mpsehle: 'tl-Essig orbflaschen ' und mehr Liter ilicyl temsänre ZC aller Art lloitt ^ote. 5438 'ischbaci. e Torten >,Wi n. Ui“- ■'SwCta ,l8Cl-bach. llen W‘ e? >ur'^ We7"n| juÄ iften öommerpreijet, roäcucs mnholz mmeter 10 Mark empsiehlt 516 Hof, inhofftraße 34. ii. SW ;N* und wtimefiti W ui O scHmck ne sämtliche iE) jiWzs empfiehlt -s [beim Orte itstrabe^v^ Sisttne Man« 6 100 $#« * „ moeferiiot b° i Germer lhet» b-' ®* 7^-" 2 Nr. 177 Erschein! täglich außer Smntags. Dem Gießewr Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Giehenei Zamilien- blätler oiernnl in der Woche ltigelegt. Rotattonsdmck u. Verlag der Bc ü h l'scheu Unioers.-B»ch- u.Stein- druckerei (Petfch Erben) Redaktion, Expedition und Truckerei: Schulfratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Frrnsprechcnschluß Nr. 51. Zweites Blatt. 152. Jahrgang Donnerstag 31. Juli 19018 Gießener Anzeiger General-Anzeiger v '6*®7 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezugspreis: monatlich75Ps., viertel» jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenprets: lokal I2PÜ auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Wittko; für „Stadt und Land" und „Gerichtssaal": Curt Plato; für den An- zeigonteil: Hans Beck. 2>ie heutige Yummer umfaßt 8 Seiten. Die Ilucht in die HeffentlichKeit. Mar schreibt uns aus Berlin, 30. Juli: Zuni „Fall Löhning" ist noch nichts eingetroffen in der „Nordd. Allg. Ztg." Die „Flucht in die Oeffentlrchkeit", ru der sich der wider Willen pensionierte Provinzialsteuer- direktor entschloß, scheint an amtlichen- Stellen mit starker Verblüffung zu wirken. Einstweilen versuchen ein paar Pseudo-Lffiziöse die Behauptung aufzustellen, Herrn Löh- nings Verlobung mit der Tochter eines ehemaligen Feldwebels /ei nicht der Grund der Maßregelung gewesen, sondern seine Mißbilligung einer entschiedenen Polenpolitik. Dem steht die von Löhning wörtlich wiedergegebene Be- merkurg des Oberpräsidenten gegenüber: „Die mir mitgeteilten Aeußerungen zur Polenpolitik können Ihnen den Hals nicht brechen." Man wird also vergeblich sich bemühen, das politische Motiv als maßgebend hinzustellen. Es wer taktisch geschickt, daß Herr Löhning in seiner Darlegung gleich seine politische Meinungen ausführlich erörtert hat. Wäre dies nicht mit der erforderlichen Offenheit geschehen, so konnte leicht gesagt werden: der Beamte war unhaltbar, er widersetzte sich oer Politik der Regierung. Nun muß man allerdings zugeben, daß, zumal ein hoher Beamter, wenn, er in Opposition tritt zur Politik der Regierung, sich nicht darüber beklagen kann, wenn die Regierung ihm nicht mit Wohlwollen vergilt. Mer erstens hat die Verwaltung des Herrn Löhning mit der Ausführung der Polenpolitik nichts zu thun, und zweitens handelt es sich um Aeußerungen zur Polenpolitik, die im mündlichen and schriftlichen Verkehr mit Beamten höheren Ranges erfolgt sind. Cs kann nicht schaden, daß innerhalb solcher Kreise, die man zu den leitenden rechnet, gelegentlich auch eine abweichende Meinung sich geltend macht. Herr Löhning bat, wie immer man auch über die Polenpolitik denken mag, oen Mut gehabt, seine Kritik zum Ausdruck zu bringen. Nicht ohne pikantes Interesse ist in der gestrigen Abend- ausgabe der „Kreuzztg." die nachträgliche Wiedergabe der Aeußerungen des Oberpräsidenten, v. Bitter, in der Unterredung mit Löhning. Das Organ der Konservativen hebt folgenden Satz., den angeblich Herr v. Bitter gesprochen, durch den Druck hervor: „Gin Ministerialrat, ein Ober-Regierungsrat mag eine solche Heirat schließen". Im „Briefkasten" fügt die „Kreuzztg." folgende Alosse hinzu: „Herrn B. hier. Auf Ihren Wunsch drucken vir die sonderbare Aeußerung des Oberpräsidenten v. Bitter unter den Berliner Nachrichten ab." Augenscheinlich hat Der Sinn jener Aeußerung — vorausgesetzt, daß sie den Thatsachen entspricht —: es komme bei einem Ministerialrat, einem Ober-Regierungsrat nicht so genau auf standesgemäße Heirat an, Verdruß in den in Betracht kommenden Seamtenschichten erregt In der konservativen Partei hat man die Beamten-Maßregelungen wegen der Kanal- Opposition in Erinnerung behalten, wenn auch die gemaßregelten Herren zuguterletzt „die Treppe hinauffielen", d. h. in höhere Aemter befördert wurden. Die Aeußerung Des Herrn v. Bitter dürfte bewirken, daß Herr v. Löhning auch auf der Rechten Sympathien gewinnt, und daß somit bei der Besprechung des Falles im preußischen Landtag Kinanzminister Frhr. v. Rheinbaben einen schweren Stand haben wird. Die Spannung wächst, in welcher Weise für jetzt eine amtliche Stellungnahme erfolgt. Täuscht nia>t alles, so hat der Ehemalige Provinzialsteuerdirektor noch ckliche „Pfeile im Köcher". Die Rechtfertigung dieser auf- jehenerregenden Pensionierung wird so umfassend als möglich sein müssen, Punkt für Punkt eingehend auf die Löh- ningsche Darlegung.des Falles. Die „Pos. Ztg." verzeichnet das Gerücht, daß der Oberregierungsrat Gesch in Posen demnächst in das Finanzministerium berufen werden wird. Gesch ist bekanntlich derjenige Beamte, auf dessen dem Finanzminister gemachte Mitteilung Provinzialsteuerdirektor Löhning das