dr. Rolfes: „Fragen der Ernährungssicherung unter wehr- wirtschaftlichen Gesichtspunkten^. Dienstag, 20. Februar: Reichshauvtamtsleiter Professor Dr. Groß, Berlin, Leiter oes Rassenpolitischen Amtes der NSDAP. Thema wird noch bekanntgegeben. Der öffentliche Dienst bei der Berufswahl. Brot soll nie ganz frisch gegessen werden. Wenn es etwas gelegen hat, ist es noch nicht altbacken, bann hat es erst die Eigenschaften, die man- von einem wohlschmeckenden, gut bekömmlicken Brot verlangt. Es sättigt mehr als ganz frisches. Ganz abgesehen davon, daß das frische Brot schwer verdaulich ist, ist dessen Verzehr wirtschaftlich eine Verschwendung, denn man .ißt im Verhältnis mehr davon. Es „schneidet sich im Nu weg". Auf dem LaiÄie, wo die Mahlzeiten gut und kräftig sein und vor allem eine ganze Zeit vorhalten müssen», hat man schon lange die-Gewohnheit, das Brot immer erst abliegen zu lassen, ehe es verbraucht wird. Gefrorene fische langsam auftauen. Bei strenger Kälte kommt es vor, daß Fische beim Verkauf hart gefroren sind. Dies tut jedoch der Güte der Fische keinerlei Abbruch, wenn sie richtig behandelt werden. Dazu gehört vor allem, daß sie langsam aufgetaut und auf keinen Fall auf den warmen Herd oder in heißes Wasser ge- gelegt werden. Durch das schnelle Auftauen zerreißen die feinen Gewebe, unb mit dem Schmelzwasser fließen die besten Säfte aus. So behandelte Fische verlieren viel von chrem guten Geschmack. Man läßt die Fische deshalb am besten in der warmen Küche eine Weile stehen, bis sie wieder geschmeidig geworden sind. Weiter sollte man vermeiden, hartgefrorene Fische vor dem Austauen ab- zuschuppen, da dies nur unnötige Arbeit macht und nach dem Auftauen viel leichter geht. Gießener Vochenmarktpreiie. * Gießen, 4. Jan. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 RM., Matte 25 Rps., Käse, das Stück 5 bis 10, ausländische Kühlhauseier 11, Weißkraut, Yi kg 7, Rotkraut 10, gelbe Rüben 8 bis 9, rote Rüben 12, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 60, Aepfel 15 bis 25, Lauch, das Stück 5 bis 12 Rpf. ** Zahlungsanmahnung. Die Direktion der Stadtwerke mahnt die rückständigen Strom- und Gasgelder im Stadt- und Ueberlandgebiet zur Zahlung an. Die Beträge können noch innerhalb acht Tagen ohne Kosten bezahlt werden. Sprechstunden der Kieoaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstaynach- mittags geschlossen. NSG. Wer hätte noch vor einigen Jahren daran Bedacht, daß es einmal nötig sein würde, unsere ugend bei ihrer Berufswahl auch auf den Beamtenberuf aufmerksam zu machen. Wünschte sich in jener Zeit schärfster Wirtschaftsnot, die so viele Existenzen vernichtete, nicht gar mancher wegen der „sicheren Lebensstellung" an die Stelle des Beamten? Im Gefolge des durch den Nationalsozialismus herbeigeführten Wirtschaftsaufstiegs, der das riesige Arbeitslosenheer verhältnismäßig rasch aufsog, ist das jedoch grundlegend anders geworden. Die Wirtschaft zeigt einen ungeheuren Bedarf an Arbeitskräften, auch die Wehrmacht zieht Tausende und aber Tausende in ihre Laufbahnen hinein. Hinzu kommt, daß es in jedem Zeitabschnitt sogenannte Konjunkturberufe gibt, die auf die Jugend eine besondere Anziehungskraft ausüben. Infolgedessen entstehen ernste Nachwuchssorgen in anderen Berufen, 311 denen nun leider