Dienstag, 2. April 1940 Eichener Anzeiger Englisch-französischer Bluff im Orient Don unfeiem RG..-Berichierstaiier. es bas deutsche Weißbuch befragt wurde, war offennämlich seinen Nachbarn und den übrigen Staaten wolle gute Beziehungen aufrechterhalten. Indiskretion lieferte. Für alle amerikanischen Diplomaten im Auslande gelte die Instruktion, sich bei Kriegen zwischen Dritten striktester Unparteilichkeit zu befleißigen, und auch Cromwells Verhalten stelle eine flagrante Verletzung dieser Weisung dar. Es sei absolut zwingend, daß die amerikanischen Diplomaten auch in Privatunterhaltungen ihre Zunge hüteten. Gerade der Fall Cromwell beweise, welch große Verlegenheiten der amerikanischen Regierung durch sorglos geäußerte Worte bereitet werden könnten. Der „Jnquirer" erinnert dabei an den Weltkriegsbot- ^chafter Page, der Englands Interessen vor die Amerikas stellte und hierdurch die satirische Umfrage auslöste, welches Land er eigentlich am Hofe von St. James vertrete. Amerikas Diplomaten müßten in Wort und Tat genau so neutral sein wie ihre Regierung und dürften keiner fremden Nation auch nur den leisesten Grund für die Annahme geben, daß Amerika in ihre Streitigkeiten, die Amerika nicht angingen, verwickelt werden könnte. Amerikas Friede hänge von Amerikas absoluter Neutralität ab, und Friede sei Amerikas ko st bar st er Be- s i tz. Die beiden führenden Chikagoer Tageszeitungen „Daily News" und „Tribüne" widmen den Enthüllungen gleichfalls spaltenlange Berichte. Eine Stellungnahme Washington, 1. April. (DNB.) Präsident Rooeseoelt, der auf der Pressekonferenz über USA. aus der Neutralität abzielenden auslanbi|d)en Propaganda gefordert wird. An der Svitze der aus sieben Senatoren bestehenden Untersuchungskommission würde wahrscheinlich Clark selbst stehen, der schon dem bekannten Senatsausschuß zur Untersuchung des Munitionsgeschäftes angehört hat, der vor einigen Jahren sensationelle Enthüllungen über die Praktiken im internationalen Waffenhan- Der gestrige Webrmachlsbericht Berlin, 1.April. (DBB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: 3m Westen geringe Spähtrupptätigkeit und schwaches Artilleriefeuer. Südlich Saarbrücken über französischem Boden kam es am Bachmillag des 31. März zu verschiedenen größeren Luftkämpfen zwischen deutschen und französischen Jagdflugzeugen. Trotz zahlenmäßiger Ueberlegenheil der Franzosen schossen die deutschen 3äger ohne eigene Verluste sieben Moräne-Flugzeuge ab. Tagsüber wurde über O st frankreich und der Bordsee bis zu den Shettand-3nseln aufgeklärt. Die eingesetzten Flugzeuge kehrlen mit wertvollen Ergebnissen unversehrt zurück. Neuyork, 2. April. (DNB.) Die Veröffentlichung des deutschen Weißbuches hat, nach den am Montag in Neuyork eingegangenen Provinzzeitungen zu urteilen, im ganzen Land außerordentlich tiefen und nachhaltigen Eindruck hervorgerufen, der durch gelegentliche Ableugnungsversuche nicht geschmälert wird. Vom Atlantik bis zum Pazifik bringen sämtliche Blätter auf den Frontseiten lange, teilweise wörtliche Auszüge aus den in den Warschauer Archiven gefundenen Urkunden, die allen aufrechten Amerikanern reichlich Stoff zum Nachdenken über dir Machenschaften geben, die nach weitverbreiteter Ansicht Amerikas ureigensten Interessen zuwider laufen. In einem zweispaltigen Leitaufsatz schreibt die angesehene „Baltimore S u n", die Dokumente erschienen unleugbar authentisch, aber die skizzierten Aeußerungen Bullitts könnten Amerika unmöglich zum K r i e g s e i n t r i t t auf irgendeiner Seite verpflichten, weil we- der der Präsident, noch irgendeiner seiner Untergebenen gemäß der amerikanischen Verfassung dahingehende Bindungen eingehen dürfe, denn ein solches Recht besitze ausschließlich der Bundeskongreß. Die europäischen Diplomaten, die sich auf private Ansichten der Bullitt und Kennedy zugeschriebenen Art verließen, seien entweder naiv, oder völlig un- len, daß auch dort nur eine, ebenfalls einspurige Bahn verfügbar wäre, daß es an Straßen mangele, während die Entfernungen und Schwierigkeiten außerordentlich groß seien. Pellegrini kommt dann zu der Schlußfolgerung, daß eine der wirklichen Aufgaben der Weygand-Armee der Schutz der Erdölleitungen von Kirkuk nach Tripoli und Haifa sein könne, eine Vermutung, die auch in anderen italienischen Kreisen in dem Maße geteilt wird, daß man die englisch-französischen Streitkräfte bereits vielfach als „Petroleum-Armee" zu bezeichnen pflegt Mit der Frage nach der „Temperatur" des Mittelmeeres im. Falle kriegerischer Verwicklungen im Orient streift Pellegrini ein für die Westmächte zweifellos sehr heikles Problem, nämlich das der rückwärtigen Verbindungen des Expeditionsheeres, das hinsichtlich seines Nachschubes, seiner Verpflegung und seiner Munitionsversorgung ausschließlich auf den Seeweg — Mittelmeer und Rotes Meer — angewiesen sein würde. Die Freiheit dieser Wasserstraßen aber würde davon abhängen, ob Italien, dessen überragende Interessen auf dem Balkan und im Orient hinlänglich bekannt sind, der Entfesselung eines Krieges in diesem Raume untätig zusehen könnte und würde. Der größte Bluff, mit dem die Westmächte auf die mit „Garantien" und „Hilfsversprechen" bedachten Völker Eindruck zu machen suchen, ist nach italienischer Auffassung die sogenannte „russische Gefahr". Denn, so meint beispielsweise der „Corriere della Sera", Rußland dürfte nicht das mindeste Interesse daran haben, sich durch einen Angriff im Orient, dessen Schwierigkeiten nach dem Urteil der italienischen Militärs ebenfalls nicht zu unterschätzen wären, einem Kriege mit England, Frankreich und der Türkei auszusetzen. Dies sollte, meinen die Italiener, auch den in Frage kommenden Ländern des Nahen und Mittleren Ostens einleuchten. Als Anzeichen dafür, daß sich diese Erkenntnis denn auch bereits Bahn bricht, wertet man in Rom die Tatsache, daß es der unermüdlichen, mit vielen Druckmitteln arbeitenden Propaganda der Westmächte bisher nicht gelungen zu fein scheint, die Umwandlung des Saadabad-Paktes, der ein Nichtangriffsvertrag ohne gegenseitige Beihilfe- Verpflichtungen ist, in einen Bündnisvertrag zu erreichen, oder die nicht unter direkter englisch-französischer Vormundschaft stehenden Länder aus ihrer neutralen Haltung gegenüber dem europäischen Konflikt herauszudrängen Stritte Neutralität Belgrads. Belgrad, 2. April. (DNB. Funkspruch.) In einer Ansprache vor den Senatoren der Regierungspartei betonte Ministerpräsident Z w e t k o w i t s ch die Notwendigkeit der Neutralität für Jugoslawien. In der gegenwärtigen Situation gäbe es für den Staat nur d i e Richtlinie strikter Neutralität. Einem anderen Weg könne das Land nicht folgen. Jugoslawien habe alles Interesse daran, strikte Neutralität zu wahren. Mit del während des Weltkrieges erbrachte. Ausländische Journalisten sahen die Originale der Dokumente. Neuyork, 1. April. (DNB.) Mehrere Neuyor- ker Blätter veröffentlichen eine United-Preß-Mel- bung aus London, die einem direkten Eingeständnis der Echtheit der deutschen Dokumentenveröffent- lichung durch polnische Kreise in London gleichkommt. Auch wird in diesem Zusammenhang betont, daß einige Berliner Korrespondenten ausländischer Blätter die Originaldokumente im Berliner Auswärtigen Amt gesehen haben und diese Urkunden für e ch t hielten. Der Bericht beschreibt dann die zahlreichen Unterschriften und Randbemerkungen auf den Dokumenten. Alles dies beweise, daß die Dokumente im polnischen Außenamt durch viele Abteilungen gegangen seien. England pfeift auf die Hechte der Neutralen. Blockade der norwegischen Gewässer? Amsterdam, 2. April (Europapreß.) Die A u s- dehnungder Blockade a u f die norwegischen Territorialgewässer zwecks Unterbindung der Eisenerzzufuhren von Narvik nach Deutschland wird von der Mehrzahl der Londoner Morgenblätter angekündigt. Die diplomatischen Korrespondenten der meisten Blätter beschäftigen sich mit dieser Frage und geben der Ansicht Ausdruck, daß Chamberlain voraussichtlich am Dienstag im Unterhaus eine entsprechende Mitteilung machen werde. Am deutlichsten ist der Bericht des „News Chro- nicle", in dem es heißt: „Britannien wird den deutschen Eisenerzhandel durch die norwegischen lerritorialgeroälfer ab ft öppe n. Dieser Handel, der für Deutschlands Kriegsanstrengung von vitaler Bedeutung ist und bisher ungestraft unter dem Deckmantel der norwegischen Neutralität betrieben wurde, wird nicht länger geduldet werden, selbst wenn seine Unterbindung einige technische Verletzungen des internationalen Rechts mit sich bringt." Außerdem schreibt das „News Chronicle", daß man glaube, es würden Pläne vorbereitet, um die schwierigere Frage zu lösen, wie Deutschland auch über die Sommer-Route von Lulea durch die Ostsee weniger Eisenerz erhalten könne. Der „Daily Telegraph" bezeichnet die Unterbindung der Eisenerzzufuhren als das am schnellsten wirksame Mittel zur Schließung der Lücken in der Blockade. Der zweite Schritt sei dann die Schließung von Zufuhrwegen wie beispielsweise der Transsibirischen Bahn, der dritte die Verschärfung der Bannwarenkontrolle und der Rationierung der neutralen Zufuhren. Der vierte Schritt sei schließlich die Beschränkung der deutschen Lieferungen aus Südosten. Diese Fragen würden mit den Botschaftern und Gesandten vom Balkan in dieser Woche besprochen werden, 190. Jahrgang Kr.n Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter HeimaiimBild DieScholle Monats-Bezugspreis: Mit4Beilagen.RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr... „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsvrechanschluß 2251 Drahtanschrift: „Anzeiger" Posts check 11686 Franks ^M. Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,UbrdesBormittags Grundpreise für 1 mm Höbe bei Anzeigen von 22 mm Breite? Pf.,Tertanzeigen von 70 mm Breite 50 Pf. Wiederholung Malstaffel I Abschlüsse MengenstanelB Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25°/omehr Ermäßigte Grundpreise Bäderanzeigen und behördliche Anzeigen von 22 mm Breite 6 Ps. Bullitt und Graf polocfi wollen jetzt natürlich nichts gesagt haben. Der ehemalige polnische Botschafter in Washington, Graf Potocki (rechts), und der amerikanische Botschafter in Paris, Bullitt (links), vrühlsche UniversttArdruckerei H. Lange General-Anzeiger für Oberhefsen $ Sietzen^chxlftratzr 7-4 fähig. Der auflagenreiche „Philadelphia Jnquirer" spricht von „erstaunlichen Beschuldigungen" und bedauert, daß erst kürzlich wieder ein anderer U8A-Diplomat, " " Cromwell, ein Beispiel schlimmster Frieden im Donaudecken. Erklärungen des ungarischen Ministerpräsidenten. Budapest, 2. April. (Europapreß.) Ministerpräsident Graf T e l e k i äußerte sich am Montag Vertretern der ungarischen Presse gegenüber ausführlich über seine Italien-Reise. Die Besprechungen seien außerordentlich wertvoll gewesen, besonders für ihn, denn er habe zahlreiche wichtige Aufklärungen erhalten und seine Auffassung über die Ereignisse der letzten Zeit bestärken können. „Die italienisch-ungarische Freundschaft", so sagte der Ministerpräsident, „ist in keinerlei neue Phase getreten, wie das einzelne Blätter schrieben, weil diese Freundschaft eine natürliche Gegebenheit ist. Unsere Politik und unsere Ziele stellen ein offenes Buch dar und können sich nicht ändern. Dies weiß jedermann. Das haben wir hundert Mal gesagt. In derselben Weise betonen wir aber auch schon seit langen Jahren, daß wir unsere Ziele, wenn nur möglich, auf friedlichem Wege zu erreichen wünschen. Ebenso haben wir auch stets erklärt, daß wir uns die universellen Interessen Europas vor Augen halten. So fassen wir auch unsere Lage im Donauraum auf, und so haben wir es stets aufgefaßt: voranzugehen im Dienste dieser Interessen. So dienen wir dem Frieden des Donaubeckens. Dabei müssen wir uns zwei Dinge vor Augen halten: den augenblicklichen Frieden und jenen Frieden, der nach Beendigung des großen europäischen Konflikts Zustandekommen muß. Den augenblicklichen Frieden halten wir aufrecht, weil es aus vielerlei verschiedenen Gründen schädlich wäre, den europäischen Konflikt auszudehnen. Das liegt heute im gemeinsamen Interesse der europäischen Länder. Was aber den endgültigen Frieden betrifft, muß eine jede innerhalb der europäischen Lebensgemeinschaft ihrer Mission bewußte Nation einen Frieden anstreben, der den Ungerechtigkeiten ein Ende macht Washington, 2. April. (DNB.) Der Auswärtige Ausschuß des Bundessenats hat einstimmig einen Entschließungsantrag des demokratischen Senators Clark gebilligt, in dem eine Untersuchung der innerhalb der Vereinigten Staaten betriebenen, auf Wegziehung der USA. aus der Neutralität abzielenden ausländischen sichtlich bemüht, von der Behauptung des polnischen Botschafters Potocki abzurücken, daß der USA.- Botschafter Bullitt den Westmächten amerika- nische Kriegshilfe gegen Deutschland versprochen habe. Roosevelt erklärte, er habe das Weißbuch bisher nicht gesehen, wolle aber grundsätzlich sagen, daß in gegenwärtigen Kriegszeiten alle Propagandamitteilungen aus kriegführenden Ländern mit mehreren Körnern Salz genossen werden sollten. Roosevelt fügte hinzu, daß B u 11 i 11 in der nächsten Woche auf seinen Pariser Posten zurück k e h r en werde. Zünfköpfigen Untersuchungsausschuß beantragt. Washington, 2. April, (DNB.» Der republi- konische Abgeordnete Hamilton Fish brachte am Montag im Unterhaus eine Entschließung ein> welche Die Einsetzung eines fünfköpfigen Ausschusses innerhalb von 30 lagen zur Nachprüfung der im deutschen Weißbuch enchaltenen Korrespondenz verlangt. Untersuchung der Kriegspropaganda in USA. loren habe. Die gewaltigen Schwierigkeiten, vor denen sich Weygands „Gespenster-Armee" sehen würde, falls die Zweckmeldungen der Westmächte über ihre künftigen Verwendungsmöglichkeiten zuträfen, beleuchtet der nach dem Orient entsandte Vertreter des „Popolo d'Jtalia", Pellegrini, sehr eindrucksvoll. Die darauf bezüglichen Behauptungen der Westmächte, so schreibt er, seien geradezu staunenerregend. Weygand solle auf dem Balkan, im Kaukasus oder im Mittleren Osten kämpfen. Pellegrini weist demgegenüber auf die riesigen Entfernungen in diesem Raum hin, der sich durch fast vollständiges Fehlen von Straßen, Eisenbahnen und Transportmitteln auszeichne. Um die türkisch-russische Grenze zu erreichen, müßte Weygand einen gewaltigen „Spaziergang" durch die Türkei machen, bei dem nur eine einzige, eingleisige und des rollenden Materials ermangelnde Bahnlinie, nahezu überhaupt keine Straßen und verschwindend geringe Verpflegungs- und Nachschubmöglichkeiten vorhanden wären. Weygand solle auf dem Balkan operieren. Aber wie dorthin gelangen? Zu Lande? Dann würden sich die gleichen Schwierigkeiten wie im ersten Falle erheben, da er durch die Türkei marschieren müßte. Zur See? Aber wieviele Schiffe, wieviele ausgebaute Häfen würden für einen derartigen Transport erforderlich sein? Und welche „Temperatur" würde an dem Tage, an dem Weygand auf dem Balkan eingreifen solle, das Mittelmeer haben? Weygand solle im Mittleren Osten gegen Rußland kämpfen. Man brauche nur einen Blick auf die Karte zu werfen, um festzustel- Rom, Anfang April 1940. Seit der Beilegung des finnisch-russischen Konflikts verfolgt I t a l i e p mit verdoppelter Wachsamkeit die Vorgänge im Nahen und Mittleren Osten, den von Tag zu Tag mehren sich die Anzeichen, daß die W e st m ä ch t e in diesem Abschnitt die B r a n d st i f t e r r o l l e spielen möchten, die sie in Nord- und Nordosteuropa verpaßt haben. Voraussetzung ist allerdings, daß sie Hilfsvölker finden, die dumm genug wären, das Hauptgewicht etwaiger nkilitäri scher Unternehmungen auf sich zu nehmen und sich für die pluto-demokratischen Interessen zu verbluten. Die Aufmerksamkeit, mit der von Rom aus die Umtriebe der Westmächte in den Randstaaten des zum italienischen Lebensraum gehörigen östlichen Mittelmeers beobachtet werden, zeigt sich in der Entsendung von etwa einem halben Dutzend Sonderberichterstattern der großen Tageszeitungen in das von Serien bis Aegypten sich erstreckende Aufmarschgebiet der englisch-französischen Streitkräfte und in zahlreichen kritischen Untersuchungen der politischen, militärischen und strategischen Entwicklungsmöglichkeiten im Orient unter besonderer Berücksichtigung der Propaganda der Westmächte. Allen diesen Berichten und Artikeln der italienischen Presse ist ein Grundzug gemeinsam: Man will sich nicht von den Legenden, die die geschäftige Propaganda der Westmächte in Umlauf setzt, täuschen lassen, sondern den Dingen auf ihren wahren Grund gehen. Immer wieder stellt man die Frage: Was ist an den Meldungen, die die Westmächte durch die ihnen dienstbaren Zeitungen und Nachrichtenagenturen in die Welt hinausposaunen lassen, Tatsache und Wirklichkeit, was ist Tendenz, Lüge und „Bluff"? Und es ist den aufmerksamen italienischen Beobachtern zweifellos gelungen, den Westmächten weitgehend hinter ihre Schliche zu kommen und dem Schwindel, mit dem sie die Welt beeindrucken und vor allem die Völker des Nahen und Mittleren Ostens für ihre Kriegspläne reifmachen möchten, den Boden zu entziehen. In erster Linie gilt dies von der „M