*e i**r bei gutem Mft. Mädchen n !• u. etwas 6 aus. mmt Blhfö für leichte /tlWUJIU pQusQib, im alsbald gesucht .enilmge 6,1 Tr. itlobAen soj.mch hohem Lohn gesucht m, 9leuen=$au£ 11, « Wtz l 8s.fi 6. Leiter 5455 . Ädolj tzeiff 'E^aWmL 'ütern m old)e' d>- V "^netten um-. MW SDlann, der im tzre; men gut aewandt r verbefchule be|, ho ng. Cfierten ums n die Spedition. ün |h. Karnbacbj »mitwK t lohannesstrJ unter m sich, rim em Darlehen s gegen hohe $- he Rückzahlung » - 03250 cm die M- Heirat vermittel: Frau Krämer, Leipi; Ao-kapO gegen H lienisch. eGelegechchA M Drache wA U03269 anjHt /W « , ffMA lOöt* ^'v Ä? M ,:>L w* « «W». * IfnionStti® «ü «*2 itnelWiS«* rr«> ine lang^ bent W .-Isuie" S-Äs esr-< Nr. 177 Erstes Blatt. ISS. Jahrgang Donnerstag 31. Juli 1903 erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Keffischen Landwirt die Gießener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschenr Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. Eichener Anzeiger w General-Anzeiger " Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen Bezugspreis, monatlich7b Pf., viertel» jäbrlich Mk. 2.20; durch! Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel» jährt ausscht Bestellg. Annahme von Anzeigeu für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zellenpreis: lokal 12 Pf, auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den polit u. allgem. Teil: P. Wittko: für .Stadt und Land" und „Gerichtssaal"; Curt Plato; für den Anzeigenteil: HanS Beck. Bekanntmachung. Betr.: Die Stallschau zu Beltershain, Göbelnrod, Queck- born am 15. Juli 1902. Im Nachstehenden bringen wir die Ergebnisse der gekannten Schau zur öffentlichen Kenntnis. Gießen, den 29. Juli 1902. Großherzogliches Kreisamt Gießen- Dr. Breidert. Richterprotokoll über die auf der Stallschau zu Beltershain, Göbelnrod- Queckborn am 15. Juli d. Js. von der Kommission zuerkannten Preise. Name und Wohnort des Preisempfängers. desPreises ®etrQS a. Rinder. 1. Gruppe 10 und mehr Stück Vieh. 1. Johannes Velten V. Göbelnrod (mit 83 Punkte) 2. Hermann Vellen-Göbelnrod (mit 81 Punkte) 3. Johannes Klös II. Beltershain (mit 78 Punkte) 4. Balthaser Linkmann I. Queckborn (mit 75 Punkte) 5. Ludwig Loth-Bettershain (mit 70 Punkte) 6. Karl Launsbach - Beltershain (mit 70 Punkte) 1 30 M. 2 20 „ 3 10 „ 3 10 „ Anerkennung 5 „ , 5 „ 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 2. Gruppe mit 5—9 Stück Vieh. Bürgermeister Schmidt - Queckborn (mit 85 Punkte) 1 Heinrich Münch°Beltershain(mll 73 Punkte) 3 Karl Röder-Queckborn (mit 72 Punkte) 3 Ludwig Herzberger III. Queckborn (mit 72 Punkte) 3 Ludwig Zimmer-Beltershain (mit 71 Punkte) 3 3. Gruppe mit 1—4 Stück Vieh. Christian Sauer - Beltershain (mit 65 Punkte) 2 b. Schweine. 1. Gruppe mit 3 und mehr ©auen. 10 „ 10 „ zz 20 15 10 1 2 3 Heinrich Hornmann-Beltershain Hermann Vellen-Göbelnrod Johannes Vellen V. Göbelnrod 2. Gruppe mit 1—2 Sauen. Karl Petri-Beltershain Wilhelm Kroa I. Beltershain Max Becker-Beltershain Ludwig Loth'Beltershain Johannes Loth-Bellershain Peter Hartmann IL Beltershain Johannes Klös II. Beltershain Ballhaser Herzberger-Queckborn Anerkennung 5 '' n O „ Summa 285 JJl. Beltershain, Göbelnrod, Queckborn, den 15. Juli 1902. Die Preisrichter: gez.: Leithiger; Krämer, Bürgermeister; B eilst ein, Oberverwalter. Der Kaiser in Kmden. Omi)en, 30. Juli. Der Kaiser traf heute vormittag auf dem Torpedoboot „Sleipner" an der Landungsbrücke im Außenhafen ein. Zum Empfange waren u. a. erschienen: Der Minister Budde und Staatssekretär v. Tirpitz. Als der Kaiser, der Admiralsuniform trug, den „Sleipner" verließ, gab das im Außenhafen liegende Linienschiff „Württemberg" den Kaisersalut ab. Das Trompeterkorps des Kürassier-Regiments Nr. 4 aus Münster begrüßte den Kaiser mit Fanfaren von der Höhe des Bahnhofsturmes. Nach Besichtigung des Hafen- rlanes begab sich der Kaiser mit seinem Gefolge nach der Landungsbrücke im Binnenhafen und fuhr weiter in die innere Stadt. Nach einer Fahrt im Binnenhafen traf der Kaiser um 10,45 Uhr am Rathause ein. Auf der Landungsbrücke hatten blaugekleidete Damen in der Form eines „W" Aufstellung genommen. Zu beiden Seiten standen Schüler in Matrosenanzug. Auf der Landungsbrücke fand ein kleiner Empfang der Zivilbehörden statt, dem Oberbürgermeister Fürbringer und Bürgermeister Dr. Zorn beiwohnten. Der Kaiser schritt die Ehrenkompagnie des ostfriesischen Infanterie-Regiments Nr. 78 ab, an den Vertretern der ostfriesischen Kriegervereme vorüber und besichtigte die Denkmäler des Großen Kurfürsten und Friedrichs des Großen. Zwischen diesen Denkmälern und dem Kai, er Wilhelms I. bildeten weißgekleidete Jungfrauen mit Rosen- guirlanden Spalier. Die Tochter des Oberbürgermeisters sprach ein Begrüßungsgedicht. Vor dem Rathause hielt der Kaiser eine Ansprache an die geretteten Mannschaften des Torpedobootes „S 42" und drückte feine Freude über das tapfere Verhalten der gesamten Besatzung und tiefes Bedauern aus, daß der Kommandant und einige Mannschaften ihre Tapferkeit mit dem Tode hätten büßen müssen. Darauf überreichte der Kaiser den Mannschaften Auszeichnungen. Der Kaiser besichtigte sodann unter Führung des Oberbürgermeisters im ersten Stockwerke des Rathauses alte Urkunden und den Silberschatz und im zweiten Stockwerke unter Führung des Dr. jur. Potrier die bedeutende Rüstkammer der Stadt. Alsdann versammelten sich die Stadtbehörden im Sitzungssaale des Rathauses. Der Kaiser trat unter den dort errichteten Baldachin und Oberbürgermeister Fürbringer hielt eine Ansprache an den Kaiser. Redner dankte zunächst für die hohe Gnade, daß der Kaiser den im vorigen Jahre ourch ein tiefschmerzliches Ereignis unmöglich gemachten Besuch in diesem Jahre zur Ausführung gebracht habe und erinnerte daran, daß Emden einst die Brücke gewesen sei, auf welcher der brandenburgische und preußische Staat den Fuß an die Nordsee setzten. Der Kaiser habe das von Kaiser Wilhelm dem Großen begonnene Werk, Wasserstraßen nach Westfalen zu bauen, glänzend durchgeführt und der Erweiterung des Binnenhafens noch einen neuen Außenhafen hinzugefügt. Redner gab der Versicherung Ausdruck, daß die von Sr. Majestät zu neuem Leben erweckte alte See- und Handelsstadt niemals aufhören werde, in Treue und Gehorsam, Liebe und Hingebung für König und Vaterland, Kaiser und Reich mit den Besten der Nation zu wetteifern und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. Der Kaiser bedeckte sich sodann mit der weißen Marinemütze und hielt folgende Rede: „Ich bitte Sie, meine Herren, den Ausdruck meines tiefempfundenen Dankes entgegennehmen zu wollen für den begeisterten Empfang und die Ausschmückung, die die Stadt Emden mir zu bereiten die Güte gehabt hat. Ich danke auch für die mir gewidmete Medaille, ine einen großen Zeitabschnitt aus ihrer Geschichte festlegen soll. Dieselbe wird ein wertvolles Stück meiner Medaillensammlung bilden, und auch in späteren Zeiten meinen Kindern und Nachfolgern ein Zeichen fein, wie Emden zu seinem König und Kaiser