auch der Beamtenberuf gehört. Natürlich soll der junge Mensch, um rechte Lust und Arbeitsfreude mitzubringen, aus seinen Anlagen, Fähigkeiten und Neigungen heraus möglichst von sich aus den Weg zu dem „richtigen" Berufe finden. Auch jetzt ist wieder die Zeit gekommen, wo im Familienkreise ernsthaft über solche Fragen der Berufswahl und der „Aussichten in den verschiedenen Berufen hin und her überlegt wird; denn Hunderttausende von Jugendlichen wollen in wenigen Wochen in das Berufsleben eintreten. Warum aber ist, so fragen wir, die Neigung unter den Jugendlichen, Beamter zu werden, gegen- wärtig so gering? Die Erklärung liegt wohl zum erheblichen Teil in der Verkennung des Beamtenberufes. Die Jugendlichen und deren Ellern denken, wenn sie von Beamten hören, zumeist an das alte häßliche Zerrbild des sogenannten Bürokraten, der in Wirklichkeit gar nicht mehr existiert. Das pulsende Leben des Jndustriezeitalters mit seinen vielfältig gesteigerten öffentlichen Aufgaben stellt Forderungen an Sachkenntnis, geistigen Weitblick, Arbeitsund Tatkraft an den neuzeitlichen Beamten, die wahrhaft alles andere barftellen als seelenlose Paragraphenfuchserei. Selbstverständlich sitzen Tausende von Beamten am Schreibtisch und bearbeiten „Akten". Das stellt jedoch nicht, wie Unwissende meinen, unproduktive Arbeit dar. Verwaltungstätigkeit dient vielmehr der notwendigen inneren Ordnung der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft. Sie ist deshalb durchaus schöpferisch und daneben auch verantwortungsvoll in allen ihren Zweigen. Ohne sie gäbe es kein sinnvolles Leben unter einer Vielzahl von Menschen, ebensowenig wie große Industrieunternehmen und Wirtschaftsorganisationen ohne die ordnende Funktion von Verwaltungsapparaten denkbar sind. Warum sollte also ein junger Mensch, der das Leben mit frischen Kräften anpacken will und Bewährung in der Verantwortung sucht, sich davor scheuen, in Staat und Gemeinde das wirklich verantwortungsbeladene Amt eines Verwaltungsbeamten zu übernehmen? Er könnte gerade hier zeigen, ob er ein ganzer Kerl ist, der schwierigen Aufgaben nicht aus dem Wege geht. Aber es wird in Staat und Gemeinde ja nicht nur „verwaltet". Es scheint wenig bekannt zu fein, daß es im modernen Staat keinen Betätigungsbereich des menschlichen Geistes gibt, in dem nicht auch der Beamte wichtige öffentliche Funktionen versieht. Die engen Wechselbeziehungen zwischen Wirtschaft und Staat zumal finden chren vielfältigen Ausdruck in einer fast unübersehbaren Anzahl von Beamtenberufen. Für jede Fähigkeit und Neigung wird sich bei sorgsamer Umschau eine entsprechende Beamtentätigkeit finden. . Rundfunkprogramm Freitag, 5. Januar. 6 Uhr: Morgengruß. 6.10: Morgengymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8: Landvolk, merk auf! 8.10: Gymnastik. 9.15: Mutter turnt und spielt mit dem Kind: „Die kleinen Boxer". 9.30: Frohe Weisen. 10.50: Sportberichte. 11: Musik am Vormittag. Es spielt das Rheim Mai nische Landes- orchesttr. 11.50: Mikrophon unterwegs. 12: Die Werk pause. 12.30: Nachrichten. 13: Mittagskonzert. Ausführung: Das große Orchester des Reichssenders Hamburg. 14: Nachrichten. 14.10: Der fröhliche Lautsprecher. 15.45: Heimatsprache — Mutterlaut. „Ons Kowelenzer Moddersproch". 