i 11 i o n e n » Arme e", die der 73jährige französische General Weygand angeblich in Syrien (unter Vergewaltigung der Mandatsverfassung) zusammengezogen haben soll. Die eifrige Reklame der Westmächte hat die phantastischsten Ziffern über die Stärke dieser Streitkräfte verbreitet: in ganz kurzer Zeit wuchs dieses Heer von 450 000 auf eine Million und — dieser Tage erst — sogar auf zwei Millionen Mann an. Demgegenüber spricht der Sonderberichterstatter des „Popolo d'Jtalia", L. Pellegrini, von dem „kolossalen Bluff eines Heeres von 150 000 Mann", und andere italienische Beobachter vertreten sogar die Ansicht, daß Weygands „Gespenster-Armee" gegenwärtig kaum über 100 000 Mann zählen dürfte. Rechnet man die englischen Truppen in Palästina und in Aegypten hinzu, die im „Ernstfälle" ebenfalls dem Oberbefehl Weygands unterstellt werden sollen, so dürften den Westmächten zur Zeit im Nahen und Mittleren Osten schwerlich mehr als 40 000 0 Mann zur Verfügung stehen. Und diese Truppen sind, wenn auch gut ausgerüstet und bewaffnet, bunt zusammengewürfelt aus ?sranzosen und Engländern, Australiern und Neu- eelänbern, Arabern, Armeniern, Drusen und sonstigen Stämmen des Orients, aus Fremdenlegionären, Marokkanern, Senegalesen und Madagassen. Ein buntes Völkergemisch also; eine solche Zusammensetzung muß die militärische Schlagkraft des Heeres, das in einem ungeheuren Raume unter den schwierigsten Umständen zu operieren haben würde, sicherlich schwer beeinträchtigen. Ueberdies, so betonen mit Recht die italienischen Berichte, sind diese 400 000 Mann nicht einmal restlos für eine etwaige Kriegführung im Orient verfügbar, denn ein nicht unbeträchtlicher Teil davon müßte als Besatzungskorps in Syrien, wo sich dem „Popolo d'Jtalia" zufolge bereits eine dumpfe Gärung unter der von Frankreich unterdrückten Bevölkerung bemerkbar macht, in Palästina und in Aegypten (Schutz des Suezkanals) Zurückbleiben. Schließlich bleibt auch die Frage offen, wie weit sich die landfremden Soldaten an die klimatischen Verhältnisse des Orients gewöhnen können; aus zuverlässigen Quellen wissen die italienischen Berichterstatter zu melden, daß die Weygand-Armee schgn jetzt mehrere tausend Tote — „Messaggero" spricht von 4000 Mann — oer- Das deutsche Weißbuch Amerikas Sensation Vom Atlantik bis zum Pazifik große Berichte Der Blick hinter die Knüffen der Kriegshetzer. Aus der Dokumentensammlung des Auswärtigen Amtes im neuen deutschen Weißbuch bringen wir heute die Dokumente 5, 8, 10, 16, 4 und 9 zur Veröffentlichung Frankreich und Osteuropa. Dokument 5. Bericht des polnischen Botschafters in Paris, Jules Lukasiewicz, an den polnischen Außenminister in Warschau vom 17. Dezember 1938. Politischer Bericht Nr. X1/3. Nr. 1 — f/38. Paris, den 17. Dezember 1938. Bett: Stellung Frankreichs zu Osteuropa. Vertraulich. An den Herrn Außenminister in Warschau. In Ergänzung meiner telegraphischen Berichte, die ich die Ehre hatte, Herrn Minister, im Laufe der letzten Wochen zu übersenden, gestatte ich mir, hier, mit zusammenfassend meine Meinung über die Außenpolittk Frankreichs nach der Konferenz von München und dem Besuch Ribbenttops darzulegen. Das wichtigste Ereignis dieses Zeitraumes war natürlich die von Minister Bonnet und Ribbentrop im Paris am 6. Dezember d.J. unterzeichnete französisch-deutsche Deklaration. Der französische Wunsch, die Beziehungen zu Deutschland nach der Münchener Konferenz zumindest in dem Maße auszuglei- chen, wie das England durch die Derkündung des bekannten Kommuniques Chamberlain—Hitler getan hat, war zweifellos deutlich und stark. Wie es scheint, ist die konkrete Initiative jedoch von Kanzler Hitler in seiner Abschiedsunterredung mit Botschafter Francois Poncet ausgegangen. Französischerseits wurde diese Initiative sehr wohlwollend mit unverborgener Zufriedenheit • aufgenommen, ja sogar mit dem Wunsche einer sofortigen Realisierung. Als ich Ende Oktober nach Warschau reiste, kündigte mir Minister Bonnet an, daß die Unterzeichnung und Verkündigung der Deklaratton jeden Tag erfolgen könne. Diese Annahmen haben sich jedoch aus zwei Gründen nicht bewahrheitet: Die Vereinbarung des Textes ist angeblich nicht ohne Schwierigkeiten vor sich gegangen und andererseits hat die Ermordung des deutschen Botschaftsattaches in Paris von vornherein eine zweiwöchige Unterbrechung der Verhandlungen nach sich gezogen. Wie es scheint, sind die Schwierigkeiten bei der Vereinbarung des Textes auf das Streben Minister Bonnets zurückzu- führen, der Deklaration eine solche Abfassung zu geben, die nicht nur die europäische französisch- deutsche Grenze, sondern auch die Integrität der imperialen Besitzungen Frankreichs anerkennen würde. Der endgülttge Text der Deklaration berücksichtigt in gewissem Grade das von Minister B o n - n e t gestellte Ziel oder kann zumindest in dieser Richtung ausgelegt werden. Ribbentrops Besuch in Paris. Im Augenblick, da der Text der Deklaration endgültig festgesetzt war, ergriff die deutsche Regierung die Initiative zu einem Besuch Ministers Ribbentrop in Paris. Minister Bonnet hat diese Initiative sofort günstig ausgenommen, wollte er doch sowohl mit Rücksicht auf die innere Lage, wie die ausländische Propaganda, der Deklaration einen möglichst feierlichen Charakter verleihen und um dieses Ereignis herum eine Atmosphäre schaffen, die eine tiefere Entspannung der Beziehungen zum westlichen Nachbar erwarten ließ. Wegen des Generalstreiks, der in Frankriech von den Organisationen und Arbeiterparteien für den 30. November angekündigt worden war, mußte das beinahe schon festegesetzte Datum des Besuches des Ministers Ribbentrop einer Verzögerung von einigen Tagen unterliegen. Der Besuch kam am 6. Dezember in einer Atmosphäre ruhiger Courtoisie von Seiten der Regierung wie der französischen politischen Kreise zustande. Lediglich von der extremen oppositionellen Presse wurde er ungewöhnlich scharf kommentiert. Man gewann den Eindruck, daß die gewaltige Mehrheit der französischen politischen Welt an die Möglichkeit dauerhafter Resultate einer Entspannung mit Deutschland glauben wollte. Das Mißtrauen war aber doch tiefer und stärker und hat im Endergebnis in den Gemütern überwogen. Zur Stärkung dieses Mißtrauens trug natürlich in bedeutendem Maße die italienische antifranzösische Kampagne bei, die auf deutscher Seite keine ernstere Reaktion gefunden hat. Gegenwärtig, das ist kaum eine Woche nach der Abreise Minister Ribbentrops aus Paris, sind sogar die Echos dieses Besuches verstummt. Sie wurden durch eine neue Unruhe ersetzt, die sowohl durch die italienische Kampagne wie durch die Memelfrage und die Angelegenheit der Ukraine entstanden ist. Man kann mit völliger Sicherheit feststellen, daß die feierlich unterzeichnete Deklaration die französische Meinung dort beruhigt hat, wo es am wenigsten notwendig war, nämlich in der Angelegenheit der französisch-deutschen Grenze. Sie hat dagegen nichts Neues oder Beruhigendes auf dem Gebiet der expansiven Tendenzen Deutschlands und Italiens gebracht, die die hiesige Meinung eigentlich am meisten aufregen. Man muß jedoch gleichzeitig betonen, daß, wenn es sich um die Stellung der fran- zösischen Regierung gegenüber dem Parlament, der Börse und der öffentlichen Meinung handelt, die Unterzeichnung der deutsch-französischen Deklaration zweifellos die Lage der Regierung gegenwärttg gestärkt hat und ferner die Gegensätze zwischen der Regierung des Ministerpräsidenten Daladier und den extremen Linkselementen, mit den Kommunisten an der Spitze, hervorgehoben und vertieft hat. Frankreichs Hoffnungen. Was die Beurteilung der Deklaration seitens der offiziellen politischen Faktoren angeht, so ist sie äußerst vorsichtig und wird von weitaehender Reserve gekennzeichnet. Aus der Unterredung, die ich über dieses Thema mit Botschafter Legör hatte, ging hervor, daß die französische Seite danach strebte, die französisch-deutsche Entspannung auf allgemein europäischer Basis zu behandeln, d. h. als Ausgangspunkt zu einer weiteren Befriedung der Beziehungen auf diesem Kontinent. Es ist für mich meyr als wahrscheinlich, daß Botschafter Leg6r konkret genommen gedacht hat und denkt, durch die französisch-deutsche und italienisch-deutsche Entspannung werde so oder so ein Viererpakt zustande kommen. Inwieweit sein Gedanke von Minister Bonnet und der Regierung geteilt wird, ist schwierig klar sestzuftellen. Die Stimmen der halboffi- ziellen Presse, die mit dem Quai d'Orsay in engem Kontakt steht, lassen eher vermuten, daß die Pläne des Herrn LegLr der Regierung nicht fremd sind. Wichtig ist auch die Tatsache, daß Botschafter Legsr an allen Unterredungen mit den Vertretern Deutschlands, die während des Ribbentrop-Besuches stattfanden, teilgenommen hat. Anderseits kann ich jedoch auf Grund einer ausführlichen Unterredung mit Minister Bonnet mit völliger Sicherheit feststellen, daß die französische Seite, wenn sie tatsächlich danach gestrebt hat, die Entspannung mit Berlin auf breiter europäischer Basis zu behandeln, in dieser Hinsicht einen völligen Mißerfolg gehabt hat. Im Endergebnis muß die Erklärung Bonnet- Ribbentrop vorläufig also als zweiseitiger Akt angesehen werden, dessen Bedeutung die unmittelbaren französisch-deutschen Beziehungen nicht überschreitet. Don diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, hat die Deklaration Frankreich die Anerkennung seiner Ostgrenze gebracht, wie die Bestätigung, daß es zwischen Deutschland und Frankreich keine territorialen Angelegenheiten gibt, die sich in der Schwebe befänden. Diese Feststellung wird französischerseits interpretiert als Anerkennung der Integrität des kolonialen Imperiums ohne Oie Mandatsländer. Schließlich hat die Erklärung eine Verbesserung der Atmosphäre in den nachbarlichen Beziehungen gebracht, was wichtig ist im Zusammenhang mit den Abschnitten aus dem Buch „Mein Kampf", in dem Hitler Frankreich als Hauptfeind Deutschland betrachtet. Anderseits hat man jedoch festgestellt, daß die wirtschaftlichen Probleme so kompliziert sind, daß sie längere Verhandlungen erfordern bzw. daß die Verbesserung der politischen Atmosphäre nicht hinreichend genug war, um die wirtschaftlichen Probleme zu vereinfachen und in schnellem Tempo zu lösen. Was den ersten und den dritten Abschnitt der Deklaration anbelangt, so sind sie vorläufig ein primum desiderium, vielleicht sogar nur eines Partners und entsprechen nicht der Wirklichkeit. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Tatsache, daß die Unterredungen mit Minister Ribbenttop in zwei für Frankreich wirklich wichtigen Angelegenheiten, wie die Beziehungen zu Italien und die spanische Frage, nicht nur nichts Positives her- vorgebracht haben, sondern, wie es scheint, für die Zukunft keine Hoffnungen erweckt haben. Wenn man das Obige zusammenfaßt, muß man konstatieren, daß bei der Ausarbeitung und Unterzeichnung der deutsch-französischen Deklaration die französische Seite, wenn auch auf diskrete Weise, danach gestrebt hat, diesem Ereignis eine größere politische Bedeutung beizulegen, während die deutsche Seite es auf einen eminenten zweiseitigen Akt reduzierte. Es ist daher klar, daß das weitere Schicksal der Deklaration völlig von Berlin abhängen wird, denn man kann schwer annehmen, daß die Absichten der französischen Politik einem ernsteren Wandel unterliegen werden. Bas Bündnis Frankreichs mit polen. Vom Augenblick ihrer Anregung an waren die französisch.deutsche Deklaration wie der Besuch Minister Ribbenttops in Paris die ersten politischen Ereignisse, die den Gesamtkomplex der französischen Politik nach der Niederlage von München, besonders aber ihr Verhältnis zu den Problemen Mittel- und Osteuropas beleuchteten. Die erste Nachricht von der beabsichtigten Unterzeichnung der Deklaratton unterbrach das nach München oingetretene Schweigen fast der ganzen französischen Presse über das Verhältnis Frank- reichs zu dem Bündnis mit uns, wie dem gegenseitigen Hilfelerstungsakt mit Sowjettußland. Die ersten, die sich äußerten, waren die glühendsten Anhänger einer Zusammenarbeit mit Sowjettußland, und zwar ,Z)urnanit6", „Populaire", „Oeuvre", „Ordre" usw., einschließlich Perttnax und Frau Tabouis. Sie verteidigten alle den französisch-sowjetischen Pakt, konnten jedoch unser Bündnis nicht mit ihm auf eine Ebene stellen. Dagegen schwieg die Rechts- und halboffizielle Presse entweder weiter oder stellte, wie der „Temps" und „Petit Pa- risien", fest, daZ wesentliche Problem seien für Frankreich nur die. französisch-englischen Deziehun- gen, während dagegen der Wert des Bündnisses mit Polen und des Paktes mit Sowjettußland in der neuen Situatton zumindest zweifelhaft sei. Der „Temps" hat sich übrigens in seinen Leitarttkeln mehrmals dafür ausgesprochen, einem deutschen Imperium in Ost- und Mitteleuropa keinen Widerstand entgegenzusetzen. Parallel hierzu hat das Pro-jekt der französisch- deutschen Deklaratton die Frage der internattonalen Verpflichtungen Frankreichs im Kreise der Regierung, wo prorüssische Politiker wie Mandel darum bekümmert waren, ob diese Deklaratton mit unserem Bündnis und dem Pakt mit Sowjetruhland zu vereinbaren sei, aktualisiert. Schließlich wurde hierdurch Minister Bonnet veranlaßt, mit mir über dieses Thema zu sprechen, desgleichen wahrscheinlich auch mit dem sowjetischen und belgischen Botschafter. Die erste dieser Unterredungen fand statt, bevor Minister Bonnet sich mit dem endgültigen festgesetzten Text der Deklaration einverstanden erklärt hatte. Minister Bonnet las mir das Projekt der Deklaratton vor und versah es mit dem mündlichen Kommentar, daß die Reserve gegenüber den Beziehungen zu dritten Staaten auch die Beziehungen zu uns umfasse. Zum zweitenmal kamen wir auf dieses Thema zurück, als ich Minister Bonnet die Antwort des Herrn Ministers auf das obige Kommunique (vom 28. 11.) überreichte. Herr Minister Bonnet hielt den paraphierten Text der Erklärung des Herrn Ministers in der Hand und bestätigte, die in ihr enthaltene Interpretation des Stand- Punktes der französischen Regierung zu dem Bündnis mit uns sei völlig genau. Endlich informierte er mich über seine Unterredungen mit Herrn Ribbentrop und betonte spontan, er habe dem deutschen Partner gegenüber die Sinnlosigkeit sowohl des Bündnisses mit uns, wie des Paktes mit Sowjetrußland festgestellt. Ferner scheint das Echo, das die Sitzung der Parlamentskommission für auswärtige Angelegenheiten vom 14. d. M. in der Presse gefunden hat, darauf hinzuweisen, daß Minister Bonnet, trotzdem er in seinem Expose das Bündnis mit uns, wie den Pakt mit Sowjetrußland nicht erwähnt hatte, dennoch auf an ihn gerichtete Fragen die Antwort gegeben hatte, die Verpflichtungen Frankreichs uns wie Sowjettußland gegenüber dauerten an und seien vollkommen gülttg. In der Konsequenz des oben Gesagten wäre es jedoch verfrüht, au glauben, das Verhältnis der französischen Regierung, des Parlaments und der politischen Meinung zu dem Bündnis mit uns sei schon geklärt worden. Ich bin der Ansicht, daß wir der wahren Sachlage näher kommen, wenn wir feststellen, daß die französisch-decktscke De- klaration das Verhältnis Frankreichs zu seinem Bündnis mit Polen wie zum Pakt mit Sowjetrußland augenblicklich nur aktualisiert hat und daß sie dabei die formelle Gütigkeit dieser beiden Dokumente weder verletzt noch unterhöhlt hat. Es ist zu bemerken, daß diejenigen französischen politischen Kreise, die sich gelegentlich der französisch-deutschen Deklaration um die früheren Verpflichtungen Frankreichs bekümmerten, hauptsächlich, ja, fast ausschließlich philo- sowjetische Faktoren waren. Das. Bündnis mit Polen war also eher ein Vorwand, an die Erhaltung des französisch-sowjetischen Paktes zu denken, nicht aber die Hauptforderung. Polnische Zweifel. Wenn man die gegenwärtige Situation vom rein politischen Standpunkt aus analysiert, muß man leider mit ganzer Entschiedenheit konstatieren, daß weder in der Haltung der von Minister Bonnet vertretenen Regierung, noch in den Aeuherungen der Parlamentspolitiker oder auch in der Presse irgend etwas zum Ausdruck gekommen ist, was auf die Absicht Hinweisen könnte, dem Bündnis mit uns irgendwelche Lebenskraft zu geben oder es heute als Instrument der französischen Außenpolitik zu behandeln. Dagegen gibt es jedoch keinen Mangel an zahlreichen Hinweisen, die darauf schließen lassen, daß, wenn Frankreich heute aus diesem oder jenem Grunde gezwungen sein sollte, jene Perpflich- hingen auszuführen, die sich aus dem Bündnis mit uns ergeben, die Anstrengungen, sich dieser Verpflichtungen zu entledigen, zweifellos größer sein würden, als die Aktion, sie zu erfüllen. Meine obige Ansicht scheint mit den Erklärungen Minister Bonnets, welche ich die Ehre hatte, Herrn Minister mitzuteilen, nicht im Einklang zu stehen. Dennoch ist sie aber richtig und gibt die wahre Sachlage wieder. Minister Bonnet ist ein schwacher Mensch, der im allgemeinen keine Sache richtig zu vertreten imstande ist und der dem Hang erliegt, sich der Reihe nach jedem seiner Gesprächspartner anzupassen. Obwohl ich die Aufrichtigkeit seiner Aeuherungen uns