gestanden hat. Sie haben in freundlicher Weise des schweren und schmerzlichen Verlustes gedacht, den ich, mein Haus und das ganze Vaterland erlitten, als ich im vorigen Jahre mich anschickte, der Stadt Emden meinen Besuch zu machen. Von Herzen freue ich mich, daß es mir nun möglich geworden ist, diese Stadt zu betreten. Dieselbe hängt innig mit der Geschichte unseres Hauses zujammen, und ich glaube wohl sagen zu können, daß es nicht ein bloßer Zufall ist, daß gerade die beiden größten Regenten der Häuser Kurbrandenburg und Preußen, der GroßeKurfürst und Friedrichder Große, trotz der schweren Mmpfe, die sie fortwährend bestehen mußten, um die innere Einigkeit des Landes zu festigen und dasselbe gegen äußere Angriffe zu schützen, Zeit und Muße gesunden haben, ihr Auge auf den Handel und die See, und somit auf die Stadt Emden zu lenken. Ich führe das an, um Ihnen damit zu beweisen, daß es bei mir kein Verdienst ist, wenn ich dieselben Wege gehe. Cs hat Gott gefallen, Kaiser Wilhelm dem Großen das zu geben, was seinen Vorgängern versagt blieb, nämlich ein einiges deutsches Vaterland wiederherzustellen und das Reich mit gewaltigen Hammerschlägen zusammenzuschmieden. Im Reich steht Preußen an erster ©teile. Der König von Preußen hat wiederum d as, was kein deutscher Kaiserin der Lage war, zu schaffen: die nötige Hausmacht. Aus dieser Basis ist es nun möglich die Aufgabe wieder auMnehmen, die mit weitschauendem Blicke meine beiden großen Vorfahren, die Sie mit Recht hier durch Standbilder geehrt haben, jederzeit vor Augen hatten und bestrebt waren, ausKuführen. Ich, möchte nicht diesen Tag vorubergehen lassen, ohne auch noch besonders des Verdienstes der Stadt Emden zu gedenken. Die Stadt Emden hat, wie viele Sttücke unseres Vaterlandes, eine schwere Zeit durchHumachen gehabt. Sie ist eine blühende Handelsstadt gewesen und hat es erleben müssen, daß der Handel ankere Wege ging und andere Bahnen zog, und daß chr blühender Zustand zurückging. Sie hat eine große Rolle in der Geschichte gespielt und trat dann in den Hintergrund. SCber niemals hat Emd en durch Schreien oder Klagen oder Bitterkeit den veränderten. Zeiten Rechnung getragen, sondern in stillem, innigem Gottvertrauen auf die Zukun ft ge- wartet. Ich glaube diesen SeelenHustand, diese Eigenschaft der Friesen und Emden nicht besser bezeichnen zu können, als mit den Worten meines hochseligen Vaters: Sie haben gelernt, zu leiden, ohne zu klagen! Fürwahr ein großes Beispiel, an dem sich viele meiner Landsleute ein Muster nehmen sollten. Meine Herren! Ich glaribe, daß bessere Zeiten für Sie im Anzuge sind. Der Kanal ist gegraben, das Hinterland ist für Sie geöffnet Die Seeschiffe kommen herein, es wird an Ihnen liegen, die Konjunktur auszunutzen. An mir wird es sein, den Frieden zu erhalten, damit auch die Stadt Emden einer gedeihlichen Zukunft entgegenfeben kann. In diesem Wunsche trinke ich auf das Wohl der Stadt Emden. Sie lebe hoch! hoch! hoch!" Hieraus nahm der Kaiser den Ehrentrunk und trat sodann auf den Balkon des Rathauses, von welchem der Denkmalsplatz zu übersehen ist. Unter Fanfarenklängen bestieg der Kaiser dann ein Rudergig und traf um 12 Uhr am Telegraphenamte ein. Auf der Hinfahrt passierte er Falderndelst, welches der Flotte des Großen Kurfürsten als Feuilleton. — Geh. Hofrat Professor Josef Kürschner ist «m 29. d. M. bei einem Ausflüge von Windisch-Matrei nach Venediger an einem Herzschlag gestorben. (Professor Kürschner hat sich in weitesten Kreisen durch die Herausgabe feiner zahlreichen praktischen Hand- und Hausbücher und feiner populären Nachschlagebücher bekannt gemacht. Größte Verbreitung fanden sein „Jahrbuch", sein jährlich erscheinendes «Staatshandbuch", sein Litteraturkalender", sein Büchelchen ®om „Reichstag", seine verschiedenen kleinen Konversallons- Lexica, sein „Lexikon des deutschen Rechts" rc. Er ver- onftaltete ferner eine Neuausgabe des großen Pierer'schen Konversations-Lexikons unter Beifügung eines 13sprachigen Wörterbuches, er redigierte jahrelang die bekannten Zeit- Ühriften „UeberLand und Meer", „Romanbibliothek", „Jllnstr. Sßüt", „Fremde Zungen", „Vom Fels zum Meer" rc., und begründete eine von Redaktionen viel benutzte Korrespondenz ^Universal-Redakteur". Seine „Deutsche Nationallitteratur" umfaßt 220 Bände. Er schuf die hübsche „Kollektion Spe- nemn" u. s. w., u. f. w. Seine litterarische Thätigkeit war, nie man schon hieraus ersieht, außerordentlich viel umfassend, sün Fleiß erstaunlich, seine Findigkeit unvergleichlich. Als Lexikograph steht er in der Weltlitteratur einzig da, und namentlich die deutschen Schriftsteller und Journalisten, für d»ie er die meisten seiner praktischen Handbücher schuf, werden b-m unermüdlich thätigen Mann sehr vermissen, denn feine Arbeitskraft war ihnen nahezu unentbehrlich geworden und ifl vielleicht unersetzlich. Geh. Hofrat Prof. Kürschner hat! mir ein Alter von 49 Jahren erreicht. Er war am 20. September 1853 zu Gotha geboren und war von Hause aus Mechanicus. Seit einigen Jahren lebte er auf seiner Besitzung Hohenhainstein bei Eisenach als Begründer und Direktor des Rich. Wagner- und Fritz Reuter-Museums. D. Red. des Gieß. Anz.) Dr. Garnault's Familie und Freunde fangen an, mehr als besorgt um das Schicksal des kühnen Forschers zu werden. Die tuberkulöse Materie, mit der er sich zuerst impfte, wirkte, aber da sie nicht tiefer als die Haut zu gehen schien, machte er die intravenöse Impfung, von der er so ernste Folgen erwartet, daß alles für die Amputation bereit ist, sobald gewisse Symptome auftreten. Er ist reizbar und verdrießlich. Das Gesicht hat sich geändert, und xeigt den Kamps des Geistes gegen ein Gift, das in ihm gahrt und die Willenskraft angreift Seine Vorlesung im Trocadero zog kaum mehr als 300 Leute, noch dazu meistens Laien, an. Dies ärgerte ihn. Sein Buch, 1000 eng bedrucrte Seiten stark, soll nach Aussage von Sachverständigen die umfassendste Monographie sein, die je über Tuberkulose geschrieben wurde. Ader der Verfasser wird wegen seines Angriffes auf Professor Koch getadelt; Garnault begnügt sich nämlich nicht damit, zu zeigen, daß Koch seiner Meinung nach unrecht hat. Gur- nault hat in der medizinischen Welt in Bordeaux, wo er seine Thätigkeit als Arzt begann, und in Paris eine leitende Stellung als Anatom und Spezialist für Brust- und Herzkrankheiten. Er ist reich auch ohne sein Einkommen, ist mit einer schönen Frau verheiratet, die sein Vorgehen billigt, und kann seinen geistigen und künstlerischen Geschmack befriedigen. Garnault soll enttäuscht sein, daß er nicht mehr Begeisterung durch seinen Versuch, sein Leben zu wagen, um Koch zu widerlegen, hervorgerufen hat. München, 30. Juli. Der Ausschuß der Kammer der Reichsräte hat die in der Abgeordnetentammer vom Zentrum wegen des Sturzes des Kultusministers im Kultusetat gestricheiren Posten (13 000 Mk. für Reorganisation der musi- I kalischen Akademie und Mk. 100 000 für Kunsteinkäufe des Staates) einstimmig wieder eingesetzt. Der Aus- I schuß