gegen chn .eingeschlagene Verfahren zurückführt! Politische Tagesschau. Universitätsfragen. Die „Kreuzztg." macht darauf aufmerksam, daß in Preußen bei der neuen Universität Münster zum erstenmal eine „r echts- und staatswissenschaftliche Aakultät" entgegentritt statt der in allen preußischen Universitäten sonst üblichen „juristischen Fakultät". Die Kaatswissenschaftlichen Fächer, z. B. Nationalökonomie und Zinanzwisseuschast, sind sonst in Preußen überall der philo- ßophischen Fakultät eingefügt, in Münster dagegen der juristi- jchen Fakultät überlassen. Während dies für Preußen, wie xefagt, etwas Neues darstetlt, findet es sich im übrigen Deutschland hier und da genau so; man begegnet aber auch anderen Verbindungen. Das genannte Blatt giebt davon folgende Zusammenstellung: In Bayern hat jede der drei Universitäten ihr besonderes Gepräge. München hat 5 Fakultäten, di.' theologische, juristische, staatslvirtschaftliche (so — nur hier!), medizinische und philosophische. Diese letztere ist wieder in zwei Sektionen geteilt. In Würzburg finden wir vier Fakultäten, neben der theologischen, medizinischen und der gleichfalls in zwei Sektionen — eine philologische historische und eine naturwissenschaftlich-mathematische — geteilten philosophischen eine „rechts- und staatswissen- schastliche". Erlangen ist genau wie die bisherigen preußischen Universitäten organisiert. Auch, Badens zwei Universitäten haben verschiedenartige Fakultätseinteilung. Während Heidelberg, wie Preußen, nur eine juristische Fakultät kennt, hat Freiburg i. B. eine „rechts- und staats- wissenschastliche", bei beiden ist die philasophis cheFakultät nicht wie in Bayern in zwei Sektionen, sondern in zwei Fakultäten geschieden. Leipzig, Gießen, Jena und Rostock haben die alte preußische Organisation. Straßburg dagegen hat, wie jetzt Münster, eine „rechts- und staatswissenschaftliche" Fakultät und daneben eine „philosophische" und eine „mathematisch^naturwissenschaftliche". Tübingen hat die am meisten gegliederte Organisation, nämlich sieben Fakultäten: zwei theologische, die juristische, die medizinische, philosophische, staatswissenschaftliche und naturwissenschaftliche. Hier sind also die Staatswissenschaften ganz selbständig geworden. In Oesterreich haben alle Universitäten: Wien, Graz, Innsbruck, Prag, Czernowitz, dieselbe Organisation, die jetzt Münster erhalten hat. In der Schweiz entbehren Freiburg und Neuchatel, ganz wie Münster, der meoizigischen Fakultät, und Neuchatel nennt sich wie bisher Münster, trotzdem es eine „juristische Fakultät" hat, noch „Akademie". In beiden ist die philosophische Fakultät in üblicher Weise geteilt. Basel hat neben der theologischen, juristischen und medizinischen eine in die üblichen zwei „Mteilungen" zerfallende philosophische Fakultät. In Bern ist es ebenso, nur hat es noch eine katholischtheologische Fakultät neben der evangelischen, und als etwas ganz Singuläres eine veterinär-medizinische" Fakultät. In Summa also sechA. In Genf finden wir neben den ersten drei Fakultäten als vierte eine „litterarische und sozialwissenschaftliche", und als fünfte die „naturwissenschaftliche". Tie Staatswissenschaften gehören also hier, wie bisher in Preußen, der philosophischen Fakultät an. Lausanne entspricht hinsichtlich der ersten drei Fakultäten dem alten preußischen Typus; außerdem aber giebt es eine „philosophische" und eine „namrwissensch,aftliche", die sich wieder in drei Sektionen — die mathematischf-naturwissenschiast- liche, die pharmazeutische und technische gliedert. In Zürich findet sich neben der theologischen, medizinischen und der in die bekannten zwei Sektionen geteilten philosophischen Fakultät, eine „ftaatswissenschaftliche", zu der aber auch die juristischen Dozenten gerechnet werden. Und schließlich in Dorpat begegnet uns die in Preußen übliche Organisation, nur daß es keine einheitliche philosophische Fakultät giebt, sondern eine „historisch-philologische" und eine „physiko-mathematische". Daß in Preußen Bonn und Breslau fünf Fakultäten besitzen, nämlich zwei theologische, ist bekannt. Man sieht, die Mannigfaltigkeit ist ziemlich groß. Ganz gleichartig sind Gießen, Jena, Leipzig, Rostock, Königsberg, Berlin, Greifswald, Kiel, Halle, Marburg, Göttingen Erlangen; fünf Fakultäten (zwei theologische) haben Bonn und Breslau in Preußen. Mit dessen jüngster Universität Münster tritt nun die erste grundsätzliche Aenderung der Fakultäten in Preußen ein. Vom französischen Kulturkampf. Ministerpräsident Combes empfing am Mittwoch den Vorsitzenden des Stadtrats von Paris, Escudier, der die in Paris durch die Schließung der Schulen der Kongreganisten geschaffene Lage besprach. Ministerpräsident Combes antwortete, daß alle Maßnahmen getroffen seien, um alle Schüler der Kongreganistenschulen in die öffentlichen Schulen aufzunehmen. In Brest wurden in bretonischer Sprache abgefaßte Flugschriften verteilt, in denen die Landbewohner zum Widerstand aufgereizt werden. Die Wachen vor den Schulen der Schwestern sind überall verdoppelt worden. — In Saint- Meen wurde auf zwei Personen geschossen, welche