gegenüber nicht beurteilen will, so habe ich dennoch nicht die geringsten Zweifel, daß er sowohl vor der Regierung wie der Presse und dem Parlament in der Angelegenheit des Bündnisses mit uns nicht die Haltung ein- nehmen wird, die er im Gespräch mit mir zum Ausdruck bringt. Mehrmals habe ich Minister Bonnet schon un-. mittelbar wie mittelbar auf die gewaltigen Unter- schiede aufmerksam gemacht, die unsere unmittelbaren Unterredungen von den Auslassungen der halboffiziellen Presse und den Parlamentsechos scheiden. Bisher haben meine Bemerkungen nicht den geringsten Erfolg gehabt. Wollen wir abwarten, was die nächste Diskussion in der Deputiertenkammer bringen wird. Sie wird aus jeoen Fall die Fortsetzung dieser Situation erschweren, die zumindest dem Scheine nach von einer bewußten Doppelzüngigkeit der Polittk uns gegenüber nicht weit entfernt ist. Meritorisch gesehen ist unsere (Situation in Frankreich nicht das Ergebnis irgend einer tieferen Aenderung des Verhältnisses zu uns. Eine bestimmte, aber sehr winzige Rolle spielt die Ver- oitterung, die noch aus der tschechischen Krise übrig geblieben ist. Der entscheidende Kern der Sache steckt jedoch bedeutend tiefer, und zwar in der allgemeinen Haltung Frankreichs gegenüber dem Gesamtkomplex der internationalen Situation. Hier befindet sich nämlich Frankreich seit der Münchener Konferenz in der Rolle eines Geschlagenen, der von seinem Feind, der die Verfolgung fortsetzt, nicht loskommt und der nicht imstande ist, ?!ner Reihe neuer Probleme ins Gesicht zu sehen. Was seine früheren Verpflichtungen internationaler Natur angeht, so ist Frankreich zu schwach, um mit ihnen zu brechen, aber ebenso auch zu schwach, um sich zu ihnen mit genügender Entschlossenheit zu bekennen. So bleibt Frankreich gelähmt und verharrt in Resignation, wobei es sich von vornherein zu allem, was in Ost- und Mitteleuropa geschieht, defaitistisch einstellt. „Lediglich das Jündnis mit England." So wie die Dinge heute stehen, [feilt Frankreich der koordinierten deutsch-italienischen Achse die Zusammenarbeit mit England entgegen, eine Zusammenarbeit, in der es eine passive Rolle spielt und der "gegenüber es keine Rücksicht darauf nimmt, ob das Bündnis mit Polen wie der Pakt mit Sowjetruß- land von diesem Gesichtspunkt aus irgendeine Bedeutung haben könnte. Dieses geschieht nicht etwa deshalb, daß man evtl, an unserer Entschlossenheit, allzu weitgehenden Versuchungen Deutschlands Widerstand zu leisten, zweifelt, sondern deshalb, weil man einfach nicht daran glaubt, daß solch ein Widerstand Erfolg haben könnte. Aus diesem Grunde hat auch die Tatsache, daß die karpatho- russische Frage gemäß den Wünschen Ungarns und Polens nicht erledigt wurde, eine ungeheure wichtige und negative Rolle gespielt. Zusammengenommen betrachtet die französische Politik lediglich das Bündnis mit England als positiven Wert, das Bündnis mit uns wie den Pakt mit Sowjettußland dagegen erachtet es als für sich belastend, weshalb es sich auch nur ungern zu ihrem Bestehen bekennt. Diese Situation konnte einer Aenderung unterliegen, wenn Frankreich entweder unter dem Ein- fluh Englands, Deutschland und Italien gegenüber zu einer offensiven Politik übergehen würde, was in naher Zukunft völlig unwahrscheinlich ist, oder wenn die Ereignisse beweisen würden, daß unser Widerstand gegen die deutsche Politik wirksam ist und daß wir in der Konsequenz die Haltung anderer Staaten in Mittel- und Osteuropa beeinflussen können. Es ist auch möglich, daß, wenn der italienische Angriff mehr unmittelbar und gefährlich werden und in irgendeiner Form von Deutschland unterstützt werden sollte, daß Frankreich dann, gezwungen, sich aktiver auf einem Abschnitt zu verteidigen, wo es sich nicht auf formelle Verpflichtun. gen Englands stützen kann, versuchen wird, seine kontinentalen Bündnisse auszuwerten, jedoch immer nur als Behelfsmittel, die mit dem englischen Bündnis nicht gleichwertig sind. Was Italien betrifft, so kann man erwarten, daß der Besuch Chamberlains in Rom einen Versuch darstellen wird, eine Entspannung zwischen Rom und Paris herbeizuführen, welche zumindestens für den Augenblick positive Ergebnisse zeitigen und folglich Frankreich geneigt machen könnte, in den mittel- und osteuropäischen Fragen weiterhin seine desaitistische Reserve zu bewahren. Die mMelemopmMenprobleme. Wenn es um die mitteleuropäischen Probleme geht, so verrät die französische Polittk gegenüber den expansiven Bestrebungen Deutschlands nicht nur völlige Passivität und Defaitismus, sondern ist ebenso unfähig, zu ihnen eine andere Haltung einzunehmen, als die, welche sie in den letzten zwanzig Jahren charakterisiert hat. Ich habe den Eindruck, daß der von Minister Bonnet Ribbentrop gegenüber eingenommene Standpunkt hinsichtlich einer Garantierung der tschechischen Grenzen analog der Haltung war, die seinerzeit Botschafter Legör in seiner Unterredung mit mir vertreten hat. Wenn Herr Ribbentrop nur wünschen» sollte, so könnte er die Garantierung der neuen tschechischen Grenzen sogar noch vor ihrer Garantierung durch uns und Ungarn erreichen. Wie aus den Informationen hervorgeht, die mir Minister Bonnet mitteilte, erhielt Minister Ribbentrop die Versicherung, Frankreich werde sich einer deutschen wirtschaftlichen Expansion im Donaubecken nicht entgegenstellen. Rib- bentrop konnte weiterhin aber auch keineswegs aus Frankreich den Eindruck mitnehmen, daß eine in dieser Richtung verlaufende politische Expansion auf irgendein entschlossenes Handeln Frankreichs stoßen würde. In den rein osteuropäischen Fragen, besonders in den russischen, herrscht in der französischen öffentlichen Meinung wie in der Politik ein völliges Chaos. Das Vertrauen zu Sowjetrußland oder vielmehr zu seiner Kraft ist ständig im Sinken begriffen, ebenso nehmen auch die diesbezüglichen Sympathien ab. Die innere Lage der Sowjets wird pessimistisch beurteilt, hier und dort, hauptsächlich aber in Militärkreisen werden Besorgnisse laut, irgendein militärischer Umsturz m Moskau könnte zu einer gefährlichen Zusammenarbeit zwischen Berlin und Rußland führen. In der ukrainischen Angelegenheit trifft man auf ein völliges Mißverstehen der Situation, was wieder zu der defai- tistifchen Ueberzeugung führt, die ukrainische Ak» tion könne — wenn die Deutschen nur wollen — jeden Monat wirksam beginnen und die Integrität des neuen Territoriums bedrohen. All dieses zusammengenommen hält die französische öffentliche Meinung ständig in einer Unruhe, die in der Presse wie in Äußerungen von Parlamentsmitgliedern ihren Ausdruck findet. Diese Sachlage findet auf Seiten der Regierung eine Haltung vor, die man als macht- und ratlos bezeichnen kann. Man gewinnt den Eindruck einer allgemeinen Psychose, die sich augenblicklich nicht einmal durch die vernünftigsten Gegeneinwände überwinden läßt. Immer häufiger jedoch werden in der Presse einsichtsvolle Stimmen laut, die sich einer Politik der völligen Reserve entgegenstellen und die auf die Gefahren Hinweisen, welche ein gänzliches Desinteressement Frankreichs gegenüber Mittel- und Osteuropa, insonderheit aber uns gegenüber, mit sich bringt. Wahrscheinlich sind wir jedoch noch weit davon entfernt, daß diese Stimmen irgendeinen Einfluß auf die Faktoren haben könnten, welche die wirkliche Richtung der französischen Außenpolitik bestimmen. Nichtsdestoweniger gibt es unter den französischen Politikern schon heutt Männer, die sich nicht nur für die Erhaltung des Bündnisses mit Polen, sondern sogar für seine Belebung auszu- sprechen anfangen. Es versteht sich, daß meine wie meiner Mitarbeiter Bemühungen darauf gerichtet sind, Presse- und Parlamentsmanifestationen für eine Zusammenarbeit zwischen Frankreich und uns zu organisieren und auf diese Weise die Regierung zu zwingen, öffentlich einen präzisierten Standpunkt einzunehmen. Trotz allgemein pessimistischer Beurteilung des Gesamtkomplexes der internationalen Lage Frankreichs fürchtet man nicht, daß dieser Standpunkt allzu negativ ausfallen könnte. Der Botschafter der Republik Polen. (Anmerkung des Uebersetzers: Die persönliche Unterschrift des Botschafters fehlt, da es sich um einen Durchschlag des Originalberichts handelt. Der Durchschlag trägt auf der ersten Seite die Paraphe des Leiters der Westabteilung im polnischen Außenministerium, Graf I. Potocki.) Krieaslmbereitiingen vor Zull 1939. Dokument 16. Erlaß des Polnischen Ministeriums für Handel und Gewerbe in Warschau an die polnischen Han- delsräte in Paris und London vom 13. Juli 1939. Ministerium für Handel und Gewerbe Rr. dl. 330/Tjn. Warschau, den 13. Juli 1939. Geheim. An den Handelsrat in Paris, in London. Das Ministerium für Handel und Industrie hat in Erfahrung gebracht, daß die französischen und englischen S e e s ch i f f s u n te r n e h » men von ihren Regierungsüberwachungsstellen schon jetzt .g enaue Instruktionen erhalten haben für den Fall des Äriegsaus- bruchs. Ebenso Vorschriften über Konstruktionsveränderungen, Umbauten und Erg änzungsbauten speziell am Bug der Schiffe, die von diesen Gesellschaften benutzt werden. Infolgedessen bittet das Ministerium für Handel und Industrie, diese Angelegenheit möglichst rasch zu untersuchen und möglichst genaue Informationen an das Ministerium einzusenden. Wenn es möglich ist, bittet das Ministerium um den Wortlaut der betreffenden Instruktionen. Der Direktor des Seedepartements. L. Mozdzensk-l. Frankreichs Beziehungen zu Polen Betracht ziehen, Ende Dezember machte. Kritik an Sonnet polnische Sesriedigimg. Sonnet und Daladier über Polen Englands Wirtschastsinlereffen Paris, den 1. Februar 1939. Streng geheim. Auf Re- wir Un- Botschaft der Republik Polen. Nr. 1/57. An den Herrn Außenminister in Warschau. Dokument 8. Bericht des polnischen Botschafters in Paris, Jules Lukastewicz, an den polnischen Außenminister in Warschau vom 1. Februar 1939. Politischer Bericht Nr. IV/1. Dokument 10. Bericht des polnischen Botschafters in London, Graf Edward Raczynski, an den polnischen Außenminister in Warschau vom 9. März 1939. Politischer Bericht Nr. 6/2. Botschaft der Republik Polen. Geheim! Er/Mr — Nr. 57/Tjl22 London, den 9. März 1939. An den Herrn Minister für auswärtige Angelegenheiten in Warschau. Herrn Hudsons Wirtschaftsmission. Heute war bei mir zum Frühstück Herr Hudson, „der parlamentarische Sekretär für den Außenhandel", den ich zugleich mit einigen Mitarbeitern sowie Beamten der Foreign Office und des Schatzamtes zu mir gebeten hatte, im Zusammenhang mit meiner beabsichtigten Reise nach Warschau in der zweiten Hälfte dieses Monats. Dieses gesellschaftliche Zusammenkommen gab mir Gelegenheit, schnell und freundschaftlich ein Mißverständnis zwischen mir und den Engländern zu beseitigen, das hinsichtlich der britischen Einfuhr nach Polen (Zuteilung der Kontingente) aufgetaucht war. Ich schrieb darüber in einem besonderen Bericht vom 10. März Nr. 57/Tj/123. Die zufriedenstellende Wendung dieser Angelegenheit schuf gute Bedingungen für einen sehr freundschaftlichen Gedankenaustausch. Herr Hudson, den ich schon seit einigen Jahren, allerdings nur oberflächlich kenne, machte auf mich einen starken Eindruck durch seine etwas primitive, aber mit Energie geladene Gradlinigkeit und durch das offene Herangehen sogar an heikle politische Themen, eine Methode, die sich von der Diskretion der Beamten des Foreign Office ja sehr unterscheidet. Diese Methode wird wahrscheinlich teilweise bewußt und absichtlich angewandt und beruht auf dem Entschluß der hiesigen Regierung, nach außen die Kraft, die Entschlossenheit und den Optimismus Großbritanniens zu zeigen, um auf kontinentale Gesprächspartner Eindruck zu machen. Außerdem ergibt sie sich sicherlich aus der individuellen Veranlagung Herrn Hudsons, der entschlossen zu sein schemt in die Rolle eines „Reisenden" im Auftrage von White- hall aufzutreten, in der Auswahl der angebotenen Waren, an denen die für Großbritannien sich erkla- renden Kontrahenten tellhaben sollen, viel Platz für erinnern, deren Gegenstand wir nach der Münchener Konferenz waren, und welche mit einem eigentlich allgemeinen Vorschieben der ukrainischen Frage in der französischen Presse und öffentlichen Meinung endeten, wenn wir ferner in *"t*"** daß im Grunde genommen bis Ende die überwiegende Mehrheit der französischen Politiker nicht nur Mitteleuropa, sondern auch uns als ein vom Westen als solches anerkanntes Gebiet der Ich erlaube mir, persönlich die Aufmerksamkeit des Herrn Ministers auf eine gewisse Veränderung zu lenken, welche anscheinend in der französischen Politik bei der Ausrichtung ihres Verhältnisses zum Bündnis mit uns und zum Pakt mit Sowjet- rußland eintritt. Obwohl Minister Bonnet die Charakterisierung des Verhältnisses zu den Verträgen mit uns und mit der Sowjetunion in einer Aeußerung zusammenfaßte, kann man mit aller Gewißheit feststellen, daß unsere Lage sowohl in der französischen politischen Auffassung, wie auch in maßgebenden Regierungskreisen unvergleichlich besser ist als die der Sowjetunion, wir st e h e n sozusagen an erster Stelle. So sehr auch vor dem September Sowjetrußland als wichtigster Bündnispartner in Osteuropa angesehen wurde, welcher eventuell auf uns einen Druck ausüben sollte, so ist die Lage doch jetzt umgekehrt. Polen tritt in d i e Rolle des hauptsächlich st en Partners Frankreichs, Sowjetrußland gilt jetzt mehr als ein Hilfs fak- t o r bzw. als ein nur formaler, welcher den Rücken Polens decken soll. Auch auf diesem Gebiet sind wir also Zeugen einer wünschenswerten und gesunden Entwicklung, die mit dem realen Kräfteverhältnis in Osteuropa in Uebereinstimmung steht. Wenn wir alles das Obige zusammenfassen, möchten wir unserer Ueberzeugung Ausdruck geben, daß wir in unserem Bestreben nach einem vollkommenen Ausgleich und einer Normalisierung der Bündnisbeziehung zu Frankreich letzthin einen recht großen Schritt vorwärts getan haben, vor allem was die Wendung in den hiesigen Anschauungen und der Presse betrifft. In der allernächsten Zu-, kunft haben wir wahrscheinlich mit zwei E v e n - tualitäten zu rechnen: „Sicherheit und Vertrauen" bereit zu halten. Diese Sachlage mindert keineswegs die Bedeutung der Reise Herrn Hudsons nach einigen europäischen Hauptstädten, sondern legt meines Erachtens eine vorsichtige und eher schmälernde Deutung der Erklärungen Herrn Hudsons nahe, soweit sie nicht konkrete Versicherungen oder Verpflichtungen, sondern mehr allgemeine und unverbindliche Aeuße- rungen von eher propagandistischem Wert sind. Englands Handelsneid gegen Deutschland. Dank der impulsiven Art und der Unmittelbar- feit von Herrn Hudson war die Unterhaltung mit ihm allerdings besonders interessant. Er verhehlte nicht seine Ueberzeugung, daß die ganze grundsätzliche Anstrengung Englands von dem Gesichtspunkt geleitet ist, sich der deutschen Drohung entgegen- zustellen. Die Gefahr, die von feiten Italiens drohen kann, schätzt Herr Hudson gering. Er meint, daß Italien wirtschaftlich so erschöpft sei, daß es sich kein für England bedrohliches selbständiges Vorgehen erlauben könne. Aber auch in der Beurteilung des deutschen Problems offenbarte er viel Optimismus. Er sagte mir, daß seines Erachtens: „Wir uns schon fast hinter dem Stadium der Gefahr befinden." Insbesondere wünsche Deutschland sehr ein wirtschaftliches Einverständnis, dessen Fürsprecher u. a. Herr Funk sei. Dazu mache die Deutschen die schwere Wirtschaftslage geneigt, die — wie Herr Hudson meint — jetzt bei der abnehmenden Ausfuhr usw. eine starke Der- schärfung erfahre, und die sich besonders im Sommer dieses Jahres verschlimmern solle. Herr Hudson glaubt, daß eine englisch-deutsche Wirtschafts. Verständigung am wahrscheinlichsten im Rahmen von Kartelloerträgen sei, die jedoch jede Ausschließ- lichkeit auf Kosten der wirtschaftlich schwachen Staaten unmöglich machen würden. Außerdem sei die britische Regierung entschlossen, von keinem europäischen Markt -urückzuweichen und auf seinen Besitzstand nicht zu Gunsten des Deutschen Reiches zu verzichten. Das bedeute jedoch nicht, daß Großbritannien Deutschland den ersten Platz streitig machen wolle, den es aus natürlichen, geopolitischen usw. Grün- den auf einigen mitteleuropäischen Märkten inne- deutschen Expansion behandelt haben wollten, kann man feststellen, daß in der politischen Anschauung der Franzosen in bezug auf uns eine recht tiefe und wesentliche Wendung vorgegangen ist. Die deutliche Abneigung gegen Polen wird durch ein Verständnis dafür ersetzt, daß wir auf dem Kontinent der einzige Staat sind, welcher bei der Entwicklung des Problems der französischen Sicherheit eine wichtige und positive Rolle spielen kann. Obiges ist natürlich die Folge einer bedeutenden Verschlechterung der französischen Lage, außerdem wird Frankreich von Gefahren bedroht, welche die Menschen hier nervös machen und beunruhigen. Doch glaube ich nicht, daß diese Wendung nur das Symptom einer Konjunktur ist. Die Haltung der französischen Deff entlief) feit gegenüber Polen, welche hier unlängst einen Bestandteil ihrer Tendenz, sich gegen Deutschland offensiv zu