hat sich ferner für die Errichtung einer zweiten technischen Hochschule (in Nürnberg) erklärt und die vom Zentrum in der Abgeordnetenkammer gestrichene Position für Aufstellung eines Projektes wieder hergestellt. Rom, 30. Juli. Der Ausschuß unter Vorsitz des Fürsten Borghese überreichte dem Minister Ba c c e l li einen herrlichen, kunstvoll ausgeführten Schild, um ihn zu beglückwünschen zu den glänzenden Resullaten der von ihm entdeckten Behandlung der M a u l - u n d Klauenseuche. Graz, 30. Juli. Bei der zweiten Hauptaufführung des Sängerfestes wurden insbesondere der Stuttgarter Liedertranz, der preußische Provinzialsängerbund und der Frankfurter Sängerbund lebhaft afflamiert. An die Produktionen schloß sich wie am ersten Tage ein Kommers. Die Riefenhalle war gedrängt voll. Als erster sprach Professor Haun-Görlitz; er brachte den Abschiedsgruß der Schlesier und pries das deutsche Bewußtsein der Steirer. Dr. Reiß-Tilsit brachte Namens des preußischen Provinzialbundes dem Festausschuß ein Heil. Das Mitglied des Vorstandes Jaksch-Wien dankte. — Als Abschluß des Sängerbundesfestes sand heute der 12. deutsche Sängerbundestag statt. Der erstattete Bundesbericht konstatiert, daß der deutsche Sängerbund gegenwärtig 72 Bünde mit 3694 Vereinen und 109 339 Sängern umfaßt. Cs wurde befchlosfen, den Sitz der deutfchen Sängerstiftung nach Nürnberg zu verlegen, und als Ort des nächsten, 1906 ftattfindenden Bundesseftes Breslau bestimmt, der Antrag des Bundesausfchusfes, Frankfurt a. M. als nächsten Fe st ort zu bestimmen, abgelehnt. Von 118 Stimmen entfielen 74 auf Breslau, 32 auf Frankfurt, 14 auf Hannover. Mit den üblichen Dankesvoten wurde der Sang er tag geschloffen. Der Statthalter von Steiermark, Gras Clary, soll wegen des Borgehcns der Aus Stadt und Land. Gießen, 31. Juli 1902. • * DaZ Amtsblatt des Großh. Ministeriums der Justiz Nr. 23 vom 20. Juli d. I. enthält ein Aus- schreiben an die Großh. Amtsgerichte, betreffend die Rückgabe der in außerordentlicher Form errichteten Testamente. * • Auszeichnungen. Der Großherzog hat dem Hausverwalter und Bademeister Franz Kissel zu Bad» Nauheim und dem Kurhausaufseher Heinrich Horn zu Bad» Nauheim die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihnen von dem regierenden Fürsten von Reuß j. L. Hein» rich XIV. verliehenen Silbernen Ehrenmedaille für Treue und- Verdienst erteilt. * • Audienzen. Der Großherzog empfing am 30. Juli u.jd. den Bauaffessor Berth von Alsfeld, den Kirchenrat Kalb Henn von Burggräfenrode, den Pfarrer Klös von Münster, den Staatsanwalt v.Heffert, den Pfarrer Walter von Crainfeld, den Finanzminister Dr. Gnauth. * * Personalien. Der Großherz og hatam30.Juü dem Pfarrer Dr. Friedrich Grein zu Gießen eine eoang- eine Leichenzerstückelung vorliegt. Demnächst ist ein Obergutachten von dem königlichen Medizinalkollegium der Provinz Westpreußen in Danzig er- ordert und unterm 7. September 1901 erstattet worden. Tas Medizinalkollegium spricht sich dahin aus: 1. Der Tod des Ernst Winter ist durch Erstickung erfolgt. 2. Die Annahme, duß der an der zerstückelten Leiche Winters bor- gefundene Halsschnitt bei Lebzeiten Winters ausgeführt wurde und den Perblutungstod herbeiführte, entbehrt der wissenschaftlichen Begründung. 3. Ter Tod erfolgte am 11. März 1900 innerhalb der ersten echs Stunden nach der genossenen Mittagsmahlzeit. 4. Ter Nachweis von Spermaslecken an der Außenseite der Hose und Weste macht es wahrscheinlich, daß Winter kurz vor dem Tode den Beischlaf ausführte oder auszuführew versuchte. Schließlich hat die Wissenschaftliche Deputation für das- Medizinalschulwesen in Berlin ein von ihr erfordertes Obergutachten unter dem 15. Januar 1902 erstattet und sich darin wie folgt geäußert: 1. An dem p. Winter ist Erstickung verübt worden in einer Art und Weise, die notwendig den Tod zur Folge haben mußte. 2. Ter an dem Halse vorgefundene und allein die vollständige Blutleere erklärende Halsfchnitt ist mit größter Wahrscheinlichkeit nichL bei Lebzeiten, sondern unmittelbar nach dem Tode erfolgt. 3. Bezüglich der übrigen Verletzungen ist als feststehend an- zunehmen, daß sie ebenfalls nicht bei Lebzeiten, sondern, erst nach dem Tode, wenn auch nicht unmittelbar nachher ausgefüyrt sind. 4. Den Ausführungen des Medizinal» kollegiums über die an den Kleidern des p. Winter vorgefundenen Blut- und Spermaslecken wird beigetreten. Ist hiernach anzunehmen, daß der Tod des Winter, infolge Erstickung ein getreten ist und daß die Schnitte, insbesondere der Halsschnitt erst nach dem Tode aus- gesührt worden sind, so verliert die Behauptung»,. Winter habe als ein Opfer des Aberglaubens den Verblutungstod erlitten, chre thatsächlichs Grundlage. Volttische Tagesschau. Die Zolltariskommisfion beschloß am Mittwoch die Positionen 782 und 783, nicht schmiedbarer Guß, anderweit nicht genannt, unter Wegfall der Staffelung zu vereinigen, und setzte für roh 5, bearbeitet 10 Mark fest, ebenso wurden die damit verbunden verhandelten Positionen 798 und 799, schmiedbarer Guß, Schmiedestücke, andere Waren aus schmiedbarem Eisen, anderweit nicht genannt, vereinigt und sür roh 6, bearbeitet 12 Mark beschlossen. Die Positionen 783 und 799 fallen fort. Die Position 784 irstz bereits gestern erledigt. Zu Positron 785, schmiedbares Eisen in Stäben, gewalzt, ge- Die Rede des Kaisers enthält eine sehr btzmerkens- toerte Stelle, die man nicht anders als gegen die agrarische Agitation gerichtet aufsassen kann. Unverkennbar hat der Kaiser diese im Auge bei der Anerkennung des geduldigen Perhaltens der Stadt Emden, als sie eine schwere Zeit durchzumachen gehabt, statt durch Schreien und Klagen in Bitterkeit den veränderten Zeiten Rechnung zu tragen. Der Kaiser bezieht das Lob des Ausharrens ausdrücklich aus „viele Städte unseres Vaterlandes". Dadurch wird klar, daß Stadt und Land in .Vergleich gezogen sind. Aehnlich hat sich der kaiserliche Redner ausgesprochen, als er in Königsberg sich gegen den ,A!är m" der agrarischen Opposition wandte. Wiederum ein Beweis, ■ daß die ost vernommene Ansicht, es komme darauf an, durch „Schreies die Regierung zur Unterstützung der Landwirtschaft zu nötigen, dem Kaiser nicht als ein probates Mittel erscheint. Allgemach sieht man auch in konservativen Kreisen ein, daß der Ueber eifer und das über kräftige Auftreten der Herren Dr. Dietrich Hahn und Gen. der Landwirtschaft mehr schadet als nützt. Tie „Dtsche. Ztg." des Dr. Fr. Lange schreibt: Die Spitze gegen die „Agrarier" ist unverkennbar. Man ersieht aus der Bemerkung, wie die Temperatur der augenblicklichen politischen Lage ist. Die Aeußerung ist aber nicht nur Symptom, sondern wird leider auch als Motiv wirken. chmiedet oder gezogen, auch geformt, ferner Bandeisen, verlangt der Tarifentwurf 4 Staffeln: Nicht über 12 Zentimeter lang zum Umschmelzen 1 !Mk., im Gewicht 1 Kilogr. oder darüber auf laufendes Meter 2,50, im Gewicht weniger als 1 Kilogr. auf laufendes Meter 3, mit eingewalzten Mustern oder Verzierungen 5 Mark. Ein Antrag Pauli verlangt