Mittwoch, 3. April (940 Annahme von Anzeige» für die Mittagsnummer bis 8'1-2 Uhr des Bormittags Grundpreise für 1 mm Höhe bei Anzeigen von 22 mm Breite? Pf.,Tertanzeigen von 70 mm Breite 50 Pf. Wiederholung Malstaffell AbfchMffe Mengenftaffelö Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25 °/o mehr Ermäßigte Grundpreise Bäderanzeigen und behördliche Anzeigen von 22 mm Breite 6 Pf. (90. Jahrgang Nr. 78 Erscheint täglich, außer Sonntags und feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter HeimatimBild DieScholle Monats-Bezugspreis: Mit4Beilagen.RM.1.9F Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr... „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Gießener Anzeiger teftfcSetfness&äntK ^hlsche Unio«fitäti6nidertiB. fange General-Anzeiger für Oberhessen tsässt l)at und so die Zustände bis zum letzten Tage persönlich mit ansehen konnte. Zum ersten Male erfährt durch diesen Bericht das" englische Publikum einen Teil der Wahrheit, wie es wirklich in Polen aussah. Field erklärt: „Die Warschauer Generale hatten ihre eigenen Ziele. Sie sprachen offen von der Annexion Ostpreußens und ganz Ostdeutschlands. Sie hegten sogar gewisse Hoffnungen auf den Erwerb eines polnischen Protektorats über die Slowakei. Die romantische Militärüberlieferung Polens wurde von Amsterdam, 3. April. (DNB.) In der maßgebenden englischen Zeitschrift „The Fortnightly" erscheint ein aufsehenerregender Bericht des bekannten amerikanischen Publizisten Hermann Field unter dem Titel „Die polnische Tragödi e". Field deckt schonungslos die ganze Korruptheit und Verkommenheit der früheren polnischen Regierungsclique um Rydz-Sm^ly, sowie die Unfähigkeit und den Größenwahn der, polnischen Generale auf. Sein Urteil erhält daourch ein besonderes Gesicht, daß er selbst als Berichterstatter a m polnischen Feldzuge teilgenommen Wie Italien und Deutschland zerstückelt werden sollen Eine aufschlußreiche französische Photographie. lediglich um Phantastereien eines Otto von Habsburg handele, könne man leicht davon absehen, sie überhaupt zu verzeichnen, aber hier handele es sich doch nachgerade um ein offizielles Dokument. Was allerdings feine Verwirklichung an- belange, so müsse man daran erinnern, daß man hierfür zuerst einmal ernsthaft kämpfen müsse. Was schließlich Italien betreffe, so seien seine Grenzen von Millionen von Bajonetten geschützt, so daß es gefährlich wäre, in dieser Hinsicht etwas zu unternehmen. Paris „peinlich berührt". Besorgnis vor den Rückwirkungen auf Italien. Genf, 3. April. (DNB.) In Paris scheint man sich darüber klar zu sein, daß der Zeitschrift „Illustration" mit der photographischen Wiedergabe von Reynaud und Sumner Welles vor der aufschlußreichen Landkarte „Das neue Europa" eine in nichts wieder gut zu machende Panne unterlaufen ist. Man ist über diese Veröffentlichung der von den Westmächten geplanten „Zukunftslandkarte Europas" offensichtlich peinlich berührt und stärkstens betroffen. In politischen und diplomatischen Kreisen der französischen Hauptstadt kann man sich die unausbleiblichen Auswirkungen dieser unfreiwilligen Enthüllung der französisch-britischen Kriegsziele keineswegs verhehlen und ist vor allem hinsichtlich der Reaktion in Italien sehr besorgt. Neue italienische Beschlüffe zur Landesverteidigung. Rom, 2. April. (DNB.) Der M i n i st e r r a t hat.Dienstag unter dem Vorsitz des Duce eine Reihe wichtiger Beschlüsse auf dem Gebiet der Landesverteidigung und der Lohngestal- tung getroffen und sich dann auf Mittwoch vertagt. So wurden vor allem die bestehenden Normen für die Organisierung und Mobilisierung der Nation im Kriegsfälle einer Revision unterzogen, wobei die öffentlichen und privaten Vereinigungen, wie die nicht zum Militärdienst herangezogenen Personen, einschließlich der Frauen, sowie der Minderjährigen über 13 Jahre der zivilen Mobilisierung unterworfen werden. Außerdem wurden Maßnahmen zur Verstärkung der Küstenmiliz gemäß den ihr im Rahmen der Landesverteidigung zufallenden Aufgaben be- schlossen. Ein weiterer Gesetzentwurf verpflichtet die Haus- eigentürner zur Anmeldung der eisernen Gitter und Eisenumzäunungen, sowie deren Abnahme innerhalb einer entsprechenden Frist. Ausgenommen sind vorerst Umzäunungen von künstlerischem Wert und solche in ausländischem Besitz, „Die polnische Tragödie." Ein Amerikaner erklärt: „Die polnische Regierung war die Diktatur einer reichen und verkommenen Minderheit^. . stärkt habe, während unsere Gegner recht wenig Gruyd hätten, mit der Entwicklung der Lage zufrieden zu sein. In Disziplin und Geschlossenheit warte die Heimat auf die kommenden Ereignisse, während die Front überall da, wo sie sich mit dem Feinde messen konnte, ihre Ueberlegenheit bewiesen habe. Der Wille des deutschen Volkes sei unabänderlich, die Welttyrannei der westlichen Plutokratie ein für alle mal zu brechen und diesen Krieg, wie der Führer gesagt habe, nicht anders zu beenden, als mit dem g l ä n - zendsten Sieg verdeutschen Geschichte. Drei feindliche Flugzeuge abgeschoffen. Verstärkte Luftaufklärung. Berlin, 2. April. (DBB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: An der w e st f r o n t keine besonderen Ereignisse. Die Luftaufklärung über der Bordsee und gegen Ostsrankreich wurde am 1.April in verstärktem Mäße sortgeseht. Dabei kam es zu wiederholten Luftkämpfen zwischen einzelnen deutschen Aufklärungsflugzeugen und feindlichen Jägern. Ein Dornier-Aufklärungsflugzeug schoß ein französisches Jagdflugzeug vom ^Muster Lurtih, ein anderes Aufklärungsflugzeug schoß eine Moräne ab. Ein englisches Aufklärungsflugzeug, das in die Deutsche Bucht einzufliegen versuchte, wurde von einer Rotte Me 109 abgeschofsen. Ein deutsches Aufklärungsflugzeug kehrte vom Aeindflug nicht zurück. Wirtschaftspolitische Kriegshetze der Plutokraten Die Lüge von den Angriffen Deutschlands auf den Welthandel. Mailand, 2. April. (DNB.) Das „Regime Fascista" macht in einem aufsehenerregenden Leitaufsatz Mitteilung von einem sensationellen Dokument, das die Doppelzüngigkeitder französischen Politik schwarz auf weiß beweist und offen erkennen läßt, daß die W e st m ä ch t e bereits beschlossen haben, wie Italien verstümmelt werden solle. Als der amerikanische Unterstaatssekretär Sumner Welles in Paris weilte, so schreibt das Blatt, hatte er u. a. auch eine lange Aussprache mit Reynaud, der damals noch Finanzminister war. Beide unterhielten sich über die Kriegsziele und Peynaud entwickelte dabei mit der äußersten Zurückhaltung die berühmten Pläne, wie Frankreich und England sich die Gestaltung des „künftigen glücklichen Europa" denken. Damit sich der Amerikaner eine klare Vorstellung von den Projekten machen konnte, wurde ihm eine Landkarte Europas mit den neuen hypothetischen Grenzen gezeigt. Nach der Besprechung wurden die beiden Staatsmänner für die Zeitungen in freundschaftlich lächelnder Haltung photographiert. Der Zufall wollte es nun, daß auch jene Landkarte von Europa hinter beiden Männern auf dem Bilde se st gehalten wurde, ohne daß irgendein höherer Funktionär sie genauer beobachtet hätte. Diese Karte zeigt nun in beredter Weise, gewissermaßen graphisch, die politischen Gedanken der Engländer und Franzosen. Die neuen Grenzen auf der Photographie lassen keinen Zweifel offen: Deutschland ist auf der Karte aufgeteilt und auf das bloße Preußen zusammenge- schrumpft. Alle rheinischen Provinzen sind an Frankreich angegliedert, Bayern bildet einen selbständigen Staat, Polen ist wiederher- gestellt und durch/Pommern vergrößert, Ungarn ist verstümmelt, das alte tschechoslowakische Staatsgebilde Beneschs wiederherstellt und zum Schaden Deutschlands und Ungarns vergrößert. Rumänien gewinnt weitere ungarische Gebiete, und das ebenfalls wiederhergestellte Oesterreich reicht bis zur Adria. Italien verliert das julische Venetien und ganz Istrien: Ersteres wird an Oesterreich, letzteres an Jugoslawien gegeben. Endlich also hat man, stellt hierzu das „Regime Fascista" fest, auf einem sichtbaren Dokument einen klaren Beweis für die französische Erkenntlichkeit gegenüber Italien, das 1915 für die Qadje der Alliierten 600 000 Tote und eine Million Verwundete geopfert hat. Frankreich hat also bereits beschlossen, Italien gerade jene Gebiete wieder wegzunehmen, die es mit Mühe von der Wort- Üiesen Generalen zu einer Besessenheit erniedrigt, die sie blind für jene Wirklichkeit machten, mit der sie sich auseinanderzusetzen für beauftragt hielten. Der schlimmste Fehler der Regierung aber äußerte sich in ihrer krankhaften Sucht, auf keinen Fall vernünftige Beziehungen zur Sowjetunion zu haben. Diese polnische Regierung war eine der dekadente st en und reakti onärsten Klassenminderheiten, die es überhaupt in Europa gibt. Diese reaktionäre Clique war nicht gesonnen, auch nur einen einzigen Quadratmeter ihres riesigen und schlecht verwalteten Besitzes abzugeben. Die rückständige, zumeist halb-feudalistische Gesellschaftsstruktur des Landes drückte den größten Teil der Bevölkerung in einen Zustand dauernder Armut herab. Die sog. polnische Regierung war nichts als die Diktatur einer reichen und moralisch verkommenen Minderheit. Die polnische Landwirtschaft, durch die ttostlosen Verhältnisse verarmt, zeigte seit Jahren wachsende Ungeduld und Ruhelosigkeit. Fast alle Parteien von rechts bis links standen gegen das brutale Terrorregiment der sog. Regierung in Opposition, die dem Volke gegenüber mit brutaler Unterdrückung arbeitete. Ich erinnere mich noch, so schreibt Field weiter, wie ich unmittelbar von einem deutschen Luftangriff auf Krasnik die Evakuierung der Insassen des dortigen Lagers für politische Gefangene erlebte. Sie waren mit den Füßen aneinandergefesselt und mußten über die verstaubten Straßen marschieren, hoffnungslos den Lustangrif- fen ausgesetzt, da die deutschen Flieger sie natürlich für eine marschierende Truppe halten mußten. Die polnischen Offiziere freuten sich mit einem ab, scheulichen Zynismus, daß sie auf diese Weise ihre politischen Gefangenen los wurden, ohne sie selbst zu erschießen. Der polnische Staat war niemals eirt Na tionalstaat. 40 v. H. der Bevölkerung gehörten den nationalen Minderheiten an. Diese 12 Millionen Menschen standen ebenfalls gegen die polnische Regierung in schärfster Opposition, weil sie unmenschlich unterdrückt wurden. Alles in allem: Polen trat in seinem Existenzkampf unter der Führung einer Regierung ein, die es im Herzen auf das tiefste verachtete. Die blinde soziale Reaktion, die unaufhörliche Verletzung aller Minderheitenrechte und die Folgen einer selbstmöderischen Außenpolitik machten Polen unfähig, als Nationalstaat zu bestehen, und lieferten fein Volk dem Kriege aus, Es ist verständlich, daß dieser Aufsatz im „The Fortnightly" in England ungeheures Aufsehen erregt hat, enthält er doch die schärfste Perurteilung für die britischen Kriegshetzer, die man sich denken kann. brechern von Versailles zur Vollendung seiner Einheit erhalten hatte. • hinzuzufügen sei, so betont das Blatt, daß die Karte des Herrn Reynaud nur Europa gezeigt habe, hätte sie auch Afrika verzeich- net, dann hätte man sicherlich auch die neuen Grenzen Libyens gesehen, das von Engländern und Franzosen aufgeteilt wäre. Auch die Grenzen Aethiopiens wären zu erkennen, das wahrscheinlich Begus Tafari unter britischem Schuh zurückgegeben werden solle, habe nicht erst vor wenigen Monaten der französische Kriegsmarlneminister L a m p i n ch i erklärt, es genüge, nur auf einen Klingelknopf zu drücken, um das italienische Imperium verschwinden zu lassen. Der von den Juden vorn Zaun gebrochene und „für das Recht und die Christlichkeit" geführte Krieg solle also mit einem neuen noch viel schlimmeren Versailles enden! Der französische Haß gegen Italien werde nur von einem Wunsche beherrscht, die italienische Macht zu vernichten. Wenn die Engländer und Franzosen Deutschland besiegen würden dann würden sie auch Italien verstümmeln, um es für immer machtlos zu machen. Reynaud sei logisch und aufrichtig gewesen, als er dem Amerikaner die Landkarte gezeigt habe, nicht aber, wenn er mit zusammengebissenen Zähnen Italien anlächelt. Nach der Veröffentlichung dieses schwerwiegenden photographischen Dokuments, das kein verspätetes Dementi aus der Welt schaffen könne, habe Italien, so schließt das Blatt, an seiner feststehenden Haltung nichts zu berichtigen. Seit der Einigung Italiens feien d i e Franzosen immer seine ärgften Feinde gewesen. Man müsse Herrn Reynaud für den unfreiwilligen Dienst, den er Italien erwiesen habe, äußerst dankbar sein. Ein Msterbeispiel „demokratischer" Geographie. Die „Tribuna" beschäftigt sich in einer energischen Stellungnahme mit der Europakarte Rey- naubs. Bei dieser Aufnahme, die von der „Illustration Fran^aise" veröffentlicht wurde, handele es sich, so betont das angesehene römische Blatt, um ein Musterbeispiel typisch demokratischer Geographie zur Aufrechterhaltung der französisch - englischen Hegemonie, denn niemand könne im Ernst daran denken, daß Ostpreußen an Polen abgetreten werde, oder daß die Tschecho-Slowakei eines Benesch Wiedererstehen oder Ungarn erneut verstümmelt werde. Noch lächerlicher sei aber der Plan einer Wiederaufrichtung Oesterreichs sogar bis Triest. Wenn es sich England und seine plutokratischen Hintermänner, einschließlich derjenigen in Amerika, war die Wirtschaftspolitik genau so ein Mittel zur Vorbereitung des Krieges, wie die große Politik. Noch gibt es feine Geheimdokumente, die das enthüllen, aber für den, der sehen kann, ist auch hier klar erkenntlich, wo die Kriegstreiber gesesseG haben. Deutschlands Wille unabänderlich. Beseitigung der Wclttyrannei der westlichen Plutokratie. Berlin, 2. April. (DNB.) Am Dienstag versammelten sich die Leiter der Reichspropagandaämter in den Räumen des'Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda unter Leitung von Ministerialdirektor Gut lerer zu einer Arbeitstagung, bei der eine Reihe von Referaten zu wichtigen Tagesfragen gehalten wurde. U. a. sprachen Staatssekretär Syrup über Gegenwartsaufgaben der Sozialpolitik und der Reichsbeauf- tragte für Metalle, ^-Oberführer Zimmermann, über Metallsammlung und -Verwertung. Im Mittelpunkt der Tagung stand eine Rede des Reichsministers Dr. Goebbels. Der Minister §ab einen umfassenden Ueberblick über die politische age. Er schilderte, wie eine Reihe diplomatischer Erfolge in den letzten Wochen