verteidigen, darstellte, ist jetzt durch eine Einstellung ersetzt worden, die zwar immer noch auf der Verteidigung beruht, aber jetzt schon eines jeden offensiven Charafters entfleidet ist. Es wäre aber gefährlich und unrichtig, zu behaupten, daß die französische Regierung das Bündnis mit Polen schon in seinem vollen Wert würdigt und entschlossen ist, aus diesem ein wesentliches Element seiner Politik zu machen. Vorläufig kann man nur feststellen, daß die französische Regierung, die es vermeidet, sich allzu kategorisch festzulegen, bezüglich der Verträge zwischen Frankreich und Polen ihren guten Willen bezeugt und für die Aus- rechterhaltung guter Beziehungen zu uns Sorge trägt.. Dies ergibt sich nicht nur aus dem gewissen Defaitismus, welcher Frankreichs offizielle Politik nach der Münchener Konferenz charakterisiert, sondern auch aus dem Mangel irgendeines neuen positiven Plans in dieser Politik. Eine weitere günstige Entwicklung der französischen Politik uns gegenüber kann entweder bann erfolgen, wenn sich die Gefahren, die Frankreich bedrohen, verschärfen, ober wenn sich unsere Lage in Ostmitteleuropa weiterhin konsolibiert und unser Einfluß dort wächst. In der französischen Politik kämpfen zwei Tendenzen, das alte, unter dem Einfluß der letzten Ereignisse merklich verringerte • Streben, ihren Einflüssen die sogenannten kleineren Staaten des europäischen Kontinents unterzu- ordnen bzw. sie als Handelsobjekte mit Deutschland zu benutzen, außerdem aber das immer kräftige Bestreben, sich, selbst in Europa den Frieden zu sichern. Es ist natürlich, daß mit dem Augenblick, mit dem sich im Maß der Entwicklungen der allgemeinen, und unserer im besonderen, Situation zeigt, daß eine Zusammenarbeit mit Polen nicht nur vom Gesichtspunkt einer Sicherung der elementaren Sicherheitsbedingungen, natürlich auf Kosten eines gewissen Risikos, von Bedeutung werden kann, die Haltung zu dem Bündnis mit uns, welche bis jetzt noch nicht entschieden und voll innerer Vorbehalte ist, einer positiven wünschenswerten Entwicklung unterliegen kann. Hierauf wird aber immer der Standpunkt der englischen Regierung von Einfluß sein, welcher sicher noch für lange Zeit für die französische Politik maßgebend sein wird. Unter diesen Umständen sowie auf Grund der Verschlechterung von Frankreichs internationaler Lage wurde Ihr mehrtägiger Aufenchalt, Herr Minister, in Monte Carlo und Ihr Besuch beim Kanzler Hitler in Berchtesgaden für die ganze französische Presse und viele hiesige Politiker zum Ausgangspunkt für eine Kritik an der Politik von Minister Bonnet gegenüber Polen, man forderte von ihm eine Klärung seiner Haltung zum Bündnis mit Polen. Ein sehr bedeutender Teil der Presse warf Minister Bonnet vor, daß er Ihren Besuch in Süd- frankreich nicht dazu benutzt hat, um sich mit Ihnen zu treffen und unmittelbar politischen Kontakt aufzunehmen. Als die Nachricht von Ihrer Abreise nach Berchtesgaden bekannt wurde, erschienen nicht nur nicht in der französischen Presse die früheren kriti- scheu Aeußerungen weiter, sondern im Gegenteil alle Vorwürfe richteten sich an die Adresse von Minister Bonnet. Letzterer versuchte, wie es scheint, die Angriffe unschädlich zu machen, denn er verbreitete in Gesprächen mit einigen Parlamentsmitgliedern die Ansicht, daß in Polen die innere Lage sehr schwierig sei und daß uns von Deutschland Gefahren drohen. Doch unterlagen meine Beziehungen sowie die meiner Mitarbeiter, zu einer großen Anzahl von Deputierten ebenso wie zu den Presseleuten in der Zwischenzeit einer so bemerkenswerten Berbefferung, daß es für uns nicht schwierig war, waren. Bei gllen Gelegenheiten, und zwar noch ganz kürzlich, hat die polnische Regierung uns die Versicherung erneuert, daß die französische Freundschaft eine der wichtigsten Grundlagen der polnischen Politik darstellt. So sollte man, meine Herren, endlich mit der falschen Darstellung Schluß machen, daß unsere Politik die Abmachungen gestört hätte, die wir in Osteuropa mit der UdSSR, ober mit Polen getroffen haben. Diese Abmachungen bestehen immer noch, und sie müssen mit dem Geist angewandt werden, in dem sie begonnen sind." Obige Erklärungen von Minister Bonnet wurden dann noch in der Rede des Premierministers Data d i e r, die der Abstimmung über das Vertrauensvotum in der Kammer vorausging, vervollständigt. Nach einer kurzen Charakteristik der Beziehungen Frankreichs zu seinen Nachbarn und zur UbA. äußerte der Premierminister nämlich folgendes: , .. ist es notwendig hinzuzufügen, daß es keineswegs in dem Gedanken der Regierung liegt, die Pakte abzufchwächen, die Frankreich mit anderen Völkern verbinden? Im Gegenteil, wir find entschlossen, sie aufrechtzuerhalten. Wenn ich dann auf eine Analyse der genannten Erklärungen des französischen Premierministers und des Außenministers eingehe, muß ich als erstes bemerken, daß die Rede von Minister Bonnet von Anfang bis zu Ende den Charakter einer Verteidigung vor Kritiken trug, auf die feine Politik ebenso eitens der Presse wie der Parlamentsredner gestoßen war. Seine Rede war mehr cm Referat, als eine politische Rede, aus demselben Grunde wurde auch bas Expose des Außenministers durch die Kammer gleichgültig ausgenommen und ziemlich allgemein als ungemein blaß und ausdruckslos kritisiert. Erst die Rede des Premierministers, die in ihrem Inhalt und Ton energisch und politisch weit bedeutender war, ließ die lange parlamentarische Debatte über Frankreichs Außenpolitik in einer Atmosphäre stärkeren Interesses eitens der Kammer und gleichsam einer aufgeruhrten patriotischen Stimmung zu Ende kommen. Sicher ist aber, daß die Rede von Minister Bonnet für ihn keinen Erfolg darstellte und feine feit längerer Zeit geschwächte Position tn keiner Weise Zweifellos verteidigte sich Minister Bonnet mehr vor den Angriffen, als daß er positive Limen der franwsifchen Außenpolitik umritz dieses fetzte aber die Bedeutung feines Exposes als eines Dokumentes der Politik der von ihm reprafenherten Regierung herab. Aach her Münchener Konferenz. Trotz allem zeugen sowohl die Parlamentsdebatte, wie auch die Aeußerungen der Regierungsmitglieder, von denen oben die Rede war, unwiderleglich von einem großen Schrittvorwarts Die Diskussion über die Fragen der französischen Außenpolitik, welche gestern im hiesigen Parlament mit einem Vertrauensvotum für die Regierung des Herrn Daladier mit 379 gegen 234 Stimmen abgeschlossen wurde, veranlaßt mich, Ihnen, Herr Minister, meine Ansichten oorzutragen, und zwar in erster Linie über den gegenwärtigen Stand der Beziehungen von Frankreich zu uns über die es mit Polen verbindenden Verträge. Wie ich schon in meinem früheren Bericht vom 17. Dezember 1938 erwähnte, wurde in den politischen Kreisen Frankreichs das Problem der Beziehungen zu Polen nach den Septemberereignifsen durch die Tatsache der Unterzeichnung der französisch-deutschen Nichtangriffserklärung aktuell. Seit dieser Zeit begann die französische Presse, den Beziehungen zu Polen mehr Platz und Aufmerksamkeit zu widmen. Es war auch möglich, bei einer Reihe von Politikern sowohl der Rechten, wie auch der Linken ein stärkeres, lebhafteres Interesse an diesem Problem zu beobachten bezw. ein solches wackzurusen. Es wurde offenbar, daß die Abneigung hinsichtlich Polens, die auf Grund der Septemberereignisse entstanden war, zu verschwinden begann und einer vernünftigen, objektiveren und realistischeren Einstellung Platz in der Entwicklung von Frankreichs politischen Anschauungen seit der Zeit ihres vollkommenen Zusammenbruches nach der Katastrophe der Münchener Konferenz. In erster Linie bezieht sich dies auf das Problem des Verhältnisses zu Polen. Was nämlich die Beziehungen Frankreichs zu England, den' Vereinigten Staaten, Deutschland und Italien und sogar die spanischen Fragen anbetrifft, fo haben in dieser Beziehung weder die Parlamentsdebatte, noch die Erklärungen der Regierungsmitglieder irgend etwas neues gebracht. Die mitteleuropäischen Fragen wurden im Vorbeigehen und unpolitisch behandelt, ebenso wie der Ferne Osten. Ein tatsächliches Novum bildete aber die Feststellung der Aufrechterhaltung der Verpflichtungen gegenüber So w j etrußland und Polen, wobei das Gewicht deutlich auf die Beziehungen mit Polen gelegt wurde. Diese entwickelten sich letzthin in Form eines freundschaftlichen informatorischen Kontaktes auf* Grund von Unterredungen und Verhandlungen mit Deutschland. Wenn man sich vergegenwärtigt, welches unsere Lage in den Anschauungen der Franzosen vor kaum vier Monaten war, wenn wir uns an die Angriffe diesem übrigens recht naiven Manöver entgegenzuarbeiten. Im übrigen waren die Resultate Ihres Treffens, Herr Minister, mit dem Kanzler in sich fo beredt, daß sie die Kritik an Minister Bonnet sehr wesentlich verstärkten. Man verstand in Frankreich, daß nicht nur die unmittelbaren polnisch-deutschen Beziehungen keiner Verschlechterung unterlagen, sondern daß wir sogar mittelbar nicht bedroht sind, weder durch die sogenannte ukrainische Aktion des Kanzlers Hitler, noch durch irgendwelche feiner Ge° waltmaßnahmen in Mitteleuropa. Auf die Zeit der Beunruhigung folgte die hier nach der Münchener Konferenz vorherrschende Furcht vor einem Siche inlaffen in Fragen O st - und Mitteleuropas, welche durch unmittelbare Kriegsgefahren aufgeputscht war. Obschon das Treffen in Berchtesgaden zu einer bedeutenden Entspannung der Lage in Ost- und Mitteleuropa führte, kann die Gefahr einer expansiven Aktivität Deutschlands sich leicht in Westeuropa fühlbar machen, und das im Zusammenhang mit der brutalen anti-französischen Kampagne, die von Italien geführt wird und die die Hoffnungen der Franzosen verminderte, daß dieses sich in den Rahmen der sogenannten imperialen Politik einschließen würde. Die Resultate der englischen Ministerbesuche in Rom verminderten diese Beunruhigung nicht im geringsten. Infolgedessen wurden die Stimmen, welche eine Klärung der Beziehungen zu Polen und eine vernünftige Politik diesem gegenüber forderten, immer häufiger, im wahrsten Sinne des Wortes tägliche. Sehr wichtig war die Tatsache, daß die Aktion der Kritiker von Minister Bonnet nicht auf einer vorsorglichen Beunruhigung bezüglich der Lage Polens beruhte, sondern daß sie durch eine gesunde Fürsorge wegen der sich ständig verschlechternden internationalen Lage Frankreichs und durch die Einsicht, daß ein französisches Desinteressement an den Fragen Mittel- und Osteuropas unsere Lage gegenüber Deutschland erschwert, hervorgerufen wurde. In dieser Atmosphäre der Angriffe seitens der Presse vor allen Dingen wegen polnischer Fragen und einer gewissen ungeschickten Verlegenheit von Minister Bonnet begann in der Deputiertenkammer die Debatte über Frankreichs Außenpolitik. Die Stimmung der Presse über trug sich eigentlich vollständig auf die • Tribüne des Parlaments. Mit wenigen Ausnahmen — E. Flandin war die bemerkenswerteste — gab es kaum einen Deputierten, welcher in seiner Rede die Beziehung zu Polen nicht erwähnte oder wenigstens nicht Minister Bonnet vorhielt, daß er die Gelegenheit zu einem Treffen mit Ihnen, Herr Minister, so kurzsichtig oorübergehen ließ. Diesmal waren es nicht nur mehr die Stimmen der Russenfreunde, welche in der Verteidigung der Beziehungen mit Polen eine günstige Annäherung zu der Ihnen am Herzen liegenden Zusammenarbeit mit Moskau sahen, sondern auch zahlreiche Stimmen entschiedener Gegner des französisch-russischen Paktes. So kann man ganz objektiv feststellen, daß die Frage der Beziehungen zu Polen durch bte Mit- ■ glieder der Deputiertenkammer sehr aktuell getpor- - den ist, und zwar, von uns aus gesehen, in einer , sehr positiven Weise. Es war klar, daß dank diesem > und leider wahrscheinlich nur dank diesem die Re- i gierung sie nicht wird mit Schweigen übergehen , können. über seine Unterredung ins Bild zu setzen, diese Weise sind wir mit der Warschauer gierung immer im Kontakt geblieben und haben, jedesmal wenn es nützlich war, die terrebungen mit ihr gehabt, die durch die beson- deren Beziehungen der beiden Länder und durch die Entwicklung der Ereignisse gerechtfertigt 1. Intweder die Bedrohung Frankreichs seitens Italiens und Deutschlands wird wachsen, in diesem Falle werden wir das Objekt eines Drucks von Frankreich sein, das sich die Lage dadurch zu erleichtern sucht, daß man Deutschlands Handlungsfreiheit in gewisser Weise lähmt, 2. oder aber man wird versuchen, Möglichkeiten zu finden, um zu einer dauerhaften Entspannung der Lage in Europa zu kommen. Dies stellt uns vor die schwierige Aufgabe, die Ergebnisse und Möglichkeiten unserer konstruktiven Friedensarbeit zu verteidigen und aktiv auszuwerten. Meiner Meinung nach wird diese Aufgabe wirk- lich schwierig sein, denn bis jetzt hat man im 23 e ft en unsere Rolle in der Befriedung Ostmitteleuropas noch nicht erkannt. Die französischen Politiker, wie auch die hiesige Oeffentlichkeit (in England, nehme ich an, wird es genau so sein) sind geneigt, die bisherigen positiven Resultate unserer Friedenspolitik als Er- gevnis eines augenblicklichen guten Willens, oder vielmehr der vorübergehenden Pläne des Kanzlers Hitler, nicht aber als Resultat unserer eigenen Aktivität und Machtstellung zu behandeln. Aus eben diesen selben Gründen scheint ihnen unsere Lage ständig in Frage zu stehen, und unsere Möglichkeiten ihnen sehr zweifelhaft zu sein. Unter dem Einfluß der letzten Ereignisse und Ihrer Maßnah- men, Herr Minister, nur ist das Vertrauen zu der wirklichen Selbständigkeit und Unabhängigkeit un- serer Politik gewachsen. Doch ist das noch nicht mit einem Vertrauen in unsere Chancen und Machtmöglichkeiten gleichbedeutend. Der Botschafter der Republik Polen: L u k a s i e w i c z. Minister Bonnet, ber Presse- und Parlamentsattacten gegenüber besonders empfindlich ist, horte noch am Ende der vorigen Woche anscheinend mit kleinen Diversionsmanövern gegenüber seinen Angreifern nicht auf, doch entschloß er sich, sich über die französisch-polnischen Beziehungen zu äußern. Ich hatte z. B. unerhörte Schwierigkeiten, um Die Pari er Presse dazu zu bringen, das Interview, das Sie der North American Preß Alliance erteilt haben, zu wiederholen — in d-iefer Sache arbeitete mir der Quai d'Orsay deutlich entgegen. Wie Ihnen, Herr Minister, bekannt ist, informierte er mich darüber in einem im übrigen zufälligen Gespräch am vergangenen Freitag, dem 20. d. M. In feinem Expose, das er am 26. d. M. in der Deputiertem fammer verlas, erwähnte Minister Bonnet uns zweimal. Die diesbezüglichen Absätze feiner Rede waren folgende: - 1. Bei Besprechung der französisch-deutschen Er- """„Ich habe nicht nötig zu sagen, meine Herren, daß wir von unseren Verhandlungen die wich- tigften Länder, mit denen uns Freundschaften verbinden, informiert haben: Polen, Belgien, England, die UdSSR., die Vereinigten Staaten von Amerika. . , Wie haben diese das Abkommen aufgenommen? Im Unterhaus hat Herr Neville Chamber- Iain erklärt, daß die englische Regierung eine besondere Genugtuung darüber empfunden habe, daß Frankreich -in der Lage gewesen fei, em Abkommen mit Deutschland abzuschließen. In Amerika haben die Leitartikel der drei größten Zeitungen von Neuyork und Wafhington ihr vol es Verständnis für die französische Politik zum Ausdruck gebracht. Polen ^t mitgeteilt, daß feine Regierung über den glücklichen Abschluß der französisch-deutschen Deklaration sehr befrie- 2^ Beider Besprechung der Beziehungen mit Rußland und mit Polen: . Was die Beziehungen mit Sow,etrußland und Polen anbetrifft, so haben mit diesen Staaten wiederholte Konsultationen stattgefunden. So bin ich während her Septemberkrise in engem Kontakt bald mit Herrn Litwinow gewesen, den ich mehrmals in Senf und inJPans «eHen habe, bald mit dem BotMMer der UdsSR^ ,n Paris, um gemäß dem Pakt von 1935 die An sichten unserer beiden Regierungen auszutau- ^Frankreich hat auch seine traditionellen Freund- fchaftsbeziehungen mit Polen unterhalten. Gelegentlich der französisch-deutschen Deklar^ian vorn «.Dezember hatte ich. g-maß dem Geist unserer Verträge, den polnischen Botschafter über unsere Absichten ins Bild gesetzt. D'e polnische Regierung hat mir dafür gedankt, daß ich 6 aus dem Laistenden gehalten habe und Hai: mtr mitgeteilt, datz Sie sich über eine Tat deren Ziel, Bedeutung und Tragweite El- hoch em schätzen, nur freuen können. Ebenso hat Herr Beck mich vor seiner Abreise aus Monte Carlo über di- Einladung informiert, die « ”om Kanzler Hitler erhalten hat. Ich bitte nbr gens das Haus, nicht zu vergessen, dast 1»W" Deutschland und Polen ein Abkommen besteht, das im Jahre 1934 unterzeichnet worden »tönt Beck hat Wert daraus gelegt, unseren Botschafter habe. Herr Hudson berief sich, als er seinen Optimismus in Bezug auf die Ergebnisse seiner Berliner Unterredungen begründete, u. a. auf folgende Mitteilung, die ihm der neue rumänische Gesandte in London, Herr Tilea, machte: Von deutscher Seite wurde Ungarn noch vor einigen Wochen für eine Regulierung der gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen und für eine Sicherung der Abnahme der ungarischen landwirtschaftlichen