nur drei Staffeln. Nicht über 12 Zentimeter 1M., mit eingewalzten Mustern 5, anderes 2,50 Mark. Nachdem Handelsminister Möller den Antrag Pauli und verschiedene andere Anträge für annehmbar erklärt, wird der Antrag Pauli angenommen. Sodann vertagt sich die Kommission, nachdem das Haus beschlossen, um die erste Lesung am 8. August beenden zu können, täglich von 9 bis 3 Uhr Sitzungen zu halten. Heer und Flotte. Liegehcrsen diente. Das Wetter blieb wahrend der ganzen Feier heiter. Vor dem Telegraphenamte waren die Postbeamten auf- aestellt. Telegraphen-Direktor Ficker empfing den Kaiser w großen Telegraphensaale, wo Ingenieur Treisbach die Label-Telegraphre erklärte. Nach, der Besichtigung der Hughes-Apparate begab sich der Kaiser nach, der Rudergig zurück und langte um 12.45 Uhr im Außenhafen an. Dort begab sich der Kaiser chuf den „Sleipner" nach der auf der Rhede liegenden ,Lohenzollern". — Bei dem Empfang des Kaisers war auch, der Staatssekretär des Reichspost- amtes Kraetke zugegen. r Heute mittag gab die Stadt im Saale des Klubhauses ein Frühstück, an dem außer einer Reche Ehrengäste die Spitzen der Zivil-, Militär- und Marinebehörden, Minister Budde und Staatssekretär Kraetke teilnahmen. Oberbürgermeister Fürbringer begrüßte die Gäste und teilte mit, daß sich, der Kaiser über den Empfang auch ihm gegenüber auf das Befriedigendste und in einer Weise ausgesprochen habe, die zu den schönsten Hoffnungen für die Stadt Emden berechtige. Redner schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. Minister Budde dankte namens der Gäste, dre glerch- sam Gevattersleute bei der heutigen Taufe gewesen seien. Menn die Taufe schpn ausgefallen sei, dann werde der Junge gut werdem (Heiterkeit.) Als die Wasserwege für Emden fertig waren, sei auch der wirtschaftliche Niedergang dagewefen. Bemängele jemand die geringe Tonnen- zahl der auf dem Dortmund-Emskanal verkehrenden Schiffe, so möge er nicht vergessen, daß in Hamburg und Bremen auch die Fracht fehle. Was hier geschehen Lanu, wird gesch eh en, dafür bürgt die Direktive d e s K ais e r s. (Beifall.) Bie die Flut der Ebbe, der Wellenberg dem Wellenthal und der heutige Sonnenschein dem gestrigen Regenhimmel folgte, so wird der wirtschaftliche Aufschwung dem Niedergang folgen. Die Schwankungen muß der Kaufmann durch fein Geschick überwinden helfen. Die Staatsregierung wird mit Ihnen Zusammenarbeiten. Volldampf voraus! Es wird nicht in der Ferne sein, daß auch die Emdener Schiffe die deutsche Flagge hinaustragen in alle Länder. Ter Minister schloß mit einem Hoch auf den Oberbürgermeister und die Emdener Bürgerschaft. An das Frühstück schloß sich eine Dampferfahrt auf der Ems an. Die Staatssekretäre v. Tirpitz und Kraetke sind heute Nachmittag wieder von hier abgerefft. Minister Budde verließ Emden heute abend. Washington, 30. Juli. Ein Zeit-Zünder für Panzer-Durchschlagsgränaten ist in der Artillerieabteilung des Heeres-Departements erfunden worden. Die Tragweite der Erfindung liegt darin, daß der neue Zünder die Granate erst dann zur Explosion bringt, wenn die Durchschlagskraft des Geschosses völlig erschöpft ist. Eine mit dem neuen Zünder versehene Granate kann, wie Versuche bewiesen haben, mit starken Explosivstoffen geladen, eine 14 Zoll starke gehärtere Kruppsche Panzerplatte durchschlagen, bevor sie explodiert. Die Vereinbarungen iber die Besitzrechte an der Erfindung und die Formel für )ie Ladung mit Explosivstoffen werden streng geheim gehalten. Hloch einmal der Konitzer Mord. Tas Oberlandesgericht in Marienwerder hat, wie schon rüher mitgeteilt, die Beschwerde des Bauunternehmers Winter zu Prechlau über Abweisung seiner Strafanzeige gegen eine Anzahl Bewohner von Könitz und Umgegend wegen Ermordung seines Sohnes nun auch zurückgewiesen. Damit ist der Instanzenweg erschöpft. Wir teilen nach^ stehend (nach der „Antis. Korr.") den Wortlaut des Be- chlusses mit: In Sachen betreffend die Strafanzeigen gegen den Fleischermeister Adolf Lewy, den Fleischergesellen Moritz Lewy, den Prediger und Schächter Hamburger und ben Fleischermeister Josef Eisenstädt wegen Ermordung des Gymnasiasten Ernst Winter beziehungsweise Beihilfe zu diesem Verbrechen und wegen Meineides hat der Strafsenat des königlichen Oberlandesgerichts zu Marienwerder in der Sitzung vom 4. Juni 1902 auf den Antrag des Bauunternehmers Johannes Winter in Prechlau vom 15. März 1902 aus gerichtliche Entscheidung gegen den ablehnenden Bescheid des Oberstaatsanwalts in Marienwerder vom 20. Februar 1902 nach erfolgter schriftlicher Erklärung des Oberstaatsanwalts beschlossen: Ter Antrag wird verworfen. Tie durch das Verfahren über den Antrag veranlaßten Kosten werden dem Antragsteller auferlegt. Aus der umfangreichen Begründung des Oberlandesgerichts heben wir folgende Stellen hervor, welche die Behauptung eines „Blutmordes aus Aberglauben" widerlegend' Wenn auch die Ansicht, daß Blutmorde von Juden aus Aberglauben begangen werden, in der Sitteratur mehrfach vertreten wird, so ist doch nicht zu übersehen, daß diese Ansicht als irrig von angesehenen Persönlichkeiten bekämpft wird. Ob und welche Bedeutung den verschiedenen schriftstellerischen Aeußerungen über diese Frage beizulegen ist, kann hier aber vollständig dahingestellt bleiben, da die Entscheidung über den Antrag aus Gtünden, die in der Unterfuchungssache selbst liegen, so, wie geschehen, getroffen werden mußte. Zu 1. Am 15. Alärz 1900 haben der Medi- zinalrat Tr. Müller und der praktische Arzt Dr. v. Luko- wicz eine Leichenschau hinsichtlich der am 13. März 1900 im Mönchsee ausgefundenen Leichenteile (der Brust und des Bauches), sowie hinsichtlich des am 15. März 1900 früh aus dem evangelischen Kirchhofe gefundenen rechten Armes vorgenommen. Am 28. März 1900 haben der Medizinalrat Dr. Müller und Tr. Bleske die Leichenöffnung hinsichtlich der vorbezeichneten Leichenteile, sowie hinsicht- Iick> des am 30. März 1900 im Mönchlsee herausgefischten linken Oberschenkels, welche sämlliche Leichenteile bis dahin in Spiritus aufbewahrt gewesen waren, vorgenommen. Bei dieser Leichenöffnung haben Tr. Müller und Tr. Bleske ihr Gutachten dahin abgegeben, daß der Tod des Winter durchs Verblutung eingetreten sei, und zwar aus den durchschnittenen Halsgesäßen. Am 18. April 1900 haben Tr. Müller und Dr.Bleske die Leichenöffnung hinsichtlich des am 15. April 1900 (Ostersonntag) in einem schlammigen Wassergraben gefundenen, dann ebenfalls in Spiritus ausbewahrten Kopses nebst Halsteiles des Ernst Winter vorgenommen. Hierbei haben sie ihr früheres Gutachten aufrecht erhalten. Am 16. und 17. Mai 1900 haben die Gerichtsärzte Tr. Mittenzweig und Tr. Stürmer eine Nachobduktion an sämtlichen vorbezeichneten, fortgesetzt in Spiritus aufbewahrt gewesenen LÄchenteilen vorgenommen. Dabei haben sie ihr vorläufiges Gutachten dahin abgegeben, daß Winter höchstwahrscheinlich an Verblutung gestorben sei, daß sich außerdem Zeichen der Erstickung an der Leiche gesunden hätten, und daß wahrscheinlich die Verletzung