16: N achmittags - konzert. Es spielt das große Orchester des Reichssenders Breslau. 17: Nachrichten. 17.45: Klingende Liebesgaben. Eine fröhliche Sendung des Reichssenders Frankfurt für die Kameraden am Westwall. In Verbindung mit der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude". 19.10: Unterhaltungskonzert. 19.10: Berichte. 19.45: Politische Zeitungsschau. 20: Nachrichten. 20.15: Uebertragung vom Deutschlandsender. 22: Nachrichten. 24: Nachrichten. Aus der engeren Heimat. Feuer im Arrestlokal. * Steinbach, 4. Januar. In der vergangenen Nacht brach im hiesigen Arre st lokal Feuer aus. Ein Wanderer, der kein Obdach hatte, war dort untergebracht worden. Da es sehr falt war, machte er sich im kleinen Oefchen Feuer, war aber dabei unvorsichttg, sodaß auch das Stroh Feuer sing, auf dem er die Nacht zubringen sollte. Da der Mann rechtzeittg aus dem brennenden Raum befreit werden konnte, entstand zum Glück lediglich einiger Sachschaden. Landkreis Gießen. T Großen-Linden, 4. Jan. Der Landwirt Ludw. Kehler, Bahnhofstraße 7, feiert am 5. Januar seinen 7 0. Geburtstag. Der Jubilar gehörte früher dem Gemeinderat an, war lange Jahre zweiter Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr und Vorsitzender der Vereinigten Landwirte. Er war immer ein eifriger Vertreter der Landwirtschaft. Heute ist er noch Mitglied des Kirchenvorstandes. Dem Jubilar, einem langjährigen treuen Bezieher des „Gießener Anzeigers", gelten auch unsere herzlichen Glückwünsche zum Geburtstag. Heber 120 Jahre Glockenguß an der Dill. LPD. Dillenburg., 3. Jan. Die Firma Rinker in Sinn (Dillkreis) betreibt nunmehr schon über 120 Jahre den Glockenguß in der Jn- dusttiegemeinde Sinn. Im Jahre 1817 wurde der Glockengießereibetrieb von Leun (Lahn) nach Sinn verlegt. In der gleichen Werkstatt betreibt heute noch die gleiche Familie dieses Handwerk. In über 1200 Städten und Ortschaften des Deutschen Reiches hängen Glocken aus der Gießerei Rinker in Sinn. Auch ins Ausland — sogar bis Südafrika — hat das Unternehmen Glocken geliefert. Ein Ehepaar feiert gemeinsam Geburtstag. LPD. Flörsheim a. M., 3.Jan. Der seltene Fall, daß Eheleute am gleichen Tag ihren Geburtstag im gleichen Alter feiern können, ist in Flörsheim zu verzeichnen. Am heutigen Mittwoch können die Eheleute Jakob Hofmann beide ihren 75. Geburtstag feiern. Wirtschaft. Eintragungen in das Gießener Handelsregister. In das Handelsregister (A) beim Amtsgericht Gießen sind fogende Eintragungen gemacht worden: Der Ehefrau des Inhabers der Firma Parfümerie Richard Koch, Frau Anni Koch, geb. Treuke, in Gießen ist Prokura erteilt worden. — Für die Firma Parfümerie Doll in Gießen,die am 15.November in Gießen ihren Geschäfts) etrieb aufaenom- men hat, sind als persönlich haftende Gesellschafter Kaufmann Jakob Doll in Gießen und Emmy Fürst in Gießen eingetragen worden. Jeder Gesellschafter ist einzeln zur Vertretung der Gesellschaft ermächtigt. — Für die Firma Wilhelm Watz, Zimmergeschäft und Sägewerk, Großen-Linden, ist Zimmermeister Wilhelm Watz als Inhaber eingetragen worden. — Bei der Firma Gust. O v e r h o f s & Sohn, Zweigniederlassung in Gießen, wurde dem kaufmännischen Angestellten Max Theiß zu Wuppertal-Barmen Gesamtprokura für die Hauptniederlassung Mettmann und die Zweigniederlassungen in Düsseldorf, Gießen und Kassel