Erzeugnisse die Bedingung gestellt, auf die Einrichtung neuer Werkstätten in den Industrien, die die deutsche Ausfuhr interessieren, zu verzichten. Letzthin soll man deutscherseits von dieser Forderung abgesehen und die Aenderung der Haltung damit begründet haben, daß eine baldige Wirtschaftsverständigung zwischen dem Reich und Großbritannien gewiß sei. Herr Hudson behauptet, daß er die Richtigkeit dieser Nachricht von Herrn Tilea auf anderem Wege prüfen konnte. Indem Herr Hudson an dieser Stelle in charakteristischer Weise seinem Vertrauen auf eine günstige Entwicklung der Ereignisse Ausdruck gab, sagte er: „Jetzt verhandeln wir auf wirtschaftlichem Gebiet und werfen das deutsche System der zweiseitigen Tauschtransaktionen um! Im Herbst ziehen wir Göring nach London, in einem Jahr werden wir es zu einem die Rüstungen beschränkenden Vertrag gebracht haben, in 18 Monaten aber werden wir die schmerzhaften Kolonial-Rohstoff-Ge- schwüre restlos erledigt haben, und auf diese Weise sichern wir den Frieden und stellen das erschütterte politische Gleichgewicht wieder her." „Politik der Widersiandsmittel." Das sich in diesen Worten offenbarende Vertrauen von Herrn Hudson auf das Ergebnis seiner Unterredungen in Berlin hindert ihn nicht, an eine „Politik der Entwicklung der Wider- st a n d s m i t t e l" zu denken und davon zu reden. Indem er selbst die Stellungnahme seines Landes charakterisierte, behauptete er, die britische Politik habe jetzt die Methoden und Parolen der letzten 20 Jahre auf gegeben und an die kämpferische Epoche zü Ende des 19. Jahrhunderts an geknüpft, d! h. an die Epoche von Josef Chamberlain, notwendigerweise an die Tradition: „Jingo!" Charakteristisch waren die Bemerkungen, die er zu dem Thema Rußland machte. Er fragte mich insbesondere: 1. wie wir die Macht Rußlands beurteilten; 2. welche Bedeutung wir der letzthin mit der Sowjetunion geschlossenen Handelsüberein- kunst beilegten; 3. ob es denkbar wäre, daß unsere Beziehungen zu den Sowjets vertrauter würden; 4. ob ich glaubte, daß den Sowjets an einem freundschaftlichen Verhältnis zu Großbritannien gelegen sei, was günstige Aussichten für seine Unterredungen über Wirtschaftsthemen während seines Besuches in Moskau eröffnen würde. Auf diese Fragen antwortete ich in einem mehr diplomatischen Stil. Insbesondere auf die Frage 4 an- knüpfend bemerkte ich, daß die jetzigen Sowjetvertreter sich bemühten, große Selbstsicherheit zu „markieren" und behaupteten, da, soweit eine Kriegsgefahr bestehe, sie auf dem Abschnitt des „geringsten Widerstandes", d. h. im Westen bestehe. Die Sowjetunion, wie sie mit viel Selbstsicherheit behaupteten, sei so stark, daß sie ohne Sorge in die Zukunft blicken könne. Hudson sagte mir darauf, daß er erst gestern von dem Botschafter Maiski wörtlich dasselbe hörte. Diese interessante Wendung, die Herr Hudson dem Gespräche gab, weist darauf hin: 1. daß er von dem Sowjetabschnitt seiner Reise sehr in Anspruch genommen ist; 2. daß er ihm sehr viel Bedeutung beilegt; 3. daß es nicht wie bisher eine gewisse Moskauer Gegenliebe gebe Man muß sich dabei dessen eingedenk sein, daß die von Herrn Hudson beabsichtigten Unterredungen in Moskau, abgesehen von der politischen Bedeutung, über die er anscheinend zu sprechen liebt, konkrete Wirtschaftsangelegenheiten betreffen werden und daß man englischerseits vor allem verlangen wird, dem russisch-englischen Umsatz ein vom englischen Gesichtspunkt aus besseres Gleichgewicht durch Verstärkung der englischen Ausfuhr in die Sowjetunion zu verleihen. England fehlt die historische Perspektiv" 10. März 1939. Gleich nach der Abfassung dieses Berichts hatte im Gelegenheit, mich auf dem gestrigen Abend- empfang bei Hofe mit dem Botschafter Maiski zu unterhalten. Dieses Gespräch befestigte in mir diS Ueberzeugung, daß meine Beurteilung der Begegnung Hudson-Maiski zutreffend war. Herr Maiski meint, daß Herr Hudson, wenn er die politische Bedeutung seiner Sendung betont, damit rechnet, auf diesem Wege die gewünschten Wirtfchaftsergebnisse um so leichter zu erlangen. Außerdem wirft Herr Maiski den Engländern vor, daß ihnen die notwendige historische Perspektive fehle und daß sie das Gleichgewicht der Kräfte in Europa nicht zutreffend beurteilten. Er meint, daß die Engländer sich die Macht Großbritanniens so wie im Jahre 1870 vorstellen. Sie erwarteten, daß die bloße Tatsache der Absendung einer englischen Wirtschaftsabordnung nach Moskau von den Sowjets enthusiastisch und mit glühender Dankbarkeit willkommen geheißen werde. Indessen, wie er Gelegenheit gehabt habe, Herrn Hudson zu sagen, werde er in Moskau sehr höflich empfangen und durchaus mit gebührender Aufmerksamkeit angehört werden. Eine Beurteilung jedoch, ob die Sendung nützlich sei und welche Bedeutung sie besitze, behalte man sich sowjetischerseits bis zu dem Augenblick vor, wo Herr Hudson sich konkret äußern werde. Schließlich bemerkte Herr Maiski, daß der englische Einwand, es mangele dem englisch-sowjetischen Umsatz an Gleichgewicht, unbegründet sei. Wenn die Sowjets nicht mehr in England einkauften, so vor allem deswegen, weil eine ganze Reihe Rüßland interessierender englischer Fabriken wegen der Aufrüstung überlastet und nicht imstande sei, die vorgeschlagenen Bestellungen anzunehmen. Diese meine Unterredungen mit Herrn Hudson und Maiski werfen ein interessantes Licht auf die, jetzigen englisch-sowjetischen Beziehungen, über die man hier letzthin so viel spricht, allerdings wenig konkret, gefärbt von der Ueberzeugung des jeweiligen Informators. Sie erlauben mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit zu folgern, daß ein näherer politischer Kontakt London—Moskau bisher nicht hergestellt wurde und daß solche Tatsachen, die die öffentliche Meinung in Erstaunen setzen, wie z. B. das unerwartete Erscheinen des Premiers auf einem Abend in der Sowjetbotschaft, besonders auf äußerliche Wirkung berechnet waren, nicht aber aus dem früheren vertraulichen Kontakt zwischen den beiden Mächten sich ergeben. Der erste konkrete Zug Englands ist die Ausdehnung der Sendung Hudsons nach Moskau. Diesen Zug hat man sowjebischerseits wie bisher mit Zurückhaltung ausgenommen. lieber seine geplanten Unterredungen in Warschau sprach Herr Hudson nicht viel und in allgemeiner Weise, wobei er betonte, daß er für sie kein vorbereitetes starres Programm habe. Sein Ziel ist es, eine Erhöhung des gegenseitigen Umsatzes zu veranlassen und zur Stärkung der polnischen Ausfuhr nach den devisenfreien Märkten beizutragen bei gleichzeitiger Erhöhung der englischen Ausfuhr nach Polen und bei eventueller Hilfe durch den englischen „Exportkredit". Edward R a c z y n s k i, Botschafter der Republik Polen. ÜSA.-VoWaster ZMl eniwilteli Kriegspläne. Dokument 4. Bericht des Polnischen Botschafters in Washington, Grafen Jerzy P o t o ck i, an den Polnischen Außenminister in Warschau vom 21. November 1938. Botschaft der Republik Polen in Washington. Washington, den 21. 11. 1938. Betr.: Unterredung mit Botschafter Bullitt. An den Herrn Außenminister in Warschau. Vorgestern hatte ich eine längere Unterredung mit dem Botschafter Bullitt, der hier in Urlaub ist. Eingangs bemerkte er, daß sehr herzliche Beziehungen ihn mit dem Botschafter Lukasiewicz in Paris verbinden und daß er mit ihm sehr gerne verkehrt* Da Bullitt den Präsidenten Roosevelt über die internationale Situation in Europa ständig informiert, und vor allem über Rußland, werden seine Mitteilungen vom Präsidenten Roosevelt und dem Staatsdepartement mit großer Aufmerksamkeit ausgenommen. Bullitt spricht lebhaft und interessant. Jedoch entspricht seine Reaktion auf die europäischen Ereignisse mehr der Ansicht eines Journalisten als Politikers, da er in feiner Unterhaltung die ganze Skala der sehr verwickelten europäischen Fragen berührte. Aus ihnen zieht er sehr negative Folgerungen. Bullitt zeigte in seiner Unterhaltung im allgemeinen einen großen Pessimismus. Er sprach davon, daß das Frühjahr 1-939 zweifellos wiederum sehr aufregend sein wird, verstärkt noch durch das ständige Aufblitzen der Kriegsmöglichkeiten und der Drohungen von feiten Deutschlands, sowie der Gefahr der ungeklärten Verhältnisse in Europa. Er stimmte mit mir überein, daß der Schwerpunkt der europäischen Frage sich vorn Westen nach dem Osten verschoben habe, da die Kapitulation der demokratischen Staaten in München ihre Schwäche gegenüber dem Deutschen Reiche offenbart hat. Sodann sprach Bullitt über das vollständige Nichtvorbereitetsein Großbritanniens zum Kriege und über die Unmöglichkeit, die englische Industrie auf die Massenkriegsproduktion, insbesondere auf dem Gebiet des Flugzeugwesens, umzustellen. lieber die französische Armee äußerte er sich mit unge- wöhnlichern Enthusiasmus, bestätigte jedoch, daß das französische Flugwesen überaltert sei. Nach dem, was die Militär-Experten Bullitt während der Herbstkrise des Jahres 1938 gesagt haben, würde ein Krieg mindestens 6 Jahre dauern und würde nach ihrer Ansicht mit einer völligen Zerschlagung Europas und mit dem Kommunismus in allen Staaten enden. Zweifellos würde Sowjetrußland am Schluß davon den Nutzen ziehen^ lieber Sowjetrußland sprach er mit Geringschätzung. Er redete davon, daß die letzte Reinigung, und insbesondere die Beseitigung Blüchers, eine vollständige Desorientierung in der Roten Armee hervorgerufen habe, die zu keiner kriegerischen aktiven Anstrengung fähig sei. Im allgemeinen ist Rußland, wie er sagte, gegenwärtig der Kranke Mann von Europa. Er verglich es mit dem ottomanischen Vorkriegsstaat. lieber Deutschland und den Kanzler Hitler äußerte er sich mit größter Vehemenz und mit st a r k e m haß. Er sprach davon, daß nur Stärke, und zwar am Schluß eines Krieges, der wahnsinnigen Expansion Deutschlands in Zukunft ein Ende machen könne. Auf meine Frage, wie er sich diesen kommenden Krieg vorstelle, erwiderte er, daß vor allem die Vereinigten Staaten, Frankreich und England gewaltig aufrüsten müßten, um bdr deutschen Macht die Stirn bieten zu können. Dann erst, wenn der Augenblick reif ist (sprach Bullitt weiter), wird man zu der letzten Entscheidung schreiten können. 3d) fragte ihn, in welcher Weise die Auseinandersetzung erfolgen könne, da Deutschland vermutlich nicht England und Frankreich als Erster angreifen werde. Ich sehe einfach nicht den anhakenden Punkt in dieser ganzen Kombination. Bullitt erwiderte, daß die demokratischen Staaten absolut noch zwei Jahre bis zur vollständigen Aufrüstung brauchten. In der Zwischenzeit würde Deutschland vermutlich mit seiner Expansion in östlicher Richtung vorwärts- schreilen. Es würde der Wunsch der demokratischen Staaten sein, daß es dort im Osten zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Deutschen Reich und Rußland komme. Da das Kräfte-Potential der Sowjetunion bisher nicht bekannt fei, könne es fein, daß sich Deutschland zu weit von seiner Basis entferne und zu einem langen und schwächenden Krieg verurleill werde. Dann erst würden d i e demokratischen Staaten, wie Bullitt meint, Deutschland attackieren und es zu einer Kapitulation zwingen. Auf meine Frage, ob die Vereinigten Staaten an einem solchen Kriege teil* nehmen würden, antwortete er: »Zweifellos s a, aber erst dann, wenn England und Frankreich sich zuerst rührten!" Die Stim- (Fortsehung im zweiten Blatt, Seite 1.) Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter deS Hauptschriftleiters: Ernst Blumschetn. Verantwortlich für Politik," Feuilleton und Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Stadt Gießen, Provinz, und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner^ Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange K. G. Berlagdleiter: Dr.-Ing. Erich Hamann; Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Pl.Nr.5. Gießen, im April 1940. 01213 Allen denen, die unserer treuen, unvergeßlichen Mutter soviel Liebe und Verehrung während ihrer Leidenszeit und bei ihrem Ableben entgegenbrachten, sei herzlichst gedankt. Namens der trauernden Familie: Mathilde Lony, geb. Roth Elisabeth Roth. Mietgesuche LMM mit cö. 1 Morgen Wiesen, direkt b.Haus,langfristig sofort zu mieten gesucht. 1662D Herrn. Lingg, Schladern (Sieg). 3 um l.Juli oder später 5-Molio. mögt, mit Bad von2Darnen gesucht, eventl. in Tausch: 7-Zim.- Wobn. mit Bad. Schrift!. Angeb. unt. 01227 an d. Gieß. Anzeiger. 3-Zimmer- Wohnung von Postboten gesucht. Schr.Angeb.unt. 01214 and. G.A. 15. April möbljimmei Schrift!. Angeb. m.Preis u.01229 an d. Gieß. Anz. Suche sofort mit Zimmer mit Frühst., evtl, volle Pension. Schrift!. Angeb. unter 16680 an d. Gieß. Anzeig. kW iumllntetfteOen voll möbeln per sofort oder später gesucht. Stückrath & Bender Möbeltransport Spedition [01232 Tel. 3519 u. 2738 fcille gewandt in Maschinen- u. Kurzschrift, an mehr. Wochentagen für einige Stunden v. Rechtsbehörde gesucht. Dauerbeschäftigung. Schriftl. Angeb. unter 16590 an den Gieß, Anz. |wohnungstausch| Tausche 2y2-3im.-nioijn. gegen 4-3imm - DM.m.Me. Schriftl. Angeb. unt. 16630 an d. Gießen. Anzeig. (Stellenangebote Keine Ursprungszeugnisse, icmbern nur Zeugnisabschriften dem Be werbungsschrcibenbei- legen! — Lichtbilder undBewerbungsuntei» lagen müssen aut Vermeidung von Verlusten auf der Rückseite Na» men und Anschrift des Bewerbers tragen! Flimoleoer bei gutem Lohn in Dauerstellung gesucht. Schriftl. Angeb. u. 01217 an 0. Gieß. Anz. Mann oder Frau f. Gartenarbeit auf einige Tage gesucht. Näheres fiteuminb 15 Laden. [1661D FürKrofdorf zuverlässiger Vote (Botin) gesucht. Buchhandlung Jakob Heil Mainz, 01230 Grebenstraße 18. Stafflfljünge oder geelgn.$ethm zumWäscheholen gesucht. 1665D HeiOmangel Denan Liebigstraße 63. Isolierlehrling gesucht. [01218 J. Minnig Isolier- und Klempnermeister für kälte- und wärmetechnische Isolierungen Hillebrandftrl4 Telefon 2530. Junge Fran sucht Beschäftigung am Büfett oder zur Bedienung. Schriftliche Angebote u. 01215 an den Gießener Anzeiger erbet. MW für Büroräume fof. gesucht. 1667D G.&W. Scltuchard Seltersweg 44. Ehrliches Mädel oder Frau für leichte Hausarbeit nachmitt, gesucht. Wo, sagt 0. Gieß. Anz. 01225 Zuverlässiges, ehrliches Mädchen tagsüber gesucht SroufMlöeBrütfner Schiffenberger Weg 13 II. [01228 Zuverlässige Frau oder Mädchen für 3X wöchentlich vormittags 2-3 Stunden gesucht, evtl, auch Pstichtjahr-Mäd- chen. Vorzustell. von 11-1 Uhr u. von 5-7 Uhr. 01222 Bismarckstr. 31II 14-bisl5jähriges MW für morgens 2 Stunden (Sonntags frei) zu ält. Ehepaar in klein. Haushalt gesucht Zu erfragen in d. Geschäftsstelle d. Gieß. Anz. [01231 Tüchtiges,solides älteres Mdchen f. Küche u.Haus sofort oder später ges. Hilfe vorh. Ludw.Ackermann ,,Znm Branstttol“ Wetzlar. 1645O Volkstümliche Naturwissenschaft in reichbebilderten, leichtverständlichen Werken und in verschiedenen Preislagen bieten unsere Verlagserzeugnisse. Sie vermitteln einen tiefen Einblick in die Geheimnisse des Naturgeschehens unddamitdurcherweitertesWissen erhöhte Freude an den vielfältigen Schönheiten der Natur. Verlangen Sie Prospekte und Such Probehefte der Zeitschrift: „Aus der Natur“ Hugo BermQ hl er Verlag Berlin-Lichterfelde | Verkäufe | 2 gebrauchte Siendiinn Marke „Hassia", 1,50 Meter, 11 Reihen, Schubrad, mit je einem Kleesamen- streuer, Umstände halber zu verkaufen. 1664Ö Niederkleen (Kreis Wetzlar), Haus Nr. 107. | Kaufgesuche | Gut erhaltenes WWM (Zweisitzer) zu kauf, gesucht. Schr.Angeb.unt. 01221a. d.G.A. Gut erhaltener Kinder- Sportwagen gesucht. Schriftl. Angeb. u. 01219 an 0. Gieß. Anz. | Verschiedenes | Als Nebenbeschäftigung sucht Angestellter die Erledigung von Schreibarbeiten usw. Interessenten meld, sich unter 01216 an d. Gieß. Anz. Mündlich können Sie esnur wenigen sagen, schriftlich mehreren, durch eine Kleinanzeige sagen Sie es allen (Battenhälfte (Nahrungsberg) mit Obst, gegen Mithilfe abzugeben. Schriftl. Angeb. it. 01212 an 0. Gieß. Anz. GarMtil etwa 400 qm m. Obstbäumen zu verpachten. 01221 Mühlftraße 22. Blauroter Seidenschal NäheBergwerks- wald Sonntagvormittag 16660 verloren. Abzugeb. g.Bel. Wartlvcg 68. Bekanntmachung. Die Geschäftsstellen des Ernährungs-und Wirtschaftsamtes bleiben am Mittwoch, dem 3., und Donnerstag, dem 4. April 1940, wegen Erledigung der Vorarbeiten für Herausgabe der Zusatzkleiderkarten geschlossen. Gießen, den 2. April 1940. Der Oberbürgermeister. ,669c Bekanntmachung. Betr.: Lebensmittelbewirtschaftung. Nach dem Erlaß des Herrn Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft vom 12. März 1940 sind die dem Verbraucher zustehenden Lebensmittelmengen für die Zeit vom 8. 