den Ver- torbenen getroffen habe, während fein Bewußtsein durchs beginnende Erstickung gestört gewesen wäre. Darauf haben Tr. Müller und Tr. Bleske das schriftliche Gutachten vom 29. Juni 1900 und die Gerichtsärzte Tr. Mittenzwerg und Tr. Stürmer das schriftliche Gutachten vom 6. August 1900 erstattet. In diesem Gutachten haben die genannten vier Aerzte ihre Ansichten näher begründet. Tober ist bemerkenswert, daß die Aerzte Dr. Müller und Dr. Bleske erklärt haben, daß «auch sie annehmen, daß der tödlichen Halsver- letzung ein Erstickungsversuch vorausgegangen sei. Ferner hat der Gerichtsarzt, Privatdvzent Dr. Puppe aus Erfordern das schriftliche Gutachten vom 3. Dezember 1900 stber bie mutmaßliche Todesursache des Winter erstattet. Er hat in diesem Gutachten seine Ansicht schließlich dahin zu.ommen- gesaßt: 1. Die Feststellung der Todesursache des Oer- torbenen Gymnasiasten Ernst Winter ist nicht mit Sicherheit möglich 2. Tie für die Verblutung, insbesondere die für die Verblutung durch Hals schnitt sprechenden Momente sind unsicher und unzuverlässig. 3. Den einzigen Anhaltspunkt für die Erklärung des Todes bieten die Erstickungserscheinungen. 4. Es ist anzunehmen, daß alle Schnitte nach dem Tod angelegt sind, und daß lediglich militärischen Behörden beim Sängerfest derartig verstimmt i sein, daß er zu demissionieren beabsichtigt. Größte Anerkennung findet das Verhalten der Reichsdeutschen, diel sich jeder politischen Kundgebung enthielten. Neue Theaterstücke. Das Berliner Lessing-Theater veröffentlicht die wichtigsten Novitäten, die sein Re- pertoir in der nächsten Saison ausmachen sollen. Ludwig :F ul d a s dreiaktiges Lustspiel „K a l t w a s s e r" eröffnet -den Reigen der Novitäten, Hermann Sudermanns ,neues vieraktiges Drama, das kürzlich vollendet wurde, wird den Titel führen: „Der Sturmgeselle Sokrates". Max Halbe erscheint mit einer sünfaltigen Novität „Ter Waffmrgistag". Auch Max Dreyer ist mit zwei abendfüllenden historischen Schwänken, die einstweilen noch titel- los sind, vertreten. Die Doppelarbeit der Herren Blumenthal und Kabelburg ist gleichfalls vollendet, doch sind sich die Verfasser noch nicht über den Titel einig. Auch Die beiden russischen Dichter Gorki und Tschechow sollen auf dieser Bühne erscheinen. — Das „Deutsche Theater" hat Maeterlinks „Vionna Vannci" zur Aufführung angenommen. Der Verlag von Fischer und Franke in Berlin ist mit dem Münchener Kunstwort-Verlage Georg D. W. Callwey der erste, der durch Veröffentlichung wahrhaft künstlerischer Blätter zu wahrhaft volkstümlichen Preisen der Pflege ber Liebe zur Kunst im kleinen deutschen Bürger- und Bauernhause zu dienen bestrebt ist. M ist ja so mancherlei im letzten Jahre auf diesem Gebiete publiziert worden; im Gegensatz zu einem der neuesten Unternehmen, das den Wert der Originallithographie als Volkskunst verkennend, die Preise sür WandbUder in diesem Verfahren auf ML 25 bis Mk. 30 festgesetzt, veröffentlicht der Verlag von Fischer und Franke solche zu 60 Pfg. Als Neuheit leai uns Der Verlag die zu imjem Preise erschienenen Mdnffie von Gvttfr. Keller, Arnold Böcklin und Hans Thoma vor, die der Bildniszeichner Ernst Würtenberger zu Konstanz geschaffen hat. Es handelt sich hier nicht um Schöpfungen an Hand von Photographien, sondern um wertvolle Originalbildnisse. Diese Bildnisse sind in mehrfarbigem Druck auf bestem naturfarbenen Büttenpapier in Folio hergestellt. Niemand, dem die Werke eines Keller und der beiden so echt deutschen Maler lieb geworden sind, wird diese traulich anmutenden Bilder in seinen Zimmern vermissen wollen. Das im Verlage von Hermann Walther in Berlin erschienene 3. Heft der Zeitschrift „Unlauterer Wettbewerb" enthält folgende hochinteressante Aussätze: Justizrat Dr. Bachem-Köln: Wirtschaftliche Kartelle und unlauterer Wettbewerb; Staatsanwalt Finger, Colmar i. E: Der Begriff des Geschäfts- und Betriebsgeheimnisses nach der bisherigen gerichllichen Praxis; Rechtsanwalt Dr. Fuld, Mainz: Unlauterer Wettbewerb im Zeitungs- Gewerbe. Ferner bringt die Zeitschrift Mitteilungen aus der Praxis von Rechtsanwall Patzell, Berlin und Entscheidungen des Reichsgerichts, die für die Praxis der Handhabung des Gesetzes von großer Bedeutung sind. Frank Wedekind, So ist das Leben, Schauspiel in fünf Akten, geheftet 2 Mk., Verlag von Albert Langen, München. „So ist das Leben" behandelt die Schicksale eines entthronten Königs, der in die seltsame Lage kommt, sich vor einem bürgerlichen Gerichte wegen Majestätsbeleidigung verantworten zu müssen. Tie Frage der MajestätZbeleidigungsprozesse erfährt auf diese Weise in dem Drama eine verblüffende Beleuchtung. Bei der Uraufführung von „So ist das Leben" am Nttinchener Schauspielhause kam es infolge der energischen Stellungnahme von Verehrern und Gegnern Wedekindscher Satire und seiner Lebensauffassung um ein Haar zu einer Theaterschlacht. Soin neuestes Drama „Tic Büchse der Pandora" ist übrigens durch dw neueste Summer der von Otto Jul. Bierbaum herausgegebenen Zeitschrift „Die Insel" doch zur Veröffentlichung gelangt. Jul. Hart hatte recht, als er schrieb, in der deutschen Litteratur gebe es nichts, waS so gemein sei, als die Kunst Wedekinds! Neue Kunstliteratur. Wenn es nach dem, was wir unsern Lesern bisher im Bruckmannscheu Verlage in München erscheinenden „Kunst" berichtet haben, noch emes besonderen Beweises dafür bedurft hätte, daß diese Monatshefte nicht nur ihres relativ billigen Preises wegen (6 Mr. das Vierteljahr), sondern auch inhaltlich an ber Spitze aller deutschen Kunstzeitschriftcn marschieren: man würde ihn aus dem Mai-Heft entnehmen können. Es eitmtt an größeren Beiträgen außer einem mit mancherlei Mu- ftrationen geschmückten Bericht über die Frühjahr-Ajus- ftellung der Münchener Luitpold-Gruppe und einer /mit Abbildungen von 20 seiner Werke belegten Würdigung: des vortrefflichen Frankfurter Malers Wilhelm Trüben er (Text von Hans Rosenhagen) als piöee de resistance lerne ein- und mehrfarbig überreich illustrierte „Monographie über das Bilderbuch", die zu Heller Begeisterung entfacht. Allen Respett vor der Sorgfalt, mit der sie illuftriitiv zusammengestellt ist, und rückhaltlose Anerkennung chuch den textlichen Darlegungen von Gujtav Pauli (der ülbcr auf dem vorjährigen Kunsterziehungstag sprach), von Fsuu Anna Muthesius u. a. Hier begreift man, daß es 4 in dem jetzt viel erörterten Thema der künstlerischen TSr- ziehnng' darauf ankommen muß, frühzeitig einzuse/)en und auch in dem harmlosen Bilderbuch dem Helmen Kinde bereits etwas künstlerisch Wertvolles in die zu geben. — Erwähnt sei noch, daß das Mai-Heft • auch vier sehr gute Abbildungen (die besten,' die wir bislang sahen) von Max Klingers B e e t h o v e n bringt, I über das die Gemüter ber Munftfreunbe wohl sobald nicht zpr Ruhe kommen werden. ® Jin dlay, Salem, Jll., Zu Leß Run, Ronshausen, Du Lac, Wis. w, 1 am 12. Juni Peter Trautmann. Zu Frau Anna Marg. Kraft, geb. Gotta. Washington Co., O., Frau Dorothea geb. Banger, 82 Jahre alt. Zu Fond