die Stellung Deutschlands noch weiter g e = m Bereits ba% erste Echo des Auslandes auf die Veröffentlichung der polnischen Geheimdokumente läßt ihre sensationelle Wirkung erkennen. Die Lüge von der politischen Aggression Deutschlands ist glänzend widerlegt, die wahren Kriegstreiber, einschließlich der amerikanischen Botschafter, sind bloßgestellt. Es ist aber vielleicht nicht weniger ratsam und nicht weniger nützlich für die Welt, zu erkennen, daß dieses Spiel genau ebenso auf wirtschaftlichem Gebiete getrieben wurde. Galt nicht noch bis in die jüngste Zeit hinein auch hier Deutschland als Störenfried des Welthandels, als der ewige Angreifer, der mit feinen neuartigen Methoden feine Handelspartner in politische Abhängigkeit bringen wollte? Es lohnt sich daher wohl, einen kurzen RückbliÄ auch auf diese Dinge zu tun. Der Weltkrieg hatte Deutschland zu einem armen Lande gemacht. Seiner ausländischen Guthaben beraubt, eingepreßt in einen unzulänglichen Lebens- roum, der die Ernährung aller Menschen des deutschen Volkes einfach unmöglich machte, konnte sich das Nachkriegsdeutschland den Luxus einer passiven Handelsbilanz wie vor dem Kriege nicht mehr leisten. Wenn es seine Menschen auch nur einigermaßen durch eigene Arbeit ernähren wollte, so mußte es exportieren, um die notwendigen Lebensmittel und Rohstoffe im Auslande kaufen zu können. Der Export wurde damit zu einer lebenswichtigen Grundlage der deutschen Wirtschaft. Und der beste Beweis dafür ist die Aufblähung der deutschen Ausfuhr in den Zeiten der schwersten Depression. Allerdings ging dieser Export a u f Ko st en der Lebenshaltung des eigenen Volkes. Dem Ausland freilich, insbesondere den Beherrschern der kapitalistischen Weltmärkte, gefiel der Zustand sehr gut, daß sie deutsche Qualitätserzeugnisse für billiges Geld kaufen konnten. Das war ja das, was sie gewollt hatten: Deutschland-sollte der fügsame und billig bezahlte Lohnst l a d e der Weid sein. Daß sich der Nationalsozialismus damit nicht abfinden konnte, war selbstverständlich. Zunächst freilich versuchte man auch nach 1933, mit den bisherigen Handelsmethoden auszukommen. Das Boykottgeschrei der Juden und die mangelnde Bereitschaft des Auslandes, deutsche Waren aufzunehmen, führten dazu, daß das System der beschränkten Devisenzuteilung schließlich aufgegeben werden mußte, als l nämlich im Herbst 1934 die Devisenzuteilung auf i den Skand von 5 v. H. zusammengeschrumpft war. Das bedeutete, daß Deutschland bei Beibehaltung dieses Systems sehr bald weder Nahrungsmittel, noch Rohstoffe hätte kaufen können. Das internationale Judentum und die westliche Plutokratie glaubten sich bereits kurz vor dem Ziel und sahen ihre Prophezeiung von Deutschlands wirtschaftlichem Zusammenbruch bereits verwirklicht. Da kam der Neue Plan, der mit seinen Einfuhrgenehmigungen und dem Grundsatz, daß nur soviel eingeführt Werden könne, wie man durch Ausfuhr zu bezahlen im Stande sei, ein völlig neues Handelssystem schuf. Für Deutschland war dieses System ganz einfach ein A k t der Selbstbehauptung. Was aber machte das Ausland daraus? Es bezeichnete diesen Plan als einen Dumpingangriff Deutschlands auf die ganze Welt. Der Erfolg waren neue Handelshemmnisse, die nun ihrerseits Deutschland dazu zwangen, sich nach Partnern umzusehen, die bereit waren, auf der nun einmal für Deutschland lebensnotwendigen Grundlage mit uns Handel Zu treiben. Wir fanden diese Partner in Europa vornehmlich in Öen Südoststaaten und auf dem amerikanischen Kontinent in den südamerikonischen Ländern. Im Laufe weniger Jahre vollzog sich Wodurch eine bedeutsame Umschichtung im deutschen Außenhandel. Diese Umschichtung war, wie man sieht, bedingt durch die feindliche Haltung der großen Demokratien. Das hinderte diese freilich nicht, als sich nun Erfolge für Deutschland einstellten, die Umlagerung erneut als heimtückischen und hinterlistigen Angriff Deutschlands auf wirtschaftlichem Gebiet hinzustellen, der bas Ziel verfolge, die Handelspartner Deutschlands lchließlich auch politisch in Abhängigkeit zu bringen. Heue Verdächtigungen gegen Deutschland wurden liberal! in der Welt ausgestreut, und schließlich ging England dazu über, durch das Mittel poli- bischer Anleihen an die neutralen Staaten Jem deutschen Handel die Wege zu verbauen. Gleichzeitig übte man, wie die Reise des Herrn Hudson durch die nordischen und baltischen Staaten erkennen ließ, einen Druck auf die Länder «■us, die mit England eine aktive Handelsbilanz hatten, indem man ihnen unverblümt damit drohte, die Käufe zu beschränken, wenn diese Länder nicht «uch ihrerseits mehr englische Waren kauften. Alle Nittel halfen indessen nichts. Der allzu offenbare Vorteil des Handels mit Deutschland für die eigene \ Wirtschaft feiner Handelspartner erwies sich als frärfer, zumal England oftmals gar nicht in der ■ 2age war, als Lieferant an Deutschlands Stelle zu treten. Dieser kurze Rückblick zeigt, daß auch auf wirt- ichaftlichem Gebiete niemals Deutschland der Störenfried war, sondern daß umge- krhrt die plutokratischen Mächte immer wieder versuchten, den deutschen Außenhandel zurückzudrän- !£n ober gar zu vernichten. Wenn es noch eines Beweises dafür bedurfte, so braucht man nur die englisch en H and elsmetho d en im Kriege zu beobachten, die nichts anderes sind, als die geradlinige Fortsetzung der bereits vor dem Kriege betriebenen deutschlandfeindlichen Wirtschaftspolitik; und man braucht zweitens nur die Lage der neu- balen Staaten zu überschauen. Welche pon ihnen sind heule politisch freier und unabhängiger, die- pnigen, die sich handelspolitisch auf Deutschland . si-itzten, oder die auf den freien Welthandel angewiesenen. Der ehrliche Kritiker kann dabei nur zu i Urteil kommen, daß Englands Partner- : ^3)aft dem Frieden der Neutralen ge- l Ehrlich ist. Das ist kein Wunder^ denn für i Englands vergebliches Werben um Gowjetrußland _______.... ..... X.. n,r!n,nnmmm wurde, reute allerdings [»fort zu der dieser Regierung vollkommen verstanden und Geheim! Zcht sollte Rußland der Handlanger Englands sein e n - Aus der Dokumentensammlung des Auswärtigen Amtes im neuen deutschen Weißbuch bringen wir heute als letztes der ersten 16 Dokumente das Dokument 14 zur Veröffentlichung. * Der sozialistische Abgeordnete Dalton behauptete in einer Unterhausrede vom 1. April, daß zwischen dem 19. und 31. März keine Verbindung zwischen dem Sowjetbotschafter und dem britischen Außenminister bestanden habe. (Es folgt ein Zitat.) Dokument 14. Bericht des polnischen Botschafters in London, Grafen Edward Raczynski, an den polnischen Außenminister in Warschau vom 26. April 1939. London, 26. April 1939. Rumänien, Jugoslawien und Spanien auszählte. Gleichzeitig jedoch betonte Cadogan die Schwierigkeiten, die die britische Regierung habe; sie wolle eine abschlägige Antwort nicht in einer Weise geben, die verärgern könnte. Dieser Standpunkt wurde auch Minister G a - f e n c u mitgeteill. In seinen hiesigen UntearZungen vergewisserte er sich, daß die britische Regierung eine engere Annäherung an die Sowjets meide. Der rumänische Außenminister brachte mir gegenüber die Ansicht zum Ausdruck, daß die jetzigen englisch-sowjetischen Unterredungen ohne konkretes Ergebnis bleiben könnten. Churchills Knegsvorbereitung.i Daher bemüht sich die britische Politik, die allzu deutliche antideutsche Akzente noch meidet, einer allzu unmittelbaren Bindung an die Sowjets auszuweichen. Jedoch kann die weitere Entwicklung der internationalen Lage in eine Richtung gehen, dis die Einhaltung dieser Linie unmöglich macht. Daher treffen die inzwischen laufenden Verhandlungen auf viele Hindernisse. Eine zusätzlich Schwierigkeit ist die Haltung der Opposition und eines gewissen Teiles der konservativen Partei mit Churchill an der Spitze, die sich deutlich auf ein^n Kreieg vorbereiten und in den Sowjets einen Staat mit großen Reserven und potentiellen militärischen Kräften sehen. Die Schwierigkeiten mit der Opposition können noch mehr mit den Angriffen wachsen, die der Entschluß ü6er die Militärdienst- Pflicht hervorrief. Denn die Regierung wird in Betracht ziehen und sich möglicherweise Argumenten entgegenstellen müssen, daß eine „Allianz" oder ein« andere Form der Verbindung mit Rußland eine so drastische Beschlußfassung hatte verhindern können. Edward Raczynski, Botschafter der Republik Polens Botschaft Der Republik Polen in London. AB/ME-No. l/SE-Sow/191. An den polens Botschafter in Washington berichtet, wie Bullitt den haß schürte. Von den polnischen Geheimdokumenten, die nach der Veröffentlichung des deutschen Weißbuches jetzt in allen diplomatischen Kreisen der Welt mit gespannter Aufmerksamkeit und Erregung studiert werden, hat dieser Bericht des früheren polnischen Botschafters in Washington, Graf Potocki, vom 16. Januar 1939 den stärksten Widerhall gefunden. Er zeichnet nämlich besonders klar mit neuen Einzelheiten die verhöngnisvolle Rolle der amerikanischen Diplomatie, im besonderen die kriegstreiberische Arbeit des USA.-Botschafters in Paris« Bullitt. — (Scherl-Bilderdiensi-M.) „Rasche Gewinnung der mssischen ÄrbeiL" Ich kann jedoch sofort sagen, daß die Re- wortete, besprach er ausführlicher die Verhältnisse gierung S. M. sich vollkommen über die Be-1 zu Rußland: Das Echo in aller Wett. Rach den Berichten aus den neutralen und nichtkriegführenden Ländern ist das Echo auf die im deutschen Weißbuch veröffentlichten polnischen Dokumente nach wie vor sehr lebhaft. In allen Pressestimmen jener Länder wkrd klar und unmißverständlich hervorgehoben, daß mit diesen Dokumenten den Kriegshetzern in England und Frankreich und ihren amerikanischen Helfern die Maske vom Gesicht gerissen wurde. Ebenso wird betont, daß die Echtheit der Doku' mente völlig außer Frage stehe. Zugleich wird dii gewürdigt würden. , v m Aus d?e Frage der Opposition, ob der Premier oie Versicherung geben könne, daß es zwi- schen Großbritannien und der Sowjetunion keine ideologischen Hindernisse gebe, antwortete Herr Chamberlain: „Yes, I have no hesitation in giving that assurance." In der Debatte am 3. April wird die russische. Frage erneut von der Opposition angeschnitten. Der Premier wird dadurch veranlaßt, während seiner Rede folgende Erklärung abzugeben: dem Wege einer einseitigen Erklärung der Sowjetregierung erfolgen, die feststellen würde, daß im Falle eines deutschen Angriffs auf Polen oder Rumänien Rußland im voraus seine Haltung zu einem derartigen Konflikt feststellen würde. Die Gegenvorschläge der Sowjets aber, die zu einem politischen Vertrag der gegenseitigen Hilfeleistung zu gelangen wünschen — sei es in zweiseitiger englisch- russischer Form bei entsprechender Anpassung des französisch-russischen Vertrages, sei es in der Form eines Vertrages zwischen England, Frankreich und Rußland —, könnte, wie Cagodan erklärt, England nicht annehmen und auch Frankreich wolle das nicht. Cadogan berief sich dabei auf wesentliche Rücksichten, wie auf die Reaktion, die das in anderen Länder Hervorrufe, wobei er unter diesen Polen, ,Hch komme jetzt auf Rußland zu sprechen. Ich möchte 4m Namen der Regierung in dieser Frage eine möglichst klare Aufklärung geben. Ich muß mit der Feststellung beginnen, daß auf unserer Seite nicht im gering st en der Wunsch besteht, Rußland auszu schließen oder sich der rusfi- schen Hilfe für den Frieden zu entäußern. Schon gleich vom Beginn unserer neuen Politik an strebten wir nach einer raschen Gewinnung der russischen Mitarbeit. Gleich nach der Einnahme der Tschecho-Slo- wakei durch Deutschland wandten wir uns an die russische Regierung mit der Bitte, sich der Diermächteerklärung anzuschließen. Die russische Regierung antwortete sogleich, daß sie sich damit einverstanden erkläre, an der Viermächteerklärung teilzunehmen, wenn nur Frankreich und Polen diesen Vorschlag annehmen würden. Wir kommen jetzt zu einem delikaten Punkt, denn, wie dem Hause bekannt ist, ließ sich dieses Projekt leider nicht verwirklichen, und wir waren gezwungen, eine andere Methode einzuschlagen, obwohl wir noch denselben Zweck verfolgten. Dann trat R i?ß l a n d mit dem Vorschlag einer Konferenz der Mächte hervor. Die Einwendungen der britischen Regierung ergaben sich nicht aus der Tatsache, daß der Vorschlag von russischer Seite ausging: Ihre Stellungnahme hierzu erfolgte vielmehr auf Grund einer Einstellung aus rein praktischen Motiven ... Es ging darum, die rascheste und am meisten Erfolg versprechende Methode zur Erlangung eines Einverständnisses unter den interessierten Staaten zu finden. Bei der Einberufung solch einer Konferenz würden sich viele Schwierigkeiten ergeben, aber zweifellos würden wir uns bemühen, sie zu überwinden, wenn wir der Ueberzeugung wären, daß dies die beste Methode darstellt ... Die letzten Ereignisse in Europa im März und April mußten notwendigerweise in einer Reihe von Län- Ein« neue Etappe entstand in dem Augenblick, als nach einer gewissen Stagnation und Desorientierung in der Zeit nach der Krise und nachdem man zu der Ueberzeugung gelangt war, die Politik der „Entspannung" mit Deutschland habe keine Aussicht auf schnelle Verwirklichung — wie es scheinen konnte, als Herr Chamberlain von seinem letzten Besuch beim Reichskanzler zurückkehrte^und verkünden konnte, er habe „peace in our time" erlangt —, die britische Regierung größere Initiative zu zeigen begann und sich einen günstigeren Boden für mögliche Dechandlungen mit Deutschland vorbereitete, worauf man fast bis zum Augenblick des Ausbruchs der Märzkrise rechnete. Die Gesten gegenüber Rußland haben damals eher den Charakter einer Kundgebung als wirklicher politischer Schachzüge (z. B. der demonstrative Besuch des Pre- miers Chamberlain in der Sowjetbotschaft), dennoch soll die Einbeziehung Moskaus in die Route des Ministers Hudson der Ausdruck eines nicht nur wirtschaftlichen Interesses an Rußland sein. Allerdings ändert sich die grundsätzliche Einstellung nicht sehr: korrekte, wenn auch keineswegs herzliche Beziehungen und der Wille, sie auf derselben Temperatur zu halten. Die Opposition zwar, die die Schaffung einer „antiaggressiven" Front der „demokratischen^ Staaten verlangt, wünscht eine größere Annäherung an Rußland; derartige Tendenzen sind sogar bei einigen Mitgliedern der konservativen Partei vorhanden, die einen Entscheidungskampf mit Deutschland wünschen (Churchill, Duff-Coover). Jedoch unterstützt die Mehrheit