riefen: „Nieder mit den Priestern!" Die Personen wurden aber nicht verletzt. Mehrere religiöse Anstalten in Saint-Etienne beschlossen, Widerstand zu leisten. Die Sozialisten wollen 'zu gunsten der Anwendung des Gesetzes Kundgebungen veranstalten. — Der Polizeikommissar in Con- carneau begab sich nach der Niederlassung der Schulschwestern, um diesen zu raten, sich zu unterwerfen, konnte aber nicht bis zu der Schule Vordringen, da der dorthin führende Weg von Schiffern, Fischern und Frauen bewacht wurde. Deutsches Reich. Berlin, 30. Juli. Aus Brunsbüttelkoog wird gemeldet: Der Kaiser ist an Bord der „Hohenzollern" heute nacht 12 Uhr hier eingetroffen und trat sofort die Weiterreise nach Kiel durch den Kanal an. — Eine Ehrengabe an den Kaiser wird die Kolonie der deutschen Reichsangehörigen in Reval und Estland dem Monarchen gelegentlich seiner bevorstehenden Anwesenheit auf der Rhede von Reval durch die deutsch« Botschaft in St. Petersburg überreichen lassen. Das Geschenk besteht in einem reich mit Silber verzierten Album mit künstlerisch hergestelltem Titelblatt und sechzehn photographischen Aufnahmen, welche die bemerkenswertesten Sehenswürdigkeiten der Stadt Reval darstellen. Begleitet ist das Album von einer Adresse, die vom Präses des Revaler Vereins deutscher Staatsangehöriger unterzeichnet ist. — Staatssekretär v. Tirpitz wird im Gefolge des Kaisers die Reise nach Reval mitmachen. Auf dieser Fahrt wird außer dem Kreuzer „Prinz Heinrich" auch der Kreuzer „Nymphe" die Kaiseryacht hohenzollern" begleiten. — Am heutigen 4. Todestage des Fürsten Bismarck wurde von der kameradschaftlichen Vereinigung „Fürst Otto von Bismarck" an dem Bismarckdenkmal ein Kranz niedergelegt. — Ter Oberhäuptling Manga Belt aus Kamerun, der Sohn des bctannten Dualla-Häuptlings King Bell, weilt zurzeit mit zwei Söhnen und einem Enkel in Berlin. Bell will mit der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes Im Interesse seines Volkes in Verbindung treten. — Die „Dtsch. Tgsztg." äußert sich heute abend zu dem beabsichtigten Rücktritt des Frhrn. v. Wangen^ heim vom Vorsitz des Bundes der Landwirte u. a. wie folgt: Alle Kombinationen der Presse sind müßiges Gerede. Es ist genau so, wie Frhr. v. Wangenheim gesagt hat. Sein Weggang bedeutet für den Bund keinerlei Systemwechsel. Dazu ist der Bund eine zu festgefügte Organisation, und die Richtung der Bundespolltik wird auch nicht von dieser oder jener einzelnen Person bestimmt, sondern beruht auf den kollegialischen Beschlüssen des Bundesvorstandes. Nur wenn das ganze Kollegium zurückträte, wäre eine Aenderung in der Richtung dieser Politik denkbar. Im übrigen geben wir die Hoffnung noch nicht auf, daß die gegenwärtige Msicht des Frhrn. v. Wangenheim schließ lich doch nicht zur Verwirklichung gelangt. — Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge erhielten anläßlich des Besuches des Prinzen Heinri ch in den Verein. Staaten mehrere amerikanische Staatsangehörige Orden, darunter der Bürgermeister Ashbridge-Philadelphia, Bürgermeister Fleischmann-Cincinnati, Bürgermeister Wells- St. Louis und der Cxgouverneur Francis-St. Louis den Roten Adlerorden 3. Klasse, der Präsident des Germania- Männerchors Fischer-Chicago und Universitäts-Professor Klenze-Chicago den Roten Adlerorden 4. Klasse, Herr Mel-- Ville-Stone-Newyork den Kronenorden 2. Klasse. — Wie aus London telegraphiert wird, werden Prinz Heinrich und Gemahlin der Krönung König Eduards am 9. August nicht als offizielle Vertreter des Kaisers, sondern lediglich als Verwandte der englischen Königsfamilie beiwohnen. Auch die übrigen Höfe werden nicht durch Angehörige der regierenden Familie, sondern durch die Botschafter bei der Krönung vertreten sein. Hamburg, 30. Juli. Aus Anlaß des Todes-- tages Bismarcks legte Fürst Herbert Bismarck, der gestern in Friedrichsruh cingetroffen .ist, einen Kranz imj Mausoleum zu Friedrichsruh nieder. Auch von anderem Seiten trafen Kränze ein, so von der Gräfin v. Rcmtzaul und dem Verband deutscher Industriellen. München, 30. Juli. Der General der Infanterie z. D. Friedrich v. Buz ist heute gestorben- Heer und Flotte. Kastel, 30. Juli. Die hier gebildete Radfahrer-» abteilung des 18. Armeekorps, welche in den letzten Tagen recht beträchtliche Leistungen im Tourenfahren, wie z. B. nach Münster a. S, Limburg, Boppard usw., zeigte, also an manchen Tagen etwa 150 Km. zurückgelegt hatte, wurde gestern im Gefechtsexerzieren im Gelände und heute vormittag im Ginzelexerzieren auf der Esplanade bei Fort Bingen durch den Kommandeur der 41. Jnsanteriebrigade, Generalmajor v. Bredow, besichtigt. Ausland. London, 30. Juli. Die Konferenz auf dem Auswärtigen Amte über den Vertrag mit China billigte das Abkommen, sodaß die Regierung ihre Zustimmung zu dem Vertrage geben dürfte. — In Liverpool traf die Nachricht ein, daß der Kommandant der Eingeborenen-Miliz im französischen Kongo-Gebiet d'Anglais von Paduins bei Libreville ermordet worden sei. — Aus der Delagoa-Bucht laust die Melduüg ein, daß nach einem neuerdings veröffentlichten Edikt alle Passagiere, die auf portugiesischem Gebiet zu