Mittwoch, 2. Gitober WO wirtschaftlichen Wiederauflebens des en jm zeug abgeschossen. Auf einem Flughafen find sechs Tote und fechs Verwundete zu beklagen. Auch hier nur leichte Schäden. Uofere Jagdflugzeuge tonnten die feindlichen Formationen auf dem Rückflug angreifen und dabei ein Flugzeug vom Blenheim-Typ abfchiehen. Der Abschuh eines zweiten ist wahrscheinlich, während ein drittes, obwohl wiederholt getroffen, sich entfernen konnte. Bei Aufklärungsflügen auf dem Wege des laut dem gestrigen Heeresbericht von unferm Torpedoflugzeug getroffenen Schlachtschiffes wurden überaus ausgedehnte Oelflecke angetroffen. Im englisch-ägyptischen Sudan haben unsere Flugzeuge Zelte und Panzerwagen auf der Brücke Butana, den Bahnhöfen von Ll haglz und Aroma bombardiert, wobei vollbeladene Waggons zerstört wurden. Feindliche Flugzeuge haben einen Angriff auf Gura durchgefuhrt und dabei einen leeren Pavillon zerstört. Keine Opfer. Lin feindliches Flugzeug ist von unseren Jägern brennend abgeschossen worden. Berlin, 2. Oktober. (DNB. Funkspruch.) Einige britische Flugzeuge flogen in der Nacht zum 2.10. über Norddeutfchland in d i e Vlark Brandenburg ein, wobei sie auch das Gebiet der Reichs- Hauptstadt berührten. Die Flakartillerie brauchte jedoch nur an wenigen Stellen in Tätigkeit zu treten und konnte dort die feindlichen Flugzeuge von ihrer Angriffslinie abdrängen. 3m Anflug auf die Reichshauptstadt in die Flucht geschlagen. feindliche Handelsschiffe mit 34760 BRT. Lin weiteres U-Boot hat zwei bewaffnete feind- Nche handelsfchiffe mit zusammen 15 000 BRT. versenkt und zwei weitere schwer beschädigt. Britische Flugzeuge fliehen beim Versuch, nach Nord- und Westdeutschland einzufliegen, überall auf starke Abwehr durch Nachtjäger und Flakartillerie. Dadurch wurden ihre planmäßigen Angriffe und gezielten Bombenabwürfe vereitelt und z a h l - reicheFlugzeugezumAbsturz gebracht. Infolge dieser guten Abwehrwirkung gelang es nur wenigen feindlichen Fliegern, das Gebiet von Berlin in großer höhe zu erreichen und nur vereinzelt Bomben abzuwerfen. Der angerichtete Sachschaden ist dementsprechend in der Reichshauptstadt wie im sonstigen Reichsgebiet gering. Dagegen sind auch gestern wieder Tote und Verletzte unter der Zivilbevölkerung zu beklagen. Die Gesamverluste des Feindes betrugen gestern 68 Flugzeuge, von denen 4 durch Nachtjäger und 6 durch Batterien des II. Flakkorps abgeschossen wurden. Von eigenen Verbänden kehrten 31 Flugzeuge nicht zurück. Als Nachtjäger zeichnete sich Oberleutnant Streit ganz besonders aus. Lr brachte allein 3 feindliche Flugzeuge zum Absturz. Tiefananff auf schottischen Hluoplah Berlin, 1. Oft. (DNB.) Lin deutsches Kampf- geschwader bombardierte heute vormittag mit Erfolg bei einem Tiefangriff aus 30 Bieter höhe einen Flugplatz an der Westküste von Schottland. Große Brände in den hallen und Treffer im Rollfeld wurden beobachtet. Weiterhin wurden durch das vlaschinengewehrfeuer einige Flugzeuge am Boden zerstört. Annahme von Anzeige« für die Mittaasnummer biS8'/,Ubr desVorrntttaas fliuet(xen**Brrtfe i Anzeigenteil 7 Nvi. le inm bei 22 mm Beilenbreite# Tertteil 50 Npf. ie mm bei 70 mm Beilenbreite Nachlässe: Wiederholung Malstaffel I Abschlüsse Mengenstaffel B Plavvorschrift < vorherige Vereinbarung) 25 ’/«mehr Neue Lustangriffe aus kriegswichtige Ziele in England. Zahlreiche neue große Feuer in London und Liverpool. — Der Hafen von Dover unter schwerem Feuer. — 68 feindliche Flugzeuge abgeschoffen. Der Wehrmachlsbericht vom Dienstag. Berlin, L Oft (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Bei Tag und Nacht griff die Luftwaffe in geschlossenen verbänden und In zahlreichen Einzel- flögen kriegswichtige Ziele in England an. Der Schwerpunkt ihrer Kampftätigfeit lag in London sowie im Seegebiet der britischen Inseln. Trotz vielfach geschlossener Wolfendecke und Dunst fonnte die Wirfung der Bombenwürfe meist einwandfrei beobachtet werden. Besonders bei Tage hatte der Einsatz gegen London trotz der starken Abwehr großen Erfolg. In den Hafengebieten von London und Liverpool entstanden zahlreiche neue Großfeuer. In Südengland wurden ein Flugzeugwerk, an der britischen SÜdost- küste ein Flugplatz und ein Hafen erfolgreich mit Bomben belegt 5ernfampfbaltericn des Heeres nahmen gestern feindliche Schiffe im Hafen von Dover mit beobachtetem Erfolg unter Feuer. Ein deutsches Kampfflugzeug verfenfte im Seegebiet nordwestlich Irlands, etwa 1000 Kilometer vor Glasgow, ein feindliches Handelsschiff von 10 000 BRT. durch Volltreffer schweren Kalibers. Vor der Ostküste Schottlands gelang es in der höhe von Aberdeen, einen Geleitzug zu zersprengen. Zwei Schiffe mit einem Ge- samlrauminhalt von weiteren 10 000 BRT. wurden dabei durch Treffer mittschiffs in Brand geworfen und blieben mit starker Rauchentwicklung liegen. Ein U-Boot unter der Führung von Oberleutnant zur See Ienisch versenkte 6 bewaffnete Rom, Oktober 1940. Dos rasche Sinken des englischen Prestiges öffnet vielen Völkern die Augen. Millionen fühlen es, oaß ein neues Zeitalter der Gerechtigkeit anbricht, in dem auch sie selbst als Lenker der eigenen Geschichte ihren AnteU haben werden. Zu diesen Völkern zählt auch das Volk der Aegypter. Als Volk von tausend- jähriger Vergangenheit hat schließlich das Volk der Aegypter ebenfalls die Herrschaft der Engländer, der Blutsauger am ganzen Erdball, zu spüren bekommen. Nach tiefstem Verfall hat erst die Eröffnung des Suez-Kanales die Aegypter aus jahr- hundertelanaem Schlafe geweckt. Für den Weltverkehr war Aegypten seit der Auffindung des Seeweges um das Kap der guten Hoffnung zu einem toten Winkel geworden. Die durch die Eröffnung des Suez-Kanales erfolgte Wiedereinordnung Aegyptens In den Weltverkehr, noch dazu als Knotenpunkt der wichtigsten Derkehrsstraßen zwischen Europa und den Ländern des Nahen und Fernen Ostens, hat natürlich England sofort auf den Plan gerufen und bestimmt, einen Vorwand zu suchen, um sich die ausschließliche Beherrschung dieser gewaltigen Schlagader des Weltverkehrs zu sichern. Das war nur durch Verhinderung des vollen politischen und Aegyptens Gchicksalsstunden Don unserem C.L. M.-Korrespondenten Zum dritten fordert Italien die rückhaltlose Anerkennung der lebenswichtigen politischen und wirt- chafllichen Interessen Italiens im Sudan. Keine dieser Forderungen steht im Widerspruch zu den ;rundlegenden Bedingungen des Lebens, des Ge- reihens und der Zukunft eines vollkommen unabhängigen ägyptischen Staates. Luftangriffe im Sudan. Der italienische Wehrmachtsbericht. R o m, 1. Oft (DNB.) Der italienische Wehrmachts- bericht vorn Dienstag hat folgenden Wortlaut: In Nord-Afrika haben feindliche Flugzeuge Angriffe durchgeführt. In Tobruk haben einige Bomben einen verwundeten und leichten Schaden zur Folge gehabt. Die TNarine-Flak hat ein Flug- sollte. Trotz dieser schnöden Vergewaltigungen gibt es dennoch eine allerdings verschwindend deine Zahl von Persönlichkeiten, die sich für das Verbleiben der englischen Kontrolle in Aegypten einsetzen, sich also als Gegner einer vollen Unabhängigkeit Aegyptens erweisen. Daß dieses Häuflein keineswegs den wahren Dolkswillen verdolmetscht, liegt auf der Hand. Denn das ägyptische Volk ist vor allem eine mohammedanischeNation. Die Religion ist das unzerstörbare Bindemittel, das die Bewohner der Nilufer zusammenkittet. Vaterländisch empfindet der Aegypter vor allem als Mohammedaner. Das Sich- beugen unter das Joch der Engländer ist aber gleichbedeutend mit der Verneinung der mohammedanischen Funktion Aegyptens, die nicht nur national ägyptisch ist, sondern die ganze mohammedanische Welt umfaßt. Denn Aegypten erstrebt die Führung in der mohammedanischen Welt. Sein höchstes Ziel ist die Errichtung des ägyptischen Kalifates. Deswegen ist auch im gegenwärtigen Augenblick die politische Verantwortung Aegyptens gegenüber dem anrainenden nordafrikanischen und dem arabischen Islam riesengroß. Don der Haltung Aegyptens gegenüber England und Italien wird zum großen Teil die neue politische Lage abhängen, in der sich Transjordanien, Palästina und Syrien befinden werden, wenn der Wille des Siegers im Mittelmeerraum durchgreifen wird. Wenn sich Aegypten dem Willen Englands beugt und sich als Förderer fremder Interessen in den gegenwärtigen Konflikt hineinzwingen läßt, kompromittiert es nicht nur sich selbst, sondern alle anderen mohammedanischen Staaten, die seinen Richtlinien folgen. Einsicht scheint aber in letzter Stunde in Kairo nun doch einzukehren. Ganz unerwartet hat sich in Kairo eine Wendung vollzogen, die in den letzten Tagen kaum mehr erwartet werden konnte. Vier Minister sind aus der Regierung ausgetreten, die England gefügig schienen. Sie galten als entschiedene Verfechter einer Beteiligung Aegyptens am Kriege an der Seite Englands. Sie sind mit ihren Forderungen in der Minderheit geblieben. Die sofort umgebaute ägyptische Regierung will nun den Staat vor überellten Beschlüssen bewahren und „hie weiteren Entwicklungen abmar. ten". Vollkommen klar und eindeutig ift natürlich auch diese Einstellung noch immer nicht. Aber sie zeigt, daß das noch immer auf die englische Karte setzende Häuflein einflußreicher ägyptischer Persönlichkeiten sehr viel Boden verloren Hot, und die Regierung dem stummen, aber heftigen Widerstand der ägyptischen Volksmassen wird Rechnung tragen müssen. Was erwartet nun Italien von Aegypten, was fordert es für sich im ägyptischen Raum? Italien findet es für sich selbst vorteilhaft, daß . Aegypten Herr im eigenen L o n d e sei. Die Freundschaft zwischen Italien und Aegypten ist natürlich Sie ist bedingt durch die geographischen Verhältnisse und wird durch die Geschichteder Vergangenheit der Beziehungen der beiden Volker gefördert. Die Zusammenarbeit der überaus starken italienischen Kolonie in Aegypten mit der ägyptischen Bevölkerung hat sich immer in den Formen größter Herzlichkeit abgespielt. Italien stellt nur drei Forderungen auf. Italien fordert eine wirksame Garantie der Freiheit des D e r keh rs durch den Suez-Kanal als lebenswichtige Schlagader des eigenen Verkehrs mit dem ostafrikanischen Imperium. Italien wünscht ferner die Wiederherstellung der bis zur Erzwingung der franzosych- enalischen Monopolstellung bestandenen Vorherrschaft der i t a l i e n i s ch e n Sp r a ch e u ndKul- tur statt der englisch-französischen in Aegypten. beitem und Bauern bewohnt wurden, kleinere Brände, die sämtlich durch das schnelle Eingreifen der Hausfeuerwehren, des Sicherheits- und Hilfsdienstes und der örtlichen Feuerwehr gelöscht werden konnten. Bald nach Mitternacht am Dienstag flogen die britischen Flieger, von Süden kommend, auch Hannover an. Einige Bomben trafen das große Krankenhaus Siloah, das weithin durch ein großes rotes Kreuz gekennzeichnet ift Glücklicherweise fiel eine Bombe auf den Hof, ohne Schaden anzurichten, während die zweite in den Lichtschacht eindrang, dort aber dank des tatkräftigen Eingreifens des Hausluftschutzes sofort unschädlich gemacht werden konnte. In einer benachbarten Straße mürben drei Häuser zerstört, wobei mehrere Volksgenossen Schaden nahmen. Noch sinnloser war der Abwurf einer Bombe auf ein Gartengelände, auf dem eine kleine Wohnlaube in Flammen aufging. Alles in allem enthüllte sich auch hier wieder die wahre Absicht der Briten: Arbeiterwohnungen, Laubenkolonien und Krankenhäuser brutal zu zerstören. „Großbritannien verliert jeden Tay 32 Hing,enge." Stockholm, 2 Oft. (DNB. Funkspruch.) Wie der flugtechnische Mitarbeiter von Stockholms Tid- ninaen berichtet, ist dem Blatt der britischen Luftwaffe .Lleroplane" ein bemerkenswertes Eingeständnis entschlüpft Die Zeitung aibt zu, daß Großbritannien in den Luftkämpfen über England jeden Tag 32 Flugzeuge verliert. Dabei seien, so fährt der schwedische Luftfahrtsachver- ständige fort, in diesen Zahlen noch nicht die Verluste der brittschen S e e I u f t ft r e i t C r ä t t e und diejenigen, die man zu verheimlichen für angebracht halte, einbegriffen. Die Ueberlegen« heitder deutschen Luftwaffe fei eine durch die ununterbrochene Folge deutscher Bombenangriffe auf praktisch alle wichtige Lebenszentren Großbritanniens bewiesene Tatsache. In der Nacht zum Dienstag war es nur wenigen brittschen Fliegern gelungen, die Reichshauptstadt zu überfliegen. Planlos warfen diese am nördlichen und nordwestlichen Rande Berlins Bomben auf ausgesprochene Arbeiterwohnbezirke und Siedlungen ab. Mehrere Arbeiterfamilien, die ein Siedlungshaus in einem Vorort im Norden bewohnen, wären beinahe die Opfer des britischen Banditentums geworden, lediglich der Umstand, daß sämtliche Bewohner den Luftschutzkeller a u f g e s u ch t hatten, bewahrte sie vor dem sicheren Tode. Eine Sprengbombe schlug unmittelbar vor dem Haus, das mitten in einem weiten Siedlungsgelände steht, in die Straße, riß die Vorderseite de« zweistöckigen Gebäudes vollständig auf und beschädigte den Dachstuhl schwer. Die Einrichtungsgegenstände dreier Wohnungen wurden nahezu rest- los zerstört. In der Nacht zum Montag suchte sich die „Königliche" Luftwaffe für ihre mörderischen Ueberfälle auf die friedliche deutsche Bevölkerung ein kleines Rhein st ädtchen aus, in dem weder militärische Anlagen, noch sonstige, irgendwie wichtige Ziele vorhanden sind. Mehrere feindliche Flieger überflogen die Stadt und warfen auf die Häuser des in tiefer nächtlicher Ruhe liegenden Ortes Spreng- und Brandbomben ab. Zwei Sprengbomben trafen das Gebäude des Lehrerseminars und richteten schweren Schaden an. Personen wurden nicht verletzt. Dagegen wurde von