Georg Arhelger. Zu Nashville, Psarrstelle an der Stadtgemeinde zu Darmstadt, Dekanat Darmstadt, übertragen, den Amtsrichter Friedrich Koch in Büdingen zum Landrichter bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen, den zweiten Beamten bei der Landeslotterie-Direktion Finanzamtmann Dr. Julius Lehr zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Büdingen, beide mit Wirkung vom 1. September 1902, ernannt. * * Prof. Dr. Strahl, Direktor des anatomischen Instituts der hiesigen Universität, teilt uns mit, daß er eine Berufung nach Tübingen nicht erhalten habe. Wir be- dauern, gestern von privater Seite falsch unterrichtet worden zu sein. ff Fakultätsprüfungen. Laut Bekanntmachung am schwarzen Brett der Universität sind die Meldungen zu der im Wintersemester 1902/03 stattstndenden juristischen Fakultätsprüfung bis spätestens 15. Oktober bei dem betr. Dekan einzureichen. Die schriftliche Prüfung beginnt am 20. Oktober, 9 Uhr, wozu besondere Ladung nicht ergeht. — Für Vorprüfung und Staatsprüfung der Studierenden des Kor st faches sind dieselben Termine zwecks Meldung bezw. als Beginn der schriftlichen Prüfung angesetzt. Gesuche um Zulassung sind bei dem Vorsitzenden der cameralistischen Prüfungskommission einzureichen. — Die Prüfung für Kandidaten des höheren Lehramts dauert vom 22. Juli bis L August. * * Auf eine gute Hühnerjagd in diesem Herbst technet man in Jägerkreisen. Die Völker sind sehr zahlreich and stark. "Medizinische Werke in den Händen von Laien. Hatte man früher lebhafte Klage über die Verbreitung sogenannter Schundromane zu führen, die das Volk an Leib und Seele vergifteten, so tritt uns neuerdings die Verbreitung medizinischer Werke in den Kreisen der Beoöl- lerung als ein Krebsschaden entgegen. Man ftndet heute in den Wohnungen vieler kleiner Leute Bücher wie „Bilz, Itaturheilverfahren", „Platen, die neue Heilmethode" und «ndere. Diese Bücher haben schon an und für sich einen Höchst relativen Wert; chre Verfasser, blutige Laien von chause aus, haben von dem Bau des menschlichen Körpers ßckber nur mangelhafte Kenntnis, die Laienleser aber gewinnen dadurch die verkehrtesten Anschauungen, sodaß die Bücher «her Schaden als stützen anrichten. Einen besonders erheblichen Nachteil aber bringen sie allen leicht empfänglichen, subjektiv empfindenden Personen, namentlich Kindern und grauen, die bei der Lektüre von Krankheitsbüchcrn nur zu Leicht zu der Wahnvorstellung gelangen, von allen möglichen wnb unmöglichen Krankheiten besessen zu sein. Wir warnen daher aufs nachdrücklichste davor, derartige Bücher in Hände gelangen zu lasten, für die sie nicht passen. * * In Amerika verstorbene Hessen. Zu Newark, £)l. I., am 27. Juni Dr. Fritz Thum. Zu Hazleton, Pa^ im Alter von 49 Jahren Frau Joh. Führer. Zu Illl, Frau Clara Schmidt, geb. Kraft, 60 Jahre alt. Za Olivia, Minn., Frau Maria Elisabetha Mühlhaus geb. Kümmmel. Zu Preble Co., Ohio. Herr Georg Schaid. Zu Quincy, Jll., Herr Joh. Jacob Maz. Zu Brighton, Jll., am 1. Juni die Wittwe Cath. Margarethe Paul. Zu Milwaukee FrauFriedericke Lohn, geb. Jahnke. Im hohen Alter von 96 Jahren in Monroe, Wis., Herr Johann Krauel, geb. in Bermuthshain, Hessen. Plötzlich in Hilda, Tex., der am 8. Oktober 1857 zu Lauterbach im Hessischen geb. Herr Jo- h.ann Müller. Zu Bridgeport, £)nt, Herr Adam tzuff. § Groß-Gichen, 30. Juli. Wir berichteten kürzlich b'M dem Fange eines Fischotters in dem hiesigen, samst recht fischreichen Backe. Gestern ward derselbe Fisch- Pachter von gleichem Glücke begünstigt. Wieder hing ein kapitaler Fischotter von einem Gewichte von 19 P stuck iei der Falle. Am Fischreichtume des Baches wird man ivohl bald den Abgang dieses Paares der allergefährlichsten ' Kschräuber merken. Würde man an anderen Flußläufen mit gleichem Eifer den Fischottern zu Leibe gehen, der Zischbestand wird bald ein anderer werden. § § Nieder-Ohmen, 30. Juli. Wegen dringenden Verdachtes eines Meineides gelegentlich einer Schlägerei- Mffaire wurde ein hiesiger Einwohner in die Untersuchungshaft abgeführt. Mainz, 30. Juki. Der Leutnant Vogt, der wegen Zweikampfes mit dem Oberleutnant Richter im 88. Infanterie-Regiment zu zweijähriger Festungshaft verurtellt und jcezt nach Verbüßung der Hälfte der Strafe begnadigt worden ist, gehört nicht mehr dem hiesigen 13. Husarenregiment an, > .jrt vielmehr nach Ausweis der Rangliste mit schlichtem Abschied entlassen worden. Von seiner Versetzung in ein anderes Regiment kann also keine Rede sein. Auch sein Gegner, Oderleutnant Richter, dessen Gattin Veranlassung zu dem sOaell gewesen sein soll, gehört der Armee nicht mehr an; ec wurde im Juli v. I. in das 96. Infanterieregiment ver- I je 5t und im November auf seinen Antrag mit Pension ver- aLschiedet. Kastel, 29. Juli. Der in St. Louis (Amerika) wohnende Nwßbrauereibesitzer Adolphus Busch, Bruder des hiesigen Weinhändlers und Grundbesitzers Anton Busch, hat wiederum l'eme Anhänglichkeit an Kastel bewiesen, indem er durch feine ö::au Lilly den hiesigen Oberlehrern 500 Mk. für bedürftige K nder ohne Unterschied der Konsession überweisen ließ. Diese Smime soll alljährlich für den gleichen Zweck zur Verfügung Mellt werden. Frankfurt a. M., 30. Juli. Der Oberpräsident o. Zedlitz und der Regierungspräsident Dr. Wentzel weilten zetern in unserer Stadt, um, wie es heißt, das Nähere wegen bevorstehenden Besuches des Kaisers mit den hiesigen L.chörden zu besprechen. • • Kleine Mitteilungen aus Hessen und den r ch b a r st a a t e n. In Mainz ist Emil Koch im Lebensjahre gestorben. Koch war eine Stütze der „Narr- icclla", mehrere Jahre chr Sekretär und später chr Prä- :|itent — Durch den Bruch eines Dammes auf der Ingelheimer Aue stürzte die Lotouiotive eines Materialzuges in ÄS Set. Wem diitL vorn Ruft 19oo bleckens. ^ske eitL HalZvex, ,,^^cner • W in, ,n öUiammen» * des ver- i Dit Sicher- vsÄeionLere • >prech«idvl jJ9' 3. Dey ^des bieten nehmen, baß ' daß lediglich ch königlichen in Tanzig er« aüet worden. : 1- Ter Tod • 2, Tie An- Winters vor- ’ ausgefihrk snhrte, ent* mbiting. 3. Ü> der ersten sMhlzeit 4 Mnseite der ; Dinker kurz - ausznführen itation für das ordertes Lber- attet und sich Sinter i[t Er- äeise, die not* . Ter an dem )ige Blutleere :inlid)teit nicht Tode erfvlK. feststehend on- yeiten, sondern ttefbar nachher )es Medizinal- p. Winter vor- beigetreten. od des Winkel e Schnitte, ins- m Tode ans- •pauptun^ lubenä ben atsächl.