landen wünschen, 20 Pfund Sterling hinterlegen und sich naäy, acht Tagen melden müssen. Wenn sie nach dieser Frist keine Arbeit gefunden haben, ohne die nötigen Subsistenzmittel zu besitzen, werden sie ausgewiesen. — (Unterhaus.) Gibson Bowles fragt an, ob die Regierung über die Landankäufe durch den russischen Konsul auf der Bahreininsel im Persischen Golf in Kenntnis gesetzt sei und ob die Regierung zu dem' Zwecke, Verwickelungen in Persien vorzubeugen, die bevorstehende Ankunft des Schahs von Persien benutze, um sich mit ihm und der russischen Regierung ins Einvernehmen zu setzen über die Maßregeln zur Sicherung der Unabhängigkeit und Unantastbarkeit Persiens durch den formellen Vertrag. Staatssekretär Cranborne beantwortet die erste Anfrage verneinend. Hinsichtlich der zweiten erklärt er, er vertraue daraus, daß das Haus von ihm keine Erklärung über die Gegenstände verlange, die möglicherweise mit dem Schah bei Gelegenheit des Besuches besprochen werden. Premierminister Balfour verkündet, daß Lord Elain wahrscheinlich zum Vorsitzenden der U n t e r s u ch n n g s - kommtssion über den Krieg ernannt würde, die sich mit der Prüfung der Aufwendungen für die Beschaffung von Soldaten, Munition, Ausrüstungsgegenständen und Transportmitteln während des Krieges beschäftigen werde und mit der Untersuchung über die kriegerischen Operationen vor der Besetzung Pretorias. — Die „Central News" melden aus Kapstadt: Louis Botha, Dewet und Delarcy besuchten heute den Gouverneur und den Premierminister. Nachmittags schifften sich die drei Generale nach Southampton ein. Ihre Wagen wurden durch die Straßen gezogen, eine große Bolksnienae bejubelte sie äußerst herzlich. In einem der Wagen wurde eine transvaalsck>e Fahne entfaltet, die anderen Insassen des Wagens nahmen aber die Fahne sofort weg. Tie Behörden machten lein:n Versuch, dieDemonstrationen zu unterdrücken. Brüssel, 30. Juli. Botha, Dewet und Delorey werden zu Gunsten ihrer im Kriege verarmten S-itaminesgenosselc in Europa Vorträge halten. — Die frankoftscher Orden nachBelgien Hal wiederum in großem Umfange begonnen; Bern, 30. Juli. Amtlich wird gemeldet: Dank der guten Dienste der deutschen Reichsregierung haben die schweizerische und die italienische Regierung, um ihre bezüglichen Vertretungen wieder in normale Verhältnisse bringen, beschlossen, unter gleichzeitiger Abberufung ihrer respektiven Gesandten Dr. jur. (Sartin und Silvestrelli die vorläufige Leitung der respektiven Gesandtschaften den ersten Sekretären derselben, Legationsrat Feroinaud du Martheray und Cavaliere de Martino bis zur bald bevorstenden Ernennung neuer Titu- lare zu übertragen. Konstantinopel, 30. Juli. In der Garnison von Lvnstautiwopel zeigt sich Unzufriedenheit. Die Regierung hat von der Tabakregie einen Vorschuß von 60000 Pfund erhalten, um damit einen Monatsso ld bezahlen zu können. — In diplomatischen Kreisen folgt man mit größerer Aufmerksamkeit als sonst um diese Jahreszeit den Vor- gängen in Mazed onien. Sonst gelangte die Bewegung während der Sommermonate zum Stillstände. Allein in diesem Jahre hat die mazedonische Agitation weiter gearbeitet. Troß aller Dementis wird von einwandfreier Seite bestätigt, daß kürzlich Kämpfe bei Strumnitza stattge- sunden haben. Zahlreiche Banden halten sich im Rayon von Prile und Kruschera auf. Am 24. Juli kam es bei Cvamu und Kasa-Gewgeti zu großen Zusammenstößen, wobei neun türkische Soldaten getötet wurden. Tripolis, 30. Juli. Das italien i sche Geschwcr- der ist heute zum Besuche der anderen tripotitanischen Häfen abgegangen. In Tripolis blieben der Panzerkreuzer ,/Garibaldi" und drei Torpedobootszerstörer zurück. Manbara (Britisch Ostafrika), 30. Juli. Die Majore Radcliffe und Bright, die britischen Kommissare für die »Festsetzung der Grenze zwischen Deuts ch - O st - asrikaund Uganda, sind hier eingetroffen. Kap Haitien, 30. Juli. Die hauptstädtischen Truppen sind geschlagen; das Kanoneitboot „Cretea- pierrot" bedroht Port-au-Prince. Aus Stadt und Land. Gießen, den 31. Juli 1902. * * Provinzialdirektor Dr. Breidert hat heute «seinen Urlaub angetreten. Er wird von Regierungsrat Dr. Wagner vertreten. * * An der hiesigen Universität promovierte heute auf Grund seiner Dissertation „De captivis Romanorum“ ßtud. phil. Eugen Köser aus Gießen. * * Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 12, ausgegeben am 29. Juli ds. Js., enthält: 1. Oeffentliche Anerkennung einer edlen That. 2. Bekanntmachung, die Ergebnisse aus der Rechnung der Staatsschuldenverwaltung für das Etatsjahr 1898/99 betreffend. 3. Namensveränderungen. 4. Dienstnachrichten. * * Staatsschuldenverwaltung. Eine im Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 20, veröffentlichte vergleichende Zusammenstellung der Aktiven und Passiven der Großh. Hess. Staatsschuldenverwaltung zu Ende 1898/99 ergiebt: 1. Aktiva: 17 501 626 Mk. 51 Pfg. (eigentliche Staatsschuld 12 471 102 Mk. 32 Pfg., Staatsrentenablösungsschuld 4 738 528 Mk. 88 Pfg., Landeskulturrentenschuld 291 995 Mk. 41 Pf.); 2. Passiva: 259482771M. 83 Pf. (eigentliche Staatsschuld 254 468 182 Mk. 95 Pfg., Staatsrentenablösungsschuld 4 738 518 Mk. 88 Pf., Landeskulturrentenschuld 276 060 Mk.), verglichen bleibt ein Passivstand zu Ende des Etatsjahres 1898/99 von 241 981 141 Mk. 22 Pfg. T? D i e Wirts chaftsgenossenschaft des Verbandes D. Post- u. Telegr.