der. Partei diese Anschauungen nicht. a Aach der tschechischen Mrzkrise. Die tschechische Märzkrise schafft eine neue Lage. Die sowjetischen Vorschläge, eine Konferenz der interessierten oder von der weiteren deutschen Aggression „bedrohten" Staaten einzuberufen, können sich nicht behaupten. Ebenfalls fällt aus den bekannten Gründen der englische Vorschlag einer gemeinsamen Erklärung der Vier-Mächte weg. In diesem Zeitabschnitt nehmen die beiden Regierungen verhältnismäßig häufig Fühlung miteinander, wenn jedoch die britische Regierung ihre Versuche einer Beeinflussung aufgibt und sich entschließt, Polen die Garantie zu geben, dann wird diese Verbindung abgebrochen und damit große Unzufriedenheit der Sowjets hervorgerufen. Der hiesige Botschafter gibt allen zu verstehen, daß er en Scart gehalten werde, und beklagt sich vor den Vertretern der Opposition über diese Behandlung*. Zwei Stunden vor der Abgabe der bekannten Erklärung des Premiers vom- 31. März wurde Botschafter M a i s k i über ihren Inhalt unterrichtet. Die Erklärung, die von der Opposition bejahend nen den Premierminister, eine Erklärung über Polen abzugeben. Bevor diese aber abgegeben wurde, wurde der russische Botschafter von ihrem Inhalt informiert. Der Botschafter sagt« am 31. März dem Staatssekretär, daß die russische Politik neuerdings von Herrn Sta- lin als eine Politik der Hilfeleistung gegen die Aggression für diejenigen, welche für ihre eigene Unabhängigkeit kämpfen, umschrieben worden sei. Der Staatssekretär hat diese Defi- nition so entgegengenommen, wie sie jeder von uns, welcher nach einem Maximum an Hilfe aller nur möglichen Seiten strebt, entgegengenommen haben würde. Das Haus kann sich aus diesen Worten überzeugen, daß die Grundsätze, derer die Regierung seiner Königlichen Majestät sich bei ihrer Erklärung in der polnischen Frage bediente, genau dieselben waren wie die Grundsätze der Erklärung von Herrn Stalin. Es scheint uns, daß diese Grundsätze von der russischen Regierung nicht falsch verstanden werden können und ich möchte, daß das Haus versteht, daß, obwohl bei Problemen dieser Art schwieriger ist, als es zu sein scheint, mit einer größeren Anzahl voA Staaten zu verhandeln, die Vorwürfe, daß wir es vermeiden wollten, Rußland in das System, das wir gerade als System des Friedens im Gegensatz zur Aggression aufbauen wollen, einzubeziehen, ungerechtfertigt sind ... Wenn wir die Gefahr, in der sich augenblicklich freie Staaten in der Welt befinden, berücksichtigen, wären wir dumm, wenn wir uns nicht klar darüber sein würden, wo die Quellen der Hilfe liegen und sie nicht benutzen würden." Der Abgeordnete Dalton unterbrach hier Simon und fragte, ob die Regierung die Möglichkeit berücksichtige, gemeinsam mit Frankreich und Rußland eine definitive Militärallian^ vor- zuschlagen. Sir John antwortete nicht direkt auf diese Frage, sondern er erklärte, daß man bri- tifcherseits gegenüber einem solchen Vorschlag keine prinzipiellen Bedenken habe: „Diese Fragen sind nicht so einfach, wie es wohl scheinen kann Es scheint mir nicht, daß wir trotz Rußlands großer Macht unsere ganzen Anstrengungen ausschließlich auf diesen Staat konzentrieren können. Wir müsstn daran denken, daß auch noch anders Stachen existieren, für die eine Gefahr näher liegt als für Rußland. Obwohl ich aber nicht sagen kann, ob ein Vorschlag dieser Art gemacht worden ist, kann ich dem Hause versichern, daß die Regierung einem solchen Vorschlag gegenüber keine prinzipiellen Einwendungen zu machen hat." Inzwischen finden in London^und Moskau weitere Verhandlungen statt über den Anteil und die Rolle Rußlands in dem entstehenden neuen Kräfteverhältnis in Europa. England wollte sich aber nicht binden. Zweifellos wünscht England, daß Rußland an diesem Kräfteverhältnis teilnehme, will jedoch keine formale oder engere Bindung. Aus den mir von dem ständigen Unterstaatssekretär im Foreign Office, Cadogan, gegebenen Erläuterungen geht hervor, daß England und Frankreich sich darauf beschränken wollen, von« Rußland «ine Erklärung, «5 werde im Kriegsfälle „Ich habe nicht die Absicht, heute diejenigen Regierungen zu nennen, mit denen wir gegenwärtig oder in nächster Zukunft über die Situation beraten wollen. Ich muß jedoch die Sowjetunion erwähnen, da ich mir darüber klar bin, daß die U. d. S. S. R. immer in den Gedanken der Oppositionsmitglieder vorhanden ist und daß diese noch argwöhnen, sog. ideologische Verschiedenheiten könnten uns in dem trennen, was sonst im Interesse beider Länder märe. Ich werde mich nicht bemühen, auch nur einen Augenblick zu behaupten, derartige ideologische Unterschiede bestünden nicht; sie verbleiben unverändert. Aber, unser Standpunkt ist, wie ich das schon in meiner Antwort auf eine Frage am vergangenen Freitag gesagt habe, der, daß ideologische Verschiedenheiten, ganz gleich welcher Art, keinen Einfluß auf solche Ange- t heitenhaben können. Das, was uns gegenwärtig angeht, ist die Erhaltung unserer Unabhängigkeit. Wenn ich aber von unserer Unabhängigkeit spreche, so meine ich nicht nur die Unabhängigkeit unseres Landes, sondern auch die anderer Staaten, welche von einer Aggression bedroht werden könnten. Aus die- dem Grunde begrüßen wir auch ohne Rücksicht auf die inneren Regierungsformen die Mit» arbeit eines jeden Staates, nicht, weil wir eine Aggression bezwecken, sondern weil wir uns ihr entgegenstellen wollen." Seinerseits bestätigt Lord Halifax am gleichen Tage im Oberhaus folgendes^ „Die Konsultationen werden weiterhin geführt und ich bin nicht imstande, mich gegenwärtig über sie endgültig auszusprechen. beuhmg des Standpunktes der Sowjet- regierung klar ist und auf gute B e - Ziehungen zu dieser Regierung Wert legt. Ich kann jedoch nicht die Tatsache vergessen, daß die Beziehungen gewisser Staaten zu Rußland durch spezielle Bedingungen kompliziert sind, obwohl ich das Haus versichern darf, daß, was die Regierung S. M. angeht, diese Schwierigkeiten nicht bestehen." Die Ereignisse in Albanien rufen die Notwendigkeit hervor, das Parlament während der Ferienzeit auf einen Tag, und zwar ahi 13. April, ein« zuberufen. Der Premier eröffnet die Debatte, in der er nach Darlegung der internationalen Lage von dem Beschluß Mitteilung macht, Rumänien und Griechenland eine Garantie zu erteilen. Er erwähnt die russische Stellungnahme jedoch nicht. Erst gegen Ende der Rede, als von feiten der Opposition Rufe laut wurden: „What about Russia?" gibt er seiner Hoffnung Ausdruck, ,chaß die Tatsache,, daß er Rußland nicht erwähnt habe, von der Opposttion nicht etwa als Beweis dafür aufgefaßt werde, Großbritannien unterhielte keine engen Beziehungen zu den Vertretern dieses Landes. Man habe ein« sehr schwierige Ausgabe zu erfüllen. Man müsse nicht nur das berücksichtigen, was man selbst wünsche, sondern auch das, was die anderen Partner tun wollen. (We have to consider not only what we wish, but what other people also are willing to do.)" Diese Worte können sowohl auf die polnischen und rumänischen Vorbehalte, wie auf den Standpunkt Ruß- 1 dern Unruhe Hervorrufen, und zwar deswegen, weil sie ihre Unabhängigkeit für bedroht hielten und weil dieses sich ungewöhnuch rasch entwickeln könne. Es kann sich nämlich dabei nur um Tage oder Stunden handeln. Um sich dieser Gefahr zu widersetzen, nicht hinter dem Rücken Sowjetrußlands bzw. in der Absicht von dessen Hilfeleistung keinen Gebrauch zu machen, sondern weil wir Fragen gegenüberstanden, die keinen Aufschub erduldeten und weil wir im vollen Einverständnis mit der französischen Regierung handelten, fühlten wir uns verpflichtet, alles dazu zu tun, um das Vertrauen wieder- herzuftellen, deshalb aaben wir die Versicherung ab. die dem Haust schon bekannt ist. Wir nahmen nämlich gegenüber den Staaten, deren Unabhängigkeit durch ihre jeweilige Gefährdung bedroht war oder bedroht sein konnte, besondere Verpflichtungen auf uns. Während dieser Verhandlungen blieben wir in engem Kontakt mit der russischen Regierung. Am 29. März teilten wir dem russischen Botschafter mit, daß es uns nicht zweckmäßig zu fein scheine, den Gedanken einer Erklärung der vier Mächte weiter aufrechtzuerhalten und daß wir deshalb auf eine ander« Linie des Vorgehens übergegangen seien. Der russische Botschafter wurde über die allgemeinen Umriffe dieser neuen Methode informiert, die wir uns überlegt hatten, und die dazu führte, daß wir gemeinsam mit Frankreich Pole,-, und Rumänien Garantien gaben. Der russische Botschafter erkannte an, daß dies eine revolutionäre Umänderung in der britischen Politik darstelle und daß es in hohem Maße zur Aufrechterhaltung des Vertrauens in anderen Ländern beitrage. Während der Unterredungen wurde ihm offen zu verstehen gegeben, daß wir keinesweas die Absicht hätten, eine Hilfeleistung der russischen Regierung auszuschließen, wenn diese nur bereit sei, sie in möglichst zweckent-. sprechender und effektiver Weise zu erteilen. . Die sich damals ergebenden Umstände zwan- lands Bezug haben. Erst als Sir John Simon auf die zahlreichen, ihm während der Debatte gestellten Fragen ant- l e MM oiwriuli PUK S1M4TN3 UHW • —M- MeoMetilU*. - M. auf genommen wurde, regte allerdings sofort zu der Frage nach der Rolle an, di« man den Sowjets zu- zuerkennen beabsichttge. Der Ministerpräsr- d e n t antwortet darauf: „Die Regierung halte mit verschiedenen anderen Mächten Konsultationen ab, u. a. natürlich auch mit der Sowjetregierung. Lord Halifax habe heute früh den sowjettschen Botschafter empfangen und mit ihm «ine eingehende Diskussion über dieses Thema gehabt. Es gäbe keinen Zweifel darüber, daß die Prinzipien, auf Grund derer man gegenwärtig handle, von eine wohlwollende Haltung einnehmen, zu erlangen, um sich so Transit, Zugang zu den Roh- usw. zu sichern. Das könnte z. B. auf einer einseitigen Erklärung der Sowjet- Herrn Minister für Auswärtige ‘ttn^Ie^ueiten Politischer Bericht Nr. 10/3 Englisch-sowjetische Beziehungen. Die Ereignisse der letzten Wochen haben ein In- teresse für die Beziehungen zwischen Großbritannien und der Sowjetunion auf die Tagesordnung gesetzt. Daher scheint es zweckmäßig, ihre Entwicklung in den vergangenen Monaten zu schildern und Aeußerungen der Leiter der britischen Politik darüber, die gewöhnlich unter dem Druck aggresiver Fragen der Opposition gemacht wurden, zusammenzustellen. In den letzten Jahren wünscht« di« britische Regierung, obwohl sie keine Sympathie für das Sowjetregime hegte, korrekte Beziehungen zur Sowjet- reaierunq zu unterhalten, wobei sie jedoch jede engere Verbindung mied. Als 1938 Minister Eden Moskau besuchte, stellt« das damals heraus- gegebene Kommunique fest, daß „in keiner grundsätzlichen Frage der internationalen Politik ein Widerspruch zwischen den Interessen «der britischen und den der Sowjetregierung besteht." London mochte Rußland nicht. Als Herr Chamberlain an die Macht kam, der zum Unterschied von seinem Vorgänger seinen eigenen Standpunkt zur Außenpolitik hatte und nach einer Verständigung der vier Westmächte strebte, wurde nicht nur eine 'stärkere Bindung an die Sowjets unmöglich, sondern man sah auch unwillig auf die allzu weitgehende p r o s o w j e - tische Politik der französischen Re- gierung. Diese grundsätzliche Haltung wurde selbst in den Tagen der tschecho-slowakischen Septemberkrise nicht geändert. Wochenlang unterhielt die englische Regierung keine Verbindung mit dem Sowjetbotschafter, ja dieser war sogar im September meist abwesend von London. Um so größere Verwunderung erregte daher dann die bis heute noch nicht ganz geklärte Angelegenheit dem Kommuniques des Foreign Office vorn 26. «September abends, in dem es hieß, daß, wenn Frankreich wetzen feiner Verpflichtungen in Mitteleuropa in einen Krieg verwickelt würde, es a n feiner Seite Großbritannien und Rußland fände. Nach diesem unverhofften ^ervorspringen", das eher aus einer Stimmung des Augenblicks als aus einem überlegten und vereinbarten Plan hervorging, wurden die Beziehungen kühler — die sowjetische Kritik an der „Münchener" Politik und die Erwartung der Engländer, der deutsche Ausdehnungsdrang werde sich nach Osten richten. Die britische Presse widmete damals dem „ukrainischen Problem" viel Raum und ließ durchblicken, daß die- ses Gebiet nicht in der Sphäre der britischen Le- bensinteressen liege. Sogar die Aeußerungen von Regierungsvertretern hielten sich auf dieser Linie. Öffentlichkeit dieser Länder darauf aufmerksam gemacht, daß in diesen polnischen Schriftstücken der Kri egswille und die Kriegsziele der westlichenPlutokratien klar zutage treten. Allzu schlecht gelogen! Von unserer Berliner Schnstlettung. Die erste Antwort der Westmächte auf das deutsche Weißbuch, das die Photokopien der sensationellen polnischen Diplomatenberichte enthält, bestand in einem beklommenen Schweigen. Die zweite Antwort bestand in der frechen Behauptung, die Dokumente seien gefälscht oder gar nicht vorhanden. Aber die Londoner Presse- und Rundfunklügner haben sich die Sache gar zu leicht gemacht. Die „Times" schrieb z. B., die Warschauer Akten seien vor der Flucht der polnischen' Regierung verbrannt worden, und der Londoner Rundfunk hatte sich in der Nacht zum 2. April auf den jüdischen Dreh versteift, wir seien außerordentlich tolpatschig gewesen, denn die Veröffentlichung der Aktenstücke werde besonders in Amerika mißliebig empfunden. Dann versicherte der mauschelnde Sprecher des Londoner Lügenfunks wörtlich: „Selbstverständlich glaubt außerhalb Deutschlands kein Mensch dieser Veröffentlichung. Deutschland will nur, daß man's glauben soll." Basta. Daß die anglophile Presse bei den Neutralen ins gleiche Horn stößt, nimmt nicht wunder, aber es verdient doch niedriger gehängt zu werden, daß die jüdische „Nationalzeitung" in Basel die Frechheit hat, von einer geschickten Fälschung zu sprechen und zu behaupten, sie sei gewissermaßen eine deutsche Rache dafür, daß der Besuch des Sonderreisenden Roosevelts, Sumner Wellst für Berlin eine Enttäuschung gewesen sei. Nein, die Dokumente sind nicht verbrannt. Sie bestehen in voller Echtheit, sie sind unbezweifelbar, und am Dienstagnachmittag hatten neutrale Journalisten in Berlin ausreichend Gelegenheit, den Aktenberg zu besichtigen, der in Warschau gefunden wurde und aus dem die deutsche Regierung einige Dokumente herausfischte und aller Welt als Beweis der Kriegsschuld der Pluto-Demokratien übergab. Der Aktenberg