^ L Juli 1902. Minisieriuvl; nthält ein » nb die Ackgabt iamenie. iriog hat d« isi-l i“ * Horn « Trog-» fc m i- s. H"" l jür Tr-u- i emgiing " in Mi-ld. d-> ’ ben Pi°°°° d°" rt. Gnauth. hat am 30.3^ !tn eine ) an oer Ln- mann’h rcn' M enE AH uiiD eine l-ürdigunöt, .im ÄTeft daß M *. W. a dein .L> den Floßhafen. Das Personal der Maschine konnte sich durch Abspringen retten. Uermischtrs. * Aus dem Odenwalde, 30. Juli. Sie beißen auf Granit, hat unser Reichskanzler gesagt, als die Engländer an dem deutschen Heer mäkelten, und ein Landmann im Odenwalds hat das Wort zur That gemacht. Er hat die Herren Engländer im wahren Sinne des Wortes auf Granit beißen lasten. Das Erträgnis der Heidelbeerernte aus dem Mümmlingthale und den anstoßenden Seitenthälern wurde nämlich durch Vermittelung von Haupt- und Unteragenten vorzugsweise nach London versandt. Die Beerenfrucht wurde in Körbchen von gleicher Größe und annähernd gleichem Gewicht verpackt, nach Hamburg verschickt und dann auf dem Wasserwege nach England verfrachtet. In London mm machte man die überraschende Entdeckung, daß sich in einer stattlichen Anzahl von Körben unter den Heidelbeeren auch viele Steine verschiedener Größe befanden, die eine beträchtliche Gewichtszunahme sichern sollten. Der Thäter ist ein Bäuerlein aus einem Dörfchen bei Höchst im Odenwalde. Er hatte den Engländern Odenwälder Granitsteine anstatt Heidelbeeren und sich dieselben nach dem Gewicht theuer bezahlen lassen. Die Londoner dürften den Unredlichen demnächst belehren, daß man auch in England Steine von Heidelbeeren sehr wohl zu unterscheiden weiß. Aber immerhin — der Reichskanzler hatte Recht: sie beißen auf Granit! * Hannover, 30. Juli, lieber die Stadt ging heute ein heftiges Gewitter nieder. Während desselben wurde beim Exerzieren ein Soldat des 73. Infanterie-Regiments durch einen Blitzschlag getötet. * Elbing, 30. Juli. Wie die „E. 3.* meldet, kenterte am Montag Abend auf dem Blachsee bei Gerswalde (Kreis Mohrungen) ein Boot mit 4 Insassen. Ein junger Mann und zwei junge Mädchen ertranken, ein drittes junges Mädchen konnte sich retten. Die Leichen sind bisher nicht gefunden worden. * Paris, 30. Juli. Chabanaix, der Mörder des Dr. Orden st ein, richtet aus der Untersuchungshaft an seinen in der Nähe von Limoges wohnenden Vater einen Brief, worin er ihm rät, nicht zu glauben, was die Blätter über die Gründe seines Verbrechens erzählen, und versichert, diese seien nur ihm und seinem Anwälte bekannt. Der Gefangene bittet den Vater um etwas Geld. Die Untersuchung scheint zu stocken; es heißt, es werden jetzt in der Provinz Nachforschungen gehalten, die Aufklärung schaffen sollten. Daß der Mörder und sein Opfer einander nicht kannten, gilt jetzt für ganz unwahrscheinlich. * Paris, 30. Juli. Wie der „Temps" meldet, ist in dem berühmten Wallfahrtsorte Lourdes eine große Feuersbrunst ausgebrochen, wobei mehrere Menschen umgekommen sein sollen. Einzelheiten fehlen noch. * Innsbruck, 30. Juli. Am Sonntag ist Dr. Ex ner aus Berlin auf dem Wege von der Rudolfshütte nach Kals abgestürzt und verschied bald darauf. * Kairo, 30. Juli. In Kairo wurden 41 neue Cholera-Erkrankungsfälle und 35 Todesfälle festgestellt, in Mucha 21 neue Cholera-Erkrankungsfälle und 14 Todesfälle. * Zu dem rätselhaften Todesfälle in der Irrenanstalt Herzberge bei Berlin, über den wir bereits berichtet haben, wird gemeldet, daß nunmehr die Witwe des in der Anstalt verstorbenen Kohlenhändlers Gustav Ackermann den Vorfall bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht und eine Exhumierung und ärztliche Untersuchung der Leiche beantragt hat. Der Erste Staatsanwalt hat die sofortige Untersuchung eingeleitet. Von Seiten des Kuratoriums für das städtische Jrrenwesen ist eine Untersuchung angeordnet und von der Direktion der Irrenanstalt Bericht eingefordert worden. * Ein Leipzig er Student als Einbrecher. Nachdem in der letzten Woche in Leipzig Keller- und Laden- einbrüche in auffällig großer Anzahl zur Anzeige gelangt waren, wurde jetzt endlich der Thäter auf frischer That ertappt und nach einem mißglückten Fluchtversuch festgenommen. Er entpuppte sich als der 28jähr. Student der nordischen Sprachen Johann Philipp Wilhelm H^ gebürtig aus Hannover. Bis jetzt sind ihm bereits 20 Einbruchsdiebstähle nachgewiesen worden. H. hat regelmäßig mit Stemmeisen und Nachschlüssel „gearbeitet", von denen sich in seiner Wohnung eine sehr stattliche Zahl vorfand. Auch sonstiges Einbruchswerkzeug hatte er zur Hand. Aus den Kellern, Ge- schäftsläden und Wohnungen, die er erbrach, nahm er alles mit, was ihm in die Hände fiel, Geld, Schmuck und andere Wertsachen, Uhren, Kleidungsstücke, Genußmittel, besonders Spirituosen. Der diebische Student wurde zur weiteren strafrechtlichen Verfolgung an die Staatsanwaltschaft zu Leipzig abgeliefert * lieber den drahtlich schon gemeldeten Absturz von der Zugspitze wird aus Partenkirchen geschrieben: 30 Meter unterhalb des westlichen Gipfels der Zugspitze, auf der Höllenthalseite, wurde am Samstag Abend die Leiche eines verunglückten Touristen gefunden. Da sich bei derselben zwei Eispickel befanden, vermutete man sofort, daß noch eine Person hier abgestürzt sein mußte. Leider bestätigte sich diese Vermutung, denn am Sonntag Vormittag fanden Bergführer etwa 100 Meter unterhalb des ersten Fundortes die Leiche eines Touristen. Hilferufe wurden nicht vernommen. Der Tod dürfte, nach der Lage der Leiche zu schließen, auch sofort eingetreten sein. Heber den Vorgang des Unglücks kann man nur Vermutungen anstellen. Die beiden Verunglückten sind der Reallehrer Kreutzer und der Nealschulaffistent Pöllein aus Regensburg. Das Unglück ist schon am 20. Juli passiert, an welchem Tage sich die beiden Herren in der Höllenthalhütte ins Fremdenbuch eingeschrieben haben. Die Leichen wurden nach Partenkirchen verbracht. Kreutzer wurde mit einer Wunde an der Schläfe todt aufgefunden. Ob diese oder der angebliche Schlaganfall die Todesursache war, wird erst die Leichenschau ergeben. Die Leiche des Assistenten Pöllein, die bereits reichlich mit Geröll bedeckt war, wies zahlreiche äußere Verletzungen auf und es ist des letzteren Tod anscheinend unmittelbar nach dem Sturz erfolgt, was für die Angehörigen immerhin ein gewisser Trost sein dürfte. Pöllein hat nach der ärztlichen Leichenschau außer Zerschmetterung der beiden Achseln einen' Schädelbruch erlitten. Der 100 Meter oberhalb gefundene Kreutzer wies außer der Schädelwunde am Kopfe noch Haut» abschürfungen auf, die darauf schließen lassen, daß er infolge einer beim Absturz erlittenen Gehirnerschütterung bewußtlos liegen blieb und ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, verschied. Außer den Verletzungen am Kopfe wies der Verunglückte keinerlei roeitere äußere Verletzungen und keinerlei Bruch auf. * Zigarrenabschnitte und Wirtschaftliche Lage. Die „Tägl. Rdsch»." erzählt: Einen Gradmesser für die wirtschaftliche Lage bilden, wie sich, während des letztem Rückganges deutlich zeigt, auch die Zigarrenabschnitte, die von Vereinen und Privatpersonen zu wohllhätigen Zweckew «gesammelt zu werden pflegen. Diese Spitzen müssen, bevor sie ihre eigenUiche Bestimmung erreichen, in bareA Geld umgefetzt werden. Tie Hauptabnehmer der Vereine und Privatsammler sind die Zigarrenhändler, die die Spitzen wieder an ihre minder gut gestellte Kundschaft: absetzen. Rauch,er, die nicht viel antegen können, mischen sich aus den Spitzen, die durchweg einen guten Tabak ent» halten, und einer geringen und billigen geschnittenen Ware: einen viel schmackhafteren Rauchtabak zurecht, als sie ohne- diesen