2Iprilz bis 5. Mai 1940 wie folgt festgesetzt worden: I. Lebensmiltelzuleilungen. Die dem Verbraucher für die Zeit vom 8. April bis 5. Mai 1940 auf Karten zustehenden Lebensmittelmengen bleiben gegenüber den Rationen der Zuteilungsperiode vom 11. März bis 7. April 1940 bis auf den Fortfall der auf die Fleischkarte erfolgten Sonderzuteilung an Kunsthonig unverändert. Auch auf die einzelnen Abschnitte der Lebensmittelkarten können dieselben Mengen wie bisher bezogen werden. Bezug von Teigwaren. Teigwaren werden nicht mehr auf bestimmte Einzelabschnitte der Nährmittelkarte aufgerufen. Die hierfür vorgesehenen Abschnitte der Nährmittelkarte sind vielmehr mit dem Aufdruck „T" versehen. Aus einem Vermerk auf dem Stammabschnitt ergibt sich, auf welche Abschnitte lediglich Nährmittel und auf welche Abschnitte Teigwaren oder Nährmittel bezogen werden können. Die Teigwarenrationen bleiben gegenüber den Sätzen der vorhergehenden Zuteilungsperiode unverändert. Können jedoch Teigwaren nicht ausgeliefert werden, so kann der Versorgungsberechtigte hierfür sonstige Nährmittel beziehen. Abgabe von Back- und Süßwaren unter Entgegennahme von Zucker oder Zuckerkarten. Wie aus Kreisen der Verbraucherschaft immer wieder verlautet, gehen einzelne Bäckereien, Konditoreien sowie Einzelhandelsgeschäfte dazu über, bestimmte Back- und Süßwaren nur gegen Abgabe von Zucker oder Zuckerkarten zu verkaufen. Ich weise ausdrücklich darauf hin, daß diese Handhabung unzulässig und strafbar ist. 167OC II. Abgabe der Bestellscheine. Die Bestellscheine, einschließlich des Bestellscheines 2 der Reichseierkarte, find in der Woche vom 1. bis 6. April 1940 bei den Verteilern abzugeben. Der Oberbürgermeister der Stadt Gießen. I. V.: Nicolaus, Beigeordneter. Ihre Geschäfts-Drucksachen ■teilen die Verbindung her zu Ihren Erzeugnissen. Man stellt sich die Beschaffenheit IhrerWaren so vor, wie man Briefbogen, Briefumschläge, Postkarten, Rechnungen, Ge- achüftskarten Ihres Hauses beurteilt. — Legen Sie deshalb Wert auf gepflegte Druckarbeiten. Wir bieten eie Ihnen I Brühl'sthe Druckerei, Schulstraße 7, Anruf 2251 Furchtbare Glieder, Gelenk« Schmerzen Herr Michael Vosieler, Landwirt, Tuningen, schreibt am 20.1.40: „Teile Ihnen mit, daß dieTrineral-Ovaltabletten gute Dienste getan haben. Die geschwollenen Gelenke sind wieder ganz normal. Es freut mich, daß ich das Bett verlassen konnte und wieder arbeiten kaum Ich hestte furchtbare Schmerzen in den Gliedern. Sobald ick wieder etwas verspüre, werde ich sofort zu den Trineral-Ovaltabletten greifen, denn sie wirken rasch und sehr wohltuend." Bei allen ErkölturrgSkrankbeiteu, Grippe, Rheuma, Ischias, Nerven- und Kopfschmerzen haben sich die hoch-- wirksamen Trineral-Ovaltabletten bestens bewährt. Sis werden auch von Herz-, Magen- und Darmempfind-^ lichen bestens vertragen. Machen Sie sofort einen 93er« such! Originalpackung 20 Tabletten nur 79 Psg. In allen Apoth. erhältlich oder durch Trineral GmbH.,München-27^ i ^. Milina! Schlachtpferde und Schlachtsohlen werden ständig zu Höchstpreisen angekauft. Bei Notschlachtungen schnelle u. reelle Bedienung. Roßschlachterei Schilling Gießen, Wetzsteingasse 8 Telefon 2186 Vermittler erhalten hohe Provision! lesso Bruchleidende tragen das seit Jahrzehnten bestens bewährte Svezialband. Tag u.Nach« tragbar. Ohne Feder, ohne Eisen- bügel. Für schwere Brüche die Patente 532082,664367. Leib- u.Nabelbandagen, Suspensorien. Haben Sie Vertrauen, warten Sie nicht bis es zu spät ist. Maßansertigung - Garantieschein. Eugen Frei L Co., Stuttgart-8, Gebelsbergstr. 28. Kostenlos zu sprechen in: msV Gießen: Hotel Kobel, Donnerstag, 4. April, von 9-12ühi> | Empfehlungen | Kleine Anzeigen richten sich an die Bevölkerung der engeren Heimat! Darum: Kleinanzeigen in die Heimatzeitung, den HieBener Anzeiger +Warzen alle lästig. Haare Leberstecken Pickel, Sommer- spross, usw. entf. u.Gar.lür Immer Frau B. Gulden seit 1935 Fr.W. Henkel Svrechstund.ietzt Mittwochs.Gießen Am Riegelpfad 32, 9-17 Uhr dnrcbg. Zwei kleinere Nüroräume für fofort oder später gesucht. Schriftliche Angebote unter 1660V an den Gießener Anzeiger erbeten. Stadttheater 20—23 Uhr — 25. Dienstag-Miete Zum letzten Mall Der Freischütz Romantische Oper von Carl Maria von Weber Preise: KM. 1.20 bis RM. 4.10. 1657 D Dienstag. 2. April MV Eichener Anzeiger (General-Anzeigrr für Gberheffen) Kr.n Zweites Blatt V/ao Pf.1 ■ gr. Tube Do- Zahnstein-bekämpfend lischerseits bzw. en, Kompromiß auf troqdem soll man ihn bekämpfen! Eden, Duff Cooper, natürlich auch durch Winston Churchill im Verein mit der jüdischen Presse in Paris, der diplomatisierenden Beamtenschaft des Quai d'Orsay und der Downingstreet, fo< wie gewisser USA-Diplomaten, an die Wand gequetscht wurden. Die Weltallianz der jüdischen Kriegshetzer arbeitete prompt, und dio Bullitt und Kennedy Hostien auf die Kriegsmit- Wirkung, der amerikanischen Meinungsmacher drü. den, wie der polnische Botschafter Traf Jerzy Po- tocki berichtet, da die Propaganda vor allem in jüdischen Händen liegt, denn ihnen gehören „fast zu 100 °/o das Radio, der Film, die Presse und die VullM entwickelt Kriegsplane. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt, Seite 4.) mung in den Vereinigten Staaten ist, wie er sagte, gegenüber dem Nazismus und hitleris- mus so gespannt, daß schon heute unter den Amerikanern eine ähnliche Psychose herrscht wie vor der Kriegserklärung Amerikas an Deutschland im Jahre 1917. Bullitt erkundigte sich dann über Polen und über unsere Situation in Osteuropa. Er bestätigte, daß Polen noch ein Staat ist, der mit Waffen in den Kampf schreiten würde, wenn Deutschland seine Grenzen überschritte. Ich verstehe, sagte er, die Frage einer gemeinsamen Grenze mit Ungarn gut. Die Ungarn sind gleichfalls ein tüchtiges Volk. Eine gemeinsame Verteidigungslinie mit Jugoslawien würde es gegenüber der deutschen Expansion erheblich leichter haben. Sodann sprach Bullitt über die ukrainische Frage ausgeübter Druck könne in bedeutendem Maße dem Ausbruch eines bewaffneten Konfliktes vorbeugen bzw. die Entwicklung der europäischen Situation in einer Richtung verhüten, die, vom Standpunkt Washingtons aus gesehen, unerwünscht wäre. Auf meine Bemerkung, es sei bei der gegenwärtigen Sachlage jedoch nicht klar, ob die Bereinigten Staaten bereit wären, sich mit Deutschland und Italien um die französischen Kolonien zu schlagen bzw. gegen gewisse Systeme und Ideologien zu kämpfen, erklärte Botschafter Bullitt kategorisch, die Haltung Washingtons würde allein von den realen Interessen der Vereinigten Staaten bestimmt, nicht aber von ideologischen Pro- und über die deutschen Versuche in der Ukraine. Er bestätigte, daß Deutschland einen vollständig ukrainischen Stab habe, der in Zukunft die Regierung der Ukraine übernehmen und dort einen unabhängigen ukrainischen Staat unter deutschem Einfluß gründen solle. „Eine solche Ukraine", sprach Bullitt weiter, „würde natürlich für Sie sehr gefährlich sein, da diese unmittelbar auf die Ukrainer im östlichen Klein-Polen einwirken würde." Schon heute, sagte er, ginge die deutsche Propaganda ganz in ukrainisch-nationalistischer Richtung und, als Ausgangspunkt für dieses künftige Unternehmen soll die Kar- patho-Ruthenische Ukraine dienen, an deren Fortbestehen Deutschland, hauptsächlich aus strategischen Gründen, gelegen ist. Bullitt zeigte sich hinsichtlich der Situation in Osteuropa nicht allzu gut informiert und führte die Konservation in ziemlich oberflächlicher Weise. Jerzy P o t o ck i, Botschafter der Polnischen Republik. Der Film dagegen, der im Lichtspielhaus läuft, ist ganz anderer Art und will in jedem Bilde ernst genommen sein. Unter dem Titel „21 u 5 erster E h e" wird das immer wieder schwierige Thema der „zweiten Frau" und ihre Bemühung um die seelische Gewinnung der Kinder aus erster Ehe des Mannes behandelt. Die Konflikte, die dabei an sich schon gegeben sind, werden in diesem Film fort’ geführt 'und gesteigert durch den Einbruch eines Flaneurs in die Familie, eines Mannes, der schon von der Mutter (eben der zweiten grau) abgelehnt wurde und der dann mit einigem Erfolg der Tochter den Kopf verdreht, und damit die Familie aus einer Krise und Erschütterung in die andere stürzt, bis schließlich eine Gewalttat zu einer Lösung der Konflikte und zu allgemeiner Klarheit führt. An dem Film gibt es mancherlei zu loben. Er ist von der Regie her mit ungewöhnlicher Sorgfalt und mit viel Geschmack angelegt worden, er ist in der Entwicklung der Ereignisse und in jeder Szene wirklichkeitsnahe, folgerichtig und menschlich begründet ist die Handlungsweise der beteiligten Personen, bestechend sind die ausgefeilten knappen Dialoge, und schließlich berührt die zurückhaltende Veranschaulichung seelischer Röte überaus angenehm. Franziska Kinz behauptet sich mit sicherem Gefühl und vollendetem fraulichen Takt in der Rolle Die Wirkung. Don unserer Berliner Schristleiiung. „Die realen Interessen der Vereinigten Staaten" Dokument 9. Bericht des polnischen Botschafters in Paris, Jules i Lukafiewicz, an den polnischen Außenminister i in Warschau vom . Februar 1939. I Politischer Bericht Rr. IV/4. Botschaft der Republik Polen. Paris, den . Februar 1939. i Rr. l/F/10. Streng geheim! An den Herrn Außenminister in Warschau. Vor einer Woche ist der Botschafter der Ver- , einigten Staaten W. Bullitt nach einem dreimonatigen in Amerika verbrachten Urlaub nach Paris zurückgekehrt. In der Zwischenzeit hatte ich mit ihm zwei lange Unterredungen, die es mir gestatten, Herrn Minister über seine die europäische Situation betreffenden Ansichten zu informieren, wie einen Ueberblick über d ie Politik Washingtons zu geben. 1. Eine Außenpolitik der Vereinigten Staaten, deren Bestreben es ist, unmittelbar an der Entwicklung der Verhältnisse in Europa teilzuhaben, gibt cs nicht. Eine solche Außenpolitik wäre auch nicht möglich, da sie von der öffentlichen Meinung, die in 'dieser Hinsicht ihre isolationistische Einstellung nicht geändert hat, nicht genehmigt werden würde. Dagegen besteht ein außerordentlich verstärktes Interesse des amerikanischen Volkes für die europäische Lage. Demgegenüber treten sogar die inneren Angelegenheiten -in den Hintergrund und verlieren die Aufmerksamkeit, deren sie sich früher erfreut haben. Die internationale Situa° t io n wird von den offiziellen Kreisen als ungeheuer e r n ft und unter der Gefahr eines bewaffneten Konflikts stehend betrachtet. Die maßgebenden Faktoren sind der Ansicht, daß, wenn es zwischen England und Frankreich einerseits, wie Deutschland und Italien andererseits zum Kriege kommen sollte, in dem England und Frankreich eine Niederlage erleiden könnten, dann würden die Deutschen den realen Interessen der Vereinigten Staaten auf dem amerikanischen Kontinent gefährlich werden. Aus diesem Grund könne man die Teilnahme der Vereinigten Staaten am Kriege auf Seiten Frankreichs und Englands von 'vornherein voraussehen, natürlich erst eine gewisse Zeit nach Ausbruch des Konfliktes. Botschafter Bullitt drückte das wie folgt aus: „Sollte ein Krieg ausbrechen, so werden wir sicherlich nicht zu Anfang an ihm terlychrnen, aber wir werden ihn beenden." Rach Meinung Botschafter Bullitts ist die obige Einstellung der maßgebenden Washingtoner Kreise jeglicher ideologischer Elemente bar und ergibt sich ausschließlich aus der Notwendigkeit, die realen Interessen der Vereinigten Staaten zu verteidigen, die im Falle einer französisch-englischen Niederlage ernstlich und unmittelbar zugleich vom Pazifik wie vom Atlantik her bedroht waren. Botschafter Bullitt stellte fest, das Gerücht, als ob Präsident Roosevelt gesagt Habe, die Grenze der Vereinigten Staaten liege am Rhein, sei falsch. Er gab dagegen seiner Ueberzeugung Ausdruck, der Präsident habe bestimmt gesagt, er verkaufe Frankreich Flugzeuge, da die französis ch e 21 r m e e die erste Verteidigungslinie der 3er« einigten Staaten sei. Dieses entspräche nämlich vollkommen seinen Ansichten. Zwei neue Filme. Im Gloria-Palast wird ein Film gezeigt, wie er auf besondere Art charakteristisch ist, wenn Hans Albers die Hauptrolle spielt. Der Film „Ein Mann auf Abwegen" zeigt ihn diesmal als einen Jndustriemagnaten, der es aus Gründen einer kühnen Börsenspekulation für angebracht hält, für einige Zeit spurlos zu verschwinden und die Kurse einige Zeit spurlos zu verschwinden, um die Kurse lingt ihm auch! Auf seiner Reise, bei der er auch „Ferien vom Ich" nimmt, hat er manches lustige Erlebnis, das in diesem Tobis-Film hübsch geschildert ist und ihn wieder einmal als den Unwiderstehlichen zeigt, als den man ihn kennt. Hilde Meißner ist seine Partnerin, die ihm im Format des Auftretens einigermaßen die Waage hält. Gemeinschastsempfang der Rede Görings. Berlin, 2. April. (DNB) Wie bereits bekannt- gegeben, findet am Mittwoch, 3. April, dis Üebertragung der Rede des Generalfeldmarschalls G ö r i n g vor der Jugend statt. Der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat angeordnet, daß in denjenigen Schulen, die an dem betreffenden Tage Unterricht haben und denen Rundfunkgeräte zur Verfügung stehen, G e m e in« schaftsempfang der Sendung stattfindet. Dress Anordnung gilt auch für die Berufsschulen, Berufsfachschulen und die landwirtschaftlichen Schulen, für diejenigen Klassen, die zu den Zeiten der Sendung Unterricht haben. 2. Die italienischen Ansprüche gegenüber Frankreich entbehren absolut aller > Grundlagen und Argumente, die sie auch nur teilweise rechtfertigen könnten. Frankreich kann und darf also nicht einmal scheinbar Zugeständnisse machen. Irgendein Nachgeben Frankreichs würde die Unterhöhlung seines Prestiges in Aftika bedeuten. Man muß daher jeden eventuellen Kompromiß auf Kosten französischer Interessen ausschlietzen. Theoretisch genommen besteht die Befürchtung, England könnte vielleicht zusammen mit Ber- l i n versuchen, Frankreich im Augenblick irgendeiner Spannung einen mit seinen eigenen Interessen nicht zu vereinbarenden Kompromiß aufzuzwin- gen. In diesem Falle jedoch wird Frankreich auf die kräftige Unter st ützung Washingtons rechnen können. Die Vereinigten Staaten verfügen England gegenüber über verschiedene und ungeheuer bedeutsame Zwangsmittel. Allein die Drohung ihrer Anwendung dürfte genügen, England vor einer Kompromihpolitik auf Kosten Frankreichs zurückzuhalten. Man muß damit rechnen, daß das Prestige Englands durch die Ereignisse im Fernen Osten, wie die Resultate der Münchener Konferenz in der amerikanischen öffentlichen Meinung sehr st a r k gesunken ist. Andererseits ist die amerikanische öffentliche Meinung sich darüber im klaren, wieviel England heute an einer Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten und ihrer Unterstützung gelegen ist. Unter diesen Bedingungen kann man vermuten, daß Hitler und Mussolini es auf der Grundlage der italienischen Ansprüche Frankreich gegenüber nicht zu einem offenen Konflikt mit England und Frankreich kommen lassen werden. Eine schwache Seite der Vereinigten Staaten ist es natürlich, daß sie, obwohl sie schon heute ihren Standpunkt im eventuellen Konfliktsfalle bestimmt haben, gleichzeitig jedoch an der positiven Losung der europäischen Probleme keinen aktiven Anteil nehmen können, da die isolationistisch eingestellte amerikanische Meinung dieses nicht gestatten wurde. 3 Das Verhältnis der maßgebenden amerikanischen Faktoren zu Italien und Deutschland ist negativ, hauptsächlich deshalb, weil sie der Ansicht sind, daß die neuen Erfolge ber Achse Rom — Berlin, die das Prestige wie die Autorität Frankreichs und Englands als Jmperialmächte unterhöhlten, fast schon unmittelbar die realen Interessen der Vereinigten Staaten bedrohen. So wird auch die Außenpolitik Washingtons einer eventuellen Weiterentwicklung der Situation in dieser Richtung entgenroirfen. Die Vereinigten Staaten verfügen in ihren Beziehungen zu Italien und Deutschland über verschiedene Zwangsmi11el, die heute schon sehr ernstlich geprüft und aufgestellt werden. Diese uoer- wiegend wirtschaftlichen Mittel sind derart, daß sie ohne die geringste Befürchtung eines innerpolitischen ■ Widerstands angewandt werden können. Sie wer- : den zweifellos fowohl für Rom, wie für Berlin . genügend ausdrucksvoll und fühlbar fein. Bot- : schafter Bullitt ist der Meinung, em von den - Vereinigten Staaten gleichzeitig auf Italien und Deutschlands einerseits, wie England andererseits der zweiten Frau. Ferdinand Marian steht ini klarer männlicher Persönlichkeit inmitten der Ereignisse. Karl S ch o n b ö ck zeichnet den ruhelosen raf- finierten Verführer scharf und charakteristisch. Maria L a n d r o ck und Klaus Detlef S i e r ck bewegen sich als die Kinder aus erster Ehe erstaunlich sicher. Regie führte Paul Verhoeven. Die Photographie dient in lebensvollen und klaren Bildern dem Werk. H. L. Neuner. In den Plutokratien ist man angesichts der fumente des deutschen Weißbuches fassungslos. Niemals vorher hat eine amtliche Veröffentlichung den moralischen Phrasen der demokratischen Kriegstreiber, ihrer gespreizten Wichtigtuerei, der nur lockeren Verhüllung ihrer Absicht, Deutschland zu vernichten und für diesen UcberfaU Kumpane zu werben, so vollkommen die Stützbalken fortgezogen. Die Dokumente, die uns im Außenministerium des Obersten B e ck in Warschau, im Palais Brühl, in die Hände fielen, sind echt. Das Papier, die Wasserzeichen dieser Papiere, die Unterschriften, alle Notizen und Feststellungen dieser Dokumente können von Gelehrten und Politikern aller Staaten, die sich für die Echtheit dieser Dokumente inter- esieren, geprüft werden. Es berührt darum mehr als eigenartig, es ist eine geradezu dumme Frechheit, wenn in Washington der bloßgestellte amerikanische Botschafter in Paris, Bullitt, zusammen mit dem ebenso bloßgestellten ehemals polnischen Gesandten in Washington, Potocki, die Echtheit zu bestreiten wagt. Die Dokumente sind in Faksimiles aller Welt offenbart worden, die Unterschrift des polnischen Grafen Potocki ist vorhanden. Daß sein Bericht über die Unterredung mit Bullitt vom 14. Januar 1939, also noch vor der Schaffung des Protektorats (Dokument 7), diesen merkwürdigen Botschafter der USA. als Kriegshetzer und als einen der Inspiratoren der größenwahnsinnigen polnischen Politik entlarvt, mag mit der vom USA.