Sprengstücken einer dritten Bombe, die in den Rheinanlagen niederging, ein Arbeiter verletzt. Brandbomben verursachten an 24 Wohnhäusern, die in der Hauptsache von Ar- Volkes durch eine scharfe Kontrolle möglich, großen und ganzen kam England aber bereits zu spät. Aegypten konnte von England nicht mehr völlig in die alte Lethargie zurückgeworfen werden. Aber die schlaue Polittk Englands verstand es, sich eine weitgehende Bevormundung Aegyptens und hamit die Beherrschung des Seeweges nach dem Osten im südöstlichen Mittelmeerraum zu sichern. Em dem Namen nach unabhängiger ägypttscher Staat wurde geschaffen. Er erhiät einen Souverän, eine Staatsverfassung; aber über den Garnisonen und Festungswerken wehte roeiter die eng* lische Flagge. Unabhängig kann kein Staat genannt werden, in dem eine fremde Flagge weht, in dem Behörden einer dritten Macht schalten und malten, die Absetzung des Generalstabschefs erzwingen können, well er sich gegen die militärische Einmischung in die Angelegenheiten des Staates stemmt, ja selbst die Absetzung des Souveräns androhen, falls er ihnen nicht genehme Beschlüsse fassen OiewirlschastlicheNeuordnung Japans. Es ist nicht nur verständlich, daß die politische Neuordnung in Ostasien, die in dem soeben abgeschlossenen Drei-Mächte-Pakt ihren weithin sichtbaren Ausdruck fand, für Japan auch von großer wirtschaftlicher Bedeutung ist, sondern es ist für den, der um die Geschichte und das Wesen Japans Bescheid weiß, etwas durchaus selbstverständliches, daß mit der politischen Neuordnung auch die wirtschaftliche Neuordnung Hand in Hand geht. Wenn sich nämlich Japan auch keineswegs des liberalistisch - parlamentarischen und kapitalistischen Einflusses des Abendlandes entziehen konnte, vielmehr sehr stark unter ihm gelitten hat, so daß es jetzt eben zu der großen Neuordnung Japans gekommen ist, so hat in Japan dennoch durch die Jahrtausende hindurch eine weit geschlossenere Weltanschauung geherrscht, die eine völlige Trennung von Politik und Wirtschaft, wie sie in den westlichen Demokratien und in US.- Amerika und — in der Vergangenheit — auch in Deutschland zutage trat, an und für sich schon verhinderte. In dem Augenblick aber, in dem Japan jetzt entschlossen ist, sich mit Aufbietung aller Kräfte in die Reihe der totalitären und autoritären nung ohne eine wirtschaftliche Neuordnung unmöglich, denn Neuordnung im heutigen Sinne heißt nichts anderes als Politik, Wirtschaft und Kultur als ein einheitliches Ganzes zu empfinden und sich auswirken zu lassen, wofür es keine besseren Beispiele als Deutschland und Italien gibt. Diese in Japan mit Macht betriebene Neuordnung geschieht im übrigen nicht von heute auf morgen. Sie hat vielmehr bereits kennzeichnende Vorläufer gehabt. Einer dieser Vorläufer war die im Dezember 1931 unternommene Exportoffensive, die im Anschluß an die Aufgabe des Goldstandards und die Einführung der Ven-Ab- wertüng vom Jahre 1930 die Welt in größte Unruhe versetzte. Es war jene Zeit, in der auf dem Balkan zum Beispiel japanische Fahrräder zum Preise von 10,50 Reichsmark angeboten und natürlich auch in Massen gekauft wurden. Man hat damals von einem „sozialen Dumping" gesprochen, dessen sich Japan schuldig gemacht habe. Nichts aber ist irriger als diese Ansicht. Es war vielmehr der Wille Japans, seine sozialen Verhältnisse durch diese Exportoffensive zu verbessern. Neben der Pen - Abwertung hat bann auch die äußerst geschickte und rührige Kaufmannstätigkeit der Japaner, die unter anderem auch in den über die ganze Welt verstreuten „Gilden-Kvntoren" in die Erscheinung trat, zu dem Erfolg der Export- offensive beigetragen. Der jetzt drei Jahre währende Krieg zwischen China und Japan hat Japan vor die Aufgabe gestellt, in noch weit höherem und stärkerem Maße für seinen Export zu sorgen. Es geschieht — wie oben ausgeführt — im Rahmen der japanischen Weltanschauung, die durch die Shinto- Religion und die japanische Ahnenverehrung tief beeinflußt ift. Sv ist denn auch die japanische Wirtschaft keine Wirtschaft schlechthin, sondern eine ausgesprochene Verteidigungs- oder, wie wir zu sagen pflegen, eine Wehrwirtschaft. Diese japanische Verteidigungswirtschaft zielt aber auf die wirtschaftliche Autonomie Japans, Mandschu- kuos und Chinas mit Japan als Mittelpunkt. Wir sehen also hier den Gedanken „Neuordnung" ebenso verwirklicht wie in den autoritären Staaten Europas: die Wirtschaft des Staates muß so geführt und gelenkt werden, daß sie in Kriegszeiten fähig ist, die Bevölkerung — wenn auch unter Einschränkungen — zu ernähren und sie verteidigungsfähig zu erhalten. Schon hieraus ist, das' heißt aus der autarken (selbstgenügsamen) Gesinnung, die Verbundenheit von Politik, Wirtschaft, Kultur und Weltanschauung zu ersehen. Um aus der wirtschaftlichen Neu- Planung Japans nur einige Punkte herauszugrei- fen, so erstrebt man dort eine harmonische Zusammenarbeit der Wirtschaft innerhalb des Blocks Japan —Mandlchukuo —China; will man eine Planwirtschaft durch Zusammenarbeit zwi- schen Regierung und Volk sowie die Durchbildung eines einheitlichen Kontrollsystems in Bezug auf Erzeugung, Verteilung und Verbrauch wichtiger Waren durchführen; wird ein sehr durchdachter Finanzierungs- und Ban11ontro 11 • plan aufgestellt werden; soll sich die Handelspolitik der neuen Weltlage eng anpassen; sollen lebenswichtige Industrien, vor allem die Schwerindustrie, Maschinen- und chemische Industrie ausgebaut werden; soll das Derkehrs- und Transportwesen vervollkommnet wer- den; soll die Produktion wissenschafllich durchdrungen und rationalisiert werden; und endlich erstrebt man eine Verbesserung der Landwirtschaft und des Siedlungswesens unter besonderer Berücksichtigung des Lebensstandards der landwirt- schaftlichen Bevölkerung. Wie ernst man es mit diesen neuen Wirtschafts-, plänen nimmt, geht aber vor allem daraus hervor^ daß man in Japan weitgehende Gesetze gegen jeden Luxus erlassen hat, die mit ihrem Inkrafttreten am 1. Oktober das Leben Japans von Grund aus revolutionieren werden. Es wird also von diesem Tage ab keinerlei Luxus mehr in Japan geben. Jeder Japaner, jede Japanerin, welchen Alters, welcher gesellschaftlichen Stellung, wird auf jede Art gehobenen Lebensstandards — soweit er Luxuscharakter trägt — verzichten Bis in die familiäre Feiergestaltung werden diese Gesetze hineinreichen, denn es darf zum Beispiel eine Hochzeit fortab nur noch 20 Pen kosten, während sie früher Tausende von Pen kostete. Und auch das tägliche Leben wird revolutioniert. So wird — unter vielen, sehr vielen anderen Einschränkungen — auch der Besuch des Teehauses „rationiert", denn künftig öffnen die japanischen Teehäuser ihre Pforten erst um 5 Uhr nachmittags. Die Teehäuser Japans werden also es Gietzener Anzeiger von einzelnen Wummern WWZ mSSSu, General-Anzeiger für Oberhessen rssäss* während der längsten Zeit des Tages vereinsamt dastehen. Es ist nicht unsere Sache und Aufgabe, zu untersuchen, ob die Ausschaltung jeglichen Luxuses etwa ungünstige wirtschaftliche Folgen für Japan haben wird. Wir haben hier nur die große Linie zu sehen, die der künftigen Wirtschaftspolitik Japans die Richtung anzeigt. Und da sehen wir, daß wir es mit der Wirtschaftspolitik eines Voltes zu tun haben, das bereit ist, auch die allerletzten persönlichen Opfer darzubringen, um der Neuordnung des staatlichen und völkischen Lebens zu dienen. Daß diese Neuordnung eine gänzlich andere Schlagkraft besitzen wird als die alte Ordnung der jüdisch-westlichen Demokratien (soweit sie überhaupt eine Ordnung ist) braucht nur am Rande erwähnt zu werden, denn immer wird das Volk das mächtigere sein, das sich statt egoistischmateriellen Belangen den Forderungen hoher weltanschaulicher Ideale hingibt. USA. Politik im Zeichen des Dreimächtepakts. Washington,!.Okt. (Europapreß.) Die besonders in Kongreßkreisen viel gelesene Wochenschrift „United States News" schreibt: „Wir stehen heute vor den tragischen Ergebnissen der Geheim- diplomatieRoosevelts, der unter Ausschluß des Kongresses die Außenpolitik dirigierte und dabei mit ausländischen und besonders kriegführenden Regierungen Abmachungen über den Austausch von Zerstörern gegen Stützpunkte traf, wobei er gleichzeitig von den anderen Nationen erwartete, daß sie diesen Tauschhandel als eine friedliche und neutrale Maßnahme betrachteten." Das Blatt betont, daß'^ Japans Politik nicht zuletzt durch die letzten Entschlüsse der UL^.-Auhenvolitik, wie hohe Schutzzölle und Embargos, bedingt sei. Auch am Montag ergeht sich die Presse noch in zahlreichen Spekulationen politischen Charakters über Die Auswirkungen des Dreierpaktes. Während über das Wochenende noch die Version verbreitet wurde, der Berliner Pakt habe Rußland verschnupft und eröffne den Vereinigten Staaten für eine Annäherung an die Sowjetunion gewisse Möglichkeiten, ist diese Erwartung nach dem nicht mißzuverstehenden Leitartikel der „Prawda" geschwunden. Die darin eindeutig zum Ausdruck gebrachte Ueberelnstimmung der deutschen und der russischen Auffassung bestärken manche Blätter zu Andeutungen, daß die durch Roosevelts Jnterventionspolitik in eine Sackgasse geratene Außenpolitik der Vereinigten Staaten nur zwei Möglichkeiten habe, entweder den Kurs der Intervention verstärkt fortzusetzen oder sich auf eine Linie wahrer Neutralität zurückzuziehen. Britische Spione in Japan verhaftet. Tokio, 1. Okt. (DNB.) Das Justizministerium gab die Verhaftung von zehn Engländern bekannt, die unter der Anklage der Verletzung des Gesetzes zum Schutz militärischer Geheimnisse und befestigter Zonen sowie der Ausspionierung geheimer Telegraphenschlüssel der Armee und Marine stehen. Die Untersuchungen hätten einen klaren Schuldbe- weis für sieben der Verhafteten ergeben. Die übrigen seien zusammen mit sieben. Javanern, darunter einer Frau, die als Agenten der britischen Spionage verdächtig sind, noch in Untersuchungshaft. Ssa<,<«minister ^annacci in Berlin A i i * W | f d ■■ m I; ... . ' Reichsminister Dr. Goebbels gab zu Ehren des italienischen Staatsministers Farinacci einen Empfang im Hotel Adlon. Zahlreiche führende Männer von Staat, Partei und Wehrmacht nahmen an diesem Empfang teil. Hier begrüßt der Reichsminister den italienischen Botschafter in Berlin, Alfieri. Links van Dr. Goebbels Staatsminister Farinacci. — (Scherl-Bilderdienst-Autoflex.) Farinarcis Berliner Besuch. Berlin, 1. Okt. (DNB.) Der Führer empfing in der Neuen Reichskanzlei den italienischen Staatsminister Farinacci. Zu Ehren des Ministers gab Reichspressechef Dr. Dietrich einen Empfang im Kaiserhof, an dem neben Reichsminister Dr. Goebbels u. a. auch Botschafter A l f i e r i und Reichsführer ff Himmler teil- nahmen. Dr. Dietrich begrüßte den Gast als einen der leidenschaftlichsten Kämpfer des Faschismus und einen der hervorragendsten Publizisten Italiens. „Es ist der Geist des Sieges, den Sie in der Leidenschaftlichkeit Ihres Willens und in der Kompro- Nutzlosigkeit Ihrer Kampfnatur vertreten, der Geist des Sieges, den Ihre und unsere Nation in Händen halten", so schloß Dr. Dietrich seine Ansprache. Staatsminister Farinacci dankte mit warm empfundenen Worten für die herzliche Aufnahme, die nicht seinem Werk gelten, sondern seinem Land, seinem Duce und den Kämpfern, die chr Blut für die gemeinsame Sache opfern. Spaniens Innenminister in Rom. Serrano Suners erste Besprechung mit dem Duce. Rom, 1. Oktober. (Europapreß.) Der spanische Innenminister Serrano S u n e r ist in Rom eingefroren. Zu seinem Empfang hatten sich Vertreter von Staat, Wehrmacht und Partei eingefunden, während eine zahlreiche Menschenmenge längs des Weges zur Villa Madama, wo er Wohnung nimmt, dem Gast begeisterte Kundgebungen darbrachte. Suner begab sich dann nach dem Palazzo Venezia, wo er vom T) uc e zu einer Besprechung empfangen wurde. Anschließend gab Gras Ciano ein Essen zu Ehren des Gastes, an dem auch Marschall d e Bono teilnahm. „Spanien ist noch unter den nichtkriegführenden Mächten", schreibt Gayda, „aber der Geist seiner Männer und seiner Politiker gehört natürlich dem Achsensystem an." Spanien werde seine große Zukunft als wiederauferstandene Macht haben, je mehr das System der imperialistischen Demokratien ge- brachen werde. Darum sei Spanien heute wie gestern an der Seite Deutschlands und Italiens. „Lavoro Fascistu" bemerkt, Spanien nehme geistig an der Achsenpolitik teil, auch wenn es sich nicht formell im Krieg gegen England befindet. „Tribuna" warnt davor, zu glauben, daß die Tätigkeit des englischen Botschafters in Madrid, Sir Samuel Hoare, Erfolg gehabt habe, wie das die englische Propaganda behaupten möchte. Die Solidarität des Spaniens der Falange mit dem faschistischen Italien und dem nationalsozialistischen Deutschland sei vollkommen, unbedingt und unwiderruflich. Die Bande zwischen den beiden Mittelmeerhalbinseln seien starker als je. Die Forderungen 'des neuen Spaniens, so schreibt „Popolo di Roma", seien bekannt, und es bestehe kein Zweifel, daß sie ihre berechtigte Erfüllung erfahren werden. In Rom werde daher nur die Aussprache abgeschlossen werden, die in Berlin begonnen habe. Me eine „ruhige Aachl" in London anssieht. Stockholm, 1. Oktober. (Europapreß.) Das englische Luftfahrtministerium bestätigt, daß die deutschen Angriffe sich in der Nacht zum Dienstag hauptsächlich wieder gegen die Hauptstadt richteten; allerdiens seien auch Bomben über dem Mersey- Gebiet und anderen Teilen des Landes — z. B über Südostengland — abgeworfen worden. „In London und den Vororten wurde eine Anzahl Wohnhäuser vernichtet. Im Nordosten der Stadt sind Todesopfer zu verzeichnen. Am Persey entstanden zahlreiche Brände. In einer Stadt der Ost- Midland-Grafschaften wurden mehrere Gebäude ge- troffen und Menschen getötet. Der britische Nachrichtendienst ist jetzt dazu übergegangen, nur einen Brand in der City festzustellen und deutsche Bombenabwürfe über 30 verschiedenen Stellen des Landes eine „ruhige Nacht für England" zu nennen. Nichtsdestoweniger muh man jedoch bestätigen, daß militärisch wichtige Ziele in London, im Nordwesten, im Nordosten und im Südosten Englands, in Wales und in Merseysibe angegriffen worden sind. Dabei wurden erneut industrielle Anlagen vernichtet London selbst verbrachte über acht Stunden im Luftschutzkeller. Am Dienstag vormittag wurde in der Hauptstadt er n e u t Fliegeralarm gegeben. Wenige Stunden vorher hatten einzelne deutsche Flugzeuge mehrere Städte an der Südküste bombardiert und dabei in einer Stadt besonders den Bahn- h o s angegriffen. In allen Berichten der Londoner amtlichen Stellen findet man immer wieder Hinweise darauf, daß es den deutschen Bombern nicht geglückt sei, irgendwelche Schäden von Belang anzurichten. Die angeblich so „harte Abwehr durch die britischen Jagd- flugzeuge" und die „unüberwindliche Flaksperre um die britische Hauptstadt" hätten die deutschen Flieger gezwungen, sich „eine größere Vorsicht aufzuerlegen", wie es in einem amtlichen Londoner Be- ie Ziethen aus dem Busch. Tiefangriff auf cm britisches Rüstungswerk. — Zn zwei Meter Höhe über einen britischen Flugplatz. Von Kriegsberichter (Siegfried (Sappe. (PK.)