ist so groß, daß es selbst der deutschen Tüchtigkeit und Registrierkunst unmöglich war, ihn in kurzer Zeit au ordnen. Die polnische Wirtschaft hätte selbst die Amerikaner erschreckt und ihnen eine schnellere Aufräumungsarbeit unmöglich gemacht. Damit erledigt sich auch das Rätselraten um die. Frage, warum die deutsche Regierung die Dokumentenveröffentlichung erst jetzt begonnen habe. Es wurde auch gesagt, wir hätten die Dokumente publiziert, um Roosevelt Schwierigkeiten zu bereiten. Nein, es handelt sich um den Nachweis, daß die B u l l i t t und Kennedy sich so benahmen, als ob die Washingtoner Politik die Kriegs- vorbereitungen der Entente, die Absicht, Deutschland jählings zu überfallen, unterstützte. Der Nachweis für dieses Benehmen, das weite amerikanische Kreise als einen Skandal empfinden, i st erbracht! Es ist Tatsache, daß die Bullitt und Kennedy die englischen und französischen Brandstifter nachdrücklich unterstützt haben. Und daß die Kriegsschuldigen in London und Paris sitzen und ihr verbrecherisches Handwerk betreiben, das ist ebenfalls erwiesen. Angesichts der Echtheit der Dokumente hat auch der frühere Botschafter Polens in Washington, Graf Potocki, seine ungeheuerliche Ableugnung der von ihm verfaßten Berichte nicht aufrechterhallen. Potocki hat jetzt nicht be st ritten, derartige Berichte nach Warschau geschickt zu haben, aber er sagt, er habe nicht prophezeit, daß Amerika in den Krieg eintreten werde. Der Graf geht mit wankenden Schritten zum Tanz, denn kein Mensch hatte behauptet, daß Potocki selbst den Kriegseintritt der USA. vorhergesagt habe. Vielmehr berichtete er diese Aeußerung von Bullitt. Das war des Pudels Kern, das war bewiesen worden, und Potocki kann sein Geschreibsel nicht widerlegen. , Aber die „Times" behauptet, die Dokumente seien in Warschau verbrannt! Man ist von dieser Vettel allerlei Verdrehungskünste gewohnt, aber daß sie Tatsachen, die wie die Alpen feststehen, so frech ableugnet, das läßt doch auf eine kuriose Geisteskrankheit schließen. E. S. Deutsche Kohlen für Italien. Lieferungen mit größter Regelmäßigkeit. Rom, 2. April. (DNB.) Die glänzende Organisierung der deutschen Kohlenlieferungen nach Italien findet in Rom lebhafte Anerkennung. „Deutschland wird monatlich eine Million Tonnen liefern", betont „Giornale d'Jtalia" in großer Ueberschrift, um sodann in einer Berliner Korrespondenz auf die Einzelheiten der technischen Regelung einzugehen. 6 5 Kohlenzüge werden t ä g- l i ch die sieben Grenzstationen passieren, nachdem bereits im Februar über V- Million Tonnen deutscher Kohle aus den Ruhrzechen, aus Oberschlesisn und von der Saar mit größter Regelmäßigkeit nach Italien gingen. Reichsministek Darrs in Budapest. Budapests. April. (Europapreh.) Reichsernährungsminister Walter Darre ist am Dienstagmittag in Begleitung mehrerer Mitglieder seines Amtes in Budapest eingetroffen. Zu seinem Empfang hatten sich auf dem Bahnhof u. a. Ackerbaummister Graf Michael Teleki, die Mitglieder der deutschen Gesandtschaft unter Führung des Gesandten von Erdmannsdorff, sowie Graf Bela Teleki, der Präsident der Landwirtschaftlichen Ausstellung eingefunden. Der Besuch des Reichsministers gilt in erster Linie der Landwirtschaftlichen Ausstellung. Oas Weißbuch Tagesgespräch in Amerika Amerikanische Zeugen gegen Bullitt. Chicago, 3. April. (Europapreß.) Die Chicagoer „Daily Tribüne" veröffentlicht auf der ersten Seite eine große Karikatur mit der Unterschrift „Oeffentliche Meinung in USA. straft die Demokraten wegen europäischer Einmischung" „Chicago Tribüne" beschäftigt sich mit der Rolle Bullitts und beginnt ihren Artikel: „Wessen Botschafter ist Bullitt?" Dabei wird ironisch darauf hingewiesen, daß Bullitt „Lebruns Botschafter bei Roosevelt" sei und es als seine Aufgabe betrachtet habe, die Kriegslieferungen für die Westmächte vorzubereiten. Die Chicagoer Hearst-Zeitung „Chicago Herold American" bringt in ihrer Spätabendausgabe vom Dienstag unter großer Ueberschrift auf der ersten Seite eine Meldung, in der eingehend über die Sitzungen des Senats und des Repräsentantenhauses, sowie über die Reaktion auf das deutsche Weißbuch in den parlamentarischen K r e i s en berichtet wird. Der Neuyorker Rundfunk gab jetzt ebenfalls den Inhalt des Weißbuches in einer Rundfunksendung wieder. Senator Reynolds forderte, daß die Anschuldigungen, die gegen den amerikanischen Botschafter in Frankreich, Bullitt, im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des deutschen Weißbuches erhoben werden, vom Senatsausschuß für Auswärtige Angelegenheiten untersucht werden sollen. Reynolds erklärte: „Es betrifft die amerikani- s ch e n Mütter, wenn ihre Söhne ausgesandt werden, um ihr Blut oder ihr Leben für die Rettung des britischen Empire tzer- zugeben." Man müsse sich mit dieser Affäre befassen, solange Bullitt noch in den Vereinigten Staaten sei, und feststellen, was an den Anschuldigungen des Weißbuches Wahres sei. Der Senator erklärte, es sei ja möglich, daß es sich um Propaganda handele, man dürfe diese Angelegenheit jedoch nicht übergehen, ohne die Wahrheit festgestellt zu haben. Auswirkungen des deutschen Weißbuches machen sich nach letzten Nachrichten weiterhin sowohl in politischen Kreisen als auch in der breiten Oesfent- lichkeit bemerkbar. Im Leitartikel der „New Port Post" wird auf das Hull-Dementi verwiesen und erklärt, der Außenminister versichere der USA.-Nation, daß die Regierung nicht daran denke, am Kriege teilzunehmen. Dieser Punkt könne nicht oft genug unterstrichen werden. Die „Chicago Daily Tribüne" veröffentlicht einen längeren Bericht ihres Washingtoner Korrespondenten Arthur Sears Henning über die Stellungnahme politischer Kreise in Washington zu den deutschen Dokumentenveröffentlichungen. Henning erklärt, daß trotz offizieller Dementis in politischen Kreisen Washingtons allgemein die Auffassung vorherrsche, daß die Aeußerungen der Botschafter Bullitt und Kennedy im deutschen Weißbuch k o r'° rekt wiedergegeben seien. Er verweist im Zusammenhang damit auf frühere Aeußerungen Bullitts, Kennedys und Roosevelts. Der neue Mefferschmiit-Bomber. Nach der überaus erfolgreichen Konstruktion des Jagdflugzeuges Messerschmitt Me 109 hat Professor Messerschmitt nunmehr erstmalig auch ein Karnpf- flugzeug^eschaffen, das bereits mit Erfolg über der Nordsee eingesetzt werden konnte. Wie wir erfahren, führt das neue Messerschmitt-Kampfflugzeug, dessen erste Erwähnung in der deutschen Presse erhebliches Aufsehen erregte, die Musterbezeichnung „I a g u a r". Das neue Kampfflugzeug, das auch mit mehreren leichten und schweren MG.s ausgerüstet ist, hat eine Besatzung von vier Mann und ist für den Langstreckeneinsatz vorgesehen. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Siegreiches Luftgefecht am Oberrhein. Fernaufklärer bringt französischen Läger zur Strecke. ...2. April. (PK.) In einsamer, eisiger Höhe zieht ein deutscher Fernaufklärer seine Bahn. Unter ihm liegt Frankreich, hinten blinkt noch der Rhein als silbernes Band und rechts begleiten das Flugzeug deutsche, Jäger zu seinem Schutz ein Stück Wegs und erleichtern ihm so den Anflug für den zu erledigenden Auftrag. Plötzlich braust eine fremde Maschine unter dem Fernaufklärer vorbei, von Norden nach Süden. Der Beobachter hat sie für einen Augenblick gesehen, aber auch den Augen der begleitenden Jäger ist sie nicht entgangen. Sie drehen ab und -rasen hinterher. Indessen setzt der deutsche Fernaufklärer seinen Erkundungsflug unentwegt fort. Plötzlich erhält er Flakfeuer, erst zu tief, später zu hoch und dann: Ha — was ist das? denkt Flugzeugführer« H. Mehrere Punkte kommen mit rasender Geschwindigkeit näher. Das französische Flakfeuer schweigt. Schon sind die Hoheitszeichen der herannahenden Flugzeuge erkennbar: Franzosen. Der deutsche Fernaufklärer zieht höher, doch bald sind die französischen Jäger wieder in gleicher Höhe. Wie bissige Doggen stürzen sie sich auf die deutsche Maschine. Mit unerschütterlicher Ruhe schwenkt Oberfeldwebel K. das Maschinengewehr aus und macht sich feuerbereit. Der Flugzeugführer geht auf Gegenkurs. Jetzt geht es hart auf hart. Zwei bis drei Minuten fliegen die französischen Jäger parallel mit dem deutschen Aufklärer, zwar in noch ansehnlicher Entfernung, jedoch so, als ob ihnen ihre Beute sicher ist. Plötzlich bricht eine Kette von ihnen vor. Eine Maschine klemmt sich dann hinter das rechte Leitwerk des deutschen Fernaufklärers, der zweite französische Jäger greift direkt von hinten an. Kaum daß der erste Jäger beim Feuerstoß des deutschen Aufklärers schnell abgedreht hat, sitzt eine neue MG.-Ladung im zweiten angreifenden Flugzeug, so daß sie ebenfalls abdreht. Fast im gleichen Augenblick ist wieder ein Jäger auf 50 Meter heran und zielt dem deutschen Fernaufklärer eine Ladung in die Maschine, daß es zwar splittert und kracht, sonst aber nichts passiert. Dann dreht er ab, wobei ihm der Inhalt einer ganzen MG.-Trommel in den Rumpf gejagt werden kann. Nach einigen Feuerstößen fliegt plötzlich aus der feindlichen Maschine das Fahrgestell heraus, pendelt einige Zeit wie das Pendel einer Uhr unter dem Flugaeuge hin und her und löst sich dann los. Aus den Auspufftöpfen des Franzosen qualmt schwarzer Rauch. Der Flugzeugführer scheint nicht mehr zu wissen, was er tun soll. Steil geht die Maschine zu Boden, pendelt wie führerlos erst rechts, dann links und schlägt auf deutschem Boden hinter einem Waldstück auf, so daß sich dort eine riesige Staubwolke erhebt. Mehrmals mußten von dem deutschen Fernaufklärer noch feindliche Jäger abgewehrt werden, aber sie konnten gegen den Schneid dieser Besatzung nichts ausrichten. Wohl blieb dem deutschen Fernaufklärer währen des Rückfluges der eine Motor stehen, jedoch nach einer geschickten Landung im Heimatflughafen wurde die Mannschaft von chren Kameraden jubelnd begrüßt, die kurz zuvor von dem Abschuß gehört hatten. Der Staffelkapitän, der soeben von einem Flug zurückkommt, drückt der tapferen Flugzeugbesatzung anerkennend die Hand. Dn Lothar Heberet. Die Freundschaft mit Deutschland wird immer fester. Moskau, 3. April (DNB.) Noch immer wird in der Sowjetpresse Molotows Rede am vergangen Freitag in umfangreichen Artikeln kommen« tiert. In der „Trud" finden sich folgende Sätze zur Molotow-Rede über das Verhältnis der Sowjetunion zum Deutschen Reiche: „Die neuen guten sowjetisch-deutschen Beziehungen, die durch den Abschluß des Nichtangriffspaktes begonnen wurden, sind im Laufe der vergangenen Monate praktisch erprobt worden. Sie haben in der Tat eine genügende Festigkeit gezeigj. Die Freundschaft mit Deutschland wird immer fester. Die geschäftlichen Bindungen zwischen den beiden größten Mächten Europas werden immer enger. Etwas an- ders wurden unsere Beziehungen zu England und zu Frankreich. Schuld daran sind nur die herrschenden Kreise des englisch-französischen Imperialismus. Die englisch-französischen Jmpe- r i a l i st e n wollten, daß die So w j e t u n io n zum Stellvertreter in ihrem Krieg gegen Deutschland würde. Aber diese Pläne sind ihnen nicht gelungen. Daher erklärt sich auch die Feindschaft der Regierungskreise unserem sozialistischen Staat gegenüber. Die englisch-französischen Imperialisten wollten uns ihre Politik aufzwingen, die Politik der Feindschaft und des Krieges gegen das deutsche Volk, der ihnen die Möglichkeit gegeben hätte, die Sowjetunion für ihre Ziele zu benutzen. Aber dies wird niemals sein." * Chamberlain droht wieder. Berlin, 3.April. (DNB.) Chamberlain hat im Unterhaus wieder einmal eine Rede gehalten. Sie brachte — was zu erwarten war — nichts anderes als Lügen, Verdrehungen, Drohungen und Fälschungen der Weltlage. Der Günstling R e y - n a u d wurde eingangs der Chamberlain-Rede besonders gelobt, wobei es nicht uninteressant ist, daß Chamberlain das in ganz Frankreich als unsozial bekannte Finanzierungsprogramm Reynauds als das größte Werk kennzeichnete, das Reynaud die Sympathien Englands eingetragen hätte. Chamberlain sprach dann in seiner bekannten bombastischen Art über die Zusammenarbeit der West - m ächte und versicherte, daß diese Zusammenarbeit immer enger werde. Er betonte das mit solcher Beflissenheit, daß diese Tatsache allein schon genügt, um das Mißtrauen bei den Völkern der westlichen Demokratien nicht zu nehmen, sondern zu stärken. Chan^berlain ging dann dazu über, in völliger Verdrehung der tatsächlichen Geschichtsereignisse und -abläufe die englischen Kriegsausweitungspläne in Skandinavien entweder zu leugnen oder zu tarnen. Er versuchte, alle diejenigen englischen Absichten, über die nach der Rede -des schwedischen Außenministers Günther kein Zwei- sel mehr besteht, unter Negierung dieses Ausführungen abzustreiten, indem er erklärte: „Deutschland hat jetzt keine Skrupel, neutrale Länder mit Invasion zu bedrohen, um sie zu verhindern, Schritte zu unternehmen, um ihren Nachbarn Beistand zu bieten gegen Aggressionen, oder um eigene Interessen zu schützen." Diese nicht zu überbietende Heuchelei leistet sich der Ministerpräsident Englands, der verbucht hat, unter dem Vorwand, Finnland zu helfen, in Schweden einzufallen und Schweden in einen Krieg gegen Deutschlandzu verwickeln. Denn in Wirklichkeit bedeuten diese Worte Chamberlains nichts anderes als: England wollte, ohne sich im geringsten um die schwedische Neutralität zu kümmern, in Schweden einmarschieren, angeblich um Finnland zu helfen, in Wahrheit aber, um imNorden einen neuen Kriegs- schallplatz gegen Deutschland zu schaffen und so Schweden zu zwingen, sein Land zum Aufmarschgebiet gegen Deutschland herzugeben. Der schwedische Außenminister Günther ist hier der Kronzeuge. Er hat in seiner Rede eindeuttg klargestellt, daß laut Auskunft der finnischen Regierung weder ein Ersuchen Finnlands an die Westmächte um Hilfe vorgelegen, noch ein deutsch-schwedischer Kontakt in der Frage des finnischen Krieges überhaupt stattgefunden hat. Nur durch den F r i e d e n s s ch l u ß zwischen Rußland und Finnland wurden die We st möchte daran gehindert, ihre dunklen Pläne imxNorden auszuführen. Die Rede Günthers hat in voller Klarheit bewiesen, daß die westlichen Demokratien bis zur letzten Minute diesen Friedensschluß mit allen Mitteln zu sabotieren versucht haben. Chamberlain hat also mit echt britischer Unverschämtheit diesmal allerdings so schlecht gelogen, daß er sich der Lächerlichkeit in der ganzen Welt ausgesetzt hat. Seine Worte waren nichts als dunkle Drohungen und neue Erpre s sungsver s u ch e den Neutralen gegenüber, einwatttert in Rechtsphrasen, die kein Mensch mehr glaubt. Chamberlain verschwieg wohlweislich, welche militärischen Absichten und ob überhaupt welche ins Auge gefaßt seien. Er verkündete aber prahlerisch, daß es das Ziel der Westmächte sei, Deutschlands Roh st off zufuhr abzuschneiden und daß die Westmächte entschlossen seien, den Wirtschaftskrieg zu verschärfen und die nordischen Staaten mit Waffengewalt zu drangsalieren und den Versuch zu machen, den Handel der nordischen Staaten mit Deutschland zu stören. Dieses skrupellose verbrecherische Bekenntnis zum Blockadekrieg setzt uns nicht in Erstaunen. Aber Chamberlain hat diesem Bekenntnis noch ein anderes hinzugefügt, nämlich das Bekenntnis zur Vernichtung jeglicher gesunder Wirtschaftsbeziehungen in Mitteleuropa. Er hat das Gesetz des W i r t s ch a f t s ch a o s' pro- Was können uns backenohne Seit, nur mit 2 Siern ? Du Oetker Qustin - Plätzchen (tütKinder!) 