-Dolk gewünschten Neutralität nicht zu vereinbaren fein. Auf jeden Fall haben B u l itt, der amerikanische Vertreter in Paris, und Kennedy, der ameri« konische Vertreter in London, sich auf b i e Seite ber Kriegshetzer, des Weltjudentums und derer-geschlagen, die um ihrer persönlichen Geld- sack-Jnteressen willen die Völker nacheinander verbluten lassen wollten, nicht nur das deutsche Volk, sondern auch die Neutralen, Italien und Rußland. Das ist ihre Schuld, ihr welthistorisches Verbrechen, und es ist um so schonungsloser mit dem Brandstempel zu versehen, als Bullitt und Kennedy ihr persönliches Spiel trieben und damit die Politik der USA., die neutral blieb, für den beabsichtigten Streich gegen Deutschland in die Kriegsfront zu pressen versuchten. ....... Die Dokumente beweisen scharf und unerbittlich, daß die dem Ueberfall auf Deutschland widerstrebenden Elemente in Paris, vertreten durch Bonnet, den Unterfertigter des deutsch-französischen Abkommens vom 6. Dezember 1938, einfach durch die Ränke der Cha mberlain, Halifax, 5eflton$ert zm «Siegener Woche für Kunst und Literatur Abend im Ltadttheater. Die Vortragsfolge des Festkonzertes am gestrigen Montag abend im Stadttheater lenkte dankenswerterweise das Interesse auf zwei weniger oft gebotene Werke, die Suite in d-moll von Franz Uacy- ner (op. 113) und Mozarts Klavierkonzert tn A-dur (Köchelverzeichnis Nr. 414). Dieses 1782 entstandene Werk, durch das spatere A-dur-Konzert (Nr. 488) in den Hintergrund gedrängt und überschattet, erscheint typisch für die Zeit der ersten Wiener Jahre Mozarts, eine Bindung gesellschaftlicher Kunst mit naturhaster, ursprünglicher Empfindungstiefe. Anmutig eingängig hält es sich frei vom Virtuosen, um so mehr aber fordert es ausdrucksvolle Gestaltungskraft, lieber die drei im gleichen Jahre entstandenen Klavierkonzerte äußert sich Mozart in einem Briefe an feinen Vater (1782): „Hie und da können auch Kenner allein Satisfaction erhalten — doch so, Da* die Nichtkenner zufrieden sein müssen, ohne zu Wilsen, warum." Heinz Schröter (Frankfurt) chat sich ,n den letzten Jahren als feinsinniger Begleiter auch in Gießen trefflich eingeführt, und so konnte man ihm diesmal mit besonderen Erwartungen begegnen. Ihm scheint gerade diese feine Art des Konzertes nahezuliegen, denn er läßt nie über bem 3 J - mentaliften ben Musiker vergessen. Einem perlem den Spiel in Leichtigkeit und Gelöstheit ernt sich eine feine Durchgliedrung und thematische Ausg- wogenheit im Verweben mit dem Orchesterklang, graziös in den Verzierungen, waren die vielfach eingestreuten Kadenzen Höhepunkte planistlsch m s^ kalischen Eingehens und Ausstrahlens. Getragen von der Wärme des Ausdrucks, hielt Heinz Schroter sich frei von Ueberfpitzung und erschloß 1 Mozartsche Welt mehr in seiner sachlichen uno natürlichen Art als nach der empfindsamen hin. Es war ein bereicherndes * gegenseitigen Nehmen und Geben zwischen oem Solisten und dem von Professor Temesväry dezent geführten Begleitkörper. Franz Lachner (1803—1890) verkörpert oberbayrisches Musikantentum. Zum engeren Freun- deskreis Franz Schuberts zählend von Beethoven gewürdigt, ist er Wien (als Kapellmeister am Kärntnertor-Theater) und München (als Hofkapellmeister) verbunden. Seine Suite bezeugt ein außer- ordentliches satztechnisches Können auf der Basis aesunder Musikalität: obwohl sie moderne Klangfarben aufweist, steht sie doch in der geistigen Haltung und in der inneren Struktur dem Barockzeitalter nahe. Das bestätiate das innerlich gespannte und bewegte Präludium, ebenso wie das mehr zopfige als empfindsame Menuett. Die Fuge mit ihrer ins Romantische weisenden Einleitung erhob sich zu großartigen klanglichen Ballungen. Krönung des Ganzen wurde Beethovens Schick- salsymphonie, die „Fünfte", die in den letzten Jahren zumal durch die Rundfunkaufführungen immer stärker zum geistigen Eigentum unseres Volkes wird. Dieses gigantische Wunderwerk und dennoch so klar für den Hörer durch seinen organisch bedingten Aufbau und die eingängige, untomp^ierte Thematik erwuchs unter Professor Dr. Stefan Temesväry zum Monumentalen der beiden Ecksätze in scharfer Gliederung und klarem Herausstellen der Entwicklungsansatze, m hohem Impuls der Steigerungen und machtvollen thematischen Entfaltungen. Das Andante con moto erschloß sich tief mit feinen Abwandlungen des Hauptgedankens und dem sich zum Heldischen erhebenden Seltenthema, bannend in der Fermatenstelle. Der Uebergang vom Allegro, mit feinen pochenden Hornern, den rn Fugato führenden Bässen und der vergeistigten Wiederkehr, war von zwingender Kraft, mit feinem geheimnisvollen Klopsen der Pauke und dem allmählichen klanglichen Sichverdichten bis zum strahlenden Siegesthema. Die Kräfte des Orchesters fetzten vollstes Bemühen in ollen Stimmen em und verbanden Klangschönheit nut stets bereitem Mit- gehen. Der Beifall, besonders freundlich nach dem Klavierkonzerte, weitete sich nach der Symphonie zu großem Ausmaß. Dr. Hermans Hering. schließt. * . Ich mochte vorläufig von der Formulierung meiner eigenen Meinung gegenüber den Äußerungen Botschafter Bullitts Abstand nehmen. Es ist nämlich mein Bestreben, vorher von ihm noch einige zusätzliche Erläuterungen zu erhalten. Eines aber scheint mir sicher, nämlich, daß die Politik Präsident Roosevelts in der nächsten Zeit dahin gehen wird, den Widerstand Frankreichs zu unterstützen, den deutsch-italienischen Druck zu hemmen und die Kompromißtendenzen Englands zu schwächen. I. Lukafiewicz, Botschafter der Republik Polen. Büchertisch. ' — Der Große Imhoff. Von Felix Wil« Helm B e i e l ft e i n. Ludwig Kichler, Verlagsbuchhandlung, Darmstadt. Gebd. 5,80 RM. — (390) — Mit dieser Schilderung des Lebens eines großen deutschen Kolonisators hat sich der Verfasser ein besonderes Verdienst erworben. Sein packend geschriebenes Buch ist gerade in dieser Zeit von gro- ßem Interesse, denn es zeigt, daß deutsche Männer auch schon lange vor unserer Zeit das.Zeug hatten, draußen auf Kolonialboden gute Aufbauarbeit zu leisten. Dieses Buch des Dichters von „Rauch an der Ruhr" und Landesleiters der Reichsschrifttumskammer im Gau Essen, führt den Leser in das 18 Jahrhundert zurück und macht ihn mit dem kernhaften Deutschen Gustav Wilhelm Baron von Imhoff bekannt. Das wechselvolle Lebensschicksal des jungen Ostfriesen, der im Dienste der Niederländischen Ostindischen Compagnie aus kleinen Anfängen unter vielfachen Schwierigkeiten und gegen große Widerstände bis zum Generalgoiwerneur des großen ostindischen Kolonialreiches der holländischen Ostindischen Compagnie aufsteigt, zeigt der Autor m mitreißender Erzählung. Der Leser lernt dabei zugleich ein interessantes Stück Kolomalgeschichte und im Geiste Länder und Völker kennen, die auch heute noch, trotz des inzwischen eingetretenen Wechsels m Besitz und Geltung, zu den wichtigsten Teilen des Kolonialraumes gehören. Es ist also ein vielfältiger Gewinn, den der Leser dieses Buches verzeichnen kann Und es ist daher auch verdient, wenn diesem vortrefflichen Buche ein Ehrenplatz in der Bücherreihe einer guten Bibliothek eingeräumt wird. Dem Buch gehört unsere beste Empfehlung. Ernst Blumschein. Zeitschriften." Der alljüdisch - plutokratische Vernichtungskrieg wurde in London und Paris mit tatkräftiger Un=/ terstützung dieser beiden amerikanischen Botschafter vorbereitet. Es sollte ein Präventivkrieg werden, ohne daß Deutschland dazu irgend eine Veranlassung gegeben hätte. In Prag war man im Bilde, tit Polen flammte der Deutschenhaß mächtig auf. Man glaubte allen Ernstes im Ressort des polnischen Außenministers Beck, die ganze Welt hätte sich gegen Deutschland verschworen und Polen muffe vorangehen. War den Polen nicht die volle Mitwirkung der Weltmächte versprochen worden?, Dahex versteifte man sich gegen die deutschen Forderungen der Gerechtigkeit, daher fiel Frankreich um, das vorher die Berechtigung der deutschen An- prüche im Osten anerkannt hatte und geneigt war, ich nach dem Dezemberabkommen lediglich seinem Imperium zu widmen und mit Deutschland in Frieden zu leben. Die italienischen Forderungen wurden infolgedessen von Paris schroff abgelehnt, Rußland sollte in die Einkreisung Deutschlands embex zogen werden, die Tschechen, die damals noch unter dem Benesch-Regime standen, wurden auf die schiefe Ebene gebracht, von der sie sich nur durch eine kühne Tat befreien konnten und befreit haben. In Warschau aber vertraute man den Versprechungen, die der Haupthetzer England gab. Die Regierung Chamberlains und die Opposition, alle jüdischen Plutokraten, waren der Meinung, Deutschland müsse vernichtet werden. Es gibt keine unabhängige Zeitung in den USA. ober sonst auf dem amerikanischen Festland, keine in Europa, feine in Asien, es gibt überhaupt keine politische Stimme der Aufrichtigkeit, die nicht den Beweis für diesen fanatischen Kriegswillen der jüdisch versippten Plutokratie als erbracht ansahe. Das Gewitter hat die Luft gereinigt, die Fronten abgesteckt. Das Verschwörerpalais in Warschau, in dem die Berichte über die Urheber dieses Kriegsbrandes zusammenliefen, ift durch die deutsche Tat ein Vulkan geworden, dessen Lavamassen die Kriegsschuldigen verschlingen. E. $• blemen. Ich muß hinzufügen, daß Botschafter Bullitt sich des rücksicht slosen Widerstandes Frankreichs gegen die italienischen An« p r ü ch e gewiß zu sein scheint und in der Konsequenz eine eventuell mögliche Vermittlung eng- ........ ialisch-Äeutscherseits, deren Ziel ein Kosten Frankreich wäre, aus- ZAHNSTEIN Die preiswerte Qualitäts-Zahnpasta Aus -er Stadt Gießen. Morgengruß. Es ist ein Morgengruß von besonderem Reiz, der jetzt fast täglich aus dem Garten des Nachbarhauses vernehmbar wird. Das Haus steht in einer jener Straßen, in denen es auch am frühen Morgen schon lebhaft zuaeht. In Scharen eilen die Werktätigen zu ihren Arbeitsstätten. Alle Vorübergehenden aber hemmen für einen Augenblick den Schritt und heben den Kopf, wenn der Gruß ertönt. Ihr Gesicht nimmt einen fröhlich-forschenden Ausdruck an, und es scheint, als ob sie aufrechter und beschwingter ihren Weg fortsetzen, gerade so, als sei ihnen etwas besonders Erfreuliches widerfahren. Und in der Tat ist es ein sehr erfreulicher Gruß, der ihnen zu so früher Stunde geboten wird. Don einer Amsel kommt er, die im Garten des Nachbarhauses immer auf demselben hohen Baum sitzt und ihr frohes Lied flötet. Voll und laut erklingt die reizvolle Strophe, es ist ein Heller, jubelnder Gesang, der alle den Frohsinn weckenden Eigenschaften ind sich tränt. Ist es ein Wunder, wenn er auch in solcher Weise auf die Vorübergehenden wirkt? Sie recken den Hals, deuten mit den Händen nach dem Baum und nicken schließlich beglückt: „Ja, ja, man merkt's, der Frühling .. Die Amsel nimmt indessen davon keine Notiz. Sie singt und singt, als werde sie eigens dazu an- gehalten. Was weiß sie von den Vorstellungen und Wünschen der Menschen, was kümmert es sie, daß die Burschen kecker, daß die Mädchen verträumter werden? Sie singt, weil sie muß, weil das uralte Gesetz vom Wachsen und Werden in ihr lebendig ist, weil es sie an den ersten lauen Tagen dazu drängt, ihre Stimme zu probrieren, die sich plötzlich zu den herrlichsten tönen formt Und nur, wenn sie allzusehr gestört wird, streicht sie schimpfend ab, um nach kurzer Zeit wieder den Baum anzufliegen, von dem dann wiederum der Gesang ertönt. Auch in den Abendstunden, wenn sich die ersten blauen Schatten der Dämmerung auf die Stadt senken, erklingt das prachtvolle Lied. Dann ist es, als sei der Abend verklärt, als berge die Luft bereits die Ahnung kommender lenzlicher lieber« rascbungen. Aber noch schöner ist es, in aller Morgenfrühe für ein Weilchen dem Amselgesang $u lauschen und sich von ihm einstimmen zu lassen für die drängenden Aufgaben des Werktags. Es ist eine kleine Freude des Alltags, die sich solchermaßen bietet und die gerade in dieser Zeit für viele eine beseligende Wirkung auslöst. H. W. Sch. Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: 20 bis 23 Uhr „Der Freischütz". — Gießener Kunstwoche: Ausstellung im Foyer des Stadttheaters von 17 bis 18 Uhr. — Gloria-Palast (Seltersweg): „Ein Mann auf Abwegen". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Aus erster Ehe". Abgangsprüfung an der Gewerbeschule Gießen. Dom 18. bis 27. März erfolgte die staatliche Abgangsprüfung an der Gewerbeschule Gießen. Der Prüfungsausschuß setzte sich zusammen aus dem Direktor T i e l m a n n als Vorsitzender, da er beauftragt war, die Landesregierung zu vertreten, dem staatlichen Prüfungskommissar Reg.-Baurat Kuhlmann vom Hess. Hochbauamt, der beauf- tragt war, auch die Handwerkskammer Darmstadt zu vertreten, und dem Lehrerkollegium. Der Vorsitzende des Kuratoriums, Oberbürgermeister Ritter, war durch dringende Dienstgeschäfte verhindert, der Prüfung beizuwohnen. Der Prüfung unterzogen sich 42 Prüflinge, von denen einer die Prüfung nicht bestand. Mit Auszeichnung bestand 1 Prüfling, mit gut bestanden 16 Prüflinge, mit befriedigend bestanden 14 Prüflinge, mit bestanden bestanden 10 Prüflinge. Das Wintersemester wurde von insgesamt 199 Tagesschülern besucht, die in 20 Unterrichtswochen wöchentlich 44 Stunden Unterricht erhielten. ♦ ** Jahrestagung des Vogelsberger Höhen-Clubs. Die 59. Hauptversammlung des Gesamt-Vogelsberger Höhen-Clubs (VHC.) findet als Vertreteroersammlung am 19. Mai auf dem Hoherodskopf statt. Damit verbunden wird eine Sternwanderung aller Zweigoereine des VHC. zum Hoherodskopf. Die Jagd im April. Dem Jäger haben der auf dem Gartenzaun knicksende Rotschwanz und die am Mühlenwehr wippende Bachstelze den Frühling verraten, und als abends die Schwarzdrossel oom Dachfirst ihr Abendlied fang, da zog es ihn hinaus in seinen Wald, wo nun die Waldschnepfe streichen muß, des Weidmanns Frühlingsbote. Zeitig schon verläßt er das Haus, den treuen Hund zur Seite. Denn unter Busch und Gras liegen die ersten Junghäschen, und wenn sich der Hund den im Abendämmern feldern- ben Kater um die Behänge schlägt, bann ist dies ein Stückchen Hege im Frühjahr. Arn Waldrand aber stehen im Abendsonnenschein auf grüner Saat ein paar Rehe. Das gute Glas zeigt dem Weidmann Bock und Ricke, Abschuß-, Zukunfts- und Erntebock. Er merkt sich den Sprung, trägt ihn ein in sein Taschenbuch, überprüft feine Beobachtungen an einem anderen Tag bei anderer Beleuchtung immer wieder einmal und schafft sich so eine sichere Grundlage für seinen Abschußplan, den er bis zur Monatsmitte seinem Kreisjägermeister vorzulegen hat. Sein Weg zum gewohnten Stand, wo er seit Jahren in jedem Frühjahr der Schnepfe harrt, führt ihn unweit einer Kanzel vorbei. Der Wintersturm hat an ihr gerüttelt, Nägel haben sich gelockert, eine Sprosse ist ausgebrochen. Hammer, Fuchsschwanz und Nägel sind im Rucksack. Bald ist der Schaden beseitigt. Schadhafte Leitern und Kanzeln haben schon über manche Familie schweres Leid gebracht. Man hat von diesem Hochsitz aus, un dem sich manche schöne Erlebniserinnerung knüpft, den Blick frei auf eine junge Schonung, auf die gar gern das Rehwild austritt. Noch ragen die alten, morschen Stubben aus Gestrüpp und Gras, und es ist nur eine kleine Mühe, ein paar Hände voll Viehsalz über sie auszustreuen.' Der Regen besorgt das weitere, und gierig leckt das Wild den salzigen Mulm. Wenn die Zeit im Monat weiter fortschreitet, ist es auch gut, an die Pirschpfäde zu denken, die das Beobachten und Jagen so sehr erleichtern. Die schönste Kanzel verliert einen Großteil ihres Wertes, wenn man sie nicht erreichen kann, ohne vorher das Wild zu vergrämen, weil das Laub unter dem Fuß knistert und rauscht ober Fallholz kracht. Dielen Jägern ist es unbekannt, daß auch im Morgendämmern der „Vogel mit dem langen Gesicht" streicht. Das ist so um die Stunde, wenn der wildernde Hund nach durchjagter Nacht müde und scheinbar harmlos dem Dorfe wieder zustrebt. Ihm das Blei zwischen die Rippen zu setzen, ist Hegearbeit im Frühjahr. Und wenn dann die Sonne die Wipfel der hohen Fichten bescheint, bann sitzt dort oben mit metallisch schimmernber Brust der Ringeltauber und ruft fein sehnsuchtsvolles „O du, du, du" über den Wald, über ben er sich kurz darauf mit klatschenden Schwingen zum Balzflug emporschwingt. Versonnen blickt der Jäger ihm nach und kann gerade noch den Schuß los werden auf ben grauen Schatten, der jählings und tief um die Waldecke huschte und auf den bunten Fasanenhahn stieß, der dort auf seine Art mit rauhem Rus das Frühjahr verkündete. Mit dem starken