...... 1. Okt. (DNB. Funkfpruch.) Der Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht meldet: Die Besatzung eines Kampfflugzeuges unter Führung des Hauptmanns Storp zeichnete sich bei den Angriffen aus Mittelengland durch wagemutigen Tiefangriff besonders aus. Heute fliegt unsere ,A" allein nach England. Der Kommandeur selbst sitzt am Steuer. Bis zur Kanalküste fliegt die Ju. mit Erdsicht, dann in die tiefliegenden Wolken hinein, stößt nach einigen Minuten immer wieder für Sekunden heraus, um die Orientierung aufzunehmen. An der englischen Südküste fliegt sie entlang, ohne auf Abwehr zu stoßen, und bann verschwindet sie wieder in der Wolkendecke. Aber es geht nicht stur auf das Ziel zu. Sobald die Maschine einmal nach unten durch die Wolken gestoßen ist, um für kurze Zeit Erdsicht zu haben, werden Haken geschlagen. Denn immer wieder erscheinen in der Ferne kleine dunkle Punkte. Wer es gelingt keinem britischen Jäger, auch nur auf Schußweite heranzukommen. Und als der Kommandeur nach Ablauf der Flugzeit durch die Wolkendecke auf das Ziel durchstößt, ist kein Jäger am weiten Himmel zu sehen. Pulle rem, Knüppel weg! Mit größter Fahrt braust die Ju. durch den dichten Wolkenschleier. Da wischen die letzten Fetzen vor der Kanzel weg — unmittelbar unter der deutschen Maschine liegt das große britische Rüstungszentrum in Mittelenglund, weit nördlich London. Blitzschnell orientiert sich der Kommandeur, zehn, fünfzehn Sperrballone stehen im Westen der Stadt. Rechts und links der Ju. stehen die gelben Punkte bis dicht unter die Wolkendecke. Angestrengt schaut der Bobachter nach vorn. Jetzt nur nicht in eines dieser Draytseile hineinfliegen Aber geschickt steuert der Kommandeur den Vogel hindurch, genau auf bie riesigen Hallen am Stabtranb z u. Dort unten ist man anscheinenb restlos überrascht. Keine Abwehr, kein Flakschuß — nichts geschieht! 500 Meter, 400 Meter zeigt ber Höhenmesser. Noch mehr Fahrt bekommt bie Ju. Da fallen bie Bomben 2 00 Meter über bem Ziel. Ru- senb schnell steuert der Flugzeugführer bie Kiste im Tietflug über bas Fubrikgernnbe nach Norben, während hinter chm ber Funker und ber Fliegerschütze vier Volltrefffer feststellen. Aus bem Kesselhaus steigt eine Stichflamme von 150 Meter Höhe zum Himmel. Riesiger grauer und schwarzer Rauch hüllt bie großen Hallen ein. Mitten im Ziel müssen bie Sachen gesessen haben — schweres Kaliber! Da stei- Sen vor ber Kanzel plötzlich neue Ballone auf. etzt sind bie Briten wach geworben. Aber es ist zu spät. Die Ju. ist schneller, sie überspringt bie Hindernisse am Boden .-.. Links herein, rechts herein tritt ber Flugzeugführer, in gefährlicher Nähe bes Erbdobens von ber einen Seite auf die anbere immer an ben brohenben Drahtseilen vorbei. Rechts liegt jetzt bie nahe Stabt. Auf ben Straßen rasen bie Menschen wirr in bie Häuser. Ader nichts wie weiter, heraus aus bem Kessel. Und bann fliegt die Ju noch einige Kilometer nach Nord- osten, um bie britische Abwehr zu täuschen, breht nach Sübosten ein unb rast, zwei Meter über bem Boben. wie ein Blitz aus heiterem Himmel — über einen britischen Jugbflugplatz zum Schrecken ber Briten, bie gerabe an einigen Kisten Wartungsarbeiten verrichteten. „Nichts wie drauf!" ruft der Kommandeur. Unb ba bellen schon bie beutschen Maschinengewehre. Drei britische Jäger werben aus allen Rohren beschossen unb erhalten einwandfrei Treffer. Das Bobenpersonal wirft sich hin, wo es gerabe ist, benn das kam ihm wie ber „Ziethen aus bem Busch»! Jetzt wirb es aber Zeit, wieder in ben Wolken $u verschwinden, sonst erwischen bie Jäger buch ben kühnen beutschen Einzelgänger. Unb so zieht bie Ju mit aller Kraft nach oben unb erreicht glücklich bie schützenbe Wolkendecke. „Hoffentlich hält sie dicht", meint ber Kornmanbeur. Aber sie tut es nicht. Der Wind hat die.Wolken nach Nordosten abgetrieben, und Sübenaland liegt frei. Bis zur Kanalküste ist es weit. Also kehrt, wieder in bie Wolken unb weiter nach Osten. Lanbon wirb im Norden umflogen, ganz deutlich sind bei dem kurzen Durchstoßen durch Oie Wolken die Rauchsäulen der ewigen Brand» Herde zu sehen ... Dann wieder hinein in bie Wolken. Enblich kommt die Küste in Sicht. Aber schon roeit vorher hört roieber die Wolkendecke auf. „T i e f st f l u g!" sagt der Kommandeur. Und er stößt mit vehementer Fahrt der Erde entgegen, einem wilden Flakfeuer entgegen. Aber im Tüefst- flug kann bie Flak nicht mehr mit. Au — die Küste! Hinunter auf die See: In zwei Meter Höhe streicht ber Bogel über bie Wasserfläche, Sekunden sinb vergangen, ba entdeckt ber Beobachter vorn rechts große Rauchwolken. Angespannt schauen vier Äugenpaure nach Westen. Sechs englische Zerstörer kommen in rafenber Fahrt auf die Maschine zu unb werden ihren Kurs schneiben. Schabe — keine Bomben mehr. 2000 Meter vor ben in Kiellinie sahrenben britischen Kriegsschiffe steuert die Ju bie französische Kanalküste an. Der Auftrag ist erfüllt. Das Rüstungswerk wirb auf absehbare Zeit nichts Herstellen. Wieber ist die britische Kriegswirtschaft in einem empfinblichen Punkt empfindlich getroffen worden. richt über die Angriffe in der Nacht zum Dienstag heißt. Aber man muß im gleichen Atemzug zu- geben, ,chaß Bomben ab geworfen wurden an 27 weitverstreuten Stellen in ber Umgebung von Lon- bon sowie in acht Städten der London benachbarten Grafschaften. Man erhielt den Eindruck, bah bie Formationen ber feinblichen Flieger in größerer Anzahl als gewöhnlich erschienen". Daily Expreß schreibt wörtlich: „Eine tiefe große Flamme erhellte ben Himmel, dem Anschein nach über einer Ausbehnung von mehr als einer Meile, unb mitten darin ragt eine Feuersäule hoch. Als die Flammen erftarben, stieg eine dicke Wolke öligen Rauches langsam auf und trieb etwa zehn Minuten lang in der Luft. Der Londoner Bericht bes Aftonbladet läßt weiter erkennen, baß die deutschen Flugzeuge mit gerabezu uhr- roerturtiger Präzision über London er- cheinen. Die größte Frage, die man sich in London teile, sei: W i e lange noch wird London diesen fortgesetzten methodischen deutschen Angriffen clusgesetzt sein? t Hier und da tauchen in ber englischen Presse Zweifel an ben Führerqualitäten Winston Churchills auf. Die Hilflosigkeit ber Regierung gegenüber dem Elend ber ourch die beutschen Luftangriffe auf bie Jnbustrie- unb Hafenviertel Londons betroffenen Bevölkerung wirb zwar meistens nicht bem Ministerpräsibenten persönlich, sondern anderen Mitgliedern ber Regierung ober ber Beamtenschaft zur Last gelegt. Auch ber Fehlschlagvon Dakar hat bie Erinnerungen an Norwegen unb an ähnliche Unternehmungen Churchills aus ber Zeit bes Weltkrieges wachgerufen. So schreibt „Daily Mirror", bie Niederlage (debacle) von Dakar trägt ben unverkennbaren Stempel schwacher unb verängstigter Männer. Es wirb schwer fein, uns ba» von zu überzeugen, baß Mister Churchill tönerne Füße hat, aber viel mehr. Derartiges können wir nicht vertragen. Noch Dakar auch Madagaskar. Britischer Einschüchterungsversuch abgewiesen. Neuyork, 1. Oktober. (DNB.) Die britischen Behörden haben ein Ultimatum an bi- französischen Behörben in Mabagaskar, ber großen Insel an ber Oitküste Afrikas gerichtet, worin sie forbern, baß diese sofort aufhören, den Befehlen ber Regierung von Vichy zu gehorchen, unb ihnen brohen, bie Insel vollkommen von jeher Verbinbung mit ber übrigen Welt ubHuschnei - ben. In bem britischen Ultimatum wirb eine Der- befferung ber isolierten Lage Madagaskars für den Fall in Aussicht gestellt, daß bie Ortsbehörben von Mabagaskar angewiesen werben, mit Großbritannien zusammenzuarbeiten Das französische Kolonialministerium teilt mit, baß der Generalgouoer- neur von Madagaskar Läon C a y l a bie Regierung von Vichy über bas britische Ultimatum um terichtete unb bieses mit ber tief ft en Entrüstung abgewiesen habe. ♦ „Churchill hat sich wieder eine gründliche Schlappe geholt. Nach Dakar nun in Madagaskar. Sein Einschüchterunasversuch ist mißglückt!" — schreibt „Popolo di Roma". Churchill habe auf sein großmäuliges „Ultimatum" eine unmißverständliche Antwort erhalten. Kleinlaut habe Churchill Darauf ben Schweif eingezogen. Lonbon habe nach ber jämmerlichen Schlappe von Dakar bie „tapfere unb unternehmungslustige Flotte Seiner britischen Majestät" nicht entsanbt, sondern es vor- gezogen, zur Einschüchterung Madagaskars sich der Rundfunkwellen statt ber unsicheren Wellen des Jnbischen Ozeans zu bedienen. Reue Minderheilenpoliktk in Rumänien. Bürgermeisterposten für die deutsche Volksgruppe in Rumänien. B u k a r e ft, 1. Okt. (Europapreß.) Der Führer der deutschen Volksgruppe in Rumänien, Andreas Schmidt, hatte mit bem Vizepräsidenten bes Ministerrats urtb Kommanbanten ber Legionärsbewegung, Horia 6 i m uv sowie bem Generalsekretär im Innenministerium, Dr. Siris, Unterrebungen über bie Frage ber beutschen Bürgermeister in ben Stäbten Siebenbürgens, unb des Banats. Der deutschen Volksgruppe wurden bie Bürgermeisterposten in Hermannstabt unb Mebias sowie bie Vizebürgermeister in Kronstabt, Schäßburg, Temesvar, Arab, Reschitza, Caransebas, Orsova, Lippa, Lugos unb Oravicza zugesprochen. Das ist praktische Minberheitenpolitik, bie einen Bruch mit ber bemokrutischen Gepflogenheit bebeu- tet, auf bem Papier diesen Minderheiten bas Blaue vom Himmel herunter zu versprechen unb sie bann zu vergewaltigen, zu brangfalieren, ihnen die Wurzeln ihres Seins, die Muttersprache, zu rauben und sie wirtschaftlich zu erbrücken. Die Frunzosen in Elsaß unb Lothringen, die Benesch in ber ehemaligen Tschecho-Slowakei halten nach biefer demokratischen Doktrin gehandelt, und bie Spannungen, bie sich baraus ergaben, haben nicht zuletzt ihren Sturz bewirkt. Die rumänische Legionärsbewegung handelt anders, sie gibt in jenen Gebieten Rumäniens, in denen bie Deutschblütigen in ber Mehrheit ober in einer starken Minderheit sitzen, ihnen Häupter aus ben eigenen Reihen, also gewissermaßen Selbstverwaltung innerhalb bes großen rumänischen Staatsrahmens. Die Deutschen Rumäniens, Die als Kulturträger in ihren siebenbürgischeu Stäbten unb im Banat sitzen, werben bieses Entgegenkommen burch noch stärkere Loyalität gegenüber einem Staate zu lohnen wissen, besten Neueinrichtung beweist, baß echt verstandener Nationalismus sich sehr wohl untereinander verträgt, während die Minderheitenpol'tik ber Genfer Demokraten nur den Haß unb ben Zank verewigen wollte. Kleine politische Nachrichten. Anläßlich ber Wieberkehr bes Geburtstages Hin- benburgs hat bie Hinbenburgspenbe an not- leibenbe Kriegsbeschäbigte bes Weltkriegs unb Hinterbliebene sowie Veteranen ber Einigungskriege 425 550 RM. ausgeschüttet. Die Bebachten erhielten burchweg je 150 RM. Dem Gauleiter bes Trabitionsgaues München- Oberbayern, Staatsminister Abolf Wagner, ber fein 50. Lebensjahr vollenbete, würben zahlreiche Glückwünsche zuteil. Im Auftrage bes Führers über» brachte ^-Gruppenführer Schaub ein Glückwunsch- schreiben bes Führers unb ein wertvolles Oemälbe. Die Hauptstabt ber Bewegung ließ ben Ehrenbürgerbrief überreichen. Mit einer einbrucksvollen Ehrung gebuchten bie Münchner Künstler bes Gauleiters. Der Reichsstubentenführer hat in Straßburg eine Dienststelle eingerichtet, bie elsässischen Stubenten bas Stubium im Reich vermittelt. Etwa 320 elsässische Stubenten haben bereits ihr Studium vornehmlich an ben Universitäten Heibelberu, Frank- furt a. M. unb an ber Technischen Hochschule in Karlsruhe ausgenommen. * Der rumänische Ministerpräsident General Anton e s c u hat ungeordnet, buh ber' von Mussolini der rumänischen Huuptstubt geschenkte Stein vom Forum Romunum uuf bem Sockel bes Denkmals ber Wölfin ausgestellt wirb, bas sich auf dem Hügel der Patriarchie in Bukarest befindet. Die Attersversorgung des deuifchen Volkes. OerEniwurfSes ersten Abschnittes des großen deutfchenSoziatwerkesdemFührerübergeben Berlin, 1. Oktober. (DNB.) Am 15. Februar 1940 hatte der Führer Reichsorganisationsleiter Dr. Ley den Auftrag erteilt, die Grundlagen einer Altersversorgung des deutschen Volkes zu