2 Eier, 2 Eßl Master, 100 g Zucker, Man schlägt das Eigelb mit dem Master sckaumig (am besten mit einem 1 Päckchen vc. Oetker Oanillinzuckec, Schneebesen) und gibt nack und nack 2/z des Zuckers mit dem Vanillin- ■ ■ ?5 g Meizenmehl, . zucker dazu. Danach schlägt man so lange, bis eine kremartige Masse 50 g Dl Oetker „Gußin . entstanden ist. Das Eiweiß wird zu steifem Schnee geschlagen. Dann gibt man unter ständigem Schlagen nach und nach den stest des Zuckers dazu. Der Schnee muß so fest sein, daß ein Zl jP • 11 Schnitt mit einem Mester sichtbar bleibt, ec wird auf den Eigelbkrem gegeben, darüber das mit dem Justin" gemischte Mehl gesiebt. Man zieht alles vorsichtig unter den Eigelbkrem. Mit 2 Teelöffeln seht man kleine ■■ Teighäufchen auf ein gefettetes Bachblech und backt sie goldgelb. H'hßH 11 rJ I jBacMeit: 10-15 Mwutkü bLt MitteMs. Erg ebn is: Etwa 55 5tüL Bitte augfchnglbenl ® im 72. Lebensjahre. Gießen -Wieseck, den 3. April 1940. 1685 D Tüchtige । zn verkanten: BaDsangeslellle mit Ma- Rödgen, Gießen, den 8. April 1940. 01226 Kaufgesuche Bitte notieren Sie meine Anschrift: 1687 V Donnerstag, den 4. Avril, nach- UaiWIl mittags 2 Uhr, versteigere ich an Ort und Stelle ' oder Anteil von 1591 A fort . 01220 möbl. Zimmer f. Küche u. Haus sofort oder später mit Miekwasser. ges. Hilfe vorh Ql... U I Htlw A Abatimanti Schriftl. 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Anzeiger erbeten klamiert. Er hat die Sinnlosigkeit als Kampfmittel erklärt und glaubt, damit den Krieg gewinnen zu können. x Wir können dazu nur feststellen, was Deutschland in letzter Zeit immer festgestellt hat, daß auf jede britische Aktion in dieser Hinsicht die wirksame deutsche Reaktion erfolgt. Wir nehmen jedoch zur Kenntnis, daß Chamberlain nicht nur ein Kriegshetzer und ein Brandstifter, sondern ebenso sehr ein Wahnsinniger ist, der sich gegen den Sinn und die Organisation ganz Mitteleuropas richtet. Wir stellen fest, daß Chamberlain entschlossen ist, bei der Verfolgung dieses Zieles sich überjedeReutralitäthinwegzusetzen. Wieder einer „ausgestiegen". London, 3. April (Europapreß.) Der Menschenverbrauch im englischen Informa- tionsminsterium bleibt nach wie vor anormal hoch Eben verlautete erst, daß der Leiter der Zensur, Sir Walter Monckton, „wegen Ueberarbei- tung mehrere Wochen das Bett hüten oder doch zu Hause bleiben müsse" und keinerlei amtliche Tätig- Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme an dem schweren Verluste beim Heimgang unseres lieben Entschlafenen, £ür die zahlreichen Kranz- und Blumenspenden sagen wir allen unseren herzlichsten Dank. Ganz besonders danken wir Herrn Pfarrer Bönning für die trostreichen Worte, der Wehrmacht für die erwiesene Ehre, der NSDAP. Rödgen, der DAF. Gelnhausen, sowie den Schulkameraden von Rödgen und Annerod. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Hch. Schmidt VI. Cläre Stutzenstein. Neue Tapeten Klaviere werden fl60D fachgemäß gestimmt und repariert G. Ebert Klaviermacher Bleichstraße 17 Fernruf 2403 stellen". Kurz darauf wurde bereits eine dritte Meldung ausgegeben, in der es u. a. heißt: Infolge der Explosion brach in der Munitionsfabrik em Brand aus und in allen umliegenden Städten wurde um Hilfeleistung ersucht. Die Fenster in den Häusern und Läden in der Umgebung wurden durch die Gewalt der Explosion zertrümmert. Manner, Frauen und Kinder eilten nach den Fabrikeingängen, wurden jedoch nicht -zugelassen, da die ganze Gegend militärisch abgeriegelt war. England verletzt die dänische Neutralität. Kopenhagen, 2. April. (DNB.) Zu der Torpedierung des deutschen Handesschiffes „C d ui und Hugo ©t in ne s" vor der westjütischen Küste in der Nacht zum 24. März durch ein englisches U-Boot teilt das dänische A u ß e n m l n l st e - rium heute nachmittag, mit: Das Wrack des vor Thorsminde an der Westküste Jütlands versenkten deutschen Handelsschiffes „Edmund Hugo Sünnes liegt etwa 16 Meter unter Waste in einem Abstand von etwa anderthalb Seern eilen von der Herr Wilhelm Kreiling Viehhändler Lehrmädchen für Papiergeschäft gesucht. Meldung durch das ArbertsamtGießen. vavlevbaus Lung, Seltersweg 29. 01247 ficintich fiochftätttr Bekanntmachung. Die Strom- und Gasgelder im Stadt- und lieber- landgebiet sind nach den Lieferungsbedingungen grundsätzlich bei der Ablesung an den Erheber zu zahlen. Geschieht dies nicht, dann können die Strom- und Gasgelder noch innerhalb der nächsten 8 Tage ohne kosten an die Kaste der Stadtwerke, Gießen, Gartenstraße 3, auf Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 277 07 oder auf die auf den Quittungskarten verzeichneten Bankkonten eingezahlt werden. Bel Überschreiten des Zahlungstermins müssen die Bei- treibungskosten berechnet und entrichtet werden. Dom 15. April 1940 ab wird die Strom- und Gaslieferung bei allen Abnehmern gesperrt, die die Strom- und Gasgelder für den Monat Februar 1940 einschließlich kosten noch nicht entrichtet haben. Die Kosten der Strom- und Gassperre gehen zu Lasten . der Säumigen. 1681A Gießen, den 1. April 1940. Direktion b^r Stadtwerke Gießen. Mädchen V gesund, kräftig und solid in Ein- tamllienhans gesucht für Hausarbeit. Gelegenheit zum Kochenlernen. Eintritt sofort od. bald. Bewerbung, m. Zeugnisabschr., Gehaltsansprüchen u. Lichtbild erbeten an Direktor Müller, Karlsruhe/ B., Jahnstr. 15. BERGFREUNDE! 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Als Nachfolger Carrs wird der frühere erste Legationssekretär an der britischen Botschaft in Berlin, A. D. Kirkpatrick, genannt. Explosion in einer Munitionsfabrik in Schottland Amsterdam, 2. April. (DNB.) Aus London wird gemeldet, daß bei einer Explosion in einer Munitionsfabrik in Schottland eine Anzahl Tote und Verwundete zu beklagen sind. Im Anschluß an die erste dürftige Mitteilung sah sich der Versorgungsminister veranlaßt, bekanntzugeben, „er bedauere, mitteilen zu müssen, daß mehrere Menschenleben verloren gegangen seien, außerdem habe es mehrere Verwundete gegeben. Es seien aber Schritte unternommen, um die „baldmöglichste" Wiederaufnahme der Produktion sicherzu- doch nicht Bedingung,beihoh. Lohn für sofort oder später ges. A. Decker Wwe. Gießen 10790 Crednerstr. 22. unt.01241 a. den Gieß.Anz. erbet. Familiendrucksachen Verlobungsanzelgen Vermählungsanzelqen Geburtsanzeigen bei Brühl. SohulstrJ an der Lahn zu erfolgt im Verftcigerungsiokal »achten gesucht. 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Schlüter Bindenbarfiwall 17. oethe-Bund und Kanimännisclier Verein in Arbeitsgemeinschaft mit der Volksbildungsstätte Gießen der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude* Aus Anlaß der unter der Schirmherrschaft des Herrn Oberbürgermeisters der Stadt Gießen stattfindenden GießenerWoche für Kunst und Literatur Freitag, 5. April 1940, abends 8 Uhr, Neue Aula: Feierstunde unter Mitwirkung des Städtischen Orchesters, Leitung: Kapellmeister Paul Walter Ansprache von Ob.-Reg.-Rat Hein Schlecht, Reichshauptstellenleiter RPL., Stellvertr. Leiter der Abt. Schrifttum des Reichspropagandaministeriums: Die Pflege der Dichtung als Kulturaulüalie Festvortrag .von Literaturhistoriker Dr. Reinhard Buchwald: Schiller und die Gegenwart Samstag, 6. April 1940, abends 8 Uhr, in den Räumen des Gesellschaftsvereins, Sonnenstraße 19: Festlicher Abend 1. Teil: Karl Heinrich Waggerl liest Heiteres aus eigenen Werken 2. Teil: Tanzgruppe des Gieh. Stadttheaters unter Leitung von Ballettmeisterin Thea Maaß Mitglieder des Goethe-Bandes u. Kaufm. Vereins gegen Gutschein Nr. 5 u. 6 für G.B., Nr. 11 u. 12 für K.V., freien Eintritt, Zusatzkarten 75 Pf., der Ges. !. Erd- u. Völkerkunde gegen Gutschein Nr. 11 freien Eintritt, Nr. 12 50 Pf. Angehörige der Volksblldünusstltte Gießen der NSG. KdF. sowie Mitglieder der NS.-Fraaen- schalt, des VDA. und des Landschaftshundes Volkstum und Heimat zu 75 Pf., Nichtmitglieder zul,-Mk. bei Challier und Abendkasse, Stndentenkarten beim Hausmeister der Universität zu 50 Pf. 1640D Küste, d.h. also innerhalb dänischen Seeterritoriums. Nachdem die Untersuchung der näheren Umstände, die in Verbindung mit dem Untergang des Schiffes stehen, jetzt zu Ende geführt worden ist, wird der dänische Gesandte in London den Auftrag von seiner Regierung erhalten, in der Angelegenheit bei der englischen Regierung vorstellig zu werden. * Aus Apen rade wird berichtet, daß in der vergangenen Nacht über Haurup und Feldsted von einem Flieger Flugblätter in großer Menge abgeworfen wurden. Aus dem antideutschen Text dieser Wische ergibt sich einwandfrei, daß es sich um eine englische Maschine gehandelt haben muß, die erneut die dänische Neutralität ver - letzt hat. ___________________ Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm L cm ge? Stellv er tre ter deS Hauvtichriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik, Feuillewn und Bilder: Dr. Fr. W. Lange: für Stadt Gießen, Provinz und Wirschaft: Ernst Blumschein: für Sport: Heinrich Oldwig Neuner, Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange K. G. Nerlaasleiter: Dr. - Ing. Erich Hamann: Anzeigenleiter. Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Pl.Nr.5. Suche z.15.Avril od.I.Mai schöne Moi.-Wohniiiig eventl. mit Bad. Miete 40-60 Mk. Schr.Angeb.unt. 01237 a.d.G.A. Stellenangebote] Keine Ursprungszeugnisse, londern nur Zeugnis- abschriften dem Be^ Werbungsschreiben beilegen I — Lichtbilder undBewerbungsunter- lagen müssen zur Vermeidung von Verlusten auf der Rückseite Namen und Anschrift des Bewerbers tragen! Jüngere weibliche Hilfskraft f. kaufmännisch. Büro für sofort od. spät, gesucht. Schreibmaschineschreiben erw., aber nicht Bedingung. Schr. Angebote unter 1671D an den Gieß. Anzeiger. SMere WM gesucht. 1672D Modehaus oöol OOöKoopS flO tozr/ZS Itr. 78 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheflen) Mittwoch. 3 April M0 Aus der Stadt Gießen. Vielseitiger April. Die Wettercharakteristik des April ist so bekannt, daß wir sie an dieser Stelle nicht mehr 311 skizzieren brauchen. Aber mag das Wetter sein wie es will: der Frühling ist nicht mehr aufzuhalten, er erweitert und befestigt seine Herrschaft von Tag zu Tag. Die schwarze Erde und der verblichene Rasen schwinden mehr und mehr und verwandeln sich in frisches Grün, während sich an Baum und Strauch allmählich die Knospen strecken und anschmellen, um sich ebenfalls in zartes Grün zu kleiden. Anfangs geht es langsam, später aber um so schneller, zuletzt kann man kaum nachkommen, zumal, wenn der April es besonders freundlich meint, indem am Schluß des Monats das erste Bunt der Blüten hinzutritt. Trotzdem ist der Einzug des Frühlings im April durchaus nicht gleichmäßig, nicht einmal in unserem deutschen Klima, das doch als ausgeglichen und gemäßigt gilt. Der Frühling, dokumentiert durch das Grünwerden in der Vegetation, ist unter Zugrundelegung der Normaltermine eigentlich nur auf den letzten Teil des April beschränkt. Im Laufe des April verlängert sich die Tagesdauer von 13 Stunden zu Beginn des Monats auf 13 Stunden 54 Minuten in der Mitte des Monats und auf 14 Stunden 45 Minuten arp Ende des Monats. Im April sind also die winterlichen Begriffe der frühen abendlichen Dunkelheit vollkommen verschwunden, zumal wir in diesem Jahre am 1. April mit der Sommerzeit begannen, wodurch eine weitere Verschiebung unserer Tagesarbeit auf die hellen Stunden erfolgte. Die bekannte launische Witterungsform des April verlangt von dem Kleingartenbesitzer äußerste Vorsicht gegenüber der jungen Saat. Jeder Mensch Hat ungefähr im Gefühl, wenn eine Nacht besonders kalt und frostgefährdet ist. In der gegenwärtigen Zeit, in der wir uns Ausfälle durch Frostschäden nicht leisten können, ist es zweckmäßig, bei allen Wetterabschnitten, die tagsüber naßkalt und unfreundlich sind, für die nachfolgenden Nächte den Schutz der jungen Saat vorzubereiten. Es genügen im April oft nur wenige Stunden klaren Himmels während der Nacht, um die Temperatur in Erdbodennähe, wo sich die empfindlichen Pflanzen befinden, auf den Gefrierpunkt absinken zu lassen. An solchen Apriltagen, an denen es auch zu Graupel- oder Schneeschauern kommt, ist für die folgenden Nächte unter allen Umständen auch dann Schutz den Pflanzen zu gewähren, wenn tagsüber die Temperatur 5 bis 10 Grad über Null lag. Der April ist ein launischer, aber für die Entwicklung des Ernteertrages außerordentlich wichtiger Monat. Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: 19.30 bis 22 Uhr: „Emilia Galotti". — Gießener Kunstwoche: Ausstellung im Foyer des Stadttheaters von 17 bis 18 Uhr. — Gloria- Palast (Seltersweg): „Ein Mann auf Abwegen." — Lichtspielhaus (Bahnhofstr.): „Aus erster Ehe". Neuinszenierung zur Gießener Woche für Kunst und Literatur. Am heutigen Mittwoch wird das Trauerspiel von Gotthold Ephraim Lessing „Emilia Galotti" in der Neuinszenierung von Dr. Hannes Ra zum zum ersten Male aufgeführt. Die Neuinszenierung ist anläßlich der Gießener Woche für Kunst und Literatur erfolgt. Es wirken mit: Hilde Heinrich, Jngeborg Riehl, Rose Stirl, Hans Eanienberg, Walter Erler, Gert Geiger, Friedrich Gröndahl, Viktor v. Gschmeid- ler, Siegfried Lowitz, Hilmar Manders, Hans Albert Schewe, Hans Seitz. Bühnenbild: Karl Löffler. 