Habichtsweib, das er vom Boden aufhebt, ist ein weiteres Stück Hege im Frühjahr geleistet. Laut schimpften die Krähen über den Schuß, die schon seit Tagen fleißig Reisig und altes Gras zu ihrem Nistbaum, einer alten Kiefer, trugen. Wenn demnächst der Brutvogel fest sitzt, werden grobe Schrote Nest, Eier und Krähe unschädlich machen. An einer alten Kiesgrube führt der Weg vorüber. Schon lange lag sie nutzlos und brach da. Allmählich verhüllen die Brombeeren, die der Weidmann hier einpflanzte, das häßliche Bild, die Weiden, die er an der tiefsten, nassen Stelle steckte, schlugen schon aus, bald folgen die großen Büsche der Lupinen, und nun sät er auch hier und dort noch ein paar Hände voll vorgeweichter Ginstersamen aus. Hier sollen Fasan und Huhn brüten, hier finden sie im Winter Schutz und Fütterung, hier setzt die Häsin, hierher kommen weder Sense noch Mähmaschine und Walze. Hege im Frühjahr ist Jagd im April! Hubertus. Der Tierschutz im Kriege. Der Tierschutzverein Gießen und Um- g e b u n g hielt am Montag im „Frankfurter Hof" feine Jahreshauptversammlung ab, zu der der Vor- sitzende, Schlachthofdirektor Dr. Keller, eine Anzahl von Männern und Frauen begrüßen konnte. Zunächst gedachte der Vorsitzende des verstorbenen Ehrenmitgliedes, Apotheker Th. Schmieder, der sich zeit seines Lebens als Tierschützler betätigte und der es durch seine persönliche Eignung verstanden hat, den Gedanken des Tierschutzes in weite Kreise der Bevölkerung zu tragen. Auch als Mitglied der Pserdekommission der Stadt hat er in aleicher Richtung gewirkt. Ihm werde ein ehrendes Andenken gewahrt bleiben. In einem Rückblick auf das abgelaufene Jahr führte Dr. Keller u. a. aus, daß durch die Kriegszeiten die Versammlungstätigkeit eingeschränkt wurde, was allerdings nicht heißen sollte, daß der Tierschutz in den Hintergrund getreten sei. Der Verein beteiligte sich an zwei Vorträgen während der Hochschulwoche der Universität. An beide Vorträge schlossen sich Besichtigungen an. Die Mitglieder bekundeten reges Interesse. Dem Bericht war weiterhin zu entnehmen, daß für ein in Serbin- buhg mit den Deterinärkliniken zu errichtendes T i e r h e i m oom Tiershutzverein rund 500 RM. angesammelt wurden. Weitere Spenden hier- für werden gern entgegengenommen. Außerdem wurde die Eintragung des Vereins in das Vereinsregister vorbereitet. Für die Winterfütterung der gefieberten Sänger hat ber Verein rund 120 Pfund Kornerfutter beschafft und verwendet. Der vom Kassierer Leidner erstattete Kassenbericht gab Ausschluß über geordnete Verhältnisse, sodaß ihm der Dank für seine vorbildliche Kassenführung ausgesprochen wurde. Die Mitgliederzahl von rund 150 hat sich auch im letzten Jahr gehalten. Dem Vorstand wurde Entlastung erteilt und dem Vereinsführer das Vertrauen ausgesprochen, der seinerseits seine Mitarbeiter erneut in ihren Aemtern bestätigte. Dr. Keller dankte besonders dem stellvertretenden Vorsitzenden Professor Dr. Küst für die Unterstützung während seiner Erkrankung und Tierschutzinspektor Haas für seine nimmermüde Arbeit. An praktischer Tierschutzarbeit wurde einer Reihe von gemeldeten Mängeln nachgegangen. Gewöhnlich genügte die Aufklärung zu ihrer Abstellung. In der Aussprache wurden auch die Fragen des Tierluftschutzes besprochen. Dabei wurde betont, daß es nicht Ausgabe des Tierschutzvereins sei, den Tier- luttschutz zu organisieren, sondern daß dafür die örtlichen Leiter des Tierluftschutzes zuständig seien. Für die Stadt Gießen sei Regierungsoberveterinärrat Dr. M o n n a r d örtlicher Tierluftschutzleiter. Wie Direktor Dr. Keller feststellte, ist der Tier- luftschutz in Gießen bereits organisiert und einsatzbereit. Durch den Tierschutzverein sind wiederholt Unterkünfte von Tieren einer Besichtigung unterzogen worden, wobei viele Mängel abgestellt werden konnten. Die Beiratsmitglieder Tierschutzinspektor Haas und Bauinspektor a. D. Philippi sind mit weiteren Besichtigungen der Tierunterkünfte beauftragt worden. Mit großer Freude kann festgestellt werden, daß sich die Sodaten als ausgezeichnete Tierfreunde und Tierschützler erweisen. Während des Krieges sei den Gemeinden die Unterstützung der Bestrebungen zum Schutze der Tiere zur besonderen Aufgabe gemacht worden, damit durch Tierschutz und Tierpflege dem Volke große Werte erhalten bleiben und der Volkswirtschaft gedient werde. Nach lebhafter Aussprache wurde die Versammlung mit dem Treugruß an den Führer geschlossen. Gießener Woche für Kunst und Literatur. „Von ewiger deutscher Kunst." Im Rahmen der unter der Schirmherrschaft des Herrn Oberbürgermeisters der Stadt Gießen statt- findenden Gießener Woche für Kunst und Literatur veranstaltet der Goethe-Bund und Kaufmännische Verein, in Arbeitsgemeinsck-aft mit der Dolksbil- dungsstätte Gießen der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", am Freitag, 5. April, 20 Uhr, in der Neuen Aula der Unioerfität eine Feierstunde unter Mitwirkung des Städtischen Orchesters unter Leitung von Kapellmeister Paul W a l'ter. Zu Beginn der Veranstaltung wird ber stellvertretende Leiter der Abteilung Schrifttum des Reichsministeriums für Dvlksaufklärung und Propaganda, Dberregierungs« rat Hein Schlecht, sprechen über die „Pflege der Dichtung als Kulturaufgabe". Den Festoortrag hat der bekannte Literaturhistoriker Dr. Reinhard Buchwald (Heidelberg) mit dem Thema „Schiller und die Gegenwart" übernommen. Dr. Buchwald ist der Verfasser der hervorragenden zweibändigen Schiller-Biographie. Es ist ein. bedeutsamer Vortrag zu erwarten. Am Samstag beginnt um 20 Uhr in den Räumen des Gesellschaftsvereins ein Festlicher Abend, in dessen Mittelpunkt die Lesung des ostmärkischen Dichters Karl Heinrich Waggerl stehen wird. Der Dichter wird Heiteres aus feinen Werken lesen. Mit der Einladung des Dichters, der bereits im vorigen schon Vor Erkältung schützen Bei Husten nützen mehrmals täghen U1-RM Jahre anläßlich der Gießener Goethe-Festwoche Gast des Goethe-Bundes war, wird ein aüfeitiger Wunsch der Gießener Literatur- und Bücherfreunde erfüllt. Im zweiten Teil des Abends wird die Tanzgruppe des Gießener Stadttheaters unter Leitung von Ballettmeisterin Thea Maaß Solo- und Gruppentänze bringen. Die Bürgerschaft unserer Stadt ist zu diesen Veranstaltungen besonders eingeladen. Auszeichnung eines verdienten Ruderers. Im Zusammenhang mit dem „Tag des deutschen Rudersports" am 7. April, also am kommenden Sonntag, wird ein Gießener Ruderer, und zwar der nach dem Weltkrieg so überaus erfolgreiche Skuller Karl I ö d t eine besondere Auszeichnung erfahren. Er erhält den Ehrenbrief des N S R L.-B e r e i ch s XII, eine hohe Auszeichnung also, die eine schöne Anerkennung für sportliche Leistungen und für den Einsatz um den deutschen Rudersport darstellt. Bei der am Sonntag mit der Eröffnung des Rudersportjahres 1940 wird, wie wir schon kurz berichteten, das Boot, das dem Graudenzer Ruderverein gestiftet worden ist, getauft. Es erhält nach neuerem Beschluß nicht den Namen „Deutfdje Treue — Gießen", sondern die Bezeichnung „Deutsche Treue — GR G. 1877 Gieße n". Durch diese Kennzeichnung soll der Spender des Bootes kenntlich gemacht werden. Wie wir von zuständiger Seite hören, hat sich die Gießener Rudergesellschaft bereit erklärt, bann, wenn sich Rudermannschaften zur Verfügung stellen und Meldungen abgeben, eineKrieasregatta abzuhalten. Der GRG. wäre diese Abhaltung am ersten möglich, weil sie über einen stattlichen Bvotspark von insgesamt 24 Booten verfügt, der ben meldenden Mannschaften den Transport ber eigenen Boote ersparen würde. Falls diese Regatta zustande kommt, berichten wir zu gegebener Zeit darüber. Mit Dank und Anerkennung hat es die Gießener Rudergesellschaft ausgenommen, daß sich die Technische Nothilfe zur Verfügung gestellt hak und bereit ist, die große Bootspritsche (Bootslände) vor dem Bootshaus auf das Wasser zu bringen, nachdem es der GRG. selbst nicht möglich ist, diese Arbeit auszuführen, da die meisten aktiven Ruderer unter den Fahnen stehen. * ** Treuer Mitarbeiter. In diesen Tagen konnte der .Handelsvertreter Franz S z c z e p a • niak, Bückingstraße 3, auf eine 25jährige Tätigkeit im Dienste der Firma Tabakwaren-Groß- und Kleinhandel Wilhelm Möser (Seltersweg 38) zurückblicken. Der Jubilar hat sich durch seine nimmermüde Mitarbeit allgemeine Anerkennung erworben. Zu seinem Ehrentag fand eine schlichte Betriebsfeier statt, bei der ihm Geschenke ber Mitarbeiter und ber Inhaber ber Firma überreicht mürben. MteWolMMenott. Homan non tjorfl Bicrnath. 22 Fortsetzung (Nachdruck verboten!) Menzel nannte seinen Namen und fragte, ob er Fräulein Naumann sprechen könne. Es kam ihm vor, als sei sein Name Frau Holzschuh nicht fremd. Aber sie schüttelte ihr stacheliges Haupt. „Fräulein Naumann —?" Die gedehnte Wiederholung des Namens mit dem deutlichen Fragezeichen dahinter gab dem Doktor zu verstehen, daß er sich doch nicht einbilden solle, Fräulein Naumann hätte nichts anderes zu tun, als bis zur Schlafenszeit auf ihn zu warten. „Fräulein Naumann ist heute den ganzen Tag über unterwegs gewesen und vor ’ner halben Stunde nur auf einen kurzen Sprung heimgekommen, um sich umzuziehen, zum Konzert. Und bann hat ber Herr von Parker sie im Automobil abgeholt!" Da sie münchnerisch sprach, saate sie „Autvmobui"; sie sagte es übrigens mit befonberem Nachbruck und fügte nach einer kleinen Weile hinzu: „Mei — das ist halt ein Schentelmenn, wie er im Buch steht, der Herr Mister Parker!" Also Parker heißt der Kerl! dachte der Doktor mit einem merkwürdig erlösten Gefühl, als wäre ein schemenhafter Gegner, ber bislang unangreifbar gewesen mar, plötzlich in einen Menschen aus Fleisch und Blut verwandelt worden. Und obwohl es ihn nach nichts heftiger gelüftete, als dieser von Herrn Parker so eingenommenen Dame einen Backenzahn ohne Betäubung zu ziehen, zwang er sich zu äußerer Liebenswürdigkeit und erkundigte sich geradezu geschraubt höflich, ob sie wohl imstande sei, ihm zu sagen, welches Konzert denn die Herrschaften besucht hätten. Er erfuhr, daß Parker — ein wirklich reizender Herr und gar nicht stolz bei seinem vielen Geld — in der Küche bei Frau Holzschuh auf Renate gewartet und dabei erzählt habe, daß sie zur Serenade in ben Brunnenhof gehen würden ... Eine knappe Viertelstunde später zerschnitt der Doktor, sonst überaus zurückhaltend und zart in solchen Dingen, gefühllos die hoffnungsvollen Fäden, die sich auf einer Bank des Hofgartens zwischen einem Jüngling auf der einen und einem Fräulein auf der anderen Bankseite gerade ange- spönnen hatten, indem er sich rücksichtslos zwischen die beiden jungen Leute setzte. Diese Bank, im Schatten einer Kugelakazie und nahe der Straße, lag dem Eingang zum Brunnenhof der Residenz schräg gegenüber. Mit einem Proviant von fünfundzwanzig Zigaretten ausgerüstet, hoffte der Doktor, auch eine lange Wartezeit auf seinem Posten zu überstehen. Wie er wußte, pflegten die Konzerte im Brunnenhof für gewöhnlich kurz vor elf beendet zu sein. Er streckte die Beine in ben Kiesweg hinein und hängte die Arme über das Rückenbrett der Bank. Mit der Zigarette im Mundwinkel, den Kopf schief zur Seite geneigt, betrachtete er die langgestreckte dunkle Front der Residenz, die vorübergleitenden Wagen und Bummler und lauschte dem Stundenschlag ber Turmuhr der Theatinerkirche. Wenn er sich vorbeugte, konnte er zwischen zwei Bäumen über die Arkaden hinweg ihre patinierten Kupferkuppeln erblicken, die, von Scheinwerfern angestrahlt, in wunderbarer Klarheit der architektonischen Linie wie auf ein riesiges Reißbrett gegen den tiefschwarzen Nachthimmel gespannt waren. Dreiviertel zehn — drei Schläge ... Er wandte kaum den Kopf, als drüben das Tor geöffnet wurde. Sein Blick glitt flüchtig über die Straße und über bas Paar hinweg, bas sich bort aus ber Schwärze des Tores loste und zwischen ben niedrigen Buchsbaumhecken die Richtung zu den Arkaden einschlug. Die Gestalten schwammen als undeutliche Lichtreflexe über den kurzgeschorenen Wegeinfassungen. Ein Helles Jäckchen über einem dunkleren langen Kleid: dem Mann an ihrer Seite webte ein hellgrauer Mantel vom Arm herab — jetzt warf er ihn sich über die Schulter . . Der Doktor wurde plötzlich sehr aufmerksam. Diese Bewegung, diese Art. den Mantel über der Schulter zu tragen, kam ihm merkwürdig bekannt vor. Er spie die Zigarette von den Lippen und starrte angestrengt hinüber. Ganz ohne Zweifel: Sie waren es. Renate und Parker! TO05 nur mochte sie veranlaßt haben, das Konzert so früh .zu verlassen? Sie überquerten den Platz von der Feldherrn- Halle und schlugen die Richtung ein, in der Parkers Hotel lag, ben TOeg, den der Doktor diesem Parker damals, bei dem ersten Zusammentreffen, beschrieben hatte. Er gewahrte, daß Renate ihre Hand in Parkers Arm legte, und verspürte plötzlich eine lähmende Schwere in den Gliedern; sein Herz hämmerte so heftig, daß er die Hand gegen die Brust pressen mußte. Zu spät —! dachte er betäubt. Mein Gott, weshalb hast du so lange gezögert? Jetzt geht sie zu ihm ... In weitem Abstand folgte er ihnen, mit blindem Gesicht und leerem Kopf. Wie durch ein Wunder kam er über zwei Straßen hinüber, ohne in cm Auto hineingelaufen zu sein. Ein paarmal stieß er vor, um sie einzuholen, zu grüßen, anzusprechen, den Ueberraschten zu spielen und sich einfach einzu- hängen ... Beim Ueberholen? Unmöglich! Zufälliger sah die Begegnung aus, wenn er ihnen entgegen f am. Parker und Renate bogen zum Maximillarsplatz ein; sie ließen die Anlagen links liegen. Der Doktor nützte die günstige Gelegenheit aus. Er eilte, im Schutz der Dunkelheit und eines endlosen Wagenparks, auf der andern Straßenseite an den Verfolgten vorbei, bis er einen Vorsprung von gut hundert Schritten herausgeholt hatte; bann ging er über die Straße hinüber, drehte sich um und schlenderte ben beiden entgegen — langsam und rote ein Mann, ber nicht schlüssig ist, was er mit sich und einem angebrochenen Abend an fangen solle. Ader fein Plan ging fehl. Als er sich ihnen etwa auf Rufweite genähert hatte, schwenkten sie rechts ab und verschwanden rn der Seitentür eines Der- gnügungspalastes, die zu den Tanzräumen und zur Bar hinunterführte. Der Doktor blieb stehen und atmete tief auf. Der quälende Druck, ber ihm den Hals zugeschnürt hatte, wich einem Gefühl ber Befreiung — und einer leisen Scham über feine eifersüchtige Einbildungskraft. Er wartete eine kleine Viertelstunde und gab bann in dem zu ebener Erde gelegenen Garderobe- raum fernen Hut ab. Die Bar. von der aus man ein Stück der Tanz- fläche überblicken konnte, war fast leer. Der Doktor schwang sich auf einen Schemel und nahm einen Kognak. Auf dem Parkett bewegten sich nur wenige Paare. Die Kellner an den 'Mitteltischen hatten noch nicht viel tu tun, und die Logen schienen auch nur schwach besetzt zu sein. Die Musik machte lange Pausen. Der Doktor schob den Aermel zurück und sah auf feine Uhr, wie ein Offizier, der die Minute des Sturmangriffs erwartet. Vielleicht lenkte ihn die Beobachtung des Zifferblatts von seiner Nervosität ab, oder vielleicht wartete er eine willkürlich ange« setzte Zeigerstellung ab, um noch eine Galgenfrist ZU gewinnen und sich gleichzeitig durch eine Art Orakelspruch zur Befolgung eines unangenehmen Entschlusses zu zwingen. Jedenfalls sprang er ziern- u.ch unvermittelt von seinem Schemel herab, verließ bie Bar und strich langsam an den Logen vorbei. In der vorletzten Nische entdeckte er sie. Ein Kellner beugte sich gerade über ihren Tisch, um die ®e- decke abzuraumen; sein weißer Rücken verdeckt« Renates Kopf. Der Doktor sah nur Parkers Profil, d" gebräunte Farbe seines Gesichts, die kurz geratene dreiste Bubennase, den sorgfältig gezogenen! Scheitel, das glatte, weiche Kinn. Keinen Dämon erblickte er, keinen Oger — einen gesitteten, gut erzogenen und fast etwas zu hübschen Allerweltsjungen ... Eine Gefahr für Renats Naumann? Höchstens die Gefahr einer Liebelei. Uno was gingen ihn die Herzensgeschichten dieses Mädchens an? Wußte der Teufel, wie Parker dazu gekommen war, Renate aufzusuchen! Vielleicht hatte er sie auf der Straße gesehen, war ihr gefolgt, wie man halt einem hübschen Mädel nachsteigt,' und hatte durch einen Zufall ober eine Nachfrage im Hause herausbekommen, daß sie Kunstgewerblerin war, was bann leichte Anknüpfungsmöolichketten ergab ... Sin Sekundenbruchteil hatte dem Doktor für diese Ueberlegungen genügt. Seine Absicht, sich an ihren A'ch M drängen, erschien ihm plötzlich so unverschämt, dumm, taktlos und durchsichtig, daß es für ibn nur noch eins gab — nämlich: das Lokal schleunigst zu verlassen. In diesem Augenblick trat der Kellner vom Tisch zurück. Der Doktor, eben im Begriff, bie Kelfft- roenbung zu machen, sah Renates Blick voll auf sich gerichtet. Er konnte Unmöglich noch so tun, als er» kenne er sie nicht. Er verbeugte sich also, fest entschlossen, dann eben nach seinem Gruß zu verschwinden, und sah, während er den Kopf wieder hob, daß sie ihm die Hand entgegenstreckte. Und für einen Moment glaubte er, aus ihrer Haltung und aus ihrem Ausdruck etwas herauszulesen, als käms lhr jein Erscheinen nicht ungelegen. (Forts, folgt)