prüfen und Vorschläge auszuarbeiten. Dr. Ley hat nun dem Führer ben ersten Entwurf über den ersten Abschnitt des großen deutschen Sozialwerkes übergeben, lieber seinen Inhalt sagt er im „Angriff r Dem nationalsozialistischen Altersver- sorgungswerk wird zum ersten Male in der So- zialgeschichte die Idee der völkischen Kameradschaft, der gegenseitigen Verpflichtung von Volksgenossen und Volksgemeinschaft zu Grunde liegen. Der Nationalsozialismus verlangt von jedem Volksgenossen den höchsten Einsatz im Dienste am Volk, in der täglichen Arbeit ebensogut wie im Ehrendienst mit der Waffe. Daraus leitet er aber auch die Verpflichtung der Volksgemeinschaft ab, jedem, der in (Erfüllung dieser Pflicht zu Schaden kommt oder im Dienste ergraut ist, ein würdiges Dasein zu sichern. Der Pflicht zur Arbeit entspricht das Recht auf Versorgung, wenn die Arbeitskraft erlahmt. Die Versorgung ist der Dank der Volksgemeinschaft für das pflichterfüllte Arbeitsleben. Aus dieser Auffassung ergeben sich bereits die wesentlichen Grundzüge des künftigen Dersorgungswerkes: Der Versorgungsanspruch ist nur an eine einzige Voraussetzung geknüpft: Versorgt wird, wer seine Pflichten als Bürger des Großdeutschen Reiches erfüllt hat, gleichgültig an welchem Platz und in welcherfozialenStellung er dem Volke gedient hat. Ausgeschlossen werden nur solche Elemente bleiben, die sich durch gemein« schaftswidriges Verhalten ohnehin außerhalb der Volksgemeinschaft gestellt haben. Auch die Höhe der Versorgung ist durch die Idee der volksgemeinschaftlichen Verpflichtung festgelegt. Sie kann nur dann Ausdruck des wirklichen Dankes sein, wenn sie die Gefahr des Elends durch Alter oder Beschädigung eindeutig bannt Mindestens Wohnung, Nahrung und die Kultur- arunblagen des Daseins werden zu sichern sein. Die Versorgung wird daher an die Lebens- umstände anknüpfen, in denen der Volksgenosse vor Eintritt des Versorgungsfalles gelebt hat. Daß andererseits die Leistungen nicht ins Un« vegrenzte steigen, versteht sich von selbst. Die Lebensbedürfnisse der großen Masse werden hier bestimmend sein; zwar sollen auch die höheren Einkommen nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. Jedoch wird die Volksgemeinschaft ihre Pflicht als erfüllt ansehen können, wenn jedem im Alter jene Bedürfnisse gesichert sind, die das Gesamtbild der nationalen Lebenshaltung bestimmen. Im übrigen wird das Versorgungswerk nicht etwa ein Staatsrentnertum großzüchten wollen. Es sichert den Grundstock der Lebenshaltung ausreichend und der bisherigen Lebenshaltung entsprechend. Die Ausgestaltung durch die mannigfachen Annehmlichkeiten des täglichen Lebens überläßt es aber der eigenen Strebsamkeit des einzelnen. Wer fleißig und sparsam ist, soll am Abend seines Lebens auch die Früchte seines Fleißes und seiner Sparsamkeit ernten. Die eines Kulturvolkes unwürdige Bedürftigkeitsprüfung der aus dem liberalen Staat übernommenen Wohlfahrtspflege hat in einem nationalsozialistischen Der- sorgungswerk keinen Raum. Der Schafsende wirb' mit unbedingtem Vertrauen seine Arbeit verrichten können. Er wird aber nun endlich auch den Weg gehen, durch die ihm möglichen bescheidenen Sparbeträge die ihm durch die Versorgung gewährte Lebenshaltung noch um weiteres auszugestalten. Wenn ihm aber ein widriges Schicksal an der Ansammlung von Erspar- nissen hindert, wird er doch unter allen Umständen mit der Dersorgungsleistung allein ein erträgliches Dasein führen können. Das alte längst vergessene Wort von der Gleichheit aller Staatsbürger gewinnt damit endlich wieder einen wirklichen Sinn. Die Ration wird nicht mehr in Gesicherte und Verelendete verfallen. Das nationalsozialistische Reich sieht sich vor der Aufgabe, aus den sozialen Trümmern der Der- gangenheit ein besseres Gebäude zu errichten. Auch es muß rechnen. Es kann im Endergebnis dem Alten und Arbeitsunfähigen nicht mehr zukommen lassen als die Arbeitsfähigen bereit und fähig sind, für sie zu erarbeiten. Mit der bisherigen Sozialversicherung wälzt der Staat die Verantwortung für die Alten auf die Versicherungsträger und damit auf die V e r f i d> e r t e n fe l b ft ab. Er „versichert" sich gegen (eine eigene Verantwortung, ein Vorgang, der wohl im liberalisttschen Staat, aber nie in einer nationalsozialistischen Gemeinschaft möglich ist. Der Staat trägt die Verantwortung für seine Bürger, die ihm treu gedient haben. Bisher ist das lediglich für die Beamten anerkannt worden. Unser Staat verlangt vom Arbeiter keine geringere Treue als vom Beamten. Er kann ihm daher auch keine geringere Sorge angedeihen lassen. Daher wird bie Aufbringung der Mittel für die Versorgung auch nicht mehr Sache einzelner Versicherter, sondern Aufgabe der Gemeinschaft im ganzen sein. Jeder hat nach seinen Kräften im Rahmen der allgemeinen' Besteuerung an der Beschaffung der Mittel m i t z u w i r k e n sowie jeder nach seinen Bedürfnissen Anspruch auf die Versorgung erhebt. Der gesicherte Lebensabend gehört dann zu den selbstverständlichen Grundrechten des Deutschen. Wenn er trotz des Rechtes auf Versorgung im Alter noch arbeiten will, wird die Volksgemeinschaft ihn günstiger stellen als wenn et sich zur Ruhe Berlin, 1. Oft. (DRB.) Reichsminister 2) arr 6 erklärte in einer Unterredung, mir haben im Jahre 1940 eine Kriegsernte an Getreide von 24,6 Millionen Tonnen gegenüber einer Durchschnittsernte von 25,1 Mill. Tonnen in den Jahren 1934 bis 1938. Wir biegen also nur 2 v. H. unter dem Durchschnitt. Die Brotversorgung Deutsch- lands ist bei gleichbleibenden Rationen nach wie vor auf. weite Frist gesichert. An Kartoffeln werden wir voraussichtlich eine Ernte von 60 Mill. Tonnen haben. Das sind 5 Mill. Tonnen mehr als im letzten Friedensjahr. Wir brauchen an Speisekartoffeln auch im Kriege höchstens 15 bis 18 Mill. Tonnen, so daß von der großen Hackfruchternte noch viel für die Futtermittel- versorgungder Viehbestände übrig bleibt. Denn wir haben auch eine Zuckerrübenernte, die bas Ergebnis des letzten Friedensjahres übersteigt. Wir kommen wahrscheinlich auf 20 Mill. Tonnen, während wir im Vorjahre nur 18,.7 Mill. Tonnen Zuckerrüben hatten. Die G e f a m t f e 11 r a t i o n bleibt in ihrer bisherigen Höhe bestehen. Die Fleischrationen werden im kommenden Winter ebenfalls unverändert bleiben. Unsere Viehbestände haben sich durchaus normal entwickelt. setzt. Der Beschädigte soll nicht schlechter stehen als der Gesunde. Soweit die eigene Kraft versagt, wird die Hilfe der Gemeinschaft einspringen. Das gilt für den Soldaten wie für den Arbeiter oder Handwerker, für Unfallschäden ebenso wie für Krankheitsfolgen. Der Ausdruck „Aussteuerung" verschwindet. Es gibt nur noch eine Entscheidung: Doll arbeitseinsatzfähig oder nicht. Ebenso wird der unwürdige Prozenthandel um die Knochentaxe aufhören. Die Hilfe des Versoraungswerks wird stets und in allen Fällen die bisherige Lebenshaltung in angemessenem Umfange sichern. Diese Grundsätze gelten für alle Volksgenossen ohne Rücksicht auf Beruf oder Anlaß des Schadens. Daß dabei der im Kriege verletzte Soldat, der beim aktiven Einsatz im Beruf oder Dienst verunglückte Arbeiter und vor allem, daß die kinderreiche Mutter auf eine besondere Anerkennung ihres persönlichen Einsatzes Anspruch haben, ist nur selbstverständlich. Für sie alle, die sich aktiv für die Ratton einsetzten und zu Schaden kommen, wird ein Ehrensold — unabhängig von dem Beschädigtengeld — eingeführt. Daß schließlich auch die Witwen und Wallen ausreichend zu versorgen sind, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Die Witwe des Arbeiters wird nicht anders versorgt werden als die des Angestellten, des Handwerkers oder des selbständigen Kaufmannes. Das Dersorgungswerk soll nach dem Willen des Führers ein dauerndes Denkmal des deutschen Schicksalskampfes um die Freiheit werden. Unser Versorgungswerk wird Ausdruck der gesteigerten Lebenskraft des nationalsozialistischen Volkes. Es wird neue Energien auslösen und dem schadenden Volke seine Züge aufprägen; es ist ein Stück des großen Sozialwerkes der Zukunft: Der Dank des Führers an das Volk, unsere Verpflichtung an den Führer, den errungenen Sieg durch rastlose Arbett stets erneut zu bewahren. Der günftige Ausfall der Hackfruchternte nrirb uns in die Lage versetzen, die Schweine in Äukunst wieder etwas schwerer auszumästen als In den letzten Monaten. Die Aussichten für die Gemüseversorgung im kommenden Winter sind besser als im vergangenen Jahre. Rur die Aussichten für Obst sind schlecht. Wir haben infolge des harten Winters und der ungünstigen Witterung in der Blütezeit eine echte Mißernte zu verzeichnen und müssen uns damit abfinden. Das deutsche Volk hat die Sicherheit, auf der Grundlage einer guten Gesamternte und einer laufend ausreichenden Produktion im kommenden Winter die auskömmliche Ernährung zu finden. Entscheidend ist die Fettwirtschaft gewesen. Mitten im Kriege ist die Milchanlieferung nochmals um 10 bis 15 v. H. gestiegen, woraus sich wieder eine Steigerung der Buttörerzeugung ergab. Der Minister äußerte sich dann über den Nutzen, den die Getreideüberschüsse aus dem Warthegau und Dan- zig-Westpreußen bringen und über die Lieferungen aus Holland, die früher nach England gingen. Besonders die Gemüseversorgung wird durch stärkere Lieferungen aus Holland Vorteile haben. Wir werden im übrigen weder mit der Versorgung der besetzten Gebiete, noch anderer europäischer Staaten in diesem Kriegswinter besondere Schwierigkeiten haben. Unser Einfluß reicht vom Nordkap bis zur italienischen Interessensphäre.. Die Möglichkeiten des Austausches und des Handels finb daher viel zahlreicher. Der Minister sieht für die Zukunft große Möglichkeiten der Steigerung des Ertrages auf manchem jahrzehntelang ver- nachläfsigten landwirtschaftlichen Gebiet Europas und damtt große Möglichkeiten der allgemeinen Verbesserung der deutschen Ernährungslage. Eine Sübrcrfagung der Hitler-Jugend. München, 1. Oft. (DNB.) In der Reichszeug» meisteret in München fand die erste Arbeitstagung der Führerschaft der Hitler-Jugend seit der (Ernennung des neuen Reichsjugendführers statt. Reichsjugendführer A x m a n n erläuterte die Fortsetzung der jahrgangsweisen Erfassung der Jugend und die jahrgangsweise Schulung. Als eine der Aufgaben der Hitler-Jugend bezeichnete er die Werbung und Auslese innerhalb der Hitler-Jugend für den Lehrerberuf. Die Uebernahme der Füh» rortorpsangehörigen in die Parteiarbeit nach Bewährung in der HI. und einer Abkommandierung in den Aufgabenbereich der Partei sei bereits festgelegt worden. Auch für die Uebernahme vvn Jugendführern in die Dienste des Staates seien Regelungen vorbereitet. Zum Schluß tünbiate Mrmann Arbeitsgemeinschaften für besonders begabte Jugendliche auf der Grundlage der allgemeinen Erziehung an. Der Reichsleiter für die Jugenderziehung der NSDAP, v. S ch i r a ch ging auf die Bewährung der Jugendführer im Kriege, der Jungen und Mädel in der Heimatfront ein) Er warnte sein Führer- korvs davor, aus diesem hervorragenden Kricgs- einjatz etwa besondere Rechte abzuleiten. „Ich verlange, daß jeder Kamerad, der in die Heimat zu- rückkehrt, hier dieselbe Disziplin zeigt, wie er sie draußen an der Front bewiesen hat." „Für mich besteht das Wesen der Führung nicht fm »en, sondern im Dienen. Das Wort Friedrichs oßen ,Zch bin der erste Diener meines Staates" ist für uns immer ein nationalsozialistischer Glaubenssatz gewesen. Wer in der nationalsozralisti- schen Bewegung fuhrt, der dient!" Der Reichsschatzmeister der NSDAP., Reichsleiter Schwarz, befaßte sich mit dem Verhältnis von Führung und Verwaltung in der Partei. Er selbst habe volles Verständnis für die Führungsaufgabe der Hitler-Jugend bekundet und stets lebhaften Anteil genommen am Wohl und Wehe der deutschen Jugend. Ab 1. Oktober wird von den Angehörigen der Hitler-Jugend, des BDM., des Jungvolks und der Jungmädelschaft kein Mitgliedbeitrag mehr erhoben. Samt- liche Beitragsrückstände entfallen in gleicher Weise. Die Beiträge für die Unfall- und Haftpflichtversicherung werden in Zukunft durch den Reichsschatzmeister a b g e I ö ft Die Angehörigen aller Formattonen der Hitler- Jugend bleiben uneingeschränkt versichert. Im Unallschutz würden die Leistungen möglichst umfassend ein, zumal zur Ausschaltung von Härten Sonder- onds geschaffen worden seien. Der Beitragswegfall habe vornehmlich auch erzieherische Gründe. Gleichzeitig entlaste diese Maßnahme nicht nur die Verwaltung selbst, sondern komme auch der prakttschen Arbeit zugute, da nunmehr in 70 000 unteren HI.» Einheiten die Einrichtung von Verwaltungsdienst- stellen überflüssig werde, so daß die dadurch frei- gestellten Kräfte mit anderen Aufgaben betraut werden könnten. Der Gedanke des persönlichen Opfers, der einst der Beitragsleistung zu Grunde gelegen habe, bleibe auch in Zukunft insofern erhalten, als die Jugend durch ihre Führung grundsätzlich zum Sparen angehalten werde. Gesicherte Ernährung auch im zweiten Kriegswmter. ^FELDPOST 137P-71 ü s vergilbten Driesen, aus dem Jclde sicht viel geschrieben über die Svende, die der Genuß eines,,guten Tobacts"schon immer bereitet hat. Heute isi das auch nicht anders. Wir lassen es uns darum jetzt besonders angelegen fein,deutbar gute Zigaretten zu liefern. Die 3rage, ob man Zigaretten mit oder ohne ^Mundstück wählen sott, ist überholt. Denn das tf* \Mundstuc6., mit dem die CÜLDENRING jetzt aasgestattet ist, vereint die Vorzüge beider Zigarettenarten-, es ist dem Auge unsichtbar, bietet den Cippen aber ausreichenden Schutz. GÜLDENRJNG yWIT (^MUNDSTÜCK, 4-pf. Bellersheim, den 1. Oktober 1940, Die Beerdigung findet Donnerstag, 3. Oktober, naehm. 