-Assist., E. G. m. b. H., von der einzelne sich soviel versprochen, wird mit Ablauf des Jahres ausgehoben. Äe hat bei den Ver- bändlern nicht genügend Anklang gefunden. Von 20 000 Mitgliedern des Verbandes haben sich nur 300 der Genossenschaft angeschlossen mit einem Geschäftsanteil von je 50 Mk. und selbst ein Teil dieser Mitglieder hat selten oder gar nicht Waren von der Genossenschaft bezogen. Die Mehrheit der Post- und Telegr.-Ass. im Verband steht auf dem Standpunkt, daß der Staats- und Gemeindebeamte nicht den Geschäftsleuten ins Handwerk p f u s ch e n soll; sie sagen sich mit Recht, der Gehalt der Beamten wird vom Staat bezw. der Gemeinde gezahlt und zwar aus Mitteln, die von der Gesamtheit aufgebracht werden. Staat und Gemeinde aber haben ein großes Interesse daran, daß die Gesamtheit steuerkräftig bleibt, es kann daher nicht Aufgabe der Beamten sein, Teile der Gesamtheit durch Gründung von Konsumvereinen rc. zu schädigen. t? Die Kosten des Lebensunterhaltes in Familien. Um festzustellen, welche Ausgaben der Lebensunterhalt einer mittleren Beamtenfamilie durchschnittlich pro Monat erfordert, läßt der Verband deutscher Post- und Telegr.-Assiftenten von einzelnen seiner Mitglieder in allen Teilen des Reiches (abgesehen von Bayern und Württemberg) rnonatliche Haushaltungsrechnungen aufstellen; die Formulare liefert der Verband. Die Rechnungen werden monatlich abgeschlossen, dem Verbandsvorstand übersandt, hier von geeigneten Personen gewissenhaft geprüft, und weiter behandelt. ? Salzschlirf, 30. Juli. Ter gestrige Tag war für unser so schon aufblühendes Bad — die Zahl der Kurgäste in diesem Jahre ist bis jetzt schon auf 2300 gestiegen — ganz besonders bedeutungsvoll, denn er brachte uns die Einweihung der neuerbauten e vangelischeu Kirch e. Bisher waren die evangelischen Bewohner und Kurgäste Salzschlirfs kirchlich schlecht versorgt. Bis zum Jahre 1897 mußten sie zum Gottesdienst nach dem hessischen Orte Landenhausen wandern, was namentlich für viele Kurgäste sehr beschwerlich oder ganz unmöglich war. Seit dem Jahre 1897 begannen die Fuldaer Geistlichen regelmäßige Gottesdienste zu halten, wofür ihnen von der Kurverwaltung die nötigen Räume zur Verfügung gestellt wurden, erst vierzehntägig, dann jeden Sonntag. Als für das wachsende Bedürfnis die Räume immer weniger genügen wollten, faßte man ernstlich den Bau einer cüang. Kirche ins Auge. Nachdem die Kurverwaltung auch dafür einen herrlichen Bauplatz geschenkt hatte, wurde im vorigen Jahr im Vertrauen auf die Beihilfe des Gustav Adolf-Vereins und der evang. Kurgäste zur Ausführung geschritten. Und nun erhebt sich das schmucke Kirchlein auf dem Bergabhang am westlichen Ende des Kurparkes, ganz nahe beim Bahnhof. In einfachen gotischen Formen aus Sandstein erbaut, grüßt es als erstes den in Salzschlirf Einfahrenden mit feinem schlanken Turm. Es faH 230 .Sitzplätze, hol ca 40000 Mk. gekostet und macht mit feiner einfachen, aber würdigen inneren Ausstattung, seiner in Holzvertäfelung ausgeführten Deckenkonstruktion dem Erbauer, Baurat Wolff von Fulda, alle Ehre. Leider konnte es mit feinen bescheidenen Raumverhältnissen nur einen kleinen Teil der fteftgemeinbe fassen. Waren doch außer den Evangelisch. iSt*i Kirche und Schule. Dessau, 29. Juli. Die Staatsanwaltschaft hat die strafrechtliche U n t e r s u ch u n g gegen den Direktor der Köthener technischen Fachschule Dr. Hopfapfel wegen Fälschung von Aogangs- dnplomen heute e i n g e st e l l t. Universitäts-Nachrichten. — Den Unioersitätsprof. Dr. Hellwig und Dr. I h m e l s tm Erlangen wurde die erbetene Enthebung von ihren Stellen b ewMgt. — Wiener medizinische Blätter erhalten über den Gesundheitszustand desProfeffors Virchow ungünstige Nachrichten. Der g reise Gelehrte dürste schwerlich sein Lehramt wieder aufnehmen. — Die drei badischen Hochschulen werden nun doch, wie die „Bad. Korr." aus gut unterrichteter Quelle mittellt, dem Groß- h«rzog eine Adresse bezüglich der Klosterfrage unterbreiten. Sämtliche katholische Profefforen der technischen Hochschule hoben Sie Adresse unterzeichnet und mit Ausnahme der katholischen Tbeo- lcogen auch fast alle Dozenten der beiden Universitäten Der Wort- taut der Adresse wird erst nach ihrer Ueberreichung bekannt ge= o tben werden. •H- 12. rlllgemeiue deutsche Studenteukouferenz. Das Sureau der Allgemeinen deutschen Studentenkonferenz in Halle a. S. nläßt eine Einladung an die Studierenden aller Fakultäten zur 12. Allgemeinen Studentenkonferenz in Eisenach vom 7—11 August 1902. Anmeldungen sind bis zum 1. August an obiges Bureau zu rechten- Die Teilnehmerkarte kostet 1 Mark, die Mahlzeiten täglich 1,80 Mark, das Quartier ist frei. Kunst und Wissenschaft. — Ein neuer Kund aus der Saalburg. Bei den fortgesetzten Ausgrabungen in der bürgerlichen Niederlassung der Saalburg rechts der Römerstraße nach