26. Vorstellung der Mittwoch-Miete. Gauausstellung Hessen-Nassau 1940. NSG. Dem Wunsche des Gauleiters entsprechend, wird auch in diesem Kriegsjahre die Reichskammer der bildenden Künste mit einer Leistungsschau von Werken der Malerei, Graphik, Plastik und des Kunsthandwerkes vor die Oeffentlichkeit treten. Die Gauausstellung wird voraussichtlich anfangs September dieses Jahres eröffnet werden; nähere Angaben erfolgen rechtzeitig. An die Künstlerschaft des Gaues Hessen-Nassau ergeht der Ruf, für diese Veranstaltung schon jetzt beste Arbeiten vorzubereiten. NS-GlMillsAfl M Statt dann Steuöe Achtung! KdF.-Sport. Jeden Mittwoch, Donnerstag und Freitag finden folgende Kurse statt: 1678D Mittwoch, 20.30 bis 21.30 Uhr: Sport und Spiele für Männer und Frauen, Goetheschule, Horst- Wessel-Wall. Donnerstag, 20.30 bis 21.30 Uhr: Gymnastik und Spiele für Frauen, Schillerschule, Schillerstraße. Freitag, 16 bis 17 Uhr: Kindergymnastik (für Kinder unter 10 Jahren), Goetheschule. Hierfür Anmeldungen vorher an Sportamt, Schanzenstraße 18, oder KdF., Laden Seltersweg, erbeten. Freitag, 20.30 bis 21.30 Uhr und 21.30 bis 22.30 Uhr: Schwimmen für Männer und Frauen, auch Anfänger, Volksbad. Neuanmeldungen werden in den Kursen angenommen. Verleihungen des Goldenen Treudienff-Ehrenzeichens. Der Führer hat den nachstehenden Beamten, An« gestellten und Arbeitern des Landes Hessen für 40- jährige Dienstleitung das Treudienst-Ehrenzeichen 1. Stufe (in Gold) verliehen. Das Ehrenzeichen erhielten: der Bürodirektor Sebastian Müller, der Verwaltungsassistent Karl Weißbäcker, der Revierförster Ludwig Nagel (Forsthaus Baumgarten bei Gießen) und der Straßenkehrer Brück, sämtlich in Gießen. Ferner wurden damit bedacht die Revierförster Georg Seipp (Forsthaus Hüttenberg bei Großen-Linden) und Georg Eichenauer in Reinhardshain; die Forstamtssekretäre Heinrich Pflüger in Nidda und Heinrich Bing in Schotten, der Jnstallationswerkmeister Heinrich Bastian in Odenhausen (Lahn), der Faselhalter Generalversammlung der Bezirksviehverwertung Gießen. Die Bezirksviehverwertung G. m. b. H. in Gießen hat in den letzten Jahren einen guten Aufstieg erlebt, lieber 80 Orte im Kreis Gießen und dem südlichen Kreis Alsfeld werden von ihr betreut, ebenso sind ihr die Orte im Salzböde- und Biebertal des Kreises Wetzlar angeschlossen. Ein gut aus- gebautes Vertrauensmännernetz bildet die Vermittlung zwischen Bauer und Organisation. Unter Leitung des Aufsichtsratsmitglieds Gutspächter und Ortsbauernführer Reinheimer (Odenhausen, Rabenau) hielt die Bezirksviehverwertung Gießen im Hotel Hopfeld zu Gießen ihre diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende begrüßte die Mitglieder, insbesondere die Gäste Oberrevisor Hartmann vom Ländlichen Genossenschaftsverband Rhein-Main-Neckar, Bankvorstandsmitglied Jung von der Dolksbank in Gießen und den Vertreter der Oberhessischen Versicherungsanstalt Bauer Ludwig Hofmann V. (Lollar). Direktor Otto Heß (Leihgestern) erstattete den Jahresbericht. Aus diesem war zu entnehmen, daß sich der Gesamtumsatz der Viehverwertung um etwa 600 000 RM. auf 1 917 546 RM. erhöht hat. 2236 Stück Großvieh, 4131 Kälber, 3620 Schweine und 2376 Schafe konnten den Schlachtoiehmärkten zugeführt werden, ferner wurden 1631 Stück Zuchtvieh vermittelt. Soweit dieses nicht im eigenen Bezirk gebraucht wurde, konnte es nach Thüringen, Baden und dem Odenwald abgesetzt werden. Sämtliches Schlachtvieh genießt im Interesse des Verkäufers Versicherungsschutz bei der Oberhessischen Versicherungsanstalt in Gießen. Das Entgegenkommen und das stets reibungslose Zusammenarbeiten mit dieser Anstalt sei besonders zu erwähnen. Heß dankte dann besonders allen Mitarbeitern und den Angestellten und bat in eindringlichen Worten, die Bestrebung der Viehoerwertung als bäuerliches Selbsthilfeunternehmen weiterhin zu unterstützen Diese wolle in der gegenwärtigen ernsten Zeit erst recht aerne Mitarbeiten, daß die Fleischoersorgung in unserem Bezirk jederzeit sichergestellt ist. Oberrevisor Hartmann sprach dann noch über die Bedeutung der Viehverwertungsgenossenschaften im Schlacht- und Nutzviehgeschäft. Die Geschäftsführung müsse stets vorsichtig und gewissenhaft arbeiten und damit das Vertrauen der Genossen rechtfertigen. Es sei aber auch nötig, daß diese treu ihre Pflichten erfüllen. Die Verhältnisse bei der hiesigen Genossenschaft wurden von dem Vortragenden als gesund bezeichnet. Die Geschäftsführung sei vorbildlich. Die Genossenschaft sei sich ihrer Verantwortung bei der Erfassung von Schlacht- und bei der Vermittelung von Zuchtvieh für die Volkswirtschaft voll bewußt und habe auch in der Zukunft noch große Aufgaben zu erfüllen. Bilanz und Jahresrechnung wurden von Buchhalter Häuser oorgetragen und von der Versammlung genehmigt. Dem Vorstand und Aufsichtsrat wurde Entlastung erteilt. Der Gewinn wurde je zur Hälfte dem Reservefonds und der Betriebsrücklage überwiesen. Den Reoisionsbericht erstattete Llussichtsratsmitglied Sommer. Das ausscheidende Vorstandsmitglied Franz Hennecken (Gießen), sowie die ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder Karl Meier (Staufenberg), Wilhelm K r i e p (Geilshausen), Philipp B ö ch e r (Bersrod) und Karl Sommer (Gießen) wurden einstimmig wiedergewählt. In seinem Schlußwort wies der Versammlungsleiter nochmals auf die schönen Erfolge des letzten Jahres hin und bat, in der gegenwärtigen ernsten Zeit erst recht um weitere Mitarbeit nach dem alten genossenschaftlichen Grundsatz: Der einzelne ist nichts, die Gemeinschafti st alles. Heinrich Kri e b in Allendorf a. d. Lda., und der Sparmarkenverkäufer Christoph Leyenzapf in Butzbach. Mit der Polizeidienstauszeichnung der 1. Stufe (für 25jährige treue Dienstleistung) wurden die Polizei-Hauptwachtmeister Otto Heß und Karl Löcher, beide in Gießen, bedacht. Ausgezeichnetes Ergebnis des „Taaes der Wehrmacht". Der „Tag der Wehrmacht" für das Kriegs-Winterhilfswerk 1940 brachte tn den Standorten des Heeres im Wehrkreis 9 allein durch Eintopfessen und Veranstaltungen der Wehrmacht ein Ergebnis von 462 787,24 RM. Dieser Betrag bedeutet gegenüber dem entsprechenden Betrag des vergangenen Jahres mehr als eine Verdoppelung. Dazu kommen, noch die Ergebnisse der Veranstaltungen in den Luftstandorten und der noch nicht feststehende Betrag der Straßensammlungen. KdZ.-Monalsprogramm für April. Die Kreisdienststelle Wetterau der NSG. „KdF." .hat für den Monat April das neue Programm ausgestellt. Daraus ist zu entnehmen, daß auch in Gießen wieder einige größere Veranstaltungen durchgeführt werden. Da ist zunächst am 8. April das Gastspiel der „D r e i l u ft i g e n Gesellen" unter Leitung von Hans Solcher, dem Vater des „Her- männche", mit einem ausgesuchten Programm. In der Universitätsaula findet am 11. April ein Liederabend des Baritons Rudolf G o n s z a r vom Opernhaus Frankfurt statt. Am 15. April gibt Robert Gaden mit feinem Tanz-Sinfonieorchester, einer 30 Mann starken Kapelle und dein Wiener Meister- duo an zwei Klavieren ein Gastspiel. Weiterhin findet zwei Ringveranstaltungen statt, und zwar am 22. April die Aufführung des Schauspiels „Lombardische Nacht" von Hohlbaum, am 27. April die Komödie von Nikolaus Gogol „Der Revisor". Am 30. April kommt bei der Firma Bänninger G.m.d.H. ein Werkskonzert zustande, das auf den Frankfurter Reichssender übertragen wird. In Butzbach gibt am 5. April die Rhein-Mainischs Landesbuhne ein Gastspiel mit dem musikalischen Lustspiel „Eine Schwindelfahrt ins Glück" von K. K. Diekmann und Gerd May. Am. 14. April wird ein „Italienischer Opernabend" stattfinden, der von hervorragenden Mitgliedern italienischer Bühnen bestritten wird. In Watzenborn-Steinberg tritt die „Rhein- Mainische Landesbühne mit dem Schwank „Schwindelfahrt ins Glück" am 6. April auf. In Klein-Linden am 3., nachmittags, und am gleichen Tage abends in Heuchelheim, am 4. April, nachmittags, in Londorf und abettds in Großen-Linden, am 5. April, nachmittags, in Wölfersheim, und am Abend in Gambach gibt die KdF.-Spielgrupps „Froh und heiter" ihre Gastspiele. In Laubach führt am 4. April, nachmittags, und am gleichen Tage abends in Grünberg die KdF- Spielgruppe „Lachendes Allerlei" Bunts Abende durch. Die gleiche Truppe spielt am 5. April, nachmittags, und abends in Friedberg, am 16., nachmittags, und abends in Butzbach, am 17., nachmittags, in Londorf und abends in Geilshausen. Weiterhin gibt die KdF.-Spielgruppe „Die Grillenfänger" am 23. April, nachmittags, in Lauter und abeni)s in Laubach, am 24., nachmittags, in Gambach und abends in Lang-Göns, und am 25. April, nachmittags, in Friedberg-Fauerbach und abends in Leihgestern Gastspiele. Und schließlich wird noch die KdF.-Spielgruppe „Die fahrenden Ges.el- l e n" am 23. April in Lich, am 24. in Pohl-Göns, und abends in Ilbenstadt auftreten. Für bie Schmal- SA.-Wehrsport- abzeichen-Prüfung Am vergangenen Sonntag fand — wir berichteten bereits darüber — im Wald an der Bergschenke die Prüfung für die Hebungen der Gruppe 3 zum SA. - Wehrsportabzeichen statt. 80 Kameraden aus dem gesamten Standartenbereich (116) beteiligten sich daran. Unser Bild zeigt einen der Prüflinge (liegend) beim Umgang mit Kompaß und Karte. (Aufn.: Neuner, Gieß. Anz.) T Frühlingsblumen flattern ins Haus. Von Annie Irance-Harrar. Schneeglöckchen. Nein, dieser Name ist nicht hübsch genug für sie. Daß man sie auch nur „Schneeglöckchen" nennt, wie das zumeist geschieht (obgleich die Verwandt- schast mit dem richtigen Schneeglöckchen nur so eine Art oberflächlicher Vetternschast ist), schafft nichts als Verwechslungen. Da weiß ich ein viel hübscheres Wort für den kleinen Waldzauberer nut dem weißgrünen Glockenhut: „Frühlingstürchen , wie sie irgendwo in Mitteldeutschland ZU ihm sagen. Oder „Schneeveilchen", was nämlich das- riesengebirgische „Schnisalk" bedeuten soll. Und wenn man will, kann man sich auch fuk „Schm- galchel" entscheiden, aus welch sonderbarem nonr- böhrnischen Wort eine richtige Beobachtung spricht. Gemeint ist nämlich der gelbe Mecken an ledern der Glockenzipfel, der aber freilich hi Wirklichkeit ein Saftmal ist, das den Insekten den Weg weisen- soll. Denn das Bißchen zarter Deilchendust, der von unserem Frühlingstürchen ausgeht, scheint nicht ganz für einen durchschnittlichen Bienen- oder Fue- genverstand zu genügen. Für die Blume aber qt solch geflügelter Besuch sehr wichtig, denn die Behälter der Staubgefäße öffnen sich erst, um Blutenstaub auszustreuen, wenn ein solch brummender, trippelnder Gast sie berührt. Man kann nicht sagen, daß die Frühlmgsknoten- blume bei uns ein besonders gutes Leben hat. Zwar pflegt man sie mit Vorliebe in Topsen und Beeten — aber das Wetter! Sie kommt immer noch im März und April früh genug, um an allen Schändlichkeiten des nicht weichen wollenden BZin- ters teilzunehmen. Wo die „Liebe" der Menschen sie noch nicht ausgerottet hat, zieht sie den lichten Auwald jedem anderen Standort vor. Auch i^eut sie alles, was nördlicher als etwa Leipzig liegt wenn sie nämlich freie Wahl hat. Dürres Winter- laub, Gestrüpp vorjähriger Gräser hält sie für den angenehmsten Aufenthaltsort. Dazu den wmo- brechenden Schutz nickender Haselzweige, Kornelkirschen und dorniges Brombeergerank. Denn unter all das kann sie sich verkriechen, wenn die 1100)16 noch gar zu kalt sind ober die schlimmen Nordwinde einbrechen. Wenn all diese schützenden zielte und Ranken sich erst wieder begrünen, wenn die Graser himmelhoch aufschießen — bann ist es mit bem ersten zaghaften, schüchternen Blühen jn ohnedies vorbei, und kein „Frühlingstürchen" braucht sich mehr aufzutun. Oestlicher Adonis. Immer noch ist es fremd bei uns, nicht häufig, mehr im Osten als anderswo zu finden. Kahle sonnige Kalkhügel liebt es, wo fein Schatten fällt und von dem ersten Huflattich an alle Gewächse unter ZU wenig Wasser leiden.. Den Frühlingsadonis freilich stört dieser Mangel wenig. Da, wo er zu Hause ist, regnet es von den letzten Frühlingstagen ab kaum mehr. ErkommtvomBalkan herauf, vielleicht von Kleinasien und an ihn (richtiger an feinen bren--- nenb rot dort blühenden Bruder) knüpft sich die traurige Sage des schönen Adonis, der die Liebe der Aphrodite mit frühem Tob bezahlte und aus dessen Wunden und verschütteten Blutstropfen rote, schnell welkende Blumen entsprangen. Der Frühlingsadonis aber ist gelb, von reinstem, leuchtendstem Schwefelgelb, und feine Strahlenblüten werben mitunter groß wie eine kleine Rose. Der Busch, auf, bem sie wachsen, sieht wie ein Schopf zerzauster grüner Haare aus. So feinzerteilt, wie lauter fedrige Stacheln ist das Blattwerk. Alle Jahre steigt er aus derselben Wurzel neu empor, bis tief in den Mai hinein von Blüten leuchtend. Man weiß, daß diese Blüten sich unaufhör-. lich nach der Sonne drehen, so daß sie morgens nach Osten, abends nach Westen schauen. Beinahe ist mun versucht, zu sagen, daß sie selber eine strahlende Sonne im kleinen sind, wenn sie so über kahlen Hügelkanten glänzen. Alles geflügelte Jn- sektenvolk liebt den Frühlingsadonis sehr. Denn er überschüttet seine Besucher beinahe mit goldenem Blütenstaub und färbt ihre dunklen Pelzchen, als ob es Knospen wären. Und merkwürdig, sie alle verzehren schadlos bie gebotene Mahlzeit. Wahrend für den Menschen der Frühlingsadonis ein schlimmer Feind ist. Oder eigentlich auch gar fein Feind, beim aus dem starken Gift, das er enthalt, macht man das für den Herzspezialisten fast unentbehrliche Adonin. Und so sicht er, fremdartig, glühend, em Stück östlicher Frühling. Blaue Sterne im Buchenwald. Ein Stück Himmelsblau, licht und lieblich, zwischen grauen Buchenstämmen und rostrotem Wm- terlaub Stern an Stern, dicht gedrängt, das schone gotisch geformte Blatt dazwischen Um dieses Blattes willen hielt man Jahrhunderte lang bas Leberblümchen für eine Wunberarzknei für alle Leberkrankheiten, der Name als Erinnerung daran ist heute noch geblieben. Acht Tage blüht eine Blume, nachts sich schließend und in Laub und Moos etn= VÜhlend. Aber sie blüht nicht überall, bergsreund- li'ch ist sie, liebt das Flachland nicht. Ein Dutzend Namen hat der Volksmund ihr gegeben, der hübscheste stammt von den Paderbornern, die „Vor- witzchen" zu ihr jagen. In chrem schönen, blauen Sternkelch, der ganz selten rosa und noch viel seltener weiß leuchtet, ist fein einziges Honigschüsselchen aufgestellt. Nur Blütenstaub spendet sie den hungrigen Bienen. Und wenn noch einmal der März- und Aprilschnee ihrer Bergheimat über sie fällt, stunden-, tagelang, dann vermählen Staubfaden und Stempel sich insgeheim