3 Uhr statt 4397 D Gestern abend entschlief sanft im Herrn nach längerem Leiden mein innigstgeliebter Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater und Großvater im 70. Lebensjahre. c Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Anna Scheid, geb. Blecker und Kinder. Wilhelm Scheid I Bäckermeister Gießen (B!eidastra6e SS), den 30. September 1940. 4392 D Karl Kröck II, im Alter von 68 Jahren. Heuchelheim, den 2. Oktober 1940. 4404 D 193 Gott der Herr erlöste heute durch einen sanften Tod von seinem langen Leiden meinen lieben Mann, unseren guten Vater, Grobvater, Schwiegervater, Schwager und Onkel Für Führer und Vaterland gab sein Leben am 10. September 1940 infolge eines Unglücksfalles unser lieber Bundesbruder Nach langem, schweren Leiden verschied gestern mittag um 12% Uhr in der Klinik zu Gießen mein lieber Mann, mein treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 3. Oktober, nachmittags 4 Uhr. von Brauhausstraße 55 aus statt Die trauernden Hinterbliebenen: Marg. Kröck, geb. Volk Familie Adolf Reuschling L mäddien für sofort ober später gesucht. 0S27S Möbs, Lubwigstr. 61 P. Die Trauerfeier findet am Donnerstag, dem 3. Oktober, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt — Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen. Für den Abi.-Verband der ehern. Burschenschaft Frankonia-Gießen: Dr. Imre Müller, Oberleutnant Hermann Kulimann Vilbel (Oberhessen), aktiv 1916 Oberleutnant in einem Gebirgsjäger-Regiment Inhaber des E. IC 2. KL und der Hess. Tapferkeitsmedaille 1914/18. Heinrich Enders Reichsbahn Schaffner LR. im 73. Lebensjahre. In tiefer Trauer; Elisabeth Enders, geb. Noll Familie Wilhelm Stehr Familie Hans Honig. KleiueAnzeigeu m Gießener Anzeiger werden von Tauienden beachtet und geleien. | Mietgesuche"! r-Z'Zimmer- Woönung zu mieten gesucht. Preis angeb. unt. 03304 a.d.G. A. 1 oder 2 Zimmer eDtLa.Teilwohng. von alleinstehen- derDamegesucht. Schr. Ang. unt. 03327 a. d. G. A. Lagerraum. Suche für sofort ober später 1 fL trockenes Lager mit Keller und Garage, evtl, mit 4—5 1 Zimmerwohnung. Schr. Ang. unt. 03208 a. b. G. A |stelienangebote| Seine üriprangi- seagalsee, andern nur Zeugnisabschriften dem Be iverbuugchchreiben beilegen I — Lichtbilder nndBewerbungOonter. lagen müssen zur Ber meidung von Bert osten auf der Rückseite Name» und Anschrift des Bewerber« ttoaen! jung. MVAu für angenehme Stellung als Heism« in Drogerie gesucht. Zuschriften unter 4386D an ben Gieß. Anz. Suche tüchtige, zuverlässige [03321 Putzfrau f.tägl. 8-^3 Uhr. 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März) wie folgt geregelt: 4399C für Lebensmittelgeschäfte von 8 bis 13 Uhr, von 15 bis 19 Uhr, für sonstige Geschäfte von 8 bis 12% Uhr, von 14% bis 18 Uhr. An Samstagen und an Tagen vor Feiertagen ist ein Mittagsladenschluß nicht zulässig. Gießen, den 1. Oktober 1940. Der Oberbürgermeister der Stadt Gießen. ___________I.D.: gez. Nicolaus.__________ Bekanntmachung. Der Dienstschluß für den HI.-Dienst wird nach Einvernehmen mit Dem Bannführer der HI. ab 2. Oktober 1940 auf 21.30 Uhr festgesetzt. 4400D Gießen, den 1. Oktober 1940. Der Polizeidirektor. I. B.: Hellwege Emden. eoeo-eiNiucHTUMGeN Gießen. Bahnhofstraße. wD OOOhocTop Aachlaß- Versteigenmg. Donnerstag, den 3. d. M., ab 10 Uhr vormittags, versteigere ich pünktlich und bestimmt im Saale ber Wirtschaft ,,Gambrinus", Gießen, Wetzsterngasse, aus Nachlaß W. 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Wegen Aufgabe des Geschäftes und Auflösung des Haushaltes versteigere ich Freitag, den 4. Oktober d. I., ab 2 Uhr nachmittags, meistbietend gegen Barzahlung im Hause Seltersweg 1: die gesamte Laden-Einrichtung des Kurz-, Weiß- und Wollwaren-Geschästes der Ja. Schulze, bestehend aus: 3 Theken, Strumpfabteilung, 2 kompl. Schau- fenfter, großer dreiteiliger Glasschrank, 3 Schaukasten, INational-Registrierkasse, Messing-Hänge- geftelle, Glasplatten, Stühle, Kanons in Regalen, Leitern,Dekorations-Gegenstände (Büste für Badeanzüge, Füße für Socken, Beme für Damenftrümvfe, Christbaum, Schaufensterge- stelle usw.), fahrbare Kleidergestelle, Lampen, sowie Büro, Roll-Schreibtisch, Schreibmaschine (Ad* ler 7), Schreibmaschinentisch, ferner: 1 kompl. Speisezimmer, beft aus: Büfett, Kredenz, Ausziehtisch und 6 Polsterftühlen, £>el- bild, Lampe, Schreibtisch mit Sessel (Diplomat), 1 kleinen Kassenschrank, Chaiselongue, ein zwer- und 3 eintürige Kleiderschränke, 1 Nachttisch, Flurgarderobe, kompl. Küche, 1 kombiniert. Gas- u. Kohlenherd (emailliert), 1 Kommode, Lampen, Luthertisch, 1 Bowle mit 12 Gläsern, Sektkühler, lieber* gardinen für 3 Fenster, 2 Mülleimer u. sonstiges. Versteigerung bestimmt. zu kauf, gesucht. Schr. Angebote unter 03323 an den Greß. Anz. £. Althoff Sachverständiger d. O. $. X, Gerichtstaxator und Versteigerer. 4335A Stadttheater Geprüfter Kammeriäger Krämer kommt und vertilgt Ratten, Schwaben,Wanzen usw. Bestell, werden jetzt in derGeschaftsst.d. Zeft.anaenomm. Ganze Gemeind. fL Preise. [03320 Mehr Freude an der Natur durch Bermühler-Bücher! Die Quelle Deute Leben*. I Der Gebalt an Lecithin u.Elfe» macht’sl ■ Gr. Flasche RM. 2.75 Kurfl. RM.4J0 Univ.-Apotheke mm gold. Engel, A. Habrich, Marktplatz. | Empfehlungen] Kleine Anzeigen richten sich an die Bevölkerung der engeren Heimat! Darum: Kleinanzeigen in die Heimatzeitung, den Siebener Anzeiger 19.80 bis 22 Uhr: 8. Mittwoch-Miete Goldregen Lustspieloperette von Manfried Rössner Musik von Hellmut Rössner Preise Reichsmark 0.60-8.10 ________4401 D Bekanntmachung. In Abänderung meiner Bekanntmachung vom 11. v. M. wird zufolge Anordnung des Herrn Reichs- ftatthalters in Hessen — Landesregierung — vom 24. September 1940 die Polizeistunde für den Polizei- direktionsbezirk Gießen einschließlich der Städte Bad- Nauheim und Friedberg mit Wirkung vom 1. Oktober b. 3. auf 23 Uhr festgesetzt. 4390D I.V.: Hellwege Emden. Klaviere werden fachgemäß repariert und gestimmt G. Ebert Klaviermacher Blelcmtr.17, Tel. 2403 Verk. v neuen u. gebrauchten Klavieren 6eoD Mietklaviere Blut, ■ Kraft I Starke Nerven, frisches Aus*' sehen, gesunden Appetit I erreichen alt und jung durch | Lebens-Ellxlr Dr. Schleffer Nr. 235 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Mittwoch. 2. Oktober MV Gauausstellung für bildende Künste 4 940 Neue Malerei, Graphik und Plastik im Frankfurter Städel. Aus der Stadt Gießen. Oktober. Kein Monat besitzt eine solche Farbenfülle und Leuchtkraft wie der Oktober, keiner, nicht einmal der Frühling, strotzt so von freudiger Lebensbejahung. Oft schenkt er uns ja auch noch späte Sonnentage mit azurener Himmelsbläue und reinem Licht, unter dem die rotbraunen Wälder und die Lunten Gärten in unerhörter Pracht aufflammen. Aber selbst wenn er sich von der grämlichen Seite geigt und einen Voryang von Regen und Sturm vor die Farben zieht,' so bleibt er doch immer noch der Monat der Erntefeste und der Kirchweihtuge, der Weinlese und der Jagd. Auch die so viel nüchternere Kartoffel- und Rübenernte bedeutet Fülle und festliche Steigerung der Kräfte. Ja, das edelste Gut der Felder, das Korn, ist in die Scheunen geborgen, für das Brot des Volkes ist gesorgt, und mit gutem Recht feiert der Bauer nach der rastlosen Anspannung der Erntewochen Anfang Oktober sein Erntefest — nicht nur der Bauer allein, das ganze Volt in Stadt und Land, das sich ja heute wieder dankbar bewußt ist, daß die Arbeit des Bauern die Grundlage seines Lebens bedeutet, nimmt mitfeiernd Anteil. Aber dieses Fest, in gewisser Hinsicht der Höhepunkt des ganzen bäuerlichen Jahres, ist doch nur ein kurzes Atemholen. Roch gibt es kein Ausruhen, noch ist viel zu tun vor dem Winter. Vor allem die Kartoffeln, die zweite wichtige Grundlage unserer Volksernäh- rnng, wollen aus der Erde'. Für das nordöstliche Deutschland ist die Kartoffelernte die Zeit des Jahres, die am stärksten in das tägliche Leben der Familie eingreift. Denn diese Ernte wird ja weitgehend von Frauen und Kindern besorgt, jedes schulpflichtige Kind hilft schon mit, so daß die Herbstferien auf dem Lande, die meistens länger sind als die Sommerferien, sich nach der Kartoffelernte richten und geradezu „Kartoffelferien" heißen. Das ist ein rastloses Schäften aus dem Kartoffelacker von morgens früh bis abends, um den schon kürzer werdenden Tag voll auszunutzen. Die Frauen hacken, die Kinder sammeln, die Män- nec bringen die köstliche Erdfrucht in die Mieten. Das „Kartoffelfeuer" freilich, das Verbrennen des Kartoffelkrautes, das mit seinem beizenden Qualm unserem Monat neben dem welkenden Laub seinen eigentümlichen Geruch gab, werden wir dieses Jahr vermissen. Auch in dem Kraut der Kartoffeln haben wir einen wertvollen Rohstoff erkannt, der in die Papierfabriken wandert. In den eigentlichen Kartosfelgegenden dauert diese angespannte Arbeitszeit mehrere Wochen, und vielerorts schließt sich daran die nicht minder anstrengende Rübenernte. Erst wenn alle Hackfrüchte geborgen sind, kann der Bauer zur eigentlichen Winter- avbeit übergehen, bei der er sich etwas mehr Ge--^ ruh-samkeit gönnen darf. Die Fülle des Monats bekommt in erster Linie der zu kosten, der von dem Reichtum der Erde e-rntet: der Bauer, der Winzer, der Jäger, der Gärtner. Wir anderen, wir Stadtkinder, genießen mit Auge und Mund. Die flammenden Wälder, zu denen wir feiertags hinauspilgern, vielleicht ein tlcines Stück gelb, blau und rot blühendes Gartenland, oder auch nur ein bunter Herbststrauß in der Base, eine saftige Traube, eine edle Birne in der Obstschale, einmal ein Stück Wildbret auf unserem Tisch — das sind die Oktobevfreuden, die auch uns gegönnt sind. C. K. Dornotizen. Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: 19.30 bis 22 Uhr „Goldregen". —- Gloria-Palast (Seltersweg): „Achtung, Feind hört mit". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Menschen, Tiere, Sensationen". Stadttheater Gießen. Am heutigen Mittwoch wird die mit großem Erfolg kürzlich in Gießen uraufgeführte Lustspiel- Operette der Brüder Rößner „Goldregen" wiederholt. ^Spielleitung: Harry Grüneke. Musikalische Leitung: Arthur Apelt. Die musikalische Bearbeitung stammt von Arthur Apelt. 3. Mittwoch-Miete. Ortszeit für den 3. Oktober. Sonnenaufgang 7.29 Uhr, Sonnenuntergang 18.58 Uhr. _ Mondaufgang 9.56 Uhr, Monduntergang 19.57 Uhr. ' _________________ Daß die Gau-Ausstellung in diesem zweiten Kriegsjahre wieder eröffnet werden konnte (wir haben schon darüber berichtet), darf als ein erfreuliches und herzstärkendes Zeichen der Kulturbereitschaft auch in harten Zeiten gelten; ein Unternehmen wie dieses straft das alte lateinische Wort „inter arma silent musae” Lügen: selbst im Waffenlärm der deutschen Gegenwart schweiaen die Musen mitnichten; ja, es zeigt sich ein lebendiges Gefühl dafür, daß gerade heute dem Volke die Kunst nötiger und näher sei als je zuvor. Der sehr lebhafte Besuch der Ausstellung legt ^davon- Zeugnis ab. Dreihundert Werke erscheinen hier, ausgewählt nach strengem Maßstab aus siebenhundert; Malerei, Plastik und Graphik bilden die übliche äußere Dreiteilung. Soll man einen Gesamteindruck geben, so wird man vielleicht sagen dürfen, daß der Krieg nur verhältnismäßig geringe Spuren hinterlassen hat; er spiegelt sich kaum in den Erscheinungen der Ausstellung wider; er ist noch zu nah, zu gegenwärtig, wird sich erst später künstlerisch auswirken und Gestalt finden können. Was wird also gemalt und gebildet? Keine Schlachtfelder, selten Soldatenfiguren — sondern die alten ewigen Gegenstände der Kunst: die Landschaft vor allem, nie erschöpft seit Jahrtausenden; der lebendige Mensch, das Bildnis in vielerlei Gestalt; die Mäler der neuen Zeit in Straßen, Bauten, Stätten der Industrie; daneben auch häufig die zeitlosen Formen von Tieren und Blumen. Bei der Fülle des Dargebotenen geht es natürlich nicht an, auch nur den größeren Teil davon in einem knappen Bericht zu erfassen; es sei also aus einem überschauenden Rundgange nur eine kleine Zahl von besonders markant sich heraus- hebenden Werken notiert, und es fei auch vornehmlich der dem hessischen Raume entstammenden oder zugehörigen Künstler gedacht. Der repräsentative Eingangssaal ist der Plastik gewidmet. Reben dem gewaltigen „Adler zum Hoheitszeichen für das Divisionsgebäude Frankfurt am Main" von Carl Wagner sind die römisch strenge Büste des Gauleiters von Tilman Zobel, von Emil Hub ein prächtiges Porträt des Führers und die kindlich heitere Zierbrunnenfigur mit Fischen und Schnecke zu nennen. Der „oberhessische Erbhofbauer" van H a w i ck stellt sich sinnvoll zu den Schwälmer und Biedenkopfer Trachtenfiguren von Mergehenn. Eine der eigenwilligsten Begabungen unter den Plastikern ist der Oberurseler Harold Winter, dessen in Eichenholz geschnittene, farbig leicht gehöhte Gestalten („Mädchen mit Papageien", „Schiläuferin") wegen der originellen Technik wie auch des zeichnerisch zarten Figurenumrisses sogleich die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Was die Malerei angeht, die wie immer den breitesten Raum beansprucht, so darf wohl allgemein von einer Festigung der Formen wie der Farben, von der Wirklichkeitsnähe des Motivs, van der Sachlichkeit des erfassenden Auges und SS-GenMUsl M Stoll öutOenöe Sportamt fibj. „Körperschule und Spiele“ für Männer und Frauen. Jeden Mittwoch von 20.30 bis 21.30 Uhr: Goethe- schule, Horst-Wessel-Wall. 4403D Beibehaltung der Sommerzeit. Die Sommerzeit hat sich so gut bewährt, daß sie bis auf weiteres beibehalten wird. Die diesbezügliche