Heddernheim ist dieser Tage caderinals ein neuer interessanter Fund gemacht worden, indem m ter Nahe einer Kellermauer die etwa 10 Etm. hohe Bronce - s igur eines nackten Mannes zum Vorschein kam, der die £üBe fehlen, die aber fonst gut erhalten ist. Das Haupt ist von mächtigen Locken umgeben, und manches deutet darauf hin, daß es sich um ein JupiterbUd handelt. Die rechte etwas plump und ir>erkwürdigerweise zu groß geratene Hand ist nach unten aus- g estreckt, während die erhobene Linke offenbar einen Stab oder der- mieichen hielt. In der Nähe lag eine Silbermünze des Septimius Severus. Der Fund ist sehr beachtenswert, wenn man die Selten- b eit derartiger figürlicher Bronzesunde am Lünes berücksichtigt. Lüuf der Saalburg ist z. B., von einigen wenigen Bruchstücken einer g roßen Kaiserstatue und einigen von Bronzegeräten stammenden Löpfchen abgesehen, bisher nur eine wenig gut erhaltene Statuette lßchrr Einfall. Er stellte einfach sein Eßgeschirr über das Auge. Als die Eingeborenen nun sahen, daß sie nicht mehr beobachtet wurden, legten sich alle hin und schliefen fnedlich. „ , ♦ Fröhliches Studentenleben pulsiert noch tu Leidelber g und wird vom größten Teil der Bevölkerung auch als solches ausgenommen und beurteilt. Das bewiesen dieser Tage wieder zwei Vorgänge, die von einer vielköpfigen Zuschauermenge herzlich belacht wurden. Morgens begleitete eine Studentenverbindung einen zu einer Larzerstrafe verurteilten Kommilitonen nach dem „fidelen Gefängnis". Der Delinquent befand sich, mit schweren, Mstigeu Ketten gefesselt, aus einem zweir äderig en, mit einem Pferde bespannten Karren und wurde an dem Thore des Lerühmten Studentengefängnisses zur Verbüßung seiner Strafe abgeliesert. — Am Nachmittag brachten Mitglieder Liner anderen Verbindung dreien ihrer Kommilitonen, die auf einige Tage in den Karzer wanderten, ein fröhliches, Ltwas glänzenderes Komitat. Eröffnet wurde dasselbe durch Herolde, denen ein Trompeterkorps auf einem Leiterwagen folgte. Die Karzerkandidaten waren in einem großen, von Kühen gezogenen Käsig untergebracht. Der Henker in rotem Gewände hielt Wache davor, und jammernd umstanden chn drei „zarte Vtagdelein". In einer aus dem vorigen Jahrhundert stammenden Kalesche wurden die Betten und sonstigen Requisiten der „Verbrecher" mitgesührt, während die Aktiven unter Singen das Ganze durch die Anlage und Hauptstraße an seinen Bestimmungsort eskortierten. ipore wird leie» Tampfer Princr 'onf. Der letztere geschleppt. Am if en. urbe ein leichte: angerichtet. Der n. e erhängte sich : Friedrich Lemke die eine Freundin :r hatte sich beste aber seit einem ib unierte |ie n fyäuSlity Aus- r fetecte L. seiner üM, Wv/ veüMÜe besc. rückte den r; inn vor chm 0 uje lm und i? laublichen bös» urienten, di! er hiesigen Ltz- : den oorzeitiga Aufgaben zu uei Cberprunonc ihrer wenig flj» rerienanfang Prufungsarbeüa Mersaßtend- o di-E von Der UR iteti Stuf« di- [hot vor dem *• ert Unnate vorher Ai- «ff ihi- b£m &■«’“ ft «urcauräume^ SSSfffi ig « iU I™ TO#' .auf 6t» “n ‘® j»1 d°s 6t» Eisenbahn Zeitung. — Neber ein Eiseubahnprojett, durch das eine neue Werbindung des Ostens mit dem Westen hergestellt werden jooll, wird folgendes mitgeteilt: „Die Bahn soll in Schneidemühl L itnren Ausgang nehmen und zunächst bis Wittenberge an der H 6äbe fortgeführt werden. Die in Aussicht genommene Linie erreicht öni Zatten den Arnswalder Kreis und fährt dann über Pyritz, ! ‘ Lchwedt, Anqermünde. Zehdenick, Neu-Ruppin und Kyritz, um danach in Wittenberge zu endigen. Später ist der Weiterbau nach Lalzwedel und Hannover geplant. Mit den in Betracht kommenden Städten, Kreisen rmdLandgemeinden sind bereits Verhand- hingen eingeleitet wegen unentgeltlicher Bereüstellung von Grund u:jib Boden für die geplanten Eisenbahnlinien." und einem Delegierten der portugiesischen Regierung über dessen Ausführung getroffenen Vereinbarungen einstimmig einverstanden. Ans der Pfalz, 30. Juli. Ter wegen Wechselfälschungen verhastete Eigarrenfabrikant Masfot aus Mutterstadt, der wegen Krankheit aus dem Gefängnis in Frankenthal in das dortige EUsabechenhospital überführt worden war, ist flüchtig geworden. Markte. Ulrichstein, 30. Juli. Unser dreitägiger Jakobimark ging heute zu Ende. Mit seiner Verlegung hatte man insofern sehr viel gewonnen, als ihm das Wetter recht günstig gewesen. Die Auffahrt an Rindvieh war recht beachtenswert. Die sehr hohen Preise für das Rindvieh zeigten indessen etwas Verflauung. Der Handel ging deshalb umso flotter. Für erstklassiges Vieh wurden immer noch recht ansehnliche Preise bezahlt. Gute Milchkühe gingen mit 350—400 und 450 Mk. ab, zweijährige Stiere kosteten bis 300 und 320 Mk. Auswärtige Handelsleute zeigten rege Kauflust. Ter gestrige Schweinemarkt war recht stark befahren. Auch hierbei zeigte sich eine Abschwächung der seitherigen abnorm hohen Preise. Sicherlich wirkt die Aussicht auf eine minder reiche Kartoffel- und Hackpflanzenernte preisschwächend. Dessenungeachtet müssen doch die erzielten Preise als hoch genug bezeichnet werden. Ferkel 1. Sorte kosteten immer noch 50—65Mk., 2. Sorte 45—50 Mk. und 40—45 Mk. Der heutige dritte Markttag, der sogenannte „Leutmarkt", war wie immer aus der Umgegend stark besucht, doch mochte die begonnene Kornernte, deren erste „Hausten" von den Bergen grüßen, manche Schnitterin und manchen Schnitter vom Besuche des Marktfesttages abgehalten haben. Schiffsnachrichten. Norddeutsch er Lloyd. In Gießen vertreten durch Carl Loos, Kirchenplatz. Bremen, 30. Juli. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben-Postdampfer „Hannover", Kapitän H. Jaeobs, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist heute 8 Uhr morgens wohlbehallen in Baltimore angekommen. Kirchliche Nachrichten. Methodisten-Gemeinde. (Asterweg 16.) Sonntag Abend 8 Uhr: Predigt und jeden Mittwoch Abend */r9 Uhr: Bibelstunde. Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesellschast. Sabbathseier am 2. August 1902. Freitag abend 7SO. Samstag vormittag 800. Nachmittag 4. Sabbathausgang 9°°. Wochengottesdienst: morgens 680 Uhr, abends 700 Uhr. Gingesandt. (Für Form und Jnbalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Das „Eingesandt" in Nr. 169 ds. Bl. ist uns aus der Seele gesprochen. Wir haben uns schon lange gewundert, daß die betr. Forstbehörde nicht einen für besseren Weg sorgt, es sei denn, daß er als Abschreckungsmittel dienen soll, um den Ausflüglern den Besuch des lieblichen Arnsburg zu verleiden. Sollte das nicht der Fall sein, so empfehlen wir der Forstbehörde den prachwollen Fußweg zur Nachahmung, den die hiesige Behörde für die Besucher des Schiffenbergs hat anlegen lassen. Auch Einer für sehr Viele. Krieskasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) C. S. Die Mensurgeschichte des verewigten Herzogs Eugen von Württemberg, der die seltene Auszeichnung der Korpsschleife der Göttinger „Saxonia" mrd mit ihr das Recht erhielt, oieselbe Mütze wie die Aktiven und die alten Herren zu tragen, trug sich folgendermaßen zu: Es war zu Ohren des damaligen Prorektors der Göttinger Universität, Pros. Dr. Thoel, gekommen, daß an demselben Tage, 11 Uhr morgens, auf dem „Rhons" bei Göttingen eine Mensur des He^ogs stattfinden solle. Das glaubte Se. Aiagnificenz, dem die Kunde davon übrigens erst 9 Uhr morgens geworden war, inhibieren zu müssen. Er ließ deshalb schleunigst ine Pedelle zu sich entbieten — die Alma mater Georgia Augusta hatte bis 1870 noch die volle Universitäts-GerichtsbaÄett —, um ihnen seine Weisung betr. Störung der Mensur zu geben. Als die Pedelle noch beim Prorektor weilten, fuhr bei chm gegen 10 Uhr der Herzog vor. Höchlichst erstaunt fragte der Prorektor: „Aber, Königl. Hohett, Sie hier, ich hörte—". „Ich weiß schon", fiel ihm der Herzog ins Wort, „Magmfieenz ist auch dieses sonderbare Gerücht zu Öhren gekommen, daß ich heule eine Mensur haben sollte." — „Ja, wie habe ich das auch nur glauben können", versetzte der Prorektor und gab schleunigst den Pedellen Gegenordre. Der Herzog unterhielt sich noch einige Zeit mit der Magnificenz, verabschiedete sich bann von derselben und bestieg ein inzwischen vor- geführtes Reitpferd, sprengte hinaus nach dem „Rhons , schlug dort ungestört seine erste Aiensur und führte ab. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 31. Juli. Die Verhandlung gegen Terlinden wird voraussichtlich, im Oktober oder Nv^- vember stattfinden. Kosbath legte ein Geständnis ab. Terlinden dagegen bestreitet jede Fälschung. Es sind jedoch Kladdeschriften der Bilanzen von seiner Hand gefunden worden. — Wie das „B. T." erfährt, hat sich im Befinden des! Professors Virchow eine Aenderung nicht eingestellt. Ter Erkrankte hat das Zimmer noch nicht verlassen, indessen giebt sein Befinden zu Besorgnissen keinen Anlaß. — Zur Ankunft des Königs von Italien werden die Straßen Berlins, die der Monarch passieren wird, Festschimuck anlegen. Im Schoße der städtischen Körperschaften werden bereits Erörterungen gepflogen, um eine würdige Ausschmückung der Stadt in die Wege zu leiten. Kiel, 31. Juli. Der Kaiser traf um 8 Uhr 50 Min. an Bord seiner Yacht „Hohenzollern" in Holtenau ein und begab sich mittels des Sleipner an Bord des Panzers „Kaiser Friedrich III“. Itzehoe, 31. Juli. Hier erschoß sich der Polizeikommissär Stutius, um einer Disziplinar-Untersuchung zu entgehen. Brom berg, 31. Juli. Wegen fahrlässiger Tötung eines Chinesen während der ostasiattschen Expedition wurde vom Kriegsgericht der 4. Division der Unteroffizier Mau, jetzt beim 129. Jnf.