in der Weise enteilt, daß er in Gemeinschaft mit einem anderen Prokuristen zur Vertretung der Firma befugt ist. — Bei der Firma C. Röhr & Co. in Gießen ist der Gesellschafter Karl Röhr sen. durch Tod aus der Gesellschaft ausgeschieden. Die offene Handelsgesellschaft als solche gilt als erloschen. — Bei den Firmen „Gewerkschaft Constanze", „Gewerkschaft Königsberger Gemarkung" und „Gewerkschaft Niederstein" (sämtlich mit dem Sitz der Verwaltung in Gießen) wurde Josef N ö l k e als Mitglied des Grubenvorstandes abberufen und an seine Stelle Kampf um die Sterne. Don Bruno H. Bürgel. Es gibt wohl kaum etwas Phantastischeres als eine völlig verdunkelte Weltstadt, Wohnstätte vieler Millionen Menschen! Die ungeheuren steinernen Schluchten, die breiten Prunkstr aßen, die großen Zentren des Verkehrs, das Gewirr der kleinen Gaffen, sonst in ein Meer von Licht getaucht, in eine festliche Illumination, überflammt von bunten Reklame-Giebeln, die einen Industrie-Schlachtruf bis in den Himmel hineinschleudern, sie sind zu finsteren Labnrinthen geworden, von seltsamen Schemen durchwandelt, Die dennoch eine unerhörte Disziplin auf rechter Straße zum richttgen Ziel führt. Aber über dem geringen Geflimmer spärlicher Rotlichter wird nun etwas sichtbar, was die Großstädter fast vergesten haben: die Sterne des Himmels, die ewigen Strahler der Unendlichkeit, und nicht selten sieht man nun in der großen Stadt Menschen emporschauen zum Firmameitt, die mit einer gewissen Andacht besonders schöne Sterngruppen oder besonders prächtige Gesttrne betradjten, die sonst untergeben im Glanz der elektrischen Sonnen, die £ine Weltstadt erhellen. Ein Stern zieht da vor allem die Blicke auf sich, denn er ist von allen der leuchtendste, ist der König im Heer der himmlischen Lichter. Kurz nach (Eintritt der Dunkelheit sicht man ihn in halber Höhe zum Scheitelpunkt des Himmels, langsam steigt er höher und ist die ganze Nacht hindurch sichtbar. Und wirklich ist er ein König in seinem Reich! Es ist der Planet Jupiter, der große Bruder unserer (Erbe, der mächttAte aller Wandelsterne, die die Sonne umkreisen; der Erdball spielt ihm gegenüber keine größere Rolle als die Erbse neben dem Apfel. Etwas über 600 Millionen Kilometer ist er zur Zeit von uns entfernt, zwölf Jahre braucht er, um einmal die Sonne zu umkreisen, eine von riesigen Wolkengürteln umzogene Weltkugel, die allerdings mit dem Stern, den mir bewohnen, keinerlei Achn- lichkeit hat. Aber es interessiert uns an diesem Planeten noch etwas anderes! Wer ein Freund der Sterne ist und einen guten Feldstecher besitzt, wird bei sorgfältiger Beobachtung dicht neben ♦ Jupiter vier winzige Sternchen finden, die morgen anders stehen als heute; es sind die vier hellen Monde des Planeten, die ihn umkreisen, auch ost in seinen Schatten ein- treten, verfinstert werden oder hinter der Kugel verschwinden. Aber nicht diese Beobachtungen, die der Freund der Sterne da machen kann, bewegen mich, von i^nen zu erzählen. Einst standen sie im Mittelpunkt eines Kampfes um Recht und Wahrheit, um die Freiheit der Wissenschaft, um eine neue Weltanschauung, um Fortschritt und Kultur. Wer sie heute erblickt, diese flimmernden (Stern!ein, möge sich dieser Kämpfe einer finsteren Zeit erinnern, die schwer übermunben wurde! — Man