Verordnung des Ministerrates für die Reichsverteidigung wird in den nächsten Tagen im Reichsgesehblatt verkündet werden. Polizeistunde um 23 !lhr. Mit Wirkung vom 1. Oktober ab ist in Gießen und in Bad-Nauheim-Friedberg die Polizeistunde auf 23 Uhr festgesetzt worden. des festhaltenden Stiftes und Pinsels als charakteristischen Merkmalen heutiger Bildkunst gesprochen werden. Romantik im guten wie im bösen Sinne ist selten geworden. Die lebendige Natur, wir deuteten es schon an, erweist sich als unerschöpflich reizvoll und anziehend; man wird das bestätigt finden, wenn man eine Reihe von Bildern vergleichend nebeneinander hält: die eigenartig belichtete „Winterlandschaft" von Bode, die „Landschaft in Oberhessen" von Arnoul, die „Wolken über dem Taunus" von Dörrbecker, die freundlich-heimatliche „Vogelsberger Landschaft" mit den rosa Apfelblüten von Eimer, die weiten, groß und klar gesehenen See-Stücke Th. G a r v e s , ganz beherrscht von der strahlend blau darüber gewölbten Himmelskuppel;, dann die Ernte-Bilder von H o f f e r b e r t, an berühmte Vorgänger erinnernd, der „Erste Frühlingstag" von Kalt wasser, sehr zart in Farbe und Stimmung, der „Sommerabend" von Alfred K i e h l, dessen Arbeiten vor Jahren im Oberhessischen Kunstverein und auch in der „Heimat im Bild" gezeigt wurden: man freut sich der weichen, warmen und vollen Farben auf diesem stillen, nobel gemalten Bilde. Es seien weiter erwähnt der „Fjord bei Mosjöen" von Limpert (Gedern), das anmutig aus der Vogelschau gesehene „Peterstal bei Heidelberg" von M a g e r (Friedberg), in Brueghel- schen Farben endlich das Herbst-Bild von A. H. Stoll. -Auch abseits der Landschaft ist die Zahl der Motive nicht gering. Feierlich, fast streng in der Plastik des Pflanzenkörpers, wirken die „Lilien" von D i e I m a n n. Als kraftvoll gesunde Spiegelung gegenwärtigen deutschen Volkstums können der „Altbauer aus dem Rodgau" von Fahren- b u s ch und „Der Fahnenträger" von Walter Kröll (Gießen) gelten. Von Kutscher (Bad- Nauheim) findet man gute Beispiele des modernen Jndustriebildes, von Margret Kranz (Butzbach) etliche ihrer liebevoll und peinlich exakt komponierten Blumenstücke, von Felix K l i p ft e i n (Laubach) eine Radierung der edlen Architektur von Kloster Arnsburg. Was soll man noch herausheben aus der Fülle? Einen „Blumenstrauß" von Alexander Posch um der bestechenden Architektonik des Stillebens willen; die leuchtende Wasserspiegelung im „Verlassenen Basaltbruch" von P e u t e r t; die malerischen Frankfurter Stadtanfichten von Sauter; das wuchtige Bildnis des Duce von Salini; ein „Flüchtendes Reh" von Karola Pierfon- Victor, die die anmutige Kunst des Scherenschnittes kultiviert (wir brachten Proben davon in der „Heimat im Bild"); und ein ganz unkonventionelles, farbig sehr reizvolles Historienbild: „Friedrich der Große vor der Schlacht" von Aug. Weber- Brauns. — Damit sei ein Rundgang beschlossen, zu dem dieser Bericht den Leser anregen möchte. Hans Thyriot. Der Ladenschluß im Winter. Für die Wintermonate sind neue Ladenschluß - zeiten festgesetzt worden. Danach sind zum Verkauf geöffnet: die Lebensmittelgeschäfte von 8 bis 13 Uhr und von 15 bis 19 Uhr, alle übrigen Geschäfte oan 8 bis-12.30 Uhr und von 14.30 bis 18 Uhr. Der Mittags-Ladenschluß fällt an den Samstagen und an den Tagen vor Feiertagen fort. Don der Gießener Hindenburg-Spende Wie erinnerlich, hat der Stadtrat der Stadt Gießen durch Beschluß vom 30. September 1927 aus Anlaß des 80. Geburtstages des Reichspräsidenten von Hindenburg eine Stiftung von jährlich 500,— RM. errichtet. Die Vergebung dieser Sttf- tung für das Jahr 1940 ist jetzt wieder an die durch den Beirat für Kriegerfürsorge vorgeschlagenen Personen erfolgt. Es wurden 10 Kriegsbeschädigte und Kriegerhinterbliebene mit je einer Gabe von 50,— RM. bedacht. OerBesuchderGefallenen-Grabstätten Auf Grund za-hlreicher Anfragen aus den Kreisen Hinterbliebener von Gefallenen zum Besuch der Grabstätten teilt das Oberkommando der Wehr« macht mit: Ein Besuch der Grabstätten im Westen und m Norwegen kann zur Zeit aus militärischen und Der- kehrstechnifchen Gründen nicht gestattet werden. Für Elsaß, Lothringen, Eupen, Malmedy und Luxemburg ist noch im Laufe dieses Jahres eine Lockerung der Anordnung unter bestimmten Voraussetzungen zu erwarten. Es sind nähere Mitteilungen dazu abzuwarten. Nach dem Osten kann von Fall zu Fall die Reise der Eltern, Ehefrau und der Kinder zum Besuch der Grabstätten genehmigt werden, wenn die genaue Grablage bekannt ist und entspre- chende Verkehrsmöglichkeiten vorhanden sind. Fahrpreisermäßigung kann zur Zeit noch nicht gewährt werden. Anträge auf Einreisegenehmigung nach dem Osten, unter polizeilicher Bestätigung des Verwandtschaftsverhältnisses, sind > an die Wehr« Machtsauskunftsstelle für Kriegerverluste und Kriegs- -gefangene, Berlin W. 30, Hohenstaufenstraße 47/48, zu richten. Passierscheine sind bei der für den Wohnsitz zuständigen Kreispolizeibehörde zu beantragen Krawatte auf die Punkte der Frau. Sowohl auf die Reichskleiderkarte für Männer^ als auch auf die Karte für Frauen gibt es Krawatten, Querbinder und Schleifen, und zwar mit der gleichen Punktbewertung. Da es aber keine Krawatte gibt, die nur als Bekleidungsstück für Männer in Frage kommt, ist der Verkauf von Krawatten, Querbindern und Schleifen jeder Art auf Männer-, Frauen-, Knaben- und Mädchenkarten erlaubt. Es steht dem Karteninhaber frei, die gekauften Krawatten an andere Verbraucher zu verschenken. Die Uebertragung der Kleiderkarte als solche ist naturgemäß nicht gestattet. Jede Frau ist somit berechtigt, ihrem Manne zu Weihnachten als Geschenk eine Krawatte zu kaufen, und zwar auf ihre eigene Karte. Kortenpflicht für Suppeneinlagen. Durch Anordnung der Hauptversammlung der deutschen Getreide- und Futtermittelwirtschaft wird mit Zustimmung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft die Kartenpflicht für Suppeneinlagen geregelt. Danach sind auf die Einzelabschnitte der Reichsbrotkarte, der Brotzusatzkarte für Schwer- und Schwerstarbeiter, die Brotabschnitte der Zulagekarte für Land- und Nachtarbeiter und der Urlauberkarte sowie die Reise- und Gaststättenmarken für Brot an Stelle von je 100 Gewichtseinheiten Brot 75 Gewichtseinheiten aus Mehlteig hergestellter gebackener Suppeneinlagen (Suppenklößchen und Flädle) abzugeben. Die Anordnung tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft. Neichsbahnausnahmetarif für Frischobst. Die Reichsbahn hat auch in diesem Jahr den Ausnahmetarif 16 B 11 für frisches Obst eingeführt», Er gilt vom 23.9.1940 bis 31.12.1940 zwischen allen deutschen Bahnhöfen und begünstigt den Versand von Aepfeln, Birnen, Mirabellen, Pflaumen, Reineklauden, Zwetschen, kommt jedoch nur für den Versand von Stückgut bei Aufgabe als Frachtgut oder Eilgut zur Anwendung. Das frachtpflichtige Gewicht wird jeweils auf 10 Kilogramm nach oben abgerundet. »Gießener Saflor" als zusätzlicher Fettlieferant. Schon vor Jahren hatte das Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung an der Ludwigs-Universität Gießen die Untersuchung und Zucht einer in Deutschland fast ausgestorbenen und völlig vergessenen ölhaltigen Pflanze, des Sastor, ausgenommen. Saflor ist eine 80 bis 100 Zentimeter hoch werdende Pflanze, die ausgesprochenen Distelcharak- ter hat. Eine spindelförmige Pfahlwurzel geht tief in die Erde und läßt den Saflor auch noch dort gedeihen, auf sehr trockenen Böden, wo andere Del- pflanzen nicht mehr angebaut werden können. Einem Mitarbeiter des Gießener Instituts, Dr. Scheibe, war während feiner Tätigkeit in der Türkei die in Anatolien wild wachsende Pflanze ausgefallen, die auch nach langer sommerlicher Dürre, Oie kluge Bauerndirn. Don Wilhelm Lennemann. Der Bauernkrieg ging in Brand und Blut seinem Ende jju. Was der Rache und dem Gericht entronnen, rettete sich in sein.Dorf, wähnend, daß es nun im Schutz von Heim und Hütte geborgen sei. Aber noch von Pflug und Pferd hinweg zerrte herrischer Haß sein letztes Opfer. Da der Truchseß von Waldburg, der die Bauern niedergerungen und niedergeritten, in das Dorf Babenhausen einritt, gedachte er es in Asche zu legen, weil es lange Zeit hindurch eine feste Stätte seiner Widersacher gewesen war. Veit von Rechberg aber, dem das Dorf zu Eigen gehörte, bat für die Hsitten, weniger den Dörflern zulieb, als zu feinem eigenen Nutz; aber er mußte dem Truchseß geloben, daß er den vornehmsten feiner aufrührerischen Bauern vor das peinliche Gericht stelle. Dieser Auserlesene war ein prächtiger und gewandter Bursche, der ehemals ein Fähnlein geführt; den ergriff der Graf also, daß er ihn durch Strick oder Schwert vom Leben zum Tode bringe. Als nun schon der Stab über ihn gebrochen war und er zur Richtstätte geführt werden sollte, brach auf einmal der helle Schrei eines Weibes aus der Mitte des Volkes. Der Graf ließ das Mädchen, denn ein solches von knapp 20 Jahren war es, vor sich führen und herrschte es baß an, wie es sich unterstehen könne, in den Rat des Gerichtes hineinzu- fchreien. „Das ist ein gutes Recht", antwortete es unerschrocken, „daß eine Jungfrau den Verurteilten lösen kann. Ich begehre ihn zum Mann!" Da lachte der Graf laut auf, und auch der Bursche sah die Maid mit wunderlichen und weiten Augen an: War es doch seine eigene Schwester, die sich ihm werbend zum Weibe antrug. Und auch die Bauern, die da hinter dem sperrenden Stricke standen, wußten das Ungeheuerliche nicht zu fassen und bangten für die kühne Dirne. Der von Rechberg fand sich zuerst: „Hat dich der Satan geblendet, daß du dermaßen gegen Gottes heilige Gebote freveln willst! Soll ich dir zu Willen sein, da magst du einen Tag in deiner Lust brennen; aber morgen werde ich bann deinen Kopf neben den Dasein. Aber auch bei keinem anderen Berufe ist die Arbeit in ihrer Gesetzmäßigkeit so klar umgrenzt wie beim Bauern, dessen Leben heute im Grunde nicht anders verläuft, als das aller feiner Ahnen. Und wenn mir anfangs von der Landschaft sprachen als einem hervorragenden Element in Grieses Dichtung, so darf nicht vergessen werden, daß in ihrem Mittelpunkt immer der Mensch steht. Der Mensch, der die Erde nie verlassen darf, wenn er nicht verlassen sein will von ihr. Der Mensch, dessen Lebenskraft sich immer wieder erneuert in stetem Ringen mit der Erde, der „geliebten Mutter" allen Lebens. Die Erde bestimmt die Gesetze, denen der Mensch zu gehorchen hat, die Gesetze der Arbeit und die des Zusammenlebens der Menschen. Wenn der Knecht Karl Johann in der „Wagenburg" nach langer Kriegsfahrt die Pferde seines Bauern wieder wohlbehalten im heimatlichen Stall anbindet, so folgt er diesem Gesetz der Erde, das hier zur Ehre wird, ebenso wie die Tochter des Torfmachers in der Erzählung „Das Kind des Torfmachers", wenn sie den Hof ihres Mannes verläßt und mit dem Knecht in einer Torfkate ein neues Leben beginnt und damit zurückkehrt in die ihr bestimmte Welt. Auch der Roman „Bäume im Wind"" handelt von diesem Gesetz, dem auch die Menschen in der Stadt unterstehen, das ihr Schicksal bestimmt und sie begleitet auf ihrem Weg. Die Einheit alles Lebenden ist das große Thema der Dichtung Friedrich Grieses. In seinem jüngsten Roman „Die Weißköpfe" offenbart sie sich uns in überwältigender Weise. Dem Leben zu dienen ist das höchste und schönste Gesetz des Dichters. Friedrich Griese, der jetzt sein fünftes Lebensjahrzehnt beschließt, darf für sich die Gewißheit haben, in allen feinen Werken treu diesem Gesetz gefolgt zu fein. Was er damit dem deutschen Volke gegeben hat und im Weiterwirken feiner Werke gibt, das werden erst Spätere ganz erfassen können. Wir Heutigen dürfen ihm danken für unser persönliches Ergriffen sein und unserem Dank den Wunsch verbinden, daß bfc Kraft feiner Dichtung noch durch viele Werke für uns wirkend fei. Dr. Hermann Mährlen. Aus der Feder Friedrich Grieses veröffentlichen wir in den F a m i l i e n b l ä 11 e r n eine Erzählung „Das harte Iah r", die für die Kunst des mecklenburgischen Dichters uns besonders bezeichnend zu sein scheint. seinen legen! Da hülfe keine Fürsprache der Heiligen!" „Das werdet Ihr nicht tun, gnädiger Herr, denn wer der Sünde zuträgt, kann auch der Strafe nicht entlaufen! Das ist altes Recht, das vor keinem Kopfe Haltmacht! — Auch vor Eurem nicht!" Jetzt wurde der Graf erbost. Sollte er sich von einer jungen Dirne narren lassen, daß sie ihm seins eigenen Worte wie ein Nest über den Kopf werfe! „Aber wo im Deutschen Reiche ist's denn nur verstauet, daß eine Schwester den Bruder freie!" „Das Recht spricht nur von einer reinen Jungfrau, steht aber mit nichten dabei, daß die Schwester von dieser Gnade ausgeschlossen sei", wurde ihm dis einfältige Antwort, „so Ihr aber verlangt, daß ich mein Begehren fahren lassen, da müßt Ihr zuvor Euer Urteil zerreißen; denn eins hängt zum anderen!" z Und sah den Grafen mit lächelnder Listigkeit an. Da erst erfaßte der Graf der Dirne ganze Schalkhaftigkeit und Klugheit, die ihn wie mit scharfen Zangen seiner eigenen Meinung hielt, und auf Augenblicke wußte er nicht, ob er mit raschem Zorne dareinfahre, oder mit huldvoller Wohlgefälligkeit ein Amen dahinter setzen sollte, das der wittenbergischa Mönch in die Worte übersetzt hatte: Ja, ja, es soll also geschehen! Dann aber überwog die Freude über die Unerschrockenheit und List der Dirne sein richtendes Herrentum, daß er sein deutsches Amen dazusprach; doch bemühte er sich, das Urteil so klüglich zu fassen, daß er sich dadurch feiner Herrenwürde nichts begebe und sich zugleich auch gegen den Truchseß wohl