Zusatz kaufen könnten, iliun zeigte sich aber während des letzten wirtschaftlichen Aufschwunges — und früher wird es nicht anders gewesen sein —, daß die Abnehmer mit der Steigerung des Wohlstandes und der allgemeinen Lebenshaltung von ihrer Mischung doch nach und nach, einer besseren, reinen Sorte übergingen, die sie sich früher nicht „leisten" konnten. Die Zigarrenhändler wußten bald, nicht mehr, wie sie die gesammetten Spitzen loswerden sollten; fast niemand wollte sie mehr haben. Dem wirb* schaftlichen Rückschritt folgte aber nach kurzer Zett der Um» jchwung auch aus diesem Gebiete, das, so geringfügig eH auch in dem gesamten wirtschaftlichen Betriebe erscheinen mag, als Gradmesser doch bemerkenswert ist Die Nachfrage ist jetzt so groß, daß sie das Angebot wett übersteigt. Berliner Zigarrenhändler haben sich bereits an auswärtige Sammelstellen gewandt, aber auch dort ist nichts zu haben Sie können gar nicht soviel heranschaffeu, wie verlangt wird. * Der kleine Philosoph. Der Lehrer der Aich« nahmeklasse einer Berliner Gemeindeschule hat versucht, die lleinen Abcschützen in die ersten Geheimnisse der Religion einzuführen Zu „Gott dem Vater, dem Schöpfer aller, Tinge" hat sich« der kindliche Geist ahnungsvoll erhoben. Tie neu erstandene Frühlingsnatur predigt es ja jung mrd all: „Gott lebt!" — „Wo ist denn nun Gott?" fragt der Lehrer die Kleinen — ,/Jm Himmel", antwortet ein Knabe, und andere sind derselben Ansicht. — „Nun, Georg, was willst Du sagen?" Der kleine Georg, ein bildhübscher Knabe mit großen, braunen Augen und schwarzem Haar, der sich überdies schon als ein hervorragender Maler entpuppt hat- sieht den Lehrer klug und treuherzig an und antwortete ,Hn mein'n Kopf, Herr Lehrer!" — „In Deinem Kopf?" fragt der Lehrer verwundert — „9ia ja", fährt Georg selbstbewußt fort, indem er mit seinen Künstler fingern auf die Sttrne tippt „mit mein'n Kops denke ich es mir doch!" Eisenbahn-Zeitung. Herborn, 27. Juli, Am 1. August d. I. wird die< Neubausttecke Herborn — Hartenrod, eine Nebenbahn mit Normalspur, eröffnet. Folgende Stationen liegen an der neuen Linie: Oberndorf, Eisemroth, Uebernthat Bffchoffen, Offenbach a. d. Dill, Bicken, Ballersbach, Herborn-Seelbach und Burg a. d. Dill. Die Gesamtstrecke untersteht der Esten-- bahndirektion Frankfurt a. M. ** Eine interessante Streitfrage, die durch die Einführung der 45 tägigen Rückfahrkarten besondere« Bedeutung erlangt hat, ist vor einiger Zett von der Bahn-« behörde entschieden worden. Es handelt sich um die Frage,! ob für ein Kind, das zwar vor Antritt der Fahrt noch nicht zehn Jah^re all war, dieses Aller aber erreich, ehe diel Rückfahrt begonnen worden ist, das Fahrgeld für Kinder! ober für Erwachsene entrichtet werden muß. In dem vor- llegenden Falle war dem Vater des betreffenden Kindes! von der Heimatstation ein Kinderbillet verabfolgt worden. Auf der Rückfahrt — das Kind war inzwischen zechu ^rhre^ alt geworden — ergaben sich Schwierigkeiten, und der Vater des Kindes wurde zur Nachzahlung veranlaßt Auf eine später an die Eisenbahndirellion gerichtete Reklamation, die auch dem Ministerium vorgelegen hat, wurde; ihm das nchchverlangte Geld zurückerstattet mit dem Bemerken, daß für die Beurtettung des Allers der Tag^ des Fakrtanttitts in Betracht lomnre. An dieser Bestimmung oer Verkehrsordnung sei bei Einführung der Rückfahrkarten mit 45 tägiger Dauer nichts geändert wordem Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Juli Barometer aus 0° reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 30. 2“ 751,0 20,8 9,5 52 WNW. 2 Sonnenschein 30. 9Ä 750,4 16,2 10,3 75 NNE. 1 Bew, Himmel 31. 735 748,9 14,6 11,4 92 SW. 1 • ■ Hoc ifte Te nperah rr am 29. t is 30. Juli 21 ,1° C. Niedrigste tt 1) 29. 30. „ 11 ,3°C. MöchkvUilhe Werstcht Lrr Todesfälle m der Stadt Sießes. 29. Woche. Vom 13. bis 19. Juli 1902. (Einwohnerzahl: angenommen zu 26 400 finkt 1600 Mann Militär) iLterblichkeitsziffer: 22,08, nach Abzug von 6 Ortsfremden 10,04 %o. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im Lebensjahr: vom 2.-15, Jahr 1. Lungenschwindsucht 1 1 — Dchlheritis KD — 1 (1) Krebs 1 (1) 1 (1) _ Rückenmarkleiden 1 1 — _ Bauchsellentzünbung 1 1 — Nierenentzündung 1(1) 1(1) — — Blutarmut 1 1 —— Bronchitis 1 — 1 — Blutvergiftung Kl) — — 1(1) Lebensschwäche 1(1) — 1(1) Verunglückung KD 1(1) — Summa: 11(6) 6(3) 4(2) 1 (1) Anm.: Die in Klammen: gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffeirden Ürantheit auf von auswärts nach (Bienen aebcadite Kranke kouunerr. Verdingung. Die zur Herstellung einer Abortanlage, einer gepflasterten Zufahrt zum Kohlenschuppen und eines Geländers am Untergraben des städtischen Elektrizitätswerkes erforderlichen Erd- und Maurer-. Zimmer-, Schreiner-, Schlosser-, Weißbinder- u. Pftasterarbeiten sollen Mittwoch len 6. Ang. d.I., vormittag 11 Uhr, öffentlich verdungen werden. Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Dienststunden auf unserem Bureau, Zimmer Nr. 2(Schreib- stube) zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Termm bei uns einzureichen. — Zuschlagsfrist 2 Wochen. Gießen, den 30. Juli 1902. Das Stadtbauamt. Schmandt. 5495 Arbeitsvergebung Dienstag den 5. August, nachmittags 3 Uhr, sollen in der Gemeinde Alten- Buseck nachstehende Arbeiten in Accord gegeben werden: veranschlagt zu Dachdeckerarbeiten 163.70 Schlosserarbeiten 10.— „ Schreinerarbeiten 83.— , Glaserarbeiten 3.60 „ Weißbinderarbeiten 5.98 „ Gießen, den 31. Juli 1902. Senßfelder, 5494 Kreisstraßenmeister. Nesbaustrecke Grebenhain-Sedera. Die Ausführung der Rodungs-, Erd- und Weaebesestigungsar- beiten, der Kunstbauten, der Oberbaupacklage und Oberbauarbeiten, sonne die Lieferung des erforderlichen Kleinschlages sollen vergeben werden. Die Arbeüen umfassen: Los I: 200000 cbm Bodenbewegung, 2600 cbm Mauerweck, 19000 qm Wegebefestigung und 11 km Oberbau; Los II: 130000 cbm Bodenbewegung, 3100 cbm Mauerweck, 13 800 qm Wegebefestigung und 13,6 km Oberbau. Angebote sind unter Benutzung des vorgeschriebenen Formulars pocko- und bestellgeldfrei und versiegelt mit der Aufschrift: „Verdingung der Arbeiten zur Herstellung der Neubaustrecke Grebenhain—Gedern Los I (oder Los II)" versehen bis zum 20. August 1902, vormittags 11 Uhr, an das technische Bureau Königlicher Eisen- babndirektion Frankfurt a. M., Heoderichstraße 67/69, einzusenden. Angebotsformulare sind gegen porto- und beslellgeldfreie Einsendung von 4 Mk. (nicht in Bckefmacken) für jebe§ Los von der Kanzlei Königlicher Eisenbahndirektion zu beziehen. Zeich- mulgen, Alassenverzeichnis und Masienverteilung fönnen während der Dienststunden auf unserem technischen Bureau eingesehen werden. 5491 Frankfurt a. M., 29. 1902. Königliche Eisenbahndlrektion. M Emmenthaler Edamer l're. üifiik so lange Vorrat, zu Vedeulcuvermätzigte» Preisen bei ai0 Carl üetter Schulftraße Ecke der Sonnenstr. Kaiser iS Camembert Frühstücks |8j empfiehlt Ö436 Emil Fsschbach Fluß- und Seefische J< M. 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