schreibt den 7. Januar des Jahres 1610. lieber dem stillen Padua, der alten Universitätsstadt nahe Venedig, ist die Dunkelheit herein- gebrochen, und langsam steigt aus dem Dunst des Horizontes dieser selbe prächttge Planet Jupiter, der nun in diesen Kriegs tagen und in unseren vei> dunkelten Städten die Augen auf sich lenkt. Zu Padua wirkt damals einer der bekanntesten Gelehrten der Zeit, der Physiker und Mathematiker Galileo Galilei. Eine seltsame Nachricht ist in diesen Wochen zu ihm gedrungen. Ein weitgereister Mann, der Franzose Badarone, hat ihm erzählt, daß man da droben im Norden Europas, in den Niederlanden, ein ganz zauberhaftes Instrument erfunden habe, mit Dem man entfernte Dinge nahe sehen könne, ein Fernrohr. Man sagte,_ die Kinder eines Brillenmachers in Middelburg hätten beim Spielen mit Brillengläsern ganz zufällig die Beobachtung gemacht, daß ferne Dinge nahe heran- aerückt erschienen, wenn man durch diese Gläser schaue. Galilei überlegt sich das hin und her und kommt auf Grund seiner Kenntnisse schnell hinter das Geheimnis; aus ein paar Gläsern und einer Pappröhre schafft er sich ein solches Fernrohr. Er nennt es „Occhiale" (Augenglas), zeigt es stolz herum, behauptet, es fei feine eigene Erfindung, denn Galilei ist ein wenig eitel und ruhmsüchtig, toie mancherlei Streitigkeiten mit anderen Gelehrten später erweisen. Nun, ein bedeutender Mann kann auch seine Rebler haben, wie wir alle. Und nun wird zum erstenmal ein Fernrohr auf den Himmel gerichtet! Ein neues Zeitalter in der Erforschung der Sterne bricht an. Man erkennt die Gebirge des Mondes, auf der Sonne werden Flecke entdeckt, die Planeten erscheinen als Kugeln, wie die Erde eine Kugel ist, die Milchstraße entpuppt sich als ein unerhörtes Gewimmel fernster Sterne ... Noch ist das Fernrohr ein kleines, kümmerliches Ding, eine armlange Pappröhre, noch gibt es wenig scharfe Bilder, leistet kaum soviel wie heute ein Feldstecher, aber dennoch entschleiert es bisher nie Geschautes! An jenem 7. Januar des Jahres 1610 richtet nun Galilei fein Occhiale zum erstenmal auf den Planeten Jupiter, der da im Osten emporfteigt. Dem scharfsinnigen, alles sorgfältig studierenden Naturforscher fallen sofort ein paar winzige Sternlein auf, die ganz dicht bei der Kugel des Jupiter stehen. Am anderen Tage sind sie wieder da, aber sie haben ihre Plätze verändert, und nach wenigen Tagen ist es klar, daß eine bedeutende Entdeckung gemacht wurde: der ferne Planet Jupiter ist von vier hellen Monden begleitet, sie wandern genau so um diese Kugel wie der Erdmond um die Erde rollt. Ist das so wichttg? Ja, es ist außerordentlich wichtig! Da droben im deutschen Norden hat der Domherr zu Frauenburg, Nikolaus Koperni - kus, eine große Tat vollbracht! (Er hat das alte Weltbild gestürzt, demzufolge die Erde der ruhende Mittelpunkt der Welt fein soll, Zentrum aller Sternbewegungen. Er hat die Erde entthront, hat die Sonne in den Mittelpunkt gesetzt; die Erde ist zu einem Sternchen geworden, das diese Sonne umkreist. Die Kirche bekämpft diese Lehre, die dem Inhalt des Buches der Bücher, der Bibel, widerspricht, ja, selbst ein Mann wie Luther nennt den Frauenburger Domherrn einen „Narren, der den Himmel umstürzen will". Giordano Bruno, der Mönch von Nola, der Schwarmgeist und Anhänger