in der frierend geschlossenen Blüte, ohne geflügelte Brautwerber, ohne Sonne und verheißungsvolles, aus fahlen Hügelwaldkronen zitterndes Licht. Moniagsumriß. Von Anion Schnack Ich empfinde den Montag als den geheimnisvollsten Tag, weil er den langen und doch so kurzen Schicksalsweg der Woche eröffnet. Was wird sie bringen? Mehr Erkenntnis? Mehr Betrübnis? Werden die Stunden der Freude die Stunden der Trauer überwiegen? Wie ein Gong rollt sein Name, schwertönend, ein Klayg voll Höffnungsfroheit und Schrecken zugleich, in den dunklen, unbekannten Gang hinein, der sich Woche nennt. In ihm sind wie Gesichter, schweigend, unerbittlich, stumm und ungerührt die Tage 'aufgestellt: Dienstag ..der Mittwoch ... der Donnerstag ... Sphinxgesichter, Rätselaugen, unergründliche Masken und zugeschlossene Tore. Von der feierlichen Ruhe und breiten Behäbigkeit des Sonntags liegt er weltenweit entfernt. Beide haben, obwohl sie so nahe beieinanderstehen, keine Aehnlichkeit miteinander. Der Montag scheint uns der unruhigste, der lärmendste und der lauteste Tag zu sein. Auch die anderen Werktage der Woche sind lärmend, unruhig und laut, aber wenn die Montagsfrühe beginnt, haben mir noch die Stille, die leise Heiterkeit, die ungebundene Freiheit und den Schlendrian des Sonntags im Blute. Aus den Hoffenstern der Häuser, auf den grauen Eisenaltanen, wo die zerschlissenen und zerbrochenen Körbe trauern, die leeren und zersprungenen Blumentöpfe von Spinngeweb und Moder überzogen sind und wo die blaue und verschossene Küchenwäsche flattert, hängen die Kleider des Sonntags. Da hängt hin- und hergeweht vom leisen Windzug der schwarze Rock eines Mannes, eine leere und bedeutungslose Attrappe, die nicht erraten laßt, welche Brust sie umschloß, ob ein eitles, oder ein demütiges, ein fröhliches oder ein vergrämtes Herz darin schlug; die keinen Aufschluß gibt, ob sie die Brust eines wichtigen Beamten oder eines entschlossenen Bankdirektors verhüllte. Dies ist yielleicht ein Rock, der von seinem Herrn ,am Sonntagabend in einem Raum getragen wurde, der nach Bierdunst roch und von blauen Zigarrenwolken geschwängert war oder der auf einem Theaterstuhl saß, um dem wirbelnden Spiel der Artisten zuzuschauen. - * Hoch über diesem schwarzen Rock, auf einem anderen Balkon, hängt das Kleid eines jungen Mädchens, die zarte leuchtende Hülle einer Puppe, dis wahrscheinlich schon längst die grauen Morgentrep- pen hinuntergehüpft ist. Wo war sie gestern? Auf einer kleinen Lustbarkeit, wo ein junger Herr mit schwarzer Brille und einer frischen blauen Krawatte sie anlächelte und sich kühn und eroberungsbegierig vor ihr verbeugte, wobei er sie mit weicher Stimme „Mein schönes Fräulein" nannte. Aber jetzt sitzt das Mädchen seit frühem Morgen hinter einer rasselnden Schreibmaschine und ein Mann mit faltiger Stirne und verrauchten Zähnen diktiert ihr: „Zufolge Ihres Geehrten vom 16. Mac 1939 teilen wir Ihnen mit, daß die Sendung Drahtstifte" ... aber da sieht er plötzlich, daß sie das Komma vor „daß" vergessen hat, und er schreit: .„Wo haben Sie Ihre Gedanken wieder, Sie sind noch ganz durcheinander, von gestern wohl! ..." An einem offenen Küchenfenfter steht eine Frau, eine Schürze umgetan und die Aermel hochgekrem- pelt. Sie fegt mit einer harten Bürste Schuhe ab, ein Paar nach dem anderen; Wanderschuhe, Schuhe aus dickem Leder, Schuhe mit festen Sohlen,,durch Fett wasserdicht gemacht und mit großen Nägeln beschlagen. Der Staub, der unter den Borsten der harten Bürste davonfliegt, ist gestern noch duftende, herbe Erde gewesen, auf einem stillen und abseitigen Waldweg gelegen, über den das rauschende und hohe Brausen der Wipfel hinwegzog. Klirrend schließt die Frau das Fenster; die Welt des Sonntags ist verweht, die Streifereien durch die Gehölze find verklungen, das Waldwirtshaus am Wege ist in die Unwirklichkeit der Erinnerung versunken, das Reh, das durch das Dickicht brach, ist in den tiefen Gründen verschwunden, der süße Vogelpfiff vom Baum erklingt nicht mehr im Ohr, die braune und dunkeläugige Tochter des Försters werden die Augen des Wanderers nicht mehr Wiedersehen ... Der ernste Schatten des Montags hat alles zu* gedeckt. tonfilmvorführungen steht der Film „Wenn wir alle Engel wären" zur Verfügung. „^eichsbahn-Kümeradschaststverk." Namensänderung des Eisenbahnervereins. Der Eisenbahnerverein Gießen hielt am Sonntag im „Burghof" eine ordentliche Mitaliederoersamm- lung ab, die in erster Linie der Annahme einer neuen Satzung diente. Der Vereinsführer, Reichsbahn«Obersekretär Reusch, erstattete zunächst den Jahresbericht. Dabei gedachte er der im letzten Jahr verstorbenen Mitglieder und erinnerte an das im abgelaufenen Jahr mit einer schlichten Feier begangene Jubiläum des 40iährigen Bestehens des Eisenbahnvereins, der einer der ältesten im Bereich der Reichsbahndirektion ist und dessen Arbeit stets Anerkennung gefun« den hat. Durch die sehr gute Zusammenarbeit mit der Kreisamtsleitung Wetterau der NSV. konnten im abgelaufenen Jahr 103 Anträge auf Heilbehandlung und Erholungsurlaub bearbeitet werden. Durch die Bezirksfürsorge wurden für die Mitglieder 10 674 RM. aufgewandt, von denen die Bezirksfürsorge allein 6470 RM., das sind etwa 60 v. H., aufbrachte. Außer Unterstützungen an bedürftige Kameraden wurden Gesundheitsbehandlung und Er- holungsaufentbalte gewährt. Für die Bekämpfung der Tuberkulose und für die Heilbehandlung wurden je 3000 RM. aufgewandt. Weiterhin wurden für Erfrischung der Berufskameraden in den Sommertagen etwa 35 000 Flaschen Selterswasser beschafft. Die Mitgliederzahl hat sich von 1661 auf 1940 erhöht. Zum Schlüsse des Berichtes wurde der Kameraden an der Front gedacht. Nach Kenntnisnahme des Geschäftsberichts wurde die neue Satzung angenommen, nach der eine Aen- derung des Namens erfolgt, und zwar heißt der Verein in Zukunft „Reichsbahn-Kameradschaftswerk", um dadurch fein Hauptbeftreben, die zusätzliche Betriebsfürsorge, richtiger zum Aus- Drucf zu bringen. Durch die neue Satzung wird auch die Dereinsführung vereinfacht. Der Leiter des Ka- meradfchaftswerkes bestimmt seine Mitarbeiter. Aus diesem Grunde wurde dem bisherigen Vorstand für seine jahrelange, mühevolle Arbeit der Dank der Mitglieder ausgesprochen. Die Leitung des Kameradschaftswerkes bleibt weiterhin in den Händen des Kameraden R e u f ch. ** E i n Siebzigjähriger. Am heutigen Mittwoch, 3. Avril, kann der Schmiedemeister Ludwig Vogt, Löwengaffe 20, feinen 70. Geburtstag feiern. (Wir beglückwünschen herzlich!) ** D i e Gießener Schwäne auf dem Frühjahrsausflug. Seit einigen Tagen ziehen, im Gefühle voller Freiheit, die Gießener Schwäne auf der Wasserfläche der in der Heuchelheimer Gemarkung liegenden Kiesgruben majestätisch ihre Kreiie. ** Verkehrssünder. Die Polizei hatte in der Zeit vom 15. bis 21. März 1940 wieder gegen eine stattliche Anzahl Verkehrssünder vorzugehen. Kraftfahrer mußten in 5 Fällen zur Anzeige gebracht und in 9 Fällen gebührenpflichtig verwarnt werden. Groß ist die Zahl der in Strafe genommenen sonstigen Fahrzeugführer: 12 wurden angezeigt, und 12 gebührenpflichtig verwarnt. Selbst- verständlich fehlen auch die Radfahrer in dieser Statistik nicht. In 18 Fällen mußte eine gebührenpflichtige Verwarnung erfolgen. Außerdem wurden 9 Fußgänger gebührenpflichtig verwarnt. **StädtischeBücherei. Im März sind 2556 Bände ausaeliehen worden. Davon kamen auf Literaturgeschichte 2, Zeitschriften 44, Gedichte und Dramen 37, Erzählenoe Literatur 1382, Jugendschriften 511, Länder, und Völkerkunde 146, Kulturgeschichte 4, Geschickte und Biographien 265, Kunstgeschichte 9, Naturwissenschaft und Technologie 77, Heer- und Seewesen 47, Haus- und Landwirtschaft 5, Religion und Philosophie 3, Staatswissenschaft 24 Bände. Amtsgericht Gießen Der A. B. in Gießen hatte wegen fahrlässiger Körperverletzung einen Strafbefehl über zwei Wochen Gefängnis erhalten. Mit einem Lieferauto fuhr er am 5. Oktober v. I. in der Frankfurter Straße in Richtung Stadt mit zu hoher Geschwindigkeit und unter Außerachtlassung der erforderlichen Aufrnerk- samkeit. Das Haltezeichen eines Polizeibeamten, der eine Autokontrolle durchführen wollte, hat der Angeklagte nicht beachtet und den Beamten anqefah- ren, wodurch dieser schwer verletzt wurde. Gegen den Strafbefehl legte der Angeklagte Einspruch ein. Durch die Beweisaufnahme wurde er überführt. Der Anklagevertreter beantragte die gleiche Strafe wie im Strafbefehl. Der Angeklagte wurde der fahr- lässigen Körperverletzung schuldig erkannt und zu einer Geldstrafe von einhundert Reichsmark, ersatzweise 10 Tage Gefängnis verurteilt. Da der Angeklagte nachweislich noch nie einen Autounfall gehabt hat, wurde eine Geldstrafe als aus- reichende Sühne erachtet. Der R. Sch. in Massenheim hatte sich wegen Urkundenfälschung zu verantworten. Er hatte auf der Steuerkarte in der Rubrik „Zahl der Kinder" das Wort „keine" durch die Zahl „1" ersetzt, um da- durch eine Steuerminderung zu erreichen, die aber nicht eingetreten ist. Aus seiner ersten Ehe mit einer Jüdin ist ein Kind vorhanden, für das er unterhaltspflichtig ist. Er glaubte sich daher zur Aende- rung der Steuerkarte berechtigt. Der Anklagevertreter beantragte eine Gefängnisstrafe von vier Monaten. Der Angeklagte wurde wegen einfacher Urkundenfälschung zu einer Gefängnisstrafe von sechs Wochen, die durch die Unter- sfuchungshaft als verbüßt gilt, verurteilt. Strafkammer Gießen. Der O. K. in Gießen-Wiefeck hatte wegen fahrlässiger Körperverletzung und Vergehen gegen das Reichsstraßenoerkehrsgesetz eine Gefängnisstrafe von drei Monaten und eine Geldstrafe von 75,— RM. erhalten. Er hatte am 24. September v. I. beim Befahren der Möferstraße in Gießen-Wiefeck mit feinem Motorrad durch sein Verhalten den So- ziusfahrer R. geschädigt, indem er mit dem Fahrzeug gegen einen Steinhaufen fuhr, wodurch R. vom Sitz geschleudert wurde und einen Schädelbruch erlitt; K. hatte unter erheblicher Wirkung geistiger Getränke am Verkehr teilgenommen und ein Fahr- zeug der Klasse I geführt, ohne vorschriftsmäßigen Führerschein zu besitzen. Gegen den Strafbefehl legte der Angeklagte Einspruch ein. In der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht am 9. Februar 1939 wurde er zu Geldstrafen von 100,— RM. und 5,— RM. verurteilt. Gegen dieses Urteil legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Der Anklagevertreter beantragte eine Gefängnis st rafe von zwei Monaten und eine Geld st rafe do n 50,— RM. Diesem Antrag entsprechend wurde der Angeklagte verurteilt. Straferschwerend wurde das grob-fahrlässige Handeln des Angeklagten, strafmildernd der Umstand, daß er einschlägig nicht vorbestraft ist, berücksichtigt. Der H. M. in Nieder-Breidenbach war von der Strafkammer Gießen am 3. Mai 1935 wegen Urkundenfälschung zu einer Gefängnisstrafe von zehn Tagen verurteilt worden. Die Strafe hat der An- aeklagte auch verbüßt. Es wurde ihm zur Last gelegt, in einer bereits unterschriebenen Quittung einen Zusatz gemacht zu haben. Der Angeklagte behauptet demgegenüber, den Zusatz habe er vorher gemacht. Das Urteil der Strafkammer wurde im Wiederaufnahmeverfahren angefochten. Der Angeklagte wurde dem Antrag des Anklagevertreters entsprechend, in der gestrigen Verhandlung mangels Beweises freigesprochen. Aus der engeren Heimat. Landkreis Gießen. # Mainzlar, 2. April. Am Montagfrüh vor Beginn der Arbeit fand im Schlosser-Aufenthalts- raum der Didier-Werke die feierliche Einführung der neuen Lehrlinge in die Betriebsgemeinschaft statt. Nach einer kurzen Ansprache des stellvertretenden Betriebssührers Dr. Thiel erfolgte die Begrüßung durch den Betriebs- führer und den Betriebsobmann. Hieran schloß sick die feierliche Verpflichtung, die durch Meister Re eh erfolgte. * Großen-Buseck, 1. April Im Anschluß an eine Wanderung hielt der DHC.-Zw eigne re in „Buseckertal" in Alten-Buseck bei Mitglied Johanna Schmidt seine Versammlung ab. Nach der Begrüßung erstattete der Dereinsfüh- rer, VHC.-Bruder Lud. Jung (Großen-Buseck), den Jahresbericht, dem zu entnehmen war, daß regelmäßige Wanderungen auch in der Kriegszeit bei reger Beteiligung durchgeführt wurden. Die von VHC.-Schwester Joh. Schmidt in poetischer Form aufgezählten Wanderungen (vorgetragen von Brigitte Schmidt) fanden freudige Aufnahme. Nach dem Bericht des Rechners decken die Einnahmen die Ausgaben. Dem WHW. wurde eine Spende überwiesen. Auch in diesem Jahr konnten fünf Wanderauszeichnungen verliehen werden. Es erhielten Auszeichnungen Vereinsführer L. Jung und Fräulein Schmidt zum 6., Frau Hahn zum 5. und die Jugendlichen Inge Schmidt und Reinhold Hahn zum 1. Male. Die Jahresberichte aus den ersten Jahren des Bestehens des Zweigvereins kamen durch den Dereinsführer zur Verlesung und weckten manche schöne Erinnerungen an frohe Stunden in der engeren und weiteren Heimat. <£ Leihgestern, 1. April. Die hiesige Krie- gerkameradschaft hielt ihren Monatsappell am Sonntagnachmittag bei Kamerad Arnold im „Löwen" ab. Nach Ehruna des im letzten Monat verstorbenen Kameraden begrüßte der Kameradschaftsführer die Kameraden, besonders den Unter» abfchnittsführer Kamerad P o st. Hierauf dankte er den Kameraden für ihre am Tage der Wehrmacht so erfolgreiche Sammeltätigkeit, gab die Eingänge bekannt und teilte mit, daß den im Felde stehenden Kameraden zu Ostern ein weiteres Liebes- gabenpafet Rauchwaren übersandt wurde. Anschließend überreichte im Auftrage des Kreiskriegerfüh- rers Kamerad P o ft das Kyffhäuferehreßzeicken I. Klaffe dem Kameraden Wilhelm Häuser III. Mit dem Kysfhäuserehrenzeichen II. Klasse zeichnete er aus die Kameraden Johannes Krämer, Karl Arnold I., Georg Arnold II., Karl Faber II., Georg Dem X., Georg Waldschmidt und Wilhelm Diehl. Den Dank für die Ausgezeichneten sprach der Ehrenvorsitzende Häuser aus. Die über 40 Jahre der Kameradschaft angehörenden Kameraden Heinrich Christian Pfeffer und Karl Pauli I I. erhielten je ein geschmackvoll einge- rahmtes, mit Widmung versehenes Hindendurg- bild nebst einem Schreiben des Bundesführers und der Ehrennadel für 40jährige Mitgliedschaft durch den Kameradschaftsführer überreicht. Desgleichen erhielt die Ehrennadel für 25jährige Mitgliedschaft der Kamerad Karl Ott. Nach dem Hinweis auf den 125. Geburtstag des Altreichskanzlers Fürst Bismarck wurde der Appell in irer üblichen Weise geschloffen. <£ Rüddingshausen, 1. April. Die Krie - gerkameradschaft hielt bei Kamerad Theiß den Generalappell ab. Kamerad Kaberlah begrüßte die Teilnehmer. Eine besondere Freude wurde der Kameradschaft zuteil, als der Kreisschieß- wart Hanf aus Gießen erschien, der im Verlauf des Abends den Schießbericht erstattete. Daraus ging hervor, daß der Kreisschießwart mit dem Schleßbetrieb der Kameradschaft sehr zufrieden ist. Mit 85,4 v.H. der Kameraden trat die Kameradschaft zum Wettkampf an. Die Beschaffung eines neuen Gewehrs hatte sich gelohnt, denn es konnten der Kreismeistertitel der Klassen A und B errungen werden. Mit 665 Ringen von 720 möglichen hielten die Kameraden Ldg. Olmotz, Paulus, Kornmann und Koch die Spitze der Klasse A, während die Kameraden Peter, Pfeiff, Kaberlah und Reitz die Meisterschaft der Klasse B mit 426 von 480 möglichen Ringen erreichten. Mclilerschütze der A-Klasse war Ldg. Olmotz (168 Ringe), Meisterschütze der Klasse B Wilh. Peter mit 114 Ringen. Die fleißigen Schützen wurden mit dem bronzenen Aermelabzeichen ausgezeichnet. Damit erhält die Kameradschaft auch die beiden Wanderpreise der Gau- und Kreiskriegerführung. Weiter wurden noch 8 Kameraden mit der bronzenen Ehrennadel vom Kameraden Hanf ausgezeichnet. 