decke. Also erhob er sich und sprach mit huldvoller Leutseligkeit: „So soll der Dirn ihr Wille werden und ihr der Verurteilte zugesprochen werden. Da ich mich selbst aber in den gegenwärtigen Tagest nicht dem Feuer der strafenden Gerechtigkeit ausliefern will, so setze ich die Ehe aus bis auf einen gelegentlicheren lag. Sollte aber die Dirne des Wartens überdrüssig werden und eine weitere Gelegenheit zur Ehe ergreifen, soll ihr auch das wohl verstattet sein, und ist dann auch der andere seines Vertrages enthoben und frei!" Darob erhob sich laute Zustimmung, daraus ein Dank und eine Achtung sprachen, und ist durch diese eine erschlichene Gnade die Bindung zwischen Burg und Dorf fester geworden, als sie es je in den harten Tagen vorher gewesen. Friedrich Griese. Zum 50. Geburtstage des Dichters am 2. Oktober. Wer bas Land Mecklenburg nicht kennt, dem mag beim ersten Bekanntwerden mit Friedrich Grieses Dichtung das Zurechtfinden in der Landschaft, die in allen seinen Büchern so stark bildhaft vor uns steht, nicht ganz leicht werden. Er wird auch seine Zeit brauchen, bis er mit den Menschen, die auf diesem Boden zu Hause sind, mit diesen sicheren und selbstbewußten Gestalten, ein persönliches Verhältnis hergestellt hat. Es geht ihm dabei nicht anders als einem in eine Gegend Zugereisten: erst tastend und langsam sicherer werdend, wird er sich einleben in die neue Umgebung und wird sich langsam der neuen Umwelt zugehörig empfinden. Dann kommt cs freilich oft vor, daß dem einstigen Fremdling die neue Heimat zum liebsten Besitz wird, und es mag fein, daß der so Eingebürgerte heller das Lob des Landes verkündet als der Alteingesessene. Wer derart heimisch geworden ist in der Welt Friedrich Grieses — und wir wissen aus den Erfolgen seiner Bücher, daß es viele sind —, dem wird aus ihrer Fülle und ihrem heimlichen Reichtum ein bleibender Gewinn Zuwachsen. r • Das dichterische Erlebnis Friedrich Grieses kommt aus dem weiten Land Mecklenburg, das ihm Sinnbild wird für die Landschaft schlechthin. Wir kennen Tie Eigenschaft dieses Landes, sinnbildhaft zu wirken aus allen Romanen des Dichters, im „Dorf der Mädchen" und im „Letzten Gesicht" tritt sie ebenso zutage, wie in der sagenhaften Erzählung „Alte Glocken". Aber es wäre wohl falsch, die gültige Sinnbildhaftigkeit der geschilderten Landschaft und ihrer Mem schen allein auf das Wesen der Heimat Friedrich Grieses zurückführen zu wollen, uns scheint vielmehr, baß bas Geheimnis ber Dichtung', bie Gabe unb bte ©nabe bes Dichters, baß diese unerklärliche Kraft hier am Werke fei, die uns unwiderstehlich zwingt, ihrem Banne zu folgen. Sie schafft jene Wirklichkeit, von der wir überwältigt werden, weil sie allgemeine Gültigkeit besitzt im ganzen menschlichen Bereich und vornehmlich im deutschen Raum. Die Themen seiner Dichtungen nimmt Friedrich ©riese aus ber börslichen Welt. Nirgenbs ist bte Nähe ber Natur, ber Erbe, nirgenbs ist bte Kraft des Blutes stärker zu spüren als im bäuerlichen SJ.-fporl Gießener Faustballrunde. Nicht nur im NSRL. und hier in erster Linie im Turnverein 1846 Gießen wurde das Faustballspiel in diesem Jahr eifrig gepflegt, sondern auch in den Sportabenden von Betrieben und Behörden nahm es einen breiten Raum ein. Nichts lag daher näher, als die im Uebungsbetrieb erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten auch im Wettkampf zu erproben. So haben sich einige Mannschaften zu einer Wettspielreihe zusammengefunden, in der die Vorspiele nun erledigt sind und einen Ueberblick über Spielstarke und Leistung gestatten. Auch hier hat sich wieder gezeigt, daß zwischen reinem Uebungsbetrieb und Wettspiel ein Unterschied besteht. Nach den in den Vorspielen gesammelten Er- fahrungen wird die inzwischen begonnene Rückrunde nicht nur einen gewissen Leistungsausgleich, sondern auch eine Verschiebung in der Punktwertung bringen. Die Ergebnisse der Vorrunde: zirkssparkasse II — Bezirkssparkasse I — Hess. Hochbauamt 34:46; Bezirkssparkasse I — Polizeiamt -35:26; Polizeiamt — Bezirkssparkasse II 41:37; Bezirkssparkasse I — Bezirkssparkasse II 36:28; Polizeiamt — Hess. Hochbauamt 35:40; Hess. Hochbauamt — Bezirkssparkasse II 44:34. Spiele Gew. Verl. Hess. Hochbauamt 3 3 0 Bezirkssparkasse 13 2 1 Polizeiamt 3 12 Bezirkssparkasse II -3 0 3 Lanzi vor Harbig. Pkte. 6 4 2 0 Beim Internationalen Sportfest in Como gab es am Sonntag das zweite Zusammentreffen der welt- besten Mittelstreckler Rudolf H a r b i g und Mario Lanzi in diesem Jahre. Der Deutsche war nach seiner erst kürzlich überstandenen Krankheit noch nicht wieder im Vollbesitz seiner Kräfte. Dennoch stellte er sich seinem großen Gegner zum Kampf. Italiens Meister, der sich gerade in diesem Jahre in gute Form gebracht hat, konnte dadurch zum ersten Male als Sieger vor dem Weltrekoromann aus dem Rennen über 800 Meter hervorgehen. Sein Vorsprung betrug in 1:54,2 nur einige Meter, Harbig benötigte 1:54,7. Dritter wurde der Italiener Colombo mit 1:57,3. Sommersporttag der DM, Amt Heer. Am Samstag versammelten sich die Gefolgschafts- Mitglieder der DAF., Amt Heer, um den Sommersporttag der Betriebe 1940 durchzuführen. Nach der Flaggenhissung wurden der 800-m-Lauf der Männer und 400-m-Lauf der Frauen, sowie die anderen vorgeschriebenen Hebungen durchgeführt. Hierauf traten alle Teilnehmer zum Dreikampf an. Gleichzeitig wurden Faustballspiele zwischen dem Heeres - Bauamt, dem Rüstungskommando, der Heeresstandortverwaltung und einer Wehrmachtmannschaft ausgetragen. Ein Handballspiel zwischen einer Wehrmachtmannschaft und einer komb. Mannschaft der DAF. Amt Heer gewann die Wehrmachtmannschaft mit 8:4 Toren. In der 4X100 m Staffel schlug das Heeresbauamt die Heeresstandortverwaltung in der Zeit von 49,2 Sek. Bei der Siegerehrung konnten folgende Gefolgschaftsmitglieder ausgezeichnet werden: Dreikampf. Männer: Klasse I: 1. Werner Schmidt, H.- Bauamt, 205 Punkte; 2. Alfred Emde, H.-St.-O,- Verwaltung, 195; 3. Michael Schmidt, H.-Verpfl.« Amt, 180; 4. Helmut Weigandt, H.-St.-O.-Verw., 166; 5. Wilh. Stumpf, H.-St.-O.-Verw., 165. Klasse II: 1. Karl Teubner, H.-B.-Amt, 195 Punkte; 2. Theo Wilmes, H.-B.-Amt, 186; 3. Karl Rohn, W.-B.-Kdo., 170; 4. Hch. Wlodarek, H.-St.- O.-Verw.; 4. Röhrsheim, H.-B.-Amt, je 169; 5. Otto Stieler, H.-St.-O.-Verw., 158. Klasse III: 1. Josef Krämer, H.-B.-Amt, 174 Punkte; 2. Hch. Magnus, H.-Neb.-Zeugamt, 128; 3. Willi Schröter, H.-Stt-O.-Verw., 100. Frauen: 1. Liselotte Lenz, H.-Bauamt, 234 Punkte; 2. Elfriede Beckert, Res.-Lazarett, 202; 3. Ruth Noll, H.-Bauamt, 176. Gleichzeitig wurde auf den Schießständen am Schützenhaus ein Kleinkaliberschießen durchgeführt, wobei, folgende als Sieger ausgezeichnet werden konnten: Mannschaften (50 m liegend freihändig, 3,Schuß): 1. Heeres-Nebenzeugamt 85 Ringe; 2. Heeres-Bau- amt, 75; 3. H.-St.-O.-Verwaltung, 57. .Einzel: 1. Euler, H.-Neb.-Zeugamt, 30 Ringe; 2. Rüttle, H.-N.-Zeugamt, 29; 3. Dehrn, H.-Bau- amt 28. wenn alles verdorrt war, in sattem Grün stand. Dr. Scheibe brachte den Saflor aus Anatolien mit, und in mühevoller Arbeit ist es gelungen, ihn zu einer beachtenswerten Fettleistung in seinem Samen zu bringen. Die Untersuchungen sind, wie der Direktor des Instituts, Professor Dr. Sessous, bestätigte, zu einem vorläufigen Abschluß gelangt, wenn auch noch nicht alle Wünsche erfüllt und alle Ziele erreicht sind. Der Saflor ist jetzt als neue Oelpflanze für Deutschland anerkannt und ist berufen, dort gesät 3u werden, wo sich der Anbau von Raps und Rübsen nicht mehr lohnt. Bei Versuchen in Thüringen stellte sich heraus, daß auf geringem Muschelkalkboden ein Hektar 28 Doppelzentner ungeschälten Saflor brachte, während der Ertrag bei Winterraps 20 Doppelzentner und bei Winterrübsen 15 Doppelzentner auf einen Hektar betrug. Der Oelgehalt beträgt bei Winterraps 45 v. H., bei Winterrübsen 40 v. H. und bei ungeschältem Saflor 22 v. H. Bei geschältem Saflor aber beträgt der Oelgehalt 51 v.H., wobei allerdings der Schalenanteil noch sehr hoch ist und bis zu 60 v. H. beträgt. Immerhin ist der Oelertrag der neuen deutschen Oelpflanze sehr beachtlich, wenn man bedenkt, daß sie auf trockenen und schlechten Böden gedeiht, wo sonst nichts mehr angebaut werden kann, daß sie also dadurch ein zusätzlicher Fettlieferant für uns wird. , Abgangsprüfung an der Gewerbeschule Gießen. Vom 19. bis 27. September erfolgte die staatliche Abgangsprüfung an der Gewerbeschule. Der Prüfungsausschuß setzte sich zusammen aus dem Direktor T i e l m a n n als Vorsitzenden, da er beauftragt war, die Landesregierung zu vertreten, dem staatlichen Prüfungskommissar, Regierunas-Baurat Kuhlmann, der beauftragt war, auch Die Handwerkskammer Darmstadt zu vertreten, den Vertretern des Handwerks, Obermeister Freitag und Obermeister Schmidt, und dem Lehrerkob lecjtum. Der Vorsitzende des Kuratoriums, Oberbürgermeister Ritter, war durch dringende Dienstgeschäst verhindert und beauftragte den Beigeordneten Nicolaus, der Prüfung'beizuwohnen. Der Prüfung unterzogen sich 33 Prüflinge. Mit „gut" bestanden 9, mit „befriedigend" 15 und mit „bestanden" 9 Prüflinge. WererhältdiezweiteneichSkleiderkarte? Die Reichskleiderkarte wird in Gießen — wie wir gestern bereits kurz mitteilten — vom Donnerstag, 3. Oktober, ab ausgegeben. Es erhalten: 1. die Reichskleiderkarte für Kleinkinder (Kinder im 2. und 3. Lebensjahr): alle Knaben und Mädchen, die in der Zeit vom 1. September 1937 bis 31. August 1939 geboren find; die Vollendung des 3. Lebensjahres während der Gültigkeit der zweiten Reichskleiderkarte bleibt ohne Einfluß, d. h. ein Umtausch gegen Karten für Knaben oder Mädchen finket nicht statt; 2. die Reickskleiderkarte für Knaben oder Mädchen (vom vollendeten 3. bis zum vollendeten 15. Lebensjahr): die in der Zeit vom 1. September 1925 bis 31. August 1937 geborenen Kinder; 3. die Reichskleiderkarte für Männer und Frauen: alle Männer und Frauen vom vollendeten 15. Lebensjahre an; es sind dies Personen, die vor dem 1. September 1925 geboren sind; 4. die Zusatzkleiderkarte für Jugendliche: Die Ausgabe beginnt Ende des Jahres. Sie wird ausgegeben an Jugendliche vom vollendeten 13. bis zum vollendeten 18. Lebensjahr. Nähere Ausführungen folgen. Stichtag für die Errechnung des Lebensalters ist der 1. September 1940. Diese Bestimmungen gelten auch für Offiziere, Sanitätsoffiziere, Feldgendarmerieoffiziere, Musikmeister und Wehrmachtsbeamte im Offiziersrang sowie für die Führer und Führerinnen des Reichs- arbeitsdienstes vom Feldmeister bzw. Amtswalter aufwärts und der Maidenoberführerin aufwärts. Zuständig für die Ausstellung der Reichskleidertarten ist das Wirtschaftsamt des ständigen Wohnsitzes. Keine Kleiderkarte erhalten Mannschaften und Unteroffiziere, einschließlich Fahnenjunker, Feldwebel, Wachtmeister, Fähnriche, Oberfähnriche, Unterärzte, Unterveterinäre, die Angehörigen des RAD. vom Arbeitsmann bis zum Unterfefbmeifter bzw. die Arbeitsmaid bis zur Maidenführerin. Hinsichtlich der Ausgabetage der Reichskleiderkarte in Gießen wolle die Bekanntmachung des Wirtschaftsamtes vom 1. Oktober beachtet werden. Roman von Helene Kalisch Copyright 1939 by Prometheus -Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München 37. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Eines der Mädchen hat etwas von dem Gespräch der Ellrich mit Dietmuthe und ihr selber erlauscht, hat auch beim Bedienen bei Tisch, als Dietmuthe ganz offen über den Besuch und seine Ursache sprach, einen Teil der Unterhaltung gehört. Jetzt hat sie davon den Kriminalbeamten vorgeschwatzt. Sie ist so ergrimmt darüber, daß sie es dem Mädel gern heimgezahlt hätte, aber gerade die hatte ihr vorgestern am späten Abend, als die Leiche abgeholt worden war und die Kriminalbeamten die Wohnung verlassen hatten, etwas anvertraut, das sie heftig erschreckte. Sie hat darauf dem Mädchen ein Schweigeoersprechen abgenommen. Das beunruhigt sie nun. Hat sie sich womöglich damit selbst einer Gefahr ausgesetzt? Muß sie fürchten selbst verhaftet zu werden? ... Noch einmal das Mädchen zu befragen, zu versuchen, es mit Versprechungen und Geschenken zu beeinflussen, wagt sie nicht mehr. Man darf nicht zu klug sein wollen ... Sie fühlt sich beobachtet und beargwöhnt. Schließlich ist sie sich selbst die Nächste und keinesfalls gewillt, sich für eine möglicherweise schon verlorene Stellung zu opfern. Sie hat vorgesorgt. Es ist ein Testament vorhanden, in den; Dietmuthe Röhl sie zu ihrer Erbin eingesetzt hat. Sie hätte gern noch nachhaltiger vorgesorgt — darauf ist seit langem all,ihr Bemühen gerichtet. Hat sie sich nun durch den eifersüchtigen Haß auf einen anderen — den sie freilich geschürt hat in der Berechnung eigener Vorteile — in eine schiefe Lage gebracht? Nun sollte das wirklich so sein, wird ihr noch Zeit genug bleiben, sich zu einem Irrtum zu bekennen. Die Verdächtigungen gegen Doktor Bergholz kann sie noch immer zurücknehmen, ihr Bedauern darüber äußern, sich mit ihrer begreiflichen Erregung, ihrem Schmerz und ihrer Verwirrung entschuldigen. Und eine heimliche Gespanntheit, ein kleines verstohlenes Frohlocken ist unter aller Besorgnis der Kläre Gießener Schlachtviehmarkt. Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtvieh-Verteilungsmarkt) in der Viehversteigerungshalle Rhein-Main Kosteten: Ochsen 35 bis 43,5, Bullen 34,5 bis 49,5, Kühe 15 bis 43,5, Färsen 31 bis 44,5, Kälber 27 bis 57, Hammel 36 bis 38 Rpf. je Vi Kilogramm Lebendgewicht; Ziegen 8 bis 26 RM. das Stück. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise erzielt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,14, bl (135 bis 149,5 kg) 1,14, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,12, c (100 bis 119,5 kg) 1,08, d (80 bis 99,5 kg) 1,02, e—f (unter 80 kg) 0,98 g, gl (fette Specksauen) 1,14, i (Altschneider) 1,12, g2 (andere Sauen) 1,02, h (Eber) 1,02 RM. Marktverlauf: Auftrieb gut, alles zugeteilt. * ** Der Dienstschluß im HJ..Dienst ist von heute ab auf 21.30 Uhr festgesetzt worden. ** Lebensmittelkarten in Belgien und Nordfrankreich. Deutsche Zivilpersonen, die in die Gebiete des Befehlsbereiches des Militärbefehlshabers für Belgien und Nordfrankreich einreifen, müssen dem für ihren Aufenthaltsort zuständigen Ortskommandanten als Voraussetzung für den Empfang von belgischen Lebensmittelkarten eine Bescheinigung ihres einheimischen Ernährungsamtes (Kartenstelle) umlegen, welche ausweist, daß und für welche Zeit sie aus der reichsdeutschen Verpflegung ausgeschieden sind. Amtsgericht Gießen. Der £>. K. in Gießen war angeklagt, unter Ausnutzung der Verdunkelung sich des Widerstandes gegen die Staatsgewalt und der Beamtenbeleidi- gung schuldig gemacht zu haben. Er hatte nachts Springer, denn sie ist überzeugt, noch einen Trumpf in der Hand zu haben ... Wenn nur das Mädchen über eine Sache den Mund gehalten hat. 18. Kapitel. Beim Betreten seiner Wohnung vernimmt Bergholz den Dreiklana streitender Frauenstimmen. Er erkennt Ernas hellen Diskant und den etwas verfetteten Alt seiner Schwiegermutter. Die Mittellage aber hält die Beamtenwitwe König, seine neue Haushälterin. Er öffnet die Tür zum Schlafzimmer, woher der Stimmenlärm schallt. In die plötzliche Stille schrillt Ernas Schrei. Sie stand der Tür am nächsten und flüchtet eilig hinter ihre Mutter. Diese hebt ihre Arme seitlich und steht da wie eine Glucke, die ihr Kücken vor dem Sperber schützen will. Es sieht sehr komisch aus, und Bergholz muß lachen. „Was geht denn hier vor, Frau König?" fragt er. Die Beamtenwitwe schlägt die Hände zusammen. „Gott sei Dank, der Herr Doktor ist da!" ruft sie triumphierend und strahlt über das ganze erhitzte Gesicht. „Das war ja vorauszusehen! ... Und als dann heute morgen auch noch das andere in der Zeitung stand, und ich doch Bescheid wußte, weil Sie gestern nachmittag mit solchen schäbigen fremden Sachen von Ihrem Spaziergang roieberfamen und ich Ihnen dann half, das Paket für den Kellner zurechtzumachen ..." „Schon gut, Frau König, darüber können mir ja noch ein andermal reden. Jetzt wollte ich eigentlich eine Erklärung über die etwas aufgeregte Unterhaltung hier hören ..." „Die Kriminalpolizei hat Haussuchung gehalten!" ruft Erna spitz aus ihrer Deckung hinter der umfangreichen Person ihrer Mutter hervor. „Aber die hat nicht solche fürchterliche Unordnung hier angerichtet!" fährt kampfbereit Frau König auf. Und bann sprechen wieder alle drei hitzig und schnell durcheinander. Mit einiger Mühe entnimmt Bergholz daraus, daß Erna mit ihrer Mutter heute noch einmal hergekommen war, um Nachlese zu halten. Frau König, die sich für die Ordnung im Haushalt und die Unantastbarkeit der Sachen verantwortlich fühlte, hatte zwecklos protestiert; hat die Damen nicht davon zurückhalten können, alle Schränke und Schubladen zu durchwühlen. Zuletzt war chr das Ansinnen gestellt worden, zwei große auf dem Heimweg einen Polizeibeamten angepöbelt. Als dieser ihm daraufhin stellte, leistete er Widerstand und konnte erst durch herbeigerufene Hilfe überwältigt und zur Wache gebracht werden. Der Angeklagte war geständig, behauptete aber, stark angetrunken gewesen zu sein. Dem Antrag des Anklagevertreters entsprechend wurde er unter Anwendung der Verordnung gegen Volksschädlinge zu einer Gefängnis strafe von 1 Jahr verurteilt. Die Vorstrafen wurden straferschwerend Strafkammer Gießen. Der H. O. in Bad-Nauheim war durch Urteil des Amtsgerichts Bad-Nauheim vom 22. August wegen Diebstahls und Fundunterschlagung zu einer Gefängnisstrafe von 1 Monat verurteilt worden. Er war beschuldigt, in Bad-Nauheim ein von ihm auf der Straße gefundenes Wasserleitungsrohr als Fundgegenstand nicht abgeliefert, sondern für sich behalten und in seinem Garten aufbewahrt, aus einem angrenzenden Garten mittels Ueberfteigens eines 1,30 Meter hohen Drahtzaunes fünf Bretter im Werte von 4 RM. und aus einem Garten einen eisernen Garten tisch im Wert von 8 RM. entwendet zu haben. Die Staatsanwaltschaft legte gegen das Urteil Berufung ein. Der Anklagevertreter beantragte eine Gesamtgefängnisstroft von 3 Monaten und 2 Wochen. Auf die Berufung wurde das Urteil des Amtsgerichts Bad-Nauheim dahin abgeändert, daß der Angeklagte in einem Falle des schweren Diebstahls schuldig erkannt und zu einer Gefängnisstrafe von 3 Monaten und 1 Woche verurteilt wurde; im übrigen wurde die Berufung zurückgewiesen. Mit Rücksicht auf den geringen Wert, die seitherige Unbestraftheit und das Geständnis des Angeklagten wegen des schweren Diebstahls wurde auf die gesetzliche Mindeststrafe erkannt. Pakete nach der Gehrkeschen Behausung zu tragen, was sie empört abgelehnt hat. Nachdem ihm so viel klargeworden ist, bittet er sich energisch Ruhe aus. Wieder weicht die junge Frau hinter ihrer Mutter zurück, ate drohe besonders ihr Gefahr. Sich zu der Haushälterin wendend, sagt Bergholz: „Wenn Frau Gehrke und ihre Tochter glauben, hier nach ihrem ihnen noch vorenthaltenen Eigentum suchen und es mitnehmen zu müssen, so mögen sie es ungehindert tun. Nur $um Abtransport der Sachen müßten sie freundlichst ihre eigenen Angestellten veranlassen. Sie, Frau König, bitte ich jetzt, dafür zu sorgen, daß ich ein Bad nehmen und mich umkleiden kann." Er geht nach vorn in den Behandlungsraum, spricht ein paar Worte mit dem AMenten, der dort bei der Arbeit ist, geht auch ins Laboratorium, begrüßt dort den Techniker und den jungen Volontär. Auch hier sieht er teils freudig überraschte, teils verlegene Mienen. Er fühlt, es hat sich manches angesammelt und muß hinweggeräumt werden, Damit man wieder in die Gemeinsamkeit der Arbeit hineinfindet. In seinem kleinen Arbeitszimmer setzt er sich an den Schreibtisch und zündet sich eine Zigarre an. Er zieht ein Fach auf und erkennt — obwohl alles glatt liegt — baß fremde Hände den Inhalt durchsucht haben. Er sitzt und sinnt eine Weile. Etwas müßte sein, was ihm jetzt hilft, schneller von allem loszukommen, was ihn aus der Innern Vereinsamung heraushilft ... Er streckt die Hand nach dem Telephonhörer, hält den Griff umschlossen, ohne ihn abzuheben, kämpft noch an gegen ein Wünschen, das mit jeder Minute stärker wird. Dann dreht er eine Nummer auf der Wählerscheibe. Käte Weber hat keinen Telephonanschluß. Er kann sie nur über eine Nachbarwohnung erreichen, deren Nummer er noch im Kopf hat. Drüben meldet man sich und will Fräulein Weber rufen, wenn sie zu Hause ist. „Sei jetzt bloß da, Käte", betet er und fühlt sein Herz rasch klopfen. Da hort er ihre Stimme. „Guten Tag, Käte, ich bin es, Hans Bergholz", sagt er. „Du, Hans? ... Von wo aus sprichst du?" fragt sie — es klingt sehr überrascht. .„Von meiner Wohnung." „Du bist wieder zu Hause?" klingt es freudig. Der K. H. in Lindheim war angeklagt, unter Ausnutzung der Verdunkelung mindestens dreimal von dem am Bahnhof Lindheim lagernden Grubenholz geringe Mengen entwendet und als Brennholz verwandt zu haben. Der Angeklagte war geftänbia und erklärte, er habe nur grünes Holz besessen, und auf diese Weise habe er sich etwas trocknes Holz zum Kaffeekochen verschaffen wollen. DerAnklagevertreter führte aus, die Diebstähle seien wohl unter Ausnutzung der Verdunkelung ausgeführt worden, er halte aber den Angeklagten nach dem Verlauf der Verhandlungen nicht für einen Volksschädling. Er hielt insoweit die Anklage nicht aufrecht und beantragte für jeden Diebstahl eine Gefängnisstrafe von drei Monaten und daraus die Bildung einer Gesamtgefängnisstrafe von sieben Monaten. Er begrün- bete ben Strafantrag bamit, baß in Kriegszeiten die Volksgemeinschaft erst recht gegen Diebstähle gesichert werden müsse. Der Angeklagte wurde wegen Diebstahls zu einer Gesamtgefängnisstrafe von einem Monat verurteilt. Strafmildernd kam in Betracht der geringe Wert des gestohlenen Holzes, das Geständnis und die seitherige Unbescholtenheit des Angeklagten sowie der Umstand, daß er den Weltkrieg mitgemacht und verschiedene Kriegsauszeichnungen erhalten hatte, ferner ein fleißiger Mann ist, der seit 27 Jahren in demselben Betrieb tätig und gut beleumundet ist. Aus der engeren Heimat. Warnung für Derdunkelungssünder. * B u tz b a ch , 2. Oktober. Vor kurzem hatte wäh. rend eines Fliegeralarms ein hiesiger Einwohner ein Fenster seines Hauses so m a n g e l ha f t verdunkelt, daß der Lichtschein aus dem nur zur Hälfte abgeschirmten Fenster «eit in das Dunkel der Nacht hinausleuchtete. Als die, Kontrollorgane an das Hoftor des Mannes klopften, um ihn zur Beseitigung des Fehlers zu veranlassen, schaltete der Derdunklungssünder sogar noch das volle H o f l i ch t ein, sodaß nun erst recht eine weithin sichtbare Lichtquelle vorhanden war. Für diese grobe Fahrlässigkeit wurde der unvorsichttge Mann jetzt vom Gericht zu 100 RM. Geldstrafe verurteilt, außerdem war während der fraglichen Nacht über sein Grundstück van der Polizei die sofortige völlige Sperrung des Lichtes verhängt worden. Einigen anderen Verdunklungssündern, die trotz wiederholter Warnungen bei der Verdunklung ihrer Wohnungen immer wieder nachlässig waren, wurde als erste Erziehungsmaßnahme die Sperre des Lichts bis zu acht Tagen von der Polizeibehörde auferlegt, um auch diese grobe Gefährdung der All. gemeinheit an dem Punkte zu treffen, wo die Sünder am nachdrücklichsten über ihre Derdunk- lungspflicht zu belehren sind. Landkreis Sieben. * Treis a. d. Lumda, 1. Oft, Die 28 Jahre alte Landwirtsfrau Lina Kreiling versuchte, als sie mit einem mit Dickwurz beladenen Wagen einen steilen Feldweg herabfuhr, die Bremsen des Wagens anzuziehen. Dabei kam die bedauernswerte Frau so unglücklich zu Fall, daß sie von dem Wagen übersah'ren wurde und mit einem komplizierten Beinbruch von der Bereitschaft Gießen des Deutschen Roten Kreuzes der Chirurgischen Klinik in Gießen zugeführt werden mußte. # Eber stabt, 1. Okt. Unteroffizier Karl B u ß, der einzige Sohn des hiesigen Landwirts Heinrich Buß IV., wurde für Tapferkeit vor dem Feinde in ben Kämpfen bei Amiens vom Gefreiten zum Unteroffizier befördert und mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Karl Buß trat als 17jähriger freiwillig in den Heeresdienst ein, vorher war er hier Jungvolk- und HJ.-Führer. + Grünberg, 1. Okt. Der Grünberger Pfer d e - V e r f ich e run g sv e r e in hielt am Sonntag feine 63. ordentliche Mitgliederversamm- lung in der Gastwirtschaft von Otto Schmitz ab. Nach dem Geschäftsbericht des Vorsitzenden, Direktor Karl Schäfer I. (Grünberg) gehörten dem Verein zu Beginn des Geschäftsjahres 613 und am Ende desselben 617 Mitglieder an. Es waren versichert im ersten Halbjahr 906 Pferde ‘mit einem Versicherungskapital von 599 800 RM., im zweiten Halbjahr 916 Pferde mit einem Dersicherungskapi- tat von 539 455 RM. Entschädigt wurden insgesamt 56 Pferde mit einem Betrag von 22 450,50 RM-, hiervon entfallen 1980 RM. (Entschädigung für elf Fohlen) auf die Trächtigkeitsversicherung, die eine Einnahme von 1102 RM. erbrachte. Die Rechnung schloß in Einnahme mit 25 777,10 RM., in Ausgabe mit 27 602,35 RM. ab. Nach der Rechnung^- ablage wurde dem Vorstand Entlastung erteilt. Und dann sagt auch Käte: „Gott fei Dank!" Ganz leise und mit einem tiefen Aufatmen sagt sie es. „Bist du allein, Käte, und haft du jetzt eine Stunde Zeit für mich?" „Ja, Hans. Komm! Iß ein Butterbrot bei mir." „Gern. Ich danke dir, Käte! In einer Stunde, ja?" Während des Gesprächs wird hinter ihm die Tür vorsichtig geöffnet. Neugierig, aber auch ein bißchen ängstlich späht Ernas Gesicht zum Schreibtisch hinüber, verschwindet, als er den Hörer auflegt. „Was glaubst du wohl, Mama, was er da drinnen tut? ..." tuschelt sie dann aufgeregt ihrer Mutter zu, die schon zum Fortgehen fertig ist und auf die Tochter wartet. „Mit einem Frauenzimmer telephoniert er und verabredet sich mit ihr!" „Laß ihn doch! Was geht das dich an!" sagt Frau Gehrke ungewöhnlich energisch. „Sei nur froh, daß du mit diesem gemeingefährlichen Menschen nichts mehr zu tun hgst!" Der gemeingefährliche Mensch sitzt eine Stunde später in Käte Webers schönem, gemütlichem Wohn- zimmer. Er fitzt hier wie an jenem Novembersonntag, als er wie um eilten Halt ringend kam, wie in einer dunklen Angst, well er es in sich wie ein Brüchigwerden, wie eine Unterhöhlung der tragenden Kräfte feines Lebens fühlte. Don'dem zermürbenden Kleinkrieg feiner verfehlten Ehe hatte e»> da zu Käte gesprochen — und von dem anderen, bas er damals noch leicht nahm und es doch schon in sich trug, wie einen Krankheitsstoff im Blut.. „Damals hatte die Krankheit begonnen; jetzt ist sie endlich überstanden", schließt er mit einer halblauten Bemerkung eine Gedankenreihe ab. Käte nickt dazu, auch das Unausgesprochene verstehend. Mit ein paar Fraae^ und kurzen Erklärungen haben sie die Ereignisse des vorigen Tages geftreift und vorläufig davon Abstand genommen. Käte hat den Tisch sehr hübsch gedeckt. Die zartfarbige Buntheit einer flachen Schale voll blühender Primeln gibt ihm ein besonders festliches Aussehen. Es Ist noch hell. Durch das geöffnete Fenster klingen verworren von unten herauf die Geräusche der Straße. Ein wenig Sonne lugt noch herein und weckt ein Gleißen und Schimmern in dem schöngemaserten, blanken Holz eines altertümlichen Schrankes. (Fortsetzung folgt.)