des Kopernikus, der feine Lehre in die Welt trägt, ist schon auf dem Scheiterhaufen darüber belehrt worden, daß Rom hier nicht mit sich spaßen läßt; Kopernikus ist bereits Jahrzehnte tot, nun aber tritt Galilei offen für seine Lehre ein, denn die den Jupittr umkreisenden Monde beweisen, daß keineswegs die Erde Mittelpuntt von aller Welten Wanderwegen ist. Die geistig Freien der finsteren Zeit sind längst überzeugt, Galileis Entdeckung überzeugt sie noch mehr; den Forscher selber schützt anfangs fein Ansehen in der Well, schützen hohe Gönner, aber bald schlägt unter Führung Des Dominikaners Lorini Die Stimmung um, es wird Galilei verboten, für das Kopernikanische Weltbild einzutreten. In einer originellen, klugen Schrift umgeht er das Verbot, Papst Urban VIII., der ihm anfangs gewogen ist, muß dem Drängen der hohen Geistlichkeit nach- geben; am 21. Juni 1633 tritt das Jnquisittonsge- richt zusammen, im Kloster Santa Maria sopra Minerva zu Rom klagt man Galilei der Ketzerei an, man zwingt ihn, die Richtigkeit der Lehre des Kopernikus abzuschwören. Der Siebenzigjährige bringt nicht mehr die Kraft auf, zu trotzen, er unterwirft sich, seine Schriften werden verboten, aber er selbst darf in milder Haft auf anderen Gebieten weiterschaffen. Dem fast Erblindeten ist nun sein „Occhiale" wertlos; bis in unsere Zeit verfolgt ihn Der Vorwurf, die Wahrheit verleugnet zu haben, sich kleinlich gerettet zu haben, aber in einem höheren Sinne sind sie alle, Kopernikus, Galilei unb Giordano Bruno Sieger geblieben, denn für sie zeugten die ewigen Sterne! Büchertisch. — Sybille Schall: Die sparsame Köchin von heute. 200 zeitgemäße und erprobte Rezepte. Verlag Knorr & Hirth, München. Kartoniert 1,95 RM. — Hier verrät eine Frau, die selber eine schwere Notzeit durchgemacht hat, wie es ihr gelungen ist, bei einem für heutige Begriffe unvorstellbar kleinen Wirtschaftsgeld zwei Erwachsene und Kinder nicht nur satt zu machen, sondern sie so zu nähren, daß sie gesund und leistungsfähig blieben. Ihre Erfahrungen sind in heuti- ger Zeit doppelt wertvoll. Sie sagt wie und wo man sparen kann, wie man sich in vielen Dingen behelfen kann, um trotz allem täglich neue vollwertige und schmackhafte Mahlzeiten auf den Tisch zu stellen. — Sybille Schall: Das neue Back- b u ch. 250 sparsame und erprobte Rezepte mit 27 Abbildungen. Verlag Knorr & Hirth, München. Kartoniert 2,75 RM. — Dies neue Backbuch lehrt Die Hausfrau nicht nur die Kunst des Backens, sondern auch das sparsame Haushalten mit ihren Vorräten. Es bringt 250 erprobte, leckere und doch sparsame Rezepte für Kuchen, Torten, Stollen, für Brötchen, Zwieback und Lebkuchen, für köstliche Weihnachtsbäckereien, für alles mögliche Kleingebäck und auch salziges Backwerk. Dazu allgemeine Backregeln, praktische Hinweise und Grundrezepte für Hefeteig, Mürb teig, Schm alz geb ack ene s, für Glasuren, Füllungen, Cremes usw. Vom Einfachsten bis zum Schwierigsten wird alles genau erklärt — auch an Hand vieler Bilder. Dr. Waldemar Penkert in Düsseldorf als Mitglied des Grubenvorstandes gewählt. Löschungen wurden bei der Firma Fuld & C o. in Gieren, bei der Firma Rundfunk« und Elektro- Haus Dipl.-Ina. August Kunzemüller, Gießen, und bei der Firma Markus Rosenthal, Gießen, vorgenommen. OieNeichsbank am Iahresu