00 Eberstadt, 2. Avril. Die hiesige Vieh. Versicherungsgesellschaft hielt im Gast- Haus „zum Adler", ihre Generalversammlung ab. Nach der Eröffnung durch den Vorsitzenden Heinrich Gört ach XI. gab der Rechner Heinrich W>ech- m a n n den Kassenbericht bekannt. Der Bericht verzeichnete einen Ueberschuß. An die Versicherungsnehmer wurden an Entschädigungen 1445 RM. für Gefallenes ober notgeschlachtetes Vieh bezahlt. Die 'erztekosten betrugen 524 RM. Der Kassenbericht wurde gutgeheißen und der Vorstand entlastet. 4= ß au t e r, 2. April. Dieser Tage wurde dem Poststelleninhaber Peter A f f III. das ihm vom Führer verliehene goldene Treudienst- ehrenz eichen durch Oberpostsekretär Zinn überreicht. Kreis Bübingen. —.— Schotten, 1. April. Das Hotel „Hessisches Haus" (seither von K. Hufnagel bewirtschaftet) ist durch Kauf an Willi Bender Eheleute (Sohn des Clubwirts Bender, Hoherodsckopf) übergegangen. — Am vergangenen Samstag fand auf dem Hohe- rodskopf die traditionelle Bismarck-Feier statt, zu der viele DHC.er und und sonstige Gaste aus fern und nah erschienen waren. Nach einleiten- den Klängen der Musik hielt Oberreallehrer Buß (Schotten) die Festansprache, die mit dem Sieg-Heil auf den Führer schloß. — Das Staatl. Gesundheits- amt führt hier Säuglingsberatungsstunden und Untersuchungen auf Rachitis durch. G. A.-Gport. Hingführerbesprechuna des Ji<3n£. Unter Leitung des Ringführers des NSRL. Franz Sauer fand am Samstag im „Bayerischen. Hof" eine Besprechung der Vereinsvertreter der dem NSRL. angeschlossenen Organisationen statt. Im Mittelpunkt der Sitzung standen die Bespre- chungen über die Sportgemeinschaften. Ringführer Sauer nahm die Oesfnung der Olympiaglocken vor und sprach über die neue Anordnung für den Sportgroschen, der jetzt bei jeder sportlichen, tarne« radschaftlichen und werbenden Zusammenkunft in bestimmter Höhe zu erheben ist. Der Ringführer nahm einen nicht vorschriftsmäßig eingereichten Antrag auf Unterstützung aus der „Sporthilfe" zum Anlaß, auf die bestehenden Vorschriften hinzuwei- sen. Nach Besprechung neuer organisatorischer Fragen wurde auf die Notwendigkeit der Annahme der neuen Einheitssatzung des NSRL. hingewiesen, die eine Abänderung des Namens „Verein" in „Ge- meinschaft" und der Bezeichnung Vereinsführer in Gemeinschaftsleiter vorsieht und durch die einige neue Regelungen getroffen werden. Nach der neuen Satzung wird auch der Vereinsführer bzw. Gemein* schaftsleiter nicht mehr gewählt, sondern auf Vorschlag der Mitglieder bestimmt. Bezirksführer Stein sprach dann über dis Durchführung der Sportgemeinschaften, durch die die noch daheim verbliebenen Mitglieder mehrerer Vereine zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen werden, damit die Uebungsarbeit fortgesetzt, dis Turn- bzw. Sportwartefrage geklärt. Die Turnhallen zweckentsprechend belebt und der Eifer der Sportler bzw. der Turner angeregt werden. Gleich* zeitig soll eine bessere Werbung für die Leibesübungen einsetzen. Im Verlaufe der Besprechungen ergab es sich, daß z. B. zwischen den beiden Turnvereinen von 1846 und dem Mtv. auf turnerischem Gebiet eine solche Zusammenarbeit schon lange Zeit besteht. Auch in den anderen Sportarten, wie z. B. bei den Ruderern, wird eine Zusammenarbeit gepflegt. Die Ruderer werden versuchen, nach Gießen wieder eine Regatta zu bekommen. Am Himmelfahrtstage findet für alle dem NSRL. angeschlossenen Vereine eine Sternwanderung nach dem Greifenstein statt, die mit einer Kundgebung für den NSRL. verbunden fein wird. Die Ausgestaltung der Veranstaltung übernimmt der Westerwaldverein Herborn. Um die Handball- HZ -Bannmeifterschast. Im Rahmen der im Bereich des Bannes 88 zur Durchführung kommenden Spiele um die HI.« Bannmeisterschaft wurde als erstes der geplanten Turniere eine Veranstaltung der Staffel A in Hochelheim abgewickelt. An Stelle der ursprünglich vorgesehenen 6 Mannschaften waren 4 zur Stelle, und zwar Lützellinden, Hörnsheim, Hochelheim und Dornholzhausen. Staffelsieger wurde nach einer Reihe spannender Kämpfe die Mannschaft des Tv. Lützellinden, die sich wider Erwarten verhältnismäßig leicht an die Spitze setzte und sie ohne Verlustpunkte auch beibehielt. Der Endstand zeigte folgendes Bild: 1. Tv. Lützellinden. 2. Tv. Dornholzhausen. 3. Tv. Hochelheim. 4. Tv. Hörnsheim. Hörnsheim, das trotz feinem letzten Platz mit eine der besten Mannschaften war, verlor alle Treffen nur ganz knapp. Eine Enttäuschung bereitete eigentlich nur Hochelheim seinen Anhängern. Dornholzhausen spielte reichlich verkrampft und kam selten an seine sonstigen Leistungen heran. Nur Lützellinden konnte gefallen, so daß der Staffelsieg danach auch vollkommen verdient war. „klick und der Goldschatz" heihk der neue Boman von Friedrich Schnack, mit dessen Abdruck wir in der heutigen Bummer der Gießener Famillenblätler beginnen. ißoWwitlDolfeffötrlW. Roman von horst MM. 23. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) Er trat zögernd näher, murmelte etwas von „Nicht stören wollen", „zufälligem Hereinschauen", einem „kleinen Schnäpschen", beugte sich über ihre Hand und gewahrte dabei deutlich, daß Mr. Parker, ganz im Gegensatz zu Renate, genau so drein- schaute, als ob er ihn, den Doktor, zu allen Teufeln wünsche. Der Doktor hörte Renates Frage, ob er allein sei und ob er nicht an ihrem Tisch Platz nehmen wolle, und Parkers unverhohlenes Mißvergnügen erweckte seinen Trotz. Nun gerade! Renate deutete mit einer vorstellenden Bewegung auf del^'Engländer hin: „Ich glaube, ich habe Ihnen schon von Mister Parker erzählt, Herr Doktor ..." Es war ihm, als ob sie noch etwas hinzuiügen wolle. Eine kleine Pause der Verlegenheit entstand! dann wandte sie sich an Parker, und indem sie auf den Doktor wies, sagte sie: „Das ist Doktor Menzel, Allan — ich weiß nicht, ob ich seinen Namen schon einmal erwähnt habe ..." Parker schüttelte den Kopf. Er verbeugte sich kühl, reichte dem Doktor drucklos die Hand und rückte einen Stuhl für ihn zurecht: „Bitte, setzen Sie sich! Wir trinken einen Mosel — darf ich Ihnen ein Glas kommen lassen?" Er starrte plötzlich überrascht. .Hallo!" fuhr er unsicher fort. „Wir kennen uns doch schon ... Nur — woher eigentlich, bitte?" Renate machte große Augen. Und der Doktor, ein völlig unbegabter Lügner, den in diesem Augenblick nur ein ganz kaltblütiges und entschlossenes Auftreten hätte retten können, stammelte ein lahmes und halb fragendes „Unmöglich!" „Aber selbstverständlich!" rief Varker. „Besinnen Sie sich doch! Es ist allerdings zehn Tage her, aber Sie haben mich doch damals aus der Dorotheen- straße--" Er wandte sich an Renate:, .Jawohl, Renate! Damals, als ich Sie zum erstenmal heim- begleitet hatte und den Rückweg zu Fuß machte, damals hat Herr Doktor Montzell--" „Menzel, Menzel!" verbesserte der Doktor. „— — Doktor Menzel mir in der Dorotheen- straße den Heimweg gezeigt, mich sogar ein Stück geführt und sich dann am Tor — Siegestor, nicht wahr? — von mir verabschiedet!" „Wirklich?" stotterte der Doktor. „Das waren Sie? Was für ein merkwürdiger Zufall!" Er versuchte ein Lachen, aber es mißglückte kläglich und klang, als wenn ein Kind im zweiten Schuljahr aus einem Lesebuchstück vorliest: Hahaha ... „Ja, ich habe damals einen kleinen Nachtspaziergang durch den Englischen Garten gemacht ... Wissen Sie: Lange gearbeitet, zuviel geraucht — da hat man dann das Bedürfnis nach frischer Luft und ein wenig Bewegung ... Ja, und dabei bin ich wohl irgendwo in jener Gegend gelandet. Und dort — also dort hat sich dann unser Zusammentreffen durch einen merkwürdigen Zufall ergeben ..." Er schüttelte, ehrlich verwundert, den &opf, „Es ist zu sonderbar, wie der Zufall manchmal spielt! lieber« Haupt: Zufälle ..." Er trachtete, mit „Ueberhaupt: Zufälle!^ ein dankbares Thema anzufchlagen, mit dem sich eine ganze Gesellschaft ohne weiteres einen ganzen Abend lang äußerst anregend unterhalten könnte, aber er fand sich leider ein wenig zu spät aus seiner Verlegenheit heraus und beging überdies den Fehler, die Zufälligkeit feiner Begegnung mit Parker zu stark zu betonen. Parker entsann sich jenes Vorfalls und der ziemlich rüpelhaftes Abschiedsvorstellung, die der Doktor damals gegeben hatte, viel zu deutlich, um nicht sofort die inneren Beziehungen zwischen diesem groben Wesen und dem „Zufall" in Zusammenhang zu bringen, der den Doktor damals in die Doro- theenftrahe geleitet hatte. Ohne seinen Scharftinn besonders anzustrengen, witterte er in diesem Herrn Menzel und dessen Abendspaziergängen einen wiedererstandenen ioggenburg. Renate ihrerseits sah einen Vorhang fallen. Die Veränderung im Wesen des Doktors, die sie zu spüren bekommen hatte, und der merkwürdige und damals so unerklärliche Wechsel aus anfänglicher Wärme in Zurückhaltung und polternde Verlegenheit erschien ihr auf einmal in neuer Beleuchtung. Sie brauchte nicht nachzurechnen — dazu waren die Ereignisse noch zu jung; sie wußte ganz sicher, daß dieser Umschwung in seinem Verhalten ihr gegenüber genau an jenem Tage eingesetzt hatte, der seinem angeblichen Nacktspaziergang im Englischen. Garten und seiner zufälligen Begegnung mit Parker gefolgt war ... Der Oberkellner näherte sich dem Tisch und fragte den Doktor nach seinen Wünschen. Parker wiederholte seine Frage, ob er ein drittes Glas hinstellen lassen dürfe. Aber der Doktor schien auf Mosel nicht besonders erpicht zu sein und bat, ihm zu gestatten, daß er einen Gin nähme. Parker beugte sich vor; er drehte den Kopf mit einer raschen Bewegung zum Doktor hin: „Mosel —? Eigentlich haben Sie recht: Das ist kein Getränk für den heutigen Abend! Aber Sie werden e$ mir nicht abschlagen, mit uns eine Flasche Sekt Zu trinken? Der Anlaß ist wirklich einen guten Tropfen wert. Also, Herr Ober, die beste Marke, bitte, die Sie führen!" Und mit einer halben Drehung zu Renate hin, die ein wenig blaß geworden war und mit gefrorenen Lippen lächelte: „Ich bin in einer zu glücklichen Stimmung, um noch länger schweigen zu können, Renate! Und ist es nicht ein hübscher Zufall und ein gutes Vorzeichen, daß ein Freund an unserer kleinen Feier teilnehmen und uns die ersten Glückwünsche aussprechen kann? Und nach dieser Einleitung, Herr Doktor, werden Sie ja nicht mehr zu raten brauchen, woraus wir heute anstoßen wollen, nicht wahr? " Der Doktor suchte eine Ablage für seine Zigarette — seine Hand mit dem glühenden Licht« Pünktchen zuckte eckig über den Tisch; er übersah den Aschenbecher, der dicht vor ihm stand. Für einen Augenblick sah er etwas ängstlich aus, lauschend und besorgt wie ein Mechaniker, der ein Triebwerk behorcht. Und bann bemerkte er, ohne eigentlich hinzuschauen, daß beide ihn' beobachteten: Parker gespannt und überlegen, mit einem ölig glitzernden Wohlwollen, und Renate versteckt und scheinbar damit beschäftigt, ein Zündholz zu zerknicken ... Mit einer kleinen Anstrengung zog er die Lippen auseinander und entblößte die Zähne; die freudige Grimasse gelang ihm nicht einmal schlecht. „Allerdings — das ist allerdings eine lieber- raschuna, eine ganz besondere Uederraschung! Und, ganz offen gestanden, ich bin ein wenig ratlos, wem man zuerst gratulieren soll: Ihnen, Mister Parker, zu einer so bejaubernrben Eroberung in so kurzer Zeit, oder--" Renate unterbrach ihn. Sie hob die Hände: „Um Himmels willen, Herr Doktor, keine Festrede!" Es sollte scherzhaft klingen, aber dem Doktor entging der erstickende Unterton nicht, und er mußte sich beherrschen, um die Bemerkung zu unterdrücken, daß sie eigentlich weniger glücklich aussähe, als ein so bedeutungsvoller Tag es erfordere. Der Oberkellner entkorkte den Champagner, der leise zischend in die Gläser schoß. Der Doktor hob feinen Kelch. „Keine Rede?" äußerte er bedauernd, als werde er an der Entfaltung feiner Talente verhindert. „Ja, dann bleibt mir nichts übrig, als dieses Glas auf Ihre Zukunft zu leeren!" Er schwenkte den. Kelch gegen Renate und machte ein Gesicht, als ströme er vor lauter Herzlichkeit über; dabei gelang es ihm, weder Renate noch Parker anzusehen. Sie leerten ihre Gläser, und der Kellner, der sich zurückgezogen hatte, eilte diensteifrig herbei, um sie von neuem zu füllen. Er stellte die geleerte Flasche zur Seite und sah Parker fragend an. „Nein, bitte nicht mehr, Allan 1" bat Renate mit einer kleinen abwehrenden Bewegung. „Ich trinke noch gern dieses Glas. Aber dann —?" Sie preßte die Fingerspitzen leicht gegen die Schläfen. „Kopfschmerzen —?" rief der Doktor und klopfte seine Taschen nach Tabletten ab, als schleppe er für gewöhnlich eine kleine Hausapotheke mit sich herum. Sie nickte, mit dem Versuch, ein tapferes Lächeln ZU zeigen: „Oh, es ist nicht so schlimm! Eine gute Weile halte ich es noch aus ..." Parker beugte sich zu ihr hinüber, und der Doktor hatte das Gefühl, der Engländer werde ihre Hand, die sie auf den Tisch hatte sinken lassen, umschließen. Er drückte seine Zigarette aus, umständlich und sorgfältig, als rauche er in der Nähe eines Pulverlagers. Aber Renate zog ihre Hand zurück. Zufällig -^? Absichtlich —? „Darf ich eine Drofchke bestellen, Renate?" fragte Parker besorgt. „Nein, Allan, wirklich nicht! So eilig ist das nicht. Vielleicht später, wenn wir unsere Gläser ausgetrunken haben ..." (Fortsetzung folgt.)