-Regiment, zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Gumbinnen, 31. Juli. Oberleutnant Hildebrand wurde in das Feldartillerie-Regiment Nr. 26 nach Verden versetzt. London, 31. Juli. Aus Peking wird gemeldet: Morgen findet die Unterzeichnung des Eisenbahn-Abkommens statt. England und Rußland haben sich über die Klausel, betreffend die Ernennung militärischer Direktoren, geeinigt. London, 31. Juli. Der König konnte an Bord seiner Yacht bereits ohne fremde Hilfe gehen. London, 31. Juli. Dre heutigen MorgewMüer commenüeren die immer größer werdende Abnahme der Regierungs-Majorität im Unterhause. Gestern abend ging dieselbe bei der Beratung der Haupt-Paragraphen des Unterrichtsgesetzes auf 40 herab, was nur ein Drittel der rüheren Mehrheit ausmacht. Paris, 31. Juli. Die Königin-Mutter von Spanien wird auf ihrer Reise nach Oesterreich zwei Tage hier verweilen. Paris, 31. Juli. Die Subscription für die Hilfsbedürftigen auf Martinique erreichte fast die Höhe von 6 Millionen Francs. Madrid, 31. Juli. Gerüchtweise verlautet, daß die vor Jahresfrist verschwundene Tochter des französischen Konsuls in Earthagena, welche tot geglaubt wurde, in der Provinz Almeria gesehen worden sei. Man vermutet, daß sie entführt wurde. Madrid, 31. Juli. Mehrere französische £>r* densbrüder sind in den letzten Wochen in Spanien ein- gewandert, wie von den Grenzpräfekten mitgeteilt wird. Die Regierung gab Befehl, die Niederlassung von Ordensbrüdern nur dann zu gestatten, wenn sie sich den gesetzlichen Vorschriften unterwerfen, andernfalls sollen sie ausgewies en werden. Rom, 31. Juli. Der Mordprozeß Palizzolq vor dem Schwurgericht in Bologna ist nach der ungewöhn^ lichen Dauer von fast 11 Monaten nunmehr zu Ende. Mehr als 200 Sitzungen sind gehalten worden, seit zwei Monaten dauern die Vorträge der Advokaten, und maucher heftige Zwischenfall hat den Sitzungssaal mit Lärm erfüllt und die Geduld des Präsidenten auf neue harte Proben; gestellt. Es erscheint nicht überflüssig, kurz die Anllage ins Gedächtnis zurückzurufen: Der ehemalige Wgeordnete für Palermo, Rafael Palizzolo, ein anerkanntes Haupt der Mafia, war angetlagt, seinen Anhängern Auftrag zur Ausführung zweier Morde, des an dem Grundbesitzer Francesco Miceli 1892 und des an dem ehemaligen Direktory be3. Banco di Sicilia Emanuel Notarbartolo 1893 begangenen, gegeben und sie für die Ausführung belohnt zu haben. Der Schwurgerichtshof. sprach gestern abend Palizzob) der Ermordung Miceli's und Notarbartolo's schuldig, Trapani schuldig des Mordes an Miceli und Fontanana schuldig der Ermordung Notarbartolos. Die Angeklagten wurden jeder zu 30 Jahren Zuchthaus Verurteilt Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. Nach der Verkündung des Urteils rief Palizzola aus: „Meine Herren Geschworenen, Sie haben sich geirrt, ich bin unschuldig, Gott wird mich rächen." Prag, 31. Juli. Ein allgemeiner deutscher Kathv. liken-Kongreß wird zum 24. und 25. August nach Königgrätz einberufen. Prag, 31. Juli. In Schüttendorf wurden 28 Gehöfte durch eine Feuersbrunst vernichtet. Mehrere Personen sind bei den Löscharbetten verletzt worden. Budapest, 31. Juli. Das klerikale Blatt „Magyar Allam" meldet, daß die Regierung beschlossen habe, das vom Autonomie-Kongreß ausgearbettete Organisations-Statut für die katholische Autonomie der Krone zur Sanktion nicht vorzulegen, well dasselbe der Kirche einen zn> großen Wirkungskreis an den Mittelschulen einräume. Petersburg, 3L Juli. Der Rückzug der rufc fischen Truppen aus der Mandschurei ist verschoben worden, well bedeutende Schungusen-Bcrnden zwischen Yunglin und Tunchuasian ihr Wesen treiben. Jede Verbindung zwischen diesen beiden Punkten ist abgesHrit- ten. Eine Kosaken-Abteilung mußte sich mit Waffen-Gewalt einen Weg bahnen und verlor mehrere Mann. Zwei russische Kaufleute, die einen Waren-Transport begleiteten, wurden von Schungusen gefangen genommen und lebendig verbrannt. Johannesburg, 30. Juli. Die Direktton der Eisern bahngesellschaft beschloß, Vermessungen vornehmen zu lassen zum Zweck der Ausdehnung des Eisenbahnnetzes in der Orangekolonie und Transvaall New-York, 31. Juli. Wie verlautet, wird sich der Milliardär Reginald Vanderbild demnächst mit Fräulein Nelson vermäh len. Vanderbild hat von seinem Vater gestern 20 Millionen Dollar bei seiner Majoritats- Erklärung notariell verschrieben erhalten. New-York, 30. Juli. Ein Telegramm aus Willem- stadt meldet: Präsident Castro hat alle ösllichen Häfen Venezuelas aufgegeben und konzentriert seine gesamten Streitkräfte in der Nähe von La Victoria, wohin er Donnerstag abgeht. Die Aufständischen erschienen wieder in der nächsten Umgebung von Cäracas. Telephonischer Kursberichte Frankfurt a. JBL, 3L Juli 1902. 3*/2% Reicheanleihe . . 102.70 30/0 do. ... 92.20 3*/,o/g Konsole .... 102.55 30/0 do......92.85 3*/2°/o Hessen .... 100.75 Zl/,96 Oberhessen . . . 99.50 456 Oesterr. Goldretne . . 103.80 4*/s% Oesterr. Silberrente 102,05 4% Ungar. Goldrente . . 102.30 40/v Italien. Rente . . . 103.20 4*/a% Portugiesen . . . 47.15 3°/ Portugiesen. .... 29.20 156 0. Türken .... 27.75 Türkenlose 113.00 4% Griech. Monopol.-Anl. 43.50 4,/g56 äussere Argentiner —.— 3% Mexikaner .... 26.25 4V2 /0 Chinesen . „ . . 92.10 Electric. Scbuckert . , . 90.50 Nordd. Lloyd . . . . 106.10 Kreditaktien 213.80 Diskonto-Kommandit. . . 183.50 Darmstädter Bank . . . 134.80 Dresdener Bank .... 143.40 Berliner Handelsges. . . 154.40 Oesterr. Staatsbahn . . . 151.10 Lombarden 17.60 Gotthard bahn .... 169.80 Laurahütte 199.50 Bochum 177.10 Harpener 162.00 । Eisen werte fest. Tendenz: geteilt. Brennen ans der Hant nabcLbr.>one' Seife ist immer ein Beweis, daß die Seife nicht nur minderwertig, sondern für die Haut direkt ruinös und schädlich ist. 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